185. Jahrgang Aus diesem Argwohn und aus dieser Furcht heraus, die längs jeder Grenze in Europa empfunden wird: „TB as geschieht, wenn die Luftstreitkräfte im Krieg herüb erkom men?" ist es zu erklären, daß die Gleichberechtigung mit b e n anderen Nationen hätte und nicht länger mehr als ein Ausgestoßener angesehen würde. Diese Beweggründe muß man verstehen. heute haben wir Sowjetruhland lm Völkerbund. Wir haben hingegen Deutschland verloren, hoffentlich nur für kurze Zeit. Die Vereinigten Staaten stehen noch immer außerhalb. Japan hat den Völkerbund verlassen und ich sehe auch keine Aussicht, daß es bald zurückket)ren wird. So ist der Völkerbund verkrüppelt, und wir Völkerbündler haben nicht die Stärke, mit der wir so viel hätten erreichen können. Frankreich hat dem Friedensvertrag einige Zugeständnisse gemacht in der Erwartung, daß es Unterstützung erhalten würde. Daran muß man sich erinnern, weil fein Land — was auch immer die grundlegenden Ursachen in Europa für die Schwierigkeiten zur Erreichung eines lieberem» kommens in der Abrüstungsfrage gewesen sein mögen — beschuldigt werden kann, daß es sich in dieser Frage einer schweren Todsünde schuldig gemacht habe. Die Lage ist aus zweierlei Tatsachen entstanden: Die ganze Zeit hindurch hat sich Frankreichs ganze Sorge zuerst und zuletzt um seine eigene Sicherheit gedreht, um die Sicherheit, die es bedroht sah, als die drel- fache Garantie sich nicht verwirklichte. Dor ver- hältnismäßig kurzer Zeit sah es aus, als ob wir der Grundlage für ein Uebereinfommen naher gekommen seien. Aber in diesem Augenblick zogen sich die Deutschen vom Völkerbund zurück, und die gesamte Lage änderte sich durch die Machtübernahme Hitlers. Die Gefühle, die in Deutschland gewesen waren, nahmen offenere Gestalt an. Aus bestimmten Gründen wurde jedoch die Verwirklichung dieser Politik äußerst geheimnisvoll durchgeführt. Damit will ich keine Kritik üben, sondern nur Tatsachen feslstellen. Angesichts des Spannungszustandes, in dem sich Europa seit langer Zeit befand, rief die Tatsache allein, daß irgend etwas im Geheimen getan wurde, Mißtrauen hervor, und so hat es die unnatürliche Erscheinung gegeben, daß alles, was getan wurde, tausendfach übertrieben wurde. Deutschland schritt ja auch auf anderen Gebieten als in der Luft vorwärts, und wir haben erst vor einigen Tagen erfahren, daß die Herstellung von Unlerseeboo- t e n über den Stand einer akademischen Erörterung hinaus gediehen ist. Diese Dinge haben zweifellos den Argwohn in Europa ver- mehrt, weil man sich an die verschiedenen Kriege erinnert, die innerhalb der letzten drei Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Warum wünscht England den Abschluß eines Lust locarnos zu beschleunigen? Große Hede Baldwins für Begründung der britischen Lustrüstungen. Die zweite Antwort. Nach der sozusagen poftroenbenben Antwort, bie der stellvertretenbe englische Ministerpräsibent B a l b w i n im Unterhaus auf bie europäische Pro- grammrebe bes Führers unb Reichskanzlers gegeben hatte, folgte jetzt bie zweite amtliche Antwort burch eine Rebe Mussolinis in ber Samstagssitzung ber italienischen Kammer. Wenn man bie Bebeutung ber Rebe Balbwins hauptsächlich barin sah, baß sie, ehe bie beutschen Ausführungen propaganbistischer Vergiftung ausgesetzt waren, für bie internationale Diskussion bie positive Tonart anschlug unb so alle anbern Mitspieler für bie Instrumentierung ihrer Antwort zur Rücksicht auf ben englischen Kammerton verpflichtete, so tritt in ber Tat in ber Rebe Mussolinis biese Bebeutung der englischen Promptheit sichtbar hervor. Obwohl die Nerven des italienischen Staatsführers burch bie Anfechtungen feiner abessinischen Politik in Genf durch bie Wortführer bes Völkerbundes stark tn Anspruch genommen waren, zeichnet sich seine Antwort auf bie beutschen Vorschläge als umfassend und maßvoll unb, soweit sie auf bie Entstehungsgeschichte einging, als verstänbig aus. Wie bie englische, so ist auch bie italienische Antwort, was in ber Natur ber Sache liegt, nur eine vorläufige. Mussolini hat bies bahm ausgebrückt, baß bie 13 Punkte ber Kanzlerrebe weder en bloc angenommen, noch zurückgewiesen werden könnten, und deutete als einzuschlagenden Weg an, daß sich die europäische Diplomatie m ben nächsten Wochen ber Aufgabe einer Klärung der durch bie deutschen Vorschläge aufgeworfenen Fragen zu widmen haben werde. Wir vermuten, baß eine solche stille Fortführung ber nun nach langer Stockung burch bie beutsche Initiative in Gang gesetzten europäischen Aussprache burch bie Diplomatie auch ben amtlichen beutschen Wünschen entspricht unb sich burchaus mit den Vorstellungen deckt, die man sich in Berlin über bie zunächst möglichen Wirkungen ber Rebe bes Führers und Kanzlers gemacht hat. Sie war eine politische Tat von europäischer Bedeutung; sie auszuwerten ist zunächst Aufgabe der Diplomatie, die sich erfahrungsgemäß nicht auf offenem Markte abspielen kann. Erst wenn es ihr gelungen ist, den Stoff fo vorzubereiten, daß es durch eme neue politische Tat zu einem europäischen Geschehnis werden kann, dann erst soll man an Konferenzen, Zusammenkünfte oder Aehnliches denken. Wir werden also vermutlich längere Wochen vor uns haben, die äußerlich ruhig, innerlich aber sehr bewegt sein werden, in denen wenig gewußt, aber viel gewispert werden wird Die deutsche Oeffentlichkeit wird sich dabei an Anregungen und Sensationen möglichst wemg beteiligen und in dieser Ruhe ihr Vertrauen m politische und diplomatische Führung ausdrucken. Für den Gang und Erfolg der Verhandlungen wäre es gut, wenn auch auf die Oeffentlichkeit anderer Lände im Sinne einer Beruhigung und Reinigung der europäischen Atmosphäre eingemirft wurde. Die technische, aber politisch sehr wichtige Frage der sogenannten „K o n f e r e nz - D l p l o m a t i e ist von Mussolini auch in einem andern Zusammenhang angeschnitten und in einem Sinne entfcfyieben worden, der sich gegen die bisherige Methode ungenügend vorbereiteter Konferenzen wendet und sich mit dem deutschen Standpunkt deckt, nur bann an solchen Veranstaltungen teilzunehmen, wenn sie mit einem | »ft umriHenen Programm einperu- f e n werben, an besten Vorbereitung Deutsch anbln allen Phasen teilgenommen hat. Mussolini hat jetzt verkünbet, baß bie Don au - K on f ere nz, die man in Stresa voreilig auf ben 4. 3uni, unb amar unter Teilnahme bes vorher nicht befragten Deutschlands festgesetzt hatte zu ^sem Termm nicht und Überhaupt nicht ftattfmben werde, wenn sie nicht mit allergrößter Sorgfalt v o r bereitet sei. Wir halten diese Vorsicht auch m Mer Detailfrage der europäischen Politik für sehr begründet und glauben, daß es Zeichen des Gesundungsprozesses der europäischen J l t ist wenn man nun beginnt, von ber »tjon ber Konferenzen und Vertrage wieder zu einer stabilen Währung der Diplomatie zurückzukehren, was Nicht einen Ruckfall in alte verstaubte Methoden ber Zopfdiplomatie zu bebeuten braucht. Mussolini hat sich in seiner Rebe auch stber andere Ranbgebiete ber europäischen unb italienischen Politik ausgelassen, so über bie neuen engen Beziehungen zu Frankreich, roobei man eine leichte Abkühlung feststellen könnte, ohne hierauf allzu großen Wert zu legen; so über seine Politik i n 0 ft a f r i f a unb bas oon Jtatten angenommene Genfer Kompromiß, wobei Mussolini wieder- um vor Illusionen warnte, daß Italien nicht zum Aeußersten gehen werde, wenn es dies für notwendig und nützlich halte. Don all diesem tnter effiert Deutschland nur, was Mussolini über die österreichische Frage und das Verhältnis Aum Reich äußerte. Da er aber lediglich bie Feststellung bes Führers unb Kanzlers bestätigte, daß es außer ber österreichischen Frage k e i n e Interessengegensätze zwischen Deutschland unb Italien gäbe, bie e aber als sehr wesentlich unb wichtig bezeichnete, sie mit ben bekannten italienischen Ansprüchen begrünbete, Neues unb Forderndes in ber Angelegenheit also nicht zutage brachte, so erscheint es uns unzweckmäßig, eine Polemik wieder aufzu- nebmen, burch bie bas derzeitige Italien doch nicyl eines Besseren belehrt werben kann. Schließlich wirb bie Z e i t das Verständnis für die scheinbar so einfache ^Tatsache bringen, baß die österreichische Frage in erster Linie eine 8 st e r r e i ch i s ch e unb bann erst eine europäische, am allerwenigsten aber eine italienische Frage ist. Menschen sich dem zmvenben, was man kol- leklive Sicherheit nennt. Der Grundgedanke der kollektiven Sicherheit im weitesten Sinne ist. baß Europa keinen Krieg dulden sollte, und daß, wenn doch irgendein Land, welches Land es auch immer fei und wo auch immer es gelegen fein möge, einen Krieg beginnt, mit anderen Worten, zum Angreifer wird, daß dann alle Länder sich verbinden sollten, um dieses Land zum Einhalten zu bringen. Wir sind noch weit von der Erreichung dieses Zieles entfernt. Aber auf einem begrenzten Gebiet ist etwas ähnliches bereits im Vertrag von Locarno geschaffen worden, in dem sich die Westmächte, die ihn unterzeichnet haben, verpflichteten, ihre Kräfte vereint einzusehen gegen jeden von ihnen, der diesen Pakt brechen sollte. Deshalb bin ich der Ansicht, daß vor allen Dingen zwischen diesen Mächten versucht werden muß — und Hitler hat sich damit grundsätzlich einverstanden erklärt — den Gedanken eines ergänzenden Luftpaktes zu verwirklichen, der in diesen Vertrag einzubauen wäre, eines Luftpaktes, in den möglicherweise als besonderer Teil ein Pakt über Rüstungsbeschränkungen mit eingebaut ist. Einige von Ihnen mögen fragen: Warum gerade in ber Luft? Darauf antworte ich: Es gibt ein Sprichwort: „Beiß nicht mehr ab, als Du schlucken kannst". Die Schwierigkeit, eine schnelle Abrüstung herbeizuführen, ist eben hier sehr groß. Was ruft benn all bie Furcht in Europa hervor? Das finb nicht bie Heere unb nicht bie Flotten; das ist bie Luftwaffe. Unb wenn bie Furcht vor ben Luftflotten ben Völkern Europas genommen werben kann, so baß kein Luftkrieg mehr zu befürchten ist, würbe Europa in ber Lage fein, sich um feine eigenen Angelegenheiten zu kümmern, wie bas lange nicht mehr ber Fall war. Der Grunb, warum eine Begrenzung ober gar Entwaffnung ober gar ein Uebereinfommen m Der Luft fo wichtig ist liegt in d-r Schwer- des Schlages begrunbet, ber von ber Luft au s versetzt werben kann. Man braucht Zeit, ein Heer zu mobilisieren, man braucht aber feine Zeit, um in ber Luft zu mobilisieren. Deswegen Me id), bah bie am Locarno-Vertrag interessierten Machte in absehbarer Zeit zusammentreten, um zu verhandeln unb in ihn einen Luftpaft einzubauen, ber mm ersten Mal eine Rüstungsbegrenzung bringen wirb, weil bie Festsetzung selbst einer hohen Ziffer einem Wettlauf ber Rüstungen bei biefer Waffe em ^Balbwch bedauerte noch einmal, daß die V e r= einigten Staaten an diesen Verhandlungen Generationen geführt wurden und in die Deutschland verwickelt war. Das ist der Grund, warum wir immer verlangt haben, daß es keinerlei Geheimnis geben dürfe und daß Europa die Tatfachen kennen müsse. Wenn man die Tatsachen kennt, weih man, wo man steht. Alle Regierungen haben sich um die Abrüstung bemüht. Und um den Völkern zu zeigen, wie sehr wir das wollten, haben wir sogar davon Abstand genommen, die Militärstärke Großbritanniens auf einer Höhe zu halten, auf der sie sich eigentlich befinden sollte. Wir wissen sehr wohl, daß eine solche Abrüstung, wie wir sie gewünscht und erhofft haben, innaherZukunftnicht kom- m e n wird. Die Lage in Europa hat sich infolge der Umstände, die ich beschrieben habe, geändert, und innerhalb der letzten zwei Jahre sind wir, wie ich glaube, das einzige Land, das seine Armee nicht vermehrte, bis die letzten Haushaltszahlen vorgelegt wurden. Jetzt aber hat das ganze Land seine Ansicht geändert. Ich glaube, es gibt nur noch wenige, die eine einseitige Abrüstung unterstützt hatten, d.h. eine Abrüstung durch uns allein. (Beifall.) Großbritannien hat es zu einem Grundsatz seiner Verteidigungspolitik gemacht, daß es seine Küsten und die „narrow §easu (die Kanäle, die England vom Festland und von Irland trennen) zu verteidigen habe. Das ist der Grund, warum Jahrhunderte hindurch die Aufrechterhaltung und d i e a u s - reichende Stärke der Flotte jedem Engländer ins Herz gebrannt worden war. Heute aber haben wir nicht nur die „narrow seas“ zu verteidigen, um unsere Sicherheit auftecht- London, 27. Mai. (DNB.) In der überfüllten Albert-Hall sprach Baldwin im Montagabend zur Verteidigung der Luftfahrtpolitik der Regierung. Die Regierung habe die große Mehrheit des Landes hinter sich. Die Argumente der Opposition seien unehrlich. Großbritannien habe durch schlechte und gute Zeiten hindurch nicht nur die Grundsätze des Völkerbundes unterstützt, sondern darüber hinaus das getan, was es nur tun konnte, um feine Autorität zu stützen und sich an seine Ideale zu halten. Ich wünsche, so erklärte Baldwin u. a., daß Sie alle, die Sie Sympathien für den Völkerbund haben, sich der ungeheuren Schwierigkeiten bewußt sind, die dem Völkerbund gegenübergeftanben haben. Wir haben niemals einen solchen Völkerbund gehabt, wie er denen vorgeschwebt hat, die ihn geschaffen haben. Die Aktionen gewisser Länder haben, wenn auch manchmal erst später, ihre Auswirkungen gezeigt. Der erste große Schlag, der dem Völkerbund verseht wurde, war die Weigerung der Vereinigten Staaten, dem Wunsche des Präsidenten Wilson entsprechend, Mitglied dieses Völkerbundes zu werden. So begann der Völkerbund ohne die Hilfe der Vereinigten Staaten, ohne die Hilfe Rußlands und ohne die Hilfe Deutschlands, der drei Mächte, die, so verschieden sie auch sind, zu den größten Mächten der Welt zu zählen sind. Das war allein schon ein außerordentliches Handicap, und hier muß man sich daran erinnern, daß der Vorschlag des amerikanischen Präsidenten, wonach die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich eine dreifache Garantie der ranzösischen Sicherheit geben sollten, feine Zustimmung bet dem amerikanischen Volfe fand. Es mag fein, daß wir manchmal meinen, daß die Franzosen schwierig sind, aber versetzen Sie sich in die Lage eines Landes, in das zweimal die Nachbarn einmarschiert sind, und zwar innerhalb eines Menschenalters. Sie würden dann das andere verstehen. Anderseits war Deutschland der Meinung, daß es nicht zur Ruhe kommen könnte, wenn es nicht eine Art von Del schriliweise Ausbau des Locarno-Systems „5W nicht mehr ab, als Du schlucken kannst." - Baldwin stimmt Hitlers These von der Politik des Erreichbaren zu. zuerhalten, wir müssen vielmehr auch unter die Oberfläche ber Meere unb über |ie hinaus nach oben gehen. Keine Regierung in Großbritannien könnte auch nur einen Tag am Leben bleiben, bie sich bamit zufrieben geben würbe, baß unser Lanb eine moderne Luststreit - macht besäße, die irgendeiner anderen Luftstreitmacht in erreichbarer Nähe unterlegen wäre. Nun mögen Sie fragen, warum machen sie die Luftmacht nicht gleich so stark wie die franzo- s i s ch e ? Da braucht man nur einen Augenblick nachzudenken, um darauf zu antworten. Wir haben mit den Franzosen Jahrhunderte hindurch gekämpft. Wir kämpften aber mit ihnen in den unmittelbar benachbarten Gewässern. Doch was damals möglich war, ist heute unmöglich. Im Zeitalter der Luftfahrt unb ber schweren Geschütze wissen bie Franzosen unb wir, bie wir beibe an einer schmalen Meeresstraße leben, daß wir gute Nachbarn bleiben müssen unb auch gute Freunde — was auch immer wir empfinben unb über uns ben» fen mögen in bem Augenblick, in bem ber eine ben anbern auf bie Probe stellt, wie bas Nachbarn manchmal tun. Es ist völlig ausgeschlossen, baß bie beiben Nationen, bie sozusagen Seite an Seite leben, einen Krieg in Erwägung ziehen könnten. Unb bieses Gefühl, bas wir haben, müßte es in Europa beiber feite aller Grenzen geben unb bei ben Volkern Europas bis in bie Knochen hinein. Dies allein wird uns helfen, wenn wir schließlich bie verschiebenen Pakte unb Vereinbarungen abschließen, die über bie Begrenzung ber Bewaffnung abgeschlossen und bie zustanbegebracht werben müssen, wenn bie Zivilisation Europas erhalten werben soll. nicht teilnehmen könnten, ba ihre Beteiligung überall, in Europa, im Osten ober sonstwo, in Zusammenarbeit mit bem britischen Reich bie größte Sicherung gegen ben Krieg barstellen würbe. Zum Schluß gab Balbwin seiner Überzeugung Ausbruck, baß keine Nation Krieg wünsche, zum minbeft nicht im Augenblick, weil es keine Nation in Europa gebe, bie nicht genug bamit zu tun hätte, sich um ihr eigenes Volk zu kümmern und die eigenen Schwierigkeiten zu überwinden. Oie Llmbil-ung -es britischen Kabinetts. Der Charakter als „Nationalregierung" soll gewahrt bleiben. London, 28. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Zeitpunkt für die Umbildung des Kabinetts ist auf die Pfingstzeit festgesetzt worden. Aller Voraussicht nach wird der Kabinettsbeschluß am Freitag, den 7. Juni, abends, nachdem sich bas Unterhaus auf zehn Tage für die Pfingstferien vertagt hat, amtlich verkündet werden. Formell wird die Umbildung so vor sich gehen, daß m i t d e m R ü ck- tritt Macdonalds vom Posten bes Ministerpräsidenten gleichzeitig das Gesamtkabinett seinen Rücktritt erklärt. Hierauf wirb Balbwin zum König berufen werden unb ihm sofort bie Zusammensetzung bes neuen Kabinetts mitteilen können. Die Verhand- lungen über die Umbesetzung ber einzelnen Ministerposten finb burch bas Bestreben gekennzeichnet, ben bisherigen „nationalen" Charakter ber englischen Regierung zu wahren, inbem bas feste Verhältnis ber im Kabinett vertretenen Regierungsparteien soweit wie möglich bei behalten wirb. Es besteht bie Möglichkeit, baß Macbonald nicht ben bisher von Balbwin befleibeten Posten als Präsibent bes Geheimen Staats- r a t s übernimmt, sonbern baß er Minister ahne Portefeuille wird. „Daily Telearaph" glaubt, baß Macbonalb ben Poften bes Lord- siegelbewahrers erhalten unb baburch in ber Lage fein werbe, der Regierung feine innen» unb außenpolitische Erfahrung zur Verfügung zu stellen, ohne mit Facharbeiten überlastet zu werden. Daß Lorbsiegelbewahrer Eben ber neue Außen- minister sein wird, wirb kaum mehr in Zweifel gezogen. Um bas jetzige Parteienverhältnis beizubehalten, wirb Außenminister Sir John Simon vermutlich nicht ins Oberhaus berufen werden, sonbern an Stelle Balbwins als Präsident bes Staatsrates fteUoertretenber Führer des Unterhauses werben. Der nationale Arbeiterpartei- (er Lorb Sankey wirb sich völlig zurückziehen unb sein Nachfolger als Lordkanzler unb Führer ber Regierung im Oberhaus wirb voraussichtlich ber jetzige Kriegsminister Lord Hails- Ham sein. Um bie Vertretung ber nationalen Arbeiterpartei nicht einzuschränken, wirb bann weiter ber Sohn Macdonalds Malcolm Macbonalv, ber Unterstaatssekretär im Dominienministcrium ist, einen Posten im Kabinett erhalten. nr. 125 Erster Blatt 185. Jahrgang Dienstag. 28. Mai 1935 Ctfäjemt -Lgltch, -utz-r • ^"di^Mittagsnummsr Gießener Familienblätter JlSk »V ■■ ßWt ▼ Grundpreise für I mm hohe Heimat tm Bild • Die Scholle B fiB wB B M M |l| Wb B W B B , H I H N jr B für Anzeigen von 22 mm se=3 MLMMz LMMUkl S-SM von einzelnen Nummern IV^ Stellen-, Vereins-, gemein- ZML General-Anzeiger für Oberhessen ZMM richten: Anzeiger Sietzen v 1 behördliche Anzeigen 6Rpf. granffurMm” 11686 vruck Md Verlag: vrühl'sche Unioerfitätsvuch- Md Steindruckerei «.Lange in Gießen. Schriftleitung und SeschSftrftelle: Schulstrahe 1 M-ngenabschlüffe Staffel 8 Das Drama von Tschuschinia Von Konteradmiral a. O. Gadow. Tokio, 27. Mai. (DNB.) 3n ganz Japan wird die 30jährige Wiederkehr des See-Sieges von Tfchu- s ch i m a feierlich begangen. Der Kriegs- Hafen von Tokio ist' festlich geschmückt; es finden große Paraden der Kriegsflotte sowie der Marine-Flieger statt. Der Kaiser wird persönlich an einer Gedenkfeier im Marine-Club teilnehmen, bei der 3 0 0 0 Mitkämpfer aus der Seeschlacht anwesend sein werden. Der Marineminister bezeichnete die Seeschlacht von Tschuschima als den Wendepunkt in der Geschichte Japans und als die Einleitung seiner Kontinentalpolitik, nachdem es von dem russischen Druck befreit worden wäre. Auch künftig müsse es das Ziel Japans sein, eine unbesiegbare Flotte zu haben, da von ihr die Zukunft des Reichs abhänge, das als' führende Macht der Friedensfaktor in Ostasien sei. Vor 30 Jahren geschah an ferner Stelle, weitab vom sonst üblichen Schauplatz historischer Entscheidungen, ein S e e s i e g , der zu den bedeutendsten der Geschichte zählt und sich bis in die Gegenwart auswirkt. Der russisch-japanische Krieg von 19 0 4 —19 0 5 entsprang aus dem Vordrän- aen des kaiserlichen Rußland nach dem Fernen Osten, dessen Gestade Kosaken im 17. Jahrhundert zum ersten Male erblickt hatten. Rußland saß mit Port Arthur fest in der M a n ds ch u r e i und begann die Hand nach dem von Japan bereits durch- drünaenen Korea auszustrecken, England behauptete Den nordchinesischen Hafen von Wei-hai- w e i, Deutschland war in K i a u t s ch o u seßhaft geworden. Es war der Höhepunkt der westlichen Machtpolitik erreicht, die vor kurzem erst den Boxerfrieden in Peking diktiert und ihre Feldzeichen über der Kaiserstadt aufgepflanzt hatte. Mit diesem Kriege begann ihr Abstieg und Japans Aufstieg zur Groß- und asiatischen Vormacht. Jene Außenposten sind heute verschwunden, Rußland ist auf den Amur zurückgeworfen, England auf Hongkong, Amerika nur noch im zweifelhaften Besitz der Philippinen. Japan brach die Zange auf, die sein „Erbteil" umklammert hält, und Tschuschima war der Ort und der Tag, wo das geschah. Was an diesem Kriege heute noch am stärksten fesselt, ist die Apathie und Energielosigkeit der Russen einerseits, die souveräne Beherrschung strategischer Lehren und die hemmungslose Tapferkeit der japanischen Führung und Wehrmacht andererseits. — Ich konnte draußen um jene Zeit viele solcher Eindrücke sammeln: das prahlerische und verschwenderische Gebaren russischer Offiziere, ihre bedenkenlose Lebensführung und Dienstauffassung am Vorabend ihrer Katastrophe stachen hart ab gegen die spartanischen Gegner, die schweigsam die letzte Hand an ihre Rüstung legten, dem Kaiser noch einmal Heer und Marine in Parade oorführten, um dann blitzartig am 8. Februar 1904 durch den Torpedobootangriff auf die Flotte in Port Arthur den Tanz zu eröffnen. Die Initiative blieb in ihrer Hand. Ungestört durch die immer noch stärkere russische Seemacht vollzogen sie den Ueber- gang der Armee, deren Nachschub und Versorgung die japanische Flotte bis Kriegsende zu sichern wußte. Der Belagerungsring um Port Arthur zwang die russische Flotte in See, sie wurde am 10. August 1904 bei Schangtungs Vorgebirge zersprengt und demoralisiert, der Rest fand heimgekehrt im Hafen ein unrühmliches Ende. Die erste tastende Seeschlacht mit Schiffen des 20. Jahrhunderts war geschlagen, ihre Erfahrungen verblieben dem Japaner. Waffentechnisch war das Gefecht auf große Entfernung mit schweren Geschützen entdeckt, Fehler in der Munition und im Verfahren konnten beseitigt werden. Ende Mai 1905 ist dann d i e russische Ersatz f l o t t e aus Kronstadt heran, ein mühseliger Marsch unter tausend Widrigkeiten hat sie im Bogen um Südafrika geführt — der Suezkanal konnte eine Falle werden, England war feindlich — über französische Häfen des Ostens bis vor die Straße von Korea. Ihr Ziel, mit starrer Verbissenheit fest- gehalten, war W l a d i w o st o k, die Zuflucht ohne Sinn, denn Port Arthur war schon gefallen. Der Führer: Admiral Rojestwensky, ein persönlich tapferer und umsichtiger Mann, aber eng von Begriffen, ohne höhere Schulung, und vor allem ohne Vertrauen in seinen Auftrag, m sein Material und Personal, das er doch in rastloser Kleinarveit unterwegs auf Kriegsfuß zu bringen suchte. Die Schiffe: eine bunte Sammlung von einigen neuen, eilig fertiggestellten, kaum erprobten Linienschiffen, daneben altere bis völlig veraltete, ergänzt durch eine Verstärkung noch weniger geeigneter nachgesandter Küstenpanzer, von denen übrigens ein einziger später die Ehre der Andreasflagge wahren sollte. Das Ganze eine Probe schlechter Verwaltung, verantwortungsloser Entscheidungen, kopfloser Maßnahmen. So tritt das russische Geschwader in die Schlacht ein mit dem kampferprobtesten Gegner, der zu die- 1er Zeit auf See zu finden war. Der russische Soldat steht fest, das haben alle seine Kämpfe erwiesen, aber was hilft Standfestigkeit gegen den Geschoßhagel aus modernen Rohren, der das alte und neue Material zersiebt und zerfetzt, bevor schwerfällige Führung und Abwehr mit Gleichem erwidern kann? Wir wissen aus russischer Schilderung von der Verzweiflung, die diese Besatzungen pakt über ihre schlechte Munition, die oft nicht einmal ins Geschütz paßt, über die rasende Zerstörung, den überall wütenden Brand, über den mangelnden Panzerschutz, über das ganze Elend ihrer Lage. Die Flotte ist verloren, der Führer fällt schwer verwundet in Gefangenschaft, ein Teil der Schiffe sinkt in den beiden Abschnitten der Tagesschlacht, einige im Torpedoangriff nachts, der Rest streicht die Flagge unter Nebogatoffs Führung am nächsten Tage. Nur jener schwache Küstenpanzer „Uschako ff" sinkt kämpfend mit wehender Flagge. Das Drama war aus, es bedeutete praktisch das Kriegsende. Sein Echo hallte über die Welt, fein Autor hieß Heihachi Togo, Admiral der japanischen Marine, vom Clan Satsuma, der später seinem Kaiser durch Selbstentleibung in den Tod folgt, die junge Generation aufzurutteln und an den „Weg des Ritters" zu mahnen. Das kaiserliche Rußland hatte seinen vielen Niederlagen in der Weltgeschichte eine weitere hinzugefügt und war im Innersten erschüttert. Aus Der Revolution von 1905 spro sen die Thesen Lenins, die Kräfte des Bol chewismus. Die kaiserliche Polittk wandte sich vom Osten zurück zum Balkan und nach Konstantinopel, billigere Lorbeeren suchend, nichtahnend, daß sie im Westen i h r endgültiges Grab schaufelte. Der Weltkrieg zog näher unter ihrem Feuerblasen. Prag vor der Als zu Beginn der vorigen Woche der überwältigende Wahlerfolg der Sudetendeutschen Partei feststand, sandte Konrad Henlein an den greisen Präsidenten des tschechoslowakischen Staates em von höchstem Verantwortungsbewußtsein und politischem Rechtsgefühl getragenes Telegramm, in dem er die Hoffnung aussprach, daß die Wahlentscheidung eine erste Voraussetzung für das harmonische Zusammenleben der Völker „unseres Staates sein möge und in dem er ausdrücklich versicherte, daß er die ihm gestellte Aufgabe nur aus dem Boden der Verfassung zu losen bestrebt sei. Auf dieses großherzige Angebot zur Herstellung des inneren Friedens in der Tschechoslowakei ist dem siegreichen Führer der Sudetendeutschen Partei eine Antwort der Prager Regierung nicht zuteil geworden. Im Gegenteil: die vorliegenden Meldungen aus der Moldau-Stadt lassen erkennen, daß die Tschechen trotz des eindeutigen Ausganges der Parlamentswahlen nicht d a r a n d e n k e n , der neuen Mandatsverteiluna im Abgeordnetenhaus bei der Zusammensetzung des neu zu bildenden Kabinetts Rechnung zu tragen. Vielmehr heißt es, daß in den Beratungen eine Einigung darüber erzielt worden sei, daß in der kommenden Koalition alle alten Regierungsparteien oer- treten sein sollen. . . Danach zu schließen, wurden also auch Die deutschenSozialdemokraten und Land- bündler, die soeben vernichtend geschlagen wurden, wieder als offizielle Vertreter der dreieinhalb Millionen Deutschen beglaubigt werden, obgleich ihr Anhang von rund 900 000 Stimmen auf etwadieHälfte zusammengeschmolzen ist. Dagegen hat man von einer Beteiligung der Sudetendeutschen Partei, bie unter Führung Konrad Henleins mit über 1 200 000 Stimmen zwei Drittel des Gesamt- Entscheidung. d e u t s ch t u m s hinter sich vereinigt, bisher nichts gehört. Sollten diese Pläne, hinter denen wohl in erster Linie auch der tschechoslowakische Außen- Minister Bene sch steckt, Gestalt gewinnen, so würde nicht nur das Zusammenleben der Völker im tschechoslowakischen Staatsverbande immer un- erträglicher werden, sondern es würde auch damit der Welt ein Schauspiel geboten, das die wah- r e n Z i e l e der tschechischen Außenpolitik vor aller Augen enthüllt. Wo bleiben die in Prag besonders laut gepriesenen Vorzüge der Demokratie, wenn ihre Einrichtungen von den Kapitolswächtern der Menschenrechte mißachtet und in den Dreck gezogen werden? Ist es für einen Staat von der eigenartigen Struktur der Tschechoslowakei nicht ein überaus bedenkliches Zeichen der Schwäche, wenn er seine Völker nur dadurch im Zaume halten zu können glaubt, daß er lieber mit den Verrätern als mit den Repräsentanten des Dolkswillens zusammenarbeitet? Daß es eine Fehlspekulation ist, auf eine neue Zersplitterung im sudetendeutschen Lager zu Hof- fen, das mögen die tschechischen Machthaber aus dem Ergebnis der Wahlen zu den Landesund Bezirksvertretungen zur Genüge erfahren haben. Wiederum sind die Stimmzahlen für Konrad Henlein gestiegen, während die Christlichsozialen sowie die ehemaligen „deutschen" Regierungsparteien, Sozialdemokraten und Landbünd- ler, erneute Einbußen erlitten. So steht nun Prag vor der Entscheidung, ob es auch weiterhin die Gefahren einer Scheindemokratie auf sich nehmen will, oder ab es sich zu einem neuen Kurs entschließt, der in gemeinsamer Regierungsarbeit mit den berufenen Vertretern des sudetendeutschen Volkes endlich jene Versöhnungspolitik ermöglicht, die den Deutschen so sehr am Herzen liegt. Neuer Alarmruf aus Memel! Ungeheuerliche Wahlschiebungspläne der Litauer. Von unserem -ie-.-Äerichierstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Tilsit, 25. Mai 1935. Daß die Litauer sich die ungeheuerlichsten Vertragsbrüche und Schiebungen gegenüber dem Me- melland geleistet haben und daß ihnen zur Durchführung ihrer Litauisierungspläne jedes Mittel recht ist, hat die Welt in der letzten Zeit zur Genüge erfahren müssen. Schon das litauische Schreckensurteil — das durch die Umwandlung der Todesurteile nichts von seiner Ungeheuerlichkeit verloren hat —, zeigte, daß die litauische Skrupellosigkeit keine Grenzen kennt. Unter diesen Umständen wird man auch die Nachrichten aus dem Memel- gebiet — so unglaublich sie klingen mögen — durchaus ernst nehmen müssen. Danach verfolgen die Litauer den Plan, mit Hilfe neuer Dertragsverletzun- gen und durch offenkundige Fälschun- gen eine litauische Mehrheit für den am 29.September zu wählenden memelländischen Landtag zustande zu bringen! Diese litauische Wahlschiebung beruht auf folgendem: Während Den Litauern völlige Hetzfreiheit ge- gegeben werden soll, will man sämtlicheWahl- Versammlungen der deutschen Memel- länder und jede Propagandatätigkeit auf Grund des Kriegszustandes und des sogenannten Staatsschutzgesetzes unterbinden bzw. mit den chärfsten Strafen belegen. Ein Verfahren, das bisher bereits jede freie Meinungsäußerung im Memelgebiet unterdrückt hat. Der Hauptfchlag soll von den aus Grohlitauen in Massen herangeholten Hilfstruppen geführt werden. Die litauischen Behörden arbeiten gegenwärtig mit Hochdruck daran, bis zum 29. September mindestens 15 000 Groß- titauer einzubürgern und ihnen das Wahlrecht zu verschaffen. Dabei wird selbst die im Wahlgesetz vorgesehene Voraussetzung für die Einbürgerung nämlich die einjährige A n - ässigkeit im Memelgebiet, außer Acht jelaffen; und man scheut sich auch nicht, solchen Per- onen das Wahlrecht zu geben, die es nicht einmal in Litauen besitzen! Da bereits vor der Wahl im Mai 1932 rund 10 000 ungesetzliche Einbürgerungen vorgenommen wurden, würde sich somit die Zahl der litauischen Hilfswähler auf 25 000 erhöhen. Auf der anderen Seite bieten die Litauer natürlich alles auf, die deutsche Wahlfront zu schwächen. Zunächst einmal ist geplant, den Mitgliedern der als angeblich staatsfeindlich aufgelösten Parteien (Sozialistische Volksgemeinschaft und Christlich-sozialistische Arbeitsgemeinschaft) das aktive und passive Wahlrecht abzuerkennen! Das würde einen Verlust von rund 8500 Stimmen für das Memel- deutschtum bedeuten. Alles übrige soll bann der Terror besorgen, so daß man hofft, bei rund 70 000 Wahlfähigen eine knappe litauische Mehrheit herausholen zu können. Aber selbst für den Fall, daß dieser unerhörte Plan scheitern sollte, hat das Direktorium Bruvelaitis noch eine allerletzte Litaui- sierungsinstanz geschaffen, nämlich die nur aus Litauern zusammengesetzte „W ahlkreiskom- m i s s i o n", die darüber befinden soll, wer von den gewählten Abgeordneten i n d e n L a n d t a g einziehen darf und wer nicht. Voraussetzung ist, wie in litauischen Kreisen schon jetzt offen erklärt wird, staatsloyale Einstellung und Beherrschung der litauischen Sprache. Das heißt also, daß nach litauischer Muffaffung nur hundertprozentige Litauer in den Landtag hinein- bürfen! Es braucht nicht erst gesagt zu werben, baß unter biefen Umstänben von einer wirklichen Wahl nicht mehr bie Rebe sein kann. Das ganze läuft vielmehr auf eine bisher einzig ba« stehenbe litauische Komöbie hinaus, bei ber bie Me- mellänber ben Litauern auch noch Statistenbienste leisten sollen. Schon bie späte Festsetzung bes Wahltermins ist eine schwere Vertragsverletzung. Die Garantiemächte bes Memelstatuts werben einsehen müssen, baß unter den geschilderten Umständen eine Wahl überhaupt nicht durchführbar ist, sondern daß zunächst einmal die W ahl- fr e i h e i t entsprechend dem Memelstatut gewährleistet werden muß! Aushebung der Nira-Gesetze in USA. Das Bundesobergericht erklärt die Nira-Gesetze für verfassungswidrig. N e u y o r t, 28. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der Leiter der Nira, Richberg, gab nach zweistündiger Besprechung mit Präsident Roosevelt bekannt, daß alle Nira-Codes sofort aufgehoben werden, und die Vorlage über bie Verlängerung ber Nira-Gesetze, bie heute im Unterhaus verhan- beit werben sollte, zurückgezogen werde. Das Bundesobergericht in Washington hatte am Montag in einer Klage der Regierung gegen vier Geschäftsleute wegen Verletzung der Niraaesetze diese für verfassungswidrig erklärt und festaestellt, daß die in Abschnitt 3 des Nira-Gesetzes dem Präsidenten erteilte E r - m ä d) t i g u n g nicht genügend umgrenzt ober b e ft i m m t worben sei. In ber Emschei- bung bes Bunbesobergerichtes, bie einstimmig erfolgte, wirb auch bestimmt, baß in ben Fällen, in denen bie Transaktionen ben zwischenstaatlichen Hanbel nur inbireh berühren, bie Einzelstaa - ten bie Kontrolle auszuüben haben. Das Gesetz, wonach ben Lanbwirten ein fünfjähriges Moratorium zur Abtragung ber Farmhypotheken gewährt wirb, fei ebenfalls oerfajfungswibrig, ba es ben Hypo - thekengläubigern i h r Eigentum weg- nehme unb es ohne Entschäbigung ben Lanbwirten übergebe. Diese Entscheibung bes höchsten amerikanischen Gerichtshofes hat in ben „New-Deal"-Kreljen größte Bestürzung heroorgerufen. Sie bedeutet eine schwerwiegenbe Nieberlage für ben „neuen Kurs", nicht aber notwendigerweise für Präsibent Roosevelt selbst, ber versucht hatte, bas bisher inbivibualistisch organisierte Lanb in ein System geregelten Wettbewerbs mit sozialer Fürsorge umzubilben.. Die Nira-Gesetze sinb jetzt erledigt, soweit sie nicht ben rein zwischen staatlichen Verkehr betreffen. Diese Kennzeichnung ist aber erst bann gegeben, wenn bie Waren tatsächlich von einem zum anberen Staat versandt werden. Der Kongreß dürfte nunmehr eine rein für den zwischenstaatlichen Verkehr bestimmte Regelung beschließen und sich nach Erledigung anderer wichtiger Gesetze vertagen; das Hauptstreitobjekt ist nunmehr weggeräumt. Anscheinend beabsichtigt man eine wenigstens teilweise Rettung der Nira-Bestimmungen durch eine freiwillige Zusammenarbeit ber verschiedenen Jnbustriezweige zu erreichen. Die Neuyorker Morgenblätter begrüßen allgemein bie Entscheibung bes Gerichtes. „New Port Times" meint, baß bie Stellungnahme bes Gerichtes allge- mem Zustimmung gefunden habe. „Herold Tribüne" und „New York American" schreiben fast wörtlich übereinstimmend, der oberste Gerichtshof verdiene den Dank der überwiegenden Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung. Japan sand draußen keine Gegner mehr, seine <5iegesfrüd)te blieben zwar vorerst bescheiden im Frieden von Portsmouth, sie anirben noch einmal beschnitten im N e u n m ö ch t e o e r- trag von Washington, Februar 1922, aber seine Dormachttolle war besiegelt unb setzte sich seit 1930 siegreich durch. Niemand weiß, ob unbestritten oder bestritten durch die angelsächsischen Mächte des Pazifik ober ein zurückgekehrtes Rußlanb, bas ben Osten braucht, zur farbigen Weltrevolution. Eine Nebenfalge war, daß E n g I a n b auf Grund ber Schlachtergebnisse von Tschuschima zur Baupolitik ber Dreabnoughtschifse überging und Damit das Wettrüsten verschärfte unb beschleu- njgte feinesroegs nur mit Deutschland. So raaen die Aussttahlunaen dieses Seesieges bis in unsere 3eü und wahrscheinlich weit in bie Zukunft hinein. Oie Türkei sammelt für eine größere Luftflotte. Jnstanbul, 28. Mai. (DNB. Funklnrnrhi Unter Führung bes Ministerpräsidenten hat ttn ganzen Lande eine rege Sammeltätigkeit zur beschleunigten Schaffung einer um 500 Flug- zeuge vergrößerten Kriegsluftflotte eingesetzt. Die Minister unb alle Abgeordnete des Parlaments haben beschlossen, je einen Monat Gehalt für diesen Zweck zu opfern. Man er- wartet, daß ber L u s t f a h r t - V e r b a n d 150 000 neue Mitglieber der wohlhabenden Bevol- terungsteüe bekommen wird, bie pro Ko p f jährlich 40 Mark Beitrag zahlen müssen. UeberaU werben in ben Städten Einzeichnungs- listen aufgelegt. Auch bie Industrie wurde auf. gefordert, sich maßgebend an den Spenden zu beteiligen, da aus den laufenden Mitteln des Staats- Haushaltes die für den Ankauf von 500 Flugzeugen notwendigen Beträge nicht bestritten werden können. «eiffampf im2(i(bSlm.=$empo. Der ReichSverkehrsminister begrüßt die FJCM. in Berlin. Die Föderation Internationale des Clubs Motor- cyclistes hält, einer Einladung der Obersten Nationalen Sportbehörde (ONS.) Folge leistend, am 27. und 28. Mai ihre Frühjahrs- t a g u n g in Berlin ab. Die Delegierten, bie auch beim Avusrennen teilnahmen, waren Gäste bes Präfibenten ber ONS. Nach einer Begrüßungsansprache bes Korpsführers Hühnlein sagte ber Veichsverkehrsminister Freiherr von Eltz- Rübenach u. a.: Wahrscheinlich haben Sie alle ben gestrigen Motorradrennen auf ber Avusbahn zugesehen. Mit einer gewissen Der- rounberung habe ich heute in ber Presse gelesen, baß bas gestrige Motorrabrennen ben Beweis bafür er« bracht habe, baß auch Motorrabveranstaltungen bas Interesse bes Publikums zu erringen vermöchten. Auch ich bin gestern unter ben Zuschauern gewesen. Ich muß sagen, daß ich mir keine ein« drucksvollereBersinnbildlichung eines t e ch n i s ch gesteigerten Lebens oorstellen kann, als solch ein Motorradrennen. Es ist die Kul- mination des Zusammenwirkens von Mensch und Maschine. Kann man wirklich noch von einem „Zusammenwirken" sprechen? Wer führt eigentlich in einem solchen Rennen, in welchem rechts unb links von einer schmalen Bahn ber Tob lauert? Ist es ber Mensch, ober ist es bie Maschine? E s ist ber Mensch! In ben schwarzen, zu einer geheimnisvollen Rune zusammenge- krümmten Gestalten, bie auf ben feuerfpeienben Rennern hocken, arbeitet inmitten bes Motorenge- heuls unb bes ßuftftroms, kalt und klar der Verstand, pulsiert heiß und leidenschaftlich der Wille. Männer im Wettkampf, Nationen im Wettkampf — unb alles im 200-Kllometer-Tempo! Trotzbem wickelt sich alles in gutem Geiste ab. Der Friebe über bem Kampf wirb gewährleistet burch bestimmte Regeln, nach benen sich jeber einzelne richtet, burch Gesetze, welche jebe Nation sich selbst gibt unb welche ein überstaatlicher Aeropag, Sie, meine Herren, international schützt, stützt unb zusammenflicht. Wer sollte Ihren verbienstvollen Arbeiten nicht besten Erfolg unb volle Autorität wünschen! Ich tue es namens ber Reichsregierung jebenfalls aus vollem Herzen unb gestatte mir, mein Glas auf bas Wohl ber FJCM. zu erheben. Einschreiten gegen Terrorgruppen in München. München, 27. Mai. (DNB.) Die Polizei» birektion München teilt mit: Unter ber Führung einer Reihe von verbrecherischen Elementen, von benen bie Haupträbelsführer ein gewisser Schmidt — ein früherer Stahlhel- mer — unb ein gewisser Karpf, ber im vorigen Jahr wegen Unterschlagung aus ber Partei ausgeschlossen worben ist, sinb, hatten sich in München Terrorgruppen gebildet, um, wie sie sich an. maßend ausbrückten, „bie antisemitische B e- wegung vorwärts zu treibe n". Sje haben es sogar verstanden, sich aus Münchener Ge. schäftskreisen unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Geld für ihre Zwecke zu beschaffen. Auf das Konto dieser Elemente sind die Vor- kommnisse der letzten 14 Tage, insbeson- bere bie Störungen am Samstag, 18. Mai unb Samstag, 25. Mal, zu setzen, bie vom Beschmieren ber Schaufen st er jüdischer Geschäfte bis zum gewaltsamen Einbrin » g c n in solche mit nachträglicher vorzeitiger Schließung führten. Ferner sind sie aller Wahrscheinlich- keit nach auch für das A b r e i ß e n der bei der Caritas-Sammlung vertriebenen Abzeichen und die Störung ber Ruhe im Katholi- scheu Vereinshaus in der Schommerstraße verantwortlich. Die Polizei wurde bei Ausübung ihrer Pflicht da unb bort beschimpft, ja in einem Falls atlich angegriffen. — Die Schuldigen find rftgeftetlt, bzw. verhaftet. Ihnen wird wegen r J? n ™r •e e n 5 b r u d) s, Störung der öffent« ltd)en Ruhe, Sicherheit unb Drbnung, Beamtende- jeibigung ohne Rücksicht auf Person unb Parteizugehörigkeit ber Prozeß ge» macht. Fuldaer Ordenspriester als Devisenschieber. ri LPD. Fulda, 27. Ma!. Die I u st! z pre ss -» er rl c Gaffel teilt mit: Das Amtsgericht in Fulda hat am 24. Mai d. I. Haftbefehle erlassen gegen ben Orbenspriester Leo Boeschen, genannt jsater Epi pH an, in Fulda, Kloster Frauenberg, wegen Eusenschiebungen, begangen im Jahre 1932 unb 1933, unb gegen ben Klosterbruber Waldemar xöurtfy, genannt Bruber Pankratius, in Fulda, Kloster Frauenberg, wegen Devisenschiebungen, be- gangen im Dezember 1934 unb Januar 1935. Die beiben Genannten haben badurch gegen bas Gesetz über bie Devisenbewirtschaftung verstoßen, daß sie Devisen nachHollanb verschoben unb fie bort an bie Pater Wenbelin unb Gulgens ad- lieferten. Bei Pater Epiphan handelt es sich um eine Summe von 16 000 Mark, die Summe der durch Bruder Pankratius verschobenen Devi en steht nod) nicht fest. Pater Epiphan und Bruder Pan- kratius wurden in das Gerichtsgefängnis zu Fulda ei Nge l i e f e r t. Das »erfahren Segen bie Verhafteten, die dem Franziskanerarden angehoren, ist emgeleitet worden. Der Führer und Reichskanzler bat bem fteUDertretcnben Präfibenten des Deutschen Roten Dbergruppenfül)rei. $r § a ch ei s e n , zu » ? “5? 51° 9 folgendes Glückwunsch. Ihrem heutigen 65. Ge. nunn ald) 3^ncn in dankbarer Anerken. aeletttÄn Dienl^!^ .Frieden dem Vaterlande Wie Stockholm Hochzeit feierte. tastet lasse, also keine Zwangskonvertierung vornehmen werde. Krankenflucht nach London. ;en -e- (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Stockholm, Ende Mai 1935. Nach vielen Proben hat alles gut geklappt. Die königlichen und die vielen anderen Besucher, die Stockholm im Hochzeitskleid sehen wollten, sind alle untergebracht worden und auf ihre Rechnung gekommen. Das königliche Schloß hat die engste Familie beherbergt, die Hotels mußten mit dem Stab vorlieb nehmen. Ein Glück, daß der angedrohte Streik der Hotelanaestellten nicht voll ausbrach. Schon hatten viele Anfragen von Besuchern aus dem Lande und aus Dänemark vorgelegen, ob man Eßkörbe und Decken mitbringen müßte. Höhepunkt der Hochzeitsfeier ist die Ankunft des Bräutigams, die des belgischen Königspaares, der Eltern Kronprinz Frederiks und schließlich der G ä st e aus Deutschland gewesen. Dänemarks Kronprinz hat sich durch seine Natürlichkeit schnell viele Freundschaften erworben. König Leopold von Belgien und seine Gemahlin Astrid lebten noch gut im Gedächtnis der Stockholmer aus der Zeit ihrer Hochzeit 1926. Astrid ist eine der drei Töchter Prinz Carls, des Bruders König Gustafs. Ihre älteren Schwestern sind Margaretha, vermählt mit Prinz Axel von Dänemark, und Märtha, die Gattin des norwegischen Kronprinzen. Besondere Ehrerbietung ist dem dänischen Königspaar entgegengebracht worden. Schon weit draußen im Meer hatten sich schwedische Kriegsschiffe der Eskorte der Königsjacht „Dane- brog* angeschlossen. Die Fahrt durch die Schären führte unerwartet zu einer Kette von Seemannsund Fliegergrüßen. Torpedojäger, Wachtschiffe, plötzlich auftauchende U-Boote, die zu einer Hebung ausfuhren, und kreisende Militärflieger huldigten Len Gästen aus dem Nachbarland, das zum vierten Male in wenigen Jahrzehnten nun Schweden verwandtschaftlich verbunden worden ist. König Gustaf und das Brautpaar holten den Besuch in einer Künigsschaluppe ein. Unter Salutschüssen und dem Hurra der Menschenmengen zu beiden Seiten des reißenden Stromes, der die Königsinsel mit dem gewaltigen Schloßbau vom Ufer trennt, vollzog sich der Einzug über die mit roten Läufern bedeckte Freitreppe in den seewärts gewandten Teil der Königsburg. Einen Tag später trafen — ein ganzer Wagen für sich — die letzten Gäste auf dem Landweg von Malmö ein. Auch hier hat die königliche Familie es sich nicht nehmen lassen', persönlich auf dem Bahnsteig Willkommen zu entbieten. Es waren die Verwandten aus Deutschland, an ihrer Spitze die aus dem mecklenburgischen Haus und der frühere deutsche Kronprinz. Königin Alexandrine von Dänemark ist ja die Schwester der Kronprinzessin Cäcilie, und die schwedischen Berichterstatter heben hervor, daß die Geschwister ihre Ähnlichkeit nicht verleugnen können. Herzlich war natürlich die Begrüßung zwischen den deutschen Verwandten und Prinzessin S i b y l l a von Sachsen-Koburg-Gotha, die soeben ihrem Gatten, dem ersten Sohn des schwedischen Kronprinzen, gleich seinem Vater Gustaf Adolf, eine Tochter ge chenkt hat. Mit demselben Zuge waren auch die Nachzügler aus England, Dänemark und Griechenland angelangt. Friedlich und lebhaft klang Deutsch, Englisch, Dänisch und Schwedisch durchein- ander. 21 Wagen, wenn richtig gezählt worden ist, fetzten sich nach der Begrüßung in Bewegung, um vom Bahnhof zum Schloß zu fahren Hier setzt der erste starke Eindruck der Feststadt ein. Nicht alle Häuser und nicht alle Straßen Stockholms sind durchgehend beflaggt. An den Platze» des zusammengeballten Verkehrs aber, in den (Si schäftsstraßen, die mit Auslagen wetteifern, und rings um Mälar- und Salzsee, an den Schiffsbrücken, auf der Insel, die die nördliche Stadt mit der südlichen verbindet und doch selbst immer Trager der geschichtlichen Ueberlieferung und der Entwicklung zum Heute sein wird, wallt und wogt e i n einziges blau-gelbes und rot-weißes Flaggenmeer. Nachts entzündet sich die Stadt an tausend leuchtenden Lichtern und lodernden Feu- em. Die große Stadt läßt sich in ihrem Dexkehr nicht stören; jeder geht auch in diesen Tugen seinem Beruf nach; aber doch liegt eine Feststimmung über dem Ganzen — tags sonnenbeschienen, nachts tm fahlen Glanze der Hellen Nordnächte —, die davon -eugt, daß Schwedens Volk die Hochzeit Frederiks von Dänemark mit Ingrid, der einzigen Tochter des schwedischen Kronprinzen — dessen Verehrung nur durch die für den König übertroffen wird —, inner- *'^ögen noch so viele Unterschiede zwischen Kopen- Hagen und Stockholm bestehen, nicht nur tm Städte- bild, sondern mehr noch im wirtschaftlichen und politischen Leben: Diese Eheschließung zwischen zwei regierenden Häusern hat doch viel Gemeinsames an den Tag befördert, zumindest t m Wtllen z u immer besserem Verstehen. Der ist frei- lich notwendig, und das klingt auch aus zwe Artikeln heraus, die die Außenminister Dänemarks und Schwedens, Dr. Munch und Dr. S and le r, so- eben in einer Schweden-Ausgabe von Polttiken ver. öffentlicht haben. Es ist oft klug, die Geschichte selbst arbeiten zu lassen. Man kann wohl sagen, daß viel mehr als alle skandinavischen Konferenzen der letzten Monate die Hochzeüswoche- m Stockholm Brücken vom Mälarsee zum Oeresund geschlagen hat. König Gustaf bezaubert alle ferne (Safte. Prinzessin Ingrid ist nicht nur f e ine T e n n - Partnerin gewesen, sondern ist auch sein Ler zug. Der andere Großvater, der ^uiterlicherseits, der Herzog von Connaught soll darauf eifersüchtig sein. Sicherlich aber hat dre lunge Braut aus diesem edlen Wettstreit nur Gutes empfangen. Das wäre ein Anlaß, die fast unübersehbare Reihe der Geschenke durchzugehen; doch hier stockt die Feder. Wo beginnen und wo aufhören? ödyrDeoen hat viel gegeben aus seinen nationalen Schätzen, den Erzeugnissen edelster Kunst des ßanbes. Es stattet auch einen Teil des Heims aus, das Kopenhagen mit großer und vorstehender Gebärde den Neuvermählten am Sund mit dem Blick auf das Von unserem E.-Äerichterstatter. t <'■ M sch ^«9» 'M Ml f tz , 9 ■ k M M -< ■A. -, ■ \ 3 V " ' ' A - ' ps f ■ MM ■ Scherl-Bildmatern dienst Ein glücklicher Schnappschuß von dem Einzug des dänischen Kronprinzenpaares inKopenhaaen. König Christian begrüßte am Landungssteg seine neue Schwiegertocher und führte die glückstrahlende Braut in ihre neue Heimat. Im Hintergrund rechts der dänische Kronprinz. London, 28. Mai. (DNB. Freispruch.) Die Bemühungen der französischen Regierung zur Rettung des Franken werden in London mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Trotz günstiger Nachrichten aus Paris erreichte die Flucht des Franken nach London am Montagnachmittag wieder einen Höhepunkt. Die französischen und britischen Behörden übten jedoch mit Hilfe des Währungsausgleichs und anderer Maßnahmen einen schweren Gegendruck gegen den Fall des Franken aus, so daß der Kurs auf der Höhe von rund 75,25 Franken je Pfund gehalten werden konnte. „News Chronicle" meldet, daß der Franken vielleicht für kurze Zeit gesichert werde, wenn das französische Parlament dem Ministerpräsidenten die gewünschten Vollmachten erteile. Er werde aber solange In Gefahr sein, als der große Haushaltsfehlbetrag vorhanden fei, nur ganz rücksichtslose Maßnahmen könnten eine tatsächliche Abhilfe schaffen. Die rote Welle. Die Generalratswahlen in den Pariser Bororten. Paris, 27. Mai. (DNB.) Am Sonntag fanden in 22 Wahlbezirken des Seine-Departements die Wahlen für 50 Generalratsmitglieder statt. Der erste Wahlgang brachte in 27 Fällen die Entscheidung, während in 23 Fällen am kommenden Sonntag die Stichwahl entscheiden wird. Die Uebersicht über das Wahlergebnis ist ziffernmäßig schwierig, da durch die Erhöhung der Mandate von 40 auf 50 der Vergleich erschwert ist. Aber der erste Wahlgang bestätigt den Eindruck der Stadtratswahlen von dem Vorhandensein eines „roten Gürtels" um Paris. Die Kommunisten und kommuni- stischen Dissidenten erreichten in den 27 bereits im ersten Wahlgang entschiedenen Fällen 14 Sitze und gewinnen damit 8 Sitze. Die Fortschritte der Kommunisten gehen auf Kosten der Sozialisten und der bürgerlichen Linken, während die bürgerliche Rechte ihre frühere, nicht besonders starke Stellung behauptet zu haben scheint. In der Presse wird die Tatsache, daß der rote Gürtel um Paris sich verbreitert hat, eingehend besprochen. Ohne so weit zu gehen wie das Abendblatt „La Presse", das die rote Revolution bereits an die Wand malt, warnen nunmehr auch verwandtschaftlich wieder näherge- rückte Nachbarland schenken will. Fast könnte man sagen, daß Dänemark mehr noch als Schweden dieser Hochzeit an Begeisterung entgegenbringe; das ist aber sicherlich nur äußerlich der Fall. Als am Freitag in der Storkyrkan, dem ältesten Gotteshaus Stockholms die Hände des jungen Paares ineinandergelegt wurden und damit ein Bund besiegelt war, der sicherlich auch zukünftiger politischer Bedeutung nicht entbehrt, stand der schönen, etwas schwermütigen Stadt am Mälarsee, der spröden Königin der Schären, doch einen Augenblick das Herz still. Als die Neuvermählten nach der Trauung im offenen Wagen die Stadt durchfuhren, löste sich der Bann in mehr als gewöhnlichem Jubel. Nun find die Tage des Hochzeitsfeftes in Stockholm vorübergerauscht. In der Erinnerung geblieben ist der Eindruck von Sonne, Farben und Freude. König Gustaf hat seiner Privatschatulle eine runde Viertelmillion Kronen entnehmen müssen. Diele haben die Hauptstadt Schwedens in ihr zuweilen auch schmucke Landestrachten, die durch Jahrhunderte im Brauch geblieben sind, zum ersten Male gesehen; und sie werden wiederkommen. Die Geschäfte haben klingenden Gewinn aus vielen Schmuck-, Kleider- und Hausstandskäufen gezogen; denn sollte ein solches Beispiel nicht wirken? Prinzessin Ingrid, ein moderner und sportliebender Mensch, war beliebt nicht zuletzt wegen ihrer häuslichen Eigenschaften. 9hje Aussteuer ist mit viel freundlicher Aufmerksamkeit verfolgt worden. Immerhin muß es in früheren Zeiten schon neugieriger zugegangen sein. Zumindest ist von Hof zu Hof kontraktmäßig alles festgelegt und ausgezeichnet worden. Steht doch in vergilbten Dokumenten unter anderem, daß Frederik V. von Dänemark sich verpflichten mußte, seiner Tochter Sofie Magdalene, die den späteren König Gustav III. von Schweden ehelichen mußte, außer einer Mitgift von 100 000 Speziestalern — auszahlbar in Hamburg und nach heutigem Wert rund 2 Millionen Kronen — zwölf Hofkleider, siebzehn reiche Kleider, sechs Silberkleider, vier Hausgewänder, neun schwarze Ueberwürfe, zwölf silberne KlöpvelarbeiteN, vierzig Nachtgewänder und vieles andere, darunter zwölf Paar Schuhe aus weißem Atlas mit Gold besetzt, zwölf gleiche mit Silber, vierundzwanzig Paare anderer Schuhe mit genauer Angabe von Stoff und Schmuck mit in die Ehe zu geben. Die Liste ist viel zu lang, um sie ganz anführen zu können. Sie enthält noch neben Schmucksachen im Werte von gleichfalls 2 Millionen Kronen viele Einzelheiten über Pferde und Kutschen; ja, auch interessante politische Abmachungen, so den Verzicht der dänischen Prinzessin auf alle Erbrechte und Vorschriften über den Kreis der zu ladenden europäischen Gäste. Trotzdem ist diese Ehe nicht glücklich geworden. Andere Hochzeiten zwischen Dänemark und Schweden haben beiden Ländern nach Krieg und Zwist endlich Segen gebracht. Nun sind Kronprinz Frederik und Prinzessin Ingrid zur Heimfahrt nach Kopenhagen an Bord des „Danebrog" gegangen. So ist das Hochzeitsfest von den Schären zum Oeresund verlegt. Man hat in Stockholm nicht nur viel äußeres Gepräge gesehen, sondern auch Eindrücke gewinnen können, die einen Schluß auf die Entwicklung der kommenden Jahre zulassen. Die Stadt am Mälarsee rüstet sich jetzt zum zweiten großen Fest: Das ist die 5 0 0 Jahresfeier des Reichstages, die Gedenkstunde nationaler Befreiung vom fremden Joch, die Ehrung Engelbrechts als Vorläufer Sten Stures und Gustav Wasas, als schwedischen Nationalhelden. Ilandin fordert Ermächtigung für fein Währungsprogramm. Paris, 27. Mai. (DNB.) Der Finanzminister berichtete dem Kabinett über die Lage der Währung und des Schatzamtes. Es wurde ein Programm f e ft g e I e g t, das der Regierung ausgedehnte Finanz- und Wirtschaftsvoll, machten einräumt. Der Entwurf wird am Dienstag in der Kammer eingebracht werden. Die Regierung wird die sofortige Behandlung ihrer Vorlage verlangen, die also vorausichtlich am Dienstag dem Finanzausschuß der Kammer überwiesen wird mit dem Auftrag, unverzüglich einen Bericht abzufassen. Die Aussprache in der Kammer wird wahrscheinlich erst am Montag kommender Woche stattfinden Die Presse sieht mit gespannter Aufmerksamkeit dem Ermächtigungsantrag der Regierung im Parlament und seinem Schicksal entgegen und behandelt im Zusammenhang damit die im Vorder- gründ stehenden Fragen: Währungsstabilität, Ab- wertung, Entwertung. Bezeichnend ist, daß eine Zeitung, wie das „Petit Journal", sich in großer Aufmachung zum Herold der Abwer- tun g als gesunde Finanzpolitik macht. Das Blatt bringt über zwei ganze Seiten Aeuße- rungen von Parlamentariern, die die Abwertung, wenn auch nicht sämtlich empfehlen, sie aber doch mindestens verteidigen und vor den sonst gegen sie erhobenen Vorwürfen in Schutz nehmen. Anderseits wird aber als neuer Gegengrund gegen eine Abwertung die in der ganzen Welt vorhandene Sehnsucht nach einer allgemeinen Stabilisierung aller Währungen geltend gemacht. So soll nach dem „Journal" Ministerpräsident F l a n d i n selbst auf die Stabilisierungs- bcftrebungen in der Welt aufmerksam gemacht und erklärt haben, daß sich Frankreich in einem sol - chen Augenblick nicht durch Entwer- tung des Franken dieser Entwicklung entgegen ft eilen könne. Inzwischen fehlt es nicht an Andeutungen über die nötigen finanzpolitischen Absichten der Regie- rungen, die allerdings alle zur Voraussetzung haben, daß die Regierung Flandin erst einmal das Kap der Vollmachten glücklich umschifft haben wird. Man will aus der Einmütigkeit, die bei dem Kabinettsrat zum Ausdruck gekommen fei, hoffnungsvolle Schlüffe ziehen. Fraglich ist natürlich noch die Haltung des Finanzausschusses der Kammer. Im Senat soll eine Stimmung s ü r d i e Bewilligung des Ermächtigungsgesetzes vorherrschen. Nach einer Andeutung des „Matin" soll der Sanierungsplan des Finanz- minifters Germain-Martin einen größeren Zeitraum — etwa Vä Jahre — umfassen und somit die Möglichkeit einer Verlängerung der Abgeordnetenmandate und einer Verschiebung der an sich für 1936 vorgesehenen Kammerwählen mit sich bringen. Der „Petit Parisien" will erfahren haben, daß am Montag allein wieder 1123 Millionen Franken Gold aus der Bank von Frankreich abgewandert seien. „Matin" glaubt zu wissen, daß der Sanierungsplan Germain-Martins die französischen Rentenpapiere unange- die übrigen Blätter doch vor der drohenden Gefahr. Für besonders ernst hält das „Journal des Döbats" den Geist der Entmutigung und der Aufsässigkeit, der sich überall breit mache und in den Aufrufen z u Gewalttätigkeiten zum Ausdruck komme. Man wisse anscheinend noch nicht, was man wolle, und sicher ziehe der Kommunismus die Masse nicht ab. Aber man wünsche nicht die Verewigung des Regimes der Verschwendung, der Skandale, des politischen, wirtschaftlichen und sozialen Wirrwarrs, für das man den Parlamentarismus verantwortliche mache. Die „Siberts" schreibt, auch das Zusammentreffen dieses kommunistischen Vorstoßes mit dem Abschluß des französisch-sowjetrussischen Bündnisses verdiene hervorgehoben zu werden. Die ersten Früchte zur Annäherung an Moskau seien wahrlich bitter. Ungehorsam gegenüber Stalin. P a r l 5 , 28. Mai. (DNB. Funkspruch.) Unter der Ueberschrift „Ungehorsam gegenüber Stalin" bringt „Le Jour" eine Meldung aus Perpignan, wonach die dortigen kommuni st ischenRekruten sich unter dem Gesang der Internationale zur Musterung eingefunden haben und dann unter den Rufen „Nieder mit der zweijährigen Dienst- zeit!" durch die Straßen der Stadt gezogen sind. Göring als Gast des Königs Boris. Sofia, 27.Mai (DNB.) Reichsluftfahrtminister General Göring stattete dem bulgarischen Ministerpräsidenten T o s ch e f f einen Besuch ab. Anschließend besuchte General Göring Außenminister Kosseiwanoff, Kriegsminister Zineff und Verkehrsminister Koschucharofs. Alle Ministerien waren mit der bulgarischen Fahne und der Hakenkreuzfahne geschmückt. Kurz vor 13 Uhr begab sich General Göring in einem Kraftwagen des Königs nach dem Sommerschloß Vranja bei Sofia, wo König Boris ihn und feine Gattin, Reichsminister Kerrl und Gattin sowie Begleitung, den Gesandten R ü m e I i n und die Herren der Gesandtschaft zu einem Frühstück geladen hatte. Nach dem Frühstück lud König Boris General Gorina und seine Gattin zu einem Ausflug nach oem im Rila-Gebirge gelegenen Jagdschloß Bistritza ein. An dem Ausflug nahmen auch Prinz Cyrill und Oberpräsident Prinz Philipp von Hessen, der Schwager des Königs Boris, teil. General Göring wurde überall, wo er von der Bevölkerung erkannt wurde, mit Sympathiekundgebungen überhäuft Sein Hotel „La Bul- garie" ist von einer Menschenmenge umlagert, unter der sich auch in Sofia lebende deutsche Volksgenossen befinden. Die Menge harrte stundenlang aus, um Göring sehen und begrüßen zu können. Aus der Bevölkerung ertönten immer wieder die Rufe: „Heil Hitler!" und „Heil Goring!" Gegenüber böswilligen Erfindungen ausländischer Blätter von einer kommunistischen Kundgebung gegen Goring in Sofia erklärt der Direktor der Landespolizei, daß diese Nachrichten völlig aus derLuft gegriffen find. Kleine politische Nachrichten. Der Führer und Reichskanzler hat dem Staatssekretär in der Reichskanzlei Dr. Lammers zu feinem 56. Geburtstage persönlich seine Glückwünsche ausgesprochen. * Am Montag reifte eine Gruppe englischer Bauern aus Süd-Lincolnshire von Spaldina aus nach Deutschland ab, um die deutsche Landwirtschaft zu studieren. X—/ da Ist dicke Linsensuppe — nach Hausfrauenart — gerade das Richtige! 2 Würfel Maggi s Linsen-Suppe, 2 Eßlöffel seine Graupen lGerste), geröstete Semmelwürfel, 1 ’/x Liter Wasser. Die Graupen in 1 Liter Wasser halb weichkochen. - Inzwischen die Linsen-Suppenwürfel mit knapp 0^ Liter kaltem Wasser glattrühren, zu den Graupen geben und nach der einfachen Vorschrift auf den ^elb-roten Würfeln garkochen. Oie fertige Suppe an heißer Stelle etwas ziehen lassen und gerostete Semmelwurfel darubergeben. MAGGPSUPPEN — dÄe, r&twL 1 •“v-yj KfS* Aus aller Wett. Schwere Unwelker im Rheingau. Ein schweres Gewitter mit Hagelschlag entlud sich dieser Tage über dem Wispertal bei Lorch. Große Wassermassen stürzten von den Bergen herab und richteten in den Weinbergen und auf den Aeckern großen Schaden an. — Ein weiteres schweres Gewitter ist über den oberen Rheingau niedergegangen, das besonders den Weinort Erbach heimsuchte. Die Straße zwischen Hattenheim und Erbach wurde teilweise von den aus den Weinbergen abgeschwemmten Erdmassen überschüttet. Die Wassermassen stürzten in die tiefer gelegenen Gärten und Aecker, wo sie die Sämereien und Kartoffeln freilegten. Der Schaden, den das Unwetter angerichtet hat, ist sehr groß, da nicht allein die Erdmassen fortgeschwemmt, sondern auch die bepflanzten Gärten und Aecker strichweise vernichtet sind. Zwel Bergsteiger tödlich verunglückt. Beim Aufstieg auf den Mitteralmturm in Steiermark stürzten der Grazer Apotheker Apurni und der Privatbeamte M e r k l 50 Meter tief ab. Spurni war sofort tot, während Merk! mit schweren Verletzungen zu Tal gebracht werden konnte. Ein anderer Bergsteiger, der Zahntechniker S ch r e m p f aus Schladming, stürzte am Silberkar über eine 60 Meter hohe Steilwand ab und blieb mit zerschmetterten Gliedern t o t liegen. Reichstagung der deutschen Uhrmacher in Nürnberg. In Nürnberg hält der Zentralverband der deutschen Uhrmacher, die neue Reichsinnungsorganisation des deutschen Uhrmacherhandwerks, ihre diesjährige Reichstagung ab. Den Auftakt bildete der Begrüßungsabend. Der Obermeister für Nürnberg und Mittelfranken, Hermann, konnte dabei Uhrmacher aus allen deutschen Gauen begrüßen. Die deutschen Uhrmacher führten heute, so sagte er u. a., einen schweren Kampf Es gehe um die Existenz von 15 000 Uhrmachern, gegen die in Massen hergestellte und in Warenhäusern und Basaren verkaufte Schunduhr. Auf der Reichstaguna begrüßte Reichsinnungsmeister Flügel (Leipzig) vor allem den Landeshandwerksmeister R o o s (München), die Führer der Fachverbände und die Vertreter aus Oesterreich und Italien. Er verabschiedete mit Dankesworten den bisherigen Vorstand und verpflichtete die neubestellten Bezirksinnungsmeister des ganzen Reiches. Die Grüße des Reichshandwerksmeisters überbrachte Landeshandwerksmeister Roos (München), der auf den Niedergang des deutschen Handwerks in der Nachkriegszeit eingisg und unterstrich, daß heute das deutsche Handwerk wieder zu dem großen Begriff geworden sei, den das deutsche Kunsthandwerk im Mittelalter darstellte. Die wichtigste Aufgabe liege in der Heranbildung eines vortrefflichen Handwerkernachwuchses. Im Kampf für die Arbeitsbeschaffung komme auch dem deutschen Handwerk ein erheblicher Anteil zu. Nur mit diesem restlosen Einsatz werde sich das deutsche Handwerk die alten Lebensrechte wieder zurückerobern können. Seine Geliebte ermordet und im Walde vergraben. Seit Anfang April d. I. wurde in Hergisdorf im Mansfelder Gebirgskreis die Haushälterin Anna Bräuer vermißt, die feit mehreren Jahren mit dem Herigsdorfer Einwohner Z i e r v o g e l zufam- menlebte. Wie sich nun herausstellte, hat Ziervogel die Frau getötet, nachdem er sie in letzter Zeit oft brutal mißhandelt hatte. In der Nacht zum 4. April hat er die Leiche auf einem Handwagen in den Wald bei Hergisdorf gefahren, wo er sie an einer unbekannten Stelle vergrub. Mit Ziervogel wurde auch eine verheiratete Frau namens Anna G r o s ch e aus Hergisdorf verhaftet, da er mit ihr ebenfalls in Verkehr stand. Zieroogel beschuldigt die Grosche, Anna Bräuer beseitigt zu haben, da sie ihr im Wege gewesen fei. Die Grosche dagegen gibt an. daß Ziervogel die Bräuer nach einem Streit um- gebracht habe. Hinrichtung in Halle. Am 27. Mai. 1935 ist in Halle der am 20. Mai 1902 geborene Franz Jlgenstein hingerichtet worden, der vom Sondergericht in Halle wegen Mordes an einem Bahnwärter, der auch bahn- polizeiliche Befugnisse zu erfüllen hatte, zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden war. Da Die Tat einen feigen und hinterlistigen, aus nichtigem Grunde verübten Ueberfall auf einen 62jährigen. in langjähriger Dienstzeit bewährten Beamten darstellt, hat der Führer und Reichskanzler keinen Anlaß gefunden, von seinem Begnadigungsrecht Gebrauch äu machen und die wohlverdiente ©träfe im Gnadenwege zu mildern. Großfeuer zerstört ein polmscyes Dorf. In einem Dorf in der Nähe von Tornaffow im Lubliner Bezirk griff ein in einem Bauernhaus ausgebrochenes Feuer infolge des Windes derart rasch um sich, daß das ganze, aus 30 Wirtschaften bestehende Dorf niederbrannte ttuntt und Wiffenschaft. Warum Neichsfestspiele in Heidelberg? Auch im Jahre 1935 hat Reichsminister Dr. Goebbels, der Schirmherr der Reichsfest - spiele, Heidelberg zu deren Stätte bestimmt. Das beweist schon, wie sehr man von der Richtigkeit und Glücklichkeit der Ortslösung nach den vorjährigen Heidelberger Reichsfestspielen überzeugt worden ist. In dreierlei Hinsicht erfüllt Heidelberg die Voraussetzungen für die Veranstaltung von Reichsfestspielen, die als repräsentative Kulturbestrebung des Dritten Reiches zu gelten haben. Einmal ist Heidelberg eine bevorzugte Fremdenstadt. Zum andern hat sie eine alte kulturelle Tradition. Schließlich ist die Lage Heidelbergs, ihr Zusammenklang von Bergland, Flußtal und Ebene, die ideale Umgebung der Reichsfestspiele, für die Stätten von romantischem Zauber und romantischer Kraft, von edler Raumgestaltung und von strenger monumentaler Gewalt gegeben sind. Seelisch erfüllt, romantisch durchwoben und großartig ausgestaltet werden sich die Bilder von „Katchen von Heilbronn" ergeben Träumerisch und reizvoll, zugleich aber aber auch in der kräftigen Freude derber Späße wirkt hier „Was Ihr wollt" Zu voller Kraft und leidenschaftlicher Bewegtheit ersteht an der gleichen Stätte der „G ö tz" In dem glanzvollen Königssaal aber findet ,,M inna von Barnhelm" den bezaubernden Rahmen. Auf der Thingstatte des Heiligen Berges an dieser Weihestätte des neuen Deutschlands, erleben viele Tausende die Botschaft vom „Weg ins Reich". Heidel- berg wird Begeisterte aus allen Gauen des Reichs anziehen, es wird darüber hinaus die große Erwartung derjenigen erfüllen, die von jenseits der Grenzen gekommen sind, um neuen deutschen Kulturwillen kennen zu lernen. Oie Flaggen der Nationen auf N->uisck'ands Weltiugendherberge. Scherl-Bildmaterndienst MX i WiM MM :<• ■Az % WM" Der Stellvertreter des Führers weihte die Jugendherberge Burg Altena bei Hagen ein, die als Weltjugendherberge den Iugendwanderern aller Nationen offensteht. Jungvolk hißte symbolisch die Flaggen der verschiedensten Nationen. Hessischer Dragonertag LPD. Darmstadt, 26. Mai Tausende ehemaliger Dragoner der Dragoner-Regimenter 23 und 24 trafen sich am Samstag und Sonntag in Darmstadt. Am Samstag fand in der Festhalle ein B e - grüßungsadend statt, der verbunden war mit der Gründungsfeier des Regiments 23 Unter den Gästen bemerkte man als Vertreter des Herrn Reichsstatthalters den stellv. Gauleiter, Regierungsrat Reiner, den Oberbürgermeister und Kreis- leiter Wamboldt, den früheren Schirmherrn des Leibdragoner-Regkmenkes, den ehemaligen Großherzog von Hessen den Präsidenten des Kyffhäuserbundes, Generalleutnant von O i b t • man u. a. m. Nach musikalischen Darbietungen hielt Rittmeister W ä t j e n die Begrüßungs- und Fest- ansprache. Er schloß seine Ausführungen nach Sol- batenart mit einem dreifachen Hurra auf Vaterland und Führer Oberbürgermeister Kreisleiter Warn- b o l d t begrüßte die Angehörigen der ehemaligen Dragoner-Regimenter in ihrer alten Garnisonstadt Darmstadt herzlich. Nach turnerischen Vorführungen usw. wurden an besonders verdiente Mitglieder des Leibdragoner-Regiments 24 Ehrendiplome verteilt. Am Sonntagvormittag fand ein Festzug durch die Straßen Darmstadts statt, an dem sich auch die befreundeten Regimentsvereine, der NSDFB. (Stahlhelm) und der Kyffhäuserbund beteiligten. An dem Dragoner-Ehrenmal wurde eine Totengedenkfeier abgehalten, bei der General von Brandenstein, der letzte Kommandeur des Dragoner- Regiments 23, die Gedenkrede hielt Während des Liedes vom guten Kameraden wurden Kränze niedergelegt. Am Nachmittag vereinigten sich die ehemaligen Dragoner wieder in der Festhalle zu einer großen Wiedersehensfeier. Hier begrüßte die Kameraden Oberst Freiherr von Wester- weller, der auf die furchtbaren Jahre nach dem Kriege hinwier und dann der großen Tat unseres Führers gedachte, der den deutschen Soldaten mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht die Ehre roiebergab. Seine Rebe klang aus in ein breifaches „Sieg-Heil!" auf Volk, Vaterland und Führer Bei musikalischen Darbietungen nahm die Wiedersehensfeier einen kameradschaftlichen Verlauf Ein „Manö- oerball" beschloß den Tag der Dragoner. Wetterbericht des Reichswelterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. lieber dem Atlantik und dem hohen Norden ist wieder lebhafte Wirbeltätigkeit aufgenommen, die eine allgemeine Umgestaltung der Großwetterlage herbeiführen wird. Dabei wird durch das Zu- sammenprallen verschiedenartiger Luftmassen über dem Festland die Störungstätigkeit zunächst wieder zunehmen. Aussichten für Mittwoch: Meist wolkig und schwüles Wetter, Neigung zu einzelnen, teilweise gewittrigen Niederschlägen, Windrichtung wechselnd. Aussichten für Donnerstag: Fortdauer der im ganzen freundlichen, aber zu gewittrigen Niederschlägen neigenden Witterung. Lufttemperaturen am 27. Mai: mittags 21,3 Grad Celsius, abends 15 Grad: am 28. Mai: morgens 13,1 Grad. Maximum 21,9 Grad, Minimum 9,8 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 27. Mai: abends 17,1 Grad: am 28. Mai: morgens 13,3 Grad. — Sonnenscheindauer 4 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange., Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für Den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 35: 10688. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf mehr« Einzeloerkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf, mit der Illustrierten 5 Pf. mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. DANKSAGUNG Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen und die überaus zahlreichen Kranzspenden sagen wir herzlichen Dank. Wir danken besonders Herrn Pfarrer Döll für seine trostreichen Worte, dem Gesangverein Eintracht sowie seinen ehemaligen Berufskameraden und allen, die ihm das letzte Geleit gaben. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Marie Becker, geb. Hahn Steinbach, Albach. Gießen, den 24. Mai 1935, 3185 D unfcvtv Tugend ifldnsölück Sos (Stück unserer Volkes? Postkarten bei Brühl, Gießen I Vermietungen I Möblierte 2-3im. BJoön mit Küche i.Zentrum ver sofort zu vermieten. Schr.Angeb.unl. 3191Da.d.G.A. Büro 3 große Parterreräume i.abgeschl. Korridor m. Zubehör zu verm. Schr. Anfr. unt. 3163D an b G.A. Mietgesuche 3Bütotäume Bed. trocken,hell, unterteileri, gr. Wohnung käme auch in Furage, für 1. Juli 1935 sofort zu mieten gesucht. Schrift!. Ang. utit. 3176D an o. Gieß. Anz. D Meroog Ein deutsches Dogelparadies Natururkunden von den Halligen u.vom Wattenmeer von P. F. Weckm ann- Wittenburg lkinführend.Texivon Prof.Dr.F.Dietrich Mit 84 Kunstdruck» tafeln. — Broschiert RM.S.—.gebunden RM 4.-. .DasDollendetste.wasman anNoturtreueund zugleichkünst» lerischer Wiedergabe verlangen kann.' Photo»Beobacht«r Ebeblatt kosten!, gu beziehen durch jede Buchhandlung oder vom Hugo Bermühler Verlag - Berlin-Lichterfelde und Schmerzen in den Füßen - ein halbes Vergnügen. Tra- ftemit Asbestzement-Tafeln für Wandbekleidung in jeder Millimeterstärke ab Lager oder frei Baustelle lieferbar. 3194D Erich Carle, Lollar, Ruf 84 gen Sie doch Birkenstocks Fußbett, es hilft auch Ihnen. Beratung und Anprobe: Hermano Röhrig, Lederhandlnng Gießen. Neustadt 43. 2713a Ala MeigkvMieiMlellWsi Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen u. Zeitschriften Wen.smninraßellrJ [Stellenangebote] Keine Ursprungszeugnisse, wndern nur Zeugnisabschriften dem Be werbungchchreiben beilegen I — Lichtbilder undBewerbungsunter- lagen müssen zur Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Namen und Anschrift des Bewerbers tragen I llllllllllllllllllllllllllllll Tüchtige Aushilfe für tagsüber sofort gesucht. siseD (ttntbardt Seltersweg 38III. Sßir suchen ver 1. Juni eine gute fleiö- niMii Zu erfrag, in der Geschäftsstelle d. Gieß. Anz. 3199D flhPrnPrfrPfPF sürBez. Gießen als UUauttUUU Mitarb.ein.Bertr.- Agt. gesucht. Zuverl. ftrebs.Herren ist hohe Berd.-Mögl. gebot. Äusf Oft. unter D. 1607 an Anz.-Imke. Frankfurt a. M., Salzhaus 6. äl88\ 2.80 extra Pfingsten empfehlen wir unsere bekannt « guten Waren zu günstigen Preisen: Kaiser’s Festkaffee Im Geschenkbeutel Marke Kaffeekanne Pfd.M 2.40 Marke Kaffeekanne Weitere beliebte Mischungen Pfd. M 2 -, 3.-, 3.20 Kaiser’s Tee Mischungen für jeden Geschmack / "kräftig und aromatisch. Kaiser’s gute Schokoladen, Pralinen, Bonbons, Waffeln etc. Alles xumBacken:Weizenmehl, Backpulver, Vanillinzucker, Sultaninen, Korinthen, Mandeln, Haselnußkerne, Citronat, Orangeat etc ____ Kaiser’s vorzügliche Weine aus eigenen Kellereien. 3% Rabatt Marken wenige Artikel ausgenommen KAISERS = Leichter Nebenverdienst Wer nennt Messen uon Zu unö loegMeuden? Zuschriften unt. F. M. Z. 4126 an Ala, Frankfurt am Main 3177v Kaiserstraße 16. IVerkäufeI 4/2(1 PS. Opel-Limousine rund.F-orm, steuerfrei, gut gepfl., nur 30000 Kim. gelaust, verkauft geg Kaffe. 02267 Rah. Oirmtbern, Marktstraße 19. | KaufgesuchT] Piano a. Privat ges. Preis-Off. u. 02301 a.d.G.A. Klein-Lieferwagen „Goliath“ m verfaul. Zu em. i. d. Ge- schäftsft. d. G. A 3/15 BMW. w verkauf. 02303 K. Faber Mnhlnraße 22. 3 gebr. Solls verkauf 3107d Im Auftrag: A. Wehrheim Löberftratze 17. Istammiger Gasherd (Backofen) und Korbliege- ituhI billig zu «erfoufat. mm Wilhelm,tr. R 1. Bauplatz sofort zu taufen gesucht. Schrift! Angeb. u. 02302 an d. Gieß. Anz. Empfehlungen lieber dem Durchschnitt herausragen! Das ist Sinn und Ziel jeder guten Leistung - und das will auch Photo-WinterhoH mit seinen Arbeiten erreichen Ein mod. eingerichtetes Labor, betreut von geschulten, erfahr. S pezialisten, bietet die Vor aussetzung für Spitzenleistung. Ihre Photo - Arbeiten sind in gut. Händen bei Photo-Kino Kreuzplatz, 9. MteWocbe Hygiene- Geld - Loiierie Ziehung 7. Juni Z802 Gew. zus. Mk. 18060 16000 -5000 i 3 000 Los 50 Pfg. Doppellos Mk. 1. Horto u. Liste 30 Pfg. Staat/. Eott-Einnehm. OarmstadiMEtr.15 PoM2?500 Ffm. u.alle Ver kaufsst. w^uHaufunremigkeiten durcti DrOnjckr. gÄl Djrula Bleichwachs Re rßSflOS beseitigt werden (M2.2U Hur in Apotheken »rhalhlicJ- ommerjprone poMeneMeti/e l^°nnzu-7934 'S der Q eweis. dass audt Ihre '■ bestimmt: Engel-Apothci Verschiedenes Welche an ft and. ölt. Frau bietet einem all. Mann ein Heim für 60 - 65 Mk. monatlich. Schr. Angeb. u. 02298 an oenGietz.Anz, Teppiche Verbindungsstück moderne Muster u. Deutsche Perser,Markenware, reettePreise.Mo- natsrateablOM. Vertreterbesuch. Schr. Anfr. unter E. S.6609 (3192V) an den Gießener Anzeiger erbet. VJ.B. Reichs., un Gößwandernug (dimmeifahrttcg) nach 31870 Kloster Arnstmrg. Abmarsch 6 Uhr Perfiluhr Zahlreiche Beteilig, erwartet der Vereinssiibrer. SSii von 1846 WllielslAt- Wonöerong nach 3iqoD Kloster Arnsvurg. Abmarfch 7 Uhr ab Ludwigsolatz. WlsküllMe lifltnr- MensWk in reid)bebtlöerten, ^ichtverstänül. Wer- Ken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damit durch erweitertes Wissen er- höhteFreudcanden vielfältigen Schönheiten der Natur. Verlangen Sie Pro spekte und Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher" 9ugoBermü6ier Benag Bgriin-CKWrfeiöp f Vereine | m V.1885 flimnieliährlloör Ziel- Niedergirmes Abfahrt 8 Uhr Heist Hof. ;il93D SkUWe 8,83d 5ienogrofenf(haft Crtsgr. Gießen Himmelfahrt- Wanderung nach Slolierlirnr-hürg "Abmarsch Uhr Ludwigsviab. ^Icachzügler fahr. 8.27 m. d Bahn nach Garbenteich oder Lich llllllllllllllllllllllllllllll Stummen Gießen,1U1D Mitttv., 29. Mai 20 bis 22.45 Uhr sGeichl.Borsiell.) NS.-Kulturopm. Ring Deutsche Buhne. fteinKartenverk. Vertrag um Karakat. Schauspiel in 3 Akten von spritz Peter Buch llllllllllllllllllllllllllllll Nr. UZ Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefsen)Dienstag, 28. Mai (935 DerWeiibewerbdesOeuifch1andfluges49S5eröffnet. Feierliche Flaggenhiffung in Berlin. - Heute starten 154 Flugzeuge zum Gemeinschastsstug. HK SNEE» ’i U Im Auftrage des Reichsluftfahrtministers General der Flieger Göring gab der Präsident des Deutschen Luftsportverbandes Oberst Laerz er am Montag um 18- Uhr das Zeichen zur feierlichen Flaggenhissung, womit er den Wettbewerb des Deutschlandfluges 1935 für die 154 Flugzeuge mit 308 Führern und Ortern eröffnete. Der Start zu dem bisher größten Deutschlandflug findet Dienstag früh um 8 Uhr statt. An dem diesjährigen Wettbewerb nehmen 30 Verbände teil, und zwar sechs Verbände zu drei Flugzeugen, ein Verband zu vier Flugzeugen, 17 Verbände zu fünf Flugzeugen, drei Verbände zu sieben Flugzeugen und drei Verbände zu neun Flugzeugen. Da es sich ausschließlich um einen G e - meinschaftsflug handelt, an dem Flugzeug- Scherl-Bildmaterndienst sichrer, Orter und Bodenpersonal alle zu ihrem Teil am glücklichen Gelingen des Fluges arbeiten müssen, wäre es unangebracht, Namen zu nennen. Immerhin sei erwähnt, daß auch einige Staffeln des Reichsluftfahrtministeriums teilnehmen. — Unser Bild zeigt das Heer der Flugzeuge auf dem Tempelhofer Feld bei den letzten Vorbereitungen zum Start. Werden unsere Augen schlechter? Alltägliche Sehstörungen und ihre Behandlung. Don Or X Waldmann Die Brille ist für die moderne Kulturmenschheit eines der unentbehrlichsten, aber auch unbeliebtesten Hilfsinstrumente geworden- Kurz- und Weitsichtigkeit gehören zu den häufigsten Leiden. Trotzdem herrschen über diese verbreiteten Sehstörungen vielfach noch recht irrige Anschauungen; es lohnt sich also, sich mit diesen harmlosen, aber unangenehmen Leiden einmal etwas näher zu beschäftigen Die Naturvölker kommen scheinbar völlig ohne Brille aus, man hat daraus vielfach den Schluß gezogen, daß unsere weit verbreiteten Sehstörungen zum großen Teil eine moderne „Kulturkrankheit" darst'ellen. und daß die Zivilisation mit ihren ungesunden Aniorderungen an dem Uebel schuld sei Aber so einfach ist die Sache nicht: die Ursachen der Kurzsichtigkeit z B stellen noch eine sehr umstrittene Frage dar, erbliche Einflüsse spielen dabei eine große Rolle, und die Frage nach etwaigen schädlichen Wirkungen der Zivilisation auf diesem Gebiete läßt sich zur Zeit noch nicht mit Sicherheit beantworten. Welche Veränderungen finden nun eigentlich bei diesen Sehstörungen im Auge statt? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns einmal kurz mit dem anatomischen Bau und den Funktionen unseres Auges beschäftigen. _______ Das komplizierteste Organ unseres Körpers. Die Lichtstrahlen der Außenwelt müssen erst einen langen und schwierigen Weg zurücklegen, ehe sie in unsere Großhirnrinde und damit in die Sphäre der bewußten Gesichtsempfindungen gelangen. Das Auge, das „Fenster" des menschlichen Körpers, besteht aus verschiedenen durchsichtigen, opttsch brechenden Schichten, Hornhaut und Kammerwasser, Kristallinse und Glaskörper, die das Licht erst durchwandern muß, bis es auf die zarte Netzhaut stößt. Sie bilden sozusagen den optischen Apparat der die Strahlen bricht, sie zusammenballt und die Gegenstände der Außenwelt scharf auf der Netzhaut (der „photographischen Platte" des Auges) abbildet. Die elastische Linse kann mit Hilfe eines besonderen Muskels ihre Dicke und Krümmung ständig verändern und damit das Auge auf Fern und Nah einstellen. Hinten auf der Netzhaut sitzen die licht- und farbenempsindlichen Sinneszellen, Stäbchen und Zapfen, sie werden von den auftreffenden Strahlen erregt, die Erregung sammelt sich im Sehnerv und fließt nun auf verschiedenen Wegen dem Großhirn zu. Die Sehschärfe des Auges hängt in erster Linie von dem Spiel der Kristallinse und der Länge des Augapfels ab. Bei vielen Menschen weist der optische Apparat des Auges gewisse Mängel auf;oftkann das Auge für die Nähe oder Ferne nicht mehr scharf eingestellt werden, in anderen Fällen ist die Sehschärfe für alle Entfernungen herabgesetzt. Meist handelt es sich übrigens gar nicht um eigentliche Augenerkrankungen, sondern nur um optische Fehler des „Brechungsmechanismus", die sich durch künstliche Hilfsapparate, also durch Brillen, Haftgläser usw. verhältnismäßig leicht korrigieren lassen.' Die Kurzsichtigkeit. Der Kurzsichtige ist bekanntlich nicht imstande, Gegenstände, die einige Meter weit entfernt sind, deutlich zu sehen. Trotz aller Anstrengungen seiner Augen erblickt er nur verschwommene und unscharfe Bilder, während er in nächster Nähe meist die feinsten Schriftproben sehr gut lesen kann, lieber die Ursachen der Kurzsichtigkeit hat man sich lange Zeit gestritten, auch heute ist diese Frage noch nicht restlos geklärt. Die häufigste und oerbreiteste Form, die sogenannte „S ch u l k u r z s i ch t i g k e i t", beginnt während der Wachstumsperiode, also im Laufe der ersten zwei Lebensjahrzehnte. Sie erreicht meist keine höheren Grade und kommt im Laufe der zwanziger Jahre gewöhnlich zum Stillstand. Wesentlich seltener ist eine andere Form, die „fortschreitende Kurzsichtigkeit". Dieses Leiden, das sich meist schon in früher Kindheit bemerkbar macht, nimmt auch noch im reiferen Lebensalter zu, und hierbei kommt es oft zu ganz starken Graden der Kurzsichtigkeit, die gelegentlich bei besonderer Veranlagung Anlaß zu wirklichen schwereren Augenerkrankungen geben können. Diese Komplikationen der hochgradigen Kurzsichfigkeit können aber mit Hilfe der modernsten Verfahren oft sehr erfolgreich behandelt werden und sind außerdem sehr selten. Die Kurzsichtigkeit beruht in den allermeisten Fäl- auf einer eigenartigen Verlängerung des Augapfels. Dadurch wird eine gute Ferneinstellung des Auges unmöglich gemacht, die Strahlen vereinigen sich bereits vor der Netzhaut und auf ihr selbst entsteht ein verwaschenes Bild mit unscharfen Konturen. Warum sich der Augapfel verlängert, ist ein heute noch nicht ganz geklärtes Problem. Zweifellos spielen äußere Einflüsse, schädliche Näharbeit unter ungünstigen Bedingungen, selbständige „Ueberanstren- gung" des Auges bei mangelhafter Beleuchtung, gebeugter Kopfhaltung usw. dabei eine Rolle. Aber wichtiger und entscheidender sind wahrscheinlich die erblichen und familiären Momente. Vermutlich beruht das Leiden auf einer angeborenen Schwäche der Augenwand, besonders der Lederhaut, die unter Umständen allmählich nachgibt und damit zu einer Formänderung und Verlängerung des Augapfels führt. Die Weitsichtigkeit. Der umgekehrte Fehler, die Weitsichtigkeit, erklärt sich meist aus einem zu kurz gebauten Augapfel. Hierbei gelingt es der Linse selbst bei größter Anstrengung nicht, nah gelegene Gegenstände scharf auf der Netzhaut abzubilden, weil sich die „photographische Platte" (die Netzhaut) zu nahe am „Objektiv" (der Kristallinse) befindet. Auch bei der sogenannten Alterssichtigkeit, die oft schon bei recht jungen Menschen, in der Regel aber in den Jahren um die 40 beginnt, ist die Naheinstellung des Auges erschwert, jedoch aus einem ganz anderen Grunde. Der Bau des Auges kann hierbei ganz normal fein, die Linse aber, dieses „verstellbare Objektiv", verliert im Laufe des Lebens allmählich ihre Elastizität, sie kann sich schließlich nicht mehr gehörig krümmen und wird damit für die „Nahaufnahmen" ungeeignet. Andere Menschen wieder, die sogenannten „Stabsichtigen", haben unter Umständen einen völlig normal gebauten Augapfel, auch die Linse funktioniert tadellos, aber die Hornhautoberfläche ist nicht gleichmäßig in den verschiedenen Richtungen gewölbt. Dadurch kommt es zu unscharfen und verzerrten Netzhautbildern, die ebenfalls eine erhebliche Sehstörung mit sich bringen. Die Wirkung der Augenglaser. Durch die außerordentlich verfeinerten Leistungen der modernen Optik gelingt es in allen diesen Fällen so gut wie immer, den „Brechungsfehler" künstlich auszugleichen und damit das Äuge wieder dem Normalzustand anzupassen. Bei Kurz-, Weit- und Stabsichtigkeit handelt es sich ja um Veränderungen des Auges, die nicht rückgängig zu machen sind; man wird deshalb meist auf das Tragen von Äugenglä- fern angewiesen sein. Die Kurzsichtigkeit wird durch sogenannte Hohl- oder Konkavgläser ausgeglichen; diese Gläser, die am Rande dicker als in der Mitte sind, zerstreuen das Licht und entwerfen dadurch ein scharfes Bild auf der zu weit entfernten Netz- haut. Umgekehrt wirken Sammellinsen, sogenannte Konvexgläser, die bei der Weit- und Alterssichtigkeit Anwendung finden. Die Stabsichtigen kann man meist durch zylindrisch geschliffene Gläser, die nur in einer Richtung gekrümmt sind, Hilfe schaffen, und in anderen Fällen wieder wird man Kombinationen dieser verschiedenen optischen Vorrichtungen, KHFFEE HAB jetzt in der luftleeren Dose: stets frisch wie am Tage der Röstung Ein Ausflug ins Grüne in Louisiana. Don Marie Helene Wittich. Eine Leserin des Gießener Anzeigers in New Orleans, Louisiana, stellt uns die folgende anschauliche Schilderung zur Verfügung New Orleans, im Mai 1935 Es ist nicht ganz so einfach, als wenn man eine Fahrt an den Rhein macht ober einen Sonntagsspaziergang nach dem Forsthaus Freunde haben sich ein Blockhaus gebaut — 20 Meilen von Baton Rouge. Wir, die deutsche Kolonie, wollen es mit ihnen einweihen Die „Kinderlosen"' fahren schon Samstag. Solche „mit Familie" kommen erst am Sonntag nach. Samstags wird schon das Huhn gebraten, der Kartoffelsalat zubereitet, Brei für die Kinder, Fruchtsaft - alles in festverschlossenen Gläsern, so daß es entweder au* Eis transportiert ober sofort eingestellt werben kann nach ber Ankunft Um 6 Uhr in ber Früh ist Wecken" bann wirb alles in kleine Strohkofier- chen gepackt, Essen, Babeanzüge Hosenkleiber, Windeln Kochtopf usw Eine alte Kindermatratze kommt auf ' den Fußboden des hinteren Wagenteils^ Moskitonetz ist auch dabei und los geht's um 7 31) Uhr Der Wagen ist natürlich am Tage vorher gründ- lieh nachgesehen, denn man weiß ja nicht roie weit die Benzinstationen voneinander entfernt sind^ Man fährt scharf (60 Meilen) bis gegen 11 Uhr auf einer breiten Automobilftraße, zu deren beiden Seiten Kanäle und Bayous entlang ibie z T. mit einem hell-lila Teppich japanischer Wasserlilien bedeckt sind. Die amerikanische Regierung gibt einige Millionen Dollars jährlich aus, um die lisancr» roege von diesen Lilien zu befreien. Inzwischen ist das Baby gefüttert und emge- schlafen — wir passieren Baton Rouge — nun werden die Wege schon staubiger, da nicht asphaltiert. Man ist dafür aber im Wald und es geht noch mal über Baumstämme und selchte Gräben und bann zu Fuß, benn bie letzte Brücke ist von ber letzten Überschwemmung leicht eingesunken und so tragen wir Baby unb Reisekörbchen burch gerabe gelichtete B>-ombeerhecken. Da ist ja bas Häuschen mit seinem roten frischen Dast oben auf einem (teilen Ufer, ben heute ziemlich ruhigen, breiten Fluß überfehenb, ber gegenüber einen herrlichen weißen Sttanb hat. Die Hausfrau begrüßte uns in „Shorts" unb ebenso ber Haus- jjerr mit Tropenhelm unb Buschmeffer bewaffnet, noch fleißig mit anberen Freunben beschäftigt, das Unterholz zu lichten. Man wechselt in die Badeanzüge; auch ein Weg das abschüssige Ufer hinab ist in den weichen Sand gegraben, den natürlich jedes Hochwasser verändert. Wir schwimmen — von der großen weißen Hella (dem Haushund) begleitet, leicht abgetrieben durch bie Strömung, hinüber zum Stranb unb lassen uns in ber Sonne braten unb bräunen. — Das Wasser ist noch eiskalt, wenn auch bas Luftthermometer ca. 90 Grab Fahrenheit zeigt. Nach dem Baden kriegt jeder aus ber neuen Pumpe einen Eimer eiskaltes Wasser als Brause unter lautem Schreien übergeschüttet — Unb bann gibt's Lunch. Unb wie bas schmeckt Gebratene Hühner, Steaks, Salate, Obst unb Kuchen Unb richtiges Schwarzbront mit Mün- sterkäfe Nachmittags kommen bann noch mehr Leute, aber im Stabtanzug angetröbelt, währenb wir uns, braungebrannt, erfrischt unb wahrscheinlich mit genügen!) Walbböcken versehen, auf ben Heimweg machen, auch roieber in Stabtkleiber angetan Natürlich haben wir mitten im Walb eine Panne, aber sonntäglich gelangweilte, Abwechselung suchenbe Lanbleute greifen tüchtig zu, unb bald ist der Schaden wieder geheilt Das Baby muß ber Verspätung wegen bann auf einer Benzinstation gefüttert werben Einen Kochtopf hatten wir ja mit, ben Löffel unb bas Feuerloch besaß ber Garagenmann. Nach biesem kleinen Intermezzo geht es bann wieder weiter. Baby schläft auf ber Matratze, ber große Bub auf bem Sitz. Es war ein vergnügter Sonntag, ber einem roieber Schwung für ben fommenben Alltag gibt.-- „Sie und die ©rci/ Es handelt sich bei biefem Kriminalfilm ber Europa um ben in einem großen Hamburger Hotel sich abfpielenben Kampf um ben Abschluß eines inbuftriellen Riefenprojektes unb im Zusammenhang bamit um ben Besitz wichtiger Papiere, bie natürlich im entscheibenben Augenblick verschwunden sind. Das Manuskript dazu schrieb Walter Wassermann: es ergibt einen bis zuletzt spannenden und unterhaltenden Film mit gelegentlichen Abstechern ins Gesellschaftsstück und mit hübschen heiteren Episoden, der jedoch in der Handlungsführung nicht frei ist von allerlei Unwahrscheinlichkeiten. Der Regisseur Victor/I a n \ o n inszeniert mit gut geschnittenen Ueberblendungen, bie zugleich Spannungen unb Beziehungen zwischen ben wichtigsten Schauplätzen unb Personen schaffen. Es wirb auch hübsch unb flüssig gespielt: Charlotte Susa, elegante Salonbame, sehr geübt in ber- gleichen nicht unverfänglichen Situationen; Walbau, gepflegt wie immer; Meyerinck und S t e i n b e ck, ebenfalls recht tüchtig, obwohl durch ihr Filmrollenfach von vornherein festgelegt; „die Drei", ein sauber und witzig eingespieltes Kleeblatt: S ö h n f e r als unwahrscheinlich romantischer Zimmerkellner, Vespermann, geschätzter Berliner Bonvivant und Komiker, in vielen Lustspielen erprobt, unb Paulsen, ber zwar von ber Operette herkommt, aber neulich mit einer sehr seriösen Leistung im „Oberwachtmeister Schwenke" berechtigtes Aufsehen erregte. — Künstlerisch wertvoller ist ein kleiner Liszt-Film unter bem Titel „Rhapsobi e", ber vorher läuft unb anfangs auffallend an bie „Petersburger Nächte", später an ben Chopin-Film „Abschiedswalzer" erinnert; in ben Hauptrollen sieht man Liebeneiner als Liszt, ber sich immer mehr auf musikalische Themen zu spezialisieren scheint, unb Betty Birb als kokette Gräfin Erdödy. Ein ausgesprochen lyrisch- melobramatischer Film, ber mit viel Kultur in Szene gesetzt und photographiert ist. (Der Name des Regisseurs ist uns leider nicht bekannt.) — Außerdem bringt das Lichtspielhaus in diesem abwechslungsreichen Programm einen Fliegerfilm, die neue Wochenschau und den Vorspann zum „Stählernen Strahl". —r— Oas Ergebnis der Bühnen Reifeprüfungen in Frankfurt Bei der Prüfungsstelle der Reichstheaterkammer Frankfurt a. M. fanden in diesem Jahr die Bühne n r e i f e p r ü f u n g e n für Sänger und Schaufpielanfänger zum erstenmal nach den von der Reichstheaterkammer herausbegebenen Richtlinien statt. Um eine möglichst einheitliche Durchführung der Prüfungen im ganzen Reich zu gewährleisten, wohnte ein von der Reichstheaterkammer bestimmter Prüfungskommiffar allen Prüfungen bei. Den Vorsitz der Prüfungsstelle Frankfurt führte der Generalintendant der Städtischen Bühnen Hans Meißner, dem als Beisitzer drei Mitglieder des Bühnenvereins und drei Mitglieder der Deutschen Bühnengenossenschaft zur Seite standen. Bei ben Reifeprüfungen ber Frankfurter Hochschule für Theater gab Generalintendant Meißner das Amt des Vorsitzenden an Intendant Trede (Mainz) ab. Zur Prüfung für Oper unb Operette hatten sich insgesamt 55 Anfänger gemelbet, von benen 10 bas Zeugnis ber Bühnenreife erhielten, 7 ein Jahr zurückgestellt unb 3 an bie Oberprü- fungsstelle Berlin verwiesen würben. Den übrigen 35 Prüflingen konnte ber Bühnenreifeschein nicht erteilt werben. Für bie Schauspielprüfung lagen 45 Anmeldungen vor; 15 Anwärter erhielten ben Reifesckein, einer wurde ein Jahr zurückgestellt, einer ber Oberprüfungsstelle überwiesen, währenb 26 Schülern bas Zeugnis verweigert werden mußte und zwei Anwärter sich für die Dramaturgen-Lauf- bahn entschieden. Die Leistungen der jungen Kräfte hinterließen im allgemeinen einen sehr uneinheitlichen Gesamteindruck; ganz abgesehen davon, daß bie stimmliche und sprachtechnische Durchbildung sehr oft unzureichend und ungleichmäßig war, ließ auch die theoretische Vorbildung nach der fachlichen wie auch der kulturpolitischen Seite sehr viel zu wünschen übrig, ja sie genügte oft nicht einmal den gerinasten Ansprüchen, die man an das Wissen um den Beruf des Bühnenkünstlers stellen muß. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß auf Grund des Prüfungsergebnisses eine ebenso sorgfältige wie strenge Ueberprüfung der Lehrerlaubnisse statt- jinden muß, um auch begabte Schüler vor technischer Verbildung unb wirtschaftlicher Ausnutzung zu bewahren. Die Prüfungen ber Oberprüfftelle Berlin finden im Herbst statt; in Frankfurt werden die nächsten Bühnenreifeprüfungen im Frühjahr 1936 abgehalten werden. jetffebriften — Das neue Heft der von Paul A 1 v e r d e s unb Karl Benno von Melchow geleiteten Zeitschrift „Das Innere Reich" (Albert Langen/Georg Müller, München) ist vorzüglich geeignet, ben Glauben an das in der Kunst offenbar werdende Schöpfertum der Nation zu festigen und zu vertiefen. Zu biefem Glauben geben namentlich bie bichterischen Beiträge Anlaß, unter benen ber Schlußteil ber neuen großen Erzählung „Die Wagenburg" von Friebrich Griese an erster Stelle steht. Gedichte von Oda Schaefer, Wilhelm Lehmann, Fritz Diettrich und Martha Saalfeld sind Zeugnisse menschlicher wie dichterischer Berufung. Die Folge ber Landschaftsbarstellungen setzt Willi Steinborn fort mit einem Aufsatz über bas „Lanb an der Warthe". Im zweiten Teil bieses Heftes erweckt bie tiefgrün- bige unb gebankenschöne Betrachtung bes Dichters Rubolf Alexanber Schröber über bas Verhältnis von „Kunst unb Religion" befonbere Aufmerksamkeit. Ein Aufsatz von Johannes Pfeiffer über „Die Lyrik Rubolf Alexanber Schröders", eine aufschlußreiche, durch Bilbbeigaben charakterisierte Selbftdarstellung des süddeutschen Plastikers Jakob Wilhelm Fehrls unb eine Auswahl kluger „Bemerkungen eines Erziehers" von Karl Graucob vervollstänbigen bie Reihe ber barfteüenben Beiträge. Dazu bie Berichte von Paul Alverbes unb Herbert G. ©opfert über zwei ber aktuellsten Bücher unserer Zeit, M. B. Kennicots „Das Herz ist wach" unb Paul Ernsts „Verfall unb Neuorbnung". eventuell auch prismatisch geschliffene Gläser benutzen. Oft, besonders bei weitsichtigen Kindern gelingt es, durch ständiges Tragen passender Brillengläser nicht nur die Sehschärfe zu verbessern, sondern auch das unangenehme Schielen zu beseitigen. Die heilsamen Gläser tragen zur Entspannung der Augenmuskeln bei, die krampfartig angespannt waren. Rundfunkprogramm rnittwoch, 29. Mai. 6 Uhr: Von Berlin: Frühkonzert I. 7: Von Berlin: Frühkonzert II. 8.10: Von Stuttgart: Gymnastik. 8.30: Von Bad Neuenahr: Frühkonzert. 10.15: Schulfunk. Vom Wesen der musikalischen Form. Was ist eine Fuge?. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12.00: Don Breslau: Mittagskonzert I des Funkorchesters. 13.15: Von Breslau: Mittagskonzert II. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Von Frekburgr Unsere alemannische Heimat. 16: Kleines Konzert. Landsknechtslieder. Gedichte non Hoffmann von Fallersleben. 16.30: Aus Zeit und Leben. Neuzeitlicher Wundergarten an der Bergstraße. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Vom Deutschlandsender: Der Reichssportführer spricht zur Reichssportwerbewoche. 18.45: Das Leben spricht. 19: Bekenntnisse zur Zeit: „Don der Große eines Volkes". Von Arthur Moeller van den Bruck: anläßlich seines 10. Todestages am 30. Mai. 19.15: Von London: Tanzmusik. 19.50: Von Hamburg: Bauernfunk. Reichsnährstandschau in Hamburg. Aus der Aufbauarbeit des deutschen Bauern. 20.15: Von Leipzig: Reichssendung: Stunde der jungen Nation. Singabend — Fahrtenlieder. 20.45: Don München: Das neue Motorschiff „Deutschland". Probefahrt im modernsten deutschen Binnenschiff über den Bodensee. 21: Bunte Stunde. 22.20: Basalt. Funkwerk um Heimat- gestein. 23: Don Köln: Nachtmusik und Tanz. trooftien Besserungen üm 0,25 6h 0,50 v. H. gegen den Berliner Schluß. Schuckert haben mit 116,25 (115,75) ihren Dividendenabschlag von netto 3,60 d. H. nahezu aufaeholt. Außerdem bestand etwas Nachfrage nach einigen Montanaktien sowie für IG. Farben. Etwas niedriger notierten u. a. Conti Gummi (—1 o. H.), Holzmann (—0,65), Bemberg (—0,40 v. H.), Aschaffenburger Zellstoff und Deutsche Linoleum mit je —0,50 v. H. gegen den Ber- liner Schluß. Am Einheitsmartt stiegen Luxemb. Intern. Bank auf 7 (6,75), wobei wieder nur 20 v. H. der Nachfrage befriedigt werden konnte. Der Rentenmarkt lag ebenfalls still, kursmäßig aber gut behauptet. Kommunal-Umfchuldung 89,40, Zinsoergütungsscheine 90,25, späte Reichsschuldbuchforderungen 96,75. Altbesitzanleihe konnten sich um 0,13 v. H. auf 115,13 erholen und notierten per Kasse sogar 115,25. Don Stadtanleihen stiegen 4,50 v. H. Pirmasens auf 92,50 (92). Am Auslands- rentenmarkt lagen Ungarn fest. 4 o. H. Goldrente 10 (9,65), 4,50 o. H. von 1914 10 (9,50), 4,50 do. 1913 9,85 (9,50). Sonst notierten u. a.: Altbesitz 115,13, 4,50 v. H. Franks. Hyp.-Bank Gold R. 1 bis 4 96,13, 4 v. H. Rumänen 5,10, 5 o. H. innere Mexikaner 6,25, Commerzbank 92,50, DD.-Bank 94,50, Reichsbant 172,50, Harpener 107, Ilse Genuß 130, Klöckner 94,25, Mannesmann 85,25, Rheinstahl 110,75, Laurahütte 24,65, Stahloerein 82,65, AKU. 54,75, BMW. 132,50, Bemberg 114,65, Cement Heidelberg 118,75, Conti Gummi 154, Deutsche Erdöl 111,50, Scheideanstalt 220, Deutsche Linoleum 164, Licht & Kraft 127, ELG. 112,25 bis 112,50, IG. Farben 148,50, Geffürel 123, Holzmann 97,25, Iunahans 91, Moenus 86,75, Rheaa 128, Schuckert 116,25, Siemens 168,50, Aschaffenburger Zellstoff 88, Südd. Zucker 172, Hapag 33,13. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 27. Mai. Auftrieb: Rinder 891 (gegen 988 am letzten Montagsmarkt) darunter 199 Ochsen, 82 Bullen. 394 Kühe und 216 Färsen. Kälber 568 (502), Schafe 1 (28), Schweine 3689 (3676). Notiert wurden pro 50 Kilogramm Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 42 (am 20. Mai 42), b) 41—42 (41—42), c) 37—40 (39—40), d) — (35—38). Bullen a) 42 (41-42), b) 40—41 (38—40), c) 37—39 (35—37), d) 35—36 (—). Kühe a) 40—42 (39-42), b) 34—39 (33—38), c) 27—33 (25—32), d) 20—26 (18—24). Färsen a) 42 (42), b) 40—41 (40—41), c) 37—39 (36-39), d) 34—36 (32—35). Kälber a) 61—63 (69—63), b) 56—60 (51—58), c) 45—55 (42—50), d) 32-44 (30—41). Schafe nicht notiert. Schweine a2) 48 bis 51 (47—50), b) 47—51 (46—50), c) 46—51 (46—50), d) 44—49 (42—48), e) 40—44 (35—43), gl) 44—48 (42—46), g2) 38—43 (36—41). Marktoerlauf: Rinder rege, Kälber lebhaft, Schweine mittelmäßig, ausoerkauft. Großhandelspreise für Fleisch und f ü r Fettwaren. Beschickung des Fleischgroßmarktes: 874 Viertel Rindfleisch, 56 ganze Kälber, 4 ganze Hämmel, 135 Schweinehälften, 5 Kleinvieh. Preise pro 50 Kilogramm in RM.: Ochsenfleisch b) 72—76, c) 62—70. Bullenfleisch b) 68—74. Kuhfleisch b) 54—60, c) 40—52. Färsenfleisch b) 72 bis 76, c) 62—70. Kalbfleisch b) 74—82, c) 68—72. Hammelfleisch b) 75—78. Schweinefleisch b) 70—75. Fettwaren. Roher Speck unter 7 Zentimeter aus hiesiger Schlachtung 60—65, Flomen 80—85. Marktoerlauf mittelmäßig. Bekanntmachung: Der nächste Schlachtviehmarkt findet am Mittwoch, 29. Mai, statt. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 27. Mai. Die Geschäftslage zeigt keine nennenswerten Veränderungen gegen die letzte Woche. Weizen hiesiger Gegend und hochwertiger Sachfen-Saale-Weizen waren knapp an- geboten und wurden von den Mühlen gut auf- genommen, dagegen standen norddeutsche Herkünfte wieder reichlich zur Verfügung. Roggen blieb stärker angeboten, die Nachfrage hat sich noch nicht wesentlich gebessert. Futtergerste und Hafer sowie ölhaltige Futtermittel und Kleie sind nicht oder nur in ganz unbedeutenden Mengen offeriert, dagegen wurden Nachmehle ausreichend zum Verkauf gestellt. Das Mehlgeschäft blieb sehr ruhig. Es notierten in RM.: Weizen W IX 210, W XIII 214, W XVI 218, Roggen R IX 170, R XIII 174, R XV 178 (Großhandelspreise der Mühlen des genannten Preisaebiets). Futtergerste G IX 172, G XI 175, G XII 177, Hafer H XIII 170, H XIV 172 (Großhandelspreise ab Station). Bei Wasseroerladung über 100 RM. 3,00 mehr Weizenmehl W XIII 27,70, W XVI 28,15, Roggem-ryl Type 997 R XIII 23,80, Type 815 R XIII 24,36, Type 99/ R XV 24,20, Type 815 R XV 24,70 plus 0,50 RM. Fracht-Ausgleich. Weizennachmehl 17,25, Weizenfuttermehl 13,50, Weizenkleie W XIII 10,92, W XVI 11,13, Roggenkleie R XIII 10,20, R XV 10,44 (Mühlenfestpreis ab Mühlenstation). Soyaschrot 13,00, Palmkuchen 13,30, Erdnußtuchen 14,50 (Fabrikpreise ab süddeutscher Fabrikstation). Treber 18,10 bis 18,25, Trockenschnitzel 9,70 bis 10,20, Heu 9,75, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt oder gebündelt, 4,80 bis 5,00. Kartoffeln: gelbfleiscbige hiesiger Gegend RM. 3,10. Tendenz: fest, kein Angebot. Schwelnemarkt in Alsfeld. # Alsfeld, 27. Mai. Auf dem heutigen Schweinemarkt waren 375 Ferkel aufgetrieben, darunter 177 Händlerschweine. Es wurden bezahlt: für 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 25 bis 30 Mark, für 8 bis 10 Wochen alte Tiere 30 bis 35 Mark. Der Handel war schleppend. Es verblieb ein Ueberftano von ca. 110 Schweinen. Licher Bank in lid). ) Lich, 27. Mai. Die Licher Bank, eGmH., Cid), hielt am Samstagnachmittag ihre diesjährige ordentliche Generalversammlung m Steins Saaloau in Lich ab. Das Vorstandsmitglied Heinrich Schmidt VIII. eröffnete die Versammlung und gedachte in seiner Ansprache an die zahlreich erschienenen Mitglieder der im verflossenen Geschäftsjahr verstorbenen Mitglieder, insbesondere des langjährigen Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Bank, Ludwig Häuser (Lich). Aus dem Geschäftsbericht war zu entnehmen, daß das abgelaufene Geschäftsjahr die im Jahre 1933 begonnene Aufwärtsentwicklung fortgesetzt habe und sich eine weitere langsame, doch stetige Gesundung auf allen Gebieten des wirtschaftlichen Lebens zeige. Dies sei insbesondere ein Verdienst unserer heutigen nationalsozialistischen Regierung unter der tatkräftigen und zielbewußten Führung unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler. Durch die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung im vergangenen Jahre fei es gelungen, weitere 1,5 Millionen deutscher Volksgenossen in Arbeit und Verdienst zu bringen und somit wirksam in die Produktion einzuschalten. Diese Tatsache habe sich auf die Kreise des Handwerks und Handels günstig ausgewirkt, so daß sich die Umsätze im ganzen Geschäftsverkehr wesentlich erhöhten. Dies habe wiederum den Geschäftsverkehr der Bank belebt. So betrug der Umsatz im Geschäftsjahr 1934 auf einer Hauptbuchseite 3 722 813,82 Mark bei 17 659 Bu- chungsposten, gegenüber dem Vorjahre mit 2 934 121,75 Mark bei 15 065 Buchungsposten. Die Zahlungsbereitschaft hatte sich im Berichtsjahr um rund 62 000 Mark erhöht, so daß am 31. Dezember 1934 die Bant über 300 042,28 Mark flüssige Mittel verfügen konnte. Auch war es ihr möglich, im abgelausenen Geschäftsjahr weitere namhafte Kredite zur Belebung der heimischen Wirtschaft zur Verfügung zu stellen. Die Gesamtausleihungen betrugen am Ende des Geschäftsjahres 475 212,05 Mark, gegenüber dem Vorjahr von 458 876.85 Mark. Die Spareinlagen vermehrten sich um 61 593,65 Mk., die Einlagen in laufender Rechnung um 1044,95 Mk. Die Darlehen gegen Hypothek und Schuldschein betrugen 284 281 Mk. (i. V. 282 393 Mk.), in laufender Rechnung 190 931,05 Mark (Vorjahr 176 483,85 Mark), der Wechselbestand 3 341,23 Mark (3 310,48 Mark), Bankguthaben und Kassenbestand 315 982,96 (252 278,35 Mark). Die Geschäftsguthaben der Mitglieder betrugen 21 967,99 Mark (21 817,99 Mark), die Reserven 21 410 Mark (18 520 Mark), Betriebsrücklagen und Rückstellungen 21923,07 Mark (15 388,45 Mark), die Spareinlagen 659 270,20 Mark (597 675,55 Mark), Einlagen in lausender Rechnung 68 389,84 Mark (67 344,85 Mark). Der Reingewinn im Berichtsjahr ist mit 5 385,95 Mark (6 540,31 Mark) ausgeroiefen und blieb somit um 1 154,36 Mark hinter dem Reingewinn des Vorjahres zurück. Der Rückgang ist durch die geringere Zinsspanne begründet und dürste den Bestrebungen der Reichsregierung entsprechen, die Zinssenkung ausschließlich den Kreditnehmern zugute kommen zu lassen. Aus die eingezahlten Geschäftsanteile werden 5 v. H. Dividende vergütet. Der Mitgliederstand hatte sich im Geschäftsjahr von 364 mit 432 Anteilen auf 378 mit 447 Anteilen erhöht, so daß die Gesamthaftsumme 223 500 Mark beträgt. Jahresrechnung und Bilanz wurden einstimmig genehmigt und dem Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung erteilt. Statutenänderung erfolgte insofern, als das neue Einheitsstatut des Reichsverbandes für Kreditgenossenschaften angenommen wurde. Bei den Ersatzwahlen zum Vorstand und Aufsichtsrat wurde Rechtsanwalt Zimmer (Gießen) dem Vorstand hinzugewählt, so daß dem Vorstand nunmehr angehören: Friedrich Fischer, Heinr. Müller, Heinr. Schmidt VIII., Ernst Nicolaus, Wilhelm V e l t e , H. M ä r l e, Ludwig Wolff II., Rechtsanwalt Zimmer (Gießen): Aufsichtsrat: Artur Schäfer (Vorsitzender), Christian Fischer, Heinrich Barz, Hein- rich Karl Schäfer, Georg Schnabel, Heinrich Bäcker IV. (Muschenheim), Heinrich Schmidt (Dorf-Gill), Wilhelm Lauer (Albach). Unter Bunkt Verschiedenes wurden noch einige geschäst- fidje Fragen besvrochen und vom Verbandsrevisor Hartmann (Gießen) in einer Ansprache darauf hingewiesen, daß die Licher Bank nach dem Gut- achi-n und Urteil verschiedener Fachleute eine der bestfundierten und bestgeleiteten Kreditgenossen, schäften Deutschlands fei. Wirtschaft. Oie Lndustrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 816: Neuregelung der Uederweisung von Studien- und Schulgeldern nad) Italien. 817: Zusätzliche Gegenseitigkeitsgeschäfte mit den Niederlanden. 818: Neuer Eisenbahntarif für Paketsendungen in Bulgarien. 819: Verbilligte Nachtgespräche im Fernsprechverkehr mit Amerika. 820: Spanische Vorschriften für zollpflichtige Warenproben. 821: Inkraftsetzung des geänderten niederländischen Zolltarifs ab 1. Juni 1935. 823: 23. Deutsche Ostmesse Königsberg (Pr.) vom 18. bis 21. August 1935, frachtfreie Rückbeförderung unverkauft gebliebener Ausstellungsgüter. 824: Sonderdruck der letzten grundlegenden Anordnungen der Ueberwachungsstelle für unedle Metalle, Preis 2 Mark. Bestellungen bei der Kammer aufgeben. Keine höheren Kartoffelpreise für die alte Ernte. Es besteht Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß ein Zurückhalten von gelbfleischigen Kartoffelvorräten zwecklos ist, da ein Steigen der Preise keineswegs zu erwarten steht. Im Einvernehmen mit dem Reichskommissar für Preisüberwachung und dem Reichs- und Preußischen Minister für Ernährung und Landwirtschaft erfolgte bereits eine Anordnung, aus der deutlich hervorgeht, daß der Verbraucher auch für die letzten Wochen vor der neuen Ernte vor Preisüberhöhungen geschützt ist. Was die gesamte Dorratslage an Kartoffeln anbelangt, so ist hervorzuheben, daß sich zurzeit ca. noch ein Fünftel der letzte^ Ernte i» den Händen der Landwirtschaft befindet. Daraus ist zu entnehmen, daß noch genügend Kartoffeln zur Deckung des Bedarfes vorhanden sind und es auch heute noch möglich ist, den Wünschen der breiten Masse gerecht zu werden. Wenn man berücksichtigt, daß zur gleichen Zeit im Vorjahre die Vorräte nur 14 v. H. der Ernte aus dem Jahre 1933 betrugen, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß der derzeitige Vorrat in jedem Falle ausreichend sein wird. Die augenblicklich lebhaften Nachfragen nach gelb- fleischigen Speisekartoffeln, sind nur auf eine Modeeinftellung zurückzuführen, die in keiner Weise begründet ist. Das übliche Vorurteil gegen rot- und weißschalige Speisekartoffeln ist durchaus nicht am Platze, zumal gerade die rotschalige Speisekartoffel die beste Haltbarkeit in Bezug auf Uederwin- terung aufzuweisen hat. Es wäre zu begrüßen, wenn die Verbraucherschaft von ihrer bisherigen geschmacklichen Richtung abgehen und sich selbst überzeugen würde, daß rot- und weißschalige Kartoffeln als ein den gelbschaligen Kartoffeln gleichwertiges Lebensrnittel angesehen werden können. * * Erste halbamtliche Notierung für K o-m munal-Umschuldungsanleihe. Die Kommunal-Urnschuldungsanleihe wurde gestern an der Berliner Börse erstmalig mit 89,40 halbamtlich notiert. * Festsetzung ber Preise für Speise- Kartoffeln. Von ber Hauptvereinigung ber beut« schen Kartoffelwirtschaft ist ber Preis für Speisekartoffeln mit Zustimmung ber maßgebenden Stellen festgesetzt worden. Er bars frachtfrei Empfangsstation bes Derbrauchergebiets nicht mehr betragen als tatsächlich gezahlter Erzeugerpreis zuzüglich tatsächlich bezahlter Fracht, zuzuglich eines Höchstzu- schlags von 20 Pf. je Zentner. Diese Anorbnung tritt mit bem 28. Mai 1935 in Kraft. Hhein-Mainische Mittagsbörse. Uneinheitlich. Frankfurt a. M., 27. Mai. Bei sehr kleinen Umsätzen eröffnete bie Börse zum Wochenanfang in uneinheitlicher Haltung. Die Kulisse verhielt sich mangels befonberer Anregungen und mit Rücksicht auf ben bevorstehenben Ultimo abroartenb, auch seitens der Kundschaft bestand keine Neigung zu neuen Käufen. Angebot kam von dieser Seite nicht heraus, da das Bestreben besteht, an dem erworbenem Besitz festzuhalten. Bei den Ueberlegungen des Publikums scheint auch die Tatsache eine Rolle zu spielen, daß Spekulationsgewinne nur bann einkommensteuerfrei sinb, wenn zwischen Kauf- unb Verkauf mehr als ein Jahr verstrichen ist. Am Aktienmarkt gingen die Abweichungen nach beiden Seiten kaum über 1 v. H. hinaus. IG. Farben lagen 0,40 o. H. leichter, andere chemische Werte behauptet. Von Elektrowerten' zogen Felten 1,40 v. H., Schuckert ex Div. etwa 0,65 v. H., Lah- meyer 0,25 v. H. an, während Gesfürel 1 v. H. nachgaben und im übrigen die Kurse ziemlich unverändert lagen. Am Montanmarkt gingen Klöckner 1 o. H., Rheinstahl 1,25 o. H., Buderus 0,40 v. H. zurück, Harpener dagegen gewannen 1 v. H., sonst lagen die Werte voll behauptet. Motorenaktien lagen allgemein schwächer, so BMW. etwa 1,50 v. H., Daimler 0,65 v. H. und Kleyer im Freiverkehr 0,50 o. H. Für Bau- unb Cementwerte zeigte sich Nachfrage, Heibelberger plus 0,50 v. H., Jul. Berger plus 1,25 v. H. unb Holzmann plus 0,65 v. H. Don Zellstoffaktien verloren Aschaffenburger 1 v. H. Etwas niedriger lagen ferner RWE. —0,65 v. H., Braubank —0,75 v. H., Allg. Lokal und Kraft — 0,50 v. H., andererseits erhöhten sich Reichsbank um 0.90 v. H., Moenus Maschinen, Metallgesellschaft unb Deutsche Erdöl bis 0,40 v. H. Auch ber Rentenmarkt lag sehr still unb uneinheitlich, wobei Altbesitz 0,40 v. H., späte Reichs- schuldbuchforberungen 0,13 o. H. verloren, Kommu- nal-Umschulbunq mit 89,50 unb Zinsvergütungsscheine mit 90,30 lagen unoeränbert. Etwas fester und lebhafter lagen zertifizierte Dollarbonds. Don fremden Werten zogen 4proz. Goldmexikaner von 1904 auf 9,75 (9,25) an. Im Verlaufe erfuhr das Geschäft keine Belebung, es kamen auch nur wenige zweite Notierungen zu- stände. Die Haltung war jedoch etwas freundlicher, IG. Farben erhöhten sich auf 148 nach 147,13, AEG. auf 38.65 nach 38.40, Schuckert auf 115 nach 114 und Rheinstahl auf 109,50 nach 108,75. Außerdem gewannen Deutsche Linoleum 2,25 v. H. und Zellstoff Waldhos 1 v. H., während Licht & Kraft 1,50 v. H. und Lechwerke Augsburg 1 v. H. verloren. Im Freiverkehr waren Kleyer auf 95 (94) erholt. Am Rentenmarkt gingen Kommunal-Umschuldung in Anpassung an den offiziösen Berliner Kurs auf 89,40 (89,50) zurück: sonst ergaben sich bei ben „Variablen" keine Veränberungen. Der Pfanbbrief- markt lag ruhig unb behauptet, Stabtanleihen notierten bei kleinen Abweichungen ungleichmäßig. Don Ausländern erhielt sich einiges Interesse für Ungarn. — Tagesgelb unoeränbert 2,25 v. H. Abendbörse freundlich. Zwar war bie Kursgestaltung auch an ber Abend- börse etwas ungleichmäßig, doch war die Tendenz im Anschluß an den Mittagsschlußverkehr durchaus freundlich. Don ber Kundschaft lag weitere Nachfrage vor, die Kulisse betätigte sich dagegen nur in sehr kleinem Umfange, so daß die Umsatztätig, feit allgemein fein besonderes Ausmaß annahm. Weiteres Interesse zeigte sich insbesondere für einige Elektrowerte, Elektr. Lieferungen stiegen auf 112,25 bis 112,50, auch sonst ergaben sich für Elek- Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren Frankfurt a.M. Berlin Schluß- lurs Schluß!. Abend- börse Schluß» ture Schlup! Mittag- börke Datum 25-5 27 5 25 5 27 5 6% Deutsche NeichSanleihe v. 1927 100,25 100,25 100,13 100.13 4% Deutsche 9leicf)»anl. von 1934 97 97 97 97 bYi% Doung-Anleiho von 1930 .. 103 103,1 103,25 Deutsche Ant.-Ablos.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 115,75 115-13 115,65 115 <*/«% Deutsche ReichSpostschahan. Weisungen von 1934, l....... 100,4 100,5 100,5 100,5 6% el)em.8% Hess. Bolküstaat 1929 (rückzahib. 102%) ............ 98,75 98,75 98,75 _ *Yi% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt @olb R. 12........ 96,25 96,25 96,25 96,25 6Vi% ebem. Hess. Landeö-Hypo- thekenoank Darmstadt Liaui ... 100,5 100,5 4%% ehem. 8% Darmst. Komm Landesb.Goidschuldverichr. R. 6 92,25 92,25 Oberhelsen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. 124 DeursÄe Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 116,25 116,25 116.25 116.25 4 H%chem.8% Franks. Hyp.-Aank Gol»pfe. 15 unkündbar bis 1935 96,25 96,13 BH% ehem. 4%% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Psandbriefe....... 100,8 100,8 _ 5%% ehem. 4*/,% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Golbpfe..... 101 101,13 101 101 4H% ehem. 8% Pr. Landespfand. briefanstalt, Pfandbriese R. 19 96,75 96,75 96,75 96,75 4ty% ehem. 7% Pr. LandeSpsand- vriesanst., Gold Komm. Cbl.VI 96.75 96.75 96,75 96,75 Eteuergutich.BerrechnungSk. 85-39 106,2 1 106,25 106,2 106,25 4% Oesterretchifche Gvldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrente _ 30,5 30,65 1,3 —— 1,35 1,3 4% Ungarische Goldrente ....... 9,35 10 9,3 10 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 9,25 9,25 9,3 9,6 *Vi% beSgl. von 1913.......... 9,4 9,85 9,45 9,75 5% abgest. Goldmexikaner von 99 13,75 13,65 13.75 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1..................... 11 11 11,13 11,5 angeführten Ziffern geben die Höhe ber zuletzt besch Frankfurt a. M Schluß- turt Schlup!. Abcnd- börse Schluß- fure Schluß!. Mittagbörse Datum 25 5 27 5 25 5 27 5 4% desgl. Serie II .......... 11 11 11,75 — 5% Rumän. vereint). Mente v. 1903 5,8 5,9 5,95 6 4^r%Rumän.vereinh.Rentev.l913 8.6 8,4 8,5 4% Rumänische vercinh. Rente 5,05 5,1 5 5,1 2y4% Anatolier ............. 39,25 39 38,75 39 Hamvurg-Amerika-Paket ..... 0 32,9 33,13 33,13 33,4 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 — 27,5 26,25 Norddeutscher Lloyd ......... 0 35 34,9 34,9 34.76 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 88,25 89 88 88,6 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 114 113,5 113,5 114,5 Commerz- und Privat-Bonk ... O 92,5 92,5 92,5 92,5 Deutsche Bank und DtSconto- Gesellschaft................ O 94,5 94,25 94,5 94,25 Dresdner Bank.............. 0 91 5 MetchSbank ................ 12 170.5 172.5 170,75 172,5 A.E.G...................... 0 38,4 38,65 38.4 38,75 Bekula.................... io 134,4 134 75 134,9 135 Elektr. Lieferungsaesellschaft... 5 109,75 112,5 109,4 112 Licht und Kraft .......6% 128,25 127 128,25 126,75 Felten S Guilleaume......... O 102,5 103,9 102,75 104,25 Gesell ch.s.Eleklr.Unternehmung. 6 124 123 124 122,75 Rheintsche Elektrizität ........ 5 128 128 127,5 128 Rhein. Wests. Elektr.......... « 123,9 123,75 123 123,5 Schuckert S Eo............... 4 117 116,25 Siemens & Halske............ 7 167 168,5 167,65 168 6 LahmeyerLEo.............. 'JP Buderus ................... 102.25 101.9 102 102 65 Deutsche Erddl .............. 4 111,5 Gelsenkirchener.............. 0 Harvener .................. O 106 107 107 107,25 voesch Eisen—Köln-Neuesie« .. 0 —• 97 97,9 31fe Bergbau ............... 6 162 161 164 160 Ilse Bergbau Genüsse........ • 129,5 130 130 130,5 Kioanerwerke ............j y. 94 94,75 93,75 94,5 Mannesmann-Röhre«........ O 84,25 85,25 84,4 85,13 loffenen Dioibenbe an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Frankfurt a. DL Lerttn Schlußkurs Gchlußk. Abend» börse Schluß« hin# Mittag- börse Datum 25 5 27 5 25 5 1 27 5 Mansfelder Bergbau .. e e • e e .. 8 116 116,25 115,13 116,75 Kokswerke........... ■ e ee ■ .. I — —— 121,25 122 Phönix Bergbau...... ■ . . . . .. O — — Rbeinuche Braunkohlen e e e e . 12 227,5 224,25 225 224 Rheinstahl ........... &Y1 110 110,75 110 110,75 Bereinigte Stahlwerke. .. 0 82 82,65 82,25 82,5 Olavi Minen ........ .. c 18,9 18,55 18,9 18,65 Kaliwerke Aschersleben. 5 124,75 125 125 125 Kaliwerke Westeregeln . .. 6 125 125 125 124,5 Kaliwerke Salzdetfurth 7y, 179 178 179 178,5 9- ®. Farben-Industri« .. 7 147,5 148,5 147,65 148,5 Scheideanstalt........ .. 9 220 220 Goldschmidt ......... .. 0 101,5 101,75 102 101,75 RütgerSwerke........ .. 4 117 116,75 117,9 117,5 Meiollgelellschaft...... .. 4 105 105 104,75 105 Philipp Hohmann .... Zementwerk Heidelberg (Xemenitoetf Karlstadt.. • e e • .. 0 .. 5 .. 4 96 118 137 97,25 118,75 95,25 97,75 Schultheis Pa»enhofer .. 4 _ _ 109,9 109,75 Atu (Allgememe Kunstseide) .. 0 54,65 54,75 54,4 54,65 roemoerg............ .. c —— 114,65 — 115 Zellstoff Waldhos ..... Zellstoff Aschaffenburg Dessauer Gas ........ .. 0 .. 0 117,5 87,75 118,5 88 118 88,25 118 88,5 .. 7 —— — 132,25 132,13 Daimler Motoren..... .. O 91 90,4 91,25 90,4 Deutsche Linoleum .... .. 6 164 161,5 164,5 Lrenstetn L Koppel ... .. O —— 87,9 87,75 Westdeutsche Kaufhof.. .. O 35,75 35,25 35,25 35,5 Chade ............... Aecumulatoren-Fabrü. .. O 12 294 292,5 171 292 169,75 Lontt-Gummi ....... 154,5 154 154,5 155 Gritzner............. 40,65 40,65 40,65 41 Mainkrastwerke Höchst a.BL. .. 4 93,5 93 - Süddeutscher Zucker .. • eee .. • 171,75 172 172 172 9 Lombardzinsfuß 5 v. H. Devi enmarft Berlin — ' ’ranffurt a. ZU. 25. Mai 27-Mai Amtliche Notierung ... Geld | 3rief Amtliche Notierung Geld I Brief Buenos Lire« Brüssel..... Rio de Ian. Sofia ...... Kopenhagen. Danzig..... London ..... Heliingfors.. Paris ...... Holland .... Italien..... Japan ...... Jugoslawien Oslo..... ; Wien....... Lissabon.... Stockholm... Schweiz .... Spanien.... Prag....... Budapest ... Neupork ... 0,658 42,98 0,149 3,047 54,90 46,75 12,295 5,425 16,355 167,68 20,51 0,720 5,649 61,79 48,95 11,17 63,39 80,27 33,90 10,31 2,484 r 0,662 42,06 0,151 3,053 55,00 46,85 12,325 5,435 16,395 168,02 20,55 0,722 5,661 61,91 49,05 11,19 63,51 80,43 33,96 00,33 2,488 Zanknoten. 0,658 41,98 0,149 3,047 54,93 46,75 12,30 5,425 16,35 167,53 20,51 0,722 5,649 61,82 48,95 11,17 £3,43 bk), 24 33,88 10,31 2,484 0,662 42,06 0,151 3,053 55,03 46,85 12,33 5,435 16,39 167,87 20,55 0,724 5,661 61,94 49,05 11,19 63,55 80,40 33,94 10,33 2,488 Serlin,27.Mo> Geld Äriel " ' Ümettkanis^e Note».............. 2,436 41,82 54,72 12,265 16,29 167,12 19,92 61,61 63,21 80,01 33-41 2,456 41 98 54,94 12,305 16,35 167,78 20,00 61,85 63,47 80,33 33,55 Belgische Noten.................. Dänische Noten ................. Englische Noten Französische Noten............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten ............. Deutsch Oesterreich, i 1OO Schilling Rumänische Noten........... «chwedlsche Note» Schweizer Noten.............* Spanische Noten.......... Ungarische Not«...........***** Nr. 123 Drittes Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag. 28. Mai 1935 OasZeltlagerderGießenerHZ.beiWehlar. Bilder aus dem Lagerleben beim Korsthaus Finsterloh. Blick aus das Zeltlager. MF 1 ' ■ L? ZMS 1 ZW I v _. > Kd , AZ*2 Im Freien schmeckt es prächtig. I A X- A'- ■ 4' ' Antreten zum Essenempfang. W WM iM" e. M i ¥ -M L. -r A • * ete*- ' ,: •$»?? rMM I'O »<> Die Eßgeschirre werden gespült. — (Aufnahmen: Photo-Pfaff.) x. M w LMM. ■ Z f W A i / |i £ v | W ’ ■-' Z;' 4 4 M xi-V? / '-'/■X./46K <Ä ' // , W St ■ , ■ Aus der Provinzialhauptstadt. Bürgersteuer bei Hausangestellten (DAF.) Auch Hausangestellte unterliegen der Bürgersteuer. Es sind aber auch hier Fälle möglich, nach denen sie von der Bürgersteuer befreit sind. So ist eine Befreiung dann gegeben, wenn die zur Steuerleistung herangezogene Hausgehilfin am 10. Oktober 1934 das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatte. Eine Befreiung von der Bürgersteuer kann dann erfolgen, wenn die Bezüge der Hausangestellten über eine bestimmte Grenze nicht hinausgehen. Im Bürgersteuergesetz ist bekanntlich eine Befreiung von der Bürgersteuer dann vorgesehen, wenn das Arbeitsentgelt 130 v. H. des Betrages übersteigt, den der Steuerpflichtige nach seinem Familienstand im Falle der Hilfsbedürftigkeit von dem zuständigen Fürsorgeverband nach den Richtsätzen der allgemeinen Fürsorge als Wohlfahrtsunterstützung in einem Jahre erhalten würde. Bei Hausgehilfinnen kann es nun vorkommen, daß der Wert der Sachbezüge (volle freie Station) zuzüglich der Barbezüge diese Grenze nicht erreicht. Dann ist die Hausgehilfin von der Bürgersteuer befreit. Der Wert der Sachbezüge beträgt nach einem Runderlaß des Reichsfinanzministers bei einer weiblichen Hausgehilfin 25 Mark monatlich (Normalsatz für freie Station). Dieser Wert kann für die Bezirke der einzelnen Landesfinanzämter um 20 v H. nach oben, oder nach unten abgerundet werden. Uebernimmt der Arbeitgeber die Sozialversicherungsarbeitnehmeranteile der Hausgehilfin, so sind diese den Barbezügen hinzuzurechnen Gesetzt der Fall, eine ledige kinderlose Hausgehilfin erhält außer der freien Station eine Barentschadi- gung von monatlich 15 Mark und der Wert der Sachbezüge soll dem Normalsatz von 25 Mark monatlich entsprechen. Beträgt der monatliche Nichtsatz für Wohlfahrtsunterstützung für Ledige 33 Mark monatlich, so ist die Freigrenze bei der Burgersteuer 130 o. H. = 42,90 Mark. Da die Bezüge der Hausgehilfin (25 Mark plus 15 Mark) unter dieser Freigrenze bleiben, so unterliegt die Hausgehilfin nicht der Bürgersteuer. Feriensonderzüge im Mein-Main-Gebiet. Die bei den Ferienreisenden beliebten Feriensonderzüge werden in diesem Jahre mit besonderen Dorteilen ausgestattet. Die Ermäßigung wird bis 500 Kilometer 33Vs v. H., ab 501 Kilometer 40 v. H., im Verkehr von und nach Ostpreußen 50 und 60 v. H. betragen. Die Feriensonderzug-Rückfahrkarten werden somit nicht unerheblich billiger sein, als die im Preis ermäßigten Urlaubskarten. Da die Feriensonderzüge' unterwegs kaum halten, auch auf kürzesten Wegen durchgeführt werden, haben sie meist kürzere Fahrdauer als die Schnellzüge, ohne daß Eil- und Schnellzugzuschläge erhoben werden. Die An- und Abfahrtzetten sind günstig gewählt. In fast allen Fällen wird das Umsteigen vermieden, da die Züge bis zu den Zielgebieten durchgeführt werden. Als besonders angenehm wird der Ferienreisende empfinden, daß er sich einen Sitzplatz je nach Wahl in einem Nichtraucher- oder Raucherabteil sichern kann, ohne daß hierfür eine Gebühr zu entrichten ist. Zur weiteren Bequemlichkeit ist dafür Sorge getragen, daß die Abteile im allgemeinen nur mit 6 Personen besetzt und ganze Abteile schon für Gesellschaften von 6 Personen ab bereitgehalten werden. Zusammenfahrende Familien und Gesellschaften können auf Wunsch in einem bestimmten Abteil befördert werden. Wie in früheren Jahren, kommen auch in diesem Jahr wieder die beliebten Sammelkarten zur Ausgabe, wodurch dem Reisenden die Möglichkeit gegeben ist, die Rückfahrt an einem von mehreren Bahnhöfen anzutreten. So kann mit einer Feriensonderzugkarte nach Berchtesgaden die Rückreise auch in Kiefersfelden, Mittenwald, Oberstdorf, Lindau, Friedsrichshafen, Kon- stanz, Schaffhausen oder Basel Reichsbahnhof ange- treten werden. r , Für das Rhein-Main-Gebiet kommen folgende Feriensonderzüge in Frage: am 6./7. Juli zwei Züge nach München Hbf. am 6./7. Juli ein Zug nach Beuthen (LHerschle- sien) Hbf. am 7. Juli zwei Züge nach München Hbf. am 7. Juli zwei Züge nach Bafel—Konstanz am 7./8. Juli ein Zug nach Berlin Anhalter-Bhf. am 8./9. Juli ein Zug nach Hamburg Hbf., Bremen Hbf. , am 18./19. Juki ein Zug nach Hamburg Hbf., Bre- am 18^/19^ Juli ein Zug nach Berlin Anhalter-Bhf. am 18./19. Juli ein Zug nach Breslau Hbf. Bon welchen Bahnhöfen aus diese Zuge benutzt werden können, kann bei den Fahrkartenausgaben und den Stellen des Mitteleuropäischen Reisebüros erfragt werden. Ein Heft, das alles Wissenswerte über'den diesjährigen Feriensonderzugverkehr ent- hält, ist bei diesen Stellen erhältlich. Es empfiehlt sich, die Feriensonderzugkarten möglichst rechtzeitig zu bestellen, da lebhafte Inanspruchnahme der Feriensonderzüge erwartet werden kann. Deutsche Arbeitsfront. Ortsgruppe Giehen-Ost. Am 29. Mai 1935 findet abends 8 Uhr in der Gastwirtschaft „Germania" der Amtswalter-Appell statt Alle DAF.-Walter haben zu erscheinen. Die Blockkassierungsbücher sind unbedingt mttzubrmgen. NSLB., Kreis Gießen. Fachschaft: körperliche Erziehung. Bezirk Gießen. Tagung der Pflichtarbeitsgemeinschaft am Mittwoch, 29. Mai, in der Turnhalle der neuen Pesta- lozzischule, 15.30 bis 16.30 Uhr Knabenturnen, 16.30 bis 17.15 Uhr Leistungsturnen, 17.15 bis 18.15 Uhr Mädchenturnen. Die Leiter der Wettspiele in den Kreisgebieten sind dazu eingeladen. Es wird noch einmal darauf hingewiesen, daß laut Verfügung des Stadt- und Kreisschulamtes alle Lehrkräfte, die Turnen ertellen, an der Arbeitsgemeinschaft teilnehmen müssen. Turnkleidung ist mitzubringen. Da diesmal Vorbereitungen für die Kreiskonferenz am 5. Juni 1935 getroffen werden; muh alles da sein. LandschastSbundVolkstum undHeimat Ottering Gießen. Am Himmelfahrtstag Abmarsch um 7 Uhr an der Universitäts-Bibliothek zum Frühgottesdienst auf dem Schiffenberg (Fahrgelegenheit mit Autobus um 8 Uhr ab Ludwigsplatz). Vom Schiffenberg wandern wir weiter nach Garbenteich—Pfahlgraben (Führung Dr. Mittermaier) —Kloster Arnsburg (Führung Prof. Dr. Rauch). Unser Volkstanzkreis geht mit Rückfahrt mit der Bahn ab Lich 17.01 oder 19.17 Uhr. Mitglieder und Gäste aus Stadt und Land sind willkommen. Meldung von Freiwilligen bei den Wehrbezirkskommandos. Wie uns von dem Wehrbezirks-Kommando Gießen I mitgeteilt wird, sind nach einer Auskunft des Reichswehrministeriums die Listen der sich für den Dienst im Reichsheere meldenden Freiwilligen, auch der Jahrgänge 1914 und 1915, am 31. Mai d. I. bei den Wehrbezirks - Kommandos abzuschließen. Spätere Meldungen zum freiwilligen Eintritt in das Reichsheer können daher nach dem 31. Mai nicht mehr berücksichtigt werden. Das Musterungsgeschäft für die Jahrgänge 1914 und 1915 wird hierdurch nicht berührt. Oer Maffenchor in Heuchelheim. Zu unserem gestrigen Bericht über das Kreiswertungssingen der Gruppe I des Sängerkreises Gießen in Heuchelheim wird uns mitgeteilt, daß der Massenchor nicht von dem Bauerschen Gesangverein Gießen allein, sondern von sämtlichen an dem Wertungssingen beteiligten Vereinen, die zu einem Massen-Sängerchor zusammenaefaßt waren, unter Leitung des Gauchormeisters Prof. Dr. T e m e s - vary gesungen wurde. Gießener Wochenmarktpreise. * G i e ß e n, 28. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 8 bis 9, Wirsing, das Pfund (gelb) 18 bis 20, (grün) 20 bis 22, Weißkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben (alte) 15 bis 18, (neue), das Bündel 20 dis 25, Rote Rüben, das Pfund 10 bis 15, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 15 bis 20, Bohnen (grün) 50, Spargel 40, 50 und 55, Erbsen 30 bis 35, Mischgemüse 15 bis 20, Tomaten 70 Pf. bis 1,— Mark, Zwiebeln 20 Pf., Meerrettich 50 bis 70, Schwarz- wurzeln 30 bis 45, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln (alte) 4, der Zentner 3,50 bis 4 Mark, (neue), das Pfund 24 Pf., Aepfel 35 bis 65, Kirschen 70, Zwet- schenhonig 40 bis 45, ältere Hähne 80, Tauben, das Stück 60, Nüsse, das Pfund 45, Blumenkohl, das Stück 50 bis 80, Salat 15 bis 20, Salatgurken 40 bis 60, Oberkohlrabi 15 bis 20, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 50, Rettich, das Bündel 20 Pf., das Stück 10 bis 15, Radieschen, das Bündel 7 bis 10 Pf. Vornotizen. — Tageskalender für Dienstag L NSG. „Kraft durch Freude": 19 bis 20.30 Uhr Spielnachmittag auf dem Universitätssportplatz. — Stadttheater: 20 bis 22.15 Uhr „Der Hochtourist". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Sie und die Drei!" — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung Christian Rohlfs- Hagen. — Stadttheater Gießen: Heute 20 Uhr außer Abonnement und zum ersten Mal in dieser Spielzeit der Schwank: „Der Hochtourist" von Kraatz und Neal; Spielleitung dieser humorgefüll- ten Angelegenheit hat Kurt L ü p k e, die Rolle des Direktors Mylius spielt Heinrich Hub, Frau Schubert-Jüngling dessen Ehefrau. Diese Vorstellung ist die vorletzte Gelegenheit, etwa noch nicht benutzte Umtauschscheine zur Einlösung zu bringen. Dauer bis 22,15 Uhr. * ** Der Himmelfahrts-Frühgottss- dienst auf dem Schiffenberg. Nachdem die Frühgottesdienste auf dem Schiffenberg am Himmelfahrtstag immer größeren Anklang gefunden haben, soll auch in diesem Jahre in der alten Klosterkirche auf dem Schiffenberg ein Frühgottesdienst gehalten werden. Der Gottesdienst beginnt um 8.30 Uhr. Es wirken mit der Frauenchor Haufen und der Posaunenchor Watzenborn. Für Gießener Teilnehmer fährt ein Autobus auf den Schiffenberg: Bahnhof ab 8 Uhr, Horst-Wessel- Wall 8.02, Ludwigsplatz 8,05 Uhr. ** Volksdeutsches Fest für Alle. Zu unserem gestrigen Bericht über das Volksdeutsche Fest für Alle wird uns mitgeteilt, daß bei der Darstellung lebender Bilder in dem Bild der großen Landgräfin an Stelle der plötzlich verhinderten Frau Vogt freundlicherweise Frau G m e l i n die Darstellung der Landgräfin übernommen hatte. ** Vereinigung für koloniale Wiedergewinnung. Man berichtet uns: Am Samstag sprach der Vereinsführer der hiesigen Vereinigung für Koloniale Wiedergewinnung, Karl Tetzner, in Marburg vor dem dortigen Verein Deutscher Studenten über die deutsche Kolonialforderung. Seine Ausführungen wurden am Schlüsse durch lebhaften Beifall belohnt. In einer anschließenden Besprechung erklärte der Bundesführer des Vereins Deutscher Studenten Marburg unter einmütiger Zustimmung der anwesenden Bundesbrüder den korporativen Anschluß seines Bundes an die Vereinigung für koloniale Wiedergewinnung Gießen. Unsere hiesige Kolonialbewegung, die mit zu einer der rührigsten in Deutschland zählt, hat hierdurch einen weiteren Aufschwung erfahren, hat doch auch erst vvr kurzer Zeit der Verein Deutscher Studenten Gießen sich der hiesigen Bereinigung für koloniale Wiedergewinnung angeschlossen. Es ist besonders zu begrüßen, daß nunmehr auch dis Studentenschaft unserer Stadt und darüber hinaus der so lebensnotwendigen deutschen Forderung nach Kolonialbesitz durch ihre Mitarbeit Ausdruck verleiht. Mögen andere Korporationen diesem Beispiel folgen! . ** (£tn Treffen alter Soldaten. Die Ehemaligen Angehörigen des 1. Oberrheinischen Infanterie-Regiments Nr. 97 treffen sich vom 29. Juni bis 1. Juli in Saarbrücken zu einem kameradschaftlichen Beisammensein. Für die Wahl des Tagungsortes Saarbrücken war ausschlaggebend, daß das Regiment in den Kriegsjahren sehr viel Ersatz aus dem Saargebiet bekommen hatte, ferner auch der Gedanke, den Kameraden des Saargebiets durch diesen Besuch Treue um Treue zu bekunden. Es wird erwartet, daß alle ehemaligen Angehörigen des Regiments zu der Wiedersehensfeier kommen werden. Anfragen find an Kameraden Karl Hamburger, Frankfurt a. M., Knorrftraße 8III, zu richten. Mitte Juni werden sich die in Stadt und Kreis Gießen, sowie in den benachbarten preußischen Kreisen wohnhaften ehemaligen 97er zu einem Beisammensein in Gießen treffen, um bei dieser Gelegenheit u. a. über die gemeinschaftliche Fahrt usw. zu beraten. Näheres wird durch Anzeige noch bekanntgegeben. **Neupflasterung am Bahnübergang nach den Kliniken. Der Zugang zu den Kliniken über die Brücke am Bahnhofsplatz wird gegenwärtig neu gepflastert, da der vorhandene Belag ausgelaufen und ein Stück des Weges nicht gepflastert war. Die Mängel werden dadurch behoben, daß zur Neupflasterung Phorphyrsteine zur Verwendung kommen. Gondergettchi in Gießen. Unter dem Vorsitz von Landgerichtsdirektor Häckler befaßte sich das Gericht mit dem am 17. Januar 1899 zu Lobgau (Kreis Dresden) geborenen, zuletzt in Schotten wohnhaften Erich T h i m • m i g. Die Anklage machte chm zum Vorwurf, sich in Eichelsachsen in schwerer Weise gegen die Reichs- regierung ausgesprochen zu haben. Thimmig propagierte außerdem, ohne daß man ihm eine Mltglied- schaft nachweisen konnte, für die KPD. Das Gericht verurteilte ihn zu zwei Jahren Gefängnis und in die Kosten des Verfahrens. Am Nachmittag befaßte sich das Gericht mit dem Karl Wilhelm St ei an er aus Heidenheim, Z-H- im Landeszuchthaus Marienfchloß, wo er wegen Sprengstoffvergehens und Vorbereitung zum Hochverrat eine z w ö l f j ä h r i g e Z u ch t h a u s st r a f e verbüßt. Der Angeklagte befand sich am.15l Slprü d. I. auf einem Transport zwischen Butzbach und Marienfchloß, wobei er gegenüber den Begleit- beamten die Reichsregierung, insbesondere den Führer die SA., das Reichsheer und die Sn. belewigte. Der Angeklagte, der seit 1918 Mitglied der KPD. war, bestritt in der gestrigen Hauptverhandlung die ihm zur Last gelegten Straftaten. Durch die Aussagen des Polizeibeamten steht jedoch fest, daß der Angeklagte die Greuelmärchen verbreitet hat. Das Gericht erkannte auf acht Monate Gefäng- n i s. Der Gießener Haushallsvoranschlag für 1935. Don der Bürgermeisterei Gießen wird uns mitgeteilt: Der Herr Oberbürgermeister hat den Voranschlag für 1935 nach Anhörung des Stadtrats wie folgt festgesetzt: Betriebsrechnung in Einnahme und Ausgabe auf 5 424 449,01 RM., gegenüber im Vorjahre 5 459 745,14 RM. Vermögensrechnung in Einnahme und Ausgabe auf 904 181,93 RM., gegenüber im Vor- jähre 462 906,33 RM. . Die einzelnen Abschnitte schließen wie folgt ab: A. Belriebsrechnung: 1 Allgemeine Verwaltung 2. Polizeiverwaltung Z. Grundbes. Land- und Forstwirtschaft "4. Bauverwaltung 5. Betriebsverwaltung 6. Schulen 7. Kunst und Wissenschaft 8. Wohlfahrtswesen, Gesundheitswesen 9. Finanzverwaltung Einnahmen Ausgaben 63 462,73 525 383,03 1 960,— 162 989,54 617 380,01 475 714,35 397 916,39 775 514,46 1 019 108,31 447 675,67 146 083,28 547 592,02 197 548,30 355 831,07 166,20 968 272,40 2 980 823,79 1 165 476,47 B. Vermögensrechnung: Einnahmen Ausgaben 2 800,- 324 160,43 572 931'93 168 250,- 163 000,- 66 100,— 445 621,50 65 500,— 1. Allgemeine Verwaltung 2 Polizeiverwaltung 3. Grundbes. Land- und Forstwirtschaft 4. Bauverwaltung 5. Betriebsverwaltung 6. Schulen 7 Kunst und Wissenschaft 8. Wohlfahrtswesen, Gesundheitswesen 9. Finanzverwaltung Trotz größter Sparsamkeit und Zurückstellung aller nicht unbedingt erforderlichen Aufwendungen verblieb für die Betriebsrechnung ein Fehlbetrag von 236 836,89 RM., gegenüber 277 046,01 RM. im Vorjahre, infolge einiger unabwendbarer Einnahme- aussälle und Ausgabeerhöhungen. So bedingte allein die Kürzung der Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz um 25 v. H. für die Stadtkasse einen Einnahmerückgang von 116 200,— RM. und für das Wohnungsbaukonto von 45 900,— RM., zusammen 162100,— RM. Das Wohnungsbaukonto erfordert infolgedessen einen Zuschuß aus laufenden Betriebsmitteln in Höhe von 50 724,54 RM. Die Deutsche Arbeitsfront. NS-Semeinschast »Kraft durch Freude'". Spottamt „Krast durch Freude". Anläßlich der Reichs-Sportwerbewoche veranstaltet das Sportamt „Kraft durch Freude" ein Betriebsfurnier für Tauziehmannfchaflen und Medizinballstaffeln. Es liegen Meldungen folgender Betriebe vor: Güterabfertigung Gießen eine Mannschaft, Arbeitsamt Gießen vier Mannschaften, H. Kaeß Nachf., Gießen, eine Mannschaft, W. Zimmer GmbH., Gießen, zwei Mannschaften, Haus der Arbeitsfront, Gießen, eine Mannschaft. Alle Mannschaften nehmen sowohl am Tauziehen, als auch an der Medizinballstaffel teil, um einen Ausgleich zwischen Kraft und Geschicklichkeit zu schaffen. Damen aus den Sportkursen „Kraft durch Freude" führen ein Prellball-Turnier durch. Die Veranstaltung findet am Mittwoch, 29. Mai, auf Oswaldsgarten ab 19.30 Uhr statt. Treffpunkt der Teilnehmer pünktlich um 19.15 Uhr vor der Turnhalle des Tv. 1846 in der Steinstraße. kostenlose Sportkurse des Sportamts „Kraft durch Freude". Für die Dauer der Reichs-Sportwerbewoche finden für neu hinzukommende Teilnehmer gebührenfreie Sportstunden, mit Ausnahme der Kurse für Reiten und Schwimmen, statt. Es ist also allen Volksgenossen die Möglichkeit gegeben, kostenlos Leibesübungen mit „Kraft durch Freude" zu treiben oder sich die Uebungsftunden einmal anzusehen. Kommt alle und macht fröhlich mit! Aeuer Reitkurs! Für den neu angesetzten Reitkurs, Mittwochs von 20 bis 21 Uhr, find noch einige Plätze frei. Anmeldungen baldigst schriftlich oder persönlich an das Sportamt. Achtung! Tennis! Bei genügender Beteiligung werden Tenniskurse für Anfänger und Fortgeschrittene eingerichtet. Die Kosten betragen etwa 50 bis 80 Pf. pro Stunde. Schriftliche oder persönliche Anmeldungen werden auf dem Sportamt entgegengenommen. Segelsporfsahrten auf der Ostsee. Das Reichssportamt veranstaltet laufend fiebern und vierzehntägige Segelspartfahrten auf der Ost- see. Die Kosten betragen 37,50 bzw. 65 Mark. Genaue Auskunft und Anmeldung auf dem Sportamt. Sportkurse in dieser Woche. Dienstag, 21 bis 22 Uhr, Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. Dienstag, 19 bis 20.30 Uhr, Sport- und Spielnachmittag, Universitätssportplatz, Kugelberg. Mittwoch, 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr, Schwimmen, Dolksbad. £ „ Donnerstag: am Himmelfahrtstage fallen alle Kurse aus. Freitag, 20 bis 21 Uhr, Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer, Lyzeum, Dammstraße. Freitag, 20 bis 21 Uhr, Fröhliche Gymnastik und Spiele, Heil- und Pflegeanstalt. Samstag, 17 bis 19 Uhr, Leichtathletik (Reichs- sportabzeichen), Universitäts-Sportplatz, Kugelberg. Sonderzug nach Marburg zu den Festspielen am 16. Juni. Die NS.-Gemeinschast ,Fräst durch Freude" fährt am 16. Juni nach Marburg, um die dortigen Festspiele auf dem Schloßberg zu besuchen. Der Gesamtpreis beträgt 3,50 Mark. Darin sind enthalten: 1. Fahrt nach Marburg und zurück; 2. Mittagessen; 3. Stadtbesichtigung; 4. Besuch der Festspiele. An- meldungen bis zum 10. Juni werden von allen „Kraft-durch-Freude"- Warten und in der Geschäfts- stelle, Schanzenstraße 18, Zimmer 8, entgegengenommen. Bei der Anmeldung ist der Fahrpreis gleich zu entrichten. Rheinfahrk. Wir fordern alle Kameraden auf, sich umgehend iU unserer ersten Rheinfahrt am 23. Ium anzumelden. Wer weiß, wie schnell die Fahrt besetzt istk Der neue große Lustige Abend von „firaft durch Freude. Am Mittwoch, 5. und Donnerstag 6 Juni finden im Stadttheater zwei fröhliche Abende der NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude statt, Die an Ausgelassenheit und Humor alles seitherige in den Schatten stellen werden. Da sind z. B. tn Dem Programm „d i e 4 S 0 u n d Y s , über Die rotr nachstehend eine Kritik aus einer großen deutschen Tageszeitung bringen: „Seinen abschließenden Höhepunkt erreicht das Programm dann mit den di e r S 0 undys, einer zwerchfellerschütternden lustigen und doch künstlerisch.hochstehenden Musikalnummer. Drei Damen kommen auf die Bühne, und ein ungemein lustiger kleiner Pinkel von Mannsbild, die als luftige Hofmusikanten auf Klarinetten, Posaunen, Oboen, Pistons, Saxophons und allen möglichen anderen Instrumenten prachtvoll musizieren und nebenbei einen köstlichen Unsinn verzapfen. Es ist selten, daß ein Künstler ein Instrument derart virtuos beherrscht, daß er es fertig bringt, mit ihm einen richtigen Sprechdialog mit seinen Partnern durchzuführen. Wenn immer wieder Die Klarinette ruft: „Ober! Die Speisekarte?" dann dröhnt das Haus vor Lachen, und nicht anders ist es bei den anderen Späßen, Die die köstliche Truppe treibt. Bei alledem darf man das sehr erhebliche musikantische Niveau des vielseitigen Quartetts nicht übersehen. Kurz, hier steht eine Nummer auf der Bühne, wie man sie auch an großen Varietes nur selten findet. Als Dacapo auf Den nicht endenwollenden Applaus gibt es ein phantastisches Quartett auf Bierschläuchen, Die vorne ein Trompetenmundstück unD hinten einen Trichter besitzen und wie die prächtigsten Waldhörner klingen!" Wir brauchen dieser Kritik nichts mehr hinzuzufügen, sie spricht für sich. Besucht das Kabarett der Komiker am 5. oder 6. Juni! Am Simmelsahrtstag Siemwanderung der Turner nach Arnsburg. Deutsches Wandern mit dem „Sträuße! am Hut und Dem Stab in Der Hand" r ib Dem Rucksack auf Dem Rücken! Wandern bringt Erholung nach mühe- voller Arbeit; es stärkt Körper und Geist; es hilft den Willen bilden und die Seele formen. Es ist etwas herrlich Eigenes um Das deutsche Wandern. Es führt Die Menschen enger zusammen und schlingt ein zartes, aber doch festes Band um die Herzen derer, Die tagelang gemeinsam über Tal und Höhen dahinzogen. Es gibt auch wohl kaum eine Gelegenheit, bei Der man Den Volksgenossen besser kennen und verstehen lernt, als auf Der gemeinsamen Wanderung. Und wie kann man Die Heimat und ihre Schönhett besser kennen und lieben lernen, als wenn man sie immer wieder mit schauendem Auge, offenem Ohre und mit warmem Herzen durchwandert? Darum ergeht an alle der Ruf: Erwandert Luch Heimat und Vaterland! Dieser Ruf wurde lebhaft aufgenommen von der Deutschen Turnerschaft. Jrn Rahmen der Reichs-Sport-Werbewoche des Reichsbundes für Leibesübungen wirbt die Turnerfchast für den Wandersport und erwählte den diesjährigen Himmel- fahrtstag zu ihrem Wandertag. Es soll an diesem Tage keine Landstraße ohne eine wandernde Turnerschar zu sehen sein. Altes und neues Liedgut wird aus Der Tiefe Der Seele emporsteigen, und überall werden Die alten und neuen Turn- und Kampflieder erschallen. Aus jedem Liede und aus jedem Klang muß der neue Geist und die neue Zeit heraustönen. „Durch unser Lieder Klingen, geht stolz ein starker Schlag, daß wir ihn neu erringen, der Freiheit goldnen Tag!" Die Turner unserer engeren Heimat, kreis Gießen und Umgebung, veranstalten am him- melfahrtstag eine Sternwanderung nach Kloster Arnsburg bei Lich. Bei Dieser Wanderfahrt darf kein Verein unseres Kreises fehlen. Bedenkt: Auch dieser Turnermarsch steht, wie unsere gesamte Turnerarbeit, im Dienste unseres Volkes und seiner Wehrhaftigkeit! Vereinsführer, ruft alle euere Turner und Turnerinnen zu unserer Wanderfahrt auf! Keiner ist zu jung und keiner zu alt— Wanderung und Feierstunde sollen für alle ein tiefes Erlebnis werden! Z. f Oberhessen. Diamantene Hochzeit. (D K e s s e l b a ch, 26. Mai. Der Oberbahnassistent i. R. Joh. Meißinger und Frau Johanna, geb. Löber, feierten in geistiger und körperlicher Frischs das seltene Fest der d i a m a n t e n e n Hochzeit. Der Jubilar, 1849 in Kesselbach geboren, diente beim Infanterie-Regiment 116 in Gießen und machte den Feldzug 1870/71 mit. Seine Frau, eine geborene Gießenerin, lernte er während seiner Dienstzeit kennen. Vor 60 Jahren wurde im Wonnemonat Der Lebensbund geschlossen. Nach seinem Abgang vom Militär ging er in den Eisenbahndienst und war bis zu feiner Pensionierung im Jahre 1912 am Bahnhof Gießen beschäftigt. Seit dieser Zeit ver- bringt er sein Leben im Ruhestand wieder in feinem Geburtsort Kesselbach im eigenen gemütlichen Heim. ido 1.2a Allerlei vom //Jäger aus Kurpfalz". 13on Or. Ludwig Roth. „Der Jäger aus Kurpfalz" ist eine vielumstrittene Gestalt. Das volkstümliche Pfälzerwald-Lied, einst der „Marsch" des Preußischen Garde-Jäger-Ba- taillons und verschiedener anderer deutscher Jäger- Bataillone, wird gesungen, soweit die deutsche Zunge klingt. Bei uns Jägern und bei den Männern der grünen Farbe ist es neben dem schönen fiebenbürgi» scheu Jägerlied: „Ich schieß den Hirsch im dunklen Tann" wohl das beliebteste Lied. Als der gründlichste Kenner der Streitfrage um den „Jäger aus Kurpfalz" darf wohl der in Speyer am Rhein im Ruhestande lebende Herr Regierungsdirektor und Geheimer Ober-Forstrat a. D., Johannes K e i p e r, § eiten, der uns nicht nur eine „Pfälzische Forst- und agdgeschichte", sondern auch in der „Pfalz am Rhein", in der „Kurpfalz-Nummer von 15. August 1933" eine eingehende Abhandlung über den - „Jäger aus Kurpfalz" geschenkt hat. Ich folge bei mei» neu Ausführungen im Wesentlichen der Darstellung meines hochverehrten Freundes. Als im Jahre 1838 der bisherige Rheinkreis von König Ludwig I. von Bayern den alten geschichtlichen Namen „Pfalz" bekommen hatte, herrschte darüber allgemeine Freude und großer Jubel bei der pfälzischen Bevölkerung, die sich durch Wort und Schrift in gebundener und ungebundener Rede dank- bar zustimmend äußerte. Bei diesem freudigen Ereignisse kam auch das alte Pfälzerwaldlied wieder zu Ehren, es wurde zum Leiblied der Pfälzer erhoben. Im Jahre 1844 schrieb ein Zeitgenosse: „Das ist das Pfälzische National- Lied; das wird den ganzen Tag gesungen, von den Postillonen geblasen, von der Regimentsmusik als Ständchen gespielt, als Marsch gebraucht und wenn dich ein Pfälzer besucht und du willst ihm eine Freude machen, so muht du es ihm vorspielen." Unter Weglassung späterer minderwertiger Zutaten singt man nun nach der bekannten und beliebten Melodie nur noch die wohl ursprünglichsten drei Strophen: „Ein Jäger aus Kurpfalz, der reitet durch Den grünen Wald, er schießt Das Wild daher, gleich wie es ihm gefallt. Ju ja, ju ja, gar luftig ist die Jägerei allhier auf grüner Heid, allhier auf grüner HeiD Auf sattelt mir mein Pferd und legt darauf den Mantelsack, so reit ich hin und her, als Jäger aus Kurpfalz. Ju ja, ju ja, gar lustig ist die Jägerei allhier auf grüner Heid, allhier auf grüner Heid. Jetzt reit ich nicht mehr heim, bis daß der Kuckuck Kuckuck schreit, er schreit die ganze Nacht, allhier auf grüner Heid. Ju ja, ju ja, gar luftig ist die Jägerei allhier auf grüner Heid, allhier auf grüner Heid." Unter dem Jäger aus Kurpfalz ist offenbar — sagt Herr Geheimrat K e i p e r — der Jagdherr selbst gemeint, der allein das Wild nach eigenem Gefallen erlegen darf und das Befehlen gewohnt ist. Eine Variante im zweiten Vers heißt sogar: „Knapp, sattle mir mein Roß und leg darauf den Mantelsack." Wir Pfälzer und gerade wir aus den ehedem kurpfälzischen linksrheinischen Landen erblicken von jeher im „Jäger aus Kurpfalz" unseren früheren höchsten Jagdherrn, den Kurfürsten von der Pfalz und Pfalzgrafen bei Rhein, bzw. dessen fürstlichen Stellvertreter. Auch die meisten Abbildungen und die künstlerisch so hervorragenden Frankenthaler Porzellan-Gruppen aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, wie wir sie in den Museen zu Heidelberg, Mannheim, Speyer und Frankenthal noch bewundern können, stellen den Jäger aus Kurpfalz stets als flotten Kavalier dar, der in schmucker Hofjagdtracht auf einem Schimmel mit seinen Jagdhunden einen Edelhirsch durch Gehölz verfolgt. Neuerdings sieht man ihn auch das Jagdhorn blasend, allein auf einem Schimmel reitend. Der in Gimmeldingen bei Neustadt a. d. Haardt wirkende protestantische Pfarrer, Herr Ernst Bilfinger, hot zuerst daraus hingewiesen, daß vermutlich in dem „Jäger aus Kurpfalz" der am 6. Januar 1592 zu Heidelberg mit erst 49 Jahren verstorbene Pfalzgraf Johann Kasimir verherrlicht werde. Bilfinger erzählt u. a., daß Johann Kasimir als großer Weidmann im Hambacher Walde außer der herbstlichen Hirschjagd auch die Auerhahn-Balz im Frühjahr häufig besucht habe und daß der von Johann Kasimir eigenhändig in einen großen Felsen auf Dem Hundsberg mit Der Zwinge seines Jagdstockes eingeritzte Namen noch acht Jahre nach seinem Tode sichtbar gewesen sei. Der kurpfälzische Forstmeister Philipp Velmann von Germersheim war der Verwalter dieses fürstlichen Jagdbezirkes; daher jetzt die Nomen-,^Johann- Kasimir-Fels" und Velmans-Eiche im Hambacher Walde, als Wiege des Liedes vom Jäger aus Kurpfalz. Forstmeister Velmann hat in einer Nieder- schrist den wildreichen Jagdbezirk seinem kurfürstlichen Herrn gegenüber mit den verlockenden Worten gelobt: „Ein fein ober herrlich Jagen auf Rotwild und Rehe im ganzen Revier." Geheimer Forstrat K e i p e r schreibt: „Ist nun schon als fürsorglicher Landesfürst des Pfalzgrafen Name noch heute in der Pfalz bekannt und fein Andenken ein gesegnetes, so hat er es auch verstanden, als leutseliger, volkstümlicher Herr sich die Liebe der pfälzischen Bevölkerung zu erwerben und lang»über seinen Tod hinaus zu bewahren. Dazu trug auch seine große Jagdlust und der ungezwun- gene Umgang mit Bürgers- und Bauersleuten wesentlich bei. Von Jugend auf ein guter Reiter und dem edlen Weidwerk ergeben, besuchte der Pfalzgraf von der von ihm vergrößerten und verschönerten Barbarossa-Burg aus den umliegenden Reichswald und das Wildjischbacher Holzland besonders gern, sowie von seiner festen Burg Winzin- gen aus oberhalb Neustadt, dem heutigen Haardter Schlößchen, die gleichfalls sich im mittleren Pfälzer- wald ausdehnenden Elmsteiner Gebirgswaldungen, wo er sich auf dem Bloskülb ein Jagdhaus erbaut hatte, um in den beiden wildreichen Jagdbezirken dem edlen Weidwerk obzuliegen. Als eifriger und gewissenhafter Jäger führte er ein Jagdbuch. So befindet sich in der Heidelberger Universitäts-Bibliothek ein kleiner Band mit dem oon ihm eigenhändig geschriebenen „Schußregister, was ich, Herzog Johann Kasimir, Pfalzgraf, dies Jahr 1585 mit eigener Hand geschossen". Neben der Wildart sind die Tage und Erleaungsorte angegeben, diese zum Teil noch mit Den heute noch gebräuchlichen Namen. Um die Wende des 16. zum 17. Jahrhundert erlebte das Pfälzische Forst- und Jagdwesen bis zum Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges eine hohe Blütezeit; deshalb liegt es nahe, m dem jagd- luftigen Pfalzgrafen und Kur-Verwefer Johann Kasimir auch den Helden des Liedes zu erblicken und dessen Entstehung auch um diese Zeit anzu- nehmen. 0 Neben Dem erwähnten Pfarrer Bilfinger nennt ©ebeimrat Keiper noch Den gründlichen Pfalzkenner Oberstudiendirektor a. D. Dr. Albert Becker xu 3®ßl&rürfcn, den Verfasser Des Werkes „Pfälzer Volkskunde und Den Zweibrücker Musik-Direktor popann Heinrich Lützel als Vertreter seiner Auffassung. Auch Der berühmte Altmeister Der Bayerischen Jägerei und hervorragende Jagdschriftsteller Franz von Ko bell (1803 bis 1882) hat in seinem unvergeßlichen großen klassischen Jagdwerke „Wild-Anger", Der sog. „Jäger-Bibel", im Jahre 1859 geschrieben: „Da ist der schon im 17. Jahrhundert bekannte „Jäger aus Churpfalz" mit seiner schönen Melodie und seinem schlechten Text." Mit dem „schlechten Text" sind die minderwertigen Zutaten späterer „Verbesserer" gemeint. Nach alledem ist anzunehmen, daß der „Jäger aus Kurpfalz" bereits im 17. Jahrhundert bekannt war. Deshalb weist Geheimer Oberforftrat Keiper „Das neue Märchen vom falschen Jäger aus dem Soonwald" zurück. Er sagt: „Schauplatz der Hand- lung sei der Soonwald gewesen. In diesem, erst im Jahre 1708 kurpfälzisch gewordenen Forstbezirk, woran noch das Forsthaus und Revier „Neupfalz^ westlich von Stromberg erinnert, waren die 23or- fahren der Familie U t s ch während des 18. Jahrhunderts als kurpfälzische Forstknechte seßhaft, und zwar im Forsthaus „Entenpfuhl", wo jetzt wie zu "Neupfalz" der Sitz einer Försterei sich befindet. Der vom Jahre 1732 bis 1795 lebende Friedrich Wilhelm Utsch wurde zum Helden des Liedes gestempelt, als Verfasser des Liedes nahm man den mit dem Förster befreundeten Hauslehrer, den Karmeliter-Pater Martinianus Klein aus dem benachbarten Orte Rehbach an. Nach dem amtlichen Ausweis des „Kurpfalzbayrischen Hof- und Staatskalenders für 1792 erscheint bei der Jägerei des Oberamts Kreuznach als Förster: Herr Friedrich Wilhelm Utsch des oberen Teiles Soonwalds, Nachfolger: einer seiner Söhne. Als das Lied vom Jäger aus Kurpfalz in den Zähren 1763 und 1780 durch neue Flugblätter bekannt geworden war, stand Friedrich Wilhelm Utsch als jüngerer Forstknecht, sodann als wohlbestallter Förster im Dienst. Wie sollte er Der Held des schon lange vor seiner Zeit vorhandenen Liedes gewesen sein können? Völlig ausgeschlossen!" So führt Geheimer Oberforftrat Keiper aus und seine Ausführungen erscheinen durchaus schlüssig. An dieser Stelle möchte ich noch Die Frage auf- werfen, ob der „Jager aus Kurpfalz" nicht etwa e!£Lm9tJ’fJd)e' sagenhafte Gestalt nach Art Des „Wilden Jagers" ist? Der Pfalzgraf Johann Kasi- mir wird, wie eingangs erwähnt, Dargeftettt, auf einem Schimmel, vor ihm Die Hunde, Die Den Hirsch jagen. Der Schimmel Deutet allemal auf Wodans Schimmel, Den achtfüßigen Sleipnir hin. Daß Wodan sich zum „Wilden Jäger" gewandelt hat, ist erwiesen. Es wäre reizvoll, nachzuforschen, ob der Jäger aus Kurpsalz nicht etwa auch ähnliche Wandlungen Durchgemacht hat. j S.jfXfpOttf aufrichtig gefreut. Gez.: Adolf Hitler. ■ ! i i: •«< i t" II ein s Uöufo »in Wir wollen den sitzerin ihres Vermögens blieb, konnte er nur oer ,3ft denn nicht heute °m Fest? L.r w°u°n oen ? Summen an sich bringen. E, Nachdruck verboten! 33 Fortsetzung. i ! v, naMent una, geb. r Frische rchzeit. ;nte beim achte den geborene Äenstzeit onai der ng vorn iö war 112 am eit Der« i seinem n fyim. x i' V Betriebsführer und Meister! Ihr fördert die Arbeitsleistung und Gesundheit Eurer Lehrlinge, wenn Ihr fie in dle Zeltlager der Hiller-Jugend fchickt! unseres Marsch Dienste Tur. ® an« einer zu. für alle. Z. < aus Duisburg-Ruhrort zum Landaufenthalt hier an, die gastliche Aufnahme bei hiesigen Bauern fanden. Steinfurther Luft und Kost wird den blassen Großstadtkindern des Industriegebiets in den fünf Wochen bald ein rosigeres Aussehen geben. s diesem Wege der Wohnungsnot entgegenzuwirken. Die Herstellung eines erhöhten Fußsteiges in einem Teil der Adolf-Hitler-Straße und einem Teil des Marktplatzes soll vorgenommen werden. Kreis Schotten. ch Groß-Eichen, 28. Mai. Am 29. Mai feiern Karl Philippi I. und Mathilde, geb. Erb, das Fest der silbernen Hochzeit. Kreis Lauterbach. & Lauterbach, 28. Mai. Der Schuhmacher« meister Adam Hahn I. und Ehefrau Elisabeths, geb. Bernhardt, können am 31. Mai in geistiger und körperlicher Frische das Fest der Goldenen Hochzeit begehen. Der Jubilar ist 74 Iahe alt, seine Ehefrau 76 Jahre. Vor 52 Jahren hat del Jubilar das väterliche Geschäft übernommen, tu dem er heute noch Tag für Tag als allgemein geachteter Handwerksmeister seinen Beruf ausübt. - -V lebenb ns oft NESTLE KINDER NAHRUNG Deutsches Erzeugnis Ünbjjt ZS.. ?ie an 'n den a dem Ie wir Den 1 höhe, vier nullen lwmer :!? um A« die $ofau« Achen 1 uni) [• Cs derart Ä ihm tttnem Anette nt das bei den kbt. Bej antische ersehen, ne, wie ' findet. Ipplaus -kschlau« 1 hinten ht'gsten Kritik ). Le. r am Ihn festhalten! Daß sie daran noch nicht selbst gedacht hatte. Aber wie? Fred durfte nicht fort, er mußte hier im Hause bleiben durfte von der Flucht des Mädchens nichts wissen. Ernst wurde ihm Gerda wieder zuführen. Wie solltesie nur seine Fahrt verhindern? Er hatte das Auto bestellt. Gewiß wollte er zu seiner Mutter fahren. Nein, nein! Der Abend mußte ihr gehören — die hältnismäßig kleine Summen an sich bringen. Er muß sehr geschickt gewesen sein, diesen Konkurs m Szene zu setzen, bezahlte jahrelang schlecht, brachte sich aber mit seinem gutgehenden Geschäft em stattliches Vermögen zur Seite. Als er dann fürchtete, daß die Gläubiger ihn drängen könnten, redete er seiner Frau vor, in Indien ein Geschäft gründen zu wollen, machte sie, um sich dieser Aufgabe ganz widmen zu können, zur alleinigen Inhaberin seines Amsterdamer Geschäfts, schiffte sich auch ein aber nicht nach Indien, sondern wohl nach Amerika. So entzog er sich seinen Gläubigern. Seme Frau ist ihm kaum gewachsen. Sie wird seiner Nicht wieder habhaft werden." „Die arme Frau!" sagte Liane mitleidig. chriftsteller ?) hat m Iagdwerke im Jahre 17. Jahr- mit seiner rügen Zu« er .Hagek rt bekannt :SeiPet ■ aus dem der Hand- Ufern, "st Zorltbezlch Ieupsalz i die Dor- 5 18. Jahr' fhhast, und wie ZU ^befindet, b Friedrich Liedes f i man den chrer, de» aus dem amtlichen id Staats' igerei des Friedrich (} jn den i ch * tfaft* oh°nm auf Sie stand auf. Nun mußt du mich einige Minuten entschuldigen. Ich muß noch einige Vorbereitungen zu dem Fest treffen." „Laß mich nicht zu lange warten!" rief er^ihr nach. Sein Blick folgte ihr, bis sie aus der xur verschwunden war. Er atmete tief auf. Hier war Er stand auf und trat an das Fenster. Ein müder Sommerabend senkte sich langsam über Die Stadt, die blutroten Streifen am Himmel erblaßten, die Schatten der Nacht senkten sich auf die Erde. Er lehnte den Kopf an das geöffnete Fenster. Heute noch fahre ich zu Gerda, von dort werde ich ihr noch in dieser Nacht schreiben!, dachte er in jähem Entschluß. Sollte dann kommen, was wollte. Die Tür öffnete sich. Ein heller Lichtstrahl fiel in das Zimmer, und in dem Rahmen der Tur stand wieder die lichte Gestalt, die vorhin von »hm ge- gangen. Ja, war das wirklich Liane? War sie nicht lichter, schöner geworden? Sie hatte das Sommerkleid mit einem weißen seidenen Kleid vertauscht. Das war wohl einst ihr Brautkleid gewesen. Damals war sie ihm darin bleich, verstört, fast durchscheinend erschienen, jetzt sah sie aus wie das Leben, die Freude, das Glück. Er war mit wenigen Schritten an ihrer Seite, nahm ihre Hände und preßte sie fest in die fernen. Du — du!" entfuhr es ihm. „Wie schön du bist! Wie du dich geschmückt hast! — Für mich?" Sie neigte leicht den Kopf. Eine feine Röte färbte ihre Wangen. „Für das Fest!" antwortete sie mit verhaltener Stimme. „Nun komm! Dars ich dich führen? Heute bis du mein Gast!" ^Sie' sprang jäh auf, begann in fieberhafter Eile den Kaffeetisch zu decken, gab Betty Anordnungen, für Kuchen zu sorgen, bestellte sich die Kochm und entwarf mit ihr den Speisezettel für den Abend. Sie wußte ja längst, was Fred zu esst" ® Festmahl wollte sie richten, eine Feier veranstal ten... Fred durfte nicht fort. Sie war mit ihren Vorbereitungen fertig als Fred sein Zimmer verließ. Sie warf emen schnellen Blick in den Spiegel, überzeugte sich, day sie vorteilhaft in dem hellen Sommerkleid aussah, fuhr sich leicht ordnend über das Haar und ging ihm, sich zu einem fröhlichen Lächeln zwingend, e!^9e^n. „Es ist gut, daß du kommst, Fred. Wie albern habe ich mich vorhin benommen! Was mußt du von mir denken! Ich habe mich wahrhaftig vor einem Gespenst gefürchtet", sagte sie hetter „Denke nur, wie unmodern ich bin, konnte nicht fassen. Daß du ein Flugzeug benutzt hast." ~.r „Ja, Kind, ich war so leichtsinnig, die Strecke Mit dem Flugzeug zurückzulegen, aber nach der schnellen Abwicklung der Geschäfte drüben glaubte ich mir dies gestatten zu dürfen." r v Ich bin so froh, daß du heil und gesund hier bist —"wie, ist schließlich gleich. Du weißt doch, ich bm feige. Es war keine Kleinigkeit für mich, m Dem großen Hause so lange allein zu sein. Ich mußte wirklich überall Gespenster sehen/ Das war endlich wieder ihre Stimme, war ferne kleine furchtsame Liane, die zu beschützen, ihm Das Köstlichste dünkte, was das Leben ihm bieten konnte. Er zog ihren Arm durch den seinen. Was hast du mit mir vor?" fragte er warm. „Du siehst so Mich aus." nejErnmirb herrliK munben. Ich v-rfpiire recht- schafsenen Hunger!' „Das ist recht!" lachte sre fnsch auf. Sie laßen lange am Kaffeetisch, auch nachdem Betty längst das Geschirr abgeraumt hatte. Fred berichtete von seiner Reise: „Schon der Anfang war gut. Ich schrieb es dir ja Aber da du das Ehepaar van Zoomen kennst, wird es dich interessieren, Näheres über das Paar zu erfahren. Der Mann hat sich nun endlrch als Hockttavler entpuppt, rote er mir gleich vor kam. Daß ich mein Geld rettete, ist nur dem Umstand zu verdanken, daß ich als erster Gläubiger an Die Frau herantrat. Inzwischen ist dre Firma langst im Konkurs. Dan Zoomen hat seiner Frau alles ge- । raubt, was sie besaß. Rach meiner Ansicht schloß , er die Ehe überhaupt nur um das Vermögen der Frau an sich zu bringen. Da sie aber alleinige Be- Taq dazu machen. Deine Rückkehr muß gefeiert werden. Ich habe mir schon alles Mögliche ausge- dacht, und nun hättest du mir mit deiner plötzlichen Heimkehr fast einen Strich durch ine Rechnung gemacht. Niemals hätte ich dir das verziehen. Sie sah drollig vorwurfsvoll zu ihm auf. Er hätte sich am liebsten niedergebeugt und ihre schönen großen Augen geküßt. Wie reizend sie war wie verwandelt! Es mochte doch wohl nur der erste Schreck über sein plötzliches Erscheinen gewesen sein, das sie erregt hatte. Er bemerkte erst letzt, wie sonnenverbrannt und frisch sie aussah. Ful)lte sie, daß der Mann an ihrer Seite nicht mehr kalt und gefühllos sich ihr nahte? Daß auch fein Herz rascher schlug bei ihrem Anblick? Wieviel hatte ihre Liebe in ihrem Leben bewirkt-, sollte feine Liebe nicht das Wunder schaffen daß sie in neuer, strahlender Schönheit erblühte? Aber... Warum an alle jubelnden Freuden des Lebens ein Ader knüpfen? Warum nicht vergessen was einst gewesen, was vielleicht kommen konnte? Den Tag genießen, die Stunde wahrnehmen, die sich ihm bot. Er zog ihren Arm fester durch den seinen „Führe mich nur an den Festttsch, Liane. Ich halte still, wenn du aus meiner Rückkehr em Fest machen willst." Der Festtisch kommt erst heute abend ^antwortete sie geheimnisvoll. „So schnell konnte ich meine Vorbereitungen nicht treffen. Fürs erste mußt du mit einem ganz gewöhnlichen Kaffee vorlieb- R e t n h a r d t den 3. Preis mit 24 Ringen (sämtlich aus Allendorf a. d. Lda.). Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 27. Mai. Am Samstagabend hielt der Turnverein Klein-Linden 1889 in seinem Heim eine Mitgliederversammlung ab. Der Dereinsführer Karl Weiß verlas eine Einladung zum Gaufest des Reichsbundes für Leibesübungen in Gießen am 2., 3. und 4. August und orderte zur Teilnahme an der Sternwanderung der Turner am Himmelfahrtstag, die nach Arnsburg führt, auf. Er warb ferner in warmen Worten für die Beteiligung am diesjährigen Feldbergturnfest. Der Anschaffung neuer Turnerliederbücher oll nähergetreten werden. Der Verein beschloß noch, ich an dem am nächsten Sonntag stattfindenden örtlichen Olympia-Werbefest der Ortsgruppe Klein- Linden des Reichsbundes für Leibesübungen zu beteiligen. Die Turner werden mit Geräteübungen, die Turnerinnen mit Keulenschwingen und mit Reigen aufwarten. □ Großen-Linden, 27. Mai. Die starken N a ch t f r ö st e in den vergangenen Wochen haben an der Obstblüte großen Schaden angerich- t e t. Nachdem nun eine wesentliche Erwärmung eingetreten ist, hat auch das verspätete Wachstum mit Macht in Feld und Gärten eingesetzt. Mit banger Sorge schauten die Bauern in die Zukunft, da die Heuböden, durch die schlechte Ernte im vorigen Jahre, leer sind. Der erste Kleeschnitt kann noch gut werden, dagegen muß mit einer geringen Heuernte gerechnet werden, da der Stand des Grases sehr schlecht ist. Der Stand des Winter- und Sommergetreides ist als gut zu bezeichnen. □ Großen-Linden, 28. Mai. Heute feiert Frau Jos. Menges I. Ww., Sophie, geb. Leun, bei bester Gesundheit ihren 8 3. Geburtstag. § Mainzlar, 27. Mai. Am Samstag wurde auf dem Rathaus die Jagd verpachtet. Meistbietender war Jagdpächter Poppe aus Gießen mit dem Angebot von 920 Mark. = Steinbach, 28. Mai. Am 29. Mai feiern die Eheleute Johann Philipp Schön und Marie, geb. Keßler, das Fest der silbernen Hochzeit. Die im gleichen Hause lebenden Schwiegereltern bzw. Eltern können, so Gott will, dieses Jahr noch das Fest der goldenen Hochzeit feiern. T Hun-gen, 27. Mai. Ein Dekanats - gemein de tag, der unter dem Zeichen des Kampfes für den Christusglauben stand, hatte gestern eine große Zahl von Teilnehmern in unserer Stadtkirche zusammengeführt, eine Kopf an Kopf gedrängte, ungezählte Menge. Der über zwei Stunden dauernde Gottesdienst war durchweht von dem Geist der Entschlossenheit und der Treue. Kreis Friedberg. + Butzbach, 27. Mai. Die schon längere Zeit geplante Zusammenlegung der Vorschuß- und Kreditkasse Oberkleen und des Spar- und Darlehenskassenvereins mit der hiesigen Vereinsbank ist am Samstag im „Hessischen Hof", wo eine außerordentliche Generalversammlung stattfand, erfolgt. In den Aufsichtsrat wurden O. Schütz aus Oberkleen und Karl Schmidt aus Ebersgöns ge- wählt. Es wurden ferner einige Satzungsänderungen einstimmig angenommen und dem Aufsichtsrat und Vorstand die Ausarbeitung der Verträge, die die Kassen betreffen, übertragen. Die angeschlosse- nen Kassen wiesen geordnete Bilanzen, 195 000 Mark für die Vorschuß- und Kreditkasse in Ober- tleen und 82 200 Mark für den Spar- und Darlehenskassenverein in Ebersgöns, auf. Der Auf- sichtsratsoorsitzende Bürgermeister Schneider schloß die für die Vereinsbank Butzbach und Umg. geschichtlich bedeutsame Versammlung mit drei- maligem „Sieg-Heil" auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler. $ Steinfurth, 26. Mai. Der Inhaber der Rosenfirma Walter & Lahmann, Herr Walter, erlitt in Bad-Nauheim einen Autouniall, der ihn um Haaresbreite das Leben kostete. Arn letzten Strahenkreuz nach Friedberg rannte em Lastwagen mit Anhänger in voller Fahrt aus einer Seitenstraße auf den Personenwagen des Herrn Walter auf, durchstieß die Tur des Wagens bis zum Steuerrad und schob den Wagen etwa 5 Meter vor sich her in die gegenüberliegende Straße. Herr Walter wurde vom Sitz geschleudert und erlitt eine schwere Prellung der linken Brust, kam aber im übrigen mit dem Schrecken davon. — Im Lause der Woche kam eine Anzahl Kinder Volkstumsarbeit beim Gaufest des Reichsbundes für Leibesübungen in Gießen. Im Hauptfestausschuß und auch in einzelnen Sonderausschüssen wird weiter an den Vorbereitungen 3um 1. Gaufest des Reichsbundes für Leibesübungen im Gau XII Hessen gearbeitet, das bekanntlich in den Tagen vom 2. bis 4. August in Gießen durchgeführt wird. Die jüngste Sitzung des Hauptausschusses hat gezeigt, daß die Vorarbeiten schon ein merkliches Stück vorangeschritten sind und das festliche Bild, das Gießen in den Augusttagen bieten wird, sich schon in klaren Um» rissen abhebt. Im Mittelpunkt der letzten Besprechungen stand die Gestaltung des Volkstums- und Heimatabends, der am Festsamstag in der Volkshalle vom Landschastsbund Volkstum und Heimat in Gemeinschaft mit der RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" für den Reichsbund für Leibesübungen veranstaltet wird. Der Leiter des Abends, Tum- bruder Georg Heß (Leihgestern), bekannt als Heimatdichter und Fachamtsleiter für Volkstrachtenpflege im Landschaftsbund Volkstum und Heimat, entwarf in großen Zügen den Festplan und fand damit den einmütigen Beifall des Ausschusses. Georg H e ß hat ein wirkungsvolles Heimatspiel zusammengestellt, das die Verbundenheit aller Volksstände und ihren geschlossenen Willen, freudig mitzuwirken am Aufbau des neuen Deutschland durch die Dolkstums- arbeit und die völkische deutsche Leibesübung, in em- drucksvollen Bühnenbildern darstellen wird. SA., SS., HI-, BdM., Turner, Sportler, Sänger (Deut- scher Sängerbund), alle handwerklichen Berufsstände (Kraft durch Freude), Vertreter des hessischen Landvolks, zusammen etwa 400 Mitwirkende, darunter über 100 Trachtenträger aus dem großen Gaugebiet, werden in wuchtiger Kundgebung ihren Aufbauwillen bekunden. Neue deutsche Leibeserziehung, Volkstum und Heimat, die eng zusammengehoren, werden sich als eine unzertrennliche Einheit erweisen. Jetzt kann schon gesagt werden, daß zu den Gästen des Abends auch der Landschaftsführer von Volkstum und Heimat, Ministerialrat Rings- Hausen-Darmstadt, gehören wird. Spielvereimqung 1900 Gießen. 1900 II — FL. Mücke-Flensungen I 7:0 (1:0). Beim Beginn des Spieles setzte heftiger Regen ein. Trotzdem brachten beide Parteien im Verein mit dem Spielleiter das Treffen über die Zeit. Dabei waren die Leistungen in Anbetracht des schlüpfrigen Bodens als recht gut anzusprechen. Vor allem wurde beiderseits mit großem eifer gekämpft. Das Spiel war von Anfang bis Ende sehr fair und hatte in Schiedsrichter Krämer- Rodheim einen recht aufmerksamen Leiter. Bis zur Pause leisteten die Gälte, unterstützt durch den Rückenwind, heftigen Widerstand. Die Gießener konnten gegen den starken Regen nicht gut aufkommen. Das Spiel wurde deshalb sehr viel in 1900’s Hälfte ausgetragen. Halbzeit 1:0 für 1900. Nach dem Wechsel waren die Rollen vertauscht. Die Platzbesitzer rissen jetzt das Heft an sich und ließen die Gäste kaum noch einmal zum Zug kommen. Der Gästestrafraum stand stets im Brennpunkt der Ereignisse. Neben sechs sehr schönen Treffern wurde eine Unzahl schönster und bester Chancen vergeben. Endergebnis 7:0 für 1900. Die Gegner der zweiten Jugend- und zweiten Schülerelf traten nicht an, wohl eine Folge des miserablen Wetters. Die erste Schülerelf, die Vormittags den Reigen eröffnet hatte, unterlag gegen Wetzlars Schüler 3:1, während anschließend die erste Jugend im Spiel um die Kreismeisterschaft gegen Wetzlar 05 erneut 2:1 unterlag. 1900 bot, ersatzgeschwächt, nur eine mäßige Leistung, während Wetzlar ein gutes Spiel lieferte und verdient siegte. DfB.-HeichSbahn-Leichtathleti-. Otto Luh Sieger im Kugelstoßen mit 14,53 Meter. Am Sonntag kämpften die Aktiven des VfB.- Reichsbahn Gießen an zwei Fronten. Es war für alle Teilnehmer der erste Start. Deshalb blieben Ueberraschungen nicht aus, was besonders in Frankfurt beim großen Reichsbahn-Werbesport, fest zutage trat. Denn dort erreichten die Speer» roerfer Pieh und Jakob nicht ihre gewohnte Form. Besonders Jakob hatte einen schwarzen Tag. Brachte er doch keinen vernünftigen Wurf heraus, Pieh belegte noch einen dritten Platz. Besonders heroorzuheben ist das Abschneiden von Anton S o - b e z a k beim 25-Kilometer-Gepäckmarsch. Unter 200 Teilnehmern, darunter Deutschlands bekanntesten Gepäckmärschlern wie Staat und Schulze, Berlin, belegte Sobezak den siebenten Platz. Vielleicht glückt es dem jungen VsB.-Reichsbcchner, in die Spitzenklasse der deutschen Gepäckmärschler aufzurucken. In Nassau bei den 5. Nationalen der „Nasso- ' via" waren die Ueberraschungen mehr nach der angenehmen Seite hin. Besonders Otto Luh zeigte : im Kugelstoßen Klasse I eine bestechende Form. Don ' 6 Würfen gingen 5 über 14 Meter. Der letzte und Siegesstoß war 14,53 Meter. Die Reihenfolge der Stöße dürfte interessant sein: 12,41; 14,23; 14,13; Wie sehr das Jubelpaar in der Gemeinde allgemein §eschätzt wird, konnte man sehen, als es vor 10 iahren die goldene und erst recht jetzt, als es die diamantene Hochzeit feierte. War schon tagsüber das Haus Meißingers, in dem im Kreise der Kinder, Enkel und nächsten Anverwandten die Familienfeier stattfand, das Ziel der Mitbürger von Kesielbach und aus der Nachbarschaft, um ihre Glückwünsche durch Karten und persönlich zu übermitteln, so steigerte sich Die Verehrung, als am Abend sämtliche Ortsvereine mit Fahnen in einem geschlossenen Zuge zu der Wohnung marschierten, dem sich die ganze Gemeinde anschloß, um hier ihre Glückwünsche zu übermitteln. Der Gesangverein trug passende und gut zu Gehör gebrachte Lieder vor. Die Dereinsführer hielten Ansprachen und überreichten Geschenke. Tiefgerührt durch diese Ehrung ließ Das Jubelpaar Durch seinen Sohn, Regierungsrat M e i ß i n g e r, Den Vereinen und Der ganzen teilnehmenden Bevölkerung Dank ausfpre- chen, wobei Herr Meißinger das schöne Verhältnis als ein Zeichen Der neuerstandenen Volksgemeinschaft bezeichnete, Die Der Führer wieder bei uns tebenbig werden ließ, und in einem Sieg-Heil auf den Führer schloß. Eine Nachfeier im Saale von Höchst bildete Den Abschluß. S0Jahre Kirchengesangverein Beuern. § Beuern, 27. Mai. Der Evangelische Kirchengesangverein Beuern feiert in diesem Jahre fein 5 0 jähriges Bestehen. Aus diesem Anlaß verlegte Das Dekanat Gießen sein diesjähriges Teil-Dekanats-Kirchen-Ge- s a n g v e r e i n s f e st, Das am kommenden Sonn- /PL-W1-20 IMMMMiNU... Roman von Charlotte prenzel. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türrne-Derlag, Halle (S.). Er folgte ihr willig. In ihrem Rokokosalon hatte sie die kleine Abendtafel decken lassen. Auf der hauchfeinen Spitze stand das feine alte Porzellan, das sich dem Stil des Zimmers anpaßte, in der Mitte des Tisches eine zierliche Vase voll herrlicher roter Rosen. Weich und mild floß das Licht durch den Raum. Bis dahin hatte er dieses Zimmer kaum betreten. Es war ihm immer wie ein unnötiger Luxus erschienen. Die verwöhnte Tochter mochte einmal den Wunsch, ein solches Zimmer zu besitzen, geäußert haben — der Vater hatte ihn erfüllt. Heute empfand er, daß der liebende Vater seiner zierlichen Tochter nur den richtigen Rahmen mit dem Zimmer gegeben hatte. Liane fühlte seinen Blick warm und herzlich auf sich ruhen, das Herz begann ihr rascher zu klopfen. Er darf nicht fort!, dachte sie wieder und immer wieder. Ich muß ihn halten ... Ihre Hand zitterte leicht, als sie ihm das Wein- glas entgegenhob. Sie zwang die Erregung meder, die sie mehr und mehr beherrschen wollte, ah, obwohl ihr war, als ob ihr jeder Bissen un Hals stecken blieb. Sie leerte hastig das Glas, führte das zweite zum Munde. Bald fühlte sie die Wir- kung des Weines. Sie konnte lachen, konnte plaudern von allerlei Dingen, die ihr gerade entfielen, über die sie lachen mußte und die auch ihn zum Lachen zwangen. Auch Fred wurde lebhaft. „Hatte ich nicht recht, die letzte Strecke mit dem Flugzeug zurückzulegen?" fragte er heiter. „Wenn ich erst morgen früh angekommen wäre, hatten wir bis zum Abend keine Wiederfehensstlmmung mehr gehabt." ,Feste kann man nur abends feiern!" stimmte sie ^Das Mädchen deckte den Tisch ab, brachte den Sektkühler ins Zimmer. Schon im Hmausgeheit, wandte sich Betty an Fred: „Das Auto ist bereit, Herr Morland. Der Chauffeur möchte wissen, ob Sie ihn noch brauchen." Liane war es, als ob ihr Herzschlag stockte. Da antwortete Fred: „Nein! Ich fahre allem! Soll ich den Schlüssel zur Garage in Ihr Zimmer legen?" fragte Betty arglos weiter. (Fortsetzung folgt!) Des Führers Dank für die deutschenErfolge beimAvus-Nennen. DNB. Der Führer und Reichskanzler hat an Korpsführer Hühnlein folgendes Telegramm gerichtet: „Für Ihre Meldung von dem überlegenen Sieg des Mercedes-Benz-Wagens und den Erfolgen der DKW.- und BMW.-Motorräder beim gestrigen Avusrennen sage ich Ihnen meinen betten Dank. Ich habe mich über diesen neuen Beweis Der Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit der deutschen Maschinen tag gefeiert wird, in unsere Gemeinde. Die Mitglieder unseres Vereins find eifrig an Den Vorbereitungen für Das Fest tätig. Zehn Vereine mit über 400 Sängern und Sängerinnen werden am Festtag erwartet. Sämtliche auswärtigen Festteilnehmer werden bei hiesigen Gemeinbegliedern zu Gaste geladen. Der hiesige Verein wurde im Jahre 1885 von dem Damaligen Lehrer Friedrich Musch, der den sehr rührigen Verein 27 Jahre lang dirigierte, gegründet. Er zählt zu den größten Vereinen unseres Dorfes, hatte in seinen besten Jahren fast 200 Mitglieder mit 80 Sängern und Sänge- rinnen und hat auf religiösem und kulturellem Gebiet mit großem Segen gearbeitet. Jn früheren Jahren, als Herr Musch den Verein noch leitete, trat er fast alljährlich an einem der kirchlichen Feste mit einer größeren Veranstaltung an die Deffent- lichkeit. Dem Verein war zu damaliger Zeit ein größeres Orchester angegliedert, mit dessen Unterstützung es möglich war, Werke unserer großen Meister aufzuführen. Der Verein wird seit etwa einem Jahrzehnt von Berufsdirigent Scho mb er von hier geleitet und hat auch in Den letzten Jahren schon öfters Proben seines Könnens abgelegt. Klein-Kaliber-Bergleichsschießen zu Allendorf an der Lumda. 00 2111 e n b o r f a. D. ß D a., 27. Mai. Am gelingen Sonntag fand auf Dem Schiehstand Des hiesigen Kleinkaliber-Schützenvereins ein 23er- gleichsschießen statt. Es nahmen hieran teil: Post- sportverein Gießen, Schützenverein Allendorf a. b. Lda und Schützenverein Steinbach. Trotz des un- aünstigen Wetters konnten recht gute Leistungen er» Lelt werden. Geschossen wurde auf Ringscheibe m Zwölfer-Mannschaften. Die Resultate waren fol- genbe: Gießen 870 Ringe, Allendorf a. d. Lda. 836, Steinbach 838 Ringe. Beste Einzelschützen waren: Strack (Gießen) mit 92 und H. W. F o r m h a l s (Allendorf a. d. Lda.) mit 91 Ringen. Bei dem anschließenden Preisschiehen errangen a) von den Alt- schützen die drei Besten: P f ann mulle r (Allen- borf) den 1. Preis, Erdmann (Ruttershausen) den 2 Preis und Formhals (Allendorf) den 3. Preis mit je 36 Ringen; b) Jungschützen die brei Besten: Wallenfels den 1. Preis mit 28 Rmgen, L. Formhals Den 2. Preis mit 26 Ringen unb Kreis Büdingen. Q] Nibba, 27. Mai. Der Gemeinberat faßte in seiner jüngsten Sitzung, über bereit wichtigsten Beschluß hinsichtlich ber Vermeibung von Geschäftsbeziehungen mit Nichtariern bereits berichtet mürbe, noch folgenbe Beschlüsse: Einsprüche gegen bie Heranziehung zur Bürgersteuer 1935 würben zum Teil abgelehnt, zum Teil genehmigt. Ein- prüche gegen bie Heranziehung äu ben Kosten ber Kanalisierung von Häusern wurde abgelehnt. Der Beitritt zum Roten Kreuz unb Alice-Verein, sowie zum Arbeitsbank würbe beschlossen. Die Ge- meinbe wirb einer Bausparkasse beitreten, um auf 14,21; 14,22 und 1'4,53 Meter. Dann brachte der kleine Theo Weber in den 1500-Meter-Junioren eine feine Leistung zustande, indem er mit der guten Zeit von 4:30,6 Minuten in einem scharfen Rennen den zweiten Platz belegte. Weber dürfte bei ernstlichem Training noch stark zu verbessern sein. Bemerkenswert ist, daß die 1500-Meter, Kl. I, langsamer gelaufen wurde und hier der Sieger nur 4,34 Minuten brauchte. Eine weitere lieber« raschung brachte der Jugendliche Heinz Huppert. Im 100-Meter-Lauf startend gewann er seinen Vorlauf in 12,1 Sekunden. Er ging daher mit großen Aussichten an den Start zum Endlauf. In einem für Jugendliche äußerst scharfen Rennen belegte er den zweiten Platz mit der beachtlichen Heistung von 11,7 Sekunden. Rur Handbreite hinter dem Sieger. Nachstehend die Ergebnisse: In Frankfurt. Speerwerfen: 1. Borrmann (Stadtsportverein Frankfurt) 55 Meter, 2. Zillmann (Berlin) 50 Meter, 3. Georg Pieh (VfB -Reichsbahn Gießen) 46,20 Meter. 25-Kilometer-Gepäckmarsch: 1. Staat (Berlin), 2. Schulze (Berlin). Hier belegte Sobezak (VsB.- Reichsbahn) den 7. Platz in knapp 3 Stunden. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß diesmal nur marschiert werden durfte und jegliches Stilgehen ober Laufen verboten war. In Nassau: Kugelstoßen Kl. 1: 1. Otto Luh (VfB.-Reichsbahn) 14,53 Meter; 2. Kilo (1900 Gießen) 12,45 Meter; 3. Schubbach (TV. Runkel) 12,16 Meter. 1500 Meter Junioren: 1. Schwerdt (Limburg) 4:29,5 Min.; 2. Theo Weber (VfB.- Reichsbahn) 4:30,6 Min.; 3. Dreißig (Nassau) 4:34 Min. 100 Meter Jugendklasse A: 1. Dreißbach (Nassau) 11,6 Sek.; 2. Heinz Huppert (VfB.-Reichs- bahn) 11,7 Sek.; 3. Maxeiner (Limburg) 11,8 Sek. 400 Meter Kl. L: 1. Ketterer (Weilburg) 54,6 Sek.; 2. Schön (VfB.-Reichsbahn) 56,8 Sek. Diskuswer- fen Kl. I; 1. Kilo (1900 Gießen) 41,65 Meter; 2. Luh (VfB.-Reichsbahn) 39,70 Meter; 3. Maus (Bonn) 35,98 Meter. Auch hier erreichte Luh feinen besten Wurf im Wettkampf. Der VfB.- Reichsbahn belegte ferner noch folgende Plätze: 5000 Meter: 3. Pfaff in 17,09 Min.; Weitsprung: 3. W. Teupe mit 5.95 Meter; 3X1000-Meter-Staf° fei: 3. VfB.-Reichsbahn Gießen; 4X100-Meter- Staffel: 2. in 46,9 Sek. Olympische Staffel: 3. in 4:16,2, eine Leistung, die sehr schlecht ist und lediglich durch Uebermüdung des 800-Meter-Mannes zustande kam. Pokalspiele in Wißmar. Der Turnverein Wißmar trat am Sonntag zum erstenmal mit einem Pokalturnier an die Öffentlichkeit. Leider wurden die Spiele durch furchtbaren Regen sehr gestört und verloren so viel an Spannung. Fußballfachwart Zitzer (Gießen) nahm frühmorgens die Verlosung vor. Es waren neun Vereine zur Stelle, ein erfreuliches Zeichen für die Beliebtheit der Blitzturniere. Die Verlosung für die Vorrunde brachte folgende Paarungen zustande: Lollar II — Londorf, Treis — Roth, Krofdorf — Garbenteich, Alten-Buseck — Turnverein^ 1846 Gießen, das Freilos zog Fellingshausen. Lollar II — Londorf 1:0. Lollar II legte sich mächtig ins Zeug und konnte die wohl eifrigen, aber in diesem Spiel sehr zerfahrenen Londorfer knapp mit 1:0 aus dem Rennen werfen. Doch wurde Londorf zum Sieger erklärt, da sich herausstellte, daß auf feiten von Lollar ein gesperrter Spieler mitgewirkt hatte. Treis — Roth 0:0 abgebrochen. Das zweite Spiel endete in der Halbzeit unentschieden und wurde vom Fußballfachwart zugunsten von Roth abgebrochen, denn auch Treis hatte einen gesperrten Spieler in seinen Reihen. Krofdorf — Garbenteich 0:1. Eins der schönsten und spannendsten Spiele war dieses. Garbenteich bevorzugte den Flachpaß, während Krofdorf mit hohem Spiel aufwartete. Die Partner waren gleichwertig. Kurz vor Halbzeit hatte Krofdorf eine Chance zum Sieg, aber in der Aufregung wurde der Ball 5 Meter vor dem Tore freistehend vorbeigeschossen. Nach Halbzeit hatte Garbenteich mehr vom Spiel und belagerte zeitweilig das Tor der Krofdorfer, die sich aber keine Blöße gaben. Es war eine zweimalige Verlängerung nötig, bis es Garbenteich gelang, den verdienten Siegestreffer zu erzielen. Alten-Buseck — Turnverein 1846 Gießen 0:1. Zwei gleichwertige Gegner trafen bei diesem Spiel aufeinander. Der Halblinke der Turner konnte kurz vor Halbzeit einen schönen Schuß anbringen, und damit war das Spiel entschieden. Alten-Buseck setzte sich nun in der Hälfte des Gegners fest, aber selbst die besten Schüsse wurden gehalten Der Torwart der Gießener wurde bei einer Abwehr verletzt und war nur noch Statist. Der Schlußpfiff ließ die Turner aufatmen, froh ob des billig errungenen Sieges ging die Mannschaft vorn Feld. Die Auslosung für die Zwischenrunde ergab folgende Spiele: Garbenteich — Londorf, To. 1846 Gießen — Fellingshausen, das Freilos zog Roth. Garbenteich — Londorf 1:0. Man merkte Garbenteich an, daß es sich bei dem Spiel gegen Krofdorf zu sehr ausgegeben hatte, dadurch wurde das Spiel sehr schwach. Londorf spielte zwar besser als beim ersten Spiel, jedoch war auch Garbenteich noch stark genug, einen, wenn auch knappen 1:0-Sieg herauszuholen. T v. 1846 Gießen — Fellingshausen 1:0. Fellingshausen war dem Gegner zwar körperlich unterlegen, spielte aber dennoch einen guten Fußball und machte den Turnern den Sieg sehr schwer. Nach Halbzeit konnte der ausgezeichnete Mittelstürmer das Siegestor erzielen, damit war der Sieg sicher. Fellingshausen versuchte mit Macht, das Ergebnis zu ändern, aber Gießen stellte sich auf Verteidigung ein und kam so über die Zeit. 3n der Endrunde hatte Tv. Gießen das Freilos gezogen, Garbenteich hatte gegen Roth anzutreten Garbenteich — Roth 2:2. Dieses Spiel mußte unter strömendem Regen aus- getragen werden, was aber den Spielern nichts ausmachte. Das Spiel war von Anfang bis Ende schnell und spannend. Roth schoß ein schönes Tor, was Gartenteich mit einem Generalangriff beantwortete Die Freude währte nicht lang, denn Stumpf, der beste Spieler des Tages, erzielte in ganz großartiger Weise den Ausgleich Garbenteich vergab den Sieg durch ein Selbsttor, der zurückgespielte Ball ging am herausgelaufenen Tormann ins Tor Roth jubelte und glaubte den Sieg sicher zu haben, aber Garbenteich ließ sich nicht entmutigen, und wiederum war es der Mittelstürmer, der in der Schlußminute zum Ausgleich einschoß. Das Spiel mußte dreimal verlängert werden, aber trotz eifrigen Spiels konnte Garbenteich kein Tor mehr erzielen. Es blieb dem Fußballfachwart nur übrig, das Spiel durch Los tu entscheiden, Garbenteich hatte Pech und zog die Niete. Garbenteich war die beste Mannschaft aus dem Platze und mußte durch Los verlieren, was für die Spieler sehr hart war. Roth - Tv. 1846 Gießen 0:1. Das letzte Spiel brachte den Turnern nach verteiltem Spiel — Gießen mußte mit zehn Mann antreten — einen Sieg der Gießener nach Verlängerung, nachdem die Stürmerreihe es schon vor Halbzeit in der Hand hatte, durch plazierte Schüsse das Spiel zu gewinnen Wenn aber ein freistehender Spieler auf fünf Meter Entfernung das Tor nicht findet, trotzdem der Tormann nicht mehr darin war, dann ist es Glück, daß doch noch ein Ball das Ziel findet Nach Verlängerung fchoß der Mittelstürmer den Siegestreffer Das geplante Propagandafpiel der Auswahlmannschaft gegen Lollar mußte wegen des noch immer strömenden Regens ausfallen. Alles in allem wurde guter Sport geboten. Die Vereine befleißigten sich einer anständigen Spielweise. Hervorzuheben ist die gute Leistung der beiden Schiedsrichter Krei- l i n g und Böcher, Gießen, die viel zum Gelingen des Tages beitrugen. Anschließend überreichte der Fußballfachwart den glücklichen Siegern die Preise. Geräteturnen — die Poesie des Leibes. Vor hundert Jahren, als es verboten war, von einem großen, starken, freien deutschen Saterlanöe zu reden, als ein rnuckerifches Philistertum die Vorkämpfer für Deutschlands Kraft und Einiakeit — Studenten- und Turnerfchaft — in Acht und Bann tat, übte die Turnfperre in Preußen, wie in allen anderen deutschen Ländern ihren unheilvollen Einfluß aus. Weil Jahn, der eigentliche Vater des deutschen Geräteturnens, in seiner glühenden Vaterlandsliebe mit unermüdlichem Eifer an feinem großen Ziele arbeitete, Körper und Geist Der Jugend zu bereiten für die endliche Einigung Des Deutschen Reiches, mußte er vor M e 11 ernichs Verfolgungswut und dem knechtischen Biedermeiergeist seiner Zeit als Demagog fallen — und mit ihm fein Werk. Von 1820 bis 1842 war es m Preußen gesetzlich verboten, zu turnen oder Turngemeinschaften zu gründen. So wurden Jahns Jünger gezwungen, heimlich und unauffällig zusammenzukommen und in verschlossenen Räumen zu üben. Dabei mußte dem Turnen sein ursprünglicher, mehr naturgebundener Charakter verlorengehen. Die Entwicklung erfolgte statt in die Breite in die Enge. Mittlerweile vergaß man den anfänglichen Sinn des Gerätes als Ersatz für ein natürliches Hindernis fast vollkommen. Eine ganz neue Form wurde entwickelt — eine Kunstform, wenn man so will —, und als bann endlich, endlich die unselige Turnsperre aufgehoben wurde, stand das Geräteturnen als ein im großen und ganzen fertiges, neues Gebilde da. In den folgenden Jahrzehnten hat es dann im deutschen Vereinswesen seine folgerichtige Weiterentwicklung und Ausgestaltung erfahren. Nebenher wurde die deutsche Spiel- und Sportbewegung groß, das deutsche Geräteturnen hat sich seinen geschichtlich gewordenen Charakter bewahrt und übt heute wie je einen starken und nachhaltigen Reiz auf einen großen Teil der deutschen Jugend aus. Ja, es scheint sogar, als werde in unseren Tagen seine Entwicklung nicht nur von neuem in die Höhe führen, sondern auch in die Breite. In der Jnflations- und Korruptionszeit nach Beendigung des Krieges, als sich die Jugend in dem Irrglauben wiegte, auch auf dem Gebiete der Leibesübungen — wie in den tausenderlei Geschäften des Alltags — nach dem Grundsatz verfahren zu können, unter Einsatz geringster Leistung höchsten Erfolg zu erringen, damals, als der ein Kerl war, der sich durch dunkle Schiebergeschäfte mästete, und der ein Dummkopf, der vor der Ernte redlich säen zu müssen meinte und treu und pflichtbewußt einen Stein auf den anderen fügte, da galt der Masse das Geräteturnen freilich wenig. Zuviel ernsthaftes Streben, zuviel Disziplin, äußere und innere, war dazu erforderlich, es als Turner zu etwas zu bringen. Denn dessen Weg ist wahrhaft hart und dornenvoll. Mit tausend Fehlschlagen ist er gepflastert, und eine ungeheure Zähigkeit setzt er voraus. Das Geräteturnen braucht seelisch und körperlich gesunde, wagemutige Menschen, ganze Kerle. Gottlob, daß solche wieder das Ziel deutscher Volkserziehung sind. — So wird der neue Geist unserer Zeit die tiefere Begründung auch für Das Wiedererwachen der Anteilnahme am Geräteturnen in weiteren Kreisen. Oft sind Stimmen laut geworden, die dem Geräteturnen vorwarfen, daß es etwas Künstliches und den Körper einseitig Entwickelndes sei. lieber beides lächelt der Turner. Man kann die turnerische Fertigkeit wohl zu einer Kunst entwickeln, aber künstlich und gemacht ist in der Turnerei nichts. Und der Drang, der den Turner ans Gerät führt, ist genau so natürliche Bewegungslust, wie beim Leichtathleten, der über Hürde oder Sprunglatte setzt, oder wie beim Schwimmer und Wassersprin« ger, der vom 10-Meter-Turm seine Luftrolle dreht. Und was die Körperentwicklung anbelangt, so muß das Geräteturnen bei genauer Prüfung schlechthin als vollkommen bezeichnet werden. Die große Geräteauswahl, die Mannigfaltigkeit der Uebungs- formen und der ihnen innewohnenden Schw^riq. keit stellen jeden, den Anfänger wie den Geübten, vor immer neue Aufgaben Bald ist sein Turnen ein Ziehen und Stemmen, ein Beugen ober Biegen, bald wieder ein Schwingen und Wenden, ein Spreizen oder Springen. In diesem Augenblick wird eine über längere Zeit zu erstreckende umfängliche Kraftleistung notwendig, im nächsten ein federnder, schneller Einsatz einzelner Muskelgruppen, und so ergibt sich ein stetig wechselndes Spiel von Sehnen, Muskeln und Gelenken, das in der Harmonie des Zusammenwirkens aller an der Bewegung beteiligten Faktoren, in der Feinfühligkeit des Antwortens auf ungeheuer zart abgestufte Nervenreize seinesgleichen sucht und zur trefflichsten Bewegungs- und Körperbeherrschungsschulung wird. Ein Messen nach Zehntelsekunden und Zentimetern gibt es dabei freilich nicht; aber die Freude am Spiel der Glieder, das den Körper beseligend durch- schwingende Kraftgefühl und das Bewußtsein vollbrachter Leistung bei der Ueberwindung der verschiedenen Schwierigkeiten gibt dem Geräteturner jenes Frohempfinden unbedingter Beherrschung von Willen und Körper, läßt ihn andachtsvoll dem hochgemuten Singen und Brausen drinnen in feinem starken Leibe lauschen, läßt ihn fein Geräteturnen zur Poesie des Leibes werden, macht ihn glücklich und reich auch an Seele und Gemüt. Als ein gesunder, kraftstrotzender, aber auch gewandter, körperlich und geistig beweglicher Bursche steht er vor uns und wird uns so zum Tnpus des deutschen Menschen; oder, um mit Adolf Hitler zu sprechen, zum „Repräsentanten der besten Lebenskraft unseres Volkes". Gießen ist als Pflegestätte deutschen Geräteturnens von jeher bekannt, und schon mancher große Erfolg konnte von seinen Turnern errungen werden. Groß ist die Zahl derjenigen, die in den Gießener Turnvereinen deutsches Geräteturnen pflegen, und vom jüngsten Schüler bis zum greisen Al-> tersturner sind sie bestrebt, der Segnungen teilhaftig zu werden, die diese vollkommenste Art der Leibesübungen zu spenden vermag. Turnabteilungen bestehen in Gießen in folaenden Vereinen: Turnverein von 1846 Gießen, Männer- turnverein Gießen, VfB.-Reichsbahn, Gießen, Post- sportverein Gießen. Anmeldungen nehmen die Ver- einsleitungen entgegen, können aber auch an Den Uebungsftätten abgegeben werden A R öpidcrqefiniffc? Tgde. Wetzlar — Albshausen 2:1; 1900 II — Flensungen 7:0; Wieseck — Grünberg 3:1 abgebrochen wegen Regen; Steinberg II — Ällendorf 1:0 abgebrochen wegen Regen; Geilshausen — Rüddings- hausen 3:0; Lich Jgd. — Heuchelheim Jgd 3:3. Briefkasten der Redaktion. 1.7N. Gr.-V. Wir haben Ihre Anfrage an die zuständige Behörde zur direkten Beantwortung weitergegeben. preise-. 1 .80 u. 3.35 V2 Liter 5.40 X X" HAAR71NKTURZ~^“ Himmelfahrt Monale leichtathletische Wellkärn-se der Gpiel-Veremigung 1900 e.V. Borkämpfe 10 Uhr Entscheidung 15 Uhr Wirtschaftszelt auf dem Platze Abends 3iiiammenfein in d. „Stadt Wetzlar' 3'89 D Zöpfe gut und billig nur im Damen-Salon Kaplansgasse29 Mittwoch, den 29. Mai, nachm. 2 llbt versteigere ich im Gasthaus ,Lum Löwen" dahier. Neuenweg 28, zwangsweise gegen Bar - an Ort und Stelle - Bekanntgabe im obigen Lokal: Haus-, Büro- und Ladenmöbel ara HAUTCREME / NORMALTUBE. / UND 35^ ' HAUTCREME-SEIFE aller Art, Nähmaschinen, Klaviere, (Grammophone, 1 Lederwalze, 1 Nolle Leder, Schuhleisten,Bürsten, Pinsel u. Besen versch.Art, Registrierkassen, Bettfedern, Möbelstoff, 1 Harmonium, 1 Posten Damen- und Kinderschuhe, 1 Eisschrank, 1 Schnellwaage, Bücher versch. Art, Jagdgewehre, Fleckenwasser, Anzugstoffe, Anzüge, sonstige Bekleidungsstücke, Dekorationsfiguren. 1 Schästestevpmaschine, 1 Framo- lieferwagen, 1 Auto (Wanderer), 1 Post. Handschuhe, Mistbeetsenster Bestimmt: 2Boote (Rennachter u. 1 Gigvierer). Zusammenkunft der Steigerer 14.45 Uhr, Babnunter- mbrung Ederstraffe. 3198V Freiwillig werd, verst.: 1 Schuhmacher-Nähmaschine Nr. 197905, 1 Lederwalze (Rafflenbeul). Bittorf, Gerichtsvollzieher in Gießen. Lteinstraße 42. Telephon 3660. Sommersprossen ents. bestimmt alters chnellstens Lionin m. Lio- ninseife. {issiV Belikan -Avoth. Illlllllllllilllllllllllllllll Mündlich können (Sie ed nur wenigen sagen, schriftlich mehreren, durch eine Kleinanzeige sagen Sie es «Ne» Illlllllllllilllllllllllllllll KleineAnzeigen Im Gießener Anzeiger werden von Tausenden beachtet und gelesen. Jetzt sind alle da! Darunter ist auch der Eisschrank, der sich für Ihren Haushalt eignet fn allen Größen sind sie vorrätig. Jeder Eisschrank ist solide gearbeitet und doch sehr billig. Sie können sich diesen Sommer auch einen anschaffen. J. B. Häuser Am Oswaid^garten GIESSEN Ruf-Nummer 2145/2146 IST STRUMPFEKAUFEN „GLÜCKSSACHE" ...? Nein, durchaus nicht! Man muß nur auf die feine Masche und die Dichtheit des Strumpfes achten. Der FTO-Strumpf besitzt außer lieser engen Masche noch den geschmackvollen Naturseidenschimmer. der der Moderichtung entspricht. Er sitzt fest auf dem Bein und macht es schlanker. Das Gewebe des F-TO- Strumpfes ist klar und rein — er ist fest und elastisch Ivva 1 gewirkt. Durch das folgendeSpezialan- |k Illi gebot können Sie sich davon über- IJ I zeugen, daß ein F-TOStrumpf auch noch preiswert ist: Preislagen 1.45 1.65 1.95 2.45 Spezialhaus Frdr.Teipel — 3184 A Wir haben uns verlobt Zlse Weimar Otto Reuter Gießen / Großen-Äuseck / 3m OTai 4935 12 '99 ®