Ur. 201 Ltster Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 29. August 1955 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblStter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewatt Zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siehrn Postscheckkonto: Hranfturt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck un- Verlag: vrühl'sche Universitäts-Buch- und Stein-ruckerei U.Lange in Gietzen. 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Das Wort „Kräfte- konzentration" zieht sich wie ein roter Faden durch alle wirtschaftspolitischen Maßnahmen und Projekte, . wie die Rettung des Bauernstandes, die großzügigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die Steuerreform, bis zu den Maßnahmen der jüngsten und allerjüngsten Zeit, als da sind die Ausgabe von 500 Millionen Mark 4,5prozentiger Reichsschatzanweisungen und die Unterbringung von weiteren 500 Millionen Mark Reichsanleihe bei den Sparkassen. Gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt sei erneut mit allem Nachdruck auf die in dem kurzen Zeitraum von erst 2% Jahren erzielten Erfolge hinge» wiesen. Erfolge, die nur dadurch möglich waren, daß die Reichsregierung eine Zersplitterung der Kräfte nicht zuließ. Es ist charakteristisch, daß der Kräfteaufwand in den hinter uns liegenden zweieinhalb Jahren nie Projekten gegolten hat, die an sich zwar schon in einer Erfolgslinie liegen konnten, letzten Endes aber infolge fehlender „Massivität" wirkungslos hätten verpuffen müssen. Bei allen bislang zur Durchführung gelangten wirtschaftlichen Aktionen war für die Regierung vielmehr ausschlaggebend die Erwägung, alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel auf einen einzigen großen Zweck zu konzentrieren. Dieser Zusammenballung der Kräfte, dieser Konzentration auf ein einziges Ziel ist es zu verdanken, daß die erwähnten Projekte bislang von Erfolg gekrönt gewesen sind. Während die früheren Regierungen der verschiedensten Schattierungen bestenfalls einmal hier, einmal dort den Hebel ansetzten, ohne jedoch zumeist auch nur die geringste Spur eines planmäßigen Vorgehens zu zeigen, beschritt der Nationalsozialismus grundsätzlich andere Wege, die ein demokratisches Parlament zu gehen nie und nimmer in der Lage war, da die liberale Einstellung des früheren Staates die wirtschaftlichen Gegensätze sich ungehemmt austoben ließ, wobei der Liberalismus dem sog. freien Spiel der Kräfte eine Zielsetzung ein- räumte, die in einem vollkommenen Gegensatz zu dem tatsächlichen wirtschaftlichen Verlauf stand. Indem man so nach jeder Richtung hin ein „freies Spiel der Kräfte" zuließ, der Staat seine wirtschaftspolitischen Maßnahmen sogar auf diesen Gesichtspunkt abstellte, war als natürliche Folgeerscheinung die Tatsache zu verzeichnen, daß der wirtschaftlich Schwächere von dem wirtschaftlich Stärkeren einfach an die Wand gedrückt wurde. Von einer planmäßigen Kräftekonzentration konnte somit nicht die Rede sein. Das war aber einfach auch schon aus dem Grunde nicht möglich, weil der Parteienstaat von damals die Voraussetzungen für ein Hinausgleiten aus dem Wirtschaftswirrwarr gar nicht zu schaffen in der Lage war. Für den nationalsozialistischen Staat war es dagegen selbstverständliche Voraussetzung, erst einmal das politische Gehäuse in Ordnung zu bringen; nachdem das geschehen war, konnte der Wirtschaft selbst mit Aussicht auf Erfolg das Augenmerk zugewendet werden. Folgerichtig wurde erst einmal der Bauernstand in seinen Fundamenten reorganisiert und somit der Landwirtschaft wieder die Stellung eingeräumt, die ihr im Staate zukommt. Alsdann ging der Führer an das erste sich gesteckte gewaltige Ziel heran: Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Und heute nach 2Vr Jahren: Nur noch l3/4 Millionen Arbeitslose. Noch kein Staat hat es fertig gebracht, innerhalb einer so kurzen Zeitspanne das Arbeitslosenheer um etwa 5 Millionen sichtbarer Erwerbsloser zu verringern. Zieht man objektiv eine Bilanz oder besser gesagt eine Zwischenbilanz, so muß jeder, der nicht Scheuklappen trägt, sagen: Was hier in dem kurzen Zeitraum geschaffen worden ist, stellt eine gewaltige Leistung dar! Mit Nachdruck hob Reichsbankpräsident Dr. Schacht in seiner großen Könisberger Rede über die Wirtschafts- und Finanzlage des Reiches hervor, daß die riesenhaften Aufgaben Deutschlands eine ebenso riesenhafte Anspannung aller Kräfte zustande gebracht habe, weil dem deutschen Volke ein Führer erstanden sei, der den Millionen die Ueberzeugung einhämmerte, daß kein Volk seine materielle Sicherheit ohne politische Freiheit bewahren könne. Das Erreichte ist auch nicht auf zweifelhafte Methoden, wie das so mancher glaubt, zurückzuführen; Dr. Schacht hat auch hier die richtige Antwort gegeben, indem er sagte, daß weder Hexerei, noch Trick dabei ist. Das Geheimnis beruhe lediglich auf der einheitlichen und straffen Zusammenfassung der gesamten Finanz- und Wirtschaftspolitik, wie sie nut ein autoritäres Staatsgefuge ermöglicht. Es sei fernerhin allen Skeptikern vor Augen geführt, daß die Steuereinnahmen sich mit dem Fortschreiten der wirtschaftlichen Beschäftigung erheblich gebessert haben. Soweit es währungspolitisch vertretbar war, konnte die Reichsbank Hilfsstellung leisten, weil die Privatwirtschaft in sinkendem Ausmaß an sie herantrat. Die Auflockerung der Bankdebitoren infolge gewinnbringenderer Beschäftigung hat es ermöglicht, Teile der für die Arbeitsbeschaffung erforderlichen Kredite auch auf die privaten Stellen des Bankgewerbes umzulegen. Das Geld, das durch die öffentlichen Aufträge in den Wirtschaftsprozeß hineingegeben worden ist, wird also von der Wirtschaft selbst wieder dem Reich für seine großen Aufgaben zpr Verfügung gestellt. Die sehr geringe Ausweitung des Geldumlaufs und die etwas größere Zunahme des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ist eine natürliche Folge der erhöhten Umsatztatig- feit in der Wirtschaft. Mit eindringlichen Worten hob Schacht auch hervor, daß die Arbeitsbeschaffung schließlich aus den ersparten Ueberschussen her Wirtschaft und Arbeit finanziert werden muß. Oie Beschlüsse des italienischen Ministerrats. Mussolini an England. — Kriegswirtschaftliche Gesetze in Italien. Rom, 29. Aug. (DRV.) lieber den 211 i n t ff e r- raf In Bojen am Mitlwochnachmitlag ist eine umfangreiche amtliche Verlautbarung herausgegeben worden, die bis kurz nach Mitternacht noch nicht vollständig vorlag. 3m Ministerrat sind eine Reihe äußerst wich- tiger Maßnahmen beschlossen worden, die u. a. folgende Punkte umfassen: 1. Italien wird unter allen Umstanden seine Lebensinteressen bis zum letzten verteidigen. 2. Ls wird vor dem Völkerbund den Beweis liefern, daß Abessinien gegen feine internationalen Verpflichtungen verstoßen hat, und daß insbesondere in diesem Lande die Sklaverei in großem Umfange herrscht. 3. England wird durch das italienische Vorgehen in Abessinien nichts zu befürchten haben. 4. Die italienische Regierung ist der Ueberzeugung, daß es sich bei der abessinischen Frage um eine Kolonialangelegenheit handelt, die keinerlei Rückwirkungen auf Europa hat. 5. Es wird die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Anwendung von Sanktionen zu großen Schwierigkeiten führen könnte. Die italienische Regierung hat jedoch von vornherein Gegenmaßnahmen ins Auge gefaßt. Des weiteren sind eine Reihe von höchst wichtigen Mirtschastsmahnahmen beschlossen worden, die am 1. September in Kraft treten sollen. Mussolinis Erklärungen. Bozen, 29. Aug. (DNB.) Der Mi nist errat, der am Mittwoch in Bozen unter dem Vorsitz Mussolinis abgehalten wurde, nahm zunächst eine ausführliche Darlegung der internationalen Sage durch den Regierungschef entgegen. Mussolini teilte mit, daß Italien an der Völkerbundsratssitzung am 4. Septemberteilnehmen werde. Die italienische Regierung werde ihren Standpunkt zur abessinischen Frage darlegen, damit nicht nur der Dölkerbundsrat, sondern die ganze Welt ihn endlich genau kennenlerne. Sie werde fernerhin eine ausführliche Denkschrift vorlegen, in der die italienisch-abessinischen Beziehungen und die Beziehungen Italiens zu den an Abessinien grenzenden Staaten in den letzten 50 Jahren dar- gestellt werden. Aus dieser Denkschrift werde heroor- gehen, daß seit dem Vertrag von Uccialli Italien stets ein „koloniales Prioritätsrecht über Abessinien" zugestanden worden sei. Der Denkschrift werde eine kleine Auswahl der neuesten ausländischen Literatur beigegeben, die die Zivilisation Abessiniens beleuchte. Italien wolle seine Auffassung und seine Lebensinteressen bis zum letzten verteidigen, und jedes völkerbundsmifglied müsse die Verantwortung für die mögliche Entwicklung der nächsten Zukunft übernehmen. Der Regierungschef behandelte dann einige eng» lische Ansichten und erklärte nach dem Wortlaut des amtlichen Berichtes, daß Großbritannien von der künftigen Politik Italiens gegen Abessinien nichts zu befürchten habe. Die Politik Italiens bedrohe weder direkt noch indirekt die Interessen des britischen Imperiums, weshalb der in gewissen Kreisen hervorgerufene Alarm absurd sei. Italien habe eine Frage mit Abessinien zu lösen, aber es habe und wolle keine Frage mit Großbritannien erörtern, mit dem es im Weltkrieg, in Locarno und jüngst in Stresa in einer für die europäische Sicherheit unzweifelhaft wichtigen Weise zusammengearbeitet habe. Die faschistische Regierung glaube, daß ihre Kolonialpolitik keine Rückwirkungen auf die europäische Lage haben dürfte, es sei denn, daß man einen neuen Weltkrieg entfesseln wolle, um zu verhindern, daß eine Großmacht wie Italien in einem weiten Lande Ordnung schaffe, in dem die härteste Sklaverei und primitive Lebensbedingungen herrschten. Im Hinblick auf „Sanktione n", die der Dölkerbundsrat möglicherweise beschließen könnte, erklärt der Ministerrat dem italienischen Volk und den anderen Völkern, daß von Sanktionen zu sprechen so viel bedeute wie eine schiefe Ebene zu betreten, auf der man in die schwierigsten Verwicklungen geraten könne. Die faschistische Regierung glaube, daß sich im Völkerbundsrat verantwortungsbewußte Männer finden würden, die jeden gefährlichen Sanktionsvorfchlag gegen Italien zurückweisen würden. Die faschistische Regierung erfülle jedoch ihre Pflicht, indem sie dem italienischen Volk mitteile, daß die Frage der Sanktionen von den London, 29. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die amtliche Erklärung de» italienischen Regierung über den TO int ft errat in Bozen und die Ansprache des Papstes vor katholischen Krankenschwestern werden von der Morgenpresse, zusammen mit Meldungen über den französischen Minister - rat, als die wichtigsten politischen Kundgebungen des Mittwochs zur brennendsten Frage des Augenblicks, den italienisch-abessinischen Streit, an hervorragender Stelle veröffentlicht. Beachtung finden naturgemäß die an die englische Adresse gerichteten beruhigenden Zusicherungen Mussolinis. Da die italienische Verlautbarung spät eintraf, nimmt nur die „Time s" ausführlicher zu ihr Stellung. In ihrem Leilaufsah sagl die „Times", die italienische Behauptung, Italien habe jedes mögliche Mittel für eine friedliche Regelung des Slreiles mit Abessi- höchsten militärischen Stellen unter allen Gesichtspunkten geprüft worden sei und daß schon seit geraumer Zeit alle Maßnahmen getroffen worden seien, um Sanktionen militärischer Art entgegentreten zu können. Es seien alle Probleme geprüft worden, die den wirtschaftlichen Widerstand Italiens und die Sicherung der Lebensbedürfnisse des italienischen Volkes betreffen. Die Nahrungsmittel feien durch die außerordentlich gute Ernte gesichert. Hinsichtlich der für die Industrie notwendigen R o h st o f f e hat der Ministerrat beschlossen, daß die gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnisse der Kriegsindustrie den Vorzug vor den Bedürfnissen der Friedensindustrie erhalten. Der Finanzminister trug im Anschluß daran folgende vier Gesetzentwürfe vor, die vom M i n i st e r r a t beschlossen und angenommen wurden: 1. Zwangsüberweisung der auslän- ländischen Wertpapiere und der italienischen Ausländsanleihen an die Staatskasse. Die Staatskasse gibt dafür Pfandscheine mit neunjähriger Laufzeit aus, die mit 5 Prozent verzinst werden. 2. Zeitweise Herabsetzung der DioU denden der Handelsgesellschaften. 3. Ivprozentige Steuer auf Dlviden- den, Zinsen und Gewinne aus 3 n- haberpapieren. 4. Pflichtgemäßer Verbrauch von E r s a h b r e n n- st o f f e n für alle im öffentlichen und privaten Betrieb benutzten Kraftfahrzeuge. Vis zum 31. Dezember 1937 müssen alle Kraftfahrzeuge auf den Betrieb mit Ersahbrennstosfen umge- siellt sein. nien versucht, sei erstaunlich. 3n Wirklichkeit habe 3talien vor zwei Wochen die Möglichkeit gehabt, eine friedliche Regelung zu erreichen. Es habe sie aber beinahe geringschätzig abgelehnt. Mussolini habe in den letzten Monaten bewiesen, daß er kriegerische Methoden friedlichen vorziehe. England wolle selbstverständlich den italienisch-abessinischen Streitfall nach wie vor nach den Regeln des Völkerbundes behandeln. Die letzte Folge davon könnte im Falle eines erwiesenen Angriffes logischerweise die kollektive Anwendung von Sanktionen sein. In Frankreich scheine man tatsächlich e r • staunt über den beinahe im ganzen britischen Volk herrschenden Wunsch nach Unterstützung der Völkerbundssatzung und des Kollektiv- Das Scho in England. Eroberungskrieg in Abessinien bedeutet Eingriff in britische Rechte und Belange. Niemals kann und darf dies auf Kosten der Währung geschehen. Und an die Sparer richtete er die Worte, daß es geradezu Selbstmord wäre und die Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms und der Wehrhaftmachung unmöglich machen würde, wenn die Reichsregierung die Interessen der Sparer verletzen würde. Gewiß, es sei nicht verkannt, daß noch genügend Schwierigkeiten der verschiedensten Art zu überwinden sind. Zäh und verbissen muß weiterhin in täglicher Kleinarbeit Hindernis für Hindernis weggeräumt werden. Dem Aufschwung, den die Binnenwirtschaft in Deutschland genommen hat, steht die noch immer unbefriedigende Gestaltung der Ausfuhr entgegen. Hier und da sind wohl Besserungszeichen erkennbar. Nach dieser Richtung hin Wandel zu chaffen, liegt leider nicht allein bei Deutschland, das eine Bereitwilligkeit zu einem möglichst regen zwi- chenstaatlichen Güteraustausch öfters als einmal betont und auch unter Beweis gestellt hat. Man halte sich aber vor Augen, daß der Welthandel, dessen Umsatzwerte 1929 = 284,1 Milliarden Mark erreicht hatten, 1934 auf 96 Milliarden Mark zusammengeschrumpft war. Die Abnahme des zwischenstaatlichen Güteraustausches hat sich auch im Jahre 1935, wenn auch in verlangsamtem Tempo, weiter fortgesetzt. Von einem beginnenden Aufschwung des Welthandels kann noch nicht die Rede fein. Mehr denn je heißt die Parole für die nächste Zukunft: Keine Zersplitterung der Kräfte, vielmehr wie bislang lOOprozentige Konzentration, Zusammenballung der Kräfte immer auf das sich jeweilig gesteckte Ziel! Dabei geht es selbstverständlich häufig nicht ohne Härten ab. Der Schuh drückt noch an so mancher Stelle. Es muß daher danach getrachtet werden, die Härten weitgehend zu mildern. So wie die Regierung sich auch sehr wohl bewußt ist, daß z. B. die Löhne des Arbeiters großenteils noch nicht dem Niveau entsprechen, daß der Nationalsozialismus für erstrebenswert hält. Das Ziel eines gehobenen Lebensstandards läßt sich aber nur etappenweise verwirklichen. Gerade unter dem Gesichtspunkt stabiler Löhne können aber anderseits keine Maßnahmen geduldet werden, die Preissteigerungen zur Folge haben. Eine sorgfältige Überwachung seitens der maßgebenden Stellen muß daher gegebenenfalls sofort korrigierend wirken. Don jedem, der sich verantwortungsbewußt mit dem wirtschaftlichen Geschehen befaßt, muß erwartet werden, daß er die Dinge mit der notwendigen wirtschaftlichen Vernunft und vor allem mit Der gebotenen wirtschaftlichen Disziplin, wie sie der nationalsozialistische Staat mit Recht verlangt, betrachtet. Unser ganzes Streben muß darauf gerichtet sein, s o Wirtschaft zu treiben, daß uns nicht der Atem ausgeht. Konzentration der Kräfte, nicht Zersplitterung! Stürmische Huldigungen für den Führer. Rückkehr von den Flottenübungen. Abfahrt von Kiel. Kiel, 29. Aug. (DNB. Funkspr.) Die gr o - ßen Tage der Kriegsmarine, die Tage, an denen der Führer an Bord deutscher Kriegsschiffe weilte, sind vorüber. In der Nacht zum Donnerstag lief der Aviso „Grille" mit dem Führer und seinem Stab, sowie dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Admiral Dr. h. c. Raeder kurz nach den übrigen Schiffen der Kriegsmarine in die Kieler Förde ein und ging vor Anker. Am heutigen Donnerstag fiüh stand g a n z K i e l, in dem feit drei Tagen aus Anlaß des Führerbesuches die Flüggen flatterten, im Zeichen der Abfahrt des Führers. Viele Taufende von Menschen hatten sich angesammelt. Morgens 7 Uhr traten auf den Kriegsschiffen die Besatzungen in Paradestellung an. Als der Führer die „Grille" verließ, dröhnten 21 Schuß Salut über das Wasser. Unter dem Jubel der begeisterten Volksgenossen fuhr der Führer, ganz besonders herzlich begrüßt von den Arbeitern der Werften, die in stürmische Sieg-Heil-Rufe ausbrachen, zur Bahnhofbrücke. Der Führer verließ dort mit seinem Stabe, Obergruppenführer Brückner, Brigadeführer Schaub, Obergruppenführer Dietrich und in Vertretung des Reichspressechefs SS.-Obersturmbannführer Berndt das Schnellboot. An der Bahnhofsbrücke wurde dem Führer ein jubelnder Empfang zuteil. Die Kriegsmarine hatte eine Ehrenkompanie mit Musik gestellt. Als der Führer die Brücke betrat, erklang der Präsentiermarsch. Der Führer schritt nach der Begrüßung durch die zahlreich anwesenden Vertreter der Partei, der Wehrmacht und des Stabes die Front der bei präsentiertem Gewehr stehenden Ehrenkompnie ab. Das Deutschlandlied ertönte. Ein kleines Mädchen überreichte dem Führer mit strahlenden Augen ein schönes Blumengebinde, das der Führer, die Wangen des Kindes streichelnd, lächelnd entgegennahm. In diesem Augen- blick durchbrachen ein Hitlerjunge und einige begeisterte Mädels des B D M. die Absperrung, um gleichfalls dem Führer Blumengrüße mit auf den Weg zu geben. Durch ein Spalier SS. und SA. verließ der Führer in Begleitung von Reichsminister D a r r ö und des Oberpräsidenten Gauleiter Lohse die Stadt Kiel, von nichtendenwollendem Jubel und stürmischen „Sieg-Heil", Rufen umbrandet. Das ungünstige Wetter hattS keinen Einfluß auf die Menge, auf deren Antlitz lachende Sonne lag. Engländer verlassen Abessinien. Entscheidung der Regierung handelt. Line Kundgebung des Papstes pariser preffekommenlare London, 29. Aug. (DRB. Funbspruch.) In Das ilalienische Gesetz über die Zwanaskonversion. Mussolini, die Chefs der ausländischen Mili- tärmissionen, Minister, Senatoren und Abgeordnete teilnahmen, die taktischen Hebungen hätten bewiesen, daß die „schnellen Divisionen" und die „motorisierte Division Trento" im schwierigen Alpen- gelände zufrieden st ellend operieren könnten. General Ago zollte den Entscheidungen des roten und des blauen Stabes volle Anerkennung und düng der finanziellen und-wirtschaftlichen Sanktionsmaßnahmen zu ge- einer anscheinend inspirierten Meldung der Preß Association heißt es: Die Vorschläge der britischen und der französischen Regierung zur Beilegung des italienisch-abessinischen Streites, die auf der Dreimächte.Besprechung in Paris von der italienischen Regierung verworfen wurden, sollen in der Dolkerbundsratssitzung am 4. September vorgelegt werden. Die franzö- fische, wie die britische Regierung glauben noch immer, daß triefe Vorschläge eine bessere B e - Handlung verdienten, als ihnen bisher zuteil geworden ist, und es ist deutlich, daß das letzte Wort darüber noch nicht gesprochen worden ist. Man glaubt, daß die Vorschläge, wenn sie vor den Dölkerbundsrat kommen, die meisten Mit- glieder des Rates davon überzeugen werden, daß Italien ein sehr faires Angebot erhalten hat, das geeignet war, alle berechtigten ita- Lientschen Bestrebungen in Abessinien zu befriedigen. Er mahnte alle zu gemeinsamem Gebet, daß die Bemühungen der klar schauenden Menschen, die die Notwendigkeit des wahren Glückes der Menschen verständen und sich für das Werk des Friedens ein- selten und die wahrhaft ehrliche Absicht hätten, den Krieg zu vermeiden, von Erfolg gekrönt seien. nicht vergessen, daß es Mitglied des Völkerbundes fei, dessen europäische Politik auf dem Verstärkung der engiischen Jiotte beschlossen. gerechten Krieg der Verteidigung und Grenzsicherung spreche, der zur Expansion und Sicherung der materiellen Bedürfnisse notwendig sei, sehe er, der Papst, dem die dringende Hoffnung entgegen, daß man die bestehenden Schwierigkeiten nur mit Mitteln lösen dürfe, die nicht Krieg bedeuten. Denn dies nicht leicht sei, so dürfte es doch nicht unmöglich sein. Bei aller Anerkennung der Expansionsnotwendigkeiten Italiens müsse das Recht der Verteidigung in Grenzen gehalten werden und gemäßigt sein, damit sich nicht die Verteidigung selbst schuldig mache. Rom, 29. Aug. (DNB.) Punkt 1 der von der italienischen Regierung am Mittwochabend beschlossenen wirtschaftlichen Maßnahmen hat folgenden Wortlaut: Zwangsweise Abtretung der Aus- landkredite und Zwangskonversion ausländischer Wertpapiere, sowie der im Ausland ausgegebenen italienischen Wertpapiere in Schatzanweisungen. Dieses Gesetz setzt fest, daß die Abtretung der Kredite und Wertpapiere zugunsten des italienischen Währungsinstitutes auf Konto des königlichen Schatzes zu erfolgen hat. Die Kredite werden gegen Barzahlung in Lire auf Grund des am Tage der Veröffentlichung des Gesetzes fälligen Kurses abgetreten. Der Ersatz der Wertpapiere wird in neunjährigen Schatzanweisungen zu 5 v. h. er- folgen, deren Ausgabe bis zu einer noch nicht fest, gesetzten höhe der abgetretenen Papiere erfolgen darf. Das Ergebnis des pariser Ministerrats Es soll mit England und Rom nicht verdorben werden. S. ,, \ cm' m < 1 [ ai e II V U II l l I U II 9 III U n 11 U II III C II AU uc- ° b 0 28; ®}e, .aus minnen, ohne aber Zwangsmaßnahmen zu ergrei* V] ch l b ut t berichtet, haben die mA be ff inten fen, Mussolini zu unüberlegten Handlungen von lebenöen b r i 11 sch en Untertanen von ihren Djeye^ unübersehbaren Folgen verleiten könnten. Konsulaten Anweisung erhalten, das Land inner- v halb von vier Tagen zu verlassen. | 3n Völkerbundskreisen sei man der Ansicht, daß Rom, 28. Aug. (DNB.) P a p st P i u s XI. hat anläßlich des Empfanges des Internationalen Kongresses katholischer Krankenpflegerinnen zwei höchst bedeutsame Ansprachen gehalten, deren eine eine scharfe Kampfansage gegen Materialismus und Heidentum bedeutet, während die zweite in ungewöhnlich deutlicher und klarer Form zum abessinischen Konflikt Stellung nimmt. Der Papst erinnerte an die Greuel des letzten Krieges, die gerade den Kriegerpflegerinnen in besonders eindrucksvoller und abschreckender Erinnerung seien. Darum müsse man mit allen Mitteln den Frieden erflehen. 3m Kernpunkt seiner Rede sagte der Papst sodann, daß man im Ausland von einem Eroberungs- und Angriffskrieg spreche. Einen solchen Krieg bezeichnete er als ein ungerechtes Unternehmen, als etwas, daß außerhalb jeder Vorstellung stehe und unbeschreiblich traurig und schrecklich sei. Wenn man auch in 3 talien von einem Man erwarte, daß Mussolini in Genf Abessinien beschuldigen werde, völlig ungeeignet für die Mitgliedschaft im Völkerbund zu sein. Vielleicht werde er sogar Abessiniens Ausstoßung fordern. Dies wäre aber um fo sonderbarer, als 3 falien zusammen mit Frankreich am eifrigsten die Zulassung Abessiniens befürwortet habe. Man müsse sich auf eine lange Liste von Anschuldigungen gefaßt machen. Möglich sei, daß Mussolinis Anklage im Hinblick auf die Rückständigkeit Abessiniens und die dortige Sklaverei einen gewissen Eindruck machen werde. Befriedigend sei immerhin, daß Mussolini seinen Standpunkt ausführlich dargelegt habe. Seine Erklärungen würden aufs sorgfältigste erwogen werden. Im Leitaufsatz der „ M o r n i n g Post" heißt es, Mussolinis Versicherung, daß er weder mittelbar noch unmittelbar Absichten gegen das britische Reich habe, sei im Hinblick auf unvorsichtige Aeußerungen einiger seiner Publizisten begrüßenswert. Anderseits bedeute ein Eroberungskrieg in Abessinien an und für sich schon einen Eingriff in britische Rechte und Belange. Großbritannien fei nicht bereit, einer Methode der Einschüchterung nachzugeben. Anderseits sehe man besonders in Großbritannien ein, daß die Friedensregelung in vielerlei Beziehungen nicht endgültig fein könne. Ein starres Fest- Halten am Status quo würde früher oder später zu einer Katastrophe führen. Diese Tatsache sei durch die verschiedenen bereits freiwillig vorgenommenen Aenderungen anerkannt worden. 3n diesem Zusammenhang schlage man eine Neuverteilung der Völkerbundsmandate vor. Aber man würde den Eindruck vermeiden, daß ein solcher Schritt unter dem Einfluß der Furcht erfolge. Bevor Großbritannien eine solche 3nitiallve ergreife, müsse es nach feiner Wehrmacht schauen. Es müsse aufrüsten, wenn es großmütig sein wolle. Das Arbeiterblatt „Daily herald" erklärt, Deutschlands Verstoß gegen die Abrüstungsbeftirn- mungen von Versailles gehöre in eine ganz andere Gruppe als der Einbruch in das Gebiet eines Völkerbundsmitgliedes und die Vernichtung feiner politischen U n ■ abfyänaiafeit. Frankreich müsse lernen, diese britische Auffassung zu verstehen. wenn man In Frankreich glaube, daß die bri- tische Haltung nur teilweise vom Völkerbund bestimmt werde, so müsse man ihm beweisen, daß es ein Irrtum sei. Ls müsse erklärt werden, daß Englands Treue zum Völkerbund allgemein und unteilbar sei. Der liberale „News Chronicle" sagt: Wir glauben das englische Volk damit einverstanden, daß die britischen See - und Land st reit- kräfte dazu verwandt werden, den einzigen großen Grundsatz zu schützen, der sich aus dem zwecklosen Blutvergießen von 1914 bis 1918 ergeben hat: nämlich den Grundsatz kollektiver Bürg- schäften gegen einen Angriffskrieg. Vorzeitiger Urlaubsabschluß Valdwins. London, 29. Aug. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Reuter-Meldung aus Paris wird Ministerpräsident B a l d w i n mit seiner Gattin Aix - les - Sains bereits am 4. September, dem Tag des Zusammentritts des Dölkerbundsrates, verlassen Ursprünglich hatte er beabsichtigt, bis zum 18. September in Aix-les-Dains zu bleiben. Oipiomofenempfänge beim britischen Außenminister. London, 28. Aug. (DNB.) Außenminister Sir Samuel Hoare empfing am Mittwochnachmittag den französischen Botschafter C o r b i n , den bei- gischen Botschafter und den holländischen Gesandten. „Ein sehr faires Angebot für Italien." und dabei dem Völkerbund eine schwere Krise zu ersparen, die unfehlbar den Austritt Italiens aus dem Völkerbund zur Folge haben I würde. Frankreich gegen Sanktionen. Paris, 29. Aug. (DNB. Funkspruch.) „I o u r* schildert ziemlich ausführlich den Verlauf des französischen Mimsterrates unter besonderer Berücksichtigungen der Erklärungen Lavals. Der französische Ministerpräsidenl habe eindeutig erklärt, daß Frankreich sich unter keinen Umstanden irgendwelchen Sühnemaßnahmen gegen 3lallen anschliehen werde. Da man aber nichl vor die Wahl zwischen London und Rom gestellt werden wolle, werde man alles versuchen, um eine Annäherung zwischen 3talien und England zustande zu bringen. 3n Genf werde Laval den Engländern klar zu machen versuchen, daß der Völkerbund gegründet worden fei, um den Krieg zu verhindern, wenn man aber den Pakt ganz streng anwende und Sühnemahnahmen gegen 3talien fordere, fo werde man einen gefährlichen Streit heraufbe- fchwören, der möglicherwelfe ein Vorläufer des Krieges werden könne. Man handele damit also dem Geist des Völkerbundpaktes zuwider. Deshalb dürfe man einen weg, der fo gefährlich ist, nicht beschreiten. Besser sei es, nicht einzugreifen, fon- r dem Italien seine Klagen gegen Abessinien oorbrin- 1 gen zu lassen. Dieser Standpunkt sei von Laval , im Ministerrat vertreten worden und habe ein- , stimmige Billigung gefunden. । Valbo aus Paris abgereist. | . Paris, 29. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die amtliche italienische Verlautbarung über die Beschlüsse des Ministerrats in Bozen ist in Paris zu spät bekannt geworden, als daß die Morgenblätter noch die Möglichkeit hatten, dazu ausführlich Stellung zu nehmen. Man begnügt sich im wesentlichen damit, die Hauptpunkte der Verlautbarung zu unterstreichen, wobei man im be- onberen auf die an die englische Adresse gerichteten Worte Mussolinis hinweist, gleichzeitig aber auch darauf, daß Italien Sanktionen als feindselige Handlung betrachtet, deren Folgen sehr schwer sein könnten. „Journal" schreibt, man wisse italienischerseits ehr wohl, welcher Art die Befürchtungen eien, die die italienischen Pläne in Abss. i n i e n in England hervorriefen. Die Manöver am Brenner hätten die italienische militärische Schlagkraft unter Beweis gestellt, die, wenn sie auch noch nicht vollkommen fei, fo doch großen Eindruck gemacht habe. Es fei daher nicht überraschend, wenn der Duce nach dieser Beweisführung der materiellen Schlagkraft Auseinandersetzungen vermeiden möchte und eine Verständigung vorziehe. Aus seinen Erklärungen (ehe deutlich die Absicht hervor, die englischen Be° ürchtungen aus dem Wege zu räumen. „Echo de Paris" glaubt zu wissen, daß die o(. Über ihre Entscheidungen ab. ?7. n*« - - «s BgWEVftV.V.T???.?? «’KTäSSSl zögere. Sofort nach der abschließenden Manöverkritik verließ der Regierungschef das Gelände und steuerte feinen Wagen, in dem außer ihm noch der Generalsekretär der Faschistischen Partei S t a r a c e und Unterftaatsfefretär Baistrocchi , x o . I Platz genommen hatten, nach Bozen. Er begab sich Londoner Kabinettsrat aufgetauchten G e - sofort mit seinen sämtlichen Ministern und Unter- r u ch t e, wonach die englische Regierung ftaatsfefretären in die Präfektur, wo mit zweistün- beute geneigt sei, eine weniger unnach - diger Verspätung um 18.40 Uhr die Kabinetts» giebige Haltung einzunehmen, durch nichts fitzung begann. gerechtfertigt feien. Am Mittwochvormittag hatten sich der König Es scheine vielmehr, als ob man sich auch eng- .Manövergelände getroffen, lifcherfeits eine endgültige Stellungnahme vor- I offK ausländische behalte, und gerade dieser Umstand mache die achtungsposten des Königs und deV Duce^aus'di? Stellung Lavals etwas schwierig. letzten Bewegungen der roten und der blauen Das „Iourna l" erklärt, daß der Völkerbund Partei. Musiolini begab sich sodann nach Fondo, heute das „geeignete Direktorium" sein könnte, um w" die deutschen, amerikanischen, belgischen, jugosla- die Geschicke ber Welt zu leiten, wenn man bie I unb österreichischen Offiziere unb die beut» von jeher oerfeibigten Grundsätze Frankreichs an- Aen unb amerikanischen Journalisten feine Früherkannt hätte. Es könnte baher nicht bie Aufgabe stucksgafte waren. derjenigen fein bie sich bisher dieser Aufforderung Mlidfuforfirmoti verschlossen hatten, jetzt die Anwendung biefer - ~ ai,cn|fcpe 41U0TUpnirmen Grundsätze zu fordern, nachdem sie alles getan etnpfCtylettrCCpi$eifl4e2Bar£n&CffeUlltt0. batten um den Völkerbund ohnmächtig zu machen. Landon, 29. Aug. (DNB. Funkspruch) Pretz Auf der anderen Seite werde aber auch Italien |Association meldet: Italienische Ausfuhrfirmen haben eine Anzahl englischer Fir- m e *m Tysie'Gebiet aufgefordert, ihren Bedarf Grundsatz der Zusammenarbeit beruhe. I ?n Gargonzola-Käse und anderen Le- -Tu- . bensmitteln für die nächsten Monate v orz e itia en^lil^n^^tttikenn des „Oeuvre schreibt der mit.uteilen „mit Rücksicht auf die sehr schwfe- ö1 $ " ?-°2Vna die Absicht AU, in rige Sage, die zwischen Italien und Großbritcmnien H-" BÄ1 für le Änw ^msangÄiche'Bchell^nge^^Lch 1 Roosevelt prüft die Gowjetnote. Oer bisherige Zustand kann nicht bleiben. Keine Erhöhung der Lebensmittelpreise. Anordnungen des ReichsernLhrungsministers. Washington, 28. Aug. (DNB.) Präsident Roosevelt prüft gemeinsam mit Staatssekretär fiull und dem Referenten die sowjetrus. fische Antwort auf den amerikanischen Protest. Wie verlautet, möchte man einerseits nicht alle Beziehungen abbrechen, anderseits sieht man aber ein, dah man es nicht bei dem gegenwärtigen Zu st and bewenden lassen kann. Vas Argument, dah die Internationale von der Sowjetregierung völlig getrennt fei, wird hier als lächerlich zurückgewiesen. Man betont, dah die Sowjetregierung die teilweise albernen und leeren Prahlereien amerikanischer und anderer Kommunisten über ihren Einfluß in Amerika offiziell hätte desavouiren sollen. In politischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß Roosevelt gegen den Rat vieler Amerikaner, insbesondere vieler seiner politischen Gegner, im Herbst 1933 die Beziehungen zur Sowjetunion ausgenommen hat. Ein Abbruch der Beziehungen nach so kurzer Zeit würde das Eingeständnis eines schweren politischen Fehlers darstellen. Sowjetregierung und Komintern. Anerkennung des Rechts der Komintern auf weltrevolutionäre Propaganda. Moskau, 28. Aua. (DNB.) Hinsichtlich der Antwort Krestinskis auf die amerikanische Protestnote wird hier folgender Gesichtspunkt besonders hervorgehoben: Im vierten Absatz der Präsident Roosevelt am 16. November 1933 seitens Litwinow brieflich gemachten Zusicherung war ausdrücklich gesagt worden, dah die Sowjetregierung auf ihrem Boden keine Organisation dulden werde, die einen Umsturz der sozialen Ordnung in den Bereinigten Staaten anstrebe. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Komintern den Umsturz der sozialen Ordnung in allen sogenannten kapitalistischen Staaten erstrebt, was durch ihr Programm und den Verlauf des Moskauer Komintern.Kongresses bestätigt wird. Auch die Antwort Krestinskis bestreitet diese Tatsache nicht. Krestinski b e st reitet auch nicht, daß sich die Komintern auf dem Boden der Sowjetunion betätigt. Der Sinn feiner Antwortnote kann also nur darin liegen, daß bei Uebernahme der Verpflichtung vom 16. November 1933 durch Litwinow, sich der revolutionären Propaganda zu enthalten, diese Verpflichtung auf den Sonderfall der Komintern stillschweigend ausgenommen wurde. Die Bedeutung der Erklärung Krestinskis wird somit darin erblickt, daß es die S o w j e t r e g i e - rung offenbar generell ablehnt, irgendwelche Verpflichtungen der Nickt ein- Mischung zu übernehmen, die sich auf jenen Punkt erstrecken, der für alle Staaten, die Beziehungen mit der Sowjetunion unterhalten, gerade der wichtigste ist, nämlich auf den Fall der Komintern. Auch ein französischer Schrill in Jlwskau? Paris, 29. Aug. (DNB. Funksvruch.) Wie be- kannt, haben die Regierungen der Vereinigten Staaten und Englands bereits in Moskau Protest schritte wegen der Vorkommnisse auf der Tagung der Komintern unternommen. Nach dem „Jour" hat man sich auch in französischen Regierunaskreisen damit beschäftigt, die Aufmerksamkeit der Sowjetregierung auf den Widerspruch zu lenken, der zwischen den Beschlüssen der Komintern und den Verpflichtungen der So w j etregierung aus dem französisch - sowjetrussischen Nichtangriffspakt besteht. Auf dem Mini- sterrat am Mittwoch habe der Ministerpräsident diese Frage angeschnitten und die Zustimmung der Negierungsmitglieder zu einem Schritt in Moskau erhalten. Die militärischen Sowjelspione in Frankreich. Moskau, 28. Aug. (DNB.) Nach einem Bericht der „Taß" schreitet das Studium der französischen Heereseinrichtungen und der militärischen Vorbereitungen Frankreichs durch die unter Führung des stellvertretenden Chefs der Roten Armee stehende sowjet- russische Militärabordnung weiter fort. Auf Einladung der französischen Militärbehörden besuchten die Sowjetrussen die Kriegsakademie in Saint Cyr. Die Abordnung lernte eingehend „die Organisation der kriegerischen Vorbereitung" und die mit der Schule zusammenhängenden Einrichtungen kennen. Sodann besuchte sie das 6. Dragoner- Regiment der Pariser Kavallerie-Division. Hier wurde besonders die Bewaffnung einer genauen Augenscheinnahme und einer anschließenden eingehenden Besprechung unterzogen. Oer Bauernflreik in Litauen. Bisher 60 Verhaftete. — Weitere Ausbreitung. — Kommunisten am Werk. K o w n o, 28. Aug. (DNB.) Der Bauern streik in Südlitauen verlief am Mittwoch ohne besondere Zwischenfälle. Nördlich von B i r st a n y kam es wieder zu einer Zusammenrottung der Streikenden, doch konnten sie leicht zerstreut werden. Durch das energische Durchgreifen der Sicherheitsorgane ist nun auch die Chaussee von M a - riampol nach K o w n o, die einige Tage von den Streikenden belagert wurde, gesäubert. Die Zahl der bis jetzt Verhafteten beträgt etwa 60. Der Kownoer Kriegskommandant hat am Mittwoch auf administrativem Wege bereits 19 der Unruhestifter verurteilt. Im Laufe des Mitwoch wurden erneut Flugblätter verbreitet, in denen als Bedingung zur Beilegung des Streiks mehrere Forderungen an die Regierung gestellt werden, und zwar Herabsetzung der Landsteuer um 50 v. H., S e n k u n g d e r Z i n s e n für landwirtschaftliche Kredite auf 3 o. H., Aufhebung der Monopole und Angleichung der Preise für landwirtschaftliche Produkte an die Preise für In- dustrieerzeugnisse. Wie verlautet, wird der Staatspräsident im Zusammenhang mit den Vorkommnissen einen Aufruf an die Bevölkerung erlassen. Es sind Gerüchte im Umlauf, daß der langjährige Landwirtslbaftsminister im Zusammen- Jiang mit den Unruhen zurücktreten wird. An eine Stelle soll der jetzige Bildungsminister und rühere Direktor der Landwirtschaftsakademie, Tol- funas, treten. Eine amtliche Bestätigung hierüber konnte nicht erreicht werden. Zur Aufklärung des Ursprungsder Bauernunruhen ist eine strenge Untersuchung eingeleitet worden. U. a. wurde auch heute der Führer der Dolkssozia- listen und frühere Ministerpräsident S l e s c e v i - c i u s einem Verhör unterzogen. K o w n o ist auch am Mittwoch ohne Milch geblieben. In Zusammenhang mit den blutigen Zusammenstößen zwischen Streikenden und der Polizei, wobei ein P o l i z i st durch Steinwürfe g e - tötet und zwei Bauern erschossen wurden, erläßt der Kownoer Kriegskommandant am heutigen Mitwoch durch Anschlag einen Befehl, in dem auf Grund des Sonder-Staatsschutzgesetzes scharfe Maßnahmen gegen die Streikenden angeordnet ro erben. Der Befehl weist darauf hin, daß staatsfeindliche Elemente an verschiedenen Stellen die Zufuhr von Lebensmitteln behindert, Lebensmittel vernichtet und Widerstand gegen den staatlichen Ordnungsdienst geleistet hätten. Wer weiterhin durch Agitation oder durch Verbreitung von Gerüchten Unruhe stifte, werde mit drei Monaten Gefängnis und 5000 Lit bestraft. Wer Widerstand gegen die Staatsgewalt leiste und den Verkehr auf den Zu- fuhrstraßen störe, wird sofort vor ein Feldgericht gestellt. Weitere Ausbreitung. Tilsit, 29. August (DNB.) Der Bauern- streik in Litauen verbreitet sich nach hier vorliegenden Meldungen nun auch nach O st - und Nordlitauen. Wie verlautet, ist es bereits in den Kreisen Rossieniai und Kedaniai in verschiedenen Orten zu Zusammenrottungen gekommen. Kommunistischer Einfluß. s i n d e l" unterstützt worden sind. Der Bericht meldet im übrigen, daß auf feiten der Polizei vier Schwerverletzte zu verzeichnen waren, während drei Bauern getötet und mehrere leicht verletzt wurden. Oie Vergewaltigung 0er Memeldeutschen. K o w n o , 28. Aug. (DNB.) Der amtierende Vorsitzende des litauischen Direktoriums des Memelgebietes, Bruoelaitis, hat jetzt von seinem ihm durch das neue Wahlgesetz zugestandenen Alleinrecht weiterhin Gebrauch gemacht, indem er zur Durchführung der Wahl die Mitglieder der Wahlkreiskommiffion und die Vorsteher der einzelnen Stimmbezirke ernannt hat. Zum Vorsitzenden der Wahlkreiskommission ist Viktor Gailius ernannt worden, dessen man sich aus der Zeit des Kirchenkampfes im Memelgebiet und aus den letzten Jahren als eines wütenden Bekämpfers des Deutschtums in jeder Beziehung erinnert. Unter den vier Mitgliedern befindet sich auch der frühere litauische Ministerpräsi- oent Galvanauskas, der niemals Memelländer gewesen und durch seine ausgesprochene Deutschfeindlichkeit allgemein bekannt ist. Es befindet sich auch nicht ein einziges Mitglied der Mehrheitsparteien des Landtages oder der Memeler Stadtverordnetenversammlung in der Wahlkreiskommission. Außer den Litauern ist nur noch der sozialdemokratische Mbgeoebnete Pannars als fünftes Mitglied der Wahl- kreiskommiffion herangezogen worden. Der Vorsitzende dieser neuen Wahlkreiskommistion Gailius hat nun auch im gleichen Zuge die Vorsitzenden der durch einen früheren Erlaß von Bru- oelaitis von 198 auf 63 herabgesetzten Stimmbezirke ernannt, und zwar ausschließlich Litauer oder Personen, die den Mehrheitsparteien des Memelgebietes nicht angehören und nie angehört haben, sondern in der Mehrzahl von Brune- laitis ober Reisgys kommissarisch ernannte Amts- oorsteher, aus Kowno zugereiste Iltaui- s ch e Beamte ober sogar litauische Militärpersonen sind. Auch in den 13 Stimmbezirken der Stadt Memel ist nicht ein einziger Deutscher zum Vorsitzenden ernannt worden. Die Absichten, die mit einer derart einseitigen Wahlvorbereitung verbunden sind, lassen kaum einem Zweifel mehr Raum. Ausdehnung des Streiks in Holland. Amsterdam, 28. Aug. (DNB.) Der Streik in der Wollstoffindustrie in Tilburg hat im Laufe des Mittwoch einen ernften Charakter angenommen. Die Zahl der Streikenden hat sich inzwischen auf 2000 erhöht. Er umfaßt jetzt die Belegschaften von 20 Fabriken. Die Streikleitung liegt in den Händen eines Amsterdamer Kommunisten. Die syndikalistischen Textilarbeiter haben eine Abordnung nach Tilburg gesandt, nm die noch abseits Stehenden und Arbeitswilligen zur Beteiligung am Streik zu bewegen. Wieder Ruhe auf den Peloponnes. Athen, 28. August. Auf dem Peloponnes ist überall die Ruhe wiederhergestellt worden. Die Äorintenbauern haben Die Arbeit wieder ausgenommen. Alle Kommunisten, die sich bei den Unruhen als Hetzer hervortaten, konnten verhaftet werden. Sie sehen schweren Strafen oder der Ausweisung entgegen. Das Kriegsrecht wird am Donnerstag wieder aufgehoben werden. Kowno, 29. Aug. (DNB.) Die Litauische Telegraphenagentur hat am Mittwoch über die Bauern Unruhen in Südlitauen einen Bericht herausgegeben, aus dem u. a. hervorgeht, dah die Bauern bei ihrem Vorgehen gegen die Polizisten von JtommunHUö und sonstigem Oet Berlin, 28. Aug. (DNB.) Um den von ihm aufgestellten Grundsatz, Preiserhöhungen für Lebensmittel nicht zuzulasfen, auf den einzelnen Gebieten erneut Nachdruck zu verleihen, hat der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft folgende Anordnungen erlassen bzw. den Reichsnährstand mit dem Erlaß beauftragt und in der heute abgehaltenen Besprechung mit den Länderregierungen, Oberpräsidenten und den Vertretern der Preisüberwachungsstellen bekannt gegeben. 1. Fleisch- und Schmalzpeise. Durch eine Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft werden die Preise für Schweinefleisch, inländisches Schweineschmalz, Rindfleisch und Rindertalg grundsätzlich auf dein Stand vom 31. März 1935 zurückgeführt. Ausgenommen von dieser Regelung sind einige wenige Fleischsorten, die erfahrungsgemäß für den Verbrauch der breiten Schichten des Volkes keine Rolle spielen, z. B. Filet. Für Kalbfleisch sind die obersten Landesbehörden und die Oberpräsidenten ermächtigt worden, im Bedarfsfälle eine entsprechende Regelung zu treffen. 2. karlofselpreife. Durch eine Anordnung der Hauptvereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft werden am 1. September 1935 die Erzeugerpreise für Speisekartof- fein der diesjährigen Ernte je nach Sorte und Herkunft bis zu 50 Pf. je Zentner niedriger festgesetzt als im Vorjahr. Gleichzeitig hat der Relchsminister die Preisüberwachungsstellen angewiesen, auf Grund dieser Erzeugerpreise Derbraucherhöchstpreise festzusetzen, um zu erreichen, daß die Senkung der Erzeugerpreise den Verbrauchern ungemindert zugute kommt. 3. Speiseölpreise. Um den Preisüberwachungsstellen eine feste Grundlage für die Uederwachung des Speiseöl- Preises zu geben, hat der Reichsrnmister der Reichs- stelle für Oele und Fette veranlaßt, ab 1. September 1935 Erzeugerhöchstpreise für Pflanzenöle fest- zusetzen, bei deren Ueberschreiten das Inverkehrbringen ausgeschlossen ist. Nachdem bereits für Butter und Margarine seit langer Zeit durch ent- prechende Anordnungen Preissteigerungen ausge- chlossen sind, sind damit die Preise bei allen roe- entlichen Speisefetten stabilisiert. 4. ftäfepreife. Durch eine Anordnung des Reichsnährstandes werden mit sofortiger Wirkung Erzeugerhöchstpreise für Emmenthaler Käse festgesetzt, wodurch die bisherigen Verbraucherpreise eine Senkung und Festlegung erfahren. Oer Führer begrüßt die Beölkerungswisienschastler Berlin, 28. Aua. (DNB.) Der Führer und R e i ch s k a n z l e r hat an den Präsidenten des Internationalen Kongresses für ^evolkerungswifsen- schäft Eugen Fischer folgendes Telegramm gerichtet: „Den Teilnehmern an dem Internationalen Kon- areß für Bevölkerungswissenschaft danke ich herzlich für den mir von der Eröffnungssitzung übersandten Gruß. Ich wünsche dem Kongreß für seine bedeu - tungsvolleArbeit auf den wichtigen Gebieten der Bevölkerungspolitik und Raffenpflege einen vollen Erfolg. AdolfHitle r." Deutsche Aerzte bleiben fern! München, 28. Aug. (DNB.) Der Reichs- ärzteführer gibt u. a. bekannt: In Montreux soll vom 9. bis 14. September eine Internationale Medizinifckc Woche ftattfin- den, deren Sekretariat sich in Pasel bei der Schrift» leitung der „Schweizerischen Medizinischen Wochenschrift" befindet. In dieser Wochenschrift befindet sich In der Ausgabe vom 13. Juli 1935 eine viereinhalb Spalten füllende Abhandlung des Wiener nichtarischen Professor» Dr. Julius Bauer unter dem Titel „Gefährliche Schlagworte auf dem Gebiete der Erbbiologie . Dieser ganze Artikel ist eine scharfe Polemik gegen die Maßnahmen des deutschen Staates zur Verhütung erbkranken Nachwuchses. Die Begriffe „eugenische Sterilisation", „Rasse", „Rassenreinheit", „Rassenmischung", „nordische Raste" stnd für Bauer unklare Vorstellungen, die mit Wissenschaft nichts au tun haben. Der Aussatz schließt mit der echt Mischen Forde- rung: „Die Wissenschaft und damit die Wahrheit kann niemals national, sie kann immer nur international, menschheitsgebunden und daher immer nur unpolitisch sein." Hierzu ist sestzustetten, daß dieser Leitartikel ohne jeden redaktionellen Kommen» t a r von dem Hauptschriftleiter Professor Dr. Alfred Gigon (Basel) übernommen wurde. Danach ist es jedem deutschen Arzt, der ich der Wurde seines Landes bewußt ist, selbstver- tandlich unmöglich, an der Montreux-Woche eilzunehmen. Urlaub zum Reichsparieiiag. Aufruf an alle BelricbSführer. Berlin, 29. Aug. (DNB.) Die NSK. Der- öffentlich! folgenden Aufruf des Reichsorganifations- leiters Dr. Ley an alle Betriebsführer: Der Reichsparteitag steht bevor. Wieder werden Hunderttausende in Nürnberg zusammenkommen, um ein Bekenntnis z u Führer und Volk abzulegen. Nürnberg wird auch dieses Jahr wieder ein Spiegelbild deutscher Kraft und des Lebenswillens der Nation fein. Aus diesem Grunde bitte ich alle Betriebsführer, daß sie den Gefolgschaftsmitgliedern, die laut Ausweise der Organisationsleitung am Neichsparteitag teilnehmen, den notwendigen Urlaub ohne Anrechnung auf den sonst zustehenden vertraglichen oder tariflichen Urlaubsanspruch gewähren. Heil Hitler! Dr. Robert Ley, Reichsorganisationsleiter und Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront. Ausländsdeutsche parteigenoffen kommen zum Reichsparteitag. Berlin, 28. Aug. (DNB.) Wie die Leitung der Auslandsorganisation der NSDAP, mitteilt, treffen täglich aus allen Teilen der Welt und namentlich aus Ueberfee Parteigenossen in großer Zahl in Deutschland ein, um an der Tagung der volitischen Leiter der Auslandsorganisation in Erlangen am Reichsparteitag teil» zunehmen. Im ganzen wird mit mehreren taufend Parteigenossen gerechnet, die zum größten Teil unter erheblichen persönlichen Opfern die weite Reise angetreten haben, um meist nach vielen Jahren die Heimat wiederzusehen und neue Kraft für ihre Arbeit im Ausland zu schöpfen. Der Stellvertreter des Führers empfing den Auslandskommissar der NSDAP, für die südamerikanifchen Staaten, Pg. Willi Koehn, Der ihm die Grüße der südamerikanischen Volksgenossen und Parteigenossen überbrachte. Gleichzeitig stellte Gauleiter Bohle dem Stellvertreter des Führers den Landesgruppenleiter Argentiniens, Pa. Ku e ft er, sowie den Landesgruppenleiter Chiles, Pg. Huebner, vor. Oevffenprozeß gegen die Redemptoristen. Berlin, 28. Aug. (DNB.) Am Mittwoch nahm die Verhandlung gegen d i e Retz e m p t o r i ft e n p a t e r s mit der Aufklärung der Vorfälle in den Klostern Bochum und Bonn ihren Fortgang. Der Prokurator Wilhelm M a n- d e l gab zu, dah er auf Anordnung des flüchtigen Mitangeklagten Josef Kreutz 10000 Mark habe über d i e Grenze bringen lassen. Er sei sich bewußt gewesen, daß diese Handlung mit den Gesetzen nicht in Einklang stand. Auf Grund des Gehorsamkeitsgelübdes habe er aber die Anordnung seines Vorgesetzten Kreutz erfüllen müssen. In einem Falle habe er selbst auch ein Bündel mit Hundertmarkscheinen über die Grenze geschmuggelt. Der Vorsitzende tritt in die Beweisaufnahme zum ersten Teilabschnitt der Verhandlung ein und vernimmt als ersten Zeugen einen Zollinspektor von der Zollfahndungsstelle Dortmund, der berichtet, wie er den Verfehlungen, die dem Brinkmann zur Last aelegt werden, auf die Spur kam. Der Zeuge schildert seine Wahrnehmungen im Bonner Kloster. Er habe sofort den Eindruck gehabt, daß Kreutz, der Leiter des Klosters, den er zunächst vernehmen wollte, geflohen war. Der Fluchtverdacht habe sich verstärkt, als sich herausstellte, daß auch der Mitangeklagte Pater Josef Ohrem nicht mehr erreichbar war. Die Peamten wandten sich nun der Vernehmung des Prukorators Wilhelm Mandel zu. daraus ergab sich, daß sich im Kloster noch Erlöse aus Wert- papieroerfäufen und Aktien der Universum-Bank Berlin befinden mußten. Die Wertpapiere waren d e r g r oben worden. Ein Klosterbruder, der die Wertpapiere oergpaben hatte, erklärte zunächst, daß er sich eher erschießen lasse, als daß er erkläre, auf wessen Anordnung er die Sachen Der- graben habe. Erst später, als man ihm mittcilte, daß Prukorator uJt a n b e l selbst schon Bekundungen über die vergrabenen Wertpapiere gemacht habe, fand er sich bereit, das Versteck preiszugeben. Unter der Gartenmauer sand man in einer Büchse Wertpapiere im Nennwert von rund 20000 Mark. In der Nähe eines Schuppens wurde eine weitere Büchse gefunden, in der sich Aktien des Klosters und des Prooinzialrats Bonn befanden. Hierauf wird W Angeklagte Nikolaus Zoller aus Bonn vernommen, dem Begünstigung zur Last gelegt wird. Er schildert, wie Kreutz ihn gebeten habe, die Devisengeschäfte zu übernehmen. Die ihm jedoch verdächtig vorgekommen seien. Er gibt zu, Papiere verbrannt zu haben, es habe sich aber nur um Personalakten gehandelt. Der Vorsitzende stellte fest, daß Kreutz von Holland aus dem Zoller die Weisung erteilt hat, auch die anderen des Drttettfl darauf hinzuweijeo. daß jte alle, Geschäftsbücher möglichst verschwinden lassen sollten. Zoller will aber diese Anordnung aus eigenem Entschluß nicht weitergegeben haben. Von den De- Visenschiebungen will er nichts gehört haben, bis Brinkmann festgesetzt wurde. Der 40jährige Angeklagte Karl Feldmann war der Nachfolger des Brinkmann im Kloster Trier. Er soll 1934 im Auftrage des Paters Cremer des Luxemburger Klosters Effekten im Werte von 5000 Mark haben veräußern lassen. Weiter soll er für Cremer zwei Sparbücher einer katholischen Pfarrkirche bei Luxemburg in Deutschland abgehoben und über das Guthaben von 1500 Mark ohne Genehmigung der Devisenstelle verfügt haben. Jn beiden Fällen, so nimmt die Anklage an, soll er beabsichtigt haben, den Gegenwert wieder i n s Ausland zu schaffen, was aber durch das Eingreifen der Zollfahndungsstelle verhindert wurde. Auch in diesen Fällen hat Cremer Schenkungsurkunden beigefügt. Die Schenkungen sind nach Auffassung der Anklagebehörde aber nur fingiert worden, um einen Verkauf der Wertpapiere in Deutschland zu ermöglichen. Feldmann will an wirkliche Geschenke geglaubt haben. — Die Verhandlung wurde vertagt. Ein Mittelsmann Varmats wegen Devifenfchiebung vor Gericht. Ein Devifenschiebungsprozeß, in dessen Hintergrund der berüchtigte Großschieber Henry B a r m a t steht, begann vor dem Berliner Schöffengericht. Zu verantworten hatte sich wegen De» visenvergehens der 68jährige William Ha h l o. Einer großen Gesellschaft war in einem Zivilprozeß viel an Auskünften gelegen, die allein Henry Barmat, der sich in Brüssel aufhielt, erteilen konnte. Da der schlechte Ruf Barmats bekannt vor, zog man es vor, durch einen Mittelsmann, nämlich Hahlo, mit Barmat in Verbindung zu treten. Barmat verlangte zur Beschaffung des Materials eine entsprechende Entschädigung. Dem Hahlo wird oorgeworsen, daß er 1933 26 000 Mark an Barmat für die Auslieferung angeblich wertvollen Beweismaterials ausgezahlt hat. Hahlo hat dabei die devisenrechtlichen Vorschriften verletzt, weil er wußte, daß Barmat Ausländer war. Hinrichtung wegen Verrates militärischer Geheimnisse. Der vom Volksgerichtshof am 14. Juni 1935 wegen Verrates militärischer Geheim« nisse zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte 38jährige Wilhelm Müller-Heinecke aus Berlin ist in Berlin htrrgsrichtet worden. Aus aller Wett gestatt besonderer Anzeige, Mein lieber Mann, unser guter Vater Herr Oskar Bock In tiefer Trauer: Frau Lina Bock und Kinder. Gießen, den 29. August 1935. Die Beerdigung findet in der Stille statt — Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. 03635 und zum Bauen Ohne Gewähr Nachdruck verboten Wieseck, im August 1935. 4887V f=t' 91640 1827 2537 4879 A 33307 Im Gewinnrade verblieben: 2 50255 76324 102469 39304 56960 85521 124670 206115 281152 341696 374048 42730 50007 72077 82934 93452 20040 43260 67125 73361 85860 94942 4387 26232 46194 69636 79128 88157 99034 143915 211929 267767 271689 314700 345027 134042 179259 285100 314371 364252 48677 72577 99257 115236 128298 150138 171036 179839 192041 205779 239196 267978 278016 292309 302255 319231 324885 358704 386906 37818 50614 79163 1000 M. 111322 237808 288573 361108 43878 58390 86321 34836 > 48619 70730 82340 90250 1 103498 117625 136566 147897 164332 177584 188697 202365 219289 228234 238410 253913 265847 282404 287963 302751 311308 321317 331157 337245 348425 362440 378736 390476 197112 271622 332812 371658 10858 34042 46873 70090 80086 88694 103057 111393 135098 145354 162945 175177 187090 200031 217557 228223 237166 250781 264770 279148 287589 301924 310714 319014 328638 335998 348354 360915 374928 389203 11902 28764 48215 59098 86555 131940 175190 264152 311283 359914 394471 15154 29752 48638 68164 93255 114404 125859 147108 162263 175986 191548 205740 229778 261896 276200 289943 300215 317023 322277 358270 386463 KleineAn-eigen bn Gießener Anzeiger werden von Tausenden beachtet und gelesen. ist am Dienstag früh nach längerem Leiden heimgegangen. 173945 211882 315020 354136 116573 147151 202908 295577 335361 372288 128143 158885 261878 301045 345295 382112 110104 125833 146029 159851 175554 189517 203542 229677 256517 273883 286518 299162 311575 321441 348265 385166 186740 268182 332542 356900 110802 132262 144801 162725 169192 184978 197605 215600 226596 236408 247506 264520 277388 285485 298321 310329 318918 328162 335893 341133 352991 368297 388549 99393 146827 188670 289570 332521 367036 127504 150669 245046 298266 338739 374795 141079 206599 289630 345818 391629 18005 43163 61500 73017 85241 94624 20195 45630 69498 76933 87791 95282 117606 139822 151581 171605 182143 194356 207581 251563 270690 279942 294338 307353 320448 329186 374856 389277 106140 122274 142162 151652 172570 183305 194753 217633 252715 270837 281842 295212 307845 320489 334780 378202 393449 108659 125435 144301 154823 175258 189282 199957 226722 254274 271500 283564 296503 308789 320763 347772 381202 399212 146310 209339 305985 353360 Else Elster Ursula Grabley Adele Sandrock Albert Lieven Große Steinfurther Rosenschau! Heute Donnerstag v. 5*/2 Uhr nachm, ZwiehelUen Bäckerei Lange Neustadt 37. 4281d Jeden Mittwoch nachmittag Tanz-Tee 4882 D spielt ab Samstag, 31. August im Cafe Arnend Gewinnauszug 5. Klaffe 45. Preußisch-Süddeutsche (27L Preuß.) Klas^n-Lotterie Im Beiprogramm: Kulturfilm und Ufa-Ton-Woche Täglich 4.00, 6.00 u. 8.30 Uhr Sonntags 3.00, 5.30 u. 8.30 Uhr Kartenvorbestellung unt. 4077 erbeten. Harald Paulsen R. Romanowsky R. A. Roberts 28 Gewinne zu 2000 M. 68299 168585 182215 280714 308534 314407 Bisher 12 Todesopfer beim Berliner Einsturzunglück Feierliche Beisetzung am Freitag. Berlin, 28. Aug. (DRB.) Seif gestern abend konnten vier weitere Verschüttete festgestellt und drei weitere Vermißte geborgen wer- den, so dah sich die Zahl der festgestellten Toten auf 12, die der geborgenen Opfer auf 10 erhöht. Die bisher geborgenen Toten sollen am Freitag in feierlicher Weise beigesehk werden. Das Begräbnis wird vom Gau Groh-Berlin der RSDAP. ausgerichtet. Die Feier wird so gestaltet, dah sie auch für diejenigen Opfer des Unglücks gilt, die bis zum Freitag noch nicht geborgen fein sollten und die deshalb an diesem Tage noch nicht beerdigt werden können. Der Tranerzug wird sich am Freitagfrüh vom Leichenschauhaus zum Lustgarten bewegen. Die Leichen werden dann gegenüber der Westbalustrade des Schlosses aufgebahrt. Die Leichenfeier beginnt um 10 Uhr mit dem vom Musikzug der Leibstan- darte Adolf Hitler gespielten Trauermarsch der „Eroica" von Beethoven. Anschliehend sprechen ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer. Dann singt der Arbeitsdienst bas Lied „Vichts kann uns rauben Liebe und Glauben zu diesem Lande", hierauf wird Reichsorganisationsleiter und Leiter der DAF., Dr. Ley, sprechen. Während des Liedes „Ich hott' einen Kameraden" werden Kränze des Führers, der Reichsminister und anderer führender Persönlichkeiten an den Särgen niedergelegt werden. Anschliehend hält Reichsminister Dr. Goebbels die Gedenkrede. Als Abschluß der Trauerfeier werden die Nationalhymnen ange- fkimmt. Anschliehend werden die Särge auf Leichenkraftwagen zu den verschiedenen Friedhöfen gebracht, auf denen die Beisetzung stattfindet. — Reichsminister Dr. Frick hat angeordnet, daß am Veisehungstage sämtliche staatlichen Gebäude halb- mast flaggen. Nachprüfung der Sicherheit auf den anderen Baustellen. Der Reichs- und Preußische Verkehrsminister hat, veranlaßt durch Feststellungen auf der Unglücksstelle am Brandenburger Tor, unverzüglich eine Nachprüfung der S i ch e r h e i t s verhält- | Verkäufe | Gaus mit sofort beziehbarer 6-Zimmer- Wohmmg zu verkaufen. Rentabilität bei. günstig dadurch 6-Zim.° Wohnung frei. Schr.Angeb.unt. 03632 a.d.G.A. Univerntäts- Buchhandlung s. f. Ott. weibl. Lehrling Höhere Schulbild, erwünscht. Schriftl.Angeb. unter 4884V an den Gieß. 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Balser sagen wir auf diesem Wege herzlichsten Dank. trauernden Hinterbliebenen. 342483 60962 237843 265027 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen Die beliebte Kapelle Lutz Husemeyer nisse auf allen Sau ft eilen der Nord- Süd-Bahn durchführen zu lassen. Der hierfür bestimmte Sonderbeauftragte untersuchte die rechnerischen und zeichnerischen Bauunterlagen sowie die praktischen Ausführungen der Baugrubenabsteifungen und machte Feststellungen über die personelle und organisatorische Regelung der Verantwortlichkeiten und der Bauaufsicht. Die Untersuchungen und die sich aus ihnen ergebenden Maßnahmen konnten am Mittwoch abgeschlossen werden. Die erforderlichen Sicherheiten auf den Baustellen sind 52 Gewinne zu 79682 ----- währleistet. $ofl 500000 Besucher auf der BundfunkauSstellung. l)ie 12. Große Deutsche Rundfuntau s- stellung Berlin 1935 hat Mittwochabend ihre Pforten endgültig geschlossen. Es wurden in 12Vz Tagen 480 000 Besucher gezählt gegen 300 000 Besucher im Vorjahre. Gegen das Jahr 1934 ist somit eine Besuchssteigerung von 60 v. H.' eingetreten. Es wurden allein 152 ausverkauste Sonderzüge gefahren und über 1000 Gesellschaftsfahrten veranstaltet. Auch wurde von der Sonntagsrückfahrkarte mit verlängerter Gültigkeitsdauer innerhalb der 300-Kilometer-Zone ausgiebigster Gebrauch gemacht. Unter den Besuchern sah man zahlreiche Ausländer aus allen Teilen der Welt. Es gab nur ein Urteil über die Ausstellung; insbesondere gaben die ausländischen Besucher ihrer Bewunderung Ausdruck über ihre Gestaltung und Vielseitigkeit. Große Begeisterung hat der erstmalig auf der Ausstellung eingeführte Volkssender hervorgerufen. Tausende von Zuschriften aus dem ganzen Reich bestätigen den begeisterten Widerhall, den diese Einrichtung bei der gesamten Bevölkerung gefunden hat. Stärkster Andrang herrschte zu jeder Tagesstunde in der Fernseh st raße, die sich vor allem auch größter Beachtung durch die Auslandsbesucher erfreute. — Die täglich stattfindenden Abendveranstaltungen in der großen Halle 1 waren ständig überfüllt. Die Halle, die etwa 10 000 Zuhörer faßt, mußte schon Stunden vor Beginn der Veranstaltungen wegen Ueberfüllung geschlossen werden. Auch der wirtschaftliche Erfolg ist unbestritten. Von den ausländischen Händlern wurde die Klangschönheit und Tonwiedergabe der deutschen Geräte uneingeschränkt anerkannt. Drei Linder in einer Sandgrube tödlich verunglückt. Im Mannheimer Stadtteil Sandhafen sind drei Kinder im Alter von 9 und 10 Jahren beim Spielen in einer Sandgrube tödlich verunglückt. Besonders traurig ist, daß der eine Junge an dem 18. Ziehungstag 28. August 1935 3n der heutigen Vvrmittaasziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 20530 2 Gewinne zu 5000 M. 56982 8 Gewinne zu 3000 M. 52077 216138 255387 260023 18 Gewinne zu 2000 M. 42828 55827 87447 162420 239333 256914 289747 345758 372276 40 Gewinne zu 1000 M. 9345 51537 72213 77099 81450 91344 106049 146361 178300 191188 192759 226214 241546 244259 281938 306977 316265 327627 358851 397337 74 Gewinne zu 500 M. 14838 39718 46428 48877 49984 67006 85619 93323 115275 118882 119557 374 Gewinne zu 300 M. 11956 13254 ----- _ _____ Gewinne zu je 1000000, 4 zu je 60000, 2 zu je 80000, 2 zu je 20000, 86 zu je 10000, 60 zu fe 5000, 17« zu je 8000, 864 zu je 2000, 1180 zu je 1000, 1814 zu je 600. 7340 zu je 300 Mk. Suche p.l. Sevt. tüchtiges, ehrlich. Mädchen nicht u. 20 Jahr., das selbst, arbeit, kann. Lohn nach Uebereinkunst. L. Rühl, Gießen Kantine i08630 Neue Kaserne. 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Bel einem kleinen Imbiß wurden sie dann im Namen des Oberbürgermeisters, von Stadtrat Dr. Ling- nau und von Gruppenführer Beckerle begrüßt. Die japanischen Studenten werden am Donnerstag Frankfurts Altstadt besichtigen, eine Taunusfahrt unternehmen und dann am Freitag nach Paris Weiterreisen. 264 Gewinne zu 300 M. 4007 8374 16344 21473 21534 22776 27642 31738 ----- ----- ----- ----- Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damitdurch erweitertes Wissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. - Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag ■ Berlin-Lichterfelde Lehrmädchen aus achtbar. Familie f. Lebens- mittelgesch. wird gesucht. Schrift!. Ängeb.rn. Zeugnisabschrift. unt. 4886V a.d.G.A. |8tellengesuche| Im Haush. erf. Mädchen vom Lande sucht zuml6.Sept.od. 1. Okt. Stellung. Schr.Angeb.unt. 03636a.d. G.A. Auf jede gezogene Rümmer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden ____ Abteilungen I und H 94 Gewinne zu 500 M. 8737 27196 37715 40205 42785 47679 52108 66995 68361 72776 80109 98834 ----- ------ ------ ------ ------ glliiM Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Infolge des Eindringens polar-maritimer Luft- massen hat die Temperatur einen weiteren Rück» S erfahren, so daß sie am Mittwoch 3 bis 4 unter dem Normalwert lag. Gleichzeitig hat sich die Niederschlagstätigkeit fortgesetzt, besonders in Mitteldeutschland, aber auch im Schwarzwaldgebiet größere Ausmaße angenommen; im Hochschwarzwald ist die Temperatur bis auf 0 Grad gesunken, in den Hochalpen herrscht Frost und Schneefall. Wir verbleiben vorerst am Südrands der sich von Großbritannien erstreckenden Tiefdruckrinne, so daß sich bei Luftzufuhr von der Ostsee her unbeständiger Witterungscharakter zeigt. Aussichten für Freitag: Zunächst veränderlich mit häufiger Aufheiterung und einzelnes Schauern, später neue Eintrübungen, bei lebhaften westlichen Winden Tagestemperaturen um 15 Grad Celsius. Aussichten für Samstag: Nach verbreiteter Regentätigkeit wieder mehr wechselnd bewölkt mit einzelnen Schauern. Hauptschriftleiter: Dr. Fr. W. Lange; stellvertretender Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein; für Feuilletons Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck; verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 35: 9945. Druck und Verlag: Brühl'schs Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange« K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Unglückstage seinen 10. Geburtstag feierte, und daß die beiden anderen Kinder Geschwister waren. Feuer auf einem deutschen Frachldampfer. Im Hafen von Antwerpen brach auf dem deutschen Frachtdampfer „Saturn" Feuer aus. Ein Teil der Schiffsladung, die aus Korkabfall, Wollballen und Weinfässern bestand, wurde durch das Feuer und Wasser unbrauchbar gemacht. Der Dampfer kam von Lissabon und befand sich auf der Heimreise nach Deutschland. Ungarische Protestkundgebung gegen einen Iudenfilm. Während der Vorführung eines zionistischen Propagandafilms über das Leben der jüdischen Siedler in Palästina kam es in den Budapester Kamera- Lichtspielen zu schweren Zusammen st ößen und stürmischen Tumultszenen zwischen den „Pfeilkreuzlern" und jüdischen Zuschauern. Die „Pfeilkreuzler", die sich in ihrer Parteiuniform, dem grünen Hemd, im Saale verteilt hatten, gaben während der Vorstellung ihrem Protest gegen den zionistischen Film durch Pfeifen und Wersen von Stinkbomben Ausdruck. Das jüdische Publikum, das in der Mehrzahl war, versuchte, die wenigen „Pfeilkreuzler" zu überwältigen. Es mußte sich aber bald zurückziehen. In dein allgemeinen Tumult wurde von den Juden ein junger Mann verprügelt, von dem man glaubte, daß es sich um einen „Pfeilkreuzler" handele. Später stellte sich aber nach dem „Uj Magyarsag" heraus, daß es sich um einen Juden handelte. Da die Unruhen im Saal immer größere Ausmaße annahmen, mußte das Theater geräumt werden, worauf die „Pfeilkreuzler" mit dem Rufe „Mut!", der Losung der „Pfeilkreuzler", geschlossen den Saal verließen. Aus Eisnot gerettet. Das Marineministerium in Kopenhagen erhielt die Mitteilung, daß die vier bei Cap Berlin in Ostgrönland in Eisnot geratenen Personen von einer Hilfsexpedition des norwegischen Schiffes „Buskoe" geborgen wurden. Chinesische Banditen als Massenmörder. Der Vizegouverneur der chinesischen Ordnungspolizei in Huangkuoschu in der Provinz Kweitschou, Lotschingtschih, und sieben Mann seiner Leibwache sind von Banditen ermordet worden. Marxistischer Meuchelmord in Spanien. In Aliaga in Spanien wurde von einem Marxisten ein politischer Mord begangen, der an Roheit kaum zu überbieten ist. Während der Vorstellung in einem Lichtspieltheater erdolchte er aus dem Hinterhalt ein führendes Mitglied der dortigen Ortsgruppe der Katholischen Aktton durch einen Messerstich ins Genick. Der Meuchelmörder wurde verhaftet. Lichtspielhaus »Gießan Heute ErstaufführungI \\ Die große Ufa-Tonfilm-Operette !! Samstag, 31. August, Sonntag, l..u. Montag, 2. September 1935, im Saalbau Anton Hengst am Bahnhof 48Md Es ladet herzlich ein Sondergruppe Rosen, Steiniurth Der Vorstand. Wohnhaus I (2Stock)m.grotz. Garten zu verkaufen L-Zimm.- Wohnung wird bei Kauf frei. Schrift!. Angeb. unt. 48910 a. d. Gießen. Anzeig. Gut erhaltene Vade- emrichtung zu verkauf. «soD Franks. Str. 66. | Empfehlungen] GieBens schönste altdeutsche Gaststätte! Verreist vom 31. Aug. bis 8. Sept. 1935 Dr.meii.G.Sct)eerbartb homöopath. Arzt Bahnhofstrabe 50. 4878 D | Vermietungen | Werkstatt mit Büro auch a. Verkaufsraum geeignet, ver 1. Sevt. zu vermieten, «crd Brüder Schmidt Seltersweg 77. 1 Mietgesuche 1 «.LÄLMche letzt wieder täglich eintreff enb; neue vollhevinge Matjesheringe empfiehlt Ä.droch ttachfolgev Mäusburg 15 mssD Tel. 3612 Lehrerin sucht ab 1. September freundlich möbl. Zimmer Mittagstisch erwünscht. Schr. Angeb. u. 03633 an d. Gieß. Anz. BerufStät. Herr sucht äußerst saub./gut möbl. Zimmer Schr.Anpeb. nur mit Preis unter 48891) a.d.G.A. Ächtung! 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Es hat sich so eingebürgert, daß man am Geburtstag oder zu Weihnachten niemals mit leeren Händen erscheint. Das Schenken an diesen Tagen ist so zu einem ge- wissen Zwang geworden, während man anderseits das ganze Jahr über schöne Gelegenheiten hätte, heimliche Wünsche zu erraten und zu erfüllen. Man ist bei guten Freunden eingeladen und merkt, dah der Gastgeberin dieses oder jenes fehlt, daß sie sich über ein bestimmtes Büchlein oder über eine beson- dere Art von Blumen herzlich freuen würde. Der Geburtstag liegt noch in weiter Ferne, also frischweg schenken, gleich am nächsten Tag, wenn man es vermag, auch wenn man dabei aus der Reihe tanzt. Die Ueberraschung ist um so größer, und außerdem ist die Gabe dann ein ganz reines Zei- chen von Freundschaft oder Verehrung, von keinem traditionellen Muß beschwert. Ein anderer Fall: Ein junges Ehepaar hat sich seine Wohnung nur sehr kümmerlich einrichten können. Es sieht alles noch etwas kahl und spärlich aus. Nach und nach wird zwar in den nächsten Monaten zusammengetragen, was noch fehlt, aber das dauert lange, und inzwischen stehen bei den Verwandten, bei älteren Leuten die Möbel teilweise unbenutzt herum, und in den Wäscheschränken liegt das gute Leinen, das nur selten noch herausgeholt wird. „Das sollt ihr alles einmal erben", verheißt man den jungen Leuten und denkt nicht daran, daß Wäsche und Möbel gerade jetzt dringend gebraucht werden. In Jahren, wenn die Erbstücke in die jungen Hände wandern, sind sie wahrscheinlich lange nicht so willkommen. Darum auch hier: rechtzeitig und rasch schenken! Es ist wahr, daß man sich von altgewöhnten Stücken schwer trennt, aber ebenso wahr ist es, daß man vieles, was einen tagtäglich umgibt, gar nicht mehr recht anschaut. Katsche Gerüchte über die Universität Gietzen. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns berichtet: Amtlich wird mitgeteilt: Die umlaufenden G e- rüchte über eine bevorstehende Auflösung der Universität Gießen sind vollkommen unrichtig. Der Vorlesungsbetrieb wird im kommenden Wintersemester in vollem Umfange aufrecht erhalten. Die zur Zeit unbesetzten Lehrstühle werden vor Beginn des Wintersemesters neu beseht sein. Deutsche Arbeitsfront. Achtung! Waschlnenschrelber! Die Arbeitsschule der Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung in der Kreiswaltung Gießen eröffnet ihren Winterbildungsplan in Kurzschrift und Maschinenschreiben mit einem Maschinen-Werbeschreiben (Zehnftnger-Blindschreibrnethode) am kommenden Sonntag, 1. September. Das Werbeschreiben findet in der Zeit von 10 bis 12 Uhr in den Ausstellungsräumen der Firma Niederhausen, Gießen, Bahnhofstraße (gegenüber Hotel Schütz), statt. Wir laden alle Maschinenschreiber und Interessenten zum Besuche ein. Die deutsche Arbeitsfront n.9.=6emcinf(haft „flraft durch frcuöc" kartenvorverkauf für das Winzerfest am 31. August. 1. und 2. September. Für das Winzerfest sind Eintrittskarten im Vorverkauf zu haben oei „Oberhessiscke Taaeszeitung"; Musikhaus Challier; Schokoladenhaus Huntemann, Seltersweg. Der Eintrittspreis beträgt mit Pro- Hitler-lugend auf dem Marsch nach Nürnberg. Feierliche Begrüßung vor dem Stadthaus. — Rasttage in Gießen. Hitler-Jugend des Gebiets 10 mit Gepäckwagen und Feldküche unterwegs nach Nürnberg. Kurzer Aufenthalt am Biebertalbahnhof. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.) * 'M Die alte freie Reichsstadt Nürnberg ist gegenwärtig das Ziel zahlreicher Kolonnen der Hitler- Jugend, die ihre Bannfahnen nach Nürnberg trägt, um dort aus Anlaß des Reichsparteitages dem Führer zu zeigen, daß die Jugend in Treue und Opferbereitschaft zu Führer, Volk und Vaterland steht. Nicht eindrucksvoller kann dies Bekenntnis bargetan werden, als gerade dadurch, daß die Jugend keine noch so große Strapaze scheut, auf langen Fußmärschen ihrem Ziele zustrebt und damit weitesten Kreisen unserer Bevölkerung die lebendige Kraft in der Bewegung und in der Jugend vor Augen führt. Eine dieser marschierenden Kolonnen kam am gestrigen Mittwochnachmittag auch in unserer Stadt an. Es handelte sich dabei um etwa 30 Hitler- jungens aus dem Gebiet 10 — Ruhr und Niederrhein —, die mit 18 Bannfahnen unterwegs find. Gegen 18.30 Uhr kamen sie von Wetzlar und Heuchelheim her in das Gebiet unserer Stadt. Gießener Hitler-Jugend und Jungvolk zog mit Spielmannsund Fanfarenzug der Kolonne bis nach Heuchelheim entgegen und brachte sie unter klingendem Spiel in unsere Mauern. Der Marsch der Hitler- Jugend durch die Stadt wurde viel beachtet. In geschlossenem Zuge ging es bis zum Stadthaus an der Bergstraße. Dort fand die feierliche Begrüßung statt. Oer Führer der 83. SS.-Standarte Iacober hieß die Jugend in Gießen willkommen und sprach von der großen Hochachtung über die große Leistung, die die Hitler-Jugend dem Führer barbringen wolle Der Marsch nach Nürnberg sei nicht nur als eine ganz persönliche Leistung des einzelnen und als eine Willensleistung zu werten, sei auch nicht nur als eine sportliche Leistung zu betrachten, sondern als eine Leistung aus blutmäßiger deutscher Kraft heraus. Nur aus blutmäßigen Kräften fei eine solche Leistung möglich. So wie die heutige junge Generation aus ihrer blutmäßigen Gebundenheit zu solch großer Leistung sich aufschwingen könne, so wünschten wir alle, daß auch spätere Geschlechter den gleichen Willen zur Leistung offenbarten. Im Geiste des Bekenntnisses zu Führer, Volk und Vaterland grüßte der Redner zum Schluß seiner Ansprache den Führer mit einem dreifachen „Sieg- Heil!", in das alle Teilnehmer dieser Feier kräftig einstimmten. - Nachdem die Bannfahnen in den Sitzungssaal des Stadthauses gebracht worden waren und nachdem der Führer des Bannes 116 die Gäste auch im Namen der hiesigen Hitler-Jugend herzlich begrüßt hatte, wurde gemeinsam das Lied der Jugend „Vorwärts, vorwärts" gesungen. Nach einem weiteren Lied, von den Gästen aus dem Gebiet 10 zackig gesungen, fand die Feier ihren Abschluß. Die auf dem Weg nach Nürnberg befindliche Kolonne der Hitler-Jugend wird in unserer Stadt als Gast des Bannes 116 zwei Tage Aufenthalt nehmen. Oer Marsch der heffen -nassauischen HZ. nach Nürnberg. LPD. Groß-Gerau, 29. Aug. Auf ihrem Marsch nach Nürnberg traf die hessen-nassauische Hitlerjugend zunächst in Mainz-Kastell ein, wo es die erste Verpflegung gab. Von dort ging es dann bei strömendem Regen nach Groß-Gerau, wo die HI. in einem großen geheizten Saale untergebracht wurde. Die Stimmung ist ausgezeichnet. Am Abend fand mit der örtlichen HI. ein Singabend statt. Am Mittwochmorgen ging es weiter nach Pfungstadt, wo am Grabe des Hitlerjungen Christian Crößmann eine kurze Feier stattfand. gramm 0,30 Mark und berechtigt zum einmaligen Eintritt. Urlaubszug Nordsee mit Dampfer „Der Deutsche" vom 31. August bis 8. September. Die Fahrkarten zu dieser Fahrt können in den Dienststunden auf dem Büro, Schanzenstraße 18 II, Zimmer 8, abgeholt werden. Abfahrt in Gießen 23.20 Uhr. Urlaubszug nach Büsum Nr. IX/48 vom 7. bis 15. September. — Urlaubszug nach der Kieler Bucht Nr. 47 vom 7. bis 15. September. Die beiden Fahrten können wegen zu geringer Beteiligung nicht durchgeführt werden. Wir bitten die gemeldeten Teilnehmer, sich für eine,n anderen Urlaubszug zu entscheiden. Für die Urlaubszüge Weser-Bergland vom 16. bis 22. September, Harz Freitagabend: Oswaldsaarten! Zeder deutsche Wann und jede deutsche Frau, die sich zu dem Aufbauwerk unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler und -amit zu Deutschland bekennen, erscheinen am morgigen Freitagabend, 8 Uhr, zu der Großkundgebung aegen die Glaaisfeinde auf Oswaldsgarten. Die Kundgebung muß ein Überwältigendes Treuebekenntnis unserer Stadt zum Führer und feiner Arbeit für das deutsche Volk werden! Es sprechen der Reichsstatthalter Gauleiter pg. Sprenger und pg. K lost ermann. (Wernigerode) vom 16. bis 22. September und Allaäu (Pfronten) vom -19. bis 29. September sind noch Plätze frei. Sonderzug an den Rhein am 15. September. Wir veranstalten am Sonntag, 15. September, die letzte Rheinfahrt. Die Fahrt geht ab Gießen mit dem Zug nach Mainz-Kastel, von Mainz-Kastel mit dem Dampfer nach Rüdesheim. In Rüdesheim wird den Teilnehmern Gelegenheit geboten zur Besichtigung der Stadt. Don Rüdesheim geht die Fahrt mit dem Dampfer weiter nach Koblenz. Die Rückfahrt geht ab Koblenz mit dem Sonderzua nach Gießen. Der Fahrpreis beträgt einschließlich Mittagessen 5,50 Mark. Anmeldeschluß am 1. Sept. NSLB., Kreis Gießen. Fachschaft „körperliche Erziehung". Um alle Fragen wegen der Organisation und Spielregeln der Fuhschlagball - und Grenzballspiele zu klären und eine einwandfreie Durchführung der Spielreihen zu gewährleisten, findet am Samstag, 31. August, von 8 bis 12 Uhr in Gießen in der Neuen Pestolizzlsckule in den Eichgärten ein Schiedsrichter - Lehrgang für beide Spielarten statt. Teilzunehmen haben die schon bestimmten Spielleiter der Kreisgebiete und zwei von diesen zu bestimmende, als Schiedsrichter geeignete Lehrkräfte aus jedem Ge- biet. Die teilnehmenden Lehrkräfte der Volksschulen haben für diesen Tag Urlaub vom Stadt- und Kreisschulamt. Eingeladen zu dem Lehrgang sind die interessierten Lehrkräfte der höheren Schulen. Sportkleidung ist mitzubringen. Arische Abstammung und Heiratsanzeige bei der Justizverwaltung. Innerhalb der Reichsjustizverwaltung gelten für den Nachweis der arischen Abstammung der zukünftigen Ehefrau eines Beamten und die Heiratsanzeige fortan einheitlich folgende Bestimmungen: Ein Justizbeamter, der die Ehe eingehen will, hat vor der Eheschließung anzuzeigen, mit wem und wann er die Ehe zu schließen beabsichtigt; er hat dabei durch Ausfüllung eines Fragebogens in doppelter Ausfertigung die Abstammung feiner zukünftigen Ehefrau darzulegen und die Richtigkeit feiner Angaben durch Vorlage der Geburts- und Heirats- urkunden, hilfsweise von entsprechenden pfarramtlichen Bescheingungen, darzutun. Soweit der Beamte die verlangten Angaben nicht machen oder die erforderlichen Urkunden nicht beschaffen kann, hat er nachzuweisen, daß er alle Mittel zur Beschaffung der fehlenden Auskünfte und Urkunden erschöpft hat. Die Anzeige sowie die Urkunden sind der zunächst vorgesetzten Dienstbehörde vorzulegen und auf dem Dienstwege an die höhere Reichsjustizbe- Hörde weiterzuleiten. Die Vorlegung hat so zeitig zu erfolgen, daß die Nachprüfung, ob — und gegebenenfalls welche — Bedenken wegen der Abstammung der zukünftigen Ehefrau bestehen, noch vor der Eheschließung durchgeführt werden kann. Die höhere Reichsjustizbehörde stellt das Ergebnis schriftlich fest und erteilt dem Beamten hierüber unverzüglich einen Bescheid. Es steht ihr frei, in Frankfurter Goethepreis für Hermann Gtegemann. Im Staatszimmer des Frankfurter Goethe- Hauses fand gestern, zu Goethes Geburtstag, vor einem kleinen Kreise von Vertretern der Literatur und Kunst durch den Verwaltungsrat des Frankfurter Goethepreifes die feierliche lieber- r e i d) u n g des Goethepreifes an den Dichter, Historiker und Politiker Professor Dr. Her- mann Stegemann — in Würdigung seiner hervorragenden Leistungen auf dem Gebiete der Dichtung — statt. Leider war der Preisträger nicht persönlich erschienen; vor einigen Tagen wurde der bereits seit Jahren leidende Dichter wieder aufs Krankenbett geworfen; er mußte sich durch seinen Verleger, Dr. K i l p p e r, Stuttgart, vertreten lassen. In Vertretung des Oberbürgermeisters würdigte Bürgermeister Linder in einer eingehenden Ansprache die Verdienste Stegemanns: Wenn wir uns zu Stegemann bekennen, so führte er aus, fo tun wir das, weil er als deutscher Mensch mit uns untrennbar verbunden ist. Er ist eine Persönlichkeit im Goetheschen Sinne. Wir verehren in ihm den großen Dichter und Menschen von vorbildlichen Charaktereigenschaften. Verleger Dr. K i l p p e r dankte im Namen Stegemanns für die ihm erwiesene Ehrung. Das Kuratorium des Frankfurter Goethepreifes könne versichert sein, daß von den vielen Ehrungen, die Stegemann je zuteil geworden seien, ihn keine so tief ergriffen habe wie die Auszeichnung mit dem Frankfurter Goethepreis. ♦ Stegemann ist heute 65 Jahre alt, er ist in Koblenz geboren und stammt aus einer alten pom- merfchen Soldatenfamilie. Er siedelte früh nach dem Elsaß über; dort fand der Zusammenstoß deutscher und französischer Kultur lebhaften Widerhall in ihm. Seine Fähiakeit, die Ereignisse des Tages als Geschichte darzustellen, wurde entwickelt durch Stegemanns langjährige Tätigkeit als Journalist. Er war Redakteur am „Berner Bund", als ihm, dem Schweizer Bürger, der Krieg die große Aufgabe stellte. Hatte er bis dahin neben feiner Zei- tungsarbeit eine Anzahl von R o m a n e n („Daniel Iunt", „Die Krafft von Jllzach") vorgelegt, fo sprach er jetzt vom „Berner Bund" aus in feinen Aufsätzen „Zur Kriegslage" bald zu aller Welt Lind feine Stimme wurde an allen Fronten und in allen Generalstäben gehört. Aus dieser Arbeit ist feine „Geschichte des Krieges" entstanden, die ein Meisterwerk in scharfsinnigem Durchdringen und deutenden Darstellen des Völkerringens ist und die auch für den heutigen Leser nichts von ihrer Gültigkeit eingebüßt hat. Stand hier auch das Militärische im Vordergrund, so hat Stegemann doch die polittsche Seite der Weitaus- einandersetzung nicht minder hellsichtig zergliedert und beurteilt. In seinen „Erinnerungen aus meinem Leben und aus meiner Zeit" hat er über seine polittsche Arbeit ausführlich gehandelt. Polittk und Geschichte blieben die Felder feines Wirkens, auch wenn er sich in Jahren körperlichen Leidens zu dem dichterischen Schaffen feiner literarischen Anfänge zurückgefunden und feinen Freunden eine neue Reihe meisterlicher Romane gefchenkt hat; wir nennen: „Der gefesselte Strom", „Die Santiger" und „Das Ende des Grafen Krall". Mit Recht umfaßt die Frankfurter Ehrung, die der „vielseitigen Persönlichkeit Goetheschex Prägung" gilt, sowohl das dichterische wie das historische Schaffen Stegemanns. Werk um Werk hat er in unermüdlicher Arbeit dem widerspensttgen Körper abgetrotzt. „Der Kampf um den Rhei n", „Da s Trugbild von Versailles", „Deutschland und Europa" sind ebenso wie seine „Erinnerungen" Früchte dieses zähen Ringens. Stegemanns Bücher haben immer aufs neue das hohe Vermögen zu wahrhafter Durchdringung der von ihm untersuchten Fragen bestätigt, das er in der „Geschichte des Krieges" bewiesen hatte: eine erstaunliche Sicherheit der Stoffbeherrschung, eine klarsichtige Beurteilung politischer Entwicklung; überall steht neben dem Geschichtsschreiber der zum Handeln drängende Politiker. Es war selbstverständlich, daß Stegemann zum deutschen Umbruch nicht schweigen konnte. Sein vor Jahresfrist erschienenes Werk „Welt w e nde ", dessen Untertitel „Der Kampf um die Zukunft und Deutschlands Gestaltwandel" seinen Inhalt bezeichnet, greift in die Gegenwart unseres Volkes hinein. Neues aus dem Frankfurter Goethemuseum. Arn dichterischen Schaffen Goethes haben zwei Frauen aktiven Anteil genommen, Marianne von Willerner und Susanne Katharina d o n Plettenberg. Die Erstere ist aus dem „Westöstlichen Diwan" nicht fortzudenken, der anderen hat Goethe durch die „Bekenntnisse einer schönen Seele" in „Wilhelm Meisters Lehrjahren" ein unvergängliches Denkmal gefetzt und dafür uneingeschränktes Lob seiner Mutter gefunden. Die Klettenbergs gehörten nicht zu den sogenannten alteingesessenen Frankfurter Familien, sondern hatten erst während des 30jährigen Kriegs hier festen Fuß gefaßt. Sie waren von der Textorseite her mit dem Haufe Goethe verwandt, und besonders Susanne war eine der lieben Freundinnen der Frau Rat. So kam sie auch mit dem jungen Goethe in enge Berührung und übte einen starken Einfluß auf ihn. Wie stark und nachhaltig dieser Einfluß gewesen ist, erhellt auch daraus, daß dem Dichter in feinen späteren Jahren die Lust anwandelte, ihr Bildnis so fest- zuhalten, wie er sie am Fenster ihrer Frankfurter Wohnung am Rahmhof in Erinnerung hatte. Die Zeichnung ist uns nicht erhalten, dagegen das Gedicht, mit dem der Dichter seine Skizze begleitet hat, das mit der Strophe beginnt: „Sieh in diesen Zauberspiegel" ... Susanne war nicht nur eine „schöne", sie war auch eine sehr fromme und empfindsame Seele. Und aus dieser Frömmigkeit heraus hat sie ihre Umwelt gesehen. Alles, was sie an Aufsätzen und geistlichen Liedern hinterlassen hat, selbst ihre Briefe an Lavater und an den sonstigen Freundeskreis, sind Zeugen dieser frommen Einstellung und Empfindung. Außer einer Zeichnung, auf der sie sich selbst als Nonne dargestellt hat, ihrem Testament und einem „Gesindebüchlein" besaß das Frankfurter Goethe- mufeum bisher nicht sehr viel von ihrer Hand. Nun aber sind durch einen glücklichen Umstand ein paar sehr wertvolle Dinge in feinen Besitz gekommen, durch die das bereits Vorhandene aus dem Goethe- Klettenberg-Kreis eine willkommene Ergänzung und Bereicherung erfahren hat. Zunächst ist es eine Übertragung des Hohenliedes Salomonis, das Susanne wahrscheinlich aus dem Lateinischen übersetzt und mit eigener Hand auf Büttenpapier niedergeschrieben hat. Wir wissen, daß auch Goethe selber das Hohelied dichterisch geformt hat. Bei Susanne wird sein Inhalt in fünfeinhalb Seiten ausgeschöpft. Das Manuskript kam einstmals in den Besitz des Lizentiaten Carl S u d h o f f, Pastors der reformierten Gemeinde in Frankfurt, später wurde es an einen Würzburger Philologen vererbt und ist jetzt aus Wiesbaden wieder in Frankfurt gelandet. Neben dieser handschriftlichen Kostbarkeit sind aber noch die Bildnisse zweier Persönlichkeiten an das Goethemuseum gekommen, die auch zu den „verbundenen Christen" zählten, deren Sammelplatz das Klettenbergsche Haus am Paradeplatz gewesen ist. Es sind die Porträts des Pfarrers Johann Andreas Claus (1731 bis 1815) und feiner Frau Rebekka, geb. Petfch, Tochter eines Frankfurter Gastwirts, in dessen Hause das „Sonntagskränzchen" tagte. Claus, der zunächst als Hauslehrer in Frankfurt wirkte und später Seelsorger der Susanne Klettenberg gewesen ist, war auch Pfarrer in Bornheim bei Frankfurt. Seine Frau aber gehörte zu den wenigen intimen Freundinnen der Klettenberg, die, wie uns Frau Rat in einem Briefe berichtet, am 13. Dezember 1774 am Sterbebett der „schönen Seele" versammelt waren. Der Kunstwert der beiden von Schröder gemalten Bilder ist kein allzugroßer, um so höher aber darf ihr ideeller Wert angeschlagen werden. F. B. Gau-Ge-enkfeier für pefer Gemeinder am 29. August 1935. Am heutigen Donnerstag, 29. August, findet auf dem Waldfriedhof in D a r m st a d t in Gegenwart des Gauleiters und des pg. Prinzen August Wilhelm unter Teilnahme aller Formationen die diesjährige peter-Gemeinder-Gedächtnisfeier statt. Die gesamte nationalsozialistische Bevölkerung ist dazu eingeladen. Beginn 20.30 Uhr. besonderen Zweifelsfällen zuvor die Entscheidung des Reichsministers der Justiz einzuholen. Mit dem Bescheid gibt sie dem Beamten die oorgelegten Ur» künden und sonstigen Nachweise zurück. Ist der Reichsminister der Justiz die Anstel- lungsbehörde, so ist ihm -über das Ergebnis der Nachprüfung unter Beifügung der Anzeige zu berichten. Die vollzogene Eheschließung ist alsbald der unmittelbar vorgesetzten Dienstbehörde anzuzeigen. Dabei sind außer dem Tage der Eheschließung die Namen der Ehefrau und ihrer Eltern sowie Wohnort und Beruf ihres Vaters anzugeben, ebenso auch Name und Beruf ihres früheren Ehemannes, falls sie vorher schon verheiratet war. Soweit die erstattete Anzeige diese Angaben bereits enthält, kann auf sie Bezug genommen werden. Die Heiratsanzeige ist auf dem Dienstwege an den Reichsminister der Justiz, wenn dieser die Anstellungsbehörde ist, sonst an die höhere Reichsjustizbehörde weiterzuleiten. Neuer Lehrgang der Lustschutzschule Gießen. Am Montag- und Dienstagabend fand im Physiksaale der Goetheschule die Eröffnung des 7. Lehrganges der Luftschutz-Schule Gießen mit je zwei Klassen statt. Nach der Eröffnung durch den Schulungsleiter Pg. S ch u ch a r d t und Begrüßung der zahlreichen Gäste, nahm Polizeidirektor Pg. Meusel das Wort zu einer einführenden Ansprache. Er wies nachdrücklichst auf die Notwendigkeit der Schulung der gesamten Zivilbevölkerung im Selbstschutz hin und ermahnte die Teilnehmer, die durch die Schulung bedingten kleinen Opfer gern und freudig zu bringen, obwohl nach dem Luftschutz- Gesetz ja auch jeder zur Mitarbeit gezwungen werden könnte. Er forderte auf, stets zu bedenken, daß die Arbeit des Reichslustschutzbundes nicht Selbstzweck sei, sondern außer der theoretischen und praktischen Schulung für den Ernstfall als oberstes Ziel die Schaffung einer wahren Volks- und Notgemeinschaft im Sinne des Führers erstrebe. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen des Schulungsleiters begann die eigentliche Schulung mit den Vorträgen „Sinn und Zweck des Luftschutzes" durch Dr. Appel und Organisation des Luftschutzes" durch Revierführer Clotz. Die Schulung findet ihre Fortsetzung an je zwei Abenden in der Woche und wird für den 7. Lehrgang am 20. September beendet sein. 1. Divisionstag der 16. Nes- Division in Gießen. Am 28. und 29. September findet in Gießen der 7. Divisionstag der 76. Res.-Division statt, die bekanntlich aus den Regimentern R.-J.-R. 252, 253, 254, R.-F.-A.-R. 56 und 58 und der R.-R.-K. 76 gebildet wurde. Sie war eine jener Divisionen, die im Spätherb^ 1914 aufgestellt worden ist. Ihr Weg führte die Division von Masuren, wo sie mithalf, den Rückzug der Russen abzuriegeln, über Kowno tief nach Rußland hinein, durch Siebenbürgen und Rumänien und im Frühjahr 1918 nach Frankreich zur letzten Offensive. Der gute Geist, der die Division auf diesem blutigen Wege stets auszeichnete, führte dann schon kurz nach dem Kriege zu einem festen Zusammenschluß. Die örtlichen Ausschüsse, die den Divisionstag oorbereiten, sind bereits seit einiger Zeit gebildet und haben ihre Arbeit ausgenommen. Meldungen an Kamerad Fischer, Gießen, Neue Bäue 29. lieber Unterkunft und Verpflegung gibt Kamerad Noll, Gießen, Lindenplatz 5, Auskunft. Am Sonntag Sporttag des BDM. Immer wieder haben wie in den letzten Wochen von unseren Sportstunden erzählt, haben auf die Bedeutung gerade dieses Teiles unserer gesamten Jugenderziehungsarbeit hingewiesen, von der Hans S ch e m m sagt, daß sie Nationalsozialismus aus» gerichtet auf Jahrhunderte sei. Am Sonntag soll die effentlichkeit erkennen, daß wir Mädel frisch und gesund und froh sind und gekräftigt und widerstandsfähig gemacht durch unseren Sport, von dem wir am Sonntag einen Ausschnitt zeigen. Wir geben nachstehend einmal einen kurzen Ueberblick über das Programm unseres Sporttages, das für die 18 Untergaue gleich ist. 1. Fahnenhissen; 2. Körperschule (BDM.); 3. Bo- denturnen (IM.); 4. Mannschaftsmehrkampf (BDM.); 5. Spiele. Pause. 6 .Seilübungen; 7. Mannschaftskampf (IM.); 8. Volkstanz; 9. Fahneneinholen. Zur gleichen Zeit werden Tausende von BDM.» Mädeln in Hessen-Nassau auf den Sportvlätzen der einzelnen Unteraaue versammelt sein und die gleichen Uebungen durchführen. Tausende von Mädeln werden damit erneut beweisen, daß wir eine feste Einheit sind, in die auch die dunkelsten Dunkel- mäner keinen Keil treiben können. Wir hoffen, daß alle Eltern und alle Parteigenossen am Sonntag ihre Verbundenheit mit dieser geeinten deutschen Jugend beweisen und den Tag mit uns auf den Sportplätzen erleben. Ruderklub „Hassia^ baut ein neues Bootshaus. Der Gießener Ruderklub „Hasiia" trägt sich feit geraumer Zeit mit der Absicht, auf dem von ihm gepachteten Gelände an der Layn ein neues Bootshaus zu errichten. Der Plan hat in letzter Zeit greifbare Gestalt gewonnen und es ist damit zu rechnen, daß mit dem Bau in aller Kurze be» gönnen wird. Nach den Plänen des hiesigen Architekten Seifert, dem auch die Bauleitung übertragen ist, wird ein holzverschaltes Fachwerkgebäude errichtet, das einen großen Wirtschaftsraum, ferner ein Dorstandszimmer, eine Küche und die notwendigen anderen kleinen Räume enthalten soll. Der Bau wird nur zu ebener Erde aufgeführt und wird unmittelbar rechts neben die große Bootshalle zu stehen kommen. Neben diesem Bauvorhaben, das einen beachtenswerten Beitrag zur Arbeitsbeschaffung darstellen dürfte, will der Ruderklub „Hassia" auch noch eine Halle für die Unterbringung der Paddelboote der Mitglieder des Vereins schaffen. Aus dem Zuchthaus entwichen In der vergangenen Nacht ist der 45jährige Otto Lippert aus dem Zuchthaus Marienschloß entwichen. Lippert, aus dem Vogtland gebürtig, hat eine Zuchthausstrafe von fünf Jahren zu verbüßen. Die Nachforschungen nach dem Entwichenen sind im Gange. Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 29. Aug. Auf dem heuttgen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 12, Wirsing, das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 20, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 20, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 30 bis 35, Tomaten 15 bis 20, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln 4Vz bis 5 Pf., der Zentner 4 bis 4,50 Mark, Frühäpfel, das Pfund 15 bis 45 Pf., Falläpfel 6 bis 10, Pfirsiche 45 bis 50, Brombeeren 45 bis 50, Preiselbeeren 45, Birnen 15 bis 35, Zwetschen 15 bis 20, Mirabellen 25 bis 30, Renekloden 25 bis 30, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis. 80, Tauben, das Stück 60, Blumenkohl 10 bis 70, Salat 5 bis 12, Salatgurken 5 bis 20, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5, Rettich 5 bis 20, Suppengrünes 5 bis 10, Radieschen, bas Bündel 8 bis 15 Pf. Bornofijen. — Tageskalender für Donnerstag: NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr für jüngere und 21 bis 22 Uhr für ältere Frauen Fröhliche Gymnastik und Spiele, Lyzeum (Damm- straße); 16 bis 18 Uhr: Allgemeine Körperschule auf dem Universitätssportplatz am Kuaelbera. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Mach mich glücklich". • ** Probealarm der Feuersirenen. Am kommenden Samstag, 31. August, werden um 15 Uhr die Feueralarm-Sirenen zu einem Probe- alarm in Tätigkeit gesetzt. Zu einer Beunruhigung liegt also fein Grund vor. Schöffengericht Gießen. Der H. P. aus Hungen wurde an Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von zehn Tagen zu 100 Mark Geldstrase und zu den Kosten des Verfahrens verurteilt. In einem Rechtsstreit vor dem Amtsgericht Nidda versicherte der Angeklagte in der Sitzung vom 27. November 1934 zu Protokoll an Eides Statt, er fei wegen feines gesamten Lebensunterhaltes ausschließlich auf feinen Sohn in Frankfurt angewiesen und habe weder ein Einkommen aus Geschäftstätigkeit, noch aus irgendeiner Kapitalanlage. Tatsächlich wurde jedoch festgestellt, daß der Angeklagte, wenn auch ht geringem Ums fang, Einnahmen aus einer Pension hatte. Wegen eines Verbrechens der schweren Urkundenfälschung und weiter eines Vergehens nach 8 24 Absatz I, Ziffer 1 des Kraftfahrzeugverkehrs-GefetzeS wurde der I. W. aus Ostheim zu einer Gesang, nisstrafe von drei Monaten und zu einer Geldstrafe von 50 Mark verurteilt, die im Unein- bringlichkeitsfalle mit fünf Tagen Gefängnis zu verbüßen ist. Der Angeklagte war im Besitze eines Fahrscheines der Klasse 3b und I. Um seine Stelle, in der er einen Lastwagen zu führen hatte, nicht zu verlieren, trug er mit Tinte die Klasse II in den Fahrschein ein und zeigte ihn auch anläßlich einer Kontrolle durch einen Gendarmeriebeamten vor. Das Gericht hatte sich ferner mit dem schweren Derkehrsunfall in Vilbel zu befassen, der sich am 28. März d. I. zutrug. Angeklagt waren der Adam Ullrich aus Weingarten und der Karl Weis- brod aus Lustadt. Ullrich wurde, obwohl er keinen Führerschein hatte, von W e i s b r o d beauftragt, dessen Fernlastzug zu führen. Am 28. März d. I. kam Ullrich mit seinem Lastzug mit großer Geschwindigkeit von Frankfurt und fuhr die nach Vilbel führende abschüssige Straße hinunter. Da er seinen Wagen nicht rechtzeitig zum Stehen bringen konnte, rannte er mit voller Wucht gegen eine Hauswand und verletzte ein 12jähriges Mädchen, das in der Nähe stand, tödlich. Das Gericht verurteilte Ullrich zu vier Monaten Gefängnis und 100 Mark Geldstrafe, die im Uneinbringlichkeitsfalle mit zehn Tagen Gefängnis zu verbüßen ist, und den Angeklagten Weisbrod zu 3 00 M k. Gelöst r a f e, eventuell 30 Tagen Gefängnis. Wegen Beleidigung der Beamten des Polizei» amtes in Bad-Nauheim und einer Sammlerin des Winterhilfswerkes wurde der Peter Schmautz aus Bad - Nauheim zu drei Monaten Ge« f ä n g n i s und in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Außerdem wurde den Beleidigten die Publikationsbefugnis nach § 200 StGB, zugesprochen. Obecheffen. Landkreis Gießen. l Lollar, 28. August. Die Brücke in der Lumda st raße, die unter dem Umleitunasver- kehr während der Pflasterung der Hauptstraße im vorigen Sommer stark gelitten hatte, befand sich in sehr schlechtem Zustande, so daß eine Ausbesserung dringend nötig war. Gegenwärtig werden die Renovierungsarbeiten ausgeführt. Nach ihrer baldigen Vollendung wird die Brücke dem Verkehr wieder in vollem Umfange zugänglich fein. # Lang-Göns, 28. Aug. Der lange Jahre im Gebrauch gewesene Gemeindebrunnen in der Obergasse, der immer reichliche Wassermengen auswarf, hat nunmehr eine neue Fassung erhalten, damit bei einem ausbrechenden Brande genügend Wasser vorhanden ist. 8. Lang-Göns, 28. August. Die Dreschmaschinen, zur Zeit sind hier drei in Tätigkeit, die vierte wird erwartet, haben ihren Stand im Felde, wo nur Vordrüsche vorgenommen und das Getreide der sog. kleinen Landwirte ausgedroschen wurde, verlassen und wandern nun von Hof zu Hof der Bauern. Sie werden wohl bis etwa Ende Oktober Arbeit haben. — Zur Zeit läßt die Gemeinde eine größere Ausbesserung am Backhaus in der Hundstaatenstraße vornehmen, da sich dort zahlreiche Mängel gezeigt hatten. Ein neuer Schornstein wurde bereits gesetzt, ebenso werden die Fenster erneuert. Der Backofen selber wird mit Hilfe eines Fachmannes (aus Amorbach) neu hergerichtet. Wie man hört, soll auch das Back- haus in der Mohrgasse demnächst einer gründlichen Revision unterzogen werden. In unserem Dorf sind drei Gemeindebackhäuser, die zu jeder Tageszeit stark in Anspruch genommen werden. Wie anderorts, so sind auch hier an den Backhäusern und an dem Rathaus große quadratische H o l z s l ä ch e n zum Aufkleben von Plakaten angebracht worden. Hoffentlich verschwinden nun auch die verschiedenen Blechschilder an Scheunen und Wohnhäusern, die das Bild des Dorfes und der Landschaft verschandeln. 4- Grünberg, 28. Aug. Etwa 30 Weins bauern aus Gründ erg in Schlesien, die auf einer Besichtigungsreife nach den Weinbaugebieten am Rhein und der Pfalz begriffen sind, machten am Dienstagnachmittag kurze Rast in unserer Stadt. Sie wurden von Bürgermeister Wagner begrüßt, der ihnen auf einem Rund- gange die Hauptsehenswürdigkeiten unserer Stadt Lustschutz ist wahre Volksgemeinschaft. zeigte. Der Führer der Gäste aus Schlesien dankte für die Aufnahme und überreichte zwei Flaschen echten „Grünberger", wobei er erwähnte, daß der Grünberger Wein besser sei, als ihn der Volksmund gewöhnlich hinstelle. Er wies noch auf zwei Vorkommnisse der letzten Jahre hin, die durch den gleichen Namen der beiden Städte bedingt waren. So habe die vor drei Jahren in Grünberg ange- meldete Einquartierung, für deren Empfang hier schon alles vorgerüstet war, das unvorbereitete Gründern in Schlesien erhalten, dagegen fei eine 5000-Dollar-^Erbschaft aus Amerika, auf die man bei ihnen gehofft habe, nach Grünberg in Hessen gekommen. Als Merkwürdigkeit konnte noch fest- gestellt werden, daß beide Städte im Jahre 1922 ihr 70l)jähriges Stadtjubiläum begehen konnten. * Hungen, 29. August. Bei guter Gesundheit können am morgigen Freitag Herr Wilh. Kuhn I. und Frau Wilhelmine, geb. Kempf, das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Zu jedem kommt einmal das Glück. Vornan von Ellen Kulm Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 6. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Sein Herz war voll Hoffnung! Alles Zweifeln war von ihm abgefallen. Die Worte seines Freundes Rolf Werder hatten doch einen Widerhall in ihm erweckt und ihm die rechte Sicherheit seines Entschlusses geraubt. Aber jetzt war er wieder davon überzeugt, daß alles so kommen würde, wie er es sich gedacht hatte. Die Tochter des Majors von Jnnemann — ober keine! Und doch sagte ihm nichts in seinem Herzen, als er an einem großen, prächtigen Wagen, der im Hunbertkilometer-Tempo bahinstürmte, vorbeiiuhr, daß soeben das Mädchen, an das er mit allen Wünschen dachte, darin saß. Seinem aufmerksamen Auge entging allerdings nicht, daß dies ein besonders schöner, schnittiger Wagen der teuersten Marke war. Aber damit war er auch schon vorbei, und seine Gedanken wandten sich von neuem seinem Fahrziel zu. — Zwei Stunden später saß er in dem dämmerigen Wohnzimmer dem Ehepaar von Rieders gegenüber. Unter feiner braunen Haut konnte man nicht erkennen, wie fahl er geworben war. Er hatte keine Gelegenheit gehabt, seine wahren Pläne dem Ehepaar von Rieders auseinanderzu- setzen. Es hatte genügt, daß er sich als Regimentskamerad des verstorbenen Majors entpuppt hatte, der gekommen war, um dessen Tochter ken- nenzulernen, um ihm das Herz der Ehegatten zu erschließen. Das Herz und auch das Vertrauen der beiden alten Leute, die sich nicht enthalten konnten, über Monikas Undank bitter zu klagen. So viele Jahre hatten sie sie liebevoll betreut, und sie hatte auch nicht eine Stunde länger gewartet, um sie zu verlassen, als sie mußte. Gerade heute an ihrem einundzwanzigsten Geburtstage hatte sie ihnen ihren Entschluß mitgeteilt, mit einer «xotifchen alten Amerikanerin auf Reisen zu gehen. Diese Dame und ihr Sohn waren einfach vorgefahren, hatten Monikas Gepäck aufgelaben, und fort waren sie gleich darauf. — Hätte Friedrich von Gerling Gelegenheit gehabt, mit Lotte Hartenberg ober ihrem Gatten zu sprechen, so hätte er es etwas anders gehört. Monika hatte freilich ihren festen Entschluß mitgeteilt, aber sie hatte es bescheiden getan und hatte ihre Verwandten gebeten, Frau Klinke ms Haus bitten zu dürfen, damit man sich gegenseitig kennenlerne Aber Frau von Rieders hatte ihren Wunsch schroff zurückgewiesen. „Wenn du uns verlassen willst, kaum daß wir nach dem Gesetz die Macht verloren haben, d.ch zu halten, so kannst du es tun. Dann interessiert es mich aber auch nicht weiter, wohin zu gehst..." „Aber Tante, sieh sie dir doch an! Ich werde endlich Gelegenheit haben, mein Brot zu verdienen, euch nicht mehr zur Last zu fallen." „Du bist, uns niemals zur Last gefallen", sagte Frau von Rieders eisig. „Die einzige Tochter meines teuren Bruders wird immer unter meinem Dache ein Heim haben. Allerdings nur, solange sie nichts tut, was den reinen Namen Jnnemann nicht schändet. Ob es für eine Jnnemann das Richtige ist, bei einer emporgekommenen Amerikanerin Zofe zu spielen ..." „Aber Tante, Frau Klinke ist eine Deutsche, die durch die ehrliche Arbeit ihres Lebens gemeinsam mit ihrem verstorbenen Mann ein Vermögen erworben hat. Sie ist trotz ihres Reichtums einfach und bescheiden, und ich soll ihr Gesellschaft leisten; sie. ist sehr viel allein, denn ihr Sohn... „Don dem Sohn will ich überhaupt nicht reden. Es gehört sich meiner Ansicht nach überhaupt nicht, daß du jetzt ständig mit einem verwöhnten Millio- närssöhnck)en, bas dem lieben Hergott den Tag ab- „Aber Tante! Frau Klinkes Sohn ist ein sehr fleißiger Student. Er arbeitet gerade an feiner Doktorarbeit. Er hat überhaupt für nichts anderes Sinn als für feine Arbeit." „Woher weißt du das denn so gut? Hast du dir vielleicht schon überlegt, daß es nicht so einfach sein wird, den jungen Mann einzufangen?" „Sprich nicht weiter, Tante! Du hast kein Recht, so mit mir zu sprechen, fyabe ich dir jemals Grund gegeben, anzunehmen, daß ich..." „Meine liebe Monika, du hast uns keinen Grund geben können, denn ich habe dich so behütet, wie ich es deinem Vater versprochen habe. Leider sehe ich, daß es mir nicht gelungen ist, dir auch jene wah- ren Grundsätze einzupflanzen, die deinen Vater und mich unser Leben lang geleitet haben. Aber ich weiß ja wohl, von wem du es hast..." Sie brach ab. Aber auch jetzt hatte Monika sie wieder verstanden. „Du hast schon einmal etwas gegen meine Mut- ter sagen wollen. Und ich wünschte wohl, du hät» test den Mut, alles zu sagen, was du ihr vorwirfst. Dann wüßte ich doch wenigstens die Wahrheit. Aber das eine weiß ich, was immer man meiner .mutter Dcrroirft, und was immer sie getan haben soll — lch weiß, daß sie der beste und edelste Mensch war. d-r \e gelebt hat. Ihr Bild lagt es mir, und kein Mensch wird mir ihr Andenken in den Staub zerren. Und ohne einen weiteren Blick auf Frau von Rieders zu werfen, verließ Monika das Zimmer und ging hinauf in ihr Stübchen, um ihre restlichen Sachen zusammenzulegen. Ihre Hände flogen, und Tränen des Zornes und der Empörung liefen über ihr Gesicht. Heute morgen noch war sie aufgewacht und hatte den Tag, an dem sie mündig wurde, mit seltsamer Weihe empfunden. Und sie hatte auch lange am Fenster gestanden und hatte den vertrauten Anblick der Landschaft mit tiefer Rührung in sich ausgenommen. So viele Jahre ihres Lebens hatte sie hier verbracht. Und waren es auch keine glücklichen Jahre, so war sie doch geborgen gewesen vor den Stürmen des Lebens. Und sie hatte sich vorgenommen, den beiden alten Verwandten, die es in ihrer Art doch wohl gut mit ihr gemeint hatten, herzlich zu danken. Es sollte kein Abschied fürs Leben werden, wenn sie jetzt mit den Klinkes in die Welt ging. Fetzt aber empfand Monika, daß dies nicht nur eine Trennung war, sondern auch ein Bruch. Sie legte vorsichtig und behutsam als letztes die Bilder ihrer geliebten Eltern in den Koffer. Dann verschloß sie ihn und ging mit hartem Gesicht hinunter, um sich zu verabschieden. Um das Gesicht des alten, wortkargen Rittmeisters zuckte es wohl, als ihm feine Nichte die Hand reichte. Er hätte gern ein gutes Wort gesagt, aber er wagte es nicht vor den fest zusammen- gepreßten Lippen feiner Frau. — • Der Rittmeister saß auch jetzt schweigend daneben, während seine Frau wortreich dem Besucher über Monika klagte. Friedrich von Gerling mußte sich zwingen, zuzuhören. Die Enttäuschung hatte ihn zu tief getroffen. Warum hatte er auch fo genau sein wollen und erst an* *Monikas Geburtstag erscheinen? Wäre er gestern gekommen oder wenigstens heute früh! Vielleicht hätte er dann diese Abreise verhindern können. Aber hätte er es auch sollen? Vielleicht war auch das eine Fügung des Schicksals. Er erinnerte sich der zweifelnden Worte Roll Werders. „Wir haben sie nicht gefragt, wohin sie reift. Aber wenn sie uns Nachricht gibt, wollen wir Sie gerne verständigen, Herr von Gerling." In diesem Augenblick klopfte es, und Lotte Hartenberg trat ein. Erstaunt betrachtete sie den Besucher. Einen so gut aussehenden jungen Mann hatte sie noch nie bei Rieders angetroffen. Schnell wurden die beiden bekannt gemacht. Und Lotte erfuhr den Grund von Gerlings Kommen. Er wollte Monika kennenlernen, die Tochter feines Majors, dem er sich zu lebenslänglichem Danke verpflichtet fühlte. Lotte heftete ihre großen, aufmerksamen Augen auf Gerling. Aber von dessen undurchdringlichem Gesicht war nichts abzulesen. Und doch — Lotte wäre keine junge Frau gewesen, wenn sie sich nicht ihre Gedanken gemacht hätte. Wie schade, daß Monika gerade heute die Heimat verlassen hatte! Lotte kannte Monika gut genug, um zu wissen. daß Gerling ihr gut gefallen hätte. Und aus Persien kam er, wo er Eisenbahnen baute. Nun, das war romantisch genug! Sie dachte angestrengt nach, wie sie Gerling allein sprechen könnte. Endlich schien sich ihr Gelegenheit zu bieten. Der Besucher stand auf und bat, sich verabschieden zu dürfen. Auch Lotte erhob sich schnell, obwohl sie sah, daß Frau von Rieders noch gern mit ihr gesprochen hätte. „Ich muß nach Hause. Erich braucht mich in seiner Ordinatton. Heute ist Markttag, da ist be* sonders großer Betrieb bei uns. Sie ging neben dem hochgewachsenen Gerling durch den kleinen Vorgarten. Sein hübscher, kleiner, vor Neuheit blitzender Wagen stand draußen. „O ja, der ist hübsch!" sagte Lotte und sttich liebkosend über den Kühler. „Wir haben nur so einen ganz, ganz alten Opel. Zieht aber auch noch brav." Sie hätte so gern das Gespräch auf Monika gebracht, aber Gerling sah starr geradeaus. Da kam Lotte ein Einfall. „Würden Sie mich nach Hause bringen?" „Gern. Sie müssen mir nur den Weg zeigen." Und kaum war sie neben ihn in den Wagen gestiegen, entschloß sie sich, zu handeln. „Es tut mir so leid , sagte sie, „daß Sie Mo- nika nicht angetroffen haben. Und Sie dürfen nicht auf die Rieders hören. Sie sind sehr verbittert, aber auch Monika hat es nicht leicht gehabt bei ihnen. — Steigen Sie doch ein bißchen bei uns aus. Mein Mann wird sich freuen, Sie kennenzulernen. Und dann möchte ich Ihnen gerne Bilder von Monika zeigen. Wenn Sie sie doch als Kind gekannt haben ..." Eine Viertelstunde später saß Gerling auf der Veranda des Doktorhauses, und Lotte hatte einen Stoß kleiner Amateuraufnahmen vor ihm ausgebreitet und hatte ihn dann allein gelassen, um in bic Ordinatton des Doktors hinüberzuschauen. Gerling aber freute sich, daß er Gelegenheit hatte, die Bilder allein anzusehen. Mit Herzklopfen be- trachtete er eines nach dem andern, und die reizende Erscheinung Monikas erfüllte ihn mit Entzücken. Da waren noch Bildchen, auf denen Monika die langen blonden Zöpfe über die Ohren hingen: spater sah er sie mit ihrem schlichten Knoten, meist in ländlichen Sommerkleidern. Er konnte sich keine Rechenschaft darüber geben, aber er hatte - das Empfinden, daß Monika genau 1° ®ar» wie er sie sich vorgestellt hatte. „Nun, wie gefällt Ihnen Monika? Lied ist sie — nicht?" Ritt einem schnellen Griff raffte Lotte das Päckchen zusammen und schob es ^ur Seite. Sie ba» werke es nicht, daß eines der Bilder zur Erd» glitt. „Und was werden Sie nun tun, Herr Ingenieur? Wie lange dauert Ihr Heimaturlaub? Und was haben Sie für Pläne?" (Fortsetzung folgt) und abends 9J.4por< Kurze Sportnotizen Einen verfolgenden Regen bereits in einer Große Olympia-Werbeveranstaltlmg an derLahn Werbeumzug. — Austragung des Städte-AchterS. — Waffersportvorfühmng 't bestimmt sei, und forderte jedoch als gemessen. daß auch der Radfahrer-Verein dazu zur Jugendertüchtigung beizutragen. Konzert, mittags der Kirmesumzug noch einmal Tanz. des Turnvereins 1846; 15.45 Uhr: Schüler-Vierer; 16 Uhr: Damen-Dierer; 16.15 Uhr: Medizinball- und Sandsack-Vorführungen der RS.-Gemeinschafl „Kraft durch Freude"; 16.40 Uhr: Rettungsschrvim- Korpsführer Hühnlein stattete dem beim Training zum Großen Preis der Schweiz verunglückten Mercedes-Benz-Rennfahrer Hans Geier im Insel-Hospiz in Bern einen Besuch ab. Er ließ Geier aus dem Fonds des Kraftfahrerdankes als Beihilfe für erhöhte Kurkosten einen Betrag von 2000 Mark anweisen. Achtzehn Mannschaften aus acht Na- t i o n en werden im Rahmen der Internationalen Sechstagefahrt für Motorräder um den „Preis des Führers des deutschen Kraftfahrsportes", den der Irländische Dublin University Motor Cycle and Light Car Club verteidigt. Deutschland ist durch drei Mannschaften vertreten. Das Zukunftsrennen in Baden - Baden wurde nur von drei Pferden bestritten. Sicherer Sieger wurde die Favoritin „Nereide" unter Jockey E. G r a b s ch mit dreieinhalb Längen vor der Wein- gerschen „Alexandra" und dem nicht ausgerittenen Stallgefährten „Jdomeneus". In den übrigen Rennen des Tages gab es u. a. zwei französische Siege und zwar durch „Melaenis" im Schwarzwald-Rennen und durch „Pharaon" im Sachsen-Weimar- Rennen. Mercedes und Auto-Union werden sich am 22. September am Automobilrennen um den Großen Preis von Spanien bei San Sebastian beteiligen. Außer Fagioli und Caracciola, die im Vorjahre die ersten beiden Plätze belegten, wird Mercedes noch durch von Brauchitsch vertreten sein. rad ihr über den Kopf ging. Die unglückliche Frmh die ein unmündiges Kind hinterläßt, mc GM der „Hassia" beteiligt sich in diesem Jahre auch der Wetzlarer Ruderklub wieder an dem Wettbewerb. Die drei Achter werden in folgenden Besetzungen starten: Ruderklub Hassia: Lehr, Rühl, Müller, Schmehl, Valentin, Eisenbach, Hüttenberger, Sondermann; Steuer: Roll. G R G.: Meister, Münch, Rübsamen, Decher, Euteneuer, Meister, Jödt, Hartmann; Steuer: Hoch- stätter. Wetzlarer Ruderklub: Lankwitz, Leitz, Marx, Schmidt, Gänger, Geier, Spanner, Rühl; Steuer: Roloff. Bei der gestern durchgeführten Startverlosung für den Städte-Achter kam Wetzlar auf Start 1, GRG. auf Start 2 und Hassia auf Start 3. Die Reihenfolge gilt vom Ufer der Hassia aus. Im übrigen wurde das Programm für die Olympia - Werbeveranftaltung in folgender voraussichtlicher Ordnung festgelegt. 14 Uhr: Äerbeumzug durch die Stadt; 15.15 Uhr: Rennen um die Klubmeisterschaft; 15.30 Uhr: Schwimmvorführungen des Schwimmvereins und Graswege und Weiden. Der sog. sich auf den nach der Getreideernte recht günstig entwickelt. • Kreis Schotten. Q Laubach, 28. Aug. Wie die Jugend auf, sich dem Radsport zu widmen. Nur eine gestählte Jugend könne einem Volke zur Gesundung verhelfen. Die Veranstaltung wurde durch Schulreigen und Kunstfahren verschönt. Die Kunstfahrer Speier und Kopp, Klein-Linden, zeigten flotte Hebungen, ebenso gefiel das Kunstfahren au einem Einrad von Paul G a ß m a n n, Großen- Linden. Ganz besonderes Interesse erregte das 4er-, 5er-, 6er», ja sogar 7er-Gruppenfahren, das heißt 7 Personen fuhren auf einem Fahrrad. Es wurden ganz beachtljche Leistungen gezeigt. Den Abschluß des Programms bildete ein 4er „Einradreigen". Mit diesem Werbesporttag dürfte der Radfahrer-Verein Großen-Linden wieder einen Schritt f e ft teilnehmen kann. Kreis Alsfeld. # Mücke, 28. Aug. Nachdem die Profilierung der Straße Mücke —Ruppertenrod- Abzweig Elpenrod soweit beendet ist, oder stellenweise nur noch kurze Zeit in Anspruch nimmt, ist nunmehr mit dem Pflastern der Straße am E s e l s k o p f zwischen hier und Ruppertenrod begonnen worden. Eine stärkere Arbeiterabteilung ist damit beschäftigt, vor den beruflichen Pflasterern her die Randsteine zu setzen. 4# Ober-Ohmen, 28. Aug. Dem Beispiel anderer Gemeinden folgend, hat nunmehr auch unsere Gemeinde den Weg der Ausschaltung jüdischen Einflusses auf dem Gebiet der Wirtschaft beschritten. Wer in Zukunft noch mit einem Juden Geschäfte tätigt, hat sich die Folgen selbst zuzuschreiben. Außer der moralischen Aechtung ist die Umgehung dieser Anordnung mit wirtschaftlichen und materiellen Nachteilen verschiedener Art verbunden, als da sind: Entziehung der Gemeindeallmende, Ablehnung von Unterstützung an Wohlfahrlsempsänger, Nichtzulassung bei Versteigerung von Holz, Gras usw., Versagen von Beschäftigung jeder Art bei der Gemeinde, Verweigerung des Gemeindefaselviehs und dgl. mehr. — Der hiesige Männer ge sangv erein „Germania" gab am Sonntag in Bad Salzhausen ein Konzert. Die unter Leitung des Vereinsdirigenten Säubert (Ulrichstein) vorgetragenen Chöre fanden reichen Beifall. Es muß anerkannt werden, daß sich die gesanglichen Lei- stungen des Vereins unter der Leitung des jetzigen Chormeisters bedeutend gehoben haben. ^Groß-Felda, 28. August. Dieser Tage marschierte die Arbeitsdienst-Abteilung Burg-Gemünden durch unser Dorf und hielt kurze Rast. Sie befand sich auf einem größeren weiter gekommen sein. F.-Sp.-V. 1926 Steinbach. Steinbach — Lich 5:0 (3:0). Die Mannschaft des VfR. Lich weilte am Reihe von Orten der Umgebung, wurden am Sonntagnachmittag nunmehr auch die Stürmerkosten von Laubach und Wetterfeld unter Beteiligung von SA.-Reserve, HI. und BDM. sowie der politischen Leiter, einer SA.-Kapelle und zahlreicher Einwohner beider Orte ihrer Bestimmung übergeben. Zunächst fand die Feier in Wetterfeld statt, wo nach den Klängen eines Marsches und dem Gesang des Liedes „Volk ans Gewehr" Ortsgruppenleiter Henze die Ansprache hielt. Sprechchöre und der Gesang des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes und ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer beschlossen die Feier. — Dann ging es im Zug nach Laubach, um den dortigen, am Gymnasium angebrachten Stürmerkasten ebenfalls seiner Bestimmung zu übergeben. Nachdem die Kundgebung hier auf ähnliche Weise verlaufen war, beschloß die aktive SA., die inzwischen von einer Propagandafahrt zurückkehrte, mit einem kernigen Sprechchor die Veranstaltung. * Herchenhain, 28.August. Der Vogelsberger Höhen-Club (VHC.) veranstaltet am Sonntag, 1. September, an dem auf der Herchen- hainer Höhe stehenden Ehrenmal eine Gedenkfeier für die im Weltkriege gefallenen Brüder. Die Ausgestaltung der schlichten Feier hat der Südostgau des VHC. übernommen, dem der Gewerbelehrer P. Nieß - Büdingen als Obmann vorsteht. Die Gängeroereinigung Büdingen und die Wander- kapelle des Zweigvereins Soden-Salmünster haben ihre Mitwirkung zugesagt, während die Ansprache zum Gedächtnis der Gefallenen von dem Werbeobmann des Gesamt-VHC. übernommen wor- den ist. Die Feier wird so zeitig beendet, daß ein Teil der VHC.-Mitglieder auf ihrer Rückwanderung noch an dem Hoherodskopf-Bergturn- Der Olympia-Werbezug fährt durch Deutschland Besuch auch in Gießen. gangenen Sonntag in Steinbach, um ein fälliges Rückspiel auszutragen. Die Steinbacher zeigten sich in diesem Spiel von der besten Seite und landeten einen glatten Sieg. Die Gäste spielten ziemlich zerfahren und konnten zu keinerlei Erfolgen kommen. Wenn die Mannschaft in der bisherigen Form weiterspielt, geht sie mit besten Aussichten in die Derbandsspiele. Radsport-Werbetag in Großen-Linden. Der Radfahrer-Verein 1891Großen- Linden hielt am Sonntag einen Radsportwerbetag in der Gastwirtschaft von Philipp Schaum ab. Als Gäste waren der Radfahrerverein von Klein- Linden und einige Sportfreunde von dem Radfahrverein 1885 Gießen und „Germania" Gießen erschienen. Der Tag wurde durch ein Rennsahren, das am Vormittag stattfand, eingeleitet. Es wurde in zwei Klassen gefahren und ganz vorzügliche Leistungen gezeigt. Die Rennstrecke ging von Großen- Linden nach Klein-Linden über Dutenhofen, Wetzlar, Groß-Rechtenbach, Klein-Rechtenbach, Hochelheim, Hörnsheim und zurück nach Großen-Linden. Die Ergebnisse: Klasse A: 1. Emil Kraft, 1885 Gießen, 47; 2. Aug. Jost, Germania Gießen, 47,2; 3. Spatz, 1885 Gießen, 47,3; 4. Wilhelm Eckhardt, Großen- Linden 40; 5. Görlach, 1885 Gießen, 49,5; 6. Erich Schaum, Klein-Linden, 53 Minuten. Klasse B: 1. Zahrt, Germania Gießen, 56; 2. Fritz Weller, Klein-Linden, 56,1; 3. Karl Jung, Großen-Linden, 56,5; 4. Schachner, Lang-Göns, 56,6 Minuten. An das Rennen schloß sich ein Umzug durch die Straßen Großen-Lindens. Auf dem Festplatz angekommen, begrüßte der 1. Vorsitzende Heinrich Faber die Sportfreunde. Er wies darauf hin, men; 17 Uhr: Städte-Achter (anfchl. Sieger-Ehrung und Ueberreichung des Wanderpreises); 17.30 Uhr: Waschbütten-Rennen der Hassiajuaend und Schifferstechen der Paddlergilde; 17.45: Jungmann-Dierer; 18 Uhr: Gast-Vierer; 18.15 Uhr: Faltboot-Jugendrennen; 18.30: Rennen im Einer; 19 Uhr: Gemischter Achter. Bei Eindruck der Dunkelheit wird ferner ein Lampion-Reigen der Paddler gefahren. Voraussichtlich wird auch ein Feuerwerk abgebrannt. Der veranstaltende Verein beabsichtigt, die Werbe- Veranstaltung in durchaus volkstümlichem Charakter durchzuführen. Musik und Tanz werden die Stunden über die Darbietungen hinaus anregend gestalten. Wir kommen auf die Veranstaltung zu gegebener Zeit noch zurück. Tödlicher Derkehrsunfall durch verkehrswidriges parken. LPD. Limburg, 28. August. Dem Verkehrs» widrigen Parken in der an und für sich schon engen Frankfurter Straße fiel die 24jährige Ehefrau Margarethe Reichwein aus Eschhofen, die auf dem Fahrrad ihrem in der Maschinenfabrik Scheid beschäftigten Manne das Essen bringen wollte, zum Opfer. Obwohl die Frankfurter Straße als Hauptdurchgangsstraße unter die Bestimmungen der neuen Reichsttraßenverkehrsordnung fällt, denen zufolge auf den Hauptfernverkehrsstraßen das Parken verboten ist, hielten hier zahlreiche Wagen beiderseits der Fahrbahn. Kurz vor den parkenden Wagen überholte ein Lastkraftwagen in langsamer Fahrt die Radfahrerin, die wegen der auf beiden Seiten stehenden Wagen und der dadurch verursachten Enge nicht mehr weiterfahren konnte, dadurch unsicher wurde und nach der linke» Seite so unglücklich zu Fall kam, daß sie untek den Kraftwagen zu liegen kam, dessen Hinter» kreis Stiebberg. --- Griedel, 28. Aug. Die Verbindungsstraße von hier nach Bad-Nauheim wurde jetzt bis Oppershofen in einen tadellosen Zustand versetzt. Endlich (ft damit einem dringenden Bedürfnis Rechnung getragen worden. m + Nieder-Weisel, 28. Aua. Gegenwärtig wird das nötige Baumaterial angefahren, um die Verbreiterung der Durchgangs ft raße Nieder-Weifel nach Ni e d e r - M ö r l e n durchzuführen. Die Straße wird um einen Meter verbreitert. Die Randsteine der Betonstraße werden herausgerissen, an dem neuen Platz einbetoniert und der Zwischenraum mit Kleinpflaster ausgefüllt. Die Arbeitskräfte werden von den benachbarten Dörfern gestellt, wodurch auch der Arbeitsmarkt durch diese Arbeitsbeschaffung eine Erleichterung in den Gemeinden erfährt. Kreis Bübingen. + Nidda, 28. Aug. Am Sonntag fand hier ein Sportfest des Turnvereins 1859, des Sportklubs Viktoria 1912 und der Arbeitsdienstabteilung 2/225 auf der Gänsweide statt. Mit großem Interesse verfolgten die zahlreichen Zuschauer nach der feierlichen Flag- genhissung den Drei- und Fünfkampf der verschiedenen Altersstufen der Turner und Turnerinnen, des Arbeitsdienstes, des Sportklubs 1912, den Wettlauf, das Faustballspiel zwischen der Frauenabteilung und den alten Herrn des Turnvereins und den Fußballwettkampf. Am Nachmittag wurden die Schwimmwettkämpfe ausgetragen, die im Durchschnitt vorzügliche Leistungen aufwiesen, wobei betont wird, daß dies nicht für einzelne, sondern für eine große Mehrheit gilt. Als Besonderheit bewunderte man die 6 X 50-Meter-Hindernisstaffel, wobei abwechselnd Schwimmer und Läufer eine Staffel weiter gaben, ferner einen prächtigen Schwimmreigen von 32 Mädchen und Knaben mit einheitlichen Mützen und endlich die Rettung d'er Insassen eines aekenterten Bootes und die markierten Wieder- velebungsversuche durch Schwimmer und Sanitäts- Mannschaften. Gegen 19 Uhr fand die Siegerehrung durch den Führer der hiesigen Ortsgruppe, Herrn Dr. med. F. Koch, statt. Den ersten Siegern jeder Sparte wurde das Werk „Sport und Staat" und jedem Sieger im Schwimmen eine Urkunde Uebungsmarsch. — Der vergangene Sonntag stand im Zeichen der N S G. „Kraft durch Freude", die hier ein Volksfest abhielt. Pg. Otto Spohr eröffnete die Veranstaltung mit einer kurzen An- prache. Bald entwickelte sich ein frohes Treiben. Darbietungen des BdM. sorgten für Unterhaltung. Das Volksfest war sehr stark besucht. ss. Grebenau, 28. August. Der hiesige G e - m e i n b e r a t nahm dieser Tage eine einstimmige Entschließung an, wonach diejenigen Volksgenossen, die heute noch bei Juden kaufen oder Handel mit ihnen treiben, bei Vergebung von Gemeindearbeiten u. dgl. ausgeschlossen werden. Gleichzeitig ist denjenigen Volksgenossen, die noch Vieh an Juden verkaufen, verboten, das Vieh auf der Gemeindeviehwaage zu wiegen. — Bei der dieser Tage stattgefundenen Grummetgras- oerfteigerung von den Grundstücken vom früheren Junkerschen Hofgut, kam der Morgen durchschnittlich auf 15 bis 20 Mark. — Dieser Tage ereignete sich hier ein Unglücksfall, der noch gut ablief, aber schlimme Folgen haben konnte. Der in der hiesigen Filiale der Mechanischen Kleiderfabrik Georg Dietrich Bücking, Alsfeld, beschäf- tiate Schneidergehilfe Johannes Kranz kam mit seinem Motorrad von Wallersdorf und fuhr mitten im Dorfe auf einen Leiterwagen auf. Der Fahrer erlitt kleine Verletzungen am Kopfe. Die Mitfahrerin kam ohne jegliche Verletzung davon. Preußen. Kreis Wetzlar. <£ Rodheim a. d. Bieber, 28. Aug. Gestern fand hier die Beerdigung des auf so tragische Weise das Doppelte — auf 4 Meter — zu verbreitern, so daß bei 250 Quadratmeter Bodenfläche eine Ausstellungsfläche von insgesamt 220 Quadratmeter zur Verfügung steht. Die zu einer Wagenburg zusammengestellten Fahrzeuge schließen einen zeltüberdachten Filmraum ein, in dem unter Verwendung einer neuen Bild-Ton-Maschine Werbefilme ....... -..........o- über dis olympischen Vorbereitungen gezeigt wer- der Stell« tot» Die Propagandastellen für die Olympiawerbung 1936 arbeiten seit vielen Monaten rastlos, um die Bedeutung der Wettspiele dem ganzen deutschen Volke nachdrücklichst vor Augen zu führen. Eine ganz groß angelegte Aktion wird bereits in den nächsten Tagen einsetzen. Es handelt sich um die 10 000-Kilometer-Fahrt durch Deutschland, die der auf 12 Fahrzeugen gebildete Olympiazug unternehmen wird. Am Vormittag des 31. August wird der Olympiazug auf dem Kaiser-Franz-Joseph-Platz in Berlin durch Ministerialrat H a e g e r t vom, Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, dem Vorsitzenden im Propagandausschuß für die Olympischen Spiele abgenommen. Danach wird den geladenen Gästen, Vertretern der Partei, der Behörden, der in- und ausländischen Presse Gelegenheit gegeben werden, die in den Zug eingebaute Olympiaschau zu besichtigen. Noch im Laufe des Samstagnachmittag verläßt der Olympiazug ....... Franzosensieg gab es auf der vierten Etappe von Luzern nach Gens, mit 286,9 Kilometer die längste bisherige Tagesstrecke, bet der außerdem noch sieben Höhenzüge zu überwinden waren. Etappensieger wurde der Franzose.Level Berlin zu seiner langen Werbefahrt in der Richtung Königsberg i. Pr. Lin Wunderwerk deutscher Technik. So einzigartig und neu wie die Idee der fahrenden Olympiaschau ist die technische Einrichtung des Olympiazuges, der aus vier 5-Tonnen-Merce- des-Zuglaftwagen mit je zwei Anhängern gebildet wird. Besondere technische Vorrichtungen ermöglichen, die geräumigen 5 Meter langen und 3,7 Meter hohen Aufbauten der Fahrzeuge um fast ums Leben gekommenen Schneidermeisters und Landwirts Konrad Platt statt. Die hiesige Kameradschaft des Kyfshäuserbundes hatte es sich nicht nehmen lassen, dem Verstorbenen, der mit zu den ältesten Mitgliedern des früheren Kriegervereins Rodheim gehörte, die bei dem Heimgange von ehemaligen Kriegsteilnehmern üblichen Ehrungen zukommen zu lassen. So verschönte eine Abteilung Reichswehrmusik durch Trauerweisen die Beisetzungsfeierlichkeiten, gab eine Gewehrgruppe dem ehemaligen Kriegskameraden drei Salven über das offene Grab als Abschiedsgruß. Kameradschaftsführer M ü f f e n e r legte namens der Kameradschaft einen Kranz am Grabe nieder. -ARodheima. d. Bieber, 28. Aug. Am Sonntag und Montag feierte die Rodheimer Einwohnerschaft ihre diesjährige Kirmes, die in den Wirtschaften Bechtold und Schlierbach abgehalten wurde. Um 15 Uhr bewegten sich zwei stattliche Burschenzüge durch die Straßen des Ortes, um mit schmetternder Musik die Einwohnerschaft zu ihrem Fest einzuladen. Dieser Einladung wurde weitestgehend Folge geleistet und bald herrschte in den beiden Kirmeslokalen großes Gedränge. Während die Jugend an den Verkaufsstellen möglichst eilig ihre Kirmesgrofchen umzusetzen suchte, vergnügten sich die Aelteren auf dem Tanzboden und beim Kirmestrunk. Kein Mißton störte die dörfliche Feier. Veranstalter und Gäste dürften nach jeder Richtung hin mit ihrem Fest zufrieden sein. Am Montag erfolgte dann der übliche Frühschoppen mit den können. Außerdem ist eine eigene Veleuch- tungs- und Heizanlage vorhanden. Der Wechsel von einem Standort der Ausstellung zum anderen nimmt einschließlich Fahrzeit und Aufbau nur etwa einen Tag in Anspruch. 101 deutsche Städte werden besucht. Bis zum späten Frühjahr 1936 dauert biß Werbefahrt. Sie berührt nacheinander folgend- Städte: Königsberg i. Pr., Tilsit, Gumbinnen, 3nN fterburg, Lotzen, Allenstein, Elbing, Marienburg, Lauenburg, Stolp, Köslin, Kolberg, Stettin, Neu^ brandenburg, Greifswald, Stralsund, Rostock, Lübeck, Kiel, Flensburg, Wesermünde, Emden, Bre- men, Hannover, Braunschweig, Göttingen, Nordhausen, Dessau, Halle, Weimar, Erfurt, Fulda, Gießen, Kassel, Paderborn, Bielefeld, Minden, Osnabrück, Münster i. W., Hamm, Bochum, Wuppertal, Wesel, Krefeld, M.-Gladbach, Aachen, Gummersbach, Bonn, Koblenz, Trier, Kreuznach, Mainz, Wiesbaden, Hanau, Aschaffenburg, Darmstadt» Worms, Kaiserslautern, Saarbrücken, Pirmasens, Mannheim, Heidelberg, Heilbronn,. Pforzheim, Karlsruhe, Baden-Baden, Freiburg i. Br., Schwenningen, Konstanz, Ulm, Augsburg, Rosenheim, Passau, Landshut, Ingolstadt, Regensburg, Würzburg, Schweinfurt, Bamberg, Bayreuth, Coburg, Hof, Plauen, Zwickau, Gera, Chemnitz, Meißen, Bautzen, Zittau, Görlitz, Liegnitz, Oppeln, Hindern bürg, Kreuzburg, Oels, Grünberg, Cottbus, Guben, Frankfurt a. d. O., Landsberg a.d.W., Schneidemühl. Neuer italienischer Rennwagen. Unter der besonderen Initiative des Gießener Ruderklubs „Hassia" und unter der Mitwirkung aller Vereine des Reichsbundes für Leibesübungen wie auch des Sportamtes der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" wird am Sonntag, 8. September auf dem Gelände des Ruderklubs „Hassia" eine große Olympia-Werbeveranstaltung stattfinden. Die Vorbereitungsarbeiten sind bereife in vollem Gange. Auf dem Bootsplatz des Ruderklubs „Hassia" fand gestern eine Sitzung statt, in der die Veranstaltung in ihrem Ablauf bereits festgelegt wurde. Das Programm dieser Olympia-Werbung soll eine abwechslungsreiche Fülle von Darbietungen bringen. Den großen Auftakt bildet ein ©erbe» umzug der Mitglieder der Vereine des Reichsbundes für Leibesübungen, die zum größten Teil im Sportdreß auftreten werden. Der Werbeumzug soll gleichzeitig die vielseitige sportliche Betätigung der Jugend in unserer Stadt veranschaulichen. Die Gliederungen der Partei sollen für die Teilnahme an diesem Umzug gewonnen werden. Der Zug formiert sich in der Zeit zwischen 13.30 und 14 Uhr auf dem Oswaldsgarten und wird sich dann durch folgende Straßen bewegen: Steinstraße, Walltorstraße, Sonnenstraße, Settersweg, Bahnhofstraße und Neustadt. Das Ziel' ist der Bootsplatz des Ruderklubs „Hassia". Die Darbietungen auf dem Bootplatz des Vereins Ruderklub „Hassia" werden mit einigen Ruder- Rennen eröffnet, da der veranstaltende Verein an diesem Tage seine Klubmeisterschaft austragen wird. An Rennen in Ruderbooten gelangen ein Gast- Vierer, ein Damen-Vierer, ein Schüler-Vierer und ein Gemischter Achter zum Austrag. Für die einzelnen Rennen liegen Meldungen des gastgebenden Vereins, ferner der Gießener Rudergesellschaft und des Wetzlarer Ruderklubs 1880 vor. Den Höhepunkt des rudersportlichen Programms wird aber die Austragung desStädte-Achters darstellen, die diesmal dem Ruderklub „Hassia" turnusmäßig zur Ausrichtung übertragen worden ist. Für den Städte-Achter Gießen-Wetzlar sind drei Boote gemeldet. Neben den Achtern der GRG. und überreicht. tt. Mittleres Niddatal, 27. August. Der ergiebige Regen in letzter Zeit hat sich äußerst vorteilhaft ausgewirkt. Wenn er auch für die Frühkartoffeln keineswegs mehr in Frage kommen konnte, so doch noch nach Urteilen in Fachkreisen für die Spätkartoffeln in einigermaßen guten Lagen. Die vor einigen Wochen noch recht dürftig aussehenden Dickwurz haben sich kräftig entwickelt, so daß deren Ernteertrag im Herbst als normal zu bezeichnen sein wird. Die ärmlich aussehenden Gemüsepflanzen sind inzwischen zu verhältnismäßig starkem Kraut herangewachsen. Allerdings läßt das Grünfutter viel zu wünschen übrig. In den von Bächen und Gräben durchzogenen Niederungen ergibt der Grasschnitt guten Ertrag. Zur Ersparung des Dürrfutters, das seither schon ab und zu verwendet werden mußte, treibt man das Vieh au Stoppelklee hat Einen polnischen Etappensieg gab es auf der zweiten Etappe der als Länderkampf Deutschland — Polen im Gange befindlichen Radfernfahrt Warschau—Berlin, die über 115,5 Kilometer von Lodz nach Kalisch führte. Der polnische Straßenmeister Starzynski siegte in 3:25:08,3 vor seinem Landsmann Kapiak (3:30) und dem Deutschen Wierz (3:31:42). Einen neuen Schwimmweltrekord erzielte die Amerikanerin Marylou P e 11 y bei den Pazifik-Meisterschaften in San Diego (Kalifornien). Sie schwamm 800 Meter Kraul in 11:34 und verbesserte den alten Rekord von Leonore Knight um fast zehn Sekunden. * Auch bie dritte Etappe der Schweizer Radrundfahrt, die über 205,4 Kilometer von Lugano nach Luzern führte, brachte den deutschen Teilnehmern keinen Erfolg. Etappensieger wurde der Schweizer Alfred Bula in 6:38.-01 Stunden vor seinem Landsmann Egly, während Altenburger als bester Deutscher den zehnten Platz belegte. Gegenwärtig wird auf der Monza - Bahn bei Mailand ein neuer italienischer Rennwagen ausprobiert, der seine Generalprobe beim Großen Preis am 8. September ablegen soll. Es handelt sich um einen im Auftrage des bekannten italienischen Fah. rers Graf Felix Trofft gebauten Wagen, teilweise völlig neuartiger Konstruktion. Der 16-Zylinder- Motor ist luftgekühlt, vorn freiliegend, sternförmig, je zwei Zylinder paarweise angeordnet. Der Wagen hat Frontantrieb, zwei Kompressoren und soll bei maximal 6000 Touren auf über 300 Stdkm. kommen. Bei den bisherigen Versuchsfahrten wurden Höchstgeschwindigkeit erst 250 Stdkm. in 8:57:45 Stunden. * Der Dresdener Sport-Club war am Mittwoch beim 1. FC. Nürnbera zu Gast. Die Dresdener landeten mit 4:1 (0:1) einen zahlenmäßig nicht ganz verdienten Sieg. Holst den Winzern: trinkt deutschen Wem! Weinlese am Rhein. Don Or. Adolf Oreßler. Die Frage nach dem Alter dieses Volksfestes im rheinischen Leben würde die nach dem Alter des Weinbaues im Rheinland überhaupt bedeuten, und die Frage nach seinem tiefen Sinn hieße nach dem Sinn der Freude am Erntedanktag forschen. Unnützes Bemühen, sich Gedanken darüber zu machen, weshalb der Landwirt, der Weinbauer nach heimgebrachter Ernte, nach mühsamer, schwerer Jahresarbeit ein paar Tage der Erholung, des wirklich empfundenen „Ausspannens" braucht, um schon bald wieder sein mühsames Werken um den Acker zu beginnen! Das Fest der Weinlese im Rheinland geht über dieses im wahren Sinne natürlichste Fest der Dankesschuld weit hinaus. Mit seinen köstlichen Eigen- und Einzelheiten, seiner urwüchsigen Eigenart ist es der echteste Ausdruck für die tiefe, innere Harmonie zwischen rheinischer Landschaft und rheinischem Menschen. Nimmt man dem Fest einmal das unwahre Kleid, das „romantische" Empfindsamkeit ihm leider einstmals häufig gab, so ist es das schöne, gute deutsche Volksfest, as — vielleicht weit mehr als der Karneval — seinen Ursprung in der heiteren, glücklichen Religiosität des Rheinländers hat. Nur das eigene Kennenlernen, das Miterleben in der Gemeinschaft von Mensch zu Mensch vermittelt das rechte Wissen um diese Eigenart. Die wenigen Tage der Weinlese vermögen den erschließenden Einblick nicht zu geben; aber ein tiefes Ahnen können sie dem aufmerksamen Teilnehmer schenken. Und ein anderes geben sie ihm: eine Zeit ungetrübter Freude, einige Abende und Stunden, die mit ihrer herrlichen Unbekümmertheit, mit ihrer heiteren, glücklichen Sorglosigkeit ihn Wochen und Monate noch begleiten und ihm den Wunsch zur Wiederkehr ein für allemal ins Herz senken. Er wird dann nicht der einzige sein, der sich selbst aus karg bemessener Ferienzeit noch einige Tage erspart, noch Stunden vielleicht, um „dabei zu sein", wenn die ersten dumpfen Böllerschüsse den Auftakt geben zur Ernte der goldenen oder blauschwarzen, milchig überhauchten Trauben, wenn er Zeuge sein kann der Weinprobe oder mitjubeln, wenn der Festzug vorüberzieht. Weinlese, Winzerfest! Der Klang geht als frohe Erinnerung in den Alltag mit, gibt ihm zur Zehrung einen Schatz aus des Rheinländers echtestem Empfinden. Mag es im Rheingau fein mit feinen voll- klingenden, echten Namen, bewährt durch älteste Winzerkultur, der Prüfung erfahrenster Kenner gern sich bietend: mit Rauenthal und Eberbach, mit Rotenberg und Geisenheim und Markobrunn, mit Rüdesheim und Schloß Johannisberg und wie sie alle klingen. Mag man sich rheinab wenden an der drohenden Loreley vorbei, an Bacharach, an Oberwesel, St. Goar, an Boppard, Rhens und Braubach, oder mag es im N a h e t a l fein, wo die Sonne den „Scharlachberger" werden ließ und den vom Hip- perich, vom Kauzenberg, von der Monzinger Lay und dem Norheimer Kafels, den von der Böckel- heimer Kupfer^rube und der Niederhäufer Hermannshöhle: Em Wein köstlicher Art gedeiht hier, mit edlem Feuer, mit feiner Harmonie. Mag die Rheinland - Don Werner Wenn der Wein blüht an der Grenze zwischen Frühjahr und Sommer, liegt ein Duft über dem Rheinland, der ist von einer unbeschreiblichen Zartheit und einer milden Süße, die selbst die rauheste Nase poetisch stimmen. Wenn aber die Weinlese beginnt an der Grenze zwischen Spätherbst und Winter, dann erfüllt Gesang das Tal von hüben und drüben, und die Geräusche der Arbeit klingen munter und frisch vom ersten Morgengeläute bis weit über die Vesperglocke. Sei es ein halber, sei es ein Dreiviertelherbst, mag der Sauerwurm oder die Peronospora gewütet und bange Stunden heraufbeschworen haben — die Lesezeit ist fröhliche Zeit, und es hat noch niemand mit Tränen gekeltert. Es ist eine harte Arbeit im Weingebiet, und es wird viel Schweiß vergeblich vergossen. Eine einzige verspätete Frostnacht im Frühling kann ganze Distrikte vernichten, und die Ungezieferplage ist trotz aller modernen Abwehrmittel in jedem Jahre eine neue Gefahrenquelle. Brot und Kartoffeln muß der Mensch essen, um zu leben, aber Wein braucht er nicht als lebensnotwendig zu trinken, und die Menschen, deren Hände Arbeit den andern den edelsten Genuß verschaffen und die besten Stunden, sind oft bitterster Not ausgeliefert. Aber der Herrgott hat ein Einsehen gehabt und dergestalt diese harte Arbeit mit dem kargen Lohn einem Geschlecht anverttaut, das von Natur aus für die Fröhlichkeit und den nimmermüden Glauben an die Sonne bestimmt ist, und er läßt seine Reben aus Hängen wachsen, die Auge und Herz der'Menschen erfreuen, also daß sie in Scharen herbeieilen, um dieser Schönheit teilhaftig zu werden. Trächttg an Ereignissen und Geschichte ist diese Erde, ältester Kulturen Stätte, und das vielver- schlungene Netz der Nebenflüsse vereint sich mit dem Mosel singend und klingend durchs Tal hereilen und ihre beiden Knappen, Saar und Ruwer, flink hinterdrein, eine lange Reihe der Namen gäbe es, wollte ein jeder Ort sich nennen hören, die da von Saarburg bis hinunter nach Koblenz mit jeder Flußkrümme neu erstehen und alle einen Klang besitzen, der deutschen Qualitätsweinen einen ganz festen Ruf in aller Herren Länder sicherte. Oder mag auch der heiterste der deutschen Flüsse, die Ahr, mit Poltern ihre Wehre überspringend, an steilsten Felshängen, an schroffen Wänden vorübereilen, an Wänden, die den Anbau der dunklen Beumelburg. Vater Rhein zu einem Gebiet, das von jeher aufs ärgste gefährdet war, wenn Deutschland in Not geriet. Dichter und Sänger ohne Zahl haben sich ihm ergeben, das Blut der Besten wurde vergossen, und immer war Deutschlands Stärke daran zu messen, wie fest und verläßlich das deutsche Herz zum Rheine hinschlug. Rheinland — Weinland. So wenig der deutsche Mensch denkbar ist ohne die heitere, entspannte, über das Grau des Tages und die Schwere des Schicksals hinausgehobene Seite seines Wesens, so wenig ist der Rhein denkbar ohne die Tropfen, die seinen Hängen entsprießen. Vermittler des köstlichsten Geschmacks, Gestalter der Geselligkeit, lockender Lohn arbeitsreicher Tage und Freund der Menschen bei der Suche nach seinem besseren Ich, versagt er sich nur dem Bösen, dem Verhärteten, dem Bedauernswerten, die ihn bekämpfen. Denen hat er nichts zu sagen. Wer ihn aber begreift, der mag ihn nicht missen, und wem er sich erschließt, dem bleibt er Freund und Genosse auch in den trüben Stunden des Lebens. Wir lieben den Rhein als den Träger deutscher Geschichte und als das starke Symbol unserer Kraft. Es ist jedes Deutschen Traum, einmal den Strom zu befahren und das Bild der Burgen und Städte, die Schönheit der Berge und Ufer in fein Herz aufzunehmen für immer. Wir lieben die Menschen an seinen Ufern, die, aller Mühe und Arbeit zum Trotz, heiteren und freundlichen Sinnes sind und von einer wohltuenden Herzlichkeit. Menschen und Strom empfinden wir als unseres deutschen Wesens innigen Anteil. Schönheit, Anmut und heroische Kraft sind in dieser Landschaft wie in kaum einer anderen vereinigt, und der Zug deutschen Schicksals geht in ihr aus fernster Vergangenheit über die Gegenwart in unseres Deutschen Reiches Zukunft. Burgunderrebe fast unmöglich erscheinen kaffen und doch jenen blutroten Wein uns schenken, von dem ber persische Spruch neu ersteht: „Der Onyx und der rote Wein Sind Edelstein und Edelstein; Im Wesen unterschieden nicht, Der ist geschmolzen, jener dicht.- Wenn im Rheinland die Herbstsonne ihr letztes Werk getan, wenn der Flurschütze, der den seit Wochen gesperrten Weingarten hütete, das Feld den Sammlern und Sammlerinnen räumt, daß sie nun endlich den Lohn einholen einer langen, langen Arbeits- und Sorgenzeit, dann erklingt in allen Weinorten das gleiche helle Singen, dann sind sie erfüllt von jener Freude, die aus tiefftem Herzen kommt. Es ist wahrlich fein leichtes Los, das dem Winzer geschenkt ist, ganz gleich, wo er seine Hei* mat hat. In weit stärkerem Maße noch als bet Bauer ist er von all den vielen Zufälligkeiten im Kreislauf des Jahres abhängig, hat er die Schädlinge zu bekämpfen, die unerbittlich die sorgsam gehüteten Pflanzen angreifen. Wer im Sommer einmal sah, wie der Winzer unter schwerster körperlicher Anstrengung mit dem Gewaltmittel der Kupfervitriollösung die Reblaus zu vernichten sucht, der erhält eine kleine Ahnung von diesem Kampf gegen die Jnsektenwelt. Und bei alledem ist, auch heute noch, der klingende Lohn gering. Doch der rheinische Winzer verliert auch in diesen Jahren seinen Mut nicht. Sein Humor, in der Landschaft wurzelnd und dem Boden verwachsen, in einer Entwicklung geworden, die stärkstens bestimmt ist durch den Charakter als Durchgangs- land, das das Rheinland seit Jahrtausenden Ist, versiegt auch in krittschen Lagen nicht und läßt ihn leicht überwinden, was schwer erschien. Dieser Humor, diese innere Lebensveranlagung, gestaltet das Fest der Weinlese und beherrscht es von der ersten bis zur letzten Stunde. Er läßt die Menschen, die daran teilnehmen, heiter fein, und selbst dem ernstesten Norddeutschen gibt er eine Freude, die ihm gar nicht wesensfremd erscheint ober unnatürlich. Man muß es einmal erlebt haben, wie bann an einem Nachmittag, an einem Abenb in der urgemütlichen Schenke aus ber großen Gesellschaft balb eine Gemeinschaft lachender, singender, jubelnder Menschen wird, in deren Mitte kein Griesgram fein kann, um es zu verstehen, was es heißt, ein rheinisches Winzerfest zu erleben. Einmal nur untergetaucht fein in dieser jauchzenden Fröhlichkeit, einmal nur eine Flasche Wein auf du und du mit dem getrunken, der den Rebstock setzte, mit der Winzerin, die die Trauben pflückte, und alljährlich zieht es dich wieder zum Rhein: Wenn die Blätter rot werden und die Zeit der Weinlese beginnt! U-MMsW _W M Mt • MM «Ott M-WW0ll aua sämtlichen Ferienfahrten der Jahres 1935 des Kreise« Gießen und sämtlicher umliegenden Kreis» D auf dem großen Winzerfest am 31. August, 1. und 2. September 1935 in der volkshall« zu Gießen cTVeinstuße Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1081: Bekanntmachung KP. 16 der Ueberwachungs- stelle für-unedle Metalle betr. Kurspreife. 1082: Zollerhöhungsantrag für Hüte in Großbritannien. 1083: Ursprungszeugniszwang für Postpakete, deren Wert 50 t. Pf. übersteigt, in der Türkei. Philipp Holzmann .... Zementwerk Heidelberg Tementw er! Karlstadt.. * Große Aus landauf träge der Loko- motiosabrik der Friedrich Krupp AG., Essen. Wie der DHD. erfährt, ist es der Gesellschaft gelungen, einen Auftrag auf 29 Heißdampf- lokomotiven aus Indien, und zwar für die North- Western - Railway und die East-Indian - Railway, hereinzuholen. Gleichzeitig erhielt die Kruppsche Lo- tomotivsabrik von der Eastern-Dongal - Railway (Calcutta) einen Auftrag auf 15 Lokomotivkefsel. Außerdem konnten noch einige größere Bestellungen aus dem Auslande entgegengenommen werden: u. a. fünf schwere Heißdampslokomotioen für die chilenischen Staatsbahnen und drei für die bulgarischen Staatsbahnen. * Rückgang der Brandschäden bei den öffentlich - rechtlichen Feueroerfiche- rungsan ft alten. Die deutschen öffentlich-rechtlichen Feuerversicherungsanftalten verzeichnen im Juli eine Gefamtfchadensumme von 4 376 721 gegenüber 5 654 724 Mark im Juni und 7 915 707 Mark im Juli 1934. Die Gefamtfchadensumme des Juli verteilt sich auf 5831 Brandschadenfälle, denen 7409 im Juni d. I. und 6372 im Juli des Vorjahres gegenüberstehen. Der Gesamtschadenverlauf bei den öffentlich-rechtlichen Feueroersicherungsanstalten im Juli weist gegenüber dem Vormonat einen sehr beachtlichen Rückgang auf, und zwar in der Schadensumme um 23 v. H., bei den Schadenfällen um 21 v. H. Diese Senkung der Schadenkurve ist um so bedeutungsvoller, da der gleiche Monat des Vorjahres im Gegensatz hierzu noch eine erhebliche weitere Steigerung der Schadenkurve aufwies. Rhein-Mainische Börse. Sehr ruhig. Frankfurt a. M., 28. August. Die Börse öffnete heute zwar nicht ganz einheitlich, jedoch überwiegend um 0,25 bis 0,50 v. H. nachgebenden Kursen. Das Geschäft hielt sich in sehr engen Gren- g. G. Farben.Jndustrie Tcheidean statt........ Goldschmidt ........ Rütgerswerke ........ Metallgesellschaft...... Bei großer Gefchäftsstille zeigten die Kurse an der Abendbörse kaum eine Veränderung. Gegen den Berliner Schluß war die Haltung zwar nicht ganz einheitlich, doch betrugen die Abweichungen nur Bruchteile eines Prozentes. IG.-Farben lagen mit 156,25 (156,13) etwas höher, ebenso Mannesmann mit 88,25 (87,90) und Deutsche Linoleum mit 162,50 (162), dagegen gingen Holzmann auf 95,50 (96,50), Hapag auf 15 (15,40) und die meisten t e n und Z u ch t einheitlich durchgeführt sind. Daneben aber gibt es noch überall im Lande sachverständige Pfleger von kleinen Obstgärten, in denen edle Sorten Obst ebenso wie Blumen gezüchtet werden. Eine Reihe deutscher Landschaften darf sich rühmen, besonders gutes Obst zu liefern. So lobt man die Obsternten der Bergstraße, die der Umgegend von Bühl, die des Rheingaus, des Rhein- un'd Mofeltales, der Rheinpfalz, des Main- und Elbtales, die des „Alten Landes", die der Dierlande und die der hügeligen Gegenden bei Guben und Werder. In den Dftfeegebieten gibt es viele Gärten, in denen der Apfel besonders gut gedeiht, und wenn auch nicht überall gleich gute Voraussetzungen für einen ertragreichen Obstbau gegeben sind, so gibt es doch keine Landschaft in Deutschland, in der man den Obstgarten nicht kennt und jenen nicht zu Dank verpflichtet wäre, die durch Züchtung und Pflege die reichen und nahrhaften Erträge unserer Gärten ermöglicht haben. C. W. 4% Oesterreichische Goldrente.... \2O% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische EtaatSrente v. 1910 *Vi% desgl. von 1913.......... 5% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie I..................... Elektr. LieserungSgesellschast... 5 Licht und Kraft ...........6% Srlten L Guilleaume.........0 esellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........5 Rhein. Wests. Slektr..........6 Schubert L Co............... 4 Siemen» L Halske............7 Lahmen« L To.............. 7 Vom Holzapfel zum Edelobst Aus der Geschichte unseres Obstgartens. Bubrm» .................... Deutsche Erdöl............... Gelsenkirchener..............0 Euer...................0 । Eisen—Köla-Neueftea .. 0 lergbau ...............4 iergbau Genüsse ........- erwecke .............»u Mannesmann-Röhre,........ö zen, zumal Anregungen fehlten. Sowohl Kundschaft als auch die Börse selbst üben mit Rücksicht auf den bevorstehenden Ultimo weiter Zurückhaltung. Nach den ersten Notierungen vermochten sich die Mehrzahl der Kurse wieder leicht zu erholen, die Hmsätze blieben aber weiterhin auf Mindestbeträge beschränkt. Am Aktienmarkt notierten von chemischen Werten IG. Farben mit 155,65 bis 156 (156), Scheideanstalt mit 237 (238), Deutsche Erdöl mit 111,90 bis 112,25 (111,75). Elektroaktien lagen allgemein sehr still und kaum verändert, RWE. und Gesfürel bröckelten allerdings bis 0,75 0. H. ab. Montanaktien lagen anfangs zumeist bis 1 v. H. schwächer, konnten sich aber später etwas erholen, besonders Stahlverein mit 84 bis 84,50 (84,75), ebenso Mannesmann mit 87,75 bis 88 (88). Rheinstahl und Hoesch fetzten um Bruchteile eines Prozentes freundlicher ein. Don sonstigen Werten gaben Deutsche Linoleum 0,50 v. H., AKU. 0,40 v. H., Zellstoff Aschaffenburg 0,75 v. H., Deutscher Eisenhandel und Metallgesellschaft je 0,50 v. H. nach, Daimler notierten mit 99,25 bis 99,50 (99,65). Reichsbankanteile lagen unverändert, ebenso am Schiffahrtsaktienmarkt Hapag, während Norddeutscher Lloyd um 1 v. H. erholt war. Am Rentenmarkt blieb das Geschäft bei Elektrowerte um 0,25 bis 0,50 v. H zurück. Am Kafsamarkt ermäßigten sich Berl. Handelsgesellschaft auf 116,75 (117,75)? Der Rentenmarkt lag sehr still und unverändert. Von Auslandrenten waren Mexikaner etwas gefragt, 5proz. äußere Gold 11,60 (11). U. a. notierten: Altbefitzanleihe 111,50, 6proz. Stahlverein 102,75, 6proz. Krupp 103,50, JG.-.Far- ben-Bonds 128,50, 4^proz. Frankf. Hyp. Dank Gold R 13 bis 15 96,75, 4proz. Rumänen 4,90, 4proz. Ungarn Gold 9,70, 5proz. äußere Goldmexi- faner 11,60, 4proz. Goldmexikaner 8,13, Berl. Handelsgesellschaft 116,75, Commerzbank 92,25, DD- Bank 92,25, Dresdner Bank 92,25, Meininger Hyp. Bank 95,90, Reichsbank 184, Harpener 113,75, Mannesmann 88,25, Hoesch 97,50, Rheinstahl 112,25 Stahlverein 84,50, AKU. 61,25, Bekula 143,25, Conti Gummi 156, Daimler 99,65, Scheideanstalt 237, Deutsche Linoleum 162,50, Licht und Kraft 134, JG.-Farben 156,25, Gesfürel 127,50, Holzmann 95,50, Junghans 86, Metallgesellschaft 110,50. Moenus Maschinen 86,50 bis 86,75, Rheag 147, RWE. 132,25, Schuckert 128,50, Thür. Lieferung 118, Zellstoff Aschaffenburg 85,75, Südd. Zucker 202, Hapag 15. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 28. Aug. Am Getreidegroßmarkt glichen sich Angebot und Nachfrage für Kontingentsgetreide etwa aus, dagegen find die Anlieferungen in frei verfügbarem Brotgetreide weiterhin sehr stark. Am Futtergetreidemarkt werden im Laufe der nächsten Tage bessere Anlieferungen in neuem Hafer erwartet. Futtergerste fehlt am Markt weiterhin, die Nachfrage bleibt groß. Für Futtermittel ist die Haltung weiter fest, die Nachftage der Landwirtschaft ist mit Rücksicht auf den Beginn der Stallfütterung eher größer geworden, während die Zufuhren an Mühlenabfällen, hochwertigem Mifch- futter und Biertreber in keinem Verhältnis dazu stehen. Nach- und Bollmehle finden guten Absatz. Das Mehlgeschäft ist im Laufe der Woche womöglich noch ruhiger geworden, insbesondere für Weizenmehl besteht nur geringste Nachfrage, da man die neuen ab 15. September gültigen Preise abwartet. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in RM.: Weizen W 13 197, W 16 200, W 19 204, W 20 206, Roggen R 12 160, R 15 163, R18 167, R19 169 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Hafer H13 170, H 14 172 Großhandelspreise ab Station. Weizenmehl W13 27,70, W 16 28,15, Roggenmehl R 12 22,45, R15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizennachmehl 17,25, Weizenfuttermehl 13,50. Weizenkleie W13 10,92, W 16 11,13, Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R19 10,50 Mühlenfestpreife ab Mühlenstation. Heu 8, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt oder gebunden 2,40 bis 2,50. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Fr a n f f u r t a. M., 29. August. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 25 Rinder (8 Ochsen, 12 Kühe, 5 Färsen), 787 Kälber, 113 Schafe, 343 Schweine. Es kosteten: Kälber 42 bis 68 Mark, Hämmel 38 bis 41 Mark, Schafe 32 bis 38 Mark, Schweine 54 Mark. — Marktverlauf: Kälber, Hämmel, Schafe rege, Schweine sehr flott in einem späteren Monat erhöhen sich die Preise um 1,20 RM. je Tonne für jeden angefangenen weiteren Monat. Die Preise verstehen sich für Zahlung bei Lieferung ab Erzeugerbetrieb ausschließlich Sack. Bei abweichender Lieferart dürfen die entstehenden Mehrkosten aufgeschlagen werden, jedoch darf der Preis nicht zum Ausgleich eines Kreditrisikos erhöht werden. Rübenlieferanten, die die von ihrer Fabrik zurückerhaltenen Rübenschnitzel Weiterverkäufen, gelten als Erzeuger und find an die Höchstpreise ge- bunbem Die Preise verstehen sich für handelsübliche, gesunde Ware. Als Verkaufspreis der Verteiler gelten beim Verkauf an Verbraucher der Einkaufspreis zuzüglich des ortsüblichen Aufschlages. Beim Weiterverkauf gelten folgende Bestimmungen: Wird die Ware an Verbraucher abgegeben, so tritt zum Einkaufspreis der ortsübliche Aufschlag. Beim Verkauf an andere Verteiler, die die Futtermittel an Verbraucher abgeben, tritt bei Mengen bis zu fünf Tonnen zu einem Einkaufspreis der bei Abgabe an Wiederoerkäufer ortsübliche Aufschlag, bei Mengen über fünf Tonnen tritt zum Einkaufspreis ein Aufschlag von 3,50 RM. je Tonne. Diese Zuschläge zum Einkaufspreis erhöhen sich um die etwa entstehenden Urnfatzsteuerkoften. Sowohl bei Melasse als auch bei den Rübenschnitzeln dürfen die festgesetzten Preise und Preisspannen wohl unterschritten, aber nicht überschritten werden. Die neuen Preisbestimmungen gelten auch für die Erfüllung von Kaufverträgen, die vor dem Inkrafttreten dieser Anordnungen abgeschlossen worden sind. Die Anordnungen treten mit sofortiger Wirkung in Kraft. Hamburg-Amerika-Paket .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutlcher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz, und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und DiSconto- Gesellschaft................0 Dresdner Bank......... 0 Reichsbaal ............... 12 Schultheis Patzenhofer .......4 Mu cAllgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg...................o Zellstoff Waldhof ............0 Zellstoss Aschaffenburg .......0 Dessauer GaS ........... 7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum ...........6 Orenstein & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade....................... Aecumulatoreo-flabrik....... 1« Tonti-Gumml........... e Wenn in unserem Garten jetzt wieder die reifen Früchte prangen, so sollten wir dankbar einen Rückblick in die Vergangenheit tun, in der unter sorgfältiger Pflege die ersten Obftbäume auf deutschem Boden gezüchtet wurden. Wann und wo die Menschen zum erstenmal den Obstbaum gezüchtet haben, läßt sich aus dem Dunkel der Vorzeit nicht mehr ins Licht der Geschichte heben; diese Gartenkunst mag wohl unabhängig voneinander in weit auseinander- Liegenden Gebieten der Erde und zu verschiedenen Zeiten gefunden worden fein. Jedenfalls gibt es Anzeichen, daß auch bei den Germanen der Obstbau in einfacher Form schon in frühen Zeiten betrieben worden ist. Zunächst kannte man wohl nur das wildwachsende Obst und begnügte sich damit, den Saft des Holzapfels, der wilden Kirsche und der Schlehe zur Herstellung eines Getränkes zu verwenden. Dom 3. Jahrhundert ab wird die Obstzucht von den alten Deutschen mit ganz besonderer Siebe betrieben, und zwar wußte man besonders Aepfel, daneben aber auch Kirschen, Birnen, Pflaumen, Nüsie, Quitten und Pfirsiche zu schätzen. Die deutsche Obstzucht setzte früh schon mit eigenen Erfolgen ein, denn bereits aus dem 8. Jahrhundert sind uns die Namen zahlreicher Aepselsorten überliefert, die nach süddeutschen Orten genannt wurden. Es waren insbesondere die Meierhöfe und die Klöster, die als Musterwirtschaften den Bauern ein Vorbild für die Obstzucht boten. Den Verwaltern der Meierhöfe war ausdrücklich aufgetragen worden, die verschiedensten Obstsorten anzubauen, und wie sehr man auch bei dem kleinen Mann den Obstbau schützte, zeigt die Bestimmung des bayrischen Volksrechts, nach dem der gesetzliche Begriff des O b ft g a r t e n s , für den besondere Rechte galten, bereits bei zwölf Stämmen beginnt. Der Obstgarten ist zugleich die früheste Form des altdeutschen Lustgartens; in ihm werden allerer- gnügungen im Freien verlebt. Mit Sorgfalt und Andacht werden die Bäume gepflegt und gezüchtet. Schon im März beginnt das Pfropfen der jungen Stämme, wie es in einem lateinischen Gedicht des Mönches Wandalbert eingehend beschrieben ist. Die Bäume werden beschnitten und gestutzt, und im Juni beginnt bann die Ernte. Man hatte in dem Deutschland des frühen Mittelalters das O b ft als eine vortreffliche Nahrung erkannt, und in allen Schichten des Volkes wird es feit der Zeit der Karolinger reichlich genossen. Dor allem in den Klöstern, in denen eine strenge Ordnung den Genuß des Fleisches vierfüßiger Tiere den Gesunden verbot, bringt das Obst die einzige Abwechslung in den sonst so einförmigen Speisezettel. Hoch gerühmt wird die gesundheitliche Wirkung der verschiedenen Früchte. In dem „Ring" des Heinrich von Witten- weiter, einem mittelalterlichen Gedicht, hält der Bauernarzt Straubel eine lange Rede über die Vorzüge des Obstes und gibt genaue Vorschriften für die Zeit, Art und Aufeinanderfolge, in der die Früchte genossen werden sollen. Auch in den Städten wurde der Obstgenuß bald heimisch, und in den Gedichten des Mittelalters finden wir in zahlreichen Beschreibungen das idyllische Bild der Obstfrau, die auf dem Markt ihren Stand aufgeschlagen hat. Während die Vornehmen Pfirsiche und Quitten bevorzugten, waren Aepfel, Birnen und Pflaumen Allgemeingut des Volkes. Die Bauern aßen außerdem noch Holzäpfel und Holzbirnen oder benutzten sie zur Viehfütterung und zur Bereitung eines Mostes. Sehr früh ist auch schon der Obstwein in deutschen Landen heimisch. Der Apfeltrank, der mit Honig vermischt wurde, war ein sehr beliebtes Getränk. Bimenmost galt als Nationalgetränk der Bayern, und von ihm wurde gesagt, daß er die Stimme klarmache. Der Schlehentrank war äußerst herb, man rühmte ihm aber eine besonders heilkräftige Wirkung nach. Kirschwein wird feit dem 14. Jahrhundert in wohlhabenden Kreisen viel getrunken. In den verschiedensten Zeiten sind jeweils auch behördlicherseits Anregungen für die Anlage der Obstgärten und Bestimmungen ergangen, die die Pflanzung von Dbftbäumen zur Pflicht machte. So erscheint im Jahre 1555 „D a s Künstliche O b st q a r t e n b ü ch l e i n" des Kurfürsten August von Sachsen, und dieser Fürst erließ auch ein Gesetz, nach dem jedes junge Ehepaar mindestens zwei Obstbäume pflanzen mußte. Der Große Kurfürst ordnete an, daß jedes junge Ehepaar sechs junge Ob ft bäume pflanzen müsse, wenn die Ehe als gültig anerkannt werden solle, und andere Herrscher folgten diesem praktischen Beispiel. Friedrich der Große, der ein besonderer Verehrer des Edelobstes war, führte in unsere Obstgärten die Spalierzucht ein, die heute neben der Hochstammzucht so wichtig geworden ist. Diese Form der Obstkultur, von der I. B 0 y c e a u 1638 zum ersten Mal eingehender spricht, erfuhr ihre Ausbil- duna in Frankreich, und allmählich wurde es im deutschen Rokoko Mode, auch darin das ftanzösische freundlichem Grundton sehr klein. Altbefitzanleche erhöhten sich auf 111,75 (111,65). Späte Reichsschuldbuchforderungen (97), Zinsvergutungsfcheme (90,70) und Reichsbahn-VA. (124,50) lagen, ebenso wie Kommunal - Umschuldung, unverändert. Von fremden Werten erhöhten sich 4 v. H. Ungarn-Gold auf 9,60 (9,50). In der zweiten Borsenstunde ergaben sich keine nennenswerten Veränderungen, die Umsatztätigkeit blieb nach wie vor sehr klein. Die nach den ersten Kursen zum Teil eingetretenen leichten Erholungen konnten sich nicht immer behaupten. Weiter etwas rückläufig waren Metallgesellschaft und Gesfürel, andererseits zogen Hoesch auf 97 nach 96,50 an. Die später notierten Werte lagen im großen und ganzen kaum verändert, niedriger waren jedoch Kaliaktien sowie Bemberg, letztere minus 1,25. Am Rentenmarkt bröckelten Altbesitz etwas ab, sonst ergeben sich keine Veränderungen bei außerordentlicher Gefchäftsstille. Goldpfandbriefe und Kommunal-Obligationen lagen behauptet, dagegen bröckelten Liquidationspfandbriefe fast durchweg um 0,13 bis 0,25 v. H. ab, nur Pfälz. Liquid, zogen auf 101,25 (101,13) an. Stadtanleihen notierten etwas uneinheitlich, meist lagen sie aber unverändert. Fremde Werte wiesen kaum Veränderungen auf. Auf Vorbereitungen zum Ultimo war Tagesgeld etwas gefragt und wurde auf 2,75 (2,50) v. H. Oatum 6% Deutsche ReichSmiIeihe B. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 6/t% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Au-los.-Mechlen ............. 4‘/»% Deutsche RetchSpostschatzan- Weisungen von 1934, I....... «% ehern.8% Hess. Bolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............