Nr.230 Erstes Blatt
Donnerstag, I.Gttober 1956
186. Jahrgang
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Die deutsche Währung bleibt unberührt.
Stalin und die GPU.
Von unserem P.E.-Berichiersiatter.
Deutschland w rd dank seinerDevisenbewirtschastung eine stabileWirtschastsgrundlage behalten
Berlin, 30. Sept. (DNB.) In der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank gab Reichsbankpräsident Dr. Schacht eine Erklärung über die deutsche Auffassung zur Währungslage ab. In der Erklärung heißt es:
Die französische Regierung hat am 27. d. M. der Reichsregierung die von den drei Regierungen in Paris, London und Washington veröffentlichte Erklärung über die Abwertung des französischen Franken zugehen lassen und hat dabei besonders die Aufmerksamkeit gelenkt auf den Absatz 5, in dem die Mitwirkung der übrigen Nationen bei der Durchführung der in der Erklärung formulierten Politik gewünscht und angesucht wird. Dieser Umstand und die Tatsache, daß die Abwertung des französischen Franken erhebliche Rückwirkungen auf die Gestaltung der internationalen Wirtschafts- und Währungsbeziehungen haben muß, legt es nahe, die deutsche Auffassung in dieser Angelegenheit gleichfalls der Oeffentlichkeit zur Kenntnis zu bringen.
Die in der Erklärung der drei Mächte bekundete Absicht, „den Frieden zu wahren, die Schaffung von Bedingungen zu begünstigen, die am besten zur Wiederher st ellung der Ordnung in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen beitragen können, und eine Politik zu betreiben, die auf die Entwicklung des Wohlstandes in der Welt und auf die Besserung des Lebensstandards der Völker abzielt", entspricht vollinhaltlich dem Wunsche und Willen, den der Führer und Reichskanzler in seinen wiederholten feierlichen Erklärungen namens der Reichsregierung vor der Weltöffentlichkeit zum Abdruck gebracht hot. Ich verweise zum Beleae dessen nur auf die Re.chstagsrede vom 21. Mai 1935 mit ihrem Bekenntn s zur wirtschaftlichen Zusammenarbe t und auf die diplomatische Rote der Reichsregieru^g vom 31. März 1936, die einen umfassenden Fru ensplan enthielt.
Wenn die Dreimächtee 'lärmig es als eines der ständigen Ziele ib r Politik bezeichnet, „das größtmögliche Gleichgewicht auf dem internationalen Währungsmarkt zu erhalten", so wird diese Erklärung von uns gern begrüßt, kann aber leider den Hinweis darauf nicht verhindern, daß durch die englische sowohl wie die amerikanische Abwertung das wirtschaftliche Gleichgewicht der Welt auf das empfindlich sie gestört worden ist. Das wird indessen die deutsche Regierung nicht abhalten, ihrerseits alle Bestrebungen zu unterstützen, die nach der Dreimächteerklärung bezwecken, „nach und nach, mit dem Ziel der völligen Beseitigung, das gegenwärtige Kontingentierungsund Währungskontrollsystem zu mildern". Wenn an solchen Absichten die Abwertung des französischen Franken und ihre Modalitäten gemessen werden, so muß leider festgestellt werden, daß an der Unsicherheit der internationalen Währungslage durch diesen Schritt wenig geändert worden ist. Ja, während der Block der Goldländer bisher wenigstens für seinen Bereich Stabilität gewährleistete, so ist nunmehr auch diese verschwunden, nachdem die Bewertung des französischen Franken die Abwertung der Schweiz und der Niederlande nach sich gezogen hat. Das Währungsabkommen zwischen den drei Mächten sieht nicht einmal innerhalb dieser drei Währungen ein gegenseitiges f e st e s Verhältnis vor. Ebensowenig haben die Schweiz und Holland ein solches hergestellt, so daß d i e Unstabilität gegenüber dem bisherigen Zustande noch vermehrt worden ist. Es gibt im Augenblick, nachdem die früher allgemeine Verknüpfung mit dem Golde aufgehoben ist, außer in Deutschland und drei oder vier anderen Ländern keine Währung in der Welt mehr, die prinzipiell eine feststehende lage hätte, vielmehr sind sämtliche übrigen Währungen teils innerhalb gewisser Grenzen, teils unbeschränkt willkürlichen Manipulationen ihrer Regierungen unterworfen und haben ganz überwiegend auch untereinander fein festes Verhältnis.
Wenn wir deshalb auch nicht an den Erfolg solcher nicht aufeinander abgestimmter Maßnahmen glauben, so ist Deutschland doch weit entferrck davon, die Maßnahmen, die die itj«eren
rung glaubt hat tre fen zu niusien, zu kritisieren oder in irgendeiner Weise zu stören Iw^ Gegenteil kann es nur sehr willkommen sein, wenn der von der französischen Regierung laut ihrer Er- klärung gewünschte Erfolg eintre en und nsbeson dere die internationale ^ayiun^s- s i ch e r h e i t und Z a h l u n g s f r e l h e l t wie» der erreicht würde. Auch fühlen wir durchaus die Pflicht, zu prüfen, durch welche etwa,^gen Maßnahmen unsererseits wir zu der Erreichung dieses Zieles beitragen können.
Reichsregierung und Reichsbank sind bei dieser Prüfung ohne Schwanken zu der Entschließung gekommen, daß wir die durch die Abwertungsmaßnahmen des Auslandes erhöhte Unsicherheit des mternationalen Verkehrs nicht noch dadurch vermehren wollen, daß auch wir ein unsicheres Element in die Währungslage hin- eintragen. Die Länder, die mit uns handel treiben, sollen wissen, daß wir gerade in bet Beständigkeit eine unerläßliche Gvundlage des internationalen Verkehrs sehen. Wir wünschen aber, daß nicht nur das Ausland dies erkenne, sondern es soll auch der deutsche Sparer und Arbeiter sicb darauf verlassen können, daß die nationalsozialistische Regierung seine Kaufkraft und seine Arbeitsleistung in ihrem vollen Werte zu erhalten wünscht. Wenn gelegentlich auch von den deutschen Interessenten der Wunsch nach einer Abwertung der Reichsmark laut wird, so möchte ich das Gewicht der Gründe hierfür nicht dadurch übertreiben, daß ich gegen sie im einzelnen polemisiere. Ich möchte für Deutschland vielleicht nur eines sagen, daß das Devisenbewirtschaft ungssy st em, dessen Unbequemlichkeiten und Wängel wir jederzeit anerkannt haben, durch keine bloße Abwertung überflüssig gemacht werden könnte. Die schwere, aus dem Versailler Unrecht entstandene Schuldenlast und die Schwierigkeiten unserer Rohstoffbeschaffung
zwingen zu ihm. Erst deren Milderung wird die deutsche Devisenkontrolle entbehrlich machen. An der Lösung dieser Frage aber hängt nicht nur das wirtschaftliche Wohlergehen Deutschlands, sondern auch aller der Länder, die an einem aufnahmefähigen Markt von 70
Millionen Menschen interessiert sind.
Wir sind uns völlig bewußt, daß die gegenwärtige internationale Währungslage uns schwere Opfer auferlegt, aber kein Druck wird die Reichsregierung veranlassen, etwas zu tun, was gegen die Interessen ihres eigenen Volkes und Landes ist. Dagegen wird die Reichsregierung jederzeit bereit sein, an zweckdienlichen internationalenDer- handlungen teilzunehmen, die unter selbstverständlicher, auch in der Währungserklärung der drei Mächte betonter, Wahrung der nationalen Interessen einem freien, internationalen Wirtschafts- und Zahlungsverkehr zustreben. Sollte sich im Anschluß an das Vorgehen der drei Mächte eine solche Möglichkeit ergeben, so werden wir das begrüßen und zu erneuter Prüfung bereit sein. Inzwischen können und werden wir die Entwickelung in aller Ruhe ansehen und unsere Entscheidungen jeweils nach freiem Willen treffen. Dank unserer Devisenbewirtschaftung haben wir unter der nationalsozialistischen Regierung die ganze Zeit hindurch eine stabile Wirtschaftsgrundlage in unserer Währung gehabt und werden sie behalten. Dieser ungeheure, für Erzeuger und Verbraucher gleich wichtige Vorteil wiegt alle mit der Devisenbewirtschaftung verbundenen Unbequemlichkeiten auf.
Das Programm des Erntedanktages.
Der Führer wird auf dem Bückeberg zum deutschen Volke sprechen.
Auftakt in Hannover.
Kirchohsen, 30. Sept. (DNB.) Der diesjährige Erntedanktag wird eingeleitet durch einen Empfang von Abordnungen des Reichsnährstandes in der Stadthalle Hannover, gegeben von der Reichsregierung, die durch Reichsminister Dr. Goebbels vertreten wird. Die Abordnung setzt sich zusammen aus je zwei Bauern aus jeder Landesbauernschaft, die besondere Verdienste in der Erzeugungsschlacht aufzuweisen haben. Ferner gehören der Abordnung neben zehn landwirtschaftlichen Facharbeitern, wie Schäfer, Gärtner usw., 13 Landarbeiter an, deren Familien sich als besonders bodenständig erwiesen haben. Im Laufe des Samstagabend und in der Nacht zum Sonntag treffen auf den Bahnhöfen rund um den Bückeberg die zahlreichen Sonderzüge mit Festteilnehmern aus allen Teilen des Reiches ein. Die Sonderzugteilnehmer werden, soweit sie bis 5 Uhr ankommen, in Privat- und Maüenquartieren untergebracht und verpflegt.
Am Sonntag, dem 4. Oktober, beginnt gegen 7.30 Uhr der Aufmarsch der Volksgenossen von den Bahnhöfen und von den Quartieren zum F e st p l a tz auf dem B ü ck e b e r g. Um den auf dem Berg den Beginn des Staatsaktes erwartenden Festteilnehmern die Zeit zu verkürzen werden auf großen Podien am Fuße des Berges Darbietungen bäuerlicher Tanz- und Spielgruppen abrollen. Mehrere Musikkorps der Wehrmacht werden abwechselnd mit dem Sängerkreis Hameln-Pyrmont musikalische Darbietungen bringen. Der Aufmarl'-b wird etwa um 11 Uhr beendet sein. Längs des Mittelweges, der — erhöht angelegt — zur oberen Tribüne führt, werden bäuerliche Tracbtengruppen aus allen Gauen Spalier bilden. Am Fuß'des Berges finden ein Ehrenbataillon der Wehrmacht sowie Ehrenstürme der SA., des NSKK., des Reichsarbeitsdienstes und der SS. Aufstellung.
Der Führer lvricht.
Gegen 12 Uhr wird der Führer auf dem Kundgebungsgelände einfreffen. Während er die Front der Ehrenformationen abschreitet, feuern die Batterien der Salutabteilung 21 Schuh Salut. Dann begibt sich der Führer, allen auf dem Bücke- berg versammelten Volksgenossen sichtbar, mit feiner Begleitung auf dem Wittelweg zur oberen Tribüne. Nach feiner Ankunft auf der höhe des Berges wird Reichsminister Dr. Goebbels den Staatsakt mit einer kurzen Eröffnungsansprache eivleiten. Anschließend übergibt eine saarländische Vauernabordnung dem Führer eine Erntekrone. Gleichzeitig singt der gemischte Lhor des Sänger- freifes Hameln-Pyrmont „Die Hymne an die deutsche Erde". Die Wiederholung des Liedes soll von allen Volksgenossen mifgefungen werden. Dann folgen etwa eine halbe Stunde lang S ch a u- Übungen der Wehrmacht unter Einsatz fast aller Truppengattungen. Danach begibt sich der Führer wieder über dem Mittelweg an den Fuß des Bückeberges. Nach einer kurzen Rede des Reichsobmannes des Reichsnährstandes Pg. Weinberg wird sich der Führer von der unteren
Rednertribüne in einer Ansprache an dle versammelten Volksgenossen wenden. Die Kundgebung wird gegen 14 Uhr beendet sein. Sie wird von allen Reichssendern übertragen.
Ausklang in Goslar.
Am Abend des 4. Oktober wird der Erntedanktag mit einer Feier in Goslar abgeschlossen werden. Gegen 17 Uhr werden die Ehrenabordnungen der deutschen Bauern, die von dem Staatsakt auf dem Bückeberg kommen, in Goslar eingetroffen fein. Sie begeben sich zu Fuß durch die Straßen der altehrwürdigen Stadt zur Kaiserpfalz, wo sie gegen 19 Uhr vom Führer empfangen werden. Um 20 Uhr wird der Führer von der Terrasse der Kaiserpfalz den Zapfen st reich der Wehrmacht, ausgeführt von fünf Trompeterkorps, entgegennehmen. Die Feier wird durch ein großes Feuerwerk be, endet. Am Abend wird in der Stadthalle in Goslar ein fröhliches E r n t e f e st, veranstaltet von der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" in Zusammenarbeit mit der Reichspropagandaleitung der NSDAP., den Erntedanktag 1936 ab- schließen.
Hymne an die deutsche Erde. „Ausschneiden, zumBückeberg mitnehmen!"
DNB. Ki r ch o h s e n. Beim diesjährigen Erntedanktag wird anläßlich des Staatsaktes auf dem Bückeberg von einem Gemischten Chor in Stärke von etwa 400 Männern und Frauen die „Hymne an die deutsche Erde" — Worte von Heinrich A n a ck e r , Musik Ernst Hanfstaengl — vorgetragen. Der Text lautet:
„Sei gepriesen, deutsche Erde, bii> uns Frucht getragen!
Immer neu dein Wunder werde bis zu fernsten Tagen;
aus den schweren goldnen Aehren flechten wir die Krone — hohe Freude winkt uns heut' der Müh' zum Lohne."
Alle Besucher des Staatsaktes auf dem Bückeberg werden gebeten, bei der Wiederholung des Liedes diesen Text m i t z u s i n g e n.
Das deutsch-schweizerische Transfer- und Fundierungsabkommen gekündigt.
Berlin, 30. Sept. (DNB.) Die deutsche Reaie- rung hat am Mittwoch das deutsch-schweizerische Transfer- und Fundierungs-Abkommen vom 17. April 1935 zum 31. Dezember 1936 gekündigt. Diese Kündigung war bereits bei den Verhandlungen in Bern im Juni und Juli dieses Jahres in Aussicht gestellt worden. Gleichzeitig hat die deutsche Regierung sich zu neuen Verhandlungen über die Regelung des Kapitaldienstes nach der Schweiz bereiterklärt.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Warschau, 29. Sept. 1936.
Als nach dem Bluturteil gegen die sechzehn neuesten Gegner Stalins aus der allein herrschenden kommunistischen Partei in Sowjetrußland und nach ihrer Hinrichtung die ausländische Presse schrieb, dieses sei nur der Beginn einer neuen großen Säuberung und einer letzten Abrechnung des Georgiers mit seinen Widersachern, als sie von einer immer tiefer greifenden Gärung in dem Lande, von Bauernunruhen und Arbeiteropposition sprach und meldete, daß innerhalb der führenden Schichten selbst Umgruppierungen vor sich gehen, und die Unzufriedenheit weiter und weiter um sich greift, da taten die bolschewistischen Staatslenker dieses mit der Redensart ab, es „seien nur Kombinationen, die samt und sonders ins Reich der Fabel gehören". Im großen Schattenreich jenseits der polnischen Ostgrenze aber hob eine Pressefehde gegen das „übelwollende Ausland" an, dem man vorwarf, haltlose Gerüchte zu verbreiten, um damit das Ansehe« der Sowjetregierung zu schmälern und ihre außenpolitischen Kreise zu stören.
Inzwischen ist aber ein Monat ins Land gegangen. Und welches Bild bietet die angeblich so festgefügte Sowjetunion der Welt? Schritt um Schritt mußte die Sowjetpropaganda vor den positiv belegten Nachrichten zurückweichen, mehr und mehr mußte sie zugeben, daß etwas faul ist im Staate, der von dem Georgier so selbstherrlich regiert wird, und immer eindringlicher stellte sie ihre eigenen Berichte darauf ab, daß eine tiefe Erschütterung durch das Land, durch die Partei, ja durch ihre höchsten Spitzen geht. Die Revolten der roten Armee wurden abgeleugnet — zugleich verfügte aber das Kriegskommissariat, daß die neueinberufenen Rekruten einem zehnfach verschärften Verhör auf ihre politische Zuverlässigkeit hin unterworfen und daß alle zurückgewiesen werden, die aus diesem Fegefeuer des Parteiexamens nicht als „Otlitschniki", als einwandfrei ergeben, hervorgehen; die Bauernunruhen und die heraufrückende Hungersnot bezeichnete man als Ausgeburt einer feindlichen Phantasie — zugleich aber mußte man Angstverkäufe von Vieh durch öie Äolchosniki, die Kollektivbauern, zugeben und eingestehen, daß ein großer Teil der Ernte als verloren anzusehen ist, ja daß sogar die nächstjährige Ernte schon jetzt bei der Haltung der Bauern und dem amtlichen Schlendrian aufs höchste gefährdet erscheint; die Opposition in weiten Parte i k r e i s e n stritt man ab und war bestrebt, die Säuberung als eine normale Maßnahme hinzustellen — zu gleicher Zeit aber berief man immer neue Diplomaten aus dem Auslande nach der roten Hauptstadt, verhaftete man immer neue prominente Parteimitglieder und kerkerte sie ein, drückte man immer schärfer auf die Kommunisten und Nichtkommunisten, um jeden Widerspruch und jeden Widerstand im Keime zu ersticken; und schließlich erklärte man, daß Stalin selbst sich der besten Gesundheit erfreue — hintenherum sozusagen, in stillem Parteikämmerlein, werden aber schon heute Anstalten getroffen, um die Beute zu teilen, wenn „der Schöpfer der Stalin-Epoche — Stalin selbst", „der große Führer der Menschheit", und „der Wohltäter der Werktätigen in der ganzen Welt" zu seinen Vätern versammelt wird. Ueberall in der Sowjetunion flüstert man es, und so leise es geraunt wird, dringt es doch auch über die unferne polnische Grenze, daß sein alter Leibarzt Prof. Smirnow abgesetzt ist und an seiner Stelle drei andere Professoren berufen wurden, da auch der Aufenthalt im Kaukasus ihm nicht die erhoffte Heilung gebracht hat.
Vorläufig freilich liegen Beweise dafür vor, daß er von seiner sehr vitalen Initiative und seinem energischen Reinhauen noch nichts verloren hat. Denn die Aenderung, die dieser Tage in der Sowjetregierung erfolgt ist, ist nur a u f Stalin selbst zurückzuführen. Niemand anders als er konnte es wagen, den allmächtigen Chef „des I n n e n k o m m i f f a r i a t s", das auch unter diesem tarnenden Namen die Ueberlieferung der alten Tscheka fortgeführt und ihre Methoden verfolgt hat, fortzujagen, den Genossen Herschel Iehuda - I a g o d a aus seiner Festung auf der Lubjanka zu entfernen und ihn auf dem Posten des Verbindungskommisfars kaltzustellen. Und I e - fchow, der Getreuesten und Ergebensten einer, kann ebenso nur durch ihn zu dessen Nachfolger bestimmt worden sein, wie schließlich die Entfernung R y k o w s , des alten „Ministerpräsidenten" aus Lenins Zeiten, nur feiner Hände Werk ist.
Die amtlichen Stellen in Moskau lehnen irgendeine Stellungnahme zu dieser aufsehenerregenden Aenderung ab. Das ist nicht weiter auffallend. Die amtlichen Stellen haben bis auf den heutigen Tag so viel abgelehnt, was das Ausland leichter auf die richtige Spur führen könnte, daß sie in dieser Ablehnung schon einige Hebung haben. Aber was sie nicht ablehnen und nicht verschleiern können, ist der Hintergrund — der Hintergrund in der Partei und im Lande, und der Hintergrund, den der Kamps um die Macht im Gegenwärtigen und im Zukünftigen in der Sowjetunion bietet. Die Namensänderung Rykow — Jagoda — Jeschow bedeutet gewiß keinen grundsätzlichen Wechsel in der Richtung. Er bedeutet aber etwas, da Jagoda, nach Stalin selbst einer der mächtigsten Männer in der Sowjetunion, betroffen ist, — und er bedeutet unendlich viel — ja, er kann den Anfang noch weitergehender Ereignisse bilden, wenn man bedenkt, daß es die GPU. ist, deren Leitung erneuert wurde und die also unmittelbar in den Strudel hineingezogen wurde. Es dürfte klar fein,
Nift es eben bie|ei Wechsel in der GPU. und nur er ist, der die ganze Umgruppierung veranlaßt hat.
Daß man mit Rykow nicht mehr viel Federlesens macht und ihn einfach in der namenlosen Masse untertauchen läßt, nimmt nicht Wunder. Nachdem es anscheinend in den Prozehverhcmd- langen doch nicht gelungen ist, ihn so ausreichend zu belasten, daß die Anklageerhebunq gegen ihn sich machen ließe, hat man diesen Weg gewählt, um das ehemalige Mitglied des Politbüros und den einstmals nach Lenin mächtigsten Mann der Union zu verdrängen. Rykow ist heute ein toter M a n n. Sein Zeitalter war freilich schon längst vorüber. Auf dem harmlosen und einflußlosen Posten eines Kommissars für Post und Telegraphie hat er sowieso feinen Schaden mehr anrichten können. Jedoch war anscheinend allein fein Anblick dem Georgier eine dauernde Mahnung an jene Zeit, als er selbst noch ein kleiner ungekannter und unbekannter Mensch war, der irgendwo in der Provinz saß, der im Stillen zäh ringen mußte, während die Großen in Moskau herrschten. Als es ihm, dem Georgier Stalin-Dschugaschwili, dann gelungen war, sich bis an die Spitze durchzuarbeiten, hatte er im Politbüro neben sich die sechs anderen: Lenin, Sinowjew, Kamenew, Tornski, Bucharin und Rykow. Die vier ersten sind heute tot, Bucharin spielt nur die Rolle eines, wie man in der Sowjetunion zwar wenig geschmackvoll, aber um so treffender zu sagen pflegt, „S p e i ch e 11 e ck e r s", während Rykow nun in der Versenkung verschwunden ist.
Sein Los erinnert an das Schicksal eines anderen Großen der Sowjetunion, des „letzten Aristokraten", des früheren Außenkommifsars Tschitscherin. Nachdem dieser von seinem ellenbogenstarken Nebenbuhler Litwinow - Finkel st ein endgültig verdrängt worden war und die Regierung alle seine Angaben auf Ausreisegenehmigung abgelehnt hatte, sank er immer tiefer und wurde eines Tages in schwer angetrunkenem Zustande in einer dunklen Straße aufgefunden. Man brachte ihn in ein Krankenhaus, wo er langsam dahinsiechte. Auch Rykow ist als Trinker bekannt — selbst der Schnaps wird in Sowjetrußland nach ihm „Rykowka" genannt, ebenso soll er an einem schweren Leiden erkrankt sein. Sic transit gloria mundi...
Obwohl die wahren Gründe des erzwungenen Rücktritts Jagodas und feiner Ersetzung durch Jeschow noch unbekannt sind und man sie nur ahnen kann, ist indessen dieser Wechsel das wichtigste Stück der Aenderungen in Moskau. Noch vor Monatsfrist wurde Der polnische Jude Herschel-Jehuda von Stalin mit außerordentlichen Vollmachten ausgestattet, „um der Schlange der Opposition den Kopf zu zertreten". Er zog damals in die Lubjanka ein und fügte zu den Millionen Opfer der GPU.-Tscheka neue tausende, er wütete ärger als es Stalin selbst je vermocht hätte und seine Schergen führten ein Terrorregiment wie nie zuvor. Der Mann von mittlerem Wuchs mit den dunklen stechenden Augen und dem schwarzen Haar gab die Parole aus: „Jeder Schein eines Wider st andes wird m i t bem Tode bestraft, und es darf keine Kugel gespart werden, um die Feinde des Regimes auszurotten". Jagoda, der noch bei Dserschinski und Men- schinski in die Schule der Tscheka gegangen ist, war wegen seiner Blutrünstigkeit auch in den Kreisen der Partei gefürchtet. Seit 1922 in der Tscheka, war er während der schweren Erkrankung Men- schinskis seit 1924 ihr tatsächlicher Leiter und als solcher zeichnet er auch verantwortlich für alles, was die GPU. auf dem Gewissen hat. Was hat ihm den Hals gebrochen?
Noch wütete Jagoda, noch rottete er die Feinde Stalins aus und watete durch ein Meer von Blut und Tränen, als eines Tages bekannt wurde, daß die Kremlwache, also die Leibwache des Diktators selbst' gemeutert hat. Einige wollen wissen, daß sie lediglich mit der Bauernpolitik Stalins unzufrieden gewesen ist, nach einer anderen Lesart sollen allerdings Anschlagpläne aufgedeckt worben sein. Die Wahrheit wird hier wohl nicht zu erfahren sein Noch konnte die Beunruhigung über dieses Ereignis nicht überwunden werden, als aus verschiedenen Gegenden der Union Meldungen im Kreml eintrafen, die davon Kenntnis gaben, daß auch d i e Abteilungen ber GPU. nicht von „dem Gift der Trotzki-Verehrung und des Trotzkismus" frei seien, daß bald hier, bald dort Verbindungen zwischen diesem Eckpfeiler des Stalinschen Regiments und den Trotzkisten aufgedeckt wurden, und diese Tatsache soll nicht zuletzt dazu beigetragen haben, daß Stalin einerseits in den letzten Wochen immer öfter an den üblen Erstickungsanfällen zu leiden hat, während er auf der anderen Seite bei diesem Stand der Dinge scheut, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen.
Es dürfte schwer fallen, Dichtung und Wahrheit auf diesem Gebiet auseinanderzuhalten. Daß in Moskau etwas v 0 rgeht, daß die Gärung im Lande und die Umschichtungen in Partei und Staat immer weitere Kreise ziehen, daß etwas im Entstehen begriffen ist, was sich heute bis in seine letzten Folgen noch nicht vorausahnen läßt, daß die Ereignisse an den Grundlagen von Partei und Staat rütteln, — das wird man wohl annehmen können. Daß die GPU., der stärkste Pfeiler des Stalinschen Machtgebäudes, nicht mehr zuverlässig ist, läßt Schlüsse darauf zu, wie sehr die Gärung in die Tiefe gedrungen ist. Seit dem Bestehen der Tscheka ist zum erstenmal ihr Leiter verjagt worden. Nimmt man hinzu, daß die Verhaftungen unter der roten Generalität weiter gehen, daß also der zweite Eckpfeiler, die rote Armee, ebenso verseucht ist, so wird man ermessen können, welchen Auswandes an Energie und brutalem Machtwillen es beim Diktator bedarf, um fein Regiment weiterzuführen. Mit Jeschow ist nicht nur ein Stalin blind ergebener Mann, sondern zum erstenmal in der Geschichte der Tscheka auch ein Russe auf ihren Thron gelangt. Wir werden sehen, ob es ihm gelingt, was dem skrupellosen Juden mißlungen ist.
Auch Habef verhaftet?
Paris, 30. Sept. (DNB.) Wie der „Matin" berichtet, scheint sich das Gerücht zu bestätigen, daß der als Deutschenhasser bekannte sowjetrussische Jude Radek, Chefredakteur der „Jswestija" nun doch im Zusammenhang mit dem Trotzkistenprozeß verhaftet worden ist; er wird sich zu verantworten haben wegen Teilnehmerschaft an den Trotzki-Umtrieben und vor allem deswegen, weil er nicht zur rechten Zeit die Plane Sinowjews aufgedeckt habe, obwohl sie ihm bekannt waren.
Der Abrüstungsausschuß des Völkerbundes wieder eingesetzt.
Genf, 30. Sept. (DNB.) Das Präsidium der Dolkerbundsverfammlung hat entsprechend dem Antrag der nordischen Staaten und Hollands beschlossen, den Ausschuß für Ab-
Konflikt zwischen Kammer und Senat.
Oie vom Senat verlangten Aenderungen der Währungsvorlage werden von der Kammer abgelehnt.
Caillaux fordert Erhaltung des sozialen Friedens.
Scharfe Kritik an den Plänen des Kabinetts Blum.
Paris, 30. Sept. (DNB.) Die Bedenken des Senats gegen zahlreiche Bestimmungen der Gesetzesvorlage kommen in der Stellungnahme des Finanzausschusses zum Ausdruck. Der Finanzausschuß ist der Ansicht, daß der vorliegende Regierungsentwurf in Wirklichkeit keine A n - gleich ung der Währung bringe, da die Voraussetzung dazu eine fefte Bindung an a n - dere Länder zur Aufrechterhaltung derer Währungen sei. Gewiß habe man mit den anderen Regierungen verhandelt, aber förmliche Verpflichtungen schienen von diesen nicht ein- gegangen worden zu sein. Die Währungsvorlage bringe keine Ersparnisse, sondern sehe nur Ausgaben vor. Sie' enthalte keine Maßnahmen zur Verhinderung eines schnellen An st eigens der Einzelhandelspreise. Die ungenügende Sparsamkeit in der öffentlichen Verwaltung, die andauernden sozialen Unruhen und das Zurückgreifen auf Vorschüsse der Bank von Frankreich könne die Rückkehr zum Währungsfrieden nicht fördern. Hingegen drohe die Inflation. Kapitalabflüsse blieben weiterhin möglich, wodurch der Ausgleichsfonds und damit die Bank von Frankreich geschwächt werden würden. Die Goldvorräte der Bank von Frankreich blieben daher ebenfalls weiterhin^ gefährdet. Der Finanzausschuß schlug eine
neue Fassung des Artikels 6 (internationale Zahlungsverpflichtungen auf Goldbasis) und Artikel 8 (Aufhebung der Einlösungspflicht von Banknoten in Gold) sowie der Bestimmungen über die Beschlagnahme von Gold vor. Die Regierung müsse Zusicherungen geben über die Art, wie sie den sozialen Frieden wahren und dem Sparkapital wieder Vertrauen einflößen wolle. Der Präsident des Finanzausschusses des Senats, Caillaux, rief: „Wir wollen nicht nur Zusicherungen, sondern Verpflichtunge n."
Ministerpräsident L6on Blum
machte den Senat auf die Tragweite dieser Entscheidung aufmerksam, weder die Regierung noch die Kammer würde diesem Vorgehen zustimmen. Der Erfolg der Abwertung hänge von der Wiederherstellung vertrauensvoller Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ab. Der Versuch der Volksfrontregierung gelte der Feststellung, wie weit der soziale Fortschritt innerhalb des republikanischen Regimes verwirklicht werden könne. Der Senat müsse sich darüber im klaren sein, daß ein Scheitern dieses Versuches für Frankreich sehr schwerwiegend sein würde.
Der Vorsitzende des Senatsausschusses C a i l - laux bestand aus Abtrennung der Artikel 14 bis 25, obgleich nach dem Ministerpräsidenten auch noch der Fiuanzminisler und der Landwirtschaflsminister sich für die Annahme dieser Artikel eingesetzt hallen. Der Senat schloß sich jedoch mit erdrückender Mehrheit der Auffassung Caillaux' an und beschloß
dle Abtrennung dieser Artikel. Der Wortlaut der abgeänderten Gesamtvorlage wurde sodann mit 141 gegen 125 Stimmen bei zahlreichen Stimmenthaltungen angenommen. Die abgeänderte Vorlage wurde hierauf der Kammer zur zweiten Lesung zugeleitet. Die Kammer hat kurz nach 2 Uhr nachts mit 351 gegen 217 Stimmen die Währungsvorlage in der vom Finanzausschuß der Kammer wieder hergestellten Fassung angenommen und sich dann auf Donnerstag um 11.30 Uhr vertagt. Die Kammer hat also im Einvernehmen mit der Regierung d i e Forderungen des Senats abgelebt, fo daß ein Konflikt entstanden ist, dessen Lösung noch nicht abzusehen ist.
Der frühere Handelsminister Senator Ray- naldy hofft durch einen Vorschlag den Konflikt mit der Regierung und der Kammer mildern Ml können. „Petit Journal" berichtet, Raynaldy werde den Senat zur Annahme einer Ausgleichsformel in der P reis- und Lohnfrage bewegen, die vor jeder Entscheidung die Zustimmung des nationalen Wirtschafts- rate s vorsehe. Die Forderung des Senates nach neuen vom Parlament zu bewilligenden Gesetzen würde damit hinfällig. Aber, so fragt das Blatt, würden die 'Kommunisten und die marxistischen Gewerkschaften sich darauf ein« lassen? Die Haltung der marxistischen Presse, dis den Sieg der Volksfront über einen „reaktionären" Senat gehörig feiere, fei in dieser Richtung nicht gerade ermutigend.
rüftungsfragen, der seit fünf Jahren nicht mehr getagt hat, wieder einzusetzen. Seine Aufgabe soll es sein, Vorschläge für die Wieder- ingangsetzung der Abrüstungskonfe- r e n z zu machen. Man erwartet, daß die Arbeit sich auf der Grundlage bewegen werde, die in den Reden des englischen und des französischen Außenministers enthalten sind.
General Franco znm spanischen Staatschef ernannt.
SLJean be Cu3,30. Sept. (DRV.) Die nationalen Rundfunksender haben am Mittwochnachmittag eine Verordnung der nationalen Regierung bekanntgegeben, durch die General
V
Franco als Chef der Regierung und des spanischen Staates erklärt wird. Die Sender haben diese Rachricht mit einer Würdigung der eindrucksvollen Persönlichkeit General Francos begleitet.
*
Nationalistische Truppenabteilungen, deren Aufgabe die Ausräucherung der letzten kommunistischen Nester in der Provinz Badajoz war, haben in Granja de Torrehermosa unbeschreibliche Greuel- taten der Roten aufgedeckt. Ein Mann, Vater mehrerer Kinder, war von einem Balkon in die Tiefe gestürzt. Als die Verbrecher sahen, daß ihr Opfer noch Lebenszeichen von sich gab, verabreichten sie ihm mehrere Kampfereinspritzungen, um ihn nach seinem Erwachen aus der Bewußtlosigkeit von neuem quälen zu können. Beim Einmarsch fanden die Truppen der Nationalisten an der Friedhofsmauer die Leichen von neun Männern, elf Frauen und zwei Kindern, die sämtlich furchtbar verstümmelt waren. Es wurde festgestellt, daß die Männer durch Axthiebe niedergeschlagen und darauf durch Bauchschüsse getötet worden sind. Die Leiche eines fünfjährigen Kindes wies Quetschungen und Knochenbrüche am ganzen Körper auf. Man schließt daraus, daß das Kind von seinen Peinigern an den Beinen herumgeschleudert worden ist, bis sein Körper an einer Wand zerschmetterte. Erwiesen ist, daß neben zahlreichen Frauen auch ein zehnjähriges Kind geschändet worden ist. Die ärztlichen Gutachten, begleitet von Photographien, werden vom Pressebüro der 2. Division in Sevilla in die ganze Welt verschickt werden, damit sich auch die letzten Zweifler von dem wahren Gesicht der roten Mordbrenner und ihrer Moskauer Mitspieler überzeugen können.
Japan wünscht direkte Verständigung mit China.
Gegen britische Beeinflussung.
Tokio, 1. Oft. (Ostasiendienst des DNB.) Das japanische Außenamt veröffentlichte eine ungewöhnlich scharse Erklärung gegen eine R e u- ter-Meldung aus London, die sich mit angeblich japanischen Forderungen an China befaßte. Die Reuter-Meldung hatte behauptet, daß Japan das Recht der Unterhaltung einer Besatzung an Jangtse, die Kontrolle über die chinesischen Schulbücher sowie die Autonomie für Nordchina verlange. Das japanische Außenministerium bezeichnet diese Meldung als frei erfunden und als böswillige Propaganda zu dem Zweck, die chinesisch-japanischen Beziehungen zu stören.
Gleichzeitig wird bekannt, daß das japanische Außenamt dem japanischen Botschafter in Nanking Richtlinien für feiner Verhandlungen mit Tschiangkaischek hat zugehen lassen. Es handele sich dabei nur um die Ausrottung und Kontrolle der japanfeindlichen Bewegung in China, die Herstellung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Japan und China und die Losung aller schwebenden Fragen auf dem Wege der Ver- ständigung. Wenn die Presse richtig unterrichtet ist, so erwartet Japan, daß Nangking alle Geheimverbände, die als Träger der japan- feindlichen Agitation anzusehen seien, auf lo st und ihre Leiter ungeachtet ihrer Stellung entläßt, daß die Lehrmittel, der Unterricht — und überhaupt die ganze Erziehung in China auf den Gedanken einer Verständigung mit Japan ausgerichtet werden. Die erstrebte Verständigung müsse unter Ausschaltung einer Einflußnahme von dritter Seite, die eine Zusammenarbeit Chinas mit Japan, wie Beispiele zeigten, verhindern wolle, erfolgen.
Zuerst müsse eine Verständigung über wirtschaftliche Fragen erzielt werden. Japan feien dabei besondere Rechte in Nordchina int Interesse beider Länder einzuräumen, und zwar hinsichtlich des Ausbaues der Bahnen, der Häfen, der Straßen und der Industrieanlagen sowie der Ausbeutung der Bodenerzeugnisse. Ein hierdurch gestärktes und gefestigtes Nordchina werde gleichzeitig das beste Bollwerk gegen den Bolschewismus sein, dessen gemeinsame Bekämpfung das große Ziel des Dreiländerblocks China-Japan-Mandfchukuo werden müsse. Der wichtigste Teil im Norden falle dabei den Japanern zu. Schließlich sei die Einrichtung japanischer Schutzwachen in den Städten am Hangtse unnötig, wenn die Nanking-Regierung den Willen habe und in der Lage sei, die Japaner in China zu schützen. Zur Unterstützung Nankings behalte sich die japanische Regierung vor, wenn nötig, denSchutzderJapaner selbst zu übernehmen. Als letzte Aufgabe werde die Erneuerung der Grenzverträge in Nordchina zu erwägen fein, wenn Nanking dazu durch Anerkennung des Dreiländerblocks die Voraussetzung schaffe.
Der Völkerbundskommisso. Lester aus Danzig abberus ’ <>A/.
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Der internationale Antorenkongreß in Berlin.
Empfang bei Minister Or. Frank. — Urheberrechtliche Weltkonvention geplant.
Aus Anlaß des 11. Internationalen Kongresses der Autoren und Komponisten veranstaltete der Präsident der Akademie für Deutsches Recht, Reichsminister Dr. Frank, einen Empfang, an dem zahlreiche Teilnehmer, an ihrer Spitze der Präsident des Kongresses, der ita- lieniscke Propagandaminister. Exzellenz Al fier i, teilnaymen Zu dem Empfang waren u. a. erschienen: Reichsjustizminister Dr G ü r t n e r, der Präsident der Reichsfilmkammer Professor Lehnich, Botschaftsrat Magistrati, der italienische Geschäftsträger in Berlin, Hauptamtsleiter Dr. D r e s- l e r.
In einer Ansprache begrüßte der Präsident der Akademie für Deutsches Recht,
Aeichsmimster Dr. Frank,
die Anwesenden als Gäste des deutschen Rechts- lebens. JDie Akademie für Deutsches Recht habe, so führte er u. a. aus, in den Mittelpunkt der ihr vom Führer übertragenen Arbeiten den Schutz des geistigen Schaffens und der schöpferischen Persönlichkeit gestellt. Der Minister hob die Bedeutung hervor, die die internationale Verbundenheit der Rechtsarbeit für den Rechtsschutz der geistigen Werte habe und fuhr dann fort: Die große Frage der Rechtspolitik dieser Zeit ist angesichts der die Kultur unserer alten Kulturvölker schwerstem bedrohenden Gefahren, die, den schöpferisch und kulturell fruchtbaren Kern unserer Völker zu schützen. (Großer Beifall.) Es ist das höchste Zeichen der
Kultur der Gesetzgebung eines Landes, diese Gesetzgebung nicht so sehr in den Dienst der vergänglichen materiellen Werte als vielmehr in den Dienstüer unsterblichen ewigen Werte unserer Kultur zu stellen. (Starker Beifall.) Die wahre Kultur des Rechts eines Staates erkennt man an dem Rang, den dieser Staat in feiner Gesetzgebung der Kultur und allen Kulturschaffenden zuteil werden läßt (Lebhafte Zustimmung.) Es ist daher für uns, die Gesetzgeber des Dritten Reiches, eine Ehre und Freude, daß Sie in Ihrem Kongreß gerade diefer Frage des Rechtsschutzes der geistigen Arbeit Ihre besondere Aufmerksamkeit gewidmet haben. Wir selbst können stolz auf unsere Gesetzgebung auf diesem Gebiet verweisen. Sie werden auf dem Gebiet der rechtlichen Forschungen, die Sie im Interesse der Kulturschaffenden anstellen, die volle Hnterstützung der deutschen Reichsregierung und der Akademie" für Deutsches Recht finden. (Lebhafter Beifall.) Die Welt muß aus Ihrem Kongreß sehen, daß die wahrhafte, ewige, alte Kultur unserer großen Völker lebendig ist und bleiben wird, und daß wir nur eine Aufgabe haben: in dem Schöpfer und Repräsentanten dieser Kultur den einzigen Repräsentanten der höchsten Werte unserer menschlichen Gemeinschaft zu sehen. (Stürmischer Beifall.)
Ihnen, Exzellenz A l f i e r i, der Sie einer der treuesten und stärksten Vorkämpfer der zwischenstaatlichen Zusammenarbeit auf diesem Gebiet sind (Beifall) gelten die besonderen Wünsche der deutschen Reichsregierung und der Akademie für Deutsches Reckt. Ihren Arbeiten wünschen wir den besten Erfolg? — Der Präsident des Kongresses, Exzellenz Alfieri, dankte Reichsminister Sc« Frank herzlich für die ^Begrüßungsworte.
Der Autorenkongreß hat sich u. a. auch mit einem italienischen Vorschlag beschäftigt, der die Schaffung einer Weltkonvention zum Schutze desHrheberr echtes zum Gegenstand hat. Diese Weltkonvention würde eine Zusammenfassung der jetzt bestehenden Berner Konvetion, der Konvention von Havanna und der von Montevideo bedeuten. Der Entwurf ist dem bekannten italienischen Juristen und Autor P i o l a-C a s e l l i vorgelegt worden. Weiter beschäftigte sich der Kon- greß mit einem Antrag der italienischen Regerung, der eine bevorzugt Behandlung des den Autoren zugutekommenden Devisentransfers zum Ziele hat. Es bestehen in diesem Punkte zur Zeit erhebliche internationale Schwierigkeiten, die man beseitigen möchte, um eine Störung der kulturellen Beziehungen zwischen den Völkern zu vermei- den. Die Spitzenbeträge, die sich nach der Clearing-Verrechnung zwischen den einzelnen Staaten ergeben, sollen bevorzugt behandelt werden. Dies werde nach Ansicht Der italienischen Regierung umso leichter fein, als es sich um Summen handele, die nur einen ganz unbedeutenden Bruchteil des Gesamthaushaltes der Staaten ausmachten. Ein entsprechender Bericht ist von dem Generaldirektor der italienischen Autorengesellschaft Dr. P a o l o-P i z z i n i vorgelegt worden. Der internationalen Autorenvereinigung gehört jetzt durch sein Rechtsbüro auch der Vatikan an, dessen Aufnahmegesuch gutgeheißen worden ist.
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Aus Anlaß des Autorenkongresses fand im Schloß Monbijou ein Konzert statt, das von Edwin Fischer mit seinem Kammerorchester ausgeführt wurde. Unter den Anwesenden bemerkte man den italienischen Propagandaminister Alfieri, den Präsidenten der Akademie für Deutsches Recht, Reichsminister Dr. Frank und Justizminister G ü r t n e r.
Reichsmittel für hie Neuanpflanzung von Obstbäumen.
Berlin, 30. Sept. (DNB.) Der Reichs- und Preußische Minister für Ernährung und Landwirtschaft hat für die Herbstpflanzung 1936 einen Betrag von 400000 R M. zur Schaffung von Neupflanzungen von Ob st bäumen zur Verfügung gestellt. Die Richtlinien sehen die Verwendung der Beihilfen für solche Betriebe vor, die mindestens 20 Hoch - oder Halbstämme oder 50 Buschbäume von Kern- und Steinobst umfassen. Bei der Anpflanzung von Walnußbäumen kann die Mindestzahl dec Baume auf fünf Stück herabgesetzt werden. Bewilligungen für Kunstformen find ausgeschlossen. Die Beihilfen sollen in der Regel 25 bis 30 v. H. der Anschaffungskosten der Obstbäume betragen, jedoch eine Reichsmark je Baum nicht überschreiten. Die bereitgestellten Mittel können auch dis zu 25 v. H. zur Umpfropfung von Obst- bäumen verwendet werden. Die Richtlinien schreiben ferner vor, daß bei der Neupflanzung von Obstbäumen eine Verringerung der Sorten unter allen Umständen angestrebt werden muß. Anträge auf Bewilligung der Beihilfen sind an die zuständigen Landesbauernschaften zu richten.
Erhebliche Verbesserungen im Winlerflugplan her Lufthansa.
Am 4. Oktober tritt mit dem Fahrplanwechsel Der Reichsbahn der Winterflugplan im europäischen Luftverkehr in Kraft, der bis zum 3. April 1937 Gültigkeit hat. Der Winterflugplan der Lufthansa wird erhebliche Verbesserungen bringen und damit für den Personen- und Frachtverkehr im Rhein-Main-Gebiet von großer Bedeutung fein. Schon im abgelaufenen Sommerhalbjahr war eine erfreuliche Steigerung des Flugverkehrs feftzustellen. So wurden von Mai bis August auf dem alten bzw. neuen Flugplatz in Frankfurt insgesamt 30 000 Personen abgefertigt. An der günstigen Verkehrsentwicklung ist stark auch das Hinterland Frankfurts, besonders Wiesbaden, Mainz, Darmstadt stark beteiligt.
Für Luftschiff und Flugzeug gibt es keine Konkurrenz, nur eine vorbildliche Zusammenarbeit und Ergänzung der beiden Verkehrsmittel. Während im vergangenen Winter nur sieben Linien täglich beflogen wurden, sind es in diesem Jahr insgesamt 16 Strecken. Schon daraus ergibt sich der starke Ausbau des Winterflugverkehrs vom und zum Rhein-Main-Gebiet. Erstmalig erhält u. a. das Rhein-Main-Gebiet auch während des Winters Nachtpost- und Frachtverbindungen nach Paris, Brüssel, London, Rotterdam, Am'ster-
was für iDein !
Man soll zumG lück V ertrauen h ab en.B e- sonders dann soll man nicht abseits stehen, wenn die Aussichten auf einen schönen Erfolg so gut sind, wie bei der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie.
Fast jedes zweite Los gewinnt dort: auf 800000 Lose werden 343000 Gewinne
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im Gesamtwert von RM 67591680.— ausgespielt. Der Hauptgewinn in der 5. Klasse auf ein ganzes Los beträgt RM 1000000.— und schon ein Achtellos kann RM 100000.— bringen. Dabei kostet es nur RM 3.— je Klasse, und alle Gewinne sind einkom- mensteuerfrei.
Das sind Zahlen, an die man sich halten kann — das ist ein guter Start zum Glück! Am 20. Oktober 1936 beginnt die Ziehung zur 1.Klasse der 48. Preußisch-Süddeutschen (274. Preußischen) Klassenlotterie. Lose und der amtliche Gewinnplan sind bei allen staatlichen Lotterie-Einnehmern erhältlich.
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bam, Kopenhagen, Malmö, Stockholm, Helfingfors sowie nach Berlin mit Anschlüssen nach Osteuropa und den Balkanländern. Die deutsche Trans» atlantik-Linie Frankfurt—Rio de Janeiro— Buenos Aires—Santiago verkehrt auch im Winter wie bisher.
75 Jahre »Deutsche Allgemeine Zeitung^.
Die Deutsche Allgemeine Zeitung feiert am 1. Oktober ihr 75jöhriges Jubiläum. Der Leitartikel der Jubiläumsnummer der DAZ. gibt einen interessanten Rückblick auf die Entwicklung der Zeitung, deren erste Nummer am 1. Oktober 1861 (damals als Norddeutsche Allgemeine Zeitung) erschienen war.
Die Jubiläumsnummer bringt dann ein Faksimile der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" und die Bilder der Hauptschriftleiter von 1861 bis zum heutigen Tag. Glückwünsche zum Jubiläum entsandten u. a. Ministerpräsident Göring, die Reichsminister Freiherr v. Neurath, Generalfeldmarschall von Blomberg, Graf Schwerin von Krosigk, Dr. Schacht, Seldte, Dr. Gürtner, Freiherr von Eltz-Rübenach, Dr. Frank, Staatssekretär Funk, Staatssekretär Dr. Lammers, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley, der Reichspressechef der NSDAP. Dr. Dietrich, Generaloberst Freiherr v. Fritsch, Generaladmiral R a e d e r , Gauleiter E. W. Bohle, die Botschafter von Papen und von Hassel, der Präsident des Senats der Freien Stadt Danzig Arthur Greiser und u. a. auch der österreichische Bundesminister Dr. Edmund Glaise von Horstenau. Auf dem Gebiet der Kunst und Wissenschaft verzeichnet die DAZ. Glückwünsche von Staatsrat Wilhelm Furtwängler, Hans Friedrich Blunck, Edwin Fischer, Dr. Hans Grimm, Gerhart Hauptmann und Dr. Max Halbe. Generalintendant Eugen Klöpfer, Friedrich K a y ß l e r und vielen anderen.
Oie Grabbe-Woche in Detmold.
Das Interesse an der Grabb e-W oche in Detmold ist äußerst lebhaft. Es gibt keinen Teilnehmer an der Festwoche, der in diesen Tagen nicht den stillen Friedhof an der Weinbergstraße besucht hat. Hier ruht der große Dramatiker neben seiner Mutter. Riesige Lorbeerkränze und prachtvolle Blumen schmücken die Grabstätte des Dichters. Auch die Häuser, in denen Grabbe geboren wurde, lebte und starb, sind das Ziel der Festteilnehmer. Ebenso stark ist der Besuch der von Dr. B e r g- m a n n-Weimar im Festsaal des Lippischen Landestheaters aufgebauten Grabbe-Ausstellung. Der zweite Tag der Festwoche brachte das Gastspiel des Stadttheaters Bochum. Intendant Dr. Saladin Schmitt kam mit weit über 100 Darstellern nach Detmold und brachte Grabbes fünfaktiges Drama „Napoleon oder die 100 Tage" in glanzvoller Weise zur Aufführung. Das wiederum bis auf den letzten Platz besetzte und wirkungsvoll ausgeschmückte Theater erlebte seinen bisher größten Tag. Im Verlaufe von drei Stunden rollte in 26 meisterhaft aufgebauten Bühnenbildern das Schicksal Napoleons ab. Die über alles Lob erhabene Aufführung brachte darstellerische Spitzenleistungen. Großartig gestalteten Walther Kaltheuner den Napoleon und Willi Buch den Blücher. Die Vorstellung wurde mit stürmischem und langanhaltendem Beifall ausgezeichnet. Intendant Dr. Saladin Schmitt mußte sich mit den Hauptdarstellern immer wieder vor dem Vorhang zeigen.
Die Verstärkung des Schweizer Heeres
Bern, 30. Sept. (DNB.) Der Ständerat stimmte einmütig der Vorlage über die neue Truppenordnung zu. Bundesrat M i n g e r führte u. a. aus, daß die internationale Lage, die unsicherer als je fei, die Schweiz zur Vermehrung der Verteidigungskraft der Armee zwinge.. So wichtig auch nach der Abwertung die Verteidigung des Schweizer Franken fei, der Schutzder Unabhängigkeit des Landes fei noch wichtiger. Die Reorganisation der Armee werde am 1. Januar 1938 in Kraft treten. Vorgesehen sei in der Hauptsache eine neue Einteilung der Heereseinheiten, die Verstärkung der Motorisierung und der Luftwaffe, sowie die Erhöhung der Zahl der Divisionen. Nach Durchführung der neuen Maßnahmen werde die Schweiz allen Eventualitäten gewachsen sein.
Volksspende
zum Aufbau der österreichischen Armee
Wien, 30. Sept. (DNB.) Der Staatssekretär für Landesverteidigung, General der Infanterie Zehner, hielt einen Rundfunkvortrag, in dem er die Bevölkerung ausforderte, die Ausgestaltung der österreichischen Luftwaffe durch eine freiwillige Dolksspende zu fördern. Er erklärte, daß die technische Ausrüstung der Armee in immer schnellerem Tempo vorwärtsschreite. Besondere Sorgfalt müsse der Luftwaffe zugewandt werden. Gleichzeitig veröffentlicht die „Politische Korrespondenz" einen vom Bundeskommissar für Heimatdienst Adam und dem Staatssekretär für Landesverteidigung Zehner unterzeichneten Aufruf an die Bevölkerung, der mit den Worten schließt: „Oesterreicher! Die Armee wendet sich an Euch. Sie verlangt von Euch einen Vertrauensbeweis und ein Opfer. Sie tut das, weil das Opfer nicht irgendwelchen Sonderintereffen gilt, sondern der Wehrhaftigkeit unseres Vaterland e s."
Aus aller Welt.
Die Che des Fürsten Starhemberg für ungültig erklärt.
Das geistliche Gericht bei der Erzdiözese Wien hat als erste Instanz die Ehe des Fürsten Starhemberg für ungültig erklärt. Dieses Urteil hat in Wien großes Aufsehen hervorgerufen. Starhemberg ist seit dem 4. September 1928 mit Marie Elise Altgräfin von Salm Reifferscheid t- R e i tz verheiratet. Seit zwei Jahren führte Fürst Starhemberg den Kampf um die Auslösung seiner Ehe. Er brachte eine Klage beim Kanonischen Gericht in Wien mit der Begründung ein, daß die Ehe niemals durchgeführt worden sei. Die Klage wurde abgewiesen mit der Begründung, daß die Nichtdurchführung, selbst wenn sie erwiesen sei, keinen Eheauflösungsgrund darstelle. In einer nun eingebrachten Klage erklärten beide Teile, sie hätten bei Abschluß der Ehe nie und nimmer die Absicht gehabt, ein normales Eheleben zu führen. Dieser zweiten Klage hat nun das geistliche Gericht stattgegeben mit der Begründung, daß eine solche Vereinbarung dem Sinn der Ehe widerspreche. Der Eheband-Berteidiaer hat die Berufung an das geistliche Gericht der Diözese Salzburg eingebracht, das für Eherechtsprozesse der Wiener Diözese als zweite Instanz fungiert.
Die älteste deutsche Aerztin gestorben.
Aus Bern kommt die Meldung, daß dort im Alter von 98 Jahren die ä l t tz st e deutsche Aerztin, Frau Dr. med. Mathilde Theyssen, gestorben ist. Die Verstorbene, die aus Trier stammte und erst am 7. September d. I. ihren 98. Geburtstag feiern konnte, wirkte bis Kriegsende in Straßburg, wo sie seinerzeit ausgeroiefen wurde. Sie nahm bann ihren Wohnsitz in Freiburg-Litten- weiler und später in der Schweizer Bundeshauptstadt.. Noch im vergangenen Jahre konnte sie zahlreiche Glückwünsche zu dem seltenen Jubiläum ihrer vor 70 Jahren erfolgten Promotion entgegennehmen. Frau Dr. Theyssen war die erste Frau der Welt, die den medizinischen Doktorgrad errang. Die Beisetzung ist in Bern erfolgt.
Lloyd George als Bienenzüchter.
Lloyd George eröffnete die Ausstellung englischer Imker im Londoner Kristallpalast mit einer von politischen Anspielungen gewürzten Rede. Es sei, so erklärte er, ein schlechtes Jahr für den Honig wie auch für die internationale Welt gewesen. Zu wenig Sonne habe geschienen, und weder bei den Bienen noch bei den Menschen sei viel Honig erzeugt worden. Es habe sehr viel Unruhe gegeben und mancherlei Versuche, andere Bienenstöcke zu berauben, wie das in solchen Fällen unvermeidlich sei. Unter den Imkern, die Preise erzielten, war auch Lloyd George selbst. Er erhielt zwei erste und einen zweiten Preis für feinen Honig. Für diejenigen, die diese Geschichte nicht glauben wollen, sei hinzugefügt, daß Lloyd George feit vielen Jahren Blumen und Bienen züchtet und vor etwa zwei Jahren die Bewirtschaftung eines Bauerngutes übernommen hat, dessen Erzeugnisse sich eines besonders guten Rutes erfreuen.
Ein Geschenk der Schuhsladl Pirmasens an den Führer.
Der längst erwogene Plan der Deutschen Arbeitsfront in Pirmasens, dem Führer in Dankbarkeit und Treue ein Geschenk der deutschen Schuhmetropole zu übermitteln, ist nunmehr in sinniger Weise verwirklicht worden. Fleißige Hände fertigten ein kleines Schränkchen aus kostbarem Holz mit Glaswänden und gläsernen Quer- platten, auf denen 26 künstlerisch gearbeitete Minia- tur-Schuhmodelle stehen, alles umfassend, was in Pirmasenser Fabriken hergestellt wird — vom einfachen Pirmasenser Schlappen bis zum feinsten Damenschuh und dem flotten Reitstiefel der SS. Ein Metallschildchen inmitten des Schränkchens trägt die Widmung: „Ihrem allverehrten Führer in dankbarer Treue — Arbeiterschaft und Betriebsführer der Schuhmetropole. — September 1936."
Vollstreckung eines Todesurteils.
Am 30. September ist in Leipzig der 1914 geborene Gerhard Grummet aus Leipzig hin- gerichtet worden, der am 23. Juni 1936 von dem Schwurgericht in Leipzig wegen Mordes und schweren Raubes zum Tooe und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden war. Grummet hat am 12. Dezember 1935 in dem Hauptbüro einer Papiergroßhandlung in
Leipzig, bei der er selbst beschäftigt war, nach Ge- schästsschluß den 63 Jahre alten Angestellten Paul Nocke ermordet und das von Nocke verwahrte, der Firma gehörige Geld geraubt.
Ueberschwemmungen in Mexiko.
Starke Regengüsse in den letzten Tagen riefen in den Nordstaaten von Mexiko große Ueber. schwemmungen hervor. In den Ortschaften San Jose de Gracia und Nicolas Bravo im Staate Durango sind drei Menschen ertrunken, während 19 bei den Verwüstungen, die das Hochwasser anrichtete, verletzt wurden. Auch aus anderen Teilen Mexikos laufen Nachrichten ein, denen zufolge Todesopfer zu beklagen sind. Der angerichtete Sachschaden ist ebenfalls beträchtlich.
hauseinsiurz in Insterburg.
In Insterburg (Ostpr.) erschütterte ein schwerer Sprengschlag die Lindenstraße, so daß alle Fensterscheiben zertrümmert wurden. Als sich die Sprengwolke verzogen hatte, gewahrte man, daß ein großes Haus einge stürzt war. Die Trümmer versperrten die ganze Straße. Die umliegenden Häuser wurden zum Teil schwer beschädigt. Bisher wurden zwei Leichtverletzte geborgen. Während der Aufräumungsarbeiten brach Feuer aus, das die Bergungsarbeiten außerordentlich erschwerte. Ob sich noch Menschen unter den Trümmern befinden, kann derzeit nicht festgestellt werden. Als Unglücksursache vermutet man eine Explosion von Kohlensäureslaschen
Wetterbericht
des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.
Nach der besonders starken Abkühlung in der Nacht zum Mittwoch fetzte zunächst eine Zufuhr feuchtmilder Meeresluft ein, die leichte Unbeständigkeit bedingte. Inzwischen ist erneut Kaltluft auf das Festland vorgestoßen, in deren Bereich in den nördlichen Teilen Deutschlands bereits Aufheiterung einsetzte. West- und Südoeutschland befinden sich dagegen heute früh in einem lang ausgedehnten Regengebiet, das mit der Verdrängung der feuchten Meeresluft in Zusammenhang steht. Voraussichtlich wird sich noch am Donnerstag Besserung durchsetzen, die vielerorts durch Nebelbildung gestört sein wird und für längere Zeit niederschlagfreies Wetter bringen wird.
Aussichten für Freitag: Vielfach dunstig oder neblig, sonst aufheiternd und im allgemeinen trocken, nachts wieder etwas frischer, Winde um Nord.
Aussichten f ü r Samstag: Vielfach dunstig oder neblig, sonst wieder etwas unbeständiger.
ßuftemperaturen am 30. September: mittags 13,9 Grad Celsius, abends 8,9 Grad; am 1. Oktober: morgens 8,9 Grad. Maximum 13,9 Grad, Minimum heute nacht 7,8 Grad.
Hauptschriftleiter Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Fr. W. Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VIII. 36: 9350. Druck und Verlag: Brühl'fche Univerfitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags
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Nr. 250 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheßen)
Donnerstag, (.Oktober 1936
Vom Autor und vom Urheberrecht
Zur Tagung des LL. Internationalen Kongresses der Autoren und Komponisten.
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Das Gausachamt 1 Turnen tagte in Kassel
auch beide
Dies der Sinn des Zusammenschlusses in den Verwertungsgesellschasten im allgemeinen und der gegenwärtigen Tagung im besonderen. Und mir, die wir die Genießenden der Dichtungen und Musikwerke sind, können wohl nur den einen Wunsch haben, daß es durch diese Tagung zu einer Einigung aller Glieder der Kette kommt.
Daß sich der Kongreß mit dieser Urhebersrage nicht erschöpft, sei ergänzend hinzugefügt; daß er sich nicht im Stofflichen (Materiellen) festrennt, dafür bürgt die glückliche Zweiheit, daß sowohl der italienische Propagandaminister Dino Alfieri,. der den Vorsitz führt, als auch der deutsche Propagandaminister als Schirmherr mit am Werke sind; dafür stehen nicht zuletzt die Dichter und Tonsetzer selbst ein, die nur um Anerkennung wirtschaftlicher Rechte ringen, um — das ist der kul-
Wer will hier Recht sprechen? Zuletzt muß der Kampf um das Wort „Urheber" ein Kampf um Worte werden. Wichtiger ist: den Anteil an der Gemeinschaftsarbeit vom ersten „Erzeuger der Idee" bis zum letzten „Gestalter der Aufführung" festzustellen oder wenigstens durch Vereinbarung festzulegen.
Rur darum ist es auch den „Autoren" und „Komponisten" zu tun. Sie wollen, um an den Anfang anzuknüpfen, nicht Dauer-Vorbilder des „Poeten in der Dachstube^ sein; sie wollen nicht zeitlebens hungern; sie führen keine Wirtschaftskämpfe, sondern wollen ihr (Urheber-)Recht, soweit es ihnen verdientermaßen zusteht.
fortab vielmehr den Urhebern ein bestimmter Hundertsatz der laufenden Unternehmer-Einnahmen zugesprochen und gesichert werden.
Indessen: hier wird plötzlich der Zwiespalt im Urheberrecht sichtbar! Wer ist Urheber? Die Sänger der Heldenlieder im Altertum und die Minnesänger des Mittelalters, sie waren Urheber und Verkünder (Gestalter und Verbreiter) ihrer dichterischen und musikalischen Schöpfungen zugleich. Die Erfindung Gutenbergs schob zwischen den „Sänger" und den Hörer, der nun zum Leser wurde, den Drucker und Verleger! Roch Shakespeare war Bühnendichter und Buhnengestalter, war „Stückeschreiber", Schauspieler und Theaterunternehmer in einer Person. Das moderne Theater schob zwischen den Dramatiker und den Zuschauer den Bühnenoerleger, den Intendanten, den Dramaturgen, den Spielleiter, den Darsteller, nicht zu vergessen den Bühnenbildner, den Ausstatter und Beleuchter.
Rundfunk, Schallplatte und Film aber entfernten den Dichter und Tonsetzer vollends von ihren Zuhörern und Zuschauern. Wie weit, das wissen wir, auch ohne „von der Zunft" zu sein, genug, um zu erkennen, daß von diesen „Zwischengliedern" und ihrer Gestaltungskraft oft der Erfolg einer Dichtung oder eines Musikwerkes abhängt. Sind aber diese selbständig gestaltenden „Zwischenglieder"
treter Engelhardt (Eschwege), Gauvolksturn- wart Engelbrecht (Kassel), Kreisfachamtsleiter Giebel (Heinebach), Gaufachamtspressewart Oß- w a l d (Bad-Nauheim) und Gaumännerturnwart Dahms (Bad Wildungen). Deutsche Gemeinschaftstänze beschlossen den schönen Abend der Kameradschaft.
Die Arbeit des Sonntags begann mit einer gemeinsamen Tagung und wurde dann in Sondersitzungen und Uebungsstunden fortgeführt, lieber Zusammenarbeit des RfL. mit der NS.-Frauenschaft und dem Frauenwerk sprach Gaufrauenwartin V o p e l - Kassel, während die Gaufrauenturnwartin Luise Schwarz- Friedberg kommende praktische Aufgaben des Frauenturnens erläuterte.
In der Sitzung der Kreisoberturnwarte behandelte Gauoberturnwart H a u f f e - Kassel die Reichsbund- und die Gauschulung; Gaufachamts- spielwart Denn- Kassel zeigte, wie die Spiele in die Lehrgänge einzubauen sind; Gauvolksturnwart Engelbrecht - Kassel forderte Durchführung von Volksturnoeranstaltungen, und zwar möglichst in der Form der so beliebten Bergfeste in allen Kreisen, Gaujugendwart Geiß- Hanau a. M. sprach über die Jugendarbeit und Gaufachamtspressewart O ß w a l d - Bad-Nauheim über das Pressewesen im DRL. und im Fachamt.
Für die Männerturnwarte gab es eine praktische Uebungsstunde in der Turnhalle. Unter Leitung von Gaumännerturnwart Dahms wurden die Hebungen für die Rundenwettkämpfe besprochen. Auch die Uebungsstunde der Frauenturnwarte bot viel Anregung.
Wichtige Verwaltungsfragen wurden in einer Sitzung der Kreisfachamtsleiter und Kreiskassenwarte behandelt. Gaukassenwart Herzog (Kassel) gab über das Abrechnungs- und Kastenwesen eingehende Auskunft. Zustimmung fand die Satzung
Das Gaufachamt I, Turnen, führte zum Wochenende in Kassel eine wichtige Arbeitstagung durch, an der der Gaufachamtsstab, die Kreisfachamtsleiter, Kreiskaffenwarte, Kreisoberturnwarte, die Kreismännerturnwarte und die Kreisfrauenturnwarte teilnehmen. In gemeinsamer Sitzung, die von Gaufachamtsleiter Brunst (Vollmarshausen) am Samstagnachmittag eröffnet wurde, sprach Gau- fachamtsoberturnwart Hauffe (Kassel) in grundlegenden Ausführungen über den Deutschen Neichsbund für Leibesübungen und seine Ziele. Er stellte besonders die Schulungsarbeit heraus und konnte in dem Zusammenhang die erfreuliche Mitteilung machen, daß auch der Gau XU, Hessen, in aller Kürze seine G a u s p o r t- schule in Marburg erhalte, in der schon im Oktober dieses Jahres eine rege Lehrtzangstätigkeit überfad)Iich'’r und fachlicher Art einsetzon werde, nicht nur für die Kreise und Vereine des DRL., sondern auch für HI., BDM. und SA. Gaumännerturnwart Dahms (Bad Wildungen) machte mit den Richtlinien für die Durchführung der Rundenwettkämpfe im Gerätturnen vertraut, und Gaudietwart Mäder (Kassel) sprach über die Notwendigkeit und große Bedeutung der Diet- arbeit.
Wie Sietarbeit gestaltet werden muß, um zu erhebendem Erleben zu führen, das kam wirkungsvoll zum Ausdruck bei dem Kameradschaftsabend. Der Gaufachamtsleiter nahm dabei eine Ehrung von einigen älteren Turnern vor, die in jahrzehntelanger unermüdlicher Arbeit in der Turnerschaft Volk und Vaterland treu gedient haben. Es erhielten den Gauehrenbrief Gaufachamtspressewart O ß w a l d (Bad-Nauheim) und Gaumännerturnwart Dahms (Bad Wildungen); und als besondere Auszeichnung wurde die Gauehrennadel ehrenhalber verliehen an: Ehrenkreisver-
Was ist es mit diesem Persönlichkeitsrecht? Es wird von den Schriftstellern und Tonsetzern (immer in dem einengenden Sinne dieses Kongresses) betont, weil es im Urheberrecht eine große Rolle spielt. Diese Betonung des Persönlichkeitsrechtes soll (unter anderem) das Aufkäufen geistigen Eigentums mit einer einmaligen Zahlung und „Abfindungssumme" durch den „Unternehmer" grundsätzlich verhindern. Es soll
, . ___ , , „ turelle Wert dieses Kongresses — sie dann urn-
Urheber? Das eben ist die Frage, die zusetzen in gottbegnadete Geschenke an uns alle. „Lager" aufs heftigste bewegt. | Dr. H. D.
Es darf uns nicht gleichgültig sein, ob Dichter und Tonsetzer hungern. Nicht nur sie haben Nachteile, sondern auch, denen ihre Werke gelten. Gar mancher hochbegnadete Geist, gar manche beschwingte Seele brach frühzeitig zusammen, weil der Körper nicht zu seinem Recht kam. Um dieses Recht des Körpers geht es zunächst bei den Tagungen der internationalen Kongresse öer Autoren und Komponisten, geht es auch diesmal bei dem 11. Kongreß, der zur Zeit in Berlin unter der Schirmherrschaft des Reichsministers Dr. Goebbels entscheidende Sitzungen abhält. a
Das will sagen: es tagen die in der „Confectera- tion Internationale des Societes d’Auteurs et Compositeurs“ zusammengeschlossenen Verwer- tungs- und Abrechnungsgesellschaf- t e n jener Schriftsteller und Tonsetzer, die Werke zum Zwecke der Aufführung (also nicht: zum Zwecke der Drucklegung in Zeitung, Zeitschrift oder Buch) schaffen. Aufgabe dieser Verwertungs- und Abrechnungsgesellschaften ist es, alle aus dem geistigen Eigentum hervorgehenden Urheberrechte zu wahren und für die Urheber nutzbar zu machen.
Nun stelle man sich aber nicht vor, daß es sich bei diesem internationalen Kongreß um eine Art „Börsentagung" handele oder gar darum, den „Gegnern", das sind die Theater, der Rundfunk, die Schallplatten- und Filmhersteller, auf haste, was kapnste das Wasser abzugraben.
Der Auftakt des Kongresses am Vorabend der Verhandlungen bot vielmehr (und wahrheitsgetreu) ein ganz anderes Bild. Es war zu einer Teestunde in den „Terrassen am Stadion" geladen, der eine Besichtigung des Reichssportfeldes voranging. Dieser Teestunoe beizuwohnen, war, man kann es getrost so ausdrücken: ein Erlebnis. Denn unter den hundert Männern und Frauen, die an den weißgedeckten, anmutig mit bunten Herbstblumen und mit den Farben der teilnehmenden Nationen geschmückten Tische saßen, miteinander in allen europäischen Sprachen plauderten und Gedanken austauschten, waren viele bekannte und von der Welt gerühmte Persönlichkeiten.
Sprach man soeben mit dem schwedischen Komponisten Kurt Atter berg und seinem Landsmann und Berufskameraden Eric W e st b e r g, so bedurfte es nur weniger Schritte, um mit dem französischen Komponisten Rousseau in eine angeregte Unterhaltuna zu kommen; übrigens trägt dieser Rousseau nicht die Vornamen seines berühmten Namensvetters, sondern er hat sie dem französischen Dramatiker Jean Jacques B e r n a r d überlassen, dessen weißes Künstlerhaar in einer der Fensternischen aufleuchtet. Oder man sprach mit dem portugiesischen Bühnendichter Felix Bermudes über die Entwicklung des portugiesischen Dramas, um bald darauf mit dem Berliner Lustspielautor Leo Lenz über die Zukunft der deutschen Komödie ins Reine zu kommen. Kurzum: es war ein Nachmittag voll Geist und Scherz, mitunter auch mit Ironie, der die tiefere Bedeutung nicht fehlte.
Nichts also von schrankenloser Gewinnsucht! Indessen klang doch auch der Ernst der bevorstehenden Tagung durch alle Gespräche und immer wieder war von dem Persönlichkeitsrecht (droit moral) des schöpferischen Menschen die Rede.
des Vereins „Hilfswerk des Gaues XII, Hessen, der Deutschen Turnerschaft". Gaufachamtspressewart Oßwald regte für das Jahr 1937 eine Gaufahrt zu den Jahn-Erinnerungsstätten in Freyburg a. d. 11. an; außerdem wies er hin auf die 100. Wiederkehr des Todestages des hessischen Turnvaters Fr. L. Weidig, eines Vorkämpfers für deutsche Einheit und Freiheit, und schlug vor, den Gedenktag im nächsten Jahre durch eine Feier auf der hessischen „Hasenheide" bei Butzbach zu begehen, wo Weidig bereits 1814 deutsches Volks- und Wehrturnen pflegte.
Gaumeisterschafts-Marathonlauf in Weilburq.
Am kommenden Sonntag findet in Weilburg a. d. L. ein reichsoffener Marathonlauf, verbunden mit dem Gaumei st erschaftslauf des Gaues XII (Hessen), statt. Weit über 50 Läufer haben ihre Meldung abgegeben. Unter den Läufern befinden sich ein großer Teil namhafter Langstreckler. Bertsch, VfB. Stuttgart, der wieder vollständig gesund ist, und Bödner, BSC. Komet, der diesjährige Brockenlaufsieger, werden einen erbitterten Kampf um den ersten Platz führen. Noch zu nennen fei Orbanz (Dresden), Jahn (Berlin), Kreglinger (Wilhemshaven). Letzterer hat Deutschland schon öfters international vertreten und macht in Weilburg feinen 28. Marathonlauf. Um die Gaumeisterschaft kämpfen 10 Läufer. Favorit wird Berndt, VfB. Diez (früher Niederlahnstein) sein. Start ist 14.30 Uhr auf dem Marktplatz. Die Strecke führt von Weilburg durch das Weiltal über Weilmünster bis vor Emmershausen und wieder zurück zum Sportplatz an der alten Kaserne.
Als Rahmenprogramm findet auf dem Sportplatz an der alten Kaserne als Abschluß der Leichtathletik- saison ein Klubkampf zwischen Gießen und Well- bürg statt.
Schaumburaek neuester Rekord.
2000 Meter in 5:27,4.
Der deutsche Meister im 1500-Meter-Lauf Fritz Schaumburg-Oberhausen unternahm am Mittwoch auf der Hauptkampfbahn des Kölner Stadions einen Angriff auf feinen eigenen deutschen Rekord über 2000 Meter. Der Oberhausener Polizist hatte besten Erfolg; er durchlief die Strecke unter der offiziellen Kontrolle von sechs Teilnehmern in der neuen deutschen Bestzeit von 5:27,4 (seither 5:28,0). Zwei der Uhren zeigten sogar 5:27,2 an. Für die 1500 Meter benötigte Schaumburg als Zwischenzeit 4:06 Minuten. Einige Kölner Langstreckler, die mit Vorgabe bedacht wurden, waren die Gegner des Oberhauseners, der am Sonntag in Budapest auf den Nurmischüler Höckert trifft
Haupt- und Abschießen des Gchützenveeeins Laubach.
Am Sonntagnachmittag veranstaltete der Schützenverein Laubach sein diesjähriges Haupt- und Abschießen. Trotz des regnerischen Wetters nahmen zahlreiche Schützen, auch von auswärts, an dieser Veranstaltung teil. Die erzielten Ergebnisse waren gut. Es wurde mit Groß- und Kleinkaliber geschossen. Abends fand im Schützenhof die Preisverteilung statt, die von dem Vereinsführer, Bürgermeister Högy, nach feiner Begrüßungsansprache vorgenommen wurde: Die Würde des Schützenkönigs errang mit 170 Ringen Karl Becker, den 1. Ritter Gustav Schnei dt jun. mit 165 Ringen. Die Preisträger der übrigen Scheibengattungen waren:
Blättchen (100 Meter): 1. Ernst Rühl, 2. Ed. Göbel II., 3. Dr. Roßbach, 4. Arnold Enders, 5. derselbe, 6. H. Wallenfels (Nidda), 7. K. Becker,
Das Raubtter vor meinem Fenster Beobachtungen an einem Spinnennetz.
Mein Fenster liegt zu ebener Erde, es geht auf einen großen Garten und ist auf allen Seiten von Efeu umsponnen. Es ist angenehm, zwischen der Arbeit den Blick zu heben und in den Garten hin- auszuschauen. Vor ein paar Monaten, an einem schönen Sommertage, der nach regnerischer Nacht doppelt klar strahlte, traf mein Blick beim Hinauswandern aus dem Fenster auf ein vollkommenes Kunstwerk. Zwischen den Efeublättern aufgehängt war ein unerhört feines, aber lückenlos regelmäßiges Spitzengebilde, fast kreisrund, nur mit abgestumpften Ecken, seidig in der Sonne funkelnd. Genau in der Mitte des Gewebes, da wo alle Strahlen zusammenliefen, saß die Derfertigerin dieses Kunstwerkes, den Kopf nach unten, alle acht Beine von sich gestreckt, der Leib ungefähr em Zweipfennigstück groß, braun, mit heller schöner Zeichnung. Sie sah aus wie ein kostbarer Edelstem, wie sie da vollkommen regungslos m der Sonne glänzte. Auch die Beine, feingegliedert, dunkel- und hellbraun gegen einander abgesetzt, waren kleine Kostbarkeiten. Den ganzen Tag freute ich mich an dem Anblick und trat am nächsten Morgen mit einer gewissen Spannung an mein Fenster. Aber es war eine Enttäuschung, das Netz war zwar so vollkommen wie tags zuvor, die Spanne aber verschwunden. Ich wunderte mich, wie konnte em^Tier freiwillig eine solche Heimstätte verlassen wen» aber ein Kamps stattgefunden hatte und sie vom Feinde überwältigt worden war, wie konnte dann das Netz so tadellos in Ordnung sem? Da entdeckte ich plötzlich, daß eins der Efeublatter nach unten eingerollt war, und zugleich sah ich ^langes gelbes und braunes Bein darunter hervorragen. Dahin also hatte sie sich zurückgezogen!
Seitdem galt mein erster Blick jeden Morgen meiner neuen Freundin. Entweder traf ich sie m der haften und
* SSÄK regte sie sich nicht. Eines Tages aber kam Plotzl ch Ä7 In b«. 4
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glückliche Opfer lostrommelten, es um uns um
wirbelten und das immer noch Zappelnde und Zuckende in wenigen Augenblicken mit zähen Fäden gefesselt hatte. Es war eine große dicke Fliege, die Spinne hockte über ihr, ihr immer wieder neue Stöße versetzend. Sie hatte plötzlich gar nichts Edelsteinhaftes mehr, der ganze Leib war in eigentümlich vibrierender Bewegung. Nach einer halben Stunde war der Leib der Fliege etwa auf die Hälfte zusamckiengeschrumpft, nach einer Stunde war nur noch ein schwarzes dürres Klümpchen übrig, das zur Erde geworfen wurde. Danach saß die Mörderin wieder in ihrem Netz, unnahbar wie je.
Sie hatte ihre guten wie bösen Tage. An den guten ging ihr schon das zweite Opfer auf den Leim, während sie noch mit dem Verzehren des ersten beschäftigt war. Dann ließ sie das erste los, stürzte sich auf das neue, schlug es blitzschnell in unzerreißbare Fesseln und kehrte befriedigt zu ihrer Mahlzeit zurück. Manchmal war ihre Speisekammer ganz gut versehen. Drei oder vier Braten hingen im Netz und warteten auf ihre Vertilgung. Dann kamen aber auch wieder schmale Zeiten. Tagelang beobachtete ich die Spinne in ihrem Blätterversteck, sah die Fliegen sich draußen tummeln . . . näher kommen . . . und wartete voller Spannung: wird eine ins Netz gehen? Da kommt etwas Dickes, Schwarzes angebraust, fliegt gegen das Netz, saust abwärts und ist verschwunden. Die Spinne hat sich nicht gerührt. In dem kunstvollen Spitzengebisde aber klafft ein riesiges Loch.
Manchmal sind es auch Sturm und Regen, die das Netz halb zerstören, während die Spinne unter dem Blätteedach sitzt. Doch qm nächsten Morgen erglänzt es immer wieder in vollkommener Schönheit. Merkwürdig, es ist nicht immer an derselben Stelle, manchmal etwas näher am Fenster, manchmal weiter draußen, mandjmal höher, manchmal tiefer. Spinnt sie jedesmal ein ganz neues? Mein Wunsch, ihr einmal dabei zusehen zu können, bleibt unerfüllt. Sie scheint nur nachts zu spinnen. Aber ich wüßte gern, wie sie es macht. Wohl habe ich gesehen, wie sie sich an einem Faden von einem Blatt auf ein tiefergelegenes herabläßt. Doch beim Netzbau muß sie doch auch einmal an der anderen Seite wieder hinaufklettern. Wie macht sie das, da, wo noch kein Faden hängt? Es scheint mir das Geheimnis des Fakirs, der den Strick in die Lust wirft und daran in die Höhe klettert, Münchhausens, der sich an seinem eigenen Zopf aus dem Sumpf zieht.
Seit mehreren Tagen aber habe ich einen traurigen Anblick vor meinem Fenster: die Spinne ist verschwunden. Ich habe den ganzen Efeu durchsucht, nirgends eine Spur von ihr. Ist sie einem stärkeren Feind zum Opfer gefallen? Oder war einfach ihre Lebensspanne um, ihre Zeit gekommen, um zu sterben? Aber müßte ich dann nicht ihre Reste finden, das, was von einem solchen Geschöpf übrig bleibt, wenn das „Leben" aus ihm entwichen ist? Doch wahrscheinlich sieht dieses Etwas der Erde oder den dürren Blättern schon so ähnlich, daß mein Auge es nicht mehr unterscheidet. Das Netz aber, das kostbare Spitzengebilde, das vollkommenste Kunstwerk, das Wunder des Fakirs, schwankt entzaubert im Herbstwind, verschmutzt, zerrissen, verfilzt — ein trauriges Spinnweben.
A. v. P.
Die Aequaior-Taufe.
Von Sofie ron Uhde.
Am Vorabend schon, als uns noch einige Breitengrade vom Aequator trennten, war plötzlich unter klingendem Spiel ein Abgesandter Neptuns, begleitet von zwei greulichen, aber offenbar gutmütigen Meerungeheuern, im Speisesaal erschienen und hatte uns für heute den Besuch seines Herrn und Königs angekündigt, der allcrgnäbigft gewillt sei, uns die Linie passieren zu lassen, vorher aber durch die Zeremonien der Aequator-Taufe uns vom Staub der nördlichen Halbkugel reinigen werde. Wir begannen trübe in die Zukunft zu blicken.
Kaum war das Frühstück vorbei, als wir uns, nicht gerade mit Fasten und Beten, aber mit Schwimmanzügen und Bademänteln für diese Taufzeremonien vorbereiteten; wir: das heißt die Vorsichtigen unter uns. Die ewigen Optimisten erschienen, als ob nichts wäre, im weißen Tropendreß Und glaubten, nun könne ihnen nichts passieren.
Uni vier Uhr standen wir in seelischer Habachtstellung erwartungsvoll ums Schwimmbassin versammelt, wohin Seine feuchte Majestät uns besohlen hatte. Na, uns schwante nichts Gutes!
Wieder näherte sich von der Back jenes klingendes Spiel, ein Dreizack blitzte, eine Krone leuchtete. Und gefolgt von seinen bunten und ziemlich erschrecklichen Heerscharen nahte der König der Meere, der alte Poseidon.
Er hatte seine Königin mitgebracht, ein verdächtig handfestes Frauenzimmer, erstaunlich an einen unserer Matrosen erinnernd und mit Seetang bekränzt und umwunden, das in ganz gefährlicher Weise einherschritt. Wir bewunderten alle aus Herzensgrund den Mut des alten Meerkönigs und beteten ängstlich darum, dieser wehrhaften Nereide nicht.überantwortet zu mürben. Sie blieb benn auch Gott fei Dank auf ihrem Throne sitzen, obwohl es ihr bei jebem neuen Täufling sichtbar in ben Fingern zuckte.
Nun, die Henkersknechte, die sich Neptun da mit- gebracht hatte, waren auch nicht gerade aus zartem Stoffe! Und das Werkzeug, das sie sich zu dieser heiligen Handlung zurechtlegten — gütiger Himmel!, wir ergriffen beim bloßen Anblick alle miteinander aufs rühmlichste die Flucht, wurden aber im Handumdrehen wieder an unseren Platz befördert; es entkam keiner. Die alten ßinientrotter, die schlau genug gewesen waren, ihren Taufschein von früheren Fahrten her einzustecken und vorzuweisen, schauten in höhnischer Schadenfreude zu, wie zwei Mohren aus Neptuns Gefolge sich in das Schwimmbad stürzten und dort nichts Gutes verhießen.
Welch eine Folterkammer! Teuflisch ersonnene Wasseilpritzen, Bonbons mit Pfeffer gefüllt, abscheuliche Essiggetränke; man konnte sich wehren, wie man wollte, es blieb einem nichts erspart. Triefend und spuckend, sprudelnd und niesend landete man, o keineswegs freiwillig, auf dem Rand des Schwimmbassins, an dem ein Henkesknecht mit ungeheurem Rasiermesser, einem grauenhaften Pinsel und einem unaussprechlichen Gefäß voll Seifenschaum grinsend feines Amtes waltete. Im Handumdrehen erstickte und erblindete man hinter weißen, seifigen Wolken, der verdammte Pinsel fuhr einem immer gerade dann über den Mund, wenn man ihn zu einem Hilfeschrei öffnete; und plötzlich — o Himmel! — fühlte man sich, blind wie man war, mit gräßlichem Schwung nach rückwärts befördert — ein Schrei — und man landete mit einem Salto im Schwimmbassin, wo die Mohren einen unzart in Empfang nahmen und immer gerade in jenem Augenblick wieder tauchten, wo man glaubte, noch einmal die Luft und das Leben zurückgewonnen zu haben.
Ach, wie sah man aus, als man diesem Bassin entstieg! Da war nichts mehr von hübsch ondulierten Locken, nichts mehr von gefälliger Haltung, nichts mehr von Bügelfalten! Man konnte nur n-->ch spucken. Und die Optimisten, die sich unehrerbietig und herausfordernd in eitler, weißer Tropeneleganz der heiligen Handlung genaht hatten, sie konnten weiß Gott Betrachtungen über die Hinfälligkeit irdischen Tandes anstellen, als sie unter dröhnendem Beifall dem Bassin entftieaen.. Ja, Neptun reinigte uns gründlich vom nördlichen Staube!
Aber also gereinigt, erschienen wir ihm wohlgefällig. Er überreichte uns prunkvolle Taufscheine, in denen wir mit den schönsten Namen genannt wurden, vom Hai bis zum Meerrettich, von der Move bis zum Seefloh. Und er gestattete uns aller- gnädigst, daß wir mit Musik und Tanz in die erste Nacht seiner äquatorialen Gefilde einzogen.
8. Karl Pitz, 9. Otto Högy, 10. H. Wallenfels (Nidda), 11. Karl Becker, 12. Adolf Enders, 13. Gustav Schneidt jun.
Meisterscheibe (100 Meter), Serie: 1. Arn. Enders 34 R., 2. Dr. Roßbach 33, 3. Ed. Göbel 11. 32, 4. Gustav Schneidt jun. 32, 5. Karl Becker 32, 6. Karl Nickel (Nidda) 32, 7. K. Wallenfels (Nidda) 32 Ringe.
Tabellenmeister (100 Meter): 1. Arnold Enders 148 Ringe, Karl Becker 147 Ringe.
Tagespreisscheibe (100 Meter): 1. Dr. Roßbach 53 Ringe, 2. Adolf Enders 52, 3. Ernst Högy 51 Ringe.
Festscheibe (100 Meter): 1. Dr. Roßbach, 2. Karl Becker, 3. Karl Nickel (Nidda), 4. Arn. Enders, 5. Karl Pitz, 6. Gustav Schneidt jun., 7. Theo Spamer I. (Nidda), 8. H. Wallenfels (Nidda), 9. Ludwig Schudt.
M e l st e r s ch e i b e (175 Meter): 1. Karl Nickel (Nidda) 54 Ringe, 2. Theo Spamer I. (Nidda) 49, 3. j). Wallenfels (Nidda) 49, 4. Otto Högy 45 Ringe.
Kleinkaliber, freihändig (50 Meter): 1. Aug. Hartmann (Nidda) H8 Ringe, 2. H. Wallenfels (Nidda) 33, 3. Fri^dr. Stotz 33 Ringe. Aufgelegt (50 Meter): 1. Aug. Hartmann (Nidda) 35 Ringe, 2. H. Wallenfels (Nidda) 35, 3. Ludwig Schudt, 34. Ringe. Den besten Schuß auf den Wander- b e ch e r (Christoph-Rühl-Erinnerungsscheibe) erzielte Karl Becker.
Neun neue Autoweltrekorde.
Jenkins hat jetzt genug.
Zum zweiten Male innerhalb kurzer Zeit hatte Abe Jenkins .seinen Rekordwagen „Mormonen- Meteor" mit dem Düsenberg-Spezial-Motor über die berühmten Salt Flats von Bonneville in Utah gejagt; neun Rekorde waren die Ausbeute, als ein Defekt der Kühlwasserpumpe den Amerikaner zwang, wieder auszusteigen. In diesem Jahre wollen Jenkins und der zweite Fahrer des Wagens, Babe Stapp, die Versuche nicht mehr aufnehmen. Ihnen verdanken es die USA. in erster Linie, wenn von den zahlreichen Weltrekorden von 100 Meilen bis 48 Stunden alle mit Ausnahme von drei in amerikanischem Besitz sind. Die neun neuen Rekorde sind: 100 Meilen: 273,91 Stundenkilometer; 200 Kilometer: 274,06; 200 Meilen: 275,30; 500 Meilen: 271,13; 1000 Kilometer: 268,21; 1000 Meilen: 266,73; 1 Stunde: 275,20; 3 Stunden: 270,45; 6 Stunden: 266,72 Stundenkilometer.
DfB.-Neichsbahn Gießen.
Iugendfußball.
VfB.-R. 1. Jgd. — Großen-Buseck 1. Jgd. 4:1. Trotz der drei Mann Ersatz lieferte die 1. Jugend in Großen-Buseck ein gutes Spiel. Sie war in allen Mannschaftsteilen dem gastgebenden Verein überlegen und siegte verdient.
VfB.-R. 3. Jgd. — Staufenberg 1. Jgd. 18:1. Die 3. Jugend veranstaltete aus dem Waldsportplatz ein Schützenfest. Die Staufenberger hatten außer ihrem Eifer den Gießenern nichts entgegenzusetzen.
VfB.-R. 1. Schüler — Garbenteich 1. Schüler 4:0. Trotzdem die Gießener sich auf dem kleinen Platz in Garbenteich nicht so wie sonst zur Geltung bringen konnten, hatten sie doch spielerisch den Gastgebern vieles voraus.
Kurze Sportnotizen.
Georges Paillard unternahm auf der Pariser Prinzenparkbahn einen Weltrekordversuch über 1000 Meter mit fliegendem Start hinter großen Motoren. Der Versuch war von Erfolg begleitet. Paillard benötigte für den Kilometer nur 36 Sekunden, was einem Stundenmittel von 100 Kilometer entspricht. Diese Leistung erreichte Erich Metze bei den Nürnberger Radrennen am vergangenen Sonntag ebenfalls.
Max Syring unternimmt am nächsten Sonntag bei einem Sportfest in Gotha einen Rekordversuch über 7500 Meter. Den Rekord über diese Laufstrecke hält nun schon seit sieben Jahren der Hannoveraner Dieckmann mit 23:26 Minuten. Beim gleichen Sportfest gehen auch die Olympiasieger Wöllke und Stöck an den Start.
Das „Braune Band von Deutschlan b", trotz der kurzen Zeit seines Bestehens schon eines der bedeutendsten Rennen in Deutschland, wird im kommenden Jahre mit der auch seither ausgeschriebenen Notierung von 100 000 RM. am 1. August durchgeführt.
Die Finnische TT. für Motorräder in der Nähe von Helsingfors gewann der einheimische Rennfahrer Kyroe auf einer 350-ccrn-NSU. und zeigte damit die überlegene Schnelligkeit der deutschen Maschine.
Vier neue Weltbestleistungen stellte bei einem Sportfest in der finnischen Hafenstadt Wiborg der Finne Iso-Hollo auf. .Die neuen Rekorde, die seit 32 Jahren bestehen, wurden erzielt über 7, 8 und 9 Meilen, sowie über 15 Kilometer.
Die Endspiele um die Landesmeisierschasten der hessischen Schulen
Oeffentliche Handelsschule Gießen im Endkampf.
In Anwesenheit von über 300 Zuschauern wurden im Hochschulstadion bei schönstem Herbstwetter die Endspiele um die Landsmeisterschaften der hessischen Schulen im Fuß-Schlagball der Knaben und tm Grenzball der Mädchen ausgetragen. Aus den zahlreichen Ausscheidungskämpfen in den Orten, Kreisen und Provinzen hatten sich für den Endkampf um die Landesmeisterschaft im Fuß-Schlagball der Schulen die Oberrealschule Mainz und die HöhereHandelsschule Gießen durchgesetzt. In einem schönen Spiel gelang es den Mainzer Jungen, die Oberhessen mit 21:13 Punkten auf den zweiten Platz zu verweisen. Die Landesmeisterschaft im Grenzball der Mädchen sah die Vertreterinnen der Landeshauptstadt, die Eleonoren-Schule, mit 9:2 Toren siegreich über die Mädels des Instituts der Englischen Fräulein in Bingen.
Die Veranstaltung, die von Kämpfen Darmstädter Schulen umrahmt war, wurde mit der Siegerehrung durch Ministerialrat Ringshausen abgeschlossen. Er gab seiner Freude über die gezeigten Leistungen der Schüler und Schülerinnen Ausdruck, denen es vergönnt gewesen sei, nach den Ausscheidungskämpfen nun in Darmstadt um die Landesmeisterschaften zu kämpfen. Nach dem herzlichen Dank insbesondere an die Lehrer, die für die Leibesertüchtigung an den hessischen Schulen tätig sind, rief er den Schülern ein „Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!" zu. Die Ehrenpreise und Ehrengaben wurden dann von Turnoberlehrer K. Roth übergeben. Der Sporttag schloß mit den Liedern der Deutschen. Er hat erneut bewiesen, daß die Leibesübungen an den hessischen Schulen in einer Weise gepflegt werden, die von Jahr zu Jahr beträchtliche Fortschritte erkennen läßt.
Wirtschaft.
Das Ergebnis der Schweinezählnng.
Fwd. Nach der Zwischenzählung vom 4. September 1936 beträgt der Gesamtschweinebestand 25,9 Millionen Stück. Er liegt damit um 1,52 Millionen Stück — 6,2 v. H. über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre.
Um 10 v. H. über dem Durchschnitt der letzten Jahre liegt die Zahl der Schlachtschweine. Dies erklärt sich daraus, daß die Schweine wegen des im vergangenen Sommer herrschenden Mangels an Schweinemastfutter nicht ausgemästet und nicht zum Markt gebracht werden konnten, vielmehr auf Erhaltungsfutter gestellt werden mußten. Nach Einbringung der Ernte ist mit einem steigenden Schweinefleischangebot zu rechnen.
*
* Preisregulierung für Fichten- (Tannen-) und Rotbuchen-Rundholz während des Forstwirtschaftsjahres 1 9 3 7. Der Reichsforstmeister hat eine Verordnung zur Regelung der Preise für Fichten- (Tannen-) und Rotbuchen-Rundholz während des Forstwirtschaftsjahres 1937 erlassen, nach der für den markt- mäßigen Absatz des im Jnlande erzeugten oben benannten Holzes ab Wald Preisspannen festgesetzt worden sind. Als marktmäßiger Absatz ab Wald ist jede Betätigung anzusehen, durch die das Eigentum an Fichten- (Tannen-) und Rotbuchen-Rundholz von einem (Eraeuger gegen Entgelt einer anderen physischen ober juristischen Person unmittelbar oder mittelbar überlassen oder verschafft wird, ohne Rücksicht darauf, ob es sich um eine einmalige, zeitweise aussetzende ober laufenbe Betätigung han- belt. Die Preisbinbung gilt sowohl für ben Erzeuger als auch für den Ersterwerber. Die Verordnung tritt am 1. Oktober 1936 in Kraft.
Nhein-Mainische Börse.
INittagsbörse feft
Fran kfurt a. M., 30. Sept. Nach den weiteren Abschwächungen an der gestrigen Abendbörse eröffnete die heutige Mittagsbörse am Aktienmarkt in fester Haltung. Es lagen größere Kundenkauforders vor, auch die Kulisse schritt zu Rückkäufen, so daß die ersten Notierungen bei recht lebhaften Umsätzen durchschnittlich 2 v. H. höher einsetzten. Mit Interesse erwartet man die Ausführungen Dr. Schachts in der heutigen Sitzung des Zentralausschusses der Reichsbank. Im Mittelpunkt des Interesses standen Bergwerkswerte, die durchweg 2 bis 2,5 v. H. fester lagen. Vereinigte Stahl 110,75 bis 111,25 (108,75), Hoefch 111,75 bis 112,25 (110,25), Mannesmann 109,65 bis 110,25 bis 110 (107,50), Rheinstahl, Klöckner, Harpener und Buderus gewannen 2 bis 3 v. H. Lebhaft und fest waren auch IG.-Farben mit 169,50 bis 169,90 bis 169,50 (167), Deutsche Erdöl plus 2 v. H. auf 137, Scheideanftalt unverändert 276. Sehr fest waren wieder Kunstseide Aku mit 87 bis 89 (85,13). Elektroaktien erfuhren Erhöhungen von 1 bis 2 v. H., AEG. plus 0,50 v. H. Mafchinenaktten und Zellstoff- werte notierten 0,50 bis 1 v. H. fester, ferner gewannen Westdeutsche Kaufhof 1 v. H., Bank für Brauindustrie 1,5 v. H., Zement Heidelberg 0,50 v. H. Später unterlagen die Kurse einigen Schwankungen, die Grundhaltung blieb fest.
Der Rentenmarkt war ebenfalls fester, Altbesitzanleihe 114,80 (114,50), Reichsbahn-VA., Kom- munal-Umschuldung und Zinsvergütungsscheine lagen voll behauptet. Von Dollar-Bonds 6 v. H. Preußen lebhaft mit 71 (70,25). Am Auslandrentenmarkt fetzten Ungarn bei großen Umsätzen ihre Befestigung fort. Ungar Gold 12,90 bis 13,05 bis 12,90 (12,60), 1913er und 1914er Ungarn je 11,40 (11,25), Rumänen und Mexikaner gewannen etwa 0,13 vom Hundert.
Unter Schwankungen blieb der Aktienmarkt auch im Verlaufe fest, das Geschäft war etwas ruhiger. In den meisten Fällen blieben die Anfangsnotierungen behauptet. Höher waren nochmals JG.- Farben mit 170 nach 169,50, Rheinstahl mit 144 nach 142,50, Verein. Stahl mit 111,50 nach 110,75, Aschaffenburger Zellstoff mit 131,50 nach 130,25, Gesfürel mit 138,50 nach 137,50. Von später notierten Werten gewannen Felten 2 v. H., Bemberg 1,75 v. H., Metallgesellschaft 1,25 v. H. Etwas niedriger waren Klöckner mit 120 nach 120,25.
Von Renten erhöhten sich Altbesitz auf 114,90 nach 114,80. Ungarn Gold schwankten bei kleiner gewordenem Geschäft zwischen 12,80 bis 12,90. Anatolier I und II kamen nach zweitägiger Pause mit 43 (46) wieder zur Notiz. Schweiz. Bahnanleihen erschienen an der Maklertafel mit „Minus"-Zeichen. Goldpfandbriefe waren leicht angeboten, blieben aber ebenso wie Kommunal - Obligationen und Stadtanleihen unverändert. Liquidationspfandbriefe lagen teilweise schwächer, Rhein. Hyp. 100,50 (101). Im Freiverkehr nannte man 3proz. Steg mit 9,50 (9,25), Wiener Verkehrsanleihe mit 2,65 (2,30). Lebhaft waren gegen Schluß Mexikaner, Gold v. 99 15,13 bis 16.
Im Freiverkehr galten Adlerwerke 102,50, Pokorny 109,50, Wayß & Freytag 119,50, Veith- werke 121, Kali Wintershall 126,50.
Tagesgeld zum Ultimobedarf gesucht und 3,50 (3) v. H.
Abendbörse fest.
Die Abendbörse war auf Sperrmarkkäufe am Aktienmarkt sehr lebhaft und fest und brachte gegenüber den Berliner Schlußnotierungen durchschnittliche Kurssteigerungen von 1 bis 2 v. H. Vorübergehend ebbte das Geschäft etwas ab und es erfolgten einige Gewinnmitnahmen, die verschiedentlich leichte Rückgänge auslöfte, der Schluß war aber erneut sehr lebhaft und feft. Bevorzugt waren Montanaktien: Verein. Stahl 112,50 bis 113,50 (110,75), Mannesmann 111 bis 111,50 bis 112 bis 113 (109,65), Hoesch 114,50 (112,25), Klöckner 123 (120,50), Buderus 117 (115,13), Rheinstahl 146,25 bis 147 (144,75), Harpener 141,50 (140). Ferner stiegen JG.-Farben auf 171 bis 172 (170,13), Kunsteide Aku auf 89,50 bis 90,25 bis 90 (88,50), Zell- toff Aschaffenburg auf 134 (132,13), Elektr. Lieferungen 127,90 (126,25), Schuckert 155 bis 155,75 (154), Gesfürel 139,50 (138), Conti Gummi auf 173,50 (171) und Bemberg in Anpassung an Berlin auf 94 (92,50). Deutsche Anleihen lagen ruhig. Von Auslandsrenten blieben einzelne Mexikaner und Ungarn fest und lebhaft.
U. a. notieren: 1951er Stalverein 96,75, 6proz. JG.-Farben 128, 4^proz. Darmstadt von 1926 92, 1913er Ungarn 11,40, 1914er do. 11,25, do. Goldrente 12,90 bis 13, do. Kronenrente 2,75, 4proz. Rumänen 7,50, 4^proz. do. 13, 5proz. do. 8,40, 5proz. innere Mexikaner 6,95, 5proz. do. äußere 15,90, 4proz. do. Gold 12, 4^proz. do. Irrigation 11,25, Commerzbank 99,75, Dt. Ueberfee- banf 145, Buderus 117, Harpener 141,50, Ilse Genuß 140, Westeregeln E 127, Klöckner 123, Mannesmann 112 bis 113, Otavi 37,25 bis 37,50, Hoefch 114,50, Rheinstahl 146,25 bis 147, Verein. Stahl 112,50 bis 113,50, Aku 89,50 bis 90,25 bis 90, AEG. 37, Bekula 157, Bemberg 94, Zement
Heidelberg 150, Conti Gummi 173,50, Scheideanstalt 276, Dyckerhoff & Widmann 150, Licht und Kraft 155,50, Elektr. Lieferungen 127,90, Eßlinger 99,75, JG.-Farben 171 bis 172, Felten E 136, Gesfürel 139,50, Holzmann 128,50, Junghans 101, Lechwerke 114 bis 114,50, Linde's Eis 159, Muag 118, Moenus 94,75 bis 95, Rütgerswerke 135,50, Schuckert 155 bis 155,75, Westdeutsche Kaufhof 54, Aschaffenburger Zellstoff 134, Zellstoff Waldhof 158 bis 158,50, Reichsbahn-VA. 123,40.
Srantfuder Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 30. Sept. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W13 199, W16 202, W 19 206, W 20 208, Roggen R 12 162, R15 165, R 18 169, R19 171 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Braugerste 232, Futterhafer —. Weizenmehl Type 790 w 13 27,90, W 16 28, W19 28, W 20 28,35, Roggenmehl Type 997 R 12 22,45, R 15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 50 Pf. Frachtausgleich. Weizenfuttermehl 13,60. Weczenkleie W13 10,75, W16 10,90, W19 11,10, W 20 11,20, Roggenkleie R12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Soyaschrot —, Palmkuchen —, Erdnußkuchen —, Trockenschnitzel —, Treber 16,50, Heu 4,50 bis 5,00, Weizen- und Roggenstroh draht- gepreßt oder gebündelt 2,00. Tendenz: ruhig.
Frankfurter Schtachtviehmarkt.
Frankfurt a. M., 1. Oktober. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 54 Rinder (3 Bullen, 38 Kühe, 13 Färsen), 623 Kälber, 260 Schafe, 311 Schweine. Es kosteten: Kälber 45 bis 80 Mark, Hämrnel 50 bis 60, Schafe 36 bis 50, Schweine 51 bis 57 Mark. Marktverlauf: Rinder und Schweine wurden zugeteilt, Kälber, Härnmel und Schafe langsam.
Gegen das Nürnberger Gesetz verstoßen.
Frankfurt a. M;, 29. Sept. (LPD.) Die Große Strafkammer verhandelte gegen den 20 Jahre alten nichtarischen Jakob Markus wegen Rasfenschän- dung. Der Angeklagte lernte im Fevruar d. I. beim Tanz in einem Vergnügungslokal eine 32jährige, von ihrem Manne getrennt lebende Frau kennen, der er sich unter falschem Namen vorstellte. Er verschwieg, Nichtarier zu sein und knüpfte mit ihr ein Verhältnis an, das bis zu feiner Verhaftung dauerte^ Aus der Haft schrieb er ihr einen glühenden Liebesbrief, wofür er mit drei Wochen Arrest belegt wurde. Es wurde vermutet, daß der Angeklagte mit dem Brief die arische Zeugin beeinflussen wollte, doch erklärte der Angeklagte, daß es sich für ihn um eine Herzensangelegenheit handelte. Antragsgemäß wurde der Beschuldigte zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt und als straferschwerend erachtet, daß das Verhältnis lange Zeit währte, daß er sich als Arier ausgab und daß er Abzeichen der HI. und der DAF. trug.
JiunOfunfprogramm.
Freitag, 2, Oktober.
6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause (7): Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Unterhaltungsmusik. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau, hör zu! 11.30: Bauernfunk: Alles fürs Vieh — nichts für den Menschen? 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert, 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Dem Opernfreund (XVIII). 15: Volk und Wirtschaft. 15.15: Kinderfunk. 15.30: Behüt dich Gott, es wär so schon gewesen. 16: Nachmittagskonzert. 17.30: Spaten hat Ruh! 18: Musik aus Dresden. 19: Kammermusik. 19.40: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20: Nachrichten. 20.10: Bunte Platte. 20.45: Crone kontra Technik. Ein Hörspiel von heute. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Unterhaltungskonzert. 24 bis 2: Nachtmusik.
Samstag, 3. Oktober.
6 Uhr: Du Hirte. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Fröhlich klingt's zur Morgenstunde. Bunte Morgenmusik. 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.45: Zum Staatsjugendtaa: HJ.-Sport. 10: Schulfunk. 11: Hausfrau, hör zu! 11.30: Nur Frankfurt: Gaunachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Buntes Wochenende. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Buntes Wachende. 14: Nachrichten. 14.10: Ablösung vor! Neue Schallplatten. 15.15: Volk und Wirtschaft. Allerlei Neuigkeiten. 15.30: HJ.-Funk. 16: Froher Funk für alt und jung. 18: Militärkonzert. 19: Feierabend vor dem Erntedankfest. 20: Nachrichten. 20.10: Bunter Abend mit der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". Musik, Gesang und Scherz erfreut unser Herz. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.15: Sportschau. 22.30: ... und morgen ist Sonntag. 24 bis 2: Nachtkonzert.
Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse.
Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v. H.
Datum
6% Deufiche Reichsanteihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 5%% Doung-Anleihe von 1930 .
Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mii Auslos.-Rechten ............
*¥i% Deutsche Reichspostschatzan Weisungen von 1934, I.......
4Yz% ehem. 8% Hessischer Bolls staat 1929 trückzahlb. 102%) ...
e‘n‘ ist pnft Der Berg liegt noch tief im Schattender verfallene cherbstmond hangt bleich am Himmel. In der Tiefe der Taler ruyt °,e Jie.
belflut. Die nachtbleichen Gipfel der Berge tragen schon Neuschnee, der fast bis zur Waldregion herabreicht. Ganz allein ist der kleine Mensch bei seinen Tieren. Der Hof ist fern, und keiner der Großen hat Zeit, sich um das hütende Kind zu kümmern. Gedanken spinnen sich im kindlichen Haupt, Wünsche und Regungen dämmern auf im kindlichen Herzen. Ganz still ist es ringsumher, die Wälder schauern in der kühlen Morgenluft. Non der fernen Kirche schwingt ein Ton Des Aoeläutens herauf. Da kommt ein jauchzender Schrei vom anderen Hang, wo auch ein Kinderherz bei den Tieren behutsam wacht. Der kleine Hüter horcht auf. Da schallt ein Halterspruch, mit hallender Stimme gerufen, vom Morgenwind fernhingetragen, zu ihm herüber. Jeder Hof kennt seine Sprüche, die auf die Halter der anderen Höfe gemünzt sind. Oft schallen derbe Worte herüber, Die eine noch Derbere Antwort wecken. Lauschend und ernsthaft läßt das Kind den anderen Ruf ausklingen, Dann hebt Die eigene Stimme hallend an, und Ruf und (Begenruf fetzten sich lange von hüben und Drüben fort.
Dann wirb es roieber still. Die Tiere finb zu tief gestiegen, in weiten Sprüngen fetzt ber Halter ihnen nach, umkreist sie unb treibt sie mit Anrebe unb lockenbem Zuspruch roieber auf ben zugewiese- nen Platz. Jetzt ist es Zeit, Atem zu schöpfen, bann roenbet sich ber Blick hinauf zu ben Bergen, bie nun klar unb leuchtenb in ber Morgensonne entbrennen. Der Anblick ergreift auch ein kirchliches Herz. Der Munb finbet kein gesprochenes Wort, aber nun roenbet sich ber junge Mensch hinüber, roo bas Tal sich weitet unb abwärts sinkt, er macht seiner brängenben Seele Luft unb fenbet einen weithal- lenben Juchzer hinüber. Melobisch unb ursprünglich finb biefe Schreie, sie gehören zu ben Bergen wie ber Gesang ber Wilbwasser unb wie bas Rauschen ber Wälber, wie bie Schüsse ber Jäger, bie hoch im Gewänb verhallen, ober wie bie Pöller ber festlichen Tage, bie bas Echo zehnfach wecken, baß es lang an ben Hängen bis zu ben fernsten Höhen verrollt. Unb auch jetzt lauscht bas hütenbe Kinb bem geheimnisvollen Echo ber Bergwänbe, bas ihm mit seiner eigenen Stimme ferne Antwort gibt.
Dann verrinnt bie Zeit, ber Hof ruft bie Tiere, sie werben zurückgetrieben unb folgen willig bem Gebot, sie gehen geschwinderen Schrittes ber Stallung zu. Das Kinb hat seine Pflicht getan, es kehrt zurück zu anberer häuslicher Arbeit.
Wie bei ben Großen, so ist auch bei ben Kinbern bie Orbnung ber Arbeit bestimmt. Jebes Alter ber Kinbheit hat seine Verrichtung, unb sie wechselt mit bem Laus ber Jahreszeiten. In spielenber Gewöhnung nimmt bas Kinb bereits alles in sich auf, was bie späteren Lebensjahre von ihm an ernster Arbeit verlangen. Dem pflügenben Bauer zur Hanb gehend, das Gespann führend, die Egge hebend unb bie Grasbüschel unb bie verfilzten Erb- ballen hinausscbüttelnb, hinter ber Egge bie Klumpen zerkleinernd, bie Wurfweite ber Saat abschrei- tenb, bas Saatgut zutragend, die Gärten jätend, bei ber Heumahb unb beim Schnitt bes Getreibes helfenb, so arbeiten bie Kinber auf ben Grünben Des Hofes unD ebenso mannigfaltig in Haus unb Statt.
Dazwischen ruft bie Schule. Wer bie Schulkinber bes Berglanbes beim Lernen gesehen hat, ber weiß, baß es für sie eine Sache gleichen Ernstes ist wie bie häusliche Arbeit unb wie bas Geschäft ber Großen, Daß sie aber oft auch mit einem unbewußten Lächeln Die Dinge Der Schule nicht gar so wichtig nehmen. Mancher kinDlich klingenDen Belehrung finb sie schon in früher Reife entwachsen, unD beDeutungsvoller als Die gute Schulnote ist Die Bewährung in Der Arbeit auf Dem Hof.
Dabei gebietet Die Schule eine Pflicht, Die oft Das Aeußerste von Den KinDern forDert. Das harte Leben Der Berghöfe unD Der Huben nimmt schon allen kinDlichen Ernst unD alle Kraft in Anspruch. Manchmal ist Der Weg zur Schule weit, ja ftun« Denroeit. Noch Dunkelt Die Nacht, wenn Der Weckruf erschallt. Dann ist oft Arbeit zu leisten, bis Der Aufbruch geboten ist. Von allen Höfen gehen kinD- liche Füße talab zum Dorf. Oft finb biefe Wege vom ganzen Zauber ber Höhe verklärt, wenn bie aufgefjenbe Sonne bie Berge erglühen läßt, wenn bie taufunkelnben Bergblumen in leuchtenber Pracht erglänzen, wenn es hunbertstimmig aus ben Wölbern ruft. Aber oft möchte man ben Weg nicht freiwillig gehen, wenn wochenlange Regen bie Grünbe aufgeweicht haben, wenn ber Schnee Die PfaDe verweht oDer wenn Das fpiegelnDe Eis jeden Halt nimmt. UnD lange Dauert Die Zeit, Da Die Tage kürzer unD kürzer werden, Da Der Weg zur Schule unD Der Der Rückkehr in Der tiefen Dämmerung gemacht roerDen muß. Unb doch schenkt Die
Schule auch Sorglosigkeit unD Freiheit zu gemeinsamem Spiel. So Denkt manches KinD in Der Zeit Der langen Ferien roieDer mit Erwartung an Die Schulwege unD an Das WieDersehen mit Den Ka- meraDen.
Meistens gibt zwar Der Hof selbst Spielgefährten, aber manche KinDer verbringen ihre JugenD im einsamen Schweigen Des Elternhauses, wo Die Großen nur selten Sinn unD FreuDe für Das kinD- liche Treiben ftnben. Da ist es nur Der Sonntag Der guten Jahreszeit, Der mit seinem Kirchgang auch Die-Begegnung mit Den FreunDen bringt, oDer Der im Verlauf Des Tages einen Besuch auf Dem entfernt liegenDen Nachbarhof erlaubt.
Dann ist jäh Die Schulzeit vorbei, für manche zu früh. Da sie währenD Der letzten Zeit schon zugunsten häuslicher Hilfe vom Schulbesuch befreit finb. Schon im letzten Schuljahr finb Die Buben wie Die MäDchen unmerklich in Die Reihen Der Großen ein« gegliedert roorDen. Manches DirnDl hat zu Dieser Zeit bereits zum erstenmal Das SpinnraD surren lassen, mancher Bub hat schon Die Büchse Des Vaters geputzt unD Die Fährte Des WilDes verfolgt. UnD jetzt ist Der EntfcheiD Da, ob Der Hof Das weitere Leben umgrenzen ober ob ber Weg in bie Frembe führen soll. Soweit es geht, gibt ber Hof seinen aufwachsenben Kinbern Arbeit unb Brot.
Wie es auch kommt, ber Hof hat bie Jugenb seiner Menschen reich gesegnet unb tief erfüllt, und wer ihn verläßt, bleibt mit feiner Seele an ihn gebunben.
Zeitschriften.
— Auch in China hat sich, wie ein interessanter Bilbbericht ber „I l l u st r i r t e n Zeitung Leipzig" (I. I. Weder, Leipzig) anschaulich schildert, das moderne „Weekend" eingebürgert. Aber bie uralte Kultur bes „Reiches ber Mitte" hat Die» fer europäischen Sitte ihren eigenen Zauber verliehen; er spiegelt sich auch in ben Aufnahmen, Die ein Europäer als Gast eines reichen chinesischen Salzkaufmannes machen konnte. Ein Beitrag „Theater hinter StachelDraht", in Den Kriegsge- fangenen-Lagern Des Weltkrieges, ohne Frauen unD Requisiten, zeigt, mit wieviel Phantasie, Geschicklichkeit unD Humor theaterhungrige Lagerge« meinschaften hervorragenbe Leistungen auf Die „Bretter" gestellt haben.
oiloer, Oie vor der Wett amla^en
Mord und Brand, Schutt und Asche, zeigen den Weg des Bolschewismus in Spanien. Immer deutlicher wird das grausame, grauenhafte und un- menschliche Wüten bolschewistischer Horden durch die aus Spanien eingehenden Bildberichte, die durch nichts zu widerlegen sind.
Die „Berliner Jllustrirte Zeitung" veröffentlicht in ihrer neuen Nummer vom 1. Oktober eine Bildserie „Bilder, die vor der Welt anklagen", die einen erschütternden Einblick in die Vorgänge auf spanischem Boden gibt.
Die soeben eingetroffenen Bilder sind von einer solchen Eindringlichkeit, daß sie jeder Deutsche gesehen haben muß.
25 Jahre Arbeit für das Kolonial-Oeutschtum.
Wie uns vom Reichskolonialbund Deutsches Rotes Kreuz über See mitgeteilt wird, begeht die Abteilung Gießen in diesem Jahre das Fest ihres 25jährigen Bestehens. Sie wurde vom Landesverband Hessen aus im Herbst des Jahres 1911 begründet und arbeitete sich schnell in ihren Wirkungskreis ein. Ziel des bald kräftig sich entwickelnden Orts-Vereins Gießen war die Ausbildung von Schwestern und deren Verschickung in die Kolonien, Einrichtung von Kindergärten, Mithilfe in Krankenhäusern, kurz die Betreuung der Kolonialdeutschen in fürsorgerischer Beziehung. Unter Einsatz der ganzen Kraft ist mit größter Pflichttreue und Hingabe im Vereinsgebiet gearbeitet worden, und die Hinausgesandten fühlten in ihrem schweren Beruf stets den Halt der eifrigen Tätigkeit im Heimatland. So hat der Verein sich Jahrzehnte hindurch lebendig erhalten, schwerste Zeiten überwunden und ist auch heute noch in vorbildlicher Weise tätig, seine Aufgaben weiterhin zu fördern und zu leisten.
Neue Werkstoffe im Malerhandwerk.
Der Obermeister der Maler-Innung Gießen, Kreishandwerksmeister Stuhl er, hatte für den gestrigen Mittwochnachmittag zu einer Versammlung in das Schützenhaus zu Gießen eingeladen, an der die Berufskameraden der Innung und eine Anzahl Architekten teilnahmen. Der Obermeister erläuterte zunächst den Zweck der Zusammenkunft, der darin bestehe, aus berufenem Munde über jene Werkstoffe Aufklärung zu erhalten, die in Zukunft verwendet werden müssen, um eine Beschränkung der Einfuhr technischer Oele und Fette aus dem Ausland zu erreichen. Der Obermeister wies im engsten Zusammenhang damit auf die Anordnung 12 der Ueberwachungsstelle für industrielle Fettversorgung hin, die einige Beschränkungen in der Verwendung von Leinölfirnissen auferlegt, aber keinerlei Qualitätsverschlechterung der 'Anstriche herausfordert.
Bezirks - Jnnungsmeister Bäuerle- Frankfurt a. M. sprach eingehend über die durch die Anordnung 12 der Ueberwachungsstelle für industrielle Fettversorgung geschaffene Lage. Er stellte dabei besonders heraus, daß es nicht etwa eine „Not" gebe, die die Maler zu Einschränkungen veranlasse, vielmehr bringe die Anordnung nur zum Ausdruck, daß es lediglich einer besseren Einteilung des vorhandenen Materials bedürfe und daß es zweckmäßiger eingesetzt bzw. verwandt werden müsse. Das heiße, so führte er u. a. aus, daß Oelanstriche nur dort ausgeführt werden sollten, wo sie unbedingt nötig seien. Er betonte ferner, daß der neue Einheits-Leinöl-Firnis, wie er von allen einschlägigen Firmen hergestellt werde, in seinem Oelge- halt allen Anforderungen entspreche. Der Redner beschäftgte sich anschließend mit den durch die deutsche chemische Industrie geschaffenen synthetischen Cblor-Kautschuk-Lacken, mit den Eigenschaften dieser Lacke, ihrer Verwendung, Bewährung und ihrer Wirtschaftlichkeit. Er forderte abschließend auf, in der Zusammenarbeit von Bauherr, Architekt und Malermeister der durch die Anordnung 12 geschaffenen Lage Rechnung zu tragen.
Kreishandwerksmeister Stüh l er schloß die Versammlung mit dem Versprechen, daß das Maler- Handwerk alles tun werde, um die Reichsregierung in ihren Bemühungen um die Unabhängigmachung der deutschen Wirtschaft von den Rohstoffmärkten des Auslandes nach besten Kräften zu unterstützen. Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler klang die Versammlung aus.
Haupkversammtung der Ma er-Innunq Gi-tzen.
Die Malerinnung für den Kreis Gießen hielt im Cale Leib ihre Hauptversammlung ab. Obermeister Stühler erstattete den Jahresbericht, dem der Kassenbericht folgte. Noch einmal dankte er seinen Mitarbeitern für die treuen Dienste während einer Zeit, die durch die vielfältigen Aufgaben auch an ihn hohe Anforderungen gestellt habe. Hierauf nahm der stellvertretende Obermeister die Wiederwahl des Obermeisters vor, zu der auch der Bezirksinnungsmeister Bäuerle, Frankfurt a. M. sprach, d°r auf die vielen Aufgaben aufmerksam machte, die ein Obermeister zu bewältigen habe. — Obermeister Stühler wurde einmütig wiedergewählt.
Der Bezirksinnungsmeister Bäuerle- Frankfurt a. M. sprach über die tiefgreifende Umwälzung, die sich im heutigen Handwerksleben durchsetzt und die durch die Auffindung neuer Wege zur Materialbeschaffung dazu angetan ist, eine Verinnerlichung der Arbeit, eine Einfachheit im Materialanspruch und im Materialverbrauch herbeizuführen, durch die sich eine neue Schönheit der Arbeit ausprägt. Ganz besonders ging er auf die Frage der neuen Werkstoffe ein. Die „Braune Messe" bringt in ihrer Ausstellung der Maler die Farbtafeln der neuesten Materialien, deren Anschauung der Vortragende allen Berufskameraden dringend empfahl. Das Malerhandwerk müsse wieder zur Einfachheit zurückkehren und sich auf die Kalkfarben einstellen. Der Maler müsse sich wieder seine Farben selbst Herstellen, weil er dabei besser und billiger fahre. Er werde dadurch stärker nachdenken müssen und wieder zu einer verinnerlichen Arbeit und neuer Schönheit und Kunstgestaltung kommen. Bei der Ausführung ihrer Arbeiten müßten die Malermeister ihre Preise so berechnen, daß sie die geringe Verdienstspanne, die ihnen noch gelassen ist, richtig und voll aus- werten. Die Handwerker müßten bestrebt fein, sich an die Richtlinien des Reichsoerbandes zu halten, weil sie dadurch am besten der Bedarfsregelung der deutschen Wirtschaft helfen und dem Wiederaufbau des Vaterlandes dienen.
Obermeister Stühler dankte dem Redner für die wertvollen Ausführungen. Er dankte auch den Berufskameraden für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und wies auf die vielen und großen Aufgaben hin, die dem Handwerk gestellt sind. Auf die Schulungs- und Fortbildungsarbeit für jüngere und ältere Gesellen und Meister wurde mit Nach-
Schwurgericht in Gießen.
Der Karl Hamel, geb. 28. 12. 1881 in Frischborn, wohnhaft in Frankfurt a. M., steht unter der Anklage, am 9. Dezember 1935 in einer Berufungsoerhandlung eines am Landgericht Gießen anhängig gewesenen Zivilprozesses, den die Spar- und Darlehenskasse Frischborn gegen ihn aus Bürgschaft angestrengt hatte, unter Eid der Wahrheit zuwider abgeftritten zu haben, daß er zwei Kreditscheine als Bürge unterschrieben habe.
Der Angeklagte war vor dem Kriege längere Zeit in Frankreich und England beruflich tätig und machte sich später in Frankfurt a. M. selbständig. Er ist bis heute noch nicht mit dem Strafgesetzbuch in Konflikt gekommen. Bei seiner Der- nehmuna vor dem Schwurgericht gab er an, daß er aus Liebe zu seinem Heimatorte an der Gründung einer Leineweberspinnerei in Frischborn sich beteiligt hat. Das Unternehmen, das zunächst recht aut ging, geriet später infolge der allgemeinen Wirtschaftslage in Schwierigkeiten, so daß verschiedene Kredite ausgenommen werden mußten. So mußte u. a. ein Kredit bei der Spar- und Darlehenskasse Frischborn in Höhe von 7000 RM. ausgenommen werden. Der Angeklagte, der sich in guten wirtschaftlichen Verhältnissen befindet, hat
nun mit einigen anderen Gesellschaften die Bürgschaft für diesen Kredit übernommen. Als die Kaste Rückzahlung von der Leineweberei nicht erhalten konnte, wurde der Angeklagte als Bürge in Anspruch genommen.
In dem in erster Instanz am Amtsgericht Lauterbach anhängig gewesenen Prozeß behauptete der Angeklagte, er habe nur eine handschriftliche Bürg- schaftsurkunde, nicht aber zwei weitere Kreditscheine, die die Grundlage dieses Prozesses bildeten, unterschrieben. Er wurde auf Grund von Schriftoergleichen verurteilt. Der Angeklagte legte gegen dieses Urteil Berufung ein und stritt nun in der Berufungsinstanz, in der er als Partei vernommen wurde, unter Eid ab, außer der handschriftlichen Urkunde weitere Derpflichtungsscheine unterschrieben zu haben.
In der gestrigen Beweißaufnahme wurden zwei Schriftsachverständige vernommen, die beide aussagten, daß wohl kein Zweifel bestehen könne, daß die unter den Kreditscheinen befindlichen Unterschriften die des Angeklagten seien. Die Beweisaufnahme zog sich bis in die späten Abendstunden hin. Das Gericht vertagte dann die weitere Verhandlung auf Donnerstag vormittag.
Einzelhandelstagung in Gießen.
Anläßlichder „Braune Messe — Deutsche Woche" hatte die Wirtschaftsgruppe Einzelhandel, Bezirksgruppe Hessen, Kreisgruppe Gießen, den gesamten Einzelhandel des Bezirks Gießen auf den gestrigen Mittwochnachmittag nach Gießen zum gemeinsamen Besuch der „Braunen Messe" und zu einer Tagung eingeladen.
zur Gewinnung unserer Unabhängigkeit vom ausländischen Rohstoffmarkt erfolgreich geführt und im Hinblick auf die Verbraucherschaft gewonnen. Nach dieser Richtung hin habe auch der Einzelhandel eine große Aufgabe zu erfüllen, der sich jeder Einzelhandelskaufmann immer bewußt fein müsse.
Albert Karsten wurde 1902 zum Dirigenten berufen, der den Verein 23 Jahre mit Lust und Liebe leitete. In dieser Zeit war das Können des Chores beachtenswert. Von den Ehrenvorsitzenden feien erwähnt H. Röhmiy (gestorben 1915) und Alwin Hardt, beide langjährige Ehrenmitglieder im Verein und Vorbilder in der Arbeit im Dienst am deutschen Lied. Zwei Mitgründer sind noch als Ehrenmitglieder im Verein tätig. Es sind die Gebrüder Ludwig und Georg Beimborn. Beide konnten im vergangenen Jahre für 50jährige Mitgliedschaft geehrt werden. Zu den Gründungsvereinen des Hessischen Sängerbundes gehörten auch die „Harmonie" und die „Gemütlichkeit".
Der Großsche Männerchor wurde am 29. Sept. 1933 aus diesen Vereinen gebildet und zwar unter dem Namen seines Dirigenten Musiklehrer Philipp Groß, 30 Ehrenmitglieder l)at der Verein in seinen Reihen. Dreifache Tradition bemüht sich nun, in Liebe und Eifer vereint, unser deutsches Liedgut weiter zu hegen und zu pflegen.
Gießener Öochenmarftpreife.
* Gießen, 1. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, VA kg 1,57 Mark, f. Molkereibutter 1,52, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse B 11, Wirsing, grün, % kg 7 bis 8, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8, Bohnen, grün, 15 bis 20, Unterkohlrabi 8 bis 10, Erbsen 20 bis 35, Feldsalat 80 bis 90, Tomaten 15, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 35, Kürbis 5 bis 6, Pilze 50 bis 60, Kartoffeln, 5 kg 40 Pf., 50 kg 3,50 bis 3,70 Mark,
Kampf dem Verderb
rettet kostbares Volksvermögen und dient unserer Vahrungsfreiheil.
Im Anschluß an die Besichtigung der „Braunen Messe" fand die Tagung bei starker Beteiligung aus Gießen und aus zahlreichen Orten der Provinz Oberhessen unter dem Vorsitz des Leiters der Kreisgruppe Gießen, Kaufmann Horst, im Saale des Cafe Leib statt. Nach kurzen Begrüßungsworten des Vorsitzenden, der besonders die Vertreter der Behörden willkommen hieß, sprach zunächst der Bezirksgruppenleiter Kö;ler=$ranffurt über „Die Lage im Einzelhandel im Rahmen der Gesamtwirtschaf t". Er betonte einleitend, die Einzelhandelsorganisation habe im Rahmen der Wirtschaftsgruppe alles getan, um dem Einzelhändler den nötigen Rückhalt zu verschaffen. Nunmehr komme es auf jeden einzelnen an, wie er sich zu der Frage des Berufsstandes stelle. Irgendwelche Minderwertigkeitsgefühle dürfe es in Zukunft nicht mehr geben. In den letzten drei Jahren fei es der gemeinsamen Arbeit in der Organisation bereits gelungen, mancherlei Schwierigkeiten Herr zu werden. In Einigkeit und Geschlossenheit müsse auch künftighin alle Arbeit darauf gerichtet sein, die jetzt noch bestehenden Schwierigkeiten zu überwinden. Dabei sei es selbstverständliche Verpflichtung aller Einzelhändler, bei all ihrem Tun BeriUsstolz und Berufsehre zu bekunden.
Der Redner wies sodann auf den Merjahresplan des Führers hin und betonte, daß nach diesem Plane nicht nur die Produktion ein reicyes Aufgabengebiet zur Lösung erhalten habe, sondern auch der Einzelhändler als Warenverteiler ein großes Stück Arbeit mitleisten müsse. Enges Zusammenstehen sei bei dieser Mitarbeit dringend erforderlich. Daneben sei aber auch die Aufgabe der Berufsförderung der Einzelhändler als Betriebsführer von großer Bedeutung. Auf diesem Gebiete sei erfreulicherweise in den einzelnen Fachgruppen schon viel gute Arbeit geleistet worden, die alle Anerkennung verdiene. Aber damit sei es noch nicht genug. Es müsse weiterhin als hauptsächliche Aufgabe angesehen werden, sich mit allen Berufsförderungsaufgaben gründlich zu beschäftigen, im wohlverstandenen Interesse und zur Mehrung des Ansehens des Berufsstandes. Das werde für manchen Einzelhändler vielleicht eine völlige innere Umstellung bedeuten. Aber wenn es dem Führer gelungen sei, aus einem vielfach zerrissenen und in unzähligen Interessengegensätzen gespaltenen Volke ein einheitliches und geschlossenes Volk zu machen, so dürfe auch die Arbeit zur einheitlichen Aufrichtung des Einzelhandels nicht unmöglich fein.
Am Schluffe feiner interessanten Darlegungen hob der Redner die starke Verpflichtung der Einzelhandelskaufleute hervor, die sich in ausreichendem Maße Kenntnisse von der Güte der durch die deutsche Chemie und die deutsche Technik aus deutschen Bodenschätzen geschaffenen Waren anzueignen und alles dafür zu tun, daß diese deutschen Waren in gebührender Weise Eingang in allen Kreisen der Perbraucherschaft finden. Dadurch werde nicht nur der Warenbeschaffung aus deutschen Rohstoffen die verdiente gebührende Anerkennung verschafft, sondern damit werde auch die wirtschaftliche Schlacht
druck hingewiesen. Die Gesellen- und Meisterprüfungskurse haben bewiesen, wie erfolgreich solche Fortbildungsarbeit für den ganzen Berufsstand ist. Auf die Erfüllung der „Adolf-Hitler-Spende", die im Vorjahr sehr beträchtlich ausgefallen war, wurde mit Nachdruck verwiesen. Mit dem Bekenntnis zum Führer wurde die Tagung geschlossen.
SOIahreGros'scherMännerchorG eßen
Am 17. Oktober kann der Groß'scher Männerchor auf ein 90jähriges Bestehen zurückblicken. Alte Gießener Gesangvereine sind unter diesem Namen vereinigt. Der Gesangverein „Harmonie" 1846, der Gesangverein „Concordia" 1864 und der Gesangverein „Gemütlichkeit" 1885. Viele ältere Gießener Bürger werden die Namen der genannten Vereine noch in guter Erinnerung haben, da sie viele Jahrzehnte in Blüte standen und bei mancher öffentlichen Feierlichkeit mitgewirkt haben.
Ueber dem Verein „Harmonie", in den Jahrzehnten seit seiner Gründung, ist nicht viel bekannt, da Protokolle erst in den späteren Jahren geschrieben wurden. Erwähnt sei, daß die Harmonie neben dem Turnverein, der einzige Gesangverein war, der zweimal bei den Schillerfeiern mitgewirkt hatte. Einmal bei der am 100. Geburtstage Schillers 1859 erfolgten Pflanzung der Schillerlinde auf dem Lutherberge und dann 1905 am 100. Todestage des großen Dichters, bei Errichtung des Schillersteines am gleichen Ort. Als anfangs der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts das Vereinswefen sehr emporblühte, schloffen sich die Gesangvereine unserer Gegend 1860 zu einem Bunde zusammen, der anfangs den Namen Deutscher Sängerbund führte; bis 1863 die Bezeichnung „Lahntalsängerbund" angenommen wurde Der Verein gehörte dem Bunde bis zu dessen Auflösung 1933 an. Besonders erwähnt fei das 60. Jubiläum in Verbindung mit
Hauptgeschästsführer Or. Tripp, Frankfurt a. M.
sprach anschließend in grundsätzlichen Darlegungen über das Einzelhandelsschutzaesetz, das Gewerbe- reckt unter besonderer Berücksichtigung des Hausier- uno des Wanderhandels, die Wettbewerbsverhältnisse und die Pumpwirtschaft. Er betonte zunächst insbesondere die rechtliche Lage auf Grund des Einzelhandelsschutzgesetzes, nach' welcher zur Neueröffnung eines Geschäftes ausreichende Fach- fenntnifje, persönliche Zuverlässigkeit und entsprechende Kapitalkraft des Interessenten für ein neues Geschäft vorhanden sein müssen. Ferner wies er darauf hin, daß auch die Frage einer Übersetzung der Branche eine Rolle spiele, bevor die zur Zulassung des Geschäfts maßgebende Behörde ihre Entscheidung fällen könne. Er gab in seinen Darlegungen dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck, daß das jetzige Einzelhandels schütz gesetz in absehbarer Zeit zu einem Einzelhandels b e r u f s= gesetz erweitert werde, ferner eine Reihe von Lücken ausgefüllt würden.
Hinsichtlich des Gewerberechts hob er hervor, daß bei der Bewilligung von Wandergewerbescheinen oder Hausierschsinen die Behörden die sorgfältigste Prüfung aller Begleitumstände anwenden müßten, um Mißhelligkeiten und Schäden von vornherein nach bester Möglichkeit zu verhüten, da oft der Versuch gemacht werde, mit Hilfe dieser Erlaubnisscheine die Bestimmungen des Einzelhandelsschutzgesetzes zu umgehen. Auch nach dieser Richtung hin brachte der Redner die Erwartung zum Ausdruck, daß eine Neuordnung der Gewerbeordnung Abhilfe von bisherigen Mängeln bringen werde. Weiterhin wandte er sich bei einer kurzen Betrachtung der Wettbewerbsverhältnisse mit allem Nachdruck gegen sog. Koppelverkäufe, die eine Verletzung des Zugabengesetzes bedeuten. Abschließend beschäftigte er sich noch kurz mit der im Einzelhandel vielfach noch vorhandenen Borgwirtschaft. Er betonte dabei die dringende Notwendigkeit, an die Stelle des jetzigen Kreditverkaufs einen organisierten Kredit auf Grund einer sorgsam aufgebauten Geldwirtschaft einzurichten und damit den Barkauf in den Einzelhandelsgeschäften möglich zu machen.
In Verbindung mit den abschnittweisen Darlegungen des Redners war Gelegenheit zur Aussprache gegeben, von der in reger Weise Gebrauch gemacht wurde. Es kamen dabei zahlreiche Fälle zur Sprache, die von der Leitung der Bezirksgruppe zur weiteren Bearbeitung und Abstellung von Mißständen aufgegriffen wurden.
Kreisgruppenleiter Horst
schloß sodann die Tagung, da für die weiteren Nachmittagsstunden noch Beratungen der verschiedensten Fachgruppen vorgesehen waren. Vor dem Schluß der Tagung bekundete die Versammlung ihre Verbundenheit mit dem Führer und seinem Werk, sowie ihren Dank an den Führer für die bisherige starke Hilfe mit freudigem Sieg-Heil-Ruf.
dem Bundesfest des Lahntalsängerbundes 1906 als große Feier auf dem Oswaldsgarten. Von dem Bundesfest wissen noch heute Mitglieder zu berichten, die es miterlebten. Auch Bilder zeugen noch von vergangenen Tagen. An aktiven Ehrenmitgliedern seien genannt die Sangesbrüber Heinr. Rabenau, Ernst Ruckelshaus und Julius Gräeser.
Im Jahre 1864 gründeten junge Männer den Gesellschaftsverein „Concordia". Die Mitglieder bestanden aus Sängern verschiedener Gießener Gesangvereine. Sie fanden sich zusammen, um in geselligem Beisammensein und beim Gesang von Liedern Stunden der Erholung zu genießen. Erst von August 1886 ab wurden regelmäßige Singstunden abgehalten. Die Namen der Gründer waren Karl Moll, Franz Reiber, Sack, Todt, Völken, Klees, Wilker und May. Besondere Erwähnung gebührt unter den angeführten Gründern Karl Moll, dem langjährigen Ehrenvorsitzenden. Seit der Gründung bis zu seinem Hinscheiden im November 1922 war er unermüdlich in der Concordia tätig. Der langjährige erste Vorsitzende Philipp Horn erwarb sich große Verdienste um den Verein. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Das Ehrenmitglied Wilhelm Dechert kann auf eine 28jährige Mitgliedschaft zurückblicken. Von vielen Dirigenten, die den Verein leiteten, war feit 1922 Musiklehrer Philipp Groß verpflichtet, der auch heute noch den Verein leitet.
Die Freude am Gesang und die Liebe zur geselligen Vereinigung veranlaßten im Jahre 1885 einige sangesfrohe Männer, den Gesangverein „Gemütlichkeit" ins Leben zu rufen. Auch er war in den weitesten Kreisen ein bekannter Verein. Hatte er doch öfter Gelegenheit, bei größeren Festen mitzuwirken. Seit 1901 gehörte der Verein dem Lahntalsängerbund an. Musiklehrer und Organist
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Aepfel, 15 bis 25, Falläpfel 3 bis 6, Birnen 10 bis 15, Zwetschen 7 bis 9, Nüsse 35 bis 45, Brombeeren 35, Preiselbeeren 35 Pf., Hähne 1 bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 1 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Ps^, Blumenkohl 10 bis 60, Salat 5 bis 15, Salatgurken 10 bis 25, Einmachgurken 2 bis 5, Endivien 5 bis 10, Oberkohlrabi 4 bis 8, Lauch 5 bis 8, Sellerie 20 bis 25, Radieschen, das Bündel 10, Rettich, das Stück 5 bis 10 Pf.
* * Die Dien st stunden bei den Gießener Gerichtsbehörden (Landgericht, Staatsanwaltschaft und Amtsgericht) sind, wie der Preffe- dezernent beim Landgericht Gießen uns mitteitt, für die Zeit vom 1. Oktober 1936 bis 31. März 1937 wie folgt festgesetzt worden: Montag bis Freitag von 8 bis 13 und von 14,30 bis 18 Uhr, Samstag von 7.30 bis 13 Uhr.
* * Dienstjubiläum. Am heutigen 1. Oktober kann der Prokurist Georg Friedrich Rinn, wohnhaft in Heuchelheim, auf eine 25jährige Tätigkeit im Hauptgeschäft der Zigarrenfabrik Joh. Balth. Noll in Gießen zurückblicken. Der Firmeninhaber, Kommerzienrat Noll, und die Arbeitskameraden bereiteten dem allseits geschätzten Jubilar heute vormittag im Rahmen einer schlichten Feier wohlverdiente Ehrungen.
* * Jubiläum bei der Reichsbahn. Der Reichsbahnzugführer Wilhelm Hohmann kann am heutigen Donnerstag, 1. Oktober, auf eine 25jährige Tätigkeit im Dienste der Reichsbahn zu- rüblicken. Der Jubilar wohnt ebenfalls 25 Jahre im Hause Cderstraße 18.
** Mieterjubiläum. Am heutigen Donnerstag, 1. Oktober, wohnt die Familie Karl Flett seit 30 Jahren im Hause Christian Jnderthal, Seltersweg Nr. 55. Das Jubiläum ist ein gutes Zeichen des Einvernehmens zwischen Mieter und Vermieter.
** Schulpersonalien. In den Ruhestand versetzt wurden auf Antrag der Lehrer Georg Hartung zu Rödgen (Kreis Gießen) und der Lehrer Karl Wölfelschneider zu Oppershofen (Kreis Friedberg), ferner nach Erreichung der Altersgrenze der Lehrer Karl Börmer zu Lich (Kreis Gießen) unter Anerkennung feiner dem Reiche geleisteten treuen Dienste.
** Grund st ücksverpachtun gen der Stadt Gießen. Die Stadtverwaltung Gießen gibt im heutigen Anzeigenteil eine umfangreiche Bekanntmachung über zahlreiche Termine für Grundstücksverpachtungen der Stadt Gießen bekannt. Interessenten seien besonders auf diese Bekannmachung hin- gewiesen.
** Die Verlängerung der Gültigkeitsdauer der Sonntagsrückfahrkar- k art en. Zu der bereits angekündigten, am 4. Oktober in Kraft tretenden Verlängerung der Gültigkeitsdauer der Sonntagsrückfahrkarten wird, um Irrtümern vorzubeugen, ergänzend bemerkt, daß die Rückfahrt am Montag spätestens um 24 Uhr beendet fein muß. Entsprechend muß die Rückfahrt auf Mittwochrückfahrkarten spätestens am Donnerstag um 3 Uhr beendet fein. Es war vielfach die Meinung entstanden, als fei 24 Uhr bzw. 3 Uhr der späteste Zeitpunkt des Antritts der Rückreise.
** Einstellung des Postanweisungs- verkehrs mit der Schweiz. Der Postanwei- fungs-, Postüberweisungs-, Postauftrags-, Nachnahme- und Gebührenzettelverkehr zwischen Deutschland und der Schweiz ist in beiden Richtungen bis auf weiteres eingestellt worden.
** Schüler-Morgenfeier In der Klavierschule Schlesier-Altmann. Man schreibt uns: Die Pflege deutscher Hausmusik ist eine wesentliche Ausgabe in der Erziehung der deutschen Jugend. Guter Unterricht auf der einen, eifriges Studium und Hingabe auf der anderen Seite sind nötig, um dem Volksganzen verlorene Bezirke zu erschließen und befruchtend zu wirken. Die Vortragsfolge dieser Sonntag-Morgenfeier wurde eingeleitet von Ensemble-Musik, wie sie in jedem Haus von musikalischen Kindern ausgeführt werden kann. Helmut Knoll und Ruth Wintterlin ßgtt"n b"' ihrem Sviel eine verständnisvoll ein- fühlende Stütze an ihrer Lehrerin. Andere Schüler spielten selbständig; besonders hervorzuheben war der rhythmisch exakte Vortrag von Enckhausens „Bolero" durch H. Dem und M. S t i tz. Ueber diesen Rahmen hinaus gingen schon die Leistungen der Geschwister H. und I. Dietz, die mit sicherem Geschick eine Mozart-Sonate bewältigten. Rosemarie Wellstein gab dem zweiten Teil einen vorzüglichen Auftakt mit Kullaks „Wanduhr", die frisch und auswendig gespielt wurde. Es folgten klassische Stücke von kleinerem Format, die M. Heißler, M, Krämer, I. Giesler, H. Bern, M. Stitz mit gutem Ausdruck zu Gehör brachten. Eine schöne technische Leistung gab Marianne Krämer m»t den auswendig gebüßten Charakterstücken von Grieg und Niemann. Musikalisch besonders gut empfunden klang der 1. Satz von Havdns C-dur-<5nnate in der Jntervretation von Helmut Dietz. Seine Schwester beschloß den Morgen mit einem Sonatensatz von Beethoven.
er-
dürfte,
Die Jagd im Oktober
Oktoberjagd-Herbstjagd: im Walde, den der große taler Herbst in eine Fülle bunter Farben getaucht
gehabt.
(Fortsetzung folgte
er- am ein
die Folgen zu tragen haben.
Das Rebhuhn, das in Revieren mit regel« mäßiger Hege (Fütterung, Deckungsanlagen, ver« nünftiger Abschuß) in diesem Jahre z. T. wesentlich besseren Besatz aufwies als seither, kann noch besagt werden.
Zu ihm gesellt sich im Oktober der Fasan. Es ist erfreulich, daß aus vielen Revieren von Besserung im Fasanenbesatz berichtet werden kann. Wenn regelmäßig etwas für seine Winterfütterung geschieht, das Raubwild (Dachs!) kurzgehalten und er nicht zu oft durch Besagen beunruhigt wird, dann wird er immer mehr zu einem Bestandteil aller Reviere werden. Daß unsere Reviere im allgemeinen noch keinen Hennenabschuß vertragen, dürfte klar sein. Es müßte jeder Jäger als seine Ehrenpflicht betrachten, an der Hebung des Fajanenbesatzes mit- zubelfen. , .
Die Waldschnepfe zieht und streicht in der Dämmerstunde, in nassen Wiesen wurmt die Bekassine.
Die Enten ziehen. Der Stockerpel hat seine Mauser hinter sich und trägt nun sein Prachtae- wand. Jetzt macht die Entenjagd erst richtig Freude.
Wenn die Zwetschen reif sind, ist Grimbart, der Dachs, feist, und die beste Zeit zum Graben ist da.
Wo der Mäusebussard sich zu stark vermehrt hat und zu Schaden geht, kann seine Zahl jetzt vermindert werden. Im Hinblick auf seine Mäuse vertilgende Tätigkeit kann dies aber nur dort vertreten werden, wo z. B. Fütterungen regel- mäßig von ihm „bejagt" werden, oder er sich zum „Geflügelliebhaber" entwickelt, wie das vorzukommen pflegt.
Ueberall sammelt die Jugend jetzt die braunen Früchte der Rostkastanie, die für das Wild ein hochwertiges Winterfutter darstellt. Unser Rehwild nimmt sie allerdings meist nur dort auf, wo es die Frucht kennt, weil z. B. tragende Bäume in dem Revier stehen. Rotwild dagegen nimmt sie immer gern an. Darum sollte kein Rotwildjäger diesen Segen ungenutzt lassen, sondern die Früchte aufkaufen und so seinem Wilde ein wertvolles Futtermittel sicherzustellen und gleichzeitig damit andere Futterarten schonen, die für den verbrauch in der Viehhaltung benutzt werden können. Da 311
Maler Herbst in eine Fülle bunter Farben getaucht hat, im Felde, das nun frei ist, oder auf dem der Landmann die letzte Ernte birgt, am Wasser, wo der Erpel im schönsten Prachtgewandte prahlt! O könnte es Herbst im ganzen Jahre bleiben, das wär' es, was mein Herz begehrt!
tergebracht, wobei es empfehlenswert fein sich mit einer Schlafdecke zu versehen.
Oberhesfen.
Landkreis Gießen.
Das Deutsche Frauenwerk für den Kreis Gießen veranstaltete im Anschluß an die sehr lehrreiche und interessante Ausstellung der RS.-Frauenschaft in der „Braunen Messe" in der Dolkshalle eine Kundgebung im Wirtschaftszelt. Rach einem einleitenden Musikstück einer zahlreichen Ziehharmonikagruppe prach die
Kreisfrauenschastsleiterin Frau Llse Wrede
lich aus wie im vorigen Jahre.
4 Lauter, 30. Sept. Am Samstag verpachtete hier ein hiesiger Einwohner seinen Grundbesitz. Für den Morgen wurden, da wenige Pachtliebhaber anwesend waren, etwa 30 bis 35 Mark Pacht bezahlt. — Gestern fand die G e m e i n d e 0 b st - Versteigerung statt. Zahlreiche Kaufliebhaber, besonders auswärtige Händler, trieben die Preise in die Höhe, so daß ein beträchtlicher Gesamterlös erzielt wurde. Maßgebend für die Preise war die Sorte und Qualität. Der Zentner Tafelobst kostete am Baum im Durchschnitt 10 bis 15 Mark. Für Wirtschaftsobst wurden etwas geringere Preise zielt. Für Kelteräpfel wurden 3 bis 4 Mark Baum bezahlt. Für einige Bäume wurde Höchstgebot von über 50 Mark abgegeben.
Kreis Büdingen.
4 Bad Salzh auf en, 30. Sept. Zur Erinnerung an den Tag der Grundsteinlegung zum Kaufmanns-Erholungsheim vor 25 Jahren fand eine einfache, wohlgelungene Feier statt. Ein Vertreter der Gesellschaft für Kaufmanns- Erholungsheime hob besonders die soziale Bedeutung dieser Heime hervor, die in Zusammenarbeit
Die Frau als Helferin im Kampf gegen den Verderb
Kundgebung des NG.-Frauenwerks.
Haarwaschen — aber ohne Erkältung! Kühle Tage sind kein Grund mehr, die notwendige Haarwäsche hinaus- zuschieben. Man wäscht das Haar mit dem seifenfreien Schwarzkopf - Extra (Mild, Blond oder Zart), dann trocknet es in der halben Zeit. Wenn es aber noch schneller gehen soll, dann nimmt man die Trocken-Haarwäsche Schwarzkopf-Trocken-Schaumpon. Einfach leicht pudern, kräftig ausbürsteii! Erfolg: in 3 Minuten schönes Haar!
vielfachen Möglichkeiten auf, Nahrungsmittel so zu lagern und zu bewahren, daß sie zum Vorteil für die Familie werden. Sie wies auch auf die Auswertung von Obst und Beeren aller Art hin.
Zu der richtigen Aufbewahrung der Nahrungsmittel kommt deren richtige Zubereitung, die richtige Verwendung. Wichtig ist dabei der frühzeitige Einkauf, der mit Bedacht und Ruhe eine gute Auswahl ermöglicht. Die Hausfrau soll auch ihren Wareneinkauf bei bestimmten Kaufleuten tätigen und nicht von einem zum anderen gehen. Dadurch hilft sie mit an einer richtigen Warenverteilung und an der Vermeidung von Verderb in den Warenlägern der Kaufleute. Die Hausfrau darf nicht unvernünftig sein und darf nicht in knapper Zeit gerade nach der knappen Ware fragen, nur um die Schwierigkeiten zu vergrößern. Eigennützigkeit ist nicht am Platze, und wer die Festpreise überbietet, wird genau so bestraft wie derjenige, der sie annimmt. In der Abteilung Hauswirtschaft und Volkswirtschaft des Deutschen Frauenwerkes wird durch Schulungen und Dorträae die deutsche Frau so vorbereitet, daß sie mithelfen kann am Aufbauwerk.
Neben den Nahrungsmitteln gilt es die Stosse aller Art vor schädlichen Tiereinwirkungen oder vor dem Mülleimer zu bewahren. Was nicht mehr der NSV. zugewiesen werden kann, soll gesammelt werden, wie z. B. Aluminiumkapseln von den Milchflaschen, altes Eisen, Papier, Pappe, die an sich wertlos sind, damit sie in der Verarbeitung dem Dolksvermögen erhalten werden können.
Kreisfrauenschaftsleiterin Frau Wrede dankte der Vortragenden für den beifällig aufgenommenen Vortrag. Gleichzeitig kündigte die Kreisfrauenschaftsleiterin an, daß auf Grund der Erfahrungen der „Braunen Messe" durch einen Aufruf zur Sammlung von Rohmaterialien aufgefordert werden soll, das dann von dem Jungvolk von Haus zu Haus abgeholt werden wird. Sie schloß die Kundgebung mit einem Treugelöbnis zum Führer.
Kreis Alsfeld.
♦!♦ Ruppertenrod, 30. Sept. Dieser Tage versteigerte unsere Gemeinde ihr diesjähriges O b st. Die Menge der Aepfel und Birnen war verhältnismäßig gering. Dementsprechend lagen die Preise außerordentlich hoch. Noch niemals war das Obst so am Preise, wie in diesem Jahre. Die Zwetschen wurden einige Tage früher versteigert.
—Homberg (Ohm), 30. Sept. Der Auftrieb zum heutigen Schweinemarkt betrug nur 145 Stück Ferkel. Für das Stück wurden 15 bis 23 RM. bezahlt. Der Handel verlief schleppend; es verblieb Ueberftand.
Die Gonderzüge aus Heffen-Naffau zum Bückeberg.
Lpd. Frankfurt a. M., 30. Sept. Wie bereits mitgeteilt, werben aus Hessen-Nassau zwei Sonder- züge zum Erntedankfest auf dem Bückeberg gefahren. Für die Teilnehmer aus der Provinz Starkenburg und aus O b e r h e s f e n fährt am 3. Okto- der, 15.10 Uhr, ein Sonderzug in Darmstadt ab, der Zwischenstationen in Arheilgen, Langen, Buchschlag-Sprendlingen, Frankfurt a. M., Vilbel, Friedberg, Butzbach, Gießen, Langeland hat und in Hameln um 23.12 Uhr eintrifft. Die Rückfahrt dieses Sonder^uges ist aus den 5. Oktober, 7.55 Uhr, ab Hameln angesetzt. Die Teilnehmer aus Rheinhessen und Nassau besteigen den von Kaiserslautern ausgehenden zweiten Sonderzug, der am 3. Oktober, 7.45 Uhr, in Monsheim abfährt und über die Stationen Pfeddersheim, Worms, Osthofen, Guntersblum, Oppenheim, Nierstein, Bodenheim, Mainz, Hochheim, Hattersheim, Frankfurt a. M.° Höchst, Oberursel, Bab Homburg, Friedrichsdorf, Wehrheim, Usingen, Grävenwiesbach, Brandobern- dorf, Wetzlar, Gießen, Kassel, Kreiensen, Boden- wehrda-Kemnade nach Hehlen fährt und dort u m 19.20 Uhr ankommt.
Die Verkehrszeit für beide Züge ist so gelegt worden, daß die Teilnehmer von den Seitenstrecken (Heimatbahnhof — Zusteigebahnhof) günstige Fahrgelegenheiten mit fahrplanmäßigen Zügen zu den Haltepunkten ihres Sonderzuges haben. Die Teilnehmer erhalten bei Vorzeigen der Sonderzugfahr- karte für die Anreise zum Zusteigebahnhof ebenfalls die Ssnderzug-Fahrpreisermäßigung, wenn die Zufahrtstrecke nicht mehr als 100 Kilometer beträgt.
In der Umgebung des Bückeberges werden die Teilnehmer in Privat- oder Masienquartieren un-
Äuch bezüglich der Hasenjagd hat der Kreisjägermeister ganz klare Richtlinien herausgegeben, die der Bedeutung des Hasen als unserer wichtigsten Wildart überhaupt Rechnung tragen wollen. Die Hasenjagd soll so ausgeübt werden, daß sie bei Erhaltung eines ausreichenden Besatzes höchste Wild- breterfräge bringt. Dies ist nur möglich bei weit« gehendster Eins^ränkung der Suchjagd und Betonung der Treibjagd. Es ist weiter festgestellt, daß mehrmaliges Treiben desselben Jagdteiles oder Be- jagen auf Suche und Treibjagd unvereinbar mit den Hegevorschriften des Jagdgesetzes ist. Die vertretenen Abschußgrundsätze haben in vielen gut gepflegten Revieren seit Jahren zu sehr guten Erträgnissen geführt, während andere sich seither noch nicht zu einer wirklich verantwortungsbewußten Behandlung ihrer Feldjagden entschließen konnten. Auch sie werden nunmehr sich einsügen müssen, oder
Frau Theres Wagner-Wiesbaden
über das Thema ,^ampf dem Verderb". Sie stellte die ungeheuere Summe von VA bis VA Milliarden Mark, die dem Wert der jährlich verdorbenen Waren entspricht in den Vordergrund ihrer Betrachtungen und machte daran klar, wie wichtig und groß die Aufgabe der Frau ist, sich für die Erhaltung dieser Summe einzusetzen. Wie das WHW. breiten Volksschichten hilft und die Arbeüs- möglichkeiten vermehrt, wie das Aufbauwerk die Arbeitsgelegenheiten schafft und der Reichsnährstand durch die Ernährungsschlacht die Ernährungsgrundlage verbreitert, so hilft der Kampf der deutschen Hausfrau gegen den Verderb die Rohstoffgrundlage erweitern.
Im ersten Teil dieses Kampfes müssen die Männer, die Bauherrn und Architekten mithelfen, daß durch luftige und kühle Vorratskeller und Speisekammern die Möglichkeit gegeben wird, Vorräte richtig zu lagern und aufzubewahren. Schließlich müssen die Hausfrauen gegen Nachlässigkeit, Gleichgültigkeit und Gewissenlosigkeit ankämpfen, um Nahrungsmitteln und sonstige Materialien vor dem Verderb zu bewahren. Die Rednerin zeigte die
. wg. Großen-Bu-seck, 30. Sept. Heute nachmittag ereignete sich auf der Provinzialstraße Gießen—Reiskirchen, unmittelbar am Abzweig der Straße nach Großen-Buseck ein Verkehrsunfall. Ein Motorradfahrer fuhr gegen den Wagen eines hiesigen Landwirts. Er stürzte durch den heftigen Anprall gegen das Seitenbrett des Kastens auf dem Wagen. Das Brett schlug um und ein Kind, das darauf faß, kam unter das Brett zu liegen. Der Fahrer und das Kind erlitten beide glücklicherweise nur leichtere Verletzungen. Das Motorrad wurde schwer beschädigt.
* Odenhausen a. d. Lumda, 30. September. Die Kartoffelernte in unserer Gemarkung ist beendet. Der Ertrag ist sehr gut. Wo die „Industrie" angebaut wurde, versagte sie vollkommen. Die Herbstbestellung der Felder geht nur langsam vor sich, da der Boden fast durchweg zu feucht ist.
> Göbelnrod, 30. Sept. Die hiesige NS. - Frauenschaft schält, wie im Vorjahr, Aepfel und dörrt die Schnitzen, die der N S. - Volkswohlfahrt zur Verfügung gestellt werden. Die Frauenschaft beabsichtigt, demnächst auch Honig zu kochen und ihn an die armen Volksgenossen zu verteilen. Unsere NS.-Frauenschaft trägt damit wirksam bei zur Linderung der Not der Armen. — In unserem Orte ist die Kartoffelernte soweit beendet. Leider fiel der Ertrag nicht so reich-
mit der Deutschen Arbettsfront stehen und tn absehbarer Zeit wohl in deren Hände übergehen werden. Kurdirektor Obermedizinalrat Dr. Schäfer gab seiner Freude über die außerordentliche Entwicklung dieses Heimes Ausdruck, zu dessen Errichtung an dieser Stelle die prächtige landwirtschaftliche Lage, wohltuende Ruhe und die vorzüglichen Heilquellen ausschlaggebend waren. Alljähr- lich wird das Heim vom Mai bis Ende September von annähernd 1000 Gästen auf durchschnittlich zwei bis drei Wochen besucht. Erfreulicherweise konnte hervorgehoben werden, daß einige Gäste schon 3-, 9-, 12- und 15mal im Heim Aufenthalt genommen hatten.
kann ja auch gar nichts anfassen. Früh gehen Sie mit dem Jungen los, es sind nicht viel Häuser."
„Was — was soll ich denn in den Häusern, Fräulein Hanna?" Friedel denkt, sie hat nicht ganz richtig gehört. Hier bleiben, um vier Uhr auf- tehen, mit einem Jungen losgehen —?
„Brötchen und Milch austragen. Der Junge weiß schon Bescheid. Dann sorgen Sie für das Frühstück, später komme ich schon mal mit vorbei, dann können wir ja — wenn Hochbetrieb ist — zusammen Milch und Butter verkaufen, Friedel."
„Fräulein Hanna, das ist doch — Gott bewahre --" r
„Er wird uns nicht!", sagt Hanna freundlich. „Hier muß geholfen werden, und wenn ich anfasse, werden Sie sich doch nicht genieren wollen.
„Das meine ich ja auch nicht!" Mit dunkelrotem Kopf gießt Friedel ein wenig Wasser in die Brühe, die sehr eingekocht ist. „Aber früh um vier — ich habe doch keinen Wecker und auch sonst nichts mit, ich —"
„Den Wecker bekommen Sie von meiner Freundin, die notwendigen Sachen kann Ihnen Ida heute Abend bringen. Geben Sie mal das Messer her, ich will die Birnen aufmachen — danke. Fallen Sie dann nicht mit dem Tablett auf die Nase, zum Wohnzimmer gehts eine Stufe tiefer."
Hanna nimmt Bestecke aus dem Tischkasten und geht hinaus. Sie läßt Friedel mit sehr gemischten Gefühlen zurück. Das ist denn doch allerhand — und Freundin — das ist ja nun auch eine Entdeckung, die man Ida unter die Nase halten kann. Friedel sieht sich jetzt erst in der kleinen Hofküche um, das Fenster ist vergittert, von einem Sonnenstrahl kann wohl hier nie die Rede sein. Die wenigen Möbel sind zwar sauber, aber stark abgenutzt.
„Hier — hier töt ich glatt ersticken!", murmelt Friedel und weiß auf einmal, was die Binger Straße doch wert ist, wenn man auch manchmal die Laune verliert bet dem ewigen Auf und Ab und Einerlei. Dann nimmt sie resolut ihre Schüsseln und Teller und tastet sich durch einen dunklen schmalen Gang nach dem Eßzimmer. Dort sitzt das Mädchen, das sie einmal in der Villa gesehen hat. Sie ist blaß und hat die Hände in dicken Verbänden, ihre Augen suchen unruhig und bleiben dann hilfesuchend auf dem frischen Gesicht Friedels haften.
„Du machst soviel Umstände mit mir, Hanna, jetzt muß noch Fräulein Friedel kommen und —"
„Das tu ich doch gern!", schnellt Friedel überzeugt heraus. „Das tut einem doch leid, wie Sie da sitzen müssen". Es klingt nicht nur so, es ist auch Mitleid, das sie überkommt. Sie ist sogar bereit, die gestörte Nachtruhe hinzunehmen.
„Sie können auch jetzt heimfahren und Ihre Siebensachen holen, wir essen einstweilen. Mir bringen Sie aus alle Fälle einen von Idas weißen Kitteln mit, und sagen Sie meinem Vater, daß ich gegen fünf Uhr daheim wäre, um seinen Koffer zu packen. "
„Was soll sie denn mit Ihren Siebensachen, Hanna?", fragt Liesel, als das Mädchen fortgegangen ist. Sie hat in der Hilflosigkeit ihrer armen verbrühten Hände den letzten Rest Selbstbewußtsem verloren, und als Hanna nun auch noch anfängt, sie wie ein kleines Kind zu füttern, tropfen schon wieder die Tränen.
„Jetzt wird nicht geheult, Aepfelchen, jetzt wird gegessen und sich auf mich verlassen. Vierzehn Tage wirst du ja wohl brauchen, bis du den Verband wieder los bist. Wenn du dich überanstrengst, werden vier Wochen daraus. Ich kann Friedel sehr gut für ein paar Tage entbehren, sie wird hier schlafen, die Milch abnehmen und auf den Laden achten, du kannst dich ja dazu setzen und sie mit den Preisen auf dem Laufenden halten. Große Schmerzen?"
„Nein, es ist viel besser. Die Salbe liegt finger- dick auf und tut gut. Aber, Hanna, ich kann doch nicht —" ., < xi
„Du kannst! Ist noch etwas, was ich dir erledigen soll?" ,
Das Aepfelchen seuzt. Sie ist noch nie krank gewesen, hat sich noch nie auf andere verlassen müssen Nun passiert ihr das und ausgerechnet mit den Händen. Der Arzt kostet doch auch, und der Verdienst ist nicht besonders gewesen in der Reisezeit.
„Ich bin noch nicht mal in der Krankenkasse!", sagt sie aus ihren Sorgen heraus.
„Krankenkasse? Wieso?" Hanna sieht sie ver- ständnislos an, aber dann begreift sie. „Du sollst dir keine Gedanken machen, Liesel!"
„Du hast doch sicher etwas vorgehabt, und nun habe ich dich davon abgebracht. Tennis spielen?"
Der edle Hirsch, der König des deutschen Waldes, hat noch seine hohe Zeit, die Mitte des Monats zu Ende geht. Dann gilt die Jagd vor allem dem Kahlwild, dessen zweifellos in vielen Rotwildbezirken Deutschlands zu große Zahl unbedingt im Rahmen des Abschußplanes herabgesetzt werden muß. Mit der Durchführung eines ausreichenden Kahlwildabschusses ist die Frage der Erhaltung des Rotwildes in unseren Wäldern auf das engste verknüpft. Denn nur der Wildstand kann im Sinne des Reichsjagdgesetzes als angebracht bezeichnet werden, der nicht zu einer Gefahr für die Landeskultur wird.
Um die Monatsmitte tritt der Damhirsch in die Brunft.
Dem Schwarzwild wird der Jager immer wieder seine Aufmerksamkeit widmen müssen, wenn auch bei uns, wo die Sauen fast ausgesprochene
Nachttiere sind, erst der Schnee wirklich erfolgreiche Jagd verspricht.
Am 15. Oktober endet die Schußzeit des Reh- b 0 ck e s. Der Abschuß des weiblichen Wildes steht damit im Vordergrund. In einem Rundschreiben an die Jäger des Kreises Gießen hat der Kreis- jäqermeifter erneut darauf hingewiesen, daß der festgesetzte Abschuß tatsächlich erfüllt werden muß. Böcke und Ricken müssen zahlenmäßig in ein bestimmtes Verhältnis zueinander gebracht werden, die Bestandszahl überhaupt muß mit den Erfordernissen der Land- und Forstwirtschaft im Einklang stehen, und schließlich soll der Ertrag der Jagd rntt- helfen, unser Volk aus eigenem Boden zu ernähren. Aus all diesen Gründen kommt dem Abschuß des weiblichen Wildes eine besondere Bedeutung zu. Auch männliche Kitze dürfen geschossen werden, doch ist es klar, daß damit nur die Möglichkeit gegeben sein soll, sehr schwache Stücke abzuschießen, aus denen doch niemals gesundes, kräftiges Wild wird. Es ist mit der Absicht des Abschußplanes unvereinbar, wenn nach Erfüllung des Bockabschusses nun auch männliche Stücke als Kitzböcke in größerer Zahl geschossen werden. Denn damit wird verhindert, daß das angestrebte Geschlechtsoerhältnis tat-
sächlich erreicht wird. Das mutz In krassen Fällen notgedrungen dazu führen, daß der Abschuß an Böcken im Folgejahr gekürzt werden muß. Rickenabschuß ist eine verantwortungsvolle Jagd, die all* Altersklassen betrifft und stets das Starke erhalten und das Schwache und Abkömmliche ausmerzen will.
Am 1. Oktober beginnt für den Hasen die schwere Zeit. Von allen Seiten lauten die Beobach« tungen gleichmäßig: es gibt Hasen, aber noch außerordentlich viel knappe Hasen und sog. Dreiläufer. Daraus muß der verantwortliche Jäger seine Folgerung ziehen. Es ist nicht zu vertreten, wenn jemand den Hauptabschuß in den Oktober legt. Die Hasen sind schlecht am Gewicht, sie neigen bei dem meist warmen Wetter zum Verderben und sind deswegen am Wildmarkt schlecht abzusetzen. Hasenjagd gehört in die Zeit, wenn die Nächte schon richtig kalt werden. „Der Hase muß einmal gefroren haben". Darum soll man sich im Oktober auf Küchenhasen in der Hauptsache beschränken und erst von Monatsende an mit der Treibjagd beginnen.
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Roman von 31fe Schuster.
Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G. rn. b. H., Berlin SW 68
12. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
„Willste mir jetzt nicht mal sagen was eigentlich los ist? So mir nichts dir nichts laß ich rmr doch nicht das Fleisch aus der Pfanne holen! Ida hat eine lange Leitung heute, und Friedel muß sich bequemen, noch einmal genau zu halsten, was sie
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± SÄ » S-'Äit'.:!
’ne Bllchse Birnen werde >ch auch noch Ipenoie en. Die ißt das Fräulein ja auch ° «°rn.
Nach einer h°lden Stunde zieht F^i ^füllte zwei großen Henkelkorben steyen neuaieria
Töpfe und ein Weckglas. SneW ‘ft (e^r neuflUMp, »’». i" -7
Ä-1" S SÄ ~ ihrem Kopf und dann noch sie kurz darauf härt. .. & bringen Sie
»Mach-n St» Mnett »Sie auf und es hier ms Zimmer. Ordnung, wo es
machen auch sonst: em bitzch hier bleinötig ist. S'e ^"ssen auch ohnehin morgen. Da den, mein Vater verreü I Allerdings
werde ich Nachtruhe ein Opfer drin-
müssen Sie mal Ihrer ) Milchwagen, den & ffilS w M. ** ».
herzliche Begrüßungsworte an die zahlreich chienenen Frauen, namentlich an die vom Lande, die ihre jetzt dringende Arbeit zur Seite gelegt haben, um hier neue Richtlinien für ein großes Werk zu erhalten, das den deutschen Frauen aufgetragen wurde. Hierauf sprach
„Ja," antwortet Hanna kurz. „Aber das läuft mir ja nicht davon."
„Wenn du mir mal in die Leihbücherei gehen wolltest, Hanna, ich habe zwei Bücher, die schon gestern hingehört hätten. Sie brauchen sie ja, und ich habe versprochen, pünktlich zu sein. Durch das ganze Theater bin ich nun —"
„Mache ich gleich nachher. Willst du neue haben?'/
„Wenn du einen handfesten Bauernroman sin- beft — ich lese sie immer wieder gern, da mache ich oft die Augen zu, dann rieche ich den Stall daheim und den Heuboden, ober die Aepfel aus der Dor- ratsfammer — ich hab' doch manchmal Sehnsucht, aber wenn ich die Bücher hab', ists besser, sie sind ja nicht alle echt, aber das spürt man gleich. Da redet bann ein Bauer nicht wie ein Bauer, und bie Tiere tun so, wie sie in Wirklichkeit nicht tun — aber manche sinb ganz groß und lebendig, die greifen einem ans Herz, und dann freut man sich, wenn noch mehr Menschen bas Buch lesen — ich gehe darauf wie auf einer Brücke nach Hause —"
Liesel schaut vor sich hin, hat einen zitternden Mund, und Hanna vergißt ganz, ihr die letzten Birnen in den Mund zu schieben. Sie sieht die Schulkameradin von einer ganz neuen, gan^ an- beren Seite. Von ber tapferen, verzichteten — so ganz glücklich ist sie also nicht in ber Stadt, die ist ihr wohl zuviel schuldig geblieben und hat ihr nur die geschäftliche Seite gezeigt, noch dazu nun in der Augsburger Straße. Ob es nun regnet ober bie Sonne' scheint — es hat bem Aepfelchen vom Gutshof Nieberrunge ganz gleichgültig zu sein —
„Ich wäre so schrecklich gern roieber zu dir gekommen, Hanna — der Garten ist so wunderschön " sagt da Liesel wie in Gedankenverbindung.
„Du wirst sehr baß kommen, ich muß nur mal nachdenken, wie wir das alles arrangieren. Jetzt räume ich den Tisch ab, bis dahin ist auch Friedel zurück, und bapn gehe ich mit den Büchern los.
Friedel ist pünklich, sie hat sogar den Apstlku« chen mitgebracht, den Iba auf dem Blech hatte. SiS ist überhaupt sehr eifrig, und wahrend sie sich die Schürze umbinbet, erzählt sie Liest! Gottschalk, daß ihre Mutter auch aus einem Geschäft stammte, Dee Großvater habe einen Kramladen auf dem lumM
gleicher Zeit aber auch eine reiche Eichelmast fällt, kann auch der Freund seines Rehwildes etwas Gutes für dieses tun. Es ist schade, wieviele Eicheln in Gärten, Anlagen, auf Friedhöfen usw. zertreten werden und umkommen. Wenn der Jäger sie aufkauft, gibt er anderen Volksgenossen einen kleinen Verdienst und weiß sicher, daß seine Rede nicht notleiden werden, auch wenn der Winter hart wird, hoher Schnee alles bedeckt und eine Eiskruste sein Wild vielleicht daran hindert, die Eicheln herauszuschlagen, die draußen im Laube des Waldes liegen. Mastjahre aber sind gute Gehörnjahre. Und
gute Böcke wollen wir alle schießen. Daran wollen wir auch denken, wenn wir die Eicheln nutzlos verkommen sehen. Hubertus.
Kreis Wetzlar
<£ Wißmar, 29. Sept. Am Samstag wurde das Gemeindeobst meistbietend gegen Barzahlung versteigert. Zugelassen waren nur Käufer für ihren eigenen Gebrauch. Es kosteten Aepfel durchschnittlich 6—8 RM. pro Zentner am Baum, Birnen waren nicht so hoch im Preis. Mit dem Erlös ist der Gemeinde eine gute Einnahme gesichert.
Großes Sägewerk im Odenwald durch Feuer vernichtet.
Lpd. Beerfelden, 30. Sept. Heute Nacht ist eines der modernsten Sägewerke des ganzen Oden- waldes, das seit 25 Jahren bestehende Dampf- sägewerk Weber in Beerfelden einem Feuer zum Opfer gefallen. Aus bisher ungeklärter Ursache war in dem Werk Feuer entstanden, das erst gegen 21 Uhr bemerkt wurde. Obwohl die Feuerwehren aus Beerfelden und Erbach mit ihren Motorspritzen herbeieilten, war es nicht möglich,
von dem Werk noch etwas zu retten; es brannte bis auf d i e Grundmauern nieder. Die hilfsbereite Einwohnerschaft hatte sich sofort nach Bekanntwerden des Feuers eingefunden und half die fertigen Vorräte soweit als möglich aus den Lagerhallen zu bergen. Die neuzeitlichen Maschinen sind ausnahmslos dem Brand zum Opfer gefallen. Der angestrengten Tätigkeit der Feuerwehren ge« lang es schließlich, das Feuer auf feinen Herd zu beschränken. Der Schaden dürfte 100 000 Mark betragen und ist nur teilweise durch Versicherung gedeckt. Etwa 70 Arbeiter sind mit betroffen.
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Bekanntmachung.
l. Grundstücksverpachtung der Stadt Gießen. Montag, den 5. Oktober, und Dienstag, den 6. Oktober 1936 sollen die leihfällig gewordenen Grundstücke der Stadt Gießen öffentlich meistbietend an Ort und Stelle auf weitere sechs Jahre verpachtet werden, und zwar: Montag, den 5. Oktober 1936.
a) 8% Uhr Zusammenkunft am Schiffenberger Weg am Bahnübergang.
2 Grabstücke Flur IV, an der Gnauthstraße,
10 „ XIII, am Schiffenberger Weg
links
9 ,
6 „
7 Aecker
1 Acker
2 Aecker
7 Grabstücke
4 Aecker
2 n
4 Grabstücke
„ XIII, am Schiffenberger Weg rechts bei der früheren Pfaffschen Sandgrube
„ XIII, am Schiffenberger Weg hinter den Gärten
„ XIII u. XV, links am Schiffenberger Weg
„ XIV, Ecke Schiffenberger Weg und Straße nach Steinberg
„ XVI, am Altenfeldsweg
„ XII, am Erdkauterweg bei der Heyligenstaedtschen Fabr.
w XII, am Ohlebergsweg hinter dem ehem. Sägewerk
„ VII u. XII, am Wartweg und Aulweg
„ V u. VII, bei der „Schönen Aussicht"
„ VII, in der Nähe der „Schönen Aussicht" am Aulweg.
2 Aecker
1 Garten
32 Grabstücke
3 Wiesen
2 Aecker
2
21 Grabstücke
23 Grabstücke
33
5 Grabstücke Flur
7
n
3
2 Wiesen
3 Aecker
1 Wiese
6175C
Rödgener Weg.
26 Grabstücke Flur
2 Gärten
8 Grabstücke
b) 11 Uhr Zusammenkunft bei der Margaretenhütte.
16 Grabstücke Flur VIII, bei der Margaretenhütte
c) 14 Uhr (zwei Uhr nachm.), Zusammenkunft am Eichamt in der Dammstraße.
c) 14 Uhr (zwei Uhr nachm.), Zusammenkunft an der Gabelsberger Straße, Ecke Hammstraße.
9 Grabstücke Flur XXXVIII, hinter dem Elektri-
7 Aecker
2 „
behälter
XVI, am Nahrungsberg an der Bahn nach Fulda.
und hinter der Wirtschaft Sänger
VIII, neben der Wirtschaft Sänger.
Weg.
Dienstag, den 6. Oktober 1936.
a) 8y2 Uhr Zusammenkunft in der Sicher Straße bei der Wirtschaft „Zur Stadt Sich".
1 Grabstück Flur XVI, hinter dem Niederdruck-
XVIII, zwischen Wohnbaracken und Mittelweg
XX, zwischen Philosophenwald und Oberlach.
II, zwischen Damm- und Schillerstraße, entlang der Eisenbahn
II, zwischen Schiller- und Weserstraße, entlang d. Eisenbahn
II, an der Weserstraße
II, rechts der Ederstraße u. bei der Bahnüberführung an der Ederstraße XXVII, rechts am Wißmarer
Weg beim früheren Tonnenschuppen
XXV u. XXVI, daselbst bei der früheren Keßler- schen Scheuer
XXII, in der Nähe des neuen Friedhofs
XIX, hinter der Gärtnerei Moser.
zitätswerk XXXVIII, am Hohleichweg b.
Schlachthof
XXXVIII, auf der Hohleich hinter dem Schlachthof
XXXVIII, daselbst
XXXV, auf der Hardt über der Kropbach
XXIX, am alten Krofdorfer Weg
XXIX, daselbst bzw. Wißmarer Weg
XXIX, zwischen Lahn und alten Krofdorf. Weg XXVIII, links am Gleiberger
Gießen, den 30. September 1936.
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