M.M Erstes Blatt 185. Jahrgang Mittwoch, 2b. Zum (935 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimattm Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsprechanschlüffe Unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach« richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Druck und Verlag: vrühl'sche Universttats-Vuch- und Steinöruderet R. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftraße 1 Annahme von Anzeigen für die Mitlagsnummer bis8'/,Uhrdes Dormittags Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 60 Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/„ mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen-., Vereins», gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzei- gen, Bäder», Unterrichts» u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüffe Staffel B Kein unbeschränkter Ll-Doot-Krieg. Deutschland hat sich im deutsch-englischen Zlottenabkommen zur Einhaltung der Hegeln des Londoner Zlottenvertrags für den il-Boot-Krieg verpflichtet. Lt-Boot-Krieg und Flotienabkommen. Auskunft im britischen Unterhaus. London, 25. Juni. (DNB.) Im Unterhaus richtete Admiral (Sampel! (konservativ) an den Ersten Lord der Admiralität die Frage, ob in den Besprechungen mit den Deutschen geklärt worden sei, wie die deutsche Regierung zur Verwendung von U-Booten im Kriege stehe. Sir Bolton Eyres-Monsell erklärte u. a., Deutschland sei bereit, sich an die Regeln für die U-Boot- Kriegsführung zu halten, wie sie i m T e i l IV d e s Bertragsvon 19 3 0 niedergelegt seien, und sei auch bereit, sie anzunehmen, ohne Rücksicht darauf, ob sie auch von allen anderen Mächten angenommen würden." Teil IV des Londoner Vertrages besagt: 1. In ihren Aktionen gegen Kauffahrteischiffe müssen sich U-Boote an die Regeln des internationalen Rechts halten, die auch für Ueberwasserschiffe gelten. 2. Insbesondere gilt folgendes: Mit Ausnahme von Fällen fortdauernder Weigerung, auf einwandfreie Aufforderung hin anzuhalten, oder im Falle aktiven Widerstandes gegen Besuch oder Durchführung darf ein Kriegsschiff, sei es ein Ueberwasserschiff oder U- Boot, keinKauffahrteischiffversenken, oder navigationsunfähig machen, ohne vorher die F a h r g ä st e , die B e s a tz u n g und die Schiffspapiere an einen sicheren Platz gebracht zu haben. Rettungsboote werden nicht als sicherer Platz angesehen, es sei denn, daß die Sicherheit der Fahrgäste und der Besatzung angesichts der See- und Wetterbedingungen oder der Nähe von Land oder Position eines anderen Schiffes, das in der Lage ist, Fahrgäste und Besatzung an Bord zu nehmen, sichergestellt ist. Deutschland hat also zugestimmt, daß es niemals wieder zu dem greifen wird, was man während des Krieges als unbeschränkten U - B o o t k r i e g bezeichnet hat. (Stürmischer Beifall.) Auf die Frage, welche Mächte ihre Zustimmung zu dem Londoner Vertrag erklärt hätten, Wo steht Frankreich? Ministerpräsident Laval verteidigt seine Methode der kollektiven Friedenssicherung schiffe befänden, deren Offensiv-, Defensiv- und Beweglichkeitseigenschaften noch von keiner anderen Marine erreicht worden seien. Die Nordsee - und Kanalfront werde im übrigen dank der besseren Beziehungen zu Italien verstärkt werden können, da bestimmte im Mittelmeer stehende Kriegsschiffe freigemacht werden könnten. Nach Anhören des Ministers hat der Marineausschuß der Kammer folgende Entschließung angenommen: „Der Marineausschuß der Kammer stellt fest, daß das zwischen Deutschland und Großbritannien abgeschlossene Flottenabkommen die Flottenbe- stimmungen des Versailler Vertrages hinfällig macht. Er ist der Auffassung, daß das Washingtoner Abkommen nur in Anbetracht dieser Flottenbestimmungen des Versailler Vertrages von Frankreich angenommen wurde, und er ist der Auffassung, daß das deutsch-englische Flottenabkommen Frankreich die v o 11 st ä n- dige Freiheit in bezug auf seine Mari n e p o l i t i k geben muß bis zum Abschluß neuer allgemeiner Abkommen. Der Ausschuß fordert die Regierung auf, alle Maßnahmen zu ergreifen, damit Frankreich ständig a u f dem Atlantischen Ozean und im Mitte l m e e r über Seestreitkräfte verfügt, die aus- reichen, um seine Sicherheit zu gewährleiste n." von der ganzen „Schönheit eines glücklichen Lebens"^ In Kreisen der alten und der jungen Kommunisten zerbricht man sich vergebens darüber den Kopf, was gut und böse ist, was richtig und was falsch was erlaubt und was verboten bleibt Mcm kommt der Bedeutung der Dinge, die sich gegenwärtig in Sowjetrußland abspielen nur naher, wenn man die Antwort auf 'm ach t p o litisch em Gebiet sucht. Ueber Gut und Bose irn bolschewistischen Staat entscheidet Stalin alleim Die Alten Bolschewisten" hatten bei dein Besuch Lavals in Moskau gegen dieElnschrankung der kommunistischen Propaganda im Ausland gemurrt — sie mürben aufge löst; denn unabhängig von der Beibehaltung des alten Zieles der Weltrevolutwn sollten vorläufig die neuen Freunde in Paris nicht verstimmt werden Jenukidse war über die Verwaltung d e r Lenin-Bibliothek im Kreml, die allem bas Vorrecht einer unmittelbaren Verbindung mit bem Ausland besaß, wie man erzählt, zu lehr ausland (eben trotzkistifchen Evnflüsfen unter egen — deshalb würbe er o e r b an nt. Die jungen Kommunisten, einst in der Tat du,«°«rl°IW« fjetfer des Etalm-Regimes, sind heule zu starr a - w o r d e n , - ein kleiner Dämpfer kann m dem -Augenblick noch nicht schaden, kl dem Stalin all» Paris, 26. Juni. (DNB.) Ministerpräsibent Laval hielt am Dienstag bei einem Bankett ber Vereinigung ber französischen Provinzpresse eine politische Rebe. Laval erklärte: Das Saar- Problem ist international bereinigt worben. Iebe Reibungsursache mit Deutsch- l a n b ist somit beseitigt. Nach einem Hinweis auf bie innerpolitischen Schwierigkeiten betonte ber Ministerpräsibent ben Willen des Kabinetts, die ihm übertragenen Vollmachten nicht zu mißbrauchen, aber davon einen zweckmäßigen Gebrauch zu machen, selbst um den Preis, eines Tages un- volkstümlich zu werden. Es gehe nicht nur um das Schicksal ber verfassungsmäßigen Einrichtungen, fonbern um bas Schicksal bes Laubes selbst. Das Ansehen Frankreichs im Auslanbe werde schwinden, wenn Frankreich nicht stark und nicht mehr gesund sei. Frankreich werde aber stark und gesund fein, wenn es seine Ausgaben nach seinen Einnahmen einrichte und ür die Wahrung seiner Sicherheit zu- lächst auf sich selbst zähle. Alles werde ge- chehen, damit man im Ausland wie in Frankreich selbst wisse, daß die Regierung bereit sei, energisch durchzugreifen. Außenpolitisch sei es eine feststehende Tatsache, daß jede politische Krise in Frankreich sein Ansehen im Ausland schwäche. Er habe zahlreiche Reisen in viele Länder unternommen und überall eine begeisterte Jugend, in Rom, in Warschau, in Moskau und in Berlin, kennengelernt. Es scheine, daß Frankreich vom Uebel des Zweifels befallen fei. Er glaube, daß die in Frankreich geltende Regierungsform, die Demokratie, keineswegs den nnberen unterlegen fei. Er werde sich bemühen, dies zu beweisen. Das sei sein großer Ehrgeiz. Die Wirtschaftskrise herrsche in der ganzen Welt. Die allzu hohen Zollschranken, die selbst- üchtige Politik der Kontingentierung könnten nicht dauernd fortbestehen. Die Länder, die in der Autarkie lebten, befänden sich in einem wirklichen Zustande des Wirtschaftskrieges, und ber Wirtschaftskrieg habe oft ben Krieg schlechthin im Gefolge. Man müsse eine Formel finben, um die Belange und Bestrebungen ber verschiedenen Nationen miteinander in Einklang zu bringen. 2Uan mache ihm bisweilen den Vorwurf, das Abkommen mit Moskau abgeschlossen zu haben. Gewisse kreise beschuldigten ihn, Frankreich sogar irgendeiner Gefahr des Wirrwarrs ausgeliefert zu haben. Er sei weder russenfreundlich, noch italienfreundtich, noch englandfreundtich oder irgendwie auslandfeind- tich. Aber weil er Franzose und Pazi- fist sei, gelte feine tätige Sympathie all den Völkern und den Regierungen, die mit Frankreich an der Organisation des Friedens arbeiten möchten. Er habe kein Widerstreben gegen irgendein Abkommen mit irgendeinem Lande. Er habe niemals eine Geste getan oder irgendein Wort gesprochen, die im Auslände schlecht ausgelegt werden könnten. Wenn ein Abk o m men mit B erlin möglich werden würde, würde er nicht zögern, es abzufchliehen. Aber damit ein derartiges Abkommen Wirklichkeit werde, seien nicht nur zwei, sondern mehrere notwendig. Er verteidige Frankreich und gleichzeitig die Zivilisation, in der es groß geworden sei und lebe. Kriegsminister Fabry verlangt weitere 600 Millionen Rüstungskredite. Paris, 25. Juni. (DNB.) Der heeresaus- schuß der Hammer Hal kriegsminisler Fabry unter Hinweis auf die Tätigkeit der deutschen Rüstungsindustrie einen Gesetzentwurf unterbreitet, der die Regierung zur Verwendung der 506 Millionen Franken-Kredite, die daß es einem gut ging, baß man bas Sattessen beanspruchte, daß man etwas als selbstverständlich hinnahm, was heute als unerhörtes Wohlleben erscheint, nämlich bas sorglose Auskommen, bie geregelten täglichen Mahlzeiten, bas „bürgerliche Wohlleben". Unb hierauf bürsten auch in erster Linie bie Massenoerschickungen zurückzu- führen sein, bie in ben letzten Wochen z. B. in Le- ningrab oorgenommen würben. Allein bie nahe Anwesenheit biefer Leute, bie von bem Früher schwärmen konnten, erschien bem Diktator verdäch- tig unb gefährlich. — Unb bennoch! — Welche „Schönheit bes Lebens" meint nun ber Beherrscher aller Kommunisten, wenn nicht bas gute bür» gerliche Auskommen? Die „Alten Bolschewisten", Jenukibse, ber Korn« somol — sie finb Opfer eines inneren Zickzack- furfes ber Stalinschen Politik geworben, wie er in dieser Ausgeprägtheit nur selten in Erscheinung getreten ist. Wenn auch barin ein Symptom ber Unsicherheit unb bes Schwankens zu erblicken ist, wenn man auch voraussagen kann, baß noch manche auf ber Strecke bleiben werben, fo steht feine persönliche Machtvollkommenheit noch unerschüttert ba. Jebenfalls heute noch. Ueber bas Weitere aber wirb die Zukunft Aufschluß bringen. im April 1935 vorgesehen wurden, bevollmächtigen oll. Außerdem hat er die Bereit ft ellung weiterer Kredite in höhe von 600 Millionen Franken zwecks Materialbeschaffung für Befestigungsbauten und zur Ausfüllung der Vorräte für die Landesverteidigung beantragt. Der Ausschuß beauftragte seinen Berichterstatter mit der Abfassung eines Gutachtens, das diese Vorschläge befürwortet. Frankreichs Sicherheit zur See gewährleistet. Trotzdem fordert der Marineausschutz Handlungsfreiheit. Paris, 25. Juni. (DNB.) Kriegsmarineminister P i e t r i hat vor dem Marineausschuß ber Kammer über bas beutsch - e n g l ische Flottenabkommen gesprochen. Wie verlautet, soll Pietri erklärt haben, baß bie französische Flotte unter Berücksichtigung ber im Bau befinblichen Schiffe 54 v. H. ber englischen betrage. Dieses Verhältnis erscheine um fo beruhigender, als sich hierunter Linie n- Zügel noch fest in ber Hand hat unb ben „Apparat" vollkommen beherrscht. So hat man mehreren Leuten, benen ber Kamm vielleicht erheblich geschwollen war, heilsame Lehren erteilt, unb ber einzige Herrscher strahlt in noch nie bageroefenem Herr- lichen Licht. - Tatsächlich hat Stalin mit feinem neuen Schlagwort von ber „Schönheit bes Lebens eines Kommunisten" in ben Köpfen von alt unb jung eine Verwirrung angerichtet, bie nicht leicht zu beschreiben ist. Sinb nicht alle hohen kommunistischen Funktionäre verweichlicht, führen Sie nicht „ein schönes, ein herrliches" Leben, bas also als Jbeal hingestellt wirb? Diese Schlüsse ber Durch- schnittskommunisten mögen logisch berechtigt gewesen sein — in bem Augenblick aber, in bem sie versuchten, ihrerseits bie Führer nachzuahmen unb deren Annehmlichkeiten für sich zu beanspruchen, kamen sie mit bem Parteibobex in Konflikt Es mag hinzukommen, baß bie intensive „Schon- Heits"-Propaganba bie Genossen in ber Tat nicht nur auf ben Weg ber bürgerlichen Einschätzung der Annehmlichkeiten unb Bequemlichkeiten bes täglichen Lebens geführt, sonbern sie auch ganz sel'bstverstänblich in einen näheren Kontakt mit ben „Gestrigen" gebracht hat. Denn es war ja aerobe bas Chaxatteristikum der „guten alten Zeit, Zickzackkurs in Moskau. Von unserem ^.-Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Moskau, Juni 1935. Seit der Ermordung Kirows, des Lenin» < grober Parteiführers und eines ber nächsten Mit- \ arbeitet bes Diktators Stalin, hat kein Ereignis : bas innere Leben ber Sowjetunion so beeinflußt unb bie unzufriebenen Elemente in ber Partei ber- ; art in Aufregung versetzt, wie ber Fall Ienu - , kidse. Der ehemalige Sekretär im Zentralkomitee , der kommunistischen Partei, wie Stalin-Dschuga- ; schwill ein Georgier, früher Liebling Lenins unb ; Krassins, ber mit der Geschichte der Partei eng verbunden ist, wurde schon im März auf Knall und Fall von seinem Poften bes ZK.-Sekretärs, den er feit ber Oktoberrevolution, also feit f a ft i 18 Jahren bekleidete, entlassen unb in bie „Ehrenverbannung" auf einen Posten nach bem Kaukasus entfanbt Das bumpfe Grollen, bas sich seitdem bei ben alten Parteigenossen über diese ungerechte Behandlung des außerordentlich beliebten „guten Onkels" Jenukidse fühlbar machte, hatte sich noch nicht gelegt, als in ber zweiten und dritten Juniwoche Schlag auf Schlag eine Reihe neuer Ereignisse bie Parteieröffentlichkeit erschütterten: Die „Gesellschaft ber alten Bolschewiste n", der Stalin selbst wie alle führenden Männer ber Regierung und der Partei angehörten und der gegenüber ber Diktator auf Grunb ber Parteibiszi- plin verpflichtet war, sich mit ihren Mitgliebern vor jeder Halbwegs bedeutungsvollen Entscheidung zu beraten, wurde von heute auf morgen verboten unb aufgelöft; es folgte sodann ein grundsätzlicher Umbau bes gesamten Propagandaapparates ber Partei und neue Pro- pagandarichtlinien führen gegen bie Gefahr einer „Verbürgerlichung der Kommunisten" schwerstes Geschütz auf; zwei Tage später sind auch die Jungkommunisten, der sogenannte Komsomol, zurückgepfiffen worben, unb in einer umfangreichen Verorbnung würben ihnen neue Aufgaben gestellt, bie nichts mehr von bem bisherigen beherrfchenben Einfluß biefer Hauptstütze des Stalin-Regimes erhalten, unb bie ihre Arbeit nur noch auf bie Jugenb- unb Erziehungsarbeit beschränken; schließlich wirb im Anschluß an bie Absetzung unb Verbannung Jenukidses nach Dftfibirien eine neue „Säuberung" burchgeführt, bie hauptsächlich im Verwaltungsapparat der Partei ihre Opfer fordert, und die schon bisher, wie die „Prawda" schrieb, dazu geführt hat, daß 58 alte Kommunisten „verschwunden" finb. Was war geschehen? Steht der Fall Jenukibfe, dem bie gesamte Moskauer Presse im Auftrag ber Partei „Verbürgerlichung, Nachlassen der revolutionären Wachsamkeit, Förderung ber parteifeinblichen Einflüsse" usw. vorwirst, einzeln da ober ist er nur im Zusammenhang mit ben späteren Ereignissen zu betrachten? Sind die späteren Maßnahmen — die alle von Stalin selbst, ber sich immer mehr in die Rolle bes „einzigen und geliebten Führers" gefällt, ungeordnet worden sind — als der Beginn eines neuen Kurses in feiner inneren Politik zu werten? Schon lange liegen Anzeichen dafür vor, daß die kommunistische Partei eine schwere innere Krise durchmacht. Hatte die Ermordung Kirows die allgemeine Nervosität bis zur Unerträglichkeit gesteigert, so vergeht seitdem eiaentllch kaum eine Woche, in der nicht neue Maßnahmen verfugt wurden die von der inneren Unklarheit und Unsicherheit zeugen. Der Fall Jenukidfe Hut eine persönliche unb eine prinzipielle Seite. In ber, lat trug er den Spitznamen eines „guten Onkels nicht Zu Unrecht. Denn im Gegensatz zu der erdrückenden Mehrheit aller maßgebenden Männer in der Regierung und in der Partei hatte er einige menschliche Seiten, die ihn ost als F ü r s p r e ch e r für D e r b a n n t e und Verurteilte auftreten ließen. So geriet er in den Verdacht, mit den „Feinden bes Regimes" zu paktieren. Auch im Sekretariat ber Partei soll er bei seinen Untergebenen weniger auf bie erforberlidje unverdächtige kommunistische Gesinnung, als vielmehr auf die sachliche Eignung gesehen haben. Dadurch tarn er naturgemäß auch mit jenen Elementen der heutigen „Gestrigen tn Ver- binbung, die durch die alte Schule ber Zarenver- waltung gegangen waren. Jetzt wird er m der grenzenlosen Verlassenheit und Oede Dftfibinens über bie Wandelbarkeit menschlicher unb politischer Freundschaft nachdenken können... Darüber hinaus aber erhält man in Moskau nur wenig Aufschluß über bie wirklichen Hinter- g r ü n b e bes plötzlichen Sturzes einer ber ersten bolschewistischen Größen. Die Presse ergeht sich m unklaren Drohungen gegenüber allen, die m „bur gerlichen Lebensgewohnheiten untergehen und sie wettert gegen einen neuen lU"er en Feind, ohne über halbe Anbeutungen ^aauszu- gehen. Hat aber nicht Stalin selbst bei jeher Gelegenheit von ber Notwendigkeit eine s „kulturvollen, eines schönen Lebens" gesprochen? Die Blatter besinnen sich auf die alten kommunistischen Dogmen, begrüßen die neue Parteisäuberung sowie die Konzentration aller Jugendkräfte auf bie Jugenberzie- hung unb treten für eine strenge Befolgung per neuen Richtlinien über bie Parteipropaganda em, „um alle verweichlichten und dem kämpferischen Geist abholden Elemente auszumerzen",— aber verlangten das Gleiche nicht gerate auch bie „ay ten Bolfchewiste n", bie aufgelöst unb verboten würben? Wie reimen sich diese alten „unverfälschten kommunistischen Lehren zusammen mit dem Hervor- I)olen der „rein bourgeoisen" Ideale von per Erhaltung der Familie als ber ersten Stütze bes Staates, von bem neuerwachten Patriotismus, ja antwortete Eyres Monsell, baß biesen Vertrag Eng» lanb, die Vereinigten Staaten, Japan, Frankreich und Italien unterzeichnet hätten, daß bisher aber durch ihn nur England, d i e Vereinigten Staaten und Japan gebunden seien, da Frankreich unb Italien ihn nicht ratifiziert hätten. Die deutschen Vertreter hätten wiederholt, sie seien ebenso wie die Engländer für die Abschaffung der Unterseeboote, aber be» dauerlicherweise stimmten andere Länder hiermit nicht überein. Guter Gindruck in England. „Daily Telegraph" sagt, die deutsche Zusicherung, bie im ßonboner Vertrag für ben U-Bootkrieg aufgestellten Regeln einzuhalten, werde in ber britischen Öffentlichkeit einen tieferen unb günftige* r e n Einbruck machen, als irgenbeine andere Zusicherung, die etwa hätte gegeben werden können. Sie werde um so mehr Glauben finden, als Deutschland bei allen Abrüstungserörterungen ebenso wie Großbritannien die völlige Abschaffung von U b o o t e n befürwortet habe. Einige andere Länder hätten sich allerdings dem Vorschlag widersetzt, da das U-Boot das Gleichgewicht zugunsten der schwächeren Seemächte wieder her» zustellen in der Lage sei. Deutschlands Versprechen, die Verpflichtung anzunehmen „ohne Rücksicht darauf, ob alle anderen Länder ihr beitreten", ist der beste Beweis für feine Bona fides, den es geben kann. In diesem Sinne wird er in England ausgenommen werden. Das liberale „News Chronicle" nennt ben beutschen Beschluß, auf einen unbegrenzten U-Bootkrieg zu verzichten, weise unb spricht sich für eine völlige Abschaffung der U-Boote ober doch wenigstens der großen Hochsee-U-Boote im Gegensatz zu ben U-Booten für die Küstenverteibigung aus. Die Hochsee-U-Boote seien für eine Verteidigung gar nicht erforderlich. — Der arbeiterparteiliche „Daily H e r a I b" sagt, ber deutsche Schritt sei etwas wert. Alle anderen Seemächte sollten jetzt ähnliche Besprechungen abgeben. Am besten wäre es, bie U-Boote völlig abzuschaffen unb ein Vorgehen gegen Handelsschiffe nur für ben Fall von Sanktionen, bie vom Völkerbund gebilligt seien, für zulässig zu erklären. Eupen-Malmedy und Monschau. Don Willi Hanke. Der nachstehende Aufsatz, als Niederschlag 3er Teilnahme an einem einwöchigen Lager Der Gießener Studentenschaft auf der Burg zu Monschau entstanden, verdient in Zusammenhang mit dem eben verkündeten Urteil im Lütticher Ausbürgerungsprozeß gegen vier Heimattreue Bewohner Eupen-Malmedys besondere Beachtung. Der Ausgang des Weltkrieges mit seinen verheerenden Folgen hat uns Deutschen unsere blutenden Grenzen mit unerbittlicher Strenge vor Augen geführt. Dies hat zur Folge aehabt, daß wir uns unserer bedrängten Volksgenossen an der Grenze in erhöhtem Maße annehmen und ihnen auf jede Art und Weise zu helfen suchten. Ein kleines Gebiet verlorenen Reichsbodens, Eupen- M a l m e d y, und ein zerrissener Grenzkreis, Monschau, seien in den Mittelpunkt gestellt. Nördlich der Mosel dehnt sich eine einförmige Hochfläche aus, die Eifel und das Hohe Venn. Nur ein Quarzitrücken, der sich einer Schildkröte gleich wölbt, und die stark gewundenen Täler bringen Bewegung in die Landschaft. Im Nordwesten dieses Landes liegen die Kreise Eupen, Malmedy und Monschau. Im Laufe der Geschichte haben diese Gebiete immer zu Deutschland gehört. Mit der Aufteilung des Reiches Lothars im Jahre 870 gelangte das Hohe Venn bereits zum ostfränkischen Reich, dem späteren Deutschland. Mit einer geringen Ausnahme zur Zeit der Gewaltherrschaft Napoleons I. am Rheine gehörten Eupen und Malmedy unserem Reiche an. Die Besiedlung der Eifel und des Hohen Venns erfolgte von verschiedenen Stellen aus, so von Köln, von Trier und einer niederrheinischen Abtei aus. Kennzeichnend für die Eigenart des Hohen Venns ist, daß diese Besiedelungswellen nicht über den Kamm des Rückens hinübergehen konnten. So ergeben sich auch verschiedene Mundarten, die sich aus dem Siedlungsverlauf erklären lassen. Klima und Boden bedingen im höchsten Maße die Lebensweise des Menschen. Ganz besonders trifft das für das Hohe Venn zu. Eine durchschnittliche Höhenlage von 600 Meter machen den Rücken zu einem Auffanggebiet der atlantischen Regenwinde. Deshalb ist auch eine jährliche Niederschlagsmenge von 1300 Millimeter durchaus keine Seltenheit. Die Höhenlage bedingt weiter ein rauhes und unwirtliches Klima. Man sägt wohl nicht mit Unrecht, hier sei es neun Monate Winter und drei Monate kalt. Der undurchlässige Boden verhindert ein Abfließen der gewaltigen Regenmassen. Dies bedingt eine Versumpfung und Vermoorung weiter Strecken, die heute noch vollständig wertlos, auf den Tag der Urbarmachung warten. Die Wetterlage hat im Hohen Venn die Bauweise des Menschen in starkem Maße beeinflußt. Wohl selten sonst sieht moh in dieser ausgeprägten Form die hohen Schutzhecken, die das kleine, leist weiß getünchte Fachwerkhaus, fast einhüllen und es vor den Regenmengen und dem Einschneien im Winter schützen. Bodenbeschaffenheit und Klima sind dem Ackerbau im Hohen Denn und der Eifel nicht hold. Schon oft ist es vorgekommen, daß das kleine, zwerghafte Getreide nicht reifte oder auf dem Halm verfaulte. Dann kommen schwere Zeiten für den Eifelbauern. Mehr hat er sich deshalb auf Viehwirtschaft eingestellt. Die Siedlungsweise im Hohen Denn ist die des Straßendorfes. Viele Kilometer lang erstreckt sich ein derartiges Dorf, denn jeder Bauer wohnt auf seinem Grund und Boden. Wenn auch dem Bauer oft große Flächen zur Verfügung stehen, so sind Erbhöfe doch eine Seltenheit. Die Fläche für eine volle Ackernahrung beginnt erst bei ungefähr 60 Hektar. Der Reichtum des Landes besteht jedoch in erster Linie in seinen herrlichen Waldbeständen, die sich bis weit ins belgische Land hinein erstrecken. Gegenüber der ausgedehnten Landwirtschaft tritt die I n d u st r i e stark zurück. Vor dem Kriege hatte Malmedy eine ausgedehnte Lederindustrie, die in 22 Fabriken Deutschland mit Besohlleder versorgte. Eupener Tuche waren nicht nur in ganz Deutschland begehrt, sondern wurden von uns aus noch nach vielen Gebieten exportiert. Die kleine Kreisstadt Monschau war ehemals besonders im 17. Jahrhundert eine blühende Industriestadt, die 6000 Arbeiter beschäftigte. Monschauer Tuche fanden überall, selbst in Rußland und im Orient, ihren Absatz. Heute hat Monschau noch eine große Seidenspinnerei mit 700 Arbeitern. Das Friedensdiktat von Versailles hat deutsches Gebiet auseinander gerissen. Eupen, Malmedy und Teile des Kreises Monschau, die niemals zu Belgien gehört hatten und deren ganze wirtschaftlichen Beziehungen nach Deutschland gerichtet waren, mußten sich einer V o l k s a b st i m - m u n g unterziehen. In offene Listen konnten sich die Bewohner eintragen, die bei Deutschland bleiben wollten. Belgischer Militarismus hat es verstanden, eine wahre Volksabstimmung zu verhindern. Nur wenige Deutsche konnten es wagen, der Stimme ihres Blutes zu gehorchen. So fielen rund 1000 Quadratkilometer mit 60 000 Menschen, von denen 50000 Deutsche sind, an Belgien. Die übrigen 10 000 Wallonen, die besonders im Kreise Malmedy wohnten, hatten kein besonderes Verlangen, zu Belgien zu kommen. Bei einer gerechten Abstimmung würden die Wallonen sich wohl genau so verhalten haben, wie es die Masuren in Ostpreußen taten. Die nach dieser „Abstimmung" vorgenommene Grenzziehung ist vielleicht am schwierigsten an der ganzen deutschen Grenze zu überblicken. Beeinflußt ist sie in hohem Maße von strategischen Rücksichten. Denn vom Hohen Venn aus kann man das gesamte Rheinland mit Köln und das Ruhrgebiet beherrschen. Verwirrend wirkt die Grenz- ziehung dadurch, daß die Bahn von Eupen nach Malmedy belgisch wurde und dabei 29 Kilometer durch deutsches Gebiet führt. So werden Exklaven, wie das deutsche Mützenich, aus dem Deutschen Reich herausgeschnitten. Oft ist der Bahnhof, wie es auch bei Monschau der Fall ist, belgisch, während der Ort selbst unter deutscher Verwaltung ist. Daneben läuft eine Straße von Monschau nach Aachen, die teil- weise durch belgisches Gebiet führt und trotzdem deutsch ist. Diese Straße hat auf belgischem Gebiet Zwei sich treffende Abzweigungen, die insgesamt ein Dreieck bilden, das in seinem Aeuheren, also dem Straßenkörper, deutsch ist, während das dazwischen befindliche Gebiet zu Belgien gehört. Aus dieser Grenzziehung ergeben sich natürlich schwere Folgen für das gesamte Land, sowohl auf deutscher als auf belgischer Seite. Die erwähnte Lederindustrie Malmedys ist vernichtet. Der deutsche Markt war gesperrt, auf dem belgischen Markte konnten die Maren nicht untergebracht werden. So liegen heute 21 von den 22 Fabriken still und nur Die Keine Einigung in Rom über Abessinien? Die englische presse über Edens Besprechungen mit Mussolini. London, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.) Zum Abschluß der Besprechungen zwischen Eden und Mussolini trifft Reuter in einer Meldung aus Rom folgende Feststellung: Eden kehre nach London zurück mit einer sehr deutlicheren Vorstellung von dem Ernst, mit dem die italienische Regierung die durch die „abessinische Gefahr" geschaffene Lage betrachte. Er habe jetzt eine bessere Vorstellung von Italiens Wunsch nach einer „radikalen Regelun g". In Rom glaube man, daß es nur zwei Lösungen gäbe, entweder Abessinien erkläre sich mit einem Mandat oder Protektorat einverstanden oder Italien unternehme einen Eroberungsfeldzug. „Daily Telegraph" berichtet aus Rom, die Italiener erwarteten, daß Großbritannien einen Druck auf den Kaiser von Abessinien aus- ü b e n werde, damit er ihre gesamten Forderungen annehme. Sie erklärten, es sei oereits viel Geld für die Entsendung der Truppen nach Afrika ausgegeben worden und der Streit habe sich in die Länge gezogen. „Times" meldet aus Rom, die Besprechung zwischen Eden und Mussolini über Abessinien hätten wenig oder überhaupt nicht dazu beigetragen, die Lösung des Problems zu erleichtern. Man glaube, daß Eden zwar gewisse Anregungen gemacht habe, daß diese aber von Mussolini als nicht annehmbar betrachtet worden seien. Er habe indessen die Vertreter der beiden Regierungen befähigt, ihre Standpunkte mit äußerstem Freimut zu erklären und dadurch viele zweifelhafte Dinge aufzuklären. Auf das deutsch-englische Flottenab- k o mm e n anspielend meint das Blatt, die Italiener schienen jetzt überzeugt worden zu sein, daß Großbritannien nicht die Absicht habe, sich von Frankreich und Italien zu trennen und sich völlig in die Arme Deutschlands zu werfen. Die Italiener hätten gegenüber der britischen „Extratour" keine so st ar re Haltung eingenommen wie die Franzosen. Sie hätten viel Verständnis dafür, daß gute Gelegenheiten nicht versäumt ober bis zum Abschluß anderer Verhandlungen aufgeschoben werden sollten. Aber sie glaubten, daß Großbritannien nach Befriedigung seiner Flottenwünsche und nach Erzielung eines Luftpaktes für andere Probleme wie die Donaukonferenz und den Ostpakt kein Interesse mehr zeigen würde. Dann würden die Italiener mehr geneigt sein, den französischen Standpunkt zu unterstützen. Diese Sorgen wurden indessen von Eden zerstreut. Abessinien zu wirtschaftlichen Zugeständnissen bereit. London, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der britische Gesandte in Abessinien, Sir Sidney Karton, der am Dienstag auf Urlaub zu gehen beabsichtigte, ist durch ein Telegramm des Londoner Foreign Office angewiesen worden, auf seinem Po st en zu bleiben. Der Sonderkorrespondent des „News Chronicle" in Addis Abeba meldet, er höre, daß Abessinien bereit sei, wirtschaftliche Zuge- ft ä n b n i f f e zu machen, aber nur unter ber Be- bingung, baß sie wirklich wirtschaftlicher u n b nicht politischer A r t seien. Die Abessinier möchten z. B., falls bie italienischen Kolonien Erythräa unb Jtalienisch-Somalilanb b u r cf) eine Eisenbahnlinie über abessinisches Gebiet verbunben werben, ben Polizei- schutz ber Linie in ihren eigenen Hänben behalten. Auf bie italienische Forberung nach solchen wirtschaftlichen Zugeständnissen, bie Italien allein zugute kämen, erroiberte Abessinien mit einem Hinweis barauf, baß es durch den Vertrag mit Frankreich verpflichtet fei, jeder Nation Rechte zu verweigern, die andere Nationen ausschließen. Ueberdies erkläre man in Regierungskreisen, daß die Italiener von den ihnen bereits gewährten Zugeständnissen nur geringen Gebrauch gemacht hätten, wie z. B. von dem Recht der Errichtung einer Funkstation und dem Recht des Straßenbaues von Assab in Erythräa nach Dessie. Die gegenwärtige Spannung werde durch die Tatsache deutlich, daß am Dienstagvormittag weitere Italiener auf Anraten der faschistischen Ortsgruppe aus Addis Abeba abgereist seien. Die meisten Mitglieder der italienischen Kolonie seien bereits fort, andere packten ihre Sachen, wie wenn der Ausbruch von Feindseligkeiten unmittelbar bevorstehe. Wandlung des deutschen Berkehrsbildes. Zur Eröffnung der zweiten Teilstrecke der Reichsautobahn München-Holzkirchen. Wenn Deutschland sich heute anschickt, das m o - dem st e Verkehrsland der Welt zu sein, so gewiß nicht in dem Sinne, daß es das Ziel feiner Verkehrspolirik in ber Erreichung absoluter Höchstziffern sieht, sondern in ber vollkommenen A n - Passung aller Verkehrsmittel- unb Wege an bie Bedürfnisse der aufstrebenden deutschen Wirtschaft sowohl wie an ben Charakter beutschen Menschentums und deutscher Landschaft. Das verhängnisvolle Auseinanderstreben von Technik und Kultur, das dem 19. Jahrhundert seinen Stempel aufdrückte unb das auch für das rückständige und uneinheitliche Verkehrsbilo im Reiche verantwortlich zu machen ist, ist durch die nationalsozialistische Revolution beendigt worden. Denn indem die Bewegung Adolf Hitlers beide Aus- drucksformen des deutschen Geistes wieder auf ihre eigentliche Wurzel zurückführte und sie gleichermaßen in den Dienst der Dolksgefamt- heit stellte, verloren bie alten Rivalitäten ihren Sinn. Die Verkehrspvlitik bes neuen Reiches för- bert gleichermaßen ben Verkehr auf ber Erbe, auf bem Wasser unb in ber Lust. Die letzten Berichte ber Reichsbahn unb ber Deutschen Lufthansa zeigen bilanzmäßig ben ungeheuren Aufschwung, ben bie Personen- und Güterbeförderung per Lust und Eisenbahn genommen hat. Auch die Ausstellungen der großen Uebersee-Ree- d e r e ie n beweisen eine ähnliche Zunahme des Passagier- und vor allem des Warenverkehrs mit deutschen Schiffen auf. Der Aufstieg der Binnen- nenschiffahrt geht naturgemäß langsamer von- statten, da mit der Ausführung der verschiedenen Kanalprojekte und Stromregulierungen erst die Vorbedingungen geschaffen werden müssen, um eine bessere Ausnützung der Wasserstraßen zu erreichen. Die besondere Sorge des Führers aber galt von je her der Verdichtung und Beschleunigung des Verkehrs auf Öen deutschen Landstraßen. Es ist allein auf die Initiative Adolf Hitlers zurückzuführen, wenn die deutschen Rennwagen in fast ununterbrochener Folge ihren 1934 begonnenen Siegeszug durch ganz Europa jetzt noch eindrucksvoller fortsetzen, wenn die Zahl der Neuzulassungen von deutschen Kraftwagen dauernd im Steigen begriffen ist. Generalinspektor Dr. Todt hat kürzlich an einigen Ziffern das ungeheure Tempo der Entwicklung des Kraftwagenwesens in Deutschland überzeugend nachgewiesen: Im Jahre 1932 seien rund 41000 Personenautos neu an gemeldet, 1933 rund 85 000, 1934 rund 125 000. In den ersten Monaten dieses Jahres ist diese Kurve noch steiler verlaufen. Mit ber Erhöhung bes Kraftwagenbestandes geht Hand in Wand ber Ausbau bes deutschen Straßennetzes, dessen Krönung das gewaltige Werk der Reichsautobahnen ist. Es ist erst knapp fünf Wochen her, daß die Reichsautobahnen mit der Eröffnung ber Teil ft recke Frank, furt — Darmftabt ihren Geburtstag feiern konnte, unb schon stehen wir vor ber Indienststellung bes zweiten fertigen Abschnittes München—Holzkirchen, ber am kommenden Samstag dem öffentlichen Verkehr übergeben werben wird. Die hervorragenbe Ausstattung biefer Autobahnen, ihre geniale Linienführung, bie sie harmonisch in bie Melodie ber beutschen Landschaft hineinkomponiert, machen bie Straßen bes Führers nicht nur zu einem „Wunber ber Technik", fonbern auch zu einem vollendeten Denkmal unvergänglichen deutschen Geistes. letzte kann sich noch mit Mühe halten. Auch für die Eupener Tuche ist die Lage trostlos. Nur eine Verbindung mit Deutschland kann den beiden Kreisen ein aufnahmefähiges Hinterland zuweisen, das die Fabrikwaren aufnehmen kann. Ebenfalls hat die Landwirtschaft auf deutscher Seite durch die Grenzziehung sehr gelitten. Sie konnte nun ihre Milch, die Butter und sonstigen Produkte nicht mehr nach den benachbarten Städten Eupen und Malmedy bringen. 3n Monschau selbst liegen die Verhältnisse nicht so sehr schlimm. Dank unserer nationalsozialistischen Regierung konnten bereits sehr viele Ar- bpjtslose eine Tätigkeit finden. Noch in diesen Wochen wird eine hier stilliegende Fabrik in Gang gesetzt werden unb bamit werben bie letzten Arbeitslosen Monschaus roieber Arbeit unb Brot finben. Ungünstiger ist bagegen bie Finanzlage ber Stabt Monschau. Bedingt ist bies besonders burch bie kulturellen Ausgaben, bie biefe Stabt zu leisten hat. Vor allem hat Monschau ein Gymnasium unb ein Internat zu unterhalten, bie im Interesse bes bebrängten Westens unbedingt von Nöten finb, an eine Kleinstabt von 2000 Einwohnern jeboch hohe Anforberungen stellen. Die eigenartige unb widernatürliche Grenzziehung hat manche Erlebnisse bedingt, von denen man sich im Innern Deutschlands keine Vorstellungen macht. Eine deutsche Frau, deren Mann im belgischen Staatsdienst stand, befand sich vor ihrer Nieder- kunft. Hätte sie ihr Kind in ihrer Dienstwohnung, also auf belgischem Hoheitsgebiet zur Welt gebracht, hätte es die belgische Staatsangehörigkeit erlangt. Um dies jedoch zu vermeiden, wurde die Frau in das Nachbarhaus, das deutsch ist, gebracht und konnte tags daraus mit einem deutschen Kinde wieder nach Hause zurückkehren. Bekannter ist der Fal^ daß die Grenze durch eine Schmugalerwirt- schast hindurchgeht und zwar so, daß der Wirt mit stiner Theke auf begischem Boden steht, also billige belgische Waren verkaufen kann, während die Gäste sich auf deutschem Boden befinden. In einem anderen Dorfe läuft die Grenze mitten auf der Dorfstraße. Das Einkäufen in belgischen Läden durch deutsche Hausfrauen bedeutet bereits Geh.....-no\. Die Grenzziehung erleichtert ben S ch m u g- ß e L Außerdem bieten dir hohen Preisunterschiede । einen Anreiz, sich bem Schmuggel zuzuwenden. So kosten 25 belgische Zigaretten 30 Pfennig unb ein Pfund Salz kann man bereits für 3 Pfennig erstehen. Mit bem Verschwinden ber Arbeitslosigkeit in Deutschland) haben sich auch bie Schmuggelver- hältmsse gebessert. Neben Tabak wird noch viel Kaffee geschmuggelt, jeboch ist bies nur in ungebranntem Zustand möglich. Gebrannter Kaffee kann bereits auf einen Kilometer gerochen werden. Zusammenfassend muß noch einmal betont werden, daß im Ganzen gesehen, bie Lage bes „Loches im Westen" ganz trostlos ist und bas nur bann eine Aenberung ber Laae eintreten kann, wenn bie abgebrochenen Verhandlungen mit Belgien wieder aufgenommen werden, um eine friedliche Rück- glteberung ber Kreise Eupen unb Malmeby zu erreichen. ^15 Jahre Zuchthaus für eine kommunistische Zugendfunktionärin. Berlin, 25. Juni. (DNB.) Der Volks- g e r i ch t s h o f oerfünbete am Dienstag ein Ur« teil gegen eine kommunistische Jugenbsunktionärin, bas mit Rücksicht auf bie Höhe ber verhängten Strafe befonbere Beachtung verbient. Die 24jäh- rige Berta Karg aus München erhielt wegen Vorbereitung zum Hochverrat 15 Jahre Zuchthaus unb 10 Jahre Ehrverlust, außerbem würbe bie Polizeiaufsicht gegen sie an* georbnet. Die Angeklagte, eine fanatische Kommu- niftm, war in ber Reichsleitung bes illegalen ko m munistischen Jugenbver- b a n b e 5 tätig unb hat am Wieberaufbau ber zerschlagenen Parteiorganisation in ben brei Bezirken Groß-Thuringen, Baben und Pfalz, sowie Düssel- borf-Nieberrhein bis zu ihrer Festnahme am 31. 1. 1934 gearbeitet Die Weisungen für ihre staatsseinbliche Wühlarbeit erhielt sie von einem Beauftragten bes Zentralkomitees der KPD den sie i n P a r i s aufsuchte. Es handelt sich dabei um einen äußerst gefährlichen Emigranten, der vom sicheren Hinterhalt im Ausland her sein ehe- maliges deutsches Vaterland bekämpfte und versuchte, hier die Organisation ber KPD. roieber auf- zurichten. Die Angeklagte hat sich, so führte der Vorsitzende bei ber Urteilsbegründung aus, ba- durch, daß sie sich mit diesem üblen Staatsfeind etnließ, außerhalb ber Volksgemeinschaft gestellt. Gerabe mit Rücksicht auf bie große Gefahr, bie bem im Wieberaufbau befinblichen Deutschlanb vom Auslanbe her broht, erschien eine aufjerorbent- lieh hohe unb exemplarische Strafe geboten, bie auf 15 Jahre Zuchthaus bemessen würbe. Der Vertreter ber Reichsanroaltschast hatte sogar lebenslängliches Zuchthaus beantragt. Dieses neueste Urteil bes Volksgerichtshofes steht imZeichender verschärften Straf- beftimmungen, bie in befonbers schweren Fällen sogar bie Tobesstrafe für Hochverrat ermöglichen. Es beweist erneut, baß ber Volksgerichtshof gewillt ist, bie ihm übertragene Aufgabe, sich schützenb vor ben neuen Staat zu stellen, bis zur letzten Konsequenz burchzuführen. Jrgenbwelche Milbe ist bei Angeklagten vom Schlage ber jetzt abgeurteilten Funktionärin nicht am Platze, bas sie aus ihrer staatsfeinblichen Gesinnung nicht ben geringsten Hehl machte unb auch bie Strafe vollkommen kalt aufnahm. Immerhin bürste bas Urteil seine abschreckenbe Wirkung nicht verfehlen und den noch für die KPD. arbeitenden Elementen vor Augen führen, daß es besonders gefährlich ist, mit den Emigranten im Ausland Verbindung zu unterhalten und die deutsche Jugend mit ihren Lehren zu vergiften. Oie Zukunst der Landgemeinden. Eine Arbeitstagung des Preußischen Staatsrates. Potsdam, 25. Juni. (DNB.) Am 25. Juni trat der Preußische Staatsrat unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Göring in Potsdam zu einer Tagung zusammen. Auf der Tagesordnung stand die Frage der künftigen Ausgestaltung der Landgemeinde im Dritten Reich, insbesondere unter Berücksichtigung der durch die olbenbur- gische Verwaltungsreform aufgezeigten Gesichtspunkte. An ber Tagung nahmen bie leiten» ben Staatsbeamten unb bie zustänbigen führenben Persönlichkeiten ber Partei von Bayern, Sachsen, Württemberg, Baben, Thüringen, Mecklenburg unb Olbenburg teil. Nach einleitenben Worten bes Ministerpräsibenten Göring erstattete Reichs- unb Staatsminister Kerrl einen Bericht insbefonbere über bie Reisen, bie er im Auftrag bes Ministerpräsibenten zum Stubium ber zur Erörterung stehenben Fragen in einer Reihe beutscher ßänber gemacht hat unb entwickelte baraus bie Grunbziige, unter benen bie beutsche ßanbgemeinbe weiter auszubauen' sei. Das Korreferat erstattete Oberpräsibent unb Gnuleiter Kube, ber vor allem auf bie Verhältnisse ber ö ft I i cf) e n Grenzprovinzen Preußens einging. Der Reichs- unb preußische Minister bes Innern Dr. Frick machte zu ben angeschnittenen Fragen grunbsätzliche Ausführungen unb teilte mit, wie bie Angelegenheit weiter bearbeitet werben wirb. Ministerpräsibent Göring schloß bie Sitzung mit ber Feststellung, baß für bie Weiterarbeit bie von Minister Kerrl in ben von ihm besuchten ßänbern gewonnenen Erfahrungen von be- sonberem Wert finb, unb baß es barauf ankomme, aus ben verfchiebenen, zur Zeit im Reich vorhan- benen öerroaltungsreformen unter Vermei - bung jeher Schematisierung bie heften Möglichkeiten für bie Weiterentwicklung ber länblichen ©emeinbeoerroaltung herauszufinben. Oie Akademie für Deutsches Recht. München, 25. Juni. (DNB.) Auf einer Pressebesprechung gab Dr. Stangl-Berlin Aufschlüsse über bas Programm ber vom 26. bis 29. Juni in München ftattfinbenben zweiten Jahrestagung ber Akabemie für Deutsches Recht. Er betonte, baß auch biefe Jahrestaaung in München ftattfinbe, weil bie Aka- bemie als ursprüngliche Gründung bes Staates Bayern von München aus ihren Ausgang genommen habe. Deshalb werbe auch in ben späteren Jahren bie Jahrestagung in München ftattfinben, wenn auch bas materielle Schwergewicht nach Berlin verlegt worben sei, weil nur in ber Reichshauvtftabt ein möglichst enger Kontakt mit ben zustänbigen Stellen gegeben fei. Die Hauptaufgabe ber Akabemie liege zunächst in ber Beratung unb Unterstützung bes G e - setzgebers. Die Fälle an Aufgaben habe bie Bildung von Ausschüssen notroenbig gemacht. Reichsminister Frank habe bie Absicht, einen Senat des beutschen Rechtste- b e ns zu schaffen, ber über die Akademie in ihrer bisherigen Form hinausgeht. Die Akademie habe weiter versucht — und es sei ihr gelungen — eine Annäherung des deutschen nationalsozialistischen Rechts und des ausländischen Rechts herbeizuführen Der nationalsozialistische Staat habe in der Akademie für Deutsches Recht ein Instrument gefunden, durch das es ihm ermöglicht fei, für feine Gedanken Verständnis im Auslande zu finden. In Zukunft werde die Akademie für München eine besondere Note noch dadurch bringen, daß das Haus bes beutschen Rechts hier errichtet werbe. Die Orunbfteinlegung werde noch im Laufe des Jahres erfolgen. Weltanschaulich-politische Schulung der Korporationsstudenten. Richtlinien des Reichsamtsleiters Derichsweiler. Berlin, 25. Juni. (DNB.) Reichsamtsleiter Derichsweiler sprach im Reichssender über die weltanschaulich-politische Erziehung der Korpora- tionsstudenten und gab dabei folgende Richtlinien des N S D. - S t u d e n t e n b u n d e s bekannt: Jede Korporation, die die Weltanschaulich-politische Erziehung ihrer studierenden Mitglieder nach den Richtlinien des für die politische Erziehung der Gesamt-Studentenschaft allein zuständigen NSD-Stu- dentenbundes durchzuführen bereit ist, hat bis zum 10. Juli 1935 dem für sie zuständigen örtlichen Hochschulgruppenführer des NSD-Stu» bentenbunbes drei ihrer studierenden Angehörigen zu benennen, die für die weltanschaulich-politische Schulung als besonders geeignet erachtet. Diese gemeldeten Korporationsangehörigen werden im Laufe der Sommerferien in dreiwöchigen Lagern des NSD.-Studentenbündes geschult (nähere Anweisung darüber ergeht noch). Am Schlüsse des Kurses erfolgt die Qualifikation der Kursteilnehmer durch den Lagerleiter, dieselbe wird auf dem Dienstweg den Korporationen Diejenigen Lagerteilnehmer, die en> Die Seelsorge in der Wehrmacht. Verfügungen des Reichskriegsministcrs." In zwei grundsätzlichen Erlassen des Reichskrieg" Ministers wird u. a. bestimmt: In der Heeresseelsorge sind zur Zeit vier Gattungen von Geistlichen zu unterscheiden: Heeresoberpfarrer, Heerespfarrer, Standortpfarrer i. H. (im Hauptamt) und Standortpfarrer i. N. (im Nebenamt). „H e e r e s o b e r p f a r r e r" und „Hee- respfarrer" sind die Amtsbezeichnungen für die planmäßigen Geistlichen der Heeresseelsorge. Sie sind Wehrmachtbeamte. „Standortpfarrer i. H." ist die Amtsbezeichnung für die Zivilgeist, lichen, die auf Grund eines Vertrages im Angestelltenverhältnis zur Wehrmacht stehen und das Militärseelsorgeamt als ihr Hauptamt ausüben. „St an dort Pfarrer i N." ist die Amtsbezeich- nung für die Zivilgeistlichen, die in einem Standort neben ihrem Hauptamt als Geistlicher der Ortskirchengemeinde mit der Ausübung der Militärseelsorge beauftragt sind, letztere also im Nebenamt versehen. Nach der Verordnung des Führers und Reichskanzlers über Rang- und Dienstverhältnisse sowie Uniform der Wehrmachtsbeamten — Heer— gehören die Beamten der Heeresseelsorge (Feldbischöfe der Wehrmacht, Heeresoberpfarrer und Heeres- vfarrer) zu der Gruppe der Wehrmachtbeamten, deren Dienstkleidung besonders geregelt ist. Die Regelung ist dahin erfolgt, daß die Beamten der Heeresseelsorge den Dienstanzug tragen, der aus einem schwarztuchenen Ueberrock (Amts- rvck) mit stehendem Kragen und einer Reihe Knöpfen, schwarzen Beinkleidern, Handschuhen von schwarzem Glaceleder, schwarzem Zylinderhut bzw. rundem schwarzem Filzhut besteht. Auf der rechten Brustseite des schwarzen Amtsrocks dürfen d i e F e l d b i s ch ö f e der Wehrmacht das Hoheitsabzeichen aus Goldgespinst auf schwarzem Tuch handgestickt, die Heeresoberpfarrer und H.eerespfarrer aus Silberge- f p i n ft auf schwarzem Tuch handgestickt tragen. Der schwarze Dienstanzug (Amtsrock) ist bei allen dienstlichen Verrichtungen, die nicht das Anlegen des Talars erfordern, z. B. Meldungen, bei Antritt oder nach Beendigung von Urlaub, nach Wiederherstellung von einer Krankheit, nach Verleihung von Auszeichnungen, nach Beförderungen, bei Kasernenstunden, Lazarettbesuchen und gesellschaftlichen Gelegenheiten anzulegen. sprechend qualifiziert sind, werden automatisch Anwärter des NS D.-Studentenbundes. Zwecks Durchführung der weltanschaulich-politischen Erziehung der Korporationen währenddes Semesters ernennt der Hochschulgruppenführer im Benehmen mit dem aktiven Führer aus den in dem obigen Schulungskurse für geeignet befundenen Korporationsangehörigen einen Schulungs» leiter. Mit der Ernennung eines Schulungslei- ters einer Korporation durch den Hochschulgruppenführer untersteht die betreffende Verbindung weltanschaulich-politisch ausschließlich der Führung des Hochschulgruppe n f ü h r e r s oder der Dienst- stelle der Partei. Jede Einflußnahme von feiten der Altherrsnschaften und Verbandsführungen auf die weltanchpulich-politische Erziehung dieser Korporationen hat damit zu unterbleiben. In denjenigen Korporationen, in denen ein Schu- lungsleiter ernannt ist, muß auch der Aktiven- f ü h r e r dieser Korporation Mitglied oder Anwärter des NSD - S tu d e n t e n b u n- des sein. Wo er es nicht ist, bedarf er der Bestätigung des örtlichen Hochschularuppenführers. Eine weitere Voraussetzung für die Zusammenarbeit des NSD.-Studentenbundes mit einer Korporation biem3ufammenfe6un9 ber ftubieren- b e n Mitglieder der Korporation nach den Grundsätzen der NSDAP. (Stichtag 1. Ion. 1800). Der NSD. - Studentenbund und seine örtlichen Dienststellen behalten sich vor, mit denjenigen Korporationen, die im weltanschaulich-politischen Kampf besonders aktiv sind, besonders eng zusammenzuarbeiten. Er begrüßt in diesem Sinne noch einmal ausdrücklich die vom Gauleiter Minister Wagner am 5. Mai 1935 in Eisenach proklamierte völkische Arbeitsgemein. Schaft. Nicht Krüppelfürsorge, sondern Lebensgestaltung. Einer Zuschrift des Reichsbundes für Körperbehinderte entnehmen wir u. a.: lieber die kraftstrotzende, gesunde Menschheit rollen Epidemien, Katastrophen, Krankheiten und Heimsuchungen dahin und lassen ihre Folgeerscheinungen zurück. Aus blühenden, unbehinderten Menschen werden durch Unfälle, hervorgerufen durch die Entwicklung der Technik, durch Tuberkulosekrankheiten oder Massenerkrankungen an Kinderlähmung oder andere Einflüsse der Umwelt, körperlich Behinderte. Darstellungen aus dem Mittelalter berichten, wie Krüppel vor den Türen der Kirchen in oft abstoßender Weise ihr Krüppeltum zur Schau trugen und um Almosen bettelten. Dies mag dazu bei getragen haben, daß sich mit der Bezeichnung „Krüppel" im Sprachgefühl der Begriff des „Minderwertigen", des Krankhaften verband, auch noch als es Dank der Entwicklung der medizinischen Wissenschaft gelang, diese vom Schicksal Betroffenen in die menschliche Gesellschaft einzugliedern. So ist es verständlich, daß die Körperbehinderten selbst für ihre Organisation, den Reichsbund der Körperbehinderten, nicht das Wort „Krüppel" verwandten, als sie sich zusamTyenschlos- sen. Die Körperbehinderten wollen die (Gestaltung ihres Lebens selbst in die Hand nehmen. Während in der Vergangenheit die Krüppelfürsorge ihre Aufgabe nur darin sehen konnte, den Körperbehinderten von einem unproduktiven Almosenempfänger zu einem produktiven Steuerzahler zu machen, hält der Reichsbund der Körperbehinderten die „seelische Entkrüppelung" für mindestens ebenso wichtig. Durch das Beispiel des Schicksalsgefährten soll der Wille zur ßeiftung gestrafft und das Persönlichkeitsbewußtsein ermutigt werden. Unter diesen Vorbedingungen ergeben sich die durchaus gleichwertigen Leistungen Der Körperbehinderten nut denen der Vollbewegungsfähigen vor allem dann, wenn die Behinderung bei der Tätigkeit selbst nicht stört. Wenn jetzt in dem Sportlager der Körperbehinderten in Hohenlychen Körperbehinderte mit nur einem Bein dem Sportgedanken zugeführt und nach scharfer Uebung zu ungeheuren Leistungen als Selbstverständlichkeiten befähigt werden, so ist dies als ein Sieg des Willens zu bezeichnen, zu dem der Durchschnittsmensch im gewöhnlichen Alltag kaum imstande sein dürfte. 3m spanischen Schmugglerparadies. Zwischen Ronda und Gibraltar. Kein Zweifel, hier ist schon Afrika! Die knap- pen 14 Kilometer, die den Südrand von Europa von Afnka trennen, spielen im Völker- und Kulturleben keine Rolle. Die Touristen pflegen im allgemeinen nur den Hafen von Gibraltar zu ehen. Sie staunen Über die seit Jahrhunderten hier lebenden Affen an den steilen Felsen, die Lieblinge der englischen Garnison. Sie versorgen sich mit hundert billigen Dingen im englischen Freihafenge- biet und bewundern mit leichtern Gruseln die deutlich sichtbaren Kasematten in dem 400 Meter hohen Felsen von Gibraltar. „Uneinnehmbar" flüstern die Reisenden. Seit 230 Jahren weht der Union Jack über dieser Trutzfeste Englands am Eingang des Mittelmeeres. Ein Gibraltar pflegen wir viele ähnliche Stützpunkte in der Welt zu nennen, wenn wir ihre Festigkeit und ihre unvergleichliche strategische Lage auf einen Nenner bringen wollen. Es ist wirklich unmöglich, bei der heutigen Entwicklung der Schießtechnik ein großes Schiff beim Passieren der Fellenenge zu verfehlen. Und doch ift Gibraltar vom modernen Stande der Kriegstechnik aus überholt. Nicht daß die Flugzeuge ihm besonders viel anhaben könnten. Sie würden eine schwierige Lage gegenüber Abweh rbatterien in 400 Meter Höhe über dem verwundbaren Hafen haben! Aber es- wäre bei der heutigen Entwicklung der schweren Geschütze ein leichtes, auf den fast 800 Meter hohen Bergen der Sierra de la Luna westlich von Gibraltar Batterien aufzustellen, die alle Batterien von Gibraltar zudecken könnten. Aber niemand denkt heute in Spanien an solche Möglichkeiten, weil man sich mit Gibraltar und der englischen Flottenherrschaft ab- gefunden hat. Es gibt in ganz Europa nicht viele Punkte, die sich mit der Fernsicht von jenem südöstlichen Zipfel Spaniens vergleichen können. Der Felsen von Gibraltar liegt unter uns zum Greifen nahe wie ein kahler, spitzer Felsklotz ins glühende Farbenspiel des Meeres versenkt. Und drüben brennt die Sonne mit der gleichen Unbarmherzigkeit über den schneeweißen Mauern von Tanger, in dessen Hafen die Schornsteine der fremden Flotten nie aufhören zu rauchen. Geheimnisvoll ziehen sich die hohen Bergketten des „R i f" an der Küste entlang. Sie sahen den letzten Freiheitskampf der Berber unter Abd el Krim. Und noch heute ist es nicht ganz ungefährlich, sich weit von den spanischen Postenketten zu entfernen... Englische Seeoffiziere sind immer der Ueberzeu- gung gewesen, daß hier bei Gibraltar und niemals bei Messina sich jene Meerenge befunden haben müsse, die einst Odysseus besungen hat. In der Tat haben die reihenden Strömungen im Meere in dieser Enge Wirbel und Nebel erzeugt, die schon manchem spanischen Fischer das Leben gekostet haben. In der Nähe von Gibraltar gibt es geradezu einen Malstrom, der sich bei Eintritt der Flut bildet, wenn sich die Massen vom Atlantischen Ozean ins Mittelmeer ergießen. Ein kalter Strom flutet unterirdisch ins Mittelmeer und ein warmer zieht oben nach dem Atlantischen Ozean. Es gehört gar nicht viel Phantasie dazu, sich die Schrecken des Odysseus inmitten solcher Gefahren vorzustellen. . . Eine kleine Zweigbahn führt von Malaga unfern von Gibraltar hinauf nach Ronda, dem Hort ungebrochenen Maurentums, versprengter Räuber und Schmuggler! In einer phanastisch malerischen Lage an die steilen Felsen der 1200 Meter hohen Sierra de Mijas geklebt, umgeben von alten Burgen und Wachttürmen aus der Zeit, da die letzten Mauren sich hier zum verzweifelten Widerstand gegen die siegreichen Spanier einnisteten, hat dieses Felsennest nicht nur landschaftlich, sondern auch volklich einen unendlichen Reiz. In den unzähligen Klüften des wilden Gebirges fanden von alters her Räuber und Schmuggler Unterschlupf und erst in jüngster Zeit vermochte die tüchtige Guardia Eivil einen der bekanntesten Mörder und Räuber nach jahrelanger Hatz zu erschießen. Wunderbare Wasserfälle zerstäuben, aus den Felsen brechend, in den Schluckten rings um das Städtchen. Die Burschen und Mädchen von Ronda haben einen Rus wegen ihrer Schönheit und — Wildheit im ganzen Süden von Spanien. Nicht umsonst sagt man den Burschen von Ronda besondere Fähigkeiten im Messerwerfen und Schießen nach. Irgendein wilder Berberstamm hat sich hier mit alten Ureinwohnern vermengt und einen Dolksschlag erzeugt, der in vieler Hinsicht von den viel lässigeren Andalusiern absticht. Von den grünen Tälern und Höhen rings um Ronda überblickt man vielleicht am besten den kahlen Strand mit den einsamen Wachtürmen, den weißen Dörfern und der ewigen Brandung bis hinunter gen Gibraltar. Vieles hat sich geändert feit den Blütenzeiten des romantischen Schmugglerlebens. Heute fahnden die Aufsichtsbeamten (es gibt eine besondere Küstenwachttruppe in Spanien) ebenso sehr auf die Schmuggler, die von den Freihäfen Tanger und Gibraltar her ihre schnellsten Boote aussenden wie auf die Dynamitfischer auf der See. Ein barbarischer Unfug, diese Tötung von Fischen durch Dynamitpatronen. Er wird hart bestraft, aber immer wieder lockt diese heißblütigen, undisziplinierten Männer der Südküste die Lust am Verbotenen, am leichten Gewinn. Sie haben längst verlernt, die alten wunderbaren Bewässerungsanlagen instandzuhalten. Ein langes, nationales Erziehungswerk muß hier erst einsetzen. Aber lieber Himmel, vielleicht geht dann die Romantik zum Teufel, die heute noch diesen Südzipfel Europas umweht?... Die langjährige Arbeit des Bundes ist durch den Nationalsozialismus eindeutig anerkannt worden. Der Reichswalter des Reichsbundes der Körperbehinderten, Pg. N e u b e r t, ist durch Hauptamtsleiter Pg. Hilgenfeld als Referent für Körperbehinderte in die Reichsleitung der NSDAP. — Hauptamt für Dolkswohlfahrt — berufen worden. Nun liegt es an den Körperbehinderten selbst und an den Eltern körperbehinderter Kinder zu zeigen, ob sie gewillt sind, durch eigene Leistung am Aufbau unseres Vaterlandes mitzuarbeiten. Auskunft erteilen: Ernst Erle, Klein-Linden, Frankfurter Straße 25, und Adolf Stumpf, Gießen, Kreuzplatz 11. Arbeitsopfer beim Führer. Be r l i n, 25. Juni. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler empfing am 25.Juni eine Abordnung der Arbeitsopfer unter Führung des Reichs- walters K e l l e r m a n n. Die Abordnung überreichte dem Führer als Geschenk ein Buch, das einen Querschnitt durch das Leben der Arbeitsopfer darstellt und einen Einblick in die sie betreuende Organisation, die „Deutsche Arbeitsopferversorgung E. V." gibt. Das Buch, das in einem einzigen Exemplar hergestellt wurde, bedeutet eine bibliophile Seltenheit. Der Führer verweilte einige Zeit in herzlichem Gespräch mit den Arbeitsopfern, unter denen sich auch der älteste überlebende Stürmer der Düppeler Schanzen befand. Kleine politische Nachrichten. Der Führer besuchte gestern auf der Rückfahrt von Hamburg feinen Stellvertreter Reichsminister Rudolf Heß, der sich zur Erholung in Hohenlychen auft-ält. Bei dieser Gelegenheit besichtigte der Führer auch die klinische Abteilung für Sport- und Arbeitsschä. den, die auf Veranlassung des Reichssportführers in den dortigen Heilanstalten eingerichtet wurde, so- wie die vom Gau Groß-Berlin der NSDAP, erstellten Häuser „Mutter und Kind" der Natio- nalsozialistischen Dolkswohlfahrt. * Auf ein Grußtelegramm der in Stuttgart zusam- mengetommenen französischen und deutschen Frontkämpfer antwortete der Füh- rer und Reichskanzler mit herzlichen Worten und sprach die Hoffnung aus, daß weitere kameradschaftliche Zusammenkünfte alter Kriegsgegner folgen mögen und so der Gedanke der Verständigung gefördert werde. * Das italienische Unterstaatssekretariat für Presse und Propaganda ist zum Ministerium erhoben worden. Unterstaatssekretär Graf Galeazzo Ciano, der Schwiegersohn Musso- linis, wurde zum Propagandaminister ernannt. Bei der Eröffnung des Eucharistischen Kongresses in Edinburgh kam es zu schweren Unruhen, lieber 2000 Menschen demonstrierten gegen die römisch-katholische Kirche und versuchten, die Versammlung zu sprengen. Em ka- tholischer Priester wurde angegriffen und geschla- gen. Die Polizei zerstreute die Demonstranten. • Die Volksabstimmung in Guatemala über die Amtsführung des jetzigen Präsidenten Ubico gestaltete sich zu einem gewaltigen Person- lichen Erfolg für diesen bewährten Staatsmann. Es wurden 834 168 Ja-Stirnmen und 1227 Nein-Stimmen abgegeben. Y W Vf ' w* Zielflugzeuge für die englischen Flottenübungen. London, 26. Juni. (DNB. Funkspruch.) Wie die „Times" meldet, haben sich bei Hebungen von Kriegsschiffen und Küstenbatterien drahtlos g e • lenkte Zielflugzeuge außerordentlich gut bewährt. Bei den Versuchen hätten diese neuartigen Zielflugzeuge Entfernungen bis zu 16 Kilometer und Höhen bis zu 3000 Meter von ihrer Kontrollstation auf dem Festland bzw. an Bord eines Schlachtschiffes erreicht. Zwei der Flugzeuge seien bei Hebungen abgeschossen worden. Bei dem Schaufliegen der britischen Luftstreitkräfte in Hendon am Samstag werde eins dieser Fernlenkzielflugzeuge zur Besichtigung aufgestellt werden. Beim Fliegen werde es jedoch nicht gezeigt werden. Auch die Einrichtung und der Mechanismus dieser besatzungslosen Flugzeuge werde geheim gehalten. Kunst und Wissenschaft. Auflösung des Bundes Deutscher Architekten. Der als Fachverband für Baukunst in die Reichskammer der bildenden Künste übernommene Bund Deutscher Architekten e. D. ist der „Bau- welt" zufolge bei dem jetzt bekanntgegebenen Umbau der Reichskammer ebenso wie die anderen früheren Verbände innerhalb der Kammer aufgelöst worden. Die Mitglieder des feit 1904 bestehenden BDA. sind jetzt unmittelbare Mitglieder der Kammer. Zweite Reichstagung der Nordischen Gesellschaft in Lübeck. Im Rahmen der zweiten Reichstagung der Nordischen Gesellschaft fand in Lübeck die zweite Sitzung statt. Im Mittelpunkt der Sitzung stand ein Vortrag des Reichssportführers von Tfchammer und Osten über die deutsch-nordischen Sportbeziehungen. Wir wollen gemeinsam versuchen, so schloß der Reichssportführer feine mit außerordentlichem Beifall aufgenommenen Aus- führungen, für unser Jahrhundert die Aufgabe zu lösen, im Adel des Geistes die Wiedergeburt der jungen Kraft zu vollziehen. Diese Aufgabe ist es wert, daß sie der ganze nordische Kulturkreis in Angriff nimmt. Vorführungen einer Gruppe des schwedischen Gymnastikverbandes leiteten sodann über zu einem Vortrag von Professor Lutz Mackensen- Riga über „Germanische Volkskunde". Ehrenvoller Auftrag für den Bühnenbildner Benno von Arenl. Der Führer und Reichskanzler hat Benno von A r e n t beauftragt, die Entwürfe für die Kostüme und Dekorationen aur Festaufführung der „Meistersinger" anläßlich des Reichsparteitages 1935 und des erfolgten Umbaues des Opernhauses Nürnberg zu entwerfen. Die Hauptversammlung der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in Stuttgart. Unter großer Beteiligung hielt, wie schon gemeldet, die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Stuttgart ihre 24. ordentliche Hauptversammlung ab. Der Präsident der Gesellschaft, Geheimrat Professor Planck, begrüßte die Versammlung. Er legte dann den Jahresbericht vor. Im Mittelpunkt der Hauptversammlung standen zwei Vorträge. Den ersten Vortrag hielt der Direktor des neu eingeweihten Kai- ser-Wilhelm-Jnstituts für Metallforschung Dr. W. K ö st e r - Stuttgart über „Der metallische Werkstoff, seine Vervollkommnung durch Technik und Wissenschaft". Den zweiten Vortrag hielt der Direktor des Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für Biologie in Berlin-Dahlem, Professor Dr. F. Wettstein, über die „Mutationsforschung und die Entstehung neuer Formen bei Pflanzen ynb Tieren." Die Mutationen würden verursacht durch Einwirkung von Röntgenstrahlen und radioaktiven Substanzen, Be- trahlung mit ultraviolettem Licht, plötzlicher Temperaturveränderung und Einwirkung extremer Temperaturen, Einwirkung von Chemikalien u. a. m. Durch solche Einflüsse werde der Anlagenbestand des Organismus abgeändert, und im Laufe der Zeit können von einem Ausgangsorganismus Hunderte von erblich abgeänderten entstehen. Die Frage, die heute im Brennpunkte des Interesses stehe, gehe dahin, ob diese Mutationen auch genügten, um das gesamte Artbild, wie man es bei Tieren und Pflanzen heute auf der Erde beobachte, mit allen charakteristischen und vor allem auch mit allen zweckmäßigen Eigenschaften zu erklären. — Im Anschluß an die Vorträge fand eine geschlossene Mitgliederversammlung statt. Der Führer und Reichskanzler hat an die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften zu ihrer Hauptversammlung in Stuttgart folgendes Telegramm gerichtet: „Für Ihre freundliche Grüße bestens dankend, wünsche ich Ihrer Tagung wie Ihrer weiteren Arbeit reichen Erfolg, (gez.) Adolf H i 11 e r." Aus aller Wett. Bisher 600 000 Blark für die Opfer von Reinsdorf. Am 24. Juni fand auf Einladung der „Stiftung für Opfer der Arbeit" in Wittenberg die konstituierende Sitzung des Verwaltungsausschusses für die zu dem Unglück in Reinsdorf eingegangenen Spenden statt. Aus dem Bericht über die eingegangenen Spenden ergab sich, daß eine Summe von 6 0 0 0 0 0 Mark bisher eingegangen ist. Durch die Bemühungen des Kreisleiters und der sonstigen örtlichen Stellen zur Linderung der unmittelbar eingetretenen Notlage sind davon bisher 85 000 Mark an die Hinterbliebenen der tödlich Verunglückten und an die Verletzten zur Auszahlung gelangt. 33 Grad in Berlin! Nachdem das Thermometer in Berlin am Montag bereits 30 Grcck überschritten hatte, stieg es am Dienstagnachmittag bis auf 3 3 Grad. Voraussichtlich wird das heiße Wetter noch anhalten. Bemerkenswert hoch find auch die Temperaturen im deutschen Mittelgebirge. So wurden am Dienstag um 8 Uhr auf der Schneekoppe 15 Grad und auf dem Brocken 17 Grad gemessen. Interessant ist weiter die Tatsache, daß Flugzeuge in einer Höhe von 5000 Meter nur 7 Grad Kälte angetroffen haben, während sonst in diesen Höhen erheblich niedrigere Temperaturen herrschen. Gewittersturm in Süd- und Mittelengland. — Ende der Hitzewelle. Die seit mehreren Tagen in England herrschende Hitzewelle ist jetzt in Süd- und Mittelengland und in Wales infolge zahlreicher Gewitter- ft ü r m e und fast tropischer Regenfälle gebrochen worden. Durch Blitzschläge wurden in verschiedenen Teilen des Landes drei Personen getötet und zehn verletzt. In verschiedenen Gegenden gab es große Ueberschwemmungen. In einer Schule in Batheaston (Grafschaft Somerset) wurden 40 Schulkinder mit ihrem Lehrer in der Klasse vom Hochwasser überrascht. Der Lehrer ließ die Kinder auf die Schreibpulte steigen, bis Polizisten und andere Helfer kamen und die Kinder durch die Fenster ins Freie schafften. Schweres Unwetter über Seeland. lieber einen Teil der Insel Seeland und einen Teil Jütlands ging ein schweres Unwetter nieder. Zahlreiche Höfe wurden durch Blitzschlag zerstört. Bei Aalborg wurde ein Landwirt vom Blitz erschlagen. Das Getreide, sowie Rüben und Obst wurden auf einem Gebiet von 75 Hektar völlig vernichtet. Auf der zwischen Seeland und Laaland liegenden Insel Femoe war das Unwetter von einem orkanartigen Sturm begleitet, der zahlreiche Wirtschaftsgebäude umlegte. Bei dem Unwetter, das nur zehn Minuten dauerte, wurden nicht weniger als 25 Zentimeter Niederschlag gemessen. Schwere Wolkenbrüche in China fordern zahllose Opfer. Schwere Wolkenbrüche, die zahllose Opfer forderten, gingen über weite Gebiete der chinesischen Provinzen Hupeh, Anhui, Kiangsu, Tsckekiang und Kwantuna nieder. Hankau hat besonders schwer gelitten. Zahlreiche Häuser stürzten ein. Ganze Stadtteile sind unter Wasser gesetzt. Die Zahl der Todesopfer, die sich noch nicht in voller Höhe übersehen läßt, wird bisher auf mehrere hundert geschätzt. Auch aus Nanking kommen Meldungen von schweren Regengüssen. Der Niederschlag beträgt hort nicht weniger als 30 Zentimeter. Die Flüsse sind streckenweise über die Ufer getreten und haben weite Gebiete, überschwemmt. Unterdessen hält die Dürre in der Provinz Schantung weiter an. Die Dürreschäden sind geradezu verheerend. Der wolkenbruchartige Regen in Südchina hält weiter an. Besonders schwer betroffen sind weite Gebiete längs des Hsikiang (Westfluh) in den Provinzen Kwangsi und Kwantung. Die Landbevölkerung flüchtet vor dem Wasser auf die Berge. Bei Wutschou sind über 100 Boote gekentert und dabei über 80 Personen ertrunken. Der Bahnverkehr zwischen Kanton und Sanschui (50 Kilometer westlich von Kanton) ift unterbrochen. Schwere Verkehrsstörungen werden auch aus den Provinzen Kiangsu und Tschekiang gemeldet. 1% Jahre Gefängnis für Dr.Otto pelher. Dor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Berlin wurde der 35 Jahre alte Dr. Otto P e l tz e r aus Berlin-Grunewald wegen widernatürlicher Unzucht an Jugendlichen zu einer Gefängnis strafe von V/t Jahren verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Dr. Peltzer befindet sich seit dem 16. März dieses Jahres in Untersuchungshaft im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit. Die in einem Teil der zlus- landspreffe verbreiteten Meldungen über einen Selbstmord bzw. über eine Erschießung Dr. Peltzers sind frei erfunden und entbehren jeder Grundlage. Tödlicher Absturz im karwendel. Beim Abstieg von der westlichen Karwen- d e l f p i tz e stürzte beim Ueberqueren eines Schnee, selbes die 42jährige Karoline Heidt aus Fürth in Bayern vor den Augen ihres Mannes 150 Meter tief ab. Der Ehemann erlitt bei dem Versuch, seine Frau zu halten, leichtere Verletzungen. Die Leiche der Frau konnte geborgen merben. Zwei Engländerinnen in Südtirol tödlich abgestürzt. Im Valsertal, einem Seitental des Pustertals in Südtirol, ereignete sich ein schweres Bergsteigerunglück, das ^wei Menschenleben forderte. Zwei Engländerinnen namens Gibbs und Röpers stürzten bei der Besteigung bet wilden Kreuzfpitze etwa 100 Meter tief ab und fielen in den Dalferbach. Die Leichen der beiden Verunglückten wurden aus den reißenden Wasser geborgen und nach Mühlbach im Pustertal gebracht. , _ n . Preußen. Vier Verletzte bei einem Motorradunfall LPD. Wetzlar, 25. Juni. In der Nähe der Spilburg überfuhr ein Motorradfahrer aus Büblingshausen eine Frau und ein Kind, Angehörige eines Beamten der Landespolizei. Aber auch der Führer der Maschine und sein Mitfahrer kamen zu Fall. Alle vier Personen mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Späte Sühne. Siegen, 22. Juni. (LPD.) Bor sechs Jahren erregte der Ueberfall auf eine neunjährige Schülerin auf der Landstraße zwischen Meggen und Halberbracht großes Aufsehen. An dem Kinde war ein Sittlichkeitsverbrechen verübt worden. Jahre ver- §ingen, ehe das Verbrechen seine Aufklärung fand. ,ahre hindurch trug der Täter die Last seiner Schuld, bis ihn das Gewissen zu einem freiwilligen Geständnis zwang. Als im Dezember des vergangenen Jahres die Leute zum Weihnachtsfest rüsteten, ging der Täter zur Polizei und offenbarte seine Schuld. Er hatte sich jetzt vor der Großen Strafkammer in Siegburg zu verantworten, wo er rückhaltlos den Hergang der Tat schilderte. Nach dem Verbrechen war er ruhelos im Lande umhergewandert und hatte aus Angst vor Entdeckung seinen Beruf als Bergmann mit dem eines Wanderburschen gewechselt. Der Staatsanwalt vertrat die Auffassung, daß ein derartiges Kapitalverbrechen, wie es sich der Angeklagte habe zu Schulden kommen lassen, trotz der in der Reue und dem Geständnis des Angeklagten begründeten Milderungsgründe eine empfindliche Strafe fordere, die er mit f ü n f I a h r e n Zuchthaus beantragte. Die Große Strafkammer verurteilte den Angeklagten unter Anrechnung der erlittenen Untersuchungshaft wegen Sittlichkeitsverbrechens in Tateinheit mit Körperverletzung zu einer G e f ä n g - nisftrafe von zwei Jahren. — Nur mit Rücksicht auf das freie Geständnis als dem Ergebnis einer Jahre hindurch empfundene Reue habe das Gericht, so führte der Vorsitzende aus, dem Angeklagten mildernde Umstände zugebilligt. Kreis Wetzlar. '+' Rodheim a. d. Bieber, 24. Juni. Bei herrlichstem Sommerhimmel fanden am Samstag auf uriserm Waldsportplatz die Wettkampfveranstaltun- aen statt. An den Kämpfen beteiligt waren die Knaben und Mädchen der. Gemeinden Bieber, Fellingshausen, Rodheim und Vetzberg. Vor dem Abmarsch auf den Kampfplatz fand auf dem Schulhofe im Beisein der Lehrerschaft und der Hilfsmannschaften eine feierliche Flaggenhissung statt, bei der der Führer des Jungvolk-Fähnleins „Richthofen" Karl Medenbach eine begeisterte Ansprache hielt. Sprechchor und Gesang umrahmten die Feier. Dann marschierte die Jugend zum Sportplatz, um hier Körperkraft und Gewandtheit zu messen. Der vorgeschriebene Mannschaftsdreikampf zeitigte recht befriedigende 'Ergebnisse. Von den 116 organisierten Knaben erreichten 87 Knaben die Mindestpunktzahl von 180 Punkten, desgleichen von 62 Mädchen = 36. Bei den Nichtorganisierten Kämpfern errangen von 62 Knaben = 18 und von 75 Mädchen = 47 die Siegespalme. Nach Abschluß des Kampfes versammelte sich die gesamte Jugend dann wieder auf dem Schulhofe, um hier eine Schlußkundgebung zu veranstalten, bei der wieder Fähnleinführer Medenbach die Ansprache hielt. Ein begeistertes „Sieg Heil!" auf den Führer und den Reichsjugendführer beendete die kurze Feier. — Am gestrigen Sonntag marschierte in früher Morgenstunde die schulentlassene Jugend bis zum vollendeten 18. Lebensjahre zum Sportplatz in Krofdorf, um dort zum Wettkampf anzutreten. — Am Sonntagabend versammelte sich die gesamte Jugend von Bieber, Fellingshausen, Rodheim und Vetzberg auf „Röllscheid", um hier ihre Sonnenwendfeie? abzuhalten. Auch zahlreiche Erwachsene waren erschienen. Wie einst unsere Vorfahren, so umstand die Jugend die Feuer voll lodernder Begeisterung für Volk und Führer. Kampfgesänge erklangen, Mädchen umtanzten die Feuer, sangen ihre Lieder, trugen Sprechchöre vor. Die Organisation der Landarbeiter und dauern. Die LandesbauernschastHessen-Nas- s a u teilt mit: Noch immer herrscht in vielen Kreisen unserer Landbevölkerung eine gewisse Unkenntnis über die Zugehörigkeit des deutschen Landarbeiters zum Reichsnährstand bzw. über die evtl. Mitgliedschaft zur Deutschen Arbeitsfront. Deshalb erscheint es notwendig, erneut auf die Verfügung des Stellvertreters des Führers vom 6. Februar 1935 hinzuweisen, in der es unter 5. heißt: „Landarbeiierfragen: a) Organisatorische Eingliederung. Das Reichsnährstandsgesetz bestimmt die Eingliederung der Landarbeiter in den Reichsnährstand. Darüber hinaus können die Landarbeiter auch der Deutschen Arbeitsfront angehören. Die Regelung der Beitragsfrage bei Doppelmitgliedschaft wird so bald wie möglich in einer für die Landarbeiter tragbaren Form zwischen dem Reichsbauernsührer und dem Leiter der Deutschen Arbeitsfront erledigt." Auch der Leiter der Deutschen Arbeitsfront, Pg. Staatsrat Dr. Ley, führte in einer Veröffentlichung über den ftänbijjpen Aufbau am 7. Juni 1933 folgendes aus: „Das Landvolk nimmt in unserer Nation eine Sonderstellung ein. Es ist nicht Unternehmer im landläufigen Sinne, da der Bauer, wie das neue Erbhofgesetz besagt, Hüter und Walter des Sippengutes ist, und well das Blühen und Gedeihen seines Hofes nicht allein abhängig von seiner Tätigkeit und seinem Fleiß ist, sondern auch zum Teil von den Gewalten der Natur. Die Naturgewalten vernichten oft dem Fleißigsten und Tüchtigsten das Ergebnis seiner Arbeit. Es ist klar, daß der neue Staat nicht nach liberalistischen Gesichtspunkten diesen Bauern der Vernichtung preisgeben darf, sondern die Pflicht hat, ihm zu neuem Aufstieg und zu neuem Glück zu verhelfen. Der Bauer gehört auch deshalb nicht in die Deutsche Arbeitsfront, weil er nicht durch Schulung, ganz gleich welcher Art, zu seinem Volkstum erzogen werden kann, sondern einzig durch die Liebe zum Boden und durch das mystische Verhältnis von Rasse und Blut und Boden. Deshalb nimmt er aus all diesen Gründen eine Sonderstellung ein." Daraus geht klar hervor: Die Mitgliedschaft bei der Deutschen Arbeitsfront ist eine freiwillige Angelegenheit jedes einzelnen. Es ist infolgedessen ungesetzlich, auf den Landarbeiter oder Bauern einen moralischen oder wirtschaftlichen Druck auszuüben, neben der gesetzlichen Mitgliedschaft im Reichsnährstand noch die Mitgliedschaft in anderen Berufs- oder Arbeitsorganisationen zu erwerben. Die Fübrer der örtlichen HI. und JV.-Organisation hielten Ansprachen und verkündeten die Preisträger aus den Kämpfen. I Groß-Rechtenbach, 24. Juni. Dieser Tage fand im Saale der Gastwirtschaft Schnorr die Generalversammlung der hiesigen Spar- und Kreditkasse statt. Die Versammlung war gut besucht und wurde von dem Vorsitzenden, Landwirt Friedrich Müller VI. eröffnet. Es wurde darauf hingewiesen, daß sich die genossenschaftliche Verschmel- zuna der'beiden Dorfgenossenschaften als gut erwiesen habe und daß es nunmehr wieder aufwärts gehe. Nur müßte ein jeder Dorfgenosse seiner Dorfgenossenschaft die Treue halten. Kreisstellenleiter Oberevisor Berg (Wetzlar) trug im Auftrag des Aufsichtsrat die Bilanz vor und gab den Revisionsbericht der gesetzlichen Revision bekannt. Die Bilanzsumme betrug im abgelaufenen Geschäftsjahr 383 500 Mark» Vorstand und Aufsichtsrat wurde Entlastung erteilt. Es wurde beschlossen, den Reingewinn dem Reservefonds zuzuschreiben. Kreisstellenleiter Berg hielt dann noch einen Vortrag über echtes Genossenschaftswesen. Er wies darauf hin, daß wir wieder zum Urkern und Urwesen der deutschen Genossenschaft zurück'kehren müßten, Gemeinschaftssinn und Gemeinschaftsgeist müsse in den Genossenschaften herrschen. Bürgermeister Langsdorf ergänzte 'diese Ausführungen mit einigen Worten und wies dann noch darauf hin, daß jetzt die Viehverwertungsaenossenschaft für den Kreis Wetzlar auch Nützviey vermittle. Mit einem Gruß an den Führer wurde der offizielle Teil der Generalversammlung geschlossen. ch Lützellinden, 25. Juni. Am Samstag brachte der hiesige Männergesangverein dem 1. Vorsitzenden Wilhelm Jung und dem 2. Vorsitzenden Karl Schuchmann in Dankbarkeit und Anerkennung für 25jährige aktive Mitgliedschaft je ein Ständchen dar. Die beiden Jubilare sind langjährige Vorstandsmitglieder. Sie wurden durch kurze Ansprachen geehrt und zu Ehrenmitgliedern ernannt. Anschließend verlebte der Verein im Vereinslokal ,iAit seinen neuernannten Ehrenmitgliedern einige unterhaltsame Stunden. I Dornholzhausen, 25. Juni. In unserem Dorfe herrscht in diesem Jahre eine rege Bautätigkeit. Am Ortsausgang werden zwei neue Wohnhäuser errichtet, die bereits im Rohbau fertig- gestellt sind; zwei weitere Wohnhäuser sollen noch im Laufe dieses Jahres gebaut werden. Einem der Bauherren ist der Bau eines Wohnhauses dadurch ermöglicht worden, daß ihm von der Deutschen Bau- und Siedlungsgemeinschaft in Darmstadt ein zinsfreies Darlehen zugeteilt wurde. — Unsere Gemeinde, die lange Jahre erheblich mit Wahlfahrtsausgaben belastet war, ist jetzt auch, nachdem der letzte Unterstützungsempfänger in Arbeit und Brot gebracht ist, frei von Arbeitslosen. △ Hochelheim, 25. Juni. In der jüngsten Tagung der Gemeinderäte wurde über den Erlaß einer Satzung über die Art der öffentlichen Bekanntmachungen beraten. Nach der im Anschluß an die Beratung vom Bürgermeister erlassenen Satzung erfolgen die öffentlichen Bekanntmachungen in der Gemeinde durch Aushang im Gemeindebekanntmachungskasten auf die Dauer von mindestens einer Woche. Auf die zum Aushang kommenden Bekanntmachungen wird durch Aus- fchellen hingewiesen. Es bleibt einbenommen, den Wortlaut einer Bekanntmachung neben dem Aushang durch Ausschellen bekanntzugeben. Die neue Satzung tritt am 1. Juli in Kraft. Kreis Warburg. Lpd. Marburg, 25.Juni. Bei der Steinmühle, unweit Cappel, wurde eine männliche Leiche aus der Lahn geländet. Ob der Tote, der aus Ober- g l e e n bei Gießen stammen soll, einem Unfall zum Opfer fiel oder sich selbst das Leben nahm, muß noch geklärt werden. Kreis Biedenkopf. LPD. Biedenkopf, 25. Juni. In der Biedenkopfer Kirche fand man einen alten und gut erhaltenen Gr ab st ein aus dem 17. Jahrhundert, eine Sandsteinplatte, auf der der Sohn eines früheren Pfarrers in Lebensgröße kunstvoll dargestellt ist. Aus den Inschriften geht hervor, daß der Mann zur damaligen Zeit als Rechtsgelehrter in Thüringen und Hessen einen Namen hatte, obwohl er nur 23 Jahre alt geworden war. Er wurde 1650 in Biedenkopf geboren und starb 1674 in Oberhörten. Der Fund wird einen würdigen Platz im Gotteshause erhalten. Lpd. Biedenkopf, 25. Juni. In der Nacht zum Montag kam der Former Heinrich Schäfer aus Wallau in der Nähe des Kreisortes Gönnern mit seinem Motorrad zu Fall. Er wurde dabei schwer verletzt und mußte ins Krankenhaus nach Dillenburg gebracht werden. Auch die Soziusfahrerin erlitt Verletzungen und fand Aufnahme im Krankenhaus. Tagung des hessischen Sondergerichts in Mainz. LPD Mainz, 25. Juni. Das hessische Sondergericht beschäftigte sich in einer in Mainz abgehaltenen Sitzung mit mehreren Vergehen gegen § 1 des Gesetzes vom 20. 12. 1934 zur Abwehr heimtückischer Angriffe gegen die Reichsregierung und die NSDAP.. , , Der 56jährige Otto Stumpf aus Frankenthal, zurzeit in Worms in Haft, äußerte sich im Mai d. I. in einer Wirtschaft in Osthofen in unwahrer und die Tatsachen gröblichst entstellender Weise über den Führer und die Reichsregierung. Wie er jetzt angab, will er damals sinnlos betrunken gewesen sein und von nichts mehr wissen, auch nicht, daß er Polizei- und Gefängnisbeamten heftigen Widerstand leistete. Er wurde zu fünf Monaten Gefängnis verurteilt. Ein ganz gefährlicher Hetzer in der Person des 57 Jahre alten Theodor Bergmann aus Bremen, zurzeit in Worms in Haft, erhielt ein Jahr und sechs Monate Gefängnis. Der Angeklagte hatte am 22. Mai d. I. in einer Wirtschaft in Ober-Flörsheim zunächst die Gäste provoziert, indem er den deutschen Gruß verneinte, und dann Kritik an ihm geübt. Dann beleidigte er in niederträchtiger Weise und durch ^unwahre Behauptungen den Führer und die NSDAP. Als ein verständnisloser Schwätzer hat sich der 26 Jahre alte Hein Schmidt aus Dresden, der sich gegenwärtig in Ober-Ingelheim in Haft befindet, erwiesen. Er hatte im Mai d. I. in Nieder- Ingelheim geäußert, daß die Blättermeldungen bezüglich der Arbeitslosigkeit unwahr seien usw, Schmidt wurde zu einem Monat Gesang- n i 5 verurteilt. Odenwaldsteine für das Tannenbergdenkmal. Auf der Suche nach einem geeigneten Gestein für die beiden Riesengestalten der Feldgrauen, die den Eingang zur letzten Ruhestätte Hindenburgs im Tannenberg - Denkmal bewachen sollen, machte man im Odenwald einen Stein ausfindig, der nach Farbe, Härte und vor allem Größe geeignet erscheint. Diese kristalline Gesteinsart, fachlich „Brandaurot" genannt, wird im Steinbruch Schönberg bei Eberbach gebrochen. Gegenwärtig werden je drei Blöcke für die beiden Kolossalstatuen ausgesprengt und roh behauen. Jeder Block hat ein Gewicht von etwa 600 Zentnern. Für den Bahntransport müssen besondere Fahrzeuge gebaut werden. — Die sechs mächtigen Blöcke sollen bis Oktober abgeliefert werden. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Im Bereich der gleichförmigen Luftdruckvertei- lung und begünstigt durch die heiß-schwüle Witterung kam es auch am Dienstag wieder zur Ausbildung örtlicher Wärmegewitter. Inzwischen ist unter Luftdruckanstieg etwas frischere Meeresluft aus Südwesten eingedrungen, die zur Ausbildung' eines kontinentalen Hochdruckgebietes führte. Bei der starken Erhitzung ist ihm aber keine längere Lebensdauer befchieden, so daß wieder mit dem Einsetzen neuer Gewittertätigkeit gerechnet werden kann. Aussichten für Donnerstag: Vielfach heiter, tagsüber warm und schwül, später aufkommende Gewitterneigung, veränderliche Winde. Aussichten für' Freitag: Meist wolkig und vielerorts Gewitter oder Gewitterregen, etwas frischer. Lufttemperaturen am 25. Juni: mittags 30,4 Grad Celsius, abends 22,2 Grad; am 26. Juni: morgens 21,1 Grad. Maximum 31,1 Grad, Minimum 16,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 25. Juni: abends 24 Grad; am 26. Juni: morgens 21,1 Grad. — Sonnenscheindauer 13,6 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für Den übrigen Teil i. V.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 35: 10151. Druck und Verlag: Brühl'iche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.°G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Ps. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. Herzlichen Dank für die innige Anteilnahme beim Tode unseres lieben Entschlafenen. Anna Büchner und Familie. Gießen, den 26. Juni 1935. 3778 D Trinkt . Schlüter-Kaffee und bleibt dabei I In Original-Packung bei Ihrem Händler erhältlich I 3622 A Donnerstag, den 27. Juni, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich an Ort und Stelle (Bekanntgabe erfolgt im Versteigerungslokal, im „Löwen", Neuenweg 28 dahier) zwangsweise gegen Barzahlung: 2 elektr. .Kühlschränke, 1 Klavier, 1 Teppich, 1 Bücherschrank, zwei Standuhren, 4 Schreibtische, zwei Sessel, 2 Chaiselongues, 2 Sofas, 1 Kautsch, 1 Grammophon, 1 Vervielfältigungsapparat, 4 Schreibmaschinen, 2 Büfetts, 1 Warenschrank, 1 Küchenbüfett, 1 Kred enz, 1 Tisch, 1 Ständerlampe, 1 Tischlampe, 1 Kleiderschrank, Autoöl, Metallputz, 1 Opelwagen, Kar- tosselauetschen, Zugketten, Wärmstaschen, Schoßkaffeemühlen, Bestecke, Herdputz, 4 Mantelkessel, 1 Räucheravparat, 200 Kilo Bindedraht, 40 Kilo Kaltleim, 1 Jauchepumpe. 377J)O Wüll Gerichtsvollzieher in Gießen ♦ilvU Ludwigstratze 33 Tel. 3239. Tanz-üoteinciit! Mein diesjähriger Taus-Kursus in Lollar 3777 D beginnt am Samstag, dem 29. Juni, abends 8 Uhr, im Saale v. Gasth. „Germania“ Gefl. Anmeldungen i. 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Bisher trugen die Kraftwagen nur ihre eigenen Namen mit stolzen, § rohen Lettern auf der schwarzen, kreisrunden stäche. Man wußte dann wenigstens, von welcher Marke man überholt worden, oder wem man unter Bremsquietschen hinten aufgefahren war. Vielfach sieht man auch die Verzweiflungstanks der Fahrschulen mit der Firmeninschrift geschmückt. Das heißt, daß man Rücksicht nehmen und nicht schimpfen soll, wenn die Fahrer dieser Wagen eine Technik auf das Pflaster legen, daß selbst die Verkehrsschutzleute von der Schutzinsel springen, um ihr Leben zu retten. Aber wir haben ja alle einmal anfangen müssen und haben in einem solchen Wagen im Vorwärtsfahren den Rückwärtsgang eingeschaltet, daß dem Fahrlehrer die Haare aufwärts standen und er den Bremshebel abwärts riß. Jetzt aber sieht man Wagen fahren, auf denen eine Hupen-Firma den ebenso sinnigen wie anmutigen Vers anbringen ließ: „Hörten Sie den guten Ton? Ich hupe nur mit Egafon!" Welche Aussichten eröffnen sich da für unsere Werbeleiter, von denen ihre Vorgesetzten doch verlangen, daß sie täglich platzen, wie der Fachausdruck lautet: Platzen von neuen Gedanken und Plänen. Wobei sich die sinnwidrige Naturerscheinung ergibt, daß nur ein geplatzter Werbeleiter abgeschlossene Begabung zeigt. Besonders für den Auspuff wird sich diese Werbung gut eignen. Es gibt gewiegte Fahrer, die eine so feine Nase haben wollen, daß sie am Auspuff Marke und Güte des Treibstoffs zu erkennen vermögen. Vor allem wollen sie durch Schnuppern feststellen können, ob es sich um deutsches oder ausländisches Benzin handelt. Da wäre doch der Spruch angebracht: „Riechen Sie den feinen Duft? Das ist deutsche Marken-Luft!" Auch für das Del kann sinnig geworben werden: „Die paar Flecken und das Gegröle? Das danken Sie dem Atlas-Oele!" Sehr beruhigend, aufklärend und besänftigend wird dieser Vers wirken: „Sie können den Ruck jetzt wohl begreifen! Ich überfuhr Sie mit Vollkraft-Reifen!^ Oder für Bremsen: „Hörten Sie das Gekreisch und Gequietsch? So wirken Bremsen von Emil Pietsch!" Nachts könnte man in dem Lichtkegel der aufgeblendeten Lampen die flackernde Schrift leuchten lassen: „Sie sehen nichts vor Augenschmerzen! Ich habe Meiers Mammutkerzen!" So würde das Straßenbild durch „sinnige" Inschriften bedeutend gewinnen. Nur allzu gern belächeln wir aus unfern großen Kanonen heraus die kleinen Muckepinnen, auch Straßenflöhe benannt. Wir würden aber nicht lächeln, wenn sie die Inschrift tragen würden: „Lachen Sie nicht! Er ist bezahlt?" Man muß die Schrift aber in allen Fällen ziemlich groß wählen, denn jener Fahrer hatte Recht, der sich in nicht allzu großen Buchstaben auf die Schutzhülle des Ersatzreifens den Spruch schreiben ließ: „Wenn Sie dies lesen können, Ist es schon zu spät!" P. K. Qaten für den 27. Juni. 1856: Joseph Meyer, Gründer des Bibliographischen Instituts, in Hildburghausen gestorben (geboren 1796); — 1882: der Kulturphilosoph Eduard Spranger in Groß-Lichterfelde geboren. Vertrauen schaffen zwischen Hausfrau und Hausgehilfin... Aufteilung der Zachgruppe der Hausgehilfinnen in vier Ortsgruppen. Die Monatsoersammlung der Fachgruppe der Hausgehilfinnen, die gestern abend im „Caf6 Ebel" stattfand und sehr gut besucht war, bildete den Anfang neuer, intensiver Arbeit zur Erlangung der Hausgemeinschaft zwischen Hausfrau und Hausgehilfin. Die jetzt mit der Führung beauftragte Kreiswalterin Frl. Reichert gab die Richtlinien hierfür an. Zunächst wurde zur besseren Erfassung der Mitglieder die Aufteilung in vier Ortsgruppen, deren Bezirke, die der Parteiortsgruppen entsprechen, oorgenommen. Mit der Ortsgruppenführung wurden beauftragt: Norden: Frl. Elise Wall, Stellvertr.: Irma Nessel und Drtrun Mickel; Süd: Gretel Sack, Stellvertr.: Hedwig Jäger; D st: Minna Brauer, Stellvertr.: Paula Müller; Mitte: Mariechen H a s e n z a h l, Stellvertr.: Hertha Kühne. Es finden ab sofort 14täglich jeweils Dienstags Heimabende statt, und zwar für die Ortsgruppen: Nord und Mitte im „Cafe Ebel" (unterer bzw. oberer Saal); für Ost in der „Stadt Lich" und für Süd im „Gambrinus". Die Heimabende sollen durch Darbietungen aus den eigenen Reihen jedes einzelne Mädchen zur Mitarbeit anregen. Es werden Vorträge, musikalische oder literarische Darbietungen eventuell auch von Stadttheater-Mitgliedern geboten, Spaziergänge unternommen, oder gemeinsam mit der NSG. „Kraft durch Freude" Veranstaltungen vereinbart. So sollen die Abende die Freistunden in nützlicher Weise ausfüllen. Die Einteilung in Ortsgruppen solle — so wurde unter anderem ausgesührt — aber nicht nur die Durchführung solcher Heimabende ermöglichen, sondern auch dazu dienen, jede noch nicht der DAF. zugehörige Hausgehilfin zu erfassen. Zu diesem Zwecke würden von der PO. und der DAF. beauftragte Vertreter die einzelnen Haushalte aufsuchen. Dabei würden sie nicht nur nach der Zugehörigkeit zur DAF. fragen, sondern auch gleichzeitig die Wohngelegenheiten der Mädchen besichtigen und ihre Wünsche und evtl. Beschwerden: entgegennehmen. Der Zweck sei nicht eine Hetze gegen die Hausfrau, sondern die Anbahnung einer auf gegenseitigem Vertrauen beruhenden Hausgemeinschaft. Schließlich sei die Hausgehilfin die angehende Hausfrau und Mutter. Die DAF. wird von ihrer Seite aus das Verständnis fördern helfen durch Schulung der Mädchen, durch Ausbildungskurse usw., damit auch die Mädchen ihre Pflicht durch entsprechende Leistungen erfüllen können. Dann würden sich auch die Lohn- und die Urlaubsfragen besser regeln lassen, das Verhältnis untereinander werde ein ganz anderes werden, wenn es von gegenseitigem Vertrauen getragen sei. Zur Förderung dieses Vertrauens sollen gemeinsame Abende der Hausfrauen und der Hausgehilfinnen abgehalten werden, damit die Hausfrau einmal sieht, wo und wie ihre Hausgehilfin den Abend verbringt und damit das Band der Kameradschaft und Gemeinschaft auch durch gemeinsam erlebte, anregende Stunden gefördert wird. Für Jugendliche sind Ausbildungskurse im Kochen, Nähen und in Säuglings- und Krankenpflege schon jetzt eingerichtet. Pg. Adam sprach sodann über die Unterstützungseinrichtungen der DAF. unter besonderem Hinweis auf die Jn- validenversictierung. Diese könne zugleich mit der Mitgliedschaft zur DAF. auch nach der Berufsaufgabe weitergeführt werden und sichere der späteren Hausfrau die Anwartschaft auf eine Unterstützung. Die Unterstützung durch die DAF. sei hierbei wie bei allen anderen Wohlfahrtseinrichtungen eine zusätzliche. Der Redner verwies auf die Richtlinien, in denen besonders die Urlaubsfragen eingehend geklärt seien. — Der Kreiswalter der OAI., pg. Wagner gab die Beauftragung der Kreiswalterin Frl. Reichert mit der Führung der Fachgruppe bekannt. Er sprach dem bisherigen Leiter Z o tz, der durch eifrige und pflichtbewußte Arbeit sich großes Vertrauen erworben hat, Dank und Anerkennung aus. In eingehender Weise behandelte er die ideelle Art der Arbeit für den fchaffenden Menschen, durch die die DAF. die Volks- und Leistungsgemeinschaft verwirklichen will. Erst durch die Erfassung jedes einzelnen zur Mitarbeit am Aufbauwerk werde auch die Hausfrau auf ihrem so wichtigen Platze als Mutter und Erzieherin, aber auch als Kameradin des Mannes und Volksgenossin, durch deren Hände z. B. der größte Teil des Arbeitseinkommens der Nation gehe, mithelfen können an der Gesundung von Volk und Staat. Der Blick auf die großen Aufgaben werde dann auch die Bereinigung der kleinen, organisatorischen Fragen zwischen Hausfrau und Hausgehilfin fördern. Zur Urlaubsfrage sagte der Redner noch, daß diese in den weitaus meisten Fällen sehr vernachlässigt sei. Der Urlaub müsse angetreten und dürfe nicht durch Entgelt umgangen werden; denn er sei nicht nur vom sozialpolitischen, sondern in erster Linie vom ärztlichen Standpunkt aus geschaffen worden. Die Arbeitsfront wolle die Hausfrau und die Hausgehilfin 3U= sammenführen; denn sie bildeten nicht nur die Hausgemeinschaft, sondern beide zusammen feien ein wichtiges Glied der Volksgemeinschaft, die zu fördern erste Pflicht des Nationalsozialismus ist. — Gemeinsame Gesänge schlossen den anregenden Abend. Deutsche Arbeitsfront. Verwaltungsstelle 19 Gießen. An sämtliche Ortsgruppen- und Betriebsgemein- schaftswalter des Kreises Gießen! Im Monat Juli bzw. Anfang August werden die Mitgliedsbücher zwecks Umschreibung eingezogen. Wir machen den Ortsgruppen- und Be- triebsgemeinschaftswaltern zur Pflicht, sämtliche Mitglieder zur Zahlung ihrer Rückstände aufzufordern, damit ihre alten Rechte gewahrt werden und ihre Mitgliedschaft nicht gefährdet ist. Es werden voraussichtlich nur Mitgliedsbücher zur Umschreibung eingezogen, wenn die Beiträge restlos entrichtet sind. Heil Hitler! Verwaltungsstelle 19. Orlsgruppenwalkung Giehen-Osl. Am kommenden Montag, I.Juli, abends um 8% Uhr, findet in der Gastwirtschaft Burckhardt, Kaiserallee, unser monatlicher Appell statt. Es ist selbstverständlich, daß sämtliche Block-, Zellen- und Betriebswalter an diesem Abend erscheinen. Entschuldigungen können nur in dringenden Fällen angenommen werden. NS.-Leürerbuni>, Gießen. Geschichtliche Fachschaft. Freitag, 28. Juni, 17.30 Uhr, am Museum. Gegenstand: Bronce- und Eisenzeit. Abteilung „höhere Schule". Neusprachliche Arbeitsgemeinschaft. Die nächste Sitzung findet am Freitag, 28. Juni, 16 Uhr, in der Oberrealschule statt. Oer Führer sprach mit uns...! Das schönste Erlebnis zweier Gießener Mädels ? in ihrem Urlaub mit „Kraft durch Freude"« Als wir mit „Kraft durch Freude" an den herks liehen Chiemsee fuhren, dachten wir, daß es gewitz eine Ferienfahrt wie jede andere sein würde, mit guter Laune und Sonnenschein. Wir machten dan« auch herrliche Ausflüge und fanden die Natur be* zaubernd! Wieder hatten wir eine Autotour vor, nach Berch« tesgaden und dem Königssee. Jeder verknüpft wohl heute innig Berchtesgaden mit dem Führer. Sein Haus sahen wir am Obersalzberg liegen. Wir all- dachten, eigentlich könnten wir wohl unseren Füh- rer einmal sehen, aber warum sollten wir gerad- die Glücklichen sein. Tatsächlich hörten wir nun in Berchtesgaden, der Führer sei von München aufgebrochen. um nach Berchtesgaden zu fahren. Wir achteten bei der Heimfahrt weniger auf die schön- Umgebung, da wir jedes Auto genau betrachteten. Wir kamen nun mit unserem Autobus bis zum Hause Lambach am Chiemsee. Haus Lambach ist ein Gasthaus, in dem der Führer zur Zeit der Verfolgung und des Kampfes Unterschlupf gefunden hatte. Auch das Zimmer, in dem der Führer sich damals aufhielt, sahen wir uns an. Vor dem Gasthof herrschte reger Verkehr, und es hieß, der Führer käme heute noch nach Haus Lambach. Di- meisten Gäste glaubten es nicht und fuhren weiter. Unser Fahrer riet uns dringend zu warten, denn der Führer käme bestimmt, er habe dies aus sicherer Quelle. Voller Erwartung und Herzklopfen standen wir vor der Tür des Gasthauses. Auf einmal hörten wir von ferne schweres Brummen der Motoren und sahen das helle Licht der Scheinwerfer. — Tatsächlich, unser Führer kam! Er winkte uns freundlich zu und ging ins Haus Lambach. Doch wir riefen und jubelten ihm unser Heil entgegen, so daß er bald wieder zu uns kam, jedem seine Hano mit festem Druck reichte und uns fragte, woher wir seien. Die Wirkung seiner Persönlichkeit ließ uns erschauern, wir haben irgend etwas zusammengestottert: „Mit Kraft durch Freude — aus Gießen — Oberhessen"! Es war das schönste Erlebnis unserer Ferienfahrt. Noch heute klingt in uns das Erleben nach: „Wir haben unseren Führer gesehen, er hat mit uns gesprochen!" Mitgeteilt von Elisabeth Kl i n g e l h ö f e r. y*. Die deutsche Arbeitsfront v*?! n.9.=0cmcinf(haft„firaftdurch Freude" Omnlbusfahrl am Freilag, 28. 3unl, nach Marburg zum Besuch der Festspiele. Fahrpreis einschl. Eintrittspreis 2,30 Mark. Dieser Preis ist außerordentlich billig. Die regulären Preise für die Plätze, die wir bekommen, sind 1,50 bis 3 Mark. Zur Aufführung gelangt: „Die lustigen Weiber von Windsor". Abendmusik auf dem Schiffenberg und Schiffenbergfesl am 29. und 30. Juni. Am kommenden Samstag findet in der Klosterkirche auf dem Schiffenberg eine Abendmusik statt, die von dem Akademischen Gesangverein und dem Collegium musicum der Universität unter Mitwirkung einiger Berufsmusiker gespielt wird. Die Leitung hat Professor Temesvary. Zur Aufführung gelangen drei Werke von Mozart: „Ave verum“, für Orchester und Chor, eine „Serenade für Streichorchester und Pauke" und „Geistlicher Lob- gesang". Das Konzert beginnt bei Eintritt der Dunkelheit, also gegen 21 Uhr. Der Eintrittspreis beträgt 30 Pf. Am Sonntag, 30. Juni, 15 Uhr, findet das Hei: matfeft auf dem Schiffenberg statt. Bei Konzert, Tanz, Volksliedersingen, Preisschießen und Kinderfest wollen wir einen schönen Sonntag verbringen. Der Eintrittspreis beträgt 20 Pf.; das Tanzbänd- chen kostet 50 Pf. Gießener Gtaötiheater. Lustiger Abend: Gustav Jacobs. Die Leute, die fichs gestern abend trotz hochsommerlicher Temperatur nicht hatten verdrießen lassen, ins Theater zu gehen, werden es kaum bereut haben und dürften zwei Stunden lang auf ihre Kosten gekommen sein. Der bekannte Humorist und Vortragsmeister Gustav Jacoby hatte seinem Publikum mit der Devise „Zwei Stunden Lachen" nicht zuviel versprochen; er fand gleich zu Anfang den richtigen Ton und den nötigen Kontakt mit dem Zuschauerraum, und zuletzt war die Stimmung so gestiegen, daß alle Besucher ein gemeinsames Lied mit Schunkeln anstimmten, und des Beifallsgetöses war überhaupt kein Ende. Es wurde allerdings auch, wie man hier zu sagen pflegt, was geboten. Die Vortragsfolge war reich bestellt und begann mit dem unterhaltsamen Kapitel „Ein Blick in die Welt der Kuriositäten", worin neben vielem andern vom Kölner Karneval, von der Steuer und vom Kindersegen, vom Mann mit den zwei Herzen und von den Vollbärten in Philadelphia die Rede war. Es wird ja wohl niemand von uns erwarten, daß wir ihm hier hinterher noch einmal die ganze Vortragsfolge servieren; das ist nicht unsere Sache, wir können es auch gar nicht, und wer nicht dagewesen ist, hat es sich selber zuzuschreiben. Herr Jacoby ist nämlich fürwahr ein lustiger und gesprächiger und unterhaltsamer Mann; er schüttelt das alles — wie es scheint — nur so aus dem Aermel; er strotzt von Witzen und Geschichten, und immer eine Pointe hinter der andern her. Wir können also nur einiges aus dem zweistündigen Programm festhalten, was uns besonders gelungen schien, wie etwa der aktuelle Gesang mit rheinischem Einschlag „Unser Hermann"; im Kapitel von der hohen Politik wimmelte es überhaupt von Namen und Anspielungen, daß es manchem vielleicht nicht ganz geheuer war; aber den naheliegenden Zwischenruf: „Gustav, Gustav!" machte der Vortragende selber und gab auch sonst beruhigende Erklärungen ab. Schön war die mimisch und mundartlich belebte volkstümliche Thoma-Episode vom Kohlenwagen, spielend in München 1912. Ueberhaupt war noch mehrfach vom Verkehr die Rede, von der Himmels- schrift und vom Fußgänger, vom Fräulein vom Amt, vom Wecker und vom Kragenknöpfchen, von David und Goliath und Jacoby. Zuletzt gab es einen heiteren Streifzug durch die deutschen Landschaften mit schwäbischen, bayerischen, berlinerischen und sächsischen Geschichten und Witzen; zum Teil starker Tobak, aber alle von ausgesprochener Publikumswirkung. Die Leute wollten sich am Ende gar nicht von den Plätzen erheben und ruhten nicht, bis sie mehrere Zugaben erklatscht hatten, darunter auch die wirklich erhebende Geschichte vom Mainzer Rosenmontagszug, vom Fensterplatz und vom „Rollo". hth. Die Kamera als Reisebegleiterin Bon Herbert Starke, Äerlin. Wer die Ferientage voll ausschöpfen will, soll in der Auswahl seiner Reisegefährten vorsichtig sein. Ein Reisebegleiter, der nicht enttäuscht, auf den man sich verlassen kann, wenn man ihn zu behandeln versteht, ist der P h o t o a p p a r a t. Ihm können wir unsere schönsten Eindrücke anvertrauen, um sie für die Tage der Rückkehr unverlierbar auf- ^ubewahren; er lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das Schöne um uns und schärft uns den Blick für Menschen und Dinge. Für den, der die Einsamkeit der Natur sucht, ist die Kamera ebenso eine dankbare Begleiterin wie für die fröhliche Wandergruppe oder die glücklichen Eltern, denen sie Erinnerungsbilder vom fröhlichen Treiben ihrer Kinder in Der Sommerfrische gibt. Wie ein lebendes Wesen verlangt auch die Kamera auf der Reise eine verständnisvolle Behandlung und rücksichtsvolles Eingehen auf ihre Eigenart. Schon die äußere Pflege ist ein Punkt, dessen Vernachlässigung das Gelingen der Ferienaufnahmen in Frage stellen kann. Wer etwa den ganzen Tag über am Strande mit offener Kamera in der Hand herumläuft, braucht sich nicht zu wundern, wenn eines Tages unbemerkt der Verschluß versagt und der Film keine Spur von Belichtung zeigt. Der feine Seesand, der namentlich bei windigem Wetter aufgewirbelt wird, setzt sich zwischen die Lamellen oder das Räderwerk des Verschlusses und führt sein Versagen herbei. Halb- mondförmige helle Flecke in der Bildmitte sind auf solche Einwirkungen des Sandes zurückzuführen und entstehen durch unvollständiges Schließen der Lamellen. Darum soll der Photoliebhaber an der See seine Kamera stets in verschlossener Ledertasche oder im Beutel mit sich führen und sie nicht stundenlang in einer Ecke der Sandburg stehen Ia®er an der See oder im Gebirge auf gute Wiedergabe der Wolken Wert legt, muß dre Eigenart seines Aufnahmematenals kennen und wissen daß das Bromsilber auf blaue Strahlen ebenso stark reagiert wie auf weiße, wenn nicht das blaue Licht durch Aufsetzen einer Gelb- scheibe gedämpft wird. Erst nach Filterung des Himmelsblaus heben sich die weißen Wolken deutlich auf dem photographischen Bilde vom Untergrund ab. Darum — Wolkenaufnahmen nie ohne Gelbscheibe Nr. 1 ober 2. Die erforderliche Verlängerung der Belichtungszeit beträgt bei der hellen Gelbscheib je nach Art des Filmmaterials das ein- Einhalb- bis Zweifache, bei Gelbscheibe Nr. 2 etwa das Dreifache. Wie die Kamera, verlangt auch die Gelbscheibe eine pflegliche Behandlung. Läßt man sie allzu lange in der Sonne liegen, schmilzt die gefärbte Gelatine zwischen den Gläsern; unscharfe Bilder sind dann die Folge. Bei Gelbscheiben, die in der ganzen Glasmasse durchgefärbt sind, kann diese Erscheinung allerdings nicht auftreten. „Und wenn uns nicht die Sonne scheint, so freu'n wir uns am Regen..." lautet ein weiser Spruch, der auch für das Photographieren gilt. Denn gerade Regen st immungen können die reizvollsten Wirkungen ergeben, wenn die Nässe einen leichten Glanz über das Pflaster und die Dächer breitet oder in den Pfützen des Landweges sich Bäume und Sträucher spiegeln. So kann man auch dem Regentag mit der Kamera feinen besonderen Reiz abgewinnen, während andere Feriengäste tatenlos in der Veranda hocken müssen. Ein Schirm oder ein Gummituch schützt die Kamera bei der Aufnahme vor dem Regen. Vereinzelte Tropfen sind von dem Gehäuse sorgfältig mit einem Stofflappen zu entfernen. Besondere Pflege beansprucht das Stativ, wenn es mit Nässe in Berührung gekommen ist. Um späteres Rosten und Festklemmen der einzelnen Glieder zu vermeiden, reibe man es nach der Rückkehr mit einem fettgetränkten Lappen ab; Schmalz, Talg ober auch Butter eignen sich bazu. Nicht minber sorgfältig behandle man auch die Kassetten auf der Reise. Beim Einpacken in den Koffer oder in den Rucksack verhüte man jeglichen Druck; denn eine Verbiegung des Kassettenschiebers kann zu Schrammen, Kratzern und auch zu störenden Lichteinfällen Anlaß geben. Im übrigen sind Kassetten kein Daueraufenthalt für Platten. Bleiben die belichteten Platten länger als zwei Tage in der Kassette, so setzt eine fortschreitende Verschleierung der Schicht ein, die zu grauen, kraftlosen Bildabzügen führt. Läßt man die Platten nicht unterwegs entwickeln, so verpacke man sie sofort in schwarzes Papier (nicht braunes ober graues Einwickelpapier) und bewahre sie in einer Plattenschachtel auf, die zur Vermeidung von Verwechselungen mit den unbelichteten Platten mit einem Papierstreifen verklebt wird. Die Befolgung dieser kleinen Ratschläge, die nur scheinbar nebensächliche Dinge betreffen, wirt) dem Photofreund mancherlei Enttäuschungen nach der Rückkehr ersparen. Denn schließlich sind doch gerade die Erinnerungen, vor allem die im Bilde festgehaltenen, Reisegewinne, die Jahre überdauern und immer wieder Freude breiten. 3um 70. Geburtstage des Malers Hans Krauß. Der schwäbische Maler Hans Krauß wirt) am 27. Juni 70 Jahre alt Er studierte und wirkte in Stuttgart, München, Florenz und Rom, und ist seit langem in München ansässig. Sein Ruf als bedeutender Porträttst führte ihn in viele deutsche Städte, in denen sich die meisten seiner Werke verstreut im Privatbesitz befinden. 1865 als Sproß einer alten schwäbisch-österreichischen Künstlerfamilie in Stuttgart geboren, wuchs Krauß in einem kinderreichen Lehrerhause am Rande des württembergischen Schwarzwaldes heran. Vom Vater war er zum theologischen Studium beftimmt, aber seine früh erwachte Neigung zur Malerei brach sich Bahn, und so studierte er erst auf der Stuttgarter Kunstschule, später in München. Ein Stipendium ermöglichte ihm eine Jtalien- reife. Fünf Jahre lebte er in Florenz, wo er dem Kreise um Adolf von Hildebrand, Isolde Kurz, Sattler u. a. nahestand, drei Jahre in Rom. Dem jungen aufstrebenden Künstler wurden ehrenvolle Aufträge zuteil. So entsteht eine Reihe bedeutsamer Kopien, und in Neapel bessert er die großen Fresken Hans von Maries im deutschen Mittelmeerinstitute aus. lieber London und Holland kommt er wieder nach Deutschland und läßt sich in München nieder, wo er heute noch ansässig ist. Sein Ruf als Porträtist führte ihn immer wieder in eine Reihe deutscher Städte, in denen sich nun die meisten feiner Werke verstreut im Privatbesitz befinden. Insbesondere hat er in Gießen eine ganze Reche von Porträts geschaffen, die sich in Privatbesitz befinden und kürzlich im Oberhessischen Kunstoerein gezeigt wurden. In seinem Schäften schließt sich Krauß an die Reihe der deutschen Romantiker an. Feiner Natursinn, innere Gehaltenheit und eine sorgfältig geschulte Maltechnik sind die Grundlagen seines Schaffens. Im Porträt hat sich Krauß durch die edel bildhafte und zugleich lebensnahe Auffassung der Persönlichkeit und durch die Sicherheit seiner Formgebung einen begründeten Ruf erworben. Sonderzug zu dem Motorradrennen nach Schollen am 21. Juli. Unter der Voraussetzung, daß eine Gesamtteilnehmerzahl von 800 zusammenkommt, fährt die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" einen Sonderzug zu dem bekannten Motorradrennen nach Schotten. Die Fahrt geht gegen 7.30 Uhr in Gießen ab. Der Fahrtpreis beträgt einschließlich Eintrittspreis zum Rennen 2,35 Mark. Wir fordern die Betriebswarte auf, in allen Betrieben eine Rundfrage aufzustellen, damit in kurzer Zeit die nötige Anzahl Teilnehmer zusammenkommt. Am 28. Juli findet auf dem Nürburgring das Entscheidungsrennen um den großen Preis von DeutMland statt. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" beabsichtigt, einen Sonderzug laufen zu lassen. Die Fahrtkosten belaufen sich auf etwa 5,50 bis 6 Mark. Wir bitten Interessenten, sich umgehend bei den KdF.-Warten zu melden, damit wir einen Ueberblick bekommen. Urlauberzug in die Schwäbische Alb (Lichtenstein). Vom» 27. Juli bis 2. August. Fahrtkosten 24,50 Mark. Die Fahrt geht über Pforzheim, Tübingen, Reutlingen in einen Teil des Schwarzwaldes, der in seiner landschaftlichen Art kaum schöner geschildert werden kann, wie es Hauff in seinem geschichtlichen Roman „Lichtenstein" getan hat. Auch hier werden die Urlauber in herzlicher Gastfreundschaft ausgenommen und können in den Wäldern des Schwarzwaldes die wunderbare Luft genießen, bis sie über Stuttgart die Heimreise am 2. August antreten. Oie arische Abstammung der Dienstpflichtigen. Reichserlah über den Nachweis. Der Reichs- und preußische Minister des Innern hat verfügt: Nach § 40 der Verordnung über die Musterung und Aushebung 1935 vom 29. Mai 1935 soll der Dienstpflichtige zur Musterung u. a. „Nachweise über Abstammung" mitbringen. Es ist davon abgesehen worden, diese Nachweise näher zu bezeichnen, insbesondere ist nicht die Vorlegung bestimmter Standesurkunden verlangt worden. Denn diese Forderung hätte angesichts der Tatsache, daß auch heute noch die wenigsten Volksgenossen im Besitze der standesamtlichen Urkunden über ihre Abstammung sind, innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate zu einer untragbaren Belastung der Standesämter führen müssen. Es ist daher auch nicht angängig, wie dies vereinzelt geschehen ist, daß örtliche Stellen von sich aus die Art der Nachweise über die Abstammung näher bezeichnen. Da es sich bei der Vorschrift über die Beibringung der Nachweise nicht um eine Mußvorschrift, sondern um eine Sollvorschrift handelt, werden in der Regel nur solche Nachweise in Frage kommen, die bereits im Besitze des Dienstpflichtigen oder seiner Angehörigen sind. Insbesondere wird die Vorlage eines Familien st arnrn- b u ch e s in der Regel genügen. Auf strengere Anforderung kann mit Rücksicht darauf verzichtet werden, daß der Dienstpflichtige bei der Musterung nach § 19 der Verordnung vom 29. Mai 1935 eine Erklärung über seine arische Abstam- m u n g abzugeben hat, überdies ein voller Nachweis erst bei der ersten Beförderung erforderlich wird. In § 40 der Verordnung vom 29. Mai 1935 ist lediglich die Vorlage eines Geburtsscheins, nicht einer Geburtsurkunde verlangt. Die Gebühr für die Ausstellung eines Geburtsscheins beträgt nach dem Gebührentarif zum Personenstandsgesetz 20 Pf. Sie kann, wenn dies im Einzelfall angebracht erscheint, auf 10 Pf. herabgesetzt werden und ist bei Unvermögen überhaupt zu erlassen. Das Briefgeheimnis, die post und dein Nachbar. Bei ihrem Zustellpostamt beschwerte sich kürzlich eine Volksgenossin darüber, daß eine Postkarte ohne ihr Einverständnis an die Flurnachbarin abgegeben worden war, so daß die Nachbarin die Karte lesen konnte. Aus diesem Anlaß gibt Postrat W e i h r i ch in der berufsamtlichen „Deutschen Postzeitung" einen interessanten Ueberblick über die zur Frage der Postzustellung und des Postgeheimnisses ergangenen Vorschriften. Danach sind die Postsendungen grundsätzlich entweder dem in der Aufschrift genannten Empfänger oder seinem Bevollmächtigten auszuhändigen. In der Praxis kommt es aber nicht selten vor, daß der Zusteller keinen von beiden antrifft. Um auch dann keine Verzögerung eintreten zu lassen, hat die Deutsche Reichspost in Sondervorschriften u. a. für gewöhnliche Briefsendungen, gewöhnliche Pakete, unversiegelte Wertpakete und Paketkarten die sogenannte Ersatzzustellung geschaffen. Als Ersatzempfänger kommen in Betracht: 1. ein Haus- (Geschäfts-) Beamter, ein erwachsenes Familienmitglied, ein anderer Angehöriger oder ein Hausangestellter des Empfängers ober feines ' Bevollmächtigten, 2. der Hauswirt, der Wohnungsgeber, der Hausverwalter ober bereu Ehefrauen unb 3. ber Pförtner bes Hauses. Gelingt bie Zustellung auch an eine bieser Personen nicht, so bürfen bie in Betracht kommenben Postsenbungen auch sonstigen erwachsenen Hausbewohnern, ja sogar Hausnachbarn bes Abressaten ausgehänbigt werben, wenn beren Zuverlässigkeit dem Zusteller bekannt ist. Als man ber genannten Beschwerbeführerin biese Vorschriften zur Kenntnis brachte, erwiderte sie, das feien ja nette Vorschriften zur Wahrung des Briefgeheimnisses, wert, von ihren Urhebern einmal gründlich nachgeprüft zu werden. Dazu erklärt nun der Referent, daß allerdings in den Vorschriften über die Ersatzzustellung das Briefgeheimnis weniger gewährleistet fei. Man könne aber ber Post baraus keinen Vorwurf machen, benn hier handele es sich ja nur um eine Notmaßnahme, ohne die allerdings die glatte Abwicklung des zugunsten ber Allgemeinheit eingerichteten Postzustellbienstes gar nicht benfbar fei. Entweber muffe ber einzelne bas hinnehmen, ober burch erlaubte Gegenmaßnahmen ausschließen, z. B. Anbringen eines Haus- ober Wohnungsbriefkastens, Erteilung von Postvollmachten, Abholen ber Senbungen von ber Post usw. Auch sollte man eben vertrauliche Nachrichten nicht auf Postkarten verbreiten. Aber auch bann könne man burch ben Vermerk „Einschreiben" ober „Eigenhänbig" sich noch helfen. Uebrtgens seien bie Zustellvorschriften Bestand- teil bes Vertrages, ben bie Post von Fall zu Fall mit bem Absenber schließe, ber burch Aufgabe ber Sendung stillschweigenb ben Beförderungsvertrag anerkennt. vornolizen. — Tageskalenber für Mittwoch. NSLB. Kreis Gießen: 15 Uhr in ber Goetheschule Besprechung der Bezirks- und Schulgruppenobleute. — Oberheffen Kommunalpolitische Tagung in Alsfeld besondere dazu auf, daß heute, wo das deutsche Volk irn schwersten Kampf um seine Gleichberechtigung steht, wir uns auch derer erinnern, die seit Jahren und Jahrzehnten, umbrandet vom fremden Volkstum, draußen für die deutsche Gleichberechtigung in der Welt kämpfen und ihnen im Geiste der nationalen Solidarität die Hand reichen. Für das Auslanddeutschtum sei die nationale Gemeinschaft mit dem Reichsdeutschtum immer lebendig gewesen. Sie müsse deshalb auch für uns lebendig werden. Das Auslanddeutschtum brauche diese lebendige innere Gemeinschaft mit uns, wenn es nicht zugrunde gehen solle. Mit einem warmherzigen Appell an alle Anwesenden zum Eintritt in den Volksbund für das Auslanddeutschtum schloß der Redner seine mit Beifall aufgenommenen Worte. Zur Gründung einer Ortsgruppe des VDA. meldeten sich noch am gleichen Abend 45 Volksgenossen unserer Stadt. Zum vorläufigen Leiter wurde Pg. Wilh. Schäfer ernannt. O Steinheim, 25. Juni. Unter Leitung von Bürgermeister Schmidt wurde heute morgen das Heugras der Gemeindewiesen, insgesamt über 80 Parzellen von durchschnittlich 2000 Quadratmetern, versteigert. Da infolge der vorjährigen knappen Dörrfutterernte die Heuböden leer sind, hatte sich eine stattliche Zahl Interessenten eingefunden. Das Futter war wohl hoch gewachsen, doch fehlten teilweise die süßen Untergräser. Die Preise bewegten sich in normalen Bahnen. Es kostete das Stück besten Futters, für Kuhfutter geeignet, 20 bis 30 RM., während geringere Stücke, deren Futter hauptsächlich als Pferdefutter aufbereitet wird, wesentlich billiger zugeschlagen wurden. Seitens der Gemeindeverwaltung ist die Durchführung einer planmäßigen Düngung beab- sichtiat. die im Laufe mehrerer Jahre getätigt werden soll. — Die Feldkulturen zeigen einen überaus prächtigen Stand. Vereinzelt neigt nur die stark in den Halm geschossene Sommergerste bei dichtem Stand etwas zur Lagerung. Die Kartoffeläcker berechtigen zu den besten Hoffnungen, die Frühkartoffeln beginnen zu blühen. — Die Obstaussichten sind recht verschieden. Von NSLB. Gießen, ArbeUsgemeinschaft Deutsch: 16 Uhr Sitzung im Lehrerzimmer der Schillerschule. — NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Vvlksbad, 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Sünde der Madelon Claudet". — Hubertus: 20 Uhr im Schützenhaus: Zimmerdressur des Gebrauchshundes. — Gießener Soldatentag 1935. Der Soldatenbund Gießen (Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften) veranstaltet am kommenden Samstag und Sonntag den ,Gießener Soldatentag 1935" in der Waldeslust. Für ben Samstagabend ist ein Kameradschaftsabend vorgesehen. Der Sonntag bringt das Antreten auf dem Brandplatz, den Abmarsch zur Waldeslust, eine Aufstellung und ein Abschreiten der Front und die Weihe der Fahnen der 118er. Auf die heutige Anzeige sei aufmerksam gemacht. germeifter und Beigeordneten; Berufung und Abberufung der Gemeinderäte; Erlaß der Hauptsatzung; Verleihung und Aberkennung der Ehrenbürgerrechte sowie der Ehrenbezeichnungen. Es müsse ein völliges Mißverstehen der Parteibeauftragten bedeuten, wenn man annehmen würde, daß dieser ein dauerndes Kontrollorgan für die Gemeindeverwaltung sein sollte, seine Rechte sind genau umschrieben. Es müsse Aufgabe der Gemeindeleiter und der Aufsichtsbehörden fein, in verständnisvoller Weise mit dem Parteibeauftragten zusammenzuarbeiten, und in ihm nicht etwa eine Einrichtung zur Minderung der eigenen Recht zu sehen, sondern eine solche, die dem hohen Ziel dient, den Einklang von Gemeinde und Partei immer sicherzustellen. Außerhalb der Tagesordnung sprach Feldmeister H a n ß , der Bezirksobmann Gießen des Arbeitsdanks im Arbeitsgau 22, über die Zwecke unb Ziele des Arbeitsdanks. Der Organisation des Arbeitsdankes erwachse künftig große Aufgaben, es gelte die Existenz der Arbeitsdienstmänner sicherzustellen. Deren 'Berufsbetreuung mache eine Schulung und Umschulung der jungen Leute erforderlich, um sie als vollwertige Arbeitskräfte einsetzen zu können. Hierzu seien erhebliche Mittel notwendig. Der Referent erbat hierzu die finanzielle Unterstützung der Gemeinden. Unter Mitteilungen gab der Vorsitzende verschiedene Ausschreiben des deutschen Gemeindetages bekannt. Aus den von den Beamten des Kreisamts vorgetragenen allgemeinen Verfügungen war die Mitteilung von allgemeinem Interesse, daß demnächst zur Erledigung von Meliorationsarbeiten in großem Umfange in verschiedenen Gemeinden des Kreises Erwerbslose aus Großstädten untergebracht werden sollen. Die anregend verlaufene Tagung wurde in der üblichen Weise geschlossen. 0 Alsfeld, 25. Juni Gestern hielt die Kreis- abteilung Alsfeld im Deutschen Gemeindetag unter dem Vorsitz ihres Obmannes, Bürgermeister Dr. V öl- fing, im „Deutschen Hause" wieder eine Arbeitstagung ab. Zu der Tagung waren außer den Bürgermeistern des Kreises der stellvertretende Kreis- leiter, Kreisbauernführer Geiß, Kreisjägermeister R i ch t b e r g sowie die leitenden Beamten des Kreisamtes und des Hochbauamtes Alsfeld erschienen. Als erster Referent sprach Regierungsbaumeister O h a u 5 über die Behandlung der Baugesuche und über die dabei zu beachtenden einzelnen Gesichtspunkte, soweit habet die Mitwirkung der Bürgermeistereien in Frage kommt. Hierauf folgte ein Referat von Bürgermeister Dr. V ö l s i n g über die Stellung des Beauftragten der NSDAP. in der deutschen Gemeindeordnung. Den recht interessanten Ausführungen des Referenten über diese, für die Gemeindeverwaltung neue Einrichtung, war folgendes zu entnehmen: Der bestimmende Einfluß der Partei in der Gemeindeverwaltung werde repräsentiert durch den Beauftragten der Partei. Dieser diene zur Sicherung des Einklangs der Gemeindeverwaltung mit der Partei, nachdem die Einheit von Partei und Staat durch das Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat vom 1. Dezember 1933 staatspolitisch und praktisch in vorbildlicher Weise gelöst worden sei. Durch die Schaffung des Parteibeaus- traaten sei die Verbindung zwischen staatlichem Führerprinzip und berechtigtem Parteieinfluß in richtiaer Weise hergestellt worden. Der Vortragende erläuterte sodann die einzelnen Gegenstände, auf welche sich die Einflußnahme des Parteibeauftragten erstreckt: Berufung und Abberufung der Bür- nison statt. Für das Konzert ist nachstehende Dor- tragsfolge vorgesehen: 1. Viktoria-Marsch von Blon; 2. Ouvertüre zur Operette „Dichter und Bauer" von Supp6; 3. Berceuse von Godard; 4. Zwei Stücke aus „Sigurd Jorsolsar" von Grieg; 5. Deutsche Marschperlen von Blankenburg. ** Musterungsburschen ziehen durch die Stadt. In den letzten Tagen begegnete man in den Straßen unserer Stadt hin und wieder Gruppen junger Burschen, die untergehakt durch die Straßen zogen und dabei sangen, um damit ihrem gehobenen Lebensgefühl Ausdruck zu verleihen. Die lustigen Burschen hatten sich mit Bändern und mit Blumen geschmückt. ** Nachhaltig st e Beachtung öes Gurkeneinsäuerungsverbots! Das vom Vorsitzenden der Hauptvereinigung der Deutschen Gar- tenbauwirtschaft erlassene Verbot, vor dem 1. Juli 1935 Gurken einzusäuern oder zu sterilisieren, bezieht sich besonders auf die sogenannte „heißeingelegte" Ware. Eine nicht unerhebliche Reihe von Firmen sind nach den Strafbestimmungen der Verordnung des Vorsitzenden der Hauptvereinigung mit Geldbußen belegt worden. ** Nachsendung der Postsachen für Urlaubsreisende. Um die Nachsendung von Postsendungen usw. sicherzustellen, gebe man seinen Angehörigen, Bekannten usw. und vor allem dem heimischen Zustellpostamt seine neue Anschrift an. Die Post gibt unentgeltlich amtliche Vordrucke hierzu durch die Zusteller und Schalterbeamten ab. **DiePostausweiskarte. Einschreib- und Wertsendungen, Post- und Zahlungsanweisungen dürfen die Zusteller an unbekannte Personen nur aushändigen, wenn sie sich gehörig ausweisen. Man tut gut, sich beim Postamt eine „Postausweiskarte" (Gebühr 50 Rpf.) ausstellen zu lassen. Sie gilt auch in vielen fremden Ländern im Verkehr mit den Postanstalten. Hat der Empfänger keine ausreichenden Ausweispapiere, so wähle man bei Wertsendungen usw. die Anschrift so, daß auch der Wohnunageber, Gasthofbesitzer usw. sie entgegennehmen darf, z. B. „An Herrn ... zu Händen des ..oder „An Herrn ..., abzugeben an .. ** „Die Volksrate für den Volks emp- f ä n g e r". Am Freitag, 28. Juni, von 19.50 bis 20 Uhr, überträgt der Reichssender Frankfurt ein Zwiegespräch zwischen Gaufunkwart Cappel und Dr. Otte, Leiter der Abteilung Handel in der Reichsrundfunkkammer, über das Thema: „Die Dolksrate für den Volksempfänger". ** Schluß der Spargel st echzeit. Der Gartenbauwirtschaftsverband Hessen-Nassau ordnet an, daß die diesjährige Spargelstechzeit am Freitag, den 28. Juni 1935, als letztem Stechtag schließt. :Reid)6innenminiffer Or. Frick bei derl 00-Iahrfeier vonBad-Nauheim Vad-Nauhelm, 26. 3unL Die das Deutsche Nachrichten-Büro mitteitt, wird der Reichs- und preußische Minister des Innern Dr. Frick als Vertreter des Führers und Reichskanzlers am Montag, 1. Iuli, an der Hundertjahrfeier von Bad-Nauheim teilnehmen. Landkreis Gießen. § Alten-Buseck, 25. Juni. Bei der für den Reichsverband Deutscher Jugendherbergen durchgeführten Sammlung wurden durch die NSV. in der Ortsgruppe Alten-Buseck 1'9,60 Mark gesammelt. — An schön gelegenen Plätzen unseres Gemeindewaldes wurden auf Anregung der hiesigen Bürgermeisterei einige Ruhebänke a u f g e ft e 111, von denen man eine herrliche Aussicht in die nähere Umgebung genießt. § Aus dem Buseckertal, 25. Juni. Aus Jmkerkreisen kommen allenthalben lebhafte Klagen über das bisherige geringe Ergebnis der diesjährigen Honigernte. Viele Imker konnten dis jetzt den Völkern überhaupt noch keinen Honia entnehmen. Die Ursache ist in der kalten, unfreundlichen Witterung, die sich über den ganzen Monat Mai bis weit in den Monat Juni hinein erstreckte, zu suchen. Da die Haupttrachtzeit nunmehr vorüber ist, besteht leider lehr wenig Hoffnung auf ein noch einigermaßen nennenswertes Ergebnis der diesjährigen Honigernte. = Steinbach, 25. Juni. Die Heuernte ist in vollem Gang. Sie fällt nach Qualität und Quantität sehr gut aus. In dieser so arbeitsreichen Zeit wird von den beteiligten Eltern der Erntekindergarten sehr angenehm empfunden. ? Lich, 25.Juni. Der Ortsring Lich des Reichsbundes „Volkstum und Heimat" veranstaltete gestern abend in Verbindung mit der hiesigen Ortsgruppe der NSDAP, einen „Volksdeutschen Abend" in Steins Saalbau. Nach der Eröffnung durch den Ortsringleiter Rektor Erb (Lich) sprach der Reichsredner des VDA., Sudetendeutscher Pg. Rudolf Hans S ch r i ck e r (Brünn) in etwa eineinhalbstündigen Ausführungen über das Thema „Sudetendeutscher Kampf — VDA. und Nationalsozialismus". Ausgehend von dem unglücklichen Ausgang des Weltkrieges und den 14 Friedenspunkten des amerikanischen Präsidenten Wilson und deren Auswirkung erklärte der Redner zunächst die Entstehung des Begriffes „Sudetendeutschtum" und dessen heutige Bedeutung, die darin bestehe, daß unter demselben nicht mehr ein kleiner Stamm außerhalb der Reichsgrenzen lebender Deutscher, sondern die Zusammenfassung aller in der Tschechoslowakei lebenden Deutschen zu verstehen sei. In lebendiger, anschaulicher Weise gab Pg. Schricker dann ein Bild von der großen materiellen und geistigen Not, die große deutsche Dolksteile jenseits der Reichsgrenzen erdulden, schilderte den heroischen Kampf des Sudetendeutschtums um die Erhaltung der deutschen Sprache, deutscher Kultur und Sitte und berichtete hierbei über den ungeheuerlichen Terror, mit dem die Tschechen alles Deutsche zu unterdrücken und zu vernichten suchen. Seit das deutsche Volk durch die nationale Revolution erwacht ist, umbrandet unsere deutschen Volksgenossen jenseits der Grenze eine neue Flutwelle von Verfolgungen, Verleumdungen und Entrechtungen. Zu Tausenden werden die Deutschen in der Tschechoslowakei in die Gefängnisse geworfen, gänzlich unpolitische deutsche Vereine, wie die Turnvereine, werden verboten und aufgelöst. Hinzu kommt die geistige, kulturelle Not, der ständige Kampf um die Erhaltung der deutschen Sprache, die ständige Sorge um die deutsche Seele ihrer Äinber, die der fremde Staat in seine Schulen zwingt, um sie dadurch den Eltern und dem deutschen Volkstum zu entfremden. Unser großer Führer Adolf Hitler, der auch selbst Auslandsdeutscher ist, kennt diesen Kampf um die deutsche Sprache aus seiner eigenen Jugendzeit. In den weiteren Ausführungen forderte der Redner ins» Aepfeln sind es einzelne Sorten, wie Wintergoldparmäne, Landsberger Renette und die Lokalsorte, Roter Herrnapfel, die teilweise starken Behang zeigen. Einzelne Zwetschenbäume haben auch angesetzt, während andere keinerlei Fruchtansatz zeigen. Bezüglich der Kirschen muß mit einer Mißernte gerechnet werden. Gute Ernteaussichten bestehen bet Mirabellen und bei sämtlichem Beerenobst. Sehr geklagt wird über das starke Auftreten von Schädlingen, besonders der Blattläuse. In den Gartenkulturen machen sich Drahtwürmer und Erdraupen unangenehm bemerkbar. Allgemein Klage geführt wird seitens der Bienenzüchter. Die Stärke der Völker läßt zu wünschen übrig, und der Honigertrag ist gleich null. Kreis Friedberg. = Aus ber mittleren Wetterau, 26. Juni. Wie alle Felbkulturen, so zeigen auch bie Zuckerrüben nach ben durchweichenden Niederschlä- gen ber vorigen Woche einen recht guten Staub. Wenn auch vereinzelt bas Auflaufen ungleichmäßig vor sich ging, so baß zur Nachsaat geschritten werben mußte, so versprechen jetzt bie Rübenschläge allerbeste Ernteaussichten. Der Zuckerrübenbau hat in biefem Jahr keine Vermehrung erfahren, um Anbauflächen für ben Oel- unb Gespinstfaser- bau zu gewinnen. In biefen Tagen würben bie Rübsenfelder geschnitten. Volle Schoten lassen eine gute Körnerernte erwarten, unb auch ber erstmalig seit über 50 Jahren zum Anbau gekommene Flachs ist bei ber feuchtwarmen Witterung ber letzten Tage stark gewachsen unb beginnt feine blauen Blüten zu öffnen. Blühenbe Flachsäcker leuchten gleich blauen Wolkenfetzen aus den Gemarkungen und erregen die Aufmerksamkeit von groß urtb klein. Die Zuckerfabrik „Wetterau" in Friedberg ist ben rübenbaüenben Bauern unb Landwirten in jeber Weise entgegengekommen. Die Rübenanbau, Verträge finb auf vorjähriger Grunblage abgeschlossen. Der zu zahlenbe Rübenpreis richtet sich nach ben Festsetzungen ber Hauptvereinigung ber beutschen Zuckerwirtschaft. Der Rübenbauer erhält 45 v. H. Naßschnitzel oder ein Zehntel dieser Menge als Trocken- oder Melasseschnitzel umsonst zurückgeliefert. Für Späternten wird noch ein Zuschlag von 0,10 RM. je Zentner roher Rüben gewährt, um die Arbeit in der Fabrik möglichst weit ins Winterhalbjahr auszudehnen. Um den Rübenbau recht intensiv zu gestalten, hat sich die Zuckerfabrik zur Gewährung'von Krediten zur Beschaffung von Handelsdüngern, wie Kali, Superphosphat und Salpeterdüngern entschlossen. Diese Düngemittel werden zu Syndikatspreisen geliefert und die Bezahlung dafür durch entsprechende Kürzungen des Rübengeldes vorgenommen. Zinsen werden nicht berechnet. Im Interesse der Förderung der Ardeits- und Erzeugungsschlacht sinh diese Maßncchmen nur zu dilliaen und werden von den Rübenbauem aufs freudigste begrüßt. Bei der Verwertung des anfallenden Scheideschlammes und der Melasse werden die Lieferanten der Zuckerrüben bevorzugt berücksichtigt. Kreis Bübingen. 3) Nidda, 24. Juni. Am Sonntag fand im Gambrinussaale dahier eine kameradschaftliche Zu, fammenfunft der Mitglieder des K y f f Häuserbundes von Nidda und der näheren Umgebung statt, in der Major a. D. Rietsch, Beauftragter für wehrpolitische Vorträge des Landesverbandes und Bezirksführer des Bezirksverbandes Hanau, einen interessanten Vortrag über „Wehrwille und Wehrpolitik" hielt. Der Redner erörterte die Notwendigkeit eines einheitlichen Wehrwillens in dem Volke und die Notwendigkeit einer guten Wehrpolitik. Er schloß den sehr spannenden Vortrag mit dem Worte: „Kein Deutscher für einen neuen Krieg, aber für die Verteidigung des Vaterlandes das ganze Volk". Dem Redner wurde für die klaren Ausführungen lebhafter Dank gespendet. § Nidda, 25. Juni. Unser Schwimmbad, im Frühjahr 1933 neben der geräumigen Turnhalle auf der bequem zu erreichenden Gänswiese erbaut, übt in diesen Tagen eine mächtige Anziehungskraft auf viele Volksgenossen dahier aus. Aber auch zahlreiche Kurgäste aus dem nahen Bald Salzhausen und andere Gäste aus der näheren Umgebung lassen die Gelegenheit zum Genuß eines Freibades in dem 50 mal 20 Meter großen Schwimmbecken nicht vorübergehen. Für Nichtschwimmer schließt sich ein kleineres Becken von 22 mal 11 Meter an. Kreis Schöffen. LPD. Schotten, 25. Juni. Das frühere Lehrerheim und spätere Haus Luginsland, das in landschaftlich reizvoller Gegend bei Schotten liegt und in Wandererkreisen weithin bekannt ist, wurde gestern in der Zwangsversteigerung verkauft. Das Haus wurde zum Preise von 8000 Mark von der Bezirkssparkasse Schotten übernommen. Kreis Lauterbach. LPD. Lauterbach, 25. Juni. Zur Aufklärung des furchtbaren Verbrechens, das sich am vergange- * * 7 00 Kinder vonder NSD. erfrischt. Am Dienstag gegen 15.30 Uhr passierte ein Zug der Kinderlandverschickung der NSÄ., von Gelnhausen kommend, den hiesigen Bahnhof. Es befanden sich 700 Kinder in dem Zuge, die trotz der Hitze in bester Stimmung waren. Nach vierwöchigem Landaufenthalt ging es wieder in die Heimat nach Duisburg. Die hiesige Kreisamtsleitung der NSV., unterstützt durch die Ortsgruppen der NS.-Frauen- schaft, ließ es sich nicht nehmen, die Kinder während ihres kurzen Aufenthaltes in Gießen mit kühlem Tee zu versorgen, der von den Kindern dankbar in Empfang genommen wurde. * * Freie L e h r e r st e l l e n. An der Volksschule in Treis a. d. Lumda (Kreis Gießen) ist eine Leyrerstelle für einen evangelischen Lehrer frei geworden. Mit der Stelle ist der Organistendienst verbunden. Eine ausreichende Dienstwohnung ist vorhanden und frei. Ferner ist an der Volksschule in Dirlammen (Kreis Lauterbach) eine Lehrerstelle frei geworden. * * Obftmärfte in Gießen. Mit dem Einbruch der warmen sommerlichen Witterung, mit der im allgemeinen auch die erste Obst- und Beerenernte (Kirschen, Erdbeeren usw.) zusammenfällt, beginnen nun in unserer Stadt die Obstmärkte wieder. Wie bereits in früheren Jahren, jo bieten auch jetzt wieder Obstbauern aus dem Taunus, insbesondere aus Ober-Rosbach, in den Morgenstunden unter den Marktlauben ihre Ernte an. * * Platzkonzert. Am heutigen Mittwoch findet von 17 bis 18 Uhr auf dem Landgraf-Philipp- Platz ein Platzkonzert des Musikkorps unserer Gar- Oie Lustschutz-Lotterie Wirtschaft süd- Devlsenmarkt Berlin — Frankfurt cl BL Berlin Frankfurt a.2i. 25.6. 92,5 1 92,25 I 7,25 — 135 1 —! 93 117,25 116,25 116 Banknoten. 106,7 .. 01 40,5 I .. 4 89,5 .. il 194,25 1 Die hinter den Papieren 97,75 104 112,9 100,13 98,25 101,13 96,75 104,75 113 7 9 0 61,25 119 118 85 92,75 160,9 36,9 296 175 153 150,75 103,9 118 104,65 der eine 100,13 97,75 103,13 113 100,3 98 31 1,75 12,2 11,9 12 13,4 46,13 139,75 114,75 130,75 101,5 127,9 131 126,65 120,5 175,25 128,4 34,75 26,5 37,75 89,25 117 91,25 92,5 92,5 181,5 33,9 26,4 36,75 89 117 90,5 92 92 182,9 150,75 231 103 117 104,65 149,25 230,5 102,5 118 105,25 112,25 61,25 119,5 117,25 83,75 138,75 92,5 160,25 87,5 36,75 296 175 153 149,9 102,5 117,5 105 12,13 11,75 11,9 13,25 106,7 32 12,25 11,75 12 13,25 46,13 139,4 114,5 130,25 101 427,25 126,75 120,25 175,25 128,25 104,9 112,25 109,5 157 128 99 86,75 104,9 112,5 109,5 105,5 158 128,4 99,25 86,75 45,5 138,75 115 129,5 101,75 126,9 131 126,75 119 175,5 128,5 104 112,65 110 105,13 158,5 128 98,5 86,25 40,5 157 128,25 98 86,25 97,45 103,75 112,9 100,13 98 96,25 100,5 92,13 127 116 96 100,75 101 96,75 34 37,65 89 117 90,5 92 92 182,75 Frohe und vergnügte Leute Treiben Sport bei „Kraft durch Freude". 97,5 102,75 122,75 100,13 98,5 96,25 100,5 92 127 116 96 100,75 101,13 96,75 96,75 106,5 bis 34, bis bis bis 34,5 37,5 89,4 116,75 91,25 92,5 92,5 181 45,9 138,5 115,5 129,5 101,5 127 126,75 118,75 175 128,5 112,75 62,9 120 118 86,25 138,25 93 160,5 87,65 39,5 172,5 153,75 neu Mittwoch im Dirlammer Wald abspielte, fand im Beisein der Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei in Gießen ein Augenscheintermin am Tatort statt. Hierbei unternahm der Täter Karl Schmitt aus Dirlammen, der den 17jähri- gen Waldarbeiter Otto Philipp aus Dirlammen während der Arbeit mit einer Axt überfallen und tödlich verletzt hatte, einen Fluchtversuch. Der Polizei gelang es jedoch, den Verbrecher mit Hilfe der Bevölkerung bald wieder einzufangen. Schmitt wurde in das Gießener Gerichtsgefängnis eingeliefert. A Lauterbach, 25. Juni. Die Gründung der Schützengruppe in der Kriegerkameradschaft Lauterbach geht bereits auf das Jahr 1934 zurück. Auf die Anregung des früheren Hassiaverbandes hin, wurde im Mai vorigen Jahres eine Schießabtel- lung ins Leben gerufen, die aber kaum wirksam in Erscheinung getreten ist, weil es an einem geeig- zeichnet die Gesellschaft eine Verdoppelung der Neuproduktion. Neu beantragt wurden im Berichtsjahr 26765 Versicherungen mit einer Gesamtversicherungssumme von 10,82 Mill. Mark. Am Jahresschluß ergab sich ein Bestand von 62 344 Versicherungen über eine Versicherungssumme von 21,79 Mill. Mark gegenüber 46 545 Versicherungen über eine Versicherungssumme von 15,72 Mill. Mk. Ende 1933. Die „Harmonie" konnte also zum Schluß des Berichtsjahres gegenüber dem Vorjahre einen Reinzuwachs von 38,64 v. H. hinsichtlich der Anzahl der Mitglieder und von 33,94 v. H. hinsichtlich der versicherten Summe aufweisen. Nach reichlichen Abschreibungen und Reservestellungen kann Der Verein für 1934 einen Reingeminn von 77 906 Mark ausweisen. Die bisherigen Ergebnisse im neuen Geschäftsjahr 1935 lassen eine weitere günstige Entwicklung des Vereins erhoffen, zudem nunmehr das Geschäftsgebiet mit Genehmigung der Aufsichtsbehörde auf das ganze Deutsche Reich aus- Die Durchführung der Aufgaben, die der Reichsminister der Luftfahrt, General der Flieger G ö - ring, dem Reichsluftschutzbund im Rahmen der Landesverteidigung zugewiesen hat, erfordert gewaltige Geldmitel, die aus unserer Bewegung selbst und durch Opfer aller Volksgenossen herbeigeschafft werden müssen. 3n Anerkennung der Notwendigkeit, den RLB. bei seiner Geldwerbung zu unterstützen, hat der Herr Reichsminister des Innern einer Luftschuh-Lotterie zugestimmt, die am 27. Juli 1935 zur Ziehung gelangt. Pflicht aller Dienststellen, Amtsträger und Mitglieder ist es nunmehr, unsere Bestrebungen zu unterstützen, möglichst viele Lose zu erwerben und den Berkaus der Lose an Mitglieder, Freunde und Gönner des RLB. zu fördern. Jeder muß bemüht sein, unter Hinweis auf den hohen vaterländischen Zweck der Lotterie und die überaus günstigen Gewinnmöglichkeiten möglichst viele Lose abzusehen. 220 bis 450 Mark. Kälber bis zu 2 Wochen pro Stück 24 Mark, bis zu 4 Wochen pro Stück 38 Mk., bis zu 6 Wochen pro Stück 50 Mark. Ausgesuchte Tiere über Notiz. — Nächster Markt: 9. Juli. — Marktverlauf: ziemlich lebhaft, ausverkauft. Mainzer Schlachtviehmarkt. * „Harmonie" Volks- und Lebensversicherungsverein. Die Gesellschaft berichtet, daß das abgelaufene Geschäftsjahr 1934 für den Verein zu einem vollen Erfolge führte. Als schönsten Erfolg im abgelaufenen Geschäftsjahr ver- '' " Gesellschaft eine Verdoppelung der Gritzner.............. Mainkraftwerke Höchst a-M... Süddeutscher Zocker verstimmten. | Am Rentenmarkt war das Geschäft noch 1 geringer als am Aktienmarkt, doch konnten sich die Kurse zumeist gut behaupten, so Altbesitz, Zinsvergütungsscheine, späte Reichsschuldbuchforderungen und Reichsbahn-VA. Don Auslandanleihen gingen 5 v. H. innere Mexikaner auf 6,25 (6,40) und 4pro- zentige Ungarn Gold auf 12 (12,13) zurück. Bei starker Geschäftsstille bröckelten die Kurse in der zweiten Börsenstunde an den Aktienmärkten überwiegend weiter um durchschnittlich 0,25 v. H. ab. Klöckner verloren 1, Aku 0,90, Reichsbank und IG.-Farben je 0,75 v. H. Südd. Zucker kamen ziemlich matt, und zwar mit 191,25 (194,25) zur Notiz. Westdeutsche Kaufhof konnten sich auf der ermäßigten Basis behaupten. Auch am Rentenmarkt blieb es späterhin außerordentlich still: die Kurse konnten sich indes behaupten, Altbesitz bröckelten jedoch eher ab. Am Pfandbriefmarkt beobachtete man kleine Vorkäufe zum bevorstehenden Zinstermin, so daß Goldpfandbriefe, allerdings ohne nennenswerte Kursveränderungen, allgemein gefragt waren. Kommunal-Obligationen, sowie Stadtanleihen und Liquidationspfandbriefe lagen wenig verändert, teilweise mäßig leichter. Auslandrenten waren fast ohne Geschäft. Von unnotierten Werten erhöhten sich Ufa-Aktien auf 72,50 (70,50), einigen Umsatz hatten Adler Kleyer zu 98,50 (98) und Wayß & Freytag zu 98 bis 99 (68,50). Tagesgeld blieb mit 2,5 v. H. unverändert. Abendbörse: still und gut behauptet. Nach den leichten Abschwächungen im Mittagsverkehr verkehrte die Abendbörse gegenüber der außerordentlichen Geschäftslosigkeit in widerstand- fähiger Haltung. Die Grundtendenz war durchaus freundlich. In Anpassung an die Berliner Schlußkurse ergaben sich vielfach Erhöhungen um Bruchteile eine Prozentes, so bei IG. Farben, AEG., Deutsche Linoleum, Junghans, Hapag und Rheinstahl. Etwas ermäßigt waren Scheideanstalt mit 230,50 (231) und Bemberg mit 119 (119,50). Wesentlich höher gesucht, aber ohne Angebot waren Harpener-Bergbau mit 113 Geld (110), wobei die Ankündigung der Verwaltung, daß den Aktionären ein Ausgleich für den Dividendenausfall geboten werden soll, anregte. Am Einheitsmarkt kamen Cichbaum-Werger Brauerei mit 94 (93) und Memeler Zellstoff nach Pause mit 42 (44,25) zur Notiz. Renten waren stark vernachlässigt, aber weiterhin gut gehalten. Altbesitz notierten mit 112,90 0,13 o. H. unter Berlin. Don fremden Werten waren 4prozentige Rumänen zu 6,20 (6,25) angeboten. U. a. notierten: Altbesitzanleche 112,90, 6 v. H. Stahlverein 101,75, 4 v. H. Rumänen 6,20 Brief, 3,5 d. H. SBB. 183, Commerzbank 90,50, DD.- Bank 92, Reichsbank 182,75, Mannesmann 86,25, Rheinstahl 112,25, Stahlverein 83,25, AEG. 45,90, Bemberg 119, Scheideanstalt 230,50, Deutsche Linoleum 1'60,90, Licht & Kraft 129,50, Eichbaum- Werger 94, IG. Farben 149,25, Gesfürel 127, Holz- mann 92,50, Junghans 91, Metallgesellschaft 105,90, . RWE. 126,75, Stollwerk 91,65, Kaufhof 36,90, SüÄ- Schlußk. Mittag- börse 62,4 121 118 86 93 160,75 39,5 296 172 153,5 deutsche Zucker 191, AG. für Verkehrswesen 89, Reichsbahn-Vorzugsaktien 121,65, Hapag 34. Rindermarkt in Gießen. Auf dem gestrigen Nutzviehmarkt in Gießen standen 647 Stück Großvieh, 220 Fresser und 152 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 400 bis 520 Mark, 2. Qualität 280 bis 360 Mark, 3. Qualität 170 bis 220 Mark. Rinder bis ^jährig 100 bis 160 Mark, bis 2jährig 150 bis 230 Mark, tragend Mainz, 25. Juni. Auftrieb: 11 Ochsen (zum Schlachthof direkt zugeführt 2), 17 (1) Bullen, 348 (7) Kühe, 75 (5) Färsen, 274 (35) Kälber, 283 (33) Schweine. Notiert wurden pro 50 Kilogramm Lebendgewicht in Mark: Ochsen a) 42, b) 40 bis 41, c) 38 bis 39. Bullen a) 42, b) 40 bis 41, c) 37 39. Kühe a) 40 bis 41, b) 35 bis 39, c) 28 bis d) 21 bis 27. Färsen a) 42, b) 40 bis 41, c) 37 39, d) 33 bis 36. Kälber b) 50 bis 51, c) 42 Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 915: Fernsprechverkehr mit Amerika, ab 1. Juli 1935 Gebührenermäßigung. 917: Aufarbeitungsanlagen für Altöl im Rhein- Reichsbank vom 22. Juni zeigt mit 90,5 v. H. normale Entlastung, die teilweise durch die Sola- Wechsel der Golddiskontbank gefördert wurde. Die gesamte Anlage der Bank in Wechsel, Schecks, Lombards und Wertpapieren hat sich um 157,3 auf 4092,9 49, d) 31 bis 41. Schweine b) 48 bis 51, c) 47 .51, d) 45 bis 50. Marktverlauf: Rinder lebhaft, geräumt. Kälber mäßig belebt, geräumt. Schweine Mainischen Wirtschaftsgebiet. 919: Beschleunigung der Luftpost nach allen amerikanischen Ländern. 920: Zollherabsetzung auf Hüte in Kanada. Oer Reichsbankausweis für die dritte Juniwoche. DNB. Berlin, 25. Juni. Der Ausweis ...........................0 ........................... 1° (Jleftr.Lieferungsgesellschaft... b Licht und Kraft ........... Felten & Guilleaume .....o Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........5 Rhein. Wests. Gleite « Schuckert L ............... * Siemens L Halske...... ..... ‘ LahmeyerLCo .....7 del einerseits, vom Großhandel an den Kleinhandel andererseits auch nicht durch Einschaltung von Zwischenstufen des Handels (Agenten, Vertreter, Versandhäuser usw.) erhöht werden dürfen. Der Importeur, der Zitronen auf Grund einer Devisengenehmigung der zuständigen Ueberwachungsstelle einführt, darf auf Grund der neuen Anordnung die Kiste Zitronen mit einem Aufschlag von höchstens 2 RM. auf seinen Einstandspreis ab Jn- landlager an den Großhändler Weiterverkäufen. Der Großhändler darf die Kiste Zitronen mit einem Aufschlag von höchstens 1 RM. ab Großhandelslager an den Kleinhändler Weiterverkäufen. Für jeden Fall einer Zuwiderhandlung gegen die Anordnung kann eine Ordnungsstrafe bis zu 100 000 RM. verhängt, werden. Außerdem setzt sich jeder Uebertreter der Anordnung der Gefahr aus, dem Reichskommissar für Preisüberwachung zwecks vorübergehender oder dauernder Schließung seines Betriebes gemeldet zu werden. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Buderus ® Deutsche Erdöl .••••••••••••• * Gelsenkirchener — ° Harpener......... » Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. O Ilse Bergbau .........® Ilse Bergbau Genüsse....... • Klöcknerwerke ......... Mannesmann-Röhm» •••••••• v I. G. Farben-Jndustrie Scheideanstalt........ Goldschmidt ......... Rütgerswerle Metallgesellschaft...... Philipp Holzmann .... Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt.. Wenn alle Amtsträger und Mitglieder bis zum Letzten ihre Pflicht tun, wird uns die Luftschutz- Lotterie einen Geldbetrag bescheren, der uns em großes Stück zum Wohle der Gesamtheit des Volkes oorwärtsdringen kann. H. Grimme, Generalleutnant a. D., Präsident des Reichsluftschutzbundes. Die Lotterie besteht aus zwei Millionen Losen. Das Los kostet 50 Pf. einschließlich eines Kunst- Blattes im Format 24X32 mit dem Bildnis des Herrn Preuß. Ministerpräsidenten General der Flieger Hermann Göring, nach einer Original- Zeichnung des Frankfurter Künstlers Weber-Brauns. Es gelangen 117 930 Gewinne und 1 Prämie Im Gesamtbeträge von 250 000 Mark am 27. Juli 1935 zur Auslosung. Höchstgewinn im günstigsten Falle bar 50 000 Mark. Die Lose sind durch alle Untergliederungen: Ortsgruppe, Reviergruppen, Gemeindegruppen, Untergruppen und Blockwarte und auf der Geschäftsstelle des RLB., Lindenplatz 1, zu haben. 4% Oesterretchische Goldrente.... 4,20% Oesterretchische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4/«% desgl. von 1913.......... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie k ••••••••«•••••••••••• Millionen Reichsmark verringert. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und Schecks um 153,9 auf 3395,5 Millionen Reichsmark, an Lombardforderungen um 3,0 auf 35,3 Millionen Reichsmark und an deckungsfähigen Wertpapieren um 0,4 auf 336,5 Millionen Reichsmark abgenommen. Die Bestände an Reichsschatzwechseln blieben bei einer Abnahme um 40 000 RM. mit 1,3 Millionen Reichs- mark, diejenigen an sonstigen Wertpapieren bei einer Zunahme um 160 000 RM. mit 324,4 Millionen Reichsmark nahezu unverändert. Der gesamte Zahlungsmittelumlauf beläuft sich auf 5471,0 Millionen gegenüber 5616 Millionen Reichsmark in der Vorwoche. Die entsprechenden Ziffern des Vormonats stellen sich auf 5385 Millionen Reichsmark, des Vorjahres auf 5278 Millionen Reichsmark. Die Entwicklung des Zahlungsmittelumlaufs nimmt also weiter einen durchaus normalen Verlauf. Die Giralgelder haben auf der ganzen Linie abgenommen, das trifft sowohl für die öffentlichen wie die privaten Konten zu. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen zeigen eine kleine Zunahme um 0,7 auf 88,7 Millionen Reichsmark. Oie Beschäftigung der Industrie im Mai 1935. Die Beschäftigung der Industrie hat. im Mai weiter zugenommen. Nach der Jndustrieberichterstat- tung des Statistischen Reichsamtes ist die Zahl der beschäftigten Arbeiter von 63,3 v. H. im April auf 64 6 v. H. der Arbeiterplatzkapazität im Mai gestiegen. Stärker hat sich die Zahl der geleisteten Stunden erhöht, nämlich von 58,3 v. H. auf 60,6 v. H der Arbeiterstundenkapazität. Die durchschnittliche tägliche Arbeitszeit ist ebenfalls weiter gestiegen; sie beträgt im Mai 7,6 Stunden gegen 7,45 im April. Die Führung des Frühjahrsauftriebs liegt nach wie vor bei den Produktionsgüterindustrien: hier hat sich das Arbeitsvolumen stärker als in den Verbrauchsgüterindustrien erhöht. Die Verbrauchsgüterindustrien hatten sich in den Monaten Januar bis März auf gleichem Stande gehalten. Ihre Frühjahrsbelebung hat später als in den frü« Heren Jahren, nämlich erst im April, eingesetzt: sie hat mit gleicher Kraft im Mai angehalten. Regelung des Handels mit Zitronen. Durch eine „Anordnung Nr. 10" der Hauptoer- einigung der deutschen Gartenbauwirtschaft, die mit dem 20. Juni in Kraft trat, wird der Handel mit Zitronen, der in den letzten Wochen zu Störungen des Marktes geführt hat, geregelt. Um der Verbraucherschaft die eingeführten Zitronen zu Preisen, die der Kaufkraft angemessen sind, zuzuführen, wird der Verkauf von Großhändler an Großhändler ohne Ausnahme verboten. Weiterhin wird angeordnet, daß die zulässigen Höchstverdienstspannen bei der Abgabe vom Importeur an den Grotzhan- Hamburg-Amerika-Paket .... 0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz» und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................0 Dresdner Bank ® Reichsbanl ................12 O| 921 6 117,25 4| 135 I neten Schießstand fehlte und so ist die ganze Angelegenheit in ihren Anfängen stehen geblieben. Nun ist durch den Reichskyffhäuserbund erneut die Anregung zur Gründung von Schützengruppen innerhalb der Kriegerkameradschaften gegeben worden. Die Gründungsversammlung, die am Samstagabend im Felsenkeller bei Horn stattfand, war getragen von echtem kameradschaftlichen Geist und beseelt von dem Willen mitzuhelfen. Im Verlaufe des Abends sprach Kameradschaftsführer Löchel über Sinn und Zweck der nun wieder ins Leben gerufenen Schützenabteilung und Schießwart Nüt- z e 1 erläuterte in großen Zügen die vom Kyffhäu- ferbunb herausgegebenen Richtlinien und Vorschriften über das Kleinkaliberschießen. In einem Gelöbnis zum Führer, das deutsche Vaterland und den Kyffhäuserbund fand die Gründungsversammlung einen würdigen Abschluß. ruhig, Ueberstand. Frankfurter Obst- und GemüsemarkL Frankfurt a. M., 25. Juni. Das Angebot von Gemüsen war sehr stark, insbesondere von Erbsen, Karotten, Rettich und Salat sowie Kohlrabi. Nachfrage nur teilweise befriedigend. In Gurken flotter Verkauf. Ueberstand von Erbsen, Kohlrabi und Kopfsalat. Die Preise zeigten keine einheitliche Haltung, lagen aber gegen die Vorwoche im allgemeinen wenig verändert. Alte Kartoffeln zogen an, mit neuen deutschen Frühkartoffeln rechnet man dieser Tage. U. a. notierten: Blumenkohl 10 bis 40, Bohnen (Treibhaus) 38 bis 40, Erbsen 8 bis 14, Salatgurken 15 bis 40, gelbe Kartoffeln 4,25 bis 4,50, Kohlrabi 3 bis 6, Kopfsalat 3 bis 6, Rettich 3 bis 15, Römischkohl 5 bis 6, Spargel Al 33 bis 37, A2 25 bis 27, B 18 bis 20, C) 6 bis 8, Spinat 8 bis 9, Tomaten 45 bis 50, Weißkraut 8 bis 12, Wirsing 8 bis 10, Zwiebeln mit Schlotten 4 bis 7, 11 bis 12 (ital.), IIV2 bis 12 (ägypt.). Am Ob ft mar ft bestand sehr starkes Angebot von Erdbeeren. Nachfrage zunächst gut, später schleppend, so daß Ueberstände verblieben. Preise niedriger. Kirschenangebot geringer, die Qualität hat durch die Witterung sehr gelitten, für gute Auslese bestand gute Nachfrage, Preise gefallen. Johannisbeeren und reife Stachelbeeren erstmalig in ganz geringen Mengen am Markt. Ausländische Aprikosen und Pfirsiche genügend angeboten. U. a. notierten: Aprikosen 35 bis 45 (span.), Erdbeeren la 32 bis 35, I 26 bis 30, II 18 bis 22, Walderdbeeren 70, Heidelbeeren 38 bis 40, Johannisbeeren 25 bis 28, Kirschen I 25 bis 35, II 12 bis 20, Sauerkirschen 20 bis 30, Pfirsiche 35 bis 50 (ital.), Stachelbeeren 26 bis 28, do. (grüne) 10 bis 12. 101,13 96,75 96,75 106,5 32 1,7 12,13 11,75 12 13,25 gedehnt wurde. * Luftpost verkehr nach Südamerika. Don Anfang Juli an — erstmalig am 3. Juli — werden die Flüge der Deutschen Lufthansa nach Südamerika in Berlin und Stuttgart nicht mehr am Samstag und Sonntag, sondern Mittwoch und Donnerstag beginnen. Luftpost für Südamerika muß von diesem Zeitpunkt an bei den Sammelstellen für die deutsche Linie in Berlin bei dem Postamt C2 bis Mittwoch 21 Uhr in Stuttgart bei dem Postamt 9 bis Donnerstag 4.15 Uhr oorliegen. Die Auflieferungszeiten in allen deutschen Postorten richten sich nach diesen letzten Postschlüssen und können bei den Postanstalten erfragt werden. Rhein-Mainische Mittagsbörse. 3m Berlaufe schwächer. Frankfurt, a. M., 25. Juni. Die Börse hatte bei kleinsten Umsätzen einen zwar nicht ganz einheitlichen aber überwiegend etwas festeren Beginn. Da Id nach den ersten Kursen wurde die Haltung aber auf fast allen Marktgebieten schwächer, da kleines Angebot herauskam, das bei der herrschenden Geschäftsstille kursdrückend wirkte. Anfangs erfolgten sowohl von der Kundschaft als auch von der Kulisse kleine Käufe. In wirtschaftlicher Hinsicht fanden die Ausführungen auf dem Pariser Kongreß der Internationalen Handelskammer Beachtung, auch der Bericht des Konjunkturinstituts über eine gesteigerte industrielle Produktion regte leicht an. An den Aktenmärkten lagen die ersten Kurse meist von 0,25 bis 0,75 v. H. im Durchschnitt fester. Darüber hinaus gewannen Reichsbank 1,25 v. H. Chemische Werte lagen bei geringen Veränderungen uneinheitlich, Farbenindustrie zunächst mit 150,75 unverändert, dann auf 150,25 weichend. Auch Elektroaktien lagen unregelmäßig, etwas lebhafter waren AEG mit 46,25 bis 46 (46,13). Montanpapiere zogen durchweg etwas an, mehr erhöht waren Harpener mit plus 1 v. H. Schiffahrtspapiere lagen gut gehalten, ebenso Metall-, Motoren- und Maschinenwerte. Schwach lagen Westdeutsche Kaufhof mit 37,40 bis 36,75 (39,50), wobei die im Geschäftsbericht gemachten Ausführungen für das neue Jahr Schultheis Patzenhoser 4 Mu (Allgemeine Kunstseide) .. O Bemberg...................O Zellstoff Waldhof O Zellstoff Aschaffenburg O Dessauer Gas ...............7 Daimler Motoren 0 Deutsche Linoleum .... 6 Lrenstein L Koppel O Westdeutsche Kaufhof.........O Chade......................O Accu mul atoren-Fabrst ...... 1* Conti-Gummt...............8 40,13 1 40,65 1 1911 192^51 Oatum 6% Deutsche Reichsanleihe v. I 4% Deutsche Relchsanl. von 1934 b>/,% Boung-Anleihe von 1930 Deutsche AnI.»Ablös.»Schuld mtt Auslos.'Rechten 4l/i% Deutsche Reichspostschatzan- weisungen von 1934, I. .. ... 6% ehem.8% Hess. Bollsstaat 1929 (rückzahlb. 102%) 4%% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12 ....... - 6%% ehem. Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Liaui .. - 4%% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R. 6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4>/2% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6y2% ehem. 4'/r% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriefe....... t>Vi% ehem. 4y2% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpfe iVi% ehem. 8% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4%% ehem. 7% Pr. Landespfand. bciefanst., Gold Komm. Obl.VI Eteuergutsch.Verrechnungsk. 35-39 angeführten qihci-h Frankfurt a. M Serlln Schluß- turs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schluß!. Mittag- bön'e Oatum 24-6. 25.6. 24-6- 25-6- 4% desgl. Serie II ............. — — — 12,5 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 8,15 8,13 8,25 TÜ^2 4'/,%Rumän.vereinh.Rentev.l913 10,25 10 10,4 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2 y4% Anatolier ............... 6,13 39,25 6,2 39,25 6,25 39,25 39^25 Frankfu Schlußkurs tt a.M. Echlußk. Abendbörse 2e Schlußkurs -fln Echlußk. Mittag- börse Oatum 24.6 25.6 24.6. 25.6^ ManSfelder Bergbau .. .......8 116,25 — 116,5 116,5 Kokswerke........... .......5 — 117,4 115,25 .......0 —— Rheinische Braunkohlen .....12 233,5 233,25 234,75 234 Rheinstahl........... .....8>/r 113 112,25 113 112 Vereinigte Stahlwerke. .......O 83,75 83,25 83,9 83,4 Otavi SD tüten ........ .......0 18,5 18 18,5 17,5 Kaliwerke Aschersleben. .......5 122,5 122 122 122 Kaliwerke Westeregeln. .......6 120 120 120,5 120 Kaliwerke Salzdetfurth .....1V1 178 177 177,5 176,5 24-Juni 25. Juni Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Ärief Geld I Brief Buenos Ätiei- 0,658 0,662 0,658 0,662 Brüssel..... 41,98 42,06 41,885 42,965 Rio de Jan. . 0,139 0,141 0,139 0,141 Sosta ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,61 54,71 54,60 54,70 Danzig..... 46,84 46,94 46,855 46,955 London ..... 12,23 12,26 12,225 12,255 HelstngforS.. 5,39 5,40 5,39 5,40 Paris ...... 16,385 16,425 16,39 16,43 Holland .... 168,55 168,89 168,64 168,98 Italien..... 20,42 20,46 20,42 20,46 Japan ...... 0,718 0,720 0,727 0,729 Jugoslawien. 5,649 5,661 5,649 5,661 Oslo.....: 61,47 61,59 61,45 61,57 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,10 11,12 11,095 11,115 Stockholm... 63,07 63,19 63,05 63,17 Schweiz .... 81,04 81,20 81,04 81,20 Spanten.... 33,97 34,03 33,97 34,03 10,37 10,36 10,38 Budapest ... Neuyork.... 2,477 2,481 2,471 2,475 Schluß- turs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs 24.6 25.6. 24-6 Berlin, 25-Juni Geld Brief 2,423 2,443 Belgische Noten.................. 41,72 41,88 54,61 Dänische Noten ................. 54,39 12,19 12,23 16,33 16,39 168,22 168,90 Italienische Noten................ 19,86 19,94 Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, i 1OO Schilling 61,24 61,48 — —— Rumänische Noten............... — — 62,83 63,09 Schweizer Noten................. 80,81 81,13 Ungarische Kote» 33^0 33F Ausruf zu den Gaufesten des M Fußball -er heimischen Mannschasten Unentsch. Verl. Tore Pkte. 0 2 3 6 Darm» Stuft» (Bayern) 13:3 11:1 3:3 7:5 6:9 6:6 2:9 0:12 Turngde. Wetzlar, Niedergirmes Langenaubach Albshausen Heuchelheim Der von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Post-Sportvereine unter der Schirmherrschaft des Herrn Reichspostministers Freiherrn von Eltz-Rübenach in der Zeit vom 15. bis 23. Juni ausgetragene 4. Deutsche P o st - Wettkampf im KKS. - Schießen brachte eine Beteiligung, die ohne Beispiel bei allen Sportnationen der Welt ist. Nach dem vorläufigen Ergebnis bis Montag mittag beteiligten sich von den 400 bestehenden Post-Sportvereinen 235 mit insgesamt Revanchespiel der beiden Endspielteilnehmer von Köln, dem deutschen Meister Schalke 04 und dem ehrenvoll unterlegenen VfB. Stuttgart, stattfinden. Leichtathletik-Meisterschaften der Gaue. Die 16 Gaue des Deutschen Leichtathletik-Verbandes ermittelten gemeinsam am 6. und 7. Juli ihre Gaumeister. In den süd- und südwestdeutschen Gauen werden die Meisterschaften in Trier (Gau Das Gaufest des Reichsbundes für Leibesübungen im Gau Nordhessen, das in den Tagen vorn 2. bis 4. August in Gießen durchgeführt wird, rückt immer näher. Die Vorbereitungsarbeiten für diese große Veranstaltung sind lebhaft im Gange. Nachstehend veröffentlichen wir einen Aufruf des Reichssportführers, in dem auf die Bedeutung der Gaufeste im allgemeinen und auf die Verpflichtungen eines jeden einzelnen Turners und Sportlers hingewiefen wird. In den kommenden Wochen werden in allen Gaugebieten des Reiches Turner und Sportler zu ihren Gaufesten zusammenkommen, um in der geschlossenen Gemeinschaft des Deutschen Reichsbunoes für Leibesübungen ihr Bekenntnis zum Reichsbundgedanken durch die Tat zu bekunden. Ich erwarte daher, daß alle Reichsbundmitglieder der Gaue, die erstmalig dieses Gaufest durchführen, sich in diesen Gemeinschaftsveranstaltungen in voller Geschlossenheit beteiligen. Pflicht der Vereinsführer ist es, ihre Mitglieder nachdrücklichst auf diese Veranstaltungen und die Beteiligungsmöglichkeiten hin- Mittelrhein), Kassel (N o r d h e s s e n), st a d t (Südwest), Freiburg (Baden), gart (Württemberg) und Nürnberg ausgettagen. Weltrekord-Beteiligung bei den post-Echützen. zuweisen. Ehrenpflicht aller Turner und Sportler ist es, durch Lösung der Festkarte zum Gelingen beizutragen, da die Gaufeste durch ihre Ausmaße Kosten verursachen, die nur dann getragen werden können, wenn jeder einzelne Sportkamerad auf dem Posten ist und seinen Platz ausfüllt. Die Fest- farte gibt jedem Beteiligten die Möglichkeit, weitgehende Ermäßigungen auf der Eisenbahn, Straßenbahn, für die Uebernachtung und Verpflegung für sich in Anspruch zu nehmen. Außerdem berechtigt diese Karte zur Teilnahme an allen Veranstaltungen des Gaufestes, gleichviel, ob als aktiver Sportler oder als Zuschauer. Meine Turn- und Sportkameraden: Beweist an diesen Tagen, daß Ihr wie eine festgefügte Front hinter dem Ideengut der Leibesübungen steht. Durch Freude und Disziplin werdet Ihr dann Euer Teil dazu beitragen, daß die Gaufeste des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen ein machtvoller, äußerer Beweis für den Gemeinschaftsgedanken im deutschen Turn- und Sportleben sind. Gez.: von Tschammer. Tabelle der Aufstiegspiele zur Vezirksklasse. Gew. 1* ~ ~ 32 323 Post - Schützen. Die stärkste Beteiligung weist Hamburg mit 3080 Schützen vor Köln mit 1847, Breslau mit 1035 und Berlin mit 1031 Startenden auf. Ebenso glänzend wie die Breitenarbeit war auch das sportliche Ergebnis, denn nicht weniger als 72 Teilnehmer erzielten 160 und mehr von 180 erreichbaren Ringen. In die engere Wahl kommen mit 170 und mehr Ringen: Schröder (Düsseldorf), H e i m e r l und Kaufmann (München), S ch a m o n g (Köln), Zielinski (Danzig), B a - r a l (Karlsruhe) und Schmitz (Bonn). Im Mannschafts-Wettbewerb um den Wanderpreis des Herrn Reichspostministers für die 8 Besten eines jeden Vereins haben Hamburg mit 1327, Köln mit 1317 und München mit 1313 Ringen die besten Aussichten. Raj Lund-Henkel geschlagen. In Wimbledon konnte am Dienstag das vorgesehene Programm bei den englischen Tennismeisterschaften wegen eines starken, fast den ganzen Tag anhaltenden Regens nicht durchgeführt werden. Im Frauen-Einzel wird Frl. Horn erst am Mittwoch eingreifen. Helen Wills - Moody schlug die Ungarin Baumgarten 6:0, 6:1 und Helen Jakobs bezwang die Belgierin A d a m s o n 6:3, 6:2, während die Titelverteidigerin Dorothy Round über Miß Ostrich 8:6, 6:3 gewann. Im Männer-Doppel unterlagen die Deutschen Kaj Lund-Henkel den Neuseeländern Malfroy - Stedman mit 1:6, 4:6, 6:2, 3:6, wobei Henkel weitaus unsicherer war als Lund. Nunmehr sind auch die Spiele zur Ermittlung des Kreismeisters abgeschlossen; Sieger wurde die Turngemeinde Wetzlar-Niedergirmes. Diese hat sich für den Aufstieg in die Bezirksklasse, Gruppe Gießen-Dill, qualifiziert. Die Mannschaft konnte alle Spiele gewinnen, nur eins ging unentschieden aus. Langenaubach trat am Sonntag gegen Albshausen nicht an und verschenkte so kampflos die Punkte. Von dem Meister der Gruppe Dill hatte man sich mehr versprochen; die Mannschaft ist nur zu Haufe gefährlich. Albshausen hat angenehm enttäuscht, denn man gab dieser Mannschaft keine Chancen. Es ist erfreulich, daß die Mannschaft so wacker gekämpft hat. Heuchelheim ist nicht mehr der starke Gegner der Verbandsserie, die Mannschaft ist auseinandergefallen. Nach drei verlorenen Spielen schwammen der Mannschaft die Felle fort, der Verein meldete seine Mannschaft von der weiteren Teilnahme an den Aufstiegspielen ab. Handball-Städte-Gpiel Wetzlar-Gießen 12:9 (5:5). In Wetzlar traf man sich zum Freundschaftsspiel. Der Wetzlarer Mannschaft wurde schon in den ersten Minuten des Spieles klar, daß sie diesmal einer stärkeren Mannschaft als in Gießen beim Vorspiel gegenüberstanden. Die Gießener Elf war überlegen. Trotzdem konnten die Gastgeber, durch Anrennen der Verteidigung Freiwürfe erzielen, die sie immer wieder zum Ausgleich verwerteten. Nach der Pause kamen die Gießener in Hochform. In den letzten 20 Minuten kämpften die Gießener nur noch mit 9 Mann und verloren. 90 Jahre Turngemeinde Friedberg. Der älteste Turnverein in Oberhefsen, die 1845 gegründete Turngemeinde Friedberg, beging Samstag und Sonntag in einfacher würdiger Weise die Feier ihres 90jährigen Bestehens. Der Samstagabend brachte einen Festakt, bei dem der Vereinsführer, Studienrat Thierolf, einen fesselnden Ueberblick über die abwechselungsreiche Geschichte des Vereins brachte, der im Leben der Stadt Friedberg und in der turnerischen Arbeit des Die Landjugend voran. Das Fest der deutschen Jugend, das an die neun Millionen Jungen und Mädchen in die Kampfbahn brachte, und ein Bild von der körperlichen Leistungsfähigkeit unseres Nachwuchses bringen sollte, hat ein Ergebnis gezeitigt, das alle Erwartungen weit übertrifft. Man hatte die Bedingungen für die Erringung der Siegernadel so ausgeschrieben, daß man der Berechnung nach darauf zählen konnte, etwa ein Drittel der Jugendlichen werde diese Auszeichnung erringen. Aber diese Berechnungen sind von unserer Jugend über den Haufen geworfen worden: 60 v. H. statt der erwarteten 33 v. H. haben die Siegernadel gewonnen! Dieses herrliche Ergebnis ist der Lohn einer unbeirrbaren und folgerichtigen Aufbauarbeit, der Zusammenfassung aller Jugendlichen statt der früher herrschenden neidsat- ten Nebenbuhlerschaft, der Ausdehnung der planmäßigen Körperschulung auf das früher sehr vernachlässigte flache Land, der besseren Ernährung unserer jungen Mannschaft und schließlich, aber nicht zuletzt des vorwärtsstrebenden Geistes, der das junge Volk unter den Fahnen des Dritten Reiches ergriffen hat. Dieser Erfolg, mit dem sich keine Boxweltmeisterschaft und kein Fußball-Länderfieg messen kann, ein Sieg über Gleichgültigkeit, Schwäche und Einsatzaugst bei der Jugend, wiegt darum so schwer, daß gerade der Teil des Nachwuchses, dem am meisten die Zukunft der Art und damit des Reiches anvertraut ist, besondere Leistungen gezeigt hat: das junge Landvolk. Man war vor dem Feste der Meinung, die Landjugend werde nicht die Leistungen ihrer städtischen Kameraden erreichen, da der Mangel an Lehrern, Geräten, Plätzen, die Schwierigkeit der Zusammenfassung, die erheblich geringere Möglichkeit einer Auslese der Spitzenkönner sich nachteilig auswirken müsse, und hatte darauf bei dem Wettbewerb der Gruppen durch die Wertung innerhalb der Verbände Rücksicht genommen. Die Landjugend hat aber gezeigt, daß sie nicht nur aleichwertig, sondern in vielen Gegenden weit überlegen ist. Allgemein sind die Ergebnisse des Landes viel besser als die der Städte. Während in dem industriellen Sachsen tatsächlich nur die 33 v. H. der Teilnehmer die Nadel erhielten, waren es in Ostpreußen 80 v. H., in Kurhessen 70 v. H. Aehn- liche Ziffern melden Pommern und Osthannover. Bezeichnend ist das Ergebnis des Gaues Düsseldorf, in dem die ländlichen Ziffern erheblich über den benachbarten städtischen liegen, teilweise um die Hälfte und noch viel mehr. Keiner kann es unserer Landjugend verwehren, auf ihre ausgezeichneten Leistungen stolz zu sein. Die Ziffern lehren uns, daß die Leibesübungen schneller und vollkommener als man annehmen durfte, das flache Land gewonnen haben, daß Daseinsbejahung und Einsatzbereitschaft, Leistungs- wille und Kameradschaft in dem jungen Landvolke glühen und wirkend hervorbrechen. Schalke und Stuttgart kehren heim. Am Montagabend kehrten die beiden Teilnehmer am Endspiel zur Deutschen Fußball-Meisterschaft, der FC. Schalke 04 und der VfB. Stuttgart, in ihre Heimatorte zurück. Sowohl in Gelsenkirchen als auch in Stuttgart gestaltete sich der Empfang der Mannschaften überaus herzlich, in der Heimat der „Knappen" natürlich weitaus begeisterter als in der Schwabenmetropole, wo der „zweite Sieger" einzog. Die S ch a l k e r wurden auf dem Bahnhofsvorplatz in Gelsenkirchen von Zehntausenden von Anhängern empfangen und begeistert begrüßt. In bereit- gestellten Wagen wurde dann die Fahrt nach Schalke angetreten, wo auf den „Alten Markt" die offizielle Begrüßung stattfand. Zuerst sprach NSDAP.-Ortsgruppenleiter Lindemann, der „Papa Unkel", dem Vereinsführer des Deutschen Meisters, ein Bild überreichte. Dann bedachte Bürgermeister Schumacher jeden Spieler der Meisterelf mit einer Radierung und zum Schluß sprach „Papa Unkel" selbst namens seiner Mannschaft Worte des Dankes für die Anhänglichkeit der Bevölkerung und für den großen Empfang. Die „Knappen" zogen sich dann zur internen Feier zurück, während im Stadtteil Schalke bis in die frühen Morgenstunden ein wahres Volksfest des Fußballsportes begann. Etwas nüchterner, aber doch in großer Herzlichkeit, wurde der VfB. in Stuttgart von immerhin über 4000 Anhängern empfangen. Ebenfalls im Triumphzug wurden die „Bewegungsspieler" in das Restaurant Peterhof geleitet, wo ein offizieller Empfang durch Vertreter der Stadt, der Partei und der sportlichen Instanzen stattfand. Aus allen Reden klang herzlicher Dank für die achtunggebietende Leistung, die der VfB., der nach 27 Jahren wieder als zweiter Stuttgarter Verein im Endspiel stand. Revanche VfB.- — Schalke in Stuttgart Die Stuttgarter „Adolf-Hitler-Kampfbahn" wird demnächst wieder ein großes Fußballereignis erleben. Äoraussichtlich am 25. August wird dort ein , FSTeutouia" Watzenborn-Steinberg FC. Teutonia Watzenborn-Steinberg I gegen VfR. Lich I 5:3 (4:2). Bei einer mäßigen Zuschauerzahl standen sich am Samstagabend in Watzenborn-Steinberg obige Mannschaften gegenüber. Die Einheimischen, bei denen x. Schmandt, K. Schäfer, E. Burger und R. Lang fehlten, hatten das Spiel jederzeit in der Hand. Das Führungstor der Gäste glich Fett sofort durch Strafstoß aus. Schöne Kombinationszüge brachten dem einheimischen Sturm noch drei schöne Tore ein. Lich verkürzte jedoch kurz vor Halbzeit auf 4:2. Die zweite Halbzeit stand in Tempo und Härte der ersten Halbzeit kaum nach. Nachdem Fett abermals einen Strafstoß aus ziemlicher Entfernung ins Netz jagte, waren die Platz- befitzer weit überlegen. Ein plötzlicher Durchbruch brachte den Gästen den dritten, aber vermeidbaren Erfolg ein. Schiedsrichter Deibel leitete korrekt. 55p. 1926 Steinbach I — Vetzberg I 6:3 (3:3). Launsbach spielte kürzlich in Steinbach und wurde hoch geschlagen (12:0). Am Sonntag weilte Steinbach in Äetzderg und konnte auch hier einen glatten Sieg landen. Die Mannschaft war in allen Teilen gut besetzt und gewann verdient. Vetzberg hat durch einige neue Leute Verstärkung erhalten und machte den Steinbachern den Sieg nicht leicht. Die erste Halbzeit war ausgeglichen, aber in der Zweiten Halbzeit war Steinbach glatt überlegen und schoß noch drei schöne Tore. Schiedsrichter Kreiling war, wie immer, gut. Fußball her Kreisklasten. Die Ergebnisse des Sonntags. Wißmar — Krofdorf 3:1; Vetzberg — Steinbach 3:6; Steinberg — Lich 5:3; Dillenburg II — VfB. II 1:5; Wiefeck — Großen-Linden 7:2; Albshausen — Langenaubach: Langenaubach nicht angetreten. FÜR DIE BADEZEIT 3770 A Badeanzüge reine Wolle, glatt und reliefartig, gestrickt, in allen Modefarben Herr en - Badehosen reine Wolle, guter Sitz, in den Farben schwarz, marine und königsblau Kinder-Badeanzüge hübsche Ausmusterung, in allen Farben vorrätig Bademäntel nur schwere Qualitäten, eleg. Ausführung, solide Verarbeitung Frottiertücher Badetücher Badehauben in größter Auswahl vorrätig eie nützen. Deshalb Brühl'sche Druckerei, •chuletrafle 7, Anruf 2251 Unser B Aufstieg- Nur die beste Drucksache neben der Zeitungsanzeige kann Ihre Werbung wirksam unterstützen. Geringwertige Drucksachen schaden mehr eie A ch t Weltrekorde hat nunmehr die holländische Schwimmerin Willie den Guben im Besitz, nachdem sie nunmehr auch über 300 Yards mit 3:27 Minuten eine neue Bestleistung aufstellte. 103000 Franks erhielt Rudolf Caracciola für feinen ersten Preis im Großen Preis von Frankreich. Von Brauchitfch, der Zweiter wurde, bekam 50 000 Franks und Luigi Fagioli als Vierter 10 800 Franks. erkennur und ihn Luftschif Es w und von zwei Bi Studiun die oäte men V Austeg einen 1 Leinw, ten fe worder und m flog, et Sieger im Balkan . Fußball - Pokal wurde Südflawien dank des besseren Torverhältnisses vor Bulgarien, Griechenland und Rumänien. Das Polnische Olympische Komitee beschloß auf seiner letzten Sitzung, zur Olmpia 1936 100 Teilnehmer zu entsenden. Die Quartier-Anmel» düng für diese Expedition ist bereits erfolgt Ver konstn len w die haben in i*1 habe" Soldatenbund Bietzen Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenbameradschaften 377* D Alle alten und jungen Soldaten sind willkommen! Eintritt frei! n S I • bei Herausgabe der besten Drucksache Gaues immer eine hervorragende Stellung ein» genommen hat. In zahlreichen Glückwünschen, vor allem auch seitens der NSDAP, und der Stadtverwaltung, kam dankbare Anerkennung für die geleistete Arbeit zum Ausdruck. Die Grüße des Gaues Hessen überbrachte Gauoberturnwart Paul (Gießen), der von der Anerkennung sprach, die die DT. erst jüngst wieder in Coburg von höchsten Stellen gesunden habe, und an Vereinsführer Thierolf den Ehrenbrief des Gaues XII Hessen überreichte. Namens der Türnkreisführung des Turnkreises Wet- terau-Vogelsberg ernannte Kreisobertumwart Dr. Siegert (Stockheim) den Vereinsführer Thierolf zum Ehren-Turnkreisführer unter lieber- reichung einer kunstvollen Urkunde. Am Sonntag sah man auf dem schönen Sportfeld der Turn- gemeinbe fpannenbe Spiele, bei benen zwei Deutsche Meister bie Gäste waren. Frankreichs Vorbereitungen für die XI. Olympiade Berlin 1936. Einer ber maßgebenbsten französischen Sportführer schreibt bem Olympia:Pressebienst: „Es scheint, baß Frankreich heute ber Vorbereitung seiner Sportler, unter benen bie Wettkämpfer für bie Berliner Spiele ausgewählt werben, größere Sorgfalt als in früheren Zeiten angebeihen läßt. Das französische Olympische Komitee hat bieses Mal verhältnismäßig hohe Summen, bie für bas Training ber Sportler unb ben Ankauf von Sportmaterial bestimmt finb, zur Verfügung gestellt bekommen. Was letzteres angeht, muß gleich gesagt werben, baß es sich um Trainingsmaterial, wie Scheibenhanteln für bie Gewichtheber, elektrische Kontrolleinrichtungen für bie Fechter, Matten für bie Ringer, Olympia-Jollen, usw. hanbelt. Die Summen, bie bas Französische Olympische Komitee für biefen Zweck erhalten hat, belaufen sich auf 1 400 000 Franken. Das Komitee verteilt bas Geld unter bie Verbänbe, bie sich mit einer Sportart, bie in bas Olympische Programm ausgenommen ist, befassen. Die Verteilung wirb nach verschiebenen Gesichtspunkten vorgenommen, unter anberen: Wichtigkeit ber Teilnehmer unb Schwierigkeit ber Organisation bes Trainings. Es ist zu berücksichtigen, baß bas Training für Laufen unb Rubern z. B. größere Schwierigkeiten als bas für Basketball unb Pistolenschießen bietet. Dor ber Verteilung ber Unterstützungsgelber muß jeber Verband einen Arbeitsplan mit ungefährem Kostenvoran- schlag aufstellen. Jeber Plan wirb befonbers geprüft. Im allgemeinen teilen bie Verbänbe ihre Sportler in „wahrscheinliche" unb „mögliche" ein. Zu ben ersteren gehören biejenigen, bie sich burch ihre Teilnahme an ben vorhergehenben Spielen ober sonst burch entscheibenbe Siege bewährt haben; zu ben letzteren biejenigen, bie geeignet erscheinen, in Krankheitsfällen, bei Form- Verschlechterung ober bei sonstigen Grünben die „wahrscheinlichen" zu ergänzen ober zu ersetzen. Das Französische Olympische Komitee behauptet natürlich nicht, baß seine Werbe - unb Auswahlveranstaltungen ber Verbänbe wirklich ben unbekannten Sportsmann finben lassen werben, ber fähig ist, Frankreich bei b?n Olympischen Spielen 1936 zu vertreten. Es ist sich barüber klar, baß Sportsleute ber Olympia-Klasse nicht erst einige Monate vor ben Spielen auf* tauchen. Außerbem aber stellt bas Komitee fest, baß sein Programm, besonbers hinsichtlich ber Leichtathletik — bes Königs ber olympischen Sportarten —, wo man trotz einiger glänzenber Einzelleistungen noch nicht zu bem gewünschten Erfolge gekommen ist, bie Schaffung einer Bewegung zur Folge haben wirb, bie bem ganzen französischen Sport in ben nächsten Jahren zugute kommt. Das verbankt es inbireft ber Vorbereitung seiner Sportler für bie Olympischen Spiele in Berlin." Kurze Sportnotizen. Leichtathletik-Prüfungen für das Deutsche Turn- und Sportabzeichen. Bewerber für bas Deutsche Turn- unb Sport- abzeichen können sich ben Prüfungen in berLeichtathletik am Samstag, 29. Juni 1935, von 15 bis 18 Uhr, unb am Sonntag, 30. Juni 1935, von 9 bis 12 Uhr, auf bem 1900-Sportplatz unterziehen. Meldung bei Kreisfachamtsleiter Richtberg auf bem Platze. WMAMMM auf der Waldeslust Samstag, den 29. Juni: 20.30 Uhr: Kameradschaftsabend. Sonntag, den 30. Juni: 14 Uhr: Antreten auf dem Brandvlatz. 14.15 Uhr: Abmarsch zur Waldeslust. 15.30 Uhr: Aufstell, u. Abschreit. d. Front. Begrüßungsansprache. Weihe der Fahne der 118er. Großes Konzert. Abends Festbeleuchtung u. großes Feuerwerk. Wir beraten Sie Wir entwerfen Wir drucken gut Ist die billigsteI Urheberr 19 ifortfi "halb nut sanft, behagliche sollte die Einhunde verlangen wenig he der Wirts nicht die ' £ bitter U°n gar erzic faum not „Lht b( Sch. bereits i und 'Uhr er , r "AH ha fe und i ^sen, he wollen/" blQ"unger 3« ne Sn' sÄ •Nntfe Nd,^.» •te jN ! Unb 4 t'*9 h)Qt IQt Qi Siet Nr. M Drittes ylatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Mittwoch, 2b. Juni (935 3« EMAtzW -WUU.M M >&< Unser Bild ist eine zeitgenössische Darstellung eines Aufstiegs der nach ihrem Erfinder benannten „Mont- golfiere". — (Scherl-Bildarchiv-M) erkennung und die Kritik ihrer Zeitgenossen geteilt, und ihre Namen sind vereint in die Geschichte der Lustschiffahrt eingegangen. Es war in den Junitagen 1793, als nach Paris und von hier aus in die Welt die Kunde drang, daß zwei Brüder namens Montgolfier, die nach einem Studium der Mathematik und Naturwissenschaften die väterliche Papierfabrik in Annonay übernommen hatten, die Einwohnerschaft der Stadt in größte Aufregung versetzten. Ein Ballon aus Panier, mit einen Umfang von 34 Meter, war von ihnen mit , als erste Fahrgäste: einen Hammel, einen Hahn und eine Ente. Ein Kanonenschuß leitete den großen Augenblick ein. Langsam und ruhig entschwebte das Fahrzeug in die Lüfte. Acht Minuten später, beim Wald von sank es wieder sanft zur Erde nieder. Die Botschaft erregte ungeheures Aufsehen. Die Akademie trat zusammen, eine Studienkommission wurde eingesetzt, und die Mongolfiers erhielten die Einladung, ihr Experiment in Paris' noch einmal in aller Oeffentlichkeit vorzuführen. Arre der „Emden" Wer des Verdienstes des französischen Ballon- konstrukteurs Zosef Michel Montgolfier gedenken will, muß seinen Bruder Jacques Etienne in die Betrachtung mit einbeziehen; denn die Brüder haben bei ihrer Pioniertat im Reich der Lüfte immer in innigster Uebereinstimmung gehandelt. Die „Montgolfiere" ist ihr gemeinsames Werk; so haben sie sich auch zu ihren Lebzeiten in die An- Ein jahrelanges, stilles Studium und rastlose Versuche der beiden Prüder waren diesem ersten Erfolg vorausgegangen. Mit Dampf hatte man begonnen; aber bald erwies sich der allzu rasch sich kondensierende Wasserdampf als unzuverlässig. P r i e st l e y s Werk „lieber die verschiedenen Arten von Luft", das einer der Brüder von einer Reise aus Montpellier mitbrachte, zeigte einen neuen Weg. Es mußte gelingen, einen leichten Hohlkörper mit einer Substanz zu füllen, die leichter als die Luft war! Die Versuche scheiterten zunächst an dem mangelhaften Ballonstoff; das Papier war nicht dicht genug, dünnere Gase xu halten. Wieder experimentierten die Brüder mit Rauch. Am 19. September legten sie dann im Schloßhof von Versailles die entscheidende Probe ab. Ihr Ballon war 19 Meter hoch, bei einem Durchmesser von 15,50 Meter, und er trug in einem ' " "" ..... Der Erfinder der „Montgolfiere" und des Fallschirms. Zum 125. Todestage von Joseph Michel Montgolfier am 26. Juni. Vaucresson, war die Fahrt beendet. Die Tiere waren munter und frisch. Das Experiment war glänzend gelungen! Nun blieb noch ein weiterer wichtiger Versuch zu wagen: die „Montgolfiere" mußte ihren Aufstieg mit Menschen im Korb wiederholen. Dazu wurde ein neuer größerer Ballon erbaut, der mit den bourbonischen Lilien, den Zeichen des Tierkreises und mit stolz schwebenden Adlern geschmückt wurde. Im weidengeflochtenen Korb befand ist eine Glutpfanne, die dem Ballon heiße Luft zuführte; sie sollte durch Nachheizen die Fahrtdauer verlängern. Ein Adeliger, Pilätre de Rozier, kämpfte um die Ehre, als Erster die gefahrvolle Fahrt in die Lüfte wagen zu dürfen. Aber die ersten kleineren Versuche mißglücken. Im November soll die große Entscheidung fallen. Der König gibt nur zögernd feine Zustimmung und will anfangs nur gestatten, daß zwei Verbrecher mit in die Luft aufsteigen, die sich durch dieses Wagnis im Fall des Gelingens die Freiheit erkaufen sollten. Durch Vermittlung der Herzogin von Polignac gewährte der König schließlich Pilätre de Rozier und dem Marquis d'Arlangles die erbetene Erlaubnis, und am 21. November 1783 steigt die neue, große Montgolfiere in die Lüfte. Nach 25 Minuten landen die beiden kühnen Luftfahrer unversehrt wieder auf dem Erdboden. Trotz aller Begeisterung, mit der dieser große Vorstoß in die Lüfte begrüßt und gefeiert wurde, konnte man sich doch nicht der Tatsache verschließen, daß die mit der Montgolfiere gebotenen Möglichkeiten sehr beschränkt waren. In höhere Luftschichten konnte man mit ihr nicht aufsteigen, und die feuergefährliche Glutpfanne verhinderte wissenschaftliche Beobachtungen. So wendet sich die Aufmerksamkeit bald einem Aufstieg zu, den Professor Charles mit den Mechanikern Robert vorbereitet; er bleibt Gäste im Berliner Zoo. Leinwand gefüttert und mit dem Rauch verbrannten feuchten Strohs und zerfetzter Wolle gefüllt worden. Dann hatte man das Ungetüm losgelassen und mit Erstaunen gesehen, daß es himmelwärts flog, etwa bis in eine Höhe von 3 0 0 Meter; dann Der Kreuzer „Emde n", von dessen Weltreise wir im Gießener Anzeiger laufend ausführliche Berichte veröffentlicht haben, hat einen jungen Buschbock und zwei Leopardenbabys mitgebracht. Ein Obermaschinistenmaat kam mit den jungen Tieren nach Berlin und gab sie dem Berliner Zoologischen Garten in Pension. — Unser Bild zeigt die Ankunft des „Emden"-Tiertransportes auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin, wo er von dem Oberwärter Ohlefen (rechts) empfangen wurde. — (Scherl-M.) bei der Verwendung von Wasserstoff und schafft eine gashaltige Hülle, den ersten Ballon aus Seidenstoff, der durch eine Gummierung luftdicht gemacht wurde.. Hier Montgolfier! Hier Charles!, heißen nun dis Parolen. Beim Start der „Charliere", die bereits kugelförmig war und mit Netzwerk und Gondel unseren modernen Luftballonen glich, geht Charles zu feinen Rivalen und bittet sie, das Zeichen zum Start zu geben. „Ihnen gebührt es, uns den Weg zum Himmel zu eröffnen", sagt er respektvoll zu seinen großen Vorläufern. So schmerzt es nicht, als die Leistung seines Ballons die der Mongolfiörs übertrifft. Noch eine andere Erfindung knüpft fick an den Namen Montgolfier, und zwar darf in diesem Falls Joseph Michel ein besonderes Verdienst daran au- gesprochen werden. Leonardo da Vinci erwähnt zwar schon eine Art Fallschirm, aber sein eigentlicher Erfinder ist doch Montgolfier, der 1777 nach- weislich den ersten und wohlgelungenen Absprung mit Hilfe eines Fallschirms machte, den er bann auch bei seinen Ballonfahrten mitführte. Eine argentinische Friedens-Briefmarke MÄ¥Q Die Republik Argentinien hat aus Anlaß des Friedensschlusses im Gran-Chaco- Krieg eine neue Briefmarke herausgegeben, dis zum Zeichen des Friedens zwei verschlungene Hände vor den Fahnen von Paraguay und Bolivien zeigt. (Scherl-M.) Große Strafkammer Gießen. Der Wilhelm Reinecke aus Heuchelheim hatte sich gestern wegen eine§ Verbrechens im Amt zu verantworten. Der Angeklagte zog in den Jahren 1933 und 1934 in Gießen sowie in der Umgebung Gießens Steuergelder ein und verwandte die vereinnahmten Gelder für sich. Um die Unregelmäßigkeiten zu verdecken, machte er falsche Einträge. Lediglich seiner außerordentlich schlechten Vermögenslage, in der er sich ohne sein Verschulden befindet, hat es der Angeklagte zu verdanken, daß er mit sechs Mo naten Gefängnis davongekommen ist. Die feit 27. April d. I. über ihn verhängte Untersuchungshaft wurde auf die Strafe angerechnet. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit befaßte sich sodann das Gericht mit dem Philipp Schmidt aus Vilbel, der wegen Verbrechen im Sinne der Paragraphen 174, 170 Ziffer 3 RStGB. zu einer Zuchthausstrafe von zwei Jahren verurteilt wurde. Wammverkennstdumich, Barbara? Vornan von Liane Sanden. Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 19 Fortsetzung Nachdruck verboten! „Halb zwölf Uhr!" sagte Doktor Wenczliczek mit sanftem Vorwurf und dachte sehnsüchtig an fein behagliches Bett. Nun, diese Nachtkonsultation sollte die Herrschaft Schedlowitz teuer bezahlen. Einhundert Kronen waren das mindeste, was er verlangen würde. Dieser Gedanke stimmte ihn ein wenig heiterer. Denn die Praxis hatte jetzt bei der Wirtschaftskrise arg nachgelassen. Wenn man nicht die paar Güter im Umkreise hätte, dann sähe es bitter aus. Die Bauern holten den Tierarzt schon gar nicht mehr. Die Preise, die sie für ihr Vieh erzielten, waren so gering, daß die Arztkosten kaum noch lohnten. Jetzt bogen sie in den Fahrweg ein, der direkt nach Schedlowitz führte. Das Wirtschaftstor war bereits geschloffen. Eckehard sprang ab, schloß es auf und schob die schweren Balken zurück. Dann fuhr er mit dem Tierarzt in den Hof ein. „Ich habe den Kadaver hinter die Scheune schaffen und mit Zweigen gegen die Fliegen abdecken lassen, Herr Doktor! Wenn Sie bitte kommen wollen!" Er führte ihn in einen Seitenweg zwischen zwei Stallungen hindurch. „Wie nett, daß der Mond uns leuchtet!" sagte er," im Versuch zu scherzen, und deutete auf den Himmel dessen Regenqewölk nun zerrissen war Der Mond stand groß und hell am Himmel und beleuchtete den Platz vor der Scheune. „Na ja, mit dem Licht werde ich aber doch nicht auskommen, Herr von Mackenrothl" meinte Wenczliczek. „Sie werden schon Leute herbitten müssen, die mir beim Zerlegen des Kadavers behilflich sind. Dann muß ich irgendwo einen Tuch haben und eine Beleuchtung, um die notwendigen Schnitte vornehmen zu können. Untersuchen kann ich natürlich erst zu Hause mikroskopisch. Ich werde..." 6 Er unterbrach sich. Denn Eckehard sagte plötzlich ganz heiser: „Einen Augenblick, bitte!" Was hat er denn nur?, dachte Doktor Wenczliczek erstaunt. Er sah, wie Mackenroth niederkniete und hastig die großen Zweige beiseite schob. Plötz' lich trat auch Wenczliczek aufgeregt näher. Was war denn das? Die Stute war doch ein großes Tier gewesen. Man mußte doch jetzt schon irgend etwas von ihr sehen: die Beine, den Kops den Rücken? Eckehard arbeitete fieberhaft, um die Zweige beiseite zu schieben. Nun lag der Platz ziemlich frei. Nichts war zu sehen. Unter den Zweigen war nichts als der Erdboden. Er trug Spuren, wie wenn ein schwerer Gegenstand fortgeschafft worden wäre. „Mahlzeit!" sagte Doktor Wenczliczek. „Und dazu haben Sie mich hierhergerufen, damit ich mir diese leere Stelle ansehe?" Eckehard stand auf. Tonlos sagte er: „Also doch!" Wenczliczek sah ihn fragend an: „Wie meinen Sie?" Schneidend kam es aus Eckehards Mund: „Also doch ein Verbrechen! Ich fjabe bis jetzt nicht reden wollen, Herr Doktor! Und auch jetzt bitte ich Sie, als ärztliches Geheimnis zu betrachten, was ich Ihnen erzähle. Man hat unter dem Stroh der krepierten Stute eine Tüte gefunden. Ich habe sie bei mir aufbewahrt. Ich habe einen Verdacht, daß man das Tier mit einem bestimmten Gift umgebracht hat. Dann hat irgend jemand von meiner Absicht, das Tier heute noch durch Sie obduzieren zu lassen, Kenntnis bekommen und hat es beiseite geschafft. Derjenige aber, der das getan hat, ist auch der Täter. Wollen Sie mir einmal in meine Wohnung folgen. Ich habe dort die Tüte und auch den Rest des darin befindlichen Pulvers aufbewahrt." „Aber das ist doch — aber das ist doch...", meinte Wenczliczek ganz aufgeregt. „Das wäre ja eine himmelschreiende Schweinerei." 22. Kapitel. Schweigend gingen die beiden Männer Eckehards Wohnung zu. Der Hof lag menschenleer und still. Nichts regte sich in den weiten Wirtschaftsräumen. Eckehards Zimmer lagen zu ebener Erde in dem großen Jnfpektorhaus. Die Fenster waren geöffnet. Eckehard knipste die Lampe an und bat den Arzt, Platz zu nehmen. Dann holte er aus feinem Schreibtisch die Reste der Tüte und die Reste des weißlichen Pulvers. „Wollen Sie das zuerst einmal ansehen, Herr Doktor. Ich möchte Ihr Urteil hören, ehe ich eine Vermutung äußere." Doktor Wenczliczek zog eine Lupe aus der Tasche und besah aufmerksam die winzigen weißen Kristalle. Dann führte er das Papier mit ihnen zur Nase, roch daran. „Kleesalz!" sagte er lakonisch. „Also hat man das Tier mit Hilfe von Kleefalz umgebracht!" Der Tierarzt sah geradezu entsetzt aus. Aber so etwas ist doch unmöglich! Eine solch große Schurkerei gegenüber einem unschuldigen Tier! Und doch, jetzt, wo Sie mir diesen Verdacht nahebringen, Herr von Mackenroth, wird mir verschiedenes klar. Der gestrige Befund war doch sehr undurchsichtig; ich konnte die verschiedenen Symptome bei dem Gaul nicht recht in Zusammenhang miteinander bringen. Nun wird mir der ganze Zustand des Tieres nachträglich klar. So eine verdammenswerte Schurkerei! Wer kann das nur getan haben?" „Derselbe, der das Tier nun fortgeschafft hat, ehe Sie den Tatbestand nachweislich feftfteüen konnten, verehrter Herr Doktor!" war Eckehards bittere Antwort. „Und ich werde nicht ruhen, bis ich die Halunken erwischt habe, die hier unser bestes Viehmaterial zuschanden machen. Noch morgen früh werde ich das einzige Beweisobjekt, die Tüte mit dem Rest Gift, der Kreispolizei überbringen. Hoffentlich kommen wir der Entdeckung bald nahe." Kopfschüttelnd entfernte sich der Tierarzt mit Eckehard. Bald darauf fuhr das Auto wieder in die Nacht hinaus. Doktor Wenczliczek mußte ja von Eckehard nach Haufe gebracht werden. Sorgenvoll sah Eckehard beim Vorbeifahren am Herrenhaus zu dem schwachen, verhängten Licht, das aus einem der Fenster schimmerte. Es war das Krankenzimmer Barbaras. Wie sehnsüchtig wünschte er, noch etwas zu erfahren über Barbaras Befinden! Ob sie wohl schon aus der tiefen Ohnmacht erwacht war? Hätte er doch Magdalena sprechen können! Aber deren Fenster waren dunkel. Sie schlief wohl schon. Und noch jemanden aus dem Schlaf klingeln, das wagte er nicht. Wie hätte das auch ausgesehen, wenn er mitten in der Nacht sich nach Barbaras Ergehen erkundigt hätte!? Doktor Wenczliczek saß neben ihm im Wagen. Er war ob der geheimnisvollen Ereignisse sehr aufgeregt. Aber zu seinem Leidwesen schwieg Eckehard undurchdringlich. Das Geschwätz Wencz- liczeks war unerträglich. Sein Herz war so schwer von Sorge und auch von Empörung. Er fühlte sich jetzt doppelt verantwortlich für Barbara von Stechows Besitztum. Wer konnte wissen, was für Anschläge noch geplant waren? Wenn man nur erst heraus hatte, wer der Schurke war, der hier systematisch an dem Ruin des Gutes arbeitete. Denn das war Eckehard klar geworden — dies war nur ein Anfang. Wenn man dem Burschen nicht bald das Handwerk legte, würde die Sabotage weitergehen. Dunkle Kräfte waren hier am Werk. Warum und wozu?, er wußte es noch nicht. Doktor Wenczliczek gab es auf, sich mit dem schweigsamen jungen Inspektor zu unterhalten. So fuhren sie stumm durch die Nacht. Ab und zu heulte die Hupe des Wagens warnend auf, wenn sie einen Weg kreuzten. Die Scheinwerfer leuchteten die Strecke ab, aber alles war vollkommen still. Doktor Wenczliczek hatte sich zum Trost eine geliebte Pfeife angesteckt und paffte große Rauchwolken vor sich hin. Schließlich versank er in einen tiefen Schlaf und erwachte erst, als Eckehard vor dem Doktorhaus hielt. Es war inzwischen schon zwei Uhr geworden. „Wollen Sie nicht für den Rest der Nacht zu mir heraufkommen, Herr von Mackenroth?" fragte ber Doktor. „Sie können doch schließlich nicht egal weg hier hin und her karriolen. Ich nehme an. Sie wollen morgen mit dem frühesten beim Poli- zeiamt Anzeige erstatten." Einen Augenblick war Eckehard versucht, das freundliche Angebot Wenczliczeks anzunehmen. Er war wirklich nach all diesen Aufregungen schwer ermüdet. Und jetzt in der Nacht konnte man doch nichts beginnen. Aber er hatte feine Ruhe. Konnte man wissen, was sich inzwischen auf Schloß Schedlowitz alles ereignen würde? Außerdem — wenn er m der Nähe von Barbara war, würde er vielleicht etwas ruhiger werden. Sa trieb ihn die Angst um sie dach wieder zurück. „Dielen Dank, Herr Doktor. Aber ich muß morgen früh ja beim Arbeitsbeginn da fein." „Fleißig seid ihr jungen Leute — fleißig!* Wenczliczek schütelte mit dem Kopfe. „Glauben Sie mir, Herr von Mackenroth, damit macht man sich in der Welt unbeliebt, weil man die Faulen dadurch immer an ihre Faulheit erinnert. Na, dann alles Gute!" Eckehard jagte mit dem Wagen wieder zurück. Im Zimmer Barbaras brannte immer noA das Nachtlicht. Wie mochte es ihr gehen? Er vertraute auf die gesunde Kraft ihrer Natur. Sie würde sich gegen die Todesgefahr doch durchsetzen müssen. Leise, um die Kranke nicht zu stören, fuhr er mit dem Wagen an Schloß Schedlowitz vorbei und in den Hof. Die Garage hatte er offen gelassen. Bald war das Auto eingestellt. Nun spürte er erst, wie furchtbar müde er'war. Die Glieder waren ihm wie Blei. Sein Kopf war vollkommen leer. Es war zuviel gewesen in diesen Tagen. Und nun hatte er nur noch wenige Stunden Schlaf bis zum Morgen. Um einhalb sechs Uhr wollte er wieder auf den Beinen fein. Er machte in feinem Zimmer Licht und begann sich auszuziehen. Pedantisch, wie er in Dingen der Ordnung war, räumte er trotz der Müdigkeit noch die Schriftstücke und Akten zusammen, die auf feinem Schreibtisch lagen Wie er sie in die Schreibtischschublade stecken wollte, stutzte er. Der Schlüssel schloß doch nicht ordentlich?' Was war denn mit dem Schloß? Das ging ja heute so schwer auf? Er steckte den Schlüssel wieder hinein. Er mußte mit Gewalt rütteln und drehen. Endlich gab es nach. Er öffnete. Ein unterdrückter Laut des Zorns kam von feinen Lippen. Es mußte jemand an dem Schreibtisch hantiert haben Die verräterische Tüte mit der Aufschrift „Kleesali" war fort Ebenso das kleine Papier mit dem Rest der giftigen Kristalle. (Fortsetzung folgt!) Kür den Büchertisch. Deutsche Kunst. — Kunst und Rasse. Don Prof. Dr. Paul Schultze-Naumburg, Leiter der staatlichen Schule für Baukunst in Weimar. Zweite vermehrte Auflage mit 168 Abb. Geh. 5,50 Mk., Lwd. 7,— Mark. 3. F. Lehmanns Verlag, München. — (87) — Schultze-Naumburg weist an Hand zahlreicher Bildgegenüberstellungen die rassische Bedingtheit jeglichen künstlerischen Schaffens überzeugend nach. Die wesentlich veränderte und bis zu den neuen Problemen künstlerischer Gestaltung fortgesetzte zweite Auflage des 1928 zuerst erschienenen Buches zeigt den Weg zur Erfassung des wahren Wertes eines Kunstwerkes. Der Verfasser gibt gleichsam eine neue Art der Kunstbetrachtung. Seine Ausführungen sind für den Kunstfreund ebenso wichtig wie für den Kunstschaffenden. Er bringt beide wieder in jenes gegenseitige persönliche Verhältnis, das für eine schöpferische und volksgebundene Kunst immer Voraussetzung sein wird. — Landschaften Deutscher Romantiker. 10 farbige Tafeln und 6 Textabbildungen. Eingeleitet von Prof. Dr. A. E. B r i n ck m a n n. „Die Silbernen Bücher", Band 4, RM. 2,80. Verlag Woldemar Klein, Berlin. — (94.) — Der gut ausgestattete, schlanke Band besticht durch die große Mannigfaltigkeit der Blätter, die ein beredtes Zeugnis für den künstlerischen Reichtum der Epoche ablegen. Da es sich hier durchweg um Aquarelle (u. a. von Caspar David Friedrich, Fohr, Blechen, Richter, I. A. Koch, Carus und Lessing) handelt, weisen die Blätter vielfach eine größere Frische und Unmittelbarkeit auf, als es im allgemeinen in den Gemälden dieser Meister der Fall ist. Hier wird dem Leser und Beschauer zum Bewußtsein gebracht, welche malerischen Fähigkeiten und welch tiefe Naturbeobachtung die Meister der Romantik besessen haben. Der Text des Berliner Kunsthistorikers Professor Dr. A. E. Brinckmann ist nicht ein allgemeines und unverbindliches Geplauder über Romantik, sondern eine knappe aber sehr konzentrierte, tief eindringende Studie in den Geist der Klassik und Romantik; die Probleme werden scharf formuliert und mit der geistigen Situation der Zeit in Verbindung gebracht. Deutsche Erzähler. — Karl Jmmermann: Der Karneval und die Somnambule. Aus den Memoiren eines Unbedeutenden. 84 Seiten. Weberschriftchen- Bücherei, Verlagsbuchhandlung I. I. Weber in Leipzig. — (79) — Die Neuausgabe dieser Novelle, die von Goethe und von der Romantik her beeinflußt wurde, ist nicht nur eine originelle Ausgrabung, sondern vermittelt auch eine spannende Lektüre, die den Leser schon stofflich fesseln dürfte, im übrigen aber nicht nur literarhistorisch, sondern auch kulturgeschichtlich interessante Aufschlüsse gibt. — Paul Keller: D i e Heimat. Roman aus den schlesischen Bergen. Volksausgabe. 207. Tausend. Ganzleinen RM. 2,85. Bergstadtverlag, Breslau. — (133) — In höchster Dramatik entfaltet sich hier die Erzählungskunft Paul Kellers. Wie fast alle seine Romane, so spielt auch dieser in Schlesien und zwar in der Heimat des Dichters, im Waldenburger Bergland. Der Roman erzählt die Schicksale eines schlesische Bauernsohnes, der mit seiner Familie im Kampf um das väterliche Gut von schweren Prüfungen heimgesucht wird und schließlich zu der Erkenntnis kommt, daß, „Heimat Friede ist". Daß wir in der Erzählung etwas von den ewigen Kräften der deutschen Erde spüren, ist das Schönste an diesem Roman Paul Kellers. — Oskar Gluth: Dieter und Yvonne. Roman aus den Vogesen. 269 Seiten. Leinen 4 Mk. Im Verlag Ullstein, Berlin. — (194) — Das ist eine Liebesgeschichte, die mitten im Kriege, spielt. Es handelt sich um die schicksalhafte Begegnung eines jungen deutschen Offiziers und einer jungen Lothringerin in einem Vogesendorf, nahe bei der Front. Das Ganze ist in die Form einer Rahmenerzählung gekleidet, was u. E. nicht notwendig war und nur vom Kern der Fabel ablenkt; diese Fabel selbst wirkt ohne Zweifel romanhaft und romantisch auf den unbefangenen Leser und besonders auf den Frontsoldaten, der sich natürlich das alles zunächst in seiner eigenen Stellung oder seinem eigenen Ruhequartier vorstellt und wahrscheinlich erst mal den Kopf schüttelt; aber es soll durchaus nicht bestritten werden, daß dergleichen hier und da vorgekommen seien, und überdies geht es ja hier nicht um einen Tatsachenbericht, sondern eben um einen Roman. Und man muß hinzufugen, daß er sauber und gepflegt geschrieben ist, daß er einen menschlich echten Konflikt behandelt, und daß er den Leser zur wirklichen Anteilnahme an der reinen Leidenschaft und dem traurigen Schicksal des jungen Liebespaares im Kriege zu bewegen versteht. —y— — Werner Beumelburg: Erlebnis am Meer. Mit 14 Federzeichnungen und farbigem Einband von Ilse S ch ü l e. Verlag Gerhard Stalling, Oldenburg i. O./ Berlin. Gebunden RM. 2,10. —(155)— Es ist eine einfache Erzählung, ihr Ende ist ernst. Es sind Vorgänge eines ganz jungen Lebens dargestellt, und in der Verhaltenheit ihres Ablaufs entwickeln sich Ahnung und fast schon Erkenntnis von tieferen Dingen, die das Leben der Erwachsenen erfüllen, also daß sie miteinander in die Verstrickungen und Verwirrungen des Schicksals geraten. Dem jungen Menschen aber ist geboten, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und die Bestimmung zu erfüllen, die ihm selbst später jene Härte und Haltung schenken wird, deren er zur Bildung des Charakters und zur Meisterung des Lebens bedarf. Beumelburg zeigt hier jene Form der Darstellung, die aus dem Innern heraus die äußeren Vorgänge entwickelt, so daß beides, Innerliches und Aeußerliches, zu einer Einheit eingeschmolzen wird. — Martin Beheim-Schwarzbach: Die Todestrommel. Novelle. Reclams Unioerfal- Bibliothek Nr. 7306. Geheftet 35 Pf., gebunden 75 Pf., Ganzleinen 1 Mark. — (169) — Martin Beheim-Schwarzbach wählt fich 3um Schauplatz seiner Novelle die bunte Welt des Hamburger „Dow". Das Erregende dieser großen Budenstadt mit ihren echten und falschen Sensationen aller Art teilt sich dem fieberhaften Gange dieser Erzählung mit. Ein Spiel zwischen Artisten, hart am Rande des Todes, jagt in huschenden Bildern dahin. Mit großer Eindringlichkeit und Bildkraft ist diese unwirkliche, täuschende Atmosphäre eingefangen. — Heinrich Zillich: Die Reinerbach- mühle. Eine Erzählung aus Siebenbürgen. Mit einem autobiographischen Nachwort. Reclams Uni- verfal-Bibliothek Nr. 7304. Geheftet 35 Pf., gebun- den 75 Pf., Ganzleinen 1 Mark. — (167) — Der Siebenbürger Dichter Heinrich Zillick hat schon mehrfach durch seine kraftvollen und booenwüchsigen Erzählungen auch im Reich Aufmerksamkeit erregt. Eine besonders gelungene Leistung ist seine Erzählung „Die Reinerbachmühle". Auf altem Siebenbürger Grund lebt ein wunderlicher Hagestolz, der Erbe vieler Geschlechter von Stadtrichtern und Bürgermeistern. Siebenbürgen ist nach dem Weltkrieg an Rumänien gefallen, die neuen Besitzer suchen durch eine sogenannte „Agrarreform" den Boden ihrer einstigen Herren, der Siebenbürger Sachsen, an sich zu bringen, und unter den Opfern befindet sich auch der alte Sonderling. Wie nun trotz dieser Bedrückung auf dem alten Grunde neues deutsches Leben aufbricht, wie die Reinerbachmühle von jungen Armen wieder in Gang gebracht wird, das ist in einer naturechten Sprache erzählt, die uns Siebenbürgern mit seiner ganzen Atmosphäre und seinem reizvollen Völkergemisch nahebringt. — Walter Vollmer: Die Schenke zur ewigen Liebe. Roman. Broschiert 3 Mark, Ganzleinen 4 Mark. Propyläen-Verlag, Berlin. — (202) — Mit dem vorliegenden Roman „Die Schenke zur ewigen Liebe" von Walter Vollmer, stellt der Propyleän-Derlag, Berlin, einen der wesentlichsten Dichter der jungen Generation vor, auf den wir unsere Leser mit Nachdruck Hinweisen möchten. In diesem Roman ist die eigenartige Welt des westfälischen Kohlengrubengebiets dargestellt worden. Wilm, ein Kumpel auf einer Zeche bei Dortmund, wird von seinem Vater, den eine Vision erschreckt hat, aus der Grube genommen und aufs Dorf geschickt, damit er dem geahnten Unheil entgeht. Wilm heiratet die Kastellanstochter Dörte und kauft von der Mitgift ein Dorfgasthaus, dem er den Namen „Schenke zur ewigen Liebe" gibt. Mit Hilfe seiner früheren Arbeitskameraden, die prachtvolle Kerle sind, bringt er die Schenke in die Höhe. Das Leben packt die beiden, Mann und Frau, hart an, aber ihre Liebe überwindet alle Schicksalsschläge. — Das Buch ist tfiit einem so starken Wohlwollen für das Geschick auch der nebensächlichsten Figuren geschrieben, daß es im Leser das Gefühl der Wärme und der Verbundenheit mit diesem kleinen Kreise einfacher und gradherziger Menschen hinterläßt. Gesundheitspflege und Heilkunde. — Die Kneippkur — d i e Kur der Erol g e. 3. erweiterte Auflage. 35. Tausend. Mit 32 Bildtafeln. Verlag Knorr & Hirth, München. Geh. 5,90 RM., in Leinen 7,50 RM. — (195) — Durch die Mannigfaltigkeit und Milde seiner Anwendungen teilt die Kneippkur ein so universelles Heilmittel )ar, wie es in der Geschichte der Heilverfahren kaum ein zweites gibt. Dabei sucht die Kneippkur nur mit einfachen, unschädlichen und natürlichen Mitteln auf den ganzen Körper einzuwirken. Die Neuauflage ist erweitert und ergänzt. Neu eingefügt wurden z. B. die Kapitel „Gesundheitspflege des täglichen Lebens", „Massage und Gymnastik", „Wasserkur und Schönheitspflege". Dem für die häusliche Krankenpflege so wichtigen Kapitel „Bis der Arzt kommt" ist ein ausführliches alphabetisches Sachregister angefügt. Dadurch ist das Buch ein Ratgeber für die Familie in gesunden und kranken Tagen! — Die Frau. Ein neuzeitliches Gesundheitsbuch von Dr. Hermann Paull, Stadtobermedizinalrat in Karlsruhe. Mit zahlreichen Abbildungen. 224 Seiten. Kartoniert 3,60 RM., Halbleinen 4,50 RM., Ganzleinen 5,40 RM. 162. bis 166. Tausend. Verlag von Strecker und Schröder, Stuttgart. — (197) — Das Buch liegt in ganz neuer Bearbeitung vor. Die Vererbungslehre ist auf den gegenwärtigen Stand der Forschung gebracht. Ein neu hinzugefügter Abschnitt bespricht in anschaulicher Weise die Gattenwahl unter Klarlegung der neuzeitlichen Begriffe Erbgesundheit und Erbkrankheit. Ein anderes ebenfalls neues Kapitel „Der geheiligte Mutterschoß" läßt erkennen, welch hohe Meinung der Verfasser vom weiblichen Geschlecht und von der biologischen Aufgabe der Frau hat. Das Buch führt die Frau nicht nur zu ihrem Beruf als Mutter, sondern es begleitet sie durch alle ihr gestellten Lebensaufgaben als Jungfrau, Gattin, Hausfrau, Erzieherin. Auch die Sportbetätigung findet neuzeitliche Berücksichtigung. — Nicht mehr herzkrank! Verhütung und Naturheilbehandlung von Herz- und Gefäßkrankheiten. Von Chefarzt Dr. meb. Keller- Hoerschelmann. Mit vielen Abbildungen. RM. 2,40. Falken-Verlag, Berlin-Lichterfelde. —(153) — Der Verfasser schildert Bau und Arbeitsleistung des gesunden Herzens, unterstützt durch gute Bilder, anschließend die zahlreichen Erscheinungsformen der Herzkrankheiten. Besonders interessant ist die Darstellung der Heilbehandlung, die der Verfasser empfiehlt und wobei er aus langer spezialärztlicher Erfahrung eigene Wege geht. Chemische Arzneien lehnt er fast ganz ab; an deren Stelle setzt er erprobte, natürliche Heilmittel, die er genau schildert und die eine Dauerheilung versprechen, wenn sie sinnvolle Anwendung finden. — Heinrich Nelson: „Werde alt — bleibe jung". Mit einer Tafel zu den Uebun- gen des Nelson-Systems. Geheftet 2,40 RM. Verlag Scherl, Berlin. — (121) — Bringe Körper und Seele in den nötigen Gleichklang, behandle beide gut, damit sie frisch bleiben und dir Freude im Dasein geben. Professor Nelson, der dieses Buch geschrieben hat, ist kein Gesundheitsfex, er predigt nicht mit erhobenem Zeigefinger. Aber er versteht, amüsant darzustellen. Es ist zum Teil uralte Weisheit, neu durchdacht, zum Teil Ergebnis der modernen ärztlichen Forschungen, was er dir zu sagen hat. Schaffe dir gute Gewohnheiten, lebe vernünftig, ohne ein Asket zu sein. Nelson hat auch ein eigenes Turnsystem ausgearbeitet. Eine Tafel zeigt die Hebungen. — Gesunde Mütter — schöne Kinder. Frohe Mutterschaft durch natürliche Lebens- und Heilweise. Von Dr. med. Hans Graaz. Mit vielen Abbildungen kartoniert 1,80 -,M. Falken-Verlag, Berlin-Lichterfelde. — (160) — In schlichter Sprache wird alles gesagt, was die werdende Mutter wissen muß, um sich einer lebenstüchtigen Nachkommenschaft zu erfreuen. Ein reicher Schatz ärztlicher Erfahrungen und praktischer Ratschläge zur naturgemäßen Leitung von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, Pflege, Ernährung und Erziehung des Kindes wird geboten und das Gesagte durch eine Fülle lebensroarmet Bilder ergänzt. Das Büchlein ist ein rechter Führer zu froher Mutterschaft. Da es von warmer Menschlichkeit und Herzensgüte erfüllt ist, nimmt es der jungen Frau jede unnötige Angst, stimmt sie vielmehr froh und zuversichtlich. Neue deutsche Rechtsliteratur. — Fritz Markull: „Der deutsche und der römische Rechtsgedanke". Preis kart. 2,60 RM., Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg. — (190) — Ausgehend davon, daß der Unterschied zwischen deutschem und römischem Recht nicht allein durch eine rechtssystematische Gegenüberstellung dar- zustellen ist, versucht der Verfasser durch eine totale Betrachtungsweise des germanischen und römischen Wesens und der Kultur, die Grundlagen bloßzulegen, auf denen das Reckt entstand und die für die Rechtsformen von ausschlaggebender Bedeutung waren. Bei der ständigen Gegenüberstellung von römischen und deutsch-germanischen Rechtsformen tritt der unterschiedliche Charakter treffend hervor. Dabei sieht der Verfasser keinesfalls in einer billigen Vereinfachung nur alles Gute beim deutschen und alles Schlechte beim römischen Recht. Heute, da wir eine Wiedergeburt des deutschen Rechts erleben, ist es für jeden, der am öffentlichen Leben teilnimmt, von Bedeutung, den Gang der Rechtsentwicklung zu erkennen und eine klare Begriffs- und Formunterscheidung des Rechts zu beherrschen. — Ernst Rudolf Huber: „Vom Sinn der Verfassun g." (Kieler Universitätsreden, neue Folge, Heft 4.) Kart. 1 Mark. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg. — (116) — Professor Huber zeigt die verschiedenen Elemente in der 23er- fassungsgeschichte und legt die Grundprinzipien der sich langsam bildenden neuen Verfassung klar. Seinen Ausführungen kommt eine grundsätzliche Bedeutung zu. — Prof. Reinhard Höhn, Heidelberg: „Rechtsgemeinschaft und Volksgemeinschaf t". Heft 14 der Sammlung „Der deutsche Staat der Gegenwart". Preis 3 Mark. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg. — (191) — Höhn weist nach, wie die Rechtsgemeinschaft im souveränen Fürstenstaat hervortritt und wie die Nachkriegsliteratur bemüht ist, sich wieder zu dieser Rechtsgemeinschaft zurückzufinden. Diese Rechtsgemeinschaft hat nichts zu tun mit der Volksgemeinschaft, die wir heute als Prinzip unserem gesamten juristischen Denken zugrunde zu legen haben. Höhn fordert, daß man an Stelle der Rechtsgemeinschaft von konkreten Gemeinschaften auszugehen habe und weist an der neuen Gesetzgebung, vor allem am Erbhofrecht nach, zu welch anderen Ergebnissen man mit einer solchen Betrachtungsweise kommt. Er zeigt die Ansatzpunkte auf, die sich in dieser Beziehung auf dem Gebiete des Strafrechts finden und legt dar, wie eng das gesamte individualistische Persönlichkeitsdenken zusammenhängt mit der Rechtsgemeinschaft als Wertgemeinschaft. — Hans Dolle: Bürgerliches Recht und Erbhofgesetz. Kart. 1,20 Mark. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg. — (117) — Dem Verfasser geht es darum, die weltanschauungsmäßige und rechtspolitische Verschiedenheit von bürgerlichem Recht und Reichserbhofrecht aufzuzeigen. Er erhebt die Forderung nach einer Emanzipation des Reichserbhofgesetzes vom BGB., damit der rechte Wille des Gesetzgebers zum Wohle des Volks- ganzen durchgeführt werden kann. — Heckel, Henkel, Walz und L a r e n z: Bericht über hie Lage und das Studium des öffentlichen Rechts. (Heft 12 der Sammlung „Der deutsche Staat der Gegenwart", herausgegeben von Staatsrat Prof. Dr. Carl Schmitt.) Kart. 2 Mark. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg. — (114) — Prof. D. Dr. Johannes Heckel behandelt „Staats-, Verwaltungsund Kirchenrecht im Dritten Reich". Nirgends läßt sich der Wandel des völkischen Gemeinschaftslebens so deutlich feststellen, wie gerade hier, da jeder Begriff, jede Norm in eine neue Sinnordnung eingereiht werden muß. Alle rechtswissenschaftlichen Begriffe richten sich heute auf das völkische Reich aus, das von der mit dem Staat unlöslich verbundenen Bewegung getragen wird. Prof. Dr. Heinrich Henkel erstattet Bericht über die „Neugestaltung des Rechtsstudiums auf dem Gebiete des Strafrechts.". Eine ausführliche Begründung der Verteilung der einzelnen strafrechtlichen Teilgebiete in der Studienordnung lassen die für die Erziehung des juristtschen Nachwuchses bezweckte Absicht des Gesetzgebers klar erkennen. Zugleich stellt aber Prof. Henkel auch eine neue Strafrechtslehrmethode, auf. Dabei handelt es sich vor dem Inkrafttreten des neuen Strafgesetzbuches weniger um die Wandlung im dargestellten Stoff, als hauptsächlich um die Wandlung in der Darstellung selbst. Prof. Dr. Gustav Adolf Walz tritt in seinem Bericht „Völkerrecht und Reichsjustizausbildung" dafür ein, daß das Völkerrecht wieder als volles Pflichtfach eingeführt wird. Prof. Dr. Karl Larenz wendet sich in seinem Bericht der Rechtsphilosophie zu. Ihr roirt) es zukommen, auf Fragen des Verhältnisses von völkischem Rechtsgeist und dem geschriebenen Gesetz, der Sitte und des Gewohnheitsrechts Antwort zu geben. — Dr. Franz Wieacker : „W andlungen der Eigentumsverfassun g". Kartoniert 3 Mark. (Sammlung „Der deutsche Staat der Gegenwart" herausgegeben von Staatsrat Prof. Dr. Carl Schmitt, Heft 13) Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg. — (137) — Es ist eine besonders wichtige Aufgabe der deutschen Rechtserneuerung, den Eigentumsbegriff, der durch das starre Pandektensystem sich am weitesten von den natürlichen Ordnungswerten der deutschen Lebenswirklichkeit entfernt hatte, einer neuen Inhalts- und Wesensbestimmung zu unterziehen. Der Eigentumsbegriff des BGB. ist bereits durch die Sozialversicherung der Kriegs- und Nachkriegsnotwirtfchaft einer wesentlichen Veränderung unterworfen gewesen. Der nationalsozialistische Staat hat ihm aber einen völlig veränderten Wertgehalt gegeben; es kommt deshalb darauf an, diese veränderten Denkformen klar herauszuarbeiten. Wieacker scheidet den Begriff des Eigentums in Grundeigentum und Fahrnis, wobei er von den verschiedenartigen Rechtswirklichkeiten, die dem Eigentumsbegriff innewohnen und die eine gerechte Lebensordnung verschieden werten und ordnen müssen, ausgeht. Dem Verfasser gelingt es, die Verwandlung, die der Gtgentumsbegriff erfahren t)at, sichtbar werden zu lassen und ihn mit dem Geiste eines neuen gemeinschaftgebundenen Rechtsdenkens zu durchdringen. Landschast und ORetfe. — Carl Oskar Jatho: Wanderer auf Gottes Strom. Mit zwölf Federzeichnungen von Kurt Jatho. (Die Kleine Bücherei Nr. 47.) (Albert Langen/Georg Müller, München 1935. — (98) — Ein Rheinbuch seltener Art ist dieses Tagebuch von einer Fahrt im Paddelboot hinab von Straßburg bis zur Mündung. Das lebendige Ncttur- und Landschaftsgefühl unserer Zeit spüren wir darin und ein starkes Wissen um das große rheinische Kulturerbe: Klöster und Kaiserpfalzen, die Spuren der edlen Gestalten deutscher Klassik und Romantik, die Verse Georges — und immer wieder deutsches Menschentum, sich offenbarend in der Pflege von Flur und Haus, in den Schöpfungen der Bürger- und Bauernhäuser, den Anlagen der Städte und Dörfer, den Kapellen, Kirchen und Domen den Strom hinauf und hinab. Die Schönheiten des Niederrheins, zuerst wiederentdeckt von den Düsseldorfern Malern, bekommen in diesem Büchlein ihr Denkmal nicht minder als die oberheinische Ebene und die Sagengaue des mittleren Rheintals. Kleine Zeichnungen von überraschender Anschauungskraft machen dies Büchlein zu einem rechten Geschenkbuch besonders für alle Freunde des Stromwanderns, dann aber für jeden, der die rheinischen Lande liebt. — Herbert Cysarz: Berge über uns. Ein kleines Alpenbuch. Kart. 1,80 Mk., Leinen 2,75 Mark. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München, 1935. — (163) — Dieses Buch, das den bekannten Prager Literarhistoriker zum Verfasser hat, erschließt eine dichterische Welt von ungewöhnlichem Charakter. Das Erlebnis der Berge, das hier feine Deutung findet, entspringt einem reifen Glauben an die schöpferischen Mächte der Welt. Freude an Mühsal und Kampf um die Bezwingung der erhabensten Gipfel, Erinnerungen an den unerhörten Krieg im Fels der Dolomiten, Dank an die Schönheit der Alpenwelt klingen aus diesem Buch. Schwer nur wird diese Schilderung der Landschaft zu übertreffen fein. In dieser Schilderung werden die Berge gleichsam zur „Waage des Schicksals". Si? verwehren dem Menschen eitlen Hochmut und vermessenen Ruhm und zwingen ihn unter ihr strenges Gesetz. Unter den Bergbüchern unserer Zeit behauptet das kleine Alpenbuch von Cysarz unzweifelhaft einen besonderen Rang. — Bäume des deutschen Waldes. Verlagsbuchhandlung I. I. Weber, Leipzig. Preis 0,90 Mark — (80) — Aus dem 1767 erschienenen Werk des Nürnberger Waldamtmanns K. Chr. Oelhafen von und zu Schöllenbach: „Abbildung der wilden Bäume, Stauden und Buschgewächse" hat Hans Wegener in diesem neuesten Bändchen der Weberschiffchen Bücherei einige der entzückenden Stiche wieder ans Tageslicht befördert, mit denen der Kupferstecher A. W. Winterfchmidt das Werk Schöllenbachs geschmückt hatte. In ihrer farbigen, Frische und naturnahen Ursprünglichkeit sind sie kaum zu übertreffen. Kurze Erläuterungen zu den Bildern machen das Buch zu einem zuverlässigen Führer durch den deutschen Wald. Aus deutscher Vergangenheit. — Das Pferd des Priesters Hrafnkel. Uebertragen und mit einer Einführung versehen von Walter Baetke. 51 Seiten mit zwei Karten. Preis fort. 1,80 RM. Heft 9 der Sammlung „Bauern und Helden". Geschichten aus Alt-Island". Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg 1934. — (15) — Die Bände der von Walter Baetke herausgegebenen Sammlung stellen, mit einem leicht verständlichen, wissenschaftlichen Apparat ausgestattet, der Zeittafeln,. Ortsnamen und Wvrterklärungen enthält, für jeden an der deutschen Vorzeit Interessierten eine reiche Sammlung altgermanischer Quellen dar, die uns ein genaues Bild von den Sitten, Gebräuchen und Lebensanschauungen der Nordländer vermittelt. Für unsere Gegenwart ist die Sage vom „Pferd des Priesters Hrafnkel" besonders bedeutsam, weil sie uns einen tiefen Einblick in die Glaubenswelt des Nordens gestattet. Diese Sage spielt im 10. Jahrhundert, zu einer Zeit, da das Aufkommen des christlichen Glaubens bereits spürbar wurde. So wird hier der Zusammenbruch der germanischen Religion geschildert, und wir erkennen Einzelheiten, die dies Ereignis in seiner ganzen Bedeutung aufhellt. — Prof. Dr. Martin Linke!: „Karl der Große und Widukind." Kart. 1,50 Mk., Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg. — (175) — Der vorliegenden Schrift des Kieler Historikers liegt der auf der Trierer Philologentagung gehaltene Vortrag, der seinerzeit großes Interesse erregte. Die Schrift birgt wesentliche Erkenntnisse, die uns die beiden großen Gestalten der deutschen Geschichte in einer gerechten und wohlbegründeten Auffassung nahebringt. Ihr kommt deshalb in dem gegenwärtigen Kampf um die Erkenntnis des deutschen Charakters unserer Geschichte eine hohe Bedeutung zu. Eindringlich sei noch auf die aufschlußreichen Anmerkungen hingewiesen, mit denen der Verfasser seine Darstellungen belegt. — Dr. Johann von ßeers: Der Weg des deutschen Bauern von der Frühzeit bis zur Gegenwart. Reclams Univ.- Bibliothek Nr. 7301/2. Geh. 70 Pf., geb. 1,10 RM. — (166) — Der Kampf um Blut und Boden von der frühgermanischen Ausbreitung über die dunklen Jahrhunderte deutscher Schwäche, bis zum Ringen gegen die vernichtende Macht des Geldes und das große Werk der Bauernbefreiung durch Adolf Hitler und Walter Darre und die Bedeutung des Reichserbhofgesetzes werden anschaulich dargestellt und gewürdigt. — Der Ruf der Erde. Deutsche Siedlung in Vergangenheit und Gegenwart. Von Prof. Karl H. Schopke, Arbeitsführer. Mit 28 Abb. (VI und 170 S.) Kart. 2,80 RM. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin 1935. — (141) — Der bekannte Vorkämpfer für Arbeitsdienst und Siedlung zeigt, wie in gewissen Zeitrhythmen die Germanen und späteren Deutschen mächtige Siedlungsvorstöße unternahmen, denen jedesmal innere Spannungen, wie Bodenmangel, Uebervolkerung usw., vorangingen. In eindrucksvollen Darlegungen schildert der Verfasser, wie sich die Sehnsucht des deutschen Menschen nach dem Boden äußert Im Wiedererwachen des deutschen Bauerntums, in Arbeitsdienst und Landhilfe, die den Boden urbar und fruchtbar machen, in den Bestrebungen des Heimat- und Naturschutzes. Das Buch ist mit eindringlichen Zeichnungen versehen, die zum Teil in neuer Darstellungsweise die verheerenden Folgen der Bodenentfremdung und die segensreichen der Wiederverbindung mit dem Boden veranschaulichen.