Itr.124 Erster Blatt 185. Jahrgang Mittwoch, 29. Ml M5 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gieyener Familienblütter Heimat tm Bild • Die Scholle Monatr.vezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernsprechanschlüffe enter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehe» Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11688 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen DruL und Verlag: vrühl'sche UnioerfitStr-vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. 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Die Stellungnahme Baldwins war ersichtlich von dem Wunsche Englands getragen, zu dem Geist und Wortlaut des Londoner Protokolls vom 3. Februar zurückzufinden. Damals befand sich die britische Regierung noch in der Rolle des ehrlichen Maklers, die sie dann in Stresa preisgegeben hatte, was wieder erst die Voraussetzung für die französisch- sowjetrussische Militärallianz war. Zufrieden mit der Entwicklung waren in London aber nur die Kreise im Foreign Office und im Generalstab, die Englands Europapolitik nur im Schatten der fron- zösischen Bajonette und Kanonen treiben zu können glauben. Deshalb war auch die posittoe Aeußerung Baldwins zu wesentlichen Punkten der Führerrede gar nicht weiter verwunderlich. Denn der britische Premierminister trug schließlich doch den sehr ge- wichttgen Bedenken der öffentlichen Meinung Eng- landes gegen die einseitige französische Orientierung der seit Stresa betriebenen britischen Außenpolitik ebenso Rechnung wie der alten englischen Sorge, ohne Not in europäische Konflikte verwickelt zu werden. — Und auch die Erklärungen des italienischen Regierungs-Chefs lassen namentlich soweit sie die deutsche Rüstungspoliti5 betreffen, den Schluß zu, daß Mussolini die europäische Lage ebenso realistisch beurteilt wie Adolf Hitler. Die Parallelität der Erklärungen beider Staatsmänner ist hier im Grundsätzlichen besonders bemerkenswert, so verschieden natürlich auch in den Einzelheiten die Bettachtung von Berlin und von Rom aus ist. London und Rom haben geantwortet. Was sagt Paris? Abgesehen von einer durchaus uneinheitlich orientierten Presse hat man sich an der Seine bisher ausgeschwiegen. Laval war in Genf mit Völkerbundssoraen beschäftigt, und der Ministerpräsident Flandin hatte in der letzten Woche mit der technischen und taktischen Vorbereitung seines Vollmachtsgesetzes ebenso wie mit der raschen Ver- schlechterung der wirtschaftlichen und finanziellen Lage Frankreichs den Kopf voll. Die Heraufsetzung des ftanzösischen Diskonts von 2,5 auf 4 v. H. in wenigen Tagen besagt genug. So fehlte der öffentlichen Meinung Frankreichs offenbar die einheitliche Ausrichtung für die Beurteilung der Rede des deutschen Reichskanzlers; über eine nörgelnde Betrachtungsweise kam man Nicht sehr viel hinaus. Außerdem aber war man in Paris offenbar doch sehr von der schlagenden Beweisführung Hitlers über die Vertragsbrüche der anderen Unterzeichnermächte von Versailles betroffen. Umsomehr, als man sich in Frankreich stets an eine sehr formalistische Betrachtungsweise hält und alles Heil von Dertrags- insttumenten erwartet, auch wenn sie noch so sehr im Widerspruch zu den Tatsachen und Notwendigkeiten stehen. Das Bewußtsein, hier endlick einmal mit den eigenen Waffen geschlagen zu fein, hat in Paris offenbar einige Verwirrung ausgelöst. Nur so ist es zu erklären, daß der Pariser Korrespondent eines Schweizer Blattes melden kann, die Franzosen hielten es nicht für überflüssig, „der Behauptung entgegenzutreten, daß der Vertragsbruch feiner früheren Kriegsgegner Deutschland ohne weiteres zur Aufrüstung berechtigt habe". Der erwähnte Korrespondent macht sich dann die Behauptung zu eigen, daß Frankreich fein Heer auf das Mindestmaß dessen beschränkt habe, was mit seiner nationalen Sicherheit zu vereinbaren gewesen sei. Festzustellen ist hierzu, daß also immerhin die Tatsache der Vertragsverletzung zugegeben wird. Der Wert dieses Zugeständnisses wird freilich sofort durch die Unwahrheit des folgenden Satzes aufge- hoben. Denn auch das hat ja Adolf Hitler in feiner historischen Rede vom 21. Mai absolut schlüssig bewiesen, daß Frankreich sein „potentiel de guerre“ in der gleichen Zeit, in der Deutschland bis auf den Nullpunkt abrüstete, ständig gesteigert hat. Die tatsächliche militärische Kraft Frankreichs ist heute auf allen Gebieten e r h e b l i ch g r ö ß e r als bei Kriegsende, während Deutschland feine allgemeine Wehrpflicht bekanntlich erst vom Herbst dieses Jahres an praktisch durchführt. Und es ist eine üble Gefchichtsklitterung, wenn man so tut, als feien bie 550 000 Mann, die der Kanzler dem englischen Außenminister als die militärische Höchstziffer Deutschlands genannt hatte, heute bereits ebenso Tatsache wie die französische Armee, deren Dienstpflicht vor knapp zwei Monaten auf zwei Jahre zur Erhöhung ihrer militärischen Schlagkraft ebenso wie zur Erhöhung ihres Effettiv-Bestandes heraufgesetzt wurde. Im übrigen hat ja aber Paris durchdasneue Allianzen-System mit Moskau und Prag schon rechtzeitig dafür gesorgt, daß die militärische Ueberlegenheit auf jeden Fall auch innerhalb aller künftigen Vertragsmöglichkeiten bei Frankreich bleibt. Daß die Beistanbsvereinbarungen gegen den Geist und den Wortlaut der Völkerbundssatzung ebenso verstoßen wie gegen alle wahrhaften Kollektiv-Abmachungen auf der Grundlage echter Gleichberechtigung, sei des Ueberdrusses halber in diesem Zusammenhang nur am Rande erwähnt. Deutschland will aber eine Außenpolitik der realen Gegebenheiten um des Friedens willen treiben, und ist entschlossen, die Tatsache dieser gefährlichen Hilfsverttäge ebenso in Rechnung zu stellen, wie es sich durch den Mund des Führers erneut zu den Ab- machungen von Locarno bekannt hat. Man versteht bei uns freilich nicht, aus welchem Grunde die Ausführungen des Reichskanzlers über die entmilitari- Verschärfung der Jinanzkrisis in Frankreich. Flandms Kamps um die Ermächtigung. Undurchsichtige Lage in der Kammer. Der Riß für oder gegen eine Frankenabwertung geht durch fast alle Parteien. Luftwege von Le Vourget nach Croydon befördert worden. Selbst private Fahrgäste hätten Goldmünzen und goldene Schmuck- sachenin ihrem Gepäck mit sich geführt. Der Postdampfer von Voutogne nach Folkestone habe eine Goldladung im Werte von einer halben Million Pfund gebracht. An Bord hätten sich Hunderte von Franzosen befunden, die eigens nach England gefahren feien, um ihre Frank en in Sterling umzutau sch en. Mehrere in den nächsten Tagen nach den Vereinigten Staaten fahrende Dampfer würden ebenfalls große Ladungen französischen Goldes an Bord haben. Die erste dieser Goldfendungen werde mit dem neuen französischen Riefendampfer „Normandie" erfolgen, der heute feine Jungfernreife nach Neuyork antreten werde. Goldbestände der Bank von Frankreich verringert. Die Goldabflüsse vom 1. bis 17. Mai hätten 1 Milliarde betragen. Sie seien vom 17. bis 24. Mai auf mehr als 3 Milliarden Franken gestiegen. Auf wirtschaftlichem Gebiete sei keinerlei Beunruhigung gerechtfertigt. Der Monat April weise ein leichtes Anziehen der Großhandelspreise und eine fühlbare Abnahme der Vorratsläger auf. Auch die industrielle Tätigkeit werde durch eine leichte Ankurbelung gekennzeichnet. Die Arbeitslosigkeit gehe zurück. Wegen der Währnngslage fei jegliche Beunruhigung unangebracht gewesen, da der Franken mit 80 v. H. Gold gedeckt bleibe. Allerdings sei der Haushaltsfehlbetrag trotz vierjähriger Bemühungen nicht beseitigt worden. Ein über so mannigfache Hilfsquellen verfügendes Land wie Frankreich werde jedoch einen Fehlbetrag von einigen Milliarden Franken ohne weiteres tragen können. Obwohl von gewisser Seite eine Abwertung der Währung vorgeschlagen werde, so bleibe die Regierung doch überzeugt, daß eine solche Maßnahme keine Lösung bedeute. Die Anhänger der Abwertung rechneten mit einer Nominalhausse der Kurse auf dem Jnlanbmarkt, woraus sich zum Nutzen des Schatzamtes reichere Steuereingänge ergeben würden. Die Erhöhung des Preisstandes und die Verteuerung der Lebenshaltungskosten würden sich nach ihrer Ansicht zugunsten der Schuldner, besonders des Staates, auswirken, dessen Schuldenlast damit fühlbar erleichtert werden könnte. Die Abwertung würde jedoch zu einer allgemeinen Verarmung bei einer Nation führen, die, wie Frankreich, 20 Millionen Sparkasseneinleger, 7 Millionen an Renten- und Obligationsbesitzern und 8 Millionen an Sozialversicherten zähle, ganz zu schweigen von all denen, deren einzige Existenzmittel in Löhnen, Gehältern und Pensionen bestehe. Im Lande des Rentnertums herrscht Alarmstimmung. Von allen Seiten stürmen die Verbände und Organisationen der Wirtschaft und Politik auf die Regierung Flandin ein, um je nach ihren Interessen die Abwertung oder die Behauptung des gegenwärtigen Franke n k u r s e s zu verlangen. Dabei handelt es sich augenblicklich in Frankreich nicht so sehr um die Frage, ob der Frank technisch auf feiner gegenwärtigen Höhe gehalten werden kann oder nicht, sondern es steht die viel brennendere Frage im Vordergrund, wie es möglich ist, 'bie Staats- f i n a n 3 e n , den öffentlichen Haushalt, in Ordnung zu bringen. Mit Recht hat deshalb das Kabi- net in feiner letzten Verlautbarung darauf hingewiesen, daß kein einziger Faktor der gegenwärtigen Lage technisch den Stand der Währung gefährden könne, und als eine Bestätigung dieser festen Haltung der Regierung in der Währungsfrage wurde am gleichen Tage von der Bank von Frankreich eine abermalige Erhöhung des Diskontsatzes von 4 auf 6 v. H. beschlossen. Frankreich kann die Angriffe der Spekulation, mag sie aus dem Auslande ober aus Frankreich selbst kommen, noch lange Zeit abwehren, denn es besitzt noch heute einen Goldschatz von 80 Milliarden und kann die ausgegebenen Banknoten damit zu 80 v. H. decken. Gegenüber diesen Zahlen erscheint es unwesentlich und braucht nur als Symptom des jetzigen Krisenzustandes genommen zu werben, baß die Pariser Sparkassen in ben letzten fünf Tagen 9 Millionen Franken auszahlen mußten unb die Bank von Frankreich am letzten Montag zur Abgabe von 1,1 Milliarden Franken Gold gezwungen wurde. „ Diese Ueberlegung entbindet bie Regierung Flan- bin aber nicht von ber Aufgabe, endlich den Staatshaushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Hier aber fetzt bie größere Schwierigkeit ein, die der Nachfolger Doumergues auf dem Posten bes französischen Ministerprädenten als drückendes Erbe einer rüstungsfreudigen Vergangenheit übernommen hat. Die Abgeordneten der Kammer wären angesichts der im nächsten Jahr bevorstehenden Wahlen, bei denen sie ihre Politik gegenüber ber Bevölkerung oerteibigen müf- fen, schon froh, wenn ihnen eine mitbesonde- ren Vollmachten ausgc ftattete Regierung die Verantwortung für die Sanierung ber französischen Finanzen abnehmen würde. Aber sie befürchten nicht zu Unrecht, daß die Wähler, die doch so ober so bie Kosten ber Sanierunfl tragen müssen, z u ben Parteien abwan - b e r n, bie jetzt g e g e n bie Übertragung besondrer Vollmachten an bas Kabinett Flandin opponieren. So hat benn bereits wieder ein reger Kuhhandel hinter den Kulissen eingesetzt unb so fest bas Kabinett entschlossen ist, den jetzigen Währungs- st a n b zu verteidigen, so wenig scheint unter seinen Mitgliedern Einigkeit darüber zck bestehen, wie dem' drohenden Zusammenbruch der f r a n- zösischenStaatsfinanzenzu begegnen ist. Die Rentner protestieren gegen eine allgemeine Abwertung, die Kriegsteilnehmer protestieren gegen die Kürzung ber Pensionen, die Beamten protestieren gegen ben Plan einer Vermin- berung ber Beamtenschaft, niemand findet sich bereit, bie Bezahlung bes Haushaltsbefizits zu übernehmen. So schwankt Flanbin zwischen Skylla unb Charybbis, und es besteht wenig Aussicht, baß ein verantwortlicher Mann in Frankreich nach bem Rettungsanker greifen wirb, ber sich in einer politischen Verständi- gung mit Deutschland (unb damit einer Verminbe- runng ber Rüstungsausqaben) sowie in einem energischen Schritt zur Weltstabilisierung der Währun- gen darbietet. Trotz Diskonterhöhung geht die Spekulation weiter. Paris, 28. Mai (DNB.) Die Bank von Frankreich hat beschlossen, ihren Diskont- satz von 4 auf 6 v. H. heraufzusetzen. Trotzdem scheint bie Spekulation gegen ben Franken in unoerminberter Stärke anzuhalten. Die Finanzzeitschrift „Capital" schreibt, bie Manöver gegen ben Franken hätten ihren Ausbruck gefunben m einer verstärkten Nachfrage nach Devisen unb in entfprechenben Kurserhöhungen, im Ankauf von Devisen unb im Ankauf von Golbmünzen mit außerordentlichem Aufgelb unb in größerer Nachfrage nach auslänbischen Effekten. Nicht nur bas Ausland spekuliere gegen den Franken, sondern auch in Frankreich selbst seien heftige Angriffe auf ben Franken zu bemerken. Die närrisch geworbenen Gelbbesitzer stürzten sich auf bie sogenannten sicheren Werte. Die Nervosität über eine mögliche Frankenabwertung beginne auch bie kleinen Sparer in Bewegung zu bringen. Die Sparkassen von Paris haben in ber Zeit vom 20. bis 25. Mai viele Millionen Franken auszahlen müssen. Am Montag hat für 1,1 Milliarben Franken Golb bie Bank von Frankreich verlassen. Als Gegenwart erhalte bie Bank Papiergelb, bas somit ber Spekulation unb ber wirtschaftlichen Betätigung entzogen werbe. Die Goldflucht hält an. London, 29. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die englische Presse meldet, daß am Dienstag eine panikartige Goldflucht von Frankreich nach England stattgefunden habe. Im Laufe des Tages feien 5 Tonnen Barren Gold im Werte von 1250000 Pfund Sterling auf dem Paris, 28. Mai. (DNB.) Die Kammer trat Dienstag nachmittag zur Entgegennahme ber Erklärung zusammen, in ber bie Regierung beson - bere Vollmachten zur Behebung ber Finanz- unb Wirtschaftskrise beantragte. Finanzminister Germain-Martin begrünbete seine Vorlage. Die Sozialisten unb Kommunisten protestierten be- sonbers laut, als ber Finanzminister erklärte, ber Golbabsluß ber Bank von Frankreich habe befonbers stark nach ben Gemeinbe - ratswahlen eingesetzt, bie einen Sieg ber äußersten Linken gebracht hätten. Die Rebe bes Finanzministers würbe äußerst kühl ausgenommen. Als einziger Rebner antwortete ber Führer ber Altsozialisten Leon Blum. Er erklärte, wenn bie Abwertung notroenbig werben sollte, müsse bie Kammer barüber Beschluß fassen können. Die Regierung bürfe nicht unter bem Druck ber internationalen Hochfinanz von sich aus eine Entscheibung fällen. Hierauf würbe bie Vorlage ber Regierung bem Finanzausschuß ber Kammer überwiesen, ber Mittwoch barüber berät. Die Fortsetzung ber Aussprache ist auf Donnerstag, 15 Uhr, anberaumt worben. Der Gesetzentwurf besteht aus einem einzigen Artikel folgenden Wortlauts: „Senat unb Abgeordnetenkammer übertragen ber Regierung bie Befugnis, bis zum 31. Dezember 1935 alle Maßnahmen mit Gesetzeskraft zu treffen, bie geeignet finb, bie Sanierung ber öffentlichen Finanzen, bie Wieberbeleb u n g ber Wirtschaftstätigkeit, die Verteidigung des öffentlichen Kredites unb bie Aufrechterhaltung ber Währung zu verwirklichen. Diese vom Ministerrat zu erlassenben Verorbnungen werben ben Kammern vor bem 31. Juli 1936 zur Ratifizierung unterbreitet werben." In ber Begründung des Gesetzentwurfes wird die Lage als s o e r n ft bezeichnet, daß sofortige Maßnahmen erforderlich seien. Seit zwei Wochen habe eine Folge von Ereignissen die Paris, 29. Mai. (DNB.) Die große Verwir- rung, die in der öffentlichen Meinung durch die Erörterung der Vorzüge unb Nachteile einer Abwertung entstauben ist, wirkt sich zum Schaben bes Ermächtigungs - Antrages ber R e - g i e r u n g aus. Die bange Frage, was benn burch einen Regierungssturz praktisch erreicht wäre, bringt wenig burch. Ebenso unübersehbar ist aber bie Drohung, bie Flanbin in Reserve hat, mit einem freiwilligen Rücktritt ber Regierung, burch ben er ben Gegnern ber Regierung im Parlament bie ganze Verantwortung für bie fern- menben Ereignisse aufbürben unb sie bem Zorn ber öffentlichen Meinung ausliefern könnte. Der Spitzenoerdanb ber französischen Er - z e u g e r, ber über 30 Einzelverbänbe aller wirtschaftlichen Zweige umfaßt, kommt ber bie Währung oerteibigenben Regierung mit einer Entschließung zu Hilfe. Er spricht sich barin gegen jebe Abwertung bes Franken aus, branbmarft die schlechte Finanzlage bes Staates unb verlangt Einsparung en , um enblich bie Ausgaben bes Staates mit ber Höhe seiner Einnahmen in Einklang zu bringen. Eine ber Zeitungen, bie bie Regierung Flanbin am entschiebensten unterstützen, ber „Petit P a - r i s i e n", schreibt, wenn man ein Ministerium stürzen wolle, müsse man vorher wissen, welche Kombination seine Nachfolge antreten solle. Der sachliche Beobachter habe aber auf ber Dienstag-Sitzung ber Kammer ben Ein- brück mitgenommen, baß man bort rein aus Zerstörungsfreude etwas zerschlagen wolle. In Kriegszeiten hätte man zur Not noch Ministerien stürzen können, benn bie militärischen Führer hätten ttotzbem ben Kampf fortgesetzt. In Friebenszeiten leiteten aber bie Regierungsmänner selbst bie Operationen. Zahlreiche Abgeordnete unb bie ungeheure Mehrheit ber Senatoren seien ber Ansicht, baß Flanbin mit Unterstützung von Herriot boch in ber Lage sein müßte, bie Gegenströmung zu überroinben, bie bem Kabinett unzwei- fierte Zone unb bie ungerechtfertigten Truppenzu- sammenziehungen an ber französischen Ostgrenze in Paris Aufregung verursacht haben. In jebem ßanbe mit national geschärftem Volksgewissen wirb man Bestimmungen wie bie über bas Rheinland als Dis- friminierung empfinben. Unb man wirb überall Truppenzusammenziehungen in einem lückenlosen Festungsgürtel, ber mit ben erdenklichsten Waffen ber Verteibigungs- unb Angriffstechnik ausgestattet ist, als unmittelbare Bebrohung an- sprechen. t In bem konkreten Falle liegen die Dmae jedoch so, daß ber Reichskanzler trotz dieser sehr emst- zunehmenden Hinweise das Dertvagsinstrument von Locarno ausdrücklich noch einmal anerkannt hat. Frankreich ist also nun nicht nur durch fein starkes Heer unb ein raffiniertes Festungssystem, auch nicht nur burch sein mefc von halb Europa umspannenden Militärvereinbarungen geschützt, sondern auch ganz besonders durch die entmilitarisierte Zone unb vor allem burch das erneut gegebene Wort Abolf Hitlers. Deutlicher läßt sich ber feste Wille, mit bem Nachbarn innerhalb ber bestehenden Grenzen in Frieben zu leben, schlechthin nicht be- kunben. Vollständiger kann man auch die Sicherheit Frankreichs nicht mehr garantieren. Unb wenn man in Paris bie beutschen Rüstungsforberungen amt ihrer logischen Begründung als „etwas langweilig" empfindet, so darf man uns nicht verargen, daß es uns mit dem permanenten Schrei Frankreichs nach Sicherheit mindestens ebenso geht. Es wird für Paris Zeit, nach einer neuen außenpolitischen Parole Ausschau zu halten; die alte ist abgenutzt unb seit dem 21. Mai endgültig erledigt. Was hat Frankreich auf bie Rede des Reichskanzlers zu antworten, welchen Beitrag hat es f’"r ben Frieben bes gequälten Kontinents zu leisten? Deutschlanb hat burch ben Munb seines Führers ein praktisch burchführbares Programm präsentiert, bas keiner Nation unmöaliche Zumutungen stellt wie seinerzeit das französisch-sowjettussische Ostpakt- Ansinnen an Deutschland. Es ist nun Sache Frankreichs, sich dazu zu äußern. Die Politik der verpaßten Gelegenheiten, die Frankreich seit bem brutalen „Nein" Barthous vom 17. April 1934 getrieben hat, war für Europa unheilvoll. Ist man in Paris heute innerlich frei genug, einen ebenso ernsthaften Beittag zur Beseittgung der europä- ischen Spannungen beizusteuern wie Deutschlanb? Ober wirb man sich roieber einmal, um einer raschen Antwort überhoben zu sein, eine inner- politische Krise leisten? felhaft feindlich fei. Flandin fei ein Fachmann in Finanz- und Haushaltsfragen; er fei der richtige Mann am richtigen Platze und deshalb müßte der Politik mehr denn je der Vortritt gelassen werden. Wenn sich die Kammer für die Abwertung ausspräche, wäre das der Triumph der Spekulanten, die Lösung der Faulheit, ein Behelfsmittel aber kein Heilmittel Der „Excelsior" bemerkt, außer der Republikani- scheu Vereinigung seien alle Fraktionen geteilter Ansicht ober entschieden gegen das Ermächtigungsgesetz. Die Beweggründe, die H e r r i o t geltend gemacht habe, hätten die Widerstände der in ihrer Mehrheit ablehnend eingestellten Radikalsozialisten nicht überwinden können. Der „Matin" erklärt, am Dienstag habe in der Kammer d i e übel st e Sti mmun a geherrscht, eine Miesmacherstimmung, eine Stimmung der kleinen Politik, eine Stimmung der Verständnislosigkeit. Sicher könne man aber Voraussagen, daß die Kammer gezwungen sein werde, die Vollmachten zu bewilligen. Entweder werde sie sie sofort der jetzigen Regierung zugestehen, dann werde keine Abwertung erfolgen, ober sie werbe sie einer anberen Regierung bewilligen, wenn es zu spät sein werbe. Ungarn fordert Gleichberechtigung. Gömbös über die Grundlinien der ungarischen Außenpolitik. B u b a p e st, 28. Mai. (DNB.) Das Abgeordnetenhaus nahm den Haushalt des Kriegsministe- riums an. Ministerpräsident G ö m b ö s betonte, daß die Durchsetzung der Gleichberechtigung für Ungarn eine der wichtigsten Fragen fei. Die Generation, die alle Greuel des Krieges kenne, wisie sehr wohl, daß es ihre Pflicht fei, alles zu zu tun, um einen neuen Krieg zu verhindern Aber die abgerüsteten Nationen feien eine Gefahr für den Frieden Europas, da die ausgerüsteten Staaten in ihnen immer eine leichte Beute sehen würden. Ohne Gleichberechtigung sei kein dauernder Friede möglich. Ungarn vertraue a u f d i e Gerechtigkeit des Völkerbundes. Denn es wäre ihm sehr peinlich, wenn es zu willkürlichen Mitteln greifen müßte. Es fordere die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht mit höchstens zweijähriger Dienstzeit, eine gleiche Aufrüstungsmöglichkeit wie die Kleine Entente, ferner die Zulassung von Luftabwehr- und L u f t k a m p f m i t- fein für das ungarische Heer. Selbst dann würde Ungarn noch immer eine kleinere Wehrmacht haben als der kleinste Staat der Kleinen Entente. Die evfte positive Richtung der ungarischen Außenpolitik sei die italienische gewesen. Der römische Pakt habe sich nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch bewährt. Er sei der erste gewesen, welcher versucht habe, der europäischen Politik reale Grundlagen zu geben. Wenn die Verhandlungen über eine Friedensordnung in Europa die Stabilisieruna der gegenwärtigen Lage nicht auf Grund der Ungerechtigkeit, sondern der Gerechtigkeit zum Ziele hätten, so würde auch Ungarn gern teilnehmen. Sollte es sich aber darum handeln, daß das französische Mächtesystem bekräftigt und die Ungerechtigkeiten der Friedensverträge verewigt würden, bann könne kein ungarischer Staatsmann an diesen Verhandlungen teilnehmen Es würde im Interesse ganz Europas liegen, wenn die Vertreter der großen Nationen sich über die Frage der Unabhängigkeit Oesterreichs einigen würden. Die Königsfrage fei nicht aktuell. Er fühle sich solidarisch mit Oesterreich und Italien und hege Sympathie Deutschland gegenüber Es wäre töricht, die eine ober anbere biefer Freunbschaften zu vernachlässigen. Die Regierung befolge eine lebialich den Interessen Ungarns bienende Außenpolitik. Seit dem Abschluß der römischen Abkommen seien große Züge auf dem politischen Schachbrett Europa erfolgt, in deren Mittelpunkt Deutschland stehe. Die Welt werde das große Verdienst Deutschlands anerkennen, daß es der Verbreitung des Bolschewismus Einhalt geboten habe. Die ungarische Politik könne man sich kaum anders vorstellen, als daß sie die großen deutschen Kräfte immer verstehe und berücksichtige. Ungarn vertraue darauf, daß es die Gelegenheit haben werde, auf der Donaukonferenz seine gerechte Forderung auf Gleichberechtigung mit Erfolg vertreten zu können. Er glaube, baß bie ver- schiebenen politischen Pläne zu ber Linie Warschau — Wien — B u b a p e st — Rom führen würben, bie vielleicht durch Berlin ergänzt werbe. Diese Linie könnte das Gleichgewicht und den Frieden sichern Der Ersah der Wehrmacht. Berlin, 28. Mai. (DNB.) Der Ersatzbedarf der Wehrmacht auf Grund ber allgemeinen Wehrpflicht wirb in Zukunft nach bem territoria» len Prinzip gebecft, b. h. die Wehrkreiskommandos erhalten ihren Ersatz vornehmlich aus dem eigenen Wehrkreis zugewiesen. Diese Regelung ist für Ostpreußen, das von dem Mutterland abgeschnitten und nur auf seine eigenen Kräfte angewiesen ist, besonders wichtig, aber auch schwierig, da die Provinz nur dünn besiedelt ist. Der Reichskriegsminister hat es daher für notwendig gehalten, bie Wehrpflicht für die Bewohner Ostpreußens bis zum 55. L e - bensjahr zu verlängern und außerdem zur Erfüllung der aktiven Dienstpflicht im Jahre 1935/36 noch einen zweiten Jahrgang, den Jahrgang 1910, heranzuzieyen. Es ist beahsichtiat, in den folgenden Jahren mit dem Jahrgang 1915 den Jahrgang 1911, mit dem Jahrgang 1916 den Jahrgang 1912, mit dem Jahrgang 1917 den Jahrgang 1913 einzuziehen. Reichsminister Rust spricht zu den Studentenschastsführern. Berlin, 28. Mai. (DNB.) Die Stuben- tenschaftsführer ber Universitäten, Technischen Hochschulen unb Hochschulen für Lehrerbildung traten am Dienstag, den 28. Mai, zu einer Arbeitstagung im Reichswiffen- fchaftsministerium zusammen. In eingehenden Beratungen mit den Referenten der Hochschulabteilung wurden die schwebenden Stu- dentenschastsfragen besprochen. Im Verlaufe der Tagung nahm Reichsminister R u ft Gelegenheit, die Studentenschaftsführer in seinem Ministerium persönlich willkommen zu heißen. Der Minister schilderte, — wiederholt von stürmischem Beifall unterbrochen — die Entwicklung ber Studentenschaftsfrage feit der Machtergreifung und entwickelte dann eingehend den heutigen Aufgaben- und Zuständigkeits- kreis ber Deutschen Studentenschaft Das endgültige Programm zum Gautag Heffen-Aassau in Darmstadt am 1. und 2. Juni. Samstag, den IJunL Don 17.30 bis 19.30 Uhr finden folgende Tagungen statt: _ , Hoheitsträger: Städtischer Saalbau, Saal- baustraße. Leitung: der Stellvertreter des Gauleiters, Pg. Reiner. Es sprechen (Bauleiter Sprenger und Reichsorganisationsleiter pg. Frauendorfer. Propagandaleiter: Großes Haus (Landestheater). Leitung: Gauamtsleiter Pg. Mülle r • Scheid — Zum Abschluß „Schach dem Zaren . Eine Stunde weltgeschichtlicher Entscheidung. Dra- matische Szene von Wilhelm Müller-Scheid. Aufgeführt von Künstlern des Hess. Landestheaters. NSV.: Turnhalle, Woogsplatz. Leitung: Gauamtsleiter Pg Haug. Es spricht Gauleiter Sprenger. Wirtschaftsberater: Rummelbrau, Rhein- straße. Leitung: Gauamtsleiter Pg. Eckart. Amt für Beamte: Kleines Haus (Theater). Leitung: Gauamtsleiter Pg. Kremmer. Amt für Technik: Fürstensaal, Grafenstraße. Leitung: Gauamtsleiter Pg. Schönbein.. NS. Studentenbund: Concordiasaal, Mackensenstr. Leitung: Gauamtsleiter Pg. Walcher. Rassenpolitisches Amt: Gasthaus zur Krone, Schustergasse. Leitung: Gauamtsleiter Pg. Kranz. Es spricht Reichsamtsleiter Pg. Groß. Amt für Erzieher: Turnhalle Bessungen, Heidelberger Straße. Leitung: Gauamtsleiter Pg. Ringshausen. Kassenleiter: Reichshof, Rheinstraße. Leitung: Gauamtsleiter Pg. E ck. Parteirichter: 19.30 Uhr, Hauptbahnhof, Wartesaal 1. und 2. Klasse. Leitung: Gaurichter Pg. von Lyncker. N S K O V.: Haus der Arbeit, Bismarkstraße 19 (nicht wie im Programm vermerkt: Kronenbräu- fetter, Dieburger Straße). Leitung: Gauamtsleiter Pg. Ziegler. Es spricht Reichsamtsleiter Pg. Oberlindober. Die alte Garde: Treffpunkt: „Alte Post". Am weißen Turm, (Desch). (Nicht wie im Programm angegeben Ratskeller.) Leitung: Pg. G i m b e l. Sonntag, den 2.3uni. 7.00— 9.00 Uhr: Turn- und Spielbewegung der HI. auf dem Polizeisportplatz Darmstadt. 8.00— 9.00 Uhr: Tagung ber Betriebszellenobmänner, Vertrauensmänner unb Betriebsführer (Festhatte). Leitung: Lan- besobmann Pg. Willi Becker. 9.30—10.30 Uhr: Es tagen in der Fest- halle: die Gauamtsleiter, bie Kreisleiter, bie Kreisamtsleiter, bie Ortsgruppen- unb Stützpunktleiter. Von ber DAF. und KdF. bie Amtswalter unb Warte bes Gaues unb ber Kreise. SA., SS. unb NSKK. vom Sturmführer an und HI. vom Gefolgschaftsführer an aufwärts, sowie Vertreter des Arbeitsdienstes. Es sprechen u. a. Reichsorganisationsleiter Pg. Dr. Ley unb Gauleiter Sprenger. 11.00—12.00 Uhr: Großkunbgedung auf bem Festhattenaelänbe. 12.30—14.30 Uhr: Massenverpflegung burch ben Hilfszug Bayern auf verschiedenen Plätzen. 15.00 Uhr: Vorbeimarsch (wird abge» nommen in der Rheinstraße in Höhe bes Hauses der Kreisleitung). Auf den Tagungen werden u. a. sprechen: Reichsorganisationsleiter Pg. Dr. Ley, Gauleiter Sprenger, Reichsamtsleiter Pg. Frauendorfer und Reichsamtsleiter Pg. O d e r l i n d - ober. Programm des Volksfestes. Samstag, den I.Juni. Veranstaltet von ber NSG. „Kraft burch Freude". Eintritt frei, nur für Träger bes Gautagabzeichens. 20.30 Uhr: Paradeplatz: Programm: Aus- gewählte Chöre und Musikstücke. Etwa 1000 Sanger, Sprechchöre der HI. und des Arbeitsdienstes und die Gaukapelle Cornelius. Schillerplatz: Programm: Heiteres Volkstum. Mitwirkende: Oberhessische und Odenwälder Trachtengruppen, eine Oppenheimer Küfertanzgruppe, sowie die. bekannten oberhessischen Humoristen Georg Heß, Balser-Backes und eine Kapelle. Marktplatz: Großes Konzert (Militärmusik), ausgeführt von verschiedenen Kapellen, ferner Sprech- und Gesangschöre von Darmstädter und auswärtigen Werken Großer Schloßhof: Allgemeiner Tanz im Freien. Außerdem Gesangs- und Vortragseinlagen von bekannten Künstlern. Kleiner Schloßhof: Fröhlicher Abend im Weindorf. (Der Schloßhof wird zu einem Wem- borf umgestaltet.) Mitwirkenbe: U. a. die lustigen Lanbsknechte Kremer und Merz, der Humorist Balser-Backes, Leni Gehrig (Sopran) und Willy Eichel (Tenor). Samstag- und Sonntagnachmittag findet außer« dem ein Kinderballonwettbewerb statt. Die Polizeistunde ist von Samstag auf Sonntag aufgehoben. Von 2 Uhr nachts bis 7 Uhr früh ist in den Lokalen Alkoholsperre. Frühlingsfest im Schwalbennest Ein heiterer Abend, mit Gesang und Tanz im Orpheum, Darmstadt, Aeußere Ringstraße 98, Samstag, den 1 Juni, abends 20.30 Uhr Mitwirkende: Henny Herze (Sopran), Willi Eichel (Tenor). Das Landes-Sinfonieorchester und das Ballett des Hefsischen Landestheaters, Darmstadt. Zeder Teilnehmer am Ganiag trägt das Gautag - Abzeichen und kaust das ausführliche Programm. Oer Reichsbauernführer eröffnet die zweite Reichsnährstandsschau in Hamburg. Hamburg, 28. Mai (DNB.) Die 2. Reichsnährstands-Ausstellung wurde am Dienstagmittag durch ben Reichsbauernführer R. Walther D a r r 6 in Anwesenheit von runb 100 000 Volksgenossen aus Land und Stadt feierlich eröffnet. Schon mehrere Stunden vor Beginn stauten sich in bem großen Vorführungsraum unb in den Zufahrtsstraßen gewaltige Massen. Man sah Bauern aus allen Teilen des Reiches, darunter viele in ihren traditionellen Trachten. Mundart en aus allen Stammesgebieten Deutschlands klangen einem ins Ohr. Von vielen hundert Masten und von ben Ausstellungshallen unb (Bebäuben leuchteten bie Farben bes neuen Deutschlanbs. Unter ben Klängen bes Präsentiermarsches schritt ber Retchsdauernführer mit Reichsführer SS. Himmler unb Reichsstatthalter Kaufmann bie Front bes SS.-Ehrensturmes ab. Der Finnlän- bische Reitermarsch, gespielt von ber Kapelle ber SS., bilbete ben Auftakt zur Eröffnungsfeier. Nach einer Begrüßungsansprache bes Lanbesbauernfüh- rers v. R h e b e n hieß Reichsstatthalter (Bauleiter Kaufmann ben Reichsbauernführer unb bie hunberttausenb Volksgenossen bes Bauernstandes In Hamburg herzlich willkommen. Der Staatssekretär im Reichsernährungsministerium Racke sprach dann über die gründ- । legenden Fragen der Preis- und Marktordnung. Mchsbauernsührer Darrü trat sodann, stürmisch begrüßt, ans Mikrophon, um u. a. folgendes auszuführen: Auf ben früheren Ausstellungen ber DLG. wurden vor allen Dingen technische Einzellei st ungen auf landwirtschaftlichem Gebiet gezeigt. Die heutigen Ausstellungen bes Reichsnährstanbes finb etwas grundsätzlich a n b e r e 5. Entsprechend ber nationalsozialistischen Auffassung des Bauerntums wird heute die Verbindung von Mensch, Hof unb Volkswirtschaft gezeigt. Sie zeigt ben Bauer nicht nur als Leiter feines Betriebs, fonbern vor allen Dingen als Ernährer unb Erhalter bes brutschen Volkes. Durch die Marktordnung ist dem Bauer bie Sorge um ben Absatz abgenommen. Die Privatinitiative des Bauern kann sich nunmehr auf dem Hofe selbst auswirken. Wer die prächtigen Tiere mit ihren hohen Leistungen, die Saaten unb Züchtungen sieht, wird bie Privatinitiative bes Bauern nicht vermissen, eine Privatinitiative, bie sich nunmehr im volkswirtschaftlich richtigen Sinne auswirkt. Auf bem Gebiete der Pferbezucht gehen mir heute ben Weg, hoben ft änbige Zuchten aufzubauen. Die Erfahrung hat uns gezeigt, baß es wenig Zweck hat, die Tiere, bie für eine Gegend noch so gut sein mögen, in andere Gegenden zu verpflanzen, in ber Hoffnung, dort bas Tier im selben Typ erhalten zu können. Denselben Weg beschreiten wir auf bem Gebiete ber Rindvieh- Haltung. Wir finb ber Auffassung, baß bie Lösung^ bes Fettproblems über ben Weg einer bobenftänbigen Leistungsherbe führen muß Dazu aehört eine gesunde, wirtschaftseigene Futtergrundlage, wie sie bereits in ben letzten Jahren burch stärkeren Silobau usw. gefördert würbe. Die Schweinehaltung wollen wir auf ber wirtschaftseigenen Futterbasis aufbauen. Auch hier ist es bas Ziel, über ben Weg ber Schweinemast bas Fettproblem zu lösen. Bodenständige S ch a f z u ch - t e n sollen dazu beitragen, bie Wollerzeugung auf ein für bie deutschen Verhältnisse höchstes Maß zu bringen. Wir wollen dadurch, daß mir bie Schafe jur Dermertung brachliegender Flächen unb überflüssigen Futters oermenben, eine verbesserte Ausnutzung bes beutschen Bodens herbeiführen. Wir wollen auch ber Geflügelhaltung in bem bäuerlichen Betrieb wieder ben Platz schaffen, ber ihr zukommt. Aehnliche Maßnahmen sind auf bem (Bebiete der Pflanzenzucht getroffen worden. Wir sehen auch hier Sorteneinschränkung und bessere Uebersicht. Durch die Verbesserung der Wirtschaftslage des Bauerntums konnte sich auch ber Bauer wieder der Verbesserung seines Maschinenparkes zuwenden. Die Ausstellung zeigt, baß auch bie Maschinenindustrie gewillt ist, ben Bauern in feinem großen Aufbauwerk zu unterstützen. Alles in »allem wirb diese Ausstellung dem Beschauer bas Bitt) .einer ft e 11 g e n Aufwärtsentwicklung ber deutschen Landwirtschaft zeigen. Bauerntum und Landwirtschaft werden hierbei nicht nur getrieben von ihrem alten sprichwörtlichen Fleiß, sondern auch von bem Pflichtbewußtsein gegenüber bem eigenen Volk. Darüber hinaus aber ist es uns ein besonderes Bedürfnis, mitzuarbeiten an dem gewaltigen Aufbauwerk unferes Führers unb Reichskanzlers Adolf Hitler, dessen aenialer Lebensarbeit mir ausschließlich die Tatsache verdanken, daß wir uns aus einem entsetzlichen wirtschaftlichen Fall wieder emporheben konnten. netiysnayrstanoes. — (Preffe-Bild-Zentrale-M.) . - W $ W W -A.l ck 1 V X' <nor). tt des Anarchie von 60 Staaten, von denen jeder feine Zolltarife bis in die Wolken erhöhe,.jeder bis an die Zähne bewaffnet sei, während der Himmel gleichzeitig durchBombenflugzeuge verdunkelt werde. Wenn die Rüstungen und Allianzen wirksam genug organisiert seien, würde die Entscheidung über die Kriegserklärung den Staatsmänern aus den Händen genommen wer- II || Berlin, 28. Mai. (DNB.) Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hat der Reichsund Preußische Mini st er des Innern ~ ..... i folgender migt: 1. „Zu die Auflösungsbeschlüsse Freimaurerlogen genehv „ den drei Säulen am Weinberg" in Guben, 2. „Zum aufblühenden Baum" in Eisleben, 3. „St. Martin zu den drei goldenen Aehren" in Sauer, 4. „Borussia" in Schneidemühl, 5. „Wilhelm zum gefrönten Anker" in Itzehoe, 6. „Zu den fünf Türmen am Salzquell" in Halle a. d. S., 7. „Zur Beständigkeit und Eintracht" in Aachen, 8. „Zum helleuch- Lenden Stern" in Celle, 9. „Concordia" in Leob- Die ausgereifte Konstruktion und die wahre Wirtschaftlichkeit des meistgekauften deutschen Wagens verbürgen jedem OPEL-Käufer ehrlichen Gegenwert für sein gutes Geld. - Nur OPEL bietet Ihnen in der Vielzahl seiner Typen zu so niedrigem Preis eine Reihe von Vorzügen, die Musterbegriffe für Fahreigenschaften, Fahrsicherheit und Fahrkomfort geworden sind. u.verbi.d.ieh= Pr«bcM«cn. Motorwagen-Verkauisgesellschait m. b. H. « - Teieph.nNr.1s47 $ im Dem. lstigen «Mist Willy Warum nicht alles fordern- es kostet doch nicht mehr! lassen. Aber eine „vernünftige" Grenzemit Sowjetrußland wird und muß immer das Ziel Japans bleiben — die Ideallösung, die vielen japanischen Militärs vorschwebt, ist analog dem Pei- pus-See (Moltke!) der Baikal-See, wohin der Weg aber nur durch die innere bzw. äußere Mongolei führt. Würde es den Japanern gelingen, durch diese Mongolei etwa auf Tschita vorzustoßen, dann wäre damit die Transsibirische Bahn unterbrochen, der Fernost-Armee Blüchers der Lebensfaden durchschnitten und Wladiwostok seinos Nachbeginnt und bis Ur ga zunächst durchgeführt wer- den soll. Diese Eisenbahnlinie, die also in der Praxis bei Wladiwostok beginnt, würde dann wie ein eiserner Reisen das mandschurische „Faß" umspannen, und da von dieser „Einschließungs-Bahn" zahlreiche Stichbahnen in die eigentliche Grenze der Mandschurei führen, ergibt sich für jedes einigermaßen militärisch geschulte Auge das wohlbekannte Kartenbild einer eingeschlossenen Festung. Unter diesen Umständen ist es verständlich, wenn die Russen auf die innerhalb dieser „Festung" gelegene Strecke der Nordmanschurischen Bahn Verhältnis- mäßig leichten Herzens Verzicht geleistet haben, da diese Bahn in der Praxis doch jede Bedeutung rischen Bahn, der Festung Wladiwostok und der nörolichen Hälfte von Sachalin das Jahr 1935 bezeichnet. Der erste Teil dieses japanischen Programms ist pünktlich innegehalten worden, auch in Sachen Sachalin ist kürzlich der japanische Gouver- neur angewiesen worden, eine genaue Nachprüfung der Nordgrenze vorzunehmen, die seinerzeit (russischjapanischer Krieg) angeblich zu Japans Ungunsten zwei Kilometer zu weit südlich gezogen worden ist. Eine Verschiebung dieser Grenze nach Norden um die gleiche Strecke sei erforderlich —- wahrscheinlich, weil gerade dort besonders ergiebige Oel- quellen festaestellt sind. Damit ist also — ganz vrogrammätziä — letzt auch Sachalin in das Blickfeld des Tagesinteresses gerückt worden. China gar fein Verlangen danach trägt, aus dem Regen in die Traufe, das heißt aus der europäischen unter japanische Kontrolle zu geraten, ist so selbstverständlich, daß man eigentlich kein Wort darüber zu verlieren braucht, daß aber nochmals im Anschluß an die Studienreise des Generalmajors Doihara erneut festzustellen, erscheint um so nötiger, weil auch im Fernen Osten unverantwortliche Der- ständigungstheoretiker Illusionen erzeugt Haven, die keiner Belastungprobe standhalten. Japan wird also wie bisher mit aller Kraft seine mandschurische Stellung weiter ausbauen, zumal wohl kaum damit zu rechnen ist, daß die Russen nach dem soeben abgeschlossenem Verkauf der Nordmandschurischen Eisenbahn den Japanern noch weitere Konzessionen machen werden. Im Gegenteil: es hat den Anschein, als ob sie alles versuchen würden, die Scharte sobald als möglich wieder auszuwetzen! Denn der Verkauf dieser Bahn an Japan erfolgte unter einem gewissen tatsächlichen oder eingebildeten Zwang: der Verkauf kam nur des- wegen so überstürzt zustande, weil sich Rußland an seiner Westgrenze bedroht fühlte und sich durch Ausschaltung aller Konfliktsmöglichkeiten mit Japan den Rücken im Osten sichern wollte. Zwei Meldungen, die kürzlich die Runde durch die fernöstliche Presse gemacht haben, beleuchten in sehr bezeichnender Form diese wiedererwachte russische Aktivität und rechtfertigen damit den Standpunkt des Generalmajors Doihara, alle Anstrengungen auf die weitere Sicherung der Mandschurei zu konzentrieren. Ein Blick auf die Karte sagt alles erforderliche: die Mandschurei erscheint darauf wie ein in den Festlandskörper hineingetriebener Keil, der — abgesehen von der kurzen koreanischen Grenze — lückenlos vom russischen Fern- Ost - G e b i e t, der Domäne des sagenhaften General Blücher, umklammert wird. Diese Umklammerung beginnt bei Wladiwostok, folgt dem Laus des Amur und endet an der nördlichen Grenze der „Aeußeren Mongolei". Nun soll General B l ü - ehe r als Oberkommandierender in Sibirien soeben mit dem General Teh-Much, dem mongolischen Militärführer in der äußeren Mongolei, e i n Bündnis abgeschlossen haben, dessen 7 Paragraphen außerordentlich bedeutsam sind. Danach erhält die Mongolei von Rußland ein zinsloses Darlehen von 10 Millionen Rubel, außerdem wird mit 20 Fluazeugen eine wöchentlich viermal beflogene Linie Tschita — Urga (Hauptstadt der äußeren Mongolei) eingerichtet. Dafür verpflichtet sich General Teh-Much seine Truppen nach russische mMu st er auszubilden, der kommunistischen Propaganda keine Hindernisie in den Weg zu legen und — was das wichtigste ist — den russischen Truppen freien Durchzug durch die Aeußere Mongolei zu gewähren. Das heißt also mit an» deren Worten: die „Jnteressen-Sphäre" des Generals Blücher wird noch weiter nach Süden ausgedehnt und damit die sowjetrussische Umklammerung der Mandschurei noch wirksamer! Gleichzeitig — und das spricht für die Richtigkeit dieser Meldung — kommt die Nachricht vom Beginn des Baues einer s o w j e t r u s s i s ch e n Eisenbahn linie, die ebenfalls bei Tschita OPE Preise der Typen mit .Opel Synchron-Federung. von RM 2850.- an ab Werk. schütz. Infolge Sinkens der Mitgliederzahl unter 7 find folgende Freimaurerlogen auf gc • l ö ft worden: 1. „Zum Wegweiser" in Löwenberg in Schlesien, 2. „Zum helleuchtenden Stern" in Celle, 3. „Wilhelm zur deutschen Eiche" in Ohlau, 4. „Otto zum aufgehenden Licht" in Pyritz. Außerdem hat die Loge „Zum Anker" E. V. in Barth (Pommern) ihre Auslosung angezeigt. Durch Erlaß vom 8. Januar 1934 hat Ministerpräsident Goring ein vereinfachtes Verfahren zur freiwilligen Auslosung der örtlichen Logen der drei großen Landeslogen in Preußen angeordnet. In der Erkenntnis, daß bei der durch die nationalsozialistische Bewegung geschaffenen Einheit des deutschen Volkes keinerlei Bedürfnis für die Erhaltung der Logen besteht, haben verschiedene örtliche Logen bereits von diesem vereinfachten Verfahren der Selbstauslösung Gebrauch gemacht. piscators Vermögen dem Reich verfallen. Berlin, 28. Mai. (DNB.) Im Reichsanzeiger wird eine Bekanntmachung des Reichsministers des Innern veröffentlicht, nach der das beschlagnahmte Vermögen des ehemaligen Reichsangehörigen Ermin P i s c a t o r gemäß § 2 Abs. 1 des Gesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit vom 14. Juli 1933 als dem Reiche verfallen erklärt wird. Bei Pisca- tor handelt es sich um den kommunistischen Regisseur, der in der Systemzeit an großen Berttner Bühnen wirken durfte und den Kunstbolschewismus in krassester Form vertrat. Tradition der elsaß-lothringischen Frontsoldaten. In Frankfurt a. M. feierte dieser Tage die Ortsgruppe Straßburg des NSDFB. (Stahlhelm) ihr zehnjähriges Bestehen. Am 10. Mai 1925 erlebte Frankfurt seinen ersten Stahlhelmtag. Die O.-G. Straßburg des Stahlhelm, BdF. wurde aus Kameraden gebildet, die in Elsaß-Lothringen geboren waren, sich längere Zeit dort aufgehalten oder ihrer Dienstpflicht genügt hatten. Der Zweck der neuen O.-G. war, neben der Erfüllung der allgemeinen Aufgaben des Stahlhelm die Erinnerung an das verlorene stammesdeutsche Land zwischen dem Rhein und den Vogesen zu pflegen. Die Fahne war eine Nachbildung des Kampsbanners, das in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges einer aus Jnnungshandwerkern gebildeten Abteilung der zur Abwehr feindlicher Angriffe errichteten Bürgerwehr gehörte. Zur Zehnjahresfeier waren die vier Frankfurter Stadtkreise des NSDFB. (Stahlhelm) und Ortsgruppen aus dem Gau Rhön-Kinzig, dem Kreise Wetterau erschienen, ferner die Ortsgruppen Vilbel, Offenbach und Darmstadt mit mehreren tausend Kameraden und 30 Fahnen. Mit einer Gedenk» feier für die im Weltkriege gefallenen Dozenten und Studenten der Straßburger Universität in der Ehrenhalle der Hochschule wurde der Tag eingeleitet. Am Nachmittag vereinigte man sich zu einer religiösen Weihefeier auf dem Hose des Stahlhelm-Hauses. Bei der sich anschließenden Ge- öenffeier hielt Dr. Fritz B r o n n e r , ein ober- elspottü' Staats« int*1 : MS« t Welt« arft die mb von gestürzt- m * tonnten ürbie Sisinara ni S"S >°s- ittelborer flen' »ten ul«""- T den und dem Zufall ober Verrückten und Feiglingen überlassen bleiben. Die neue Theorie der kollektiven Sicherheit sei hiergegen kein Heilmittel. Es handle sich hierbei nur um einen in gefährlicher Weise irreführenden Namen für eine militärische Allianz, die die Wirkung habe, jeden örtlichen Streitfall in Ser mongolische Schlüssel Von unserem ständigen HT «Äerichierstaiier. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Chardin, Mai 1935. Generalmajor Doihara, Chef der japanischen Militärmission in Mukden, ist soeben von einer zweimonatigen Studienreise durch China nach feinem mandschurischen Hauptquartier zurückgekehrt. Das Ergebnis feiner chinesischen Eindrücke und Beobachtungen läßt sich auf eine ganz kurze knappe Formel bringen: Unmöglichkeit, in absehbarer Zeit eine chinesisch-japanische „Verständigung" herbeizu- führen, infolgedessen mit verdoppelter Kraft Ausbau der mandschurischen Festlands- Position des Jnselreickes, um gegen alle Möglichkeiten gesichert und geschützt zu sein. Diese Erklärungen des japanischen Missionschefs kommen nicht überraschend: Japan hat sicherlich den aufrichtigen Wunsch, sich mit China zu „verständigen". Leider oder erklärlicherweise legen aber beide Nationen den Begriff „Verständigung" ganz verschieden aus. Läßt man alles verwirrende Beiwerk und alle blumigen Redensarten beiseite, so läßt sich das Ziel der japanischen Festlandspolitik auf eine sehr einfache Formel bringen: Japan erstrebt nichts mehr und nichts weniger als durch A u s s ch al- tung aller fremden, das heißt amerikanisch-europäischer, Einflüsse sich s e l b st die führende und allein maßgebende Rolle in China zu sichern! Nur auf diese Weise glaubt Japan seine Vormacht- und Weltmachtstellung im Fernen Osten fundamentieren zu können, ein Ziel, das sich in dieser Form natürlich erst dann erreichen und verwirklichen läßt, wenn ganz China in eine zweite „Mandschurei" verwandelt worden ist. Daß das erwachende In der „News Chronicle" beschäftigt sich Vernon B a r 11 e 11 mit der Frage des Abschlusses eines westeuropäischen Luftpaktes, den er als dringend notwendig bezeichnet. Er empfiehlt möglichst bald mit e r n st l i ch e n Verhandlungen über die Begrenzung der Lust» rüftungen zu beginnen. Bartlett meint dann, er finde keinen Grund zu einem Zweifel, daß irgendwelche wesentlichen britischen Vorschläge in Berlin «bgelehnt würden. Da England erkläre, daß es bedeutend weniger vorbereitet sei, als andere westeuropäische Mächte, würde die Initiative am natürlichsten von England aus gehen. Weiter beschäftigt sich Bartlett mit den Aussichten von Flottenbesprechungen. Er schreibt: „Ich bin fest überzeugt, daß die brittsche Regie- rung niemals eine bessere Gelegenheit als die gegenroärtige haben wird, um ein absurdes Rüstungswettrennen durch offeneVerhandlungenzuverrnindern. Aber wenn die englische Regierung Erfolg haben soll, dann muß sie Hitler als einen Ehrenmann behandeln. Sie sollte alle Bemühungen fallen lassen, Deutschland in den Völkerbund zurückzuzwingen. Nichts hat in der Rede Hitlers die Tür nach Genf zugeschlagen. Aber nichts wird mit größerer Sicherheit Deutschland daran verhindern, diese Tür zu durchschreiten, als wenn das Ausland darauf besteht." Die Gefahren des kollektiven Sicherheitssystems London, 28.Mai. (DNB.) Lord Lothian hielt eine Vorlesung, in der er erklärte, daß das einzige endgültige Heilmittel gegen den Krieg eine Föderation der Nationen sei. Es würde genügen, wenn einige gleichgesinnte Nationen sich bereiterklären würden, ihre Hoheitsrechte in internationalen Angelegenheiten zusammen z u l e g e n. Einer solchen Vereinigung könnten dann andere Nationen beitreten. Heute hingegen bestehe die Tendenz, ein System zu entwickeln, das aus jedem Krieg einen Weltkrieg mache. Es könne so nicht weitergehen mit dieser japanislben Seesieges bei Tsushima, vor 30 Jahren, führte der Chef der japanischen Flotte, Takahashi, aus: Die japanische Marine habe sich schon vor Jahren auf die Krisenzeit vorbereitet, die das Abkommen von Washington und der Londoner Vertrag zur Folge hätten. Japans Flotte sei in den letzten Jahren durch eine harte Schule gegangen, die Opfer an Schiffen, Flugzeugen und Menschen gefordert habe. Der Neid und die Mißgunst der Welt forderten aber die ständige Bereitschaft der Flotte b e ■ sonders gegenüber England und Arne- rika. Diese herben Länder glaubten, daß sie mit dem wachsenden Einfluß Japans aus Oftasien aus- geschaltet würden. Japan jedoch habe nichts gegen einen freien Wettbewerb der Kräfte. Japan fei mit China und Mandfchukuo für den Fried en in Ostafien verantwortlich, wie dies die Vereinigten Staaten von Amerika für diesen Kontinent und die europäischen Staaten für Europa sind. Takahashi forderte die Japaner auf, in der Widerstandskraft nicht nachzulassen, da die Krise er ft bevor stünde. Das ganze japanische Volk müsse sich im Geiste des kaiserlichen Japan auf die kommenden Jahre ein- stellen. Wer wird britischer Außenminister? L o n d o n, 29. Mai. (DNB. Funkspruch.) Im Zu- sammenhang mit der Tatsache, daß der Jndienmini» ster Sir Samuel Hoare am Dienstag vorn König in Audienz empfangen wurde, spricht man jetzt in politischen Kreisen Londons von der Möglichkeit, daß Hoare als Nachfolger Sir John Simons das Außenmini st erium übernehmen werde. Dieses neue Gerücht steht im Widerspruch zu der bisherigen Annahme, daß Lordsiegelbewahrer Eden zum Außenminister im neuen Kabinett Baldwin ausersehen sei. für sie verloren hatte. Es fragt sich nun, wie wird Japan auf diese neue Lage reagieren? Seine militär-strategische „Stellung" ist denkbar ungünstig, die Mandschurei ist „umstellt", wobei die Frage der wirklichen Stärke der beiden präsumptiven Gegner zunächst nebensächlich ist. Also muß Japan versuchen, sich Rü cken- frei h e i t zu verschaffen, d. h. die ihm von ® labt ro o ft o t drohenden Gefahren zu beseitigen. Der Hasen von Wladiwostok ist mit 11 - B o o t e n voll- gestopft, und sehr starkeFlugzeuageschwa- der können ebenso rasch das japanische Festland als die Stadt Chardin, den wichtigsten Eisenbahn- knotenpunkt des Landes und Etappen-Hauptort jedes mandschurischen Feldzuges, erreichen. Japan wird natürlich versuchen, die Frage Wladiwostok zunächst im Guten zu regeln, aber es durfte wohl als völlig ausgeschlossen gelten, daß sich die Russen ö ----- . „ ■ . , n auf dem Wege einer „Barabfindung" — wie beim haben politische japanische Kreise als le tz t e n Verkauf der Ostbahn — vorn Pazifik abdrängen Termin für die Erwerbung der nordrnandschu- Das Urteil im Schallplatten-Prozeß Am 27. Mai entschlief unser lieber Vetter Gießen, den 29. Mai 1935. Verkaufe [3228D Frankfurt. Str., Ecke Klinikstraste. jede Anzahl Knllnnr 2-3 mortotealte NT **ff M-IiMrie sofort Heinr. Münch, CalHmenil Großen-Buseck, Schloßstraße 5. Bahnhofstraße <233 D Herr Theodor Pfaff Die trauernden Hinterbliebenen. Lollar, den 29. Mal 1935. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 30. Mai, nachmitt 2 Uhr statt 3 '28 D KODAK Stevvdeae«! 21nimc; Nenanfertlgung preiswert! 0231! 3206 D ^bleibt Laoei! reinigt alles/ Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unseren innigstgellebten Vater, Bruder, Schwiegervater, Großvater, Schwager und Onkel taddtofet. baiunguf Im Alter von 69 Jahren nach kurzem Leiden zu sich in die Ewigkeit abzurufen. A. Wagner & Sohn WUhtimstr. i, Eckt Frkf. Str. Wolken sind die Mimik des Himmels; erst durch die Wolken erhalten Ihre Landschaftsbilder die rechte Stimmung. Vielleicht sagen Sie: „No schön, wenn die Wolken sich nicht abzeichnen — so wichtig sind sie bei diesem Bilde nicht". Seien Sie nicht so großzügigl Fehlen die Wolken, dann fehlt auch noch manches andere. An den Wolken sehen Sie es nur am deutlichsten, daß Ihr Film manche Farben zu schwach, andere wieder zu stark bringt. Gute Wiedergabe der Wolken erzielen Sie mit „Panatomic", dem panchromatischen Feinkornfilm der „Kodak". 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In tiefem Schmerz: Werner Schulte August Schulte und Familie Georg Zörb und Familie Georg Weber Luise Thron Wwe., geb. Zörb. Gießen (Roonstraße 8), Hagen, Recklinghausen, Hohenlimburg, La Crosse U. S. A., den 28. Mai 1935. Die Trauerfeier findet Freitag, den 81. Mai, nachmittags 2 Uhr, in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt. too.H*ge8e!l- schalt 1877 e. V. und Gießener Ruderklub Hassia 1906 e. V. Am Himmelfahrtstag, vormitt. 10.30 Uhr, gemeinsame Werbe- Veranslaltang auf der Lahn. Auffahrt sämtl. Boote, Interne Rennen. Wir lad. d. Einwohnerschaft der Ltadt Giehen zu dies, einzigartig. Veranstalt, herz- uchst ein. Die Bootshaus, sind an diesem Tage zur öligem. Be- üchtiaung frei- gegeben. [3213D Die Vereins- führer. Lunger Kaufmann mit abgeschlossener Mittelschulbildung oder Absolvent einer Höheren Schule für die Abteilung Statistik und Einkauf eines industriellen Unternehmens gesucht. Bewerbungen unter 3222 D an den (Siebener Anzeiger. Büro 3 groste Parterre- räume uabgeschl. 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Der Reichsrundfunkgesellschaft als Beklagten wird bei Vermeidung der vom Gericht für jeden Fall der Zuwiderhandlung festzusetzenden Strafe verboten, Schallplatten, die m den Betrieben der Klägerin erzeugt sind, und zwar auch solche, die von der Beklagten oder den ihr angeschlossenen Sendern käuflich erworben sind, zu senden, soweit diese Schallplatten ausschließlich die Wiedergabe von Schrift- werken,RedenoderVorträ gen enthalten. 2. Die Beklagte wird verurteilt, darüber Auskunft zu erteilen, in welchem Umfange sie Schallplatten der in Ziffer 1 gekennzeichneten Art nach dem 8. April 1935 gesendet hat. 3. Es wird festgestellt, daß die Beklagte verpflichtet ist, den Klägerinnen denjenigen Schaden zu ersetzen, der ihnen durch die von der Beklagten veranlaßte rundfunkmäßige Verbreitung der elsässischer Frontkämpfer, die Festrede. Ein elsaß- lothringischer Heimatabend unter Leitung von Rudolf Joppen gab dem Festtage den Abschluß. Außer den Angehörigen des Bundes waren eine Anzahl Ehrengäste erschienen, darunter der letzte Statthalter von Elsaß-Lothringen, Exzellenz Dr. S ch w a n d e r. Maffenverschickung von Deutschen und Polen in Sowjetrußland. Bern, 28. Mai. (DNB.) „Gazette de Lausanne" meldet, daß die sowjetrussischen Behörden seit einiger Zeit Zwangsverschickungen von Hunderttausenden s o w j e t r u s si s ch e r Untertanen polnischer und deutscher 21 b Eu n f t durchführen, und zwar aus den west- lichen Grenzgebieten von Leningrad bis Odessa. Die Verbannten werden nach dem Norden oder nach Sibirien verschickt. Mitunter wird durch Ueberfall in der Nacht ein ganzes Dorf ausgehoben, ohne daß Rücksicht darauf genommen wird, ob dabei Kinder von ihren Eltern getrennt werden. Allein aus Leningrad find von Januar bi? Ende März 1935 20 000 Familien z w a n g s v e r f ch i ck t worden. Es handelt sich dabei nicht etwa um eine Bestrafung von Aufständischen, sondern um ein systematisches politisches Vorgehen. Auf Veranlassung des Bundeskommissariats des Inneren (OGPU.) wurde ferner über 600 Personen in Leningrad, Charkow, Kiew, Kalinin (früher Twer) und Gorki (Nischm- Nowgorod) wegen „bürgerlicher Abstammung hte Aufenthaltserlaubnis in diesen Stad - AW ö dn unsrer THrfHadunj Erste Verkaufskraft wird von bet. Markenfirma der Schokoladenindustrie geg. angem. Prov. u. feste Spesen für den Bez. Gießen-Marburg-Fritzlar-Hers- feld - Fulda - Schlüchtern - Friedberg (nur annäh. Grenz.) gesucht, ^urch vielseit. Kollektion b. zeitgemäß. Ausstattung u. erstklassig. Qualitäten ist für jeden tüchtigen Neisenden bei entsprech. Fleiß, Ausdauer u. Zähigkeit d. Grundlage für ein gutes Einkommen vorhanden. Weil eine energische, zielbewußte Aufbau-Arbeit gefordert wird, finden nur Bewerbungen hervorrag. Verkäufer m. entsprech. Erfolgsnachweisen Berücksichtig. Neben best. Fachkenntn. müssen gute Beziehungen zum Spezial-, Kolonialwaren- u. 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Infolge der neuerlichen Zufuhr feucht-warmer Luftmaffen hat die Neigung zu gewittrigen W" fällen vornehmlich in West- und Suddeutschland wieder zugenommen. Eine wesentliche Aenderung des bestehenden, im Grunde freuMlchen^ Witte rungscharakters ist zunächst noch nicht zu erwarten. Doch wird sich die Neigung zu geroittrigen Nieder schlügen jetzt wieder mehr auch auf das übrige Deutschland ausdehnen. , m. .. . Aussichten für Donnerstag: Vielfach heiter, doch Auftreten einzelner, meist gewittriger Niederschläge, tagsüber recht warm und |cywui, wechselnde Winde. , ,r. Aussichten für Freitag: Bei meist südwestlichen Winden nicht mehr so warm, meist wolkig und einzelne zunächst noch gewittrige Nieder- schlage._____________— Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für Den übrigen teh: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Leck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 35: 10688. Druck und Verlag: Brühl'sche Univerjitäts-Buch. und Steindruckerei R. Lange, K.-G , sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf-mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. | Vermietungen | Schöne Hii-M. m. Bad, in gut. Lage l Ostviert.), p. l.Juli zu vm. Schr. Ang. unt. 02311 a.d.G.A. Möblierte r-M-Mn. mit Küche i.Zentrum per sofort zu vermieten. Schr.Slngeb.unt. 3191V a.d.G.A. Im Mer von 67 Iahren. 3m Namen der Verwandten: Or. Fuchs. mH. sonn. Lage, m. Zentralheiz., zum 1. Juni zu vermieten. [0230s Alieenstr. 16 p. 111111111111111111111111111111 MeineAnzeigen ün Gießener Anzeiger werden von Tausenden beachtet und gelesen, iiiimiiiiiiiiniiiiiiiiiiiii unter Ziffer 1 bezeichneten Schallplatten nach dem 8. April 1935 entstanden ist und entstehen wird^ 4. Im übrigen wird die Kl a 9 e a b g e wiesen. Von den Kosten haben bie Klägerinnen neun Zehntel, die SeHagte In der Begründung heißt Die klagenden Schallplattenhersteller sind k l a geb e r e ch t l g t , das den ausführenden Künstlern als Bearbeitern nach § 2, Absatz 2, des Literarischen llrdeberaesetzes zustehende Urheberrecht ist aus sie übergegangen. Die Schallplattenhersteller haben jedoch nicht das Recht die Rund funksendung von M u s l k s ch a l l p l a t t e n zu verbieten, weil das Literarische A^^Wesetz nach 8 22a die Benutzung solcher Schallplatten zu öffentlichen Aufführungen ausöru dH 1 * g!• stattet und die Rundfunksendung von Musikschall platten den Begriff der öffentlichen Aufführungen ^Aus der Entscheidung ergibt sich demnach, daß nur die Uebertragung reiner Sprechplatten für den Rundfunk nicht frei Ist, während Musikschallplatten und' Schallplatten gemischten Inhaltes 0 h n e E n t - schädigung vom Rundfunk gesendet werden können. 3500Quadratm. WM a. Wißmar. Weg rechts der Lahn verkauft (0231s Fritz Euler, Hammstt. 16. Telephon 2095. | Kaufgesuche | Bauplatz sofort zu kaufen gesucht. Schriftl. Angeb. u. 02302 an d. Gieß. Anz. (Saiteümööel gut erhalt., z. k. ges. Schr. Ang. u.02315a.d.G.A. Gut erhaltenes Berren-FaM z. kaufen gesucht. Schr. Ang. unt. 02320 a.d.G.A. Gut erhaltenes Damenraö zu kauf, gesucht. Schr. Ang. unt. 02314 a.d.G.A. Garage frei (auch z. Unterstellen v. Möbeln geeign.). (3227D BismarMr. 7. Z-4-MM- Bö nung zu miet, gesucht. Ausführl. schr. Ang. m. Preis u.02296a.d.G.A. |Stellenangebote| Wer sich einen guten Verdienst schaff. will, dem erricht, ölt. sol. Unternehm. Vertriebsstelle in Strümpfwar. z. günst. Preis, ohne Kavit. Nur ehrl.zuverl.Ver- käuf.(in.) woll. s. meld.u.L.C.719 a. Mitteldeutsch. Anzeigen ° Ges., Chemnitz. 3203V Junger, tüchtig. Großes Grundstück 2 rentbl. Wohn- häus., a. f. Ge- schaftszw. geeignet, m. 2 fretro. Wohn.,bill.z.vk. Schr. Ang. unt. 02313 a.d.G.A. Achtung I Motorrad 500 ccm, in gut. 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Mai 1955 ünlenvegs mit unsterblichen Wanderern. Oie Eroberung der deutschen Heimat mit Rucksack und Wanderstab. Von Or. Friedrich Schulze-Maizier. „In Rom, Athen und bei den Lappen, da spähn wir jeden Winkel aus, dieweil wir wie die Blinden tappen umher im eignen Vaterhaus." Diese mahnenden Verse Karl S i m r o ck s bezeichnen hübsch und schlagend den wunderlichen Umweg, den wir Deutsche zu uns selber machen mutzten; wir haben offenbar unsere Heimat am spätesten entdeckt. Auch in diesem Falle gilt der Satz, datz das Nächste oft das Fernste ist. An Beispiele von vier Wanderer-Gestalten des deutschen Schrifttums soll hier kurz aufgezeigt werden, wie lange es dauerte, bis selbst vaterländisch gesinnte deutsche Autoren es lernten, ihre Heimat mit derselben Entdeckerfreudigkeit zu durchwandern, die sie längst für außerdeutsche Länder aufgebracht hatten. Wie lange es währte, bis deutsche Welt-Offenheit ihre schlimmste Klippe vermeiden lernte:. Ueber der schönen Fremde nicht die eigene Erde zu vergessen. Spaziergang von Leipzig nach Syrakus. In den ersten Dezembertagen des Jahres 1801 wanderte der 38jährige Johann Gottfried S e u m e, mit einem Paar derber Stiefel, einem Ranzen aus Seehundsleder und einem Knotenstock ausgerüstet, durchs Muldetal bei Grimma in der Richtung auf Dresden. Er war ein Thüringer Bauernsohn aus dem Weißenfelsischen, der als Student das Unglück gehabt hatte, hessischen Werbern in die Hände zu fallen und nach Amerika verschleppt zu werden. Ein glühender Patriot, der das Elend deutscher Kleinstaaterei und Fürstenwillkür zu bitter am eigenen Leibe erfuhr, um nicht leidenschaftlich für bessere politisch-soziale Formen zu kämpfen. Ein tüchtiger Mensch, dem das Herz auf dem rechten Flecke saß, ein ehrlicher Kerl, der freimütig das Schlechte beim Namen nannte und frischweg nach seinem Grundsatz lebte: „Nur Mut, damit kommt man auch in der Hölle durch!" Und Courage, nicht bloß körperliche, gehörte allerdings zu dem „Spaziergang" den er sich vorgenommen hatte. Ueber Dresden, Prag, Wien mitten im Winter durch die tief verschneiten steierischen Berge nach der Adria zu wandern und mutterseelenallein durch das nach dem Abzug der Franzosen noch immer unruhige, von Straßenräubern arg heimgesuchte Italien herunter nach Kampanien zu spazieren. Seume segelt von Neapel nach Palermo hinüber, wandert die sizilianische Südküste entlang nach Syrakus, dem Ziel seines Spaziergangs, besteigt den Aetna, pilgert über Rom und die Schweiz zurück nach Norden, macht gleich noch einen Abstecher über Paris und trifft schon im Spätsommer, nach kaum dreiviertel Jahren, wieder zu Hause ein. Wohlgemerkt, in denselben soliden Stiefeln, welche ein Leipziger Schuhmacher dem rüstigen Spaziergänger ange- fertiqt hatte. Seume ist ein guter Beobachter, der zuverlässig, ohne Sentimentalität und Uebertreibung, seine Erlebnisse erzählt, ob es sich nun um Banditenüber- fäsie, um bedrohte Nächte in zweifelhaften Herbergen oder um römisches Bettlerelend handelt; er hat einen klaren unbestechlichen Blick für die politischen und wirtschaftlichen Zustände der von ihm durchwanderten Gebiete, ein offenes Auge für Volkstum und Volksleben. Gewiß kommt auch die Heimat bei ihm zur Geltung; die schlichte Anmut des Muldetals wird mit derselben Liebe erwähnt wie der großartige Blick vom Aetna herunter. Aber sogar dieser aufrechte Vaterlandsfreund sieht die Heimat sozusagen nur nebenher; der Hauptton der Schilderung ruht doch auf der südlichen Landschaft und ihren antiken Erinnerungen. Man spürt: hier bleibt noch manches zu entdecken politisOe Fahrten Im Wein- und Kometensommer 1811 fuhr der 42jährige Greifswalder Professor Ernst Moritz Arndt nach Berlin, um sich Pässe nach Rußland zu besorgen. Ein Jahr später stand er zu Petersburg vor dem Freiherrn vom Stein, der gleich Arndt von Napoleon geächtet war. Arndt trat in Steins Dienste und machte nun an der Seite dieses großen Staatsmannes in politisch hochbewegter Zeit alle jene Kreuz- und Querfahrten durch Rußland, Polen und Deutschland mit, die er viereinhalb Jahrzehnte später in seinem berühmten Altersbuch, den erstaunlich frischen „W anderungen und Wandelungen mit dem Reichsfreiherrn vom Stein", beschrieben hat. Dieses gar nicht greisenhafte politische Wanderbuch des 88jährigen Arndt ist nicht nur eine unserer wertvollsten Reiseschilderungen geworden, sondern auch eines der besten deutschen Volksbücher überhaupt, das jeder kennen muß, der das Zeitalter der Befreiungskriege unmittelbar vor Augen haben will. Unendlich vieles hat der ausgezeichnete Beobachter Arndt in diesen Schicksalsjahren gesehen: Fürsten und Staatsmänner, Feldherren und Publizisten, Bauern und Bürger, Bilder furchtbaren Elends wie die Rückzugsstraße der geschlagenen französischen Armee, Szenen frohen Aufschwungs wie die Erhebungstage in Königsberg und Breslau. Kein Flüsterer und Leisetreter erzählt hier, sondern ein aufrechter Mann, der auch Machthabern gegenüber sich lieber die Zunge verbrennt, als daß er notwendige Wahrheiten verschwiege. Erstaunlich, was alles dieser Kämpfer für deutsche Freiheit und deutsches Volkstum beobachtet und behalten hat; sogar Goethes Kurzbeinigkeit, des Olympiers merkwürdige Befangenheit vor dem jüngsten Grafensohn; die sehr energische Abfuhr, welche Stein dem 'Herzog Karl August vor versammelter Gesellschaft zuteil werden ließ, als der sich in schlüpfrigen Reden gefiel — das alles ist so nah, so lebendig erzählt, als ob es gestern geschehen wäre. Was aber dem Leser unserer Tage an diesem prachtvollen politischen Wanderbuche am meisten auffällt, ist Arndts für damalige Zeit noch ganz ungewöhnlicher Blick für die rassischen Verhältnisse der von ihm bereisten Gebiete. Man merkt, hier macht ein Mann die Augen auf, der tief durchdrungen ist von der elementaren Wahrheit, die erst wir Heutigen in ihrer ganzen Bedeutsamkeit würdigen lernten: Volkstum ist Schicksal. Aufmerksam studiert Arnt die verschiedenen rassischen Typen, die ihm im russischen Volke begegnen; ausgezeichnet, was er zur Psychologie der Rundköpfe zu sagen hat. Als besonders wichtig erkennt Arndt mit Recht die Probleme der ger- manisch-slawischen Rassemischung; nachhaltig beschäftigt ihn angesichts der deutschen Balten jene Frage, die auch heute wieder soviel Beachtung fand: Ob und inwieweit der Deutsche, der im Ausland lebt, durch seine Umgebung beeinflußt und umgewandelt werde. Arndt ist also einer der ersten gewesen, die das deutsche Rassenschicksal gesehen oder wenigstens geahnt haben. Der Leser seiner „Wanderungen und Wandelungen" spürt, hier wandert ein Politiker, der auch ein Stück Rassenforscher ist, dem । schon die Beziehungen zwischen Rassenschicksal und politischem Schicksal aufdämmern Und das macht I sein Werk gerade heute aktuell. poelen-Wanderung Unter allen wanderfreudigen Poeten des deutschen Schrifttums verdient wohl keiner so sehr den Ruhmestitel eines Wanderdichters wie Eichen- dorff. Kein anderer hat unser Volk mit so vielen herrlichen Wanderliedern beschenkt; gar manche von ihnen sind Volkslieder geworden, wie das köstliche „Wem Gott will rechte Gunst erweisen". Die erste Abteilung seiner gesammelten Gedichte trägt, bezeichnend genug, die Überschrift „Wanderlieder". Gleich das zweite, „Allgemeines Wandern", erlebt (ähnlich bei Goethe) im Wandern den Rhythmus der Weltbewegung nach. Diese Eichendorffschen Wanderlieder sind uns allen so tief in Fleisch und Blut überaegangen, daß wir kaum noch wissen, in welchem Ausmaße sie der deutschen Landschaft die Stimme gegeben haben. Es ist durchaus nicht zuviel behauptet, wenn die Literaturgeschichte feststellt, erst Eichendorffs Wanderlieder hätten die deutsche Welt recht eigentlich zu dem gemacht, was sie uns heute ist. Man braucht nur an „O Täler weit, o Höhen" zu denken, an „Wer hat dich, du schöner Wald" oder an das sehnsuchtstiefe „Es schienen so golden die Sterne", an all die Eichendorffschen Lieder, welche Robert Schumann und Hugo Wolf vertonten, um zu ermessen, was dieser eine Poet von Gottes Gnaden für das deutsche Landschaftsgefühl bedeutet. Hier wird keine Literatur gemacht, hier weht der freie Atem der Natur. Hier klingt wirklich, was wir Heutigen wieder so inständig suchen: Der echte, ungekünstelte Volkston, der ganze Bibliotheken voll Aesthetenlyrik überlebt, weil er aus einem starken und reinen Herzen kommt. Der Entdecker der Mark. Eichendorffs entzückende Wanderer.- Erzählung „Aus dem Leben eines Taugenichts^ birgt ein gutes Stück Romantik. Nicht mit Unrecht haben feinsinnige Betrachter festgestellt, über den Landschaftsschilderungen der Eichendorffschen Erzählungen liege oft noch der Schleier des Allgemeinen, durch den die Wirklichkeit des einzelnen erst ahnend hindurchschimmere. Wieviel es auch nach Eichendorff noch zu entdecken gab für deutsche Wanderer, merkt man so recht, wenn man von dem schlesischen Spättomantiker zu dem großen märkischen Realisten Theodor Fontane kommt. Die fünf Bände seiner „W anderungen durch die Mark Brandenburg", die der Unermüdliche in den Jahren 1862 bis 1889 schuf, sind ein wahres Entdeckerbuch geworden, ein Erzeugnis rastlosen Wanderns, Forschens, Schauens und Aufspürens. Hier hat einer die Heimat erwandert, der nicht nur ein echter Dichter und ein launiger Humorist ist, sondern auch ein kluger Menschenkenner und Psychologe, ein niemals langweiliger Anekdotenerzähler, Historiker und Geograph. Was ist nicht alles in diesen fünf Bänden zusammengetragen an Volkskundlichem und Geschichtlichem, mit welch weitem und wachem Blick durchstreift man die herbe Schönheit unserer Mark, wenn man sie zuvor mit dem alten Fontane im Geiste durchwanderte! Wieviel lernt man aus diesen Bänden, und wie anregend und mannigfaltig ist die Belehrung! Etwa die paar Seiten über den Schwielowsee: Meisterhaft und unaufdringlich ist hier Geologisches mit Historischem, Lokales mit Volkswirtschaftlichem verbunden, ohne daß darüber das Landschaftliche zu kurz käme. Oder die Schilderung der grimmigen, zum Glück nicht sonderlich gefährlichen Seeschlacht auf der Molche, ausgefochten zwischen Berliner und Spandauer Seehelden anno 1667; der Abschnitt über Pastor Schmidt von Werneuchen, den von Goethe unsanft verspotteten märkischen Heimatpoeten; die liebevollen Beschreibungen alter Schlösser und Herrensitze: wie lebt das alles, wie sauber und unsenttmental und doch wie gütig ist es hingestellt! Mag es sich um das dürftige Nest und Krähwinkel handeln, an dem der abgebrühte Asphaltmensch achtlos vorübergeht — Theodor Fontanes liebreicher Wandererblick spürt überall Schönheiten und — was noch schwerer wiegt — Schicksale auf. Ein großzügiger, durchaus weltoffener Geist hat sich hier zum Nahen und Nächsten und eben damit zu sich selber zurückgefunden. Kein Zufall, daß Fontane erst nach den „Wanderungen" seine reifften und eigentlichsten Werke schuf. Gerade an diesem geborenen Wanderer, der erst spät den ganzen Reiz der Mark entdeckte, bewahrheitet sich die Einsicht seines „Archibald Douglas": „Der ist in tieffter Seele treu, Wer die Heimat liebt wie du". Oie Oüppeler Mühle durch Feuer vernichtet (Scherl-M.) i Die historische Mühle von Düppel ist in einer der letzten Nächte durch ein Großseuer vollkommen vernichtet worden. Das Feuer griff mit großer Schnelligkeit um sich. Die Feuerwehr mußte sich unter Mithilfe der Einwohnerschaft darauf beschränken, eine weitere Ausdehnung des Feuers zu verhindern. Es gelang auch, das in der Nähe liegende Müllerhaus, in dem sich ein Museum mit Erinnerungsgegenständen an den Krieg von 1864 befindet, zu retten. Die Ursache des Brandes ist unbekannt, man vermutet, daß das Feuer durch Selbstentzündung entstanden ist. Wie die Kopenhagener Zeitung „Politiken" allerdings wissen will, ist Nach Ansicht der Polizei aber auch mit der Möglichkeit einer Brandstiftung zu rechnen. — Um die Mühle wurden während des Krieges von 1864 heftige Kämpfe ausgefochten; am 18. April 1864 wurde sie von den Preußen im Sturm genommen. Daten für den 29. Mai 1456: Gründung der Universität Greifswald; — 1594: der kaiserliche Feldherr Gottfried Heinrich Graf zu Pappenheim in Pappenheim geboren (gestorben 1632); — 1809: Sieg der Tiroler am Berg Jsel; — 1918: Einnahme von Soissons; — 1932: Landtagswahl in Oldenburg, die Nationalsozialisten erringen zum erstenmal in einem deutschen Lande die absolute Mehrheit. — 1933: die Fliegerin Marga von Etzdorf in Aleppo gestorben (geboren 1907). Gießener Gtadttheater Kraatz und Neal: „Der Hochtourist". Die Spielzeit geht zu Ende. Die letzte Premiere trug bereits recht vergnügten Charakter und schien geeignet, eine passende Ueberleitung zu der im Programmheft angekündigten Sommersaison zu schaffen, welche im Zeichen des Humors stehen und eine Reihe von Lustspielen und Schwänken zur Aufführung bringen soll. Der Schwank „Der Hochtourist" von K r a a tz und Neal, in drei Akten, ist zwar schon älteren Datums, bewies aber eine unverwüstliche Anziehungskraft, und wenn die Sommerspielzeit ähnliche Erfolge zeitigen sollte, bann kann es in den nächsten Monaten nicht fehlen. * Der Hochtourist, offenbar ein naher Verwandter des kühnen Schwimmers, des Fußballkönigs und der Spanischen Fliege, ist gar kein Hochtourist, sondern ein Berliner Direktor, der seine fröhlichen Amüfierreisen nach München als Gletscherpartien frisiert und seiner ahnungslosen Gemahlin brieflich haarsträubende Schilderungen von wilden Erstbesteigungen und halsbrecherischen Kaminklettereien zum Besten gibt, nicht ahnend, daß der Schwindel mal rauskommen könnte. Er kommt aber raus, und zwar ausgerechnet an seinem 50. Geburtstag, an dem die stolze und freudestrahlende Gemahlin ihm ein Buch in die Hand drückt: die Gute hat, um ihm eine freudige Ueberrafchung zu bereiten, bie Briefe, die der tüchttge Direktor aus einem echten Bergsteigerbuch abgetrieben hat, ^mcr rns C drucken lassen und auch schon allen guten Freuuden, Verwandten und Bekannten ein Exemplar zukommen lassen. Fürwahr eine freudige Ueberrafchung. Aber damit ist erst der Knoten geschürzt. Das ist em Jubel, als wenig später die beiden rauhen Bergführer m kurzer Wichs zum Gratulieren erscheinen, welche in des Direktors Abenteuern eine beträchtliche Nolle spielen und von dessen Gemahlin in ihrem Feuereifer eingeladen worden sind. Das gibt em gerührtes Wiedersehen. Und im Zweiten Akt, welcher auf der Alm spielt, ist vollends des Wiedersehens und der freudigen Ueberrafchungen kein Ende. Der Direktor kommt wider Willen, aber der Not gehorchend, mit feinem ganzen Anhang heraufgestiegen und trifft dort oben zum Beispiel aus gerechnet den Mann, aus dessen Buch er seine hoch' touristischen Taten ohne Gram und Scham wortwörtlich abgeschrieben hat. Auch feiert er gerührtes Wiedersehen mit einer bühnenbeflissenen Dame, Die er seinerzeit in München in dem Glauben gelassen hat, er sei Direktor nicht eines industriellen Unternehmens, sondern eines Theaters Das ist em Schwindel, den der tüchtige Bergsteiger in seinen großen Nöten zwar spät, aber bar und ziemlich teuer bezahlen muß. Man sieht schon aus diesen keineswegs erschöpfenden Schilderungen, wie prächttg die beiden Autoren ihr Geschäft verstehen und eine Situation von allen Seiten auszuschlachten imstande sind. Der dritte Akt bringt unter anberm einen mehr als zeitgemäßen Beittag zum Thema „Stadt und Land", außerdem die Entwirrung des kompliziert geschürzten Knotens und die Vereinigung der drei Liebespaare, die fa nach alter Weise spätestens bis zum letzten Vorhang richttg unter Dach und Fach gebracht sein wollen. * Die Aufführung wurde von Herrn L ü p k e geleitet und zeitigte ein verwirrendes Durcheinander auf der Bühne, strotzte von fituattonskomifchen Ueberrafchungen und Effekten, hätte aber gegen Ende gut und gern etwas zufammengerafft werden dürfen. Die Dekorationen von Löffler gipfelten buchstäblich in einer romantischen Hochalpenszenerie im zweiten Akt. Der Direktor Mylius als Hochtourist war eine Paraderolle für Herrn Hub, der hier mit einem phantastischen Wortschwall alle Register seiner Schwankroutine ziehen konnte. Welch eine Szene, wenn man ihn auf offner Bühne feines bürgerlichen Saccos entkleidet und ihn in die krachlederne Alpenhofe steckt, worin er alsbald ein aus Möbeln und Tischtüchern improvisiertes Gebirge besteigt, um sich in der Pose eines tollkühnen Kletterers photographieren zu lassen. Oder gar wenn er hinter dem Rücken der besorgt durchs Fernrohr starrenden Familie statt in die Höllenklamm die Leiter hinauf in sein Zimmer steigt und wenig später als sein eigener Geist im weißen Nachthemd wieder herunterturnt Frau Schubert-Jüngling machte die respektgebietende und stolzgeschwellte Gemahlin. Frl Wiel and er in der Sennennnenhose, die Herren Dieten und Geiger als tüchtige Bergführer vertraten das Volk der Alpen. Fräulein Pflug und Herr Lindt spielten der Widerspenstigen Zähmung und traten zuletzt zu einem beinahe blutigen Florettgefecht an. In kleineren Aufgaben machten sich die Damen D e ck e r und S a l z - mann, die Herren V o l ck, Kühne und Qu ad- flieg um die Aufführung verdient. Auch alle übrigen waren mit Eifer bei der Sache. Der Erfolg war stürmisch; es wurde gelacht und geschrien, getrampelt und geklatscht; sogar bei offener Szene hthi Moeller van den Bruck. Zur zehnten Wiederkehr seines Todestages. Bon Wilhelm Kunze Am 30. Mai des Jahres 1925 schied Arthur Moeller van den Bruck in Berlin im Alter von 49 Jahren aus dem Leben. Er war es, der den Begriff Des „Dritten Reiche s" geprägt hat als Idee, er gehörte zu den Vorläufern und geistigen Vorkämpfern des neuen Deutschland. Unter seinen schriftstellerischen Leistungen ist vor allem sein 1922 entstandenes und seither außerordentlich verbreitetes Buch „Das Dritte Reich" zu nennen; aber er ist auch durch seine deutsche Dostojewski-Ausgabe bekannt geworden. Er war 1876 in Solingen als Sohn eines Baumeisters geboren und wuchs in Düsseldorf auf. Seine Eltern wünschten, daß er Offizier werde; aber er zeigte dazu so wenig Neigung wie für ein Universitätsstudium. 1902 ging er nach Paris mit der Absicht, nach Amerika auszuwandern. Indessen kam es so, daß er gerade in dieser Stadt das Wesen der westlichen Kultur, die auch Dostojewski bekämpft hatte, begreifen lernte und dadurch dem Wesen und der Sendung des Deutschtums näherkam. Auch eine Reise nach Italien diente nur dazu, seinen Blick für die Werte des deutschen Mesens zu schärfen und die Bestimmung des deutschen Volkes zu erkennen. Denn immer ist ein Volk „ein Mittel zu den Zwecken Gottes auf Erden". So kam er zu feinem achtbändigen Werk über „Die Deutsche n", in dem er die großen Männer Deutschlands vorführte, und es waren nicht nur Männer der Politik und des Staates, es waren auch Dichter und Sänger, Seher und Propheten (Böhme und Novalis) darunter. Ein Werk deutscher Selbsterkenntnis, wenn man so will; denn ..kein Volk weiß weniger von sich als das deutsch-'", und so ist es denn notwendig, den ewigen Bestand der eigenen Werte festzustellen, um bann um so gründlicher das deutsche Volk „zum Bewußtsein seiner selbst" bringen zu können. Dann beschäftigte ihn ein Thema, das nur scheinbar abseits seines Weges gelegen und ein Spezialthema ist: „Der preußische Stil" war das Buch betitelt, das er 1915 erscheinen ließ. Preußen, das ist — obwohl ohne Mythos oder vielleicht gerade deshalb — die Vormacht, unter der das Deutschland Moeller van den Brucks sich selbst wiederfinden wird. Preußen war „die größte kolonisatorische Tat des Deutschtums, wie Deutschland die größte politische Tat des Preußentums fein wird'" Im Jahre 1923 erschien „Das Dritte Reich", ein Buch, das auf Grund der jahrelangen Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem Zusammenbruch von 1918/19 das Fazit zog. In der Untergangsstimmung dieser Nachkriegszeit, da Spengler als Prophet des Chaos erschien, tat Moeller van den Bruck den Sprung in die Zukunft. „Und in diesem Augenblick gab es in Deutschland wieder einen Anfang", schreibt der Freund und Nachlaßverwalter des Verfassers, Hans Schwarz. Denn mit der Idee des „Dritten Reiches" war ein Ziel gesteckt, das vielen erstrebenswert erscheinen konnte, vor allem vielen von denen (und es wurden immer mehr), die nicht in der Vielheit der Parteien die Erfüllung sehen wollten. Der „Gedanke der Parteiüberwindung" ist der Grundgedanke dieses Buches, das darum auch eine Kritik der Parteien enthält. An die Stelle der Parteibevormundung setzt es den 'Gedanken des Dritten Reiches. „In unserem Ersten Reiche", saat Moeller van den Bruck und meint das Reich Karls des Großen damit, „besaßen wir ein starkes Wertunasbewußtsein". Das Zweite Reich war das Werk Bismarcks: „Die .Führung Preußens' und die .Einigung Deutschlands' wurden Ziele, die einander deckten, bis es schließlich Bismarck gelang, den preußischen Gedanken zu benutzen, uni den deutschen Gedanken jedem anderen überzuordnen, — aber Sorge um Deutschland lag bereits über dem Ausaange seines mächtigen Lebens." Dieses Zwecke Reich war ein Zmischenreich, es konnte für den Künder des Dritten Reiches nur ein „unvollkommenes Reich" scheinen Der Gedanke des Dritten Reiches aber ist ein „Weltanschauungsgedanke, der über die Wirklichkeit hinaushebt", — indessen kann er „nur dis ein Wirklichkeitsaedanke fruchtbar werden: wenn es gelingt, ihn ganz ... in das Politische einjube,sieben." Wie dieser Gedanke, fo haben sich auch manche andere Gedanken Moeller van den Brucks aus- gewirkt. Gedanken, daß mir die Kraft bah"n müssen, in Gegensätzen zu leben, die von der Abkehr vom Liberalismus fvrechen und von der Na- ckonalisieruna des Sozialismus. Sie fnnbnn ihren Weg, sie fanden ihre Erfüllung und ihre Verwirk- l'chuna. aus Ideen wurden Ideale und wennaleich d^« firrrh^eirf) immer n«rh"ih"n und niemals erfüllt" ist, wenn es, das Nallkommene, „nur 'm Unvollkommen-'n erreicht wird". — das Wertunasbewußtsein, da« mir im ersten Reiche besaßen, wird doch wieder Möalichkeit. Das Buch vom Dritten Reich" endet mit dem Mahnruf: „Wir haben die Wäckcker m fein an der Schwelle der TOerfe". Die ^ulturroerte sind aemeint: „Wir denken an das Eurova von aeftern. und an das, was sich auch aus ihm vielleicht noch einmal in ein Moraen hinüberretten wird Und wir denken an das Deutschland aller Zeiten, an bas Deutsch, sand einer im-'itaufenhiährim'n ^mnaaenheit. "nd an bas Deutschlanb einer emiaen Gegenwart, das im Geistigen lebt, gber im Wirklichen gesichert fein will und hier nur politisch gesichert werden kann." 5:1 wann Handball im Gau XII (Lahn-Oillkreis) Aus den Gießener Gerichtssälen Der verworfen wurde. Oberheffen zu bekämpfen — würbe glänzend gelöst, was od Allendorf a. d. Lumda, 27. zum neu Lda. 856 Ringe er- Mai. Am eine B e» Amtsgericht Gießen. Julius Ro t h f ch i l d aus Eppershaufen die gleiche des SD. Hungen mit 3:1. In Lang-Göns siegten die Blauweißen nach Belieben mit 6:0, nachdem sie bei der Pause schon mit 0 in Führung lagen. Londorf — Ailendorf a. d. Lda 5:7 (3:2). Schöffengericht zu verantworten, von dem er zu zwei Wochen Gefängnis verurteilt wurde. Der Angeklagte hatte bekanntlich in Alsfeld einen Arbeitsdienstmann getreten, angeblich in der Annahme, dieser habe wegen Boykotts vor seinem Geschäft gestanden, während der Arbeitsdienstmann in Wirklichkeit ganz zufällig mit einem Kameraden an dieser Stelle der Straße stand. Auf Grund der Beweisaufnahme erkannte das Gericht auf 2 0 0 Mark Geldstrafe, die im Uneinbringlichkeitsfalle mit 20 Tagen Gefängnis zu verbüßen ist. Kleine Strafkammer Gießen. Wegen Verstoß gegen das Arbeitszeitgesetz wurde der K. W. aus Ober-Eschbach zu 20 RM. Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte beschäftigte einen Lehrling weit über die gesetzlich oorgeschriebene Arbeitszeit hinaus. Sodann befaßte sich die Kammer mit dem bereits 16 mal vorbestraften Ludwig Wilhelm Walter Hack aus Bremen, zurzeit in Untersuchungshaft. Der Angeklagte, der wegen eines schweren Verbrechens inhaftiert ist, hatte sich vor dem Amtsgericht in Grünberg wegen Rückfalldiebstahls zu verantworten, da er dort Stiefel, Taschentücher, einen Lederkoffer ufro. entwendet hatte. Es wurde zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt. Dage» vergangenen Samstagnachmittag fand _____ _, sichtigung der seit sechs Jahren bestehenden hie- sigen Freiwilligen Feuerwehr unter Zuziehung einiger Jahrgänge der Pflichtfeuerwehr durch Kreisfeuerwehr-Jnspektor Bouffier- Gießen statt. Die der Wehr gestellte recht schwierige Aufgabe — es waren nach der Annahme zu flieh cher Zeit zwei große Brände an verschiedenen, oer- hältnismäßig weit auseinanderliegenden Stadtteilen Dergleichsschießen muß es richtig heißen, daß Gießen 870 Ringe, Allendorf a. d. Ringe (nicht 836) und Steinbach 838 zielt yat. Oer Deutschland-Klug 1935 im Gange 154 Flugzeuge in Berlin gestartet. brachte am 19. 3. 35 mittels Lastwagens eine Kuh nach Gießen und stellte sie, ohne sie vorher auf den Viehmarkt zu bringen, bei einem hiesigen Gastwirt unter. Auf diese Weise glaubte er, die Kuh der gesetzlich vorgeschriebenen Impfung entziehen zu können. Durch Strafbefehl erhielt der Angeklagte 50 RM. Geldstrafe, eventuell 10 Tage Haft. Der von dem Angeklagten eingelegte Einspruch hatte keinen Erfolg. Große Strafkammer Gießen. Der H. M. aus Rieder-Breidenbach wurde in erster Instanz wegen Urkundenfälschung in Tateinheit mit Vetrugsversuch zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Dagegen legte der Angeklagte Berufung ein. Die gestrige Hauptvevhand- lung ergab, daß M. von einem Landwirt Grummet und Heu gekauft hatte und seinen Verpflichtungen ratenweise nachkam. Ueber die einzelnen Zahlungen wurden Quittungen ausgeftellt. Als der Angeklagte im Zivilprozeh bezüglich des Restes in Anspruch genommen wurde, änderte er eine Quittung ab und legte sie dem Prozeßgericht vor. Die Beweisaufnahme ergab die Schuld des Angeklagten. Seine Berufung wurde demzufolge kostenpflichtig verworfen. Wegen tätlicher Beleidigung hatte sich der Siegmund Rothschild aus Alsfeld vor dem hiesigen großen Teil unserer vor etwa sechs Jahren ängeschafften, vorzüglich funktionierenden Motor- gen verfolgte er Berufung, die jedoch, da es sich um einen Verbrecher übelster Sorte handelt, ' " Leichtachletische Großkämpse der Spielvgg. 1900 Zahlreiche Meldungen für die „Nationalen" an Himmelfahrt. wo man nach einem Besichtigungsrundgang nach Wetzlar fahren will. In Wetzlar treten dann drei Mannschaften der Teutonia gegen die Wetzlarer Sportfreunde an. Im ersten Spiel stehen sich die zweiten Mannschaften beider Vereine gegenüber (das Vorspiel in Watzenborn-Stemberg gewannen die Einheimischen 2:0). Sodann treten die Ju- aendmannschaften zu ihrer ersten Begegnung an. Zum Schluß spielen die ersten Mannschaften der beiden Vereine. Im Vorspiel Watzenborn-Stem- Die auf morgen (Himmelfahrt) verlegten Nationalen Wettkämpfe der Spieloereinigung 1900 Gießen haben wieder eine ausgezeichnete Besetzung erhalten. In durchweg starken Feldern stehen sich Könner gegenüber, die sich zum großen Teil schon einen guten Namen in der deutschen Leicktathletik gemacht haben. Andererseits wird es auch wieder interessant sein festzustellen, wie der Nachwuchs nach vorne dränat. In den Sprintstrecken — es ist zunächst von den Wettbewerben der Klasse I die Reoe — muß man im Falle eines Startes von Kersch (Allianz Frankfurt) diesem die sichersten Chancen einräumen mit Zeiten, die unter 11 bzw. 23 Sekunden liegen. Um die Plätze dürfte es harte Kämpfe geben zwischen Hill (Mtv. Gießen) und den Kasselanern Wieden, Knappe und K e r m e r. Einen besonders sportlichen Genuß versprechen die Mittelstrecken zu werden. Hier ist wohl über 800 und 1500 Meter an Siegen von Lang (VfR. Heilbronn), eines der talentiertsten und zur Zeit schon am besten in Form befindlichen deutschen Mittelstreckler, nicht zu zweifeln. Auch hier wird es um die Plätze harte Sträuße geben, treffen doch die besten nordhessischen Talente aufeinander: Wilhelm und S ch i n g e (Hessen Pr. Kassel), A l t - hoff und B e ch t (VfB. Marburg), B e p p e r - ling, Peters und Baumstieger (Gießen 1900). Scharfe Rennen werden sich auch über 3000 und 10 000 Meter ergeben. Beim 3000-Meter-Laufen kann man schon einiges Vertrauen zu den Gebrüdern N e i d e l (TD Heuchelheim) haben, deren Können ausreichen sollte, auch einen W a l p e r t (Kassel) zu schlagen. Das 10 000-Meter-Feld hat in T e n n i g k e i t (Marburg), Holzapfel (Münckhausen, früher Mtv. Gießen) und Faul- seit (Gießen 1900) seine bekanntesten Leute. Sehr heißumstritten werden die Staffeln 4X100= Meter-Staffel und 4X800Meter-Staffel sein. Die frühe Saison läßt schwerlich Tips zu. Das beste Material wird wohl Hessen-Preußen Kassel haben. In der 4X100-Meter-Staffel wird sich eventuell dener folgten mit geringem Abstand. Die Verbände der schweren Maschinen, die eine höhere Geschwindigkeit einzuhalten haben, hatten von den zwei Stunden Vorgabe schon einen großen Teil aufgeholt. Bei Sandowitz (Gleiwitz) muhte eine Maschine notlanden, die dem Karlsruher Siebenerverband angehört. Ein weiterer Apparat dieses Verbandes erlitt in Guben, dem ersten Tagesziel, Fahrgestellbruch. Die Besatzungen beider Flugzeuge blieben unverletzt. -Der letzte Zwangslandeplatz vor dem Tagesziel war Breslau. Schon um 15.01 Uhr überflog hier die Nordhausener Kette die Linie. Drei Minuten später folgten die Dresdener. Hannover und Danzig waren die nächsten. Von 16.53 trafen die ersten Flieger in Guben ein. Bis 19.30 Uhr hatten 153 Maschinen das erste Tagesziel erreicht. Nacheinander gingen die Dresdener, Nordhäuser, Hannoveraner, Danziger und Breslauer Flugzeuge nieder. Die Errechnung der Plazierung nach der Punktbewertung für die Lösung der Aufgaben wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Wieseck I — Grünberg 13:1. Auf dem Wiesecker Waldsportplatz standen sich diese Mannschaften am Sonntag im Freundschaftsspiel gegenüber. Beide Mannschaften stellten sich mit Ersatz. Sofort beaann ein flottes, faires Spiel, bei dem der Gästetoryüter mehrere Male mit viel Glück fein Tor verteidigen mußte. Dann war es Grünberg, das durch einen schönen Schuß die Führung übernahm. Wieseck stellte den Ausgleich bald wieder her. Dann lag Wieseck mehr im Angriff und übernahm die Führung. Halbzeit 2:1. Trotz des starker einsetzenden Regens war Wieseck nun leicht überlegen und erhöhte auf 3:1. Kurze Zeit darauf setzte ge- wi'tterartiger Regen ein, so daß der Unparteiische Im Einverständnis mit beiden Gegnern das Spiel beendete. Spielvereinigung 1926 Leihgestern. Leihgestern I — Hungen I 0:2. Leihgestern II -r- Lang-Göns I 6:0. Leihgestern Jugend — Hungen Jugend 3:1. Am vorigen Sonntag weilte die 1. Mannschaft der Spvgg. bei der gleichen des SV. Hungen, war aber nicht imstande, Tore zu erzielen. Ddr diesem Spiel schlug die Jugendmannschaft, die/ jetzt erheblich verjüngt ist, in prächtigem Stile Mißlungener Fluchtversuch. 4- Butzbach, 28. Mai. Als gestern aus dem Personenzug um 15 Uhr, der einen Gefangenenwagen mitführte, einige Gefangene ausgeladen und zur Strafanstalt gebracht werden sollten, entsprang ein Häftling beim Halten des Zuges auf der entgegengesetzten Seite des Bahnsteiges. Er überschlug sich beim Absturz, flüchtete über den Bahnkörper und einen Zaun und gelangte in die Hofreite der Raiffeisenniederlage. Auf dem Dache des Hauses mußte »r jedoch Halt machen, da er nicht mehr weiter konnte. Die ihn verfolgende Schutzpolizei holte den Ausreißer herunter und brachte ihn in die Strafanstalt. Gin raffinierter Gaunerstreich. 3) Nidda, 28. Mai. In einem Nachbarorte erschienen drei junge Leute, angeblich aus Frankfurt a. M., mit einem Lieferwagen zwecks Ankauf einer größeren Menge Speisekartoffeln. Nach länaerer Bemühung gelang es ihnen, mit einem Landwirt handelseinig zu werden. Die gewünschte Menge wurde sorgfältig ausgelesen, gewogen und in das Auto geladen. Einer der „feinen" Herren machte Anstalten zur Bezahlung, mußte aber „zu seinem Bedauern" sein zu geringes Bargeld feststellen. Es entspann sich eine Auseinandersetzung, die erst endete, als der Schwindler plötzlich in großen Sprüngen zum Auto eilte, das die beiden Spießgesellen unterdessen langsam in Bewegung gefetzt hatten, und mit diesem in großer Geschwindigkeit unerkannt davonfuhr. Landkreis Gießen. § Beuern, 28. Mai. Nachdem einige Zeit lang Stillstand in den häufigen Erkrankungen an Blinddarmentzündung eingetreten war, ist die Krankheit in den letzten Tagen wieder stark aufgetreten. Drei Personen mußten zur Operation den Kliniken in Gießen zugeführt werden. In einem weiteren Falle verlief die Krankheit tödlich, indem ihr ein noch nicht schulpflichtiges Kind zum Opfer fiel. * Allendorf a. d. Lda., 29. Mai. In dem gestrigen Bericht über das Klein-Kaliber- Turn- und Sporigemeinde Rodheim o. d. Bieber. Wetzlar-Niedergirmes 1.3gd. — Rodheim 1.3gd. Rodheims 1. Jugendmannschaft weilte am Sonntag in Wetzlar-Niedergirmes. Das Spiel beaann mit anfangs schwachen Leistungen, bis Rodheim durch einen guten Schuß des Rechtsaußen m Führung ging. Die Gäste waren dann noch zweimal erfolgreich, während die Gastgeber nur An Tor entgegensetzen konnten. Nach Halbzeit fiel Rodheim etwas ab, und Niedergirmes konnte die Führung an sich reißen, doch die Gäste waren durch einen Bombenschuß des guten Mittelstürmers Schneider noch einmal erfolgreich. spritze zuzuschreiben ist. Fußexerzieren und Exerzieren an den Geräten klappten vorzüglich. Inspektor Bouffier gab in einer kurzen Kritik seiner Zufriedenheit sowohl über die Leistungen der Wehr, als auch über den guten Zustand der Geräte Ausdruck und ermahnte die iungen Wehrmänner, wenn sie demnächst unter die Waffen gerufen werden, auch dort ihren Mann zu stehen und dem Vaterlande treu zu bienen. Ein dreifaches Wehr-Heil auf den obersten Führer Adolf Hitler beendete die Uebung. Bei einem Glase Bier verbrachten die Kameraden dann noch einige gemütliche Stunden. § Mainzlar, 28. Mai. Zur Verhütung von Erstickungsfällen bei Rindvieh durch Verschlingen von Obst und dergleichen, sowie zur Hilfeleistung bei Blähungen der Tiere hat die hiesige Gemeinde einen neuartigen Apparat angeschafft. Die Verwendungsmöglichkeit wurde den Landwirten gestern abend auf bem Hofe bes Gastwirtes Heinrich Vogel praktisch vorgeführt. D L i ch, 29. Mai. Am gestrigen Dienstagnach- mittag wurde einer der ältesten Männer unserer Stadt, der Schuhmachermeister Philipp O ß» w a l d , der ein Alter von 84 Jahren erreicht hatte, zu Grabe getragen. Dechant Kahn schilderte den Verstorbenen als fürsorgenden Gatten und Vater, treues Glied der Kirchengemeinde und gewissenhaften Handwerker und tüchtigen Bürger unserer Stadt. Der Verstorbene war Mitbegründer der Freiwilligen Feuerwehr Lich, ferner des Roth- 'chen Männerchors und sieben Jahrzehnte lang eifriges Mitglied des hiesigen Turnvereins. Für seine Verdienste um die Deutsche Turnerschaft war ihm die höchste Auszeichnung, der Ehrenbrtef der DT., verliehen worden. Der Pofaunenchor Lich, bem her Verstorbene als Ehrenmitglieb angehörte, spielte Trauerweisen am offenen Grab. Für bie Deutsche Turnerschaft widmete Gauoberturnwart Paul (Gießen) dem sehr verdienten Turnbruder einen ehrenden Nachruf, während der Vorsitzende des Turnvereins Lich 1860, Karl Volz, für seinen herein einen Kranz niederlegte. Schuhmachermeister Heinrich F i n d t ehrte den verstorbenen Altmeister im Auftrage der Schuhmacherinnung des Kreises Gießen. Mit Philipp Oßwald ist einer der Der- oienteften Bürger unserer Stadt zur letzten Ruhe gegangen. > Hungen, 28. Mai. Das hiesige Finanzamt hat nunmehr sein neues Heim im früheren A m t s g e r i ch t s g e b ä u d e , das von der Stadt als Eigentümerin neu hergerichtet und mit Zentralheizung versehen wurde, bezogen. Mit Ausnahme des Dachgeschosses, in dem ' sich die Wohnung für einen Steuerwachtmeister befindet, dient bas gan,3e Gebäube ausschließlich den Dienst- zwecken des Finanzamtes. berg war Wetzlar nach vorzüglichen Leistungen, allerdings gegen die nicht komplett angetretenen Teutonen, mit 3:1 verdienter Sieger geblieben. Sportverein 1920 Heuchelheim. Am Himmelfahrtstag spielt Heuchelheims erste Jugend gegen die gleiche bes Sponvereins 05 Wetzlar. Es ist ein spannenber Kampf zu erwarten, da beibe Mannschaften sehr spielstark sind, jeboch ist Wetzlar ein kleines Plus zuzuschreiben. auch „Eintracht"-Frankfurt bie Plakette holen, während in der 4X800-Meter-Staffel die 1900er noch eine gute Rolle spielen könnten. Die Laufwettbewerbe für Klasse II und für Land- vereine (100 Meter, 400 Meter, 1000 Meter, 1500 Meter und Schwedenstaffel weifen sehr starke Felder auf und werden ebenfalls gute Ergebnisse zeitigen. Es werden hier die Vereine der näheren Umgebung (Tv. Lollar, Tv. Großen-Linden, Tv. Alten-Buseck, Tv. Ruttershausen, Sportv. Alsfeld, Tv. Romrod, „Hessen" Frankenberg, Tv. Runkel sowie die Gießener Vereine Mtv., Tv. 1846, VfB - Reichsbahn und der Veranstalter) ein ernsteres Wort mitreben. In den Sprungkonkurrenzen sieht man eine Reihe talentierter Leute am Start. Wir nennen Germer (Kassel), Denker (Marburg), II n - verzagt (Eintracht Frankfurt). Acker (Stadtsporto. Frankfurt) im Weitsprung, B a r t o s ch i ck (Marburg) und Langenohl (VfB.-Reichsbahn Gießen) im Hochsprung und den 1900er Jung im Stabhochsprung. Besonderes Augenmerk wird man wieder den Wurfwettbewerbern widmen müssen. So treffen im Kugelstoßen aufeinander: Berg, Maier (beide IG. Sportv. Frankfurt) und L u h (VfB - Reichsbahn Gießen). Im Diskuswerfen hat sich ein recht ausgeglichenes Feld ergeben. Außer den genannten Kugelstoßern werden hier dem 1900er Kilo hart zusetzen die Frankfurter Stadtsportver- einler Acker, Junker und Fischer. Im Speerwerfen dürfte die 55-Meter°Grenze Überboten werden. In der Lage dazu sind Bohrmann (Stabtspv. Frankfurt) und auch Dr. D i n k l e r (Univ. Marburg). Den eigentlichen Wettkämpfen voraus geht ein Aufmarsch der annähernd 200 Teilnehmer. „$G. Teutonia " Watzenborn-Steinberg Am morgigen Himmelfahrtstag unternehmen die Teutonen vormittags, von der Station Schiffenberg aus, einen Ausflug nach Braunfels, von Der Deutschland flug 19 35 ist am gestrigen Dienstagmorgen auf dem Berliner Flughafen T e m p e l h o f gestartet worden. Nicht weniger als 154 Flugzeuge haben den sechstägigen Flug angetreten; 30 Verbände zu je drei bis neun Flugzeugen. Das Publikumsintereffe war außerordentlich groß, wie auch die Flieger auf ihrer ersten Etappe nach Guben überall Begeisterung auslösten. Der Präsi- dent des DLV., Oberst L o e r z e r, gab um 8 Uhr das Startzeichen, bis 10 Uhr waren alle Maschinen gestartet. Die erste Etappe ging über Dresden, Görlitz, Gleiwitz, Kreuzburg und Breslau zum Tagesziel Guben, wo als erste um 16.53 Uhr die Dresdener Dreierkette landete. Auf der ganzen Flugstrecke hatten die Flieger herrliches Wetter. In N e i ß e , Has um 12.24 Uhr zuerst von der Dresdener Dreierkette angeflogen wurde, hatte sich der Abstand der einzelnen Verbände schon etwas vergrößert. Ueber die Wendemarken Cosel und Ratibor ging es bann zum nächsten Landeplatz Gleiwitz. Hier, wie überall, buntes Leben und Treiben. In Gleiwitz hatte sich Nordhaufen nach vorne geschoben, bie Dres- Die meisten Spiele (mit Ausnahme ber Pflichtspiele) mußten am Sonntag wegen des starken Regens in letzter Minute abgefaat werden. Der To. Wetzlar fuhr mit zwei Mannschaften vergebens nach Garbenteich, Nauborn trat in Allendorf nicht an, das Treffen (Brüningen — Pohl-Göns fiel aus, Mtv. Gießen Jugend — Ruttershausen Jugend wurde abgesagt, und endlich mußte auch das Spiel ber Kreisauswahlmannschaft gegen ben To. Lützel- linben vorzeitig abgepfiffen meroen. Aufsttegspiele der II. Kreisklasse. Tv. Katzenfurt — To. Herborn. Katzenfurt kam burch Nichtantreten von Herborn kampflos in ben Besitz der Punkte. Tv. Dorlar — Tv. Burggemünden 7:6 (2:3). Der Ausgang dieses Treffens muß als große Ueberrafchung gewertet werden; denn die Gäste entpuppten sich wieder einmal mehr als eine technisch hervorragende und auch sehr fair spielende Mannschaft, die nur durch außerordentliches Pech bie beiben wertvollen Punkte abgeben mußte. Nicht nur, daß bie erste Halbzeit ganz im Zeichen ber Gäste stand, sie waren auch nach der Pause meistens tonangebend. Nur durch eine kurze Schwächeperiode kam Dorlar auf und damit auch zu einem mehr als glücklichen Sieg. Mtv. Gießen II — Tv. Garbenheim I 9:6 (6:3). Schon ber Umstand, daß bie Gäste mit aller Macht versuchten, die im Vorspiel erlittene Niederlage wettzumachen, läßt es erklären, daß ein hartes Spiel zu- ftandekam. Trotzdem zeigten beide Mannschaften zeitweilig ein sehr flüssiges Spiel, das die Einheimischen dank ihrer größeren Spielerfahruna und ihres größeren Stehvermögens sicher für sich entscheiden konnten. Freundschaftsspiele. Tv. Lützellinden geaen Kreisauswahlmannschaft 2:6 (1:4). Sn diesem Spiel sollte die Mannschaft ermittelt werden, die den heimischen Kreis bei den in der nächsten Zeit vorgesehenen, über den Kreis hinaus- gehenden Spielen vertreten soll. Das Ziel konnte aber nur zum Teil erreicht werden; denn dadurch, daß drei Spieler fernbüeben, konnte von einem einheitlichen Spiel nie die Rede sein. Der eingestellte Ersatz gab sich zwar redlich Mühe, mitzukommen; es erwies sich aber, daß er für die Auswahlmannschaft noch nicht die notwendige Eignung besitzt. Vor allem war es der Sturm, von dem man kaum eine geschlossene Leistung sah. Don Wagner (Wetzlar) und Bechtold (Krofdorf) sah man oft sehr schöne Einzel- »en, während Allendörser (Lützellinden) gegen gene Mannschaft nie richtig in Schwung kam. Verteidigung und Läuferreihe waren auf der Höhe, und nur ihnen und dem Ersatztorhüter ist es zu verdanken, daß Lützellinden nicht mehr Tore warf. Lützellinden selbst trat ersatzgeschwächt an. Wegen des stark einfetzenden Regens mußte bas Spiel kurz nach der Pause abgebrochen werden. Tv. Dutenhofen I — Tv. Staufenberg I 9:6 (3:3). Beide Mannschaften hatten Ersatz in ihren Reihen. Trotzdem kam ein sehr schönes Spiel zustande, bei bem die Leistungen der Gäste überraschten. Sie spielten mit großem Eifer und mußten sich zum Schluß nur dem besseren Stellunass)nel und der ausgefeilteren Technik der Platzbesitzer beugen. Tv. Wetzlar-Niedergirmes Jgd. — Tv. Dutenhofen Jgd. 10 : 4. Es war klar, daß die Gäste gegen den Kreis- meister nicht aufkommen konnten. Trotzdem zeigten sie ein gefälliges Spiel, in dem die Platzmannschaft durch ihr großes Können zu einem sicheren Sieg kam. Tv. Grüningen Jgd. — Tv. Hochelheim Jgd. 14:3 (9:1). Die Gastgeber bewiesen wieder einmal mehr ihre derzeitige Form. Sie waren dem Gegner jederzeit überlegen und gewannen verdient. Tgd. Friedberg I — Tv. Münchholzhausen I 10:6 (5:4). Die Gäste traten mit Ersatz an und mußten unter diesen Umständen eine verdiente Niederlage einstecken. Bis zur Pause konnten sie das Treffen noch einigermaßen offenhalten, konnten aber dann dem Ansturm der Friedberger nicht mehr ausweichen. Tgd. Friedberg II — Tv. Münchholzhausen II 10:11 (5:0). • Ein torreiches Ergebnis, das die Gäste, trotzdem sie in der ersten Halbzeit mit 5 Toren im Rückstand lagen, zum Schluß noch verdient gewinnen konnten. Tv. Heuchelheim — Tv. Gr. -> Buseck 10:6 (7:2). Trotzdem die Gäste nach langer Zeit wieder zum erstenmal spielten, gaben sie einen starken Gegner ab. Während die erste Halbzeit klar für Heuchelheim war, kam Gr.-Buseck nach der Pause stark auf und konnte das Spiel vollkommen ausgeglichen gestalten. Die Mannschaft hat bei etwas mehr Training jedenfalls die Möglichkeit, ein Stück ihrer einstigen Spielstärke trotz der vielen Neulinge wieberzugewinnen. Geheimes gufenVerdauung Hllllrich-Sctlz WW Die vorausgesagte bessere Gewinnchance für Londorf ist nicht in Erfüllung gegangen. Allendorf ge- durch bessere Spieltechnik und Schußkraft. Nr. 124 Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)Mittwoch, 29. Mai 1955 Gießen und die Luftfahrt. Ein wertvolles Stück Gießener Ortsgeschichte. — Eine Bildausstettung über die Entwicklung der Lustfahrt in Gießen. -yy -*.....«rr &- I | - K 2 M. Ä ■ Der Parseval-Besuch im Vor uns liegt ein 64 Seiten starkes Buch im Großformat, auf der Titelseite ein Schattenriß der Stadt Gießen, dahinter die Berge mit den Burgen Gleiberg und Vetzberg, darüber ein Flugzeug zeigend. Das Buch enthält unter dem Titel „Gießen und die Luftfahrt" die von Dr. Karl Rudolf Fischer, Flieger im Motorfliegersturm Gießen I, im Auftrage der Flieger-Landes-Gruppe 11 und der Flieger-Ortsgruppe Gießen nach amtlichen Akten, Urkunden und Quellen besorgte und verfaßte Geschichte der Entwicklung des Luftfahrt-Gedankens in Gießen und die Entstehungsgeschichte des Flughafens in Chronikform. Der Gießener Luftfahrtgeschichte hat der Verfasser eine Widmung vorausgeschickt, in der er „mit Dankbarkeit und Würdigung" die Namen Fliegerkettenführer Graf Solms-Laubach, Oberflugmeister Erbprinz Solms-Lich, Flieger- Ortsgruppenführer Dr. Schoenhals nennt und dabei sagt: „Ohne ihr Streben, ihr Wirken und ihr Schaffen stünde der Sturm nicht, wäre diese Schrift nicht da. Sie soll als Widmung ihre Namen tragen". Zur Erläuterung sei hierzu bemerkt, daß alle Fliegerstürme vom Deutschen Luftsport-Verband auf» gefordert waren, eine Geschichte der Luftfahrt ihres Ortes herauszugeben, wobei für die einzelnen Arbeiten eine Preisbewertung stattfand, bei der der Gießener Motorfliegersturm mit der vorliegenden Schrift den ersten Preis erhielt. Mit dieser Schrift wollte der Sturm beweisen, daß er nicht nur zu nehmen versteht, sondern auch zu geben weiß. Neben dieser Widmung findet man in dem Buche eine pietätvolle Erinnerung an die auf dem Felde der Ehre gebliebenen deutschen Fliegerkameraden mit der Wiedergabe des bekannten chelden-Gedenk- Wortes des Rhön-Fliegerdenkmals auf der Wasserkuppe. Im ersten Teil der Geschichte des Werdeganges der Luftfahrt-Entwicklung in Gießen während der Vorkriegszeit wird zunächst daran erinnert, daß bereits im Jahre 1785 „in Gießen der hochfürstlich badische Landbau- Iahre 1909 in Gießen. meister Karl Friedrich Meer wein einen regelrechten Flugversuch probierte". Dann geht die Schilderung mit einem großen Sprung über auf das Jahr 1891, in dem Ernst Otto L i l i e n t h a l seinen ersten Erfolg im Fliegen verzeichnete. Hierauf wird an die erste große Ueberlandfahrt des Grafen Zeppelin im Jahre 1908 erinnert, die bekanntlich mit dem Drama bei Echterdingen endete und damals zu der großen deutschen Zeppelin- Nationalspende führte, zu der auch die Stadt Gießen aus städtischen Mitteln 3000 Mark beisteuerte. Die Spenden-Annahmestelle des „Gießener Anzeigers" konnte damals — wie in der Schrift erwähnt wird — innerhalb weniger Wochen dem Grafen 2850 Mark überweisen. Die Schrift zeigt in diesem Zusammenhang in gut leserlicher Wiedergabe das persönliche Dankschreiben des Grafen Zeppelin an die Gießener Stadtverwaltung. Weiter berichtet das Buch über den Besuch des Parseval-Luftschiffes in Gießen im Jahre 1909, bei dem der „Parseval" unter Führung von Oberleutnant Stelling von Frankfurt a. M. zum Flug nach Gießen aufstieg und damit neben dem Preis von Gießen auch den Preis von 3000 Mark errang, den die Kurverwaltung Bad-Nauheim für den Lenkballon ausgeworfen hatte, der zuerst von der Ausstellung aus Bad- Nauheim überfliegen würde. Zwei interessante Bilder, die den „Parseval" beim Kurven um den Stadtkirchturm und beim Abflug vom Trieb zeigen, sind dieser Schilderung beigegeben. Dann wird an den ersten Freiballon-Aufstieg in Gießen erinnert, der am 28. Mai 1911 stattfand; mehrere ausschluß- reiche Bilder bereichern diesen Abschnitt der interessanten Schilderung. Nunmehr folgt, in Wort und Bild außerordentlich fesselnd geschildert, der Bericht über das erste große Flugfest in Gießen mit dem Besuch des Zeppelin-Luftschiffes „Viktoria Luise", der am 27. Oktober 1912 auf dem Trieb erfolgte, nachdem das Luftschiff am Samstag früh von Friedrichshafen nach Frankfurt gekommen war und > am Sonntagmittag mit 16 Passagieren aus Gießen den Flug von Frankfurt nach hier angetreten hatte, I um dann mit 12 Passagieren von Gießen aus wieder nach Frankfurt zu fliegen. Dann lenkt der Ge- chichtsschreiber die Aufmerksamkeit der Leser auf den Prinz-Heinrich-Flug im Mai 1913, bei dem Gießen als Nebenetappe eine Rolle spielte und ein außerordentlich eindrucksvolles Erlebnis zu verzeichnen hatte. Die über mehrere Buchseiten laufende Schilderung dieses Abschnittes der Gießener Luft- ahrtgeschichte ist durch eine große Anzahl guter Bilder illustriert. Anschließend folgt der Bericht über die Taussahrt des „Freiballon Stadt Gießen", die am 7. Juni 1914 vom Gaswerk aus stattfand und bis in die Gegend von Scharzfeld am Harz führte. Mehrere interessante Bilder über dieses Ereignis ergänzen auch hier den Bericht in guter Weise. Daran schließt sich die Darstellung der Kriegszeit in Gießen, soweit die Luftfahrt in Betracht kommt. Hierbei erfährt die breite Oeffentlichkeit zum ersten Male Einzelheiten in Wort und Bild über das Schütte-Lanz-Unglück in Gießen im Jahre 1915, bei dem bekanntlich ein Schütte-Lanz-Luftschiff bei dem Wachtturm des Gefangenenlagers auf dem Trieb landete und am Nachmittag von einem plötzlich einfetzenden furchtbaren Sturm zerstört wurde. Der Bericht bringt hierüber Bilder, die damals aus militärischen Gründen nicht veröffentlicht werden durften, dann durch den unglücklichen Ausgang des Krieges in Vergessenheit gerieten und nun erst durch einen glücklichen Zufall wieder zutage gebracht werden konnten. Am Schlüsse des ersten Abschnitts wird in gebührender Weise der Männer gedacht, deren Namen und Wirken mit der Gießener Luftfahrt für alle Zeiten unvergänglich verbunden ist. Der zweite Teil der Schrift behandelt in eingehender Weife den Werdegang der Luft- fahrt-Entwicklung in Gießen in der Nachkriegszeit. Es wird hier zunächst an die vorbereitenden Arbeiten in den Jahren 1919 bis 1923 erinnert und sodann über den leider durch Regenwetter sehr beeinträchtigten ersten Gießener Flugtag nach dem Kriege am 26. Oktober 1924 auf den Wiesen hinter dem Amtsgericht berichtet. Weiter kann man nachlesen, mit welcher gewaltigen Begeisterung die Gießener Bevölkerung im September 1924 den langersehnten Besuch des neuen Zeppelin „Z. R. III“ auf seiner ersten großen Deutschlandfahrt erwartet hatte und diesen Besuch voll Freude gerade um die Mittagszeit entgegennahm, nachdem man seit 1912 hier keinen Zeppelinbesuch mehr gesehen hatte. Beim Lesen dieser Zeilen Erster Aufstieg des „Freiballon Stadt Gießen" nach der Taufe am 7. Juni 1914 in Gießen. — Rechts im Ballonkorb (der Mann mit dem Vollbart) als Vertreter der Stadt der verstorbene Stadtverordnete Bäckermeister L o e b e r sen. Bild-Archiv der Flieger-Ortsgruppe Gießen. Das Zeppelin-Luftschiff „Viktoria Luise" im Jahre 1912 auf dem Trieb. ■ r •Der eine und der andere weiter. BineHimmelfahrisgeschichie von Karl Burkert. Die Watdstellung lag noch unter leichten Morgenschleiern; aber die Sonne stand schon stark über den Bergen, sog sie zusehends hinweg. Kein Nacht- reif versilberte mehr die Schützengräben, wie noch die vorige Woche. Es war ja auch nun Frühling, voller Frühling. Himmelfahrtstag war sogar. Wie viele köstliche Himmelsfahrtstage hatte man nicht schon erlebt! An diesem Tage erwartete man sich doch stets etwas Besonderes. Freilich, nun hier draußen? Was sollte einem da schon begegnen? Aber vielleicht bekam man von zu Hause einen Brief. Der junge Husarenfähnrich, an diesen Brief denkend, lehnte, die Zigarette zwischen den Lippen, an einer Föhre, nahe dem Waldrand, blickte hinein in eine kleine Talmulde. Diese Mulde lag zwar hinter der deutschen Stellung, aber die gegenüberliegenden feindlichen Berge konnten in sie wie in eine Stube hineinsehen. Bei Tage durfte man sich da nicht wohl hinwagen. Die französischen Richtkanoniere verstanden keinen Spaß. r m . Man lag nun viele Wochen m diesem Vogesen- malt) und der Fähnrich hatte die Mulde schon hundertmal vor Augen gehabt. Im fahlen, traurigen Spätherbst, im schneeglitzernden grauen Regentagen, im schweren, sackdicken Nebel, und eigentlich noch keinmal hatte er ein Verlangen in sich verspürt, sich den halbzerschossenen Bauernhof da drunten bei den alten Kirschbäumen, einmal aus der Nähe anzusehen. Aber nun die schimmernde Baumblüte und das leuchtende Löwenzahngold, welche die ganze Mulde randvoll füllten, griffen ihm wie eine unwiderstehliche Macht in die Seele. Und da hebt sich nun plötzlich ein Wunsch: Einmal diesen Hang hinunter, bloß lumpige achtzig Schritte. Und zwar jetzt. Jetzt am hellen, lugten Tag. Mitten durch eine farbige Himmelfahrtswiese laufen, ganz so, als ob man zu Hause wäre. Unter einem blühenden Baum stehn, die Bienen orgeln hören und den süßen Duft in sich ziehen. Kostbar müßte das sein, kostbar! ,, Und nun fängt er auch schon an, sich diese tone Sache zurechtzulegen. Drei Sprünge waren es eigentlich nur. Zuerst bis zur Brunnenstube, wo die hohen Brennesseln wuchsen. Sodann bis zum Wachholderbusch. Hier wie dort konnte man in Deckung gehen, ein bißchen verschnaufen. Mit dem dritten Sprung befand man sich bereits im Sichtschutz der Kirschbäume. So dachte der junge Freiherr von Borck, und eine Viertelstunde hernach hatte er es wirklich geschafft. war er da, wo er sein wollte, stand er mit glitzernden Augen auf dem sonnigen, stillen Hof. Alles besah er sich genau. Den Brunntrog. Die sauber geschreinerte Haustür. Die Donnerwurz auf dem zerfetzten Dach. Die rostige Sense, noch an der Scheu- nenwand hängend. Unter dem Windbrett des Schuppens das Rotschwanznest, aus dem wahrhaftig eine Brut schrillte, als gäbe es keinen Krieg. Das Hennenloch. Den Schleistein. Und noch hundert von diesen kleinen ewigen Dingen. Seine blauen Augen wurden zusehends heller. Nun konnte man sehen, daß es Bauemaugen waren. Oder hatten die Borcks nicht seit Menschengedenken den Acker gepflügt? Freilich, sie waren auch immer Soldaten gewesen; waren, die meisten, flotte Reiter. Um ein gutes Pferd ritten sie, wenn es fein mußte bis ins Heidenland. Der Fähnrich war auf feinem Gang durch den Hof vor dem Stall angekommen. Einen Augenblick besann er sich. Dann schlug er den Holzriegel zurück, trat ein. Zu denken: der Stall war leer. Doch roch es da wenigstens wieder einmal nach Mist und Hafer; eine Häckselkiste war da, noch zur Hälfte gefüllt, und an einem Holzdorn hing ein Stück Sielzeug. Der Fähnrich griff darnach. Nachdenklich ließ er die trockene Trense durch die Finger gleiten. Auf seiner Stirne hob sich eine Querfalte. Seit man in die Gräben steigen mußte, war's mit dem Reiten vorbei. Und doch, wie viel war man schon in diesem Krieg geritten. Und noch viel mehr hätte man reiten mögen. Lieber um die ganze Erde reiten, statt als Schütze in diesen Drecklöchern liegen. Aber es schien, mit den Husaren war's nun ewig zu Ende. Tra—a—ab!" machte er. Dann ließ er den Zügel aus der Hand gleiten, wartete noch, bis er wieder ruhig hing, und dann schritt er hinüber nach dem Haus. In der Wohnstube hatte eine Granate gewirtschaftet. Wütend war sie hereingesprungen, hatte den Frieden gefressen. Nun Trümmer über Trümmern. Und dazwischen lag, wie die Unschuld, ein Püppchen. Wie der letzte Akt einer hanebüchenen Ehetragödie war die Schlafkammer anzusehen. Aber dann war eine Stiege da, eine schmale, tännichte Stiege, die war noch leidlich in Ordnung. Sie führte auf die Bühne. Durch das zerrissene Dach brachen Licht und Himmel und man konnte deutlich sehen, was es da gab. Reisigwellen, Steinkrüge und Weidengerten lagen umher, und auf einer altväterischen Truhe, die ganz von der Spinne überwoben war, lag ein mürbes, verschollenes Büchlein. Ein Staubwölkchen entwallte, als es der Fähnrich aufschlug. Heylwür- diqste Seelenartzenei für jed betrübtes Chnsten- mentsche. 1620." So stand auf dem Vorblatt zu lesen. Seelenarzenei! Herrgott, das konnte man brauchen. Nichts notwendiger als dies. Der Fähnrich saß sogleich nieder auf die Truhe, wollte anfangen mit Lesen, aber erst mußte er ein bißchen blättern. Sachte, schier ehrfürchtig, wendete er Seite um Seite. Ein modriger Hauch wehte ihm entgegen. Und bann plötzlich ein loses Blatt. Ein schon ganz vergilbter Brief war's. An eine Jungfer Klara, Tochter des Prädikanten Josua Güthlin, war er gerichtet. Eine zierliche, wunderlich verschnörkelte Schrift. Ein Abschied war es. Don Treue und Wiederkehr war die Rede, und sodann, schon gegen den Schluß zu, von einem Regiment Miglav. Jetzt wußte der Fähnrich Bescheid. Jawohl, die Schweden! Die zogen damals durch diese Gegend. Nach dem Rhein, zur Belagerung der festen Stadt Breisach. Auch ein Borck war dabei. Friedrich hieß er. Bei Lützen dann erlitt er den Reitertod. Der Fähnrich sann: Wie wenig man doch von feinen Ahnen wußte! Meist nicht viel mehr, als der Stten vermeldete, der ihre Gruft schloß. Was wußte man von ihrem Leben, ihrer Liebe? Fast ein wenig bekümmert wandte er das Blatt, um mit dem Brief zu Ende zu kommen. Und da stand nun: Dieses hat in Eil geschrieben auf einer Trommel, am Auffahrtstag 1631 Fridericus von Borck, Fähndrich in der schwedischen Armada. Auf englischer Seite in der Skagerrak-Schlacht. Der Signaloffizier an Bord des englischen Flaggschiffes „Lion" — ein mutiger und aufrichtiger Mann — hat seine Erinnerungen an die Skagerrak- Schlacht gesammelt. Wie es nicht anders sein kann, sind es nur Einzelheiten, die er auf feinem Posten zu beobachten imstande war. Was die Admirale hüben und drüben leisteten, will er deshalb auch nicht nachträglich beurteilen. Er erlebte Heldentaten unbekannter Männer, und er erlebte die tiefe Niedergeschlagenheit nach einer tapfer durchkämpften Schlacht. Wir entnehmen der aufsehenerregenden Schilderung, die das Junihekt von Velhagen grKlasings Monatsheften bringt, das beispiellose Opfer eines englischen Ingenieurs: „Ein furchtbarer Stoß gegen die Eingeweide des Flaggschiffs ,ßion‘. Die Stichflamme schlägt hoch über unsere Masten empor. Eine Feuerlohe schlagt bis zum Himmel. Schwarze Flocken regnen an Deck ... Im Unterbau des Turmes brennt es ... Eine Stahltür öffnet sich. Der Erste Offizier kriecht heraus, hinter ihm die Leute vom Brand- und Leckfiche- rungsdienst. ,Jemand muß den Turmunterbau unter Wasser setzen, die Munitionskammern sind in Gefahr/ Von allen Seiten springen Leute vor. Der ,ßion‘ ist in Gefahr! »Halt ... das ist meine Sache/ Ein Ingenieur tritt vor, kriecht zum Turmrand. Jede Sekunde kann der,ßion‘ in die Luft fliegen. Der Admiral im oberen Kommandoturm, der Kommandant, einige Offiziere wissen es. Die da unten wissen es nicht, sehen nichts von der Schlacht. Der Ingenieur klettert in den Turm hinab, nein, er springt ... soviel Sekunden hat er nicht, er weiß, daß er in wenigen Sekunden verbrennen wird ... vorher muß er zum Ventilrad ... Während das Fleisch seiner Arme, seiner Beine aufbrennt, hat er das Handrad erreicht ... Ein Griff, das Ventil ist offen ... Das Wasser stürzt in die Flammen ... von dem heldenmütigen Ingenieur ist nichts mehr zu sehen." Als nach Abbruch des Kampfes die Verluste der Deutschen bekannt wurden, verschwieg man sie der Mannschaft, um sie nicht vollends zu entmutigen. Die eigenen waren nicht zu bemänteln. Jeder stand an Deck und zählte die Schiffe ab, und jeder hatte den gleichen Gedanken. „Zwei Jahre", fo schließt der englische Offizier, „lagen wir noch in Scapa Flow. Zwei lange, untätige Jahre. Spielten Fußball und Theater, boxten. Bis die deutsche Flotte selbst nach Scapa Flow kam. Niemand auf der Grand Fleet hat über dieses Ende Freude gezeigt. Wir waren nicht stolz, als die alten Bekannten aus der Schlacht in die Bucht dampften, einer nach dem andern. Wir wollten die deutsche Flotte bekämpfen, nicht aushungern ... Ader die See-Lords am grünen Tisch ..." Der Dozent für klassische Philologie Dr. Erwin Wolff von der Universität Königsberg, der bisher schon vertretungsweise an der Universität Frankfurt tätig war, ist nunmehr zum beamteten außerordentlichen Professor für klassische Philologie und zum Mitdirektor des Seminars für flaf» sische Philologie an der Universität Frankfurt ernannt worden. Der Dozent Dr. Paul Wolfgang Metzger hat mit Wirkung vom laufenden Semester an einen Lehrauftrag für Psychologie in Frankfurt et« halten. Außerdem ist ihm die vertretungsweise Leitung des Psychologischen Instituts der Universität Frankfurt übertragen worden. denken wir mit starker innerer Freude an jenes er- hebende nationale Ereignis zurück, das damals allenthalben die Volksgenossen in Gießen gewaltig begeisterte, lieber die Ausbreitung und Vertiefung des Fliegergedankens in Gießen wird weiter in der Schrift ausführlich gesprochen. Dabei wird geschildert, daß neben der Freude an der Motorfliegerei auch der Gedanke des Segelfluges hier schon seit vielen Jahren eine gute Heimstatt besitzt. Dann kann man weiter lesen, aus welch' einfachen Verhältnissen heraus unser Gießener Flughafen entstanden ist. Man sieht dabei im Bild u. a. das bekannte alte kleine Blockhaus des Flugplatzes, in dem die ersten Besprechungen der damals in der Führung des Gießener Luftfahrtoereins tätigen Männer über die Errichtung des Flughafens stattfanden. Wir selbst erinnern uns beim Lesen dieser Zeilen an die mannigfachen Beratungen in diesem kleinen Häuschen, an die große Begeisterung, aber auch an die vielen Sorgen und Schwierigkeiten, mit denen damals die Vorkämpfer der Fliegerei in Gießen bei der Verwirklichung ihres großen Planes zu kämpfen hatten. Vier Männer, Wegbereiter und Förderer des großen Werkes, seien in diesem Zusammenhang vor ollem genannt: Geheimrat Professor Dr. König, Bankdirektor G r i e ß b a u e r, Regierungsrat Schmidt und Oberbürgermeister a. D. Dr. K e l - l e r. Die beiden erstgenannten Herren wirkten übrigens schon seit vielen Jahren vorher in der vordersten Front der Männer, die sich in Gießen zu eifrigen Pionieren der Luftfahrt gemacht hatten. Im Bild sehen wir vor diesem Kleinen Blockhaus auch das bekannte, den Kinder besonders ans Herz gewachsene kleine Gespann des beliebten Flughafen-Esels, der damals auch den erwachsenen Besuchern oft viel Freude bereitet hat. Wir sehen weiter im Bild neben der ausführlichen Schilderung im Wort die Einweihung des Flughafens im Jahre 1925, eine Aufnahme nach dem Jungfernflug des damaligen Flugzeugs „Gießen", dann aus der Frühzeit des Flughafens das alte Kaffeehäuschen, weiter können wir in Wort und Bild die übrigen bedeutsamen Etappen der Entwicklung des Flughafens verfolgen und dabei auch die hingebungsvolle Arbeit der Segelflieger bemerken. Dann wird man in die Zeit der Errichtung des Flughafengebäudes im Jahre 1927 mit der feierlichen Einweihung des neuen Hauses am 27. September 1927 versetzt. Vielerlei Interessantes wird uns auf den folgenden Seiten über die Entwicklung der Segelfliegerei und des Motorflugs, mit dem Gießener Flughafen als Stützpunkt, in die Erinnerung zurückgerufen, Ereignisse und Manner treten in Wort und Bild wieder vor unsere Augen und lassen rückschauend noch einmal ein eindrucksvolles Bild des durch viel Mühe und Arbeit 3uftanbegefommenen Werkes lebendig werden. Den Abschluß dieses Teils bildet ein zusammengefaßter Bericht über das Werden und Wachsen der SA.-Fliegerei, von der in Gießen der Motorfliegersturm Gießen und der Segelfliegersturm stationiert finb. Bedeutsame Etappen in diesem Aufbauwerk sind u. a. die Flugzeugtaufe und Der Flugtag 1933, der Besuch des Reichsstatthalters Gauleiter Sprenger, im vorigen Jahre die Luftfahrtwerbewoche, der Besuch des damaligen Vizekanzlers P a p e n und das große Fieseler-Flugfest mit dem für unsere Stadt und die weitere Umgegend allezeit denkwürdigen Kunstflug des Weltmeisters F i e f e l e r. Erwähnt sei auch noch, daß unsere Gießener Fliegerin Martha Men- bet in Wort und Bild in gebührender Weise in dieser Geschichte der Gießener Fliegerei ihren Platz gefunden hat. Das Buch, erschienen im Druck und Verlag von Albin Klein, Gießen, verdient in seiner Gesamt- beit ein aufrichtiges Wort der Anerkennung. Die Schreibweise ist flott und in ollen Teilen lebendig, der Leser wird — zumal es sich um die zusammenfassende Darstellung eines großen Teiles persönlicher Erlebnisse handelt — in hohem Maße gefesselt. Die beigefügten vielen Bilder bringen wertvolle Erinnerungen. Erfreulich ist, daß das Buch, in dem man nunmehr eine geschlossene Geschichte der Gießener Luftfahrt-Arbeit vor sich hat, zu dem durchaus angemessenen und für viele Volksgenossen crschwingbaren Preis von 1 Mark abgegeben wird. Um mit diesem Werk auch der dankenswerten und immer wieder der Förderung würdigen Arbeit der RS. - Volkswohlfahrt eine Stütze zu geben, hat der Führer der Fliegerortsgruppe Gießen 500 WiMchM»«.... Roman von Charlotte prenzel. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.). 34 Fortsetzung Nachdruck oerbotenl Liane wandte sich hastig nach dem Tischgrammophon, das sie sich ins Zimmer hatte bringen lassen. Mit zitternden Fingern zog sie es auf. „Ja! Legen Sie mir den Schlüssel ins Zimmer. Ich fahre erst morgen früh!" Liane atmete erleichtert auf. „Was hast du, Liane? Du bist plötzlich ganz blaß geworden?" fragte Fred, als Betty gegangen war. „Nichts, nichts!" stieß sie hervor, auf das tiefste erschrocken, daß er ihre Angst bemerken konnte. Sie setzte hastig die Nadel in Bewegung. Um die Erregung zu bezwingen, machte sie ein paar groteske, übermütige Tanzschritte. Da war er an ihrer Seite, wollte sie in die Arme nehmen und mit ihr tanzen. Sie wehrte ihm lachend, entschlüpfte ihm mit einer jähen Drehung. Er ließ sie nicht aus den Augen. War das wirklich die kleine Liane, die ihn neckte, die vor ihm davonlief, die mit Blicken kokettierte, deren Lächeln warb? Endlich hatte er sie erwischt. Er zog sie fest an sich, tanzte mit ihr weiter, lange... Endlos lange, wie es ihnen schien. Immer, wenn die Tanzplatte abgespielt war, setzten sie die Nadel von neuem in Bewegung. Aus die Dauer fühlte Liane, wie ihr der Atem verging, wie ihr die Sinne zu schwinden drohten. Die Erregung, die in ihr zitterte, ließ sie erschlaffen. Schließlich sank sie erschöpft, ihrer Sinne kaum mächtig, auf ihren Stuhl. Er beugte sich bestürzt über sie. „Was hast du, Liane?" fragte er wieder. Sie lag einige Augenblicke wie leblos in dem Stuhl, fühlte, wie er ihr das Sektglas an Die Lippen drückte. Sie trank es hastig, in durstigen Zügen leer. Ich darf nicht versagen!, betete sie heiß. Lieber Gott, laß über mich kommen, was fein muß — nur rette ihn vor dieser Frau! Sie lachte, sprang auf, taumelte ein wenig und fühlte, wie sich seine Arme wieder um sie legten. „Liane!" klang feine Stimme erregt an ihr Ohr. Sein Antlitz beugte sich zu ihr nieder. Da hoben sich ihre Arme, legten sich um feinen Hals, ihre Lippen boten sich den feinen dar. Bucher der NSV. kostenlos überlassen, damit durch deren Verkauf für das Werk der NS.'Volkswohlfahrt 500 Mark flüssig gemacht werden können. Dieser Entschluß verdient alle Anerkennung. / Von besonderem Interesse ist in diesem Zusammenhang noch, daß es dem Verfasser des Buches, Dr. Karl Rudolf Fischer, und der Leitung der Fliegerortsgruppe Gießen gelungen ist, ein außerordentlich umfangreiches Bildmaterial zu- fammenzutragen, das nur zum kleinen Teil m dem reich illustrierten Buche Aufnahme finden konnte. Um aber auch die übrigen Bilder den Volksgenossen in Stadt und Land zur .Besichtigung zugänglich zu machen, ist eine Bild-Aus st e l - lung geplant, die voraussichtlich noch Ende dieser Woche in Gießen eröffnet werden soll und alle photographischen Aufnahmen enthalten wird, Die bei Gelegenheit Dieses Werkes zusammei^etragen werden konnten. Auf diese Ausstellung mochten wir hier ebenso empfehlend Hinweisen, wie wir auch das Buch „Gießen und Die Luftfahrt" allen deutschen Volksgenossen in Stadt und Land nur bestens zum Kauf empfehlen können. Aus der Provinzialhauptstadt. Oer Himmelfahrtstag und seine Bräuche. Am vierzigste» Tag nach Ostern, stets an einem Donnerstag, feiern wir Christi Himmelfahrt, dieses rein christliche Fest, das weder an jüdische, noch an heidnische Feste anknüpft. Bereits ums Jahr 400 ist es sowohl im Morgen-, als auch im Abendland völlig eingebürgert. Die Kirche feierte schon im Mittelalter Den Tag Der Himmelfahrt Christi durch Prozessionen auf einen Berg oder Hügel, die ursprünglich vielleicht an den Gang Der Jünger auf Den Delberg erinnern sollten. Solche Himmelfahrtsprozefsionen sind noch heute in katholischen Gegenden gana und gäbe. In Schwaben z. B. werden große „Oeschgänge" (Pro- Zessionen) durch Die Gemarkungen veranstaltet, bei Denen viermal angehalten und je ein Stück aus den vier Evangelien oorgelesen und ein Wettersegen gesprochen wird. Auch in Ostdeutschland finden solche Flurumzüge statt, ebenso im Rheinland an den Rogationstagen (Den Drei Tagen vor Himmelfahrt). Am Tag nach Himmelfahrt vollzog sich in Weingarten in Schwaben Der sogenannte „Blutritt". Es ist Dies eine Prozession zu Pferd — die Zahl der Reiter geht in die Hunderte —, Die, von Musik begleitet, unter ständigem Läuten Der mit- geführten heiligen Blutglocke einen Tropfen vom Blute Christi Durch Die Felder geleitet. Schon für das Jahr 1500 ist dieser eindrucksame Reiterumzug bezeugt. Der Himmelfahrtstag ist jedoch nicht nur der Tag Der frommen Umgänge, auch weltliches Ergötzen kommt zu feinem Recht: in Ostdeutschland machen Die Mädchen gemeinsam einen Gang Durch Die Felder, während in Berlin selbst, alter Sitte gemäß, der Himmelfahrtsausflug zunächst nur für Die Männer üblich war. Heute steilich fliegen an Himmelfahrt Männlein und Weiblein aus, groß und klein. Im Waldeckfchen unternehmen Die Jungen eine Eichhörnchenjagd, im Mansfeldschen wird in Der Umgebung der Dörfer an einem schönen Platz ein Faß Bier aufgelegt (Das bis auf Den letzten Tropfen geleert werden muß) und Der Tag bei luftigem Tanz in einer eigens dazu errichteten Scheune gefeiert; in Reichenbach gingen Die Leute in Die Dörfer „auf Die Semmelmilch". In Ostfriesland, namentlich in Den Gehölzen um Aurich, war eine ausgelassene Frühlingsmorgenfeier Himmelfahrtsbrauch: die Jugend zog in Den Wald und fang Dort Frühlingslieder, eine Anzahl Burschen blies dazu auf Bastflöten oder pfiff auf Blatträndern; zur Kirchzeit zogen die jungen Leute und Die Kinder bann blumengeschmückt wieder in die Stadt zurück. Im Kreis Molsheim zieht man am Tag vor Himmelfahrt auf Die Berge und schmaust Dort gemeinsam unter Musikbegleitung beim Schein lodernder Feuer. Früher wurden Dabei auch allerlei Spiele — Springen, Wettlaufen usw. — getrieben. In Bentheim zieht man am Himmelfahrtsmorgen zum glücfbringenDen „Tautreten" aus. Eine eigene Sitte finden wir in Aurich: Die des sogenannten „Brautpfads". Kaum graut am Him- melfahrtstag der Morgen, so tauchen aus allen Häusern Frauen, Kinder und junge Mädchen auf und legen behutsam Girlanden zu beiden Seiten des von Tür zu Tür leitenden Fußpfads, Der zu- oor mit weißem Sand bestreut wurde. Grüne Kräuter säumen Den Pfad, Die innere Fläche wird abwechselnd mit blauen und gelben Blumen belegt, namentlich mit Veilchen und Butterblumen. Die Veilchen haben die kleinen Kinder nach der Schule gepflückt, Die Sumpfdotterblumen Die größeren an schulfreien Nachmittagen, ebenso das grüne Schierlings kraut und Die Schwertlilienblatter, Die nun Den Brautpfad seitlich einfassen und ihn teppich- beetartig in Felder teilen. Bei Sonnenaufgang müssen Die Brautpfade beendet sein, und schlecht geht es Dem, dessen Haus Des lieblichen Fruhlmgs- pfads entbehrt. Die in aller Frühe ausziehende Jugend tut Dem Säumigen allerlei Schabernack an, hängt Gartentore aus, wirft Gartenstuhle in den Brunnen, sa, schleppt Den Bauern Ackergerät, wenn möglich sogar ganze Wagen, aufs Scheunendacn zur Strafe für ihre Langschläferei. Ursprünglich war der Brautpfad — eine uralte Sitte — wohl gedacht als Teppich für Die Füße Der „Pfingst- braut", Der „Maikönigin", an Die mancherlei (Erinnerungen noch vielfach fortleben. Nicht nur beim ostfriesischen „Brautpfad , auch sonst kommt an Himmelfahrt Der Blume eine besondere Bedeutung zu. So verlangt eine altmärkische Volkssitte, daß die Burschen an Himmelfahrt das Pimpinellenkraut ausgraben und den zum König machen, dem es gelang, der Erde die größte Wurzel zu entreißen. (Die Pimpernelle oder Bimbinell galt übrigens im Mittelalter und auch noch späterhin als treffliches Heilmittel gegen Pest und andere ansteckende Krankheiten.) Den an Himmelfahrt gepflückten Kräutern schrieb man vielerorts eine besondere Heilkraft zu. In Schwaben windet man aus Himmelfahrtsblümchen (Gnaphalium divicum) Kränzlein, die, im Haus aufgehängt, es gegen Blitzschlag schützen; Denn ein Gewitter an Himmelfahrt ist gar nicht so selten, glaubt man doch in vielen Gegenden, das sich an diesem Tage der Himmel stets aufs neue unter Blitz und Donner öffne zur siegreichen Auffahrt Christi. Der Mecklenburger hütet sich, an Himmelfahrt mit dem Bleuel zu klopfen, denn fönst zerstört ihm, soweit Der Bleuel gehört wurde, Gewitterhagel Die Felder. Auch soll man nicht nähen, sonst schlägt Der Blitz ein. Doch nicht nur der Himmel sendet am Himmelfahrtstag Gefahren, auch das Waffeffr birgt sie: die Flüffe fordern nach dem Glauben Des Volkes an diesem Tag einen Tribut. So die Enz bei Vaihingen einen Laib Brot, ein Schaf und einen Menschen (man soll deshalb an diesem Tay nicht im Fluß baden), der Neckar bei Kirchentellinsfurt bas gleiche und außerdem noch einen Bienenkorb. Ein anderer Aberglaube knüpft an Den in katholischen Kirchen üblichen Brauch an, eine geschnitzte Christusfigur in die Kirchenwölbuna emporzuziehen (um den Andächtigen Die Himmelfahrt Christi zu versinnbildlichen): aus der Richtung, in die Der Heiland Dabei blickt, kommen im folgenden Jahr die meisten Gewitter. Oder: so oft im Dom zu Münster das zum Apostelgang emporgezogene Kreuz knackt, soviel Taler kostet das Jahr hindurch der Malter Roggen. Dieser Brauch der Darstellung der Himmelfahrt, hat sich übrigens auch in Der evangelischen Kirche bis zum Jahr 1540 erhalten, ebenso, wie die lleberroinbung des Satans, bie dadurch veranschaulicht wurde, baß eine den Satan darstellende Strohpuppe aus der Kirchenwölbung ober vom Kirchturm herabgeschleudert wurde, durchge- peitscht und zerrissen. In Hildesheim besteigen bie jungen Mäbchen am Nachmittag ben Kirchturm unb läuten mit allen Glocken. Das Mäbchen, das vom schwingenden Glockenseil am höchsten mit emporgezogen wird, bekommt. den längsten Flachs. Früher achtete man in vielen Gegenden streng darauf, daß an Himmelfahrt „fliegendes Fleisch", d. i. Geflügel, auf den Tisch kam, ein Brauch, der sich heute mehr ober weniger verloren hat, ebenso. wie 6k alte, in Elbing (Ostdeutschlanii) bestehende Sitte, an Himmelfahrt Gäste zum Proben be» Märzbiers zu laben, während in Königsberg t. Pr. bie Sitte fortbesteht, im „Kneiphost an Himmel« fahrt ein Bankett abzuhalten, bas sog. „Sdjmea* hier". E- NSDAP. - Amt für Dolkswohlfahrt. Ortsgruppe Glehen-Nord. Lebensmittelopferring. Am Montag unb Dienstag, 3. unb 4. Juni, finbet die Einziehung des Lebensmittelopferringes statt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpakete bereitzuhalten und ben Inhalt auf ben Umhüllungen anzugeben. Deutsche Arbeitsfront. NS.-Gemelnfchast „Kraft durch Freude". Achtung! Dringend! Wichtig! Litt! Wir erhalten soeben folgenbe Melbungen unserer Gaubienststelle Frankfurt: Für folgenbe Fahrten sinb noch einige Plätze frei: Fahrt vom 1. bis 12. Juni: Bodensee (Meersburg). Fahrt vom 3. dis 11. Juni: Nordsee („O c e a n a"). Fahrt vom 6. bis 16. Iuni: Chiemfee. Anmeldungen hierfür können sofort bis spätestens Freitag, den 31. Mai, auf unserer Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, abgegeben werden. Line soziale Tat! Der Betriebsführer des Sägewerks T r o v p in V i l l i n g e n macht mit feiner Belegschaft am 23. Juni die Rheinfahrt der NS.-Gemeinfchaft „Äraft durch Freude" mit. Die Gefamtkosten werden von dem Betriebsführer getragen, i Die Firma I. B. Noll hat der Belegschaft chres Betriebes in Wiefeck für die gleiche Fahrt pro Person einen namhaften Zuschuß gewährt. Wir danken beiden Betriebsführern auch an dieser Stelle und freuen uns, festzustellen, daß Der Gedanke der Betriebsgemeinschaft immer mehr Platz greift. LandschastsbundDolkstum undHeimat Ortsring Gießen. Morgen früh, 7 Uhr, Abmarsch an der Universitäts-Bibliothek zum Frühgottesdienst auf dem Go ruhig fließt er nicht immer, -er Rhein . . . wie's in dem alten Liede heißt. Wenigstens nicht zwischen Kaub und Bingen. Was da los ist, das weiß wohl keiner besser als der Lotse Kimpel aus Kaub. Der kennt die Strecke ganz genau, jeden Stein, jede Untiefe. Da muß man gehörig aufpassen! Na, der Kimpel ist noch immer gut durchgekommen: „Wenn mir an Bord komme, trinke mir erst amol was Heißes, e ordentlich Taß Kathreiner. Der wärmt jzine uff, aber der regt eine nif uff!" Sehr gut gesagt, Küptn Kimpel! Immer" kalt Blut und „a heiß Taß Kathreiner" —,fo geht's besser. Immer und überall nicht i>erfon n bei* und r Le* nicht l, das impel lenau, ehörig rr gut omme, chTaß i regt Impel! -einer* - nicht lprechen- M um >1 zurück' erfassend, e immer hrhastig, rtl" nen des nehmen ^armlos: -igentlich . >edanken. tet." (■„< den ’fif ’»<• s r nl hattt litte an- igegnuns leben!' Abfahrt der Züge und Fahrpreise. ßernfteinabzetchen ein Segen ßetöe Abzeichen gaben vielen deur- scbenVolKsgenosien Arbeit u.ßrot Betr.: Gaulag Darmstadt am 1. und 2. Juni 1935. Die Ortsgruppen- und Betriebsgemeinschafts- watter haben sofort von den von ihnen gemeldeten Mitgliedern die Fahrgelder zu kassiren, die nach- tehend ersichtlich sind. Die Fahrgelder werden an )en für die Ortsgruppe und für den Betrieb zu- tändigen Ortsgruppenkassenleiler der PO. abgeliefert. der auch die Fahrkarten besorgt. Die Lreiswattung der Deutschen Arbeitsfront hat also nichts mit den Geldern und Fahrkartenbeschaffung zu tun, darauf ist besonders zu achten. Der Sonderzug verkehrt nur Samstag. Der Sonnlagzug fällt aus. Die Fahnenabteilungen müssen also ebenso am Samstag fahren. Auf der Fahrt und in Darmstadt selbst ist von den DAF.- Kameraden größte Disziplin zu bewahren. 20.35 Uhr Darmstadt und ist um 23.37 Uhr wieder in Grünberg. Die Ankunft in Gießen ist um 22.47 Uhr. Dir betonen nochmals, daß der Zug am Sonntag Umstände halber ausfallen muß. am Vaterland große Mittel. Diese Mittel zu schüfen, ist Sinn und Zweck der alljährlich stattfinden» den Luftfahrt'Werbewoche. Gerade seht nach der Schaffung der Reichsluftwaffe wird das deutsche Volk erst recht seinen willen auch äußerlich zum Ausdruck bringen, seine große zivile Luftfahrtorganisation zum Sammelbecken der fliegerischen Begeisterung zu machen. Tausende und aber Tausende von Sammlern werden den deutschen Volksgenossen um sein Opfer bitten, getragen von dem heiligen Versprechen, dieses Opfer stets nur einzusehen für die Bedeutung seines Volkes zur Luft. Immer und überall wird sich die Fliegerei der Opfer des deutschen Volkes würdig und wert erweisen, immer und überall wird sie unter Beweis stellen können, wofür die geopferten Mittel Verwendung fanden. Die Abzeichen Der Luftfahrt® Werberooche vom eö.Mat-eJuni Metallabzeichen Oie Deutsche Arbeitsfront. Kreiswaitung Gießen, Schanzenstraße 18. An die Ortsgruppen- und Betriebsgemeinschastswalter des Kreises Gießen! Lustfahrt-Werbewoche 1935 TlS-Semeinschast „Kraft durch Freude". War schon die Luftfahrt-Werbewoche 1934 ein gewaltiger Erfolg, der den gemachten Anstrengungen entsprach, so wird die diesjährige Luftfahrt- Werbewoche unter Beweis stellen, daß der Deutsche Lustsport-Derband in zielbewußter Werbearbeit sein höchstes Ziel erreicht hat, als alleiniger Träger des Deutschen Luftsports eine vom nationalsozialistischen Denken erfüllte Gemeinschaft zu formen. Die vielen feiten zustande gekommen, Juda und Rom seien Staaten im Staat. Der Redner betonte weiter, daß übersinnliche Einflüsse sich im Weltkrieg ausgewirkt hätten. Ein Sieg Deutschlands sei den überstaatlichen Mächten Juba und Rom schrecklich gewesen. Zum Schluß würdigte der Redner eingehend die Erfolge der deutschen Armee und die tapfere Haltung der deutschen Frontsoldaten. Vornotizen. — Tageskalender für Mittwoch: DAF. Ortsgruppe Gießen-Ost: 20 Uhr in der Gastwirtschaft „Germania" Amtswalterappell. — NSLB., Kreis Gießen. Fachschaft: Körperliche Erziehung, Bezirk Gießen: Tagung der Pflichtarbeitsgemeinschaft in der Turnhalle der neuen Pestalozzischule, 15.30 bis 16.30 Uhr Knabenturnen, 16.30 bis 17.15 Uhr Leistungsturnen, 17.15 bis 18.15 Uhr Mädchenturnen. — Stadttheater (Ring Deutsche Bühne): 20 bis 22.15 Uhr „Vertrag um Karakat". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Sie und die Drei". — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): Ausstellung Christian Rohlfs-Hagen. — Tageskalender f ü r Donnerstag (Himmelfahrt): Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Der stählerne Strahl". — Oberh. Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz), 11 bis 13 Uhr, Ausstellung Christian Rohlfs-Hagen. — Spielvereinigung 1900, Nationale leichtathletische Wettkämpfe, Sportplatz 1900, ab 10 und 15 Uhr. Landschaftsbund Volkstum und Heimat, Ortsrina Gießen, 7 Uhr, Marsch 3um Frühaottesdienst aus den Schiffenberg, anschließend Wanderung nach Garbenteich, Pfahlgraben, Kloster Arnsburg und Lich. — MTV. Sternwanderung nach Kloster Arnsburg, Abmarsch 7.30 Uhr am Finanzamt. — Turnverein von 1846, Wanderung nach Kloster Arnsburg, Abmarsch 7 Uhr am Ludwigsplatz. — VfB -Reichsbahn, Wanderung nach Kloster Arnsburg, Abmarsch 6 Uhr Persiluhr. — GRG. von 1885, Himmelfahrtstour nach Niedergirmes, Abfahrt 8 Uhr Hess. Hof. — Deutsche Steno- araphenschaft, Ortsgruppe Gießen, Wanderung nach Kloster Arnsburg, Abmarsch 7 Uhr am Ludwigs- Platz. — Angler-Gesellschaft Gießen 1877 und Gießener Ruder-Club, ab 10.30 Uhr gemeinsame Werbeveranstaltung an der Lahn. — Gesangverein Liederkranz-Heiterkeit, Fahrt nach Dianaburg-Grei- fenstein, Abfahrt 6.03 Uhr. — Waldeslust am Flughafen, Konzert und Tanz. — Stadttheater Gießen: Heute 20 Uhr geschlossene Vorstellung für die NS.-Kulturge- meinde, Ring Deutsche Bühne — Samstag Mitglieder. Diese Vorstellung findet statt an Stelle der am Samstag, 18. Mai, ausgefallenen Veranstaltung. Zur Aufführung gelangt das spannende Schauspiel: „Vertrag um Karakat" von F. P. Buch; Spielleitung hat Kurt Lüpke. Ende 22.45 Uhr. — Kameradschaftsabend ehe m. 116er. Zur Pflege echter soldatischer Kameradschaft zwischen der alten und der neuen Wehrmacht veranstaltet der Verein ehemaliger 116er Gießen, gemeinsam mit den Kameraden der Traditionstruppe, am Samstag, 1. Juni im Schützenhaus einen Kameradschaftsabend. Siehe heutige Anzeige. 8 bis 9, Wirsing (gelb), das Pfund 18 bis 20, (grün) 20 bis 22, Weißkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben, Bündel 20 bis 25, das Pfund alte 15 bis 18, Rote Rüben 10 bis 15, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 15 bis 20, Bohnen (grün) 50, Sparael 40 bis 50, Erbsen 30 bis 35, Mischgemüse 15 bis 20, Tomaten 70 Pf. bis 1 Mark, Zwiebeln 20 Pf., Meerrettich 50 bis 70, Schwarzwurzeln 30 bis 45, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln (alte) 4 Pf., der Zentner 3,50 bis 4 Mark, neue, das Pfund 24 Pf., Aepfel 35 bis 65, Kirschen 70, Zwetschenhonig 40 bis 45, Suppenhühner 70 bis 80, Nüsse 45, Tauben, das Stück 60, Blumenkohl 50 bis 80, Salat 10 bis 20 Salatgurken 40 bis 60, Oberkohlrabi 15 bis 20, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 50, Rettich 10 bis 15, Bündel 20, Radieschen 7 bis 10 Pf. „Juda und 2Rom.z/ lieber das Thema „Juda und Rom" sprach gestern Abend im vollbesetzten Saale des Cafö Leib Rechtsanwalt Schneider aus Karlsruhe. Der Redner, der ursprünglich über das Thema „Warum muß die Freimaurerei vernichtet werden" sprechen wollte, kündigte zu Beginn der Versammlung das neue Thema an und behandelte zunächst die Frage „Ist es richtig, daß der Jude die Weltgeschichte beherrschte, wie unterscheidet er sich von uns und was sind seine Ziele?" Er gab einen geschichtlichen Ueberblick, wie sich bedeutende Männer zum Judentum stellten. Der Redner beleuchtete den Kampf Luthers gegen das Judentum, zeigte, wie Professor Joh^ Andr Eisen- menger, Heidelberg, sich bereits ttn Jahre 1701 in einer Schrift eingehend mit dem Judentum befaßte, um dann nachzuweisen, daß auch Friedrich Schiller in seinen Schriften gegen das Judentum Stellung genommen habe. Leider seien diese Auslassungen in den meisten Ausgaben nicht enthalten. Es gäbe nichts Schlimmeres, als aus einem geistigen Werk das herauszustreichen, was dem Verfasser das Wich- tigste scheine. Auch Friedrich der Große habe das Judentum abgelehnt, seine dahingehenden Aussprüche seien gefälscht worden. Ebenso habe Richard Wagner gegen das Judentum Stellung genommen. Auch Moltke habe gegen das Judentum Stellung genommen. Der Redner erläuterte weiter, wie die Gefahr. Von großem Interesse waren die Ausführungen und die Bilder über die Entstehung der Feuerwehr- geräte. So wurde die Abbildung einer Saug- und Druckpumpe mit zwei Zylindern gezeigt, die um das Jahr 250 v. Ehr. von dem Mechaniker Ctesibius von Alexandrien gebaut wurde. Die erste Nachricht über Feuerspritzen in Deutschland bringt die Bauamtsrechnung der Stadt Augsburg aus dem Jahre 1518. Diese Spritzen wurden damals von dem Goldschmied Anton Blatner aus Friedberg gefertigt, der 1518 Bürger von Augsburg war. Don mm an entwickelte sich das Feuerlöschwesen bis Ende des 18. Jahrhunderts. Im 19. Jahrhundert mit der Entwicklung der Technik erreichte man die Vervollkommnung fast aller Feuerwehrgeräte, die im Bild vor den Be- uchern vorüberzogen. Wie die Feuerwehrgerate, o wurden auch die Geräte zur Menschenrettung geschaffen, denn in der Menschenrettung sieht die Feuerwehr ihre höchste Ehre. Nachdem Kreisfeuerwehrinspektor So u f f £ m feinen Schlußausführungen noch des Mitbegründers des Deutschen Feuerwehrverbandes Conrad Dietrich M a g i r u s gedacht hatte, schloß er den sehr interessanten Vortrag, der den Feuerwehrkameraden eine gute Belehrung war. v „ Branddirektor Braubach dankte dem Do^ tragenden für seinen lehrreichen Vortrag, dem sich die Kameraden der Wehren durch lebhaften Beifall anschlossen. Gießener Wochenmarktpreife. ♦ Gießen, 29. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) Schiffenberg (Fahrgelegenheit mit Autobus um 8 Uhr ab Ludwigsplatz). Vom Schiffenberg wandern wir weiter nach Garbenteich — Pfahlgraben (Führung: Dr. Mittermaier) — Kloster Arns* bürg (Führung: Prof. Dr. Rau ch). Unser Volkstanzkreis geht mit. Rückfahrt mit der Bahn ab Lich 17.01 Uhr oder 19.17 Uhr. Mitglieder und Gäste aus Stadt und Land find willkommen. Kein rohes Hackfleisch in den Lagern. LPD. Angesichts des zunehmenden Befuchs in Arbeits- und Jugendlagern und -Heimen wird von der Abteilung Gesundheitswesen der hessischen Landesregierung folgendes angeordnet, auf dessen Beachtung insbesondere die Schulleitungen hingewiesen werden: Die Erfahrungen im Sommer 1934 haben gezeigt, daß in den Arbeits- oder Jugendlagern und -Heimen, in denen rohes Hackfleisch oder Fleisch- und Fischkonserven als Kost verabreicht wurden, häusig bakterielle Lebensmittelvergiftungen vorgekommen sind. Deshalb sind Anordnungen zu treffen, daß rohes Hackfleisch während der warmen Jahreszeit in Lagern und Heimen überhaupt nicht verabfolgt wird und angebrochene Dosen mit Fleisch- und Fischkonserven am Tage der Oeffnung unbedingt aufzubrauchen sind. Höchstpreise für Zwiebeln in Hessen. LPD. Trotz der dieser Tage erfolgten Warnung gibt es noch Händler, die sich einer gesunden Preispolitik nicht anpassen können. So mußten von der Polizei erhebliche Mengen Zwiebeln wegen Ueberschreitung des Höchstpreises beschlagnahmt und eine Händlerin wegen Wuchers zur Anzeige gebracht werden. Die Landesregierung hat nunmehr den Höchstpreis für Zwiebeln mit sofortiger Wirkung auf 20 Pf. für das Pund festgesetzt und wird in den nächsten Tagen nach einer Anordnung des Reichskommissars für Preisüberwachung diesen Preis auf 17 Pf. herabsetzen. Die Händler werden daher noch einmal nachdrücklichst vor einem Einkauf zu untragbaren Preisen gewarnt. Die Polizei ist erneut angewiesen worden, mit aller Strenge gegen eine unberechtigte Preisbildung vorzugehen. Erholungskuren für bedürftige Kinder. Das Städtische Wohlfahrtsamt schickt in diesem Jahre 120 erholungsbedürftige Kinder zum Kur- aebrauch nach Bad Orb bzw. nach Neckarsteinach. Die Kinder sind aus dem Kreise der Gießener Volksschulen entnommen und durch den städtischen Schularzt für diesen Kurgebrauch be- stimmt worden. Heute ist der erste Transport von 35 Kindern auf fünf Wochen nach Bad Orb geschickt worden. Weitere 35 Kinder werden im Laufe des Monats Juli nach Bad Orb fahren, gur, gleichen Zeit werden auch 50 Kinder nach Neckarsteinach geschickt werden. Giraßenbauarbeiten. Gegenwärtig sind am Bahnhof Arbeiten zwischen dem Straßenbahngleis im Gange zu dem Zwecke, einige kleine Senkungen des Straßenbahngleises zu beheben, da im Anschluß an diese Arbeiten eine Neuherrichtung der Fahrbahn der oberen Bahnhof st raße zwischen Liebigstraße und Bahnhof, soweit es sich dabei um städtisches Gelände handelt, vorgenommen werden soll. Für die Bahnhofstraße von der Anatomie bis zum Bahnhofsplatz wird wahrscheinlick) die Asphaltierung der Fahrbahn in Betracht kommen. Ferner ist für die nächste Zeit eine Verbreiterung der Fahrbahn der Frankfurter Straße von der Straße „Am Steg" ab bis nach Klein- Linden vorgesehen. Mit dieser Arbeit soll der jetzigen ungenügenden Breite der Fahrbahn, die nur 6,80 Meter breit ist, ein Ende bereitet wer- den. Die neue Fahrbahnbreite soll sich auf 9 Meter belaufen. Die neue Fahrbahnfläche wird beiderseits von den jetzigen breiten Gehsteigen genommen werden. Ein Vortrag über das Feuerwehrwesen. Am Montagabend hielt Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier im Singsaal des Realgymnasiums einen Vortrag über die Kulturgeschichte der Feuer- wehr, zu dem die Gießener Freiwillige Feuerwehr, die Freiwillige Gailsche Feuerwehr sowie Vertreter der Nachbarwehren Heuchelheim, Klein - Linden, Lollar und Wieseck erschienen waren. In seinem Vortrag ging Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier zunächst auf die Vorgeschichte des Feuers, der Brandbekämpfung sowie die Entwicklung der Feuerwehrgeräte ein. An Hand zahlreicher Abbildungen konnte er den Zuhörern den gesamten Entwicklungsgang von Jahrtausenden gut vor Augen führen. Von den primitivsten Anfängen menschlicher Kultur bis zur vollkommensten Entwicklung der heutigen Zeit sah man Abbildungen der Verwendung des Feuers sowie dessen Bekämpfung in der Hunderttausende von Mitgliedern sind aus einfachen Angehörigen eines Verbandes herangewachsen zu Trägern des Luftfahrtgedankens des deutschen Volkes. Es war felbstversländlich, daß der Rational- foziallsmus mit der Machtergreifung daranging, alle die vielen flngfportlichen Vereinigungen des parteienstaates zufammenzufaffen, um sie auf das große Ziel auszurichlen, Willens- träger der fliegerischen Idee des deutschen Volkes zu werden und diesen Gedanken tief in das Volk hineinzutragen. Sowohl auf der Erde, wie auch in der Luft stehen die Kameraden im Dienst der Idee, Deutschland auch die Weltgeltung zur Luft zu erkämpfen und die großen erzieherischen Aufgaben zu lösen, die in der Fliegerei in nationaler Hinsicht liegen. Die besten Eigenschaften des deutschen Menschen müssen sicy in den Trägern des Luftfahrtgedankens vereinigen. Gleichgültig, ob im Motor- oder Segelflug, gleichgültig ob in der Luft oder in der Werkstatt, überall müssen diese Eigenschaften als Selbstverständlichkeiten zur Auslösung kommen. Und gerade oeshalb erfordern diese hohen Aufgaben im Dienst ♦* Maienblafen. Heute ab 19 Uhr findet das Maienblasen vom Turme der I o Hanne s k i r ch e mit folgenden Darbietungen statt: 1. Choral: Valet will ich dir geben; 2. Preis und Anbetung sei unserm Gott, von Rink; 3. Volkslied: „Vöglein im hohen Baum". Als Abschluß des diesjährigen Maienblasens: Deutschland- und Horst- Wessel-Lied. ** Zum Bezirksinnungsmeister der Uhrmacher bestellt. Zu unserem gestrigen Bericht über die Reichstagung der deutschen Uhrmacher in Nürnberg wird uns mitgeteilt, daß Uhrmacher- meister August Trebbe, Gießen, Marktstraße 22, als Bezirksinnungsmeister der Uhrmacher für den Treuhänderbezirk Hessen bestellt und verpflichtet wurde. ** Geschäftsjubiläum. Am morgigen 30. Mai sind 25 Jahre verflossen, daß der Steinmetz- meister Heinrich Ehrhardt, Friedhofsallee in Gießen, dort ein Grabsteingeschäft mit Bildhauerei eröffnete. In diesem Vierteljahrhundert ist es Herrn Ehrhardt gelungen, durch gutes handwerkliches Können und solide Geschäftsgrundsätze sein Unternehmen auf eine beachtliche Höhe zu bringen. Herr Ehrhardt ist auch seit 25 Jahren treuer Bezieher seines Heimatblattes, des Gießener Anzeigers. ** Bautätigkeit bei der Schönen Aussicht. Im südlichen Teil des Wartweges wurden im Herbst vorigen Jahres zwei Einfamilienhäuser errichtet, während ein gleiches Gebäude nächst der Stadt nunmehr im Rohbau vollendet wird. Die Bebauung der östlichen Seite des Wartwegs schließt sich nahezu an die bereits bestehenden Gebäude an, so daß bald von einer vollen Bebauung des Wartweges gesprochen und mit dem Ausbau dieser Straße dann gerechnet werden kann. Auch unterhalb der Schönen Aussicht, am Ende der Friedrichstraße, geht ein zweistöckiges Wohnhaus seiner Fertigstellung entgegen; es kann also auch in diesem Viertel eine Belebung der Bautätigkeit festgestellt werden. ** Kriegerkameradschaft Gieße n. Man schreibt uns: In unserem Bericht über die Mai-Monatsversammlung vom Donnerstag, 23. Mai, .ist ein Irrtum unterlaufen. Bei den aufgeführten Namen der mit dem Kyffhäuser-Ehren- zeichen in Gold ausgezeichneten Kameraden muß es statt Angersburger richtig Angelberger heißen. ** Die Zimmerer-Innung für den Kreis Gießen hielt im Restaurant „Zum Andres" eine Jnnungsverfammlung ab, in der Obermeister Rohm (Wieseck) zunächst einen Tatigkeits- bericht erstattete. Er wies dann weiter auf den im Juni stattfindenden Reichshandwerkertag hin, gab Kenntnis von verschiedenen Organisations- und Berufsfragen und forderte von den Mitgliedern tatkräftige Mitarbeit beim Aufbau der Organisation. Es wurde beschlossen, in größerer Zahl an dem Reichshandwerkertag teilzunehmen. Im weiteren Verlaufe der Versammlung wurde von Geschäftsführer H. Kirchner (Gießen) Bericht über die Kasfenverhältnisse erstattet. Hiernach sind im abgelaufenen Halbjahr vereinnahmt worden 948,80 Mk., ausgegeben wurden 688,27 Mk. Der für die Zeit vom 1. April bis 30. September 1935 vorgelegte Voranschlag schließt in Einnahmen und Ausgaben mit 1200 Mark ab. Zum Schluß wurde noch eine Reihe Berufsfragen besprochen. einzelnen Regierungen durch das Judentum beherrscht worden seien. Sodann behandelte er kurz die Frage „Juden und Christentum". Er wies auch daraus hin, daß Bismarck versucht habe, Deutschland zur völkischen Einheit zusammenzuschließen. Bismarck sei durch Juda und Rom (Zentrum) gestürzt worden. Diese hätten von jeher hohe Politik getrieben. Das fei zwar nicht offiziell nachzuweisen, gehe aber aus den Aussprüchen führender Männer hervor. Der Redner erläuterte bann den Kampf, den Rom gegen den Protestantismus und die Hohenzol- lern geführt habe und behandelte weiter die Frage: „Wie hat sich das Judentum zur Politik gestellt?" Er zeigte dabei den Einfluß der Juden im Marxis» mus, erwähnte die Einstellung Bebels, der gegen die Rückkehr von Elfaß-Lothringen zum Deutschen Reich gewesen sei und betonte, daß hinter dem Marxismus das Judentum gestanden habe. Der Redner ging dann zu der Frage über „Wie haben wir uns dem Judentum gegenüber einzustellen?" Er be- schäftigte sich eingehend mit Walter Rathenau, dabei dessen Einfluß auf die Politik des Kaisers betonend. Wilhelm II. sei zunächst auch gegen das Judentum eingestellt gewesen und sei in dieser Auffassung durch Eulenburg, der völkisch eingestellt gewesen sei, unterstützt worden. Später habe Maximilian Harden es verstanden, den Kaiser umzustimmen. Wer wirtschaftlich herrsche, herrsche auch politisch. Die jüdische Seele sei anders, als die deutsche Seele. Es gehöre zur Religion der Juden, alles zu beherrschen, ebenso gehöre es zur Religion von Rom, daß alle Menschen sich dem Papst unterzuordnen hätten. Der Redner erklärte, Juda und Rom machten Politik aus dem Glauben, bei ihnen fei Glaube und Politik eins. Nach einer kurzen Pause, in der Schriften verkauft wurden, betonte der Redner noch, daß sich der Kampf nicht nur gegen die jüdische, sondern gegen jede Hochfinanz richten müsse. Es seien im Weltkrieg viele Soldaten durch Patente des eigenen Landes, die an das Ausland verkauft wurden, gefallen. Der Redner erläuterte dann die Stellung der Papstes zu einem evtl, deutschen Sieg und betonte, das Friedensangebot sei gar nicht vom Papst, sondern unter dem Einfluß anderer führender Persönlich- (Brünberg ab 11.10 llhr, Fahrpreis 2,40 RM. 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Jugend kann lachen, so lacht sie der Sorgen, Da doch die hellere Zukunft schon winkt! Tempo! Tempo! Aufzeichnungen eines Jungvolk- prefsewartes Vergraben zwischen riesigen Stößen Papier sitze ich an meinem Tisch. Bearbeite Blatt nach Blatt, während drüben die Schreibmaschinen klappern, Menschen kommen und gehen. „Bericht vom Stammaufmarsch" — „Bericht von der Fähnlein- fahrt". Zum Verrücktwerden, kein vernünftiges Zeug, immer solcher abgedroschener Kram! Vor und hinter mir arbeiten die Kameraden des Jungbannstabes. Da ist Fritz, er ist Verwaltungsmensch. Das ist nach meinem Empfinden die blödeste Arbeit: riesige Aufstellungen, nicht endenwollende Tabellen, Abrechnungen, Quittungen, Belege, bezahlt, noch offen, das ist sein Arbeitsbereich. Ich bedaure ihn. Rolf, der „Adju" des Jungbannführers, sichtet die Eingänge: Beschwerden, Gesuche, Meldungen. Nur das Wichtigste erhält der Jungbannführer. Sonst würde der überhaupt nie fertig. In der Ecke steht der große Mappenschrank. Mappe neben Mappe: „Verordnungsblätter der RIF." — „Verkehr mit PO." — „Stamm III" — „Beschwerden". Es ist ein pfundiger Geist in unserem Stab. Da ist Horst, von der Abteilung Schulung. Der ist ganz nobel, verdient einen Batzen Geld und bringt stets etwas mit. Aber nicht nur deswegen ist er beliebt. Auf der Fahrt ist Horst der wildeste und kühnste. — Da ist Rudi von der Abteilung Ertüchtigung, eine Sportskanone, dem so leicht niemand gleich- kommt. Fritz, unser Verwaltungsmann, ist nur außerdiestnlich beliebt, denn er quält die Menschen immer wegen noch offener Rechnungen. Und nun unser „Alter", der Jungbannführer. Im Dienst ist er streng und genau. Aber ich sitze immer noch. „Früh 9 Hhr stellten wir uns auf und zogen los in Richtung ..." Das ist nichts. Weg! Der Papierkorb ist voll bis obenan. Es klopft. Alfred schiebt die Klappe hoch. Eine Frau ist es, sie kommt wegen ihres Jungen und will zum Jungbannführer. Alfred meldet sie an, dann wird sie eingelassen. Gesprächsfetzen dringen zu uns herüber. Jugendwo ist Streit und Zank gewesen. Was geschieht nicht alles in einem so großen Jungbann! Die Frau geht wieder. Inzwischen ist em Stammführer da, der zum „Alten" bestellt ist. Hier dauert es nicht lange. Mit rotem Kopf kommt der heraus, sagt nur „Strafurlaub" und geht. Post kommt. Alfred sitzt beim „Alten", der diktiert: „Wir bitten um Ueberlassung Ihres Grundstückes in der Zeit vom 10. bis 15. für ein großes Zeltlager ... Ich renne ein paarmal im Zimmer auf und ab, dann setze ich mich wieder. Heute abend noch muß die Jugendbeilage im Tageblatt vorliegen, und nichts Gescheites da. Da muß ich eben selbst was schreiben. Ich beginne, streiche alles wieder durch. Nach zehn Versuchen komme ich in den richtigen Stil. Nicht lange dauert es, da liegt ein kleiner Artikel vor mir, irgendeine Sache, die ich da mal aus Fahrt erlebt habe. Ich gebe den Bogen Horst zum Durchlesen. „Na ja", meint er, was bedeuten soll: „Laß mich mit deinem Kohl in Ruhe." Ja, einen Artikel hätte ich, das ist aber viel zu wenig. Also noch mehr und weiter suchen. Stunden sind vergangen. Eine fertige Beilage liegt vor mir. Sogar zwei Bilder habe ich. Ich haste durch die Straßen. Steige die schmale Stiege zur Redaktion hinauf. Schriftleiter Koch, der unsere Jugendbeilage bearbeitet, begrüßt mich herzlich. Wir verstehen uns gut und kennen uns seit länger. Er freut sich, daß ich ihn nicht im Stich gelassen habe. „Gar keine Zeit heute, muß noch zu einem Werbeabend, Herr Koch" — „Also, Heil Hitler, bis Donnerstag zum Umbruch". Ich komme atemringend wieder zur Jungbanngeschäftsstelle. Unser „Alter" hat sich gerade fertiggemacht. — „Du, Haku, du fährst gleich mit mir!" „Ist mir recht." Draußen steigen wir auf unsere Jungbannmaschine. Der „Alte" tritt an, kräftig zieht die Maschine, und in rascher Fahrt geht's los Wir steigen die Treppe zum Saal hinauf. Rechts und links stehen Jung- volkjungen. Es ist höchste Zeit, drinnen beginnen sie gerade. Ein hellerleuchteter Saal, der bis auf den letzten Platz besetzt ist Wir nehmen ganz vorn an einem Tisch Platz, wo fich alle Ehrengäste niedergelassen haben. Auch die Vertreter der Zeitungen sind erschienen. Sofort wieder Dienstgespräche. Sie wollen dies und jenes wissen und kritzeln alles in ihren Block. Sie fragen, schreiben und fragen. Alle Pressemenschen machen das so. Fanfarenstöße lassen uns aufsehen. Im Nu verstummen alle Gespräche. Es wird ganz sttll im Saal. Die Beleuchtung wird vermindert. Der Vorhang geht auf, und im grellen Licht sehen wir eine Schar brauner Jungen. Kraftvoll, breitbeinig stehen sie da. Gute Haltung, die Hemdsärmel sind heraufgerollt. Sie stehen unbeweglich. Sie singen. Eines der wuchtigen Lieder, die wir auf der Fahrt, im Lager oder im Heim fingen. Szene folgte auf Szene. Der Abend ist aus. Die Menschen strömen hinaus An den Ausgängen stehen auf einmal Jungen mit Sammelbüchsen da. Groschen nach Groschen fällt hinein. Draußen verabschiede ich mich von den Pressevertretern. Sie haben ihre Anerkenung zu diesem Abend ausgesprochen Es war ein voller Erfolg. „Es ist was völlig Neues, etwas, das wir bisher nicht kannten, das zeigte das Jungvolk heute abend", sagte mir der eine Berichterstatter. Ich sitze schon wieder auf dem Sozius. Wir rasen zurück an die Stadt. Ich muß noch einmal in die Jungbanngeschäftsstelle. Es ist zwar schon 11 Uhr, aber der Bericht von diesem Abend muß unbedingt noch heute abend ans Gebiet abgeschickt werden. Ich bin der einzige, der noch zu dieser Stunde in den Arbeitsräumen des Jugendhauses auf der Schreibmaschine klappert. Der „Alte" sitzt in feinem Zimmer. Er hat auch noch zu tun. Es ist gegen 1 Uhr, als wir gehen. So lebt der Pimpf in seinem Zeltlager. MMW | U. MU MW MM Scherl-Bildmaterndlenst Auf dem Hochschul-Sportplatz der Avus in Berlin hatte das Berliner Jungvolk ein Musterlager auf- gebaut, um Eltern, Angehörigen und Freunden zu zeigen, wie sie in ihren Lagern leben. Hier bläst ein Pimpf vor seinem Zelt zum Sammeln. Kanufahrt im Mai. So um April, Mai herum stellen sich bei mir fahrplanmäßig die Sorgen für den Sommer ein: „Womit werden wir unsere Wasserfahrten machen?" Damit sah es allerdings übel aus, nachdem mein altes Paddelboot in Bruch gegangen war. Also mußte ich sehen, wo ich ein neues Boot herbekam. Endlich fand ich das Gewünschte. Der Handel wurde getätigt und das Boot zu Wasser gebracht. Ich drahtete daraufhin nach Beuthen: „Pampi! Komme feldmarschmäßig ausgerüstet, um Boot 12 Kilometer oderaufwärts nach Beuthen zu bringen." Pampi kam feldmarschmäßig ausgerüstet. Es war zum Lachen. Ein Rucksack und eine vollgepfropfte Faltbootstabtasche. Das war sein ganzes „Handgepäck". Wir gingen zum Hafen, wo mein neues Boot im Wasser lag. Wir hatten bannig großen Mut, wenn es auch kalter April war. Wir mußten eben das Boot nach Beuthen bringen. So gingen mir daran, die vielen Sachen fachmännisch im Boot zu verstauen. Schließlich fanden wir zwischen den Sachen doch noch zwei Sitzplätze und „stachen in See". Die Kiste schaukelte bedenklich. Vollgepropft und hoch mit Gepäck beloben, ließ sie sich kaum vorwärts bringen, obschon wir gleich unser zackigstes Tempo los- löffelten. April bleibt eben April. Als es anfing zu regnen und die Oder mit Windstärke 11 ging, schlugen wir uns gegenseitig vor, umzudrehen und die Eisenbahn zur Heimfahrt zu benutzen.--- Gott sei Dank! Im Hasen war keiner der alten Zuschauer mehr zu sehen. Als sich aber wieder neue ansammelten, gaben wir durch geistreiche Randbemerkungen zu verstehen, wie schön es doch auf der großen Fahrt von Breslau bis hierher gewesen sei. Da sahen wir offene Mäuler und mächtiges Grinsen und gaben dabei gar nicht mal an. So endete die Bootsfahrt im Mai äußerst trocken in der Eisenbahn! Als wir alle Lieder auf der Mundharmonika heruntergespielt hatten und Pampi ttübselig werden wollte, strich ich mir würdevoll den Bart und sprach: „Bruderherz, wir haben heute etwas durch Erfahrung gelernt. Jeder Junge, der in dieser Zeit auf Kanufahrt gehen will, sollte wissen, daß man ein Boot erst im Wasser ausprobieren muß, wenn man es kaufen möchte, und daß man mit dem Zollstöckchen zuerst nachsehen muß, ob es nach einem vernünftigen, mitteleuropäischen Schnittmusterbogen gebaut ist!" Diesen großen Ausspruch tat Friederich, der Pirat. Vater pelle beim Elternabend. Vater Pelle war immer etwas mißtrauisch gewesen gegen das, was sein junger Sohn, der so ganz aus der Art geschlagen schien, eigentlich in der HI. trieb. Nein, das hatte er früher nicht getan, als er Schlosserlehrling war. Jetzt ist Papa Pelle Invalide und will sich einen geruhsamen Lebensabend machen. Wenn nur der Junge nicht immer... Jetzt sogar hat man noch seine Sorgen. Ja, das Fritzchen. Vater Pelle würde es lieber sehen, wenn er ein bißchen mehr ruhen würde. 'Aber Ruhe hat der Hitlerjunge Fritz nicht. Bewegung muß der haben. Immer Dienst am Abend. Ist denn zweimal in der Woche viel Dienst? „Nein", sagt Fritz. „Doch", sagt Papa Pelle. „Aber ich mache doch Dienst gern!" „Ja, wenn schon", sagt auch die Mutter, „du kommst aber immer erst um 18 Uhr von der Arbeit, und dann immer triefe Hetzerei..." Am anderen Abend kommt Fritz strahlend vom Dienst. „Was meinst du, Vater, nächste Woche Elternabend? Da siehste mal, was wir treiben im Spiel- und Heimabend." Vater und Mutter Pelle sitzen auch im Saal. Das sollte mal was Richtiges geben. Na ja, er wollte schon heute abend mit Fritz zu Hause kritisieren. Dann war der Fahneneinmarsch der Jungen. (Stramme Bengels, sagt sich Vater Pelle im stillen, wollen mal sehen. Ein Fahnenlied fangen die Jungen. In Ordnung, dachte der Papa. In Ordnung, sagte Fritz ja auch immer. Eine Prinzessin und ein Königreich. Deutsche Landmädel beim Stegreifspiel. Wir stürmten die Treppe unserer BdM.-Führe- rinnenschule hinauf in die Zimmer. Eben war uns ein wunderschönes Märchen erzählt worden, das sollten wir nun in einer Viertelstunde als Stegreifspiel bringen. Ein fieberhaftes Suchen, Lausen, Anpassen und Umziehen begann ... Noch nie war in unserem Lehrgang solch eine Aufregung gewesen. Das ist ja erklärlich, denn wir Landmädel hatten noch niemals beim«Stegreifspiel mitgemacht, und nun sollte in 15 Minuten eine jede von uns einen König, eine Prinzessin, eine Magd oder Hofdame spielen. Drüben im Zimmer „Allenstein sah es schlimm aus Die hohen Fenster waren der schonen, hier selbstgewebten Vorhänge beraubt und starrten nun dunkel und kahl in die Weite. In „Braunsberg durchsuchte Lena verzweifelt das Ammer nach einem Marschallstab; und Emmi aus „Danzig putzte vor Aufregung dauernd ihre Brille. Nur in „Seeburg" herrschte Grabesstille — xoe 1 von dort alles nach „Wartenburg ubergesiedelt war, wo nun Hochbetrieb herrschte. Hilde zerrte verzweifelt an ihrer Trainingshose und dachte laut: „Hätte ich doch nur Vaters alte Jacke hier ... Aber viel Zeit zum Heberlegen war nicht, also rasch hinunter in die Küche zur Plättkammer. Dort erwischte sie endlich eine alte Jacke, die besonders linksseitig gut zu gebrauchen war. Eine Schirmmütze wurde dem alten Milchmann roegorganiftert . So, und jetzt nur noch ... hach, da gongte es schon! Ein Page öffnete weit die Tür, und wir waren in unserem Märchenreich: Eine Anzahl Untertanen sitzen malerisch verteilt auf Bänken und Kissen. Hoheitsvoll rauscht die Königin herein, lichte Gewänder (die geraubten Vorhänge) umwallen ihre Gestalt. Seine Majestät der König folgt ihr würdig und gemessen, und endlich, blond, langzöpfig, zierlich, die kleine Prinzessin .,. Hofdamen, der Hofmatschall — ganx Würde. Auf allen aber lastet die Trauer über die schreckliche Krankheit der Prinzessin, die irgendeine Sehnsucht im Herzen trägt und nicht weiß, wonach. Es gelüstet sie nicht nach Bratkartoffeln, nicht nach Bohnenkaffee und auch nicht nach Roggenmus ... Ein Aufruf des Königs verspricht dem, der sie zu heilen versteht, Prinzessin und Königreich. Diele schöne Prinzen versuchen ihr Glück, aber sie enden alle im finsteren Kerker, der dem Erfolglosen bestimmt ist. Da lebt nun irgendwo - in dem Königreich ein Bauer mit feinen Söhnen. Auch Je beschließen, der Prinzessin zu helfen: der eine ist ein berühmter Arzt, und der andere führt als großer Professor einen ganzen Wagen voller Bücher mit sich. Beide aber wandern ebenfalls ins Gefängnis, weil auch ihre Kunst nicht half. Da verläßt der jüngste Sohn seinen Acker und seine Pferde und wandert an den Hof des Königs. Er singt der Prinzessin seine Lieder, nimmt sie mit aufs Feld, lehrt sie arbeiten: gräbt mit ihr Kartoffeln, füttert die Schweine, kurz, er zeigt ihr alles, was der Alltag auf einem Bauernhof fordert. Sie erkennt ihr bisheriges Nichtstun, lernt den Wert der Arbeit schätzen und gewinnt den Bauernburschen lieb. Der König ist glücklich über die Heilung seiner Tochter und willigt in die Hochzeit ein. — Das ist der Inhalt des Märchens, das wir spielen sollten. Im ersten Augenblick standen wir etwas ratlos herum, weil wir glaubten, wir müßten irgend etwas Besonderes bringen, wir sollten v or- fpielen. Aber das brauchten wir ja gar nicht Die Prinzessin ziert sich anfangs noch ein bißchen, sie ist ein wenig schüchtern; aber im Grunde genommen ist sie doch sehr stolz, daß sie die Prinzessin sein darf; man sieht das an ihren leuchtenden Augen. Ich soll der Bauernbursche sein. — Nun soll ich sprechen — ja, was sage ich da nur? Ich denke an meinen Bruder, wenn der etwas erzählt, breit, langsam und rauh — ich sehe ihn über den Hof gehen, er nimmt lange Schritte, und bei jedem Schritt schiebt er einmal die linke und dann die rechte Schulter vor. Hnwillkürlich wird mein Gang auch weit und ausholend, meine Sprache dunkel und langsam. Hnd nun kommen auch die anderen in ihr Spiel hinein, einfach, weil auch sie an Vorbilder aus dem wirklichen Leben denken, deren Gebärden, Worte nachempfinden und so gleichsam in das Spiel hineinwachsen, so daß es echt und ungezwungen wird. Wort reiht sich an Wort; Handlung entsteht; und wir erleben das Märchen noch einmal, indem wir es auf unsere Art neu gestalten. Dora Kuhrke. Pimpf schreibt einen Brief. Nun ist Ferdi schon acht Tage von zu Hause fort, liegt mit seinen Kameraden norm Zelt und läßt sich in der Mittagspause von der Sonne bescheinen. Da muß er an zu Hause und an die Eltern denken, und auf einmal fällt ihm ein, daß es jetzt bald an der Zeit ist, einen Brief zu schreiben. Also kauft er sich am Postzelt eine Marke und kramt dann in seinem Affen nach Briefbogen. Ganz glatt sind sie zwar beileibe nicht mehr und sauber noch viel weniger. Aber was schadet das! Als sich Ferdi zum Schreiben zurecht rückt, kommt sein Freund Hansl hinzu und sieht ihm über die Schultern hinweg auf das Papier. „Du, was soll man nun eigentlich schreiben?" meint Ferdi. „Es muß doch schnell gehen, und der Bogen soll aber auch voll sein." Hansl grübelt, aber sie können beide den Anfang nicht finden. Doch geschrieben muß ja was werden. Und Ferdi schreibt: „Liebe Eltern!" Buchstaben für Buchstaben malt er hin. Auf dem Papier find zwar keine Linien, aber es wird trotzdem ziemlich gerade. So! „Liebe Eltern!", das hätte er nun stehen. Die Fortsetzung wird ihm schon auch noch einfallen. Ferdi überlegt hin und her, und Hansl sitzt daneben und aähnt. Briefe schreiben sei langweilig, meint er, besonders wenn man zusieht. Ferdi seufzt nur zu dieser Feststellung und kaut energisch am Bleistift. Aber jetzt hat er s! „Es ist hier sehr schön und das Essen sehr gut." Aus. Fertig. Wenigstens mit dem einen Satz. Und nun? Was interessiert denn eine Mutter noch? Geländespiele, Waldläufe, Sport? Das alles aufzuführen dauert viel zu lange, das muß man erzählen. Aber daß ihn gestern fein Führer mit hinunter an den Rhein nach Zoons genommen hat, weil da vielerlei zu erledigen war und Ferdi in dem Städtchen gut Bescheid weiß, das muß er sofort mitteilen, das ist wichtig. Also geht es weiter: „Gestern, am Sonntag, war ich mit meinem Fähnleinführer am Rhein bei Zoons." Ferdi ist gewiß kein Egoist, weil er sich zuerst nennt, aber wer achtet da auch gleich drauf! Und dann fließt das eben so aus dem Bleistift raus, wenn auch ziemlich langsam. Aber halt doch, bei dem Zoons fehlt ja das zweite o! Na, machen wir eben einen Strich darüber. Hoffentlich lesen die zu Hause nun nicht Zöns. Ein bißchen Geographie werden sie doch sicher noch im Kopf haben, und ein wenig Einfühlungsvermögen wahrscheinlich auch. „Wir sind morgens um sechs Uhr vom Lager abmarschiert und waren in einer Stunde in Benrath. Von da aus sind wir mit einem Dampfer nach Zoons gefahren. Das war einfach fchnafte!" Ferdi holt tief Luft und lacht. Sollen die aber staunen, wenn sie das lesen! Aber was soll man nun noch schreiben? Ach was, Ferdi ist schlau. Er kommt bereits zum Schluß. „Mehr schreib' ich Euch nicht, das andere erzähl' ich lieber." Und nun kurzerhand den Gruß daruntersetzen, ist eigentlich etwas plötzlich. Also fügt Ferdi noch hinzu: „Jetzt will ich schließen, denn wir müssen gleich antreten." Und Ferdi bemerkt zu seinem Erstaunen, daß sich die anderen schon allmählich auf den Weg machen. Auch Hansl mahnt zur Eile. Menschenkind, sitzt er denn schon bald eine Stunde an diesem Briese? Aber rasch Schluß gemacht! Ja, und jetzt das Ende! Wie schreibt man denn da? „Herzliche Grüße Euer ..."? Unsinn, das klingt viel zu sentimental! Ferdi blickt fragend zu Hansl hinüber, der sich überhaupt kein bißchen um ihn kümmert. Dann schreibt er kurz entschlossen: „Mit deutschem Gruß — Ferdi." Und nun ist er froh, seinen dreiviertelstundelangen Brief beendet zu haben. Es gibt nur noch eine kleine Auseinandersetzung wegen der Kommas. Hansi meint, da müßten in den einen Satz noch xroei hin, aber Ferdi ist anderer Ansicht und bleibt dabei, allen grammatischen Beweisen vollkommen unzugänglich. „Vorhin hast du dich auch nicht um meinen Brief gekümmert, jetzt laß ihn so!" Aber am Ende kleben sie ihn doch gemeinsam zu und bringen ihn zum Postzelt. Kunitz. Dann war ein Spreckchor. Auch Fritz war einer von den Sprechern. Auch tüchtig, allerhand von dem Lümmel, nickte Pelle, ich hätte mich früher nicht auf die Bühne getraut. Es folgten Turnübungen, erst am Boden, dann an Barren und Reck. „Schneid haben die Jungen", sagte Mutter Pelle zu Papa. „Richtig", nickte der, und als die Nummer zu Ende ist, fängt Papa Pelle als erster an zu klatschen. Seine Frau sieht ihn ganz erschrocken an. Dann war eine kurze Pause und danach stieg der Heimabend. Donnerwetter, der junge Kerl, der da der Führer sein mochte, hatte was weg! „Das muß man sagen", dachte Pelle. „Die Jungs sind in Ordnung." Als dann nachher ein Nachbar zu ihm sagte, so schön hätten sie es früher nicht gehabt, nickte er nur und sagte ,,Na, ja". „ , Die Kritik, die er hallen wollte, vergaß er auch ganz. z* Wirtschaft. Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 825: Neue Bestimmungen über die Führung von Ausländersonderkonten für Jnlandzahlungen. gen. 826: Steuerzahlung auf Honorarforderungen von Ausländern. 827: Schweizer Vorschriften über Tilgung von Rückständen aus Lieferungen nichtschweizerischer Waren nach Deutschland. 828: Beschleunigung der Luft- und Seepostbeförderung nach und von Amerika. 829: Das „Verzeichnis der deutschen diplomatischen und konsularischen Vertretungen" ist im Verlag der Reichsdruckerei, Berlin SW 68, Ora- nienstraße 91, in neuer Auflage erschienen und kann von dort oder durch den Buchhandel bezogen werden. (Preis 1,— RM.) 830: Verrechnungszertifikate für die Ausfuhr von Leder und Blumenzwiebeln aus den Niederlanden nach Deutschland. Stahlwerke Röchling-Buderus AG., Wetzlar. Diese je zur Hälfte den Konzernen Röchling und Buderus gehörende Gesellschaft steiaerte 1934 ihren Betriebsertrag auf 6,48 (5,55) Millionen RM., ao. Erträge betrugen 0,098 (0,14), Beteiligungseingänge 0,01 (0,04). Anderseits beanspruchten Personalaufwendungen 3,59 (2,68), Zinsen 0,29 (0,46), Steuern 0,51 (0,26) Handlungsunkosten 1,62 (1,59). Nach 0,3 ((>,51) Anlageabschreibungen und 0,06 (0,03) anderen verbleiben RM. 220 563 (95 666) Jahresgewinn, so daß nach Tilgung von 94 341 (190 000) RM. Verlustvortrag RM. 126 222 Reingewinn (94 341 Verlust) zum Vortrag verbleiben. Vor dem Ertragswerk wurden 0,13 der Delkredererücklage mit Rücksicht auf die Risiken des Auslandsgeschäftes überwiesen, alle erkennbaren Verluste außerdem vorweg abgebucht. Das Berichtsjahr habe einen wetteren beachtlichen Aufschwung des Geschäftes erbracht, Erweiterungsbauten wurden notwendig. Die Ausfuhr konnte, mit Ausnahme des Ruhlandgeschäftes, trotz der Schwierigkeiten vergrößert werden. Für das neue Jahr werden die Aussichten günstig beurteilt. Die Rückgliederung der Saar führte das Schwesterwerk, die Edelstahl-Werke Röchling AG., in das Reichsgebiet zurück. Den Völklinger Erzeugnissen solle auf dem deutschen Markt Absatz verschafft werden. Man habe deswegen eine Spezialisierung der beiden Werke eingerichtet, die sich, wie man hoffe, bewähren wird. * * Weitere Zinssenkung der Städt. Sparkasse Darmstadt. Auf Antrag der Di- rektion hat der Verwaltungsrat der Städt. Sparkasse beschlossen, den Zinsfuß für Hypothekendar- lehen mit Rückwirkung vom 1. April 1935 ab nochmals um 0,25 v. H. zu senken. Die Zinssenkung gilt nicht nur für neue Hypotheken, sondern auch für Aufwertungshypotheken, Baudarlehen und Kommunaldarlehen. Besondere Derwaltungskostenbeiträge werden nicht erhoben, so daß die Schuldner im ganzen nur 4,5 v. H. jährlich zu zahlen haben. * Hessen-Nassauische Gas -AG., Frank- f u r t a. M. - H ö ch st. Der Aufsichtsrat beschloß, der Hauptversammlung am 27. Juni aus 283 655 (248 201) Mark Reingewinn wieder 4,5 v. H. Dividende auf 5,905 Mill. Mark Aktienkapital vor- Zuschlägen. * AG. fürZellstoff-undPapierfabri- kation, Aschaffenburg. Die GV. genehmigte den Abschluß für 1934. Der Reingewinn von 3,14 (2,77) Millionen Mark wird zur Tilguna des restlichen Verlustes von 2,97 Millionen Mark, sowie mit 0,1 Millionen Mark zur Neubildung der gesetzlichen Reserve verwendet. 75130 Mark werden auf neue Rechnung vorgetragen. Auf eine Anfrage wurde mitgeteilt, daß sich über die weitere Entwicklung zunächst noch nichts genaues sagen sasse. Die Ergebnisse der ersten vier Monate des neuen Geschäftsjahres entsprächen den Erwartungen der Gesellschaft. Die Anlagen sind in befriedigendem Maße ausgenutzt. Anderseits muh noch abgewartet werden, welche Opfer die unbedingt notwendige Auf- rechterhaltuna und eventuelle Steigerung der Ausfuhr noch auferlegen werden. Hhein-Mainifche Mittagsbörse. Aktien fest. Frankfurt a. M., 28. Mai. Die Börse lag zwar schon von vornherein fest, hatte aber zunächst, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur sehr kleines Geschäft. Die Kulisse verhielt sich zurückhaltend, wahrend von der Kundschaft überraschenderweise ziemliche Verkaufsaufträge zur Ausführung kamen, die aber selbst zu steigenden Kursen schlank ausgenommen wurden. Nach den ersten Kursen wurde das Geschäft plötzlich lebhafter, und die Kurssteigerungen setzten sich bei fühlbarem Materialmangel fort. An sich erfuhr die Haltung durch günstige Nachrichten einige Anregung, so 3. B. von der 5prozentigen Wiederaufnahme der Dividendenzahlung bei Bem- berg und der neuesten Entwicklung der Sparkasseneinlagen, doch vermutete man, daß die Käufe auf Sperrmarkkonto vorgenommen werden. Am Aktienmarkt ergaben sich durchschnittliche Erhöhungen von 1 v. H. Besonders gesucht waren Elektroaktien, Licht und Kraft plus 2,5 v. H., Elektrische Lieferungen plus 1,5 v. H., Schuckert plus 2,25 v.H., Siemens plus 1,25 d. Sy, die übrigen Werte lagen bis 1 v. H. höher, nur Lahmeyer bröckelten leicht ab. Auch Montanaktien waren mehr beachtet, wobei Buderus 1,5 ü. Sy, Klöckner 1,25 v. Sy, Harpener und Stahlverein je 1 v. H. anzogen. Stärkere Befestigungen wiesen Reichsbankanteile mit plus 3,25 d. Sy und Bemberg mit plus 5 v. H. auf. Sonst lagen noch über dem Durchschnitt höher: Zellstoffaktien, Deutsche Linoleum, Rütgerswerke und Kali Aschersleben bei Erhöhungen bis zu 1,75 v. Sy IG. Farben lagen zunächst etwas leichter, zogen aber später um 1,25 v. H. an. Etwas niedriger notierten Scheideanstalt (— 1 v. H.), AG. für Verkehr (—0,25 v.H.). Am Rentenmarkt herrschte Geschäftsstille bei kaum veränderten Kursen. Schwächer lagen späte Reichsschuldbuchforderungen mit 96,50 (96,75), Kom- munal-Umschuldung unverändert 89,40, Zinsvergütungsscheine 90,15 und Altbesitzanleihe 115,10 lagen dagegen nur knapp gehalten. Don Auslandsrenten setzten Ungarn ihre Befestigung bei bis 0,65 v. Sy höheren Kursen fort, ferner gewannen Bagdad- Bahnen je 0,75 v. H. und 5 v. Sy Mexikaner 0,15 v. H., auch Rumänen zogen weiter an. In der zweiten Börsenstunde wurde das Geschäft zwar ruhiger, die Aufwärtsbewegung am Aktienmarkt setzte sich jedoch fort. Meist ergaben sich nochmalige Befestigungen um 0,50 bis 1 v. H. Darüber hinaus stiegen Reichsbank auf 177 nach 175,75, Siemens auf 171 nach 169,75, Goldschmidt auf 103 (101,75), Zellstoff Waldhof auf 121,50 nach 119,40, Feldmühle-Papier auf 125,50 nach 124,75, Metallgesellschaft auf 106,50 (105) und Holzmann auf 98,50 (97,25). IG. Farben lagen bei 148,75 nach 149,25. Am Rentenmarkt blieben späte Schulobuchforde- rungen zu 96,50 angeboten, sonst lagen die ersten Kurse unverändert, Altbesitz jedoch mäßig höher. Pfandbriefe und Stadtanleihen wiesen bei kleinem Umsatz keine Veränderungen von Belana auf. Tagesgeld war zum bevorstehenden Ultimo gefragt und wurde auf 2,75 (2,25) v. Sy heraufgesetzt. Abendbörfe: Aktien weiter fest. Bei ziemlich lebhaftem Geschäft verkehrte auch die Abendbörse in fester Haltung, und im Durchschnitt ergaben sich am Aktienmarkt neuerliche Erhöhungen non 0,50 bis 0,75 v. H. Darüber hinaus gewannen Bemberg 1,50 v. Sy, Daimler und Deutsche Erdöl je 1 v. H. gegen den Berliner Schluß, während Goldschmidt 1 v. Sy niedriger notierten. Erhöhtes Interesse zeigte sich wieder für Elektro- und Montanaktien. Der Einheitsmarkt lag ruhig und wenig verändert, aber meist etwas freundlicher. Deutsche Renten lagen sehr still, immerhin waren Altbesitz und Reichsbahn-Vorzugsaktien je 0,13 v. H. fester, auch Farben-Bonds und einige Stadtanleihen zogen etwas an. Gegen Schluß der Börse ließ das Geschäft nach und verschiedentlich zeigte sich etwas Realisationsneigung, die Haltung blieb aber fest. Von Ausländern hatten Ungarn und Rumänen, sowie Mexikaner und im Freiverkehr Serben und neue Türken lebhaftes Geschäft bei bis 1 v. H. höheren Kursen. U. a. notierten: 5,50 v. H. Younganleihe 104, Altbesitz 115,25, 4,5 d. Sy Darmstadt von 1926 91,50, 4 5 (7) Frankfurt von 1926 92, 4,5 v. Sy Mainz von 1926 91,75, IG. Farben-Bonds 132,13, Reichsbahn- Dorzuasaktien 120, 1913er Ungarn 11,25, 1914er 1113 bis 11, 4 v. Sy Gold 11,25, 5 v. Sy Rumänen 7 13 bis 7,30, 4 v.H. do. 6,25 bis 6,10 bis 6,20, 5 v.H. innere Mexikaner 6,70 bis 6,75, 4 v.H. Gold von 1904 10, 3 v. H. Silbermex. 6,13, Reichsbank 178, Buderus 105, Harpener 109, Kali Aschersleben 127, Klöckner 97,25, Mannesmann 86,65, Rheinstahl 112,50, Stahlverein 84,40 bis 84,25, AKU. 56,50 bis 57, AEG. 39,50, Bemberg 121,50, Bayr. Motoren 133, Eement Heidelberg 120, Daimler 92,50, Deut- che Erdöl 114,50, Licht und Kraft 131,50, IG. Far- den 149,50 bis 149,25, Geffürel 125,50, Goldschmidt 103,25, Holzmann 98,75, Berger 119, Metallgesellschaft 108, Moenus 87,90, Rütgers 119, Schuckert 119,75, Siemens 171, RWE. 126,13, Aschaffenb. Zellstoff 89, Waldhof 121,75, Nordd. Lloyd 35, Gebr. Stollwerk 91,25, Scheideanstalt 220. Rindermarkt in Gießen. Auf dem gestrigen Rinder-Nutzviehmarkt in Gießen standen 796 Stück Großvieh, 244 Fresser und 184 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 400 bis 520 Mk., 2. Qualität 280 bis 360 Mk., 3. Qualität 160 bis 210 Mk.; Rinder einhalb- bis dreivierteljährig 90 bis 140 Mk., dreiviertel- bis zweijährig 140 bis 210 Mk., tragend 220 bis 450 Mk.; Kälber bis zu zwei Wochen pro Stück 24 Mk., bis zu vier Wochen pro Stück 38 Mk., bis zu sechs Wochen pro Stück 50 Mk. Ausgesuchte Tiere über Notiz. — Marktverlauf: Anfangs lebhafter/ später abflauend. Frankfurter Obfi- und Gemüsemarkt. Frankfurt a. M., 28. Mai. Der Gemüse- mar k t hatte starke Zufuhren von Gurken, Kopfsalat, Rettich, Spinat, Spargel und Fruhwirsing, im übrigen war das Angebot ausreichend. Bei allgemein rückgängigen Preisen war das Geschäft befriedigend. Ueberstände verblieben allerdings m Kopfsalat, Gurken, Spinat und Spargel. U. a. notierten: Blumen (Treibhaus) Stück 35 bis 80, Salat» gurken (Treibhaus) Stück 20 bis 40, Karotten Bdl. 10 bis 14, Kohlrabi I 12 bis 14, II 5 bis 8, Kopf- salat 5 bis 8, Rettich Bdl.. 10 bis 60, Römischkohl 10, Sellerie 25 bis 45, Spargel A1 38 bis 40, A 2 35 bis 36, B 30 bis 32, C 20 bis 22, Spinat 8 bis 12, Wirsing 8 bis 10, Zwiebeln 15 ital. Am Ob st markt fanden Treibhaus-Erdbeeren bei unveränderten Preisen guten Absatz. Dom Ausland sind Aepfel, Aprikosen und Kirschen in genügenden Mengen angeboten, für Aepfel blieben die Preise unverändert, für Aprikosen und Kirschen gaben sie nach. Das Geschäft verlief langsam. U. a. notierten Aepfel, Kiste etwa 40 Pfund, rot, 19 bis 22, amerikanische, gelbe, 20, amerikanische, Blutapfelsinen 18 bis 29 span., Aprikosen 37 bis 40 ital., Erdbeeren I 1,20 bis 1,40, II 0,80 bis 1 Mark, Kirschen 25 bis 30 ital., Zitronen, 150 Stück, 7 bis 8 Mark. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a.M., 29. Mai. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 7 Rinder (3 Kühe, 4 Färsen), 888 Kälber, 11 Schafe, 361 Schweine. Es kosteten: Kälber 34 bis 63 Mark, Hämmel 35 bis 40, Schweine 44 bis 53. — Marktverlauf: Kälber lebhaft, Hämmel und Schafe ruhig, Schweine mittelmäßig. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 30.2Rai. 6 Uhr: Von Hamburg: Reichssendung: Hafenkonzert auf dem Luxusdampfer „Cap Arcona". 8.05: Don Stuttgart: Gymnastik. 8.45: Choräle und Vorspiele. 9: Von Kassel: Evangelische Morgenfeier. Veranstaltet von der evang. Landeskirche Kurhessen- Waldeck. 9.30: Deutsches Schatzkästlein „An deutschen Brunnen". 10.15: Chorgesang. 10.45: Von Leipzig: Unterhaltungskonzert. Einlage: Marienberger Dreiecksrennen. 12: Von München: Mittagskonzert. 14: Kinderfunk. 15: Von Breslau: Konzert. 16: Von Bad Ems: Nachmittagskonzert. 17.40: Von Hamburg: Aus dem Hindenburgstadion Hannover: Handball-Länderspiel, 2. Halbzeit. 18.10: „Das Höllenhuhn". Heiteres Hörspiel von Theo Töller. 19.15: Das neue Marschpotpourri des Reichssenders Frankfurt a.M. 20: Sportbericht. 20.10: Aus dem Palmengarten, Frankfurt a.M.: Abendkonzert. 22.20: Kammermusik. 23: Von London: Tanzmusik. 24: Don Stuttgart: Aus dem Ludwigsburger Schloß: Kammermusik. 1.15: Don Stuttgart: Beethoven- Klaviermusik. 1.35 bis 2: Von Stuttgart: Russische Komponisten. Freitag, 31. Mal. 6 Uhr: Don Königsberg: Frühkonzert I, Gymnastik. 7: Von Königsberg: Frühkonzert II. 8.10: Don Stuttgart: Gymnastik. 10.15: Don Stuttgart: Schulfunk. 10.15: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert I. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Für die Frau. 16: Kleines Konzert. 16.30: Die deutsche Automobilproduktion im Jahre 1935. Eine konjunkturpolitische Betrachtung. 17: Von Hamburg: Bunte Musik am Nachmittag. 18.30: Jugendfunk. Gorch Fock, ein deutscher Held. 18.45: Das Leben spricht! 19: Von München: Unterhaltungsmusik. Barnabas von Gezy mit seinem Orchester. 19.45: Bauernfunk. 20.15: Von der Harfe zum Kontrabaß. Virtuose Musik auf allerlei Instrumenten. 22.20: Vom Deutschlandsender: Der Deutschland-Flug 1935. 22.45: Die Sportschau der Woche. 23: Der Reichssender fährt über Land. Ausschnitte aus Bunten Abenden im Sendebezirk. 24: Nachtkonzert. 1.10 bis 2: Chor- und Klaviermusik von Johannes Brahms. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Mittwoch, den 29. Mai. Watzenborn-Steinberg. 20 Uhr: Vortrag. Donnerstag, den 30. Mai. Christi Himmelfahrt. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker. — Iohaunes- kirche. 9.30: Pfr. Ausfeld. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Gottesdienst. — Pelruskapelle. 9.30: Pfr. Trapp. — Schiffenberg, Klosterkirche. 8.30: Frühgottesdienst; Pfr. Steiner (Hausen) ; Mitwirkung des Frauenchors Hausen und des Posaunenchors Watzenborn. — Wiefeck. 9.30: Gottesdienst; Kollekte. — Alten-Duseck. 10: Gottesdienst — Albach. 9.30: Gottesdienst; Kollekte. — Steinbad). 10: Gottesdienst; Kollekte. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst. — Kirchberg. 10: Gottesdienst; Kollekte für die Mission. — Treis a. d. Lda. 10: Gottesdienst; Kollekte für die Mission. — Watzenborn-Steinberg. 10: Gottesdienst; anschließend Kinderaottesdienst. — Garbenteich. 13: Gottesdienst. — Hausen. 10.30: Gottesdienst.— Cid). 9.45: Missionar Welte; Kollekte; 11: Kindergottesdienst; Kollekte; 15: Missionsfest in der Meilbach; Missionar Welte, Dechant iiat)n; Kollekte. — Dettenhausen. 9.30: Hauptgottesinenst; Kollekte. — Langsdorf. 11: Hauptaottesdienft; Kollekte; ab 14: Hausabendmahle. — Dieder-Dessingen. 8.30: Missionar Welte; Kollekte. — Münzenberg. 10.30: Gottesdienst mit Kollekte für die Heidenmission; nachmittag« Teilnahme am Wohnbacher Waldmis- sionsfest. — Trais-Münzenberg. 8.30: Gottesdienst mit Kollekte für die Heidenmisfion; nachmittags Teilnahme am Wohnbacher Waldmissionsfest. — Huu- gen. 9.45: Gottesdienst; 10.45: Kindergottesdienst. — Langd. 13: Gottesdienst; anschließend Vorbereitung und Feier des hl. Abendmahls; Hausabendmahle. — Wirberg. 10: Gottesdienst; Kollekte. — Beltershain. 13: Gottesdienst; Kollekte. — Kirtorf und Ober- Gleen. 9.30:Festgottesdienft; Landesbischof Lic. Dr. Dietrich; Männerchor; Posaunenchor. Evangelische Stadtmission (Löberstrahe 14). Donnerstag, den 30. Mai. 20.30 Uhr: Evangelisationsvortrag. Katholische Gemeinden. Mittwoch, den 29. Mai. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Donnerstag, den 30. Mai. Christi Himmelfahrt. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14.30: Feierliche Vesper. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt; 14: Vesper. — Didda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Deuapostolische Gemeinden Gießen. Händelstraße 1 — Ederstraße 13. Donnerstag, den 30. Mai. 9.30 Uhr: Gottesdienste. OeffeuMcher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende» Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamtr Für Schließfachabholer f bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Arzt: Dr. Neumänn-Spengel, Dr. W. Klein. Zahnarzt: Dr. Haubach. Apotheke: Pelikan-Apotheke. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse franffurt O.UL Berlin 28. Mai '■Datum 27-5 | 28 5 27 5 28 5 117,75 115.13 115,25 115 115,13 100,5 100,5 100,5 100,4 Hamburg-Amerika-P atet o 33,13 33,5 98,75 98,75 96,25 96,25 96,25 148,5 149,4 100,5 100,5 92,25 92,25 124,25 116,25 115,75 116,25 116 0 97,25 25 I 98,75 I 97,75 I ,75 120 — - I 134 1 -| 98,13 6 118,75 96,13 96,13 2,484 2,488 100,8 100,6 Banknoten. 125,5 101,13 101 100,75 101 96,75 96,75 96,75 96,75 30,5 0 107 109 154 156 42 ManneSmann-Röh^n 11 12 11,5 1? 174,5 Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt bejchlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H. 5 d. Sy 35,25 292,5 119,5 122,65 96,75 106.25 10 9,25 9,85 13,65 11,25 13,75 7 7 94,25 94,25 172.5 39,5 135,5 113,75 131,5 161 131,5 97,25 86,65 94 94 178 92,5 165,5 104,25 119,5 107,4 96,75 106,25 96,75 106,25 96,75 106,25 101,9 111,5 105 114,5 107,25 97,9 160 130,5 94,5 85,13 94,25 94,25 172,5 104,4 113,5 82,65 18,55 125 125 178 90,4 164 0,658 41,98 0,149 3,047 54,82 46,75 12,275 5,415 16,35 167,78 20,51 0,723 5,649 61,70 48,95 11,14 63,30 80,24 33,88 10,31 0,662 42,06 0,161 3,053 54,92 46,85 12,305 5,425 16,39 168,12 20,55 0,725 5,661 61,82 49,05 11,16 63,42 80,40 33,94 10,33 35 89,5 115,5 92,25 94 94 178 101,75 117,5 105 227 112 83,75 18,9 126,75 126,5 179,5 161 130 94,25 85.25 o 10 38,75 135 112 126,75 104,25 122,75 128 123,5 116 168 5 126,25 102,65 112 54,75 114,65 118,5 88 227,25 112,5 84,25 19 127 126,5 179 149,25 220 103,25 119 108 224 110,75 82,5 18,65 125 124,5 178,5 126,13 119,75 171 127 33,13 27,25 35 89,5 116 92,25 36 294,5 116,75 122 109,75 54,65 115 118 ^8,5 132,13 90,4 164,5 87,75 35,5 292 169,75 155 38,65 134,75 112,5 127 103,9 123 128 123,75 116,25 168,5 126.25 109 99,25 160 131,75 96,5 86,4 110,25 56,25 120 121,5 88,75 132,25 91,5 166,5 88,65 36 295 169,25 156 100,25 97 103,1 100,25 97 104 100.13 97 100,13 97 104 57 121,5 121,75 89 Schluß» furd A.LS. Bekula 33,4 26,25 34,75 88,5 114,5 92,5 Gritzner Mainkraftwerke Höchst a.M—. 4 Süddeutscher Zucker s 39,4 135,4 113,75 131 105 124,75 130 125,65 119,75 171 126,25 34,9 89 113,5 92,5 Schuckert L Co. . Siemens 8 Halste. Lahmeyer 8 Co. . Amtliche Notierung Geld | 23 rief Schlußt. Mittag- bffrfe Devisenmarkt Berlin — Frankfurt O.2IL 4% Oesterretchtsche Goldrente.... 4,20% Oesterreichtsche Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1310 4vi% desgl. von 1913.......... 6% abgesi. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbohn-Anleihe Serie 1 71 148,5 91 220 O| 101,75 4; 116,75 4j 105 Mansselder Bergbau .. Kokswerke Phönix Beimbau...... Rheinische Braunkohlen Rheinstastl........... Bereinigte Stahlwerke. Otavi Minen ........ Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln. Kaliwerke Salzdetfurth 41,65 1 41 | 93,5 - -I 172^1 Harpener Hoesch Eisen—Köln-Neueffen .. 0 Ilse Bergbau Ilse Bergbau Genüsse Klöcknerwerke 31,75 1,4 11,2 11 11 13,9 30,75 1,3 11,25 Jugoslawien. Oslo ; Wien....... Lissabon .... Stockholm... Schweiz .... Spanien.... Prag....... Budapest ... Neuyork ... 30,65 1,3 10 9,6 9,75 Schluß- ®S'- Adend- >ur* börse Elektr. Lieferungsgesellschaft... 5 Licht und Kraft ........... 8% Felten & Guilleaume 0 Gesellsch.f.EIeklr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ....... 5 Rhein. Wests. Elektr. g Buderu» Deutsche Erd« Gelsenkirchener ... I 116,25 .. 5. - ... 0, . 12, 224,25 8W 110,75 t. G. Farben-Jnduftrte cheideanstalt........ Goldschmidt Rütgerswerke Metallgesellschaft Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........o A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz« und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................0 Dresdner Bank 0 Reichsbank ................12 Philipp Holzmann . . .. Zementwerk Heidelberg Zementwerk Karlstadt.. Schultheis Patzenhofer 4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg................ 0 Zellstoff Waldhof 0 Zellstoff Aschaffenburg 0 Dessauer Gas ......... 7 Daimler Motoren 0 Deutsche Linoleum 6 Orenstein L Koppel .... 0 Westdeutsche Kaufhof 0 Ehade................ 0 Accumulatoren-ssabrik Conti-Gum nn 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 6Vi% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 4l/,% Deutsche Reichspostschatz an- Weisungen von 1934, I....... 6% cfjem.8% Hess. BolkSstaat 1929 (rilckzahlb. 102%) ............ 4/«% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 6y,% ehem. Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Lioui ... 4y.% ehem. 8% Darmst. Komm. LandeSb.Goldschuldverschr. R-6 Oberhessen Provtnz-Anlethe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4%% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6K% ehem. 4/,% Franks. Hyp^ Bank-Liqu.-Pfandoriefe....... W/o ehem. 4y,% Rheinische Hyp.-Bank-Ltgu.-Goldpfe 4ty% ehem. 8% Pr. Landespsand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 19