Nr. ,48 Scher Blatt Montag, 26 August 1455 185. Jahrgang Erscheint täglich, nutzer jhhv Ä ä Annahme von Anzeige» Sonntags und Feiertags ▼ für die Miltagsnummer Beilagen: Die Illustrierte A Jk A k A Ak A A A AA WB AA A A A AA bis 8^/,Uhr des Vormittags BM (hioKCHCt iiwiner WZZ iSö V/B’VIJVII'VA AAlllVIMvA ®?ss von einzelnen Nummern Lrmahigle Grundpreise: infolge höherer Gewalt Stellen-., Vereins», gemein* äää& iiw (hh^hMw ä’ä'ä ä&tä wiiviui-aiijviyvi v/vvu/v||vii FSS» gtannurteni'mein liess vruck und Verlag: vriihl'sche Univerfitätsvuch- und Steindruckerei R. Lange in Sieben. Schriftleitung und SeschSftrftelle: Schlllftratze 1 M-ngenabschW^taff^» Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Das höchsteBauwerk derReichsautobahn der der Am Samstagnachmittag wurde an der 60 Meter hohen Mangfallbrücke auf dem Abschnitt München— Landesgrenze der Reichsautobahn das Richtfest gefeiert. Diese Brücke, ein technisches Meisterwerk, ist • das höchste Bauwerk der Reichsautobahn. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Mussolini sagte: Denn in Gens Sank- tionen gegen Italien beschlossen werden, dann wird Italien sofort den Völkerbund verlassen, Unmißverständlich sollte begriffen werden, dah jeder Staat, der Sanktionen gegen Italien anwendet, der bewaffneten Feindschaft Italiens begegnen wird. Die der Korrespondent ergänzend dazu bemerkt, unterscheide dabei Mussolini zwischen moralischen» wirtschaftlichen und militärischen Sanktionen. Eine moralische Sanktion, z. V. in Form eines Tadelvotums in Genf, würde mit dem Austritt aus dem Völkerbund beantwortet werden. Einer Blockade italienifcherhäfen oder der Schließung desSuezkanals würde nach Mussolinis Worten mit allen Streitkräften Italiens zu Lande, zu Wasser und in der Luft Wider st and ge - leistet werden. Eine Schließung des Suezkanals würde er als einen Bruch des Versailler Vertrages betrachten, denn das Statut des Kanals sei in diesem Vertrag eingeschlossen worden. Der Korrespondent bemerkt dazu, Sanktionen würden Einstimmigkeit, d.h. das Einvernehmen Frankreichs, zur Voraussetzung haben. Deshalb habe er Mussolini gefragt, ob er alle Streitfragen mit Frankreich (Tunis usw.) geregelt habe, im Austausch gegen ein Versprechen der französischen Regierung, Italien freie Hand in Ostafrika zu lassen, hierauf habe Mussolini schriftlich geantwortet, und zwar: „Es ist wahr, daß die Vereinbarungen vom 7. Ianuar alle Meinungsverschiedenheiten zwischen uns und Frankreich geregelt haben." Mussolini erklärte außerdem: Sollte der Völkerbund so unbesonnen sein, einen fernen Kolonialfeldzug in einen allgemeinen europäischen Krieg zu erweitern, der die Tür für jeden unbefriedigten Ehrgeiz in (Europa, oder sogar in der ganzen Welt weit öffnen und der dsesmal nicht Millionen, sondern Dutzende von Millionen von Menschenleben ko st en würde, dann würde der Völkerbund die Schuld tragen. Ueber die Haltung Italiens gegenüber der Session des Völkerbundsrates am 4. September sagte Mussolini: „Ich werde eine Delegation zu dieser Ratssitzung schicken, um der Welt den Standpunkt Italiens klar darzustellen. Beschäftigten hat nach den Ergebnissen der Statistik der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung im Monat Juli weiter um 13 6 00 0 zugenommen. Damit ist die Gesamtzahl der Beschäftigten Ende Juli auf 16 640 000 angestiegen Die Gesamtbewegung im Arbeitseinsatz war erheblich lebhafter als im Vormonat und übertraf in einer Reihe Bezirke den Umfang der vorhergehenden Frühjahrs- und Sommermonate. Insgesamt wurden im Laufe des Monats Juli bet den Arbeitsämtern 628 OOO^Urbeitsge- fuche neu gestellt, 788 000 Arbeitsuchende tarnen in Abgang. Der starke Bedarf an Arbeitskräften kommt vor allem auch in der Neuanmeldung von 778 000 offenen Arbeitsplätzen zum Ausdruck. Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit herrschte vor allem in den Saisonaußenberufen noch starke Nachfrage nach Arbeitskräften. So konnten im Baugewerbe die zahlreichen, durch Beendigung von Bauten freigewordenen Arbeitskräfte meist sofort wieder in neue Arbeitsplätze vermittelt werden. In vielen Bezirken mußte zur Deckung des Abschluß des deutschen Kreuzerbesuchs in Polen. W a r s ch a u, 25. Aug. (DNB.) Die O f f i z i e r s- a b o r d n u n g des Kreuzers „Königsberg" hat am Samstag um 10 Uhr im Flugzeug Warschau verlassen, um sich nach Gdinge n zuruckzubegeben. Mussolini erklärt: Sanktionen bedeuten Krieg! Wenn Genf nicht gefügig ist, tritt Italien aus dem Völkerbund aus. — Kein Zurück mehr, die 200000 italienischen Gewehre in Ostafrika gehen sonst von selber los. Wettere Zunahme der VeschäMtenzabl. Berlin, 24. Aug. (DNB.) Die Zahl Führer und Reichskanzler Hal im Früh- jahr an zunehmender Heiserkeit gelitten, die ihn bei der letzten großen Rede im Reichstag besonders stark belästigte. Als Ursache der Stimmstörung fand Professor Dr. o o n E i ck e n einen Polypen am rechten Stimmband, den er am 23. Dai operativentfernte. Die Stimme des Führers wurde alsbald wieder ganz klar. Nachträgliche Untersuchungen haben gezeigt, daß die Stimmbän- nunmehr wieder durchaus normal find. In ihrer Begleitung befanden sich der Pertreter des Chefs der polnischen Marineleitung Comrnodore K o d r o b s k i und der Militärattache bei der Deutschen Botschaft Generalleutnant Schindler. Auf dem Warschauer Flugplatz wurden die deutschen Offiziere im Auftrage des Chefs der polnischen Marineleitung von Comrnodore Reimann herzlich verabschiedet. Der Kommandant der „Königsberg", Kapitän z. S. Schmundt, dankte für die herzliche Aufnahme des deutschen Kreuzers in Polen. Der Kreuzer „Königsberg" hat am Sonntag um 10 Uhr den polnischen Hasen Gdingen nach viertägigem Aufenthalt wieder verlassen. Neuordnung seines Verhältnisses zu Italien ge- aenübergestellt, dessen Imperialismus früher oder später sich von Afrika wieder der Adriatischen Küste und damit den serbischen Lebensinteressen zuwenden wird. So wird man wahrscheinlich in Bled feststellen müssen, daß die drei Staaten der Kleinen Entente zwar gemeinsam und drohend nach Wien und Budapest blicken können, daß sich aber drei verschiedene Bilder ergeben, wenn man von Prag, Bukarest und Belgrad auf Paris, Rom, Moskau 'ober auch nach Berlin schaut. Es wird dabei bleiben, daß die Kleine Entente eine Nach- laß v e r w a l t u n g, aber keine europäische Großmacht ist. Eine Stimmbandstörung des Führers glücklich beseitigt. Berlin, 25. August. DNB. meldet: Der Italien habe von Locarno bis Stresa zu viele Beweise seines Wunsches nach Zusammenarbeit zur Sicherung des Friedens in Europa gegeben, als daß es beschuldigt werden könnte, es wolle das Zündholz an das Pulverfaß halten, hoffentlich werden feine Worte allen vernünftigen Engländern die Lage klar machen. Er wünsche sie daran zu erinnern, daß Italien stets zu dem britischen Reiche gehalten habe, und zwar nicht nur im Weltkrieg, sondern auch zu anderen Zeiten, wenn der Rest der Welt gegen Großbritannien Stellung genommen hatte. Auf die Frage des Korrespondenten, ob die Möglichkeit einer Aenderung feiner Haltung bestehe, antwortete Dussolini: Keinerlei Döglichkeit, es sei denn, dah Abessinien nachgibt. Mussolini führte ferner aus: Die Aufgabe der Kolonisierung und Zivilisierung Abessiniens wird das italienische Volk für mindestens 50 Jahre beschäftigt halten. So bald man uns gestattet, uns dieser ungeheuren Unternehmung zu widmen, werden wir Freunde und nicht Gegner des drittschen Reiches sein, verbunden durch gegenseitige Achtung vor den beiderseitigen Interessen Mussolini vertrat die Ansicht, daß die brittsche Regierung Italiens Sonderrechte in Abessinien bereits durch Verträge einer ihrer regelmäßigen ^Beratungen wieder zusammentreten, um dort die Bilanz ihrer bisherigen Politik zu machen und die künftige Marschlinie festzulegen. Diese Bilanz wird nicht restlos befriedigend ausfallen. Als die Kleine Entente vor 15 Jahren gegründet wurde, hatte sie, abgesehen von den etwas unklaren Vorstellungen ihrer künftigen Bedeutung als Großmacht, das rein negative Ziel, ihren Bestand als Nachfolgestaaten der zerstörten österreichisch - ungarischen Doppelmonarchie gegen die Revisionsbestrebungen zunächst in Oesterreich und Ungarn, dann aber auch gegen den europäischen Revisionsgedanken im allgemeinen, zu sichern. Das wirksame Feldgeschrei dieser Politik war die Kampfansage gegen jeden Versuch einer monarchischen Restauration in Oesterreich und Ungarn, die bis zu dem Drohwort „Habsburg ist der Krieg" ging, hierin hat sich zweifellos der Bestand der Kleinen Entente bewährt, bis in die letzte Zeit, als die Aufhebung des österreichischen Verbannungsgesetzes gegen die habsburgische Familie diese Frage wieder höchst akut gemacht hatte. In der Tat hat dieses erste Lebensgesetz der Kleinen Entente bisher immer vermocht, die freundlicheren Neigungen für eine habsburgische Wiederkehr zll überwinden, die gelegentlich in Paris und in Rom zu spüren waren. Weniger günstig dürfte die Bilanz ausfallen, wenn man die Gemeinsamkeit der drei Machte tn den andern europäischen Fragen und somit ihre konzentrische Wirksamkeit als Großmacht überprüft Die Verschiedenartigkeit ihrer Stellung in den großen europäischen Gegenwartsfragen zeigt am deutlichsten, daß auch ein „Dr- ganisationsstatut" die besonders gelagerten geopolitischen Interessen nicht zu überwinden vermag So sind z D alle drei Staaten der Klemen Entente politisch an Frankreich und sein europäisches System angeschlossen, aber doch in s ehr verschiedener Weise und m unterschiedlichen Graden. ^Tschechoslowakei des Herrn Be- nesch steht hier weitaus in vorderster Lime, indem sie das französische Bündnis mit der Sowjetunion bis auf militärische Verabredungen getreulich kopierte und sich ohne iede selbständige Regung in die Entwürfe der französischen Paktpolitik auch gegen Deutschland ein- sügte. Rumänien folgt hier etwas zögernder, wenn auch sein derzeitiger Außenminister Titu- lescu alle Neigung dazu zu haben scheint, die bessarabische Frage zu vergessen, die bisher eine unüberwindliche Mauer Zrmschen der rumänischen und bolschewistischen Politik bildete. Er findet hier jedoch Widerstand beim König und im Kabinett und an der nicht zu beseitigenden Tatsache, daß er durch einen Anschluß an Moskau das traditionelle Verhältnis seines Landes S "P ° l en restlos zerstören würde. Noch in diesen Tagen hat Der polnische Gesandte in Rumänien in Konstanza am Schwarzen Meer erklären können: „Niemand ist besser als unsere zwei Nationen dazu geeignet. Das nördliche Meer mit dem südlichen zu verbinden. Der Kampf um die Alternative Moskau oder Warschau ist also in Bukarest noch nicht entschieden. Noch selbständiger wird die jugoslawische Politik geführt, die sich sogar gegen jede diplomatische Anerkennung der Sow- ietrepublif sträubt und trotz des hohen Wertes, den sie auf das Bündnis mit Frankreich legt, und legen muß, sichtlich bemüht ist, freundschaftliche Beziehungen auch mit Deutschland zu pflegen. Diese Verschiedenheit der politischen Stellung der drei Mächte der Kleinen Entente werden bei der Zusammenkunft in Bled zweifellos der wichtigste Verhandlungsgegenstand.sein. Herr Benesch wird sich bemühen, seine Kollegen aus Bukarest und Belgrad auf di- Linie der Prager Politik zu suh- ren und so feine Idee von der Grobmachtstellung der Kleinen Entente auch praktisch zu verwirklichen. Ob er damit Erfolg haben wird ist, wenigstens was Jugoslawien anbetrisft, sehr zweifelhaft. Das großserbische Königreich ist gegenwärtig ,n einer inneren EntwIck l u n g s k r l s e und sieht sich zudem der noch gänzlich ungelösten und zur Zeit wahrscheinlich nicht lösbaren Frage der London, 26. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der italienische Regierungschef! Mussolini hat sich dem bekannten Sonderberichterstatter der „Daily Mail", Ward P r i c e gegenüber zur Sank- t i o n 5 f r a g e geäußert. Darüber hinaus gibt Ward Price seinem Blatt noch eine ganze Reihe von Aeußerungen Mussolinis, die er vom Duce teils mündlich, teils sogar schriftlich erhalten habe. Unsere Sache wird durch Dokumente und Photographien unterstützt werden. Ich werde sogar eine Kiste mit Büchern schicken, einschließlich eines Buches von Lady Simon, worin die barbarischen und sklaoenhalterischen Gewohnheiten der Abessinier gekennzeichnet werden. (Es handelt sich um das Buch „Sklaverei", dessen Verfasserin die Gattin von Sir John Simon ist.) Wenn der Völkerbundsrat dieses Beweismaterial geprüft hat, werde ich den Völkerbund fragen, ob er gesonnen ist, Italien als auf gleichem Fuß mit Abessinien stehend zu behandeln, wenn er dies kann. Die europäischen Nationen sollten dem Beispiel der Vereinigten Staaten folgen und Italien in Frieden lassen, damit es seine Sendung erfülle. Die Pazifisten seien die schlimmsten Feinde des Friedens, denn sie wollten einen Streit über die ganze Welt verbreiten, der den b e - grenzten Char alter einer Kolonial- Expedition habe, deren Zweck es sei, Ordnung in einem Lande zu schaffen, wo niemals Ordnung geherrscht habe. Italien werde nichts tun, um Zwietracht in Europa zu verursachen, aber andere mühten das gleiche Verantwortungsgefühl zeigen. Bevor einer von Sanktionen redet, sollte er sich die eventuellen Folgen gut überlegen. Me arithmetische Großmacht Die Kleine Entente, der enge politische Zusammenschluß der Tschechoslowakei, Rumäniens und des jugoslawischen Königreichs, ist der interessante Versuch, die Arithmettk in die große europäische Politik einzuführen, indem durch Zusammenzählung dreier Mittel st aaten eine europäische Großmacht erzeugt werden sollte. Die Idee entsprang dem anschlägigen, aber etwas zu schematischen Kopfe des tschechischen Dauer-Außenministers Benesch, der — es sind jetzt gerade 15 Jahre her — im August 1920 zusammen mit dem Serben Nintschitsch und dem Rumänen Take I o n e s c u die Kleine Entente begründete, in deren Tausname die Andeutung lag, daß sie ein politisches Seitenstück zur Großen Entente, dem Vorkriegs- und Kriegsbündnis der Westmächte, darstellen sollte. Der Zusammenschluß ging weit über ein Bündnis hinaus, denn die drei Staaten vereinbarten, in allen Fragen eine gemeinsame Politik zu führen, diese in regelmäßigen Zusammenkünften der Außenminister öffentlich festzulegen und auch in der politischen Repräsentation, zum Beispiel beim Völkerbund, stets geschlossen aufzutreten. Benesch hat diese feste Bindung sogar vor drei Jahren in einem „Oraanisations- jt a t u t" niedergelegt, das eine Art überftaat» licher Verfassung der drei Mächte darstellt und diesen neuen, interessanten politischen und völkerrechtlichen Mächtetypus am deutlichsten versinnbildlicht. Am 29. und 30. August werden die Außenminister der Kleinen Entente in Bled in Jugoslawien zu Bedarfs der zwischenbezirkliche Ausgleich stark in Anspruch genommen werden. Auch der Bedarf an Erntearbeitern war noch besonders groß. Ebenso hatten die K o n j u n f t u r b e r u f e mit wenigen Ausnahmen einen größeren Abgang an Arbeitsuchenden zu verzeichnen, als der Neuzugang betrug. Bei dieser günstigen Entwicklung im Arbeitseinsatz war die Dermittlungstätigkeit der Arbeitsämter besonders lebhaft. Von den 815 000 Fällen, in denen die Arbeitsämter im Laufe des Monats Juli bei der Einstellung von Arbeitskräften mitgewirkt haben, entfielen 448 000 auf Vermittlungen in Dauerstellungen. 251 000 Personen konnten in kurzfristige Beschäftigungen eingewiesen werden (Gastwirtschaftsgewerbe, Verkehrsgewerbe, Musikergewerbe), weitere 66 000 wurden von den Betriebsführern namentlich angefordert, und rund 50 000 Arbeitskräfte wurden in Fürsorge- und Notstandsarbeiten vermittelt. Die letztere Zahl ist wegen der planmäßigen Einschränkung der zusätzlichen Arbeiten gegenüber den Pormonaten erheblich zurückgegangen. Im Rahmen der Gesamtoermittlungen wurden 8057 alte Kämpfer der nationialen Bewegung in Arbeit vermittelt, darunter 5947 in Dauerstellungen Die jugoslawische Kabinettskrise beiaelegi. Belgrad, 26. August. (DNB.) Die j u g o f l a • wische Regierungskrise wurde am Sonntag durch Rekonstruktion des Kabinetts beigelegt. An Stelle des zurückgetretenen Ministers für Sozialpolitik Preka wurde der derzeitige Minister für die körperliche Ertüchtigung der Jugend Komnenowitsch ernannt An die Stelle des zurückgetretenen Justizministers Auer trat der Abgeordnete Mischkulin und an die Stelle des zurückgetretenen Forstministers Stefanowitsch der bisherige Minister ohne Geschäftsbereich 3 a n • kowitsch. Die neuen Minister sind bereits vereidigt worden * Äl wird Musiker und Zuhörerschaft. in der Einspruch gegen das eng >me, ch e anerkannt habe und daß es erft Halt rufen sollte, । den sind. Sobald aber Abessinien für die sta wenn Italien irgendwelche britischen Inrecessen u« m ***** licnifchr Äefonifsfbn geöffnet worden ist, werden die kolonialen Bestrebungen Italiens rest- Aerzte mischten sich unter die weiße Eine Entschließung fand Annas England kann die Mltelmeerlinie nicht halten Verzicht auf Sanktionen, oder Krieg auf der ganzen Linie. Waffenausfuhrverbot erhoben wird, weil es eine ,chösartige Benachteiligung Abessiniens" bedeute. Verstärkung der englischen Garnisonen in Malta und Aden. London, 26. Aug. (DNB. Funtspruch.) Laut „Preß Association" werden in den nächsten Tagen annähernd 1000 Mann zur Verstärkung der Garnisonen von Malta und Aden abgehen. Nach einer Mitteilung des englischen Kriegsministeriums will man die militärische Stärke von Malta und Aden ständig auf die im vorigen Jahr genehmigte Höhe bringen. Spanische U-Boote werden nach Südspanien beordert. Madrid, 26. Aug. (DNB.) Am Samstag sind sechs U-Boote der Klasse C von dem nordspanischen Hafen El Ferrol nach Cadiz aufge- brachen. Vorkehrungen desamenkanischen Admiralstabes. W a s h i n g t o n, 26. August (DNB. Funkspruch). Wie aus zuverlässiger Quelle verlautet, hat der amerikanische Admiral st ab beschlosien, angesichts der Unsicherheit der weltpolitischen Lage das Aufklärungsgeschwader der Flotte nach Beendigung der Flottenmanöver des Jahres 1936 nach den Gewässern des Atlantischen Ozeans zu beordern. Die Schlachtflotte soll im Pazifik stationiert bleiben. Es ist beabsichtigt, beide Flottenemheiten in der Nähe des Panama- Kanals zu konzentrieren, um ihre Bereinigung jederzeit gewährleisten zu können. los erfüllt fein. Die finanzielle Lage Italiens gibt Mussolini, wie er erklärte, keinen Anlaß zur U n r u h e. Das italienische Volk habe einen solchen Beweis von Selbstaufopferung gegeben, daß sein entschlossener Wille zu allen etwa notwendigen weiteren finanziellen Opfern unzweifelhaft sei. Die Frage, ob Italien durch seinen abessinischen Feldzug nicht zur Aufgabe der Rolle gezwungen werde, die es bisher in Zentral- e u r o p a gespielt habe, beantwortete Mussolini mit einem Hinweis auf die 5 0 0 0 0 0 M a n n, die gegenwärtig bei Bozen Manöver ausführen. Mussolini sagte noch, wir können jetzt nicht mehr zurück. Die 200 000 italienischen Gewehre in Ostafrika würden von selber losgehen. Der Korrespondent sagt, Mussolini habe den dringenden persönlichen Wunsch geäußert, daß dieses Interview in der „Daily Mail" als eine autoritative Darstellung seiner Ansichten veröffentlicht werde. London, 24. Aug. (DNB.) Nachträglich bekannt, daß an der gestrigen Ministerbespre- chung, die unter dem Vorsitz Macdonalds stattfand, auch die Stabschefs der britischen Land-, See- und Luftstreitkräfte teilgenommen haben, darunter auch der Chef des britischen Reichsgeneralstabes. Bemerkenswert ist auch, daß diejenigen Minister, die ihren durch die Kabinettssitzung unterbrochenen Urlaub nicht wieder angetreten haben, fast sämtlich dem britischen Reichs verteidigungsausschuß angehören. Englische Arbeiteropposilion geht mit der Regierung. London, 26. Aug. (DNB.) In einer Unterredung mit dem „Sunday Referee" äußerte sich der Führer der Arbeiterpartei L a n s b u r y zu der Haltung der wichtig st en britischen Oppositionspartei in der Frage des italienisch- abessinischen Konfliktes. Danach vertritt die offizielle Arbeiterpartei vorbehaltlos den in Der letzten Kabinettssitzung zum Ausdruck gekommenen außenpolitischen Standpunkt der britischen Regierung. Die Arbeiterpartei stehe auf dem Boden der Völkerbunds- s a tz u n g e n mit allen sich daraus ergebenden Folgen. Sie sei Gegner jedes unabhängigen und alleinigen britischen Vorgehens. Wie er hinzufügen möchte, billige die Partei aus diesem Grunoe auch nicht den kürzlichen Abschluß des F l o t t e n a b - kommens mit Deutschland. Zweifellos, so fuhr Lansbury fort, werde die Arbeiterpartei die Regierung unterstützen, wenn sie. zu Sanktionen auffordere, um den italienischen Angriffen Französische Bauern drohen mit Selbsthilfe. Paris, 26. Aua^ (DNB. Funkspruch.) Im Aus- tellungspark von Rouen fand am Sonntag eine große Kundgebung der Bauernfront tatt, einer rechtsgerichteten Organisation zur Der- teidigung der Interessen der französischen Landwirtschaft, an deren Spitze der Bauernführer Henry Dorgöres steht. An der Kundgebung nahmen etwa 25 000 Mitglieder aus allen Provinzen Frank- reichs teil. In einer unter großem Beifall einstimmig angenommenen Entschließung heißt es, die Bauern würden zur Selbsthilfe schreiten, wenn die Regierung bis zum 15. September keine Maßnahmen zur Erhöhung der Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse getroffen haben sollte. Insbesondere komme hierfür die Schließung der Grenzen in Frage. Geplant sei u. a. die Schaffung von Bauerntrupps, die die Aufgabe hätten, sich der Einfuhr landwirt- schaftlicher Erzeugnisse aus dem Auslande zu wider s e tz e n. Alle Volksvertreter, die von der landwirtschaftlichen Bevölkerung in die Stadt- oder Gemeinderäte oder ins Parlament gewählt worden seien und sich den Anweisungen der Bauernfront widersetzen sollten, werden boykotiert werden. bedrohe. lieber Italiens frühere O st a f r i k a p o l i- jik sagt Mussolini: 13 Jahre lang hat Italien sich Abessinien gegenüber fortdauernd freundschaftlich gezeigt. Wir haben den Abessiniern nach der Unterzeichnung des Vertrages von 1928 sogar eine große Menge moderner Waffen geschenkt. Einige der Waffen, die jetzt gegen unsere Soldaten in Aftika Verwendung finden werden, werden italienischer Herkunft fein. Es handelt sich um Mausergewehre, Maschinengewehre und eine Million Patronen, die ich Abessinien als Geschenk gesandt habe. Würde ich dies getan haben, wenn ich feindselige Absichten gegen Abessinien gehabt hätte? Dann verbreitete sich Mussolini über die bekannten Gründe seiner Politik, die Uebervölke- rung Italiens, die Unergiebigkeit L i - b i e n s und die Vorzüge Abessiniens. Er sagte: Die Erschließung der Reichtümer Abessiniens **rirb Italien und der ganzen Welt zugute kommen. Die Zeil ist vielleicht gekommen, die Frage der Kolonien mit all ihren Zusammenhängen aufzuwerfen. Dies würde allen zivilisierten Staaken zum Vorteil gereichen und besonders denen, die ungerechterweise ihres Anteils an den Schätzen der Welt beraubt roor- aegen Abessinien ein Ende zu bereiten. Lansbury fügte hinzu, daß er die Lage für ernst, aber nicht für hoffnungslos halte. In diesem Zusammenhang verdient die Tatsache Beachtung, daß der stellvertretende Vorsitzende der Arbeiterpartei Major A t t l e e in den letzten Tagen in Paris eine vertrauliche Aussprache mit dem französischen Sozialistenführer Löon Blum über die abessinische Krise hatte, lieber den Ausgang dieser Besprechung weiß „Reynolds News" zu melden, daß die Regierungen auf beiden Seiten des Kanals mit der Unterstützung der Opposition rechnen könnten, wenn die Völkerbundssatzungen anoewandt werden sollten, um eine italienische Angriffshandlung zu verhindern. „Daily Herald" meldet, die Arbeiterparteien Großbritanniens und Frank- reichs arbeiteten zusammen, um eine friedliche Beile gung des italienisch-abessinischen Streites zu sichern. Der stellvertretende Führer Der parlamentarischen Arbeiterpartei Major A11 l e e habe mit dem französischen Sozialistenführer eine Politik der Treue zu den Grundsätzen des Völkerbundes vereinbart. Sie würden anregen, daß Litwinow in seiner Eigenschaft als Präsident des Dölkerbundsrates eine äußerste Anstrengung unternehmen sollte, um eine schiedsgerichtliche Regelung zu ermöglichen. Farbige Protestredner in London. London, 26. Aug. (DNB. Funkspruch.) Auf dem Trafalgar-Square wurde am Sonntagnachmittag eine Protest Versammlung gegen die Abessinienpolitik Italiens abgehalten. Die Redner, die von der Plattform der Nelsonsäule aus sprachen, waren ausschließlich Farbige. Die drei jungen Söhne des abessinischen Gesandten Dr. Martin, sowie farbige Seeleute, Schauspieler, London, 26. August. (DNB.) In einer sehr ausführlichen Betrachtung zur Lage erklärt Gar - v i n im „Observe r", daß man zwischen zwei Dingen zu wählen habe: dem Verzicht auf Sanktionen oder dem Krieg auf der ganzen Linie. Nach Ansicht des Verfassers würde es nie zur abessinischen Krise gekommen sein, hätte nicht Großbritannien in den letzten Jahren seine Rüstungen vernachlässigt. Solange diese Unterlassungssünde nicht berichttgt würde, werde nichts aus Erden Großbritannien von den schlimmsten Gefahren bewahren. Glücklicherweise hüten die kaltblütigeren Mitglieder der britischen Regierung dafür gesorgt, Maßnahmen zu verhindern, die Großbritannien in einen unnötigen und verheerenden Krieg führen würden. Immerhin dürfe man sich keinen Illusionen über die noch bevorstehenden Ereignisse hingeben. Es brauche nicht bedauert zu werden, daß die Regierung es für ratsam gehalten habe, einen klugen Rückzug mit einer Kanonade von Dementis zu decken. Die Italiener würden einen schweren Fehler begehen, wenn sie die Bedeutung dieser Vorsichtsmaßnahmen auf die leichte Schulter nähmen. Garvin bezweifelt weiterhin, daß etwa §r a n k r e i ch sich bereitfinden würde, irgendwelche anktionsforderungen zu unterstützen. Im Anschluß daran wiederholt er seine Kritik an den Völkerbundssatzungen. Das Völkerbundsstatut sei ursprünglich in der Erwartung einer Beteiligung der Vereinigten Staaten von Nordamerika entworfen worden. „Schwächliche Sankttonsmahnahmen",so schreibt Garvin, „bedeuten nichts, nachdrückliche Sanktionen bedeuten Krieg. Das britische Volk wird nicht durch eigenmächtiges Vorgehen einen Krieg heraufbeschwören, der das bestehende po- littsche System in Großbritannien von oben bis unten in Unordnung bringen würde." Im übrigen kommt Garvin bei einem Vergleich der militärischen Stärke Großbritanniens und Italiens im Mittelmeer zu dem Ergebnis, daß Großbritannien die lebenswichtige Vlittelmeer- linle des Britischen Reiche» gegen ein feindseliges Italien zurzeit nicht halten könne. Die geroaltige Vermehrung der italienischen Luftstreitkräfte im Mittelmeer dauere auch heute noch an. Trotzdem habe der größte Teil des britischen Kabinetts, nachdem die theoretische Treue zu unbe« stimmten Verpflichtungen bestätigt worden sei, die unterbrochenen Ferien wieder angetreten. Zum Schluß forderte Garvin die frühere Einberufung des Parlaments, dem unverzüglich zwei große Wehrgesehe vorgelegl werden müßten, dessen eines die äußerste Beschleunigung für die Herstellung der Luftgleichheit sichern mühte, während das andere die notwendigen Maßnahmen für die Wiederher st ellung der britischen Seegeltung vorsehen soll. Als Zeitraum für die Durchführung dieses Programms schlägt Garvin drei Jahre vor. Die Mittel möchte er auf dem Anleiheweg beschafft wissen. Auch die Stabschefs waren anwesend. Amerikanischer Protest in Moskau. Gegen die Einmischung der Komintern in inneramerikanische Angelegenheiten. London, 26. Aug. (DNB. Funkspruch.) Reuter meldet aus W a s h i n t o n : Der amerikanische Botschafter B u l l i 11 in Moskau hat gestern dem stellvertretenden Sowjetkommissar des Aeußeren eine Note überreicht, in der nachdrücklich dagegen Protest erhoben wird, daß sich bei dem 7. Kongreß d e r kommunistischen Internationale auf sowjetrussischem Gebiet Vorkommnisse abgespielt hätten, die eine Einmischung in d i e inneren Angelegenheiten der Vereinigten Staaten bedeuteten. Die Note erhebt „den aller nachdrücklichsten Protest gegen diese flagrante Verletzung des Versprechens, das am 16. November 1933 von der Regierung der USSR. hinsichtlich der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten der Vereinigten Staaten gegeben worden ist". Der damalige Brief Litwinows an den Präsidenten Roosevelt wird in ungekürztem Wortlaut wiedergegeben. Die Note verweist besonders auf das Versprechen Litwinows, nicht zuzulassen, daß sich auf dem Gebiet der Sowjetunion irgendeine Gruppe bilde, aufhalte oder betätige, deren Ziel der Umsturz oder die gewaltsame Aenderung der politischen oder sozialen Ordnung in dem Gesamtgebiet der Vereinigten Staaten oder einem Teil davon bilde. Die Note sagt: Da der Sowjetregierung die Ziele der kommunistischen Internationale nicht unbekannt sein könnten, scheine es unnötig, die Verhandlungen auf dem letzten Kongreß anzuführen, oder eine Namenliste der dort anwesenden Mitglieder der amerikanischen kommunistischen Organisation zu geben, deren Zulassung in die Sowjetunion der Sowjetregierung natürlich bekannt gewesen sei. Dann heißt es in der Note: „Das amerikanische Volk nimmt die Einmischung fremder Länder in feine inneren Angelegenheiten auherordenttich übel auf. Die amerikanische Regierung erachtet die sorgfältige Erfüllung des Versprechens der Nichteinmischung als wesentliche Vorbedingung für die Aufrechterhaltung normaler freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjets. Den Vereinigten Staaten würde es an Offenheit mangeln, wenn sie nicht freimütig erklärten, sie sähen die ernstesten Folgen voraus, wenn die Sowjetunion nicht willens oder außerstande sei, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um weitere Handlungen zu verhindern, die im Widerspruch stehen zu dem feierlichen Versprechen, das den Vereinigten Staaten gegeben worden ist." Die Note schließt mit der Warnung, die Fortdauer der Einmischung in die inneren Angelegenheiten des amerikanischen Volkes durch die Sowjetunion würde die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Völkern der beiden Länder unvermeidlich verhindern. 9er diskrete Seitenblick der Sowjets. N e u y o r k, 26. Aug. (DNB. Funkspruch.) Mit großen Schlagzeilen bringen die Morgenblätter Den Protest der amerikanischen Regierung gegen d i e Sowjetpropaganda, wobei sie auf die Folgen Hinweisen, die sich aus einer Fortsetzung der kommunistischen Machenschaften in den Vereinigten Staaten ergeben könnten. In einem Leitartikel führt „N e u y o r k T i m e s" aus, daß das Staatsdepartement in förmlichster und feierlichster Weise bei den Sowjetsgewalt- Habern dagegen protestiert habe, daß sich ihre Versprechungen, auf Grund deren sie die Anerkennung der Vereinigten Staaten erreichten, als trügerisch erwiesen hätten. Es sei offenkundig, daß bei dem letzten Kongreß der kommunisti- scheu Internationale in Moskau die Sowjetregierung diskret zur Seite geblickt habe, während Pläne und Komplotte für eine offene oder geheime Einmischung in amerikanische Angelegenheiten von russischen Staatsangehörigen vorgeschlagen und gebilligt wurden. Angesichts der zur Zeit in Amerika herrschenden Empfindlichkeit gegenüber der roten Propaganda und Verschwörung könne die Regierung sicher fein, daß ihre feste Haltung gegenüber Moskau allgemeine Unterstützung finden werde. Das Echo in London. London, 26. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Morgenpresse beschäftigt sich eingehend mit der Protestnote, die die amerikanische Regierung an die Sowjetunion gerichtet hat. Die entschiedene Stellungnahme der ^Bereinigten Staaten findet ebenso wie der scharfe Ton größte Beachtung. Der Korrespondent der „Morning Post" in Washington sagt, sogar Leute in enger Fühlung mit der Lage seien überrascht über etwas, was sie als eine unmittelbare Drohung betrachteten, die durch diplomatische Redewendungen nur leicht verhüllt sei. In dem Bericht des Korrespondenten der „Time»" heißt es, im Augenblick brauche die Note nicht als Ultimatum bezeichnet zu werden, aber es bestehe jeder Grund für die Annahme, daß ein schneller und völliger Abbruch der diplomatischen Beziehungen der Vereinigten Staaten mit Sowjetrußland eine Möglichkeit der Zukunft ist. polnische Klagen gegen die Sowjets. Warschau, 26. August. (DNB. Funkspruch.) Der regierungsfreundliche „Expreß Poranny" nimmt zur Ausweisung des Moskauer Berichterstatters der „© a 3 e 11 a P o l s k a" Stellung. Das Blatt bemerkt, dieser Vorgang sei lediglich ein Signal, das den neuen Kurs der sowjet- russischen Außenpolitik andeute, den der letzte Kongreß der Komintern bestimmt habe. Entgegen den bisherigen amtlichen Zusicherungen habe die Komintern keineswegs auf den Bürgerkrieg und die innere Zersetzung der nlchtkommunistlschen Staaten verzichtet, und das zu einer Zeit, in der der Außenkommissar Litwinow den Vorsitz des Völkerbundsrates in Genf inne habe. Der Komintern- Kongreß habe endlich die falsche Vorstellung zerstört, daß Sowjetregierung und Komintern zwei verschiedene Dinge seien. Die „Gazetta Polska" habe behauptet, die Politik der Sowjetunion sei doppelzüngig und verlogen. Tatsächlich belügen sich viele europäische Staaten selbst über ihr Verhältnis zu der Sowjetunion. Sie schließen die Augen, um nicht die Wahrheit zu sehen. Was Polen betrifft, so habe sich in seinen Beziehungen zu Sowjetrußland vieles schon verschlechtert, obwohl die polnische Außenpolitik keinerlei Veränderungen aufweise. Polen werde den Nichtangriffspakt mit der Sowjetunion achten. Es werde aber auch feinen inneren Frieden vor einem nicht loyalen Nachbarn mit Mitteln schützen, die ihm am zweckmäßigsten erscheinen. Die ersten Opfer der Berliner Einsturzkatastrophe geborgen. Das Rettungswerk schreitet unter großen Schwierigkeiten fort. Die ersten Drei.... Berlin, 24. August (DNB.) Amtlich wird gemeldet: Nach schwersten Bergungsarbeiten sind heute um 17.30 Uhr an der Einsturzstelle der Berliner Nord-Süd-8-Bahn die ersten drei Toten fest gestellt worden. Die Toten wurden in dem sieben Meter breiten Sohlstollen in höhe der ursprünglichen Tunnelsohle aufgefunden. Die Bergungsarbeiten nahmen noch geraume Zeit in Anspruch. Um 19.10 Uhr wurde das erste Opfer in die benachbarten Ministergärten übergeführt. Generalleutnant Daluege ordnete für die Zeit der Ueberführung der Toten eine Arbeits stille von fünf Minuten an der Unglücksstelle an. Nach Freigabe durch den Staatsanwalt werden die Toten in das Leichenschauhaus übergeführt. Die Namen der Token werden nach Identifizierung durch den Rundfunk bekanntgegeben. Die Angehörigen werden im Leichenschauhaus zugelassen; das Betreten der Baustelle ist jedoch für sie aus technischen Gründen nicht möglich. Bis die letzten unglücklichen Opfer dieser Katastrophe geborgen sind, ist noch mit mehreren Tagen zu rechnen. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Bergung der ersten Opfer traf Reichsminister Dr. Goebbels an der Unglücks- stelle ein. Der erste Tote wurde inzwischen bereits identifiziert. Es handelt sich um den Linschaler Fritz Zippan, Berlin-Wilmersdorf, Uhlandstr. 70. Unser Bild zeigt General Pouderoux (in der Mitte) mit General Dalueqe aus dem Wege zmt Unglücksstelle. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Oer Reichsfinanzminister über den deutschen Aufbau Eine Rede auf dem Preffeempfang bei der Eröffnung der Leipziger Messe. Stilles Gedenken. Rach Bergung des ersten Toten wurden mit vermehrter Anspannung aller Kräfte die Arbeiten an der Fundstelle fortgesetzt. Reichsminister Dr. Goe b- bels verweilte auf dem Wege zur llnglücksstätte einige Minuten im stillen Gedenken an der Bahre des im Garten der Ministerwohnung aufgebahrten ersten Opfers und ordnete impulsiv an, dah alle Blumen aus seiner Wohnung geholt und an der Bahre niedergelegt würden. Dann erstattete Generalleutnant Daluege dem Minister eingehenden Bericht über die Auffindung, wenig später traf auch Reichsinnenminister Dr. Frick an der Baustelle ein. Während der Anwesenheit der Minister wurde gegen 21.30 Uhr das zweite Opfer geborgen. Der Lautsprecher kündete wiederum Arbeits- stille an. Bon allen Seiten eilten die Arbeitskameraden herbei, um den Toten durch den deutschen Gruß zu ehren. Ls war ein ergreifender Augenblick, als die Bahre von den Bergknappen aus der Tiefe der Sohle den Pionieren übergeben und von Stufe zu Stufe im grellen Licht der Scheinwerfer bis auf die Strahenhöhe gehoben wurde. Mit erhobener Rechten standen alle in tiefem und ergriffenem Schweigen. Wenige Minuten später dröhnten wieder die Bohrhämmer, kreischten die Winden, polterten dumpf die Schollen der von vielen hundert kräftigen Armen bewegten Erde. Der Führer an der Llnglücksstätte. Der Führer, der am Sonntagmittag mit seiner Begleitung in Berlin eingetroffen war. besichtigte im Berlaufe des Rachmittags die llnglücksstätte in der Hermann-Göring-Stratze. Bereits am Flughafen empfingen Reichsminifter Dr. Goebbels, Reichsminister Dr. Frick und Generalleutnant der Landespolizei Daluege, der die Rettungsarbeiten in der Hermann-Göring-SKatze leitet, den Führer und erstatteten ihm ausführlich Bericht über den Stand der Arbeiten. Der Führer begab sich dann selbst an die Unglück s st ä t t e und ließ sich hier von dem Leiter der technischen Arbeiten Geheimrat Schaper eingehend über den Hergang des Unglücks und den Umfang der Rettungsarbeiten foroie die getroffenen Sicherungsmaßnahmen unterrichten. Der Führer besuchte auch die Arbeiter auf der Tunnelfohle und sprach sich autzerordentlich anerkennend über die Einsatz- und Opferbereitschaft der bei den Rettungsarbeiten eingesetzten Formationen aus. Der Führer lieh sich ferner von Reichs Minister Dr. Goebbels die hilfsmahnahmen schildern, die für die Hinterbliebenen der Katastrophe getroffen worden sind, und informierte sich übet das bisherige Ergebnis der Untersuchungen, die die Staatsanwaltschaft über die Ursachen der Katastrophe an- gefteöt hat. DerStand derVergnngSarbeilen Am Sonntagnachmittag ließ die Unglücksstelle am Brandenburger Tor gegenüber dem Stande der Aufräumungsarbeiten am Samstag weitere w e« se ntliche Fortschritte erkennen. Unter Einsatz aller menschlichen und technischen Kräfte gehen die Arbeiten mit unverminderter Kraft vorwärts. Der in dreißig Meter Länge fertiggestellte Längs- stollen reicht bis auf die Sohle der ursprünglichen Tunnelgrube. Seiner Verlängerung nach Süden stehen zur Zeit noch die Trümmer des Tunnel- mundes im Wege. Von den bisher Geborgenen konnte nun auch der zweite erkannt werden. Es handelt sich um den in Berlin, Pappelallee 40, wohnenden Werner Pom - merenke. Inzwischen ist man auf einen vierten Vermißten gestoßen, dessen Leiche aber noch nicht geborgen werden konnte. Im Interesse einer einwandfreien Aufklärung der Ursache des Einsturzunglücks hat die Deutsche Reichsbahn umfangreiche Maßnahmen zur beschleunigten Durchführung der Ermittlungsaktion getroffen. Um die Objektivität der Nachprüfungen und der Untersuchungen auf jeden Fall zu gewährleisten, hat der Generaldirektor einen Reichsbahnoberrat der Reichsbahndirektion Berlin von seinem Dienst zurückgezogen. Das Urteil eines Fachmannes. Der zur Zeit in Berlin weilende Präsident des Internationalen Kongresses für Feuerschutz und Rettungswesen General Pouderoux (Paris) ließ sich von Generalleutnant Daluege an die Unfallstelle führen und über die Anlage der Rettungsarbeiten an Ort und Stelle unterrichten. General Pouderoux, der übrigen auch Mitglied der franzosi- fchen Feuerkreuz-Organisation ist, zeigte für die angewandten Rettungsmethoden und für die Aufräumungsarbeiten besonders lebhaftes fachmännisches Interesse, da seinerzeit bei dem Bau der Pariser Untergrundbahn eine ähnliche furchtbare Einsturzkatastrophe mit zahlreichen Verlusten erfolgte. Bei diesem Pariser Einsturzunglück waren die Rettungsarbeiten ebenfalls äußerst schwierig und langwierig. Der Leiter des französischen Rettungswesens stand den Ausmaßen der Katastrophe am Brandenburger Tor erschüttert gegenüber. Er war angesichts der ungeheuren Schwierigkeiten von der Zweckmäßigkeit der angewandten Methoden überzeugt. Dieses Urteil eines internationalen Fachmannes ist sehr wertvoll. Die seinerzeit in Paris mannes ist sehr wertvoll. Der Brandschaden bei der Funkansstellung. — Eine phantasievolle Erfindung der „Reuen Freien Presse-. Die „Neue Freie Presse" in Wien bringt eine Berliner Meldung, die den Schaden, der bei dem Brand der Funkausstellung entstanden ist, auf 32 Millionen Mark beziffert. Dieser Betrag ist einfach irrsinnig. Der durch die Zerstörung der einen Halle IV mit ihrem Inhalt und durch den Brand im Funkrestaurant entstandene Schaden ist im einzelnen noch nicht festgestellt, beträgt aber nach gewissenhafter Schätzung höchstens eine Million Mark. Die Spanne zwischen dem von der „Neuen Freien Presse" angegebenen Schadensbetrag von 32 Millionen zu dem wirklichen Schadensbetrag von 1 Million Mark zeigt, auf welche groteske und leichtfertige Weise das Wiener Blatt seiner Phantasie die Zügel hat schießen lassen. Den Urhebern der frei erfundenen Angabe wäre das Unsinnige dieses Betrages vielleicht selbst ausgefallen, wenn sie sich nur einmal überlegt hätte, was heute für den Gegenwert, also für fast 64 Millionen Schilling, in Wien an Haus- und Grundbesitz zu kaufen ist. Leipzig, 25. Aug. (DNB.) Der herkömmliche Empfang der in- und ausländifchen Pressevertreter auf der heute eröffneten Leipziger Herbst- messe 1935 am Messesonntag erhielt fein besonderes Gepräge durch die Ankündigung der Rede des Finanzmimsters Graf Schwerin von Krosigk. Der Präsident der Leipziger Messe, Dr. Raimund Köhler, führte in feiner Begrüßungsansprache u. a. aus, die Herbstmesse stehe unter dem günstigen Stern der Mengenkonjunktur im Inland, die die industrielle Produktion seit dem Tiefstand um 76 v. H. gesteigert und die Arbeitslosigkeit entscheidend gesenkt habe. Wie in historischer Zeit die Messen Instrument für den Ausgleich und die Ausübung von Währungsschwierigkeiten waren, habe auch in heutiger Zeit die Internationale Leipziger Messe dieselbe Aufgabe: Schaffung des Ausgleichs von Handelsschwierigkeiten. Reichsfinanzmmister Graf Schwerin von Krosigk nahm dann das Wort. Nach einleitenden Ausführungen über die Bedeutung der Leipziger Messe und nach einer eingehenden Darlegung der Be- mühungen Deutschlands zur lieberminbung der durch die Nachkriegsentwicklung entftanbenen Schwierigkeiten führte der Minister u. a. aus: Man hat uns in den letzten zwei Jahren vor allem zwei Vorwürfe gemacht, die beide dahin gehen, daß wir selbst die Bezahlung unserer Schulden unmöglich aemacht hätten. Der eine Vorwurf geht dahin, daß wir durch Streben nach Autarkie eine Belebung und Erhöhung des Welthandels unmöglich machten. Ich kann diesen Vorwurf nicht schlagender zurückweisen als mit den Worten, mit denen der Führer und Reichskanzler in feiner Rede am 21. Mai 1935 zu dieser Frage Stellung genommen hat: „Wir alle sind der lleberzeugung, daß die reftlose Durchführung des Gedankens der roirt- fchaEtlichen Autarkie aller Staaten, wie sie sich heute anzubahnen droht, von einer höheren Warte aus gesehen unklug und in ihrem Ergebnis für alle Bölter nur schädlich fein fann.* Der zweite Vorwurf geht nach der genau entgegengesetzten Richtung, nämlich dahin, daß wir durch den erhöhten Import von Rohstoffen, der die notwendige Folge unserer inneren Wirtschaftsbelebung war, unseren Exportüberschuß vernichtet und dadurch die Bezahlung unserer Schulden unmöglich gemacht hätten. Dieser Vorwurf geht schon deshalb fehl, weil die verstärkte, einer Inlandsbelebung folgende Einfuhr zur Belebung des Handels der Ausfuhrländer und durch Stärkung ihrer Kaufkraft wieder zu erhöhten Absatzmöglichkeiten des Einfuhrlandes führt. Die Schwierigkeiten, die dem Absatz unserer Waren im Ausland gemacht wurden, und die dadurch die Möglichkeit unserer Einfuhr begrenzten, führten vor einem Jahre zu dem sogenannten Neuen Plan in der Handelspolitik, dessen Inhalt darin besteht, dah nicht mehr gekauft werden kann, als bezahlt werden kann und daß in erster Linie das gekauft wird, was notwendig gebraucht wird. Auch dieser neue Plan ist von uns niemals als eine weale Losung angesehen worden. Man wird aber nicht abstreiten können, daß er eine absolut notwendige Folge von Maßnahmen und Verhältnissen gewesen ist, für die Deutschland nicht verantwortlich gemacht werden kann. Run hat eine Reihe von Ländern den Berfuch gemacht, die Krise durch eine Abwertung ihrer Währung zu überwinden, und sie empfehlen dieses Heilmittel auch denjenigen Ländern, die diesen Weg bisher nicht gegangen sind. Ich möchte hier ganz klar zum Ausdruck bringen, daß es nach meiner Ansicht ein für alle Länder passendes Allheilmittel nicht gibt, dah die Lösungen für jedes Land je nach feiner wirtschaftlichen, politifchen, sozialen und kulturellen Struktur verschieden ausfallen können und ausfallen müssen. Der Minister kam dann auf die innere Konsolidierung des deutschenWirtschaf t s- lebens zu sprechen: Man hat eine zeitlang im Auslande die tatsächlichen Ergebnisse unserer Maßnahmen nicht wahr haben wollen; die Richtigkeit der Ziffern über das Sinken der Arbeitslosigkeit ist in Frage gestellt. Allmählich setzte es sich durch, daß die Ziffern unbe ft reitbar sind. Tatsächlich waren im Januar 1933 6 Millionen, im Juli 1935 nur noch 1,7 Millionen Menschen in Deutschland arbeitslos. Es ist unbestreitbar, daß wir zur Arbeitslosenfürsorge im Jahre 1932 insgesamt 2,9 Milliarden benötigten, in diesem Jahre dagegen noch rund 1,5 Milliarden ausgeben. Es ist eine Tatsache, daß die Indexziffer der gewerblichen Gütererzeugung, wenn man 1928 gleich 100 fetzt, 1932 bei 58 und im ersten Vierteljahr 1935 auf 90 lag. Und es ist eine für mich als Finanzminister besonders erfreuliche Tatsache, daß gegenüber dem krisenliefstand die Reichssieuern in diesem Jahr eine Zunahme um rund zwei Milliarden zeigen. Diese Ergebnisse sind die Folge einer zielbewußten aktiven und kühnen Finanz- und Wirtschaftspolitik gewesen. Was in den vergangenen zweieinhalb Jahren die Reichsregierung auf dem Gebiete der Zins- und Kapitalmarktpolitik, der Steuerpolitik, Der Arbeitsbeschaffung in die Wege geleitet und getan hat, das gehört zusammen in den Rahmen einer einheitlichen großen Aktion. Wenn es durch ein morsichttges und schrittweises Vorgehen gelungen ist, den Zinssatz in Deutschland allmählich herabzusetzen und schließlich im Frühjahr d. I. eine gewaltige Konversion mit einem dauernden Erfolg durchzuführen, so war dieses Vorgehen für die Arbeitsbeschaffungs- Politik genau ebenso notwendig, wie die Maßnahmen im Bereich der Steuerpolitik. In diesem Zusammenhang wies der Minister auf die großen Erfolge hin, die durch die Aufhebung der Kraftfahrzeug st euer und die Einführung der Ehestandsdarlehen erzielt werden konnten, und fuhr dann fort: Man muß sich die Bedeutung dieses Vorgehens an den erschütternden Zahlen unserer Bevölkerungsbewegung klarmachen. Wir haben 1901 noch über zwei Millionen Kinder m Deutschland gehabt, 1933 nur noch 950 000, nicht mehr die Hälfte, obwohl inzwischen die Bevölkerung an sich sich vermehrt hatte. Anders ausgedrückt: Während wir im Jahre 1901 noch 37 Geburten auf 1000 Einwohner hatten, hatten wir im Jahre 1933 nur noch 14,7 und waren damit weit unter unsere meisten Rachbarländer gesunken. Line Vermehrung von 14,7 Geburten je Taufend bedeutet nicht nur einen absoluten Bevölkerungsrückgang, sondern eine immer mehr zunehmende Bergreifung des Bolkes. Denn ich von den politischen Jdeengängen, die mit dieser Bewegung verbunden sind, ganz absehe, sondern einmal rein wirtschaftlich dieses Problem anschaue, dann bedeutet diese Berfrei- sung eine allmählich immer stärker werdende Belastung der noch arbeitsfähigen Teile des Bolkes, und der Rückgang der Kinderzahl bedeutet den Ausfall eines der stärksten Motoren wirtschaftlichen Aufschwungs und Fortschritts. Die mit der Wehrhoheit verbundenen Ausgaben sind ein Teil der großen Arbeitsbeschaffung geworden, der der wirtschaftliche Aufschwung zu verdanken ist. Daß diese Arbeitsbeschaffung durch kurzfristige Kredite finanziert worden ist, wird von Kritikern unserer Finanz- und Witschaftspolittk besonders getadelt. In der Abwicklung der für die Arbeitsbeschaffung aufgenommenen Kredite liegt eine Aufgabe, Deren Große und Schwierigkeit durchaus nicht verkleinert werden soll. Die Abwicklung kann nur dadurch erfolgen, daß die Kredite durch Aufnahme entsprechender Summen in den ordentlichen Etat zurück- gezahlt, oder daß sie durch Umwandlung in langfristige Anleihen funbiert werden. Die Abwicklung erfolgt also entweder über den Etat, oder über den Kapitalmarkt. Die geffiegenen Steuereinnahmen der öffentlichen Hand haben die Möglichkeit gegeben, einmal In weitgehendem Umfange die Fehl- betrüge zu befeittgen, die in der krifenzeit für die Ltatgestaltung aller öffentlichen haushalte kennzeichnend waren. Sie haben es weiter ermöglicht. gewiffe Beträge zur Abdeckung aufgenommener Kredite in den Etat einzufehen, wie das im Reichsetat zur Abdeckung der Steuergutfcheine des Popen- und Reinhardt- Programms laufend erfolgt. Und fie haben es endlich ermöglicht» Ausgaben, die im Jahre 1933 auf Kredit genommen wurden, wieder in den normalen haushalt als Ausgabe einzu- stellen. Um aber diese drei Aufgaben der jetzigen Ltatpolittk durchzuführen, find Opfer an liebgewordenen Gewohnheiten und Aufgaben unumgänglich, wir muffen uns konzentrieren auf die große politische Aufgabe, die uns der Führer ge st eilt hat. Ls wird die attpreußische Sparsamkeit wieder zu Ehren kommen müssen, die uns der große König und sein ffrenger Bater vorgelebt haben. Daß der große König gleichzeitig der Fürst war, der zielbewußt Arbeitsbeschaffungspolitik im großen Stil getrieben hat, ist kein Gegensatz, sondern Grund und Folge seiner Sparsamkeit. Derselbe Mann, der auf seinen Jnspekttonsreisen sich bei seinen Beamten zu Tisch lud, um Kosten zu sparen, und eine Uniform trug, die nur durch ihn königlich war, gab das Geld mit vollen Händen, wenn es sich um die Armee und neue Siedlungen oder die Urbarmachung eines Moores handelte. Eine solche produktive Sparsamkeitspol ! 111 wird auch heute im Blick auf das große Ziel und unter straffer Führung durchgeführt werden müssen. Und sollen die Ausgaben, die der Etatspolitti durch die wirtschaftliche und politische Entwicklung der letzten zwei Jahre gestellt worden sind, erfüllt werden, dann wird hierzu ein Steueraufkommen von mindestens in der Hohe gebraucht werden, wie es die Steigerungen der Jahre 1934 und 1935 in einer weiteren Entwicklung nach oben erhoffen lassen. Don Steuersekungen zu sprechen, wäre fehl am Platze. Die Wirkung der Finanz- und Wirtschastspolittk der Reichsregierung äußert sich aber nicht bloß in den steigenden Steuereinnahmen, sondern sie findet auch ihren Niederschlag am Geld- und Kapitalmarkt. Hierdurch wird die Möglichkeit geschaffen, immer wieder kurzfristige Kredite durch Umwandlung in Anleihen zu fundieren. Mit dieser Fundierung ist, wie bekannt, mit der 500-Millionen-Sparkassenanleihe im Frühjahr d. I. begonnen und sie wird, wie Sie aus den Ereignissen der letzten Tage gesehen haben, weiter fortgesetzt. Daß der kurzfristigen Verschuldung, über deren Hohe das Ausland — vielleicht nicht immer ohne eine gewisse Tendenz — übertrieben hohe Zahlen bringt, Grenzen gesetzt sind, und zwar einmal in der Tragfähigkeit des Etats für Verzinsung und Tilgung dieser Schuld und zum anderen in der Aufnahmefähigkeit des Kapitalmarktes für die Fundierung dieser Schulden, das wissen wir selbst, das braucht uns von außen nicht gesagt zu werden. Und wir würden wahrhaftig die geschichtliche Größe Der uns gestellten politischen Aufgabe gewalttg unterschätzen, wenn wir glaubten, sie ohne Opfer und Schwierigkeiten erreichen zu können. Wir würden uns aber auch der Größe der uns gestellten Aufgabe unwürdig zeigen, wenn wir nicht gewillt wären, mit aller Anspannung unseres Willens und unseres in Deutschland nun einmal nicht geringen Könnens der Schwierigketten Herr zu werden. Dir glauben nun, durch die Belebung und Ordnung unserer deutschen Wirtschaft auch einen Beitrag zum Wiederaufbau der Weltwirtschaft geleistet zu haben. Wir glauben auch, dah die gewaltige kraftanfpannung des deutschen Boltes, jeden Deutschen wieder in Arbeit zu sehen und ihm ein menschenwürdiges, der kulturhöhe unseres Bolkes angemessenes Dasein zu schassen, die denkbar stärkste Friedensgarantie bedeutet. Und wir glauben auch, dah der Führer und Kanzler den Wiederaufbau der Weltwirtschaft den stärksten Dienst durch seine grohe Friedensrede geleistet hat. In dieser Entwicklung zum Frieden und zu gemeinsamer Arbeit auf wirtschaftlichem Gebiet ist die Leipziger Messe stets eine wichtige Etappe. Der Gruß des Führers. Berlin, 24. Aug. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat in einem Begrüßungstele- §ramm an Das Messeamt in Leipzig Der Diesjährigen eipziger Herbstmesse anläßlich ihrer Eröffnung am Sonntag feine besten Wünsche für einen vollen Erfolg übermittelt. Die Sterilisationsfrage. Der Internationale Strafrechtskongreß erkennt -en deutschen Standpunkt praktisch an. B erlin, 24. August. (DNB.) Der 11. 3nter- nationale Stra fr echts- und Gefäng- niskongreß trat am Samstagvormittag zu feiner Schlußsitzung zusammen, nachdem Die verschiedenen Sektionen in langen, arbeitsreichen Sitzungen Die ihnen zur Beratung vorgelegten Fragen fast vollkommen erledigt haben. Von besonderer Bedeutung sind zwei Entschließungen, Die heute Dem Kongreß Vorlagen: Die Frage Der Unterscheidung von Frei- heits st rasen und Sicherungs maßregeln, sowie die Frage der Sterilisation und Kastration. Besonders in Der zweiten Frage ist mit Genugtuung festzustellen, daß die von Der Sektton unterbreiteten Vorschläge sich Den im nationalsozialistischen Deutschland bereits eingeführten gesetzlichen Maßnahmen außerordentlich stark annähern. Die Sektion III des Kongresses hat zu dieser Frage folgende Wünsche ausgesprochen: 1. Es ist angebracht, in Den gesetzlichen Bestimmungen genau zu unterscheiDen zwischen den Ausdrücken „Sterilisation" und „Kastration", welche Operationen verschiedenen Wesens, verschiedener Art und verschiedener Wirkung sind. 2. Die günstigen präventiv-therapeutischen Ergebnisse Der Kastration bei sexuellen Störungen in Fällen mit Hang zur Kriminalität müssen alle Staaten dazu veranlassen, ihre Gesetze entsprechend zu ändern oder zu ergänzen, um die Durchführung Aus aller Wett. Die Hitler-Jugend ehrt den Erfinder des Fernsehens. Das Rundfunkamt Der Reichsjugendführung hat zur diesjährigen Funkausftellung Die Funkwarte und Jungamateure der Hitler-Jugend, Die bereits Die Reichsfunkfchule in Göttingen besucht haben, zu einer Arbeitstagung nach Berlin berufen. Die Tagung wurde in Form eines Zeltlagers durchgeführt. Ihre Eröffnung fand im Berliner Funkhause Durch Obergebietsführer C e r f f und Reichssendeleiter Hada- m o v s k y statt. Zu Beginn Der Feier gab Ober- gebietsführer Cerff bekannt, Daß die Lehrgangsteilnehmer dem Erfinder des Fernsehens, Paul N i p k o w ihre Glückwünsche zum 75. Geburtstage übermittelt hätten. Das Glückwunschtelegramm lautet: „Die zu einer Arbeitstagung im Berliner Funk- Hause versammelten Funkwarte und Jungamateure der Hitler-Jugend beglückwünschen Sie als Den Erfinder Des Fernsehens zu Ihrem 75. Geburtstag. Nehmen Sie mit Diesem Glückwunsch Den AusDruck ehrenvollen GeDenkens Der in Der HI. geeinten deutschen Jugend entgegen. dieser Operation auf Antrag des Betreffenden oder mit seiner Zustimmung zu sichern, um ihn von einem entarteten Geschlechtstrieb zu befreien, dec die Begehuna sexueller Vergehen befürchten läßt. 3. Das Gleiche gilt für Die Sterilisation aus gesundheitlichen ober eugenischen GrünDen bei Vorliegen Der Zustimmung Der zu operierenden Person. 4. Zwangsweise Kastration kann Den anderen sichernDen Maßnahmen gleichgestellt roerDen, die durch die bestehende Gesetzgebung vorgeschrieben sind. Zwangsweise Sterilisatton aus eugenischen Gründen ist eine empfehlenswerte Präventivmaßnahme, da fie die Zahl der Minderwertigen, aus denen sich Die Kriminellen erheblich rekrutieren, für die Zukunft erheblich mindern mürbe. 5. Die Sicherungsmaßregeln Der Sterilisatton aus gesunDheitlichen oder eugenischen Gründen und Der Kastration gefährlicher oder rückfälliger Sittlichkeitsverbrecher sind zweckmäßia unter der Bedingung, Daß sie Durch ärztliche Gutachten gerechtfertigt finD. Die Entschließung verlangt Dann weitere äußerste Vorsichtsmaßnahmen bei Der Kastration unD Sterilisation, sowie eine grünDliche Prüfung Des Falles Durch ein Kollegium von Juristen unD MeDizinern. Diese Entschließung rourDe in Der Vollsitzung Des Kongresses mit übermältigenDer Mehrheit angenommen. Anschließend sprach ReichssenDeleiter HaDa - moosky, Der Die Geschichte Der urnwälzenDen Deutschen Erfindungen unD Das Schicksal Der meisten deutschen Erfinder behandelte. Weiterhin gab ReichssenDeleiter Hadamovsky einen lleberblid Darüber, wie Die nationalsozialistische Bewegung in Den Tagen Des Kampfes und nach Der Machtübernahme Den Rundfunk für Die Eroberung Des Deutschen Volkes eingesetzt habe. Auslandsdeuffche Jugend am Schlageterkreuz. Die Teilnehmer der D e u t f cf) l a n D f a t) r t b e s Welttreffens der HI. trafen in Düsseldorf ein, wo sie von Abordnungen Der HI. unD des BDM. empfangen wurden. In den Abendstunden traten Die ausländsdeutschen Jungen an der Gefängniszelle Albert Leo Schlageters zum Schweigemarsch nach dem Schlageter-Ehrenmal auf der Golzheimer Heide an, wo sie vom Letter der Deutschland fahrt, Oberbannführer Minke, dem Gauleiter Staatsrat Florian aemelbet wurden. Staatsrat Florian wies in einer Ansprache daraus tM daß Schlaget« für Deutschland gestorben sei tn einer Zeit, da über Deutschland Not, Verzweif- jung und Verrat gelegen habe. Schlageter habe gezeigt, daß Sterben nichts sei als der Schritt in ein längeres Leben. Er sei der erste Soldat des neuen Reiches gewesen, das Adolf Hitler uns geschaffen habe. Rekordbesuch auf der Rundfunkausstellung. Die Besucherzahlen der Ru n d f u n k a u s st e l - lung bewegen sich von 1924 bis 1932 um 100 000. 1932 zählte man 114 000 Besucher, 1933 237 500 und 1934 300 000. Am Sonntag haben bereits über 400 000 Volksgenossen di? Rundfunkausstellung besucht. Das bedeutet gegenüber 1932 eine Steigerung fast um das Vierfache. Dabei ist zu bedenken, daß die Besucherzahl der drei Volkstage noch aussteht, die erfahrungsgemäß immer die höchsten Ziffern aufweisen. Dieser einzigartige Erfolg Der Großen Deutschen Rundfunkausstellung 1935 wird sich in den nächsten Monaten vor allem auch in einer ryesentlichen Steigerung der amtlichen Rundfunkteilnehmerziffern auswirken und damit zugleich eine weitere Belebung unserer- gesamten Rundfunkwirtschaft im Gefolge haben. Die endgültige Besucherziffer ist noch nicht abzusehen. Sie wird sich aber auf einer Höhe bewegen, die zeigt, daß der deutsche Rundfunk Volksfunk im besten Sinne des Wortes ist und in seiner Volkstümlichkeit nirgendwo in der Welt auch nur annähernd erreicht wird. Slapellauf tes Flugzeugsicherungsschiffes „Krischan 3“. Auf der Norderwerst in Hamburg wurde das dritte deutsche Flugzeugsicherungsschiff von Stapel gelassen. Nach dem Pour-le- Mörite-Flieger des Weltkrieges und des Kommandanten der „Do X", Oberst Christiansen, dem Kommandeur der Fliegerschulen der Luftwaffe, erhielt das Schiff wie seine beiden Vorgänger den Namen „Krischan". In der Taufrede wies der Staatssekretär der Luftfahrt, Generalleutnant Milch, darauf hin, daß auch dieses dritte auf der Norderwerft erbaute Schiff die Aufgabe habe, für die Sicherung der Luftfahrt über See zu sorgen. Das Flugzeugsicherungs- und Bergungsschiff „Krischan 3" hat eine Länge von 70 Metern und eine Breite von 11 Metern. Sonderunlersiühung für die Hinterbliebenen tödlich verunglückter Bergknappen. Reichsorganisationsleiter Dr. Robert Ley hat auf Vorschlag der Reichsbetriebsgemeinschaft Bergbau, Bochum, eine Sonderunter st ützung für d i e Hinterblieben en tödlich verunglückter Bergmänner geschaffen. Als einmalige Sonderunterstützung werden für die Hinterbliebenen 100 Mark sofort, für Knaben bis zu 14 Jahren 200 Mark und für Mädchen bis 14 Jahre 150 Mark gewährt. Die Auszahlung erfolgt durch die Dienststellen der Deutschen Arbeitsfront Reichsbetriebsgemeinschaft Bergbau, die auch die näheren Ausführungsbestimmungen demnächst bekanntgibt. Die Aktion beginnt am 1. September 1935. Tag des deutschen Weines und der deutschen Traube. Der Werberat der deutschen Wirtschaft hat für die Zeit vom 19. bis 26. Oktober 1935 den „T a g des deutschen Weines und der deutschen Traube" genehmigt. Diese Tage sollen dazu dienen, dem deutschen Winzer zu helfen. Vermißter Küster nach zwölf Jahren tot aufgefunden. Im Jahre 1923 war der Hilfsküster F ö r st e r von der evangelischen Pauluskirche in Hückeswagen (Rheinprooinz) plötzlich verschwunden. Die Wupper wurde abgesucht, die Wälder wurden durchforscht. Keine Spur war von dem Vermißten zu finden. Jetzt, nach zwölf Jahren, hat das geheimnisvolle Verschwinden des Küsters durch einen Zufall Aufklärung gefunden. Bei Arbeiten am Dach der Kirche, hei denen das Dach von außen geöffnet werden mußte, fand man unmittelbar unter einer Dachluke eine Leiche. Die Untersuchung ergab, daß es sich um die Leiche des damals so spurlos Verschwundenen handelt. Förster muß, als er in der Dachluke ein Fenster schließen wollte, dabei verunglückt sein. Liebespaar am Riederwalddenkmal erschossen aufgefunden. Unweit des Niederwalddenkmals fand man d i e Leichen eines jung en Liebespaares, das hier Selbstmord durch Erschießen begangen hatte. Es handelt sich um den 24 Jahre alten Gerhard Sch. und eine Frau Lotte R., beide aus Berlin. Wie aus Briefen hervorgeht, hatte sich das Daar bereits am 15. August mit dem Vorsatz auf Reisen begeben, sich das Leben zu nehmen. Drei Tote bei einem italienischen Fliegerweltbewerb. Bei dem internationalen Flugwettbewerb Ra- duno del Littorio, einem der größten fliegersportlichen Ereignisse in Italien, hat sich ein schweres Unglück ereignet. Drei der besten italienischen Flieger sind dem Unglück zum Opfer gefallen. Aus bisher unbekannten Gründen stürzte das Flugzeug, in dem sich die Piloten Sebastiano B e d e n d o, Giovanni Tel so re und Vicastri befanden, in Ottiglio bei Alessandria in Oberitalien ab. Die Flieger konnten nur noch als Leichen geborgen werden. Der. Raduno del Littorio, eine Konkurrenz über 2000 Kilometer, findet in diesem Jahre unter Beteiligung von 52 italienischen Fliegern, 18 Franzosen, einem Engländer, einem Belgier, zwei Oesterreichern, einem Schweizer und drei Tschechoslowaken statt. ^echs Tote bei einem Autobusunglück in Oesterreich. Ein vollbesetzter Wiener Autobus wurde auf einem schrankenlosen Bahnübergang zwischen den Bahnhöfen Piesting und Ober-Piesting der Nebenlinie Leobersdorf — Wittrnannsdorf — Guttenstein von einem Personenzug erfaßt und völlig zertrümmert. Von den Insassen des Autobusses wurden sechs Personen getötet und 24 verletzt. Die Manne-GA. Gießen im Zteichs-GA-Wettkampf. Am gestrigen Sonntag traten die Marinestürme der SA., 11/34, 12/34 und 13/34 zu den letzten Hebungen für den Reichswettkampf der SA. an. Die Mannschaften hatten bereits in den Wochen vorher die vorgeschriebenen Hebungen im Klein- kaliber-Schießen und in den Leibesübungen hinter sich gebracht. Der Querfeldeinlauf wurde, wie alle Kämpfe und Uebungen in den übrigen Disziplinen ordnungsgemäß, wie es nicht anders zu erwarten war, erledigt. Erwähnt sei hier besonders, daß am Sonntag, 11. August, die Marinestürme von 6 Uhr morgens ab die vorgeschriebenen Leibesübungen erfüllten. Kaum war" an diesem Tage die Uebung im 3000-Meter-Lauf abgeschlossen, da traten die drei Marinestürme sofort zur Besichtigung durch den Brigadeführer auf dem Trieb an und ließen bei dem mit dieser Besichtigung verbundenen Parademarsch nicht merken, daß sie bereits während des ganzen Vormittags viel Kraft für die Durchführung der Leibesübungen aufzuwenden hatten. Verschiedene Einzelleistungen der Kameraden verdienen, was die Leibesübungen anbetrifft, besondere Beachtung. Der SA.-Mann G. Koch, Marinesturm 12/34, lief die 3000 Meter in 10 Minuten 15 Sekunden. SA.-Mann Heinrich Seipp vom Sturm 11/34 erzielte beim Keulenweitwurf 60 Meter. Der Rottenführer Richard Koch vom Sturm 13/34 errang beim Klein-Kaliberschießen 101 Ringe. Arn gestrigen Sonntag wurden nun die für die Marineftürrne besonders zur Erfüllung geforderten speziellen Hebungen durchgeführt. . Nach einem Marsch von 5 Kilometer (vom Bootshaus des Marinevereins aus zum Wißmarer Steg und zurück) hatten die Bootsbesatzungen der einzelnen Stürme die vorgeschriebenen Hebungen im Kutter durchzuführen. Der Mannschaftsgeist in den einzelnen Bootsbesatzungen kam hierbei besonders zur Geltung. Die Hebungen forderten restlose Unter« ordnung und Eingliederung von jedem einzelnen, wenn die Hebung eine gute Bewertung finden sollte. Die Ruderübungen im Kutter wurden nach den verschiedenartigen Kommandos sehr exakt ausgeführt, und es war zu erkennen, daß fleihia und zielbewußt geübt worden war. Die Mannschaften hatten hier eine sorgfältige Ausbildung erfahren. Zu dem gestellten Aufgabenkreis gehörte ferner ein Rettungsmanöver, das die Mannschaft einsatzbereit finden mußte. Ferner wurden Tiefenlotungen durchgeführt, deren Ergebnisse sofort durch Winkspruch an die auf dem Land auf- gestellten Signalposten weiterzugeben waren. Diese interessanten Hebungen machten einen sehr guten Eindruck. Zum Wettbewerb gehörte u. a. auch ein Wettpullen (Wettrudern), für das eine zurückzulegende Strecke von 1000 Meter vorgeschrieben war. Von den Bootsbesatzungen wurde diese Zeit durchweg beträchtlich unterboten. Am besten schnitt hierbei der Sturm 13/34 ab, der mit 6,29 Minuten die beste Zeit erzielte. Der Sturm 12/34 brachte die Strecke in 6,34 Minuten hinter sich, während die Mannschaft von Sturm 11/34 7,35 Minuten benötigte. Eine weitere Prüfung bildete das Knoten an der Knotenleine. Die Kameraden hatten den Palsteg zu zeigen, Kreuzsteg, Schotsteg u. v. a. m. vorzuführen und ihre Kenntnisse unter Beweis zu stellen. Die SA.-Männer der Marinestürme haben bei all ihren Hebungen gezeigt, daß sie auf ihrem Gebiete gut durchgebildet und jederzeit in der Lage <' -Ä *' v Marine-SA. beim Knoten. — (Ausnahmen [2]: Photo-Pfaff.) sind, den ihnen gestellten Ausgaben gerecht zll werden. Den Abschluß der Prüfungen bildete die weltanschauliche Prüfung, die unter der Leitung des Marine-Sturmbannführers Mettenheimer durch, geführt wurde. Damit waren auch verschiedene seemännische Fragestellungen verbunden. Zum Abschluß wurden die SA.-Männer, die im Rahmen des Wettkampfes die besten Leistungen erzielen konnten, mit Dienstdolchen ausgezeichnet. Vom Sturm 11/34 erhielten die SA.-Männer Hans Rübsamen (Trupp 1) und Heinrich Seipp (Trupp 2), vom Sturm 12/34 Gustav Koch, und vom Sturm 13/34 die beiden SA.-Männer Hans Veith (Trupp 2) und Karl Viertelhausen (Trupp 1) diese Auszeichnung. ■ *■ r Die Ergebnisse der Tiefenlotungen werden von den Signalposten an Land ausgenommen. Wetterbericht des Reichswetkerdienstes. Ausgabeork Frankfurt. Durch die Entwicklung einer stärkeren Tiefdruck« ftörung über Südwestdeutschland wurde das Zu- jammentreffen warmer Festlandlust mit feuchter Meeresluft begünstigt. Die Folgen davon waren, seit Samstag wiederholte und im allgemeinen sehr ergiebige Gewitter in Süd- und Südwestdeutschland. In Nord-, Mittel- und Ostdeutschland hat sich dagegen bisher das heitere und warme Wetter noch gehalten. Starker Druckfall über England deutet an, daß weiter vom Meer her feuchte Luftmassen auf dem Anmarsch sind. Aussichten für Dienstag: Veränderlich, doch überwiegend bewölkt und zeitweilig Regen, teilweise gewitteriger Natur, westliche Winde, mäßig warm. Aussichten fürMittwoch: Mehr wechselnd bewölkt mit einzelnen Schauern, etwas kühler. Hauptschriftleiter: Dr. Fr. W. Lange; stellvertretender Hauptschriftleiter: Ernst Blumschein. Verantwortlich für Politik: i. V. Ernst Blumschein; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck; verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VH. 35: 9945. Druck und Verlag: Brühl'sche Hniversttäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Ihre am 21. August 1935 stattgefundene Vermählung zeigen an Helmut Großmann Hedda Großmann, geb. Molsen Ärernen - Gießen, Hindenburgwall 16 03610 Lichtspielhaus «Gießen Ab heute Montag bis Mittwoch wieder ein herrliches Lustspiel: I Es gibt nur eine Liebe mit Jenny Jugo Louis Graveure I Heinz Ruhmann I R. A. Roberts ■ Vorher: 484iA ■ I Gutes Beiprogramm und Ufa-Ton-Woche | Vermietungen Fn der Nähe von Gießen 4847D Einlamilien-Haus mit Heiz., elektr. Bad, Garten, Hühnergarten, Holzraum, staubfreie ruhige Lage a.Wald, zu vrm. 6 Min. z. Bahnst. Zu erfragen im Gießen. Anzeig. 4-Zimmer- Wohnung mit Bad zum 1. Oktober zu vermieten. Schr.Angeb.unt. 0.3599 a. d. G. A. Mietgesuche"] BI. Zirner sucht sofort berufst .Herr,mo gl. Südviertel oder Stadtmitte. Um- gehend.Angeb.u. 03605 a. d.'G.A. Leeres Zimmer gesucht. Schriftl. Angeb. u. 03602 andenGieß.Anz. KöMüsselflorler Sonderfahrten Wochentans 8.30 u.!5.30Uhr ermäßigte Fahrpreise. Mittwoch,28.äng. l.Vonnitt. billige Ferienfahrt bis St. Goar 9.30 Uhr ab und 20.15 Uhr an Ma,inz mit D. „Ernst Ludwig“. 2. Nachmittags-Bianfahrt i d. 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Klassen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II__________ 15. Ziehungstag 24. August 1935 3n der heutigen Vormittaasziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 30000 M. 4 Gewinne zu IOOOO M. 12 Gewinne zu 3000 M. 347154 363838 378380 16 Gewinne zu 2000 M. 161309 201845 348127 64 Gewinne zu 1000 M 53882 63603 68188 70888 94276 107011 110108 153170 215172 238998 298029 329669 329821 378255 378766 369709 13517 349659 128804 160106 232118 902 54198 67730 85589 350285 690 1755 8249 42227 71625 73858 80099 87473 118476 121826 140735 256014 256381 273178 343590 345361 366207 2091 2267 7026 20622 22084 22915 33954 41296 41489 152013 152927 232375 '234575 67518 83194 74667 85466 165348 171407 181466 196976 205926 215464 161186 191050 249157 296375 337968 380788 161449 169681 178023 194013 201742 210967 227390 248943 254195 265339 272186 280960 284135 289412 298576 309033 316964 327121 347651 359724 382926 164991 170534 179887 196483 201776 213003 228170 249649 254813 266126 272892 281165 284334 290806 300676 309343 319439 333137 347798 362095 383273 130562 176515 221780 271904 332082 376535 112817 147820 177988 237017 293617 335476 377374 145453 146586 149285 151873 117825 131139 124867 169525 214044 251279 314039 356076 1760 13355 14837 25520 58953 76514 88736 19825 27948 59806 78164 95991 113445 127468 144774 147926 152944 165996 171600 183750 198365 206186 219763 30785 60500 80343 96706 117533 130875 144809 148971 155365 166260 172507 189896 199180 208679 222674 236001 168457 200372 249435 302040 353256 393932 158202 168392 175057 190865 201404 208921 223905 248404 253816 263751 272083 279923 283537 289136 298307 308469 315245 323491 347160 359056 378688 395769 129576 169994 221461 268925 317244 365615 107878 122923 143587 147113 251519. 259333 271745 278140 282274 287874 296728 308005 313833 321187 338867 355424 373854 393217 105191 119712 131295 12825 23473 107615 121653 136978 146654 250304 257858 267502 273734 281549 285562 291925 302845 311284 319772 333926 348549 369550 386789 25385 52034 75225 87355 250346 258252 270382 275840 281921 286224 293314 305920 311313 320578 335056 354469 372589 388289 100 Gewinne zu 500 M. 16250 42747 47024 51374 56396 60758 68498 73638 91583 91586 ----- 122269 122807 ------ ------ ------ --- -- ------ 398916 396 Gewinne zu 300 M 1539 7953 9131 10631 ----- 65386 82295 102416 Sn der heutigen Nachmittagszlehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 20000 M. 384889 2 Gewinne zu 10000 M. 34862 2 Gewinne zu 5000 M. 395402 4 Gewinne zu 3000 M. 21298 184328 8 Gewinne zu 2000 M. 88152 173825 216873 253120 46 Gewinne zu 1000 M. 12497 29357 42244 52256 54749 76455 83012 83630 102790 147249 147309 149228 149631 151870 169584 172790 180782 204528 237989 258320 267370 314044 387295 92 Gewinne zu 500 M. 8616 13333 16081 25465 32883 33662 38063 44037 55054 75740 78402 78909 88225 93813 96792 97122 98772 100823 107554 124971 130820 160374 161777 164973 175695 187662 198271 231544 240445 240929 264518 266850 279886 290365 296581 313527 317240 329928 346135 347184 347332 356045 370596 302 E 371832 384836 397372 gewinne zu 300 M. 8472 8626 9978 12347 12751 21542 21948 31896 36411 38064 38820 41715 43503 48451 50424 54150 58254 58990 60191 61831 63374 64222 64566 67345 72291 73208 92458 93444 93498 93893 96962 98363 101221 101964 102773 102818 103347 108125 108349 108823 111828 111913 112890 115292 116251 116583 122268 125669 130151 130800 135284 150720 151322 154709 156992 157661 163241 164750 164839 166060 168646 174425 180247 181118 184005 186466 189955 190660 192129 192326 192855 200096 201767 202282 202410 205924 206446 206725 208134 211252 211253 211872 215453 217134 222697 223356 223841 236991 243158 243477 245178 246280 255619 257137 257586 262765 264565 266585 268923 271391 272697 276287 276318 284922 286036 286356 289081 289318 290797 291963 293181 293527 300239 300801 301243 306206 309438 309740 309774 312490 312629 323467 323757 333139 339678 340336 345270 348342 348909 349561 352625 354408 359860 362375 364154 366281 366593 367513 368548 369156 374665 379065 379574 381480 381805 387557 887949 389779 390871 393005 394746 Gewinne zu Im Gewinnrade verblieben; 2 J0000°° 2 zu je 75000, 4 zu je 50000, 2 zu je 80000, 6 zu je 20000, 46 zu je 10000, 76 zu je 5000, 220 ,u je 8000, 476 zu je 2000, 1470 zu I* 1000» 2820 zu je 500, 9336 zu je 300 Mk. Ala Anzeigen-Aktiengesellfchaft Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen und Zeitschriften Gießen/Schulstraße 7 Nr. 198 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen) Montag, 2b. August (935 Oie Leistungsschau -er „Rhein-Mainischen Wirtschaft". Oie feierliche Eröffnung. Frankfurt a. M., 24. Aug. (LPD.) Unter außerordentlich starker Beteiligung — es waren etwa 1500 geladene Gäste anwesend — fand heute Vormittag die offizielle Eröffnung der gro- Ken Leistungsschau der rhein-rnaini- schen Wirtschaft statt. In Vertretung des Reichswirtschaftsministers, Reichsbankpräsident Dr. Schacht war Ministerialdirigent Hagernann vom Reichswirtschaftsministerium erschienen. Vertreten waren ferner zahlreiche Länderregierungen und insbesondere stark die Industrie und das Handwerk, die Landwirtschaft, die Versicherungen und das Kredit- wesen. Erschienen waren weiter fast sämtliche Mitglieder der Gauleitung mit Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger an der Spitze, die Ober- bürgermeister und Bürgermeister fast sämtlicher Städte und die Landräte aller Kreise im Rhein- Main-Gebiet, Präsidenten der Reichsbahndirektionen und der Oberpostdirektionen, Rektoren der Univer» sitäten und der Technischen Hochschulen, die Präsidenten der Industrie- und Handelskammern Außerdem waren vertreten fast sämtliche Konsulate aus- ländischer Staaten im Rhein-Main-Gebiet und die zwischenstaatlichen Handelskammern. Mit der Festouvertüre von Franz Schubert wurde die Feier eingeleitet. Dann sprach der Vizepräsident des Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstages, Or. Niecz. Er begrüßte die Ehrengäste, besonders aber den Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger, der an dem Zustandekommen der Leistungsschau der Rhein-Mainischen Wirtschaft außerordentlich großen Anteil genommen habe: dafür sprach ihm Dr. Riecz herzlichen Dank aus. Nach weiterer Begrüßung der Vertreter der Reichs-, Staats- und kom- munalen Behörden, der Wehrmacht, der Gliederungen der Partei und der ausländischen Staaten, und der zwischenstaatlichen Handelskammern ging der Redner auf die große Bedeutung des rhein- mainischen Wirtschaftsbezirkes für die gesamte Volkswirtschaft ein. Zum Schluß betonte Dr. Riecz, die Veranstalter und Ausstellungsleiter hätten die Hoffnung, daß mit dieser Ausstellung ein weiterer tragfähiger Baustein zum Wiederaufbau der rhein- mainischen Wirtschaft und darüber hinaus der deutschen Volkswirtschaft gelegt sei. Reichsstatlhalier Gauleiter Sprenger eröffnete anschließend die Ausstellung mit einer An- spräche. Der Gauleiter ging zunächst auf die Ver- hältnisse ein, die man bei der Machtübernahme auch in unserem Gebiet oorfand und schilderte dann die angestrengten Maßnahmen, die man insbe- londere zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit ergriff, von allen den Tausenden, die durch die öffenl- tich-rechllichen Arbeilsbeschaffungsmaßnahmen wieder in Arbeit kamen, feien neue Kräfte in der freien wirtschaft nachgezogen worden, denn die da arbeiteten, hätten sa nicht nur Geräte benötigt, fondern auch Bedarfsartikel auf allen möglichen Gebieten. Die Privatinitiative sei erneut geweckt worden, und jede behördliche Arbeitsbeschaffungsmaßnahme habe Arbeitsbeschaffungen der freien Wirtschaft nach sich gezogen. Langsam und zäh gewinne die wirtschaft unseres Gebietes durch Leistungen mehr und mehr an Boden. Der Erfolg der Vergangenheit, der bewiesen habe, daß die Arbeit der Ausgangspunkt der wirtschaft sein müsse, weise uns den weg, den wir weitergehen müßten. Reben den großen Aufgaben, die uns die Reichsregierung zeige, müßten alle Behörden im Rahmen ihres Aufgabengebietes und im Rahmen der ihnen zur Verfügung stehenden Mittel alle Arbeitsbeschaffungsmöglichkeiten ausschöpfen. Die schöpferische Kraft aller im freien Beruf Tätigen müsse jede Gelegenheit suchen, der deutschen Arbeit den Weg zu bahnen. Der Führer habe am 6. Juli 1933 gesagt, daß in der Wirtschaft nur das Können maßgebend sein dürfe. Dieses Können müsse immer erneut unter Beweis gestellt werden. Das sei auch der Sinn und Zweck dieser Ausstellung. Gauleiter Sprenger ging dann auf die Ausstellung selbst ein, die, wie auch er betonte, die umfangreichste Schau sei. Niemals habe selbst eine Frankfurter Messe diese Gröhe erreicht. Der Sinn dieser Ausstellung sei bewußt nicht der einer Verkaufsmesse irgendwelcher Jndustrie- erzeugnisse, sondern die Ausstellung solle Zeugnis ablegen davon, was zu erreichen fei, wenn alle Glieder, die irgendwie mit wirtschaft zu tun haben, in nationalsozialistifcher Weltanschauung und durchdrungen von dem Geiste der Volksgemeinschaft sich zusammenfinden und jeder fo handele, als ob von ihm und feinen Taten das Schicksal des ganzen Volkes abhinge. Der Gauleiter dankte dann den Gestaltern dieser Gemeinschaftsausstellung, indem er gleichzeitig betonte, daß das Werk die Arbeit gelohnt habe. Nicht minderer Dank gebühre allen Ausstellern, die im edlen Wettbewerb, jeder an seiner Stelle, das Beste zu leisten versuchten. Auf das Werk, das hier stehe, dürften die, die daran mitgewirkt haben, mit stolzem Selbstbewußt- fein blicken. Gemeinsam müsse man auf dem beschrittenen Weg weitergehen. Jeder Deutsche müsse an dem großen Werk des Führers, die Erhaltung der Art des deutschen Volkes flcherzustellen, Mitarbeiten. Die behördliche Arbeitsbeschaffung, besonders aber der behördliche Auftragsnachweis könne keine Dauereinrichtung fein. Die Velrlebsführer mühten wieder selbst Wege finden, die den Betrieben die Aufträge zuführen. „Die Rhein-Mainische Wirtschaftsschau", so schloß der Gauleiter, „ist bestimmt, uns alle anzuspornen, den Angriff auf die Zahl der letzten hunderttausend Erwerbslosen vorzutragen. Bauern und Arbeiter, Betriebsführer und Gefolgschaft, alle wollen wir gemeinsam weitermarschieren, unsere Arbeit in d^n Dienst des Volkes stellen unter dem alten Hochziel des Führers Gemeinnutz vor Elgennuhk Die Ausstellung ist eröffnet: ich übergebe sie der Obhut der Stadt Frankfurt a. M." Bürgermeister Onder Frankfurt dankte dem Garleiter dafür, daß Frankfurt die große Leistungsschau der rhein«mainischen Wirtschaft in seinen Mauern beherbergen dürfe, und gab dann ein anschauliches Bild von Frankfurt als Messestadt, die sich auch jetzt wieder dieses Titels als würdig erweisen werde. Ministeriaw rekior ßaa monn betonte darauf, daß Reichswirtschaftsminister, Reichsbankpräsident Dr. Schacht sehr gerne nach Frankfurt zur Eröffnung dieser Ausstellung gekom- men wäre, leider sei er aber sehr unpäßlich geworden. Der Redner gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Ausstellung weiter zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise beitragen werde zum Wohle des deutschen Volkes und Vaterlandes. Schließlich sprach noch der Präsident des Rhein- Mainischen Industrie- und HandelstagLS Professor Dr. Luer. Der Redner sprach über die wirtschaftliche und po- litische Bedeutung des Rhein-Matn-Gebietes und sagte u. a.: Wir haben das feste Vertrauen, daß der Nationalsozialismus unseren raumwirtschaftlichen Notwendigkeiten auch weiterhin in folgerichtiger Entwicklung praktische Anerkennung verschaffen wird. Wir werden eine blühende Wirtschaft und eine zufriedene, in sich gefestigte Volksgemeinschaft nur dadurch fördern und erhalten können, daß wir das Trennende überwinden und das Gemeinsame in den Vordergrund stellen. Ein geschlossenes, einheitliches Streben aller Kräfte wird höhere Aufgaben zu lösen und größere Leistungen zu volloringen vermögen, als es den einzelnen Teilen gegeben ist. Die Einheit unseres rhein-mainischen Wirtschaftsgebietes soll uns richtungweisend sein. Mit dem Deutschlandlied und dem Horst-Wessel- Lied endete die Eröffnungsfeierlichkeit. Gleich nach der offiziellen Eröffnung setzte ein starker Besuch dec Ausstellungshallen ein. Vom Sommerschlaf der Tiere. Ein interessantes naturwissenschaftliches Kapitel. Die Tatsache, daß manche Tiere während des Winters in einen schlafähnlichen Zustand verfallen, ist allgemein bekannt. Da gibt es Säugetiere, wie die Murmeltiere, Siebenschläfer und Igel, die sich den Unbilden des Winters und seinem Mangel an Nahrung einfach durch einen Dauerschlaf entziehen; Bären, Dachse und Fledermäuse wachen hin und wieder einmal auf, um sich umzusehen, ob nicht bald der Frühling kommt. Auch Schlangen, Eidechsen unid manche tfifd)e wie der Karpfen können sich in einen solchen schlafähnlichen Zustand flüchten, bei dem Atmung und Herztätigkeit stark herabgesetzt sind. Die Tiere suchen sich dann geschützte, oft sorgfältig für diesen Schlaf vorbereitete und aus- gepolsterte Stätten in Baumstämmen, Erdhöhlen und dergleichen und zehren von den Reserven, die sie in ihrem Körper für diese Schlafperiode angesammelt haben. Weniger bekannt ist aber, daß es zu diesem Winterschlaf im Tierreich ein Gegenstück in einem Sommerschlaf gibt, in dem manche Tiere die heiße Sommerszeit, die ihnen unbehaglich oder gar gefährlich werden könnte, einfach verschlafen. Dieser Sommerschlaf der Tiere ist ebenfalls eine Reaktion der Lebewesen auf Temperaturen — in diesem Fall auf hohe — die ihnen ungünstig sind. Besonders sind es tropische Tiere, die in der heißen Jahreszeit in einen schlafartigen Zustand versinken, dazu allerdings mehr durch die Trockenheit als durch die Hitze getrieben. Es handelt sich um kleine Säugetiere, Reptilien, Fische, Insekten, Mollusken, die sich durch den Schlaf gegen schädliche Einflüsse von außen gleichsam abschließen können. Manche von ihnen verkriechen sich in den Schlamm, um erst nach geraumer Zeit wieder hervorzukommen und ihre alte Lebensweise aufzunehmen. Aber auch in Europa finden sich Salamander, die das Beispiel ihrer tropischen Artgenossen nachahmen, und Schnecken, die ihre Gehäuse während der heißen und trockenen Jahreszeit mit einem Schleimdeckel verschließen. Dieser Einfluß des Temperaturwechsels auf die Tiere und diese Art eines Sommerschlafes, der ebenso regelmäßig all- jährlich wiederkehrt, wie es der Winterschlaf tut, war schon Humboldt bekannt, und andere Forscher haben nach ihm das Vorhandensein dieser zweiten Art von Dauerschlaf in der Tierwelt bestätigt. Die A l l i g a t o r en in den Flüssen Südamerikas boten das erste Anschauungsmaterial zur näheren Untersuchung dieser eigenartigen Erscheinung. Auch bei den Krokodilen der Nilländer, sowie bei den Schlangen und Eidechsen im Sudan konnte man feststellen, daß sie die trockene Jahreszeit in einer schlafähnlichen Betäubung verbringen, vor deren Eintritt sie sich tief in die Erde eingraben. In den Tropen kann man auch beobachten, daß Frösche, Kröten und Schildkröten in einer Art Totenstarre viele Monate im Uferschlamm oder im trockenen Erdreich verharren. Am eigentümlichsten ist das Verhalten der Cungrafische in Zentralafrika und Paraguay, die sich mit viel Geschick auf einen sieben bis neun Monate dauernden Sommerschlaf einrichten. Sie stellen sich kunstreich Schlammklumpen her, die innen ausgehöhlt und mit den Schleimsekreten ihrer Hautdrüsen abgedichtet sind. Ein enger Gang, der aus der kunstreich verfertigten „Sommerwohnung" aft die Oberfläche führt, gestattet der Atemluft den Zu- gang. Man hat solche im Trockenzustand erstarrte Lungenfische mit den harten Erdklumpen viele hundert Kilometer weit verschickt, ohne sie in irgendeiner Weise zu präparieren. Wenn man sie alsdann unter fließendes Wasser hielt, so kamen die Fische zum Vorschein und erwachten wieder zur vollen Lebenstätigkeit. Auf europäischem Boden ist besonders der Brillensalamander als Sommerschläfer bekannt. Er liebt die feuchten Wintermonate mehr als die heiße Sommerszeit und versinkt darum in einen tiefen Schlaf, aus dem ihn erst die Herbstwinde wieder erwecken. Eine im Mittelmeergebiet vorkommende Weinbergschnecke verschließt einfach ihr tragbares Haus durch eine Art gewölbten Porzellandeckels. Es soll sogar beobachtet worden sein, daß in Gegenden, wo ein solcher Sommerschlaf in der Tierwelt im allgemeinen unbekannt ist, in einem besonders heißen Sommer einige Tiere in eine Trockenstarre verfielen, die sich nur als Sommerschlaf erklären läßt, denn bei kühlerer Witterung erwachten sie wieder ohne irgendwelche schädlichen Nachwirkungen und entsprachen wieder ihren bisherigen Lebensbedingungen. Jedenfalls gehört der Sommerschlaf zu jenen seltsamen Vorgängen im Tierreich, die uns noch viele Rätsel aufgeben. C. K. Rundfunkproqramm. Mittwoch, 28. August. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 10.15: Schulfunk. Humor in der Oper. 11.45: Bauernfunk. 12: Mit- tagskonzert. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Mitten im Werktag. 15.15: Heimatfest am Hochrhein: Bei der Walds- huter „Chilbi . 16: Nachmittagskonzert. 18: Aus Zeit und Leben: Lautsprecher der Wissenschaft. Aus der Forschungsarbeit des Baineologischen Instituts in Bad-Nauheim. 18.30: Reichswettkampf der SA. Hörberickt 6, Gruppe Kurpfalz. 18.45: Saardienst. Ein Besuch der Braunen Messe in Neunkirchen. Funkbericht. 19: Pfälzer Kunterbunt. Ein lustiges Bilderbuch. 19.40: Das Leben spricht. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichsfenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der jungen Nation: „Das Bild der deutschen Frau". 20.45: Bunte Stunde. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk, Sportbericht. 22.15: Olympia-Dienst. 22.30: Nachtmusik und Tanz. 24 bis 2: Nachtmusik. Moltke. Äon JRoberf Hohlbaum Moltke gehört zu jenen füllen verschloßenen Deutschen, deren Leben sich hinter ihrem Werke verbirgt. Von Goethe, von Schiller, von Bismarck ist uns auch jeder persönliche Zug nahe und bedeutungsvoll vertraut, wir können das' Leben Wagners bis in feine letzten Einzelheiten verfolgen, von Moltke weih selbst der historisch Gebildete nicht viel mehr, als daß er ein großer Feldherr war und die bedeutungsvollen Kriege 1866 und 1870 gewann. Seltsam, daß er, den man immer für einen Ur- preußen hält, ursprünglich dänischer Leutnant war. Es kostete ihn einen schweren Entschluß, diesen Dienst zu quittieren und in preußische Dienste zu treten. Wir Heutige erkennen, von welcher Folgenschwere dieser Entschluß war, nicht nur für Moltkes Leben, sondern für die ganze deutsche Armee, noch mehr, für das ganze große Deutschland. Er hatte in der Jugend eine schwere Schule durchgemacht. Sein Vater, ein schneidiger und glänzender Kavalier, war ein Verschwender, und an diesem abschreckenden Beispiel läuterte sich Moltke schon in früher Jugend zu jenem besonnenen, auf alles bedachten und peinliche Ordnung in seinen Geschäften haltenden Manne, der er blieb und der auch den besonnenen und alles genau erwägenden Strategen fo günstig beeinflußte. Napoleon und die Marschälle des französischen Kaiserreiches errangen ihren höchsten Ruhm in jungen Jahren. Die Deutschen weisen einen entgegengesetzten Typus auf, den gereiften, ja manchmal schon im Greisenalter stehenden Feldherren. Gneisen au war ein schon in hohen Mannesjahren stehender Offizier, als er die verdiente Anerkennung gewann, Blücher, ebenso wie Radetzky, Hindenburg, Conrad v. Höhen- d o r f f waren Greise, wunderbare Greise von einer Lebenskraft, um die sie mancher Jüngere beneiden konnte. Ihnen gesellt sich Moltke zu. Sein enffcheidendes Erlebnis ist seine Kommandierung in den Orient, nach Konstantinopel, Kleinasien, Aegypten, und die Teilnahme an dem großen Orientkriege dieser Zeit. Hier weitete sich sein Blick, hier lernte er vor allem an den Fehlern der ande- ren, wie „man es nicht macht". Was immer wich- tiger ist als das Posittve — ein berühmter Schauspieler sagte einmal zu seinem Schüler: „Ich kann dich nur lehren, was du auf der Bühne nicht machen sollst, was du machen sollst, kann dir nur Der liebe Gott sagen" — um wieviel mehr gilt dies auf dem Schlachtfeld! Er kehrte reich an Erfcchrun- gen zurück und kam in den Generalstab. Aber dieser hatte damals noch lange nicht jene Bedeutung, wie später, die hat ihm erst Moltke in jahrzehntelanger zäher unerschütterter Arbeit und Mühe errungen. Nur die Eingeweihten, sein nächster Mitarbeiter- stab wußten feinen ganzen Wert zu erkennen, er drängte sich nie vor, ja, er schien ganz frei von persönlichem Ehrgeiz zu sein, denn oft erwog er ganz ernstlich den Entschluß, den Dienst zu quittieren, und in feinen vertrauten Briefen kehrt immer wieder die Aeuherung der Sehnsucht, fern dem Getriebe der Welt, in der Einsamkeit, aus einem Stückchen felbfterroorbenen Bodens feine Tage zu beschließen. Der dies sprach, das war der Dichter in Moltke, jawohl der Dichter. Richt alle wissen, daß er einer der größten Meister des deutschen Stils war, noch wenigere, daß er zum Beispiel eine der bedeutendsten musikalischen Novellen in deutscher Sprache geschrieben hat, eine Paganim- Novelle, die den damals so berühmten Geiger in den Mittelpunkt einer spannenden Handlung stellt, eine Novelle, die sich ruhig neben das Größte stellen kann, was wir auf diesem Gebiete besitzen, neben E. T. A. Hoffmann und Mörike. Selbst die Arbeit, die er im dänischen Kriege leistete, war eine sehr stille und unbedankte, erst der Krieg gegen Oesterreich stellte ihn auf den weithin sichtbaren und beleuchteten Posten, machte ihn mit einem Schlage zu einem der populärsten Namen der Zeit. Sechsundsechzig Jahre alt war er, als er dies erreichte, fein Gegner Benedek, der österreichische Haudegen, war schon längst eine internationale Größe. lieber fein strategisches Werk, das in dem Sieg van Königgrätz gipfelte, ist viel gestritten und geschrieben worden, man hat feinen Ruhm verkleinern wollen, indem man nachzuweifen bestrebt war, daß er eigentlich zuviel wagte, daß der Grundsatz „Getrennt marfchieren, vereint schlagen", der feit Moltke fo volkstümlich geworden ist, feine große strategischen Gefahren barg, daß, wenn die Oefterreicher rascher vorgerückt wären, er in eine üble Lage gekommen wäre und dergleichen mehr. Das alles ist natürlich müßig. Er hat's eben gemacht, das muß uns genug fein, Denn im Leben und in der Geschichte entscheidet fchließlich der Erfolg, den eine höhere Macht lenkt, als der Menschengeist. Freilich hat er auch in diesem Kriege noch gelernt und nach allgemeinem Urteil ist er erst im Kampfe gegen Frankreich der ganz große Feldherr geworden. Heber diesen Krieg zu sprechen ist überflüssig, feine Geschehnisse sind so ins Bewußtsein der Nation ein- gegangen, daß jeder Deutsche wohl über die Großtaten, die Belagerungen von Straßburg und Metz, die Siege von Dionvllle, Saint Privat und Sedan, bit Einnahme von Paris, unb nicht zuletzt, die großartigen Winterschlachten, Bescheid weiß. In einem Monat rang Moltke ein Kaiserreich nieder, in einem halben Jahre brach er den Widerstand eines ganzen Volkes, mit dem man gewiß am Anfänge nicht in diesem Ausmaße gerechnet hatte. Hier ernteten er und Roon, der geniale Kriegsminister, die Früchte langer hartnäckiger Friedensarbeit, hier zeigte sich die von alten Haudegen so verspottete Arbeit am „grünen Tisch" in ihrer ganzen Notwendigkeit und Größe. Die ungeheure Pünktlichkeit, mit der alle Züge ausgeführt wurden, die Bildung, mit der Moltke bestrebt war, den letzten Grenadier, Reiter und Kanonier zu erfüllen, die wies hier ihre große, überwältigende Ueberlegenheit, und nicht umsonst sagte man später, der deutsche Schulmeister hätte diese großen Kriege gewonnen. Dor allem aber gewann sie die deutsche Pflichttreue, die phra- fcnlofe Einsetzung der Persönlichkeit für eine große Sache. Darin gab Moltke ein unerreichtes Beispiel. Seine Person stellte er ganz in den Hintergrund. Den Siebzigjährigen, der auf fein Privatleben feit dem Tode feiner geliebten Gattin fo gut wie ver- zichtet hatte, den bewegte kein Ehrgeiz mehr, der war nichts als ein Mann getreuester Arbeit, ein Diener am großen Werk. Und damit eine Persönlichkeit, die nur aus deutschem Boden erstehen konnte, die weit über ihr engeres Fachgebiet hinauswächst, in die höchsten Regionen der deutschen Geistesgefchichte. Es gibt keinen Feldherrn einer anderen Nation, der sich mit ihm in dieser Hinsicht vergleichen läßt. Und so ist er uns kostbarster Besitz und eine der leuchtendsten Heldengestalten der deutschen Geschichte. Eine ssenenbekannlschast des Atten Fritz. Aus dem Nachlaß des Hofmarschalls Joseph Friedrich v. R a ck n i tz , der ein Freund Goethes war, hebt Dr. H. o. ßangermann einen Schatz von Briefen, die Friedrich der Große an Frau v. Räcknitz, geborene Gräfin Flemming, gerichtet hat. „Die kleine Schatzmeisterin", wie er sie scherzend nannte, hatte er als junger Kronprinz am Hofe Augusts des Starken kennengelernt, und sie war es gewesen, ine ihm die erste Flöte als Ge- fchenk des sächsischen Kurfürsten und polnischen Königs verschaffte. In den Stürmen der Schlesifchen Kriege hat Friedrich sie wiedergesehen, uri) da sie ihre Güter mehrfach gefährdet sah, hat sie die Be- kanntschaft mit dem König benützt, um sich Er- leichterungen und Entschädigungen zu verschaffen. Der französisch geführte Briefwechsel zeigt Friedrich den Großen ebenso ritterlich wie geduldig. Nur einmal, nach der Niederlage von Hochkirch, vermag er ihre Bitten nicht zu erfüllen, fonbern weist sie darauf hin: „Wenn Sie den Zustand meines von den Feinden besuchten Landes kennten, wenn Sie das Land jenseits der Elbe sähen, wo die Oester- reicher gewesen sind, so würden Sie selbst finden, daß sich damit die Lage Ihrer Dörfer und Leute nicht vergleichen läßt." Doch nach Jayren endet der Briefwechsel in der alten Freundlichkeit und wird nun im Septemberheft von Delhagen & Kla - sings Monatsheften als ein Denkmal der menschlichen Liebenswürdigkeit des großen Königs veröffentlicht. — Uebrigens treten mit diesem Septemherheft Delhagen & Klasings Monatshefte in ihren 50. Jahrgang. Er wird besonders festlich ausgestaltet, und sein Beginn zeigt, wie mannigfaltig, wie anregend, wie kostbar Inhalt und Form der Zeitschrift auch im zweiten Halbjahrhundert ihrer ruhmvollen Laufbahn sind und bleiben werden. Gippenforschuna und Namenkunde. Professor Dr. Alfred G ö tz e, der Germanist unserer Landesunioersttät Gießen, teilt in „Forschungen und Fortschritte" u. a. mit: Wie Sippenforschung und Namenkunde Hand in Hand arbeiten sollen, läßt sich beispielhaft an dem Namen unseres Führers und Reichskanzlers zeigen. Die Vorfahren des Kanzlers haben sich H i e d l e r geschrieben; die Urkunden des Geschlechts zeigen, daß es aus Wa 11erschlag stammt, einem Dorf bei Weitra im niederösterreichischen Waldviertel, nicht weit von der böhrnifchen Grenze. Hier lassen sich die Hiedler Glied unf Glied zurückverfolgen bis kurz vor 1700. Vereinzelte Angaben vorher gelten „dem be- schaiden Hannsen Hydler und Anna seiner haus- fraron" am 12. Mai 1435 und am 15. März 1450, beidemal in Raabs an der Taya im oberen Waldviertel Niederösterreichs. Ob in dem Ehepaar Vorfahren Adolf Hitlers zu sehen sind, hat die Sippenforschung noch nicht erweisen können, wie denn die Angaben auf namenkundlichem Wege gewonnen sind. Die Namensforschung hilft aber noch weiter: sie lehrt, daß die ersten Hitler als Einwanderer von der Salzach ins Waldviertel gelangt sind. Das bei Hallein und Salzburg gewonnene Salz wurde im Mittelalter auf Zillen den Fluß hinab verfrachtet. Die Hauptmasse ging über Passat ins Donauland, ein Teil wurde zur Versorgung der Orte an der Salzach unterwegs den Schiffen entnommen und bei Laufen in Hütten aufbewahrt. Verkauf und Abrechnung lagen dem Hüttier ober Hitler ob, den wir aus falzburgifchen Schiffordnungen urkundlich kennenlernen. Zur Aufklärung bei Namens unb ber Verhältnisse, aus benen er entsprungen ist, bebarf hier bie Sippenforschung ber Namenkunbe — unb fo ist es immer. Wirtschaft Oberheffen um s Rütgerswerke noch 0,50 o.5). n: ' werte lagen durchweg etwas fe' mit plus 1,25 v. $)., die übrir 0,50 bis 0,75 v. S). Montanpo gut behauptet bei außerordentlich Rheinstahl bröckelte noch 0,50 v. H. ■r ein. Elektro- anders RWE. te gewannen agen zumeist .nen Umsätzen, i. ab und Buderus kamen 1,50 v. H. niedriger zur Notiz. Maschinenaktien zogen ebenfalls an, wobei der Bericht über die steigenden In- und Auslandsaufträge anregend wirkte, Muag gewannen 1,50 v. H. Auf den Geschäftsbericht waren Deutsche Linoleum beachtet mit 165,13 (161), wobei der Materialmangel den Kursein n i ch t a r i s ch e s Unternehmen. Wasserleitungs-Jubiläum in Lang-Göns. Lanb'Göns, 24. August. Unsere Gemeinde kann in diesem Jahre ein besonderes Jubiläum Landkreis Gießen. h. Großen-Linden, 26. Aug. Die feierliche Einführung der diesjährigen Konfirmanden unserer Gemeinde fand gestern in einem besonderen Gottesdienste statt, zu Dem die Eltern und Derwandten der Kinder sowie die Gemeindemitglieder zahlreich erschienen waren. Pfarrer auftrieb begünstigte. Fest lagen außerdem 3eßpoff Waldhof mit plus 1,25 v. H., ferner zogen Schl - sahrtsaktien bis 0,75 o. H. an. Gut behauptet eröffneten Reichsbank und Daimler Motoren, dagegen ließen Gement Heidelberg noch etwas nach auf 121,75 (122,25). Nach den ersten Kursen herrschte Geschäftsstille, und die Kurse bröckelten zum Teil wieder leicht ab. Im Verlaufe zogen sie bann bei anhaltender Geschäftsstille wieder mäßig an, so daß per Saldo gegen den Anfang keine größeren Veränderungen zu verzeichnen waren. Etwas höher waren nochmals Hapag mit 15 nach 14,75, andererseits gingen Deutscher Eisenhandel von 108,50 auf 107,75 (106,90) zurück. Die später zur Notiz gekommenen Papiere wiesen nur minimale Veränderungen auf und lagen meist höher. Der variable RentemHarckt lag spater sehr still, lediglich Städte-Altbesitzanleihen wurden etwas lebhafter umgesetzt. Im allgemeinen lagen die ersten Kurse behauptet. Der Pfandbriefmarkt lag still und unverändert, Rhein. Hyp. Gold wurden gestern abend 0,13 höher. Stadtanleihen lagen nicht ganz einheitlich, etwas schwächer lagen Mainzer. Im übri- gen lag der Kassarentenmarkt sehr still. Auch Auslandsrenten waren fast geschäftslos. — Tagesgeld unverändert 2,50 v. H. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 26. August. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Porauftrieb: 831 Rinder (147 Ochsen, 86 Bullen, 349 Kühe, 249 Fär- sen), 400 Kälber, 38 Schafe, 1725 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 35 bis 42 Mark, Bullen 37 bis 42, Kühe 20 bis 42, Färsen (Kalbinnen) 32 bis 42, Kälber 42 bis 67, Hämmel 38 bis 41, Schweine alles 54 Mark. — Marktverlauf: Rinder lebhaft, Kälber mittelmäßig, Schweine sehr flott. begehen, denn es sind nun 25 Jahre Bergungen, daß unsere Wasserleitung vollendet wurde. Man hat sich in diesen Jahren schon so an die Vorteile einer Wasserleitung gewöhnt, besonders die Jugend, daß man sich kaum an den alten Zustand erinnern kann. Freilich hatten zahlreiche Haushaltungen ihre Pumpen im Hofe, ober im Hause selbst. Die übrigen Bewohner mußten ihr Wasser von ben Gemeinbepumpen holen. Das war sehr mühsam unb zeitraubend. (Einige dieser Pumpen wurden in der letzten Zeit aber wieder hergestellt, für die Fälle der Not.) Die Quellen unserer Wasserleitung liegen an einem Abhang, links von der Holzheimer Straße, in der ßang- Gönser Gemarkung, der Wasserbehälter wurde 1910 an der Leihgesterner Straße erbaut. Leider zeigte es sich in den trockenen Jahren nach dem Kriege, daß die Wassermengen aus diesen Quellen nicht genügten, um unser Dorf ganz zu versorgen. Besonders bas Viertel um den hochgelegenen Bahnhof und ein Teil der Obergasse waren oft tagelang ohne Wasser. Dazu kam noch, daß an der Holzheimer Straße ein ganz neuer Dorfteil (die „Fauerbach") entstand, der auch angeschlossen werden mußte. Um nun allen Anforderungen gerecht zu werden, wurde deshalb vor einigen Jahren eine Zusatz-Wasserleitung erbaut, die auch in diesem trockenen Sommer sehr nötig war. Bei ben Bränden der letzten 25 Jahre hat sich unsere Wasserleitung vorzüglich bewäyrt. Auch in gesunbheitlicher Hinsicht war der Bau der Leitung unb eines Ab- lußkanals sehr zu begrüßen. Wurde doch bei die- er Gelegenheit der Gönsbach, der in einem breiten, chlammigen Graden dahinfloß, in große Zementrohre geleitet und mit Erde überdeckt. Dadurch gewannen die Hundstaatenstraße und der Niederhofen beträchtlich an Breite und geben nun dem Dorfbild, besonders die Niederhofenstraße, die in der Mitte eine Doppelreihe von Linden erhielt, die eine Spitze mit der Eiche zur Erinnerung an die Freiheitskriege (1913) und die andere mit der Adolf-Hitler-Eiche (1933) gekrönt, ein schönes Aussehen. Höchstpreise für Schweinehälften. Der Schlachtviehoerwertungsverband Hessen- Nassau gibt folgende Anordnung betr. Höchst- preise für Schweinehälften bekannt: 1. Auf Anordnung der Hauptvereinigung der deutschen Viehwirtschaft in Berlin vom 5. 8. 1935 beträgt der Höchstpreis für Schweinehälften auf ben Fleifchgroßmärkten Frankfurt a. M., Wiesbaden, Mainz, Darmftabt 74 Mark pro 50 Kilogramm. 2. Außerhalb der vorgenannten Fleifchgroß- märkte haben für Schweinehälften, soweit solche durch Verteiler (Schlachter, Fleischwarenfabrikanten, Dersandschlächtereien) und Vermittler zu festen Preisen an Abnehmer (Diederverkäufer) geliefert werben, folgenbe Preise Gültigkeit: a) 71 Mark je 50 Kilogramm für die Kreise, Frankfurt a. M., Obertaunus, Maintaunus, Wiesbaden, Rheingau, Dingen, Oppenheim, Mainz, Worms, Alzey, Groß-Gerau, Darmstadt, Offenbach, sowie für die Ortschaften der Kreise Heppenheim und Bensheim die unmittelbar an der Bergstraße ober westlich derselben liegen, einschl. derjenigen Orte, die an der alten Bergstraße liegen. b) 70 Mark je 50 Kilogramm für die Kreise St. Goarshausen, Unterwesterwalb, Dillenburg, Unter- lohn, untertaunus, Limburg, Oberlahn, Ufingen, Wetzlar, Friedberg, Gießen, Büdingen, Schotten, Dieburg, Erbach, die Ortschaften der Kreise Heppenheim und Bensheim, die östlich der Bergstraße liegen. c) 69 Mark je 50 Kilogramm für die Kreise Lauterbach, Alsfeld, Biedenkopf und Ober- westerwald. * Deutsche Linoleum - Werke - AG., Berlin. Der Umsatz der Gesellschaft hat sich in 1934 gegenüber dem Vorjahre wertmäßig um 39.5 v. H. gehoben, mengenmäßig, d. h. im Gegensatz zum Vorjahre nach dem Warengewicht, nicht nach Quadratmeter berechnet, betrug die Steigerung 51,3 v. H. Die Ausfuhr weist eine mengenmäßige Steigerung um rund 9 v. H. auf, wertmäßig errechnet sich ein Minus von 7,4 o. H., das im wesentlichen auf Entwertung einzelner Fremdwährungen zurückzuführen ist. Die Verwaltung schlägt vor, eine Divi- oende von 8 (6) v. H. auszuschütten und 1083 100 Mark vorzutragen (im Vorjahre wurde bekanntlich eine Sanierung durch Herabsetzung des Aktienkapitals von 40 auf 20 Millionen Mark durchgeführt). In ben ersten sechs Monaten bes laufenben Geschäftsjahres hat sich bas Jnlanbgeschäft etwa auf Vorjahreshöhe gehalten, bas Auslandgeschäft weist gegenüber dem Vorjahre eine erfreuliche Steigerung auf. Der weiteren Entwicklung des Geschäftes im laufenden Jahre sieht die Verwaltung mit Vertrauen entgegen. ♦ Befriedigende Gefchaftsentwick- I u n g bei Rheinmetall. Bei der Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik-AG., Düsseldorf, ist das am 30. Juni zu Ende gegangene Geschäftsjahr 1934/35 befriedigend verlaufen. Es wird mit der Verteilung einer Dividende von voraussichtlich mindestens 6 v. H. (wie im Vorjahre) auf das auf 28 Millionen Mark erhöhte Aktenkapital gerechnet. Wie der Fwd. erfährt, hat sich die Beschäftigung im neuen Geschäftsjahre weiter günstig entwickelt. Rhein-Mainische Börse. Etwas freundlicher. Frankfurt a. M., 24. Aug. An der Wochen- fchlußborse bestand nach den Abschwächungen der letzten Tage etwas Deckungsbedürfnis, so daß bei allerdings sehr kleinen Umsätzen am Aktienmarkt zumeist leichte Erholungen von etwa 0,50 bis 1 o. H. eintraten. Die Kundschaft hielt sich dagegen vom Geschäft noch ziemlich fern. Starke Beachtung fand die Auflegung der neuen Reichsanleihe, nachdem man schon im Laufe der Woche mit einer solchen Möglichkeit gerechnet hatte. Der Rente n m a r k t empfing etwas Anregung. Einiges Geschäft hatten Altbesitzanleihe zu 112,25 bis 112,50 (111,90), auch Städte-Altbesitzanleihen waren höher gefragt, ferner zeigte sich etwas Interesse für Kom- munal-Umschuldung, während Zinsvergütungsscheine mit 90,70 unverändert lagen und späte Reichsschuld, buchforderungen mit 97,13 (97,25) nur knapp behauptet blieben. Am Aktienmarkt setzten IG. Farben 90 v. H., Deutsche Erdöl 0,25 v. fi. höher, dagegen ßtne Senoffenschastsbrauerei der Gastwirte in Stadt und Kreis Alsfeld. * Alsfeld, 24. August. Die seither im Besitze des Karl Wallach bahler befindliche Brauerei Wallach ging in ben Besitz ber neugegrünbeten „Brauerei - Genossenschaft e. G. m. b. H. Alsfeld" über. In einer sehr gut besuchten Versammlung der Gastwirte aus Stadt und Kreis Alsfeld sowie aus den benachbarten Kreisen wurde die Gründung der Genossenschaft vollzogen und die Brauerei Wallach nebst lebendem und totem Inventar käuflich erwarben. Der Kaufpreis beträgt 425 000 Mark. Es traten alsbald 47 Mitglieder ber Genossenschaft bei. Der Geschäftsanteil unb bie Haftsumme betragen je 500 Mark. Das Unter- nehmen wirb unter Beibehaltung bes seitherigen Braumeisters in unoeränberter Weise weitergeführt. Bei ber Brauerei Wallach hanbelte es sich Schultheiß richtete an Hand von Matth. 8, Vers 1 bis 6, ernste Mahnworte an Eltern unb Kinber. Die Zahl ber Konfirmanden ist in biefem Jahre gegenüber ben vergangenen Jahren kleiner unb beträgt 38, unb zwar 14 Knaben unb 24 Mäbchen. D Lich, 25. August. Die Bürgermeisterei L i ch teilte in einer Bekanntmachung folgenben Beschluß bes Stabtrates mit: 1. In Zukunft werben Lieferungen und Arbeiten für die Stadt Lich nur an solche Volksgenossen vergeben, die der Bürgermeisterei gegenüber die eidesstattliche Erklärung abgeben, daß sie und ihre Familienangehörigen mit nichtarischen Personen keinerlei Geschäfte tätigen. 2. Dieselbe Erklärung haben alle Angehörigen ber gemeinblichen Körperschaften sowie bie bei ber Stadt beschäftigten Volksgenossen abzugeben. 3. Die städtischen Viehwaagen stehen nichtarischen Personen und solchen Einwohnern, die mit diesen immer noch Handel treiben, nickt mehr zur Verfügung. 4. Alle Ge- roerbetreibenoen, bie auf Zuweisung städtischer Aufträge rechnen wollen, müssen ber Deutschen Arbeitsfront unb ber Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV.) angehören. = Lich, 26. August. Nächsten Samstäg unb Sonntag finbet hier bie diesjährige Fünfziger- Feier statt, bie zu echten Heimattagen gestaltet werben wirb. Der Feier kommt besondere Bedeutung zu, als daran auch die ehemaligen Zöglinge des Frankfurter Waisenhauses in größerer Zahl teilnehmen, die in Licher Familien in Pflege waren und hier die Schule besucht haben. In ihren zusagenden Schreiben, die aus allen Teilen des Reichs hier eintrafen, kommt die große Freude darüber zum Ausdruck, daß sie — nachdem sie vor 36 Jahren Lich verlassen — nun sich mit ihren Licher 2lltersfameraben vom Jahrgang 1885 wieder einmal zu frohen Stunden der Erinnerung treffen können. Die Vorbereitung der Zusammenkunft liegt in Händen von Alterskamerad Christian Insel. * Hungen, 25. August. Auf einem Gartenstück in der Neugasse in Hungen steht ein Feigen- bä um t^en, bas infolge ber anhaltenben heißen unb trockenen Witterung dieses Jahres völlig ausgereifte Früchte mit gutem Geschmack trägt. Das Bäumchen zeigt jetzt schon wieder zahlreiche neue Fruchtknollen. Für Oberhessen jedenfalls eine Kuriosität. # Obbornhofen, 25. Aug. Die Schulsäle und Vorräume der hiesigen Volksschule wurden in den Sommerferien einer gründlichen Neuerrichtung unterzogen. Die Träger der Decken wurden mit Rabitz verkleidet, das Getäfel, das feit der Erbauung des Schulhauses im Jahre 1900 nicht wieder erneuert worden war, in Eichenholzfarbe gestrichen-, die Wände sind in vollen Farben gehalten und geben so den Unterrichtsräumen ein freundliches Aussehen. Die Arbeiten wurden nach Angabe und unter der Oberleitung des Hessischen Hochbau- amts Gießen durch die hiesigen Meister Litt und Kammer in mustergültiger Weise ausgeführt. + Bellersheim, 25. Aug. Gestern wurde auf dem hiesigen Bahnhof durch die ßanbesprobuf- tenhandlung Scheid, bahier, bas erste Frühobst in Kisten zur Verlobung gebracht. Obwohl in ber ganzen Wetterau ber Obstbehang recht knapp ist, kann hier bank ber günstigen ßage ber Baumanlagen und der planmäßigen Pflege- und Schädlingsbekämpfungsmaßnahmen mit einer Mittelernte gerechnet werden. An der Provinzialstraße nach Bettenhausen konnten größere Mengen Birnen ber Sorte Gute Graue geerntet werben, außerbem würben Doppelte Philippsbirnen angeliefert, bas Pfunb 6 bis 7 Pf. Für Frühzwetschen wurden dem Erzeuger 8 Mark für den Zentner bezahlt. Frühäpfel, hauptsächlich die Sorte Gravensteiner, kosten frei Verladestation 10 Pf. das Pfund. Kreis Schotten. )—( Ruppertburg, 24.Aug. Unser alter, !m Ruhestand lebender Feldschütz und Kirchendiener Heinrich ©re b erlebte die seltene Familienfreude, Ur - Ur - Großvater zu werden. Der biedere Alte vollendet, so Gott will, am 21. Dezember das 8 8. ß e d e n s j a h r. Er ist Altveteran von 1870/71. Zu feinem Familienkreis gehören drei Tochter, 12 Enkel, 20 Urenkel und nun auch ein Ur-Ur-Enkel. Eine der drei Töchter ist bereits durch den Tod aus dem ßeben abgerufen worden. Kreis Alsfeld. # Aus dem oberen Ohmtal, 24. Aug. Die Grummeternte ist allenthalben in vollem Gang. Der Ertrag ist allerdings nicht sehr groß. Von einer Ernte kann man eigentlich nur bei den Talwiesen sprechen, da sich auf den Bergwiesen bas Mähen nicht lohnt. Die Qualität des gewonnenen Futters ist sehr gut. Den späten Kartoffelsorten hat der letzte Regen nach die gewünschte Erholung gebracht, während frühe und mittelfrühe, besonders die „blaue Odenwälder", allgemein abgestorben sind, sofern es sich nicht um besonders feuchte Boden handelt. Bei den Dickwum ist ein Ausfall in diesem Herbst zu erwarten, da die einzelnen Rüben heute noch sehr klein sind. Um einen Ersatz zu bekommen, schreiten die Bauern zum Anbau von Stoppelrüben in vermehrtem Maße. Ferner findet ein stärkerer Anbau von ©rünfutter auf leeren Getreideäckem statt. Soweit es sich bis jetzt übersehen läßt, bleibt die diesjährige Obsternte weit hinter einer Mittelernte zurück. # Ober-Ohmen, 24. Äug. Die Ohmstraße ist jetzt in ihrer Gesamtlänge von Ruppertenrod bis Ulrichstein fertiggestellt bis auf eine Strecke, die demnächst in Angriff genommen wird. — Die Prosilierung der Strecke Mücke—Ruppertenrod— Abzweig Elpenrod schreitet rüstig vorwärts, so daß die Pflasterarbeiten alsbald beginnen können. Der Arbeiten wegen findet die Verkehrsumleittmg gegenwärtig über Ober-Ohmen und später über Groh- Eichen—Ilsdorf statt. Preußen. Oie DerlobungSfahrt nach Marburg. ßPD. Marburg, 24. Aug. Bekanntlich hatte die Marburger Stadtverwaltung anläßlich der Berliner „Kraft-durch-Freude"-Fahrt Weihnachten 1934 in Ausfickt gestellt, daß sie jedem Paar, das sich auf dieser Reise verlobe, als Hochzeitsgeschenk eine Freifahrt Berlin- Marburg mit anschließendem achttägigen Frei- aufenthalt in einem Marburger Hotel gewähre. Der Erfolg dieser ursprünglich einem Witz entsprungenen Frenckenwerbung war gering, denn es kam nur eine Verlobung zustande. Das Paar hat jetzt geheiratet und nimmt das Hochzeits- gefchenk durch einen achttägigen Aufenthalt im Kurhotel Ortenberg in Anspruch. Betrunkener Kraftfahrer überfährt ein Ehepaar. Aus dem Ebsdorfer Grund, 24. August. (ßPD.) Als sich die Eheleute Nau aus Beltershausen mit Fahrrädern auf der Heimfahrt befanden, wurden sie in der Nähe ihres Wohnortes von einem auf der linken Straßenseite fahrenden Autofahrer angefahren. Der Ehemann trug neben Fleischwunden einen Oberschenkelbruch davon, während seine Frau leichter verletzt wurde. Sofortige polizeiliche Feststellungen ergaben, daß es sich bei dem rücksichtslosen Autofahrer um den Kraftwagenführer W. vom Marburger Kornhaus handelte. Da er stark nach Alkohol roch, vermutet man, daß er den Unfall fahrlässigerweise herbeigeführt hat. Die Polizei entzog ihm den Führerschein. Ein gerichtliches Nachspiel wird folgen. Kreis Wetzlar. <£ Rodheim a. d. Bieber, 24. Aug. Gestern abend veranstaltete im Benderschen Saale die zuständige Ortsgruppe des Reichsluftschutzbund e s einen Werbeabend. Gezeigt wurde ein recht flott gespieltes Puppenspiel, das in seiner Tendenz Sinn und Zweck des Luftschutzes in heiterem Wort und Bild, dem interessiert lauschenden und beifallsfteudigen Publikum zeigte. Bürgermeister P e p p l e r sprach eingangs ein Begrüßungswort und erteilte dann dem Orts- und Werbeleiter Hauptlehrer Nickel das Wort, der in längeren Ausführungen Wert und Bedeutung eines organisierten ßuftschutzes herausstellte und auf den Zweck der ganzen Veranstaltung, dem Luftschutz» bund immer mehr Freunde und Mitarbeiter zu werben, hinwies. Am Schlüsse der Veranstaltung sprach dann noch als Ortsgruppenleiter der Ortsgruppe Rodheim - Krofdorf Lehrey Wagner (Launsbach). Er untersttich nochmals die Ausführungen des Werbeleiters und forderte zur Mitarbeit im Reichsluftschutzbunde auf. Die ganze Veranstaltung war gelungen. Kurszettel -er Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren Frankfurt 4.M. Berlin Schlußkurs Schluß». Abend- börse Schluß- kurs Schlußk. Dllltag. börse Odium 23.8. 248 23.8 248 <% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche ReichSanl. von 1934 6y,% Doung.Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl..Ablös..SchuU> mtt AuSlos.»Rechten ............. 101,25 97,7 103,13 111,9 100,5 97,75 96,75 100,75 93 115,25 96,75 101,15 101,5 97 97 97,4 30,25 1,45 9,75 9,5 9,65 11,5 101,25 97J 112,13 *100,5 97,75 96,75 100,9 93 128,5 115,5 96,75 101,2 101,4 97 97 107,4 30 9,65 9,5 9,65 11,5 — o o Die HI. überquert bei ihrem Hindernisgepäckmarsch die Lahn. e verschiedene Sondervorführungen gezeigt. Das Jungvolk machte mit seiner „Bunten Spielwiese den Zuschauern viel Freude. Beim Ballspiel, bei lustigem Wettbewerb mit dem Medizinball, bei der Badengymnastik, im Reiterkampf und im römischen Wagenrennen, bei einem lustigen Laufspiel in geschlossenen und offenen Ketten usw. gab dos Jungvolk einen Ausschnitt aus seiner vielseitigen spielerischen und körperschulenden Arbeit. Die Marine-Hitlerjugend singnalisierte mit Wimpeln über größere Entfernung den Winkspruch „Seefahrt ist not!" über den weiten Platz und zog damit die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Dinen großartigen Erfolg erzielte die F l i ger-Hitlerjugend aus Lollar mit ihren Se- gelflugstarts Trotz der für einem Segelflugzeug bestimmt nicht allzu günstigen Verhältnisse unternahmen sie mit ihrem Zögling „Buderus 2" einige Starts, die bei den Zuschauern, besonders aber bei der Jugend helle Begeisterung für diesen schönen Sport auslösten. Ruhig und sicher schwebte das Flugzeug, von vielen kräftigen Händen auf Korn- Das Jungvolk zeigte wieder einmal feine schneidigen Wagenrennen. — (Aufnahmen [5]: Photo-Pfaffs 7 Kf i l Al --L l ■ V , -• l/.v• - - -‘y 1 * - ■ R " > ; 'MM F mtnAo ntft Me des Gummffeiles in die Luft ge- schnellt, über den Platz. Nach der ersten, etwas harten Landung (der Pilot hatte das Segelflugzeug auf eine Höhe von etwa 8 Meter gebracht) folgten drei weitere Flüge mit eleganten flachen Landungen. Die Zuschauer dankten den mutigen Fliegern mit starkem Beifall. Dem Jungvolk imponierten diese Vorführungen ganz besonders. „Noch — einmal!" klang es denn prompt vielmals über den Platz. Die Flieger erfüllten den Wunsch und fügten ihren drei vorgesehenen Starts einen vierten hinzu. Nach einem Schlußappell der Hitlerjugend und nach dem gemeinsam gesungenen Lied „Vorwärts, vorwärts" wurde die Veranstaltung auf dem Sportplatz geschlossen. Abschluß.-Singenvordem AttenSchloß Einen schönen und erhebenden Abschluß des Bannsportfestes bildete das Singen der HÄ. und des JV. auf dem Platz vor dem Alten Schloß. Tausende von Volksgenossen hatten sich zur vorgesehenen Zeit eingefunden und bildeten um die aufmarschierte Jugend einen dichten Kreis. Die Fahnenträger und die Spielleute nahmen auf der Mauerbrüstung vor dem Schloß Aufstellung und Serben damit den Blickpunkt. Unmittelbar nach dem Aufmarsch der Einheiten der Staatsjugend begann nach einem einleitenden kurzen Marsch der Fanfaren das Singen der Gefolgschaften und der Fähnlein. Den zahlreichen Liedern, die über den von Fackeln erhellten Platz hallten, gingen jeweils Rezitationen von Gedichtworten voraus, in denen das Wollen der deutschen Jugend um die deutsche Zukunft in schöner und beschwingter Sprache ausgedrückt war. Die vielen Lieder, die man zu hören bekam und die die Jugend immer wieder mit Begeisterung singt, wurden sehr frisch vorgetragen und machten den Tausenden der Zuhörer große Freude. Die start rhythmisch betonten Melodien mit der Klangfarbe der Landsknechtslieder aus dem Mittelalter machten in Verbindung mit den unterlegten Texten, aus denen immer roieber unerschütterliche Lebensbejahung spricht, starken Eindruck. Mit einem Bekenntnis zum Führer Adolf Hitler und mit dem gemeinsam gesungenen Horst-Wessel- Lied und dem Liede der Hitler-Jugend fand das Singen sein Ende. Während zum großen Abschluß von den Fanfarenbläsern noch ein schneidiger Marsch über den Platz geschmettert wurde, leuchtete die Front des Alten Schloßes im magischen Glanze roten bengalischen Lichtes auf und überflutete die Jugend mit flammendem rotem Schein. Die Feier auf dem Brandplatz bildete einen glücklichen Abschluß der ereignisreichen beiden Tage. Aus der provinzialhaupistadt. 3n der Kiesgrube. Als Beifahrer war ich, ein Außenseiter dieser Arbeit, einem Lastwagen zugeteilt. Es werden Häuser gebaut, irgendwo im lieben Vaterland. Wir fuhren mit zwei Wagen Kies, Ziegel und anderes Baumaterial heran. Anfangs war die Arbeit etwas ungewohnt. Die Schultern taten am Abend reichlich weh, aber bann gewöhnte ich mich an die Arbeit. So waren sechs schwere Wochen vergangen. Tag für Tag holten wir aus einer Kiesgrube den groben Betonkies. Dann begann im November der Regen. Aber auf gut Wetter warten konnten wir nicht, und unermüdlich wurde der nasse schwere Kies weitergeschippt. In der Grube war infolge des Regens eine starke Veränderung vor sich gegangen. Ein Mergelblock, schwer und wuchtig, wurde frei und ragte drohend in die Lust. Er mochte einige Tonnen wiegen. Wir hatten uns jedoch schon so an diesen niedlichen Brocken gewöhnt, daß wir kaum mehr hinschauten, wenn wir in der Nähe arbeiteten. Steine wurden in der Gegend des Blockes gesprengt, aber er ließ sich durch die Erschütterungen nicht aus der Ruhe bringen. Da er uns gefahrlos schien, blieb er oben hängen. — Morgens um 6 Uhr brausten wir wieder aus der Garage. Mein Fahrer, ein breiter, stämmiger Junge, machte ein verregnetes Gesicht. „Nanu, Bruno, was Oie Deutsche Arbeitsfront. „Kraft durch Freude". NG-Gemeinschast Sonderzug an den Rhein am 15. September. Wir veranstalten am Sonntag, 15. September, die letzte Rheinfahrt. Die Fahrt geht ab Gießen mit dem Zug nach Mainz-Kastel, von Mainz-Kastel nut dem Dampfer nach Rüdesheim. In Rüdesheim wirb den Teilnehmern Gelegenheit geboten zur Besichtt- gung der Stadt. Von Rüdesheim geht die Fahrt mit dem Dampfer weiter nach Koblenz. Die Rückfahrt geht ab Koblenz mit dem Sonderzug nach Gießen. Der Fahrpreis beträgt einschließlich Mittag- essen 5,50 Mark. Anmeldungen werden noch entgegengenommen, müssen aber umgehend erledigt werden. Winzerfest am 31. August, 1. und 2. September in der Gießener Volkshalle. An diesen Tagen findet das diesjährige Winzerfest statt, das voriges Jahr so großen Beifall gefunden hat. Dieses Jahr ist noch der Montag hinzugenommen worden, um dem Fest den richtigen Ausklang zu geben. Für Humor und Heiterkeit wird bestens gesorgt, denn namhafte rheinische Künstler sind an diesen Tagen vertreten und sorgen für Stimmung. Die Preise der Getränke sind äußerst niedrig gehalten, daß es jedem Dg. möglich sein wird, das Winzerfest zu besuchen. Aordseefahrt mit Dampfer „Der Deutsche" vom 31. August bis 8. September. Nachdem bei den letzten beiden Seefahrten nicht alle Interessenten berücksichtigt werden konnten, wurde jetzt noch eine Urlaubsfahrt nach der Nordsee mit Dampfer „Der Deutsche" eingelegt. Die Fahrt geht über Bremerhaven. Die Kosten betragen, wie bisher, 59,50 Mark. Anmeldungen werden noch entgegengenommen und sind umgehend zu erledigen. ♦ Für die Ausstellung „Rhein-Mainische Wirtschaft" in Frankfurt a. M. vom 24. August bis 8. September sind uns 100 Stück verbilligte (Eintritts- ist los? Mensch, heute gibt's Geld, sei nicht so bedripst", sagte ich zu ihm. Aber er läßt sich nicht umstimmen. „Paß mal auf, heute haben wir noch Pech." — „Sicker", erwiderte ich, „haben wir fast jeden Tag." Wir bezeichneten mit „Pech" eine Reifenpanne. Aber bis zum Mittag war nichts Schlimmes eingetreten, und mein Kamerad wurde langsam guter Laune. Wir fuhren nachmittags wieder in die Grube und hielten fast unter dem Mergelblock. Dort war das Laden fabelhaft bequem. Fünfzig Schritte von uns entfernt waren vier Mann mit Ausbefserungsarbei- ten am Wege beschäftigt. Wir hatten den Wagen halb voll, als wir eine kurze Atempause einlegten. „Bruno", sagte ich so nebenbei, „wenn uns von dem kleinen Brocken ein Stückchen auf den Wagen fällt, bann haben wir gut zwei Meter oben." Er lachte. Weiter! Ich stand beim Laden genau unter dem Block. Da, als ich gerade die Schaufel heben wollte, hörte ich über mir ein Geräusch, es klang fast, als würde Stoff zerrissen. In Sekundenschnelle spielte sich nun alles ab. Ick) sah einen Teil des Blocks sich lösen, sah, wie sich die Masse auf mich senken wollte und sprang instinktiv rückwärts mit einem Riesensatz auf den Wagen. Da löste sich in diesem Augenblick ein zweites Stück und traf mit Wucht meinen seitwärts stehenden Kameraden an den Kopf. Diesen „Boxhieb" hielt sogar Bruno nicht aus. Er taumelte nach meiner Richtung hin und — da hatte ihn der Mergelblock gefaßt. Ein Kreischen, ein gellender Schrei, dann stak mein Kamerad bis an den Hals zwischen der festen, steinharten Masse und dem Wagen eingeklemmt. Blut strömte aus seinem Munde. Ich schrie, brüllte nach den vier Männern, und als die sahen, was passiert war, kamen sie windschnell heran. Wir arbeiteten fieberhaft, aber es dauerte doch eine endlose Zeit, wie es uns schien, bis mein Kamerad befreit war. Wir legten ihn vorkarten zur Verfügung gestellt worden, die statt 1 Mark 30 Pf. kosten. Auf Grund dieser Karten gibt die Reichsbahn Sonntagskarten auch an Wochentagen aus, die dreitägige Gültigkeit haben. Die Karten können auf der Geschäftsstelle abgeholt werden. Sportkurse „Kraft durch Freude". Reue kdF.-Sportkurse! Schwimmen. • Am Mittwoch, 28. August, beginnen um 20 und um 21 Uhr neue Schwimmkurse im Dolksbad. Die Kosten betragen für Mitglieder der DAF. 6 Sportmarken zu 30 Pf. = 1,80 Mark; für Nichtmitglieder 6 Sportmarken zu 60 Pf. — 3,60 Mark. Anmeldung auf dem Sportamt oder vor Beginn der Kurse im Dolksbad. Reichssportabzeichen. Für diejenigen Volksgenossen, die noch in diesem Jahre das Reichssportabzeichen erwerben wollen, beginnt am kommenden Donnerstag, 29. August, ein weiterer Vorbereitungskursus um 18.15 Uhr auf dem Universitätssportplatz. Die Kosten betragen für Mitglieder der DAF. 8 Sportmarken zu 30 Pf. = 2,40 Mark; für Nichtmitglieder 8 Sportmarken zu 50 Pf. = 4 Mark. KdF. -Sportkurfe am Montag. Tennis von 18 bis 19 und 19 bis 20 Uhr, Städt. Tennisplätze am Schützenhaus. Reiten von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Fröhliche Gymnastik und Spiele von 19.45 bis 20.45 in Großen-Buseck, Gasthaus Wagner. Tennis an Sonntag Vormittagen. Sonntags vormittags ist zu folgenden Zeiten Spielgelegenheit: Von 8 bis 9 Uhr uebungsftunbe ohne Lehrer, Städt. Tennisplätze Schützenhaus; von 9 bis 10 Uhr Uebungsftunbe mit Lehrer, Städt. Tennisplätze Schützenhaus. sichttg auf die Erde. Langsam kehrte die Besinnung zurück und er wollte hoch. Ein Knirschen der zerbrochenen Knochen war zu hören, stöhnend gab er den Versuch auf. Bald war ein Auto bei uns, und vorsichtig hoben wir Bruno hinein. Langsam fuhr der Wagen ab. Still machten wir uns an die Arbeit, den Lastwagen aus den Trümmern und den Kiesmengen auszugraben. Er sah bös aus; Kotflügel verbogen und zerrissen, die Bretter des Kastens zerdrückt, eine Tür mit Scheibe entzwei, so daß wir uns wunderten, daß mein Kamerad nicht total zerdrückt worden war. Dann sahen die anderen erst, daß die größten Stücke sich an der Stelle aufhäuften, an der ich sonst beim Laden stand. Dann fuhr ich unseren zerknitterten Wagen aus der Grube raus. Der Motor war ja intakt, und spielend überwandt er die letzten Hindernisse. Am nächsten Tage ging ich zum Krankenhaus, um meinen Kameraden zu besuchen. Na, er war böse zugerichtet. Drei Rippen, Schulter, Schlüsselbein und Arm waren gebrochen und die Rippen auch noch in die Lunge gedrungen. Der Arzt hatte ihn aufgegeben, aber Bruno kam wieder hoch. Weihnachten war er wieder zu Haufe. Wenn ich später in der Gegend des restlichen Mergelblockes arbeitete, wurde ich doch noch manchmal an jenen denkwürdigen Tag erinnert, an dem ich durch Zufall so gut davongekommen war, an dem aber auch die Arbeitskameradschaft sich voll bewährt hatte. Ö. J. Ettern! Nun ist es grab noch eine Woche, dann haben wir B D M. - M ä d e l aus Hessen-Nassau unseren Sporttag in allen Untergauen. Lange haben wir uns schon auf diesen Tag gefreut, weil wir an ihm euch einmal etwas aus unserer Arbeit zeigen wollen. Nun bitten wir euch alle, kommt zu uns shinaus auf den Sportplatz und seid zwei Stunde» einmal bei uns, erlebt unsere Arbeit und unfetf Mädelsein. Oft habt ihr uns gefragt, was wir abends im Sportabend machen und treiben, warum wir das tun, anstatt uns nach der schweren Feldarbeit, dem langen Stehen hinter der Maschine und dem Sitzen hinter den Schularbeiten uns nicht lieber in den Garten legen und ausruhen. Wir haben versucht euch zu erklären, daß uns der Sport frisch und froh macht und uns neue Kraft zur Arbeit gibt und daß wir auch die Pflicht haben, unseren Kör* per gesund und frisch zu erhalten. Aber wir reden nicht gern und wir scheuen uns auch davor, immer von Zukunft und Volk und Aufgaben zu reden, denn das ist uns selbstverständlich. Nun ist einmal ein Tag gekommen, an dem wir in aller Öffentlichkeit ein Stück unserer Arbeit zeigen, nicht reden. In jedem Jahr werden wir an einem Sporttag zeigen, was wir im letzten Jahr geschafft und geleistet haben. Rechenschaftsbericht wollen wir ablegen, nicht vor denen, die unsere'Arbeit boykottieren und stören wollen und sich selbst dadurch richten, nein vor denen, die wie wir mitten im Volk, in der Arbeit und im Kampf stehen. Ueberall sind die großen blauen Plakate angeschlagen und rufen zum Sporttag. Wir Blauben, daß alle Eltern und alle, die uns als ugend nahestehen, an diesem Tage bei uns draußen auf den Sportplätzen sind und wir freuen uns alle darauf. Ein BDM.-Mädel. Aus parteiamf(id>en3Setanntmad)ungen Der N S. Lehrerbund, Kreis Gießen, gibt bekannt, daß die für Mittwoch, 28. August, vorgesehene Kreisversammlung ausfällt. Der Zeitpunkt der Abhaltung der Kreisversammlung wird noch bekanntgegeben werden. Die Ortsgruppe Gießen-Ost (Abteilung Kasse) teilt hinsichtlich des Umtausches der Mitgliedskarten mit, daß Parteigenossen, deren Namen mit den Anfangsbuchstaben G, rl, I, J, K beginnen, letztmalig aufgefordert werden, ihre Mitgliedskarte mit aroei Paßbildern und 1 RM. Ausfertigungs« gebühr zum Umtausch gegen das Mitgliedsbuch ein« zureichen. Der letzte Termin dafür ist Dienstag, 27. August (20 bis 22 Uhr, Geschäftsstelle der Ortsgruppe, Kaiserallee). NSLB., Kreis Gießen. Fachschaft „körperliche Erziehung". 1. Betr. Ehrengabe des NSLB. km Schwimmen. Die Ausschreibungen zum obigen Wettkampf hat jede Schule, die dafür in Frage kommt, erhalten. Alle Anfragen sind zu richten an Kreisfachberater Turnlehrer Mohr, Gießen, Wil- sonstraße 8. Dorthin auch Abgabe der Punktwertungslisten bis zum 20. September 1935. 2. Betr. Fußschlagball und Grenz« b a l l s p i e l e. Infolge des Deutslchen Jugendfestes sind die Spieltermine hinausgeschoben worden. Es muß jetzt in aller Kürze mit den Spielreihen begonnen werden. Die Bezirksleiter sorgen dafür, daß in ihren Bezirken Lehrkräfte zur Verfügung stehen, die einwandfrei als Schiedsrichter eingeteilt werden können. Die Spielregeln müssen jetzt zur Genüge bekannt sein, lieber den genauen Spielbeginn ergeht in den nächsten Tagen Bescheid. »Rindfleisch im eigenen <5afP auch im Einzelhandel. Die im Auftrage der Reichsstelle für Tiere und tierische Erzeugnisse hergestellten Fleischkonserven „Rindfleisch im eigenen Saft" werden nunmehr außer bei den Fleischern auch in den Einzelhandelsgeschäften zum Verkauf kommen. Auch bei der Abgabe durch die Lebensmittelgeschäfte konnte ein Kleinverkaufspreis von 1,50 RM. für die Kllsdose vorgesehen werden, weil sich die Lebensmittelgeschäfte ebenso wie die Fleischer mit einer geringen Unkostenspanne begnügten. Preisauszeichnungen nur in Pfund. Fwd. Nach Mitteilung der Landesbauemschast Hessen-Nassau wurde in letzter Zeit beobachtet, oaß in einigen Lebensmittelgeschäften im Gegensatz zu der üblichen Pfund auszeichnung die Preisauszeichnungen teilweise für ein halbes Pfund stattgefunden haben, was die Käufer irreführte. Die Was bedeutet das Wort „Kamerad"? Don Or. Johannes Günther. „Kamerad" — was bedeutet das eigentlich, schärfer gefragt: was will es ursprünglich ausdrücken? Wer nur die deutsche Sprache zur Verfügung hat, kommt dem Worte schon annähernd auf die Spur, er versucht einen Zusammenhang mit dem Worte „Kammer", besonders unterstützt dadurch, daß man sich in der Gemeinsprache daran gewöhnt hat, das Wort auf der ersten Silbe zu betonen. Es kann aber nichts schaden, wenn man sprachwissenschaftlich dem Worte nachgeht. Man findet bann im Italienischen — wenn auch nicht b i e Quelle, aber doch eine wichtige Quelle. „Game- rata" bedeutete im Italienischen soviel wie „Zirn- mergenossenschaft" — wohl gemerkt nicht soviel wie einzelner Stubengenosse, sondern wie die ganze Stubengenossenschaft. Wenn wir aber „Kamerad" sagen, dann meinen wir nicht mehr die ganze Zimmeraenossenschaft, sondern den einzelnen Stu- bengenossen, den einzelnen Gesellen, den einzelnen Freund. Der Begriff hat sich also verengt, die Form ist beibehalten worden. Zum Vergleich sei daran erinnert, daß es innerhalb des Deutschen unserm Worte .»Bursch" ebenso ergangen ist. Das ursprüngliche Wort hieß: „die Burs" und bedeutete eine ganze Schar von Gesellen, besonders von Studenten, und auch ihren Bewirtungsart; aus diesem umfassenden Begriff ist dann unter Beibehaltung der Wortform der engere Begriff, der Begriff „Bursch" für den einzelnen Mann geworden. Auch das Wort „Frauenzimmer" bedeutete anfangs eben wörtlich den Aufenthaltsraum der Frauen, bis dann der engere Begriff „Frau" daraus wurde, ja der Begriff hat sich noch mehr verengt: heute Der- steht man unter Frauenzimmer eine tadelnswerte leichtsinnige Person. Auch bei den Wörtern Herr- schäft, Gesellschaft, Nachbarschaft kann man manchmal eine Verengung des Begriffes auf den einzelnen Menschen beobachten. Im Dreißigjährigen Kriege wurde das romanische Wort in Deutschland gebräuchlich. Es verdrängte die älteren Ausdrücke „Landsknecht", ,Lriegsgesell", „Gutgesell". Ganz streng genommen ist also das Wort Katnerad ein Fremdwort. Nun lautet eine Forderung mit Recht: meidet die Fremdwörter! Sollen wir darum auch auf das Wort Kamerad verzichten? Das Wort wurde ja im Dreißigjährigen Kriege bewußt in die deutsche Sprache hereingelas- fen. Zinkgraf schrieb 1639 „... Rott- und Spieß- gesellen, die fetzt auf neudeutsch Gameraben heißen..." und sogar ein Spracheiferer hat, 1644 bereits, bas Wort als „füglich teutsch" anerkannt. Aber all solche Gründe dürfen uns noch nicht endgültig bestimmen. Wenn wir das Wort „Kamerad" oeibehalten, dann müssen wir dazu wichtigere Veranlassungen haben. Zu Grunde liegt eine indogermanische Wortform, die sich in romanischen und germanischen Sprachen ganz ähnlich lautende Formungen gefallen ließ. Wenn also der deuffche Kriegsmann des siebzehnten Jahrhunderts das Wort camerata hörte, dann spürte er höchstwahrscheinlich sein deutsches Wort Kammer darin (stärker als etwa das Wort Saal in Gefell). Er übernahm das Wort gewiß auch aus einem Hang zur Protzerei, er schmückte sich gewiß recht gern, dem Zuge der Zeit entsprechend, mit der fremden Feder, aber dem deutschen Herzen, bas selbst in ber rauhen Solbatenbrust saß, sagte wohl vor allem bie nahe Verwandtschaft mit dem Worte Kammer zu: bas war ein tröstlicher Ton in ber Welt bes Krieges, von ber Max Piccolomini klagt: „ ... biefes Lagers lärmendes Gewühl, Der Pferde Wiehern, der Trompeten Schmettern, Des Dienstes immer gleichgestellte Uhr, Die Waffenübung, das Kommandowort, Dem Herzen gibt es nichts, dem lechzenden." Im „Simplicisfimus" von Grimmelshausen, wo das Wort in dichterischem Zusammenhänge am frühesten auftaucht, wird es mit Doppel-rn geschrieben, und „Äammerab" ober .Kanunerath" lieft man in Schriften bes siebzehnten und beginnenden achtzehnten Jahrhunderts gewöhnlich. Mitten im rauhen Kriegestreiben einen Vertrauten zu haben, bei dem man sich gleichsam zu Hause fühlte, der einem den harten unfreundlichen Lagerplatz zur heimatlichen Kammer machte, mit dem man Worte wechselte, wie sie etwa in Rilkes „Weise von Liebe und Tod" aufklingen, um fernsten Jugenderinnerungen für kurze Minuten wieder wohltuendes Leben zu schenken — das ist ber Segen biefes Wortes gewesen. Das ist ber Kammerad — ja, wir sollten ihn getrost auch gerade heute mit Doppel-m schreiben und vom „einfachen" Manne gern die doch sehr sinngemäße Betonung auf ber ersten Silbe übernehmen. Dann bliebe bloß noch bie undeutsche Endung. Aber sie soll bleiben: Zum Gedenken daran, daß hier ein deutsches Gefühl auf einem Umweg (der wohl auch für den Deutschen bezeichnend ist) zu uns kam, als Ausweis feiner langen Fahrt trägt es die fremdländische Silbe. Kammerad — das Wort ist wie ein Talisman: auch fern von Haus und Hof (— das Fernsein ist in ber End- silbe angezeigt —) umgibt bich ein Hauch ber Hei- mat; ober: ber Kammerad ist dir so treu, baß er zu bir ftunbe, selbst wenn dich bie Heimat verließe. In bas Wort Kamerab unb seine Anwendungen wirkt noch das spanische Wort camarada unb bas französische camarade hinein. So finden wir auch als „deutsche Form nicht bloß: ber Kamerad, sondern auch der Kamerade, z. B. bei Goethe: „... wer will mein Kamerade fein, der stoße mit an, ber stimme mit ein." und Lenaus „Postillon" bekennt „Keiner blies bas Horn so hell wie mein Kamerabe!" Ist dieses ganze Gedicht schon eine kaum ver- gleichliche dichterische Weihe bes Wortes Kamerab und seines Wesens, so ist ja natürlich bas eigentliche Hohe Lieb des Kameraden Uhlands volkslied- haft markiges Gedicht vom „Guten Kameraden". Es kann nicht mehr und nichts Tieferes vom Sinn schlichter menschlicher Verbundenheit gesagt werden, als es in diesen drei Strophen ausgedrückt wird. Das Gedicht hat ja dann auch die schönste Ehrung empfangen, bie ein poetisches Werk empfangen kann: es ist aufgegangen im Volke, bas Volk singt es (übrigens nach einer Volksweise, von ber also kein „Komponist", höchstens ein Bearbeiter, Silcher, bekannt ist) unb das Volk empfindet es, tatsächlich unb mit Recht ja auch in jedem einzelnem Verse, als Ausdruck seines Gefühls so stark unb innig, daß es darüber den Dichter vergißt. Wohl bir, bu zweiunbzwanzigjähriger Ludwig Uhland, baß bir das gelang! Schon in diesen jungen Jahren leistetest bu genug, würbest ein Dichter ber Volksgemeinschaft! Kamerabschaft ist einbringlichste Empfinbung ber Volksgemeinschaft. Das Wort ging aus vom Kriegsleben, von ber Heerfahrt, vom Abenteuer; von ber Kampfgemeinschaft überträgt es sich auf bie Gemeinschaft aller echten Tat. Wir erleben heute biefe schöne Verbreitung bes Wortes. Heute fühlen sie sich als Kameraden unb nennen sich Kameraben — seien sie Sturmabteilungsmänner, seien sie Arbeiter, seien sie Künstler! Zeitschristen. — Architektur unb Lcmbschaft werben, wie die „I l l u st r i r t e Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig) an Hand eines ausgezeichnet bebilderten Artikels zeigt, durch eine neue Wohnauffassung organisch miteinander verbunden. Dieser Beitrag enthätt viele wertvolle Beispiele für bie Gestattung bes mobenien Wohnraumes. — „Karlshoxst in Kleinasien" Mßt eine launige Photoreportage, bie bas durchaus europäisch anmutenbe Treiben auf einem Rennplatz in Ankara schilbert, währenb ein Bildbericht „Land- ralten lernen segeln" Ausschnitte von einem beut- schen Hochfeesegelkursus bringt. — Außer einer Fülle der verschiedenen Beiträge fallen in diesem Heft die ausgezeichnet wiedergegebenen, zum Teil farbigen Kunstbeilagen auf. Auch ber reiche Moden- unb Literatur teil verbient hervorgehuden zu werben. Schäfer als Rechenkünstler. Unsere Rechenkünste gehen, wenn nicht beruflich •befonbere Leistungen auf diesem Gebiet von uns gefordert werden, nicht über einen bestimmten Rahmen hinaus. Wir dürfen sogar wieder einiges von dem vergessen, was wir in der Schule an arithmetischen Künsten gelernt haben, unb emp- finben nicht, dadurch irgendwie benachteiligt zu ein. Um so größeres Erstaunen rufen darum Men- chen hervor, die aus dem Rechnen einen Sport machen und imstande sind, schwierige Rechenaufgaben, wie das Multiplizieren fünf- und mehrstelliger Zahlen und das Kubikwurzelziehen, ungewöhnlich schnell aus dem Kopf auszuführen. Diese Rechenkünstler bedienen sich dabei beftimmter „Tricks", unb sie kennen einige „Zahlengeheim- nisse", die den gewöhnlichen Sterblichen unbekannt sind. Seltsamerweise haben die Schäfer mehrmals in der Geschichte solche Rechenkünstler gestellt. Zwar sind die Rechengenies mit wenigen Ausnahmen nie ausgebildete Mathematiker gewesen, aber baß gerade die Schäferei zu solchen Einblicken in das Zahlengeheimnis verhilft, das bleibt merkwürdig. Doch verschiedene Beispiele sprechen für die Richtigkeit dieser Behauptung. So war der arm« und beinlose „Zahlenzauberer" Grandemange von Beruf ein Schäfer und der Rechenkünstler Henri Mondeux stammte aus einer Bauernfamilie und konnte weder schreiben noch lesen; auch er hatte, bis er entdeckt wurde, in seinem Dorf die Herden gehütet. Als er aber dann vor der Pariser Akademie der Wissenschaften erschien, löste er ohne Feder und Papier in wenigen Sekunden Rechenaufgaben, zu denen andere Wochen gebraucht hätten, um sie heraus- zubekommen. England hat drei große Rechenkünst- ler hervor gebracht: Ellennette Betts, George Bid- der, ber als Zivilingenieur sich eine geachtete Stellung eroberte, und Jedediah Buxton, der im 18. Jahrhunbert das größte Aufsehen erregte. Bidder roar der Sohn eines Maurers und konnte bereits, bevor er noch schreiben konnte, so vorzüÄich rech- n€ILf Männer ber Wissenschaft auf ihn aufmerksam wurden. Er verwertete seine erstaunliche Naturbeaabung im praktischen Leben und brachte es schließlich zum Präsidenten des Institutes der Zivilingenieure. Mit den geheimnisvollen Geisteskräften solcher Rechengenies hat sich die Psychologie in neuester Zeit verschiedentlich beschäftigt. Wenn sich bie Rechenkünstler auch Gedächtnishilfen zurechtlegen, so ist diese ungewöhnliche rechnerische Begabung doch ein „Naturgeschenk". Ihre Entfaltung wird begünftigt durch die Entwicklungsbediqß gungen in der Frühzeit, und es scheint, daß gerate ber Beruf des Schäfers mit feiner Abgeschlossenheit gegen die Außenwelt und ber Notwendigkeit, größere Ziffern zu behalten, die Gntftefcung des Rechengenies begünstigt. Landesbauernschast Hessen-Nassau hat deshalb beim Landesverband des Kolonialwaren-, Feinkost- und Lebensmittel-Einzelhandels (Rekofei) für das rhein- «ainische Wirtschaftsgebiet beantragt, daß die Lebensmittelpreise ausschließlich je Pfund angegeben werben. Der Rekofei hat diesem Antrag entsprechend, die ihm angeschlossenen Geschäfte aufgefordert, die Preisauszeichnungen nur je Pfund vorzunehmen. Die Landesbauernschaft erwartet, daß dies in Zukunft in allen Geschäften so gehandhabt wird. Gehörlose sprechen tm Rundfunk. Nachdem auf dem Reichsbundestag des Reichsverbandes der Gehörlosen Deutschlands zu Pfingsten in Frankfurt zum erstenmal gehörlose Volksgenossen im Rundfunk zu Worte kamen, wird am heutigen Montag, 26. Ernting, über den Reichssender Leipzig (Nebensender Dresden) wieder ein Gehörloser im Rundfunk sprechen. Es spricht Heinz Walter (Dresden) über „Die internationalen Taubstummenspiele 1935 in London". Übertragung von 18 bis 18.10 Uhr. Willy-Reichert-Gastspiel in der Volkshalle. Line große „krafl-durch-Freude".Veranslaliung. Tausende von Volksgenossen folgten der Einladung zum Willy-Reichert-Abend der N S.- G e - mein schäft „Kraft durch Freude" in der Dolkshalle — kamen und wurden nicht enttäuscht. Der Abend brachte für drei Stunden prächtige Unterhaltung, ließ herzlich lachen und sehr befriedigt nach Hause kehren. Das abwechslungsreiche Programm, der feine volkstümliche Humor, den Reichert zu geben wußte, die Fülle wertvoller und origineller künstlerischer Darbietungen ließen die Veranstaltung zu einem großen Erfolg werden. Die Künstler der kleinen Truppe gaben sich alle Mühe. Die etwa 3000 Zuschauer geizten nicht mit dem Beifall. Noch selten wurde in der Volkshalle so viel und so herzlich gelacht, wie am Samstagabend. Mit einer kleinen hübschen Vorrede sagte zunächst Oscar Heiler seinen bekannten Kollegen Reichert an, der denn auch bald vor dem Vorhang erschien und mit seinen lustigen Betrachtungen über seine Person im Verhältnis zum Publikum und umgekehrt sofort eine enge Verbindung zu den Zuhörern herstellte. Sehr treffend und von starker Wirkung waren seine Definitionen der Begriffe „Stimmung" und „Humor", in denen er einen feinen satirischen Unterton nicht fehlen ließ. In seinen weiteren so völlig zwanglos erscheinenden Meditationen schilderte er seine Umwelt, die Verheirateten und die Unverheirateten, und dann die verchiedenen Zeitgenossen, soweit sie sich angenehm oder unangenehm bemerkbar machen. Selbstverständlich zog er auch etliche Parallelen von „Früher" zu „Heute" und sicherte sich mit einer Parodie auf Tanzstunden-Gepflogenheiten besonderen Beifall. Eine noch stärkere eigene Wirkung erreichte der Humorist aber mit seinen Rezitationen schwäbischen Humors. Er brachte hier manchen kleinen Scherz, so unmittelbar und wahrhaftig dem Leben abgelauscht, Humor, so weitab allem Possen- reißertum, daß man es nur bedauern konnte, nicht mehr dieser Art gehört zu haben. Zum Schluß sang er noch in sehr lebendigem Vortrag einige kleine Volkslied-Scherze, die ihm stürmischen Beifall ein- brachten. Willy Reichert zeigte sich ferner in einer komischen Szene, in einem dramatischen Zwiegespräch als „Pfleiderer", der sich mit dem „Häberle" (Oscar Heiler) über die Genfer Friedenskonferenz unterhält. Schließlich hatte er sich als stummer Arzt gegen eine ungeheuer zungenfertige Patientin (Elisabeth Amann) zu behaupten. Es erübrigt sich fast, hinzuzufügen, daß der Künstler alle seine Darbietungen mimisch glänzend zu unterstützen wußte und deren Wirkung damit erheblich vertiefte. Besonders erfreulich war es, dabei beobachten zu können, daß Reichert gar nicht als das erschien, was man den Routinier nennt, sondern immer als der lebhaft fühlende Mensch, der seine Mitmenschen mit der versöhnlichen Brille des Humors betrachtet und beurteilt. Dm Programm des Abends lernte man dann noch verschiedene andere Künstlerinnen und Künstler kennen, die zum Teil mit außerordentlichen Darbietungen aufwarteten. Dor allem bewunderte man den Akkordeonspieler B o b u l a , der mit einer ganz erstaunlichen technischen Fertigkeit und in einer starken persönlichen Auffassung die Ouvertüre zu „Wenn ich ein König wär'", einen Marsch, das Intermezzo „Auf einem persischen Markt" und den Galopp „Zirkus Ren/" wiedergab. Lydia Wieser von der Scala in Berlin zeigte zunächst in einem siamesischen Tempeltanz ihr großes Können und bewies gleichzeitig, daß sie sich ernsthaft darum bemühte, den Charakter des schwierigen exotischen Kulttanzes zu erfassen und auszudrücken. Anhaltender verdienter Beifall dankte der Künstlerin. Eine originelle schottische Groteske gefiel ebenfalls sehr gut. Die Kardoschsänger beschlossen das Rahmenprogramm. Vornotizen. — Tageskalender für Montag. NSG. „Kraft durch Freude": 18 bis 20 Uhr: Tennis auf den städtischen Tennisplätzen am Schützenhaus; 21 bis 22 Uhr: Reiten, Reitschule Schörnbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Es gibt nur eine Hiebe". ** Reichsluftschutzbund • Lotterte, Ziehung 27. Juli. Verschiedene Anfragen aus der Bevölkerung geben Veranlassung, nochmals darauf hinzuweisen, daß die Gewinnlisten in der Geschäftsstelle der Ortsgruppe Gießen des Reichsluftschutzbundes, Lindenplatz 1, 1. Stock (Eingang Kirchenplatz) sowie bei den Revier- und Unter» aruppensührern eingesehen werden können. Letzter Termin zur Einlösung der Gewinne ist der 27. Oktober 1935. ** Versendung von Warenproben nach Dänemark. Nach Dänemark dürfen zur Gebühr für Warenproben nur solche Gegenstände versandt werden, die wirklich dazu bestimmt sind, als Probe bei der Einleitung von Geschäften au dienen. Solche Proben können auch zollpflichtig fein. Sendungen, deren Inhalt angekaufte oder verkaufte Ware darstellt, sind von der Beförderung als Warenproben ausgeschlossen und werden, wenn sie trotzdem vorkommen, in Dänemark mit der Nach- aebühr für unzureichend freigemachte Päckchen belegt. Für Tuben mit Serum ober Impfstoffen, die amtlich anerkannte Laboratorien oder Anstalten zum gemeinen Nutzen verschicken, gilt diese Beschränkung nicht. Leichtathletik: Deutschland-Finnland. Suomis Sieg. — Vier deutsche Rekorde. Beim Leichtathletik-Länderkampf Finnland gegen Deutschland holten am Samstag, dem ersten Wettkampftag, die Finnen aus neun von insgesamt 19 Uebungen einen Vorsprung von 52,5 zu 43,5 Punkten heraus. Besonders in den technischen Uebungen gab es für Deutschland einige herbe Enttäuschungen. So gingen uns sowohl das Diskuswerfen als auch der Stabhochsprung verloren, lieber 100 Meter und 400 Meter Hürden gab es deutsche Doppelsiege; die Finnen stellten im 10 000-Meter-Laufen, Hammerwerfen und Dreisprung die beiden Ersten. Auch die 800 Meter wurden von Finnland gewonnen, während sich Deutschland die 4 X 100-Meter-Staffel ganz überlegen sicherte. Nach den Ergebnissen des ersten Tages — es gab übrigens durch Blask im Hammerwerfen mit 50,44 Meter und durch Haag über 10 000 Meter in 30:00.7 Minuten zwei neue deutsche Be st lei st ungen — konnten nur „unvorhergesehene" Punktgewinne einen deutschen Gesamterfolg ermöglichen. Der Leichtathletik-Länderkampf endete am Sonntag in Helsingfors mit einem knappen Sieg der Finnen mit 103,5 :99,5 Punkten. Die Deutschen holten am zweiten Tage zwar fünf Punkte auf, sie konnten aber trotz einiger Prachtleistungen den allzu großen Vorsprung der Finnen nicht mehr ganz wettmachen. Zwei deutsche Rekorde gab es aber auch am Sonntag: Stöck warf den Speer 74,30 Meter weit und W ö l l k e kam im Kugelstoßen auf 16,15 Meter. Bis auf den Hochsprung, wo Regen unsere Leute beeinträchtigte, gab es im großen und ganzen die erwarteten Ergebnisse. — Ueber den Verlauf der Wettkämpfe berichten wir noch ausführlich. Zweiter deutscher Leichtathletik- Frauensieg gegen polen. Deutschlands Leichtathletinnen siegen. Zum zweiten Male standen sich am Sonntag die Leichtathletinnen von Deutschland und Polen in einem Länderkampf gegenüber, der vor 12 000 Zuschauern im Dresdener Ostragehege stattfand. Ging der erste Kampf im vergangenen Jahre in Warschau mit einem deutschen Sieg von 63:35 Punkten au Ende, so blieben die deutschen Vertreterinnen Diesmal mit 60,5:38,5 Punkten erfolgreich. Es gab eine Reihe recht guter Leistungen, so den neuen Diskus-Weltrekord von Gisela Mauer- meyer mit 47,12 Meter, mit dem Die Münchnerin ihre jetzt erst anerkannte Höchstleistung vom Juni d. I. übertraf. Außerdem brachte der Kampf zwei polnische Rekorde, und zwar durch Frl. Kwasniewska im Speerwerfen mit 41,38 Meter und durch Frl. Freiwald im 80-Meter-Hürden- lauf mit 12,2 Sekunden. Von den neun Wettbewerben des Tages wurden sechs von den deutschen Vertreterinnen gewonnen, viermal belegten sie Die beiden ersten Platze. Aordheffen— Bayern 2:0 (0:0). Die Bayern-Elf kam in dieser vor 3000 Zuschauern zum Austrag gelangten Repräsentativ-Be- gegnung zu einer Niederlage. Die erste Halbzeit stand fast völlig im Zeichen von schönen, stets wohl- durchdachten Angriffen der bayerischen Mannschaft, die Mehrzahl derselben scheiterte aber an dem hervorragenden Können des Hanauer Torhüters Sonnrein, der sich selbst übertraf. Eine uneinheitliche und zerfahrene Spielweise der Nordhessen-Elf ließ ihren süddeutschen Gegner, der auch technisch überlegen war, immer wieder gefährliche Angriffe durchführen. Die Angriffe führten aber infolge der Schußunsicherheit der Bayern nie zu Toren, während andererseits Sonnrein auch die plaziertesten Schüsse wunderbar meisterte. Ein Platzwechsel des Mittelstürmers Maintz mit dem Mittelläufer Pletsch führte vor der Halbzeit zur größeren Durchschlagskraft der Nordhessen und die Einstellung von Meid (Borussia Fulda) gereichte gleichzeitig zum Vorteil. Bei ungefähr beiderseitig ausgeglichenen, Leistungen verstand es die Nordhessen-Elf nach der Pause weit besser die sich ihr bietenden Torgelegenheiten wahrzunehmen. In der 65. Minute nützte Pletsch eine Vorlage von Klein (03 Kassel) zum Führungstor aus, dem Meid in der 85. Minute einen zweiten Treffer folgen ließ. Der Gegner vermochte lediglich das Eck- vallverhältnis auf 8:3 für sich zu schrauben. Schiedsrichter Störner-Franksurt leitete zufriedenstellend. VfB.-Reichsbahn Gießen. VfV-Reichsbahn Liga — Ium- und Sportverein Butzbach Liga 6:2 (2:0). Die meisten Zuschauer haben dieses Spiel mit einem Gefühl der Enttäuschung verlassen. Die Butzbacher spielten über alle Maßen hart. Wenn trotzdem dieses Spiel ohne Verletzungen zu Ende ging, so war dieses auf die Spielweise der Gießener, die sich in der zweiten Halbzeit sichtlich Reserve auf- erlegten, zurückzuführen und besonders auf die hervorragende Schiedsrichterleistung des Unparteiischen R ü s p e l e r. Die Butzbacher boten Leistungen, die spielerisch unter denen der hiesigen Bezirksklasse lagen. Die Gießener Mannschaft konnte an ihrs vorsonntäglichen Leistungen anknüpfen und errang einen verdienten Sieg. Sie spielten mit Haas; Schwarz, Leutheuser II.; Heß, Knauß, Hauptfeld) Rullmann, Ranft, Wlodareck, Fehling, Szpvnik. Leider hatte Rullmann, aus der Jugend kommend, nicht die nötige Nervenkraft, um dieses Spiel durchhalten zu können. Er verließ in der 30. Spielminute das Spielfeld. Mit zehn Mann wurde weiter gekämpft. Die Gießener waren sofort im Angriff, konnten aber vorerst die Hintermannschaft der Gäste nicht überwinden. Eine Ecke für die Hiesigen wurde verschossen. Auf der Gegenseite jagte der Halblinke nach guter Vorarbeit des Linksaußen den Ball neben Das Gießener Tor. Die zweite Ecke für Gießen brachte auch nichts Zählbares ein. Ein aus einem Handspiel herrührenDer Strafstoß wurde verschossen. Knauß jagte bann mit unheimlicher Wucht einen Strafstoß zur 1:0-Führung in die Maschen und brach damit den Bann. Kurz vor Halbzeit erhöhte Wlodareck nach einem Alleingang auf 2:0 für Gießen. Dann war Halbzeit. Nach Wiederbe- ginn waren die Platzbesitzer weiter in Front. Ranft schoß das dritte Tor. Wieder war Wlodareck allein durchgekommen und hatte den gegnerischen Tormann zum vierten Male geschlagen. Bei einem Gedränge im Butzbacher Strafraum erwischte Szponik das Leder und das fünfte Tor fiel. Jetzt wurden die Butzbacher dank ihrer robusten Spielweise überlegen. Eine Flanke von rechts und der Halblinks verkürzte auf 5:1. Aber auf der Gegenseite stellte Szponik durch eine Einzelleistung durch ein sechstes Tor die alte Differenz wieder her. Kurz vor Schluß verkürzten die Butzbacher auf 6:2 Tore. VfB.-Reichsbahn N — Butzbach H 3:2 (0:2). Die Gießener landeten in Butzbach einen verdienten Sieg. Sauer war der Torschütze des Tages und erzielte alle drei Tore. Leider wurde auch dieses Spiel sehr hart ausgetragen. VfB.-Reichsbahn HI — Allen-Bufeck I. Die neu aufgestellte Lehrmannschaft zeigte leider nur durchschnittliche Leistungen und errang einen glücklichen Sieg. Sie war nur mit zehn Mann zur Stelle. VfB.-Reichsbahn 1. Jugend — Butzbach 1. Jugend. Die Butzbacher hatten in ihren Rechen noch die alten Jahrgänge und errangen einen einwandfreien Sieg, da sie in technischer und körperlicher Beziehung den Hiesigen überlegen waren. VfB.-Reichsbahn 2. Jug. — Dieseck 1. Jug. 4:0. In diesem Spiele mußten sich die Platzbesitzer den besseren Gästen beugen. Kußballturnier in Krofdorf. Vier Mannschaften im Kampf. Nachdem es noch in der Nacht ordentlich geregnet hatte, brachte der Sonntagmorgen das schönste Sommerwetter. Leider waren nur vier Vereine zur Stelle. Fellingshausen hatte nur sieben Spieler mitgebracht und konnte daher nicht an den Spielen teilnehmen. Damit auch die Zuschauer auf ihre Kosten kamen, wurde bestimmt, daß jeder gegen jeden spielen mußte. Die Spiele brachten folgende Ergebnisie: Steinbach — Launsbach 2:0. Launsbach trat mit nur neun Mann an, Steinbach konnte deshalb das Spiel bedeutend überlegen gestalten. Es dauerte jedoch bis fünf Minuten vor Schluß, bevor Steinbach zum ersten Erfolg kam. Noch war eine Minute zu spielen, als es dem Mittelstürmer gelang, das zweitemal für feine Farben erfolgreich zu fein. Mhmar — Krofdorf 2:1. Hier merkte man daß es sich um ein Lokalspiel handelte, beiderseits gab es stürmische Angriffe. Wißmar hatte mehr vom Spiel und konnte nach fünf Minuten zum erstenmal einsenden. Unentmutigt griff Krofdorf an und konnte nach kurzer Zeit den Z» jedem kommt einmal das GlöÜ. ZRonum von (kllen Kulm Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 8. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Mit tiefer Rührung betrachtete Rolf Werder den Freund. Das also war das Geheimnis dieser verschlossenen, herben Natur! Eigentlich war es ja wunderbar schon, daß ein Mensch seinem Ideal so treu bleiben konnte. Auch Rolf Werder hielt sich für einen wahrhaften Menschen von anständiger. Gesinnung, aber eines solchen Festhaltens wäre er niemals fähig gewesen. Er wußte das wohl. Aber er betrachtete auch den Freund mit plötzlich aus steigender Sorge. „Du hast dieses Mädchen niemals mehr wieder- gejehen, Friedrich?" „Nein!" . „Ja, aber dann weißt du doch nichts von ihr, Weißt nicht einmal, ob sie nicht bereits verheiratet ist." „Doch! Ich habe mir so weit Nachricht über Monika verschafft, daß ich weiß, daß sie noch immer bei ihren Verwandten lebt. Ich habe mein Versprechen, mich ihr nicht zu nähern, gehalten, aber ich hätte es nicht ertragen, wenn ich nicht gewußt hätte, wo sie ist." „Und nun willst du also an ihrem einundzwan- Aigften Geburstage einfach vor sie hintreten und sie fragen, ob sie deine Frau werden will?" Friedrich von Gerling antwortete nicht. Aber in seinem Antlitz lag feste Entschlossenheit. Rolf Werder aber begann, sich mit feiner stets lebhaften Phantasie in die Sache hineinzuleben. ^„Du mußt mir verzeihen, Friedrich, aber ich fürchte, du stellst dir die Sache doch zu einfach vor. Gut, du weißt, daß Monika von Jnnemann nicht verheiratet ist — aber weißt du denn auch, ob sie ihr Herz nicht längst einem anderen geschenkt Ijat? Du hast von dem Wunsch ihres Vaters gewußt, aber sie hat ihn nicht gekannt. Und selbst wenn sie noch frei fein sollte, wird sie vielleicht die Liebe, Die eine Frau braucht, um mit einem Manne durch Leben zu gehen, nicht für dich empfinden können." Friedrich von Gerling fuhr sich mit der Hand über die Stirn. „Ich würde Monika niemals zwingen. Ich werde um sie anhalten und auf ihre Antwort warten." „Ware es nicht besser, du würdest dich ihr erst als ihr Jugendfreund nähern und sehen, ob ihr beiden euch noch so gut versteht wie damals, als fle noch ein kleines Mädchen war?" „Ich weiß nicht. Ich habe immer den geraden Weg für den besten gehalten. Natürlich kann Monika frei entscheiden. Ich aber bin fest entschlossen, sie zu heiraten. Ich will es ihr sogleich sagen, wenn ich sie wiedersehe." „Wie ich dich kenne, Friedrich, willst du doch auch deine Arbeit hier nicht im Stich lassen. Du willst doch gewiß nach deinem Urlaub hierher zu- rückkehren. Bist noch zwei Jahre hier gebunden. Weißt du denn überhaupt, ob dieses Mädchen sich entschließen könnte, die Heimat zu verlassen, mit dir hier au leben, alle Strapazen und Entbehrungen mit dir zu teilen?" „Ja! Das weiß ich, Rolf. Die Tochter des Majors von Jnnemann geht mit dem Mann, dem sie ihr Jawort gibt, überall hin, in Gefahren, in Not und Tod, wenn es sein muß. Sonst wäre sie nicht seine Tochter!" „Du bist ein merkwürdiger Mensch, Friedrich. Du hast sie dock nur als kleines Mädchen gekannt. Wenn du iyr heute begegnest, würdest du sie niemals erkennen. Weißt du denn überhaupt, ob du auch für diese fremde, junge Dame, der du gegen» übertreten wirst, auch nur einen Funken Liebe empfindest?" „Ja, ich weiß es. Ich gebe zu, es wird vielleicht keine heiße, glühende Leidenschaft fein, aber ich weiß bestimmt, daß ich Monika eine aufrichtige Zuneigung entgegenbringen werde." Rolf Werder sprang auf. „Und wenn es selbst so märe, denn ich glaube ja selbst, daß dieses kleine Mädchen mit dem reizenden Lockenköpfchen eine hübsche, junge Dame geworden ist, und die Erinnerung mag ja wohl auch ihre Hand im Spiele haben. Aber, Friedrich, du bist noch jung, und ich glaube, daß du, der fein Leben seinem Studium und dann harter, schwerer Arbeit gewidmet hat, das große berauschende Erlebnis der Liebe noch gar nicht kennst. Ist es nicht ein Wahnsinn, daß du dich an ein Mädchen gebunden hast, weil du ihrem Vater dein Leben verdankst? Wenn dein Major dich sehen könnte, er würde dich bestimmt eines Versprechens entbinden, das er selbst ja gär nicht angenommen hat." Friedrich von Gerlin stand jetzt neben dem Freund. Er überragte ihn und legte ihm die Hand auf die Schulter: „Sprich nicht weiter, Rolf. Es ist wahr. Major Herbert von Jnnemann hat meinen Schwur nicht angenommen, aber ich selbst habe ihn mir geleistet. Ich habe ihn an der Bahre des Majors wiederholt, angesichts des armen, kleinen, verzweifelten Mädchen, das so bitter allein um den geliebten Vater meinte. Und ich sage dir jetzt noch einmal: Wenn es irgendeine Möglichkeit gibt, heirate ich die Tochter des Majors Herbert von Jnnemann, ober aber ich bleibe zeitlebens allein. Denn niemals merde ich ein anderes Mädchen zur Frau nehmen!" Da schmieg auch Rolf Werder. Vor dieser unbeugsamen Entschlossenheit schwieg jeder Widerspruch. „Möge Gott es zum Guten führen, Friedrich! Meine herzlichsten Wünsche werden dich auf deinem Wege nach Europa begleiten!" 3. Kapitel. Das Kurleben mar in vollem Gange. Wohin man auch kam, sah man elegante Menschen, hörte man die neuesten Schlager, konnte man Auslagen mit den teuersten und luxuriösesten Sachen betrachten. Arm in Arm gingen Monika und Lotte über die „alte Wiese", während Doktor Hartenberg es vorgezogen hatte, unter einem schattigen Kastanienbaum in dem Hotelgarten von Pupp sitzen zu bleiben, und in Ruhe eine Zigarre zu rauchen. Für ihn gab es auch an einem Sonntag nur selten eine wirkliche Arbeitspause. Aber diesmal war es ihm gelungen, sich einmal frei zu machen. So war er mit Lotte und Monika über die Grenze nach Karlsbad gefahren. Das mar etwas für Monika von Jnnemann. Die trübselige Stimmung, die in der letzten Zeit so oft von ihr Besitz ergriffen hatte, fiel von ihr ab. Menschen und Dinge interessierten sie, und sie sprach lebhaft auf die ruhigere Freundin ein. Monika trug ein einfaches, lichtblaues Sommerkleid und einen großen weißen Florentinerhut. Aber trotzdem ihre Erscheinung gar keine Ähnlichkeit mit den raffiniert mondän gekleideten und geschminkten Frauen hatte, streiften sie doch viele bewundernde Blicke. Ihre frische Jugendlichkeit brauchte alle diese künstlichen Mittel gar nicht, um in jeder Umgebung zu wirken. „Du bemerkst es gar nicht, Monika, wie viele Leute dich ansehen. Wirklich, du bist aber auch heute eine richtige, kleine Schönheit!" sagte Lotte vergnügt. „Aber geh doch, Lotte! Du bist mindestens ebenso hübsch wie ich. Aber du sagst es nur, um mich vergnügt zu machen, weil du weißt, daß ich im Grunde genommen eitel und oberflächlich bin." „Aber das bist du doch gar nicht, Monika! Mache dich doch nicht schlechter, als du bist! Und übrigens, da sieh nur hinüber, wie dich der junge Mann durch seine Brille anstarrt. Jetzt merkt es auch die kleine alte Dame neben ihm! Sieh mal, jetzt sprechen sie sicher von dir, liebe Monika!" Monika folgte den Blicken der Freundin. Sie war doch ein wenig neugierig. Im nächsten Moment erkannte sie die beiden komischen Leutchen aus dem eleganten amerikanischen Wagen. Jetzt saßen die beiden an einem Tischchen vor dem weltbekannten Kaffeehaus „Zum Elefanten". Der junge bebrillte Mann hatte wieder einige aufgeschlagene Bücher und Hefte vor sich und hielt eine Füllfeder in der Hand, die er auch nicht weglegte, während er Monika ansah. Sie hatte Gelegenheit, ihn jetzt genauer zu sehen. Nein, er war wirklich nicht hübsch mit dem rötlichen Haar, dem hilflosen Blick hinter den scharfen Brillengläsern und der ungeschickten Haltung Er paßte so gar nicht unter die eleganten, roelt* gewandten Leute, die an ihm Dorbeipromeniertea Sicher war er ein Professor oder sonst ein gelehv» ter Mann, der sich nicht einmal an einem herrliche» Sommertag im Freien von seinen Büchern trennen wollte. Na, mochte er doch! Komisch war nur, daß er nun schon das zweite Mal Monika gar fd überrascht anstarrte. Sicher war es nun auch bet alten Frau ausgefallen, die eifrig auf ihn einsprach, ohne daß er sie zu Horen schien. „Na, ist das nun ein Erfolg?" scherzte Lott^ Aber Monika antwortete nicht. Ihre Gedanken waren schon wieder weit weg, und sie betrachtete mit Entzücken die Auslagen eines Wiener Modehauses, in dem einige einfache, aber erlesen schon gearbeitete Modelle lagen. Nein, Monika ahnte nicht, daß ihr Schicksal ge* raöe in diesem Augenblick eine entscheidende Wendung erhielt, die es von Grund auf verändern sollte. Der Nachmittag verlief wunderschön und ohne jede weitere (Störung. Sie tranken dann mit Doktor Hartenberg Kaffee, lauschten den Klängen der Musik, kritisierten und bewunderten „wie die Backfische", wie Doktor Hartenberg lächelnd behauptete, und fuhren Dann in des Doktors bravem Opel-Wagen, der nicht gerade repräfentabel aussah und schon viele, viels Kilometer bei jedem Wetter hinter sich hatte, nach Wunsiedel zurück. Monika war müde und wurde wieder traurig. Sie hatte ein paar Stunden eine andere Welt geatmet und mußte wieder in das Haus der Rieders zurückkehren, das trotz allem niemals ihre Heimat geworden war, und das ihr in der letzten Zeit noch fremder geworden war als sonst. Aber gerade wenn Monika sich in dem bunten Getriebe um» gesehen hatte, empfand sie chre eigene Hilflosigkeit. Sie kannte niemanden, hatte niemanden in der Welt und hatte nichts gelernt, das es ihr ermöglichen könnte, auf eigenen Füßen zu stehen. War es nicht einfach lächerlich, wenn sie sich vomahm, das Haus der Rieders zu verlaßen? In der Nacht kam ein Gewitter, und am anderen Tage regnete es — langsam, eintönig. Der Himmel war grau umzogen. Im Hause war Wäsche, und da gab es viel zu tun. Frau von Rieders half selbst mit, und auch Monika mußte es tun. Wenn draußen die Sonne schien und die Wäsche zum Trocknen auf Dem Rajen lag und von Zeit zu Zeit gewendet oder aus einer Gießkanne besprengt wurde, machte es Monika Vergnügen. Aber das Beisammensein mit Frau von Rieders fiel ihr schwer aufs Herz. Wieviel lieber wäre sie in das Gartenhaus geflüchtet und hätte dort eines ihrer Bücher gelesen. (Fortsetzung folgt 1) Ausgleich erzielen. Die Freude dauerte nicht lange. Durch Strafstoß, den der Tormann nur abschlagen konnte, ging Wißmar in Führung und konnte das ^piel bis zum Schluß halten. Steinbach — Krofdorf 1:0. Steinbach, sehr aufgeregt, konnte sich nicht finden, und Krofdorf gestaltete die erste Halbzeit überlegen. Zum Erfolg reichte es aber nicht, denn Steinbach hatte einen ausgezeichneten Torwart. Das Spiel wurde von Minute zu Minute spannender, bis es dem Linksaußen Steinbachs gelang, den Torwart ßu schlagen. Launsbach — Wißmar 1:0. . Große Ueberraschung brachte der l:0-Sieg der Launsbachter über die weit besseren Wißmarer. Wißmar hätte bei etwas mehr Glück das Spiel schon bei Halbzeit für sich entscheiden können, aber Vie Stürmer hatten Schußpech. Kurz vor Spielende gelang Launsbach der Siegestreffer. Steinbach — Wißmar 0:0. Steinbach, gegen den Wind spielend, war anfangs sehr aufgeregt. Wißmar war sehr eifrig und gab den Ton an, aber der Steinbacher Torwart dielt alles. Man sah Ecken und Lattenschüsse, aber keine Tore. Krofdorf — Launsbach 0:0. Auch das letzte Spiel ging torlos aus, gute Verteidigungen ließen keine Erfolge zu. Die Gegner waren gleichwertig. Auswahlfpiel Krofdorf — Auswahlmannschaft 2:1. Man merkte den Spielern an, daß die vorhergehenden Spiele ihre Kräfte aufgebraucht hatten, Krofdorf spielte stark überlegen und konnte das Spiel noch höher gewinnen. Der Steinbacher Tormann war wieder sehr gut. Unentsch. Verl. 1 Pokalsieger. verdienter Steinbach 1 1 0 1 1 2 Tore 3:0 2:2 1:2 1:3 Pkte. 5:1 3:3 3:3 1:5 Gew. 2 1 1 0 Steinbach Wißmar Launsbach Krofdorf Somit wurde Der anwesende Fußballfachwart schritt alsdann zur Preisverteilung und hob die faire Spielweise der Mannschaften hervor. Die beteiligten Vereine blieben in echt sportlicher Kameradschaft noch einige Stunden beisammen. I GroßkLmpfe der Radfahrer. Bei den Frankfurter Radrennen gewann Krewer (Köln) den Großen Preis vom Römer, ein Dauerfahren über 100 Kilometer, sicher vor dem Nachwuchsmann L e u e r und dem Frankfurter Schäfer mit 99,830 Kilometer. Den 20- Kilometer Lauf hatte Lohmann gewonnen, über 30 Kilometer Schäfer (Frankfurt) und über 50- Kilometer Krewer vor Leuer, der schon bei 30 Kilometer Zweiter geworden war. Sie hl (Frankfurt) gewann ein Berufs-Straßenfahrer- Omnium vor Roth, Nitschke und G ö 11 - mann. Mit 8000 Zuschauern waren die Rennen sehr gut besucht. Der Radländerkampf Deutschland gegen Polen, der als Straßenfahren Warschau-Berlin erstmals wiederholt wird, wurde am Sonntag mit der Etappe Warschau—Lodz begonnen. Die deutschen Fahrer gingen gleich in Front; Wierz, Löber, Weiß und H a u s w a l d beendeten in dieser Reihenfolge die Etappe als Sieger vor dem ersten Polen, Napieralla. Deutschland führt in der Länderwertung mit klarem Vorsprung. * Mannschaftsmeister im Straßen- fahren wurde im Endlauf bei Magdeburg zum drittenmal hintereinander Wanderer Chemnitz. Die Mannschaft Schulz, Schubert, Händel, Löser, Hackel und Thoß kam geschlossen in 2:37 Stunden (104 Kilometer) als erste ein; Zweiter wurde 1892 Schweinfurt vor Post-SV. Berlin und ' RD. Schweinfurt 89. * Die Radrundfahrt durch die Schweiz begann am Samstag mit der ersten Tagesetappe Zürich—St. Moritz über 242,9 Kilometer. Etappensieger wurde Benoit Faure (Frankreich) in 8:08:17 Stunden vor Amberg (Schweiz), Fayolle (Frankreich) und Garnier (Belgien). B a u tz (Dortmund) war als 8. der beste Deutsche vor Altenburger (11.), Kutschbach (18.) und Geyer (32.) — In der Länderwertung liegt die Schweiz mit 24:58:09 Stunden auf dem ersten Platz. Deutsche Rennwagen wieder in Front. Oer »Große preis der Schweiz".-Bier deutsche Wagen vor Alfa Romeo. Auf dem Nürburg-Ring hatte Nuvolari vor wenigen Wochen mit dem erforderlichen Rennfahrerglück dem Deutschen von Brauchitsch den schon sicher stheinenden Sieg entreißen können; der „Große Preis der Schweiz", der am Sonntag im B r e m - gartenwald bei Be'rn ausgefahren wurde, brachte die europäische Rennfahrer-Elite seitdem erstmals wieder zusammen. Eine Revanchs war also fällig. Sie ist den deutschen Fahrern und Wagen restlos geglückt. Caracciola gewann den Tag für uns. Auf seinem Mercedes-Benz-Wagen, der bekanntlich eine verbesserte Karosserie erhalten hat, führte „Karratsch" von Beginn an. Zweimal, in der 3. Runde mit 2:48,4 Min. und in der 11. Runde mit 2:44,4 Min. = 158,42 Stundenkilometer, unterbot der Deutsche zudem die bestehende Runden- Bestzeit. In 3:31:12,2 Stunden — 144,34 Stundenkilometer fuhr Caracciola sein Rennen als sicherer Sieger nach Hause. F a g i o l i holte den zweiten Platz für Mercedes-Benz vor Rosemeyer und D a r z i, während der Nürburg-Sieger Nuvolari klar abgeschlagen erst an- fünfter Stelle einkam. Die Revanche war also ganz überzeugend gelungen, ein großartiger Erfolg für die deutschen Fahrer und ein vielleicht noch größerer für die beiden deutschen Automobil-Firmen. Bei den Rennwagen bis 1500 Kubikzentimeter, die auf einer kürzeren Sttecke um den „Preis von Bern" kämpften, unterstrichen die in diesem Jahre schon so oft erfolgreich gewesenen englischen ERA- Bugattt nicht in Schwung und Prinz Leiningen wurde durch einen Kerzendefekt zurückgeworfen. Wie die Deutschen siegten. Die Rennstrecke für den „Großen Preis der Schweiz", im Bremgartenwald vor den Toren von Bern gelegen, hat ihre Tücken. Eine 7,28 Kilometer lange Rundestrecke war von den großen Rennwagen 70 mal, von den 1500ern 20 mal zu durchfahren. Asphaltstrecken wechselten mit Kleinpflaster, mehrere leichtere Kurven boten weniger Schwierigkeiten als zwei Rechte Winkel und eine „kitzlige" Spitzkehre. Steigungen und entsprechendes Gefälle sorgten zudem dafür, daß die Fahrer all ihre Kunst zeigen mußten. Außerdem regnete es nach der 12. Runde. Ccrracciolas Sieg war eindeutig und klar überlegen. Schon gleich nach dem Start übernahm der Deutsche die Führung. In der dritten Runde fuhr er bei einem prachtvollen Zwischenspurt die neue Rundenrekordzeit von 2:48,4 Min., die allerdings keine lange Lebensdauer haben sollte. Immerhin brachte diese schnelle Runde dem Deutschen einen ganz klaren Vorsprung. Hinter ihm liefer- Wagen erneut ihre große Klasse. Die Deutschen hatten Pech. Kohlrausch mußte wegen Kompressor- schadens vorzeittg aufgeben, Steinweg brachte feinen Men sich während der ersten zehn Runden Stuck und Fagioli einen hartnäckigen Kampf um den zweiten Platz. Caracciola sicherte dann durch eine phänomenale 11. Runde seinen Sieg, soweit Fahrerkunst dies vermag. Er fuhr die Runde in 2:44,4 Minuten = 158,42 Stundenkilometer, und dieser Rundenrekord wurde auch im späteren Verlauf des Rennens nicht mehr unterboten. Als in der 24. Runde Rosemeyer Reifen wechselte, nutzte Fagioli seine Chance. Er fuhr jetzt als Zweiter hinter Caracciola und ließ sich ttotz aller Bemühungen von Rosemeyer diesen Platz dann auch nicht mehr ftreitig machen. Nuvolari konnte im Hinterfelde den ständigen Angriffen von Darzi später auch nicht mehr standhalten. Der Auto-Union-Fahrer verwies seinen Landsmann klar auf den fünften Rang und legte sich hinter seinen Markengefährten Rosemeyer, ohne aber an dessen Jagd auf Fagioli ernsthaft teilnehmen zu können. Großer preis von Europa für Motorräder. Den Großen Preis von Europa für Motorräder gewann am Samstag auf der 32,8 Kilometer langen Rundstrecke bei Belfast (Irland) der Ire Guthrie auf Norton. Er fuhr in der Halblitet- klasse die zwölf Runden — 393,6 Kilometer in 2:42:14 Stunden — 146,418 Stundenkilometer, wc« einen neuen absoluten Streckenrekord bedeutet. In der 250er-Klasse siegte der deutsche DKW.-Fahrer Arthur Geiß in 2:35:23 Stunden für 10 Runden = 328 Kilometer (127,395 Stundenkilometer). Auch diese Zeit ist ein neuer Klassenrekord. Der Deutsche erzielte übrigens mit 133,897 Stundenkilometer einen neuen Rundenrekord seiner Klasse. In der 350er-Klasse siegte Handley (England) auf Delocette in 2:36:09 Stunden für 360,8 Kilometer = 139,449 Stundenkilometer. 12. Teterower Bergringrennen. Zum 12. Male wurde bei herrlichem Wetter aus der Bahn des Teterower Dergringes ein Rennen für Solo- und Seitenwagenmaschinen ausgetragen. 25 000 Zuschauer erlebten große Kämpfe, die drei neue Rekorde brachten. Zunächst unterbot Ber« tram-Berlin den auf 81,1 Stundenkilometer stehenden Rekord des Münchener H. Winkler mit einer Leistung von 82,783 Stundenkilometer als Sieger der 250-ccm-Klaffe. Bei den 350-ccm-Ma- schinen erfocht der Nürnberger H a s e l b e ck mit dem wiederum besseren Durchschnitt von 83,68 Stundenkilometer den Sieg. Schließlich bracht- Bertram mit 85,372 Stundenkilometer den Rekord endgültig an sich und gelangte mit dieser Leistung in den Besitz des Preises von Mecklenburg. Deutschland schlägt Rumänien 4:2. Deutschland und Rumänien trafen am Sonntag erstmalig in einem Fußball-Länderkampf aufeinander. In Erfurt hatten sich zu diesem Treffen 35 000 Zuschauer eingefunden, obwohl man die Spielstarke der Gäste bei uns seither nur vom „Hörensagen" kannte. Rumäniens Mannschaft wurde nun zwar mit 4:2 (1:1) anscheinend sehr sicher geschlagen, aber die Gäste zeigten doch so gute Leistungen, daß diese Differenz von zwei Toren fast zu hoch erscheint. Dem sehr korrekten Schiedsrichter van Morse l - Holland stellten sich die Mannschaften wie an« gekündigt in folgender Besetzung: Deutschland: Buchloh; Münzenberg, Grämlich; Werner, Deute, Kitzinger; Malecki, Lenz, Hohmann, Rasselnberg, Siemetsreiter. Rumänien: Bugariu; Albu, Chiroiu; Dehe- leanu, Steinbach, Barbelescu; Dobai, Valcov, Ba- ratki, Beke, Silard. Das Spiel begann mit einer für Deutschland sehr glücklichen Aktion. Schon bald nach dem Anspiel schloß Rasselnberg einen feinen Angriff mit dem Führungstreffer für unsere Elf ab. Umgehend stellten aber auch die Rumänen ihre Gefährlichkeit unter Beweis. Barcttki bereitete mit einem wuchtigen Strafstoß der deutschen Tordeckung erhebliche Schwierigkeiten, dann kamen die Gäste hintereinander zu mehreren Ecken. Allmählich verteilte sich das Spiel; die Gäste fielen durch sichere, elegante Ballführung und verständnisvolles Zusammenspiel angenehm auf. Valcov, der rumänische Halblinke, holte in der 23. Minute den durchaus verdienten Ausgleich. Bis zum Seitenwechsel kam keine Partei mehr zu Erfolgen. Nach der Pause wurde zunächst die deutsche Mannschaft deutlich überlegen. Bei einem Zusammenprall zwischen Malecki und Albu nutzte Lenz geschickt die Situation zum abermaligen Führungstreffer für Deutschland. Aber es gelang im weiteren Verlauf nicht, diesen knappen Vorsprung auszubauen. Die Rumänen waren ein völlig gleichwertiger Gegner. Kurz vor Schluß fielen dann drei Tore in drei Minuten! Valcov fjatte zunächst Rumänien durch einen zweiten Erfolg erneut den Ausgleich gebracht. Im Gegenangriff raste dann der Münchener Bayern- Linksaußen Siemetsreiter pfeilschnell die Linie entlang, umspielte mehrere Gegner und schoß den den Schlußpunkt unter den deutschen Sieg. Malecki hatte fein geflankt und Hohmann den Ball direkt aus der Luft unhaltbar zum vierten deutschen Tor eingeknallt. Die Kritik. Das Spie! stand nicht auf besonders hoher Stufe, obwohl manche feine Einzelleistung geboten wurde. Die Rumänen spielten als Mannschaftsganzes gefälliger und reibungsloser zusammen als die deutsche Elf. Auch technisch waren die Fußballer vom Balkan sehr gut. Ihre Ballführung war elegant und sicher. Die besten Leute der Rumänen waren der linke Verteidiger Albu, der rechte ßäu^ fer Barbelescu und der Mittelstürmer Bas r atki. Bei den Deutschen war Buchloh wieder der bekannt sichere Torhüter. Münzen berg fand sich in feine Derteidigerrolle noch nicht so recht hinein; Grämlich war sehr nützlich. Die Läuferreihe beschränkte sich zumeist auf Verstärkung der Verteidigung. Im Sturm waren die beiden Außen durch ihre große Schnelligkeit stets gefährlich. Der Jnnen- fturm dagegen entsprach nicht allen Erwartungen, obwohl jeder der Drei „sein Tor" erzielte. lieber van Morse! als Schiedsrichter gab sS nur eine Stimme der Anerkennung. Ruth Hatbsguth schwamm Rekord. In Breslau standen sich Nixe-Charlottenburg und eine Frauenmannschaft des Gaues 4 Schlesier; in einem Zweikampf gegenüber. Dabei gelang es der deutschen Meisterin R. Halbsguth (Nixe), ihren erst bei den deutschen Meisterschaften in Plauen aufgestellten Rekord beim 300- und 400- Meter-Kraulschwimmen mit 4:22,6 bzw. 5:56,8 zu verbessern. Die neuen Zeiten sind 4:22,6 und dritten Treffer für Deutschland. Und der Benrather Mittelstürmer Hohmann setzte unmittelbar darauf 5:53,5. Kurze Svortnotizen. Exweltmeister Metze (Dortmund) gewann am Donnerstagabend die über 100 Kilometer führende Weltmeisterschaft-Revanche der Dauerfahrer in Hannover vor 12 000 Zuschauern in 1:22:58,4 und stellte dabei über 80 und 90 Kilometer Bahnrekorde auf. Zweiter wurde Lohmann vor Möller, Ronße und Severgnini, während Weltmeister Lac- 1 quehay mit 2200 Meter Rückstand Letzter wurde. Ewigkeit abzurufen. Gießen (Kaiserallee 17), den 26. August 1935. Lollar, Treis a. d. Lda., den 25. August 1935. 4844 D 035'6 Die trauernden Hinterbliebenen, Gießen, Offenbach a. M, Mainz, den 26. August 1935. Die Beisetzung findet in der Stille statt Geschäfts-Drucksachen 01598 bei Brühl, SchulstraBe 7 Die Trauerfeier findet auf Wunsch des Verstorbenen in der Stille statt. Von Beileidsbesuchen bitten wir abzusehen. 48450 Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 27. August, nachmittags 4% Uhr, von der Leichenhalle aus statt. Gestern morgen entschlief sanft nach schwerem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Die trauernden Hinterbliebenen t Berta Hofmann, geb. Bester Heinrich Hofmann Willi Hofmann Johanna Hofmann. Am 25. August entschlief ruhig unsere liebe, herzensgute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Marie Bender Wwe., geb. Siegeletz im 74. Lebensjahr. Tanzen lehrt in Kinzel- stund. u. Kursen Tanzschule Bäulke Wolfstraße 31 Ruf 3835. ,Q1Rn In tiefer Trauer im Namen der Hinterbliebenent Änne Becker, geb. Schlag. Statt Karten. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgänge unseres lieben Entschlafenen Konrad Wenzel sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen (Kirchstraße 13), im August 1935. Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, unseren guten Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager, Onkel und Paten Herrn Johann Heinrich Hofmann Gastwirt und Tabakwarengrofihändler nach kurzem schweren Leiden im Alter von nahezu 49 Jahren in die Herr Louis Becker Gärtnereibesitzer. IwÄngsvevMrgevÄng Dienstag, den 27. August 1935, 14 Uhr, sollen im Löwen, hier, Neuenweg 28, bzw. an Ort und «teile (Bekanntgabe im obigen Lokal) zwangsweise gegen Barzahlung versteigert werden; Haus-,'Laden- und Büromöbel aller Art, Schreib- und Bohner- masch., m. Svangensch., Anzugstoffe, Radios, Oefen, Klaviere, IDwan, 2 Kassenschr., 2Tepviche, 1 Bulkanisieranlage, 1 Motor, 2 Eisschränke, 1 Registrier- und Ladenkasse, 2 Blumenbänke, acht Pelzmützen, 1 Gasautomat, 1 Ladenofen, 1 Grammophon, 1 Schnellwaage, 1 Poliermasch., 1 Goniometer, 1 Schleifbank. Bestimmt: Mehrere Flurgarderoben, 1 Radio- und 1 Massage- avvarat, 1 Oelgemcilde, mehrere Manchesterhosen, 3 Kordanzüge, 1 Windjacke, 3 grüne Joppen, 1 gr. Warenschrank. 4M2d Sphapmann Gerichtsvollz., Gießen, (MdI uldllll) Wernerw.33, TelBlOZ. Jagdhund (Drahthaar) braun, mit weiß. Brustsleck, Kett.- Halsband,abhaw dengekommen. Wiederbringer BelohNUNg. 4845D Horst'Wess.WalläO Telefon 3019 Silberne Oamenuhr mit grauem Leder-Armband verloren! Geg.Bel. abzug. 0380« Asterw. 5411 | Verkäufe | Gepflegtes Wohnhaus 5-6-Zirn.-Wohn. 4 Stockwerke, in bester Lage, mit freier Wohnung, wegen Wegzug zu verkaufen. Schr.Angeb.unt. 03603 a.d.G.A. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme beim Heimgange unseres lieben Entschlafenen sagen wir hierdurch allen herzlichen Dank. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie H. Ruhl Familie J. Henket Gießen (Sonnenstraße 18), den 26. August 1935. 03597