Nr. 203 Erster Blatt 185. Jahrgang Samstag, 31. August 1935 Erscheint tagltch, autzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Sernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten. Anzeiger Gießen Postscheckkonto: grantfurt am Main llb86 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitStrvuch- und Steindruckerei «.Lange in Gietzen. 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Die Rate der englischen „Lloyds- Dersicherung" für eine Versicherungspolice gegen das Kriegsrisiko zwischen Italien und Abessinien, ein meist untrüglicher Stimmungsbarometer, steht auf 99 Prozent. Mussolini will marschieren, „mit Genf, ohne Genf, gegen Genf". Der italienische Staatschef will eine „radikale Lösung". „Wir können jetzt nicht mehr zurück. Die 200 000 italienischen Gewehre in Ostafrika würden von selber losgehen. Die Lösung des abessinischen Problems muß radikal und abschließend sein. Abessinien kann nicht weiterhin eine Waffe bleiben, die auf den Rücken Italiens gerichtet ist". Die politischen Beschlüsse des Bozener Ministerrats bestätigen nur diese in den letzten Interviews Mussolinis festgelegte Haltung Italiens. Italien hat bisher ungefähr 180 000 Mann an den abessinischen Grenzen zusammengezogen; es hat sich wirtschaftlich und finanziell gerüstet, wie die in Bozen beschlossenen Wirtschaftsgesetze mit ihren scharf einschneidenden Maßnahmen mit Deutlichkeiterkennen lassen. Heute handelt es sich nicht mehr darum, ob der bewaffnete Zusammenstoß zwischen Italien und Abessinien noch vermieden werden kann. Die Frage, um die es sich jetzt dreht, ist die: „Ist eine Lokalisierung des italienisch-abessinischen Konflikts möglich?" Nicht mehr die Frage des Ausbruchs des Krieges zwischen Italien und Abessinien, sondern die Frage seiner Auswirkungen beschäftigt heute die europäischen Kabinette und wird in Genf zur Debatte stehen. Der Völkerbund wird sich bei der Tagung, die am 4. September beginnt, wie England es auf der letzten Ratstagung durchgesetzt hatte, mit der Gesamtheit der durch den Streit um Abessinien aufgeworfenen Fragen zu befassen haben. Italien wird in Genf vertreten sein. Mussolini steht mithin nicht mehr auf dem Standpunkt, daß der italienisch- abessinische Konflikt Genf nichts angehe und lediglich auf Grund des Vertrages von 1906 gelöst werden könne. Das ist ein Fortschritt, denn auch Frankreich und England wünschen eine Gesamtbehandlung des Streitfalles. Aber dieser Fortschritt ist nur scheinbar. Italien, entschlossen in Genf sofort zur Offensive überzugehen und „die abessinische Frage in ihrer ganzen nackten Wirklichkeit aufzurollen", macht Vorbehalte und stellt Bedingungen. Italien will allem Anschein nach, daß seiner Anklage gegen Abessinien — ob es den Ausschluß Abessiniens aus dem Völkerbund beantragen wird, ist noch nicht ersichtlich — sofort das Urteil des Rates gegen Abessinien folgt, ohne daß dem beschuldigten Abessinien vor dem Forum des Rates oder der Vollversammlung Gelegenheit zu seiner Verteidigung gegeben wird. Es ist wenig wahrscheinlich, ,daß die anderen Ratsmächte einem solchen Verlangen Italiens beipflichten werden, einmal, weil die Prozedur in der Völker- bundssatzung vorgeschrieben ist, zum anderen, wejl ein Eingehen auf die Forderung Italiens eine Vorwegnahme des Urteils des Rates in sich schließen würde. Don vornherein aber erklärt Italien, daß es sich einem gegen Italien gerichteten Votum des Rates nicht fügen wird: „Wenn in Genf Sanktionen gegen Italien beschlossen werden, dann wird Italien sofort den Völkerbund verlassen. Unmißverständlich sollte begriffen werden, daß jeder Staat, der Sanktionen gegen Italien anwendet, der bewaffneten Feindschaft Italiens begegnen wird." So der Duce in feinem Interview mit Ward Price, dem Sonderberichterstatter der „Daily Mail". Und das (Kommunique über den Bozener Ministerrat stellte fest, „daß die Frage der Sanktionen von den höchsten militärischen Stellen Italiens von allen Gesichtspunkten aus eingehend geprüft worden ift, und daß besonders im Hinblick auf mögliche kriegerische Sanktionen bereits die notwendigen Entscheidungen und Maßnahmen, ihnen entgegenzutreten, von vornherein festgesetzt worden sind." Italien stellt den V ö l k e r b u n d vor feine Schicksalsfrage, setzt ihm gewissermaßen die Pistole aus die Brust: Wendet der Völkerbund die Bestimmungen seiner Satzung an, die, falls Italien den Krieg beginnt, durchaus eindeutig sind, das heißt Sanktionen zur Folge haben müßten, dann tritt Italien aus dem Völkerbunde aus, und die weitere Lebensfähigkeit des Völkerbundes ist in Frage gestellt. Wendet der Völkerbund die Bestimmungen seiner Satzung nicht an, so gräbt er sich ebenfalls das Grab, feine Rolle als Instrument kollektiver Friedensficherung ist a u s gespielt. England und Frankreich, letzteres schon um seiner mitteleuropäischen Interessen und seiner Bündnispolitik willen, werden alles daranfetzen, um einen Ausweg zu finden und den Völkerbund zu retten. Frankreich, das sich nur höchst ungern vor einer Wahl zwischen England und Italien gestellt sehen möchte, wird nach Möglichkeit die Mittlerrolle zwischen England und Italien spielen. Lavals Marschroute für Genf ift nicht starr festgelegt. Aber Frankreich wird sich unter keinen Umständen irgendwelchen S a n k t i o n s m a ß- nahmen gegen Italien anschließen. Das teht jetzt bereits fest. Das englische Kabinett hat in einer letzten großen Sitzung ebenfalls noch keine eften Beschlüsse gefaßt, England will erst in Genf eine Karten aufdecken. England will aber nach wie vor zu seinen Völkerbundsverpflichtungen stehen London, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Zwei englische Blätter überraschen heule ihre Leser mit der Behauptung, daß der Kaiser von Abef- i n i e n gerade in diesen Tagen politischer hoch- pannung umfangreiche Konzessionen, die sich über große Teile Ostabessiniens erstrecken, an eine englisch - amerikanische Gesellschaft vergeben habe. Der Sonderkorrespondent der „News Lhronicle" in Addis Abeba meldet, daß der Kaiser am Freitag einer englisch - amerikanischen Gesell- chaft mit dem Silz in London eine bedeutungsvolle Konzession zur Ausbeutung der Mineral- und Petroleumschähe Abessiniens gewahrt habe. 3n Addis Abeba werde vorläufig strengste Geheimhaltung beobachtet, doch ei mit einer amtlichen Erklärung am Samstag zu rechnen. Die Konzession, bei der es sich um viele Millionen PfnndSlerling handeln werde, beziehe sich auf die Ausbeutung der Bodenschätze von Gebietsteilen, zu denen auch das südliche h a - rar an der Grenze der O g ad en w ü st e gehören olle. Die Vereinbarung sei von einem Engländer namens L. TB. Rickett aus London abgeschlossen worden. Er habe sich acht Tage in Addis Abeba aufgehalten. 3n dieser Zeit sollen die Verhandlungen bei Tag und Nacht in einem Regierungsgebäude geführt worden sein. Rickett sei in der Nacht zum Freitag von einem Beamten aus dem Bett geholt und in einem Kraftwagen ium Palast gefahren worden, wo nach einer ab- chließeuden Besprechung mit dem Kaiser die Unterschrift bei Tagesanbruch vollzogen worden sei. hierauf sei Rickett sofort über die Dschibuti nach London abgereist. Auch „Daily Telegraph" veröffentlicht in allergrößter Aufmachung eine Meldung seines Sonderberichterstatters aus Addis Abeba, die sich auf die Konzessionserteilung bezieht. Danach soll es sich um die britisch - amerikanische „African Exploitation and Development Corporation“ handeln, der das Recht auf die Ausbeutung der P e 1 r o l e u m v o r k o m - men, der Mineralschähe und der sonstigen natürlichen Hilfsquellen von „Halbabessinien" für die Zeit von 75 3ahren gewährt worden sein soll. Der amerikanische finanzielleRat- gebet des Kaisers sei als Zeuge bei der Unterzeichnung des Vertrages zugegen gewesen. Das Konzessionsgebiet beginne im Norden an der Grenze von Erythrea und führe am 40. Längengrad entlang, durchschneide die Eisenbahnlinie Addis Abeba — Dschibuti und ende am Rudolph-See an der Grenze von Kenya. Das Gebiet schließe die wertvollen Petroleumvorkommen von Aussa-3igjigga ein. Wie „Daily Telegraph" meldet, verlautet von zuverlässiger Seite, daß dem Kaiser kürzlich vorgeschlagen worden sei, daß Petroleumgebiet von Aussa an 3talien gegen die Zahlung abzutreten. Aus diesem Angebot sei aber nichts mehr geworden. Es handele sich, so schreibt der Korrespondent, um das wichtigste und weittragend st e Ereignis in der Geschichte Abessiniens. Es fei beabsichtigt, die Petroleumfelder durch den Bau einer ungefähr 5 0 0 Kilometer langen Rohrleitung mit Geludia und von dort aus mit einem Hafen am Roten Meer zu verbinden. Der größte Teil des erforderlichen Kapitals von ungefähr zehn Millionen Pfund Sterling werde in Neuyork aufgebracht werden. Man rechnet damit, daß bereits in den nächsten Wochen Geologen und Bohrsachoerständige in Abessinien und den Satzungen des Völkerbundes Geltung verschaffen. Wenn England jedoch immer wieder die Notwendigkeit der Achtung aller Verpflichtungen aus der Völkerbundssatzung betont, den Völkerbund etwa allein zu verteidigen, daran denkt England nicht. „Der Schlüssel der Regierungspolitik ift Kollektivität", so argumentiert die „Times". Dieses System der kollektiven Friedenssicherung aber muß in dem Augenblick illusorisch werden, in dem Frankreich sich ihm versagt. „Wenn Frankreich jetzt zurückzucke, so werde" — wir zitieren hier wieder die „Times" — „die Ehre d e r großen Geste bei England und das Odium des Verrats bei Frankreich liegen, dessen offen verkündete Völkerbundstreue sich dann als nichts anderes Herausstellen werde, als eine Benützung des Völkerbundes zur N i ederhaltung Deutschland." Täuschen nicht alle Zeichen, so wird Genf eine „große Geste" ohne praktische Wirkungen bleiben. Anderseits haben Mussolinis Beteuerungen, „die Politik Italiens werde weder unmittelbar noch mittelbar die Interessen des britischen Reiches bedrohen", England, das dem italienischen Unternehmen in Abessinien nach wie vor mit Bedenken eintreffen werden, um die ersten Untersuchungen anzusiellen. Es fei anzunehmen, daß die Einnahmen Abessiniens aus dieser Konzession in den nächsten vier oder fünf 3ahren auf etwa drei Millionen Pfund Sterling sich belaufen dürften." „Daily Telegraph" berichtet schließlich noch von Verhandlungen über den Bau eines Sperr- damms und eines Systems von Pumpstationen am T a n a f e e , die zur Zeit in Addis Abeba laufen sollen. Standard Oil will nichts wissen. N e u y o r k, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Morgenblätter bringen unter großen Schlagzeilen die Meldung aus Addis Abeba von dem Abschluß des Bergbau- und Petroleum- Konzessions vertragesmitAbessinien. Aus eine Anfrage von „Associated Preß“ bei dem in Los Angeles weilenden Präsidenten der Socony Vacuum Oil Corporation, John Brown, die die allgemeinen Auslandgeschäfte der Standard Oil Company wahrnimmt, antwortete der Präsident, daß er gar nichts von dem gemeldeten Abschluß dieses Abkommens wisse. Es sei ihm auch nicht die African Exploration and Development Co. bekannt, die mit der Ausführung dieses Abkommens betraut werden soll. Jedenfalls fei sie . aber keine Zweig-Gesellschaft der Standard Oil. London, 31. August (DNB.) Zur Frage der Neuverteilung der K o l o n i a l m a n ö a t e schreibt die „Morning Post", das Blatt der englischen Diehards, im Zusammenhang mit der Stellungnahme Englands zum italienisch-abessinischen Konflikt: Aus dem letzten halben 3ahrhundert könnten mehrere Beispiele jener Art Außenpolitik zitiert werden, die durch eine Methode fortschreitender Einschüchterung Vorteile für sich herauszuschlagen versucht. Es war eine Politik milder Angriffe und kleiner Einkreisungen, deren Erfolg von der Voraussetzung abhing, daß das Opfer es vorzog, lieber bei jeder individuellen Gelegenheit nachzugeben, als zu den äußersten Maßnahmen zu greifen, hoffentlich gibt sich kein Land der Täuschung hin, dqh das britische Volk, weil es seit dem Kriege für die Sache des Friedens viele Opfer gebracht hat, bereit ist, auf unbestimmte Zeit diese Taktik zu erdulden. Besonders in Großbritannien wird die Tatsache gewürdigt, daß die Friedensregelung eine Ordnung der Dinge hinterlassen hat, die in vielerlei London, 31. Aug. (DNB. Funkspr.) Reuter meldet aus Canberra: 3n der australischen Bundeskabinettssihung am Freitag waren die Minister einstimmig der Ansicht, daß der australische Oberkommifsar in London Bruce jeden möglichen Schritt tun solle, um Großbritanniens Bemühungen um die Erhaltung des Friedens zwischen 3talien und Abessinien zu unterstützen. Es verlautet, daß die Minister hinsichtlich der Möglichkeit eines Beschlusses, Sühnemaßnahmen anzuwenden, Besorgnis geäußert und beschlossen hätten, den und Skepsis gegenübersteht, unbefriedigt gelassen. Daß England für alle Eventualitäten sich einrichtet, zeigen die Schutzmaßnahmen auf Malta, die Kreuzerentsendungen nach dem Golf von Aden, die Truppenzusammenziehungen im Sudan. Es geht nicht allein um die Gefährdung des Werkes der kollektiven Friedenssicherung, unter welchem Gesichtspunkt England den italienisch-abessinischen Streit gesehen haben möchte. Aber noch find die Interessen des Empire nicht bedroht. Die Gefahr europäischer kriegerischer Verwicklungen durch den drohenden italienisch-abessinischen Krieg ist — vorerst wenigstens — unwahrscheinlich. Aber wenn die Würfel erst einmal rollen, so vermag niemand vorherzusagen, wohin sie rollen und welches Ziel sie sich suchen werden. „Admiral Scheer" in Danzig. Danzig, 30. Aug. (DNB.) Das Einlaufen des Panzerschiffes „Admiral Scheer" im Danziger Hafen gestaltete sich zu einer unvergeßlichen Kundgebung der deutschen Bevölkerung der alten deutschen Hansestadt. Der mehrere Ki- Konferenz bei Mussolini. Rom, 30. August (DNB.) Mussolini hat am Freitagnachmittag in Bozen mit den Unter- staatssekretären und General st abs» chefs der Marine und der Luftfahrt eine zweistündige Konferenz abgehalten, der allgemein große Bedeutung zugemeffen wird. Irgendwelche Einzelheiten über die Besprechung sind in Rom bisher noch nicht bekannt. Nachrichtenzensur in Ztalienisch-Somaliland. Rom, 30. August. (DNB.) Der Gouverneur von Italienisch-Somaliland hat einen Er» laß bekanntgegeben, nad) dem jede Nachrichtenverbreitung aus den italienischen Kolonien in Zukunft einer Zensur unterliegt. Jede journalistische Mitteilung, gleich ob sie brieflich, telegraphisch oder telephonisch weitergegeben wird, muß zunächst einem kürzlich eingerichteten Presse- und Propagandaamt vorgelegt werden, das die Weiterleitung genehmigen 'muß. In erster Linie bezieht fick) diese Maßnahme auf die von italienischen Korrespondenten in ihre Heimat gesandten Nachrichten. Es bedarf noch einer Klärung, ob diese Zensur sich auch in gleicher Weise auf die Nachrichtenoerbreitung durch ausländische Korrespondenten erstrecken wird. lometer lange Uferweg von der Hafeneinfahrt bis zum Anlegeplatz des „Admiral Scheer" war von einer dichten Menschenmenge umsäumt, die das deutsche Panzerschiff jubelnd begrüßte. Gleich nach dem Anlegen um 18.30 Uhr empfing der Kommandant Kapitän z. S. Marschall die Vertreter der Danziger und der reichsdeutschen Presse an Bord. Kapitän z. S. Marschall fuhr dann in Begleitung von zehn Offizieren zum Rathaus, in dessen altehrwürdigem Saal der Senat der Freien Stadt Danzig ein Essen zu Ehren der Offiziere des deutschen Kriegsschiffes gab. Senatsprä- fident Greifer entbot in einer Ansprache dem Kommandanten und den Offizieren des Panzerschiffes den herzlichen Willkommensgruß der Danziger Regierung. Kapitän z. S. Marschall betonte in feiner Erwiderung, daß die Soldaten der Kriegsmarine sich der alten deutschen Seestadt Danzig eng verbunden fühlen. Mit einem kameradschaftlichen Beisammensein im Kreise der Führer des Staates und der Bewegung in Danzig fand der erste Tag des deutschen Kriegsschiffbesuches seinen Abschluß. Kein Status tu im Kolonialbesitz. Das Blatt der englischen Diehards für Neuverteilung der Ko!onialmandate. Australien gegen Sanktionen? Oer Völkerbund nicht in der Lage, Einstimmigkeit herzustellen? Hinsicht nicht dauernd fein kann und sollte. Rücksichtslos auf dem Status q u o bestehen, würde früher oder später zu einer Katastrophe führen. Läckder, die Beschwerden vorzubringen haben, können versichert fein, daß vernünftige Abänderungsvorschläge vom Britischen Reich in großzügigem und entgegenkommendem Gei st e erwogen werden würden. 3n dieser Beziehung ist kürzlich in verschiedenen Kreisen angeregt worden, daß die Revision der Völkerbundsmandate rechtzeitig erwogen werden sollte. Wenn wir uns mit einem solchen Gedanken beschäftigen, muß verhindert werden, daß hieraus eine falsche Auffassung entsteht. Eine Neuverteilung der Mandate würde dem eigentlichen Zweck zuwiderlaufen, wenn sie von dem Eindruck begleitet wäre, daß man unter dem Einfluß der Furcht versuche, einen unbequemen Rivalen zu kaufen. Nichts könnte gefährlicher für den allgemeinen Frieden und für unsere eigene Sicherheit sein, als der Verdacht, daß wir unter Zwang handeln. Wir müssen a u f r ü ft e n, wenn wir großzügig sein wollen. Oberkommifsar Bruce anzuweifen, sich einem solchen Beschluß zu widersetzen. Nach einer Reutermeldung aus Sidney lehnte Ministerpräsident Lyons es ab, eine amtliche Erklärung über die Frage der Anwendung von Sühne- mahnahmen im italienisch-abessinischen Streit abzugeben. Er gab aber zu, daß die Regierung dem Oberkommissar Bruce in London Weisungen geschickt habe. Die Zeitung „Sidney herald" schreibt, da Bruce einen Sih im Völkerbundsrat einnimmt und Einstimmigkeit im Völker- bundsral bei berarflgen Beschlüssen nolwendlg Ist, bedeutet dies, daß der Völkerbundsrat außer stände sein wird, Sühnemahnahmen aufzuerlegen. „Llnautorisierl'und irreführend." Erklärung des australischen Ministerpräsidenten. London, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Pressemeldungen, wonach die australische Regierung ihren Oberkommissar in London angewiesen haben sollte, sich der Anwendung von Sanktionen zu widersetzen, haben zu einer Erklärung des australischen Ministerpräsidenten Lyons geführt. Nach Abschluß eines am Dormittage abgehaltenen Kabinetts rates sagte er, diese Meldungen seien „unautorisiert und irreführen d". Die australische Regierung könne und dürfe ihre Haltung gegenüber einer Lage, die noch gar nicht entstanden sei, nicht näher darlegen. Man sollte darauf bedacht sein, eine heikle Lage nicht im voraus ungünstig zu beeinflussen, um die Aufgabe der Leute, die sich um die Erhaltung des Friedens bemühten, nicht zu erschweren. Offiziell verlautet, die an den australischen Oberkommissar tn London gekabelten Weisungen hätten von neuem besagt, Australien unterstütze Großbritan- niens Bemühungen um den Frieden weitestgehend. Frankreich in der Zwickmühle. Oie Ansicht der maßgebenden Kreise in Paris.—Zwei peinliche Möglichkeiten. Zwiespalt im französischen Kabinett. London, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Pariser Korrespondent der „Time s" berichtet seinem Blatt über die Haltung der maßgebenden politischen Kreise in Paris zur abessinischen Frage. Bemerkenswert daran ist vor allem das Bestreben, die Argumente, die eine Unterstützung des englischen Standpunktes darstellen, aus französischem Munde zu Wort kommen zu lassen. 3m einzelnen wird ausgeführt, es fei bekannt, dah gewisse kablnettsmltglleder unter herrlots Führung für eine Unterstützung des Völkerbundes in der abessinischen Krise bis zum äußersten seien, doch müsse man damit rechnen, dah Laval jede nur mögliche Wethode zur Vermeidung von Sühnemahnahmen anwenden wolle. Als Gründe würden angegeben: 1. die von einem Teil der Presse hartnäckig wiederholte Behauptung, daß Laval bei seinem Aufenthalt in Rom Mussolini freie Hand in Abessinien gelassen habe. 2. Werde behauptet, Laval sei der Meinung, Großbritannien sei nicht stark genug, um tatsächlich die Einyaltung der Bestimmungen der Bölkerbundssatzung zu erzwingen. Seine tecb- nischen Sachverständigen, besonders die Marinefacy- leute, dürsten sich allerdings zweifellos ganz anders geäußert haben. Auf jeden Fall werde Laval aus Furcht vor einem Brand ganz Guropas vorsichtig sein. Mussolinis Versuch, die französische Regierung davon zu überzeugen, daß er militärische Sanktionen oder gar eine Blockade als Kriegsmaßnahmen ansehen würde, sei seinem Ziel gefährlich nahegekommen. Frankreich stehe jetzt zwei peinlichen Möglichkeiten gegenüber. Mussolini werde Sühnemahnahmen mit Krieg beantworten, es fei denn, dah seine Erklärung einen Bluff darslelle. 3n diesem Falle würde Frankreich ganz bestimmt an der Seite Englands stehen, lieber den Ausgang fei man sich in Paris nicht im Zweifel, vorausgesetzt, dah der Streit „begrenzt" werden könnte. Viemand glaube aber, dah dies möglich fei. Anderseits zweifelten wenige Franzosen daran, daß Italien, wenn es zum Verzicht auf das abessinische Abenteuer gezwungen werde, sich sofort mit Deutschland, vielleicht auch mit anderen Mächten verbinden werde. 3n ganz Europa würde es eine Umwälzung geben, die nur einen einzigen Ausgang haben könnte. Gegenüber diesen Erwägungen würden die unzweifelhafte Schwächung und vielleicht Zerstörung des Völkerbundes und die Entfremdung britischen Wohlwollens und britischer Unterstützung im Falle einer unangefochtenen Verletzung der Völkerbunds- fahung angeführt. Laval werde sich also nicht leichtfertig zu einem Vorgehen entschließen, bei dem es kein Zurück mehr gebe. Nach seiner Ansicht sei ein Ausweg immer noch denkbar. In französischen Kreisen halte man es für möglich und hoffe man, daß die britische Abordnung bereit sei, praktische Maßnahmen zu unterstützen, aber n i cht zu beantragen. Falls sich diese Hoffnung nicht erfüllen sollte, denke man an ein Vorgehen, das zwar eine Mißbilligung zum Ausdruck bringe, aber so begrenzt wäre, das es sogar Mussolini 'kaum als casus belli gegenüber stärkeren Nachbarn ansehen könnte. Ob dadurch eine Eroberung von Abessinien verhindert werde, werde als weniger wichtig betrachtet. Hinsichtlich der französischen öffentlichen Meinung glaubt der Korrespondent, daß der Wunsch nach Aufrechterhaltung der Freundschaft mit Italien allmählich der Ueberzeugung Platz mache, daß der Völkerbund auf jeden Fall bestehen bleiben müsse. Dies wird nach Ansicht des Korrespondenten vielleicht entscheidend sein. * Gens kann die Dinge nicht mehr aushalten. Aufschlußreiche pariser preffestimmen. Paris, 31. Aug. (DNB. Funkspruch). Je näher der Zeitpunkt des Zusammentrittes des Völker- bundsrates heranrückt, um so mehr verstärkt sich in hiesigen politischen Kreisen der Eindruck, datz auch die Genfer Besprechungen den Gang der Ereignisse nicht mehr aufhalten können. Man spricht daher auch Immer weniger von der Möglichkeit, den Ausbruch eines Itallenlfch- abeffinifchen Krieges zu verhindern, fonderu richtet feine ganze Aufmerksamkeit darauf, den Krieg zu lokalisieren und irgendwelche Auswirkungen auf Europa zu verhindern. Die Frage der Sühnenmaßnahmen spielt hierbei naturgemäß die Hauptrolle. Es scheint Immer mehr, als ob Frankreich keineswegs gewillt Ist, einem solchen Antrag, wenn er von englischer Seife gestellt werden sollte, stattzugeben. Die Außenpolitiker einiger großer Informationsblätter nehmen nochmals dazu Stellung, um einerseits auf die praktische Wirkungslosigkeit solcher Maßnahmen hinzuweisen und anderseits jeden Druck energisch abzulehnen, der von außen her auf die französische Politik ausgeübt werden könnte. Die Außenpolitikerin des „Oeuvre" ist der Ueberzeugung, daß die italienischen Truppen Mitte September zum Angriff übergehen würden. Laval habe in der Unterredung mit dem italienischen Botschafter lediglich aus Gründen der Pflichterfüllung darauf hingewiesen, daß der § 7 des Artikels 15 der Dölkerbundssatzung Muss olini das Recht gebe, Krieg zu führen, wenn er im übrigen genau diesen Artikel 15 beachte und auch die darin vorgesehene dreimonatige Warteizeit innehalte. Das Blatt verspricht sich von Sühnernah- nahrnen nur eine moralische Wirkung, hält es aber nicht für ausgeschlossen, daß die französische Regierung sich unter ge- wissen Bedingungen dem englischen Standpunkt anschließe. Diese Bedingung würde darin bestehen, dah sich England verpflichte, jedesmal, wenn eine Verletzung der Dölkerbundssatzung in Europa festgestellt würde, die gleiche Haltung einzunehmen, wie gegenüber dem italienisch-abessinischen Streitfall. Der „M a t i n" warnt vor der Anwendung von Sühnemaßnahmen. Wenn man das Mittel finde, den Buchstaben des Dölkerbundspakts mit seinem Geist in Einklang zu bringen und die Auswirkungen des italienisch-abessinischen Krieges zu begrenzen, dann solle man sie pnwenoen. Wenn man aber der Ansicht sei, daß daraus ein europäischer Krieg hervorgehen sonnte, dann solle man davon Abstand nehmen. Wenn die Verbündeten Frankreichs die besondere Lage, in der es sich befindet, nicht verständen und einen Druck ausüben wollten, so sollten sie nicht vergessen, daß Frankreich mehr als alle anderen Länder im Kriegsfall mit seinen Schüssen und Trup- pen in vorderster Linie stehen müßte. Es gebe eine internationale Politik und es gebe eine französische Politik und wenn es vorkomme, dah beide oft auf einen Kennet gebracht werden können, so dürfe man doch daraus nicht die Schlußfolgerung ziehen, daß die erstere den Vorrang haben muhte. Es sei wahrscheinlich, daß man es in Genf vermei- den werde, die Frage von Sühnenmaßnahmen auf- zuwerfen. Es könne sich aber auf keinen Fall darum handeln, eine Ideologie zu verteidigen, deren Auslegung zum mindesten im italienisch-abessinischen Streitfall doch nur theoretisch sein könne. Die englische Seimatflotte versammelt sich. London, 30. August (DNB.) In dem britischen Marinehafen Sheerneß herrscht, wie der „Star" meldet, lebhafte Tätigkeit. Die Schiffe der Heimatflotte haben Befehl erhalten, sich vor dem ursprünglich in Aussicht genommenen Zeitpunkt zu versammeln. Im Hafen liegt zur Zeit eine stattliche Anzahl von Kriegsschiffen. Amtliche Warnung an britische Staatsangehörige. London, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Das Foreign Office erließ Freitag abend eine amtliche Warnung an britischeStaats- a n g e h ö r I g e , die an die Möglichkeit eines Ausbruches von' Feindseligkeiten zwischen Italien und Abessinien glauben, wonach jeder britische Staatsangehörige sich eines Der- gehens schuldig mache, wenn er ohne Erlaubnis des Königs einen Posten im Heer oder in der Marine eines fremden Staates annehme, der sich im Kriegszustand mit einem anderen, mit Großbritannien in Frieden lebenden Staat befinde Eine amtliche Mitteilung der abessinischen Gesandtschaft in London besagt, daß die abessinische Regierung die freundlichen Angebote von Europäern, die Abessinien helfen wollten sehr hoch einschätze, daß sie aber nicht in der Lage sei, davon Gebrauch zu machen. Gasmasken für Polizisten in Gibraltar. London, 30. August (DNB.) Wie aus Gibraltar gemeldet wird, haben die dortigen Militärbehörden am Freitagmorgen den Polizeistreitkräften Gasmasken ausgehändigt. Gleichzeitia wurden die Polizisten durch einen britischen Sanitätsoffizier in dem Gebrauch der Masken unterrichtet. Die Auslieferung der Gasmasken verursachte in der Umgebung der Polizeistation große Ansammlungen von Menschen, die das Ereignis in aller Erregung besprachen. Aussprache Lavals mit dem polnischen Botschafter. Paris, 31. August (DNB. Funk(pruch). Wir in gut unterrichteten Kreisen verlautet, wurden in der Unterredung des französischen Ministerpräsidenten Laval mit dem polnischen Botschafter die französisch-polnischen Beziehungen eingehend geprüft. Gleichzeitig wurde auch eine Reihe europäischer Fraaen behandelt, die, wie z. B. der O st p a k t, beide Länder unmittelbar angehen. Der Führer weihte den „Adolf-Hitler-Koog". KM I W / Ä wW V X Eines der bedeutendsten Aufbauwerke des Nationalsozialismus, der „Adolf-Hitler-Koog" an der Stufte Schleswig-Holsteins, wurde am Donnerstag vom Führer feiner Bestimmung übergeben. Rund 1300 na Land wurden in unermüdlicher Arbeit dem Meere abgerungen und rund sechzig Bauernfamilien eine Existenzgrundlage gegeben. Im Rahmen der Feier erfolgte auch die Grundsteinlegung für eine Neulandhalle, die der Führer auf unserem Bilde soeben vollzieht. — (Scherl-Bilderdienst.) Die Aufbahrung -er Königin Astrid. Beisetzung am Dienstag. Brüssel, 30. Aug. (DNB.) Die st e r b l i ch e n Ueberrefte der Königin sind im Schlosse aufgebahrt worden. Der Kopf der Toten ist verbunden, das Gesicht liegt frei, ohne daß irgendwelche Entstellung zu bemerken ist. Auch im Tode hat die Königin ihr heiteres Aussehen und ihre Schönheit bewahrt. Generale halten die Totenwache. Die Bevölkerung durfte am Nachmittag am Lager der Toten vorbeidefilieren. Bis in die Nacht dauerte die Wallfahrt der Taufende, die sich vor der Verblichenen ehrfurchtsvoll verneigten. Die auswärtigen Diplomaten erschienen geschlossen beim Ministerpräsident van Zeeland, um ihm die B e ile id s w ün sch e ihrer Regierung zu übermitteln. Am Freitagabend hielt der Mini- sterpräsident über den Brüsseler und den flämischen Sender eine kurze Gedenkrede auf die Königin. Er schloß mit der Aufforderung an das Volk, sich nun fester um seinen vom Schicksal schwergeprüften König zu scharen. Die B e i s e tz u n g s f e i e r l i ch k e i t e n sind auf nächsten Dienstag festgesetzt worden. Die Königin wird in der Kirchengruft von Laeken bei Brüssel beigesetzt werden. An der feierlichen Ueber- führung vom Stadtschloß nach Laeken nehmen die Schulkinder teil. Das Unglücksauto, mit dem die Königin Astrid tödlich verunglückte, int Schilf des Vierwaldstätter Sees« (Scherl-Bilderdienst.) ....... -„M • % ■ / M ■ 1 B j j JFF« M W I -l MW*??; WWW M MF H H f V 1 ■'> ■■ ■■•■ , .... Ein Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Heeres. Zum erstenmal seit Versailles wieder große Manöver. M ü n st e r, 30. Aua. (DNB.) Ein Wendepunkt in der Geschichte des deutschen Heeres bekundet sich in den bevorstehenden großen Herb st Übungen des 6. Armeekorps, Der Truppen aus Westfalen und Niedersachsen, Hannover und Oldenburg, die in der Zeit vom 2. bis 7. September im Raume Lüneburg — Soltau — Celle zu Manövern zusammenge- zogen werden. Zum ersten Male seit dem schmachvollen Diktat von Versailles kann die deutsche Wehrmacht bei diesen Schulübungen wieder größere Truppenverbände zeigen, die mit den Waffen ausgerüstet sind, die der neuzeitliche Krieg verlangt Die erste Uebung spielt sich vorn 2. bis 4. September nördlich Celle im Raume zwischen Hermannsburg und Münster ab; ihr folgt ein Ruhetag. Die beiden nächsten Tage, der 6. und 7. September, werden bann wieder eine besonders interessante, die Nacht durchlaufende Kampfaufgabe mehrerer Divisionen zum Uebungsgegenftanb haben. Diese Hebungen beginnen aus Richtung fiüne- b u r g her in Gegend Bispingen (nördlich Mün- ster) und enden ostwärts der großen Straße Heber — Soltau — Dorfmark. Nach dem Signal „Das Ganze Halt!" wird sich das gesamte 6. Armeekorps mit den unterstellten Truppen zu einer Schlußparade, die mehrere Stunden dauern wird, versammeln, um in strenger Disziplin und Haltung seinem höchsten Vorgesetzten und hoffentlich vielen Tausenden von Zuschauern zu zeigen, daß trotz einer Woche größter Anstrengungen der deutsche Soldat so froh und frisch ist, wie am Tage des Ausmarsches aus der Garnison. Von den beiden Uebungen dürsten folgende Einzelheiten wissenswert sein: Die erste Uebung wird zeigen, wie eine Division, die einem angreifenden, etwa doppelt überlegenen Gegner weichen muß, zunächst hinhaltend kämpft, mit Feuer aller Waffen und Sperren den feindlichen Vormarsch verzögert und schließlich an einer rückwärtigen Linie zur Ver- teibigung übergeht, wo bis zur Entscheidung gekämpft wird. Bei der zweiten Uebung wird eine tn mehreren Kolonnen marschierende Division gezeigt, die später in einen Kampf verwickelt wird, über dessen Verlauf aus Uebungsrücksichten Einzelheiten jetzt noch nicht mitgeteilt werden können. Der Stand der jeweiligen Kriegslage wird durch die Tagesmeldungen in Presse und Rundfunk be- fanntgegeben werden. Die Teilnahme von Zuschauern an den Herbstübungen ist gestattet. Hierzu sind die Straßen Celle — Sülze — Hermannsburg — Müden — Münster und Celle — Bergen — Wietzendorf — Soltau für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Im übrigen sind der Truppenübungsplatz Münster und sämtliche anderen Straßen im Uebungsgelänbe polizeilich gesperrt. Die Verkehrsregelung erfolgt durch Polizei und Landjäger. Ihren Anweisungen und denen etwa weiterhin eingesetzter Absperrungsposten ist unbedingt Folge zu leisten, damit bex BergarbeiierstreikinEnqland? ZU Derpflichtun a u Aus der Tatsache, dah bei der Admiralität bisher keine Meldungen über Verluste an Menschenleben eingegangen sind, wird geschlossen, dah solche auch nicht zu verzeichnen sind. Um 2 Uhr früh hielt sich das Schlachtschiff „Ramillies" noch in der Nähe der „Eisenach- auf, um nötigenfalls Hilfe leisten Kowno, 30. Aug. (DNB.) Nach den letzten Feststellungen haben die Bauernunruhen in Südlitauen fünf Todesopfer gefordert, unter denen sich auch ein Polizeibeamter befindet. Zwölf andere Polizeibeamte wurden verwundet. Insgesamt wurden rund 100 Personen verhaftet, darunter der Generalsekretär der Volks- Fünf Todesopfer der Bauernunruhen in Südlitauen. i können. Die »Eisenach" im Schlepp auf der Höhe von Deal. London, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Bei Der neue katholische Bischof von Berlin Vereidigung bei dem Vertreteter des Staates. Schiffszusammenstoß im Aermelkanal Englisches Schlachtschiff kollidiert mit dem Lloyddampfer »Eisenach". Oie erste Meldung. Bremen, 31. Aug. (DHB.) wie bet Tiotb- deutsche Lloyd Bremen telegraphisch aus Dover erfährt, ist der Lloyddampfer „Eisenach" zwischen Dover und Dungeneh mit dem britischen Schlachtschiff „Ramillies" z u - sammengestohen. Nähere Einzelheiten über den Zufammenstoh liegen noch nicht vor. Bericht des englischen Schlachtschiffes. London, 31. Aug. (DNB.) In London liegen über den gemeldeten Zufammenstoh in den frühen Morgenstunden nähere Einzelheiten vor. Danach sollen beide Schiffe beschädigt worden sein. Das Schlachtschiff „Ramillies-, das eine Besatzung von 1000 Mann hat, befand sich auf dem Wege nach P ortland, wo fich die britische Heimatflotte versammelt. Der Dampfer „Eisenach- war auf der Fahrt von Bratta nach hüll. Bei der Admiralität ist nur eine einzige Mel- düng des Schlachtschiffes „Ramillies- eingelroffen, die besagt: „Wir haben einen Zufammenstoh mit dem Dampfer.Eisenach' gehabt. Ich l e i st e Bei- stand, bis Schleppdampfer ankommt.- London, 31. Aug. (DNB. Funkspr.) Der Generalsekretär des Bergarbeiter-Verbandes Ebby Edwards hat am Freitagabend eine Bekanntmachung veröffentlicht, in der ein allgemeiner Streik in her Kohlenindu- ft r i e als möglich bezeichnet wird. In der Kundgebung wird gesagt, die Bergleute hätten nach Jahren geduldiger Unterwerfung unter sklavische Arbeitsbedingungen beschlossen, auf Annahme ihrer,-.-,..., _________ Forderungen auf Zahlung vernünftiger! sozialistischen Partei. Tagesanbruch lag der deutsche Dampfer „Eisenachs in ruhigem Wasser auf der Höhe von D e a l. Er befand sich nach wie vor t m Schlepp des Dampfers „Lady Duncannon". Er wartet auf das Eintreffen weiterer Schleppdampfer, die von der Themse angefordert sind. Die „Lady Duncannon" hatte stundenlang gegen st arte Strömung und Sturm angekämpft, um die „Eisenach" vor dem Hafen von Dover zu halten und ein Abtreiben nach den Goodwin- Sandbänken zu verhindern. Beide Schiffe wurden aber durch die Strömung allmählich auf Deal getrieben. Das Schlachtschiff „Ramillie s", das mehrere Stunden Beistand geleistet hatte, setzte seine Fahrt fort, nach dem es festgestellt hatte, daß das deutsche Schlff nicht in Gefahr war. Löhne zu dringen. Die fetzigen Löhne seien eine Schmach für ein zivilisiertes Gemeinwesen. Tausende von Bergleuten verdienten weniger als 2 Pfund Sterling (20,770 Mark) in der Woche, Die Grubenbesitzer glaubten, die Bergleute würden es nach ihrer hoffnungslosen Niederlage vom Jahre 1926 nicht auf eine neue Stillegung der Bergwerksbetriebe ankommen lassen. Tatsächlich wünsch, ten auch die Bergarbeiter keine neue Stillegung, aber wenn die Bergwerksbesitzer in ihrer jetzigen Haltung beharrten, dann werde die Möglichkeit zur Tatsache werden. Wir wollen uns ruhig eingestehen, daß trotzdem gewisse Trübungen im Verhältnis zwischen Staat und Kirche zur Zeit bestehen. Eine | Untersuchung darüber, wodurch sie entstanden sind, | ist hier nicht am Platze, wohl aber möchte ich betonen, daß ich gerade darin die Aufgabe der verantwortlichen Männer in Staat und Kirche erblicke, diese Trübungen durch Achtung vor der gegenseitigen Ueberzeugung, durch das Der- meiden jener unnötigen Schärfe und durch klares Erfassen der tatsächlichen Gegebenheiten zu überwinden. Wenn Sie, Herr Bischof, mit voller Aufgeschlossenheit für die Erfordernisse der Gegenwart die Treue zum neuen Staat und Führer und die Achtung vor seiner Obrigkeit unter Ihrem Klerus und Ihren Diöze- anen pflegen, dann dürfen Sie versichert sein, daß die Reichs- und Statsregierung jede Gewähr ür d i e ungehinderte Religionsausübung übernimmt und volles Verständnis ür die kirchlichen Bedürfnisse beweisen wird. Aus einem solchen von gegenseitigem 93er- ftändnis getragenen gemeinsamen Wirken von Staat und Kirche muß für die deutschen Volksgenossen reicher Segen ersvrießen. In dieser Hoffnung hat sich die Preußische Staatsregierung Ihrer Ernennung genehm gezeigt. In dieser Erwartung heiße ich Sie, hochwürdigster Herr, als Bischof der katholischen Diözese Berlin willkommen und wünsche Ihnen für Ihr hohes Amt Gottes reichsten Segen. So nehme ich jetzt von Ihnen den feierlichen Eid entgegen." Nachdem der Bischof dann den Cid abgelegt hatte, hatte er mit dem Minister noch eine längere Aussprache. Staatswesens erfüllen. Ich darf Sie, Herr Reichsminister, bitten, mir nunmehr den Treueid abnehmen zu wollen." Reichsminister Kern antwortete mit folgender Ansprache: „Herr Bischof! Von Ihrer Bereitwilligkeit, vor der Uebernahme Ihres Amtes als Bischof der katholischen Diözese Berlin den Eid der Treue zu leisten, habe ich als Vertreter des Herrn Preußischen Ministerpräsidenten gern Kenntnis genommen. Wenn Sie zum Ausdruck brachten, daß die Pflichten, die Sie mit Ihrem Eide bekräftigen, zutief st in Ihrem Glauben begründet sind, so weih ich mich mit Ihnen darüber einig, daß die Erfüllung höchster Aufgaben nur dann mit vollster Hingabe und mit ganzem Herzen geschehen kann, wenn sie aus der eberzeugung heraus erfolgt, dah unser irdisches Leben moralischen Zwecken dient, die ewig und nicht zeitlich sind. Das eidliche Treueyelöbnis, wie es im Reichs- konkordat vorgesehen ist, soll in feierlichster Weise Herausstellen und bekräftigen, daß solche höchsten Aufgaben hier übernommen werden. Verweist nun Ihr Amt als Bischof der katholi- schen Kirche Ihre Tätigkeit auf das Gebiet der Seelsorge, so sind doch die Ihrer geistigen Führung anvertrauten Menschen zugleich deutsche Volksgenossen und Bürger des national s o zi a l i sti s ch e n Staates. Die Beziehungen, die sich aus dieser Verbundenheit ergeben, brauchen, dürfen und sollen nicht im Gegen- jatz zueinander stehen. Hauptschriftletter: Dr. Fr. W. Lange; stellvertretender Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: i. 93. Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck; verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 35: 9945. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Df Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 8 vom 1. Juni 1935 gültig. Wetterbericht des Reichswetterdienste» Wueqabeort Frankfurt Die vom Atlantik ausgehende Wirbeltätigkeit setzt sich fort. Durch den Aufbau des kontinentalen Hochdruckgebietes wandern die einzelnen Störungen jedoch jetzt mehr in nordöstlicher Richtung, so daß ihr Einfluß auf unser Wetter erheblich nachgelassen hat. Immerhin brachte eine in der Nacht zum Samstag unser Gebiet überquerende Störung südlich des Taunus starke Bewölkung und nördlich davon auch Regentätigkeit. Der Einfluß des hohen Druckes bleibt vorerst überwiegend. Aussicht en für Sonntag: Vielfach heiter, im Süden des Bezirkes trocken, mittags ziemlich warm, nach Norden zu leichte Unbeständigkeit, südliche Winde. Aussichten für Montag: Im ganzen freundliches und mittags warmes Wetter. Lufttemperaturen am 30. August: mittags 19,2 Grad Celsius, abends 13,5 Grad; am 31. August: morgens 13,3 Grad. Maximum 19,2 Grad, Minimum 9,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30 August: abends 17,2 Grad; am 31. August: morgens 15,7 Grad. — Sonnenfcheindauer 8 Stunden.— Niederschläge 1 mm. Berlin, 30. Aug. (DNB.) Der n e u e B i s ch o f von Berlin, Dr. Konrad Graf Prey- fing, wurde am Freitagmittag durch den Reichsund Preußischen Minister für die kirchlichen Angelegenheiten, K e r r l, in dessen Dienststelle im Preu- ßenhaus vereidigt. Bischof Or. Konrad Graf von preysing richtete folgende Ansprache an den Minister: „Herr Reichsminister! Ich bin hierheraekommen, den Eid, der durch das zwischen der Reichsregierung und dem heiligen Stuhle abgeschlossene Konkordat vor- geschrieben ist, vor Uebernahme des Bischofsamtes der Diözese Berlin zu leisten. Der Eid fordert von mir das Treuverspre- ch e n zum Deutschen Reiche und zum Lande Preußen, fordert von mir, die verfassungsmäßig gebildete Regierung zu achten und von meinem Klerus achten zu lassen und in der pflicht- mäßigen Ausübung meines Amtes jeden Schaden zu verhüten zu trachten, der das deutsche Staatswesen bedrohen könnte. Diese Verpflichtungen, die ich eidlich zu bekräftigen habe, ergeben sich für mich als katholischen Bischof aus dem Sittengesetz meines Glaubens. Ich b e st ä t i g e sie ausdrücklich durch meinen Eid. Nach katholischer Lehre ist der Staat im Wesen der menschlichen Natur begründet und daher als von Gott gewollt von jedem Katholiken anzuerkennen Verlauf der Gefechtshandlung durch die Zuschauer nicht gestört wird. 6er Reichssender Köln bringt in der Uebungs- woche vom 2. bis 7. September über die Manöver Uebertragungen von verschiedenen Gefechtsausschnitten, und zwar täglich von 13.15 bis 13.30 Uhr und vom 2. bis 6. September von 19.30 bis 19.50 Uhr. Am 7. September schließt der Funkbericht mit einer Uebertragung der Parade in der Zeit von 19 bis 20 Uhr. und zu bejahen. Die Obrigkeit waltet in Gottes Vollmacht und Auftrag. „Denn es gibt keine Gewalt außer von Gott, und die, welche besteht, ist von Gott." „Durch mich regieren die Könige und verordnen die Gesetzgeber, was recht." Je tiefer in Priester und Volk der Glaube an Gott, den Herren der Schöpfung wurzelt, um so unverbrüchlicher werden sie ihre Verpflichtungen dem Staate und der staatlichen Obrigkeit gegenüber erfüllen. In dieser Glaubensüberzeugung lebend und meinen Klerus und meine Gläubigen bestärkend nehme ich die ~ rpflichtung, die sich aus dem Eid ergibt, _ > f m i ch und will ihn in der pflichtmäßigen Sorge um das Wohl und das Interesse des deutschen ( MSES *) Ramses Cigaretten sind seit Jahrzehnten berühmt wegen des guten Tabaks und des dick-runden Großformaten Verschiedenes KI eine Anzeige« im Glestener Anzeiger werden von Taulendea beachtet und flekfea. Junge erfahrene Wirtsleute aus dem Rhem- land suchen eine Gelegenheit gesucht als Benzingast nach Nürnberg öde« sonst. Nordbay. Schr. Ang. unt. 03671 a.d.G.A, En gl. u. franz. MM erteilt Student. Schr. Ang. unt. 03665 a.d.G.A. Englisch Mr. H. Law- Robertson ert. mied. engl. Unterricht, einz. u. in Gruppen, auch außerhalb. Zuschriften unt. 03682 a.d.G.A. MM. als 1. Hypothek auf gutes Objekt aus Privathand gesucht. Schriftl. Angeb. unter 49531) an den Gieß. Anz. In Bilanz- und Steuerarb. verf. Kaufm. übern. Einrichtg. u. lfd. 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Im Schatten des immer größere Kreise ziehenden italienisch-abessinischen Konfliktes hat ein Problem allzu geringe Beachtung gefunden, das gerade in den letzten Wochen eine nicht uninteressante Fortentwicklung genommen hat: die Flottenfrage. Gewöhnlich pflegen zwar Zeiten der Hochspannung, die die Aufmerksamkeit der Diplomatie auf einen Gefahrenpunkt konzentrieren, eher eine hemmende und ausschiebende Wirkung auszuüben. Vergegenwärtigt man sich aber die eigentümlichen Bedingungen, unter denen auch heute noch von den Westmächten auswärtige Politik getrieben wird, die Verfilzung aller Probleme, die Tendenz, mittels künstlich geschaffener Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Fragen ganz verschiedener Natur die eigenen Einflußmöglichkeiten zu steigern, dann weiß man, daß die damit gegebene ständige Bereitschaft zu Kompensationsgeschäften oft überraschende und auf den ersten Blick mitunter schwer zu durchschauende Wirkungen auszuüben vermag. Seit dem Abschluß des deutsch-englischen Flottenabkommens hatte die britische Politik das Seerüstungsproblem nicht aus den Augen verloren. So wichtig und nützlich der in dem Abkommen zwischen beiden Ländern festgelegte Verzicht auf ungeregelte Seerüstungsmaßnahmen und die Fixierung eines endgültigen Verhältnisses der beiderseitigen Flottenstärken für die Beteiligten zunächst war, die Beseitigung der Gefahr der deutschenglischen Flotten-Rivalität sollte mehr erbringen. Sie stellte den festen Ausgangspunkt dar, der weitere Abmachungen ähnlicher Art erleichtern und so das Werk der allgemeinen Seerüstungsbegrenzung fördern sollte, dessen Dringlichkeit sich aus dem herannahenden Ablauf der Flottenabkommen von Washington und London ergibt. Die Zuversicht Londons, durch das Abkommen vom 18. Juni einem Bedürfnis der praktischen Politik entsprochen und den Weg für die weitere Verständigung geebnet zu haben, wurde arg enttäuscht. Weniger von Seiten Japans und der Vereinigten Staaten, die schon aus geographischen Gründen nicht unmittelbar interessiert waren, auch nicht so lehr von Italien, das sich im wesentlichen auf Beanstandungen der Methoden der englischen Politik beschränkte. Desto nachdrücklicher war der Protest der formaljuristischen Pariser Politik gegen die rrue — diesmal von Enaland aktiv unterstützte und geförderte — Verletzung der „euro-^ päischen Ordnung und Sicherheit". In der Verstimmung, die die sture, jeden Fortschritt sabotierende Haltung Frankreichs hüben, der „Verrat" Englands drüben auslöste, ging die Aufforderung Londons an Paris, sich zu Flottengesprächen ein- zufinden, ohne weiteres unter. Wieder einmal stand das englisch-französische Verhältnis im Zeichen einer Spannung, die in London um so unangenehmer empfunden wurde, als sie dem jenseits des Kanals immer noch vorhandenen Glauben an die Produktivität der französischen Politik einen empfindlichen Stoß versetzte. Man muß sich der bitteren Gefühle erinnern, die die englische Presse damals, im Juni, beseelte, der schroffen Gegensätze, um den jetzt eingetretenen Szenenwechsel in seinem ganzen Ausmaß und in seiner vollen Bedeutung ermessen zu können: die Bereitschaft Frankreichs, seine Flöt- tenverständigen demnächst nach London zu schicken und die — wenn auch vorsichtige — Billigung der englischen Vorschläge zur Seerüstungsbegrenzung. Was war vorgefallen, das den Quai d'Orsay zu dieser Schwenkung veranlaßte? Die Erklärung scheint in der abessinischen Verwirrung zu liegen. Je mehr die ostafrikanische Auseinandersetzung Ausmaße annahm, an die man auch in Paris zunächst nicht gedacht hatte, desto stärker wurde die Tendenz, der unbehaglichen Situation durch die Wiederanknüpfung des im Juni gerissenen englischen Fadens zu begegnen. Das Kräf.te- spiel im Dreie ck Paris-Nom-London ist gewiß auch zur Stunde noch alles andere als übersichtlich, und die Januarabmachungen Lavals mit dem italienischen Regierungschef haben für Paris ein erhebliches Schwergewicht. Gleichwohl, im Laufe der im Zusammenhang mit der abessinischen Frage geführten englisch-französischen Besprechungen hat sich eine merkliche Annäherung zwischen Paris und London herausgebildet. Ob sie in den nächsten Wochen der ausschlaggebende Faktor wird, ist ebenso offen wie die Frage, welche der beiden Mächte der treibende Teil ist. Wahrscheinlich beide. Jedenfalls deutet sich hier zunächst in Umrissen eine neue Linie an, der auch England Rechnung getragen hatte, als es zu den letzten Pariser Dreierverhandlungen jenen- Mann entsandte, der das Symbol enger französisch-englischer Zusammenarbeit darstellt: den ständigen Sekretär des englischen Außenamtes, Sir Robert V a n s i t t a r t. Das erste, auch für die breite Oeffentlichkeit sichtbare Zeichen dieser neuen Entwicklung war die Wiederaufnahme der englisch-französischen Flottenbesprechungen. Bereits Anfang August weilte ziemlich unauffällig als Vertreter der britischen Admiralität Kapitän Danck- werts in der französischen Metropole. Wenige Tage später schrieb der Londoner „Star" mit Befriedigung: „Noch vor wenigen Wochen hatte die britische Regierung jede Hoffnung aufgegeben, die Flottenkonferenz noch vor Ablauf des Washingtoner Vertrages abhalten zu können. Kapitän Danck- werts hat jedoch einen Bericht vorqelegt, der die Hoffnungen auf eine diesjährige Konferenz neu belebt hat" und die „Times" sprach von der „dünnen Eisschicht", die als Folge des deutsch-englischen Flottenabkommens die englisch - französischen Beziehungen „einen Augenblick lang" bedeckt hatte und die nun zerbrochen sei. Beide Pressestimmen umschreiben einen Tatbestand, der es der englischen Politik gestattete, die durch den ursprünglichen französischen Widerstand unterbrochenen Bemühungen vom Juni wieder aufzunehmen. Zunächst konzentrieren sich diese Bemühungen daraus, in Vorbesprechungen mit den einzelnen Unterzeichnermächten der Flottenverträge — Amerika, Japan, Frankreich und Italien — das Gelände zu sondieren und, wenn irgend möglich, eine gemeinsame Aussprache zur Vorbereitung der eigentlichen Flottenkonferenz zustande zu bringen, an der auch Deutschland, sowie Sowjetrußland teilnehmen sollen. Anfang des Monats wurde deshalb von der englischen Regierung den interessierten Flottenmächten eine Denkschrift überreicht, die nähere Vorschläge enthielt. Aus den Angaben der englischen Presse weiß man, daß sie einen kühnen Bruch mit den bisher geltenden Grundsätzen der Seerüstunasbeorenzung darstellen, wie sie im Washingtoner und Londoner Abkommen festgelegt waren und ein die kurz erinnert werden muß. Das Ergebnis des Washingtoner Abkommens vom Februar 1922 war eine Rüstungsbegrenzung zur See für einzelne Schiffsklassen: das Stärkeverhältnis an Großkampfschiffen zwischen den Vereinigten Staaten, England, Japan, Frankreich und Italien wurde auf 5:5:3:1, 75:1,75 festgelegt. Gleichzeitig wurden die Höchstgrenzen für Großkampfschiffe, das größte Geschützkaliber und die Altersgrenze der Schiffe festgelegt. Für alle übrigen Schiffsklassen wurde feine Begrenzung erreicht, lediglich für die geschützten Kreuzer wurde eine Höchsttonnage von 10 000 Tonnen festgesetzt. Das Wettrüsten war also nur für einige Schiffskategorien ausgeschaltet. Es entwickelte sich um so lebhafter bei den nicht begrenzten Kategorien, den leichten Seestreitkräften. Auf der Londoner Seeabrüstungskonferenz im Frühjahr 1930 gelang es, die in Washington offengelassenen Lücken zu schließen, d. h. auch hinsichtlich der leichten Seestreitkräfte bestimmte Rüstunasverhältnisse festzulegen. Freilich nur für die drei Mächte England, Vereinigte Staaten, Japan, während eine Einigung mit Frankreich und Italien sich wegen der italienischen Forderung nach völliger Parität mit Frankreich als unmöglich erwies. Beide Mächte traten deshalb nur den Bestimmungen über die Großkampfschiffe und die Höchsttonnage der U-Boote bei. Die Kündigung der beiden 1936 ablaufenden Abkommen durch Japan, das Flottengleichheit mit Amerika verlangt — eine Forderung, die Washington rundweg ablehnt —, hat eine prekäre Situation geschaffen. Sie erklärt auch die Bemühungen Englands, der Gefahr uferlosen Wettrüstens auf anderen Wegen zu begegnen, nachdem sich der bisherige Grundsatz der Festsetzung bestimmter Stärkeoerhältnisse als überholt erwiesen hat. Bemerkenswert ist nun, daß sich die neuen englischen Vorschläge zweier Grundsätze bedienen, die in dem deutsch-englischen Abkommen bereits mit Erfolg zur Anwendung kamen: die gegenseitige Unterrichtung über die Bauvorhaben der nächsten Jahre, also der Grundsatz des Austausches der Flottenprogramme, und daneben der Grundsatz der qualitativen Begrenzung, wodurch Höchsttonnage und Stärke der einzelnen Schiffe fest- gclegt werden. Das deutsch-englische Abkommen dient also geradezu als Vorbild und Modell, und dieser Umstand allein widerlegt schon die Behauptungen, die in der spät genug erfolgten maßvollen Wahrnehmung eines elementaren Rechtes eine bedrohliche Aufrüstung sehen wol- Der Bericht des DNB. - Vertreters Dr. Müller - Peiping über seine Gefangennahme durch Banditen in der Provinz Tscha- char wird mit dem nachstehenden zweiten Brief* fortgesetzt: Reitstunbe bei den Banditen. P e f i n g, 10. August 1935. Die Tage mit den Banditen in Tschachar brachten mir den ersten systematischen Reitunterricht meines Lebens. Am ersten Tage Schritt, kurzen Trab und langen Trab, am zweiten Tage Wiederholung des ersten Tagespensums und Galopp, am dritten Tage Geländeritt über 35 Kilometer. Das alles in gebirgigem Gelände und auf dem engen und hohen mongolischen Holzsattel und in Shorts und dünner chinesischer Bauernhöfe. Ich habe seit meinen Kinderjahren nur gelegentlich im Sattel gesessen und seit dem ersten Kriegsjahr überhaupt nicht mehr. Dazu riß gleich nach dem Aufsitzen der oftgeflickte Strick, der an Stelle eines Sattelgurtes um den dicken Leib meines Gaules — einer schwangeren Stute — geknüpft war und Pferd, Sattel und Reiter lagen auf der Erde. Man. wird verstehen, daß meine Proteste gegen diese A r t der Fortbewegung echt klangen, und in der Tat berieten die Führer der Banditen, ob sie mich nicht gleich laufen lassen sollten. Aber das Auto war schon auf dem Wege nach Paochang, und so begnügten sie sich damit, daß sie mir einen guten Reiter als Begleiter und Reitlehrer zuteilten. Es ist schwer, Stunden lang durch blühende Wiesen und reifendes Korn zu reiten, ohne schließlich eine helle Freude zu empfinden, selbst wenn zu freie Bewegungen der Arme die Fesseln in das Fleisch einschneiden lassen und der Schmerz einen daran erinnert, daß man Gefangener von Banditen ist. Wie mir ging es auch Gareth Jones, und wir hätten unsere Freude hinaus- gefungen, hätten uns unsere Banditen nicht geraten, nicht zu laut und nicht zu viel zu sprechen, wie auch sie sich im allgemeinen Stillschweigen auferlegten. Vorsicht war bei allen Bewegungen geboten. Näherten wir uns einem Dorf, so ritt die Spitzengruppe hinein, stellte die Sicherheit des Platzes für uns fest und machte für uns Quartier. Dann folgten wir, Jones und ich wurden unserer Fesseln entledigt * Der erste Bericht erschien in Nr. 201 vom 29. August. len. Diese Vorwürfe waren um so böswilliger, art Deutschland bezüglich der Größe der Schiffs und des Geschützkalibers nicht einmal bis an dis Grenze der beiden Flottenverträge gegangen ist. sich also freiwillige Beschränkungen aufetlegt hat, von denen bei gewissen Machten bisher nichts zu merken war. Zudem stellt die deutsche Bereitschaft, die U - B o o t ro a f f e abzuschaffen, die Möglichkeit für weitere Fortschritte dar, deren Verwirklichung lediglich von der gleichen Bereitschaft derjenigen abhängt, die sich bisher nicht einmal zu einer Begrenzung des U-Bootbaues verstehen wollten. Die Schwierigkeiten des neuen Flottengesprächs liegen außerhalb Deutschlands, nicht zuletzt bei Frankreich, das bisher dem Grundsatz der Bekanntgabe der Bauvorhaben die Zustimmung versagte. Nach der bekannten Methode hat man sich in Paris wieder einmal hinter der deutschen „Aufrüstung" verschanzt. Wenn demnächst in London die französischen Marinesachverständigen eintreffen und ihnen, nach dem „Daily Telegraph", „die volle Bedeutung des deutsch-englischen Flottenvertrages erklärt wird", muß man in Paris Farbe bekennen. und in ein Haus geführt, und bald stand heißer Tee vor uns. AruM M'chle. Die Gegend, durch die wir zogen, war gebirgig und von Bauernfamilien aus Shansi und Shan- tung besiedelt. So hätten wir überall Hühner und Schweine erwarten können,^ wenn nicht teilweise die Bauern schon von unserem Nahen gehört hätten und geflohen wären, oder wenigstens ihre Tiere in Sicherheit gebracht hätten. Aber mit einiger Mühe ließ sich doch fast immer etwas zum Essen auftreiben: ein Huhn, ein paar Schweine, Gemüse, auch graues und stark mit Sand vermischtes Hafermehl und am ersten Abend Buchweizengrütze, die uns sehr gut mundete. Die Banditen entschuldigten fich einmal über das andere, daß sie uns nichts Besseres vorsetzen könnten, und vertrösteten uns auf die Zeit, wenn wir eine reichere Gegend erreichen würden. In der Zwischenzeit ließen sie uns jedenfalls das Beste haben, was sie auftreiben konnten, gaben uns auch Kandiszucker und reichlich Zigaretten. Das Unangenehmste waren die Nächte. Die Bauern dieser Gegend sind arme Teufel. Ihre Häuser weisen fast nie auch nur einen Stuhl oder Tisch auf. Dafür ist aber wenigstens in einem Raum eine etwa kniehohe gemauerte oder gestampfte Plattform am Fenster, die Ruhe- und Schlafplatz für die ganze Familie ist, der bekannte chinesische Kang. Auf diesem Kang mußten wir schlafen, sechs bis acht Mann zusammen. Der Abzug aus dem mit trockenem Mist ober Stroh und Graswurzeln geheizten Herd geht durch den Kang hindurch und heizt diesen stellenweise so, daß man auf der Seite, auf der man liegt, halb geröstet wird, während durch das breite offene Fenster die kalte Nachtluft über einen streicht. Die Nächte waren, obwohl es Ende Juli war, empfindlich kalt und wir ließen es uns gerne gefallen, daß unsere Wachen uns die wattierten Röcke und Pelzmäntel der Bauern überwarfen. Aber aus den Mänteln und aus vielen Ritzen begannen Insekten» scharen hervvrzukriechen und fielen über uns her: Flöhe und Wanzen, Läu f e und ein merkwürdiges geflügeltes Infekt, klein und schwarz und mit einem respektablen Beißgerät. Wir warfen uns hin und her, und nur äußerste Ermattung zwang uns schließlich in den Schlaf. 3« der Gewalt chinesischer Band ten. Oer deutsche Journalist Or. Müller berichtet über seine Gefangennahme. Bergsimßer Weinberg. 23on Heinz Weis. - Ays dem bleigrauen Glanz des Himmels fallen einzelne Tropfen. Gleich kleinen Geschossen schlagen sie ein. Der staubfeine, fchuhtiese Löß der Feldwege stäubt auf, wenn ihn Tropfen treffen. Eine dichte Wolke zieht niedrig über die Hügel, die blau von Tannen und hellgrün von jungem Lärchenlaub durchwirkt sind. Am Abhang liegt ein Weinberg. Seine Reben sind beschnitten. Neben jedem Weinstock ragt ein wetterfarbener Eichenpfahl. Noch grünt kein Blatt am grauen, krummen Holze. Und so gleicht der Weinberg einem Gräberfelde. Aschbraun liegt sein Löß und festgestampft. Ein alter Mann arbeitet im Weinberg. Gemächlich senkt er seinen dreizinkigen Karst ins Erdreich, um den Boden aufzulockern. Sein kurzes, schneeweißes Haar ist unbedeckt, sein Oberkiefer eingefallen, sein Kinn springt vor. Mehr aufrecht als gebückt bewegt er das Erdreich. Seine sparsamen Bewegungen sind dieselben, mit denen man vor tausend Jahren schon den Weinberg lockerte. Es ist derselbe Greis der weiland wie heute hier hackt. Ich erkenne ihn daran, daß er Zeit hat. Es wird Abend, und er könnte, wenn er sich müht, heute noch seine Arbeit vollenden. Aber der Rest ungeloderter Erde treibt ihn nicht zur Hast. Er ruht sich aus, obwohl er nur noch einige Schollen umzulegen hatte, um fertig zu sein. Vornüber mit beiden Händen auf den langen Stiel seiner Hacke gestützt, schaut er sich um. Er sieht seinen Weinberg von blühenden Kirschbäumen umgeben. Zwischen vollem, weißem Blut spreizen sich mattglänzende, tiefschwarze Aeste. Die glatten Stämme schimmern grün. Der Greis hat jeden dieser Bäume eigenhändig gepflanzt. Und dann verweilt sein Blick auf dem rötlichen Schaum der Pfirsichblüte. Er besieht sich von Ferne ein Bäumchen nach dem anderen. Der Alte lächelt. Dies, denkt er sind meine Urenkelkinder. Dann hebt er sein Antlitz und stellt fest, daß die Wolke hinter den Hügeln verschwunden ist. Heber die blühenden Kirschbaumkronen schaut fernher ein nabelfeiner Kirchturmhelm. Er ritzt den Himmel, ohne ihn zu verwunden. Es ist der Turm der Bickenbacher Kirche, die auf einer Dune steht, Dieser Turm ist dem Greis ebenbürtig an Atter Hinter der Kirche, aus einer neuen, breiten Wolke strähnt ein warmer Regen auf die Walder, auf die grüne Saat der Ebene. Vor der Wolke her wandelt der Wind und rührt den Sand der Lunen und den Staub der Wege auf. Der warme Regen rückt von der Ebene gegen die blühenden Hügel an. Das Erdreich dürstet nach Wasser. Indes der Alte mit einem Hölzchen Spuren von Lehm von seinem Karste kratzt, umwirbeln ihn Blütenblätter. Regentropfen zerschellen auf seinen braunen, sommersprossigen Händen. Er streift sich den Kittel über. Mit geschultertem Karst hebt er den Heimweg an... An das Glück glauben. Don Martin Richard Möbius Drei Jahre lana hatte Heinrich Z. in Aegypten das Handelshaus seines Vaters vertreten, nun war er wieder zu Hause in Bremen, bummelte durch die Stadt und traf unterwegs gleich die hübscheste aller seiner Jugendfreundinnen, die blonde, braunäugige Marianne P., deren Vetter Otto M. schon während der Schulzeit sein bester Freund geworden war, weil er ihm in Mathematik und Physik immer nachgeholfen hatte, ohne jemals Gegenleistungen zu fordern. Marianne hatte Heinrich auf den ersten Blick erkannt; in ihrer stürmischen Art fiel sie ihm um den Hals, und Heinrich wußte vor Verlegenheit nicht wohin. Marianne lachte ihn aus, nahm seinen Arm und zog ihn weiter. Bevor er die üblichen, höflichen Fragen stellen konnte, hatte Marianne schon einen Teil ihrer Vergangenheit in rasenden Geständnissen zum besten gegeben, und nun erfuhr er auch, daß sie seit mehr als einem Jahr eine glänzende Existenz hatte, indem sie mit Hilfe zweier älterer Mädchen kunstgewerblich ausgestattete Kaffeekannenwärmer herstellte. „Kaffeekannenwärmer!?", fragte Heinrich und blieb unwillkürlich stehen, „sind denn die in großen Mengen heute noch verkäuflich?" Marianne lachte, zog ihn weiter und erklärte, es handle sich tatsächlich um mattierte Mützen für Kaffeekannen, die sie sozusagen am laufenden Band, nämlich täglich wenigstens fünfzig Stuck, herstelle und der Firma Kiste & Co. verkaufe. Von diesen Kaffeewärmern war im folgenden nicht mehr die Rede sondern erst spät abends, als Heinrich mit feinem Freunde Otto bei einer Flasche Wein saß, kam er darauf zurück und erfuhr nun folgendes: Bor einem Jahre hatte Marianne ihrem Vetter Otto erklärt, sie habe es nun satt, für die hundert Mark monatliches Taschengeld, die er ihr als einziger wohlhabender Verwandter zahlte, nachdem ihre Eltern sie mittellos auf der Wett zurückgelassen hatten, seine strengen Bemühungen um ihre Erziehung zu ertragen, sie habe es satt, bevormundet zu werden wie ein Schulmädchen und wolle sich auf eigene Beine stellen. Kurz und gut: Marianne begann, aus bunten Tuchfetzen Kaffeewärmer zu nähen, innen wattiert uni) oben mit Schlaufe aus dicker Kordel, einen nach dem anderen, Dutzende, Hunderte, für die es binnen kurzem keinen Absatz mehr gab! Aus reiner Anhänglichkeit wollte Otto der Kusine weiterhelfen, ohne daß sie von feiner Hilfe wußte, und so verabredete er mit dem Schnittwarenhändler Kiste, Fräulein Marianne P. alle Kaffeewärmer zu festem Preis abzunehmen und die Kosten mit Otto zu verrechnen. Triumphierend hatte Marianne ihrem Vetter mitgeteilt, die bekannte Firma Kiste & Co. habe angerufen und den Auftrag erteilt, Kaffewärmer in allen beliebigen Farben und Formen zu festem Preis fortlaufend zu liefern. Otto hatte kein Wort gesagt. Acht Tage später war Marianne mit zwei Gehilfinnen in eine Werkstatt gezogen, um Kaffeewärmer in ganz großem Stile herzustellen. Also wirklich eine glänzende Existenz. Was tat nun aber Otto mit den täglich höher sich häufenden Kaffeewärmern in allen Farben? Lange Zeit zerbrach er sich den Kopf, dann brachte ihn ein Vertreter, der aus Norwegen gekommen war, auf die Idee, Kaffeewärmer als Kopfbedeckung nach Lappland zu verkaufen. Der Vertreter hatte sich spasseshalber einen Kaffeewärmer auf den Kopf gesetzt und einen Lappländer markiert, — aus diesem Spaß ging die Vereinbarung hervor, der Vertreter solle in Tromsö ein Kontor einrichten. Einige Wochen später gingen tatsächlich die ersten hundert Kaffewärmer dorthin ab. Da es sich meistens um Tauschgeschäfte mit den Lappländern handelte, hatte eine genaue Verrechnung noch nicht ftattfinben können, doch Otto war der Meinung, daß wenigstens ein Teil der Kosten, die durch die Fabrikation der Kaffewärmer entstanden waren und weiterhin entstanden, im Laufe der Zeit hereinkommen würde. „Wieviel solche Dinger hat Kiste bis heute schon übernommen?" fragte Heinrich, den die Geschichte im stillen mehr belustigte, als er dem Freunde zu erkennen gab. „Etwa zehntausend Stück", erwiderte Otto und konnte nicht umhin, leise zu stöhnen. Seine gute Laune kehrte erst zurück, als die zweite Flasche zu Ende ging, und Heinrich gab sich die größte Mühe, das Thema Kaffeekannenwärmer zu vermeiden. Ein paar Tage später saßen Marianne, Otto und Heinrich im Kino, weil ein Film lief, der viel von sich reden gemacht hatte. Nebenbei kam aber ein Film zur Vorführung, dessen Titel die beiden Männer in nicht geringen Schrecken versetzte: Aus dem Leben der Lappländer. Nichtahnend sand Marianne die ersten Bilder recht vielversprechend, aber sowohl Otto als auch Heinrich waren bereits so kleinlaut geworden, daß sie nur zustimmend nicken konnten. Es folgten Aufnahmen einer Lappensiedlung bei Tromsö, und plötzlich machte Marianne ganz "große Augen: Mehrere der Eingeborenen hatten Kaffeekannenwärmer auf dem Kopfe, in allen möglichen Formen und mit den verschiedensten Mustern, innen wattiert und oben mit Schlaufe aus dickem Kordel! „Was sagt ihr nun?!" wandte sie sich entgeistert an die beiden Männer. „Täuschend ähnlich..." ließ sich Heinrich vernehmen, doch Otto sagte kein Wort, sondern starrte nur krampfhaft auf die Filmbilder. Es träten mehrere hundert Lappländer mit Kaffeewärmern auf dem Kopfe auf, und im Publikum erhob sich hie und da bereits Gelächter. Da nahmen die Gedankengänge Mariannens plötzlich eine Wendung, triumphierend sagte sie zu ihrem Vetter Otto: „Kiste ist ein Genie!... Morgen nehme ich noch eine Hilfe, und dann machen wir tausend Stück jeden Tag!" Dazu war nichts zu sagen. Als die drei auf der Straße waren, sagte Marianne mit stärkster Betonung: „Man muß nur an das Glück glauben, dann hat man Glück!" Marianne hat Glück gehabt. Es ist immerhin möglich, daß sie es auf tausend Stück jeden Tag gebracht hat und daß in Lappland Kaffewärmer als Kopfbedeckung ganz große Mode geworden sind. Aber Otto wäre dann wirklich zu bedauern. Oie »Kaiserin der Gaiapagor-Inseln". In Paris wird von neuem von der „Kaiserin der Galapagos-Jnseln" gesprochen. Es wird berichtet, daß die Baronin Bosquet von Wagner, die eine Zeit lang von der Bildfläche verschwunden war, noch heute auf einer der kleinen Inseln an der Küste von Ecuador lebt. Die Polizei dipses Landes hat sie dort in Gesellschaft eines Mannes entdeckt, der kein anderer als ihr alter Herzensfreund Ro- bert Philipfon sein soll. Es ist noch nicht bekannt, wie die beiden Personen auf der kleinen Insel zusammengekommen sind, aber man erinnert daran, daß die Auffindung zweier Leichen auf einer der Galapagos-Jnfeln in Zusammenhang mit der Flucht der Baronin gebracht wurde. Man sprach von einem Schiff, das einem sehr reichen Amerikaner gehörte, der. eine Zeit lang in den Gewässern der Inselgruppe gekreuzt hatte und eines Tages nicht mehr aufzufinden war, und allerlei wilde Gerücht« wurden laut. Es fragt sich nun, ob die Wiederauffindung der Baronin Licht in die geheimnisvolle Angelegenheit bringen kann. Die Polizei von Ecuador hat eine Untersuchung eingeleitet. „Gin freies Räuberleben." Nachdem die erste Aufregung der Schießerei und der Gefangennahme sich gelegt hatte, war die Behandlung durch die Banditen gut, ja freundlich. Jones und ich hatten uns schnell darüber geeinigt, daß an eine Flucht unter den Umständen und in dem Gelände gar nicht zu denken war, das Einzige, was wir zur Verbesserung unserer Lage tun konnten, war, uns möglichst freundlich mit den Banditen zu stellen und zu versuchen, uns einige Freunde unter ihnen /zu gewinnen. Sollten irgendwann einmal Pläne gegen unser Leben bestehen, so würden unsere Freunde wohl Einspruch erheben und möglicherweise uns das Leben retten. Inzwischen jedenfalls könnten sie viel tun, uns den Aufenthalt so erträglich wie möglich zu machen. Wir hatten erstaunlich schnell Erfolg. Schon am ersten Abend scherzten wir mit den zu unserer Bewachung abkommandierten Leuten, und diese meinten, wozu wir denn überhaupt zurückkehren wollten: wir könnten uns doch ihnen anschließen und ein freies Räuberleben mit ihnen führen. Es war überhaupt amüsant, mit welcher Selbstverständlichkeit diese Herren unsere Sachen zu unserer Schau trugen, unsere Uhren uns zum Aufziehen brachten und sich von uns die Funktionen unserer Kameras und meiner sonstigen Instrumente (Höhenaneroid, Kompaß, Lichtmesser) erklären ließen. Am zweiten Tage hatten sie genug Vertrauen gewonnen, um mir das Maschinengewehr zum Nachsehen und zur eventuellen Reparatur zu bringen, dessen Versagen uns wahrscheinlich das Leben gerettet hatte. Hoffnung und Mißtrauen. An jenem zweiten Tag hörten wir, während wir auf unserem Kang lagen, eine Bewegung unter den Banditen im Dorf, konnten uns aber nicht erklären, was die Rufe bedeuteten. Es war wohl zwei Stunden später, als plötzlich ein aufgeregter Mann mit einigen Banditen aus dem Hause herauskam, in dem die Führer Quartier genommen hatten, mich mit dem Namen anrief und sagte, wir sollten guter Laune sein, er wäre gekommen um uns zu retten, und ich sollte am nächsten Tage mit ihm nach Paochang reiten. Er ging schnell wieder zurück, und wir wurden wieder in das Haus geführt und angewiesen, uns auf den Kang zu legen. Einer unserer Wachen fragte mich, ob ich den Mann kenne. Ich antwortete vorsichtig und der Wahrheit entsprechend, daß ich mich nicht auf ihn besänne. Ja, sagte der Bandit, er behauptet aber, er kenne dich, und er sagt weiter, daß er auch einmal Bandit war. Aber von uns kennt ihn keiner und wir glauben es ihm auch nicht. Trau auch du ihm nicht und bleibe lieber unter uns, wo du Freunde haft. Das war reichlich mysteriös, und nicht ohne Mißtrauen bemerkten wir später im Dorf ein paar Männer in der Uniform chinesischer Polizisten, aber ohne Waffen. Wir erwogen alle Möglichkeiten und verweilten besonders lange bei dem, was uns die Banditen von sich selbst erzählt hatten: zwei größere Banden wären zwischen dem 20. und 22. Juli über die Grenze aus Iehol nach Tschachar gekommen; sie selber gehörten zu einer Bonde von Mandschurei-Chinesen, die zweite Bande aber wäre stark gemischt und bei ihr wären gewisse Leute, die uns sicher sofort getötet hätten, wenn wir in ihre Hand gefallen wären. Sollten die Neuankömmlinge zu dieser Bande gehören und nur die Absicht haben.,mich von Jones zu trennen, peinlich zu befragen und dann um die Ecke zu bringen? Wir konnten uns nicht klar werden. Besuch am Abend. Schließlich, nachdem wir unser Abendessen erhalten hatten, kam der Mann, der sich als unser Retter bezeichnet hatte, mit einem Mann in Polizistenuniform und mit einigen der Bandenführer in unseren Raum. Er stellte sich als Gendarmeriewachtmeister Pang Pün-chi von dem Gendarmeriekommando aus Paochang vor und erklärte, daß er von den chinesischen Behörden aus Paochang gleich nach der Ankunft unseres Autos dort am Spätnachmittag unserer Gefangennahme ausgeschickt worden sei, um mit drei Polizisten zusammen nach uns zu fahnden und unsere Freilassung zu erwirken. Sie seien bei der Annäherung an unseren Aufenthaltsort am nächsten Nachmittag von den ausgestellten Machen mit Schüssen empfangen worden. Als sie mit einem weißen Tuch winkten, seien sie gefanqengenommen und gefesselt in unser Lager gebracht worden. Erst nach langem Reden habe man sie entfesselt und sei bereit gewesen, mit ihnen zu verhandeln. Im Laufe dieser Verhandlung hätten sich die Banditen überzeugen lassen, daß sie mit der Uebergabe von Waffen und Munition überhaupt nicht zu rechnen hätten und daß sie ihre Losegeldforderung wesentlich herabsetzen müßten. Sie hätten schließlich erklärt, mit fünfzigtausend m e r. Dollar zufrieden zu sein. Sie hätten es obaelehnt, uns beide freizulassen, hätten aber schließlich zugestanden, daß ich mit den Vertretern der chinesischen Behör- den zurückkehren sollte, um die Lösegeldforderung zu vertraten und mich um die Zahlung des Geldes zu bemühen. Ich müßte aber versprechen, wieder Zu ihnen z n r ü ck z u k e h r e n. Und bann fing einer her Führer an zu sprechen, bestätigte, was der andere gesagt hatte, und erging sich lanae über das grausame Schicksal, das sie auf diesen Pfad geführt hätte, von dem sie nicht abaeben könnten, ohne das Schicksal ihrer in der Mandschurei zurück- aelaffenen Homilien au gefährden Wir sollten über sie nichts Böses denken und sollten ihnen glauben, daß sie nicht nur gute Menschen, sondern auch gut? Chinesen wären Schwerer ($wfw - bewegter Abschied. Immer wieder überlegten wir uns, ob wir unteren Rettern trauen sollten ober nicht. Wir über- leaten hin unb her unb kamen schließlich zu dem Schluß, baß, wenn trh mich weigerte, mit ihnen zu gehen unb sie nur Abgesandte der anderen Ban- bifengruppe waren, wir wahrscheinlich beide sofort getötet werden würden, und daß doch eine schwache Möglichkeit bestände, daß sie wären, was sie vorgaben zu sein, und daß bann bie Hoffnung für uns beide bestand, durch ihre und meine B-rnühungen frehuFommen. Arn nächsten Morgen wurden wir um 3 Uhr geweckt, aber es dauerte lange, bis für alle ab« gekocht mar, wir gegessen hatten und wieder auf dem Pferde faßen In etwa Zweistündigem Ritt erreichten wir einen kleinen Ort an der Hauvtstraße nach Paochang, der fast völlig von feinen Bewohnern verlassen war Wie wir horten, war am Tage unserer Gefangennahme die andere Bande dort gewesen und hatte den Platz völlig aus» geplündert. Hier bekam ich den Befehl, mich für den Ritt nach Paochang fertigzumachen. Die Führer, die wir überhaupt nur gelegentlich zu Gesicht bekamen, kamen nun zu mir und erklärten, daß sie auf meine Rückkehr keinen Wert legten, daß das Lösegeld aber auf jeden Fall gezahlt werden müßte, sollte Jones wieder lebend aus- geliefert werden. Ich versprach, mein Möglichstes zu tun, und nahm von Gareth Jones, der mir auf dieser Reise ein lieber Freund geworden war, einen kurzen, uns beide stark bewegenden Abschied. Dann bestieg ich mein Pferd. Ein Bauer schwang sich hinter mich, da unsere Retter ein Pferd zu wenig hatten und zugleich, um mir als Schutz zu dienen, falls wir im Rücken beschossen werden sollten, und wir ritten in südlicher Richtung ab. Einige Stunden später lag Paochang vor uns. Chang Pün-chi und die drei Polizisten waren, was sie erklärt hatten zu sein. Ich bat ihnen mein Mißtrauen ab. — (Ein dritter Brief folgt.) Der erste Flug durch Menschenkrast gelungen. Flugzeugführer Dünnbeil fliegt in Frankfurt 235 Meter weit. LPD. Frankfurt a. M., 30. Aug. Auf dem Flughafen Rebstock bei Frankfurt a. M. gelang am 29. August 1935 um 18.10 Uhr der erste Flug durch Menschenkraft. Der Flugzeugführer D ü n n b e i l, Frankfurt a. M.» legte in einem von den Diplomingenieuren h a e f e l e r und Dillinger konstruierten, mit Propeller betriebenen Muskelflugzeug 195 Meter in einer Flughöhe von einem Meter zurück. Bei einem weiteren Flug am Freitag früh 7.45 Uhr wurde eine Streckenlänge von 235 Meter wiederum in einer Flughöhe von einem Meter erreicht. Der erste Flug fand unter amtlicher Kontrolle von Zeugen des Luftsportverbandes und in Gegenwart der beauftragten Persönlichkeiten der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt, Geheimrat Dachsmuth und Ingenieur U r s i n u s, statt, mit Zustimmung der Obersten Luftsportkommifsion des Reichsluftsportführers. Die Polytechnische Gesellschaft Frankfurt hatte einen Preis von 5000 Mark für denjenigen ausgesetzt, der als erster in geschlossener Bahn ohne Zwischenstart und -Landung und ohne den Roden zu berühren einen Flug mit eigener Muskelkraft um zwei Wendemarken ausführt, die 500 Meter von einander entfernt sind. Der Start erfolgte durch ein vom Piloten selbst gespanntes, verhältnismäßig schwaches Gummiseil nach Auslösung eines Erdankers, der in das Flugzeug hineingezogen wurde. Man konnte genau beobachten, wie der Führer durch Treten des Propellers das Flugzeug betätigte. Der Führer des Flugzeuges, D ü n n b e i l, ist Inhaber des C- Fliegerausweises des Deutschen Luftsportverbandes. Das mit Propeller betriebene Muskelflugzeug zeigt außerordentlich saubere Werkstaltarbeit. Die Versuche werden fortgesetzt. Wenn auch die erzielten Leistungen zur Erfüllung der außerordentlich schweren Wettbewerbsbedingungen noch nicht ausreichen, so dürften diese erstmalig gelungenen Flüge durch Menschenkraft einen Mark st ein in der Geschichte der Luftfahrt Deutschlands und der Welt bedeuten. ♦ Der Reichsluftsportführer Loerzer sandte an den Flugzeugführer und die Konstrukteure folgende Telegramme: Sie Haden die ersten Flüge durch Menschenkraft in der Welt vollbracht. Ich spreche Ihnen für diese epochemachende Leistung volle Anerkennung und herzlichen Glückwunsch aus. ♦ Ihren epochemachenden technischen Leistungen sind die ersten Flüge durch Menschenkraft gestern und heute zu verdanken. Für den deutschen Luftsport spreche ich Ihnen meine besondere Anerkennung und herzliche Glückwünsche aus. Der Reichsluftsportführer gez. Loerzer." Dem Reichsminister der Luftfahrt, General der Flieger Göring, meldete der Reichsluftsportführer die Ergebnisse der ersten Flüge durch Menschenkraft in Frankfurt. „Der schönste Spott, den es geben kann." Eine Unterredung rnit„Rhönvater" Ursinus. Ein Vertreter des DNB. hatte Gelegenheit, sich mit dem „Rhönvater", dem Ingenieur U r s i n u s, über den ersten Flug durch Menschenkraft zu unterhalten. Ursinus, der den Gedanken des Menschenfluges durch eigene Kraft vor vielen Jahren aufgegriffen und sich seitdem in engem Zusammenwirken mit dem Deutschen Luftsportoerband ständig um seine Verwirklichung bemüht hat, betonte zunächst, daß man heute noch mit den e r ft e n Versuchen beschäftigt sei. Das Problem des Fluges durch Menschenkraft brauche bis zu seiner völligen Durcharbeitung mindestens noch zehn Jahre. So sei es beim Segelflug gewesen, und ebenso bei dem Flug mit Motorkraft, der sich zunächst nur sehr langsam nach den ersten geglückten Versuchen der Gebrüder Wright entwickelt habe. Allerdings werde dann dieser Flug durch Menschenkraft der schön st e Sport werden, den man sich überhaupt denken könne. Ingenieur Ursinus war es auch, der vor drei Jahren die Polytechnische Gesellschaft in Frankfurt a. M. dazu bewegte, den Preis von 5 0 0 0 Mark für den ersten gelungenen Flug durch Menschenkraft auszusetzen, der dann auch durch den Deutschen Luftsportoerband genehmigt wurde, da dieser leider nicht in der Lage ist, aus eigenen Mitteln solche Preise auszusetzen. Uebrigens läuft das Preisausschreiben bereits am 2. September ab. Da heute an verschiedenen Stellen im Reich gleichzeitig an dem Problem des Fluges durch Menschenkraft gearbeitet wird — wie im Deutschen Luftsportverband bekannt ist —, so kann man vielleicht für die nächste Zeit noch auf einige weitere Ueberraschungen hoffen. Bei dem neuen Flugapparat, der jetzt in Frankfurt a. M. seine erste Probe bestanden hat, habe man nicht etwa, wie Ingenieur Ursinus weiter berichtete, frisch darauflos konstruiert, sondern die Versuche seien auf rein wissenschaftlicher Grundlage aufgebaut worden. Man habe mit genauen Berechnungen begonnen, um sich nicht auf den glücklichen Zufall verlassen zu müssen. Don Beginn der Konstruktion an habe man ein bestimmtes Prinzip zielbewußt verfolgt. Bei den Leistungen des Fluges am Donnerstag von 195 Meter sei im übrigen zu berücksichtigen, daß mit 8 Meter in »der Sekunde ein recht merkbarer Gegenwind zu überwinden gewesen sei. Wie lange schon Ursinus und mit ihm eine kleine Gemeinde treuer Mitarbeiter sich mit der Idee des Menschenfluges aus eigener Kraft beschäftigt, geht daraus hervor, daß man in diesen Kreisen schon bei den ersten Wettbewerbsausschreibungen für Segelflieger in der Rhön daran dachte, den Flug durch Menschenkraft praktisch zu erproben. — Wie nachträglich bekannt wird, unternahm das Flugzeug noch einen dritten Start, bei dem es einen Flug von etwa 200 Meter durchführte. Dabei erlitt das Flugzeug einen geringfügigen Schaden an der Nase, der inzwischen schon wieder behoben wurde. Oie Trauerfeier für -ieOpfer des BerlmerEmsturzunglücks Sie flarben für Deutschland — ihre Namen werden unvergessen sein. N AW ^vZ/^Zi/Z V y Un(er Bild zeigt einen Ueberblick über die Trauerfeier im Berliner Lustgarten. — (Scherl-Bilderdienst.) . B e rl i n, u0. Aug. (DNB.) Der Trauerzug mit den 17 Sargen der Opfer des Einsturzun - glurfe5 wurde von der Schloßbrücke bis zur Ballustrade vor dem Schloß durch ein dichtes SA.- Ehrenspaller hindurchgeleitet. Nach der Aufbahrung rückten die Formationen und Gliederungen der Partei an. Auch Feuerwehr, Luftschutz, Technische Nothilse und das Rote Kreuz hatten Abordnungen entsandt. Bergleute nahmen ebenfalls Aufstellung. Am Fuße der Ballustrade standen die Pioniere, eine Abordnung des Wackregimentes, eine Abteilung der Leibstandarte des Führers sowie die Polizei. Kurz vor Beginn der Feier erschienen die Hinterbliebenen und die Ehrengäste, unter ihnen Reichsminister Dr. Goebbels, Reichsinnenminister Dr. Frick, Reichsminister Kerrl, Reichs- orqanisattonsleiter Dr. Ley, Stabschef Lutze. Die Leibstandarte Adolf Hitler spielt den Trauermarsch aus Beethovens „Eroica". Hierauf sprachen die Geistlichen beider Konfessionen. Es folgt das Lied Nichts kann uns rauben Liebe und Glauben zu diesem Lande", das der Arbeitsdienst vortrug. Sodann sprach der Generaldirektor der Deutschen Keichs« bahn, Dr. Dorpmüller: Ich stehe vor Ihnen als der Bauherr des großen Werkes, das Heil und Segen bringen sollte einer arbeitsamen Bevölkerung unserer Reichshauptstadt, das aber zum Unheil wurde für 19 Ardeitskame» raben. Das Werk sollte mithelfen im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit. Berliner Baugrund ist eine gefährliche Arbeitsstätte, denn in ihm lauern die Ge- fahren des alten Urstromtales. Wir haben überall mit Menschen zu tun und mit der Unzulänglichkeit menschlicher Sinne. Dazu schleicht sich gar zu leicht jene unglückselige Sorglosigkeit, die der ständige Umgang mit der Gefahr in sich schließt, in die Menschen. Indem ich diese menschliche Seite des Unglücks berühre, soll damit keine Entschuldigung ausgesprochen werden, im Gegenteil, wir müssen unerbittlich den Ursachen nachgehen, die so großes Unglück über 19 Familien gebracht haben. Wir können der Familie den Gatten und Vater nicht wiedergeben, wohl aber können wir in Erfüllung einer heiligen Pflicht den Trauernden helfen, ihr schweres Los leichter zu tragen. Darum wollen wir die Sorgen um ihre Lebensführung und um die Erziehung ihrer Kinder lindern. Wenn nach Vollendung des Werkes Hunderttausende die neuen Strecken befahren, dann sollen diesen auf granitener Wand mit ehernen Lettern die Namen der Toten entgegenleuchten. Anschließend spricht Keichsorganisaiionsleiter Dr. Ley. Er führte u. a. aus: Es ist, als ob das Schicksal sich den Segen der Arbeit, nachdem wir solange durch die Geißel der Arbeitslosigkeit geschlagen roor- den sind, nur hart abringen läßt. Und die hier liegen in den Särgen, sind Soldaten der Arbeit, und wir wissen, daß die Führer in diesem harten Kampfe um so mehr Verantwortung tragen müssen. Wir werden erklären, daß wir rücksichtslos jeden, der diese Verantwortung in diesen schweren Tagen des Kampfes um den Wiederaufbau Deutschlands vernachlässigt, anklagen werden. Zu den Hinterbliebenen gewandt, fuhr Dr. Ley fort: Ihr seid nicht allein. Mit Euch ist das gesamte Volk. Das ist ja das gewaltige Werk des Führers. Wir sind eine Gemeinschaft, eine Familie, eines Blutes geworden. Der Führer läßt euch durch mich seine Grüße senden. Gestern abend sagte er mir: Sagen Sie diesen Männern und Frauen, die da trauern: I ch bin bei ihnen, ich grüßte Sie, ich denke ihrer in schwerem Schmerze. Der Tod dieser 19 tapferen Soldaten ist nicht umsonst, denn sie starben für Deutschland. Ihr Tod sei uns Mahnung, um so fester und um so unerschütterlicher weiter zu kämpfen. Wir geloben euch, ihr Soldaten der Arbeit, wir werden in diesem Aufbau nie nachlassen. Mr beugen uns vor dem Schicksal nicht, sondern wir werden kämpfen, bis wir den Preis der Freiheit in unseren Händen haben. Dann gibt Dr. Ley die Kommandos: „Still- gestanden! Die Fahnen hoh! Senkt die Fahnen!" Während die Musik gedämpft das Lied vom guten Kameraden spielt unb die Ehrenabordnungen die Kränze an den Särgen niederlegen, senkt sich her Fahnenwall. Dr. Ley schließt seine Gedenkrede mit dem Rufe: „Deutschland muß leben, selbst wenn wir sterben müssen." Dann nimmt Keichsminister Dr. Goebbels das Wort: Es ist für ein Volk nicht schwer, im Glück zusammenzustehen. Schwer aber ist es, Unglück gemeinsam und aufrecht zu tragen. Die schweren Schläge, die die deutsche Nation in den vergangenen Monaten getroffen haben, haben jeden Einzelnen von uns getroffen. Unglück und Schmerz gemeinsam zu ertragen, das haben wir Deutschen wieder gelernt. Und so mögen die Hinterbliebenen überzeugt sein: Die ganze Nation wird an ihrem Schmerz aufrichtig Anteil nehmen. Die Toten aber, die hier vor uns ruhen, mögen wissen: Ihre Namen werden unvergeßlich fein. Spaten und Schaufeln, die ihren Händen entrissen wurden, werden von neuen Händen ausgenommen, am Werk arbeiten, das der Führer uns allen aufgegeben hat. Nach den Worten des Ministers wird die Trauerfeier mit den Nationalhymnen beendet. Anschließend fahren die 17 Leichenwagen die Toten auf verschiedene Friedhöfe, wo ihre Beisetzung er* folgt. Neuer Schacht zur Bergung des letzten Opfers. Berlin, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Dis Arbeit zur Bergung der letzten beiden Opfer sind auch während der Nacht mit unverminderter Kraft weitergeführt worden. Kurz nach 1 Uhr gelang es, den zuletzt Aufgefundenen freizulegen und kurz vor 2 Uhr zu bergen. Es handelt sich um den Arbeiter, der unterhalb der Grundwasserlinie lag. Man hofft, daß im Laufe des Tages die Freilegung des letzten Opfers und feine Bergung gelingen wird. Nach dem genauen Plan, den die Reichsbahn von den Fundstellen der einzelnen Arbeiter anlegen ließ, ist zu erkennen, daß das Unglück sich in Sekundenschnelle ausgewirkt haben muß. Man fand nämlich 12 von ihnen so, wie sie in vier Abteilungen zu je drei Mann an den Loren gearbeitet hatten. Auch der Schachtmeister wurde dort aufgefunden, wo sein dauernder Standort während der Arbeit war. Die anderen, die einzeln aufgefunden wurden, scheinen, da zu der Unglückszeit gerade Mlttagspause herrschte, ihr Frühstück unten eingenommen zu haben und sind so die Opfer des gräß- uchen Unglücks geworden. Die Arbeiter wurden sofort von den Trümmern erschlagen oder von den Erdmassen erdrückt. Auch der Befund der ärztlichen Untersuchung der Toten hat ergeben, daß der Tod infolge der schweren Verletzungen sofort einge- Alchkarische klrchenrnusiker aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen. Aus der Reichsmusikkammer wurde eine Anzahl nichtarischer Kirchenmusiker und Or» ganisten aus den Orten Königsberg i.Pr., Berlin-Friedenau, Köln-Nippes, Eberswalde, Offenbach a. M., Jever, Brandenburg und Berlin ausgeschlossen. Den aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossenen Musikern wurde mit sofortiger Wirkung die Berechtigung zur Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit eines Organisten in christlichen Kirchen entzogen. Handball-Werbetag-Spiele im kreise 8 Lahn-Dill §Jl.rBd Hess. Höhere Bauschule BINGEN AM RHEIN Sfaafl. Techn. Lehranstalt HOCH- UND TIEFBAU Verlangen S'e Prospekt Nr. ]] Achtung! Kirmes Achtung! im »Strümplehen« zu Kleimlanden am 1« und L. September Für Speise und Gelränke ist bestens gesorgt! Es laden freundlichst ein 4933d Die Burschen u. der Wirt Am 1. und 2. September 1935 Kirmes .. Mvofdovf bei Gastwirt Anglist Bender (früher Freund) 4956 d Tanz im Kreien und in dem Saal Gute Speisen und Getränke Kirmes .. Gleiberg Sonntag, den 1. September Montag, den 2. 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Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger spricht in Gießen vor etwa 20000 Menschen. Eine Riesenkundgebung, wie wir sie in Gießen noch nicht so eindrucksvoll in die Breite und in die Tiefe wirkend erlebt haben, wickelte sich gestern abend auf Oswaldsgarten ab. Auf Einladung der Kreisleitung der NSDAP, hatten sich dort die Volksgenossen und Bolksgenossinnen versammelt, um gegen das Treiben der Staatsfeinde und die Machenschaften der Dunkelmänner öffentlich Stellung zu nehmen, zugleich aber auch dem Führer Adolf Hitler und der nationalsozialistischen Bewegung erneut ihre Treue zu bekunden. Rund 18 000 bis 20 000 Männer und Frauen standen dicht gedrängt auf dem weiten Platze des Oswaldsgarten und m den angrenzenden Straßenzügen, um hier die aufklärende und richtungweisende Rede des Gauleiters zu hören. Schon vom frühen Abend ab stand unsere Stadt ganz im Zeichen dieser riesigen Kundgebung. Von allen Seiten her zogen die Formationen der' Bewegung, die geschlossenen Gruppen vieler industrieller, gewerblicher und behördlicher Betriebe, daneben im Einzelmarsch dichte Scharen von Männern und Frauen zu dem Platze der Kundgebung hin. In ganz kurzer Zeit war der Platz rundum übervoll von Menschen, und nunmehr ging auf Oswaldsgarten selbst der Aufmarsch aller Gliederungen der Partei, angefangen von den politischen Leitern über SA., SS., Arbeitsdienst, HI., BDM. bis zum Jungvolk vor sich. Es war ein unvergeßlicher Anblick, der sich von dem Rednerstand aus über den weiten Platz hin auf die dichtgedrängt, Kopf an Kopf bis weit in das Straßenfeld hinein stehende Menschenmenge darbot. Der Rednerstand war vor einer mächtigen Fahnenwand mit dem Hoheitszeichen der Bewegung aufgebaut, rechts und links standen die starken Fahnengruppen aller Gliederungen in mehreren Reihen aufgestellt. Der Arbeitsdienst kam zum erstenmale unter den Klängen seines schneidig spielenden Musikzuges angerückt, bald darauf folgte die SA. unter der Führung des Standartenführers Lutter, ebenfalls mit prächtiger Marschmusik; die Stürme marschierten in Sechserreihen. Der Standort Gießen der Wehrmacht war durch den Befehlshaber des Restkommandos unseres zur Zeit auf dem Truppenübungsplatz weilenden Regimentes- oertreten. Gegen 20.30 Uhr traf der Gauleiter, der von Pg. Klo st ermann und anderen hervorragenden Männern der Bewegung an der Stadtgrenze empfangen worden war, am Oswaldsgarten ein. Die Menschenmenge, soweit sie in der Nähe der Rednertribüne stand und infolgedessen den Gauleiter bei seiner Ankunft bemerken konnte, bereitete ihm und seiner Begleitung einen überaus herzlichen Empfang. Unter den Klängen des Badenweiler Marsches schritt der Gauleiter zunächst die Fronten der Fahnengruppen ab, nachdem er vorher die Meldung des Standartenführers L u t - t e r entqegengenommen hatte Der Kreisleiter Pg Klostermann eröffnete die Kundgebung sofort nach der Ankunft des Gauleiters auf der Rednertribüne. Hierauf sprach der Zeitpunkt für die Staatsfeinde sei jetzt gekommen. Das nationalsozialistische Deutschland war von Anfang an dem Ausland ein Dorn im Auge. Das Ziel des Angriffs der ganzen Welt auf Deutschland war, das nationalsozialistische Deutschland zu vernichten und dann das deutsche Volkstum aufzulösen. Man glaubte, dieses Ziel leicht erreichen zu können. Heute aber sieht man ein Deutschland mit Adolf Hitler an der Spitze vor sich, das nie machtvoller dastehen könnte als heute, denn das deutsche Volk steht geeint und stark hinter seinem Führer. Die heute noch den Kampf gegen dieses Deutschland führen und an einen Erfolg glauben, sitzen als Emigranten im Auslande. Dieses Gesindel wird ausgehalten von den Feinden Deutschlands, denen liefert es Material, es gibt Zeitungen heraus und sucht das deutsche Volkstum in den Augen anderer Völker herabzusehen. Dieses Gesindel belügt die Welt genau so, wie es das deutsche Volk immer belogen und betrogen hat. Nachdem aber immer mehr Ausländer das Deutschland Adolf Hillers gesehen haben, erkennt die Welt die Lügen des Emigranten-Gesindels immer mehr, und die ausländischen Besucher fühlen sich verpflichtet, ihren Völkern die Wahrheit über das neue Deutschland zu melden. Diese wahren Berichte haben zur Folge, daß das Geschmeiß der Emigranten bei den anderen Staaten und Völkern immer mehr als lästig empfunden wird und nun den Boden verliert, so daß das Emigrantenpack vielfach heute unter Polizeiaufsicht steht. Wir können immer mehr feststellen, daß Deutschlands Stellung vor der ganzen Welt als machtvoller Faktor des gesamten Deutschtums immer mehr gefestigt wird und im Bewußtsein der Völker als Machtfaktor verankert ist. Wir haben nun die Aufgabe, jeden Versuch, von außen her Unruhe in unser Volk hineinzutragen, von uns aus zu unterbinden. Der Führer stützt sich dabei nicht etwa aus die Brachialgewalt, sondern aus die Treue und das Vertrauen des einzelnen deutschen Volksgenossen und auf die unbedingte Gefolgschaftstreue aller Mitglieder der Partei. Wenn jeder Deutsche dabei seine Pflicht tut, werden wir die Störungen von außen her bald restlos erledigt haben. Dabei sollte auch anerkannt werden, daß die Zeitungen des Auslandes bei ihrer Beschäftigung mit Deutschland nur auf das Geschäft spekulieren. Daran sollte jeder einzelne denken, wenn er ausländische Zeitungen bezieht. Was bei uns zu sagen ist, wird dem deutschen Volke frei gesagt durch den eigenen deutschen Aufklärungsapparat und die eigenen Aufklärungsmöglichkeiten, durch die Versammlungen und durch die gesamte deutsche Presse. Die deutsche Presse besitzt alle Freiheiten, um das deutsche Volk restlos aufzuklären. Es ist natürlich, daß innerhalb Deutschlands auch Feinde der nationalsozialistischen Weltanschauung und des deutschen Volkes vorhanden sind. Aber bis auf einen kleinen Prozentsatz steht das deutsche Volk hinter seinem Führer Adolf Hitler. Es ist erklärlich, wenn der Jude sagt, daß er nicht abftinv- m-m kann, weil er eben Jude ist. Völlig unerklärlich muß es uns anmuten, daß es einmal eine Zeit gab, in der man von „deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens" glaubte sprechen zu können. Daran hat der Jude selbst nicht geglaubt, denn er hat sich immer nur als Jude, niemals aber als Deutscher, Engländer oder Amerikaner gefühlt. Tatsächlich hat ja auch jedes Volkstum feine eigene Art. Volksgenossen, laßt euch nicht täuschen, denn der Jude ist eben ein anderer Mensch, als der deutsche Mensch, der Jude will eben, wie auch das Beispiel von Disraeli und Rathenau zeigt, nur Jude sein. Diese Beispiele ließen sich beliebig vermehren, ich glaube aber, daß über diese Frage jedermann genug weiß. Wenn man nun immer wieder die Forderung hört, die Regierung möge Maßnahmen gegen die Juden treffen, dann ist dazu zu sagen, daß es solcher Maßnahmen gar nicht bedarf, wenn jeder an feiner Stelle richtig handelt als Deutscher und im Rahmen des Deutschtums immer so handelt, daß der Jude draußen steht. Wenn die deutschen Volksgenossen sich in jeder Beziehung restlos von dem Juden lösen, nicht mit ihm verkehren, sein Geld nicht leihen, nichts von ihm kaufen und ihm nichts verkaufen, dann ist diese ganze Frage von selbst gelöst. Wozu also das Geschrei nach Maßnahmen? Seid deutsch und handelt deutsch! Der Führer hat bereits im Jahre 1933 gleich nach der Machtübernahme erklärt, daß gemäß dem Par- teiprogramm beide christliche Konfessionen in gleicher Weise vom Staate ge« chützt und gefördert werden. Trotzdem gibt es heute immer noch Menschen, die Kritik an der Staatsführung, an der nationalsozialistischen Weltanschauung und der Partei üben. Der politische Katholizismus, das frühere Z e n - Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger spricht. trum beginnt eben in anderer Form sich wieder zu regen, angefangen sogar von der Jugend her. Niemand hat verboten, daß die Jugend von der Kirche religiös erzogen wird. Diese Aufgabe hat die Partei und hat die Hitler-Jugend niemals für sich beansprucht. Aber die Erziehung der Jugend zu deutschen Staatsbürgern und ihre sportliche Ertüchtigung sind ausschließlich dem deutschen Staate und der Partei vorbehalten. Darum verpflichtet der Nationalsozialismus die Kinder restlos zur Erziehung in den Gliederungen der Partei, um dort zu deutschen Menschen zu werden. Darüber wird nicht diskutiert! Es ist nun geradezu erstaunlich, zu sehen, daß auch in dieser Hinsicht kritisiert wird. Hierzu muß gesagt werden: wer sich verhetzen l«äßt und infolgedessen einen Irrweg geht, muß später auch sehen, wie seine Kinder unter den Folgen dieses Irrweges zu leiden haben. Der deutsche Staat kann eben keine Menschen in seiner Verwaltung gebrauchen, die Irrwege gegangen sind. Junge Menschen, denen die Symbole des deutschen Reiches nicht vertraut sind, können dem Staate nicht dienen, weil sie ja dessen Symbole gar nicht kennen. Das deutsche Volk hat durch seine Regierung auch ein Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses erlassen. Das ehemalige Zentrum, der politische Katholizismus wendet sich auch gegen dieses Gesetz. Hierzu ein Beispiel: Der hessische Staat gibt zur Unterhaltung von Kranken, die von staatswegen anstaltsmäßig untergebracht sind, jährlich nahezu 1,7 Millionen Mark aus. Was könnte man mit diesem Geld für gesunde Menschen tun und wieviel Arbeit könnte man für sie schaffen. Wenn man diesen Betrag umlegt auf das ganze Deutsche Reich, bann kommt eine unerhörte Summe heraus. Wir haben kein Interesse daran, daß das deutsche Volk in der Zukunft etwa nur aus Schwachsinnigen und Erbkranken besteht. Denn Deutschland erhalten und sein Volkstum gesund bleiben soll, dann muß es immer nur daraus ankommen, den gesunden Nachwuchs zu fördern, heute sind wir nun jo weit, daß die Fachmänner der ganzen Welt Deutschland beglückwünschen. Die Ankunft des Reichsstatthalters und Gauleiters Sprenger auf Oswaldsgarten. — Rechts neben ihm Pg. Klostermann. MchMMMr Gauleiter Sprenger keine gute Beamtenschaft und kein Blühen aller anderen Schichten des Volkes denkbar. Denkt daran, daß wir in Hessen durch die Meliorationsarbeiten und die Art, wie wir diese Arbeit gemacht haben, mustergültig geworden sind für Deutschland. Mit den geringsten Mitteln haben wir erreicht, daß allein im Ried viele tausend Hektar neuen Landes hätte. Die Entwicklung der Verhältnisse vor der Machtübernahme hatte dahin geführt, daß der B o l s ch e- roismus über Deutschland hinweggebraust märe, und wer sich dabei die Verhältnisse m Rußland vor Augen hält, weiß, was dabei aus Deutschland geworden wäre. Deutschland wäre dann restlos erledigt gewesen, schon deswegen, weil mir ja nicht in der Lage gewesen wären, die Ernährung des Volkes sicherzustellen. Es war m der Tat fünf Minuten vor 12 Uhr, als der F uh - rer die Macht übernahm und zielsicher den Ausbau in Deutschland in die Wege leitete. Man denke heute zurück, daß damals zur Herbeiführung gesunder Verhältnisse zunächst einmal der staatliche Apparat in Ordnung gebracht werden mußte. Ungeheure Arbeit war zu diesem Zwecke in Reich, Ländern und Gemeinden zu leisten, um wieder eine Verwaltung zu schaffen, die einwandfrei und ohne Reibung funktionierte, denn alles war doch damals auf den Parlamentarismus eingestellt; es wurde geredet, nichts als geredet, aber sonst war niemand da. Von diesem System, auf das der ganze Staatsapparat eingespielt war, die Umstellung auf das Führerprinzip durchzuführen, war nicht leicht, aber sie war notwendig, um die großen Maßnahmen des Führers überhaupt zu ermöglichen. . Volksgenossen, denkt an das Positiver Denkt daran, was alles zu tun war, um diese ungeheure Arbeit zu erledigen. Denkt auch daran, was getan werden mußte, um Aur Arbeitsbeschaffung beispielsweise den Bau der Reichsautobahn in Angriff zu nehmen. Nunmehr ist etwa ein halbes Jahr verflossen, daß diese Bahn in unserem Bezirk bereits eröffnet rourbe. Denkt in Oberhefsen auch daran, baß durch d,e Auf- bauarbeit Adolf Hillers wieder ein gefunder Bauernstand entstanden ist und daß ohne diesen qesicherten, gesunden Bauernstand Deutschland nicht bestehen kann Jeder Volksgenosse weiß datz unser Bauerntum die besten Kräfte für das gesamte Volk stellt, denn ohne einen gesunden Bauernstand ist auch fein blühendes Handwerk, geschaffen worden sind. Kurz: die Erfolge und die Fortschritte unter der Regierung Adolf Hitlers liegen so klar und deutlich vor jedermann zutage, daß jeder deutsche Volksgenosse die Verpflichtung hätte, dankbar täglich des Führers zu gedenken, sich immer mehr in den Nationalsozialismus hineinzuarbeiten und mit ihm zu marschieren. Jeder hätte die Verpflichtung, mit den anderen in dieser Arbeit und Gesinnung mitzueifern. Trotzdem aber erleben wir täglich immer wieder diese Kritikasterei. Das eine kann ich ruhig sagen: so hart wir im Kampfe geworden sind und so ruhig wir geblieben und so diszipliniert wir immer gewesen sind, s o werden wir auch bleiben. Jeder, der heute noch angesichts dieser Leistungen kritikastert, soll sich nicht in unserer Langmut tauschen. Im nationalsozialistischer^ Staat hat jedermann ein freies Wort, wenn er offen feine Kritik äußert und wenn er in ehrlichem Aufbauwillen Vorschläge macht oder auf Verhältnisse hinweist, die irgendwo in Ordnung gebracht werden müssen. Aber wehe den Wühlmäusen, die nur unterirdisch arbeiten wollen. Das Recht zur Kritik hat nur der, der selbst positiv mitarbeitet, sonst niemand. Wenn man nach den Wurzeln dieser Wühlmausarbeit forscht, so erkennt man, daß hier planmäßig gehandelt worden ist. Ich spreche offen aus, daß solche Dunkelmänner zur rechten Zeit in die Partei hineingeschickt wurden, und daß auch Spitzel vorhanden sind. Aber auf die Dauer kann niemand von diesen Menschen seine Zersetzungsarbeit ausüben ohne daß er eines Tages doch der rächenden Gerechtigkeit in die Hand fallen würde. Ein anderer Teil der Wühlmäuse hat aus der Tatsache, daß der Führer sich großmütig gezeigt hat, den Schluß gezogen, daß nunmehr die Zeit gekommen fei, wieder Durcheinander zu machen. Hier muß ich klar sagen: Es muh von jedem Parteigenossen und von i jedem Angehörigen der Parteigliederungen verlangt werden, daß er seine volle Schuldigkeit tut, daß er überall da, wo er diese Wühlmäuse am Werke sieht und erkennt, sie schnappt und den Organen des Staates, der Polizei, übergibt. - Dann wird diese Wühlmausarbeit bald aufhören, . denn nichts ist feiger als bas Gefinbel, bas hinten. , herum unb unterirbifch feine unsaubere Arbeit tut. Mit einer Langmut, wie sie keine Revolution der ; Weltgeschichte zeigte, hat der Nationalsozialismus diesem Treiben bisher zugeseher. Es ergeht daher jetzt eine letzte Warnung a.. alle, die glauben, zu der erwartungsvollen Menge. Er sagte in seiner etwa einstündigen Rede u. a.: Es hat wahrhaftig jeder, der guten Willens ist, bisher genug Gelegenheit gehabt, alles das, was der nationalsozialistische Staat unter der Führung Adolf Hitlers geschaffen hat, nicht nur zu sehen und in Ruhe zu betrachten, sondern sich davon auch belehren zu lassen. Jeder mußte wissen, daß zu einem planvollen Aufbau längere Zeit ge- hört Wer guten Willens ist, muß sich auch daran erinnern, was Adolf Hitler bei der Ueber- nahme der Macht vorgefunden hat. Wir haben alle miterlebt, daß wir vor der Machtübernahme Verhältnisse hatten, die in kurzer Zeit dahin geführt hätten, daß Deutschland sich restlos aufgelöst und das deutsche Volkstum und sein Staat zu bestehen aufgehört Die stillen Helfer an der Kundgebung bei ihrer Arbeit an der neubeschafften Lautsprecher-Verstärker- Anlage. In Uniform Kreisfunkwart Pg. Dorr. — (Aufnahmen 131: Photo-Pfaff.) M v. ? K d daß wir bett Mut gefunden haben, als erstes Volk zu dieser Tat überzugehen. Andere Staaten werden nun auch versuchen, diese Methoden anzuwenden. Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, wird bestätigen, daß ein Volk nur gedeihen kann, wenn das Gute in ihm bestehen bleibt und das Schlechte zugrunde geht. Wir müßten ja geradezu antigöttlich bandeln, wenn wir das Gute vernachlässigen würben, um das Schwache zu erhalten. Neben der Aufklärung über diese Frage können wir aber auch nicht mehr länger zusehen, daß auf diesem Gebiete unberechtigte Kritik geübt wird. Hier gibt es für uns nur das Wort: „Gib dem Staat, was dem Staate ist, und Gott, was Gottes ist!" Wenn man nun erklärt, Christus habe selbst gesagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt", so sagen wir, aber unser Reich ist von dieser Welt, und es ist ausschließlich die politische Angelegenheit der nationalsozialistischen Partei, des Deutschen Staates und des Führers Adolf Hitler, in diesem Reich zu bestimmen. Daran lassen wir von niemand rühren. Aber nicht allein der politische Katholizismus ist dabei, Zwietracht in das Volk hineinzutragen. Es gibt auch eine Anzahl Menschen, die evangelischer Konfession sind und die versuchen, Zwietracht zu schassen. Vor einiger Zeit wurde von einigen erklärt, daß ich in Hessen die Bekenntnisse unterdrücke. Ich habe bereits in Darmstadt beim Gautag gesagt und wiederhole es hier: Um seines Bekenntnisses willen ist in Deutschland und auch in Hessen niemand irgendwie angefaht worden. Sein Bekenntnis kann jeder ausüben, wie er will, er kann ganz nach seiner Fasson selig werden. Wer aber Anordnungen der Reichsregierung und der Landesregierung nicht befolgt, der verfällt der Gerechtigkeit. Diese Gerechtigkeit wird von uns ausgeübt. Dabei kann auch ein Pfarrer nicht anders behandelt werden, nur weil er Pfarrer ist, als irgend ein anderer Volksgenosse. Wir verlangen von den Konfessionen, daß sie die nationalsozialistische Weltanschauung respektieren. Wer in diesem Rahmen Gott dienen will, dem ist es unbenommen, es zu tun. Der Staat steht hier schützend vor allen denen, die sich zum Christentum bekennen. Aber alle sollen doch bedenken: wenn wir nicht gewesen wären, so wären sie heute nicht mehr. In der letzten Zeit ist auch kritisiert worden, daß hier und da die Preise etwas in die Höhe gegangen sind. Wer glaubt, daraus eine Hetze machen zu können, kann gewiß sein, daß den Hetzern das Handwerk restlos gelegt wird. Der Reichsnährstand tut allen Bolksgenosien gegenüber feine Pflicht. Heute bereits sind die Preise auf das Maß zurückgesetzt worden, das im Rahmen der Arbeit ange- messen ist. Es wird für alle Welt mustergültig sein, wie wir die Preise herabgesetzt haben. Unser Bauerntum, das wieder kerndeutsch geworden ist, kann dabei als Mu st er und Beispiel allen vor Augen gehalten werden. Es ist selbswer- ständlich, daß jeder Volksgenosse für seine Arbeit das haben muß, was die Arbeit wert ist. Niemand hat ein Recht, vom deutschen Volke zu verlangen, daß er in kurzer Zeit auf kosten der Volksgesamtheit ein Vermögen ansammeln kann, das normalerweise nur in mehreren Generationen bei sparsamer Wirtschaftsführung erworben werden kann. Niemand hat das Recht, in ein bid zwei Jahren sich ein 2HU- lionenvermögen zu schaffen. Die Gerechtigkeit wird Dolksverbrecher dieser Art in ihre Schranken zurückweisen. Dazu mitzuhelfen ist Pflicht aller deutschen Volksgenossen und aller Hausfrauen, die es den zuständigen Stellen mitteilen müssen, wenn sie derartige Dolksverbrechen bemerken. Diese Hetze wegen der Preise ist die abgefeimteste und raffinierteste bisher gewesen. Das deutsche Volk wird sich r e st l o s zusammenscharen müssen, um diese schlimmen Feinde aus seinen Reihen auszustoßen. Das deutsche Volk kann in seinem Vormarsch nie aufgehalten werden, wenn es den richtigen Weg geht, wie in den letzten beiden Jahren. An der Spitze diejes Volkes steht der Führer, gestützt auf das Vertrauen der deutschen Men- scheu. Das deutsche Volk darf dieses Vertrauen niemals verlieren. Das deutsche Volk Hal immer bestanden, wenn es freu zu feinen Führern gehalten hat. Das alte Erbübel der Deutschen, die Zwietracht, darf nie wieder in unsere Reihen zurückkehren. Wir wollen aneinanderrücken. Wann an Wann. Das deutsche Volk muß nationalsozialistisch in seinem Tun und handeln sein. 3n diesem Volke steht die Partei als Vorbild im Leben und Vorbild der Tat. Jeder einzelne der Bewegung hat die Verpflichtung, täglich neu durch die Tat zu beweisen, daß er würdig ist, Nationalsozialist zu fein. Der Führer hat dem Volke seine Wehrmacht wieder- gegeben, um die deutschen Grenzen zu schützen gegen jeden Angriff, woher er auch kommen mag. Das deutsche Volk steht auf dem f e st e n Fundament der beiden Säulen: Partei und Wehrmacht! Auf diesen Säulen ruht Deutschlands Macht und Ansehen in der Welt. Darum hüte sich jeder, diese Säulen anzutasten oder gar nach ihnen zu greifen. Wer uns zwingt, zum Schutze dieser Säulen aufzustehen, ist dem harten Griff des Staates verfallen. Stehen wir zusammen wie e i n Mann, dann steht auch unser Reich allen Hetzern und allen Staatsfeinden gegenüber unerschütterlich da. Wer glaubt, sich damit nicht abfinden zu können, soll still beiseite treten, er kann überzeugt sein, daß ihm nichts aeschieht. Wer aber glaubt, wieder schmutzige politische Geschäfte machen zu können, den werden wir unschädlich machen. So, deutsche Volksgenossen, wollen wir als Deutsche aufrecht unseren Weg gehen und unserer Jugend den Weg in die Zukunft weifen. Drei Jahre Aufbauarbeit und drei Jahre natio- nalfozialistischer Führung müssen alle Hetzer verstummen lassen. So wollen wir weiterbauen und Stein auf Stein fügen, bis auch der letzte deutsche Volksgenosse seine Arbeit hat und feine Existenz gesichert ist. So wollen wir vorwärts- schreiten, durch die Arbeit und durch die Tat beweisen, daß Worte und Taten im nationalsozialistischen Staate vollkommen in Einklang stehen. Mit Stolz kann ich daraus Hinweisen, daß ein eindrucksvolles Stück dieses nationalsozialistischen Aufbaues in unserer engeren Heimat in der gegenwärtigen Ausstellung „Rhein-Mainische Wirtschaft" in Frankfurt zu sehen ist. Deutsche Volksgenossen! Euch rufe ich zu: Don Euch hängt es ab, ob Statsfeinde und Dunkelmänner weiter ihr Unwesen treiben können. D i e Geschichte geht vorwärts, niemals rückwärts! Zustände, die einst bestanden haben, können nicht wieder hergestellt werden. Das deutsche Volk hat sich einig bekannt zu seinem Führer Adolf Hitler. Bleiben wir so einig und handeln wir so einig, auch in den kleinsten Dingen, dann können Staatsfeinde und Dunkelmänner niemals etwas erreichen. Laßt uns allezeit bleiben Männer und Soldaten Adolf Hitlers! Die Rede des Gauleiters wurde oft von starken Zustimmungskundgebungen unterbrochen und am Schluß mit'langanhaltendem Beifall unterstrichen. pg.Klostermann sprach hierauf das Schlußwort. Er sagte u. a.: Diese Kundgebung der mindestens 18 000 Menschen wird jedem zeigen, daß die Bewegung trotz der Sommermonate ihre alte Schlagkraft besitzt, heute vielleicht noch stärker als jemals zuvor. Wohl die größte Kundgebung, die dieser Platz unserer Stadt bisher gesehen hat, legt Zeugnis ab von der Gefchlossenheit der Partei und der anständigen Bevölkerung von Gießen. Wie diese Kundgebung schon genügt, um Angriffe auf den Staat abzuweisen, so können wir auch stolz sein auf das, was wir bisher fertiagebracht haben, können stolz sein darauf, daß wir Die Menschen so führen können und daß kein anderer mehr tn der Lage ist, einen Keil in diese Geschlossenheit zu treiben. Das deutsche Volk ist einig und wird sich immer zusammenscharen, wenn Gefahren drohen, wie es auch heute abend sich zusammengeschart hat. Wir wollen jene Menschen nicht überschätzen, sondern auf unsere Leistungen stolz sein, dann werden wir das Beste haben, um diese Angriffe abzuwehren. Wie wir hier zusammenstehen, so steht auch Deutschland zusammen. Wir müssen alle zum großen Dritten Reich stehen und immer zeigen, daß wir einen einzigen Führer haben, dem wir bedingungslos folgen, wohin er uns auch führt: Adolf Hitler! Zu diesem Mann erheben wir unsere Häide und rufen in treuer Gefolgschaft zu diesem Führer und der deutschen Zukunft dreimal „Sieg-Heil!" Begeistert stimmte die Riesenoersammlung in die Ruse ein und sang anschließend den ersten Vers des Horst-Wessel-Liedes. Hierauf marschierten, nachdem der Gauleiter, wieder herzlich begrüßt, den Platz verlassen hatte, die Formationen der Bewegung geschlossen ab, wobei die SA. unter dem Kommando des Standartenführers Lutter über den Horst-Wessel-Wall, durch den Seltersweg, über den Kreuzplatz und durch die Sonnenstraße zum Standartengebäude marschierte, wo das Feldzeichen der Standarte und die Sturmfahnen feierlich eingebracht wurden. Sodann traten die Stürme weg, während die anderen Formationen für sich abrückten bzw. die Betriebgefolgschaften sich teils geschlossen, teils einzeln auf den Heimweg begaben. Aus der provinzialhaupisiadi. Zusprache am Arbeitsplatz. Aus dem Lande sprechen sich die Leute allenthalben zu. In dem Menschengewoge der Stadt entwickelt sich naturgemäß für jeden einzelnen ein bestimmter Grußkreis mitunter bis auf den Treppenverkehr im Etagenhaus. Dorfjugend, die in falsch- verstandener Aufnahmebereitschaft solche und ähnliche stadtgebundene Verkehrsformen besuchsweise mit nach Hause bringt, stellt sich damit außerhalb der Dorfgemeinschaft, die die Abtrünnigen im besten Fall durch gutmütigen Spott, wie: „Gelle, Marie, du kennst uns naut nti!" in die Heimatsront zurückruft. Dieses schöne Brauchtum, das von altersher die organisch wachsende Dorfgemeinschaft in steter innerer Verbundenheit hält, erlebt eine mannigfaltig anregende, farbenreiche Steigerung, wenn der Vorübergehende den anderen bei einer Arbeit sieht. Wenn wir Glück haben, hören wir auch gelegentlich mit, was hier „Arbeit" ist: „No, Hannes, wu kimmst de dann her?" — „Dom Perner!" — „Woas döre Dann?" — „Naut, e sah oam Desch ean schräib!" — Nachmittags geht derselbe Besucher zufällig am Pfarrgarten vorüber und sieht den Pfarrer ein Beet umgraben: „No, Herr Pfarrer", ruft er freundlich über die Hecke, „soll aach noch a bisst woas geärwet wörn?" — Eines heißen Sommertages warf ich von der Straßenseite aus Kohlen und Briketts in meinen Keller und war dadurch zusprachewürdiger geworden, zumal hier etwas ungewöhnliche Arbeit noch einen Schuß urtümlicher Schalkhaftigkeit mit auf die Zunge trieb. „Do debei gebts oawer aach schwoarze Finger!" lächelte der eine schmunzelnd mir zu, ein anderer faßte die polare Gesühlsspan- nung solcher Arbeit kurz und treffend in den Zuruf: „E schie' Aerwet, wann — fe gedoh'n east* und ein dritter meinte teilnehmend: „Do gebts oawer aach en lange Buckel debei!" Eine Frcut wollte mir im Schweiße meines Angesichts wohl: „Woas fei' Sä'. so domm — aich krieje aach hau'r Koann, aich woarde oawer, bis die Sonn' vo' mei'm Kealler eweck eas!" Ein moderner Eigenheimer hob mein Selbstgefühl durch wehmütigen Neid: „Sie haben es fein, Sie werfen ihre Briketts von der Straße direkt in den Keller, ich muß alles durch meinen Vorgarten tragen!" Der dorfverbundene Schornsteinfegermeister sah mich als Glied in der Kette eines Arbeitszuges: „Sie sorgen uns doch wieder für Arbeit!" Ein Nachdenklicher verklärte mir den Augenblick durch Hinweis auf den gehäuften Ertrag meiner Arbeit: „Doas Zeug mächt aam dreimoal woarm: aamoal, bis merfch eam Kealler hoat, dann bis merfch bezoahlt hoat unn eam Weanter, wann's taalt eas!" Nachbarliche Solidarität leuchtete auf: „Etz waaß mer doch wenigstens, wu mer hi se gih'n hoat, wanns taalt werd!" Und auf feinem Rückweg zollte mir ein Schalk Anerkennung: „Doas geng oawer flott! Wann Se ferdig sei, koanne Se zou mir komme, aich hunn aach en Waa'n voll uff de Gaß leie!" Gewiß gibt es auch im Dorfleben Feindschaften, aber der Dorfbewohner weiß auch zu unterscheiden, sehr häufig besser, als der Gebildete anzunehmen geneigt ist. Bleibt da im nassen Herbst auf verfahrenen Feldweg ein Bauer mit seinem schwerbeladenen Dickwurzwagen stecken; ein anderer kommt hinzu, aber beide sind Feinde. Trotzalledem spannt er jenem vor und zieht ihn „aus dem Dreck". Der bedankt sich und will, dem Augenblick vertrauend, ein Gespräch machen. Aber der Helfer meint kurz und bündig: „Doas woar Christenpflicht, doas anner bleibt so!" und fährt mit Peitschenknall an. Auf der anderen Seite kann „dicke Freundschaft gelegentlich, allerdings auf Gegenseitigkeit, sich auch etwas mehr erlauben. So sah ein wohlgenährter Metzgermeister zufällig aus dem Fenster seines Schlachthauses auf die Straße, während gerade einer seiner Freunde vorbeiging. „No, Fritz" hoast de geschloacht?" rief er ihm in alter Freundschaft zu. „Naa'n!" gab er zurück. Darauf jener mit der harmlosesten Miene von der Welt: „Aich glaabt, — weil de de Säukopp oam Fenster hänge hoast!" Das Fenster knallt zu, aber — wehe dem Spötter! Auch von „Zugezogenen", insbesondere solchen von Amt und Würden, spricht sich als erster Eindruck bald herum, ob der oder jener freundlich ist, d. h. ob er durch Gruß und Zusprache sich in die Dorfgemeinschaft eingliedern will. Allerdings darf man es dann nicht machen wie jener, der auf feinem abendlichen Gang durch die Felder die brauchtüm- liche Zusprache als Würz? zum harten Rhythmus der Arbeit entweihte durch zeitraubende Unterhaltungen über Gott und die Welt. Die Bauern liefen ihm bald einfach davon, wenn sie ihn nur von ferne kommen sahen. " R- B- Gießener Wochenniarktpreise. ♦ Gießen, 31. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark. Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 12, Wirsing, das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20 bis 25, Römifchkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 20, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 10, Rhabarber 8 bis 10, Kürbis 6 bis 8, Pilze 30, Kartoffeln, das Pfund 4V2 bis 5 Pf., der Zentner 4 bis 4,50 Mark, Frühäpfel, das Pfund 15 bis 45 Pf., Falläpfel 6 bis 10, Pfirsiche 45 bis 50, Brombeeren 45, Preiselbeeren 45, Birnen 10 bis 35, Zwetfchen 15 bis 20, Mirabellen 25 bis 30, Renekloden 20 bis 25, junge Hähne 90 bis 100, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 70, Salat 5 bis 12, Salatgurken 5 bis 25, Ein- machgurken 1 bis 3, Endivien 5 bis 25. adi© • Photo 463 D Seltersweg 67 ULWMÄ Telephon 3170 Spiele des Zufalls. Von Wilhelm von Scholz. Wir bringen mit diesem Aufsatz eine Veröffentlichung aus dem Buche „Der Zufall und das Schicksal" von Wilhelm v. Scholz, das demnächst im Paul-List- Verlag in Leipzig erscheint. Es erzählt und Deutet gleichzeitig eine Fülle von merkwürdigen Zufällen aus dem Alltagsleben. Gegenüber Der diesem Buche zugrundeliegenden früheren Schrift über den Zufall, in der die Theorie von der „Anziehungskraft des Bezüglichen" zum ersten Male entwickelt wurde, geht der Verfasser hier auch auf eine Deutung von Schicksalen aus. Ein Neuyorker Arzt hat einen seiner Patienten verloren. Nicht durch Den Tod, was leider eine ziemlich häufige Art ist, mit der Patienten ihren Aerzten durchgehen — ober wenigstens die Bezahlung ihrer Doktorschulden auf andere Leute abschieben. Der Patient, Mr. Smith, von dem ich erzähle, war einfach umgezogen. Das ist in Neuyork, wenn man Mr. Smith ober Brown heißt, babei noch ben Stabtteil wechselt unb biesen Vorgang außer- bem nur ein wenig künstlich „tarnt", so gut — ober wenn Sie wollen: so schlecht — wie gestorben! Der Arzt bemühte sich vergeblich um bie neue Abresse seines Pfleglings; nicht nur, um sich teil» nehmenb nach besten Befinben zu erfunbigen, fon- bern auch um ihn an bie Bezahlung ber Rechnung freunblich zu erinnern. Trotz Melbeämter, Einwohnerlisten mußte er bas Suchen schließlich aufgeben. llnb nun kommt ein merfroürbiger Zufall ihm plötzlich zu Hilfe, so unerwartet unb erstaunlich wie nur möglich: an einem Bries, ben ber Arzt erhält, hat sich burch ein wenig über ben Klebranb bes Umschlages geschmierten Leim ein zweiter Brief angehängt, ber bie neue Anschrift gerabe seines Mr. Smith trägt unb ihm mühelos in bie Hänbe spielt, was seinen Anstrengungen nicht hatte gelingen wollen. Sagen Sie nicht: wenn schon ber Arzt so bie Wohnung bes Mr. Smith herausbekommen hat, was ist bas für eine Weltorbnung, bie zuläßt, baß Bäcker, Fleischer, Schneiber, Schuhmacher unb Ra- biolieferant nicht alle auch auf eine geheimnisvolle Weise von bem neuen Quartier bes Schulbners in Kenntnis gesetzt werben! Einem muß er zahlen, bie anberen gehen leer aus; welche Ungerechtigkeit! Aber ich erzähle es ja nicht wegen ber Weltorbnung unb ber Gerechtigkeit. Zunächst erzähle ich es wegen einer praktischen Nutzanwenbung, bie gerabe heute mancher wirb brauchen können, unb bie ich in meinem Leben häufig bestätigt gefunben habe: baß unser Wille auf uns unbekannten Wegen zu gehen vermag, um sich burchzusetzen unb uns zu helfen! Der Arzt hatte eben bie Sache aufgegeben. Sein wie von einem Senber 'ausgestrahlter Wunsch aber bewirkte ben Fang bes Durchbrenners, wie es eine Kriminalmitteilung irn Runbfunk nicht bester hätte tun können. Der Brief an ben Doktor brachte wie ein Polizist ben anberen am Kragen mit auf bie Wache! Der Fall ist nicht so selten unb außergewöhnlich, wie man vielleicht auf ben ersten Blick benkt. Seit ich mein kleines Buch „Der Zufall, eine Vorform bes Schicksals" veröffentlicht habe, erhalte ich fast in jeber Woche aus bem Leserkreise bie Mitteilung solcher Vorkommnisse, bei benen man stutzig geworben ist, bei benen man mit bem Begriff bes „bloßen Zufalls" nicht recht ausreicht. Ich war in einer Gesellschaft. Ein sehr alter Herr — er mochte bie achtzig Jahre schon überschritten haben — schwärmte von ber Charlotte Wolter, ber einst gefeierten Helbin bes Wiener Burgtheaters, unb beklamierte ben berühmten Vers aus ber „Antigone" bes Sophokles: „Nicht mit zu baffen, mit zu lieben bin ich ba!" — ben er noch fo im Ohre habe, wie ihn bie Wolter gesprochen. Einen Augenblick barauf stehen wir, ber Wolter- Begeisterte unb ich, plaubernb vor bem Bücherschrank. Ein Buchrücken fesselt mit irgenb etwas Aeußerlichem unsere Aufmerksamkeit, so baß wir Den Hausherrn um ben Schlüssel bitten unb bas Buch herausnehmen. Wir schlagen es auf: bie erste Seite trägt groß unb aufbringlich in farbigen Lettern bas Motto: „Nicht mit zu hasten, mit zu lieben bin ich ba!" Es war eine Luxusausgabe von Raabes „Hungerpastor". Diese Art von Zufällen, von ber ich hier spreche, kann auch Humor haben unb sogar schabenfroh sein. Das hat eine Familie bei ihrer Sommerreise sehr nachbrücklich erfahren. Man war mit ben Kinbern in ein Dftfeebab gegangen unb freute sich, alten Verpflichtungen — benen bes Amtes unb bes Verkehrs — für ein paar kurze Wochen entronnen zu fein. Man faß im Stranbkorb unb las bie neuesten Unterhaltungsromane ober lag im warmen Sanbe unb sonnte sich. Die Kinber bauten bie stolzesten Burgen ober suchten Muscheln unb Bernstein. Von biesem letzteren fanben sie allerbings nur ein Stückchen, bas offenbar nicht unmittelbar ein Geschenk bes Meeres, sonbern schon in menschlichem Besitz gewesen war. Es zeigte eins feine Durchlochung, die dem ältesten Jungen barauf zu beuten schien, baß es einst ber Halskette einer frühen Germanin zugehört haben könnte — bem skeptischen Vater inbessen, baß es bas zerbrochene Munbstück einer späten Zigarrenspitze vorstellte. t)es Abenbs las man zweimal in ber Woche aufmerksam bie Kurlisten unb freute sich, wieviel Namen es gab, bie alle keine Störung bes Ferien- friebens anbrohen: so schön unbekannt klangen sie. Bis enblich boch ein leiber nur allzu bekannter Name in bem Verräterblatt auftauchte unb bie Familie in Schrecken versetzte — ber von „zärtlichen Verwanbten"! Kriegsrat: nicht auf bie Promenabe gehen, sonbern gleich nach bem sehr zeitig eingenommenen Frühstück unb nachmittags unmittelbar nach bem Essen, ehe bie anberen Kurgäste noch ihre Bewegungsfreiheit enebergeroonnen haben, hinaus zum Straub, wo man Stranbkorb unb Burg glücklicherweise ganz weit nach Osten ausgestellt hatte! Das kann eine Woche Schonzeit bringen, wenn bas Glück nur einigermaßen günstig ist. Man hanbelt bementfprechenb am nächsten Morgen unb kommt noch mit ben Frühstückssemmeln in ber Hanb am Stranbe an. Siehe ba: wo ist benn bie Burg ber Kinber geblieben? Als man zorn- bebenb barauf zustapft, erkennt man: sie ist offenbar als bloßer Rohstoff in eine noch viel größere neue Nachbarburg verarbeitet — wie einst im Mittelalter von rohen Hänben antike Tempel, Grab- benkmäler, Tore abgebrochen würben unb ihre Steine für neue Häuser hergeben mußten. — Der zur Empörungsrebe schon tief eingezogene Atem wirb tonlos roieber ausgehaucht: auf ber Zinne ber neuen Burg stehen winkenb unb mit frohem Begrüßungsgeschrei Onkel Ebuarb, Tante Kunigunbe unb ihre artigen hoffnungsvollen Sprößlinge Max unb Moritz. Ist bas nicht wie verhext? Unsere Freunbe fassen es nicht, baß ihnen bei ihrer Vorsicht ber neckische Zufall biesen Streich spielen muß. Es ist, als hätte bas noch so lose Verwanbtschaftsbanb trotz alles innerlichen Widerstrebens ber einen Partei bie neuen Ankömmlinge gerabe an biefe entfernte Stelle bes Stranbes geführt, wo sie so wenig willkommen waren! Eine Erklärung? Ich will eine möglichst einfache geben, bie jeber für sich roieber ausbauen kann. Was bem Sinne, bem gleichen Inhalt nach, burch Verwanbtschaft, einen sehr lebhaften Wunsch ober sonstwie von Rechts wegen zusammenhängt, bar strebt offenbar auch aufeinanber zu. In Der erwähnten kleinen Schrift habe ich es so gefaßt: was sich irgenbroie aufeinanber bezieht, bas zeigt eine uns nicht weiter erklärbare Anziehungskraft, bie ich beshalb „Die Anziehungskraft bes Bezüglichen" genannt habe. Jeber, ber einmal genau beobachtet, was um ihn täglich geschieht: wie ihm Namen, bie er seit Jahren nicht gehört hat, bann gleich zwei- ober brei- mal begegnen; wie in Kliniken, was viele Aerzts bestätigen werben, von seltenen Krankheiten meist kurz hintereinanber zwei ähnliche Fälle eingeliefert werben; wie „ein Unglück selten allein kommt" unb auch bas Gute meist weiteres Gute nach sich zieht — so baß man mit Recht von Pechsträhnen unb Glückssträhnen sprechen kann — ber wirb mir beistimmen unb vielleicht selbst solche merfroürbigen Fälle aus Interesse an ber Sache sammeln unb auf* schreiben. Jtefrufen(e6en im Reich des NeguS. Während bie Diplomaten immer wieder neue Versuche machen, Die drohende Kriegsgefahr auf dem schwarzen Erdteil zu bannen, werden im Reich des Negus Negestt Tag um Tag neue Rekruten zur Ausbildung herangezogen. Von der Art dieser Ausbildung macht sich der Europäer aber wohl zumeist keine rechten Vorstellungen, und die auf Grund persönlicher Beobachtungen von Sir Perci» oal Philipps im „Daily Telegraph" verfaßten Berichte verdienen darum besondere Aufmerksamkeit. Die Abessinier nehmen die Ausbildung überaus ernst und während des täglichen Drills taucht kaum eine Spur von Humor auf. Bei Sonnenaufgang versammeln die „Unteroffiziere" ihre Soldaten um sich, die nur zum Teil in Khaki-Uniform gekleidet sind, im übrigen aber das landesübliche weiße Gewand tragen. Auch die Bewaffnung der Truppe ift alles andere als einheitlich, gelegentlich sieht man alte Gewehre, Daneben aber auch Waffen, Die sich mit ber mobernen Ausrüstung der europäischen Armeen des 20. Jahrhunderts nicht vergleichen lassen. Die Uebungen werden mit äußerster Strenge burchgeführt und sind sehr gründlich. In der Militärschule, die sich etwa dreißig Kilometer von der Hauptstadt entfernt befindet, werden zur Zeit etwa zwanzigtausend Leute ausgebildet. Vor fünf Monaten war die Zahl nicht größer als viertausend. Auch Burschen zwischen zehn und fünfzehn Jahren werden zur Ausbildung herangezogen, und sie lernen alles, was sie zum Soldatendienst brauchen — mit Ausnahme des Schießens; denn dazn fehlt es an Waffen und Munition. Die Landeskundigem in ihren Leistungen überaus zähe urd) zuverlässige Soldaten, sind trotz dieser aus technischen Gründen sehr eingeschränkten Ausbildung nicht zu unterschätzende Gegner Ernst Bräuer. Der neue zweite Kapellmeister des Gietzener Stadttheaters. Als ich etwa acht Jahre alt war, kauften meine Eltern em Klavier („damit fing das Unglück an", pflegte mein Vater später zu sagen) Zunächst schien noch alles gut zu gehen, ich bekam Klavierunterricht und machte die Sache mit, um nicht mehr als nötig behelligt zu werden. Das war also noch harmlos. Aber nun: als Pennäler wanderten wir oft. Wir sangen ein- und mehrstimmig, und eines Tages mußte ich — da ich doch Musikunterricht hatte — unseren alten Lehrer vertreten, der mit uns unsere Lieder probierte. Mit der Zeit wurde aus dem „Vertreten" ein regelmäßiges Probieren 5 und die „Spielgemeinde Witten" war da. Mir begann die Sache Spaß zu machen. Dazwischen kam unerwartet — ich mußte für jemand anders eine Theaterkarte absitzen — eine wundervolle Aufführung der „Zauberflöte". — So fügte sich eins zum andern, bis ich mir — mitten in der Ausbildung zum Ingenieur — klar wurde, Musiker, Kapellmeister zu werden. (Mein Vater sagte ernst und entschlossen: „Jetzt haben wir den Salat!) Rudolf Schulz-Dornburg, bei dem mir zum erstenmal ein Orchesterkonzert Erlebnis wurde, betreute mich (erst in der westfälischen Schule für Bewegung, Sprache und Musik in Münster i. W. und dann in den Folkwangschulen in Essen-Ruhr) mit rührender Liebe und Geduld. Im Herbst 1929 wurde ich als Hauptmusiklehrer der Hermann-Lietz-Schule bei Erfurt auf etwa 80 muntere Knaben (sehr muntere Knaben) losgelassen. Es war eine schöne Zeit, aber nicht das, was ich eigentlich wollte. Ich machte quasi eine zweite Lehrzeit des Chorwesens durch. Im Sommer 1931 ging's — endlich — ans Theater. Als Repetitor nach Kassel! Und da eine große Bühne wie diese notwendig spezialisieren muß, ich mich aber nicht auf ein Teilgebiet beschränken wollte, so spielte ich in der Folgezeit immer mehr Kammermusik und leitete kleine Jnstrumental- ensembles und Chöre. In mein Gießener Engagement bin ich — buchstäblich — hineingepurzelt. Intendant Schultze-Griesheim lud mich zum Diri- rieren ein. Am Vorabend dieses Tages fiel ich — sehr gut und überreichlich — oonv Rad. Edle Teile waren nicht vetletzt, immerhin hatte meine Schön- Das Winzeldorf in der Volkshalle im Aufbau. Helt erheblich gelitten. Und trotzdem bin ich engagiert worden! Ich gehe an die schöne und interessante Arbeit, die mir bevorsteht, mit dem Wahlspruch, der in meiner Heimat, im ,Kohlenpott", in solchen Fällen üblich ist: ,^)ol di fast on kolt Isen!" Die deutsche Arbeitsfront y X n.9.=Gemcinfdiaft „firaft durch frcuöc" Am Sonntag, 15. September, findet vom Kreis Gießen aus die zweite Rheinfahrt statt. Die Fahrt geht ab Gießen mit der Bahn nach Mainz, von dort mit dem Dampfer die schönste Strecke des Rheins entlang, an den herrlich bewachsenen Ufern mit Weinbergen vorbei, die durch die verschiedensten Burgen dauernd ein anderes Bild geben. In Rüdesheim ist längerer Aufenthalt vorgesehen zur Besichtigung des Niederwalddenkmals. Gleichzeitig kann man in der Drosselgasse den Vergleich ziehen, ob der Wein beim Winzerfest oder direkt am Rhein besser schmeckt. Abends geht die Fahrt mit der Bahn von Koblenz nach Gießen. Für diese herrliche Rheinfahrt werden auf der Geschäftsstelle Gießen, Schanzenstraße 18, täg- lich noch Anmeldungen entgegengenommen. Fahrpreis beträgt mit Mittagessen 5,50 Mark. Winzerfest am 31. August, 1. und 2. September in Gießen. Es ist uns gelungen, zu diesem Feste vier bekannte kölnische Künstler zu verpflichten, die mit ihrem rheinischen Humor frohe Stunden bereiten werden. Es sind dies der bekannte Minnesänger Willi Heintzen, die bekannten Humoristen Jean Schmitz und Schmitz G r ö n und als Leiter und Ansager des Programms den allerseits bekannten und beliebten August B a tz e m. Diese Künstler werden am Sonntag, 1. September, mittags und abends auftreten, so daß es allen Volksgenossen möglich sein wird, die echt rheinische Fröhlichkeit kennenzulernen, um dabei über herzlichem Lachen die Sorgen des Alltags zu vergessen. Sonderzug des Kreises Gießen zur Rhein- TNainifchen wirtfchaflsausstellung in Frankfurt-Ri. Wir fahren am Sonntag, 8. September, bei genügender Beteiligung von Gießen mit einem Sonderzug zur Rhein-Mainischen Wirtschaftsausstellung. Der Fahrpreis beträgt mit Eintritt 1,90 Mark. Anmeldungen werden umgehend von der Geschäftsstelle Gießen, Schanzenstr. 18, entgegengenommen. Limeswanderung am Sonntag, 8. September. Unter Führung des Assistenten des Oberhessischen Museums Herrn S z c z e ch findet am Sonntag, 8. September, eine Limeswanderung statt. Wir fahren morgens mit dem Frühzug nach Garbenteich, wandern von Garbenteich den alten Pfahlgraben entlang, wo Herr Szczech aus seiner reichen Erfahrung heraus allerlei Interessantes über den Limes berichten wird. Im Verlauf der Wanderung berühren wir auch Kloster Arnsburg und fahren dann später von Lich wieder zurück. Es ist für diesen Tag eine Sonntagskarte nach Lich zu lösen. Sonntagsfahrkarte kostet 0,90 Mark. Orts- und Retriebswanderwarte! Bis zum 3. September sind die im Monat August 1935 gemachten Wanderungen zu melden. Hierbei ist getrennt zu melden: Teilnehmerzahl (männliche, weibliche), Durchschnittsalter, Beteiligung von Gliederungen der Bewegung, Fahrgeld- und Ve^pfle- gungskosten. Meldung ist auf jeden Fall zu er- statten. Fehlanzeige erforderlich! Die Meldungen aus Gießen gehen direkt an die Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, Meldungen aus dem Kreis gehen über den zuständigen Ortsmart. Besuch der Ausgrabung in Glauberg am Sonntag, 29. September. Ebenfalls unter Führung des Herrn Szczech findet am 29. September eine Fahrt nach dem Der große Raum der Volkshalle erfährt in diesen Tagen eine gründliche Wandlung. Das Winzerfest, das die NS. - Gemeinschaft „Kraft durch Freude" veranstaltet, ist in diesen Tagen sorgfältig vorbereitet morden. Mit Hilfe von schönen Kulissen, mit originellen Verschlügen, mit viel Buntpapier und Girlanden murden in der Dolkshalle reizende Weinstuben geschaffen, die zum Teil recht prominente Namen rheinischer Weinlokale auf Schildern füh- Kreise Büdingen statt. Wir lösen eine Sonntagsfahrkarte nach Büdingen, fahren bis Stockheim, manöern von dort nach dem Glauberg, besichtigen unter kundiger Leitung die großen Ausgrabungen, die über Deutschlands Früh- und Vorgeschichte reichhaltig Auskunft geben, manbern dann meiter über die Ronneburg nach Büdingen. Es wird eine selten schöne Herbstmanderung merben. Kameraben aus allen Betrieben, folgt unserer Aufforderung unb roanbert mit! Es wird niemand zu bereuen haben. Sonntagsfahrkarte kostet 3 Mark. Landschastsbund Sottrum und Heimat Ortsring Gießen. Am Sonntag, 1. September, findet eine heimatkundliche Führung durch Alt- Gießen statt unter Leitung von Universitätsprofessor Dr. Rauch und Stadtbaurat Gravert. Wir treffen uns um 11 Uhr vor der Stadtkirche. Gäste millkommen! Ausstellung „Rhein-Rlainische Wirtschaft." Dorzugseintrittskarten zum Preis von 30 Pfennig (gegenüber einem Einzeleintrittspreis von 1 Mark) sind noch erhältlich beim Landschaftsbund Volkstum und Heimat (Weserstraße 4), bei der NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude" (Schanzenstraße) und beim Amt für Berufserziehung in der DAF. (Lonystraße 18). Ein neues Verwaltungsgebäude für den Städtischen Gcblachchof. Das SBermaltungsgebäube des Gießener Städtischen Schlachthofes, Schlachthofstraße 2, das i m Jahre 1886 erbaut morden mar, ermies sich im Laufe der vergangenen Jahre mehr und mehr als zu klein. Die Entmicklung der Stadt Gießen und die stetig machsende Zahl der Einmohner unserer Stadt hatten naturgemäß zur Folge, daß der Betrieb des Städtischen Schlachthofes eine erhebliche Ermeiterung erfahren mutzte, der erhöhte ren. Viele Hände mären bei der Arbeit, um für bas Winzerfest die rechte Umgebung zu schaffen. Den Gästen, die sich heute abend einfinden, wirb sich ein überraschend farbenfreudiges und vielfältiges Bild bieten. Tannengeruch von frischen Girlanden liegt in der Luft des Saales. Unser Bild (Aufnahme: Photo- Pfaff), läßt schon so ungefähr erkennen, welche Umgebung die Freunde des guten deutschen Weines er- märtet. Anfall der vermaltungstechnischen Arbeit mußte aber nach mie vor in den beschränkten Räumlichkeiten bemäüigt merben. Ein Neubau ermies sich in ben letzten Jahren mehr unb mehr als unbebingt nötig. Das neu zu errichtenbe Verwaltungsgebäude bes Stäbtischen Schlachthofes mird auf dem Gelände des Schlachthofes erbaut merben, unb zmar zmischen dem derzeitigen Vermaltungsgebäube unb bem Hause Robheimer Straße 23, unmittelbar an bem schmalen Wege, der entlang bem Schlachthof zu ben Marktanlagen an ber Robheimer Straße führt. Das Haus mirb zmeigeschossig erstellt. Im Erdgeschoß werben bie Büroräume (Kasse, Registratur, Büro, Direktorzimmer), ferner einen Raum für bas Publikum unb ein großes Laboratorium vereinigen, ba auch bas bisherige Laboratorium räumlich nicht entsprach. Im Obergeschoß mirb bie Wohnung des Direktors untergebracht. Für den Entmurf und die Bauleitung zeichnet das Städtische Hochbau- a m t verantmortlich. Mit dem Bau des neuen Verwaltungsgebäudes soll noch in diesem Herbst begonnen werden. Die Ausbauarbeiten hofft man im Laufe des nächsten Frühjahrs vollenden zu können. Das neue Verwaltungsgebäude wird einen direkten Zugang von der Nodheimer Straße her erhalten. Der schmale Weg, entlang dem Schlachthof wird voraussichtlich in Fortfall kommen. Beginn der neuen Kurse für Kurzschrift und Maschinenschreiben. Von der Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft wird uns geschrieben: Sprungbretter der Erfolgreichen sind Kurzschrift und Maschinenschreiben. Tüchtigen Stenographen Seife 15u.25Pfg Puder 30 Pfg. Zu jedem kommt einmal das Glück Vornan von Ellen Kulm Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 8. Fortsetzung. * Nachdruck verboten! Es war doch wichtig genug, sich von dem jungen Manne, der in Monika von Jnnemanns dauernder Nähe war, ein Bild zu machen. Nun, er war wirklich nicht besonders anziehend. Er sah richtig überstudiert aus, und für solche Leute hatte Gerling nie viel übrig gehabt. So fleißig er auch war — er hatte immer Sport getrieben und einen gestählten Körper für eine wichtige Voraussetzung auch für jede geistige Arbeit angesehen. p. f . Aber dieser Deutschamerikaner, der sich trotz ber Brille noch tief über die Bücher beugte, deren eines er neben seinem Teller aufgeschlagen liegen hatte, schien wirklich für nichts anderes Interesse zu haben als für seine Wissenschaft. Auch für Monika nicht! Gerling war em scharfer Beobachter, aber er konnte nicht aus einer einzigen Bewegung etwas merken, das auch nur eine flüchtige Teilnahme für Monika verriet, allerdings auch für seine übrige Umgebung nicht; während Monika, wenn auch zurückhaltend, so doch mit viel Vergnügen das Kommen und Gehen im Saale zu beobachten schien. Nun hieß es also, eine Möglichkeit zu finden, sich Monika zu nähern. Aber das konnte ja in bem Treiben eines großen Hotels nicht schwer sein. Als die Klinkes aufbrachen, erhob sich auch Gerling. Ungefähr zugleich mit ihnen betrat er das Vestibül. Frau Klinke fetzte sich in einen der breiten Fauteuils, Monika aber trat an die Loge des Portiers heran. Unauffällig stellte sich auch Gerling hin, so als ob er feinen Schlüssel haben wolle, aber aus Höflichkeit erst warte, bis die junge Dame ihr Anliegen erledigt habe. Monika fragte nach Briefen und erhielt einige ausgefolgt, die sie, ohne die Anschriften auch nur anzusehen, in die Handtasche legte. Dann fragte sie, ob für bie morgige Aufführung von „Aida" harten zu haben seien, und der Portier notierte sogleich drei Logenplätze. Als Monika daraufhin zu Frau Klinke zuruck- ging, verlangte Gerling kurz ensichlossen ebenfalls einen Logensitz für die morgige Au uhrung Der Portier notierte es, und Gerling hatte das Gefühl, daß ber welterfahrene Mann erraten hatte, baß er gern in derselben Loge wie bte Klmkes einen Platz haben wollte. m Am nächsten Abend - den Tag über hatte Ger. ling Monika nicht zu Gesicht bekommen - betrat er, ber auch von feinem Berufe her an Pünktlichkeit gewöhnt war, als erster bie noch leere Loge. Er wählte ben ersten Platz im Vordergrunb unb betrachtete den sich langsam füllenden Zu- schauerraum. Aber feine Gedanken waren nicht bei dem bunten Bild, bas sich ba unten bot. Er bachte unausgesetzt an Monika. Heute würbe er sicher eine Gelegenheit haben, sich ihr vorzustellen! Sollte er ihr sogleich verraten, baß er sie von Kindheit an kannte? Wenigstens bas konnte er boch tun, ohne seine wahren Pläne preiszugeben. Aber er konnte sich auch bazu nicht entschließen. Sicher würde sich auch dazu einmal zwanglos Gelegenheit ergeben. Knapp vor Beginn der Aufführung erschienen die Klinkes. Er stand sofort höflich auf und bot Frau Klinke seinen Platz an. Neben ihr nahm Monika Platz; ber dritte Sitz im Vordergrund war noch frei, und Gerling zögerte, ob er ihn noch bem jungen Klinke überlassen sollte. Aber ber hatte unterbeffen schon ben Rücksitz gewählt. So saß nun Gerling neben Monika. Kaum baß tiefes Arrangement getroffen war, verdunkelte sich der Zuschauerraum, und die Ouvertüre begann. Trotzdem Gerling Musik liebte unb seit so vielen Jahren bissen Genuß entbehrt hatte, konnte er feine Gedanken weder auf die Vorgänge auf der Bühne noch auf das fein nuancierte Spiel bes Orchesters konzentrieren. Nun saß er also neben Monika von Jnnemann. Unauffällig konnte er immer roieber ihr Profil betrachten. Sie saß sehr ernst unb lauschte fo aufmerksam, baß sie sich kaum einmal rührte. Sie trug heute ein himmelblaues, ärmelloses Kleid Ihre schönen, blendend weißen Schultern unb Arme hoben sich aus bem runden Ausschnitt. Der weiche, goldige Haarknoten lag tief im Nacken. Gerling schloß bie Augen. Die Vorstellung, baß tiefes schöne Mädchen vielleicht binnen kurzem feine Frau fein würde, betäubte ihn fast. Er fühlte eine jähe Leidenschaft in sich hvchschiehen. ®ar das Liebe? Er wußte es nicht Gewaltsam riß er die Augen wieder auf. Ns er sich in ber Pause erhob, um ben Damen ben Weg ins Foyer freizugeben, betrachtete ihn Frau Klinke freundlich und sagte ihm dann einige liebenswürdige Worte dafür, daß er ihr feinen Platz überlassen hatte. Sie wären fo spat gekommen baß sie vorhin keine Zeit mehr bazu gehabt ^Gerling erklärte höflich, baß bies doch eine selbst- verständliche Pflicht gewesen märe; übrigens scheine er sich nicht zu irren, wenn er behaupte, bie Herrschaften schon gestern abenb im Hotel gesehen zu haben Er nannte auch mit einer Verbeugung seinen Namen Die Klinkes erwiderten biefe Höflichkeit, auch Monika tat dies, und man war bald in einem Gespräch über die Schönheit ber Ausführung Das heißt Frau Klinke sprach, und die beiden jungen Menschen sagten nur hin und wieder ein zustimmendes Wörtchen. Johnie blieb im Hintergrund. Er hatte auch die Pause benutzt, um ein kleines Notizbuch hervorzuziehen unb einige Gedanken zu vermerken, die ihm gerade gekommen waren, und die wohl seine wissenschaftlichen Arbeiten betrafen. Nach ber Ausführung wartete bas Auto ber Klinkes. Aber Frau Klinke erklärte ber Jugend, baß sie noch gar nicht mübe sei, unb baß man noch etwas unternehmen könne. Herr von Gerling sei eingelaben, mitzukommen. Bald saß man zu viert in ber Ecke einer kleinen Bar, die in Mode und daher überfüllt war. Aus bem winzigen Viereck, auf bem getanzt wurde, drängten sich bie Paare, baß sie kaum vorwärts konnten. „Tanzen Sie, gnädiges Fräulein?" fragte Gerling. Monika schüttelte ben Kops. „Ich habe es nie gelernt, aber ich glaube, wenn ich noch eine Weile zugesehen Ijabe, so würbe ich es wohl können. Es scheint ja gar nicht so schwer zu sein." „Die ganz neuen Tänze beherrsche ich auch nicht. Aber einen Tango würde ich gerne versuchen, oder noch lieber einen Walzer, wenn es so was noch gibt." „Waren Sie denn lange im Ausland?" „Ich habe seit einigen Jahren im persischen Hochland Bahnen gebaut. Und habe jetzt einige Monate Heimaturlaub." „Wahrscheinlich um Ihre Angehörigen zu besuchen?" „Ich besitze leider keine nahen Verwandten. Geschwister habe ich nie gehabt, meine Eltern sind tot." „Und wie gefällt es Ihnen wieder im Lande?" „Ich liebe meine Heimat. Ich habe oft, ein so vorzügliches Ablenkungsmittel auch die Arbeit ist, Heimweh gehabt. Aber doch ist es traurig, wenn man fo einsam zurückkehrt wie ich." „Ich habe auch keine Eltern mehr unb keine Geschwister. Ich weiß, wie bas tut, Herr von Gerling. Da könnten wir ja gute Freunde werb m." ,^@ern, mein gnädiges Fräulein." Indes begann bie Musik einen langsamen Tango zu spielen. 0 _ _ „Wollen wir versuchen zu tanzen? Es ist ganz ungefährlich. In bem Gebränge achtet keiner auf ben anbern, unb außerdem ist es unmöglich, richtig zu tanzen. Dann kann es niemanbem auffallen, daß wir keine Künstler find." Monika zögerte, aber Frau Klinke legte ihr bie Hanb auf Die Schulter unb schob sie aufwärts. „Nur zu, mein Kinb, man ist nur einmal jung. Wir haben Sie nicht mitgenommen, damit Sie Ihr Leben vertrauern. Nicht wahr, Johnie?" Johnie blickte auf. Er sah einen Augenblick feine Mutter etwas hilflos an. „Gewiß, Mama!" fagte er höflich. Dann glitt fein Blick zu Monika hinüber. Irrte sich Monika, ober war er wirklich rot habet geworden? Aber sie hatte keine Zeit, darüber nachzudenken. Gerling hatte schon den Arm um sie gelegt und führte sie mit sicheren Schritten. Er war früher einmal ein sehr guter Tänzer gewesen. Er führte gut und sicher, und Monika hatte trotz ihrer Befangenheit fo viel natüliche Grazie und angeborenen Rhythmus, daß sie sich ganz unbewußt feinen Schritten anpaßte. Sie waren ein schönes Paar, ber dunkelgebräunte Mann unb bas lichte Mädchen. Manche Blicke folgten ihnen, aber sie merkten es nicht. Monika war ganz bem für sie neuen Erlebnis bes Tanzens hingegeben. Gerling aber konnte seine Erregung, Monika so nahe zu haben, kaum verbergen. Nach bem Tanze führte er sie an den Tisch zurück. Frau Klinke lobte Monika. Ihrer Natur entsprachen Fröhlichkeit und Gutherzigkeit so sehr, daß sie Monika das neue Vergnügen von Herzen gönnte. Johnie sagte nichts. Den nächsten Tanz ließen die beiden aus, dann aber wurde ein Wiener Walzer gespielt, und Gerling und Monika tanzten von neuem. Monika brannten die Wangen. Sie fühlte sich sehr glücklich. Ihr lebhaftes Temperament, das durch das freudlose Leben bei ben Rieders' ganz verschüttet gewesen war, erwachte jetzt erst. Die neue Welt des Lebensgenusses und des Reichtums nahm sie mit allen ihren Reizen gefangen. Gegen Ende des Abends aber geschah noch etwas Ueberraschendes. Als die Musik gerade wieder von neuem einsetzte, erhob sich plötzlich Johnie Klinke und sagte mit einer steifen Verbeugung: „Würden Sie auch einmal mit mir tanzen, Fräulein von Jnnemann?" Ueberrascht sah ihn Monika an. Aber sie nickte dann sogleich freundlich und ging mit ihm. Johnie Klinke war kein so sicherer Tänzer wie Friedrich von Gerling. Aber es ging ganz gut. Monika wunderte sich darüber; aber sie sprach nichts, unb auch Johnie sagte kein Wort. Nach dem Tanz führte er sie wieder zum Tisch zurück und nahm ruhig seinen alten Platz wieder ein. Aber seine Mutter strahlte. „Johnie, mein alter Junge, daß du auch wieder einmal tanzt! Wie lange ist das her! Und dabei ist er doch schon in Kindertanzstunden gegangen. Und wie gut er es damals gemacht hat. Und auch später. Aber er machte sich bloß nie was braus. Was, Johnie?" „Ja, Mutter, du hast ganz recht! Aber ich wollte es auch wieder einmal versuchen." Bald darauf brach man auf unb trennte sich in ber Hotelhalle. — (Fortsetzung folgt!) und Maschinenschreibern ift der Aufftiea leichter gemacht als anderen. Viele von denen, die heute in leitenden Stellungen sind, haben als gute Stenographen die Grundlage für ihr Vorwärtskommen geschaffen. Durch die ständige enge Zusammenarbeit mit dem Leiter des Geschäftes bekamen sie einen viel größeren Ueberblick über den Betrieb als andere, die sich über die Kurzschrift und das Maschinenschreiben erhaben dünkten. Sie konnten sich daher leichter in alle Arbeitsgebiete einarbeiten, verwuchsen schneller mit dem Betriebe. Außerdem lernte der Chef die Fähigkeiten seines Mitarbeiters eher kennen als die anderer Angestellten, mit denen er weniger zusammenkam. Der Weg zum späteren selbständigen Arbeiten und damit zum Aufstieg stand ihnen damit natürlich offen. Auch heute noch ist für jeden guten Stenographen und Maschinenschreiber Gelegenheit geboten, sich mit Hilfe seiner Fertigkeiten eine Stellung zu erringen, die ihm immer weitere Fortkommensmöglichkeiten bietet. Darum lerne jeder Vorwärtsstrebende beizeiten Kurzschrift und Maschinenschreiben. Jeder, der schon über Kenntnisse auf diesem Gebiete verfügt, vervollkommne sich bis zu den Leistungen, die über dem Durchschnitt stehen, an die andere also nicht so leicht heranreichen. Ab Montag und Dienstag bietet sich hierfür wieder eine günstige Gelegenheit, denn an diesen Abenden beginnen die neuen L e h r g ä n g e d e r Deutschen S t e n o g r a p h e n s ch a f t Diese Lehrgänge sind so aufgebaut, daß die Teilnehmer bei einigem Fleiß sich bis zu Höchstgeschwindigkeiten von 200 bis 300 Silben emporarbeiten können. Eine Bestätigung dafür, daß dies möglich ist, sind die diesjährigen Leistungsschreiben, bei denen die Mitglieder der Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft 'hervorragend abschnitten. So errangen sie z. B. beim Leistungsschreiben der oberhessischen Stenographen in den Geschwindigkeiten von 180 bis 280 Silben alle Ehrenpreise. Beim Maschinenschreiben errang die Ortsgruppe die höchste Anschlagszahl. Jeder Vorwärtsstrebende besuche deshalb unsere Kurse. Was die finanzielle Seite anbelangt, so bietet sie dem Teilnehmer überhaupt keine Schwierigkeit, denn die Gebühren sind so niedrig, daß sie von jedem Volksgenossen ohne Mühe aufgebracht werden können. Die Redeschriftkurse, die für den Aufstieg sehr wichtig sind, sind für die Teilnehmer an den Diktatkursen kostenlos. Die Lehrgänge für Kurzschrift beginnen um 19 Uhr in der Alten Pestalozzischule, Wernerwall, die Lehrgänge für Maschinenschreiben beginnen am Dienstag um 19.15 Uhr in der Oeffentlichen Han- delslehranstalt, Liebigstraße 16 (Alte Klinik). Näheres ist in der heutigen Anzeige zu ersehen. Vornotizen. — Tageskalender für Samstag: NSG. „Kraft durch Freude": Winzerfest in der Volkshalle. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mach' mich glücklich". — Spielvereinigung 1900: Kommers in der Stadt Wetzlar aus Anlaß des 35jährigen Bestehens. — Baugenossenschaft 1894: 20.15 Uhr im „Aquarium", Walltorstraße, ordentliche Hauptversammlung. — — Tageskalender für Sonntag: NSG. „Kraft durch Freude": Winzerfest in der Volkshalle. — BDM.: Sportfest auf dem Unioersitätssportplatz am Kugelberg. — Landschaftsbund Volkstum und Heimat: Heimatkundliche Führung durch Alt-Gießen, Treffpunkt 11 Uhr vor der Stadtkirche. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mach' mich glücklich". — Spielvereinigung 1900: Jubiläums-Fußball auf dem Platz an der Liebigshöhe. — * ** Eine öffentliche Mahnung an säumige Zahler veröffentlicht die Stadtkasse im heutigen Anzeigenteil. Auf die Bekanntmachung sei besonders aufmerksam gemacht. ** 45 Jahre Wäscherei Engeler. Am morgigen Sonntag, 1. September, kann die Wäscherei Engeler auf ein 45jähriges Bestehen zurück- blicken. Die Familie Engeler zählt seit über 50 Jahren zu den treuen Lesern des Gießener Anzeigers. Ä ** Ein Alarm der Bahnsirene. Der städtische Brandinspektor Lenz teilt mit: Anläßlich eines Alarms des Bahnhilfszuges ertönte am vergangenen Mittwoch gegen 22 Uhr die Bahn-Alarmsirene. Es liefen sofort zahlreiche fernmündliche Anfragen nach dem Brandort bei der Feuerwache ein. Die Bahnsirene, die nicht für den Feueralarm, sondern lediglich für den Bahnbetrieb eingesetzt ist, unterscheidet sich wesentlich in Ton und Art des Alarmes von den städtischen Feuersirenen. Die städtischen Feuersirenen zeigen den Feueralarm durch langanhaltendes Sirenenheulen an. Dieser Alarm ist in erster Linie für die Angehörigen der Gießener Freiwilligen Feuerwehren und Rettungsmannschaften bestimmt. — In diesem Zusammenhang sei noch einmal daran erinnert, daß heute gegen 15 U h r die Feueralarmsirenen probeweise ertönen werden. ** Rindermarkt in Gießen. Am kommenden Dienstag findet in Gießen Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt statt. Die Bürgermeisterei weist in der heutigen Bekanntmachung besonders darauf hin, daß der Handel am V o r Markttage vom 2. September ab verboten ist. Spannvieh muß beim Ausladen sofort gemolken werden. Das Herrichten der Kühe zum Verkauf ist nur für den Markttag gestattet. ** Schweinezwischenzählung am 4. September. Eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei Gießen in unserem heutigen Anzeigenteil betrifft die Schweinezwischenzählung am 4. September in der Gemarkung Gießen und Schiffenberg. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. Rundfunkprogramm. Sonntag, 1. September: 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.05: Gymnastik. 8.45: Choralblasen. 9: Katholische Morgenfeier. 9.45: Bekenntnisse zur Zeit. „Vom neuen deutschen Baustil". Von Robert Brandes. 10: Deutsche Morgenfeier der HI. 10.30: Unterhaltungskonzert. Als Einlage: Vom Schauinsland-Bergrennen. Staffelhörbericht. 11.30: Joh. Seb. Bach „Schauet doch und sehet". Kantate. 12: Musik am Mittag. 12.45: Aus dem Leben des schaffenden Volkes: Ein Schlosser erzählt aus seiner Lehrzeit. 13: Blaskonzert. Als Einlage: Vom Schauinsland-Bergrennen. 14: Unterhaltungskonzert. Als Einlage: Vom Schauinsland-Bergrennen. Hörberichte. 15: Stunde des Landes. 16: Nachmittagskonzert. 18: Jugendfunk. 18.30: Die Freude soll leben. 19.15: Dichter im Dritten Reich. Der Goethe- preisträger Hermann Stegemann. 19.30: Echo vom Fünfländer-Leichtathletik-Kampf. Italien—Japan— Schweden—Ungarn—Deutschland (2. Tag). 20: Ludwig van Beethoven. Das sinfonische Schaffen. 21.30: Der Main. Schicksalsbild eines Flusses zwischen Nord und Süd. 22. Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Länderboxkampf Deutschland—Polen. 22.45: Sportspiegel des Sonntags. 23: Tanz in der Nacht. 24 bis 2: Nachtmusik. Montag, 2. September: 6 Uhr: Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 10: Sendepause. 10.15: Schulfunk. Theode- rich! Ein Hörspiel. 11.45: Bauernfunk. 12: Schloßkonzert des Niedersächsischen Symphonieorchesters. 13: Nachrichten; anschließend Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Schloßkonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Mitten im Werktag. Sozial- und Wirtschaftsdienst in bunter Folge. 15: Nachrichten. 15.15: Kinderfunk. 15.30: Staatliche Wirtschaftsführung in der Vergangenheit. Die Wirtschaftspolitik Friedrichs des Großen. 15.45: Singapur und die Philippinen. Drei Großmächte ringen um den Fernen Osten. 16: Kleines Konzert. 16.30: Die Heldentat des Leutnants von Gleißenthal. Erzählung von Helene Illing. 16.45: Bücherfunk. 17: Nachmittagskonzert des Rundfunkorchesters Stuttgart. 18.30: Jugendfunk. Reichsfunkschule Göttingen der HI.! Ein Zwiegespräch. 18.45: Das Leben spricht. 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Der blaue Montag. Wir tanzen um die Welt. 21.30: Ludwig van Beethoven. Das Lied. 22: Nachrichten; anschließend Nachrichten aus dem Sendebezirk und Sportbericht. 22.20: Tanzweisen für alt und jung. 23: Musik zur „Guten Nacht". Aus alter Wett. Deutsch-britische Wettflieger in Alaska gelandet. Die beiden in Mexiko zu einem Weltflug gestarteten Flieger, der Deutsche Fritz Bieler und der Engländer Harold Farquhard, sind in Har- dinglake, 50 Meilen von Fairbanks (Alaska) gelandet. Die Sieger im Rundfunksprecherwettbewerb. Die Entscheidung im zweiten Rundfunksprecherwettbewerb ist unter starker Beteiligung der Hörerschaft gefallen. Erster Preisträger wurde der 24 Jahre alte Hermann Rink, Lustsportverband Hamburg. Zweiter wurde der 33 Jahre alte Schriftleiter Diplom-Kaufmann Hans S p e l s- b e r g aus dem Bezirk Leipzig. Dritter wurde der Sieger im Bezirk des Reichssenders Berlin, der Student Fred Wolf. Der Bezirkssieger des Reichssenders Breslau, Günther Brost, erhielt den vierten und der Bezirkssieger des Reichssenders Köln, Sven Hansen, den fünften Preis. Die übrigen fünf erhielten Trostpreise. Triumph des Münchener vieres auf der Brüsseler Weltausstellung. Die Münchener Brauereien Löwenbräu sowie Spaten-Franziskaner-Leistenbräu haben unter den vielen auf der Weltausstellung Brüssel 1935 ausstellenden Firmen den „G r a n d P r i x", die höchste Auszeichnung, für ihre Biere durch das Schiedsgericht der Ausstellung einstimmig zuerkannt erhalten. Todesurteil für einen Mädchenmörder. In Coburg verurteilte das Gericht den 36jährigen Rudolf Brand wegen Mädchenmordes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Brand hat 1934 seine Frau, die von ihm vier Kinder hatte, böswillig verlassen und mit einem 27jährigen Mädchen ein Liebesverhältnis eingegangen. Dem Mädchen gegenüber gab er sich als geschieden aus und versprach ihm die Ehe. Als jedoch das Mädchen den Betrug merkte und das Verhältnis lösen wollte, faßte Brand den Plan, seine Geliebte zu ermorden. Mit Tüchern erstickte er das Mädchen und warf dann die Leichs in einen Fluß. In Frankfurt a. M. konnte del Mörder gefaßt werden. Tunneleinsturz in Kalifornien. In Oakland in Kalifornien stürzte beim Bau eines Autotunnels unter dem Berkeley-Hügel die Holzversteifung in sich zusammen. Els Arbeiter wurden verschüttet. Nach fieberhaften Rettungs- versuchen gelang es, acht Arbeiter mehr oder weniger schwer verletzt zu bergen. Das Schicksal der anderen ist noch ungewiß. Ein treuer Mitarbeiter. Seif 65 Jahren auf dem Reuhof tätig. LI Leihgestern, 30. August. Am morgigen Sonntag, 1. September, feiert der Neuhof zu Ehren seines früheren Kutschers und jetzigen Hofmeisters Heinrich Winter ein seltenes Jubiläum. (Ieboren in Birklar, trat der Jubilar am 2. September 1870 r-t: x: > * L V *, ' ...... LW bei dem damaligen Besitzer Herrn v. Firnhaber in den Dienst und ist 65 Jahre ununterbrochen auf derselben Stelle geblieben. Kein Wunder, wenn es sich der jetzige Pächter Brückmann nicht nehmen ließ, diese Anhänglichkeit und dieses Verwachsensein mit dem Betrieb und der Scholle durch ein besonderes Fest, an dem das ganze Hofpersonal teilnimmt, zu ehren. Gleichzeitig wird noch fünf weiterer Mitarbeiter gedacht werden, die zusammen 107 Jahre ihre Kraft demselben Hof zur Verfügung gestellt haben. Wir zweifeln nicht daran und alle Vorbereitungen deuten darauf hin, daß auch dieses Fest ebenso wie schon vor fünf Jahren, wo das 60jährige Jubiläum Winters gefeiert wurde, unter dem Zeichen echter Volksgemeinschaft stehen wird. ao der Jagd M Verkaufsräume ö Neustadt 5 Gießen, den 31. August 1935. Familie Wilh. Carle 49^4 D Neustadt-5 DD C DRUCKSACHEN VV Ern IX D E» BrUhl’sche Druckerei 2Ho.0pel-Blili 6 Zylinder/64 PS/4000 Radstand 4962 D Trohe, im August 1935. 49870 terbliebenen den herzlichsten Dank aus. Frau Maria Köhler Wwe. Lieh, im August 1935. Ruf 2847/8. 4906 A 4947 D Für die innige Anteilnahme am Heimgange unseres lieben Entschlafenen spreche ich im Namen aller Hin* Edgar Gießen Die G. B. Alemannia I. A.i Weyl (XXX) F. V. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgange unserer lieben Entschlafenen sagen wir allen auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Ruf 4165 4948 A Heuchelheim, den 31. August 1935. ... ___________________________________4952 D Chassis-Tragfähigkeit 3.45 Ta. Sonder- Ausstellung Seltersweg 18 Nachruf! Am Dienstag, dem 27. August 1935, verstarb unser Mitarbeiter Herr Lorenz Ament, Hutmacher Wir verlieren in dem Verstorbenen einen treuen Arbeitskameraden, der fast 40 Jahre in unserem Hause tätig war. Stets werden wir ihm ein ehrendes Gedenken bewahren. Betriebsführung und Gefolgschaft der FirmaW. & G. Schuchard. Danksagung Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers Alt beim Heimgänge unserer lieben Entschlafenen sagen wir hierdurch allen herzlichen Dank Die trauernden Hinterbliebenen: Karl Klös und Angehörige Nfeder-Ohmen, Untergasse 20, den 31. August 1935 4915D Unterfertigter betrauert aufs tiefste das Ableben ihres 1b. A. H. Dr. Karl Wohlfarth (akt. S. S. 1918) Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme u. die Kranzspenden sowie lur die tiostreichen Worte des Herrn Pfarrers Naumann und Herrn Amtmann Wahl, Bahnhof Gießen, beim Heimgang unseres lieben Entschlafenen Herrn Wilhelm Heinrich Brück sagen wir auf diesem Wege herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Erdbeerpflanzen verpflanzt in den Sorten: Deutsch-Evern, früh [036 74 Oberschlesien, mittelfrüh Hansa,mitt elspät Späte von Leo- voldshall, spät sowie Rügen, die rankenlose, immertragende Monatserobeere empf. sortenrein Gärtnerei Dönges Gießen, Marb. Str. 67. Telephon 2321. Prompt lieferbar durch Motorwagen- Verkanfs6esellschaftm.ö.H. Gießen / Frankfurter Straße 52/56 Chassis..............RM 3550.- „ mit Führerhaus „ 4000.* Pritsch en wagen....... „ 4350.- (Ladefläche 3500x2000) Preise ab Werk Anleitung zum richtigen Ansprache« der heimischen Raubvogel mit 35 Abbildungen von Dr. T. Demandt. Herausgegeben von der Staatlichen Stelle für Naturdenkmal- -pflege in Preußen. 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August 1935 494aD diefinaKliltl Für den Jäger I Holzgas-Generatoren wi ----------- Wir zeigen Ihnen alle neuzeitlichen' Ofen und Herde in großer Auswahl Bor r mann 5: ttr. 203 viertes Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessenj Zamztag, 31. August 1935 hK';- ■ ■ "*? • ,* -- -* -v: v ->y ,.♦■ k? ■^•••■.»4 | gi % .' --' -W"?:®. Wx' i *: • <5 MX HUW MK ; ^s-U'k y.V'-^äp, •<^XVSS(. ■: ''»«Sy. v ;x ■ ' ■: »** - *• >•» 'Y ' .'7'x w- ■ -> 4 -■■ ■ . . .. _?>€v ■' * ■ i- * 1 WWWM,z y * ? > "X < X » ■ M- **. d ' «3 3 M WU -- Vom Wildling zum kultivierten Obstbaum Besuch in einer heimatlichen Baumschule. . Ueberflüssiqe Blätter -werden beseitigt. Beim Veredeln. Gemeinschaftliche Arbeit im Feld. — (Aufnahmen: slOs Neuner, Gietzener Anzeiger.) Längsschnitt, den sogenannten T-Schnitt, durch die Rinde bis aufs Holz, und schieben das Edelauge.Spitze abgeschnitten. Nun bilden sich aus den oberschnell Das Auge wird auf den Wildlina veredelt In der Obstbaum-Plantage. Bei der Arbeit in jungen Beständen. cherlei Man einen nichts Das Land, auf dem die Bäumchen wachsen sollen, muß gehörig vorbereitet werden. Zunächst wird es 50 bis gekalkt wurde, Dann Regen sten fünf bis sechs Knospen die Kronenäste. Sind es mehr, dann werden die überflüssigen entfernt, sind es weniger, dann mutz noch einmal im nächsten Jahre angeschnitten werden. Ein Hochstämmchen soll einen gesunden Mitteltrieb und mindestens drei bis fünf Seitentriebe, die aleichmätzig verteilt fein müssen, haben. Bei Halbstämmen wird die Krone ein werden vorsichtig ausgegraben, eingeschlagen dann verpackt. Das sind die Tage der Ernte den Baumschulenbesitzer. Alle Baumschulen werden vor dem Versand Fachleuten des Reichsnährstandes geprüft. Den und für Reihen mit 90 Zentimeter Abstand und 40 Zentimeter in den Reihen. Sie bleiben nun bis zum nächsten August. Dann werden sie e d e l t. Baum ist Baum, denkt mancher. Aber so ganz einfach ist es doch nicht. Wie sie herangezogen, wie sie behandelt werden in der „Schule", wie aus dem wilden Büschchen ein gerader, kerngesunder Hochstamm oder eine schöne Pyramide gebildet werden, das zeigt uns z. B. ein Rundgang durch die Baumschulen in Heuchelheim. Freilich hat ein Baumschulenbesitzer auch man- von Be- bis 45 stehen ver - niert, geeggt und alles zur Pflanzung vorbereitet. Mit einer Schnur werden die Wildlinge gesetzt, in einer Sorte, z. B Gellerts Butterbirne oder Pastorenbirne, auf diese Veredelung kommt dann die Sorte, die die Quitte nicht annimmt. Entwicklung des Hochstammes und der anderen Formen. Die Veredlungen wachsen nun (je nach Sorte, Witterung, Bodenverhältnissen und Wachsfreudig- keit) im ersten Fahre bis zu einer Länge von etwa 50 bis 150 Zentimeter. Im Laufe des Winters, zur Zeit der Saftruhe, werden sie zurückgeschnitten, um eine Stärkung des Stammes zu erzielen und die Seitentriebe, die dazu mithelfen, herauszulocken. Nach drei bis vier Jahren ist der junge Baum so stark, datz man die Krone anschneiden kann. In einer Höhe von 180 bis 200 Zentimeter wird die 60 Zentimeter tief rigolt, nachdem vorher und mit Kali und Phosphorsäure gedüngt um gesundes und festes Holz zu erzielen, bleibt das Land liegen, damit Frost und einwirken können. Im Frühjahr wird pla- Arbeiten zu leisten im Laufe des Jahres, kann ruhig sagen, daß es eigentlich kaum Tag gibt, an dem der Baumschulenbesitzer zu tun hätte. Die Arbeiten in der Baumschule. Das Veredeln. Um Wildlinge zu erhalten, werden die Kerne vom Obst ausaesät. Das geschieht meist in besonderen Betrieben. Es müssen widerstandsfähige Sorten sein. Diese Betriebe verkaufen dann die Wildlinge, wenn sie etwa 50 bis 80 Zentimeter hoch geworden sind, an die Baumschulenbesitzer. Tausendweise kommen sie zum Versand. Für besondere Formbäume, die im Wuchs schwach bleiben, dafür aber schneller und früher tragen sollen, nimmt man andere Unterlagen. Die Wildlinge wurden im Frühjahr gesetzt und im August veredelt. Das ist eine der Hauptarbeiten im Baumschulbetrieb. Okulieren nennt der Fachmann diese Arbeit, von okulus (lat. Auge). Der Baumschulenbesitzer hat sich nämlich für Edelaugen gesorgt, die er von gut tragenden Bäumen, meist aus den älteren Baumschulquartieren, oder auch von bekannten Züchtern, bezieht. Ein solches Edelauge ist weiter nichts als eine Knospe, die über dem Blatt des betreffenden Baumes fitzt und erst im nächsten Frühjahr austreiben wird. Die Knospe schläft noch. Die ganze Veredlungsart nennt man also Veredeln auf das schlafende Auge. Es ist dies dieselbe Veredlungsart, die der Rosenzüchter anwendet, wenn er ein Auge von der edlen Rose abschneidet und in den Wildling einsetzt. Derselbe Saft, der im Wildlina nur kleine, schmale Blätter und ungenießbare Früchte erzeugt, hilft hier in der Edelknospe auf einmal große Blätter und wohlschmeckende Früchte bilden. Die kleine Edelknospe wird Herr über den großen Wildling, sie schreibt nun vor. was wachsen und gedeihen soll! Es ist interessant, den gewandten Arbeitern beim Veredeln in der Baumschule zuzuschauen. In der einen Hand halten sie die Zweige von den fruchtbaren Obstbäumen, suchen ein gutes Edelauge heraus, schneiden es schildförmig ab, das Blatt wird bis auf den Stiel entfernt, bann bücken sie sich, wählen eine glatte Stelle am Wildling, möglichst nahe am Boden, machen hier einen Quer- und einen unter die Rinde. Nun wird die Veredlungsstelle mit Bast oder einem Wollfaden kräftig umbunben, bamit bie eingeschobene Knospe festsitzt. Die Knospe selber muß natürlich frei bleiben. An einem einzigen Tage werben von einem Arbeiter viele Hunberte von Wilblingen verebelt Freilich ist es eine mühsame Arbeit. Sinb bie Verebelungen angegangen, bann wirb ber Wilbling etwa zehn Zentimeter über ber Veredelungsstelle abge- schnitten. Der Winter kommt. Das Auge schläft, aber unsichtbar arbeiten alle Kräfte unb bauen neue Zellen unb sorgen da- für, daß im kommenden Frühjahr das Edelauge austreibt. Ist der Trieb lang genug, bann wirb er an dem stehengeblie- benen Zapfen bes Wild- lings angeheftet. Für befonbere Formobstbäume kann man keine Wildlingunterlage nehmen, weil sonst bie Bäume „durchgehen", b. h. sie wachsen über bie gewünschte Form sitzern, bie nur erstklassiges Material heranziehen, wirb ber Verkauf von Markenware zugesprochen. Alle Bäume bekommen ein entsprechendes Markenetikett In vielen Gemarkungen stehen noch einzelne Riesenobstbäume. Gar mancher Wanderer hat in ihrem Schatten 'geruht und hinausgeschaut in die deutschen Lande. Wenn er aber — wie jetzt zur nahenden Herbstzeit — eine Frucht von diesen Riesenbäumen genießen will, dann wird er wohl das Gesicht verziehen, denn in den meisten Fällen sind diese großen, alleinstehenden Bäume Wildlinge. Gott weiß, wer sie einst pflanzte. Unwillkürlich denken wir beim Anblick der kleinen Früchte an die großen, edlen Aepfel unb Birnen, bie auf ben Bäumen ber Obstanlagen wachsen. Ja, bie Menschen haben mit unendlicher Liebe unb Ge- bulb aus biefen kleinen Früchten im Laufe ber Jahr- hunberte bas eble Obst herangezüchtet. Wenn sie Aepfel, Birnen unb anberes Obst in ihren Gärten durch Sörtenauswahl und besondere Wiege ver- Aber bis zum Frühjahr muß alles fertig fein, denn dann beginnt der Austrieb. Eine wichtige Arbeit im Frühjahr ist das Nach- veredeln, denn es kommt vor, datz einzelne Augen nicht austreiben. Dann wird gepfropft. Dabei wird kein Auge, sondern ein Edelreis auf den Wildling gefetzt. Im Sommer ist die wichtigste Arbeit das Formieren. wenn die jungen Triebe genügend lang sind Beim Formobst (Spalieren, Schnurbäumen, Umarmen, Palmetten usw.) werden die Leitzweige und Seitentriebe an besondere Stäbchen angeheftet. Während des ganzen Sommers muß das Land unter den Bäumen offen gehalten werden Es darf auch kein Unkraut aufkommen Die Hacke ist in beständiger Tätigkeit, in größeren Quartieren wird mit dem Pferd und einem besonderen Hackgerät, dem Planeten, gearbeitet. Daneben gilt es auch, auf das Ungeziefer zu achten Es kommen alle möglichen Arten Läufe, viele andere tierische und pilzliche Schädlinge treten auf. Da muß entsprechend gespritzt und gestäubt werden, damit kein größerer Schaden entsteht. Im Laufe des Nachsommers und Herbstes sind nun die Bestellungen eingelaufen. Die Bäumchen hinaus. Ein Zurückschneiden würde da nichts helfen. Bei Aep- feln nimmt man deshalb als Unterlage Doucin oder Paradies, bei Birnen die gewöhnliche Quitte. Auf diesen Unterlagen wachsen die Obstbäume nur mäßig, tragen dafür aber schneller und reicher, und vor allem halten sie die Form, die man wünscht. Es hat sich freilich herausgestellt, daß es auch Birnensorten gibt, die die Quittenunterlage sehr schlecht annehmen, z. B. Williams Christbirne. Da hilft nur eine Zwischen- veredelung. Der Baumschulenbesitzer veredelt zunächst einen Wildling mit irgend- .. unb dann eng mit dem Ast^verbund»». e'öelt hatten, dann schnitten sie den Wildlingen draußen die Krone ab und setzten ihnen die besseren Reiser auf. ~ In unserer schnellebigen Zeit muß es aber noch rascher gehen. Früher pflanzte man für feine Kinder, heute will man selber in einigen Jahren Obst ernten. Man läßt nicht erst den Wildling wachsen, sondern veredelt ihn schon, wenn er kaum aus der Erde schaut. Nach 4 bis 5 Jahren ist der Baum fertig. Aber auch das geht manchem noch nicht schnell genug. Sie wollen keine großen Bäume, sie wollen Bäume, die gerade noch in ihren Garten passen, sie wollen besondere Formen, besondere Sorten und die Hauptsache: recht schnell Aepfel, Birnen und zuckersüßes Steinobst. All das gibt es jetzt. Unsere deutschen Baumschulen können heute fast alle Wünsche erfüllen. Im Winter wird geschnitten. Da gilt es, zu arbeiten. Denn zu dieser Arbeit muß das Wetter offen sein. Bei strengem Winter drängen sich die vielen Arbeiten oft auf einige Wochen zusammen. Das Herrichten junger Obstbäume zum Verkauf M M M MM MM * >, £< 4 k MV fei Spalierobst wird auf Form gebunden. » * W ■ Der Lebensbaum wird formgerecht geschnitten. •11 'M M 3 3.x. Schädlingsbekämpfung. 'S § ■ < « bis zwei Jahre früher angeschnitten, fiter beträgt die fiöhe 120 bis 150 Zentimeter. Die einfachste Zierform ist der senkrechte Schnurbaum. Es ist gewissermaßen ein tragender Ast, der Ichon dicht über dem Boden mit Früchten beladen ft. Alle Seltenäste müssen hier regelmäßig eingekürzt werden. Dasselbe gilt von den waagerechten Schnurbäumen, die einarmig oder auch zweiarmig sein können. Auch sie beanspruchen ganz wenig Raum und bringen oft die schönsten Früchte. Läßt man dem veredelten Baum zwei senkrechte Aeste, dann erhält man die sogenannte O-Form. Werden diese noch einmal geteilt, dann gibt es die doppelte O-Form, die sich als Wandbekleidung vorzüglich bewährt hat, desgleichen die sogenannte Verrier- Palmette. Svalierbäume sind ja bekannt, auch sie müssen besonders geformt und herangezogen werden. Jeder Ast bekommt sein besonderes Stäbchen, das ihn zwingt, die gewünschte Richtung zu nehmen. Für Vorgärten und kleine Hausgärten wählt man bei Birnen in den meisten Fällen die Pyramidenformen. Sie sehen schön aus, tragen gut und sind leicht in der Form zu halten. Für alle eingesriedigten Baumstücke werden immer wieder die Buschbäume empfohlen. Sie bieten die gleichen Vorteile wie die Formbäume. Aber bei den Spalieren und Kunstformen muß beständig gekürzt, angeheftet und formiert werden. Beim Buschbaum fällt das alles weg. Es sind gewissermaßen Obstbäume ohne Stämme. Sie breiten ihre Aeste bald über dem Boden (In der fiöhe von 40 cm) aus und bilden oft große, schöne Kronen. Die fiauptvorteile beim Buschbaum sind: die frühzeitige Tragbarkeit, die Möglichkeit, durch Auspflücken zu dicht stehender Früchte einen großen Teil erstklassigen Tafelobstes zu erzielen, auch ist die Schädlingsbekämpfung einfacher, und die Ernte selbst geht rasch und ohne die fiilfe der langen Leitern glatt vonstatten. Eine neuere Art von Zwergbäumen sind die sogenannten fiochbüsche. Sie bilden ihre Krone etwa 60 bis 90 Zentimeter über dem Erdboden. Die fiochbüsche sind die gegebenen Bäume für größere, eingezäunte Obstanlagen.« In Heuchelheim werden auch Versuche mit Pflanzenschußmitteln von der Hauptstelle für Pflanzenschutz Dorgenommen. Alle Obstbaumzüchter haben ja leider mit vielen pflanzlichen und tierischen Schädlingen zu kämpfen. Diese zu beseitigen und nur gesunde und widerstandsfähige Bäume zu züchten, ist eine Hauptaufgabe des Obstbaues. Und wenn dabei die besten Mittel erprobt und ausfindig gemacht werden, dann können wir das nur begrüßen. Die neueren Bestrebungen im Obstbau gehen dahin, möglichst wenig Sorten zu pflanzen. Es sollen guttraaende und widerstandsfähige Sorten sein. Rur dadurch wird es möglich sein, daß wir genügend deutsches Obst erhalten. Dementsprechend bestehen die meisten Hochstämme in den Baumschulen aus diesen Standardsorten. Daneben aber kommen auch die Liebhaber zu ihrem Recht. In den Baumschulen Heuchelheims werden zur Zeit etwa 30 Sorten Aepfel, 20 Sorten Birnen und 20 Sorten Steinobst gezüchtet. Wirtschaft. Nhein-Mainische Börse. Mllagsbörse uneinheitlich. Frankfurt a. M., 30. Aug. Obgleich der Ultimo für die Börse überwunden ist, vermochte sich das Geschäft nicht zu beleben, es hat vielmehr eine weitere Schrumpfung erfahren. Die Zurückhaltung der Kundschaft veranlaßt auch die Börsenkreise zu vorsichtigen Dispositionen, zumal anregende Mitteilungen für heute nicht vorlagen. Am Aktienmarkt war die Kursgestaltung uneinheitlich, eine freundliche Grundstimmung blieb aber unverkennbar. Am Montanmarkt ergaben sich zumeist leichte Befestigungen, wobei Buderus 1 v. H., Klöckner 0,65 v. H., Hoesch 0,50 v. H. und Mannesmann 0,25 v. H. gewannen, Stahlverein lagen unverändert, wogegen Rheinstahl 0,65 verloren. IG. Farben eröffneten mit 157 (157,25) nicht ganz behauptet, später erhöhten sie sich auf 157.50. Am Elektromarkt lagen Lahmeyer matt, sie kamen nach eintägiger Pause mit 131 (133,25) zur Notiz, ferner gaben Gesfürel und Siemens je 1 v. H. und Licht & Kraft 0,65 v. H. nach. AEG. zogen 0,25 v. H. an, Felten und RWE. lagen behauptet. Aus den übrigen Marktgebieten fehlten zumeist erste Notierungen. Fest lagen Daimler Motoren mit 101,50 (100), außerdem notierten Schiffahrtsaktien bis 0,50 v. H. höher, während Kunstseide AKU. 0,40 v. H. nachgaben. Reichsbank und Zellstoff Aschaffenburg sowie D'utscher Eisenhandel lagen gut behauptet. An den variablen Rentenmärkten herrschte ebenfalls fast Geschäftsstille bei unveränderten Kursen, so für Altbesitz mit 111,40, Zinsvergütungs- scheine mit 90,65 und späte Reichsschuldbuchfvrde- rungen mit 96,75. Etwas fester lagen von zertifizierten Dollar-Bonds 6 v. H. Preußen mit 61 nach 60,50. Auslandsrenten lagen zunächst still. In der zweiten Börsenstunde stagnierte das Geschäft fast vollkommen. Kursveränderungen von Belang waren nicht zu verzeichnen, etwas höher lagen nochmals Hoesch mit 98,75 und 98,25. Sonst bröckelten Daimler und ZG. Farben je 0,25 v. H. ab. Die später notierten Werte lagen nicht ganz einheitlich, aber meist kaum verändert. Auch am Rentenmarkt herrschte starke Geschäfts- stille. Gold- und ßiquibationspfanbbriefe lagen be< behauptet, Kommunal-Obligationen verloren verschiedentlich 0,13 v. H. Stadtanleihen notierten meist i ^verändert. Industrie-Obligationen lagen still. Von Auslandsrenten gingen Ungarn Gold auf 9,65 (9,75) zurück, im Freiverkehr zeigte sich etwas Nachfrage nach Serben, 1909er und Talonserben je 7,90 (7,50). — Tagesgeld war gesucht und erhöhte sich auf 3,25 (3) v. H. Abendbörse behauptet. An der Abendborse herrschte weitestgehende Zurückhaltung, Kursveränderungen traten bei völliger Geschäftsstille kaum ein. ZG. Farben eröffneten mit 156,50 (156,65), waren aber später auf 156,75 erholt. Um Bruchteile eines Prozentes niedriger lagen Rheinstahl mit 113 (113,40), Buderus mit 103,75 (104) und Stahlverein mit 84,25 (84,50). Im übrigen konnten sich die Berliner Schlußkurse etwa behaupten. Renten lagen ebenfalls sehr still und unverändert. U. a. notierten: Altbesitzanleihe 111,25, 6 v. H. Stahlverein 102,50, IG. Farben-Bonds 127,50, Reichsbahn-VA. 124,40, 4 v. H. Rumänen 4,90, Adca 79,50, Bayr. Hyp.-Bank 91,90, Commerzbank 92,40, DD.-Bank 92, Buderus 103,75, Harpener 113,50, Mannesmann 88,50, Rheinstahl 113, Stahl- verein 84,25, AKU. 60,50, Bekula 143,65, Deutscher Eisenhandel 108,25, Scheideanstalt 237, Deutsche Linoleum 162,25, Licht & Kraft 133,50, IG. Farben 156,50 bis 156,75, Gesfürel 127, Holzmann 96,50, Junghans 87,50, Moenus 87, Rheag 145,50, RWE. 131,75, Schuckert 128, Thür. Lieferung 118,75, Südd. Zucker 203. Frankfurter Elermarkt. Frankfurt a. M., 30. August. Angesichts des Monatsendes nahm das Geschäft einen etwas ruhigeren Verlauf, da auch die Nachfrage des Kleinhandels ruhiger geworden ist. Die Zufuhren an deutschen Frischeiern reichten nahezu aus, im übrigen standen Bulgaren, Jugoslawen und Holländer sowie Kühlhauseier zur Verfügung. Mit Beginn Die Arbeitsdienstgruppenkapelle 222 spielt beim BDM.-Sportfest. des neuen Monats dürfte sich das Geschäft allgemein wieder beleben. Es notierten in Pfennig pro Stück frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise an den Kleinhandel): Deutsche Markeneier S 12,25, A 11,50 bis 11,75, B 10,75 bis 11, C 10 bis 10,25, D 9,50 bis 9,75. Holländer S 11,75, A 11, B 10,25. Jugoslawen A 11, B 10,25. Bulgaren B 10,25, bis 10,50. Kühlhauseier^ S 11,25, A 10,75, B 10,25, C 9,50, D 9. Frankfurter Buttermarkt. Frankfurt a. M., 30. August. Die Anlieferungen in deutscher Butter zeigten eine weitere Abnahme. Trotz des Monatsendes nahm das Geschäft einen verhältnismäßig lebhaften Verlauf, so daß die Zufuhren restlos abgesetzt werden konnten. Es notierten in RM. pro 50 kg frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise an den Kleinhandel): Deutsche Markenbutter 144 bis 145, feine deutsche Molkereibutter 142 bis 143, deutsche Molkereibutter 140. Landbutter 125, Kochbutter 115 bis 120. Holländische Butter 144 bis 146. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung I AG. Die Gebühren für die Ablegung der Gehilfenprüfung betragen nach den von der Reichshandwerkerschaft feftgelegten Sätzen für einen Lehrling, der im Handwerksbetrieb steht, 6 Mark: für einen Lehrling, der im Industriebetrieb gelernt hat, werden 12 Mark erhoben. Die Gebühren sind im allgemeinen vom Prüfling zu entrichten. Der Meister stt zur Uebernahme dieser Kosten nicht verpflichtet. Senkung der SpeisekaMelpreise Die Hauptvereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft gibt soeben die neuen Erzeuger - Speisekartoffelpreise bekannt. Für die Gebiete Ostpreußen, Mecklenburg (außer Lübeck), Pommern, Kurmark und Schlesien wurde für weiße, rote und blaue Sorten 2 Mark bis höch- chens 2,30 Mark je Zentner, für gelbe Sorten 2,30 bis 2,60 Mark je Zentner frei Empfangsstation der Derbraucherplätze festgesetzt. Für das übrige Reichsgebiet lauten die Preise für weiße, rote und blaue Speiseware 2,30 bis 2,50 Mark, für gelbe 2,60 bis 2,80 Mark je Zentner frei Empfangsstation der Verbraucherplätze. Diese Preise gelten ab 1. September und bleiben für die Monate September, Oktober und November unverändert. Von Dezember ab erhöhen sich die Preise für jeden Monat um 10 Pf. je Zentner. Di-e Preise enthalten alle Fracht- und Versandspesen bis zum Empfangsort. Die Fracht darf jedoch 50 Pf. je Zentner nicht übersteigen. Auf der Grundlage dieser Preise frei Empfangsstation werden in den einzelnen Bedarfsgebieten nach Anhörung der Kartoffelwirtschaftsverbände von den Preisüberwachungsbehörden noch Verbraucherpreise für den zentnerweisen und pfund- weisen Sauf festgesetzt. Diese Preise werden di- obengenannten Frankopreise um bestimmte Höchst- Zuschläge überschreiten, die den Preisüberwachungsbehörden vom Reichsminifterium für Ernährung und Landwirtschaft und nach Anhörung der Haupt- Vereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft vorge- schrieben werden. ,r v. . Mit der neuen Preisordnung ist die Marktord- nung der Kartoffelwirtschaft gerade zum Schutze der Verbraucher ein tüchtiges Stuck meiterentroirfelt worden. An die Stelle von 20 bzw. 24 verschiedenen Einkaufspreisen beim Erzeuger im vorigen Jahre treten seht klare und einheitlich über- wachte Preisverhältniffe, die eine wesentliche Verbilligung bringen werden. Schon jetzt ist festzustellen, daß die Frankopreiss (Einkaufspreise des Großhandels frei Empfangsstation) um mindestens 50 Pf., z. T. erheblich mehr, unter dem vorjährigen Preisstand liegen. Die Gesamtbereinigung des vor der Marktordnung besonders unübersichtlichen und stark spekulativen Kar- toffelmarktes und Kartoffelhandels gewährleistet also dem Verbraucher eine sichere und billige Versorgung und zugleich dem Erzeuger einen angemessenen Preis. Obecheffen Gegen den Zelddiebstahl. }) Lich, 30. AuF. Die Bürgermeisterei Lich weist in einer Bekanntmachung darauf hin, daß sie sich infolge der in der letzten Zeit überhandnehmenden Felbbieb stähle in der Gemarkung Lich veranlaßt sieht, folgende Maßnahmen zu ergreifen: 1. Für die Herbstmonate wird ein Hilfsfeldschütz eingestellt. 2. Durch polizeiliche Anordnung ist die Felbgernarkung Lich in der Zeit von abends 8 Uhr bis morgens 6 Uhr gesperrt. Jeder, der während dieser Zeit in der Feldgemarkung angetroffen wird, wird unnachsichtlich zur Anzeige gebracht. 3. Alle Felddiebe werden von jetzt ab in den „Licher Bekanntmachungen" angeprangert. 4. Die Bevölkerung wird gebeten, die Bürgermeisterei bei dem Schutz des Eigentums zu unterstützen und ihr die Namen aller angetroffenen Felddiebe mitzuteilen. Ferner weist die Bürgermeisterei Lich in einer weiteren Bekanntmachung daraus hin, daß auf Anordnung des Forstamtes Lich das noch im Licher Stadtwald lagernde Nutz- und Brennholz von den Käufern bis zum 1. September entfernt werden muß. Diejenigen Käufer, die dieser Anzeige keine Folge leisten, werden zur Anzeige gebracht. Vom Kreisamt Gießen ist als Feld- schütz der Gemarkung Lich Ludwig Th al acker von hier bestätigt und verpflichtet worden. Canbfrei« Gießen z Großen-Linden. 29. Aug. Die Braun- fteinbergroerte Gießen der Firma Krupp in Essen, Niederlage Weilburg, verpachtete dieser Tage ihre in der Gemarkung Großen-Linden liegenden Sieder auf weitere sechs Jahre. Bevorzugt wurden bei der Zuteilung besonders diejenigen Pächter, deren Gelände im Frühjahr dieses Jahres enteignet morden war. In den Feldwiesen liegt das Erz hoch. Man hat deshalb damit begonnen, das Erz im Tagebau zu gewinnen. Ueber dem manganhaltigen Erz findet man, in einer Lehmschicht eingebettet, auch den Braun-Eisen st ein Ferner wird Kalk abgebaut. Auch guter Sand ist vorhanden. ch Lich, 30. Aug. Wie wir bereits berichteten, begeht der Turnverein 18 6 0 L i ch am 14. und 15. September sein 75jähriges Bestehen. Mit dieser Feier wird zugleich das 2. Alterstreffen des VIII. Turnkreise Gießen- Wetzlar verbunden sein. In der jüngsten Vorstandssitzung des Turnvereins, zu der die Führer der NS.-Gliederungen, Formationen und Verbände, die Vertreter der Stadt Lich und die Vereinsvorstände geladen waren, gab der 1. Vereinsführer des Turnvereins, Karl Volz, das Festprogramm bekannt. Danach soll die Veranstaltung mit einem Festkommers am Samstag, 14. September, ihre Einleitung finden. An diesem Abend werden die besten Turner des Kreises, sämtliche Abteilungen des To. Lich und die Sängervereinigung „Cäcilia" Lich mitwirken. Der Fests-nntag wird sämtliche Altersturner des ganzen Turnkreises in unserer Stadt vereinen. Nach einer Besichtigung der Stadt und ihrer Sehenswürdigkeiten wird ein gemeinschaftliches Gin* tovfessen gereicht. Der Kreisdietwart, Dr. Roemer (Großen-Linden), wird in einer schlichten Feierstunde in einer Ansprache die großen Aufgaben und Ziele, die der Turnergemeinde gestellt sind, davlegen und mancherlei Anregung geben. Der Nachmittag wird durch Wettkämpfe und Darbietungen der Alterstumer ausgefüllt werden. Kameradschaftliches Beisammensein, Konzert und Tanz in der Turnhalle werden den frohen Ausklang des Festes bilden. Kreis Büdingen. O Nidda, 30. Aug. Wiederholt hat man geplant, die Kanalisation der ganzen Stadt durchzuführen, allein es scheiterte bis jetzt an den erforderlichen Mitteln. Da der Plan auf einmal nicht ausgesührt werden kann, fo hofft nun die Stadtverwaltung, schrittweise zum Ziele zu kommen. Man beabsichtigt, in nächster Zeit zuerst „Auf dem Graben", einem der niedrigstgelegenen Stadtteile, einen Kanal in der Länge von etwa 130 Meter bis zum sogenannten Räuner Graben zu legen. Die Anlieger tragen einen Teil der Kosten. Dieser Betrag wird ihnen später bei Erhebung der Kanalbenutzungsgebühren gutgeschrieben.— Bei der Versteigerung des Grummetgrases löste die Stadt den geringen Betrag von ungefähr 440 Mark, das ist ein Durchschnittspreis von etwa 11 Mark je Morgen. Nur die im feuchten Niddatal gelegenen Wiesen waren begehrt, auf die Wiesen an Bergen bot man nicht, da sich das Mähen nicht lohnt. Amtsgericht Gietzen. In der gestrigen Sitzung wurde zunächst das Urteil gegen den H. St. verkündet. Der Angeklagte wurde wegen vorsätzlicher leichtfertiger falscher Anschuldigung in Tateinheit mit übler Nachrede mit einer Geldstrafe von 50 Mark belegt. Dem Beleidigten wurde außerdem die Publikationsbefug» nis zugesprochen. Der 68 Jahre alte PH. H. aus Eisenach wurde am 14. August in Gießen beim Betteln betroffen. Das Gericht verurteilte ihn zu 6 Wochen Haft unter Anrechnung von 2 Wochen erlittener Untersuchungshaft. Außerdem wurde die Unterbringung in einem Arbeitshause angeordnet. Der A. I. aus Gießen ließ im März als Bauherr auf feinem Grundstück durch eine Baufirma eine genehmigungspflichtige Werkstätte errichten, ohne die baupolizeiliche Genehmigung zu besitzen. Durch Strafbefehl wurde er mit einer Geldstrafe von 20 Mark belegt. Der dagegen eingelegte Einspruch blieb ohne Erfolg. Das Gericht befaßte sich sodann mit zwei Männern aus B. wegen Jagdvergehens. Die Angeklagten haben in ihrem Jagdrevier den ihnen normaler- weise zukommenden Wildbestand überschritten, indem sie mehr abschossen, als ihnen zustand. R. wurde durch Strafbefehl mit 80 Mark Geld- ft r a f e evtl. 16 Tagen Haft, P. mit 18 0 Mark Geldstrafe evtl. 35 Tagen Haft, belegt. Beide Angeklagten legten gegen die Strafbefehle Einspruch ein. In der gestrigen Beweisaufnahme stellte sich heraus, daß die Angeklagten nicht vorsätzlich, sondern lediglich fahrlässig handelten. Das Gericht erkannte daher gegen R. auf 7 0 Mark, gegen P. aus 14 0 Mark G e l d st r a f e. Die Schußwaffen werden eingezogen. Die Angeklagten tragen gesamtschuldnerisch die Kosten des Verfahrens. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe Der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankbiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 o. fi. Frankfurt a.3Jl. Aerlin Schluß- kurs Schtußt. Abend- börsc Gchluß- kurs Echlußk. Mittagbörse Datum 29-8 308 29 8 308 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 100,75 100,75 100,13 101,13 4% Deutsche Reichsani. von 1934 97,9 97,65 97,9 97,9 6y,% Doung-Anleihe von 1930 .. 103,5 103,13 103 102,5 Deutsche Anl.-Ablöi.-Schuld mit 111,4 111,25 111,25 4‘/»% Deutsche Reichspostschatzan- 100,5 100,4 100,4 100,3 6% ehem.8% Hess. BolkSstaai 1929 (rückzahlb. 102%) ........... 97,65 97,65 97,5 *— 4Vi% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12....... 96,75 96,75 96,75 96 75 6y,% ehem. Hess. LandeS-Hypo- khetenbanl Darmstadt Liout ... 100,75 100,75 4%% ehem. 8% Darmst. Komm. LandeSb.Goldschuldoerschr. R.6 93 93 * — Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. 128,75 128,75 — - Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 115 115,3 115 115 ehem.8% Franks. Hyp.-Banl Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 96.75 96,75 ** ehem. 4!/,% Frank,. Hyp.- Bank-Liau.-Psandortese....... 100,75 6V|% ehem. 4y,% Rheinische Hyp.-Bank-Ltgu.-Goldpfe..... 101 100,9 1 01 100,75 4 y>% ehem. 8% Pr. LandeSpsand- öriesanstalt, Pfandbriefe R. 19 97 97 97 97 4y,% ehem. 7% Pr. Landespfand- öriesanst., Gold Komm. Cbl.VI 97 97 97 97 Kteuergutsch.BerrechnungSk. 85-39 107,4 107,4 107,4 107,4 4% Oesterretchtsche Soldrente.... 29 29 29,1 — 4,20% Oesterretchtsche Etlberrente 1,5 •— 1,45 — 4% Ungarische Goldrente....... 9,75 9,65 9,7 9,75 4% Ungarische StaatSrente v. 1910 9,5 9,4 9,65 9,55 4*4% deSal. von 1913.......... 9,4 9,5 9,65 9,65 5% abgest. Goldmexikaner von 99 11,25 11,25 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie l..................... — — — Frankfurt a. M Berlin Frankfurt 0. M. Derstn Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a jr Echluß- kurs Schlum. Abend- börse Schluß- Iure Schlußk. Mittag« börse Schluß« kurs Schlußk. Abend- börse Schluß- kurs Echlußk. Mittagbörse 29.August Amtlich» Natieruna 30. August Amtliche Notierung Geld | Brief Datum 29 8 30.8 29.8 30.8. Datum 29-8. 30.8. 29-8. 30 8 Geld Srlel 4% desgl. Serie II ............. 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4y,%Rumän.vereinh.Reniev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 25L% Anatolier............ Hamburg-Amerika-Paket ..... o Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 Norddeutscher Lloyd ......... v A G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz, und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................o Dresdner Bank..............o Reichsbank ................ 12 A.E.»......................0 Bekula.................... 10 Elektr. Lieferungügesellschast... 6 Licht und Kraft ........... ey, Felten & Guilleaume......... 0 Gesellsch.s.Elekrr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........ 5 Rhein. Wests. Elektr.......... 6 Schuckert L Co............... 4 Siemens L HalSke............ 7 Lahmeyer LEo.............. 7 Buderus ....... q Deutsche Erdöl ............... Gelsenkirchener.............. 0 Harpener .................. 0 Hoesch Eisen—Köln-Neuesten .. 0 Ilse Bergbau .............. e Ilse Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke ............. Mannesmann-Röhre« ........ 0 11,75 6 7,9 4,9 41,4 15,5 17 86,25 117,13 92,75 92,5 92,5 185 40,75 144 114,25 135 107,75 128 147,5 132,5 128,5 179 103 113,25 114 97,75 130 94,25 88,5 6 8 4,9 41,75 15,75 17,13 86,5 117 92,4 92 92 183,75 40,75 143,65 114,75 133,5 107,75 127 145,5 131,75 128 177 131 103,75 112,75 113,5 98,25 130 l 94,25 i 88,5 8,05 4,85 42 15,75 26,75 16,9 86,9 117,5 92,75 92,5 92,5 184,75 40.9 143,9 114,25 134,5 108,25 128,13 132,5 128,25 180 133,5 103,65 113 113,9 97,65 163 130,25 94,25 88,5 6,15 8 4,9 41,9 16 17,25 86,25 117,75 92,4 92 92 183,75 40,5 144 114 134 108 126,5 145,75 131,65 128,25 177,5 132,25 104 112,5 113,5 98,25 130 94,25 88,5 Mansselder Bergbau.........8 Kokswerke ..................6 Phönix Bergbau........ 0 Rheinische Braunkohlen ..... 12 Rheinstahl ................ gy, Vereinigte Stahlwerke........0 Otavi Minen ...............0 Kaliwerke Aschersleben........ 5 Kaliwerke Westeregeln........ 5 Kaliwerke Salzdetfurth..... 7y, 3. G. Farben-Industrt«.......7 Scheideanstalt............... 9 Goldschmidt ......... 0 Rütgerswerke ...... 4 Metallgeiellschaft............. 4 Philipp HoUmann...... 0 Zementwerk Heidelberg ......5 Cementwerk Karlstadt.........4 Schultheis Patzenhoser ....... 4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg...................0 Zellstoff Waldhos ............0 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas ............... 7 Daimler Motoren............ 0 Deutsche Linoleum...........6 Orenstein & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof........ 0 (Stabe...................... 0 ölerumulatoren-FabrÜ....... 12 Conti^Summi............... g Grttzner....................0 Mainkraftwerke Höchst O.DL... 4 Süddeutscher Zucker.........| 114 217 112,9 84,9 19,25 136 188 157,75 237 109,4 117 110,75 96,5 120 61 116 117,5 85,13 100 163 30 279 156,75 203 217 113 84,25 19,13 136,5 156,75 237 108,5 116,5 112 96,5 122 60,5 115,5 117,5 85,13 100,75 162,25 30 278,75 157,5 97 203 114 118 214 112,65 84,9 19 136,75 128,75 188 156,75 109 117 110,5 97 110,75 60,65 114,9 117,4 85,25 133,9 100,13 162,75 88,5 30,13 279 181,5 157 201 115 118 217,5 113,4 84,5 18,9 136,4 128,25 187 156,65 109,25 116,13 112 97 110,65 60,5 115,5 117 85,13 132 100,4 161,9 88,4 29,75 278,9 180 157,5 203 Buenos Atre Brüssel..... Rio de Ian. Sofia ...... Kopenhagen. Danzig..... London ..... HelsingforS.. Paris ...... Holland .... Italien..... Japan ...... Jugoslawien Oslo..... : Wien....... Lissabon .... Stockholm... Schweiz .... Spanien.... Prag....... Budapest ... Reuyork... ______L Amerikanische Belgische Not Dänische Nott Englische Not Französische 9 Holländische 9 Italienische 91 Norwegische 9 Deutsch Leste Rumänische 9" Schwedische 9 Schweizer No Spanische No Ungarische Nr 0,668 41,87 0,139 3,047 55,11 46,99 12,34 5,44 16,435 168,29 20,36 0,729 5,684 62,04 48,95 11,19 63,64 81,08 34,05 10,30 2,483 er1In,30Augu Noten...... en.......... n ......... en ......... loten....... loten....... oten........ loten ...... rreich. i 1OO oten....... loten....... len......... len......... 0,672 41,95 0,141 3,053 55,23 47,09 12,37 5,45 16,475 168,63 20,40 0,731 5,696 62,16 49,05 11,21 63,76 81,24 34,11 10,32 2,487 Bankno i» Schilling eit 0,668 41,87 0,139 3,047 55,13 46,98 12,345 5,44 16,43 168,36 20,36 0,731 5,684 62,06 48,95 11,195 63,66 81,06 34,03 10,30 2,485 Geld 2,437 41,72 54,93 12,31 16,38 167,94 19,46 61,85 63,44 80,83 33,67 0,672 41,95 0,141 3,053 55,25 47,08 12,375 5,45 16,47 168,70 20,40 0,733 5,696 62,18 49,05 11,215 63,78 81.22 34,09 10,32 2,489 Brief 2,457 41,88 55,15 12,35 16,44 168,62 19,54 62,0t 63,70 81,15 33,81 Das Recht im täglichen Leben Lustschuh fordert Feuerschutz. Erbrechtliche Fragen aus dem Reichserbhosrechl Kann ein Handwerker auch Lrbhosbauer sein? nen, so kann er innerhalb der übrigen gesetzlichen Erben den Anerben frei auswählen, er bedarf hierfür in einigen Fällen der Genehmigung des Anerbengerichts. Erft wenn keiner der gesetzlichen Anerben mehr am Leben ist, kann der Bauer eine andere Person zum Anerben bestimmen. In diesem Falle ist es gleich, an wen der Hof gelangt, da'la die Sippe des Bauern, der der Hof erhalten werden soll, erloschen ist. Dasselbe gilt, wenn zwar noch Anerbenberechtigte vorhanden, diese aber nicht bauernfähig sind; auch hier besteht kein Grund, den Hof der Sippe, die ja keine Bauernsippe mehr ist, zu erhalten. Eine Genehmigung des Anerbengerichts zur Anerbeneinsetzung ist in diesen Fällen nicht nötig. Ob jedoch tatsächlich keiner der gesetzlichen Anerben mehr am Leben ist oder ob die noch lebenden nicht bauernfähig sind, läßt sich erst beim Tode des Bauern feststellen. Ist in diesem Augenblick noch ein bauernfähiger Anerbe vorhanden, so steht damit fest, daß der Bauer keine andere Person zum Anerben bestimmen konnte. Seine letztwillige Verfügung ist daher insoweit nichtig. Auch eine etwaige Genehmigung des Anerbengerichts könnte sie nicht gültig machen, da die Anerbeneinsetzung gegen das Gesetz verstieße. Daraus folgt, daß das Anerbengericht in keinem Fall die Einsetzung einer gesetzlich nicht anerbenberechtigten Person zum Anerben genehmigen darf, denn entweder sind noch gesetzliche Anerben vorhanden, dann war die Genehmigung gesetzwidrig, oder es sind tatsächlich keine vorhanden, dann war die Genehmigung überflüssig. Erst im Augenblick des Todes des Bauern stellt sich also heraus, ob der von ihm außerhalb der gesetzlichen Erbfolge zum Anerben Eingesetzte wirklich den Hof bekommt. Mahnung und Drohung. 2on Amisgerichtsrat Dr. Or. Karl-Ludwig Schimmelbusch. Die Kunst des Mahnens hat ihre Technik, wie jede andere Kunst. Wer häufig Gelegenheit hat, die zum Rechtsstreit führenden „Korrespondenzen" von Prozehparteien zu studieren, kennt die ganze Stufenleiter vom Anfänger, dem individuelle Behandlung und persönliche Note ein Buch mit sieben Siegeln sind, bis zum Virtuosen, der sogar seiner Mahnung so guten Wind in die Segel zu geben versteht, daß der Gemahnte noch obendrein entzückt ist. Ungeschickte Mahnungen sind weiter nicht gefährlich. Schlimmstenfalls denkt der Kunde: „Mir kann keiner!" oder auch: „Mir kann jeder!", und springt ab. Wer weiß, wozu es gut ist! Bedenklich wird die Sache, wenn die Mahnung sich den Gefilden nähert, wo der Staatsanwalt beheimatet ist. „Sie wollen sich nur an der Zahlung vorbeidrücken", schreibt ein ganz Schlauer auf offener Postkarte; versehentlich wird sie beim Nachbar abgegeben und der überreicht sie mit dem Lächeln des Wissenden dem Adressaten: der Tatbestand der Beleidigung ist da. Ein besonders heikles Kapitel tut sich auf, wenn der Gläubiger sich auf den „sicheren" Weg des Dro- Ehrengenchtsbarkeit und Handwerk. Es ist in den Beziehungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer durch den Nationalsozialismus eine wesentliche Aenderung und Besserung eingetreten. Grundsätzliches und Richtungweisendes sagt darüber das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit, das am 1. Mai 1934 in Kraft getreten ist. Der vierte Abschnitt dieses Gesetzes behandelt speziell die Beziehungen zwischen Betriebsführer und Gefolgschaft, und der Begriff „soziale Ehre" ist be- onders gekennzeichnet. Jeder einzelne Stand innerhalb unserer Wirt- chaft hat nun wieder gesondert von den allgemeinen Vorschriften die Wahrung seiner eigenen Standes- und Geschäftsehre geregelt. So wird die Standesehre des deutschen Handwerks in der ersten „Verordnung über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks" genau charakterisiert. Diese Verordnung ist am 20. Juni wirksam geworden. Somit unterliegt der Handwerkerstand eigentlich glieder vorgeschrieben ist. Das Kammergericht hat in diesen Fällen folgenden Grundsatz aufgestellt: Ist nach der Satzung einer Genossenschaft eine zweite Generalversammlung einzuberufen, falls zu der ersten nicht die zur Beschlußfähigkeit erforderliche Mitgliederzahl erscheint, und ist dann die zweite Versammlung unter geringeren Anforderungen beschlußfähig, so darf die zweite Versammlung nicht bereits im voraus einberufen und sogleich nach der ersten abgehalten werden; die Beschlüsse, die in einer solchen unzulässigerweise einberufenen zweiten Generalversammlung gefaßt werden, sind nichtig, es sei denn, daß die Voraussetzungen für die Beschlußfähigkeit einer ersten Generalversammlung Vorlagen. Zur Rechtfertigung dieses Standpunktes weist das Kammergericht auf folgendes hin: Schreibt eine Satzung vor, daß beim Nichterscheinen der zu einer gültigen Beschlußfassung erforderlichen Mitgliederzahl " eine zweite Versammlung einzuberufen und daß diese schon bei Erfüllung geringerer Anforderungen beschlußfähig ist, so liegt es im Sinne einer solchen Regelung, daß die zweite Versammlung erst berufen wird, nachdem sich die Ergebnislosigkeit der ersten herausgestellt hat. Von der Mitwirkung der grundsätzlich für erforderlich erachteten Mitglieder- zahl bei den wichtigen Beschlußfassungen soll nämlich nur dann abgesehen werden, wenn sie sich nicht erreichen läßt, und nur unter der weiteren Voraussetzung, daß in diesem Falle den widerstrebenden Mitgliedern eine besondere Gelegenheit geboten wird, in der nunmehr unter erleichterten Voraussetzungen beschlußfähigen Versammlung ihren Widerspruch geltend zu machen. Der damit verfolgte Zweck, den Mitgliedern die Wichtigkeit ihres persönlichen Erscheinens vor Augen zu führen, wird durch eine gleichzeitige Einberufung beider Versammlungen, auch in der Verbindung mit einem Hinweis auf die Voraussetzungen der Beschlußfähigkeit der zweiten Versammlung, nicht ebensogut erreicht, wie wenn die Versammlungen getrennt nacheinander berufen werden. Vielmehr wird in dem legieren Falle den in der ersten Versammlung ausgebllebe- nen Mitgliedern besonders eindringlich vvrgestellt, welche Folgen sich aus ihrer weiteren Untätigkeit wahrscheinlich ergeben werden. Die gleichzeitige Einberufung der beiden in der Satzung vorgesehenen Versammlungen waren mithin unzulässig. sind auch die Ausaußmöglichkeiten in einer den baupolizeilichen Vorschriften entsprechend angelegten Waschküche so beschaffen, daß die Menge des über« und abfließenden Wassers dem Gebäude nicht schaden kann. Das im Mietvertrag enthaltene Gebot, daß zum Waschen der Wäsche die Waschküche zu benutzen ist, dient aber auch der Aufrechterhaltung der Hausgemeinschaft der Bewohner untereinander und kann deshalb unter den heutigen Zeitoerhält- nissen nicht als unsozial empfunden werden. Wenn der verklagte Hauseigentümer daher auf Einhaltung der vom klägerischen Mieter im Vertrag übernommenen Verpflichtungen beharrt, so ist hierin ein chikanöses Verhalten nicht zu erblicken. Ebensowenig verstößt es gegen Treu und Glauben, wenn der Hauseigentümer nicht duldet, daß die verbotenerweise in der Küche gewaschene Wäsche auf dem Trockenboden getrocknet wird. Die Klage auf Feststellung der Berechtigung, die Wäsche in der Küche mit einer Maschine zu waschen und auf dem Trockenboden zu trocknen, mußte deshalb abgeroiefen werden. Nach dem Inkrafttreten des Reichserbhofgesetzes haben wiederholt Bauern bei dem Anerbengericht den Antrag gestellt, eine letztwillige Verfügung zu genehmigen, in der sie unter Abweichung von der gesetzlichen Anerbenordnung eine andere Person, z. B. ihre Ehefrau, zum Anerben bestimmten; falls noch Verwandte vorhanden waren, die nach dem Gesetz zu Anerben berufen waren, bestritten die Antragsteller deren Bauernfähigkeit. Das Reichserbhofgericht hat nun in einer Entscheidung vom 26. Januar 1935 in diesen Fällen eine Genehmigung der letztwilligen Verfügung für unzulässig erklärt. Grundlegend für das Erbrecht bei Erbhöfen tft die gesetzliche Erbfolgeordnung des Reichserbhof- aefetzes, die immer bann eintritt, wenn der Bauer keine andere letztwillige Bestimmung getroffen hat. Eine Abweichung von der gesetzlichen Anerbenordnung ist nur in beschränktem Umfange möglich, wobei das Gesetz von dem Grundsatz ausgeht, daß der Hof möglichst nicht von einer Sippe in eine andere gelangen soll. Daher kann der Bauer, solange einer der gesetzlichen Anerben, zu denen die Ehefrau nicht gehört, noch am Leben ist, nur unter den gesetzlichen Anerben den ihm genehmen Erben auswählen und dieses auch nur im beschränkten Maße und in manchen Fällen nur mit Einwilligung des Anerbengerichts. Hat der Bauer z. B. als einzige Erben vier Söhne und war in der betreffenden Gegend bisher Anerbenrecht nicht Brauch ober bie freie Bestimmung bes Anerben üblich, so kann ber Bauer auch jetzt noch einen seiner Söhne zum Anerben bestimmen, ohne babei an bie Genehmigung bes Anerbengerichts gebunben zu fein. Herrschte jeboch in ber Gegenb Aeltesten- ober Jüngstenrecht, so kann der Bauer hiervon nur mit ber Genehmigung bes Anerbengerichts abweichen. Hat ber Bauer keine Söhne ober Enkel von Söh- Das Erbhofgericht beim Oberlandesgericht Bamberg hat diese Frage bejaht. Die Ausübung eines Handwerks durch den Eigentümer einer erbhoffähigen Besitzung steht der Erbhoseigenschaft des Hofes und der Bauernfähigkeit des Eigentümers nicht im Wege, wenn dieser die Bewirtschaftung des Hofes leitet. Der Bauer und Maurer H. besitzt ein Anwesen mit 10,774 Hektar, von denen 8,680 Hektar landwirtschaftlich nutzbar sind. Wenn der Besitzer seinem Maurerberufe nachgeht, wird das Anwesen von seinem 25jährigen Sohn bewirtschaftet, der nach der Angabe des Bürgermeisters die Fähigkeit besitzt, das Anwesen im Falle der Uedernahme ordnungsmäßig zu bewirtschaften. Der Kreisbauernführer hat gegen die beabsichtigte Eintragung m das gerichtliche Verzeichnis Einspruch eingelegt, weil der Besitzer nicht als bauernfähig zu.erachten fei, da er den Maurerberuf ausübe. Das Anerbengericht hat trotzdem die Erbhofeigenschaft festgestellt. Denn die (Ermittlungen hätten ergeben, daß sich das Anwesen schon seit mehreren Generationen im Besitz der gleichen Familie befinde Das neben dem landwirtschaftlichen Beruf ausgeübte Maurerhandwerk stehe der Bauernfähig- keit nicht entgegen. Der Kreisbauernfuhrer hat hiergegen Beschwerde eingelegt und seine Begründung noch dahin erweitert daß der Hof keine Ackernahrung darstelle und daß sein Besitzer deshalb den Maurerberuf ausüben müsse; ferner lasse die durchaus mangelhafte Bewirtschaftung des Anwesens erkennen, daß der Besitzer unfähig sei, fein Besitztum in bäuerlicher Belriebsform zu bewirtschaften. Die Beschwerde des Kreisbauernsührers wurde verworfen. Zunächst hält die zuständige Landwirtschaftsstelle eine Ackernahrung für gegeben. Nach ihrer Aussage gehören zu dem Anwesen durchaus nicht die schlechtesten Grundstücke in der Gemeindeflur. Die meisten Aecker und Wiesen bringen ein befriedigendes Ergebnis. Der Bürgermeister, verschiedene Bauern aus der Gemeinde und der Orts- bauernführer selbst halten eine Ackernahrung gleichfalls als zweifellos gegeben. Dieser Auffassung schließt sich das Gericht zweiter einer doppelten Ehrengerichtsbarkeit. Für alle Handwerksbetriebe — namentlich größere kommen in Frage — gilt also erstens das Arbeitsordnungs- gesetz in bezug auf Streitangelegenheiten und zweitens die obengenannte Verordnung. Die handwerkliche Ehrengerichtsbarkeit ergreift alle In- nungsmitgüeber. (Eine Kollision zwischen beiden Ehrengerichtsbar« feiten ist aber nicht möglich. Die Machtbereiche find streng getrennt. Wenn ein Handwerker sich einer gröblichen Verletzung feiner sozialen Pflichten schuldig gemacht hat, Die in das Gebiet des Arbeitsordnungsgesetzes fällt, so ist ein Verfahren vor dem Handwerks-Ehrengericht nicht zulässig. Und solange ein Fall vor dem sozialen Ehrengericht verhandelt wird, darf die Sache nicht vor das Handwerks-Ehrengericht gebracht werden. Die Befugnisse beider Gerichte sind also getrennt. Das soziale Ehrengericht ist aber die Instanz, die bevorrechtigt ist. Ein Verfahren, das vor dem Handwerks-Ehrengericht läuft, muß ausgefetzt werden, wenn in derselben Angelegenheit ein soziales Ehrengerichtsoerfahren eingeleitet wird. Es bestehen aber auch in gewisser Hinsicht Verbindungen zwischen den beiden genannten Gesetzen und beiden Ehrengerichten. Ein Handwerker z. B., der durch eins der beiden Ehrengerichte mit einer Ehrenstrafe beteqt worden ist, kann nicht mehr als Beisitzer im Handwerks-Ehrengericht fungieren. Und der Handwerker, dem durch das soziale Ehrengericht die Fähigkeit, Betriebsführer zu fein, abgesprochen worden ist, kann innerhalb seiner Innung kein Ehrenamt bekleiden; er ist zudem auch nicht mehr stimmberechtigt in seiner Innung. Hierzu muß bemerkt werden, daß die Aberkennung dieser Fähigkeit durch das Handwerks-Ehrengericht zeitlich begrenzt ist, während die Aberkennung durch das soziale Ehrengericht für die Dauer wirksam ist. Der Handwerker, dem die Betriebsführereigenschaft aberkannt worden ist, darf aber Lehrlinge weiter halten, obwohl er praktisch wohl kaum dann noch dazu befähigt ist. Nach dem Gesetz kann einem Handwerker nur dann das Lehrlingsrecht entzogen werden, wenn er wegen eines schweren Vergehens gegen die Standesehre verurteilt worden ist. Die Grundlagen dazu gibt der Paragraph 59 der oben zitierten Verordnung. hens begibt. Hier herrscht weitgehende Unklarheit über die Grenzen des (Erlaubten. Da verspricht sich einer die (Ermunterung des säumigen Schuldners davon, daß er ihm eine Strafanzeige ober sonstige Annehmlichkeiten in Aussicht stellt. Hier liegt der Gedanke an zwei strafgesetzliche Tatbestände nahe: an den Erpressungsversuch (§ 253 StGB.) und den Nötigungsversuch (§ 240 daselbst). § 253 lautet: „Wer, um sich......einen rechtswidrigen Dermögensvorteil zu verschaffen, einen anderen durch......Drohung zu einer Handlung, Duldung ober Unterlassung nötigt, ist wegen Erpressung mit Gefängnis......ZU bestrafen. Der Versuch ist strafbar." § 240 lautet: „Wer einen anderen widerrechtlich durch ..... Bedrohung mit einem Verbrechen oder Vergehen zu einer Handlung, Duldung ober Unterlassung nötigt, wirb mit Gefängnis.....ober mit Gelbstrafe......bestraft. Der Versuch ist strafbar." Der Unterschieb ist hanbgreiflich: zur Erpressung gehört bie Absicht, sich einen rechtswidrigen Dermögensvorteil zu verschaffen, zur Nötigung nicht; roieberum setzt biefe bie Bedrohung mit einem Verbrechen ober Vergehen voraus, währenb zur Erpressung eine Drohung ohne strafbaren Inhalt genügt. Der regelmäßig anzunehmende Glaube bes Drohenben an bie Berechtigung seiner Sortierung schließt baher ben Tatbestanb bes Erpressungsversuches aus. Bleibt also nur ber Nötigungsversuch, zu besten Merkmalen aber bie Bebrohung mit einem Verbrechen ober Vergehen gehört. Beispiel: Die An- brohung einer Anprangerung bes Schulbners in ber Zeitung, wobei zur Verstärkung ber Wirkung ein ähnliches Inserat aus einer Zeitung ausgeschnitten unb dem Drohbrief beigelegt ist. Mithin: Drohung mit einem „Vergehen", nämlich der Beleidigung, also Nötiaungsversuch. Anders, wenn der Gläubiger mit Strafanzeige — etwa wegen Betrugs — droht: Hier liegt eine Androhung eines „Verbrechens" ober „Vergehens", also Nötigungsversuch ebensowenig vor wie bei ber Anzeige e r st a t t u n g selbst, bei ber ja nicht gebroht, fonbern ben guftänbigen Be- hörden bie Prüfung eines strafbaren Verhaltens bes Schulbners überlasten wirb. Außer ben strafrechtlichen wollen aber auch bie zivilrechtlichen Folgen überlegt fein. Durch bie Presse ging vor einiger Zeit folgenber Fall: Der Kläger hatte bas Recht zur Herstellung unb zum Vertrieb von patentgeschützten Gegenstänben bem Beklagten übertragen. Als biefer bie vereinbarte Lizenzgebühr nicht zahlte, setzte ber Kläger ihm eine Frist mit dem Bemerken, daß er nach deren fruchtlosem Ablauf die Leistung ablehnen werde. Als die Zahlung nicht rechtzeitig erfolgte, teilte der Kläger dem Beklagten mit, daß er vom Vertrage zurücktrete und Schadenersatz verlange. Dabei hatte er aber über- sehen, baß er nach Fristablauf entroeber zurücktreten, ober Schabenersatz wegen Nichterfüllung verlangen konnte, nicht aber beioes (§ 326 BGB.). Er würbe in allen Instanzen abwiesen. Neben ber Mahnung zur Zahlung sei weiter noch kurz auf anbere, bie Beeinflussung ber freien Willensentschließung bes Gegners bezweckenbe Drohungen eingegangen. § 123 BGB. gibt ein Anfechtungsrecht dem, der „zur Abgabe einer Willenserklärung .....widerrechtlich durch Drohung bestimmt • worden ist." Beispiel: Der Schuldner, der eine Herabsetzung der Forderung erzwingen will, droht: „Wenn Sie nicht unterschreiben, kriegen Sie überhaupt nichts." Oder das Streben des Verkäufers, den anderen zum Verkaufsabschluß zu bestimmen: immer wieder wird die Frage akut, was da erlaubt ist, und was nicht. Wie der Wortlaut des Gesetzes zeigt („widerrechtlich durch Drohung bestimmt"), ist es nicht erforderlich, daß die Drohung selbst ein an sich schon unberechtigtes Verlangen enthält, sondern es genügt, daß der Drohende kein Recht zu der drohenden Willensäußerung hatte und daß er sie absichtlich getan hat, um den anderen zu ber bem Drohenben günstigen Stellungnahme zu bewegen, wobei ber Drohenbe sich seines Verhaltens als eines Mittels zur Ueberroinbung bes entgegenstehenden Willens bewußt gewesen sein muß. Eine Einschränkung ist jeboch nach feststehender Rechtspre- chung zu machen: bie Wiberrechtlichkeit wirb verneint, wenn ber Drohende von nichts anderem Gebrauch zu machen droht als von seinem guten Recht, und wenn außerdem nach der Auffassung des täglichen Lebens und des allgemeinen geschäftlichen Verkehrs das Verhalten des Drohenden nicht als unsachgemäß und als außerhalb ber allgemei- ' nen Ueblichkeit liegenb zu gelten hat. Als solcher ' von ber Rechtsorbnung allgemein zugelastener Rechtsbehelf gilt z. B. bie Änbrohung, mit ber i Lieferung zu warten, falls nicht ber Käufer ben i am Liefertage geltenben Preis zu zahlen ver- • spreche, ferner bie Geltenbmachung eines Zurück- - behaltungsrechts unb vor allem bie Änbrohung ber - Klage. Sie wirb — die Gutgläubigkeit bes Dro- i henden vorausgesetzt — auch nicht etwa darum - „widerrechtlich", weil der Anspruch sich als un- I gerechtfertigt erweist. Immer aber überlege man ■ sich die Gefahren des Drohens genau. Auf leere Drohungen verzichte man überhaupt. Das Waschen in der Küche Immer wieder entstehen zwischen Vermietern und Mietern Streitigkeiten oft erbitterter Art deshalb, weil letztere unerlaubterweise in der Küche gewaschen haben. Ein Mieter hatte nun auf Feststellung bes Rechts geklagt, baß es ihm erlaubt sei, bie Wäsche in ber Küche mittels einer Maschine zu “^n Tinern in ber Juristischen Wochenschrift mit- qeteilten Berufungsurteil bes Landgerichts Berlin vom 5. April 1935 ist folgenbes ausgefuhrt: Für die Rechtsbeziehungen ber Parteien ist m erster Linie ber Mietvertrag maßgebenb. Dieser bestimmt, baß Wäsche nur in Der Waschküche gewaschen, ge- fvült unb auf bem Trockenbvben getrocknet werben darf. Dieses Verbot bezweckt, das (Eigentum des Vermieters vor den mit bem Waschen in der Küche zwangsläufig oerbunbenen Schaben zu schützen, ©(höben drohen bem Hause nicht nur burd) bie beim Waschen entstehende Dampf- unb Wrasenentwick- iung, fonbern auch burch das leicht eintretenbe Ueber- laufen von Wasser unb das Verstopfen des Ablauf« robres Der Fußboden einer Küche ist auch im Gegensatz zu bem einer Waschküche nicht zementiert, so baß ein Durchsickern von Wasser in die unter ber Küche gelegenen Räume zu befürchten steht. Ferner Instanz an. Auch gegen die Bauernfähigkeit seines Besitzers (wie Eyrbarkeit usw.) konnte nichts Nachteiliges vorgebracht werben. Es ist auch nicht zutreffend, daß die Ausübung bes Maurerberufs bie Bauernunfähigkeit herbei führe. Der Besitzer sitzt auf feiner Scholle und läßt sie, soweit er durch seinen Maurerberuf daran verhindert ist, durch seinen Sohn bewirtschaften, -wie er sie in früheren Jahren teils selbst, teils in Gemeinschaft mit seinem Vater bewirtschaftet hat. Die Leitung liegt immer in seinen Händen. Der landwirtschaftliche Betrieb ist auch gegenüber dem Maurerhandwerk nicht zum Nebenberuf geworden; ber Hof soll bas Rückgrat ber ganzen Lebenshaltung bes Besitzers sein, wie er auch später einmal vom Sohn bes Besitzers übernommen werben soll, ber seinerseits keinerlei Handwerk erlernt hat unb nur im landwirtschaftlichen Betriebe tätig gewesen ist. Die beruflichen Einnahmen als Maurer sind auch nicht, wie der Kreis- bauemführer meint, ersichtlich dringend notwendig, um bie Familie unb bas Anwesen zu erhalten; bazu genügen allein die Einnahmen aus bem Anwesen selbst. (S. Jurist. Wochenschrift, Beschluß bes Erbhofgerichts beim Oberlandesgericht Bamberg vom 13. Februar 1935.) Hierzu wird noch bemerkt: Unter Bauernfähigkeit ist nicht allein ein fachliches Können, das in der Uebergangszeit einer milderen Beurteilung bedarf, zu verstehen, sondern vielmehr nach Sinn und Zweck bes Gesetzes eine bäuerliche Haltung und Einstellung. Der (Eigentümer muß sich mit dem Schicksal seines Hofes verbunden fühlen, in ihm bie Heimat seines Geschlechts und feine Lebensgrundlage sehen. Er darf ihm nicht lediglich Anlagekapital ober Kreditgrundlage fein. Diese Auffassung führt dazu, daß ein fachlich bestens oorgebilbeter Lanbwirt, ber z. B. den Güterhandel betreibt, nicht Erbhofeigentümer wirb, weil ihm bie bäuerliche Haltung fehlt, während ein Beamter zugleich Bauer sein kann, obwohl er zur Bewirtschaftung feines Hofes eines tüchtigen Verwalters dringend bedarf. Diese sub- jektiven Gesichtspunkte sollten bei der Beurteilung sogenannter gemischter Betriebe gebührend berücksichtigt werden. Genossenschasts-General- versammlungen und Satzungen Die Mehrzahl der Satzungen der Genossenschaften enthält in dem Abschnitt, der die Generalversammlungen und die Voraussetzungen für die Gültigkeit ihrer Beschlüsse regelt, Bestimmungen, daß bei Nichterscheinen der zu einer gültigen Beschlußfassung erforderlichen Mitgliederzahl eine zweite Versammlung einzuberufen ist, und daß diese ohne Rücksicht auf die Zahl der anwesenden Genossen, oder bei einer bestimmten Mindestzahl von anwesenden Genossen beschlußfähig ist. Es fragt sich nun ob die zweite Versammlung erst berufen werden darf, nachdem sich die Ergebnislosigkeit der ersten herausgestellt hat, oder ob bereits bei der Einladung zwei Generalversammlungen auf denselben Tag in unmittelbarem Anschluß aneinander berufen werden Dürfen, für den Fall, daß die effte Generalversammlung beschlußunfähig sein sollte. Mit dieser allgemein interessierenden Frage hat sich das Preußische Kammerqericht befaßt (Beschluß vom 29. November 1934). In dem hier zur Erörterung stehenden Falle wurden von ber betreffenden Genossenschaft zum Zwecke der Herbeiführung von Satzungsänderungen auf denselben Tag zwei Generalversammlungen in unmittelbarem Anschluß aneinander berufen mit dem Hinweis darauf, daß die zweite Versammlung bei Beschlußunfähigkeit der ersten schon dann beschlußfähig sei, wenn nur wenigstens sieben Mitglieder erscheinen würden. Tatsächlich waren zu ben beiden Versammlungen weniger als die Hälfte aller Genossen aber mehr als sechs erschienen. Darauf wurden in der zweiten Versammlung die angekündigten Satzungsänderungen beschlossen. Der Registerrichter lehnte die Eintragung in bas Genossenschaftsregister ab mit ber Begründung, daß die von der Satzung für die Beschlußfähigkeit der Generalversammlung aufgestellten Voraussetzungen nicht erfüllt feien. Eine Beschwerde der Genossenschaft wurde vom Landgericht zurückgewiesen. Auch die weitere Beschwerde hatte keinen Erfolg. Wird eine Satzungsänderung zur Eintragung angemeldet, so hat das Registergericht zu prüfen, ob der Beschluß von einer nach Gesetz und Satzung beschlußfähigen Generalversammlung gefaßt ist. Denn die Beschlußfähigkeit ber Versammlung ist nicht nur Voraussetzung für das Zustandekommen eines unanfechtbaren Beschlusses, sondern Voraussetzung für das Zustandekommen eines Beschlusses schlechthin. Fehlt es an der Beschlußfähigkeit, so sind die gleichwohl gefaßten Beschlüsse nur dem Schein nach solche, also ohne weiteres nichtig und deshalb ungeeignet, als Grundlage für Eintragungen in das Register zu dienen. Das ist vom Reichsgericht für einen Fall ausgesprochen worden, in welchem die Satzung zu einer gültigen Beschlußfassung die Anwesenheit aller Mitglieder verlangte, vom Kammergericht aber darüber hinaus in ständiger Rechtsprechung auch für die grundsätzlich nicht anders zu beurteilenden Fälle anerkannt, in denen die Anwesenheit eines bestimmten Bruchteiles aller Mit- Blumen-Weber bei Frankfurt a. 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September 1935 einschließlich gemahnt: 4931C 1. und 2. Ziel Gemeinde-, Kreis- und Provinzialumlagen einschließlich Sondergebäudesteuer 1935 und die auf Grund der zusätzlichen Steuerbescheide zu zahlenden Beträge, 2. Ziel Kanal-, Straßenreinigungs- und Müllabfuhrgebühren 1935 einschließlich der Mieteranteile, 3. Rate Bürgersteuer 1935, Beitrag für die Land- und forstwirtschaftliche Be- rufsgenossensckaft 1934. Rach Ablauf dieser Frist erfolgt Einzug der rückständigen Beträge auf Kosten der Schuldner. Außerdem werden von der Steuer die ab 1. Juli bzw. 6 August 1935 zu zahlenden Säumniszuschläge erhoben. Gießen, den 29. August 1935. Stadtkasse Gießen. Ihren Bruch hält unbedingt sicher und trotzdem bequem das neueste Modell mejnes Kugel- ____ gelenk-Bruchbandes. Mehrere Patente. Wie em Muskel schließt die weiche Pelotte - ohne Feder, ohne Schenkelriemen - von unten nach oben die Pforten, trotz Bücken oder Strecken, Husten oder Heben. 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Gießen, den 31. August 1935. Bürgermeisterei Gießen. Ritter, Oberbürgermeister. IaDLE RWERKE VORN. .HEINRICH K.LEYER AKTIENGESELLSCHAFT P DA N KP U PT am M A I N Bekanntmachung. Betr.: Schweinezwischenzählung am 4. September 1935. Am 4. September 1935 findet wieder eine Schweinezwischenzählung in den Gemarkungen Gießen und Schlffenberg statt. Die Schweinebesitzer haben den Zählern die notwendigen Angaben bezüglich ihrer Schweinebestände bereitwilligst zu erteilen. Die Leitung der Zählung ist dem Landesstatistt- schen Amte in Darmstadt übertragen. Das Einsehen unrichtiger Angaben oder die Verweigerung von Angaben durch die Auskunftspflichtigen wird mit erheblichen Strafen bedroht. Den Auskunftspflichtigen wird die Geheimhaltung ihrer Angaben hiermit ausdrücklich zugesichert. 4927C Gießen, den 23. August 1935. Bürgermeisterei Gießen. Ritter, Oberbürgermeister. — und alles so preiswert, und alles so gut! 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