Mittwoch, Zf. Juli1935 HrJ76 Erster Blatt 185. Jahrgang Giehener Anzeiger Litwinows Rolle in Gens Krieg in Nordafrika aus- Völkerbund, der schon Deutscher Protest in Washington. Washington. 30. Juli (DNB.) llnterstaats- sekretär Philipps teilte in der Pressekonferenz am Dienstag mit, daß der deutsche Geschäftsträger. Botschaftsrat Leitner, wegen des Flaggenzwischenfalles auf dem Dampfer „Bremen“ schriftlich und formell protestiert habe. Die amtliche Stellungnahme wurde verschoben, bis die Note überseht und der Sachverhalt geprüft ist. Moskaus Vernichtungskampf gegen die Kirche. Neue Todesurteile gegen evangelische Geistliche in Eowjetrutzland. Genf. 30, Juli. (DKB.) Die internationale pro-deo-kommisfion berichtet im Journal de Geneve über neue Todesurteile gegen evangelische Geistliche in Sowjetruhland. Der Pfarrer Johann Goering, der seit mehreren Monaten in Kiew gefangen gehalten wird, ist zum Tode verurteilt und das Urteil bestätigt worden. Ob es bereits vollstreckt wurde, ist unbekannt, wie wir von anderer Seite erfahren, ist auch der Sohn Pastor Goerings verhaftet worden. Pastor knudt, der Vater von neun Kindern ist, befindet sich ln gleicher Lage wie Pastor Goering. Die deutsche pro-deo-Kommission in Berlin wendet sich an das Gewissen der ganzen Kulturwelt, um sie zu einer grohangelegten Rettungsaktion für die Verurteilten aufzurufen. Ein Mandat des Völkerbunds für Abessinien? Ein neuer Vorschlag zur Vermeidung des Krieges. — Wird Italien sich mit einem Anteil an wirtschaftlichen Konzessionen begnügen? Der Mandatsvorschlag. Ein internationales Regime mit Garantien , gegen Angriff von außen. Paris, 31. Iuli. (DNB. Funkspruch). Der „Motin- läht sich aus London melden, daß in Addis Abeba dem Negus neue Vorschläge für eine friedliche Lösung des italienisch-abessinischen Konfliktes unterbreitet worden seien. Der Ursprung die- ser Vorschläge wird nicht näher angegeben. Es wird angeregt, Abessinien unter ein internationales, vom Völkerbund abhängiges Mandat zu stellen, auf Grund dessen Italien gewisse wirtschaftliche Zngeständnifse erhalten könnte, ohne das geringste politische oder gebietsmäßige Privileg zu erlangen. Als Gegenleistung für dieses Mandat solle Abessinien gegen jedenAngriff von anhen herGa- r a n t i e r t erhalten. Ferner könne der Regus nach freiem Ermessen seine Berater und Verwaltungsbeamten unter sämtlichen Mitgliedsstaaten des Vol- kerbundes wählen. Die Reglierung in Addis Abeba habe, so heiht es in der Meldung weiter, den Eingang der Vorschläge bestätigt, ohne im einzelnen darauf zu antworten, doch soll der Regus habe durchblicken lassen, dah er nicht grundsätzlich Einspruch gegen einen europäischen 6 i n f1 ö 6 in Abessinien erheben würde, vorausgesetzt, dah dieser rein wirtschaftlicher Art fei. Er habe gleichzeitig erklärt, dah das abessinische Volk lieber im Wohlstand unter den Auspizien Europas leben, als arm in einer völligen Unabhängigkeit bleiben würde. Heber die Unterredung zwischen Laval und Eden meldet der pariser Korrespondent der „Iimes, dah daran gedacht werde, Abessinien auf eine Zeit einem gemeinsamen OTanbaf oon Volke r b nn d s rn i ig ii ed e rn zu unterstellen. Das Mandat würde in der «Ernennung eines Obet- tommifiats und den Eintritt van vol- kerbnndsbeamten in die abesflnische Verwaltung Ausdruck finden. Italien würde feinen vollen Anteil an örtlichen Konzessionen, aber keine ausschliehliche Aufsicht über Abessinien erhalten. Die Gegenleistung für Abessinien würde in dem Schuh und den finanziel- len Beistanddes Völkerbundes bestehen. Der pariser Korrespondent der „Morning Post“ berichtet der Gedanke eines Einschreitens des Völkerbundes in Abessinien mit der Begründung. dah Abessinien es unterlassen habe, alle Verpflichtungen eines Völkerbundsmitgliede» zu erfül- f)err Litwinow befindet sich politisch in einer peinlichen Lage. Als hervorragendes Mitglied des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei in Moskau ist er verpflichtet, den kriegerischen Parolen der Weltrevolution zu folgen, die auf dem Komintern-Kongreh ausgegeben wurden, als Außen» kommisfar der Räteunion und derzeitigem Ratspräsidenten des Völkerbundes aber liegt ihm die Aufgabe ob, für den allgemeinen Frieden unter den Völkern einzutreten und im besonderen Falle des abessinischer Konfliktes auf der Genfer Tagung eine gemütliche Lösung zwischen den streitenden bricht, ist a u ch d e r _ so viele Proben seiner Unzuverlässigkeit gegeben hat, moralisch gerichtet. Herr Litwinow ist etwas spät nach Genf gekommen, um in diesem Welttheater seine Rolle als Verkleidungskünstler zu spielen. Schon bei seinem Eintreffen lag der Völkerbund in seinen letzten Zügen, und der Schüler Lenins hat ihm vollends den Todesstoß versetzt. nachgeben werde, anderseits wegen zuversichtlicher Berichte über die Aussprache zwischen Eden und Laval. Man erkenne, dah Großbritannien entschlossen sei, die Dölkerbunds- satzung aufrechtzuerhalten, doch glaube man, daß ein kleiner Zeitaufschub der Mühe wert wäre, wenn dadurch der Völkerbund vor der Erschütterung des Austritts einer weiteren Großmacht bewahrt werden könnte. „Times" weist in einem Leitartikel auf die britischen Interesse n in Afrika und auch in Indien hin, die von Italiens Politik in Abessinien in Mitleidenschaft gezogen werden, und sagt, es sei jetzt klar, daß Mussolini nach der politischen Kontrolle über ganz Abessinien oder doch den größten Teil des Landes strebe. Sein Anspruch und be- sonders die Mechode, durch die er vorgebracht werde, sei eine Herausforderung des Kelloggpaktes und würde im Falle ihrer rücksichtslosen Durchführung auch andere italienische Verpflichtungen zerreißen. Italien sucht neuen Kredit in England. London, 31. Juli. (DRV. Funkspruch.) Nach dem „Daily Telegraph" hat Italien in London Erkundigungen einziehen lassen, die sich auf G e w ä h - rungneuerchandelskredlte beziehen. Man glaube aber nicht, daß die Anfrage Erfolg haben würde. Die Londoner Finanzhäuser erblickten gegenwärtig nichts Anziehendes in der Gewährung weiterer Kredite, zumal sie möglicherweise direkt oder indirekt fürKriegszwecke Derwen- düng finden könnten. Danzig und Polen. Bon Or. Hans von Malottti. Der d anzig - polnische Zoll ko nflikt ist oon der deutschen Öffentlichkeit als um so größere Ueberraschung empfunden worden, als er sich auf dem Hintergrund einer seit zwei Jahren von beiden Seiten mit sichtbarem Erfolg betriebenen Politik freundnachbarlicher Zusam- m e n a r b e i t abspielt und seit langer Zeit den ersten ernschaften Streitfall zwischen zwei Staaten darstellt, die auf Grund besonderer vertraglicher Bestimmungen zu enger wirtschaftlicher Zusammenarbeit verpflichtet sind. Gleichwohl reicht der Konflikt in seinen eigentlichen Ursprüngen bis in die Zeit der Abwertung des Danziger Guldens zurück, ja ist von hier aus erst eigentlich in seinem Wesen und in seiner ganzen Tragweite zu erkennen. Es ist seinerzeit wenig beachtet worden, daß die polnische Regierung unmittelbar nach der Abwertung des Danziger Guldens den Wunsch aussprach, mit der Danziger Regierung über Fragen zu ver- handeln, die mit der Abwertung Zusammenhängen. Der Danziger Senat erklärte sich damit einverstanden. Die Verhandlungen wurden von polnischer Seite von dem Sonderbeauftragten, Minister Roman, geführt. So wenig darüber in der breiteren Oeffentlichkeit bekannt wurde, so bedeutsam waren diese in Danzig geführten Verhandlungen für die Beurteilung der grundsätzlichen Einstellung Polens und für die Erklärung der folgenden Ereignisse. Polen stellte nämlich gegenüber den Danziger „Schwierigkeiten" seine „Hilfe“ in Aussicht, die darin bestanden hätte, daß Danzig seine eigeneWährung aufgeben und den Zloty als Zahlungsmittel in Danzig einführen sollte. Selbstverständlich lehnte die Danziger Regierung dieses erstaunliche polnische Angebot a b. Sie vertrat den Standpunkt, daß sie auf dem besten Wege sei, der Schwierigkeiten aus eigener Kraft Herr zu werden und daß grundsätzlich die Aufgabe der eigenen Währung wegen der dadurch bedingten Gefährdung der Danziger Eigen- staatlichkeit abzulehnen sei. Die Verhandlungen führten unter diesen Umständen zu keinem Ergebnis. Es besteht alle Veranlassung, bei dem heutigen Stand der Dinge noch einmal an dieses polnische „Hilfsangebot" zu erinnern, denn die in der Folgezeit von polnischer Seite Danzig gegenüber eingenommene Position legt die Annahme nahe, daß auf andere Weise das erreicht werden soll, was in Form des Hilfsangebotes auf die verständliche Ablehnung Danzigs gestoßen war. Obwohl man auf polnischer Seite die Guldenabwertung ausdrücklich insofern begrüßt hatte, als dadurch der Gulden den gleichen Stand wie der Zloty erhielt, die früher oft bemängelte Ungleichheit der Währungen also beseitigt wurde, setzten starke polnische Widerstände gegen die Maßnahmen ein, die der Danziger Senat aus Gründen der Staatsnotwendigkeit zum Schutze der Währung treffen mußte. Die Devisenbewirtschaftung im Freistaat Danzig wurde so zur Zielscheibe einer heftigen Kritik, die sich in erster Linie des Argumentes bediente, das die Devisenverordnungen in Widerspruch zu den Verträgen und danzig-polnischen Abkommen ständen. Auf der Danziger Seite mußte diese Einstellung Polens in erster Linie zu der Frage führen, warum vorübergehend in Anwendung gebrachte Maßnahmen so negativ beurteilt wurden, die doch gerade der Sicherung der Währung und damit der ungeschmälerten Aufrecht erhal- tung der Danzig im Rahmen des gemeinsamen Wirtschaftsraumes zugewiesenen Funktion dienten. Diese Frage lag um so näher, als der Senat mit Rücksicht auf die polnischen Interessen die Devisen- Verordnungen sow^t gemildert hatte, daß dem Hafenoerkehr auch nach Aussagen polnischer Handelskreise keinerlei ernsthafte Schwierigkeiten bei der Devisenbeschaffung entstanden. Zusammen mit manchen Auslassungen in der polnischen Presse mußte jedenfalls in Danzig der befremdende Eindruck entstehen, daß sich hinter der formalen polnischen Kritik der Unwille darüber verbarg, daß die Freie Stadt aus eigenem und ohne polnische „Hilfe" ihre Währung in Ordnung brachte. Die am 21. Juni vom polnischen Finanzminister erlassene Zollverordnung, nach der die Danziger Zollämter die Verzollung von Einfuhrwaren nur dann vornehmen sollten, wenn sie zum Verbrauch im Gebiet der Freien Stadt bestimmt sind, führte dann zum offenen Konflikt, zugleich aber auch zu der Frage, welche Gründe die polnische Regierung zu einer Maßnahme veranlassen konnten, deren Durchführung die Ausstoßung Danzigs aus dem gemeinsamen Zollgebiet und somit einen Angriff a u f d i e be- stehenden vertraglichen Rechtsgrundlagen bedeuten mußte. In diesem wichtigen Punkt besteht vorläufig noch keine hinreichende Klarheit. Einmal wurde von polnischer Seite erklärt, es handle sich darum, den polnischen Staat vor Der- lüsten zu schützen, die durch die Devisenkontrolle m Danzig entstehen müßten. Daneben lief eine andere Auslegung, die in der Zollverordnung gewisser- maßen eine Repressiomahnahme sehen wollte, als Antwort darauf, daß Danzig sich mit der Einführung der Devisenbewirtschaftung m Widerspruch zu den geltenden Verträgen gesetzt habe. Beide Argumente konnten von Danzig nicht aie stichhaltig angesehen werden. Der polnische Staats« chatz bedurfte insofern keines Schutzes, noch dazu : in dieser Form >eil die Verrechnung der Zoll« ’ einnahmen durch die Verträge absolut gesichert ist. i Im Hinblick auf die Innehaltung der Verträge selbst konnte im übrigen Danzig mit guten Gründen letu- habe anscheinend neuerdings mehr Beachtung gefunden als früher. Eine solche Methode würde die Befriedigung der Ansprüche Italiens auf wirt- chaftliche Ausdehnung ermöglichen und gleichzeitig Abessinien gegen eine einseitige Oberherrschaft schützen. England wünscht Gesamtaussprache. London, 31. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das Interesse der Londoner Morgenblätter gilt haupt- ächlich der heute beginnenden Tagung des Dölker- bundsrates. In amtlichen Kreisen wurde Dienstag erklärt, Frankreich scheine noch immer den italienischen Wunsch einer Einschränkung der Genfer Aussprache zu begünstigen, um Zeit für weitere Vermittlungsversuche zu gewinnen. Es heiße abe», daß die britische Regierung angesichts der großen Ansammlungen italienischer Truppen in Afrika es an der Zeit erachte, daß der Völkerbund das ganze Problem behandle. Gegenwärtig verhindere die Regenzeit den Ausbruch von Feindseligkeiten. Aber da sie im September i h r Ende finde, würde nach britischer Ansicht ein weiterer Aufschub dem Völkerbund keine Zeit zum Eingreifen lassen. Der Reutervertreter in Gens hat den Eindruck, daß dort eine zuversichtliche Stimmung herrsche, einerseits weil Italien die Schwierigkeiten eines übereilten und rücksichtslosen Vorgehens zu erkennen beginne und daher Laval und Eden aus der Reise nach Gens. Paris, 31. Juli. (DNB. Funkspruch.) Ministerpräsident Laval ist in Begleitung des englischen Dölkerbundministers Eden am Dienstagabend nach Genf ab gereift, lieber eine Unterredung, die beide am Nachmittag miteinander hatten, verlautet, daß es sich um eine erste Fühlungnahme gehandelt habe und keine Entscheidungen getroffen worden seien. Immerhin sei der allgemeine Eindruck „nicht ungünstig“. „Petit Parisien" betont, daß die völlige Angleichung der französischen und englischen Ansichten noch nicht erzielt, aber im Gange sei. Das Einvernehmen könne übrigens erst in Gens Zustandekommen, wo, Eden wahrscheinlich des öfteren mit seiner ^Regierung fernmündliche Rücksprache nehmen werde. Nichtsdestoweniger spreche alles dafür, daß die vereinten Bemühungen Lavals und Edens in Genf eine Entspannung herbeiführen würden. — Das „Oue-vre“ will den Eindruck gewonnen haben, daß England feine Haltung nicht merklich g e - ändert habe. England bleibe dabei, daß man das Gesamtproblem anpacken müßte. Wenn Eden die Anweifung erhalten habe, die Fühlung mit der französischen Abordnung nicht zu verlieren, nicht aus der Reihe zu tanzen und sich einer 23er» tagungsformel anzuschließen, so unter der Bedingung, daß eine solche Formel nicht ein oer» f chleiertes Eingeständnis der Ohnmacht des Völkerbundes fei. — Das „Echo de Paris" schreibt, man glaube, daß der Völkerbundsrat sich darauf beschränken sollte, die italie- nisch-abessinische Ausgleichskommission wieder in Gang zu setzen und die grundlätzliche Frage erst nach dem 25. August in Angriff zu nehmen, wenn die Kommission keinen Erfolg haben sollte. In London fei man nicht gegen dieses Verfahren, doch wolle man sicher gehen, daß die so gewonnene Zeit auch für eine aufrichtige Bemühung um ein Korn- promiß verwandt werde. Deshalb müsse man das auch von Italien verlangen, das vielleicht nicht dazu geneigt sei. Wenn Die englische Abordnung diese Versicherung nicht erhalte, werde sie auf der grundsätzlichen Besprechung schon m der jetzigen Ratstagung bestehen. Ihre endgülttge Haltung werde also davon abhängen, welche Einstellung Italiens sie in Genf vorfinde. senden, ohne deshalb die Unternehmung gegen Aethiopien aufgeben zu müssen und gleichzeitig die Engländer vor den Kopf zu stoßen, selbst wenn es jetzt oder später gelingen sollte, aus den Dölker- bundssatzungen eine Rechtfertigung des Krieges in Ostafrika herzuleiten, so bleiben Doch von Diesem ganzen Theater die tatsächlichen Gegensätze unberührt, die machtpolitisch zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten der Liga bestehen und die nun zu einer gewaltsamen Lösung drängen. Das starre System des Völkerbundes, das von seinen Begründern eingesetzt wurde, um den Versailler Status quo für alle Zeiten zu sichern, ist von Natur aus ungeeignet, die dynamischen Kräfte einer Nation anzuerkennen und sie gegebenenfalls in Einklang zu bringen mit der Friedensmission, die der Liga satzungsgemäß obliegt. So bleibt dem Genfer Rat nichts anderes übrig, als entweder Italien zu verurteilen oder sich selbst und feine Ideologie aufzugeben. Alle anderen diplomattschen Manöver, alle Advokatenkniffe und Dertagungsbeschlüsse können den Völkerbund nicht vor dem Zwang zu dieser Entscheidung retten. Im Augenblick, da der Ärie> ' — Erscheint täglich, außer Ä Annahme von Anzeigen Sonntags und Feiertag» äHMmw W für die Mittagsnummer Beilagen: Die Illustrierte . ▲ K. A ▲ A. A. A. A A A A ▲ ▲ jA AA bis S'/,Uhr des Vormittag, /IWwi l&s IvilvIlvL 44lnVlUvl sszBö von einzelnen Nummern Ermäßigte Grundpreise: infolge höherer Gewalt 1 Stellen-, Vereins-, gemein- MM General-Anzeiger für Oberhessen WW» Postscheckkonto: , behördliche Anzeigen 6Rpf. Sranifurt am Main 116ss Drnfi and Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vach- und Steindruckerei v. Lange in Sietzen. Schristleitung und Seschästrftelle: Schulstratze l Mengenabschlüffe Staffel ö Parteien zu befürworten. Beide Ziele sind miteinander völlig unvereinbar. Denn Stalin #fagt: „Der Sieg der Revolution in Rußland ist der Beginn und die Voraussetzung der Weltrevolution“. Dazu hat schon Lenin die näheren Anweisungen gegeben: „Bis wir nicht die ganze Welt erobert haben, und solange wir noch in wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht schwächer bleiben als die kapitalistische Welt, müssen wir die Widersprüche und Antagonis» men zwischen den bürgerlichen Ländern für uns ausnutzen. Wir müssen alles daran wenden, daß die Feinde sich selber bekriegen, denn immer, wenn zwei sich ftreiten, hat der Dritte ben Vorteil. Wir können gegen die gegenseitigen Konstellationen keinen Krieg führen. Wir müssen also um jeden Preis immer kleine Teilkonzessionen machen und damit der Aufspeicherung von Macht- mitteln bei den andern für einen zukünftigen Krieg Vorschub leisten. Wenn wir das erreichen, hat unsere Politik den richtigen Sinn gehabt.“ . . ,, Litwinow wird sich nicht den Vorwurf des Ungehorsams gegen seine Meister Lenin und Stalm machen lassen wollen. Tatsächlich hat er ßd) als überaus gelehriger Schüler der leninisttschen Taktik erwiesen. Die Rolle, die Litwinow m Genf spielt, ist eine solche „Teilkonzession , die dazu dienen soll, die Völker gegeneinander aus- zuhetzen und „einem zukünftigen Krieg Vorschub zu leisten". Die ehrenwerten Diplomaten des Westens, die ihre Kulturnationen in Genf vertreten, wissen das auch ganz genau. Aber sie geben sich dem verhängnisvollen Wahn hin, den Notebund mit dem Völkerbund versöhnen und durch den Ab- chluß von Verträgen mit Sowjetrußland einen Druck auf Deutschland ausüben zu können. Das ist ein gefährliches Spiel, dessen kriegerische Auswirkung nur zuschanden gemacht wird durch die gerade ehrliche unkomplizierte Friedenspolitik Hitlers, der das Reich von allen doppeldeuttgen Ver "Renn'heut'e"de?°Genfer Rat,unter dem Vorsitz Litwinows zusammentritt, um über den Fortgang der Schlich tun asbemuh ungen im oft» afrikanifchen Konflikt zu verhandeln dann lieht die sowjetrusiische Diplomatie auch auf diesem et-th, ihre Früchte reifen. Sie wird alles unter. lassen, was die Gegensätze zwischen den Mitglieds. Säten mildern könnte, denn ,e größere außen- voli siche Mißerfolge die einzelnen Regierungen au - zuweisen haben, desto leichter haben es die Wühl- mäufe der Kommunistischen Internationale. Man wird schon aus diesem Grunde dem Ausaana der Ratstagung keine allzu gunfhge ^Tognoie stellen dürfen. Die Situation, in der sich der Völkerbund angesichts der italienischen Kriegsoorbere, jungen 1 «egen Abessinien befindet, ist denkbar verworren ■ und hoffnungslos. Selbst wenn eine Formel gefunden werden sollte, die es Mussolini gestalte, ■ auch weiterhin seine Vertreter nach Genf zu ent- auf den inzwischen vollzogenen weitgehenden Aobau der vorübergehend in Anwendung ge- brachten Maßnahmen verweisen. So blieb nur die Auslegung, daß die polnische Zolloerordnung eine Antwort auf die gescheiterten Verhandlun- gen über die Währungsvereinheit• lichung darstellen sollte! Abgesehen von dem merkwürdigen Licht, das unter diesen Umständen auf die polnische Maß- nähme fallen muß — der Senat konnte nicht anders handeln, als er es getan hat. Die Zurückweisung der polnischen Anordnung war nicht nur aus der pflichtgemäßen Sorge um die Wah - rung der Lebensgrundlagen des Dan- ziger States, seiner Wirtschaft und seines Handels geboten, sondern auch deswegen, weil die polnische Verordnung im Widerspruch zu den bestehenden Rechtsgrundlagen und der völkerrechtlichen Stellung Danzigs steht. Es heißt die Situation völlig verkennen, wenn ein polnisches Blatt sich dahin äußert, daß Danzig sich „durch loyales Verhalten gegenüber Polen einen entsprechenden Anteil am polnischen Seehandel sichern kann". Abgesehen davon, daß man Danzig in keiner Weise etwa den Vorwurf mangelnder Loyalität machen kann — die Sicherung „eines entsprechenden Anteils am polnischen Seehandel" ist objektiv und bindend i p den Verträgen gegeben. Die Abtrenn/.ng wurde in Versailles ja gerade deshalb als notwendig erachtet, um Polen Zugang zum Meer zu geben, und sowohl der Versailler Vertrag als die Pariser Konvention weisen Danzig ausdrücklich die Funktion zu, das polnische Hinterland zu bedienen, mit der Maßgabe, daß der polnische Warenverkehr „keinerlei Einschränkung" erfährt. Es darf nicht übersehen werden, daß es sich hier keineswegs nur um eme einseitige Verpflichtung Danzigs, sondern ebenso auch um eine Verpflichtung Polens handelt. Die Versailler Bestimmungen haben nicht nur die Eigenstaatlichkeit Danzigs begründet, sondern — und das wird oft vergessen — sie legten in wirtschaftlicher Hinsicht die Z w e i- seitigkeit der Beziehungen Polens zu Danzig, den zwischenstaatlichen Charakter der danzig-polnischen Beziehungen fest, indem sie eine vertragliche Einigung zwischen Danzig und Polen über die Begründung enger wirtschaftlicher Beziehungen vorsahen. So spricht Artikel 104 des Versailler Vertrages, der Richtlinien für das Verhältnis zwischen Danzig und Polen gibt, ausdrücklich von einem „Abkommen zwischen der polnischen Regierung und der Freien Stadt". Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Danzig und Polen sind also in einer Form geregelt, deren Bindungen beiderseitig gelten. Die Danziger Regierung bewegt sich folgerichtig auf dem Boden der geltenden Rechtsgrundlagen, wenn sie die Durchführung einer Anordnung ablehnt, die, nach dem seinerzeitigen Ausbau Gdingens zum Konkurrenzhafen und damit vollzogenen Untergrabung eines Kernpunktes der Pariser Konvention, die vertraglich gewährleistete Funktion Danzigs vollends illusorisch machen müßte. Insofern ist die Position des Danziger Senats absolut klar und gerechtfertigt; sie stellt nichts anderes dar als die Berufung auf den materiellen An- s p r u ch, der Danzig für seine Abtrennung vom Reich eingehändigt worden ist. Run ist in den letzten Tagen von der polnischen Presse ein neues Argument ins Feld geführt worden. Das Regierungsblatt, die „Gazeta Polfka" faßte es dahin zusammen, die Zollverordnung sei notwendig gewesen, „da der Danziger Senat d i e Festigkeit der Danziger Valuta nicht sichern könnte". In die gleiche Richtung wies ein offiziöser Kommentar zu der polnischen Antwortnote, in dem es hieß, „die Zolleinnahmen wären abhängig von der Fluktuierung einer anderen Aus- landvaluta", eine Formulierung, über deren Sinn fein Zweifel mehr besteht, wenn man folgende Aus- führungen der „Gazeta Handlowa" dazu hält: „Auf einem Zollwirtschaftsgebiet, wie es Polen und Danzig ist, ist die Grundbedingung des wirtschaftlichen Gleichgewichts eine vollkommen einheitliche Valuta ober zumindest eine vollkommen unantastbare Währungsrelation mit der Garantie, daß ihr Verhältnis keinen Schwan- kung-rn unterliegt. Polen hat bisher keine Kontrolle über die Finanzen Danzigs." Dazu ist zu sagen, daß hier nur nach einem neuen Vorwand gesucht wird, um das Ziel der Währungsvereinheitlichung zu erreichen. Es ist aber eben nur ein Vorwand, denn nichts spricht gegen die Festigkeit des Danziger Guldens. Bleibt die Frage übrig, ob es Polens Wunsch oder gar sein Interesse fein kann, eine Position aufrechtzuerhalten, deren Auswirkungen sich unmittelbar gegen das beide Teile in gleicher Weise verpflichtende Rechtsgebäude richten müssen, das die danzig - polnischen Beziehungen regelt. Die Alternative: entweder stimmt Danzig dem geforderten Verzicht auf ein wichtiges Hoheitsrecht zu ober es setzt sich schwersten, seine Existenz gefährdenden Folgen aus, ist rechtlich unhaltbar und kann nur Erinnerungen an Z-iten heraufbeschwö- ren, die man eigentlich überwunden glaubte. Es wäre tief bedauerlich, wenn die neue danzig-polnische Politik von polnischer Seite etwa dahin auf- gefaßt würde, daß sie schwere Fragen gewissermaßen zeitlich vertaat hätte und eine Art Pause bedeutete, die es den Partnern ermöglichen könnte, sich auf einen späteren Austrag zu günstigerer Zeit vorzubereiten. Danzig weiß sich von solchen Gedankengängen frei. Es weiß aber aus seinen Erfahrungen und aus seiner besonderen Lage heraus auch um seine Pflicht, über die Wahrung seiner Eigenstaatlichkeit zu wachen, getreu dem mahnenden Spruch, den weise Vorfahren in dem hochragenden Rathaus anbrachten: „Die goldene Freiheit ist für kein Geld verkäuflich". Das neue Kabinett Colijn. Den Haag, 30. Juli. (DRB.) Amtlich wird bekanntgegeben, daß Ministerpräsident Dr. Colijn den ihm von der Königin erteilten Auftrag zur Bildung einer außerparlamentarischen Regierung auf möglichst breiter Basis angenommen hat. Ein neues Ministerium für Landwirtschaft und Fischerei wird von dem bisherigen Minister für Landesverteidigung Dr. Deckers (Katholische Partei) übernommen. Ein Ministerium für Handel und Industrie übernimmt der bisherige Wirtschaftsminister Professor Dr. Gelissen (Katholische Partei). Das Ministerium für Landesver- teidigung übernimmt Ministerpräsident Dr. Colijn (Antirevolutionär Partei) selbst. Ferner wird das bisherige Mitglied der Ersten Kammer Dr. S l i n - g e n b e r g (Demokratische Partei) das Ministerium der sozialen Angelegenheiten übernehmen. Professor Slotemaker be Bruine (Christlich-Historische Partei) wirb an die Spitze des Unterrichtsministe- riums treten. Die übrigen Mitglieder des bisherigen Kabinetts Colijn werden auf ihren Posten Oie Kührerlaufbahn im Arbeitsdienst. Berlin, 30. Juli (DRB.) Die Reichs- leitung des Arbeitsdienstes teilt mit: Das Reichsarbeitsdienstgesetz vom 26. Juni 1935 wird am 1. Oktober 1935 durch die zu diesem Zeitpunkt erfolgende erstmalige Pflicht- erfasfung der Arbeitsdienstpflichtigen des Jahrgangs 1915 in Kraft treten. Durch die Erste Ver- ordnung zur Durchführung und Ergänzung des Reichsarbeitsdienstgesetzes vom 27. Juli 1935 § 6 treten die Be st immun gen über Pflichten und Rechte der Angehörigen des Arbeitsdienstes (Abschnitt IV des RAD.-Gesetzes) ebenfalls zum 1. Oktober in Wirkung. Der Reichsarbeitsdienst ist eine neue staatliche Einrichtung, die sich von den bisher bestehenden staatlichen Einrichtungen in Wesen und Formen grundsätzlich unterscheidet. Daher nehmen a u ch d i e planmäßigen Führer und Amtswalter des Reichsarbeitsdienstes eine besondere Stellung unter den Staatsdienern ein. Sie sind hinsichtlich ihrer Pflichten und Rechte weder den Berufssoldaten der Wehrmacht noch den Beamten und Angestellten der zivilen Behörden zuzurechnen, lieber B e • jolöung und Versorgung der planmäßigen Führer und Amtswalter im Reichsarbeitsdienst bestimmt das Reichsarbeitsdienstgesetz vom 26. Juni u. a.: „Die planmäßigen Führer und Amtswalter sind im Reichsarbeitsdienst berufsmäßig tätig." (§ 11 Ziffer 1.) Die genaue Regelung der Bejolduna und Versorgung ist demnach der in der nächsten Zeit zu erwartenden Besoldunas- ordnuna und dem Versorgungsgesetz noch vorbehalten. Sie wird voraussichtlich der Besoldung und Versorgung der Berufssoldaten der Wehrmacht ähneln. Die Ansprüche, die an den Führer im Arbeitsdienst gestellt werden müssen, sind hoch und vielseitig. Der Platz, den ein Führer im Reichsarbeits- dienst erreicht, wird allein durch seine Fähigkeit bestimmt, die mit feinem Aufstieg ständig wachsenden Aufgaben zu meistern. Der bisherige Freiwillige Arbeitsdienst hat in der Erziehung seines Führerkorps bereits weitgehende Vorarbeit geleistet. Der Führerersatz vollzieht sich seit geraumer Zeit ausschließlich von unten aus den eigenen Reihen. So können auch in Zukunft keine älteren Persönlichkeiten, die von außen kommen, in Führerstellen des Arbeitsdienstes einrücken. Vorbedingungen für die Annahme als Führeranwärter sind: 1. vollendetes 17 Lebensjahr (Einwilligung der Eltern oder des Vormundes); 2. arische Abstammung; 3. Unbescholtenheitszeugnis (polizeiliches Führungszeugnis und Strafregisterauszug); 4. Verpflichtung zu mindestens zweijähriger Dienstzeit im Arbeitsdienst (Probedienstzeit)., Moskau, 31. Juli. (DRB.) Der 7. Weltkongreß der Komintern setzte die Aussprache über den Bericht des Vollzugsausschusses fort. Es kamen wiederum eine Reihe von Leitern der ausländischen Sektionen der Komintern — „Feldherren der Weltre volution" wie sie die „Prawda" nennt — zu Wort. In den Mittelpunkt der Aussprache rückt immer mehr die von der Zentralleitung ausgegebene Losung: „Einheitsfront der kämpfenden Proletarier", die so auszufassen ist, wie sie von einem der Redner erläutert wurde: „Die kommunistischen Sektionen sind in den einzelnen Ländern bereit, sich ihre Verbündeten überall zu suchen, um den Kampf gegen den Faschismus auf möglichst breiter Grundlage zu führen und die Idee der Weltrevolution weiterzutreiben." Ein Vertreter der Kommunistischen Partei in Syrien sprach von der Nutzbarmachung der nationalen Bestrebungen in den Kolonialländern für Zwecke der Weltrevolution. Die „unterjochten" Kolonialvölker mühten die Herrschaft der „imperialistischen Bedrücker" ab» schütteln. (Sin bulgarischer Kommunist führte bittere Klage über die Verfolgung seiner Partei in Bulgarien. Immerhin seien auch in feiner Heimat trotz aller Regierungsmaßnahmen bereits die ersten Schritte zur Schaffung einer Einheitsfront unter kommunistischer Führung getan worden. Die bulgarische Kommunistische Partei sei ideell und zahlenmäßig gewachsen. Sie betrachte es als ihre erste Aufgabe, dem französischen Vorbilde der großen Einheitsfront nachzuei fern. bleiben. Aus der Zusammenstellung des neuen Kabinetts geht hervor, daß die Katholische Partei auch weiterhin Dr. Colijn unterstützen wird. Uniform« undVersammlungs- verboi für den ÄSOFB. (Stahlhelm) in Sachsen. Dresden, 30. Juli. (DNB.) Der sächsische Mini st er des Innern erläßt eine Verordnung, wonach auf Grund des § 1 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 für das Gebiet des Landes Sachsen das Tragen von Abzeichen oder von einheitlicher Kleidung jeder Art, die die Zugehörigkeit zum NSDFB. (Stahlhelm) kennzeichnet, ferner das Abhalten oon irgendwelchen Versammlungen einschließlich geschlossener Mitgliederversammlungen und sogenannter Pflichtappelle sowie oon anderen Veranstaltungen (Konzerte usw.) im Freien oder in geschlossenen Räumen durch den NSDFB. (Stahl- gehn) verboten werden. Den verantwortlichen sächsischen Stellen sind seit Monaten Mitteilungen über Verhalten und Äußerungen von Stahlhelmmitgliedern zugegangen, die darauf schließen ließen, daß die Betreffenden nicht die rückhaltlose positive Einstellung zum nationalsozialistischen Staat gefunden haben, die die Bundesführung des Stahlhelm selbst oon ihren Mitgliedern verlangt. Der Stahlhelm hat sich außerstande gezeigt, die nach dem Siege des Nationalsozialismus scharenweise in seine Rechen gekommenen alten Gegner der natto- nalsozialistischen Weltanschauung zu verantwortungsbewußten und den neuen Staat vorbehaltlos bejahenden Volksgenossen zu erziehen. Es kann heute als erwiesen angesehen werden, daß eine von alten unverbesserlichen Staatssemden Es muß ausdrücklich betont werden, daß die Ergreifung der Führerlaufbahn im Arbeitsdienst keinerlei finanzielle Zuschüsse der Eltern usw. erfordert. Auch der ärmste Volksgenosse kann, sofern er den obigen Bedingungen entspricht, Führer im Arbeitsdienst werden. Sein Aufstieg wird ausschließlich abhängen von seinem Persönlichkeitswert und seinen Leistungen. Die Meldung als Führeranwärter kann jederzeit bet der für den Wohnbezirk des Betreffenden zuständigen Arbeitsgauleitung erfolgen. Die Anschrift der Arbeitsgauleitung ist bei jedem Meldeamt für den Arbeitsdienst zu erfahren. Der Führeranwärter hat zunächst sechs Monate als Arbeitsmann in einer Abteilung Außendienst zu leisten. Die Laufbahn des unteren Dienstes endet in der Regel mit der Erreichung des Dienstgrades als Obertruppführer (Reichsarbeitsdienstassistent), bei besonderer Bewährung als Unterfeldmeister. Der mittlere Dienst hat als letzte Stufe den Oberfeldmeister (Reichsarbeitsdienst-Amtmann), während der höhere Dienst vom Arbeitsführer (Reichsarbeits- dienst-Rat) aufwärts rechnet. Es ist jedoch dafür gesorgt, daß getreu den nationalsozialistischen Grundsätzen des Arbeitsdienstes jeder Führer nach Maßgabe feiner Fähigkeiten aufsteigen kann. Führeranwärter, die das Reifezeugnis einer höheren Schule besitzen, können damit rechnen, nach anderthalb- bis zweijähriger Dienstzeit im Arbeitsdienst und einroanbfreier Ableistung ihrer aktiven Militärdienstpflicht zum Feldmeister befördert zu werden. Planmäßige Truppführer, die nicht im Besitze des Reifezeugnisses einer höheren Schule sind, sich aber nach geistiger Begabung und sonstigem Persönlichkeitswert für den Aufstieg in den mittleren Dienst eignen, können von der Reichsleitung des Reichsarbeitsdienstes zu einer vorn Reichsinnenrninfter im Einvernehmen mit dem Volksbildungsminister festu- setzenden besonderen Prüfung zugelassen und nach Erfolg'zu einem Lehrgang a u f der Feldmeisterschule einberufen werden, wodurch ihnen der Zutritt zur mittleren und höheren Laufbahn eröffnet ist. Das Reichsarbeitsdienstgesetz unterscheidet zwischen den planmäßigen Führern, die für den Außen- und Innendienst verwendbar sein müssen, und den Amtswaltern, die ausschließlich für den Bürodienst bestimmt sind. Die Amtswalter sind im übrigen in ihren Rechten und Pflichten grundsätzlich den planmäßigen Führern g l e i ch g e st e l l t. Sie tragen daher auch d i e gleiche Tracht, jedoch mit besonderen Abzeichen. Ein Kommunist aus Cuba behauptete, der Einfluß seiner Partei auf die werktätigen Massen Cubas sei in ständigem Zunehmen begriffen. Der Unruheherd Cuba biete gute Möglichkeiten für eine Betätigung der Kommunisten. Nach ihm rühmte sich ein Vertreter der Kommunisten Griechenlands des ständigen Wachsens des Einflusses feiner Partei. Auch er versprach, in seinen weiteren Handlungen des französischen Beispiels eingedenk zu sein. Wenn in Griechenland die verhaßten Faschisten noch nicht zur Macht gelangt seien, so sei das einzig und allein der Tätigkeit der griechischen Sektion der Komintern zuzuschrei- ben. Ein australischer Genosse bezeichnete es als die Hauptaufgabe feiner Partei, den Massen einzuhämmern, daß die Sowjetunion bedroht (?!) sei, und sie zu ihrem Schutz aufzurufen. Ein Kommunistepführer aus Finnland und ein lettischer Genosse hoben hervor, daß ihre Lage in den kleinen, der Sowjetunion benachbarten Ländern, besonders schwierig sei. Jedoch wirkten sie überall unter der Oberfläche und seien bereit, feste Stützpunkte der Weltrevolütion unmittelbar an der Sowjetgrenze zu schaffen. Schließlich verbreitete sich ein Vertreter der polnischen Kommunistischen Partei allgemein über die Probleme des Kampfes der kommunistischen Sektionen für die Ideen der Weltrevolütion in solchen Ländern, die „unter einer faschi - stischen Diktatur stöhnten". Seine Ausführungen wurden besonders eifrig beklatscht. im sächsischen Stahlhelm Unterschlupf gesucht hat, um eine getarnte Wühlarbeit gegen das Dritte Reich zu beginnen. Auch wurden während der allgemeinen Mitgliedersperre immer noch neue Mitglieder aufgenommen. Dies führte bis in die jüngste Zeit zu einer Reihe von unliebsamen Vorkommnissen. Erwähnenswert ist u. a., daß sich in einer westsächsischen Industriestadt in kürzester Zeit 19 Fälle ereignet haben, wo Stahlhelmer wegen staatsfeindlicher Aeußerungen oder Betätigung zur Rechenschaft gezogen werden mußten. Ein Gutsbesitzer, der Mitglied des Stahlhelms ist, hatte drei Nattonalsoziahsten auf einmal gekündigt, wodurch sich sechs andere' zum Austritt aus der Partei verleiten ließen, weil sie sonst den Verlust ihrer Arbeitsstellen befürchten mußten. Aeußerungen von Stahlhelmern deuten darauf hin, daß solche Gesinnung oon Stahlhelmunternehmern in Sachsen nicht vereinzelt dasteht. Die Tatsache, daß Stahlhelmer wiederholt als Quelle von unruhestiftenden Gerüchten festgestellt worden sind, ließ die Ueberzeugung Raum gewinnen, daß in dieser Organisation Elemente die Ober- Hand gewonnen haben müssen, die, vom Nationalsozialismus in ihre Schlupfwinkel getrieben, sich unter der Maske eines nationalen Verbandes wieder an ihre zerfetzende Arbeit machten. U. a. ist es zu Fällen gekommen, in denen das feit dem 1. Juni bestehende öffentliche Aufmarschverbot demonstrativ übertreten wurde. Die Führung selbst mußte sich der allgemeinen Stimmung bewußt sein, sonst wäre es nicht zu erklären, daß sie in den letzten Tagen in auffälliger Hast d i e Mitgliedsgelder in Sicherheit gebracht hat. Oie Haussuchungen beim mecklenburgischen Stahlhelm. Schwerin (Mecklenburg), 30. Juli. (DNB.) Anläßlich der Haussuchungen bei Stahlhelmern in Mecklenburg hat der L a n d e s f ü h r e r folgende Erklärung abgegeben: Bei einer von der Geheimen Staatspolizei angeordneten Haussuchung bei Stahlhelmern nach Abgabepflichtigen Waffen sind eine große Anzahl von Gewehren, Karabinern und Pistolen sowie scharfe Munition gefunden worden. Diejenigen Stahlhelmmänner, bei denen diese Funde gemacht worden sind, haben nicht nur gegen die Gesetze, sondern auch gegen die ausdrücklichen Befehle des Landesführers verstoßen. Zu wiederholten Malen sind oon meinem Vorgänger und dann später von mir Befehle zur restlosen Abgabe aller Waffen gegeben und Meldung hierüber gefordert worden. Diese Meldungen sind lückenlos bei mir eingegangen und befinden sich bei den Akten. Ich habe daher mit Recht dem Herrn Reichsstatthalter bei unserer Unterredung am 17. Juli 1935 in Gegenwart des Herrn Reichsbeauftragten Seidel auf Ehrenwort versichern können, daß mir ein Vorhandensein von Waffen usw. beim Stahlhelm nicht bekannt sei. Wenn jetzt doch Waffen in größerer Anzahl bei Stahlhelmern vorgefunden sind, so haben diese Stahlhelmer nicht nur gegen die Gesetze des Staates und die Befehle ihres Landesführers auf das Schwerste verstoßen, sondern sie haben auch die Ehre ihres Landesführers in den Schmutz gezogen. gez. von Both, Landesführer. Öen toten GA.-Männern von Meinsdorf. Die Standarte 116 der SA. übergibt uns folgenden Nachruf des Stabschefs zur Veröffentlichung: „Nunmehr sind die in treuer Pflichterfüllung a n ihrer Arbeitsstätte in Reinsdorf so j ä h aus dem Leben gerissenen neun SA. -Männer einwandfrei festgestellt. Es sind dies: Rottenführer Wilh. Voigt, Reitersturm 2/37, SA.-Mann Anton Siebold, St. 5/R. 72, SA.-Mann Otto Bellrich, St. 4/R. 72, Rottenführer Otto Panier, St. 2/20, . SA.-Mann Felix Zöllner, St. 9/20, Ober-Scharführer Hermann Greiner-Perth Sturm 8/20, Truppführer Willi Müller-Sachs St. 8/20, SA.-Mann Max Neumann, St. 15/20, SA.-Mann Paul Torger, SZ. III/20. Auch sie starben, damit Deutschland lebe. Im Sturmbann Horst Wessel werden auch sie weiterhin im Kampf um Deutschland mit uns marschieren. Gez. Lutze." KeineBrrleihung derEhrenzeichen mehr Berlin, 31. Juli. (DNB.) Der R e i ch s s ch a tz- meiste r gibt im „Völkischen Beobachter" bekannt: Aus gegebener Veranlassung verweise ich auf meine Bekanntgabe vom 8. März 1935, erschienen im Verordnungsblatt, Folge 92, Mitte März 1935, wonach d i e Frist zur Einreichung von Anträgen auf Verleihung des Ehrenzeichens der alten Mitglieder der NSDAP, am 1. Mai 1935 abgelaufen ist. Die nach Ablauf der Frist eingehenden Gesuche können nicht mehr behandelt werden. Es wird daher ersucht, von der weiteren Vorlage solcher Anträge Abstand zu nehmen, weil dadurch der Reichsleitung nur zwecklose und unfruchtbare Mehrarbeit entsteht. Nach wie vor Mitgliedersperre der NSDAP. Berlin, 31. Juli. (DNB.)' Der „Völkisch, Beobachter" veröffentlicht folgende Bekanntgabe des Reichsschatzmeisters Schwarz: Es besteht Veranlassung, auf meine Verfügungen bett, die Sperre der Aufnahme in die NSDAP, hinzuweisen und zu betonen, daß die Mitgliedersperre gemäß meiner Verfügung vom 19. April 1933 und den hierzu ergangenen ergänzenden Verfügungen vom 29. Juni 1933, 28. September 1933, 13. März 1934, 2. Ok- tober 1934 und 14. Mai 1935 nach w i e vor zu Recht besteht. Gesuche um Aufnahme ober Wiederaufnahme als Mitglied in die NSDAV. sind deshalb zwecklos. Falls in der Folgezeit Lockerungen der Mitgliedersperre für einzelne Gaugebiete verfügt werden, ergeht jeweils eine gesonderte Weisung der Reichsleitung an die betreffenden Gauleitungen. Lügen haben kurze Beine. Berlin, 30. Juli. (DNB.) Eine englische Nachrichtenagentur verbreitet heute abend die Meldung, daß ein deutsches Bombenflugzeug mit einer Tragfähigkeit von 50 Bomben, mit einem 700-?8°Motor und mit zwei Geschütztürmen von einem rumänischen Jagdgeschwader bei der Ueberfliegung rumänischen Gebietes zum Landen gezwungen worden sei. Die Maschine sei auf einem Abliefe- rungs flug an ben Kaiser von Abessinien. Man habe ihr ben Weiterflug nach Istanbul gestattet. Wie uns vorn Reichsluftfahrtmini st e- rium hierzu auf Anfrage mitgeteilt wirb, hat Deutschlanb überhaupt keine berarti- gen Flugzeugtypen. Es ist auch kein Flugzeug nach Abessinien unterwegs, wie überhaupt keine Kriegsmateriallieferungen dorthin stattfinden ober statt- gefunden haben. Bei dieser Alarmnachricht handelt es sich ganz offensichtlich um einen gemeinen Versuch der politischen Brunnenvergiftung mit einer Meldung, die allerdings so plump aufgezogen ist, daß sie oon vornherein als eine der üblichen Lügennachrichten für jedermann erkennbar ist. Unwahre Gerüchte über deutsche Künstler. Berlin, 30. Juli (DNB.) Gegen anerkannt« deutsche Bühnen- und Filmkünstler wie Emil Iannings, Otto Gebühr, Angela Salok- k e r und andere wird im Ausland mit der Behauptung Stimmung gemacht, daß sie nichtarischer Abstammung seien oder ein Spielverbot gegen sie bestehe. Diese Behauptungen sind frei erfunden und werden lediglich zu dem Zwecke ausgestreut, um die betreffenden Künstler zu schä- digen. Jeder, der sich dazu hergibt, solche unwahren Gerüchte zu verbreiten, macht sich strafbar. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, ür Feuilleton i.D.: Dr. F. W. Lange, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 35: 10 150. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K -G., sämtlich in Gießen. Monatsdezugsprets RM 2,05 einschließlich 25 Df. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig» Frankreichs Linksfront ais Vorbild. Oie^FeldherrnderWettrevolution-'berateninMoskauplänefürneueWühlarbeit ern sie L ’n den I hrer. folgen. ’n« an V l° .neun » sind m 2/37, I U2, 72. Perth st 8/20, i/20,. 0. de. 3m eiterhm ieren. >tze.' imehr t V. 'S. T tim i *> I rben. | H k ?e8tn ui. ' !uh. 'sind n mir EUen n um "mit Mn. bei Li "en. m °rhan. n osierer r < *b- so - <8t. iondes. - schätz' rekannt: if meine ! im 3er. wonach 1 nfrä« V chen, | P. am I mf bet ! mehr s cht, von lanb zu r zvelt- re Mische ' abe bes ranfaf« : r e bet i^en unb I meiner itrzu er< 29. Juni l, 2. Stoor zu her Wie- sind des« kerungen iete Der« Weisung eihmgen. jlild). te abeno mben* 50 Bom« l®ei @e* jgeschwa« Nischen en wot« bliesf I b e f f t • ig nach inistf irb, hat rrartl« ch kein rwegs, terial« ter fto«; ,t fjanbeit meinen enoer* : rbinfls o lerein als ebermann nerkanntk Die N Salok' • Aehaup' [Derb” inb ti . zu W unW r__ Ä 5heok”t 6 inbrv‘f,ft Kunst und Wissenschaft. „Jaust I. Teil" in den Römerberg-Festspielen. Dm Beisein von Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger und vielen anderen führenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wurde auf der Römerberg-Fretlichtbühne zum ersten Male Goethes „Faust I. Teil" aufgeführt. Ein nachhaltiger Erfolg ist in erster Linie dem hervorragenden Spiel Hanni Hoeßlichs zu danken, die als Gretchen eine Leistung von seltener Wirkung bot. Einfach und schlicht als liebendes Mädchen, groß und zwingend in der erschütternden Schlußszene. Neben Hanni Hoeßlich waren Hans Jungbauer als Faust und Robert Taube als Mephisto die Träger des Gesamterfolges. Es wird immer ein Problem bleiben, den „Faust" auf einer Freilichtbühne aufzuführen. Manche Szenen und Bilder, wie Fausts Studierzimmer, Auerbachs Keller, die Hexen- küche und Gretchens Kammer find eben so innig mit der räumlichen Gebundenheit und der „Technik" einer Bühne zusammengeschweißt, daß selbst eine noch so geschickte Verwendung von Licht und Schatten auf der Freilichtbühne den Eindruck einer szenischen Unvollkommenheit nicht ganz verwischen kann. Generalintendant Hans Meißner verstand es, die Bilder, die durch die Gestaltungsmöglichkeiten auf der Freilichtbühne gewinnen konnten, so herauszustreichen, daß man sich mit der Aufführung einverstanden erklären kann. Besonders der „Prolog im Himmel", dem das Freie, Ungebundene der Szene in Verbindung mit der phantastischen, in den Himmel fließenden Silhouette des Römers nur zustatten kam, hinterließ einen unvergeßlichen Eindruck. Kleine politische Nachrichten. Wie die NSZ.-Rheinfront berichtet, kam es am Montagabend in Haßloch zu spontanen Kundgebungen der Bevölkerung gegen den Verleger des „Haßlocher Tageblatts, Emil Adolph, der sich in der schwersten Zeit der Pfalz in schamloser Weise an Volk und Vaterland verging. Der Betrieb wurde polizeilich geschlossen und das Weitererscheinen des Blattes verboten. Adolph wurde in Schutzhaft genommen. * Die „Augsburger P o stz e i tu n g", die mit Ablauf dieses Jahres auf ein 250jähriges Bestehen zurückblicken kann, also zuden ältesten Blättern Europas gehört, wird vom 1. August an nur wöchentlich einmal erscheinen, um ihre publizistische Arbeit auf einer breiten kulturpolitischen Grundlage aufzubauen. ♦ Der Bundesführer der British Legion, Major Fetherstone-Godley, wurde vom Prinzen von Wales in Audienz empfangen. Major Fetherstone-Godley erstattete dem Thronfolger Bericht über den Besuch in Deutschland. Gleichzeitig wurde der stellvertretende Bundesführer, Oberst Ashwanden, empfangen, der den englischen Frontkämpferbesuch in Oe st erreich und Ungarn geführt hatte. ♦ Nach einer Mitteilung der französischen Regierung werden ab 1. August auf die Einfuhr deutscher Waren die Zollsätze des M i» nimaltarifes angewandt werden. Dementsprechend ist angeordnet worden, daß auf die Einfuhr französischer Waren die bestehenden deutschen Vertragszollsätze Anwendung finden. • Cm neuer französischer Kreuzer wird am Mittwoch in Lorient vom Stapel laufen. Er wird auf den Namen Jean de Vienne getauft, des Admirals, der im hundertjährigen Krieg mit England die französische Kriegsflotte aufbaute. ♦ In mehreren Pariser Versammlungslokalen hielten die gewerkschaftlich organisierten Beamten und Staatsangestellten stark besuchte Prote st Versammlungen gegen die Sparverordnungen der Regierung ab. Die Deflationspolitik der Regierung wurde von sozialisttschen und kommunistischen Rednern scharf gegeißelt. ♦ Kommuni st en, die in der französischen Stadt Bellac vor dem Hause des Bürgermeisters demonstrierten, verbrannten die Tri- k o l o r e , die über dem Freiheitsbaum auf dem Marktplatz des Ortes wehte. ♦ Am Dienstag ist eine Abordnung französischer Frontkämpfer in Moskau einge- ttoffen. Unter ihnen befinden sich vier Kammerabgeordnete. Sie wurden auf dem Bahnhof von Vertretern der Sowjetbehörden und von dem französischen Botschafter Alphand empfangen. • Der japanische Kriegsminister hat die Besttafung von Offizieren, die ttotz des Verbotes neue Flugschriften verbreitet hatten, in denen Kritik an den Personalveränderungen in der Armee geübt wird, beschlossen. Aus aller Wett. Spinale Kinderlähmung in der Gegend von Mannheim. Amtlich wird mitgeteilt, daß im Amtsbezirk Mannheim bis auf weiteres jede größere Ansammlung von Jugendlichen wegen eines in Brühl festgestellten Falles von spinaler Kinderlähmung verboten ist. Das Verbot gilt insbesondere für Zusammenkünfte von HI. und BdM. Auch in Weinheim wurden alle Veranstaltungen, bei denen eine größere Anzahl Kinder beteiligt sind, wegen verschiedentlich aufgetretener Fälle von spinaler Kinderlähmung bis auf weiteres untersagt. Diese Maßnahmen sind jedoch nur rein vorbeugender Natur. Zwei Berliner Bergsteiger in Südtirol tödlich abgestürzt. Der 24jährige Herbert Reichert und der 22jäh- rige Heinz Raßfelt, beide aus Berlin, sind beim Klettern im Sella-Massiv in Südtirol tödlich abgestürzt. Heber die Einzelheiten des Unglücks ist bisher nichts bekannt. Beide Bergsteiger wurden in später Nachtstunde auf einer Geröllhalde tot aufgefunden. Schwere Vergsteigerunglücke in den österreichischen Alpen. In Vorarlberg hat sich ein schweres Bergunglück ereignet Drei Kletterer stürzten vom Roten Turm der Zimba, genannt das Vorarlberger Matterhorn, ab. Der eine der Bergsteiger war auf der Stelle tot, die beiden anderen erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Auch aus dem Stadelwand-Grat am Schneeberg bei Dänemarks Bauern vor ihrem König. Die Bauernversammlung vor dem Schloß „21malienborg" in Kopenhagen. — (Scherl-M.) Wien stürzte ein Wiener von einer 150 Meter hohen Wand tödlich ab. Folgenschwerer Zusammenstoß. In Köln ereignete sich in der Luxemburger Straße ein schwerer Verkehrsunfall. Ein Motorrad mit Beiwagen fuhr in voller Fahrt gegen ein entgegenkommendes Pferdefuhrwerk. Der Fahrer des Motorrades sowie zwei Frauen, die aus dem Soziussitz bzw. im Beiwagen saßen, wurden vom Rade geschleudert. Der Fahrer ist inzwischen seinen Verletzungen erlegen. Der Zustand der Ehefrau des Getöteten ist hoffnungslos. Nach polizeilichen Feststellungen trägt an dem Unglücksfall der Motorradfahrer die Schuld, der plötzlich auf die linke Straßenseite zusteuerte. Verheerendes Großfeuer in einer türkischen Stabt Die 8000 Einwohner zählende Stadt Biga auf der asiattschen Seite des Marmarameeres wurde von einem Großfeuer heimgesucht. Ein Drittel der Stadt wurde vollständig zerstör! Die Löscharbeiten gestalteten sich äußerst schwierig. Die Anzahl der Toten und Verwundeten ist bisher noch nicht bekannt. Auch die Ursache des Feuers ist noch ungeklärt. Großfeuer in einem Lausitzer Dorf. Das Dorf Petershain bei Senftenberg wurde von einem Großfeuer heimgesucht. Der Brand kam in der großen Gutsscheune durch Selbstentzündung feuchten Klees aus. Durch Funkenflug wurde auch die benachbarte Dorfkirche vom Feuer erfaßt und brannte nieder. Es gelang lediglich, in der Kirche liegende wertvolle Dokumente zu retten. Die Gutsscheune ist mit allen Vorräten vernichtet worden, desgleichen eine am Ausgang des Dorfes liegende Scheune, auf die das Feuer bei dem heftigen Sturm gleichfalls Übergriff. Vermißte Touristin Im Sarwendel tot aufgefunden. Die seit dem 13. Juli 1935 vermißte Lehrerin Elisabeth Blohm aus Rostock wurde von zwei Touristen im Alten Karwendelsteig tot aufge« f unb en. Sie war aus 80 Meter Höhe ab ge» stürzt. Die Leiche wurde geborgen und zu Tal ge« bracht Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt Die baltische Tiefdruckstörung klärt sich weiter auf; An ihrer Rückseite strömen noch immer kühlere, polarmaritime Luftmassen über unser Gebiet hin und rufen stellenweise auch noch geringfügige Niederschläge hervor. Gleichzeitig breitet sich das englische Hochdruckgebiet, das bereits über Frankreich und England meist wolkenloses Wetter bedingt, nach Osten aus, so daß mit einer Auflockerung der Bewölkung und einem wieder mehr heiteren Gepräge der Witterung gerechnet werden kann. Aussichten füt Donnerstag: Wolkig, später aufheiternd, bei schwachen nördlichen Winden meist trocken, aber noch kühl. Aussichten für Freitag: Allgemeine Besserung der Wetterlage und wieder wärmer. Lufttemperaturen am 30. Juli: mittags 15,3 Grad Celsius, abends 13,3 Grad; am 31. JÄi: morgens- 12,6 Grad. Maximum 17,7 Grad, Minimum 11,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 30. Juli: abends 18,8 Grad; am 31. Juli: morgens 16,7 Grad. — Niederschläge 0,2 mm. — Sonnenscheindauer 6,2 Stunden. 1 GESSEN SEUERSWEG8) Nützen Sie CARLMcwarx Kommen Sie gleich, meine Damen I 2 ungemein verbilligt in meinem Donnerstag, 1. August, 20.30 Uhr vcEn Mitglieder - Versammlung auf dem Waldsvortvlatz. Bekanntgabe über die Teilnahme am Gaufest. Ausgabe der Wettkampfkarten, Festbücher und Abzeichen. Die Aktiven aller Abteilungen müssen erscheinen. Der Verein beteiligt sich an dem Marsch zum Einholen des Gaubanners (Antreten Freitag, 18 Uhr, Oswaldsgarten) und an dem Jestzug. 4374D Der Vereinsführer. VluttEIauß-ree verschafft ruhigen Schlaf, ist erprobt bei Verkalkung, Beklemmung, Atemnot, Herzklopfen, Kopsweh, Schwindel, Unfähigkeit klar zu denken, Gemütsverstimmung, auch Harnausscheidend. Allein echt zu hab.in all. Avoth. u.im NefovmhauS, ^veuzplatt 3. 4268 D Ilmven- ff ANMWlZ abzugeb Bestell, erb. wir n Vostk. Damplsägewerklollar B.HuhnA.6., Lollar. Mercedes Mk. 182.- schontmontl. 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Der Ab- schluß des großen Ringens im Chaco hat das Problem wieder akut werden lassen, denn wenn der Chacokrieg auch nicht so schmerzliche Lücken gerissen hat wie der ßrieg vor fünfundsechzig Iah. ren, so ist doch immerhin ein großer Teil der männlichen Bevölkerung des Landes auf dem Schlachtfeld geblieben, und diese Lücken müssen baldmöglichst aufgefüllt werden Die Grundlage des Wirtschaftsorganismus ist auch in Paraguay ein freier, lebenskräftiger und lebenswilliger Bauernstand. Die paraauaysche Regierung hat sich in klarer Erkenntnis dieses Unv standes wiederholt bemüht, Einwanderung und Bauernsiedlung zu fördern. Wenn trotzdem die Siedlung in Paraguay über gewisse beachtliche An- sätze nicht recht herausgekommen ist, so liegt das an verschiedenen Faktoren, die in den Landesver- hältnissen begründet sind. Die besten Siedlungen in Paraguay sind aner« kanntermaßen die deutsch stämmigen. In den rund 54 Jahren deutscher Kolonisation in Paraguay entstanden von bedeutenden Siedlungen 1881 San Bernardino in wunderbarer Lage am See Jpa- carai, dann Encarnacion, 1900 Hohenau, anschließend daran die Kolonisation Qbligado, 1907 die Kolonie Mayntzhusen, heute Capitan Meza, 1917 Della Vista, 1921 Jndependencia, 1924 Villa Al- borada. Der Vollständigkeit halber seien noch erwähnt Cambyreta, etwa zwei Stunden von Encarnacion entfernt, und die Kolonie Jesus, zwischen den alten Jesuitenreduktionen Jesus und Trinidad. Von diesen hat San Bernardino seinen ursprüng- lich ganz deutschen Charakter schon erheblich einge- bußt. In den Kolonien am Alto Parana wohnen rund 4000 deutschstämmige Siedler, davon entfallen auf Hohenau rund 1900, Qbligado (I und II) etwa 1000, Bella Vista (Qbligado III) rund 600, Eapitcm Meza etwa 500. Dazu kommen etwa 1500 Deutsche der Kolonie Jndependencna. In Encarnacion mit seinen 18 000 Einwohnern ist das deutschstämmige Element noch sehr stark vertreten, Cam- dyrete, Jesus und Villa Aldorada haben je etwa 200 deutschstämmige Siedler. Zahlenmäßig ist das deutschstämmige Element also nicht übermäßig hoch vertreten. Vergleicht man indessen die wirtschaftliche Lage der deutschen Siedlungen mit der der einheimischen Bevölkerung, so ergibt sich überall ein ganz auffälliges Uebergewicht der deutschen Siedlungen. Vergleicht man sie nun aber mit der wirtschaftlichen Lage der deutschen Siedlungen in Brasilien oder in Chile, dann ist man fast erschreckt über die überaus bescheidenen Erfolge der deutschen Arbeit in Paraguay. Die Frage nach dem Grunde drängt sich förmlich auf. Denn die Ansiedlungsbedingungen dürften wohl in keinem Lande vorteilhafter sein als gerade in Paraguay. Das milde Klima, die wunderbare Fruchtbarkeit des Bodens, die niedrigen Landpreise, das reiche Vorhandensein von Baumaterial, das alles gestattet ein Selbständigwerden auch mit geringen Mitteln. Aber es ist schon richtig, „diese Vorteile bilden die Anziehungskraft, die sich bis in die fernsten Winkel der Länder ausstrahlt, wo rauheres Klima und schwerere Erwerbsmöglichkeiten herrschen. Es ist daher kein Wunder, daß gerade der Deutsche in ihren Bann gerät, da er die Annehmlichkeiten, die ihm die fernen Sonnenländer bieten, einfach zu denen seiner rauheren Heimat hinzurechnet. Dadurch entsteht eine Fata Morgana im Geiste des Auswanderungslustigen, die, genau so wie die wirkliche, dem armen Wandersmann gerade das vorgaukelt, wonach er lechzt, und wenn er den Spuk erkennt, dann ist es zu spät." Aber „wenn man der Wahrheit getreu berichten würde, dann müßte man hinzufügen, daß man trotz alledem nicht in der Lage ist, sich einen ordentlichen Herd, Glasfenster für den Wohnraum, einen Anzug aus Wollstoff, mit dem man sich in der Heimat sehen lassen könnte, Zeitungen, hin und wieder ein Buch und anderes mehr zu leisten. Eine Kuh gibt hier selten mehr Milch als 2 Liter und wertet etwa 20 Mark, umgerechnet. Ein Pferd, besser gesagt Pferdchen, ist mit 10 Mark käuflich, eine Wagenladung Apfelsinen, das sind 5000 Stück, etwa 5 Mark. Bei diesem Werte ist allerdings die gegenwärtige Inflation berücksichtigt, jedoch sind die normalen Zeiten auch nicht allzu verschieden, vielleicht dis 50 v. H. mehr." In diesen Worten, die einem beachtlichen Aufsatz von Bischof „Paraguay als Einwanderungsland für Deutsche" in der auch in Paraguay vielgelesenen bonaerenser Zeitschrift „Lasso" entnommen sind, liegt der Schlüssel, „der die Tür öffnen würde, um einen Einblick ins Innere der wahren Verhältnisse zu gewähren". Der Verfasser setzt sich in diesem Artikel eingehend mit den Gründen auseinander, die einer Prosperität der deutschen Siedlungen hindernd im Wege stehen. „Jeder Auswanderer wird", so sagt er beispielsweise, „seine Lage verbessern wollen und mehr als das bloße Leben begehren. Aber zur Erlangung von Wohlstand kommt es in erster Linie darauf an, daß die Produkte eine solche Bewertung haben, daß sie einen Anreiz zur Vermehrung ihrer Erzeugung geben. Es wäre immer die Frage den Ausgewanderten vorzulegen, welchen Ueberschuß der Kolonist hat, wenn er Loh n - arbeiter unter gleichen Verhältnissen zu bezahlen hätte. Dann ließe sich erkennen, ob die Anlegung einer Pflanzung wirklich einen Schritt in die Freiheit bedeutet oder ob sie eine Ankettung für immer ist. Leider vergißt der Ausgewanderte meist, daß er seine oft recht zahlreichen Kinder bis zum Rande der Möglichkeit für seine Arbeit ausnützt und selbst den kurzen Schulunterricht mehr versäumen als besuchen läßt. Dann ist die Kulturhöhe der einheimischen Bevölkerung in Berücksichtigung zu ziehen, denn über kurz oder lang gleicht sich der Einwanderer doch seiner Umgebung an. Selbst da, wo der Deutsche tn Nachbarschaft seiner Landsleute lebt, wo deutsche Schulen sind, werden, wenn der Zustrom neuen Blutes aus der Heimat versiegt, gar bald die Hemmungen fallen, die die Vermischung mit den Einheimischen verhindert. Es ist verständlich, daß eine Höherentwicklung der Einheimischen, die auf ihre* Scholle in der ihnen natürlichen Umgebung und in viel artigerer Zahl leben, weniger wahrscheinlich ist, auch durch das beste Beispiel der Fremden, als umgekehrt, das Abwärtsgleiten der Einwanderer, um so mehr, weil das Klima erschlaffend wirkt, in der ersten Zeit mit den eigenen Kräften Raubbau getrieben wird und nichts vorhanden ist, was den Ehrgeiz zum Nachahmen anspornen könnte." Bischof weist dann auf die überaus anspruchslose Lebensweise des einheimischen Paraguayers hin, der nur das Allernotwendigste pflanzt und keinerlei Bedürfnisse außer dem geringerrber Ernährung hat, die mit einigen Mandiocawurzeln und einer Bohnen- und Maissuppe und Tabak und Perba- Mate, bestenfalls einem Stück Fleisch befriedigt ist. „Zucker, Mehl, Fett, Petroleum bedeuten schon Luxus, und mit der Kleidung ist es ebenso. — Zu Hause genügt dem Mann eine kurze Hose, den Frauen ein hemdartiges Kleid. Die Kinder sind meist mehr oder weniger nackt. Auch die Behausung ist primitiv." Es ist daher nur zu begreiflich, daß bei einer solchen Lebenshaltung der Einheimische kein Freund von Arbeit, geschweige denn von andauernder Arbeit ist. Daraus ergibt sich, daß die arbeitsfreudigen Siedler sich nur auf ihre eigenen Arbeitskräfte, d. h. ihre Familienmitglieder stützen können. Trotz der theoretisch großen Produktionsmöglichkeit müssen sie sich tatsächlich sehr bescheiden. „Infolge der Weltkrise", führt Bischof weiter Afrikas kultureller Entdecker. Leo Frobenius von seiner letzten Afrika-Expedition zurück Leo Frobenius ist der eigentliche „kulturelle Entdecker" Af. r i k a s. Er hat auf feinen Forschungsreisen, die er stets mit einem kleinen, aber auserwählten Stad oon sorgfältig geschulten und zuverlässigen Mitarbeitern unternahm, den schwarzen Erdteil nach allen Richtungen durchstreift, meist unter den größten und härtesten Entbehrungen, und ist jedesmal mit reichen und einzigartigen kulturgeschicht- lichen Funden und Aufzeichnungen in seine Heimat zurückgekehrt. Heute, da sich dieser unvergleichliche Gelehrte entschlossen hat, „der jüngeren Generation die weitere Forschungstätigkeit in den neuen Gebieten zu überlassen", geziemt es sich wohl, noch einmal den tieferen Sinn seines Forscherlebens, und das Ergebnis seiner wissenschaftlichen Entdeckungen kurz zusammenzufassen. Denn in Frobenius sind einige der besten Eigenschaften des ausschließlich deutschen Wesens verkörpert; er war nie ein trockener Stubengelehrter, sondern irnme? ein Mann der Tat, ein Kämpfer, ein von ungeheurer Vitalität und Arbeitskraft erfüllter Mensch. Aber darüber hin- aus: seine Geisteshaltung birgt alle intuitiven und idealistischen Züge, die immer das Merkmal der wahrhaft schöpferischen Kulturpioniere der Menschheit gewesen sind. Er selbst schrieb einmal von seiner „inneren Stimme gegen dogmatisierende Bürokratie, vom unüberwindlichen Widerwillen gegen systematischen Lehrgang und der lodernden Leidenschaft für den Sinn und das Wesen der Dinge." V Professor Leo Frobenius nach feiner Ankunft im Hofe des Afrika-Instituts (Völker-Mufum) zu Frankfurt a. M. — Rechts von ihm feine Gattin. — (Scherl-M.) In diesen Worten ist der ganze Frobenius enthalten. Er unternahm seine Reisen aus dem edlen Bedürfnis, die Zusammenhänge zwischen den ältesten Kulturen der Erde aufzudecken, um sich so ein organisches und kulturgeschichtliches Weltbild zu schaffen. Die vergleichende Kulturwissenschaft ist durch seine Leistungen um wertvolle Erkenntnisse bereichert worden. Denn Frobenius besaß wie kaum ein Zweiter Forscher den „intuitiven Blick" für die wirk- lich großen und wesentlichen Bindungen und Beziehungen. So fand er, daß räumlich weitgetrennte Kulturschichten innerlich zusammenge- hörten und aus ein er gemeinsamen Wurzel entstanden sein mußten. Dieses ewige Werden und Vergehen des kulturellen Lebens hat Frobenius in seiner bedeutsamen „Kulturkreislehre" zusammengefaßt. Er ist mit dieser Erkenntnis zu den verdecktesten Quellen des menschlichen Kulturlebens vorgedrungen und hat zu der Entwicklung des Menschengeschlechtes, namentlich der noch rätselumwitterten Rassen Afrikas einen unvergänglichen Beitrag geschaffen „Der Lebensstil meines mütterlichen Großvaters", so schrieb einmal der Gelehrte über feine ersten Eindrücke und Anregungen, „wurde von vornherein bestimmend. Dieses war Dr. B o d i n u s , der erst den Kölner Zoologischen Garten gegründet und dann den Berliner Zoo im wesentlichen zu dem gemacht hat, was er heute ist. In dessen Hause saß ich schon als kleines Kind auf den Knien solcher Männer wie Nachtigal, Schweinfurth, Rohlfs, Brehm usw. Im Alter von fünf Jahren war ich durch eine Nubierin, durch deren Haarbewohner, Hammelduft und Gesänge für Afrika verpflichtet worden." Diese „Verpflichtung" hatte zur Folge, daß ihn der schwarze Erdteil, feit er ihn zum erstenmal betreten hatte, nicht mehr los ließ. Seit 1898 an den Völkerkunde-Museen von Bremen, Leipzig und Basel tätig, rief Frobenius zehn Jahre vor Ausbruch des Weltkrieges die deutsche innerafrikanische Forschungsexpedition ins Leben, mit der er bis zum Jahre 1916 sieben Reifen unternahm. Diese Reisen führten in das Kongobecken, am Senegal entlang zum oberen Niger nach Timbuktu, durch Togo an die Küste in das Kabylenland und in die nördliche Sahara, von Saga in die Haussaländer und das nördliche Ada- mana. über das Rote Meer und Chartuni nach El- Qbeid, nach Algerien und Tunis und schließlich durch die Türkei und das nördliche Abessinien Frobenius brachte von diesen Reisen eine Fülle wertvollster kulturgeschicht- kicher Funde beim, die einen ganz neuen Einblick in den Aufbau und die Struktur der afrikanischen Kultur gewährten. Wer bisher geglaubt hatte, der „schwarze Erdteil" sei ein Land ohne die qe-- ringften Anzeichen einer menschlichen Kultur, mußte über die Ergebnisse dieser deutschen Expeditionsfahrten außerordentlich überrascht fein. Frobenius konnte auf Grund zahlloser Belege, interessanter Photos und Zeichnungen den Nachweis erbringen, daß Afrika vor Tausenden von Jahren eine hoch entwickelte Kultur besessen haben mußte, eine Kultur, die bann später wieder versank. In seiner „Afrikanischen Kulturgeschichte" finden sich sensationelle Bemerkungen über das Wesen und die Eigenart der afrikanischen Kultur. Bei dieser Gelegenheit nimmt der deutsche Gelehrte den vielgeschmähten und verachteten Neger energisch gegen die Vorwürfe Europas in Schutz: „Die Vorstellung vom barbarischen Neger ist eine Schöpfung Europas, die dann rückwirkend Europa noch bis in den Anfang dieses Jahrhunderts beherrscht hat". Frobenius beweist, daß „die eigentümliche Organisation der Staaten des Sudan schon lange vor dem Eslarn bestand, daß alle diese Künste verständigen Feldbaues wie sorgsamer Erziehung, daß bürgerliche Ordnungen wie Handwerke in Negerafrika u m Jahrtausende älter sind als in unserem Mitteleuropa — und wir behaupten, daß die Forschung alte Kulturen überall da in Aeguatorial- Afrika herrschend und lebensfroh angetroffen hat, wo nicht arabische Ueberleqenheit, hamitisches Geblüt oder europäische Zivilisation dem dunklen Falter den Staub von den vordem so schönen Flügeln fortgestrichen hätte". Hervorragende wissenschaftliche Verdienste um die Erforschung Afrikas erwarb sich dann der deutsche Gelehrte durch die Gründung des Afrika- Archivs, aus dem sich später das Forschungsinstitut für Kulturmorphologie in Frankfurt a. M. entwickelte. Es ist im Rahmen dieser kurzen Würdigung unmöglich, alle Reisen, die Frobenius unternommen hat, einzeln zu beschreiben. Zehn Jahre nach Beendigung des Völkerringens machte er feine neunte Entdeckungsfahrt, die von glänzenden Erfolgen gekrönt war. Frobenius entdeckte unter anderm eine uralte, kulturgeschichtlich hochinteressante Schmelz- Hütte mit Bronzeresten sowie die Ruinen einer Bergarbeiterstadt und Grabstätten. Von den zahlreichen wissenschaftlichen Büchern Frobenius' ist vor allem das große Sammelwerk „Erlebte Erbte i l e" zu erwähnen, bas in mehrere Bänbe zerfällt, in benen bas Gesamtergebnis seiner Afrikaforschung enthalten ist. „Atlantis", eine Sammlung von Volksmärchen und Volksbichtungen Afrikas in zwölf Bänben, ist bas zweite Monumentalwerk. Die Forschungsreise nach Tripolitanien im Jahre 1932 brachte bem beutschen Gelehrten, ber immer tiefer in bie innersten Geheimnisse Afrikas oorgebrungen war, einen großen unb nachhaltigen Erfolg. Dem Wege des beutschen Forschers Hans Barth folgenb, entbecfte Frobenius in ber Bergkette zwischen Murzuck unb Gat Zeichnungen sämtlicher Stilepochen von ber Vorzeit bis zur archäologischen Aera. Die Felsbilber — sie waren es hauptsächlich, aus benen Frobenius neue, bahn- brechenbe Erkenntnisse schöpfte, Erkenntnisse, wie \ sie nur einem begnabeten Menschen beschieben werben. aus, „ist bie Zahl ber exportfähigen Probu k t e sehr gering. Zur Zeit kommen in erster Linie die Baumwolle, bann Häute, Tabak, Petit Grains unb Wilbselle in Frage, nach Argentinien auch Apfelsinen unb Yerba. Aber diese Pro- duckte gelten heute wenig auf dem Welt- marft, roobei die genographische Lage sehr ins Gewicht fällt, da ber Transport nach bem Seehafen bas Mehrfache an Fracht kostet, als bie Seereise nach Europa. Nachteilig finb auch bie schlechten Verkehrsmöglichkeiten im Lanbe, wo oft monatelan wegen der Regenfälle Transporte unmöglich sind. Die Produktion ist in erster Linie auf ben einheimischen Konsum angewiesen, bas heißt auf bie Ortschaften unb Stäbte. Damit finb bie Grenzen sehr eng gezogen, auch für bie heimische Jnbustrie, zumal burch bie scharfe Abschließung ber argentinischen Grenze auch der Export von Cana, Zucker, Tabak, Perba gelitten hat. Durch diese Verhältnisse ist der Kolonist gezwungen, sehr vielseitig zu sein, wodurch eine Zersplitterung stattfindet. Die Zuckerrohrpflanzer, die im Großen anbauten, sind durch bie Heraufsetzung ber Canasteuer unb sonstige brakonische Maßnahmen, bie bie Regierung gegen bie Schnaps- inbuftrie ergriff, in ihrer Existenz sehr eingeengt worben, so baß sie sich plötzlich umstellen mußten. Zurzeit ist der Weinba ; ¥? Wohlstand n-r- heißende Parole. Dies, bis eine empsinbliche Weinsteuer kommt, benn ohne eine solche würbe sowieso eine Ueberprobuttion entstehen, bie bieselbe Wirkung hätte. Es ist ber Regierung natürlich nicht zu oerbenten, wenn sie bie möglichen Einnahmequellen ausnützt, unb ba bie Lebensbauer einer Regierung nur kurz ist, so werben bie Dispositionen meist ziemlich unvermittelt getroffen." Wenn man nur ernstlich alles Für unb Wiber gegeneinanber abwägt, so ergibt sich boch ber Schluß, baß Paraguay als toieblungslanb trotz mancher unverkennbarer Vorzüge für Deutsche vor- läusig nur unter größten Vorbehalten empfohlen werben könnte. Nie kommunistischen Flugblätter in München. Eine Erklärung des erzbischöflichen Sekretariats. München, 30. Juli. (DNB.) Das e r z b i - schöfliche Sekretariat in München veröffentlicht zu bem von uns gemelbeten Funb kommunistischer Flugblätter, in benen ein Bünbnis mit ben Katholiken propagiert würbe, folgende Erklärung: Die Tagespresse meldet, daß die Kommunisten in München Flugblätter an die Katholiken verteilt hätten. Von kirchlicher Seite lehnen wir diese kommunistischen Machenschaften mit allem Nachdruck ab. Die katholische Kirche kämpft feit Jahren den fchärfsten Kampf gegen den Kommunismus und wird eben beshalb in Rußlanb bis aufs Blut verfolgt. Wir waren unb finb auch immer bereit, mitber staatlichen Obrigkeit im Kampf gegen ben Bolschewismus zusammenzuarbeiten und weisen nach wie vor alle moskowitischen Anbiederungsversuche, von welcher Seite sie auch kommen mögen, entschieden zurück. Wir dulden auch in unseren katholischen Jugendverbänden keine staatsfeindlichen Elemente unb würben unnachsichtlich je» ben entfernen, ber auf kommunistische Lockungen einginge. Somit ist ber neue kommunistische Vorstoß, ber in ber Pfarrei St. Maximilian in München schon vor zwei Monaten ein ähnliches Vorspiel hatte unb gerabe burch bas sofortige Eingreifen bes Klerus eriebigt würbe, ein plumper Versuch, bie Katholiken als geheime Bun- besgenossen berKPD. zu verbächtigen. Der Polizei wirb es sicher gelingen, ben Drucker unb Druckort ber Flugblätter ausfinbig zu machen unb bie Verfasser unb Absenber zur Rechenschaft zu ziehen. 3. 21.: Dr. Weißthanner, Erzbischöflicher Sekretär. Dieser Erklärung bes erzbischöflichen Sekretariats in München barf man mit Befriebigung entnehmen, baß bie geistliche Führung ber katholischen Kirche entschieben abrückt von allen Anbieberungsversuchen ber Kommunisten unb auch in ben katholischen Ju- genboerbänben solche Elemente nicht gebulbet werben, bie bolschewistischen Lockungen nicht wiberstehen können. Die in letzter Zeit mehrfach vorgekommenen Ueberfäüe von Angehörigen katholischer Jugenbver- bänbe auf Hitlerjungen, Arbeitsbienstmänner und andere Mitglieder nationalsozialistischer Gliederungen werden sich also künftig nicht wiederholen können, wenn die zuständigen kirchlichen Stellen im Sinne der Erklärung des erzbischöflichen Sekretariats staatsfeindliche Elemente aus den katholischen Jugendverbänden rücksichtslos entfernen. Die Erklärung des erzbischöflichen Sekretariats ist aber auch noch in der Hinsicht interessant, als sie einen scharfen Trennungsstrich zieht zwischen der Haltung der Kirche und der Politik des ehemaligen Zentrums, das ja enge politische Bindungen mit dem gottes- leugnerischen Marxismus keineswegs scheute, um feinen politischen Machtanspruch durchzusetzen. Aus aller Welt. Schwere Srtnichkeitsverbrechen von „Barmherzigen Brüdern". Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Recklinghausen teilt folgendes mit: In der ber Kongregation ber „Barmherzigen Brüber" ge- hörenben Heil- unb Pflegeanstalt „M a - ria-Linbenhof" zu Dor st en - Holster- h a u s e n, bie zur Zeit 410 Insassen — Epileptiker, Schwachsinnige unb Geisteskranke — zählt, finb seitens ber Lanbeskriminalstelle Recklinghausen furchtbare Sittlichkeitsverbrechen festgestellt worben. Im Verlaufe ber Ermittlungen wurden aus ber Anstalt, bie 37 Orbenslaienbrüber und 20 Mann weltliches Personal hat, 10 Ordens- (aienbrüber fe ft genommen. Weiter wurden zwei ehemalige Orbenslaienbrüber, bie aus bem Orben feit einigen Jahren ausgeschieben finb, hinter Schloß unb Riegel gebracht.' Die Festgenomme- nen hoben sich in ber gemeinsten unb furchtbarsten 21rt an Kranken unb auch an minberjährigen Jungen vergangen. Durchweg schwere Sittlichkeitsverbrechen würben schon seit mehreren Jahren verübt, Verbrechen, bie nach bem Strafgesetzbuch mit sehr hohen Zuchthausstrafen geahnbet' werben. Von ben Ermittlungen ber Lanbeskriminalpolizei werben noch vier weitere An st alten bes genannten Ordens betroffen. Nach einer Zeugenaussage sprach der frühere Vorsteher der Anstalt auf bem Sterbebett bie Worte: „Mit Linbenhof nimmt es noch einmal ein schreckliches Enbe'" Dreizehn Rassenschänber festgenommen. Von ber S t a a t s p o l i z e i st e l l e Halle finb in ben letzten Tagen 13 Personen wegen Rassen- schanbe festgenommen worden. Die Festgenomme- nen, unter benen sich bie jübischen Mitinhaber zweier bekannter hallescher Warenhäuser befinben, hatten unter Ausnutzung sozialer Abhängigkeit bie Frauen 3u Liebesverhältnissen gezwungen. Der Jube Levit aus Herzberg hatte es fertig gebracht, bie Kriegerwitwenrente einer Frau Winkler, mit ber er ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, für sich zu Der« roenben IkberfaU auf ein polnisches Pfarrhaus. Eine Räuberbande überfiel in ber Nacht bas Pfarrhaus eines Dorfes in ber Woiwobschaft War- schau. Als bie Räuber von bem Pfarrer bie Herausgabe bes Gelbes forberten, schlug bieser Alarm. Die barauf herbeieilenbe Wirtschafterin wurde von ben Banblten erschossen. Die Täter flüchteten nun ohne Beute. Später gelang es, ein Mitglieb ber Banbe festzunehmen. Der Räuber wurde, bei einem Fluchtversuch schwer verletzt. Sozialismus der Tat. Nach der Machtübernahme durck den Nationalsozialismus ist der gesamte landwirtschaftliche Abschnitt der deutschen Wirtschaft im Reichsnährstand zusammengefaßt worden. Während früher in der Getreidewirtschaft z. B. der Erzeuger in der Land- Wirtschaftskammer, die Mühle und der Handel in der Industrie- und Handelskammer vertreten waren, so sind sie jetzt in einem Marktverband zusammengeschlossen, in dem ihre berechtigten Interessen vertreten werden. Der Reichsnährstand ist keine einseitige Vertretung eines Standes. Der gemeine Ruhen ist richtunggebender wert. Vom Bauern als einem Sozialisten zu sprechen, schien in der liberalistischen Zeit eine Unmöglichkeit zu sein. Und doch hat der Bauer im Jahre 1934 seinen praktischen Sozialismus bewiesen. Die Ernte des Dürrejahres 1934 hätte beim Weiterbestehen der freien Wirtschaft zu einer Preiserhöhung geführt, die für den Verbraucher untragbar gewesen wäre. Das F e st p r e i s s y st e m und die Marktregelung haben der städtischen Derbraucherschaft eine Mehrbelastung erspart. Die nationalsozialistische Agrarpolitik hat Gesetze geschaffen, die nicht nur dem Bauern seine Existenz sichern. Auch der städtische Verbraucher landwirtschaftlicher Produkte ist vor Lebensmittelteuerungen geschützt. Früher war es möglich, daß Spekulanten, wenn sie ein Geschäft witterten, alle vorhandene Ware aufkauften, um dann, wenn in der Knappheit die Preise genügend gestiegen waren, wieder zu verkaufen. Den Schaden aber trugen Erzeuger wie Verbraucher. Die Tarnung dieser Uebervorteilung hieß bann: es ist nicht die Spekulation, die die hohen oder die niedrigen Preise bestimmt, sondern lediglich das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Daß dieser Regulator der angeblich freien Wirtschaft aber in fast allen Fällen willkürlich bestimmt wurde auf Kosten des bäuerlichen Erzeugers, wie des letzten Verbrauchers, wurde verschwiegen. Ausgestreute Gerüchte von knappen Ernten konnten genügen, um den Spekulanten große Gewinne einjutragen. Heute wird das Getreide nicht mehr an der Börse gehandelt, sondern es werden dafür Festpreise ein- gesetzt. Jede Einfuhr von Auslandsgetreide, die den Bedarf übersteigt, wird eingedämmt. Die Festlegung der Preise hat nicht allein für den Dauern den Vorteil, daß feste Einnahmen ihm die geordnete Fortführung der Wirtschaft ermöglichen, Festpreise sichern auch dem Städter die Wertbeständigkeit seines Einkommens und Lohnes. Früher waren die Einnahmen infolge der Lebensmittelspekulation in ihrem Werte schwankend, jetzt ist durch die Marktregelung ein festes und unverändertes Verhältnis zwischen dem Wert des Lohnes und dem der Lebensmittel geschaffen worden. So ermöglicht die Reichsnährstandsgesetzgebung dem Bauern wie dem Städter eine geregelte Wirtschaftsführung. Indem sie allen Teilen des deutschen Volkes dient und den nationalsozialistischen Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" verwirklicht, ist sie ein Baustein unter anderen zum deutschen Sozialismus. Ist Vaterlandsliebe „altmodischer- Imperialismus? Der Fall der 14jährigen Schülerin Maud Mason, die in einem Aufsatz geschrieben hatte: „England ist das schön ste Land der Welt" und dafür von einem Schulinspektor getadelt worden war, wurde im englischen Unterhaus zur Sprache gebracht. Der Lehrer des Machens war von dem Inspektor zurechtgewiesen worden, weil er den Schulkindern einen „altmodischen Imperialismus" beibringe. Als der konservative Abgeordnete Sir Gerald H u r st im Unterhaus den Kultusminister Stanley fragte, ob er gegen den betreffenden Inspektor disziplinarisch vorgehen wolle, wurde ihm stürmischer Beifall von allen Bänken zuteil. Stanley erwiderte, das Kultusministerium betrachte es als durchaus falsch, wenn irgendein Inspektor den Stolz und die Liebe für das Vaterland entmutige. Diesem besonderen Fall brauche man jedoch keine allzu große Bedeutung beizumessen und er wolle daher keine Maßnahmen treffen. Diese Mitteilung des Kultusministers wurde von den Abgeordneten mit lauten Entrüstungs- rufen ausgenommen. Der Abgeordnete Sir Gerald Hurst teilte hierauf mit, daß er die Angelegenheit zum Gegenstand einer be sonderen Unterhausaussprache machen wolle. Pariser Polizeibeamler von einem Arbeitslosen niedergeschossen. Dor dem Rathaus des 19. Pariser Arrondissements wurde ein Polizeiunteroffizier ohne jeden Anlaß von einem Arbeitsl.osen niedergeschossen. Ehe das Publikum eingreifen konnte, richtete der Mörder die Waffe gegen sich selbst und schoß sich eine Kugel durch die Scyläfe. In der Tasche des Mörders wurde folgenber Brief gefunden: „Ich heiße Porcer. Mein Opfer ist durch Los unter sechs Kategorien von Feinden der Arbeiter bestimmt worden." Man nimmt an, daß es sich um einen Geistesgestörten handelt. Der Polizeiunteroffizier ist seinen Verletzungen erlegen. Der Mörder wurde in bedenklichem Zustand ins Krankenbaus einqeüefert. Riesige Zollschiebungen in Frankreich. Nachdem in der vergangenen Woche das geheimnisvolle Verschwinden einer aus Le Havre ausgegangenen Waffensendung die französische Polizei in Aufregung versetzt hatte, wurde nun eine großangelegte Zollschiebung gemeldet, die wiederum Le Havre zum Ausgangspunkt hat. Diesmal sind die französischen Steuerbehörden um über 15 0 Millionen Francs geschädigt worden. Seit über zwei Jahren hatte es eine über ganz Frankreich verzweigte Organisation fertiggebracht, von Le Havre aus tonnenweise Photo - und E l e k t r o a p p a r a t e, Radiolampen und Einzelteile, ohne einen Pfennig Zoll zu bezahlen, einzuführen und das zwar nicht verbotene, aber doch in der Einfuhr begrenzte Material im ganzen Lande abzusetzen. Erst in den letzten Tagen gelang es der Polizei, hinter die Schliche der Zollschieber zu kommen. Fünf Todesopfer eines Doolsunglücks auf dem Gardasee. Bei einer Kahnfahrt auf der Gardasee sind fünf Personen ums Leben gekommen. Eine Reise- gesellschaft aus Brescia hatte einen Ausflug nach dem Orte P o r t e f e unternommen und wollte zu später Nachtstunde in einer Barkasse nach Salo zurückkehren. Doch schon nach kurzer Zeit bemerkten die Teilnehmer, daß sich das Boot mit Wasser füllte. Es entstand eine Panik unter der Gesellschaft, die Ausflügler drängten alle auf eine Seite, und das Boot kenterte. Nur einem gelang es, schwimmend das Ufer zu erreichen. Die anderen, die nicht schwimmen konnten, klammerten sich an den Fährmann, zogen ihn in die Tiefe und ertranken sämtlich. Don den Ertrunkenen wurde keine Spur mehr entdeckt. Staatsfeindliche Geistliche in der Türkei. Der islamitische Geistliche Scheik Mussa, der ein geschworener Gegner der republikanischen Türkei ist, hat fast täglich in einer Moschee Vorträge gehalten, in denen er heftige Angriffe gegen die Neuerungen in der Türkei richtete. Er hatte starken Zulauf. Täglich waren 200 bis 300 Menschen in der Moschee versammelt, während die anderen islamitischen Gotteshäuser Istanbuls ziemlich verwaist sind. Er und zahlreiche andere islamitische Geistliche muhten polizeilich verwarnt werden, weil. sie nach dem Inkrafttreten des Gesetzes über die' Abschaffung geistlicher Kleidung auf den Straßen ohne Hut ober mit Sportmützen gegangen sind, um gegen die Kleidergesetzgebung zu protestieren. Die türkische Regierung ist entschlossen, mit allen Mitteln den Widerstand der religiösen Fanatiker gegen die politischen Grundsätze der Republik zu brechen. Wirtschaft. Oie Fndusirie- und Handelskammer Gießen flibt Auskunft: 1008: Endgültiger Abschluß der Wirtschaftsverhandlungen mit Belgien. 1009: Anordnung 10 der Ueberwachungsstelle für Bastfasern (Einkauf und Uebernahme von Leinengarnen, Hanfgarnen, Web- und Zwirngarnen aus Ramie). Ruhiger Kartoffelmarkt. Die Anlieferungen von Frühkartoffeln aus dem Rhein — Main - Gebiet halten sich im bisherigen Rahmen, wenn auch infolge des Beginns der ©etreiebeernte bas Wiesbabener Gebiet zur Zeit ber Erntebergung bie Anlieferung ziemlich eingestellt hat. Aber dafür finb inzwischen bie Wetter a u unb auch Rheinhessen mit größeren Ernte- meygen, vor allen Dingen ber Sorte „Böhms Aller- srühste", am Markt. An erster Stelle wirb die lebhafte Nachfrage bes Rhein—Main-Gebietes unb feiner Verbraucherstädte bebient, baneben läuft auch noch ein je nach ben Anlieferungen ausfaHenber Versanb nach Sübbeutschlanb, vorwiegenb Bayern, unb gelegentlich auch Mitteldeutschland. Die Preislage ist burch bie vorgeschriebenen Festpreise bestimmt, so daß zur Zeit 4,90 Mark ab Station für „Böhms Allerfrühste" gefordert werden. Die Kleinhandelsabgabepreise liegen in Frankfurt a. M. zwischen 7,5 und 8,5 Pfennig je Pfund. Die Erfüllung von Aorabschlüssen in Obst. Fwd. Bei der Hauptvereinigung ber Deutschen Gartenbauwirtschaft laufen Klagen barüber ein, daß in den verschiedenen Gegenden bie Obstanbauer unb Obsthänbler sich unter Berufung auf anderweitig erzielbare höhere Preise weigern, die zu festen Preisen auf Lieferungsverträge bereits vorverkauften Obstmengen abzuliefern. Hier unb da soll auch versucht werden, durch Hervorkehrung unvorhergesehener Ernteschäden u. dgl. sich von solchen Lieferungsverträgen zu befreien. Gegenüber solchen Lieferungsweigerungen weist die Hauptvereinigung der Deutschen Gartenbauwirtschaft mit Nachdruck darauf hin, daß eine einseitige Lösung der Lieferungsverträge jeder Rechtsgrundlage entbehrt. Vielmehr ist es notwendig, daß die Lieferungsverträge, die als eins der wichtigsten Hilfsmittel für einen geregelten Absatz des Obstanbaues und einer nor- , malen Versorgung ber Verwertungsbetriebe angesehen werden, genau eingehalten werden. Ergeben sich Streitigkeiten aus ber Nichterfüllung berarti- aer Lieferunasvertröge fo ist im Einzelfall genau 3u prüfen, ob unbegrünbete Weigerung ober tätliche Lieferungsbehinberung durch wirklichen stefchaden vorliegt. Ist eine solche Behinderung *)t erwiesen und unterbleibt bie orbnungsmäßige Belieferung, so hat der Anbauer die etwaigen Fol- , gerungen aus feinem Verhalten selbst zu tragen Die Gartenbauwirtschaftsverbänbe werben bafür Sorge tragen, bah bei etwaigen Streitigkeiten bieser Art 1 eine sorgfältige unb beiden Teilen gerecht werbende Regelung gefunden wird. * Fwd. Zur Warenausfuhr in Päckchen u n b SB e r t b r i e fe n. Die schriftliche Anmelbung ber über bie Grenzen des beutschen Wirtschaftsgebietes ausgeführten Waren burch Abgabe einer Erport-Valutgerklärung, wie sie jeßt für Pakete "nd Wertkästchen voraefchrieben ist, wirb vom 1. August an auf Päckchen und Wertbriefe aus- aebehnt. Das beutsche Wirttchastsqebiet im Sinne bieser Bestimmung umfaßt bas Reichsgebiet ohne die badischen Zollausschlüsse unb ohne bie Insel Helaolanb. Die in Frage fomnrnben Smbungen müssen in jebem Falle am Postschnlter bem Annahmebeamten überaeben werben. Nicht am Postschalter abgegebene Päckchen, zu benen die Ervort- Vali'tg-Erttäri.fm fehlt, werden nicht befördert. * Der Absatz von Sveisezwiebeln. Die im ^ahre 193=1 erlassene Anordnung des Reichsbeauftragten für die Regelung des Absatzes von Gartenbauerzeuanissen über den Absatz van Sveife- 'M'e^»ln nnm 10. R in31 bleidt mit Bexua auf bie Verorbnung vom 27. 2. unb Aenberung vom 30. ß. 1935 auch im Fabre 1935 imoeränbert in Kraft. Festvreile werden für Fr'ihzwiebeln bis gnf weiteres nicht veröffentlicht, doch bat ber Reichskommissar die Verausgabe von Festpreisen für Dauerzwiebeln im Grundzuge bereits genehmigt. Nhein-Mainische Börse. Zniffagsbörfe ruhig unb wenig verändert. Frankfurt a. M., 30. Juli. Die Börse lag wiederum außerordentlich ruhig. Trotz ber starken Geschäftsstille blieb die Grundstimmung freundlich,' und das Kursnioeau zeigte gegenüber gestern wie-; ber nur minimale Veränderungen. Das Publikum blieb ebenso wie bie Börse selbst zurückhaltend, zumal besondere Anregungen nicht Vorlagen. Am Aktienmarkt war die Kursbildung etwas uneinheitlich. IG. Farbenindustrie wurden etwas angeboten und gingen um 1 v. H. auf 157 zurück, während andere chemische Werte voll behauptet blieben, nur Deutsche Erdöl ließen 0,75 o. H. nach. Elektroaktien lagen zumeist etwas fester so Accumulatoren, Mainkraftwerke unb Siemens bei Erhöhungen bis zu 1,25 v. H., Gessürel unb Schuckert lagen unoeränbert, AEG. bröckelten auf 39,25 bis 38,75 (39,25) ab. Kunstseideaktien notierten 0,25 v. H. höher, auch Montanpapiere lagen zumeist 0,25 bis 0,50 v. H freundlicher, außer Mannesmann, die 0,90 o. H. einbüßten. Schiffahrts- aktten gingen leicht zurück, ferner verloren Berger Tiefbau 0,75 v. H., Eßlingen Maschinen 0,25 v. H. Zellstoffpapiere lagen gilt behauptet, Reichsbank setzten 0,50 v. H., Gebr. Junghans 1 v. H. höher ein. Nach den ersten Kursen ergaben sich meist leichte Rückgänge um 0,25 bis 0,50 v. H., die aber später wieder ausgeglichen wurden. Arn Rentenmarkt war das Geschäft denkbar gering. Späte Reichsschuldbuchforderungen und Kommunal-Umschuldung bröckelten geringfügig ab, Altbesitzanleihe unb Zinsoergütungsscheine lagen unverändert. Industrie-Obligationen waren zunächst ohne Geschäft. Von fremden Werten eröffneten Ana- tolier mit 39 (39,20) und Ungar. Staatsrente von 1914 mit 9,75 (9,90) v. H. Im Verlaufe blieb die Geschäftstätigkeit klein und nur auf einige Spezialpapiere wie IG. Farben, AEG. unb Kunstseibe Aku beschränkt. Im Allgemeinen ergaben sich nur geringe Veränderungen. Etwas fester waren AKU. mit 62,75 nach 61,75, IG. Farben gingen auf 156,50 zurück, zogen aber wieder auf 157 an. Schwächer lagen Gement Heidelberg mit 121,50 (122,90), ferner verloren RWE. 0,65 v. H. Rheag 1 v. H. Am deutschen Rentenmarkt ergaben sich späterhin keine Veränderungen. Der Pfandbriefmarkt lag still und behauptet. Stadtanleihen waren leicht ange- boten und gingen meist um 0,25 bis 0,50 zurück. Zertif. Gulden-Obligationen lagen etwa 0,50 v. H. fester, so Pounganleihe 85,50 (85), Eschweiler 88,50 (88) und Ruhrverband 86,50 (86). Von Jndustrie- DbHaationen erhöhten sich Farben-Bonds auf 129,60 (129,40). Auslandrenten lagen still. Von unnotierten Werten waren Adlerwerte Kleyer höher mit 103,50 (102,75), Waiß & Freytag gaben auf 93,50 (94) nach. Tagesgeld unverändert 3 v. H. Abendbörse: ruhig. An der Abendbörse herrschte bei freundlicher Tendenz weiterhin Geschäftsstille, da Anregungen fehl- ten. Die Kurse konnten sich gegen ben Berliner Schluß zumeist gut behaupten. IG. Farben mit unoeränbert 157,25 unb AEG. mit 39 bis 39,25 (38,90) hatten einiges Geschäft, im übrigen beschränkte sich ber Umsatz auf bas Minbestmaß. Etwas höher lagen ferner Golbschmibt mit 109,25 (108,50), währenb Scheibeanstalt auf 237 (237,50) abbröckelten. Kunstseibeaktien, bie im Mittagsschluß- verkehr stärker angezogen hatten, lagen still und unverändert. AKU. 62,65, Bemberg etwa 118. Am Kassamarkt notierten Großbankaktien behauptet. Don Jndustriepapieren erhöhten sich Schriftgießerei Stempel auf 63 (62) und Württ. Elektro auf 78,75 (78), während Hartmann & Braun nach mittägiger Pause mit 72,75 (74) wieder notiert wurden. Der Rentenmarkt lag vollkommen geschäftslos unb unoeränbert. Etwas Beachtung fanben einige Stabtanleihen unb ßiquibationspfanbbriefe. Fremde Werte lagen still. U. a. notierten: Altbesitz 111,80, 6 v. H. Reichs- bahn-Schatzanweisung 100,25, 4,5 v. H. Baden- Baden von 1926 90, 4,5 v. H. Hanau 89,65, 4,5 o. H. Koblenz von 1928 90, 5,5 v. H. Mein. Hypotheken- Bank-Liquidation 101,50, 5,5 v. H. Pfälzer Hypo- theken-Bank-Liquidation 101,50, 6 v. H. Krupp 103,40, 5 u. H. Eisenbahn-Bank 84.13, 5 v. H. Eisenbahn-Rentenbank 95.50, Commerzbank 90,50, Dresdner Bank 91,13, Harpener 114,75, Klöckner 101, Mannesmann 91,50, Rheinstahl 114,75, Stahlverein 87, AKU. 62,65, AEG. 39 bis 39,25, Conti-Gummi 155,50, Conti-Linoleum 152,50, Scheibeanstalt 237, IG. Farben 157,25, Golbschmibt 109,25, Malnknast 98, Metallqesellschaft 115,75, Rheaq 138,50, RWE. 133,50, Schriftgießerei Stempel 63, Schuckert 128, Hapaq 17,25. Frankfurter Obst und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M., 30. Juli. Die Zufuhren nm Gemüsemarkt waren allgemein gut, auch her Verkauf nahm einen befriebigenben Verlauf. Für Einmachgurken zogen die Preise leicht an, für Kartoffel ließen sie weiter nach, während im übrigen gegen bie letzten Notierungen keine Veränderungen eintraten. U. a. notierten: Blumenkohl, Stück 10 bis 35, Buschbohnen 10 bis 16, Stangenbohnen 20 bis 22, Erbsen 15 bis 25. Salatgurken (Freilanb) 5 bis 10, Einmachgurken (Essig) 100 Stück 0,60 bis 1,00, dieselben (Salz) 1,00 bis 1,40, Karotten, Bündel 4 bis 5, Kartoffeln, Erstlinge 6 bis 6.5, Kauf- falat 3 bis 8, Rote Rüben 7 bis 8, Rotkraut 11 bis 15, Svinat 17 bis 18. Tomaten I 25 bis 28, II 15 bis 22. Weißkraut 6 bis 8, Wirsing 10 bis 12, Zwiebeln 5 75 bis 7. Der Dbftmarft verzeichnete gute Anlieferungen von Spillingen und Birnen, im übrigen blieben sie genügend. Der Verkauf befriedigte nur zum Teil. Für Brombeeren unb Himbeeren zogen die Preiese an, Spillinge und Zwetscken gaben nach, sonst lagen sie unverändert. Ausländische Pfirsiche und Birnen wurden lebhaft verkauft. U. a. notierten: Sommer-Aepfel 15 bis 35, Aprikosen 50 bis 65, Zuckerbirnen 10 bis 12. Brombeeren 35 bis 40, Heidelbeeren 30 bis 35. Himbeeren 45 bis 55, Johannisbeeren 20 bis 22, Sauerkirschen 38 bis 45, Pfirsiche 30 bis 50, italienische 27 bis 45, Susinen 30 bis 42, ital., Spillinae 28 bis 35, Stachelbeeren 15 bis 25, Zwetfchen 32 bis 40. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Oatum 6% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablos.-Schuld mit Auslos.-Rechten ........... 4l/«% Deutsche Reichspostschahan- Weisungen von 1934, I....... 6% ehem.8% Hess. Bolksstaat 1929 irückzahlb. 102%) *Vi% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 67t% ehem. Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Liaui ... *7i% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R.6 vberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten *Vi% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 iTi% ehem. 4*4% Franks. Hyp.. Bank-Ligu.-Pfandbriefe....... 67i% ehem. 4 7t% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpse *7i% ehem. 8% Pr. Landespfand- oriesanstalt, Pfandbriefe R. 19 *7i% ehem. 7% Pr. Landeöpsand- briesanst., Gold Komm. Cbl.VI tzteuergutsch.Berrechnungsk. 35-39 *% Oesterreichtiche Goldrente.... *,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente ....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 *7i% deSgl. von 1913.......... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Serie l............. Frankfurt a. M. Berlin Datum 17,5 17,25 6 131,25 I G. Farben-Jndustri« SchetdeanstaU....... 158,13 157,25 92,75 Banknoten. 61,5 33 9 Ml •I 193,25 I 34 193,25 1 193,25 | 193,25 Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt de|ch tofjenen Dividende an. - Relchsbankdiskont 4 o H.. Lombardzinsfuß 5 o H. 109,25 120,65 116,5 91,5 91,5 188 106 112 91,5 91,5 187,75 119,75 91,25 130 197 93,9 157,5 o 0 12 0 0 0 0 5 0 19,13 85,9 117 91,13 105,5 112 105,13 111,75 91,13 91,13 188,5 132 101 91,5 91,5 91,5 188,75 105,13 111,9 221,5 113,75 87,13 17,5 32,5 288,5 183 155,5 108,5 120 115,5 131,5 100 91,9 19 85,5 117 90,5 17,9 28,25 19,4 86,13 117,5 91,25 62,65 118 120 91,5 v o 0 0 7 0 6 0 0 0 12 8 Goldschmidt .... RütgerSwerke ... Metallgeiellschast. . 6 . 0 12 B/i . 0 .. 0 Schluß- hird 92 122,9 135 39,25 139,5 117,25 133,25 109 127,13 138,5 133.5 128 182,5 133,5 114,75 102,65 170 131,5 100,75 91,5 17,25 28,5 19,13 86 117,5 90,5 71 9 0 182 155,25 157,25 237 109,25 120,5 115,75 Schluß- kurS 39725 139,25 117,75 133,75 109 127 139,5 133,65 128 181,25 134 114,75 103 114,75 103 38,9 139,65 116 133 109 126,75 138,5 134 128,25 182 133 221,5 114 87,4 17,5 131,75 129,75 197 221,5 114,9 87 18 132,5 130 198,25 115 103,13 169 132 100,25 92,13 221 114,75 87 18 132 129,5 198 158,25 112 62,65 118,5 120,13 92 135 93,9 158 88,25 32,13 288,75 183 155,65 0’. 5 4 Grttzner . Mainkraftwerke Höchst a.0.. Süddeutscher Zucker 39,25 139,5 117,25 134 109 126,75 138,5 133,75 128 182,75 134,5 Mtpv Holzmann .... sementwerk Heidelberg ementwerk Karlstadt.. Mansselder Bergbau .. Kokswerke ........... Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen Rhetnslahl ........... Bereinigte Stahlwerke. Otavt Minen Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln. Kaliwerke Salzdetfurth 113,25 61,75 114,5 120,5 91,75 135,5 94 158,4 89 32,5 286,5 182 f) 34,13 Hamburg-Amerika-Paket Hamburg-Südam. Dampfschiss . Norddeutscher Lloyd ......... A.G. für Verkehrswesen Akt. .. Berliner Handelsgesellschaft ... Commerz- und Privat-Bank ... Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft Dresdner Bank Reichsbank ................ : 34,5 98 158 237,5 110 120,4 116 I Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. A.E.G o Bekula.................... io Elektr. LieserungSgeiellschaft... 5 Licht und Kraft .........6% Felten & Guilleaume 0 Gelellsch.s.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität Rhein. Wests. Elektr Schuckert L Co. .. Siemens & Halske LahmeyerLCo. Schultheis Patzenhofer Aku (Allgemeine Kunstseide) Bemberg................. Zellstoff Waldhof Zellstoff Aschaffenburg Dessauer Gas ............. Daimler Motoren ....... Deutsche Linoleum ........ Orenstein L Koppel ........ Westdeutsche Kaufhof Cbade................ Aecumulatoren-Fabrik ..... ttonH-®umnu............. Harpener Hoesch Eisen—Köln-Neueste» Ille Bergbau Ulle Bergbau Genüsse Klöcknerwerke Mannesmann» Röhren Schluß,. Abend- börie 30 7 109,9 Schluß. Mittag- börse 30-7 109,5 121,25 29 7 110 122,13 29 7 HO- Buderu» Deutsche Erdöl Gelsenkirchener 92 | 92,13 I 121,5 - 1351 -I D 6 4 7 7 >. 0 . 0 . 0 . g . 6 •K o Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börse Schluß- lurs Schlußk. Mittag- börle 29 7 30 7 29 7 30.7. 101 100,75 100,75 100,75 97,9 97,75 98,13 98 103,13 103 103,13 103,13 111,8 111,8 111,9 111,8 100,4 100,4 100,4 100,4 97,75 97,75 97,5 97,6 96,5 96,5 — — 101 101 — — 93 93 — — 129,5 129,5 — — 115,75 115,5 115,5 115,5 96,5 96,5 — — 101,4 101,4 — — 101,9 101,75 102 102 97 97 97 97 97 97 97 97 107,3 107,3 107,3 107,3 29,75 29,5 — 30,25 1,55 1,55 1,6 10 10 10,2 10,1 9,75 9,75 9,75 9,9 — 9,75 9,9 9,95 12 12 11,75 12 — — 12 — Frankfurt o. M Berlin Schluß- turs Schluvl. Abend- börsc Schluß- lurs Schlußk. Mittagbörse Datum 29 7 30 7 29 7 30 7 4% vesgl. Serie II ............ _ _ 5% Rumän. vereinh. Rente b. 1903 6,25 6,5 6,5 6,6 4Vr%Rumün.vereinh.Rentev.l913 8,4 8,25 8,3 8,75 4% Rumänische vereinh. Rente .. 5,25 5,25 5,1 2'4% Anatolier ............... 39,2 39 39,25 39,13 29 Juli 30 Juli ' Amtliche Notierung Amtliche Notierung Gelb Äries Geld 1 Brief Buenos «tre> 0,663 0,667 0,663 0,667 Brüssel .... 42,01 42,09 42,01 42,09 Rio de Ian. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,90 55,00 54,94 55,04 Danzig..... 46,88 46,98 46,90 47,00 London ..... 12,295 12,325 12,30 12,33 Helsingfors.. 5,42 5,43 5,425 5,435 Paris ...... 16,39 16,43 16,40 16,44 Holland .... 168,03 168,37 168,28 168.62 Italien..... 20,41 20,45 20,41 20,45 Japan ...... 0,724 0,726 0,723 0,725 Jugoslawien. 5,684 5,696 5,684 5,696 Oslo..... ; 61,80 61,92 61,83 61,95 Wien....... 48,93 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,15 11,17 11,165 11,185 Stockholm... 63,40 63,52 63,43 63,55 Schweiz .... 80,97 81,13 81,06 81,22 -Spanien.... 34,05 34,11 33,98 34,04 Prag....... Budapest ... 10,28 10,30 10,285 10,305 Reuyork... 2,481 2,485 2,481 2,485 Berlin, 30 Juli Geld Brie, Amerikanische Noten.............. 2,433 2,453 Belgische Noten.................. 41,82 41,98 Dänische Noten ................. 54,88 55,10 Englische Noten ................. 12,265 12,305 Französische Noten............... 16,35 16,41 Holländische Noten............... 167,86 168,54 Italienische Noten................ 18,96 19,04 Norwegische Noten ............ 61,62 61,86 Deutsch Oesterreich, i 1OO Schilling Rumänische Noten............... —» — Schwedische Noten............... 63,21 63,47 Schweizer Noten............... 80,83 81,15 Spanische Noten................. 33,62 33,76 Ungarische Not«................ Nr. 176 Drittes Blatt Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberheften) Mittwoch, Zl.Zuli 1955 DasLnsantene-Regiment Gießen übt in Oberheffen Oie Gchlußgefechie am gestrigen Dienstag. Gemeinsame Liebling des I. und 111. Bataillons. Am gestrigen letzten Tage der Regimentsübungen des JR. Gießen lag das I. Bataillon in der Ausgangslage in kriegsmäßigem Biwak an der gleichen Stelle wie am Vorabend bei dem friedens- mäßigem Biwak in der Nähe von K l o st e r Arnsburg. Das I. Bataillon (Blau) wurde gestern morgen um 4.20 Uhr alarmiert, da die Nachricht einae- laufen war, daß der Gegner — bei dieser Hebung handelte es sich nicht um eine Annahme, sondern der Feind wurde vom III. Bataillon IG. Gie- ßen (Rot) dargestellt — vom Süden her im An- marsch sei und die Flanke des I. Bataillons be- ?ataiUon erhielt den Auftrag, die süd- Uche Flanke der mit Front nach Osten kämpfenden Dwlston gegen diesen neuen Gegner zu schützen Es ruckte daher, nachdem das Biwak beschleunigt abgebrochen worden war, über Muschenheim zu dem Höhenzug südlich Bettenhausen. Dort begann alsbald lebhafte Aufklärungstätigkeit, um feftzustellen, wo sich der aus Süden gemeldete Gegner befand. Nach einiger Zeit gingen Meldungen ern, aus denen zu ersehen war, daß der Feind sich rm Vormarsch auf Utphe befand. Nunmehr entwickelte sich vor den Augen des Bataillons der Angriff des Gegners in dem breiten, übersichtlichen N»von Trat g Horloff bis Utphe. Das 111. Bataillon (Rot) erschien aus der Richtung Unter-Widdersheim, entfaltete sich und ging in breiter Front über die Felder dieses Tales vor Der Angreifer wurde vom I. Bataillon (Blau) fo früh wie möglich unter Feuer genommen. Bei diesem Stand des Gefechts bot sich dem Beschauer der Anblick eines Angriffs von weitesten Entfer- nungen bis kurz vor die Front des Verteidigers. Unter dem Abwehrfeuer von Blau ging der Rote Gegner aus seiner anfänglichen Gliederung der Marschsicherung über Entfaltung zur Entwicklung über, d. h. immer mehr verschwanden die einzelnen Soldaten des Roten Gegners und dessen einzelne Waffen im Gelände, und immer lichter wurden die Formen. So gelang es Rot, sich langsam der Front von Blau zu nähern. Kurz bevor es hier zum Zusammenstoß kommen mußte, erhielt Blau die Nachricht, daß sich nunmehr die Blaue Division vom Gegner gelöst habe und somit der Stoß von Rot die gefährdete Flanke nicht mehr treffen könne. Hiermit war der Auftrag des I. Bataillons (Rot) erledigt, und es ging nunmehr zurück. Bei diesem Stande wurde die Hebung abgebrochen. Nach der Besprechung, bei welcher der Regimentskommandeur Oberst V i e r o w das Wort zur Kritik ergriff und gleichzeitig den bei der Hebung an- wesenden Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger willkommen hieß, rückte das I. Bataillon nach Gie- ßen ab, wo es kurz nach 17 Hhr eintraf und von zahlreichen Volksgenossen herzlich begrüßt wurde. Bei einer Rückschau auf die Hebungstage erinnern sich die Angehörigen des Bataillons mit be- sonderer Freude und mit großer Anerkennung ihrer Quartiergeber im Vogelsberg und in der Wetterau, denen sie für die herzliche Aufnahme aufrichtigen Dank wissen. Das n. Bataillon. Am gestrigen letzten Hebungstage des Bataillons waren Rot und Blau im Raume nördlich Bersrod ihrer Lage entsprechend aufgebaut. Rot hatte bei Punkt 310 eine Verteidigungslinie eingerichtet und hier besonders schwere und leichte Maschinengewehre mit guter Tarnung zum Schutz eingesetzt. Blau, im Angriff aus östlicher Richtung, hatte laut Flieger- und Spähermeldungen mit seinen vorderen Teilen bereits die gegenüberliegenden Waldstücke erreicht. Weiteren Meldungen zufolge konnte Rot damit rechnen, daß sich der Gegner zum Angriff bereitstellte. Hm 10.15 Hhr erfolgte der Angriff. In breiter Front griff Blau mit starken Kräften an und er- sichte im stärksten Abwehrfeuer von Rot den Grund vor der roten Verteidigungslinie. Plötzlich setzte der Angriff blauer Panzerwagen ein, denen cs gelang, die rote Hauptkampflinie zu durchbrechen. Die nachfolgende blaue Infanterie zerstörte sodann die letzten Stützpunkte von Rot und brach weiter durch. Kurz darauf wurde die Hebung abgebrochen. Bei der anschließenden Besprechung wies der Leiter nochmals besonders auf den Wert gerade dieser Hebungen hin. Sodann formierte sich das Bataillon zum Rückmarsch nach Gießen auf der Straße Bersro d— Gr.-Buseck — Rödgen — Gießen. Das Musikkorps, das die Truppe abholte, wurde unterwegs mit großer Freude empfangen. Kurz vor der Stadt, am Schützenhaus, ließ der Kommandeur noch einmal das Bataillon im Paradeschritt an sich vorbeimarschieren, wobei er mit vollster Befriedigung auf die ausgezeiechnete Haltung der Truppe blicken konnte. Nunmehr rückten die Kompanien in ihre Kasernen ein. Am Schlüsse der Hebungen denkt das Bataillon gerne und mit Dankbarkeit an die Quartiergeber und die Quartierorte zurück, in denen den Soldaten überall die herzlichste Aufnahme bereitet wurde. Aus der provinzialhauvtstadt. Oie Entdeckung der Haut. Don Or. med. Albrecht Ohlendorf. Es ist noch gar nicht allzu lange her, daß das Hautorgan in den Gesichtskreis der ärztlichen Betrachtung und wissenschaftlichen Forschung gelangt ist. Erst seit 80 Jahren etwa gibt es eine ernsthafte wissenschaftliche Lehre von den Hautkrankheiten. Sie bestand zunächst darin, das Hautorgan aus der Gesamtheit des menschlichen Körpers herauszulösen. Die Haut wurde in dem Aufbau ihrer Gewebe sorgfältig studiert und es entstand eine höchst kmoplizierte und schwierige Hnterscheidung der ein- deinen Krankheitsmerkmale, die bis auf die klein- ften Einzelheiten sich erstreckten, die aber in der Praxis des Arztes beim kranken Menschen oft ge° mig zum Versagen verurteilt war, weil man zeit- weise zu vergessen schien, daß die Haut zwar ein einzelnes, aber ein höchst lebenswichtiges Organ für den gesamten Organismus sei und daß jede innere Veränderung gleichsam rote in einem Spiegel auf der Haut ihren Niederschlag findet. Seit einigen Jahren ist man sich dieses innigen Zusammenhangs zwischen Haut und inneren Organen wieder bewußt. Man weiß, daß die Haut lebenswichtige Funktionen zu erfüllen hat und daß thre Störungen niemals oberflächlich als harmlos betrachtet werden sollten, sondern oft einen Hinweis auf wichtige Schwankungen der gesundheitlichen Harmonie geben. Dor allem seit man die große Krankheitsgruppe der allergischen Krankheiten zu ergründen begonnen hat, der Leiden, die auf eine angeborene oder erworbene Heberempfindlichkeit gegen bestimmte körperfremde Stoffe zurückzufüh- ren sind, weiß man, daß die Haut als eines der wichtigsten Empfangsorgane für allergische Reize gesundheitlich entscheidend ist. Wir müssen bedenken, daß die Haut des modernen Menschen ständig in ihrer normalen Tätigkeit gehemmt und beeinträchtigt wird durch die Hnver- nunft der Kleidung, durch Schädigungen des Berufes. Die Haut bildet ja die eigentliche Scheide- wand zwischen dem Ich und der Umroelt, auf der viele Konflikte zwischen Ich und Umroelt nun ein» mal unvermeidlich zum Austrag gelangen müssen. In gleicher Weise, wie die inneren Erkrankungen bas Hauptorgan beeinflussen und verändern fön- ncn, so geht auch von den äußeren Schädigungen des Hautorgans ein unter Umständen gefährlicher Reiz für die inneren Organe aus. Tierexperimentelle Untersuchungen eines japanischen Forschers haben unlängst erwiesen, daß künstlich verursachte Haut- entzündungen fast an allen inneren Organen, fast für den gesamten Ablauf des Stoffwechsels und der chemischen Vorgänge im Körper tiefgreifende Der- änberungen Hervorrufen. Die Pflege des Hautorgans ist daher eine der notwendigen Forderungen Der körperlichen Hygiene. Eine gesunde Haut hängt weitgehend von einer ausreichenden Zufuhr an Vitaminen und ultra- violetten Strahlen ab. Es reicht nicht aus, nur während der allzu kurzen Ferienzeit die Haut mit Sonne zu „füttern". Wir sollten auch ernsthaft daran denken, während des Alltags, während des mit Recht „grau", d. h. fonnenarm genannten Alltags, während der trüben Jahreszeiten der Haut ihr Quantum Sonne, das sie zum Leben braucht, ständig und ohne Hnterbrechung zuzuführen, sei es durch Bestrahlung mit dem ultravioletten Licht der künstlichen Höhensonne, sei es durch eine geregelte und ein wenig verständig durchdachte Form der Ernährung, in der die zum Aufbau des Organismus und zum gesunden Leben der Haut notwendigen Vitamine reichlich vertreten sind. Es gibt viel chronische Hautkrankheiten, die, selbst wenn sie gegen jede andere Form der Behandlung unzugänglich sind, durch eine intensive Bestrahlung schnell geheilt werden können. Wir denken hier zum Beispiel an die Schuppenflechte, diese weitverbreitete und noch immer rätselhafte Krankheit, von der wir zwar auf Grund wissenschaftlicher Unter« suchungen annehmen dürfen, daß sie in Stoffwechselvorgängen des Körpers ihre Ursache hat, deren genauere Natur aber bisher noch unbekannt geblieben ist. Die Schuppenflechte pflegt zwar, sobald die Bestrahlungen aufhören, leicht wiederzukehren. Aber wir haben doch hier einen wichtigen Anhalt dafür, daß die Bestrahlung mit ultravioletten Strahlen eine unmittelbare Heilkraft ausübt, die bas Hautorgan unb bie mit ihm zusammenhängenden Stoffwechselvorgänge wohltätig beeinflußt. Es wird die Aufgabe weiterer ärztlicher Forschung sein, diese Zusammenhänge endgültig aufzuklären und für eine systematische und durchgreifende Heilbehandlung der Haut zu verwerten. Deutsche Arbeitsfront. Amt für Arbeilsführung unb Verusserziehvng, rvirlschaflsgruppe Banken unb fttebif. Heute, Mittwoch, 31. Juli, abends 7.30 Hhr, im Hotel Hindenburg, Seltersweg, Fortsetzung der Vortragsreihe „Der deutsche Außenhandel und seine Finanzierung". Referent ist Prokurist R. Sterly, Frankfurt a. M. Der Besuch der Vortragsreihe ist für sämtliche DAF.-Mitglieder frei. Die öcutfthe Arbeitsfront 7 n.0.=0emeinf(haft „Kraft durch frcuöc" Urlaubszug Büsum St. Peter - Ording vom 2. bis 9. August. Die Fahrkarten zu dieser Fahrt können in den Dienststunden auf dem Büro, Schanzenstraße 18 II, Ammer 8, abgeholt werden. Der Zug fährt in Gießen ab 22.55 Hhr. Ankunft in Gießen am 9. August 6.56 Hhr. Wochenendfahrt nach Königstein im Taunus. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" fährt am Sonntag. 4. August, eine Wochenendfahrt nach Königstein im Taunus. Diese Fahrt bietet den Teilnehmern Gelegenheit, das schöne Städtchen Königstein und den Taunus kennenzulernen. Der Fahr- preis beträgt mit Mittagessen 4 Mark. Bildung einer Laienspielschar. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" be« absichtigt, eine Laienspielschar aufzustellen, die im Laufe des Winters bei verschiedenen Kreisveranstaltungen gutes Laienspiel zur Ausführung bringt Volksgenossen, die Lust, Liebe und Talent mit« bringen, werden gebeten, sich bei der NS-Gemein» schäft „Kraft durch Freude" Gießen, Schanzenstr. 18, zu melden. Wochenendfahrt in das schöne Oberhessen. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" fährt am Sonntag, 4. August, eine Wochenendfahrt in das schöne Oberhessen. Die Fahrt geht in Gießen ab 7 Hhr über Laubach nach Schotten, von dort nach Gedern, von Gedern nach Hirzenhain. In Hirzenhain machen wir eine kleine Rast, gehen über den Berg nach dem Stauweiher Hillersbach, etwa 30 Minuten Weg, wo wir lagern und baden können. Am Hillersbach sind wir gegen 9.30 Hhr. Die Fahrt geht- dann gegen 11 Hhr weiter nach Ortenberg, wo im Gasthaus „Zur Post" Mittagessen um 12.30 Hhr eingenommen wird. Nach dem Mittagessen machen wir einen Spaziergang durch Orten- berg und Umgebung. Wir behaupten nicht zuviel, wenn wir sagen, daß Ortenberg eines der schönsten Städtchen in Oberhessen ist. Gegen 15 Hhr geht die Fahrt weiter nach Bad Salzhausen, wo wir im Kurhaus unter schattigen Bäumen den Abend verbringen werden. Der Fahrpreis mit Mittagessen und Nachmittagskaffee beträgt 4,50 Mark pro Person. Großer Bunter Abend mit Willy Reichert. Willy Reichert — ein Name, der ein Begriff wurde, der Begriff des schwäbischen Humoristen. So wie der Name Rastellis unzertrennlich mit dem Jonglieren, der Name Caruso unzertrennlich mit Gesang verknüpft ist, so Reicherts Name als der Inbegriff schwäbischer Komik, einer Komik, deren erster Repräsentant er ist, einer Komik, die bisher keiner nachzuahmen verstand. Er wurde entdeckt — im Feld, in einer Kneipe, an einem klapprigen Klavier. Nach Kriegsende, wer kannte ihn da? Niemand, selbst in seiner Vaterstadt Stuttgart nicht. Heute ist er der populärste Mann Württembergs. Der Willy nennt man ihn, und es ist nicht nötig, mehr als das zu sagen: jeder weiß, wer gemeint ist. Es ist wahr: wer Reichert auf der Bühne sieht, sieht und liebt in ihm sein eigenes gutes ungelöstes Ich- das bei jedem Menschen, ad), so gerne gut, entspannt und freundlich fein möchte, nur bei den wenigsten so aus sich heraus kann wie bei ihm. Am Samstag, 24. August, kommt Willy Rei- chert zu einem ganz großen Bunten Abend der NS. - Gemeinschaft „Kraft durch Freude" nach Gießen. Sor dem Besinn des Vogelzuges. In der Vogelwelt ist es stiller geworden. Die Mauser hat bei vielen Arten bereits begonnen. Die Vögel ersetzen ihr Federkleid, das unter dem Einfluß der Witterung unansehnlich geworden ist, durch ein neues, bas aber nicht mehr die leuchten- den Farben des Hochzeitskleides im Frühjahr trägt, sondern einfarbiger ist. Männchen und Weibchen sehen sich jetzt ähnlicher. Die Vögel leben nun auch zurückgezogener. Das muntere Volk der Meisen, das im Winter und Frühling die Gärten belebt, ist nahezu verschwunden. Vereinzelt findet man zwar noch fütternde Vögel, so den Zaunkönig und Grünfinken, im allgemeinen ist aber die Brutzeit beendet, und die Vögel, soweit sie Zugvögel sind, bereiten sich auf den großen Zug nach dem Süden vor. Das beste Beispiel für den Beginn des Zuges, das jedem aufmerksamen Beobachter auffällt, ist der Abzug des Mauerseglers, der fast regelmäßig in den letzten Julitagen verschwindet. Auffällig sind jetzt die Scharen der Jungstare. Sie sind es auch. NIVEA mild, laicht schäumend, ganz wundervoll im Geschmack Rätselhafte Stunde. Don Werner Schumann. Inmitten eines ausführlichen Großreinemachens, dem die Frauen seit eh und je mit besonderer Hingabe obliegen, polterte durch die engen, lichtarmen Gassen der sächsischen Stadt Halle eine Kutsche mit einem fremdartig und sehr vornehm gekleideten Passagier. Der Reisende kniff, als suchte er nach einem vertrauten Gesicht, prüfend die großen, tief in Fettwülsten liegenden Augen zusammen. Eine ungeheure Spannung lag in seinem übermäßig langen Gesicht. Im Gewirr der Nebengassen wurde das Pflaster immer beängstigender, hin und her schwankte der verstaubte Wagen wie ein Schiff im Sturm, endlich stand er mit einem Ruck vor dem hohen Eckhause „Am Schlamm". Der hünenhaft starke Reisende, ein schwerfälliger Mann in mittleren Jahren, quälte sich ächzend aus der viel zu winzigen Tür ins Freie hinaus und sah prüfend an den Fenstern empor. Er hatte eine lange Reise hinter sich, der berühmte Herr Georg Friedrich Händel aus Landon, er war im Auftrage seines Königs, der ihm eine Sängertruppe zu engagieren befohlen hatte, von England nach Düsseldorf und von Düsseldorf nach Dresden geeilt, feine Aufgabe zu erfüllen. Nun aber rief ihn mächtig das Herz. Noch ehe er feine gewaltige Pranke, die zierliche weißsei- dene Spitzen zur Hälfte bedeckten, auf die Messing- klinke legte, rasselte die Türglocke mißtönig und ein verhutzeltes Frauchen erschien mit lauten Ausrufen des Staunens und der Freude auf der Schwelle. Aber sie kam nickt weit damit, der Riese umschlang bas dürftige Geschöpf, das ihm einst in der Not seiner Knabenjahre so tapfer Beistand geleistet, deckte es beinahe zu mit der Fülle feines Leibes. „Tante Anna, herzliebes Tantchen", rief er, sich den Teufel mm die neugierigen Gassenbuben scherend, „Gott qum Gruß, doch nun führt mich schnell zu meiner Mutter!" Unb sie betraten den langen, halbdunklen, -ausladenden Korridor, wo es nach frisch gebackenem Rosinenkuchen und Hyazinthen duftete, und der Starke mußte einen Augenblick erschöpft innehalten. Hier, an dieser Stelle, hatte sie ihn sonst immer empfangen. Hier hatte er sie übermütig mit kräfti- Sen Armen emporgehoben. War sie denn krank? Die lngst kroch ihm in die Kehle, er riß sich los, nahm mit wenigen Sätzen die breite, dunkle Treppe; durchstürmte ungefüg zwei, drei Zimmer, die eine unsagbare Leere aushauchten, fand die Schwarzgekleidete endlich, endlich in ihrem Dorderstübchen, in der „Strickecke", die Füße auf eine gepolsterte Rutsche gestellt und das ach so grau und faltig gewordene Gesicht fragend nach der Tür gerichtet. Er neß der Zitternden keine Zeit, zu fragen, wer denn ba so hereinbrause, rote ein zusammenbrechender önerjanf er der Trauernden zu Füßen und barg sein übergroßes Gesicht mit der grauen, gewellten Perücke in ihrem kleinen Schoß. Sie sprachen nicht viel in diesen Minuten des Wiedersehens nach so langer Trennung. Aus ihren Tränen und Umarmungen löfte sich der eine geliebte Name: Dorothea Sophie. Er hatte nicht hier sein können, als man sie zu Grabe trug, die seine liebste Schwester ge- wesen. Der große Familienkreis war auf drei zu- sammengeschmolzen: die beiden alternden, einsamen Frauen und den gefeierten Georg Friedrich, der für die Mutter, die keine zehn Meilen weit von Halle entfernt hatte, in einer unbekannten, ihr unfaßbaren und furchteinflößenden Welt lebte. Sein Lebensweg hatte ihn vom „Schlamm" bis zu den Sternen geführt. Dem der Vater nichts Vernünftiges zugetraut, ging nun bei Königen und Herzoginnen, bei Grafen und Kardinälen ein und aus. "Georg", sprach die Erschütterte leise in ihres knie- enöen Sohnes riesiges Ohr, „leibhaftig habe ich dich nun wieder. Aber kann ich dich halten? Wirft du einmal bei mir bleiben?" Was hätte Georg Friedrich darauf erwidern sollen? Daß er dem „Schlamm" und der kleinen Stadt Halle längst und für immer entwachsen sei, daß ihn die große Welt nicht mehr losließ, wo ihn die Tonleiter in den Himmel unvergänglichen Ruhms getragen? Jenes brausende und bunte Leben seiner Triumphe, die ihm immerhin gestatteten, seiner Mutter von Zeit zu Zeit etliche Dukaten zu schicken? Indem er die Halberblindete schweigend küßte und sie, die an einem Stocke nur sehr langsam noch durch die viel zu langen Zimmerfluchten sich zu den schweren Möbeln fortberoegen konnte, an den von Tante Anna bereiteten Tisch führte, drängte sich ihm schmerzvoll ein Gefühl der Aermlichkeit' auf, langsamen Hinsiechens und Verfalls, der die Menschen und Dinge unerbittlich ergriffen hatte. Sie trauerten miteinander, die im Herzen Unzer- trennlichen, und nur wenn sich der Schwager Mi- chaelfen, einsttge Freunde, Schulkameraden, unberühmtere Kollegen im Haus am Schlamm einfanden, erging sich der Weitgereiste in AneHoten, erZählte er von der wundersamen Anastasia Robinson, vom märchenhaft reichen Fürsten Ruspoli, von der ewigen Stadt, wo er einst, geringer an Jahren und Leibesumfang, zu einem unvergeßlichen Osterfest die Auferstehungsmusik „La Resurrezione" komponiert habe. Welch ein Erfolg, welche Pracht der Roben, welche Schönheit der Frauen! An dieser Stelle schaltete sich die Mutter ein: die Frauen, höre sie, flögen ihm ja nur so zu, in seinem Alter könne man wohl an ein eigenes Heim denken, auch Herr Bach ... Aber Georg Friedrich ließ sie nicht ausreden, winkte lachend ab: er sei, wenn er von der Mutter und seiner guten Tante absehe, nur einer Liebe ergeben, die ihn völlig ausfülle: der Kunst ... Ja, der Herr Johann Sebasttanus Bach! Nun er wieder an seinem alten, braven Spinett mit den kunstvoll geschweiften Füßen saß, bewaffnet mit Notenpapier, Tinte und Feder, ging sein Sinn öfters nach Leipzig. Auch der alte Zachau, der kreuzehrliche Organist, der seiner jungen Musikantenseele vor einem Dierteljahrhundert die ersten Flügel geliehen hatte, sprach von dem Kantor und Kom- pomsten Bach mit solcher Ehrfurcht und Bewunderung, daß einen anderen als Händel vielleicht die Eifersucht gepackt hätte. Wie ein Rauchfähnchen im Winde waren die Tage in der. Heimat vorüber. Händel wußte, daß es ein Abschied für lange, lange Jahre sein würde. Aber Deutschland vermochte ihn damals nicht zu locken. Aus dem großen Chor der echten und falschen Talente hörte er eigentlich nur eine, allerdings machtvolle Stimme: Bach. Händel war es unbegreiflich, wie dieser Geist in der Enge sich entfalten und erfüllen konnte. Trug ihn selbst doch sein Fementtieb pausenlos durch die Welt des Glanzes und der unbegrenzten Möglichkeiten. Erregender Gedanke: ein Stündlein mit Bach, dem fast Gleichalttigen und Kongenialen, einmal ihm in die Augen sehen, ein freundliches Wort tauschen ...! Nur Zeit! Händel, der Ruhelose, Unftete, Gejagte, hatte nie welche. Was er der Kunst entzog, gehörte der Mutter. So reifte er also wieder ab, verließ das still gewordene Elternhaus, an einem stürmischen, trockenen Maimorgen trug ihn die Kutsche westwärts zur Stadt hinaus. Zu eben dieser Stunde erlaubte sich das Schicksal eine unergründliche Ironie: es ließ auf anderem Wege, vom fünf Meilen entfernten Leipzig her, Johann Sebastian Bach sich der Stadt Halle nahen. Bach hatte von halleschen Freunden vernommen, daß Händel zu Besuch bei seiner Mutter weile, und sich dann kurz entschlossen, den berühmten Landsmann in seiner Heimatstadt aufzusuchen. Geheime Freude erfüllte ihn, Händel gänzlich zu überraschen. Genie trieb es urmächtig zu Genie. Aber bald sollte er das Hnbegreifliche erfahren: Händel war schon nach Eng- land unterwegs ... Da „es" hatte in dieser rätselhaften Stunde beider Schritte nach verschiedenen Richtungen gelenkt, in der Stunde einer niemals wiederkehrenden Rügung, da sie sich bis auf Rufweite fast nahegekorn- men waren: Händel aus weltweiten Kreisen' Bach aus begrenztem Zirkel. Nur die Gedanken beider begegneten einander an einem höheren, geheimnisvollen Kreuzungspunkt in den Dimensionen des Geistes. Waren sie nicht den leuchtenden Gestirnen gleich, die sich ein einziges Mal in ihrer unendlichen Exlsienz beängstigend nähern, um dann ihre höchst einsame Bahn weiterzuziehen, in einer majeftäti« scheu Verlassenheit, die bei beiden letztlich die gleiche 2flodfam Rahmen der Erzeugungsschlacht gegebenen fachmännischen .Belehrungen folgte und auf den Normalmorgen bis höchstens 15 Pfund Zwischensaat rechnete, kann von einem vollen Erfolg gesprochen werden. Ergab doch ein Probedrusch neben der normalen Körnerernte noch über zwei Zentner Erbsen, die sich ausgezeichnet zur Stoppel- und Grünfuttersaat eignen und auch im Handel mit 20 Mark je Zentner bezahlt werden. Bei zu starker Wlckeneinsaat wurde die Tätigheit des Haspels am Bindemäher etwas beeinträchtigt, so daß dieser keine saubere Arbeit leisten konnte. Durchweg gut wird die Weizenernte. Die Sorten Carsten V, General von Stocken und Strubes Dickkopf haben volle Kolben und sind frei von Rost und Brandkrankheiten. Am meisten hat der Hafer unter der Dürre gelitten. (—J Steinheim, 30. Juli. Schon nach Kriegs- ende wurde von den damaligen Lehrern B e p p l e r und K r e i l i n a alle im Dorfe vorhandenen A l - tert Ürner gesammelt und im Lehrmitteszimmer der neuen Schule untergebracht, um sie der Nach- welt zu erhalten und im heimatgeschichtwurden berufen die beiden Kolonnenärzte Dr. Clauß und Dr. Nenn Höfer, Fürstin Reinhard zu S o l m s-H o h e n s o l m s»L i ch, Dr. Hermann Otto, Erbprinz zu Solms- Hohenfolms-Lich, Apotheker Ludwig W e • der und Dentist Küster. Weitere Berufungen werden nach Durchführung der Werbung von neuen Mitgliedern erfolgen. Diese Werbung yat bis jetzt einen sehr erfreulichen Erfolg gehabt. Es traten 37 neue Mitglieder bei, so daß der Ortsmänner- verein jetzt 61 Mitglieder umfaßt. Der Verein bildet mit dem Alicefrauenoerein Lich eine Arbeitsgemeinschaft mit der Bezeichnung „Ortsverband Lich des Deutschen Roten Kreuzes". < Nieder-Bessingen, 30. Juli. Förster i. R. Georg Blei, der älteste Einwohner unseres Ortes und Veteran von 1870/71, konnte in körperlicher Frische seinen 8 7. Geburtstag begehen. Der alte Herr verfolgt alle Geschehnisie unserer Zeit noch mit regster Aufmerksamkeit. * Grünberg, 30. Juli. Frau Elise Köhler von hier, die älteste Einwohnerin unserer Stadt, rouVbe am 29. Juli 90 Jahre alt. + Grünberg, 30. Juli. Dieser Tage hielt der hiesige Fußball-Club 1 9 2 6 seine ordentliche Hauptversammlung in der Wirtschaft Adolf Repp Wwe. ab. Der Vereinsführer Willi Hartmann erstattete den Jahresbericht. Die beiden Mannschaften erledigten die vorgeschriebenen Verbandsspiele, ebenso wurden noch eine Anzahl Freundschaftspiele durchgeführt. Das Ergebnis war bei der 1. Mannschaft: 24 Spiele, davon 10 gewonnen, 13 verloren, 1 unentschieden; bei der 2. Mannschaft: 19 Spiele, davon 7 gewonnen, 10 verloren, 2 unentschieden. Die Jahresrechnung schloß bei einer Einnahme von 397,73 Mark und einer Ausgabe von 375,17 Mark mit einem Ueberschuß von 22,56 Mk. ab. Als Der- einsführer wurde Willi Hartmann wiedergewählt. Er bestimmte folgende Mitarbeiter: als fernen Stellvertreter: Ernst Repp, als Schriftführer: Karl Hamburger, Stellvertreter: Heinrich Dietz, als Rechner: Auaust Degen, Stellvertreter: Gg. Seibel, als Spielführer: Ernst Repp für die 1. Mannschaft und Walter Ritter für die 2. Mannschaft, als Ballwart: Ludwig Röder. Rach Besprechung einiger weiterer Angelegenheiten Svortgroschen, Fahrpreisermäßigung, Reichsbund ur Leiebesübunaen u. a.) wurde die Versammlung in der üblichen Weise geschlossen. «D Weickartshain, 31. Juli. Am heutigen Mittwoch können der Betriebsfübrer i. R. Heinrich Re eh und Frau Berta, geb. Mölcher, das Fest der Silbernen Hochzeit begehen. Der Jubilar war bei der Gewerkschaft „Louise" tätig, mußte aber vor drei Jahren aus gesundheitlichen Rücksicht ten in den Ruhestand treten. Das Ehepaar ist seit 25 Jahren Bezieher des „Gießener Anzeigers". * Oden hausen, 30. Juli. Die hiesige Ge- merndejagd wurde an den seitherigen Pächter Gras Schwerin - Friedelhausen zum Preise von 460 Mark weiter verpachtet. Kreis Friedberg. * Bad - Nauheim , 30. Juli. Bad-Nauhelm, dessen Gesamtbesucherzahl gegen das Dor- o f)r um 15 v. H. gestiegen ist, hat auch einen um 16 v. H. hoher liegenden Ausländerbesuch. * Wohnbach, 30. Juli. In unserem Orte ereignete sich ein schwererUnglücksfall, dem lewer das Leben eines Kindes zum Opfer fiel. Auf ®rnte®a9en des hiesigen Bauern Müller saß dessen elfjährige Tochter und außerdem ein hie- bracht, die die Mannschaften an das andere Lahn- ufer beförderten, um dort mit dem Brückenbau beginnen zu können. Die Arbeiten gingen glatt und ruhig oonftatten. Schon war der erste Steg am Ufer befestigt und schnell reihte sich Boot an Boot mit aufgelegten Brettern. An eingerammten Pfählen wurde noch eine Halteleine angebracht, und nach eineinhalbstündiger Arbeit war der Beyelfssteg fertig und die Stürme konnten den Fluß auf dem fertigen Steg überqueren, d. h. der Steg konnte für öen Verkehr freigegeben werden. Wenn man gesehen Hal, mit welchen primitivsten Mitteln der Brückenschlag vorgenommen wurde, bann kann man sich erst das richtige Bild von der Bewertung dieser gutgelungenen Linsahübung machen. Während die eine Hälfte der Pionier-Stürme an dem Brückenbau arbeitete, hatte die andere Hälfte die Aufgabe, durch ausgedehnte Absperrung den Brückenschlag zu sichern. Auch diese Aufgabe wurde mit großer Umsicht gelöst. Die SA. hat wieder einmal bewiesen, daß sie als Garant des neuen Deutschland allen ihr vom vom Führer gestellten Aufgaben gewachsen ist. Am vergangenen Sonntag standen die Stürme 1/116 (Allendorf a. d. Lda.), 2/116 (Mainzlar), 3/116 (Grünberg), 4/116 (Reiskirchen), 9/116 (Gro- ßen-Buseck), 10/116 (Steinbach), 11/116 (Hungen) und 12/116 (Lich) mit den Uebungen im Kleinkaliberschießen und 1000-Meter-Querfeldeinlauf und der Sturm 6/116 sowie der Nachrichtensturm mit den Leibesübungen im Wettkamps. Die erzielten Ergebnisse waren durchweg gute. Im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stand wohl die Einsatzübung der Pionierslürme in Gießen. Schon in früher Morgenstunde herrschte an der Lahn, zwischen Lahnbrücke und der Müllerschen Badeanstalt, reges Treiben. Die Stürme waren zu ihrer Leistungsprüfung angetreten. Es wurde angenommen, daß die Lahnbrücke gesprengt und der Verkehr über die Lahn dadurch vollständig unterbrochen sei. Es galt nun, so rasch wie möglich eine Notbrücke zu schlagen, um den unterbrochenen Verkehr wieder herzustellen. Zur Durchführung dieser Aufgabe wurden die Pionierstürme 15/116 und 16/116 eingesetzt. Sofort nach Befehlserteilung wurden auch schon die Pontons zu Wasser ge« ** Straßensperren. Im Zuge der Provin- zialsttaße Gießen —Alsfeld wird die Landstraße Mücke—Ruppertenrod—Ermenrod, Abzweig Ilsdorf, Abzweig Elpenrod, vom 7. August ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Ilsdorf—Groß-Eichen bzw. Ober-Ohmen. — Ferner wird auf der Landstraße Grünberg — Marburg die Strecke Abzweig Stangenrod—Abzweig Lumda vom 5. August ab für jeglichen 23er- kehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt hier zunächst über Stangenrod—Lumda, später über Lehnheim— Atzenhain—Lumda. **EinneuerVerbindungswegist durch teilweise Nutzbarmachung eines brachliegenden Ge- landes von der Bahnhofstraße aus nach der Unter- führung des Bahnkörpers in der Nähe des ©fiter- bahnhofs geschaffen, worden. Der neue Weg zweigt beim Caf6 Arnend an der Wieseck ab und führt am Wieseckgraben entlang bis zu der Brücke, die den Zugang zur Harnrnstraße unter dem Bahnkörper hindurch in der Höhe des Elektrizitätswerkes ermög- licht. Ein gefälliges Holzspalier grenzt den neuen Weg nach der Wieseck hin ab, während auf der anderen Seite ein Spalier das freie Gelände ein- friedigt. ** Luft- und Seepo st verkehr mit Amerika. Bekanntlich hat die Deutsche Reichspost bei den Uebersahrten der Dampfer „Bremen" und „Europa" nach und von Amerika Nachbringe- und 23orausflüge eingerichtet. Es wird besonders daraus hingewiesen, daß die Benutzung dieser Einrichtung in der Richtung nach Amerika Zeitgewinne bis zu vier Tagen ermöglicht. Mit den Nachbringe- und Vorausflfigen werden gewöhnliche und eingeschrie- bene Briefsendungen und Pakete beschränkten Umfangs befördert. Amtsgericht (Sieben Zwei Frauen aus Gießen wurden wegen Diebstahls, die eine im Rückfall, äu zwei Monaten Gefängnis bzw. 35 Mark Geldstrafe verurteilt. Die Angeklagten entwendeten im Kaufhaus Karzentra jede einen Schal, die ihnen jedoch sofort wieder abgenommen werden konnten. Sie bestritten in der gestrigen Hauptoerhandlung die Tat, konnten jedoch durch die vernommenen Zeugen überführt werden. Somit ist schon von vornherein eine Bürgschaft gegeben, daß nur gesunde Mannschaften die Zeltlager beziehen. Letztere selbst sind vor Inbetriebnahme schon kreisärztlich begutachtet worden. Gesundheitspflege im Lager. Wie ist es nun im Lager selbst? Jedem Besucher fällt neben anderem sofort das Sanitätszelt auf, das in jeder Hinsicht vorbildlich und genügend eingerichtet ist. Saubere Betten, Verbandkasten mit allen Derbandrnitteln, Medikamente aller Art, Tragbahren usw. Ffirsorgende Feldschere harren der „Fälle", die da kommen sollen. Sie „harren", denn in Wirklichkeit passiert weniger, als gemeinhin zu vermuten wäre. So entnehmen wir z. V. einem gesammen- fassenden Bericht des Gebietsarztes Dr. F e s e r über dle Krankheitsfälle in den 34 Zeltlagern des Gebietes Hessen-Rassau, daß die Erkrankungen im Durchschnitt nur 0,6 v. h. der Lagerteilnehmer betrugen, wobei es sich ausschließlich um leichtere Fälle handelte, während die Unfälle 2 v. h. der Lagerbesahung (Hautabschürfungen, Knieverlehungen usw.) ausmachten. Wit anderen Worten, von 160 Lagerteilneh- nehmern erkrankte bis jetzt einer leicht, drei verletzten sich geringfügig. Weiter heißt es in dem Bericht, daß bis jetzt keine ernsteren Erkrankungen und keine schweren Unfälle sich in den Lagern ereigneten, demgegenüber aber gesundheitliche Erfolge festzustellen sind, wie Gewichtszunahme von einigen Pfund, spürbare Erholung, Abhärtung usw., was sich für die Zukunft gewiß günstig auswirken wird. Diese Beobachtungen des gesamtverantwortlichen Arztes erhellen wohl ohne weiteres die Vorteile eines Zeltlager- aufenthaltes, um so mehr, als das Essen (5 Mahlzeiten am Tage), hergerichtet von erprobten Köchen, vorzüglich ist, und Trink- und Waschwasser hygienisch einwandfrei sind. Schickt darum eure Hungen in die Zeltlager der Hitlerjugend, gebt den Jungarbeitern Freizeit zu ihrem Besuch. Die Jugend dankt es euch durch verdoppelte Leistung. lichen Unterricht als Anschauungsmittel zu verwerten. Nun hat unser Lehrer Sommer die Sammlung vervollständigt und geordnet. Vollständig sind die Gerätschaften zur Flachsaufbereitung vorhanden. Wenn diese auch nicht zu dem durch die Erzeugungsschlacht notwendig gewordenen Flachsanbau gebraucht werden, so zeigen sie doch, welche mühselige Arbeit unsere Ahnen aufbringen mußten, um echtes Hausmacherleinen herzustellen. — Die am Sonntag vorgenommene B e s i ch t i - aung b e r P f l i ch t f e u e r w e h r durch Kreis- feuerwehrinspektor Bouffier (Gießen) hatte ein gutes Ergebnis. Bürgermeister Schmidt sprach den Dank der Gemeinde aus und lud zu einer vom jeher üblichen kleinen Nachfeier ein. — Obwohl der Wiesengrund im Horlofftal recht feucht ist, macht sich doch die dauernde Trockenheit stark bemerkbar. Nur da, wo sich die durch die Feld- bereinigung eingerichtete Bewässerungsanlage auswirken konnte, ist der Grasstand als befriedigend anzusprechen. Im allgemeinen sind die Grummetaussichten ungünstig. Die Fruchternte schreitet hier schnell vorwärts. Eben ist man am Hafersckmitt. Korn und Gerste sind schon unter Dach und Fach. Es ist mit einer Mittelernte zu rechnen. )( L i ch, 30. Juli. Unsere beiden E v a n g e [ i • schen Frauenhilfen unternahmen am Sonntagnachmittag mittler Bahn einen Ausflug nach Büdingen. Dort angekommen wurden sie von Lehrer H e u s o h n herzlich begrüßt und durch Büdingen geführt. Bei der Remigiuskapelle beginnend, wurden dann das Jerusalemer Tor, der Lohsteg, das Steinerne Haus, Marktplatz, Kirche und Schloß besichtigt. Nach einer Kaffeepaufe im Hotel „Zum Stern" fuhr ein Teil der Frauen mit zwei Postomnibussen nach der herrlich gelegenen Ronneburg, der artbere Teil setzte die Besich- tigung der Stadt unter der Führung von Lehrer H e u s o h n weiter fort, besuchte bas Gebfick mit bem Hexenturm, bie Gärtnerei und zuletzt die Schloßkapelle und bas Schloßmuseum. Gegen Abend vereinigten sich bie Frauenhilfen mit dem L i ch e r Kirchenchor, der schon morgens in Büdingen angefommen war und bie Ronneburg besichtigt hatte, zu einem gemütlichen Beisammensein, das durch manche schöne Lieder des Kirchenchors unter Leitung von Lehrer Stein verschönt wurde. Auch eines Geburtstagskindes wurde in finniger Weife vom Chor gedacht. Leider schlug die Abschiedsstunde vom schönen Büdingen viel zu früh. Aber die Besucher schieden mit Dank für all das Schöne, das das hessische Rotenburg ihnen gezeigt hatte, und für die interessante Führung von Lehrer Heu- s o h n, der es meisterhaft verstanden hatte, die vielen Schönheiten Büdingens Augen und Herzen nahezubringen. Kurz nach 21 Uhr trafen Frauen- Hilfen und Kirchenchor wieder in Lich ein. »» Lich, 30. Juli. Der hiesige Ortsmänner- verein vom Roten Kreuz hielt im Saale des „Holländischen Hofes" unter dem Vorsitz von Sttftsdechant Kahn seine diesjährige Hauptversammlung ab. Die neuen Satzungen wurden verlesen und einstimmig angenommen. Der Jahresbeitrag wurde auf mindestens 2 Mark festgesetzt, doch können Minderbemittelte und Kinderreiche ganz oder teilweise von der Beitragsleistung befreit werden. In die verschiedenen Aemter wurden satzungsgemäß berufen: zum stellvertretenden Vorsitzenden Halbzugsführer Lotz, 3um Schatzmeister der bisherige Rechner Rendant Müller, zum Schriftführer Forstrat Zimmer, als deren Stellvertreter Bäckermeister I h r i n g , Kaufmann von Die» mar und Pfarrer Crönlein. In den Beirat * 211 5 f e l b , 30. Juli. Das Kreisamt Alsfelb hat mit Zustimmung des Kreisausschusses und mit Ge- nehmigung des Reichsstatthalters in Hessen — Landesregierung — für den Kreis Alsfeld eine Polizeioerordnung erlassen, in der folgendes bestimmt wird: bie bie Kirschbäume plündern und sonst mancherlei Schaden anrichten. Es handett sich aber nicht um unsere einheimischen Jungstare, sondern um Zuwanderer aus dem Nordosten, aus Finnland, aus Livland und Lettland, die sich jetzt auf der Wände- rung in die Winterquartiere befinden. Unsere norddeutschen Jungtiere haben längst die Wanderung angetreten und befinden sich heute bereits in Holland und Belgien, in Nordfrankreich und an der Südwestküste Englands. Das zeigen mit aller Deutlichkeit die Beringungsergebnisse der Vogelwarte Helgoland, bei der alljährlich um diese Zeit Rückmeldungen aus diesen Gegenden eingehen. Auch in den Kleinvögeln regt sich jetzt der Zug- trieb, und so kann man schon vereinzelt Pieperarten, Nachtigallen und Rotschwänze ziehen sehen. Sie tauchen bald hier und bald da auf, wo sie sonst nicht zu finden sind, aber erst im August ziehen sie in größeren Scharen südwärts, und dann folgen ihnen auch die Fliegenschnäpper, die Laubsänger, der Kuckuck, die Rohrsänger und verschiedene andere Vogelartey. Ein verkannter Freund. Vom Landschaftsbund Volkstum und Heimat, Landschaft Rheinfranken-Nassau-Hessen, wird uns geschrieben: Im Darmstädter Hochschulstadion konnte man im letzten Jahre die Beobachtung machen, daß der Rasen trotz eifrigstem Bespritzen mit Wasser an vielen Stellen gänzlich verdorrt schien. Worauf war das zurückzuführen? Wenn man den Boden an diesen Stellen etwas aufgrub, konnte man eine Un- menae von Engerlingen finden, die die Wurzeln des Rasens abgefressen hatten. Was war aber die Ursache des ungeheuren lieber» Handnehmens der Engerlinge? Ich glaube, daß sie nicht zum geringsten darin zu suchen war, daß man mit zu großem Eifer die Maulwürfe bekämpft hatte. Der Maulwurf vertilgt Unmengen von schädlichen Insekten, während er Pflanzen, wie manchmal behauptet wird, überhaupt nicht frißt. Täglich nimmt er bas mehrfache seines eigenen Gewichts zu sich, da fein Bedarf an Nahrung sehr groß ist. Hauptsächlich aber hat er es auf (Engerlinge, die ja unseren Pflanzen oft so schädlich werden, abgesehen. Wenn er in seinen unterirdischen Gängen mehr Nahrung erhascht, als er verzehren kann, so füllt er damit besondere Vorratskammern an. Er hält keinen Winterschlaf und ist daher auch im Winter ein unermüdlicher Jnsektenjäger. Zugegeben, daß der Maulwurf oft durch das Aufwerfen seiner Haufen lästig wird, so soll man ihn doch wegen seines großen Nutzens unbehelligt taffen. Auf jeden Fall versuche man nicht, ihn durch Fallen zu vertreiben, denn in ihnen erleidet er meist einen qualvollen Tod. Will man ihn los sein, so kann man ihn auch dadurch vertteiben, daß man mit Petroleum ober Tieröl getränkte Lappen in seine Gänge steckt. Zagdgau Oberheffen. Fahrt nach Essen. Die Pressestelle des Gaujägermeisters für Oberhessen teilt mit: Für bie Ausstellung „Mensch und Tier im beut- schen Lebensraum", die soeben in Essen stattfindet, haben alle Jagdgaue Deutschlands hervorragendes Material geliefert. Wegen des großen Interesses, bas die Ausstellung dadurch für den Jäger besitzt, hat der Landesjägermeister für das Land Hessen einen gemeinsamen Besuch durch hessische Jäger in der Woche vom 11. bis 18. August vorgesehen. Die Fahrt ist auf zwei Tage berechnet, beginnt in Darmstadt und kostet an Fahrtkosten (Omnibus) 13 bis 16 Mark. Jäger aus dem Jagdgau Ober- Hessen, die daran teilnehmen wollen, melden sich direkt bis spätestens 3. August bei dem (Baujäger- meister für Oberhessen, Gießen, Stephanstraße 4. Sollte die Zahl der sich aus Oberhessen Meldenden groß genug sein, so ist ins Auge gefaßt, die Fahrt als Sonderfahrt für Oberhessen von Gießen aus zu unternehmen. Wer nur an einer solchen Fahrt teilnehmen würde, muß dies bei seiner Meldung angeben. Vornotizen — Tageskalender für Mittwoch: Deutsche Arbeitsfront; Amt für Arbeitsführung und Berufserziehung, Wirtschaftsgruppe Banken und Kredit, Gießen: 19.30 Uhr im Hotel „Hindenburg": Fortsetzung der Dorttagsreihe „Der deutsche Außenhandel und seine Finanzierung", Referent Prokurist R. Sterly, Frankfurt a. M. — NS.-Gemeinschaft ..Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr im Volksbad Schwimmen. — Lichtspielhaus, (Bahnhofittaße): „Ein Walzer für Dich". — Massenchorprobe der Gießener Sänger um 20 Uhr im Caf6 Leib. — nicht verstummen, der Junge könne im Lager erkranken, sich verletzten, oder aber eine böse Krankheit könne ins Lager eingeschleppt werden. Diese Besorgnisse sind unbegründet. Wird doch alles getan, um einerseits jede Möglichkeit auszuschalten, Krankheitskeime in das Zeltlager hineinzutragen, anderseits werden Vorbeugungsmaßnahmen getroffen, um die Erkrankungsmöglichkeiten innerhalb des Lagers auf ein Mindestmaß zu beschränken und drittens erfolgt sofortige Behandlung aller etwa im Lager vorkommenden kleinen Unfälle. AerzilicheLlntersuchungvvrLagerbeginn Jeder Junge, der zum Zeltlager einberufen ist, wird zunächst gründlich durch einen Arzt untersucht. Ein Rachenabstrich wird gemacht und einer näheren Prüfung unterzogen, Zunge, Rachen, Mandeln beobachtet, Herz und Lunge geprüft und abgehört, etwaige frühere Krankheiten notiert. Der Gesundheitszustand eines jeden Jungen wird so eindeutig festgelegt und nur der zum Lager einberufen, der vollkommen gesund ist. dazu beigetragen hat, sie in ihrem Vorsatz zu stärken. Eine polizeivervrdnunq zum Schuhe der H ^.-Uniform. Die Leichtathletik beim Sausest ^JL-Sport Aus den preußischen Nachbargebieten Die letzten Urteile im Darmstädter Kommunistenprozeß. Lpd. Darmstadt, 28. Juli. Am vierten und letzten Verhandlungstag im Prozeß gegen die 23 Heinrich Konrad Doll, der noch schafft wie ein Junger und am 8. August dieses Jahres 80 Jahre alt wird. Seit über 50 Jahren gehört er dem Gesangverein „Germania" als aktiver Sänger an und versäumt heute noch keine Singstunde. Große Strafkammer Gießen. Der Georg D u ck st e i n aus Bad-Nauheim, der Kurt Diefenbach und der Rudolf Diefenbach aus Friedberg waren wegen Verbrechens gegen § 2 des Gesetzes gegen die Neubildung von Parteien vom 14. Juli 1933 angeklagt. Während Duckstein zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt wurde, die mit der erlittenen Untersuchungshaft als verbüßt gelten, wurden die beiden anderen Angeklagten freigesprochen. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelte das Gericht gegen den Karl Sack III. aus Wohnbach, Kreis Friedberg, wegen eines Verbrechens nach § 172 in Tateinheit mit einem Verbrechen nach § 173 StGB., weiter eines Verbrechens nach § 173 StGB, und schließlich eines versuchten Verbrechens nach § 173 StGB, in zwei Fällen (Blutschande und Notzucht). Das Gericht verurteilte den Angeklagten in eine Gesamtzuchthausstrafe von fünf Jahren. Außerdem wurden dem Angeklagten die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von zehn Jahren aberkannt. Die außerdem angetlagte Maria Sack wurde freigesprochen. Kleine Strafkammer Gießen. Der Eh. Sch. aus Brühl wurde vom Amtsgericht Butzbach wegen falscher Anschuldigung zu einer Gefängnis st rase von acht Monaten verurteilt. Gegen dieses Urteil legten sowohl der Angeklagte als auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein. In der gestrigen Hauptverhandlung ergab sich, daß der Angeklagte am 15. März 1934 in der Zellenstrafanstalt Butzbach, wo er sich aur Strafverbüßung aufhielt, einem Beamten der Staatspolizeistelle gegenüber wider besseres Wissen erklärte, ein anderer Gefangener habe ihm gesagt, er büße seine Strafe für einen früheren politischen Leiter in Viernheim ab. Er habe außerdem in der KPD. in Viernheim, die heute noch bestehe, eine große Rolle gespielt. Daneben habe G. noch über die heutige Regierung geschimpft. Die Beweisaufnahme ergab, daß die ganzen Behauptungen nicht der Wahrheit entsprachen. Das Gericht verwarf kostenpflichtig beide Berufungen. der 4X400-m-Staffel ist Gießen durch 1900 vertreten. In der 4X1500-m-Staffel haben Reichsbahn Gießen, Tv. Heuchelheim und Kasseler Turngemeinde gemeldet. 1900 Gießen ist durch Baumstieger, Peters, Langrock und Becker sehr kampfstark, für Reichsbahn Gießen werden wohl Pfaff, Schön, Weber und Sobezak lausen. Frauen: Zu den volkstümlichen Frauen-Wettkämpfen sind Meldungen von Tv. 1861 Eschwege, Tgm. Fulda, Reichsbahn Gießen, Mto. Gießen, 1900 Gießen, Tv. Korbach, Tgm. Nassau und C. T. Kassel ein- gegangen. Im 1 0 0 - m - L a u f hat die Gaumeisterin, B r e h l - Fulda, Gelegenheit, sich erneut gegen ihre Angreiferinnen zu wehren. Für den Hochsprung sind 14 Meldungen eingegangen. Es sind Brehl-Fulda, Malkomesius- C. T. Kassel, Sonneborn-Korbach, Guth und Lippert- Gießen besonders zu nennen. Beim Speerwerfen treffen Schmidt-Nassau, Schellhas-Eschwege, Lippert-Gießen auf die Kasseler Werferinnen Dülfer und Malkomesius. Die 4X100-m-Staffel für Frauen bringt zunächst zwei hochinteressante Vorläufe. Im ersten Lauf stehen sich Oberlahnstein, Tgm. Fulda, 1900 Gießen und C. T. Kassel gegenüber. Im zweiten Dorlauf kämpfen Reichsbahn Gießen, 61 Eschwege und Tgm. 1837 Hanau a. M. um die Berechtigung, am End- lauf teilzunehmen. Oie Beteiligung der Schwimmer. Die Schwimmwettkämpfe werden in der Müller- schen Badeanstalt an der Lahn ausgetragen und beginnen am Samstag, 3. August, vormittags 8 Uhr. Zu den 25 Wettkämpfen (Schwimmen, Wasserspringen, Mehrkämpfe) haben sich etwa 100 Teilnehmer vom Deutschen Schwimmverband und der Deutschen Turnerschaft gemeldet. An Vereinen werden sich beteiligen die Turngemeinde Kassel, Kasseler Schwimm- oerein, Sportverein Kurhessen Kassel, Wasserfreunde Fulda (DT.), Turnverein Corbach 1850, Turnverein Gelnhausen, Turn- und Sportverein 1860 Marburg, 1. Hanauer Schwimmverein, Turngemeinde Friedberg, Turngemeinde Bad-Nauheim, Turnverein Wetzlar, Turnverein Großen-Linden, Gießener Schwimmverein, Turnverein 1846 Gießen. Allgemein sind die Wettkämpfe der Klasse 2 stärker belegt als die der Klasse 1. Besonders erfreulich ist dabei die Besetzung des Mehrkampfes in der Klasse 2 für Männer. Die Meldungen sind leider nicht so zahlreich ein- gegangen, wie es eigentlich für ein Gaufest zu erwarten wäre. Vielleicht ist es darauf zurückzuführen, daß erst vor 14 Tagen am selben Orte die Gcm- meisterschasten ausgetragen wurden, und gerade diese Teilnehmer zum größten Teile fehlen. Zum Wasserballspiel haben sich nur die beiden Lokalvereine, Schwimmverein und Tv. 1846, gemeldet. Der Ausgang ist nicht vorauszusagen, er dürfte für die Gießener Zuschauer von besonderem Interesse fein. ftger Einwohner namens Schweitzer. Durch einen plötzlichen Ruck fielen beide vom Wagen. Das Mädchen geriet unter die Räder und erlitt schwere innere und äußere Verletzungen. Das bedauernswerte Kind wurde sofort in das Krankenhaus zu Friedberg gebracht. Dort erlag es jedoch bald nach der Einlieferung den schweren Verletzungen. Schweitzer erlitt ebenfalls Verletzungen, die sich aber glücklicherweise als nicht lebensgefährlich erwiesen. Kreis Bübingen. r Echzell, 30. Juli* In der jüngsten G e - meinderatssitzung unter dem Vorsitz von Bürgermeister Groth wurde beschlossen, die Gern e rn d e v i e h w a a ge für I u d e n und für solche Personen, die mit Juden Geschäfte pflegen, zu sperren. Außerdem sollen alle Gemeindebediensteten, die gegen das I u d e n p r o g r a m m ver- st o h e n, ihres Dienstes enthoben werden. Kreis Schotten. • Groß-Eichen, 30. Juli. Der langjährige Seelsorger unserer Gemeinde, Pfarrer König, wurde mit Wirkung vorn 1. August nach Klein- Linden (Kreis Gießen) versetzt. $ Ulfa, 30. Juli. Der Landwirt I o h. Gott- w a l s, mit dem üblichen Ortsnamen der alte „Hirschekrämer" genannt, wird am 2. August dieses Jahres 90 Jahre alt. Dabei ist der vollkommen aufrecht aehende Greis körperlich und geistig noch derart rüstig, daß er daheim in Haus unb Hof und Stall noch all« Arbeiten felbftänbig versieht, wenn di« Angehörigen im Felde mit der Ernte beschäftigt sind. Früher war er auch Jäaer, doch übt er die Saab seit vielen Jahren nicht mehr aus. Don Enkeln und Urenkeln wird das alte Bauerngeschlecht fortgepslanzt. Der mit dem Geburtstagsgreise im gleichen Hause — dem schönsten Fachwertbau des Dorfes — wohnende Schwiegersohn Karl D ö l l hat der Gemeinde viele Jahre als außerordentlich tüchtiger Bürgermeister vorgestanden, später war er Untererheber und Gemeinoerechner, yeute ist er noch Mitglied des Kirchenvorstandes. Noch ein Jahr älter als der 90jährige I. Gottwals ist die verwitwet« Frau Margarethe Fleischer, und ganz nahe an 90 Jahren ist das Ehepaar Schmitt, der Mann ist der letzte hier noch lebende ^eldzugs- teilnehmer aus dem Kriege 1870/71. Möge ein gütiges Geschick den Alten noch einen sonnigen Lebensabend bescheren. Das wünschen wir auch dem noch immer äußerst rührig tätigen Landwirt Gefängnis« und Geldstrafen für angetrunkene Autofahrer. LPD. Marburg, 30. Juli. Mitte April d. I. befanden sich der 27jährige H. Cordes aus Hamburg und seine Braut auf einer Motorrad- fahrt durch Deutschland. Als sie abends bei diesigem Wetter die Landstraße Rennertshausen—Röddenau entlang fuhren, kam ihnen ein Personenkraftwagen entgegen, der trotz wiederholter Warnungszeichen auf der linken Straßenseite fuhr. Um einen Zusammenstoß zu vermeiden, bog Cordes nach links ab. Im gleichen Augenblick wollte auch das Auto die oorschriftmäßige Straßenseite befahren, und schon erfolgte der Zusammenstoß. Das Motorrad flog zur Seite, Cordes blieb mit einer Gehirnerschütterung und schweren Beinbrüchen, seine Braut mit leichteren Verletzungen liegen. Eine sofortige Untersuchung ergab, daß der Führer des Autos, Karl Blöcher aus Herzhausen, und sein Begleiter, Ernst Raabe aus Rennertshausen, stark nach Alkohol rochen. Nunmehr standen sie als Angeklagte vor dem Marburger Schöffengericht. Cordes mußte in der Marburger Klinik das rechte Bein bis auf einen kurzen Stumpf amputiert werden, fein linkes Bein ist auch schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die beiden Angeklagten bestritten, durch Alkoholgenuß im Führen des Kraftwagens beeinttächtigt gewesen zu sein. Nach längerer Verhandlung, in der mehrere Zeugen sehr belastende Aussagen für die beiden Angeklagten machten, kam das Gericht zu dem Ergebnis, daß der Unfall allein durch den Genuß von Alkohol seitens der Angeklagten zurückzuführen fei. Es erkannte daher wegen fahrlässiger Köperverletzung und Uebertretung der Kraftfahrzeugverkehrsordnung für Blöcher auf zwei Monate Gefängnis, für Raabe auf 300 Mark G e ld st r a f e.*Die Rentenansprüche des invalide gewordenen Motorradfahrers dürften noch hinzukommen. Geistesgegenwärtiger Krastwagenlenker. 26 Menschen schwebten in Lebensgefahr. Limburg, 30. Juli. (LPD.) Erst jetzt wird ein aufregender Vorfall bekannt, der sich dieser Tage in dem Dorfe Langendernbach zugetragen hat. Auf der Landstraße Irmtraut—Langendernbach kam ein mit 380 Zentnern Eisen beladener Lastkraftwagenzug die abschüssige Straße hinunter. Plötzlich versagt en die Bremsen, und in sausender Fahrt ging es durch das Dorf. Der Kraftwagenlenker hielt das Steuer fest in den Händen und bemerkte beim Befahren einer Kurve 2 0 Arbeiter, die mit der Instandsetzung der Dorfstraße beschäftigt waren. Kurz entschlossen lenkte er den Wagenzug in einen Hof, überfuhr in schneller Fahrt eine dort aufgestapelte Schotterschicht für den Straßenbau, zertrümmerte einen Bauernwagen vollkommen, riß.mehrere Basaltblöcke aus dem Erdreich und rannte schließlich gegen eine Scheunenmauer. Hier kam der Lastzug endlich zum Stehen. Der Führersitz und das Motorgehäuse waren vollkommen aertrümmert. Wie durch ein Wunder blieben der Wagenlenker, feine beiden Begleiter und drei aus Bochum stammende Touristen, die mit ihren Fahrrädern auf dem Anhänger Platz genommen hatten, unverletzt. Wie sehr die Nerven des mutigen Wagenlenkers, dem es gelungen war, viele Menschenleben zu retten, bei dieser gefährlichen Fahrt gelitten hatten, geht aus der Tatsache hervor, daß er noch lange Zeit nach dem Unfall bewegungsunfähig war und sich in einer Art Lähmungszustand befand. Sechs Jahre Zuchthaus für einen schweren Zungen. Frankfurt a. M., 30. Juli. (LPD.) In der Zeit von Februar bis April d. I. wurden in Frankfurt zahlreiche Einbrüche verübt. Der Dieb hatte es dabei in der Hauptsache auf Mansarden, Büros und sonstige Geschäftsräume abgesehen. Selbst einem Krankenhaus stattete er einen Besuch ab, um sich dort Schmucksachen, Wäsche und das Bargeld der Schwestern anzueignen. Bei einem Einbruch im Volksbildungsheim fielen ihm mehrere hundert Mark in die Hände. Der Täter stand jetzt in der Person des 29jäh- rigen Ernst Fabian aus Nordenburg in Ostpreußen vor der Großen Strafkammer. Er ist bereits mehrfach vorbestraft und faß zuletzt fünf Jahre im Zuchthaus. Mit ihm stand feine Geliebte, die 26 Jahre alte Bertha Adorf, wegen Hehlerei ebenfalls vor Gericht, mit der der Angeklagte bis zum Jahre 1927 ein festes Verhältnis hatte. Als er dann ins Zuchthaus kam, heiratete sie einen anderen, der sie jedoch bereits nach Jahresfrist verließ. Nun reifte sie in die Heimat Fabians und war nach dessen Entlassung aus dem Zuchthaus wieder mit ihm zusammen. Da Fabian arbeitslos war, ging er in Königsberg auf Diebstähle aus und verübte u. a. einen Einbruch in die Königsberger Universitätsklinik. Mit dem Erlös der Beute bestritt er die Fahrtkvsten für sich und seine Geliebte bis nach Frankfurt a. M., wv er feine Diebstähle fort« setzte. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu sechs Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Sicherungsverwahrung, die auf ein Jahr Prüfungsfrist beschränkt wurde. Die Geliebte Fabians erhielt vier Monate Gefängnis. Ein internationaler Zuwelendied. LPD. Frankfurt a. M., 30. Juli. Es maa als ein erfreuliches Zeichen gebucht werden, daß die internationalen Gauner Frankfurt meiden, denn schon seit Jahr und Tag ist bei Gericht keiner mehr „aufgetreten". Nach langer Zeitspanne hatte es jetzt ein Schöffengericht wieder einmal mit einem internationalen Juwelendieb zu tun, dem 41jährigen Stanislaus Mackiewiecz aus Warschau, der sich bei seiner Verhaftung Kamarofs nannte und in der Schweiz unter dem Namen Rosenthal aufgetreten ist. Er weilte früher in Brasilien und wurde später in Warschau, Amsterdam und Köln gerichtlich bestraft. Im Mai dieses Jahres kam er mit 107 Mark nach Frankfurt und will die Absicht gehabt haben, sich nach Polen au begeben. Da er aber nicht mit so viel Geld ins Ausland hätte reifen dürfen, wollte er — wie er meinte — feiner Schwester ein Geschenk kaufen. So erschien er denn morgens in einem Juweliergeschäft und ließ sich hier mehrer« Ketten vorlegen. Ein in dem Geschäft tätiger Schlosser bemerkte plötzlich, wie sich der Käufer eine Kette aneignete und in der Rocktasche verschwinden ließ. Geistesgegenwärtig entfernte sich nun der Schlosser aus dem Laden und verständigte einen Polizisten, der den internationalen Dieb festnahm. Das Gericht diktierte ihm nun eine Gefängnisstrafe von zwei Jahren zu, so daß aus feiner Reife nach Polen zunächst nichts werden dürft«. Königsschießen der Schützengesellschast 1926 Gießen. Am vergangenen Sonntag hielt di« Schützen- 1 aesellfchaft 1926 Gießen ihr diesjähriges Königs- schiehen ab, das sich allgemeiner Beliebtheit erfreut unb auch gut besucht war. Geschossen wurde wie immer auf einen Adler in 100 Meter (Entfernung. Die Königswürde errang hierbei Juwelier Erich Beyer, der den letzten Rest von der Stange schoß. 1. Ritter wurde Hans Kummerow und 2. Ritter Adolf Sommerlab, Wieseck. Auch die Jungschützen der Schützengesellschast hielten ihr Königsschießen mit Kleinkaliber auf 60 Meter ab. Hier wurde der Jungschütze Heinz Decker Schützenkönig, während Ludwig Schnei- ber 1. Ritter und Alois P f l i ch t 2. Ritter wurde. Der Dereinsführer Eduard G o n d n e r nahm am Nachmittag die Königsproklamation vor, überreichte den beiden Schützenkönigen die Königsketten und den Rittern wertvolle Orden. Anschließend nahm der Dereinsführer noch di« Einweihung der neuerbauten Schießhalle vor und betonte in seiner Rede, daß die Schützengesellschaft 1926 es sich zur höchsten Pflicht und Ehre anrech- n«t, auch ihrerseits an der Wehrhaftmachung unseres Volkes beizutragen, denn es genüge nicht, wenn jetzt auch die jungen Leute beim Militär im Schießen ausgebildet werden, es müßte ihnen auch Gelegenheit geboten werden, sich nach beendeter Dienstzeit im Schießen zu üben. So weihte er die neu erbaute Schiehstätte zum Wohle Deutschlands und im Gedenken an den Führer Adolf Hitler. llngimstiae Wetterlage in der Hhön. Bisher insgesamt 28 000 Mgkilometer zurückgelegt. Bei reichlich ungünstiger Wetterlage — böige Winde und tiefe Wolken — konnten am Dienstagnachmittag nur 25 Starts unternommen werden. Das Wegkommes vom Hang war für unsere Segelflieger nicht ganz leicht. Dennoch gingen sieben Piloten über Land unb kamen bis in die Gegend von Oberfranken (etwa 130 bis 190 Kilometer), darunter auch Ludwig Hoffmann. Don den Fernfliegern, von denen die genauen ßanbeorte bisher noch fehlten, trafen folgende Nachrichten aus der Tschechoslowakei ein: Bartaune (Hannover) auf „Rhönadler" nordwestlich Brünn (etwa 483 Kilometer); Peters (Essen) auf „Rhönsperber" bei Jglau (423 Kilometer); Spaeth« (Dresden) auf „Kondor" in Deutschbrot (419 Kilometer) unb Wagner (Nürnberg) auf „Rhönbussard südlich von Prag (etwa 320 Kilometer). Don Heini Dittmar ging eine bisher noch unbestätigte Meldung ein, wonach er ebenfalls in der Gegend von Prag gelandet fein soll. Bei bislang insgesamt 375 ausgeführtenWettbewerb- ft art • entfallen 97 auf Fernflüge über 60 Kilometer 86 „ „ „ 100 26 „ „ „ 200 „ 9 „ „ „ 300 7 „ „ „ 400 5 „ „ von 500 „ Die bei diesen Ueberlandflügen bewältigte Gesamtstrecke beträgt ungefähr 28 000 Flugkilometer. Nie Ergebnisse der Deutschen Rudermeisterschasten. Vierer ohne Steuermann: 1. und Deutscher Meister 1935 Derbandsmannschaft Würzburg (Eckstein, Rom, ©aber, Menne) 7:47,4; 2. Etuf Essen 7:51,2; 3. 1. Breslauer RD. 7:54,3; 4. RG. Wiking Berlin 7:59,2 Minuten. Vierer mit Steuermann: 1. unb Deutscher Meister 1935 Derbandsmannschaft Würzburg 7:24,0 (Eckstein, Rom, ©aber, Menne); 2. Wasser- sportverein Godesberg 7:28,9; 3. Etuf Essen 7:38,8; 4. Limburger RC. 07 7:40,2 Minuten. Einer: 1. und Deutscher Meister 1935 Dr. Buhtz (Berliner RC. 8:21,0; 2. Franz Has- (ebner (RG Dresden) 8:26,5; Willi Kaidel (Ber- bandsmannschaft Würzburg) und Gustav Schäfer (Dresdener RD. Dresden-Blasewitz) ausgeschieden. Zweier ohne Steuermann: i. und Deutscher Meister 1935 Dresdner RD. Dresden- Es besteht kein Zweifel: Das Fachamt Leichtathletik betreut alle die Disziplinen, die der Sportler schon früher unter Leichtathletik verstand: Laufen, Springen, Werfen, und gleichzeitig die Uebungen, die der Turner als volkstümliches Turnen benannte. Wir haben uns längst geeinigt: Auf den Geist des Kampfes, auf das Herz des Kampfes kommt es an. Die Ausschreibung für den Wettbewerb hat 12 Wettkämpfe für b i e Männer und vier für die Frauen vorgesehen. Um den jüngeren Jahrgang der Mädchen auch zu berücksichtigen, ist für sie ein Dreitampf ausgeschrieben worden. 31 Vereine haben mehr als 120 Wettkämpfer gemeldet, die Zahl der Meldungen beträgt rund 200. Im 100-Meter-Lauf finden sich 23 Läufer am Start, von denen wir nach den bisherigen Ergebnissen Hill vorn Mtv. Gießen als besonders stark ansprechen müssen. Nach ihm haben Knappe und Krück, Hessen-Preußen Kassel, Scharf, CT.-Kas- sel, Leinweber, T. u. Fechtkl. Fulda, Trelle-Hers- seld, Heinemann-Efchwege, Leimbach-Bettenhausen, Beaupain-Marburg und Scheller-Fulda die meisten Aussichten, in den Endlauf zu kommen. Im 400-Meter-Laus stehen sich alte Gegner wie Pfeiffer, CT. Kassel, Wolter, Hessen-Preußen und Trelle, Hersfeld, gegenüber. Rab, Tgm. Friedberg, Langrock, Gießen, Salzmänn, Bebra, Vogler, Fulda, Millers, Nidda, Zeis, CT. Kassel, und Geibeler, Neustadt, vervollständigen das Feld. Der 800-Meter-Lauf hat eine verhältnismäßig kleine, aber sehr ausgeglichene Besetzung gefunden. Allein vier Gießener nehmen den Kampf gegen die andern auf. Baumstieger unb Peters von 1900 haben mit Pfaff unb Schön von ber Reichsbahn bie heimischen Interessen zu oertreten. Im 5000-Meter-Lauf werben bie Gaufestbesucher einen schönen unb spannenben Kampf zwischen ben Brübern Neibel vom Tv. Heuchelheim unb Simon, CT. Kassel, sehen. Gießen stellt Becker, 1900, Pfaff, Weber unb Sobezak, Reichsbahn. 12 Läufer sinb im Rennen. Stabhochsprung würbe als einziges Sprunggerät gewählt, es haben 9 Turner ihre Melbung abgegeben. Es wird erwartet, daß keiner unter 3 Meter bleibt. Beim Kugelstoßen sind 13-m-Stößer wie Hartung-Bettenhausen, Mohl und Hermann-Gießen, Werner-Weilmünster und Scheller-Fulda genannt. Für ben Diskuswurf finb 13 Werfer ge- melbet. Nach ben bisherigen Leistungen muß man Mohl-Gießen, Scheller-Fulda unb Möller-Efchwege für die Stärksten halten. Im Speerwerfen dürfte wohl keiner an die sickeren 50-m-Würfe Menkels - Bettenhausen- Kassel heranreichen. Die Staffeln: Während sich in der 4X400- m - S t a f f e l unb in ber 4 X1 5 0 0 - m - S t a f f e l je 4 Mannschaften gegenüberstehen, finb für bie kurze 4X100-m-Staffe( 13 Mannschaften, u. a. auch 1900, VfB.-Reichsbahn unb Mtv. Gießen, genannt worben, bie vier Dorläufe benötigen. In Blasewitz (Erhard Schmidt und Paul Heyroth) 8:11,6; 2. Mannheimer RC. von 1875 8:17,5; 3. Berliner RD. von 1876 Berlin-Treptow 8:26,1; 4. Kölner RD. von 1877 8:35,2 Minuten. Zweier mit Steuermann: 1. unb Deutscher Meister 1935 Berliner RC. Hellas (Willi Tietz, Fritz Devantier; St. Werner Katte) 8:25,1; 2. Hannoverscher RC. 1880 8:41,0; 3. Derbanbs- rnannschaft Berlin 8:50,5 Minuten. Doppelzweier: 1. unb Deutscher Meister 1935 Berliner RC. (Hubert Remagen und Ralf Ritter) 7:31,4; 2. RD. Rüsselsheim (Willy Füth/ Georg von Opel) 7:33,3; 3. Frankfurter RG. Germania (Hüllinghosf/Paul) 7:34,4; 4. RG. ber Deutschen Stubentenschaft Münster 1882/Angaria Hannover (Westhoff/Doels) 7:42,4 Minuten. Achter: 1. unb Deutscher Meister 1935 Der- banbsmannschaft Berlin (1. Boot) 6:38,1; 2. Ber« banbsmannschaft Berlin (2. Boot) 6:40,5; 3. Mainzer RD. 6:42,8; 4. RG. Leipzig 6:46,1 Minuten. Eindeutiger englischer Davispofalsieg. Amerika verliert 5:0. Mit einem seltenen Erfolg der Briten endete am Dienstag die Herausforderungsrunde um den Davispokal zwischen England und USA. Die Engländer konnten in Wimbledon nach der 3:0-Führung vom Montag auch noch die beiden letzten Einzelspiele für sich entscheiden unb so einen 5:0«Sieg bavon« tragen. Austin besiegte Bubge mit 6:2, 6:4, 6:8, 7:5 unb Perry blieb gegen Allison ebenfalls in vier Sätzen 4:6, 6:4, 7:5, 6:3 erfolgreich. Seit ber Begegnung USA. — Frankreich im Jahre 1925, bie 5:0 für die Uankees endete, konnte kein Land mehr dieses Ergebnis in ber Herausforberungsrunbe erzielen. Kurze Gportnotizen. Caracciola, von Brauchitsch unb Fagioli wurden von Mercedes-Benz bereits jetzt für den am 25. August im Berner Bremgartenroalb stattfindenden Großen Autopreis ber Schweiz genannt. Die offizielle Melbung ber Auto-Union liegt bis jetzt noch nicht vor. Hans Stuck wirb aber als Dorjahressieger bestimmt am Start erscheinen. Zwei neue Weltrekorde fuhr „Rosalie VIII", ein Drei-Liter-Citroen^Wagen, bei feiner Re- korbfahrt auf der Reimbahn von Linas-Montlh6ry. Er legte 20 000 Kilometer mit einem Stundenmittel von 141,304 Kilometer zurück und kam in 144 Stunden Fahrzeit mit einem Stunbenmittel von 141,357 Kilometer auf 20 355,399 zurückgelegte Kilometer. Eine Rekorbbeteiligung werden bie am 3. unb 4. August auf ber Grünauer Reaatta-Strecke aum Austrag gelangenben Deutschen Kanumeister- schasten aufzuweisen haben. Für bie zehn Meisterschaftsrennen würben von 90 Vereinen 595 Pabbler mit 328 Booten gemelbet. 7 9 5 Pfunb brachte beim württembergischen Gaufest in Schwenningen ber bekannte Mohringer Schwergewichtler Wahl im Olympischen Dreikampf zur Hochstrecke. Die Leistung würbe Weltrekorb bedeuten, wenn nicht versäumt worben wäre, nach jeber Uebung bas Gewicht nachzuprüfen. So wirb bie Leistung keine Anerkennung finben können. Die beutschen Stubenten - Fußballer, bie Deutschlanbs Interessen bei ben Akabe- miker-Weltspielen in Bubapest vertreten, unternahmen eine Wettspielreise nach Riga, wo sie zwei Spiele austrugen. Sie besiegten eine Rigaer Stabt« Mannschaft mit 5:1 (2:0) unb trennten sich von Lett- lanbs ßänberelf mit einem 4:4 (1:3). Z u ben Ruber-Eu-ropameisterschas- ten vom 16. bis 18. August in Berlin-Grünau hat ber Deutsche Ruberverbanb bisher bie neuen beut» schen Meister in den drei Zweier-Rennen und im Achter gemeldet. Für die beiden Vierer unb ben Einer würbe die Auswahl noch nicht getroffen. Hansheinrich Sievert, ber Zehnkampf- Weltrekordmann unb Inhaber ber deutschen Meisterschaft, wird seinen Titel bei den am 3. unb 4. August in Berlin ftattfinbenben Meisterschaften nicht ver- teibigen. Sievert, ber sich von seiner Erkrankung । noch nicht ganz erhott hat, wirb nur bas Diskuswerfen bestreiten. wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagten Kommunisten verurteilte der Strafsenat des Hessischen Oberlandesgerichts den 26jährigen P. Fried- r i ch aus Lützel-Wiebelsbach zu 3 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und den 27jährigen Joh. Grein aus Seckmauern zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus. Beiden wurden außerdem die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt und Stellung unter Polizeiaufsicht angeordnet. Die Angeklagten hatten insbesondere die Verbindung mit der verbotenen KPD. hergestellt, Beiträge ein- kassiert und abgeliefert, sowie verbotene Flugblätter an die übrigen Angeklagten verteilt. Der 53jährige Leonh. Netzer und der 28 Jahre Alb. Langle, beide aus Seckmauern, erhielten 1 Jahr drei Monate bzw. 4 Monate Gefängnis, der 32jährige Michel O l z 111. aus Wiebelsbach 2 Jahre Gefängnis, der 27 Jahre alte Georg Friedrich aus Lützel- Jebelsbach 4 Monate Gefängnis. Der 23jährige Friedrich Eckert aus Lützel-Wiebelsbach wurde mangels genügender Beweise freigesprochen. Honig in der Küche. ♦ Bad-Nauheim, 30. Juli. Gestern abend war über ein halbes Tausend Gäste im großen Hörsaal des Kerckhoff-Jnstituts in Bad-Nauheim versammelt, um au hören, was Frau Frieda Aisch über die Verwendung des Honigs in den täglichen Mahlzeiten zu sagen hatte. Sie ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt geworden durch ihre Bemühungen, den Honig wieder beim Kochen anzuwenden, wie es unsere Vorfahren taten, aber so, daß sein Wert und seine Lebenskräfte und Lebenssäfte nicht totgekocht werden. Sie hat mit offenen Augen verfolgt, was über Honig und Honigkocherei irgendwo und wie geschrieben wurde, und ließ nach einem kurzen Hinweis auf die neuesten Forschungen über den Wert des Honigs als Herznahrung und diätetisches Mittel die alten Kochkünstler und Honigfreunde zu Worte kommen. Don dem 109 Jahre alt gewordenen Demokrites von Abdera aus der Zeit vor Christus bis hin zu der neuzeitlichen Kinder-Aerztin Dr. Paula E m m r i ch in der Schweiz, haben viele den Honig als die Grundlage der Lebenskraft erprobt. Die Speisekarten der Tischgenossen des durch Honig von einem Magenleiden befreiten Kaisers Augustus, die jeden Morgen Honig zu irgendeiner Rohkost vorschrieben und als Festessen gebratene junge Haselmäuse in Honig getaucht und mit Mohn bestreut, daneben Klöße aus Fleisch und Hirn in Honig gebräunt vorsetzen, wurden erwähnt. Vor allen Dingen würde gezeigt, was die Rednerin in langjährigen Versuchen erprobt hat: Honig wirkt nicht in erster Linie als Süßstoff in den gekochten Speisen, sondern als Gewürz und als ein Mittel, den Eigengeschmack aller anderen Gewürze der Gemüse, Fleisch und Obstarten zu heben und zu veredeln. Er verlangt Vorsicht und Sorgfalt in der Anwendung, da er selbst flüssig wird und durch seine Fermente (Diastase) alle Mehlarten sofort im Kochtopf gewissermaßen ooroerdaut und dabei auch dünner macht. Will man diese Fermente ganz ausnutzen, so darf der Honig erst den Speisen kurz vor dem Anrichten zugesetzt werden, da große Hitze die Fermente schädigt und abtötet. Natürlich gibt der Honig seinen eigenen feinen Geschmack an feine Süßspeisen, Gelees, Beigüsse ab. Deshalb muß bei der Verwendung die Art jeder Honigsorte beachtet werden. Eine gewisse Honigkenntnis ist erwünscht. Eine kleine Auswahl verschiedener Honige von ganz hellem Wetterauer Frühjahrshonig bis zu dem dunklen Tannenhonig des Schwarzwaldes war ausgestellt. Sie waren in dem Einheilsglas der Reichsfachgruppe Imker, das mit seinem grünen Verschlußstreifen die Bürgschaft dafür gibt, daß der Inhalt reiner echter deutscher Honig ist, abgefüllt. Die verschiedenen Geschmacksrichtungen, die zum Teil schon aus den Farben erkennbar sind, wurden erklärt. Je heller, desto süßer. Hinterher drängte sich ein dichter Kreis von Hausfrauen und Männern um die Rednerin mit vielen Fragen, und auch mit eigenen Erfahrungen. All dies ist ein Beweis, daß die Erkenntnis vom Wert des Honigs wächst, und daß doch viele gesonnen sind, den Honig auch wieder in der Küche bei den täglichen Mahlzeiten zu verwenden. Worms und seine 118cr feiern „Wiedersehen". Während im Sommer 1930 die Franzosen sich anschickten, Worms aus immer zu verlassen, haben gleichzeitig die ehemaligen 118er Vorbereitungen getroffen, aus ihrer Verbannung in ihre Garnison zurückzukehren. Kurz nach dem Abzug der ungebetenen Gäste fand schon eine Wiedersehensfeier in Worms statt, deren großartiger Verlauf die kühnsten Erwartungen weit übertraf. Dieser Wiedersehenstag war ein überwältigender Beweis dafür, daß man deutschen Soldatengeist und Daterlands- treue mit Gewalt zwar fesseln, aber niemals töten kann. Kaum war diese Feier verklungen, so nahmen die ehemaligen 118er mit seltener Geschlossenheit, mit großem Wagemut und hoher Opfergesinnung das große Ziel in Angriff: die Errichtung des Ehrenmals für ihre Helden des Weltkrieges. Bald konnte der Grundstein gelegt werden, und bereits im August 1932 wurde das Denkmal geweiht. Nun steht das Denkmal schon drei Jahre. Der gewaltige Eindruck, den es auf die Zuschauer ausübt, bleibt immer der gleiche und wird auch niemals an Wirkung einbüßen. Und nun werden wieder alle Angehörigen des Regiments 118, Reserve und Landwehrregiments 118 und deren Feldformationen bis zum letzten Mann zu einer Wiedersehensfeier am 2 4. und 2 5. August nach Worms gerufen. Kein Kamerad, der die stolze Nr. 118 getragen hat oder einer Feldformation angehörte, darf fehlen, jeder hat zum Appell anzutreten! Aus den vielen Zuschriften ist zu ersehen, daß die erste Wiedersehensfeier nach der Wiedererstehung der Wehrmacht eine überwältigende sein wird. Wir rufen daher schon heute allen Kameraden zu: „Auf Wiedersehen" am 24. und 25. August in unserer alten Garnisonstadt Worms. Nähere Aus- kunft: Kamerad Rudolf Schnegelsberg, Worms, Jahnstraße 1. RunSfunkproaramm. Donnerstag, 1. August. 6 Uhr: Choral, Morgenspruck. Gymnastik. 6.30: Morgenmusik. In der Pause (7) Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 9.15: Musik am Morgen. In der Pause: Bad Bertrich an der Mosel. Eine 2000jährige Heilquelle. Don Kurdirektor Lange. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittags- konzert I. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtfchaftsbericht. 15: Nur Frankfurt: Nachrichten der Gauleitung. 15.15: Kinderfunk. 16: Kleines Konzert. 16.30: „Tücke des Objekts". 16.40: Holländisches Tagebuch. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Kunstbericht der Woche. 18.35: „Tannenberg". Ruf und Requiem. Zur ersten Wiederkehr des Todestages von Generalfeldmarschall von Hindenburg (2. August). 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Uhren und der Zeiten Schlag. Funkspiel von Türmen, Plätzen und stillen Kammern. 20.40: Opernkonzert. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk), Sportbericht. 22.20: Pfälzer Allerlei. Bauern- und Volksmusik, gewürzt mit heiteren Mundartvorträgen. 23: Zeitgenössische Musik (XIII). Carl Ehrenberg: Symphonische Suite. Saison-Schluß-Verkauf vom 29. Juli bis 10. August Auf Extratischen sind große Posten zum Ausverkauf zugelassener Waren ausgelegt, die sehr billig zum Verkauf kommen. Hier nur einige Beispiele« Versäumen Sie diese günstige Kaufgelegenheit nicht EMDE il MARBURG-LAHN HEINRICH V.D Größtes Stoff-Geschäft am Platze — Universitätsstraße Nr. 22 4379 D Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, unsere Hebe Mutter Gießen (Steinstraße 78), den 30. lull 1935. 1376 d K t H KAFFEE GtStHAFT .26 .15 äT T * KAISER5 Saubere,ehrliche Frau oder Wen für zweiköpfigen Haushalt f. bald gesucht. Pflege eines alt. Herrn ist zu übernehm. Friiulein, nicht u. 17 Jahr., für 2 Kinderlvu.lJ.) bei etw. Mithilfe i. Haush. tagsüb. sof. gesucht. Schr. Angeb. u. 03217 andenGieß.Anz. Laden Mausburg 19 Hauptoerkehrslage,ist ab l.Sevtember oder später zu vermieten. 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Die Trauerfeier findet Freitag, den 2. August, nachmittags 3 Uhr in der Kapelle des Neuen Friedhofs statt Kaiser s.... ... /3, 3SO Malzkaffee nlbM'” Die Dr. med. Walter Siebeck act 1900/01. Die G. B. Alemannia. 4377 D Unterfertigte betrauert aufs tiefste das Ableben ihres 1b. AH. Waschkunstseid.Serie 1 11 m 0.48 0.65 0.78 Kunsts. Panama ^erie i n m 0.45 0.75 0.88 Wollmouseline Serie 1 11 In 0.88 1.10 1.25 Voll-Voile Serie I II III 95/100 cm breit 0.78 0.95 1.25 Vollvoile OrgandiSerieI 11 m 1.10 1.48 1.65 Fresko Serie I II III (frott6artig) 0.75 0.98 1.10 Marocco-Druck Serie 1 11 111 (Kunstseide) ca. 70 cm br. 1.10 1.35 1.50 Marocco-Druck SerieI n in (Kunstseide) 91/92 cm br. 1.25 1.48 1.65 Mattkrepp-DruckSeric 1 H In (Kunstseide) ca.90cm br. 1.45 1.65 1.9' K’s.Georgette-Dr.SerieI _n 111 ca. 90/95 cm breit 1.48 1.65 1.9£ uimiiimMmMnimHiMiiiiHnmiMiiiiimmemmwuiMimimiifmumiiHi Ein Posten Seiden- und Ktmateeiden-Stoffe, Sommermantel-Stoffe, Krepps bzw. Georgettes. 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Aber wie? Zuerst müssen wir einmal der Furcht auf den Grund gehen. Das furchtsame Kind im Kreise der Geschwister ist sicher den anderen Kindern körperlich unterlegen, nun hat es Angst, daß man die köperliche Schwäche ausnutzen wird und es ärgern und quälen will Sicher ist so etwas schon einmal vorgekommen, denn Kinder sind untereinander konsequent und — grausam! Kinder fühlen sich dem Schwächeren gegenüber immer im Vorteil, und sie nutzen diesen Vorteil aus, wo sie können! Eine „Bangbüchs" hat im Kreise der Geschwister nichts zu lachen, da wird keine Rücksicht genommen. Aber es kommt darauf an, zu erforschen, warum sich das Kind fürchtet. Wenn es nur Die körperliche Ueberlegenheit ist, dann kann ein Machtwort der Mutter den anderen Geschwistern gegenüber helfen! Man muß den Kindern klar machen, daß es feige ist, dem Schwächeren gegenüber aufzutrumpfen, packt man die Kinder richtig beim Ehrgefühl, dann hat man immer Erfolg! Der größere Bruder fühlt sich dann gern als Beschützer des kleineren — und schon ist der Friede wiederher- oestellt. Oft aber kommt es vor. daß sich das Kind furchtet, weil vielleicht der größere Bruder oder die Schwester ihm Schauergeschichten erzählt hat, die es mit seinem kleinen Geist noch gar nicht e Parin, und die größeren Geschwister lachen heimlich, wenn sie sehen, daß der Kleine „alles glaubt". Sie überlegen gar nicht, welche schweren Folgen ihre Erzählerkünste bei dem Kleinen Hervorrufen, und angestachelt durch den Erfolg, gefallen sie sich in immer größeren Räubergeschichten, fiier muß die Mutter energisch S)alt gebieten! Sie muß hem Kleinen klar machen, daß das Unsinn ist, was die Geschwister erzählen, daß sie sich einen Spaß mit ihm erlaubt haben! Leicht ist das nicht und man muß viel Geduld haben! Sehr quälend ist für die Kinder die Furcht vor dem Gewitter! Gerade jetzt ist diese Frage wieder sehr aktuell. Wie soll man da Abhilfe schaffen? Besonders nervöse Kinder leiden unter Gewitterfurcht. Es gibt ja auch Erwachsene, die bis ms Alter hinein die Furcht vor Donner und Blitz noch nicht verloren haben, obwohl sie genau wissen, wie physikalisch ein Gewitter entsteht, und daß es nichts „Ueberirdischen" ist, wenn der Donner grollt und die Blitze zucken. Einem kleinen Kinde aber kann man nichts von Elektrizität und Spannung im Luitraum erzählen. Für ein Kind ist das Gewitter immer etwas, gegen das man sich nicht wehren kann Nervöse Kin der leiden besonders unter der vorangehenden Gewitterstimmung! Sie werden unruhig und erregt — und wenn dann der erste Donner grollt, dann können sie ihre Furcht nicht mehr eindämmen' Ein bekannter Pädagoge der Leipziger Universität widmete dieser Gewitterfurcht der Kinder einmal einen Vortrag. Er hatte nachgewiesen, daß fast kein Kmd frei sei von Gewitterfurcht, und daß gerade dadurch vielen Kindern die Sommermonate verdorben würden! Als Abhilfe empfahl er, mit den Kinden Naturkunde zu treiben!--Man solle ihnen erzählen, wie nötig die Blumen und die Felder den Regen hätten, wie sie sich freuten, wenn die Gewitterwolken angezogen kämen! Donner und Blitz könne man nur als Märchengestalten erklären So habe er bei seinen Kindern großen Erfolg damit gehabt, daß er ihnen erzählt habe, der Donner sei das „Himmelstelephon", mit dem sich die Wolken verständigen, und der Blitz sei das Lichtzeichen für die Wolken, die kein Telephon haben! Die Kinder hätten diese naive Methode sehr gern angenommen, und die Gewitterfurcht fei sofort verschwunden, wenn bei einem Gewitter er ihnen gesagt habe, daß nun die Wolken miteinander sich verständigten! Die Kinder hätten gelacht und gejubelt und davon gesprochen, daß manche Wolke wohl schwerhörig fei, weil der Donner so laut grollen müßte! Viel- leicht versuchen die Eltern es einmal, die Gewitterfurcht mit diesem Märchen zu bekämpfen. Ganz falsch ist die Methode, die Furcht durch Strafen auszutreiben. Das Kind wird nur verstockt, und es gräbt feinen Kummer immer tiefer in sich hinein. Gegen Furcht kann man nur mit Liebe ankämpfen! Modenschau aus dem Kleiberschrank. Zu dieser Zeit sind neue modische Ereignisse nicht au melden. Obwohl wir noch mitten im Sommer sind, erwarten uns bereits die Vorahnungen der neuen Uebergangsmo d e. Da aber die Frau stets anders aussehen möchte und mit dem vorhandenen Besitz manches erreichen kann, wird sie noch der Heimkehr von den Ferien einmal eine Modenschau aus dem eigenen Kleider- chrank veranstalten. Sie kann die kühnsten Zu- ammenstellungen machen und wird wohl gerade da- )urd) hübsche Wirkungen erzielen. Kurz vor Tores- chluß lassen sich mit einigen kleinen Neuanschaffungen Überraschungen erzielen. Das bunte Sommerkleid mit dem einfarbigen Mantel ergibt ein Komplet, das für die Jahreszeit |ehr reizvoll und elegant aussieht. Jeder beliebige Sommermantel kann zum geblümten, gestreiften, gepunkteten Kleid getragen werden. Doch muß er dann einfarbig fein. Ein blauer, ein schwarzer Rock sieht mit einer weißen Leinenjacke gefällig aus. Die Zusammenstellung hat noch den sommerlichen Cha- rakter läßt aber dennoch bereits an die ersten schonen Herbsttage denken. Dazu wird.eine weiße Bluse Sagen Gin solcher Anzug ist für Vor- und Noch- mittag gleich angebracht. Für kühle Tage wird das Wollkleid wieder in Erscheinung treten. Leichter Wollstoff wird seine Dienste tun. Putzt man das Kleid mit weißem Lätzchen, mit weißen Mmneb aufschlägen, dann ist es völlig modeaerecht. Es aibt wunderschöne Garnituren aus Glasbatist oder aus weißem Pikee. Dazu steht der große malerische Hut vorzüglich Schwarzes Cape undweißes Kleid ist eine Kombination, die kaum zu übertreffen ist. Gerade unter dem blauen Himmel, der schon etwas vom Herbst ahnen läßt, macht sich schwarz und weih ganz ausgezeichnet. Ein kleiner schwarzer Filzhut, in der Art des Herrenhutes ergänzt das sommerlich- modische Gewand mit dem leichten Herbsteinschlag. Blaue Bluse und gestreifter Rock. Streifenmuster wurden von der Sommermode stark bevorzugt. Eine dunkelblaue Bluse hat man wohl zum grauen Kostüm aus Flanell angeschafft, als die Mode sich für diese Zusammenstellung entschied. Jetzt läßt sich ein völlig neues Kleid Herstellen, indem man kurz entschlossen die blaue Bluse mit dem aeftreiften Rock verbindet Dazu wird ein Wildledergürtel in der Farbe der Bluse einen neuartigen modischen Eindruck machen. Blauer Filzhut auch Hut aus Panama mit blauem Band. Was mache ich mit dem Dirndlkleid? Es ist das netteste und angenehmste Hauskleid, das man sich denken kann. Das Leibchen mit kurzen Aermeln, Der weite Rock erlauben die Betätigung im Haushalt. Die Schürze wird je nach Art der Arbeit ausgewechselt Im Dirndlkleid kann die Hausfrau gut bei Tisch erscheinen, wenn sie die Arbeitsschürze gegen die zum Dirndl passende ausgetauscht hat. Und mein Trägerrock? Er wird gleichfalls ein reizendes Hauskleid ergeben, daß um so praktischer ist, als man die Bluse nach Belieben aus- tauschen kann. Für die Küche eine rot- und weihkarierte, für die Stunde bei Tisch eine weihe Bluse, oder eine in leuchtender Farbe. — Doch das richtet sich allein nach der Kleidsamkeit und dem, was man hat. Blum en aus Batist oder Pikee gereichen Kleid und Kostüm zur Zierde Mit wenigen hübschen Blumen kann man sich manche Abwechslung erlauben. Geschick und Geschmack sind unerläh- liche Berater für eine erfolgreiche Modenschau aus dem Kleiderschrank, damit die neuen Kombinationen auch gut kleiden Schü. as sollen wir tragen Y PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS 2. t Hochsommerkleider für verschiedene Zwecke zeigen unsere heutigen drei Skizzen Modell 1 ist ein elegantes Straßen- kleid aus naturfarbenem, fupfer» rotge st reistern Leinen in besonders weicher Qualität. Das Kleid ist schräg in vier Bahnen geschnitten, die leichtgepufften Raglanärmel mit den kleinen Umschlägen am Halse werden hinten übereinandergeknöpft. Der Gürtel ist rote Leine n g u r t mit Hornschliehe, der H u t i st rotes, feingestepptes Leinen mit einem Schrägstreifen des Kleidermaterials als Garnitur. Aus weißem Organdy ist das jugendliche Abendkleid der zweiten Zeichnung Der Rock ist besonders weit in vier Teilen geschnitten, die einfache Taille mit den ebenfalls sehr weiten Puffärmeln wird vorne mit kleinen Perlmutter- knöpschen geschlossen. Der Gürtel ist rotes Lackleder, der Hut weißes Panama- ft r o 1) mit Band und Unterseite aus rotem Taft. Für das Wochenende, den Garten oder die ländliche Sommerfrische ist das dritte Kleid bestimmt. Es ist aus rohfarbenem, blau und rot getupftem Nessel. Der weite Rock ist unter dem blauen Ledergürtel der Bluse stark gezogen angesetzt. Stark gezogen sind auch die Aermel und am Halsausschnitt das Mittelteil der Bluse. . H Obstgrühe, Obstgelee, Ovsts uppen Wir müssen zuaeben, daß gerade Obstgrützen leider noch oft mit sehr wenig Können und Verständnis zubereitet und darum verschmäht werden. Und das mit Recht, denn der dünne Saft von einem frischgekochten Kompott, zu Grütze verkocht, schmeckt fade Kochen wir aber ein schmackhaftes Kompott und lassen es über Nacht durchziehen, so daß es kräftig nach Obst schmeckt, dann gibt das, richtig zubereitet, auch eine köstliche Grütze. Es folgen nun verschiedene Zusammenstellungen von Obst, die hervorragend für Grütze zu empfehlen sind: größere Stachelbeeren, dazu weiße ober rote Johannisbeeren und Sauerkirschen, zusammengekocht — ober: Sauerkirschen, mit roten Johannisbeeren unb Himbeeren. Ferner: Kochbirnen, fein aeschnitten, mit Preißelbeeren ober Brombeeren zusammenge- kocht, auch Aepfel kann man bazu geben. Dann: Brombeeren allein. — Um Zitrone als Ausland- frucht auszuschalten, gibt man säuerliche Aepfel hinzu unb läßt sie mit verkochen. — Auch ^lieber» beeren finb mit Aepfeln verkocht zu empfehlen. Das fertige Kompott muß bis zum nächsten Tage stehen unb wirb bann burch ein Sieb geschlagen, so baß Schalen unb Kerne Zurückbleiben. Den bicken Fruchtsaft läßt man heiß werben unb rührt bie in kaltem Saft angerührte feine Gersten-, Buchweizen- ober Hafergrütze, Grieß ober Flammeri hinein. Dann läßt man bas Ganze auf kleinem Feuer leise etwa 5 Minuten kochen, wobei man ftänbig rührt, bamit sich kein Bobensatz bildet. Die Porzellanformen werden vor dem Einfüllen mit kaltem Wasser gespült. Die Obstgrütze hat die richtige Festigkeit, wenn gleich nach dem Einfüllen die weiche Masse sich geschlossen vom Schlüsselrand ablöst. Das muß man durch Uebung erreichen, denn es läßt sich hier kein genaues Maß angeben, weil bas Kochgut verschieben quellfähig unb die Obstmasse dick- oder dünnflüssig fein kann. Das (Belingen und der Geschmack sind aber in erhöhtem Maße davon abhängig, daß die Mengen zu einander rich-' tiq ausgeglichen werden. Denn eine zu feste Grütze ist ebenso wie eine tu flüssige kein Genuß vor allem soll man probieren, bis man weiß, wie es gemacht werden muß, um eine wirklich schmackhafte, von allen begehrte Obstgrütze auf den Tisch zu bringen. Die Voraussetzungen sind durch diese Hinweise gegeben. Obstgelees sind ebenfalls hervorragend schmackhaft, wenn das Kompott, wie angegeben, gekocht und stehen bleibt. Der Saft wird vorsichtig am anderen Tage abgegossen, damit er ganz klar bleibt. Auf 1 Liter Saft nimmt man 14 bis 16 Blatt weiße oder rote Gelatine ober, je nach Farbe bes Saftes, halb unb halb. Die Gelatine löst man in etwas warmem Saft glatt auf unb vermischt ben übrigen Obstsaft recht put unb gleichmäßig bamit. Dann füllt man ihn In hübsche Glasschüsseln. Das Gelee wirb erst nach etwa 6 Stunden fest, wenn man es nicht gerade gleich auf Eis setzen kann. Es muß also rechtzeitig an ble Vorbereitung gebacht werben, unb ba liegt ber Haken Es muß bann schnell gehen unb kommt nichtvorbereitetes Obst zur Verwenbung, so fehlt ber gute Geschmack. Dbftgelee soll ebenso wie Grütze nicht gestürzt werben, weil ber feine Geschmack unter ber Festigkeit leibet. Grütze unb Gelee bleiben an ben Porzeilanober Glasschüsseln unb werben ba nett angerichtet mit kleinen Kuchen unb Geleetupfen ober gar mit Schlagsahne. Für Ob st suppen wirb Kompott ganz ebenso wie vorbeschrieben, zubereitet, nur binbet man es gleich mit etwas quellfähigem Kochgut. Es ist babei zu bebenfen, baß biefe Obstsuppen durch bas Stehen noch bicklich werben, es barf also nicht zuviel von bem Grieß usw. genommen werben Die Obstsuppen kann man auch mit zerbröckeltem Zwieback bicken. Aus geschlagenem Eiweiß unb Zucker setzt man kleine Schneebällchen auf jebe Suppe, was ganz reizenb unb luftig aussieht. — Wir essen ja nicht nur, um unseren Magen zu füllen, unsere Augen unb bie Zunge wollen auch beteiligt sein. Aus Vorbeschriebenem ist zu ersehen, wie viele Möglichkeiten ber Verwertung in unseren Hänben 'liegen, wir müssen nur zur rechten Zeit baran den- ken, um bas, was uns bie gütige Natur fpenbet, auch richtig zu verwenben Hausfrau und Marktordnung. Manche Hausfrau wirb sagen: „Na, was geht mich schon bie Marktordnung an, bas finb alles so volkswirtschaftliche Dinge, die man ja doch nicht versteht unb im übrigen habe ich mit meinem Haushalt unb meiner Familie so unenblid) viel zu tun, baß ich keine Zeit habe, mich noch um Marktordnung zu kümmern. Wenn ich die Kleidung meines Mannes und der Kinder in Ordnung erhalten kann unb alle Mäuler satt bekomme, so bin ich schon froh." Der Kenner wirb sagen: „Nun, die Marktordnung geht jede Hausfrau an. Dreht es sich doch darum, ihr einen wesentlichen Teil ihrer täglichen Wirtschaftssorgen um den Haushalt abzunehmen, und deren sind ja so unendlich viele, daß immer noch ein gerüttelt Maß übrig bleibt." Worum handelt es sich denn also bei der Marktordnung? Nun, um nicht mehr und nicht menjger, als der Hausfrau dabei behilflich zu sein, sich ihre Wirtschaft auf lange Sicht einzutei » I e n. Während die Hausfrau bisher von Woche zu Woche mit anderen und oft grundlegend verschiedenen Preis- und Oualitätsoerhältnissen rechnen mußte, soll ihr nunmehr die Möglichkeit gegeben werben, auf lange Sicht bisponieren zu können. Die Auswahl, bie bie stäbtische Hausfrau für Küche unb Haus treffen kann, hängt natürlich immer von ber Jahreszeit unb ber Witterung ab, wirb manche praktische Hausfrau einroenben. Unb bas ist richtig. Doch weiß jebe praktische Hausfrau aus eigener Erfahrung, baß früher Preisschwankungen von einem Tag zum anberen so hoch waren, baß häufig genug ber Haushaltplan einer Woche im Verlaufe ber Woche mehrmals umgestoßen werben mußte. Hier will bie Marktorb- nung einsetzen, um einen möglichst gleichmäßigen Preisverlauf zu gewährleisten. „Ja, aber manche Erzeugnisse finb boch teurer geroorben", hören wir bie Hausfrauen ein- roenben. Nichtig, auch hierin haben sie recht, boch müssen wir uns bemühen, bie Dinge nicht nur von unserem einzelnen Stanbpunkt aus zu sehen, um sie recht verstehen zu können. Was nützte es ber Hausfrau früher, baß manche Erzeugnisse billiger waren, dadurch aber nahezu 7 Millionen Arbeitslose unb eine notleibende Landwirtschaft fortwährend unterstützt werden mußten! Was nützt es, wenn die ausländische Butter, ausländisches Gefrierfleisch u. a. m. billiger bargeboten mürben, bie Hausfrau aber auf Maraa- rine angewiesen war unb Fleisch nur selten kaufen konnte, weil ber Ernährer keine Arbeit hatte? Nach ber Inflation hatte manche Hausfrau sich baran gewöhnt, auch für ihren Haushalt billige Waren, wie beispielsweise Wäsche, Schuhwerk u. ä. m. zu kaufen unb sobalb sie abgenutzt waren, fortzuwerfen. Als bie wirtschaftliche Krise herein- brach, war es bas erste, baß sie zunächst roicbcr ans Stopfen unb Ausbessern ging, b. h. sie versuchte bas Vorhanbene zu erhalten unb s o h a u s • hä11erisch w i e irgenb möglich bamit umzugehen. Sie versuchte, einen möglichst großen Teil auch s e l b ft herzustellen. Nichts anberes tut ber Staat in ber Volkswirtschaft, unb hiervon ist bie Marktorbnung ein wichtiger Teil. Sie will bie vorhanbenen Kräfte, Bobenschätze unb Erzeugnisse möglichst ausgiebig verwerten, also haushälterisch bamit umgehen. Wenn nun babei gleichzeitig bie Eristenz bes Bauerntums sichergestellt wirb, kann Der Bauer mehr Jnbustrieerzeug- nisse kaufen unb*.baburch erhalten viele Arbeiter, Angestellte in ber Industrie unb in ber übrigen Wirtschaft Arbeit unb sicheren Lohn. So hat also bie Marktorbnung die Hausfrauen in die Lage versetzt, ihren Männern den Arbeitsplatz zu sichern. Nun noch ein Wort zur Frage Der Preisschwankungen. Hier muß man sich über eines klar sein. Gewisse Schwankungen in den Erträgen werden immer durch bie Witterung b e • b i n g t sein. Sie müssen zwangsläufig ihren Aus- bruck in ben Preisen finben, andernfalls könnte der Bauer seine Aufwendungen nicht bezahlt bekommen. Daß es eine Unmöglichkeit ist, längere Zeit hindurch zu Preisen zu verkaufen, die die Aufwendungen nicht decken, weiß jebe Hausfrau zur (Genüge, benn kein Mensch kann mehr ausgeben, als er einnimmt. Das zeigt auch ber wirtschaftliche Zusammenbruch all ber Länder, bie in ber Vergangenheit Preisschleuberei getrieben haben. Deutschland kann für sich in Anspruch nehmen, das erste Land gewesen zu sein, das zu vernünftigen Wirtschaftsgrundsätzen zurückgekehrt ist. Demzufolge war es möglich, im Jahre 1933 dem Bauern einen f e ft e n Getreidepreis zu geben und ihn so vor dem völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch zu bewahren, im Jahre 1934/35 dagegen bei geringerer Ernte eine Brotverteuerung zu verhindern. Aehnlich liegen die Verhältnisse beim Fleisch, wo im Herbst, wenn die Tiere von ber Weibe kommen unb bie Anlieferungen an bie Märkte größer finb, bie über ben laufenden Bedarf hin- ausgehenden Mengen zu Fleischkonserven (Fleisch im eigenen Saft) verarbeitet und im Frühjahr durch Absatz dieser Konserven übermäßige Preissteigerungen verhindert werden. Selbst bei Erzeugnissen, die verhältnismäßig leicht verderblich sind, wie Spargel, hat sich die Marktordnung segensreich ausgewirkt. Wie die Erfahrungen dieses kalten Früyjahrs zeigten, ist es mit Hilfe der Morktord- nung hier gelungen, die Spekulation fast restlos zu unterbinden, jedoch werden Preisschwankungen mit Rücksicht auf die Erhaltung der Erzeuger nie ganz zu vermeiden sein. Das ist auch nie das Ziel der Marktordnung gewesen. Es ging vielmehr darum, die durch Spekulation hervorgerufenen Auswüchse in der Preisbildung zu unterbinden, im übrigen aber nur für bie lebenswichtig- ft en Nahrungsgüter Festpreise zu schaffen. Demnach wirb jebe Hausfrau einsehen müssen, baß sie neben bem Erzeuger im Mittelpunkt ber Marktorbnung steht Vüchettsch — Mutter unb Kinb ist bas Augufthest Der Zeitschrift „Frauen-Kultur" im beutschen Frauenwerk" (Verlag Otto Beyer, Leipzig) geroibmet, bereu Ausgabe B offizielles Organ bes Deutschen Frauenwerks ist. Vor allem interessiert ein ausführlicher Arbeitsbericht über bie „Aufgaben unb Ziele bes Reichsmütterdienstes im Deutschen Frauen- werk". Der Auf- unb Ausbau bes Hilfswerkes „Mutter unb Kinb" wirb in ber gleichen Nummer lebenbig bargestellt, unb mancherlei wird aus ber und den Weg. In ien auf aber in einem Ausmaß, wie noch nie zuvor. werden die Korke übers Kreuz oder mit kältet, Daten für den 1. August. Den Schalterraum einer P o st betritt ein altes an und hält eine die sie von Zeit zu einer denn weist jetzt Die mit Ein Einkochapparat ist heute fast in jedem Haushalt vorhanden. Nach dem Filtrieren, das am besten durch ein Tuch geschieht, wird der Most in sorgfältig und gründlich gereinigte Flaschen auf etwa 2 bis 3 Finger breit von der Flaschenhalsöffnung gefüllt. Auf den Einsatz des Einkochapparates lege man einen Holzrost, stelle die gefüllten Flaschen I In einem Autobus, der zum Grünewald fährt, kassiert der Schaffner das Fahrgeld. Während er ein großes Geldstück wechselt, ruft eine Frauenstimme zu ihm hinüber: „Ich will zum Luna park!" Verschiedene Mitfahrende blicken sich an und lächeln, andere drehen sich um und sehen der Frau ins Gesicht. Ein erwartungsvolles Schweigen ruht über allen. Jetzt kommt der Schaffner au der rufenden Frau und fragt: „Bitte, wie roeit?'z „Zum Lunapark will ich!" antwortet sie betont. Der Schaffner gibt der Frau einen Fahrschein über die gewünschte Strecke, wechselt das ihm gereichte Geld und sagt dabei seelenruhig: „Den Lunapark jibt's nich mehr!" Läuter schalkhafte Freudenlichter über eine endlich beseitigte üble Berliner Vergnügungsstätte glitzern aus den Augen der Mitfahrenden in den Großstadtalltag hinein. steigen. Sie stehen aber besser fetzt sckon auf, sonst kommen Sie nicht rechtzeitig hinaus!^ An der Flurtür einer zur ebenen Erde gelegenen Wohnung prangt eine Guirlande.Es duftet im ganzen Haus nach frischem Grün und Blumen. Mitten über der Tür ein Schild, aus dessen rotem Grunde die Worte: „Herzlich willkommen" herausleuchten. In dieser Wohnung hat vor einem Jahre ein junges Paar seinen Einzug gehalten. Damals hing auch eine Guirlande vor der Tür und das gleiche Schild darüber. Wer ist jetzt zu begrüßen? Das ganze Haus weiß es und freut sich mit. Denn heute kommt die junge Frau wieder heim. Aber sie kommt diesmal nicht allein. Sie bringt ihn mit, den in der Klinik geborenen Stammhalter! gerissen, um neuen Platz zu machen — Straßen werden gepflastert — Häuser angestrichen — — „Das Alte stürzt, es ändert sich die Zeit, und neues Leben blüht aus den Ruinen." Arbeit gibt Brot und zündet den Verzagten ein Licht an auf ihrem Lebenswege. Auf dem Grunde alter, dunkler Häuser wachsen neue, helle Gebäude empor damit Schönheit und Licht gemeinsam in ihnen und um sie walten können. In der Wilhelmstraße auf einem Bau ertönt ein Pfiff. Eine riesige Leiter wird von starken, gebräunten Arbeiterhänden aufgerichtet. Nun steht sie senkrecht und weist mit ihren zahlreichen Sprossen wie ein leuchtendes Sinnbild des Sieges empor. — Berlin wird wieder „gebuddelt", Geduld fertigt der Beamte seine vielen Kunden ab. Nun ist auch das Mütterchen an der Reihe. Sie steht am offenen Schalter, und der Beamte sieht wartend in das faltige Gesicht der Frau hinein. „Ich möcht 'ne Marke für 'ne Jeburtstagskarte nach Neukölln!" sagt die Frau und hält dem Beamten die Karte hin. Er betrachtet sie auf beiden Seiten und fragt: „Soll die Karte so, wie sie ist, abgehen?" „Jawoll", antwortet die Frau. „Dann kostet sie nur drei Pfennige", bestätigt der Beamte. Die alte Mutter wird rot, zögert ein Weilchen und schüttelt dann energisch den Kopf. „Och nee", sagt sie verschämt, „och nee!" Der Beamte lächelt: Ja, aber an sich kostet sie nicht mehr! Die Post will gar nicht mehr dafür haben!" „Och nee, nee!" wiederholt die Frau und schüttelt den Kopf energischer. Drei Pfennige sind ihr zu wenig für einen Geburtstagswunsch, fühlt der Beamte. Da aber die Karte nur den Namen trägt und darum nicht mehr kostet als drei Pfennige, versucht er es andersrum und sagt: „Sparen, Mütterchen sparen!" Da lächelt sie, klopft ein wenig mit der zittrigen Hand auf das Schalterbrett, wie um ihre Gedanken zu unterstreichen, und bestimmt energisch: „Nee, nee, kleben Se man 'ne andre Marke druf!" Arbeiten zur neuen Untergrundbahn schreiten Riesenschritten vorwärts — alte Häuser werden ab» Riesenstadt wie Berlin. Das tut Zwiefach gut, es gibt ein Gefühl des Zuhauseseins Vereisung von Süßmost im Haushalt. Als Süßmost bezeichnet man den reinen ausge- preßten Fruchtsaft aus Aepfeln, Birnen usw., der durch Pasteurisieren oder Sterilisieren von Fäulnisoder sonstigen Erregern befreit, infolgedessen haltbar gemacht worden ist. Gerade in den letzten Jahren ist eine immer größer werdende Nachfrage nach diesem alkoholfreien Getränk entstanden, das in steigendem Maße an Bedeutung gewinnt. Man kann Süßmost sowohl aus Birnen, als auch aus Aepfeln und Sauerkirchen herstellen, jedoch wird der Apfelsüßmost bevorzugt. Die Süßmoste sind sehr erfrischend, reich an Nährwerten und alkoholfrei und kommen namentlich auch für Kinder in Betracht. Im Herbst und Winter gehen oft ungeahnte Mengen Obst zu Grunde, die ausnahmslos dem genannten Zwecke zugeführt werden könnten. Wie stellt man nun auf einfache Weise Süßmost im Haushalte her? Man verfährt zunächst genau wie bei Herstellung von Apfelwein. Während man zu dessen Bereitung saftteife (herbe, süße und saure) Aepfel im Gemisch bevorzugt, die erfahrungsgemäß den besten und haltbarsten Aepfelwein liefern, so ist für die Herstellung des Süßmostes dies nicht notwendig: denn er klärt sich allmählich in den Flaschen oder Fässern noch genügend. Selbstverständlich schneidet man an den Früchten alle faulen und wurmigen Stellen heraus. Sind die Früchte gründlich gewaschen, so werden sie ausgepreßt. Sehr empfehlenswert, und auch eine größere Ausbeute an Saft bringt eine kombinierte Obstmühle und Presse. Ist der Most gewonnen, muß er möglichst schnell verarbeitet werden und darf auf keinen Fall mit Eisen, etwa an einem beschädigten Emailleimer, in Berührung kommen. Man verfahre folgendermassen: Lichter im Großstadt-Alttag Von H M. Heidrich. — Das Gelbe Einmachbuch. Von Elly Petersen. Dritte verbesserte Auflage. 120 Seiten mit 25 Bildern. (Verlag Knorr & Hirth, G. m. b. H., München.) Kart. 1,95 Mark. — (255) — Auch wer nicht über eigene Früchte im Garten verfügt, kann zur Obstzeit srischgepflückte Ware in Körbt.. ....' dem Markt oder vom Erzeuger direkt geliefert billig kaufen. Frau Petersen gibt Hilfsmittel an Hand, die nicht viel kosten, oder sich in jedem Haushalt vorfinden. Mit Humor bringt sie uns die notwendigen Handgriffe und Kunstgriffe bei, und im Plauderton fliegen uns alle Weisheiten der hohen Einmachkunst zu. Dann folgen 300 bewährte Rezepte für alle Arten von Gelees und Marmeladen, für das Einwecken von Früchten und die Bereitung von Fruchtsäften, für Gemüse, Pilze, Kräuter, Gurken und andere schöne Dinge. Die moderne Diät ist dabei nicht vergessen, und auch Rohköstler kommen voll und ganz auf ihre Rechnung. C. O. Petersen spendete 25 anschauliche Zeichnungen. der bekannten Apothekerschleife verschnürt oder verdrahtet und zur Klärung im Keller aufrecht gestellt. Der Süßmost ist nun fertig und kann jederzeit getrunken werden: bis zur völligen Klärung verstreichen oft Wochen. Die Trübung hat keinen Einfluß auf den Geschmack des Mostes. Auf dieselbe Weise stellt man natürlich auch den Birnenoder Kirschensüßmost her. Doch soll bei letzterem erwähnt sein, daß je nach Belieben, Wunsch oder Geschmacksrichtung ein Zusatz von Wasser und Zucker erfolgen kann. Das Einsterilisieren kann auch geschehen, indem man die Flaschen im Dampfbad erhitzt. Man bringt dazu nur soviel Wasser in den Einkochapparat, daß der Holzrost überspült wird. Dann muß das Thermometer in einer Flasche mit Most eingetaucht werden, um die Temperatur außen ablesen zu können. Wer nach obigen Angaben verfährt, kann alljährlich seinen Hausbedarf an Süßmost selbst herstellen. Ergänzend sei noch erwähnt, daß man auf fabrikmäßige Weise in jüngster Zeit sinnreiche Apparate erfunden hat, in denen man den Süßmost in Fässern und Flaschen von beliebiger Größe herstellen kann. Der Fremde steht auf, dankt wieder und bahnt sich einen Weg durch die Menge der stehenden Menschen. Er hat ein Lächeln auf dem Gesicht, einen stillen Zug der Freude und des plötzlichen Zuhauseseins in der großen Stadt. Eine fremde Frau hat ihn mütterlich umsorgt. Das tut gut in Arbeit in den Erntekindergärten der NSV. erzählt. Die Dichterin Margarete Weinhandl zeigt uns „Das Kind als schöpferisches Leben", und Dr. Hans Kern geht dem „Geheimnis der Weltmütterlichkeit" nach. Zwei Bildaufsätze über „Kind und Garten" und „Kind und Wohnung" schließen sich sinngemäß an, während Bücherlisten und Buchbesprechungen das Thema ergänzen. berliner Vries. Spätnachmittag in Berlin in einer Straße erster Ordnung. Autobusse und Kraftwagen jagen vollbesetzt hintereinander her. Auch die elektrischen Bahnen sind überfüllt. An den Bürgersteigen fährt Radfahrer hinter Radfahrer. Die Arbeitszeit ist zu Ende. Man fährt nach Hause, man fährt auch ins Freie. Man will keinen Augenblick versäumen und jagt dahin. Auch auf den Bürgersteigen gehen die Menschen in dichten Reihen hintereinander. Man steht im überfüllten Autobus und wird bei den Kurven, an den Haltestellen hin und her geworfen. Es ist heiß, und die Gesichter der Fahrgäste sind erschöpft, ihre Augen müde. Da kommt plötzlich Bewegung in die Reihen. „Wie l u st i g ! " hat ein Frauenmund im Autobus ausgerufen, während die Augen zum Bürgersteig hinübersayen. Männer blicken von ihren Zeitungen auf, und ihre Augen gehen denen des lächelnden Mädchens nach, bis auch ihr Mund lächelt, und das Interesse am Lesen verschwunden ist. Auch alle Müdigkeit scheint verflogen zu sein. Was ist drüben zu sehen? Ein junges blondes Mädel schreitet munter seinen Weg. Es trägt ein schlichtes weißes Kleid und auf dem schönen reichen Haar einen leichten Hut. Die Füße aber, die so- hurtig dahingehen, stecken in zwei roten Schuhen. Niemand ringsum trägt rote Schuhe. Wie jung und leuchtend sie sich gegen das graue, eintönige Pflaster abheben! Welch ein Klang der Freude um sie herum ist! Alle Augen wandern mit den roten Schuhen und trinken ihre sommerfrohe Farbe in sich hinein. Es sieht aus, als ob das Mädchen über Blüten dahingeht, ober als ob im Großstadtpflaster plötzlich Rosen blühen. Als ob? Nein, es geht ja auch eine holde Menschenblume darüber hin, die im Alltag der Großstadt mit ihren kleinen roten Schuhen ein Licht der Freude angezündet hat. — erwärme langsam. Die Flaschen dürfen sich nicht berühren, da sie sich infolge der Hitze ausdehnen und in Stücke gehen müßten. Ist die Temperatur auf etwa 70 bis 75 Grad gestiegen, läßt man mit der Heizung nach und sterilisiert eine halbe Stunde lang. Man beachte jedoch, daß der angegebene Wärmegrad nicht überschritten wird: denn sonst bekommt der eingeweckte Süßmost, den bekannten Kochgeschmack, der unter allen Umständen zu vermeiden ist. Bleibt die Temperatur unter 70 Grad Celsius, so kann möglicherweise der Inhalt später gären und man bekommt Apfelwein anstatt Süßmost. Inzwischen hat man neue Weinkorke in heißem Wasser gebrüht. Die Flaschen werden nach der halbstündigen Sterilisierzeit nacheinander heiß her- ausgenommen, verkorkt und umgekehrt in einen Koro, Bottich und dergleichen — unter Ausschaltung etwaiger Zugluft — gebracht. Durch das Um- stülpen will man erreichen, daß auch die Korke von Zersetzungserregern gereinigt werden. An Stelle des Korkverschlusses lassen sich auch mit besonderen Vorteilen die überall erhältlichen sogenannten Gummikappen verwenden. Sind die Flaschen er- hinein, fülle den Topf in etwa zk Höhe mit Was- Mütterchen. Sie stellt sich hinten ser, schließe den Einkochtopf, bringe das Thermo- bunte Postkarte in der Hand, di. ____ x,... Meter wie bei jedem Einkochen hinein und Zeit immer wieder zärtlich betrachtet. Mit großer In der elektrischen Bahn sitzt ein Ausländer und neben ihm ein junges Mädchen. In gebrochenem Deutsch verlangt er einen Fahrschein nach dem Zoo. Das junge Mädchen horcht auf. Nach einer Weile sagt sie zu dem Ausländer: „Wissen Sie, wo Sie aussteigen müssen?" Verlegen kommt die Antwort: „Nein!" Das Mädchen sieht ihn an: „Ich werde Sie rechtzeitig aufmerksam machen." -------- ..........y-,- Er dankt, und sie fahren weiter still nebenein-' 1798: Seeschlacht bei Abukir: die französische Flotte ander her. Ein Stück vor der Haltestelle sagt das wird durch den englischen Admiral Nelson fast ganz Mädchen: I vernichtet: — 1826: Gründung des Bibliographischen „Wenn die Bahn wieder hält, müssen Sie aus-1 Instituts in Gotha. Nachdruck verboten! 15 Fortsetzung. hatte. Nur das eine konnte sie nicht: Ihm offenbaren, wie sie ihn liebte. Dies eine durfte er niemals wissen. Dann hätte sie sich zu Tode geschämt. Sie mußte ihm Komödie Vorspielen, wie er sie ihr vorspielte. „Sie antworten mir nicht, Marlen?" Dietrich fragte es bang. Er konnte sich Marlens Verstummtsein, ihre Regungslosigkeit nicht erklären. Da hob Marlen wiederum den Kopf. Ihr Antlitz war völlig verwandelt. Es war wie das einer Statue. In den Augen schimmerte es wie von unterdrückten Tränen. Aber jetzt gewannen auch die Augen einen klaren und kühlen Ausdruck. Ihre Stimme klang ebenfalls verwandelt, kühl, beinahe geschäftsmäßig. Jetzt war sie es, die mit der sicheren Miene einer Gesellschaftsdame auf den Sessel wies, von dem Veltheim aufgesprungen war: „Bitte nehmen Sie Platz, Graf Veltheim! Wir können ja die Angelegenheit in aller Ruhe besprechen. Ich will Ihnen antworten." Sie setzte sich aufrecht. Ihre Hände lagen leicht gefaltet im Schoß. Dietrich sah sie erschreckt an. Was für eine Wandlung war mit Marlen Korda vorgegangen? „Graf Veltheim", klang ihre kühle Stimme jetzt, „Sie haben mich zwei Dinge gefragt: erstens, ob ich Ähre Frau werden will. Diese Frage beantworte ich mit Ja!" „Marlen!" Dietrich wollte aufspringen, Marlen in seine Arme ziehen, aber sie hob mit einer kühlen Bewegung die Hand: „Bitte, Graf Veltheim, hören Sie mich bis zu Ende an! Auf Ihre zweite Frage, ob ich Sie lieb habe, muß ich antworten: Nein!" Entgeistert sah er sie an. „Und da wollen Sie mich heiraten?" „Jawohl, Graf Veltheim! Sie haben doch selbst gesagt, daß Sie heiraten müssen, um diese Iefta= mentsklausel zu erfüllen. Nun — ob eine andere Frau oder ich, das dürfte Ihnen ja wohl gleich fein." Marlens Stimme klang kalt und unbewegt. Veltheim war blaß geworden. Es war ihm, als tue sich ein Abgrund vor ihm auf, und in diesen Abgrund stürzte alles hinab, was er durch Karlas Zuruden gewonnen hatte: erneuten Glauben an die Frauen, erneute Hoffnung, daß eine Frau ihn um feiner selbst willen lieben könnte — der Glaube an Marlen! Ein unendlicher Schmerz war in ihm. Aber mit eiserner Gewalt kämpfte er ihn nieder. Dieses Mädchen vor ihm, dessen schönes Gesicht ebenso trog wie Juttas Antlitz einst getrogen, sollte nicht wissen, was in ihm oorging. „Sie haben recht, Marlen! Wenn Sie die Dinge w auffassen, will ich Ihnen nicht widersvrechen. Ich glaubte, daß zwischen uns etwas anderes sein konnte als diese kühle Ueberkgung. Aber w nn tote wünschen, werde ich den Ton aufnehmen, den „Marlen", fragte er, „habe ich Sie erschreckt? Ist meine Werbung zu plötzlich gekommen? Aber Karla sagte mir, ich würde hoffen dürfen, daß Sie mich auch ein wenig gern hätten. Marlen, sprechen Sie doch! Sie wissen doch, wieviel für mich von Ihrer Antwort abhängt. Bin ich Ihnen denn so schrecklich, Marlen? Könnten Sie mir auch Liebe entgegenbringen, wie ich Ihnen? Wollen Sie sich mir anvertrauen?" Än Marlen war ein Schmerz, als ob ihr jemand das Herz in der Brust herumdrehte. Was hatte Dietrich gesagt? In dieser Stunde sollte Wahrheit zwischen ihnen sein? Und doch log er, log in jedem Worte. Sein Herz war frei? Er liebte sie? Aber sie hatte es ja gehört, was Jutta von Bergfelde gesagt. Daß er Jutta angefleht, zu ihm zu- rüzukehren, und daß sie ihn davongeschickt hatte. Und jetzt stand er hier und sprach i h r von Liebe? Dabei kam doch seine ganze Werbung nur aus dem Zwang, jener unseligen Testamentsbestimmung zu genügen! Er liebte sie ja nicht. Sie sollte ' ihm nur das Mittel sein, um Veltheim zu erhalten. Wenn er ihr das wenigstens ehrlich zugegeben hätte! Dann wäre der Schmerz nicht so entsetzlich gewesen. Es wäre ihr lieber gewesen, er hätte gesagt: „Ich liebe dich nicht, ich liebe eine andere — aber ich muß heiraten! Willst du diese Ehe mit mir schließen? Ich werde dich achten. Wir werden nebeneinander leben als zwei Menschen, die vielleicht Kameraden sein können." Dann hätte ihr Herz stch aufgebäumt und geschrien unter der Hoffnungslosigkeit der eigenen Liebe. Aber sie wäre sich nicht so entsetzlich erniedrigt vorgekommen, und sie hätte Dietrich als einen aufrechten Menschen vor sich gesehen, der die Wahrheit bekannte — auch wenn sie noch so hart war. So aber schämte sie sich für ihn und für sich. Wie gut er zu heucheln verstand! Beinahe hätte man an die Wahrheit seiner Worte glauben können. Jetzt dankte sie ihrem Schöpfer, daß sie jene entscheidende Unterredung zwischen Jutta und Karla mit angehort hatte. Denn sonst hätte sie sich cin- lullen lassen von diesen weichen Worten, von dieser warmen Stimme. Dann hätte sie geglaubt, daß Dletrich Veltheim sie liebe, wie sie ihn liebte. Aber sie wollte sich nicht täuschen lassen. Sie wollte der Wahrheit in die Augen schauen. Ihr Stolz mußte iyr Helsen. Sollte sie Diettich Veltheim ablehnen? Nein nein! schrie es in ihr auf. Lieber will i ch die- jemge fein, die ihm zu seinem Ziel verhilft, als eine andere! — Sie würde ihn nie stören. Sie würde ganz zuruckweichen. Er konnte, auch wenn er sie heiratete, [ein Leben ganz nach seinem Gefallen einrichten' Und wenn vielleicht einmal Jutta von Bergfelde sich doch eines anderen besinnen würde, dann würde sie zurücktreten — still und schweigend, in das Dun- kel, aus dem Dietrich Veltheim sie hervorgezogen Wir sanden znemansec Vornan von Klothilde v. Stegmann Urheberrechtschutz: Fünf-Türme Verlag Halle (S.) in1O 'Minuten -mit Opekta! Wozu sagt er mir das!, dachte Marlen. Was hat meine Freundschaft zu Karla mit den Heiratsplänen Dietrich Veltheims zu tun?! — Banken und Unsicherheit waren in ihr. „Fräulein Marlen, es gibt ein Sprichwort, das heißt: Die Freunde meiner Freunde sind auch meine Freunde. Ich möchte es anders ausdrücken: Die Menschen, die von meinen Freunden geliebt werden, müßte ich eigentlich auch liebhaben können. Fräulein Marlen, Karla meint, daß wir beide gut zueinander passen würden. Ich habe in den ganzen Jahren, in denen ich mit Karla befreundet bin, erfahren: Sie fühlt das Rechte für mich. Und wenn ich mich danach gerichtet habe, ist es für mich immer zum Segen ausgeschlagen. Bitte, sehen Sie mich doch einmal an, Marlen!" Wie unter einem Zwang hob Marlen den Kopf. Dietrich sah in ein erblaßtes Antlitz, in dem die grauen Augen leuchteten. Hinreißend schön sah sie aus in dieser inneren Erregung. Rein, schön und lieblich. Da flammte es durch ihn hin wie ein heißes Glückslohen. Ja, Karla hatte recht. Diese grauen reinen Augen, dieser keusche, ernste Mund konnte nicht lügen. Diese Schönheit war Spiegelbild einer schönen Seele. Alles an Marlen war liebenswert. Und er liebte sie. Nicht mit der heißen, flackernden Liebe wie einst Jutta, sondern mit einer zarten, scheuen Innigkeit. War die Liebe zu Jutta wie eine sengende Flamme gewesen, die alles verbrennen wollte, Stolz, Selbstbehauptung und Ehre, so war das Empfinden für Marlen wie ein klares, reines Licht, vor dessen Helligkeit alles Dunkle und Unklare vergehen mußten. Und auf einmal wußte er, was er zu sagen und zu tun hatte. Seine Stimme klang ganz verändert, weich, hingebend und bittend: „Fräulein Marlen, in dieser Stunde soll Wahrheit zwischen uns sein. Ich deutete Ihnen vorhin schon an, daß ich einmal geglaubt habe, in einem Mädchen ein Lebensglück zu finden. Es war eine harte, bittere Enttäuschung. Ich habe lange gerungen, um damit fertig zp werden. Aber jetzt habe ich es überwunden, Marlen. Ich liebe jene andere nicht mehr. Mein Herz ist frei — oder vielmehr, es ist schon nicht mehr frei. Denn ich glaube, ich liebe Sie, Marlen. Wollen Sie meine Frau werden? Können Sie mir gut fein, Marlen?" Da erschrak er. Marlens Gesicht wurde weiß wie das einer Toten. Ihre Augen starrten ihn ent setzt an. Sie anschlagen. Sie wollen also meine Werbung annehmen?" „Das will ich, Graf Veltheim!" „Darf ich Sie fragen, was Sie da.zu bestimmt, da Sie nirV<5 für mich emvfind"n^" Sein Gesicht war ganz verwandelt. Finster blickte er auf Marlen. Seine Stimme klang schneidend. Mit übermenschlicher Kraft zwang sich Marlen zur Ruhe. Sie hatte nun den entscheidenden Schritt getan. Sie konnte nicht mehr zurück. Und wenigstens mürbe,, sie einem vielleicht helfen können — ihrem Bruder! Um seinetwillen wollte sie alles auf sich nehmen. Um seinetwillen und um Dietrichs willen. „Wahrheit gegen Wahrheit, Graf Veltheim!" antwortete sie ruhig. „Sie wissen durch Karla von meinem Leben. Ich habe es sehr schwer gehabt, und ich möchte es sorgloser haben. Darum nehme ich Ihren Antrag an. Ich verspreche Ihnen, ich werde nach außen hin alles tun, um den Namen einer Gräfin Veltheim mit Ehren zu tragen." Alles in Dietrich vereiste. Das war nun Marlen, von der Karla nicht genug erzählen konnte. Das war Marlen, die sofort ohne Bedenken eine Ehe eingehen wollte, nur um des Geldes willen. Wenn es noch eines Beweises bedurft hatte, daß er in feiner Meinung über die Frauen recht hatte, so war es dieses Erlebnis. Ein rasender Schmerz war in ihm und beinah etwas wie Haß gegen Marlen. Ja, er haßte sie, roeil sie die letzte Illusion in feinem Herzen für immer zerstört, weil sie sein Herz getötet hatte. Er klammerte sich an diesen Haß und fühlte nicht, daß man nur da so stark hassen kann, wo man einmal geliebt hat. Er wollte von seinem Empfinden für Marlen nichts mehr wissen. Und wirklich, es schien ihm, als wüßte er nichts mehr davon. „Ich danke Ihnen für die Offenheit, Marlen! Ich bin überzeugt und erwarte, daß Sie dem Namen einer Gräfin Veltheim keine Schande machen werden. Im übrigen wird Ihre Aufgabe nicht allzu fein" AH frage nichts nach der Meinung der Menschen. Wir werden also, wenn es Ihnen recht ist, heiraten und dann uns möglichst wenig begegnen. Die Welt ist ja groß. Durch die Erfül» hing des Testaments werde ich zu einem sehr rächen Manne. Ich werde Ihnen so viel zur Verfügung stellen, wie Sie wünschen. Und Sie werden [eben können, wie es Ihnen beliebt. Sind Sir damit einverstanden?" Marlen neigte den Kopf. „Jawohl, Graf Veltheim!" „Dann gestatten Sie mir, daß ich Karla von unserer Verlobung benachrichtige. Die Veröffent- lichung der Nachricht kann noch erfolgen, ehe ich abreise. Dann werde ich sofort bas Aufgebot bestellen — in vier Wochen können wir Mann und Frau sein. Ist Ihnen bas recht?" „Mir ist alles recht, was Si» bestimmen, Graf Veltheim!' _______ (Fortsetzung folgt.)