Ur. 122 Erstes Blatt 185. Jahrgang Montag, 27. Mi 1935 Erscheint täglich. außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat tm Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. „ -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zernsprechanschlüffe unter Sammelnuiymer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vrnck und Verlag: vriihl'sche Univerfitätr-Vuch- unö Steinöruderet 8. Lange in Stehen. 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Auch nach den amtlichen Ergebnissen der Landes- und Bezirksvertretungswahlen in der Tschechoslowakei ist wiederum, wie bei den Parlamentswahlen, das Hauptmerkmal der überwältigende Wahlsieg der Sudetendeutschen Partei, die in Böhmen und Mähren zusammen abermals weit über 1 200000 Stimmen erhielt. Der Zusammenbruch der deutschen Regierungsparteien, derSozial- demokraten und des Bundes der Landwirte, hat sich vervollständigt. Sie haben gegenüber dem letzten Sonntag mehr als Vs ihrer Stimmen verloren. Auch die Deutschen, Christlich-Sozialen, die dem ehemaligen reichsdeutschen Zentrum gleichzusetzen ist, haben einen neuerlichen Rückgang besonders in Mähren aufzuweisen. Die Sudeten- deutsche Partei ist mit 318 000 Stimmen die stärkste Partei in der Landesvertretung von Mähren geworden. Die frühere stärkste Partei, die tschechische katholische Volkspartei, steht an zweiter Stelle. Von den deutschen Stimmen in Böhmen erhielt die Sudetendeutsche Partei am letzten Sonntag 68,24 v. h. und jetzt 70,89 v. h.; in Mähren ist das verhältnismäßige Ansteigen der Sudetendeutschen Partei noch stärker gewesen. hat die Sudetendeutsche Partei bei den Parlamentswahlen durchschnittlich zwei Drittel aller deutschen Stimmen erreicht, so nähert sich dieses Verhältnis einer Dreiviertelmehrheit. Die Verhältniszahl der deutschen zu den tschechischen Stimmen ist gleich geblieben. Unter den tschechischen Parteien sind die Verschiebungen nicht bedeutend. Im Hundertsatz erhielten bei den böhmischen Landeswahlen: tschechische Parteien: Agrarier 13,55, Sozialdemokraten 12,65, Nationalsozialisten (Be- nesch-Partei) 12,19, Katholische Volkspartei 5,81, Gewerbepartei 6,36, Faschisten (Gajda) 1,71, nationale Vereinigung 7,26, die Kommunisten 8,90. Deutsche Parteien: Sozialdemokraten 4,72, Bund der Landwirte 2, Christlich-Soziale 1,82, Sudetendeutscher Wahlblock 0,61 und Sude- tendeutsche Partei (Konrad Henlein) 22,31. Nach Mitteilung des amtlichen Pressebüros erhielten bei 3 997 238 abgegebenen gültigen Stimmen und einer Wahlbeteiligung von 923/io v. H. in Böhmen: Tschechische Agrarier 542 017 (541 467 in der Vorwoche für das Abgeordnetenhaus), tschechische Sozialdemokraten 505 643 (551 607), tschechische Nationalsozialisten 487 381 (494 471), Kommunisten 355 989 (384 779), tschechisch-katholische Volkspartei 232 052 (255 454), deutsche Sozialdemokraten 188504 (217 551), Bund der Landwirte (deutsch) 79 817 (105 319), deutsche Christlich-Soziale 72 958 (90 317), tschechische Gewerbepartei 254086 (274 621), S u - detendeutsche Partei 89 1 232 (918363), Deutsche Arb. und Wirt.-Gem. 17 484, tschechische nationale Vereinigung 294 369 (323 919), deutscher Wahlblock 7173 (14 262), tschechische Faschisten 68 480 (87 401) Stimmen. Für die Landesvertretung Mähren-Schlesien wurden 1888 141 gültige Stimmen abgegeben. Die in Klammern beigefügten Ziffern sind die bei den Landeswahlen im Jahre 1928 und die bei den Senats wählen vom letzten Sonntag erreichten Ziffern. Es erhielten: Tsche- chische Agrarier 263 118 (202 579 — 252 340), tschechische Sozialdemokraten 243 480 (206 033 — 234 726), tschechische Nationalsozialisten 180192 (140 599 — 172 746), Kommunisten 156 301 (160 644 — 150 825), tschechisch-katholische Volkspartei 299912 (304 507 — 281 665), deutsche Sozialdemokraten 63 625 (94 568 — 69 338), Bund der Landwirte 26 004 (66333 — 33 573), deutsche christliche Soziale Parteien 26 823 (0 — 0), deutscher Wahlblock 7 369 (0 — 0) Stimmen. Hierbei ist zu berücksichtigen, daß bei den Wahlen in die Landesverttetung das Wahlalter gegenüber den Wahlen in das Abgeordnetenhaus um drei Jahre höher liegt. Die Verteilung der 80 Mandate in der Landesvertretung von Böhmen ist: tschechische Agrarier 11 (Gewinn 1), tschechische Sozialdemokraten 10, tschechische Nationalsozialisten 10 (Verlust 2), Kommunisten 7 (Verlust 3), tschechische katholische Volkspartei 5 (Verlust 1), deutsche Sozialdemokraten 4 (Verlust 3), Bund der Landwirte 2 (Verlust 3), deutsche christliche Soziale 1 (Verlust 3), tschechische Gewerbepartei 5 (Gewinn 1), Sudetendeutsche Partei 18, deutsche Arbeits- und Wirtschaftsgemeinschaft 0 (Verlust 2), tschechisch - nationale Vereinigung 6, Sudetendeutscher Wahlblock 0 (Verl. 1), Faschisten 1. M Herr - Du Herr!" 3m ältesten Teil von Prag, dort, wo die Straßen eng und winklig sind, befindet sich im dritten Stock eines ärmlich anmutenden Hauses das Zentralbüro der stärksten Partei der tschechoslowakischen Republik, der Sudetendeutschen Partei. Vor der Tür parkt ein Wagen. Seine Fenster sind zersplittert von Schüssen und Steinwürfen, ein Sinnbild des Hasses einer verhetzten Volksschicht. Der Wagen gehört Konrad Henlein, dem Führer der Sudetendeutschen. 3n seinem kleinen notdürftig ausgestatteten Arbeitszimmer empfängt mich Henlein. Dieser Wann, der der Führer von 67 v. h. der 3,5 Millionen zählenden Sudetendeutschen ist, und auf dessen Schultern die ganze Verantwortung der Zukunft des Sudetendeutschtums lastet, ist von imponierender Ruhe und Gelassenheit. „Wir haben dem tschechischen Volk die Hand entgegengestreckt zur friedlichen Zusammenarbeit-, sagt Konrad Henlein. „Unser Ziel ist die Verwirklichung der wahrhaften Demokratie in der Tschechoslowakei.- „3ch lese in der tschechischen Presse die Forderung nach einer stärkeren Betonung des Nationalstaates-, sagte ich. „3st nun die Frage aktuell: Demokratie oder Nationalstaat?- Darauf erklärte Henlein: „Die Grundlagen eines Nationalstaates sind in der Tschechoslowakei nicht vorhanden. Der Berlin, 26. Mai. (DNB.) Das ganze deutsche Volk und mit ihm die gesamte Welt oedachte am Sonntag eines der größten Wohltäter der Menschheit, des weltberühmten deutschen Forschers Professor Robert Koch. Die Reichsregierung hat an diesem Tage das Gedenken an den großen Forscher dadurch geehrt, daß sie die in der Inflation verfallene Robert-Koch-Stiftung erneut Deutscher Erfolg auch bei den VrimnerGememdewahlen. Brünn, 27. Mai. (DNB. Funkspruch.) In der mährischen Landeshauptstadt fanden am Sonntag gleichzeitig auch die Wahlen für die Gemeindevertretung statt. Die Zahl der Wähler betrug 159 123, und es bewarben sich 24 Parteien. Die stärkste Partei sind die tsechischen Nationalsozialisten mit 35 518 Stimmen und 21 Mandaten. Sodann folgt die Sudetendeutsche Partei Konrad Henleins mit 21 924 Stimmen und 13 Mandaten. Weiter erhielten die tschechischen Sozialdemokraten 10, die Kommunisten und die Tschechische Katholische Volkspartei, je 9, die tschechischen Gewerbeparteiler 6, die deutschen Sozialdemokraten und die Tschechische Nationale Vereinigung je 4 Mandate. Von den deutschen Parteien erhielten noch die deutschen Christlich-Sozialen und die Deutsch-demokratische Freiheitspartei je ein Mandat. Staat, der aus 6,5 Millionen Tschechen, 2,5 Millionen Slowaken, 3,5 Millionen Deutschen und noch aus einer Million anderer Stämme wie Ungarn, Ruthenen, Polen usw. besteht, hat also keine Möglichkeit, einseitig tschechisch-national zu regieren, ohne einen kulturell hochstehenden und auch wirtschaftlich wichtigen Volksteil zu degradieren und zu entmündigen. Der Staatspräsident M a s a r y k hat dies klar erkannt, und auch ich mache mir seine Worte zu eigen: „ 3 ch Herr — D u Herr!- Vor dem tschechischen Volk, seiner Tüchtigkeit, seinem Fleiß und seinem können haben wir die größte Hochachtung. Von tschechischer Seite wurde uns immer versichert, baß wir gleichberechtigte Staatsbürger seien. Es ist dies auch in der Verfassung verbürgt. Das Sudeten- und Karpathendeutschtum hier im Staat hat sich in machtvoller Geschlossenheit bei den Wahlen zur Volksgemeinschaft bekannt und mit elementarer Kraft dem Willen Ausdruck gegeben, daß seine Staatsbürgerrechte auch tatsächlich verwirklicht werden müssen. Eine Zusammenarbeit auf dieser Grundlage ist gewiß für Staat und Frieden äußerst wertvoll. Die Krise, die die Tschechoslowakei, vor allem aber das Deutschtum in ihr, heimgesucht hat, kann nur dann überwunden werden, wenn alle schöpferischen Kräfte zusammengefaßt werden zu gemeinsamer Aufbauarbeit an Staat und Dolf.“ ins Leben gerufen, ihr einen namhaften Betrag zugeführt, den Rahmen der Stiftung erweitert und damit die Fortsetzung seines Lebenswerkes gesichert hat. Am Sonntagmittag fand in der Universität in Berlin eine Robert-Koch-Gedenkfeier statt, der Vertreter des geistigen, kulturellen und politischen Lebens, die bekanntesten Angehörigen Das Sudeiendeuischtmll nach dem Wahlsieg. Ein Interview mit Konrad Henlein, dem Führer der Sudetendeutschen Partei. Nobert-Koch-Gedenkseier in Berlin. Reichsminister Dr. Frick verkündet die Erneuerung und Erweiterung der Robert-Koch-Gtistung. Kriegsminister General v. Doyen. Oer Schöpfer des Wehrgesehes von 1814. Von Major Zoertsch. (Schluß.) Als die näheren Bestimmungen erlassen werden sollten, kam die Nachricht, Napoleon sei von Elba in Frankreich gelandet. Die Mobilmachung zum neuen Feldzug war schwierig. Sie traf das Heer im ungünstigsten Zeitpunkt. Die Aushebung umfaßte fünf bis sechs v. H. derBe- völkerung der alten Provinzen, sie streifte hart die Grenze des überhaupt Möglichen. Deshalb ließ Boyen in der Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht Milde walten. Ihm schien nur wichtig, daß das Prinzip an sich gewahrt blieb und gesetzliche Ausnahmen nicht mehr vorkamen. Einen Einfluß auf den Gang der Operationen hat Boyen nicht genommen, aber beim Friedensschluß erhob er wieder seine Stimme für Preußens und Deutschlands Größe. Nun war endlich an eine ruhige Arbeit zu denken. Die Grundsätze des Wehrgesetzes waren in die Tat umzusetzen. Die beiden Leitgedanken — allgemeine Wehrpflicht und Verknüpfung des militärischen mit dem bürgerlichen Leben — verlor Boyen nie aus den Augen. Die Erziehung des Volkes zum Staatsbewußtfein war das Ziel feiner Arbeit. Zunächst wurde die Gliederung der obersten Kommandobehörden festgelegt, die in den alten Provinzen schon 1814 eingeführten Generalkommandos wurden nunmehr auch in den neuen Provinzen eingerichtet. So bestanden jetzt sieben Generalkommandos: in Ost- und Westpreußen, in den Marken, in Pommern, in Schlesien, in Sachsen, in Westfalen, im Rheinland, in Posen. Die Instruktion für die kommandierenden Generäle vom 18. März 1816 mahnte, daß ein Geist der Einigkeit zwischen Militär und Zivil herrschen sollte. Um die Leistungen des Offizierkorps zu heben, hatte Boyen feinen alten Jugendplan wieder belebt, alle Stellen nurnachden Fähigkeiten des einzelnen zu besetzen. Scharnhorst hatte drei Kriegsschulerr für das Offizierexamen und eine Kriegsschule für höhere Verwaltung, die spätere Kriegsakademie, gegründet. Die Vergrößerung des Heeres erforderte naturgemäß auch eine Vermehrung der Schulen. Er gründete 18 Kriegsschulen, bei jeder Division eine, die außer zum Offizierexamen auch zur Fähnrichprüfung vorbereiten und außerdem die jüngeren Offiziere kriegswis- senschaftlich und geschichtlich bilden sollte. Da es jedoch an den Mitteln für die Unterhaltung eines eigenen Lehrkörpers fehlte, mußten Offiziere im Nebenamt lehren und vielfach die Fernlehrmethode anwenden. Hieraus entstanden die „Winter - arbeiten" der Offiziere. Die „Allgemeine Kriegsschule" sollte durch die Divisionsschulen entlastet werden und sich ganz der Heranbildung von Führergehilfen widmen können. Boyen war kein Freund der Kadettenanstalten. Er vermutete in ihnen Pflanzstätten eines exklusiven Geistes, den er seiner ganzen Einstellung nach verwarf. Auch schien ihm der Brauch, Kadetten gleich als Offiziere in die Armee einzllstellen, dem Geist des neuen Heeres zu widersprechen. Seine sehr weitgehenden Aenderungs- plane lehnte der König ab. Auch der Unteroffi- z i e r s st a n d stand vor den neuen erzieherischen Aufgaben, für die er eine bessere Vorbildung brauchte. So wurde die bereits 1812 errichtete Schule für Unteroffiziere 1816 neu belebt. Die Landwehr wollte Boyen örtlich in ihren Bezirken, eng verbunden mit ihrer engeren Heimat, aufgestellt sehen. Im Gegensatz dazu sollte das st e h e n d e Heer nur nach militärischen Gesichtspunkten organisiert werden, um es möglich st schlagfertig zu machen. Der junge Soldat sollte im stehenden Heer ganz dem Dienste am Gesamtstaat zufallen, ganz Preuße werden. Dann konnte er als märkischer oder rheinischer Landwehrmann sich als Streiter seiner engeren Heimat fühlen. Die Stärke des stehenden Heeres reichte nicht entfernt aus, um die allgemeine Wehrpflicht wirklich durchzuführen. Einen weiteren Gefahrenpunkt schien das System der Einjährigen zu bilden. In ihnen sah Boyen den künftigen Landwehroffizier, deshalb sollten sie nicht mehr, wie 1813, Verbände für sich bilden, sondern l n allen Truppenteilen des stehenden Heeres dienen. Boyen wollte auch hier, seinen Grundsätzen getreu, nicht Reichtum und Besitz gelten lassen, sondern nur den gebildeten jungen Leuten Gelegenheit geben, ihre Bildung zu vervollkommnen, ohne sie zu lange durch den Heeresdienst unterbrechen zu müssen. Die Landwehr von 1813 war eine S ch ö p - f un g für den Kriegsfall gewesen. Sie bestand zum weitaus größten Tenil aus unausgebildeten und hatte Milizcharakter. Das batte in der damaligen Notlage genügt, wenn die Landwehr auch, wo sie wirklich hart in den Kampf gekommen war und scharf marschieren mußte, alle Mängel einer improvisierten Truppe gezeigt hatte. Jetzt war etwas Neues zu schaffen: ein zweites Heer, das auf den Schultern des ersten stand, und seine feste organische Friedensgliederung hatte, eine Landwehr von ausgebildeten Soldaten. Schon im November 1815 ergingen die Ausführungsbestimmungen über die Landwehr, die Lau d- wehrordnung. Das Wehrgefetz war, im ganzen gesehen, eine gewaltige Leistung, geschaffen mit schnellem Entschluß und weitem, staatsmännischem Blick, geboren aus einer tiefen Liebe zu Volk und Vaterland. Nun galt es, das Geschaffene zu erhalten. In den Dienst dieser großen Aufgabe hat Boyen den Rest seines Lebens gestellt. Als seine Gegner das alte Heeressystem wieder einführen und an Stelle der Landwehr wieder die Beurlaubten fetzen wollten, schrieb Boyen sofort eine Abwehrschrift, in der er sagte, beseitige man die Landwehr, so habe man keine allgemeine Wehrpflicht mehr. Trotzdem entschloß er sich zu Zugeständnissen. Die Friedensstärken wurden weiter herabgesetzt, die Landwehr- Uebungen weiter gekürzt, aber an den Grundlagen des Wehrgesetzes ließ er nicht rütteln. Doyens* innenpolitische Anschauungen entsprachen seinen wehrpolitischen Gedanken. Für den Vater der Landwehr war die Entwicklung eines starken Bauerntums und eines gesunden Mittelstandes selbstverständliches Gebot. Er forderte hohe Opfer für den Staat. So iah er auch hohe Pflichten dieses Staates dem einzelnen gegenüber. In diesem Gedankengang sind seine Wunsche nach einer Verfassung zu verstehen, die er in vielen Vorschlägen immer wieder anbrachte. So wird sein bewunderungswerter Weitblick auf sozialem Gebiet verständlich, mit dem er Maßregeln des Staates im Hinblick auf die zunehmende Industrialisierung und Beachtung der Siedlungsfrage forderte. Das hat ihm viel Gegnerschaft und den Namen eines preußischen Laf ayette eingebracht, auch den Vorwurf, er und feine Landwehr verfolgten revolutionäre Tendenzen. Der König war schwankend in diesen Kämpfen. Er tat für das Heer, was er konnte, doch gegen den viel bekämpften Kriegsminister konnte er feinen Argwohn nie unterdrücken. So kam es 1819 zum Konflikt. Der König erfuhr, daß fein schon 1815 gegebener Befehl, bei der Mobilmachung aus je zwei Landwehrregimentern zu zwei Bataillonen ein Regiment zu drei Bataillonen zu bilden, nicht veröffentlicht worden war. Boyen hatte diese Weisung als Mobilmachungsangelegenheit wohl bewußt geheimgehalten. Nun forderte der .König die Umänderung sofort. Ein Viertel der Landwehrbataillone sollte fallen, die Landwehrinspekteure sollten abgeschafft werden, die Landwehrregimenter zu Brigaden zusammengefaßt und den Divisionen unterstellt werden. Boyen glaubte feine Grundsätze gefährdet. In drei langen Denkschriften versuchte er den König umzustimmen. Vergebens. Er erbat den Abschied und erhielt ihn. Doyens Abschied war ein Verlust der Armee. 1820 wurde die Dienstzeit durch verschiedene Einstellungs- und Entlassungstermine auf 2Vr Jahre vermindert, und 1837 wurde nach langen Erwägungen und Beratungen, an denen auch Boyen aus "feiner Ruhestellung mitwirkte, die zweijährige Dienstzeit endgültig eingeführt. Zu durchgreifenden Reformen langte trotz der schlechten Erfahrungen bei der Mobilmachung von 1830-31 weder Geld noch Mut. Die Zeit schritt vor, und im Kriegsministerium war Doyens fortschrittlicher Sinn nicht mehr am Werk. Da wollte es das Schicksal, daß 1841 Preußens junger König, Friedrich Wilhelm IV., den 70jährigen General v. Boyen noch einmal an die Spitze des Kriegsministeriums berief. Aber feine alte schöpferische Kraft war nicht mehr in ihm. War so die zweite Amtszeit Boyens für die organisatorische Weiterentwicklung wenig ergiebig, so waren seine Bemühungen um die Hebung der Leistungsfähigkeit des Heeres von größerem Erfolge. Am 22. August 1847 schied General v. Boyen mit 76 Jahren aus dem Amt. Das Heer wies zwar noch manche Mängel auf, aber Boyen durfte zufrieden fein mit dem Geist, der es beseelte. In den Stürmen des Jahres 1848 hat Doyens Werk festgestanden. Am 15. Februar 1848 schloß General v. Doyen die Augen. Zu Scharnhorsts Füßen auf dem Jnvalidenfriedhof wurde er z u r Ruhe gebettet. Preußens Heer trug den Letzten feiner Großen aus dem Befreiungskriege zu Grabe. Den Schöpfer des Wehrgesetzes von 1814, den Hüter des volksverbundenen Heeres. „Durch ihr Heer", sagte Treitschke, „gewannen die Preußen wieder, was keine große Nation auf die Dauer entbehren kann, den nationalen Stil, die stolze Sicherheit des Auftretens." der medizinischen Wissenschaft und die noch (eben- den Schüler des Verstorbenen beiwohnten. Don den Hinterbliebenen Robert Kochs waren seine Witwe und seine Tochter, Frau Professor Pfuhl, anwesend. Als Vertreter der Reichsregierung wohnte der Reichs- und preußische Innenminister Dr. Frick der Feier bei. Unter den Anwesenden befand sich auch der japanische Botschafter M u s h a - kost. Die Vegrüßungsworte sprach der Präsident des Reichsgesundheitsamtes Professor Dr. Hans Reiter. Der Reichs- und preuhische Innenminister Dr. Sritf nahm darauf das Wort zu folgender Ansprache: Es ist ein Zeichen der Lebenskraft eines rassisch gesunden und unverbrauchten Volkes, wenn immer wieder aus seinen unbekannten Söhnen die Tüchtigsten aufsteigen und Leistungen vollbringen, die über die Grenzen des eigenen Landes hinaus die Anerkennung der ganzen Welt auf sich lenken. Zu diesen weltberühmten Söhnen Deutschlands gehört Robert Koch. Als Sohn eines Bergmanns ip Clausthal am Harz, der 13 Kinder als sein eigen zählte, gelang es ihm, sich vom einfachen Landarzt und Kreisphysikus zum Begründer der Bakteriologie und damit der modernen Seuchenbekämpfung emporzuarbeiten. Wenn die Cholera und andere gemeingefährliche Krankheiten aus Deutschland praktisch verschwunden sind, wenn wir heute gegen den Starrkrampf, die Diphtherie, den Typhus praktische Schutzmittel besitzen, und wenn die Bekämpfung der Tuberkulose, dieser furchtbaren Volkskrankheit, mit Erfolg ausgenommen, worden ist, so verdanken wir dies nicht zuletzt der unermüdlichen Arbeit Robert Kochs und seiner Schüler. Der großen Bedeutung und des praktischen Wertes der auf der Arbeit von Robert Koch beruhenden Seuchenbekämpfung sind wir uns insbesondere während des Weltkrieges bewußt geworden. Koch war ein echter Deutscher. Er war zäh, unerbittlich, fleißig und anspruchslos. Er war zugleich ein großer Arzt, der seine vom Schicksal ihm gegebenen Anlagen und seine Fähigkeiten in den Dienst des Volkes stellte und der in unermüdlicher Arbeit die gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse in praktische Heil- und Bekämpfungsverfahren umsetzte. Auch das Ausland wurde bald auf ihn aufmerksam und bat um seine Mitwirkung bei der Bekämpfung der Infektionskrankheiten. Die Erfolge, die er hier ebenso wie in unseren Kolonien zu verzeichnen hatte, wo er oft unter Einsetzung seines eigenen Lebens seine wissenschaftlichen Untersuchungen ausführte,, trugen zur Mehrung des Ansehens bei, das er im Inland und Ausland als großer Gelehrter genoß. Im Jahre 1908 wurde von der damaligen kaiserlichen Regierung die Robert-Koch-Stiftung zur Bekämpfung der Tuberkulose errichtet. Ihr wurden namhafte Summen aus allen Teilen des In- und Auslandes zugeführt. Die Stiftung sollte der Förderung wissenschaftlicher Arbeit und damit auch praktischen Aufgaben zur Bekämpfung der Tuberkulose dienen. Mit ihr wurden die letzten großen Tuberkulosearbeiten von .Robert K o ch und seinen Schülern durchgeführt. Das Kapital dieser Stiftung ist leider der Inflation verfallen und damit eine wichtige materielle Quelle für die Seuchenforschung versiegt. Wenn auch durch die Tätigkeit Robert Kochs und der von seinen Ideen geleiteten Aerzte die Tuberkulosebekämpfung erfolgreich gestaltet und die volkspolitischen Gefahren der Tuberkulose durch planmäßige Arbeit und Krankenfürsorge stark zurückgedrängt werden konnten, so ist damit die Tuberkulosenfrage doch nicht endgültig getöst. Die nationalsozialistische Regierung hat es daher, zugleich bewegt von der Fürsorge für die Volksgesundheit, als eine Dankesschuld gegenüber dem großen Forscher empfunden, die Stiftung, die feinen Ramen trägt, neu ins Leben zu rufen und damit zur Fortsetzung feines Lebenswerkes beizutragen. Da die roiffen- fchaftliche Tätigkeit Robert Kochs sich nicht in der Tuberkulofenforschung erschöpfte, glaubt die Reichsregierung im Sinne des großen Forschers zu handeln, wenn sie den Rahmen der Robert-Koch-Stiftung weiter spannt und die Erträgnisse der Stiftung außer der Erforschung der Tuberkulose auch der Förderung anderer wissenschaftlicher Arbeiten zur Bekämpfung der Infektionskrankheiten nutzbar macht. Demgemäß erneuere ich hiermit die Robert-Koch-Stiftung im Gedenken an den vorbildlichen deutschen Arzt und Forscher, dessen Werk ein Eckpfeiler unserer Gesundheitspflege bildet. Ich ehre damit zugleich dankbar die hervorragenden Leistungen der deutschen ärztlichen Wissenschaft und gedenke oller jener Aerzte, die im Frieden und im Kriege ihr Leben bei der Seuchenbekämpfung eingesetzt und geopfert haben. Nach dem Minister sprach der japanische Botschafter Exz. M u s h a k o j i. Er gedachte in Ehrfurcht und Dankbarkeit des Werkes des deutschen Gelehrten, sprach über die Beziehungen Kochs zu feinen ausländischen Schülern und Fachgenossen, besonders in Japan, und erinnerte dabei an die glänzende Aufnahme, die Robert Koch 1908 in Japan gefunden hatte. Deutschland könne stolz darauf sein, daß es so viele solcher Männer hervorgebracht habe. Die Festrede, die der vor zwei Wochen verstorbene Schüler Robert Kochs, Geheimer Medizinalrat Professor Dr. K o l l e, Frankfurt a. M., verfaßt hat, wurde von Professor Dr. H etsch-Frankfurt, verlesen. Oberregierungsrat Professor Dr. Möllers, ebenfalls ein Schüler Kochs, gab eine Schilderung der letzten Lebensjahre seines Lehrers. Robert-Koch - Gedächtnis - Anstellung. Am Sonntag wurde in Berlin eine Robert- Koch-Gedächtnisaus ft ellung der Oeffent- lichkeit übergeben. Die Ausstellung soll die Bedeutung des großen Forschers für die allgemeine und öffentliche Hygiene darstcllen und den unermeßlichen Wert der Entdeckung des Tuberkel-Bazillus, des Cholera-Bazillus und der von seinen Schülern auf Grund seiner Methoden entdeckten Typhus- und Diphtherie-Bazillen usw. versinnbildlichen. In der Gedächtnisausstellung ist der Hauptwert nicht au Robert Koch als Persönlichkeit gelegt, sondern au fein PZerk, das ihn in großer Klarheit als einen der größten Helfer der Menschheit zeigt. Der Stammbaum Robert Kochs (der bekanntlich aus einer kinderreichen Familie stammt) liefert einen höchst eindrucksvollen Beitrag zum „Aufstieg des Begabten". Unter den zahlreichen per» sönlichen Erinnerungen find zu finden Bilder aus feiner Kinder- und Studentenzeit, Schulzeugnis und Der Tag der deutschen Seefahrt strahler hinweg übermittle. Sie sind die Glieder unseres Volkes und sie sollen Künder unserer Nation sein. Sie können davon überzeugt bleiben: Niemals wird Deutschland untergehen, wenn es den Mut hat, stärker zu sein als die Not, die uns zu Boden geworfen hak. (Langanhaltender stürmischer Beifall.) „Deulschland will sich nicht abkaMvon derWeli" Der Stellvertreter des Führers über die Bedeutung der Seeschiffahrt als Mittler des lebendigen Warenaustausches der Völker. Hamburg, 25. Mai. (DNB.) Hamburg sieht ganz im Zeichen des Tages der deutschen Seefahrt. Die Auslandsorganisation der NSDAP,. Abteilung Seefahrt, hat alle Vorberettun- gen getroffen, um einen würdigen Verlauf der Festtage zu gewährleisten. Der Hafen bietet im ^est- tagskleid ein überwältigendes Bild. Alle Schüfe haben über die Toppen geflaggt. Die Ueoer[ee- brücke bildet den Mittelpunkt des gesamten Hafen- Betriebes. Hier hat das Panzerfchlff „Deutschland" festgemacht, um die Verbundenheit der Kriegsflotte mit der Handelsflotte zum Ausdruck zu bringen. Unmittelbar neben öem Panzerschiff liegt der H a p a g d a m p f e r „H a in» du r g" der den Vertretern der Nelchsregierung und den zahlreichen Ehrengästen als Wohnschiff Das Fest wurde eingeleitet mit einer großen Kundgebung in der H a n s e a t e n h a l l e, Deutschlands größten Versammlungsraum. Nicht endenwollender Jubel erscholl, als Relchsinlni er Dr. Goebbels, begleitet von Reichsstatthalter Kaufmann, dem regierenden Bürgermeister Krogmann, Reichsstatthalter R i t ter v. C p P und weiteren führenden Männern des Staates uno der Bewegung erschien. Anwesend waren viele Vertreter der Wirtschaft, insbesondere der oee- schifsahrt und der DAF. Der Leiter der Abteilung Seefahrt, der Auslandsorganisation der NsDAP« Kle mp, führte als erster u. a. aus: Wenn wir den Tag der deutschen Seefahrt feiern, so werben wir um die Herzen des gesamten deutschen Volkes. Alle Volksgenossen sollen den deutschen Seemann kennen und verstehen lernen, um seme schwere Arbeit würdigen zu können. Der Leiter der Auslandsorganisation der NSDAP., Gauleiter Bohle, betonte dann besonders, daß kein deutscher Seemann es versuchen werden, Menschen anderer Nationen etwa zu Nationalsozialisten machen zu wollen. Der deutsche Seemann weiß vor allem auch aus den mehrfachen Erklärungen des Führers, daß der Nationalsozialismus eine deutsche Angelegenheit ist und das wir es bewußt ablehnen, unsere eigenen Ideen anderen offen oder heimlich aufzudrängen. Deshalb hält sich der deutsche Seemann wie auch jeder andere Deutsche im Auslande absolut fern von allen Bestrebungen, die als Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten äufgefaßt werden könnten. Auf allen Meeren gehen deutsche Schiffe, so schloß Bohle, ihrer friedlichen Mission nach und dienen dem gegenseitigen Güter- und Warenaustausch der Völker der Welt. Die Parole lautet weiter: Vertrauen und Zusammenarbeit aller zum Wohle des ganzen und über allen der Wille Adolf Hitlers. Aeichsminister Dr. Goebbels ergriff als letzter das Wort: Wenn der Diplomat der Gesandte seines Reiches ist, dann könnte man den Seemann gewissermaßen den Gesandten eines Volkes nennen. Er ist dazu erzogen, immer an sein Volk zu denken und sich vor Augen zu halten, daß sein Volk gemeint ist, wenn man ihn im Ausland beurteilt. Mit stolzer Freude fei er sich der Tatsache bewußt, daß in feinem Rücken heute wieder eine einige Nationvon 6 6 Millionen stehe. Dieses Deutschland hat nicht darauf gewartet, daß die Welt ihm fein Recht wie- dergebe, sondern es hat sich fein Recht und eine Ehre aus eigener Kraft geschaf - e n (stürmischer Beifall). Wir sind nicht gesonnen, unseren friedlichen Ausbau von mißgünstigen Feinden stören zu lassen. Wir haben hinter die Armee, die den Spaten schulterte, eine Armee gestellt, die das Gewehr schultert. Diese Armee ist nicht dazu da, den Frieden zu tören, sondern um den Frieden zu beschützen. Viel ist auch in Zukunft zu tun; aber wir lassen den Mut nicht sinken. Wie haben 4^2 Millionen Menschen wieder in Arbeit gebracht und werden auch den übrigen Beschäftigung geben. Angesichts der Größe des Erreichten und des noch Bevorstehenden darf es keiner wagen, Kritik zu üben. Wir haben die Revolution nicht gemacht, um sie nach einigen Jahren von ein paar Kritikastern zerreden zu lassen, sondern sie soll Jahrhunderte überdauern. Dr. Goebbels bei der Besatzung des „General Osorio". Reichsminister Dr. Goebbels besuchte den im Freihafen liegenden Dampfer,, General O s a r i o", auf dem während des „Tages der deutschen Seefahrt" die Vertreter der in- und ausländischen Presse untergebracht waren. Ein großer Teil der Besatzung konnte die Feiern an Land nicht mit» machen, sondern mußte auch an ihrem Festtage schwer arbeiten. Dr. Goebbels bereitete ihnen aus diesem Grunde die Freude seines Besuches und richtete eine Ansprache an die Mitglieder der Besatzung. Der Leiter der Abteilung Seefahrt der Auslandsorganisation der NSDAP. Pg. Klemm und der Kapitän des „General Osorio" Pg. Christiansen dankten dem Minister im Namen der Besatzung für sein Kommen und brachten auf ihn ein dreifaches Sieg-Heil aus. Dr. Goebbels erläuterte dann die Notwendlgreit, die Nationalsozialistische Parte: auch nach der Zer trümmerung aller anderen Parteien . J rechtzuerhalten. Sie ist der Grundpfeiler des na- tüinalsozialistischen Staates. Doll Befriedigung könne man das Echo der Rede des Fuy- rers im Auslande verzeichnen Wenn einige Zeitungen dagegen Hetzen, dann sind'sie v>o n I e = ner Rüstungsindustrie gekauft die feinen Frieden will, mell sie am Kriege verdient. Aber die Völker wollen den Frieden Sie haben allmählich emgesehen, daß das Unglück eines Volkes nicht das Glück der anderen Völker ausmacht. Wir stehen heute vor einem Berg voll ungelöster Probleme. Sie können nur gemeistert werden, wenn Volk und Führung einig find und alle Stände an der Lösung mitarbeiten. Jeder an feinem Platz hat ein Stück Deutschland zu behaupten und ein Stück Deutschland zu vertreten, und so glaube ich, daß ich diese Feierstunde mit 30 000 Menschen in Hamburg aus der Seefahrt und ihren verwandten Betrieben mit Millionen Menschen, die in dieser Stunde jetzt über die Aetherwellen hinweg mit uns verbunden sind, nicht besser beschließen, als wenn ich allen Seeleuten draußen auf dem Meere,, in anderen Ländern und anderen Erdteilen den Gruß und den Dank des deutschen Volkes über die Rück- Den Höhepunkt des Sonntags bildete eine Kundgebung auf der Moorweide, auf welcher der Stellvertreter des Führers Rudolf Heß sprach. Mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen marschierten die Marine-SA. und Marine-HI. sowie die Angehörigen von Schiffsbesatzungen aus allen deutschen Seehäfen auf. 70 000 Angehörige der nationalsozialistischen Formationen füllten das weite Feld. 25 000 Mann der Deutschen Arbeitsfront aus den der Seefahrt verwandten Betrieben ergänzten das geschloffene Bild des gewaltigen Aufmarsches aller an der Seefahrt beteiligten und mit ihr zusammenhängenden Kreise. Durch den „Tag der deutschen Seefahrt" soll, so führte der Stellvertreter des Führers aus, g e - rabe auch der Binnendeutsche daran erinnert werden, welche Mission die Seefahrt für Deutschland erfüllt. Sie stellt die lebendige Verbindung zwischen der Heimat und den Deutschen draußen sowie zwischen Deutschland und den Völkern der Welt jenseits der Meere dar. Alle Maßnahmen des Führers zur Stärkung des Reiches und zum Erhalt der neugewonnenen Kraft kommen auf die Dauer der deutschen Wirtschaft und damit dem einzelnen von euch deutschen Seefahrern zugute. Als eines der stärksten Bindeglieder der deutschen Wirtschaft mit den Wirtschaften anderer Völker dient die Seefahrt dem Warenaustausch, von dessen Ordnung und Regelmäßigkeit der Wohlstand der Völker und jedes einzelnen ihrer Glieder wesentlich abhängig ist. Es ist nicht Deutschlands Wille, in wirtschaftlicher Autarkie zu leben. Der Deutsche will sich nicht abkapseln von der Welt. Und nur unter Druck von außen, durch Boykott und andere Zwangsmaßnahmen, die durch politischen haß diktiert waren und hie und da noch diktiert sind, muß sich Deutschland mit dem Problem der wirtschaftlichen Selbsterhaltung befaßen. Ich betone, daß es eine Deutschland von außen her a u f g e - zwungene Rotwendigkeit ist, nicht aber sein freier Wille, wenn es alle die INög- llchkeilen prüft, unabhängig von außen seine wirtschaftlichen Pflichten gegenüber dem Volk zu erfüllen. Wir hoffen, daß die von uns erwünschte Entgiftung der po'. ititchen Atmosphäre, von der wir glauben, daß sie gerade in den letzten Tagen durch die große Rede des Führers Fortschritte gemacht hat, auch wirtschaftliche Folgen haben wird, von denen durch erhöhten Warenaustausch, nicht nur die deutsche, sondern auch die Seeschiffahrt anderer Völker Ruhen haben können. Rudolf Heß wandte sich dann an diejenigen feiner Volksgenossen und Kameraden, die bald a l s Waffenträger des deutschen Volkes ihren Dienst im Heere leisten werden. „Ich weiß, daß ihr in jeder Uniform bleibt, was ihr wart und bleiben werdet: Soldaten Adolf Hitlers. Ich weiß, ihr werdet als Soldaten des nationalsozialistischen Volksheeres ebenso eure Pflicht tun für Deutschland, wie ihr es bisher in euren Formationen getan habt. Und ich weiß auch, ihr alle freut euch auf diese Zeit. Partei und Heer sind nach dem Willen des Führers die Säulen des nationalsozialistischen Reiches. Jeder, der den Rock der soldatischen Ehre in Grau und Blau wieder tragen darf, vergesse niemals, daß erst die nationalsozialistische Bewegung unter ihrem Führer es ermöglicht hat, wieder eine Wehrmacht aufzubauen, die Deutschlands Freiheit und Ehre sichert. Offiziere und Soldaten der alten Reichswehr haben durch die Jahre des Verfalls hindurch die militärische Tradition der deutschen Armee erhalten. Daß dies nicht vergeblich war, daß aus der kleinen Reichswehr ein starkes Volksheer entstehen konnte, verdankt Deutschland Adolf Hitler und den Hunderttausenden braver Mitkämpfer der Zeit des Ringens um die Macht, verdankt Deutschland ihrer unverbrüchlichen Treue zu Deutschland, ihrer unermüdlichen Arbeit, ihrem Opfern und ihrer Hingabe." , ♦ Marine-SA. und Marine-HI. marschierten im Anschluß an die Kundgebung durch die von vielen Zehntausenden umsäumten Straßen der Stadt zu den St. - Pauli-Landungsbrücken, wo der Stellvertreter des Führers den Vorbeimarsch der Formationen abnahm. Den Abschluß des „Tages der deutschen Seefahrt" bildete am Abend ein Riesenfeuerwerk auf der Außenalster, dem Hunderttausende von Zuschauern beiwohnten. Handzeichnungen, Briefe an Verwandte und Mitarbeiter, Rezepte und Rechnungen aus seiner Tätigkeit als Kreisphysikus, sein Notizbuch, seine Briefe, das Mikroskop, mit dem er den Tuberkel-Bazillus Entdeckte, und vieles andere. Die ihm zuteil gewordenen Auszeichnungen aus allen zivilisierten Staaten, Diplome und Ehrenbürgerbriefe, haben nur zu einem Teil untergebracht werden können. Eine große goldene Medaille erinnert daran, daß ihm die höchste wissenschaftliche Auszeichnung, der Nobelpreis, zuerkannt wurde. Ausgestellt sind ferner ein Teil der Veröffentlichungen, photo - graphische Aufnahmen von den großen Forschungsreisen zur Erforschung der Cholera, der Malaria, der Rinderpest, der Schlafkrankheit und des Küsten- siebers. Der besondere Anziehungspunkt der Ausstellung ist eine Nachbildung des Laboratoriums in Wollstein. Aus diesem dürftig eingerichteten und außerordentlich beschränkten Raum sind die größten medizinischen Entdeckungen des vorigen Jahrhunderts hervorgegangen. Rudolf Heß weiht die erste Weltjugendherberge. Hagen (Westfalen), 25. Mai. (DNB.) Der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, übergab in Altena das vor 25 Jahren auf der 800jährigen Stammburg der Grafen von der Mark geschaffene Mutterhaus der deutschen Jugendherbergen, die erste Jugendherberge in Deutschland und in der Welt, seiner Bestimmung als erste deutsche W e l t j u g e n d - Herberge. Zu dem Weiheakt im unteren Burghof waren auch die Vertreter der Jugendherbergsverbände von Danzig, Holland, Siebenbürgen, Belgien, Frankreich, der Tschechoslowakei, der Schweiz, Polen, England, Luxemburg uni) Amerika erschienen. Die Jugendherbergsverbände der anderen Staaten hatten Grüße und Wimpel übersandt. Nach einem Weihespiel der Hitler-Jugend und des BDM. hieß der Herbergsvater der „Bura Altena" und Begründer des deutschen Jugendherbergswerkes, Richard S ch i r r m a n n , der auch Ehrenvorsitzender des Reichsverbandes für deutsche Jugendherbergen und erster Präsident der Internationalen Arbeitsgemeinschaft ist, den Stellvertreter des Führers willkommen. Reichsjugendführer Baldur von Schi rach feierte die Erfolge des Jugendherberas- gedankens. Bisher feien rund 2000 Jugendherbergen entstanden, die die Jugend dem vergiftenden Einfluß der Großstadt entzögen und ihr die Heimat lieb machten. Dank gebühre auch den Leitern des Jugendyerbergswefens in der Vergangenheit, besonders Richard Schirrmann. Erft als Adolf Hitler auch das junge Deutschland zusammengeschweißt habe, seien die Voraussetzungen gegeben worden, den Jugendherbergsgedanken zu neuer Höhe emporzuführen. Der Stellvertreter des Führers erklärte dann, daß sich auf dieser Burg di e Jugend vieler Nationen kennen — und so hoffe er — achten lernen werde. Wie es selbst im Kriege ein Verstehen zwischen den einzelnen gab, so auch heute, wenn die Angehörigen verschiedener Nationen sich von Mensch zu Mensch gegenüberstehen. Es sei gut für dieses Verstehen, wenn Teile der Jugend, die später einmal Teile ihrer Völker werden, in Berührung miteinander kommen und sich wirklich näher kennenlernen. „Vielleicht geht durch diese Jugendherberge einmal der eine oder der andere Junge, der später einmal zu den Maßgebenden seines Volkes gehört. Und vielleicht entsinnt er sich als Mann in ernsten Stunden, die den Frieden zwischen den Völkern bedrohen mögen, einstiger sorglos froher Tage des Zusammenseins in diesem Heim mit jungen Kameraden anderer Nationen Vielleicht vermag er dann dank dessen, daß er hier das Wesen dieser anderer Nationen verstehen und achten lernte, ein schweres Unglück für die betroffenen Länder — ja für die Menschheit — zu verhindern. Dann hat diese Burg unendlichen Segen gebracht. Hitlerjugend, Elternhaus und Schule. Eine Rede oes Reichserziehungsministers. Dresden, 25. Mai. (DNB.) Auf einem Jugendtreffen sprach Reichserziehungsminister Rust über „Hitlerjugend, Elternhaus und Schule". Im Gegensatz zur älteren Generation habe die Juaend schneller zu Adolf Hitler gefunden. Das liege z. T. daran, daß die Jugend den Lebenskampf, den Kampf des einzelnen um feine Existenz noch nicht kennt. Es kommt aber für jeden die Stunde, wo er ins Leben hinaustrete. Dann werde der eine auf die Akademie und der andere ins Bergwerk gehen, soziale Unterschiede würden hervortreten und der Kampf um den Arbeitsplatz beginnen. Das [et ein ewiges Gesetz und nicht zu hindern. Wie auch der tapferste Soldat mit in die Flucht gerissen werde, wenn die Armee nicht standhalte, so fei b e r einzelne im Leben eines Volkes andasGlück und Unglück der Gesamtheit gebunden. Das große Problem sei, daß man dem einzelnen den Lebenskampf nicht verbieten könne und doch verlangen müsse, daß sich alle zusammen- f a n d e n. Die Schicksalsfrage eines Volkes fei, ob die politische Führung einen einheitlichen politischen und völkischen Willen ^r.en Kampf des einzelnen stelle und das fei Adolf Hitlers große politische Tat. Die frühere Aufgabe der Schule war, das Kind zu lchulen für feinen Lebenskampf. Das neue Deutsch- lanb fefce neben den einzelnen d a s V o l k und sehe die Aufgabe der Schule darin, so zu arbeiten, daß oos Volk in seiner Gesamtheit dahin geschult werde, seinen Lebenskampf zu bestehen. Es Aelte, die Kinder dahin zu bringen, wo das Leben der Gemeinschaft wirksam werde, das heißt in die Hitlerjugend. Jedes Volk müsse den Kampf um feine Existenz führen. Für Deutschland fei bei [einer zentralen Lage und bei dem Fehlen jeglicher natürlichen Grenzen dieser Kampf besonders schwer. Deutschland könne daher diesen Kampf nur dann bestehen, wenn es durch den einheitlichen Willen deo ganzen Volkes unüberwindbare Mauern aus Menschen um sich bauen könne. . Nachdem der erste große Kampf gegen den Mar- rtsmus gewonnen sei, drohten jetzt gewisse neue Schwierigkeiten infolge kirchlicher Gegensätze. Die Eltern dürften diese Gegensätze auf keinen Fall in die Herzen der Ju- ? * " b tragen Er werde nicht dulden, daß zer- stört werde, wofür Millionen von Volksgenossen geblutet hätten und gestorben wären. Die !deutsche Einigung konnte nicht von oben her dekretiert werden Sie müsse von unten her aus der Familie wachsen, bis sie eines Taaes das ganze deutsche Volk umfasse. Auch in Zukunft EnG huschen hinter dem Schraubstock DasWeÄntti^-bie Akademien gehen, m n h in1? ? doh i.eder dahin gehe, 'Rufunft mprhV. darunter viele Kriegerhinterbliebene, fast sämtliche Gliederungen der Partei, NSDFB (Stahlhelm), Luftsportverband, Reichsluftschutzbund, Kyffhäuserbund, Reichstreuebund, Baltikum-Verband, Feldjägerkorps und Arbeitsdienst waren vertreten. Generalmajor v. Küchler überbrachte die Grüße des Reichskriegsministers, Ministerialdirektor S i e l e r die des Reichsarbeitsministers. Der Staat sei bemüht, auch in diesem Jahre in der Dersorgungs- frage wieder einen Schritt vorwärts zu kommen. Der Reichsarbeitsminister treffe sich mit dem Kriegs- opferführer in dem Bestreben, den Kriegsopfern eine gerechte Versorgung zu geben, wie es dem Willen des Führers und Reichskanzlers entspreche. Brigadeführer S ch m i tz g a e b e l hielt die Gedächtnisrede für Schlageter. Reichstagsabgeordneter Liebel stellte fest, daß die Kriegsopfer heute beim Reichsarbeitsminister und beim Reichsfinanzminister vollstes Verständnis finden und auch der Unter- stützung durch den Reichskriegsminister sicher sein dürften. Die Bestrebungen des Reichskriegsovfer- führers zielten auf den allmählichen Abbau der Drüningschen Notverordnungen hm. Arb ei t3 - beschaffung und Siedlung seien dringliche Aufgabengebiete der NSKOV. Auflösung des Druiden-Ordens. Für Orden und Logen kein Platz mehr im Dritten Reich. Berlin, 25. Mai. (DNB.) Am 19. Mai 1935 fand in Berlin eine außerordentliche Generalversammlung des Reichsbundes der ^Bereinigung deutscher Druiden statt, in welcher folgender Beschluß einstimmig angenommen wurde: Aus der Erkenntnis heraus, daß der Staat die Zusammenfassung a Ile r Kräfte für einen einheitlichen machtvollen Ausbau gebraucht und verlangen muß, und in der Erwägung, daß eine Zersplitterung in kleine Gruppen der Durchführung dieser Forderung hinderlich ist, erklärt der Reichsbund der Vereinigung deutscher Druiden sich selbst und die gesamte Organisation für aufgelöst. Die Auflösung wird wirksam am I.Juli 1935. Dazu schreibt das Deutsche Nachrichtenbüro: Diese Nachricht ist erfreulich. Der Reichsbund der Vereinigung deutscher Druiden ist die erste Organisation, die aus sich heraus erklärt hat, daß für Orden und Logen und sonstige Bünde „Hitler zeigt Europa den Weg." Oer ehemalige britische Gchatzkanzler Snowden fordert sofortige Einberufung einer internationalen Konferenz und enge deutsch-britische Zusammenarbeit. London, 26. Mai. (DNB.) Unter der lieber- chrift „Hitler zeigt Europa den Weg" veröffentlicht der ehemalige sozialistische Schatzkanzler Lord Snowden in der „Sunday Dispatch" einen aus» ührlichen Artikel, in dem es u. a. heißt: Hitlers große Rede hat die europäische Lage u m g e w a n d e l t. Die Politik, Sicherheit durch Bündnisse und Pakte zu suchen, die das Ziel einer. Einkreisung Deutschlands durch schwerbewaffnete Nationen verfolgen, kann jetzt nicht mehr verteidigt werden. Deutschlands Aufkündigung der Versailler Derbotsklaufeln und die Bekanntgabe seines Ent- chlusses, sich selbst die Rüstungsgleichheit zu geben, wird sich, falls die anderen Mächte auf Hitlers Rede eingehen, wahrscheinlich als der größte Beitrag erweisen, der seit dem Kriege im Interesse der europäischen Sicherheit und des Friedens geleistet worden ist. Es ist unvorteilhaft, daß sich die Staatsmänner Europas so lange eingebildet haben, daß das größte Land Mitteleuropas für alle Zeiten eine Stellung erniedrigender Inferiorität erdulden werde. Deutschland war solange eine Drohung für den europäischen Frieden, wie es unter den ihm aufgezwungenen Ungerechtigkeiten litt. Ein freies und gleichberechtigtes Deutschland hat keine Ursache, zu den Waffen zu greifen. Die Erkenntnis dieser Tatsache ist die Sicherheit, die Deutschland seinen Rachbarn geben kann. Hat Deutschland die Gleichberechtigung im Rat der Rationen, dann gibt es in Europa kein Land, das mehr am Frieden interessiert ist, als Deutschland. Es ist natürlich leicht, die Erklärungen des deutschen Kanzlers als unaufrichtig abzutun, aber die verbrecherischen Feinde des Friedens sind diejenigen, die jeder echten und aufrichtigen Bemühung, zur Regelung der ernsten europäischen Schwierigkeiten beizutragen, m i t Argwohn gegenüberstehen. Was Hitler auch sonst sein mag, er ist nicht ein Mann, der sich diplomatischer Ausflüchte bedient, um feine wahren Ab- sichten zu verbergen. Er ist ein einfacher, vom Idealismus inspirierter Mann, der durch feine Aufrichtigkeit seinen heutigen Einfluß auf das deutsche Volk gewonnen hat. Seine Rede mutz als eine freimütige und ehrliche Darlegung der deutschen Politik angenommen werden. Es würde für Europa ein verheerendes Unglück fein, wollten die anderen Regierungen sie nicht als solche aufnehmen. Hitlers sehr entschiedene Mitteilung über die deutsche Haltung zu den übrigen Teilen des Versailler Vertrages ist höchst bedeutsam und sollte d i e- jenigen Staaten beruhigen, die befürchtet hatten, daß ein mächtiges Deutschland seine Zuflucht zum Kriege nehmen würde, um die g e ■ bietsmäßigen Bestimmungen des Vertrages zu ändern. Die deutschen Vorschläge enthalten nichts, wogegen irgendeine Macht Einwände erheben könnte. Im Gegenteil sind die Mächte durch ihre in der Vergangenheit abgegebenen Erklärungen auf sie fest gelegt. Die Aufrichtigkeit der deutschen Vorschläge kann schnell auf die Probe g e st e l l t werden, und es sollte hierzu keine Zeit verloren werden. Die sofortige Einberufung einer internationalen Konferenz zur Erörterung der durch Hitlers Rede geschaffenen Lage ist unumgänglich. Sollten unglücklicherweise die anderen Mächte ihre Mitarbeit ablehnen, dann muß Großbritannien allein handeln. Die Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und einem mächtigen Deutschlands würden den ganzen Lauf der europäischen Diplomatie ändern. Eine solche Zusammenarbeit zwischen zwei großen Rationen verwandter Rasse und verwandten Blutes könnte keinen anderen Zweck als der friedlichen Entwicklung Europas dienen. Aber übernimmt Großbritannien in der neuen Lage stark und entschlossen die Führung, dann werden die anderen Mächte folgen müssen. Wer hat die Führung übernommen. Llohd George zur Rede des Führers. Auch der frühere englische Ministerpräsident Lloyd George nimmt aus Anlaß der Führerrede in der „Sunday Pictorial" zu der internationalen Politik Stellung. Hitler habe nicht nur eine große Rede gehalten, sondern auch eine-mutige und eines (Staatsmannes würdige Führung übernommen. In der Tat sei Hitler bereit, Großbritannien ganz oder auf halbem Wege in allen Fragen entgegenzukommen, zu denen auch englischerseits bereits Stellung genommen worden sei. Die einzige augenscheinliche Ausnahme sei die Aufrechterhaltung der deutschen Forderung nach einer Armee von 550 000 Mann, aber, was festgestellt werden müsse', auf der Grundlage einer einjährigen Dienstzeit im Gegensatz zur zwei - ober anderthalbjährigen Dienstzeit in Frankreich, Italien und den meisten übrigen festländischen Großstaaten. Die gegen Deutschland im Osten, Süden und Westen abgeschlossenen Bündnisse rechtfertigten diese Zahl. Wie viele englische Staatsmänner und Politiker, so tritt auch Lloyd George für eine sofortige Verhandlung über den w e st- europäischen Luftpakt auf der von Hitler vorgeschlagenen „vernünftigen, moralischen und materiellen Basis" ein. Was er, Lloyd George, am meisten an der Rede Hitlers schätze, sei jene Stelle, in der es heiße, daß kein Volk jemals einen Krieg wünsche, solange es nicht von seinen Führern hierzu ermutigt werde. Me Plattform für neue Besprechungen. London, 27. Mai. (DNB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" meldet, daß die Rede Hitlers voraussichtlich als Weißbuch in England veröffentlicht werden wird. Englische Abgeordnete, die den vollen Text der Rede prüfen, seien der Ansicht, daß sie auf amtlichem Wege im Parlament in Umlauf gesetzt werden müsse. Die englischen Minister beschäftigten sich mit den Möglichkeiten für neue Besprechungen zwischen den Regierungen. England habe den Wunsch, daß die Verhandlungen für einen we st europäischen ßuftpaft sofort eröffnet werden. Man fei der Ansicht, daß der Abschluß der russisch-französischen und russisch-tschechoslowakischen Unterstützungspakte die früheren Einwendungen gegen eine Abtrennung des Luftpaktes von den anderen Teilen des Londoner Protokolls h i n f ä l - lig gemacht habe. Italien habe seine Zustimmung zu diesem Kurs in Aussicht gestellt. Frankreich sei ebenfalls dazu aufgeforbert worden. „Observer" schreibt, man sei in London bemüht, von vornherein Mißverständnisse, die später Unheil anrichten könnten, zu vermeiden. In erster Linie werde die britische Regierung daher festzustellen versuchen, inwieweit die deutsche Regie- rung zur Wiederaufnahme von Ver- Handlungen über d i e Verminderung und Begrenzung der Rüftungen bereit fei. Hitler habe einerseits erklärt, daß die deutsche Regierung unter keinen Umständen von ihrem fetzigen Programm über die Mi- litärstärken abweichen werde. Andererseits habe sich Hitler erboten, jeder Begrenzung der deutschen Rüstungen zuzustimmen, fofern andere Mächte in gleicher Weise ihre Rüstungen begrenzen. Hitler habe erklärt, daß Deutschland weder die Absicht noch den Willen habe, sich in die inneren Angelegenheiten Oesterreichs einzumischen. Da die österreichische Unabhängigkeit in London als eine der europäischen Kardinalfragen angesehen werde, fei es notwendig, die deutsche Politik in diesem Punkte kennenzulernen. Zum Schluß fragt der Korrespondent, ob die unter Punkt 12 geforderte Maßnahme, nämlich der Vergiftung der öffentlichen Meinung durch unverantwortliche Elemente entgegenzutreten, eine Bedingung für die Zustimmung Deutschlands zu einem System der Sicherheit seien. Das würde wahrscheinlich zu einer endlosen Debatte führen. Ein neuer englischer Dreadnought-Typ geplant. London, 27. Mai (DNB.-Funkspruch.) „Daily Telegraph" meldet, daß zur Zeit die Pläne für einen neuen englischen Dreadnought-Typ vorbereitet werden. Das Schiff werde auf den Namen „König Georg V." getauft werden. Der Grund für die Ausarbeitung dieser Pläne sei darin zu sehen, daß das Flottenfeierjahr für den Schlachtschiffbau am 31. Dezember 1936 zu Ende gehe und daß England zu Beginn des Jahre 1937 zwei neue Schlachtschiffe auf Kiel leigen müsse, falls keine unvorhergesehenen Entwicklungen eintreten. Angesichts der vielen großen und mächtigen Schlachtschiffe, die im Auslande gebaut oder geplant würden, würde es nicht möglich fein, die neuen englischen Schiffe auf den ursprünglich von der Admiralität ins Auge gefaßten Standard von 25 000 Tonnen festzusetzen, vielmehr würden sie den größten ausländischen Schiffen, wie den französischen Schlachtschiffen „Dunkerque" urtb „Strasbourg" und den italienischen Schlachtschiffen „Vit- torio-Veneto" und „Littorio" (35 000 Tonnen) gleichkommen. Mffolim nimmt zur Mrerrede Stellung. Rom, 25. Mai. (DNB.) In der italienischen Kammer führte Mussolini u. a. aus: Die französisch- englische Aussprache in London habe bei den Optimisten wie üblich die Hoffnung auf eine normale Entwicklung der europäischen Lage erweckt. Mit dem 16. März und der einseitigen deutschen Kündigung der Wehrbestimmungen des Versailler Vertrages sei jedoch dieser Optimismus zunichte geworden. Heute sehe jedermann zu, daß mit dem Vorgehen Deutschlands eine vollzogene Tatsache geschaffen worden sei, die nicht mehr widerrufen werden kann. Mit der in Stresa geschaffenen Solidarität könnten verschiedene Hindernisse, die sich dem friedlichen Zusammenleben Europas in den Weg stellen, leicht überwunden werden. Die Donaukonferenz werde nicht im Juni und werde überhaupt nur dann zusammentreten, wenn sie gut vorbereitet sei. Die österreichischen und ungarischen Forderungen seien nicht derart, daß die Donaukonferenz dadurch behindert würde. Die 13 Punkte Hitlers könnten en bloc weder angenommen, noch abgelehnt werden. Die Methode, sie zu klären (und sie zu vertiefen), sei vorzuziehen. Die Diplomatie werde sich dieser Aufgabe in den nächsten Wochen unterziehen. Die deutsch-italienischen Beziehungen seien durch eine einzige Frage belastet, durch die österreichische Frage. Diese Frage sei indessen von grundlegender Bedeutung. Es sei nicht unzweckmäßig, jenen einige Worte zu «widmen, die Italien wie versteinert am Brenner sehen möchten, um es in jeder Richtung in seiner Bewegungsfreiheit zu behindern. Es müsse ein für allemal in der bestimmtesten Weise erklärt werden, daß das Problem der österreichischen Unabhängigkeit ein österreichisches und ein europäisches Problem sei und als europäisches Problem wiederum ganz besonders aber nicht ausschließlich ein italienisches Problem. Das faschistische Italien habe nicht hie Ansicht, feine geschichtliche Mission auf ein einziges politisches Problem zu beschranken, auf einen einzigen militärischen Abschnitt, wie der der Verteidiger der wichtigen Grenze am Brenner. Alle Grenzen Italiens, ob auf dem Kontinent oder in den Kolonien, feien ohne Unterschied heilig und müßten gegen jedwede auch nur in Erwägung zu ziehende Bedrohung b e • wacht und verteidigt werden. Mussolini wies weiter darauf hin, daß Deutschland im Januar 1935 bereit war, die Rüstungsgleichberechtigung in einem unendlich viel b e - schränkterem Umfang zu verwiklichen, d. h. mit einem Heer von 300 000 Mann und einem wenigstens für eine Reihe von Jahren nur auf Derteidigungszwecke eingestellten und überdies kontrollierten Rüstungsstand. Was aber nicht Tatsache geworden sei, könne auch nicht Stoff für die Geschichte sein. Zwecklos wäre es daher, jetzt nach den Schuldigen zu suchen, wie es auch nutzlos fei, noch weiter von Abrüstung zu sprechen. Nach seiner Auffassung sei es schon sehr gewagt, von der Möglichkeit einer Beschränkung der Rüstungen zu sprechen oder vom Verbot einiger Kriegsmethoden. Immerhin, wenn etwas Konkretes gemacht werden sollte, so werde man nicht von italienischer Seite aus Schwierigkeiten erleben. Die in Stresa erreichte Solidarität sei eine beständige und auf allen Gebieten wirksame Solidarität. Mit ihr sei eine politische Aktion großen Stils möglich, durch die die Haupthindernisse gegen ein friedliches Zusammenleben in Europa überwunden werden können, eine Notwendigkeit, die sich für den Bestand und die Zukunft des europäischen Kontinents als immer dringlicher erweise. Italien habe die Absicht, Deutschland zur Donau-Konferenz einzuladen und es über die einzelnen Phasen der Vorbereitung auf dem Laufenden zu halten. ähnlicher Art kein Raum mehr ist. So begrüßenswert die Tat des Druiden-Ordens ist, um so bedauerlicher ist die Feststellung, daß auch heute noch eine ganze Reihe von Organisationen ihr Dasein fristet, deren Mitglieder sich nur aus bestimmten Gesellschaftsschichten zufammensetzen, deren Gesellschaftsform in mystischer Geheimniskrämerei bestehen und die den Geist der neuen Zeit immer noch nicht erkannt haben, vielmehr glauben, daß ohne sie kein Staat möglich sei. Der national- sozialistische Staat erwartet jedoch, daß auch diese Organisationen baldigst von sich aus zur Einsicht kommen, um nicht gezwungen oorgehen zu müssen. Reichstagung Oer deutschen Bottsheilbewegung. Der Reichsverband der Naturärzte hatte zu einer wissenschaftlichen Tagung nach Nürnb erg gerufen. Auf dieser wurde eine Entschließung bekanntgegeben, die die biologischen Aerzteverbände zur Gründung der Reichsarbeitsgemeinschaft für eine neue deutsche Heilkunde gefaßt haben. Der Reichsärzteführer Dr. Wagner sprach über die Entwicklung, die zur Einigung in der biologischen Heilweise führte. Es sei selbstverständlich für ihn, daß man das Gros der Aerzte nicht umstellen könne. Da nur die Praxis von dem Wert des Naturheilens überzeugen könne, wolle man mit Aerztekursen am Rudolf- Heß-Krankenhaus, bald auch in München und anderen Städten beginnen. Aufgabe der Naturärzte müsse sein, unter den Aerzten, bei den Patienten und jn den Laienbünden für ihre Gedanken zu arbeiten. Weiter sprach Prof. Kö tschau (Jena), der vom Reichsärzteführer mit der Führung der Reichsarbeitsgemeinschaft betraut worden ist, ferner Dr. Brauchte vom Rudolf-Heß-Krankenhaus in Dresden und Prof. Lange (München). Auf einer Kundgebung des Hauptamtes für Volksgesundheit der NSDAP, sprach der Sonderbeauftragte des Reichsärzteführers Dr. Strock über die Raffenfrage im Dritten Reich. Die Rassenfrage ist für uns gleichbedeutend mit der Judenfrage. Es sei heute die Stunde gekommen, in der wir den Führer bitten, dem deutschen Volke nach dem Gesetz gegen den erbkranken Nachwuchs auch ein Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes zu schenken. — Der Frankenführer Julius Streicher erklärte dann, es werde einst eine Zeit kommen, in der man nicht begreifen werde, daß es einst Aerzte gab, die zu Feinden wurden, wenn man ihnen sagte? „Wir wollen Euch, aber wir bitten Euch: Geht mit der Natur!" Wir wollen nicht einen Berus vernichten, sondern ihn erhalten und verbessern. Der Beruf des Arztes ist der höchste Beruf, der nur vom Volke vergeben werden kann und nicht von irgendeiner Fakultät. — Wenn man den Grad der Derjudung unseres Volkes feststellen wolle, so brauche man nur hineinzusehen in den Aerztestand. Der Arzt müsse wirtschaftlich so gestellt werden, daß er ohne Sorge seinen Beruf ausüben könne. Ebenso wichtig sei eine strenge Auslese. Man werde einst nicht begreifen, daß Laien aufstehen mußten, um einen Umbruch m der Heilkunde herbeizufuhren. Göring in Sofia. Sofia, 26. Mai. (DNB.) Ministerpräsident General der Flieger Göring, Reichsminister Kerrl und Begleitung trafen am Sonntagnachmittag in Sofia ein. Zur Begrüßung der Gäste hatten sich Verkehrsminister Kojucharoff, Kultusminister Radeff, General Boitscheff, der Oberbürgermeister von Sofia, der Chef des Protokolls und mit dem deutschen Gesandten Rümelin die deutsche Kolonie, die NSDAP.-Ortsgruvpe Sofia und zahlreiche Mitglieder der NSDAP.-Landesgruppe aus der Provinz eingefunden. Ministerpräsident Göring wurde vom König in Audienz empfangen, die eineinhalb Stunden dauerte. Beim Verlassen des Palais wurde er von einer großen Menschenmenge mit Hochrufen begrüßt. Vorher hatte sich General Göring auf den bulgarischen Soldaten- f r i e d h o f begeben, um am Grabe des Unbekannten Soldaten einen Lorbeerkranz niederzulegen. Die Kranzschleifen in den Farben des neuen Deutschland trugen die Inschrift „General Göring in alter Waffenkameradschaft". Am Grabe wurde General Göring von der gesamten Generalität der Sofioter Garnison und des General- stades mit dem Kriegsminister empfangen. Kleine politische Nachrichten. In Blankenburg am Harz fand die erste Vereidigung von Soldaten im neuen Reichsheer e nach Erlaß der neuen Wehrverfas- fung statt. Es wurde der Achtwochenlehrgang des Ergänzungsbataillons Blankenburg unter Führung von Major Matthäi vereidigt. Es handelt sich um die letzte Vereidigung von Freiwilligen, die vor Erlaß der neuen Wehrverfassung in das Reichsheer etngetreten sind. Der Führer und Reichskanzler hat auf Vorschlag des Ministerpräsidenten Gorina den Gauleiter Josef Wagner zum Oberpräsidenten in Breslau ernannt. ♦ In Hamburg sprach Reichsminister Dr. Goebbels dem Oberregierungsrat im Propagandaministerium, G u t t e r e r , zum Taae seiner zehnjährigen Parteimitgliedschaft seine Glück- wünsche aus und überreichte ihm ein Bild mit eigenhändiger Unterschrift. Oberregierungsrat Gutterer ist als Organisator der großen Kundgebungen der letzten zwei Jahre besonders hervorgetreten. Aus aller Wett. Lawinenunglück auf der Großglockner- Straße. — Bisher vier Tote. Auf der Südrampe der Großglockner-Hochalpenstraße in der Nähe des Glöckner gingen zwei Lawinen nieder. Die erste Lawine verschüttete fünf Arbeiter, von denen bereits zwei tot geborgen wurden. Nach dem Niedergehen der Lawine hatten sich fünfzehn Arbeiter an das Wegräumen der Schneemassen gemacht, als plötzlich die zweite Lawine los- brach. Die Arbeiter wollten sich retten, fünf von ihnen aber kamen doch unter die Lawine. Zwei der Verschütteten wurden t o t geborgen. Unwetter im Eulengebirge. Im Eulengebirge tobte in den letzten Tagen ein furchtbares Unwetter. Schwere Gewitter mit stundenlang anhaltenden Wolkenbrüchen gingen nieder. In den Ortschaften im Tal wurden von den Wassermassen die Wände von Häusern eingedrückt, so daß vielfach Einsturzgefahr bestand. Die Bewohner retteten sich zum Teil in die oberen Stockwerke ihrer Häuser. Die heimgesuchten Dörfer bieten ein Bild der Verwüstung. Bei den schwer heimgesuchten Bewohnern handelt es sich um eine sehr arme Bevölkerung — es sind meistens Fabrik- und Bergarbeiter. Sandregen über Graz. In Graz wurde ein eigenartiges Naturschauspiel beobachtet, lieber die Umgebung, aber auch über Teile von Graz selbst ging ein starker Sandre g e n nieder. Man nimmt an, daß durch die starke Südströmung, die in einer der letzten Nächte herrschte, eine vermutlich von Afrika kommende Sandböe nach Graz getragen wurde. 3n geistiger Umnachtung erschossen. In einem plötzlichen Anfall geistiger Umnachtung erschoß in Bernau der Führer der dortigen Arbeitsdienstgruppe B e r n a t e t den praktischen Arzt Dr. Möller, als dieser ihn einer Anstalt zu- führen wollte. Bernatek erschoß sich darauf selbst. Geheimnisvoller Anschlag auf einen Bürgermeister in Frankreich. Auf den neugewählten Bürgermeister von Sens, Dr. D u p e ch e z, wurde in einer der letzten Nächte ein geheimnisvoller Anschlag verübt. Er wurde beim Verlassen eines Lichtspieltheaters von einem Unbekannten angesprochen, der den Bürgermeister in seiner Eigenschaft als Arzt bat, sofort zu einer Geburtshilfe in ein etwa 12 Kilometer von Sens liegendes Dorf zu kommen. Der Sürgermeifter holte darauf feine Instrumente und fuhr in feinem Kraftwagen fort. Gegen Morgen entdeckten Fußgänger mehrere Kilometer von Sens entfernt im Straßengraben einen umge stürzten Kraftwagen. Wenige Schritte davon lag besinnungslos der Bürgermeister. Mit einer Nadel war an seiner Brust seine Mitgliedskarte zum Verband der Feuerkreuzler (einer rechtsgerichteten Frontkämpfervereinigung) festgemacht. Zu feinen Füßen lag ein zerschnittenes Lichtbild. Der Bürgermeister wurde sofort in eine Klinik geschafft, wo er das Bewußtsein wieder erlangte. Wie er aussagte, war auf dem Wege zu der angeblichen Patientin plötzlich die Straße durch ein Drahtseil versperrt. Als er angehalten hatte, wurde er mit einem stumpfen Gegenstand niedergeschla gen. Man nimmt an, daß es sich um einen politischen Anschlag handelt. Der »neue Bürger- meister war politisch sehr akttv und hatte nach einem harten Kampf den Bürgermeisterposten gegen seine Hauptgegner, die Radikalsozialisten, erobert, in deren Hand bis dahin das Bürgermeisteramt gewesen war. , Entführung eines neunjährigen Knaben in Amerika. Außerordentlich großes Aufsehen erregte in ganz Amerika das geheimnisvolle Verschwinden des neunjährigen George Weyerhauser, des Sohnes eines schwerreichen Bauholzfabrikanten in lacoma (Washington). Der Jung- w-r an einem der letzten Tage aus der Schule nicht heim- gekehrt; man nimmt an, daß der Knabe ent- führt word-n ist. Di- Ett-rn sollen bereits einen Erpressungsbrief erhalten h ab en, in dem 200 000 Dollar Lösegeld gefordert werden. Die Entführung wird von der Polizei äußerlich mit größter Zurückhaltung behandelt, um die baldige Rückgabe des Knaben nicht zu erschweren und dessen Leben zu gefährden. 3n Seattle, wo dies neueste Entführung ungeheure Aufregung verursacht hat, haben sich die besten Gehelmpolizlsten emge- funben und die Nachforschungen aufgenommen. ^i. Kreisappell der Deutschen Iägerschast, Zagdkreis Gießen. Der Kreisjägermeifter des Kreises Gießen, Ober- forftmeifter Nicolaus, hatte am Samstag die Jagdscheininhaber des Kreises zum ersten Jäger- appell auf die „Liebigshöhe" zusammengerufen. Ihnen hatten sich zahlreiche Jagdfreunde und ehemalige Jäger angeschlossen, so daß der große Saal vollkommen gefüllt war. Auch einzelne Jagdvor- steher waren zugegen, ferner waren der Kreis- bauernführer und Vertreter der Polizei der Einladung gefolgt. Der Saal war in Maiengrün gehüllt, und der „Fürstengruß", von einigen Forst- beamten auf dem Jagdhorn geblasen, hieß die Erschienenen willkommen. Kreisjägermeister Nicolaus begrüßte die Erschienenen, bedauerte sehr, daß der Landesjägermeister selbst am Kommen verhindert war, während er dann im Laufe der Tagung den Stabsleiter des Landesjägermeister, Oberforstmeister Schlich, willkommen heißen konnte. Sodann richtete er die Blicke der Anwesenden auf den Führer und die große Tat seiner Friedensrede vom 21. Mai. Ein Sieg-Heil war das Gelöbnis der Treue der Jäaer zu dem Kanzler des Reiches und dem Führer feines Volkes. Der Kreisjägermeister wandte sich dann der Großtat der Schaffung eines einheitlichen Reichsiagdgesetzes zu, das in Zukunft maßgebend für die Entwicklung der deutschen Jagd sein wird. Es ist undenkbar, daß ein Jäger heute die Jagd ausüben oder eine Jagd pachten kann, ohne daß er sich vorher auf das eingehendste mit dem Gesetz befaßt hat, das etwas vollkommen Neues darstellt. Viele Reviere unseres Kreises konnten seither schon als mustergültig bezeichnet werden, in anderen dagegen herrschte ein Geist, der mit dem des neuen Gesetzes nichts gemein hat. Hier müssen sich Ansicht und Jagdausübung von Grund auf ändern. Wer der Deutschen Jägerschaft angehören darf, muß das als eine Ehre betrachten, wer der Zugehörigkeit unwürdig ist, wird baldigst wieder ausgeschieden werden. Fehler kommen überall vor, sie sollen aber nach Männerart offen bekannt und nicht vertuscht werden. Gefestigte Weidgenvssen müssen schwachen helfen, damit sie zu Weidmännern werden. Wer Verstöße gegen Geist und Vorschrift des Gesetzes kennt und nicht zur Anzeige bringt, handelt unweidmännisch, denn er versündigt sich mit am Weidwerk. Wir müssen alle mithelfen, den Wildstand zu erhalten und weiterzuvererben, wie wir ihn von den Vätern ererbten. Zur Mitarbeit in der Jägerschaft ist jeder Jäger verpflichtet. Die Appelle des Kreisjägermeisters und die Versammlungen der Hegeringe werden vor allem dazu berufen sein, die Erziehung der Jägerei so durchzuführen, wie das Gesetz es verlangt. Der Kreisjägermeifter betonte dann weiter, daß alle von ihm ernannten Hegeringleiter, die in seinem Namen handeln, und seine sonstigen Mitarbeiter ihre Ehrenämter nur für das Weidwerk erfüllten, niemand sonst zu Freud oder Leid. Niemand soll die Lust am Weidwerk durch zuviel Dreinreden geschmälert werden, aber nichts wird unterlassen, um solche unschädlich zu machen, die gegen das Wild und das Gesetz sich versündigen. Des Jägers Ehrenschild soll blank bleiben. Studienrat Hölzel sprach sodann über die Frage „W e l ch e G r u n d- sütze sind in den kommenden Jahren beim Abschuß des Rehwildes zu beachten?" An Hand einer Schausammlung zeigte der Redner, daß vor allem der Abschuß der Bocke anders gehandhabt werden müsse, und zwar durch Einschränkung des Bockabschusses überhaupt ferner durch Auswahl der schlecht veranlagten Bocke zum Abschuß, der guten Dagegen zur Schonung, um wertvolle Zuchttiere für eine Ausartung der durch falschen Abschluß heruntergewirtschafteten Rehstände zu haben. Hinsichtlich der Ricken wird in vielen Revieren ein stärkerer Abschuß vorzunehmen sein. Es soll ein Geschlechtsverhältnis von 1:1,5 erzielt werden, so daß auf 2 Böcke 3 Ricken kommen. Es ist Aufgabe eines richtigenAbschußplanes, ohne den heute kein Rehwild mehr besagt werden darf, diese Regulierung herbeizuführen. Die Sammlung veranschaulichte dabei, welche Böcke abzuschie- ßen, welche zu schonen sind, und zeigte ferner einige für unsere Gegend wirklich starke Ghörne, um das Ideal anzudeuten, dem nachgestrebt werden soll. Als nächster Redner sprach Hegeringleiter Oberforstmeister Lipp über die „Wildhandelsordnung vom 1. April 1 935". Diese Wildhandelsordnung hat die Aufgabe, dem Wilderertum den Handel mit Wild so sehr als möglich zu erschweren. Unter diesem Gesichtspunkt müssen die Vorschriften betrachtet werden, die der einzelne Jäger im Augenblick vielleicht als Belastung empfindet. Es ist notwendig, daß jeder Jäger sich baldmöglichst, jedenfalls noch vor Beginn der Schußzeit auf Den Rehbock, mit den Bestimmungen, die im einzelnen erläutert mürben, vertraut macht, weil er sich sonst der Gefahr der Beschlagnahme und der Bestrafung aussetzt. Schließlich sprach noch Weidgenosse Fritz Jung über „Jagdhund und Jagdhundeprüfung". Das Reichsjagdgesetz schreibt vor, daß auf jedem Revier, das über 2000 Morgen groß ist, ein brauchbarer Hund gehalten werden muß. Dieser Hund muß alljährlich einmal, und zwar von dem Besitzer selbst, dem Gaujägermeister oder seinem Beauftragten vorgeführt werden, der zu entscheiden hat, ob das Tier jagdlich verwendbar ist und damit dem Gesetz genügt, ober nicht. Welche Anforderungen an einen oerroenbbaren Hund zu stellen sind, wurde im einzelnen erläutert. Nachdem der inzwischen eingetroffene Stabsleiter des Landesjägermeisters, Oberforstmeister Schlich, die Grüße des Landesjägermeisters übermittelt hatte, gab der Kreisjagermeister noch Erläuterungen zum Jagdgesetz bekannt, denen er eigene Anordnungen anfügte. So sind alle hundebesitzenden Jäger gehalten, sofort ihrem zuständigen Hegeringleiter zu melden, was für einen Hund sie besitzen (Rasse, Geschlecht, ob und wann auf Gebrauchsprüfung geprüft). Ferner sind die Hegeringleiter und der Kreisjägermeifter zu Treibjagden, auch Mbnerfagben, einzuladen, um dabei di- ihnen unterstehenden Realere und Jäger kennenzulernen und di- Hund- prüfen zu können. Das Gesetz legt die Zahl der zugelassenen Pachter genau fest. Der Kreisjägermeifter warnt davor, darüber hinaus un. entgeltliche Erlaubnisscheine gegen irgendeine g-wl-chs Leistung abzugeben und dadurch die Zahl der Pachter stillschweigend zu erhöhen. Eine derartige Handlung macht die Pachtung nichtig und zreht Bestra« fung nach sich! Die Ausstellung eines Jahresiagd- scheines muß von jetzt ab auf dem vorgeschriebenen Formular beantragt werden, das von allen Jagb- zeitungen zu beziehen ist. Vermutlich im Januar 1936 wird ein Jägerappell mit einer Gehornschau stattfinden, auf der alle Gehörne aus dem Jahrs 1935 vorgezeigt werben müssen, die im Kreise erbeutet wurden. Jedes muß dabei das Abfchußbatum und das Wildbretgewicht, aufgebrochen und ohne Gehörn, tragen. Ferner ist der Unterkiefer, gut be« festigt, anzufügen. Die Revierinhaber werden auf- gefordert, schon jetzt danach zu verfahren. Behandelt wurden ferner noch Fragen der Jagdscheinkontrolle, der Haftpflichtversicherung, des Pflichtschießens und der Wildfolge. Sodann sprach der Kreisjägermeister das Schlußwort, worin er ausführte, daß man zur Zeit drei Gruppen von Jägern zu unterscheiden habe: Einmal solche, denen der Geist des neuen Gesetzes nichts Neues fei, weil sie ihrer ganzen inneren Einstellung nach gar nicht anders handeln könnten und seither schon so gehandelt hätten; sie seien die wertvollsten Kräfte in der Jägerschaft, die in ihr den Sauerteig bilden müßten. Die zweite Gruppe sei die, der weidmännisches Empfinden und Fühlen zwar inne- wohne, aber gefördert und geweckt werden müsse, um auch aus ihnen vollwertige Mitglieder zu machen. Die dritte Gruppe aber sei die, in der dis Leidenschaft des Schießens alle besseren Regungen überwuchere oder aber die, für die jedes Reh 15 RM. und jeder Hase 3 RM. bedeute. An dieser Sorte sei Hopfen und Malz verloren. Mit ihnen komme es über kurz oder lang doch zum Bruch. Drum sei es gut, sie zögen möglichst bald von sich die Folgerungen und. verschwänden. Die Deutsche Jägerschaft soll mit der Zeit ein fest geschlossenes Korps einheitlichen Willens und Fühlens werden, das feine Fremdkörper in sich dulden kann und wird. „Jagd vorbei" und „Halali" kündeten das Ends des Appells, den ein „Horrido" auf Reichs- und Landesjägermeister abschloß. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Im Bereich einer gleichförmigen Luftverteilung und feucht-warmer subtropischer Luftmassen kam es am Sonntag zu verbreitetem Gewitterregen. Inzwischen ist Die Luft über dem Kontinent weiter an- gestiegen, auch kommen wir mehr in Den Bereich einer trockenen Luftströmung, so daß die Gewitterneigung wieder, nachläßt. Aussichten für Dienstag: Meist heiter und trocken, im Süden noch schwache Gewitterneigung, recht warm, überwiegend östliche Winde. Aussichten für Mittwoch: Fortdauer der vielfach heiteren und warmen, meist auch störungsfreien Witterung. Lufttemperaturen am 26. Mai: mittags 18 Grad Celsius, abends 14,3 Grad; am 27. Mai: morgens 13,8 Grad. Maximum 18,9 Grad, Minimum 12,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 26. Mai: abends 15,5 Grad; am 27. Mai: morgens 14,2 Grad. — Sonnenscheindauer 0,1 Stunde. — Niederschläge 13,8 mm. HauptschrisUeiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Berantworttich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thynot, für Den übrigen teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 35: 10688. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste,Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. Onkel Im 62. Lebensjahre. GroßenJJnden. Pohl-Göns. Hörnsheim, den 27. Mal 1935. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 28. Mai, nachmittags 3 Uhr statt 3170 D LüchtigeStenotypistin lauf, ukirol beseitigt sdjndl. Sicher und schmerzlos Nachlässe von z ns 20 v. S. erhalten Sie bei wiederholten Aufnahmen einer Anzeiae Lieh, Bad-Naahelm, Offenbach a. Main, den 26. Mai 1935. Die trauernden Hinterbliebenen: Helene Obwald, geb. Dietz Heinrich Oßwald Mathilde Rau, geb. Obwald Minna Ofiwald Christian Rau Hilde Obwald, geb. Eibfeller und vier Enkel Infolge eines Schlaganfalls c;;t5chltef am Samstag morgen 71/, Uhr unser guter Vater. Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Die Beerdigung findet Dienstag, den 28. Mai, nachmittags 3 Uhr, statt _____________________________________________________________________________________3171 D Jede kluge Hausfrau die ernstlich sparen will, wählt Hühneraugen •Jo^haut Schwielen u.tgrz* 'n Apotheken und Progenen erhiMkh 1 Lehrling mit ausgezeichneter Schulbildung gesucht ^chriftt Angeb. u. 3168D an den Gießener Anzeiger erbet. Statt besonderer Mitteilung. Nach einem arbeitsreichen Leben wurde mein guter treuer Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater Herr Philipp Oßwald heute früh im Alter von 84 Jahren nach längerem, mit großer Geduld getragenem Leiden durch einen sanlten Tod in die Ewigkeit abgerufen. Bezirksvertreter bei hoh. Verdienst als Abonnentenwerber für führende Auto- und Motorradzeitung gesucht. Persönl. Einarbeit. Herrn. Lingg, Berlin W 35, Magdeburger Str. 28. 3157v Stellenangebote] Keine Ursprungszeugnisse, wndern nur Zeugnisabschriften dem Be- Werbungsschreiben bet legen I — Lichtbilder undBewerbungsunter» lagen mühen zur Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Warnen und Anschrift des Bewerbers tragen l iiiiiiimiiiiiiiiiiiiiiiiim Zwangsversteigerung Xiendfaö, 28. Mai. 14Ubr, sollen rnL,,^Dtö£n1' 6ier, Neuenweg 28 biw- an Ort u. Stelle (Bekanntgabe m ob. Lokal) zwangsweise tzeg.Barzahl. versteigert werden: oben- u. Büromöbel aller Art,.Klaviere, 1 Gasherd, Band- m dohr-, Schreib-, Näh- u. Poliermaschine, mehr. Spangen- Uufie, 2 Oefen, Registrier- und Ladenkasse, 8 Pelzmützen, 1 Fri- . deneinrichtung, Kassen- schrank, lAbziehavvarat, Anzugstone, 1 Motor, Radios, 1 Gas- kamin, 1 Schleifbank, 1 Mikroskop, Doppelte u. eins. Luven, Anzüge. Bestimmt: Unterhosen, Hosenträger, Handschuhe, mehrere Jlur- Scharmann.Gerichtsvollz., Gieren Wernermall 33 Telefon 3108. mit oorzügi. 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Mai, nachmittags 21/, Uhr vom Sterbehause, Lützellindener Straße 24 aus statt. 32293 g/P/Z/Zj Vor das rische Zeit ii Konju sie an auch c ginn eine auch in d> am & «gilbe l mH 'hl seine । firn Pfle um ü Shak" ein 61 fo efmi dem We seine f) Ausfuhr artige Schul jchönR Da« gute k gefaßt d'en, d Es soll von öl den, u eine kl In Die1 der in rückt, i eine A stück e über schon das 9, durch rinne, beute b eli Erie ernüba dend mehr i jpieler begeist besu sucher sonder oi, So Gott wahren Leipzig von R deren < »Ähre Glück h Einsicht des Per sein liess Gelehrte b« Äon Hrer kcj Mcheith ^unisfer °ni liebs .Anverle ^rennnn fteh d >ig, >ebix bp Md), Zugebes verliere ren yahre seiner ’ I , Geil Knilch dents rohen, fyer, > Sü L °-ch a[ ywiid), i, Nr. 122 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Montag, 27. Mai 1055 Kulmus in Leipzig Von Hans Sturm „Jetzt und hier beginnt erst mein liches Leben!" über den „bei esprit" beherrschte Briefaustausch ließ die sehr spärlichen Herzensmeinungen der beiden einander Versprochenen kaum auikommen. Louise paßt sich in ihren Briefen den Gedanken Gottscheds an, ohne dabei ihre eigene Heiterkeit aufzugeben oder ihre erstaunliche Beweglichkeit zu verlieren Die Antworten des kaum drei Jahre älteren Gottsched haben den bedächtigen Unterton des erfahrenen Erziehers, der bemüht ist, die Frau seiner Wahl als brauchbares Werkzeug Zur Steigerung seines wissenschaftlichen Rufes und Ruhmes heranzubilden. . Seit 1723 lebte Gottsched in Leipzig, mo feine kritischen Schriften und besonders seine vielfältigen Bemühungen um die Neugestaltung der deutschen Sprache und der deutschen Bühne Aufsehen erregt hatten. Er entfernte die rohen, oft recht derben Hanswurstiaden, bekämpfte die geschmacklosen Trauerspiele, die man „Haupt- und Staatsaktionen" nannte, trat auf gegen die Oper, die für ihn „das ungereimteste Werk von allen' Erfindungen der Menschen" war, und suchte der Bühne ein „Repertoire formgerechter Stücke zu verschaffen, wobei ihm die französischen Dramatiker als Vorbilder dienten; er vergaß, daß em wirkliches Bühnenwerk nicht „angefertigt" werden kann, sondern aus dem Volke wachsen muß. ken und zu schreiben . ." Als Gottsched 1734 eine Professur an der Universität Leivzia erhielt, rückte die Vermählung näher, und Louise Adelgunde spürt über aller sachlichen Verbundenheit das starke Gefühl ihrer inneren Zusammengehörigkeit: „Sie haben Recht," schreibt sie im Frühjahr 1735, „daß Sie unser- Liebe eine philosophische Liebe nennen ... Wo die Herzen für einander geschaffen sind, sollte da wohl eine Trennung möglich sein?" — In ihrem letzten Brief aus Danzig, kurz vor der Vereiniguna mit dem geliebten Lehrer und Freund, hat sie die Gewißheit, „daß nichts als der Tod unsere Liebe trennen soll!" zurückgeblieben waren. Da man ihnen Gesundheit, Langlebigkeit und Zufriedenheit nachsagt, so ist es nicht uninteressant, von dem siebenundzwanzigjäh- rigen Donald Glaß, dem ersten Bewohner von Tristan da Cunha, der es unternommen hat, eine richtige Weltreise anzutreten, einiges über die Märcheninsel zu erfahren. Er ist nach England gekommen, um — wie er sagt — Big Ben, die Glocke im Turm des Parlamentsgebäudes in London auch einmal mit eiaenen Augen zu sehen, deren Klang er in seiner Weltabgeschiedenheit im Rundfunk so oft gehört hat. Der Rundfunk verbindet die einhundertundsiebenundsechzig Bewohner der Insel mit der weiten Welt; allerdings soll sich auf dem ganzen Eiland niemand befinden, der im Stande ist, einen solchen Apparat zu reparieren. Kartoffel-, Obst- und Gemüsebau ernähren die kleine Gemeinde der einzigen Ansiedlung auf der Hochfläche der Insel. Niemand weiß etwas von Streit und Unfrieden, es aibt keinen Richter und kein Gesetz. Man hat seine Werktage und seinen Sonntag, an dem man in die Kirche geht. Es ist streng verpönt, auch nur einen einzigen Kirchenbesuch zu versäumen. „Das ist vielleicht der einzige Fall, bei dem es zuweilen eine kleine Störung unseres Zusammenlebens gibt, wenn jemand nicht zur Kirche gehen will. Handelt es sich um einen Erwachsenen, so bringt ihn aber bald unser Missionar wieder auf den rechten Weg, und handelt es sich um ein Kind, so gibt es noch einfachere Mitel". Eine Handbewegung läßt ernennen, wie das einfache Mittel beschaffen ist. Donald Glaß verwahrt sich übrigens dagegen, daß man annimmt, man lebe auf der Insel etwas altmodisch. O nein, die wenigen Frauen schneidern ihre Kleider nach den Bildern in den englischen Zeitungen, die ihnen regelmäßig zugehen, und auch die Herren sind bestrebt, sich nach neuester Mode zu kleiden. Fahrräder und Pferde sind den Inselbewohnern allerdings nur aus Bildern bekannt. Man vertreibt sich die Freizeit mit Sport, und die mettergebräun- ten jungen Burschen würden sich sicherlich mit jeder festländischen Elf messen können. So bezieht sich das Hauptinteresse des jungen Mannes auch auf die Begegnung mit Sportgrößen, die dort nicht minder hochgeachtet werden. Erstaunlich ist, daß ihn auf seiner Weltreise die Begegnung mit den großen technischen Wundern des Jahrhunderts nicht einmal so sehr erschütterte. Er nimmt sie mit demselben Gleichmut hin wie die kleinen Fortschritte im Leben der Heimat. Der einzige Kummer der Bewohner von Tristan da Cunha ist der Mangel an Frauen, und so ist es der Hauvtwunsch von Donald Glaß, auf seiner Reise ein Mädchen zu finden, das ficb nicht scheut, mit ihm in die Einsamkeit d-r kleinen Insel heimzukehren. So schrieb Frau Louise Adelgunde Victorie Gottsched, geborene Kulmus, als sie vor hundert Schultze-Griesheim hat in seiner bisherigen Tätigkeit mit einer ganzen Reihe namhafter deutscher Schauspieler — Käthe Dorsch, Lucie Höflich, Leopoldine K o n ft a n t i n , Dolly Haas, Curt Goetz, Wohlbrück, C.L. Diehl und Lieven — bei deren Gastspielen in der Provinz zusammengearbeitet, und es ist geplant, auch für Gießen derartige Gastspiele (wie wir sie früher ja des öfteren hatten) zustandezubringen, und zwar Einzelgaftspiele — nicht solche „mit eigenem Ensemble". Das ist in großen Zügen das Programm des Jahren in - der zweiten Hälfte des Mai 1735, in Leipzig angekommen war. Ihre Freundin Dorothea von Runkel gab nach dem Tode der Gottschedin deren Briefe heraus und berichtete im Vorwort: „Ihre Erziehung war vollkommen, weil sie das Glück hatte, von Eltern geboren zu sein, die selbst Einsicht hatten und die Bildung des Herzens und des Verstandes ihrer Tochter sich eifrig angelegen fein ließen". Im Jahre 1731 lernte sie der junge Gelehrte Johann Christoph Gottsched aus Juditten bei Königsberg schätzen, allerdings kaum wegen ihrer kärglichen äußeren Reize, sondern um ihrer Gescheitheit willen. Die damals achtzehnjährige Jungfer Louise Adelgunde Victorie, die sich selbst am liebsten „die Kulmus" nannte, blieb mit ihrem „Anverlobten" während der folgenden vierjährigen Trennung in steter brieflicher Verbindung. Bucher, Zeitschriften, Gedichte, Uebersetzungen, Musikstücke gingen von Leipzig nach Danzig, von Danzig nach Leipzig, und wurden in den beiliegenden Briefen erhalten bleiben und wieder verpflichtet werden soll. Ueberhaupt wird — in der Ensemblegestaltung wie im Spielplanaufbau — eine Arbeit a u f lange Sicht angeftrebt. Und wir hörten gerne, daß Intendant Schultze-Griesheim, wie er uns versicherte, seine hiesige Tätigkeit keineswegs als ein Sprungbrett betrachtet, sich vielmehr feinem hiesigen Amt und der mit ihm verbundenen künstlerischen Tätigkeit auf Jahre hinaus verpflichtet fühlt. Zum Programm des Intendanten gehört ferner eine Neugestaltung des Abonnementswesens, wofür man bereits eine wirklich erfolg« All dieses spiegelt sich in den „Ermahnungen" an seine „gelehrige Schülerin", die ihm schon in d"n ersten Briefen verspricht, die französische Frau Gottsched muß einen sehr guten Eindruck von ihrer neuen Heimat erhalten haben, denn sie schreibt nach Danzig: „Soll ich mit der Schilderung des Glückes anfangen, das ich in der Gesellschaft eines gelehrten und aufrichtigen Mannes genieße; ober soll ich Ihnen die Vorzüge erzählen, welche Leipzig für vielen anderen Städten berühmt machen?" Bereits in den ersten Wochen setzt sie ihre wissenschaftliche Weiterbildung fort; ihr Lehrer, Professor Schwabe, lobt „ihren scharfsinnigen Geist, ihren geübten Verstand, ihre geläuterte Vernunft, ihr mit so manchen fremden Sprachen an- gefülltes Gedächtnis, ihre gründliche Erfahrung in den freien Künsten, die Fertigkeit, ihre Gedanken lebhaft, richtig und zierlich auszudrucken, ihr von aller Eitelkeit entferntes Herz, ihre Starke in der Musik, darinnen sie es bis zur Composition ge- bracht". Zwanzig Jahre hat sie mitgearbeitet an dem Werk des „ordentlichen Professors der Weltweisheit, Dichtkunst und Beredsamkeit an der Universität versprechende Lösung gefunden zu haben glaubt. Es wird der größte Wert darauf gelegt werden, einen Spielplan aufzustellen, der auch den verwöhntesten Ansprüchen an ein kulturbewußtes Theater genügt, und damit auch jene Kreise zu gewinnen, die bisher dem Theater noch ablehnend oder gleichgültig gegen- überstanden. Es soll ferner versucht werden, eine ersprießliche Verbindung und Zusammenarbeit unseres Theaters mit den dafür in Frage kommenden Nachbarorten, vor allem mit Marburg, herbeizuführen. lieber den vorgesehenen Wechsel in der Besetzung einiger wichtiger Posten soll heute noch nichts Endgültiges gesagt werden. Die eigene künstlerische Tätigkeit des Intendanten wird sich, wie wir im Laufe der Unterhaltung horten, vor allem auf die Inszenierung großer und repräsentativer Stücke richten; insbesondere sind einige vorbildliche und für die Arbeit des Theaters richtunggebende Klassiker- Aufführungen geplant. Schultze-Griesheims persönliche Beziehungen zu der jungen deutschen Dramatiker-Generation und zu den maßgebenden Bühnenverlagen werd-m es außerdem ermöglichen, durch die Uraufführung neuer Stücke dem Theater auch über Gießen hinaus Resonanz und Anerkennung zu ermi^n; denn der neue Intendant vertritt Sie Auffassung, daß es zu den vornehmsten Ausgaben eines ^ulhirtbeaters gehöre, wertvollen, jungen, dichterischen Kräften durch gute Ausführungen zu helfen und ihnen Gehör und Widerhall zu verschaffen. Es find übrigens bereits zwei Stücke junger Dramatiker dafür in Aussicht genommen prallen afrikanischen Sonne. Auf den Bäumen, in der Nähe des Platzes, hockten große vollgefressene Geier. Im Augenblick, da wir den Rücken wandten, stürzten sie zu vielen Hunderten auf die Kadaver, um bis zum späten Abend alles bis auf die großen Knochen hinunterzuschlingen. Nach kurzer Mittagsrast im Hotel kehrten wir zu unserem Laboratorium zurück, und erst wenn die Sonne sank, wurde die Arbeit beendet. So ging es täglich mit Einschluß des Sonntags, fast zwei Jahre lang. Robert Koch erkannte die Seuche und gab ihr den Namen „Afrikanisches Küftenfiebe r". Seine Genialität bei dieser Forscherarbeit kann nur bewerten, wer selbst in den Tropen unter der verwirrenden Fülle von Mischinfektivnen zu arbeiten hatte. FeldM gegen die Schlaf krankhett Zu Anfang dieses Jahrhunderts erweckte die Schlafkrankheit mehr und mehr das Interesse aller Kulturvölker, denn die Zahl ihrer Todesopfer war im ständigen Steigen, und ihr Ursprung bildete immer nach ein Geheimnis. Gelegentlich eines Aufenthaltes in Daressalam im Jahre 1905 begab sich Koch nach Entebbe und lernte dort die Seuche aus eigener Anschauung kennen. Kurz darauf fuhr er nach Berlin zurück, um eine Expedition des Deutschen Reiches zur Bekämpfung der Schlafkrankheit vorzubereiten. Zu seinem Begleiter wählte er mich, während das kaiserliche Ge- sunbheitsamt Regierungsrat Professor Beck entsandte. In Afrika traten die Stabsärzte Panse und Feldmann, sowie Oberarzt K u d i ck e und Feldwebel Sacher von der Schutztruppe hinzu. Kochs Gattin begleitete uns bis Entebbe. Dort beschloß Koch, nach den im Viktoriasee liegenden englischen Sese-Jnseln überzusiedeln, auf denen die Seuche besonders heftig wütete. Diese Inseln gleichen in ihrer Fruchtbarkeit einem Paradies. Garten grenzt an Garten, überall wachsen Kaffeebäume, Zitronen, Bananen; wilde Tiere gibt es nicht. In Siefer herrlichen Landschaft führten die 35 000 Eingeborenen ein ruhiges und friedliches Dasein, bis die Schlafkrankheit in kurzer Zeit 20 000 von ihnen bahinraffte! Die Fischer beim Fischen, die Jäger auf der Jagd nach der kleinen Antilope, die Frauen beim Sammeln von Feuerholz, die Kinder beim Angeln — so wurden sie von den blutdürstigen Insekten gestochen und erkrankten. Anfangs wohnten wir in Zelten; bann baute Felbwebel Sacher für jeden von uns ein kleines Strohhaus, in dem wir mit eigenem Diener und eigenem Koch getrennte Wirtschaften führten. Sehr bald fanden sich in unserem Lager zahlreiche Kranke ein, für deren Unterkunft Hütten und Baracken gebaut werden mußten, so daß ein richtiges Krankendorf entstand. In zwei aroßen Landmesserzelten wurden die mikroskopischen Unter» Hobinson auf Brautschau. Es klingt wie ein Märchen, daß es im Atlanti- schen Ozean eine von Europäern bewohnte Insel gibt, die ohne geregelte Verwaltung ist. Ihre Be- wohner sind Nachkommen von Schiffbrüchigen und Soldaten, die nach Zurückziehung der Garnison von St. Helena freiwillig auf Tristan da Cunha Mit Robert Koch in Afrika. Erinnerungen an gemeinsame Forschungsreisen. Zum 25 Todestage des großen Arztes, berichtet von Geheimrat Professor Or. $. K $!eine, Präsident des Robert-Koch-Instituts. Intendant Schultze-Griesheim über fein Programm Eine Unterhaltung mit dem neuen Leiter des Gießener Stadttheaters. (Nachdruck, auch auszugsweise, verboten.) Zehntausende in allen Ländern der Welt danken alljährlich Robert Koch ihr Leben, dem Entdecker des Tuberkelbazillus, dem Begründer der Seuchenbekämpfung. Anläßlich seines 25. Todestages am 27. Mai veröffentlichen wir im Folgenden den Bericht eines (einer engsten Mitarbeiter, des jetzigen Präsidenten des Robert-Koch-Jnftituts. .Geheimrat Professor Kleine hatte die Freundlichkeit, uns aus dem Schatze seiner Erinnerungen itnS Aufzeichnungen in einem Gespräch vom Menschen Robert Koch zu erzählen. zorscherlager Bulawayo. Zweimal habe ich Robert Koch auf längeren Forschungsreisen nach Afrika begleiten dürfen. Das erstemal galt es der Bekämpfung einer Tierseuche, das war in den Jahren 1903 und 1904, das zweitemal 1906'07, dem Studium der Schlafkrankheiten. Wenige Jahre nach Erloschen der Rinderpest wurde Südafrika wieder von einem Rindersterben heimgesucht; Tausende von Tieren fielen in Rhodesia dem „Rhodesia Red Water“ zum Opfer. Als mir eines Morgens mit Koch von dem „Pathologischen Institut der tierärztlichen Hochschule" ins „Institut für Infektionskrankheiten" gingen, sprach ich von dem Gerücht und bat Koch, im Falle einer Expedition Dr. Neufeld oder mich mit nach Afrika zu nehmen. Schon am nächsten Morgen traf ein Kabel der Regierung Rhodesias ein. In wenigen Tagen war alles telegraphisch geordnet, und bereits Anfang Januar traten Robert Koch, seine Gattin, Dr. Neufeld und ich von Neapel über die ostafrikanische Küste die Reise nach Beira an. Dort nahm uns der Chief Veterinary Surgeon von Süd-Rhodesia in Empfang und geleitete uns viele Tagereisen Eisenbahnfahrt landeinwärts nach Bulawayo, dem Zentrum der Seuche. In Bulawayo, einer Gründung von Cecil Rhodes, die damal« nur aus wenigen Straßen bestand, war untere Arbeit vom ersten Tage an ftrena geregelt. Morgens um sieben frühstückten wir schnell unh fuhren dann etwa 25 Minuten nach unserer Experimental-Station, Hillside Camp. Dies Lager bestand aus einigen Häusern, in denen die drei, Koch zugeteilten englischen Tierärzte wohnten. einer großen Baracke mit drei Zimmern und einer Anzahl von Tierställen. Die Baracke wurde als Laboratorium hergerichtet; in den Ställen standen unsere Versuchstiere, die mit dem täglichen Futter ans einer seuchenfreien Gegend Hertranspor- tiert wurden In der Frühe, noch vor unserer Ankunft, fertigten die Tierärzte alle nötigen Blutpräparate an. Wir färben sie unh begannen zu mikroskopieren, mährend Kock, die Ställe durchging. Dann folgten stundenlange Untersuchungen, und bei jeder Sektion lland Koch, aufmerksam und unermüdlich, in der Leipzig", sie schaute zu ihm auf, stellte alle eigenen Wünsche hintenan, bei ihr hieß es nur: „Mein Gottsched wünscht..." Die Übertragungen zweier so groß angelegter Werke wie das „Baylesche Wörterbuch" und die „Geschichte der königlichen Akademien in Frankreich" hat Gottsched nur mit ihrer Hilfe bewältigen können. Zur Belohnung wurde sie hin und wieder mit auf eine Reise genommen oder durste, wenn er auf dem Katheder in Leipzig stand, hinter einer angelehnten Tür (damals war den Frauen der Zutritt zum Hörsaal noch streng unterlagt!) dem „tönenden Katarakt seiner weltweisen Worte" lauschen. Nebenher schrieb sie Trauerspiele, Gelegenheitsgedichte, Oben an gefrönte Häupter, erzieherische Schriften, fertigte viele Uebersetzungen aus dem Griechischen, Lateinischen, Französischen und Englischen an, meistens Dramen, und sand noch Zeit für geistvolle Briefe an Freunde, die ihre unge- wöbnliche Beurteilung des Geschehens um sie zeigen. Sie, die seinen Aufstieg und seine Triumphe in Deutschland und Oesterreich miterlebt, spürte auch die versteckten und offenen Feindseligkeiten, die dem alternden Gottsched angetan wurden. Sie wußte wohl um seine Fehler, wußte aber auch, daß seine in Erbitterung übergehende Anmaßung nicht mehr zu heilen war. Ihre Schriften fanden feinen Absatz und feine Verleger mehr; der Siebenjährige Krieg nahm die letzten Hoffnungen. Den Besuch Friedrichs des Großen in ihrem Hause während der Besetzung Leipzigs im Jahre 175/ bewertete die Gottschedin nur als äußerlichen ©unftberoeis. Ihre letzten Lebensjahre müssen sehr schwer gewesen sein: „Fragen Sie nicht nach der Ursache meiner Kranfheit? Hier ist sie: 28 Jahre ununterbrochener Arbeit. Gram im Verborgenen und sechs Jahre lang unzählige Tränen..." schrieb sie an eine Freundin. Ihre Briefe beweisen, daß sie auch als Mensch Anspruch daraus hat, nicht vergessen zu werden; sie war groß in ihrem Wissen, doch großer in ihrer Selbstlosigfeit bis zum Tode (1762), und eines ihrer schönsten Worte hat sie uns vorgelebt: „auch in der schlimmsten Enttäuschung die als richtig ernannte Haltung bewahren! Das ist wahrhaft deutsche Gesinnung!" Snrache bei Seite zu leaen: ..Sie stellen mir die eigent- Mannigfaltigfeit des Ausdrucks und dine männliche Schönheit meiner Muttersvrache so lebhaft vor, daß ich sogleich den Entschluß faßte, mich mehr darin zu üben, und ich fing schon an. gerne deutsch zu den- neuen Intendanten, wie es sich im Laufe unserer gestrigen Unterhaltung zwanglos entwickelte, und soweit es für die am Theater innerlich teilnehmende Oeffentlichfeit von Interesse ist. Zum Schluß betonte Intendant Schultze-Griesheim nachdrücklich, wie sehr er sich auf die große und verantwortungsvolle Aufgabe und Arbeit freue, die ihn in Gießen schon in allernächster Zeit erwartet. Wir unsererseits freuten uns aufrichtig, zu hören, daß der neue Herr auf ein enges, verständnisvolles und beiderseits ersprießliches Zusammenarbeiten mit der Presse besonderen Wert legt. An einem Maientage des Jahres 1735 zog die Kulmus als Frau Professor Gottsched in Leipzig ein. Ein schwungvolles Begrüßungs-Carmen zweier Studenten feierte am Stadttor die „Glückliche An- funft Sr. Hochwohlgebohrnen Herrn Professor Gottsched mit Seiner geliebten Kulmus in Leipzig". uuu u,utvvll ... ......o Dieses Poem hatte zwölf ober fünfzehn Strophen ausaieb'ia besprochen. Dieser von der Konversation ! zu je zehn Zeilen, die langsam und feierlich oorge« • • • z ‘fragen wurden; Gottsched gefielen sie, die Frau Professor ober formte nicht umhin zu bemerfen, in Paris würde man das fürzer gemacht haben. Der Herr Professor überhörte diese fetzerische Auslassung in feinem jungen Glück. Oberspiclleiter Schultze-Griesheim vom Schauspielhaus in Bremen, der neugewählte Inten- ! bant des Gießener Stadttheaters, weilte gestern : — noch vor dem offiziellen Antritt seines hiesigen Amtes in den nächsten Tagen — für furze Zeit in Gießen. Wir hatten Gelegenheit, den neuen Intendanten, über dessen Lebensgang wir bereits am Samstag berichtet haben, und den wir hier im Bilde vorstellen, persönlich kennenzulernen und uns mit ihm über die Grundzüge des Programms für feine künftige Gießener Tätigkeit eingehend zu unterhalten. Vor allem wird es interessieren, worauf Intendant Schultze-Griesheim gleich zu Beginn unseres Gespräches nachdrücklich hinwies, daß I eine grundlegende U m - und Neuge-j ftaltnng unseres Spielplanes ins Äuge gefaßt ist. Es wird ein Spielplan aufgestellt werden, der ein bestimmtes geistiges Gesicht aufweist Es soll vor allem die echte und ernsthafte Dramatik von der Klassik bis zur Gegenwart gepflegt wer den, und es soll innerhalb dieser weiten Spanne eine klare und einheitliche Linie zu erkennen fein. ( In diesem Programm, welches das Schauspiel wie- : der in den Mittelpunkt der künstlerischen Arbeit rückt, ist zugleich, wie der neue Intendant bemerkte, eine Absage an das reine Erfolgs- und Konjunkturstück enthalten. ! Was den Inhalt eines jo beschaffenen Repertoires angeht, so wird vor allem das Heroische, bas Vorwärtsdrängende und das Begeisternde zu betonen und nachdrücklich zu pflegen sein. Dichterische Qualität und sprachliche Substanz werden naturgemäß Wesenselemente eines solchen dramatischen Theaters sein müssen. Damit scheiden alle Konjunktur- und alle sogenannten Lehrstücke (mögen ; sie an sich noch so gut und redlich gemeint sein) — auch alle Schwarzweißmalerei auf der Bühne von vornherein aus. Stücke, die irgendeine Frage der Zeit in diesem Sinne gleichsam nur schlagwortartig behandeln, gehören, wie Intendant Schultze- Griesheim betonte, nicht in den Svielplan eines ernsthaften Kulturtheaters Die ku11urbilde n d e Aufgabe des Theaters besteht vielmehr in erster Linie darin, daß Stück und Schauspieler die Menschen vor dem Vorhang ergreifen, begeistern ober verzaubern müllen. Der Theaterbesuch muß eine wirkliche Freude fein; die Besucher sollen nicht mit Alltagsproblemen belastet sondern im Gegenteil ihnen entrückt, erhoben und begeistert werden. Und sie sollen, das versteht sich, auch in heiteren Stücken, im echten Lustspiel und in h->r ewigen menschlichen Komödie die reine Freude an einer klaren, durchbluteten und schwe- benhen Aufführung linden. Im einzelnen ist eine besonders liebevolle Pflege der Klassiker, unter ihnen wiederum vor allem Shakespeares, geplant In Shakespeare erkennt der neue Intendant, übrigens ein Schüler von Richard Weichert in Frankfurt, so etwas wie Maß und innere Richtung für alle dichterische N-obicktion auf dem Theater überhaupt; dem Werke Shakespeares hat, wie wir hörten, bisher feine Hauptarbeit gegolten, und mit Shakespeare- Aufführungen (es wurde u. g. eine große, neuartige „Hamlet" - Inszenierung ermähnt) hat Schultze-Griesheim als Spielleiter feine schönsten und nachhaltigsten Erfolge erzielt Was die Operette angeht, so soll hier auf die gute klassische Operette das Schwergewicht gelegt werden Das Niveau der Oper soll — ohne daß über die Ausgestaltung des Opernrevertoires hier schon vorgreifend Näheres gesagt werden könnte — das Niveau der Aufführungen mit eigenen Kräften durch die Verpflichtung neuer Sänger und Sängerinnen gehoben werben Dabei bars man aber wohl heute f'-hon sag-m b-^ ein großer ^<*11 her beliebtesten Kräfte bes alten Ensembles suchungen vorgenommen, bte Krankenbehandlung ging in einer Strohbanda vor sich. Dom frühen Morgen an waren unsere Mikroskopierzelte von Neugierigen, besonders Kindern, dicht umlagert, die jede unserer Bewegungen mit großen, staunenden Augen verfolgten. Um mittags nicht nach Hause zu gehen, brachten sie ihr Essen gleich mit, Zuckerrohr und Bananen. Koch hatte verboten, diese Neugierigen zu verjagen; er sagte: „Lassen Sie den Kindern das Vergnügen, es ist für sie ebenso unterhaltend, wie für Europäer der Besuch eines Zoologischen Gartens." Während unseres Aufenthaltes auf den Sese- Jnseln haben wir an tausend Schlafkranke behandelt. Man unterscheidet drei Stadien der Krankheit; die beiden ersten sind für die Weiterverbreitung am gefährlichsten, denn dann gehen die Kranken noch der Jagd und dem Fischfang nach oder sie bringen als Lastenträger in Handelskarawanen ihre Blutparasiten in ferne gesunde Länder. Deshalb war Kochs eifrigstes Bestreben, gerade die Leichtkranken herauszufinden, und er entdeckte eine hierfür brauchbare einfache Methode, die auch heute noch in der Hand des Geübten allen anderen komplizierten Untersuchungsarten gleichwertig oder überlegen ist. Das zweite beachtliche Resultat der Forschungsreise war die Einführung einer systematischen Behandlung zur Ausrottung der Seuche. Am Viktoriasee gelang uns die völlige Ausrottung der Schlafkrankheit. „Vwana kazi mingi." Auf solchen Expeditionsreisen, im engen Zusammenleben in Gegenden, halb zivilisiert oder fern jeder Zivilisation, lernt man Charaktereigentümlichkeiten rasch kennen. Diejenigen, die Robert Koch nur nach seinen gedruckten Werken beurteilen, glauben häufig, er sei ein Entdecker gewesen, der Beobachtung an Beobachtung reihte, um sie allmählich zu dem gewaltigen Gebäude der Bakteriologie zu- sammenzufügen, das er der Welt hinterließ. Dem ist keineswegs so. Wenn jemand mit kühner Phantasie arbeitete, so war es Koch! Fast täglich überraschte er uns durch neue Einfälle und Hypothesen über das Wesen der Seuche, mit der er sich gerade beschäftigte. Wenn man in den Publikationen seiner Forschungsergebnisse hiervon nichts spürt, so liegt das daran, daß Koch alles, was der scharfen Kritik des Experiments und der Beobachtung nicht standhielt, unerwähnt ließ, selbst wenn es noch so geistvoll klingen mochte. Die Eingeborenen in Afrika nannten Koch „Bwana kazi mingi", das ist: der Herr, der viel arbeitet. Das war für die Eingeborenen wohl feine auffälligste Eigenschaft. Mit Sonnenaufgang stand er auf, arbeitete bis halb eins und saß schon wieder um zwei Uhr am Mikroskop, bis die Dunkelheit kam. Seine körperliche Rüstigkeit und sein Wissensdurst waren so groß, daß er noch als Sechzigjähriger nach vielstün- digem Fußmarsch beim Eintreffen im Lager sogleich zu mikroskopieren begann, wenn seine Begleiter vor Müdigkeit schon völlig erschöpft waren. Speise und Trank, deren Güte Koch sonst wohl zu schätzen wußte, fanden in Zeiten schwebender Untersuchungen wenig Beachtung — seine einzige Zerstreuung während der Expeditionen war die I a g d, und in den wenigen Mußestunden, die die Arbeit ihm ließ, folgte er leidenschaftlich den Fährten der Nilpferde und großen Antilopen. Mit dramatischer Lebhaftigkeit schilderte er uns, wie er einem Krokodil in den Kopf geschossen, einen Nilpferdbullen durch Blattschuß erlegt hatte. Der Pri- vatsekretär Theodore Roosevelts erwähnt in seinen Memoiren, daß bei seinem Besuch in Washington Koch sich mit Roosevelt fast ausschließlich von der Jagd auf Großwild unterhalten habe. Aeußere Ehren und Stellungen achtete Koch gering. Einem Gelehrten, der ihn von Deutschland aus schriftlich um Fürsprache zur Erlangung des Professortitels bat, antwortete er: „Ich verstehe Ihren Wunsch nicht. Sie sind in guter Vermögenslage und haben einen Arbeitsplatz in einem angesehen wissenschaftlichen Institut. Das sollte Ihnen doch genügen." Bei den häufigen Besuchen prominenter Persönlichkeiten in unserem Lager war es oft fast peinlich, wenn Koch sich in der Unterhaltung nicht an die „großen Gäste", sondern fast ausschließlich an irgendeinen jungen, unbekannten Begleiter wandte, in dessen Augen er besonderes Interesse für den Gegenstand des Gespräches bemerkt hatte. Niemals erwähnte Koch feine Entdeckungen in ruhmrediger Weise, er beurteilte sie mit einer kühlen Objektivität, die fast seltsam anmutete. Seinen 60. Geburtstag feierte Koch mit uns in Bulawayo in Rhodesia. Die „Deutsche Medizinische Wochenschrift" hatte eine Festnummer mit seinem Lebensbild erscheinen lassen; aufmerksam las Koch diese Schilderung, dann sagte er: „Wenn man mein Leben im Zusammenhang überblickt, muß man sagen, ich habe in der Tat sehr viel geleistet. — Das meiste hatte ich schon wieder vergessen." (Mitgeteilt von Peter Engelmann.) Oberheffen. Segen Geschäftsverbindung mit Nichtariern. Q] Nidda, 26. Mai. Der hiesige Gemeinderat hat in seiner jüngsten Sitzung folgenden B e - s ch l u ß gefaßt: „In der Folge werden nur noch diejenigen Handwerker, Fuhrleute, Geschäftsleute usw. mit Lieferungen und Arbeiten für die Stadt berücksichtigt, die der Bürgermeisterei gegenüber eine eidesstattliche Erklärung abgeben, daß sie und ihre Familienangehörigen mit nichtarischen Personen keine Geschäfte tätigen." Hauptversammlung des Vorschußvereins Grünberg. + Grünberg, 26. Mai. Am Samstagabend fand im Gasthaus „Hessischer Hof" die ordentliche Hauptversammlung des Vorschußoer- e i n s statt. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden des Auffichtsrates, Schlossermeister Heinrich Schmidt II., erstattete Vorstandsmitglied Müller, der seit 1. Mai an dieser Stelle tätig ist, den Geschäftsbericht für 1934, das 72. Geschäftsjahr, und gab ausführliche Erläuterungen zu den einzelnen Poften der Bilanz. Besonders wies er auf die günstige Liquidät der Kasse hin, die sich im abgelaufenen Jahre wesentlich gebessert habe und heute als hundertprozentig anzusehen sei; ebenso gut sei auch die Rentabilität. Das Andenken seines Vorgängers, des verstorbenen Rechners Karl Möller, dessen Wirken im Interesse der Kasse er lobend hervorhob, wurde von der Versammlung in der üblichen Weise geehrt. Die im Druck vorliegende Bilanz, die mit einer Endsumme von 728 413,81 Mark (707 733,69 Mark in 1933) abschließt, fand die Genehmigung der Versammlung, ebenso wurde Vorstand und Aufsichtsrat Entlastung ausgesprochen. Der Verteilung des Reingewinnes in Höhe von 3 683,56 Mark (3 796,82 Mark in 1933) wurde in der vorgeschlagenen Weise zugestimmt. Danach gelangen 4 Prozent Dividende (4,5 Prozent in 1933) mit 2 952,60 Mark auf die Geschäftsguthaben zur Verteilung, während der Rest mit 730,96 Mark den Rücklagen zugeschrieben wird. Zur Kenntnis genommen wurden der Prüfungsbericht des Aufsichtsrates und der Bericht des Derbandsrevisors über die im Jahre 1934 oorgenommene Revision der Kasse. Der an der Versammlung teilnehmende Leiter der genossenschaftlichen Zentralkasse in Frankfurt a. M., Direktor L ü h r i n g, sprach über Zweck und Aufgabe der Genossenschaften für den Mittelstand. Die Wahl zum Aufsichtsrat ergab die Wiederwahl der beiden ausscheidenden Mitglieder: Spenglermeister Julius Don-Ei ff und Buchhändler Karl Büttel, neu gewählt wurden Fabrikant Heinrich Schmidt junior und Landwirt Heinrich Keil (Lauter). Die Versammlung war van 31 Mitgliedern besucht. Kreis Schotten. § Ulrichstein, 25. Mai. Unter dem Vorsitz von Bürgermeister Geiß von Ulrichstein fand heute im Saale des „Darmstädter Hof" die 45. ordentliche Generalversammlung der Spar- und Darlehenskasse e. G. m. b. H. zu Ulrichstein statt. Nach einer Ehrung der verstorbenen Genossen trug Rechner Rühl den Geschäftsbericht für das vergangene Geschäftsjahr vor, aus dem zu ersehen war, daß die Kasse sich günstig und befriedigend entwickelt hat. Größere Rückzahlungen von Außenständen ermöglichten die Begebung einer großen Anzahl Kredite, dabei brauchten Bankkredite nicht in Anspruch genommen zu werden. Die Bilanzsumme von 558 000 Mark hat sich gegenüber dem Vorjahre nicht erhöht. Es betragen die Geschäftsguthaben 61 000 Mark, die Reserven 35 000 Mark, die Spareinlagen 426 000 Mark, die Guthaben in laufender Rechnung 27 000 Mark. Als Geschäftsgewinn konnten 3793 Mark verbucht werden, aus denen 4 v. H. Dividende verteilt und 1300 Mark den Reserven zuaeführt wurden. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Schmid und Stein aus Ulrichstein und die Aufsichtsratmitglieder Hofmann (Bobenhausen), Weber (Ober-Seiberten- rod), Eifert (Helpershain) wurden wiedergewählt. Für den ausscheidenden H. Bast (Unter-Seiberten- rod) trat Karl Stein II. (Unter-Seibertenrod) in den Auffichtsrat ein. Bürgermeister Geiß schloß die Versammlung in der üblichen Weise. Wirtschaft. * D i e Tilgung der 4>sproz. (früher 8proz.) Hessischen Staatsanleihe 1928. Die am 1. Juni 1935 nach den Anleihebedingungen vorgesehene planmäßige Tilgung der 4^prozentigen (8proz.) Hessischen Staatsanleihe von 1928 ist van der Hessischen Staatsschuldenverwaltung durch frei-I händigen Ankauf der Teilschulden-Verschreibungen erfolgt. *DividendenverdopplungbeiDycker- hoff & Widmann A G., Wiesbaden- Biebrich. Der Aufsichtsrat beschloß, der auf den 27. Juni einzuberufenden Hauptversammlung vor- zuschlagen, nach Vornahme reichlicher Abschreibungen eine Dividende von 6 (3) Prozent zur Verteilung zu bringen. * Dresdner Bank und Jugoslawien- Geschäfte. Deutsche Interessenten für jugoslawische Staatslieferungen können Näheres bet der Dresdner Bank in Berlin erfahren. Die Submissionsbedingungen werden ständig von der Vertretung der Dresdner Bank in Belgrad übersetzt. Die Dresdner Bank hat einen besonderen Dienst eingerichtet, der es ermöglicht, daß die Bedingungen in deutscher Uebersetzung unmittelbar nach der öffentlichen Bekanntgabe der Abschreibungen erhältlich sind. Die Submissionsbedingungen stehen Interessenten bei der Abteilung für Exportförderung der Dresdner Bank in Berlin auf Wunsch zur Verfügung. Rhein Mainische Mittagsbörse. Schwächer. Frankfurt a.M., 25. Mai. Die Börse lag am Wochenschluß zwar bei Eröffnung noch überwiegend etwas schwächer, doch hat der Umfang des Angebots fein größeres Ausmaß mehr erreicht und eine gewisse Beruhigung ist unverkennbar. Der Ordereingang war sehr klein, meist waren es Verkäufe, so daß die ersten Kurse noch überwiegend schwächer waren. Nach den ersten Kursen wurde die Haltung am Aktienmarkt widerstandsfähiger, und man beobachtete teilweise kleine Rückkäufe. Die Umsatztätigkeit war allgemein gesehen sehr klein. Von chemischen Werten büßten Scheideanstalt 2 v. H., Metallgesellschaft 0,75 v. H. und Deutsche Erdöl 0,50 v H- ein, während IG. Farben ihren 0,50prozen- tigen Anfangsoerlust wieder ausgeglichen. Am Elek- tromartt waren Felten mit minus 2,50 o. H. stärker gedrückt, ferner gingen Bekula und Siemens je 1 d. H. zurück, Schuckert waren 0,75 o. H. höher. im übrigen blieben die Veränderungen klein. Don Montanwerten verloren Buderus 1,40 v. H., Rhein. Braunkohlen 1 v. H., dagegen lagen Mannesmann 0,40 v. H., Stahlverein 0,40 v. H., Mansfelder 0,90 o. H. und Laurahütte 0,50 v. H. fester. Reichsbankanteile schwächten sich auf 171,25 bis 171 (171,75), Junghans auf 90 (91,50) und Feldmühle Papier auf 123,75 (125,50) ab. Etwas fester lagen Holz- mann mit plus 0,75 v. H. und Moenus Maschinen mit plus 0,40 v. H. Am Rentenmarkt war die Haltung gut behauptet. Altbesitz bröckelte 0,13 v. H. ab,' Zinsoer- gütungsscheine und späte Reichsschuldbuchforderungen lagen behauptet. Kommunal-Umschukdung waren bei etwas lebhafterem Geschäft noch etwas fester im Hinblick auf die bevorstehenden halbamtlichen Notierungen an der Berliner Börse. Fremde Werte lagen geschäftslos. In der zweiten Börfeftunden kam wieder neues Angebot heraus, das bei der herrschenden Zurückhaltung nur zu ermäßigten Kursen Aufnahme fand, so daß die Haltung schließlich doch noch überwiegend schwächer war. Im Durchschnitt bröckelten die Kurse um 0,25 bis 0,50 v. H. ab, nur Holzmann mit 96 nach 95,50 und AEG. mit 38,50 nach 38,25 zogen noch etwas an. Andererseits büßten IG. Farben 0,75 v. H., Scheideanstalt nochmals 1 o. H., Lah- meyer 1,75 v. H., BMW. 2 o. H. Allg. Lokal & Kraft 2,25 v. H., Zellstoffaktien bis 1,50 v. H., Ilse Genuß 2,25 v. H. und Reichsbank 0,50 v. H. ein Montanwerte konnten sich unter leichten Schwankungen etwa behaupten. Am Rentenmarkt waren Altbesitz auf 115,75 erholt, während späte Reichsschuldbuchforderungen auf 96,75 (97,13) nachließen. Kommunal-Umschul- dung und Zinsvergütungsscheine lagen unverändert. Der Pfandbriefmark lag still und betupfet, wogegen Stadtanleihen überwiegend um 0,25 bis 0,50 v. H. niedriger notierten. Von Auslandsmerten erhielt sich etwas Interesse für Ungarn und Rumänen zu gut gehaltenen Kursen, Mexikaner notierten nominell unverändert. Schweiz. Bundesbahnen lagen bei kleinen Veränderungen uneinheitlich. Tagesgeld 2,25 v. H. Frankfurter Schlochtviehmartt. Frankfurt a.M., 27. Mai. (Dorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb- 591 Rinder (199 Ochsen, 82 Bullen, 394 Kälber, 216 Färsen), 568 Kälber, 1 Schaf, 3689 Schweine. Es kosteten Rinder: Ochsen 35 bis 42 Mark, Bullen Z2 bfg 42, Kühe 20 Bis 42, Färsen (Kalbinnen) 34 bis 42, Kälber 35 bis 63, Schweine 36 bis 51 Mark. Marktverkauf: Rinder und Kälber lebhaft, Schweine mittelmäßig. Preußen. Oer Führer als Ehrenpate. (D Krofdorf, 27. Mai. Das hier wohnende Ehepaar Kriminalwachtmeister Valentin Lühring hat acht gesunde, prächtige Kinder, sieben Knaben und ein Mädchen. Bei dem letzthin geborenen jüngsten Sohn, der den Namen Adolf erhalten soll, hat unser Führer und Reichskanzler Adolf Hitler die Ehrenpatenschaft übernommen, was in einem Schreiben aus der Reichskanzlei den Eltern dieser Tage mitgeteilt worden ist. Die ganze Gemeinde freut sich über dieses Ereignis und gratuliert dem Ehepaar. Das Urteil im Höfeld-Prozeß rechtskräftig. Lpd. Frankfurt a. M., 25. Mai. Der 4. Strafsenat des Reichsgerichts hat die von den Beschwerdeführern Wilhelm und Minna H ö f e l d gegen das Urteil des Schwurgerichts Frankfurt a. M. am 2. März 1935 eingelegten Rivifionen im Beschlußverfahren als offensichtlich unbegründet verworfen. Damit hat das angefochtene Urteil Rechtskraft erlangt. Durch das Urteil wurde gegen die Angeklagten Wilhelm und Minna Höfeld wegen gemeinsamen Mordversuches, bei Wilhelm Höfeld außerdem wegen fortgesetzter schwerer Kindesmißhandlung auf je 15 Jahre Zuchthaus, 10 Jahre Ehrenrechtsverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht erkannt, die mitangeklagte Tochter Minni Höfeld rechtskräftig freigesprochen. Der Angeklagte Höfeld hatte bekanntlich seine 14jährige Tochter Hildegard fortgesetzt mißhandelt. Im Dezember v. I. hatten die Eltern durch Drohungen ihr Kind gezwungen, in den Main zu springen, um Selbstmord vorzu- täuschen. Rundfunkprogramm. Dienstag, 28.2Ual 6 Uhr: Von Köln: Frühkonzert I. 7: Von Köln: Frühkonzert II, „Vorn Wecken bis zum Zapfenstreich". 8.10: Von Stuttgart: Gymnastik. 8.30: Von Bad Bertrich: Frühkonzert. 10.15: Vom Deutschlandsender: Schulfunk. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11: Von Hamburg: Reichssendung: Eröffnung der Ausstellung des Reichsnährstandes. 12: Don Leipzig: Mittagskonzert I. 13.15: Von Leipzig: Mittagskonzert II. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Für die Frau. 16: Kleines Konzert. Klaviermusik von Fr. Chopin. 16.30: Unser Schulkind — daheim (II). Schule, Elternhaus und Klassengemeinschaft. 16.45. Erdbeben! Ein Zwiegespräch über die Ursachen der Erdkatastrophen. 17: Von Königsberg: Nachmittagskonzert. 18.30: Vom Sinn unserer Redensarten. Eine Plauderei über Aus den Fabriken und Stuben strömt die Tugend in die Zeltlager der HI. hier stählen sie Leib und Seele. Kultur und Volkstum im Spiegel der Sprache. 18.45: Warum fahren wir ins Wochenend? Der Großstädter sucht die Natur. 19: Von Trier: Unterhaltungskonzert. 20.15: Von Breslau: Reichssendung: Stunde der Nation. Von deutscher Heiterkeit. 20.45: Orchesterkonzert. Werke von Anton Dvorak. 22.25: Liederstunde. 23: Von München: Nachtmusik. 24 bis 1.20: Von Stuttgart: IX. Sinfonie von L. van Beethoven, mit Schlußchor über Schillers Ode „2In die Freude" für großes Orchester, vier Soli- und vier Chorstimmen O-Moll op. 125. Daten für den 27. Mai. 1564: der Schweizer Reformator Johannes Calvin m Genf gestorben (geboren 1509); — 1676: der protestantische Liederdichter Paul Gerhardt in Lübben gestorben (geboren 1607); — 1703: Gründung Don St. Petersburg durch Peter den Großen; — 1840: der Geigenkünstler Niccolo Paganini in Nizza gestorben (geboren 1782); — 1910: der Bakteriologe Jiobert Koch in Baden-Baden gestorben (geboren ?84^ • — 1917 (bis 21. Juli): Erste große Schlacht m Flandern von der Yser bis zur Lys; — 1918 (bis 3. Juni): Schlacht bei Soissons und Reims. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse - Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 o. H. Frankfurt a. M Berlin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. Hamdurg-Amerika-Paket o 33,5 32,9 148,75 147,65 54,65 91 O 103,5 | 102,25 112,25 111,5 106,75 106 154,5 40,9 40,65 11 11 11,13 10,75 171,751171,75 172 Die hinter den angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. 94,75 | 118,5 i 40,65 93,5 7 7 102 111,5 91,25 165,75 35,75 295,5 174 155 35,75 294 102 117,9 104,75 o 0 0 38,4 134,4 109,75 128,25 102,5 124 128 123,9 117 T67 126 94,5 94,5 170,5 94,75 94,75 170,75 94,5 94,5 170,75 107 97 164 130 93,75 84,4 117,5 87,75 147,5 220 101,5 117 105 96 118 137 118 88,25 132,25 91,25 161,5 87,9 35,25 171 154,5 109,9 54,4 . 6 •K .. 0 0 , 0 12 94,75 94,75 171,75 109,75 54,75 115 118 68,5 133 91,4 166 87,5 35,5 297 174,5 155 162 129,5 94 84,25 104,25 112 33,4 27 35,25 88,5 114 93 38,4 134,9 109,4 128,25 102,75 124 127,5 123 118 167,65 126,13 33,13 27,5 34,9 88 113,5 92,5 54,75 115 118,25 89.75 38,5 135,25 110 128,5 105 124 129 124 117 168 127,75 35 88,25 114 92,5 106,5 97,65 164 130,75 94,75 84,75 38,5 135,25 110 128,4 105 124,25 129 124 117,75 168 126,75 101,75 117,13 106 162 131,75 94 84,25 Siemens« Halske. Lahmeoer«Lo. ., 148 I 223 102 Gesellschaft.. Dresdner Bant Reichsbank ... I. G. Farben-Industri» Scheideanstalt Goldschmidt .... Rütgerswerke........ Metallgesellschaft 4% Oesterrelchische Goldrente.... 4,20% Oesterrelchische Silberrente 4% Ungarische Goldrente ....... 4% Ungarische Staatsrente b. 1910 *Vi% desgl. von 1913 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1..................... 30,65 1,25 9,3 9,25 9,4 13,65 31 1,35 9,4 9,4 9,4 13,8 1,35 9,3 9,3 9,45 13,75 1,3 9,35 9,25 9,4 13,75 A.E.G Bekula io ßlefti. Lieferungsgesellschaft... 6 Licht und Krall ........... ey. Reiten & Guilleaume o Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........6 Rhein. Wests.. Elektr 6 Schuckert L Co............... 4 35,75 ! 88,5 114 92,75 ! ?! 0, IUZ 4 118,25 i 4| 105,75 I Philipp Holz mann .... Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt.. Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz, und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Schultheis Pa-enhofer 4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg............ 0 Zellstoff Waldhos . 0 Zellstoff Aschaffenburg ...... 0 Dessauer Gas .............. Daimler Motoren g Deutsche Linoleum .......... g Orenstein L Koppel ' n Westdeutsche Kaufhof 0 Chade.................... o Accumulatoren-Fabrik....****12 Eonti-Gummi................ । 95,25 95,25 Buderus Deutsche Erdül Gelsenkirchener Harpener C-oeid) Eisen-Köln-Neueftea Ilie Bergbau ............. Ilse Bergbau Genüsse Klöcknerwerke ............. Mannesmann-Rohrn» ..... Gritzner 0| 41 25 I Mainkraftwerke Höchst a.M..,. 4 9 Süddeutscher Zucka ....„'II A 171,5 | Frankfurt a.271. Berlin Schluß« kurö Schlußk. Abend« börse Schluß« lurd Schlußk. Mittag» börsc Datum 24-5 25 5 24 5 25 5 6% Deutsche Reichsanleihe b. 1927 100,25 100,25 100,13 100,13 4% Deutsche Reick)sanl. oon 1934 96,9 97 97 97 6Yi% Bvung-Anleihe bon 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 103 103 103,25 103,25 Audlos.-Rechten ............. 4l/e% Deutsche Reichspostschatzan- 115,75 115,75 115,65 115,65 Weisungen von 1934, 1....... 6% ehem.8% Hess. Volksstaat 1929 100,4 100,4 100,4 100,5 (rückzahlb. 102%) ............ 98,5 98; 75 98,25 98,75 4¥t°/o ehern. Hessische Landeöbank Darmstadt Gold R. 12........ 96,25 96,25 96,25 96,25 6Vi% ehem. Hess. LandeS-Hypo- thekenbank Darmstadt Liaui ... 100,5 100,5 _ _ 4K*% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R. 6 92,25 92,25 __ Oberhessen Provinz-Anleihe mit AuSIos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. ?ln- 124 124 — — leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechlen 116 116,25 115,75 116,25 *%% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 96,25 96,25 _ _ 6%_% ehem. 4%% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriefe....... 6Yi% ehem. 4%% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpfe..... 100,6 100,8 — — 100,9 101 100,75 101 4 Wo ehem. 8% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 96,75 96,75 96,75 96,75 *¥i% ehem. 7% Pr. Landespfand, briefanst., Gold Komm. Obl.VI 96,75 96,75 96,75 96,75 Steuergutsch.Verrechnungvk. 35-89 106,3 106,2 106,3 106,2 Frankfurt a. M. Serkin Schluß« kurs Schlußk. Abendbörse Schluß« kurs Schlußk. Mittag« Datum 24 5 25 5 24 5 25-5 Mansfelder Bergbau .. KokSwerke........... Phönix Bergbau...... Rheinische Braunkohlen .......8 .......5 .......O .....12 115,9 226 116 227,5 115,75 121,25 226 115,13 121,25 Rhetnstahi ........... Vereinigte Stahlwerke. Ltavt Minen ........ Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln. Kaliwerke Salzdetfurth .....sy, .......0 .......0 .......5 .......6 .....?y> 110,5 82 19,5 124 124,25 178 110 82 18,9 124,75 125 179 110,75 82,4 19 124,25 123,25 177,5 HO 82,25 18,9 125 125 179 Schluß« kurs Schlußk. Abendbörse Schluß« kurs Schluck, mittag» börse Datum 24 5 25 5 24 5 25 5 4% desgl. Serie II ............ 11 11 11,5 11,75 5% Rumön. vereinst. Rente b. 1903 5,75 5,8 5,9 5,95 4Z4%Rumän.bereinh.Renteb.l913 8,25 8,6 8,65 8,4 4% Rumänische vereinh. Rente .. 5 5,05 5 5 2^% Anatolier ............... 39,5 39,25 39,4 38,75 24. Mai 25 Mal Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Buenos Aire-, 0,658 0,662 0,658 0,662 Brüssel..... 41,98 42,06 42,98 42j)ß Rio de Ian. 0,149 0,151 0,149 0,151 Sofia...... Kopenhagen. Danzig..... London ..... Heli'ingforS.. Paris ...... Holland .... Italien..... Japan ...... Jugoslawien. Oslo..... : Wien....... 3,047 54,75 46,76 12,26 5,405 16,36 167,83 20,51 0,719 5,649 61,62 48,95 11,13 63,23 80,30 33,92 10,33 3,053 54,85 46,86 12,29 5,415 16,40 168,17 20,55 0,721 5,661 61,74 49,05 11,15 63,35 80,46 33,98 10,35 3,047 54,90 46,75 12,295 5,425 16,355 167,68 20,51 0,720 5,649 61,79 48,95 11,17 63,39 80,27 33,90 3,053 55,00 46,85 12,325 5,435 16,395 168,02 20,55 0,722 5,661 61,91 Lissabon .... Stockholm... Schweiz .... Spanien.... Prag....... 49,05 11,19 63,51 80,43 33,96 Budapest ... 10,31 00,33 Neuyork ... 2,486 2,490 2,484 2,488 Berlin, 25.Mal Geld Bries " Amerikanische Noten...,.,.,, Belgische Noten............... 2,436 41,82 2,456 41,98 54,91 12,30 16,35 167,94 20,00 61,82 63,43 80,36 Englische Noten .............. Französische Noten.............. Holländische Noten...... ..... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. eeftetreid), & 100 Schilling Rumänische Noten ...... ° Schwedische Noten ...III......... Schweizer Noten.......I......... Spanische Noten........ ....... 54,69 12,26 16,29 167,26 19,92 61,58 63,17 80,04 33,43 Ungarische Noten.........IIIIIII 33,57 Itr.122 Drittes Matt Lietzener Anzeiger iLeneral-Anzeiger für Sberhetzen) monfcg, 27. Mai 1955 Blick auf das Jungoolklager bei Grünberg. as Mutter und fühlt nur dieses. Das Haus war größer^ der Baum war mächtiger, das Bild stärker und ich ist doch Fortschritt. 91h ich erinnere mich der Freude, die mir eine Nährt auf dem Vorderperron der Linie 7 bedeutet! Den Vera hinunter, und vor allem bei Regenwetter. Möglichst dicht beim Schaffner. Diese Fahrten waren damals für mich der Superlativ oller Geschwindigkeit. Ich sehe sie wieder, die alte, gelbe Linie 7, heute 9. Ach Himmel, dieser langsam heranlärmende Wagen diese vorsichtig berg°bru'° schende Tram ist das Sturmgefahrt meiner Jugend? Welt blieb stets stärker und entscheidender als fremde Einflüsse oder gar gewisse „Richtungen". Rohlfs war gesellschaftsfremd, akademiefern und überlieferungsfeindlich; er hat die vielumstrittene neue Sehweise in Deutschland bestimmt nicht heraufgeführt; sein Malstil blieb unnachahmlich, aber auch nicht fortführbar: die Formensprache seiner Bilder ist ohne Nachfolge geblieben. „Als Aufgabe galt: die Malerei leuchtender, leidenschaftlicher, innerlicher zu machen, das eigene Erleben, Fühlen, Empfinden mehr an ihr teilnehmen zu lassen..Es wurden im Folgenden 'auch die inneren Beweggründe zum Schaffen bei Rohlfs, die besondere seelische Lage seines malerischen Erlebens gekennzeichnet, und es wurde dann auf jene für seine Malerei so bezeichnende Entstofflichung hingewiesen, von der wir in unserem ersten Bericht bereits sprachen und wofür die aegenwärtige Ausstellung so überaus charakte- ristische Beispiele gibt. Rohlfs' Malerei wirkt weder grüblerisch noch literarisch, doch läßt ihn ein gewisser Lyrismus, ein Hauch von Abstraktion im guten wie im begrenzenden Sinne, seinen dichterischen Landsleuten Groth und Storm verwandt erscheinen. Es wurde ferner angedeutet die naive Erlebnisfreudigkeit, die männliche Besonnenheit, die Liebe für architektonische Gebilde, die in seiner Malerei zu empfinden sind; nur flüchtig behandelt dagegen die Farbe bei Rohlfs, die sich in seinen Bildern am stärksten und unmittelbarsten selbst ausspricht und vorträgt. Die Gewinnung eines einzigen, beherrschenden, aber ungemein starken und reinen Farbtons — das ist es, worauf es ihm in den letzten Iahzehnten seines Lebens in erster Linie ankommt. ',So lenkt er in den besten seiner Stücke wie ein Schöpfer die selbsttätige und gesetzgebundene Natur der Farben zu einem neuen Gebilde dinglicher Art, einem Kunstwerk, das ein Stück undinglicher göttlicher Natur, eine Erscheinung von Licht, Gefühl, Entzückung und Rausch spiegelt und wie ein Symbol bannt." — ist im Laufe der vergangenen Woche em Zeltlager des Jungbannes 116 aufgebaut worden. U. a. enthält es zehn Mannschaftszelte, ferner ein Zelt für den Lagerleiter sowie Sanitätsund Wachzelt, außerdem ist eine Holzbaracke er- (Aufnahmen: Photo-Pfaff) Einmarsch in das Lager richtet worden, in der zwei große Kessel für die Bereitung des Essens vorhanden sind. Von der am Schwimmbad endenden städtischen Wasserleitung hat die Stadt die Leitung 'die kurze Strecke bis zum Lager legen lassen, so daß das nötige Wasser ür Wasch- und Kochgelegenheit vorhanden ist. Am gestrigen Sonntagnachmittag fand die Einweihung des Zeltlagers in Anwesenheit von Vertretern der Partei und der Behörden statt. Trommel- und Fanfarenklang, dazu Lieder mit verbindenden Worten durch Einzelsprecher und Sprechchöre des Jungvolkes leiteten die Feier ein. Die Einweihungsansprache hielt Jungbannführer Taes- l e r (Gießen), der den Unterschied der heutigen Jugend gegenüber den früheren Jugendbünden betonte und Zweck und Aufgabe der Zeltlager erläuterte: eine deutsche Jugend als Kämpfer für die Idee unseres Führers heranzubilden. Ferner hielten Ansprachen der Kreisamtsleiter der NS.- Volkswohlfahrt Pg. K l ö ß , durch dessen fördernde Hilfe das Lager in dieser Form ermöglicht wurde, -Oberstleutnant Schmidt (Gießen) für die Wehrmacht, Bürgermeister Pg. Wagner für die Stadt Grünberg. Unter Trommelwirbel fand dann die feierliche Flaggenhissung statt. Die Eröffnungsfeier schloß mit dem Sieg-Heil als Treuebekenntnis zum Führer und mit dem Lied der Jugend. Zahlreiche Zuschauer wohnten der Feier bei, die leider durch Regen etwas beeinträchtigt wurde. Die erste Belegschaft in Stärke .von etwa 130 Jungen ist von dem Jungvolk Grünberg und Hungen. Nach achttägiger Dauer wechselt die Belegschaft des Lagers, das sich über den ganzen Sommer erstrecken soll. Vei der Gießener Hitlerjugend. Am gestrigen Sonntag wurden in unserem Gebiet zur gleichen Zeit 34 Zeltlager der Hitlerjugend eingeweiht. Die Gießener Hitlerjugend hat sich als Lagerort einen herrlichen Platz in einem Buchenwald unweit von Wetzlar hinter dem Forst haus Finsterloh ausgesucht. Um den in der Mitte des Lagers errichteten hohen Lagerturm haben die Jungens in den letzten Tagen zwölf runde Zelte aufgeschlagen. An dem mit einem Hakenkreuz aus Holz geschmückten Eingang befinden sich das Führer- und Wachzelt, während die anderen Rundzelte im Schutz der Buchen aufge- Heimkehr in die Lugend Don per Schwenzen. Frankfurt, 26. Mai (LPD.) Am heutigen Sonntag hatten die HI. und das Jungvolk des Gebiets 13 Hessen-Nassau einen großen Tag: die 3 4 in den schönsten Gegenden unseres Gaues errichteten Zeltlager sind in eindrucksvollen Feiern eröffnet worden. Zur großen Freude der Jung- aenossen und Pimpfe nahm der Reichsjugendführer Baldur von Schirach die Eröffnung persönlich vor. Schon in den frühen Morgenstunden des Sonntag strömten von allen Seiten her die Hitlerjungen und Jungvolkpimpfe in prächtiger Marschdisziplin den einzelnen Lagern zu, wo bald reges Leben und Treiben herrschte. Um 16.30 Uhr traf der Reichsjugendführer im Lager des Bannes 80 der H I. im Rödelbachtal bei Bad Schmalbach ein. Nach einer Ansprache an die versammelte Lagerbesatzung gab er den Befehl zur Eröffnung der 34 Zeltlager, und an 34 Ma st en gingen die Lager sahnen hoch. Von Bad Schmalbach aus unternahm der Reichsjugendführer eine Besichtigungsfahrt durch die Lager der Jungbanne 81/186 auf der Billtalhöhe bei Königstein im Taunus und durch das Lager des Bannes 115 auf den Apfelbachwiesen bei Grafenhausen. Ueberall wurde der Reichsjugendführer mit Jubel begrüßt Die Besichtigungsfahrt, bei der sich Baldur von Schirach von der vortrefflichen Beschaffenheit der Lager überzeugen konnte, fand erst in den späten Abendstunden ihr Ende. 3m Iungvolk-Zeltlager bei Grünberg. Im Osten der Stadt Grünberg verläuft, vom Waldschwimmbad aus beginnend, ein schmales Tal, das den Blick bis zu den fernen Höhen des Taunus freigibt. Unebenes Wiesengelände, ab und zu Felstrümmer sowie ein Fichtenbestand sind das äußere Bild dieses Tales, das den Namen „Spitzer Stein" trägt. Ein schlichter Felsblock, der „Theo-Koch- Stein", erinnert an einen bedeutenden Sohn der Stadt Grünberg. Hier in diesem idyllischen Platze Eröffnung der 34 Zeltlager der HL Oer Keichsjugendführer in unserm Gau. Bin ich selbst etwa schneller geworden? Schlug das Knabenherz nicht rascher, rannte man nicht hinter jedem Hunde drein, atmete man nicht den halben Tag mit aufgesperrtem Mund? Nein, wir sind langsamer geworden, wir sitzen in Auto und Flugzeug, wir rasen bedächtigen Herzens hinter donnernden Motoren durch die Welt, aber wir sind aus dem Rhythmus der Körpergeschwindigkeit gefallen und von Kindern und'Hunden durch eine weltanschauliche Kluft getrennt. Ich ging den Berg zu Fuß hinab, ich verlor nicht viel Zeit dabei. Und sah die lieben Laden wieder, die Gummitorten der Frau Poligkeit, den dunklen Papierladen von Bunsendahl, wo wir die Oktav- Heftchen Stundenpläne und Abziehbilder erstanden. Hier um die Ecke wohnte der Sohn des reichen Holländers van Keerel. Er fuhr unvorsichtigerweise mit einem Ziegengespann durch unser Hoheitsgebiet, wurde vom Bock gehoben und mutzte im Hofe des Pabst Stecken zuschneiden, wahrend unser Generalkommando eine Spritztour unternahm Dort oben hinter dem schmalen Fenster m Nr. 18 gründeten wir den Verein „Atlantic Mitglied konnte werden, wer ein selbstoer aßtes Gedicht überreichte und die 100 Meter unter 14 Sekunden lief. Es war dies die physische und geistige Elite des Viertels und die erste saftige Schmokerei, mit der ich mich je geschmückt habe. Ich weiß daß mein Gedicht „Der Klabautermann hieß, und daß Wie jung man einmal war und wie alt man I eigentlich ist, läßt sich nur in wenigen Augenblicken - der Erschütterung erleben. Zeit ist wie die Flache des Meeres, die jede Streckenschätzung des Auges । täuscht. Nur hin und wieder, wenn ein Segel leuchtet eine schreckliche Klippe starrt, ein Windstoß bunte Furchen zieht, ermessen mir Abstande. Mitunter treffen wir einen Freund, den wir lange nicht iahen neugierig forschen wir in seinem Gesicht, Men Bekanntes, denken: Ah so siehst du jetzt aus — und plötzlich, mit untrüglicher Sicherheit, spiegeln wir uns in seinen Augen und wissen es: So sehe ich jetzt aus ... Mitunter kommen wir vielleicht in eine Stadt, die unsere Kindheit beherbergte oder eine wichtige Station unseres Lebens ward. Wir gehen verwundert durch d-eStra- fcerT die damals abenteuerlicher und ftei er waren. Der' Löwe vor dem Rathaus ist zusammengeschrumpft, die Welt scheint kleiner geworden vom Kirchturm bis zur Badewanne, m die wir mit Mühe hineinkletterten, auf deren Wasserspiegel unsere Flotte schwamm und die uns nun klein und reparaturbedürftig von unten anblickt. . So empfing mich die Stadt, m der ich meine Kindheit und erste Schulzeit verlebt hatte. In meiner Erinnerung stand die kleine Stad। r tg roio dir Burg der Burgundern alle Stoßen waren geheimnisvolle Kriegspfade gewesen, die Kartoffelkeller Versammlungsplätze des schwarzen Gerichtes in denen nichtsahnende Strebertugend zu martia sehen Strafen verurteilt mürbe. Da lagen nun die Heerstraßen unserer Knegs- züqe und sahen nach gemeinem Kopfpflaster aus da waren wieder die Stützpunkte unserer Verteidigungen, Vorgärten und Hausflure. Diesen Kanal- Heckel hatte ich selbst gegen dreifache Uebermacht gehalten, und wie phantasielos scheint das heute■alle — wie die schlechte Kopie eines himmlischen Kunst wertes ... Ist diese Stadt eingeschrumpft? Prospekte und Artikel sagen, sie sei gewachsen. Telephonzellen sind aus dem Pflaster geschossen, die drei alten Benzwagen, die seit Menschengedenken vor dem Bahnhof standen, haben Junge gekriegt, die Linie 7 der Straßenbahn heißt jetzt Linie 9. Das schlagen sind. Dem Eingang gegenüber ist die Küche und eine kleine Schreibstube Das ganze Lager ist mit einem Holzgitter eingesäumt und schön aufgeteilt. Die Waschanlage befindet sich seitlich des Lagers. So ist das Zeltlager des Bannes 116 in einer herrlichen und gesunden Gegend unserer Heimat bis in alle Einzelheiten mustergültig ausgestattet. Die letzten Vorbereitungen waren erledigt, da kamen gestern auch schon die ersten Lagerteilnehmer an. Gießener und Grünberger Hitler- jungen zogen mit klingendem Spiel ins Lager ein, das sie nun 8 Tage beherbergen soll. Nasch wurden die Zelte bezogen und sich zur Lagereröffnung fertig gemacht. Leider verfinsterte sich der Himmel immer mehr, und kleine Regenschauer setzten ein. Aber wer da glaubt, daß die Hitler- jungens nun naß geworden und mit bösen Gesichtern ob des Wetters im Lager herumstehen würden, der hat sich schwer getäuscht. Einem Hitlerjungen macht das nichts aus, regnet es, dann bleibt man einfach im warmen Zelt und vertreibt sich hier seine Zeit. So war es auch gestern, froher Sang und frohe Musik ertönte aus den Zelten. Pünktlich 4.30 Uhr nachmittags trat das gesamte Lager vor dem Lagerturm an. Bannführer Schreiber begrüßte die erschienenen Gäste und betonte, daß das schlechte Wetter nicht den' frohen Mut der Hitlerjugend trüben könne. Mit dem Lied: „Brüder in Zechen und Gruben" wurde die Einweihungsfeier eingeleitet. Dann folgte ein Gedicht und ein Sprechchor. Nach einem Marsch des Spielmannszugs kam wieder ein Sprechchor und ein Gedicht. Wirkungsvoll aus jungen Kehlen ertönten in der freien Natur die beiden Sprechchöre „Wir Arbeiterjungen" und „Die Walzen- straße". Nach dem Lied „Siehst du im Osten das Morgenrot" sprach Kreisorganisationsleiter Pg. Horst zu den angetretenen Jungens. Ueberall im Gebiet würden am heutigen Tage die Zeltlager her Hitlerjugend ihrer Bestimmung übergeben. Wenn die Hitlerjugend sich zu diesen Lagern versammle, dann solle sich die Jugend in der freien Natur tummeln und ihren Körper stählen. Mit dem gestählten Körper nehme die Jugend den Geist Adolf > Hitlers mit zur Arbeit und zur Schule. Diesen Zeitschriften. — Die Zeitschrift „Der öffentliche Gesundheitsdienst" erscheint, herausgegeben von Ministerialdirektor Dr. Gütt, Professor Reiter und Medizinalrat Dr. Schütt, im ersten Jahr- gang im Verlag Georg Thieme, Leipzig C 1. Aus den uns vorliegenden ersten vier Heften, die eine Fülle wertvollen, aufklärenden und allgemein interessierenden Stoffes enthalten, nennen wir nur di« Beiträge über Erb- und Rassenpflege bei den Gesundheitsämtern, über Wege und Ziele in der Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten, über die Ausbildung oes ärzklichen Nachwuchses, über Reihendurchleuchtungen von SA.-Männern, über Wirkung und Anwendung der Desinfektion und über da» Heufieber und feine Bekämpfung. m Immer tiefer mit jedem Schritt auf diesem Pflaster der Erinnerung gehe ich in meine Jugend hinein und wundere mich, daß ich mich «n alles so haarklein erinnere, und daß ich eigentlich nicht mehr ergriffen bin. Viele meiner damaligen Freunde sind tot Viele habe ich wiedergetroffen Manche sind Mt unverändert, bis auf Ausmaße und Bartwuchs, manche haben sich gänzlich von ihrer Jugend g - löst und sind weich oder grob verschwemmt pralle Kindergesichter zu präzis gezeichneten Köpfen ge- worden. Ich traf sie in Berlin in Hamburg, im Ausland wieder. Ich versuche, den Schicksalslimen meiner Freunde in Gedanken zu folgen und komme immer, wie auf Seitenwegen, die eine Heerstraße umflechten, zu mir und meinem eigenen Weg 3U£ifr stehe ich, Stirn gegen Stirn mit meiner Jugend. Ich stehe wie in einem Zentrum und blicke auf mein Leben, das wie ein tonender farbenmischender Kinderkreisel um meinen Kopf summt. Das Summen wird leiser und leiser. Lärm und Scheingewinn des täglichen Lebens fallen ms Wesenlose. Die wahren, die echten, die Forderungen und Ziele der Jugend stehen auf aus der Erde auf der sie geträumt und beschworen wurden, und fragen: Wie weit kamst du? — Und langsam geht man weiter und steht auf einmal vor einem Raum im Garten, vor einem alten Haus, vor dem Bild einer Bei der Besichtigung des Jungvolklagers bei ©runberg. Rechts: Kreisamtswalter der NSV. Klos, daneben Oberstleutnant Schmiß bin älter... Und geht die Treppe hinan. Das Treppenhaus ist frisch gemalt. Der Pinsel ging über die gekreuzten Schwerter hinweg, die Wilhelm und ich in die Wand kratzten, als wir an meinem zwölften Geburtstag unser Blut zu unverbrüchlicher Treue mischten. Drei Jahre darauf stahl Wilhelm meine Skier und schrieb mir später aus Afrika, er habe sie verkauft, um den ersten Zehrpfennig für ein Abenteuerleben zu beschaffen; er habe genug in Büchern gelesen. Ich habet hm verziehen und ihn beneidet. Später hat mir eine Dame, die aus dieser Kleinstadt nach Alessandria heiratete, erzählt, daß sie ihn elend in Kairo wiedergetroffen habe. Ich öffne den alten Bücherschrank. Da hat die gute Mutter alle Hefte und Bücher, Dokumente und Waffen meiner Jugend verstaut. Da liegt der Zund- plättchenrevolver, mit dem ich gefangengenommene Missionare erschoß und den Startschuß zum Pru- fungs-Sprint für die Kandidaten des „Atlantic" gab. Da liegen die Uebungshefte, Ringkampf mit der Hydra der Wissenschaften, begonen im sechsten Jahre meines Erdenwallens, Ausgang ungewiß. „Der Storch hat lange Beine; damit geht er im Salat. Und Frösche er ißt sie" Liebe ungelenke Zeilen, dreißig Jahre und mehr vergingen, aber jetzt tut ihr den nie gehofften Weg in die Öffentlichkeit. Da liegen die Versdramen des Tertianers, die Liebesbriefe des Sekundaners, da liegen die tausendjährigen Familienphotographien, Mutter und Vater. Das Aufgebot der Tanten und Onkel in greisenhaft wirkenden Röcken und Hüten, Bärten und Tournüren, mit lieben, jungen Gesichtern. Eine Botanisiertrommel ist da. Ich öffne sie. Ein Schmetterling. Ich blase ihn an, und er zerweht zu Staub. Lieber den Maler Christian Rohlfs Im Oberhessischen Kun st verein sollte gestern vormittag Professor Thormaehlen vom Landesmuseum in Kassel einen einführenden Vortrag zur gegenwärtigen Ausstellung von Aquarellen, Holzschnitten und Zeichnungen von Christian Rohlfs halten; da Professor Thormaehlen aber durch Krankheit am Erscheinen verhindert war, las Stadtbaurat G r a v e r t einiges aus dem Katalog, den Thormaehlen vor zehn Jahren zur großen Jubiläumsausstellung der Berliner Nationalgalerie geschrieben hat: zunächst einen Umriß des äußeren Lebens von Rohlfs, her am 22. Dezember 1849 in Mendorf bei Leezen in Holstein als Bauernsohn geboren wurde. Er hat es nicht leicht gehabt, und er ist, einer der ältesten sogenannten Modernen in der deutschen Malerei, zeitlebens nicht sehr bekannt ober gar populär geworden. Die eigene Persönlichkeit und die Empfänglichkeit für die ihn umgebende /'-;- ■ neuen Geist vermittle ihnen das Lager. Wenn die ältere Generation in ihrer Jugend diese Lager gehabt hätte, dann wäre sicherlich nicht der Marxismus und der Kommunismus über unser Land gegangen. Eins müßten wir wieder lernen, daß wir zusammenstünden und uns zusammenreihen würden, wie es in der Kampfzeit der Fall gewesen war. Der Führer sei selbst in den rötesten Gebieten vorangegangen, und seine Gefolgschaft sei niemals gewichen, sondern sei zum Siege durchgedrungen, auch wenn der Sieg mit Blut erkauft wurde. Heute werde nichts mehr mit dem Blute erkauft, sondern mit dem Geiste. Dem ganzen Volke müsse man es beweisen, hier steht ein Hitlerjunge, der ein ganzer Kerl ist. Die Hitlerjugend habe die Verpflichtung, draußen im Leben sich so zu verhalten, daß keiner Kritik üben könne. Die noch Zögernden und Zagenden mußten sich sagen, hier marschiert eine Jugend, lauter Kerle und mit rechten Führern. Die Eltern und Lehrer würden dann der Hitlerjugend ihr vollstes Vertrauen entgegenbringen, das nötig sei zum Bau unseres Staates. Die Hitlerjugend sei unser Erbe, sie müsse erkennen, was der Führer wolle. Wenn sie den Willen des Führers erkannt habe, dann werde das Dritte Reich das Reich Adolf Hitlers. Bannführer Schreiber dankte darauf Pg. H o r ft für seine Worte an die Hitler-Jugend. Sein Dank galt weiter seinem Kameraden Walter Buß für den Aufbau des Lagers. Unter den Klängen des HJ.-Liedes „Vorwärts, vorwärts" wurde dann am Lagermast die Hakenkreuzfahne gehißt. Damit war das erste Lager in diesem Jahre eröffnet. Aus der provinzialhaupistadt. UnterhaltungSzuschüffefürReferendare Der Reichsjustizminister hat verfügt: Im nationalsozialistischen Deutschland soll der Zugang zum Richteramt und den sonstigen Rechtswahrerberufen nicht von den wirtschaftlichen Verhältnissen der Bewerber abhängig sein. Bedürftigen würdigen Bewerbern während des Vorbereitungsdienste^ zu helfen, ist Sabe des Staates. Einer staatlichen Unterstützung ig ist nur, wer charakterlich und fachlich die erforderliche Eignung besitzt- Die Zahl der Bewerber, die aus Staatsmitteln unterstützt werden kann, richtet sich nach dem Bedarf der Gesamtheit. Bei der Bewilligung und Bemessung der Unterhaltszuschüsse sind in jedem Einzelfall die wirtschaftlichen Verhältnisse, der Familienstand und das Lebensalter des Antragstellers und insbesondere auch der Umstand zu berücksichtigen, inwieweit der Referendar im Haushalt von Angehörigen Unterkunft und Verpflegung erhält. Der Unterhaltungszuschuß beträgt in den Ortsklassen S und A im I.Jahr des Vorbereitungsdienstes bis zu 150 RM. „ 2. „ ,, „ „ „ 160 „ „ 3. „ „ „ „ - „ 170 „ in den Ortsklassen B bis D im I.Jahr des Vorbereitungsdienstes bis zu 140 RM. „ 2. „ „ „ „ „ 150 „ „ 3. „ „ „ „ „ 160 „ Den Referendaren können Kinderzuschläge wie den planmäßigen Beamten gewährt werden, nicht aber örtliche Sonderzuschläge. Die Mittel für Unterhaltungszuschüsse dürfen nicht verzettelt werden. Von der Gewährung von Zuschüssen, die keine wirksame Hilfe bringen, ist abzusehen. Der Unterhaltszuschuß ist für die Dauer der tatsächlichen Beschäftigung im Vorbereitungsdienst und des anschließenden Prüfungsoerfahrens zu zahlen. NGLB., Kreis Gießen. Fachschaft: Körperliche Erziehung. Bezirk Gießen. Tagung der Pflichtarbeitsgemeinschaft am Mittwoch, 29. Mai, in der Turnhalle der neuen Pesta- tozzischule, 15.30 bis 16.30 Uhr Knabenturnen, 16.30 bis 17.15 Uhr Leistungsturnen, 17.15 bis 18.15 Uhr Mädchenturnen. Die Leiter der Wettspiele in den Kreisgebieten sind dazu eingeladen. Es wird noch einmal darauf hingewiesen, daß laut Verfügung des Stadt- und Kreisschulamtes alle Lehrkräfte, die Turnen erteilen, an der Arbeitsgemeinschaft teilnehmen müssen. Turnkleidung ist mitzubringen. Da diesmal Vorbereitungen für die Kreiskonferenz am 5. Juni 1935 getroffen werden; muß alles da sein. Ausstellung von Echülerarbeiten über das Winterhilfswerk. Durch eine Verfügung der Minifterial-Abteilung für das Bildungswesen wurden im letzten Winter, wie auch im Winter 1933/34, die Schüler aller hessischen Schulen aufaefordert, den Gedanken des Winterhilfswerks im Unterricht darzustellen. Mit der Aufgabe befaßten sich alle Schulen, und sie sandten ihre besten Arbeiten der Mmisterial-Abtei- lung ein, die einen Teil der Arbeiten zu einer Wanderausstellung zusammenstellte, die nun in den Kreisstädten Hessens der Oeffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Die Ausstellung für Gießen findet im Haus der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstraße, statt und war am Samstag und am gestrigen Sonntag für Eltern und Freunde der Schule geöffnet. Für Lehrer und Schüler ist sie noch bis zum kommenden Freitag, 31. Mai, 12 Uhr, zugänglich. Für Gießen hat Zeichen-Oberlehrer Schäfer vom hiesigen Lyzeum, der Leiter der Arbeitsgemeinschaft für Kunsterziehung, im Auftrag des RSLB. die von der Minifterial-Abteilung zur Verfügung gestellten Arbeiten zusammengestellt und aufgebaut. Die Ausstellung zeigt Arbeiten von Kindern des 7. Lebensjahres ab bis zu der Oberstufe der höheren Lehranstalten und der Berufs- und Gewerbeschulen. Besonders viele Zeichnungen bringen eine Darstellung von Aussprüchen führender Männer über das Winterhilfswerk, daraeboten in Kunstschrift, Pinselzeichnung oder auf sonstige Art. Unter diesen Zeichnungen fällt besonders angenehm die Arbeit eines Gießener Schülers auf über das Wort: „Aus guten Taten und Opfern erwächst Segen für kommende Geschlechter". Eine ganz originelle Arbeit trägt den Spruch: „Seit Deutsche aus einem Topf essen, ist Streit, Partei und Rot vergessen". Dabei ist an Stelle des Wortes Topf ein dampfender Eintopf eingezeichnet. Andere Arbeiten tragen die Worte: „Stadt und Land — Hand in Hand" oder „Das Dorf hilft der Stadt". Man sieht auch, mit welch eigener Art Land- und Stadtjugend die Arbeiten des WH.-Werkes verschieden betrachten. Die Landjugend bringt vielfach Darstellungen der Ablieferung der Erntevorräte, Einsammeln durch Jungvolkpimpfe, SA.-Männer, Verladen der Kartoffelzüge und Lastautos. Stadtjugend zeichnet Bilder über das Eintreffen der Gaben, die Not der hungernden Familien, die Tätigkeit der grauen Loseoerkäufer, das Reichsheer im Dienst des WHW. u. a. m. Man kann sagen, daß es keine Art der Sammlung und Ablieferung gibt, die nicht von Kleinen und Großen im Bild festgehalten ist, sei es mit Bleistift, Tusche oder Farbe, als Scherenschnitte, gerissene oder geklebte Arbeit. Von tiefem inneren Erleben spricht eine Arbeit aus Offenbach; sie stellt einen Frontsoldaten im Stahlhelm dar und trägt die Schrift: „Opfere wie jene!" Das vorliegende statistische Material, meist von Schülern der oberen Klassen und Berufs- und Gewerbeschülern ausgearbeitet, bringt Berechnungen über Ergebnisse und Verteilung der Sammlungen, ferner graphische Darstellungen der Ernteergebnisse und der gesammelten Mengen des WHW. aller Schulen einer Stadt (aus Offenbach), Hilfsbedürftig- feit der Einwohner eines Kreises (aus Bensheim), Unterstützungen der einzelnen Gemeinden eines Kreises. An dieses Material sind Berechnungen aller Art angeknüpft. Die ausgestellten Aufsätze, deren Themawahl oft den Schülern überlassen blieb, befassen sich mit allen Gebieten des Winterhilfswerks. Einzelne besonders gute Arbeiten seien hier angeführt: „Wie ich meinem Volke dienen kann", ferner „Vom rechten Geben" oder „Keiner darf in diesem Winter hungern und frieren", ferner „Deutsche Jugend beim WHW.", „Hitlers Kampf gegen Hunger und Kälte", auch einige Aufsätze mit Illustrationen: „Wie Ruppertsburger helfen", recht saubere Arbeiten einer Vogelsberger Dorfschule. Ein mit besonderen musikalischen und dichterischen Anlagen begabtes Kind hat sogar ein kleines Lied über das WHW. ausgearbeitet. Aus allen Arbeiten ist ersichtlich, wie unsere Jugend in ganz besonderem Maße am Aufbauwerk unserxs Führers interessiert ist und wie sie im Denken und Fühlen ganz auf Mitarbeit am Gelingen der großen vaterländischen Aufgaben unseres Volkes und seines Führers eingestellt ist. Der Besuch der Ausstellung sei namentlich allen Erziehern und Schülern dringend empfohlen. Das Sleibergfest. Mit dem Wetter steht und fällt jede Veranstaltung in einem Ausflugsort, wie der Gleiberg es ist. Wenn der Veranstalter des Gleibergfeftes, der Gleibergverein, in den vergangenen unfreundlichen kalten und nassen Tagen mit gemischten Gefühlen dem gestrigen Sonntag entgegensah, so hoffte man auf Grund des ansteigenden Barometerstandes auf einen schönen Tag.' Doch wurde es einer, wie man ihn sich nicht wünschte. Besonderer Umstände wegen mußte man von der gewohnten Lage des Festes im Sommer absehen und dafür einen früheren Termin wählen. Da im schönen Monat Mai der Gleiberg inmitten der Pracht und Herrlichkeit des Frühlings immer einen besonderen Anziehungspunkt bildet, wäre bei günstigem Wetter sicherlich ein Riesenbesuch zu verzeichnen gewesen. Außerdem kommt jeder, der einmal eine Festvoran- staltung auf dem landschaftlich, geschichtlich und architektonisch bedeutsamen Gleiberg mit erlebt hat, stets wieder gern zu ihm. Immerhin zählte man 600 bis 700 Menschen, Einheimische und Fremde, die auf den kaum nach Beginn des Festes einsetzenden starken Regen in die glücklicherweise reichlich vorhandenen Räume der Burg flüchteten, wo an zwei Stellen fleißig das Tanzbein geschwungen wurde. Ein besonderes Lob gebührt den Bemühungen des Gleibergvereins, die Jugend heranzuziehen und zu ihrer Belustigung beizutragen, um damit schon frühzeitig die Liebe zur Heimatburg in jugendliche Herzen zu pflanzen Desgleichen erhielt das Fest eine besondere Rote durch die Teilnahme des in bester Freundschaft mit den Festgebern verbundenen Turnvereins Krofdorf, der sich dadurch, nach voraufgegange- nem Umzug im Ort, keinen besseren Auftakt zu seiner Tättgkeit in der vom 26. Mai bis 2. Juni dauernden Werbewoche für das Turn- und Sportwesen wünschen konnte. Freilich kamen die schönen Aufführungen der Jugendabteilungen und der Turnerinnen bei dem Gedränge im Kaisersaal nicht zur vollen Wirkung. Spiel- und Tanzlieder mit anmutigen Bewegungen, sowie Keulenübungen warben für die deutsche Turnsache. Die vorgesehenen Volksbelustigungen im Burghof mußten bei dem Regen unterbleiben, lediglich die Schieß- und Wurfbude vermochte eine Weile ihren Betrieb aufrechtzuerhalten. Die zahlreiche Kinderschar wurde mit Brezeln bedacht. Als Gast konnte der Gauobmann der Deutschen Arbeitsfront Becker-Frankfurt a. M. begrüßt werden, der sich aus Interesse am Gleiberg einige Zeit auf der Burg aufhielt. Am Abend traf auch der Vertreter des Landrates des Kreises Wetzlar, Regierungsrat Dr. Weis, ein, durch dessen Anwesenheit die Verbundenheit des Gleibergs mit den staatlichen Stellen zum Ausdruck kam. Wenn auch durch den niedergegangenen Regen der Weg zur Burg in aufgeweichtem Zustande war, so kamen doch am Abend noch zahlreiche neue Gäste. Immerhin hat auch dieses verregnete Glei- bergfeft gewiß dem Gleibergverein und dem Turnverein Krofdorf neue Sympathien gebracht und damit zur erneuten Vertiefung der Heimatidee, wie auch zum Nutzen der Deutschen Turnsache als Vorbereitung für die neue Wehrmacht, die die soldattsche Erziehungsschule des deutschen Volkes werden soll. Vornotizen. — Tageskalender f ü r Montag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Sie und die drei". Lin schöner Abend unter dem binnen Wimpel. Volksdeutsches Fest für alle. Daß die Arbeit des Vereins für das Deutschtum im Ausland, die Sache der hingebungsvollen Pflege deutschen Volkstums über alle Länder und Meere hinweg in Gießen eine gute Heimstatt hat, ist nicht allein weithin bekannt, sondern auch schon oft durch Taten und Bekenntnisse unter Beweis gestellt worden. Man kann sogar sagen, daß für die VDA.- Ardeit in unserem Heimatbezirk und darüber hinaus von Gießen aus mancherlei fruchtbringende und an« feuernde Pionierarbeit geleistet worden ist. Bei dieser tiefen Verwurzelung des VDA. in unserem heimatlichen Volkstum war es denn auch nur eine Selbstverständlichkeit, und dock eine besondere Freude, daß das gestrige Volksdeutsche Fest für alle der VDA.-Frauengruppe Gießen im Stadttheater einen sehr starken Besuch aufzuweisen hatte. Bereits von 19 Uhr ab herrschte in dem mit den Hakenkreuzbannern und mit DDA.- Wimpeln geschmückten Stadttheater regfter Betrieb. Man hatte zunächst Gelegenheit, aus einer reichhaltigen Auswahl an zahlreichen Tischen sich ein Abendessen zusammenzustellen, das eine gute Grundlage geben sollte für die weiteren Anforderungen, die der Abend in Gestalt von Darbietungen mannigfaltigster Art und zum Schluß natürlich der Tanz brachte. Während sich im Foyer und in den Wandelgängen eine ansehnliche Menschenmenge, zum großen Teil eifrig mit der Vertilgung der appetitlichen Abendbrotschnitten beschäftigt, hin- und herbewegte, erklang schmissige Unterhaltungsmusik von Mitgliedern der Kapelle Krengel, die den Hörern eine gute Freude bereitete. Mitlerweile versammelte sich aber auch im Theatersaal eine sehr große Menschenmenge, deren be» sonderes Interesse sich zunächst auf die darstellerischen Ereignisse auf der Bühne konzentrierte. Bald nach 20 Uhr rasselten die Klingeln durch das Haus und riefen die Besucher zu dem Höhepunkt des Festes in den Theatersaal. Hier wurde unter der künstlerischen Leitung von Frieda Spielberg, Weimar, eine eindrucksvolle und feingestaltete Ueberschau über das Wirken deutscher Frauen im Wandel der Zeiten gegeben. Zuvor richtete die Vorsitzende der VDA.-Frauen- gruppe Gießen, Frau Eg-?r, eine kur?' Ansprache an die Besucher, die den Theatersaal in all"n Teilen bis zum letzten Platze füllten. Die Rednerin dankte der Stadtverwaltung und den Firmen und Geschäftsleuten für die Förderung dieses Abends durch die Ueberlassung des Stadttheaters bzw. durch Spenden von Waren und Gaben für den kulinarischen Teil des Festes. Sie wies dann auf die hohen Ziele und die überaus dringlichen Aufgaben der VDA.-Arbeit hin, begrüßte mit Dankbarkeit die starke Förderung des VDA. durch die Reichs- regierung, durch die erst dem VDA. der Charakter und das Arbeitsfeld eines wehrhaften Dolksbun- des zum Nutzen unserer volksdeutschen Brüder und Schwestern jenseits der Reichsgrenze gegeben wurde. Weiter forderte Frau Eger alle Volksgenossen in Stadt und Land auf, angesichts der Treue, die von den deutschen Volksgenossen und Volksgenossinnen jenseits unserer Grenzen trotz vielfältiger Leiden und Schwierigkeiten immer wieder ihrem deutschen Volkstum bekundet und gehalten wirb, auch von der Heimat her Treue um Treue zu bekunden dadurch, daß alle miteinander beitragen zur Stärkung und Förderung der Arbeit des VDA., um auf diese Weise guten Dienst zu leisten am deutschen Volkstum und am deutschen Vaterland, das jetzt erfreulicherweise dank dem Wirken unseres Führers wieder in der Welt geehrt und geachtet dasteht. Eine feine Darbietung des Collegium Musicum unter Leitung des Universitäts-Musikdirektors Prof. Dr. Ternesvary leitete den künstlerischen Teil dieses Höhepunktes des Abends ein. Frau Lony Bernhard sprach dann einen Prolog, in dem ein glühendes und dankerfülltes Gelöbnis und Bekenntnis zu unter aller Mutter Deutschland, zugleich auch die Verehrung und der Dank für deutsches Frauentum und deutsche Mutterschaft zum Ausdruck kamen. Nunmehr folgten zwölf lebende Bilder, die in wundervoller künstlerischer Gestal- tung mit feinem fraulichen Empfinden von den Darstellerinnen, wie auch von der künstlerischen Leiterin Frieda Spielberg vor die Rampe qe- bracht wurden. Das Thema „Deutsche Frauen im Wandel der Zeiten" wurde an folgenden zwölf lebenden Bildern behandelt: Gudrun (Darstellerin Waltraut von Eisenhardt-Rothe), Roswitha von Gandersheim (Brigitte Haller), Heilige Elisabeth (Frau o o n F r i t s ch), Frau Cotta (Frau S ch o n e b o h m), Barbara Uttmann (Hanna MWUM»«.... Vornan von Charlotte prenzel. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Derlag, Halle (S.). 22 Fortsetzung Nachdruck verboten! Liane unterdrückte nur schwer einen Aufschrei. „Mein (Bott, Gerda ist fort? Wo ist sie?" „Ich weiß es ebensowenig wie Frau Morland, die mich gerade telephonisch von Wildbad anrief und mir das Verschwinden des Mädchens mitteiüe!" „Aber irgendwelche Angaben muß sie Ihnen doch gemacht haben? Gerda kann doch nicht wie vom Erdboden verschwunden sein?" rief Liane erregt. „Sie können sich wohl denken, wie böse Frau Morland ist, will Gerda überhaupt nicht wiedersehen. Kurz vor dem Mittagessen hat Gerda von einer fremden Dame gesprochen, die sich für eine Freundin von Frau Scholz ausgab, und die sie zu überreden suchte, mit ihr nach Frankfurt zu fahren, um sie dort an Frau Scholz abzuliefern. Gerdas Sehnsucht nach Ihnen scheint so groß gewesen zu sein, daß sie der Dame gefolgt ist. Anscheinend war Gerda vorher auch ungezogen zu der Großmutter; jedenfalls — ist sie fort. Mir scheint nur eins sicher, daß die Dame, die sich für eine Freundin dieser nicht existierenden Frau Scholz ausgab, keine andere als Frau Marckart sein kann. Niemand als sie hat ein Interesse ba- ran, Gerda an sich zu fesseln, niemand kann auch größere Kombinationsfähigkeit besitzen, sich so schnell in die Dinge zu finden, wie es hier geschehen sein muß. „Und was kann man nur tun?" Ich habe bereits an Frau Marckart telephoniert. Das Mädchen sagte mir, sie sei einige Tage ver- reist, wohin — unbekannt. Auch das stimmt also mit meiner Vermutung überein. Frau Marckart wird jedenfalls allein oder mit dem Mädchen in den nächsten Tagen zurückkehren. Ich kann mir auch nicht denken, daß Gerda nicht energisch nach Frankfurt verlangen sollte, wie ihr die Fremde doch versprochen. Ich bin sicher, daß sie hierher kommen werden." „Das ist eine sehr schwache Hoffnung, und Gerda ist dann immer noch in der Gewalt der Mutter!" Erst nach einer Pause kam die Antwort: „Sie können überzeugt sein, daß ich nichts unversucht lassen werde. Ihnen das Mädchen zuzuführen. Die Polizei bleibt uns schließlich auch noch. Vorläufig weiß ich keinen anderen Rat, als zu warten. Frau Morland fährt morgen früh nach Hause. Ich reife ihr entgegen, um noch Näheres von chr zu erfahren. Morgen mittag hören Sie weiter von mir." Was half es, daß Liane ihn anflehte, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das Mädchen zu finden? Sie wußte ja selbst, Ernst würde nichts unversucht lassen. In den ersten Nachmittagsstunden des nächsten Tages kam Ernst. Er war gedrückt, finster; man sah ihm die furchtbare Sorge um das Mädchen an. „2ch habe meine Annahme bestätigt gesunden", sagte er auf Lianes dringende Fragen. „Kitty hat Gerda entführt. Frau Morland konnte mir nur wiederholen, was sie mir am Telephon sagte. Demnach hat Gerda eine Reise zu ihrer geliebten Frau Scholz stürmisch verlangt, und als die Groß- mutter diese verweigerte, ging Gerda ohne Er- laubnis. Frau Morland wußte das Hotel, in dem bie Fremde abgestiegen war. Ich habe mich sofort dorthin gewandt. Der Name wurde mir bestätigt, auch daß die Frau Kommerzienrat mit einem Mädchen im Auto gestern nachmittag abgefahren märe, wurde mir mitgeteilt. Ich konnte noch den Autovermieter ermitteln, der die Dame bis nach Pforzheim in ein Restaurant gebracht hat. Von dort hat man mir auf meinen telephonischen Anruf auch den dortigen Autovermieter mitgeteilt, dieser aber war nicht zu erreichen. Möglich, daß er die Damen noch fährt. Es läßt sich'also nichts tun, als abzuwarten, ob Kitty heute nach Frankfurt zurückkehrt." Liane hatte den Kopf tief gesenkt. „So war also alles umsonst. Statt das Mädchen fester an den Vater zu binden, habe ich es der Mutter in die Arme geführt." „Klagen Sie sich doch nicht an. Wie können Sie sich beschuldigen? Niemals kann Sie eine Schuld treffen." „Wenn Fred nur noch einige Tage bleibt." , „Fch glaube es bestimmt! Wäre er in Hamburg eingetroffen, müßte längst eine Depesche von ihm da sein!" „Wäre er in England gelandet, müßten Sie auch schon Nachricht haben." Ernst erhob sich schwerfällig. „Wir wollen Hof- fen, daß er noch fort bleibt. In seiner Erregung konnte er zu allem fähig fein. Schon einmal, als Kitty den Aufenthaltsort des Mädchens wissen wollte, vergaß er sich so weit, einen Stuhl mit aller Wucht nach ihr zu werfen. Ich konnte ihn auffangen, werde mir auch jetzt alle Mühe geben, eine Katastrophe zu verhindern, werde mich aber heute damit begnügen müssen, die Wohnung Frau Marckarts nicht aus den Augen zu lassen. In der Nähe des Hauses befindet sich ein Caf6, dorthin werde ich meinen Beobachtungsposten verlegen. Wollen Sie mich sprechen, wenden Sie sich dorthin!" Er ging. Liane nahm, um sich zur Ruhe zu zwingen, eine Handarbeit vor. Plötzlich fuhr sie jäh zusammen. Die Klingel tönte durch das Haus. Bettys Stimme vernahm sie deutlich, dann eine andere, die alles Blut in ihr jäh erstarren ließ. Sie erhob sich mühsam, wankte ein paar Schritte nach vorn, der Tür zu; aber schon wurde diese geöffnet — Fred stand vor ihr. Sie wich vor ihm wie vor einem Gespenst zurück. Daß sie nicht aufschrie, daß sie nicht weiter vor ihm flüchtete, begriff sie in diesen Augenblicken selbst nickt. Sein freudig erregtes Gesicht veränderte sich jäh bei ihrem Anblick. Wie hatte er diesem Augenblick des Wiedersehens entgegengebangt! Nun war es geschehen, sie wußte alles, wandte sich ab. Auf dem schnellsten Wege war et. nach Hause gekommen, ruhelos hatte es ihn vorwärts getrieben nach einmal hatte er die herzliche Liebe in ihren Augen lesen, ihre wirkliche Freude über seine Rückkehr fühlen wollen. Dann, wenn ihre beiden Herzen noch rascher klopften von dem Glück des ungetrübten Wiedersehens, hatte er beichten wollen. Nun schloß sich fein Mund; er wandte sich ab. Sie begriff nicht, was in ihm vorging. Sie fühlte nur, sie mußte sich zusammennehmen, durfte ihn den furchtbaren Schrecken nicht merken lassen den sein plötzliches Erscheinen ihr verursachte. „Fred?' entfuhr es ihr zaghaft. Gr wandte sich ihr wieder zu, sah sie ernst und groß an „Sv sehr erschrickst du vor mir?" fragte er eindringlich. 1 y eSl