Hr.ZO Erster Blatt Donnerstag, 2. April 1936 186. Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Erich«,m täglich, -lltzer M Ä Annahme von Anzeigen Sonntags unb F-'-rt-g« M für di- MMag-nummer Ä'r1 FamMeLt« Ä ▲ Ä KA A AA A AÄ I « ▲ AA Afet A 41 bis8-,,U6rb«s«orm.1,ag3 Heimat im Bild - Die Scholle ■ M M DI MV HH [M KB W Iw fl W Grundpreise für 1mm hohe Monatr-Vezugspreir: B W M ■ M ■ B W H B B B B B WjF B für Anzeigen von 22 mm Mit 4 Beilagen RM. 1.95 ■■ II Bf WvB Bf B B Bf B F III III Bf B Breite 7 Rpf. für Text' Ohne Illustrierte . 1.80 ■ W B W B Bk W W Bk fl JB B B BI wk B W B Bk B anzeigen von 70 mm Brette Zustellgebühr .. , W B B B B^l B W* > W 50 Rpf.,Platzvorschrift nach Auch bei Nichterscheinen ■ B ■ ^F ^V B B ^F oorh.Dereinbg.25^ mehr. ?„7oÄnr«^Ua KF V -rmätz'g.- ®runbpteif«: ===== Generalanzeiger für Gberhesjen MZ Postscheckkonto: behördliche Anzeigen 6Rpf. Zrankfurt am Main 1168« vruck uttb Verlag: vrühl'sche Univerfitäts Such- und Zteindruckerei R. Lange in Giehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Zchulstrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel 8 Der neue Kriedensplan des Führers. Deutschlands Beitrag zu einer Neuordnung des europäischen Friedens. — Oie Antwort der Neichsreo*'erung auf die Vorschläge der Locarnomächte. Das Tor zu einer neuen Wett. Ebenso wie die Tat des Führers vom 7. März am Ende einer Entwicklung steht, die in Versailles begann und die Europa in eine 15jährige Unordnung, in einen ungleichen Kampf zwischen Siegern und Besiegten, in einen gefährlichen Krankheitszustand führte, der alle erfaßte — so ist der deutsche Friedensplan, den Adolf Hitler den europäischen Nationen verkündete, berufen, einer neuen Epoche der europäischen Geschichte die Richtung zu geben und am Anfang einer Politik der Vernunft und staatsmännischen Verantwortung zu stehen. Erst Adolf Hitler hat nach einer unfruchtbaren Periode europäischer Politik, in der nicht die Vernunft, sondern die Gefühle des Hasses regierten, mit seinen großen Ideen die europäische Debatte auf das Kernproblem. gelenkt: Auf das Problem, ein neues Ethos der europäischen Völkergemeinschaft zu begründen. Der große deutsche Friedensplan ist das Manifest dieses Ethos, das die Grundlage aller diplomatischen Schritte sein muß, wenn sie tatsächlich den Nationen Frieden und der Welt Beruhigung bringen sollen. Ueberwindet die Zwietracht — so werdet ihr den Frieden ernten — diese Mahnung hat Adolf Hitler einst lange Jahre hindurch an das deutsche Volk gerichtet, jetzt richtet er sie, gestützt auf das feierliche Mandat der deutschen Nation, an Europa. Und ebenso wie er einst an den Willen des deutschen Volkes appellierte und in diesem Willen zum Wiederaufstieg die erste Voraussetzung der Erhebung erblickte, so ruft er heute wieder den Willen der europäischen Staatsmänner zu einer Lösung, die in ihrer offenen Logik der Stimme der Vernunft Ausdruck gibt. Wir fragen: Wo in Europa wird es Völker geben, die nicht von dem tiefen inneren Sinn der großen Vorschläge überzeugt werden, die Adols Hitler im einzelnen gemacht hat? Welches Volk wird sich nicht in einer Volksabstimmung genau so einstimmig zu einem 25jährigen europäischen Frieqensvertrag bekennen, wie das deutsche die Vorschläge seines Führers zu seinen eigenen gemacht hat? Alles Große ist zugleich einfach. Die Karten der deutschen Friedenspolitik liegen offen vor allen Völkern. Jeder fühlt aus den Gedanken der deutschen Vorschläge, daß sie nicht aus Kompromissen ausgeklügelt, sondern mit dem klaren Verstand eines Mannes ausgezeichnet wurden, der, aus dem Volke kommend, erwählter Führer eines Volkes wurde und so in dem Willen der Völker den einziaen großen Faktor jeder politischen Gestaltung sieht. Deutschland und Frankreich waren sich seit tausend Jahren niemals näher, als jetzt in diesen Tagen, in denen der Weg aufgezeigt wurde, auf dem sie gemeinsam die Probleme der Zeit zu meistern vermögen. Und wird das Kriegsbeil zwischen diesen beiden Nationen einmal ehrlich begraben, dann — das wissen wir aus der Geschichte Europas — ist wirklich allen europäischen Völkern das Tor zu einer neuen Welt geöffnet worden. Der deutsche Friedensvlan. Berlin, 1. April. (DNB.) Der Friedensplan der deutschen Regierung, den Botschafter v. Ribbentrop am Mittwoch der britischen Regierung übergeben hat, hat folgenden Wortlaut: Mit aufrichtiger Zustimmung hat die deutsche Regierung von dem Botschafter von Ribbentrop erfahren, daß es der Wunsch der britischen Regierung und des britischen Volkes ist, baldmöglichst mit den praktischen Arbeiten für eine wahre Befriedung Europas zu beginnen. Dieser Wunsch deckt sich mit den innersten Absichten und Hoffnungen des deutschen Volkes und seiner Führung. Es erfüllt daher die deutsche Regierung mit um so größerem Bedauern, daß sie nicht in d e r L o g e ist, in den ihr am 20. März übergebenen Entwurf der Vertreter der Locarno-Mächte eine taugliche und fruchtbare Grundlage für die Einleitung und Durchführung einer solchen wahrhaften Friedensarbeit erkennen zu können. Es f e h l t diesem Entwurf m den Augen des deutschen Volkes und in den Augen seiner Regierung jener G^istdes De r ft a n d- nisses für die Gesetze der Ehre und Gleichberechtigung, die im Leben der Volker zu allen Zeiten die erste Voraussetzung für die Abmachung freier und damit geheiligter Verträge bilden. Die deutsche Regierung glaubt " dem heiligen Ernst der in Frage stehenden Aufgabe schuldig zu sein, sich in der Feststellung der negativen Sette des ihr übergebenen Memorandums auf das Auer, notwendigste'zu beschränken. Sie will aber dafür versuchen, durch eine Erweiterung und Klärung ihrer am 7. März ausgesprochenen Vorschläge von ihrer Seite aus.den Beginn einer konkreten Arbeit der europäischen Friedenssicherung zu erleichtern. Zum Verständnis ihre Ablehnung der einzelnen diskriminierenden Punkte sowie zur Begründung ihrer konstruktiven Vorschläge muß die deutsche Regierung folgendes grundsätzlich erklären: DasGeneralmandat des29.Mrz Verständigung gleichberechtigter Nationen. Die deutsche Regierung hat soeben vom deutschen Volk unter anderem ein feierliches Generalmandat erhalten zur Vertretung des Reiches und der deutschen Nation nach zwei Richtungen: 1. Das deutsche Volk ist entschlossen, unter allen Umständen seine Freiheit, seine Selbständigkeit und damit seine Gleichberechtigung zu wahren. Es sieht in der Vertretung dieser natürlichen internationalen Grundsätze des staatlichen Lebens ein Gebot der nationalen Ehre und eine Voraussetzung für jede praktische Zusammenarbeit der Völker, von der es unter keinen Umständen mehr abgehen wird. 2. Das deutsche Volk wünscht aus aufrichtigstem Herzen mit allen seinen Kräften mitzuhelfen am großen werk einer allgemeinen Versöhnung und Verständigung der europäischen Nationen zum Zweck der Sicherung des für diesen Kontinent, seine Kultur und seine Wohlfahrt so notwendigen Friedens. Dies sind die Wünsche des deutschen Volkes und damit die Verpflichtung der deutschen Regierung. Die deutsche Regierung möchte weiter in Anlehnung an ihre in der vorläufigen Note vom 24. März 1936 schon mitgeteilte grundsätzliche Einstellung noch endes bemerken: . Deutschland hat im Jahre 1918 den Waffenstillstand abgeschlossen auf Grund der 14 Punkte Wilsons. Diese sahen keinerlei Einschränkung der deutschen Souveränität im Rheinland vor. Im Gegenteil: Der hauptsächlichste Grundgedanke dieser Punkte war, durch eine neue Völkerordnung einen besseren und dauerhaften Frieden aufzubauen. Er sollte in weitestem Umfange dem S e l b st b e st i m - mungsrecht gerecht werden, und zwar ohne Rücksicht auf Sieger oder Besiegte! B. Der königlich britische Außenminister hat in seiner Rede vom 26. März über die entmilitarisierte Zone mitgeteilt, daß diese letzten Endes nur a l s Ablösung für eine eigentlich von Frankreich im Jahre 1918 angestrebte Lostrennung des Rheinlandes von Deutschland errichtet wurde. Aus dieser Feststellung ergibt sich, daß die demilitarisierte Zone selbst nur als Folge der voraus- aegangenen Verletzung einer auch die Alliierten bindenden Verpflichtungen entstanden ist. C. Die Demilitarisierungsbestimmungen des Versailler Vertrages basieren demnach selbst auf der Verletzung einer Deutschland gegebenen Zusicherung und besaßen als einziges rechtliches Argument nur d i e Gewalt. Sie sind vom Versailler Vertrag in den Locarnopakt übernommen worden nach einer neuerlichen Rechtsverletzung, nämlich der Besetzung des Ruhrgebietes, die selbst von englischen Kronjuristen als Rechtsbruch bezeichnet worden ist. D. Der sogenannte „freiwillige Verzicht" auf die Souveränität Deutschlands in diesen westlichen Provinzen des Reiches ist mithin eine Folge des Versailler Diktats und einer Kette von sich hier anschließenden schwersten Bedrückungen des deutschen Volks, wobei hingewiesen werden muß auf die furchtbare Not und Zwangslage des Reiches infolge der Rheinbesetzung. Wenn daStarker Eindruck in London. Hitlers konstruktive Vorschläge von der englischen presse als großzügig und aufrichtig anerkannt. London, 2. April. (DNB.-Funkspruch.) Sämtliche Morgenblätter veröffentlichen den Friedensplan der deutschen Regierung in größter Aufmachung und bringen Erläuterungen und Zusammenfassungen der deutschen Denkschrift. Dabei tritt der außerordentlich starke Eindruck, den die Vorschläge des Führers gemacht haben, deutlich hervor. Je nach der Richtung des Blattes werden die Vorschläge für die Uebergangszeit oder der große Friedensplan des Führers in den Vordergrund gestellt. In der Stellungnahme der Blätter kommt ein ausgesprochen freundlicher und versöhnlicher Ton zum Ausdruck. Kritik und Zustimmung zu einzelnen Teilen der deutschen Antwort halten sich die Waage. Die „Times" hebt hervor, daß nur wenige englische Leser sich weigern würden, anzuerkennen, daß das deutsche Schriftstück als F r i e d e n s p l a n bezeichnet werden könne. Die Form, in der Hitler seine Vorschläge erneuert und erweitert habe, werde den allgemeinen Glauben an die Aufrichtigkeit Hitlers stärken. Niemals zuvor sei Europa eine Gelegenheit von diesem Ausmaß angeboten worden, den nächsten Krieg durch ein Uebereinkommen zu verhindern. Allerdings könne der Bruch des Locarno-Vertrages nicht einfach ignoriert werden. Innerhalb der Sicherheit dürfe es keine Diskriminierung Deutschlands geben, kein Abweichen vom vollen Rechtszustand der Gleichheit. Alle Engländer nähmen Hitlers Versicherung als aufrichtig an, daß Deutschland nicht die Absicht habe, Frankreich und Belgien jemals wieder anzugreifen. Hitlers konstruktive Vorschläge seien von einer großzügigen Auffassung getragen. Der Vorschlag einer internationalen Kommission ersetze und verbessere den toten Gedanken der Einquartierung einer fremden Streitmacht im Rheinland. N i ch t s in seinen weitreichenden Friedensoorschlägen sei undurchführbar. Nichts in der Antwort Hitlers versperre Verhandlungen. Alles in seinem Plan lade dazu em. Der „Daily Telegraph" schreibt u. a., die deutschen Vorschläge böten ein weites Feld für weitere Verhandlungen Sie würden von der drückenden Sorge eines Krieges in diesem Menschenalter befreien. Zwar lehne die deutsche Regierung die Sicherungsoorschläge der Locarno- Mächte für eine Zwischenperiode ab. Sie fetze jedoch etwas wertvolles an ihre Stelle in der Form eines Stillhalteabkommens über die Streitkräfte an den Grenzen, das von einer internationalen Kommission garantiert wurde. Hitlers weitreichende Pläne würden die grundfätz- liche Zustimmung ganz Westeuropas erhalten, jedoch könne man zu ihnen nur gelangen, wenn das Vertrauen wieder her- q e st e l l t werde. Nichts stimme mit den britischen Vorstellungen mehr überein, als Hitlers Abrüst u n g s p l ä n e unb die Vorschläge für die Vermenschlichung des K r i e g e s. Im „News Chronicle" (liberal) wird darauf hingewiefen, daß die Antwort Hitlers Vorschläge enthalte, die im Falle ihrer Verwirklichung sehr weitgehend zur europäischen Sicherheit beitragen wurden. Das gelte besonders für den Vorschlag der Rüstungsbegrenzung, die der Kernpunkt jeder wichtigen Regelung sei. Die Tatsache, daß Deutschland zusammen mit seinem Wiedereintritt in den Völkerbund sich bereit erkläre, Verhandlungen zu diesem Zwecke aufzunehmen, fei unbestreitbar von erstklassiger Bedeutung. Hitler habe eine kategorische Antwort von ungeheurem Ausmaß und voraussichtlich ungeheurem Wert erteilt. „Daily Herold" (Arbeiterpartei) schreibt, der erste Eindruck der deutschen Antwort sei der überwältigender Erleichterung, weil sie die Tür o f f e n l a s s e. Das sei im Augenblick das Allerwichtigste. Jedermann wünsche einen neuen Beginn zu machen. Das lebenswichtigste Bedürfnis bestehe darin, daß es gelinge, zu einem Punkte zu gelangen, von dem aus der neue Anfang gemacht werden könne. Man könne nur sagen, daß Europa durch seine eigene Dummheit zum Untergang verurteilt werde, wenn es ihm nicht gelinge, aus dieser Gelegenheit etwas zu machen. Ueberoll in der Welt und nicht zum mindesten in Frankreich sehe das Volk ohne Bedauern, daß die Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten des Versailler Vertrages verschwänden. Es wünsche, daß ein neuer Anfang gemacht werde. Die „Daily Mai l" Lord Rothermeres schreibt, dab dos britische Volk die Schwieriakeiten Frankreichs verstehe. Es fei jedoch wünschenswert, daß Frankreich in seinem eigenen Interesse d i e Vorschläge Hitlers sorgfältig er w ä g e. Sie seien versöhnlich im Ton. Wenn sie die Hoffnungen verwirklichen würden, würden sie den europäischen Frieden auf einer sicheren Grundlage errichten. Der Führer sei von Eden aufgefordert worden, einen konstruktiven Beitrag zu leisten. Er könne behaupten, daß er das in seiner Antwort getan habe. Der „Daily M i r r o r" (Rothermere-Konzern) erklärt, es könne nicht bestritten werden, daß Hitlers Vorschläge beträchtliche Hoffnungen für die Befriedung Europas geben. Die Vorschläge seien versöhnlich und logisch. Paris prüft die deuffchen BorWaae. Paris, 2. April. (DNB. Funkspr.) Der fron- zösische Ministerpräsident wird am heutigen Donnerstag mit Außenminister F l a n d i n zusammentreffen, um gemeinsam den Wortlaut der deutschen Vorschläge zu prüfen. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß die französischen Minister am Freitag oder Samstag zu einem Minister- r a t zusammentreten, um sich über die deutsche Note auszusprechen. Der „Jour" glaubt zu wissen, daß die Regierung unter Berufung auf die kommenden französischen Wahlen vorläufig von einer Stellungnahme abfehen werbe. her von feiten der britischen Regierung heute erklärt wirb, daß man wohl von einem Diktat von Versailles gesprochen habe, aber doch niemals von einem Diktat von Locarno, so muß die deutsche Regierung mit der Gegenfrage antworten: Gab es oder kann es überhaupt in der Welt ein großes Volk geben, das freiwillig und ohne äußersten Zwang einseitig auf feine Hoheitsrechte, und zwar in diesem Fall auf das primitivste Recht der Verteidigung seiner eigenen Grenzen verzichtet hat oder verzichten würde? Trotzdem aber hatte das deutsche Volk diesen Zustand 17 Jahre lang ertragen, und noch am 21.5.1935 erklärte der deutsche Reichskanzler, daß „die deutsche Reichsregierung in der entmilitarisierten Zone einen für einen souveränen Staat unerhört schweren Beitrag zur Beruhigung Europas sieht" und daß die Reichsregierung „alle aus dem Locarnovertrag sich ergebenden Verpflichtungen solange halten wird, als auch die anderen Vertragspartner bereit find, zu diesem Pakt zu stehen." Mlttarbündniffe führen Europa in einen neuen Weltkrieg. Die deutsche Reichsregierung hat bereits in ihrer vorläufigen Note vom 24.3.1936 darauf hingewiefen, daß der von Frankreich mit Sow- jetrußland abgeschlossene militärische Vertrag dem Locarnopakt sowohl die rechtliche, als aber besonders die politische Grundlage unb damit die Voraussetzung seiner Existenz entzogen hat. Es erübrigt sich, hierauf noch einmal näher einzugehen. Denn: Es ist kein Zweifel, baß die Tendenz, Europa mit Militärbündnissen zu durchziehen, überhaupt dem Geist und Sinn der Aufrichtung einer wirklichen Völkergemeinschaft widerspricht. Es wächst die große Gefahr, daß aus dieser allgemeinen Verstrickung in militärische Allianzen ein Zustand entsteht, der jenem gleicht, dem die Welt den Ausbruch ihres furchtbar st en und sinnlosesten Krieges mit in erster Linie zu verdanken hatte. Es liegt nun nicht im vermögen einer einzelnen Regierung, eine solche von bestimmten Großmächten eingeleitete Entwicklung zu verhindern, allein es gehört zum pflichtgemäßen Auftrag jeder Regierung, innerhalb der Grenzen des eigenen Hoheitsgebietes Vorsorge vor jenen Ueber- raschungen zu treffen, die sich aus einer solchen undurchsichtigen europäischen Militär- und Kabinettspolitik ergeben können. Die deutsche Regierung hat daher nach der vorliegenden Entwicklung, die eine Aufhebung der juristischen und politischen Grundlagen und Voraussetzungen des Locarnopaktes bedeutet, sich auch ihrerseits als an diesen Pakt nicht mehr gebunden erklärt und die Souveränität des Reiches über das gesamte Reichsgebiet wiederhergestellt. Die deutsche Regierung ist nicht in der Lage, ihren zur Sicherung des Reiches unternommenen, nur deutsches Reichsgebiet betreffenden und niemand bedrohenden Schrittes der Würdigung eines Gremiums zu unterstellen, das selbst im günstigsten Fall nur die rechtliche Seite, aber unter gar keinen Umständen die politische zu beurteilen in der Lage ist. Dies gilt um so mehr, als der Dölkerbundsrat bereits eine Entscheidung getroffen bat, die die rechtliche Beurteilung der Lage präjudiziert. Die deutsche Regierung ist weiter der Ueberzeugung, daß ein solches Urteil nicht nur keinen positiven Beitrag liefern konnte für eine wirkliche konstruktive Lösung der Frage der europäischen Sicherheit, sondern ausschließlich geeignet ist, eine solche Lösung zu erschweren, wenn nicht gar zu verhindern. Im übrigen: Entweder man glaubt an die Möglichkeit einer allgemeinen europäischen Friedenssicherung, dann kann ein solcher beabsichtigter Eingriff in die Hoheitsrechte eines Staates nur erschwerend wirken, oder man glaubt an eine solche mögliche Friedenssicherung nicht, dann käme einem solchen Entscheid höchstens nachträglich eine feststellende juristische Bedeutung zu. Getfralffabsbesprechungen belasten die Laqe. Deutschland bestreitet erneut jede Angrisssabsicht. Die deutsche Regierung kann daher in diesem Punkte sowie in jenen weiteren dieses Entwurfes der Vertreter der Locarnomächte, die sich n u r als einseitig belastend für Deutschland erweisen, nicht nur keinen nützlichen Vorschlag für eine wirkliche großzügige und konstruktive Lösung der Frage der europäischen Sicherheit erblicken, sondern höchstens Elemente der Diskriminierung eines großen Volkes und damit einer Infragestellung jeder dauer- hasten Friedensgestaltung. Entsprechend dem ihr vom deutschen Volke erteilten Auftrag muh daher die deutsche Regierung alle Deutschland einseitig belastenden und damit diskriminierenden Vorschläge dies«» Entwurfes a b l e h n e n. Deutschland hat. wie schon aus seinem Angebot hervorgeht, nicht die Absicht, jemals Belgien oder Frankreich anzugreisen. Lv ist bekannt, daß bei der gigantischen Rüstung Frankreichs und den enormen Festungswerken an der französischen Ostgrenze ein solcher Angriff aber auch rein militärisch sinnlos wäre. Aus diesen Gründen ist der deutschen Regierung auch der Wunsch der französischen Regierung nach sofortigen General st absverhand- l u n g e n unverständlich. Die deutsche Regierung würde darin nur ein ernstes Präjudiz sehen, wenn vor dem Abschluß der neuen Sicherheitsverhandlungen solche Generalstabsabmachungen zustande kämen. Sie ist der Auffassung, daß solche Abmachungen in jedem Falle erst die Folge der politischen Beistandsverpflichtungen der fünf Locarnomächte feien und dann nur auf streng reziproker Grundlage stattfinden könnten! Die deutsche Regierung ist weiter der Auffassung, daß der Komplex der vorliegenden Probleme zur leichteren Lösung nach den Gesichtspunkten der beabsichtigten Ziele zweckmäßig gegliedert werden müsse. Sie muß dann aber folgende grundsätzliche Fragen stellen: Welches soll das Ziel der Bemühungen der europäischen Diplomatie sein? A) Soll dieses Ziel sein, die sich als für jede dauernde Friedenssicherung als ungeeignet erwiesene Zweiteilung der europäischen Völker in mehr oder weniger Berechtigte, in ehren- oder unehrenhafte, in freie oder unfreie unter irgendwelchen neuen Formen ober Modifizierungen bei- gubehalten oder fortzuführen? Soll es weiter die Absicht der europäischen diplomatischen Bestrebungen sein, aus einem solchen Willen heraus auf dem Wege einfacher majori fierender Beschlüsse Feststellungen über Vergangenes zu treffen, Urteile aufzurichten, um damit die scheinbar juristisch noch fehlenden Begründungen für die Fortführung dieses früheren Zustandes zu finden? B) Soll das Bemühen der europäischen Regierungen darauf hingerichtet sein, unter allen Umständen zu einer wirklich konstruktiven Ordnung des Verhältnisses der europäischen Nationen untereinander und damit zu einer dauerhaften Friedensgestaltung und -sicherung zu kommen? Die deutsche Regierung ist es ihrem Volke schuldig, hier eindeutig zu erklären, daß sie nur an diesem zweiten in ihren Augen allein aufbauenden Versuch teilnehmen wird, und dies dann allerdings aus tiefinnerster Ueberzeugung und mit dem vollen Gewicht des aufrichtigen und sehnsüchtigen Willens der hinter ihr stehenden Nation. Die deutsche Regierung glaubt, daß dann die vor den europäischen Staatsmännern liegende Gesamtausgabe in drei Abschnitte gegliedert werden müßte: a) In die Zeit einer allmählichen sich beruhigenden Atmosphäre zur Klärung der Prozedur für die einzuleitenden Verhandlungen, b) in den Abschnitt der eigentlichen Verhandlungen zur Sicherstellung des europäischen Friedens, c) in eine spätere Periode der Behandlung jener wünschenswerten Ergänzung des europäischen Friedenswerkes, die weder im Inhalt, noch im Umfang von vornherein genau festgelegt oder begrenzt werden können oder sollten (Ab- rüstungs- und Wirtfchaftsfragen usw.). Deutschlands neuer Inedensplan. Zu diesem Zwecke schlägt die deutsche Regierung nun folgenden Friedensplan vor: 1. Um den kommenden Abmachungen für die Sicherung des europäischen Friedens den Charakter heiliger Verträge zu verleihen, nehmen an ihnen die in Frage kommenden Rationen nur als vollkommen gleichberechtigte und gleichgeachtete Glieder teil. Der einzige Zwang für die Unterzeichnung dieser Verträge kann nur in der sichtbaren von allen erkannten Zweckmäßigkeit dieser Abmachungen für den europäischen Frieden und damit für das soziale Glück und das wirtschaftliche Wohlergehen der Völker liegen. 2. Um die Zeit der Unsicherheit im Interesse des wirtschaftlichen Lebens der europäischen Völker möglichst abzukürzen, schlägt die deutsche Regierung vor, den e r st e n Abschnitt bis zur Unterzeichnung der Richtangriffspakte und damit der garantierten europäischen Friedenssicherung auf vier Wonate zu begrenzen. 3. Die deusche Regierung versichert unter der Voraussetzung eines sinngemäßen gleichen Verhallens der belgischen und französischen Regierung für diesen Zeitraum keinerlei Verstär- kung der im Rheinland befindlichen T r u p p en vorzunehmen. 4. Die deutsche Regierung versichert, daß sie die im Rheinland befindlichen Truppen während dieses Zeitraumes nicht näher an die belgische und die französische Grenze heranführen wird. 5. Die deutsche Regierung schlägt zur Garantierung dieser beiderseitigen Versicherungen die Bildung einer Kommission vor, die sich aus Vertretern der beiden Garantiemächte England und Italien und einer desinteressierten neutralen dritten Wacht zu- sammenseht. 6. Deutschland, Belgien und Frankreich sind berechtigt, je einen Vertreter in diese Kommission zu entsenden. Deutschland, Belgien und Frankreich besitzen das Recht, dann, wenn sie glauben, aus bestimmten Vorgängen auf eine Veränderung der militärischen Verhältnisse innerhalb dieses Zeitraumes von vier Monaten Hinweisen zu können, ihre Wahrnehmungen der Garantiekommission mitzuteilen. 7. Deutschland, Belgien und Frankreich erklären sich bereit, in einem solchen Falle zu gestatten, daß diese Kommission durch die englischen und italienischen Militärattaches notwendige Festste!- l u n g e n treffen läßt und hierüber den beteiligten Mächten berichtet. 8. Deutschland, Belgien und Frankreich versichern, daß sie die sich daraus ergebenden V e a n st a n - düngen im vollen Umfange berücksichtigen werden. 9. 3m übrigen ist die deutsche Regierung bereit, auf der Basis voller Gegenseitigkeit mit feinen beiden westlichen Rachbarn feder militärischen Beschränkung an der deutschen We st grenze zuzuftimmen. 10. Deutschland, Belgien und Frankreich und die beiden Garankiemächte kommen überein, daß sie so- sort oder spätestens nach Abschluß der französischen Wahlen unter Führung der britischen Regierung in Beratungen eintreten über den Abschluß eines 25jährigen Richlangriffs- bzw. Sicherheitspakles zwischen Frankreich und Belgien einerseits und Deutschlands andererseits. 11. Deutschland ist einverstanden, daß in diesem Sicherheitsabkommen England und Italien wieder als Garanliemächle unterzeichnen. 12. Sollten sich aus diesen Sicherheitsabmachungen besondere militärische Beistands- verpflichtungen ergeben, so erklärt sich Deutschland bereit, auch seinerseits solche Verpflichtungen auf sich zu nehmen. 13. Die deutsche Regierung wiederholt hiermit den Vorschlag für den Abschluß eines L u f t p a k l e s als Ergänzung und Verstärkung dieser Sicherheitsabmachungen. 14. Die deutsche Regierung erklärt, daß sie bereit ist, falls die R i e d e r l a n d e es wünschen, auch diesen Staat in dieses westeuropäische Sicherheits- abkommen einzubeziehen. 15. Um dem Werk dieser aus freiem Dillen erfolgenden Friedenssicherung zwischen Deutschland einerseits und Frankreich andererseits den Charakter eines versöhnenden Abschlusses einer jahrhundertelangen Entzweiung zu geben, verpflichten sich Deutschland und Frankreich, darauf hinzuwirken, daß in der Erziehung der Jugend der beiden Rationen sowohl als in öffentlichen Publikationen alles vermieden wird, was als Herabsetzung, Verächtlichmachung oder unpassende Einmischung in die inneren Angelegenheiten der anderen Seite geeignet sein könnte, die Einstellung der beiden Völker gegeneinander zu vergiften. Sie kommen überein, eine gern einsame Kommission am Sitze des Völkerbundes in Genf zu bilden, die beauftragt fein soll, einlaufende Beschwerden den beiden Regierungen zur Kenntnisnahme und Ueber- prüfung vorzulegen. 16. Deutschland und Frankreich verpflichten sich, in Verfolg der Absicht, dieser Abmachung den Charakter eines heiligen Vertrages zu geben, die Ratifizierung durch eine Abstimmung von den beiden Völkern selbst vornehmen zu lassen. 17. Deutschland erklärt sich bereit, seinerseits in Verbindung zu treten mit den Staaten an seiner Südost - und Rordo st grenze, um diese zum Abschluß der angebotenen Richtangriffspakte unmittelbar einzuladen. 18. Deutschland erklärt sich bereit, sofort oder nach Abschluß dieser Verträge wieder in den Völkerbund einzutreten. Die deutsche Regierung wiederholt dabei ihre Erwartung, daß im Laufe einer angemessenen Zeit auf dem Wege freundschaftlicher Verhandlungen die Frage der kolonialen Gleichberechtigung sowie die Frage der T r e n n u n g des Völkerbundsstatutes von seiner Versailler Grundlage geklärt wird. 19. Deutschland schlägt vor, ein internationales Schiedsgericht zu bilden, das für die Einhaltung dieses Vertragswerkes zuständig sein soll und dessen Entscheidungen für alle bindend sind. praktischer Anfang einer Beschränkung der Rüstungen. Nach Abschluß eines solchen großen Werkes der europäischen Friebenssicherung hält es bie deutsche Regierung für bringend notwendig, Versuche zu unternehmen, einem uferlosen Wettrüsten durch praktische Maßnahmen Einhalt zu gebieten. Sie würde darin nicht nur eine Erleichterung der finanziellen und wirtschaftlichen Lage der Völker sehen, sondern vor allem eine psychologische Entspannung. Die deutsche Reichsregierung verspricht sich aber nichts von dem Versuch universaler Regelungen, der von vornherein zum Scheitern verurteilt sein würbe unb daher nur von denen vorge- schlagen werden kann, die am Zustandekommen eines praktischen Ergebnisses nicht interessiert sind. Sie glaubt, baß bemgegenüber bie Verhanblungen unb Ergebnisse auf bem Gebiet ber Beschränkung maritimer Rüstungen belehren!) und anregend wirken können. Die deutsche Reichsregierung schlägt daher vor, die spätere Einberufung von Konferenzen mit jeweils nur einer, aber klar umrisse- nen Aufgabe. Sie sieht es als die zunächst wichtigste Aufgabe an, den Luftkrieg in die moralische unb menschliche Atmosphäre ber 'seinerzeit burch die Genfer Konvention den Nichtkriegsteilnehmern ober ben Verwundeten zugebilligten Schonung zu bringen. So wie bie Tötung wehrloser Verwunbeter ober Gefangener ober bie Ver- roenbung vom Dumbum-Geschossen ober bie Führung warnungslosen U-Bootskrieges durch internationale Konventionen geregelt bzw. verboten worben find, muß es einer zivilisierten Menschheit gelingen, auch auf den Gebieten neuer Waffenan- roenbung bie Möglichkeit einer sinnlosen Entartung zu unterbinben, ohne dem Zweck der Kriegsführung zu widersprechen. Die deutsche Regierung schlägt daher für diese Konferenzen zunächst als praktische Aufgaben vor: 1. Verbot des Abwurfes von Gas-, Gift - unb Branbbomben. 2. Verbot des Abwurfes von Bomben jeglicher Art auf offene Ortschaften, die sich außer- halb ber Reichweite ber mittleren schweren Artillerie ber kämpfenden Fronten befinden. 3. Verbot ber Beschießung von Ortschaften mit weittragenben Kanonen außerhalb einer Gefechtszone von 20 Kilometer. 4. Abschaffung unb Verbot bcs Baues von Tanks schwerster Art. 5. Abschaffung und Verbot schwer st er Artillerie. Sowie sich aus solchen Besprechungen unb Abmachungen bie Möglichkeit ber weiteren Begrenzung ber Rüstungen ergeben, sind biese wahrzunehmen. Die beutsche Regierung erklärt sich schon jetzt bereit, j e b e r solchen Regelung, soweit sie international gültig wirb, beizutreten. Die deutsche Reichsregierung glaubt, daß, wenn auch nur ein erster Schritt auf dem Wege zur Abrüstung gemacht ist, dies von außerordentlicher Tragweite für die Einstellung der Völker zueinander sein wird, und damit auch für die Wie- derkehr jenes Vertrauens, das die Voraussetzung für die Entwicklung von Handel und Wohlstand bildet. Um dem allgemeinen Wunsch nach einer Wiederherstellung günstiger wirtschaftlicher Verhältnisse zu entsprechen, ist sie daher bereit, im Sinne der gemachten Vorschläge sofort nach Abschluß des politischen Vertragswertes mit den in Frage kommenden Ländern in einen Gedankenaustausch über wirtschaftliche Fragen einzutreten und alles in ihrer Macht Stehende zur Verbesserung der Wirtschaftslage in Europa sowie der von dieser nicht zu trennenden Weltwirtschaft im allgemeinen beizutragen. * Die deutsche Reichsregierung glaubt, mit dem oben niedergelegten Friedensplan ihren Bei- trag geleistet zu haben zum Aufbau eines neuen Europa auf der Basis der gegenseitigen Achtung unb des Vertrauens zwischen souveränen Staaten. Manche Gelegenheiten zu dieser Befriedung Europas, zu der Deutschland in den letzten Jahren so oft die Hand bot, sind versäumt worden. Möge dieser Versuch einer europäischen Verständigung endlich gelingen. Die deutsche Reichsregierung glaubt zuversichtlich, durch die Vorlegung des obigen Friedensplanes den Weg hierzu nunmehr freigemacht zu haben. Die Bahn ist frei! Das Echo des Friedensvorschlags in der Berliner presse. Berlin, 2. April. (DNB.) Der Völkische Beobachter schreibt u. a.: Der deutsche Friedensplan ist das klare Programm eines klaren Willens. Die Schwierigkeiten, die bestehen und den Frieden bedrohen, müssen beseitigt werden. Das ist das Ziel. Der Weg dazu kann nur gemeinsam beschritten werden, wenn das Ziel auch gemeinsam erreicht werden soll. Der deutsche Plan enthält in keinem einzigen Punkt irgendeine entehrende Zumutung für einen anderen Staat. Jeder Satz ist getragen von der Ueberzeu- &ung, daß die europäischen Völker in vollem mfange gleichberechtigt fein müssen, um auch mit den gleichen Pflichten über den Frieden wachen zu können. Im Gegensatz zu dieser selbstverständlichen und fairen Haltung stand jedoch das Memorandum der Lacornomächte. Der Plan enthält keine Bedingungen und keine ultimativen Voraussetzungen. Er setzt nur eines voraus, nämlich den ehrlichen Willen zur raschen Verwirklichung des Friedens. Die Berliner Börsenzeitung führt aus: Auch der voreingenommenste Politiker ber Gegenseite wirb es nickt fertigbringen können, biefen großartigen Vorschlag ohne ernstes Nachbenken beiseite zu schieben. Der beutsche Friebensplan stellt sich als ein burchsichtiges, klar gegliebertes Oebäube bar, an besten Front bie Parole steht: Gleiches Recht und gleiche Sicherheit für alle! Man hat, teils beschwörend, teils drohend, von uns einen Beitrag zum Frieden gefordert. Wir sind gespannt, ob es eine verantwortliche Person gibt, die es wagt zu behaupten, daß der deutsche Friebensplan nicht geeignet fei, ben Frieben zu förbern. Der Vorschlag bes Führers grünbet sich auf bas ethische Fundament, daß zwischen Freien unb Unfreien nicht bas Verhältnis eines wirklichen Friebens, fonbern nur eines künstlichen, unfrieblichen Zwanges bestehen kann. Auf bem Funbament ber Gleichberechtigung baut er ein Projekt auf, bas bei gutem Willen ber Gegenseite rasch der Verwirklichung entgegengeführt werden kann. Es fetzt keinen ber Partner einer Demütigung aus unb garantiert jebem der Teilhaber gleichzeitig seine Sicher- heit und die saubere Durchführung des Abkommens. Der deutsche Vorschlag ist in jedem Punkte durchführbar, er macht bie Bahn frei für den Ausbau und die Vollendung ber Befriebung Europas. Wer das Friedenswerk sabotieren sollte, so lieft man in der Deutschen Allgemeinen Zeitung, zu dem die deutsche Regierung in ihrem neuesten Dokument einen wahrhaft großzügigen Beitrag beigesteuert hat, ber würbe sich eine schlimme Verantwortung aufhalfen. Jeder beutsche Leser wirb sich fragen: Kann das überhaupt einer ablehnen? Kann jemand die große Chance Europas verderben, die mit dem deutschen Friedensvlan gegeben ist? Es spricht wohl nichts stärker für die Aufrichtigkeit unseres Friedenswillens als die Tatsache, daß wir uns das eigentlich nicht vvrstellen können. Das Berliner Tageblatt erklärt: Die deutschen Vorschläge haben eine große Stoßkraft durch die Geschlossenheit unb Einheitlichkeit ber Grunbsätze, von benen sie beherrscht werben, und durch ihren durchaus praktischen Charakter, ben sie zugleich haben. Wir wissen, baß wir am Anfang eines schweren unb steilen Weges sind. Wir wissen aber auch, daß bas Ziel lohnt. Unb fast finb wir sicher, baß bies von allen eingesehen wirb, bie es angeht. — So großherzig, wie ber Friebensplan ber beutschen Regierung im ganzen ist, schreibt bie Kreuzzeitung, so ehrlich finb auch feine einzelnen Punkte. Kein Staatsmann wird an diesem Angebot vorbeigehen dürfen, wenn er nicht schwere Schuld auf sich laden will. Deutschland reicht allen seine Hand zum Frieden; nun haben die anderen Mächte bas Wort. DMdesMrerssürdieWahlkampfarbeikderpreffe Berlin, 1. April. (DNB.) In ber Pressekonferenz ber Reichsregierung sprach Staatssekretär Funk im Auftrag bes Führers unb Reichskanzlers unb im Auftrage bes Reichsministers für Volksaufklärung unb Propaganba Dr. Goebbels ber beutfcfjen Presse ben Dank ber Reichsregierung unb Partei für bie geleistete Arbeit beim Wahlkampf aus. Dieser Dank gelte in gleicher Weise ben Schriftleitern wie ben Verlegern, die alle in hervorragender und erfolgreicher Weife bei der Reichstagswahl, z. T. unter schwierigsten Umständen, aber in taktischer Klugheit unb nationalsozialistischer Begeisterung sich für ben Wahlkampf eingesetzt hätten. Heuer stellvertretender Pressechef der Reichsregierung. Berlin, 1. April. (DNB.) Der Leiter der Abteilung IV des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda (Pressestelle der Reichsregierung), Ministerialrat Pg. Dr. Kurt I a h n ck e, tritt als Verlagsbirektor in bie Berliner Druck- unb Zeitungsbetriebe A G. (ehemals Rubolf Moste Verlag) ein. Zu seinem Nachfolger hat ber Reichsminister für Volksaufklärung unb Propaganba ben Hauptschriftleiter bes Deutschen Nachrichtenbüros, Pg. Alfreb-Jngemar Bernbt ernannt. Der Führer unb Reichskanzler hat gleichzeitig Pg. Bernbt zum stellvertretenben Pressechef ber Reichsregierung ernannt. * SS.-Obersturmbannführer Bernbt ist 1905 in Bromberg als Sohn eines Reichsbahninspektors geboren. Er begann seine journalistische Laufbahn 1924 unter bem heutigen Staatskornrnisfar von Berlin Dr. Lippert beim „Deutschen Tageblatt" unb kam später als Schriftleiter für Ostpolitik in bas WTB Berndt warb schon lange vor ber Machtergreifung einen wesentlichen Teil ber Schriftleiter bes WTB. für ben Nationalsozialismus. Nach ber Machtergreifung würbe er Hauptschriftleiter. Seine politische Laufbahn begann Bernbt 1920 im Deutsch-Völkischen Schutz- unb Trutzbunb, 1922 kam er in bie nationalsozialistische Bewegung, in ber Verbotszeit gehörte er bem Frontbann unb später ber SA. an. 1933 mürbe er Abjutant bes Reichspressechefs ber NSDAP. Versammlungsruhe bis 19. April DNB. Berlin, 1. April. Der Reichspro - paganbaleiter ber NSDAP, gibt bekannt: Die gewaltigste W a h l s ch l a ch t bes nationalsozialistischen Deutschlanbs ist geschlagen. In Einheit und Geschlossenheit hat sich das beutsche Volk hinter seinen Führer gestellt -unb ihm einen überwälti- genben Beweis seines Vertrauens gegeben. Wocken- lang rollte Der sammlungswelle über Dersammlungswelle burch die deutschen Gaue, von Rednern, Politischen Leitern, Parteigenossen und Parteigenossinnen wurde bas Letzte an Einsatzbereitschaft verlangt unb gegeben. Abend für Abend füllte das deutsche Volk die Versammlungsräume, sei es die Riesenhal- len der Großstädte oder bie kleinen Zimmer bes Dorfkruges. Wenn auch nach der siegreichen Schlacht, die das deutsche Volk in /einer Gesamtheit geschla- aen t)at, nicht Ruhe einkehren darf, vielmehr d i e Arbeit fortgesetzt werden muß, so soll vor diesem neuen Einsatz durch die allgemeine 23er» sammlungspause eine Erholungs- und Ruhezeit zum Sammeln neuer Kräfte stehen. Aus diesem Grunde ordne ich hiermit eine allgemeine Dersammlungsruhe bis 19. April an. Unter die angeordnete Versammlungsruhe fallen insbesondere alle öffentlichen Kundgebungen und Versammlungen; Mitgliederversammlungen sind auf das notwendigste Mindestmaß zu beschränken. Don der Versammlungsruhe nicht berührt werden Veranstaltungen der Abteilung Film und des Amtes „Kraft durch Freude". Tagesbefehl des Führers der Gruppe Hessen. LPD. Frankfurt a. M., 1. April. SA.-Grup- penführer Beckerle hat folgenden Tagesbefehl erlassen: „Meine lieben SA.-Kameraden! Der 29. März 1936 hat uns einen Sieg gebracht, wie ihn keiner von uns zuvor erhofft hatte. Das ganze deutsche Volk steht geschlossen hinter dem Führer und hat seine Zustimmung zum Werke bes Friebens, ber Freiheit unb ber Ehre gegeben. Wir wissen alle, baß bies allein ber Sieg bes Führers ist, unb daß er allein durch seinen Einsatz und feine Führung diesen Erfolg herbeigeführt hat. Wir aber sind stolz auf unsere Mitarbeit! Jeder SA.-Mann kann mit Stolz auf seine Tätigkeit in diesem Wahlkampf zurückschauen, auf das Zurückstellen alles Persönlichen, auf den opfervollen Einsatz- unb Absperrungsdienst, auf seine Propaganbatätigkeit und auf feine Mitarbeit am Wahltage selbst! Mit Freude habe ich euren Einsatz beobachtet unb mit bankbarem Stolz konnte ich fest- stellen, daß die Gruppe Hessen geschlossen, Mann für Mann, ihre Pflicht für den Dienst am Führer getan hat. In Anerkennung eurer Leistung ordne ich an, daß ber eigentliche SA. - Dienst bis zum 15. April einschl. a u 5 f ä l l t. Gesunde Gtaatsfinanzen in Danzig. Danzig, 1. April. (DNB.) Die Danziger Regierung hat den Haushaltsplan für 1936/37 auf Grund des Ermächtigungsgesetzes in Kraft gesetzt. Der Ordentliche Haushaltsplan ist mit rund 117 Millionen Danziger Gulden, der Außerordentliche Haushaltsplan mit rund 172 000 Gulllen in Einnahmen und Ausgaben ausgeglichen. Das bedeutet gegenüber dem vorjährigen Haushaltsplan eine weitere Ersparnis um annähernd 8 Millionen Gulden. Der Haushaltsplan ist ohne Steuererhöhungen ausgeglichen worden. Die Wohnungsbauabgabe wird für das neue Haushaltsjahr sogar um 6 v. H. gesenkt werden. Die einzelnen Haushaltspläne werden in kürzester Zeit allen Abgeordneten zugeleitet und in geeigneter Form der Oeffentlichkeit bekanntgegeben werden. Jeder wird sich davon überzeugen können, daß die Danziger Finanzwirtschaft auf gesunder Grundlage beruht und die früheren Schwierigkeiten überwunden finb. Die Einführung der Bundesdienstpflicht in Oesterreich Die Stadt Gondar, deren Besetzung in italienischen Kreisen schon lange erwartet wurde, ist eine alte abessinische Gründung, die zeitweilig sogar d i e Haupt st a d t Abessiniens war. Die Stadt, die früher stark bevölkert war, zählt heute nur noch einige Tausend Einwohner. Sie ist jedoch wegen ihrer Lage als wichtiger Handelsplatz und Schlüssel zum Tana-See-Gebiet von erheblicher Bedeutung. Die Italiener stehen nun in unmittelbarer Nähe d e s Tana-Sees, denn die restlichen sechzig Kilometer lassen sich ohne Schwierigkeit durch die motorisierten Abteilungen überwinden, die der Vorhut voraufgeeilt waren und Gondar in ihren Besitz brachten. Wenn man sich an die alten Verträge Über die Einteilung Abessiniens in englische, französische und italienische Interessensphären erinnert, dann stehen die Italiener heute im Herzen des Gebietes, das die Engländer als ihre Domäne betrachteten, das aber außerdem noch das Heimatland der Abessinien beherrschenden Amharen ist. Gerade der zweite Umstand ist für die weitere Eroberung des Reiches des Negus von unerhörter Bedeutung. Denn Abessinien setzt sich aus zahlreichen Landschaften mit verschiedenen Volksstämmen zusammen, die erst nach und nach durch die Amharen zu einem zusammenhängenden Reich vereinigt wurden. Aber auch nach einer anderen Richtung wäre das Erscheinen der Italiener am Tana-See von großer Bedeutung. Ganz Abessinien weiß, daß die Engländer seinerzeit allen Ernstes darauf hingewiesen haben, sie würden sich eine Besitzergreifung des Gebietes um den Tana-See nicht gefallen lassen, well dieses Tokio, 1. April. (Ostasiendienst des DNB.) Die entschiedene Erklärung des stellvertretenden Hauptkommissars des Auswärtigen Stomoniakow gegenüber dem japanischen Botschafter in Moskau, daß die Sowjetregierung sich auf Grund der Verträge mit der äußeren Mongolei zu einer Waffe n h i l f e für diese im Falle eines Angriffes von dritter Seite verpflichtet fühle, bringt endlich, wie die japanische Presse betont, die seit langem von Japan geforderte Klärung der Grenzverhältnisse zwischen Mandschukuo und der Sowjetunion bzw. der äußeren Mongolei. Die Zeitungen heben hervor, daß nun die gemeinsame Front gegen Japan und Mandschukuo hergestellt sei, wobei die bisher zwar noch nicht geklärte, aber doch als sicher anzunehmende Beteiligung Nankings die Lage noch wesentlich verschärfe. Fraglich sei nur noch, ob auch bei örtlichen Grenzstreitigkeiten mit der äußeren Mongolei die Hilfe der Sowjetunion vorgesehen sei. Die Agentur Domei berichtet von einem neuen schweren Zusammenstoß am gestrigen Dienstag westlich und südwestlich des Buir- Sees, bei dem die Truppen der äußeren Mongolei 12 Flugzeuge eingesetzt haben. Die Regierung von Mandschukuo hat in Urga schärfsten Protest eingelegt. In der Presse wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß der Sowjetregierung anscheinend nichts an einer friedlichen Lösung liege. Dies werde auch durch die letzten Meldungen aus Wladiwostok bestätigt, die neue Verstärkun- gen für die O st grenze bei Honchun ankündigten. Die Sowjetunion scheine den Zeitpunkt für günstig zu halten, um gemeinsam mit der äuße- ren Mongolei durch eine drohende Haltung eine Grenzregelung zum Nachteil Japans zu erzwingen. Japan werde sich aber nicht einschüchtern lassen. Es betrachte die Grenzregelung nur als eine Behelfslösung. Die Sicherung Mandschukuos werde erst nach der Beseitigung des militärischen Druckes der Sowjetunion durch eine Entmilitarisierung der Grenzgebiete erreicht werden. Diese Forderung sei das in Uebereinstimmung mit den Militärs verfolgte Ziel der japanischen Regierung. Die Sowjetunion glaube dagegen, gestützt auf Frankreich und die äußere Mongolei und auf die bisher noch nicht geklärten Abmachungen mit Nanking, die Einkreisung gegen Mandschukuo einleiten zu können und damit einen Vorstoß gegen Japans Kontinentalpolitik zu machen. Wien, 1. April. lKNB.) Der Bundestag nahm durch Zuruf ein Gesetz an, durch das d i e allgemeine Bundesdienstpflicht für körperliche Zwecke eingeführt wird. Der Bundeskanzler wird ermächtigt, durch Verordnung die männliche Bevölkerung vom 18. bis 4 2. Lebensjahr nach Maßgabe der Verhältnisse und Umstände zum Dien st mit oder ohne Waffen einzuberufen. Der frühere Militärattache in Berlin Feldmarschallleutnant Jansa wurde zum Generalstabs- ch e f der bewaffneten Macht ernannt. Zur Begründung des Gesetzes hielt Bundeskanz- ler Dr. Schuschnigg eine längere Rede, in der er jedoch zunächst auf Wirtschaftsfragen einging reiches, die den Kern der Nordfront bildeten, aufgerieben. Abessinien-DebatteimLnterhaus London, 1. April. (DNB.) Im Unterhaus fragte D a l t o n, der Außenpolitiker der Labour Party, ob die Regierung einen Bericht über den A b w ur f von Bomben auf H arr a r erhalten habe, und ob Harrar eine offene Stadt fei. Eden erklärte nach einem Bericht des Konsuls, in Harrar seien drei Bomben auf die Gebäude der schwedischen Mission gefallen, 50 auf das ägyptische Rote Kreuz, 14 auf die katholische Mission, 4 auf das französische Hospital und fünf auf das Rote-Kreuz- Gebäude in Harrar. Die katholische und abessinische Kirche seien schwer beschädigt worden. An 10 Stellen sei Feuer ausgebrochen. Die abessinische Regierung habe ausdrücklich festgestellt, daß keinerlei militärische Dorbereitungsmaßnahmen innerhalb Harrars getroffen worden feien. Die abessinische Regierung habe bereits am 7. Dezember eine Mitteilung an den Völkerbund gerichtet, wonach zur Sicherung der Zivilbevölkerung und der Ausländer vor Luftangriffen die Stadt für keinerlei militä- rische Zwecke benutzt werden solle. D a l t o n erklärte darauf, es handle sich um „verabscheuungswürdige Grausamkeiten, durch die Englands Oeffentlichkeit in wachsendem Maße erregt werde. „Er wünsche zu wissen, ob und wann die britische Regierung Maßnahmen ergreifen wolle, um endlich den Frieden dadurch wiederherzustellen, daß man den Italienern keinerlei britisches Petroleum mehr zur Verfügung stelle. — Eden erwiderte, daß die britische Regierung bestrebt sei, diesen Krieg zu beenden. Der Vorsitzende des Dreizehner-Ausschusses sei damit beschäftigt, diese Aufgabe so schnell wie möglich zu lösen. — Der Konservative Boydee fragte, ob denn nicht durch Rückkehr zu den Vorschlägen Hoares diesen Dingen ein baldiges Ende gemacht werden könne. (Beifall auf den Regierungsbänken.) Wasserreservoir den englischen Sudan speist. Trotzdem ist Mussolini in der englischen Jnteressenzone erschienen. Die Rückwirkungen dieses Vorstoßes auf die Abessinier kann man sich leicht vorstellen. Abzuwarten bleibt, wie sich nun die Engländer verhalten werden. Der Aegus am Aschangi-See geschlagen. Rom, 1. April. (DNB.) Der italienische Heeresbericht Nr. 171 meldet u. a.: Im Gebiet des Asch an gi - Sees hat am 31. März in der Gegend von Q u o r a m eine große Schlacht stattgefunden. Das Heer des Negus mit den Gardetruppen, die mit allen modernen Waffenarten ausgerüstet sind, hat unsere Stellung von Mai-Ceu angegriffen. Der Tag schloß mit dem vollen Siege unserer Waffen. Alle Front- und Umgehungsangriffe wurden zurückgeschlagen. Unsere nationalen und erythräischen Truppen schlugen den Feind in die Flucht. Er zog sich in Unordnung in das Tal des Mecan zurück und wurde dabei von unseren Flugzeugen und von unserer Artillerie bombardiert. Die Verluste des Negus betrugen schätzungsweise 7000 Tote. Es wurden viele Gefangene gemacht und große Mengen von Waffen erbeutet. Unsere Verluste betragen ungefähr 800 Tote und Verwundete. Aus den Angaben von Gefangenen geht hervor, daß die abessinischen Truppen ungefähr mit 20 000 Mann an der Schlacht beteiligt waren und daß der Negus persönlich an dem Angriff gegen unseren linken Flügel teilgenommen hat. Im westlichen Frontabschnitt rücken unsere Kolonnen unter Sympathiekundgebungen der Eingeborenen von Adi Remoz nach Süden vor. * Die Niederlage des Negus am Aschangi-See wird von der römischen Presse in großer Aufmachung veröffentlicht. „Tribuna" spricht von einem militärischen Ereignis ersten Ranges, da es sich um die kaiserlichen Truppen handle. Mit dem neuen Sieg seien die besten Truppen des abessinischen KaiserDie Spannung im Kernen Osten Oie sowjetrussische Dündnispolitik gegen Japan. Gondar von den Italienern beseht. Vorstoß der Armee des Parteisekretärs General Gtarace in das Gebiet des Tana-Gees Tatzen um den 10. April die Wiederherstellung der militärischen Gleichberechtigung Oesterreichs, Ungarns und Bulgariens als eine so gut wie perfekte Angelegenheit behandelten, nachdem diese Frage vorher wiederholt im Völkerbund bald von italienischer, bald von französischer Seite aufs Tapet gebracht worden war. Die zweite römische Dreierkonferenz hatte dann mit aller Deutlichkeit gezeigt, daß Italien entschlossen war, sich ein Gegengewicht vor allem gegen die Kleine Entente im Donauraum zu verschaffen, das vor allem unliebsame Erfahrungen, wie sie im Verlauf der Sanktionsfrage auftraten, auszugleichen haben würde. Daß die römischen Abmachungen von 1934 und 1936 nur einen sehr beschränkten Wert für Italien haben konnten, solange sie nicht machtpolitisch unterbaut wurden, lag auf der Hand. Inzwischen meldet sich denn auch bereits der erste Einspruch von tschechischerSeite her an. Lediglich aus historischen Gründen erinnern wir daran, daß nach der Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland vom 16. März 1935 schon zwei Tage später eine englische Protestnote in Berlin eintraf, daß am 20. März die französische Protestnote überreicht wurde, daß Frankreich am selben Tage den Völkerbund anrief, daß Flandin im Senat eine von grobschlächtigen Ausfällen gegen Deutschland wimmelnde Rede hielt, daß ferner am 21. März auch eine Protestnote Italiens in Berlin einging und daß am gleichen Tage Deutschland die Proteste zurückwies. Nicht unerwähnt darf schließlich bleiben, daß ausländische Blätter bereits in diesen Tagen von angeblichen österreichischen Truppenansammlungen an der Grenze wissen wollten, und daß diese Mitteilungen wieder einmal auf eine französische Stelle, nämlich auf Madame Tabouis vom „Oeuvre" zurückgingen, deren gute Beziehungen zum französischen Außenministerium ja bekannt sind. Beschränkung des Wehrdienstes auf politisch Genehme? Wien, 1. April. (DNB.) Das christlich-soziale „Neuigkeitsweltblatt" schreibt u. a.: „Dem Staat Schild und Schwert zu sein, das Vaterland mit der Waffe zu schützen, das wird vom Begriff .Dienstpflicht' zwar umschlossen, kann aber nicht gleichmäßiges Recht aller, sondern nur jener Staatsbürger sein, die ohne Einschränkung und Vorbehalt zum Vaterland stehen. Die Stufung der Dienstpflicht gibt die Ehre des Soldatentums zurück und entspricht überdies der Leistungsfähigkeit Oesterreichs und der Absicht der Regierung, nicht in ein Wettrüsten mit anderen Staaten einzutreten, sondern die Wehrkraft des Vaterlandes nur soweit auszubauen, als es dem Selbstbehauptungs - und 23er» Feldmarschall-Leutnant Jansa. (Scherl°M.) und versicherte, daß die Regierung in der Angelegenheit der „P h ö n i x" ohne Ansehen der Person für Sauberkeit in der Wirtschaft sorgen werde. Außenpolitisch habe sich an der Gesamtlage nichts geändert. Oesterreich lege großes Gewicht darauf, mit allen Nachbarstaaten freundschaftlich auszu- , kommen. Es habe sich in letzter Zeit eine ausgesprochen g ü n st i g e außenpolitische Lage ergeben, die es ermöglicht habe, Oesterreichs bestehende Verträge zu überprüfen und auszubauen. Oesterreich habe bewiesen, daß es ein Hort des Friedens sei und daß es keine militärische Tendenz verfolge. Wenn es trotzdem jetzt die Bundesdienst- pflicht einführe, so geschehe das, weil es als freier, selbständiger Staat sich keine Beschränkungen irgendwelcher Art auferlegen lasse. Ausdrücklich betonte Dr. Schuschnigg, daß die Regierung sich vorbehalte, die Dienstpflichtigen zur Verwendung mit oder ohne Waffe im Heer, in der Wohlfahrt und auch für sonstige Zwecke heranzuziehen. * Bei der Einführung der allgemeinen Dienstpflicht in Oesterreich hat man ein großes politisches Zeremoniell ablaufen lassen, um die Bedeutung des Aktes nach außen hin möglichst stark zu unterstreichen und um zugleich den Anschein zu erwecken, als handele es sich um eine rein österreichische Angelegenheit. Das erstere ist unnötig, das letztere aussichtslos. Der Bundeskanzler sah sich in der fatalen Lage, darauf hinzuweisen, daß die Dienstpflicht „zu den wesentlichen Einrichtungen eines souveränen Staates gehört" oder, wie Dr. Schuschnigg es dann einige Minuten später formulierte, daß Oesterreich „als freier, selbständiger Staat sich keine Beschränkungen irgendwelcher Art auferlegen läßt." lieber diese allzu starke Betonung und diese allzu unrichtige Darstellung der Lage muß natürlich auch der harmloseste Europäer stolpern; gerade die sogenannte „Unabhängigkeit" Oesterreichs ist ja in den Nachkriegsjahren und besonders in den letzten drei Jahren auf die denkbar widerspruchsvollste Art von den westlichen Mächten gekennzeichnet worden. Auf eine scheinbar unbedeutende, aber angesichts der innerpolitischen Zustände in Oesterreich höchst bemerkenswerte Einzelheit möchten wir hier besonders aufmerksam machen. In Artikel I des Gesetzes heißt es nämlich nicht etwa, Bundesbürger vom 18. bis 42. Lebensjahr „werden" zur Dienstpflicht herangezogen, sondern ausdrücklich „k ö n - n e n" herangezogen werden. Das heißt also: nicht jeder Oesterreicher muß bei körperlicher Tauglichkeit Soldat werden, sondern die österreichische Regierung hat es völlig in der Hand, sich ihre Leute nach iyren eigenen Grundsätzen auszu suchen! Was das besagen will, geht u. a. ja schon aus den bisherigen Vorschriften für die Einstellung in das Bundesheer hervor; selbstverständlich werden die österreichischen Behörden kein Mittel unversucht lassen, um nur solche Männer Soldat werden zu lassen die laut Bekundung ihrer zuständigen Heimatbehörden auf die R e g i e r u n g s p o l i t i k eingeschworen sind. Insofern wurde Die Erweiterung des Bundesheeres über das in den Frie- densverträgen vorgesehene Maß hinaus freilich lediglich eine innerpolitische Verstärkung für das ge- gegenwärtige System in Oesterreich werden Ob allerdings jene politische Zuchtwahl den Auftraggebern der österreichischen Maßnahmen genügen wird, ist eine Frage für sich. . Die Frage der Urheberschaft wäre vielleicht nicht ganz leicht zu beantworten, wenn es fernen Völkerbund, kein Stresa und keine römischen Dreier- besprechungen gegeben hätte. Der österreichisch Bundeskanzler hat sich 1.? ch ferner^Rede selbst ausdrücklich auf das Römische tot o I vom März 1934 bezogen und den Weg zu den kürzlich erfolgten Dreimächtebesprechungen 'N Nom gewiesen, bie am 23. März mit der Unterzeichnung eines Protokolls endeten, in dem Ergänzungendes Originalabkommens vorgesehen waren Auf diesen Begriff der Ergänzungen nimmt der österreichische Bundeskanzler in seiner Rede denn auch ausdrücklich Bezug! Er verwies darauf, daß die Voraus setzungen, die der Durchführung des Gesetzes über die allgemeine Wehrpflicht vom 6. F^ruar 1919 entgegenstanden, heute hinfällig geworden sind. E ist selbstverständlich, daß ein von fremden Machten so vielfältig abhängiges Land wie das machtlos kleine Oesterreich eine derartig wettgreifende Maßnahme nicht aus eigen e Fau st treffen kanm Wir erinnern In diesem Zusammenhang weiter daran, daß schon die Stresamachte m den Asmara, 2. April. (Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB.) Das italienische Hauptquartier an der Nordfront hat am Mittwoch die Einnahme der Stadt Gondar durch italienische Truppen bekanntgegeben. Eine starke italienische Abteilung hat unter Führuntz des Parteisekretärs General S t a r a c e nach einem Marsch von 800 Kilometer durch besonders schwieriges Gelände die unmittelbar nördlich vom Tana-See gelegene Stadt Gondar besetzt und dort die italienische Flagge gehißt. Der Marsch auf Gondar wurde in zwei Etappen durchgeführt. 5000 Mann brachen mit 500 Lastkraftwagen, zahlreichen Tanks und anderen modernen Kriegsmitteln am 15. März von Asmara auf und marschierten zunächst nach O m Ager, unmittelbar an der Sudangrenze am Setit. Am 24. März wurde der Setit überschritten. Bei dem nun folgenden äußerst schwierigen Vormarsch durch das tropische Gebiet südlich des Setit wurden die Truppen durch Flugzeuge verproviantiert. Am Chencher-Berg beschloß Starace, um den Vormarsch nicht zu verzögern, die Tanks zurückzulassen. Die Truppen setzten den Marsch zu Fuß fort, um sich an den südwestlichen Ausläufern des Semien-Hoch- landes mit den italienischen Eingeborenen- Truppen zu vereinigen, die gerade die Stadt D e b a r e f besetzt hatten. Die Abessinier haben den italienischen Truppen bei diesem Vormarsch keinen Widerstand geleistet. Die restlichen Truppen Ras Jmrus und Hatte Burrus, die nach der Schlacht von Schire vom Negus den Befehl erhalten hatten, den italienischen Vormarsch aufzuhalten, hatten sich in das Gebiet südlich des Tana-Sees zurückgezogen, einmal da sie einsahen, daß sie den italienischen Streitkräften keinen Widerstand leisten könnten, und zum anderen wegen der ausgesprochenen feind- seligen Haltung der Bevölkerung daß sich der rumänische Außenminister T i t u I e s c u auf seiner Rückreise von London in Prag aufhalten und die Lage mit den leitenden tschechoslowakischen Staatsmännern besprechen werde. In Prager politischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die tschechoslowakische Regierung im Einvernehmen mit den verbündeten und befreundeten Machten gegen die durch die Maßnahme der österreichischen Regierung erfolgte einseitige Außerkraftsetzung Der Bestimmungen des Friedensvertrages von St. Germain Einspruch einlegen wird. Das Echo in Belgrad. Belgrad, 2. April (DNB. Funkspr.) Die süd- slawischen Blätter stellen fest, daß Oesterreich durch das Gesetz über die allgemeine Bundesdienstpflicht den Vertrag von St. Germain verletzt habe. „Politika^ führt aus, daß die Verantwortung für diesen Schritt das heutige österreichische Regime tragen werde, und „diejenigen, von denen es u u 5 dem Ausland gestützt werde". Die Staaten der Kleinen Entente könnten über diese flagrante Verletzung des Vertrages von St. Germain nicht hinweggehen. Ihre Haltung müsse in entschiedenen Schritten zum Ausdruck kommen. Das offiziöse „Vreme" sagt, Jugoslawien werde seine Schritte im Einvernehmen mit seinen Freunden und Verbündeten bestimmen. teidigungswillen Oesterreichs angemessen ist." Aus diesen Ausführungen kann geschlossen werden, daß die Regierung beabsichtigt, gewisse Gruppen der männlichen Bevölkerung Oesterreichs, nämlich die, deren politische Ein- stellung der Regierung nicht genügen, nicht in das Heer einzuberufen, sondern zu anderen Arbeiten heranzuziehen. tteberraschnng in Prag. Prag, 1. April. (DNB.) Wie aus unterrichteten tschechoslowakischen Kreisen verlautet, war die tschechoslowakische Regierung von der österreichischen Absicht, die allgemeine Wehrpflicht einzuführen, n i ch t u n t e r r i ch t e t. Die Nachrichten aus Wien sind trotzdem ruhig ausgenommen worden, wenn man auch eine gewisse Ueberraschung darüber nicht verbirgt, daß Oesterreich angesichts der angebahnten freundschaftlichen Beziehungen zur Tschechoslowakei nicht vorher eine Fühlungnahme gesucht hat. Die Prager Regierung wird nähere Mitteilungen des tschechoslowakischen Gesandten in Wien und die Stellungnahme der beiden anderen Staaten der Kleinen Entente abwarten. Es wird als wahrscheinlich verzeichnet. •GONOAfc SOMOTA r eAB81AOO< Das Baugrubenunglück in Berlin. Der erste Prozeßlag. Die Untersuchung ergab eine Zahl von Mängeln in technischer, handwerklicher und organisatorischer Beziehung, für die nach Auffassung der Anklage die leitenden zuständigen Vertreter der Berlinischen Baugesellschaft wie auch der Reichsbahn verantwortlich sind. Es sind a n g e f I a g t: der 54jährige Dipl.-Ing. Hugo Hoffmann als Geschäftsführer und Direktor der Berlinischen Baugesellschaft: der 52jähriae Dipl.-Inq. Fritz Noth als örtlicher Bauleiter der Berlinischen Baugesellschaft auf dem Baulos in der Hermann-Göring- Straße: der 50jährige Reichsbahnoberrat Curt Kell berg als ^treckendezernent: der 35jährige Reichsbahnrat Wilhelm Weyher als Vorstand des für den Bauabschnitt zuständigen Raubauamtes IV; und der 41jährige Bauwart Wilhelm Schmitt, der als Angestellter der Reichsbahn auf verantwortlichem Posten im Unglücksschacht mitgearbeitet hat. Sämtlichen fünf Angeklagten wird zur Last gelegt, durch Fahrlässigkeit unter Außerachtlassung ihrer beruflichen Sorgfaltspflicht den Tod der 19 Verunglückten verursacht und sich damit einer fahrlässigen Tötung schuldig gemacht zu haben. Im ein- xelnrn wird beanstandet, daß eine mehrfach von der Reichsbahn angeordnete Projektänderung von der Berlinischen Bau-Gesellschaft nicht zum Anlaß genommen worden ist, die erforderlichen weiter gehenden Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. An der Baustelle soll nicht ein einziger mit der Wirklichkeit übereinstimmender Bauplan vorhanden gewesen sein. Weiter sieht die Anklage als erwiesen an, daß die nach den allgemeinen Bauvorschriften der Reichsbahn erforderlichen Sicherheitskon- ft r u k t i o n e n , vor allem in den tieferen Lagen der Baugrube, nicht in dem vorgeschriebenen Umfange eingebaut worden sind. Den zuständigen Vertretern der Reichsbahn wird zum Vorwurf gemacht, daß sie ihrer Kontrollpflicht, besonders nach der Projektänderung, nicht ausreichend nachgekommen sind. Als erster Angeklagter wurde Reichsbahnoberrat K e l l b e r g vernommen. Kellberg erklärt, ihm habe innerhalb seines Geschäftsbereiches die Bearbeitung der technischen Entwürfe, Aufstellung der Kostenanschläge, Ausschreibung und Vergebung der Arbeiten, Abrechnung und Verkehr mit Behörden und Privaten für den Bauabschnitt der Rordsüd-8-Bahn zwischen Bahnhof Friedrichstraße und Dessauer Straße abgelegen. Eine Verantwortung für eine praktische Mitüberwachung der Baustelle habe er nicht. Auf eine Frage des Vorsitzenden, warum er denn überhaupt in die Baustelle hineingegangen sei, sagte Kellberg, nur um zu sehen, ob alle Fristen eingehalten werden und um sich zu überzeugen, wie der Bau fortschreitet. Nicht aber als Kontrolleur im Sinne der Bauüberwachung. Aus aller Welt. Lustschiff „Hindenburgs bei den Kapverdischen Inseln. Das Luftschiff „Hindenburg" befand sich am Mittwoch um 20 Uhr MEZ. auf der Höhe von Agadir. Bisher wurden in rascher Fahrt 1987 Seemeilen oder 3674 Kilometer mit einer Stundengeschwindigkeit von 115 bis 140 Kilometer zurückgelegt. Zumeist war der Flug von Rückenwinden "begünstigt, die gelegentlich Windstärke 9 erreichten. Las Palmas, die Perle der Kanarischen Inseln, wurde gegen 23 Uhr MEZ. erreicht. Menschenmassen sammelten sich in den Straßen und auf den Plätzen, die das Luftschiff mit lauten Zurufen begrüßten. Im Lichte der Scheinwerfer der im Hafen liegenden Schiffe nahm „LZ. 129" feinen Kurs weiter nach Süden. Nach Mitteilung der deutschen Seewarte stand das Luftschiff Donnerstagmorgen um 7 Uhr (MEZ.) 220 Seemeilen nordöstlich der Kapverdischen Insel Boaoista, die es ansteuert. * Offiziere und Mannschaften wetteifern darin, den Fahrgästen die Fahrt so angenehm wie mög- l i ch zu machen. Die Küche fördert immer wieder Auserlesenes zutage. Selbst abends gibt es zwei warme Gänge. Es gibt eine eigene Bäckerei an Bord. Alles wird frisch geliefert: Brötchen, Kuchen, Fleisch, Butter, Obst, Gemüse, Eier. Die Abfälle, auch Bierflaschen, werden den Haien reserviert, von denen die Fahrgäste einen deutlich ausmachen konnten. Die einzigen Bedauernswerten auf dem Schiff sind die F u n k o f f i z i e r e, die viele Tausende von Presseworten in die ganze Welt fünfen müssen. Im übrigen herrscht an Bord zwischen den Vertretern der internationalen Presse bestes Einvernehmen. Das Sprachengewirr tut der Gemütlichkeit im Rauchsalon und der Fröhlichkeit der Barbesucher keinen Abbruch. Die Wiener Kompaß-Bank beantragt Geschäftsaufsicht. Die Krise der Lebensversicherungsgesellschaft Phönix hat nun auch auf den Bereich der Banken übergegriffen. Die Kompaß- Bank, Allgemeine Kredit- und Garantiebank in Wien, hat die Verhängung der Geschäftsaufsicht beantragt. Sie wird am Donnerstag ihre Schalter nicht mehr öffnen. Die Kompaß-Bank war mit der Phönix eng liiert. Infolge der Krise bei der Phönix fanden in den letzten Tagen starke Abhebungen durch die Sparer der Kompaß-Bank statt. Auch war es der Bank nicht mehr möglich, die ihr von der Phönix geschuldeten Beträge hereinzubringen, so daß nur die Geschäftsaufsicht übrig blieb. Geldschrankeinbrecher ermorden eine Hausangestellte. In Wallenhorst bei Osnabrück wurde die Hausangestellte Straßberger ermordet. Der Mord ist offenbar von Einbrechern verübt worden, die auf den Geldschrank der in dem Hause befindlichen Spar- und Darlehenskasse mehrere Tausend Mark in Papiergeld entwendet haben. Die Einbrecher haben den Schrank mit den dazugehörigen Schlüsseln geöffnet; man vermutet daher, daß sie mit den Oertlichkeiten vertraut gewesen sind. Mädchenmord bet Kassel. Ein Mädchenmord wurde in Corbach bei Kassel aufgedeckt. Die Tochter Luise des Maurers Stracke hatte sich in den Berndorfer Forst begeben, um Reisig zu bündeln. Als sie zur gewyhn- ten Zeit nicht zurückgekehrt mar, gingen ihre Brüder in den nahen Wald, um sie zu suchen. Dort fanden sie bald daraus ihre Schwester mit durchschnittener Kehle t o t auf; außerdem war dem Mädchen mit einem stumpfen Gegenstand ein Schlag auf den Kopf versetzt worden. Die Kasseler Mordkommission hat die Untersuchung eingeleitet. Schweres Linsturzunglück in Syrien. Der Neubau des Nationalmuseums in Antiochia (Nordsyrien) ist e i n g e ft ürzt. 50 Arbeiter wurden unter den Trümmern begraben; bisher wurden sechs Schwerverletzte geborgen. Man rechnet mit etwa 25 Toten. Neues Stellwerk auf dem Mainzer Hauptbahnhof. LPD. Mainz, 1. April. In der Nacht zum Sonntag ist auf dem Mainzer Hauptbahnhof an der Ausfahrt in Richtung Wiesbaden das neue elektrische Befehls st ellwerk in Betrieb genommen worden. In fast zweijähriger Bauzeit ist hier eine Kraftstellwerksanlage entstanden, die als die modernste auf dem Gebiete des Eisenbahnsicherungswesens angesprochen werden kann. Das eigenartige Stahlgebäude ist auf eine Länge von 12 Meter an einer 1,75 Meter breiten Stütze freischwebend errichtet. Die durch den Bauplatz bedingte Bauform ist in dieser Art zum erstenmal ausgeführt. 50 Tonnen Stahl sind allein für dieses Gebäude verarbeitet worden, und 48 000 Meter Kabel mußten nach den einzelnen Weichen und Signalen während des lebhaftesten Zugverkehrs unter und zwischen den Gleisen verlegt werden. Eine mustergültige Fern- sprech- und Lautsprecheranlage sorgt für die schnellste Verständigung mit den wichtigsten Betriebsstellen innerhalb und außerhalb des Bahnhofs. Vermehrte Geschäftstätigkeit. WPD. Das größte deutsche Unternehmen, die Reichsbahn, schreibt in ihrem vorläufigen Jahresbericht über das vergangene Jahr nationalsozialistischer Wirtschaftspolitik:"„Das Geschäftsjahr 1935 stand auch bei der Deutschen Reichsbahn i m Zeichen des Konjunkturanstiegs, der seit der Machtergreifung durch die nationalsozialistische Bewegung im allgemeinen deutschen Wirtschaftsleben eingesetzt und auf fast allen Gebieten eine vermehrte Geschäftstätigkeit herbeigeführt hat. Die natürliche Folge dieser Aufwärtsentwicklung in der Wirtschaft war einmal em lebhafter Warenaustausch, den die Reichsbahn als hauptsächlichster Träger des allgemeinen Verkehrs zum großen Teil vermittelt hat, dckin aber auch ein erweiterter Reiseverkehr für berufliche und sonstige Zwecke, an dem die Reichsbahn ebenfalls mit entsprechenden Mehrleistungen teilgenommen hat. Die Ergebnisse der Derkehrs- unb Betriebsleistungen weisen daher in nahezu sämtlichen Gruppen (Personenkilometer, Tariftonnenkilometer, Achs- und Zugkilometer des Personen- und Güterverkehrs) im Vergleich mit 1934 wiederum eine beträchtliche Steigerung auf. Bolschewistische MustriepoM. Die Bedarfsdeckungsindustrie hat versagt. Moskau, 2. April. (DNB.) Der Kampf um die Stachanow- Bewegung in. der Sowjetindustrie hat ein neues Opfer gefordert. Der Rat der Volkskommissare und der Zentralausschuß der Partei haben sich mit dem Versagen der Leichtoder Bedarfsdeck unasindu st rie besaßt und dem zuständigen Volkskommissar L u b i m o w einen ft r e n g e n Verweis erteilt, ßubimom soll seit Jahren die Tätigkeit eines wissenschaftlichen Institutes der Arbeit geduldet haben, das völlig unnütz sei. Der Volkskom- missar habe leichtsinnigerweise dem Institut dl» Regelung von Arbeitsnormen übertragen, sich seiner Tätigkeit gegenüber völlig unkritisch verhalten und die Verschleuderung ungeheuerer Mittel zugelassen. Vor allem aber habe er nichts getan, um die Arbeit des Instituts mit den er« höhten Erfordernissen der Produk- t i o n in llebereinftimmung zu bringen. Deshalb wird die völlig unnütze Organisation des wissenschaftlichen Instituts a u f g e I ö ft, dem Volkskommissar werde zur Pflicht gemacht, die letzten Beschlüsse der Partei über die neuen erhöhten Produktionsnormen unbedingt zur Durchführung zu bringen. Gespannte Lage in Spanien. Madrid, 2. April. (DNB. Funkspr.) Die innerpolitische Lage in Spanien ist angesichts der am 12. April ftattfinbenben Gememdewahlen außerordentlich gespannt. Aus der Provinz werden wieder Ausschreitungen linksradikaler Landarbeiter gemeldet. In Vadolatosa bei Sevilla versuchten Landarbeiter mehrere Polizeibeamte zu entwaffnen. Dabei kam es zu einer Schießerei, die vier Todesopfer und vier Verletzte forderte. In Cosmella bei Malaga wurden bei einem Zusammenstoß zwischen Gutsbesitzern und Landarbeitern zwei Personen getötet. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Durch die Verlagerung des Tiefwirbels von Südengland zur deutschen Nordsee hat sich seine Einflußnahme auf unser Wetter verstärkt. Gleichzeitig sind kältere Luftmassen vom nördlichen Eismeer weiter südwärts vorgestoßen und machten sich bereits heute früh in Skandinavien, aber auch in Nord- und Mittelengland bemerkbar. Sie werden weiter auf das Festland Vordringen und auch dort stärkere Abkühlung, voraussichtlich auch den Aufbau eines Hochdruckgebietes bringen. Aussichten für Freitag: Wechselnd bewölkt mit vereinzelten Schauern, bei lebhaften Winden um Nord Abkühlung. Aussichten fürSamstag: Zunächst trockeneres und vielfach heiteres Wetter, nachts noch etwas kälter. Lufttemperaturen am 1. April: mittags 13,2 Grad Celsius, abends .11,6 Grad; am 2. April: morgens 11,6 Grad. Maximum 14,1 Grad, Minimum heute nacht 10,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. April: abends 11,5 Grad; am 2. April: morgens 10,4 Grad. — Niederschläge 2 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. II. 36: 10 556. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange,K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. An alle Hausfrauen! 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In keinem Lande dürfte man so viel Gelegenheit haben, Ermahnungen an alle Welt, Werturteile und herablassende Betrachtungen über Einzelmenschen und Völker, subjektive Schilderungen von Tatsachen und Entwicklungen zu hören, wie in Frankreich. Es mag daran liegen, daß der unentwegte Individualismus der Franzosen die Existenz einer unübersehbaren Vielheit von Zeitungen, Zeitschriften oder sonstigen Druckerzeugnissen und die Bekanntmachung einer unaufhörlichen Reihe von Reden, Vorträgen und Entschließungen begünstigt. Selbst wenn man von den mündlichen und schriftlichen Aeußerungen absieht, die nichts anderes sein sollen als ein gefälliger Rahmen zu einem geistreichen Einfall, wird man auf eine unübertroffene Menge von ernst gemeinten Belehrungen der gesamten Umwelt stoßen. Freilich macht der Franzose in dieser Hinsicht auch vor keinem seiner Landsleute Halt mag er nun Privatmann oder Präsident der Republik sein. Er scheut sich auch nicht, sämtliche Einrichtungen Frankreichs zu zerreden und zu zerlegen Aber das ist schließlich seine eigene Angelegenheit. Wird die Welt jedoch auf die Schulbank verwiesen, um zu lesen oder zu hören, was sie gut oder schlecht gemacht hat, so muß sie versucht sein, in die unumstößlichen Grundsätze ein^udringen, die dem französischen Lehrmeister als Ausgangspunkt seines Un- terrichts dienen. Hier beginnt freilich die Enttäuschung: wer sich in dem heutigen Frankreich umsieht, findet keine allgemein anerkannte Grundlage für etwas, was man als eine Weltanschauung ansprechen könnte. Viele Franzosen vergessen, wie weit jene Zeit zurückliegt, in der eine neue Lehre von ihrem Lande auf andere Völker und Staaten Übergriff; sie begreifen nicht, daß einst lebendige Bekenntnisse mit der Zeit zu toten Schlagworten geworden sind. Es ist nicht zu leugnen, daß dasselbe Frankreich, das damals ungestüm zur Entwicklung drängte, heute im wesentlichen auf die Verteidigung eines überlebten Zustandes bedacht ist und an diesem Maßstab die Umwelt mißt. Wie oft wird hier gesagt, man müsse einen„ Unterschied machen zwischen dem „tatsächlichen" und dem „verfassungsmäßig - gesetzlichen" Frankreich, worunter vor allem die gesetzgebende und die ausführende Gewalt gemeint ist. Ader abgesehen davon, daß eine Aufgliederung in diese Bestandteile nicht leicht ist, weil alle Franzosen für sich die Zugehörigkeit zum „tatsächlichen" Frankreich in Anspruch nehmen und bei näherer Betrachtung auch Kreise, die nicht zum „verfassungsmäßig-gesetzlichen" Frankreich zählen, sehr eng an dessen Aufbau angeschloffen sind, kann für den außenstehenden Beobachter doch in erster Linie nur die Summe der Wirkungen von Interesse sein, die Frankreich als Ganzes genommen über seine Grenze hinaus auszuüben versucht. Dazu gehören die unzähligen außenpolitischen Vorträge, Reden und Entschließungen und Artikel, die die Hauptstadt in Form von Belehrungen ständig bietet. Sie werden mit dem Brustton der Ueberzeugung vorgetragen oder niedergeschrieben und finden Eingang in die Kanäle der außenpolitischen Arbeit Frankreichs. Draußen weiß man vielfach nicht oder will es nicht wahr haben, daß die Urheber der Belehrungen sich längst untereinander nicht mehr einig über Gut und Böse sind. Die glänzende Fassade Frankreichs und seine wirksamen Einflußmöglichkeiten täuschen darüber hinweg, daß dieses Land von einer schweren Krise heimgesucht ist! Die Vorgänge hinter diesen Kulissen, die sich in der letzten Zeit hier abgespielt haben, können nur zu einem Teil durch das steigende Wahlfieber entschuldigt werden. Wenn Polizeiknüppel die Rechtsfakultät in Paris räumen mußten, damit ein Professor nicht durch Stinkbomben daran gehindert wird, seine umstrittenen Rechtsauffassungen vorzu- Wann wurde die Buchdruckerkunst erfunden? Von Or 2l. kuppel, Direktor des Gutenberg-Museums in Mainz. Das genaue Datum der Erfindung der Buchdruckerkunst ist unbekannt. Es kann auch nicht mehr festgestellt werden, da genügende Anhaltspunkte für eine solche Feststellung fehlen. Wir wissen also weder den Tag noch das genaue Jahr, wann diese größte und folgenreichste aller Erfindungen gelang. Mancherlei Einzeldinge, die in der Buchdruckerkunst auftreten und zu ihrem eisernen Bestand gehören, waren längst vor Gutenberg bekannt. Ich erinnere an die Siegel und Münzen, die schon die Assyrier und Babylonier, dann die Griechen und Römer, zuletzt die Meister des Mittelalters aus geschnittenen Formen herstellten; an die Stempel, mit denen die Töpfer des Altertums ihre Namen auf ihren Erzeugnissen anbrachten; an das Gießen des Schwermetallgeldes der Römer; an die Einzelbuchstaben der Leseschulen, von denen schon Cicero spricht; an das Bedrucken von Geweben mit eingefärbten Holzmodeln, das schon den alten Aegyp- tern bekannt war. All diese Techniken, die in der Buchdruckerkunst wieder auftreten, sind uralt. Das Genie des Erfinders bestand eben darin, diese Urelemente zu einem Zwecke zu vereinigen, der selbst wieder eine ganz große Erfindung darstellte. Wann diese Vorstufen der Buchdruckerkunst zum ersten Male auftraten, ist für unsere Frage belanglos; denn es handelt sich für uns hier nur darum, festzustellen, wann die Buchdruckerkunst so erfunden war, daß man brauchbare ^eroielfalt^ gungen von Texten damit erzielen konnte. Es muß jedoch noch die Vorfrage geklärt werden, welche Kunst der Textvervielfältigung als Buchdruckerkunst betrachtet werden kann. Der Holztafeldruck, der schon Jahrhunderte vor Gutenberg in China meisterhaft ausgeubt wurde, und der zu Gutenbergs Lebzeiten auch in Europa, besonders aber in den Niederlanden eifrige und geschickte Pflege fand, scheidet für unsere Frage aus; denn er gestattete ja nicht die unbegrenzte Beroiel- ^ältigung von Texten aller Art und die immer neue Verwendung des gleichen Materials für immer neue und andere Bücher. Auch die sehr frühe ostasiatische Erfindung, durch die man Texte mechanisch vervielfältigen konnte, müssen wir hier außer Betracht lassen. Zwar hat der chinesische Schmied Pa Scheng in der 3cl* zwischen 1041—1049 unserer Zeitrechnung schon tragen, wenn ein Parteiführer von politischen Gea- nern auf offener Straße und bei hellichtem Tage so gründlich verprügelt wird, daß er sich in Krankenhausbehandlung begeben muß, wenn in öffentlichen Kammersitzungen nicht nur die Abgeordneten untereinander sich mit Schimpfworten belegen, sondern sogar der Ministerpräsident sich zu nicht gerade schmeichelhaften Ausdrücken hinreißen läßt, so trägt die bevorstehende Wahl an diesen Vorgängen nur den geringsten Teil der Schuld. Bisher hat man die widerstrebenden Geister mit dem Schlagwort einer „drohenden Gefahr" gebannt. Aber allmählich ist dieses Mittel immer unwirksamer geworden, weil die Wirklichkeit von Wahnvorstellungen auf die Dauer ja nicht verdunkelt werden kann. Nun zeigt es sich, wie gefährlich eine im wesentlichen negative Politik sein kann, weil sie niemanden begeistert. Verteidiger der Republik, Verteidigung des Franken, Verteidigung des Friedens, Verteidigung des Völkerbundes, Verteidigung der Verträge! Es gibt noch vieles, was „verteidigt" wird. So zeigt Frankreich sich beständig in irgendeiner Abwehr. Viele Franzosen fragen sich, ob es nicht besser wäre, die Staatsfinanzen durch Ankurbelung der Wirtschaft und folglich durch internationale Zusammenarbeit so zu ordnen, daß das Schatzamt z. B. seine Bedürfnisse nicht im Auslande zu decken braucht, weil es sich gegen die Hortung nicht zu verteidigen vermochte... Bei der Aussprache über den französisch-sowjetrussischen Pakt in der Kammer kam der latente Wunsch einer Reihe von Abgeordneten zum Ausdruck, die Voraussetzungen für die angeblich nötige Verteidigung durch eine Politik der Ver - ftänbigung zu beseitigen, statt um der 23er» teibigung willen Verpflichtungen zu übernehmen, bie nur sehr zweifelhafte Gegenleistungen aufweisen. Die „Einigkeit" über bie zu befolgenbe Linie war jeboch so stark, baß zwei Abgeorbnete sich schließlich ohrfeigten. Ist es bann ein Wunber, baß ganze Gruppen außerhalb bes Parlamentes sich gegenseitig als „Schufte" unb „Mürber" bezeichnen? Unb boch scheinen bie führenben Kreise bes heutigen Frankreichs bie Zeichen ber Zeit nicht zu verstehen. Ober sie lassen sich langsam einer revolutionären Entlobung entgegentreiben, bie bie künstliche Front- bilbung zwischen Rechts unb Links beseitigen unb neue Ibeale schaffen ober — — im Bolschewismus enben kann! Auf alle Fälle hat Frankreich keine Veranlassung, ben Lehrmeister zu spielen. DasIahr der Blumen. Die Pflanzenwelt im April. „Dorn Eise befreit finb Strom unb Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick..." läßt Goethe den Faust ausrufen. Diese Worte des Osterspazierganges erwecken in uns die ganze Stimmung des Ostermonats, des April. Es regt sich an allen Enden, der Saft steigt in Strauch und Baum, bie Zahl ber Frühlingsboten nimmt fast täglich zu. Also auf! Laßt uns hinaus in ben jungen Lenz roanbern und bie farbenfrohen Blüten begrüßen. Zwar haben wir im März schon eine ganz stattliche Zahl von Frühblühern gefunben, boch sie saßen verstreut unb bann oft nur einzeln. Man mußte sie suchen, wenn man ihnen nicht im Garten eine Freistatt geschaffen hatte. Der Uebergang von Enbe März zu ben ersten Aprilwochen ist so scharf nicht, erschienen boch einige unserer Märzblumen erst „kurz vor Toresschluß". So werben wir also unsere alten Bekannten auch im neuen Monat wiebersehen; einige haben aber schon ausgeblüht, wie ber Winterling, ber Seibelbast; bie Schneeglöckchen unb anbere mehr folgen ihnen halb. Unb was erscheint an neuen Blüten? Schon im März hörten wir bie manchen wohl erftaunenbe Kunbe: an ber Bergstraße blühen bie Manbelbäume. Nun, so gesegnete Lanbstriche finb Ausnahmen. Wir hier find bescheidener, wir wissen: im Mai erst blühen und belauben sich die meisten Bäume und Sträucher bei uns. Aber der April bringt doch schon die Blüte der Obstbäume unb die mancher Beerensträucher und gegen Ende auch andere, wie Hollunder, Schwarzborn ober Schlehe, Birke, Heckenkirsche unb „planmäßig" am 30. April sogar schon ben Flieber (Syringa vulgaris). Der erste Neuankömmling unter den Blumen, ber sich zu benen bes vorigen Monats gesellt, soll ber mittlere Lerchensporn (Corydalis fabacea ober intermedia) sein. Phcinologische Tabellen nennen ben 4. April als Tag seines Erblühens im vieljährigen Mittelwert. Wir waren uns schpn früher barüber einig geworben, nicht bloß einen Blüten- kalenber herunterzulesen, sonbern wollen mit wachen Augen durch bie Landschaft streifen und die Pflanzen an ihren angestammten Standorten beobachten. Aber auch damit kann es feine Schwierigkeiten haben, da [er sehr viele Pflanzen sehr „weitherzig" (euryök), wie der Fachmann sagt, in der Wahl ihres Platzes sind. Was wir zuerst betreten, kann man als den Standort „Wegrand" zusammenfassen. Der kann aber sehr mannigfaltig sein unb bamit auch feine Pflanzengesellschaft, je nachbem, ob es ein „sonniger Wegrain" zwischen Walb und Feld ist, ob einer zwischen Aeckern, zwischen Gärten, an Zäunen oder an Hecken vorbei, oder was sonst für einer. Deshalb wollen wir lieber bie Pflanzen in ihrer ursprünglichen unb hauptsächlichen Umgebung mit nennen, ohne bamit bie felbftänbige Eigenart bes „Wegran- bes" leugnen zu wollen. Gleich nebenan auf ben Aeckern unb Felbern wachsen, hier wie bort, ber Reiherschnabel (Erodium cicutarium) mit seinen kleinen hellpurpurnen Blütchen unb ber „beliebte" Ackerschachte l h a l m (Equisetum arvense) unb noch einige Begleiter bes Weges. Dem Efeu-Ehrenpreis folgt jetzt bas auch an Wegen unb auf Grasplätzen oorfommenbe Feld-Ehrenpreis (Veronica arvensis) und bann, noch viele anbere Verwanbte, bie aber mehr fanbitfe Aecker unb Triften bevorzugen, etwa bas Frühe Ehrenpreis (V. praecox), bas Frühlings-Ehrenpreis (V. verna), bas Dreiteilige unb anbere örtlich beschränktere. Als erstes aus ber Familie Vergißmeinnicht öffnet das Sanbvergißmeinnicht (Myosotis are- naria) feine hellblauen Blüten. Balb wirb aber Gelb bie vorherrfchenbe Farbe bes Ackers fein, Gelb in verschobenen Tonen unb Blütenformen. Zu bem gelben Huflattich, bem Acker-Golbstern unb bem Gänsefingerkraut gesellen sich jetzt bas gelbe Kleine Stiefmütterchen (Viola tricolor arvense), bie außen grünen, innen gelben Blütenbolben bes Wiesengolbsterns (Gagea pratensis), ber auch auf Aeckern häufig ist, trotz seines Namens, unb anbere bieser frühblühenben Familie, zum Teil im Laubwalb, wie ber Gelbe Golbstern (Gagea lutea) ober auf Grasplätzen ober felsigem Untergrunb. Ein Standort besonderer Art bildet jede Wiese und Weide. Hier stehen sehr viele Pflanzen verschiedener Art, Gräser, Seggen und Kräuter auf engem Raum mit meist fest ineinander verflochtenem Wurzelwerk dicht zusammen. Viele Beobachtungen über die Mittel und Wege der Anpassung kann man hier machen. Da die meisten Pflanzenarten hier mit unübersehbaren Einzelformen auftreten, ändert sich bas Bilb ber Wiese alle paar Wochen. — Vorläufig ist bie Wiese noch fahl unb grau, erst nach ber brüten Aprilwoche werben bie Gräser roieber ergrünen. Enbe März unb Anfang April prangt bie Wiese in leuchtenbem Gelb ber Schlüsselblu- i m e n , bann erscheint sie rötlich-weiß von ben weißen I rötlich-violetten zarten Blüten des Wiesen- Ischaumkrautes (Cardamine pratensis). Dies wird bald abgelöst von dem kräftigen Gelb des Löwenzahns (Taraxacum off.), der auch als gehaßtes Unkraut auf den Aeckern vorkommt. Ist er verblüht, so verwandeln seine „Pusteblumen" die Wiese für kurze Zeit in Weiß. Sv wird uns bis tief in den Sommer hinein ein dauernder Farbenwechsel erfreuen. Als Vorhut der großen Familie der Hahnenfußgewächse zeigt der Frühlings- ober Golb-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus) feine bekannte gelbe Blüte. Auf feuchten Wiesen, in Sümpfen unb am Ufer ist es noch zu früh zum Wiebererwachen, außer ben Weiben unb anberen Holzgewächsen, wie etwa ber 5 aulbaum ober Traubenkirsche (Prunus Padus), stehen bie rötlichen Blütentrauben ber Pestwurz, bie wir schon im März trafen, noch allein. Erst gegen Enbe bes Monats leistet ihr bie stattliche Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) mit ihren großen bottergelben Blüten Gesellschaft. Sie zieht sich auch in feuchte Stellen ber Wälber hinein, wo auch bas Milzkraut, bas wir schon früher erwähnten, zu finben ist. Nach ben Tabellen hat am 29. April bie Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) ihre gelblichen, von braunen Kelchblättern fast Der« betften Blüten zu öffnen, sie ist also eigentlich eine Pflanze, bie im Mai blüht. Auf trockene Wiesen unb Triften beschränkt sich zum Beispiel bie Vogelmilch (Ornithogalum umbellatum) mit ihren hübschen, weiß-grünen Dol- bentrauben — allerbings kommt sie auch auf anderen trockenen Orten, etwa Aeckern, vor —, weiter das kleine gelbe Frühlingsfingerkraut (Poten- tilla verna), die Bleiche Miere (Stellaria pal- lida), ein nicht häufiges, hellgrünes Pflänzchen, dem meistens die Kernblätter fehlen, die gelbblütige Z y - preffenwolfsmilch (Euphorbia cyparissias), dann die Bera-Walderbfe (Orbus taber- nosus ober auch Lathyrus montanus genannt), mit ihren anfangs hellpurpurnen, später blau anlaufen» ben Kronenblättern. Einen ganz anberen Bau zeigt roieber bas gemeine Kleine Knabenkraut (Orchis morio). Sonnige Kalkhänge bevorzugt bas hellgelb glänzenbe Frühlinssonnenröschen (Adonis vernalis), ein Halbschmarotzer. Noch mehr auf Bergroiesen unb Walbblößen finb bas Bleiche Knabenkraut (Orchis pallens) und der blaue Frühlings-Enzian (Gentiana verna). Ein Halbgras wollen mir auch nicht ausschließen, die Iuncacee (Luzulla campestris), das Hasenbrot ober Felbmarbel. Diese ganze Gesellschaft zieht sich von ber Wiese auch ins Gebüsch unb in lichte Wälber unb Walblichtungen hinein. Auf Schutt, an Hecken unb Zäunen begegnen wir bem gelben Schöllkraut (Chelidonium majus), ber häufigen Weißen Taubnessel (Lamium album); bie bunte!« rote Umfaffenbe Taubnessel (L. amplexi- caule) bagegen steht mit ber schon im März genannten Purpurroten Taubnessel auf bebautem, sanbig-lehmigem Boben. Reine Gewächse ber Buschhecke, bes Walbrandes und des lichten Laubwaldes gibt es schon eine ganze Anzahl. Zu den noch blühenden Märzblumen noch einige verspätete Verwandte und einige neue Vertreter. Als erste folat der schon vorhin genannte Mittlere Lerchensporn seinen Brüdern, bann bas Wunberveilchen (Viola mirabilis), später bie weiße Walb-Erbbeere (Fragaria vesca). Weiße Blüten leuchten her vom Hain- ober Sauerklee (Oxalis acefoselh), bem Erbbeer-Fingerkraut, bem Knob « lauchsheberich (Alliaria off.) und her Großblumigen ober Sternmiere (Stellaria holo- stea). — Gelb zeigt uns bas Sch arbockskraut ober bie Frühlings-Feigwurz (Ranunculus ficaria [verna]) an, weiter bas Gelbe Windröschen (Anemone ranunculoidesY ben haaria-m Gold-Hahnenfuß (R. auricomus) unb manchmal schon bie Goldnessel (Galeobdolon luteum). Ein sonberbares Gewächs ist bie Haselwurz (Asarum europaeum) mit ihrer bräunlichen, innen bunkelrötlichen, glockigen Blütenhülle. Die Frühlings- unb bie Berg-Platterbse (Lathyrus vernus unb montanus) und die Schuppenwurz (Lathraea squamaria) blühen I ■ ■ I— ■ ■ I 11 ■ B mit Einzelzeichen gedruckt. Aber diese Einzelzeichen waren aus Ton gebrannt unb beshalb einerseits sehr schwer herstellbar, anbererfeits auch nicht roiber» standssähig genug für eine größere ober gar unbeschränkte Anzahl von Abbrucken. Dauerhafter waren bie Wortzeichen, mit benen bie Koreaner kurz nach bem Jahre 1400 in Söul chinesische Literatur brückten; denn diese Zeichen waren in Kupfer gegossen. Hier finden wir ein Urelement, bas für bie Buchbruckerkunst wesentlich ist: das in Metall gegossene Zeichen. Aber die Buchbruckerkunst, bie sich später bie Welt eroberte, war die koreanische Erfinbung noch nicht. Der chinesisch-koreanischen Schrift fehlte ja bas zweite wesentliche Element, bas ber Einzel- buchstaben, bie man zu beliebigen Worten, Zeilen, Seiten unb Büchern zusammensetzen unb bann roieber vollstänbig auseinanbernehmen konnte, um mit bem gleichen Material roieber ganz anbere Wörter, Zeilen, Seiten unb Bücher zusammenzufügen. In ben ostasiatischen Sprachen hat iebes Wort fein befonberes Zeichen. Es mußten also so viele Zeichen gegossen werben, als bie Sprache Wörter hat; währenb bie Völker, bie bis zur Buchstabenschrift vorgeschritten waren, nur bie 24 Zeichen bes Alphabetes brauchten, unb mit biefen 24 Zeichen auch bie umfangreichsten Bücher Herstellen konnten. Die ostasiatische Erfinbung ist baher auch nicht über ben Kreis ber ostasiatischen Wortsprachen hinaus verbreitet worben. Wenn biese Erfinbung zweifellos eine große Tat menschlichen Geistes war, beren 500. Wieberkehr man mit Recht vor 30—40 Jahren hätte feiern können, so war sie boch nicht bie Erfinbung ber Druckkunst, bie sich die ganze Welt eroberte. Diese Erfindung, die bas Weltbild von Grund aus änderte, geschah ein Menschenalter später durch Johannes Gutenberg in Mainz. Es ist natürlich, daß man diese größte und folgenschwerste Erfindung, die sich die Welt eroberte, gern einem Mann aus dem eigenen Volke, aus den eigenen Mauern oder gar aus der eigenen Familie zugeschrieben hätte. So lassen sich die Bestrebungen erklären, daß manche dem Mainzer Johannes Gutenberg die Erfindung absprachen, um sie einem anderen zuzusprechen. Wie sich im Altertum sieben Städte um die Ehre stritten, Geburtsstadt Homers zu sein, so stritten sich sieben Länder um die Ehre, den Erfinder der Buchdruckerkunst geboren zu haben; und jedes Land nennt einen anderen Namen: Prokop Wald- foghel aus Prag zu Avignon in Frankreich, Pam- filo Castaldi zu Feltre in Italien, Johann Mentelin aus Schlettstadt zu Straßburg im Elsaß, Johannes Brito ^u Brügge in, Flandern, Johannes Fust aus Mainz und Peter Schäffer aus Gernsheim zu Mainz, sowie schließlich Laurenz Janszoon Coster zu Haarlem in Holland. Im Rahmen dieses Artikels kann ich die Ansprüche der Genannten auf die Ehre, Erfinder der Druckkunst zu heißen, nicht im einzelnen widerlegen; ich verweise daher auf mein Büchlein „Die Heimatstadt der Druckkunst", Mainz 1926. Dort habe ich nachgewiesen, daß nur einer von allen auf die Ehre eines Erfinders der Buchdruckerkunst Anspruch erheben kann: und dieser eine ist Johannes Gutenberg aus Mainz. Wenn wir den Zeitpunkt, zu welchem die 500- Jahrfeier ber Druckkunst ftattfinben soll, wissenschaftlich festlegen wollen, müssen wir zuerst feststellen, wann hat bieser Johannes Gutenberg ben ersten, mit einzelnen gegossenen Metall-Lettern hergestellten Druck hervorgebracht. Sehen wir bie vorhanbenen frühesten Erzeugnisse ber Typographie, die ja mit jeder wünschenswerten Akribie durchleuchtet wurden, einmal an, so müssen wir das im Gutenberg-Museum zu Mainz verwahrte „Fragment vom Weltgericht" als das älteste typographische Erzeugnis der Buchdruckerpresse betrachten. Es ist mit der Urtype Gutenbergs hergestellt, in der auch eine ganze Anzahl von lateinischen Schulgrammatiken und Kalendern gedruckt sind. Einer dieser Kalender ist für das Jahr 1448 bestimmt, muß also schon Ende 1447 gedruckt gewesen sein. In ihm finden wir aber schon eine so fortgeschrittene Schriftguß- und Satztechnik, daß er nicht den ersten Druckversuch Gutenbergs darstellen kann. Alle Anfangsschwierigkeiten zeigt am deutlichsten das oben erwähnte „Fragment vom Weltgericht", dessen Herstellungszeit wir also einige Jahre vor den Kalender für 1448 ansetzen müssen. Wir kommen dabei etwa auf bas Jahr 1445. Ueberraschen- berroeife stimmt damit die Tatsache überein, daß jenes „Fragment vom Weltgericht" ganz offenbar in Mainz entstand, wohin Gutenberg frühestens im Sommer 1444 zurückgekehrt sein dürfte. Aus der Straßburger Zeit Gutenbergs ist nicht das geringste Bruchstück eines typographisch hergestellten Druckes überliefert; wir müssen daher annehmen, daß Gutenberg in Straßburg noch keinen brauchbaren Druck Herstellen konnte. Nach diesem Resultat dürfte, genau genommen, die 500-Jahrfeier der Erfindung der Buchbruckerkunst nicht vor bem Jahre 1945 ftattfinben. Nun aber haben unsere Vorfahren bie bisherigen Jahr- hunbertfeiern 1540, 1640, 1740 unb 1840 abgehalten, unb zwar von Jahrhunbert zu Jahrhunbert mit fteigenber Pracht unb fteigenber Beteiligung ber Jünger Gutenbergs in ber Welt unb aller be= rer, die sich bem großen Erfinder zu Dank verpflichtet fühlten. Somit wäre es ein Unrecht, diese Tradition unserer Väter umzustoßen. Daher hat auch I die Stadt Mainz, die Heimatstadt und Wiege der Druckkunst, beschlossen, die 500-Jahrfeier ber Druckkunst im Jahre 1940 festlich zu begehen. Niemanb, ber seine Lebensarbeit auf ber großen Erfindung Gutenbergs aufgebaut hat, unb niemanb, ber an einem gut gebrückten Buche innere Freube empfinden kann, wird es versäumen, am Johannistage des Jahres 1940 eine Wallfahrt an bie Geburts-, Arbeits- unb letzte Ruhestätte bes Meisters zu machen, um ihm, der nie das beglückende Gefühl erleben durfte, von feinen Zeitgenossen anerkannt zu werden, den Dank und die Verehrung der Lebenden darzubringen. Wieviel Elche gibt es? Vor wenigen Jahrzehnten noch hatte es zum größten Leidwesen aller Naturfreunde den Anschein, als ob der' Elch in Europa ausfterben würde. Damit wären wir um die gewaltigste Hirschart ärmer geworden, die von der Vorzeit an bis in unsere geschichtliche Vergangenheit über viele Sumpf- unb Walbgebiete Mittel-, Ost- unb Norbeuropas verbreitet war unb bie bann von d"r Zivilisation immer weiter zurückgebrängt wurde. Nach den Angaben bes bekannten Zoologen Dr. Lutz Heck bürten bie letzten noch vorhanbenen Bestände dieses Hirschriesen, wie in ber im Hugo Bermühler Verlag erscheinenben Zeitschrift „Der Naturforscher" ausgeführt wird, jeboch jetzt als gesichert betrachtet werben. 1935 besaß Deutschlanb in Ostpreußen 1200 bis 1400 Elche, in Mecklenburg 10 unb in ber Schorfheibe 20 bis 30 Stück. Schweden hat mit 20 000 bis 25 000 Stück ben größten Elch- beftanb, aus dem jährlich zwischen 4000 bis 6000 Tiere abgeschossen werden dürfen. In Norwegen gibt es ungefähr 7000 Elche, von denen 1000 Stück im Jahr abschußfrei sind. Polens Elchbestand wurde vor drei Jahren auf 450 Stück angegeben, infolge der strengen Schutzmaßnahmen hat' er in der letzten Zeit aber zweifellos zugenommen. Im Jahre 1931 hatte bie polnische Regierung beispielsweise nur 8 Tiere für ben Abschuß freigegeben. In Finnland kommt der Elch nur vereinzelt vor, und zwar wechselt er von Osten her ein, nämlich von Rußland, die wenigen Tiere werden meistens erlegt. Aui den Aalands-Jnseln sind rund 200 Elche gezählt worden. Estland gab seinen Bestand 1931 mit nur 120 Stück an, und Lettland besitzt etwa 300 dieser Tiere. Die Zahl ber Elche im europäischen Ruß» lanb wirb auf runb 20 000 geschäht. In ben meisten ßänbern finb so weitgehenbe Schutzmaßnahmen getroffen worben, baß um bie Erhaltung dieser Hirschart aller Voraussicht nach keine Sorge mehr besteht. hi Rot verschiedener Tönung. Blau sind das kleine Immergrü n (Vmca minor) und das Wald- Veilchen (Viola silvatica). Unscheinbar sieden neben dieser Farbigkeit die grünlichen Blüten Der Süden Wolfsmilch (Euphorbia dulcis) und des Bingelkraut e s (Mercurialis perennis) und das wenig bekannte B i s a m k r a u t (Adoxa Mo- schatellina) oder Moschusblümchen. Wie schon im Februar, so brechen auch jetzt noch die meisten Blüten im Schutze des Waldes und der Gebüsche auf. Eine ganze Reihe davon haben eine zweite Heimat in unseren Gärten gesunden, wie etwa die kleine Traubenhyazinthe (Mu&cari botryoides) und die große M. racemosum mit ihren blauen eigenartigen Blütenträubchen, die aber auch wild auf 2k(fern und an Waldrändern Mittel- und Süddeutscklands vorkommen, oder die Weiße Narzisse (Narcissus poeticus) und noch mehr die P f i n g st r o s e (Paeonia corallina), die nur noch verwildert im Freien vorkommen. — Das wären wohl die Pflanzen^ die wir im Laufe des Monats April blühend anträfen. Sicherlich bekommt nicht jeder alle, die hier genannt sind, auf einen Wanderungen durch Feld und Wald zu Ge- icht. Man muß die Umgegend seines Wohnortes chon gut kennen, um nicht an versteckt oder nur verstreut Blühenden vorveizugehen. Andererseits gibt es Gebiete, in denen selbst der Kenner vergebens suchen würde, weil diese oder jene Pflanze nur beschrankte Verbreitung hat. Hatten wir für die vergangenen Monate leicht je eine bezeichnende Blume finden können, so ist es bei dieser Fülle, die sich uns jetzt schon bietet, schwierig, eine mit Allgemeingültigkeit zu wählen, da mag jeder nach seinem Geschmack entscheiden. Sicherlich sind die Goldsterne, die beiden Narzissen und vor allem Veilchen und Schlüsselblume bezeichnend für den April. W. Neurath. Neues Nechisdeuken. *Wpd. Im Wesen der Gesetze liegt es beschlossen, daß sie für einen größeren Zeitraum Recht setzen sollen und nicht von heute auf moraen umgestoßen werden können. So konnte auch der Umbruch unserer Zeit nicht sofort ein fertiges neues Rechtssystem bringen, man konnte vorerst nur Teilgebiete gesetzlich neu regeln. Das wichtigste aber war, die bestehenden Gesetze und diejenigen Personen, die diese Gesetze anzuwenden oder auszulegen haben, mit dem neuen nationalsozialistischen Geist zu erfüllen. Die Vergangenheit krankte an einem überspitzten Rechts- ormalismus, an einem starren Festhalten am Buchtaben des Gesetzes, hinter dem der wahre Wille )es Gesetzgebers schon völlig verschwand. Daher kam es, daß viele Volksgenossen es oft nicht verstehen konnten, daß von den Gerichten Urteile gefällt wurden, die »zwar j u r i st i s ch unanfechtbar sein mögen, aber von dem gesunden Rechtsempfinden des Volkes weitab lagen. So kamen z. B. häufig Beitritte zu Konsumgenossenschaften dadurch zustande, daß man den zu werbenden Mitgliedern, meist einfachen Menschen, eine Mitaliedserklärung vorlegte, die diese dann unterschrieben, ohne über den wirklichen Inhalt im Bilde zu sein. Aber nach dem Buchstaben des Gesetzes waren sie Mitglieder geworden und hafteten unter Umständen mit ihrem Vermögen bis zur satzungsmäßigen Höhe. Manch einfacher Mann ist dadurch in Dermögensschwierigkeiten geraten und mußte jahrelang Schulden ab^ahlen. Ebenfalls wurden von skrupellosen Vertretern einfache Kunden, die sich ehrlich an die mündlichen Abmachungen halten wollten, Schriftstücke zur Unterschrift vorgelegt, die etwas ganz anderes enthielten. Im guten Glauben unterschrieb man dann und sah eines Tages vor Gericht die Folgen. Das ist heute anders geworden. Gesunde wirtschaftliche Grundsätze und die Vorstellung von einem ehrlichen anständigen Wettbewerb beherrschen Anwendung der Gesetze und Auslegung der Rechtsgeschäfte. Es geht nicht an, daß ein Volksgenosse, der mit dem wirtschaftlichen und rechtlichen Leben nicht ganz vertraut ist, von dem gerissenen, „versierten" Geschäftsmann hineingelegt wird. Ein Beispiel aus dem volksnahen Recht über Gehaltsschiebungen: Bisher war es möglich, daß sich ein verschuldeter Ehemann seinen Gläubigern dadurch entziehen konnte, daß er im Geschäft seiner Frau oder seines Vaters gegen Naturalunterhalt und ein geringes Taschengeld arbeitete. Nach dem Gesetze konnte man also diesen Unterhalt nicht pfänden. Der Gesetzgeber hat durch eine Neuregelung diesen Mißbrauch beseitigt, indem es so angesehen wird, daß dem Schuldner eine angemessene Geld- vergütung von dem Inhaber des Geschäftes gewährt wird. Dieser Vergütungsanspruch kann aber gepfändet werden. So wird auf allen Gebieten des Rechtslebens allmählich der Grundsatz nationalsozialistischer Weltanschauung verwirklicht werden, daß das Recht dem Volksempfinden entsprechen muß. Wirtschaft. Oie Deutsche Reichsbahn im Februar. Fwd. Die Betriebseinnahmen des Monats Februar stellen sich auf 277,88 Mill. Mk. und waren damit um 31,1 Mill. Mark höher als im gleichen Monat des Vorjahres. Die Erhöhung entfällt mit 8,3 Mill. Mark auf den Personen- und Gepäckverkehr, mit 21,7 Mill. Mark auf den Güterverkehr und mit 1,1 Mill. Mark auf die sonstigen Einnahmen. Die Ausgaben der Betriebsrechnung belaufen ich auf 258,26 Mill. Mark, wobei die monatlichen onftigen Ausgabeverpflichtungen nicht berücksichtigt ind. Oer Kartoffelmarkt in Hessen-Nassau. Die Speisekartoffelanlieferungen sind in Hessen- Nassau gegen Ende des vorigen Monats etwas zu- rückaegangen, was auf die starke Beanspruchung der Landwirtschaft durch das Legen von Frühkartoffeln 3urückzuführen ist. Die verfügbaren Mengen reichen sedoch vollkommen zur Deckung des in verschiedenen Gebieten größeren Bedarfes aus. Nach auswärtigen Bezirken fanden keine nennenswerten Lieferungen statt. Am Saatkartoffelmarkt wurden sämtliche Anlieferungen schnell ausgenommen. Fwd. Konkurse und Vergleichsverfahren. Nach Mitteilung des Statistischen Reichsamts wurden im März durch den „Reichsanzeiger" 226 neue Konkurse — ohne die wegen Masse- mangels abgelehnten Anträge auf Konkurseröffnung — und 40 eröffnete Vergleichsverfahren bekanntgegeben. Die entsprechenden Zahlen für den Vormonat stellen sich auf 230 und 56. Rhein-Mainische Börse. rMitagsbörse fest. Frankfurt a. M., 1. April. Da zu Beginn des Monats die Limite nicht immer vollzählig erneuert find, hatte das Geschäft auch heute nur kleinen Umfang. Soweit Aufträge aus dem Publikum Vorlagen, betrafen sie jedoch die Kaufseite, so daß an den Aktienmärkten unbeschadet kleiner Glattstellungen der Kulisse die Haltung wieder fest war. Im Durchschnitt stellten sich etwa Erhöhungen von 0,5 bis 1 v. H. ein. In der Farben-Aktie lagen kleine Sperrmarkkäufe vor, sie erhöhten sich auf 162,75 bis 163,25 (162,75), Scheideanstalt gewannen 2 v. H. auf 228, Metallgesellschaft 1,25 v. H. auf 114,75 bis 115, Deutsche Erdöl 0,50 v. H. auf 117,50. Von Montanwerten wurden Verein. Stahlwerke ex Dividende zu 83,50 (85,75) lebhafter umgefetzt, Hoesch gewannen 0,40 v. H., Buderus 0,25 v. H. Am Elektromarkt setzten Bekula 1,13 v. H., Ges- fürel 0,25 v. H., Mainkraftwerke 0,50 v. H. höher ein, Lechwerke Augsburg waren höher gesucht mit etwa 103 (100). Dagegen bröckelten AEG. unter dem Eindruck der Ausführungen auf der HV. weiter ab auf 36 (36,25). Von Einzelwerten gewannen AG. für Verkehr, Reichsbank, Holzmann und Kunstseide Aku bis 1,50 v. H. Deutscher Eisenhandel, Muag, Zellstoff Aschaffenburg, Hanfwerke Füssen und Westdeutsche Kaufhof kamen je 0,25 v. H. höher zur Notiz, Daimler gaben 0,25 v. H. nach. Schiffahrtsaktien schwächten sich weiter ab, Nordd. Lloyd 14,75 (15,40), Hapag 14,40 (15). Mbenbbörfe behauptet. Im Abendbörsenverkehr war das Geschäft klein. Die Stimmung war weiterhin zuversichtlich, die Befestigung der deutschen Äuslandswerte machte einen guten Eindruck. Im allgemeinen lagen die Kurse gegen den Berliner Schluß behauptet, soweit Abweichungen eintraten, hielten sie sich nach beiden Seiten im Rahmen von 0,25 bis 0,50 v. H. Weiter gedrückt waren AEG. mit 34,90 (35,13), ferner gingen AG. für Verkehr auf 109,50 (110) zurück. Montanaktien lagen durchweg freundlich. Der Rentenmarkt lag ruhig, Altbesitz ermäßigten sich auf den Berliner Schlutzstand von 111,40 (111,50) ferner bröckelten von zertif. Dollar-Bonds 6 v. H. Preußen auf 64,50 (64,75) ab. Schweizer Bahn-Anleihen lagen durchweg fest. U. a. notierten: Altbesitz 111,40, 6 v. H. Verein. Stahl 103,25, 4,5 v. H. Franks. Hyp. Gold R 8—10 96,50, 4,5 v. H. Rhein. Hyp. Gold R 2—40 96,50, 5,5 v. H. do. Liquid. 101,13, 4 v. H. Schweiz. Bundesbahn 200, 3 v. H. Eisenbahn-Rente 158, 3,5 v. H. Gotthard-Bahn 178, 3,5 v. H. Jura-Simplon 174, Commerzbank 91, DD-Bank 91,25, Dresdner Bank 91,50, Harpener 123,25, Mannesmann 84,50, Mansfeld 135, Rheinstahl 118,50. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 1. April. Der Frankfurter Getreidegroßmarkt zeigte gegen den Wochenanfang kaum eine Aenderung. Am Weizenmarkt hat sich das Angebot nicht verstärkt, die aus hiesiger Gegend vorliegenden Mengen werden von den Mühlen ausgenommen. Das Angebot in Roggen zeigt noch keine Zunahme, die Landmühlen bekunden weiterhin sehr lebhaften Bedarf; auch die arößeren Betriebe zeigen Nachfrage, Die mit norddeutschen Herkünften auf dem Wasserwege leichter befrie- Fwd. Im Februar 1936 sind die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen um 14 0,4 Millionen Mark auf 13 9 3 3 Millionen Mark geftiegen. Don dem Einlagenzuwachs entfielen 78,9 Millionen Mark auf den Einzahlungsüberschuß, 58,8 Mllionen Mark aus Zinsgutschriften und 2,7 Millionen Mark auf sonstige Buchunas- Vorgänge. Bei den Zinsgutschriften handelt es sich noch um Jahreszinsen für 1935, die erst im Be- richtsmonat den Sparern gutgeschrieben wurden. Die Verringerung des Einzahlungsüberschusses Ny Februar gegenüber dem Januar ist eine saison- mäßige Erscheinung; im allgemeinen pfkat der Einzahlungsüberschuß im Februar um 40 bis 50 v. H. geringer zu fein, als im Januar. Im einzelnen ist der Rückgang des Einzahlungsüberschusses stets darauf zurückzusühpen, daß die Einzahlungen stärker als die Auszahlungen abfinken. Im Verichts- monat haben sich die Einzahlungen gegenüber dem Vormonat um 203,7 Mllionen Mark, die Auszahlungen um 158,5 Mllionen Mark verringert. Stärker, als saisonmäßia erwartet werden konnte, sind wiederum die Depositen-, Giro- und Konto- digt werden kann. Der Futtergetreide- und Futtermittelmarkt liegt ruhig. Im Mehlgeschäft trat keine Veränderung ein. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in RM.: Weizen W 13 213, W 16 216, W 19 220, W 20 222, Roggen R 12 176, R 15 179, R 18 183, R 19 185 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Hafer —. Weizenmehl W 13 28,45, W 16 28,70, W 19 28,70, W 20 29,05, Roggenmehl R 12 22,45, R15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 RM. Fracht-Ausgleich. Weizennachmehl 16,75—17,00, Weizenfuttermehl 13,00—13,25; Weizenkleie W 13 10,65, W 16 10,80, W 19 11,00, W 20 11,10, Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Sojaschrot m. M. 16,20, Palmkuchen m. M. 16,30, Erd- nußkuchen m. M. 17,85. Treber getr. 17,80—18,00, Trockenschnitzel 9,28 ab südd. Fabriken, Heu 7,75, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt 3,50—3,70, gebündelt 3,20—3,50. Tendenz: ruhig. Sdjroeinemarft in Allendors a. d. £ba. I Allendors a. d. Lda., 1. April. Zu dem heute hier abgehaltenen Schweinemarkt waren 102 Stück Ferkel aufgetrieben. Infolge der hohen Preise hielten die Käufer zurück, und der Handel ging schleppend. Es kosteten je nach Qualität 5 bis 6 Wochen alte Ferkel 25 bis 27 Mark, 7 bis 8 Wochen alte Ferkel 28 bis 35 Mark. Es verblieb Ueberstand. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 2. April. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Dorauftrieb: 857 Kälber, 151 Schafe, 505 Schweine, 19 Rinder (darunter 4 Ochsen, 2 Bullen, 10 Kühe, 3 Färsen). Es kosteten: Kälber 40 bis 74 Mark, Härnrnel 43 bis 49, Schafe 36 bis 46, Schweine 51 bis 57 Mark. — Marktverkauf: Kälber lebhaft, Hämmel und Schafe ruhig, Schweine wurden zugeteilt. korrenteinlagen der Sparkassen, Girokassen und Kommunalbanken gestiegen; sie erhöhten sich rechnerisch um 89,9 Millionen Mark auf 2144 Millionen Mark. Vergleichsweise waren diese Einlagen im Februar 1935 nur um 64,1 Mllionen Mark, im Februar 1934 um 34,8 Millionen Mark und im Februar 1933 sogar nur um 24 Mllionen Mark angewachsen. Faßt man die Spareinlagen und die Depositen-, Giro- und Kontokorrenteinlagen der Anstalten im Unterbau der deutschen Sparkassenorganisation zusammen, so ergibt sich, daß die G e s a m t e i n - lagen um 230,3 Millionen Mark auf 16 077 Millionen Mark zugenommen haben. Sie haben damit erstmalig die 16-Milliar- den-Grenze überschritten, nachdem die 15-Mlliar- den-Grenze im April 1935, die 14-Mlliarden-Grenze im Mai 1934 erreicht war. Ohne Berücksichtigung der Gutschriften von Zinsen sowie der nicht durch den reinen Zahlungsverkehr bedingten Veränderungen haben sich die Gesamteinlagen um 171,1 Millionen Mark erhöht. Dieser Zuwachs war größer als in den Vorjahren seit der Machtübernahme. Weitere Steigerung der Sparkasseneinlagen im Februar. Schlachtet keine tragenden Kühe? Am Rentenmarkt zeigte sich zum Kuponter- min mäßige Nachfrage. Altbesitz 111,25 (111,13), späte Schuldbuchforderungen 98,25 (98), Kommunal- Umschuldung etwa 86,95 vis 87 (86,95) und Zinsvergütungsscheine ex heutiger Fälligkeit 92 (94)). Von variablen Industrie-Obligationen gingen 5proz. Der» eingte Stahl auf 98,50 (98,75) zurück, 1951er 93,75 (93,50), 6proz. 103,50 (103,25). Im Verlaufe war die Kursentwicklung am Aktienmarkt uneinheitlich, wobei sich Erhöhungen und Rückgänge etwa ausglichen. Schwächer waren erneut AEG. mit 35,13 nach 36, ferner ermäßigten sich AG. für Verkehr auf 110 nach 110,50, Scheideanstalt auf 227 nach 228, dement Heidelberg auf 135 nach 135,50. Höher waren JG.-Farben mit 163,50 nach 163,25, Verein. Stahlwerke mit 83,90 nach 83,50 und Muag mit 86 nach 85,50. Die erst später notierten Werte lagen bei kleinen Veränderungen uneinheitlich. Lechwerke Augsburg kamen mit 103 (100) zur Notiz. Am Rentenmarkt wurden Altbesitz mit 111,50 nach 111,25 lebhafter umgesetzt, die übrigen Werte lagen still und unverändert. Am Pfandbriefmarkt traten nur ganz geringe Abweichungen ein. Stadtanleihen lagen fast durchweg 0,25 bis 0,50 v. H. fester. Staatspapiere wiesen nur kleine Veränderungen auf. Von fremden Werten gewannen Anatolier I und II ex Kupon 1,13 v. H. auf 39,50 (39,50). Für Rumänen wurde infolge der Ungewißheit in der Kuponfrage für heute die Notiz ausgesetzt. Ungarn und Mexikaner, sowie neue Türken lagen etwas schwächer. Tagesgeld nach dem Ultimo wieder leicht mit 2,75 (3,25) v. H. Nachdem bereits in einer früheren Anordnung das gewerbliche Schlachten von eindeutig unreifem Jungvieh für das gesamte Reichsgebiet unterbunden worden war, hatte Ende vorigen Jahres die Hauptvereinigung der deutschen Viehwirtschaft eine Anordnung betreffend Verbot des Verkaufes von tragenden Rindern zu Schlachtzwecken bekanntgegeben. Damit wurde der Verkauf aller weiblichen Rinder, deren Trächtigkeit äußerlich feststellbar ist, untersagt. Lediglich Notschlachtungen, deren Vornahme von einem Tierarzt als notwendig erklärt sein muß, fallen nicht unter das Verbot. Weiterhin wurde damals bestimmt, daß in den Fällen, bei welchen die Trächtigkeit äußerlich nicht feststellbar war, nur das über 12 Kilogramm hinausgehende Gewicht der Tracht vom Lebendgewicht bei der Abrechnung in Abzug gebracht werden kann. Dagegen kann dort, wo eine Zurückweisung eines äußerlich sichtbar tragenden Tieres von der Schlachtung nicht mehr möglich ist, das Gewicht der Gesamttracht in Abzug gebracht werden. Der Reicks- und Preußische Minister des Innern hat nunmehr in einem Runderlaß seinerseits noch einmal die in der Fleischbeschau tätigen Tierärzte, sowie die Fleischbeschauer erneut angewiesen, auch ihrerseits darauf zu achten, daß tragende Tiere zur Schlachtung nicht zugelassen werden. Tierärzte und Fleischbeschauer haben Schlachttierbesitzer, die tragende Tiere zur Schlachtung stellen, deren Trächtig- I feit äußerlich feststellbar ist, auf die Anordnung der Hauptvereinigung über das Verbot des Verkaufs tragender Rinder zu Schlachtzwecken vom 12. 12. 1935 und auf die Strafbestimmungen dieser Anordnung hinzuweisen. Wird die Trächtigkeit 6et der Fleischbeschau ermittelt, so ist von den in der Fleischbeschau tätigen Tierärzten, sowie den Fleischbeschauern die Länge der Frucht vom Scheitel bis zum Schwanzansatz festzustellen. Dem zuständigen Marktbeauftragten, ober der zuständigen Kreisbauern fchaft ist unter Angabe der Kennzeichnung des Tieres uno Nennuna des Eigentümers Anzeige zu machen, wenn die Länge der Frucht über 35 Zentimeter beträgt. Mit dem erneuten Hinweis des Ministers des Innern wird die Wichtigkeit des Ende vorigen Jahres ausgesprochenen Verbotes des Verkaufs von tragenden Rindern zu Schlachtzwecken noch einmal unterstrichen. Alle Quellen zur Erzeugung von Fleisch müssen bestmöglich zur Ausnutzung gebracht werden. Die Schlachtung von trächtigen Tieren bedeutet aber eine nicht zu unterschätzende Einbuße an zur Zucht häufig noch verwendbaren Muttertieren und auch an Kälbern. Beides liegt nicht im Sinne der Erzeugungsschlacht, die bei Rindern und Kälbern darauf abgestellt ist, nach Ausfüllung der Lücken, die das Dürrejahr 1934 gerissen hat, eine angemessene Ausweitung des Stapels vorzunehmen. Abgesehen davon trägt die Anordnung aber auch dazu bei, den reellen Viehhandel zu unterstützen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben Die Höhe Der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankturl a. DJL | Berlin Frankkuri a.M. Berlin Schlußkurs Echlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittagbörse Schlußkurs Schlußk. Abend« börsc Schlußkurs Schluß!. Mittag- börse Datum 31 -3. 14. 31 3. 1.4. Datum 31 3. 1.4. 31.3- 1.4. 6% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 100,5 100,4 100,65 100,65 4% desgl. Serie 11 ............ 9,13 9,13 — — 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 97,5 97,75 97,5 97,5 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 7,05 —— 7,05 — 6%% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuid mti 102,9 105,4 4y2%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 9,65 5,55 _ 9,65 5,5 — Auslos.-Rechten ............. **/,% Deutsche Reichspostschatzan- 111,13 111,4 111,13 111,4 2*4% Anatolier............ 39,5 39,5 40,5 39,25 Weisungen von 1934, I....... 6% et)em.8% Hess. Voltsstaat 1929 100,05 100,2 100,25 100,1 Hamburg-Amertta-Pakel .....0 15 I 15 15 15 trückzahlb. 102%)............ 4Yi% ehem.8% Hessische Landes 98 98 98,25 — Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........0 15,4 15,13 25 15,4 15,5 5ank Darmstadt Gold N. 12.... 96,4 96,5 _ 96,5 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 109 109,5 109 109,9 5y2% ehem. 4yt% Hess. Landes. Berliner Handelsgesellschaft ... 6 — 111,4 112 111,9 Hypothetenbant DarmstadtLtqui 4Vi% ehem. 8% Darmst. Komm. 101 101 — — Commerz- und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Diskonto- 91 91 91 91 Landesb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anlethe mit 92,13 92,13 — — Gesellschaft................0 Dresdner Bant..............0 91,25 91,75 91,25 91,5 91,25 91,5 91,25 91,5 Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An> leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten *y,% ehemL% Franks. Hyp.-Banl 119,65 114,5 119,75 114,5 114,5 114,5 Retchsbank ................ 12 A.E.G......................o 181 36,25 182,5 34,9 181,5 36,13 182,13 35,13 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 v-4% ehem. ... 4 Süddeutscher Zucker ....... 10 167 34,75 178 181,5 1 27,5 90,5 1 198,5 166,5 34,75 340 180 182,75 1 27,4 91 1 198 167 78,4 34,5 339,5 178,5 182 |»,2 167 78,75 34,9 341 180 182,5 27^5 i 198 Spanische Noten................ Ungarische Noten ••••••»••»•••••« Deutsche Arbeiter fahren nach Madeira. Die Teilnehmer unseres Gaues verlassen Frankfurt. LPD. Frankfurt a. M., 1. April. Aus dem Gau Hessen-Nassau haben 2 4 6 Volksgenossen das Glück, in diesem Jahre an einer bQbrt nach der märchenhaft schönen Insel im Atlantischen Ozean teilnehmen zu können. Die Fahrt- teilnehmcr versammelten sich heute abend auf dem Börsenplatz, von wo aus sie unter Vorantritt einer Musikkapelle nach dem Hauptbahnhof geleitet wurden. Dort fand im Wartesaal 2. Klasse eine herzliche Abschiedsfeier statt, an der neben den Madeirafahrern mit ihren Angehörigen alle Glie. derungen der Partei durch Vertretungen, ferner die Wehrmacht und die Stadtverwaltung mit Oberbür- gerineister und Kreisleiter Dr. Krebs an der Spitze teilnahmen. Nach dem Einzug der Fahnen übermittelte zunächst Gauinspektor Heyse als Vertreter des Gauleiters dessen Grüße und wünschte den Fahrtteilnehmern, daß sie sich so gut erholten und so viel Freude von ihrer Fahrt mitbrächten, als es nur irgendmöglich fei. Darüber hinaus aber sollten Am 4. und 5. April findet die erste Reichs- Strahensammlung der NS.-Aolkswohlfahrl statt. Dein Opfer soll wiederum der Aufbauarbeit des Führers dienen. paar Jahren wird es so sein, daß es keinen schof- fenden deutschen Menschen mehr geben wird, der nicht die Gelegenheit bekommt, in seiner Urlaubs« Zeit fremde Länder oder die eigene Heimat kennen Zu lernen. Ich freue mich herzlich, daß der deutsche Arbeiter heute Gelegenheit hat, die Schönheiten auch des Auslandes kennen zu lernen. Dafür übernehmen Sie die Pflicht, allzeit Dankbarkeit gegen den Mann zu bewahren, der der größte Soldat und der eifrigste Arbeiter ist. Und dieser Dankbarkeit wollen wir schon jetzt Ausdruck geben durch ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer." Dann ging es hinaus auf den Bahnsteig. Es begann das große Abschiednehmen, während die Musik „Muß i denn..." anstimmte. Die Fahrer setzen sich in der Hauptsache aus verdienten Arbeitskameraden zusammen, die das Los aetroffen hat. Auch dabei hat sich die Volksgemeinschaft in hervorragender Form bewiesen, denn sehr häufig wurde dem Glücklichen die Teilnahme durch die Arbeitskameraden ermöglicht. Die Belegschaft der Odenwälder Hartsteinindustrie z. B., die 400 Mann stark ist, stiftete 30 Pfennig pro Mann, so daß der schon 40 Jahre im Dienst des Unternehmens stehende Losgewinner seine Fahrt ohne pekuniäre Sorgen mitmachen kann. Gießener Arbeitskameraden mit »Krass durchFrende* nach Madeira. Am gestrigen Mittwochabend traten von Frankfurt a. M. aus zahlreiche Arbeiter und Arbeiterinnen die Reise nach Hamburg an, um von dort mit einem „Kraft durch Freude"-Dampfer eine Urlaubsfahrt nach Madeira und zurück nach Hamburg zu unternehmen. Zu diesen Madeira-Fahrern stiegen auf dem Bahnhof Gießen zwei Arbeiter und zwei Arbeiterinnen in den Zug, die von hier aus die Fahrt mitmachen. Es handelt sich dabei um einen Arbeiter und Arbeiterin der Firma Schaff- ftaedt, eine Arbeiterin der Firma Bänninger und einen Arbeiter der Didier-Werke in Mainzlar. In Würdigung der langjährigen treuen Mitarbeit die- ser Arbeitskameraden und Arbeitskameradinnen haben die Betriebsführer aus den Mitteln der Firmen die Kosten dieser Urlaubsfahrt bezahlt und damit nicht nur den Urlaubs-Fahrern eine besondere Freude bereitet, sondern auch zum Ausdruck gebracht, daß in ihren Betrieben im Verhältnis zwischen der Betriebsführung und der Gefolgschaft der Nationalsozialismus der Tat in vorbildlichem Gemeinfchaftsgeifte lebendig wirkende Kraft ist. Aus der Provinzialhauptstadt. sie das Bewußtsein und den Stolz mit auf die Fahrt mitnehmen, heute wieder Staatsbürger eines zu sein, das nach allen Seiten hin seine Gleichberechtigung und seine Ehre wiedergewonnen habe. Die Gauleitung wünsche, daß sie einen Funken Sonne mitbringen von dem Lande, in dem die Sonne mehr scheint, Sonne für ihren Arbeitsplatz 3um Wohle des ganzen Vaterlandes. In diesem Sinne wünsche er den Fahrern viel Kraft durch Freude. Oberbürgermeister Dr. K r e b s kam auf die Wahlen am vergangenen Sonntag zu sprechen, unter deren Eindruck wir heute noch vollkommen ständen. Das Wahlergebnis bedeute einen Freudentag für den Führer und sei der Ausdruck des Vertrauens des deutschen Volkes. Es bedeute sowohl außen-, wie innenpolitisch einen Sieg des Führers, denn das ganze Volk habe ihm damit feine Dankbarkeit Zum Ausdruck gebracht, für all das, was er in den letzten drei Jahren für das Volk getan habe. Und deshalb, weil der deutsche Arbeiter merke, daß ein Mann an der Spitze steht, der die Not des Arbeiters kennt und dementsprechend handelt, sei ihm besonders der deutsche Arbeiter mit ganzer Seele ergeben. Nur er hat gehalten, was alle vorausgegangenen Regierungen dem Arbeiter immer und immer wieder versprochen haben. „Und so können Sie auch hinausziehen in die weite Welt", schloß der Oberbürgermeister, „mit dem Bewußtsein, nicht die Vertreter eines Volkes zu sein, das kein Recht in der Welt hat, sondern mit dem Bewußtsein, daß die deutsche Nation ihre Ehre wiedergewonnen hat. Ich wünsche Ihnen alles Gute zur Fahrt, finden Sie Erholung und schöpfen Sie neue Kraft und erweitern Sie auch vor allen Dingen Ihre Eindrücke." Dann nahm Landesobmann Becker das Wort. Er ging davon aus, daß Dr. Ley den schönsten Auftrag vom Führer erhalten habe, als er beauftragt worden fei, die NS.-Gemeinfchaft „Kraft durch Freude" zu gründen. Im vergangenen Jahre nach den ersten großen Auslandfahrten deutscher Urlauber habe er dann das Wort geprägt „Bester als alle diplomatischen Verhandlungen sind die Fahrten deutscher Arbeiter nach dem Auslande." Dann gab Pg. Becker einen Rückblick auf die ehemaligen Zustände, wo ein einfacher Mensch niemals die Aussicht hatte, über die Grenzen der eigenen Heimat hinauszukommen. „Heute haben wir für unsere. Arbeiter eigene Schiffe, und in ein Begegnungen. Die Mehrzahl der Leute, die mit mir in der Elektrischen saßen, fuhren — das ließ sich unschwer an ihren Mienen ablesen — zum Friedhof. Da und dort wurde etwas gesprochen: vom frühen Frühling, von Kleingärtnerfreuden, von Kindern und Osterferien. Zwei einander gegenübersitzende Frauen waren ihrer Trauerkleidung entsprechend zu einem ernsteren Thema abgebogen. „Wer hätte das vor acht Tagen gedacht", sagte die eine, „daß wir heute meine Nachbarin begraben würden!" „Ja", nickte die andere, „so überrascht es jeden einmal." „Und wann es kommt, ist es zu früh", erwiderte die erste. Sie hatte nicht laut gesprochen, aber eine zufällige Stille hatte die Klage und Schwermut, die in ihren Worten schwangen, jedem Ohr vernehmlich werden lassen. Ein bedrückendes Schweigen war die Folge. Der Raum schien auf einmal enger geworden. Ernste, sinnende Gesichter verrieten, wie schwer man an den Gedanken trug, die das Gespräch der Frauen allen aufgeladen hatte. Dabei war wohl die Stimme des Schaffners an der nächsten Haltestelle von den meisten überhört worden, denn als im letzten Augenblick noch ein junges Mädchen leichtfüßig hereinsprang, staunte man es an, und manchem Fahrgast kam es erst jetzt zum Bewußtsein, daß die Elektrische gehalten hatte. Mit einem entzückenden Lächeln verzichtete das Mädchen dankend auf einen Sitzplatz, den ihm ein junger Mann mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit anbot, und blieb stehen. Sie war schlank, hellblond, und ihr Gesicht leuchtete anmutig wie eine frische Frühlingsblume. So duftig war sie auch gekleidet, obschon mir weder die Farbe, noch die Stoffart in Erinnerung geblieben ist. Sie hatte nichts Auffälliges, weder in Haltung, noch im Gesichtsausdruck, keine Geste, die das harmonische Gefühl, das ihr Anblick weckte, gestört hätte. Sie war schön, und sie ahnte es nicht, wieviele Augen sich verstohlen an ihr beglückten. Als der junge Mann ausstieg, setzte sie sich doch noch und vertiefte sich rasch in ein Buch, das sie ihrer Tasche entnahm. Sie las, leicht vorgebeugt, und war in dieser gelösten, etwas lässigen Haltung noch bezaubernder. Unbekümmert um die Strahlen der Bewunderung, die von allen Seiten auf sie fielen, blieben ihre Blicke auf die schnell wechselnden Buchseiten gebannt. Ich hätte gern ein paar Worte mit ihr geplaudert, aber sie wollte sicher, so dachte ich, nicht gestört sein und den Roman während der Fahrt zu Ende lesen. So begnügte ich mich, sie wie ein fesselndes Bild still zu betrachten. Sie mochte siebzehn ober acht- zehn fein, und ich bemühte mich, mir ihren Erwählten vorzustellen, die Ansprüche zu erraten, die sie an fein Aeußeres stellen würde. Wieviele Male darüber die Elektrische gehalten hatte, war mir völlig entgangen. Als aber wieder Leute ausstiegen, merkte ich, daß das Mädchen und ich allein zurückblieben. Wir waren an der Endstation angekommen. In dem Augenblick, wo ich mich erhob, sah das Mädchen von seinem Buche auf — es war das erste Mal — und stellte erschrocken fest, daß es zu weit gefahren war. „Das Buch war wohl schuld", sagte ich. Sie bejahte lächelnd. Ich gestand, daß ich sie nicht hatte stören wollen in ihrer Lektüre und darum vielleicht auch ein klein wenig mitverantwortlich dafür sei, daß sie jetzt das Zuviel zurücklaufen müsse. „Zur Buße" durfte ich sie ein Stück Weges begleiten. An einer Straßenecke verabschiedete sie sich plötzlich. Sie werde erwartet. Ich sah den jungen Mann auf sie zukommen und ihr herzlich die Hand schütteln. Er entsprach in keiner Weise dem Ideal, bas ich für sie zurecht phantasiert hatte: ich war aufs tiefste enttäuscht. P. B. Dornotizen. Tageskalenber für Donnerstag. NSG. „Kraft burch Freube": 20 bis 21 Uhr unb 21 bis 22 Uhr fröhliche Gymnastik unb Spiele (nur für Frauen) im Lyzeum. — Stabttheater: 20 bis 22 Uhr 4. Symphonie-Konzert bes Gießener Kon- zertvereins. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Herbstmanöver". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das letzte Fort". — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Branbplatz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälben von Richarb Geßner, Düffelborf. — Elektrvgemeinschast Gießen: 20.15 Uhr im CafS Leib, Vortrag: „Fortschritte unb Vorzüge ber elektrischen Küche". Stabttheater Gießen. Heute von 20 bis 22 Uhr 4. Symphoniekonzert. Werke von Borobin, Egk, Weber, Tschaikowsky. Musikalische Leitung: Prof. Stefan Temesvary. Solist: Hch. Grau (Klarinette). Das verstärkte Stäbtische Orchester. Außer Abonnement. 9. Abonnementskonzert bes Gießener Konzertvereins. Freier Kartenverkauf Mufikalienhanblung Challier. Frühling im Neckartal. Von Friedrich Schnack. In dieses geliebte, von Dichterworten geweihte Flußtal zieht frühzeitig der Frühling ein. lieber die Schwelle Heidelbergs, der alten Liederstadt, kommt er mit dem Wohlgeruch der Holzer, der Narzissen und der Hyazinthen. Die geschwungenen Hohen, die knospenden Wälder, durch die zahllose Traum- und Philosophenwege führen, haben ihn empfangen. Sein grüner Atem überflutet die Wipfel, in die sich die Vogelscharen jubilierend hineinwerfen. An den Hängen, auf den Terrassen entfaltet sich das Glück der Sträucher und Bäume. Köstlich der Blick von der alten Brücke in dieses festliche, wasserdurchglänzte Tal. Einst stand Hölderlin auf der Brücke und genoß das Fest der Landschaft. „Wie von Gottern gesandt, fesselt ein Zauber einst Auf der Brücke mich an, da ich vorüber ging, Und herein in die Perge Mir die reizende Ferne schien..." Noch immer flammen die Kirschen- und Birnbäume weiß an den Abhängen und die rosigen Aprikosen, die traumhaft zartblühenden Mandelbäumchen prangen — und dies alles, die Woge der Blüte und der Schwall des Lichtes prunkt und klingt! Durch blühendes Kirschengezweig drängt sich das gewaltige Steinbild der Burg, leuchtet der rote Sandstein vor dem hellen Grün des Waldes über dem gezackten Dächerwerk der Stadt: „... schwer in das Tal hing die gigantische, Schicksalskundige Burg, nieder bis auf den Grund, Von den Wettern zerrissen: Doch die ewige Sonne yoß Ihr verjüngendes Licht über das alternde Riesenbild ..." Und so wie einst auch heute und immer — die Erde verarmt nicht. Die Villen am Berg ertrinken in den Gärten. Reich blühen die Pflaumenbäume. Linden, deren es so viele auf und nieder im Tal gibt, und ernste Buchen winken über die Mauern. Lag nicht dort der alte Garten von 1818 der Frau Ernestine Voß, von dem sie an ihren Bruder Heinrich Christian Boje schrieb: „Im Garten sind wir recht viel, wie wäre es auch anders möglich in diesem einzigen Frühling! So was haben wir noch nicht erlebt, die Schnelle, mit der alles treibt! Jeden Morgen sieht der Garten und die dichtbelaubten Berge anders aus. Und wie unendlich voll und schön haben alle Bäume geblüht. Und was habe ich für Blumenpracht gehabt und zum Teil noch. Erst die Veilchen, daß die Seite, wo sie blühen, ganz blau war, und ein Duft! Dann die herrlichen Hyazinthen, viel tausend und alle groß mit gedrängten Glocken, und die Menge der schonen Aurikel, keiner wußte, welche Farbe die schönste." Ich tzehe vorbei an dieser duftenden Haus- und Gartemdylle, in der noch, umbraut von Gerüchen, der Geist der alten Zeit zu schweben und zu atmen scheint, wenn auch die Autos die • Straße am Neckar entlang rasen und die Straßenbahn durch das enge Heidelberg läutet. Die Kastanienbäume haben ihre Kerzen entzündet, dunkel lodern in den abwärtshängenden Parkanlagen des Schlosses südliche Zypressen, der Rhododendron öffnet sich der Sonne, über die Mauern triefen die blauen Trauben der Glyzinien. Auf Neckarwiesen aber glänzt üppig junger Löwenzahn, als hätte einer goldene Lachen ausgeschüttet. Die Tage im Neckartal haben jetzt eine ungestüme Zärtlichkeit. Tausende werden an den Sonntagen hinein verlockt, durchhaucht und hochgestimmt. An den Flußufern sausen die Autos hinab in die gesegnete Landschaft, vom Main und Rhein kommen sie her, aus Darmstadt, Frankfurt, überkurven die blühende Bergstraße, eine einzige Wallfahrt verzückter Bäume. In den Straßen Heidelbergs drängen sich Fremde und Einheimische, Bauern und Städter in Massen.- Weingeruch, Benzinrauch, Blütenduft und Staub vermischen sich mit dem Atem der Wälder und dem Hauch des Neckars zu einem wunderlichen Dunst. Wer über dem reinen Tal ruhen und Ferne und Nähe trinken will, fährt von Heidelberg mit der Bergbahn hinauf zur Molkenkur: von dort schweift der Blick über die Kuppen der Berge hinaus in die weite, baumreiche Ebene, durch die der Neckar dem Rheinstrom zueilt. Andere wieder lieben es, auf dem Neckar stromaufwärts zu rudern und zu paddeln, oder über die Hohen auf Waldwegen zu wandeln, an den Ufer» feiten hinzuschlendern. Gastliche Neckardörfer erwarten sie: Ziegelhausen mit der Stiftsmühle, am Ufer gelegen, einem beliebten Ausflugsziel der Heidelberger und Mannheimer. Die Eisenbahnstrecke zieht durchs Neckartal nach Wimpfen ober Heilbronn, nach Würzburg in die Barockstadt der Kirchen und Bocksbeutel. Immer und immer rollen die Züge. Steigen wir ein in dem Fischernest Schlierbach, das der Neckar schmal an den Berg drängt; genießen wir vorüberjagend den Schein der Landschaft, den Spiegel des friedlichen Flusses, den Anblick der Dörfer, Gärten, der Wälder und der Wiesen. Ueberall Blüte. Der Sonntag öffnet sein blaues Herz. In den Wirtgärten von Neckarsteinach und Neckargemünd schallt Musik, frohes Lachen. Unter blühenden Kirschbäumen wird Wein gebechert. Hirschhorn, auf grüner Bergeskuppe, das windumflossene Dorf, ein mittelalterlich anmutendes Bild thront auf luftiger Sonnenhöhe. Irgendwo verlassen wir den Zug, nach Lust und Laune, stolpern durch enge Gäßchen, treten durch ein kühles Tor in einen Kastaniengarten, unb über die Mauer gebeugt, winken wir buntbewimpelten Booten zu. Ein Personendampfer zieht vorüber, Musik an Bord; er trägt seine singenden Fahrgäste von Heilbronn nach Heidelberg. Das Neckartal ist das Gehege der deutschen Romantik. Unsterbliche und sterbliche Dichter und Poeten waren in allen Zeiten hier zu Gast. Erklang nicht unter Linden und Buchen das Wunderhorn? Wer graste nicht schon am Neckar? Verliebte, Sänger, Weinfreunde, Musensöhne, Romantiker kamen herein in dieses Tal und schlugen die grünen Laubtore hinter sich zu, Weltflüchtige, die aus stillen Quellen und heimlichen Bechern trinken wollten. Wem fiele nicht Scheffels Strophe von ungefähr ein: Und stechen mich die Dornen, Und wird mir's drauß' zu kahl: Geb' ich dem Roß die Spornen, Und reit' ins Neckartal..." Das Roß hat die Hufe verloren und der Reitersporn ist verrostet, aber die alte Sehnsucht ist nicht verschollen. Die großen und edlen Geister der Vergangenheit begegnen dem Versonnenen, dem Sucher und Spürer da und dort. Seine Gedankenkräfte rufen ihren Zauber herauf, unb sie manbeln über bie verklärten Berge ins neue Licht... Zeitschristen. — „Das Innere Reich" (Verlag Albert Langen/Georg Müller, München) beginnt feinen neuen Jahrgang mit einem Gedicht von Rubolf G. Binbing, in bem auf unvergeßliche Weise der Glaube an bie letzte Wirkungsmacht ber Dichtung im Leben ber Volker Gestalt gewonnen hat. Unter ben bichterischen Beiträgen ist zu nennen bie Er- zählung „Das kleine Leben" von Heinrich Ringleb, Gedichte von Ernst Bertram, Erna Biaas, Georg Britting unb — bisher noch unbekannt — Lucia Romberg. In ber Reihe der Landschaftsdarstellun- gen deutscher Dichter gibt Hans Leifhelm eine schöne Schilderung „Berghöfe in der Steiermark". Einen Beitrag zur Gegenwartsdichtung schreibt H. Chr. Stettin, in dem er Curt Langenbeck als eine der Die 4. Olympischen Winterspiele. Wie wir vor einigen Tagen bereits ankündigten, findet am kommenden Samstag, 4. April, in dec großen Aula der Universität ein Lichtbilder- und Filmvortrag über die Winter-Olympiade statt. Aus der sehr großen Zahl der Lichtbilder, die der Olympiajugendkurs des Skigau 12/13 mit nach Hause bringen konnte, sind — wie man uns schreibt — HO erstklassige Diapositive entstanden, die durch das Entgegenkommen der Fa. Ernst Leitz, Wetzlar, mit dem modernsten und besten Projektionsapparat dieses Werkes vorgeführt werden. Sowohl die Lichtbilder, als auch der anschließende Olympiafilm des Gau 12/13 werden Garmisch-Vartenkirchen, das Werdenfelser Land unb seine Leute zeigen. Wort unb Bilb führen ben Zuschauer in bie gewaltigen Kämpfe biefer großartigsten aller Winterspiele hinein. Da bie Ausnahmen in oorberfter Linie gemacht werben konnten, ist es nicht nur gelungen, bie Sportkanonen unb Sieger aller Wettkämpfe gut im Bilbe festzuhalten, fonbern auch bie Ehrengäste aus aller Welt unb befonbers ben Führer bei ben ver- schiebensten Veranstaltungen aufzunehmen. Da ber Abend in Verbindung mit bem Fachamt Eislauf veranstaltet wirb, konnte noch ein wunbervoller Film vom Kunstlauf im Eisstabion beschafft werden, ber bie einzigartigen Leistungen unb wunbervollen Figuren von ber Weltmeisterin Sonja Henie, dem Meisterpaar Maxie Herber-Ernst Baier und anderer bringt. Der Kartenvorverkauf hat rege eingesetzt; baldige Kartenbeschaffung ist zu empfehlen. (Siehe heutige Anzeige.) Ehrung desVerwattungsdirektorsKolb Anläßlich feines gestrigen 40jährigen Dienft- jubiläums bei der Gießener Stadtverwaltung wurde dem Verwaltungsdirektor Karl Kolb gestern vormittag in seinem Amtszimmer von dem Herrn Oberbürgermeister in Anwesenheit sämtlicher Amtsvor- stände der Stadtverwaltung ein Blumenkorb mit der nachstehende im Wortlaut abgedruckten Ehrenurkunde überreicht: „Für die im Laufe von vier Jahrzehnten seiner Heimatstadt (Ziehen in vorbildlicher Treue und Dienstbereitschaft in verantwortungsvoller Stellung während schwierigster Zeitläufte geleisteten hervorragenden Dienste wird Herrn Verwaltungsdirektor Karl Kolb diese Ehrenurkunde ausgefertigt. In kameradschaftlichem Geist vorwärts im neuen Reich der Deutschen. Gießen, den 1. April 1936. Der Oberbürgermeister: Ritte r." Von den Arbeitskameraden war der Arbeitsplatz des Jubilars durch ein Führer-Bild nebst verschie- d nen Blumenangebinden geschmückt. Der Herr Oberbürgermeister gedachte der Verdienste des lang- jährigen Mitarbeiters in ehrenden Worten. An alle Einzelhandelsgeschäste und Zirmen derStadtunddesKreisesSiehen Das Winterhilfswerk des deutschen Volkes wird am 31. März 1936 abgeschlossen. Um in der vorgeschriebenen Zeit eine endgültige Abrechnung an die vorgesetzten Dienststellen vornehmen zu können, werden die Inhaber aller im Geschäftsverkehr mit bem WHW. stehenden Firmen unb Betriebe ausge- forbert, ihre Ansprüche an bie Kreisführung Gießen des WHW. bis spätestens zum 5. April geltenb zu machen. Rechnungen, bie in boppeüer Ausfertigung einzureichen finb, unb bie bis zu bem obigen Termin nicht eingegangen find, können nicht mehr berücksichtigt werden. Die Kreisführung des WHW. Gießen. Winterhilfswerk 1935/36 Ortsgruppe Gietzen-Süd. Kohlenscheinabrechnung. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine „Serie F" stärksten Hoffnungen des jungen deutschen Dramas vorstellt. Der großen deutschen Tradition geistigen Lebens widmet Max Kommerell einen dichterisch beschwingten Aufsatz „Jean Paul in Weimar". Ein Bericht des Holzschneiders Josua Leander Gampp über sein Schaffen wird belebt durch eine Auswahl seiner feinen und überzeugend deutschen Holzschnitte. Der erste Teil einer großen Darstellung des deutschen Nachkriegs gibt Ernst von Salomon unter dem Titel „Nahe Geschichte". — Im Märzheft der Zeitschrift „Volk und Rasse" (I. I. Lehmanns Verlag, München 2 SW, Einzelheft 0,70 Mk.) bringt u. a. Dr. Burkhardt Zwei wertvolle „Psychiatrische Beispiele zur Rassenseelenkunde", die zeigen, eine wie wesentliche Hilfe die Psychiatrie für die Rassenseelenkunde ist. Mit vielen Bildern führt I. Romer am Beispiel dreier jetzt seßhaft gewordener Zigeunerfamilien „Fremdrassen in Deutschland" vor. Wie Forderungen unserer Zeit muten die Zitate an, die Ch. Roos aus dem vor rund 150 Jahren erschienenen Werk „System der vollständigen medicimschen Polizey" anführt: Forderungen an den Staat, Wöchnerinnen- und Säuglingsschutz, Erbgesundheitspflege, Jugendertüchtigung, kurz, unsere ganze Sozialhygiene in die Hand zu nehmen. Der Verfasser ist ein Deutscher: der große Gelehrte Joh. Peter Franck. Zum wertvollen Inhalt paßt der prächtige Bildschmuck: Alles in allem ein Heft, dem man viele Anregungen und Freude verdankt. Hochschulnachrichten. Die freie Professur für Staatsrecht an der Frankfurter Universität wird vom 1. April 1936 ab der Dozent Gerichtsassessor Dr. Adalbert v. Unruh in Göttingen vertretungsweise Übernehmen. Der emeritierte ordentliche Professor in der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Gießen Geheimrat Dr. Ölt wird in der Me- dizinischen Fakultät Frankfurt ein Kolleg über Wildkrankheiten lesen. — Der Herr Minister hat den Assistenten der Römisch-Germanischen Kommission des Archäologischen Instituts des Deutschen Reichs Dr. Kurt Stabe in Frankfurt beauftragt, vom Sommersemester 1936 ab an ber Universität Frankfurt bie westbeutsche Frühgeschichte zu vertreten. Der bekannte Anglist Geheimrat Professor Dr. Johannes Hoops konnte am 1. April auf eine 40jährige ununterbrochene Dienstzeit an der Universität Heidelberg zurückblicken. Der Jubilar, der im 71. Lebensjahr steht, hat 1930 und 1933 als Austauschprofessor in Nordamerika Vorlesungen gehalten. Obstbäume gespritzt, die vom BDM. als Serie F am Samsta das Bund 15 Pf. * Oberheffen }) Allendorf a. d. Lda., 1. April. Gestern : abend hielt die hiesige Evangelische Frauen- ( Hilfe in der Wirtschaft S)orn ihren Schluß- , abend ab, der von etwa 120 Frauen besucht war. ( Ortspfarrer Andres eröffnete die Feier mit einer kurzen Ansprache, in der er auf den Zweck und die i Bedeutung der Frauenhilfe hinwies. Hierauf hielt I Missionar Ruff von der Baseler Mission einen ! Vortrag über die Missionsarbeit in China. Der । Redner, der lange Jahre für die Mission in China gearbeitet hat, schilderte eingehend Land und Leute, Sitten und Gebräuche der dortigen Bewohner, aber auch das liefe Elend und die Finsternis, in der das chinesische Volk heute noch schmachtet. Mit regem Interesse folgten die Zuhörerinnen den interessanten Ausführungen des Redners. Wesentlich zur Verschönerung des Abends trugen einige Frauen durch den Vortrag von entsprechenden Gedichten bei. Auch wurden von einer für den Abend gebildeten Gesangsabteilung einige Gesangsstücke unter der Stabführung von Hilfspfarrer Andres stimmungsvoll zu Gehör gebracht. Zwischendurch wurden gemeinschaftlich geistige Lieder gesungen. Nachdem auch für das leibliche Wohl durch Kaffee und Kuchen gesorgt worden war, wurde mit einem Gebet von Pfarrer Andres die Veranstaltung geschlossen. OKesselbach, 1. April. Die Milchabsatzgenossenschaft Kesselbach hielt ihre ordentliche Generalversammlung bei Mitglied H ö ch st ab. Wenn auch die Lieferung von Frischmilch zur Molkerei anfangs auf Schwierigkeiten stieß, so ist — nach dem Geschäftsbericht — doch die Feststellung erfreulich, daß die Anlieferung der Frischmilch zur Molkerei im Laufe des Geschäftsjahres bedeutend zugenommen hat. Die Jahresrechnung und die Bilanz wurden ohne Einwendungen genehmigt, auch die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden glatt erledigt. Die ausscheidenden Vorstands- und Aufsichtsratsmitglieder wurden wiedergewählt. _Li ch, 1. April. Dieser Tage fand urtter großer Beteiligung hiesiger und einiger auswärtiger Landwirte im Stiftschen Gemeindesaal die Neuverpachtung der Grund st ücke des Marienstifts statt. Die Verpachtung wurde durch die Finanzabteilung der evangel. Landeskirche Hessen-Nassau vorgenommen. Für den Normalmorgen guten Ackerlandes wurden durchschnittlich 25 bis 30 Mark, für Wiesen 30 bis 40 Mark, für Gartenland entsprechend höhere Preise erzielt. Obwohl der Verpächter alle Abgaben selbst übernahm, wurden die alten, bereits ermäßigten Preise nicht überall erreicht. Der Gesamterlös betrug für das Marienstift (erster Teil) 1992,10 Mk. (d. h. 170 Mark weniger als in der vorigen Pachtperiode), für die Pfarrei (zweiter Teil) 2044,70 Mk. (d. h. 299,70 Mark weniger). Die Pachtdauer beträgt 9 Jahre und beginnt am 11. November 1936. Die Genehmi- l gung der vorgesetzten Behörde blieb vorbehalten ; und wurde beantragt. — Der Voranschlag der : evangel. Kirche Li ch für 1936 schließt im ersten Teil in Einnahme und Ausgabe mit 12 669,06 Mark, im zweiten Teil mit 4258,09 Mark ab. Der durch Kirchensteuer zu deckende Fehlbetrag beträgt 8000 Mark. Die Kirchengemeindesteuer wurde wie folgt festgesetzt und durch die Behörden genehmigt: 5 v. H. Zuschlag zur Reichseinkommensteuer (wie in den vergangenen Jahren, im vorigen Jahr war derselbe durch einen Irrtum auf 4 v. H. ermäßigt worden; 3,5 Pf. auf je 100 Mark Steuerwert des unbebauten Grundbesitzes, 7 Pf. auf je 100 Mark Steuerwert des Gewerbekapitals. Da das Steueraufkommen voraussichtlich den Fehlbetrag nicht decken wird, sind weitere Einsparungen im Voranschlag vorgesehen, insbesondere müssen größere Arbeiten am Kirchendach, obwohl sie dringend nötig wären, unterbleiben. )( L i ch, 1. April. Am Montag und Dienstag abend hielten die evangelischen Frauenhilfen 1 bzw. 2 ihre diesjährigen Schluß- feiern im festlich hergerichteten Gemeindesaal ab. Eine fröhliche Kaffeetafel vereinte an beiden Abenden etwa 160 Frauen. Gemeinsam gesungene Lieder, Gedichte ernster und froher Art, kleinere Aufführungen, mehrstimmige Chöre der Gesangsabteilung, eine Verlosung reizender Gegenstände und Ansprachen beider Geistlichen ließen die Stunden nur allzu rasch vergehen. Eine Schlußandacht über Losung und Lehrtext des Tages beendete die Feierstunden. Zwei Tellersammlungen für den Kirchenerneuerungsfonds erbrachten 63,50 Mark bzw. 64,10 Mark. Die im Lause des Winters in die Büchsen eingelegten Gaben in Höhe von 100 bzw. 73,30 Mark wurden, wie üblich, für die im Interesse des Deutschtums und Evangeliums wichtige Arbeit des Syrischen Waisenhauses bestimmt, die Geburtstagsgaben kamen mit 6,30 bzw. 10,12 Mark dem evangelischen Sittlichkeitsoerein in Berlin zugute. Auch der Müttererholungsarbeit des Verbandes wurde im Laufe des Jahres gedacht. An den Winterabenden wurden die Mitglieder besonders in die sie dem hiesigen Gemeindeförster Bommers- heim im vorigen Herbst in Pacht gegeben hat, nunmehr wieder ihren früheren erfreulichen Liebreiz. Der Pächter hat keine Mühe gescheut, um das schöne Plätzchen wieder in einen einwandfreien Zustand zu versetzen. Die zum Teil durch Fäulnis zerstörten Schleusen sind durch neue ersetzt, die durch Schlingpflanzen überwucherten Stellen sind umgepflügt worden. Tatkräftige Mithilfe hiesiger Naturfreunde hat zu der Verschönerung dieses Plätzchens wesentlich beigetragen. Wildenten und Wasserhühner bevölkern nun wieder die Wasserfläche. — In körperlicher und geistiger Frische konnte Herr Heinrich Rau von hier am Dienstag seinen 8 0. Geburtstag begehen. CD Villingen, 1. April. Innerhalb weniger Tage sind in unserem Dorfe drei Personen über 80 Jahre verstorben. Es handelt sich um den 87jährigen Konrad Diehl I., den über 84 Jahre altgewordenen Christian Schäfer und die über 82 Jahre alte Marie Diehl. ch Lauter, 1. April. Vom 30. März bis 3. April werden vom Pächter der hiesigen Jagd Gifteier zur Vertilgung der Krähen ausgelegt. Durch Bekanntmachung ist die Bevölkerung, insbesondere die Eltern, darauf aufmerksam gemacht worden, die Kinder auf die Gefahr Wegen schweren Diebstahls im erschwerenden Rückfall wurde der I. K. aus Vilbel zu einer G e - fängnisstrafe vonlJahrund wegen Mundraubs zu 6 Wochen Haft verurteilt. Der Angeklagte war, nachdem er im Sommer 1935 aus der Strafhaft entlassen wurde, als Helfer in der Landwirtschaft tätig. Dabei entwendete er einem Arbelts- kameraden aus einem Schrank eine Anzahl Gebrauchsgegenstände. Außerdem stahl er bei einem Metzger aus einem Eisschrank Fleisch- und Wurstwaren. Das Gericht billigte dem Angeklagten bei der Strafausmessung noch einmal mildernde Umstände zu und rechnete 1 Woche Haft, sowie 2 Mo- nate Untersuchungshaft auf die erkannte Strafe an. Der O. K. aus Storndorf wurde wegen Untreue Bibel und in den Katechismus (2. Glaubensartikel) eingeführt. L i ch , 1. April. Am Sonntagnachmittag wurden in der Marienftiftskirche die diesjährigen Konfirmanden beider Bezirke in feierlichem Gottesdienst der Gemeinde vorgestellt und geprüft. Die Prüfung beschäftigte sich besonders mit Bibel und Katechismus, sowie Gesangbuch und Kirchengeschichte und ergab ein befriedigendes Ergebnis. Die Namen der Konfirmanden sind in der Reihenfolge des Alters: F. W. Roth, L. Roth, K. H. Misch- ler, O. Zimmer, A. Heinze, H. W. Georg, E. H. Koch, K. Heß, K. Müller, E. H. Löhr, R. Franz, B. Franz, H. Hofmann. K. Schmidt, H. Nix, K. Chr. Habermehl, W. E. Keck, Hr. Jakob, Fr. Domay, R. Heller, W. Schmidt, K. Wissig, A. O. Kächlek, Hr. R. Rau, K. Schmidt, L. Schöne. I. Stamm, E. Schmidt, H. L. Insel, W. Zimmer, L. A. Korb, I Schäfer, A. L. Hagemann, L. Hagemann, I. Lüpke, O. Schnecker. G. I. Schwarzhaupt, I. Uhr- han, Math. Marg. Vater, R. Erb, M. Heller, P.- Keck, E. Schäfer, M. L. Eise, A. M. Albach, M. Schmidt, H. Klein, E. Kambeitz, E. Dölle, A. Schöne, E. Käppe. CD Hungen, 1. April. Die inmitten eines herrlichen Tannen- und Buchenwaldes gelegenen ,,Drei Teiche" zeigen, nachdem die Gemeinde vulll —als Abschlußsammlung für das WHW. durchgeführt wurde, ergab hier 241 Stuck. Vollbeschäftigte Steinbruchbetriebe. 0 Kgsselbach (Kreis Gießen), 1.April. Die beiden hiesigen S t e i n b r u ch b e t r i e b e von M. Sch miede kn echt und M. Hertel sind nunmehr wieder vollbeschäftigt. Infolgedessen sind in unserem Orte keine Arbeitslosen mehr vorhanden. Landkreis Gießen. = Steinbach, 1. April. Unser elektrisches Ortsnetz, das bisher noch 110 Volt Spannung hatte, gab in den letzten Jahren durch häufige Schwankungen in der Spannung Anlaß zu vielen Klagen. Nach längerer Arbeitszeit, in der öfters der Strom stundenlang abgeschaltet war, sind nun die Verbesserungsarbeiten abgeschlossen. Noch in dieser Woche soll, wie man hört, die Umstellung auf 220 Volt Spannung erfolgen. Damit werden wieder normale Verhältnisse in unsrer Lichtversorgung ein- treten. V Watzenborn-Stei nb e r g, 2. April. Am heutigen Tage begehen Feldschütz Karl Schmitt I und Ehefrau Marie, geb. Ruhl, das Fest der silbernen Hochzeit. * Großen-Linden,2. April Auf dem Heimwege von seiner Arbeitsstätte in Gießen kam am gestrigen Mittwochabend der Arbeiter Ernst Rühl von hier so unglücklich zu Fall, daß er einen Unterschenkelbruch erlitt. Der bedauernswerte Mann wurde von der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen der Chirurgischen Klinik zugeführt. geht schon einfanfen. Das Backpulver für den Sonntagskuchen, das holt er. Natürlich fordert ec Dr. «vetker's ,Mackin", wie ein Alter sagt er zu Herrn Schulze: „Aber der helle Kopf, der muß auf dem Päckchen stehen". Achtung- ausschneideaL prefeaufjiatai ** Aenderung d e r Sprech st undenzeit b e i d e r B e r u f s b e r a t u n g. In der Zeit vom 1. April bis zum 1. Oktober ist die Sprechstundenzeit bei der Abt. Berufsberatung des Arbeitsamts Gießen, Bahnhofstraße 90, wie folgt festgesetzt: Montag und Mittwoch von 9 bis 12 und 15 bis 17 Uhr. v ** D i e Bekämpfung der Schnaken- larveninden Gärten betrifft eine Bekanntmachung des städtischen Hoch- und Tiefbauamtes m unserem heutigen Anzeigenteil. Die Garteninhaber werden gebeten, bei dieser Maßnahme bereitwillig mitzuhelfen. Auf die Bekanntmachung sei besonders hinqewiesen. ** D i e Lieferung von Kanalguh- Materialien schreibt das städtische Hoch- und äußere Aufschrift verloren geht. Für Päckchen, die mit den Paketjendungen befördert werden, darf man nicht schwache Pappschachteln verwenden, die leicht eingedrückt werden. Die Anschriften des Empfängers und des Absenders sollen auf den Paket-, wie auf den Briefsendungen vollständig und deutlich angegeben werden. Gießener Wochenmarktpreise * Gießen, 2. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Erer, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10/-, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Enteneier 9 bis 11, Wirsing, das Pfund 20 bis 25, Weißkraut 15 bis 18, Rotkraut 20 bis 22, Gelbe Ruben 10 bis 15, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 18 Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 80 Pf. bis 1 Mk., Tomaten 40 bis 45, Zwiebeln 12 bis 18, Meerrettich 35 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 40, Kartoffeln 5, 10 Pfund 45 Pf., der Zentner 3,70 bis 3,90 Mk., Aepfel, das Pfund 20 bis 50 Pf., Nüsse 45 bis 50, Zwetschenhomg 40 bis 45, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mk., Suppenhühner 85 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 25 bis 50, Salat 20 bis 35, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 20, Sellerie 10 bis 40, Radieschen, Kircke und Schule. Kreis Friedberg. △ Ostheim, 1. April. Am vorigen Sonntag and die feierliche Einführung des neuen Pfarrers unserer Gemeinde, des Pfarrers Weidner, statt. Vor Beginn des Gottesdienstes versammelten sich im Pfarrhaus die Mitglieder des , Kirchenvorstandes. Während des Glockengeläutes begaben sich die Kirchenoorsteher — darunter der 92jährige Rentner Huber — durch den Haupteingang zur Kirche, voraus der Dekan des Dekanats Friedberg und der neue Ortsgeistliche. Eine überaus zahlreiche Gemeinde begrüßte mit dem Lied „Gott ist gegenwärtig" den neuen Hirten der Kirchengemeinde. Nach der Ansprache des Dekans Rühl (Friedberg) im Anschluß an Matthäus 5, 13 bis 16, erfolgte die feierliche Amtseinführung. Sodann hielt Pfarrer Weidma.nn nach dem Hauptlied „O Jesu, Herr der Herrlichkeit" seine Antrittspredigt über Römer 1, 16. Er schloß mit dem Wunsche, daß es ihm gelingen möge, in der Gemeinde Menschen zu schaffen, die mit dem Apostel Paulus bekennen: „Wir schämen uns des Evangeliums von Christo nicht!" Mit dem Lied „Ich weiß, an wen ich glaube" und mit dem üblichen Altardienst nach der Predigt erreichte die Einführungsfeier ihr Ende. — Am Tag des Einzugs des neuen Pfarrers in das Pfarrhaus war abends eine Begrüßungsfeier im Pfarrhof, zu der fast das ganze Dorf erschienen war. Nach einem Lied des Männergesangvereins „Germania" entbot zunächst Kirchenvorsteher Jung im Namen der Kirchengemeinde dem neuen Ortsgeistlichen und seiner Familie herzlichen Willkommgruß, worauf Bürgermeister Schneider namens der Gemeinde Ostheim die Pfarrfamilie begrüßte. Pfarrer Weidner dankte in längeren Ausführungen für den freundlichen Empfang. Ein zweites Lied des Gesangvereins beschloß die Begrüßungsfeier. Schöffengericht Gießen. am Freitag, 3. April, von 19 bis 20 Uhr, auf un- ferer Geschäftsstelle, Crednerstrahe 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine werden nicht mehr angenommen. Ortsgruppe Giehen-Ost. Bett. Kohlenversorgung. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlenscheine der Serie F täglich bis einschl. Samstag, 4. April, von 15 bis 19 Uhr auf der Geschäftsstelle, Kaiserallee 52, gegen Wertquittungen umzutauschen. Eine spätere Annahme kann nicht mehr erfolgen. Ortsgruppe Glehen-TNitte. lehnt. Sportamt »Kraft durch Freude". heute folgender Kurs: Fröhliche Gymnastik und Spiele (Frauen). Von 20 bis 21 Uhr und von 21 bis 22 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26. * Achung! Neue Jahressportkarte 1936/37. Alle Teilnehmer an KdF.-Sportkursen müssen ab heute die neue Jahressportkarte für 1936/37 zum Preise von 30 Pf. (mit Versicherung) erwerben. Die Karte kann entweder bei den Lehrkräften in den Sportkursen, oder auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, erworben werden. Musterung. Schulgemeinde gehören als Jugendwalter an die Herren Rechtsanwalt Krüger, Postsekretär Adam Lotz, Postschaffner Karl Schmidt, Regierungsrat Wecker und als Vertreter der HI. der Ober- fekundaner Rudolf Stein. Der Unterricht beginnt im neuen Schuljahr am Mittwoch, 15. April, 8 Uhr. Veranstaltung für Frisur und Mode. Man schreibt uns: Am 3. Mai findet in den Räumen des Gesellschafts-Vereins, Gießen, Sonnenstraße, eine große Frisuren- und Modenschau des modeschaffenden Handwerks von Gießen statt. Die Friseurinnung Gießen hat es sich angelegen sein lassen, daß das große Bezirksausscheidungsfrisieren um die Bezirksmeisterschaft des Gaues Hessen nach Gießen kommt. Zur Vorführung kommen Tages- und Gesellschaftsfrisuren, wobei die fortschreitenden Leistungen des Friseurhandwerks dem Publikum vorgeführt werden sollen. Zugleich werden von dem Schneiderinnen-, Pußmacherinnen- und Kürschnergewerbe die neuesten Moden gezeigt. Auch das Herrenschneidergewerbe beteiligt sich an diesen Vorführungen, um seine handwerklichen Arbeiten zu zeigen. Die Friseurinnung Gießen, welche die Leitung der Veranstaltung übernommen hat, ist im Verein mit den Innungen des Bekleidungsgewerbes bestrebt, dem Publikum zu zeigen, was echte deutsche Handwerksarbeit ist. Osterpakete und Ostergrüße. Ostergaben und Osterwünsche, die man mit der Post übersendet, sollen pünktlich zum Fest eintreffen. Die Post hat alle Vorkehrungen getroffen, sie bittet die Versender um verständnisvolle Mitarbeit. Pakete, Postgüter und Päckchen, wie die brieflichen Ostergrüße sollte niemand erst in allerletzter Stunde einliefern. Bei dem Reiseverkehr vor dem Feste sind immerhin Verspätungen und Anschlußverfehlungen möglich: verspätetes Eintreffen der Sendungen beeinträchtigt aber leicht die Festfreude bei den Empfängern. Die Paketsendungen müssen gut verpackt und verschnürt, die Aufschriften haltbar angebracht werden: obenauf in jede Sendung lege man ein Doppel der Aufschrift, damit die OstergLben auch ihr Ziel erreichens wenn die Der heutige Anzeigenteil unseres Blattes enthält eine Bekanntmachung der Polizeidirektion Gießen über die Musterung der Jahrgänge 1913 und 1916, sowie der bei der Musterung 1935 zurückgestellten Dienstpflichtigen der Jahrgänge 1914 und 1915, deren Zurückstellungszeit abgelaufen ist, oder die nicht gemustert worden sind und sich nicht im Besitze eines Musterungsausweises befinden. Die Musterung findet in der Stadt Gießen vorn 15. April ab jeweils in der Zeit von 8 bis 14 Uhr im Hause des Gesellschaftsvereins (Klub), Sonnenstraße 19, Eingang von der Weidengasse, statt. Der Muste- rungsplan, sowie alle'weiteren für die Musterungspflichtigen wichtigen Bestimmungen sind aus der Bekanntmachung ersichtlich. Gleichzeitig wird eine Bekanntmachung des Wehrbezirkskommandos Gießen veröffentlicht, die sich an sämtliche lang- und kurzfristig bei Heer, Marine, Luftwaffe, SS.-Verfügungstruppe und Landespolizei gediente Mannschaften der Jahrgänge 1913 und 1916 wendet, die ebenfalls zu den jeweiligen Mufte- rungstagen zur Musterung zu erscheinen haben. Die Musterungspflichtigen seien auf die wichtige Bekanntmachung besonders hingewiesen. Das Gießener Realgymnasium stn Schuljahr 1935/36. Im abgelaufenen Schuljahr war das Realgymnasium im ganzen von 556 Schülern und einer Schülerin besucht. Nach dem soeben erschienenen Jubiläumsband der Zentralstelle für Landesstatistik in Darmstadt ist die Anstalt die zweitstärkste unter den höheren Schulen Hessens (an erster Stelle steht das Realgymnasium zu Darmstadt). Aus Gießen stammen 327, aus dem übrigen Hessen 123, aus dem preußischen Nachbargebiete 107 Schüler. Der Unterricht wurde in 21 Klassen erteilt. Die Reifeprüfung haben 27 Oberprimaner bestanden. Leider hat die Anstalt den Tod zweier hoffnungsvoller Jünglinge zu beklagen. Der Hitlerjugend oder dem Jungvolk gehören von den 10- bis 18jährigen 97,4 v. H. an; das Realgymnasium marschiert damit an der Spitze aller Gießener Schulen. Für besonders wertvolle schriftliche Arbeiten ober Zeichnungen beim deutschen Schüler-Wettbewerb „Das Winterhilfswerk", „Der rote Hahn", „Erntedanktag" und bei dem Photowettbewerb wurden durch den Herrn Reichsminister für Propaganda und durch Herrn Ministerialrat Ringshausen fünf Schüler (Fritz Rühr, L. Trietsch, K. Pfeffer, W. Vogels, Hans S ch m a n d t) wertvolle Buch- preife verliehen. Der im Herbst aus der Eltern- und Lehrerschaft gegründeten, unter der Leitung des Oberstudiendirektors Angelberger stehenden einer gesundheitlichen Schädigung durch das Aufheben von Gifteiern ober toten Krähen hinzuweisen. — Zum ersten Male geht man bieses Jahr an die Bekämpfung d e r Obstbaumschäd- linge. In den letzten Tagen wurden zahlreiche ------- ' "— Die E i e r s a m m l u n g, Kreis Schotten. □ Laubach, 1. April. Heute vormittag kam im Rathaussaale die Laubacher G e mein b e - jagb, für die seither ein Pachtpreis von 2000 Mk. gezahlt wurde, zur Neuoerpachtung. Unter den drei Meistbietenden gab Glasermeister Winckler (Frankfurt a. M.) das höchste Gebot mit 1090 Mark ab. * Wetter seid, 1. April. Bürgermeister Krauß hat mit Rücksicht auf feinen Gesundheitszustand das Bürgermeisteramt unserer @e- meinbe niedergelegt. Seit dem Jahre 1904 hat er in vorbildlicher Weise zum großen Nutzen der Gemeinde die Bürgermeisterei-Geschäfte geleitet und sich dadurch um unser Gemeinwesen hohe Verdienste erworben. Ortsbauernführer Münch wurde als neuer Bürgermeister vom Kreisamt Schotten verpflichtet und in die Bürgermeisterei-Geschäfte eingeführt. Die Kohlenhändler werden ersucht, die für den Monat März 1936 gültigen Kohlengutscheine der mstag, 4. April, 20.30 NSV.-Geschäftsstelle, Kaplans- Tiefbauamt im Anzeigenteil unseres heutigen Blattes aus. Interessenten mögen die Bekanntmachung beachten. *♦ Osterreise mit d e r Festtagsrückfahrkarte. Die Fefttagsrückfahrkarten (33% o.H. Ermäßigung) gelten zu Ostern vom 8. bis 16. April. Sie werden für alle Strecken der Deutschen Reichsbahn ausgegeben und ermöglichen eine neuntägige Serienreife innerhalb der deutschen Gaue. Mit Ausnahme der „FDt" (Schnelltriebwagen) können alle Züge des gewöhnlichen Verkehrs damit benutzt werden, Schnell- und Eilzüge gegen Zahlung der Üblichen Zuschläge. Auch die Fahrpreisermäßigung für Kinderreiche wird bei den Fefttagsrückfahrkarten gewährt. ** Verbilligte Oftergrußtelegramme nach U e b e r f e e. Telegramme zum Osterfest über die deutschen Funk- und Kabelwege können vom 6. bis 13. April aufgefiefert werden. Der Absender kann den Text der „Ostergruhtelegramme" beliebig (freier Text) abfassen. Nach Nordamerika, Mexiko und Kuba, sowie mit Schiffen in See über die Küstenfunkstellen der Vereinigten Staaten von Amerika sind jedoch nur Osterarußtelegramme mit besonders vereinbarten Textfassungen (fester Text) zugelassen. Der Absender hat die Möglichkeit, den gewünschten Text unter einer größeren Zahl von Fassungen auszuwählen und dabei zu bestimmen, in welcher der zugelassenen Sprachen (deutsch, französisch, englisch, nach Mexiko und Kuba außerdem spanisch) das Telegramm für den Empfänger ausgefertigt werden soll. Die Gebühren für die einzelnen Verkehrsbeziehungen find verschieden, sie betragen bei den Telegrammen mit beliebigem Text ein Drittel der vollen Sätze, lieber die Einzelheiten geben die Telegrammannahmestellen Auskunft. ** Oeffentliche Bücherhalle. Im März wurden 1678 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Zeitschriften 28, Gedichte und Dramen 9, Erzählende Literatur 1013, Jugendschriften 288, Länder- und Völkerkunde 103, Kulturgeschichte 2, Geschichte und Biographien 152, Kunstgeschichte 8, Naturwissenschaft und Technologie 39, Heer- und Seewesen 13, Religion und Philosophie 2, Staatswissenschaft 19, Sprachwissenschaft 2 Bände. Uhr bei der ____ , , , , gaffe 18, mit Firmenstempel versehen nebst den entsprechenden Rechnungen einzureichen. Es ist besonders darauf zu achten, daß der Abrechnungstag unbedingt eingehalken werden muß, weil der 5. April auf einen Sonntag fällt. Später eingehende Rechnungen werden unweigerlich abge- kreis Alsfeld. = er. Homberg, 31. März. Gestern abend fand im „Frankfurter Hof" der Unterricht des Winterhalbjahres in der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz feinen Abschluß. Nach der Teilnahme an einem Unterricht von 20 Doppelstunden wurden acht Samariterinnen geprüft und verpflichtet. Zu dieser Prüfung waren von Alsfeld Medizinalrat Dr. Gö risch, Frau R ö ß n e r, Kreisführerin des Alice-Frauen- vereins vom Roten Kreuz, und Herr Bellinger, Reichskolonnenführer, erschienen. Der Kolonnenarzt der Hornberger Sanitätskolonne, Dr. Luft, prüfte zuerst, anschließend Medizinalrat Dr. Görisch. Nach der mündlichen Prüfung erfolgte das Anlegen von Verbänden aller Art, die nach Anweisung des Kreisarztes ausgeführt wurden. Sowohl die mündliche Prüfung, als auch das Anlegen der Verbände fanden volle Anerkennung, ein Beweis, daß die Geprüften mit großem Fleiß und tiefem Verständnis an ihre Aufgabe herangegangen waren. Auch „die Alsfelder" gaben beim Verbinden noch praktische Anregungen. Nach der danach von Frau R ö ß n e r voraetragenen Derpflic^ tungsformel wurden die Samariterinnen durch Handschlag in Pflicht genommen und ihnen die entsprechenden Abzeichen (Brosche mit rotem Krei^ auf weißem Feld) ausgehändigt. Man blieb danach noch einige Stunden gemütlich beisammen. Durch den gemeinsamen Gesana herrlicher Volkslieder und den Vortrag humoristischer Gedichte wurde der Abend verschönert. . T Romberg, 1. April. Im benachbarten Nie- der-Ofleiden begann wieder ein Kursus mit der theoretischen und praktischen Ausbildung in der Luftfahrt. Dieser Kursus ist auf die Dauer von 14 Tagen berechnet. Die Teilnehmer sind größtenteils junge Lehrer. Auf diese Weise beabsichtigt man, den Luftschutzgedanken schon in die Schule hineinzutragen. Früher Ausgebildete gaben seither schon in besonderen Unterrichtsstunden Anleitung zur Herstellung von Luftfahrtgeräten. luth8’ ÖQ5 MrtenTu« n n Ausbil- ■r Kursus ist ist Die Teiler. Auf diese edanken schon Ausgebildete rrichtsstunden rtgeräten. , le. m,7 ,Qrh er D ’üTQM, . rt ab. Geister unö^eit3, Srer Te. S\1904 iiu ^den k„Ileitet W Der. A^urbe 2oltenoer. * i -h, Jtab. ft1* ’ 8 ?lnter. ... SQn>* seinen fJ* Unter, «jnorite. Prüfung ®orii*b ’ce’?Wn. n g tr Kolonnen- Muft, Dr. Gö. folgte das nach 2(ne Men. C», Qs Anlegen l9- ein De- Aeiß und ^gegangen Verbinder danach 1 Derpslich. innen durch 5 ihnen die rc\iem Kreuz blieb danach men. Durch kslieder und wurde der |en Sonntag es neuen :=> Harrers Zvttesdrenstes. Nilglieder des, Glockengeläutes darunter der h den chaupt- an des Deka- ,eistliche. Eine ßte mit dem en Hirten der > des Dekans Matthäus 5, itseinfvhrung. n nach dem ichkeit" seine Fi schloß mit möge, in der die mit dem imcn uns des Nit dem Lied ) mit dem üb« t erreichte die Tag des Ein- nfarrhaus war r im Pfarr« e#tnen *■ mereins„0“' eher Lung m ieuen Drtsgeist1 Willkommgruß' r namens oer begrüßte- $far' Ausführungen , zweites Aed rützungsseier. iießen. rr-Z aus der W her Landwirt- «in««. L uni Mch m®ernb2 W ■ft. Safe® ■ I r in ^aternhelt mit Unterschlagung zu 5Monaten ® J-J a JL0 " ' 9 und 100 Mark Geldstrafe verurteilt. Der 415. D aus Romrod wurde von der Anklage der schweren Körperverletzung freigefprochen. Der Angeklagte sollte anläßlich eines Tanzver- anuaens einem anderen jungen Manne mit einem Messer Verletzungen beigebracht haben. In der gestrigen Hauptverhandlung stellte sich jedoch heraus daß der Angeklagte in Notwehr gehandelt hatte. Sodann befaßte sich das Gericht mit dem A. B. uus ^^uls-Horloff ebenfalls wegen Körperverletzung. Der Angeklagte befand sich am 30. 9 1935 mit noch mehreren Personen bis spät nachts in einer Wirtschaft in Trais-Horloff. Nachdem man oort einige Glas Bier getrunken hatte, kam es auf dem Heimweg zu einer Schlägerei. Der Angeklagte lauerte einem Zechgenoffen auf und brachte ihm durch Faustschläge Verletzungen bei. Das Gericht erkannte auf 7 0 Mark Geldstrafe, hilfsweise 14 Tage Gefängnis. Preußen. Reichsleiter Or. Ley auf der „Kestenburg" in Oberursel. NSG. Der Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront und Reichsorganisationsleiter Dr. Robert Ley trifft im Laufe des Donnerstag mit seinen Hauptamtsleitern und Amtsleitern der NSDAP, und der Deutschen Arbeitsfront auf der S ch u l u n g s - bürg in Oberursel zu einem dreitätigen Aufenthalt ein, der ein kameradschaftliches Zusammentreffen der Hauptamtsleiter und Amtsleiter ,zum Zwecke hat. Schulungslager derNE-Gtudentinnen NSG. Vom 1. bis 6. April findet in Oberursel ein Schulungslager der Arbeitsgemeinschaft nationalsozialistischer Studentinnen (ANSt.) im NSDStB. statt, das die 18 Gruppenführerinnen, ihre Stellvertreterinnen und die Schulungsleiterinnen der Hoch- und Fachschulen des Gaues Hessen-Nassau vereint. Dieses Lager dient der weltanschaulichen Schulung der Kameradinnen und der Auslese der Fähigsten. Die Schulung liegt in Händen des Gauschulungsreferenten Pg. S ch i n k e und wird sich im wesentlichen mit dem Thema „Volk und Staat" befassen. Außerdem werden den Kameradinnen die Richtlinien für die Arbeit des kommenden Sommer- semesters gegeben. Tragischer Tob eines Kindes im Gemeindebrunnen. < E r d a (Kreis Wetzlar), 1. April. Gestern ereignete sich hier ein tragischer Unglücksfall, dem leider ein Bübchen zum Opfer fiel. Das drei Jahre alte Söhnchen des Landwirts und Vaumwarts Wilhelm Dönges war mit dem Großvater zu dessen Gartenarbeiten von daheim fortgegangen. Als der Kleine an der Arbeitsstätte des Großvaters Langeweile bekam, lief er allein nach Hause zurück, wo er indessen nicht ankam. Bei der Heimkehr des Großvaters wurde man auf das Fehlen des Kindes aufmerksam und suchte nunmehr den Ort ab, ohne das Bübchen zu finden. Schließlich forschte man mit langen Stangen auch in einem mit Wasser vollgefüllten Gemeinde- brunnen nach, in dem man das Kind leider ertrunken vorfand. Offensichtlich ist das Bübchen auf seinem unbeaufsichtigten Heimgang unbemerkt in den Brunnen gefallen und hat bei dessen hohem Wasserstand den Tod durch Ertrinken gefunden. Kreis Wetzlar CD Krofdorf, 1. April. Unter den etwa zwei Dutzend Männern und Frauen unseres Ortes, die das achtzigste Lebensjahr überschritten haben, begeht am Freitag die Witwe Anna Margaretha Bopper, geb. Abel, ihren 8 3. Geburtstag. Wenn auch ihre beiden Kinder nicht mehr am Leben sind, so bringen aber acht Enkel Freude und Abwechslung in den Lebensabend der Jubilarin, die sich noch guter Gesundheit erfreut. Einziehung von 30000 Mark. LPD. Frankfurt a. M., 1. April. Gegen den Dr. Erich Kahn, 1893 in Naugard geboren, zuletzt Hans-Thoma-Straße 5 in Frankfurt ansässig, zur Zeit in der Schweiz wurde die Einziehung von 30000 Mark an Stelle der nicht mehr ausführbaren Einziehung der in das Ausland verbrachten Werte von mindestens 30 000 Mark zugunsten des Deutschen Reichs, vertreten durch den Präsidenten des Landesfinanzamts Kassel, auf Kosten des Dr. Kahn angeordnet. Durch die Ermittlungen ist erwiesen, daß Dr. Kahn vorsätzlich sowohl Barmittel als auch Wertpapiere im bezeichneten Wert 1933 ohne Genehmigung der Devisenstelle ins Ausland verbracht und. sich nach § 12 der Devisenordnung schuldig gemacht hat. Rundfunkprogramm. Freitag, 3. April. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. 6.30: Gymnastik. Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9.30: Süddeutsche Unterhaltungsstunde. 11: Hausfrau hör zu! 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Schallplatten-Kon- zert. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Zuflucht der Leidenden. Das Leben eines Krankenhauses durch den Tag, durch die Nacht. 16: Unterhaltungsmusik. 17.30: April! April! Plauderei von Edmund Sittig. 17.45: Wie Wasserleitung und Kanalisation nach Frankfurt kamen. Eine Erinnerung. 18: Musik zum Feierabend. 19: Bayrisch Knödel — Schwäbische Spätzle. Heitere 45 Minuten in Wort und Ton. 19.45: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Hanz Pfitzner dirigiert. 22: Nachrichten, auch aus dem Sendebezirk. 22.20: Sportschau der Woche. 22.45: Unterhaltungskonzert des Landesorchesters Gau Württemberg-Ho- henzollern. 24 bis 2: Symphoniekonzert des Rundfunkorchesters. S.ji.-tfpori StOenlen-Wball Deutschland-England. Am Sonntag im Frankfurter Sportfeld. Die Studenten-Fußballer Deutschlands und Englands treffen am Sonntag, 5. April, zum zweiten Male in einem Länderkampf zusammen. Das erste Spiel, das anläßlich der Studentenweltmeisterschaften 1935 in Budapest stattfand, ergab ein gerechtes 2:2-Unentschieden. Auf beiden Seiten sah man ein gutes Spiel, das dem zweier erstklassigen Vereins- Mannschaften nur wenig nachstand. So kann man auch für das Rückspiel zwischen den beiden Studen- ten-Mannschaften, das im Frankfurter Sportfeld zum Austrag gelangt und sicher zahlreiche Fußballfreunde anlocken wird, gute sportliche Leistungen erwarten. Die englische Studentenelf konnte in ihren Kämpfen mit der englischen Amateur-Nationalmannschaft immer ausgezeichnet abschneiden. Nur einmal ging in den letzten vier Jahren ein Spiel verloren, und zwar 1934 in Newcastle mit 2:5. 1933 siegten die Studenten in der gleichen Stadt 5:4, 1935 gewannen sie in Manchester überlegen mit 5:0 und ein Jahr später endete das Treffen ebenfalls in Manchester 2:2 unentschieden. Diese Ergebnisse lassen darauf schließen, daß in der Mannschaft Leute stehen müssen, die etwas' können. Tatsächlich ist es auch so, vier Spieler vertraten England schon mehrere Male bei Amateur-Länderspielen. Die übrigen Spieler sind meist in Amateurvereinen oder in den Fußball-Mannschaften ihrer Hochschulen tätig. Die deutsche Studenten-Mannschaft kann ebenfalls mit Ergebnissen aufwarten, die sich sehen lassen können. 1935 gelang ein 5:0-Sieg gegen die lettischen Studenten und ein 4:4-Unentschieden gegen Lettlands National-Vertretung. Gegen den Studentenweltmeister Ungarn wurde das entscheidende Spiel in Budapest nur knapp mit 1:2 verloren. Die Spieler der deutschen Auswahl sind ausschließlich Gauliga-Spieler. Die Aufstellung der beiden Länder-Mannschaften lautet: England: H. F. Reed (Bristol); H. Sowerby (Manchester), W. A. Cotton (Sheffield); T. H. H. Leek (Birmingham), T. Barrow (Manchester), I. W. S. Beswick (Loughborough); H. T. Souter (Glasgow), L. Bradbury (Nottingham), B. Clements (London), D. Carney (Liverpool), P. T. Collings (London). Deutschland: Bonk (Uni Halle, Preußen Hindenburg); Hans Vogel (Uni Berlin, Blauweiß Berlin), Klaas (Uni Greifswald, Tennis- Borussia Berlin); Breindl (TH. München, Bayern München), Theo Vogel (Uni Köln, Köln 99), Richter (Uni Berlin, Preußen Berlin); Dr. Böttner (Uni Marburg, Kurhessen Marburg), Burg (Uni Berlin, VfB. Pankow), Lindemann (Uni Frankfurt a.M., Offenbacher Kickers), G ä ß l e r (Uni München, Bayern München), P r y s s o ck (Uni Berlin, Minerva 93 Berlin). Die bekanntesten Spieler der deutschen Elf sind der Münchener Breindl, der Offenbacher Lindemann und der „Bayern"-Stürmer G ä ß l e r. Die Aussichten auf den Sieg dürften ziemlich gleich sein. Beide Mannschaften werden die größten Anstrengungen machen, im zweiten Kampf den ersten Sieg zu erringen. Wenn sich der deutsche Sturm zusammenfindet und die Hintermannschaft sicher spielt, dann ist uns um ein ehrenvolles Ergebnis nicht bange. Schiedsrichter des Kampfes ist Karl Wein- gärtner (Offenbach). 3fl Handball em Iranensporl? Wie bereits bekannt ist, wird am kommenden Sonntag in Gießen der Gaumeister im Handball der Frauen zwischen Hessen-Preußen Kassel und Turngemeinde Hanau ermittelt. Mit der Ausrichtung dieses Spieles, dem man natürlich im Kreis VIII größtes Interesse entgegenbringt, ist die Spieloereinigung 1900 beauftragt worden. Weil Frauenhandball in unserer Gegend bis heute noch so gut wie unbekannt ist, lohnt es sich, gerade vor dem großen Spiel den Frauenhandball etwas näher zu beleuchten. Es gibt Gaue und Kreise in Deutschland, in denen das Handballspiel für Frauen bereits zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Auch im Norden und Süden des Gaues XII (Kreis 1 und 12) ist man bereits dazu übergegangen, Rundenspiele durchzuführen. Weshalb das Spiel in der Gau- Mitte und vornehmlich im Kreis VIII bis heute nicht Fuß fassen konnte, ist nicht zu verstehen. Man sollte meinen, daß gerade hier alle Voraussetzungen vorhanden wären. Denn es gibt kaum ein Gebiet, das über mehr Turnerinnen und Sportlerinnen verfügt als gerade der heimische Kreis. Es will so scheinen, als ob es bis jetzt am „Anfängen" gefehlt habe und daß es nur daran liegt, die interessierten Kreise zusammenzufassen. Dazu ist bei dem Endspiel um die Gau-Meisterschaft Gelegenheit. Hoffen wir, daß die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreicht und daß sich viele Interessenten finden. Der Anfang ist dann schnell gemacht. Zu dem Thema selbst: „Ist Handball ein Frauen- sport?" wäre viel zu sagen. Wir wollen uns daraus beschränken, nur das allerwichtigste anzuführen: Die Ansichten gehen an sich weit auseinander. Ist jemand sportlich eingestellt, so wird er in den meisten Fällen ohne weiteres für das Spiel zu haben sein. Will hingegen jemand vom Sport nichts wissen, so wird er alle möglichen Dinge anführen, die dagegen sprechen. Vielleicht ist es darum ganz interessant zu lesen, was eine Medizinerin zu der Sache zu sagen hat: „Die wissenschaftliche Erforschung der Leibesübungen und ihre Wirkung hat zu der Einsicht geführt, daß die Frau zur Erreichung und zur Erhaltung eines gesunden Körpers der Leibesübungen bedarf. Wenn diese Ansicht auch noch immer nicht genügend in die Tat umgesetzt worden ist, so finden wir heute doch schon bedeutend weniger blutarme Mädchen im Ver- früher. Durch gesteigerte Berufstätig- Oer Fackelhalter für den Olympischen Staffellauf. V KD ij| Das Bild zeigt einen Fackelhalter, wie sie bei dem Fackelstaffellauf Olympia-Berlin 1936 verwandt werden. Die Griffe sind nach einem Entwurf des Bildhauers Walter Lemcke von der Fried. Krupp AG., Essen, aus Nirosta-V^-Stahl hergestellt und verbleiben zur Erinnerung an den Lauf im Besitz der Läufer. Ein Griff wiegt ohne Fackel 500 Gramm. Eine Fackel hat ein Gewicht von 700 Gramm. Auf dem Mittelstück des Griffes ist der Reichsadler mit den fünf Ringen und der Weg des Feuers von Olympia bis Berlin eingeätzt. Auf der Schutzscheibe stehen die Worte: „Als Dank dem Träger. Organisationskomitee für b i eA XI. Olympiade Berlin 1936". Die Firma Krupp hat sich in dankenswerter Weise bereit erklärt, die 3400 für den Fackelstaffellauf benötigten Griffe dem Organisationskomitee zu stiften. feit der Frau kommt ein schädigender Einfluß hinsichtlich der Gesundheit der Frau ohne Zweifel in Frage, so daß wir uns bemühen müssen, diesen Einfluß durch körperliche Ausarbeitung wieder auszugleichen." Es fragt sich nun, ist gerade der Handballsport die richtige Art der Leibesübung für das junge Mädchen, für die Heranwachsende Frau und spätere Mutter? Da gerade zum Handball außer dem zum Werfen benutzten Ball keinerlei Geräte notwendig sind, so ergibt sich die Tatsache, daß die durch Lauf und Wurf, durch Bücken und Fangen zwangsläufigen Bewegungen eine geradezu ideale Ausarbeitsmöglichkeit für den weiblichen Körper bilden. Es ist eine Freude, die jungen Mädchen und Frauen in ihrer leichten Sportkleidung auf dem mehr oder weniger grünen Rasen mit dem Ball spielen zu sehen, bald im schnellen Start, um den vorgespielten Ball zu erreichen, bald beim Bücken, um einen auf dem Boden liegenden Ball aufzunehmen und ihn mit kräftigem Schwung einer ihrer Mitspielerinnen zuzuspielen. Daß im Eifer des Gefechts zwei Spielerinnen auch einmal zusammenprallen, kommt vor. Es liegt pj 7-7 j ausgiebig ^und zahnpflegend, nachhaltig erfrischend Die Tippgräfin. Roman von Klothilde v. Stegmann Urheberrechtsschutz: Auswärts-Verlag, Berlin, SW 68. 28. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Doch noch war die Bitternis dieses Tages für Mariella nicht vorüber. Die Anschaffung der Trauergarderobe und der Kranz, den sie verspätet mit blutendem Herzen auf Erhards Grab niedergelegt, hatten den letzten Rest ihres Geldes verschlungen. Renate hatte ihr eine größere Summe angeboten; aber Mariella weigerte sich krampfhaft, auch nur einen einzigen Pfennig über die dringlichsten Ausgaben hinaus von ihr anzunehmen. Sie besaß noch die kleine, echte Perlenschnur, die Tante Annina ihr am Tage ihrer Konfirmation um den Hals gelegt hatte. Sie wußte, daß sie in ihrer Situation heute keinen Schmuck verkaufen durfte — und wenn sie Renate um diesen Liebesdienst gebeten haben würde: wer weiß, wie diese sich dazu stellte? Aber versetzen konnte Mariella bas Kettchen doch sicherlich selbst, das konnte doch nicht den mindesten Verdacht erregen. Sie hatte den Schmuck und ihren 'Paß zu sich gesteckt und beabsichtigte, das gleiche Leihhaus aufzusuchen, in dem sie so oft für Er- chard Wertgegenstände versetzt oder eingelöst hatte. Dort war sie persönlich bekannt, und man würde ihr sicherlich ohne Mißtrauen die Perlen beleihen. So trat sie diesen Weg an, nachdem sie sich von .Hartwig verabschiedet hatte. Nun eilte sie durch die ■Straßen, den langen schwarzen Schleier ängstlich vor das verhärmte Gesicht gezogen, um nur von keinem ihrer Bekannten wiedererkannt und angesprochen zu werden. Es war ein düsteres Gebäude in einer kleinen Straße des Zentrums, in das sie trat. Eine ganze Reihe von Menschen wartete darauf, abgefertigt ,zu werden, und der Besitzer des Unternehmens war nervös und überreizt. Endlich kam die Reihe an Mariella. Vor Erregung hielt sie sich krampfhaft an der Seitenwand Der Glaskoje fest, die sie jetzt betrat. Mit bittender 'Gebärde reichte sie dem Pfandleiher die Perlen hin: „Fünfzig Mark muß ich mindestens darauf haben, Herr L-Lbach!" sagte Mariella schwach. Er nickte ihr flüchtig zu und sah erst ihre Trauerkleidung. „Nanu — was ist denn los? Wer ist Ihnen denn gestorben?" fragte er. Und ohne ihre kaum hörbar gemurmelte Antwort abzuwarten, griff er zur Lupe und trat dicht unter die Lampe, um die Perlen auf ihre Echtheit und ihren Glanz zu prüfen. „Dreißig Mark kann ich Ihnen geben, Fräulein!" sagte er, als er wieder in die Koje trat. Mariella hatte inzwischen den Schleier zurückgeschlagen. Und als er das Zucken sah, das bei feinen Worten über ihr zerquältes Antlitz huschte, fügte er gutmütig hinzu: „Na, fünfunddreißig, weil Sie es sind!" „Danke!" Sie nickte wie betäubt „Legitimation, bitte?" Sie zögerte. „Aber Sie kennen mich doch schon so lange, Herr Leibach!" stammelte sie. „Gewiß! Vom Sehen! Aber weder Namen noch Adresse! Irgend etwas werden Sie doch hier haben, Fräulein? Polizeiliche Anmeldung, Steuerquittung?" „Hier ist mein Paß!" Zitternd reichte sie ihn über den Tisch, hinter dem er stand. Ohne ihn anzusehen, gab er ihn weiter, an die Büroangestellte, die hinter ihm saß und in ein dickleibiges Buch die Personalien derjenigen eintrug, die Geld auf Wertgegenstände erbeten hatten. Auch die Pfandscheine füllte sie aus. Da hielt sie inne. Das rothaarige, fommerfproffige Mädchen am Schreibtisch, das den Paß überflogen hatte, winkte ihrem Chef. Beide tuschelten miteinander, die Köpfe über dem Paß zusammensteckend. Gleich darauf kam der Pfandleiher mit ratlosem, verlegenem Gesicht zurück. Alle seine Gefühle spiegelten sich deutlich darauf wider. Hochachtung vor dem hohen Titel seiner Kundin, der ihm bisher unbekannt geblieben war, Mißtrauen und Furcht, sein gutes Geld für gestohlenes Gut hinzugeben und sich dadurch zum Hehler zu machen. „Es tut mir furchtbar leid!" sagte er halblaut. „Es tut mir furchtbar leid, Prinzessin! Aber Sie müssen verstehen, daß ich die Kette nicht beleihen kann und darf. Von Rechts wegen müßte ich den Gegenstand hierbehalten und ihn der Behörde übergeben, doch das tue ich nicht. Beleihen kann ich ihn jedoch nur, wenn Prinzessin einen Ausweis darüber haben, daß Ihnen der Schmuck gehört. Und der ist wohl nicht vorhanden?" Der Leihhausbesitzer war sich gar nicht bewußt, welche Nichtachtung in dieser Frage lag. Aber Mariella spürte es wohl. Das ganze Zimmer schien sich um sie zu drehen. Sie antwortete kein Wort; sie drehte sich um, um aus der Pfandleihe zu fliehen. Der Pfandleiher sah wohl nun erst, wie sehr er seine Kundin getroffen hatte. „Aber Ihr Paß, Prinzessin!" rief er ihr nach. „Außerdem bin ich dem Herrn Grafen von Hagen noch aus dem Erlös eines goldenen Zigarrenetuis ein paar Mark schuldig. Hier bitte, nehmen Sie! Sie müssen meinen Standpunkt verstehen. Ich bin kein schlechter Mensch Aber die Zeiten, die Zeiten —" Mariella ergriff den Paß. „Ich danke Ihnen sehr!" sagte sie mühsam. „Aber dieses Geld hier, das Sie mir anbieten, steht mir nicht zu!" Ehe Herr Leibach noch etwas sagen konnte, war sie die Treppe hinunter. Sie kam so verstört daheim an, daß sogar Renate es nicht wagte, sie nach den Vorfällen dieses Nachmittags zu fragen, von dem sie nur wußte, daß Mariella ihren Verteidiger aufsuchen wollte. Mariella war ihr dankbar für dieses Schweigen. Selbst Jago, der sich sonst wie ein Rasender gebärdete, wenn Mariella heimkam und seine Liebe zu seiner Herrin auch auf Mariella übertragen zu haben schien, strich nur scheu um sie herum. Doch nach dem Abendessen, von dem Mariella kaum einen Bissen genoß, hielt sie es nicht mehr aus. Sie mußte sich Renate anvertrauen. Wäre Lore dagewesen, dann freilich hätte sie Lore von den schrecklichen Erlebnissen des heutigen Nachmittags berichtet. Aber Lore war bereits wieder auf die Geyerburg zurückgefahren. Sie konnte ihre Arbeit nicht lange im Stich lassen Nun saß Mariella Renate gegenüber. Der kleine (Barten lag still im Abendlicht. Die Kiefern dufteten. Der betäubende Duft der Linde mischte sich mit dem des letzten Jasmins. Da begann Mariella abgebrochen von ihren Erlebnissen zu berichten. Ohne zu unterbrechen, hatte Renate zugehört. Dann griff sie nach Mariellas Hand und drückte sie ermunternd: „Du wirst auch darüber hinwegkommen, Kind!" Ihre Stimme klang tief und warm. Ihr energisches Gesicht zeigte so viel Zuversicht, daß auch etwas« von Hoffnung in Mariellas Seele floß. Renate stand auf. Sehr groß und schön stand sie in ihrem leuchtend blauen Seidenkleid da. Wie ein Bild der äußeren und inneren Harmonie wirkte sie. Eine wohltuende Ruhe ging immer von Renate aus, die so fest auf eigenen Füßen stand, die immer bemüht war. Schwächere zu halten und zu lenken. „Wenn ich auch so viel Tatkraft und Mut hätte wie du, Renate!" Bewundernd schaute Mariella auf die ältere Freundin: „Ich bin auch nicht immer so gewesen, Mariella! Ich bin auch erst durch schwere Lebenskämpfe so geworden. Aber du wirst auch sehen, daß die Kräfte des Menschen durch den Kampf wachsen. Für die nächsten Wochen werden wir einen Arbeitsplan für dich aufstellen, der dir gar keine Zeit lassen dürfte für Dinge, wie dein törichter Leihhausbesuch, der doch zu nichts führte. Wenn das Archiv schriftlich durchgearbeitet ist, werde ich dich in der Dunkelkammer beschäftigen, und außerdem muß unser Jago wieder regelmäßige Spaziergänge machen. Du sollst mal sehen, wie glücklich der arme Kerl sein wird, wenn du mit ihm ein bißchen hinauswanderst und mit ihm spielst. Ich habe ja leider so wenig Zeit." „Nein, nein", flüsterte Mariella angstvoll, „nicht hier heraus aus dem Hause und dem (Barten. Renate, begreifst du es nicht; ich fürchte mich vor der Welt da draußen! Vor der Welt, in der er nicht mehr ist: Erhard." Sie hatte den Namen des (Beliebten nur geflüstert. Aber Renate hatte verstanden. „Mariella", sagte Renate ernst, „du mußt endlich einmal zur Wirklichkeit erwachen! Du tust ein großes Unrecht an dir und den paar Menschen, die zu dir gehören, daß du dich nicht belehren lassen willst. Du mußt das Leben sehen, wie es ist. Und auch die Menschen, wie sie sind oder waren. Das Bild, das du dir von Erhard von Hagen machst, ist ganz anders, wie die Wirklichkeit war. Er ist deines Kummers und deines Opfers nicht wert gewesen. Es gibt eine ganze Reihe von ehrenhaften Menschen, die genau wissen, wie wenig das Bild auf Hagen paßt, das du dir von ihm machst. Mußt du denn mit Gewalt noch tiefer in dein Verderben rennen, als du es schon getan hast?" (Fortsetzung folgt!) cr- DieguteHOHNER Stoffe rungsa.uswelses befinden. 204 ID für das Frühjahr zeigen wir in einer vorbildlich schönen und großen Auswahl: H STOFFSPEZIALHAUS Bemard & Sohn GIESSEN • PLOCKSTRASSE 14-16 2050 A A—Bl 17. 4.1936, vormittags 21. 4.1936, am iGLORlfll 24. 4.1936, nachmittags Uhr. 2 am Heute Donnerstag Erstaufführung 25. 4.1936, Uhr. 8 am K t ll Lichtspielhaus Gießen Ab heute Donnerstag: 2042 A k) n) 2048 A O) PPL AST Giessen am am am am 22. 4.1936, am 22. 4.1936, am am am 23. 4.1936, 23. 4.1936, 24. 4.1936, vormittags nachmittags vormittags nachmittags vormittags nachmittags vormittags 2 8 8 2 2 Uhr. Uhr. Uhr. Uhr. Uhr. Von Von Von Von Von Von Von Von 17. 4.1936, 21. 4.1936, 8 2 8 2 8 2 8 Uhr. Uhr. Uhr. Uhr. Uhr. Uhr. Uhr. Mündlich können Sieesnnrvemgsll sagen, schriftlich mehreren, durch eine Kleinanzeige sagen Sie es allen Es ist eine Freude am schön gedeckten Tisch zu sitzen! Auf Grund des Wehrgesetzes vom 21. 5.1935, des Reichsarbeitsdienstgesetzes vom 26.6.1935 und der Verordnung über die Musterung und Aushebung vom 21. 3. 1936 wird hiermit folgendes bekanntgemacht: Erstmalig wird in diesem Jahr das Fachamt Leichtathletik Vereinskämpfe der Jung-Leicht- athleten durchführen, die mit Genehmigung des Auf der Bühne: ORIGINAL MIMI Deutschlands beste Elastik-Akrobatin. Vorher: Fox-Wochenschau sowie Beiprogramm. 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Werner, Major und Kommandeur des Wehrbezirkskommandos Gießen. Nero fainl einm I. Alle männlichen Reichsangehörigen, die im Jahre 1913 und 1916 geboren find, und sich, wenn auch nur vorübergehend, in der Stadt Gießen aufhalten, müssen sich zur Musterung für den Wehrdienst (Heer, Marine und Luftwaffe) stellen, desgleichen die Dienstpflichtigen der Jahrgänge 1914 und 1915, die bei der Musterung 1935 zurückgestellt wurden, und deren Zurückstellungszeit abgelaufen ist, oder die nicht gemustert worden sind und keinen Musterungsausweis besitzen oder für zeitlich untauglich befunden wurden. Die Einstellung zum Dienst erfolgt erst später. Dienstpflichtige Reichsarbeitsdienstangehörige, die in Reichsarbeitsdienstunterkünften untergebracht sind, werden zur Musterung und Aushebung durch die Meldeämter des Reichsarbeitsdienstes herangeführt. dürfen sie jedoch nicht verteilt werden. Die Punktwertung erfolgt nach der deutschen Mehrkampf« wertung für Jugendliche. Kurze Sportnotizen. Bei der großen Kundgebung des DRfL. am 19. April in der Berliner Deutschland-Halle wird u. a. auch die Deutschland-Riege der DT. ii der Besetzung Frey, Sandrock, Winter, Lorenz, Steffes, Volz, Schwarzmann und Mock turnen. Die Frankfurt'er Eintracht spielt ant ersten Osterfeiertag mit ihrer Fußballmannschaft bei Turu Düsseldorf, Germania Fulda macht eine Frankreichreise mit Spielen in Forbach, Bordeaux und Cazeres, Reichsbahn-Rotweiß Frankfurt fährt nach Dänemark, und Union Niederrad spielt auf einer Reise nach Mitteldeutschland gegen den VfB. Erfurt, Fortuna Magdeburg und FVg. Sanger« Hausen. Mercedes-Benz wird diesmal auch bei dem am 17. Mai zum Austrag kommenden Großen Preis von Tunis starten. Im Vorjahre vertrat bekanntlich nur Achills Darzi auf Auto-Union die deutschen Farben. Mercedes-Benz wird mit Ca- racciola und Louis Chiron sowie Hans Lang als Ersatzfahrer antreten. II. Als militärische Behörde ist für die Musterung das Wehrbezirkskommando Gießen, Liebigstraße 16, zuständig. h) den Nachweis über geleisteten Arbeitsdienst (Arbeitspaß oder Arbeitsdienstpaß, Dienstzeitenausweis, Pflichtenheft der Studentenschaft), i) den Nachweis über geleisteten aktiven Dienst in der Wehrmacht, Landespolizei oder SS.-Ver- fügungstruppe, Balke (Dortmund) am 8. März in Düsseldorf reichte, als deutscher Rekord bestätigt. Iugend-Vereinsmeisterschast im Iachamt Leichtathletik. Gießen 1399 a Am Oswaldsgarten Fernruf Nr. 2145/46 Bekanntmachung. Betr.: Musterung der Jahrgänge 1913 und 1916 sowie der bei der Musterung 1935 zurück- # gestellten Dienstpflichtigen der Jahrgänge 1914 und 1915, deren Zurückstellungszeit abgelaufen ist, oder die nicht gemustert worden sind und sich nicht im Besitze eines Muste- Bekanntmachung. Die in den Gärten vorhandenen Schnakenlarven sollen beseitigt werden. 2040D 2ln alle Garteninhaber ergeht daher die Bitte, im Interesse der allgemeinen Volkswohlfahrt die Schnakenbekämpfung dadurch zu unterstützen, daß den beauftragten Personen das Betreten der in Frage kommenden Gärten gestattet wird. Gießen, den 31. März 1936. Städtisches hoch- und Tiefbauamt. G r a v e r t. \ den Annahmeschein als Freiwilliger in der Wehrmacht oder SS.-Verfügungstruppe, den Nachweis über Seefahrtzeiten und den Besuch von Seefahrtschulen und Schiffsingenieurschulen oder den Nachweis über abgelegte ^chifferprüfung, . n Nachweis über den Besitz des Reichssport- bzeichens oder des SA.-Sportabzeichens, den Führerschein für Kraftfahrzeuge, Flugzeuge, Segelboote oder Motorjachten, " 'l-bm:mmerzeugnis, Grundschein oder Lehr- Ichein der Deutschen Lebens-Rettungsgesellschaft. ihre Freude an den von ihnen zu betreuenden Frauen und Mädchen haben. Alle aber, die sich aktiv betätigen werden, werben für das schöne Frauenhandballspiel! Anerkannte Schwimmrekorde. Das Fachamt Schwimmen im Reichsbund für Leibesübungen hat wieder eine Reihe von Höchstleistungen, die im Monat März erzielt wurden, als deutsche Rekorde anerkannt. Es sind dies: 100 Meter Brust für Männer Joachim Balke (Dortmund) 1:12,4; 400 Meter Kraul für Frauen Ruth halbsguth (Charlottenburg) 5:43,8; Lagenstaffel für Frauen (100, 200, 100 Meter): Nixe Charlottenburg 5:52,2 Minuten. Alle diese Bestleistungen wurden am 3. März in Krefeld geschwommen. Ferner wurden noch die 1:11,2 für 100 Meter Brust, die Joachim Ich! D Qud] fleri dein bar diese fie . Qutf| Fra, N mal wie eai Und ueh Qea unt, Han film Schrubber,Eimer Scheuertuch, Scheuerbürste, Besen, Handfeger, Mop, Teppichkehrer, Bohnerbürste, Bohnerwachs , in altbekannter Güte und sehr billig bei BH. B. 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Täglich 4,6,8.30, Sonntag 3,5.30,8.30 Uhr. eben in dem ganzen Handballspiel ein Kampfmoment, dessen Betonung in der heutigen Zeit mehr denn je angebracht ist, weil wir Kämpfernaturen erziehen wollen und keine Mädchen und Frauen, die bei der geringsten Kleinigkeit ein weinerliches Gesicht ziehen Durch Pflege des Gemeinschaftsgeistes bilden die 11 Mädchen eine Kameradschaft, die über manche aufkommende Schwierigkeit hinweghilft. Durch die Begrenzung der Spielzeit für Frauenspiele (zweimal 20 Minuten mit dazwischenliegenden 10 Minuten Pause), durch klare Regelbegrenzungcn und durch einwandfreie Schiedsrichter wird dafür gesorgt, daß die Spiele in den verschiedenen Leistungsklassen einen bleibenden Anreiz für die gesamte Spielzeit bieten. Das alles find Momente, die allein schon genügen würden, um Turnerinnen und Sportlerinnen für die neue und doch alte Sache zu begeistern. Welche Fülle von Neuem birgt das Spiel in sich! Es braucht absolut nicht so zu sein, daß durch die Frauen und Mädchen vom Turnsaal, oder von ihren sonstigen Uebungsstunden abgehalten werden. Handball kann zusätzlich betrieben werden. Alle, die einmal als Gegner aufgetreten sind, werden bei einem geregelten Spielbetrieb in jeder Beziehung , vormittags _ Die Zurückgestellten, zeitlich Untauglichen und Nichtgemusterten des Jahrgangs 1914: Don A—K am 27. 4.1936, vormittags 8 Uhr. Von L—Z am 27. 4.1936, nachmittags 2 Uhr. Die Zurückgestellten, zeitlich Untauglichen und Nichtgemusterten des Jahrgangs 1935: Von A—Z am 28. 4.1936, vormittags 8 Uhr. NflPhläCCO von3 bis 20 V1erhalten Sie bei wieder* liuullldduw holten Veröffentlichungen einer Anzeige! , nachmittags 2 Uhr. Die Dienstpflichtigen des Jahrgangs 1916 der Familiennamen beginnen: III. Die Musterung der Jahrgänge 1913 und 1916 sowie die Nachmusterung der Jahrgänge 1914 und 1915 findet in der Stadt Gießen vom 15. April 1936 ab jeweils in der Zeit von 8 Ahr vormittags und 2 Ahr nachmittags im Hause des Gesellschaftsvereins (Klub), Sonnenstraße 19, Eingang von der Weiden- gaffe, nach folgendem Plane statt. Es melden sich die Dienstpflichtigen des Jahrgangs 1913, deren Familiennamen beginnen: IV. Jeder Dienstpflichtige hat zur Musterung rnitzu- bringen: a) Geburtsschein, b) Nachwjis der Abstammung, c) Schulzeugnisse und Nachweise über Berufsausbildung (Lehrlings- und Gesellenbrief), d) Arbeitsbuch, e) Ausweise über Zugehörigkeit zu HI. (Marine-HI.), SA. (Marine-SA.), SS., NSKK., RLK. (Reich Uuftsportkorps) früher DLV. (Deutscher Luftsportoerband), DASD. (Deutscher Amateur-Sende- und Empfangsdienst), k) den Nachweis über Teilnahme am Wehrsport (Seesport), die Bescheinigung über die Kraftfahrausbildung beim NSKK., Amt für Schulen (Fahrschule Helsa), den Reiterschein des Reichsinspekteurs für Reit- und Fahrausbildung, das Seefportfunkzeugnis, g) den Nachweis über die Ausbildung beim Roten Kreuz, C.R3hr&Co Bahnhofstraße 44 Herbstmanöver Ein mitreißendes Milltäriustspiel mit Hans Söhnker, Susi Lanner, Ida Wüst, Leo Slezak, Herto Worell. ff PILSNER Bedruckte Seiden. Wollmousseline, Deutschmusline,Dirndlstoffe, in den apartesten Dessins.— Wir verkaufen gute Qualitäten zu bekannt niedrigen Preisen Complet-Kostüm-und Mantelstoffe in neuen, modischen Stoffen und Farben Reichssportführers als Deutsche Meisterschaften gewertet werden. Diese Kämpfe werden in drei Leistungsklassen durchgeführt, wobei der Sieger der Klasse A den Titel „Deutscher Jugend-Mannschaftsmeister in der Leichtathletik" erhält. Die Gau- und Kreisbesten dieser Leistungsklasse erhalten entsprechend die Titel Gau- oder Kreismeister. Für die erste Austragung wurden folgende Wettbewerbe festgesetzt: Klasse A: l.Tag: 100 Meter, 1500 Meter, Hochsprung, Kugelstöß (5Kilo), Diskuswurf (1,5Kilo), 2. Tag: 100-Meter-hürden, 400 Meter, Weitsprung, Speerwurf (600 Gramm), 4X100-Meter-Staffel. KlaffeB: l.Tag: 100 Meter, Hochsprung, Kugelstoß; 2. Tag: 1500 Meter, Weitsprung, Diskuswurf, 4X100-Meter-Staffel. KlaffeG: 100 Meter, 1500 Meter, Weitsprung, Kugelstoß, 4X100-Meter-Staffel. Als Austragungszeit für diese Meisterschaftskämpfe gelten die Monate vom 2. Mai bis 11. Oktober. Die Teilnehmerzahl ist unbeschränkt, gewertet werden aber für jeden Wettbewerb nur drei Jugendliche und eine Staffel. Der einzelne Jugendliche darf an höchstens drei Wettbewerben teilnehmen; die Klassen A und B können ihre Kämpfe auch an einem Tag abwickeln. Auf drei oder mehr Tage Konfirmandenanzüge aus reinwollenen Stoffen RM. 23.- 28.- 32. aus reinem Kammgarn. .RM. 38.- 42,- 48.- vorrätig in allen Größen, mit Einschlag zum Länger- und Weitermachen IfÄUI CD GIESSEN, das gr. Spezialhaus f. ■ wNZll LCIV gute Herren- u. Knabenkleidung 129 A Bekanntmachung. Die Beschaffung von kanalguhnialerialien für den städtischen Kanalbau soll auf Grund der RVO. für Bauleistungen öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen und Angebotsvordrucke lind bei uns erhältlich. 2039D Die Angebote sind zum Eröffnungstermin am Donnerstag, dem 9. April 1936, vormittags 10 Ahr, an das Städtische hoch- und Tiefbauamt, Asterweg Nr. 9, abzugeben, wo die Oeffnung der einaeganae- nen Angebote erfolgt. Zuschlags- und Bindefrist 4 Wochen. Gießen, den 1. April 1936. Städtisches hoch- und Tiefbauamt. G r a v e r t. Außerdem hat jeder Dienstpflichtige zwei Paßbilder aus neuester Zeit, Gröhe 45/55, Brustbild ohne Kopfbedeckung, nicht in Uniform ausgenommen, vorzulegen. Dienstpflichtige mit Sehfehlern haben außerdem das Brillenrezept mitzubringen. V. Zur Musterung hat auch ein Gestellungspflichtiger zu erscheinen, der seine Zurückstellung vom Wehrdienst beantragen will oder die Zurückstellung bereits beantragt hat. ' Bei Anträgen auf Zurückstellung ist das erforderliche Beweismaterial vorzulegen: a) bei Anträgen auf Zurückstellung aus häuslichen und wirtschaftlichen Gründen, eine entsprechende Bescheinigung der Ortspolizeibehörde, b) bei Anträgen auf Zurückstellung aus Gründen beruflicher Art, Bescheinigung der Ausbildungsstelle oder Lehranstalt. Jeder Dienstpflichtige und seine Verwandten ersten Grades sowie seine Ehefrau können Anträge auf Zurückstellung bei der Polizeidirektion Gießen schriftlich oder durch Niederschrift stellen. Treten die Gründe für Zurückstellung erst nach der Musterung ein, so kann der Antrag nachträglich bei der Polizeidirektion gestellt werden. VI. Die Polizeidirektion kann völlig Wehruntaugliche (Geisteskranke, Krüppel usw.) auf Grund eines Zeugnisses des Amtsarztes von der Gestellung zur Musterung befreien. Ein Dienstpflichtiger, der durch Krankheit an der Gestellung zur Musterung verhindert ist, hat hierüber ein Zeugnis des Amtsarztes einzureichen. Wer an Epilepsie zu leiden behauptet, hat auf eigene Kosten drei glaubhafte Zeugen hierüber zu stellen oder ein Zeugnis eines Arztes, das einen amtsärztlichen Sichtvermerkt trägt, vorzulegen. VII. Jeder wehrfähige Dienftpflichtiae kann möglichst frühzeitige Aushebung innerhalb feines Jahrganges sowie der Zuteilung über einen bestimmten Wehrmachtteil (Heer, Marine, Luftwaffe) oder die Zuteilung zu einer bestimmten Waffengattung beantragen. Ein Recht auf Berücksichtigung des Antrages erwächst ihm hieraus nicht. VIII. Jeder Dienstpflichtige hat gewaschen und mit sauberer Wäsche zur Musterung zu erscheinen. Sportober Badehose, Turnschuhe oder sonstige leichte Schuhe sind mitzubringen. IX. Dor und bis zum Abschluß der Musterung ist der Genuß von alkoholischen Getränken verboten. X. Zur Musterung ist das Mitbringen von Verpflegung erwünscht. Es empfiehlt sich, keine Wertsachen und dergleichen mitzubringen. XI. Ein Anspruch auf Reisekosten und Entschädigung für Lohnausfall besteht nicht. XII. Der seiner Gestellungspflicht nicht oder nicht pünktlich nachkommt oder den vorstehenden Anordnungen zuwiderhandelt (Richtvorlage der aufgeführten Unterlagen oder Paßbilder) wird, wenn keine höhere Strafe verwirkt ist, bis zu 150,— RM. oder mit Oaft bestraft. Evtl, werden sofortige polizeiliche Zwangsmaßnahmen gegen ihn ergriffen. Gießen, den 1. April 1936. Hessische Polizeidirektion. I. V.: Beat e.