Nr. 250 Erstes Vlatt 185. Jahrgang Freitag, 25. Oktober 1955 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für \ mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text« anzeigen von 70mm Breite 50 Rpf./plahvorschrifi nach vorh.Derembg.250/„ mehr. Ermäßigte Gruntpreise: Stellen-, Vereins», gemein« nützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf.,Familienanzei« Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- 1 • I I gen, Bäder», Unterrichts- u. Sronifvrt am main liess vniS uttö Verlag: vrvhl'sche UniverfilStt vuch- und SteinOruderei R. fange In Gießen. Schriftle'tung und GeschöslLftelle: Schulftrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel B Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte (ßienener Fomilienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monatr vezugspretr: Mit 4 Beilagen RM. l.95 Ohne Illustrierte w 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Unseren Artilleristen zum Gruß. Willkommen in Gießen! Unsere Stadt Gießen erlebt am heutigen Freitag, 25. Oktober 1935, einen der denkwürdigsten und erhebendsten Tage ihrer Geschichte Die heutigen Vormittagsstunden bringen uns die Freude des Einzugs einer Artillerie-Garnison in die Mauern unserer Stadt Es ist die I Abteilung Artillerie-Regiment 9 unter dem Befehl des Abteilungs-Kommandeurs, Hauptmann Welte, die im Rahmen des vom Führer und Reichskanzlers Adolf Hitler befohlenen Wiederaufbaues unserer Wehrmacht die Stadt Gießen als Standort erhielt. Die Gießener Bevölkerung, schon zu allen Zeiten den Soldaten freundlich gesinnt und immer bereit, ihrem Truppenteil die Garnisonstadt so angenehm wie nur irgend möglich zu machen, freut sich von ganzem Herzen über den Einzug der Jünger Barbaras, der Schutzheiligen der Artillerie. Wir sind gewiß, im Sinne aller Volksgenossen und Dalksgenossinnen unserer Stadt zu sprechen, wenn wir am heutigen Tage unseren Artilleristen die herzlichsten Willkommensgrüße der Garnisonstadt Gießen darbringen Für die alte Soldatenstadt Gießen weckt die Artillerie am heutigen Tage eine interessante geschichtliche Erinnerung Es ist nämlich seit der Zeit des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hellen, der im Jahre 1567 verstarb und der zu seiner Zeit Kanonen und Stückmeister im Gießener Zeuabaus untergebracht und damit Gießen zum ersten Male als Artillerie-Garnison bestimmt hatte setzt erst das zweite Mal daß unsere Stadt — abaeieben natürlich von den Kriegszeiten in früheren Jahrhunderten — zu einer Artillerie-Garnison wird Neben dieser geschichtlichen Erinnerung ist es aber auch die Freude daß mir in der Artillerie nunmehr d i e 'Waffe mif in Gießen in Garnlon haben, aus deren 'Reihen zwei der höchsten Führer unseres Reickis- checres bervorgeganaen sind: der Oberbefehlshaber «des Reichsheeres General der Artillerie Freiherr man Fritsch und her Ebel des Generalltahs, >G "eral der Artitlrie Beck Die Tatsache daß die fc iben Artillerie-Osfiziere in diese hoben S^ellunoen «der Wehrmacht berufen wurden, darf man wohl mit «al-- einen Beweis dafür anlvrechen welche grolle D 'deutung der Artillerie-Waffe im modernen Heere querkannt wird Diese hervorragende, ja vielfach «usschlagaebende Rolle der Artillerie ist den 'Volksgenossen noch in bester Erinnerung die während des Weltkrieaes an der Front standen und tiort vielfach den starken <5*uh und die aeroaPiqe, bahnbrechende Kraft der Geschütze kennengelernt haben. Gerade am heutigen Tage, den wir in Gießen wls den „Tag der Artillerie" begehen und ffür immer in Erinnerung behalten werden, geden- 8''n besonders die ehemaligen Frontsoldaten dieser Waffe. Wo die ..Männer mit b->m schwarzen Kragen" — der iünqeren Generation sei zur Erläute- crung gesagt, daß die Artillerie vor dem Kriege als ffHnedensuniform blaue Waffenröcke mit schwamm Klagen trug — im Felde mit ihrer Waffe zu Wort kamen, da sprachen sie ein gewichtiges Wort mit. ?n der O'fensive waren fie treue B"aleiter und Wegbereiter der ..Königin der Schlacht", der Infanterie; in der Abwehr sorgten sie durch ihr Sperrfeuer für einen wirkungsvollen Feuerriegel oor den Infanterie-Gröben ihres Abschnitts und damit für einen Schutz der Grabenbesakungen b-m der Feind nur verhältnismäßig selten und auch nur unter schweren blutiaen Verlusten durchlaufen konnte, um dann schließlich nach der Abwehr durch die vorderste Linie schließlich noch einmal von dem Feuerwirbel der Batterien gefaßt zu werden; bet den großen Schlachten im späteren Verlaufe des Krieges, besonders im Jahre 1918. waren es viele Feldartillerie-Batterien, die als Jnfanterie-Deqleit- batterien zusammen mit den vordersten Sturmwel- ben der Infanterie-Bataillone geaen den Feind an- i'türmten und ihn aus nächster Nähe unter vernich- endes Geschützfeuer nahmen; in den Tankabwehrkämpfen standen die Artilleristen mit ihren Geschützen nicht minder in vorderster Linie tapfer Ihren Mann, um der schwer ringenden Infanterie nach bester Möglichkeit Luft zu verschaffen. Und wer denkt bej dieser Erinnerung nicht auch zurück vn jene gewaltigen 42-Zentimeter-Mörser, gegen die sogar die stärksten Festungswerke nicht standzu- yalten vermochten, und an die Ferngeschütze der deutschen Front bei Laon, mit denen Paris auf Über 100 Kilometer Entfernung wirksam unter Feller genommen wurde! Allein schon diese kurzen Hinweise auf die große Zeit des siegreichen Ringens der deutschen Heere m Feindesland gegen eine vielfache Uebermacht »er Feinde machen vor allem auch den jungen deutschen Menschen, der den großen Abwehrkrieg des deutschen Volkes nur aus Kriegsbüchern ken- lengelernt haben, nachhaltig klar, welche gewaltige Bedeutung die Artillerie im Organismus eines modernen Heeres besitzt. Wenn man sich an jene Großtaten der Artillerie erinnert, dabei aber auch i-aran denkt, wie vielfach bei Tag und bei Nacht hie artilleristische Waffe im Stellungskampf oder m Bewegungskrieg immer bereit stand, in enger Gemeinschaft mit den übrigen Waffen für Deutsch- 'unbs Sicherheit und Leben zu kämpfen, so kann man ihr nur bezeugen, daß sie mit vorbildlicher Ipferbereitschaft und glänzender Tapferkeit ihre Soldatenpflicht als Schirm und Schutz der Heimat sich dabei wohl auch jenes dramatischen Geschehens an der Westfront, als bei einer Zurücknahme eines deutschen Frontabschnittes eine einzige Batterie stundenlang die anstürmenden Engländer aufhielt und zu immer neuen Stürmen gegen die Feuerstellung der Batterie zwang, bis die gesamte Geschützbedienung gefallen, die letzte Granate aus dem einzigen noch intakten Geschützrohr verfeuert und dieses dann von dem letzten Lebenden der Batterie, einem jungen Leutnant, gesprengt wurde, der mit dem letzten Schuß aus seinem Revolver zu seinen gefallenen Kameraden heimging, um nicht als Gefangener in die Hande des Feindes zu fallen; oor diesem Heldenmut bis zum tragischen Ende salutierte auch der anstürmende Gegner in Ehrfurcht. an den Geschützen treu erfüllt hat. Man erinnert Dieser glänzende soldatische Geist erfüllte die Jünger Barbaras vom aktiven Mann bis zum Land- ftürmer, vom jüngsten Kanonier und Fahrer bis zum Artilleristen in den höchsten Kommandostellen, und dieser stolze Heldengeist war es. auch, der in den letzten Wochen des großen Krieges die Angehörigen vieler Batterien befähigte, in Ermangelung ausreichender Jnfanteriekräfte von sich die Anstürme des Feindes vielfach nur durch die artilleristische Waffenkraft abzuschlagen oder zum mindesten aufzuhalten. Und wie die „Schwarzkragen" an den Geschützen in den Feuerstellungen, Io leisteten ihre Waffengefährten in den Munitionskolonnen beim Heranfahren der Munition bei Tag und Nacht, oft mitten durch schwerstes feindliches Feuer, außerordentliches an Heldensinn und Opferbereitschaft, standen in gleicher treuer Pflichterfüllung bis zum letzten Augenblick die Männer der Artillerie-Beobachtung in den Gräben der Infanterie oder lagen in irgendeinem Sappenloch oder Granattrichter, um von hier aus als „Auge der Batterie" das Feuer der Geschütze zu lenken. Das war die stolze Artillerie, oor dem Kriege sogar von manchem Soldaten nicht so recht gewürdigt, im Donner der schweren Schlachten aber um so höher geschätzt und mit Dankbarkeit bedacht! 3n dieser Artillerie haben die früheren Feldartillerie-Regimenter unserer engeren Heimat, die 61 or in Darmstadt und Babenhausen, die 27er in Mainz und in Wiesbaden, die 63er in Frankfurt und die 47er in Fulda, samt ihren Kriegsformationen ihre Waffen allezeit in Frieden und Krieg in hohen Ehren getragen. Der glänzende soldatische Geist hat sich auch durch das furchtbare Unglück des Vaterlandes von 1918 nicht töten lassen Er fand seine herrliche Fortsetzung in der Reichswehr der 100 000 Mann, die er zum festen Pol der aufbau- bereiten Kräfte in unserem Volke machte. Und er erfüllt in gleicher Weife, gestärkt noch durch die erhabene Tradition und die hohe Waffenehre aus Hunderten von Schlachten und Gefechten der ruhmreichen alten deutschen Regimenter, alle Männer der jetzigen deutschen Wehrmacht, vom obersten Befehlshaber bis zum jüngsten Soldaten, in deren sicherer Obhut unser herrliches Vaterland unter der starken Staatsführung Adolf Hitlers sich erneut den gebührenden Platz an der Sonne im Kreise der Völker erringen will und wird. Diesen glänzenden Geist, die herrlichen Tugenden des besten deutschen Soldatentums, werden uns neben unsrer Infanterie von heute ab auch unsere Gießener Artilleristen durch ihr Wirken im Dienste von Volk und Vaterland täglich Dorleben in der steten Bereitschaft, zu jeder Stunde sich mit Mann und Geschütz unter selbstloser Hingabe einzusetzen für das Leden und das Glück der deutschen Nation. Die beste Tradition der „Schwarzkragen" aus dem herrlichen alten deutschen Heere wird dabei der neuen Wehrmacht unter ihrem obersten Befehlshaber, dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, der gute und sichere Leitstern auf ihren Wegen nach aufwärts zum Glück des deutschen Vaterlandes sein. Dieser herrlichen deutschen Wehrmacht im allgemeinen und der I. Abteilung des Artillerie-Regiments 9 im besonderen gelten an dem heutigen unvergeßlichen Tage der Artillerie von Gießen unsere Grüße und herzlichsten Wünsche für ihr soldatisches Wirken im Dienste der deutschen Nation und für ihr kameradschaftliches Leben in der deutschen Volksgemeinschaft unserer Stadt Gießen und der Provinz Oberhessen! In Freude und in alter soldatischer Kameradschaft verknüpfen wir mit unseren Wünschen noch einmal den frohgestimmten Gruß an unsere neue Gießener Truppe: Don Herzen willkommen Ser Artilleristen! Soldaten. Der Soldat ist, wenn man ihn richtig begreifen will, nicht als eine Berufsklasse zu verstehen, oder als eine fachliche Organisation mit bestimmten praktischen Zielen und Zwecken, sondern der Soldat, das ist der kämpferische Mensch schlechthin. Es ist der Mensch, der sein Leben an eine Sache setzt, die er als sich selbst übergeordnet anerkennt, an eine Sache, der er mit allem, was er ist und hat, zu dienen bereit ist. Dieser kämpferische Mensch ist in seiner reinsten, das heißt in seiner selbstlosesten Form im deutschen Volk vorhanden Das deutsche Volk ist das Volk der Soldaten dieses Sinnes Und in der Tat haben sich in Deutschland alle Entscheidungen durch diesen soldatischen, kämpferischen Menschen vollzogen. Jede große geschichtliche Leistung in Deutschland war eine soldatische Leistung Die Täter dieser bestimmten Werke haben allerdings nicht immer Uniform getragen Das Soldatentum ist nicht abhängig von der Uniform. Ob es nun der nicht uniformierte Krieger Armins, des Cheruskers. ober die exakt exerzierten Regimenter Friedrichs des Preußen waren — immer stellte dieses Heer als Gefolgschaft die Erweiterung bet führenben Persönlichkeit über sich selbst hinaus bar. Unb jebesmal — ob es nun bis Heere bes Dreißigjährigen Krieges ober bes Weltkrieges waren — waren biefe Truppen solbatischer Menschen bie Verkörperung einer Idee. eines Glaubens Niemals würbe ein beutscher Krieg um bes Krieges willen geführt. Es ftanb immer ein höherer Befehl, ein großes Kommanbo dahinter Eroberungskriege, Raubzüge, bie bem Deutschen von fremben Völkern so oft angebichtet worben finb, hat es niemals gegeben. Die blutigen Züge ber Wikinger waren hemmungslose Kraftäußerungen eines urtümlichen, un- gebänbigten Geschlechts, Ausbrüche eines unerschöpflichen Bestandes innerster Kraft, bie nur bes» halb oft genug abseits versickerten, weil sie eben ungehemmt unb untergeorbnet waren. Hier lenkte noch nicht eine höhere Einsicht mit Zucht unb Weitblick den elementaren Sturm bes Dranges in alle Welt hinaus. Viele biefer Scharen gingen als Wegbereiter unb erste, über unbewußte Winkelriebe bes germanischen Volkes in seinem weitesten Sinne hinaus. Wir sahen bie beutschen Landsknechte bes Mittel- asters bie gleichfalls wikingerhaft ihre Leiber in bie Löbliche Bresche trugen, burch bie später einmal — bewußt unb klar — bie beutschen Vorstöße erfolgen sollten. Es gab hier jene finnbUbhafte Erscheinung bes „verlorenen Haufens"^ Das heißt, jener ersten Angriffsreihe ber lanbsknechthaften Schlachtorb- nung, jener Reihe, bie als bie erste bazu bestimmt war, bie Speere ber ersten feinblichen Reihe mit ihren Körpern aufzufangen unb nach Möglichkeit durch sie hindurchzudringen. Es waren Männer, die sich opferten, damit die nach ihnen Kommenden ihren neuen Vorstoß weiter vortragen konnten Die Ausbildung des Soldaten zur selbständigen Persönlichkeit, die in ber äußersten Gefahr auf sich allein gestellt ist, machte im Weltkriege riesenhafte Fortschritte. Da lag sogar bie geringe Einheit ber Kompanie unb bes Zuges in Trommelfeuer und Gas und wurde zersplittert in Gruppen, ja, sogar in die einzelnen Soldaten selbst. Jeder stand in den äußersten Minuten des Kampfes oft genug für sich allein, niemand hals ihm. Er mußte aus Instinkt unb Erfahrung selbst wissen, was er zu tun hatte: Abriegelung nach links ober rechts, Hanbgranatenwurf im richtigen Augenblick, Bedienung eines Maschinengewehrs nach Ausfall bes Schützen, Anforberung von Sperrfeuer, Vorstoß im Gegenangriff ufro. Diese Auflösung ber Kompanie in ihre letzten Einzelteile stellte an bie Persönlichkeit bes beutschen Menschen bie höchsten Anforderungen. Unb biefe Anforberungen würben erfüllt. Es galt immer, auf ben Angriff den Gegenangriff zu setzen, selbst in ber Umzingelung nicht nachzugeben, ben größten Ueberraschungen kalt unb sachlich gegenüberzutreten, jebe Möglichkeit von vornherein ins Auge zu fassen und zu berücksichtigen. Hunger, Durst unb völlige Erschöpfung auszuschalten, jeben Vorteil auszunutzen unb jeben Verlust roieber wett zu machen. Jeber Soldat mußte im Notfall sein eigener Führer sein können. Und das, obwohl er nur 100 ober 200 Meter nach links ober nach rechts sehen konnte unb von ber Gesamtlage ber Schlacht, bie bis über Dutzenbe von Kilometern ging, keine Vorstellung hatte. Das war bie Durchformung bes Heeres bis in bie letzte Faser ber Nerven unb ber Muskeln hinein. Unb bas gegenüber einem in jeber Beziehung zehnfach überlegenen Gegner mit bem im Laufe ber letzten zwei Jahre immer stärker unb furchtbarer bämmernben Gefühl, baß ber Krieg nicht mehr zu gewinnen fei. Unb bas, obwohl jeber sich sagte, baß bie Front unentwegt unter ben höchsten Be- bingungen bas Aeußerste hergegeben, geopfert unb geleistet hatte. So steht am Enbe des Krieges und bis auf den heutigen Tag das Bild des deutschen Soldaten als einer kämpferischen Persönlichkeit, die in den entscheidenden Tagen und Monaten über Deutschlands Schicksal die^ Bestimmung in der Hand hat, insofern als dieser Soldat ben Sinn besten, woraus es an» kommt, ben nach ihm Kommenden lebendig überliefert. Franz Schauwecker. Bauerte in Feuerstellung. — (Bildarchiv.) ’v ' Mb 'M- - -<• > : ; > ■ Italienische Kurve In der Abstimmung des Völkerbunds über die gegen Italien zu ergreifenden wirtschaftlichen Sanktionen zeichnete sich zum ersten Male deutlich die Reichweite t-cs diplomatischen, politischen und wirt- ickaftlichen Einflusses ab, den sich das faschisti- tcye Regime nach dreizehnjährigem Bestehen zu sichern gewußt hat. Man kann also die Gen er Stimmenabgabe als die Bilanz einer langjährigen diplomatischen Anstrengung Italiens betrachten, "ich für die Durchsetzung seiner politischen Ziele und ür etwaige Konflikte einen möglichst großen Rückhalt zu verschaffen. Die Beurteilung dieser Bilanz hängt neben der tatsächlichen Bewertung ihrer Aktivposten davon ab, ob sie in der naturgemäß an- und absteigenden Kurve solcher Bemühungen einen mehr oder weniger hohen Stand des Erfolges aufweist. Untersucht man das Genfer Ergebnis nach dieser Richtung, so zeigt sich, daß es eher einen Tiefstand des italienischen Einflusses aufzeigt, jedenfalls die vor etwa fünf Jahren erreichte Scheitelhöhe der Kurve bei weitem nicht erreicht. Es haben bei allem Unbehagen, das der Gedanke der Sanktionen und der damit verbundenen Verluste bei vielen verursachte, nur die drei Staaten Oesterreich, Ungarn und Albanien gegen die Sanktionen, also politisch gesehen, für Italien gestimmt, die beiden ersten mit dem Hinweis auf ihre engen politischen Beziehungen mit Italien, das letztere mit einer deutlichen Betonung seiner politischen Abhängigkeit, die es an einer anderen Stellungnahme verhindere. Unter diesen Freundschaften oder Abhängigkeiten sind die Ungarns und Albaniens die ältesten Erfolge der italienischen Diplomatie im Raume der Donau und des Balkans. Sie wurden verfolgt und erreicht im Zuge einer früheren faschistischen Politik, die durch den Gedanken einer europäischen Revision und durch den Gegensatz zu Jugoslawien und zur Kleinen Entente bestimmt waren. Das Bündnis mit Ungarn enthielt das italienische Versprechen, für die ungarischen Revisionsforderungen einzutreten; der ungefähr zu gleicher Zeit mit Albanien abgeschlossene Protektoratsvertrag von Tirana verschaffte Italien für einen etwaigen Konflikt mit Jugoslawien oder auf dem Balkan überhaupt die nötige militärische Basis, die es sich in den Friedensverträgen nicht hatte sichern können. Neueren Datums ist der beherrschende Einfluß auf Oe st erreich, dessen Zusammenhänge mit der deutschen Entwicklung und mit der Wendung der italienischen Diplomatie vom sogenannten dynamischen System der europäischen Politik zum statischen Frankreichs bekannt genug sind. Die innere Bewertung dieser drei Freundschaften, die sich in der Stunde der Not und Bewährung zu Italien bekannt haben, ist einigen Zweifeln ausge^ setzt. Das Verhältnis Italiens zu Ungarn ist bisher nur deshalb intakt geblieben, weil sich die neue italienische Politik einer Annäherung an die Kleine Entente, einer völligen Verständigung mit Jugosiawien und einer Ordnung des Donauraumes nach französischen Wünschen gerade wegen der in Budapest liegenden Bruchstelle noch nicht hat verwirklichen lassen; immerhin hat die Abwendung Italiens vom Revisionsgedanken den Wert des Bündnisses in Ungarn beträchtlich herabgemindert, wenn dies auch bei dem fließenden Charakter des Problems noch nicht offiziell zur Wirkung gekommen ist. Das italienische Protektorat über A l - b a n i e n kann aufrecht erhalten werden, solange Italien in der Lage ist, seine Goldzahlungen an die albanische Regierung, die es nach längerer Pause gewiß nicht ohne Grund wieder ausgenommen hat, zu leisten, und solange nicht a n • dere politische Kräfte die in Albanien immer bestehende Möglichkeit einer inneren Umwälzung mit Erfolg betreiben. Die häufigen Aufstände und Rebellionen gegen die Regierung des von Italien abhängigen Königs Z o g u, zuletzt die vom August dieses Jahres, deren Herd bezeichnenderweise im Süden des Landes an der griechischen Grenze war, lassen erkennen, daß hier für die traditionelle Balkanpolitik einer europäischen Großmacht gegen eine andere sagen wir also offen, in diesem Falle f ü r England unbegrenzte Möglichkeiten gegeben sind! Was endlich Oesterreich betrifft, so ist allerdings seine gegenwärtige Regierung mit Italien auf Gedeih und Verderb verbunden; wie das österreichische Volk darüber denkt und wie es eventuellen Prüfungen dieser an die Zeiten alter Kabinettspolitik erinnernden Verbindung begegnen würde, läßt sich unter den derzeitigen österreichischen Umständen nicht feststellen, aber mit Sicherheit ahnen. Diese nicht sehr stattliche Bilanz der italienischen Diplomatie schrumpft noch mehr zusammen, wenn man sie mit dem Status von etwa vor 5 Iahren vergleicht. Die Beziehungen mit Bulgarien waren damals sehr eng, wenn sich auch der schwache in den Friedensverträgen mißhandelte Mittelbalkanstaat eine ausgesprochene Bündnispolitik nicht leisten wollte und konnte. Aber er war zusammen mit Ungarn für Italien eine unbedingt zuverlässige Rückendeckung gegen jeden Zusammenstoß mit Jugoslawien. Mit diesem hat sich inzwischen Bulgarien eher und besser verständigen können, als Italien. Die italienischen Anstrengungen, die Randstaaten des östlichen Mittelmeeres, Griechenland und die Türkei, in seine Gefolgschaft zu bringen und sich dort ein Gegengewicht gegen Frankreich und vor allem gegen England zu verschaffen, waren eine Zeit lang erfolgreich. Das veniselistische Griechenland war, allerdings unter der Voraussetzung ungetrübter italienisch-englischer Beziehungen, bereit, diplomatisch mit Italien zu gehen, und trat auf italienischen Rat in freundschaftliche Beziehungen mit der Türkei, welche die alte Rivalität und Feindschaft von Jahrhunderten auslöschten. Aber die innere Wandlung Griechenlands, Deniselos' endgültiger Sturz und die an Griechenland mit jedem Tage mehr heranrückende Alternative: Italien oder England, macht die Option der griechischen monarchischen Regierung für den alten mächtigen Freund und Beschützer der hellenischen Freiheit ganz unzweifelhaft. Indessen hatte sich d i e Türkei Atatürks schon lgngst durch ihre Anlehnung an Sowjetrußland und den Anschluß an den Balkanbund den italienischen Spekulationen auf einen Zweckverband im östlichen Mittelmeer entzogen und war ihre eigenen Wege gegangen. Dor etwa zwei Jahren traten in der italienischen auswärtigen Politik zwei konkrete Ziele in den Vordergrund: der Vorstoß in den kolonialen Raum Afrikas und in den mitteleuropäischen der oberen Donau. Beide schienen Rom ohnx restlose Bereinigung seiner Stellung zu Frankreich nicht erreichbar, dessen österreichische Politik ohnehin mit der italienischen, wenigstens auf den ersten Wegstrecken, zusammenlief. So führte die neue Politik zum Januarabkommen mit Frankreich, zu der Einfügung Italiens in die Front der Mächte vom Londoner Protokoll und von Stresa, zur An- Das Memelunrecht kommt im britischen Ltnterhaus zur Sprache. „Das rein künstliche Regime des Memelstatuts war ein Kehler der Alliierten." Internationale Kontrolle und Volksenische,d muffen eine neue Lösung vorbereiten. Die deutsche Rüstung ist an allem schuld. Eine Attacke Churchills. L o n d o n, 24. Okt. (DNB) In Unterhaus wandte sich der konservatwe Abgeordnete Winston Churchill sofort dem Thema der d e u t f ch e n Aufrüstung zu. Der Umfang und das Tempo der deutschen Wiederaufrüstung, so führte er aus, fei feit seiner letzten Rede unbarmherzig fortgesetzt worden. Ganz Deutschland sei ein bewaffnetes Lager. Eine mächtige Armee fei im Entstehen. Aber die Deutschen füllten nicht nur ihre eigenen ungeheuren Magazine, sondern sie seien auch in der Lage, gewisse Mengen an Munition auszuführen. Schnell werde die deutsche Luftwaffe aufgebaut. Für England bestehe vorerst keine Aussicht, die Stärke der deutschen Luftstreitkräfte zu erreichen oder Deutschland in naher Zukunft zu überholen, was England auch immer tun möge. Er wolle nicht behaupten, daß sich die deutsche Wiederaufrüstung gegen England richte. Vielleicht seien die Engländer die letzten, die die Deutschen anzugreifen wünschten. Es werde sogar eine Theorie ausgestellt, wonach die Deutschen nur aus nationaler Selbstachtung aufrüsten und sie niemanden zu verletzen gedächten. Er wage aber zu behaupten, daß England keine Sorge habe, die mit der durch die deutsche Wiederaufrüstung verursachten Sorge verglichen werden könne. Er grolle dem deutschen Volke nicht; er fjabe viele deutsche Freunde und hege eine lebhafte Bewunderung für ihre ausgezeichneten geistigen, wissenschaftlichen und künstlerischen Eigenschaften. Nur ein im Frieden mit sich selbst lebendes Deutschland, das keinen Haß mehr im Herzen habe, könne Europa von seinen.Gefahren, von seiner Furcht befreien. Churchill ging dann zum italienisch - abessinischen Streit über, der, wie er sagte, im Verhältnis zu den soeben von ihm beschriebenen Gefahren eine Angelegenheit von nur sehr geringer Bedeutung sei. Er glaube nicht, daß Mussolini sich auf das abessinische Abenteuer eingelassen hätte, wenn er nicht die tiefen Besorgnisse Frankreichs über die deutsche Wiederaufrüstung und die militärische Schwäche Englands zu Lande und zu Wasser erkannt hätte. England müffe unverzüglich dafür sorgen, daß es seine Herrschaft Über das Mittelmeer sicher und dauerhaft mache. (Beifall.) Der Erfolg der wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen hänge von der Dauer ihrer Anwendung ab. Wo werde der italienische Diktator im nächsten Jahre um diese Zeit sein? Er werde sich vielleicht tief im Innern Abessiniens befinden mit einer Armee von einer Viertelmillion Mann, die unter Krankheiten und Kleinkrieg leiden würde. Italien werde aus jeder Pore bluten. Die Preise in Italien würden steigen, der Kredit erfennung des Prinzips der Statik und der Gesättigten, gegen das man doch bald wieder in Afrika sich auflehnen wollte, und zur Spannung mit Deutschland, das man für noch schwach genug hielt, um es opfern zu dürfen. Die Rechnung hatte einen großen Fehler; sie würde ohne England gemacht, das zwar noch bis Strefa mitging, die Auswertung des europäischen Sicherheitssystems für koloniale Fragen aber als einen Eingriff in fein säkulares Vorbehaltsgut oder, moralisch gesprochen, als eine zynische Verachtung des Völkerbundes betrachtete. Daraus ergab sich sofort der zweite Rechenfehler, die Annahme der unbedingten Zuverlässigkeit Frankreichs. An diesem Punkte steht zur Zeit die italienische Diplomatie. Sie hatte Erfolge, als sie fein festes Ziel, aber eine Idee hatte, Mißerfolg, als sie die Idee verriet, um Ziele zu erhaschen. Die englische Politik macht es anders: sie suchte und fand ein Ideal, um ihre Ziele verfolgen zu können! O. M. Oer radikalsvziaüstische Parteitag Paris, 24. Okt. (DNB.) In Paris hat die 32. Landestagung der Radikalfozialistifchen Partei begonnen. Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses der Kammer, B a st i d e, bekräftigte das Festhalten der Radikalsozialisten an der Politik der internationalen Zusammenarbeit und kollektiven Sicherheit, deren Mittelpunkt der Völkerbund sei. Die gemeinsamen Anstrengungen Englands, Sowjetrußlands (!) und Frankreichs bildeten das Gerüst des Friedens und die Garantie der kleinen Mächte. Die Fortsetzung dieser Politik sei allein geeignet, die Aufrechterhaltung des Friedens zu gewährleisten. Die Sitzung war weiter landwirtschaftlichen Fragen gewidmet, denen sämtliche französische Parteien neuerdings im Hinblick auf die Gärung in der Bauernschaft ihr besonderes Interesse zuwenden. Staatsminister H e r r i o t betonte, daß ganz Frankreich einem Versuch zur Diktatur Widerstand leisten würde. Niemand könne die Republik angreifen. Es kam zu einer lebhaften Auseinandersetzung über die neuen Verordnungen über öffentliche Kundgebungen, Waffenhandel und Waffenbesitz. Die Angriffe des linken Flügels gegen die Regierung veranlaßten Staatsminister Herrivt, die Sitzung zu verlassen, aber nach einer Stunde kehrte er auf die eindringliche Bitte seiner Freunde zurück. Den Vorstoß führte Daladier an, der die Auffassung vertrat, daß die Maßnahmen der Regierung unwirksam seien. Wahlen in der Schweiz. Basel, 24. Okt. (DNB.) Am Sonntag finden in der Schweiz die Neuwahlen für den Natio- nalrat und für einen Teil des Ständerates statt. Die beiden Körperschaften sind für eine Amtszeit von vier Jahren zu wählen, und zwar der Nationalrat nach dem 1919 zum erstenmal angewandten Proporzsystem, der Ständerat nach dem Majorzsystem. Die Zahl der Sitze im Nationalrat beträgt 187; die Kantone als Ständevertreter haben im Ständerat 44 Abgesandte. Um die 187 Nationalratssitze bewerben sich nicht weniger als 981 Kandidaten, die auf 118 Wahl- vorfchlagslisten eingereicht wurden. Das ist eine sehr werde geschwunden sein. Man dürfe die Bedeutung eines langanhaltenden Druckes nicht unterschätzen. Nach der Rede Churchills wurde über die Arbeitslosenfrage gesprochen. Als ein Arbeitervertreter die Frage der englischen Notstandsgebiete aufwarf, warf eine junge Frau von der Galerie ein Bündel kommuni st ifcher Flugblätter auf die Abgeordneten. Die Demonstrantin wurde sofort entfernt. Der Arbeitervertreter Greenwood sagte, Churchill habe sich mit seiner Rede für ein hohes Amt in der Nationalregierung als geeignet erwiesen, falls diese an der Macht bleibe. Er beschuldigte im übrigen die Regierung, daß sie den italienisch-abessinischen Streit als ein Mittel benutze, um die ernste wirtschaftliche Lage und die Arbeitslofen- frage in England in den Hintergrund zu rücken. „Die Lage Memels ist unmöglich" Der konservative Abgeordnete Hauptmann C a - 3alet erklärte, daß die deutsche Wieder- aufrüftung nicht gegen England g e - richtet fei. Man sage oft, daß der Völkerbund eine Organisation derjenigen sei, die sich irgendeiner Erweiterung der deutschen Rechte ober Forderungen widersetzen. Heute sei aber die Gelegenheit vorhanden, um zu zeigen, daß der Dölker- bunb eher dazu bereit ist, die Probleme der besiegten Staaten zu lösen, als den Status quo der Siegermächte aufrecht zu erhalten. Eines dieser Probleme sei die Memelfrage. Heute fei im Memelgebiet ein vollkommen künstliches Regime vorhanden. „Wir müssen einsehen, daß es ein Fehler in den Friedevsverlräqen war, die 140 000 Einwohner des INemelgebieles, die 500 Jahre lang unter deutscher Herrschaft waren, unter die Souveränität eines ausländischen Staates zu stellen. Ich glaube ferner, daß es ein Fehler der Alliierten und des Völkerbundes im Jahre 1924 war, dem litauischen Staatsstreich nachzugeben und ein rein künstliches Regime zu errichten." Der Abgeordnete fuhr fort, es erscheine ihm als Lösung des Wemelproblems eine internationale Kontrolle auf eine Reihe von I ähre n für nötig, worauf eine neue Erwägung des Problems und möglicherweise eine Volksenl- fcheidung vorgenommen werden müßten. Er habe keine unterrichtete Persönlichkeit getroffen, die nicht die gegenwärtige Lage in Demel als unmöglich betrachte. Der Redner wies dann auf die Notwendigkeit einer Abänderung der Friedensverträge und von Maßnahmen wirtschaftlicher Expansion hin. Er schlägt vor, Deutschland sehr beträchtliche wirtschaftliche Zugeständnisse sowohl in Europa als auch außerhalb Europas zu machen, vorausgesetzt, daß es in den Völkerbund zurückkehre und eine solche Regelung im Rahmen eines allgemeinen Abrüstungs- planes stehen würde. Keine Schwenkung der britischen Abessinienpol tik. Innenminister Sir John Simon teilte mit, daß er auf Ersuchen des Außenministers noch eine Erklärung zum italienisch-abessinifchen Konflikt abzugeben habe. Am Donnerstagmorgen sei veröffentlicht worden, daß die enalische Regierung über Nacht ihre Politik einer umfassenden Zusammenarbeit mit dem Völkerbund aufgegeben habe, hinter dem Rücken des Völkerbundes mit Frankreich und Italien eine Regelung des italienisch-abessinischen Konfliktes aushandele und den Völkerbund und Abessinien dann auffordern werde, diese Regelung anzunehmen. Sir John Simon fuhr fort: „Ich spreche mit der Autorität der ganzen Regierung, wenn ich erkläre, daß diese wilde Beschuldigung überhaupt nicht wahr ist. Von Anfang dieses Konfliktes an war die Politik der englischen Regierung vor allen Dingen darauf gerichtet, falls möglich, eine Regelung zu fördern, die nicht nur im Rahmen der Völkerbundsfahung steht, sondern auch für die beiden ff reitbaren Parteien annehmbar sein würde. Ich nehme an, daß wir vollkommen im Recht sind, wenn wir uns als Freunde des Friedens bemühen, die internationale Freundschaft zu fordern. Die englisch-französischen Vorschläge z. B., die im vergangenen August in Paris unterbreitet wurden, hätten auf diesem Grundsatz beruht und ebenso der plan des Genfer Fünferausschusses. Wir tun weder etwas hinter dem Rücken des Völkerbundes, noch haben wir auch nur einen Augenblick daran gedacht, dies zu tun. (Beifall auf der Ministerbank.) Dir haben ferner nicht die Absicht, als Mitglied eines kollektiven Systems in der Wirkfammachung unserer Verpflichtung unter der Völkerbundsfahung zu schwanken. Wir hoffen, daß eine schnelle und befriedigende Losung zustande kommt, aber sie muß im Rahmen des Völkerbundes liegen und von den drei betroffenen Parteien, nämlich Italien, Abessinien und dem Völkerbund angenommen werden." (Beifall.) Sir John Simon behandelte hierauf noch einige innenpolitische Fragen, worauf die Aussprache des Unterhauses nach einer Dauer von drei Tagen abgeschlossen wurde. hohe Ziffer für die 1,194 Millionen Wahlberechtig- ten. Sie hängt damit zusammen, daß sich wiederum verschiedene neue Parteien gebildet haben, und zwar die Nationale Front, die Nationalen Demokraten, die Freiwirtschafiler, Direktor Duttweiler von der Migros AG. und der Hotelplangenossenschaft, die Jungbauern und die Evangelische Äolkspartei. Heber die Wahlaussichten läßt sich nicht gut prophezeien. Die bürgerlichen Parteien rechnen im allgemeinen mit keiner großen Verschiebung, so daß sie ihre bisherigen Vertretungen im Nationalrat, bestehend aus 52 Freisinnigen, 44 Katholisch-Konservativen, 30 Bürgerund Bauernparteien und 6 Liberalen, einigermaßen beibehalten können. Die Linke hingegen, die sich aus 49 Sozialdemokraten und 3 Kommunisten zusammensetzt, unternimmt große Anstrengungen, um die Unzufriedenen für ihre Listen zu gewinnen. Sie wartet zu diesem Zweck mit großen Versprechungen, Bauprogrammen Anleiheprojekten usw. auf. Bestimmend sind bei den Wahlen jedenfalls nur rein innenpolitische Gesichtspunkte, die zudem von Kanton zu Kanton verschieden sind. Lin berühmter österreichischer Kriegsflieger gestorben. In Wien starb der Flugkapitän Hauptmann a. D. Rudolf Stanger, einer der hervorragendsten Kriegsflieger der österreichischen Armee. Knapp vor dem Fall der Festung Przemysl gelang es ihm, in der Festung zu landen und beim Rückflug wichtige Meldungen mitzunehmen. Er wurde nach diesem Flug von Kaiser Franz Joseph in Audienz empfangen. Dabei soll es zu einer außerordentlich peinlichen Szene gekommen fein, da der Kaiser dem Flieger seine offenherzige Schilderung von der unzureichenden Versorgung der Festung mit Nahrungsmitteln und von der schrecklichen Hungersnot der Besatzung und der Zivilbevölkerung übel nahm. Später war Stanger Kommandant einer Jagdstaffel am südlichen Kriegsschauplatz. Neutrale und Ganktionisten. Römischer Kriegsöries. Von unserem römischen E.-Korrespondenien. Rom, Ende Oktober. In Italien, dem Geburtsland der Futuristen, ist man mit der Taufe von iften" schnell bei der Hand. Die Anschlußfreunde wurden zu anschlussisti und der gleiche Zorn, der ihnen im vorigen Jahre entgegengebracht wurde, gilt nun den fanzio- nisti, während man den hitleristi oder hitleriani für ihre Nichteinmischung in den Dölkerbundsstreit hohe Anerkennung zollt' Ja, es gibt wohl heute niemand mehr in Rom, der in den Anschlußisten die Gefahr Nr. 1 erblicken möchte. Diesen Rang haben die Engländer eingenommen. Dann kommen eine Reihe von anderen und ziemlich weit hinten erst die Abessinier, wobei aber naturgemäß auch * schon wieder zwischen den Getreuen des Negus und den Ueberlöufern ein großer Unterschied gemacht wird. Eigentliche Freunde, heißt es, haben wir jetzt nur zwei: die kleinen Staaten, die von Litwinow als abtrünnige und von Titulescu als Mussolinis Vasallen bezeichnet werden: Oesterreich und Ungarn. Entscheidende Hilfe können sie freilich nicht bringen, es fei denn, sie verständen d i e Drücke z u den großen Neutralen zu schlagen: Deutschland, Amerika, Brasilien und Japan. Rom schwebt dabei so etwas wie das seinerzeit berühmte „Loch im Westen" vor. 2IUe übrigen Staaten gehören zu den Sank- t i o niste n, und wenn sie wirklich so eingeschätzt würden, wie es die bissigen Karikaturen zeigen, konnte man auf den Gedanken kommen, daß von Genf, alles eher als eine Völkerverföhnung aus« gef)e. Da sieht man etwa, angeführt von einem Schwein, eine Reihe von Schafen herantänzeln und die Plakatschrift links und rechts kündigt an: 52 ® e n f g i r I s ! Daß bald das eine, bald das andere aus der Reihe tanzen werde, ist dabei die große geheime Hoffnung. Sie stützt sich auf die feinen Unterscheidungen, die während des Weltkriegs zwischen Neutralität und Neutralität entdeckt wurden. Da gab es eine absolute und eine wohlwollende Neutralität, die Schweiz ist als Folge ihres Eintritts in den Völkerbund gar ZU einer „differenzierten" Neutralität gelangt, obwohl ihr die bisherige absolute jahrhundertelang recht gute Dienste geleistet hatte. Und von Tag zu Tag wächst in der Eidgenossenschaft der Wunsch nach Rückkehr zur klaren Politik der Väter. Freilich käme das in diesem Augenblick auch Italien zugute und die Marxisten sind infolgedessen dagegen. S a n k ti o n i st w i d e r W i l l e n i ft Frankreich. Wird es die Blockade wirklich hundertprozentig mitmachen? Politiker und Geschäftsleute zweifeln. Mindestens, so rechnen sie, wird auf dem Boden des zögernden Mitgehens ein Riefenschmuggel aufblühen, wie ihn weder die Kontinentalsperre Napoleons, noch die über Deutschland im Weltkrieg verhängte Hungerblockade erlebte. Jedenfalls ist Italien somit von Nachbarn umgeben, mit denen sich reden ließe: Oesterreich, Schweiz und Frankreich. Der englischen Flotte beste Aufklärer können nicht in die Alpenpässe hineinschauen. Theoretisch wäre der Handelsweq bis nach Amerika offen, vor allem nach Brasilien. Uebrigens drohen die Millionen von Italienern in Lateinamerika bereits mit dem Gegenboykott. Nicht unbedenklich erscheinen neben den wirtschaftlichen Folgen der Sanktionen die politischen, denn die Unterscheidung zwischen Neutralen und Sanktionisten drängt auch die Volks- ftimmung in die entsprechende Richtung. Die Presse hat die Losung ausgegeben: Feind ist, wer die Sanktionen mitmacht. Und unvergessen blieb das Ducewort: Dem Freunde alles Gute, dem Feinde alles lieble! Wenn auch die britische Erklärung, wonach England weder den Suezkanal schließen, noch sonst eine kriegerische Handlung gegen Italien begehen werde, mit großer Erleichterung ausgenommen wurde, das Mißtrauen ist geblieben und würde bei Durchführung der Genfer Sühnemaßnahmen in offenen Haß gegen alle Sank- tioniften umschlagen. Die italienische Regierung gibt die Zurückziehung einer Division aus Libyen bekannt. Die Zurückziehung erfolgt ohne Bedingung, aber Rom erwartet auch von England eine Geste zur Entspannung der Lage im Mttelmeer. Oer russische Mensch und die Sowjets. Bon Otto Eorbach. „Früher sagten wir", so erklärte Stalin in einer großen Rede, die eine neue Epoche ip der Geschichte Sowjetrußlands eingeleitet haben soll, „daß die Technik alles entscheidet. Diese Losung hals uns in der Beziehung, daß wir den Hunger auf dem Gebiete der Technik liquidiert und eine außerordentlich breite technische Basis in allen Tätigkeitszweiaen für die Ausrüstung unserer Leute mit einer erstklassigen Technik geschaffen haben. Das ist sehr gut, aber das ist n o ch l a n g e n i ch t genüg e n d Um die Technik in Gang zu bringen und sie bis auf den Grund auszunutzen, braucht man Menschen, die die Technik beherrschen, braucht man Kader, die befähigt sind, sich diese Technik anzueignen und sie nach allen Regeln der Kunst auszunutzen. Technik ohne Leute, die sich die Technik angeeignet haben, ist tot." Dieses Bekenntnis Stalins zu einer Wahrheit, die in „kapitalistischen" Industriestaaten längst zu einer Binsenwahrheit geworden ist, bedeutet in Wirklichkeit das Zugeständnis, daß der russische Mensch im allgemeinen gegenüber den Aufgaben moderner Technik unter dem Sowjetsystem nicht minder versagt hat, wie unter dem System des zaristischen Rußland. Wenn moderne Fabriken im neuen Rußland bis zu 80 o. H. Ausschuß statt brauchbare Ware liefern, wenn die meisten Maschinen, die landwirtschaftlichen „Kollektiven" geliefert werden, entweder von vornherein versagen oder in kurzer Zeit durch unsachgemäße Behandlung z u - arundegerichtet werden, wenn der kleinste Fortschritt technischer Rationalisierung durch ein unverhältnismäßiges Steigen der unproduktiven Kosten einer Ueber-Bürokratisierung erkauft werden muß, wenn nur unter Leitung kostspieliger femder Spezialisten auf einzelnen Gebieten Leistungen erzielt werden können, die sich gegenüber denen, die in kapitalistischen Ländern erzielt werden, sehen lassen können, so beweist das doch alles nichts anderes, als daß der Aufwand für die Durchführung des ersten und zweiten Fünfjahresplanes in dem Maße nutzlos vertan ist, wie der menschliche Faktor dabei ungenügend berücksichtigt wurde. Roch Lenin hatte vor dem überhitzten Tempo, in dem unter Stalin die „Ueberwindung der technischen Rückständigkeit Rußlands" betrieben wurde, eindringlich gewarnt „Die Zeit der Programme, deren Erfüllung vom Volke gefordert wird", erklärte er im Jahre 1922 auf dem 11 Kongreß der Kommunistischen Partei Rußlands, „ist vorbei." Jetzt müssen wir zeigen, daß wir dem Bauer und Arbeiter in. seiner schwierigen Lage praktisch halfen und den Wettkamvf mit dem Kaoitalismus bestehen können ... Daß in den staatlichen Trusts und gemischten Betrieben überall die besten, ihrer Verantwortlichkeit bewußten Kommunisten sitzen, ist kein Trost: Denn sie verstehen von der Wirtschaft weniger als der kapitalistische Durchschnittskom- mis, der die Schule einer ansehnlichen Firma durchgemacht hat. Unser kommuni st ischer Hochmut hindert diese Erkenntnis ... Wir verfügen über alle möglichen Machtmittel, aber das Können fehlt . Kommunisten, die in der Revolution die löblichste Arbeit geleistet haben, sitzen heute in Industrie- und Handelsbetrieben, von denen sie nicht das geringste verstehen: Und hinter ihrem Rücken verstecken sich Schurken. Aus diese Weise wird die Wahrheit gefälscht und die Nachprüfung des Geschaffenen verhindert ... In dem Geknäuel unserer Kommissionen kann sich niemand mehr zurechtfinden; und noch schwerer ist's, festzustellen, wer für einen Beschluß verantwortlich ill. In neunundneunzig von hundert Fällen si^en Kommunisten in Aemtern, die sie nicht ausfüllen können, und für die erst eine ernste Lehrzeit sie tauglich machen kann. Wir dürfen uns nicht fürchten, darüber Klarheit zu erlangen. Die zum Lernen ausreichende Frist wird uns, wie mir scheint, die internationale Lage lassen . ." Dreizehn Jahre, nachdem Lenin dieses sagte, muß Stalin feststellen, daß die inzwischen verstrichene Frist in erster Linie, statt zum „.Lernen", dazu verwandt wurde, Rußland mit einem erklassigen i n - dustriellen Apparat ouszustatten, ohne daß man sich in mehr als ganz unzulänglicher Weise darum kümmerte, ob man je und je über d i e nötigen Kader geeigneter Arbeitskräfte verfügen würde. „Maschinen zu schätzen und darüber zu berichten, wieviele Technik es in unfern Werken und Fabriken gibt", gibt Stalin in seiner Rede unumwunden zu, „das haben wir gelernt, aber ich kenne keinen einzigen Fall, wo man mit der gleichen Bereitwilligkeit darüber berichtet hätte, wieviele Menschen wir in einer gewissen Periode herangezogen und wie wir den Leuten dabei geholfen haben, zu wachsen und sich in der Arbeit zu stählen. Worauf ist das zurückzuführen? Das’ ist darauf zurückzuführen, daß man bei uns noch nicht gelernt hat, die Menschen zu schätzen, die Arbeitskräfte zu schätzen, die Kader zu schätzen." Es fragt sich nur, ob es sich nicht auch bei diesem reumütigen Geständnis wieder um eine Selbsttäuschung handelt. „Rußland", heißt es einmal bei „Turgenjew, gleicht einem Schauspieler, der die Bühne betritt, bevor er seine Rolle gelernt hat." Haben die Bolschewiki, indem sie sich vornahmen, die technisch-wirtschaftliche Rückständigkeit Rußlands durch die Zauberkraft einer marxistischen „Diktatur des Proletariats" in wenigen Jahren zu überwinden, sich etwa nicht nur im Mittel vergriffen, sondern auch über Erbanlagen des russischen Menschen gröblich getäuscht? In ihrem Bestreben, die Rückständigkeit Rußlands zu überwinden, fühlen sich die Bolschewiki eigentlich als Testamentsvollstrecker Peters des Großen. In diesem Sinne sagte Stalin am 19. November 1928 in einer Rede vor der Zentrale der Kommunistischen Partei Rußlands: „Die technisch-wirtschaftliche Rückständigkeit unseres Landes wurde nicht von uns erfunden .. Als Peter der Große, der mit den entwickelteren Ländern des Westens zu tun hatte, fieberhaft Fabriken und Werke baute, um die Armee zu versorgen und die Verteidigungsfähigkeit des Landes zu steigern, war dies ein eigenartiger Versuch, aus dem Rahmen dieser Rückständigkeit hinauszuspringen. Es ist jedoch ganz natürlich, daß keine der alten Klassen, weder die feudale Aristo- k r a t i e noch die Bourgeoisie, imstande war, die Aufgabe der Liquidierung dieser Rückständigkeit unseres Landes zu lösen. Noch mehr, diese Klassen konnten nicht nur diese Aufgabe nicht lösen, sie waren nicht einmal fähig, sie in befriedigender Form zu stellen. Die jahrhundertelange Rückständigkeit unseres Landes kann nur auf der Grundlage eines erfolgreichen sozialistischen Aufbaues liquidiert werden. Nur das Proletariat, das seine Diktatur errichtet hat, und das die Führung des Rom, 24. Oft (DUB.) Donnerstag abend wurde in Rom amtlich bekannt gegeben, daß die italienische Regierung eine Division aus Libyen zurückgezogen und in die Heimat abberufen hat. Mit der Rückbeförderung der Division sott unverzüglich begonnen werden. Die in Libyen flehenden italienischen Streitkräfte werden damit um 1 5000 Mann verringert. Ausdrücklich wird erklärt, daß diese Zurückziehung bedingungslos erfolgt fei. Mit irgendwelchen anderen Maßnahmen oder Forderungen fei sie nicht verquickt worden. So habe Italien vor allem als Voraussetzung für diese Maßnahme nicht verlangt, daß England feine Flotte im Mittelmeer verringert. Immerhin wird die Hoffnung ausgesprochen, daß, nachdem Italien eine derartige bedeutungsvolle Geste getan habe, auch von anderer Seite zur Entspannung der Lage im Mittelmeer beigetragen werde. Vorläufig ist hier noch nicht bekannt, ob England Schiffe aus dem Mitlelmeer zurückgezogen oder hierüber feste Beschlüsse gefaßt habe. Man erklärt in Rom, die italienische Maßnahme sei von dem Geiste getragen, die schon genug verwickelte Lage im italienisch- abessinischen Streit nicht noch durch neue Verwicklungen im Mittelmeer weiter zu erschweren, sondern alles zu tun, was zu einer Erleichterung der Atmosphäre führen könnte. Zur politischen Lage wird weiter erklärt, es treffe keinesfalls zu, daß bereits über einen festen Plan verhandelt werde. Es handele sich bei den augenblicklich im Gang befindlichen diplomatischen Besprechungen nach wie vor um Fühlungnahmen, die darauf gerichtet seien, die augenblickliche Lage einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Angaben, auf welcher Linie sich diese Verhandlungen bewegen, werden von italienischer Seite nicht gemacht Man betont. Landes in seinen Händen hält, kann sie liquidieren." In Wirklichkeit hat der jeweilige Ring kommunistischer Führer, der nach der bolschewistischen Revolution seine Diktatur für die des russischen „Proletariats" ausgab, in erster Linie das biologische Kapital größtenteils vernichtet, das sich im alten Rußland für eine allmähliche Ueberwindung der technischen Rückständigkeit des Landes in Jahrhunderten angesammelt hatte, um sich dann einzubilden, man könne die Unzulänglichkeit einer minderwertigeren, aber um so gefügigeren biologischen Substanz durch Ausrüstung mit einem erstklassigen technischen Apparat wettmachen. Im alten Rußland hatte man seit der Kaiserin Katharina wenigstens erkannt, daß der russische Mensch auf natürliche Weise gewissermaßen emporgezüchtet und durch vorbildliche fremde Leistungen zu stärkerer Willensanspannung angestachelt werden müsse, damit mit ihm etwas rechtes anzufangen wäre. Daher wurden deutsche, schwedische und andere fremde „K o l o n i st e n" ins Land gerufen, damit sie Musterbetriebe gründeten und als Sauerteig im grauen Einerlei russischer Bauernmassen wirkten. Nur dadurch wurde das alte Rußland instandgesetzt, sich an der Belieferung des Weltmarktes mit Weizen zu 40 v. H. 3U beteiligen. Im neuen Rußland wurden die Musterwirtschaften vernichtet, die Musterwirte teils erschossen, teils in Staatssklaven verwandelt. Vergebens aber rechnete man damit, daß Traktoren und Mähdrescher auf Staatsgütern, von widerwilligen und mangelhaft vorqe- bildeten Händen bedient, eine „kommunistische" Gesellschaftsordnung für die Vernichtung eines befitz- unb arbeitsfreudigen Bauernstandes entschädigen würden. Inzwischen hat sich die internationale Läge, von der Lenin hoffte, daß sie dem kommunistischen Führertum in Rußland genügend Zeit zum „Lernen" lassen würde, so zuungunsten Moskaus geändert, daß es fraglich erscheint, ob sich das leichtfertig Versäumte nachholen läßt, bevor man der furchtbaren Wahrheit die Stirn bieten muß: „Die Weltgeschichte ist das Weltgericht!" Hlottenkonferenz in London. Ersatz der ablaufenden Flottenverträge. Berlin, 24 Okt. (DNB.) Die britische Regierung hat die UnterzeichnerdesLondoner und des Washingtoner Flottenvertrages zu einer am 2. Dezember in London beginnenden Konferenz über die Frage der Flotten- begrenzung eingeladen. Die Einladungen wurden den Botschaftern Amerikas, Frankreichs, Italiens und Japans zugestellt. Die britischen Dominions haben keine formale Einladung erhalten, doch ist ihnen anheimgestellt worden, Vertreter zu entsenden, falls sie dies wünschen sollten. Der Erste Lord der Admiralität erklärte im Unterhaus, der Zweck der Konferenz sei, ein Abkommen über mög - lichst viele Fragen der Flottenbegrenzung zu sichern und damit den Abschluß eines internationalen Vertrages zu ermöglichen, der a n bie Stelle der beiden jetzt gültigen Flottenverträge treten würde, bie Enbe nächstes Jahres ab laufen. Man hoffe, daß, wenn erst einmal ein Abkommen zwischen den Vertretern der Unterzeichnermächte in Aussicht stehe, der R a fr- rn e n der Konferenz erweitert werden könne, so daß die Vertreter anderer Flottenmächte teilnehmen können. Reuter meldet, daß man in London keine übertriebenenHoffnungen über die Aussichten der Flottenkonferenz hege. Dies gehe schon daraus hervor, daß die teilnehmenden Staaten, mit Ausnahme Englands, durch ihre Londoner Botschafter vertreten sein werden. Der britische Plan werde dahingehen, die Mächte um eine Mitteilung ihrer Bauprogramme auf die Dauer von etwa fünf Jahren zu bitten und dann zu versuchen, durch gegenseitige Vereinbarungen Dorauserklärunaen über die Bauprogramme der verschiedenen Staaten auf möglichst niedriger Grundlage herbeizuführen. Gleichzeitig werde England auf eine Begren- dah das Schwergewicht der Besprechungen i n Paris und Landon liege. Laval dementiert Der Ministerpräsident will keine An- regungen Mussolinis weitergegeben haben. Paris, 24. Oft (DRB.) Der französische Außenminister erklärt zu der von mehreren Pariser Blättern veröffentlichten Meldung, wonach Laval von Mussolini Anregungen für eine Lösung des italienisch-abessinischen Streites erhalten und sie dem englischen Botschafter übermittelt habe, daß in den Unterredungen zwischen Laval und dem englischen Botschafter von A n - regu-ngen dieser Art noch nie die Rede gewesen sei. Roch kein fester plan, aber diplomatischer Meinungsaustausch. Scharfe Kritik der britischen Sanktionsfreunde. London, 25. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Londoner Morgenblätter sind der Ansicht, daß die Nachrichten über italienische Friedensfühler zutreffen, daß aber die Besprechungen vorläufig noch zu keinem festen Plan geführt haben. Der Pariser „Times"-Berichterstatter sagt, die französische Erklärung, daß Laval keinen italienischen Vorschlag an den britischen Botschafter weitergeleitet habe, entkräfte nicht die Annahme, daß zwischen Paris und Rom und zwischen London und Rom ein diplomatischer Meinungsaustausch im Gange sei, der auf eine Verhandlungsgrundlage abziele. Das Dementi könne als Zeichen betrachtet werden, daß die Besprechungen noch nicht das Stadium eines positiven Programmes ober einer Vereinbarung über das Verfahren erreicht hätten. „News Chronicle" nimmt Anstoß an der Aeuße- rung Edens vom Mittwoch, daß er aufrichtig auf eine Vereinbarung hoffe, bevor die wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen in Kraft treten. Das Blatt fragt, worauf sich diese geheimnisvolle Hoffnung gründe, und ob man vielleicht daran denke, Abessinien eine Regelung aufzuerlegen, die auf einer geheimen Konferenz zwischen England, Frankreich und Italien verabredet worden sei. Auf der Sitzung des Sanktionsausschusses am Donnerstag nächster Woche werde sich zeigen, bis zu welchem Maße die Aenderung der britischen Politik gegenüber dem Völkerbund dieAussich - ten aus einen starken gemeinsamen D r'u ck zur Beendigung des Krieges vermindert habe. In Regierungskreisen werde eine Aenderung der britischen Außenpolitik in Abrede gestellt, aber die Ableugnung habe weniger Gewicht als die Tatsache, daß die neueste Rede Hoares i n Italien Befriedigung und in Abessinien Enttäuschung hervorgerufen habe. — Auch das Arbeiterblatt „Daily H e r a l d" spricht von einem kläglichen Frontwechsel und von verstohlenen Unterredungen zwischen Rom und London, und sagt, Mussolini, der jetzt glaube, vor ernsten Sühnemaßnahmen sicher zu sein, erwartet, daß die britische Regierung ihren Rückzug fortsetzt, falls er selbst fest bleibe. Italienische Baumwollanfkäufe. London, 24. Okt. (DNB.) Reuter berichtet, daß mit Rücksicht auf die in Kürze zu erwartende Inkraftsetzung der Genfer Sühnemaßnahmen die Aus- fuhrhändler in Alexandrien alle verfügbaren Baumwollballen in Aegypten zur sofortigen Verschiffung nach Italien a u f f a u « f e n. Die beispiellose Hochkonjunktur setzte bereits vor einer Woche ein, nachdem Italien sich entschlossen habe, Baumwolle bar z u bezahlen. In der Zeit vom 17. bis 24. Oktober sind aus dem Innern des Landes 70 600 Baumwollballen in Alexandrien eingetroffen, während in der gleichen Zeit des Vormonats nur 25100 Ballen angekommen waren. polens Kamps um den Ausgleich der Gtaatsfinanzen. Die Regierung fordert Vollmachten. Warschau, 24. Okt. (DNB.) Die Sondertagung des Warschauer Sejm zur Verabschiedung eines Vollmachtsgesetzes für die Regierung wurde in Anwesenheit der gesamten Regierung und vieler Diplomaten eröffnet. Die Rede des Mini st er« Präsidenten war ein starker Appell an die Kammer und an die Bevölkerung, im engsten Vertrauen mit der Regierung zusammenzuarbeiten und deren festen Willen, die brennenden Wirtschaftsfragen einer Lösung zuzuführen, opferwillig zu unterstützen. Wenn Polen einem besseren Morgen entgegengehen wolle, müsse auch unter großen Opfern zunächst und zu allererst einmal der Staatshaushalt ins Gleichgewicht g e- bracht werden. Eine gute öffentliche Wirtschaft sei zugleich das wichtigste Fundament für die auswärtige Politik, denn in der Welt rechne man mit den Starken und nicht mit den Schwachen, mit den gutorganisierten und wirtschaftlich leistungsfähigen Staaten, aber nicht mit einem Staat, der auf fremde Hilfe rechne. Das Vollmachtsgesetz sei eine unabweisbare Staatsnotwendigkeit des Augenblicks. Die polnischen Staatseinnahmen, die vor fünf Jahren über 3 Milliarden betragen hätten, beliefen sich gegenwärtig nur auf 1900 Millionen. Auch bei größter Beschränkung aller Ausgaben feien diese Einnahmen nicht genügend, um die dringenden Bedürfnisse zu decken. Daher müsse an eine Erhöhung der Einnahmequellen und an eine weitere Ersparnis auf der Ausgabeseite herangegangen werden. Die Regierung wird also eine Reform der Einkommen st euer durchführen, die die Steuersätze erhöht und den Kreis der Steuerzahler erweitert. Gleichzeitig fei es unvermeidlich, weitere Sparsamkeit- maßnahmen durchzuführen. Um die Lasten zu erleichtern, werde die Regierung für Senkung der Lebenshaltungskosten, d. h. der Mieten für kleine Wohnungen und der Tarife für Elektrizität, Gas usw. sorgen. Mit besonderem Beifall begrüßte die Kammer die Ankündigung, die L a - st en der Landwirtschaft zu senken, da eine rentable Landwirtschaft unerläßliche Vorbedingung der wirtschaftlichen Besserung sei. Weiter werde die Regierung mit einer Senkung der Gütertarife beginnen. Die beabsichtigten Sparmaßnahmen würden sich auch auf die Lage der Beamtenschaft auswirken. Nach der Rede des Ministerpräsidenten wurde das Gesetz, da von keinem der Abgeordneten das Wort verlangt wurde, einem Ausschuß von 30 Mitgliedern überwiesen, der vorn Sejm gewählt wurde. jungber Tonnage und Ausrüstung von Schlachtschiffen und vielleicht auch Kreuzern drängen. Für die Schlachtschiffe sei die von England gewünschte Grenze eine Tonnage von 25 000 Tonnen und 12-Zoll-Geschützen. Sowohl das neueste deutsche Schlachtschiff wie auch der neue französischer Kreuzer „Du n k e r q u e" besäßen eine Wasserverdrängung von 26 000 Tonnen. Zuspitzung des Lohnsireits im englischen Kohlenbergbau. Der Vermittlungsversuch der Regierung gescheitert. London, 25. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der Versuch der Regierung, den Lohnstreit im Kohlenbergbau gütlich beizulegen, ist erfolglos geblieben. In später Abendstunde erklärte ein Vertreter der Bergleute, daß die Vorschläge der Regierung völlig unzulänglich seien. Die Regierung habe das Angebot des Bergarbeiter-Verbandes, die Frage einem unparteiischen Schiedsgericht vorzulegen und dessen Entscheidung anzunehmen, verworfen, nachdem die Zechenbesitzer sich dagegen erklärt hatten. Die Regierung habe es abgelehnt, einen Zwang auf die Zechenbesitzer anzuwenden. Infolgedessen sei der Vollzugsausschuß der Bergleute genötigt, die geplante Abstimmung unter den Bergleuten am 11., 12. und 13. November vorzunehmen. Die Abstimmung bezieht sich auf die Frage, ob ein allgemeiner ^Bergarbeiter» ft r e i f in England erklärt werden soll. Von Regierungsseite wird erklärt, daß sich die Bemühungen des Bergbauministers C r o o k s h a n k daraus gerichtet hätten, den Haupt- ausschuß der Zecheybesitzer zu veranlassen, bis zum 1. Juli nächsten Jahres in allen Bezirken Ver - kaufsorganisativnen einzurichten, die unter einer zentralen Aufsichtsbehörde arbeiten sollten. Dieser Vorschlag habe auf der Erwägung beruht, daß die eigentliche Ursache der jetzigen Unruhe darin bestehe, daß der aus dem Verkauf von Kohlen erzielte Gewinn nicht ausreiche, um eine Besserung der Löhne zu ermöglichen. Die Zechenbesitzer sollen eine günstige Haltung gezeigt haben, während die Bergleute diese Maßnahme anscheinend für völlig ungenügend erklärt haben. Die vier Heimattreuen von Malmedy ausgebürgert. Lüttich, 24. Okt. (DNB.) Im Ausbürgerungsprozeß gegen die vier Heimattreuen Bürger von Malmedy wurde Donnerstag vormittag von der Ersten Kammer des Appellationshofes in Lüttich das Urteil verkündet. Sämtliche Beklagten, Joseph Dehottay, Peter Dehottay, Heinrich Dehot- tay und Paul Foxius, wurden auf Grund des Gesetzes vom 30. Juli 1934 der belgischen Staatsangehörigkeit verlustig erklärt, weil sie „schwere Verletzungen^ ihrer Staatsbürgerpflichten begangen hätten. Das Urteil ist endgültig. Nach dem Gesetz besteht keine Berufungsmöglichkeit gegen feine Durchführung. • Entsprechend der These des Staatsanwaltes wird den Beklagten vorgeworfen, daß sie darauf ausgegangen seien, die Ordnung in Eupen- Malmedy umzustoßen und die Rückkehr des Gebietes zu Deutschland durch einen hartnäckigen Feldzug betrieben zu haben. Die Organisationen der Heimatbewegung werden in dem Urteil als Organe hingestellt, die darauf ausgegangen seien, die Angleichung der Belgien durch den Versailler Vertrag zugefallenen Gebiete zu verhindern. Die Auffassung, daß das Ausbürgerungsgesetz im Widerspruch zum Versailler Vertrag und zur belgischen Verfas- s u n g stehe, wird in der Urteilsbegründung zurückgewiesen. Es wird erklärt, der Versailler Vertrag habe nicht gewollt, daß Belgien solche Bürger für immer behalten müsse, die eine gegen den Bestand des Staates gerichtete Tätigkeit entwickeln würden. Die Urteilsbegründung zitiert weiter ausführliche Briefe und Schriftstücke, aus denen lediglich hervor- geht, daß die Beklagten sich für eine friedliche Lösung der Frage Eupen-Malmedy durch eine ordnungsmäßige Wiederholung der Abstimmung eingesetzt haben. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Urteilsbegründung die These des Staatsanwalts, daß die vier Führen Hauptschriftleiter.- Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhclm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenlei-er: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An» zeigen: Theodor Kümmel. D. 21. IX. 35: 9929. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein- druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis NM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. der Heimattreuen Bewegung sich fortgesetzt im Sinne einer Abtrennung Eupen-Malmedys von Belgien zugunsten einer fremden Macht betätigt hätten. Die Organisationen der Heimatbewegung rmb die Zeitung „Der Landbote" hätten eine Tätigkeit und eine Propaganda entfaltet, die auf die Verwirklichung dieser Bestrebungen gerichtet gewesen fei. An der Bahre von Beichsstatchalier Löper. Dessau, 24. Okt. (DNB.) Der verewigte Gauleiter und Reichsstatthalter Hauptmann Löper liegt feit Mittwochnachmittag aufgebahrt in der Vorhalle des Reichs st atthalterhauses. Vor dem Portale halten zwei SS.-Männer die Wache. Der Sarg selbst wird von SS.- und SA.-Männern flankiert. Auf dem Sargdeckel liegt die Fahne der Bewegung gebreitet, die der Verewigte in Anhalt und in Mitteldeutschland zum Siege trug. Zu feinen Füßen ruht das Ordenskissen. Man sieht Schleifen, geschmückte Kränze der Stadt Dessau und der Gemeinde Mildensee, deren Ehrenbürger Hauptmann Löper mar. Mattes Licht wirft einen gedämpften Schein auf die zahlreichen Trauernden, die an dem Toten vorüberziehen und ihm mit dem deutschen Gruß die letzte Ehre erweisen. Dazu ertönt leises Harmoniumspiel feierlich durch den Raum. Drei Listen, zur Zeichnung aufgelegt, füllen sich schnell, denn die Zahl derer, die nicht nur aus Dessau, sondern aus dem Lande und dem Gau den Toten ehren wollen, ist gewaltig groß. Fortgesetzt laufen Telegramme aus dem ganzen Reich im Trauerhause ein. Die Trauerfeier findet am Samstag, 11.15 Uhr, im Friedrich-Theater zu Dessau statt. Während des Liedes vom guten Kameraden wird der Sarg dann aus dem Theater auf die Lafette getragen. Anschließend findet dis Ueberführung nach Mildenfee statt. Hier spricht der • Landesbischof Peter. Dann sprechen ein Vertreter der braunschweigischen Staatsregierung, der anhal- tische Staatsminister Freyberg und der stellvertretende Gauleiter Staatsrat Eggeling. Die Trauerseierlichkeiten werden am Samstag von 11.15 bis 12.15 Uhr vom Rundfunk übertragen. , Halbmast am Samstag im ganzen Reichsgebiet. Berlin, 24. Okt. (DNB.) Der Reichs- mini st er des Innern gibt folgendes bekannt: Aus Anlaß des Ablebens des Reichsstatthalters und Gauleiters Löper flaggen am Beifetzungs- t a g e Samstag, den 26. d. M., die staatlichen und kommunalen Verwaltungen, Anstalten und Betriebe, die sonstigen Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts und die öffentlichen Schulen im ganzen Reichsgebiet halb- m a st. Der Reichspropagandaleiter der NSDAP., Reichsminister Dr. Goebbels, gibt bekannt: „Auf Befehl des Führers ordne ich an: „Alle Gebäude der Partei und der ihr ange- schlossenen Verbände flaggen aus Anlaß des Ablebens des (Sauleiters und Reichsstatthalters Wilhelm Friedrich Löper in der Zeit vom 25 bis e i n s ch l. 31. Oktober halbmast." Münchens neue Bauten. Neue Zier für die Hauptstadt derBewegung. München, 24. Okt. (DNB.) Am 3. November wird die Ludwigsbrücke in ihrer neuen Gestalt feierlich eingeweiht, die großen Führer- bauten'der Partei am Königsplatz, der inzwischen mit 22 000 Platten ausgelegt worden ist, werden Richtfest halten und ebenso wird der Neubau i m alten Botanischen (Sorten an der Stelle des ehemaligen Glaspalastes sein Richtfest feiern. Dazu wird schließlich das NS.- A e r z t e h a u s in der Briennerstraße seiner Bestimmung übergeben. Die Ludwigsbrücke ist die älteste Brücke über die Isar in München. Sie ist dadurch mit der Geschichte des neuen Deutschland besonders eng verbunden, daß am 9. November 1923 über sie der Weg der nationalsozialistischen Kämpfer in die Stabt München hineinführte. Die neue Brücke ist ein ingenieurtechnisch glänzender Zeuge deutscher Arbeit und in ihren schönen Formen eine edle Zierde der Hauptstadt der Bewegung. Führer- haus und Werwaltungsgebäude werden künftig die wahrhaft königliche Anlage, die K ö - n i g Ludwig I. geschaffen hat, ihrer höchsten künstlerischen Vollendung entgegenführen und damit ein dauerndes Ruhmesmal des Künstlers und Kunstförderers Adolf Hitler werden. Die Pläne für die Umgestaltung des alten Botanischen Gartens, des Platzes, auf dem der mit ungeheuren Kunstschätzen seinerzeit abgebrannte G l a s p a l a st stand, stammen ebenso wie die Pläne für die Parteibauten von Prof. T r o o ft. Als Professor Tro ost allzu früh aus feinem Schaffen gerufen wurde, hinterließ er eine größere ausaearbeitete Skizze. Die Professoren Bieber und W a ck e r l e haben bann die Neugestaltung durchgeführt. Es wird hier mitten in der Stadt eine herrliche Grünanlage entstehen, mit einem Caf6, das auch stilistisch ein Schmuck der Stadt sein und sich dem durch den Bau des Justizministeriums überragten Platz ausgezeichnet einfügen wird. flnferrr&uttg petains mit dem brififd-en Generalstabschef. Paris, 25. Okt. (DNB. Funkspruch.) Bei einem Essen, das der französische Botschafter in London, (Sorbin, zu Ehren des dort anwesenden französischen Marschalls Pötain gab, hatte dieser eine lange Unterredung mit dem CH e f des britischen Reichsgeneral st abs, Feldmarschall A. Montgomery-Massingber d. Aus aller Well. Großrundfunkfender Langenberg wieder voll in Betrieb. Der Großrundfunksender Langenberg (Rheinland), dessen Funkturm am 10. Oktober infolge eines Unwetters einstürzte, arbeitet feit dem 24. Oktober, 6 Uhr, wieder mit feiner normalen Leistung von 100 Kilowatt. Euwe gewinnt die 10. parfie im Schachweltmeislerschaftskampf. Um die Schachweltmeisterschaft wurde die 10. Partie in Gouda gespielt. Euwe hatte die weißen Steine und spielte ein Damengambit. Er hm schon in der Eröffnung in Vorteil, und dieser Vorteil vergrößerte sich im Mittelspiel noch mehr. Aljechin versuchte im weiteren Verlauf einen verzweifelten Angriff, der aber von Euwe abgeschlagen wurde, und zwar mit materiellem Verlust für Aljechin. Nach 40 Zügen gab Aljechin die aussichtslose Partie auf. Der Stand des Wettkampfes ist nunmehr: Aljechin 5, Euwe 3, remis 2. Don Eingeborenen gefangen gehalten? Im holländischen Hafen Ijmuiden wurde dieser Tage eine geheimnisvolle Flaschenpost ange- spült, die, falls sie echt ist, von einem Weißen stammt, der feit eineinhalb Jahren von Eingeborenen auf der Insel San Salvador (Baha- mainseln) gefangen gehalten wird. Die an- fpülte Botschaft, die zur weiteren Untersuchung den zuständigen Behörden im Haag zugeleitet wurde, ist in französischer und englischer Sprache abgefaßt und hütet in der Uebersetzung: Werde seit eineinhalb Jahren auf der Insel San Salvador (Süd), einige Kilometer von der Küste, von Eingeborenen gefangen gehalten. Die Unterschrift, die ebenso wie ber Text mit Bleistift niedergefchrieben ist, ist un- l.fferlich. Der Anfangsbuchstabe scheint ein L. zu f'in. Schwere Wolkenbrüche über Bulgarisch-Mazedonien fordern zahlreiche Todesopfer. Heber einen Teil von Bulgarisch-Mazedonien gingen schwere Wolkenbrüche nieder, die große Schäden anrichteten. In der Ortschaft Simitli überschwemmten zwei in den Fluß Struma mündende Gebirgsbäche, die in kurzer Zeit meterhoch anschwollen, sämtliche Straßen. Zahlreiche Brücken, Häuser, Scheunen und Stallungen wurden von den Fluten fortgerissen. Die Eisenbahnlinie nach Petrich ist stellenweise weg- geschwemmt. Sämtliche Fernsprechleitungen sind unterbrochen. Nach den bisher vorliegenden Meldungen hat das nächtliche Unwetter auch viele Opfer an Menschenleben gefordert, deren Zahl noch nicht feststeht. 40 beim Straßenbau beschäftigte Arbeitslose, die in einem Lager bei Simitli untergebracht waren, wurden in der Nacht von dem Unwetter überrascht. Nur 10 Arbeiter konnten ber Katastrophe entgehen. Bisher sind 17 Leichen geborgen worden, während das Schicksal ber übrigen 13 Arbeiter noch ungewiß ist. Man befürchtet, daß die meisten von ihnen umgekommen sind. Die Regierung hat Militär und Rettungskolonnen in das Unglücksgebiet entsandt. Zahlreiche Familien sind obdachlos geworden. Millionenschaden der Daldbrände in Sübfalifornien. Der Schaden, den d i e Waldbrände in Süd- Ealifornien angerichtet haben, wird jetzt auf acht Millionen Dollar geschätzt, lieber 12 000 Hektar Waldgebiet find völlig niedergebrannt. Ferner drohte Ueberschwemmungsgefahr, weil der des Unterholzes beraubte Boden den Winterregen nicht aufhalten kann. Steuer Gangsterüberfall am Broadway in Neuyork. Der von einer gegnerischen Bande in der Nähe von Neuyork niedergeschossene Gangster Dutch Schultz liegt im Sterben. Seine zwei bei dem UeberfaU schwer verletzten Leibwächter sind inzwischen g e ft o r b e n. Kaum eine Stunde nach diesem Ueberfall ratterten schon wieder die Maschinenpistolen. Diesmal auf dem Broadway, wo an der belebtesten Ecke zwei andere Mitglieder ber Bande des Schultz in einem Frifeurladen von gegnerischen Gangsters niedergeschossen wurden. In den letzten vier Wochen sind in Neuyork insgesamt sieben Gangsters tot aufgefunben worden. Die Mörder konnten nie gefaßt werden. Bei einer Benzinexplosion schwer verletzt. In einem Wohnhaus in Berlin-Zehlendorf ereignete sich eine schwere Benzinexplosion. Als eine 37 Jahre alte Frau in ber Küche eine Anzahl Kleidungsstücke mit Benzin reinigte, sammelten sich Gase, die wahrscheinlich durch das Herbfeuer zur Explosion gebracht wurden. Die Frau wurde durch eine Stichflamme getroffen und brach mit schweren Brandwunden zusammen. Gleichzeitig wurde durch den gewaltigen Luftdruck eine Rabitzwand erheblich beschädigt. Die Verunglückte wurde ins Krankenhaus gebracht. Das Flugzeug von Nungesser und Lott gefunden? Kanadische Trapper sollen, einer Meldung aus Quebec zu Folge, im Urwald 150 Kilometer von Edmundstone die Ueberrefte eines zertrümmerten Flugzeuges gefunden haben. Es die Vermutung aufgetaucht, daß es sich oieUeicJr um den Aparat der Franzosen Nungesser und Coli handeln könnte, die 1927 zu einem Ozeanflug von Frankreich aus gestartet waren, und von deren Schicksal man nie wieder etwas hörte. Bis- leisten. Wetterbericht her glaubte man allerdings, daß Nungesser und Coli einige Stunden nach dem Start ins Meer gestürzt und mit ihrem Flugzeug untergegangen waren. Lin neuer Luftmillionär. Flugkapitän Wert Schaefer, ein Sohn ber Gemeinbe Wissenbach (Dillenburg), legte biefee Tagk seinen millionsten Flugkilometer im Dienste der Deutschen Lufthansa zurück. Aus diesem Anlaß erhielt er ein Glückwunschdokument und die goldene Ehrennadel der Luftmillionäre der Deutschen Lufthansa. Schaefer, genannt „Handschuh- Schaefer", ist seit 24 Jahren aktiv in ber Fliegerei tätig. Als einer ber ersten meldete er sich freiwillig als Flieger nach der Türkei, und er war auch ber erste, der am 15. Januar 1915 den Balkan überflog. lieber Serbien holten ihn Maschinengewehr- kugeln herunter, er kam in Gefangenschaft, flüchtete aber nach einigen Wochen auf abenteuerliche Art. Tauziehen mit einem Elefanten. Im Zoologischen Garten von Tokio hat man kürzlich zur Belustigung der Zuschauer ein Tauziehen zwischen einem Elefanten und einigen jungen Burschen veranstaltet. Der junge Elefant Hana legte sich, von seinem Wärter angetrieben, nicht schlecht ins Zeug, so daß die an dem anderen Tauende zerrenden jungen Leute wie Federbälle hin und her geschleudert wurden. Sie erhielten nun Verstärkung, aber erst als fünfundfünfzig Mann an dem Tauende zogen, war das Gleichgewicht zwischen ihnen und dem Dickhäuter hergestellt. Dieser Kraftakt von Hana wird als recht beachtlich bewertet, zugleich wird aber darauf hingewiesen, daß ein ausgewachsener Elefant wohl imstande sei, mehr als hundert Mann in einem solchen Wettstreit zu besiegen, auch wenn sie den heftigsten Widerstand des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die schwere Wirbeltätigkeit hat sich vom Mittelmeer nach dem Baltikum verlagert. Die Folge davon war allgemeine Witterungs Verschlechterung in Deutschland und verbreitete Niederschlagstätigkeit, wobei es in den Gebirgen durchweg, in den Niederungen strichweise, zu Schneefällen kam. Die höheren Mittelgebirge bieten schon vielfach Winterfportmöglich- feiten. Da zwischen Nord und Süd sehr große Druckunterschiede bestehen, muß bei uns mit lebhaften nördlichen Winden und mit weiterer Kalt- luftzufuhr gerechnet werden Die Niederschlagstätigkeit wird jedoch nach anfänglicher Verstärkung nachlassen. Aussichten für Samstag: Zunächst noch unfreundlich und vielerorts Niederschläge (im Gebirge Schnee), bann einsetzende Besserung bei lebhaften Winden aus Norden, kalt. Aussichten für Sonntag: Wolkig bis aufheiternd und meist trocken, bei nördlichen und östlichen Winden für die Jahreszeit zu kalt, Nacht- froftgeiahr. Lufttemperaturen am 24. Oktober: mittags 5,3 Grad Celsius, abends 3,7 Grad; am 25. Oktober: morgens 4 Grad. Maximum 5,4 Grad, Minimum 3,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 24. Oktober: abends 5,5 Grad; am 25. Oktober: morgens 5,3 Grad Celsius. — Niederschläge 2 mm. 3.50 3.25 3.90 3.45 6.90 5.50 Sie bitte meine 7 Spezialfenster! <7/255 5 EN «MÄUSR UR GIG Dläilcl.-Pullover, reine Wolle, flotte Machart, Größe 40........... IHädch.-We Jen, reine Wolle.in vielenFart>., Größe 40........... Damen*Westen, Wolle platt.,sehr strapaz erf. Beachten so gut, so hübsch, so günstig im Preis Damen-Pulkver, reine , Wolle, in größt. 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Oktober 1935. _________Die Bürgermeisterei: Ritter.________ Oetzentliche Mahnung. Folgende Rückstände werden hierdurch zur Zahlung vis spätestens 4. November 1935 ein,chlieglich gemahnt: 6142C 3. Ziel Gemeinde-, Kreis- und Provinztalumlage einschließlich Sondergebäudesteuer 1935 und die auf Grund der zusätzlichen Steuerbescheide zu zahlenden Beträge. 2. Rate Hundesteuer 1935. 1. und 2. Rate Beitrag zur Handwerkskammer 1935. Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Einzug der rückständigen Beträge auf Kosten der Schuldner. Gießen, den 25. Oktober 1935. ________________Stadtkasse Gießen. __________ Bekanntmachung. Die (Erb-, Pflaster- und Lhauffierungsarbelten zum Ausbau der verlängerten Bergstraße sollen auf Grund der Reichsverdingungsordnung für Bauleistungen öffentlich vergeben werden. Die Verdingungsunterlagen und Angebotsvor- drucke sind ab Montag, den 28. Oktober 1935, bei uns erhältlich. 6146C Die Angebote sind bis zum Eröffnungstermin am Samstag, dem 2. November 1935, vorm. 10 Uhr, an das Städtische Hoch- und Tiefbauamt Gießen, Asterweg Nr. 9, abzugeben, wo die Oeffnung der eingegangenen Angebote erfolgt. Zuschlags- und Bindefrist 4 Wochen. Gießen, den 24. Oktober 1935. Städtisches Hoch- und Tiefbauamt. G r a v e r t. Ala Anzeigen-Aktiengesellschaft Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen und Zeitschriften Gießen / Schul'traße 7 Lin Erlebnis Leim Wäscheaufhängen Frau Hofmann hängt mit ihrem Mädchen Wäsche auf. Plötzlich zeigt das Mädchen auf die Wäsche im Nachbargarten: Komisch, wie diese Wäsche grau aussieht gegen unsere Wäsche. Dabei haben sich die Leute so abgeplagt! - Ja, sagt Frau Hofmann, es kommt bei der Wäsche nicht bloß auf die Arbeit, .uf das Rubbeln und Reiben an. Hauptsache ist, daß auch afled Fett und Eiweiß herauskommt, Denn gerade die Hautausscheidungen, z. D. der Schweiß, halten den Schmutz fest. Unsere Wäsch« ist deshalb so rein und klar, weil Burnus schon beim Einweichen das alles herauszog. Darum waren wir drei Stunden eher fertig, sparten Seife, Waschmittel und Feuerung. - Möchten Sie nicht auch Waschmittel und Seife sparen? Große Dose Burnus 49 Psg., überall zu haben. Gratis b 41157 Rn &ugitft Jacobi Ä.-G. Darmstadt Senden Sie mir kostenlos interessante Rufklärung über neue und sparsamere Einweich- und Waschmethoden. Untafcbrtih ■ Ur. 250 Zweites Blatt Tiestener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Zreitag. 2;. Oktober (W Wie sieht es in der Wirtschaft aus? Der Direktor der Deutschen Golddiskontbank, Rudolf Brinkmann, hat kürzlich in einer Sitzung der Bezirksgruppe Westfalen der Reichs- gruppe Industrie bemerkenswerte Ausführungen über die Zukunft des Außenhandels und der Devisenversorgung gemacht Er ging dabei von der Feststellung aus, daß der „Reue Plan" zwar unbequem sei, aber gleich einer bitteren Medizin günstige Wirkungen erzielt habe. Einen Uebergang von diesem „Neuen Plan" zu einem staatlichen Außenhandelsmonopol aber, der von manchen Kreisen vorgeschlagen wird, lehnte Direktor Brinkmann entschieden ab. Er forderte zwar eine stärkere Rücksichtnahme des privaten Handels auf die allgemeinwirtschaftlichen Notwendigkeiten. Der Staat will sich aber auch in den Fragen des Außenhandels darauf beschränken, die private Wirtschaft zu lenken und zu beaufsichtigen, weil gerade in der gegenwärtigen schmierigen Lage des Außenhandels die Beweglichkeit und das kaufmännische Geschick des privaten Wirtschaftsführers nicht entbehrt werden kann Der Referent wies ferner darauf hin. daß das Wirt- schaftsministeriüm seinerseits bemüht sei, die Devisenbewirtschaftung zu vereinfachen, die Papierflut einzudämmen und der privaten Wirtschaft beratend und helfend zur Seite zu stehen. Aus der Entwicklung des deutschen Außenhandels in den letzten Monaten zog Direktor Brinkmann Den Schluß, daß der Neue Plan mehr und mehr zu den erstrebten Erfolgen führen werde und wies nach, daß die bisherige Besserung des Außenhandels nicht etwa auf eine Verschleuderung deutscher Waren zurückzuführen ist, da man hiergegen wirk- lame Maßnahmen ergriffen habe und weiter ergreifen werde. * Einen wichtigen Teil des deutschen Arbeitsbeschaffungsprogramms bildet der Ausbau unserer B i n n e n s ch i f f a h r t s st r a ß e n. Wie Mi- r,üsterialrat Dr.-Ing. W. Gährs in der „Zeitschrift sür Binnenschiffabrt" darlegt, ist das Ziel dieses Programms die Schaffung eines geschlossenen leistungsfähigen deutschen Wasserstraßennetzes. Im ganzen handelt es sich insgesamt um 16 größere Ausbaumaßnahmen, von denen 4 noch im Jahre £035 sertigaestellt werden sollen darunter die Neckarkanalisierung zwischen Mannheim 'nd Heilbronn. Der Ausbau der Oder wird noch ?twa 4 bis 5 Jahre, der der Elbe insgesamt 8 Jahre n Anspruch nehmen. Von den weiteren Prosekten verdient vor alle der Ausbau der Werra- Schiffahrtsstraße Erwähnung, der eine d i r e k te Verbindung von Bremen zum Main und ' u Donau schaffen soll. Zunächst sollen 67,5 Millionen Mark für die Werra-Kanalisierung in ^en Reichshaushalt eingestellt werden. Die Bauzeit wird etwa 8 Jähre betragen. Wie groß die Be- d-utung d-'s Ansbo''"s der Binnenwasserstraßen Tir den deutschen Arbeitsmarkt ist, geht daraus deutlich hervor, daß schon für die bisher beschlossenen Ausbaumaßnahmen 900 Millionen Mark aufgewendet werden sollen, und zwar in der Hauptsache für Arbeitslöhne. * Die Auswirkungen des italienisch-abessinischen Krieges machen sich in den verschiedensten Zw-igen ier Weltwirtschaft geltend. So ist z. B. die Lage ( u f den Kolonialmärkten durch die Vor- latskäuie der beiden kriegfübr-nden Parteien voll- hmmen verändert worden. Selbst auf den b r a s i- ionischen Kaffeemärkten erzeugt die ita- ^enische Nachfrage wieder größeren Absatz. Tee iit wesentlich teurer geworden, weil dem steigenden Bedarf geringe Ernt"n und Einschränkung"n der Erzeugung gegenüberstehen. Den stärksten Auftrieb eher hat der afrikanische Krieg den internationalen > nckermärkten geaeben. Hier sind auch Ein- i'cknngskäuke anderer Länder, namentlich des englischen Handels festgestellt worden. Der Stim- n"nasumschmuna auf d"n Weltmärkten ist offenbar richt auf spekulative Betätigung, sondern auf eine tatsächliche Zunahme der Nachfrage zurückzuführen. Die preissteigernden Einflüsse dieser Tendenzveränderung machten sich naturgemäß auf manchen deutschen Lebensmittelmärkten in besonderer Weise fühlbar, weil die für die deutsche Lebensmitteleinfuhr zur Verfügung stehenden Devisen begrenzt sind. Am deutschen Butter markt fällt die jahreszeitlich begründete Verminderung des inländischen Angebots mit einer erheblichen Preissteigerung an den Auslandsmärkten zusammen. England insbesondere nimmt erhöhte Buttereinfuhren zu steigenden Preisen vor. Glücklicherweise wird aber die Butterknappheit nur einen Uebergangszu- stand bilden, denn in Kürze werden im I n l a n d e wieder größere Milchmengen zur Verbutterung zur Verfügung stehen. Bis dahin wird es die Pflicht der Verbraucher sein, ihren Bedarf nvch Möglichkeit zu beschränken und sich in volkswirtschaftlicher Einsicht der Marktlage anzupassen. Erfreulicherweise steht der Knappheit an Butter ein erhöhtes Gemüseangebot gegenüber. Aus den Erhebungen des Reichsnährstandes geht hervor, daß die Erträge an Herbst- und Spätgemüse die Erwartungen beträchtlich übertroffen haben. Die Schätzungen der Heuernte ergaben einen (Ertrag von 33,11 Millionen Tonnen gegenüber 26,43 Millionen Tonnen im Vorjahre. Die gute Heuernte wird der Viehwirtschaft zugute kommen und nach Ueberwindung des Zwischenzustandes auch eine Vermehrung der deutschen Buttererzeugung im Gefolge haben * An den Weltmetallmärkten ist die Haussebewegung zum Stehen gekommen, es sind sogar Rückschläge eingetreten. Die Frage, inwieweit die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Italien die Belieferung dieses Landes mit 'Rüstungsmaterial und Metallen stören werden, schuf eine Unsicherheit, die störend auf die Stimmung der Märkte zurückwirkte. Rückgängig waren vor allem die Blei - und Zinkpreise. Das ist an sich nach den vorhergegangenen starken Preiserhöhungen nicht verwunderlich. Die Kupferpreise haben den erreichten höheren Stand nahezu behauptet, da die steigende industrielle Konjunktur in den Der- einitjien Staaten einen gewissen Ausgleich schuf. Freilich nimmt die Weltkupfererzeugung in schnellem Tempo zu, so daß es ungewiß ist, ob die Verbrauchssteigerung hiermit wird Schritt halten können. Eine ungewöhnlich starke Nachfrage hat auf dem Z i n n m a r k t eine neue Aufwärtsbewegung des Absatzes und der Preise hervorgerufen. Um die sehr fühlbar gewordene Verknappung zu beseitigen, hat das internationale Zinnkomitee eine Erhöhung der Produktionsquote von 70 auf 80 0. H. mit rückwirkender Kraft vom 1. Oktober ab beschlossen. Infolgedessen werden im letzten Vierteljahr 1935 rund 4300 Tonnen Zinn mehr als bisher für die Ausfuhr zur Verfügung stehen. Man darf wohl annehmen, daß nun auch am Zinnmarkt bald wieder ein Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch hergestellt sein wird. * In Gens haben die Völkerbundsmächte bezeichnenderweise w"der Rohöl noch dessen Derivate auf die Sanktionrliste gestellt, obgleich ohne Petroleum heule fein Krieg geführt werden kann. Aber man weiß in Genf nicht, ob Amerika ein Ausfuhrverbot auf Rohöl erlassen wird, und dazu kommt, daß Rumänien es ebenfalls unterließ, Rohöl auf die Liste der Waren zu setzen, deren Ausfuhr nach Italien verboten ist. Die Agip, die staatliche Erdölversorgung Italiens, hat in Rumänien starke Interessen, und daher dürfte der Genfer Beschluß erklärlich sein. Im Zusammenhang damit wird gemeldet, die Erdölgesellschaften hätten sich mit den Russen über den Verkauf des bolschewistischen Erdöls geeinigt. Diese Meldung ist allerdings von der Koninklijke Shell dementiert worden. Schon im Jahre 1929 wurde' über die gleiche Frage mit der Sowjetunion verhandelt, aber ohne Erfolg, da die Bolschewisten auf eine Der Lokomotivheizer Gustav Von Korb man Rechner. Jede Nacht fährt der 0-Zug Punkt 21.52 Uhr ms der verrußten Halle des Hauptbahnhofes Ge- ucu fünf Minuten später donnert er dann an tr einer Wohnung vorbei. Ich brauche da niemals H2ch der Uhr zu sehen, denn der Zug meldet mir liin Kommen schon selber an: ein paar leichte .Gegenstände in meinem Zimmer fangen leise an zli klirren. Ich schaue nun gerne von meiner späten Arbeit auf, und der Zug gibt mir jetzt das Weite Zeichen: der Schein meiner Schreibtischlampe 0! ginnt im Wandspiegel zu zittern Rasch muß ich nun ans Fenster gehen, um den vieläugigen Wurm n»d) oorbeirasen zu sehen. Und vor allem möchte ich wissen, ob auch heute wieder „mein" Heizer söhn . . Er fähN wieder, ich hab's doch gleich gesagt! Guck mal hin, er gibt uns ja schon sein Zeichen, mit einer dicken Rauchfahne, die rot durchglüht über den jD agendächern liegt. Er feuert, der Kerl! Jawohl, h:u nur hin, alter Freund! Denn dahinter kommt Mich die Steigung — eine ganz verdammte Stei- |0infl! Da mußt du dich schon mächtig dranhalten. | Der Zug ist jetzt direkt meinem Fenster gegenüber. 'Und ich sage da: Moment mal, Gustav, ich will dir lein bißchen helfen! Und schon mache- ich im Geiste einen Sprung, einen ganz gewaltigen Sprung — 'nen meinem Fenster weg auf die rasende Maschine. Nichts für ungut, alter Kamerad, sage ich dann 01 dem Führerstand. Nichts für ungut — aber du Mt ja schon mitten drin in der Arbeit, was? Und wbammt nochmal, du brauchst mich ja. gar nicht, Tustav? Dann will ich aber doch wenigstens deine Kifseeflasche zumachen, damit nicht wieder der igcinze Kohlenstaub hineinfliegt, sonst fluchst du hernach bloß wieder! Daß du aber auch alles vergißt, Uienfd) — vor lauter Arbeit vergißt! Und dein guter Rock wird auch gleich runterfallen, und da in Tb dann bestimmt die Brieftasche auch noch raus- nLschen! Die Brieftasche, in der alles drinnen ist: bcs Bild von deiner Frau und von den zwei Keinen! Postkartenformat! Selber ausgenommen uri) entwickelt, und so gut sind sie getroffen wie ncch nie! " Du arbeitest, Gustav! Weiß Gott, du arbeitest! Gscht. singt die Kohle, wenn sie den Stahlboden te- Schaufel verläßt und in den glühenden Kessel- lachen fliegt. Eine mörderische Hitze schläat aus dem loien Loch heraus. Aber fünfzig, hundert und noch nihr Schaufeln voll knallst du in die Feuerbuchse. Uri) fünfzig-, hundert und noch mehr mal wirfst du auch dein Gesicht mit in die Hitze, wird deine Haut geröstet und Wimpern und Haare gesengt — sofern man bei dir überhaupt noch davon reden kann. Fünfzig-, hundert- und noch mehrmal — wer will es zählen, mie oft? Ich kann es nicht. Ich sehe ja auch nur deinen arbeitenden Körper: Wie die Muskeln der bloßen Unterarme spielen, wie sie bei jeder Bewegung den ineinandergekrumpelten Wulst des Hemdes und des blauen Ueberrocks zu sprengen drohen .. . Wie deine Augen klein werden und über der Nasenwurzel steile Falten aufftehen, sobald das Gesicht der Feuerung wieder nahe kommen muß ... Wie die Schweißbäche sich einen Weg über das verrußte Gesicht suchen müssen .. Wie die Brust den stickigen Qualm wieder herauskeucht ... Wie der Oberkörper sich biegt und windet ... Wie die Knie sich ein- knicken und wieder spannen ... Wie die Füße auf dem Boden feftmur^eln--wie der ganze Mann arbeitet! ... Du hältst einfach plötzlich mne in deiner Arbeit. Beugst dich tief, noch tiefer in die Glut... Nickst zustimmend, stocherst und glättest den frischen Kohlenhaufen.. Ziehst die Schaufel, dunkelrot glühend, wieder aus der Feuerbuchse... Haust die Türe zu — und zurück in frischere Luft... Stützt dich dort mit den Ellenbogen schwer auf den Schaufelstiel... Draußen rasen die Pleuelstangen hin und her, sie jagen die Räder vorwärts, und Telephonstangen, Signalmasten und Lichtern, Bahnwärterhäuschen und Schranken, helle Fensterflecke irgendwo im Dunkeln tauchen kaum auf und sind auch schon wieder verschwunden; wie irrsinnig geworden, bellt der Auspuff aus dem niederen Schornstein, der Gm"nw!nd reiht die schwarze, dick" Rauchfahne nach hinten, Rußkörnchen und rote Funken rieseln auf das Dach des Führerstandes herab Auf der rechten Seite stiert der Führer durch die schräg gebaute Windschutzscheibe geradeaus, aber auch jeden Augenblick wieder bereit, die Hände an den Regulator, an die Steuerung ober an die Bremse zu werfen; er vergleicht Fahrtbuch, Geschwindigkeitsmesser und Uhr miteinander, beobachtet das Arbeiten der Schmierapparate, die zitternden Zeiger auf den verschiedenen Manometern, und er hört auch noch, ob nicht irgendwo ein Lager klopft . Die linke Seite des Führerstandes gehört dem Heizer — Gustav' Der hat sich nach dem Feuern noch kaum ein wenig verschnauft, da muß er auch schon wieder ran Es wird aber nicht so schlimm diesmal: Gustav schaut ja nur ein wenig in die Feuerbuchse hinein, dann haut er die Tür auch eigene Organisation nicht verzichten wollten. Mittlerweile hat aber die Ausfuhr des russischen Erdöls stark abgeno nrm e n. In den ersten Monaten des Jahres 1935 führten sie rund ein Drittel weniger Erdöl aus als in der gleichen Zeit des Vorjahres, weil die Erzeugung und die Raffinierung in Rußland auf die bekannten Schwierigkeiten stößt. Zudem ist der Streit um die Entschädigung der Vorbesitzer der russischen Erdölfelder noch nicht erledigt. Auf der anderen Seite gehen die Verhandlungen der Großkonzerne Anglo- Irania Oil Company, Standard Oil und Koninklijke Shell mit der Standard Oil Company oj California weiter, da die Letztere die Vorkommen auf den britischen Bahrein-Inseln im Persischen Golf erworben hat. Das Oel dieser Produktion drückt auf die Preise vor allem auf den asiatischen Markt, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß dieser unangenehme Wettbewerber, der die Marktordnung stört, aus ferneren Kampf mit den älteren Wettbewerbern, die über eine ausgebreitete Organisation verfügen, verzichtet. Kunst und Wissenschaft. Geheimrat D. Reinhold Geeberg Geheimrat D. Reinhold S e e b e r g, der im Rustande lebende Ordinarius für systematische Theologie, Dogmengeschichte und Neues Testament an der Universität Berlin, Direktor des Instituts für Sozialethik, Ehrendoktor aller Fakultäten und Inhaber des Adlerschildes des Deutschen Reiches, ist in seinem Landhause zu Ahrenshoop (Pommern) im Aller von 76 Jahren g e ft 0 r b e n. Mit Reinhold Seeberg ist einer der bedeutendsten evangelischen Theologen der Gegenwart dahingegangen, ein Mann, dessen Name nicht nur im Bereich der theologischen Wissenschaft, sondern darüber hinaus auch im kirchlichen, sozialen und politischen Leben ein Programm bedeutete. Von Geburt Balte, begann Seeberg seine akademische Laufbahn als Privatdozent in Dorpat. Nach zehnjähriger Wirksamkeit in Erlangen wurde er 1898 nach Berlin berufen, wo er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt den Lehrstuhl für systematische Theologie innehatte. Die hervorragendsten Zeugnisse von Seebergs wissenschaftlicher Lebensarbeit sind sein vierbändiges Lehrbuch der Dogmengeschichte und seine zweibändige „Christliche Dogma- t i k". Die natürliche Anziehungskraft seiner warmherzigen Persönlichkeit und seine leidenschaftliche nationale Haltung, die er besonders während seines Rektorats in den Jahren 1918/19 bewies, sicherte ihm das Vertrauen der Studentenschaft. Die Rede, frte er damals zum Gedächtnis der Gefallenen hielt, ist, wie seine Langemarck-Rede vom Jahre 1928, noch heute in Erinnerung. Von ihm stammt auch die wuchtige Inschrift am Gefallenendenkmal der Berliner Universität. Zu seinem 75. Geburtstage wurde ihm der Adlerschild des Deutschen Reiches verliehen, dessen Rückseite die Widmung trägt: „Dem deutschen Gottesgelehrten". Das Handschreiben des Reichspräsidenten von Hindenburg, das ihm damals überreicht wurde, würdigte ihn als Gelehrten von außergewöhnlichem Format. * Zum Tode von Geheimrat S e e b e r g ist bei dem Sohne des Verstorbenen folgendes Beileidstelegramm des Führers und Reichskanzlers eingegangen: „Zu dem schweren Verlust, den Sie durch den Tod Ihres Herrn Vaters, des um die deutsche theologische Wissenschaft hochverdienten Professor Reinhold Seeberg, erlitten haben, spreche ich meine aufrichtige Anteilnahme aus. Adolf Hitler." Dr. Goebbels spricht zur Buchwoche. Berlin, 25. Okt. (DNB. Funkspruch.) Der Deutsche Rundfunk überträgt am Sonntag, dem 27. Oktober, von 11 bis 12.15 Ühr d i e Rede des Reichsministers Dr. Goebbels aus einer Kundgebung zur Eröffnung der Woche des deutschen Buches in Weimar. Oie Deutsche Landsmannschaft stellt sich dem ASOGtB. zur Verfügung. Wie die Deutsche Landsmannschaft mitteill, Der- sammelten sich am 20 Oktober die Bundesführer der hundert reichsdeutschen Landsmannschaften zu einem außerordentlichen Landsmannschaftertag in Koburg, in dem die Landsmannschaft seit über 60 Jahren beheimatet ist. Der einzige Punkt der Tagesordnung war „Die Zukunft der Deutschen Landsmannschaft". Der neue Führer der Deutschen Landsmannschaft, der stellvertretende Senatspräsident der Freien Stadt Danzig, Dipl.-Ing Pg. Huth, erklärte, die Deutsche Landsmannschaft mit ihren 21 000 Mitgliedern müsse bei Gewährung ehrenvoller Bedingungen in dem NSDStB aufgehen Auch Dr.-Jng. Pg. S t ä b e l, der einstige Reichsführer der DSt. und des NSDStB., Senator Pg. Richter (Hamburg), und das Ehrenmitglied der Deutschen Landsmannschaft, Gauleiter und Oberpräsident Pq. Schwede (Koburg) traten dafür ein, das Wertvolle aus der Überlieferung dem neuen Reiche dienstbar zu machen Demgemäß faßte der Landsmannschaftertag folgenden Entschluß: „Die Deutsche Landsmannschaft stellt sich mit all en ihren Gliederungen dem NSDStB zur Verfüaung und erteilt ihrem Führer, Senatsvizepräsisidenten Pg. Huth, alle Vollmachten zur Ueberführung in den NSDStB unter den mitgeteilten Richtlinien, sowie zur Auflösung der DL." Dem Landsmannschaftertag folgten kurze Feiern am Heldenmal der Deutschen Landsmannschaft und an der neuen Ge- fattenenbenfftätte der Stadt Koburg Nobelpreis für Physioloaie und Medizin fällt nach Deutschland. Das Lehrerkollegium des Carolinilchen Instituts zu Stockholm hat den diesjährigen Nobelpreis für Physiologie und Medizin dem Professor Hans S p e m a n n , Freiburg (Breisgaus, für feine Entdeckung des Organisatoreffekts roäbrenb der embryonalen Entwicklung verliehen. Professor Hans Sp e m ann hat sich'als Zooloae hervor- ragpnb um die experimentelle Erforschung der tierischen Entwicklung verdient gemacht. Er "mürbe am 27. 5>uli 1869 zu Stuttgart geboren. Von 1914 bis 1919 ronr er Direktor am Kaiser-Wilhelm- Institut für Biologie in Berlin-Dahlem. S"it 1919 bat er ben zoologischen Lehrstuhl an ber Universi- tät Freiburg i. B. inne. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr Samstagnach- mittag gefchlosien. schon roieber zu. Der schwarze Kohlenberg von vorhin ist jetzt bereits burch unb burch rot geworben, die schwarze Rauchwolke über dem Dach ist auch weg, den grauen Auspuffdampf sieht man kaum, unb somit kann Gustav ohne Gefahr einer zu stark wirkenden Abkühlung auf ben Kessel mit bem Wasserspeisen anfangen. Ein Ventil breht er auf, horcht babei ein wenig nach außen, ob ber Dampf aus bem Rohr (wissen Sie: bas unter bem Führerstanb, neben ber eisernen Trittleiter) schon herauskommt. Dann rückt er mit ber linken Hanb an einem Hebel, der Dampf haut noch ein paarmal bas Schlapperventil heftig gegen bas Rotgußgehäuse, unb draußen fährt jetzt ein Strahl Wasser aus bem Rohre, näßt auf eine weite Strecke hin Dammschotter unb Schwellenköpfe, zuletzt hört man ein zischenbes Singen im Zuleitungsrohr: Der Injektor hat angezogen und pumpt frisches Wasser in hon Kessel? Aufmerksam beobachtet Gustav bas Steigen des Wassers im Glas. Millimeter um Millimeter kriecht es höher, bis zum Maximalstanb bin; unb ba macht Gustav roieber einen kleinen Heb-struck, breht bas Dampfventil zu unb bas Wasser hört auf zu steigen. Aber jetzt kommt bas, worauf ich mich jeben Tag ganz besonbers freue: Gustav langt sich seine Kaffeeflasche! , Nanu". sagt er ba jebeemal, „wer hat benn jetzt bie Flasche zugemacht?" Nach bem Trinken aber läßt er sie roieber offenstehen wie immer. Ach was, bie Pulle., ist ja auch leer geworben bie-mol und ©off sei Dank daß bie nächste Haltestelle schon bie Heimatstation ist. Unb ba gibt es ja roieber frischen Kaffee — zu Hause, bei Mutter! Aber leiber liegen noch anberthalb Stunben Fahrtzeit bazwischen, unb alle zwölf bis fünfzehn Minuten ist es immer roieber Zeit zum Nachfeuern ... * So arbeitet ber Heizer, ber schwarze rußige Mensch, auf der Lokomotive ba vorn, ber manchmal bei feiner Arbeit ausgerechnet auch an bie benfen muß, mit benen er durch die stockschwarze Nacht braust, und wie gut es doch die Leute in ihren Schlafwagen haben. Mein Heizer Gustav hat einen dünnen Rattenschwanzschnurrbart und manchmal ein ganz versorgtes Gesicht. Der Junge daheim, der soll mal was Besseres werden, denkt er öfters, wozu hat man denn so schwer gespart, nicht wahr? Aber ber Junge mag nun einmal nichts anberes werden als Eisenbahner unb natürlich auf ber Maschine. Wieviel Lokomotivheizer Gustav stehen so in ber Nacht auf ben schwarzen Stahlböben vor ben glühenben Kesselrachen, aus benen bie Funken nur so in bie Lanbschaft sprühen unb. knallen. Unb ihre Haut wirb immer mehr geröstet, unb bie Wimpern unb Haare werben immer mehr gesengt, und die Schweißbäche suchen sich einen Weg über das verrußte unb strenger geworbene Gesicht. Unb bie Jahre machen bann aus bünnen schwarzen Ratten- schwanzschnurrbärtchen struppige graue Schübel unter die Nasen der Lokomotivheizer, und die Rücken sind vom vielen Stochern und Glätten in ben frischen Kohlenhaufen schon ein wenig runber geworben, unb manchmal knicken bie Knie schon von selber ein. Und jetzt stützt man sich auch von Zeit zu Zeit schon mal länger mit den Ellenbogen auf den Schaufelstiel. Und dann warten eines Tages vor der Stadt ein Garten und ein halbes Dutzend Bienenstöcke und ein grasgrünes Häuschen für alle Tage auf ben Lokomotivführer Gustav. Man kann sich nach vierzig Dienstjahren wohl zur Ruhe setzen, vierzig Jahre hat man in bie Pensionskasse einbezahlt, unb nun sollen anbere mit ber Arbeit in ben Kesiel- rachen fertig werben unb mit bem stickigen Qualm, unb bie Züge in bie Nacht fahren, bie nicht mehr aufhören will. Man kann sich nach vierzig Dienst- jahren wohl zur Ruhe setzen. Vater und Go*»n als O^ynipifcheSieoer! Einmal verzeichnete die Geschichte der Olympischen Spiele dieses auffallenbe Ereignis, zwar nicht bei einer Olympiade, sondern nach einem Zeitraum von 26 Jahren. Es handelt sich um die berühmte finnische Sportfamilie Iärvinen 1908 siegte bei den Spielen in Athen Vater Iärvinen im Diskuswerfen im antiken Stil; auf ber 10. Olnmpiabe 1932 in Los Annekes konnte fein zweiter Sohn Matti biefe ruhmreiche Ueberlieferung seines Vaters fortsetzen und sich bie Golbmebaille im Speerwerfen erobern. Ver- roanbt damit ist ber auch von Dr. Max Ostrop im Novemberheft von Velhagen 6- Klasings Monatsheften erzählte Fall, baß einmal Vater unb Sohn bei einer Olympiade gleichzeitig in ber Mannschaft eines Lanbes stauben: in der Fechter- mannfchaft Mexikos in Los Angeles war Vater Recio ber älteste unb fein Sohn ber jüngste Teilnehmer; beide blieben freilich ohne olympische Lorbeeren. Unb auch ein beutscher Name läßt sich hier anführen, ber im Fechtsport bestens bekannte Name C a s m i r. Gerharb Casmir errang bei den Athener Spielen 1906 eine Goldmedaille, Erwin Casmir, sein Neffe, 1928 in Amsterdam eine silberne Medaille. Wirtschaft Die Herabsehung -er Roggenmehlpreise m ren 6 Preispolitik war die Festsetzung der Weizenmehl« preise, bei denen ein Ausgleich für die geringeren Roggenmehlpreise von vornherein einkalkuliert werden mußte. Wenn jetzt die Roggenmehlpreise zur Entlastung des Backgewerbes wesentlich gesenkt werden, so können die in der Roggenmüllerei ent^ stehenden Härten aus den Mitteln ausgeglichen werden, die auf Grund der entsprechend kalkulierten Weizenmehlpreise von den Weizenmühlen in Form der Weizenausgleichsabgabe aufgebracht werden. In einigen begrenzten Gebieten find die Roggenbrotpreise so niedrig, daß auch nach der neuesten Senkung der Roggenmehlpreise untragbare härten für das Vackgewerbe bestehen bleiben. hier wird in dem wesentlich verringerten Umfang und nach verfeinerten Methoden die Väckerausgleichskasse weiter tätig sein. Fwd. Die Hauptvereinigung der Deutschen Getreidewirtschaft hat mit Zustimmung des Reichsund Preußischen Ministers für Ernährung und Landwirtschaft eine Aenderung der Roggen- e h l p r e i s e angeordnet. Der zur Zeit gültige Roggenmehlpreis wird zunächst auf den Preisstand der Zeit vom 15. August bis zum 30. September 1935 zurück- Kampfflieger. Hörfolge von Dr. F. Wenzel. 11.45: Sozialdienst. 12: „Buntes Wochenende." 13: Nachrichten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: „Gasparone". Ein Melodienreigen aus Millöckers Operette. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen Zwei und Drei. 15: Wirtschaftsbericht. Fachleute beraten den Kleingärtner. 15.15: HJ.-Funk. Der Feldkornett erzählt! Eine Hörfolge. 16: Der frohe Samstagnachmittag des Reichssenders Köln. 18: „Burg Nideck ist im Elsaß..." 18.20: Stegreif« sendung. 18.30: Wir schalten ein! Das Mikrophon unterwegs. 18.40: Die Wochenschau des Zeitfunks. 19: Militärmusik. 20: Nachrichten. 20.10: Ruf der Jugend. 20.15: Der Zigeunerbaron. Operette von Johann Strauß. 22: Nachrichten. Von Alarm bis Zapfenstreich Kleines Lexikon militärischer Ausdrücke und Begriffe. geführt. Diese Verbilligung wird jedoch noch wesentlich verstärkt durch die Bestimmung, daß dieser Preis bis auf weiteres auch für die nächsten Monate unverändert bleibt. In diesem Getreidewirtschaftsjahr fallen die monatlichen Zuschläge (Reports) bis auf weiteres weg, so daß die Preissenkung im Laufe des Wirtschaftsjahres immer größer wird. Die Herabsetzung der Roggenmehlpreise ermöglicht, auch ferner * den Roggenbrotpreis unverändert zu lassen. Die Stabilisierung des Brotpreises ist keine leichte Aufgabe. Während auf der einen Seite die Millionen der Brotverbraucher heute noch gegen jede Verteuerung des Brotpreises, auch wenn sie kalkulatorisch noch so gut begründet wäre, unbedingt geschützt werden müssen, kann das Backgewerbe in vielen Orten und Bezirken Deutschlands den Nachweis erbringen, daß der gültige Brotpreis mit den Unkosten kaum in Einklang steht. Die Marktordnung des Reichsnährstandes auf dem Gebiete der Getreidewirtschaft hat gerade hier eine Unordnung übernehmen müssen, die nur etappenweise und mit dem Einsatz eines ganzen Systems wohlüberlegter Maßnahmen zu beseitigen ist. Bisher konnten die gröbsten Schwierigkeiten aus dem niedrigen Brotpreis in einigen, immerhin nicht kleinen Bezirken Deutschlands durch die Bäckerausgleichskasse gemildert werden. Dieses Verfahren hat sich jedoch in mancher Hinsicht nicht als das Beste erwiesen. Darum ist man jetzt dazu übergegangen, den Ausgleich zwischen dem nun einmal unveränderlichen Vrotpreis und den tatsächlichen Herstellungskosten statt, wie bisher,'im Backgewerbe, jetzt im Älühlensektor vorzunehmen. Diese Maßnahme wurde von langer Hand vorbereitet. Bereits bei der Festsetzung der Roggen- und Weizenerzeugerpreise wurde darauf Rücksicht genommen, daß ein billiges Roggenbrot auch einen entsprechenden Getreidepreis zur Voraussetzung hat. Der nächste Schritt im Sinne dieser Roggenbrot- Rundfunkprogramm Samstag, 26. Oktober. Buderussche Eisenwerke, Wetzlar. Gesellschaft beruft auf den 19.November eine außerordentliche Generalversammlung nach Frankfurt a. M. ein, in der über die schon gemeldete Uebertragung des Vermögens des Hessen-Nassauischen Hüttenvereins G. m. b. h., Biedenkopf - Lud- wigshütte, auf die Buderusschen Eisenwerke beschlossen werden soll. Außerdem stehen Wahlen zum Aufsichtsrat auf der Tagesordnung. Uhr: Choral, Morgenspruch, Gymnastik. 6.30: Fröhlich klingt's zur Morgenstunde. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9: Nachrichten. 10.15 bis 10.45: Schulfunk: „Deutsche Fliegerhelden". Oswald Boelcke, der Lehrmeister der deutschen Natürlich muß darüber grundsätzliche Klarheit be« stehen, daß das mancherorts bestehende Mißverhältnis zwischen dem Brotpreis und den Erzeugungs- kosten im Backgewerbe nicht allein von der Getreidewirtschaft her in Ordnung gebracht werden kann. Neben dem Roggenmehlpreis spielen in der Un- kostenberechnung des Brotpreises schließlich noch andere, nicht minder große Unkostenposten eine bis- weilen ausschlaggebende Rolle, so daß eine gründliche Entlastung des Backgewerbes noch von ande- Seiten der Ergänzung bedarf. nach kam, wollte Augsburg nicht nachstehen und setzte den Ehrensalut auch auf 101 Schuß fest. So blieb dieser Salut Sitte. Zapfen st reich. Ursprünglich war hierunter nichts anderes zu verstehen, als der Streich auf den Zapfen eines Fasses, wodurch das Spundloch so fest verschlossen wurde, daß nichts mehr herauslaufen konnte. In übertragenem Sinne wurde damit angedeutet, daß den Soldaten kein Bier mehr zu geben fei und daß sie in ihre Kasernen heimzukehren hätten. Aus dem Zapfenstreich wurde später der Trommelschlag. Soldaten- und Volkshumor schuf verschiedene Sprüche zum Takte „Die Franzosen haben das Geld gestohlen, der Deutsche muß es wiederholen. Geduld, Geduld, Geduld!" Oder in Oesterreich: „Drei lederne Strümps, zwei und drei macht fünf, wenn ich einen verlier, hab ich doch noch vier." O. G. F o e r st er. Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1206: Bekanntmachung KP 47 der Ueberwachungs- stelle sür unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1207: Frachtermäßigung für Pappe und Pappwaren im Durchfuhrausnahmetarif. 1208: Lettische Einfuhranträge für das 1. Vierteljahr 1936. 1209: Beschränkung des Verbrauchs von Lötzinn mit einem Zinngehalt über 10 bis 40 v. H. auf ein Mindestmaß, statt dessen Verwendung von Lötzinn mit einem Zinngehalt bis zu 10 v. H. Rhein-Mainische Börse. VUttagsbörse anfangs freundlicher, lm Verlaufe nachgebend. Frankfurt a. M., 24.Okt. Die Börse lag wiederum recht ruhig. Besondere Anregungen waren nicht vorhanden. Immerhin war nach den letzttägigen Abschwächungen zu Beginn auf Grund vorliegender geringer Kaufaufträge die Haltung am Aktienmarkt überwiegend freundlicher. JG.-Farben um 0,40 v. H. fester. Scheideanstalt paßten sich ziemlich verspätet der Kursbewegung in der letzten Zeit an und gaben 5 v. H. nach, sie waren in den letzten Wochen kaum verändert. Elektrowerte durchschnittlich 0,50 anfangs höher, so Schuckert, RWE. und Licht & Kraft, AEG. 0,65 v. H. höher. Ziemlich freundlich lag bei allerdings geringen Umsätzen der Montanmarkt. Auch hier gewannen Stahlverein, Rheinstahl und Harpener bis 0,50 v. H. Hoeschwerke allerdings 0,25 v. H. leichter. Maschinenwerte ohne Anregung, meist aber gut gehaltem Zellstoffwerte bröckelten eine Kleinigkeit ab, so Waldhof um 0,25, während Aschaffenburger noch 0,50 v. H. höher einsetzten. Bau- und Zementwerke ebenfalls etwas freundlicher, desgleichen Verkehrswege, es gewannen Holzmann 0,50, Zement Heidelberg 0,25. Schifffahrtsaktien behauptet. Sonst lagen Westdeutsche Kaufhof um 1, Süddeutsche Zucker um 0.13 v. H. fester, Aku konnten sich um 0,25 v. H. erhöhen, während Bemberg 1 v. H. verloren. Am Rentenmarkt waren deutsche Staatsanleihen sehr gut gehalten. Es werden fortgesetzt Tauschoperationen von Aktien in Renten beobachtet. Von Auslandrenten Mexikaner wiederum eher angeboten, dagegen Ungarn leicht anziehend. Ungarn Gold 9,25 (9,10). Infolge der ausgeprägten Geschäftsstille gaben die Aktienkurse in der zweiten Börsenstunde überwiegend um 0,25 bis 0 50 v. H. nach. JG.-Farben ermäßigten sich auf 147.65 nach 148,40 und Scheideanstalt auf 224 nach 225. Am Rentenmarkt traten keine Veränderungen von Belang ein. Pfandbriefe und Stadtanleihen notierten bei kleinen Umsätzen zumeist unverändert. Von Industrie-Obligationen zogen 6prozentige Hoesch auf 102,50 (101,90) an. Am Auslandrentenmarkt war das Geschäft etwas lebhafter, speziell^ in Ungarn. Goldrente bis 9,50 nach 9,25, ferner zogen Mexikaner etwas an, auch Anatolier lagen mit 38,25 etwas höher. Abendbörse behauptet. An der Abendbörse war das Geschäft sehr klein. Die Kurse lagen im allgemeinen auf dem Mittagsstand behauptet. Soweit Abweichungen gegen den der Redensart „Jemand in die Parade fahren", d. h. seine Bereitschaft und Abwehr zu zerstören. Salut. Der Brauch des Salutschießens ist schon im frühen Mittelalter bekannt. Doch soll die Festsetzung des Saluts für den Landesherrscher auf 101 Kanonenschuß auf einen geschichtlichen Irrtum zurückgehen. Um 1500 zog Kaiser Maximilian 1. nach einem siegreichen Feldzug in Augsburg ein. Ihm Ehren wurden 100 Kanonenschüsse abgefeuert. Der Konstablermeister glaubte jedoch, sich verzählt zu haben und ließ zur Sicherheit ein Geschütz nochmals feuern. Nürnberg, wohin der Kaiser bald dagehörige dieses fahnenflüchtigen Regimentes aufzuhängen sei, sobald er Gefangenschaft falle. Die Holländer aber lachten über diese Drohung und teilten dem Herzog mit, sie würden, um ihm das Geschäft des Hängens zu erleichtern, von nun an selbst Strick und Nagel um die Schultern tragen. Das geschah auch, und da sich gerade dieses Regiment mit vorbildlicher Tapferkeit schlug, wurden seine seltsamen Abzeichen Symbole des Heldenmutes. Aus dem hänfenen Strick und den Eisennägeln wurden allmählich seidene und goldene oder silberne Stifte, die auf der Brust und den Achseln getragen wurden. So entstanden die ersten Achselstücke, später Epauletten genannt (von dpaule — verein 81,50, Aku 55,50, Bekula 140,75, Conti Gummi 156,75, Deutsche Linoleum 143,65, Licht & Kraft 130, IG. Farben 147,40, Gesfürel 122, Holz« mann 89,50, Schuckert 118, Südd. Zucker 210,50, Löwenbräu München 199. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 24. Okt Auftrieb: 94 Rin- der (gegen 57 am letzten Donnerstagmarkt), bar- unter 23 Ochsen, 6 Bullen, 43 Kühe und 22 Fär« sen. Zum Schlachthof direkt: 2 Kühe, 654 (612) Kälber, 221 (223) Schafe, 142 (127) Schweine. No- fiert wurden pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mark: Kälber andere a) 72 bis76 (am 17. Oktober 71 bis 74), b) 66 bis 71 (65 bis 70), c) 60 bis 65 (60 bis 64), d) 52 bis 59 (52 bis 59), Lämmer und Hammel b2) 47 (45), c) 45 bis 46 (43 bis 44), d) 42 bis 44 (40 bis 42), Schafe e) 40 bis 42 (41 bis 43),f) 36 bis 38 (36 bis 40), g) 25 bis 34 (27 bis 35), Schweine a2) 57 (57), b) 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51), e) 51 (51). — Marktoerlauf: Kälber rege, ausverkauft-, Hämmel und Schafe lebhaft, ausverkauft. Schweine wurden zugeteilt. Ueberstand: 10 Rinder, davon 1 Ochse, 9 Kühe. Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung des Fleischgroßmarktes: 1084 Viertel Rindfleisch, 164 ganze Kälber, 21 ganze Hämmel, 356 halbe Schweine, 2 Kleinvieh. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch b) 76 bis 80, c) 68 bis 76, Bullenfleisch b) 74 bis 78 (am 21. Oktober 74 bis 80), Kuhfleisch b) 68 bis 74 (62 bis 68), c) 58 bis 68 (52 bis 62), Färsenfleisch b) 76 bis 80, c) 68 bis 76, Kalbfleisch b) 84 bis 94 (78 bis 88), c) 74 bis 84 (70 bis 78), Hammelfleisch b) 87 bis 90, Schweinefleisch b) höchster Preis 74. Fettwaren: roher Speck unter 7 Zentimeter 77 bis 80, Flomen 76 bis 80. — Marktverlauf: mittelmäßig. Schweinemarkt in Friedberg. LPD Friedberg, 24. Okt. Auf dem heutigen Friedberger Schweinemarkt wurden bei einem Auftrieb von 370 Jungtieren folgende Preise erzielt: Bis 6 Wochen alte Ferkel 12—15 RM., 6—8 Wo- chen 15—20 RM., 8—12 Wochen 20—30 RM. Das Geschäft war sehr lebhaft; es verblieb nur geringer Ueberstand. Schulter). Gamaschen. Während des Siebenjährigen Krieges besetzte General Fouque mit seinem Grenadierbataillon die mährische Stadt Kremsier. Auf den Stadtmauern patrouillierten die preußischen Schildwachen. Ein Pfarrer, den das Werda-Rufen in seiner Nachtruhe störte, verkleidete sich als Teufel und erschien so einem Grenadier, um ihn zu vertreiben. Doch der Soldat ergriff den mit Hörnern, Klauen und Gabel ausgerüsteten „Teufel" und führte ihn zum General. Fouqus betrachtete den unglücklichen Pfarrer; da fiel ihm seine seltsame Fußbekleidung auf: schwarze Strümpfe, die der Pfarrer an der Seite ausgeschnitten, oberhalb der Schuhe über das Bein gezogen und dann zugebunden hatte. Das gefiel dem General, denn er hatte schon lange darüber nachgedacht, wie er seinen Grenadieren, die in ihrer Fußbekleidung sehr heruntergekommen waren, eine neue warme Bekleidung verschaffen könnte. In den Teufelsgamaschen erkannte er eine gute Lösung. Er ließ die Kosten zur Anschaffung schwarzwollener Gamaschen für sein Bataillon berechnen. Diese Summe wurde von der Geistlichkeit als Löse- und Bußgeld bezahlt, und die Grenadiere erhielten ihre Gamaschen. Friedrich II. soll Fouquss Gamaschen dann sehr praktisch gefunden haben und führte sie für die ganze Armee ein. Husaren. Sie gingen hervor aus der natw- nalen Reitertruppe Ungarns. 1458 befahl Matthias Corvinus, daß in jedem ungarischen Dorf auf je 20 Häuser (husz — 20) ein bewaffneter Reiter dem Heere gestellt würde. Die Husaren waren ursprünglich gepanzert und mit Lanze und Säbel bewaffnet. Erst im 16. Jahrhundert entwickelte sich aus ihnen die leichte Reiterei in ungarischer Nationaltracht (Dolman und Pelz). In Preußen richtete Friedrich Wilhelm I. 1721 das erste Husarenkorps bei einem Dragonerregiment ein. Infanterie. Die Infantin von Spanien, Isa- bella Eugenia, Tochter Philipps II., war eine kriegerische Fürstin. Sie stellte großzügige neue Plane auf, nach denen das Fußvolk der spanischen Armee reorganisiert wurde. Ihr zu Ehren erhielt es dann die Bezeichnung Infanterie. Parade. Die Sitte, Paraden abzuhalten, kam im 17. Jahrhundert auf und diente zunächst nur dem Zwecke, das in den Krieg ziehende Heer zu besichtigen und festzustellen, ob es befriedigend gerüstet und bereit sei (von paratus — gerüstet, bereit, parat!). Die gleiche Bedeutung liegt auch in Berliner Schluß eintraten, handelte es sich um nur geringprozentige Veränderungen. Sehr schwach lagen aber weiterhin Scheideanstalt; eine Notiz kam nicht zustande, die Taxe stellte sich auf 215 Geld 220 Brief (224). Etwas Geschäft hatten Kunstseide Aku zu 55,50 (55,40). IG. Farben lagen mit 147,40 (147,25) voll behauptet. Deutsche Renten lagen sehr still und unverändert. Am Auslandsrentenmarkt zeigte sich etwas mehr Interesse. So für Mexikaner, Ungarn und Warschau-Wiener; letztere wurden mit 10,75 umgesetzt. Ferner erhöhten sich 3,5proz. Schweiz. Bundesbahn auf 180 (179) und 3,5proz. Gotthardbahn auf 170 (169). U. a. notierten: Altbesitz 112,60, Schutzgebietsanleihen 10,20, IG. Farben-Bonds 123, Reichsbahn - Vorzugsaktien 122,65. 4,5proz. Ungarn v. 1914 9,60, 4,5proz. Goldrumänen 8,50, 4proz. Rumänen 4,90, 5proz. innere Mexikaner 4,90, 3,5- proz. Schweizer Bundesbahn 180, 3,5proz. Gotthardbahn 170, Adca 74,50, Commerzbank 85,25, DD.-Bank 85, Frankfurter Hypotheken-Bank 92, Harpener 110,25, Klöcknerwerke 90, Mannesmann 83,25, Rheinstahl 105,75, Laurahütte 20,25, Stahl- wendet. . Epauletten. Im Niederländischen Freiheitskriege ging ein spanisches Regiment, das fast ausschließlich aus Holländern bestand, zu den niederländischen Freiheitskriegern über. Der Herzog Alba befahl in feinem Zorn hierüber, daß jeder Angehörige dieses fahnenflüchtigen Regimentes aufzu- bänaen fei. sobald er Gefangenschaft falle. Die Alarm. In Deutschland ist dies Wort nicht erst kn 16. Jahrhundert aus dem italienischen all’arme izu den Waffen) entstanden. Schon die Landsknechte schlugen „Lerman" beim Nahen des Feindes. Und in einem alten niedersächsischen Lied heißt es: „Hermen (Irmin), slaa Lermen/mit Pipen und Drummen (Trommeln)/de Kaiser (Karl!) will kum- men!" Aus der Bedeutungsgleichheit des deutschen Wortes Lärm und des italienischen all’arme entstand im 17. Jahrhundert die Bezeichnung Alarm. Bajonett. In der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde in der französischen Armee eine neuartige Waffe für den Nahkampf eingeführt. Es war em kurzer Spieß, der auf die Flinte gesetzt werden konnte und als Stichwaffe diente. Hergestellt wurden diese „Flintenspiehe" in der südfranzösischen Stadt Bayonne, die ihnen auch den Namen aab. Dragoner. Im 17. Jahrhundert wurde es Brauch, Arkebusiere, die nicht mit Lanzen und Schwert, sondern nur mit Feuerwaffen ausgerüstet wurden, beritten zu machen und durch diese berittene Infanterie den Kampf eröffnen zu lassen. Die Feuerwaffen dieser Reiter bestanden anfangs aus einem Feuerrohr und zwei Pistolen. Das Gewehr trug als Verzierung einen Drachenkopf. Hiernach nannte man die Truppe Dragoner (von dragon = Drachen). Erst unter Friedrich dem Großen wurden die Dragoner ausschließlich als Kavallerie oer- Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse ftranfhirt 0.2)1. Berlin Iure frfirfe 23-10. | 24-IQ- 24-10. Datum Datum 23.10. 24-10. 23-10- 24-10. 118 118,75 216 BK) 105,5 112,6 112,65 112,6 112,65 16,25 100,2 100,1 100 100 16 16 96,5 96,5 96,5 96 96 147,25 147,4 148 100,4 100,4 91,4 91 I 89,5 1 89,5 1 115,75 I 1301 -I 89,9 112,75 112,8 113 112,5 Cleftc. Lieferungsgesellschaft... 5 96,25 96,25 6'/. Licht und Kraft gelten & Guilleaume 0 Gesellsch.s.Elektr.Unternehmung. 5 100,5 100,5 100,5 100,75 100,75 100,75 97 97 97 97 131,5 I 131,25 0 27 0 156,75 156 156 28,75 210,75 Die Höhe Der zuletzt beschlossenen DlvidenDe an. — Reichsbankdiskont 4 v H.. Lombardzinsfuß s o. H. Die hinter Den 7 7 85,75 85,75 174,5 85 85 24,25 287,5 0 0 12 5 6 125,25 90,25 83,25 110,65 92,65 105,75 113,5 105,4 118,5 114,75 100,13 98,13 102 0 10 36,75 140,75 109,65 130,5 104 122,5 102 104,5 78 111 86 101,75 104,25 85,75 85,75 174,75 124,75 90,4 83,65 102,25 104,5 89,25 115,5 130 55 106 110,5 78,13 105 113,5 105,75 215 106 81,65 19,4 129,5 124 2,437 41,68 54,38 12,19 16,33 168,19 19,46 61,23 62,86 80,60 33,61 2,457 41,84 54,60 12,23 16,39 168,87 19,54 61,47 0 0 5 0 17,5 78,5 111 85,25 17,75 78,13 111 86 24,5 294 o 0 0 0 7 0 6 0 0 0 Schluß« hin! 9 9,13 10,25 97 107,3 A.E.T. Betula 216 105,75 81,5 19,13 130,5 124 97 107,3 97 107,3 97 107,3 87,4 140,75 109,75 130 104 122 129,5 122,25 118 166,5 102 104,25 110,65 92,9 159,25 126 90,75 83,25 85 85 174,5 Schluß!. Abend« börsc 16,25 29 17,65 78,75 110,5 85,25 81,5 18,9 130,75 124 55,5 105,5 110,5 79 Schluß» hird 214,75 105,5 81,65 19 130 124,75 Schlußk. Mittagbörse 105,75 114 105,75 103,25 55,75 105,75 111 78,65 127,25 93,9 143,9 79,75 24,13 289 122 117,75 166 36,9 140,9 110,25 130 104 122,65 129 122,25 118,75 167,25 130,75 Rheinische Elektrizität Rhein. Wests. Elektr. Schuckert L Co....... SiemensL Halske... Lahmeyer & Co..... Buderus Deutsche Erdöl Gelsenkirchener 100,13 98 102 ManSselder Bergbau .. Kokswerke.......... Phönix Bergbau Rheinische Braunkohlen Rheinstahl ........... Bereinigte Stahlwerke. Otavi Minen ........ Kaliwerke Aschersleben. Kaliwerke Westeregeln . Kaliwerke Salzdetfurth 100,13 98 102,13 Gritzner Mainkraftwerke Höchst a.DL« Süddeutscher Zucker 94 143,65 103,25 55,4 106 111 79 127,25 94 143,5 79,5 24,65 295 172 156,75 110,25 93 110,25 92,5 160 125,75 90 83,25 37 140,75 110 130,25 104 122,5 129,75 122 118 166 131 100,13 98 102,25 94 143,75 . O . 0 . 6 . 5 IV» Norddeutscher Lloyd ......... A.G. für Verkehrswesen Akt. .. Berliner Handelsgesellschaft ... Commerz, und Privat-Bank ... Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................ Dresdner Bank Reichsbank ................: 27,5 1,3 9,2 9,1 9,13 10,4 Hamburg-Amerika-Paket O Hamburg-Südam. Dampfschiff. O Philipp Holz mann .... Zementwerk Heidelberg Eementwerk Karlstadt.. °° 12, 26,5 1,2 7s 148 r 230 O 105,25 4 112,75 *i 104,25 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. 63,12 80,92 33,75 9,5 9,13 9,4 10,25 4% Oesterretchifche Goldrenre.... 4,20% Oesterreichische Stoenente 4% Ungarische Golbrente ....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 **/,% dcsgl. von 1913.......... 6% obgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie t..................... 28 1,4 9,55 9,45 9,5 10,25 Schultheis Patzenhofer Aku lAllgemeine Kunstseide) .. Bemberg................... Zellstoff Waldhos Zellstoff Aschaffenburg Dessauer Gas ............... Daimler Motoren .... Deutsche Linoleum ... Orenstein & Koppel .. Westdeutsche Kaufhof. Ehode Accumulatoren-Fabrik Lonti-Gummt 6% Deutsche ReichSanlethe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1984 b'/r% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mÜ Auslos.-Rechten ............. 4,/l% Deutsche ReichSpostschatzan. Weisungen von 1934, I 6% ehem.8% Hess. Volksstaat 1929 srückzahlb. 102%) ............ 4V»% ehern. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12......... 6¥»% ehem. Hess. LandeS-Hypo. thekenbank Darmstadt Liaui ... 4%% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. Aw leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4V»% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 I’/»% ehem. 4V»% Franks. Hvp.- Bank-Liqu.-Psandbriese....... t»V»% ehem. 4V»% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpse. ■ ■ <%% ehem. 8% Pr. Landespfand' briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4V»% ehem. 7% Pr. Landespsand- vriefanst., Gold Komm. C61.VI tzteuergutsch.Berrechnungsk. 35-39 AL I ®. Farben.Jndustrt« Scheideanstalt........ Goldschmidt ......... Rütgerswerle Metallgeiellschaft Serlin, 24.Oktober Amerikanische Rote» Belgische Noten...... ..... Dänische Noten .......... Englische Noten .......... Französische Noten Holländische Noten Italienische Noten. ............ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, * 1OO Schilliag Rumänische Noten......... Schwedische Noten .............. Schweizer Noten............. Spanische Noten..... Ungarische Noten ........... .. Harpener ..................0 Hoesck Eisen—Köln-Neueste» .. 0 Ilse Bergbau ............... 6 Ilse Bergbau Genüsse Klöcknerwerke ....... Mannesmann-Röhre» Sch'uß- LI!- hörte 28,75 I 29,9 I 90 - j 210,5 I 210,5 I 23-10. 117,75 114,5 Frankfurt a. M. 1 Serkin Frankfurt a. M Serlin Schlußkurs Schluvi. Abendbörse Schluß- turs Schlußk. Mittag- börse Datum 23 10. 24-10- 23-10- 24-10 — — —— 5% RumSn. vereinh. Rente v. 1903 5,8 6 5,9 5,9 4/,%Rumän.vereinh.Rentev.l913 8,4 8,5 8,3 8,55 4% Rumänische vercinh. Rente .. 4,9 4,9 4,95 4,95 2%% Anatolier ............... 38 38,5 38 38,4 23. Oktober 24 Oktober Amtliche Notierung Geld | 3rtd Amtliche Notierung ' Geld | 3rief Buenos Aire. 0,677 0,681 0,677 0,681 Brüssel..... 41.84 41,92 41,82 41.90 Rio be Jan. 0,141 0,143 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,57 54,67 54,59 54,69 Danzig..... 46,83 46,93 46,83 46.93 London ..... ■ 12,22 12,25 12,225 12,255 HelsingsorS.. 5,385 5,395 5,385 5,395 Paris ...... 16,38 16,42 16,38 16.42 Holland ... 168,57 168,91 168,61 168,95 Italien..... 20,24 20,28 20,24 20,28 Japan ...... 0,714 0,716 0,714 0,716 Jugoslawien 5,664 5,676 5,664 5,676 Oslo..... : 61,35 61,47 61,39 61,51 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11.08 11,10 11,085 11,105 Stockholm... 63,00 63,12 63,03 63,15 Schweiz .... 80,80 80,96 80,78 80,94 Spanien.... 33,94 34,00 33,97 34,03 Prag....... 10,275 10,295 10,275 10,295 Budapest ... — — Neutzork... 2,486 2,490 Banfnolett 2,485 2,489 4 ITr. 250 Drittes Blatt Gletzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Freitag, 25. Oktober (035 Der feierliche Einzug unserer Artillerie in Gießen eurigen Blickes ging der General zu seinen ZUM Einmarsch 1 Divisionskommandeur, General Lüdke, ÄN riefiaer Menschenaufmarsch l)Ä sich rund um Oswaldsgarten herum AK Die kleine Gabe, die den Geber zu Einschränkungen zwingt, ist wertvoller als die große Gabe, die ohne eigene Opfer gereicht wird. dar. Nr. Ar- und und Ge- Be- enmehl. •ingeren !rt wer- nse zur gesenkt irei ent. glichen Mieden n Form erben. Rog- h bet ntrag. n blei« getfen m die •in. cheit be. zoerhälti uquntts* tfreibt> i tm utv Y- ich nti eine e grünt' on anbe» untma eßliche Stunde, die man bei diesem Ein- chclM auf Oswaldsgarten erlebte. Mnders bemerkenswert erscheint es, daß die Sc:ist«i der Stadt Gießen und zahlreiche Schulen varen. Viertel rnimei, outben 76 big $ (am 74 (62 -Ich b) bis 94 Mb Mädels zu Hunderten zum Empfang der Sol- fciiter bereit. In zwei Transportzügen tllrtin die Artilleristen an. Der erste Zug brachte die Göiäütze und die Fahrzeuge, in dem zweiten Zug käin die Bespannung an. Wie gewaltig die Kano- nnert auf Draht sind, kann man daran erkennen, hilf. die Geschütze und Fahrzeuge innerhalb Die neuen Artillerie-Kasernen an der Gründer- ger Straße (vom Trieb aus gesehen), in denen heute die Artillerie-Abtei, lung Einzug hielt. — (Aufnahme Photo-Pfaff.) Kart; 'Ibis >0 bis llnrnel Bis 44 14) 3ü 5 35), 3). d) ' rege, usver- ib: io eis 74. 77 bis mittel. untoftjon in der Hammstraße beginnend zum Emp- faii Der Artilleristen bereitgestellt. Voll Begeiste- runl reckten sich die Arme zum Gruß empor. Qrtmc und immer wieder mußten der General, de« ävteilungskommandeur und die Offiziere ban= tfie ir die begeisterte Sympathiekund- g ektu n g der Menge. Es war eine weihevolle und peterkorps aufmarschiert. Ein kurzes Kommando des Abteilungskommandeurs Hauptmann Welte: „Stillgestanden — Augen rechts!" Der Kommandeur meldet dem Ge- neral die Abteilung, hierauf spricht der Division- kommandeur General £üöfc: Än ihrem neuen Standort, in dem die I. Abt. Art.- Rgts. 9 neben den Einheiten anderer Waffen nun eingegliedert wird, sei die Abteilung als Bestandteil der 9. Division herzlich von mir begrüßt. Der (Brünbungdag mit der neuen Rümmer liegt erst wenige Tage zurück. Wenn die Abteilung unter dieser Rümmer und in einem noch zu vergrößernden Rahmen hier in Gießen einrückt, so repräsentiert sie damit einen Teil der neuen, vom Führer geschaffenen Wehrmacht, einer Wehrmacht, die weih, was sie soll und was sie will. Die klar ihre Aufgabe erkennt: Stark, treu und mutig z u sein als Wehr für öle heimatliche Scholle. Die Abteilung wird hier von der Stadt Gießen warmherzig ausgenommen. Unter Führung ihres tatkräftigen, zielklaren und wehrfreudigen Oberbürgermeisters hat die Stadt und mit ihr die Heeresbauverwaltung alles ihr Mögliche getan, um diese Artillerie-Abteilung so unterzubringen, daß sie Freude an ihrem Heim, den Dreck gezogen wurde, aufrecht und stolz seinen Weg ging, klar und fest die Linie hielt in Treue jederzeit bereit, sich selbst zu opfern und einzusetzen für Volk und Vaterland. Wöge dieser Geist, der in der schwersten Zeit unseres Vaterlandes durchgehalten hat, unbeirrt dem deutschen Volke durch seine Wehrmacht erhalten bleiben. Wöge dieser Geist in der Erziehung des deutschen Volkes durch die Wehrmacht Gemeingut unseres ganzen deutschen Volkes werden, damit aus dieser Erziehung ein Volk ersteht, das in Treue und Pflichterfüllung jeder Zeit auf den Ruf des Führers bereitsteht, zu jeder Stunde bereit ist, zu kämpfen und sich einzusehen für Führer, Volk und Vaterland. In diesem Sinne begrüße ich Sib, unsere Gießener Artilleristen hier mit herzlicher Freude Und ich bitte Sie alle, mit mir einzustimmen den Ruf: U n - sere herrliche wiedererstandene deutsche Wehrmacht Sieg-Heil! Gewaltig brausten die dreimaligen Rufe über den weiten Platz. Voll Begeisterung sangen dann Soldaten und Zivilisten, während das Trompeterkorps spielte, die ersten Verse des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes. Nunmehr sprach der Abteilungskommandeur Hauptmann Welte: Hochzuverehrender Herr General! Ich danke Herrn General gehorsamst für die der Abteilung gewidmeten Worte und Wünsche. Ich darf Herrn General an dieser Stelle die Versicherung geben, daß wir Artilleristen stets bemüht sein werden, das in uns gesetzte Vertrauen in jeder Beziehung zu rechtfertigen, und daß wir ein schlagfertiger Bestandteil der 9. Division sein wollen. Ich versichere ferner, daß die uns von Herrn General auferlegte Verpflichtung für uns bindend ist, um damit der Stadt Gießen zur Ehre zu gereichen. Ihnen, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, danke ich von ganzem Herzen für die überaus warmen Worte, die Sie an uns zu richten die Güte hatten, und danke Ihnen ferner für den feierlichen Empfang, den Sie uns bereiteten. hocherfreut ziehen wir alle heute in unsere neue, schöne und traditionsreiche Garnisonstadt ein, und ich gebe der Hoffnung Ausdruck, daß das Verhältnis zwischen der Bevölkerung Gießens und feiner Artillerie stets ein besonders herzliches und von engster Verbundenheit getragenes fein möchte. Abteilung Stillgestanden! Unsere neue Garnisonstadt Gießen Hurra! Hurra! Hurra! Brausend stiegen die Hurra-Rufe zum Himmel empor, die Offiziere salutierten, und mit dieser Huldigung an die neue Garnisonstadt bekundeten die Artilleristen ihre freudige Bereitschaft, mit der Bevölkerung die herzlichsten Beziehungen aufzunehmen. Der Marsch durch die Stadt. Begeisterte Bevölkerung an den Straßen. Biele Blumengrüße aus den Fenstern. Nunmehr schwenkte die Abteilung, das Trompeterkorps an der Spitze, vom Oswaldsgarten aus in die Kirchstraße und dann in den Horst-Wessel-Wall ein, um unter Führung des Abteilungskommandeurs den Marsch durch die Stadt anzutreten. In den Marschstraßen (Horst-Wessel-Wall, Hindenburg- wall, Hitlerwall, Walltorstraße, Lindenplatz, Kirchenplatz, Marktplatz, Mäusburg, Kreuzplatz, Sel- tersweg, Frankfurter Straße, Friedrichstraße Röntgenstraße, Ludwigstraße, Ludwigsplotz, Kaiserallee, Grünberger Straße) stauten sich immer wieder Tausende von Volksgenossen zum Empfang der Artilleristen. Wenn die Abteilung an einer Stelle ihres Weges vorübergezoaen war, stürmten die Menschenmassen in eiligstem Lauf zu der nächstgelegenen anderen Straßenstrecke, um hier immer und immer wieder den Artilleristen zu huldigen und zuzujubeln. Im Augenblick der Niederschrift dieser Zeilen dauert der Marsch durch die Stadt noch an. Von 11 Uhr ab wird die Feier an der neuen Kaserne stattfinden. Hierüber werden wir morgen berichten. Freude am Dienst und Freude am außerdienstlichen Leben hat. All dies verpflichtet! Es verpflichtet die Abteilung dazu, daß jeder an feiner Stelle sein soldatisches Amt und seine Pflicht in vorbildlicher Weise erfüllt und das mit einer Selbstverständlichkeit, die keines Aufhebens nach auben bin bedarf. Aus ihrer früheren Zusammensetzung her hat die Abteilung durch Dienstfreude. Fleiß und anerkannte Tüchtigkeit bereits einen vortrefflichen Ruf! Ich wünsche der Abteilung unter ihrem neuen Kommandeur, daß -sie diesen Ruf sich erhält, ihn befestigt und zu mehren versteht. Mit dieser Mahnung an die Truppe übergebe ich Ihnen, sehr verehrter Herr Oberbürgermeister, die I./A.-R. 9 in Ihre stadtväterliche Obhut. Oer Aufmarsch auf Oswalds- aarten. Der Abteilungskommandeur meldet dem Divisionskommandeur, General Lüdke, die I. Abteilung Artillerie - Regiment 9 zur Stelle. — (Aufnahme Photo-Pfaff.) M US lä 1 A lA jj,fl Der Ausmal sch oer Abteilung vollzog sich in der Weise, daß die Batterien mit Front in Richtung der Flaggenwand standen, vor ierbetriebs der Basin einiae ' Berrösiernno 'ben Gruppen hielt der Abteilungskommandeur, we- lerbetrieos oer Bahn, einige^ Verzögerung nige Meter davon entfernt der Divisionskommandeur ftnnhnmhrphon General Lüdke mit Front nach der Abteilung. Handumdrehen waren auch, dw äuf ber glichen Seite des Platzes war das Tram- eutiqen n Auf, erzielt: -8 Wo. ft. Das eringer oJbi 41-80 0,1 3,053 M>g 46-93 12, g 5,$ 16, 168« J 20,2$ 0,71 5,616 61-8 48,8 Iblg 63j 80,94 34-g 10-781 aus der Umgeaend geschloffen unter Führung ihrer Lehrer aufmarschiert waren. Die Kinder bekundeten riesige Begeisterung. Aus dem weiten Platze war vor der Front der Feuerwache eine große Fahnenwand mit den Fahnen des Dritten Reiches, überragt von dem Hoheitszeichen der Bewegung, aufgebaut. Davor war zur Begrüßung ein Ehrensturm der SA.-Standarte 116 unter dem Befehl des Standartenadjutanten, Obersturmbannführer M ü n ck e r , aufmarschiert. Links davon hatte sich das Offizierskorps unseres Infanterie-Regiments mit dem Regimentskommandeur, Oberst V i e r o w , an der Spitze aufgestellt: daneben standen zahlreiche politische Leiter, an ihrer Spitze als Vertreter der Stadt Gießen Oberbürgermeister Ritter, ferner der Vertreter der SS. Auf der rechten Seite der Fahnenwand hatte der Gießener Verein ehemaliger Artilleristen seib:letzte sich tu Pferde, links neben sich den 2Ib= tetosfommanbeur Hauptmann Welte, an die der Truppe, gefolgt von den Offizieren seines SLo-lS und den Offizieren des Abteilunasstabes, Mm anschließend folgten die Batterien. Begleitet ochn riefen Menschen ging es unter flotter Marsch- mW des Trompeterkorps — die berittene Musik Mf ben Gießenern zum ersten Male einen in u*ir Stadt noch nie geschauten Anblick — die H.'mristraße herunter zum Oswaldsgarten. Vor der M-rsqkolonne ritten drei Beamte der Gießener S'chstkpolizei, die aus Anlaß dieses Einmarsches betritm gemacht worden waren. Oberbürgermeister "Kiffer hielt sodann von der Tribüne aus an den General und die Truppen folgende Ansprache: Sehr verehrter Herr General, Herr Abteilungskommandeur und unsere Artillerie-Abteilung! Ich heiße Sie, Herr Abteilungskommandeur, mit ihrer Abteilung im Namen der Stadt Gießen herzlich st willkommen. Schon als die erste Kunde hierher kam, daß unsere Garnison um eine Artillerie - Abteilung verstärkt werden würde, brannte die Bevölkerung Gießens darauf, sie möglichst bald in unseren Mauern zu sehen, sie möglichst bald hier begrüßen zu dürfen. Ich darf hier den Wunsch aussprechen, daß Sie, Herr Kommandeur, mit ihren Offizieren und Wannschaften sich so wohlfühten werden, wie es seither bei den anderen Truppenteilen unserer Garnison der Fall war, und daß das Verhältnis zwischen Ihnen und der Gießener Bevölkerung sich so herzlich gestalten möge, wie es in bester Herzlichkeit und schönstem Einvernehmen zwischen der Bevölkerung und dem Infanterie-Regiment bisher der Fall war. Wir Gießener sind hocherfreut, so lebhaften Anteil nehmen zu können an der Wiedererstar- kung der deutschen Armee. Wir sind glücklich, daß wir zu einem kleinen Teile mithelfen'dürfen an dem Neuaufbau und an der Neugestaltung unseres deutschen Reichsheeres. Wir erinnern uns bei dieser Gelegenheit dankbar und gerne der Haltung der deutschen Soldaten während des Niederganges und der Schmach des deutschen Volkes. Gerne erkennen wir hier wieder an und freuen uns, daß in der Zeit, da Marxismus und fremdes Gift das deutsche Volk zerfraßen, der deutsche Soldat ehern und eisern in Treue zu seinem Vaterland e stand und, als alles durch den Schmutz und Der'frobi titlerijsten, oft an Offiziere, Unteroffiziere £-L 18: Maaifchaften ein freundliches Wort richtend Gteareif* 1 bWtalt die wunderbare kameradschaftliche mitroMOi PNuig in unserer Wehrmacht vom obersten se-)I;l aber bis zum letzten Mann bekundend. Die . Nuf del WV’i unter Leitung von Oberinspektor Hof- ' u» m ni"at1 n handhabte die Absperrung in vorbild- ere lichrn Weise, so daß die Zuschauer Gelegenheit hatten, alle Vorgänge aus nächster Nähe zu sehen — uini Doch der Truppe bei ihrer Arbeit nicht ins Vierte kamen. In emsiger Arbeit von Fahrern und Ähroiieren wurde an Pferden, Geschützen und üEitrig?n Fahrzeugen alles fertiggemacht zum Ein- 314g Das Trompeterkorps unter dem Kom- Mn herrlicher Tag der Freude! Es ist in Wirten nicht wiederzugeben, was am heutigen Fi-itag, 25. August 1935, die Herzen der Gießener Bioölkerung bewegt beim Einzug ihrer Litilleriften, der I. Abteilung Artillerie-Regi- miri 9. In den Straßen ein Fahnenmeer. Die Ginchter der Volksgenossen leuchten vor Liebe und SBqeifterung für unser herrliches deutsches Heer. S»on zu früher Stunde macht sich die Außer- sstentlichkeit des Tages bemerkbar in dem starken Straßenverkehr. Schnell werden an manchen Häufen noch Fahnen herausgesteckt, und durch die Maßen des Einmarsches unserer Artilleristen flutet ri ? immer größer werdende Menschenmenge. bereits am Güterbahnhof hatte sich von 1 Lhr ab viel begeistertes Volk eingefunden. Auf )er angrenzenden Straßen und auf der Eisenbahn- r cke standen die Männer und Frauen, Buben unter Führung des Vereinsführers Müller Aufstellung genommen, um als alte Waffenkameraden bei diesem Empfang die enge Vebundenheit mit der Artillerie-Garnison zu bekunden. öm>n sieben Minuten ausgeladen waren, tik. 6.30: ßlübir gab es dann, bedingt durch Erfordernisse des er ierbetriebs der Bahn, einige Vergö ichrichltn. Oder dann rollte der Zug mit den Pferden riiegerijeb Wiue, und im Handumdrehen waren n , ... deutschen pZeitigen Tiere, eine besondere Freude der Botel. 11.45: teirife-, aus den Wagen herausgebrochi, um von den 13: Nach- fertiggemacht zu werden für den Einmarsch. •[ 13.15: Mittlerweile war der Divisionskommandeur, Möcktt! Wni^al Lüdke, in Begleitung von Offizieren rwW r Sülles am Güterbahnhof erschienen, um skachleul! se tf' die Truppe schon am Bahnhof zu begrüßen. —1 mmb des Musikmeisters Rohde, einen Kessel- a-K pcliiitfiT an der Spitze, stellte sich bereit, die Batte- -777 rim rtanben inzwischen fertig da, bann folgte ein t--—7" Ertke Gruß an bie Abteilung, und nun tarn der Hu...... ■ Aus der Vrovinzialhauptsiadt. Oer Briefträger. Jeden Tag steigt er treppauf, treppab. Es ist keine Kleinigkeit, aber er macht immer ein freundliches Gesicht. Immer ist sein Gruß höflich und seine Antworten sind zuvorkommend. Er scheint kaum etwas zu geben, was ihn aus dieser friedlichen Grundstimmung reißen könnte. Er versieht sein Amt eben mit bewundernswerter Liebenswürdigkeit und das verdient Anerkennung. Denn er ist Briefträger. Einem Briefträger wird das Leben nicht leicht gemacht. Gott bewahre! Laufe mal einer jeden Tag, den Sonntag nicht ausgenommen, durch die Straßen seines Bezirks und klimme mit schwerer Tasche sämtliche Treppen hoch, die sich in den Häusern befinden. Manche Treppen sind hübsch breit und bequem gemacht, gewiß. Dafür gibt es viele andere mit engen, knarrenden Stufen, und wieder andere, deren Betreten geradezu lebensgefährlich ist. Den Briefträger darf das indessen nicht anfechten; er muß täglich feinen Gang tun. Hat übrigens schon mal jemand ausgerechnet, wieviel Kilometer er auf diese Weise an jedem Tage zurücklegt? Aber es ist nicht der Weg mit den vielen Treppenstufen allein, der sein Amt erschwert. Biel schwieriger ist oft die Bestellung an einen unbekannten Adressaten. Die meisten Familien seines Bezirks find dem Briefträger natürlich wohlbekannt. Bor allem diejenigen, die mit ziemlicher Regelmäßigkeit Post empfangen. Er weiß, wie groß die Familie ist, ob die Kinder erwachsen sind und was für einen Beruf sie erlernt haben. Im Laufe der Zeit sind dem Briefträger die regelmäßigen Postempfänger so vertraut geworden, daß das Verhältnis zu ihnen direkt freundschaftlich geworden ist und er dem einen oder anderen Familienangehörigen die Post sogar auf der Straße aushändigen kann. Doch da kommen wer weiß wie oft die vertrackten Sendungen. Ein unbekannter Name auf der Anschrift! Ein falsch geschriebener Straßenname mit Fragezeichen dahinter als Hausnummer! Nun fange mal einer an, zu suchen, bis er den richtigen Empfänger gefunden hat. Aber der Briefträger verliert feine Laune nicht, und er entwickelt häufig eine Findigkeit, die wirklich in Erstaunen fetzen muß. Im Sommer könnte fein Amt eigentlich leichter fein. Aber da ist es die Wärme, die ihn in Schweiß bringt. Und im Winter hat er außer mit der schlechten Witterung noch mit unerfreulichen Lichtverhältnisfen in Hausfluren und Korridoren zu tun. Bei der Nachmittagsbestellung muß er oft genug Hals- und Beinbruch riskieren, bis er feinen Empfänger, oder dessen Briefkasten richtig erreicht. Nein, es ist keine leichte Sache, Briefträger zu fein und immer eine freundliche Miene zur Schau zu tragen. Noch dazu, wenn einer im Kriege die Hand oder den Arm bis zum Ellenbogen verloren hat. Und davon gibt es eine ganze Anzahl unter ihnen, die dennoch ihr Amt ausgezeichnet versehen. Alle Achtung vor dem Briefträger! Er ist ein pflichtgetreuer und vorbildlicher Volksgenosse und Arbeitskamerad, der diese Achtung in vollem Maße verdient. H. W. Sch. Dornoii'en Tageskalender für Freitag. NSG. „Kraft durch Freude": 20.15 Uhr Militär- Festkonzert in der Dolkshalle; 21 bis 22 Uhr Ski- Trocken-Kursus, Reitschule Schömbs; 20.30 bis 21.30 Uhr Allgemeine Körperschule im Lyzeum; 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Stadttheater: 20 bis 23 Uhr „Vogelhändler". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Vergiß mein nicht!" — Soldatenbund Gießen: 20 Uhr Kameradentreffen im Konzert in der Volkshalle. Erstaufführung „Der Vogelhändler" im Stadttheater. Aus dem Büro des Gießener Stadttheaters wird uns geschrieben: Wer m den letzten Wochen in die Nähe des Theaters kam, merkte an der allseitigen und eifrigemsigen Tätigkeit, daß irgendeine Besonderheit in der Lust liegen müsse. Zumal in den letzten Tagen eine gewisse Spannung über dem gesamten Gebäudekomplex .Theater' liegt und sich auf alle überträgt, die beruflich irgendwie in diesen Räumen ein- und ausgehen. Von der Probebühne her schallen wohlbekannte Rhythmen und lustige Weisen, denn dort musiziert und probiert der erste Kapellmeister Paul Walter mit seinem Orchester. In zahllosen Einzelproben üben die Solisten und die Mitglieder des Chors, die mit Kapellmeister Ernst Bräuer wetteifern, dieser alten Operette im neuen Gewände den rechten Schwung zu geben. Auf der provisorisch aufgebauten Bühne tummelt sich in großen Massen- und Dialogszenen das ganze Aufgebot unserer Mittel, die Paul W r e d e für den „Vogelhändler" eingesetzt hat, u. a. eine eigens für diese Operette neu zusammengestellte Gruppe junger Tänzerinnen, unter Führung von Therese Schultheiß (Frankfurt a. M.), der auch die Einstudierung der Tänze obliegt. In den technischen Abteilungen wird fieberhaft gearbeitet, meist noch bis in die späten Abend- und Nachtstunden. Löffler, Keim, Buchner, Kraft haben Phantasie und Können mobilisiert, so daß diese Neufassung von Zellers „Vogelhändler", die den Namen „Münchner Fassung" erhalten hat, auch den Gießener Theaterfreunden gefallen wird. Erstaufführung am Freitag, den 25. Oktober. Diese Operette ist die erste größere Aufführung unseres diesjährigen Operetten» spielplans. Es wirken mit: Damen: Fornallaz, Hagemann, Perry; Herren: Bley, Greif, Frickhoef- fer, Geiger, Hub, Hille, Lindt, Lüpke, Mosbacher, Schorn Volck. Die Erstaufführung ist die vierte Vorstellung im Freitag-Abonnement und dauert von 20 bis gegen 23 Uhr. Familienabend der Lukasgemeinde. Ein Familienabend der Lukasgemeinde findet am kommenden Sonntag, 20 Uhr, im Lukassaal statt. Pfarrassistent Z s ch a u spricht über „Die Lage der evangelischen Kirche in Oesterreich". Auf die heutige Anzeige sei besonders hingewiesen. Reichsbund der kinderreichen in Gießen. Am kommenden Sonntagnachmittag findet im Saale des Katholischen Dereinshauses eine Großkundgebung statt, zu der alle Volksgenossen ein- geladen sind. Man beachte die heutige Anzeige. Deutsche Arbeitsfront. Fachgruppe Gastslättengewerbe. Am Montag, 2 8. Oktober, findet nachmittags um 3 Uhr im großen Saale des Cafö Leib eine Großkundgebung des gesamten Gaststättengewerbes statt, in welcher svrechen: der Kreiswalter der DAF., Pg. Wagner (Gießen) und der Gaufachgruppen- walter, Pg. Z e i ß e (Frankfurt a. M.). Es werden Fragen behandelt, die für Betriebsführer und Gefolgschaftsmitglieder von größter Wichtigkeit sind. Wir erwarten daher, daß dieser Aufforderung restlos Folge geleistet wird und die Betriebsführer ihren Gefolgschaftsmitgliedern durch Freigabe einiger Stunden die Möglichkeit geben, daß beide zusammen an der Kundgebung teilnehmen können. * Sportamt „Kraft durch Freude^. heute folgende Kurse: Ski-Trocken: Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Skier und Stöcke werden vom Sportamt gestellt. Allgem. Körperschule, für Frauen und Männer: Don 20.30 bis 21.30 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26. Fröhliche Gymnastik und Spiele: Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lollar, Kantine der Fa. Buderus. Reiten: Von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schömbs. Reue kdF.-Sportkurse! In der nächsten Woche beginnen neue Reitkurse, ebenso Kurse für Hallentennis und Kleinkaliberschießen. Schriftliche ober persönliche Anmeldungen Von der Mechanik desAagels. Von Dr. Helmut Thomasius. Wie der Maler noch vielfach da die Schönheit erkennt, wo sie das Auge anderer Sterblicher nicht mehr zu erblicken vermag, so bedeutet für den Techniker noch mancherlei „Technik", was für den Laien nicht mehr unter diesen Begriff fällt. In diesem erweckt die Bezeichnung Technik Vorstellungen von riesigen Maschinen und gewaltigen Leistungen. Der Techniker hingegen erkennt auch in Kleinigkeiten, in scheinbar unbeachtlichen Dingen und Vorgängen noch den technischen Grundgedanken. Sie geben ihm manchmal mehr zu raten auf, als große Pläne und Unternehmungen von beträchtlichem Ausmaß. Diese Einstellung hat zur Folge, daß die Technik auch Gegenständen ihre Aufmerksamkeit zuwendet, die sie, wie mancher glauben mag, um ihrer Unschein, barfeit willen gar nicht verdienen. Dabei ergibt sich die merkwürdige Tatsache, daß man derartige Gegenstände aus ihrer Vergessenheit plötzlich ans Licht zieht und daß sich mit einemmal viele Techniker und Erfinder um sie zu bemühen beginnen. Man fuchi nach Verbesserungen an Dingen, an denen es scheinbar nichts mehr zu verbessern gibt. Ein kennzeichnendes Beispiel für diese Sachlage bildet gegenwärtig der Nagel. Er ist eines der ältesten Hilfsmittel, die wir kennen, um Gegenstände zusammenzufügen, aneinander zu befestigen, irgendwo aufzuhängen. Seit unendlichen Zeiten wird er zu diesen Zwecken ge- braucht. Dabei ist er trotz der mannigfachen Abar- ten, die es gibt, und der verschiedenen Stoffe, aus denen er hergestellt wird, im Grunde doch immer gleich geblieben. Ein eckiger ober runber Stab, unten eine Spitze, oben ber Kopf, auf ben ber Hammer nieberfällt. Das war immer so unb, wenn man auch Nagelmaschinen erfunben hat, bie eine ganze Anzahl von Nägeln gleichzeitig eintreiben, änberte bas nichts an biefen selbst. Die Technik von heute stellt neue Ansorberungen an ben Nagel. <£r soll sich leichter eintreiben lassen, soll gewisse Stosse vor ollem holz nicht (palten, soll ferner [eiter haften, soll bequemer herauszuziehen sein unb [öü noch mancherlei sonstige Ansorberungen erfüllen Wan ist mit bem alten Nagel nicht immer mehr zufrieden, sucht ihn zu verbessern, will ihm neue Emenschaften verleihen. Neue Gedanken tau- chen auf, die sich in die Tat, die sich in Nägel n och Niedagewesener Art Umsetzern Immer großer wird die Zahl dieser Nägel und Vorschläge. Besonders reiche Anregungen hat der Wunsch ergeben, em festeres Haften herbeizuführen. Aus diesem Punsche heraus ist ein Nagel her- vorgegangen, der mit Widerhaken versehen ist. Diese Haken sind sehr klein und sitzen an der Stelle, wo die Spitze in den Schaft übergeht. Von den von früher her schon bekannten, an dieser Stelle ober weiter oben am Schaft angebrachten Einkerbungen unterscheiben sie sich baburch, baß sie flossenähnlich herausragen unb in Spitzen auslaufen. Die in dieser Weise ausgestalteten Nägel lassen sich leicht ih das Holz eintreiben, bedürfen oder zum Herausziehen einer stärkeren Kraftanwendung als sonstige Arten. Als besondere Eigenschaft wird angegeben, daß sie sich mit der Zeit nicht lockern, sondern im Gegenteil ohne weiteres Zutun von selbst immer mehr befeftigen. Der Grund liegt darin, daß das Holz allmählich trockener wird und dadurch schrumpft. Dieser Schwund bewirkt ein stärkeres Verklammern ber Wiberhaken. Eine Gesellschaft, bie leicht zusammensetzbare Häuser herstellt, verwenbet, um feste Verbinbungen zwischen Einzelteilen bieser Häuser aus verschiebe- nen Stoffen zu erzielen, ganz eigenartige Nägel. Der Schaft ist hier in einer Weise zusammenge- breht, bie an einen Strick erinnert. Die Oberfläche besteht also aus Schraubengängen, bie jedoch dicht aneinanberliegen und sich zu einer Art Zylinderfläche mit eingekerbten Schraubenlinien zusammenfügen Die Nägel sind, um ein R o st e n z u verhüten, mit einem Ueberzug aus dem Metall Kadmium versehen. Als sonstige zur Verfestigung dienende Teile kommen bei diesen Häusern Bolzen zur Verwendung, die unten hakenförmig umgebogen find, also gtiichfaLs eine Art von Widerhaken aufweisen. Sie werden mit Hilfe einer Schraubenmutter, die an ihrem geraden Ende angreift, kräftig angezogen, so daß sich der Haken fest gegen den Baustoff preßt. Ein weiterer Gedanke zur Herbeiführung festen Haftens kommt bei einem Verbindungsmittel zur Ausführung, das man ebensowohl als einen bolzen- förmigen Nagel wie als einen nagelförmigen Bolzen bezeichnen kann. Der Schaft besteht aus Federstahl unb ist in ber Mitte in ber Längsrichtung ein Stück weit abgeschlitzt. Die beiben auf diese Weise entstandenen Schaftteile sind nach außen gebogen. Zwischen ihnen befindet sich also eine Oeff- nung, die an ein Nadelöhr erinnert, unb bereu Wanbungen febern. Wenn man ihn in Ziegel, Steine, Beton ober sonstige Stoffe eintreibt, nachdem man in biese vorher ein Loch gebohrt hat, pressen sich bie beiben Seitenteile des Schaftes zunächst zusammen. Sobalb ber Nagel sitzt, stemmen sie sich infolge ihrer febernben Wirkung gegen bie Wanbungen bes vorgebohrten Lochs, woburch das Ganze festgehalten wirb. Das Eintreiben erfolgt in gewöhnlicher Weise burch Hammerschläge. Eine Spitze ist nicht vorhanben, woburch die Form eines Bolzens entsteht. AB Rücksichtnahme verpflichtet. Sie dürfen nicht achtlos bie Fahrbahn betreten, ■ , nicht auf bem ihnen bequemsten Weg schräg eint > r stark befahrene Straße überqueren; sie braucht '“9n c wg. (Br Die Verarmung unserer Tierwelt. J Urfjeberret Rücksichtnahme auf die anderen entspricht dem nationalsozialistischen Gemeinschaftsgedanken. Selbstzucht aller ist im Straßenverkehr nötig! Ml sich bieser Sortierung nicht fügt, muß mit ber ga zen Härte bes Gesetzes bazu gezwungen roerbr; ngsmai wn. 3n ben wtdjer auf wr üirma AM Zahl aber nicht gezwungen zu werben, in verkehrsfern Zeiten sich an bestimmte Uebergänge über die Fahl«! bahn zu halten. wA sich- 1 Sonnfc 1 I Für bie \ Ü ber Reichs ' tum) zwai 8 Strecken: Worb, Gi Mücke, Yhanau-W g Friedberg, i|en. Die W Oftober owiti 26.0k Wiester A •Wn. fe," SÄ! Frij JpimerliQ. Straßendisziplin! Ein Erlaß des Reichs- und preußischen Derkehrsministers. an bas Sportamt, Schanzenstraße 18. Tel. 2919, erbeten. Die Wein-Werbewoche verlängert. Wie bie Stabtverryaltung uns berichtet, ist nach einer Mitteilung ber Landesbaue'rnschaft Hessen- Nassau bie Wein-Werbewoche bis tommenben Sonntagabend) einschließlich verlängert worben. Vorerst kein gleitender Sechstageplan an den höheren Schulen. Nach einer Mitteilung bes Reichserziehungsministers an bie Abteilung II ber Lanbesregierung wirb von ber Einführung bes gleiienben Sechstageplanes an den höheren Schulen vorerst abgesehen. Hochschulnachrichten. Der Minister für Wissenschaft, Kunst unb Volks- bilbung. hat ben Dozenten Dr. phil. habil. Harro Dewet Jansen an der Marburger Universität beauftragt, die Vertretung der durch das Ausscheiden des Professors Hoops an der Universität Heidelberg freigewordenen Professur für eng» lstche Philologie sowie die Leitung des englischen Seminars in Heidelberg wahrzunehmen. und andere Lebewesen ihre einzige Wohnstätte fer den, stürzen, und die Tiere müssen sich eine and«' Heimat suchen. Fabrikabwässer und Uferreguli* rungen machen die Gewässer fischarm und oerträf ben den Otter oder den fchänen Eisvogel noch manche andere Tiere. Der moderne ßanbiui* schastsbetrieb reißt namentlich in bie Kleinoogelw- empsinbliche Lücken. Wenn jeher Baum unb jek Busch auf bem Felbe ber Axt verfällt, weil er einer Stück ßanb bie Sonne raubt, wenn Quellen trorferr Kis ÖS? Als eine befonbere Abart der Bolzen unb wenn man will, auch ber Nägel, kann man bie Niete auffassen, bie bazu bienen, metallische Teile fest mit» einanber zu vereinigen. Auch sie folgen bem Zuge ber Zeit unb änbern ihr Aussehen. Neben ben gewöhnlichen Nieten, bie nach wie vor in alter Weise gebraucht werben, ist ein Niet für einen befonberen Zweck aufgetaucht, bas sich von ben übrigen wesentlich unterscheibet. Es bient zum Verschließen von Löchern in Kesseln, Rohrleitungen unb in ähnlichen Fällen. Bei diesem Niet ist unterhalb bes Nietkopfes ein tragenförmiger dicker Klotz aus einer Bleilegierung von besonderen Eigenschaften angebracht. Des weiteren sitzt unter diesem Klotz eine dicke Messingscheibe unb unterhalb bieser eine Schraubenmutter. Der Nietschaft ist in seinem ent- sprechenben Teil als Schraubenspinbel ausgebilbet unb mit einem Gewinbe versehen. Das Niet wirb burch bas ßoch hinburchgesteckt, so baß sein Kopf, ber Setzkops, auf ber einen Seite liegt. Dann wirb von ber anberen Seite her bie ßegierung gegengeschraubt. Sie ist berart zusammengesetzt, baß sie sich leicht in bas ßoch hineinquetscht, es ausfüllt und dicht verschließt. Um die Mutter festzuhalten, kann dann noch die Vermietung vollständig durchgeführt und unten ein Schließkopf hergestellt werden. Außer zum Verschließen von ßöchern kann dieses Niet noch dazu benutzt werden, um, ähnlich wie bei bem bereits beschriebenen Bolzen, ein besonders festes Haften in Mauerwerk herbeizuführen. Die Haftfläche wird dabei durch die ßegierung und ihr Ausdehnungsvermögen vergrößert. Den Bemühungen, beim Nageln, Verbolzen und Vernieten eine erhöhte Verfestigung zu erzielen, gesellt sich das entgegengesetzte Bemühen hinzu, vorhandene Verbindungen leichter zu losen. Dieses ßösen wird dadurch erschwert, daß sich der Kopf des Nagels schwer mit der Zange fasten läßt. Dem soll ein Nagel mit zwei übereinander angebrachten Köpfen abhelfen, von denen der obere abgerundet ist, so daß man sich nicht verletzen kann. Er steht nach dem Eintreiben etwas vor. Die Zange greift bann zwischen ben beiben Köpfen an. F ö°"setzuk [Wlemanb < S°enn § Ml er boc p- daß er1 S oon nirf) kaum I Ur Ne o Her D M htbertt um iserstraße W schlech! ,bärtig neu | Lahmen । I ei allen I interlasse s< Som B I M de- I ßonderzu! Am Soi I Alters 1 i ab 14.30, AmM I Leiters 8 Am D i ecken ab i I ler) 7.21, 1136, (Bla j hrtenberg ; Außer lad) 31.-8 f Hellers 1' Der Reichs- und preußische Verkehrsrnimster hat zur Ordnung des Straßenverkehrs einen grundlegenden Erlaß herausgegeben, der folgenden Wortlaut hat: „In letzter Zeit haben Nachrichten über die Zahl der Straßenverkehrsunfälle die Oeffentlichkeit und die Behörden beunruhigt. Der Schaden an Gesundheit und ßeben der Volksgenossen unb der Verlust an Dolksverrnögen durch Unfälle im Straßenver- kehr ist ernst und schwer. Jedoch darf die Bedeutung der Unfälle im Verhältnis zum Anwachsen des Straßenverkehrs und insbesondere des Kraft- und Radfahrverkehrs nicht überjchätzt werden. Die Zahl der Unfälle ist im Verhältnis zur Zahl der Kraftfahrzeuge nicht gewachsen, sondern zurückgegangen. Bei Beurteilung ber Tatsachen unb beim Eingreifen zur Verhütung von Unfällen ist Besonnenheit nötig. So wichtig Maßnahmen zur 23er» Hinderung von Unfällen jinb, bürfen boch baburch bie großen Ziele ber Verkehrspolitik nicht beeinträchtigt werden. Auf keinen Fall sind Maßnahmen angebracht, die der Motorisierung des Verkehrs abträglich sind. Ferner muh der wichtige Grundsatz der Gleichberechtigung aller in der Verkehrsgemeinschaft, den die Reichs-Strahenverkehrs-Ordnung aufgestellt hat, immer beachtet werden. Es ist unrichtig und unangebracht, die Schuld für Verkehrsunsälle bei einer Verkehrsart zu suchen, feien es nun die Kraftfahrer, ober etwa bie Rad- fahrer, ober Füßgänger ober der Fußoerkehr. Jeder muß für das Seine zur Verhütung von Unfällen tun, bie Behörden müssen für die Erfüllung und Pflichten aller Verkehrsteilnehmer sorgen, müssen dabei aber stets die Verkehrsregelung sinnvoll und nie schematisch handhaben. Schädlich im Verkehr ist der Kraftfahrer, der unter rücksichtsloser Ausnutzung der Geschwindigkeit seines Fahrzeuges, um vielleicht wenige gelegt werden, um neues Ackerland zu gewinn« so werden dadurch häufig weite Strecken vogelam während sich Käfer unb ßaroen unb anbere Pflam zenschäblinge um so stärker vermehren. Durch k für unsere Volkswirtschaft so notwenbigen Mooü' kulturen werben Birkwilb unb Brachvogel halb bort verschwunben sein, wo sie ben Wander»! unb Naturfreund früher mit ihrem Prachtgefiedl'« ihrem Balztanz ober ihrem melobischen ßocken eV Zückten. In ben letzten Jahrzehnten haben vor oll« bie großen Vogel beträchtliche Einbußen erlitt« So kommt ber Kranich nur noch vereinzelt it Norbostbeutschland vor, ebenso ber Kormorain ber in Pommern nur noch gelegentlich als Brno ' vogel auftritt Der schwarze 2B a l b ft o r d), 6? ! man vor einem halben Jahrhundert aller Orten & . ruhigen Waldungen beobachten konnte, wird 6?" spielsweise aus Schlesien nur .... „ ’ Bruten gemeldet Selbst der Hausstorch zeigt m 1 manchen ßandschaften von Jahr zu Jahr eine M < kere Abnahme. Dom Fischreiher, der fruM: Siedlungen von 15 bis 100 Nestern bildete, N größere Stände sehr selten geworden. Und kennt noch bie großen Raubvogel auf freier AM bahn? Stein ab! er, Schreiabler und Fischadler ' kommen nur noch so vereinzelt vor, daß es etö ( großes Glück bedeutet, sie einmal außerhalb ds- Zoologischen Gärten zu sehen. Um so mehr ist c’ angebracht, alle Tier- und Naturschutzbestredung^ 3U fordern, die ohne Beeinträchtigung der w/tv schafllichen Bedürfnisse unseres Volkes möglich ** Arbeitsvergebung. Das Städtische Hoch- und Tiefbauamt gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, baß bie Erb-, Pflasterungs- unb Chaussierungsarbeiten zum Ausbau ber verlängerten Bergstraße öffentlich vergeben werben. Auf bie Bekanntmachung fei besonbers hingewiesen. ** Eine öffentliche Mahnung ber Stabtkasse zur Bezahlung rüefftänbiger Abgaben ist in unserem heutigen Anzeigenteil enthalten. Säumige Zahler seien auf bie Bekanntmachung besonbers hingewiesen. ** Noch kein „Puppenspiel vom ßuft- s ch u tz". Wie ber Reichsluftschutzbunb uns mitteilt, müssen bie für ben 28. unb 29. Oktober angesetzten Ausführungen bes „Puppenspiels vom Luftschutz" infolge plötzlicher Erkrankung bes Spielleiters leiber ausfallen. Der Eintrittspreis wirb gegen Vorlage ber Karte bei ber Geschäftsstelle, Linbenplatz 1, I (Eingang Kirchenplatz), zurück- erftattet. ** Stabttheater-Stammabonnement. Die Einlösung ber zweiten Rate des Abonnements betrifft eine Bekanntmachung der Sürgermeifterel I in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. Kleine Strafkammer Gießen. Vor den Schranken des Gerichts stand gestern R. E. aus Bleichenbach, der wegen Sachbeschäbi- gung im Sinne des § 303 RStGB. vom Amis, aericht Ortenberg zu 20 Mark Geldstrafe, Hilfsweise 4 Tagen Gefängnis, verurteilt worden ist. Der Angeklagte fügte auf einem Grundstück, das er früher selbst in Pacht hatte, sieben Kirschbäumchen von 5 bis 7 Zentimeter Durchmesser 30 bis 40 Zentimeter über dem Boden ab. Sowohl in der ersten Instanz als auch vor der Kammer als Ae. rufungsinstanz bestritt der Angeklagte die Tat; er konnte jedoch überführt werden. Seine ^Berufung wurde daher kostenfällig verworfen. Sodann befaßte sich bas Gericht mit dem schon erheblich vorbestraften Friedrich Wille, zur Zeit in Strafhaft, der zuletzt vom Amtsgericht Fried, berg wegen Rückfallbetrugs in zwei Fällen zu einem unb einem halben Jahr Zuchthaus verurteilt wurde. Der Angeklagte war als Agent einer Parfümerie, unb Seifenfirma tätig. Neben ihm waren noch eine Frau angestellt, bie bie von dem Angeklagten aus. gemachten Aufträge erledigte und die Waren Der- teilte. Der Angeklagte verteilte nun eines Tage; für die Angestellte die fraglichen Waren, zog da; Geld ein und lieferte es nicht ab. Die Kammer als Berufungsinstanz lehnte einen Betrug ab unb nahm lebiglich Unterschlagung an. Das vorinstanzliche Ur. teil würbe bahin abgeänbert, baß ber Angeklagte zu 1 Jahr 2 Monaten Gefängnis Der. urteilt würbe. Die Kosten bes Verfahrens trägt die Staatskasse. Ein weiterer Angeklagter war nicht erschienen. Seine Berufung mürbe verworfen. Minuten zu gewinnen, unachtsam darauf losfährt. Die Wiedereinführung einer Begrenzung der Höchst, geschwindigkeit für Kraftfahrzeuge mit allen ihren Unzuträglichkeiten, mit der Stoppuhr und sonstigen „Autofallen" beabsichtige ich nicht; aber ich muh verlangen, daß der Kraftfahrer jederzeit und überall feine Geschwindigkeit den gegebenen Verhältnissen anpaht. Rcckdfahrer dürfen nicht zu mehreren nebeneinanderfahren, wenn der Verkehr dadurch be- bindert wird; und damit werden sie auf 5fra- feen mit starkem Verkehr regelmäfeig zu rechnen haben. Es kann aber auch Fülle geben, wo es für die Lü» Wicklung des Verkehrs besser ist, daß sie zu zwei-n oder dreien nebeneinanderfahren. So wird beifpiej. weise beim Schichtwechsel großer Werke der Deo kehr weniger gehindert, wenn der Verkehrsstoß in breiter Front, aber beschleunigt abfließt, als wenn die große Zahl von Radfahrern lange Zeit hindurch einzeln hintereinander den Heimweg antritt'. Ofxr- stes Gesetz ist die Rücksicht auf die Derkehrslage uni die jeweilige beste Abwicklung des Verkehrs. Fußgänger sind im heutigen Straßenverkehr gleichfalls zu erhöhter Aufmerksamkeit und kl „Mo YllSsf^ 5reude SedM Ortsgru Sn e'l" einen 1 Ziele Mies Andern Richt die die R unse^ t 51 urbtn i 1 Ddliedes (unter dem 'gliedern d fihrt- der uni Md« cher De Mgrupk US. Dli oiirbe bii vlal, daß Gretel eri I. 51.'' hur konnte, wird be? M lachE' noch mit wenigs J:JjefQl(t tz- Wenn die weiten Wald- und Oedlandgebiete or allem im Osten Deutschlands und die Schluchten k Gebirge noch manchem Tier eine Zufluchtsstätn bieten, das man in anderen Geaenden nur noch aus Büchern kennt, so läßt sich doch im allgemeine! eine Verarmung unserer heimischen Tierwelt nid leugnen. Zivilisation unb Natur vertragen sich nid immer gut. Mit bem Einzug intensiver ForstnM schäft ist beispielsweise manches ßeben aus unsere) Wälbern geschwunben. Weniger wertvolle SäuiK mußten fallen, unb manche Beerensträucher rourhei beseitigt, weil sie keinen Nutzen bringen. Mit ihnei werben aber bestimmte Tierarten zurückgebräng: Baumriesen, in bereu hohlen Stämmen Ebelmark fion im Ausdruck. Es folgte ein sehr gut vorgetragenes 11 erschien Mal, daß die Ortsgruppe Heuchelheim im größeren A-men an die Oeffentlichkeit trat. Der Abend hat Sonderzüge nach Ortenberg: t und übet bei N.-Frankfurt (M.) H., Ortenberg ab 17.45 Uhr, ttotew 1J6.C umRM iron Landkreis Gießen. Kriimenk^?“1 KeiUMMGel Vornan von Anny von panhuys man Bettina „Loreley" genannt und ließ dann b andere der Reihe nach folgen. Von Gretels Er- s' ßotfe". en l ahn bte -g Wz sie biot: verkehM- über bießi (Rra^iiÄi den ©M Die Gesamtzahl der bis zum Jahre 1918 in den einzelnen Kreisen Oberhessens bekannt gewordenen Typhuserkrankungen betrug 4214, darunter waren 523 Todesfälle. Die wirkliche Zahl der Erkrankungen und Verstorbenen ist sicher viel größer; denn für viele Jahre war keine genaue Zahl angegeben, auch dürfen wir annehmen, daß die leicht oder atypisch verlaufenen Fälle nicht gemeldet worden sind, ferner daß nicht selten die Anzeige unterblieb, um den Unbequemlichkeiten der behördlichen Maßnahmen aus dem Wege zu gehen. Die Gesamtzahl der als Paratyphus bezeichneten Erkrankungen betrug 227. Auch diese Zahl muß als viel zu gering angesehen werden. Es kamen sicher weit mehr Paratyphen vor. Aber einmal wurde bis um die Jahrhundertwende ein Unterschied zwischen Typhus und Paratyphus nicht gemacht, dann auch ist die häufig leicht verlaufende Erkrankung gar nicht erkannt worden. Wie zu erwarten war, wurde die Ursache der meisten Typhusfälle nicht aufgeklärt. Man kannte ja den Erreger und seine Lebensbedingungen noch nicht (er wurde 1880/84 entdeckt), man dachte vor allem nicht an Bazillenträger und Dauerausscheider (Personen, die Krankheitskeime ausgenommen haben, und, ohne zu erkranken, nur vorübergehend ausscheiden, bzw. Personen, die vom Zeitpunkt der überstandenen Infektionskrankheit ab deren Erreger länger als zehn Wochen ausscheiden). Meistens wurde die Erkrankung auf Umweltfaktoren zurückgeführt, wie kalter Morgen- und Abendnebel, oder verdorbene Luft, anhaltende Trockenheit, anhaltende feucht-warme Witterung, trockener, heißer * Berg!. „Gießener Anzeiger" Nr. 221 vom 21. September, Nr. 236 vom 9. Oktober und Nr. 248 vom 23. Oktober. t an 17.56, verkehrt am , .... Sonderzug Ortenberg ab 17.20, Abers 17.26, Stockheim an 17.32 Uhr. be allen Anwesenden einen sehr guten Eindruck shiilerlassen. Sonntagsrückfahrkarten zum Kallen Markt. 'für die Fahrt zum „Kalten Markt" werden von )er Reichsbahn Sonntagsrückfahrkarten ausgegeben m! zwar von den Bahnhöfen der folgenden 5h»cfen: Frankfurt a. M.—Stockheim—Lauterbach- Md, Gießen—Gelnhausen, Friedberg—Hungen— Wirte, Frankfurt a. M:—Fulda, Frankfurt-Ost— ^a«au-West, Friedberg—Nidda—Schotten, Hanau— jfriiibberg, Gießen—Fulda und Vilbel-Nord—Gie- Es begann früh zu dunkeln, Bettina erklärte, fortzumüssen, sie hätte nur einen ganz kleinen Besuch machen wollen. Alle baten sie, doch noch zu verweilen, und Hans Syden sagte: „Bleiben Sie ruhig noch hier, Bettina, ich werde Sie später in meinem Auto heimbringen. In der Dunkelheit nachher sollen Sie nicht auf dem Rad durch den Wald fahren." Sie las aus feinem Blick, er wollte sie sprechen. Auch sie sehnte sich danach und bangte doch davor. Ihr . Herz klopfte fast schmerzhaft. Sie neigte den Kopf, erwiderte nebensächlich: „Wenn Sie mich im Auto heimbringen wollen, Hans, werde ich natürlich gern noch ein Weilchen bleiben." Gretel rief lustig „Ich fahre selbstverständlich auch mit." Ihr Bruder machte eine Bewegung der Abwehr. „Nein, Schwesterherz, du kannst nicht mitfahren, weil wir Bettinas Rad mitnehmen müssen." Hans Syden erzählte nun allerlei aus Frankfurt, und so verging die Zeit, der Abend brach herein. Jetzt drängte Bettina zum Aufbruch, die Einladung, am Nachtessen teilzunehmen, schlug sie aus. So wurde denn das Fahrrad im Auto verstaut und vorn, neben dem Führersitz, nahm Bettina Platz. 27. Kapitel. Im Auto auf dunkler Waldchaussee. Hans Syden fuhr los. Er saß stumm neben Bettina und hielt dann plötzlich mitt auf der Chaussee an, die den Wald hier in zwei Hälften teilte. Alles war totenstill um die beiden herum, und das Auto stand mit abgeblendeten Lichtern da, sah wohl von weitem aus wie ein winziges Häuschen, durch dessen kleine Fenster sich matter Lichtschein drängt. Bisher hatten die zwei Menschen noch kein einziges Wort gewechselt während der kurzen Fahrt, jetzt aber sagte Hans Syden mit unterdrückter Stimme: „Ich danke Ihnen, Bettina, daß Sie mir heute ein Warnungszeichen gaben, ich hätte sonst wahrscheinlich irgend etwas sehr Unvorsichtiges geäußert. Aber was soll ich nun tun und wie verhält sich das nur, warum ist Dr. Diendorf so gut zu Großmutter und meiner Schwester gewesen?" Bettina antwortete: „Weil er nicht weiß, daß die Gräfin Jutta Syden Ihre Großmama und Gretel Ihre Schwester ist. Weil er noch immer nicht Ihren Namen kennt und auch keinen Wert mehr darauf legt, ihn kennenzulernen. Ich weiß das aus einer fluchtigen Aeußerung, die ihm entschlüpft, als ich mich einmal in Berlin einen Augenblick allein mit ihm befand im Wohnzimmer seines Hauses und er sagte das ja auch damals zu mir, damals, nachdem _____,t von Frau Schreiber. Hierauf gab der l rtsgruppenleiter Wobker das Wort der Gau- rntsleiterin Frau I. Brinkhoff (Frankfurt). einem einftünbigen Vortrag gab die Rednerin tmen eindrucksvollen Aufschluß über Zweck und Eierwelt anbgebieii Schlucht» Zuflucht iben nur' l'ch zu kämpfen war. Die Herren Wirth und Birkenholz überbrachten die Glückwünsche zum fast 40jährigen Bestehen der Genossenschaft und wünschten weiteren erfolgreichen Aufstieg. Anschließend gab der Mitbegründer und Letter der Molkerei Direktor Bill einen Ueberblitf über die Entwicklung des Unternehmens. Den bei der Veranstaltung Anwesenden wurde auf geschmückten Tischen Speise und Trank gereicht, ein Beweis für das herzliche Verhältnis, das zwischen Betriebsfuh- rung und Gefolgschaft herrscht. Eine Musikkapelle sorgte für die nötige Unterhaltung. + Griedel, 24. Oft. Die großen Umbau» arbeiten auf der Durchgangsstraße Butzbach—Lich, die unmittelbar an unserem Dorfe vorbeiführt, sind jetzt beendet worden. Die Straßendecke wurde aufgerissen und das unbrauchbare Material weggeschafft. Da, wo es notwendig war, mußte das Packlager durch ein neues ersetzt werden. Die Oberfläche wurde mit Kleinpflaster versehen. Mit dem Umbau ist gleichzeitig die Fahrbahn nach beiden Seiten um ein beträchtliches Stück erweitert worden. Voraussichtlich wird im nächsten Jahre der noch verbleibende Rest der genannten Durchgangsstraße mit Kleinpflaster befestigt werden und so dem sich immer mehr steigenden Verkehr gewachsen sein. Kreis Büdingen. LPD. Büdingen, 24. Okt. Am vergangenen Sonntagvormittag hatte der 35 Jahre alte Wilhelm Kraft aus dem Kreisort Düdelsheim sein Haus verlassen, angeblich um noch einmal nach seinen Feldern zu sehen. Er ist von diesem Zeitpunkt ab verschollen. Man hat schon die ganze Umgebung durch die Freiwillige Feuerwehr und von Arbeitskameraden Krafts absuchen lassen, aber ohne Erfolg. Da Kraft zu Schwermut neigt, ift damit zu rechnen, daß er sich das Leben genommen hat. Kreis Alsfeld. # Aus Öem oberen Ohmtal, 24. Okt. Mit dem Einbringen der Hackfrüchte sind die Felder, abgesehen von einzelnen Ausnahmen, so gut wie abgeerntet. Der Umbruch der Stoppelfelder ist durchweg beendet, die Wintersaaten sind, abgesehen vom Weizen, untergebracht und größtenteils schon aufgelaufen. Der Weide auftrieb ist noch im Gange. 5 für die! sie zu zU oirb beifpk irte der K ertehrM - ißt, als U Zeit hink antritE D.V, khrslage ’tä) rs. in ul iHiwcitKUKii yiuuen unu u/iumici uuu uiuuj« ujic k.r QIss reude über den guten Besuch der Veranstaltung e lVM » 211 ■ ‘ ...... e «eruJ (edicht Hans Syden sagte leise: „Vielleicht hat er recht und man wird ja auch mit jedem anderen Feind eher fertig als mit dem Zufall, wenn er als Feind auftritt." Er bat wieder: „Helfen Sie mir, Bettina." Als sie nicht antwortete, sagte er gepreßt: „Ich verdiene auch wirklich nicht, daß Sie mir helfen, Sie haben mir schon viel zu viel geholfen. Mein Leben verdanke ich Ihnen!" Seine Stimme wurde wärmer. „Bettina, mir erscheint jetzt manches ganz anders als früher. Ich fange allmählich an, zu begreifen, ich bin wie ein Narr an dem vorbeigegangen, was wohl das große Glück für mich geworden wäre und ließ mich von dem, was ich für Glück hielt, blenden, so blenden, daß ich, alles vergessend, die Hände verlangend nach frembem Eigentum ausstreckte und die Braut eines anderen Mannes veranlaßte, die Treue zu brechen. Abscheulich und unverantwortlich habe ich gehandelt." Er war ganz heiser vor Erregung. „Es wäre nie ein großes Glück geworden, das habe ich inzwischen eingesehen. Ein Rausch nur konnte es werden, der wahrscheinlich schnell vorübergegangen wäre. Aber wenn ich das aud) zu erkennen glaube, wird mich doch, wie ein entsetzlicher Alp, wie eine ewige Gewissensschuld immer und ewig der Vorwurf quälen, weil ich Wally Walb dazu gebracht, mit mir fortzureisen, mußte sie kurz zuvor so jäh und tragisch sterben. Darüber werde ich niemals fortkommen. Nie und nimmer." In Bettina klang der Satz nach: Ich begreife, ich bin wie ein Narr an dem vorbeigegangen, was wohl das große Glück für mich geworden wäre--- Ihr Herz klopfte stürmisch, sie ahnte den Sinn der hinter den Worten lag mit wundervoller beseligender Wehmut. Sie schwieg, sie hätte jetzt nicht sprechen können. Er gab sicb einen innerlichen Ruck. „Bettina, helfen Sie mir doch irgendwie dabei, Dr. Diendorf vorn Waldschlößchen fernzuhalten! Wenn Gretel ihn nicht wiedersieht, wird sie ihn vergessen. Sie hat Rudolf Hammerschmied gern, Sie kennen ihn ja und bisher dachten wir immer, aus den beiden würde einmal ein Paar. Assessor in Bonn ist er zur Zeit, wenn der Ostern kommt und der andere käme nicht —" Der Satz blieb unvollendet, aber Bettina konnte ihn leicht selbst vollenden. Ihr war zum Weinen traurig zu mute. Da saßen nun Gretels Bruder und sie, Gretels beste Freundin, beisammen im Auto auf dunkler Waldchaussee und berieten, wie sie es anstellen sollten, Gretels Liebe zum Erlöschen zu bringen. t Fortsetzung folgt!) er Sie hatte töten wollen und erkannte, wie weit er sich hatte hinreißen lassen. An Ihrem Namen liegt ihm nichts mehr, gar nichts, aber —" Sie schob eine Pause ein, sprach weiter: „Aber wenn er hierher käme und ein Weilchen im Waldschlößchen wohnen würde, erführe er sicher, wer Sie sind. Wenn nun Dr. Diendorf auch gar nicht wissen will, wer Sie sind, wird er es im Waldschlößchen doch schnellstens erfahren. Schweigen würde er ja wahrscheinlich aus Rücksicht auf Gräfin Jutta und (Bretel; aber —" Sie quälte sich, wagte nicht zu sagen, was sie am meisten ängstigte. Er antwortete leise: „Ich will nachdenken, wie der Besuch im Frühjahr hintertrieben werden kann, aber leicht ist das nicht." „Nein, leicht ist das nicht", gab Bettina zu. „Ich sinne schon so lange darüber nach." Sie wußte doch aber noch etwas, und das war das Allerschwerste. Ihr fehlte der Mut, es vorzubringen. Als ahne er etwas von ihren Gedanken, sagte er: „Gretel hat sich auffallend verändert. Sie war in meinen Augen, trotzdem sie fast so alt ist wie Sie, immer noch ein halbes Kind, erst jetzt scheint sie mir richtig erwachsen." Bettina entschloß sich, jetzt das Schwerste zu sagen. Sie flüsterte hauchleise: „Ich glaube, Gretel liebt Dr. Diendorf." Hans Syden zuckte zusammen, als hätte ihn unvermutet eine eiskalte Hand berührt. „Beim Himmel, auch das noch!" war alles, was er hervorbringen konnte. Bettina sprach schon weiter: „Ich nehme zwar an, Dr. Diendorf hat seine Pflegeschwester noch nicht vergessen und denkt wohl überhaupt nicht an Liebe, aber er hat Gretel sehr gern, das habe ich beobachtet. Es tat ihm sehr leid, als sie abreifte, und sie hat ihm vom Abteilfenster des Zuges zugewinkt, so lange sie ihn sehen konnte, nachher aber fiel es ihr schwer, ihre Tränen zu verbergen. Ich glaube allerdings, sie ist sich gar nicht darüber klar, daß sie ihn liebt, aber wenn sie von ihm spricht, sieht sie immer so strahlend aus." Er seufzte: „Das hätte nicht geschehen sollen, daß Gretel Dr. Diendorf kennenlernte, aber es ist nicht mehr ungeschehen zu machen. Ader er darf auf keinen Fall hierkerkommen." Er hat: „Seien Sie mir dabei behilflich, Bettina. Vielleicht könnte sich Herr Wilderling einmischen, der doch mit Dr. Diendorf verwandt ist." Sie gab zurück: „Dazu wird er sich kaum her- geben. Ich deutete es ihm schon an und er antwortete: Das kommt doch alles, wie es kommen sollt" Die Seuchengeschichte Oberhessens Ein Ausschnitt.*) Von Obermedizinalrat Professor Or. H. Klietve. M Die Fahrkarten gelten zur Hinfahrt vorn Oktober 12 Uhr bis 28. Oktober; zur Rückfahrt « 26. Oktober 12 Uhr bis 28. Oktober 24 Uhr ♦jlyo ester Antritt der Rückfahrt). Ferner gelten Kar- ■P am 29. Oktober zur Hin- und Rückfcchrt von 0 W 24 Uhr, am 30. Oktober ebenfalls zur Hin- und NWahrt von 0 bis 24 Uhr. Zahl vorkamen. Wie damals, so auch noch heulst In manchen Ortschaften werden im Frühjahr zahlreiche Darmkatarrhe beobachtet, die als harmlos bezeichnet werden; sie sind es aber nicht immer, wie wir wiederholt festgestellt haben. Da die Erkrankten zumeist keinen Arzt aufsuchen, bleibt die Krankheit unerkannt, und das einmal angefachte Feuer lodert im Stillen in dieser oder jener Person weiter, bis gewöhnlich in den Herbstmonaten Massenerkrankungen einsetzen. Wird die Umgebung ber Erkrankten untersucht, so findet man häufig einige gesunde, bazillentragende Personen. Diese sorgen dann dafür, daß die Krankheit in dem Orte nicht ausftirbt. Die Ausbreitung erfolgt nach folgendem Schema. Zunächst erkrankt eine Person, onQcfJectt durch einen Bazillenträger; andere Fälle schließen sich bann je nach den örtlichen Verhält- mssen allmählich an. Durch Berühren des Kranken und seiner Ausscheidungen, Wäsche, durch Jauche- grudeninhalt usw., werden die Keime weiterver- schleppt- Gelegentlich kann es auch, wenn Wasser, Milch oder andere Nahrungsmittel verunreinigt werden, zu plötzlich auftretenden Massenerkrankungen kommen. Auf diese Weise wurde früher und wird auch meistens heute noch der Typhus in Hessen verbreitet. Es kann auch Vorkommen, daß die Krankheit in Nachbarorte, namentlich wenn diese in der Nähe größerer Städte liegen, verschleppt wird, weil ein großer Teil der ländlichen Bevölkerung in städtischen Betrieben arbeitet oder durch den Lebensmittelhandel mit auswärtigen Personen in Berührung kommt. Man könnte auch annehmen, die Keimverstreuung von einem Ort zum andern sei durch Fluß- oder Bachwasser erfolgt. Dies war aber nicht der Fall. Denn einmal liegen die stärker befallenen Ortschaften desselben Kreises nicht an dem gleichen Gewässer; auch waren Orte, die am Oberlauf liegen, oft stärker befallen, als die am Unterlauf. Wir haben keinerlei Anhaltspunkte dafür, daß fließende Gewässer den Typhus in entferntere Gegenden verschleppt haben. Wenn in den letzten 30 Jahren der Typhus so stark zurückgegangen ist, ja aus den ländlichen Be- zirken Ober Hessens faft verschwunden ist, so ist das nicht auf eine einzelne, sondern auf viele Maßnahmen zurückzuführen. Dor allem auf die bessere Aufbewahrung und Beseitigung der Abfall- ftoffe, auf die Sanierung der Brunnen und Einrichtung von zentralen Trinkwasserversorgungsstellen. Eine nicht minder große Rolle spielen die Besserung der Wohnverhältnisse und die Errichtung von Krankenhäusern auch auf dem Lande, weil dadurch die Erkrankten schneller und sicherer isoliert werden können. Allerdings muß, wenn der Erfolg dauernd fern soll, das Aufsuchen und die Ueber- wachung der Bazillenträger mit größerem Eifer betrieben werden als bisher. Denn heute wissen wir, daß letzten Endes jeder Typhusfall und jede Epi- demie auf einen Bazillenträger zurückzuführen sind. Daraus darf nun nicht geschlossen werden, wie das so häufig geschieht, daß der Bazillenträger dafür verantwortlich ist, wenn in einer Gemeinde irgendwelche Erkrankungen bei Menschen oder Tieren auftreten. Nicht selten werden die vom Schicksal schwer (Betroffenen verachtet und gemieden. Die Mitmen- schen sollten aber bedenken, daß der Bazillenträger ohne seine Schuld zum Keimträger wurde und größtes Mitleid verdient. Er ist auch ungefährlich, wenn er nach dem Stuhlgang, Urinlassen und vor dem Essen die Hände mit Wasser und Seife wäscht, und seine Wäsche getrennt von der anderen gekocht wird. Ferner muß der Abort sauber gehalten und vor der Entleerung desinfiziert werden. Wie bereits erwähnt, ist der Typhus in Ober- Hessen stark zurückgegangen. Wir können nun daraus nicht schließen, daß die bisherigen Bekämpfungsmaßnahmen genügen, denn in mehreren Kreisen ist an Stelle des Typhus der Paratyphus getreten. Bei beiden Erregern haben, da es sich in Oberhessen vorwiegend um den Paratyphusbazillen Schottmüller handelt, Jnfektionsweg und Quelle sehr viel Ähnlichkeit. Der Kampf gegen die ansteckenden Darmerkrankungen muß stärker als bisher durchgeführt werden, wenn wir vor weiteren Epidemien bewahrt werden wollen; vor allem muß für größere Reinlichkeit am eigenen Körper, in der Wohnung und in den Ställen gesorgt werden. Häufele der NS -Frauenschaften. An der Seite ihres Cannes sollte die Frau dafür sorgen, daß unseren S nbern ein besseres Deutschland geschaffen werde. Acht die hohe Politik fei Sache der Frau, sondern ite Pflege einer wahren Volksgemeinschaft im Sinne unseres Führers. Die Ausführungen der Rednerin nurben mit starkem Beifall ausgenommen. Ge- minfam wurde hierauf der zweite Vers des Deutsch- Imdliedes gesungen. Nach einer Pause wurde dann U' ter dem Titel „Jutta von Weinsberg" von Mit- ßicöern der Frauenschaft ein Theaterstück aufge- fbrt. Das Stück hatte als Handlung die bekannte v : „Weiber von Weinsberg" als Grundlage wurde von allen Darstellerinnen in schöner, sinnier Weise aufgeführt. Zum Schluß brachte der Ofsgruppenleiter ein „Sieg-Heil" auf den Führer Ais. Mit dem Gesang des Horst-Wessel-Liedes to rbe bie Kunbgebung beenbet. Es war bas erste CO Heuchelheim, 24. Oft. Die von ber NS.- ssrauenfchaft, Ortsgruppe Heuchelheim, in ber Tum- hdlle veranstaltete Kunbgebung nahm einen schönen, würdevollen Verlauf. Rach einer musikalischen Er- iiffnung begrüßte Frau W o b k e r, die Leiterin der Irtsgriippe Heuchelheim ber NS.-Frauenschaft, alle ^wesenden Frauen und Männer und brachte ihre oe9fn?,eil .Ortschaften wird dadurch für geraume Ielt Arbeit und Brot gegeben. Auch werden auf betöen Setten der Adolf-Hitler-Straße, wo noch kerne Rinnen gepflastert waren, Bürgersteige er» rlchtet. Diese Neuherstellung der beiden Straßen wird von vielen Volksgenossen sehr begrüßt. — In den letzten Tagen sah man die ersten Vorboten für ben ©mter, bie Schneegänse, in Richtung von Jiorboft nach Sübwest in ihrer bekannten Keil- form über unser Dorf ziehen. Ihr Geschrei war weithin hörbar. oo Eberstadt, 24. DEL Am vergangenen Mittwoch feierten bie Eheleute Hermann unb Marie Eich, geb Löschhorn, im Kreise ihrer Kinber unb Verwandten das Fest der silbernen Hochzeit. — Die vom Winterhilfswerk durchgeführte Klei» dersammlung brachte ein schönes Ergebnis. Es wurden sehr gut erhaltene Kleidungsstücke unb hauptsächlich Kinderwäsche gefpenbet. Der BDM. führte eine Honigsammlung burch; viele gefüllte Töpfe konnten dem Winterhilfswerk überwiesen werden. — Nach nunmehr zehnwöchiger Tätigkeit hat unsere Dreschmaschine den Betrieb beendet. Die Kartoffeln sind alle eingebracht. Dickwurz stehen nur noch zum Teil. Die Landwirte sind jetzt meist mit dem Säen beschäftigt Während Wintergerste und Roggen schon in Reiben stehen, sät man jetzt den Winterweizen. — Dieser Tage zogen mehrere Scharen Schneegänse über unsere Gemarkung. kreis Friedberg. = 0 stheim b. Butzbach, 24. DEL Die Molkereigenossenschaft 0 stheim - Niederweis e I veranstaltete im Gasthaus zur Haltestelle eine größere Feier, anläßlich der Umstellung auf elektrischen Betrieb, an der sich außer der gesamten Belegschaft der Aufsichtsrat, ber Vorstanb unb eine Anzahl gelabener Gäste beteiligten. Der Vorsitzenbe bcs Aufsichtsrates PH. Hildebrand- Nieberweifel gab nach einer Eurzen Begrüßung einen Einblick in bie Zeit ber ©rünbung ber Molkerei unb bie Schwierigkeiten, mit denen anfäng- , Obecheffen. gniW Kundgebung der NG.-Irauenschast -°chd,A >n Heuchelheim. ÖDh W .... . — - )i ters 8.22, Ortenberg an 8.27 Uhr. . ..... Im Dienstag, 29. Oktober. Heldenbergen-Wind- BerhsS ab 7-10 Uhr, Eichen (Nidder) 7.17, Höchst (Nid- W* 7 21, Altenstadt 7.27, Lindheim 7.34, Enzheim „, W, (Blauberg 7.40, Stockheim 8.10, Selters 8.18, eten "ebk Dönberg an 8.23 Uhr. babuttf) k HlCufter dem planmäßigen Personenzug Sauter» ! auf Slll. r- Z------- ' T-.; ~ ' ■■ ...... zu rechne Weirs 17.51, Stockheim ^Oktober noch ein Sondi Sommer, gelinder Herbst und Winter, ungewöhnliche Dürre usw. Die Beobachtung, daß Witterung und Krankheit in ursächlichem Zusammenhang stehen, wird auch^heute noch anerkannt, Ja, wir können bereits mit Sicherheit sagen, ohne daß eine genügende Erklärung gegeben werden kann, daß nach trockenen und heißen Sommermonaten die ansteckenden Darmkrankheiten meistens stärker auftreten. „Gute Wein- fahre sind gute Typhusjahre" (Len tz). Recht häufig wurde in den Berichten auch von Unsauberkeit, schlechten Wohnungsverhältnissen, ungenügender Abfall- und AbwasserbeseiUgung als Ursache des Typhus gesprochen. Im Jahre 1880 wurden erstmals schlecht gewordene Brunnen erwähnt. Seit der Zeit, namentlich gegen Ende des vorigen ^Jahrhunderts, wurde schlechtes Brunnenwasser als Hauptansteckungsquelle angeschuldigt. Es ist verständlich, daß bei diesen unsicheren Vorstellungen über die Ursache des Typhus die Bekämpfung nur mangelhaft durchgeführt werden konnte. Deshalb traten auch, wenn in einem Orte einmal Typhusfälle vorkamen, meistens in den nächstfolgenden Jahren wieder Erkrankungen auf. Häufig wurde früher beobachtet, daß im Frühjahr und Sommer massenhaft leichte Darmerkrankungen vorkamen, die aber nicht als ansteckend angesehen wurden. Erst wenn in den Monaten August und September sich die Krankheiten wieder häuften und einen bösartigen Verlauf nahmen, wurden auch die Leichterkrankungen des Frühjahrs als verbindendes Kettenglied mit den späteren schweren Typhuserkrankungen erkannt. Da bekanntlich etwa 5 v. H. aller Erkrankten Dauerausscheider, b^ro. Bazillenträger bleiben, ist verständlich, daß die Kette der Erkrankungen niemals abriß und auch in den Wintermonaten Typhusinfektionen in größerer 3om Bahnhof Gießen wird uns mitgeteilt: Aus A'laß des Drtenberger Marktes verkehren folgende m öatad Snderzüge: Im Sonntag, 27. Oktober, Stockheim ab 14.01 Uhr, mberf^ ters 14.07, Drtenberg an 14.13 Uhr. Drtenberg t allen ir 14.30, Selters 14.38, Stockheim an 14.43 Uhr. unb 1 tm Montaa, 28. Oktober, Stockheim ab 8.15 Uhr, ber ick » d ters 8.22, Drtenberg an 8.27 Uhr. . . .1 Im ‘fiipnsfrin 9Q ntHhor AafhaMpsArrtAw-flnSuh.. m aiigenn jwman von Anny von panyuys Weberrechtsschutz Aufwärts-Verlag G. m. b. H., i Berlin SW 68. n aus itf 2T Fortsetzung Nachdruck verboten! r?f. g 3i? manb außer ihm war ihre Geste aufgefallen au%jt u utti aienn Hans Syden auch weiter nichts begriff, ^bNi: f er doch, Bettina riet ihm, darüber zu schwei- ^UrlßW' M'11, Da6 er Dr Diendorf kannte. .Also wußte man 5011 nichts, wie er bei Nennung des Namens ^bitbche gefürchtet, obwohl Großchen Leonore dann ? taum so harmlos gesprochen hätte. >0 3r fragte also ganz gleichgültig tuend: „Wer ist dieser Dr. Dienborf und weshalb schulden wir und seiner Mutter vielen Dank?" «J» l'-b-rt- vor Spannung, trank einen Schluck um Bettina zu zeigen, wie sehr er sich schon konnte, denn sie machte so ängstliche 'wel Hellen . Gn'ßchen Jutta beantwortete die Frage ausführlich. । 3" 9^. Zie erzählte dann von dem gemeinsam verlebten eien Df^nerjnügten Abend in dem Berliner Weinrestaurant, i flnmÄÄQi! Bettina „Loreley" genannt und ließ dann iren. andere der Reihe nach folgen. Von Gretels Er- ,enbigfj'frijitfi ng bis zu dem „Gastgeschenk" Tyras und Trach/'ih^ei «Einladung von Mutter und Sohn im kom- ben Frühjahr. PrciG' Lijmerksam hörte der junge Graf zu und sann, 6en ßo^Wi^eigen, fast bösartig, sich der Zufall hier ein- ,aben o^-geNcot. chußen.e.. • el erklärte mit leuchtenden Augen: „Eine oerei^goTti? Nacht hat er an meinem Bett gewacht, als ^orinD:;es inr mir am schlimmsten stand, und Tyras hat dlii ,lri; geschenkt, damit ich mich freuen sollte nach den Rankheit. Er ist überhaupt so gut, so übergut!" , a[(er lächelte den Bruder an. „Ich bin überzeugt, „ gjiti er wfc'llt dir ausnehmend und ihr werdet euch sehr ^rasth tnfreunben." f - 3aiz sicher", bekräftigte Großchen Jutta, „Dr. qnfir ei’” Du'indcrf ist einer der sympathischsten Menschen, die Y'w HA hrne." e 'hM, ^2- konnte Hans Syden darauf erwidern, er rn H^/munncte: „Kann schon möglich sein", und fand, s fteiU'es «Elirg töricht. nl tf'1 .lä$,tra mar zufrieden, daß vorläufig alles leid- unylichit ^gangen — Hans Syden hatte geschwiegen oL unlA nußte nun sehen, wie er alles zurechtschieven ,flUÖJr daß Dr. Diendorf niemals hierherkäme ins W, M 1 1 dein k e/ Zur P«füntn Nen» eines sLJ°J i । jammer:. ° unb noj unzliche A W? der trigu »b wurd w?. Großen-Bufeck, 24. Oft. Die hiesige vil-rstraße und Adolf-Hitler-Strahe, die sich in ffprid)t ta f il)r schlechtem Zustande befinden, werden gegen» [sgebantm raörSg neu chauffiert. Das hierzu erforderliche Ein- „. r Ültdmgsmaterial läßt die Gemeinde selbst herstel- yr W- i n3n dem Steinbruch am Attenberg ist ein Stein» mit oh. Mö«r aufgestellt worden. Die Steine werden von früTj Firma Keil- Hattenrod gebrochen. Eine grö- flete Zahl Volksgenossen von hier und einigen um- UW sig werden Paratyphuserkrankungen auch durch Ilich gemacht. In den wärmeren Monaten sollen 9Jt. Sekunden. Der nächste Fußball-Länderkampf zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei wird auf Wunsch des DFB. erst nach den Olympischen Spielen, und zwar im Oktober 1936 in Prag statt« finden. »Pru Werbt Fischer Zeiler Lippert Mank Heilmann Schalch Hammer Jäger Schmelz Gebrauchter gut erhalten, großer Eisschrank z. kaufen gesucht. Offerten mit Angabe der Größe, Länge u. Tiere, sowie desPreiseS unter 04571 an den Gieß. Anz. übrigen Vereinsangehörigen zu einer kameradschaftlichen Feier in der Turnhalle am Oswaldsgarten einfinden, bei der noch einmal all der schönen Erfolge des verflossenen Turnjahres gedacht und einiae frohe Stunden in echt turnerisch-kameradschaftlichem Geiste verbracht werden sollen. (Schachklub 1858, Gießen. Dieser Tage spielte der Marburger Verein gegen den Gießener Schachklub 1858 an zwölf Brettern ein Turnier. Das Spiel endete mit einem Sieg für Gießen mit lOV-rlVs Punkten. Es gewannen in Reihenfolge der Bretter die Herren Schäffer, Rothamel, Schonebohm, Orning, Urstadt, Diegel, Hainer, Dürr, Stangl; Partie Schaefer endete schlicht. Keaelkiudkampf LoUar-Wetz ar. Am kommenden Sonntag findet in Wetzlar der in Keglerkreisen schon lang erwartete Rück-Klub- kampf Lollar — Wetzlar statt. Der Vorkampf in Lollar war schon sehr hart umstritten, da Lollar eine Mannschaft stellte, die eine gute Partie lieferte. Andererseits mußte aber Wetzlar auf einige seiner besten Kegler verzichten. Das. machte sich denn auch bemerkbar, und der Kampf ging mit 67 Holz verloren. Der kommende Rückkampf am Sonntag wird wieder sehr hart werden, da Lollar alles daransetzen wird, seinen Vorsprung noch zu verbessern. Der Kegelklub Wetzlar, der der Gastgeber ist, wird seine besten Kräfte einsetzen. Fußball im Turnverein Großen-Linden Grohen-Linden I — Garbenleich I. Am Sonntag gastiert der Tabellenführer der zweiten Kreisklasse in Großen-Linden. Die Gäste, die bis jetzt ungeschlagen an der Spitze der Tabelle marschieren, werden sich auf einen harten Kampf gefaßt machen müssen, denn die Platzbesitzer werden sich mit einer ganz neuen Mannschaftsaufstellung oorstellen. Diese sollte in der Lage sein, bei restlosem Einsatz eines jeden Spielers den spielstarken Gästen mindestens ein Unentschieden abzutrotzen, oder gar noch einen knappen Sieg zu erringen. Die Jugend geht den schwersten Gang in ihren Pflichtspielen. Sie muß zum Tv. Klein-Linden. Der Ausgang des Lokalkampfes ist nicht oorauszufagen. Frankfurts leh er pferde-Aenntaa. Die Frankfurter Pferde-Rennbahn in Niederrad beendet am kommenden Sonntag ihre Rennzeit 1935 mit einem ansehnlichen Rennproaramm, aus dem die beiden offiziellen Rennen der SA. und SS.- Reiter herausragen. Es handelt sich dabei um den Preis des Gaues Hessen-Nassau, zu dem Gauleiter Jakob Sprenger selbst den Ehrenpreis geben wird und um das Rennen des SS.-Oberabschnitts Rhein, das außer dem reichen Geldpreis noch einen Ehrenpreis von SS.-Grupvenführer Prinz zu Waldeck-Pyrmont aufweist. Natürlich sind hier die Oktober-Rennen auf der Rennbahn Niederrad Sonntag, den 27. Oktober, 2 Uhr nachmittags. Eintrittspreise v. 50 an. dazu 10 4 Sportgroschen. Ermäßigte Eintrittspreise imVor verkauf bei den bekannten V orver- Lehrmund Knauß Heß Leutheuser II Leutheuser I VfB.-R.i Haas In der Torbesetzung dürften die VsBer ein Plus zu verzeichnen haben, da Haas über die größere der Lukasgemeinde Sonntag. 27 Okt 1935, abends 8 Uhr, im Lukassaal, kostspi sehen Man tdas n Ma ioltuni neue i Könne /Abfall nähme ’rung ! These, Cnaliei 'grüßt scheu ' mW von V Zwell Verkaufe: Betten (tompl.), l-u.2tür Kleider- u.Küchenscbränke Kommoden, Wäscheschränke, Nacht-, Wirts-, Servier- u. and. Tische, Stühle, Kautsch, Sosas, Sessel u. and. in größt. Ausw.04570 L.Sckäfer. Lag.: Nodheiin.Str.5Q Verlobungs-Anzeigen bei BrUhl, Schulstr. 7 sind stets äußerst billig bei niieD ».mm Möbelhaus Gießen,Wiesenstr.6 Zuchthaus für einen ungetreuen Posthelfer. LPD. D a r m st a d t, 24. Okt. Da in Heppenheim o. d. B. schon seit einiger Zeit auffälligerweise viel Post verloren ging, verschärfte man die Kontrolle. Eines Tages wurde nun der Posthelfer Karl T r e f f e r t, der schon lange im Verdacht der Täterschaft stand, dabei erwischt, wie er einen Brief öffnete und einen anderen in seiner Schublade versteckte. Nach einigen Ausflüchten legte er ein Geständnis ab, etwa 30 Briefe geöffnet und daraus Geld usw. entnommen zu haben, um sie dann wieder zu schließen oder zu vernichten. Wegen Verletzung des Postgeheimnisses, Amtsunterschlagung und schwerer Urkundenfälschung wurde Treffer! von der Großen Strafkammer Sinn passierenden Güterzuges. Der entgleiste Güterwagen wurde von dem in voller Fahrt befindlichen Güterzug einige hundert Meter weit m i t q e s ch l e i f t, bis die Maschine auf Grund von Notsignalen anaehalten werden konnte. An den Gleisanlagen des Bahnhofs Sinn wurde durch den mitgeschleiften Wagen erheblicher Schaden angerichtet. Die Aufräumungsarbeiten beanspruchten mehrere Stunden: trotzdem konntt der Verkehr ohne weitere Störungen aufrechterhalten werden. Dom eigenen Anhänger überfahren und oetötet. LPD. Frankfurt a. M.. 24.DH. An bet Straßenkreuzung Hanauer Landstraße—Hagenstraße ereignete sich am Donnerstagnachmittag ein Unglücksfall, der ein Menschenleben forderte. Der 29 Jahre alte ledige Rudolf Adami aus Franfurt am Main wollte von dem Anhänger eines fahrenden Kohlenlastzuges abspringen, geriet dabei aber so unglücklich zu Fall, daß er unter die Räder zu lieoen kam, die ihm über den Kopf gingen. Der junge Mann erlitt so schwere Verletzungen, daß er bereits nach wenigen Minuten starb. liga sind noch nicht so weit fortgeschritten, als daß man schon einigermaßen sichere Tips wagen könnte. Auch sind die bisherigen Ergebnisse durchweg knapp gewiesen. Nach dem Sieg über den Lokalgegner Kurhessen muß man dem vorjährigen Gaumeiiter C. T. wieder beste Chancen einräumen. Die übrigen Kasseler Vereine werden Mühe haben, vor Kirchbauna und Spielvereinigung 1900 Gießen, die beide gute Ansätze gezeigt haben, zu bleiben. Marburg und Eschwege verstanden es bis jetzt noch nicht, sich durchzusetzen. Abturnen im T -B. v. 1846 Ziehen. Wettkampf um den Turnklubschild 1935. Die diesjährige turnerische Sommerarbeit im Turnverein von 1846 wird am kommenden Sonntag mit dem in allen Vereinen der Deutschen Turnerschaft im Herbst üblichen Abturnen ihren Abschluß finden. Am Vormittag werden die jugendlichen Turner und Turnerinnen, die noch nicht mit Erfolg an größeren Wettkämpfen teilnehmen konnten, Gelegenheit haben, ihre Kräfte und ihr Können mit ihren Vereinskameraden zu messen. Gemischte Mehrkämpfe an den Geräten und in volkstümlichen Hebungen aller Jugendabteilungen werden. Turnhalle und Turnhof mit frohbewegtem Leben erfüllen. Am Nachmittag wollen dann die einzelnen Abteilungen mit einem Schauturnen einen Ausschnitt aus dem Uebungsbetrieb des Turnvereins geben und damit vor der Oeffentlichkeit Zeugnis dafür ablegen, daß in den Turnvereinen wertvolle oolks- und vaterlandsaufbauende Arbeit geleistet wird. Im Rahmen des Schauturnens am Nachmittag wird in diesem Jahre auch der Wettkampf um den Turnklubschild durchgeführt und damit die abwechslungsreiche Turnschau durch den Wettkampf der Besten an den Geräten in kämpferischer Hinsicht bereichert. Es wird tüchtiger Nachwuchs sich mit den altbewährten Kräften messen; die Heranwachsenden Turner werben zeigen, daß sie von den Siegern früherer Jahre gelernt haben und diese, daß sie noch auf der Höhe ihres Könnens stehen, ja dieses noch verbessert haben. Daß auch die edle Fechtkunst eine gute Pflegestätte im Turnverein von 1846 hat, werden die Fechterinnen und Fechter durch ihre Mitwirkung beim Schauturnen unter Beweis stellen. Die Spielabteilung tritt in einem Verbandsspiel der Jugend-Handballrnann- Vortrag des Pfarrassistenten Zschau über Die Lage der Evang. Kirche in Österreich zu eineinhalb Jahren Zuchthaus 200 Mark Geldstrafe verurteilt. °n Lus Nien ft«: b'r äq 'gezwur 'Qnini( mbe u ° g-h lens i jt-er | oem ! Nische '?usoni tionen :‘!n« s «ini3e ( tieer > x'ch ql gaben. , T ur 5Q*)me 'Mer >s fe Turnverein von 1846 Giefeen SONNTAG, den 27. Oktober 1935, in der Turnhalle am Oswaldsgarten AMBTUIRMIEM Vormittags ab 9.00 Uhr: Wettkämpfe der Jugendabteilungen. Nachmittags ab 3.30 Uhr: Großes Schauturnen. — Wettkampf der Turner um den Turnklubschild. Seit über Mahre« haben sich Leuvin-(5reme u .^eiir bettens bewährt bei Hautiuckc»- olcdite, Ausschlag, Wundsein u'N>- Drogerie Winterhofs, Kreu-Vl.10! Löwen-TrogLV.MlbinaerNawl' Seltersweg 69; Med. - Trogern H.Elges, Scltersweg 66. <7#v Verhau unter y erreiche leichter Sanftii punkt men zi roarenn 3u nutz Mit M mo Wrui Wen i Ium en Fjiir ne Neqelu ! Mist I lange enlschli j örterte \ -eutiff : iWfn ^alieni j tyotte, i em am ^eser K . >ber an foinqs sc idacht hc Nerim ’5 auch einet Wn dc Morsen »er briti |Verschiedene7] »Ml gen. gute Sicherheit (Grundstücke im Werte v.RM. 5500.-) sofort zu leihen gesucht. Schriftl. Ang. u. 04574 a.d.G.A. Mündlich können Sieednurwenigen sagen, schriftlich mehreren, durch eine Kleinanzeige sagen Sie es »U» Restaurant Stadt Mainz Sonntag, den 27. Oktober: Letzter Tag desWinzerfestes Patenwein 25 Pf. 04575 Stimmung! Humor’ schäft um 11 Uhr auf dem Universitäts-Sportplatz an. Am Sonntag abend werden sich dann die Tur- und Turner mit ihren Familien- und den on dck Alles u Hie aus jiplomc Jl* ;6»n, du Stere ® ten, stc zu to feinen neue be-urd) ! )er mi y ien al Unfall auf der Bahnstrecke Herborn-G eßen. Entgleister Güterwagen wird mehrere hundert Meter weit mitgeschleift. LPD. Herborn, 24. Okt. Auf der Reichsbahnstrecke Herborn — Gießen entgleiste am Donnerstag einWagen des um 10.30 Uhr die Station örCIUC ttGQFP m fff Wederhersteiler^ll rill Drogerie WlnterhoH, Kremple«1’ H. Plank, Seltersweg 8. V v Verein Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. Kurhessen Kassel 4 3 0 1 6:2 Kasseler Tgrnde. 3 2 1 0 5:1 Kass.-Bettenhausen 2 2 0 0 4:0 Tuspo 86/09 Kassel 3 2 0 1 4:2 Tv. Kirchbauna 2 1 1 0 3:1 1900 Gießen 2 1 0 1 2:2 Spieloerein Kassel VfB. Kurhessen 3 1 0 2 2:4 Marburg 4 0 0 4 0:8 Id. 1861 Eschwege 3 0 0 3 0:6