Nr. 1 Erster Blatt M. Jahrgang Donnerstag, 2. Januar 1936 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Zrunkfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts Buch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schrlstleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70 mm Breite 50Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/a mehr. ErmShigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- il behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Die Reujahrsbotfchast des Führers. Deutschland Bollwerk der europäischen Kultur gegen den Bolschewismus. Berlin, 1. Ian. (DNB.) Als Sondersendung der Reichssendeleitung für alle deutschen Sender verlas am Neujahrstage um 14 Uhr im Auftrage des Führers Reichsminister Dr. Goebbels folgende N e u j a h r s b o t s cha ft des Führers und Reichskanzlers. Nationalsozialisten! Nationalsozialistinnen! Parteigenossen! Zum dritten Mal feiert das neue Reich den Jahreswechsel. Zum dritten Mal wurde uns am Beginn der vergangenen zwölf Monate der bevorstehende Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes prophezeit. Zum dritten Mal ist Deutschland unter diesem Regime stärker und gesünder geworden auf allen Gebieten seines nationalen Lebens. Es ist für uns, die wir diese große geschichtliche Wende unseres Volkes gestalten und erleben durften, schwer feststellbar, welchem der drei zurückliegenden Jahre die größere Bedeutung für die Wiederauferstehung des deutschen Volkes zu- kommt. 1933 eroberten wir die innere Macht. 1934 gelang es uns, sie zu b e f e st i g e n und zu erweitern durch die Vorarbeiten für die Erringung der äußeren Freiheit. 1935 steht i m Zeichen der errungenen Freiheit nach außen und der weiteren Durchsetzung der nationalsozialistischen Idee und ihrer Grundsätze im Innern. Daß es uns neben dieser gewaltigen Arbeit der politischen Wiederherstellung Deutschlands auch gelang, den wirtschaftlichen Aufbau durchzuführen und fortzusetzen, kann uns alle mit besonderem Stolz erfüllen. In derselben Zeitz in der wir mit Recht zufrieden zurückblicken dürfen auf eine wahrhaft gewaltige politische, kulturelle und wirtschaftliche Arbeit des Aufbaues, wird uns von journalistischen Hellsehern soeben wieder der neue Termin sür den deutschen Zusammenbruch mitgeteilt. Auch damit können wir zufrieden sein. Denn diese Phrasen werden vergehen, aber die Ergebnisse unserer Arbeit werden bleiben. Und das vor uns liegende Jahr 1936 soll und wird ein weiteres Jahr nationalsozialistischer Entschlossenheit und Tatkraft sein. Je mehr aber die Stärke des Reiches zunimmt und ihren sichtbaren Ausdruck findet in der wiederentstehenden Wehrmacht unseres Volkes, um so mehr werden wir erfüllt sein von der Schwere der Verpflichtung, die uns die neue Waffe auferlegt. Wit dem Vlick in die vielen Wirrnisse und Unruhen der anderen Welt ermessen wir erst den Segen des klaren und stabilen Regimes in unserem Staate sowohl als den Segen und Ruhen des dadurch garantierten F r i e d e ns. Ein solches Bollwerk der nationalen europäischen Disziplin und Kultur gegen den bolschewistischen W en sch h ei t s feind zu bleiben, wird auch in kommenden Jahren unser eifervolles Bestreben sein. Dessen Versuch, durch fortgesetzte Revolutionen, blutige Ausstände und Unruhen die Ordnung der Welt zu untergraben und die Völker gegeneinander- zuhehen, werden wir so wie in der Vergangenheit auch in der Zukunft in Deutschland erfolgreich abwehren. Unser höchstes Streben soll es aber auch im kommenden Jahr fein, dem wiedergefundenen nationalen Leben der Ehre und Freiheit den äußeren Frieden zu bewahren. Das heutige Deutsche Reich, sein Weg und seine Zukunft sind unlöslich verbunden mit der NSDAP. Sie hat die Umstellung unseres Volkes erreicht, die Energien für den Wiederaufstieg erweckt, die geistige und politische innere Voraussetzung für die Durchführung aller nötigen Maßnahmen und Reformen geschaffen und gegeben. Ich bin mir bewußt, daß, was immer auch Deutschland treffen könnte, die Partei der feste und unzerstörbare Träger des deutschen Lebenswillens sein wird, wie sie dies in den zurückliegenden 15 Jahren war. Eine fanatisch verschworene Gemeinschaft deutscher Männer, deutscher Frauen und deutscher Jugend wird hinter mir stehen, wie in der Vergangenheit in ihren guten und schlechten Tagen, so auch in der Zukunft! Ich wende mich daher am Beginn des neuen Jahres wie immer an meine alten Blit- k ä m p f e r. Ich gedenke ihrer Treue und ihrer Disziplin. Ich gedenke all' der Führer in der po- Mischen Organisation der Nationalsozialistischen Partei, der SA., SS., der Hitlerjugend, des Arbeitsdienstes, des NSKK, der Bauernorga- nisation, der Arbeitsfront ufw., -sowie der Führerinnen der Frauenschaften und des BDW. Ich danke ihnen auch in diesem Jahr für die unentwegte Treue und den Gehorsam, den sie mir entgeaenbrachten, und die es mir ermöglichten, schwerste politische Entscheidungen im sicheren Bewußtsein des hinter mir stehenden und durch sie geführten Volkes zu treffen. Ich danke all den unzähligen namenlosen Parteigenossen und Anhängern, den braven Männern meiner SA und SS, des Arbeitsdienstes, des NSKK und der gesamten Arbeitsfront für ihre Hingabe an die Bewegung und für ihre gebrachten großen Opfer. Ich danke besonders den Millionen deutscher Bauern, die die Ernährung unseres Volkes auch in diesem Jahre gelingen ließen. Und ich danke endlich allen jenen Bekannten und Unbekannten, die auch als Nichtparteigenossen durch ihre treue Mitarbeit das Deutschland des Dritten Reiches emporführen halfen. Ich danke vor* ollem den deutschen Frauen, die durch die neugeborenen Kleinen unseren Kampf durch ihre Tapferkeit erst der Zukunft unseres Volkes zugute kommen lassen. Das Jahr 1936 soll uns erfüllt sehen von einem neuen heiligen Eifer zu arbeiten und ein- autreten für unser Volk. Es soll uns alle vereint sehen im Bewußtsein der uns gestellten gemeinsamen Aufgabe, heute aber wollen wir danken dem Allmächtigen, der unser Werk bisher in seinen Segen genommen hat. Und wir wollen uns vereinen in der demütigen Bitte an ihn, uns auch in Zukunft nicht zu verlassen. Es lebe die nationalsozialistische Bewegung! Es lebe unser einiges deutsches Volk und Reich! Berlin, den 1. Januar 1936. Adolf Hitler. Sie Reichshauplstavt begrüßt bas neue Zahl. Eine jubelnde Menschenmenge überbringt dem Führer und Reichskanzler vor der Reichskanzlei die Neujahrs-Glückwünsche des deutschen Volkes. (Scherl-Bilderdienst.) M i. •x*. » Berlin, 1. Jan. (DNB.) In einer lauen, fast frühlingsmäßigen Nacht nahm das alte Jahr Abschied von der Reichshauptstadt. Schon lange vor der Stunde der Jahreswende herrschte überall fröhliches Leben und Treiben. Die Verkehrsmittel hatten den ganzen Abend sowie die Nacht hindurch Hochbetrieb. Die Gaststätten waren vielfach überfüllt, obwohl ein großer Teil der Berliner Bevölkerung altem Brauch entsprechend den Beginn des neuen Jahres im Familienkreise feierte. Die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Innenstadt hatte den Berlinern für den Silvesterabend die Verteilung von zehntausend Pfannkuchen in Aussicht gestellt. Als die hoch beladenen Lastkraftwagen mit ihrer süßen Last in den Straßen der Innenstadt auftauchten, streckten sich ihnen viele tausend Hände entgegen, und es regnete Pfannkuchen. In dichten Reihen strömten inzwischen die Massen zur Kranzler-Ecke, wo musikalische Darbietungen eines Lautsprecherwagens die froh gestimmte Menge unterhielten. Der Führet hatte abends der Festaufführung der Lehärschen Operette „Die lustige Witwe" im Deutschen Opernhaus in Charlottenburg beigewohnt, mit ihm Reichsminister Dr Goebbels. Reichsleiter V o u h 1 e c Stabschef Lutze. Auf dem Wilhelm- Platz hatten sich schon lange vor Mitternacht große Menschenmassen angesammelt, um dem Führer zu gratulieren. Als kurz nach 24 Uhr der Führer auf dem Balkon der Reichskanzlei erschien, schollen ihm Sprechchöre entgegen „W i r gratulieren zum neuen Jahr!" Immer erneute Heilrufe auf den Führer wurden ausgebracht. Eine Reihe von Gratulanten, die Blumenspenden brachte, durfte die Reichskanzlei betreten, und dem Führer persönlich die Blumen übergeben. Um Mitternacht, als Glockengeläut den Einzug des neuen Jahres ankündigte, hallten die Straßen der Stadt wider von den fröhlichen Zurufen der Menge. Böllerschüsse und Raketen gingen in die Luft, ganz Berlin feierte das neue Jahr. Die Nacht hindurch riß das fröhliche Leben und Treiben nicht ab. Der Morgen des Neujahrstages konnte nicht schöner eingeleitet werden, als durch das historische „Große Wecke n". Die Berliner nahmen an diesem militärischen Schauspiel trotz der frühen Morgenstunde lebhaft Anteil. Schon lange vor 6.30 Uhr warteten Hunderte von Volksgenossen vor der Kaserne des Wachregiments in der Rathenower Straße. Unter den Klängen des Liedes „Freut Euch des Lebens" erfolgte der Abmarsch zum Brandenburger Tor, wo viele tausend Berliner die Truppe' fröhlich begrüßten und sie auf ihrem Weitermarsch begleiteten. Aeujchrsemffe au Die Wehrmacht. Soldaten! Ein entscheidendes Jahr der deutschen Wehrgeschichte liegt hinter uns. Das Reich ist wieder frei und st ar k. Ich spreche allen Soldaten und den sonst am Aufbau der Wehrmacht Beteiligten meinen Dank und meine Anerkennung für die Leistungen im vergangenen Jahre aus Die Losung für 1936 heißt: , Immer wieder vorwärts für den Frieden, die Ehre und die Kraft der Nation. Berlin, den 31. Dezember 1935. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht. Adolf Hitler. An die Wehrmacht! Im Zeichen der allgemeinen Wehrpflicht beginnen wir ein neues Jahr des Ehrendienstes anVolkundReich. Wir wollen weiter zusammenstehen in Treue, Manneszucht und Hingabe für Deutschland und unseren Obersten Befehlshaber. Berlin, den 31 Dezember 1935. Der Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht. von Blomberg. An das Heer! Mit Stolz kann das Heer auf die Arbeit des vergangenen Jahres zurückblicken. Ich weiß, daß Führung und Truppe auch weiterhin ihre Pflicht erfüllen werden. Berlin, den 31. Dezember 1935. Der Oberbefehlshaber des Heeres. Freiherr von Fritsch. An die Kriegsmarine! Die Wehrfreiheit hat die Kriegsmarine vor neue große Aufgaben gestellt. Mit Tatkraft und freudiger Hingabe sind sie im vergangenen Jahre in Angriff genommen worden. Im neuen Jahre werden wir mit gleicher Entschlossenheit ans Werk gehen. Berlin, den 31. Dezember 1935. Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine: R a e d e r. An die Luftwaffe! Allen Angehörigen der Luftwaffe spreche ich meine Anerkennung und meinen Dank für die im vergangenen Äahre bewiesene Pflichttreue aus. Ich erwarte, daß sie sich auch im neuen Jahre der Größe der zu bewältigenden Aufgaben bewußt bleiben und übermittle ihnen meine besten Wünsche für eine erfolgreiche Arbeit am gemeinsamen Werk. Ein großes Jahr liegt hinter uns. Deutschland hat seine Wehrhoheit wieder. Die Luftwaffe verdankt ihre Wiedergeburt einzig und allein dem Siege der nationalsozialistischen Idee. Aus dem Glauben an den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht wird sie die Kraft schöpfen, höchste Leistungen auch im kommenden Jahre zu vollbringen. Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe: Hermann Göring. An bäiÖSfifi. Korpsführer Hühnlein erließ den nachstehenden Neujahrsbefehl an das NSKK: „NSKK-Männner! Das Jahr 1935 ist vergangen. Als das „Jahr ber wiedergewonnenen Wehrfreiheit" wird es in der Geschichte der Deutschen fortleben für alle Zeit. In zäher, stiller Kleinarbeit fügte das Korps Stein an Stein. Ein jeder gab sein Bestes. Vieles ist erreicht worden, doch manches bleibt noch zu tun übrig. Nürnberg und Ko bürg heißen die Marksteine dieses Jahres, auf die das Korps mit Stolz zurückblickt. Die zu einer Kameradschaft der Tat fest und unlösbar zusammengeschworene, aufs beste geschulte und disziplinierte Einheit des Sturmes ist und bleibt unser Baustein! Mit ihm fügte das Korps sein ehernes Fundament. Diesen Baustein in Sorgfalt und Fleiß weiterhin zu bereiten und zu pflegen ist jedes NSKK.-Führers vornehmste Pflicht. Nicht in der Besichtigung größerer Einheiten, sondern in der festen Verwach- senheit mit seinen Stürmen und in der lebendigen Arbeit möge der mittlere wie der höhere NSKK-Führer stets das Vordringlichere seiner Aufgabe erblicken. Die ab 1. Februar 1936 in Auswirkung des Führerbefehls vom 12. August 1935 für das gesamte Korps einschließlich der Motorgruppen- und Motorbrigadestäbe eingeführte schwarze Spiegelfarbe wird der Geschlossenheit und dem festen Zusammenhalt des NSKK auch nach außen hin sichtbaren Ausdruck verleihen. Mit unsmarschiert die Jugend, der unser Herz gehört. Ein neues Jahr mit neuen Aufgaben zieht heran. Große Zeiten erfordern ganze Männer. Danken wir dem Herrgott, daß er uns in eine solche Zeit gestellt. Es lebe Deutschland! Es lebe der Führer! 1936 — Sieg Heil!" An die Aerzte Reichsärzteführer Wagner hat zum Jahreswechsel folgenden Aufruf erlassen: „Allen deutschen Aerzten, insonderheit den Parteigenossen und Mitarbeitern im Hauptamt für Gesundheit, übermittle ich zum Jahreswechsel meine Glückwünsche und danke ihnen für ihre treue Mitarbeit an den großen Aufgaben der Gesundheitsführung unseres Volkes. Nur dem gemeinsamen Schaffen und dem vollen, stets verantwortungsbewußten Einsatz aller Kräfte, der Volksgemeinschaft zu dienen, sind die Arbeitserfolge des letzten Jahres zu verdanken. Immer soll und wird sich die deutsche Aerzteschaft in dem Kamps um die Zukunft der Nation einreihen und zusam- menschließen. Uns wird erst der deutsche Mensch aenügen, der nicht nur nicht krank, sondern i m Vollbesitz seiner erbbiologischen und rassisch erreichbaren Leistungsfähig- keit und Gesundheit steht. Die seit vielen Jahren von allen deutschen Aerzten ersehnte Reichsärzteordnung, die uns jetzt der Führer schenkte, erfüllt uns ihm gegenüber mit Freude und Dankbarkeit. Sie legt uns aber gleichzeitig eine hohe Verantwortung auf, deren Erfüllung neben vielen anderen Aufgaben auch im neuen Jahre unser Ziel und unser Dank an den Führer sei." Das lebendige Bekenntnis der Kirche. Eine Neujahrsbotschaft des Vorsitzenden des ReichStirchenanSschnsseS. Berlin, 31. Dez. (DNB.) Zum Jahreswechsel nimmt der Vorsitzende des Reichskirchenausschusses, Generalsuperintendent v. Zoellner, in der Wochenschrift „Das evangelische Deutschland" das Wort. Der Reichskirchenausschuß, so beginnt D. Zoellner, wünscht Heil unserem Führer und allen, die von ihm zur Regierung unseres Volkes berufen find, nicht zuletzt dem uns bestellten Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten. Vor allem aber grüßen wir unsere teure evangelische Kirche! Für das ihr fehlende Kirchenregiment sind wir als Treuhänder berufen. D. Zoellner sagt bann, daß das Bewußtsein von der Gabe des Bekenntnisses wieder wach und lebendig geworden sei. Es gehe jetzt darum, jede Heber« Hebung und Rechthaberei auszuschließen und mitein. ander sich zum lebendigen Wachstum zu verhelfen. Diese Gelneinschaft allein sei das Ziel. Am Schluß seines Grußmortes kämmt D. Zoellner auf die Arbeit der Kirchenausschüsse zu sprechen und knüpft hieran die Bitte: Prüft den Weg, den wir gehen! Und wenn ihr keinen besseren wißt, dann kritisiert nicht bloß! Helft vielmehr mit durch Gebet und Fürbitte, auch für uns! Dank und Aeujahrswimfche des Führers. Berlin, 1. Jan. (DJIBJ Der Führer und Reichskanzler Hal auch in diesem Jahr zum Reujahrstage eine Fülle von Glückwünschen deutscher Volksgenossen aus dem Reich und dem Auslande, ebenso von den Freunden Deutschlands in fremden Ländern und von den Ausländsdeutschen in der ganzen 2BeU erhalten. Bei der großen Zahl dieser Kundgebungen, die ihm aus allen Vevölkerungskreisen persönlich, schriftlich unb telegraphisch in diesen Tagen dargebracht worden sind und die ihn herzlich erfreut haben, ist es ihm zu seinem lebhaften Bedauern nicht möglich, die Glückwünsche im einzelnen zu erwidern. Der Führer und Reichskanzler spricht daher allen, die zur Jahreswende seiner so freundlich gedacht haben, auf diesem Wege seinen herzlichen Dank aus, wobei er gleichzeitig ihre Reujahrswünsche bestens erwidert. Flaggenparade bei der Kriegsmarine. Kiel, 1. Jan. (DNB.) Die Kriegsmarinestadt Ki^l selbst ruhte noch von der Silvesternacht aus, als schon Kommandos und schrille Signale über die Decks der im Kieler Hasen liegenden Schiffe hallten. In Kiel-Wik war alles lebendig. Da lagen im Torpedobootshafen die U-Boote und Fahrzeuge d e r U - S ch u l e. An der Tirpitz-Mole hatten einige Minen suchbootflottillen festgemacht. Panzerschiff „Admiral Scheer" hatte an der Scharnhorstbrücke festgemacht. Kurz vor 8 Uhr trat eine Ehrenwache mit der Flottenkapelle auf der Schanze des Panzerschiffes „Admiral Scheer" an. Im weiten Umkreis lag noch die Dämmerung auf der Kieler Förde und den Ufern, als es von allen Schiffen 8 Uhr glaste. Kommandos ertönten, die Ehrenwache präsentierte auf der Schanze unter dem Drillingsturm das Gewehr, und bei den Klängen des Deutschland- und des Horst-Wessel- Liedes stieg am Heck und auch am Top aller Schiffe zum erstenmal im neuen Jahr die Reichskriegsflagge langsam empor. Flotte Marschweisen beendeten die Feier. Glückwunschwechsel zwischen dem Führer und dem Papst. Berlin, 31. Dez. (DNB.) Im Auftrage des Führers und Reichskanzlers hat der deutsche Botschafter beim Vatikan Seiner Heiligkeit dem P a p st die Glückwünsche des deutschen Reichskanzlers und der Reichsregierung bei der Neujahrsaudienz überbracht. Papst Pius XL hat den Botschafter von Bergen gebeten, dem Führer und Reichskanzler sowie der Reichsregierung mit seinem aufrichtigen Dank die beste Erwiderung der Neujahrswünsche zu übermitteln. * Kardinalerzbischof Schulte (Köln) hat anläßlich des Jahreswechsels an den Führer und Reichskanzler das nachstehende Telegramm gerichtet: „Zum neuen Jahr wünscht in tiefer Ehrerbietung Euer Exzellenz für Ihr persönliches Wohlergehen und zum Besten von Volk und Vaterland Gottes beständigen Schutz und reichsten Segen. Kardinal Schulte." Der Führer und Reichskanzler hat telegraphisch wie folgt gedankt: „Euer Eminenz spreche ich für die Segenswünsche zur Jahreswende meinen aufrichtigen Dank aus. Ich verbinde hiermit meine besten Wünsche für Ihr persönliches Wohlergehen und für die Arbeit Euer Eminenz im kommenden Jahr. Adolf Hitler." Für Zusammenarbeit der Rallonen. Neujahrsempfang beim Präsidenten der Französischen Republik. Paris, 31. Dez. (DNB.) Der Präsident der Republik, Lebrun, empfing am Dienstagvormittag das Diplomatische Korps zur Entgegennahme der Neujahrsglückwünsche. Der Präsident dankte für die Glückwünsche, die ihm der Nuntius des Diplomatischen Korps übermittelt hatte, und führte dann u. a. aus: Frankreich ist bereit, wie in der Vergangenheit seinen Anteil an den gegenseitigen Beistands- und Gemeinschaftspflichten zu übernehmen. Die Regierung der Französischen Republik sucht mit allen Kräften die Verwirklichung der Bedingungen der Sicherheit und des Vertrauens, ohne die die Menschheit nicht in Frieden die Erbschaft der vergangenen Geschlechter genießen kann, zu erstreben. Der Friede kann nur durch eine dauerhafte und vertrauensvolle Zusammenarbeit wirklich gesichert werden. Er verlangt genaue Achtung der Regeln der Gerechtigkeit und eine hohe Auffassung von den Pflichten, die alle Völker gegenseitig haben. Er verlangt einen unermüdlichen.V er st än- digungswillen, ein weites Verständnis für die Rechte und Bedürfnisse eines jeden und mitunter gegenseitige Zugeständnisse, die reiflich vergolten werden durch die Befriedung der Geister und Herzen. Die Bolschewisierung Ost-Kareliens. .Stockholm, 31 Dez. (DNB.) „Nya Dagligt Allehanda veröffentlicht den Bericht der Akademischen Vereinigung in Helsingfors über die Bolsche- wisierung Ost-Kareliens. Darin ist von einem Moskauer Plan die Rede, Ost-Karelien als Basis für die kommuni st ische Propaganda und für einen etwaigen militärischen Angriff auf Nordfinnland und Nord. Skandinavien auszubauen. Der Bericht spricht von der Verschickung der eingeborenen Bevölkerung nach fernen Gebieten ^-owjetrußlands und A n s i e d l u n g sowjet- russischer Bauern. Allein im laufenden Jahre seien mehr als 8000 Menschen aus Ost-Karelien vor allem nach Sibirien und Turke st an abgeschoben worden. Abschied vom alte« Jahr. Als Sprecher der Reichsregierung ließ Reichs- ininister Dr. Goebbels in einer kurzen Siloesteransprache vor den Ruiidfunkhörern noch einmal das alte Jahr Revue passieren. Er gedachte zunächst der letzten Kabinettssitzung, in der der Führer der Reichsregierung seinen Dank für die Arbeit im vergangenen Jahre ausgesprochen hatte. Mit Bewegung hätten dabei alle der Mühen und Sorgen, der Freuden und Erfolge dieses wahrhaft historischen Jahres gedacht. Das Jahr 1935 werde als das Jahr der deutschen Freiheit in die Geschichte übergehen. „Drei markante Ereignisse haben diesem Jahre ihren Stempel aufgedrückt: der Sieg an der Saar, die Wiederher st ellung der deutschen Wehrhoheit und der Abschluß des de u^t sch-englischen Flottenabkommens. Sie haben Deutschland, das durch den Versailler Vertrag zur ewigen innen- und außenpolitischen Ohnmacht verurteilt werden sollte, wieder in die Reihe der souveränen Staaten h i n e i n g e r ü ck t. Und das Wunderbare an diesen Vorgängen ist, daß sie nicht etwa, wie vielfach befürchtet wurde, den europäischen Frieden gefährdeten, sondern ihm erst seine eigentliche Festigkeit und Sicherheit gaben. Denn nur das ohnmächtige und zerrissene Deutschland mar eine Gefahr für die Stabilität des europäischen Kräfteausgleiches. Wir sind nun nicht mehr Spielball in den Händen der Weltmächte. Deutschland hat wieder seinen eigenen politischen Willen und ist entschlossen, ihn auch durchzusetzen. Die Wiedererringung unserer politischen Freiheit ist die Voraussetzung für wirtschaftliche und soziale Erfolge. Sie mußte deshalb auch vordringlich gelöst werden und bedingte eine Reihe von Einschränkungen, Unbequemlichkeiten und Opfern. Es zeugt für den politischen Sinn des deutschen Volkes, daß es diese mit freudiger Entschlossenheit aus sich genommen hat. Noch ist ein großer Teil der Arbeitslosigkeit, die wir als furchtbarstes Erbe des vergangenen Regimes übernehmen mußten, nicht überwunden. Noch gestattet die Niedrigkeit der Löhne einem großen Teil unseres Volkes nicht, an den materiellen und ideellen Gütern der Nation gleichberechtigt teilzunehmen. Weil wir Rohstoffe für die Arbeitsschlacht und für die Wehrhaftmachung unseres Volkes nötig haben, mußten mir die Einfuhr von Lebensrnitteln, vor allem von Fetten und Fleisch, zu einem Teil einschränken. Das bedingte zeitweilige Verknappungen an Butter und Schweinefleisch. Es mußte hier Tag für lag versucht werden, zu einem gerechten und erträglichen Ausgleich zu kommen, Regierung und Volk haben schon im vergangenen Jahr ihre Sorgen gehabt und werden sie auch im künftigen haben. Entscheidend aber ist, daß mir nach besten Kräften gegen Elend und Mangel ankämpften und nicht untätig zuschauten, roenn sich irgendwo ein Notstand bemerkbar machte." Dr. Goebbels erinnerte dann an die Leistungen des Winterhilfswerks und der nationalsozialistischen Gemeinschaft „Kraft durch Freude" und fuhr fort: „Ein wahrhaft s o z i a l i st i.s ch e s Regime leitet und lenkt die Geschicke der deutschen Nation. Es sitzt nicht auf Bajonettspitzen, sondern ruht in der Liebe und im Vertrauen des ganzen Volkes. Unser kostbarster Schatz ist ine Anhänglichkeit aller guten Deutschen. Sie gibt uns Kraft und Stärke in dem schweren Werk, dem wir dienen." Dabei sei es klar, daß vorerst nur Sie wich- tigsten Aufgaben in Angriff genommen werden konnten. Aber durch das ganze Volk gehe der einheitliche, entschlossene Wille: Wir müssen wieder wie die anderen Großmächte e i n W e l t v o l k werden! Unser nationales Glück liegt in unserer nationalen Kraft. Der Minister sprach dann der ganzen Nation den Dank des Führers und der Regierung für den Opfersinn aus, mit der sie sich im vergangenen Jahr bewährt habe. „Sie ist ihrer großen Aufgabe würdig gewesen. Sie wird auch die kommenden Schwierigkeiten überwinden, wenn sie an der Ueberzeugung festhält, daß Hindernisse nicht mit Kopfhängerei, sondern mit Opitimismus und Willenskraft gebrochen werden. Neue große Aufgaben warten wieder auf uns. Die Wehrhaftmachung muß gefestigt, die Arbeitsschlacht weitergeführt werden. Jahrelang noch werden die Hämmer klingen beim B a u der Reichsautobahnen. Die organisatorische Neuformung des Reiches findet ihre Fortsetzung: Partei und Staat werden ein einheitliches Ganzes bilden, um den Schutz der Volksgemeinschaft zu sichern. Der Führer, seine Partei und seine Regierung aber vermögen nichts, wenn das Volk ihnen nicht hilft. Sie können jedoch um so sicherer auf die Mitarbeit des Volkes rechnen, da das Volk jetzt weiß, wozu hie Opfer gebracht werden müssen. Seine Hoffnung auf die Zukunft kommt ja am sichersten zum Ausdruck in dem wunderbaren Kindersegen, den ungezählte Mütter auch im vergangenen Jahr wieder der deutschen Nation geschenkt haben. Es ist das Unterpfand der Unsterblichkeit unseres Volkes. So wollen wir denn in dieser festlichen Stunde beim Abschluß des alten Jahres uns alle vereinigen in tiefem Dankgefühl an den Führer, der unsere nationale Hoffnung und unsere völkische Zuversicht ist. Möge das Schicksal ihn uns noch viele Jahre in Gesundheit und voller Schaffenskraft erhalten. Wenn in einigen Stunden die Glocken über dem Reich in Nord und Süd und Ost und West läuten, dann wird sich das ganze deutsche Volk zusammenschließen in heißem und innigem Gebet für ihn und fein Werk. Ganz Deutschland soll stark und glücklich werden! Es soll einmal das stolze Land unserer Kinder fein und in ihnen ewig leben! Unsere Hoffnung und unser Glaube gehören ihm. Wir werden auch im kommenden Jahr feine getreuen Diener und mutigen Vorkämpfer fein." „Jahr des deutschen Jungvolks." Tkeujahrsbotschast des Reichsjugendführers an die deutsche Jugend. Der Jugendführer des Deutschen Reiches erläßt zur Jahreswende 1935/36 einen Aufruf an die deutsche Jugend, in dem es u. a. heißt: In diesen Tagen bewegt uns vor allem das Gefühl der Dankbarkeit. Wenn die vergangenen 12 Monate der nationalsozialistischen Jugendbewegung bedeutende Erfolge brachten und mehr als je zuvor das Vertrauen des deutschen Volkes in unsere erzieherische Arbeit uns als fühlbare Macht vorwärts half, so danken wir dies an der Schwelle des kommenden Arbeitsjahres den deutschen Eltern, die in ihrer Selbstlosigkeit und unermüdlichen Liebe unsere st ärk st en Bundesgenossen im Kampfe um eine einzige und einige deutsche Jugendbewegung gewesen sind. Sie werden heute mit uns feststellen, daß die Jugend des 1. Januar 1936 ein fröhlicheres Gesicht trägt als die Jugend früherer Jahre. Die jungen Herzen sind nicht mehr durch die lügnerischen Parolen des Klassenkampfes verhetzt und verbittert. Arme und reiche Jugend trägt dasselbe Kleid der nationalsozialistischen Glaubensgemeinschaft und die Sommerlager von 1935 haben unserem sozialistischen Willen einen alle Erwartungen übertreffenden Ausdruck verliehen. Die Weltanschauung, die von der alten Garde der NSDAP, in hartem Kampf gegen die Feinde unserer Bewegung durchgesetzt und zum Staatsgedanken des Dritten wehrhaften Reiches erhoben wurde, ist für die Jugend eine Selbstverständlichkeit. Es wird auch im kommenden Jahr die wesentlichste Ausgabe der Hitlerjugend fein, die Grundgedanken der Weltanschauung Adolf Hitlers den in unseren Reihen nachwachsenden Jugendlichen zum Erlebnis zu gestalten. Die Erziehung der Kameradschaft ist und bleibt die Voraussetzung für alle tiefere Erkenntnis des Wesens unserer Idee. In ehrfürchtiger Treue grüßen wir am heutigen Tage unseren Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. Er hat uns mit einem Vertrauen, das uns stolz und glücklich macht, persönlich die Aufgaben gestellt, die wir im. Jahre 1936 zu erfüllen haben. Die wesentlichste unter ihnen besteht in seiner Forderung, daß ausnahmslos jeder Junge und jed s Mädel, dem Beispiel der Hitler- Jugend folgend, schon in frühen Jahren dem Staate und damit der Zukunft unseres Volkes zu dienen haben. Von der Hitler- Jugend wird erwartet, daß sie die außerschulische Erziehung aller deutschen Jugend übernimmt. Die Einzelheiten dieser Aufgabe, die Schaffung einer einheitlichen großen Reichsjugend unter Führung der Hitler-Jugend werden den Gliederungen der nationalsozialistischen Jugendoerbände und der deutschen Oesfentlichkeit zu gegebener Zeit mitgeteilt werden. Der Führer hat einen großen Betrag für die Heimbeschaffungsaktion der Hitlerjugend zur Verfügung gestellt und hat uns so in den Stand gesetzt, eines der schwierigsten Probleme der Ju- genbarbeit seiner Lösung entgegenzuführen. Die Grund st einlegung aller neuen I u - gendheime wird am Geburtstag unseres Führers, am 20. April, erfolgen. Die geplanten Heime werden dem Stil der HI. entsprechend, schlichte, zweckmäßige Bauten sein, Symbole des Gemeinschaftswillens unserer Jugend. Dem BDM. stelle ich im Olympischen Jahr 1936 die Aufgabe, alle in ihm zusammengeschlossene weibliche Jugend sportlich zu ertüchtigen. Das ganze Jahr 1936 erhält den Namen „Jahr des deutschen Jungvolks". In diefer Parole liegt für alle Gliederungen der Hitlerjugend die Verpflichtung, unsere Nachwuchsorganisation so zu unterstützen, daß alle im Jungvolkalter befindlichen Jugendlichen in diesem Jahr noch durch das Deutsche Jungvolk erfaßt werden. Wenn bis Ende 1936 das Deutsche Jungvolk alle Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren umfaßt, werde ich die B e st e n aus den Reihen des Jungvolks in die Hitlerjugend berufen. Die Hitlerjugend und der BDM. sollen nicht größer werden als unbedingt notwendig ist, um für die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ihren Nachwuchsbedarf an charakterlich und leistungsmäßig einwandfreien jungen Nationalsozialisten und Nationalsozialistinnen zu gewährleisten. Meine Kameraden und Kameradinnen, erkennt diese Ausgabe der Sicherheit des Nachwuchses für die NSDAP, a l s eure edelste und vornehmste. Die nationalsozialistische Bewegung kennt kein Generationsproblem: sie ist selbst in ihren an Jahren ältesten Kämpfern eine B e - megung der Jugend. Mit dieser Gewißheit unserer nicht zu erschütternden jugendlichen Kraft und Gesinnung schreiten wir gläubig in ein neues Jahr des Kampfes für das Jahr des unbekannten Soldaten, der uns heute regiert. Wir werden unsere Pflicht tun. Vorwärts, vorwärts. Keine Lockerung der Mitgliedersperre bei der AGOAp. Berlin, 1. Jan. (DNB.) Der Reichsschatzmeister der NSDAP, gibt über die bestehende Mitgliedersperre der NSDAP, u. a. folgendes bekannt: Die Verfügung über eine allgemeine Mitgliedersperre und die hierzu ergangenen Ergänzungsverfügungen bestehen nach wie vor zu Recht. Die zur Zeit in Kraft befindlichen Ausnahmen sind folgende: 1. Meine Anordnung vom 25. Oktober 1935, betreffend die Aufnahme von Angehörigen der Hitler-Jugend und des Bundes deutscher Mädel in die NSDAP. 2. Meine Anordnung vom 15. November 1935 betreffend die Aufnahme von Mitgliedern des aufgelösten Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpferbundes (Stahlhelm) in die NSDAP. Andere Ausnahmen der allgemeinen Aufnahmesperre als die beiden vorgenannten bestehen nicht. Ich habe bereits in meiner Anordnung vom 1 Juli 1935 alle diejenigen Volksgenossen, die bei einer künftigen Lockerung der Mitgliedersperre in er ft er Linie z u berücksichtigen sind, im einzelnen aufgeführt. Ich betone jedoch nachdrücklich, daß bisher eine Lockerung der Aufnahmesperre nicht verfügt worden ist, und daß auch mit einer Lockerung der Mitgliedersperre f ü r absehbare Zeit nicht gerechnet werden kann. Die verwaltungstechnischen Schwierigkeiten, die einer Lockerung der Mitgliedersperre entgegen» stehen, bestehen solange, als nicht der Umzug der zuständigen Dienststellen in das neue Verwaltungsgebäude der NSDAP erfolget! kann. Ich ersuche alle Volksgenossen, von der Einreichung von Aufnahmegesuchen, solange nicht eine Lockerung der allgemeinen Mitgliedersperre verfügt ist, 21 b ft a n b zu nehmen. Sämtliche Anträge auf Aufnahme in die NSDAP, nach einer Lockerung der Mitgliedersperre sind ausschließlich an die zuständigen Ortsgruppen oder Stützpunkte der NSDAP, zu richten. Dis Volksgenossen, welche Aufschluß über die einschlägigen Bestimmungen der NSDAP, wünschen, werden gebeten, sich mit den zuständigen Ortsgruppen oder Stützpunkten der NSDAP, ins Benehmen zu setzen. Die Ortsgruppen und Stützpunkte sind angewiesen, die notwendigen Auskünfte an die an- fragenden Volksgenossen zu erteilen. Freiwilliger Eintritt in die Kriegsmarine. Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine gibt u. a. bekannt: In die Kriegsmarine werden in erster Linie länger dienende Freiwillige eingestellt. Solche Freiwilligen für den Flottendienst werden auf vier Jahre zuzüglich eines Ausbildungsvorschlags, der ein Jahr nicht übersteigt, verpflichtet. Gleichzeitig erklären sie sich für den Fall, daß sie Unteroffizier werden, mit einer Verpflichtung auf insgesamt zwölf Jahre zuzüglich Ausbildungszuschlag einverstanden. Die Einstellungen finden am 1. Januar, 1. April und 1. Juli jeden Jahres statt. Neben den Bedingungen des Wehrgesetzes wird gefordert: Alter: vollendetes 18. bis vollendetes 23. Lebensjahr. Auch Angehörige der Jahrgänge 1913 und 1914 können sich also noch zum Flottendienst melden. Größe: möglichst nicht unter 1,60 Meter. Die Bewerber sollen für ihr Alter gut entwickelt, kräftig gebaut und frei von solchen Fehlern (insbesondere ansteckenden Krankheiten) fein, die ihre Gesundheit, Beweglichkeit und Ausdauer nennenswert beeinträchtigen. Sie müssen nach marineärztlichem Urteil tauglich, auch bordverwendungsfähig sein. In einer Aufnahmeprüfung wird ucn den Freiwilligen des Flottendienstes geistige Gewandtheit, rasches Auffassen und klares Urteil verlangt. Besonders erwünscht sind Handwerker aller Art, zumal aus der Metallindu- st r i e, die die Gesellenprüfung abgelegt haben. Angehörige des Jahrganges 1915 und jüngere, die zum 1. Oktober 1936 und später eingestellt werden, müssen ihrer Arbeitsbien st pflickt genügt haben. Der Reichsarbeitsdienst stellt jährlich zum 1. April und 1. Oktober ein und nimmt Marinefreiwillige, die im Besitz des Annahmescheins sind, vorzeitig an. Bevorzugt werden Bewerber, die turnerisch oder sportlich gut vorgebildet sind. (Marine-HI.) Ferner werden — bei sonst gleicher (Signurig — bevorzugt: Freischwimmer und Besitzer von Sportabzeichen, Kriegerwaisen und Söhne kinderreicher Familien. Das Einstellungsgesuch ist mit dem Vermerk „Gesuch um Einstellung in den Flottendienst" ober Gesuch um Einstellung in ben Küstenbienst" an ben II. Abmiral ber Norbsee (Einstellung) in Wilhelmshaven, ober an ben II. Admiral der Ostsee (Einstellung) in Kiel zu richten. Diese Dienststellen senden auch auf Wunsch das ausführliche „Merkblatt für ben Eintritt in die Kriegsmarine" zu. Meldung ist jederzeit möglich, am besten schon reichlich ein Jahr vor dem gewünschten Eintritts» t a g. Roosevelt im Kamps um seine Wiederwahl. Washington, 1. Jan. (DNB.) Präsident Roosevelt überraschte ben Bunbeskongreß mit ber Ankünbigung, baß er am Eröffnungstag ber diesjährigen Parlamentstagung eine Abend- sitzung verlange, um seine große Jahresbot- schäft nicht nur den Parlamentariern, sondern d u. r ch Rundfunk dem ganzen Volk zu übermitteln. Ein solches Verlangen ist bisher noch nie an ben Bundeskongreß gestellt worden. Es zeigt, daß Roosevelt entschlossen ist, ben Kampf um seine Wieberwahl unb um seine Reformideen zu eröffnen. Die Schwierigkeiten, die ihm dabei von feinen politischen Gegnern gemacht werden, sind sehr groß. Da in den Vereinigten Staaten ein Präsident nur einmal auf weitere vier Jahre wiede rgewählt werden kann, will Roosevelt offenbar von den Wählern dieses Mandat für weitere vier Jahre verlangen, in der Hoffnung, daß nach den Jahren des ExperimenUerens nunmehr wirklich positive Arbeit geleistet werden kann. Da die Demokratische Partei in beiden Häusern die Zweidrittelmehrheit hat, dürste ber Kongreß bem Verlangen Roosevelts entsprechen unb sich am Freitagmittag kurz nach Eröffnung ber Tagung auf die Abendstunden vertagen, um Roosevelt persönlich anzuhören. Am Montag wird die wichtige Botschaft über den neuen Bundeshaushalt folgen. Er wird weitgehende Einschränkungen der Ausgaben vorfehen. In der Neutralitätsfrage dürfte ein Kompromiß dahin erzielt werden, daß der Präsident zwar gehalten wird, Ausfuhrverbote gegen Kriegführende zu erlassen, daß ihm aber b i e Zeit des Erlasses solcher Verbote sowie die Art der zu verbietenden Ausfuhrwaren i n s eigene Ermessen gestellt werden. Wie bekannt, wünschen Roosevelt und Hüll die Einbeziehung wesentlicher Kriegsmaterialien, wie Kupfer, Oel unb Baumwolle in bie Verbotsliste, soweit bie Ausfuhr bem Umfang des normalen Friedenshandels übersteigt. Ferner wünscht Roosevelt ein Verbot für Kredit- und A n - leihegewährungen an kriegführende Mächte. Moskau beschwert sich in Genf über Uruguay. Moskau, 1. Jan. (DNB.) Das Außenkommis- fariat hat an den Generalsekretär des Völkerbundes ein Schreiben gerichtet, in dem es unter Berufung auf § 2 des Artikels 11 des Völkerbundsvertrages über den Abbruch ber diplomatischen Beziehungen durch Uruguay Beschwerde führt. Nach Auffassung der Sowjetregierung hätte die uruguayische Regierung vor bem Abbruch der Beziehungen zu Sowjetruß- land bie Streitfrage einem Schiedsgericht ober bem Völkerbunbsrat zur Beilegung unterbreiten müssen. Auf Beschluß der Sowjetregierung hat ferner das Auhenhanbelskommissariat allen sowjetrussischen Wirtschaftsorganisationen verboten, ab 1. Januar Waren uruguayischer Herkunft zu kaufen. Ferner beschlossen die sowjetrussifchen Wirtschaftsgruppen, in deren Händen sich der größte Teil ber Aktien ber Gesellschaft „Iushamtorg " befindet, bie Gesellschaft aufzulösen. Die „Jushamtorg" tätigte alle Außenhandelsgeschäfte zwischen der Sowjetunion unb Uruguay. Der Führer bei der Uraufführung des Films „Llnfere Wehrmacht". ■ ■ ■ ■ XKjta| Der Führer wohnte der Uraufführung des Films „Unsere Wehrmacht" im Ufa-Theater am Zoo in Berlin bei. — Links im Vordergrund Leni R i e f e n ft a h l, die der Führer nach der Aufführung für ihre Regiearbeit beglückwünschte. — (Deutsche Presse-Photo-Zentrale-M.) Der deutscheBotschaster inparis gestorben Paris, 31. Dez. (DMB.) Der deutsche Botschafter Roland K ö st e r ist nach kurzem schweren Leiden am heutigen Dienstag gegen 14 Uhr im Amerikanischen Krankenhaus in Paris verschieden. Er war am lUontag ins Krankenhaus gebracht worden, nachdem er seit einigen Tagen unter einer schweren Bronchitis mit hohem Fieber gelitten hatte. Die Bonchitis hat sich in eine Lungenentzündung verwandelt, an deren Folgen der Botschafter gestorben ist. * Botschafter Roland Köster ist am 1. Juni 1883 in Mannheim geboren, seine Gattin entstammt der Familie Liebig. Rach den üblichen Studien trat er sofort in die diplomatische Karriere ein und war nach dem Kriege zunächst Gesandtschaftsrat in Prag, (Scherl-Bilderdienst-M.) alsdann Chef des Protokolls. Nachdem er dann von 1927 bis 1930 die Gesandtschaft in Oslo geleitet hatte, und dann als Ministerialdirektor der Abteilung I des Auswärtigen Amtes vorgestanden hatte, berief ihn im September 1932 der damalige Reichskanzler von Papen als Nachfolger des nach London versetzten Botschafters von Hoesch auf den außerordentlich schwierigen Posten in Paris. Er hatte dort besonders in der Zeit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus, des Saarkampfes und nach der Wiedererringung der Wehrhoheit Deutschlands Gelegenheit, sein diplomatisches Geschick im Dienst seines Vaterlandes einzusetzen. Es war nicht seine Art, sich vorzudrängen oder in der Oeffentlichkeit in den Vordergrund zu , treten; daß Kösters stille und gleichwohl sehr intensive Tätigkeit auch von französischer Seite anerkannt wurde, hat Ministerpräsident Laval gelegentlich selbst erkennen lassen. Botschafter Köster hat es verstanden, auf einem der schwierigsten diplomatischen Posten Europas seinem Land und seinem Volk unter Einsatz seiner ganzen Persönlichkeit erfolgreich zu dienen. Er hat mehr als einmal Mißverständnisse beiseite zu räumen gewußt und hat auch ein gutes Verhältnis zu dem Chef des französischen Kabinetts hergestellt. Das sichert ihm ein dankbares Andenken über seinen Tod hinaus. Trauer in Paris. Paris, 1. Jan. (DNB.) Die Nachricht von dem plötzlichen Ableben des Botschafters Roland Köster hat sich in der deutschen Kolonie und in den politischen Kreisen der französischen Hauptstadt, wie ein Lauffeuer verbreitet. Wenige Stunden nach seinem Tode schmückten zahlreiche Blumenspen- d e n das einsame Sterbezimmer im Amerikanischen Krankenhaus, in dem der Botschafter zunächst ausgebahrt war. Die sterbliche Hülle des Botschafters wurde am Neujahrstag von Mitgliedern der Familie und dem deutschen Geschäftsträger Dr. Forster in die Deutsche Botschaft eingeholt und in dem in eine Trauerkapelle umgewandelten Grünen Salon aufgebahrt. Am Samstag- oormittag wird der T r a u e r g o t t e s d i e n st für die deutsche Kolonie in der deutschen evangelischen Kirche stattfinden, wohin der Sarg, der mit der Reichsdienstflagge bedeckt wurde, inzwischen überführt wird. Die Trauerfeier, an der die Vertreter der französischen Regierung und das Diplomatische Korps teilnehmen, erfolgt anschließend am Ostbahnhof. Der P r ä s i d e n t d e r R e p u b l i k hat sich sofort, als er von dem plötzlichen Ableben des deutschen Botschafters unterrichtet worden war, in die Beileidsliste in der deutschen Botschaft eintragen lassen. Ministerpräsident Laval hat sich persönlich in Begleitung seines Kabinettschefs in die deutsche Botschaft begeben. Unter den ersten Beileidsbesuchern bemerkte man den italienischen Botschafter in Paris, den Generalsekretär in der Präsidentschaft der Republik, Magre, den Chef des Militärhauses des Staatspräsidenten, General Bra- connier, den Generalsekretär am Quai d'Orsay, Leger, den Chef des Protokolls, de Fouquiöres, den Pronuntius Kardinal Maglione, Kolonial- Nlinifter Rollin und den Ehrengouverneur der Bank von Frankreich. Marschall Petain und General Gamelin haben sich in die Beileidsliste eintragen lassen. Beileidstelegramme gingen ein von Reichsaußenminister v. Neurath und Reichskriegsminister v. Blomberg, ferner von dem französischen Botschafter in Berlin, Francois Poncet, von Staatsminister Herriot und vom ehemaligen Ministerpräsidenten T a r b i e u. ♦ Die Pariser Presse bringt am Neujahrstage Bilder des verstorbenen Botschafters und veröffentlicht einen Ueberblick über seine diplomatische Laufbahn. Mehrere Zeitungen widmen dem Verschiedenen ehrende Worte des Nachrufs. Das „I o u r n a l" schreibt, Roland Köster, der eingehend den Geist Frankreichs und die französische Kultur gekannt habe, habe als diplomatischer Vertreter des Reiches in Paris an der Lösung der schwierigen und heiklen Aufgabe der wirtschaftlichen und politischen Annäherung Deutschlands und Frankreichs gearbeitet. Das Blatt erinnert an die Worte Kösters an Präsident Lebrun bei der Ueberreichung seines Beglaubigungsschreibens am 21. November 1932: „Es sind zwischen Deutschland und Frankreich noch ernste Fragen zu klären und sehr viele Schwierigkeiten zu überwinden. Aber dieses Ziel wird verwirklicht werden, wenn die beiden Regierungen an die auftretenden Fragen mit dem Entschluß Herangehen, ihre Lösung durch eine aufrichtige Zusammenarbeit auf der Grundlage der Gerechtigkeit und Billigkeit zu erreichen." Der „Petit P a r i s i e n" sagt, Roland Köster habe in Paris d i e Sympathien aller zu gewinnen verstanden. Botschafter Köster fei, so erklärt das Oeuvre, ein ausgezeichneter Diplomat gewesen, der in der Erfüllung seiner schweren Aufgabe gegenüber Frankreich trotz gewisser Schwierigkeiten viel Taktgefühl und viel Verständnis zu beweisen verstanden habe. Dank der zahlreichen ausgezeichneten Beziehungen, die er sich verschafft habe, habe er nach besten Kräften zur Besserung der deutsch-französischen Beziehungen beigetragen. Laval an den Neicksauhenminister Paris, 1. Jan. (DNB.) Der französische Ministerpräsident und Außenminister Laval hat folgendes Beileidstelegramm an den Reichsaußenminister gesandt: „Tief bewegt von dem Tod des Herrn Roland Köster bitte ich Ew. Exzellenz i m Namen der Regierung der Republik und in meinem eigenen Namen Öen Ausdruck tief ft er Trauer entgegenzunehmen, die uns infolge des Ablebens des betrauerten Vertreters Deutschlands erfüllt." Nas Beileid des Präsidenten Lebrun. Berlin,!. Jan. (DNB ) Der P r ä s i d e n t d e r französischen Republik hat dem Führer und Reichskanzler aus Anlaß des Ablebens unseres Botschafters in Paris folgendes Beileidstelegramm gesandt: „Es ist mir ein Bedürfnis, Ew. Exzellenz die Trauer zum Ausdruck zu bringen, die mir der Tod Ihres verewigten Botschafters in Paris Herrn Roland K ö ft e r bereitet. Er hatte sich unsere Achtung zu erwerben gewußt, sein Andenken wird unter uns wach bleiben. Albert Lebru n." Der Führer hat telegraphisch wie folgt gedankt: „Ew. Exzellenz danke ich aufrichtig für den Ausdruck Ihrer Teilnahme an dem schmerzlichen Verlust, den das Deutsche Reich durch den Tod des Botschafters Roland Köster erlitten hat. Ado l ft H iiter, Deutscher Reichskanzler." Außerdem hat Seine Exzellenz der französische Botschafter in Berlin Herr Franxois Poncet heute mittag den Führer und Reichskanzler persönlich aufgesucht und ihm, zugleich für die Reichs- regierung, das Beileid der französischen Regierung und feine eigene Anteilnahme ausgesprochen. Ein verdienter Kolonialpionier 1*. Am 31. Dezember ist der Ministerialdirigent Geheimer Oberregierungsrat Edmund Brückner kurz vor Vollendung des 65. Lebensjahres nach einer schweren Operation gestorben. Als Gerichtsassessor trat er 1902 in das Auswärtige Amt (Kolonialabteilung) ein, wurde 1903 Bezirksamt- mann in Kamerun und 1905 in das Reichskolonialamt berufen, wo er 1909 zum Vortragenden Rat ernannt wurde. 1910 erfolgte seine Ernennung zum stellvertretenden Gouverneur in Südwest-Afrika und 1911 zum Gouverneur in Togo. Auf beiden Posten hat er die Entwicklung der ihm anvertrauten Gebiete hervorragend gefördert. Nachdem er den Krieg, in dem er schwer verwundet wurde, als Reserveoffizier des 3. Garderegiments mit Auszeichnungen mitgemacht hatte, wurde er 1918 m das Reichs- t o I o n i a I a m t und 1920 in das Reichsfinanzministerium übernommen, wo er am 1. Februar 1921 zum Ministerialdirigenten aufrückte. 1924 wurde er in das Auswärtige A m t einberufen und mit der Leitung der Kolonialab. t e i l u n g beauftragt. Die ausgezeichneten Dienste, die der Verstorbene dem Reich auf den verschiedenen wichtigen Posten geleistet hat, sichern ihm ein dauerndes ehrenvolles Gedenken. Um den englisch-äqyptischen Vertrag. London, 2. Jan. (DNB.) Der englische Außenminister Eden hat auf das ägyptische Ersuchen, Verhandlungen über einen Vertrag aufzunehmen, vorläufig mitgeteilt, daß diese Frage äußerst sorgfältig und in freundschaftlichem Geiste erwogen werden würde. Die britische Regierung habe nicht die Absicht, die Antwort hin- auszuzögern. Eine weitere Mitteilung würde bald folgen. Nach einem Reuterbericht aus Kairo hat diese Veröffentlichung zu Studentenkundgebungen geführt, die ein Eingreifen der Polizei erforderlich machten. Die Vereinigte Aegyptische Front tritt heute abend zusammen, um zu der Antwort Edens Stellung zu nehmen. Lustangriff aus eine schwedische Rote-Kreuz-Station in Abessinien. pwtesttelegramm des Kaisers. Addis Abeba, 1. Jan. (DNB.) Der Kaiser von Abessinien hat am Mittwochvormittag an den Völkerbund ein »neues Protesttelegramm gesandt, in dem es u. a. heißt: „Unter Bezugnahme auf unser Protesttelegramm vom 30. Dezember teilen wir mit, daß am 30. Dezember italienische Flieger erneut Truppen der Südarmee mit Bomben belegt und Giftgase verwendet haben. Bei diesem Bombenabwurf wurden dieStation des schwedischen Roten Kreuzes und die Sanitätsabteilung, in der sich zahlreiche Kranke und Verwundete befanden, vollständig zerstört. Der Chefarzt Dr. H y l a n d e r wurde schwer verletzt. Seit dem Bombenabwurf auf das Hospital von Adua und auf das Hospital von Dessie benutzt Italien ständig Giftgas und behauptet dabei, daß es feine ganze Aktion im Namen der Zivilisation durchführe. Wir erheben erneu Protest gegen diese Verletzungen der internationalen Rechte durch die italienische Regierung. Eine italienische Stellungnahme. Rom, 1. Jan. (DNB.) Von amtlicher italienischer Seite wird zu den Meldungen über Bombenwürfe auf eine schwedische Rote-Kreuz-Abteilung folgende Darstellung gegeben: „Die an der Somalifront erfolgten Bombenwürfe werden durch die mit Sicherheit erwiesene Tatsache vollauf gerechtfertigt, daß zwei bei Dagabur abgeschossene italienische Flieger ermordet und ihre abgeschlagenen Köpfe im Triumph noch Harrar gebracht worden sind. Die italienischen Flugzeuge hatten selbstverständlich nicht die Zelte des Schwedischen Roten Kreuzes oder des Roten Kreuzes anderer Länder zum Ziel, obwohl es heute bekannt ist, daß sich die abessinischen Führer beim Erscheinen der italienischen Flugzeuge dorthin flüchten. Die Nachrichten über die Zahl der Toten lauten noch unbestimmt. Die neue Spekulation, die man mit diesem Ereignis versuchen will, hat angesichts der abessinischen Kriegsgebräuche an der Somali- und Erythräa-Front, die bereits beim Völkerbund dokumentarisch bekanntgegeben worden sind, keine Grundlage." Große Emvörung in Stockholm. Das Präsidium des schwedischen Roten Kreuzes einberufen. Stockholm, 2. Jan. (DNB.) Der Präsident des Schwedischen Roten Kreuzes, Prinz Carl, hat am Mittwochabend im Zusammenhang mit den Bombenwürfen auf eine schwedische Rote-Kreuz- Abteilung in Abessinien das Präsidium auf Donnerstag einberufen. Die Nachrichten über die Vernichtung der sog. Westlichen Station des Schwedischen Roten Kreuzes an der abessinischen Nordfront haben in der Oeffentlichkeit größtes Aufsehen und Erbitterung hervorgerufen. Die Blätter bringen Meldungen über den Bombenangriff der italienischen Flieger, wobei 3 2 Mann, darunter sämtliche neun Schweden, den Tod gefunden haben sollen. Die Blätter veröffentlichen bereits die Namenliste der toten Schweden, obgleich eine amtliche Bestätigung noch nicht vorliegt. Demnach werden der Tod des Chefarztes Dr. Hylander, zweier Aerzte, eines Kandidaten der Medizin, eines Pastors, eines Mechanikers und dreier Beamter beklagt. „Nya Dagligt Allehanda" spricht u. a. von einer erschütternden Botschaft, die eine Katastrophe für die schwedische Abteilung des Roten Kreuzes in Abessinien und einen harten Schlag für das ganze schwedische Volk bedeutet. Der italienische Bombenangriff sei ein Vergehen gegen das internationale Ehrenrecht, weil er die Waffen gegen Nichtkämpfer richtete. Die Toten würdigt das Blatt als Helden, die sich und dem Lande Ehre eingebracht hätten. „Aftonbladet" erklärt u. a., der furchtbare Tod der Schweden entbehre jeglichen Gegenstückes in der Kriegsführung zivilisierter Länder. Aus dem In- und Auslande find dem Schwedischen Roten Kreuz zahlreiche Beileidskundgebungen zugegangen, darunter vom König von Dänemark. Das Schwedische Rote Kreuz erhielt am Mitt- wochvormittag ein Telegramm des Konsuls Hanner aus Addis Abeba, aus dem hervorgeht, daß die Meldungen über die Folgen des Bombenabwurfes auf die schwedische Rote Kreuzstation nicht voll bestätigt werden können. Nach Auskünften des abessinischen Außenministeriums wird gehofft, daß das Unglück nicht so groß ist, wie zunächst gemeldet wurde. Konsul Hanner hofft, noch im Laufe des Mittwochabend einen ausführlichen Bericht geben zu können. Italienischer Heeresbericht vom Neujahrsiag. Rom, 1. Jan. (DNB.) Der am Neujahrstag ausgegebene italienische Heeresbericht — amtliche Mitteilung Nr. 85 — besagt: „An der Eritrea- Front hat die Luftwaffe eine sehr lebhafte Erkundungstätigkeit entfaltet. An der Somali- front hat Hussein Halle, Stammesführer der Oga- oen Rer Dalal, die sich uns unterworfen haben, Danane im Tal des Baula (Nebenfluß des Webi Schebeli) besetzt. An diese Streitkräfte haben sich qeftern die des Sultans Schaveli Olol Dinle angeschlossen und damit die Stärke und die Treue der Streitkräfte erwiesen, die früher abessinisch waren und sich uns unterwarfen." Der Kriegsberichterstatter des DNB. meldet, daß in den Weihnachtstagen im Tembien-Gebiet weitere Kämpfe ftattgefunden haben, bei denen b i e Abessinier schwere 23 e r I u ft e erlitten. Die Verluste auf italienischer Seite werden mit 44 Mann europäischer Truppen und acht eingeborenen Soldaten angegeben. Verwundet wurden zwölf weiße und zwei schwarze Soldaten. Vom oberen Webi Schebeli an der Somalifront werden gleichfalls Zusammenstöße gemeldet. Nach in Asmara vorliegenden Nachrichten sollen sich sämtliche Stammesführer Ogadens den italienischen Behörden zum Kampf gegen Abessinien zur Verfügung gestellt haben. Herabsetzung der englischen Versicherungsprämien gegen Kriegsgefahr. London, 2. Jan. (DNB. Funkspr.) Die Der- sicherungsgesellschaft Lloyds hat beschlossen, die Versicherungssätze gegen Kriegsgefahr für Schiffsfrachten durch das Mittelmeer und das Rote Meer von 5 Schilling v. H. auf 3 Schilling und 4 Pence v. H. herabzusetzen. „Daily Telegraph" schreibt, daß diese Herabsetzung eine sehr b e r uhigende Wirkung im politischen und geschäftlichen Leben auslösen müsse, da sie die Annahme einer oerrringerten Kriegsgefahr zum Ausdruck bringe. MeutereiineinerKamelreiter-Ableilung in Tnp»litanien? Paris, 2. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die Agentur Radio weiß von einer Meuterei in Tripolitanien zu berichten. Grenzposten in Südtunesien sollen mehrere tripolitanische Kamelreiter-Soldaten entwaffnet haben, die sich auf tunesisches Gebiet geflüchtet hatten. Die Flüchtlinge hätten erklärt, zu einer Truppenabteilung zu gehören, die bei Nalut gemeutert haben. Der Befehlshaber der Abteilung, der italienische Leutnant Biondi, soll von seinen Leuten ermordet worden sein. Folgen her Sanktionen für hie französische Wirtschaft. Paris, 2. Jan. (DNB. Funkspruch.) Mehrere Industrie-Betriebe in Modane (Savoyen) haben ihren Arbeitern und Ange st eilten gekündigt, weil sie wegen der wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen gegen Italien keineBeschäf- tigungsmöglichkeit mehr haben. — Eine Bank in Modane hat um Zahlungsaufschub n a ch s u ch e n müssen, well ihre beträchtlichen Guthaben in Italien infolge der Sühnemaßnahmen eingefroren find. Kleine politische Nachrichten. Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Goebbels, hat an Stelle des verstorbenen Präsidenten der Reichstheaterkammer Laubinger den Reichskulturwalter Franz Moral- l e r zum Präsidenten des Reichsbundes für Freilicht- und Volksschauspiele berufen. ♦ Vom Oberpräsidenten der Povinz Hessen- Nassau ist Landeshauptmann T r a u p e l in Wiesbaden zum Landeshauptmann des B e z i r k s v e r b a n d e s Hessen und des Provinzialverbandes Hessen-Nassau ernannt und mit Wirkung vom 1. Januar 1936 ab in seine neuen Aemter vom Reichs- und Preußischen Minister des Innern eingewiesen worden. Landeshauptmann Traupel verlegt seinen Amts- und Wohnsitz nach Kassel. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die über Frankreich liegende und mit recht kräftigem Luftdruckfall verbundene Regenfront wird unser Gebiet voraussichtlich in der Nacht zum Freitag erreichen. An ihrer Rückseite bringt zunächst unter Druckanstieg etwas kältere Meeresluft nach, die auch bei uns Abkühlung und Beruhigung bringen wird. Ein Ende der vom Atlantik ausgehenden Wirbeltätigkeit ist jedoch noch nicht absehbar, doch scheinen die Wirbel auf südlicherer Bahn vorzu- stoßen, so daß wir mehr als seither in den Bereich kälterer Luftmassen kommen werden. Aussichten für Freitag: Nach verbreiteten Regenfällen wechselnd bewölktes 2Setter mit nur vereinzelten Schauern, bei kräftigen südlichen, dann auf Westen drehenden Winden Abkühlung. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An« zeigen: Theodor Kümmel. D.A. XI. 35: 11030. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein« druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Df. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Die Reichsrundfunkgesellschaft teilt mit, daß im Einvernehmen mit allen zuständigen Behörden die Reklamesendungen ab 1. Januar 1936 in Fortfall kommen. Der 10. Internationale Chirurge,- k o n g r e tz wurde in Kairo eröffnet. Don der Universität wurden die etwa 600 Teilnehmer von Studenten mit englandfeindlichen Rufen empfangen. Auch im Saal selbst bildeten vor der Eröffnung des Kongresses durch den Unterrichtsminister Studenten auf der Tribüne einen Sprechchor. Auf der Tagung selbst erstattete u. a. der deutsche Vertreter Professor Bauer- Breslau einen Arbeitsbericht. ♦ Die Kammer und der Senat verabschiedeten am Morgen des Neujahrstages endgültig den französischen Haushaltsplan für 1936. Von der Kammer wurde der Haushaltsplan mit 377 gegen 137 Stimmen und vom Senat mit 269 gegen 17 Stimmen angenommen. Der Haushalt weist bei rund 40,5 Milliarden Francs Einnahmen und Ausgaben einen rechnerischen Ueberschuß von 12 Millionen Francs auf. * Das Parlament von Venezuela hat in außerordentlicher Sitzung am 31. Dezember den General E. Lopez-Contreras zum Präsidenten der Republik gewählt. Im Lande herrschen vollkommene Ruhe und normale Zustände. Aus aller Welt. Zwölf Tote beim Absturz eines englischen Großflugzeugs. Am lehien Tag des vergangenen Jahres ist das englische Großflugzeug „City of Chartum“, das sich auf dem Wege von Athen nach Alexandrien in Aegypten befand, etwa zwei Kilometer vor Alexandrien ins Wasser gestürzt. Bei dem Unglück, dessen Ursache noch ungeklärt ist. kamen zwölf Personen, darunter neun Passagiere, ums Leben, Rur der Führer des Flugzeuges, der sich wie durch ein Wunder etwa fünf Stunden über Wasser halten konnte, wurde von dem Zerstörer „Brillante“ gerettet. Die in Alexandrien stationierten englischen Streitkräfte hatten eine Reihe von Schiffen ausgesandt, um das Rleer nach den Verunglückten abzusuchen. Außer dem Zerstörer „Brillante“ hat jedoch keines der Schiffe einen der Verunglückten finden können. Wan hat daher die Suche aufgegeben. Der gerettete Flugzeugführer war vorläufig noch so erschöpft, daß er nicht in der Lage war, eine Erklärung abzugeben. Der Absturz des Großflugzeuges hat in England großes Aufsehen hervorgerufen. Da die Ursache des Unglücks noch nicht einwandfrei festgestellt werden konnte, ergehen sich die Blätter in einem Rätselraten. Einige wollen wissen, daß die Benzinzufuhr für alle drei Motoren plötzlich ausgesetzt habe. Nach anderen Berichten soll der Höhenmesser nicht gearbeitet haben. Im Augenblick des Aufschlagens der Maschine auf das Wasser habe er eine Höhe von 75 Meter angegeben. „News Chronicle" gibt an, daß der Flugzeugführer, der gerettet werden konnte, aus dem Flugzeug geschleudert worden sei, bevor dieses das Wasser berührte. Am Mittwochabend konnten zwei Leichen der Verunglückten geborgen werden. Das Wrack der „City of Chartum“ ist zwei Kilometer vor der Hafeneinfahrt von Alexandrien aufgefunden worden. Es liegt etwa 24 Meter unter dem Wasserspiegel. Schweres Vrandunglück bei einer Weihnachtsfeier auf Island. Bei einer Weihnachtsfeier im Versammlungshaus des kleinen Ortes Keflavik bei Reykjavik (Island) brach ein Brand aus, bei dem vier Kinder und zwei ältere Frauen in den Flammen um- kamen. Etwa 20, nach anderen Berichten bis zu 40 Personen, wurden verletzt, davon zehn so schwer, daß ihr Zustand zu ernsten Bedenken Anlaß gibt. An der Feier nahmen etwa 180 Kinder und 20 Erwachsene teil. Bald nach Beginn der Veranstaltung geriet unter dem Weihnachtsbaum liegendes Papier in Brand, das im nächsten Augenblick den Baum entzündete. Das Feuer griff rasch auf die Holzwände und auf die hölzerne Decke über. Die Anwesenden stürzten von Schrecken ergriffen zum Hauptausgang, der unglücklicherweise abgeschlossen war, so daß die Tür erst eingeschlagen werden mußte. Am Ausgang entstand ein wildes Gedränge, in dem einige der Kinder »ngerissen wurden und verschiedene Personen Verletzungen erlitten. Einige Teilnehmer an der Veranstaltung sprangen durch das Fenster, wobei sie sich größtenteils Schnittwunden zuzoaen. Auch der Ortsgeistliche, der einer älteren Frau ins Freie verhalf, wurde verwundet. Die Schwerverletzten wurden in die Krankenhäuser von Reykjavik und Harfjord geschafft. Steinlawinen und Erdrutsche in Oberitatien und Frankreich. Als Folge des in Oberitalien herrschenden schlechten Wetters nimmt die Zahl der Unglücksf ä l I e immer mehr zu. Am Gardasee ging eine r i e s i a e Steinlawine von den Hängen des Monte Al- tissimo nieder. Ein Student, der gerade zum Gipfel des Berges unterwegs war, wurde von den herabstürzenden Felsen erschlagen. In der Nähe von Portona stürzte infolge des aufgeweichten Bodens ein Haus ein, wobei eine Frau mit ihren zwei Kindern wie durch ein Wunder unverletzt blieb. Die Straße längs der westlichen Riviera wurde durch einen Erdrutsch, der neuerlich 1200 Kubikmeter Gesteinsmassen in Bewegung setzte, bei Voltri verschüttet. Auch in dem Apennin war der Straßenverkehr stellenweise durch Steinlawinen unterbrochen. Infolge der andauernden Regenfälle und der durch den starken Auto- und Lastkraftwagenverkehr verursachten Erschütterungen ereignete sich auf der Landstraße zwischen Versailles und Le Pecq ein Erdrutsch, wobei zwei Personen verschüttet wurden. Erst nach längeren Anstrengungen konnten die beiden Verschütteten von herbeigeeilten Helfern als Leichen geborgen werden. Truppenteile aus den Garnisonen Versailles und St. Germain wurden sofort eingesetzt, um die durch den Erdrutsch gesperrte Straße wieder freizulagen. Schweres Explosionsunglück in Padua. In der Neujahrsnacht ging in Padua ein Lager von chemisch-pharmazeutischen Erzeugnissen i n d i e Luft. Der Besitzer des Lagers, der in der darüberliegenden Wohnung mit mehreren Freunden Silvester feierte, eilte mit seinen Gästen an die Unglücksstelle. Beim Oeffnen der Tür zum Lager schlug ihm eine Stichflamme entgegen. Seine sechs Begleiter, darunter auch die Hausangestellte, erlitten schwere Gasvergiftungen. Die Hausangestellte ist später an den Folgen der Vergiftung im Krankenhaus gestorben. Der Brand, den die Explosion zur Folge hatte, konnte erst nach sechs Stunden gelöscht werden. Der Sachschaden wird auf 200 000 Lire (40 000 Mark) geschätzt. Die Ursache der Explosion wird auf das Entweichen von ätherischen Stoffen aus einem Behälter zurückgeführt. Drei Tote im brennenden Kraftwagen. Ein furchtbares Kraftwagenunglück, bei dem drei Personen den Tod fanden, ereignete sich am Neujahrsmorgen in Oberschöneweide bei Berlin. Ein Personenkraftwagen fuhr in voller Fahrt gegen einen Baum, dabei wurde der Waaen zertrümmert und geriet in Brand. Die drei Insassen wurden bei dem Unfall so schwer verletzt, daß es ihnen nicht mehr möglich war, den brennenden Wagen zu verlassen. Als die Feuerwehr eintraf und den Brand gelöscht hatte, sand sie nur noch die Leichen vor. Schuß auf einen fahrenden D-Zug. Auf den D-Zug Salzburg—Agram wurde am Neujahrstag zwischen St. Johann und Schwarzach im Lande Salzburg ein Schuß abgegeben. Die Kugel traf den am Fenster stehenden Koch des Speisewagens, Lukas O b b a n a c aus Agram. Der Schwerverletzte starb kurz nach der Einlieferung ins Krankenhaus Schwarzach. Als Täter wurden zwei 15jährige Jungen festgestellt, die mit einem entwendeten Militärgewehr auf den vorübersahrenden Zug geschossen hatten. Eine Seilbahn bleibt hängen. Am Silvestertage blieb die Seilbahn von Chamonix nach dem Brevent-Gletscher während der Fahrt plötzlich hängen. Das Tragrad war vom Kabel abgerutscht und die beiden mit je 20 Personen besetzten Körbe, die sich mitten über dem Tal befanden, kamen nicht mehr von der Stelle. Erst nach fiebenstündiger schwerer Arbeit in Nacht und Schnee konnten die Fahrgäste aus ihrer Lage befreit werden. Gefahr hatte übrigens nicht bestanden und die beiden Traggondeln blieben während der ganzen Zeit mit den Bahnhöfen in telephonischer Verbindung. Vom Kalendermachen. Mancherlei Merkwürdigkeiten aus alten Jahrbüchern. Mancherlei Merkwürdigkeiten aumlhwyematu „Der schaut drein, wie ein Kalendermacher", heißt es im Volksmund von einem Mann, der hinter allen kleinen Begebenheiten große Geheimnisse vermutet und aus ihnen die Zukunft zu deuten sucht. In dieser Bezeichnung für einen Träumer und „Sinnierer" klingt noch die Erinnerung an die alten Kalender und ihre Verfasser nach, die sich einst größten Ansehens erfreuten. Denn der Kalender bedeutete unseren Vorfahren etwas ganz anderes als uns, die wir in ihm die Aufteilung des Jahres, die Fest- und Gedenktage, die Märkte und Messen verzeichnet finden wollen. Und selbst wenn unser Kalender mit reichem Bild schmuck versehen, mit Sprüchen geziert und mit Geschichten und belehrenden Aufsätzen zu einem unentbehrlichen Ratgeber ausgestaltet worden ist, so umfaßt er doch nicht mehr so das ganze Welterlebnis einschließlich aller Zukunftsprophezeiungen, wie dies in früheren Jahrhunderten der Fall war. Da war der Kalender, das neben Gesangbuch und Bibel a m meisten verbreitete Familienbuch, das in keinem Hause fehlen durfte. So genau kannten die Leute ihren Kalender, in dem sie Tag und Nacht lasen, daß es als höchstes Lob galt, wenn von jemand gesagt wurde, daß er „kalenderfest" sei. Der alte Volkskalender umfaßte aber auch die große und die kleine Welt, den Glauben und den Aberglauben: er begnügte sich nicht mit einem Rechenschaftsbericht über die Vergangenheit, sondern er wußte auch mancherlei von der Zukunft zu künden, in die der Kalendermann manchs geheimnisvolle Einblicke tat. Mit Hilfe der wechselnden Stellung der Gestirne, über die im Zusammenhang mit der Jahreseinteilung aufs genaueste berichtet wurde, erteilte etwa der astrologische „S y - billen- und Weissagungskalender" oder der Kalendermann Jakob Holderbusch, „der göttlichen Wahrheit Liebhaber", allerhand leicht faßliche Regeln für die beste Lebensführung im neuen Jahre. Er belehrte die Leser über „die Eigenschaften, natürlichen Zuneigungen und Bedeutungen" der Planeten, und empfahl daraufhin einige Tage, an denen man sich am besten die Haare schneiden lassen sollte, ohne von einem Unglück verfolgt zu werden. So heißt es in einem dieser Kalender über dieses merkwürdige Kapitel: „Das Harabschneiden, daß es bald und wohl wieder wachse, soll geschehen, wenn der Mond wächst und über der Erde stehet. Soll es langsam wieder wachsen oder ausfallen und nachgerade vergehen, so geschehe es allzeit, wenn der 'Mond im Abnehmen unter der Erden ist."' Daneben fehlt es in den alten Kalendern nicht an altbewährten Hausmitteln gegen Zahnweh, Nasenbluten und Kopfschmerz und an Ratschlägen über die geeignetsten Tage zum „Aderlaß". Diese „Aderlaßmännche n", wie hie Rubriken genannt wurden, standen zumeist am Schluß des Kalenders und empfahlen Tage rm Februar, Mai, August und November zur Vornahme dieser wichtigen Heilmethoden, während ernstlich davor gewarnt wurde, sich etwa im März oder April die Ader zu lassen. Neben diesen Gesundheitsregeln machten die Kalendermacher auch Angaben über das Wetter, und die ausführlichen „Beschreibungen der Gewitter" im kommenden Jahre wurden begreiflicherweise mit größter Aufmerksamkeit gelesen. Schließlich fehlte es auch nicht an Hinweisen auf besondere Veranstaltungen im Jahreskreis und an einem „Fahrplan" für d i e P o st e n , wobei sich bisweilen der vielsagende Zusatz fand: „Wenn aber die Wege schlimmer werden, kommen alle diese Posten nachgerade etwas später an." Einen großen Raum nahm in diesen alten Kirchenbüchern, die heute als Seltenheit einen großen Wert besitzen, die sog. „S t a a t s p r o g n o st i k a" ein. Wie in den Mitteilungen über Wetter und Gesundheit jeweils nach den Mondwechseln gerechnet wurde, sagte man in ihnen auch in vieldeutigen Sinnsprüchen über das künftige Weltgeschehen vor- aus. Zunächst wurde noch einmal in kurzen Zügen über die großen Ereignisse des vergangenen Jahres berichtet, wobei manches behauptet wurde, was der gewissenhafte Geschichtsschreiber nur mit Kopfschüt- teln liest. Aber schon der Titel der alten Kalender beutete _ darauf hin, daß man das Weltgeschehen mit grausiger Phantasie schmückte. So hieß ein Kalender dieser Art: „Kriegs-, Mord - und Tod-, Jammer und Not-Kalende r", und sein Inhalt war auch dementsprechend blutrünstig. Berühmt waren auch die „Türkenkalende r", in denen lauter grausige Moritaten aus aller Welt erzählt wurden. Wie darnach die Zukunftsaussagen aus- sahen, kann man sich wohl denken! Erst das Aufkommen und die Verbreitung der Zeitungen haben dieser merkwürdigen „Kalender- Weisheit" ein Ende gemacht, Don da an beschränkten sich die Kalendermacher, wie sie es heute auch noch tun, auf einen sachlichen, sorgfältig durchdachten Jahresrückblick und eine Aufzählung der großen weltpolitischen Fragen, die der Lösung im neuen Jahre harren. Doch ist es von hohem Reiz, auch einmal einen Blick in alte Kalender zu werfen, die in vielem eine Brücke des Verständnisses bilden für das Weltbild unserer Vorfahren. C. K Rundfunkprogramm. Freitag, 3. Januar. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.15: Gymnastik. 10.30: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Bauernfunk. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen zwei und drei. 15: Wirtschaftsbericht: Kühe unter Kontrolle! Eine Neuerung in der deutschen Milchwirtschaft. 15.15: Was bringen die Zeitschriften des Monats? Text: Dr. Paul Neumair. 15.30: Bücherfunk. 15.45: Ferdinand Baptist Schill. Eine Würdigung anläßlich seines 160. Geburtstages (6. Januar 1936). Von Viereinhalb Millionen Menschen haben im Weltkrieg neben den Gefallenen ihr Blut für das Vaterland vergossen, hunderttausende von ihnen haben ihre gesunden Glieder eingebüht. Dankt dies, wenn am 4. und 5. Januar die Frontsoldaten der Rationalsozialistischen Kriegsopferversorgung für das WHD. sammeln. General a. D. Dr. Bethcke. 16: Konzert. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: 1. Warum Sippenforschung? Von Emil Finkernagel. 2. Was bringt uns das neue Jahr? Eine astronomische Betrachtung von Edmund Sittig. 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssender Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.15: Friedrich Wilhelm von Steuden. Funkoper in einem Vorspiel und einem Akt von Hans Martin Cremer. 21.30: Kammermusik. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Sportschau der Woche. 23: Nachtkonzert. 24 bis 2: Nachtmusik. Samstag, 4. Januar. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: „Fröhlich klingts zur Morgenstunde." In der Pause, 7: Nachrichten. 8.15: Gymnastik. 8.45: BDM.-Sport. 10.30: Nachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Buntes Wochenende. 13: Nachrichten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Buntes Wochenende. 14.10: Allerlei zwischen zwei und drei. 15: Wirtschaftsbericht: Quer durch die Woche. 15.15: HJ.-Funk. Zeitgenossen, die uns Spaß machen. Hörfolge von Hans Schweigert. 16: Der frohe Samstag-Nachmittag. 18: Marti Malterer von Friburg mit seinem teufen Bart. 18.20: Winterhilfswerk 1935/36. Herstellung der Fridericus-Plakette in der ältesten preußischen Kunstgießerei. 18.30: Wir schalten ein! Das Mikrophon unterwegs. 18.40: Die Wochenschau des Zeitfunks. 19: Unterhaltungskonzert. 19.55: Ruf der Jugend. 20: Nachrichten. 20.10: Zwei bunte Stunden. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk, Sportbericht. 22.30: Und morgen ist Sonntag! Ein frohes Wochenende. 24 bis 2: Nachtmusik. im Alter von 59 Jahren. Gießen, den 2. Januar 1936. 06 0 Im Namen der trauernden Hinterbliebenem Emma Bickelhaupt, geb. Konrad Die Trauerleier findet am 3. Januar, nachmittags 2 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofs statt. — Blumenspenden sind nicht im Sinne des Verstorbenen. Von Beileidsbesuchen bittet man Abstand zu nehmen. Statt Karten. Am 31. Dezember entschlief sanft nach schwerem, mit Geduld ertragenem Leiden, im Glauben an seinen Erlöser, mein geliebter Mann, unser lieber treusorgender Vater, Schwiegervater und Bruder Georg Bickelhaupt Bauinspektor zzimkl-Wms- mit Äad und Balkon im Südviertel ad 1. Februar zu Derrn. Ausl. Verkehrsbüro, Tel. 2306. r-zwm-WW Per Frühjahr 1936 ist komfortable hochelegante, moderne 3-Zimm.- Wohnung mit Zentralheizung und Bad, in bester Lage Gießens, mit modernster neuer kompletter Einrichtung umständehalber zu übernehmen. - Schriftliche Angebote unter 01 an d. Gießener Anzeiger. 6D Werbe-Drucksachen liefert Brühl'sche Druckerei In tiefer Trauer: Familie Wilh. Karl Walter nebst allen Angehörigen Daubringen, den 2. Januar 1936. Die Beerdigung findet Freitag, den 3. Januar, nachmittags 2.30 Uhr statt Am 31. Dezember starb unsere liebe Schwägerin u. Tante Juliane Walter im 79. Lebensjahr. ,, . . 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Schoenichen. //Der Naturforscher" unterrichtet fortlaufend in Bild und Wort über die Ergebnisse der neuesten Beobachtungen und Forschungen aus allen Gebieten der Naturwissenschaften und Technik. Er ist die verständliche, aber hochwertige naturwissenschaftliche Monatsschrift für geistig Anspruchsvolle, die bei hervorragender Ausstattung nicht auf oberflächlichen Aufputz, sondern auf Gehalt eingestellt ist. Vierteljährlicher Bezugspreis: RM.2,50. - Verlangen Sie kostenlos ein Probeheft. - Oer Bezug kann durch jede Buchhandlung erfolgen. Hugo Bermühler Aerlag » Berlin-Lichterfelde nr.l Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Donnerstag. 2. Januar (936 Nationen im Aufbruch Eine Ltmfchau unserer Auslands-Korrespondenten an der Jahreswende Ansprüche Japans wesentlich beeinflußte. Praktisch Hot sich Japan Rüstungsfreiheit geschaffen und versucht nun, auf der neugewonnenen Basis den Neunmächtevertrag außer Kraft zu setzen, der Eingriffsmöglichkeiten dritter Mächte in die Entwicklung der fernöstlichen Angelegenheiten, insbesondere Chinas, zuläßt. Wenn Japan heute ein» Vormachtstellung im Fernen Osten beansprucht, so ist ohne weiteres verständlich, daß es alle Einflüsse dritter Staaten ausschalten oder doch wenigstens unter seine Kontrolle stellen wird. Sollte es Japan gelingen, China gegen den Neunmächte-Vertrag oufzurufen, mit dem Hinweis darauf, daß ein unabhängiger Staat sich nicht von fremden Mächten die Souveränität garantieren lassen dürfe, dann sind in der Tat die Voraussetzungen für den fernöstlichen Block gegeben, der, unter Ausschaltung jedes Einflusses dritter Mächte, das große Ziel der japanischen Staatspolitik ist. rat und den Stoatspolitischen Beirat festgelegt sind. Man darf auch nicht übersehen, daß Meinungsverschiedenheiten grundsätzlicher Art über innen- oder außenpolitische Ziele im japanischen Volk, in den politischen Parteien oder in Heer und Marine nicht bestehen. Die letzten Personalveränderungen in Heer und Marine lassen erkennen, daß nach dem Rücktritt des Kriegsministers Hayashi die konservativen Elemente in der Führung der Landesverteidigung stärker in Erscheinung treten, nachdem das Attentat auf den General Nagata gewisse Gefahren für die Aufrechterhaltung der Disziplin im Heere auf- geneigt hat. Es hat auch den Anschein, daß die Autorität der Regierung als der zentralen Staatsgewalt mehr gesichert ist als im vergangenen Jahre, das eine immer stärkere Einflußnahme des Militärs auf außenpolitische Fragen erkennen und die Zusammenarbeit mit der offiziellen Außenpolitik des Reiches vermissen ließ. Der gemeinsame Beschluß der Regierung, alle Kräfte des Landes geschlossen der Führung der Außenpolitik zur Verfügung zu stellen, muß als ein wichtiger Fortschritt, insbesondere mit bezug auf die Behandlung der japanisch-chinesischen Fragen, bezeichnet werden. Hiermit kommen wir zum wichtigsten Punkt der gesamten japanischen Politik, die immer deutlicher die Vorherrschaft Japans in Ostasien anstrebt und einen Zustand schaffen will, der alle politischen und wirtschaftlichen Fragen des Fernen Ostens, insbesondere in China, unter die Kontrolle Japans gestellt wissen will. Nachdem Mandschukuo mehr oder weniger unter die Aufsicht der japanischen Staatsführung gestellt ist, sieht die japanische Politik ihre nächsten Aufgaben in der Schaffung breiter Einflußzonen in Nordchina unter gleichzeitigem Druck auf die Nanking-Regierung, alle Elemente, die sich der Bildung des großen ostasiatischen Blocks unter Führung Japans in den Weg stellen, zu beseitigen. Es scheint müßig, Untersuchungen darüber anzustellen, ob und mit welchen Mitteln die japanische Politik die immer stärker werdende Zersplitterung Chinas fordert. Die japanische Regierung lehnt alle Beschwerden und Einwände Nankings oder dritter Staaten mit dem Hinweis ab, daß die Vorgänge der letzten Monate in Nordchina eine rein innerchinesische Angelegenheit seien, in die Japan sich nicht einmischen werde. Japan sei aber berechtigt und verpflichtet, von China die Innehaltung be st ehender Verträge zu fordern, deren wichtigster Punkt die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung und die Gewähr für die Sicherung der Grenzen Man- dschukuos in Nordchina sei. Japan verficht den Standpunkt daß sowohl die Währungsreform Nankings wie auch die Bemühungen der chinesischen Zentralregierung um Anleihen von dritten Staaten, unter denen immer England zu verstehen ist, einer internationalen Finanzkontrolle Vorschub leisteten und somit den Frieden in Ostasien gefährden. Man wird abzuwarten haben, ob Japan genügend Machtmittel einzusetzen hat, um schon heute diese Politik der „Aufrechterhaltung des Friedens" mit Erfolg gegen die widerstrebenden Elemente in China oder gegen England durchzuführen. Jedenfalls aber muß man damit rechnen, daß die japanische Politik fein Mittel unversucht lassen wird, um die angeblich vorhandene Autonomiebewegung in den nördlichen fünf Provinzen vor Eingriffen Nankings zu schützen. Von der Flottenkonferenz in London wird man nicht erwarten dürfen, daß irgendwelche entscheidenden Fragen gelöst werden, die die politische Lage im Pazifik wesentlich beeinflussen können. Japan scheint davon überzeugt zu sein, daß die weltpolitische Lage günstige Voraussetzungen für einen neuen Flottenvertrag geschaffen hat, der jede Angriffsmöglichkeit auf Japan ausschließt und somit eine tatsächliche Anerkennung Japans als stabilisierenden Faktor in Ostasien bedeutet. Don entscheidender Bedeutung für die weitere Entwicklung der Lage im Fernen Osten werden endlich die unverkennbaren Absichten Japans sein, eine Erneuerung des gesamten Vertragswertes von Washington einschließlich des Neunmächtevertrages herbeizuführen. Japan bezeichnet diese Verträge als unzeitgemäß, da sie der gegenwärtigen politischen Lage nicht mehr Rechnung trügen. Der erste Vorstoß richtete sich gegen den Flottenvertrag, der auf Grund der ungleichen Rüstungsverhältnisse die machtpolitischen (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Washington, Dezember 1935. Das durch die Wirtschaftskrise der Jahre 1929/1932 in seinen Grundfesten erschütterte Amerika wandte sich im November 1932 von dem „Reaktionär" H o o v e r ab und dem „Fortschrittler" Roosevelt zu. Ob es Amerika unter Roosevelt besser geht als früher, ist die Frage, die jetzt hier allgemein gestellt und oft verneinend beantwortet wird. Sicher ist, daß Roosevelt mit seinem „Neuen Kurs" grundlegende Aenderungen geschaffen hat. die mit unserem „Aufbruch" nicht zu vergleichen sind, die aber doch für Amerika eine, wenn auch auf kaltem Wege erfolgte Revolution bedeuten. Sicher scheint uns ferner, daß es Amerika erheblich besser geht als in den Jahren 1929/1932. Zunächst hat sich die Industrie erheblich erholt. Die Erzeugung sowohl wie die Umsätze sind bis zu dem Stand der Vorkrisen-Monate von 1929 gestiegen, die Frachten sind im gleichen Tempo gefolgt, die Autoindustrie baut und verkauft mehr Autos als feit Jahren, die Aktien steigen von Monat zu Monat und die Goldvorräte sind auf die phantastische Höhe von 9,7 Milliarden Dollar gekommmen. Jedes Schiff bringt weiteres Gold aus dem Ausland — ein Beweis für das Vertrauen der Fachleute in die Sicherheit der amerikanischen Wirtschaft. In der Landwirtschaft ist ebenfalls ein großer Fortschritt auf dem Wege des Ausgleichs zwischen Angebot und Nachfrage und damit der Erzielung besserer Preise für die Bauern erreicht worden. Die Mehrheit der Landbevölkerung hat sich für Fortführung dieser Planwirtschaft erklärt. In der Sozialpolitik ist ebenfalls der Weg für bessere Verhältnisse und damit für Vermeidung von größeren Streiks bereitet worden: Regelung der Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer einerseits, Schaffung von Siedlungen auf dem Lande andererseits. Diese Fortschritte, zumindest die auf wirtschaftlichem Gebiet, werden sogar von Roosevelts Gegnern zugegeben, da sie sich ja nicht leugnen lassen. Aber die Antwort ist, sie seien „trotz", nicht „wegen" Roosevelts Regierung erfolgt. Das ist Ansichtssache, über die mir nicht zu entscheiden brauchen: diese Entscheidung fällen die Wähler, die im November 1936 den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten bestimmen oder sich zur weiteren Führung Roosevelts bekennen werden. Vor einigen Wochen sanden einige Zwischenwahlen statt. Sie brachten Roosevelts Partei drei neue Sitze im Bundeskongreß, einen großen Sieg im Staat Kentucky gegen sowohl demokratische wie republikanische Reaktion und im Staate Neuyork eine Mehrheit von einer halben Million Stimmen. Es scheint also, als ob die Gegner doch nicht so zugkräftig sind wie sie glauben. Und diese Gegner schießen schon jetzt mit großen Kanonen: Hearst und Hoover wettern gegen den „Sozialisten" Roosevelt, der die Verfassung verletze und die Souveränität der Einzelstaaten untergrabe, der die private Betätigung abdrossele und das ganze Land durch seine Riesenausgaben in tiefe Verschuldung bringe. In Wirklichkeit wollen Hearst und Hoover Die Rückkehr zu der Periode vor dem Aufbruch, zu der Zeit der Ausbeutung des Landes durch egoistische Unternehmer, zu der Zeit der Ausnutzung der Arbeitnehmer, zu der Zeit, wo man sich vor den Steuern drücken konnte und sein Vaterland nicht finanziell zu unterstützen brauchte! Zu Roosevelts Gegner rechnet sich auch der alte Senator B o r a h. Er ist eben aus Tradition Republikaner, jedoch energisch gegen Hoover und dessen Politik, scharf gegen Monopole und Trusts eingestellt. Es macht nicht den Eindruck, als ob die Republikaner im Sommer einen Kandidaten finden werden, der Roosevelts Amtsführung ein wirklich positives, die Massen befriedigendes Programm entgegensetzt. Man kann daher mit der Fortführung der bisherigen Außenpolitik und Außenhandelspolitik rechnen. Außenpolitisch hat Roosevelt konsequent den Grundsatz der Nichteinmischung in fremde Verhältnisse befolgt. Wo es sich freilich, wie im Falle Italiens, um einen tatsächlichen Krieg handelt, hat er eingegriffen und über den Wortlaut des Neutralitätsgesetzes hinaus feinem Volk die Ausfuhr von Kriegsmaterial so gut wie verboten. Er hält das Vorgehen gegen Abessinien nicht nur für friedensverletzend, sondern für einen schweren Schlag gegen das allgemeine Ziel der A b - r ü ft u n g und der Rückkehr zu einer gefunden Weltwirtschaft mit stabilen Währungen. Solange die anderen Mächte ihre Flotten nicht verringern, wird auch er weiter rüsten, und besonders im Stillen Ozean wird alles für eine Abwehr etwaiger japanischer Angriffsabsichten vorbereitet. Selbst auf den Philippinen, die soeben die zehnjährige lieber» gangszeit zur völligen Unabhängigkeit begonnen haben, sorgt Roosevelt für den Aufbau einer Wehrmacht, die jeden Eingriff zurückweifen kann. Daneben bemüht sich die amerikanische Regierung, die wirtschaftliche Erholung auf dem so dringend benötigten Gebiet des Außenhandels auf eigene Faust und nach eigenen Methoden zu betreiben. Mit Kuba, Kolumbien, Brasilien, Haiti, Schweden, Belgien und Kanada wurden weitgehende Verträge abgeschlossen, in denen sich die Vertragsstaaten Zugeständnisse betreffend der Zölle und in manchen Fällen der Einfuhrmengen gewähren. Auch diese Verträge werden natürlich von seinen innerpolitischen Gegnern scharf angegriffen, weil sie die hohen Zollschutzmauern einreißen, und es wird einige Zeit dauern, bis die wohltuende Auswirkung der Vertrüge nachgewiesen werden kann. Trotzdem: es hat sich seit 1933 hier so viel geändert, daß mit einer Rückkehr von Hoover ober Die Revolution in USA. Von unserem ständigen K.G.S.-Berichierstaiier. Japans Kamps um die Allein- herrschast in Ostasien. Von unserem I^.W.-Äerichterstaiier. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Tokio, Mitte Dezember 1935. Ganz Japan feiert in diesen Tagen d i e Geburt eines Kaisersohnes. Ueberall weht die Nationalflagge mit dem roten Sonnenball, und aus allen Schichten der Bevölkerung wandern Abordnungen zum Palast, um der Kaiserlichen Familie ihre Glückwünsche darzubringen und den neuen Prinzen zu ehren. Es handelt sich hier um eine jener großen Volksfeiern in Japan, die erkennen lassen, daß das japanische Volk unverändert am „Kaisergedanken" festhält. Die feierlich bewegten Massen in den Straßen Tokios lassen fast vergessen, daß sich wenige Tage vorher das Kabinett in 22- ftünbiger Sitzung nach harten Kämpfen zwischen dem greisen Finanzminister Takahashi und den Vertretern von Heer und Marine über den Haushalt für das kommende Jahr einigte. Wie im Vorjahre, so sind auch für 1935 f a ft fünfzig Prozent des Haushalts für die Landesvertei- o i g u n g vorgesehen. Diese hohe Ziffer läßt erkennen, daß Japan die sogenannte „Gefahrenzeit" noch nicht überwunden zu haben glaubt, sondern entschlossen ist, seine Stellung als stabilisierenden Faktor in Ostasien mit allen Mitteln zu behaupten. Politisch ist jedoch die Tatsache wichtig, daß der Oinanzrninister entscheidende Abstriche an den orberungen von Heer unb Marine vorgenommen hat — es hanbelt sich um runb 500 Millionen — um ben Haushalt ohne neue Lasten für Staatskasse unb Volk auszugleichen. Dieser Vorgang gewinnt um so mehr an Bebeutung, wenn man die politisch üterragenbe Stellung von Heer unb Marine in Betracht zieht unb sich ferner überlegt, baß die Mehrforderungen mit der unsicheren Lage des Jnselreiches zu Wasser und zu Lande begründet wurden. Man wird deshalb von einem wichtigen Vorgang in der innerpolitischen Geschichte Japans sprechen können, wenn der hochbetagte Finanzminister es wagen konnte, den Ministern O s u m i und Kawashima (Flotte unb Heer) mit ber Erklärung zu begegnen, baß nach seiner Ansicht keinerlei Gefahr für kriegerische Verwicklungen bestäube. Takahashi ist ber Ansicht, baß bem Volk erst bann bie äußersten Lasten zugemutet werben bürsten, wenn Japan tatsächlich debroht sei. Wenn nun auch bie fommenben Hausholtsbera- tungen im Reichstag bem Kabinett Dfaba keine wesentlichen Schwierigkeiten mehr bereiten werben, so ist bamit nicht gesagt, baß alle innenpolitischen Hin- bernisie beseitigt sind. Die S e i y u k a i, bie stärkste Partei im Reichstag, hat ihre oppositionelle Einstellung zur Regierung noch keineswegs aujgegeben, unb bas Kabinett ist infolgebessen vor überraschenden Angriffen nicht gesichert. Es ist durchaus möglich, baß ber Kampf um bie „wahre <51 a a t 5 i b e e" plötzlich roieber aufflackert unb eine tarfe Gegnerschaft gegen bie Regierung ins Felb ührt. Die Regierung scheint beshald entschlossen zu ein, berartige Kämpfe nicht abzuwarten, sondern ben Reichstag vorzeitig a u f z u l ö s e n , um bie Entscheidung ben fommenben Reichstagswahlen im Frühjahr zu überlassen. Ob es tatsächlich zur Grün- bung einer neuen Regierungspartei fommt, bie ben Kampf für bas Okaba-Kabinett führen soll, scheint zweifelhaft, wenn man sich überlegt, baß bei ben letzten Provinzwahlen bie Seiyukai nach wie vor bas Felb behauptet hat. Aber man barf ben Einfluß ber Parteien auf bie Staatspolitik ober einen Kabinettswechsel nicht überschätzen, ba bie großen Linien ber japanischen Politik burch bie berotenbe Umgebung bes Kaiser s, burch ben Geheimen Staats- Gießener Gtadttheater. Fedor v. Zabeltitz: „Weh' dem, der liebt!" Das alte Jahr würbe mit bem Lustspiel „Weh' dem, der liebt" im Stadttheater auf angeregte unb heitere Weise beschlossen, lieber bas Zustanbekom- men bes Stückes im besonberen unb aus ber Werkstatt bes Autors im allgemeinen plaubert im Programmheft bie Gattin bes liedenswürbigen Dichters unb Bibliophilen, Martha van Zabeltitz. Unb wer etwa vor Jahren einmal bie Romanfassung der Geschichte bes Klapperstorchverbanbes gelesen haben sollte, wirb sich über bie stellenweise verblüffende Aktualität dieser Begebenheit gewundert haben, die freilich mit Grillparzer nicht mehr als eiifen flüchtigen Anklang im Titel gemein hat. Die bevölkerungspolitischen Theorien einer grotesken Kleinstadt-Damengesellschaft, die im ersten Akt mit beängstigend paragraphierten Satzungen unb parlamentarischen Gebärben ans „Werk" geht, werben im zweiten Akt entschlossen unb allerdings auf eine wenig geschäftsorbnungsmäßige Art in bie Praxis übertragen. In biefem Akt, welcher Zobel- titzens theaferfichere Geschicklichkeit ins beste Licht rückt (selbst ba, wo bie Szene in ein gruseliges Halbdunkel getaucht wirb) — entwickelt sich die lustige Geschichte von ber urlaubslosen Spritztour eines Marineoffiziers auf großer Fahrt, baß bem amüsierten Zuschauer sozusagen vor Lachen Hören unb Sehen vergeht. Das lustspielmäßig Anziehenbe beruht vor allem auf bem Umftanbe, baß biefe Spritztour keineswegs einem unstatthaften Seitensprung gleichzuachten ist, vielmehr — abgesehen von ber bienstlichen Inkorrektheit — einen angenehm legitimen Charakter trägt, inbem nämlich ber bewußte Kapitänleutnant ein Renbezvous mit seiner nieblichen jungen Frau oerabrebet. Die besonderen unb ganz ungewöhnlichen Begleitumstände bieses eigenmächtig ausgebehnten Hafenurlaubs bringen es mit sich, baß bas Ehepaar sich wie ein heimliches Liebespaar in einer fremben Wohnung bes kleinen Klatschnestes treffen muß, um in mehrfacher Hinsicht recht bebenkliche Weiterungen bes Abenteuers zu oermeiben. ♦ Sehr amüsant zu sehen, unter welchem Unstern die nächtliche Begegnung sich vollzieht. Die Besitzerin ber Wohnung ist natürlich im Bilbe unb räumt verstänbnisvoll bas Felb. Aber schon bie Notwendigkeit, bas zugehörige Haussaktoturn für biefcn Abenb abzufervieren, stößt auf groteske Schwierigkeiten. Dann kommt Besuch, aber nicht ber erwartete, sonbern höchst unvorhergesehen unb unerwünscht, unb bas hübsche kleine Souper zu zweien scheint bereits ernstlich gefährbet. Als enblich bie Luft rein zu sein scheint unb ber Richtige kommt, atmet ber mitfühlende Zuschauer, welcher ber jungen Frau ihr kurzes Glück von Herzen gönnt, orbentlich auf, wirb aber alsbalb in neue Aufregung gestürzt, weil abermals mitten in ber Nacht jemanb erscheint, ber hier bestimmt nichts zu suchen hat, unb bamit bekommt bie Liebesgeschichte einen kriminellen Einschlag, bie Zwischenfälle häufen sich, bie Verwicklung steigert sich zu ungeahnten Dimensionen, unb 6s ist aller Ehren wert, baß Zabeltitz im brüten Akt unb einem kleinen Nachspiel alles mit leichter unb sicherer Hanb entwirrt unb ins Reine bringt: ben Kriminalfall unb bie Liebesgeschichte: sie enbet recht lustspielhaft mit zwo glücklichen Paaren unb einmal Zwillingen unb kehrt so in Theorie unb Praxis mit gefälliger Runbung zum Ausgangspunkt zurück. — Das Ganze würbe vom Spielleiter Hub nicht nur spritzig unb spannenb serviert, sonbern auch, in Anbetracht bes Jahresschlusses, silvesterlich aufgemacht unb ausgeschmückt Herr Hub unb Herr Bräuer (am Klavier) hatten sich eine Silvester- Conference ausgebacht, eine Art von Zwischenaktmusik mit hausgemachtem Text, ber teils ben Buhnenvorgang, teils anbere Vorgänge, mehr ober minber aktuell, mit kurzen Ranbdemerkungen verzierte unb bie Leute zum Lachen unb in bie gewünschte Mitternachtsstimmung brachte. Herrn Löffler bot bas Thema bes Abenbs naheliegenbe unb bankbar ausgenutzte Anregungen zur beziehungsvollen Schmückung bes Vorhangs. * Es würbe auch allenthalben sehr munter unb animiert gespielt. Besonbers bie junge Frau Hella mit bem Abenteuer würbe von Cissi Henckel! gar nicht trocken, sonbern ganz reizenb, mit soviel natürlichem Temperament, Humor unb Verliebtheit gespielt baß es ein Vergnügen war. Sehr hübsch brachte auch Aenne Markgraf bie Derbunbete Freunbin Gerten, währenb K. L. Linbt mit gedämpfter Ironie unb milber Frechheit ben Don Juan ber kleinen Hafenstabt machte. Ein sehenswertes Klapperstorch-Komitee biibeten bie Damen Hagemann, Karben, Birkmann unb Decker. Herr Rosenthal gab ben forschen, stürmisch verliebten Urlauber, Frau Schubert bas lächerliche Original Mitscherlich im Wasserkan- tcntonfaU, Herr Frickhoeffer mit drolliger Spitz- bubenbreiftigfeit ben Jules, Herr Lüpke ben von Eifersucht verzehrten Robewalb. — * Das Haus war bicht besetzt unb sparte nicht mit fröhlichem Applaus. hth. Kinderglück in der Kiste. Von Max Zungnickel. Es sind jetzt vier Jahre her, als sie starb. Eine junge, mädchenhafte Frau war sie noch, gerade drei Jahre verheiratet, als bas Glück ber Ehe plötzlich für immer burch ein Eisenbahnunglück zerschmettert würbe. Sie hatte ihre Mutter besucht, unb auf ber Heimfahrt geschah es. — Wie ein Beilschlag hatte ben Mann ihr Tod getroffen. Er ging ein Jahr wie eingemauert von kalter Einsamkeit umher. Dann zog bie Tote mit einem traurigen Lächeln in seine Erinnerung. — Und als er fühlte, daß ihr Bild in seiner Erinnerung schwächer wurde, traf er ein Mädchen. Seit einem Jahr ist er nun wieder verheiratet. — Nun geschah es, baß bie zweite Frau überall Umschau hielt. In ber Wohnung — überall. Sie stieg sogar in ben Keller unb auf ben Dachboden. Nicht aus Neugier. Sie wollte so etwas wie einen Ueberblick über ihr Hausfrauenreich gewinnen, wollte bie Dinge, bie sich nun um sie scharten, genau unb gründlich kennenlernen, wollte sich an die Dinge heranfühlen. Sie sah alles an, öffnete dort einen Kasten, hier einen Schrank, schob dort eine Labe und knüpfte hier ben Bindfaden von einem Karton. Sie war unermüblich barin. — Unb nun steht sie auf bem Dachdoben vor einer vernagelten Kiste. Eine sehr sorgfältig vernagelte graue Kiste. Sie muß in bie Wohnung laufen unb eine Zange holen. Eine Kiste, bie etwas Geheimnisvolles zu verbergen scheint. Und nun hebt sie ben Deckel. Sie greift hinein, faßt ein Etwas in Papier gewickelt unb lost bas Papier: — eine Puppe. Eine etwas altmvbische Kinberpuppe. Unb wieder eine Puppe, und noch eine. — Jetzt muß sie sich wahrhaftig neben die Kiste setzen Unb ba sitzt sie nun, fünf Puppenkinder im Schoß. Unb wie sie sich zu ben Puppen herniederbeugt, ba ist's ihr, als ob bie Puppengesichter um eine Liebkosung bettelten. Sie nimmt eine nach ber anderen in den Arm, ordnet an den Kleidern herum, streicht die Haare glatt unb streichelt bie zart getönten Wangen. Sie lächelt zärtlich babei, als sie bas tut. Sie ertappt sich, wie sie den Puppen kleine, dumme Schmeichelworte zu- flüftert. Und sie merkt nicht, wie babei bie Zeit vergeht. Sie ist vom Glück einer fremben, toten Kinbheit verzaubert, wirb von einem Stern ange-- lächelt, ber nicht ihr gehört unb ber nun roieber in ihren Händen strahlenb wirb. — Da sitzt sie nun zwischen Gerümpel unb Dachfensterlicht und ist wieder ein Schulmädchen geworden. Und nun legt sie die Puppen wieder vorsichtig, mit liebenden Händen, in die Kiste zurück. Und nagelt die Kiste zu wie ein Zwergmärchenschiff. Nun ist es wieder mit sich allein, bas Kinderglück in ber Kiste. Sie steigt, bas Herz mit seltsamer Freude umfangen, die Bodentreppe hinunter. So, als ob sie etwas ganz Wundersames und Geheimnisvolles erlebt hat. Unb geht ben ganzen Tag, wie von Kin- berliebern getragen, umher. Unb behält bas Geheimnis ber grauen Kiste für sich. — Und eines Tages steigt sie vielleicht wieder hinauf, unters Dach, wieder wird sie die Kiste offnen, ganz feierlich und selig. Ader bann schließt sie bie Kiste nie wie- ber. Sie steigt mit den Puppen im Arm die Treppen hinunter unb legt bie Puppen aus einer längst verwehten Kinbheit in bie Spielhände ihres ersten Kindes. Wilhelm Bölsche zum 75. Geburtslage. Wilhelm Bölsche, ber am 2. Januar feinen 75. Geburtstag begeht, ist einer ber wenigen lieber» lebenben jener Generation, bie um 1885 ben literarischen Kampfplatz mit ziemlichem Getöse erfüllte, er gehört zu ben Zeitgenossen bes jungen Gerhart Hauptmann, Arno Holz,- Johannes Schlaf, ber Brüder Hart: also zu jener jungen Berliner Gruppe, bie bamals ben „konsequenten Naturalismus" ausrief. Bölsche, ber in Bonn unb Paris Kunstgeschichte unb Naturwissenschaften ftubiert hatte, gab 1887 seine „Naturwissenschaftlichen Grundlagen ber Poesie" heraus, deren Ansichten wesentlich von denen Z o l a s bestimmt sind, unb er schrieb, um feine Ansichten burch bie Tat zu erhärten, ben Roman „Die Mittags- göttin", ber um 1890 ein Dokument jener mo- bernen „Aufklärung" barstellte. Aber balb verließ Bölsche bie Dichtung unb wandte sich feinem eigentlichen Gebiet zu, ber volkstümlichen Darstellung naturwissenschaftlicher Pro. bleme. Um bie Jahrhundertwende erschienen bie Bücher, bie seinen Namen sehr bekannt gemacht haben, bie populär geschriebene „Entwicklungsgeschichte ber Natu r", fein „Liebesleben in ber Natur", das zahlreiche Auflagen erreichte, feine Aufsatzsammlung „Hinter ber Welt, ft a b t" unb „Naturgeheimni s". Diese Werke haben zahllose Freunbe gefunben, bie bem fünfunb» siebzigjährigen Gelehrten unb Schriftsteller, der jetzt in Oberschreiberhau lebt, an biefem Tage her^» liehen Dank wissen werden Leuten seines Schlages nicht gerechnet werden kann. Das junge Amerika ist auch geistig im Auf- bruch begriffen, und die neue Literatur, das Kunstgewerbe, ja sogar der Baustil zeigen einen neuen Antrieb. Nicht etwa zum Kommunismus hin, den Amerika nach wie vor zu 98 o. $). ablehnt, sondern eine modernisierte Wendung zur gemeinschaftlichen Lösung der großen Aufgaben der Nation. Die Vereinigten Staaten werden mehr und mehr heimat- gebunden und sind auf dem Wege, zu einem einheitlichen Volk mit Traditionen heranzureifen Insel m Pazifik. Das Geburtsjahr der freien Philippinen. Von unserem -ell -Berichterstatter jetzt die ganze Fischerei-Jndustrie der Philippinen und verdrängt allmählich die Chinesen im Klein- und Zwischenhandel. Die Vereinigten Staaten andererseits haben sich wichtige Rechte vorbehalten: alle Finanzgesetze, alle Außenanleihen. Jegliche Außenhandelsgesetzgebung sowie die Einwanderungsvorschriften bedürfen der Genehmigung durch Präsident Roosevelt. Letzte Instanz in allen Streitigkeiten ist weiterhin das Oberste Bundesgericht in Washington. Präsident Quezon, der für sechs Jahre gewählt wurde, muß der Regierung in Washington jährlich einen Rechenschaftsbericht vorlegen; Amerikaner haben die gleichen Grundeigentumsrechte wie die Filipinos, und — der Präsident der Vereinigten Staaten kann jederzeit „zur Erhaltung der philip- wortet. Die Marine ist anderer Ansicht und hat ihre Flotten st ützpunkte in den Philippinen beibehalten. Was die nächsten Jahre bringen werden, ist unter diesen Umständen schwer zu sagen. Japanische Kolonisten, die in den Philippinen kein Land erwerben oder packten können, haben sich in großer Zahl auf der Insel Davao angesiedelt und benutzen Ländereien, die auf den Namen ihrer eingeborenen Frauen eingetragen sind. Japan kontrolliert schon Wirtschaft. Oie Industrie und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1402: Neue Bestimmungen über private Verrechnungsgeschäfte und Aski. 1403: Erleichterungen für die Zahlungen im Grenzverkehr. 1404: Zuständigkeit der Devisenstellen für die Erteilung von Devisengenehmigungen an Patentanwälte. 1405: Bekanntmachung KP 83 der Ueberwachungs- • stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1406: Termine der Leipziger Frühjahrsmesse 1936. 1407: Zusatzprotokoll zum deutsch-belgischen Zahlungsabkommen. 1408: Anlage von Sperrguthaben. 1409: Devisengenehmigungen zur Durchführung von Auslandreisen durch Fahrtengruppen Jugendlicher oder jugendliche Einzelwanderer. Bhein-Mainische Börse. Mitlagsbörse fest. Frankfurt a. M., 31. Dez. Die Börse war zum Jahresabschluß fest und zeigte allgemein etwas lebhafteres Geschäft. Die Beteiligung der Kundschaft hat etwas zugenommen, insbesondere am Rentenmarkt war Kaufinteresse zu verzeichnen, auch die Kulisse nahm einige Käufe in Erwartung weiterer Geschäftsbelebung im neuen Jahre vor. Die Gesamthaltung erhielt wiederum etwas Anregung von günstigen Industrie-Abschlüssen und dergl. Am Aktienmarkt war die Kursentwicklung nicht ganz einheitlich, es überwogen aber Befestigungen bis zu 1 v. H. Am Montanmarkt traten Staylverein auf die erwähnten Dividendenhoffnungen mehr hervor mit 75,5 (74,5), außerdem stiegen Hoesch Eisen auf 85,25—86 (85,25), die übrigen Werte lagen voll behauptet. Am Elektromarkt ergaben sich zumeist Erhöhungen von 1 v. $)., Felten Die November 1935. pinischen Regierung" intervenieren. Demgegenüber ist Präsident Quezon entschlossen, in den zehn Jahren „Bewährungsfrist" zu zeigen, daß das Land auf eigenen Füßen stehen kann: er organisiert mit Hilfe des bisherigen amerikanischen Generalstabschefs ein Volksheer, er ernennt die Richter, er diktiert die Wirtschaftsplanung, und manche Amerikaner fragen entsetzt: haben wir die Filipinos befreit, damit sie „den Faschismus" einführen? plus 1,5 v. H., Siemens plus 1,25 v. H. Von chemischen Werten notierten IG. Farben mit 149,50 bis 149,75 (149), dagegen Scheideanstalt 218 (219) und Deutsche Erdöl 106 (106,50). Von Maschinenwerten standen Muag mit plus 1,65 v. H. an der Spitze, die übrigen Papiere erhöhten sich bis 0,75 v. H. Kunstseideaktien gewannen 0,25—0,50 v. H., Schiffahrtswerte lagen ebensoviel höher. Etwas matter lagen Deutsche Linoleum mit 142 (143), Reichsbank mit 179,50 (180,50), Am Rentenmarkt war die Tendenz ebenfalls fest, und in einigen Spezialwerten entwickelte sich lebhafteres Geschäft. Bevorzugt wurden Kommunal- Umschuldung, die eine weitere Erholung um 0,25 v. H. auf 88,25 aufwiesen. Zinsoergütungsscheine 91,90 (91,80), Altbesitz unv. 110,75 ebenso späte Schuldbuchforderungen mit 97,13. Zertif. Dollar- Bonds zogen etwa 0,50 v. H. an. Am Pfandbriefmarkt bestand Anlageinteresse, Frankfurter und Nass. Ldsbk. Wiesbaden je 96,50 (96,40), Kommunal- Obligationen und Liquidations-Pfandbriefe blieben voll behauptet, ebenso Stadtanleihen. Der Auslandsrentenmarkt lag wieder sehr still und kaum verändert. Im Verlaufe war die Entwicklung am Aktienmarkt etwas uneinheitlich, es erfolgten z. T. Gewinnmitnahmen. IG. Farben 149,50 nach 149,75, Scheideanstalt weiter abbröckelnd auf 217,50 (218), etwas höher nochmals Aku mit 51,75 nach 51,65. Sonst kamen noch u. a. zur Notiz: Cement Heidelberg 119 (118), B. M. W. 119 (117,75), Südd. Zucker 198,50 (197,50), Mainkraft 88,13 (87). Im Freiverkehr stiegen Adlerwerke auf 92 (91), Growag auf 80 (78,50), sonst wurden noch bewertet: Pokorny 100 Geld, Weilwerke 98 Brief, Neue Wayß & Freytag 83, Ufa-Aktien 49. Tagesgeld weiter etwas versteift auf 3,50 (3) v. H. * Am 31. Dezember 1933 fand keine Abendbörse statt. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Manila, im Dezember 1935. Am 15. November wurde mit Pomp und Zeremonie das s e l b st ä n d i g e Staatswesen der Philippinen begründet und sein erster Präsident Manuel Luis Quezon feierlich in sein Amt eingeführt. Fünfzehntausend Gäste wohnten dem Staatsakt bei, an der Spitze der Vizepräsident der Vereinigten Staaten, der Kriegsminister und über vierzig Mitglieder des Bundeskongresses. Die USA. legten die Herrschaft über die Inselgruppe nieder, und der bisherige Gouverneur wurde „High Com- missioner", ähnlich wie in Kanada, wo auch ein ständiger Vertreter des Mutterlandes residiert. So endete eine fast vierhundertjährige Periode der Unfreiheit: von 1565 bis 1898 regierten die Spanier, von 1898 bis 1935 (oder 1945, wie weiter unten geschildert wird) die Amerikaner. Ob die Filipinos nach dieser langen Zeit reif zur Autonomie sind, ob sie ihre wirtschaftliche und politische Un- abhängiakeit verteidigen können, das sind die großen Fragen, die der Feier ein etwas ernsteres Gepräge gaben. Nach der Ansicht vieler Amerikaner ist der einfache Tao in den. Philippinen ebensowenig zur Selbständigkeit geeignet wie der mexikanische Peon. Dazu'kommt die Verschiedenheit der drei Sprachen Tagalog, Jlocano und Visayan, die weite Kultur- klust zwischen den oberen Schichten in Manila und den Mangyans in Mindora, die Differenz der Religion zwischen den Christen im Norden und im Mittelland und der moslemitischen Moros im Süden. Wirtschaftlich gehen die Philippinen einer ungewissen Zukunft entgegen. Die Vereinigten Staaten find fast der einzige Markt, wo die Erzeugnisse der Inseln in lohnendem Umfang abgesetzt werden können. Das Gesetz, durch das Amerika den Philippinen die Unabhängigkeit gab, entzieht ihnen gleichzeitig diesen Markt in fühlbarem Maße. Denn dieses Gesetz wurde ja nicht nur der schönen Augen der Filipinos wegen im amerikanischen Kongreß angenommen. Die Abgeordneten aus den Baumwolljtaaten behaupteten, daß das Kokosnußöl der Philippinen dem Baumwollöl Konkurrenz mache. Manilas Hanf störte angeblich die Kreise der amerikanischen Seilerwaren. Dor allem aber schmerzte der Zuckerrohr- Zucker aus den Philippinen, der die Preise des Rohr- und Rübenzuckers in Louisiana, Colorado, Utah und anderen Staaten der Union hinuntertrieb. Daher sagte man den Filipinos: Wenn ihr die Freiheit durchaus wollt, so müßt ihr auch die Folgen tragen. Ein fremdes Land kann nicht die gleichen Vorrechte beanspruchen wie eine Kolonie. Und so richtete man in dem Gesetz eine Ueber- gangszeit von zehn Jahren ein. Die Einfuhr von Zucker, Hanf und Kokosnußöl wird fortan kontingentiert; alles, was über die Quoten hineinkommt, muß versteuert werden. Vom sechsten Jahre an wird ein A u s f u h r st e u e r auf alle philippinischen Waren gelegt, die nach Amerika ausgeführt werden. Die Steuer beginnt mit 5 v. H. des Zolls und steigt jährlich um 5 v. H. bis sie im zehnten Jahre 25 v. H. erreicht. Nach zehn Jahren müssen alle Waren voll verzollt werden, genau so wie die aus dem übrigen Ausland. Während der zehn Jahre behält die philippinische Regierung die Steuererträge, um sie zum Abbau der schwebenden Schuld zu benutzen. Diese Maßnahmen sind eine starke finanzielle Belastung des jungen Staates; gleichzeitig hat man die Einwanderungsschranke errichtet, um die amerikanischen Arbeiter vor der billigen Konkurrenz der Filipinos zu schützen. Präsident Roosevelt hat jedoch versprochen, obige Steueroor- schriften in der Praxis nachprüfen zu lassen, um festzustellen, ob sie eine zu große Härte darstellen. Eine diesbezüglich entsandte Kommission hat ihre Tätigkeit bereits begonnen. Politisch entsteht vielleicht die Frage, ob Japan im Interesse von „Ruhe und Ordnung" die Philippinen annektieren wird, wird das Korea und Formosa und den früheren deutschen Südsee- Jnseln erging. Die japanische Regierung erklärt, diele Absicht nicht zu haben. Tatsache ist, daß die Inseln gegen einen Angriff kaum verteidigt werden könnten, und das amerikanische Kriegsministerium, das bisher die Philippinen verwaltete, hat aus diesem Grunde stets die Freigabe befür- Fwd. Die Einlagen bei den deutschen Sparkassen sind im November 1935 erneut gestiegen. Die Spareinlagen erhöhten sich um 37,5 Millionen Mark auf 13 309 Mill. Mark. Der Zuwachs setzte sich im einzelnen aus einem Einzahlungsüberschuß von 30,3 Mill. Mark, Zinsgutschriften von 2,9 Mill. Mark und sonstigen Buchungsvorgängen in Höhe von 4,3 Mill. Mark zusammen. Gegenüber dem Vormonat sind die Umsätze im Sparverkehr stark zurückgegangen. Die Einzahlungen verminderten sich um 78,9 Mill. Mark auf 392,5 Mill. Mark, die Auszahlungen um 74 Mill. Mark auf 362,2 Mill. Mark. Die Abnahme der Umsätze ging beträchtlich über das saisonübliche Maß hinaus. So verringerten sich die Einzahlungen im November 1934 nur um 67,4 Mill. Mark, im November 1933 sogar nur um 35,9 Mill. Mark; entsprechend waren auch die Auszahlungen in den gleichen Zeiträumen nur um 63,1 Mill. Mark und 51,9 Mill. Mark gesunken. Der starke Rückgang der Umsätze, der schon seit einer Reihe von Monaten zu beobachten ist, dürfte in erster Linie buchungstechnisch bedingt sein. In Ausführung des Reichsgesetzes über das Kreditwesen vom 5. Dezember 1934 sind die Sparkassen genötigt, ihren Sparverkehr durchweg von solchen Einlagen zu bereinigen, die den Zwecken des Zahlungsverkehrs dienen. Wenn auch die große Mehrzahl der Sparkassen unter den Spareinlagen nur noch Geldeinlagen geführt hatte, dje im Sinne des § 22 des Reichsgesetzes über das Kreditwesen als „Spareinlagen" zu bezeichnen sind, so gab es doch noch eine Reihe von Sparkassen, bei denen die Gehaltskonten ihrer Kunden u. a. unter den Sparbüchern liefen. Daß diese Konten, die im allgemeinen wohl hohe Umsätze, am Monatsende aber nur einen geringen Bestand aufweisen, nunmehr wohl fast ohne Ausnahme in den Depositenverkehr übernommen wurden, hat naturgemäß die Höhe der Ein- und Auszahlungen im Sparverkehr verringert. Die Umsatzhöhe ist ferner zweifellos wiederum durch die Einzahlungen auf die vom Publikum gezeichneten 500 Millionen Reichsmark 4,5prozentige Schatzanweisungen des Deutschen Reiches beeinflußt worden. Besonders stark sind wiederum die Depositen-, Giro- .uni) Kontokorrent-Einlagen der Sparkassen, Girokassen und Kommunalbanken gestiegen; diese erhöhten sich rechnerisch um 63,5 Mill. RM. auf 2048 Millionen RM. und überschritten damit erstmalig den bisherigen Höchststand vom August 1930. Vergleichsweise hatten diese Einlagen im November 1933 nur um 45,4 Mill. RM. und im November 1934 sogar nur um 33,2 Mill. RM. zugenommen. Unter Ausschaltung der Umbuchungen zwischen dem Depositen-, Giro- und Kontokorrentverkehr und dem Sparverkehr sowie der übrigen, nicht durch den reinen Zahlungsverkehr bedingten Veränderungen sind sie im Berichtsmonat sogar um 68,2 Mill. RM. gestiegen. Faßt man die Spareinlagen und die Depositen-, Giro- und Kontokorrent-Einlagen im Unterbau der deutschen Sparkassenorganisation zusammen, so ergibt sich, daß die Gesamteinlagen um 100,9 Mill. Reichsmark auf 15 357 Millionen RM. zugenommen haben. Ohne Berücksichtigung der Gutschriften von Zinsen, sowie der übrigen, nicht durch den reinen Zahlungsverkehr bedingten Veränderungen haben sich die Gesamteinlagen um 98,3 Mitt. RM. erhöht. Dieser Zuwachs ist um 40 Mitt. RM. größer als im Jahre 1934 und nur um 7 Mill. RM. niedriger als im Jahre 1933. Innerhalb der einzelnen Monate des laufenden Jahres rangiert er an der vierthöchsten Stelle. Oie deutschen gewerblichen Genosien- schasten an der Jahreswende Vom Deutschen Genossenschaftsverband wird dem Fwd. u. a. geschrieben: Das verflossene Wirtschaftsjahr 1935 hat den 3300 im Deutschen Genossenschaftsverband vereinten gewerblichen Genossenschaften erneut die Möglichkeit einer aktiven Unterstützung der mittelständischen Wirtschaft gegeben. Für die Kreditgenossenschaften läßt sich am Ende des Wirtschaftsjahres 1935 feststellen, daß ihre gesamten Betriebsmittel die Zwei-Milliarden-Grenze überschritten haben. Dabei ist die erfreuliche Steigerung der Einlagen Ausdruck des Vertrauens in die städtischen Kreditgenossenschaften. Diese Einlagensteigerung war die Veranlassung zu einem verstärkten Kreditgeschäft in sämtlichen Sparten. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Frage der Bauzwifchenfinanzierung zuteil. Bei den Waren-Einkaufsgenossenschaften zeigen die vorliegenden Monatsziffern, daß die Umsätze der Einkaufsgenossenschaften auch im Jahre 1935 weiter angenommen haben. Man dürfte nicht zu weit gehen, wenn man die genossenschaftlichen Warenumsätze im Einkaufsgeschäft auf über 1,5 Milliarden Mark in 1935 annimmt gegen 1,3 Milliarden Mark im Vorjahre. Rohstoffzuteilung für neuerrichtete Betriebe. Fwd. Es besteht Veranlassung, erneut darauf hinzuweifen, daß es dringend erforderlich ist, sich vor Eröffnung eines neuen Fabrikationsbetriebes bei der zuständigen Ueberwachungsftelle über die Voraussetzungen und Möglichkeiten entsprechender Rohstoffzuteilung und damit Ingangsetzung des Betriebes zu unterrichten. Andernfalls kann nicht damit gerechnet werden, daß von der Ueberwachungsftelle die für die Aufnahme der Fabrikation erforderlichen Rohstoffe zugeteilt werden, da in erster Linie die bereits bestehenden Betriebe mit Rohstoffen versorgt werden müssen. Die Erlaubnis der Handwerks- und Gewerbekammern sowie der Polizeibehörden, die nach anderen Voraussetzungen erteilt wird, bietet keine Gewähr dafür, daß die notwendigen Rohstoffe von der Ueberwachungsftelle zugeteilt werden. * *Zertifizierung deutscher Ausland» b o n d s. Wie die Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung mitteilt, sind die Effektengirobanken ermächtigt worden, ausgeloste deutsche (ausgenommen saarländische) Auslandbonds oder die von der Konversionskasse für deutsche Auslandschulden dagegen umgetauschten deutschen Auslandbonds mit Bescheinigungen über die Handelbarkeit im Jnlande zu verletzen. Die Einreichung bei den Effektengirobanken hat durch Vermittlung einer Bank zu erfolgen. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) £. P. in St. Vorausgesetzt, daß es sich im vorliegenden Falle um eine Genossenschaft im Sinne des Genossenschaftsgesetzes vom 1.5.1889 handelt, gilt folgende gesetzliche Regelung: „Mit dem Tode eines Genossen gilt dieser mit dem Schlüsse des Geschäftsjahres, in welchem fein Tod erfolgt ist, als ausgeschieden. Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Mitgliedschaft des Verstorbenen durch seine Erben (hier Kinder als Erbengemeinschaft) fortgesetzt (§ 77 Genossenschaftsgesetz). Für evtl, zu leistende Nachschüsse haftet der Nachlaß des verstorbenen Mitglieds, die Erben haften hier nur insoweit, als sie nach den Bestimmungen des BGB. für Verpflichtungen des Erblassers einzutreten haben." Sollte es sich jedoch bei der fraglichen Genossenschaft nicht um eine solche im Sinne des Genossenschaftsgesetzes handeln, was bei dem unklaren Ausdruck der Anfrage möglich ist, so wäre eine erneute Anfrage an den Briefkasten zu raten. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach. mittag geschlossen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Sranffurt a. M. Berlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 211. Jranttun a. 2)1. Berlin Schluß« kurs Schluß!. Abendbörse Schluß« kure Schlußk. Mittagbörse Datum 30-12 31-12 30.12. 31 12. 6% Deutfche Reichsanlethe v. 1927 100,4 100,5 100,5 100,5 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 97,13 97,25 97,13 97,25 6y2% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Ant.-Ablos.-Schuld mit 102,5 103 103,5 103,5 Auslos.-Rechten ............. 110,75 110,9 110,75 4l/»% Deutsche Retchspostschatzan- Weisungen von 1934, 1....... 100 99,75 99,9 99,9 6% etjem.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 97 97 97,25 4yz% ehem.8% Hessische Landes- bank Darmstadt Gold R. 12.... 6y2% ehem. 4y,% Hess. Landes- 96,25 96,4 96,25 96,4 Hypothekenbank DärmstadtLigui 4'/r% ehem. 8% Darmst. Komm. 100,75 100,75 — — Landcsb.Goldschuldverschr. R. 6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit 92,5 93 — — 117,5 117,75 119,5 Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4y2% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank 112,4 113,65 113 113,4 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 ßy2% ehem. 4'/2% Franks. Hyp.- 96,4 100,95 96,5 100,95 — — 6%% ehem. 4y2% Rheinische Hyp.-Bank-Ltgu.-Goldpfe..... 4y2% ehem. 8% Pr. Landespfand- 101 101 100,9 101 briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4’/2% ehem. 7% Pr. Landespfand- briesanst., Gold Komm. Obl.VI 97 97 97 97 97 97 97 97 Steuergutsch.Verrechnungsk. 34-88 107,9 107,4 107,9 I 108 4% Oesterretchische Goldrente.... _ 29 29,5 29,65 4,20% Oesterretchische Silberrente 1,2 1,2 1,25 1,25 4% Ungarische Goldrente....... 9 8,9 8,8 8,95 8,75 9,05 8,9 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 8,75 4%% dsSgl. von 1913.......... 8,85 12,13 8,75 12,3 9 9 12,4 5% äbgest" Goldmexikaner von 9 4% Türkische Bagdadbahru-Anlethe 12,3 Serie 1.................... 9,5 9,5 9.6 —— Frankfurt a.M. Berlin Schluß« kurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittagbörse Datum 30 12 31-12 30-12- 31-12. 4% veögl. Serie ll ............ 5% Rumän. veretnh. Rente v. 1903 4y2%Rumän,vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vercinh. Rente .. 2y.% Anatolier............. 9,5 5,7 4,9 38,65 9,5 5,6 8,4 4,9 38,75 5,5 8,6 4,85 38,9 5,6 8,6 4,9 38,9 Hamburg-Amerika-Paket .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. O Norddeutscher Lloyd .........O A.G. für Verkehrswesen Akt. .. O Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz- und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und. Dtsconto. Gesellschaft................0 Dresdner Bank..............0 Retchsbank ................12 14,65 16,25 85,5 113,5 84 83,75 83,75 180,5 15 16,5 86 113,75 84 84 84 179,5 14,9 26 16,75 86 114 83,75 83,75 83,75 180,5 15 26,5 17,13 86,5 113,75 84 84 84 179,25 A.E.G......................0 Bekula.................... 10 35 135,5 112.5 126,75 111,25 125.25 131,4 119,5 165 121 35,4 135 113,5 127 112,5 125,25 133,5 130,25 120,13 166,13 122,5 34,75 135,75 113 126,5 112 125,4 132 131,13 119,4 164,5 121 35,13 135,5 113,5 126 112,65 124,75 134 129,4 119,5 165,5 122 Elektr. Lieferungsgesellschast... 5 Licht und Kraft ........... 6 ya Felten & Guilleaume......... 4 Gesellsch.s.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schustert L Co...............4 Siemens L HalSke............7 Lahmeyer L Co..............7 Buderus ................... Deutsche Erdöl ..............4 Harpener...................C Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. Ilse Bergbau ............... Ilse Bergbau Genüsse........ Klöcknerwerke ............... Mannesmann-Röhren........C 94 106,5 109,5 85,25 125,9 81,65 79,25 94 106,5 109,5 86 153 125,5 81,65 79,5 93,75 106,5 109,5 85,4 125,25 81,5 79,13 94,25 106,25 109 85,75 157 125,25 81,5 I 79 Schlußkurs Schlußk. Abeno- börse Schlußkurs Schlußk. Mittagbörse Datum 30 12. 31 12. 30-12. 31-12. ManSselder Bergbau....... .. 5 117,25 117,65 117,25 117,5 Koköwerke ................ .. 6 — — 116,25 115,65 Rheinische Braunkohlen .... 12 — 210 210 209,75 Rheinstahl ................ .. 4 103,4 103,5 102,75 103,4 Vereinigte Stahlwerke...... .. 0 74,25 75 74,13 74,9 Otavt Minen ............. .. 0 17,65 17,65 17,65 17,65 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 120 119,75 119,25 121 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 114 115,5 114,25 115,25 Kaliwerke Salzdetfurth..... ?y2 173 173 173,4 174 F. G. Farben-Jndustrte..... .. 7 149 149,5 148,9 149,4 Scheideanstalt............. .. 9 . 219 217,5 ——- ——- Goldschmidt .............. .. 5 106,25 106,5 105,9 106,5 Rütgerswerke ............. .. 6 — 113,25 113,25 113 Metällgesellschaft........... .. 4 110,65 110,5 — 110,9 Philipp Holz mann ......... .. 4 87 86,75 86,65 86 Zementwerk Heidelberg .... .. 7 118 119 — Cementwerk Karlstadt....... .. 6 128 128 — Schultheis Pahenhoser ..... .. 4 — — 100,5 101 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O 51,25 51,75 51,13 bl ,65 Bemberg................. .. 5 100 101 99,75 99,9 115 Zellstoff Waldhof .......... .. 5 115,5 115,75 115,75 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. O 79,75 79 79,75 78 Dessauer Gas ............. .. 7 —— —- 120,25 120,75 Daimler Motoren.......... .. O 91,25 91 90,9 90,25 Deutsche Linoleum......... .. 8 143 142,13 143,25 141,5 Orenstein & Koppel ........ .. O —— —— 74,5 74,5 Westdeutsche Kaufhof....... .. 0 24,75 25 24,9 24,9 Chade .................... 77. 284,5 286,5 284,5 286,5 Accumulatoren-Fabrik...... . 12 168,13 168 167,25 168 Conti-Gummi............. .. 8 159 159 159 158,5 Grttzner.................. .. O I 25 I 25,75 I 25,25 Mainkrastwerke Höchst a.M>. .. 4 87 88,13 —— Süddeutscher Zucker....... . 10 1 197,5 I 198,5 1 198,5 I 198,5 30-Dezember 31 .Dezember Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld I Brief Buenos Aires 0,671 0,675 0,671 0,675 Brüssel..... 41,88 41,96 41,90 41,98 Rio de Jan. . 0,137 0,139 0,137 0,139 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,68 54,78 54,68 54,78 Danzig..... 46,80 46.90 46,80 46,90 London ..... 12,245 12,275 12,245 12,275 HelstngforS.. 5,395 5,405 5,395 5,405 Paris ...... 16,42 16,46 16,42 16,46 Holland .... 168,83 169,17 168,83 169,17 Italien.... 19,98 20,02 19,98 20,02 Japan ..... 0,715 0,717 0,715 0,717 Ingottawiea 5,654 5,666 5,654 5’666 Oslo..... 61,49 61,61 61,49 61,61 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon... 11, ii 11,13 11,11 11,13 Stockholm.. 63,14 63,26 63,14 63,26 Schweiz ... 80,82 80,98 80,84 81,00 Spanien.. 34,02 34,08 34,03 34,09 Prag...... in,3is 10,335 10,33 Budapest .. _ Neuyork ... 2,486 2,490 2,486 2,490 Banknoten. Berlin, 31 .Dezember Geld Brie, Amerikanische Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,76 41,92 Dänische Noten ................. 54,47 54,69 Englische Noten ................. 12,21 12,25 Französische Noten............... 16,37 16,43 Holländische Noten............... 168,41 169,09 Italienische Noten................ — — Norwegische Noten .............. 61,33 61,57 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling — Rumänische Noten............... — —• Schwedische Noten............... 62,97 63,23 Schweizer Noten................. 80,66 80,98 Spanische Noten................. Ungarische Noten................ 33,67 33,81 — Donnerstag, 2. Zanuar 1936 UH Drittes Blatt Kietzen« Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen) Achtung! Hausgehilfen in nichtarischenHaushalten! Betrifft Gesetz vom 15. September 1935 Aus der Provinzialhauptstadt. Gedanken in her Neuiahrsnacht. Die letzte Stunde des Silvestertages hat sich vollendet. Von den Türmen ertönen die Glocken zum feierlichen Gruß.an das neue Jahr. Bei den brennenden Kerzen am Weihnachtsbaum lasse ich noch einmal im Geiste das Jahr 1935 vorüberziehen. Einige Zettel vom Abreißkalender, die besonders bemerkenswerte Daten aufweisen, liegen vor mir. Diese Zettel weisen mich im Zusammenhang mit kurzen Notizen, die ich an den jeweiligen Tagen darauf niederschrieb, auf die wichtigsten Begebenheiten im letzten Jahre hin. Das Jahr 1935 wird durch diese Zettel noch einmal lebendig. Es hat uns allen viel Gutes, aber auch manche Enttäuschung gebracht. An beides müssen wir in der Stunde des Jahreswechsels zurückdenken, denn alle Tage zählen. Wir freuen uns, wenn draußen in der Natur alles blüht und duftet, und unser Herz lacht, wenn wir die reifen Früchte ernten. Aber zwischen Blüte- und Erntezeit liegen noch viele, viele Tage. Auch diese Zeit des unbewußten Wachsens, des stillen Reifens, ist wertvoll und sehr nötig. Genau so ist es bei uns Menschen. Wenn wir zurückschauen und uns eine Reihe von Wochen und Monaten nur noch ganz schattenhaft vorstellen können, wenn wir glauben, daß diese Zeit wertlos gewesen sei, dann irren wir uns. Es sind vielleicht Tage der Vorbereitung gewesen. Aber verloren sind sie deshalb noch nicht. Nur Nichtstuer und Verschwender kennen wirklich verlorene Tage. Freilich ohne Höhepunkte können wir uns unser Leben nicht denken. Es gibt Augenblicke, die sich tief und unauslöschlich in unser Gedächtnis eingra- bcn. Und in stillen Stunden kenne ich nichts Schöneres und Wohltuenderes als ein Zurückrufen dieser Erlebnisse. Das sind die Schätze unserer Seele, und je mehr wir davon ansammeln, desto glücklichere Stunden haben wir. Diesen Reichtum kann uns keine Macht der Welt rauben. Anders können wir uns überhaupt das Alter gar nicht vorstellen. Es ist eine Rückschau in jene sonnigen Lebensstunden, ein still wärmendes Glück. Einsam in alten Tagen lächelt Erinnerung: Einzelne Wellen schlagen, rauschen herauf wie Sagen: Herz, auch du warst jung! (Große). Es gibt auch Menschen, die nur dem Augenblick leben, st»' wollen „genießen". Das ist freilich eine schwere Kunst, denn „nichts ist schwerer zu ertragen, ols eine Reihe von schönen Tagen". Die Kunst des Erinnerns ist aber oft noch schwerer, und wir sollten sie mehr üben, denn dann erst können wir uns Über trübe, traurige Tage hinwegtrösten. Wenn wir zurückschauen auf unsere Kindheit, erscheint uns alles so. leicht und froh, alles voll Sonnenschein und Vogelsang. Die kleinen ärgerlichen Geschehnisse sind unserem Gedächtnis entschwunden. Nur die Höhepunkte sind geblieben. Aber auch schmerzvolle Stunden steigen herauf. Sich ihrer zu erinnern, stimmt wehmütig. Aber linde und weich hat hier die heilende Zeit das Harte abgestreift. Das Andenken an dunkle Tage ist uns ebenso heilig, wie das an die sonnige Kindheit. — Und nun stehen wir am Anfang eines neuen Jahres. Unbewußt kommt da jedem ernsten Menschen die Frage: Was wird uns dieses Jahr bringen, Glück oder Unglück? Stehen wir auf einem Gipfel, oder in einem Abgrund? Aber unser Glauben an das Leben ist unverwüstlich. Wir gehen getrost in die Zukunft, wenn wir an uns selbst nicht irre werden. Unser Herz darf nicht erstarren. Trotz aller Nöte und aller Stürme des Lebens gilt es auszuhalten und feinen Mann auf dem angewiesenen Platze z» stellen. K. Der Zanuar. Der erste Monat des neuen Jahres, der Januar, der sich bei seinem Erscheinen als Bringer des Glücks feiern läßt, verdankt seinen Namen dem doppelgesichtigen Janus, dem Gott allen Anfangs, dem im alten Rom nicht nur der erste Monat des Jahres, sondern auch der Tagesanfang, die Monats- Für die in nichtarischen Haushalten beschäftigten Hausgehilfen unter 35 Jahren ist im Einvernehmen zwischen dem Landesarbeitsamt, der hessischen Landesregierung, dem Polizeipräsidium Frankfurt am Main, der Stadtverwaltung Frankfurt a. M. und der Deutschen Arbeitsfront folgende Regelung getroffen: 1. Alle unter die Bestimmungen des Gesetzes fallenden Hausgehilfen scheiden mit Ablauf des 31. Dezember 1935 aus den nichtarischen Haushalten aus. Die Polizeibehörden schreiten bei Nichtbefolgung gegen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sofort ein. 2. Die aus den nichtarischen Haushalten scheidenden Hausgehilfen haben sich bei den für sie zuständigen Arbeitsämtern zu melden und werden sofort betreut bezw. der jeweiligen Stadt- oder Gemeindeverwaltung betreffs Unterkunft ab 1. Januar 1936 Überwiesen. In der Zeit vom 11. bis 20. Januar einschließlich werden sich mehrere Musikkorps der 9. Devision auf einer Konzertreise in den Dienst des Winterhilfswerkes stellen. Die Reife ist in zwei Abschnitte gegliedert, in deren ersten Teil sechs Musikkorps mitwirken, während der zweite Teil von drei Musikkorps bestritten wird. Das erste Konzert mit sechs Musikkorps und zwei Spielmannszügen findet am 11. Januar abends in Frankfurt a. M. in der Festhalle statt. Dabei werden der Heeresmusik- inspizient Professor Schmidt, sodann der Obermusikmeister K r a u ß e vom Infanterie-Regiment 36 in Gießen dirigieren. Am 12. Januar wird ein weiteres Konzert in Frankfurt a. M. folgen, das als Jugendkonzert um 11 Uhr im Hippodrom von drei Musikkorps unter Leitung von Musikmeister D eise n r o t h gegeben wird. Im Anschluß an die Frankfurter Konzerte beginnt die Reise der Musikkorps. Am 12. Januar werden drei Musikkorps unter Leitung von Musikmeister Deisenroth in Darmstadt und am gleichen Tage drei weitere Musikkorps unter Leitung von Obermusikmeister Krauße in Bingen konzertieren. Am 13. Januar folgt ein Konzert in Mainz 3. Die Gemeindeverwaltung hat ihrerseits für die in ihrem Bereich tätigen Hausgehilfen in nichtarischen Haushalten alle Maßnahmen und Vorkehrungen getroffen bzw. zu treffen. Hausgehilfen, die entweder selbst oder seitens der seitherigen nichtarischen Arbeitgeber Befreiungsanträge gestellt und noch keinen Bescheid seitens des Ministers haben, gelten die gleichen Bestimmungen, und haben die Betreffenden sich ebenfalls bei den zuständigen Arbeitsämtern zu melden. Becker, Landesobmann der NSBO. und Gauwalter der DAF. Hessen. Die Behörden des Amtsbezirks Hessen werden angewiesen, in vorstehendem Sinne zu verfahren. Sprenger, Gauleiter und Reichsstatthalter. in der Stadthalle, das von drei Musikkorps gegeben wird. Von hier aus werden die weiteren Veranstaltungen von drei Musikkorps unter Lei- tuung von Obermusikmeister Krauße (Gießen) bestritten. Am 14. Januar weilen die Kapellen in Wiesbaden, wo sie ein Jugendkonzert und ein Hauptkonzert, beide Mal im Kurhaus, geben werden. Am 15. und 16. Januar folgen die Konzerte in Saarbrücken, ebenfalls als Jugendkonzert und Hauptkonzert. Am 17. Januar folgen drei Konzerte an einem Tage, und zwar in Neunkir - ft en, Saarlouis und St. Wendel. Von dort aus geht die Fahrt nach Trier, wo am 18. Januar konzertiert wird, sodann fahren die Musikkorps nach Koblenz, um dort am 19. Januar mit ihren Konzertdarbietungen zu erfreuen. Den Abschluß der Konzertreise bildet ein großes Konzert der drei Musikkorps am 20. Januar in Gießen im Gloria-Palast. Die musikalischen Darbietunaen bestehen aus symphonischer und Militärmusik. Als Solist wirkt Ludwig Kaiser aus Kassel mit. Die Musikkorps hoffen, mit ihren Darbietungen ansehnliche Beiträge für das Winterhilfswerk beschaffen zu können. Je näher der Zeiger der Uhr der Mitternachts- stunde rückte, desto stärker würbe der Betrieb auf den Straßen, immer mehr Feuerwerkskörper heulten und krachten durch die Luft, bengalisches Licht blitzte immer häufiger auf, und die begeisterten „Feuerwerker" ließen es an der entsprechenden Begleitmusik ihrer Stimme auch nicht fehlen. Als um die Mitternachtsstunde das feierliche Geläute der Kirchenglocken über die Stadt erklang, machten wiederum, wie alle Jahre, viele Männlein und Weiblein, Buben und Mädels ihre Feuerwerks-Be- gleitmufik in den Straßen kräftig dazu. Gleichzeitig erscholl von überall her, von Nachbar $u Nachbar, non Straßenpassant zu Straßenpassant der frohgestimmte Prosit-Neujahr-Gruß, den man noch lange nach der Mitternachtsstunde hören konnte. In den Gastwirtschaften herrschte der übliche Neujahrs-Hochbetrieb, der die Feiernden bis weit in den jungen Tag hinein beisammenhielt, manche sogar aus der frohen Stimmung heraus dazu brachte, daß sie in ununterbrochener Kette der Neujahrsfeier dem militärischen Neujahrswecken entgegengingen und sich anschlossen, das von dem Spielmannszug und dem Musikkorps sowie einem Zug unseres Infanterie- Regiments 36 unter Führung des Bataillonsadjutanten Leutnant K e i d e l um 7 Uhr von der Neuen Kaserne abmarschierte und die Truppe durch die Licher Straße, Kaiserallee, Ludwigsplatz, Neuen Säue, Neuenweg, Seltersweg, Horst-Wessel-Wall, Bahnhofstraße, Liebigstraße, Ludwigstraße, Ludwigsplatz, Licher Straße zur Neuen Kaserne zurückführte. Die Neujahrs-Gottesdienste in unseren Kirchen waren gut besucht. Nach dem Gottesdienst erfreute das Musikkorps des Jnf.-Regts. 36 unter Leitung von Obermusikmeister Krauße in der Zeit von 11 bis 12 Uhr mit einem guten Neujahrs-Kon. zert auf dem Kreuzplatz, das in verdienter Weife eine große Menschenmenge vereinigte, die den aus- gezeichneten musikalischen Darbietungen dankbar folgte. Erfreulicherweise brauchten die Polizei und die Sanitätskolonne im ganzen Verlauf der Silvesterfeier nicht in Tätigkeit zu treten. Nur die Feuerwache mußte am Silvesterabend im Hause Schanzenstraße 10 einen Kellerbrand löschen, der durch einen von der Straße aus in den Keller gefallenen Feuer- werkskörper entstanden war. Der brennende Feuerwerkskörper fand in einer Strohlage rasch Nahrung. Die herbeigerufene Feuerwache, die mit Rauchmasken vorgehen mußte, beseitigte in stündiger Arbeit die Gefahr. Das Feuer wurde mit Hilfe einer Schlauchleitung gelöscht. Die Arbeit der Feuerwehrmänner war durch die starke Rauchentwicklung sehr erschwert. Durch das tatkräftige Eingreifen der Feuerwehr konnte größerer Schaden verhütet werden. Der Neujahrstag gab dann durch fein günstiges Wetter gute Gelegenheit zu Erholungsspaziergängen, bei denen auch mancher „schwere Kopf" seine notwendige Abkühlung erhielt. Dornotizen. Tageskalender für Donnerstag. Gloria-Palast, Seltersweg: „Liebeslied". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Im weißen Rößl". Winterhilfswerk des deutschen Volkes1935/36 Ortsgruppe Gießen-Süd. Kohlenscheinabrechnung. Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine am Samstag, 4. Januar, von 15 bis 16 Uhr in unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine können nicht mehr angenommen werden. pfunbfammlung. Am Montag, 6., Dienstag, 7., und Mittwoch, 8. Januar, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd durch die NS.-Frauenschaft die Pfundsammlung für den Monat Januar statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelpakete zur Abholung bereitzuhalten. Weiter werden alle Spender unserer Ortsgruppe gebeten, vorkommenden Wohnungswechsel bei unserer ersten sowie aste Türen, Pforten, Eingänge und Straßendurchgänge geweiht waren. Mit dem Drei- königstaa bringt der Januar den Abschluß der Weihnachtszeit. Er ist ein ganz absonderlicher Geselle, denn halb schmücken ihn noch die lichterbesteckten Zweige des Christbaumes, halb schielt er bereits nach der Ausgelassenheit, Fröhlichkeit und Ungebundenheit des Faschings, der heute über sieben Wochen dauert. In der Regel hat der Monat Januar durchaus winterlichen Charakter, worauf auch die bekanntesten alten deutschen Namen des Januar Hinweisen, die da lauten: Frostmonat, Hartmond oder Hartung. Wenn es mit rechten Dingen zugeht, dann soll in den Januartagen tiefer Schnee die Fluren decken und scharfer Frost herrschen. Der Bauer weiß um diese Zeit gern seine Fluren in die schützende Schneedecke gehüllt. Ein wertvolles, dankbar entgegengenommenes Geschenk bringt der Januar den Menschen durch den wachsenden Tag. Die Länge der Tage nimmt bereits etwa um eine Stunde zu. Don den 31 Tagen des Monats sind in diesem Jahr einschließlich des Neujahrsfestes fünf Feiertage. Der Heilig-Drei- königstag wird nur mehr als kirchlicher Feiertag begangen. Nach dem 100jährigen Kalender soll bis zum 11. Januar anhaltende Kälte herrschen; vom 12. bis 18. trüb und gelind, am 19. falt, darnach hell und wieder kalt; vom 24. bis 26. Regen, d.as Ende trübe und trocken. Oer Jahreswechsel 1935/36. Die Silvesternacht wurde in unserer Stadt in altgewohnter Weise begangen. Der Abschied vom alten Jahre nahm eigentlich schon in den Nachmittagsstunden des Silvestertages seinen Anfang. In einer Anzahl Straßen knallten da bereits die Frösche und die Kanonenschläge, um das Jahr 1935 mit lautem Krachen endgültig zu vertreiben, und in den Geschäften, die Feuerwerkskörper feilhielten, herrschte Hochbetrieb. Das Leben und Treiben im Geschäftsviertel, insbesondere im Seltersweg, war vielleicht noch etwas stärker als sonst um diese Tagesstunde, denn es gab eben noch mancherlei zu besorgen, um die Stunde der Jahreswende in der üblich festlich-frohen Stimmung begehen zu können. Äärtoiwte zum Vesten der Winterhilfe Sechs Musikkorps her 9. Division stellen sich in hen Dienst her guten Sache. Prinzessin geht vorüber. Von Werner Schumann. Der greife Fürst hatte die Güte, mich durch die bunte und erlesene Gesellschaft seines wohlbehüteten Gästebuchs zu führen. Draußen war, als wir in feinem schlichten Bibliothekszimmer saßen, lauterer, stiller Herbst, wir sahen, wenn wir den Blick bann und wann hoben, ihn sein Zauberwerk zwischen den Bergen jenseits des Rheins treiben, wo das Dunkel der Waldungen längst in heitere, hellere Farben aufgelöst war. Von jedem der zahllosen Besucher, die unter diesem Dache einst geweilt oder auch gewohnt hatten, trug der Ehrwürdige sein klares Bild in sich. Aber es genügte ihm nicht. Er hatte die wunderbare Fähigkeit, dieses aus persönlicher Bekanntschaft entstandene und genährte Erinnerungsbild durch die Schlüsse zu ergänzen, die er aus den Eintragungen der Gäste zog. Nicht daß er ein Graphologe der üblichen Art gewesen wäre! Dazu fehlte ihm wohl das elementare Rüstzeug. Die Natur selbst hatte ihm das seltene Vermögen intuitiver Einfühlung geschenkt. Er war mit seherischen Gaben gesegnet. Hinter den Schriftzügen sah er ein Menschenschicksal Mein Gastgeber blätterte bedachtsam um, als gelte es, mit Ehrfurcht und in innerer Sammlung sich einem neuen Schriftbilde zu nähern; quer durch d'e Mitte einer Seite, wie selbstverständlich jede Nachbarschaft oben und unten ausschließend, galoppierten sechs Worte wie die Reiter einer Parforcejagd. Der sie hinwarf, vernahm ich, hatte die unsichtbare Lanze unterm Arm. Wie kühn, wie blind gegen allen Widerstand, wie töricht zugleich sprengte er durch die Welt! Was ist mit ihm, wo lebt er jetzt? „Er ist schon drüben", war die Erwiderung, und eine kleine Geste- der Rechten wies himmelwärts, „diese schöne Erde war ihm doch zu klein. Sie konnte ihm nicht genügen. Er fiel in einem allzu mutwillig heraufbeschworenen Duell " In der folgenden Eintragung schien sich fede Ordnung aufgelöst zu haben. Auseinandergenssen, haltlose Buchstaben tanzten, nein taumelten dahm, ohne Bindung untereinander, eine Truppe in voller Auflösung Und dazwischen standen, architektonisch liebevoll gebildet, die klar ausgefuhrten Versalien — „einsame Leuchttürme des Geistes" hieß sie der kundige Greis und erzählte dann stichwort- haft den irrlichterndsn Diesseitsweg der unglücklichen Schreiberin, die als hochbegabte Tragodm immer mehr in Disziplinlosigkeit und Exaltation verfallen und schließlich in London völlig heruntergekommen und verarmt sei. Als sie auf diesem Stuhl hier saß, brannte ihr die Sehnsucht nach dem besseren Ich in ihr aus den Augen. Sie brauchte nicht Geld, nicht Freunde und gute Ratschläge — nur eine andere Seele hätte sie retten können. „Das aber liegt nicht in des Menschen Hand." Wir sannen einen Augenblick der Unglücklichen nach — und weiter knisterte Blatt um Blatt zwischen den Fingern des Hausherrn auf, der diese Welt und seine Geschöpfe kannte und aus haarbuschüberwucherten Augen mich zwinkernd ansah, wenn ein lebensfroher Bauer aus diesem gesegneten Gefild ein schwärmerisch keckes Derslein vom süffigen Wein dahergekritzelt hatte. Ja, freilich, in diesem Hause gibt es einen guten Trunk — und vor der Exzellenz sind sie alle gleich. Und dann stand plötzlich der korrekte Namenszug einer alten Prinzessin vor uns. Sie bewohnte in der allernächsten Nachbarschaft eine Villa und hatte aus den Tagen des Glanzes niemanden mehr bei sich als ihre ehemalige Hofdame und eine betagte Köchin, der zugleich die Reinigung der Zimmer oblag. Ein seltsames Liebesschicksal verband sich mit ihrem halb vergessenen Namen. Sie hatte nicht viel mehr zu verzehren, wer erinnerte sich ihrer denn noch? Und wer hätte es nicht begreifen können, wenn sie mit ihrem Schicksal haderte? Aus dem adeligen Gefüge ihres sehr langsam und selbstbewußt niedergeschriebenen, eher gemalten Namens aber pochte uns, daß wir's zu spuren meinten, ein Herz entgegen, das lange verwunden und seinen alten Rhythmus miedergefunden hatte. Ein stolzer, aber nicht dünkelhafter, ein von feinem Adel überzeugter, ihn andere aber nie fühlen lassender Sinn mußte in dieser Frau lebendig sein, die, von den alten Möbeln und Bildern umgeben, in ihrer engen, strengen, selbstgenügsamen Welt wei- terlebte und. der die Existenz der anderen, sich so umstürzend gewandelten Welt immer unergründlich blieb. Wenn Sie noch eine halbe Stunde warten, können Sie sie sehen. Dort am Flußufer kommt sie stets gegen Mittag vorüber." Ja, ich wollte auf die Prinzessin warten. Den Mann, den sie einst geliebt hatte und der für sie längst verschollen und gestorben war, diesen einst unrastgetriebenen, von Kontinent zu Kontinent jagenden Mann hatte eine merkwürdige Fügung auch in diese stille Klause geführt, ohne daß er gewußt und es ihm jemand verraten hätte, daß die Jugendgeliebte fünf Minuten von hier abgeschlossen lebte. Lang ist es her, daß er ihr diese Verse ins Schloß geschickt hatte: Hat dich die Liebe berührt, Still unterm lärmenden Volke, Gehst du in goldener Wolke, Sicher vom Gotte geführt. Ahnungslos also hatte der Heimkehrer einen Spruch Övids in ritterlich-schöner Schrift hierhergesetzt und war dann ins Blättern und Lesen gekommen, bis er erbleichend und mit zitternden fänden, zunächst keines Wortes mächtig, den Namenszug der Geliebten auf dieser Seite entdeckte. Und er riß alle alten Wunden. wieder auf. Der Fremde hatte die sechzig überschritten, er war grau und faltig geworden, aber in seinem Herzen war die Glut dieser tiefen Neigung nie ganz erloschen. In wachsender Erregtheit trommelte er mit den Fingern und schließlich mit den Fäusten auf die Tischplatte. Sein erster Gedanke war: zu ihr eilen, ihr zu Füßen fallen, ihr sein bisheriges, gehetztes Leben offenbaren. Doch der gute Geist dieses Ein- sieblerhauses hatte besänftigend die Hand auf seine Schulter gelegt: Gemach, mein Freund, warten Sie doch, tun Sie nichts Uebereiltes, gleich wird sie ja hier vorüberkommen! Und wie mich jetzt der Alte ans Fenster zog, so geschah es vor vielen Jahren jenem Manne. Wie damals ging sie vorüber, winzig und kostbar, in ein Cape von schwarzer Seide gehüllt, ein dunkles Kapotthütchen auf dem schneeweißen, spärlichen Haar, mit kurzen Schritten trippelte sie am Arm ihrer rüstigeren Hofdame unter dem vergilbenden Laubwerk der hohen Pappeln stadteinwärts Und wie die Matrone so, seit Jahrzehnten auf der gleichen ehrbaren Bahn und am gleichen Arm der Vertrauten, mit gelbem Gesichtchen und zerbrechlich anzusehen wie Porzellan, dahinwandelte, sprachen wir davon, daß wohl auch die Gedanken dieser Frau denselben Pfad gezogen seien, nicht zu niedrig und nicht gar so hoch, und daß sie darum wahrscheinlich auch nie ganz unglücklich hatte werden können. Ein Wind war aufgekommen und wellte durch ihr Seidencape, und sie hob das Köpfchen blickte den Vögeln nach, die krächzend und scharrend als Wolke über den Fluß stürmten. Ein neuer Vergleich drängte sich uns auf: wie diese Vögel aber waren die Gedanken jenes er- grsifenen Mannes, der ehedem an diesem Fenster gestanden; Vögel, die Länder überrauschten und endlich bann ihren Ruheplatz gesunden hatten. Bis ein neuer, unvermuteter Sturm sie abermals auf» scheuchte. Wohin? Wohin? Ach, späte Stürme pflegen kurz zu fein. Die Prinzessin, erzählte mein freundlicher Gastgeber, wie sie es feit Jahren gewohnt, wollte damals dem Alten am Fenster huldvoll zunicken; doch da sie das fremde Gesicht daneben gewahrte, unterließ sie den Gruß, blickte starr und geradeaus und entschwand als schwarzes Fähnchen einer verklungenen Zeit endlich den Blicken. Da schwieg der Mann, den es eben noch so gepackt hatte, nun völlig ruhig, ein Versonnener, der daran denken mochte, daß das Glück der Erinnerung dem der Liebe kaum nachsteht, denn jedes Alter hat seine hohe, selige Zeit. So ging er, wie vor Jahrzehnten, wieder „in goldener Wolke — sicher vom Gotte geführt". Der wilde Othello. Von Theophilus D ö b b e I i n , dem Begründer des Berliner Theaterwesens, pflegte Joseph Anton Christ, der unter seiner Leitung tätig war, eine Anekdote zu erzählen, die das ehrliche Herz und die Spielfreude jenes vielverkannten Mannes kennzeichnet. Döbbelin war stets mit Leib und Seele bei feinem Spiel und er wütete auf der Bühne herum, daß feinen Zuschauern angst und bange wurde. Diesmal handelte es sich um eine „Othello"- Aufführung: „Herr Döbbelin war im Neglige; Schlafrock, Nachtmütze und Pantoffeln roaren sein Ajustement. Bei einer Stelle, wo er sich ersticht, erstach e^ sich mit der Faust, fiel, so groß und stark er war, der Länge nach auf den Boden, fiel im Niederstürzen, weil er mit dem Pantoffel ausglitschte, mit dem Kopf auf einen Porzellantisch, der zerbrach, daß gewiß für 50 Taler Porzellan vernichtet wurde, und schlug sich ein Loch in den Kops. Dem ohngeachtet remitierte er seine Sterbeszene ununterbrochen fort, und da der Souffleur aus Schreck, weil er ihn bluten sah, hinzusprang und ihm aufhelfen wollten, schrie er ihm erzürnt zu: „Herr, in Teufels Namen, lassen Sie mich doch erst sterben!" sagte seine Rede ganz her, und dann erst ließ er sich vom Boden aufnehmen." Zeitschriften — Langenscheidts English Monthly Magazine (Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung Berlin-Schöneberg) bringt in ihrem Januarheft einen Aufsatz über den neuen britischen Außenminister Eden und einen illustrierten Artikel übet Neuseeland. Weitere Aufsätze unterhaltender und belehrender Art mit vielen Bildern und Karikaturen vervollständigen das Heft, das zur Pflege englische* Sprachkenntnisse mit gutem Gewissen empföhle^ werden kann. ppvU asasjun Bunjpauaqan cukq ßun6y(pud% sp-wk udQiaiu nk stzvastasugaaD 'ajpßs|jp(p|a© Ji(53?„ Ortsgruppe Gießen Ott Die Kohlenhändler werden ersucht, die Kohlengutscheine bis zum Samstag, 4. Januar, 19 Uhr, auf der NSV.-Geschäftsstelle, Kaiserallee 52, mit der entsprechenden Rechnung einzureichen. Landschastsbunb Volkstum und Heimat Ortsring Giehen. Sonntag, 5. d. M., 11 Uhr, findet im Kaufmännischen Vereinshaus die feierliche Überreichung von Anerkennungsdiplomen an neun treue Tierpfleger unserer Stadt statt. Hierzu sind alle Tierfreunde ein- geladen. Sonntag, 12. d. M., 10 Uhr: Führung durch die Veterinär-Kliniken und -Institute. Mitglieder und Gäste willkommen. Oer Dienst bei parteialiederungen. Regelung der Lohnsteuer. Der Reichssinanzminister hat bestimmt: Zum steuerpflichtigen Arbeitslohn gehören alle Einnahmen, die einem Arbeitnehmer aus einem gegenwärtigen oder früheren Dienstverhältnis zufließen, gleichgültig, ob ein Rechtsanspruch auf sie besteht und unter welcher Bezeichnung oder Form sie gewährt werden. Hiernach gehören grundsätzlich auch Leistungen der Arbeitgeber an ihre zum SA.-, SS-, NSKK- oder HJ.-Dienst beurlaubten Teilnehmer zum steuerpflichtigen Arbeitslohn. Ich habe aber in meinem Lohnsteuersammelerlah vom 5. Juli 1935 aus Billigkeitsgründen zugelassen, daß Unterstützungen der Arbeitgeber an ihre Arbeitnehmer während ihrer Beurlaubung zur Teilnahme an einem anerkannten Lehrgang für Leibeserziehung steuerfrei bleiben. Vorausgesetzt ist, daß sie für Zeiträume, die den bisherigen Lohnzahlungszeiträumen entsprechen, zusammen mit dem Wert der Leistungen, die der Veranstalter des Lehrgangs für Verpflegung, Taschengeld und Haushaltszuschüsse gewährt, den Betrag nicht übersteigen, der den Arbeitnehmern im letzten Lohnzahlungszeitraum nach Abzug der Steuern und der gesetzlichen Sozialversicherungsbeiträge ausbezahlt worden ist (Nettolohn). Nach den gleichen Grundsätzen sind auch die Fälle zu behandeln, in denen SA-, SS- NSKK-Männer oder Angehörige der HI. zum Dienste bei diesen Verbänden beurlaubt sind. Es bedarf aber einer näheren Angabe im Lohnkonto, zu welchen Aufgaben der einzelne Arbeietnehmer beurlaubt ist. Die Unterstützungen bleiben aus Billigkeitsgründen nur dann steuerfrei, wenn die Beurlaubung entweder zu Sport- und Wehrsportkursen, oder zu Hilfeleistungen in Fällen gemeiner Gefahr (Ueberschwemmungen, Explosionen, Brandkatastrophen, Einsturzgefahr und ähnliches) oder zur Teilnahme an den Reichsparteitagen der NSDAP, erfolgt und die sonstigen Voraussetzungen meines Runderlasses vom 5. Juli 1935 erfüllt sind. All- Oeustchen sind lustschutzpflichtig RLB. Seit dem 26. Juni 1935 steht diese Verpflichtung für atie Volksgenossen männlichen und weiblichen Geschlechts fest. An diesem Tage hat die Reichsregierung durch Verabschiedung des Luftschutzgesetzes ihre Entschlossenheit bekundet, alle Maßnahmen rechtzeitig vorzubereiten, die bei Eintritt kriegerischer Verwicklungen zum Schutze der Zivilbevölkerung notwendig werden. Sie beweist mit diesem Gesetz, daß sie neben Armee, Marine und Luftwaffe auch den organisierten Selbstschutz des Volkes im Zeitalter des Flugzeugs für eine gebieterische Notwendigkeit hält. Die nationalsozialistische Staatsführung hat mit ihrem Vorgehen schwere Unterlassungssünden der Weimarer Republik gutgemacht. Sie handelt aus dem Gefühl der Verpflichtung, dem deutschen Volke den Frieden zu erhalten, und sie weiß, daß sie ihrem Willen nur dann Nachdruck verleihen kann, wenn sie über ein lückenlos aufgebautes System der Landesverteidigung verfügt. Für ein angegriffenes Land wird in Zukunft gelten, was in der Vergangenheit für die Bürger einer belagerten Stadt eine Selbstverständlichkeit war. Jeder muß sich nicht nur bereitwillig unterordnen, sondern sich nach Möglichkeit auch an der praktischen Abwehrleistung beteiligen. Die Wehrmacht und die Behörden können nicht alles allein machen, Flieger und Flakwaffe können nicht in jedem Falle eingesetzt werden. Selbst ist der Mann — und die Frau! Der Wille, Heimat und Herd zu schützen, muß alle nicht erst in der Stunde der Gefahr durchglühen — dann dürfte es zu spät sein —, sondern schon vorher zu dem Entschluß bringen, im Frieden sich alle Kenntnisse anzueignen, die für die erfolgreiche Durchführung des Selbstschutzes notwendig sind. ~ , Es ist ein vielseitiges und fesselndes Gebiet, mindestens ebenso anregend und wichtig wie z. B. das der Fliegerei, welches sich in unseren Tagen besonderer Volkstümlichkeit erfreut. Der Reichsluftschutzbund ,der mit der Aufklärung des Volkes und der Ausbildung der Selbstschutzkräfte betraut ist, wird nach und nach jeden Deutschen erfassen, damit alle Volksgenossen für den Ernstfall gewappnet sind. Gießener lvochenmarktpreise * Gießen, 2. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Markenbutter 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Wirsing, das Pfund 12 bis 15, Weißkraut 8 bis 12, Rotkraut 12 bis 18, Gelbe Rüben 9 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 7 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 25 bis 35, Feldsalat 80 bis 90, Zwiebeln 10 bis 14, Merrettich 30 bis 70, Kartoffeln, das Pfund 4 Pf., der Zentner 3,30 bis 3,50 Mk., Aepfel, das Pfund 10 bis 30 Pf., Birnen 15 bis 25, Nüsse 38 bis 55, Suppenhühner 80 bis 90, Gänse 90 Pf. bis 1 Mk., Blumenkohl, das Stück 30 bis 50 Pf., Endivien 5 bis 25, Lauch 5 bis 12, Sellerie 5 bis 40, Rettich 5 bis 15 Pf. * ** Bevorzugt zum einjährigen Dienst in der Luftwaffe. Der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe beabsichtigt, die Absolventen der höheren technischen Lehranstalten für Maschinenwesen usw. und für Hoch- und Tiefbau bevorzugt zum einjährigen Dienst in der Luftwaffe zuzulassen, wie das bisher mit den Abiturienten geschehen ist. Der Reichserziehungsminister hat hierzu die Unterrichtsverwaltungen der Länder ersucht, für eine Benachrichtigung der Studierenden der höheren technischen Lehranstalten Sorge zu tragen. * * Steuererleichterungen fürLuftschuh- maßnahmen. Für die Abgabe der Steuererklärungen wird daran erinnert, daß die Aufwendungen für die Durchführung von Luftschutzmaßnah- men, die Beschaffung von Luftschutzgeräten und Aufwendungen für Luftschutzausbildung u. a. bei der Errechnung des Einkommens voll abgesetzt werden können. Einzelheiten sind aus dem Gesetz für Steuererleichterung vom 15 Juli 1935 und der Ergänzungsordnung zum Gesetz über Steuererleichterungen vom 20. April 1934 zu ersehen. * * Probealarm der Feuersirene. Am kommenden Samstag werden die Feueralarmsirenen unserer Stadt probeweise in Tätigkeit gesetzt. Zu einer Beunruhigung liegt also kein Anlaß vor. * * M i t dem Auto verunglückt. Am gestrigen Neujahrstag um die Mittagszeit verunglückte Sanitätsrat Dr. S ch l i e p h a k e von hier, der sich mit seinen Angehörigen im Auto auf der Fahrt von Lich nach Gießen befand, in der Nähe des Albacher Hofs dadurch, daß der Kraftwagen, anscheinend infolge Versagens der Steuerung gegen einen Straßenbaum fuhr. Sanitätsrat Dr. Schliep- hake, feine Gattin und ein Enkelkind, ein Mädchen, wurden dabei verletzt und mußten von der Licher Sanitätskolonne der Chirurgischen Klinik in Gießen zugeführt werden. Wie die ärztliche Untersuchung ergab, hat Sanitätsrat Dr. Schliephake bei dem Anprall des Kraftwagens an den Baum einen Armbruch und Prellungen am Knie erlitten, feine Gattin trug eine Gehirnerschütterung und Prellungen davon, das 4 Jahre alte Kind siegt mit einem Unterschenkelbruch danieder. Die Verunglückten befinden sich zur weiteren Behandlung in der Chirurgischen Klinik. * * Oe ff entließe Bücherhalle. Jrn Dezember wurden 1727 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf Literaturgeschichte 1, Zeitschriften 17, Gedichte und Dramen 8, Erzählende Literatur 1035, Jugendschriften 243, Länder- und Völkerkunde 109, Kulturgeschichte 6, Geschichte und Biographien 179, Kunstgeschichten 9, Naturwissenschaft und Technologie 69, Heer- und Seewesen 25, Religion und Philosophie 5, Staatswissenschaft 19, Sport 2 Bände. Nach auswärts kamen 7 Bände. Die Jagd im Januar. Das Kalenderjahr ging zu Ende, nicht fo das Jagdjahr, das noch ein Vierteljahr währt. Die Hauptjagdzeit neigt sich allerdings ihrem Ende zu. Schon häufen sich die schwarzen Felder im Jagdschein: Schonzeit. Rotwild darf während des ganzen Monats, ebenso wie Damwild, noch gejagt werden. Der Abschuß männlichen Wildes dürfte allerdings meist beendigt fein. Viel wichtiger ist zur Zeit auch der Abschuß von Kahlwild, zu dem der Monat dort unbedingt noch ausgenutzt werden muß, wo die festgesetzte Abschußzahl noch nicht erreicht wurde. Hoffentlich bringt der Hartung noch einmal Schnee, damit das Schwarzwild auf weidmännische Art bejagt und kurzgehalten werden kann. Das Rehwild hat vollkommene Schonzeit. Die Böcke haben abgeworfen, manche schieben schon wieder deutlich sichtbar. Dem aufmerksamen Beobachter werden bei feinen Reviergängen Ende Dezember und im Januar frische Fegestellen auffallen. Es handelt sich dabei um Fegestellen von Kitzböcken, die ihr „Erstlingsgehörn" fegen, um es kurz darauf abzuwerfen und ihr zweites Gehörn zu schieben, das dann im Mai/Juni gefegt wird. Das Rehwild hat sich zu stärkeren Wintersprüngen zusammen- geruöelt, die jetzt vielfach im hohen Holz nach Eicheln oder Bucheckern schlagend angetroffen werden. Sie erleichtern die Bestandzählung sehr, die in unserem Jagdkreis auch in diesem Frühjahr wieder vorgenommen werden wird. Die Hasenjagden sind in der Mehrzahl vorüber, am 15. Januar endigt Mümmelmanns Schußzeit. Im allgemeinen sind die Nachrichten über die Hafenstrecken in Deutschland unerfreulich. Die Ge° famtftreefe wird voraussichtlich wesentlich geringer ausfallen als im Vorjahre. Im Gegensatz dazu können die Sttecken in unserem engeren Gebiet vielfach als normal bezeichnet werden. Es häng! der Ausfall, abgesehen vom Wetter des Jagdtages, in starkem Maße davon ab, wie die Jagd im Vorjahr ausgeübt worden ist. Da auf den Strecken unserer Dezemberjagden Hasen von fünf bis über neun Pfund lagen, ergibt es sich, daß auch von einem Ausfall ganzer Sätze, wie in anderen Gegenden, bei uns nicht geredet werden kann. Das Rebhuhn hat bereits einen ganzen Monat Schonzeit, der Fasan darf dagegen bis zum 15. Januar noch bejagt werden. Dann beginnt feine Schonzeit. Es fei darauf besonders hingewiesen, weil die Schußzeit für Hähne in Hessen seither viel länger dauerte, und die hessischen Schuß- und Schonzeiten aus vielen Kqpfen noch nicht ganz verschwunden zu sein scheinen. Schußzeit hat ferner noch die Ringeltaube. In gewöhnlichen Jahren hat es wenig Sinn, darauf hinzuweisen, weil die Tauben im Januar weiter im Süden weilen. In diesem Jahre hat genau wie im Mastwinter 1928/29 eine große Zahl von Tauben es vorgezogen, bei uns zu überwintern. Die Buchenmast hat es ihnen offenbar angetan. Hoffentlich bekommt ihnen der Versuch nicht so schlecht wie denjenigen aus jenem Notwinter, die damals in Massen verhungerten, geschlagen und gerissen wurden, weil sie durch die verharschte Schneedecke nicht zu ihrer Aesung kommen konnten. Auch während der diesjährigen vorweihnachtlichen Schneetage fielen die Tauben vor allem dort ein, wo das Rehwild den Schnee weggeschlagen hatte. Die Wildente hat Schonzeit. Auch darauf sei besonders hingewiesen, weil damit die Schußzeit gegenüber den seitherigen hessischen Bestim- mungen gekürzt wurde. Es ist auch nichts davon bekannt geworden, daß der Herr Reichsjägermeister beabsichtige, von der Verlängerungsmöglichkeit Gebrauch zu machen, die das Reichsjagdgesetz vorsieht. W i l d g ä n s e , die auf dem Zuge gelegentlich vor die Flinte kommen, haben dagegen noch weiterhin Schußzeit, ebenso Waldschnepfen und Bekassinen. Neben den ganzjährig freigegebenen Habicht und Sperber hat auch der Mäusebussard neben seinem rauhfüßigen Vetter Schußzeit. Der Januar ist vor allem der Monat der Raub- w i l d j a g d. Zwar hat der Dachs, der Ende des Monats bereits wirft, jetzt Schonzeit (im Gegensatz zu früher), die Jagd auf den Fuchs dagegen erreicht ihren Höhepunkt. Sie bietet dem Weidmanne ganz außerordentlich viele Möglichkeiten, die nur der eifrige Tellereisenjäger seither verlernt hatte, und die in Vergessenheit gerieten. Treib- und Drückjagd, Lockjagd mit Hasenquäke Mäusepfeifchen ober Vogel-, angftruf, Lappjagd, Pirsch ober Ansitz am Bau, bei Schnee im „weißen Zeug", unb vor allem jetzt in der Ranzzeit Sprengen mit bem scharfen Dackel ober Terrier, Auswahl genug, die bei richtiger Anwendung manchen guten Winterbalg auf das Spannbrett liefert. Auch Edel- und Steinmarder dürfen noch erlegt werden. Ueberall spürt sich noch nach einer „Neuen" der Marder in unseren Revieren, aber das „Ausneuen" z. B., d. h. das Ausgehen der Nachtspur bis dahin, wo der Marder sich steckte, ist nur wenigen Jägern bekannt, vielen wahrscheinlich auch zu unbequem. Das war ja mit dem Tellereisen doch soviel bequemer! In den wenigen Revieren, wo das Aus* neuen regelmäßig angewendet wurde, sind fast alljährlich Marder geschossen worden. Auch Iltis und Hermelin lassen sich bei Schnee leichter besagen als sonst. Raubwildjagd ist Weidwerk und Hege zugleich. Raubwild muß in unseren Revieren sein, und kein wahrer Jäger möchte auch darauf verzichten. Wie einförmig wäre es doch, wenn unsere ganze Tierwelt nur aus Hasen und Hühnern bestände! Aber der Heger wird das Raubwild in seinen Grenzen halten müssen. Daneben aber legt der Januar, meist doch unser härtester Monat, bem Weibmann bie Pflicht auf, auch sonst für sein Wild zu sorgen. In höheren 3. HeichSberusSwettkarripf 1936. Das Ideal des deutschen Volkes ist die Arbeit, sein Wille die Leistung und seine Sehnsucht der Friede. Jungarbeiter, hast du dich schon zur Teilnahme am 3. Reichsberufswettkampf der deutschen Jugend vom 2. bis 15. Februar angemetbet? Anmeldungen nehmen alle kreis- und Ortsjugendwaltungen der DAF. entgegen. Lagen machte im Dezember bereits der Schnee Wlnterfütterung notwendig, in tieferen mit Laubholzbeständen fand das Schalenwild Eicheln und Eckern. Eine natürliche Aesung ist es, wenn der Heger hier und dort etwas Weichholz schlägt, z. B. Weiden, wozu ihm der Forstmann gern Die Erlaubnis geben wird. Denn für ihn handelt es sich dabei vielfach um „Unkraut". Auch das Holz das beim Ausputzen der Obstbäume in der Feldmark ab= fällt, ist hervorragende Aesung und wird auch ohne Not gern angenommen. Wird die Not allerdings sehr groß, dann müssen, je nach Wildart, Eicheln, Kastanien, Klee- und Wiesenheu gereicht werden, bei Harschschnee werden Pfade getrampelt, auf denen das Wild zur Fütterung ziehen kann, ohne lauf- wund zu werden, der Rechen legt Heidekraut und Besenpfriem frei usw. Viele Wege führen zum Ziel, die besten sind in den einzelnen Revieren je nach Lage und Bestand verschieden. Die Hauptsache ist, daß überhaupt etwas geschieht. Die Fasanenfütte- rung muß schon im Gange sein und bei Not verstärkt werden, auch Hühner haben bie Fütterungen schon angenommen. Es muß bem wahren Jäger ein Her- zensbebürfnis sein, jetzt für fein Wild zu sorgen. „Und denk bei deinem täglich' Brot, ob auch dein Wild nicht leidet Not!" Wir wollen es bei der Beurteilung der Jäger mit Hermann Löns halten, der da sagt: „Der Heger, der Pfleger kann Jäger nur sein!". Allen denen, die so denken, ein „W eidmannsheil" für 1936. Hubertus. Oie Reiterchen des WHW. brachten in unserem Gau 133200 Mark. LPD. Frankfurt a. M., 31. Dez. Wie die Gau- führung des Winterhilfswerks mitteilt, brachte die von der Hitler-Jugend, dem Jungvolk und dem BDM. durchgeführte viertägige Reiterchen- Sammlung des Winterhilfswerks im Gau Hessen-Nassau insgesamt 13 3 2 0 0 Mark. Auf der Kanzel vom Tode ereilt LPD. Westerburg, 1. Januar. Während der Predigt in der Kirche zu Altstadt (Westerwald) wurde der im 68. Lebensjahre stehende Dekan a. D. Pfarrer Wilhelm S ch a r d t von einem Schlaganfall betroffen, an dessen Folgen er sofort d e r ft a r b. JVazA •'KaM gegen spröde Haut Nicht müde werden, Annelies? Vornan von Bernhard Lanzer. Urheberrechtsschutz: Auswärts-Verlag, Berlin. 23. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „An sich wäre der Gedanke vielleicht nicht unsympathisch ..." „Aber?" Ihre Nasenflügel zuckten leise. Dann richteten sie sich plötzlich wieder auf. „Ich will Ihnen mal was sagen, mein guter Costa — Sie dürfen bie Lore Birkner nämlich nicht für gar zu bumm hatten. Mit Speck fängt man Mäuse, bas ist ein altes unb bewährtes Rezept. Bei mir ver- fängt es allerdings nicht. Ein bißchen mit mir ausgehen, mir ein bißchen vorschwatzen — und bei dieser Gelegenheit herauszubekommen such'en, wo die angebetete Mia steckt — das könnte Ihnen so passen! Nein, mein Lieber, wenn Sie sich bie Geschichte so gedacht haben, schneiden Sie sich aber ganz gewaltig in die Finger. Aus den Leim gehen wir natürlich nicht." Sie war sichtlich erregt Costa hob beschwichtigend bie Hand. „Aber Fräulein Lore! Kein Gedanke! Natürlich, ich sagte ja schon, unter den obwaltenden Verhältnissen — es ist eben eine ganz scheußliche Sache. Eigentlich wirklich fein Wunder, daß Sie auf solche Gedanken kommen. Aber Sie irren sich bestimmt. Ich habe wirklich nicht an so etwas gedacht, denke überhaupt nicht mehr an Ihre Mia. Verstehen Sie mich doch nur mal richtig — ich — Donnerwetter noch mal — ich kann Ihnen doch nicht aus heiterem Himmel eine Liebeserklärung machen!" Ihre Erregung schien unter seinen Worten wieder zurückzufluten. Sie schob sich eine Locke aus der Stirn. „Ist auch gar nicht notwendig", erwiderte sie unb ließ sich wieder in den Stuhl zurücksinken. „Aber Sie dürfen sich wirklich nicht wundern. Und Sie müssen zugeben, daß es kein sehr erhebender Gedanke ist, etwa nur als Mittel zum Zweck dienen zu sollen, im übrigen aber ..." „Selbstverständlich", unterbrach er sie lebhaft. „Aber es geht mir dabei wirklich nur um Sie. Ich würde mich riesig freuen, wenn Sie sich ein bißchen um mich verwaisten Taugenichts kümmern und für heute abend zusagen würden. Wollen Sie, Fräulein Lore?" Da lächelte sie wieder. „Wenn es durchaus fein muß .. „Es muß fein." „Na, da wollen wir bie Mission mal auf uns nehmen." „Das ist schön. Das ist lieb von Ihnen, Fräulein Lore. Es wird Ihnen doch auch gut tun, wenn Sie mal aus Ihren vier Wänben herauskommen. Sie haben jetzt doch rein gar nichts vom Leben. Ihre Freundin amüsiert sich ba draußen, und Sie sitzen hier wie ein Vogel im goldenen Käfig und dürfen sich die Wett nur von weitem ansehen." „Sie haben recht. Man darf nicht allzu bescheiden sein. Und man muß etwas aus dem Leben zu machen versuchen. Wie haben Sie sich denn die Sache übrigens gedacht? Das Mädchen ist ja verschwiegen, aber man möchte doch vorläufig — man möchte doch nicht so in aller Öffentlichkeit ..." „Natürlich. Ich hole Sie mit dem Wagen ab, und wir fahren nach irgendeinem Vorort hinaus. Ein hübsches kleines Restaurant, ein stiller Garten am Wasser — ist das nicht herrlich? Ich freue mich unbändig daraus." „Das könnte sehr nett werden. Aber wissen Sie denn so genau, baß Sie Grund zu unbändiger Freude haben werden?" „Klar! Ich hatte mich nämlich an Ihr Wort: Man darf nicht bescheiden sein, man muß etwas aus dem Leben zu machen versuchen. — Ich finde dies Wort herrlich vernünftig, rasend vernünftig. Und somit ergibt sich, daß wir uns verstehen. Ist das nicht Grund genug zur Freude?" „Möglich ...", erwiderte sie unb tauchte ihren schillernben Blick tief in ben feinen. Costa blieb noch ein paar Minuten, bann ver- abschiebete er sich. Lore Birkner begleitete ihn hinaus. In ber Diele trafen sie auf bas Mädchen, das eben wieder in bie Küche verschwinden wollte. Sie sahen sich verständnisvoll lächelnd an. „Na, Sie kleines Wachhündchen", lachte Costa leise, „sind Sie zufrieden, daß es sich nicht um Ihre Gnädige handelt?" Sie war sichtlich verlegen, warf aber mit fast ein wenig trotziger Bewegung den Kopf zurück. Lore Birkner wandte sich ihr mit gleichmütiger Miene zu: „Wenn Sie für heute abend vielleicht was vor haben, Liesbeth ... Sie können ruhig gehen. Nur nicht allzu spat wiederkommen — nicht wahr?" Die Augen des Mädchens leuchteten auf. Sie nickte Lore Birkner lächelnd zu. „Vielen Dank, Fräulein Birkner!" Damit verschwand sie. Lore Birkner ging mit hinaus an die Pforte. Costa reichte ihr bie Hanb unb senkte feinen Blick tief in ben ihren. „Auf Wiedersehen also, Fräulein Lore. Und bie richtige Stimmung mitbringen — nicht wahr?" Sie erwiderte den Druck seiner Hand. „Ich werde mir Mühe geben." Er wandte sich ab und trat mit raschen Schritten auf den Wagen zu. Der Motor fprang an. Costa winkte noch einmal mit ber Hanb zurück, bann glitt der Wagen davon. Lore Birkner sah ihm nach, bis er bie Höhe ber Steigung erreicht hatte unb in eine Nebenstraße einbog. Costa war mit seinem Erfolg zufrieden. Das war ja verhältnismäßig glatt gegangen. Aber verteufelt gescheit war das Mädchen, man mußte vorsichtig zu Werke gehen. So auf Anhieb würde es wohl kaum glücken.' Na, auch egal, mit einem Abend war die Sache fowiefo nicht abgetan. 9. Kapitel. Gegen halb acht Uhr abends hielt er wieder mit dem Wagen vor der Villa. Lore Birkner war schon bereit; sie hatte ihn kommen sehen und kam mit leichten Schritten vom Hause her, als er eben ausgestiegen war. Sie sah mit sehnsüchtigen Augen in die Abendsonne. „Jetzt freue ich mich wirklich auch. Es ist doch schön, wenn man mal so frei und ungebunden ausschwirren kann. Die Wett ist ja schließlich auch für unfereinen ba." Costa preßte ihr bie Hand und suchte ihre Augen. „So ist es recht", erwiderte er mit dunkler Stimme ,-,Die schöne Wett ist für jeden da. Man muß sie nur auch für sich in Anspruch nehmen wollen." Er half ihr in den Wagen. Dann fuhren sie davon. Costa wählte entlegene Straßen für die Fahrt durch die Stadt. Dann ging es am Neckar entlang, der wie ein schimmerndes Band in der Abendsonne lag. Sie sprachen nicht viel, Lore Birkner schien sich ganz bem Gefühl ber ungewohnten Freiheit hinzugeben. Mit glänzenben, erwartungsvollen Blicken sah sie über bas Wasser zu ihrer Rechten hin, über bie oorübergleitenben Bäume, auf benen in silber- grauer Schicht der Staub des Spätsommers lag, in den Himmel, der feine weitgespannte Glocke über endlose Fernen wölbte. • In einem kleinen Restaurant eines entlegenen Vorortes kehrten sie ein. Sie waren die einzigen Gäste in dem hübschen, ländlichen Garten, ber bicht am Neckar lag unb von alten, hohen Kastanien bestauben war. Am äußersten Enbe bes Gartens, unter abgeblühten Jasminbüschen, nahmen sie Platz. Der sreunbliche, behäbige Wirt kam, um nach ihren Wünschen zu fragen Costa besprach sich eingehend mit ihm über bas Abendessen, aber Core Birkner wies diese Frage mit einer fröhlich gelockerten Hand- beroequng ab: „Ach, das ist boch ganz egal. Hier ist es so wunderhübsch, baß wir mit allem zufrieden sind." Man würbe sich bann schnell einig. „Aber wie ist es nsit bem Wein?" forschte Costa. „Haben Sie etwas Anständiges, Besonderes ba?" Der Wirt schnalzte mit ber Zunge. „Das will ich meinen! Einen ganz prachtvollen Einunbzwanziger Markobrunner zum Beispiel. Wirklich ein Prachtstück, Herr! Sie werden bestimmt zufrieden fein." „Schon. Also dann mal los!" Sie ließen sich das einfache Essen und den Wein, der in der Tat ein Glanzstück war, vortrefflich schmecken. Lore Birkner sprühte vor Lebenslust. Costa fand, daß ber Abend, abgesehen von dem eigentlichen Zweck, gar keine so üble Sache war, jedenfalls bedeutend angenehmer, als man erwartet hatte. Mit dem vorfchrettenden Abend stellten sich noch andere Gäste ein, aber man wurde dadurch nicht behindert. Man saß ja hier auch zemlich versteckt, und im übrigen hatte jeder mit sich selbst zu tun. (Fortsetzung folgt!) Der Sternhimmel im Januar. Totale Mondfinsternis. Bon Dr. Erwin Kossinna. Der erste Monat des neuen Jahres ist reich an schönen und interessanten Himmelserscheinungen. Das bedeutendste astronomische Ereignis bildet die totale Mondfinsternis am 8. Januar. Da an diesem Tage Vollmond ist und der Mond gleichzeitig den Schnittpunkt seiner Bahnebene mit der Ekliptik passiert, durchquert er den Kernschatten der Erde und wird verfinstert. Um 17.28 Uhr tritt der Mond in den Schattenkegel des Erdballs. Man kann beobachten, wie der Erdschatten von links über die Mondscheibe wandert, die bereits wenige Minuten nach 18 Uhr zur Hälfte verdunkelt ist. Die Verfinsterung der ganzen Scheibe dauert von 18.58 Uhr bis 19.21 Uhr, also rund 23 Minuten. Sind die Luftverhältnisse günstig, so sieht man dann den Mond in einem eigentümlich kupferroten Licht leuchten. Dieses schwache kupferfarbene Leuchten des Mondes rührt von den Sonnenstrahlen her, welche durch die Erdatmosphäre gegangen sind und dabei so gebrochen werden, daß sie den Mond noch treffen, während alles direkte Sonnenlicht durch die Erde abgeblendet ist. Ein Beobachter auf dem Monde würde zur selben Zeit die Erdkugel als dunkle, aber von einem rötlichen Kranze umgebene Scheibe sehen. Nach Schluß der Totalität, von 19.21 Uhr ab, sehen wir dann, wie der Erdschatten nach rechts oben über die Mondscheibe wandert und sie um 20.51 Uhr verläßt. Der Mond ist aus dem Schattenkegel der Erde wieder herausgetreten. Auf seiner Himmelsbahn zieht der Mond am Morgen des 20. und 21. Januar als schmale Sichel an Ätares, Jupiter und Venus vorüber, am Abend des 26. Januar am Mars und Saturn, was Anlaß zu besonders schönen Konstellationen gibt. Die Hauptphasen des Mondes fallen auf folgende Tage: erstes Mertel 1. Januar, Vollmond 8., letztes Viertel 16., Neumond 24., erstes Viertel 31. Januar. Die Sonne beginnt im Laufe des Monats bereits merklich zu steigen; ihre Mittagshöhe nimmt um zehn Sonnendurchmesser zu. Am 4. Januar durchläuft die Erde den sonnennächsten Punkt ihrer Bahn; ihr Abstand von der Sonne beträgt dann 147 Millionen Kilometer, während uns im Juli 152 Millionen Kilometer von der Sonne trennen. Die wechselnde Entfernung der Sonne ist jedoch auf die Jahreszeiten nur von geringem Einfluß. Im Januar sind alle Planeten sichtbar. Venus und Jupiter, die beiden hellsten Wandelsterne, schmücken den Morgenhimmel und sind zwei Stunden lang vor Sonnenaufgang im Südosten sichtbar. Mars und Saturn stehen bei eintretender Dunkelheit ziemlich tief am Südwesthimmel. Den trotz seiner Helligkeit schwierig zu beobachtenden sonnennahen Merkur sucht man am besten um die Mitte des Monats •/< Stunden nach Sonnenuntergang in geringer Höhe über dem südwestlichen Horizont. Am 16. Januar erreicht nämlich Merkur seinen größten Abstand von der Sonne und ist dann mit einem Opernglas verhältnismäßig leicht zu finden. Uranus im Widder und Neptun im Löwen sind nur mit einem Fernrohr zu sehen. Der abendliche Fixsternhimmel im Januar erfreut uns durch den Glanz der prachtvollen Winter- jternbilder. Während der ganzen Nacht beherrscht das großartige Bild des Orions den Südhimmel. Unter den drei in einer Linie stehenden Gürtelsternen bemerken wir in klaren mondlosen Nächten einen Lichtsleck, den bekannten Orionnebel, eine leuchtende Gaswolke von gewaltiger Ausdehnung, in die zahlreiche Sterne eingebettet sind. Man schätzt ihren Abstand auf 500, ihren Durchmesser auf 10 Lichtjahre (1 Lichtjahr — 10 Billionen Kilometer). Gegen 20 Uhr erscheint im Südosten Sirius, der hellste aller Fixsterne, der schon durch sein makellos weißes, stark funkelndes Licht auffällt. Am Neujahrstag steht er um Mitternacht genau im Süden, so daß man ihn mit Recht als Neujahrsstern bezeichnet hat. Sirius ist von den in Europa sichtbaren Hellen Fixsternen der nächste. Sein Licht ist neun Jahre unterwegs, um zu uns zu gelangen. Die Sonne würde in der Entfernung des Sirius nur so hell wie der Polarstern erscheinen, nämlich als Stern 2. Größe, woraus sich ergibt, daß Sirius 27mal so hell ist wie unsere Sonne. Die Temperatur seiner strahlenden Oberfläche beträgt 10 000 Grad, während die Sonne es nur auf 5900 Grad bringt. Oestlich vom Orion leuchtet Prokyon, der Hauptstern des Kleinen Hundes. Darüber erblicken wir das langgestreckte Bild der Zwillinge Castor und Pollux, rechts davon den Stier, wo sich um den rötlichen Aldebaran die weißen Hyaden gruppieren, ein lockerer Sternhaufen in 120 Lichtjahren Abstand. Enger stehen die Plejaden oder das Siebengestirn, doch ist diese Sternwolke mindestens dreimal so weit entfernt von uns wie die Hyaden. Im Zenit glänzt die helle gelbliche Capella im Fuhrmann. Großer Sternenreichtum zeichnet diese Himmelsgegend aus, denn sie gehört zur Milchstraße, die steil im Südosten aufsteigt und vom Zenit über die Bilder Perseus, Cassiopeia, Cepheus zum Schwan im Nordwesten hinabzieht. In den frühen Abendstunden funkelt hier auch noch die blauweiße Wega in der Leier. Rechts vom Perseus erkennen wir leicht die Sternreihe der Andromeda und das Pegasusquadrat, während der Südwesthimmel von den ausgedehnten Bildern Eridanus und Walfisch eingenommen wird. Wenden wir unfern Blick nach Norden, so sehen wir den Großen Wagen bei seiner Drehung um den Pol mit nach unten weisender Deichsel aufwärts steigen. Der Kleine Wagen hängt gewissermaßen vom Polarstern herab. Um ihn schlingt sich das Sternbild des Drachen, dessen Kopf nach unten auf die dicht am Horizont befindliche Wega gerichtet ist. meinben hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Stutz, die Predigt, der Visitator eine Ansprache. Die Prüfung der christenlehr- und der schulpflichtigen Jugend erfolgte in Ulrichstein in einem besonderen Jugendgottesdienst, in Feldkrücken im Visitationsgottesdienst selbst. In den Sitzungen der Kirchenvorstände beider Gemeinden kamen verschiedene Gegenstände des kirchlichen und gottesdienstlichen Lebens zur Verhandlung; in Feldkrücken, dessen Kirche nunmehr 200 Jahre lang besteht, gab der Visitator die Anregung zu einer unbedingt erforderlichen Wiederherstellung des Inneren des Gotteshauses. Auch mit den Organisten der beiden Gemeinden erfolgten Besprechungen über die Orgeln und über die Kirchenmusik. Im Rahmen der Visitation wurden auch die Kirchenbücher, die kirchliche Ortschronik sowie die Pfarrakten einer Durchsicht durch den Visitator unterzogen. Sehr erfreulich war die gute Beteiligung beider Gemeinden an den Gottesdiensten und vor allem bei der Jugend das Ergebnis der Prüfung ihrer religiös-kirchlichen Kenntnisse. Aus den preußischen 7iachbargeb«eien. Schaffung einer Allgemeinen Ortskrankenkasse für den Kreis Wetzlar. 0 Wetzlar, 1. Jan. Auf Beschluß des Oberversicherungsamtes in Wiesbaden find die Allgemeinen Ortskrankenkassen Braunfels, Ehringshausen und Wetzlar, sowie die zum Kreis Wetzlar gehörenden Teile der Allgemeinen Ortskrankenkassen Gladenbach und Ufingen zu der Allgemeinen Ortskrankenkasse des Kreises Wetzlar.mit dem Sitz in Wetzlar vereinigt worden. Die Verwaltung der neugegründeten Kasse erfolgt durch eine Hauptstelle und vier Zahlstellen. Die Hauptverwaltung befindet sich in Wetzlar. Zahlstellen werden errichtet in Braunfels, Ehringshausen, Groß-Rechtenbach und R o d h e i m. Zum kommissarischen Leiter der neuen Kasse ist der bisherige Leiter der Ortskrankenkasse Ehringshausen, Hofmann, ernannt worden. Die Neuregelung tritt am 1. Januar in Kraft. Es handelt sich um eine Maßnahme, die auf Grund des Gesetzes über den Neuaufbau der deutschen Sozialversicherung getroffen worden ist und die in der Hauptsache die Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung auf der einen Seite und.die Erhöhung der Kassenleistungen bei niedrigeren Beiträgen auf der anderen Seite bezweckt. So konnte z. B. schon der Beitragssatz vom 1. Januar ab von 6 auf 53/< v. H. des Grundlohnes ermäßigt werden. Die neue Kaffe wird rund 15 000 Mitglieder zählen. Festnahme eines Handtaschenräubers. LPD. Frankfurt a. M., 31. Dez. In letzter Zeit wurden in den westlichen Vororten Frankfurts mehrfach Handtaschen geraubt, ohne daß der Täter bisher gefaßt werden konnte. Der Kriminalpolizei ist es nun gelungen, den Räuber in der Person des 27jährigen Hermann L i e b e ck aus Nied zu fassen. Kreis Wetzlar. * Krofdorf, 2. Jan. Am heutigen Donnerstag, 2. Januar, kann die Hausangestellte Fräulein Elisabeth M ö b u s auf eine 3 0jährige Dienstzeit im Haufe der Familie des Sanitätsrats Dr. Seipp in Krofdorf zurückblicken. Das Jubiläum beweist das gute Einvernehmen zwischen der Familie und der treuen Hausgehilfin. [D Wißmar, 1. Jan. Nach der kirchlichen Statistik wurden im Jahre 1935 in unserer Kirche 19, jedoch zwei aus unserer Gemeinde gebürtige Kinder in der Klinik zu Gießen getauft. Gestorben sind in unserer Gemeinde 20 Personen, getraut wurden 12 Paare, konfirmiert wurden 49 Kinder (33 Knaben und 16 Mädchen). Am heiligen Abendmahl nahmen 1023 Personen (416 männliche und 804 weibliche) teil. — Der hiesige Obst - und Gartenbauverein hielt bei Gastwirt W. L e i b feine gut besuchte Jahreshauptversammlung unter Leitung des Vorsitzenden Gg. T ö r n e r ab. Der Verein, der vor zwei Jahren gegründet worden war, hat unter seiner zielsicheren Leitung gute Fortschritte gemacht und sich mit seinen 200 Mitgliedern zum stärksten Verein des Dorfes entwickelt. Der Verein * hat bereits mehrere Geräte angeschafft, die allen Mitgliedern zur Verfügung stehen. Demnächst ist die Abhaltung eines Familienabends vorgesehen, ferner wird auch in diesem Jahre ein größerer Ausflug nach Geisenheim a. Rh. unternommen. Der Verein hat es sich zur Ausgabe gemacht, einen Mustergarten anzulegen. Die Versammlung wurde in der üblichen Weise geschlossen. — Infolge der günstigen Witterung sah man dieser Tage noch einige Landwirte auf dem Feld mit der Ernte von Stoppelrüben als Futtermittel beschäftigt. > Dutenhofen, 1. Jan. Bei einer Treibjagd in unserer Gemarkung wurden 59 Hasen, 6 Fasanenhähne und eine Bisamratte (wahrscheinlich handelt es sich um eine Nutria) erlegt. (t) Lützellinden, 1. Jan. Bei einer Treibjagd in einem Teil der hiesigen Feldmark, sowie in drei Waldtreiben wurden 79 Hasen, 3 Füchse und 1 Fasanenhahn zur Strecke gebracht. Die vorjährige Strecke betrug über 100 Hasen. <> Dornholzhausen, 1. Jan. Bei einer Treibjagd in einem Teil der hiesigen Feldmark und in verschiedenen Waldtreiben wurden 10 Hasen, 1 Reh und 1 Fasanenhckhn zur Strecke gebracht. Obecheffen. Dem olympischen Jahre znm Gruß! Landkreis Gießen. § Staufenberg, 1. Jan. Die hier durchgeführte Kuchen - und Gebä cksamrnlung ergab insgesamt 15 Kuchen und 21 P^und Gebäck. "Y Watzenborn-Steinberg, 2. Januar. Morgen Freitag, 3. Januar, begehen die Eheleute Konrad Röhmia und Frau Katharine, geborene Sommer, im Kreise ihrer 4 Kinder, 18 Enkel und ein Urenkel das Fest der goldenen Hochzeit. Beide erfreuen sich noch einer recht guten Gesundheit; der Jubilar steht im 77., feine Ehefrau im 73. Lebensjahre. —.— Watzenborn-Steinberg, 2. Jan. Unsere Mitbürgerin Elisabeth Häuser Witwe. Bahnhofstraße 26, begeht heute bei verhältnismäßiger Rüstigkeit ihren 81. Geburtstag. Z Lich, l.Jan. Die Ortsgruppe Lich der Nationalsozialistischen Kriegsopferversorgung beging in der festlich geschmückten Turnhalle ihre Weihnachtsfeier. Ortsgruppenobmann Schmidt gab nach dem Eröffnungsmarsch und Einmarsch der Fahne seiner Freude darüber Ausdruck, daß die Mitglieder, selbst aus den weiter entfernten Orten Nieder- und Ober- Bessingen, so zahlreich der Einladung der Ortsgruppe Folge geleistet hätten. Einem Prolog, gesprochen von dem Sohn Wilhelm des Obmannes Schmidt, folgte die Theateraufführung „O du selige Weihnachtszeit", ein Strauß deutscher Weihnachtslieder in szenischer Darstellung. Mit Begeisterung brachten alle Mitwirkenden das schöne Spiel zur Aufführung. Das Töchterchen Edith des Stützpunktleiters Carl (Ober-Beffingen) und Hilde Rinker (Ober-Bessingen) trugen zur Verschönerung der Feier durch den Vortrag zweier sinniger Weih- nachsgedichte bei. Die Bedeutung von Blut und Boden für unser Volk brachte in eindrucksvoller Weise das Theaterstück „Wohl dem, der eine Heimat hat" zum Ausdruck. Aus den vorn Stützpunktleiter Helmut Walter Carl (Ober-Bessingen) verfaßten und Dorgetragenen Gedichten „Glaube, Wille, Friede" und „Weißt du es noch" klang das gewaltige Fronterlebnis des Weltkrieges und das Gelöbnis zu friedvoller Mitarbeit an Volk und Vaterland. Zwischen den einzelnen Darbietungen erklangen gemeinsam gesungene Weihnachtslieder. Ein gemütliches Beisammensein vereinigte die Besucher noch einige Zeit in echter Kameradschaft. Für die Kinder der Mitglieder fand eine Feier mit Bescherung statt. )( L ich, l.Jan. Eine schöne kirchenmusikalische Feier wurde unserer Gemeinde in unserer Stiftskirche geboten. Orgelspiele, Chor- und Einzelgesang, sowie Gemeindelied wechselten miteinander ab. Als Solistin war Frau Marie Wagner (Lich) gewonnen worden, die, von Organist Stein begleitet, mit ihrer gut geschulten, reinen und den großen Raum der Kirche füllenden Stimme Weihnachtslieder von Franck, Reger und Cornelius zu Gehör brachte. Organist Stein, der auch den Kirchenchor und die Chorschule mit bekannter Meisterschaft leitete, spielte den Orgelchoral „In duld jubilo“ von I. S. Bach, „Heilige Nacht, Hirtenmusik" von Bartmus, „Andante pastorale“ von Herzog und zum Schluß „Pastorella“ von I. S. Bach und brachte damit wieder einmal unser prachtvolles Orgelwerk zur vollen Geltung. Der Kir - chenchor sang sehr schön und innig „Lobet den Herren, ihr Heiden all" nach einem Tonsatz von Vulpius (1609) und eine Weise der böhmischen Brüder „Preis, Lob und Herrlichkeit" in der Vertonung von I. S. Bach. Die Chor schule ließ ihre zarten und reinen Kinderstimmen in wer alten Weihnachtsliedern erklingen und durfte auch den Reinertrag der Veranstaltung für ihre Kasse verbuchen. Die Feier versetzte die Gemeinde noch einmal in die rechte Weihnachtsstimmung. EU Hungen, 1. Jan. Der Meisterprüfung haben sich im Jahre 1935 mit Erfolg unterzogen: Ernst Kohlheyer, Schmiedemeister; Willi L i n d, Schuhmachermeister; August Vogt, Bäckermeister. <5 Villingen , 1. Jan. Die Gemeinde Vil- lingen hat im Laufe des vergangenen Jahres u m - fa 'ngreiche Arbeiten zur Ausführung bringen lassen, die dem ansässigen Handwerk'und Gewerbe lohnende Beschäftigung gaben. Der Kirchturm, der schon geraume Zeit sehr reparaturbedürftig war, ist mit einer neuen Schiefereindeckung versehen worden. Gleichzeitig wurden die an sich schlechten konstruktiven Teile des Turmes durch Einbau neuer und Auswechselung schadhafter Hvlz- teile verbessert, wodurch nicht zuletzt der ganzen Turmkonstruktion eine erhöhte Sicherheit gegeben wurde. Durch Anlegen eines bisher noch fehlenden Blitzableiters wird der Kirche der notwendige Blitzschutz gewährt. Ebenfalls konnten hierbei das an der höchsten Spitze des Turmes befindliche Wahrzeichen der Kirche — ein schöner, in gotischen Stilformen gehaltener Gockel — und das Zifferblatt der Kirchenuhr einer eingehenden Überholung unterzogen werden. Alles in allem bietet nun die Kirche ein sehr freundliches Bild ländlichen Friedens und ländlicher Sicherheit. In Verfolg dieser Arbeiten wurde das Rathaus, dessen stilvolles Fachwerk leider unter einer starken Mörtelschicht verdeckt dem Beschauer nicht zu Gesicht kommen kann, im Innern einer gründlichen Renovierung unterzogen. Harmonisch gehaltene Farbtöne lassen nun die Räume in ihrer Schlichtheit voll und ganz auf den Beschauer wirken. Besondere Erwähnung verdienen hierbei die in dem Amtszimmer des Bürgermeisters befindlichen alten Stühle, die als Produkte eines vergangenen Jahrhunderts bestes Zeugnis handwerklichen Schaffens ablegen und nun in ihrer Farbenfrische dem Raume ein besonderes Gepräge geben. Nicht unerwähnt sollen weiterhin die von Meister Heßler nach Entwürfen des staatlichen Hochbauamtes Gießen ausgeführte Ausmalung der Schrankfüllungen bleiben. Geben sie doch bestes Zeugnis von handwerklichem Können und lassen darüber hinaus ländliches Schaffen in geschmackvoller und kunstvoller Ausgestaltung anregend und verständniserweckend auf die ländliche Bevölkerung einroirfen. Die Putz- und Anstreicherarbeiten wurden von den Weißbindermeistern Heßler und Bender zur Ausführung gebracht. Die Leitung dieser Gesamtausführungen lag in den Händen des staatlichen Hochbauamtes Gießen. Die Kanalisation des Ortes, die ebenfals in Angriff genommen wurde, schließt den reichhaltigen Rahmen dieser großzügigen Arbeitsbeschaffung ab. Kreis Alsfeld N. Flensungen, 1. Jan. Am Sonntagmorgen stürzte im hiesigen neuen Eisensteinbergwerk ein Bagger in einen alten Stollen. Da an diesem Tage nicht gearbeitet wurde, kam glücklicherweise niemand zu Schaden. Erst nach langer, mühevoller Arbeit gelang es, den Bagger wieder aufzustellen. Kirche und (5d>ule. Kreis Schotten. (]) Ulrichstein, l.Jan. Durch den Dekan des Evangelischen Dekanats Schotten, Dekan Widmann (Schotten), fand am Sonntag nach Weihnachten hier und in der kirchlich mit Ulrichstein verbundenen Nachbargemeinde Feldkrücken eine ordentliche Kirchenvisitation statt. In beiden Ge- Die vierjährige Spanne der X. Olympiade, die wir 1932 durch die Spiele von Los Angeles in unvergeßlich schöner Weise feiern durften, ist vorüber. Die XI. Olympiade hebt an, und mit ihr das Jahr, in dem die Olympische Glocke mit ihrem ehernen Klang die Jugend der Welt zu friedlichem Wettstreit der Kräfte nach Berlin ruft. Nur wenige Wochen trennen uns noch vom Beginn der Olympischen Winterspiele in Garmisch- Partenkirchen, die den XI. Olympischen Spielen im August in Berlin vorausgehen. Die ersten ausländischen Wettkämpfer, die an den Winterspielen teilnehmen werden, find bereits in Deutschland eingetroffen. Inmitten < einer Welt, die von Unruhen und Gegensätzen erfüllt ist, hat sich die unter dem Zeichen der fünf Ringe stehende Weltgemei.nschast des Sports nicht nur der Angriffe zu erwehren vermocht, die aus den Lagern der Politik gegen sie herangetragen wurden, sondern sie steht heute mächtiger, gesünder und in sich geschlossener da als je zuvor. 49 Nationen rüsten sich für die Entsendung starker Sportmannschaften zum festlichen Treffen in Berlin und über die Hälfte von ihnen wird schon in Garmisch-Partenkirchen vertreten sein. Mit lebhafter Anteilnahme verfolgt die Oeffentlich- keit der gan.^Ai Welt die sportlichen Vorbereitungen. Die Olympischen Komitees finden bei Gönnern und Freunden des Sports materielle Unterstützung, und in zahlreichen Ländern tragen auch die Negierungen zur Aufbringung der für die Olympia-Expedition erforderlichen Mittel bei. Der Führer Deutschlands und die deutsche Regierung tun alles, um dem Weltfest die höchste Würde und Weihe zu geben. Nach dem einhelligen Urteil der vielen Sportführer aus aller Welt, bi? wir im vergangenen Jahr bei uns zu begrüßen die Freude hatten, sind nie zuvor Kampf- und Wohnstätten für die olympischen Spieler in solcher Zweckmäßigkeit, Größe und Schönheit bereitgestellt worden. Alle Vorbereitungen baulicher und technischer Art schreiten planmäßig voran. Das deutsche Volk in Stadt und Land sieht den Spielen in freudiger Erwartung entgegen, zu herzlicher Gastfreundschaft für jeden bereit, der zum Olympischen Fest zu uns kommt. Möge das neue Jahr, das erste der XI. Olympiade, einen guten Verlauf der olympischen Wettkämpfe und Festlichkeiten und damit die Erfüllung des Wünschens und Sehnens bringen, das wir für die deutsche Jugend wie für die Jugend aller teilnehmenden Länder, diese stolze Hoffnung der Menschheit, hegen. Glückauf das Olympia-Jahr 1936! H. v. Tschammer und Osten, Reichssportführer. Präsident des Deutschen Olympischen Ausschusses. Dr. Th. L e w a l d , Präsident des Organisationskomitees für die XI. Olympiade Berlin 1936. Aus Verbänden ist ein Bund geworden. Der Reichssportführer über die Aufgaben des deutschen Sports. „Wir stehen an der Schwelle des für uns so bedeutungsvollen Jahres 1936. Unter den Glocken, welche das neue Jahr begrüßen, wird zum ersten- male auch die Olympische ihre erzene Stimme erheben. Sie ruft die Jugend der Welt nach Deutschland, in unser Deutschland, das wir mit heißem Herzen lieben und dem all unser Tun gilt. 1933 war dgs Jahr des revolutionären Umbruchs, 1934 das der Planung, das abgelaufene Jahr war das Jahr der Formung, 1936 treten wir in das Jahr der Bewährung, und ich weiß, wir find gerüstet. Nicht nur, weil wir uns bemühten, unsere Männer und Frauen möglichst leistungstüchtig zu machen, sondern weil wir unsere Pflicht gegenüber unserem ganzen Volk getan haben. Aus 300 und mehr Verbänden ist ein Bund geworden. Lebendige Kraft und ein heiliger Eifer durchpulsen ihn. Der Wille zur Gemeinschaft des Volkes hat ihn gebaut. Der heiße Atem der nationalsozialistischen Bewegung hat seinen inneren Gehalt bestimmt. Ihr Männer und Frauen, wo Ihr auch schafft für die Leibesübung, haltet diesem Bund die Treue. Schenkt ihm Eure ganze Liebe. Wer immer ihm in echter nationalsozialistischer Gesinnung dient, der tut sein Werk am Aufbau der deutschen Volkskraft und damit am Staate Adolf Hitlers. In unserem Werk sind die Olympischen Spiele nur ein einmaliges Ereignis. Wir haben unsere ganze Kraft aufgewandt, unter den Nationen ehrenvoll zu bestehen. Nur wenige Wochen trennen uns von den Winterspielen und die Zeit bis zu den Sommerspielen zählen wir auch nur noch nach Monaten. Ihr, meine jungen Kameraden, die Ihr Deutschland in den Olympischen Kämpfen- vertreten sollt, seid größtenteils geboren in den Jahren tiefsten deutschen Elends und maßloser Entbehrungen. Ihr habt es schwerer als die Vertreter der meisten anderen Nationen. Euer Wille muß deshalb doppelt so stark und der Einsatz doppelt so groß sein. Ich weiß, Ihr tut Eure Pflicht, Ihr seid alle Kämpfer, die uns Ehre machen werden, auch dann, wenn Talent Natur und glückliche Umstände den anderen den Sieg schenken. Denn in dem Kampf um die Idee eines deutschen Reichs leibestüchtiger Brüder und Schwestern werdet Ihr stets Sieger bleiben. Mit Euch marschiert unser sieben Millionen Volksgenossen umschließender Bund in das Jahr der Bewährung. Es wird viel von uns verlangen, und wenn es sich zu Ende neigt, werden wir die Hände nicht in den Schoß legen dürfen, denn unser Bund hat kein endliches Ziel. Seine Aufgabe ist es, den Vormarsch der ewig jungen Kräfte unseres Volkes mit vorzutragen. Wir sind uns des Glücks des Stolzes und der Verantwortung bewußt, an diesem Vormarsch teilzuhaben." Anordnung des Aeickssporiführers. Die Presse st elle des Reichssportführers teilt mit: „Für die Zeit des Uebergangs in den Zustand der Einheit der deutschen Leibesübungen war die Betrauung besonderer Beauftragten für die Umerziehung der Massen der Geführten notwendig. Die Zeit des Ueberganges ist beendet, die Zeit der Bewährung hyt begonnen. Die Führung der Sportgaue steht fest. Deshalb hat der Reichssportführer sämtliche Kreisvertrauensmänner seiner Beauftragten von ihren Pflichten zum 1. Januar 1936 entbunden und ihnen für ihre freudige Mitarbeit gedankt. . Gleichzeitig gilt, diese Maßnahme der Vereinfachung der Verwaltung und der Befreiung der Vereine von Verwaltungslasten, die im Laufe der Einrichtung des DRL in den Einzelheiten des Betriebes immer weiter fvrtschreiten wird." * Die Goldene Ehrennadel der DSB. wurde dem Leichtathletiksportwart des Kreises Starkenburg, Heinz Lindner- Darmstadt verliehen. Lindner war früher einer der besten Langstreckenläufer in Süddeutschland. Zu seinen zahlreichen Schülern gehört u. a. auch der deutsche Meister über 10 000 Meter, Heiner Haag. ( Eröffnungs-Skispringen auf der Olympiaschanze ganisations-Komitee seine Pflicht erfüllen werde. Ser Paarlaus in den Olympischen Winter-Wettbewerben men worden ist. Der Facharntswart hat nicht ein- Jhr sehr ergebener sorgfältiger Prüfung an Hand einwandfreier Unterlagen aufgestellt. So klaffen in der Rekordliste noch gez.: Daniel I. Ferris, Secretary-Treasurer.' bei den schlechtesten Wetter- Dank gebühre dem deutschen Wehrmacht, die in vorbild- die Olympiaschanze sprung- Auch von den Ausländern fach di."bLh'LgH."İKb°stz°°,7n'7l/'Lr°rd- L“ eine ftarte Mannschaft zu- übernommen, sondern die neue Liste auf Grund sammenzustellen. Zu den Veranstaltungen der Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen, in denen das Streben nach Formschönheit zu besonderem Ausdruck kommt, gehört der Paarlauf. Für uns Deutsche ist dieser Wettbewerb vor allem auch deshalb von hervorragender Bedeutung, weil das deutsche Paar Ernst Baier (Berlin) und Maxi Herber (München), die Europameister, zu den besten Hoffnungen berechtigt. — (Schirner-M.) Sandiner in Hamar Schnellster. In Hainar, dem Hauptquartier der norwegischen Eisschnelläufer, das auch die deutschen Meisteriäufer Willi Sandtner und Heinz Sarnes zu Trai- ningszwecken aufgesucht haben, fand Silvester ein 1500-Meter-Rennen statt, an dem sich die beiden Deutschen auszer Wettbewerb beteiligten. Dabei erzielte Willi Sandtner in 2:34,8 die weitaus beste Zeit. Sieger des Wettbewerbs wurde der Norweger Arve Sinnerud in 2:37,6, während Heinz Sarnes 2:41,4 benötigte. Weder Staksrud noch Eugnesstangen hatten sich am Start eingefunden Ungarischer 10 000-INeter-Rekord. Im Rahmen eines Kunstlaufens in Budapest wurden auch Schnellaufwettbewerbe durchgeführt. Dabei stellte der Ungar Hidveghy über 10000 Meter mit 18:51 einen neuen Landesrekord auf. Ein verdienter hessischer Turnveteran. Der Gaukassenwart des Gaues XII Hessen, Wilhelm Herzog-Kassel, kann in diesen Tagen auf eine 25jährige Tätigkeit in seinem turnerischen Ehrenamte zurückschauen. Bürooberinspektor i. R. Wilhelm Herzog, der jetzt fast Siebzigjährige, ist ein Muster eines aufrechten deutschen Turners,, der heute noch in verantwortungsvollem Ehrenamte im Dienste seiner Turnsache steht. Er wurde 1910 Kreiskassenwart des ehemaligen Oberweser-Kreises der DT. und blieb in diesem Amte, als bei der Neugliederung 1933 der neue Gau XII Hessen entstand. Am Auf- und Ausbau des neuen Gaues hat der noch jugendfrische Jubilar an hervorragender Stelle verdienstvoll mitgearbeitet. Die Deutsche Turnerschaft hat an Wilhelm Herzog schon vor 8 Jahren ihre höchste Auszeichnung, die Ehrenurkunde, verliehen, und die preußische Staatsregierung erkannte seine Verdienste auf dem Gebiete der Leibesübungen durch Verleihung der Staatsplakette an. Die erste amtliche Liste der Staffel-Schwimmrekorde. Nach der Einführung amtlicher deutscher Rekorde im Staffelschwimmen liegt nunmehr die erste amtliche Liste der deutschen Staffelrekorde vor. Sie ist bei weitem nicht so umfangreich, wie von den beteiligten Vereinen hier und da vielleicht angenomerhebliche Lücken, denn bei den Männern stehen von 22 Höchstleistungen noch sechs offen, bei den Frauen von 20 sogar 14, doch wird sich das Bild schon in nächster Zeit fraglos erheblich abrunden. Von den 16 anerkannten Staffelrekorden der Männer gehören neun dem Bremischen Schwimm- Verband, drei Hellas-Magdeburg, zwei dem Magdeburger SC. von 1896, je einer dem 1. Frankfurter SC. und dem SV. Gladbeck von 1913, während die sechs Frauenrekorde durchweg von Nixe Charlottenburg gehalten werden. Ein Dankschreiben der amerikanischen Schwimmer. Die Arnateur-Athletik-Union der Vereinigten Staaten sandte dem Deutschen Schwimm-Verband folgendes Dankschreiben für die Aufnahme der amerikanischen Schwimmer in Deutschland auf ihrer Europareise: „Ich bin erfreut zu hören, daß Sie mit den Leistungen, die die amerikanischen Schwimmer auf ihrer Reise durch Deutschland gezeigt haben, recht zufrieden gewesen find. Sie kehrten vor einigen Tagen nach Hause zurück, voll des Lobes über die glänzende Aufnahme, die ihnen in Ihrem Land zuteil geworden ist. Wir werden alle Hebel in Bewegung fetzen, um für die im nächsten Sommer in Berlin stattfinden- großen friedlichen Wettstreit der Olympischen Spiele in Garmisch-Partenkirchen sein werden. Auch der Präsident des Organisationskomitees, Dr. Ritter von Halt, sprach einige Worte zu den anwesenden Skikameraden. Dieser Sprunglauf, so führte er aus, mußte die einwandfreie Beschaffenheit der Schanze auch Verhältnissen beweisen. Arbeitsdienst und der licher Zusammenarbeit fertig gemacht haben. habe er nur Worte der Anerkennung gehört, und er glaube, somit die Gewißheit zu haben, daß auch bei öen Olympischen Spielen im Februar das Or- Das internationale Eröffnungsspringen auf der Großen Olympiaschanze bei Garmisch-Partenkirchen am Neujahrstag wurde in jeder Hinsicht ein großer Erfolg. Tausende von Zuschauern strömten zu der Anlage am Gudiberg und Hunderte von Autos füllten bald den Parkplatz zu Füßen der großartigen Anlage. Trotz der frühlinghaften Wärme war die Sprungschanze sehr gut hergerichtet, so daß sogar in drei Gängen gesprungen werden konnte. Allerdings war der Schnee für Rekordsprünge etwas zu stumpf, und es gab im Knick zahlreiche Stürze. Von der Plattform des Anzeigeturms aus verfolgte der Reichssportführer mit seinem Stab das Springen, an dem erstmals auch Oesterreicher und Schweizer teilnahmen. Der beste Mann des Tages war Birger Ruud, der Olympiasieger von 1932. Er sprang hier besser, als man ihn je zuvor in Deutschland gesehen hat. In wunderbarer Skiführung sprang er 7 2, 8 2 und 78 Meter weit, oein eleganter, schmalspuriger Aufsprung, dabei in den Hüften balancierend, begeisterte die Zuschauer. Nicht viel schlechter war sein Landsmann Randmond Soeren- s e n, er hatte aber das Pech, nach einem 71-Meter- Sprung im ersten Durchgang bei 82 Meter im zweiten zu stürzen, so daß er trotz eines guten 78-Meter-Sprunges beim dritten Versuch für die Placierung nicht mehr in Frage kam. Von den Deutschen war Toni Bader-Partenkirchen ganz überragend mit Sprüngen über 67, 69, 77 Meter. In seiner eleganten Haltung und seinem sicheren Aufsprung stand er den Norwegern kaum nach, nur in der Weite war er etwas schlechter. Der beste Oesterreicher war der 17iährige Jungmann Bradl- Mühlbach, der allerdings bei seinem zweiten Versuch bei 82 Meter stürzte und damit um seine Aussichten kam. Bei den Schweizern war vor allem die stark betonte Knickhaltung vorherrschend, die sie fömlich auf der Luft liegend zeigte. Am meisten ausgeprägt war diese Haltung bei Bühler, der 64, 69,'67 Meter sprang. Marcel Raymond kam auf 66, 76, 70 Meter. Sehr sicher sprang Alfred Kleger mit 59, 60 und 61 Meter. Der Amerikaner Durrance zeigte wenig Absprung, dagegen gute Haltung und einen sicheren Aufsprung. Von den Deutschen sprang hervorragend Ha selbe r g e r (Traunstein) mit 63, 77, 77 Meter. Günther Meergans (Riesengebirge) erregte durch eine saubere Vorlage und schmalspurigen Aufsprung Aufsehen (57, 67,' 73 Meter). Hans Marr (Oberhof) kam um feinen Erfolg durch seinen Sturz bei 71 Meter, sprang bann sehr gut 80 und 74 Meter. Auch Stoll stürzte nach 66 und 73 Meter im letzten Durchgang bei 80 Meter, lleberragenbes Können zeigte Loisl Kratzer mit Sprüngen über 76, 72, 75 Meter. Max OT ein bi erreichte 64, 74 und 73 Meter. Bei den I u n g fh a n n e n gefiel deutscherseits am besten der 16jährige Hans Karg (Partenkirchen), in dem uns ein Springer von großer Klasse heranreift (59, 67, 63 Meter). Zu bemerken ist, daß sich die Oesterreicher begeistert über unsere Olympiaschanze, auf der sie zum erstenmal sprangen, aussprachen. Sie erklärten, daß die Schanze im Gegensatz zu anderen großen Anlagen sehr leicht zu springen sei. Die preisvcrfeUung. Bei der Preisverteilung begrüßte der Reichssportführer herzlich die ausländischen Münn- fchaften und kam dabei auf den erzieherischen und völkerverbindenden Wert- des Sports zu sprechen Hier im harten, aber friedlichen Wettkampf zeigt sich wahre Kameradschaft. Diese Kameradschaft aller Sportler, gleichviel, welcher Nation, trägt mehr denn alles zum Frieden unter den Völkern bei. Deutschland ist bereit, zum restlosen Gelingen dieser Olympischen Spiele seine ganze Kraft einzusetzen. Es empfängt seine Sportfreunde aus allen Ländern, bietet ihnen Gastfreundschaft und fühlt sich glücklich, durch Ausrichtung der Olympischen Spiele seinen Beitrag zum Frieden aller Völker geben zu können. Die Olympischen Winterspiele vom 6. bis 16. Februar 1936 in Garmisch-Partenkirchen sind der Auftakt des Olympiajahres. In ihrem Rahmen nimmt b*r Skilauf einen Erftplatz ein. Dem Reichssportführer ist es schon heute eine Freube, zu wissen, baß viele ber Kämpfer, bie heute ihr Bestes eingesetzt haben, in wenigen Wochen roieber zum Eamera muß nach Abessinien. Seinerzeit war ber italienische Boxriese Prirno Camera wegen seiner ungewöhnlichen Körperausmaße vom Militärbienst befreit worben. Jetzt hat man ben einstigen Weltmeister aber doch eingezogen. Camera muß zunächst für 60 Tage mit einem Ge- birgs-Artillerie-Regiment ben Felbzug in Abessinien mitmachen. Die mit Lonboner unb Pariser Veranstaltern gepflogenen Verhanblungen hat Camera baraufhin abgebrochen. Nachdem er feiner Militärpflicht genügt hat, will Camera roieber nach Amerika fahren. Kurze Sportnotizen. Ein Fußball-Stäbtefpiel führte am Neujahrstag in Offenbach bie Mannschaften von Frankfurt/Offenbach und Kassel zusammen. Die Mainischen siegten durch je drei Tore von Staab- Fechenheim und Simon-Offenbach sowie einen Treffer des Offenbachers Keck mit 7:0 (3:0). Die Deutschen Hallentenni s-M elfter« schäften werden vom 20. bis 26. Januar in ber Bremer Tennishalle abgewickelt. Titelverteibiger finb G. von Gramm (Männereinzel), Hübe Sper- lina-Krahwinkel (Fraueneinzel), Cramm/Henkel (Männerboppel), Krahwinkel/Horn (Frauendoppel) unb Krahwinkel/Bernarb im Gemischten Doppel. Der Spengler-Pokal fiel erneut an bie Eishockeymannschaft der Diavoli Rosso Neri Mailand. Das Endspiel zwischen Mailand und dem Veranstalter HC. Davos endete unentschieden 2:2. Davos verzichtete auf Fortsetzung des Kampfes, fo daß der Sieg wieder an die Italiener fiel, die schon im Vorjahre Sieger des Turniers geworden waren. Die Platzfperre von „Hessen" Bad Hersfeld, die wegen der Vorgänge nach dem Meisterschasts- fpiel Hersfeld — Hanau ausgesprochen worden war, ist durch den Rechtswart des Gaues Nordhessen wieder aufgehoben worden. * Einen deutschen Rugbysieg gab es am Neujahrstage in Chalon durch eine aus Heidelberger und Frankfurter Spielern bestehende süddeutsche Auswahlmannschaft, die eine Mannschaft des Comite Burgund mit 8:0 (8:0) besiegte. Das Treffen routbe acht Minuten vor Schluß wegen des starken Regens abgebrochen. Dem Spiel wohnten 6000 Zuschauer bei. Albert Richter, der Kölner Berufsfahrer, war der erfolgreichste internationale Flieger in der beendeten Rennzeit der Sommerbahnen. Richter hak insgesamt 23 Rennen gewonnen und elf zweite, acht dritte und fünf vierte Plätze belegt. Weltmeister Scherens-Belgien folgt mit 22 Siegen, 12 zweiten, fünf dritten und vier vierten Plätzen an 2. Stelle. Don ben übrigen beutschen Berufsfliegern stehen ber Kölner Steffis, fein ßanbsmann Engel unb ber Kölner Rieger auf dem achten, neunten bzw. zwölften Platz. Oer Bahnbau Haiger—Babenscheid—Breitscheid. Beseitigung einer gefährlichen Autofalle. LPD. Dillenburg, 1. Jan. Die Kreisoer- waltung des Dillkreises teilt mit, daß als eine der größten und wichtigsten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für das Jahre 1936 die Fortführung der Bahnlinie Haiger — Rabenscheid nach Breitscheid bezeichnet werden müsse. Nachdem im Jahre 1935 die nicht ganz leichte Finanzierung gelungen sei, dürfte das Jahr 1936 die Inangriffnahme dieses Projektes bringen. In diesem Zusammenhang weist die Kreisverwaltung u. a. auch auf bedeutungsvolle, zu Ende geführte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen im Jahre 1935 hin, für deren Durchführung rund 275 000 Mark aufgewandt worden finb, die zum großen Teil von der Reichsanftalt für Arbeitslosenversicherung im Wege ber Grundförberung aufgebracht würben. Für ben Kraftwagenverkehr von großer Bebeutung war der Ausbau des Landweges Haigerseelbach— Kalteiche. Diese neue Straße ermöglicht nunmehr die Umgehung des für den Autoverkehr fo gefährlichen Ällendorfer Berges auf der Hauptverkehrsstraße Dillenburg—Siegen. Anstatt über Allendorf, kann man jetzt, in Haiger abzweigend, über Haigerseelbach allmählich ansteigend auf die Kalteiche gelangen. TotaLAusverkaufe zu stark ermäßigten Preisen! 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Näh. in der Geschäftsst. des Gieß.Anz. 77390 Lenksam Mskrlemvm (MMuno) e.v. Kreisverband Gießen Sonntag, den 5. Januar 1936, vormittags 11 Uhr, im Gloria-palast in Gießen (Seltersweg) Vorführung des großen Kyffhäuser-Nationalfilms: Je MW Will null A" Die Vorführung ist umrahmt nut Militärmusik, gestellt vom Musikzug des Infanterie-Ngts. Gießen, unter persönlicher Leitung deS „ Obermusikmeisters Krauße. Historische Märsche, ...... Kaiser-Hackenberger Großer Kriegsmarich und Schlachtenhymne aus Nienzi... Wagner Nach dem Einzug der alten Traditionsfahnen und der Knffhäuser- Fahnen Begrüßung bind) den Kreisführer Oberst a. D. Köttschau. Eintrittspreise: 50 Pfennig,- für Angehörige von Kyffhäuser- „ Mitgliedern nur 30 Pfennig. Vorverkaufsstellen in Giesten: Beitungsverlag Albin Klein, Hindenburgwall 21 Nniformmützenhandlung Lehrmund, Bahnhofstraße Kolonialwarenhandlung Paul Schupp, Krofdorfer Straße 11 Waffenhandlung Reinig, Seltersweg Lederwarenhandlungen Röder, Kirchenplatz und Licher Straße. Wird der Gloria-Palast überfüllt, beginnt parallel laufend eine halbe • Stunde später im Lichtspielhaus (Bahnhofstraße) die gleiche Vorstellung. Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verla»s- erzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damltdurch erweitertes Wissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. - Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefteder Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag • Berlin-Lichterfelde Auch im neuen Jahre — Spare bei der WlWglW MW — - 13D 005 fioiDDlieifiien gegen öle Wlntersoot Dlonot donuar »786*4956 1 HM 3eöe Deutlöie B3oljnun05tflr trägt öleles 3elöien Der 9Df erbereltldjaH [~ Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Millimeterzeile veröffentlicht!