’m b , I Nr 251 Erstes Blatt 185. Zahrgang $amstag,26.©tt>2r 1955 (Erlcbemt täglich, auher sonntags und feiertags Beilagen: Die Illustrierte (Bie euer Familienblatter Heimat mVild Die Scholle Monatr-vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern insolge höherer Gewalt >ernfvrechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrist lür Drahlnoch- richten Anzeiger Siegen pofifchecHonto: frontsiiN am Main llb36 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'fche Univerfirats Buch- und Steindruckerei R. Lange in Gieften. 5chnst!e tung und Geschäftsstelle: §ckulftraße 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für \ mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- an eigenvon70mmBreite 50Rpf.,PIahvorschrift nach oorh.Bereinbg.25"/^ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-. Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie em- spaltige (Selegenheitsanzei- gen 5 Npf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts-u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabfchlüfse Staffel B des Ministerpräsidenten Baldwin neue Phase, von der die Abessinier gewiß nicht -Baldwin, seien die Verbesserung der Lage daheim ganz mit Unrecht eine britisch-italienische Einigung die 2l u f r echter ha ltung des Frie- be'ürchten, die sie bei dem augenblicklichen Stand bens in der Welt. Er bitte erneut um das Derber militärischen Operationen teurer bezahlen muß- rauen des Volkes, damit beim gegenwärtigen Fuder militärischen Operationen teurer bezahlen müßten als nach einem längeren verlustreichen und kostspieligen Feldzug der Italiener. Diese hingegen sehen grade darin ihren Vorteil, daß nach den Anfangserfolgen ihrer Waffen im Norden einmal Liberalen und Arbeiterparteilern schmackhaft machen, ietuaee Hier hat die Regierung die heftig- gemein 1(6 das militärische Prestige durch die Adua wiederhergestellt worden ist. eröffnet. Die so erklärte Einnahme von bevor die Ent- London, 26. Okt. (DRV. Funkspr.) Der Wahlfeldzug der nationalen englischen Regierung wurde am Freitagabend durch eine Rundfunk-Rede eni neid hr, im Luku oZschaui jsterrei gezwungen hätten. Laval hat jetzt im Auswärtigen Ausschuß der lrammer offen zugegeben, daß er dies natürlich linde und daß Frankreich im gleichen Falle e b en» | o gehandelt hätte. Er hat dann versucht, wenig- lksns im Ausgleichsweqe einen Zustand im Mittel- irteer herbeizuführen, der das Risiko, das er mit j bem Anerbieten der Hilfeleistung durch die französische Flotte im Falle eines britisch-italienischen Zusammenstoßes bei der Durchführung von Sank- lionen eingegangen war, auf ein Mindestmaß herab- t rücken würde. Er schlug also vor, Italien möge Line Division aus Libyen und gleichzeitig England tinige Einheiten der Heimatflotte aus dem Mittel- meer zurückziehen. In London scheint man sich euch auf diese Gleichzeitigkeit nicht festgelegt zu laben, aber immerhin ist der französische Druck in $iom und der Wunsch Italiens, vor der Wi-derauf- r.ahms der militärischen Operationen in Ostafrika len Versuch neuer Verhandlungen zu machen, offen» f ar ausreichend gewesen, um nach mancherlei Hin int) Her — Bestätigung und Dementi folgten sich ist auf dem Fuße — Mussolini schließlich doch zu Genehmigung Englands erhalten hat. Sir John Simon hat sich im Unterhaus im Namen seiner Kabinettskollegen mit temperamentvoller Entschiedenheit gegen die Unterstellung gewehrt, als ob England für einen Kuhhandel der drei Großmächte „hinter dem Rücken des Völkerbundes" je die Hand bieten würde. Das soll die Regierunqspolitik den mit besonderer Betonung erklärt, daß man an diesen Entschluß keinerlei Bedingung geknüpft habe, aber wohl erwarten dürfe, daß nach einer so bedeutungsvollen Geste nun „auch von anderer Seite zur Entspannung der Lage im Mittelmeer beigetragen werde." — Aus dieser Formulierung wird man schließen können, daß England sich tatsächlich alles vorbehalten haben wird. Man hat in London ange- friedlicher Regelung erschöpfenden Politik. Hier würde man zur Rettung des Friedens nicht einmal vor dem Kriege zurückschrecken und macht dem Ka- heiten widmen dürfe, bevor eine neue Phase des mit dem Abessinienkonflikt angeschnittenen Fragenkomplexes wiederum seine ganze Aufmerksamkeit nach außen lenke. Einzelne Stichworte dazu fielen ja schon in der Unterhausaussprache: die Aufrüstung Englands, deren jahrelanger Vernachlässigung man namentlich in ultrakonseroativen Kreisen die — gelinde gesagt — vorsichtige Haltung des Britischen Weltreichs zu Beginn des Abessinienkonflikts zuschreibt; ferner die zum 2. Dezember nach London einberufene Flottenkonferenz, die durch die Kündigung bzw. den Ablauf der Flottenoerträge von Washington (1922) und London (1930) notwendig wird, um keine Lücke in der Begrenzung der Seerüstungen entstehen zu lasten, da namentlich England ein uferloses Wettrüsten zur See unter allen Umständen vermeiden möchte; schließlich die Anregung einer Konferenz zur Neuverteilung der Rohstoffe, wie die englische Formel lautet, um von vornherein den Gedanken auszuschalten, als ob eine Neuverteilung des Kolonialbesitzes für England überhaupt in Frage kommen könne. Nimmt man den immer wieder von Zeit zu Zeit auftauchenden Plan einer neuen Weltwährungs- und Wirtschuftskonferenz noch hinzu, so sehen wir ein außenpolitisches Programm, das allein schon, von den vielerlei innerpolitischen Problemen ganz abgesehen, den Wunsch der Nationalregierung rechtfertigt, die Atempause im Abessinienstreit zu benutzen, um durch die Neuwahl des Parlaments eine neue Vollmacht des Landes zu erhalten. Vielleicht verspricht sich Englands Außenminister auch von der Ab- Pnfung seiner Kritiker durch einen intensiven Wahlkampf etwas mehr Muße zu ungestörten Verhandlungen mit Paris und Rom, die beileibe nicht „hinter dem Rücken des Völkerbundes", doch in traulichem Dreiergespräch die „Regelung" oorbereiten können, der dann der Völkerbund und Abessinien ihr Plazet geben dürfen. Wie weit allerdings Mussolini heute bereit sein wird, einer Regelung zuzustimmen, die „im Rahmen der Völkerbundssatzung* liegen soll, sich also nicht sehr weit von den Vorschlägen der Pariser Konferenz im August dieses Jahres und des Genfer Fünferausschusses entfernen dürste, die er ja damals als gänzlich undiskutabel mit Entrüstung abgelehnt hat, das ist eine Frage, die erst die nächsten Wochen beantworten können^ Noch keine Verhandlungsgrundlage Die französisch-italienischen Jriedenssondierungen gehen weiter. Der enfglr r Fahrt bessert Met, Maschine i werden fonr Sinn mir: erhebliäi imunflsorbeb 'otzdem foir oustechtch' 1.0». An b ze-HageiA nittag ein I orderte. Dn i aus Fm nger ein is absM all. daheri! e ihm über! so schwere: >nigen Mm stand der Welt eine f e st im Sattel sitzende Regierung ausschlaggebend sei. Ein Krieg könne abgeftoppt werden, wenn alle Nationen dem Völkerbund beigetreten wären. Da jedoch Deutschland, Japan und die Vereinigten Staaten nicht im Völkerbund seien, sei die Aufgabe viel schwieriger. „Die immer noch dem Völkerbund angehörigen Staaten versuchen einen neuen W e g; wir erfahren alle, daß der Weg schwierig und nicht ungefährlich ist. Wir haben unsere Politik klar dargelegt- fein isoliertes Vorgehen, keine Maßnahme, die nicht von allen anderen Mitgliedern ergriffen wird. Es gibt Gefahren des Friedens, nämlich Gefahren in der Art der auserlegten Sühnemaßnahmen. Wenn Sühnemaßnahmen der strengsten Art auferlegt werden, dann wird dies unweigerlich zu einer Blockade führen und eine Blockade wirft die Frage auf, wie sich die außerhalb des Völkerbundes befindlichen Länder verhalten werden. Diese Tatsache hatte ich vor Augen, als ich erklärte, daß ich niemals den Eintritt Englands in eine Blockade gestatten würde, wenn wir nicht im voraus der Stellungnahme der Vereinigt en Staaten sicher waren. Was auch in der Zukunft bezüglich einer Blockade geschehen mag, die Hauptlast irgendeiner daraus folgenden Anruhe muh im Anfang auf die englische Flotte fallen." Baldwin führte bann aus, daß dieenglischen Abrüstungshoffnungen enttäuscht worden seien. Viele Nationen hätten ihre Rüstungen erhöht, einige sogar zu einem gewaltigen Stand. Sie hätten ferner ihre Waffen modernisiert und ihre Erzeugungsfähigkeit gesteigert. England wolle diesen Staaten nicht Nachfolgen. Es wolle nur seine Streitkräfte modernisieren. Die englische Flotte sei ;um großen Teil veraltet, nur drei der Schlachtschiffe stammten aus der Nachkriegszeit. Wenn England aber eine Politik der umfassenden Unterstützung des Völkerbundes verfolge, und wenn zu irgendeiner Zeit als Folge von Sühnemahnahmen ein Krieg mit einer Nation entstehen würde, dann werde die Haupt- l a ft a ii f den Schultern der eng- iw „Gute Sucher find gute Freunde" Gauleiter Sprenger. tischen Flotte liegen. Dies würde bedeuten, daß veraltete englische Schiffe gegen moderneSchiffe in denkrieg ziehen müßten. Die englische Flotte würde zwar letzten Endes siegen, aber der Sieg mühte durch unnötige Opfer von Menschenleben erworben werden. England sei daher für eine kollektive Sicherheitspolitik. „Ich kann aber diese Politik nicht verfolgen, wenn ich nicht Vollinach - t e n erhalte, die Schwächen unseres Ver- teidigungssysterns zu heilen. Was wir wollen, sind nicht gewaltige Streitkräfte, sondern daß unsere Leute mit den besten heutzutage erhältlichen Waffen ausgerüstet sind, wenn sie zum Kampfe aufgerufen werden. Diese Fragen werden dem neuen Parlament vorgelegt werden, wenn wir an der Macht bleiben. Ich bin überzeugt, dah alle friedliebenden Leute hier und im Auslande in den sicheren Verteidigungskräften dieses Landes das beste Bollwerk des Friedens sehen. Der Fortschritt, den wir im Innern erzielt haben, verseht uns in die Lage, danach zu sehen, wie weit wir helfen können, bessere Zustände in anderen Tellen der Welt herbeizuführen. ob die italienischen Forderungen die Tigre« Provinz umfasten, die nach eigener italienischer Darlegung ein Teil des „eigentlichen Abessiniens" sei. Dies habe in London zu der Ueberzeugung geführt, daß der Völkerbund keine andere Wahl habe, als den bereits eingeschlagenen Kurs weiter zu verfolgen, da er derjenige Weg fei, auf dem a m ehesten eine für alle drei Parteien, Italien, Abessinien und den Völkerbund, annehmbare Regelung beschleunigt werden könne. Die „Times" schreibt: Eine Annahme der vorliegenden italienischen Forderungen durch den Völkerbund, England, Frankreich und den Negus sei s o gut wie ausgeschlossen. Da diese Bedingungen aber wahrscheinlich nicht das letzte, sondern das erste Wort Mussolinis in dem neuen Abschnitt des Konfliktes feien, könne einem „sorgfältig kontrollierten Optimismus" Raum gegeben werden. Großbritannien und Frankreich werden ohne Zweifel in enger Fühlung ihre eigenen Anregungen formulieren. Möglicherweise werde Mussolini dann seinerseits neue Vorschläge Vorbringen und die Er- mrant Main »17.0k«* er Taä zerles*' ein 25 K'* Hu®0 zu komplizieren. In Addis Abeba macht man . . . . keinen Hehl aus seiner Enttäuschung über diese Hochziele der nationalen Regierung, Oie Atempause. Aus dem ostafrikanischen Kriegsschauplatz hat sich abgesehen von einem lokalen Vorstoß der Italiener on der Somalifront nichts von Bedeutung ereignet. Alles lauscht vielmehr gespannt auf die Nachrichten, die aus London, Paris und Rom den Stand der diplomatischen Verhandlungen bartun. Unb nicht zuletzt finb es anscheinenb die beiden Kriegsühren- oen, die es vorziehen mit Gewehr bei Fuß die weitere Entwicklung der Dinge in Europa abzuwarten, statt durch neue Operationen die Lage vielleicht !d-m bie i tSJ* K °>- IM ;n- denn Jj l'ii für W : Menlair ö wieder? "Spieler, egenseite. j !t den K n- Beide n 'Spiel 3u: ^besitzt ti ’öturmerreü. eme, da fr n untermgr >'e sie sich, ltzbesitzer en. Man b- Platz ein | utzte, daß: raussagen1 > einem feit nicht erfafe i, WingeU eit des Spil Baldwin eröffnet den englischen Wahlkampf. Englands pfltcthn als Völkerbundsmi glred machen e ne Modern fierung der englischen Flo ie nötig.—Ein starkes England, die beste Bürgschast des Weltfriedens. in auf oem jion "aus' ßibrjen^anzuordnen.^Dazu wird in Komi einer „Regelung" zustimmen werden, die nicht bie faltung der abessinischen Hauptmacht sie vor eine neue unb sicherlich ernstere Probe ihres militärischen Könnens stellt, zum andern aber auch durch den Abfall des Ras Gugsa unb bie freunbliche Aufnahme ber italienischen Truppen bei der Bevölkerung Tigres bie von Italien in Genf oorgebrachte These, baß in Öen Ranbländern Abessiniens bie Italiener als Befreier vom amharischen Joch begrüßt würben, wenn man ben Berichten bes römischen Propoganbaministeriums folgen will, eine Bestätigung gesunden hat. Es war also sicher auch eine von politischer Klugheit, nicht nur von militärischer Zweckmäßigkeit diktierte Ueberlegung Mussolinis, vorerst sich mit dem Ausbau ber gewonnenen Stellungen zu begnügen unb auch im Süben kurz zu treten, solange sich erneut bie Möglichkeit bietet, auf Verhandlungswegen bas burchzusetzen was man nur unter großen Opfern an Gut unb Blut vielleicht erreichen würbe. Diese Mäßigung ist Mussolini erleichtert worben burch ben Beschluß bes Genfer Sanktionsausschusses, erst am 31. Oktober ben Zeitpunkt für bas Jnkraftreten ber Sanktionsmaßnah- nen zu bestimmen. Die Berichte von ben Weltwarenmärkten zeigen, baß Italien biefe Atempause zu nutzen versteht. Mit einem hörbaren Seufzer ber Erleichterung f)at man natürlich auch in Frankreich die Hinauszögerung praktischer Sanktionen begrüßt. Die Franzosen selber hatten natürlich in Genf alles getan, um endgültige Beschlüsse zu verschleppen und Zeit für neue diplomatische Verhandlungen über eine ää; London »artet ab. London, 26, Okt. (DNB.-Funkspruch.) Die amtlichen Stellen Londons verhalten sich zu ben Berichten über bie zwischen Rom unb Paris im Gange befindlichen Friedenssonbierungen nach wie vor außerordentlich zurückhaltend. Man ist ber Auffassung, baß bie angeblichen Vorschläge Mussolinis noch keine greifbare Form angenommen Haden. Daily Telegraph" schreibt: Soweit die von Rom vorgeschlagene Verhandlungsgrund- lage bekannt sei, scheine sie die Hoffnung auf einen Aufschub bes Zeitpunktes für bie Anwendung der wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen nicht zu recht- fertigen. Sollte Laval jedoch anders denken, bann werde er vielleicht nach Genf fahren und dem Völkerbund einen Vorschlag machen.^ Nach den letzten Informationen sei jedoch auch dies unwahrscheinlich. Mussolini habe anscheinend seine Forderung nach einer vollständigen italienischen Kontrolle über das eigentliche Abessinien abgeändert, halte aber seine Ansprüche auf die in ber Denkschrift an ben Völkerbund als „nicht abessinisch" bezeichneten Gebiete aufrecht. Es scheine, als binett zum Vorwurf, die Ingangsetzung der Sanktionen verzögert unb bamit Italien ben Weg zur Eroberung Abessiniens freigegeben zu haben. Baldwin unb feine Kabinettskollegen haben sich durch den Ansturm der Opposition, bei dem sich Lloyd George durch besondere Wißbegier auszeichnete, nicht aus der Ruhe bringen lassen. Baldwin hat erläutert, warum ihm gerade jetzt der Augenblick günstig erschienen sei, um dem König die Auflösung des Unterhauses vorzuschlagen. Er hat natürlich füi* sich behalten, daß Neuwahlen unter dem ' Doppelgestirn wirtschaftlicher Erholung und größter außenpolitischer Aktivität der regierenden konservativen Partei eine vielleicht sobald nicht wiederkehrende Gelegenheit zu sein schienen, ihr Mandat ohne größere Verluste an die ohnehin zersplitterte unb burch bie außenpolitische Wahlparole vollends verwirrte Opvosition auf weitere fünf Jahre zu verlängern. Baldwin sprach von einer Ruhepause und hat damit ben entrüsteten Widerspruch Lloyd Georges erregt, der an den Ministerpräsidenten die Frage richtete, ob die Lage seit dem Weltkriege jemals düsterer gewesen sei als jetzt Beide werden Recht haben, Lloyd George mit seiner pessimistischen Kritik und Baldwin, wenn er aus besserer Kenntnis des augenblicklichen Standes der Verbandlungen meint, daß England nach ber ungewöhnlichen Aktivität seiner Außenpolitik während der letzten Monate nun mit gutem Gewissen sich | für ein paar Wochen seinen inneren Angelegen- Die Wahlparole der Arbenetparlef. L o n d o n, 26. Okt. lDNB. Funkspruch.) Die Na- tionale Negierung veröffentlichte am Samstag ein großes Wahlmanifest. 24 Stunden vorher hat die Arbeiterpartei ihren amtlichen Wahlaufruf herausgegeben. Sie wirft darin ber Regierung vor, baß sie nicht einen einzigen konstruktiven Schritt zur Verbesserung ber i n n e r p o l i t i s ch e n Lage getan habe. Zwei Millionen Menschen in Englanb seien arbeitslos unb über IV2 Millionen seien auf bie Armenunterstützung angewiesen; bie Tragödie ber Notstandsgebiete habe sich verschärft. Durch ihre „s e l b st m ö r b e r i s ch e" Außenpolitik habe die Regierung die Abrüstungskonferenz zu Grunde gerichtet und eine Vereinbarung für die vollständige Abschaffung ber Luftstreitkräfte Der« hinbert. Im übrigen forbert bie Arbeiterpartei Zusammenarbeit mit bem Völkerbunb, Aufrechterhaltung ber Streitkräfte soweit sie sich mit ber Mitgliedschaft beim Völkerbunb vertrügen unb Wieder- aufnahme ber Verhandlungen für eine allgemeine Abrüstung. Auf innenpolitischem Gebiet wiederholt bie Arbeiterpartei ihre altbekannten Forberungen nach Verstaatlichung ber Banken unb ber wichtigsten Industrien des Laubes, nach Planwirtschaft und nach Abschaffung bes Oberhauses. Regelung zu gewinnen, bie Sanktionen ganz über- ilüssig machen würbe. Aber Englanb hat ihnen so- lings so Zug um Zug. wie Herr Laval es sich gelacht hatte, um dem italienischen Freund die Annäherung an den Beratungstisch zu erleichtern, ging 5 auch jetzt noch keineswegs. Laval hatte bereits 'n einem früheren Stadium der Verhandlungen gegen das britische Verlangen nach Hilsleistung ein- zeworfen, daß bie ins Mittelmeer dirigierten Teile ier britischen Heimatflotte keinen französischen Schutz -eanspruchen könnten, da sie ohne Auftrag bes Völkerbundes dort konzentriert seien. England werde ulso gut tun, sie zurückzuziehen unb bamit eine Neste zur Entspannung ber Lage im Mittelmeer machen. Man hat in Lonbon darauf erwidert, daß die i»edrohliche Sprache der römischen Presse, die sich en Luftbombardements von Malta unb U-Bootan- uriffen auf Gibraltar berauscht hatte, und noch mehr Me starken italienischen Truppenkonzentrationon an ber aayptisch-libvichen Grenze die britische Admiralität zu ben Schutzmaßnahmen im Mittelmeer beutet, baß er ft bie Rückführung ber italienischen bie ben moralischen Schilb bes Völkerbunbes brau» Truppen in Libyen auf ihre Normalstärke (eine chen, um hinter ihm für nationale britische Inter- Division, abgesehen von einigen Spezialeinheiten, essen zu kämpfen. Gerabe aus ihren Reihen, so statt jetzt vier) Englanb veranlassen könne, bie im pazifistisch sie sich sonst gebärden mögen, kommen Mittelmeer getroffenen Sicherungsmaßnahmen zu die lautesten Rufe zu schärfster Anwendung von überprü'en Es muh abgewartet werden, ob man Sank^owm. Hier hat die Regierung die heftig» in London hierauf beharren wird, was mit Rück- ften Kritiker ihrer hinhaltenden, alle Möglichkeiten ficht auf die Wahlpropaganda der fanktionsfreudigen Opposition immerhin nicht ausgefchloffen ist, oder ob England sich im Ausmaß seiner Entspannungsgeste der Bescheidenheit anpaßt, die Mussolini hat walten lassen. Wie hierüber noch keine volle Klarheit besteht, so scheint auch in punkto Verhandlungen über bie eigentliche Ursache bes Konflikts, bie Slbeffinie n- frage nämlich), noch alles in ber Schwebe, um nicht zu sagen im An'angsstadium zu sein. Die italienische'Presse erörtert Pläne, stellt Punkte für eine Regelung auf, spricht von .Vorschlägen, bie aus Lonbon ober Paris gekommen sein sollen, aber alles dies trägt zu sehr ben Charakter bes Versuchsballons an ber Stirn, um ernst genommen werben zu können. Laval bestreitet, von Rom Anregungen zur Weitergabe nach Lonbon erhalten zu haben unb auch bie britische Presse glaubt nicht an mehr als eine erste Fühlungnahme, um bie Möglichkeit einer Verhanblungsgrundlage zu ergrünben Immerhin acht aus den Erklärungen ber Regierung roabrenb ber außenpolitischen Aussprache im Unterhaus soviel hervor daß England eine „Regelung" vor dem Wiederzusammentreten des Genfer Sanktionsaus- schusfes durchaus begrüßen würde. England hält mit eiserner Miene an der für bie Verteidigung der eigenen Interessen sehr zweckmäßigen These fest, daß der Konflikt ausschließlich Italien, Abessinien und den Völkerbund berühre, daß daher eine „Regelung" diese drei Kontrahenten befriedigen müßte, wobei im stillen als selbstverständlich vorausgesetzt wird daß rvöer Ab stinien noch der Völkerbund örterungen würden fortgesetzt werden, bis eine Vereinbarung über eine Derhandlungsgrundlage erreicht Der italienische Votschafier erneut bei Laval. Soll der Fünfer-Ausschutz wieder in Aktion irden ? Paris, 26. Okt. (DNB.) Ministerpräsident L a - v a l hat am Freitag den italienischen Botschafter Cerruti empfangen und sich über eine Stunde lang mit ihm unterhalten, um eine geeignete Grundlage zu finden, die Feindseligkeiten m Abessinien zu beenden. Um jedoch die Erfolgsaussichten nicht zu gefährden, bewahren die amtlichen Kreise über den Inhalt der Besprechungen strengstes Still- schweigen. Die Verhandlungen werden als besonders heikel bezeichnet, weil die Anregungen, zu denen man etwa gelangen könnte, für den Fünferausschuß des Völkerbundes annehmbar fein müßten, da ohne die Zustimmung des Fünferausschusses eine endgültige Regelung nicht getroffen werden könne. Keine formulierten Vorschläge Italiens. Rom vermißt noch die Zurückziehung britischer Kriegsschiffe. Rom, 25. Okt. (DNB.) Nach Auskunft von italienischer Seite hat die diplomatische Fühlungnahme keine Unterbrechung erfahren. Es seien aber keine formulierten Minde st Vorschläge Italiens vorhanden. Von Italien sei keine Verzögerung des Beginnes der Sühnemaßnahmen beantragt worden. Man gibt ein gewisses Befremden zu erkennen, daß noch keine amtliche Mitteilung über eine Zurückziehung englischer Kriegsschiffe aus dem Mittelmeer vorliege, während von amtlicher Seite die Zurückziehung einer Division aus Libyen bestätigt worden sei. Der Negus will aus Tigre nicht verzichten. London, 26. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die „Times" berichtet aus Addis Abeba, gegenwärtig sei es unmöglich, irgendeine Friedensgrundlage im italienisch-abessinischen Streit zu finden. Der Negus sej entschlossen, keinen Fußbreit der Tigre- Provinz ohne Wider st and aufzugeben. Er sei zwar anscheinend bereit, einen Waffen- ft i U ft a n b , aber nicht gewillt, ihn auf einer anderen Grundlage als der abessinischen Unabhängigkeit und Unversehrtheit zu erwägen. Die Abtretung der Tigre-Provinz an Italien würde nicht nur das Ende der Dynastie, sondern auch das Ende Abessiniens als einer kontrollierbaren Einheit bedeuten. Die abessinischen Streitkräfte werden ihren ersten entschlossenen Wider- stand vor der Stadt Makale leisten. — „Daily Expreß" meldet aus Addis Abeba, daß Italien den Negus durch eine Mittelsperson aufgefordert habe, die Vorteile direkter Friedensverhandlungen mit Rom zu erwägen. G af Sinei hat Addis Abeba verlassen. A d d i s A b e b a, 26. Okt. (DNB. Funkfpr.) Der italienische Gesandte Graf Vinci hat am Samstag frül) in einem Sonderwagen des fahrplanmäßigen Zuges Addis Abeba verlassen. Die letzten italienischen Handelsvertreter werden in Modjo in den Zug steigen. Hier ist man der Ansicht, daß die augenblickliche Ruhe an allen Fronten eine Ruhe vor dem Sturm ist und die Kämpfe im November mit besonderer Heftigkeit wieder auf- flackern werden. Italienischer Vormarsch am Webi-Gchebeli. Rom, 25. Okt. (DNB.) Der letzte Heeresbericht meldet u. a.: An der Somalifront wird das militärische Vorgehen in der Gegend von Schebeli fortgesetzt. Zahlreiche am Ufer liegende Dörfer wurden besetzt. Zahlreiche Stammeshäuptlinge haben ihre Waffen den Italienern übergeben. Der Sultan von Schiavelli, der zu den Italienern übergegangen war, hat mit seinen Bewaffneten die Flanke der italienischen Truppen gedeckt und dadurch einen siegreichen Zusammenstoß mit feindlichen Truppen in der Nähe des Dorfes Gheledi erfolgreich unterstützt. Das Dorf wurde genommen Griechenland Die Regierung dementiert PariserMeldungen über Unruhen aufKreta. P a r i s , 25. Okt. (DNB.) „Paris mihi" behaupte, auf Kreta hätten 30 000 Republikaner z u ben9Baffen gegriffen. Die Regierung habe sofort bie Gntfenbung von bret Torp ebo - bootsgerftörern mit 2000 Solbaten an Borb angeorbnet. In Athen selbst seien 50 republikanische Offiziere, unter anberem auch General P a - n a g i s f a o s , verhaftet unb auf bie Inseln im Aegäischen Meer verbannt worben. In ber Hauptstabt selbst herrsche jeboch vollkommene Ruhe. Dazu gibt bie halbamtliche Athener Nachrichten - Agentur folgenbe Darstellung: Die öffentliche Meinung in Griechenland wo man mit den Vorbereitungen für die Feier des 26. Oktober, des Jahrestages der Einnahme Salonikis im Jahre 1912, beschäftigt ist, war höchst erstaunt zu erfahren, daß im Auslande Gerüchte über sogenannte „Unruhen" auf ber Insel Kreta, Ent- fenbung von Truppenverstärkung unb anbere auf- sehenerregenbe Neuigkeiten gleicher Art verbreitet waren. Es ist wahr, bah M i l i t ä r a b t e i l u n - gen — wie immer zu Wahlzeiten — auch jetzt nicht nur nach Kreta, fonbern auch nach allen Inseln unb Provinzen entfanbt worben finb, um die örtlichen Kräfte zu verstärken, um bie Ruhe für bie Volksabstimmung, für beren unparteiliche Durchführung bie Regierung bie Ge- chähr übernommen hat, sicherzustellen. Wahrscheinlich gaben biefe burchaus normalen Truppenverschiebungen Anlaß zu ben im Aus- lanb umgehenben Gerüchten. Auf jeben Fall steht es fest, bah vollkommene Ruhe auf Kreta wie im ganzen übrigen Grie - Z e n l a n b herrscht unb daß bas ganze hellenische Polk sich zur Feier bes morgigen Nationalfestes rüstet. Ministerpräsident Kondylis wird bei dieser. Gelegenheit eine große Rede halten, worauf em militärischer Vorbeimarsch vor dem Denkmal bes Unbekannten Soldaten ftattfinben wirb. Athen, Saloniki unb bie übrigen Stäbte finb bereits mit ben Nationalflaggen unb ben Zeichen des Königstums geschmückt. Mit den Italienern wieder in Adua. Bon unserem Dr. Ho.-Kriegsberichterslatier. Möglichkeit, bie Vereinigung mit seiner zweiten Gruppe zu vollziehen, ben Rückzug ins Tal Mariam Scheinto antrat, bas er inzwischen verlassen hat, um, sich 20 Kilometer südlich von Adua ins Tempien- hochplateau zurückzuziehen. Die italienischen Verluste bei dem Vormarsch auf Adua finb nicht un» bebeutenb, aber in Anbetracht ber katastrophalen Folgen, bie ein etwaiges Zögern mit sich gebracht baß bie Hauptgruppe ohne Rücksicht auf etwaige Verluste unb ohne Aufenthalt zum Berg Sulloba vorstoße, um bem Gros bes Ras Senoum ben Weg a b 3 u f d) n e t b e n. Währenb bie gegnerischen Streitkräfte bei Gaschiorki gebunben würben, rückten auf ber anberen Seite bie Kolonnen vor unb überflügelten Ras Seyoum, ber angesichts ber Un- aeroorben fein soll, eines Mischbluts, beren Mutter Abessinierin war. Sie war, so erzählt man, Privatsekretärin bes Generals unb überbies seine Geliebte Auf ber Fahrt nach Abua haben wir weite Gebietsteile ber Kolonie Erythräa unb Norbabessiniens kennengelernt. Die Gegend am Fluß Mareb ähnelt bereits bem tropischen Afrika. Wegen Einbruchs der Nacht mußten wir dort kampieren. Wäh- renb die Lagerfeuer brannten und bie nächtlichen Stimmen bes Urwaldes laut würben, zogen im Geist an uns vorbei bie Erlebnisse bt$ Tages: ber Anmarsch ber Kolonnen, bie fieberhafte Bearbeitung. der Straßen, bie Fahrt durch Wasserläufe und Sumpfe, ber Frohmut ber Solbaten, die trotz aller Entbehrungen fingenb bahinziehen. Der Krieg in Abessinien ist kein Krieg zwischen zwei Heeren, fonbern ein Kampf bes italienischen Wegearbeiters mit bem unwegsamen Gelände, ein Kampf ber Zähigkeit bes italienischen Solbaten gegen bie Unbilden ber Natur. Gewiß soll man afrikanische Verhältnisse nicht mit europäischem Maßstab messen: weder was. die Sitten und Gebräuche Abessiniens, noch was ben Kampf- wert unb Mut ber Abessinier anlanqt: aber auf d'e Dauer bürste der italienische Wille, die italienische Zähigkeit und vor allem auch die geschickte Politik gegenüber ben Eingeborenen unb ben sich befebbenben Stammesfürften ben Sieg baoontragen. (Es sei benn, baß von außen her, von Europa aus, n i s v o l l e" V o r g ä n g e, bie zur Niederlage von "n ^aiges zögern mir pcy georacyl 1896 geführt haben sollen. Nur des Kolorits wegen , rfÄ unwesentlich zu bezeichnen sei hier angebeutet, baß General Baratieri zum Teil ^"Ä^^anta erklärte ber Presse, baß er sich bas Opfer der herrschsüchtigen Launen einer (frau ! J“ WManövers durchaus bewußt geworben fein soll, eines Mischbluts, beren Mutter f er vielleicht seinen militärischen Ruf aufs Spiel gesetzt habe. Aber feiner Ansicht nach sei bies ber einzige Weg zur Verhinberung weiteren Blutvergießens geroefen. Adua ist heute von ben italienischen Truppen besetzt. Hier muß erwähnt werben, baß bie italienische Heeresleitung bas Stichwort ausgegeben hat: „Wir kommen nicht als rachsüchtige Eroberer, sondern als Bringer ber Zivilisation". Die Truppen haben strengen Befehl erhalten, von ben Bewohnern, bie nach unb nach zurückkehren, nichts ohne Bezahlung anzunehmen. Selbst die Schöben auf ben Feldern, die durch den Vormarsch verursacht worden sind, werden vergütet. Die Folgen dieses politischen Verhaltens machen sich bereits heute bemerkbar. Während Ras Seyoum, der allgewaltige Beherrscher Aduas, kurzerhand Steuern und Abgaben in Naturalien eintrieb, ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit ber Bewohner, treten bie Italiener ben (Eingeborenen gegenüber als Freunbe auf. Was früher so gut wie unmöglich gewesen wäre, ist heute zur Tatsache geworben: Tag für Tag treffen Gruppen von Einwohnern ein, bie ihre Waffen abliefern. Unter ihnen viele, bie an ben Kämpfen gegen bie italienischen Truppen teilgenommen hatten. Manche von ihnen finb ber Heeresleitung bekannt. Es wäre ein Leichtes, sie vor ein Kriegsgericht zu stellen. Man sieht bavon ab, um bie Bevölkerung nicht unnötig zu erregen. Die Italiener haben vom ersten Tage an versucht, ber Bevölkerung bie Wohltaten ber Zi- vilisation vor Augen zu führen. Lebensrnittel würben verteilt, ärztliche Beratungsstellen errichtet. Na- mentlich finb Vorkehrungen gegen bie in Abua unb Umgebung stark auftretende Lepra getroffen worden. Korporation in Frage kommen könne, sondern ausschließlich eine Gliederung ber Partei, insbesonbere der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbunb, ist bie Sachlage auch in dieser Richtung geklärt. Für bie AH. -Vereine bes ehemaligen Kösener SC., bie bem Arierparagraphen in ihren Rechen keine Geltung verschafften, bleibt meine Verfügung vom 19. September 1935 in vollem Umfange bestehen. Der Chef bes Stabes: gez. Lutze. 3um Tode Gauleiter Löpers. Der verewigte Gauleiter zumDessauerFriedrichstheater übergeführt Dessau, 26^Okt. (DNB.) Am Freitag gegen 19 Uhr fand im Sta11halterhaus in Dessau eine kurze Trauerfeier ber nächsten Angehörigen bes in bie Ewigkeit eingegangenen (Bauleiters Reichsstatthalter Löper statt. Gauamtsleiter hielten am Sarge bes Verblichenen bie Ehrenwache Gegen 23 Uhr würbe in aller Stille bie sterbliche Hülle vom Statthalterhaus zur Stätte bes Staatsaktes, bem Friebrichtheater, übergeführt. Die Gauamtsleiter bes (Baues Magbeburg-Anhalt, bie an ber Seite unb unter ber Führung bes Verblichenen feinem heißen Wollen Verwirklichung geben halfen, erfüllten ihre letzte Ehrenpflicht. Acht (Bauamtsleiter stellten die Ehrensachen unb trugen ben Sarg zur Stätte des Staatsaktes, wo bie Aufbewahrung erfolgte. Auch bei ber Ueberführung bes Sarges nach Milbensee, dem Beisetzungsort, werden (Bauamtsleiter das Ehrengeleit geben. Em Nachspiel zum Saarkampf. Kehl, 25. Okt. (DNB.) Der Leiter der Werk- Polizei ber Röchlingwerke in Völklingen (Saar), ber Knegsblinbe Rathke, unb ber Angestellte bes gleichen Werkes Frischrnann, die beide Aufklärungswoche der Polizei. Berlin, 25. Okt. (DNB.) Der Reichs- und preußische Minister bes Innern hat bie Polizei- dienststellen bes ganzen Reiches angewiesen, vorn 13. dis 19. Dezember eine umfassenbe Poli- zeiaufklarungswoche burchzuführen, um in allen Teilen bes beutschen Volkes für bie verantwortungsvolle Arbeit ber Polizei Verftänbnis unb ben Willen z u eigener zweckentsprechende r M i t a r b e i t zu wecken unb zu festigen. Die äußere Gestaltung ■ der Aufklärungswoche wird bei aller ben einzelnen Dienststellen überladenen Freizügigkeit in einem einheitlichen Rahmen vor sich gehen. Es werben im Einvernehmen mit bem Reichsministerium für Volksauf- flärung und Propaganda die P r e f s e, der R u n d- funk und der Film in den Dienst dieser Bestrebungen gestellt werden. Suche [6200D 5-Moli j. m. Zubeh., möglichst im Osten 0. Stadt.Ang. an Schnitzius, Oberzahlmeister, Danziger Str. 9. Habe eine 4-Zkmmer-Wohnung m. Küche u. Keller sowie Zentralheizung. Suche dagegen s'Zimmer-Wohnung mit Zubehör (Heizung nicht unbedingt erforberl.) Schr. Angeb. unt. 04555 an den Gießener Anzeiger. Großer, heller Raum evtl, mit Süro Wernerwall, el. Licht und Kraft, Einfahrt, per sofort oder später zu verm. [04026 Näb. Werner- wall 47 P. Ml Zimmer mit Bad, auch an Ehepaar, sof. zu verm. [04586 Lndwigsvl. 151. 7-Zimm. -Wohnung ober auch zweimal 3-Zinini.-Wohnun] in nächst. Nähe von Gießen, in schöner Lage, sofort zu vermiet. Schr. 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Der große Vorläufer Goethes, Johann Christian Gunther, hat dieses Wort geprägt, das dem Buche seine Stelle im gleichen Range mit der uralte n Waffe des freien Mannes, dem Schwerte, anweist, und gibt ihm damit feinen ihm gebührenden Platz. Es klingt freilich, als ob der Dichter vor allem an das kämpferische, kriegerische Buch gedacht hätte, an das schwertscharfe Buch, das in der neueren Geschichte oft eine gefährliche Waffe gewesen ist. Aber ich glaube nicht, daß Günther sein Wort so gemeint hat. Er hat wohl eher daran gedacht, daß das Buch die große umfassende Ergänzung des Schwertes und daß es ein ebenso gültiges S nn- zeichsn des Mannes ist wie das Schwert, ja vielleicht ein noch bedeutsameres! Es ist der Träger all unseres geistigen Lebens. Es ist nicht nur das unbeirrbare G"dächtnis des einzelnen und der Menschheit: es ist, indem es aus dem Vorstellurms- und Gedankenwogen im Geiste des Menschen Gebilde und Gestaltungen ablöst, unverrückbar festhält und dem Geiste sachlich klar gegenüberstellt, geradezu die Ermöglichung geistigen Lebens; fast: das lebensnotwendigste Organ des Geistes! Das Buch das wir zwischen seinen Deckeln so selbstverständlich in der Hand halten, ist eine der ältesten und zugleich künstlichsten Erfindungen des Mmschen. Ich meine nicht die Buchform — obwohl auch sie ehrwürdig ist und in der Art des geschützten Zusammenhaltens der Blätter aus leichtestem ge- fährdststem Stoff, die allein die unendliche Fläche für die Fülle und Vielfalt des Geistes bieten, ein Erzeugnis schöpferischer Erfindungsgabe ist. Ich meine die unerhörte grandiose Leistung des Menschengehirns — neben der alle Maschinen, Rundfunk und Kinematographie fast bedeutungslos werden — im Buche den Weg zu finden, die Weite und den Reichtum der Welt, alles, was die Augen sehen, die Ohren hören, die Sinne aufnehmen, ja was das Herz fühlt und der Verstand denkt, gültig festzuhalten, es in gleicher Zeit vielen Tausenden in unveränderlicher Gleichheit und über Zeiträume von Jahrhunderten hin zum mindesten im wesentlichen G ' alt zu vermitteln. Das Buch ist geschaffen aus den zwei größten menschlichen Erfindungen: zuerst der Sprache und sodann der Schrift, die wieder ihrerseits erst die volle Entwicklung und Ausbildung der Sprache er» möalichte! Ich will hier nicht auf die Entstehung der Sprache zurückgehen. Dtzohl aber möchte ich, daß wir — die wir alle Angehörige eines technischen, das Technische am meisten bewundernden und wohl auch bewertenden Zeitalters sind — und klarmachen, welche großartige Schöpfung die Erfindung der Schrift war, an der durch die Jahrtausende unzählige technische Genies weitergearbeitet haben, bis sie zu der Vollendung gedieh, in der sie uns heute /zur Verfügung st'bt. Wir dürfen nie vergessen: urtümliches Sprechen war ein fließendes Band von Gefühls- und Nach- ahmelauten in schwimmenden Uebergängen, in wel« ch-n erst sehr allmählich sich wiederholende Klangstücke als Worte erkennbar, abtrennbar, herauslösbar wurden. Aber die Urahnen der Wörter in grauen Vorzeiten waren ohne jed->n Zweifel in ihrem Lautfluß so schwankende, noch unfeste, noch wolkige Gebilde, wie es uns die gesprochenen Worte einer uns durchaus fremden Sprache — etwa des Japanischen, Chinesischen oder auch nur des Ungarischen, des Finnischen — sind. Wenn wir einem selbst langsam sprechenden Asiaten nur insoweit mit dem Dhr zu folgen versuchen, daß wir lautliche Wortbilder aufnehmen wollen, so stehen wir hilflos einem Tonfließ-m gegenüber, in welchem kein Vokal und kein Konsonant deutlich herauszuscheiden ist: von dem wir kaum das kleinste Stück festzuhal- ten vermöge^. Und nun ermessen wir die geniale Tat der Menlchheitsahnen, die es vermochten, aus solchem Tonfließen immer mehr sich wiederholender klein- ster S'ücke herauszuhören und als Einzelsprachlaute zu bezeichnen, bis es in diesem zusammenhängenden Band Sprache keine Stelle mehr gab, die sie nicht bezeichnet hatten — so daß sie nun mit den Einzellauten, die sie unverlierbar erkannt hatten und besaßen, den Buchstaben, das ganze Band fließender Sprache auflösen und wieder zusammensetzen konnten. Mit dieser genialen Tat erst wurde bte Schrift möglich. Was 'folgte, war ein sehr viel einfacherer Akt in der Entwickelung: daß man den Einzellauten bestimmte verabredete Zeichen zuwies, mit denen man sie auf dem Papyros, dem Pergament, dem Papier, festhielt. Run hatte man die Lautwelt des Ohrs in das viel sichere und beherrschbarere Gebiet des Auges hinübergenommm. Run konnte das Auge auch Klang aufnehmen. Und wenn wir heute still für uns ein lyrisches Gedicht lesen, so klingt lautlos in unserem Geist die Seite so schön und so in ihrem Ablauf bestimmt, wie eine Grammophonplatte nicht richtiger und nicht schöner klingen kann. Ich möchte, daß wir uns alle klarmachen: die Erfindung der Schrift war viel mehr Erfindung und viel mehr Technik als selbst die der Schreibmaschine oder Sprechapparate. Rur wegen der über der Schrifterfindung liegenden Patina von Jahrtausenden ist es uns nicht mehr bewußt Der Schritte, die von der Schaffung der Schrift noch nötig waren bis zum gedruckten Buch, das wir in der Hand halten, sind keine so entscheidenden mehr wie die vorangehenden. Und vor allem: sie sind nicht* so aus unserem Bewußtsein geschwunden, nicht so zum Selbstverständlichen und damit Vergessenen geworden, daß es nötig märe, an sie zu erinnern. Aber bis zur Erfindung der Schrift hat die Menschheit den größten stolzesten Weg zurückgelegt. Wenn wir jetzt in die Woche des deutschen Buches eintreten, so müssen wir uns bewußt sein, daß wir einem llrtum der Menschheit gegen» uberfteljLn, das unsere höchste Achtung verdient, das unser Volk auf seine große herrliche Weise ausgebildet und entwickelt hat: als das Schwert friedlicher geistiger Eroberung! Fördern wir das wertvolle deutslye Buch, so daß es leichtere Lebensbedingungen erhält und gedeihen kann, so dienen wir unserem Volke in der Welt? Sichmng in Landschaften. — Goethes Reise-, Zerstreuungs- und Trostbüchlein. 36 Handzeichnungen. Aus- gewahlt und herausgegebm von Hans Wahl. In Pappband (Stammbuch-Querformat) mit Schuber. 4 Mark. Im Insel-Verlag zu Leipzig. — (266.) — Auf dem Titelblatt liest man in der faksimilierten Handschrift des Dichters: Reise-, Zerstreuungs- und Trost-Büchlein vom September 1806 bis dahin 1807 Jhro Der Prinzeß Caroline von Weimar Durchl. unterthänigst gewidmet von Goethe. Der bekannte Goethesorscher Hans Wahl berichtet im Nachwort, wie das ebenso zierliche wie merkwürdige Büchelchcn vor mehreren Jahren erst entdeckt wurde, auf Grund eines Hinweises, der sich in einem aus dem Nachlaß des Dichters veröffentlichten Gedicht fand: es wendet sich an die damals 21jährige Tochter des Herzogs Carl August, die Prinzessin Caroline von Sachsen-Weimar, und ist am 17. Januar 1807 entstanden. Fast ein Jahrhundert lang blieb das Stammbuch verschollen: jetzt, da es wieder aufgetaucht ist, scheint es uns freilich um seiner selbst willen wichtiger als wegen der kuriosen Entstehungsgeschichte und seiner Empfängerin. Dieses Stammbuch, „eigentlich für ’nen Studenten bestimmt", entstand in einer schweren, erregten, kriegerischen Zeit und ist, wie Wahl sich ausdrückt, eine wiedergefundene Dichtung Goethes in Landschaften. In der Tat, „fein Klang der aufgeregten Zeit" ist auf diesen Blättern eingefangen, welche die selbst malende und zeichnende Prinzessin in ihrer Kunst ermuntern sollten: freilich bemerkt der Herausgeber, sicher mit Recht, daß die „Tröstung" nicht nur die Richtung auf die Beschenkte, sondern auch ihren Quellstrom im Herzen Goethes hatte. Wir blättern in dem kleinen Buche mit Staunen und mit Bewunderung: nahezu vierzig Landschaften, deutsche und südliche, einfache und ideale, manche von ihnen mit leichten und krä'tigen Farben getönt, Baum und Berg, Meer und Wald, viel architektonische Motive, sparsame figürliche S^^aa" — ein0 stille, inner-* 1, stlbsta-'schastr'ne Welt, tröstlich inmitten einer trüben und harten Gegenwart Und c.n Zeugnis auch der genialen uno umfassenden Persönlichkeit Goethes, Zeugnis einer künstlerischen Begabung, von der uns gemeinhin nur flüchtige und ara'beskenhaften Spuren gegenwärtig find. Der Insel-Verlag hat sich des seltenen Fundes mit bibliophiler Sorgfalt und Liebe angenommen; das entzückende Bändchen verdient in Deutschland bekannt zu werden und sei mit Nach- druck empfohlen als ein ein überaus reizvolles und anmutiges Geschenk — nicht nur für Goethekenner, Kunsthistoriker und Philologen. —y— Geschichte der sranMchei« Kation. — Charles Seignobos: Geschichte der französischen Nation. Verlag R. Ost benbourg, München 1, Preis geb. 9,50 Mk. — (296) — Wir sind gewohnt, die Geschichte fremder Völker in erster Linie in Hinsicht auf ihre Verflechtung in das europäische Gesamtschicksal zu betrachten und sind geneigt, dabei einen Wertmaßstab anzulegen, der unserem deutschen Gesichtswinkel entspricht. In besonderem Maße gilt dies natürlich für Deutschland und Frankreich, deren politische Geschichte zumindest in der Zeit der Sonderung europäischer Nationen aus dem Schmelztiegel der Völkerwanderung und dann wieder in den letzten vier Jahrhunderten sich so ineinander verzahnt hat, daß für deutsche Betrachter eine Darstellung der französischen Geschichte ohne diese ständige Beziehung auf das parallele deutsche Schicksal kaum zu denken ist. Aber so wesentlich nun auch namentlich vom gesamteuropäischen Gesichtspunkt aus das deutsch- französische Verhältnis ist, für die Nationalgeschichte Frankreichs ist es doch nur eine Seite, die von vielen anderen Blickpunkten aus ergänzt werden muß zu jenem Gesamtbild, in dem das französische Volk selber sein Werden als Nation sieht. Es ist deshalb ein dankenswerter Versuch des um die Geschichtswissenschaft verdienten Verlages R. Olden- bourg, dem deutschen Leser durch eine Übersetzung den Weg zu einem Werk der französischen Geschichtsschreibung geebnet zu haben, dessen 23 Auflagen davon zeugen, wie sehr es geistiger Besitz des eigenen Volkes geworden ist. Der Verfasser, der berühmte Historiker der Pariser Sorbonne, hat durch seine schon Jahre vor dem Kriege erschienene „Politische Geschichte des modernen Europa" den Beweis erbracht, daß ihm die europäischen Zusammenhänge bewußt sind. Hier aber will er nichts als eine Entwicklungsgeschichte des französischen Volkes, und er schiebt daher rücksichtslos alles das beiseite, was nach feiner Auffassung nichts dazu beigetragen hat, das Bild des heutigen Frankreich zu formen. Die unter dieser Voraussetzung gegebene Darstellung bietet eine Fülle von Ueberraschungen. Seignobos zeigt, was an den Grundlagen der französischen Nation französischen Ursprungs ist, was aus einer Nachahmung des Auslandes hervorgegangen ist. Er gibt für das, was ihm die wesentlichsten Triebquellen und Kräfte im politischen und sozialen Wirken des Franzosen zu sein dünkt, das geschichtliche Ursprungszeugnis und läßt daraus vor unfern Augen ein Bild entstehen, das sich von den gewohnten beträchtlich unterscheidet. Wir finden nicht die Übliche lückenlose Darstellung der politischen Ereignisse mit eingefügten Betrachtungen über die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte her, einzelnen Epochen. Es ist immer nur das berücksichtigt, was im Gesicht des heutigen Frankreich seine Spuren zurückgelassen hat. Eine Fülle von neuen Gesichtspunkten. Anrecwrm'm und Erkenntnstsen bieten sich auf den knapp 350 Seiten dieses Buches. Mit manch übernommener Auflassung wird gebrochen. Manche These, die zum eisernen Bestand der politischen Geschichtsschreibung gehörte, wird mit Freimut als unhaltbar verworfen (z. B. die Theorie der „natürlichen Grenzen" Frankreichs). Manche ketzerische Meinung wird mit auten Gründen verteidigt (z. B. über die rassische Mischung der Bevölkerung Frankreichs, über das persönliche Werk Ludwigs XIV., über die Vorgeschichte der großen Revolution, über das Verhältnis des Volkes zu Philosophie, Literatur und Kunst). Im einzelnen wird eine besonders ausführliche Darstellung dem Wandel der religiösen Auffassungen und ihrer Einwirkung auf das politische Geschehen und die gesellschaftliche Struktur gewidmet. Der (Sabinismus und die Religionskriege erfahren eine überaus fesselnde Darstellung. Für die früheren Epochen wird auf eine lebendige Schilderung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse besonderer Wert aelent. lleb-rall spüren wir die sorgsam sichtende Hand des Meisters, der von dem selbstgewählten Standpunkt aus der Fülle seines Wissens mit äußerster Konzentration dem von ihm entworfenen Geschichtsbilde die Lichter aufsetzt, die die großen Zusammenhänge erhellen. ohne 'durch Ueberblenbmg von Einzelheiten vom Ganzen abzulenken. Die Schlußbetrachtung zergt noch einmal diese Kunst der Konzentration in geradezu klassischer Weise. Was hier auf acht Seiten gesagt wurde, ist tatsächlich alles Wesentliche aus der Summe der Erkenntnisse auf die große Lime gerückt, die diese Entwicklungsgeschichte des französischen Volkes uns deutlich macht. Noch ein Wunsch an den Verlag: Bei der Art der Darstellung würde die Beigabe einer Zeittafel dem deutschen Leser, der keine politische Geschichte Frankreichs zur Hand hat, manche Mühe ersparen. —e- DeuWe Erzähler. — Wilhelm Schäfer: D i e unterbrochene Rheinfahrt. Erzählung. Biegsam gebunden 2,50 RM. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München, 1935. — (372) — In dieser kunstvollen Novelle erzählt Wilhelm Schäfer von einem wohlbehüteten jungen Menschen, der die entscheidende Kraft- und Bewährungsprobe feiner Ju- gmd besteht, indem er aus einer bedrohlichen Gefühlsverwirrung den Weg findet zur klaren Erkenntnis seines Wesens und zur Lösung seiner sittlichen Ausgaben. Dieses Erwachen eines Menschen aus dem träumerischen Dasein des Jünglings zur wirklichen Welt des Mannestums vollzieht sich mit einer tiefen schicksalhaften Notwendigkeit. Ein junger, unerfahrener Student entflieht auf der Fahrt zur Universität seinem Hauslehrer, dessen Aufsicht ihm lästig geworden ist, weil er sich von ihm in seiner Freiheit behindert glaubt. Wie er nun durch eine selsame Verkettung von unvorhergesehenen erregenden Abenteuern im Zeitraum weniger Tage seiner Einsamkeit entrissen wird und das große Geheimnis der „Lebens- und Weltangehörigkeit" zu ahnen beginnt — das weiß Wilhelm Schäfer mit der reifen Sicherheit des Gestaltens und mit klarem Einblick in die inneren Zusammenhänge des Lebens zu einem spannenden und gleichwohl erschütternden Erlebnis zu machen. Die Eroberung der Wirklichkeit mit ihrem Geheimnis der Liebesverflechtung und ihren Wundern und Schrecken von Zeugung und Tod offenbart ihm mit einem Male die Grenzen des Ich und öffnet ihm die Sinne für den allgegenwärtigen Gott, dessen Walten er in den scheinbaren Zufälligkeiten wie niemals zuvor an sich selber verspürt. Er hat sich nun durchgerungen zu öen Wahrheiten der wirklichen Welt und wächst hinein in eine reine, geläuterte Menschlichkeit. Wilhelm Schäfer schuf mit dieser Novelle ein vollendetes Meisterwerk herrlicher Erzählungskunst. Bewundernswert ist die adlige Kunst der Sprache, die die kaum übersehbare Fülle der Vorgänge zu einer anschaulichen Entfaltung verklart zu einem hohen und bleibenden Sinnbild des menschlichen Daseins. — W i 1 h e l m S ch m i d t b o n n : An einem (Strom geboren. Ein Lebensbuch. 400 Seiten. Rütten & Loening Verlag, Frankfurt a. M., 1935 _ (E) — Wilhelm Schmidtbonn, Mitglied der Deutschen Dichterakademie, vollendet in diesem 2ßin4r das 60. Lebensjahr. Am 6. Februar 1876 wurde er eigentlich Wilhelm Schmidt, in Bonn am Rhein geboren, — am Rhein, das scheint ihm selbst so wesentlich, daß er den Namen des Buches, in dem er rückschauend sein Leben überblickte und darstellte, von dem Strom herleitete, der ihm Heimat bedeutet und wohl zum Sinnbild seines irdischen Wesens und Trachtens geworden ist. Das Buch gliedert sich beginnend mit der „Jugend am Rhein", in zehn 'große Kapitel, die jeweils einen wichtigen °ebensraum und Z-itabfchniC i'ws"ann?n. in fick aber wied^um in k'rin; Kapitclchen untergeteilt sind, so daß, alles in allem, der reizvolle Eindruck einer Lcbensgeschichte in Mosaikmalerei entsteht; dadurch unterscheidet sich das Buch von andern, ähnlichen, nicht nur der äußeren Form nach, sondern es wird auch entschieden leichter und lockerer lesbar. Die Erzählung wirkt so recht unmittelbar lebendig, — ob Schmidtbonn nun die „Ballade vom glücklichen Vater" singt, ob er ein rheinisches Gemüseweib oder den rheinischen Karneval beschreibt, ob er ein kleines französisches Ladenmädchen oder seinen tiefsten Eindruck im Kriege schildert, ob er eine nächtliche Szene in Wien oder ein Erlebnis vor dem Frankfurter Goethehause erzählt. So zieht eine Fülle von Szenen und Bildern, von Gesichtern, Gestalten und Landschaften am Leser vorüber, und Steinchen um Steinchen fügt fid) alles zusammen zum Roman eines Lebens, zur Chronik eines Menschen und Dichters, am Strom geboren der Mitte und Sinnbild stines Daseins wurde und blieb. Es wird unsere Leser interessieren daß ein Kapitel in allernächster Nähe spielt, in einem Gießener Buchladen nämlich, und em anderes in Heuchelheim. (Die Schreibung des Ortsnamens sollte in der nächsten Auflage berichtigt werden.) Und wenn das Bstd des eigentlichen Helden oft genug hinter anderen Bildern, Gesichtern und Gestalten zurücktritt, so bleibt es doch immer dabei gegenwärtig, und Temperament und Charakter des Dichters spiegeln sich in seinem Verhältnis zu der umgebenden Welt so deutlich wre in der un- . mittelbaren Darstellung seiner selbst. — .y — Gin Reister der Staatskunst. — Duff Cooper: Talleyrand, aus dem Englischen übertragen von Karl Lerbs, mit fünf Bildtafeln. Preis gebunden 7,50 Mark. Im Insel- Verlag, Leipzig. — (308) — Charles Seignobos, der Historiker der Pariser Sorbonne, hat behauptet, die große französische Revolution sei von Durchschnittsmenschen gemacht worden, die erst unter dem Druck der an sie gestellten Anforderungen sich zu Taten aufrafften, die keineswegs in ihrem Plan lagen und oft genug ihren Grundsätzen zuwider» Ile.en. Die Behauptung dürfte im allgemeinen zutreffen und die Ursache dafür fein, daß aus der Fülle der Erscheinungen dieser Zeit fo wenige Porträts unser geistiger Besitz geworden und auch geblieben sind. Aber hier liegen auf der anderen Seite auch die Gründe für das außerordentliche Interesse, das Talleyrand zu allen Zeiten und bei allen Völkern gefunden hat. Der Mann, dessen schillernde Persönlichkeit und seltsame Lebenskurve den Verdacht höchster Grundsatzlosigkeit rechtfertigen würden, hat tatsächlich zu den Wenigen gehört, die mit einem bestimmten Plan die Schwelle der Revolution durchschritten und die — es mag auf den ersten Blick hin seltsam genug klingen — ihren Grundsätzen treu geblieben sind, mochte die Welt um sie herum sich noch so sehr wandeln. Diele These stellt Duff Cooper, dessen ungemein kultivierter Feder und feinstem historischen Verständnis wir das neueste Lebensbild dieses seltenen Mannes verdanken, in den Brennpunkt seines Porträts und weiß sie an Hand zahlreicher, seiner sehr fließenden und kurzweiligen Erzählung eingeflochtener Berichte von Zeitgenossen durchaus glaubwürdig zu bemci'en. Der Verfasser hat die unvergleichliche pol' che Schule durchlaufen, in der England seine künftigen Staatsmänner heranbildet. Sie wird ihm auch die Fähigkeit vermittelt haben, das Portät dieses Meisters der Staatskunst in den feinsten Strichen rwch- zuzeichnen und es in die wirbelnde Welt feiner Zeit richtig hineinzustellen. Charles Maurice de Talley- rand-Pörigord erhielt vom Schicksal die Laufbahn bestimmt, die nun einmal nach den Anschauungen des 18. Jahrhunderts für einen oerfrünpelten Knaben aus großem Haufe, der weder Offizier noch Hofmann werden konnte, die einzig mögliche war: er wurde Priester. Auf feinem Sterbebett wird er einmal als Entschuldigung für fein sehr ungeistlickes Leben in einem Brief an den Papst schreiben: „Die Ehrfurcht, die ich den Urhebern meines Lebens schulde, verbietet mir nicht, zu sagen, daß meine ganze Jugend einem Berufe gewidmet war, für den ick nicht a-'boren bin". Immerhin wurde er bald Bischof, und nur Intrigen hinderten ihn, nach dem Kardinalshut zu greifen. Für das Unbefriedigende feines Berufes entschädigte er sich durch hemmungsloses Sickausleben, das selbst für fein nicht gerade vrüdes Zeitalter ungewöhnlich gewesen sein muß. Wie viele junge Leute der großen Welt, infiziert von den Gedanken Rousseaus und Voltaires, verlockt von sich bietenden Möglichkeiten jenseits der überlieferten Bahn zu Einfluß zu kommen, bekannte sich auch der Bischof von Autun zu einer liberalen und fortschrittlichen Politik, als die Zeit dafür reifte. Wir sagten schon, daß Talleyrand mit sehr be- stimmten Vorstellungen über die Alt her Staats- und Gesellschaftsreform die politische Bühne betrat, ^allmrand beschränkte sich bereits in feiner ersten Denkschrift an die Geistlichen seiner Diözese auf das Zweckmäßige und ließ allen rührseligen Schwulst fort, der die politische Literatur dieser Jahre beherrscht. Sehr modern und zugleich äußerst gemäßigt wirken seine Reformvorschläge und gerade diese weise Selbstbeschränkung erlaubt ihm, seine wesentlichen politischen Grundsätze durch alle Wandlungen des Regimes als richtig zu erproben. Die äußeren Stationen seiner Lebenskurve sind bekannt. Sie um« fnannen von der Krönung Ludwigs XVI. bis zur Regierung des Bürgerkönigs ^Louis Philippe acht Jahrzehnte europäischer Geschichte, die auf allen Gebieten menschlichen Seins eine ungeheure Umwälzung bedeutet haben. Es wollte schon etwas heißen, ein politisches Glaubensbekenntnis zu besitzen, das sich allen Stürmen gewachsen zeigte. Vielleicht ist es mehr noch diese Selbstsicherheit und Grundsatztreue, als die meist über Gebühr heraus» gestellte Wandlungsfähigkeit des gewiß äußerst geschmeidigen aber auch ebenso im Ziel unerschütterlichen Staatsmannes, die ihm einen so überragen- den Einfluß und so große Erfolge sicherten. Coaver stellt als die Leitlinie seiner innerpolitischen Auffassung die Vorliebe für die konstitutionelle Monarchie heraus, die er namentlich nach dem Sturz Napoleons gegen die autokratischen Neigungen der Bourbonen zu verteidigen hatte. Außenvolitisch beherrschte ihn noch Coopers durchaus glaubhafter und durch zeitgenössische Quellen erhärteten Darstellung der Wunsch nach einer Befriedung Europas durch enge Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Eng» — Werner Beumelburg: Preußische Novelle. Gerhard Stelling Verlag, Oldenburg i. O./Berlin. Ganzleinen 2,80 Mk. — (319) — Werner von Romin, Fähnrich im Regiment seines Vaters, handelt in der Schlacht von Torgau dem Befehl feines Vaters entgegen und bringt dadurch das Regiment in größte Gefahr. Das Kriegsgericht ver- urteilte ihn zürn Tode. Der Oberst unterläßt es, em Gnadengesuch zu unterschreiben. Der König, in aussichtsloser Lage seinen Feinden gegenüber, verwirft das Urteil. Bei dem Ueberfall des Generals Laudon auf die Festung Schweidnitz, dessen Erfolg die, Lage des Königs verzweifelt macht, läßt der Oberst von Romin, dem ausdrücklichen Befehl des Königs zuwider, um dem König nach dem sicheren Verlust der Festung wenigstens eines seiner besten Regimenter zu retten, das Regiment die brennende Festung verlassen und zu Friedrich durchbrechen. Ein Nachhuttrupp des Regiments deckt den Rückzug und wird im Morgengrauen von Panduren, Kosaken und Kroaten bis auf den letzten Mann niedergemetzelt. Sein Führer ist der Leutnant Werner von Romin. Das knappe und gestraffte Gerippe dieser Erzählung fült Beumelburg im Sinne der klassischen Novelle mit schicksalhaften Gestalten. Es erstehen, mit sparsamsten Mitteln gezeichnet, das Schlachtgemäwe von Torgau, das bittere Winterquartier von Leip- zig und die Tage von Bunzelwitz und Schweidnitz, ha des Königs Stflrn am tiefsten gesunken, fein Genius aber am höchsten leuchtete. net — ist ausgezeichnet. Kein Wunder, denn der rührige Bermühler-Verlag, Berlin, der die Ausstattung beforgte und Spezialist in guter farbiger Bebilderung ist, hat seine schwersten Geschütze im Bildmaterial aufgefahren und reichlich Bildwerk aus Heinroths Standard- und Lebenswerk „Die Vögel Mitteleuropas" ausgesucht und in das Werk gebracht. Tadellos! Gewiß, wir von der Zunft sehen den Wert von Hand- und Taschenbüchern für den Freigebrauch zunächst nicht darin, was sie der Allgemeinheit geben — man kann ja auch aus zehn vorhandenen Büchern ein neues elftes machen —, wir sehen den Hauptwertmesser darin, ob und was sie auch oder gerade dem Forscherkollegen und Fachgenossen geben. Und beide Bücher haben wirklich auch dem Manne vom Fach und damit allen etwas zu bedeuten, denn der Verfasser gab ihnen die eigene Tendenz bei aller Beibehaltung bekannter Dinge, die zum allgemeinen Grundlagenbereich gehören und seinen Tieren die gerechte Stellung im Natur- hausyalt. Neu, langersehnt und daher doppelt begrüßenswert ist die Bestimmungstabelle für Raub- oogelfänge, ein Wunschtraum der Forstämter und Bürgermeistereien, und die Bilderreihe von Einzelheiten. In ihr, die den arteigenen Prototyp in den Vordergrund stellt, ist manchem Jäger und Naturfreund, der draußen in Wald und Feld schon Federn fand, aber keine Bestimmungsgelegenheit kannte, den gern gewußten Träger zu ermitteln, der gern erfahren hätte, welcher Vogel diese Feder einmal trug, ein wichtiges Bestimmungsmerkbuch und eine gut gelungene Ergänzung zur vorhandenen vogelkundlichen Literatur gegeben. Man darf es schon sagen: Bermühler hat in Leistung und Geschmack noch nie enttäuscht, aber diesmal hat er eine besonders glückliche Hand gehabt. Dr. Karl Rudolf Fischer, Gießen. Löcher über bildende Kunst. — Carl Bantzer: Hessen in der Deutsch e n M a l e r e i. 110 Seiten. Mit zahlreichen Abbildungen. Preis RM. 2,— Erweiterter Sonderdruck aus „Hessenland" 1933/35. Auslieferung durch N. G. Eiwert, Verlag, Marburg a. d. Lahn. — (323) — Die kleine Schrift des bekannten hessischen Malers Carl Bantzer ist ein Sonderdruck aus der „Hessenkunst", von dem nur wenige Exemplare hergestellt wurden: eine kleine Anzahl davon befindet sich im Handel; die meisten sind bereits verkauft, und der Rest dürfte auch bald vergriffen sein. Die Schrift erschien ursprünglich unter dem Titel „Hessens Land und Leute in der deutschen Malerei, mit Kunstchronik von Willingshausen" und deutet damit schon an, daß der behandelte landschaftliche Raum sich im wesentlichen auf das alte Kurhessen erstreckt. Im Mittelpunkt steht wiederum, was ja für Bantzer besonders nahe lag, die Kunstchronik von Willingshausen und dem übrigen Schwalmgebtet. Nach einem allgemeineren geschichtlichen Rückblick bringt die Darstellung, reichlich begleitet von Reproduktionen der jeweils zugehörigen Bilder, einen Ueberblick über die für das Gesamtgebiet wichtigen landschaftlichen Ausschnitte; Kassel, Reinhardswald, die Rhön, Marburg, Rölls- hausen sind neben Willingshausen am ausführlichsten behandelt. Aus der Aufzählung der einzelnen Malerpersönlichkeiten und der in diesem Zusammenhang wichtigen Bilder formt sich schrittweise ein Beitrag der hessischen Landschafts- und Men- schen-Darstellung zur allgemein deutschen Kunstgeschichte. Besonders persönlich geschrieben ist die um vieler Einzelheiten und Erinnerungen willen bemerkenswerte Willingshäuser Chronik, die nicht nur kunstgeschichtlich, sondern auch volkskundlich recht aufschlußreich ist. Als Selbstzeugnis reizvoll erscheint überdies, was Bantzer zur Entstehungsgeschichte seines berühmtesten Bildes, des „Abendmahls in einer hessischen Dorfkirche", berichtet. Die Aufzäklung der Namen — unter denen sich viele befinden, die auch den Gießener Kunstfreunden aus eigener Anschauung geläufig sind, wie z. B. Ubbe- lohde, Kätelhön, Thielmann, Lenz, Mons, um nur einige zu nennen — diese Aufzählung wird lebendig und anschaulich ergänzt durch die gut wiedergegebenen, teils wohlbekannten, teils auch selten oder gar nicht gesehenen Bilder; auch einige Photos und Karikaturen sind eingestreut. —y— — PieterBrueghel-.FlämischesVolks- leben. Zehn farbige Tafeln und dreizehn Abbildungen im Text. Eingeleitet von Max D v o r ä f. Preis 2,80 Mark. Die silbernen Bücher, Woldemar Klein, Berlin. — (379) — In der Reihe der „Silbernen Bücher", aus der wir kürzlich bereits den von A. E. Brinkmann eingeleiteten Band „Landschaften deutscher Romantiker" an dieser Stelle an- aezeigt haben, erschien neuerdings das „Flämische Volksleben" des Bauern-Brueghel, und es ist sowohl kunsthistorisch als auch kulturgeschichtlich und volkskundlich von hohem Reiz, sich in die vortrefflich wiedergegebenen und mit großem Geschick ausgewählten Bilder des berühmten Niederländers zu vertiefen: sie sind so charakteristisch für Brueghel als Maler, für seinen Wirklichkeitssinn, sein Temperament, seine strotzende und oft überwältigend sich äußernde Daseinsfreude, auch seinen kernigen und saftigen Humor, — wie für das flämische Volk, dem hier ein unvergängliches Denkmal gesetzt worden ist: es tritt uns leibhaftig in diesen verschwenderisch ausgeschütteten, mit tausend liebevoll und heiter beobachteten Einzelheiten geschmückten Szenen entgegen, in der berühmten „Kirmes" zum Beispiel, in der „Bauernhochzeit" oder m den köstlichen und für den Betrachter nahezu unerschöpflichen „Sprichwörtern". Das ist echte Volkskunst, aus der Landschaft geboren, von ihren Menschen erfüllt, unbestechlicher Spiegel einer ganzen Nation. Wer das flämische Volk kennenlernen will und nicht nach Holland fahren kann, der muß diese Bilder betrachten und de Coster und Timmermans dazu lesen; dann weiß er Bescheid. — Die Einführung ist von einem der besten Kenner des Stoffes geschrieben worden. Was die großen Tafeln angeht, so ist es zu begrüßen, daß Verlag und Verfasser neben dem Gesamtbilde auch Ausschnitte vermitteln, die für den Künstler Brueghel wie für seine Themen und Modelle höchst aufschlußreich scheinen. —y— Die bäuerliche Seele. — D i e bäuerliche Seele. Eine Einführung in die religiöse Völkerkunde. Don Professor Dr. Georg Koch (Gießen). 275 Seiten. Geh. 5,60, Leinen 6,80. Furche-Verlag G. m. b. H., Berlin. — (342) — Die religiöse Volkskunde, die uns der Gießener Theologe Professor Dr. Georg Koch geschenkt hat, will bei Ausnutzung aller wissenschaftlichen Möglichkeiten in der intuitiv verstehenden Art eines Justus Möser oder W. H. Riehl die Geschichte des bäuerlichen Seelentums und seine gegenwärtige Gestalt darstellen. Vielgebrauchte und unzähligemal mißverstandene Begriffe wie die der „Uroerbundenheit", der „Primitivität", der Gott- verbunüenheit des Bauern werden gefüllt mit Anschauung, werden so lebendig und fruchtbar. Mit besonderer Eindringlichkeit wird den Fragen nachgegangen, die im gegenwärtigen Kampf um die Seele des deutschen Bauern entscheidende Bedeutung haben: Was bedeuten z. B. die Elemente altgermanischer Religiosität, „Bräuche" und Aberglauben für das Gesamtbild der bäuerlichen Seele? Der Gang durch die Geschichte will ebenso wie die Psychologie und Typologie des' deutschen Bauern nicht ein für allemal „Resultate festlegen". Wir sollen vielmehr, was wichtiger ist, zum selbständigen Sehen hingeführt werden. Wir sollen Fühlung "bekommen mit der Wirklichkeit des bäuerlichen Seelentums, sollen lernen das Echte und Bleibende zu unterscheiden von dem Zufälligen und Vergänglichen. Wir sollen lernen, aus diesem lebendigen Kontakt heraus in den Spannungen des gegenwärtigen geschichtlichen Augenblicks die klare Linie festzuhalten, die die Linie des deutschen, christlichen Bauern war und bleiben wird. — Das Buch stellt sich als eine gründliche und systematische Arbeit dar, der eine umfängliche Literatur zugrunde liegt, und die eine Fülle bemerkenswerter Anregungen und Hinweise vermittelt. Eine religiöse Volkskunde dieser Art hat bis jetzt gefehlt; Kochs Buch über die bäuerliche Seele ist vortrefflich geeignet, diesem oft empfundenen Mangel abzuhelfen. land und durch die Beschränkung der französischen Macht auf die Grenzen von 1789. Diese bedeutsame Erkenntnis kam ihm zuerst während seines Aufenthalts in England als Gesandter des Konvents, dann als Flüchtling vor den Radikalen, die damals gerade die Revolution über die Grenzen Frankreichs hinauszutragen begannen und damit den verhängnisvollen Weg einschlugen, auf dem Napoleon Europa in einen furchtbaren Kriegswirbel riß. Talleyrand hat diese Erkenntnis von den beiden wesentlichen Voraussetzungen eines europäischen Friedens verteidigen müssen gegen das Direktorium sowohl wie gegen Bonaparte, dem er selbst zur Macht verhalfen hat und dessen Außenminister er aus dem Drang, seine Hand im Spiel zu lassen, auch dann blieb, als er sehen mußte, daß Napoleon entgegen seinen Ratschlägen die Bahn des Eroberers nicht zu verlassen vermochte. Sobald er in Napoleon den starrsten Gegner seiner Friedenspolitik erkannt hatte, dessen Bekehrung ihm niemals gelingen werde, legte er entschlossen seine Minen zum Sturz des Imperators. Der Staatsstreich von Bayonne, der Napoleon das Spanien der Bourbonen in die Hände spielte, bedeutete für Talleyrand die endgültige Erkenntnis, daß Napoleons Schicksal an seiner Unersättlichkeit zerschellen werde. Bereits auf dem Fürstentag von Erfurt legte er seine Netze aus und spann die Fäden zu Alexander von Rußland, Napoleons markantestem Gegenspieler. Aber erst vier Jahre später hatte Talleyrand gesiegt. Er war in Paris und Wien der gegebene Mittelsmann zwischen den Verbündeten, den rückkehrenden Bourbonen und dem französischen Volke. Jetzt riet ihm seine Klugheit wiederum zu weiser Mäßigung. Aber wenn auch Talleyrands Einfluß und der eigene Instinkt den König Ludwig XVIII. vor den törichten Ueberspannungen einer Autokratie bewahrten, wie sie die reaktionären Ultras forderten, so verleugnete die Regierung Karls X. alle Grundsätze Talleyrand- scher Staatskunst. Bis zur Julirevokution blieb Talleyrand der politischen Bühne fern, aber er war es, der dem Orleans den entscheidenden Rat gab, sich zur Verfügung zu stellen und er selbst übernahm bann unter dem Bürgerkönigtum die heikle Mission, das liberal-konstitutionelle Regime im Kreis der europäischen Großmächte einzuführen. Als Gesandter Ludwig Philipps in London arbeitete der jetzt 76jährige erneut für eine enge Zusammenarbeit der beiden Westmächte, in der er das sicherste Pfand des Friedens in Europa sah. Mit der gleichen Aufgabe, die sich der Sendbote der Revolution vor 40 Jahren zu Beginn seiner diplomatischen Laufbahn gestellt hatte, der er während des Konsulats und des Kaiserreichs seine ganze Kraft gewidmet hatte, die ihm auf dem Wiener Kongreß gelöst schien, verabschiedete sich nun der greise Meister der Staatskunst von der politischen Bühne. Man weiß nicht, was an dem Buch Coopers mehr zu bewundern ist, die prägnant herausgemeißelte politische Linie, die noch heute ja, wie wir sehen müssen, nichts von ihrer bestechenden Anziehungskraft verloren hat, oder das faszinierende Bild dieses Mannes, der ob seiner Sittenlosigkeit und seiner Wandlungsfähigkeit so viel geschmäht worden ist und doch sich selber und seiner politischen Grundanschauung treu blieb und dank dessen sich so weit über den Durchschnitt seiner Zeitgenossen erhob, daß wir auch heute noch ein Jahrhundert nach seinem Tode den Zügen seines großen politischen Spiels mit innerer Anteilnahme und vielleicht sogar mit einigem praktischen Nutzen folgen können. Neues Rüstzeug für den Vogelfreund. Zwei neue Vogelbücher hat mir die Schriftleitung des „Gießener Anzeigers" zur Begutachtung vorgelegt: „Die heimischen Singvögel, herausgegeben von der staatlichen Stelle für !Ratur» denkmalpflege in Preußen, und „Die heimischen Raubvöge l", im Auftrag der gleichen Stelle von Dr. Martin Löpelmann verfaßt. — (654/55) Schon der erste Eindruck der beiden billigen Volksbändchen — abgesehen von der Tatsache, daß eine, nein, sagen wir ruhig die prominente Stelle Deutschlands verantwortlich für die Ausgabe zeich- MiWiiMoiOel. Roman von Anny von Panhuys Urheberrechtsschutz Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68. 28 Fortsetzung Nachdruck verboten! Bettina versprach: „Ich will Ihnen helfen, weil es wohl fein muß. Es ist für Gretel besser, wenn sie Dr. Diendorf nicht wiederfieht. Denn geschähe auch das Wunder, daß Dr. Diendorf Gretels Liebe eines Tages erwiderte, würde er sie doch niemals heiraten wollen, sobald er wüßte —" Sie brach ab und Hans Syden beendete den Satz: „Sobald er wüßte, ich bin Gretels Bruder, bin der Mann, der ihm die Braut genommen, der Mann, der die unmittelbare Ursache ihres Todes ist." Sie schlug vor: „Ich werde Dr. Diendorf brieflich die Wahrheit mitteilen, das dürfte der einfachste Weg fein, ihn von dem Besuch hier zurückzuhalten." Er stimmte zu: „Ja, das dürfte der einfachste und sicheren Erfolg versprechende Weg sein." Er faßte Bettinas Hand. „Ich danke Ihnen, Bettina. Wieviel habe ich Ihnen schon zu danken!" Er wollte nicht weiter sagen und es drängte sich doch über feine Lippen: „Ich war in Frankfurt in Ihrem Konzert, Sie sangen hinreißend, Bettina, und Sie sahen hinreißend aus." Das Blut jagte ihr wie eine heiße Welle ins Gesicht, aber das konnte Hans Syden zum Glück nicht sehen, aber mit etwas zu lauter Stimme bat sie: „Jetzt können wir wohl weiterfahren, Hans, meine Eltern erwarten mich zum Abendessen." Er fühlte ihr Nähe plötzlich wie etwas sehr Beglückendes, fühlte, Wally Walb war in feinem Leben nichts weiter gewesen als eine wunderschöne verwirrende Frau, nach der er Begehr getragen, doch Bettina, die er von Kind an kannte, hatte er wohl schon immer lieb gehabt, ohne es zu wissen. Aber er durfte zu ihr nicht davon reden, der Schatten einer Toten gab ihn nicht frei. Es nützte nichts, daß er wußte, Bettina liebte ihn. Er antwortete, ruhig scheinend: „Ja, wir können jetzt weiterfahren!" Gleich darauf schoß der Wagen schon auf der Waldchaussee dahin, die Scheinwerfer spielten scharf leuchtend voraus. Kein Wort mehr sprachen die beiden, so dicht beisammen Sitzenden mehr, bis das Auto auf dem alten Ritterplatz hielt. Bettina reichte Hans Syden die Hand. „Ich werde sofort nach Weihnachten an Dr. Diendorf schreiben, vorher komme ich nicht mehr dazu. Und mir ist es auch, als würde ich ihm das Fest dadurch verderben, oaß ich ihm mitteile, wie nahe Sie mit den Sydenschen Damen verwandt sind." Er neigte sich, küßte dankbar Betttnas Hand und sie spürte den Handkuß mit seltsamem Erschauern. Es war wie Abwehr in ihr, hennocf). hätte sie gleichzeitig die Arme heben mögen, um den Kops des Mannes, der vor ihr stand, zu sich nieder zu ziehen und ihm leise ins Ohr zu flüstern: Es tut mir leid, daß du Armer immer daran denken mußt, du trägst die Schuld an dem Tod des schönen Mädchens. Ehe sie sich noch recht besinnen konnte, hatte Hans Syden schon wieder seinen Platz eingenommen und das Auto fuhr an. Sie aber befand sich allein, stand neben ihrem Rad, das Hans Syden an den Torweg gelehnt, über dem die alte Jahreszahl angebracht war, auf die der alte riesige Ritter von drüben, der ja viel älter war als das Haus, ständig herschaute mit seinen starren Steinaugen. 28. Kapitel. Heiligabend im Waldschlößchen. In der Bibliothek des Waldschlößchens stand die hohe silberfunkelnde Tanne, an der zwei Dutzend Lichter brannten. Zuerst fand die Bescherung der Dienerschaft statt. Der Kutscher und seine Frau betraten zuerst den saalartigen Raum, ihnen folgten die Köchin und das Hausmädchen, danach kam der Chauffeur, der Hans Syden Überall hinbegleitete. Ein altes Spinett stand in einer Ecke des Raumes und Großchen Jutta begann darauf zu spielen: Stille Nacht, heilige Nacht! Alle sangen mit, und nachdem das Lied zu Ende, zeigte Großmutter jedem seine Geschenke. Im Waldschlößchen hatten es die Leute gut, Gräfin Jutta pflegte zu sagen: Wir sind alle nackt geboren, die Hauptsache ist die Anständigkeit der Gesinnung! Danach handelte man im Waldschlößchen gegen jedermann, gleichviel wo seine Wiege gestanden, ob er reich oder arm war. Auch in der Art des Schenkens handelte man danach. Alle bedankten sich und man schnitt ihnen die Dankesworte nicht ab, aber dann sagte die Gräfin Jutta: „Es rft doch nicht mehr als recht und billig, all denen ein wenig Weihnachtsfreude zu bereiten, die so fleißig und zuverlässig das ganze Jahr über bemüht sind, uns das Leben bequem zu machen." Die Anerkennung ließ die strahlenden Mienen noch strahlender werden und dann entfernten sich die Leute, das Fest der Familie begann. Man hatte sich gegenseitig viel auf geb aut, die schönsten Stücke aber hatte Hans Syden mitgebracht. „Heute hast du wieder einmal so recht bewiesen, daß du der Krösus der Familie bist!" lachte Gretel froh und umarmte den Bruder, der ihr Kleiderstoff aus rosiger Seide und einen Ring mit Türkisen und Brillanten geschenkt. „Die Schneiderinrechnung kommt auch noch auf mein Konto", versprach er, „aber der rosa Stoff muß erstklassig verarbeitet werden, das bitte ich mir aus. Trägst dann das Kleid zum Kasinoball in der ,Krone*. Ich werde so lange hierbleiben, der Ball ist ja schon am sechsten Januar. Voriges Jahr waren wir auch zusammen da." Gretel lächelte ein bißchen abwesend. „Weißt du, ehrlich gestanden, aus dem Ball mache ich mir eigentlich gar nicht so besonders viel, Hanslbruder." Er meinte erstaunt: „Voriges Jahr warst du doch ganz aufsässig, weil Großchen Leonore fand, es genüge noch, wenn du erst den nächsten Kasinoball mitmachen würdest und du setzest deinen Willen auch energisch durch. Dies Jahr aber liegt dir nichts daran?" Er legte den Arm um ihre schmalen Schultern. „Rudolf Hammerschmied wird doch auch auf Urlaub kommen. Erinnere dich nur, wieviel ihr beide voriges Jahr zufammengehopst habt!" Rudolf Hammerschmied hieß Baron Hammerschmied und war sein Freund aus Gymnasiumstagen, aber zwei Jahre jünger als er. Er war einunddreißig, Hammerschmied neunundzwanzig Jahre. Weil er zehn Jahre älter war als sie, nannte ihn Gretel oft im Scherz ,Onkel Rudolf und der blonde zukünftige Richter freute sich über die Anrede und nahm sie immer mit frohem Gesicht entgegen. Sie standen auf nettem Neckfuß miteinander und Hammerschmied war verliebt bis über beide Ohren in die reizende Komteß und träumte einen schönen Zukunftstraum. Gretel wunderte sich selbst, weshalb sie gar keine Freude empfand, als sie an den Ball dachte, durch den die wohlhabenden Bürger des Städtchens alljährlich ihren Hauptbedarf an Vergnügungen deckten. Sie bekannte: „Ich habe in letzter Zeit manchmal nachgegrübelt, warum ich eigentlich so in den Tag hineinleben kann, während viele andere Mädchen arbeiten müssen von morgens bis abends. Auch Bettina tut etwas. Sie bedient im Laden und führt ihres Vaters Bücher. Ich aber bin eine Drohne. Seit kurzem stolpere ich immer wieder darüber und nun reizt mich der Ball gar nicht, ich machte lieber Arbeit haben." Die beiden Damen und Hans blickten die Komtesse erstaunt an. Eben hatte sich Gretel noch kindlich-lebhaft über ihre Geschenke gefreut und jetzt machte sie ein so sorgenvolles Gesicht, als müsse Ser Luchrnsche SeMonNnt. 23 on Lic Dr. Hans Hartmann In Paris hat in der vorigen Woche der „Dritte Lutherische Weltkonvent" stattgefunden. Die breitere Oeffentlichkeit in Deutschland hat davon nur ver- hältnismäßig wenig Kenntnis nehmen können. Das Interesse für internationale Kongresse ist offenbar im Schwinden begriffen, soweit nicht Medizin, Technik und Wirtschaft zur Erörterung stehen. Hinzu kommt, daß viele auch von denen, die frühere Kirchenkonferenzen, wie z. B. die Stockholmer von 1925, noch mit Anteilnahme verfolgten, nicht recht den praktischen Zweck und Erfolg solcher Zusammenkünfte erkennen, die, wie es dem Unbeteiligten scheint — alle paar Jahre wieder einmal stattfinden. Handelt es sich dann gar um einen Ausschnitt aus dem gesamtchristlichen Leben, so ist der innere Zugang noch schwerer. In Stockholm waren ja unter dem Vorsitz des Erzbischofs Söderblom alle protestantischen Kirchen der Welt vereinigt, dazu noch ein beträchtlicher Teil der griechisch-orthodoxen, und es herrschte lebhafte Bewegung auf allen Gebieten der praktischen Religiosität, der religiösen Verantwortung für die Gestaltung der Wirklichkeit in Politik und Wirtschaft, in Volkstum und Sitte. Söderblom, der leider zu früh Verstorbene, war überhaupt der geborene, man darf wohl sagen, der gottbegnadete Leiter internationaler religiöser Konferenzen. Wenn man den Gegensatz von Reformierten und Lutheranern einmal als gegeben annimmt, so gehörte er unstreitig zu den Lutheranern. Der eigentümliche Zauber, der von ihm ausging, vermochte aber alle Herzen zu gewinnen und jeden engen konfessionellen Rahmen zu sprengen. Sein Glaube setzte sich immer und überall in praktische Tat um. Und nur wo das geschieht, wird auch die Oeffentlichkeit inneren Anteil an folchen Konventen nehmen. Das war für ihn die Grundlage, auf der die großen Kongresse erst ihr inneres Recht erhielten. Dann aber stellte er sich ihnen mit der ganzen Macht und Klugheit seiner Persönlichkeit zur Verfügung. Seit feinem Tode gibt es keinen überragenden Führer für religiöse Konvente mehr, keinen jedenfalls, der sich mit ihm messen könnte. Das mag be- bäuerlich fein; aber wenn irgendwo, so kann auf dem religiösen Gebiete kein Führertum erzwungen werden, es muß von selbst kommen. Solange fein Führer da ist, muß die Arbeit stiller und verhaltener, vielleicht auch bescheidener getan werden. Aber sinnlos und wertlos wird sie dadurch nicht. Und so ist es auch mit dem Lutherischen Kon- vent, der soeben in Paris stattfand. Es wäre nicht richtig, wenn man sich an dem zunächst sehr konfessionell und ausschließlich klingenden Begriff „lutherisch" stoßen und der Arbeit dieses Konventes deshalb fein Interesse versagen wollte. Die neunzig Abgeordneten aus 21 Ländern in aller Welt sind die Sendboten eines Christentums, das sich für einen Zusammenschluß derer verantwortlich fühlt, die ihre Religion lebendig mitten in die Zeit stellen wollen. Aus Deutschland waren sechzehn Vertreter erschienen, und es ist kein Zweifel, daß sie sich lebhaft an den zur Erörterung stehenden Fragen beteiligten, zumal die Strahlen des in Deutschland zustandegekommenen Kirchenfriedens bereits nach Paris hinübergewirkt haben. Was ist nun die Bedeutung dieses Lutherischen Konvents? Zunächst horchten wir auf die Botschaften und Beratungen solcher Kongresse darum, weil sich in ihnen eine Stellupgnahme zu den großen Fragen der Zeit kundgibt. So sehr das Luthertum zu einer Betonung des rein innerlichen Glaubenslebms neigt, ist es doch an der Not der Zeit nicht vorübergegangen, fondern-hat sich von ihr tief berühren lassen. Der erste Lutherische Weltkonvent trat im August 1923, also in einer weltpolitisch äußerst gespannten Zeit, in Eisenach zusammen. Generalsuperinten- dent Zöllner, der jetzt von Reichsminister Kerrl in den Reichskirchenausschuß berufen wurde, hat damals in einem sehr ausführlichen Bericht die Be- Seife 15v.25Pfg. । Gesunde Haut sie ein schweres Problem lösen. Man setzte sich um ben Baum herum und sein strahlendes Silberkleid, das Leuchten seiner brennenden Kerzen, wandelte die stets ein wenig düstere Bibliothek, in der viele, stark nachgedunkelte Ahnenbilder hingen, zum Festsaal. Hans Syden schüttelte den Kopf. „Ich glaube, Schwesterchen, du schlägst dich mit einer fixen Idee herum! Was willst du denn eigentlich arbeiten? Es wäre ja vollkommen falsch, wenn du irgend einem Mädel, die es nötig hat, das Brot wegnehmen wolltest. Außerdem dürfte es dir kaum gelingen, man forgt in der Beziehung schon dafür, daß keiner, der genug hat, dem anderen noch etwas wegnimmt." Er neckte: „Warte nur auf den Zukünftigen hier im Dornröschenschloß, er wird schon eines Tages kommen und bis dahin lerne alles, was eine gute Hausfrau können muß. Lerne kochen und ausbeffern und so weiter." Großchen Jutta blickte überlegen. „Na, glaubst du etwa, Gretel hätte sich bisher um die Dinge nicht gekümmert? Unsere Gretel war fchon tüchtig bei der Köchin in der Lehre und schneidern kann sie als eine, die es für Geld tut. Die Christel Lehnert aus dem Städtchen hat ihr das beiqe- bracht." Großchen Leonore mischte sich ein, sie war etwas verstimmt. „Was ist denn das nur für ein törichtes Ge- fpräcf) am Heiligabend? Gretel wird heiraten, wie wir geheiratet haben, dann hat sie ihren natürlichen Berus gefunden." Sie dachte dabei an Rudolf Hammerschmied, der nach ihrer Ansicht ganz ausgezeichnet zu Gretel paßte. Hans fragte fast gedankenlos: „Wenn du dir einen Beruf wählen dürftest, welchen würdest du dir dann aussuchen?" Ohne erst überlegen zu müssen, antwortete die Gefragte: ,Lch würde gern Krankenpflegerin werden." Die Antwort löste doch Erstaunen aus, und Gräfin Jutta fragte kopfschüttelnd: „Wie kommst du nur darauf? Du gingst doch von je allem, was mit Krankheiten zusammenhing, in weitem Bogen aus dem Wege." „Ich stelle es mir schön und befriedigend vor, kranken Menschen beizustehen, ihnen die Krankheit erträglicher zu machen. Ich denke dabei an Schwester Helene, Dr. Diendorfs Assistentin. Wie war die so gut zu mir. An ihr hat Dr. Diendorf eine wundervolle zuverlässige Hilfe. So eine wie sie möchte ich sein." (Fortsetzung folgtI) denken gegen eine solche konfessionelle Zusammenkunft entkräftet. Er stellte in den Mittelpunkt nicht die negative Abgrenzung gegen Andersgläubige, sondern die Besinnung auf die eigene Kraft, auf den großen Führer Luther mit seiner urlebendigen religiösen Erfahrung, seiner machtvoll alle Fragen des Lebens durchdringenden Persönlichkeit. Zöllner berichtete auch, daß der Bischof R a f f a y aus Budapest in einer Predigt sich zur politischen Verantwortung des Lutheraners bekannt habe. Er sagte dabei u. a.: „Noch nie hatten Lieblosigkeit und schonungsloser Haß ein so breites und und freies Wirknngsfeld wie in dieser schändlichen Zeit der diktierten Friedensschlüsse. Nicht aus Politik weise ich auf diese Erscheinung hin, sondern die Wehmut meiner christlichen Seele zwingt mich dazu. Denn es ist mir schmerzlich anzusehen» daß christliche Völker christliche zertreten . . Diese Tradition einer Verantwortung für das öffentliche-Geschehen finden wir auch in der Kundgebung des soeben abgeschlossenen Pariser Konventes wieder. In dieser Kundgebung lesen wir, daß die lutherischen Kirchen, besonders die t n Rußland, vor wichtigen Fragen und Aufgaben der inneren Besinnung und Entscheidung stehen. Und sie fährt fort: „Wir sind aber der Ueberzeu- gung, daß unsere Generation nicht nur mancherlei Krisen zu durchkämpfen hat, sondern auch auf den verschiedensten Wegen den Frieden sucht, den die Welt nicht geben kann." Wir wollen alle wünschen, daß das internationale Luthertum auf diesem Wege fortschreitet und sich immer mehr um eine Erkenntnis der Nöte in aller Welt müht. Das wird die beste Werbekraft auf die Völker ausüben, die tatsächlich nach einem tief und innerlich begründeten Frieden unter den Nationen uchen. Aber wir glauben, daß eine organische Verbindung zwischen dem an Luther orientierten religiösen Gefühl und dem, was heute im Dasein der Völker an positiven Werten geschaffen wird, hergestellt werden muß. Sicher ist nicht zu unrecht in Paris darauf hingewiesen worden, daß in Skandinavien und Finnland, die zu 90 v. H. lutherisch sind, der Kommunismus fast völlig ausgerottet ist. In Finnland, sagte der finnische Erzbischof Kaila, gebe es überhaupt keine kommunistische Partei mehr. In Schweden tehe das Luthertum in der Führung eines Kampes der verschiedenen religiösen Verbände gegen eine Gottlofenbewegung, die sich „Das Volk der Zukunft" nennt. Und mit Stolz haben die Lutheraner in Paris festgestellt, daß diejenigen immer zahlreicher werden, die glauben, daß nur das Evangelium den Weg zu einer Erneuerung der Gesellschaft And der Völker bereiten könne. Dazu wird die Oeffentlichkeit der Länder sicher in verschiedener Weise Stellung nehmen. In Deutschland wird man wünschen, daß die deutsche Lebensubstanz, die die deutsche Eigenart und das deutsche Schicksal begründet, mehr noch als bisher von religiösen Gedanken aus gewertet wird. Und nicht nur in Deutschland wird man die Frage aufwerfen, ob das Fehlen des Kommunismus in Finnland wirklich nur auf die Tatsache zurückzuführen sei, daß man dort lutherisch ist. In Ungarn oder in der Türkei, in Italien und Japan, wo man doch bestimmt nicht lutherisch ist, fehlt der Kommunismus doch auch. Es wäre also zu wünschen, daß hier noch gründlicher geprüft, verglichen, abgegrenzt wird. Der berechtigte Stolz darauf, daß das Luthertum in seinen drei Hauptzentren, in Deutschland, Skandinavien und Amerika, wirkliche innere Fortschritte macht und sich zweifellos in mancher Richtung vertieft, darf nicht dazu verführen, nun alles Gute nur aus der Tatsache des Lutherifch-Seins abzuleiten. Dann würde man ja nicht mehr anerkennen, daß auch die Reformierten und Katholiken, und darüber hinaus auch andere neu entstehende religiöse Gemeinschaften, auch Gutes schaffen, auch ernsthaft gegen die zerstörenden Mächte der Zeit kämpfen. Es ist nicht von ungefähr, daß auch die Reformierten sich international in ihrer Presbyterian Alliance regelmäßig versammeln, und zwar schon eit fast 60 Jahren, also schon viel länger als die Lutheraner. Sicher nicht zufällig fanden die Ver- ammlungen gleichzeitig statt, und zwar 1923 im Juli n Zürich und 1929, als sich die Lutheraner Anfang 3uli in Kopenhagen versammelten — mit 700 Teilnehmern! — in Boston (Mass.), von Mitte Juni. Ist das eine ideale Konkurrenz? In vielem mag ■te es ruhig fein; denn nur die einige Religionsform, !»ie alle ihre Kräfte auf eine tiefe Erfassung der gegenwärtigen Lage und die Heilmethoden für sie Hölderlin-Anekdote. Von Walter von Molo. Die Nacht war da, und es war still um das ein- ame Gutshaus im Schnee und Flockenfall. Noch inmal besah der Dichter fein Werk, ging er durch alle Räume und löschte die Lichter. Dann faß er in der Halle im grauen Schnee- chein mit einer Signalpfeife im Mund, die sonst »ereitlag, um Leute herbeizulärmen bei Gefahr ines Ueberfalls. Erschöpft und unsicher, erwartungsvoll stand das )aus. Nach Mitternacht ertönte Hufschlag auf der Land- trafje. Endlich kam der Wagen zurück, der den gutsherrn zur Poststation gebracht hatte. Dreimal ließ der Dichter feine Pfeife gellen, das mit feinem Schüler verabredete Zeichen, aber der schlief. Der Wagen fuhr vor und stand. Aha, jetzt sperren sie auf, und nun gab's den erwarteten ersten Schrei: dem Onkel waren vom Tische herab, den Jer Dichter kunstvoll vor der Eingangstüre auf- xcstellt hatte, die Sessel aus dem Gartenhaus, die mit einer Schnur an die Türklinke festgebunden tnaren, vor die Brust gestürzt. Man hörte drei Stimmen verwundert und er= regt durcheinanderreden. Und nun geschah ein noch ärgerer Schrei und ein Klatschen: der an der Decke oufgehängte Eimer Wasser hatte sich seitwärts geneigt und seinen Inhalt, genau wie bestimmt, auf den Kopf des sich mutig vorarbeitenden Großhänd- b rs Maier ergossen. Dieser begann ungewöhnlich großzügig zu schimpfen. „Nicht mal Licht ist da!" Nun sprach die junge Hausfrau, und es klang merkwürdig gedehnt: „Wahrscheinlich ist das Feuer- ziug mit Absicht weggenommen." Und jetzt sprang ein Lichtlein in der Halle an, und sie übersahen annähernd die Sintflut. „Was ist denn das, zum Teufel? Au!" Herr ilaier war mit der gesamten Wucht seines Leibes über den ersten tiefgespannten Draht hinge- schlagen. Gerührt hörte der Dichter, der sich ganz nach rückwärts in den Schatten zurückgezogen hatte, wie seine junge Herrin außer sich zu lachen anhub; es mar ein frohes Lachen. Sie schien sein Verhalten ju billigen und zu verstehen. Es machte ihr Freude. Inzwischen arbeitete sich der dicke Onkel polternd richtet und in Wettbewerb — natürlich ideeller Art! — mit anderen Religionsformen tritt, hat sowohl öa& innere Recht wie auf die Dauer auch die Aussicht, die Herzen der Menschen zu gewinnen. Daß hier das Luthertum noch freier werden muß, hat kein geringerer als der lutherische Bischof 23ab bemar 21 m m u nb f e n ausgesprochen, als er von dem Lutherischen Weltkonvent in Kopenhagen von 1929 berichtete. Er beklagte es, baß bas Luthertum gegenüber ben burch Stockholm unb Söberblom verkörperten Aufgaben noch zu zurückhaltenb sei. Jene Stockholmer Bewegung hat Söberblom ja bie „ökumenische" genannt, weil es sich um bie Erfassung aller Fragen in ber „Oikumene", der bewohnten Erde, handelt. Ammundsen beklagte wörtlich, daß zuviel kirchliche Zufriedenheit in Kopenhagen war, während doch wahre Religion nur in heiliger Unruhe bestehen könne; er beklagte, daß zuviel Selbst- verständliches geredet wurde und daß die Lutheraner es nicht einmal fertig brachten, mit nichtluthe- rifchen Protestanten zum gemeinsamen Abendmahl zu gehen. Dafür aber, daß sich Menschen, bie in innerer Verantwortung zusammengehören, gegenein- anberstellen, hat unsere Zeit, aufs Ganze gesehen, kein Verständnis mehr. Wir sprechen bie zuversichtliche Hoffnung aus, baß ber Pariser Konvent einen bebeutenben Schritt bes Luthertums einer echt lutherischen Weite unb Freiheit entgegen bedeutet. Ob es ber Fall ist, wirb bie Zukunft lehren. Luther selbst hat einmal gesagt, es gebe Leute, bie seien lutherischer als er selber. Er steht als religiöser unb deutscher Heros mit all seinen Widersprüchen unb bem Reichtum seiner leidenschaftlichen Seele vor unseren Augen. Wir tun gut, ihn immer neu zu studieren unb wir werben babei ben Zugang zu einer echten Religiosität finden, ganz gleich, ob wir Luthers Formeln genau so annehmen wie sie lauten, ober ob wir unseren eigenen Weg gehen. Inseln des Deutschtums. XII. Die deutsche Gesellschaft „philadeiphia" in Athen. 13on unterem (£ K*25erid)ferftatfer. (Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Athen, Oktober 1935. König Otto lanbete als Jüngling in Nauplia am 6. Februar 1833 mit etwa 3500 Bayern, Sol- baten unb auch vielen Beamten, bie bas neue unb junge, soeben erst aus ber Taufe gehobene Königreich Griechenlanb zu seinen ersten selbstänbigen Gehversuchen verhelfen sollten. Wo aber so viele Deutsche beieinanber find, pflegen Vereine nicht zu fehlen. Unb so würbe bereits in ber vorläufigen Hauptstadt Griechenlanbs, in Nauplia, ein erster Verein unter bem stolzen Namen „M i n e r d a" gegrünbet. Kaum mehr als Jahresfrist bauerte es, als Athen auf Wunsch König Lubwigs von Bayern, bes Vaters bes ersten Griechenkönigs, zur Hauptstabt Griechenlanbs erhoben würbe. Mit bem Hofe kamen naturgemäß Beamte und viel bayerisches Militär nach Athen. Bald bildeten sich auch gier zwei Vereine: die „S ch n e l l s e g l e r" unb bie „P h i l a b e l p h i a". Die ersteren hatten ein Vereinsheim in ber Hephästosstraße unb zählten hauptsächlich Bayern zu ihren Mitgliedern, während in ber letzteren Vereinigung Hessen unbNassauer zusammenkamen, bie „Concorbia" und ber „Frohsinn" nahmen bie Mitglieber ber beiben ersten Vereine auf. Außerbem beftanb noch ber Offiziersverein „3 um Grünen Baum", ber sich so nach einem von einem Deutschen geführten Gartenlokal nannte. Hier gab es eine Kegelbahn unb hier spielte auch bie Militärmusik regelmäßig. Der Kriegsminister war Mitglieb biefes Vereins, selbst König Otto erschien hier oft, um mit ben bayerischen Offizieren ab unb zu einmal einen „guten Schub" auf ber Kegelbahn zu versuchen. Am 3. Oktober 1835 traten im Gasthause „Zum Krebs" eine Anzahl Deutsche zusammen unb grünbeten eine Verbindung unter bem Namen „Fli - b u ft i a", bie hauptsächlich bem Humor unb bem Frohsinn geweiht fein sollte, geben Samstag würbe ein von Mitgliebern selbst rebigiertes Blatt, ber „Flibustier" herausgegeben. Bereits im September 1837 löste sich auch biefe Vereinigung, bie etwa 50 Mitglieber umfaßte, roieber auf unb schritt am 16. September 1837 zur Grünbung bes heute noch bestehenben Vereins „Deutsche Gesellschaft Philabelphi a", bie balb auf eine 100jährige ununterbrochene Wirksamkeit zurückblicken kann. Am 19. September 1848 bezog bie Gesellschaft ein eigenes Vereinshaus in ber Homerstraße 16 in Athen, in bem sie sich bis zum heutigen Tage befinbet, wenn auch bas Haus im Laufe ber Zeit mehrmals umgebaut werben mußte unb heute nicht mehr ganz den Anforderungen ber Neuzeit entspricht. Dafür aber liegt bas Gefellschaftshaus im Herzen ber Stabt unb ist deshalb als Treffpunkt aller Deutschen in Athen vorzüglich geeignet. Zur Aufnahme in bie beutfche Gesellschaft Phila- belphia kann sich jeher Deutsche ober Deutschstämmige melden, b. h. außer ben „Reichsdeutschen" auch Oesterreicher, Ungarn, Griechen, Schweizer, Hollän- ber, soweit sie beutscher Abstammung sinb unb bie deutsche Sprache beherrschen. Während ber 98 Lebensjahre, auf bie bie „Philabelphia" jetzt zurückblicken kann, hat sie viele frohe, aber auch viele trübe Tage gesehen. 1843 würbe burch eine „Revolution" bie bayerische „Fremdherrschaft" abgeschafft, unb viele Deutsche mußten Griechenlanb verlassen. Schlimmer unb gefährlicher für ben Bestaub ber „Philabelphia" aber wurde bas Jahr 1862, als König Otto, auf Betreiben ber „Großmächte" burch eine neue Revolution gezwungen würbe, Griechenland den Rücken zu kehren. Don ben fünf Vorstands- mitgliebern blieb nur noch einer zurück, bie Mitglie- derzahl sank auf 21 herab. Das kleine Häuflein aber hat mit Liebe unb Zähigkeit an ber „Philabelphia" festgehalten, unb sie über biefe gefährliche Klippe hinweggebracht. Vor dem Kriege, in dem damals noch verhältnismäßig kleinen Athen, galt sie zunächst dem „Athener Club" als bie vornehmste Vereinigung Athens, unb zu ihren Veranstaltungen erschienen auch bie besten griechischen Familien. Sie war bamals ein ausgesprochener Herrenklub; bie Damen ber Mitglieber erschienen nur bei Festlichkeiten unb Bällen, ab unb zu auch zu einem Familienkegeln. Währenb bes Weltkrieges aber öffnete bie „Philabelphia" allen in Athen lebenben Deutschen unb bamit auch ben beutschen Frauen ihre Pforten. Es muß babei bemerkt werben, baß in ben Vorkriegsjahren verhältnismäßig wenig alleinstehenbe Frauen in Athen ansässig waren, bie bann eben auch zu ben Feierlichkeiten burch Einlabung beutscher Mitglieber am beutschen Vereinsleben teilnahmen. Mit ber Besetzung Athens burch bie Ententemächte, bie sich entgegen bem Volkswillen in Griechenlanb festsetzten und es zum Kriege gegen Deutschland zwangen, mußte im Juni 1917 bie „Philadelphia" schließen. Alles, was noch irgendwie von Wett war, wurde noch schnell in Sicherheit gebracht. Die letzten Besucher der Klubräume in dieser schwierigen Zeit waren der deutschstämmige Rechtsanwalt Dr. Otto Heffner und ber Schreiber biefer Zeilen. 1917 bis 1921 war bas Vereinshaus von ber Regierung beschlagnahmt worden, bie hier e i n -Heim für erholungsbebürftige Krieger einrichtete. Es muß betont werden, baß bie Griechen bas Vereinshaus burchaus fchonenb behandelten; nach ber Rückgabe waren bie Schränke unb alles andere fast unversehrt. Nur bie natürliche Abnützung, bie eine Besetzung burch Soldaten eben mit sich bringt, mußte in Kauf genommen werden. Gerade war bas Vereinshaus hergerichtet worden, als 1922 die kleinasiatische Katastrophe IV2 Millionen Flüchtlinge nach Griechenland verschlug. Der Vorstand hat damals freiwillig der griechischen Regierung die Räumlichkeiten zur Unterbringung einiger dieser armen Opfer zur Verfügung gestellt und sich nur einige kleinere Räumlichkeiten für das Vereinsleben zurückbehalten. Diese neue „Besetzung" durch die Flüchtlinge währte bis zum Jahre 1924, aber seitdem ist das Klubhaus wieder völlig im Besitze seiner Mitglieder. Die „Philadelphia" hat vielen berühmten Persönlichkeiten in ihren Räumen Gastfreundschaft gewähren können-. Roß, Geibel, Hansen, Dörpfeld u. a. gehörten zu ihren Besuchern ober Mitgliebern. Auch König Konstantin besuchte mehrmals bie „Philabelphia", unb bie Königin Sophie, eine Schwester bes Kaisers Wilhelm, roibmete sich weiter heran, berart kraftvoll, baß sich feine großartige Fähigkeit im Kriechen erwies für jeder- mann. Der Dichter zog sich in bie äußerste Ecke bes Runbbaus zur Parktüre zurück. Sie starrten: UeberaU hingen in ben verschie- benften Hohen Drähte, waren Binbfäben gespannt, schaukelten Tafeln mit schwungvollen Aufschriften wie: „Alles muß anbers werben, alles! Vornehmlich in ben Comptoirs von Großhänbler Maier." Ober: „Knechtsinn nach oben unb grober Mut nach unten sinb bas Kennzeichen ber Gelbbarbaren, bie immer bas Elenb bringen." Ober: „Ihr könnt nichts Reines unoerborben unb nichts Heiliges unbelastet lassen mit euren Fingern, bie plump geworben sinb vom Gelbzählen." Ober: „Die Tugend ber Heutigen habt ihr gemacht; sie sinb ein glänzenbes Uebel." Sie stauben mit offenen Münbern wie in einem Museum unb betrachteten, was ihnen beschert war. Denn es war tatsächlich eine Bescherung. Zwei Gabentische waren aufgebaut. Bis zu ben Knien reichte ihnen bas buftenbe Heu, bas ber Dichter hier gehäuft hatte, als sie, immer roieber neu über verborgene Hindernisse stolpernb, barin heran- roateten. „Das ist für euch", erklärte bie junge Hausfrau, bie erfreulich rasch begriff. Sie war von Ehrfurcht, Angst unb Lachen zugleich bewegt unb geschüttelt. Sie hatte recht, hier war in großen Buchstaben gemalt: „Für ben Herrn Maier, Großhänbler." Unb ba lag ein Buch aus ber Hanbbibliothek ber Mamsell, bas ben Titel trug: „Wie werbe ich vornehm?", unb ein anberes war ba, mit einer Schleife versehen, auf bie geschrieben war: „Der Unterschieb zwischen einem Lümmel unb einem wirklichen Herrn ist groß." Und auf einen bürren Ast war ein Zettel aufgefpießt: „Das ist euer Geist". Unb eine solche Silhouette war ba: „Für Mabame Maier"; darauf war eine Katze festgehalten mit der Aufschrift: „Der Mensch will sich fühlen. drum stellt er sich stets feine vermeintliche Schönheit gegenüber." Da sprach bie Tante Maier bas erste Wort: „Pfui!" unb gleich barauf bas zweite: „Schäm bich!" Die junge Frau des Hauses hörte nicht, sie ftanb vor ihrem Tisch und bettachtete sich als Heilige, um beren Kopf ein kreisrunder Schein gemalt war. Sie sah eine Spirale mit bem geschriebenen Zuruf: „Immer höher empor!" Unb nun lasen sie bie aus fünf Stücken zusammengeklebte große Tafel; sie überragte alles: „Sich auf große Tote zu berufen, ist nicht mehr als ein Schlag vor eine bumpfe Stirn; in ben Herzen muß es roibertönen. Ihr seid fterbenbe Blätter, bie in ben Kot hernieberrascheln. Ihr stehlt Licht unb Luft unb Freiheit bem jungen Leben, bas für eine neue Welt heranreift, die ohne euch besser sein wird. Weg mit euch! Glückliche Reise!" „Bon“, sprach der Onkel, „ich bin im Bilde. Morgen laß ich euren Hauslehrer in ben Narrenturm abtransportieren. Komm!" Die junge Herrin, von ber sie nicht Abschieb genommen hatten, sah, wie bie Stäbter, bie auf sie aufpaffen sollten, solange ihr Mann verreist war, kleinlaut unb beleibigt hintereinanber bie Treppe emporfteigen. Unb irgendwann erklang ein furchtbarer Schrei. Der kam von ber Tante mit ben vielen Ringen; bas war, als bie erste Maus vor ihr in ihrem Zimmer broben aufsprang unb über bas Bett raste. Dann war es eine Zeitlang still, als habe beide ber Schlag gerührt. Der Dichter trat hervor und fühlte ihre Augen in feinen, unb bas war wie eine Brücke, auf ber unenblid) Schönes von einem zum anberen floß. „Ich will mit Ihnen allein fein", stammelte er. Sie legte ihre Arme um feinen Hals. So vernahmen sie von oben einen harten Fall unb einen neuen Schrei. „Das ist ber pot de chambre, ich habe Fische hineingetan", gestanb er unb zitterte unter ihrer Nähe unb Wärme. „Alle Laden der Kommode und ber Schrank sinb voll von Mäusen", erklärte er und zitterte noch mehr. Sie strich ihm sorgsam liebkosend über bie Haare unb hatte einen nachbenklich schmerzlichen Blick, ber besagte: .Wie soll es mit bir werben. Lieber, in biefer 2öelt?‘ „Unb auch im Waschbecken schwimmen Fische herum", erwiderte er. Da schob sie hingebend in kühner, heiliger Freude und Dankbarkeit ihre Hellen, weichen Arme ganz dicht um ihn unb berührte mit ihrem aufgeblühten Mund feine Stirn unb seine Lippen, bie wie leblos unb trocken unb ganz falt waren. Als er wieder zu sich kam unb sein ganzes Wesen flammte unb er ihr nachstürzen wollte, um feine Seele ihr in nicht endenden Küssen zu geben, fand er sich allein. ihr stets mit großem Interesse. Die „schlimmen" Jahre sinb nun hoffentlich für lange Zeit vorüber. Die „Philabelphia" ist roieber neu aufgelebt. Wenn bie Räumlichkeiten noch nicht bie alle Gemütlichkeit ber Vorkriegszeit roieber erreicht Haden, so liegt bas auch baran, baß ber 93er* ein kurz hintereinanber zweimal tief in ben Säckel greifen mußte, um bie Räume roieber herzurichten. Das ist natürlich für einen kleinen Klub, ber kaum ein reiches Mitglieb hat. ziemlich schwer. Trotzbem waren in ben vergangenen Jahren recht gemütliche Abenbe in ben Klubräumen möglich; auch Bilbung unb Wissenschaft würben burch zahlreiche Vorträge gepflegt, bie sich eines reichen Besuches ber Mitglieber. ber ansässigen Deutschen unb ber nach bem Kriege erfreulicherweise gewachsenen Zahl unserer griechischen Freunde erfreuten. Im Frühjahr 1933, mit dem Anbruch der neuen Zeit in der Heimat, erlebte auch bie ..Philabelphia" eine Umstellung. Vvrübergehenbe Mißhelligkeiten führten schließlich zu einem herzlichen Einvernehmen zwischen ber „Philabelphia" unb berAthenerOrtsgruppe ber NSDAP., unb heute spielt sich bas Leben ber Kolonie zum größten Teile in ben Räumen bes Vereinshauses ab, bas nur leiber ben gewachsenen Ansprüchen kaum noch genügt. Vielleicht finben sich noch Gönner unb Freunbe, bie ber „Deutschen Gesellschaft Philabelphia" anläßlich ihres am 16. September 1937 bevorstehenben Stiftungsfestes zu einem neuen, ben heutigen Verhältnissen entfpredjenben Vereinshause verhelfen wollen. Möge jebenfalls bie „Philabelphia" weiter blühen unb gebeihen, um für alle fommenben Zeiten, wie in ber Vergangenheit, Hort unb Sammler bes Deutschtums in Griechenlanb zu sein! Geschichten aus aller Wett. (Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Unheimliche Seereise (Zi.) Sybney. Sechzehn Tage einer gerabezu unheimlichen Seereise hatte ber Schoner „Alma Doepel" hinter sich, als er neulich, von Hobart, Tasmanien, fommenb, im Hafen von Sybney eintraf. Seine ganze Besatzung, vom Kapitän bis zum Schiffsjungen, lag fchwerkrank an Influenza unb Grippe barnieber. Der erste Krankheitsfall war wenige Tage nach ber Abfahrt von Hobart beim Koch eingetreten, ihm folgten alle anberen Mitglieber ber Besatzung, unb schon nach vier Tagen war bie Schiffsapotheke leer, hatte sie boch 17 Kranke auf einmal zu versorgen. Kapitän, Steuermann. Matrosen versuchten trotz hohen Fiebers ihren Dienst zu versehen, bis sie zusammenbrachen. Der zweite Segelmacher hielt noch am längsten aus unb es ist nur ihm unb einer gütigen Laune des Geschickes zu Derbanfen, baß bas Schiff schließlich Sybney erreichte. Da ber Segelmacher mit dem Aufwanbe ber letzten Kraft bie 808.-Signale gehißt hatte, kamen im Hafen sofort Hilfskräfte an Borb, bie bas Schiff festmachten unb bie gesamte Besatzung auf Tragbahren ins Krankenhaus schaffen ließen. Der Hoflieferant des Neqns. (—) 21 b b i 5 21 b e b a. In Lonbon gibt es einen kleinen unb befcheibenen Barbier, ber seit Jahren „Hoflieferant Seiner Kaiserlichen Majestät bes Negus von Abessinien" ist. In seinem Laben verirrte sich vor Jahren einmal ein Angehöriger bes abessinischen Hofes unb erftanb vorn Labeninhaber, nachbern biefer ihm bie Haare geschnitten hatte, ein Haarwaschwasser eigener Herstellung. Der Käufer war mit biesem Haarwasser so zufrieben, baß er in Abbis Abeba gelegentlich auch ben Kaiser unb bie Kaiserin auf bas kosmetische Mittel aufmerksam machte. Alsbalb ging an ben kleinen Barbier im Lonboner Westen eine Bestellung ber kaiserlichen Familie ab. Seitbem haben sich biefe Bestellungen regelmäßig wieberholt, unb ber kleine Barbier hofft sogar, wie er im Vertrauen mitteilte, bemnächst einen Orden aus Aethiopien zu erhalten. Einer findet sein Grab. (th.) Neuy 0 rk. William Guerson war 20 Jahre lang nicht baheim gewesen. Als dr aber nach seinem kleinen Geburts- Ihr Mann ist überarbeitet ? .. auf Kaffee Hag umstellen 1 Als sich ber Dichter am nächsten Tage scheu in bie Halle schob, grubberten zwei Mägbe eifrig ben Fußboden, bie ber Gutsverroalter zur Hilfe gesandt hatte, gegen die „irrsinnige Schweinerei", wie er es nannte. Sie grüßten vertraut unb teilten fröhlich mit, baß bie städtischen Verwandten in aller Frühe, ohne auch nur den Kaffee anzurühren, bas Gut verlassen hatten. Tiefbefriebigt ftanb Hölberlin und lächelte verklärt unb innig. Allerlei vom Niesen. Nicht jebes Niesen braucht ein Vorbote bes Herbstschnupfens zu sein. Aber irgenbeine befördere Be- roanbtnis hat es trotzbem, wenn man ben weit verbreiteten abergläubischen Vorstellungen Glauben schenken will. Unb tun wir es nicht schon daburch, daß wir bem Niesenben „Gesunbheit" wünschen? Mit bem Niesen werben feit uralten Zeiten bestimmte Voraussagen oerbunben. So mißt bie Volks- anschauung bem Niesen bei wichtigen Entschlüssen hohe Bebeutung bei: Der Entschluß soll bamit gleichsam burch eine höhere Macht gebilligt unb bekräftigt werben. Als ber Grieche Tenophon im Jahre 401 v. Ehr. mit feinen berühmten Zehn- taufenb aus Persien ben Zug nach bem Meer unternahm, um sich in bie Heimat burchzufchlagen, ha berichtete er selbst, baß ein Kriegsrat einberufen würbe, bei bem bie großen Gefahren unb Befchwer- ben biefes Rückzuges eingehenb erörtert würben. Tenophon vertrat trotzbem bie Anschauung, baß biefes Sichburchschlagen bie einzige Rettung für sie bebeute. In bem Augenblick, als er bas sagte, nieste ein Krieger. Dies erschien bem Griechen als ein Zeichen, burch bas bie Götter ihm bie Wahrheit ber Worte Tenophons bestätigten, unb zuversichtlich folgten sie bem Führer. Auch eine Stelle aus bem Homer beweist, rote stark bie alten Griechen an bie glückverheißenbe Dorbebeutung bes Niesens glaubten. Im 17. Gesang ber Obpffee spricht Penelope ben Wunsch aus, ihr Gemahl möge boch bald heimkehren. Dann heißt es weiter: „Da nieste leie- machos, baß es gewaltig ringsum schallte burchs Haus. Auflachte ba Penelopeia — Schnell zu Eumäus sprach sie sodann bie gesiegelten Worte: Siehst bu nicht, wie mir ber Sohn alljegliche Worte beniest hat?" Mit bem Glauben an bie befräftigenbe Bebeutung bes Niesens ist eng verwanbt ber an seine prophetische Kraft. orr tn Oklayama zurückkehrte, wollte er sich erst darüber untü? Telephonistin überlegte: „Eine merkwürdige Nachricht. Das klingt fast wie ein Testament ..." Gleich darauf rief sie die nächste Polizeiwache an. Sie erzählte dem Sergeanten, der sich meldete, die ganze Geschichte Der ließ sie gar nicht ausreden. „Polizist Denimm!" schrie er, „hier: Jones, 235, 103. Straße eventuell brechen Sie die Tür ein — schnell, schnell!" Als der Beamte bei Jones anklopfte, erfolgte1 keine Antwort. Er warf sich gegen die Tür, und das Schloß gab nach. Mister Jones lag am Boden feiner Küche, und alle Gashähne waren geöffnet. Im Telephonamt blitzte eine Lampe auf. „Hier spricht Brown, Zeitungsberichterstatter. Ein Fensterwascher namens Jones versuchte Selbstmord zu begehen. Die Polizei sagt, daß er sich erholen wird, aber daß er sein Leben nur der Telephonistin verdankt. Das gibt eine hübsche kleine Geschichte. Kann ich den Namen der Televhonistin wissen?" Die „Schuldige" war selbst am Apparat, aber sie K pflichtgemäß: „Wir geben keine Namen von »stellten der Gesellschaft bekannt, ich bebaute." Unb sie zog ben Stöpsel aus ber Schaltung unb folgte bem nächsten Lichtzeichen: „Die Nummer bitte!" Des Kon gs Chcfkoch sta b (—) Lonbon. England und besonders ber Buckingham-Palast । haben einen — wie man behauptet — unersetz- { lichen Verlust erlitten: Einer ber berühmtesten' Köche von Englanb ist gestorben, ber Chefkoch bes I Königs, Henri Cewarb Seit bem Jahre 1902 begleitete er ben König unb bis Königin auf allen Reisen unb weilte selbst mit ihnen wahrenb bes Krieges an ber Front unb, lange Zeit kränkelte. Das berührte chn menschlich unb insofern auch beruflich, als er nur noch Diätküche zubereiten burfte. Unb Diäten waren biefem Chefkoch ein Greuel. Die Spur der grünen Erbten. (h.k) Trüffel Unweit von Santvliet waren in letzter Zeit viele große Lebensmittelbiebstähle verübt worben. Aber nie gelang es, ben Tätern auf bie Spur zu kommen. Enblich hatte ein Bäuerlein bie richtige Jbee. Er schnitt ganz fein unb vorsichtig einen Erbsensack an, ben er in seinem Lager so aufstellte, baß bie Diebe gleich auf ihn aufmerksam würben, frellich ohne ben Schnitt zu bemerken. Als er nach ein paar Tagen feststellte, baß bie Kerle auch ihn heimgesucht hatten, lief er nur ben Genbarm herbei unb folgte mit ihm gemeinsam jener Erbsenspur, bie in bas Diebesversteck führte. Angesichts bieser kugelrunben grünen Beweise wagten bie Diebe nicht zu leugnen. Der Polizist und die Amme. (Sp. Z.) MabrId. In Mabrib erzählt man sich eine amüsante kleine Geschichte über bie Hochzeit bes bekannten Politikers Gil Nobles. Als er noch Bräutigam war, machte Gil Nobles häufig Spaziergänge mit bem jungen Mäbchen, bas feine Frau werben sollte. Wie es in einer geachteten Mabriber Familie üblich ist, burfte bie junge Dame natürlich nicht allein mit bem ..fremben Herrn" gelassen werben. In einiger Entfernung folgte ihr vielmehr bie Amme, bie sie von Kinbesbeinen an betreut hatte. Der Minister würbe aber auch seinerseits überwacht von einem älteren Beamten ber Geheimpolizei. Es blieb natürlich nicht aus. baß ber Beamte sein befonberes Augenmerk auf bie Frau richtete, bie ber künftigen Donna Gil Nobles folgte Aus bem bienftlichen Auge würbe aber halb ein zärtliches, bie Betreuerin ber jungen Dame unb ber Polizist gefielen sich, unb bas Jbyll enbete mit einer Verlobung. Die Hochzeit fanb am gleichen Tage wie bie des Ministers statt — es war ganz wie in einer Operette ober im Lustspiel. Die Liebe des Matadors. (C. K.) Wien. Vor ben Schranken eines Wiener Gerichtshofes staub kürzlich ber Stierkämpfer Don Armanbo Esteban Hareter, ber angeklagt würbe, bei einem Aufenthalt in Wien sich einer schweren Körperverletzung schulbig gemacht zu haben. Bei bem Verhör gab ber Matador die Tat offen zu, Dann aber erzählte er eine seltsame Liebesgeschichte. Zunächst wies er nach, baß er ben spanischen Namen nur angenommen habe unb von G burt Wiener sei. Vor Jahren habe er hier in feiner Vaterstabt ein junges Mädchen geliebt. Dann sei eine Mexikanerin, die in Wien Mebi- zin ftubierte, in sein Leben getreten, unb er habe bie Wienerin verlass-m unb sei jener anberen Frau nach Mexiko gefolgt. Aber in ihrer Heimat habe bie Meri- kanerin nichts mehr von ihm wissen wollen, unb als sie schließlich einen anderen heiratete, habe er lange bas Land durchstreift, bald als Löwenbändiger, bald in den Jahren 1905 unb 1911 in Jnbien Kurze j als Artist im Variete seinen Lebensunterhalt ver- Zeit vor seinem Tobe würbe Henri Cewarb ganz bienend Als er zufällig einmal einem Stiergefecht zufällig einmal interviewt. Als man ihn fragte, als Zuschauer beiwohnte, sah er, wie ber kämtüende welches menschlich und beruflich seine trübsten Matador sich in höchster Lebensgefahr befand: da Stunden gewesen seien, da gestand er offen daß sprang er über die Schranken und kam dem Bedas im Jahre 1929 war, als ber englische König. brohten zu Hilfe. Dieser Matador habe seinem Net- ter dadurch seinen Dank abgestattet, daß er ihn in der Kunst des Stierfechtens unterrichtete. Als einziger Stierkämpfer österreichischer Nationalität sei er unter einem spanischen Decknamen nach mehrjähriger Abwesenheit wieder in feine Vaterstadt zurück- gekehrt. Dort erwachte wieder seine Liebe zu seiner früheren Braut, die sich inzwischen noch nicht vermählt hatte, aber von einem sehr vermögenden Kaufmann umworben wurde. Da das Mädchen ihre Liebe wieder dem Jugendfreunde zuwandte, versuchte ihr Bewerber sie zu kompromittieren, indem er ihr eine goldene Zigarettendose entwendete und behauptete, sie sei ihm von ihr als Gunstbeweis geschenkt worden. Don Armando, dem dieser Streich izu Ohren kam stellte den Nebenbuhler und eroberte bie Zigarettenbose mit solcher Entschiebenheit für ' seine Braut zurück, baß bem Intriganten babei bas Nasenbein zerschlagen wurde. Nachdem die Richter diese verwickelte Liebesgeschichte gehört hatten, beschlossen sie die Einstellung des Verfahrens. Wenn nicht neue Widerstände auftauchen, wird Don Armando nun endlich feine Braut afe Gattin heimführen können. Kunst und Wissenschaft. Oer Nobelpreisträger Prof. Epewann. Wie bereits gemeldet, ist ber biesjährige N o - beipreis f ii r Mebizin bem beutschen Gelehrten Professor Hans S p e m a n n an ber Universität Freiburg zuerkannt worben, ber sich schon seit - 'M (Scherl-Bilberbienst-M.) langem durch feine entwicklunas-psychologischen Arbeiten einen Namen gemacht hat. Professor S p e m a n n wirkt seit bem 1. April 1919 in Freiburg. Er ftubierte in Heibelbery und München und arbeitete dann in Würzburg bei Professor Broveri als Assistent. Seine erste Professur erhielt er 1908 in R o st o ck, wo er bis 1914 Zoologie lehrte. Dann bekam Spemann einen Rus als zweiter Direktor an bas Kaiser-Wil« helm-Jnstitut in Dahlem, von wo aus er 1918 nach Freiburg berufen würbe In ber Urfunbe über bie Verleihung bes Nobelpreises heißt es, baß biefe hohe Auszeichnung bem Gntberfer bes Organisators währenb ber embryonalen Entwicklung gelte. Professor Spemann machte barüber einem Mitglieb ber Schriftleitung bes „Führers" folgenbe Mitteilung: Diese Arbeiten beschäftigen mich nun schon feit 30 Jahren. Durch meine Forschungstötigkeit habe ich feftgefteüt, daß es im roerbenben Organismus Kerne gibt, bie bie anberen Teile in ihrem Werben bestimmen. Diese Kerne habe ich bann embryonale Organisatoren genannt. Meine Arbeiten habe ich in ihrem ausschlaggebenben Stadium zusammen mit meinen Schülern am Zoologischen Institut der Universität Freiburg fortgesetzt unb zu bem Enbe geführt, baß jetzt feine Krönung burch biefe hohe Auszeichnung erfuhr, über bie ich mich ganz be- fonbers freue, weil sie zugleich eine Anerkennung für meine liebe Universität Freiburg ist. ♦ Professor Spemann begibt sich wahrscheinlich im Dezember nach Stockholm, um ber Einladung ber bärtigen Universität zu folgen unb persönlich brfe für ihn unb bamit ganz Deutschland) unb seine Wissenschaft so hohe Auszeichnung bes Nobelpreises in Empfang zu nehmen. Aus alter Wett. Autobus bei Algier ins THeer gestürzt. Ein folgenschweres Verkehrsunalück ereignete sich bei Dschibschelli unweit von zllgier. Ein Autobus ber Strecke Algier—Dschibschelli stürzte bet ben Dünen von Mansuriah aus 30 m Höhe, anschei- nenb infolge Versagens ber Steuerung, ins Meer. Straßenarbeiter eilten herbei unb leisteten bie erste Hilfe. Alle Fahrgäste bes vollbesetzten Autobusses konnten geborgen werben, aber 34 waren verletzt, barunter acht sehr schwer bzw. hoffnungslos. Italienisches Auto in eine Schlucht gestürzt. In ber Nähe bes Ortes Brez im Nonstal in der Provinz Trient machte ein Arbeiter die Feststellung, daß dort ein Kraftwagen in eine Schlucht adge stürzt fein mußte, in deren Tiefe ein Wildbach dahinbraust. Die Nachforschungen ergaben, daß in ben Nachtstunben ein mit drei Carabinieri und zwei anderen Personen besetzter Kraftwagen, anscheinend infolge eines Achsenbruches, über die Straßenböschung geschleudert wurde und in die Schlucht gestürzt war, wobei sämtliche Insassen bes Fahrzeuges ben Tod fanben. Die Panzerschiffe „Deutschland" und „Admiral Scheer" in Funchal. Die beiden Panzerschiffe „Deutschland" und „Admiral Scheer", die unter bem Kommanbv bes Befehlshabers ber Linienschiffe, Konteradmiral Carls zu einer Erprobungsfahrt in den Atlantik ausgelaufen waren, haben vor Funchal auf Madeira geankert, Explosionsunglück in einer italienischen Pulverfabrik. In der Patronenabteilung ber italienischen Pulverfabrik in Leccio ereignete sich ein Erplo - sionsunglück. Ein amtlicher Bericht spricht von drei Toten unb mehreren Verletzten. Wir haben uns verlobt 3lfe Weiß Dr. Wilhelm Schneider Assist, am Zahnärztl Institut der Univ. Marburg Gießen, Großen-Äufeck, Schloßstr. tg Friedrichstr.lZ Marburg, Deutschhausstr. 21 26. Oktober 1935 04581 Die deutsche Ehe schlossen: Gustav Nohibach Hilde Rohrbach, geb. Mainzer Gießen (Wernerwall 47), im Gllbhart 1935 04570 Am Sonntag alle auf den Gleiberg! Der Reichsiuriftenführer spricht am Sonntag, dem 27.Lktober, nachm. 4.30 Uhr, auf dem Gleiberg anläßlich der (Eröffnung des 3. Jührerschu- lungslagers des National - Soz. Deutschen Juristenbundes. 6150! Alle Volksgenossen find herzlichst eingeladen. 8. N. S. D. J„ Bezirk Oberhessen. AeichMMerMdmeichen Ortsgruppe Gießen Sonntag, den 27.Cftobcr 1935, nachmittags 4 Uhr im Katholischen VereinShans: Großkundgebung Thema: 61S3d in MM Ott Slaöerteldira aoö feine Betentung (.«.nationalen Staat Alle Volksgenossen find eingeladen, Eintritt frei! Familien- Drucksachen Verlobungsanxelgen . _ Venn&hlungeanxeigen bei BrOhl.SchulstraBe7 e-burtamzeigen Ludwig Stroh Anni Stroh, geb. Rohrbach Vermählte Gießen, Katharinengaffe 15, den 26. Oktober 1935 04592 Tanzen lehit in Einzel- stund u. Kursen Tanzschneßzalke Wolf'traße 1 Ruf 3835, 3Misi Mündlich können Sieer-nurwenigei sagen, schriftlich mehreren, durch eine Kleinanzeige sggen Die es»!.ea 1 Nervös-Erschöpfte 1 Spezialkuranstalt Hofheim i. Taunus 3 bei Frankfurt a. M. ,f7?v Tel.214- Mäßige Preise - Prospekte durch I Dr. M. Schulze-Kahleyss, Nervenarz I Goethe-Bund Gießen KaufmännischerVerein Gießen im Deutschen VolksbUdunggwerk, Kreis Gießen 1. VORTRAGSABEND Mittwoch, 30. Oktober, abends 8 Uhr, in der Neuen Aula LICHTBILDER-VORTRAG von Studlenrat Wettenberg, Teilnehmer der Frobenlns* Expedition 1936 Im Süden Abessiniens Die Mitglieder des Goethe-Bundes und des Kaul männ sehen Vereins erhalten bis zu 3 Plätzen Irden E ntritt gegen Rückgabe des Gutscheines Nr. 1 G. 13. blauer Gut ehern. K.V. grüner Gutschein) an derSaalkasse. Mit lieder der NSDAP. Kreis Gießen, i.NS -Frauenschaft Kreis Gie en, NS.-Kn’tnrgemeinde und des Landschaltshnndes Volks um und Heimat er Halten ermäßigte Karten zum Preise von 60 Pf. gegen Vorzeigen des Mitgliedausweises. Nichtmlt- g ieder zu Mk. 1,25 bei Challier u. an der Saalkasse. amtliche Piatse sind an diesem Abend unnumeriert. 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Nach dem Marsch durch die Stadt formierte sich die Abteilung in batterieweisem Aufmarsch vor dem Kasernenhof an der Grünberger Straße. Hier hatten sich zu Ehren der Truppe der Divisionskommandeur General Lüdke, das Offizierskorps des hiesigen Infanterie-Regiments mit dem Regimentskommandeur Oberst Dierow an der Spitze, als Vertreter der Partei Kreisleiter K l o st e r m a n n , für das Kreisamt Oberregierungsrat Dr S ch ö n y a l s als Vertreter der SA Standartenadjutant Obersturm- bannführer M ü n ck e r , als Vertreter der Stadt Oberbürgermeister Ritter, ferner viele weitere Offiziere, viele Mitglieder des Hessischen Artillerie- Bundes aus Gießen und Umgegend weitere Ehrengäste, zahlreiche Schulklassen geschlossen unter Führung ihrer Lehrer und eine riesige Menschenmenge eingefunden Die Polizei unter Leitung von Oberinspektor Hofmann versah auch hier in ausgezeichneter Weise den Absperrdienst Die Kasernengebäude waren mit Girlanden und kleinen Hakenkreuzfähnchen, vor allem aber an den Hauptfronten der Gebäude mit Bildern des Führers und Reichskanzlers festlich geschmückt Rechts und links vom Kasernentor waren zwei Geschütze in Felierstellung zu sehen Nachdem der Abteilungs-Kommandeur, Hauptmann Welte, dem Divisionskommandeur "die Abteilung zur Uebernahme der Kaserne ange- ireten gemeldet hatte, übergab Ve e un s aurof ($*e Sier als Vertreter des Heeresbauamtes die Kasernen an den Abteilungskommandeur. Er hielt dabei eine Ehre, daß Herr General an dem heutigen, denkwürdigen Tage, an dem die Stadt Gießen zum ersten Male seit ihrem Bestehen Artillerie in ihren Mauern ausnimmt, dieser Waffe das Ehrengeleit gegeben haben Für diese Ehrung bitte ich Herrn General meinen und meiner Abteilung gehorsamsten Dank entgegennehmen zu wollen Ich begrüße ferner das Oberhaupt unserer neuen Garnisonstadt, Herrn Oberbürgermeister Ritter, der mit seinen weitschauenden Plänen und seinem nie rastenden Tatendrang die Vergrößerung der Stadt Gießen um einen Truppenteil erstrebt und erreicht hat. Ich begrüße weiter die Herren der Schwester- waffe. die Spitzen der Behörden, sowie sämtliche anderen anwesenden Gäste, und danke Ihnen gleichzeitig auf das allerherzlichste für Ihr zahlreiches Erscheinen, das ich als ein Zeichen der Verbundenheit mit der Artillerie-Abteilung ansehen darf Ich begrüße fernerhin die Herren des Artillerie-Vereins Gießen Die Abteilung wird es als ihre Ehrenpflicht ansehen, mit den ehemaligen Angehörigen des in Krieg und Frieden erprobten und ruhmreichen Hessischen Artillerie-Korps, sowie den anderen alten Artilleristen stets in engster Verbindung zu bleiben und treue Waffenkameradschaft zu halten Sehr geehrter Herr Regierungsbaurat Geißler! Ihnen sowie sämtlichen am Bau der Artillerie - Kaserne beteiligt gewesenen Herren des Heeresbauamtes einschl des Bautechnischen Unterstabes danke ich aufrichtigst für die überaus liebenswürdigen Worte, die Sie an uns gerichtet haben, und danke Ihnen ferner für die hier geleistete Ar- beit. Sie haben es in geradezu mustergültiger Weife verstanden, eine Kaserne erstehen zu lassen, die allen modernen Anforderungen voll und ganz entspricht. Stilschön und doch schlicht und einfach, wie es die Eigenart des Soldaten verlangt, steht sie hier vor uns Sie spricht für Sie! Worte von mir vermögen nicht im entferntesten das zu würdigen. was hier aus ihrer Meisterhand hervor- gegangen ist Nicht zuletzt danke ich Ihnen auch noch für das der Abteilung stets gezeigte Entgegenkommen Unsere Wünsche und Anforderungen waren bestimmt sehr weitgehend, aber trotzdem sind Sie denselben mit einer besonders hervorzuhebenden Großzügigkeit gerecht geworden Ich danke sämtlichen Firmen für die tatkräftige Mitarbeit und danke insbesondere allen Arbeitern In hingebungsvoller, unermüdlicher und schwerster Arbeit haben S>e die Monate hindurch bei Tag und Nacht ein Werk vollendet das dazu beitragen wird, unserem geliebten Voterlande weiterhin Weltgeltung zu verschaffen Seien Sie sich bewußt, daß jeder Tropfen Schweiß, der hier liegt, zum Wiedererstarken Deutschland«? geflossen ist Ich danke der Stadt die den Grund und Boden zur Verfügung gestellt hat, um diesen Markstein für Deutschlands Zukunft zu tragen Arbeiter wie Stadt können somit mit berechtigtem Stolz erfüllt sein, ihrerseits im Dienste des Vaterlandes gestanden zu haben. Der Divisionskommandeur, General Lüdke, mit dem Kasernenschlüssel an einem künstlerischen Leder- band mit dem Gießener Stadtwappen. /, f Regierungsbaurat Geißler übergibt die Kaserne mit einer Ansprache i . un Öen Der Abteilungskommandeur schließt das Kasernentor auf. (Aufnahme |7|: Photo-Pfaff. Gießen.) W I & s > we i Bl । : H. :*?< Wenn Stadt, Arbeiter, Unternehmer, Firmen, Bauherr und Soldat weiterhin so Zusammenarbeiten, um unser Volk wieder groß und mächtig zu machen, so braucht uns um die Zukunft nicht bange zu fein. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Baujahr 1935 späterhin nochmals eine welt geschichtliche Bedeutung haben wird, denn 1935 ist das Jahr der endgültigen Befreiung von fremder Machtherrschaft, Diesen unter der Wehrfreiheit erstandenen Bauten wünsche ich an dieser Stelle, daß sie immer ein starkes, wehrfreudiges und einsatzbereites Geschlecht in ihren Mauern sehen möchten. Als vornehmste Ausaabe betrachte lch für mich, die mir anvertrauten Soldaten zur Vaterlandsliebe, Manneszucht, Treue und Kameradschaft zu erziehen, und gebe gleichzeitig der I. Abteilung Artillerie- Regiment 9 als Leitstern: Die restlose Hingabe für unser geliebtes Vaterland, die unwandelbare Treue zu unserem Führer und Obersten Befehlshaber Um diese meine Worte nach außen hin zu bekräftigen, bitte ich Sie alle, unter dem Kommanho, das ich hiermit gebe: „H eißt Flaggen" mit mir einzustimmen in den Ruf: . Unser geliebtes Vaterland unser Führer und Oberster Befehls- Ansprache, in der er u. a. sagte: Wieder einmal libergeben wir ein Werk aus der Hand der Bauleute in die Hände des Soldaten. Eine kurze Frist 'tuar uns für den Bau gefetzt Im Dezember 1934 iingen mir an, und in dieser kurzen Zeit.von drei- niertel Jahren kam noch hinzu, daß verwaltungs- >lnäßige Hemmungen es notwendig machten, nach öem Baubeginn die Pläne zu ändern. Darauf ist es auch zurückzuführen, daß trotz des eifrigftens Bemühens aller schaffenden am Bau einige Neben- tauten heute noch nicht ganz fertig find. Es erscheint mir zweckmäßig, bei dieser Gelegen» leit einiges zu sagen über die Art, wie nach dem willen unserer obersten Führung heute unsere Kalmen gebaut werden. Es ist nicht ein Zufall, sondern eine symbolhafte Angelegenheit, wie man auch In diesen Bauten sieht, daß nicht mehr hohe Litauern das Haus und feinen Bezirk abriegeln fegen die Straße sondern es ist der Wunsch und .er Wille, mit der Wohnung des Soldaten, mit iHner Arbeitsstätte immer in engster Beziehung zu illeiben Die Entwicklung des Ganzen weist darauf in, daß das Volk in Waffen eben auch ein Kultur- ivlk in Waffen ist, kulturell hochentwickelte Men- |-hen aus dem Herzen Europas, die hier als freie Dlänner ihren Ehrendienst am Volksganzen ver- sthen. Es ist daher der Wunsch, daß die Umgebung ier Arbeitsstätte edelsten Menschentums, das sich iier zum Opferdienst für das Vaterland schult und rüstet, dieser Arbeit würdig fei. Darum legt man heute Wert darauf, daß diese Bauten nicht nur repräsentativ, sondern auch wohnlich und schön sind SBir suchen diese Schönheit zu finden, indem wir uns b"wußt die Motive und Art suchen aus dem Lolkmäßiqen, aus dem Gefunden, Erdverbundenen daß wir die Freude am Leben, an der Farbe und er der geschloffenen schönen Form erreichen Wir hoffen, daß unser Werk, das wir vom Aeußeren bis zum Innern und Kleinsten unter diesem Gesichtspunkt zu gestalten wünschten, für die Truppe ein wirkliches Heim im Sinne dieser Gesichtspunkte vV in möge. Wenn ich das hier besonders als meinen persönlichen Wunsch ausspreche, so bin ich mir dabei hewußt. daß die Tage, die wir mit diesem Werk verbunden waren, gezählt sind und daß es mir in kurzer Zeit deschieden sein wird, in die große Ano- ■H * -O * '* "54* \ - *'.■ ■■ V. Auf dem Marsch durch die Stadt konnten sich die Artilleristen davon überzeugen, mit welcher großen Begeisterung und reichen Liebe unsere Bevölkerung sie aufnimmt. Nicht nur reckten sich ihnen in herzlicher Weise die Arme zum deutschen Gruß entgegen, sie empfingen auch in reichem Maße Blumen als sinnigen Schmuck zu dem Tag ihres Einzugs in hie neue Garnison. Unser Bild bringt einen Ausschnitt aus dem Marsch durch die Stadt: es zeigt die Abteilung mit ihrem Abteilungskommandeur auf dem Kreuzplatz. — (Aufnahme: Winterhoff, Gießen.) Haber": Sieg-Heil, Sieg-Heil, Sieg-Heil! Feierlicher (Salut Während die Soldaten und die große Menge der Zivilisten begeistert dem Führer und dem deutschen Vaterland durch Sieg-Heil-Rufe und den Gesang der ersten Verse des Deutschland- und des Horst- Wessel-Liedes huldigten, wurden aus mehreren Geschützen 12 Salutschüsse abgefeuert Baurat Pfaff, Gießen übergab hierauf mit herzlichen Glückwunsch-Worten den Schlüssel zum Kasernentor an den Kommandeur. Er wünschte der Abteilung fruchtbares Schaffen im Dienste von Volk und Vaterland. Oer Abteilunaskommondeur Hauptmann Welte dankte herzlich für die guten Wünsche und übernahm den Schlüssel (der mit dem Wappen der Stadt Gießen geschmückt war) mit der Versicherung, er werde in dieser Kaserne allezeit ein Soldatengeschlecht erziehen, dessen unermüdliches Bestreben 1$ f n u Ft j T rite rijmität der Mitschaffenden an diesem Bau unter- zutauchen. Das wird mir eine große Freude fein, denn diese Anonymität der Schaffenden ist eine eärenvolle Gemeinschaft An ihrer Svitze marfduert d e so oft mit Unrecht geschmähte oder vergessene Vermattung die mancherlei Arbeiten für uns leb fien muß, damit wir frei aeftalten können und die ktandortverwaltung zufrieden ist: da ist die groß« §ahl meiner engeren Mitarbeiter und die groß» j §ahl der Tausende von Arbeitern und Unternehm ISiern, die mit mir geschasst haben. Ich möchte meinem Wunsch an die Truppe dahin Ausdruck geben, daß ich Euch Soldaten bitte roenr, JEir frohe und ernste Stunden in diesem Hause ver- \ pH der großen Zahl der unbekannten und ungenannten Arbeiter zu gedenken, die dieses Haus Eurer Freude, zu Eurer Arbeitsstätte und zur Ehre unseres geliebten Vaterlandes errichtet haben ©er Abteilungen ommon^em Hauvtmann Welte übernahm numttehr die Kaserne mit einer An- spräche in der er sagte: Als Kommandeur der I Abteilung Artillerie Regiment 9 begrüße ich als erstes den Herrn Dior swns-Kommandeur Herrn General Lüdke. Der Üfcteilung gereicht es zur ganz besonders hohen Geschütze beim Salutschießen. Die Kanoniere mit Blumenschmuck als Willkommensgruß. II Vorbeimarsch vor dem Divisionskommandeur. Das Trompeterwrps blast zum erstenmal den Gießener Artillerie-Marsch. es fein werde, sein Leben für unseres geliebtes Vaterland einzusetzen, sobald der Führer ruft. Der Einzug in das neue Heim. Hauptmann Welte öffnete nunmehr mit dem Schlüssel das Kasernentor und betrat gemeinsam mit dem Divisionskommandeur, General Lüdke, an der Spitze der großen Schar von Ehrengästen das Kasernengrundstück. Als der General und der Abteilungskommandeur als erste das Kasernentor durchschritten, krachten weitere 4 Salutschüsse aus den Geschützen. Eine große Zahl von Ehrengästen und mit ihnen viele weitere Dolksgenosien und Volksgenossinnen strömten nunmehr in die Haupt- einfabrt des Kasernenhofes hinein, wo der Divisionskommandeur, General Lüdke, auf einem kleinen Podium inmitten zweier Geschütze Aufstellung nahm, um von hier aus den Vorbeimarsch der Abteilung zu besichtigen. Zunächst ritt das Trompeterkorps unter Führung des Musikmeisters Rohde heran und schwenkte aus den Platz gegenüber dem Standort des Generals ein. Dann erklang schneidige Marschmusik, und die Abteilung selbst unter Führung ihres Kommandeurs, Hauptmann Welte, rückte mit einem prächtigen und eindrucksvollen Vorbeimarsch vor dem General in die Unterkunft ein. Eine große Menschenmenge bereitete auch hier wieder den Artilleristen eine begeisterte Sympathiekundgebung. Nach dem Vorbeimarsch nahmen die Batterien auf dem Kasernenhofe Aufstellung, wo sie noch eine kurze Ansprache ihres Kommandeurs hörten. Hauptmann Welte richtete herzliche Worte der Kameradschaft an seine Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften und forderte sie auf, ihm allezeit mit dem gleichen Vertrauen zu begegnen, das sie ihrem bisherigen Kommandeur entgegengebracht hätten, damit immer eine gute und gedeihliche Zusammenarbeit im Dienste des Vaterlandes erreicht werde. Sodann ließ der Kommandeur die Batterien wegtreten. Die Glückwünsche des Äeichöstatthallers. Don den vielen Glückwünschen, die nunmehr dem Kommandeur für feine Truppe und ihr Wirken übermittelt wurden, sei besonders hervorgehoben, daß der Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger, der zu feinem Bedauern durch anderweitige dienstliche Geschäfte am Kommen verhindert war, seine herzlichsten Grüße und Wünsche durch seinen militärischen Adjutanten, Oberleutnant Dreher aussprechen ließ. Ein Vesichligungsrundgang der Gäste schloß sich der offiziellen Feierlichkeit an. Aus diesem Gang durch die Mannschaftsgebäude, durch die Ställe, die Reitbahn und auch durch die Kantine, in der namentlich viele alte Artilleristen sich sofort mit ihren jungen Waffenkameraden bekanntmachten, gewann man überall den besten Eindruck von der weitreichenden, fürforgenben Arbeit, den Soldaten den Aufenthalt in ihrer Kaserne nach jeder Richtung hin in schönster Weise zu bereiten. Man sah schöne Mannschaftsstuben, vortreffliche hygienische Einrichtungen, überall viel Licht und Luft in den Räumen, wunderschöne Ställe, eine prächtige Reitbahn, gemütliche Kantinenräume usw., kurzum ein Heim, in dem sich unsere Artilleristen sicherlich wohlfühlen werden. Festkonzert in der Volkshalle. Ein prächtiger Abschluß des Tages. Unsere Artilleristen hatten dafür gesorgt, daß der schöne Tag ihres Einzugs in die neue Garnisonstadt Gießen einen prächtigen künstlerischen Abschluß in Gestalt eines Festkonzertes des Trompeterkorps bekam. Zu dem Konzert, das in der Volkshalle stattfand, hatte sich eine riesige Menschenmenge aus der Stadt und der Umgegend eingefunden, die den weiten Raum der Halle in allen Teilen füllte; man geht wohl nicht fehl, wenn man die Zahl der Besucher auf etwa 5000 schätzt. Zur besonderen Charakterisierung der Veranstaltung waren von den Artilleristen vor dem Haupteingang der Volkshalle aroei Geschütze in Feuerstellung aufgefahren und dazu Doppelposten gestellt worden; dieses interessante militärische Bild sand bei den Besuchern viele interessierte Betrachter. Die Volks- Halle war mit den Fahnen des Dritten Reiches und auf der Bühne mit dem Symbol der Bewegung geschmückt. Das Trompeterkorps unter Leitung feines Musikmeisters Rohde bereitete den mit größter Spannung lauschenden Zuhörern einen hohen künstlerischen Genuß. /Es war eine besondere Freude, das vortreffliche Blasorchester musizieren zu hören. Die Kapelle bot zunächst klassische Musik, bei der sie einleitend die Festouvertüre von Lortzinq, sodann i die Große Fantasie aus der Oper „Tannhäuser" von I Oberbürgermeister Ritter sagte in feiner Ansprache an den Divisionskommandeur, General Lüdke, den Abteilungskomman- deur Hauptmann Welte, die Artilleristen und die große Menschenmenge u. a.: Unseren Artilleristen gilt heute mein besonderer Gruß. Wem hätte heute in Gießen das Herz nicht höher geschlagen, als zu unserer stolzen Infanterie nun auch unsere Artillerie-Abteilung als Garnison in unsere Stadt einrückte. Sie alle haben bereits am heutigen Vormittag den Beweis dafür erbracht und bringen diese herzliche Gesinnung heute abend wiederum zum Ausdruck. Unsere Artillerie-Abteilung zeugt aber auch dafür, daß unser deutsches Volksheer nicht nur erfüllt ist von Ordnung, Disziplin, Manneszucht und Einsatzbereitschaft, wie sie immer vorbildlich im deutschen Heere waren, sie versteht es auch, durch die heutige Aufführung genau wie die Infanterie sich Unserer neuen Garnisonstadt Gießen. Rach dem gestrigen Einzüge der I. Abteilung des Artillerie-Regiments 9 drängt es mich, auf diesem Wege der ganzen Stadt den aufrichtigsten Dank aller Artilleristen zu übermitteln für den Empfang, den die Bevölkerung der Artillerie-Abteilung bereitet hat. Der Ehrensturm der SA.-Standarte 116, der Wald von Jahnen, die Beteiligung der ganzen Bevölkerung und die reichen Blumen waren der beste Beweis dafür, daß es dem Oberbürgermeister Ritter Ernst mit den Worten feiner Begrüßungsansprache war. Der begeisterte Empfang durch die ganze Bevölkerung hat gezeigt, daß der Soldat in Gießen von jeher hoch angesehen ist. Aus diesem Bewußtsein heraus haben auch wir Artilleristen schon beim ersten Einzug die Aeber- zeugung gewonnen, daß sich die I. Abteilung Artillerie-Regiments 9 schnell in die Volksgemeinschaft der Garnisonstadt einsügen und sich hier bald ebenso wohlsühlen wird, wie die Kameraden der Schweslerwasfe. Die Verstärkung der Garnison wird zur Verstärkung des Dehrwillens und der Wehrkraft beitragen und wird dem Führer und Reichskanzler eine weitere starke Waffe in die Hand geben, unter deren Schuh der Wiederaufbau des deutschen Vaterlandes mit feiner jungen Wehrmacht feine Vollendung finden soll. Delle Hauptmann und Kommandeur I./A.-R. 9. Richard Wagner brachte. Die Wiedergabe beider Kompositionen erfolgte in bester künstlerischer Art, geleitet von feinstem musikalischem Empfinden. Weiter erfreute das Trompeterkorps, nach dem Zwischenakt der feierlichen Geschenkübergabe von Stadt und Artilleristen, mit Kompositionen von Grieg (Hochzeitszug auf Troldhaugen), Fischer (Kavallerie- Präsentiermarsch), Auber (Ouvertüre zur Oper „Fra Diavolo"), weiterhin brachte es Melodien von Josef Strauß, sodann das große Marschpotpourri „O Deutschland hoch in Ehren" von Lindemann, schließlich den Möllendorfer Marsch und zum Abschluß den Badenweiler Marsch. Sämtliche Darbietungen legten eindrucksvoll Zeugnis ab von der hohen musikalischen Qualität dieses künstlerisch ausgezeichneten Klangkörpers, von dessen Wirken man hoffentlich noch recht oft derart prächtige Gaben empfangen kann, wie sie gestern abend geboten wurden. Es war ein erlesener Genuß, diesen Musikern lauschen zu können. Die Zuhörer dankten ihnen denn auch mit Recht durch stärksten Beifall. Herzliche Gemeinschaft zwischen Stadt und Artilleristen. Im Verlaufe des Konzertabends nahm der Oberbürgermeister als Vertreter der Stadt Gießen Gelegenheit, den Artilleristen die herzlichste Gesinnung der Einwohnerschaft in packenden Worten und durch ein äußeres Zeichen der Verbundenheit zu bekunden. einzuschalten in das kulturelle Leben unserer Stadt. Dafür sind wir unserer Artillerie besonders dankbar. Als man mich heute fragte, ob ich zufrieden sei mit dem Zuwachs an Militär, da sagte ich und wiederhole es hier: Wir sind immer bereit zu weiterer Arbeit für unser Heer und freuen uns, durch unsere Mitarbeit helfen zu können an dem Aufbau unserer stolzen Armee. Wir alle freuen uns, daß die deutsche Jugend, die jahrelang verseucht wurde vom Marxismus und jüdischem Geist, sich nunmehr zurückgefunden hat zum deutschen Volke und daß der Führer uns die Einrichtung des deutschen Volksheeres zur Schulung und Stählung der deutschen Jugend wiedergegeben hat, damit sie immer bereitsteht in vorderster Front in Wehrhaftigkeit und Einsatzbereitschaft für Gut und Blut unseres Volkes. Denn was für Volk und Vaterland zu tun ist, muß immer heilig fein, das müssen wir alle lieben und jeder an seiner Stelle mit aller Kraft zum Gelingen mithelfen. Das deutsche Dolksheer wird nach dem Willen des Führers der sicherste Garant sein für den Frie- den Europas. Aber sollte trotz der starken Friedensliebe unseres Führers und unseres Volkes doch einmal die Stunde der Gefahr wieder über dieses herrliche deutsche Volk und Land hereinbrechen, dann wollen wir alle zu seinem Schutze bereitstehen, dann wird es keine Beurlaubten und keine Reklamierten geben, sondern wir alle wollen unser Volk so ergo gen wissen, daß jeder sich mit einreiht in bit vorderste Front und sich freut, bei dem Schutze des Vaterlandes dabei fein zu dürfen. Heute wollen wir den Dank an unsere Artillerie- Abteilung und unsere Freude über ihren Einzug dadurch zum Ausdruck bringen, daß ich Ihnen, Herr Abteilungskommandeur, als Zeichen unserer Freuds im Geiste der wehrfreudigen Beelterung Gießens zu Ihrer Standarten-Trornpete diese Trompeten- Flagge überreiche. Während der Oberbürgermeister das Geschenk unserer Stadt dem Kommandeur übergibt, bringt die große Versammlung ihre begeisterte Zustimmung mit starkem Beifall zum Ausdruck. Oer Abteilungslommandeur Hauptmann Welte antwortete mit einer Ansprache, in der er sagte: Sehr verehrter Herr Oberbürgermeister! Durch die Schenkung der mir soeben überreichten Standarte vermehren und vertiefen Sie in uns das Gefühl heißen Dankes, das uns heute schon den ganzen Tag bewegt. Noch sind wir von der überaus herzlichen Ausnahme, die uns die Bevölkerung Gießens bei unserem Einzug in unsere neue Garnisonstadt zuteil werden ließ, tief beeindruckt. Wohl waren wir uns von Anfang an darüber klar, daß Sie uns einen schönen Empfang bereiten_roürben; daß dieser aber derartig ausdrucksvoll fein würde, das hätten wir uns nie und nimmer träumen lassen. Um so mehr sind wir deshalb mit berechtigtem Stolz erfüllt, und um so mehr freuen wir uns, daß die Bürger Gießens jetzt schon mit ihrem neuen Truppenteil in enger Verbindung stehen. Ihr zahlreiches Erscheinen am heutigen Abend gibt mir Veranlassung, daß diese meine Vermutung berechtigt ist. Ihnen allen dafür meinen allerherzlichsicn Dank. Ich darf hoffen, daß der heutige Einmarsch sowie der heutige Abend richtunggebend sind für das weitere gute Einvernehmen zwischen Bevölkerung und Artillerie bzw. den Soldaten überhaupt. Wer heute den Menschenstrom gesehen hat, der die Truppe hinaus vor die Stadt nach der Kaserne begleitete, der weiß, daß sich hier bereits Bande erster Volksgemeinschaft zwischen Stadt und Kaserne gebildet haben. Außer Der Standarte stellen auch Die herrlichen Gemälde aus der Sammlung der Stadt eine immerwährende Gedankenverbindung zwischen Kaserne und Stadt her. Auch dafür, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, unseren aufrichtigsten Dank. Um dem tiefinneren Gefühl des Dankes nach außen wenigstens in bescheidenstem Maße Ausdruck zu verleihen, sei Ihnen und der Stadt Gießen dieser Fanfarenmarsch gewidmet, der in diesem Buche niedergelegt ist. Wenn nach vielen Menschenaltern Tausende und aber Tausende deutscher wehrfähiger Männer durch die Schule der Soldaten ae- B sind, sollen sie durch die Klänge dieses es an den heutigen denkwürdigen Tag erinnert werden. Ihnen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, übergebe ich hiermit die Partitur, die in geistiger und handwerklicher Kunst nur von Soldaten geschaffen ist, in treue Obhut. Ihnen, mein lieber Musikmeister Rohde, als den Komponisten des Gießener Fanfarenmarsches, überreiche ich als Zeichen der Dankbarkeit diese Gabe (eine silberne Schale. D. Red.) iy der Hoffnung, Ihnen damit eine kleine Freude zu bereiten und bitte Sie, den Marsch nunmehr zu Gehör zu bringen. Oer Marsch „ArtUle isten Grub". Unter der Stabführung des Komponisten, Musikmeister Rohde, fand nunmehr durch das Trom- Uniformen K Wehrmacht in feinster Maßarbeit Erste Spezialkräfte, Garantie f. tadellosen Sitz — Reparaturen — Effekten Herren-Bekleidungshaus Gießen Gm.b.H. Marktplatz Vertrasslicfcrant der Heere*klelderkas*e Gießener Gtadttheater. Carl Ieller: „Der Bogelhändler". Den „Voaelhändler" von Carl Zeller, der übrigens nicht nur ein Musiker und Operettenkomponist war, sondern ursvrünglich Jura studiert und es immerhin bis zum K. und K. Ministerialrat im Wiener Unterrichtsministerium gebracht hat, haben wir zuletzt vor drei Jahren, als Gastspiel des Mainzer Stadttheaters, hier gehört. Die Operette, die aus dem Jahre 1891 stammt und neben dem „Obersteiger" zum Beliebtesten und Bekanntesten gehört, was Zeller hinterlassen hat, ist mittlerweile einer grundlegenden Neubearbeitung unterzogen worden und hat sich in dieser, der sogenannten Münchener Fassung, außerordentlich bewährt. * Das Originallib'retto von M. West und L. H e l d (nach einer Idee von Bieville) wurde von G. Quedenfeldt und W. Brückmann umgearbeitet und modernisiert, doch sind die erprobten Grundlinien der Fabel erhalten geblieben. Die Partitur hat A. B a u cf n e r revidiert und erneuert dergestalt, daß alles, was überflüssig und unzeitgemäß schien, gestrichen und über Bord geworfen, Sie Haupt- und Schmuckstücke der Zellerschen Vertonung dagegen z. T. wirksam umgruppiert und durch ein breit ausgebautes Vorspiel, bas die wichtigsten Motive zusammenfaßt, nachdrücklich unterstrichen wurden. ♦ Dadurch erhält das Ganze eine geschmeidigere und flüssigere Bühnenform, erscheint musikalisch und darstellerisch gewissermaßen frisch gestrichen, und die zarte Staubschicht, die manchen früheren Aufführungen anhaftete, ist verschwunden. Auch die Sze- nengruppen sind neu angeordnet worden, was dem Handlungsablauf zugute kommt und die beiden Schauplätze mit sinnfälliger Kontrastwirkung einander aegenüberfteUt. Geblieben ist in großen Zügen das Liebes- und Verwechslungsspiel im anmutigen Kostüm des Rokoko, eine harmlos unbeschwerte Fabel, die aus der J.iroIer Dergszenerie in die prunkvoll höfische Sphäre des Kurfürstenschlosses mündet und sich zuletzt in einer harmonischen Wiedervereinigung des Liebespaares zur allgemeinen Zufriedenheit löst. ♦ Der Schlußakt ist ein wenig in die Länge geraten und würde u. E durch entsprechende Kürzungen nur gewinnen. Im übrigen ist in der Neufassung sowohl jene auch heute noch wirksame Gefühlsseligkeit, wie auch ein gemütlicher, in volksmäßigen Zügen sich spiegelnder Humor erhalten geblieben. Hinzu kommt eine Verbreiterung des tänzerischen Elementes und eine revuemäßige, große Ausstattung, wozu das Zeitkolorit um diö Mitte des 18. Jahrhunderts mancherlei Anregungen bot. * Die Aufführung, von Herrn W r e d e inszeniert, war dementsprechend auf einen heiteren Ton, frisches Tempo und malerische Gruppenwirkung gestimmt. Die Spielleitung wurde durch die Entwürfe des Bühnenbildners Löffler — eine graziöse und geschmackvolle Rokoko-Bibliothek und ein intimer Salon der Münchener Residenz sind uns besonders lebhaft in Erinnerung — wie durch die anmutige und farbig erfreuliche Kostümausstattung (Sophie Buchner) stimmungsvoll unterstützt. Paul W a I • t e r hatte die musikalische Leitung und brachte die erneuerte Partitur feinfühlig und wohlabgetönt zum Klingen. Terry Schultheiß hatte eine Reihe von gefälligen Tanzeinlagen beigesteuert, die das Gesamtbild auflockerten und szenisch belebten. * Rudolf Hille sang nach dem Paganini die sehr anders geartete Titelrolle, den Adam aus Tirol; er nahm ihn als frischen, unverbildeten Naturburschen, dem ein kräftiger Humor allerdings besser ansteht als die etwas schmalzige Sentimentalität des Nach- tigallenliebes, und brachte gesanglich vor allem das berühmte Auftritlslied („Grüß euch Gott, alle mit- einander") und die „Rosen aus Tirol" zu unmittelbar eingehender Wirkung. * Die neue Soubrette Friedel Fornallaz führte sich mit der Rolle der „Christel von der Post" recht vorteilhaft ein: zierliches und bewegliches Figürchen; angenehm temperiertes Spiel; gesanglich frisch und gepflegt. Maria Perry gab die Kurfürstin in repräsentativer Halsung, darstellerisch gewandt, stimmlich ebenfalls in dem melodiösen Rosenlied am überzeugendsten. * * Die komischen Partien des Buches sind reichhaltig und in vielfältiger Abstufung besetzt. Gustav Bley sang mit kräftigen und angenehmen Mitteln die Baritonpartie des kurfürstlichen Wildmeisters Baron Weps und fand mit einem improvisierten Couplet vor dem Zwischenakt-Dorhang besonderen Anklang. Herr Hub hatte sich als Geheimkanzlist Schnur- pel aus Kötzschendroda grotesk herausstaffiert und erfreute die Leute durch unmißverständlich sächsische Temperamentsausbrüche. Die Altistin Emmy Hagemann erschien als die Kurfürliche Hofdame Komtesse Adelaide von Meerschaum und machte in altjüngferlicher Vornehmheit und höfischen Galanterien, während Herr Lindt den Grafen Stanislaus mit etwas derberer Komik ausftattete. Vom Ensemble seien noch die Herren Greif (Gemeindevorstanb von Bayerisch-Zell), Lüpke (Kurfürst) und 23 o l cf (Gemeinbediener) genannt. ♦ Das sehr gut besetzte Haus bankte mit lebhaftem Beifall, ber mehrere Wiederholungen forderte und zuletzt die Hauptbeteittgten an die Rampe rief. _________ hth. Oberst Lawrence — privat. Der englische Oberst Lawrence, gewiß eine der eindrucksvollsten Abenteurergestalten der letzten Jahrzehnte, hat sich bis zu seinem tragischen Ende bemüht, möglichst wenig in den Vordergrund zu treten. Er roar unscheinbar in seinem Aeußeren und von bescheidenem Auftreten, so daß kaum je- S • ihm.ben einstigen großen Aufwiegler und Knegssuhrer hätte vermuten können. Er hatte nur roenlge Vertraute und war von einer natürlichen, niemals betonten Verschlossenheit, ohne deshalb un- y?s"ch zu sein. Einer seiner Freunde war Professor ™ ”er e- der über das letzte Gespräch mit dem Verstorbenen einige Mitteilungen macht. „Diejenigen, die Lawrence gut gekannt haben, wissen genau, daß er keine Geheimnisse um sich machte; er roar ein äußerst liebenswürdiger Mensch und ein großer Geist", äußerte sich Professor de la Bere über Lawrence. Dieser roar buchstäblich immer vor feinem Ruhm auf ber Flucht, und haßte jeden lärmenden Aufwand, den man mit seiner Person zu treiben versuchte. Der Wunsch nach Ruhe und einem unauffälligen Dasein veranlaßte ihn auch, unter Dem Namen T. E. Shaw in die Reihen ber britischen Fliegertruppe einzutreten. In biefer Zeit ereignete s'ch eine kleine aufschlußreiche Geschichte. Profe sor de la Bere schlug feinem Freunbe vor, er solle sich für ble Doktorprüfung melben, um bamit auch einen gewissen äußeren Abschluß seiner bisherigen reichhaltigen Forscher- unb Gelehrtentätigkeit zu erhalten. Daraus erhielt er zur Antwort, baß bie Vorbereitungsschwierigkeiten zu groß seien. „Das war eine kennzeichnende Bemerkung", fügt Professor De la Bere hinzu, „sie stammt von einem Manne, Der sich im Arabischen ein ausgezeichnetes Wissen angeeignet hatte, ber ein bebeutenber Archäologe roar unb ber seine Fähigkeiten auf vielen For- Idjungsgebleten mehr als einmal unter glänzenben Seroelj gestellt hatte." — „Lawrence war", so fahrt be la Bere fort, „von peinlicher Sauberkeit Üets tabellos gefleibet. Im ylugbüro war T. E. Shaw für bie Reinlichkeit des von ihm mit- bewohnten Mannschaftsraumes unb für bie Heizung verantwortlich. Das Bordbuch führte er mit unübertrefflicher Gewissenhaftigkeit unb zeigte sich niemals ermüdet. Einmal sah ich ihn nach einer kleinen Tanzveranstaltung in der Offiziersmesse den Saal ausfegen. Stets war er von unauffälliger Hilfsbereitschaft; an einem Morgen begegnete ich ihm, wie er seinen Kameraden auf einem in seinen Händen schwankenden Tablett eine Reihe von Tee- taffen brachte.. „Heftiges Taumeln^ und Reue im Schloß Moritzburg Jedem, ber bas wettinische Jagbschloß besucht, wirb im Prunksaal bie berühmte Hirschstange von 36 Enden gezeigt, aus deren natürlicher Höhlung der Willkomm getrunken werden mußte. Das machte Spaß, wenn der Wein über bas Wams bes ungeschickten Gastes statt in bie Kehle floß, unb wein ber Trunk glückte, ber vermeldete wohl, wie die Chronik besagt, „ein heftiges Taumeln und mehr dergleichen Operationen". Den Glanz von Moritzburg, ber bauerhafter ist als ber schwere Rausch trunkfester Jagbgenossen, erweckt ein Aufsatz Hein- nch Zerkaulens im Novemberheft von Del- hsigen k Klasings Monatsheften mit H"fe einer Fülle farbiger Silber zu fprühenbem Leben. Man kann begreifen, wie seltsam biefe Wun- berroelt bem strengen Preußenkönig Friebrich Wil- Helm I. erschienen fein mag, als er mit bem Kron- prinsen Friebrich den starken Augustus besuchte. Als er hetmfuhr, schrieb er mit ein wenig Reue: „3cf) gehe nach Hause, fatiguiert von alle guhte Tage und Wohlleben; ist gewiß nit kristlich leben hier, aber Gott ist mein Zeuge, daß ich kein pläfir Daran gefunden und noch so rein bin, als ich von Hause her aekommen und mit Gottes Hülfe beharren werde bis an mein Ende." Hochschulnachnchten. Professor Dr. Karl Schmidt, Extraordinarius und Oberarzt an ber Augenklinik ber Universität f an n, ist zum orbentlichen Professor für Augen- Heilkunde unb zum Direktor ber Bonner Augen- "inik berufen und ernannt worden Der emeritierte ordentliche Professor für Kultur- Technik unb Meliorationswesen an ber Lanbwirt- schastlichen Hochschule in Bonn, Regierungs- unb «aurat Huguft Reimer le, wurde dieser Tage 70 Jahre alt. Heimerle, ber aus Mainz gebürtig [ft, ist Mitglieb des Kuratoriums ber Preußischen Lanbesfischerei-Anstalt in Berlin-Friebrichshagen und Vorsitzender des Rheinischen Landes-Fischerei- Vereins in Bonn. Er hat sich besonders auf dem Gebiete der Fischwirtschaft große Verdienste erworben. ' Rohde, airareniM- Dankbarleit Reti.) fy her eube zu be> ief)t ju Tein geistiger Soldaten gt **8 itetV'tt iq r°Net(lll kfte"h,, «»s; >eur hnblan6artt in ®‘liil)l 7" «Wz,, »»u- hx" "9 He? S*h| ,!?°b Sii ur.b'«: bah ®utbe, ba «en baffen '«chti-t-K ,uns' d°j D neuen !■ 2hr ggy, 9'61 mit tUn9 bered), e ^mmarf* sind für en Senötfe. ' überhaupt. hat, der der Kaserne reit5 Bande undKaserne stellen auch nmlung der nverbindung dafür, sehr len aufrich. Hanfes nach >6e Ausdruck Men dieser in diesem n Menschen, Mer wehr- Soldaten ot, länge diese, Jen Tag er- W‘. i^ten, M 1 das Tim macht arbeit mtief. tadel- i - Effekten ngshaus Marktplati eiderkastt eigte sich nie- einer kleim sie den 6od älliger W nete ich 'M m in sein» ihr von Ilet» >Wt chloß besucht 1'chslanae vm cher Höhlm! mußte. L« 15 Wams dm !li m i 'te wohl, W'i ie(n unbmei von Moris iwere Rau" 81*6 S“' von Del h«s"° L rat)*»? m d'ile ®’ friert ,rti 'Hülst W peterkorps, das zu blefer Darbietung im Dienstanzug auf der Bühne aufmarschierte, die Uraufführung des der Stadt Gießen zum Einzug der Artillerie gewidmeten Marsches „Artilleristen- G r u ß" statt. Es handelt sich bei diesem Werk um -ine feurige, mitreißende Marschweise, bei der die Blasinstrumente zur besten Geltung kommen. Der Marsch fand bei den Zuhörern, die einen wahren Orkan von Beifall spendeten, fo gewaltigen Anklang, daß er nach der ErstaufEhrung sofort wiederholt werden mußte und auch nach dem zweiten Vortrag wieder gewaltigen Beifall auslöste. Dem Komponisten wurde damit der gebührende herzliche Dank für sein prächtiges Tonwerk abgestattet. Die allen Slrtiüertnen und ihre wen Kameraden. Der Kameradschastsführer des Artillerie- Vereins Gießen Kaufmann Müller, zu- alelch Führer des Gießener Soldatenbundes, Der Arbeitsgemeinschaft der Gießener soldatischen Kameradschaften, brachte in einer Ansprache den Artilleristen den herzlichen Dank der alten Waffenkameraden für die Einladung zu diesem feierlichen Tage zum Ausdruck und betonte, daß an diesem unvergeßlichen Feiertag die -erzen der alten Soldaten, die einst im Frieden und im Krieg mit Stolz das Ehrenkleid des deutschen wehrhaften Mannes getragen, höher schlugen. Der Redner erklärte weiter im Namen der alten Soldaten, daß diese allezeit, wie bisher schon mit der Infanterie, auch mit der Artillerie die beste und herzlichste Kameradschaft pflegen würden, zumal sie bisher in Gießen schon immer die schöne Tradition des Soldatentums und insbesondere der Artillerie au wahren gewußt hätten, ein Bemühen, das in Zukunft, gestützt auf die Kameradschaft mit den jungen Artilleristen, leichter sein werde als früher. Die alten Soldaten würden sich in kameradschaftlicher Treue und Liebe zum Vaterland von niemand beschämen lassen. Er wünschte den Artilleristen, daß ihr schönes neues -eim nicht nur eine Schule für den Krieg, sondern, wie die früheren Kasernen, zugleich auch eine.Schule für das ganze Leben sein möchte. Die Führer und die Geführten der Truppe möchten in ihrem Wollen und Arbeiten immer zusammenklingen in dem Gedanken: Mit dem Führer dem Vaterlande in selbstloser soldatischer Treue zu dienen für Deutschlands Freiheit und des deutschen Volkes Glück. Möchten die jungen Kameraden, wie auch die alten Soldaten, sich immer als Leitstern ihres -andelns das Wort vor Augen halten: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ, der wollte keine Knechte". Der Redner schloß seine zündende Ansprache mit begeistert aufgenommenen dreimaligen -urra-Rufen auf unsere Gießener I. Abteilung Artillerie-Regiment 9. Namens des Artillerie-Vereins Gießen überreichte er dem Kommandeur ein schönes Bild (ein Ausschnitt aus der Champagne-Schlacht) als Schmuck für die Kaserne. Oer Abte.lungskommandem, Hauptmann Weite sprach dem Redner und den alten Soldaten, insbesondere nom Artillerie-Verein Gießen, für die herzlichen Glückwunschworte und das schöne Bild- Geschenk den aufrichtigsten Dank der jungen Kameraden aus und versprach, dem Bild einen Ehrenplatz in der Kaserne zu geben. Weiterhin gab er den alten Artilleristen die Versicherung, daß die jungen Kameraden sich allezeit bemühen würden, treue Waffenbrüderschaft und herzliche Kameradschaft mit den alten Artilleristen zu pflegen. Sodann gedachte der Kommandeur mit herzlichen, dankerfüllten Worten des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler, der unser Volk ein für allemal von fremden Fesseln und fremder Machtherrschaft befreit habe, dem unser ganzes Volk zu unvergänglichem Danke verpflichtet sei. Als Ausdruck der unlöslichen Treue und des tiefsten Dankes brachte der Kommandeur dreimalige Sieg- Heil-Rufe auf den Führer und Reichskanzler und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht aus. Mit gewaltiger Begeisterung wurden die Rufe ausgenommen und anschließend gemeinsam die ersten Verse des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes gesungen. Aus der Provinzialhauptstadt. Schiefer überm Samenkorn. Von Reinho'.d Braun Mit einem Manne saß ich zusammen, und er er» jäljue mir von seinen Waldschulmeisterjahren hoch oben im Thüringer Walde. Er berichtete von der Spärlichkeit der Felderbreiten, von dem felsigen, innerlich zerrissenen Untergründe der Aecker, wie unzählige Schieferplatten den Boden durchsetzten; wohl seien fleißige Hände unermüdlich am Werke, )te zu Tage liegenden Platten aufzulesen, doch der Grund stieße gleichsam immer wieder neue Schieferetzen herauf. Zwischen diesen keimt bann die Saat. Wohl kommt es auch vor, daß ein Samenkorn von ?iner Schieferplatte zugedeckt wird. „Aber", sagte )er Freund, „wenn das Körnchen nur Erde unter unter sich hat; mit dem Steine über sich wird es ’ertig!" Ja, es wird mit ihm fertig; denn es dauert nicht lange, so steigt das Hälmchen neben der Platte iröhlich ins Licht. Ist das nicht ein tröstliches Bild lind ein Gleichnis dazu? Senkrecht nach oben zu svitzen, wie das die Damenkörner in den guten, steinfreien Aeckern können, das geht eben nicht an. Nun, bann tapfer erst nach ber Seite hin bas Seine versucht! Irgendwo mirb schon Luft werden. Das ist ein mühseliges Werk, so gegen alles Gesetz seithin zu wachsen. Aber hie Sehnsucht ins Licht gibt Kraft für ben Umweg. Die Hauptsache bleibt, nur ein Duäntlein Erbe unter sich! Enblich ist's geschafft. Fürwahr, es ist ein Gleichnis, aus dem ein Nensch viel nehmen kann fürs eigene Leben unb kämpfen. Liegt's nicht auf manchem von Jugenb cuf wie ein Stein? Unb wenn eine gütige Hand hn forträumt, bald ist ein neuer da. Man fragt wohl: „Warum hat das Schicksal gerade für mich 3 viel Steine bereit?": Es kostet Kraft, dabei sröh- ich zu bleiben. Ader bald merkt man, baß schließ- ch alles auf den Herzgrund ankommt. Wenn der i Ordnung ist unb man alles tut, daß er in Ordnung bleibt, bann wird man schon mit dem Steine iber sich fertig. Dieser Herzgrund gibt auch die teste Nahrung für die Sehnsucht. Unb mo Sehnsucht ist auch ein tapferer Glaube. Mit diesem wieher reift die Erkenntnis, daß Gott es fo will, daß ich Schwierigkeiten habe. Er wird wissen, warum mir solche Hemmnisse bereitet werden. Darum: Nutig den Umweg beschritten und trotz allem Druck, oller Notschwere wachsen! Nur dem innersten Gesetz treu geblieben, bann muh das große Lebensgesetz Uns doch irgendwie dienstbar sein. Das Dasein ist nicht lauter Weizenboden. Es lpäre auch nicht gut. Das Korn der Mühsal gibt ost das kernhafteste Brot. Und dem weisen und zufriedenen Sinne bleibt es auch das schmackhaf- tefte. Was leicht hochkommt, ist gut in der Menge zu brauchen. Wer aber auf Bewahrung aus ist, der freut sich am Halm zwischen den Steinen. Von ben Not-Aeckern des Lebens sind oft die segens- ovllsten Gestalten einem Volke geschenkt worden. Und die Umweg-Menschen aus Not sind meist wertvoller, als die, die keine Beschwerung erfuhren, die geradeaus ins Licht schießen durften. Alles hat seinen Sinn, auch das, was schmerzend ouf uns liegt. Die Hauptsache ist, auch unter dem ^bittersten Druck und in der dunkelsten Nacht nicht untätig bleiben, nicht ohne Hoffnung und Glauben jein, Zähigkeit bewahren in jeder Lage, und des Herzens Grund mit Gotteskräften, fo viel Ivie möglich, zu füllen suchen! Und dann noch eins: Sich verbunden fühlen allen, die den Samenkörnern zwischen den Steinen gleichen! Die Not-Aecker bleiben die Sinnbilder des höchsten Lebenssieges und ber kraftvollen Gemeinschaft! Vornot zen. Tageskalender für Samstag. NSG. „Kraft durch Freude": 16.30 bis 17.30 Uhr Waldlauf. — Stadttheater: 20 bis 23 Uhr (Ring T^utsche Bühne) „Cosi fan tutte“. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Vergiß mein nicht!" — Gie- ßrner Radfahrer-Verein von 1885 e. V. Gießen: 2» Uhr im Cafs Leib großes Winzerfest. Tageskalender für Sonntag. BNSDI., Bezirk Oberhessen: 16 Uhr auf dem J Eleiberg Eröffnung des dritten Führerschulungs- logers des Nationalsozialistischen Deutschen Juristen- blindes; es spricht Reichsminister Pg. Frank II. - Stadttheater: 11 bis 13.30 Uhr (HI., BDM.) „Der Prinz von Homburg". 20 bis 23 Uhr „Cosi (an tutte“. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Vergiß mein nicht". — Reichsbund der Kinderreichen, Ortsgruppe Gießen: 16 Uhr Großkundgebung im katholischen Dereinshaus. — Lukasgememde: 20 Uhr im Lukassaal Familienabend. — Turnverein von 1846 Gießen: Abturnen in der Turnhalle am Oswaldsgarten. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 11 bis 13 Uhr Ausstellung friesischer Maler ber Gegenwart, Kleintierplastik Lily König. Platzkonzert des Musikzuges der $21. Am morgigen Sonntag, 27. Oktober, findet vor dem N"inm Schloß ein Platzkonzert, ausg"sübrt von dem Musikzug der SA.-Standarte 116, statt. Beginn 11 Uhr. Stabfttjeater Gießen. Heute, 20 Uhr, als geschlossene Vorstellung der NS.'Kulturgemeinde Ring „Deutsche Bühne" „Cosi fan tutte“, komische Oper von W. A. Mozart. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Paul W r e d e. Ende 23 Uhr. Spielplan des Gießener Stadttheaters vom 27. Oktober his 3. November. Aus dem Büro des Gießener Stadttheaters wird uns geschrieben: Sonntag, 27. Oktober, von 11 bis 13.30 Uhr als 1. geschloffene Vorstellung für HI. und BDM. „Der Prinz von Homburg", Schauspiel von H. von Kleist, Spielleitung: Der Intendant. Abends 19 bis 22 Uhr Wiederholung ber bezau- bernben Oper „Cosi fan tutte“ von W. A. Mozart. Musikalisch; Leitung: Paul Walter. Spiel- leitung: Paul Wrede. — Dienstag, 29. Oktober, von 20 bis 22 Uhr als 5. Dienstag-Abonnement Erstaufführung ber heiter beschwingten LZer- wechslungskomödie von W. Shakespeare: „Komö- bie der Irrungen". Die Spielleitung liegt in den Händen des Intendanten Schultz-Griesheim. — Mittwoch, 30. Oktober, von 19.30 bis 22.30 Uhr in der neuen Bearbeitung (Münchner Fassung) „Der Dogelhändler", Operette von K. Zeller. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Paul Wrede. Diese Vorstellung gilt zugleich als 5. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. — Freitag, 1. November, von 20—22 Uhr 1. Symphortie-Kon- zert des Gießener Konzertoereins und zugleich 5. Freitag-Abonnement. Leitung: Prof. Dr. Temes- vary. Solistin: Maria Neuß, Berlin (Violine). Es spielt das verstärkte städtische Orchester. Programm: Gerster, Brahms, Beethoven. Kartenverkauf und Auskunft nur Musikalienhandlung Chal- lier, Neuen Weg 10. — Samstag, 2. November, von 20—23 Uhr: „Der Prinz von Homburg" Schauspiel von H. v. Kleist. Spielleitung: Der Intendant. Geschlossene Do stellung der NS.-Kulturgemeinde Ring Deutsche Bühne. — Sonntag 3. November, von 19 bis 22 Uhr der große Operettenerfolg: „Paganini", Operette von Fr. Lehar. Außer Abonnement. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer Spielleitung: Heinrich Hub. GoetheVund Gießen und kaufmännischer Verein Gießen im Deutschen Volksbildungswerk, kreis Gießen. Wie man uns mitteilt, eröffnen der Goethe-Bund Gießen und der Kaufmännische Verein Gießen am Mittwoch, 30. Oktober, ihr Vortragsprogramm. Die beiden Verbände, die schon seit über zehn Jahren in Zusammenarbeit stehen, haben sich für diesen Winter zu einer engen Vortragsgemeinschaft zusammengeschlossen und werden insgesamt zehn Veranstaltungen bringen. Für den ersten Abend ist ein Teilnehmer der großen erfolgreichen deutschen Fro- benius-Expedition 1935, Studienrat Wählende r g, gewonnen worden. Bekanntlich kehrte Geh. Rat Frobenius im September d.J. von seiner letzten großen Afrika-Expedition mit reichem und wertvollem Forschungsmaterial nach Hause zurück. Eine Gruppe der Expedition drang nach Abessinien vor, um dort äußerst wichtige und interessante Forschungen anzustellen. Da Abessinien heute im Mittelpunkt des gesamten Weltgeschehens steht, ist ein ebenso spannender wie zeitgemäßer Vortrag zu erwarten, der durch eine reiche Fülle 'neuester Licht- bildaufnahmen illustriert wird. (Nähere, heutige Anzeige.) Eine Kundgebung der Kinderreichen findet am morgigen Sonntagnachmittag im Katholischen Vereinshaus statt. (Näheres in der heutigen Anzeige.) Landsckastsbund Volkstum und Heimat Ortsring Gießen. Am Dienstag, 29. Oktober, 20.15 Uhr, findet im Katholischen Dereinshaus die feierliche Eröffnung unserer Winterarbeit statt. Redner: Landschafts- leiter Ministerialrat Ringshausen. Es wirken u a mit: Heimatdichter Georg Heß, der Bauer- sche Gesangverein, To. 1846 (Volkstanzgruppe), Jeder Hilst dem Winterhilfswerk! Oie Gauführung des WHW. dankt für die ersten Spenden. Die Gauführung des TBf)TB. des Gaues Hessen- Nassau dankt allen Volksgenossen, die am Sonntag anläßlich der Sammlung von Kinderwäsche und Kinderkleidern, die von den Jungmädels des VD7N. durchgeführt wurde, gespendet haben, aufs herzlichste. Das Ergebnis dieser Sammlung ist zufriedenstellend und zeigt erneut die große Gebefreudigkeit der Bevölkerung in unserem Gau. Wir sind der felsenfesten Ueberzeugung, daß sie uns genau so wie bei dieser Aktion bei allen noch folgenden Aktionen unterstützen wird. Gleichzeitig sprechen die Tausende von Jungmädels, die sich am 20. Oktober der Volksgemeinschaft zur Verfügung gestellt haben, an dieser Stelle ihren Dank aus für das freundliche Entgegenkommen und das Verständnis der Geber. Die Gauführung des Winterhilfswerkes, Gau Hessen-Nassau. Erleichterter Versand von Spenden für das WHW. durch die Reichspost. Zur Unterstützung des Winterhilfswerks be» deutschen Volkes beförbert bie Deutsche Reichspost auch in biesem Jahre roieber bis Enbe März 1936 Senbungen im Gewicht bis zu 7 Kilogramm mit Gaben für bie Winterhilfe zu ben billigeren Postgutgebühren. Für biefe Senbungen sind bie sonst für bie Einlieferung von Postgut bestehenben Einschränkungen vorübergehend aufgehoben worben. Postgüter mit ben vom Winterhilfswerk beschafften ober gesammelten unb von ihm unentgeltlich an hilfsbedürftige Volksgenossen abzugebenben Lebensmitteln, Kleibungs- ober Wäschestücken können also bei jeder Postanstalt eingeliefert unb an Empfänger in allen Orten bes Reichsgebiets gerichtet werben, wenn bas Winterhilfswerk ober eine örtliche Vertretung entroeber Absenber ober Empfänger ist. Die Senbungen unb bie Postgutkarten müssen neben ber Angabe „Postgut" ben Vermerk „Gaben für bie Winterhilfe bes beutschen Volkes" ober „Winterhilfe" tragen. Singgruppe ber Goetheschule unb Sprechchor ber Pestalozzilchule. Freier Eintritt für unsere Mit- alieber unb bie Mitaliedc'r ber angeschlossenen Ver- bänbe unb bes Goethe-Bunbes, samt Angehörigen. Nichtmitglieber zahlen 20 Pfennig Eintritt. F ntzig Lahre Dozent. Am heutigen Tage feiert ber ordentliche Professor der Mathematik an der Landes-Universität, Dr. Friedrich Engel, das seltene Fest des fünfzigjährigen Dozentenjubiläums. Am 26. Oktober 1885 habilierte sich der damals dreiundzwanzigjährige junge Doktor in Leipzig als Schüler eines ber bedeutendsten Mathematiker jener Zeit, des Norwegers Sophus Lie. Lies Gedankenwelt ist für Engels Schaffen grundlegend geworden. Schon drei Jahre nach der Habilitation veröffentlichten beide das dreibändige Werk „Theorie der Transformationsgruppen", das noch vor kurzem (1930) einen Neudruck erleben konnte unb auch heute richtungweisenb für die mathematische Forschung ist. 1889 wurde Engel zum außerordentlichen, 1899 zum ordentlichen Honorarprofessor in Leipzig ernannt, das er 1904 verließ, um einem Ruf als Ordinarius nach Greifswald Folge zu leisten; seit 1913 wirkt er in der gleichen Eigenschaft an unserer Hochschule. Engels wissenschaftliche Tätigkeit ist sehr ausgedehnt und vielseitig. Bald nach seiner Habilitation o->rö'sentlichte er zusammen mit dem Geometer P. Stäckel die „Urkunden zur Geschichte der Nichteuklidischen Geometrie", in denen er den Zugang zu ben ?ür bie nichteuklidische Geometrie grundlegenden Schriften des russischen Geometers Lodatschefskij eröffnete; ooranaegangen" war eine ebenso bedeutende Urkundensammlung der gleichen Verfasser über die Theorie ber Parallellinien von Euklid bis auf Gauß. Abgesehen von der Herausgabe der gesammelten Werke H. Graßmanns unb ber Eulerschen dreibändigen Integralrechnung sind die andern Werke Engels dem Ausbau und der Fortführung ber Lieschen Arbeiten gewibmet. Sein größtes, nicht hoch genug einzuschätzendes Verdienst ist die Herausgabe und Erläuterung der Lieschen Arbeiten, die unter dem Protektorat der norwegischen unb ber sächsischen Akademie ber Wissenschaften erfolgt; von dieser Ausgabe, die auf sieben Bände veranschlagt ist, sind bislang fünf Bände erschienen;'daß die schwierigen und tiefgehenden Gedankengänge Lies, die auf die mathematische Forschung aller Gebiete vielfältig befruchtend wirken, der breiteren Öffentlichkeit zugänglich und verständlich wurden, dankt die wissenschaftliche Welt in erster Linie der Tätigkeit Engels, und sie kann ihm nur von Herzen wünschen, daß er noch für viele Jahre die Kraft unb Frische Hüben möge, um biefes Lebenswerk zum Abschluß zu bringen. Noch jüngst, 1932, konnte Engel, zusammen mit einem seiner Schüler, als Frucht seines jahrelangen Einbringens in Lies unvollendete Theorien ein Buch über die Liefche Theorie der partiellen Differentialgleichungen erster Ordnung veröffentlichen. Engels unermüdliche Forschertätigkeit fand in den eben so anregenden Vorlesungen ihre Ergänzung, und so ist es natürlich, daß er unter seinen Hörern, denen er stets ein gütiger, verständnisvoller Lehrer und Freund war, eine stattliche Anzahl von Sckü- lern unb Mitarbeitern fanb; bie für das schwierige Fach der Mathematik recht große Zahl von zwanzig Dissertationen, die allein während seiner Gießener Tätigkeit aus seiner Schule .hervorgingen, legt davon p'n sprechendes Zeugnis ab. Engels wissenschaftliche Verdienste fanden von allen Seiten die wohlverdiente Anerkennung; er wurde zum Mitglied der russischen, der norwegischen und der sächsischen Akademie ber Wissenschaften ernannt unb von ber Universität Oslo mit ber Verleihung bes Dr phil. h. c. geehrt. Engels Wirken, besonders im öffentlichen Leben, geht viel weiter, als hier gesagt werben konnte. Unsere Universität ist ihm als bem längjährigen Vorstanb unb unermübüdjen Förberer ber Witwen- unb Waisenkasse zu ganz befonberem Danke verpflichtet. Sie oerbinbet mit biesem Danke ben herzlichen Wunsch, baß es bem Jubilar vergönnt sein möge, seine groß angelegten wissenschaftlichen Pläne zu Ende zu führen und noch lange Zeit für Wissenschaft, Hochschule und Volk zu wirken Reichsminister $ranf II. auf dem Gleiberg Der Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen, Bezirk Oberhessen, lädt im heutigen Anzeigenteil zu einer Kundgebung ein, die am morgigen Sonntagnachmittag auf dem Gleiberg stattfin- bet unb bei ber Reichsjuristenfübrer Reichsminister Frank II sprechen wirb. (Siehe heutige Anzeige.) Gießener Dochenmarktpreife * Gießen, 26. Oft. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, ßanbbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (holländische), frische 13, Kühlhaus 11, (inländische) frische, Klasse B 12'/r, C 11, Wirsing, das Pfund 6 bis 10 Pf., der Zentner 5 bis 7 Mark, Weißkraut, das Pfund 4 bis 8 Pf., der Zentner 4 Mark, Rotkraut, das Pfund 8 bis 12 Pf., der Zentner 8 bis 9 Mark, Gelbe Rüden, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 6 bis 10, Unterkohlrabi 5 bis 8, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 90 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 15 bis 20 Pf., Zwiebeln 8 dis 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 6, Pilze 30 bis 45, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Falläpfel, das Pfund 5 bis 8 Pf., Aepfel 12 bis 30 Pf., der Zentner 12 bis 30 Mark, Birnen, das Pfund 10 bis 25 Pf., Nüsse 35 bis 40, Zwet- schenhonig 40, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 75 bis 85 Pf., Gänse 75 bis 85, Enten 80 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 60, Salat 5 bis 10, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 10 Pf. Zahrplanhest des Giehener Anzeigers. Infolge einer Aenderung, die. aus ben Fahrplanentwürfen und -Berichtigungsblättern nicht entnommen werden konnte, ist in dem Streckenfahrplan Kassel — Gießen auf Seite 7 der O-Zug 1. bis 3. Klasse zu streichen, der um 8.00 Uhr den Potsdamer Bahnhof in Berlin verlassen soll. Der Zug verkehrt während des Winters nicht. ** Weltanschaulich,e Betätigung von Vereinen. Durch Erlaß hat der Reichs- und Preußische Minister des Innern angeordnet, daß den Beauftragten des Führers zur Ueberwachung der Schulung und Erziehung der gesamten nationalsozialistischen Bewegung in allen Fällen, m denen von Vereinen, die sich auf geistigem und weltanschaulichem Gebiete betätigen, Anträge auf Volksgenosse, du bist der Staat! Das gibt dir die Würde der Opferpflicht im WHW. adio • Photo 163DD «■IbI Seltersweg 67 Genehmigung zur Gründung oder zur Aenderung des Namens oder des Zweckes zugehen, Gelegenheit zur Stellungnahme zu geben ist. Die Anordnung verfolgt den Zweck, zu'verhindern, daß Vereine unter harmloser Maske das vom Nationalsozialismus bekämpfte liberale Geistestum wieder aufleben lassen. ** Polizeiliche Beglaubigung von Fahrtausweisen Die von der Fahrtenstelle des Grenz» und Auslandamtes der HI. ausgestellten Fahrtausweise für Grenz- und Auslandfahrten werden auf Antrag von den Polizeibehörden kostenlos beglaubigt. Der Reichs- und Preußische Innenminister hat an die Polizeibehörden einen entsprechenden Erlaß gerichtet. ** Straßensperrung. Wegen Vornahme von Kanalbauarbeiten wird die Neuen Bäue zwischen Sonnenstraße und Weidengasse zur Hälfte von Montag, 28. Oktober, ab auf die Daizer von drei Tagen für den gesamten Fahrzeugverkehr polizeilich aejperrt. Die ausgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beachten. ** D i e Anmeldung zur Schlachtvieh- und Fleischbeschau betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. ** Letzter Holzabfuhr-Termin. Das Forstamt Gießen gibt im heutigen Anzeigenteil den letzten Termin für die Holzabfuhr im Forstamts- bezirk bekannt. Die Bekanntmachung sei der besonderen Beachtung empfohlen. ** Die Lieferung von Düngemitteln für die städtischen Wiesen betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil. Interventen mögen die Bekanntmachung nicht übersehen. ** Viehmärkte in Gießen. Am Dienstag nächster Woche findet in Gießen Rindvieh-(Nutz- vieh-)Markt statt, am folgenden Mittwoch wird Schweinemarkt abgehalten. Siehe heutige Bekanntmachung der Bürgermeisterei. ** Eine reife Erdbeere, die, gestern, also noch in den letzten Oktobertagen, in einem Gießener Garten geerntet wurde, überreichte uns heute früh ein Leser unseres Blattes. Wir nehmen von diesem Kuriosum der Natur geziemend Kenntnis. ** D i e Reichsbeihilfe für Obstbaumpflanzungen betrifft eine Bekanntmachung des Obst- und Gartenbauoereins in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. Amtsgericht Gießen. In der gestrigen Sitzung wurde das Urteil gegen den H. B. aus Gießen verkündet, der wegen Vergehens gegen die Reichsversicherungsordnung zu einem Monat Gefängnis und in die Kosten des Verfahrens verurteilt wurde. Zwei Personen aus Gießen haben am 22. Mai in einem Neubau Jnstallationsarbeiten ausgeführt, ohne die baupolizeiliche Genehmigung zu besitzen. Sie wurden durch Strafbefehl mit 25 bzw. mit 15 Mark Geldstrafe belegt. Die Einsprüche blieben ohne Erfolg. Der H. Sch. aus Trohe befuhr mit feinem Personenwagen die Frankfurter Straße. Etwa hinter Klein-Linden kam er beim Ueberholen eines Pferde- fuhrwerks zu sehr auf die linke Straßenseite und verursachte mit einem ihm entgegenkommenden Personenwagen aus Gießen einen Zusammenstoß, wobei beide Wagen beschädigt wurden. Durch Strafbefehl erhielt er eine Geldstrafe von 15 Mark eventuell drei Tage Haft. Auf den Einspruch des Angeklagten verblieb es bei der festgesetzten Strafe. Ein Ehrenmal der Stadl Schotten. Das Ehrenmal. — (DNB.-Bilderdienst; Aufnahme Süffel.) WIM UMtz ■—II.- 11—111 ' I I '• ■ ’•• K . . /- -;? * Schotten. 25. DEL Am morgigen Sonntag, 27. Oktober, wird die Stadt Schotten in feierlicher Weife das auf dem Wartberg in der Nähe der Stadt errichtete Ehrenmal für die im Weltkrieg gefallenen Söhne der Stadt Schotten einweihen. Don dem Wartberg aus, dem höchsten Punkt bei Schotten, hat man einen herrlichen Rundblick auf die Höhen des Vogelsbergs und hinab in das Niddatal. Unter Benutzung der ganzen Fläche des Berges hat die Stadt Schotten dort einen großen Heldenhain angelegt, der rings umgeben ist von einer etwa 20 bis 30 Meter breiten Hecke. Inmitten des Haines find 75 Gedenk-Linden für die gefallenen Söhne der Stadt gepflanzt. Am Eingang zu dem Hain befindet sich das Ehrenmal, das etwa 8 Meter hoch und ebenso breit ist. Don der Rückseite fuhrt eine Freitreppe nach oben zur Plattform, von der man einen wunderschönen Ausblick hat. Auf der Plattform sind Rmei Feuerschalen angebracht, aus denen an Totengedenktagen und bei anderen feierlichen Anlässen die Flammen zu Ehren der Gefallenen gen Himmel lodern werden. Die Ehren- halle im Untergeschoß des Ehrenmals besieht aus acht großen Torbogen, von denen fünf offen sind. Auf drei Feldern sind die Namen der 75 Gefallenen in Sandsteinvlatten eingehauen. Der Fußboden ist mit großen Basaltplatten bedeckt. Gemeinderat in H maen. § Hungen, 25. DFL In der jüngsten Sitzung des G e m e i n d e r a t s , in der noch die bisherigen Mitglieder mitwirkten, wurde der Verkauf des letzten, von der Gemeinde zur Linderung der Wohnungsnot vor etwa einem Jahrzehnt errichteten Hauses an der Niddaer Straße beschlossen. Das Haus geht in den Besitz des Obersteuersekretärs i. R. Reich über. — Die bisher mit 100 v. H. der Reichssätze erhobene Bürgersteuer wurde auf 3 0 0 v. H. erhöht. Schwerer Unfall im Bahnhof Obe'-Seemen * Ober-Seemen, 26. DEL Gestern gegen 17 Uhr ereignete sich auf dem hiesigen Bahnhckf ein schwerer Unglücksfall. Der im Alter von 63 Jahren stehende Postagent Johann P e p p e l von hier, der bereits seit 40 Jahren im Postdienst steht, erlitt, als er die Poft an den von Lauterbach kommenden Zug bringen und ankommende Post ab- bolen wollte, auf unerklärliche Weise eine schwere Kopfverletzung, anscheinend eine Quetschung. Da niemand Zeuge des Vorfalls war, konnte bisher noch nicht mit Sicherheit festgestellt werden, auf welche Weife Peppel verunglückte. Der bedauernswerte Mann mußte sofort durch die Freiwillige Sanitätskolonne Gießen nach der Chirurgischen Klinik in Gießen gebracht werden. Noch am gleichen Abend wurde er operiert. Der Zustand des Verunglückten ist in Anbetracht der Schwere der Verletzungen bedenklich. Canöfreie Gießen $ A l t e n - B u s e ck, 26. Oft. Am heutigen Samstagabend findet eine große Kundgebung der NSDAP, statt, an der alle Formationen ge- schlossen teilnehmen. Die Einwohner von Alten- Buseck und der Nachbarorte find hierzu eingeladen. Die SA.-Kapelle Großen-Buseck hat ihre Mitwirkung zugesagt. — Im Rahmen der Kinder- landverichickung wurden hier Kinder aus Schleswig-Holstein untergebracht. — Die N S. - Frauenschaft veranstaltet in den nächsten Tagen einen Kursus über Säuglingspflege. Hierzu sind nicht nur die Mitglieder der Frauenschaft, sondern auch die Nichtorganisierten Frauen und Mädchen eingeladen. Es wird angenommen, daß sie von dieser günstigen Gelegenheit viel Gebrauch machen. * Großen-Buseck 26. Oft. Die 44jährige Ehefrau des hiesigen Formers Seipp erlitt durch einen unglücklichen Sturz einen Armbruch und mußte in die Klinik nach Gießen gebracht werden. * Großen-Linden, 26. Oft. Die 74jährige Witwe Louise Guthermuth zog sich einen Unterschenkelbruch zu und mußte zur ärzt- licben Behandlung rmch Gießen aebracht w-rd-n. > Hungen, 25, Oft. Durch Umkippen einer auf dem Turnplätze befindlichen Strohpresse wurde das Söhnchen des Schneidermeisters Georg Müller verletzt, so daß seine Ausnahme in das Krankenhaus erforderlich wurde. Obwohl die Verletzung sehr schwer ist, besteht erfreulicherweise keine Lebensgefahr für das Kind. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 27. Oktober. 19. nach Trinitatis. Gießen. Skadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker: 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde, Pfr. Becker: 18: Propst Knodt. — Iohanneskirche. 9.30: Pfr. Bechtolsheimer: 11: Kinderkirche für die Lukas- gemeinde, Pfr. Bechtolsheimer: 18: Pfr. Ausfeld, musikalische Abendfeier: 20: Bibelbesprechung im Johannessaal, Pfr. Müller. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Anthes: 10.45: Kinderkirche für. bie Luthergemeinde, Pfr. Anthes. — pefrus- kapelle. 9.30: Pfr. Trapp. — Saal der Neuen Krippe. 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde, Pfr. Ausfeld. — wiefeck. 9.30: Beichte: 10: Pre- digtgottesdienst, im Anschluß Feier des hl. Abendmahls. — Alten-Buseck. 9.30: Beichte, Gottesdienst, Feier des hl. Abendmahls: 13: Gottesdienst. — Großen-Buseck. 10.30. Gottesdienst. — Oppenrod. 13: Gottesdienst. — Albach. 9.30: Beichte, anschl. Gottesdienst und Abendmahl II, Kollekte. — Steinbach. 13.30: Gottesdienst, anschl. Besprechung mit der Ev. Frauenhilfe. — Annerod. 9: Hl. Abendmahl für Jugendliche. — Rödgen. 13: Gottesdienst. — Heuchelheim. 9.30: Hauptgottesdienst zu Ehren der 50jährigen unter Mitwirkung des Kirchenchores, anschl. Beichte und Abendmahl für die 40- bis 50- jährigen: 13: Kinderqottesdienft, 2. Abtlg. — Kirchberg. 10: Gottesdienst: 11: Abendmahl für die alten Gemeindemitglieder von Daubringen und Ruttershausen. — Lollar. 13.30: Hl. Abendmahl für alten Gemeindemitglieder von Lollar. — Trels a. b. Lda. 10: Hauptgottesdienst: 11: Katechismuslehre. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst mit Feier des hl. Abendmahls für die weibliche Jugend: 13.30: Feier des hl. Abendmahls für die alten Gemeindemitglieder, Kollekte für die Klein-Kinderschule. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn. 10.45: Kindergottesdienst. — Rieder-Bessingen. 9.30: Stiftspsr. Naumann. — Langsdorf. 10: Kindergottesdienst: 11: Hauptgottesdienst. — Bettenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst. — rNünzenberg. 11: Gottesdienst mit Entlassung der Christenlehrpflichtigen und Eröffnung des Konfirmandenunterrichts. — Trais - Rlünzenberg. 9: Gottesdienst mit Entlassung der Christenlehrpslich- tigen und Eröffnung des Konsirmandenunterrichts. — Hungen. 9.45: Gottesdienst: 13.30: Kindergottes- dienst. — Langd. 10: Gottesdienst, anschl. Kinder- gottesdienst. — Kirtorf. 13: Lesegottesdienst. — — Ober-Gleen. 9: Kindergottesdienst. 10: Hauptgottesdienst. — Dirberg. 10: Gottesdienst, anschl. Feier des hl. Abendmahls für die Jugend, Kollekte. — Beltershain. 12.30: Gottesdienst. —Harbach. 1k Gottesdienst, anfchl. Feier des hl. Abendmahls für die Verheirateten, Kollekte. Reuapoftolische Gemeinde Gießen. Händelstraße 1, Ederstraße 13. Sonntag, 27. Oktober. 9.30 Uhr: Gottesdienst: 16: Gottesdienst. Mittwoch, 30. Oktober. 20.30 Uhr: Gottesdienst. katholische Gemeinden. Samstag, 26. Oktober. Gießen. 16.30 und 19 Uhr- Beichte. Sonntag, 27. Oktober. 20. Sonntag nach Pfingsten. Christ Königsfeier. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte: 7: Messe, Kommunion der Frauen und Kinder: 8: Kommunion: 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt: 14.30: Rosenkranzandacht: 20: Christ Köniasfeier. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — himaen. 9.30: Hckch- amt mit Predigt. — Lick'. 7.39: Hochamt mit Predigt. — Lollar. 9.30: Messe mit Predigt. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. Evangelische Stadtmission (Löberstraße 14). Sonntag, 27. Oktober. 8.30 Uhr: Morgenandacht: 13.30: Sonntagsschule; 20.15: Evangelifationsvortraa. Mittwoch, 30. Oktober. 20.30 Uhr: Bibelstunde. Vaptiflenqemeinde lGartenstraße 13). Sonntag, 27. Oktober. 11 Uhr: Kindergottesdienst: 20.30: Prediger Lotz. Donnerstag, 31. Oktober. 20.30 Uhr: Bibelstunde, Prediger Lotz. Ehristliche Gemeinde, Zu den Mühlen 2. Sonntag, 27. Oktober. 10 Uhr: Erbauungsstunde: 20.30: Evangelisation. Dienstag, 29. Oktober. 20.30 Uhr- Bibel- und Gebetstunde. 6196D Nach kurzer schwerer Krankheit entschlief heute im 74 Lebensjahr unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder. Schwager und Onkel Karl Rau, Justiz-Inspektor i. R. Otto Wacker und Frau Ottilie, geb Rau Adolf und Hermann als Enkel Wilhelm Rau und Frau Erna, geb Dietrich Gießen. Wieseck, Gelsenkirchen, den 25. Oktober 1935. » Die Trauerfeier findet Montag, den 28 Oktober, nachmittags 2’/2 Uhr. in der Kapelle des Neuen Friedhofes statt Tannen- ANWWß itmiaei -1'euei' erb wo " 'Kn»f' Damp'säoewerkLoliar 8.NuhnA.6.,lollar. Zurfleiteaat Winlerweizen Strubes General von Stocken (Hochzucht) empfiehlt Universitäts- Versuchsgut Unt. •’önrbtbof, b. Gieß. [6161D Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute morgen 41/, Uhr unseren lieben Vater, Schwiegervater, Großvater. Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel Konrad Heinrich Müller nach langem Leiden im 77. Lebensjahr^ in die Ewigkeit abzuruten. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Heinrich Müller Familie Karl Müller Familie Karl Seipp Familie Heinrich Größer Großen-Linden. Leihgestern, den 25. Oktober 1935. Die Beerdigung findet Sonntag, 27. Okt, 3’/4 Uhr, statt 04621 WflWiMie! Von privatem Geldgeber für bevorstehende Geschäffsübernahme groß. Betrag gesucht. Schristliche Angebote mit Bedingungen unter 04554 an den Gießener Anzeiger. WFDRFdrucksachen ■ ■ ■■ ■> H ■■ Brühl’sche Druckerei Danksagung. Für die wohltuenden Beweise inniger Teilnahme beim Hinscheiden unseres unvergeßlichen Sohnes, für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers, sowie lür die Nachrufe seiner Vorgesetzten und Kameraden sagen wir hiermit aufrichtigen Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Ludwig Kröcker und Frau. Gießen, im Oktober 1935 vnrtbreniuioh, ä Wagen 5 Ml •Nmnnrhboh ä Wagen 6 Mf 1 San Anmachholz 1 Ml »rei Mellet. rsd J. Wellhöfer, reieolmn 2313. Marb Sn 2-1 Himbeerpflanzen (Preußen) empfiehlt in I. Qual. Gärtnerei Dönges 01598 Gießen, Marb. 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Wlcky Wiesbaden, Gr. Burgstr. 4 Bekanntmachung. Düngemittellieferung. Die Lieferung des zum Düngen der städtifcherr Wiesen benötigten künstlichen Düngers, und zwar: 300 Zentner Thomasmehl, 15—18prozentig, 150 Zentner Kali, 38—40prozentig, ist zu vergeben. 6186C Die Lieferung hat bis zum 15. November 1935 zu erfolgen. Mit entsprechender Aufschrift versehene Angebote sind bis zum 5. November 1935 im Stadthaus, Bergstraße 20, Zimmer Nr. 3, einzureichen. Es wird noch darauf hingewiesen, daß sämtliche Angebote frei Bahnhof Gießen in kg/% einzureichen find. Angebote, die diese Angaben nicht enthalten, können keine Berücksichtigung finden. __________Ritter, Oberbürgermeister. Bekanntmachung. Die nächsten Viehmärkte in Gießen finden statt: Dienstag, den 29. Oktober 1935: Rindvieh- (Ruh- vieh-) Markt. Auftriebszeit von 714—8)4 Uhr vormittaas. 6165C Mittwoch, den 30. Oktober 1935: Schweinemarkt. Auftriebszeit von 8 bis 9 Uhr vormittags. Auf dem Rindoiehmarkt wird sämtliches Vieh gegen Maul- und Klauenseuche schutzgeimpft. Gießen, den 26. Oktober 1935. Bürgermeisterei Gießen. ______I- V.: Dr. Hamm, Bürgermeister. Arbeitsvergebung. Nachstehende Arbeiten und Lieferungen zum Bau von 40 Wohnungen am Aulweg, dahier, der Mibau A.-Ges. Frankfurt a. M., sollen öffentlich vergeben werden: 1. Zimmerarbeiten 2. Dachdeckerarbeiten 3. Svenglerarbeiten 4. Glaserarbeiten 5. Weißbinderarbeiten 6. Schreinerarbeiten 7. Schlosserarbeiten 8. Plattenarbeiten 9. ftnstallationsarbeiten für Gas, Wasser und Kanalleitungen 10. Elektrische Anlagen 11. Tapetenlieserungen 12. Taveziererarbeiten 13. Lieferung der sanitären Einrichtungen 14. Lieferung von Cefen und Herden 15. Trevvenarbeiten Die Unterlagen hierfür liegen im Büro des Architekten, Baurat Mener.Alicenstraße 27, ab Montag, den 28^d.M., vormittags von 9-11, nachmittags 3~a Uhr zur Einsicht offen. 6166n Sie Angebote sind in verschlossenem Umschlag, mit entwrechender Ausschrift versehen, bis Samstag, 2. Rov., Vonu. io Uhr, ebendaselbst einzureichen. Frankfurt, Alte Rothofstr. 6, den 26. Oktober 1935. Telephon 26054 Die Mibau A.-Ges. Betr.: Verordnung über die Anmeldung von Schweinen zur Schlachtvieh- und Fleischbeschau und deren Durchführung vom 16. Oktober 1935. Auf die nachstehend abgedruckte Verfügung der Hessischen Landesregierung vom 19. Oktober 1935 wird verwiesen. Die Städtische Schlachthofverwal- tung hat entsprechende Anweisung erhalten. Gießen, den 25. Oktober 1935. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. Hamm. Landesregierung Abteilung Ib Darmstadt, den 19. Okt. 1935. Zu Nr. Ib. Betr.: Verordnung über die Anmeldung von Schweinen zur Schlachtvieh- und Fleischbeschau und deren Durchführung vom 16. Oktober 1935. A n d i e Kreisämter. Nachstehend teile ich Ihnen in Abschrift eine Verordnung des Herrn Reichsministers des Innern zur Kenntnisnahme und weiteren Veranlassung mit. Verordnung über die Anmeldung von Schweinen zur Schlacht- vieh- und Fleischbeschau und deren Durchführung. Vom 16. Oktober 1935. Aus Grund des § 22 Nr. 2 des Reichsgesetzes, betreffend die Schlachtvieh- und Fleischbeschau, vom 3. Juni 1900 (RGBl. S. 547), wird zur Anordnung Nr. 21 der Hauptvereinigung der Deutschen Viehwirtschaft, betreffend die Regelung des Absatzes von Schlachtvieh vom 14. Oktober 1935 (Verkündigungsblatt des Reichsnährstandes S. 634) verordnet: § 1. Wer außerhalb der Gemeinden mit Viehgroßmärkten gewerbsmäßig Schweine schlachten ober schlachten lassen will, hat bis auf weiteres dem Fleifchbefchauer vor Beginn der Untersuchung einen von dem Obermeister der zuständigen Innung für das Fleifcherhandwerk im Einvernehmen mit dem Kreisbauernführer ausgestellten Schlachtschein nach anliegendem Muster mit Wiegebestätigung vorzu- legen. Für die außerhalb der Gemeinden mit Vieh- großmärkten gelegenen Fleischwarenfabriken, die einem Großviehmarkt zur Deckung ihres Bedarfs an Schlachtvieh und Fleisch nicht zugewiesen sind, wird der Schlachtschein von dem zuständigen Schlachtviehverwertungsverband ausgestellt. § 2. Der Fleischbeschauer hat an Hand der oorgelegten Schlachtscheine darauf zu achten, daß nicht mehr Schweine zur Schlachtung zugelafsen werden, als durch die Schlachtscheine zugebilligt worden sind. § 3 Notschlachtungen von Schweinen, deren Fleisch gewerblichen Zwecken zugeführt werden soll, hat der Fleifchbefchauer spätestens innerhalb einer Woche dem Obermeister der zuständigen Innung für das Fleischerhandwerk anzuzeigen. § 4. Nach der Schlachtung hat der Fleischbeschauer den für ihn vorgesehenen Teil des Schlachtscheins auszufullen und mit dem Befchaustempel zu ver- sehen. § 5. Diese Verordnung tritt am 25. Oktober 1935 in Kraft. 6185C Berlin, den 16. Oktober 1935. Der Reichsminister des Innern. Jicy auch damals das Botanische Institut befand, wurde trotz verschiedener Umbauten bei dem raschen Wachstum der Bibliothek bald zu eng. Aber erst um die Jahrhundertwende erreichte der um die Entwicklung un serer Anstalt hochverdiente Direktor Herman Haupt die Genehmigung zur Errichtung eines allen modernen Anforderungen entsprechenden Neu-I baus in dem spitzen Winkel zwischen Kepler- und Bismarckstraße: am 12 November 1914 konnte er eingeweiht werden Er ist ein Werk des Baurats August Becker und wohl der schönste der Gießener Universätsbauten. Die schwierige Aufgabe, den Platz richtig auszunutzen und daraus ein nicht nur zweckmäßiges, sondern auch schönes Bibliotheksgebäude zu erstellen, hat der Architekt in beroun' bernswerter Weise gelöst. Wenn man von der Bis- marckstraße kommt, ruht das Auge auf der einfach gegliederten, mit einigen Skulpturen von Varnesi geschmückten Barock'aflade des zweigeschossigen Verwaltungsbaues- seine Flügel bilden mit dem dahinter in der Achse des Platzes errichteten rechteckigen, siebengeschossigen Bücherhaus einen hübschen, für die Belichtung des Treppenhauses und Katalogs nötigen Hof Treten wir durch die mächtige eiserne Haupttür ein, so haben wir im Vorflur rechts die Kanzlei und links das Verwaltungszimmer der gelehrten Gesellschaften, deren Bibliotheken mit der Universitäts-Bibliothek vereinigt sind und deren großer Schristentauschverkehr ihr zu Gute kommt, der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde, des Oberhessischen Geschichtsoereins und der Hessischen Vereinigung für Volkskunde Es folgen im Erdgeschoß rechts das Direktorzimmer ein Dozenien-Arbeitszimmer und der Saal für die Tafe'lwerke, in dem auch die Kartenabteilung, die kleine Sammlung der Dozentenporträts sowie eine noch in den Anfängen stehende kleine Musikaliensammlung untergebracht sind Hier kann man z B die 1'/-^ Meter hohen Bände der Description d’Egypte, die Bernadotte nach feiner Ehrenpromotion der Universität geschenkt hat, und daneben die auch etwa meterhohen Denkmäler Aegyptens von Lepsius, die Reproduktionen antiker und altdeutscher Handschriften (z. B ^es berühmten gotischen Codex argenteus. der Manesse- schen Handschrift der Minnesänger, des Codex Sinai- ticus der Septuaginta, den vor kurzem die Sowjets an das British Museum verkauft haben) oder der Handzeichnungen Albrecht Dürers, die großen Kostümwerke usw bewundern Unter der Wohnung d e s Hausmeisters liegt das Packzimmer für die Versendung der Bücher. Auf der linken Seite in dem früheren Ausstellungsraum befindet sich jetzt die V e r t e i l u n g s st e 1 l e der für den Tausdiverkehr mit anderen Bibliotheken des In- und Auslandes zur Verfügung stehenden Universitätsschriften und Dissertationen Es folgt das mit eiserner Tür und eisernen Läden gesicherte Handschriftenzimmer, in dem unsere wertvollsten Schätze aufbewahrt werden: In Schränken stehen hier die drei großen Gießener Papyrussamm- lungen die der Universitäts-Bibliothek, des Ge- schichtsvereins und die Papvri land.mae des Rro- fesiors Dr. Kalbfleisch. Unter diesen im ägyptischen Sand erhaltenen, jetzt zwischen Glasplatten gesicherten demotischen, griechischen, lateinischen, koptischen und* arabisch-n Handschriftenfragmenten befindet sich etwas ganz Einzigartwes: ein kleiner Pergamentfetzen, in dem man ein Stück des Lukasevangeliums mit dem lateinischen Tert auf der einen und der gotischen Uebersetzuna auf der anderen S^ite erkannt hat' Zu der Keseh'chtsver- eins-Sammlung gehören auch zahlreiche „Ostraka". Scherben, die man in Ermanaeluna ein"s beO'""'n Schreibstoffes z. B für Quittungen, private Mitteilungen benutzt hat In einem anderen Schrank sind etwa 600 mittelalterliche Urkunden aufbe- roohrt, in den Wand- und Pultgestellen die über 1600 Handschriften, auch unter diesen manch' einzigartiges, wertvolles Stuck: ich nenne z. B. einen aus dem 9. Jahrhundert stammenden Text der Lan» gobardengefch'chte des Paulus DiakoniM em Evangeliar mit Miniaturen der Kölner Malerschule (um 1050), Hartmanns von Aue „Iwem" (13 Jahrhundert), einen Codex justinianeus mit prächtigen initialen, Randverzierungen und Miniaturen (Bologneser Schule um 1300), eine spanische Lex Wisi- gothorum mit Medaillonbildnissen der Westgotenkönige, schönen Initialen und Miniaturen (Toledo, Anfang des 14. Jahrhunderts-» verschiedene sehr wertvolle Handschriften des Schwaben- und Sachsenspiegels, eine in Augsburg 1450 geschriebene, reich- illustrierte Sammelhandschnft, die u. a das Goldene Spiel des Meisters Ingold enthält, die Moralin Gregors VII mit reichem Jnitialenschmuck (Mitte des 15. Jahrhunderts), die Acta des Schmalkalden Convents mit eigenhändigen Zusätzen Martin Luthers Auch die etwa 1500 Wiegendrucke aus dem 15 und dem Anfang des 16. Jahrhunderts sind hier ausgestellt, darunter besonders selten die Drucke des Klosters Marienthal, die aus dem Besitz der Butzbacher Kugelherren stammen, ein Band der 1462 von Fust und Schäffer in Mainz gedruckten lateinischen Bibel, die Weltchronik Hartmann Schedels mit den berühmten Holzschnitten (1493) und die kostbare Pergammtausgabe des Theuer- dank des Kaisers Maximilian, 1517 mit wundervollen. eigens dafür geschnittenen Typen und 118 Holzschnitten in Nürnberg gedruckt — Wir werfen noch einen Blick in das Universitäts-Archiv dessen Bestände als Quelle für die Geschichte der Wissenschaften und für die Familienforschung stark benutzt merb-'n In den hohen Kellerräumen befinden sich außer der Heizungsanlage die Buchbinderei eine Dunkelkammer, ein großer Raum, in dem jetzt die Vorräte an Gießener Universitätsschriften und an Veröffentlichungen der oben genannten gelehrten Gesellschaften aufbewahrt werden, in ein^m anderen ist z. Z. noch das Stadtarchiv unterneb-rachf „„ **• er «E- Nun steigen wir in dem ganz in Grau und Weiß gehaltenen Treppenhaus zu dem Hauptgeschoß empor. Drei große, reich ornamentierte Fenster aus weißem Glas spenden das Licht. Säulen und Pfeiler aus karrarischem Marmor tragen die Decke, auch die fein geschwungenen Balustraden und Treppengeländer sind mit Marmor abgedeckt. Ueber einem Wandbrünnchen zwischen den beiden Lesesaaltüren erinnert eine Inschrift an die Bücher- und Handschriftenstiftung des Freiherrn Renatus Karl von Senckenberg (1800), die so wertvoll war, daß der amtliche Name der Bibliothek „Vereinigte Universitäts- und von Sencken- bergische Bibliothek" ist, eine Marmortafel berichtet von der großherzigen Bücherspende von 41 deutschen Verlegern im Wert von 60 000 Mark zum Universitäts-Jubiläum 1907, zwei weitere künden die Namen anderer Stifter zur Erinnerung und Nacheiferung. Der große Lese s aal nimmt die ganze Front des Gebäudes ein, aus sieben gewaltigen Fenstern flutet das Licht in den mit schwarzbraun gebeiztem Holzwerk ausgestatteten Raum; über dem Mittelfenster schaut ein von dem Darmstädter Künstler Habich geschaffener Jdealkops auf die zu ernster Arbeit sich hier täglich einfindenden Besucher hernieder Auf den Büchergestellen an den Wänden und auf der von Holzpfeilern getragenen reich geschnitzten Galerie sind etwa 4000 Nachschlagewerke aufgestellt Bibliographien, Konversationslexika, Wörterbücher aller großen Kulturvölker: Grundrisse und Enzyklopädien der einzelnen Wissenschaften; Reichsgesetzblatt und Hessisches Regierungsblatt, Gesetzestexte, statistische Handbücher usw. In einem Wandgestell findet der Besucher eine kleine, alle 14 Tage wechselnde Ausstellung der wichtigeren Neuanschaffungen von allgemeinerem Interesse. — In leichteren Formen und helleren Tönen ist der anschließende Zeitschriften-Lesesaal gehalten, in dem von etwa 2000 Zeitschriften der laufende Jahrgang aufliegt. Auch ein paar Tageszeitungen findet der Besucher Die Registrierung der eingehenden Zeitschriften erfolgt mittels der modernen Flachkartei „Kardex" Auf der schmalen Galerie sind die caßen biographischen Nachschlagewerke (3 B. die „Allgemeine deutsche Biographie", das Dictionary of national biography, die hessischen Biogra- ’ X , v- 1 *> -• 1 ' V; phien von Strieder, Scriba und Haupt) sowie das Siebmachersche Wappenwerk aufgestellt. In einem Nebenraum werden die laufenden Hefte der vielen Zeitschriften, die aus Raummangel nicht aufgelegt werden können, in ähnlichen Wand- aestellen wie im Hauptzeitschriftensaal gesammelt, bis sie zum Binden reif sind. — Die Lesesäle und der Katalog sind. z. Z. von 8 bis 19, Samstags nur von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Die Benutzung ist gebührenfrei. An den drei Arbeitszimmern der Bibliothekare vorbei gelangen wir zum Herzen der Bibliothek, dem Katalogzimmer. In dem weltbekannten, von Geheimrat Haupt und dem Buchbindermeister I. P. Sann erfundenen „Gießener Kap» s e l n" sind hier der alphabetische rind der systematische Katalog aufgestellt. Die Bibliothek hat schon seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts das Zettelkatalog-System; heute würde man das Format der Zettel wesentlich kleiner wählen und damit viel Raum sparen, aber an ein Umschreiben der etwa zwei Millionen Zettel ist natürlich nicht zu denken. Der alphabetische Katalog gibt uns Auskunft, ob ein bestimmtes Werk ober eine Zeitschrift vorhanben ist, bie auf bem Zettel verzeichnete Signatur gibt ben Platz im System unb bamit zugleich ben Standort an. Denn wir halten noch an der systematischen Aufstellung der Bücher fest. Wir folgen dabei im wesentlichen dem von bem Darmstäbter Hofbibliothekar Schlekermacher aufgeftettt-’n „Bibliographischen System der gesamten Wissenschafts- künde" (1852), das allerdings von dem katalogisierenden Beamten eine genaue Beurteilung des Inhalts der einzuordnenden Werke verlangt. Dafür stehen bann aber auch bie inhaltlich zusammengeho- renbrn Bücher auch im Magazin zusammen, und der Bibliothekar und der Gelehrte, der das Recht bat. sich die Bücher selbst im Bücherhaus zu holen. Zu unseren Bildern: Bildreihe links (von oben nach unten): Ein Erübris von der Hand Ludwig Richters. — In der Bücher-Ausleihe der Universitäts-Bibliothek. Täglich gehen viele Menschen ein und aus. — Die „Gießener Kapsel", ein überaus praktisches Hilfs- mittel für Kataloge. — Ein Blick in den Katalog der Universitäts-Bibliothek Rechts oben: Ein Blick in das architektonisch sehr ansprechend gestaltete Treppenhaus der Uni» versitäts-Bibliothek Mitte links: In der Zeitschrrften-Ablage sind Hunderte regelmäßig erscheinender Schriften verein: Mitte rechts: Tausende von Büchern harren auch in der Oefjentlichen Bücherhalle (Torhäuschen an der Neuen Bäue) ihrer Leser Unten links: Der geräumige Lejesaal Der Universitäts-Bibliothek mit vielen großen Arbeitstischen. Im Vordergrund rechts (der hufeisenförmige Tisch) sieht man die Bücherqusgabe für den Lesesaal Unten rechts Im Bücherhaus der Universitäts-Bibliothek sind in eisernen Regalen Z"hn- ia.i-»„de aon Büchern untergebrad)! (Ausnahmen |8|: Neuner. Gießener Anzeiger.» übersieht mit einem Blick, welche Werke über einen bestimmten Gegenstand verfügbar sind. Die in- und ausländische Dissertationenflut ist so groß, daß wir uns 1911 genötigt sahen, dafür einen besonderen Zettelkatalog in kleinerem Format anzulegen. Aus dem Katalog aelangen wir durch eine eiserne Doppeltür in das vierte Geschoß des Bücher« Hauses. Die einzelnen Geschosse haben eine lichte Höhe von nur 2,30 Meter, so daß man ohne Leitern die Bucher erreichen kann, die auf modernen, mit der Eisenkonstruktion verbundenen, leicht verstell« baren Regalen stehen. Die ganze linke Hälfte des untersten Geschosses nehmen die seit 1885 erschienenen Dissertationen und Schulprogramme ein! An der Ostwand stehen in jedem Stock in tiefen Ge« stellen die Großfolio-Bände, seltene, vielfach Hand« kolorierte naturwissenschaftliche Tafelwerke, alte At« lauten, Publikationen archäologischer Ausgrabungen, Tafeln zur Paläographie usw. Besonders wertvoll und reichhaltig sind unsere Bestände an Biographien und Briefwechseln, an Werken über Universitäts- und Studentenwesen, und die durch eine Stiftung des Pfarrers Leydhecker 1907 ins Leben gerufenen Abteilungen „Äeußere und Innere Mission"; die hessische Geschichte und die Volkskunde erfreuen sich besonderer Pflege. Jum wertvollsten Besitz der Bibliothek gehören natürlich die großen Zeltschris- tenreihen, sie gehen in die Tausende! Auch die Zeitungen werden gebunden, und der Besucher wird staunen, wenn ich mit ihm ins 8. (Dach-) Geschoß hinaufsteige und ihm hier die Entwicklung der Zeitungen vom „Gießer Wochenblatt" von 1750 in kleinstem Quartformat bis zum heutigen „Gießener Anzeiger" oder gar zum Riesenformat des „Völkischen Beobachters" demonstriere. Hier oben stehen üorigens auch etwa 20- bis 30.000 Dubletten, die wir anderen deutschen und ausländischen Bibliotheken und der Reichstauschstelle zum Tausch anbieten und die so auch wieder zur Vermehrung unserer Bestände dienen. Sie stammen meistens aus den großen und kleinen Geschenken und Vermächtnissen, die unsere Bibliothek zu allen Zeiten, besonders aber auch in den letzten Jahren in reichem Maße erhalten hat. Ohne Dubletten und noch nicht katalogisierte Schenkungen besah die Bibliothek am 1. April 1935 im ganzen 447 303 Bände und außerdem 263 980 Dissertationen und Programmabhandlungen. Der Wert dieser Büchermasse ist nicht abzuschätzen Mit den großen Staats«, Landes- und Universitätsbibliotheken kann sich unsere Anstalt natürlich nicht messen, aber sie ist immerhin größer als die benachbarte Marburger Universitätsbibliothek, größer auch z. B. als die von Greifswald und Münster oder als die Landesbibliotheken von Kassel und Karlsruhe. Auf leicht fahr- und drehbaren Wagen werden die Bücher vom Fach geholt und mittelst eines elektrischen Aufzugs ins vierte Geschoß gebracht und von da in die Ausleihe und den Lesesaal gefahren. Folgen wir einem solchen Wagen in den auf der Keplerstrahe-Seite gelegenen Ausleihesaal. Da werden die Bücher für oie Benutzer bereitgelegt. Die vor 10 Uhr bestellten Werke können in den Ausleihestunden von 11 bis 15 Uhr abgeholt werden. In dieser Zeit herrscht hier ein lebhafter Betrieb, ein ständiges Kommen und Gehen der Entleiher, die nach Ausstellung von Quittungen ihre Bücher mitnehmen oder die benutzten zurückbringen. Auch Richt-Unioersitätsangehörige sind in großer Zahl darunter, die, gegen eine Leihgebühr von 10 Pf. für den Band oder nach Lösung einer Leihkarte zu 1,50 Mark fürs Halbjahr, sich hier geistige Nahrung holen. Einen Begriff von der Arbeit, die in der Ausleihe geleistet wird, mögen ein paar Zahlen aus der Statistik für 1934/35 geben. Von den 37'300 Bestellzetteln konnten 73 v. H. durch Verabfolgung der bestellten Werke erledigt we.rden, nur etwa 13 v. H. der bestellten Bücher waren nicht vorhanden, 14 v. H. waren zur Zeit ausgeliehen oder nicht verfügbar, d. h. beim Buchbinder oder vermißt. An Benutzer aus Gießen und der nächsten Umgebung wurden 38 000 Bände verliehen, im Lesesaal, außer den dort aufgestellten Werken, 2500 Bücher und 12 Handschriften benutzt. Von auswärts besorgten wir 2176 Bücher, 154 Handschriften und 12 Urkunden; nach auswärts sandten wir 7216 Bücher und 12 Handschriften! Bei Entleihungen aus anderen Bibliotheken in dem vom Reich geordneten Leihverkehr wird nur eine Gebühr von 15 Pf. für den Band erhoben. An hessische Benutzer senden wir die Bücher ohne Berechnung von,Porto und Verpackung. Die Leihfrist beträgt vier Wochen. Die Bibliothek hat immer mit sehr bescheidenen Mitteln auskommen müssen*. Auf die Beschaffung von Prachtwerken und auf kostbare Einbände hat sie verzichten müssen. Trotzdem ist unter einer Der« * Im Jahre 1934/35 hatten wir einen Zuwachs von 12 481 bibliographischen Bänden, davon waren 3058 durch Kauf, 3691 durch Tausch, 141 als Pflichtexemplare erworben, 5591 waren Geschenke. Dazu kamen noch 9882 Dissertationen und Universitätsschriften. Im Etat für 1935 sind 32 675 Mark für Bücheranschaffung und 11500 Mark für das Binden vorgesehen. antwortungsbewußten, sparsamen Leitung Großes geleistet worden. Das Zentralinstitut der Universität genügt jedenfalls allen billigen Anforderungen, die für Forschung und Lehre an es gestellt werden. Die Pflege der Volksbildungs- und der Unterhaltungsliteratur ist nicht ihre Aufgabe. Aber gern stehen wir mit unseren Bücherschätzen und mit Rat und Tat auch weiteren Kreisen der Bevölkerung zur Verfügung. In einigen aus der Bücherei Otto Jahns stammenden Werken unserer Bibliothek befindet sich das schöne Exlibris Ludwig Richters: Putten pflücken die köstlichen Früchte in einem dichtbelaubten Baum, darunter die Unterschrift: Inter f o l i a f r u c t u s. In der Tat, in einem guten Buch ist ein Schatz verborgen. Die Schätze zu heben, die die vielen guten Bücher in Deutschland bergen, dazu ruft „Die Woche des Buches" auf. H. H. Kurzer Besuch in der Oeffentlichen Dücherhatte. Seit dem Jahre 1898 besteht in Gießen eine öffentliche Bücherhalle, eine Bücherausleihe, die jedermann zur Verfügung steht. Diese Bibliothek umfaßt nicht weniger denn etwa 10 000 Bände, die es dem Leser ermöglichen, reichste Auswahl zu treffen. Aus allen Gebieten des Wissen ist Literatur in den Regalen vorzufinden. In welchem Ausmaß davon Gebrauch gemacht wird, läßt die Tatsache erkennen, daß monatlich nicht weniger denn etwa 1500 Bücher ausgeliehen werden. Es ist interessant, sich einmal mit der Verwalterin der Bibliothek zu unterhalten. Da hört man denn, daß einen großen Teil der Leserschaft b&r öffentlichen Bücherhalle die Frauen darstellen, die sich insbesondere und gerne mit der unterhaltenden Literatur beschäftigen. Selbstverständlich gehen auch viele männliche Besucher aus und ein, die ihr Interesse besonders den Werken der nationalsozialistischen Bewegung, ferner der Kriegs- und der Reiseliteratur zuwenden. Weniger in Anspruch genommen werden die Lücherschätze wissenschaftlicher Art, die in der Bücherei auch sehr reichhaltig vor- Aufinben sind. Die öffentliche Bücherhalle, die in der Hauptsache vom Lesehallen-Verein, einer durchaus gemeinnützigen Vereinigung getragen ist, hat in den vergangenen Jahren ständig und zielbewußt Einstellungen neu erschienener Werke oorgenom- men, so daß sie auch durchaus zeitgemäße Literatur zu bieten vermag. Sicherlich wird der „Tag des Buches" manchen Gießener Volksgenossen auch auf das Torhäuschen an der Neuen Bäue aufmerksam machen. Wirtschaft. Wochenbericht .vom Frankfurter Produktenmarkt. Anaesicbts der weiteren Bestellung der Felder und infolge der Berguna der Hackfruchternte seitens der Landwirtschaft hält sich das Angebot an B r o t f r u ch t in recht engen Grenzen. Trotzdem bleiben die Anlieferungen, insbesondere von Weizen, gut ausreichend. Das Roggenangebot ist dagegen nicht so stark, doch wird in nächster Zeit mit größeren Anlieferungen gerechnet. Etwas Aufnahme bekunden ausschließlich nur die Landmühlen. Frei verfügbares Brotgetreide ist nicht mehr so umfangreich wie früher angeboten. Am Futtergetreidemarkt blieb vor allem Futtergerste sehr gesucht, während Angebot auch in dieser Woche völlig fehlte, so daß der Bedarf in keiner Hinsicht gedeckt werden konnte. Das Haferangebot war zwar auch recht knapp, doch ist hierfür die Nachfrage weniger dringend, so daß teilweise die Nachfrage einigermaßen befriedigt werden konnte. Zumeist versorgte sich der Handel mit dem allerdings etwas teueren ostdeutschen Hafer. Hafer zu Jndustriezwecken war nicht angeboren. Am Futtermittelmarkt beginnt sich der Kleiemarkt letzt in' der vorgezeichneten Richtung zu entwickeln und der dringendste Bedarf wurde durch einige Posten von den oberrheinischen Mühlen befriedigt. Dagegen bleibt frei verfügbares Angebot an den Großmärkten aus. In ölhaltigen Futtermitteln sind nunmehr die Oktober- Zuteilungen erfolgt, außerdem standen kleine Mengen von Zucker- und Steffenschnitzel zur Verfügung. Treber sind nicht angeboten. In Mischfuttermitteln war das Geschäft lebhafter, nachdem größere Menaen mit einem entsprechend hohen Gehalt an Oelkuchen angeboten wurden. Für Nachmehle besteht nach wie vor nur sehr geringes Interesse. Am Rauhfuttermarkt liegt Stroh etwas ruhiger, während für Heu der Preis auf 8,00 (7,50 bis 8,00) RM. je 100 Kilogramm angezogen hat. Das Mehlgefchäft blieb auf die Deckung des laufenden Bedarfes beschränkt. Gefragt sind die Weizemehlsorten I—III und bei Roggenmehl die Type 815. Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1210: Bevorzugung belgischer Erzeugnisse und Arbeitskräfte bei Ausschreibungen In Belgien. 1211: Bekanntmachung KP 48 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. ♦ Preisfestsetzung für Speifezwie - beln. Wie der Zeitungsdienst des Reichsnährstandes mitteilt, hat die HV. der Deutschen Garten- und Weinbauwirtschaft für Speisezwiebeln (Güteklasse A gemischt) einen Preis von 4,45 RM. je 50 kg frei jeder deutschen Station festgesetzt. Um diese Preisfestsetzung auch für den Verbraucher wirksam werden zu lassen, wird zusammen mit dem Reichskom- missar für die Preisüberwachung ein Kleinverkaufspreis für Speisezwiebeln von 7 Rpf. je Pfund als angemessen erachtet. Höhere Forderungen sind ungerechtfertigt. Nhein-Mainische Börse. Ittiftagsbörfe freundlich. Frankfurt a. M., 25. Okt. Die Börse hatte bei weiterhin sehr kleinen Umsätzen eine freundliche Grundtendenz. Die Kursentwickkung am Aktienmarkt war anfangs etwas uneinheitlich, doch ergaben sich gegen den Vortag nur geringfügige Veränderungen. Aufträge der Kundschaft lagen kaum vor, wodurch auch die Kulisse in ihrer Zurückhaltung verharrte, zumal nennenswerte Anregungen nicht vorlagen. IG. Farben eröffneten mit 147,25 (147,40), erhöhten sich bann auf 147,75. Rütgers- werke liehen 0,25 v. H. nach. Das Angebot in Scheibeanstalt hat nachgelassen, auf dem ermäßigten Stand zeigte sich Kaufinteresse. Zunächst nannte man sie mit 222—223 nach 220 Brief gestern abend und 24 amtlich gestern mittag. Montanwerte lagen uneinheitlich bei Abweichungen von 0,25—0,50 v. H. nach beiden Richtungen. Von Kaliwerten verloren Aschersleben 2 v. H. Elektroaktien setzten zumeist et- mas niedriger ein, Siemens lagen mit 166,50 unverändert. Im einzelnen eröffneten Deutsche Linoleum 0,10 v. H., Deutscher Eisenhandel 0,50 v. H. und Reichsbank 0,50 v. H. leichter, dagegen Zellstoff Waldhof 1 v. H. und Südd. Zucker 0,25 o. H. höher. Nach den ersten Notierungen zeigten sich Ansätze zu einer leichten Befestigung. Der Rentenmarkt lag freundlich. Gefragt blieben Reichsaltbesitz mit 112,70—113 (112,60), Kommunal-Umschuldung und Zinsvergütungsscheine lagen etwas behauptet, dagegen gingen spätere Reichs- schuldbuchforderungen etwas zurück auf 97,13 (97,40). Von Auslandsrenten erhöhten sich Ungarn Gold auf 9,65 (9,50), 4proz. Rumänen lagen mit 4,90 unverändert. Der Verlauf war farblos. Die nach den ersten Notierungen z. T. eingetretenen Erhöhungen von etwa 0,25 vermochten sich angesichts der starken Geschäftsstille kaum zu behaupten. Etwas fester lagen. Schiffahrtsaktien, Hapag 16,50 (16), Nordd. Lloyd 17,90 (17,50). Etwas niedriger notierten Moenus Maschinen mit 80 (81), auch Daimler gaben 0,25 nach. Scheideanstalt kamen schließlich mit 223 zur Notiz, gaben aber gleich danach auf 221 nach. Am Rentenmarkt blieben Altbesitz nicht ganz behauptet, im übrigen herrschte Geschäftsstille. Pfandbriefe und Stadtanleihen lagen meist unverändert, etwas fester einige Liquidationspfandbriefe sowie 4,50 v. H. Stabt Mainz mit 91,40 (91). Ausländsanleihen lagen später sehr still, Ungarn konnten sich nicht ganz behaupten. Tagesgeld unverändert 2,75 v. H. Abendbörse behauptet. Die Abendbörse entbehrte jeder Anregung und nahm auf allen Marktgebieten einen außerordentlich stillen Verlauf. Die Kurse lagen im Vergleich zum Berliner Schluß behauptet, soweit Veränderungen eintraten, hielten sie sich in engsten Grenzen. Scheideanstalt konnten sich um 2 v. H. auf 223 erholen. Am Rentenmarkt blieb die Haltung freundlich, nennenswerte Umsätze fanden aber ebenfalls nicht statt. Von Reichsanleihen fanden 4 v. H. von 1934 zu 98 und 5 v. H. von 1927 zu 100,40 etwas Nachfrage. Altbesitzanleihe des Reiches blieben mit 112,90 ebenfalls unverändert. Der Auslandsrentenmarkt lag still, etwas höher notierten 4 v. H. Schweizer Bundesbahn mit 190,50 (190). U. a. notierten: Altbesitz 112,90, 4 v. H. Reichsanleihe von 1934 98, 5 v. H. do. von 1927 100,40, 6 v. H. Stahlverein 102,50, IG. Farben-Bonds 121,75, Reichsbahn-Vorzugsaktien 122,75, 4 v. H. Rumänen 4,90, 4 v. H. Schweizer Bundesbahn 190,50, Adca 75, Commerzbank 85,25, DD.-Bank 85,50, Dresdner Bank 85,50, Harpener 110,50, Mannesmann 82,75, Rheinstahl 105,13, Stahlverein 80,40, AKU. 55,50, Dekula 140,75, Bemberg 104,65, Scheideanstalt 223, Licht & Kraft 129,50, IG. Farben 146,75, Goldschmidt 104,50, Holzmann 89, Jynghans 82,50, RWE. 121, Schuckert 117,50. Frankfurter Obst- und Gemüsemackt. Frankfurt a. M-, 25. Okt. Das Angebot am Gemüsemarkt blieb sehr stark, besonders von Karotten, Spinat und Wirsing. Nach unbefriedigendem Geschäft verblieben in Spinat und Karotten Ueberstände. Für Zwiebeln haben sich die Preise etwas erhöht, für Feldsalat und Rosenkohl gaben sie etwas nach, im übrigen blieben sie unverändert. 11. a. notierten: Blumenkohl 10 bis 40, Eskarol 4 bis 8, Feldsalat 20 bis 30, Gewürze! gr. Bdl. 25 bis 40, Karotten 4 bis 5, gelbe Kartoffeln 3.30 bis 3.50, Kohlrabi, ober, 3 bis 5, do. unter 5 bis 6, Kopfsalat 3 bis 10, Lauch 2 bis 5, Meerrettich 35 bis 40, Pfifferlinge 45 bis 50, Steinpilze 35 bis 40, Rettich 4 bis 10, Römischkohl 5, Rosenkohl IB IM »I >1 ll-l Deine Empfindung für die Volksgemeinschaft, Deutscher, findet im 7VHD. ihren lebendigen Ausdruck. III i UH IIIII!!III»-''«- 18 bis 22, Rote Rüben 4 bis 5, Rotkraut 4,5 bis 6, Sellerie je nach Größe 5 bis 28, Spinat 4 bis 6, Schwarzwurzeln 18 bis 22, Tomaten I 12 bis 15, II 6 bis 10, Haus-Tomaten 20 bis 24, Weißkraut. 3,5 bis 4, Wirsing 3 bis 6, Weiße Rüben 5 bis 8, Zwiebeln 6. Der O b st m a r k t hatte gute Zufuhren von ^Aepfeln, sehr stark blieben sie aus dem Bodenseegebiet. Birnen waren ausreichend angeboten. Nach ausgesuchten Aepfeln und Birnen war die Nachfrage gut, dagegen sind geringere Früchte weiterhin schwer verkäuflich. Preise gegen die Notierungen vom Dienstag nahezu unverändert. Ausländische Trauben sind stark angeboten und finden nur schleppenden Absatz. U. a. notierten: Aepfel I 20 bis 25, II 14 bis 18, Wirtschaftsäpfel 10 bis 14, Edel I 22 bis 25, II 18 bis 20. Goldparmänen I 22 bis 25, II 18 bis 20, Boskop I 20 bis 25, II 16 bis 18, Anhalter 15 bis 18, Schafnase 10 bis 14, Landsberger 22 bis 25, Jugoslawen 16 bis 24, Birnen I 20 bis 25, II 14 bis 18, Kochbirnen 6 bis 10, Dr. Diehls Butterbirne 14 bis 20, 23ereih Dechant I 20 bis 25, Clairgeau I 20 bis 22, Charneu I 22 bis 25, Mollebusch I 18 bis 20, II 14 bis 17, Pastoren 12 bis 15, Quitten 25 bis 28, Trauben 13 bis 14, holl. 35 bis 40, ital. 16 bis 20, span. 23, bulgar. 17 bis 22, Walnüsse 40, Zitronen 5 bis 6 (Stück). Die Preise verstehen sich als Graßhandelsoerkaufspreise an hen Kleinhandel in Mark und gelten, soweit nichts anderes angegeben, für 100 Pfund, 100 Stück oder 100 Bündel. Frankfurter vuttermarkt. Frankfurt a. M., 25. Okt. Die Zufuhren an frischer deutscher Butter blieben auch in dieser Woche recht knapp, so daß weiterhin eine Verteilung vorgenommen werden muß. Die Reichsstelle gab einige Posten sibirische und lettische Butter ab, holländische war in ganz geringen Mengen vorhanden. Der Verkauf an den Kleinhandel und von da an den Konsum blieb naturgemäß sehr flott. Es notierten in RM, pro 50 Kilogramm frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise an den Kleinhandel): Deutsche Markenbutter 145—148, feine Molkereibutter 143—145, Molkereibutter 142, Holländ. Butter 145—148. Die Anfangspreise verstehen sich für Butter im Faß, während der End- ureis den Zuschlag für ausgeformte Stücke dar- stellt. Frankfurter Liermarkt. Frankfurt a. M., 25. Okt. Die Lage am Eiermarkt ist weiter fest. Die Anlieferungen an deutschen Frischeiern haben eine weitere Abnahme erfahren. Die Deckung des Bedarfes, der infolge der etwas knappen Fleischmengen > zur Zeit sehr lebhaft ist, erfolgte daher weiterhin meist mit den guten Kühlhauseiern, verschiedentlich auch mit frischen Eiern vorn Balkan und aus Holland. Trotz des bevorstehenden Mönat-^ndes blieb das Geschäft im Kleinhandel sehr lebhaft. Es notierten in Pfennig je Stück frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufs- nreife an den Kleinhandel): Deutsche Markeneier (Frischware) S 12^—12%, A 11^—11^, B 10X bis 11, C 93/< —10, D 9V4. Holländer S 12V« bis 12V2, A IIV2—ll3/4, B 103/4—11, C 93/4—10. Bulgaren 93/4—103/4. Deutsche Markeneier (Kühlhausware) S 11—W/4, A IOV4—IOV2, B 97s—93/4, C 9—974, D 8V2—83/4. Schweinemarkt in Homberg. = Homberg, 24. Okt. Der Schweinemarkt gelegentlich des Kalten Marktes war mit 436 Ferkeln befahren. Man bezahlte pro Stück für sechs bis acht Wochen alte Tiere 16 bis 20 Mark, acht bis zehn Wochen alte Tiere 18 bis 25 Mark und zehn bis zwölf Wochen alte Ferkel 20 bis 28 Mark. Obwohl der Markt stark besucht war, war der Handel schleppend, so daß geringer Uebexstand verblieb. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskoni 4 0 H., Lombardztnsfuß 5 v H. Frankfurt a.31. Berlin Frankfurt a M ^Berlin Frankfurt a. M Leriln Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schluß- kurs Schlußt. Mittag» L börse Schlußkurs Schluvk. Abendbörse Schluß- kurs Schlußk. Mittagbörse Schluß, kurs Schlußk. Abend- börse Schluß- kurs SWIußk. Mittag- börse Oatum 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 6yz% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 47,% Deutsche Reichspostschatzan- Weisungen von 1934, I....... 24-10. 100,13 98 102,13 112,6 100 96,5 96 100,4 91 112,75 96,25 100,5 100,75 97 97 107,3 27 9,5 9,13 9,4 10,25 25.10. 100,4 98 102 112,9 100 96,5 96 100,4 91,4 112,65 96,25 100,65 100,9 97 97 107,3 27 9,65 9,65 9,65 24-10. 100,13 98 102 112,65 100,1 96,5 113 100,5 97 97 107,3 28 1,4 9,55 9,45 9,5 10,25 25-10. 100,25 98 102 113 100,13 96,5 112,9 100,65 97 97 107,4 28,6 1,5 9,7 9,5 9,8 10,5 Datum 4% vesgl. Serie II ........... 24-10. 6 8,5 4,9 38,5 16 17,5 78,5 111 85,25 85 85 87,4 140,75 109,75 130 104 122 129,5 122,25 118 166,5 131,25 101,75 104,25 110,25 92,5 160 125,75 90 83,25 25-10. 5,75 4,9 38,9 16,5 17,75 78,5 110,25 85,25 85,5 85,5 174,5 36,65 140,75 109,5 129,5 103,5 121,5 121 117,5 166,5 130,13 101,5 103,25 110.5 93 160 125,5 90,25 82,75 24 10- 5,9 8,55 4,95 38,4 16,25 29 17,65 78,75 110,5 85,25 85 85 174,5 36,9 140,9 110,25 130 104 122,65 129 122,25 118,75 167,25 130,75 102,25 104,5 110,65 92,9 159,25 126 90,75 83,25 25.10 5,65 8,4 4,95 39 16,5 28,5 17,9 78,66 110,5 85,25 85,5 85,5 174,5 36,75 141 110 129 103,65 121,5 129 121 117,5 166,5 129,5 102,25 103 110,5 92,75 159,25 125,5 90,13 82,75 Datum Wrmälelhpr fRprnfimi _ . . e 24-10- 25-10- 117,75 215,75 105.13 80,4 19,25 128,5 123,5 146,75 223 104,5 113,25 104,75 .s 130 55,5 104,65 111 78,5 93,75 143,13 24,5 296 156 89,65 211 24-10- 118,5 114,75 215 106 81,65 19,4 129,5 124 147,25 105,75 114 105,75 103,25 55,4 106 111 79 127,25 94 143,5 79,5 24,65 295 172 156,75 28,75 210,75 25-10. 117,75 114,5 215 105,4 80,5 19,13 129 124 180 146,65 105 113 105,25 89,25 102,5 55,4 105 111,5 78,25 126,5 93,4 143 79,75 24,4 297,5 156 28,25 210,65 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4^%Rumän.vereinh.Rentev.i913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2%% Anatolier ............... Kokswerke.................5 - Phönix Bergbau.............0 — Rheinische Braunkohlen ..... 12 216 Rheinstabl ................ 8% 105,75 Vereinigre Stahlwerke........ 0 81,5 Otavi 'Minen ............... 0 19,13 Kaliwerke Aschersleben........5 130,5 Hamburg-AmerUa-Paket 0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd ......... o A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz- und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und DiSconto- Gesellschaft................0 Dresdner Bank..............0 Reichsbank ..... 12 41.®.®......................o Bekula.................... 10 Elektr. LieferungSgelellschast... 5 Licht und Kraft .......... 6% Felten & Guilleaume......... 0 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........5 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co......... 4 Siemens S Halske............ 7 Lahmeyer L To........ 7 •% ehern.8% Hess. Bolk'sstaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ oder Loden, mit warmem Futteroder Pelz 19.50 26.50 38.00 48.00 Fleisch» bütien Fleischständer Waschbütten neu u gebraucht Küfereißl87D .lommerkorn Bleichstraße L gun*fige Angeber Der in der Gemarkung G eßen bis 15. Dezember io oder mehrO stbäume kein ormobstj aufzu'ammenhängendcm Grundstück pflanzen to.ll und sich an deR fthinien bä>t (bei 10 Daumen 2, 15 3 und mehr Säume 4 Seiten), wird aus die Mö lichkeit ur Erlangung der Jt chsbe hil e 157O er Anübaffungs osten hingewie en. X an verlange ba'dirft durch postka le Anme d bogen von der Obstbau in'peküon Friedberg. Anmeldung spä.est ns dis 15. No> vember. 3t chtlinie i rön en bei uns eingesehcn werden. Obst- und (SartenSauverein Gießen schützen Ihre Gesundheit gegen trockene stoubige Zimmerluft,benommenen Kopf Hustenreiz und Ansteckungsgefahr Verlangen Sie Prospekt. 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