Nr 249 Erster Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 24. Oktober 1955 A « e ->nn°hm- „on Unze.g.. «i''kL7AmLL “*X”; Heimat mDild Dle Scholle ■ H M Mi Z fl W H ■ A ▼ MH ■ | M MM ei^ Grundpreise für 1mm hohe Moncttr-Bezugspreir: ■ M W W««r M W 6ÄX^ H jF WWW WWW W^^ W für Anzeigen von 22 mm Mit 4 Beilagen NM 1.95 RV MW» W MM »WM W / | || W M W Hf W Breite 7 Rpf., für Text- Ohne Illustrierte 1.80 EL H R» W wk M» W W M «U. W W W anzeigen von 70 mrn Breite Zustellgebühr „ -.25 V V W W W M W W M W W MM 50Rpf.,Platzvorschrift nach Auch bei Nichterscheinen M M v v ” Ä W vorh.Dereinbg.25°/„ mehr. ?n7oÄ.rer“ M V «rmä6igt, fi(mtpKlfe: MM General-Anzeiger für Oberhessen 5r-niiur/N-i°'lI68° vruck und Verlag: Srühl'sche Untoerfitätsvuch- und Steindruckerei ».Lange in Sietzen. Schriftleitung und SeschSftrftelle: Schulftrahe r Die chinestschen „Aupeniünoer" -Von B B eyhoeffer, Oberstleutnant a O. Kürzlich meldete der Telegraph aus Tokio: „...In Hsindjiang ist eine chinesische Sowjetrepublik ausgerufen worden, deren Hauptstadt U r u m t s ch l ist; sie wird sich Sowjet-Rußland an« schließen ..." Was bedeutet diese Nachricht, derem Bestätigung, wie gleichzeitig aus Tokio gemeldet wird, „die Lage m China grundsätzlich ändern und Japan vor neue Entschliisse stellen würde, da damit die Sowjets weiter auf chinesischem Boden oorge- drungen wären, nachdem sie schon seit 1921 im tatsächlichen Besitze der Aeußeren Mongolei sind." Hsindjiang gehört zu den chinesischen Außen- länüern, die sich, beginnend am Stillen Ozean, wie ein schützender Arm bis Indien hin entlang der russischen Grenze um den Kern, „das eigentliche China" legen. Zu diesen Außenländern gehörten dzw. gegoren Oie Manüjchurei, Mongolei, Hsindjiang (wir nennen es Chinesisch Turke st a n) und Tibet. Die umliegenden Großmächte haben seit der chinesischen Revolution für diesen Teil des Himmlischen Reiches ein besonderes Interesse gezeigt, nicht etwa m Richtung der kulturellen und wirtschaftlichen Weiterentwicklung, sondern wie sie Stücke davon von China l o s r e i ß e n und ihrem eigenen unersättlichen Magen einverleiben können. Namentlich Japan und Rußland sind daran beteiligt. Außer wirtschaftlichen sind weltanschauliche Gründe die Haupttriebfeder für das Dorgehen dieser beiden Staaten. Die Russen wollen diese Länder mit ihrem Bolschewismus be- Blüden, die Japaner wollen sie in ihrem eigenen nt^resse davor bewahren: sie wollen, wie die Römer einstmal an Germaniens Grenze einen limes Romanus erbauten, aus den „Auhenländern" ein limes Japanicus bilden zum Schutze Ostasiens gegen den russischen oölkerzerstörenden Bazillus. Der Kamps um die Mandschurei ist bereits entschieden: die Russen sind gänzlich aus ihr vertrieben und das japanische Sonnenbanner weht über diesem Gebiet, das größer ist als Deutschland, Frankreich, Belgien und Holland zusammengenommen. Bevölkert ist diese neue japanische Provinz nur von runö 33,5 Millionen Menschen, während mindestens 75 Millionen darauf Platz ^aben. Don dieser Basis aus kämpft Japan mit zäher Energie um das nächste „Außenland", die Mongolei. 'Sie zerfällt in die Aeußere und Innere Mongolei. Die Innere Mongolei hatte nach der Revo- llution zunächst die chinesische Zentralregierung anerkannt; die Gründung von Mandschukuo hat aber Hinter sanftem Drucke von außerhalb ihre Unab- chängigkeitserklärung von China. Heute ist Je hol, «in Teil der Inneren Mongolei, bereits japanisch und der Rest wird bald denselben Weg gehen Ob die Innere Mongolei an Mandschukuo vn geschlossen werden oder em eigenes Staatswesen Gilden wird, läßt sich zur Zeit nicht erkennen. Nur ffoviel ist klar, daß China auch diesen Teil seiner Außenländer verloren hat. Die Aeußere Mongolei hat sich bereits vor einer Reihe von Jahren umter russischem Einlluß, wider ihren eigenen Wil- llen, zu einer Sowjetrepublik erklärt mit der jHauptstadt Ulanbator Choto — Stadt des Roten Reiters (früher U r g a). Schon lange ist man der russischen Herrschaft überdrüssig. Ohne fremde Hilfe kann man sich aber aus der festen Umarmung nicht lösen; die Mongolen wünschen nichts sehnsüchtiger, nls von der kommunistischen Herrschaft befreit zu werden Der Boden ist hier für japanische Wünsche gut vorbereitet. Weiter nach Westen schließt sich als nächstes Außenland das eingangs erwähnte „Chinesisch- Turkestan" an, am weitesten entfernt vom Sitze )>er chinesischen Zentralregierung (pon Nanking bis inr Grenze rund 2000 Kilometer). Es führen dorthin nur schlechte Straßen durch teilweise sehr hohe Gebirge, Eisenbahnen fehlen ganz. Es ist daher am schwersten von der chinesischen Zentrale aus zu be- ireucn, welche aber gerade in der letzten Zeit erhebliche Anstrengungen (Flugzeuge) zur Ueberwin- lung dieser Schwierigkeiten macht. Anscheinend ist tts ihr aber nicht gelungen, dieser Schwierigkeiten Öerr zu werden: in den Kämpfen zwischen der chinesischen Zentralregierung und den Kommunisten m Mittel-China behielt die erstere die Oberhand; iimem Teile der letzteren gelang es aber, aus der Drovinz Setschuan nach Chinesisch-Turkestan zu (tntfommen und sich so mit den dortigen Gesin- ? ungsgenoffen unter dem starken Schutz von Mos- loau zu vereinigen Nunmehr soll sich also auch dieser Teil „der Äußenländer" zu einer Sowjet-Republik irPIärt haben. Diesen neuen bolschewistischen Erfolg kann Japan nicht ohne Gegenwehr hin- ftehmen; der Bau des „limes Japanicus“ würde an dieser Stelle eine Lücke aufmeifen, durch welche tDlschewistische Ideen unmittelbar ins chinesische Meid) importiert werden könnten. Außerdem hat Jiapan sich schon seit längerer Zeit in die Politik tiefes Gebietes eingeschaltet und würde durch die neuesten Ereignisse stark in feiner gewonnenen Po- [iion bedroht werden. Im vorigen Jahre gab es in Lefem Teile Chinas einen großen Aufstand, bei 6*m, wie es scheint, Japan seine Hand im Spiele 0-habt hat. Die Bewohner dieses Landes sind meist f: nnitische Türken. Im Gebiet von K a s ch g a r Hütte die Vorherrschaft ein mohammedanischer General, der in der Aufstandsbewegung gegen die chi- n fische Oberherrschaft eine große Rolle gespielt hat. vDm werden Beziehungen zu Japan nachgesagt. In lofio hielt sich damals der inzwischen oerftörbene türkische Prinz Abdul Kerim auf, dem in Chi- n sisch-Turkestan eine gleiche Rolle zugedacht gc= ®2fen sein soll, wie dem chinesischen Erkoiser luyi, jetzt Kaiser Kang-te von Mandschukuo. wipan hat auch deshalb an Chinesisch-Turkestan Laval über die Aussöhnungspolitik Frankreichs. Der Ministerpräsident berichtet über die BereriwrlNgkeit Italiens zur Verminderung der (Streitfrage in Libyen. Paris, 23. Oft. (D71B.) Ministerpräsident £ a - Dal hat am Mittwochnachmittag dem Auswär - tigen Ausschuß der Kammer einen Ueber- blick über die außenpolitische £age gegeben und den Abgeordneten auf ihre Fragen wegen der Haltung Frankreichs im ttaliepisch-abessinischen Streitfall Antwort erteilt. Laval soll den Ausschuß über eine ihm zugegangene Mitteilung Mussolinis unterrichtet haben, daß Italien eine von den in Lybien stehenden Divisionen zurückziehen werde in der Erwartung, daß die englische Regierung eine entsprechende Maß- nähme bei ihren Streitkräften im Mittelmeer ergreife. Das „Echo de Paris" glaubt zu wissen, daß sich Laval am Mittwochvormittag vor feinem Erscheinen vor dem Ausschuß telephonisch von Mussolini aus Rom die Ermächtigung geben lieh, die Nachricht von der Zurückziehung einer italienischen Division aus Libyen bekanntzugeben. Mussolini habe Laval geantwortet, er erblicke in dieser Bekanntgabe nichts Nachteiliges. Laval habe ferner folgendes auseinandergesehl: England habe auf Grund einer italienischen Herausforderung — Drohung der presse, Malta zu bombardieren — seine Mittelmeerflotte verstärken zu müssen geglaubt Er, Laval, habe England und Italien wissen lassen, daß er diese Handlungsweise natürlich finde und daß Frankreich in einem entsprechenden Falle vielleicht ebenso gehandelt hatte, daß aber diese Handlungsweise Zwischenfälle Hervorrufen könne und nicht dazu angetan fei, die Beziehungen wieder in Ordnung zu bringen. Er habe daher den Wunsch geäußert und er erneuere ihn, ohne damit die Entschluhsreiheit Englands beeinflussen zu wollen, England möge wenigstens einen Teil feiner Flotte aus dem Mittelmeer zurückziehen. Die Ankündigung von der Zurückziehung italienischer Truppen aus Libyen wurde vom Ausschuß als erstes und bedeutendes (Ergebnis der auf den Frieden gerichteten Bemühungen Lavals bezeichnet In liebereinftimmung mit dem Ministerpräsidenten gab der Ausschuß dem Wunsche Ausdruck, daß diese Geste in England als der Beweis der künftigen Einstellung der italienischen Regierung anerkannt werde, und daß England als Gegenmaßnahme eine Verminderung seiner Flotte im Mittelmeer vornehmen möge. * Der Ministerpräsident betonte weiter, daß Frankreich mit dem festen Willen handeln werde, allen Verpflichtungen des Pattes nachzukommen, in der ständigen Sorge, im Rahmen des Völkerbundes eine Aussöhnungsmöglichkeit zu finden, die geeignet fei, den Frieden zu sichern. Dem Bericht Lavals folgte eine sehr ausgedehnte Aussprache. Drei Stunden lang mußte Laval dem Kreuzfeuer der Fragen standhalten, die sich besonders auf die möglichen Folgen bezogen, die das Schulbeispiel des abessinischen Streitfalles i n d e r Zukunft haben könnte. Es kam zu einer lebhaften Auseinandersetzung über die Auslegung des Art. 16 des Völkerbundspaktes und über den Grundsatz des gegenseitigen Beistandes zwischen Völkerbundsmitgliedern im Falle eines nicht herausgeforderten Angriffes in der Zukunft. Laval wies auf die mit England erzielte Einigung hin, die einen gegenseitigen Beistand aller Völkerbundsmitglieder für den Fall vorsehe, daß einer von ihnen angegriffen werde, als Vergeltungsmaßnahme wegen gemeinsamer Sühnemaßnahmen. Auf eine Zwischensrage hat Laval erklärt, wenn Italien als Angreifer gegen die englische Flotte vorginge, die Sühnemaßnahmen Geltung zu verschaffen suche, so würde Frankreich der britischen Flotte unverzüglich seinen Bei st and leihen. — Nach dem „Journal" wurde von marxistischen Mitgliedern des Ausschusses auf die finanzielle Hilfe hingewiesen, die Frankreich Oesterreich gewährt habe, Oesterreichs Undankbarkeit bekrittelt und der it a l i e n i s ch e Einfluß auf eine von Starhemberg beherrschte Regierung beanstandet. Laval habe darauf erklärt, daß Frankreich nicht in die innere Politik Oesterreichs emzugreifen habe. Rom sieht noch keinen Grund zum Optimismus. Italien erwartet Rücknahme der Sanktionen. - Die direkte Aussprache mit London geht weiter. Rom, 23. OH. (DRB.) Am Mittwochabend wird von zuständiger Stelle mit größtem Nachdruck darauf hingewiesen, daß auch nach der in den letzten Tagen eingetretenen Entspannung der gute Wille, den Baldwin und Hoare bekundeten, noch nicht in ausreichender Weise in Taten um* gesetzt worden sei, und daß insbesondere die ingang gesetzte Genfer Sanktionsmaschine noch nicht zum Stillstand gebracht worden sei. Solange das nicht der Fall sei, könne man in Italien keine Genugtuung über die verschiedenen Anzeichen einer Entspannung empfinden und der weiteren Entwicklung keineswegs mit be- fonberem Optimismus entgegensetzen. Auf den Appell des englischen Außenministers zu Verhandlungen in letzter Stunde wird in Rom erwidert, daß sich Italien niemals geweigert habe, zu verhandeln. Rom habe lediglich unannehmbare Vorschläge zurückgewiesen, habe aber wiederholt und auch in der letzten Zeit, so vor 14 Tagen, in London die Initiative zu einer Erörterung der abessinischen Frage unter den drei hauptinteressenten ergriffen. Man nimmt in Rom an, daß die gegenwärtigen diplomatischen Besprechungen weitergeführt werden können. Dabei soll jetzt die Frage eines Zuganges Abessiniens z u m Meere im Vordergrund stehen, für den Italien an Stelle von Englifch-Zeila einen Hasen an der Küste von Erylhräa in Vorschlag bringt. Inwieweit die eigentlichen italienischen Ansprüche aus die Grenzprovinzen von Tigre bis hinunter nach Ogaden bereits jetzt einem Gedankenaustausch zwischen Frankreich und England unterliegen, steht noch dahin. * Das halbamtliche „Giornale d'Italia" unterstreicht nach einigen liebenswürdigen Eingangsworten in alter Schärfe die üblichen Bedenken und Einwände gegen England. England habe in Genf alle Initiativen ergriffen und verstehe, alle Länder der Welt unter dem englischen Druck zusammenzufafsen. Besonders wird die Äeuße- rung hervorgehoben, daß eine Lösung des Streits von den Parteien Italien, Abessinien und dem Völkerbund angenommen werden müsse. Heute wisse jeder, daß Abessinien nicht selbständig handele, sondern den Ratschlägen Englands folge, das nicht gezögert habe, es zu bewaffnen und seine Widerstandskraft zu stärken. Das gleiche lasse sich vom Völkerbund feststellen. Nochmals werde hiermit also klargestellt, daß sich heute Italien stets England gegenüber finde. Sehr entschieden müsse gefordert werden, daß Genf auch dem neuen Faktor Rechnung trage, daß sich so zahlreiche Eingeborene unterwürfen und hiermit die Spaltung zwischen Mittelabessinien und den Randgebieten ganz offenbar werde. Der gute Wille, von dem Hoare gesprochen habe, könne sich in einer offenen und verständnisvolleren Prüfung des italienischen Standpunktes und einer Aenderung der überstürzten und ungerechten Stellungnahme gegenüber Italien andeuten. — „Tribuna" fordert, daß die englischen Ministerreden zu einer Demobilisierung des ganzen Gefüges führen müßten, das sich heute angreiferifch gegen Italien richte und durch die Tatsache der Flottenzusammen- ziehung im Mittelmeer und der Militarisierung Aegyptens und Palästinas gestützt werde. Auch wirtschaftliche Sühnemaßnahmen bezeichnet das Blatt als einen schweren „Urteils- und Derfahrens- irrtum des Völkerbundes". Es gebe keine Vergleichsfälle für ihre Anwendung. Es fei nicht zulässig, heute von neuen Versuchen zu sprechen, nachdem der Völkerbund eine ganz andere Haltung in früheren Streitfällen eingenommen habe. Widersprechenve Nachrichten. Wer soll mit dem Rückzug beginnen? London, 24. Okt. (DNB. Funkspruch.) Hier einlaufende Nachrichten über eine angebliche Bereitwilligkeit Mussolinis, eine italienisch« Division aus Libyen zurückzuziehen, lauten sehr widerspruchsvoll. Während der diplomatische Berichterstatter von Reuter in London erfahren haben will, daß die italienische Regierung die Zurückziehung der Division angeord- n e t habe, ohne dafür eine britische Gegen- lei st u n g zu fordern, meldet der römische Berichterstatter des Reuter-Büros, daß ihm von maßgebender italienischer Seite erklärt worden sei, falls sich die angeblich von der britischen Regierung ange- oröriete Zurückziehung von zwei Schlachtschiffen aus dem Mittelmeer bestätige, werde Jtaliep möglicherweise einen Teil seiner Streitkräfte aus Libyen zurückziehen, obwohl diese beiden Maßnahmen nichts miteinander zu tun hätten. „Daily Telegraph" hört, Mussolini habe das Angebot gemacht, eine' Division aus Libyen zurückzuziehen. Diese Division werde aber nicht nach Italien zurückkehren, sondern nur nach Tripolis verlegt werden. ein besonderes Interesse, weil es an Indien grenzt und die russische Aeußere Mongolei umklammert. Durch die neueste Entwicklung steht Japans Stellung auf dem Spiele: Rußland hat den Vorteil der räumlichen Nähe geschickt ausgenutzt: es scheint ihm gelungen zu sein, auch dieses Gebiet, wie die Aeußere Mongolei zu sich hinübergezogen zu haben. Ohne Zweifel wird Japan demnächst geeignete Gegenmaßregeln treffen. Das letzte Außenland ist Tibet, das südlich an Indien grenzt und östlich wieder an das „eigentliche China" anschließt. Die Hauptinteressenten sind hier außer China die Engländer. Es gibt im Lande eine pro- und eine antichinesische Gruppe; außenpolitisch ist der größere Teil der Tibetaner für ein Zusammengehen mit den Engländern, ein Teil neigt zu Rußland, ein anderer aber auch zu Japan hin Das Ringen um die Vorherrschaft in den chinesischen Außenländern zwischen Rußland und Japan geht weiter, wie denn überhaupt die Gegensätze auf der ganzen Linie in Ostasien zwischen den beiden Ländern unter der Oberfläche weiterschwelen: eine kriegerische Verwicklung Rußlands an seiner Westgrenze würde die Flammen wieder hervorbrechen lassen und vermutlich all seine Gebäude östlich des Baikalsees in Asche verwandeln. Einschränkung des Zeitungsumfangs in Italien. Rom, 23. Oft (DNB.) Das Ministerium für Presse und Propaganda hat die Direktionen der italienischen Tageszeitungen ersucht, vom 5. November ab sämtlichen Zeitungen keinen größeren Umfang als sechs Seiten zu geben. Starke Senkung der Mrmetadenpreise. Berlin, 23. Okt. (DNB.) Wie im Vorjahre werden auch im Wirtschaftsjahr 1935/36 die g e - bräuchlichsten Brotaufstrichmittel, das sind Vierfurcht- und gemischte Marmelade, Pflaumenmus, Apfelweinnachpreßgelee und Apfelbrei, wieder stark verbilligt werden. Zu diesem Zweck hat die wirtschaftliche Vereinigung der beut« scheu Zuckcrwirtschaft ganz erhebliche Beträge zur Verfügung gestellt, die es ermöglichen werden, den Ladenpreis der Marmeladen und Gelees, der zur Zeit auf etwa 45 Pf. steht, auf 32 P f. je Pfund herabzusetzen. Die verbilligten Brotaufstrichmittel werden in besonders gekennzeichneten Großpackungen an den Einzelhändler und lose an den Verbraucher ausgewogen. Sie sollen vom 6.November ab in allen Läden zum Verkauf stehen. Es wird dabei erwartet, daß etwaige Uebergangs- schwierigkeiten von der Bevölkerung verständnisvoll ausgenommen werden. Es werden etwa zwei Millionen Zentner, das ist die dreifache Menge der im Vorjahre ausgegebenen A u f ft r i ch m i 11 e l, zu dem verbilligten Ladenpreis von 32 Pf. abgegeben werden. Damit ist sichergestellt, daß die verbilligte Marmelade allen Haushaltungen im kommenden Winter und Frühjahr in so reichlichem Maße zur Verfügung steht daß dadurch der Bedarf an fetthaltigen Brotaufstrichmitteln wirkungsvoll ergänzt werden kann. Besonderer Wert wird wieder auf die Quali - t ä t der Brotaufstrichmittel gelegt. Es sind deshalb für die Herstellung über die bisherigen gesetzlichen Vorschriften hinaus verschärfte Bedingungen vorgeschrieben worden. So dürfen z. B. die Marmeladen nicht nur aus Zucker und einfachen Obstsorten bestehen, sondern sie müssen gleichzeitig erhebliche Mengen von Edelobst enthalten. Dem Verbraucher wird also neben oder trotz erheblicher Verbilligung eine in der Qualität wesentlich verbesserte Marmelade geboten. Mit der Durchführung der Maßnahme ist die Hauptvereinigung der deutschen Garten- und Weinbauwirtschaft betraut worden. Sie wird insbesondere die Durchführung der Anordnungen über die Qualitätsverbesserung genau überwachen und darauf achten, daß die oerbilliaten Brotaufstrichmittel nicht an gewerbliche Betriebe und Unternehmungen, wie z. B. an das Hotelgewerbe, an Gaststätten, Bäckereien, Konditoreien usw, abgegeben werden. Kleine politische Nachrichten. Im Programm des W i n t e r h i l f s w e r k s tritt folgende Aerrderung ein: Der Tag der nationalen Solidarität wird nicht am • 14., sondern bereits a m ,7. Dezember abgehalten. Die erst Straßenfammlung findet am 3. November statt. ♦ . Der Führer und Reichskanzler emp- sing am 23. Oktober den Bundesführer des Deutschen Reichskriegerbundes „K y f f h ä u s e r", Oberst o. D. Reinhard, zum Vortrag. des Kabinetts Lloyd George bemängelt die daß General G r a z i a n i stehenden italienischen Trup- kannt ist, daß sie mit den Rechtsbünden enge Tuchfühlung unterhalten. Tatsächlich soll auch der Abgeordnete Marin, der als Vertreter der Rechten der Regierung Laval als Staatsmimster angehört, wiederholt verhindert haben, daß Laval sich aus eigenem Antrieb oder auf Drängen cherriots sich gegen die Bünde wandte. Die Regierung hat noch unmittelbar vor Beginn des Parteitages der Radikalsozialen Maßnahmen gegen die Bünde beschließen wollen, um Herriot in den Stand zu setzen, vor dem Parteitag unter Hinweis auf die Maßnahmen der Regierung ein Verbleiben der Radikalsozialisten in der Regierung zu erreichen. Aber die Kabinettssitzung am 23. Oktober hat trotz ihrer langen Dauer nicht zu diesem Ergebnis geführt, so daß alles einstweilen noch in der Schwede bleibt.. Auf dem Landesparteitag der Radikalsozialisten wird es sich auch entscheiden müssen, ob die Radikalsozialisten dem Kabinett Laval weiterhin die Ausnahmevollmachten zubilligen werden, die sie Doumergue, Flandin und Bouisson entzogen oder verweigert hatten. Laval scheint auch in dieser konischen Regierungsform Abbruch tut, null und nichtig. In diesem Falle wird die A u f l ö s u n g der Vereinigung auf Antrag eines jeden Interessierten oder des Staatsanwalts ausgesprochen. Das Gericht kann einstweilen die Schließung der Lokale der Vereinigungen beantragen und das Verbot der Zusammenkunft der Mitglieder anordnen. sinien und der Völkerbund, müßten die Regelung annehmen. Zweitens die Regelung mühte mit der Vülkerbunds- fahung überein stimmen. Lin Kuhhandel komme nicht in Frage, geschweige denn ein imperialistischer Handel. Lloyd George fragte hierauf, ob man Italien in den letzten Tagen eine Zusicherung gegeben habe, daß die britische Flotte nicht den Suez-Kanal blockieren werde, oder irgendein ähnliches Versprechen. Eden erwiderte, die einzige Zusicherung, die man Italien gegeben habe, sei, daß Großbritannien nicht selbständig vorgehen werde. Wenn die Hoffnungen auf einen Erfolg des Völkerbundes enttäuscht wurden, könne man nicht sagen, was das für Folgen haben werde. Wenn aber der Völkerbund sich als fähig erweise, die Schwierigkeiten zu überwinden, dann werde die Welt den kommenden Schwierigkeiten in gestärktem Glauben entgegensehen. Zum ersten Male in der Geschichte der Welt werde versucht, ein internationales System anzuwenden, das nicht auf Gewalt, sondern auf gewissen Grundsätzen der Gleichberechtigung beruhe. Dies sei ein Abenteuer, bei dem alle stolz sein dürften, ihr Teil mitzuspielen. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) Waffen, die öffentlichen Englands Bedingungen für eine Regelung des Abessinienkonsiikls. Paris, 23 Okt. (DNB.) Ein Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik hat auf Vorschlag des Justizministers und des Innenministers drei Verordnungen angenommen, die die Einfuhr, die Beförderung und den Besitz von Aufrechterhaltung der Ordnung und das Vereint- Kannte England die Abmachungen von Rom zwischen Frankreich und Italien?—Wurde in Gtresa über Abessinien gesprochen? — Hat England jetzt neue Zusicherungen gegeben. IreiVerordnungenzurAusrechierhaiiungderRuhe Eine erste Abschlagszahlung an die Kadikalsoz-.aiisten. Lloyd George bezeichnete die Bemerkung Baldwins, daß in der Außenpolitik eine Ruhepause l |Cr2.eDfieie@eie6e5Derorbnung über Die Verstärkung 1MOMO Mann einem italienischen Kontingent von der Aufrechterhaltung der Orünuna ji Vertrauen schaffen, um die wirtschaji erhebung des Landes, zu ermöglichen Visionen bewerte, was etwa die Hälfte der deutschen Armee darstelle. Der diplomatischen Redewendung, daß Frankreich sich in Abessinien wirtschaftlich desinteressiert habe, müsse daher eine besondere Bedeutung zugrunde liegen. Er frage daher die englische Regierung, ob sie etwa ein ähnliches Versprechen wie das Frankreichs an Italien gegeben habe. Außenminister Sir Samuel Hoare antwortete: Rein. Lloyd George fragte weiter, wer auf englischer und italienischer Seite in S t r e s a die abessinische Frage besprochen hätte. Damals habe Abessinien bereits zum zweiten Male sich an den Völkerbund gewendet, während die italienischen 2Tuppenentfen= düngen bereits in vollem Gange gewesen seien. Frankreich habe große Mengen von Chemikalien, die für die Kriegsindustrie benötigt wurden, nach Italien ausgeführt. Lloyd George fragte ferner, ob England versprochen habe, die ganze oder einen Teil der britischen Mittelmeerflotte zurückzuziehen. Im Sanktionssystem seien erhebliche Lücken vorhanden, was auf das Fehlen Deutschlands, Brasiliens und der Vereinigten Staaten I zurückzuführen sei. wird gemeldet, daß mit größeren italienisch-ab essiniscken Gefechten in naher ~ ' i sei. Rach unbestätigten Gerüch- Frage psychologisch gewandt vorzugehen, indem er dem Finanzausschuß der Kammer die Versicherung gab, daß die Verabschiedung des Haushaltsplanes für 1936 von der Regierung nicht als stillschweigende Billigung der Notverordnungen ausgelegt werden, sondern daß die Regierung die lange Reche der auf Grund der Sonderermächtigung beschlossenen Gesetzeserlasse zu gegebener Zeit d e m P ä r l a- ment zur Begutachtung vorlegen wird. Nachdem Laval in außenpolitischer Hm-, sicht seine Linie in den Genfer Verhandlungen nach den Wünschen der Radikalsozia- listen ausgerichtet hat, strebt er augenscheinlich nach einer Verständigung auch in der Innenpolitik mit dieser Partei, da ja ihr Hinüberschwenken zur Opposition das Ende seines Kabinetts bedeuten würde. Die Haltung Lavals ist denn auch geeignet, den rechten Flügel der Radikalsozialisten zu stärken, der die Verbrüderung mit den Jüngern von Marx und Lenin nicht mit freudigem Auge sieht. Aber der l i n k e Flügel ist nach wie vor sehr aktiv. Herriot wird nach seiner bisherigen Gepflogenheit versuchen, eine Mittellinie einzu- chlagen, um die Einheit der Partei zu wahren. Er hat, wie gesagt, schon eine Reihe von Zugeständnissen an die Forderungen seiner Partei erreicht, weil seine Gegenspieler im Regierungslager wissen, daß die Radikalsozialisten bereits eine Ausnahmestellung für eine Opposition vorbereitet haben. Die Frage ist nur die, ob die Mehrheit der Partei sich mit diesen Erfolgen begnügt oder ob sie durch einen Regierungswechsel größere Aussichten für die nächsten Wahlen zu haben glaubt. Die Stimmung der radikalsozialistischen Ortsgruppen ist uneinheitlich, und daher kann man das Verhältnis zwischen den oppositionellen und den bürgerlichen Radikalsozialisten nicht übersehen. Aber es ist anzunehmen, daß das Beharrungsvermögen auch hier eine entscheidende Rolle spielen wird. Praktisch wäre diese Partei durchaus in der Lage, die Regierung zu stürzen und ihre Nachfolge zu übernehmen. Namhafte radikalsozialistische Führer haben jedoch erklärt, daß davon keine Rede sein könne, solange kein bindendes Programm sowohl über die künftige Gesamtpolitik, als auch über die Verteilung der Regierungsverantwortung zwischen den einzelnen Linksgruppen ausgearbeitet worden fei. Dieses trifft aber noch nicht zu, obwohl zahlreiche Ausschüsse und Unterausschüsse seit langem an diesem Programm arbeiten. Es ist zu erwarten, daß der Landesparteitag der Radikalsozialisten in besonderem Maße auch den Versuch unternehmen wird, die sich immer stärker bemerkbar machende Gärung innerhalb der landwirtschaftlichen Kreise einzufangen, um ein Abgleiten der Bauernbewegung nach Rechts oder ganz Links zu verhindern und sie für die kommenden Wahlen zu gewinnen. Sicherlich wird auch die alte Forderung nach Auflösung der Kampfbünde und nach einer aktiveren russisch-französischen Politick auftauchen. Aber darüber wird sich reden lassen. Die weitere Entwicklung der Vermittlungsverhandlungen zwischen Rom und London oder richtiger gesagt: zwischen Rom und Genf wird nicht ohne Einfluß auf die Entschlüsse der Radikalsozialisten bleiben. Alles in allem ist die Lage also noch offen, wobei vor allem noch gar nichts über die Haltung der Rechten gesagt werden kann. Mimische Propaganda im besetzten Gebiet. Asmara, 23. Okt. (DNB.) Unter der Bevöl- gerung des besetzten Gebietes hat eine starke Filmpropaganda eingesetzt, um ihr die Bedeutung Italiens vor Augen zu führen. Auf italienischer Seite unterstreicht man die große politische Bedeutung, die die Untermerfer koptischer und muselmanischer Kirchenvertreter besitzt. Auch von der Abschaffung der Sklaverei versprechen sich die Italiener günstige Wirkungen. Die nunmehr befreiten Sklaven können zwar auf Wunsch bei ihren Herren bleiben, doch müssen sie zu ihnen in einem Angestelltenverhältnis stehen. Die früheren Sklaven, die nicht bei ihrem Herrn bleiben wollen, werden von den italienischen Behörden zu öffentlichen Arbeiten herangezogen oder in der durch die kriegerischen Ereignisse auf« geblühten Industrie untergebracht. Der italienische Propagandaminister Graf C i a n o , der als Geschwaderchef in Ostafrika weilt, bezeichnete die Behauptungen, die italienischen Flugzeuge hätten offene Ortschaften beschossen oder Giftgase angewendet, als unwahr. Es sei stets das Bestreben der italienischen Truppen gewesen, die Bevölkerung nicht unnütz zu erregen. Im übrigen sei es für die italienischen Flugzeuge leicht, die abessinischen Streitkräfte,die außerhalb der Ortschaften zu kampieren pflegten, zu erkennen. General de Bono hat Halle Selassie, den Sohn Ras Gugfas,wm Gouverneur der Gebiete Allawa und Takaffe ernannt. Abessinien meldet neue Kümpfe an der Südsrom London, 23. Okt. (DNB.) Aus Addis Abeba (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) . Paris, 23.Oktober 1935. ' Die fällige Erneuerung eines Senats- , b r i 11 e l 5 bildete gewissermaßen den Auftakt der innerpolitischen Herbstereignisse in Frankreich. Die ; Wahl von 107 Senatoren hat eine leichte Wen- ; düng nach links sowohl innerhalb der Linken roib innerhalb der Rechten gezeitigt. Diese Verschiebung entspricht jedoch der langsamen Entwicklung, die der Senat seit seinem Bestehen durchmacht. Von der Tatsache abgesehen daß Laval einen Ver - trauensbeweüs durch feinen Erfolg in zwei Departements buchen konnte, ist lediglich hervorzuheben, daß zum ersten Male ein Vertreter der Moskauer Internationale Sitz und Stimme im Senat erhält. Eine allgemeine Entscheidung zwischen der sogenannten Volksfront und dem bürgerlichen Lager ist nicht gefallen: das Beharrungsvermögen der Wähler hat sich wieder einmal bewährt. Allerdings ist nicht zu vergessen, daß die Senatswahl mittelbar und nur einem Bruchteil des französischen Volkes Vorbehalten ist. Selbst im Seine-Departement, in dem die Volksfront zahlenmäßig weit überlegen war, hat ein Teil der linken Wahlmänner nicht nach parteipolitischen Gesichtspunkten gestimmt, sonst hätten von den zehn Sitzen nicht zwei den Bürgerlichen zufallen können. Die Nähe der Kammerwahlen hatte eine große Zahl von Abgeordneten veranlaßt, für den Senat zu kandidieren. 17 hatten Erfolg, über 50 wurden jedoch geschlagen. Die Wahl der 17 Abgeordneten zu Senatoren bringt aber keine Verschiebung in der gegenwärtigen Kammer, weil die freiwerdenden Sitze vor der allgemeinen Kammerwahl wegen der kurzen Zwischenzeit nicht neu besetzt werden Im allgemeinen kann man über die Senatswahlen also zur Tagesordnung übergehen. Daß die Deutschland stets feindlich gesinnten Senatoren Bourgeois und E c c a r t nicht kandidiert haben bzw. geschlagen worden sind, wird man ohne Mitleid verzeichnen können, zumal sie bemüht waren, ihren Einfluß auf die Außenpolitik Frankreichs geltend zu machen. Da die Wahlerfolge der Kommunisten und Sozialisten, die einen bzw. vier Sitze gewonnen haben, auf Ko st en der Radikalsozialisten zu buchen sind, kann in einzelnen Gegenden Frankreichs eine Enttäuschung der Radikalsozialisten über die „Segnungen der Volksfront" platzgreifen, was gewiß auch Einfluß auf die jetzt in Paris stattfindende Landestagung der Partei Herriots haben dürfte. Hier muß es sich zeigen, ob die Radikalsozialisten sich zur Zusammenarbeit mit den Marxisten und Kommunist en bekennen, oder ob sie noch einmal versuchen wollen, eine selbständige Linie zu verfolgen. Der Ausgang der Beratungen hängt u. a. davon ab, wie weit es der Regierung inzwischen gelingt, den oppositionell eingestellten Radikalsozialisten den Wind aus den Segeln zu nehmen. In unterrichteten Kreisen erwartet man, daß der nächste Ministerrat Gesetze zur Regelung der öffentlichen Innerpolitische Klippen für Laval Die Landestagung der Radikalsozialisten. Dvn unserem v.G -Berichterstatter. Völkerbundsminister Eden erklärte, daß Lloyd George anscheinend bemüht sei, eine Atmosphäre der Verdächtigung zu schaffen. Die Kritiker, die verlangten, daß die wirtschaftlichen Sühnemahnahmen eher hätten angewendet werden sollen, sollten erst einmal die Völkerbundssatzung lesen. Wirtschaftliche Sühnemaßnahmen dürften nämlich erst angewendet werden, nachdem eine Nation zum Kriege geschrit- t e n sei. Es sei närrisch, von England zu verlangen, daß es seinen vollen Anteil an Kollektivmaßnahmen auf sich nehme, wenn die Welt schwer bewaffnet sei, und gleichzeitig zu verlangen, daß England a b r ü ft e. Die englische Abrüstung bis zur Grenze des Risikos habe ein Element der Unsicherheit in dem gegenwärtigen Streit geschaffen. Wenn jedes Völkerbundsmitglied die Einfuhr von Gütern des kriegführenden Staates verweigere, würde das eine Form der Sühnemaßnahmen fein, die jede große handeltreibende Nation zum Nachdenken veranlassen sollte. Lr hoffe jedoch, daß, bevor noch die Rationen wieder zusammentreten würden, um den Zeitpunkt für die Inkraftsetzung der Sühnemaß- nahmen festzulegen, eine Regelung erreicht sein würde. Die Bedingungen seien erstens: die drei Parteien, Italien, Abespen bewege sich nordwärts. Oer Führer vor den Keichsrednern der NSDAP Berlin, 23. Okt. (DNB.) Der Führer sprach im Thronsaal des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda auf einer Veranstaltung der Reichspropagandaleitung der NSDAP, vor Gauleitern und Reichsrednern und gab die Richtlinien für die propagandistische Arbeit des kommenden Winters, dis insbesondere auch im Hinblick auf die Durch' führung des WHW. gestellt sind. Vorher ge« dachte Reichsminister Dr. Goebbels in tief empfundenen Worten des verstorbenen Gauleiters von Magdeburg-Anhalt Reichsstatthalter Wilhelm Löper, der nun schon der zweite Gauletter fet der im Laufe dieses Jahres durch den Tod aus den Reihen der alten Mitstreiter des Führers gerissen worden ist. bevorstehe, als eine erstaunliche Erklärung. Er frage den Ministerpräsidenten, ob er sich eines Augenblickes seit dem Weltkriege erinnern könne, w o die Lage düsterer gewesen s et a l s jetzt. Wenn es eine Ruhepause gebe, dann deshalb, weil die Regierung Bürgschaften gegeben habe. Bei dieser Bemerkung schüttelte der Außenminister verneinend den Kopf. Aber, so fuhr Lloyd George fort, wenn die Regierung Italien keine Garantien gegeben habe, bann verstehe er nicht die Ruhepause. Wirtschaftliche Suhne- maßnahmen könnten lange dauern und melletcht größere Meinungsverschiedenheiten zwischen den Boykotteuren als zwischen den Boykottierten auslösen. Lloyd George verlangte Einzelheiten über die zwischen Frankreich und Italien im Januar d. I. getroffenen Abmachungen. Frankreich habe sich in Abessinien wirtschaftlich desinteressiert und habe dafür von Italien g e - wattige Zugeständnisse erhalten, deren Charakter man kennen müsse. Frankreich sei heute in der Lage, seine italienische Grenze praktisch ungeschützt zu lassen. Ihm sei gesagt worden, ‘ ' Frankreich dieses Zugeständnis mit 18 Di- London, 23. Okt. (DNB.) Die politische Aussprache im Unterhaus wurde am Mittwoch mit einer Rede des Ministerpräsidenten Baldwin fortgesetzt. Baldwin sprach von den Kritikern, die der Ansicht seien, daß es eine Hintertür gäbe, die es England ermögliche, hinter dem Rücken des Völkerbundes vorzugehen. Nichts derartiges sei beabsichtigt. Jede etwaige Regelung müsse eine für alle drei Parteien, Italien, Abessinien und den Völkerbund, gleich annehmbare Lösung darstellen. Wenn eine Regelung erzielt werden könnte, die die Dauer des Krieges beträchtlich ab» kürzt ober die Welt von der Furcht einer möglichen Ausbreitung des Krieges befreit, so mache dies jede Anstrengung wert, vorausgesetzt, daß der oben erwähnte Grundsatz aufrechterhalten werden könne. Der Völkerbund habe unter den bestehenden Verhältnissen Besseres geleistet, als angesichts der ungeheuren Schwierigkeiten der Lage erwartet worden fei. Man dürfe nicht vergessen, daß man es nicht mit einem so umfaßenden Völkerbund zu tun habe, wie er seinen Begründern vorgeschwebt habe, sondern mit einem Völkerbund, den drei der mächtig st en Staaten der Welt liegen gelassen hätten und der sich vielleicht nur einer schwankenden Unter st ützung durch einige seiner Mitglieder erfreue. England gedenke nicht weiter zu gehen, als es der Völkerbund in seiner Gesamtheit tun werde. Niemals habe England an einen Krieg gedacht. (Peifall.) Bei Englands Wiederaufrüstung handle es sich um eine Verstärkung der Verteidigungsdienste innerhalb des Genfer Rahmens für die Sache des internationalen Friedens und nicht für selbstsüchtige Zwecke. Aber er wolle nicht für die Amtsführung verantwortlich sein, wenn er nicht die Vollmacht erhalte, die Mängel zu beheben, die sich seit dem Kriege. in den englischen Wehrdiensten eingestellt hätten. Ohne diese Vollmachten könne er nicht einen Augenblick lang die jetzige Außenpolitik wetterführen. Der Ministerpräsident vertrat die Ansicht, daß in der Außenpolitik eine Ruhepause bevorstehe, man könne nicht sagen, ob dies im Januar der Fall sein werde. Aus diesen Gründen habe er vom König eine sofortige Auflösung des Parlaments erbeten. Stimmen der Kritik. Der konservative Abgeordnete A m e r y erklärte, nach seiner Meinung wäre es am richtigsten gewesen, wenn England gemeinsam mit Frankreich und Italien einen Plan ausgearbeitet hätte, der gewisse, wenn nicht alle, nichtamharische Provinzen von Abessinien unter italienische Herrschaft bringen würde. Das werde vielleicht auch eine Endlösung fein, nachdem die Politik der wirtschaftlichen Verärgerung genügend ausprobiert sei. Kundgebungen, des Handels mit Waffen und des Rechtes zum Waffentragen erlassen wird, um dem Widerstand der Linken gegen die sog. Kampf- bünde der Rechten Rechnung zu tragen. Als im Frühjahr unter erheblichem Lärm die sogenannte Volksfront gegründet wurde, also die Vereinigung der sogenannten bürgerlichen Linksparteien mit Sozialisten und Kommunisten, geschah dies ausdrücklich unter Hinweis auf die bedrohte Sicherheit der Republik. Diese Sicherheit war angeblich durch die Rechtsverbände bedroht, insbesondere durch die Feuer kreuzte r, aber auch durch die „t ö n i g s t r e u e" Jugend, die einzeln und zusammen es vorzüglich verstanden haben, die Straße gegen die herrschenden Parteien unsicher und unruhig zu machen. Aber diese Bünde einfach aufzulösen, wie das vielleicht noch vor Jahr und Tag möglich gewesen wäre, kann auch die Regierung Laval nicht wagen, denn einmal ist der innerpolitische Einfluß der Nechtsbünde schon viel zu stark, sodann gehören der Regierung Laval Politiker an, von denen be- aungsrecht betreffen. Auf Vorschlag des Kriegsministers und des Innenministers wurde außerdem die Heraufsetzung der Garde mobile von 15 0 0 0 auf 20 000 beschlossen. Die Verordnungen wurden in erster Linie im Hinblick auf den bevorstehenden radikalsoziali- stischen Kongreß verabschiedet. Auch scheint cs, als ob die Regierung den in der Volksfront zusammengefaßten Linksparteien eine gewisse Genugtuung hinsichtlich ihrer Forderungen auf Entwaffnung der faschistischen Bünde habe geben wollen. Wie weit die vorgesehenen Maßnahmen die Volksfront befriedigen werden, bleibt jedoch abzuwarten. Die Gesetzesverordnung über die Einfuhr, Herstellung, den Handel, Verkauf und Besitz von Waffen verbietet zunächst die Einfuhr aller Offensiv- und Defensiv-Waffen und Munition und belegt Verstöße gegen dieses Verbot mit Freiheits- und Geldstrafen. Sie sieht ferner für Waffenhersteller und Waffenhändler die Führung eines Kontrollbuches vor. Der Verkauf von Waffen — Jagdgewehre ausgenommen — wird mit einer Sonder st euer von 10 v. H. des Verkaufspreises belegt. Nur zugelassene Waffenhändler dürfen bei Auktionen Waffen ersteigern. Wer eine Schußwaffe besitzt, muß melden. Ist die Polizeibehörde der Ansicht, daß die geplante Kundgebung geeignet sein könnte, die öffentliche Ordnung zu stören, kann sie die Kundgebung verbieten. Waffen dürfen bei einer Kundgebung nicht mitgeführt werden. 3. Die Gesetzesoerordnung zur Abänderung der Bestimmungen über das Vereinigungsrecht betont, daß sie den Grundsatz der 1901 festgelegten Vereinsfreiheit nicht antasten, sondern nur- die Bestim- mungen über die Auflösung unerlaubter Vereinigungen wirksamer gestalten wolle. Nach dem Gesetz von 1901 ist jede Vereinigung, die einen gesetzwidrigen Zweck ober einen Zweck, der den Sitten widerspricht, verfolgt, oder die dem Bestand des nationalen Gebiets und der republi- ber Departementbehörde Meldung erstatten. _ ■ -m m .., Ausnahmen sind zugelassen, namentlich zugunsten Zukunft zu rechnen sei. Nach unbestätigten Geruch- der Personen, die infolge ihrer Stellung ermächtigt ken soll im Süden Abessiniens bereits e ine oder verpflichtet sind, Schußwaffen zu besitzen (Re- \ ® e r * e a?e^ — - - 1 ‘ u IJ simsche Befehlshaber Ras Desta stehe mit etwa q 300 000 Mann einem italienischen Kontingent von oll Rude und! 140 000 Mann gegenüber, und zwar auf einer 'fliehe Wieder- * Front, die sich von Webbi Schedeli nord- Ou Kundge. wiirts erstrecke. Der rechte Flügel der abessinischen bungen und Aufmärsche sind 3 bis 15. Truppen, der feinen Stutzpunkt am Schebeli habe, Tage vorher bei den städtischen Behörden anzu« tn ® e t e tienJJ? *ln9j1reten. melden. Ist die Polizeibehörde der Ansicht, daß 5er ll]fe: fjlugel her unter dem Oberbefehl von regen und das desgesamten Aus aller Welt den a a- Reichsstatthalter Löper. (Scherl-Bilderdienst-M.) deutschen Fertigwaren durch Abschluß von Kom- pensationsgeschäften in Gang zu bringen. Im ande. ren Falle tft nicht abzusehen, wie bie Vereinigten Staaten ihren großen Baumwollüberfluß in Zu- kunft den Verbrauchern Zufuhren wollen. grenzenlose Vertrauen „ , _______ Volkes zum Führer beweisen. Ewigkeitswerte wurden und werden aeschaf- fen, seien es die Deutschland umspannenden Auto- Berlin, 23. Okt. (DNB.) Der Reichsschatz, meister der NSDAP. Schwarz, hielt am Diens- tag über sämtliche deutschen Sender folgende Ansprache: „Das deutsche Volk hat in den 2Vz Jahren unter der starken Hand des Führers Leistungen vollbracht, die das Staunen der ganzen Welt er- Das Verkehrsproblem im Schwarzen Erdteil Autos und Flugzeuge überholen die Eisenbahn. Die neue Arbeitsbeschaffungslotterie Ein Aufruf des Reichsschahmeisters Schwarz. Der Gau Magdeburg-Anhalt trauert um Hauptmann Löper. Eine Abfchiedsfeier von Regierung und Gauleitung in Dessau. Dessau, 23. Ott. (DNB.) Am Mittwochabend versammelten sich im Hause des anhaltischen Staatsministeriums die engsten Mitarbeiter vom Gaustab, die führenden Vertreter aller Parteigliederungen und Organisationen aus dem ganzen Gau, der Oberpräsident von Ulrich, der Regierungspräsident von Jagvw und Vertreter der anhaltischen und braunschweigischen Staatsregierung zu einer A b - s ch i e d s f e i e r für den verstorbenen Gauleiter und Reichsstatthalter Hauptmann Löper. Der Saal war mit den Symbolen des Dritten Reiches und mit Trauerflor würdig geschmückt. Nach kurzen einleitenden Worten des anhaltischen Staatsministers Frey berg richtete der stellvertretende Gauleiter Staatsrat E g g e l i n g eine Ansprache an die Versammelten, in der er u. a. ausführte: Erst heute, da wir vor dem Unabänder- lichen stehen, ist uns klar, daß wir nicht nur Es wird manchen überraschen zu hören, daß bei der Volkszählung im Jahre 1933 in Deutsch, land (ohne Saargebiet) 756760 Ausländer lebten. 667 654 von diesen konnten eine bestimmte Staatsangehörigkeit angeben; 88 612 waren st t e n l o s und 494 wußten über ihre Staatso Don Donnerstag ab bis zum Tage der Beisetzung ist allen Volksgenossen Gelegenheit gegeben, von ihrem Gauleiter Löper im Hause des Reichsstatthalters Abschied zu nehmen In den ersten Vormittagsstunden liefen aus allen Teilen des Gaues und des Reiches Beileidstelegramme ein. Außer von hervorragenden Vertretern von Staat und Partei, darunter den Reichsministern H e ß, Dr. F r i ck und Dr. Goebbels, gingen Beileidstelegramme vom Herzoghaus von Anhalt, von den Reichsstatthaltern Sauckel und Hildebrandt, dem Landeshauptmann der Provinz Sachsen, Otto, und zahlreichen Kreisleitern ein. Beileidstelegramm des Führers Berlin, 23. Okt. (DNB.) Der Führer sprach Frau Löper mit folgendem Telegramm sein Beileid aus: „Hum Hinscheiden Ihres Gatten spreche ich Ihnen mein herzlichstes Beileid aus. Er war einer meiner ältesten und treue st en Mitkämpfer, dessen Verdienste um die Wiederaufrichtung des Reiches unvergänglich sind. I n Dankbarkeit und Verbundenheit gedenke ich seines Wirkens als Gauleiter und Reichsstatthalter. Möge Ihnen der Gedanke an das große Werk Ihres Gatten Trost in Ihrem schweren Schmerz geben. Gez.: Adolf Hitler." bekämpfung im Flugzeug ins bedrohte Gebiet zu entsenden. — In der Gegend von Santa Anna wütete zu gleicher Zeit ein schwerer S a n d st u r m, der die Sperrung der Landstraßen notwendig machte, weil die von dem Sand geblendeten Kraftwagenfahrer zahlreiche Zusammen st öße verursach, ten. In der Nähe von Huntington Beach legte eine Windhose 18 Oelkräne um. Devisenschieber zu Gefängnis verurleilt. Vor der Großen Strafkammer in Karlsruhe stand der 34 Jahre alte, erheblich vorbestrafte Italiener Carlo P a s s e r i n i aus Rom, der sich wegen Paß - vergehens und Verfehlungen gegen die Devisengesetze sowie wegen Urkundenfäl- sch un g zu verantworten hatte. Mit gefälschtem Paß unternahm Passerini mehrere Reisen von Pa- ris nach Deutschland, auf denen er rund 8000 Re- aistermark über die Grenze verschob. Das Betriebs- kapital für die Schiebungen wurde ihm von einer gewissen Almira Cavallieri in Paris, die er nach seiner Flucht aus einer Heilanstalt kennengelernt hatte, zur Verfügung gestellt. Offenbar arbeitete er mit einer berüchtigten Devisenschieber- banbe zusammen. Das Gericht verurteilte ben ge- ständigen und als voll zurechnungsfähig anzusehen- den Angeklagten zu zwei Jahren Gefängnis und 8000 Mark Geldstrafe. Wieviel Ausländer gibt es in Deutschland? Wir wissen aus der Geschichte der jüngsten Zeit, eine wie schwerwiegende Rolle der Besitz großer Eisenbahnlinien in der Weltpolitik gespielt hat. Der Bau der B a g d a d b a h n vor dem Weltkrieg brachte uns in einen ähnlichen Gegensatz zu Eng- land wie jetzt der Streit um Abessinien Italien. Ein fast unvermeidlich erscheinender Krieg im Fernen Osten ist erst durch ben Verkauf ber ost chine - sischen Eisenbahn in ber Mandschurei durch die Sowjets an Japan verhindert oder hinausge- schoben worden. Fast jeder Kontinent hat seine große strategische Linie, an deren Besitz sehr viel hängt. Die transsibirische Eisenbahn, die Bagdad- bahn, die großen P a z i f i k l i n i e n in Amerika einschließlich ber Transanbenbahn zwischen Buenos-Aires unb Santiago be Chile. Nur Afrika hat keine berartige Lime. Ss wird jetzt soviel davon gesprochen, daß der Besitz von Abessinien eine „Unterbrechung der Strecke Kapstadt — Kairo" bedeute, dem grv- ßen Gedanken eines Cecil Rhodes, den der Weltkrieg schließlich für die Engländer verwirklicht hat. Aber die von Rhodes gedachte ungeheure Strecke ist auch bis heute noch nicht gebaut worden. Eine normale Fahrt von Kapstadt nach Kairo mit Hilfe ber zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel dauert auch heute noch 40 Tage. Erst das Flugzeug hat bie notwendige Verkürzung gebracht. Man braucht heute von London nach Kapstadt über Kairo mit dem Flugzeug nur 14 Tage, eine ungeheure Zeitersparnis! Wozu sollte aber auch ein Tourist ober Geschäftsmann 40 Tage lang zunächst auf ber Eisenbahn von Kapstabt nach Bukama am Rande des Kongostaates fahren, um bann zweimal umzusteigen und abwechselnd mit dem Auto und dem Kongodampfer bis zum Albertee zu gondeln, um von dort wiederum unter wiederholtem Umsteigen zu Schiff nilabwärts und auf den kleinen Umgehungsbahnen bei den Katarakten bis Assuan zu fahren, wo er erst den Anschluß nach Alexandrien erhält? Er hat es ja viel bequemer, nationalsozialistischen Vorkämpfer unseres Gaues, nicht nur den weitschauenden politischen Führer verloren haben, sondern den er st en Repräsentanten für die Einheit von Staat und Partei. Für uns alle, die wir die letzten Jahre der Erhebung unseres Volkes erlebt haben, steht es fest, baß diese ersten Vorkämpfer der nationalsozialistischen Idee, diese alten Paladine des Führers, in dem Bereich ihrer Gaue eine einmalige Erscheinung sind, bie niemals ersetzt werben können. So wie der Führer aus einer ganz kleinen Schar von Anhängern schließlich bas Millionenheer ber NSDAP, schuf, so haben sie im Bereich ihrer Gaue mit unerrnüblicher Mühe und Opferbereitschaft aufgebaut und geschaffen und schließlich den Staat erobert, nicht um diesem Staat -ine neue Regierung zu geben, sondern chn mit neuem Inhalt zu erfüllen und das Volk zur Gemeinschaft zu führen. Wenn wir das Leben des Verstorbenen betrachten, so war es -ein einziger Weg von Opfer, Arbeit, Leiden unb Kämpfer.. Wie tief biefer echteste deutsche Mann empfand unb wie glücklich er sich fühlte in bem Bewußtsein, unserem Führer bienen gu können, wie lieb er sein Volk hatte und wie er on seinen Mitkämpfern unb Mitarbeitern hing, aus seinen letzten Worten hervor, bie er an mich gerichtet hat und bie ich in biefer Stunde Ihnen verlesen möchte: „Möge als Frucht unseres Kampfes unser Vaterland neu erstehen in Glanz und Herrlichkeit und dauern bis ans Ende der Zeiten. Ich bitte Sie, sich zum Führer zu begeben uinb ihm zu sagen, baß ich ihm banke für alles, was er mir gegeben hat. — Der Himmel möge ihn legnen unb sein Werk. Sagen Sie ihm, baß ich ihm treu war immerbar." Zu biefer Treue, wie er Fie gegen seinen Führer fühlte, wollen wir uns in tiiefer Stunde bekennen unb wollen zum letztenmal in seine sterbliche Hülle treten und ihm still geloben, seinem Beispiel zu folgen und seinem Vorbild zu leben. Anschließend begab sich die Trauergemeinde zu Fuß zum Hause des Reichsstatthalters und nahm an ter Bahre des verewigten Gauleiters stillen Ab- chied. Die ganze Stadt ist ein einziges Meer chwarzumflorter Fahnen. Alle öffentlichen Gebäude oben die Fahnen halbmast gesetzt. In den Schulen ourbe der großen Verdienste des alten und treuen Mitkämpfers Adolf Hitlers in Ansprachen der Lehrerschaft gedacht. t e n l o s unb 494 wußten über ihre Staatsangehörigkeit nichts zu sagen. Dor dem Kriege ist bis Zahl der Auslänber in Deutschlanb von Zählung zu Zahlung gestiegen. 1871 ermittelte man 207 000 Auslänber und 1910 im heutigen Reichsgebiet 1 129 951. Im Jahre 1925 ergab die Volkszählung 957 096 Angehörige fremder Staaten und 1933, wie oben gesagt, 756 760. Die größte Zahl unter ben Ausländern stellen die Staatsangehörigen der Tsche- choslowakei mit rund 186 000 Personen. Dann folgen die Angehörigen Polens mit 148 000, Oester- reichs und Hollands mit je 80 000, die Schweiz mit 40 000, Italien 22 000, Jugoslawien 17 000, Ruß- land 13 000, Ungarn und Danzig je 10 000. st r a ß e n oder die mächtigen Dämme, durch die wir den Volksgenossen auf den Inseln der Nord- und Ostsee die brüderliche Hand reichen, sei es das Land, bas in harter Arbeit bem Meere abgerungen, Tausenben als Siedlungsstätte eine neue freie Heimat werden wird. Dem staatlichen Vorbild folgte erfreulicherweise auch die Privatwirtschaft überall neue Arbeitsplätze schaffend, unb bamit die Arbeitslosenzahl vermindernd. Neben dem Aufbau und der Arbeit im Innern hat uns aber ber Füh- rer auch nach außen burch bie Einführung der Wehrpflicht wieder Ehre und Freiheit und Weltgeltung zuruckgegeben. Außergewöhnliche Leistungen erfordern auch ^^-gewöhnliche Mittel. Gerade die Arbeitsbeschaffung als Problem des ganzen Volkes und des einzelnen mußte deshalb nicht nur vom Staat allein, sondern auch durch die freiwil- lige Mithilfe aller Volksgenossen gefordert werden. In ihrer Verbundenheit mit dem Staate hat deshalb die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei den Weg der freiwilligen Hilfe beschritten, als sie auf Wunsch des Führers und als Unterstützung für bie Durchführung bes Arbeite beschaffungsprogramms bas großartige Werk, bie - -b e-i!s b e schaffungslotterie, ins Leben rief. Fünf solcher Lotterien würben bis jetzt burch- geführt, unb alle fünf brachten sie, bank der Opfer» wiUwfeit aller Volksgenossen, einen schönen Erfolg. iRit biefer hohen' Zielgebung ist bie Arbeitsbeschaf- sungslotterie über jebe anbere Lotterie und über pen Zweck einer Lotterie überhaupt hinausgewach- sen Die Form der Mittelbeschaffung burch eine Lotterie kann ich nur als glücklich bezeichnen, da sie nicht nur ein wertvoller Faktor im Aufbauprogramm geworden ist, sondern auch da und dort dem Volksgenossen kleine und große Gewinne brachte die sich wiederum segensreich in den Nöten des Alltagslebens auswirkten. Die Arbeitsbeschaffungslotterie geht Hand in Hand mildem Winterhilfswerk des deutschen Volkes. Beide haben große Aufgaben zu erfüllen, die sich gegenseitig ergänzen. Aus diesem Grunde habe ich angeordnet, daß am 1. Oktober bie f e ch ft e R e i ch s l o 11 e r i e für Arbeitsbeschaffung aufgelegt würbe. Wenn ich Sie hiermit in meiner Eigenschaft als Generalbevollmächtigter bes Führers in allen Vermögensrechtsfragen der Partei aufrufe zur freudigen Mithilfe am Gelingen dieser Arbeitsbeschaffungslotterie, so tue ich das in der Gewißheit, daß auch Sie, meine Volksgenossen, mit bem Führer einig sind in dem unerschütterlichen Willen zum Aufbau unseres Reiches. Helfen Sie also, daß auch der sechsten Reichslotterie für Arbeitsbeschaffung ein voller Erfolg beschieden sei. Tragen Sie dazu bei, denjenigen unserer Volksgenossen, bie burch bie Katastrophenwirtschaft ber Systemzeit unverschulbet arbeitslos geworden unb in Not geraten sind, wieder Arbeit zu geben. Sie sollen nicht weiterhin bas Brot bes Mitleibs essen, sie sollen roieber burch eigener Hänbe Fleiß in freier Arbeit ihren Lebensunterhalt ver- bienen können. Das ist ber Wunsch unb Wille bes Führers." unendlich viel billiger und auch rascher auf einem der vielen deutschen, englischen und italienischen Dampfer, die nur 30 Tage unb weniger für bie gleiche Strecke brauchen. Die Eisenbahnen sind nämlich in Afrika ein wenig überholt. . . Der gesamte ungeheure Kontinent besitzt nur 67000 Kilometer Eisenbahn st recke. Das ist nur wenig mehr als Deutschlanb auf feinem im Vergleich bazu lächerlich kleinen Gebietsumfang besitzt. Die bestentwickelten Eisenbahndistrikte sind naturgemäß Süd- und Nordafrika, wo die weiße Bevölkerung am stärksten vertreten und bie wirtschaftliche Erschließung am weitesten fortgeschritten ist. Die Franzosen haben auch als erste eine große Küstenbahn von Marokko bis nach Tunis gebaut. Mit ber strategischen und wirtschaftlichen Bebeutung biefer Strecke kann die große südafrikanische Bahn von Ben» aueHa in Angola bis nach Beira in Portugiesisch-Mozambique nicht konkurrieren. Ein Witz übrigens, daß die beiden am wenigsten entwickelten Kolonien, nämlich die portugiesischen, Anfangs- und Endstation der ersten Transkontinentalbahn sind. Beinahe wichtiger ist schon die erst nach dem Kriege geschaffene Verbindung zwischen dem stark ausgebauten Bahnnetz von Deutsch-Südwestafrika und dem Kapbahnnetz. Alle übrigen afrikanischen Bahnen sind mehr oder weniger Stichbahnen. Die großen Plan- tagenbetriebe in der Nähe der Küste oder im Innern mußten mit der Küste verbunden werden, weil der Transport in bem rnenschen- unb noch mehr pferbe- armen Lanbe ungeheuere Summen verschlang. So entstanden die äußerst wichtigen Bahnen in Ni- gena, in Deutsch-Ostafrika, in Kenya, in Abessinien, am Senegal und in fast allen den verteilten europäischen Enklaven an der Guineaküste. Aber dieses Stadium der Küstenbahnen scheint fast abgeschlossen zu fein. Don immer größerer Bedeutung wird bie Huto- ftrafce. Man kann heute fast burch alle großen Amerikas Baumwottüberslutz Seit Jahren find bie Vereinigten Staaten bemüht, bie Erzeugung von Baumwolle einzuschränken, weil sie infolge ber Störungen bes weltwirtschaftlichen Warenaustausches nicht mehr genügenben Absatz für ihre Überproduktion von Baumwolle finden können. Die Politik der Anbaulleschränkung hat aber bisher völlig versagt. Sie scheint in diesem Jahre zu einer abermaligen Verschärfung der Baumwollkrise zu führen. Denn nach ben vorliegenden Schätzungen wird die diesjährige Ernte 11,8 Millionen Ballen betragen, also bie Vorjahrsernte noch um 2,2 Millionen Ballen über ft eigen. Die amerikanischen Farmer betrachten aber biefes gute (Ernteergebnis mit schweren Sorgen. Der Absag geht ständig zurück, weil die amerikanische Handelspolitik es nicht verstanden hat, die Märkte der amerikanischen Baumwolle aufnahmefähig zu erhalten. Kem Land, und sei es noch so mächtig, kann heute den Export seiner Erzeugnisse behaupten oder gar steigern, wenn es nicht bereit ist, entsprechende Mengen der Erzeugnisse seiner Abnehmerländer zu kaufen. Vor dieser Grundregel des internationalen Warenaustausches haben die Vereinigten Staaten allzulange ihre Augen verschlossen, und sie haben infolgedessen z. B. den großen deutschen Markt für ihre Baumwolle zum größten Teil verloren. Denn wie sollte Deutschland bie bisherigen Baumwollbezüge bezahlen, nachbem seine Devisenbestänbe erschöpft waren unb bie Vereinigten Staaten sich weigerten, im Kompensationswege entsprechend größere Mengen deutscher Waren zu übernehmen! So war Deutschland gezwungen, seine Baumwolleinfuhr aus ben Vereinigten Staaten abzubrofseln und zu versuchen, aus anberen Länbern im Austau s ch w e g e Baumwolle zu beziehen. Die Vereinigten Staaten aber können jetzt ihren Baumwollüberfluß nicht absetzen, obwohl in Deutschlanb infolge der allgemeinen Wirtschaftsbelebung und der erhöhten Kaufkraft der Verbraucher ein st eigen d e r Baumwollbedarf vorhanden ist Vielleicht wird nun endlich die wachsende Not ber amerikanischen Baumwollfarmer, bie ber gute Ernteausfall im (Befolge haben wird, die Vereinigten Staaaten au einer grundlegenden Revision ihrer Handelspolitik veranlassen. Denn nachdem die Einschränkung bes Anbaues völlig versagt hat, bleibt nur noch ber Weg einer Äus- weitung bes Absatzes übrig. Der Beweis ist erbracht, baß bie Störung bes zwischenstaatlichen Warenaustausches bie Erzeuger ebenso schwer trifft wie bie Verbraucher und bie Verarbeiter. Ein roh- stofferzeugendes Land, bas seinen Kunben den Bezug seiner Erzeugnisse unmöglich macht ober sie zur Einschränkung ihrer Käufe zwingt, schädigt sich selbst am allermeisten. Wenn die Re- aierung ber Vereinigten Staaten bas eingesehen haben wirb, wird es vielleicht möglich sein, den Austausch zwischen amerikanischen Rohstoffen und das erste Radium aus dem Joachimsthaler Uran- pecherz erzielte. Die Radiumgewinnung hat sich im Laufe dieser Zeit verbessert, aber für die Gewinnung eines Gramms Radium sind nicht weniger als 10 Tonnen Uranpecherz und 30 Tonnen Chemikalien notwendig. Für bie Gewinnung bes ganzen bis heute in Joachimsthal probierten Radiums würben minbeftens 1000 Tonnen Uranpecherz unb 3000 Tonnen Chemikalien, also zusammen 4000 Tonnen Material verarbeitet. Dieses Material kommt ber Labung von acht Güterzügen zu je 50 Waggons gleich. Das baraus gewonnene Rabium kann demgegenüber Raum in einem kleinen Fläschchen finden. Hochschulnachrichten. Der Leiter der Wirtschaftskammer Hessen und Präsident der Industrie- und Handelskammer für das Rhein-Mainische Wirtschaftsgebiet, Pg. Prof. Dr. Carl L ü e r, wird im kommenden Wintersemester in Verbindung mit dem Vorsitzenden des Direktorenrats des Instituts für Wirtschaftswissen, fchaften, Pg. Prof. Dr. Dr. h. *c. F. Schmidt, und dem Direktor des Instituts für Rechtstatsachen, forsckung und angewandtes Wirtschaftsrecht, Pg. Prof. Dr. Friedrich Klausing, an ber Uni- oerfität Frankfurt eine Vortragsreihe über Gegenwartsfragen aus Recht unb Wirtschaft burchführen, für die folgende Redner gewonnen worden sind: Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk: Nationalsozialistische Finanzpolitik; Prof. Dr. Hermann H a e m m e r l e, Königsberg: Staatsidee und Wirtschaftsrecht; Staatssekretär Geheimrat Koenigs: Außenhandel und Verkehr; Reichsbankpräsident Dr. Hjalmar S ch a ch t über: Deutsche Wirtschaftspolitik; Staatsminister Prof. Dr. L e h n i ch: Das Problem der Marktregelung in der nationalsozialistischen Wirtschaft; Prof. Dr. Vershofen, M. A., Nürnberg: Die betriebswirtschaftlichen und wirtschaftspolitischen Aufgaben der Organisation der gewerblichen Wirtschaft; Ministerialdirektor Dozent Dr. Mansfeld: Gegenwärtige Probleme ber Sozialpolitik unb bes Arbeitsrechts. Kunst und Wissenschaft. Lrinnerungsfeiern für August von plalen in Syrakus. Am 15. Dezember dieses Jahres, dem 100. Todestag des deutschen Dichters August von P l a t e n , wird die sizilianische Stadt Syrakus, in der der Dichter starb, würdige Erinnerungsfeiern veranstalten. Mussolini hat das Programm für die Feierlichkeiten genehmigt. Alle Dappenreliefs an der Innsbrucker Sladlapolheke. Gegenwärtig wird die Fassade der Stadtapotheke in der Altstadt Innsbrucks erneuert. Bei dieser Gelegenheit wurden am unteren Teil des dreistöckigen Erkers, der das Haus schmückt, unter der Tünche drei prächtige alte Wappenreliefs entdeckt. Die herrlichen, kunstvoll geschwungenen Ranken, bie die Wappen umgeben, legen einen Vergleich mit den Wappenreliefs des benachbarten „Goldenen Dachl" unmittelbar nahe. Es läßt sich fast mit Sicherheit annehmen, daß bie neuentdeckten Reliefs von dem gleichen Meister stammen, der um das Fahr 1500 den plastischen Schmuck des „Goldenen Dachl" geschaffen hat. Ferner wurden hinter ben jetzigen Fensterrahmen altgotische Fensterpfosten, die noch die Spuren echter Vergoldung tragen, entdeckt. Die Freilegungsarbeiten erfolgen mit großer Sorgfalt unter Aufsicht des Landesdenkmalschutz- amtes. Hundert Gramm Radium. In der staatlichen Radiurnfabrik Joachimsthal bei Berlin wurde dieser Tage das hundertste Gramm Radium gewonnen. 37 Jahre sind heuer vergangen, seit das Ehepaar Curie in Paris Blutige Gangster-Schießerei in Amerika. ^Der berüchtigte Neuyorker Gangster Dutch Schultz, alias Arthur Flegenheimer, wurde in einer kleinen Spelunke in der Nähe von Neuyork von einer gegnerischen Bande mit Maschinengewehren nieberbeschossen. Schultz und zwei Mann seiner Leibwache wurden schwer verletzt. Schultz hatte in den letzten Jahren der Prohibition den gesamten Bierhandel Neuyorks kontrolliert. Er hat zahlreiche Morde auf dem Gewissen und ist der letzte Gangster der Prohibitionszeit, dem es gelungen war, den Verfolgungen der Polizei zu entschlüpfen. Verzweifelter Kampf gegen die DaldbrSnde in Kalifornien. In ber Nähe von Los Angeles sind 47 beim Straßenbau beschäftigte Sträflinge und eine Reihe von Cowboys, die mit ihren Viehherden vor den in ber Umgebung ausgebrochenen Walbbränben auf ber Flucht waren, von ben Flammen eingefchlosjen waren. Rettungskolonnen versuchen, mit Gasmasken bewaffnet, den Einaefchlos- senen durch die mit rasender Geschwindigkeit um sich greifenden Präriefeuerwände hindurch Hilfe zu bringen. Die Stadt Los Angeles selbst ist von riesigen Staub- und Sandwolken bedeckt. Bisher sind über hundert Wohnhäuser niedergebrannt, darunter vierzig Luxusbesitzungen in eleganten Villenvierteln. Heber 250 Personen haben Brandwunden und Verletzungen erlitten und mußten in die Krankenhäuser eingeliefert werden. Der Schaden wird bisher auf über 1 Million Dollar geschätzt. In einer Entfernung von etwa 60 Meilen wüten immer noch heftige Waldbrände. In verschiedenen Teilen des südlichen Kalifornien wüten verheerende W a l d b r ä n d e, die sich infolge der starken Winde immer weiter ausbreiten. Der Schaden in den Waldbeständen ist riesengroß. Auch mehrere Wohnhäuser sowie ein Sanatorium fielen ben Flammen zum Opfer. Bei bem Brande bes letzteren kam ein Kranker in ben Flammen um, währenb die 60 übrigen Insassen des Sanatoriums gerettet werden konnten. Mehrere Ortschaften sind ernstlich bedroht. Tausende von Notstandsarbeitern wurden zur Bekämpfung der Brände eingesetzt. Die Forstbehörde in San Franzisko wurde aufgefordert, so schnell wie möglich Sachverständige zur Feuer- geht. d i e Kolonien mit dem Auto auf ausgebauten Straßen fahren. Und darin ist auch der Kap-Kairogedanke vorbildlich verwirklicht worden. Wozu sollte man auch für die wenigen Massengüter und die paar Weißen eigens Bahnen — und wären es auch nur Feldbahnen — bauen? Die Autostraßen sind billiger. Man kann für ihren Bau die Eingeborenen billig heranziehen Die ungeheueren Kosten und Menschenopfer, die die jüngste Bahn Afrikas von Brazzaville am Kongo von den Franzosen nach Pointe Noire an der Küste zur Ueberwindung der Kongomündung gebaut — gefordert hat, sind wirklich ein „schwarzer Punkt". So ist es zum Beispiel durchaus abwegig, anzunehmen, daß die Italiener nun etwa eine Bahn zwischen Eriträa und Somaliland 2000 Kilometer lang über sehr steile Gebirge und durch eine furchtbare Wüste bauen würden. Der Bau der nur 750 Kilometer langen Linie von Djibouti nach Addis Abeba hat enorme Summen verschlungen und 30 Jahre lang gedauert, nicht zuletzt, weil die Ingenieure und Aufseher von Wüstenstämmen abgeschossen wurden und sich bald niemand mehr in das Durstland meldete. Der Bau von Autostraßen ist billiger und praktischer. Selbst Länder wie Angola besitzen heute schon ihre 25 000 Kilometer gute Autostraßen. Es ist kaum anzunehmen, daß die Franzosen jemals eine Transsahorabahn bauen werden. Nicht nur wegen der ungeheuren Kosten und der niemals zu erwartenden Rentabilität dieser Strecke, sondern vor allem, weil sie läng st eine gute Autooerbindung hergestellt haben und der Bau der Eisenbahn über- flüssig wäre. Aber auch diese Wendung zum Auto ist fast schon ein wenig überholt durch die ungeheure Popularität des Flugzeugverkehrs, der vor allem in der südafrikanischen Union einen kaum glaublichen Aufschwung, nicht zuletzt auch mit Hilfe der deutschen Junkers-Flugzeuge, genommen hat. Das Flugzeug wird in der Tat das Verkehrsinstrument der weißen Rasse werden. Es entspricht auch ihren Bedürfnissen weitaus mehr als die Eisenbahn, denn die wenigen Weißen ermöglichen niemals eine Kalkulation mit Massentransporten. werden. — Die festliche Weltreise des Dichters Dauthendey". Eine Auswahl aus seinen Werken. (Die kleine Bücherei, Band 51) G"b. 80 Pfennig. Albert LangemGeorg Müller, München 1935. — (318) — Dies ist nur eine kleine Sammlung aus Max Dauthendeys Versen, Gedichten und Briefen, doch verbirgt sich dahinter mehr als der rastlose Zug durch fremde Länder und über ferne Meere, auf dem ihn, je weiter er sich entfernte, um so wehmütiger nach der Heimat verlangte. Man wird hier das Jnnenbild des in Würzburg geborenen, auf Java während des Krieges gestorbenen Dichters gespiegelt finden, der ein großer Phanta- fierer und ein heimwehkranker Weltretfender war. 2 000; Hochtief AG. für Holz- und Tiefbau, Essen, 36 000; Mrs. Gertrud Tenderich, z.Zt. Bad Mergentheim, amenk. $ 100; Ungenannt, schweig. Fr., 280; Ungenant, öfterr. Schill., 20; „Epa" Emhetts- Preis AG. Hauptverwaltung, Berlin, 80 000; Norddeutsche Hefeindustrie, Berlin. 30 000; Ferd. Flinsch, Berlin, 15 000; Niedersächsische Landesbank, Hannover, 17 000; Wollgarnfabrik Titel & Krüger und Sternwoll-Spinnerei AG., Leipzig, 15 000; Deutscher Reichskriegerbund,Ayffhäuser", l.Rate, 15 000; Neue Baugesellschaft Wayß & Freitag, Frank- furt a. M., 10 000; Deutscher Lloyd Vers.-AG., Berlin, 10 000; Thür Wollgarnspinnerei AG., Leipzig C 1, 10 000; A. Zuntz fei. Witwe, Berlin, 10000; Gera-Greizer Kammgarnspinnerei, Gera-Zwötzen, 6 600; Kammgarnspinnerei Stöhr & Co., AG., Leipzig, 5 000; AG. für Glasindustrie vorm. Friedr. Siemens, Dresden, 5 000; Rinn & Cloos AG., Heuchelheim b. Gießen, 5 000; Seereederei „Frigga" AG., Hamburg 1, 5 000? Katholische Volkshilfe, Berlin, 5 000; Hilfskasse gemeinnütziger Wohlfahrts- einrichtungen Deutschlands 4185; Deutsche Gesellschaft für Chirurgie 4 000; Deutsches Steinsalz-Syndikat G. m. b. H., Berlin, 4 000; Jndustrieverlag Spaeth 6- Linde, Berlin, 4 000 RM. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 35: 9929. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. erfülle' — Dr. Peter Kleist: „Die völkerrechtliche Anerkennung Sowjetrußlands". („Osteuropäische Forschungen", Neue Folge, Band 15V SVrausgeber Vrofessor Dr. Otto .ssoetzsch. Preis 5,50 Mark. Im Oft-Europa-Verlag, Königsberg Pr. — (281) — Die Arbeit ist als Untersuchung der völkerrechtlichen Anerkennung der Sowjetstaaten au, einer übersichtlichen Darstellung des Entstehens dieser Staaten aufgebaut, die sich nach dem Untergang des Zarenreiches aus dem Chaos der Bürgerkriege erhoben und schließlich in der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken zusammengeschlossen haben. Die inneren Kräfte der nationalen Bestrebungen waren anfangs stärker als die Macht der Bolsche- wiki und fanden erst in der Bildung der einzelnen Nachfolgestaaten ihre Befriedigung, bevor es Moskau gelang, sie wieder in einem russisch-asiatisch en Reich zu vereinigen. Das Leugnen völkerrechtlicher Verbindlichkeiten, die Enteignung ausländischen Privateigentums und die Propaganda der Welfrevolution hat die Aufnahme diplomatischer Beziehungen einzelner Staaten mit der sowjetrussischen Regierung sehr erschwert. Politische und wirtschaftliche Notwendigkeiten haben andere Länder jedoch schon frühzeitig bewogen, die Verbindung herzustellen. In dem Urkundenanhang sind auch die Schriftstücke wiedergegeben, die zur Einleitung normaler Beziehungen zwischen der Sowjet-Union und den Vereinigten Staaten führten. Ueberraschend wirkt der Rückblick auf die aggressive weltrevolutionäre Haltung der Bolschewiki 1917 im Gegensatz zu der außenpolitischen Sicherungsarbeit, die sie heute betreiben. Diese politische Wandlung an dem Beispiel der völkerrechtlichen Anerkennung aufgezeigt zu haben, darin liegt die besondere Bedeutung des Buches. — Selma Sager! öf „Wiederkehr nach Värmland u. a. neue Geschichte n". Kleine Bücherei des Verlages Albert Langen-Georg Müller, München. — 316 — Diese neuen Geschichten der großen Dichterin sind nicht nur ein schönes Bekenntnis zur verlorenen und wiedergewonnenen Heimat, sondern auch zur Kindheit und Jugend, deren seltener Zauber in diesen warmherzigen Erinnerungen lebendig ist. Sie erzählen von Heimaterlebnissen, Berichten von Menschen und Dingen der heimatlichen Landschaft und des väterlichen Hofes, der heute wieder der Wohnsitz der Dichterin ist. Und sie zeigen zugleich, wie eng sich diese Frau mit ihrer Heimat verbunden weiß, deren gesegneter Erde sie ihre besten Kräfte verdankt. — Not, Kampf, Ziel der Jugend in sieben Ländern. Don Reinhold Schai- r e r. 192 Seiten. Preis 3,20 Mark. Frankfurt a. M. 1935. Societäts-Verlag. — (272) — Schairer, der als langjähriger Leiter des deutschen Studentenhilfswerks reiche Erfahrungen sammeln konnte, berichtet von den Eindrücken und Ergebnissen einer Studienfahrt jenseits der deutschen Grenzen. Seine Berichte messen die Wirklichkeit nicht nach einer vorgefaßten Meinung, sondern begreifen aus der lebendigen Anschauung Sinn und Ziel des Jugendkampfes aus der jeweils besonderen Lage des besuchten Landes. Ob in England oder in der Schweiz, in Norwegen oder Italien, in Frankreich oder Schweden und Dänemark, die Formen find zwar verschieden, aber der Geist, die Gesinnungen und Absichten zeigen oft eine überraschende Ähnlichkeit. Die lebensnahe Darstellung macht das Schwierige und Abgelegene leicht und faßlich. — Rumpelstilzchen, Nee, aber sowas! Der Reihe 15. Band (1934/35). Broschiert 4 RM., Seinen 5,50 RM. — (360) — „Ich bin im Grunde 1 gar kein Plauderer", sagt Rumpelstilzchen diesmal, sondern ein Zuhörer." So ist es. Er geht unerkannt umher, hört und sieht das Große wie das Kleine und weiß in den kürzesten Worten das zu sagen, was im Großen ober im Kleinen der Sinn war. Er holt das Charakteristische heraus, er gibt den Extrakt, er liefert die Formel, er findet das Zündwort, er läßt sich nicht verblüffen. Da er stets dahin geht, wo tatsächlich etwas Erhellendes zu sehen ist, so sieht man viel, wenn man mit ihm Spenden für das WHW. Berlin, 20. Okt. Dem Winterhilfswerk gingen weiter u. a. folgende Spenden zu: Dyckerhoff Lr Widmann AG. Zentraldirektion Hauptverwaltung, Berlin, 20 000; Aktien-Brauerei z. Sömenbräu, München, 20 000; Bayrische Hypothek- und Wechsel-Bank, München, 15 000; Sodensrey, München, 12 000; Kammgarnspinnerei Sübbede G. m. b. H., Sübbetfe i. W., 12 000; Radensberger Spinnerei AG., Bielefeld, 12 000; 93er. Ultramarinfabriken, Köln/Rhein, 10 000; Jute Spinnerei und Weberei, Bremen, 10 000; Oberhäuser Milchversorgungs G. m. b. H., Oberhausen, 10 000; Herbig Haar-Haus AG., Köln- Bickersdorf, 10 000; Deutsche Sebensn-rsich-rungs AG., Deutsche Feuerversicherungs AG. Berlin- Wilmersdorf, 9 000; Deutsche Eisenbahn-Gesellschaft AG., Frankfurt a. M., 3 600; Wol- lanksche Familienstiftung, Berlin, 3 000; Jagenberg- Werke, AG., 3 000; Europäische Güter- und Reise- gepäck-Versicherungs-Aktiengefellschaft, Berlin, 2 008; Actien-Verein des Zoologischen Gartens zu Berlin ter Böhme r. 363 Seiten. Kart. 4,80 Mk., Seinen 5,80 Mk. Werner Plaut Verlag, Düsseldorf. — (321) — Von dem einsamen und rastlosen Manne Gamelin erzählt dieses Buch, der durch die Wirrnisse der Welt und des Herzens gehen muß, um sich selbst und Gott zu finden. Das Buch gewinnt vor allem durch die Anschauung, die in ihm Gestalt gewann. Nichts ist gemacht, alles gesehen und erlebt: Die Felder und das Haus, das Kirmestreiben und die nächtliche Kneipe, die frohe Arbeit an den Obstbäumen und der Nebel im dunklen Wald. Wer dieses Buch lieft, den umsteht die weite deutsche Sandschaft und der Mansch in ihr. — Ilse Sotz: Cosima Wagner, Hüterin des Grals. Der Sebensroman einer deutschen Frau. 287 Seiten. Verlag Dr. Fritz Bokämper, Görlitz. — (344) — Der Roman schildert in drei „Ringen" — Die Berufung, Die Sendung, Das Erbe — das Seben der Cosima Waaner auf Grund eines umfänglichen und authentischen Ouellenmaterials. Das gibt dem Buche stellenweise dokumentarischen Charakter. Es fällt auch von der Hauptfigur her manches Licht auf die bedeutenden Zeitgenossen des Bayreuther Kreises. In lebendiger Schilderung wird die innere Entwicklung Cosimas aufgezeigt und ihre Bedeutung für das Werk Wagners gewürdigt: Solange dieses Werk besteht, heißt es am Schluß, kann sie niemals vergessen Aüchertisch. — „Körperbau und Sebensoorgänge des Mensche n". Volkstümliche Einführung in die Wunder des menschlichen Körpers. Für Ausbildungskurse und zum Selbstunterricht. In Frage und Antwort. Von Dr. Wilhelm D i w o k. Mit 42 Abbildungen im Text. Einzelpreis 75 Pf. (Einzelporto 8 Pf.) Bei MengeMezug von 25 Stück an je 70 Pf., von 50 Stück an je 65 Pf. Verlag von Alwin Fröhlich, in Seipzig N 22. — (328.) — — Helmut Paulus: Die Geschichte von Gamelin. Roman. Ausstattung von Gun- Elsa Brand st röm-Dank. Herausge- geben von Hanna Lieker-Wentzlau. Vollständig neue, stark erweiterte Ausgabe mit etwa 80 zum größten Teil unveröffentlichten Bildern und einer mehrfarbigen Umschlagzeichnung. Kart. 2,75 Mk., Ganzlbd. 3,50 Mk. Kommissionsverlag Bruno Becker, Buchhandlung, Eilenburg. — (275) — Elsa Brändström ist jene schwedische Frau, die mit Beginn des Krieges ihr Seben in den Dienst der Aerm- sten unserer Kriegsgefangenen in Rußland, vor allem in Sibirien, stellte. Sie hat dabei Taufenden Seben, Gesundheit und Freiheit wiedergeschenkt, sie hat unter Einsatz ihres Sehens jahrelang ihr Werk durchyeführt. Don Sager zu Sager, durch Hunderte von Baracken von Typhus, Ratten und Mißhandlungen ist sie tröstend gegangen. So ist diese Frau in Wahrheit dem Namen gerecht geworden, den ihr die Kriegsgefangenen gegeben haben: „Engel von Sibirien". Das vorliegende Buch will die Berechtigung dieses Namens erneut beweisen. Was darin neun Männer über Elsa Brändström schreiben, liest sich wie ein heroisches Epos, aber auch wie eine Idylle der Siebe zu dieser Frau. Das Buch will einen besonderen Zw^ck erreichen: Noch ist eine Schar von dreißig Kindern toter Kriegsgefangener auf die Hilfe Elsa Brändströms angewiesen. Das Buch soll diese Hilfe schaffen. Man kann nur von Herzen wünschen, daß es als ein reines Dokument der Menschlichkeit und Nächstenliebe seine Ausgabe IBefterbm-M des Reichswetterdienstes. Ausgabeort ^ranffurt Der Mittelmeerwirbel hat feit Mittwoch rasch und in großer Ausdehnung in Deutschland an Raum gewonnen. Abgesehen von den Küstengebieten herrschte heute früh allgemein bewölktes Wetter. Auch ist es vielerorts zu Niederschlägen gekommen, die bei uns bisher noch leicht waren, in Südosteuropa, aber auch noch in Schlesien wieder ergiebige Renen» mengen lieferten. Zunächst wird sich der Einfluß dieses Tiefdruckwirbels auf unser Wetter noch weiter verstärken. Aussichten für Freitag: Unfreundliches und nachts kaltes Wetter, mit verbreiteten Niederschlägen (auch im Gebirge in Regen übergehend), lebhafte, um Norden schwankende Winde. Aussichten für Samstag: Beginnend» langsame Besserung, Üoch immer noch unbeständig Sufttemperaturen am 23. Oktober: mittags 8,5 Grad Celsius, abends 5,7 Grad; am 24. Oktober: morgens 3,9 Grad. Maximum 9,8 Grad, Minimum —1,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 23. Oktober: abends 5,2 Grad; am 24. Oktober: morgens 5,3 Grad. — Sonnenscheindauer 7,6 Stunden. — Niederschläge 0,1 mm. Bilder von der abessinischen Südfront in Ogaoen. v Flieger selbst unter Feuer genommen wurde. - lSch-rl-Bilderdienst-M.) Für die wohltuenden Beweise der Teilnahme, die uns bei dem Hinscheiden unseres lieben Entschlafenen in so reichem Ma&e zuteil geworden sind, sagen wir wärmsten Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: Martha Curschmann Else Brill Gießen. Im Oktober 1935. _______________________612 D Vermietungen Sonnige 4- evl S-Zimm.-Wohnung im 1. Stock, mit Zentral!)., Bad, warmem Wasser, zum 1 .November zu verm. ors«» Näb.vaanthstr.S. Neuzeitliche Moderne Wim-Mn. ar. Diele, komvl. Bad, gr. Balkon u.Nebenr.z.vermiet. Pr.95Mk. Schr. Angeb. u. 04565 a.d.G.A. Einfache 3-Möh. 45-Zim Wohn. in beft. Lage, in 2-Familiennaus m.Mädchenzim.. Bad usw. zu vermieten. Schrift!. Angeb. U.6131D a. o. Gieß. Anz. m. Küche i. guter Lage p. 1.11. 35 zu vermißten. Schr. Angeb. u. 6128D a.d.G.A. HüthläiJe von 3 dir 20 v. 6. erhalten Sie bei wtederho'.ien Auf. nahmen einer Amei-- Mietgesuche 3um l.Dezemb. ob. früher schöne 3-4-Zimm. Wohnung in gutem Hause vor anst. Mieter in sich. Stellung gesucht. Schr. Angeb. u. 6129« »a.d.G.A. Jung.Jngenieur sucht sofort möbl. Zimmer Schrift!. Angeb. unter 6130D an den Gieß. Anz. Zwei möbl. Zimmer mit Schreibtisch u eo.Küchenben. z. mieten gesucht. 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Oktober, werden die Samstagmitglieder die Mozartsche Oper „Cosi fort tutte" („Alle machen s so") hören und sehen. Diese Oper hat in den Abonnementsvorstellungen ihr dankbares Publikum gefunden. Wir sind überzeugt, daß auch unsere Mitglieder in der Mozartschen Musik vollen Genuß finden werden. Weitere Mitgliedsanmeldungen können noch erfolgen, und zwar an der Theaterkasse, Johannesstraße 3 (Montag, Aus der Provinzialhauptstadt Most als tägliche Mahlzeit. Mittwoch und Samstag von 10—1 Uhr). Dritte Turnstunde in den höheren Knabenschulen. Heber die Einführung der dritten Turnstunde Bornoti en Tageskalender für Donnerstag. Einzug der I. Abteilung des Artillerie-Regiments 9 in Gießen Die Pressestelle der Stadtverwaltung teilt uns folgendes mit: Am kommenden Freitag, dem 2 5. Oktober, wird die I.Abteilung des Artillerie-Regiments 9 ihren Einzug in die Garnison Gießen halten. Aus diesem Anlaß findet auf dem Oswaldsgarten um 8.3 0 Uhr ein feierlicher Empfang durch den Slandortällesten Herrn Generalmajor Lüdke und durch Herrn Oberbürgermeister Ritter statt. Im Anschluß an diese Begrüßung wird die Abteilung nach einem Marsch durch verschiedene Straßen der Stadt die Artillerie-Kaserne an der Grünberger Straße beziehen. Vor der Artillerie-Kaserne wird die feierliche Uebergabe an den Abteilungskommandeur Herrn Hauptmann Welte erfolgen. Am Freitagabend, 8 Uhr, findet in der Volkshalle aus Anlaß des Einzugs der Artillerie in Gießen im Rahmen der RS.-Gemeinfchaft „Kraft durch Freude" ein großes Militär-Festkonzert statt, das vom Trompeterkorps des Artillerie-Regiments Fulda ausgeführt wird. Die Bevölkerung wird gebeten, die Veranstaltungen recht zahlreich zu besuchen. Die Marschstraßen. — Zahnen heraus! Die Artillerie-Abteilung wird nach der Kundgebung auf Oswaldsgarten durch folgende Straßen marschieren: Horst-Wessel-Wall — hindenburgwall — hitlerwall — Walltorstrahe — Lindenplah — Kirchenplah — Marktplatz — Mäusburg — Kreuzplah — Seltersweg — Frankfurter Straße — Friedrichstraße — Röntgenstraße — Ludwigstraße — Ludwigsplah — Kaiserallee — Grünberger Straße. Die Anwohner dieser Straßen werden gebeten, ihre Häuser zu beflaggen. rung. Der Beginn ist auf 19 Uhr festgesetzt. Mit der Neuregelung, den Theaterbeginn an Sonn- und Feiertagen regelmäßig auf 19 Uhr festzulegen, kommt die Intendanz vielfach geäußerten Wünschen entgegen, hierdurch ist auch den auswärtigen Theaterbesuchern Gelegenheit gegeben, die Sonn- und Feiertagsvorstellungen bis zum Schluß zu besuchen. RS.-Kulturgemeinde, Ortsverband Gießen, Ring Deutsche Bühne. Man schreibt uns: Am vergangenen Montag, 21. Oktober, wurde die Spielzeit unseres Vorstel- lungsringes mit einer wohlgelungenen Aufführung des „Prinzen von Homburg" von Heinrich o. Kleist eröffnet. Das gutbesetzte Haus folgte mit steigender Spannung und spendete begeisterten Beifall. Am Mit der Einführung des gleitenden Sechstageplans ist für jede Turnklasse neben der pflichtmähi- gen Zeit von je zwei Turn- und Spielstunden eine weitere zusätzliche Turnstunde einzurichten. Die beiden Spielstunden der Klassen Illa bis la können bis zur Reichsregelung bzw. der Gestaltung des Staatsjugendtages auf den Samstag verletzt werden. Die drei Turnstunden dieser Klassen sowie die fünf Stunden Leibesübungen der Unterstufe sind dagegen auf die sechs Tage der Schulwoche zu verteilen. Durch die Einrichtung des Sechstageplanes braucht mit der Einführung der dritten Turnstunde eine uns geschrieben: Am Sonntag, 27. Oktober, kommt die graziöse Rokoko-Oper „Cosi fan tutte" von W. A. Mozart, außer Abonnement, im Stadttheater zur Auffüh- wendig, darauf hinzuweisen, daß das Obst nicht durch einen Zucker- oder Säurezusatz ersetzt werden kann. Maßgebend ist einzig und allein der naturreine Obstsaft. Unvergorene Apfel- und Trauben- fäfte, nach den neuesten Verfahren hergestellt, sind hochwertige, der Gesundheit überaus zuträgliche Getränke. Der blumige Geschmack der herstellungs- frucht findet im Obstmost seine Wiederkehr. Nicht allein Wanderer, Sportler und Feinschmecker wissen den hervorragenden, gesunden und vor allen Dingen zu jeder Zeit erfrischenden Obst- most zu schätzen, sondern auch in den Familien hat dieses Erzeugnis heute vielfach Eingang gefunden, um hier eine erstaunliche Arbeit auf gesundheitlichem Gebiet zu verrichten. Obstmost ist nicht nur ein ausgesprochen erfrischendes Sommergetränk, sondern überhaupt ein köstliches Getränk für alle Jahreszeiten. Der Most ist ein wirkliches Stärkungsmittel des menschlichen Organismus. Dies beweist auch der ständig steigende Verbrauch. So werden in Deutschland augenblicklich etwa 20 Millionen Liter Obstmost in den handel gebracht. Das macht auf den Kopf der Bevölkerung etwa ein Drittel Liter aus. Der Most bürgert sich mehr und mehr ein, und der noch in den Vorjahren geringere Verbrauch zeigt mit jedem weiteren Jahr eine aufsteigende Kurve. Der regelmäßige Genuß von Obstsäften bewirkt eine Anregung der Darmtätigkeit bei Stuhlträgheit. Man nimmt morgens in nüchternem Zustande, etwa eine halbe Stunde vor dem Frühstück, zwei bis drei Zehntel Liter zu sich. Die Wirkung vermindert sich, wenn zugleich eine andere Nahrung genommen wird. Im Hinblick auf den beachtlichen Nährwert, der bei hohem Zuckergehalt den der besten Vollmilch erreicht, genügen etwa drei Fünftel bis zwei Drittel Liter täglich, um bei Kindern vom dritten Jahre an und bei jungen Menschen als Ergänzungskost zu dienen. Dr. Karl von Norden hat durch grundlegende Untersuchungen und Versuche festgestellt, daß Obstsäfte (zuckerarme und zuckerreiche) bei manchen Formen akuter und chronischer Durchfallskrankheiten geradezu verblüffende Erfolge hervor- brachten. Er empfiehlt sie und sagt, daß bis zu ihrer Auswirkung nichts anderes daneben gereicht werden darf. Gleichsam neu entdeckt wurde dieses Verfahren in Form der neuzeitlichen Anwendung der Apfelkuren bei Darmkatarrhen der Kleinkinder. Diese erfolgreichen Feststellungen beweisen eindeutig, daß der Genuß von Obstsäften in jeder Weise auch aus einen normalen Gesundheitszustand günstigen Einfluß ausübt. Zum Beispiel wirkt Obstmost auch bei allen Formen des Appetitmangels günstig. Obstmost gehört daher in jeder Familie zur Kräftigung und zur Erzielung beständiger Gesundheit. Zur Förderung der allgemeinen Volks- gefündheit ist der Genuß von Obstmost in jeder Hinsicht zu empfehlen. Obstmost trinken heißt „gesund leben". Gerade im laufenden Jahre einer nicht allzu reichlichen Obsternte wird für die obstarme Zeit der Most für die tägliche Mahlzeit unentbehrlich fein. Da außerdem Devisen für die Einfuhr von Südfrüchten in geringerem Umfange zur Verfügung stehen, erfüllt der Most auch in dieser Beziehung eine wichtige volkswirtschaftliche und haus- wirtfchaftliche Aufgabe. H. G. NSG. „Kraft durch Freude": 16 bis 17.30 Uhr allgemeine Körperschule auf dem Unioersitätsfport- platz; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr (nur für , - ö;-rr7'r' '.Ti. <- .. , Frauen) fröhliche Gymnastik und Spiele im Ly- aeahnten Aufschwung genommen Die haupther- ^urn, Dammstrahe: 20 bis 21 Uhr Reiten, Reit- «n-^^b^te finb irJ öie schule Schömbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Württemberg, hohenzollern und Baden. Obstmost Bahnhofstraße: „Vergiß mein nicht!" - Oberhessi- muh nach den Ausführungen der Gesetzesbestimmun- fd)^ Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 16 gen mindestens zwe, Drittel Dbflfaft enthalten. bi'5 17 Ausstellung friesischer Maler der Gegen- Wird also zum Mosten gutes gesundes nicht mur- roart Kleintierplastik von Lily König. 8 des, aber ausgereiftes Kernobst verwendet, o wird ' . ' „ . _ man mit praktischen Keltern aus 1 Zentner Obst vi- Sonnfa^ootffettungen itn Sl-dtthealer Gießen Kürzung des übrigen Unterrichts nicht verbunden zu fein. Mit der Derrnehruntz der Turnstunden wird den Schulen aufgegeben, die im Reichserlaß besonder» genannten Gebiete zu berücksichtigen. In der Unterstufe ist überall, wo keine Schwimmgelegenheit besteht, das Kampfspiel zu pflegen bzw. bei schlechter Witterung Mut- und Willensschule an den Geräten, im Bodenturnen, Freiringen u. ä. zu betreiben. Dieser ergänzende Hinweis gilt sinngemäß auch für die Mittel- und Oberstufe, Besonders geschulte Kräfte werden den einzelnen Anstalten nach Maßgabe der auf Verfügung 29. Juni 1935 zu Nr. II/IV 24 016 gemeldeten Stundenvermehrung überwiesen, wobei die Schulen mit einem Mehrbedarf bis zu drei Stunden nicht berücksichtigt werden können." Gleitender Sechstageplan in den höheren Schulen. Die Landesregierung — Abteilung II — hat an die Direktionen der höheren Schulen folgende Verfügung gerichtet: „Ich beauftrage Sie, die gemäß Ausschreiben des Herrn Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung im Ministe- riafamtsblatt heft 18 vom 20. September 1935 S. 385 f. notwendigen Maßnahmen sofort zu treffen. Bis zum 15. Dezember 1935 sehe ich Ihrem eingehenden Bericht darüber entgegen, welche Erfahrungen Sie mit der Einrichtung gemacht haben. Der Termin ist unter allen Umstände pünktlich einzuhalten. Es ist denkbar, daß bei der einen oder anderen Anstalt besondere Umstände vorliegen, die ein Abweichen von dem dem Ausschreiben angefügten Muster notwendig erscheinen lassen. So hat z' B. eine Schule um Genehmigung folgenden Planes nachgesucht, nach dem lediglich der Samstag „gleitet": Woche: 1 Mo Di Mi Do Fr 2 3 4 5 6 Sa Mo Mo Mo Mo Di Sa Di Di Di Mi Mi Sa Mi Mi Do Do Do Sa Do Fr Fr Fr Fr Sa Die Vorteile des hier gekennzeichneten Vorschlags sind offensichtlich. Ich habe daher gegen die Durchführung keine Bedenken. Selbstverständlich kann nicht jede Anstalt nach einem eigenen Plan arbeiten; im Grundsätzlichen muß die Einheitlichkeit gewährleistet sein. Wenn daher sich aus den oben angeführten Gründen Abweichungen als zweckmäßig ergeben sollten, so sind mir entsprechende Vorschläge mit eingehender Begründung vorzulegen. Die Genehmigung behalte ich mir in jedem Falle ausdrücklich vor." Oie Anmeldung von Schweinen zur Schlachtvieh- und Fleischbeschau. Die Landesregierung — Abteilung Ib — hat den Kreisämtern eine Verordnung des Reichsministers des Innern über die Anmeldung von Schweinen zur Schlachtvieh- und Fleischbeschau zur Kenntnisnahme und weiteren Veranlassung zugehen lassen, in der bestimmt wird: Wer außerhalb der Gemeinden mit Viehgroßmärkten gewerbsmäßig Schweine schlachten ober schlachten lassen will, hat bis auf weiteres dem gegen spröde Haut Um die Waffenehre. Don Robert Hohlbaum. In seiner neuen Erzählung „Getrennt marschieren" deutet der bekannte österreichische Dichter Robert H o h l b a u m anschaulich die geschichtliche Begegnung der Feldherrn Moltke und Benedek als eine der wichtigsten Etappen der deutsch - österreichischen Auseinandersetzung. Mit Erlaubnis des Verlages Albert Langen / Georg Müller in München veröffentlichen wir den nachstehenden Abschnitt, der gerade in unserer Zeit besondere Beachtung verdient. Benedek reitet an die Tete. Zieht den Säbel. Ein einziger Ruck reißt die Pallasche frei. Preußische Infanterie fetzt ihr Flankenfeuer in das österreichische Reiterheer, reihenweise stürzen Roß und Mann, immer wieder schließt sich Reihe um Reihe. Und wieder, reicher und beglückender noch als beim Sturm der Infanterie, fühlt Benedek, wie alles Bedenken, alles Klügeln, Rechnen, Ueberlegen weit hinter ihm versinkt, auch der Zweck dieses letzten großen Aufbäumens, die Deckung des Rückzuges, verblaßt, verweht, nur das fühlt er jedem Nerv, in jedem Tropfen feines hoch auffiebernden Blutes, daß es gilt, eines zu retten, das Letzte, das Einzige, die Waffenehre! Und er fühlt: Was da hinter ihm braust und dröhnt, diese Tausende zu einem ungeheuren Körper Gewordenen, auch sie fühlen, klar oder dumpf, Helden- oder schicksalhaft das eine Wort. Dieses Wort hat Benedek dem andern entgegengehalten als schimmernden Schild gegen die überscharfe Waffe der Bücherweisheit. Dem andern, den er sucht, den er in allem erkannt hat, was dessen Wille bewegt, im klug gemessenen Salvenfeuer, in bssr Vorsicht bes hartnäckigen Wiberstanbes, im rounberbaren Zusammenspiel ber Waffengattungen unb Heereskorper, ber ihm in zahllosen Gestalten und Verhüllungen entgegengetreten war unb ber sich ihm boch hinter biefen tausend Masken verbarg, unerreichbar, unverwundbar. Nun prallen sie aneinander, nun vermengen sich die beiden Heere zu unentwirrbar scheinenden Meise, nun kämpft Mann gegen Mann. Unb mieber starrt Benebek unter betn Helm bes Gegners bas Gesicht entgegen, bas er sucht, ben ganzen furchtbaren Tag fang hinter tausend Verkleidungen unb Masken. In dem Augenblick, da er den Femd mit einem Hiebe fällt, verändern sich die Züge, aber der nächste trägt oas Gesicht, der dritte, alle, alle! Das Vordringen der preußischen Kavallerie ist ge- hemmt, die Verfolgung stockt, die Trompeter blasen zum Sammeln. Der Rückzug ist gedeckt. Die Infanteriewaffen, die sich in unabsehbarer Flut gegen die Elbe wälzen ins östliche Dämmern des Abends, haben einen sicheren Vorsprung gewonnen, der Zweck der Kavallerieschlacht ist erreicht. Ein Oberst ber Suite, ber sich an ben Feldzeugmeister herangekämpft hat, sagt es mit klarem, nüchternen Wort. In bie bunte Welt, bie Benebek noch immer ver- blassenb umrauscht, bringt es als leerer Hall ohne Kraft unb Sinn. Er weiß nur: sie haben bie Ehre gerettet, bie Waffenehre. Aber ber Oberst schweigt nicht, bittet um weitere Dispositionen für ben Rückzug. Benebek muß sich zu Klarheit unb Nüchternheit, muh sich noch einmal bas ganze Bilb ber Schlacht ins Gebächtnis zwingen, bas noch schmerzlichere bes Rückzugs, muß orbnen unb scheiben, erwägen unb rechnen. Aber nun brängt bie preußische Infanterie von neuem nach, bie Kavallerie ber Flügelarmee sammelt sich, ber man keine gleichwertige Truppe mehr entgegenzustellen hat. Nur Teile ber Artillerie halten noch bie Höhen, jagen bie Salven unb Lagen ihres Abwehrfeuers mit unoerminberter Kraft gegen ben anbrängenben Feinb unb halten ihn zurück, erkämpfen fo,' wie es bie Reiter getan haben, ben fliehenben Kameraden mit jeber Minute bes Aus- Harrens wachsenbe Sicherheit. Auch ber Kommanbant ber Artillerie melbet Benebek, baß er auf bem letzten Hügelkranz Stellung bezogen habe, bittet um weitere Befehle. „Aushalten unb bas Letzte retten, bie —", leise spricht er bas Wort, unverstänblich in Lärm unb Schlacht. Aber ber Artillerist lieft es von ben harten Lippen, unb es ist gar nicht nötig, baß er bas tut, denn auch in ihm lebt in biefer Stunde bas Wort, nichts als bas eine Wort: Die Ehre, bie Waffenehre! Unb klar unb bumpf lebt es in jebem ber Seinen, in ben Offizieren, bie ben Säbel heben zum Feuerbefehl, in bem Vormeister, ber bas Geschütz richtet, unbeirrt unb ruhig in ber Hölle bes letzten Kampfs, in bem letzten Kanonier, ber bie Zünbschnur vom gehobenen Geschütz reißt. Von Batterie zu Batterie reitet ber Felbzeugmeister, schreit selbst ben Feuerbefehl, richtet, reißt bie Zündschnur vom Geschütz, in einem wilden, rasenden Rhythmus, ben er allein mitteilt, bie sich hier opfern für bas ganze Heer unb für bas eine große, heilige Wort. Unb jeber Schuß ist gegen ben Einen gerichtet, gegen ben, ber sich hinter taufend Masken unb Gestalten birgt, ber nun in ben übermächtigen Infanteriewaffen heranstürwt, benen bie Tapferen bie letzte Kartätsche entgegen« feuern. Auch diese letzte Aufgabe ist erfüllt. Was noch lebt, was noch Pferde hat, spannt an iw feindlichen Salvenfeuer, der, dem das letzte Pferd erschossen wurde, vernagelt die Geschütze. Unb erst als das Allerletzte getan ist, verkästen auch sie den Platz. Oer verschwundene Kranz. Eine Karl-Valeniin-Anekdote. Der Münchner Komiker Karl Valentin ist ein leidenschaftlicher Sammler von Lorbeerkränzen. Einmal — nach seinem ersten Auftreten in Berlin — bekam er ein besonders üppiges Exemplar. Ein Hoteljunge erhielt ben Auftrag, den prunkvollen Kranz gut verpackt auf die Poft zu geben. Wer aber ben Auftrag nicht ausfuhrte, das war der Junge, der Bua, der Bazi — um nicht zu sagen ber greisliche Uhu überananb! Indessen halfen die klangvollsten bayrischen Titulaturen nicht dazu, ben ungetreuen Buben zurückzubringen. Er war feit zwei Tagen nicht mehr im Hotel erschienen und also doch wohl mit dem kostbaren Lorbeer durchgebrannt. Valentin sand, daß er eine derartige Verworfenheit unmöglich so hingehen lassen könne. Ein Exempel müsse statuiert werden. Denn schließlich handelte es sich ja nicht um irgendein dies ober bas, (onbern eben, wie gesagt, um einen Lorbeerkranz. Auf zur Tat! Er fragte daher feine Part- nerin Lisi Karlstadt, ob sie bereit sei, ihn zur Polizei zu begleiten unb dort für ihn bas Wort zu führen. Jawohl, sie sei es, sagte sie. Also hin! Im Revier saß ber strenge Wachtmeister. „Was wünschen Sie'?" „Ein Kranz ist ihm gestohlen worden — ein Lorbeerkranz", sagte bie Karlstadt, den hilflos schnappenden Valentin beiseite schiebend. „Ein Kranz? Ein Lorbeerkranz?" „A scheener, großer!", sagte Valentin, jäh hervorbrechend und mit beiden Händen in die Luft einen Kreis beschreibend. „Was will der Mann?", fragte der Wachtmeister die bisherige Wortführerin in erhobenem Ton. „Eahm is er gestohln!", erwiderte die Karlstadt. Worauf Valentin, unerwartet geistesgegenwärtig, ins Hochdeutsche übersetzte: „Ihm ist er gestohlen — eahm — ihm — mir?" „Eahm — ihm — mir — was heißt das?", brauste der Wachtmeister auf, „wer spricht hier überhaupt? Wer ist bestohlen?" „3d) —", hob Valentin schüchtern wieder an. „Er —", fiel die Karlstadt, ihn knuffend, rasch ein' „er ist bestohlen, Herr Schutzmann! Ich red ja nur für ihn, er kann nicht reden —" „Kann nicht reden?", rief der Wachtmeister, „eben hat er doch?" „3a doch!", sagte die Karlstadt verzweifelt, „i muaß do rebn, weil er bei die Behörden allaweil 's Mäu dahoamlaßt!" Der Wachtmeister rang die Hände. „Warum redet der Mann nicht selbst, wenn er bestohlen ist?" „I red ja scho!", fing Valentin wieder an, „bees is bloß zwegn dem, daß i a bifferl schüchtern bin, oerstehnga 's mi, Herr Wachtmeister?" Treu sah er dem Beamten ins Auge. Die Karlstadt war dem Weinen nahe. Der Wachtmeister kämpfte mit einem Ausbruch, bezwang sich aber männlich und tunkte die Feder ein. „Name unb Vorname, Beruf, geboren, wann zugereist, wie lange?" Valentin unb Karlstabt sahen sich betreten an. Bald gab er, bald gab sie Auskunft. Als ber Fall eingehend zur Sprache gebracht war, verlangte ber Beamte zunächst einmal zu wissen, was denn der Lorbeer für einen Wert repräsentiere. „Wert!", rief Valentin, „wieso Wert?" Ihm sei er ungeheuer viel wert, der Lorbeerkranz. Es sei eine Ehrensache für ihn. Loorbeer könne, richtig betrachtet, mit Geld überhaupt nicht bewertet werden. O doch! behauptet ber Wachtmeister, er selbst hätte erst biefer Tage einen Lorbeerkranz für vier Mark fünfzig im Schaufenster gesehen. Das war zu viel für Valentin. Röte schoß ihm ins blasse Gesicht, aus war's mit feiner Schüternheit. „Dees müsfen's do verstehn!", sagte er aufgeregt, „bees es bo klar, baß in bem Lorbeer ein ibealer Wert steckt, ein Wert, ber wo — wie ko i Eahne bees bloß fagn?" „Wie kann ich 3hnen bas bloß sagen?", verbot- metschte bie Karlstabt. Plötzlich schrie Valentin erlöst: „Da!" Er zeigte auf die ordengeschmückte Brust des Wachtmeisters. „Eahna Orden — Eahnere Orden, Herr Wachtmeister — taaten denn Se Eahna Orden verkaafa?" „Würden Sie vielleicht Ihre Orden verkaufen?", übersetzte die Karlstadt. Der Wachtmeister sah Valentin betroffen an. Natürlich würde er nicht — selbstverständlich würde er nicht und um keinen Preis. Ein Licht ging ihm auf. Wohlwollen strömte aus, die Basis ber Verftändi- gung war gefunben. Der Wachtmeister sah ein, baß ber Verlust bes Lorbeers für Valentin unersetzlich war. Das Protokoll nahm seinen orbnungsgemäßen Fortgang. Als bie Parteien nach zweistünbiger Ver- hanblung schweißgebabet üoneinanber schieben, behielten alle Beteiligten einen Eindruck fürs Leben. „Siehgst as", sagte Valentin, als sie auf die Straße hinaustraten, „bloß an richtigen Vergleich muß man finden, bloß an richtigen Vergleich!" Und sie begaben sich voller Hoffnung in ihr Hotel. Ader der Kranz blieb verschollen. Den Jun» gen sah man niemals wieder. Er wird der Strafe des Himmels, die Valentin noch heute auf ihn her- abruft, nicht entgeherr P. S. Die öcutfdic Arbeitsfront äfMti.d,=6emelnfhm E -haar Knote etwas $unfc gewes Vrud, Iein c btvlk i Nu, ! „91, i dervn Mt galten _Er schwer Mt u Sans ;& Art wiedergegeben und dabei das Tatsächliche und Sachliche übersehen. Der Redner gab sodann eine übersichtliche Darstellung von der Arbeit des Nachrichtendienstes im Verlaufe der Kriegsjahre, wobei er auf zahlreiche Einzeldinge hinwies. Man konnte dieser Schilderung entnehmen, daß ein guter Nachrichtendienst eines der Hauptkampfmittel der Truppe ist, deren Führung sich jederzeit über die Pläne und Maßnahmen der Gegenseite im Klaren sein muß. Als Ergebnis der eingehenden Schilderungen muß fick jedem Zuhörer die zwingende Erkenntnis aufgedrängt haben, daß es im vaterländischen Interesse immer nur e t n unabänderliches und streng zu befolgendes Gebot gibt: schweigen und immer wieder schweigen über Dinge, von denen jedermann erkennen muß, daß sie für die Sicherheit und das Wohl des Vaterlandes von Bedeutung sind, auch wenn es sich dabei um Vorgänge handelt, die an sich vielleicht gering zu bewerten sind, oder die vereinzelt bleiben. Im Anschluß an den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag sprach Pg. Halbroth noch über die Winterarbeit der NSKOV. und rief besonders die Frauen zur Mitarbeit am Winterhilfswerk auf. Der Abend wurde bann in üblicher Weise geschlossen. «Schöffengericht Gießen. Der Angeklagte K. St. von Gießen, vorbestraft, wurde wegen eines Verbrechens nach den Para- graphen 269, 267, 268 StGB, in Tateinheit mit einem Vergehen des Betrugs nach den Paragraphen Ducheckerusammlungen für das WSW und die Schule. * Aue dem Vogelsberg, 23. Ott. Die Schuljugend des Vogelsberadorfes Ober- Moos hat mit dem Sammeln von Bucheckern in den ausgedehnten Waldungen des Vogelsbergs begonnen und dabei bisher gute Erträge eingebracht. Die Kinder wollen die Sammlung fortfetzen, um dann die gesamte Bucheckernernte zu verkaufen und den Erlös zum Teil als Schulspende für das Winterhilfswerk, zum anderen Teil für die Anschaffung von Geräten für Schulzwecke zu verwenden. Canöfrei? Gießen. * Annerod, 23. Oft. Der etwa 33 Jahre alte Landwirt Heinrich Hammer von hier erlitt bei der Arbeit auf dem Felde einen Unfall. Beim Wenden der E g g e drang ihm ein Zinken durch die Hand. Der Verunglückte mußte sich zur Behandlung in die Chirurgische Klinik nach Gießen begeben. * Allendorf a. d. Lumda, 23. Oktober. Einen schweren Unfall erlitt der 76jährige Landwirt Heinrich Reinhard von hier. Er zog sich einen Oberschenkelbruch zu und mußte in die Klinik nach Gießen gebracht werden. ch Lauter, 23. Okt. Gestern feierte Marie Feldmann in körperlicher und geistiger Frische ihren 7 7. Geburtstag. — Einer unserer alten Einwohner, der im 77. Lebensjahr stehende Konrad Schäfer wurde heute zur letzten Ruhe gebettet. Watzenborn-Steinberg, 24. Okt. Ein seltenes Arbeitsjubiläum begeht heute unser Mitbürger, der achtzigjährige Konrad Schneider. Er steht jetzt 60 Jahre ununterbrochen bei Oekono- mierat Karl Müller (Neuhof) in Arbeit. 35 Jahre wersah er die Stelle als Herrschaftskutscher, bis sein ältester Sohn an seine Stelle trat. Bis zum heutigen Tage geht der Hochbetagte täglich auf den Neuhof, um seine Beschäftigung auszuüben. Ein schönes Zeichen der Verbundenheit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. 8. Lang-Göns, 23. Okt. Vom 28. Oktober on beginnt hier ein von der Lang-Gönser NS.- Frauenschaft ins Leben gerufener Kursus über Säuglings - und Krankenpflege. Die Beteiligung ist allen erwachsenen Dolksgenos- sinnen gestattet. Der Kursus ist unentgeltlich. — Im 263, 73 StGB, zu einer Gefängnis st rase von 6 Monaten verurteilt. Der Angeklagte ließ sich in einem Falle zwecks Mahnung eines Gerichtsvollziehers die Blankounterschrift zu einer Vollmacht ausstellen. Die fragliche Unterschrift benutzte der Angeklagte dazu, sich eine Inkassovollmacht auszustellen, und er zog daraufhin einen Geldbetrag feines Klienten ein und verwandte ihn für sich. Sodann hatte sich das Gericht mit einem notorischen Bauernhauseinbrecher zu befassen. Es handelte sich um den Iwan Bondawenko.der ohne festen Wohnsitz in Deutschland umherstrich. Der Angeklagte drang im Juni 1932 in Kehna (Kr. Marburg) durch Ausdrücken eines Fensters in das Erdgeschoß eines Bauernhauses ein, erbrach im ersten Stock eine Stubentür und zwei verschlossene Schubladen und entwendete eine silberne Herrentaschenuhr, einen goldenen Ring, sowie drei Wertpapiere. Am 25. Juli 1934 brach er in ein Haus in Billertshausen (Kreis Alsfeld) ein und entwendete dort 130 Mark, sowie einen Aufwertungsschein und einen Schlüssel. Außerdem war der Angeklagte ohne Paß. In der gestrigen Hauptoerhandlung stellte er sich der deutschen Sprache unkundig, obwohl er sich bei feiner Festnahme, wo bei ihm die modernsten Einbrecherwerkzeuge gesunden wurden, in deutscher Sprache glänzend zu verteidigen verstand. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Zuchthaus st rase d o n b r ei Jahren. Wegen Erregen öffentlichen Aergernisses mürbe der H. I. aus Rodheim v. b. Höhe zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Rahmen des Winterhilfswerkes wurden am letzten Sonntag getragene Kinderkleider gesammelt. Das Ergebnis war recht gut. # Dorf-Gill, 23. Okt. Dieser Tage fand hier die festliche Einweihung unseres Gemeindesaales statt. Unter den Klängen schneidiger Marschmusik bewegte sich ein stattlicher Festzug, an dem die Gliederungen der Partei und die Vereine des Ortes teilnahmen, durch das Dorf zum Gemeindesaal. Hier überreichte Architekt S z e l k u s dem Bürgermeister Knöpper den Schlüssel. In einer kurzen Ansprache dankte der Bürgermeister allen Volksgenossen, die in uneigennütziger Weise bei der Errichtung des Saales mitgeholfen haben und wies dann auf die Inschrift des Saales „Gemeinnutz vor Eigennutz. Errichtet im dritten Jahre der nationalsozialistischen Revolution unseres Führers Adolf Hitler^ hin. Mit „Sieg-Heil!" auf den Führer schloß er seine Ansprache. Die anschließende Feier im Saale war außerordentlich stark besucht; kaum vermochte der Saal die vielen Teilnehmer zu fassen, die nicht nur aus Dorf-Gill, sondern auch aus Grüningen und den übrigen Nachbarorten gekommen waren. Nach dem Einbringen der Fahnen und nach kurzen Begrüßungsworten brachte die BDM.-Führerin E. Jung ein wirkungsvolles Gedicht zu Gehör. Liedvorträge des Gesangvereins „Heiterkeit", der NS.-Frauenschaft, Volkstänze und turnerische Vorführungen des BDM. und der Jung- mädels sowie gute Musik trugen sehr zur Unterhaltung bei. Sehr eindrucksvoll war auch ein Sprechchorspiel der HI. und des BDM. Im Laufe der Veranstaltung erschien auch Kreisleiter Klost e r m a n n und hielt eine Ansprache, die mit großem Beifall ausgenommen wurde. Der Abend brachte ein unterhaltsames Theaterstück, das sehr flott zur Aufführung gelangte. Bei Musik und Tanz blieb man dann noch lange in froher Stimmung beisammen. Kreis Friedberg. — Butzbach, 23. Okt. Gestern abend Überflog wiederum eine große Schar von mindestens 15 0 Schneegänsen in Nordost - Südwestrichtung unsere Stadt, diesmal in zwei Einsformen. Ein derart großer Zug wurde selten beobachtet. Durch das Geschrei der Zugvögel wurden viele Bewohner auf die Straßen gelockt. — Die Bautätigkeit ist in den letzten zwei Wochen abermals lebhaft geworden. Nochmals ist bei vier Einfamilienhäusern mit dem Sau begonnen worden, die alle noch vor Eintritt des Winters unter Dach gebracht werden sollen. Weitere zwei Bauten werden in Kürze folgen. Bei den bereits im Rohbau fertiggestellten Wohnungen wird jetzt der innere Ausbau erledigt. — Gegenwärttg herrscht an den Verladerampen unseres Bahnhofs Hochbe- trieb. In den letzten Wochen sind hier im südlichen Teile des Bahnhofs ungeheure H o l z m e n » gen verladen worden, die zum Teil zu Bauholz, zum Teil in den Fabriken zur Bereitung von Papier Verwendung finben sollen. Das Holz stammt größtenteils aus den ausgedehnten Taunuswäldern bei Bodenrod und Espa. Alltäglich geht eine Anzahl Eisenbahnwagen mit landwirtschaftlichen Maschinen aller Art, die hier hergestellt werden, nach allen Teilen Deutschlands und des Auslandes ab. In den letzten Tagen wurden viele Eisenbahnwagen mit Kartoffeln in der Hauptsache nach dem Ruhrgebiet verfrachtet. Die Kartoffeln stammen meist aus den Nachbardörfern und werden von den bäuerlichen Genossenschaften verladen. Kreis Schotten. O Laubach , 22. Okt. Die Einweihung der „Paul-von-Hindenburg-Jugendherberge" in Hannover durch den Reichsjugendführer Baldur von S ch i r a ch am Sonntagoormittag wurde im „Solmser Hof" übertragen für die HI., das JV., BDM und die Jungmädel. Nach der Einweihungsfeier hielt Pg. Hainz, der Leiter der Lau- b a ehe r Jugendherberge, eine Rede über die Bedeutung des Wanderns für die Jugend und damit auch der Jugendherbergen, deren Einrichtung leider noch viel zu wenig bekannt fei. Kostet das Uebernachten für eine Einzelperson in der Jugendherberge doch nur 30 Pf., für größere Gesellschaften sogar nur 20 Pi für eine Person. Ausweise, die zur Benutzung der Herbergen berechtigen, sind ebenfalls für einen geringen Preis zu erhalten. Der Redner forderte alle Interessenten an dem Jugend- herdergswesen auf, die Laubacher Jugendherberge zu besichtigen. Er schloß mit dem Wunsche, daß diese Morgenveranstaltung manchem den Blick geöffnet haben möge, sollen doch auch die deutschen Jugendherbergen dazu beitragen, die Jugend so zu erziehen, wie der Führer sie haben will, ,flink wie Windhunde, zäh wie Leder und hart wie Kruppstahl". Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer klang die Feier aus. Kreis Alsfeld. * Ober-Ofleiden, 23. Okt. Der Sohn des hiesigen Reichspost-Kraftfahrers Wilhelm zog sich eine schwere Handverletzung (Brüche der Mittelhand, Fleischwunden an den Fingern) zu und mußte zur Behandlung in die Klinik gebracht werden. —.— Homberg, 23. Oktober. Gestern nachmittag fand in der Stadthalle für die Schüler Hombergs und die in Orten seiner Umgebung eine VDA. -Tagung statt. Für den Abend waren die Gliederungen der Partei, die Eltern und der Arbeitsdienst eingeladen. Beide Versammlungen leitete Lehrer Allendärfer. Er begrüßte die zahlreichen Teilnehmer und führte durch Vorlesen eines entsprechenden Gedichtes in das Stoffgebiet ein. Die Sstüler der beiden Hornberger Oberklassen trugen durch die Wiedergabe geeigneter Lieder und durch Sprechchöre wesentlich zur Verschönerung der Feier bei. Am Abend wartete der Silcherchor mit einigen Liedern auf. In beiden Versammlungen sprach Frl. Hessenauer (Berlin). Sie verbreitete sich zunächst über die drei Arten des Deutschtums: das Auslands-, das Grenz- oder Muß- und das Reichsdeutschtum. Die beiden ersten Gruppen fasse man auch als Auslandsdeutschtum zusammen. Nachdem sie den Werdegang der Gruppen veranschaulicht hatte, betonte sie Deren blutsmäßige Verbundenheit mit dem deutschen Volke im Reich. Im weiteren Verlaufe ihrer Ansprache brachte sie aus der Fülle ihrer Erfahrungen einzelne wichttge Erlebnisse, die sie während ihres Aufenthalts in den betreffenden Gebieten gemacht hatte, zur Kenntnis. Wie gespannt lauschte die Menge! Es war ergreifend zu hören, wie in den genannten Gebieten die Deutschen um die Erhaltung ihres Deutschtums SweiHlieiolflöliioiliel. Roman von Anny von panhuys Urheberrechtsschutz Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68. 26 Fortsetzung. Nachdruck verboten! 26. Kapitel. Bettina bangt. Ein paar Tage früher, als er seinem Brief nach erwartet wurde, kam Hans Syden vor dem Weih- nachtsfeste heim. Er hatte die Fahrt in einem neuen Auto gemacht, einem Prachtwagen, der hellgraue Lack spiegelte förmlich. Gretel begrüßte den Bruder zuerst und er staunte: „Wie hast du dich denn herausgemacht! Warst doch eigentlich schon hübsch genug, Schwesterlein, jetzt aber —" Er unterbrach sich. „Will dich lieber nicht noch eitler machen, als du vielleicht schon bist, denn tu Waldschloßchen gibt es ja Spiegel genug." Er war wirklich erstaunt, wie sich Gretel verändert hatte, seit er sie zuletzt gesehen. Sie erschien ihm großer. Ihr früher nach Pagenart geschnittenes Haar war gewachsen, und sie trug es in einem Quoten tief im Nacken wie Bettina. Es machte sie ktwas älter, unterstrich aber reizvoll die schmale Kopfform. Großer schienen auch die Augen, der 3lick tiefer, beseelter, und um den jungen weichen -Nund lag ein Zug, der war früher noch nicht da- [ eroefen und er wußte ihn nicht zu deuten. Gretel hängte sich mit dem linken Arm beim 3ruöer ein und führte ihn ins Haus, gerade als lin großer Schäferhund die Treppe vom ersten 6tock herunterkam und sich zögernd näherte als wollte er sich erst vergewissern, ob er dem Ankömm- lug, den er nicht kannte, trauen dürfe. "Nanu! Das ist ja Tyras, wie er leibt uni) lebt!", nermunberte sich Hans Syden. „Wenn ich nicht ge- vußt hatte, Tyras ist tot, hätte ich den dafür ge» falten." Er zeigte auf den Hund, der durch leichtes Schwänzeln bekundete, die Bekanntschaft wäre ihm nicht unangenehm. Hans Syden streichelte den Hund. Ein hübscher Kerl bist du, und bei näherer Besichtigung sehe ich natürlich auch, daß du viel hüb- loer bist als unser Tyras gewesen in den letzten llahren. Alter macht ja nicht schöner." Er fragte: „Seit wann habt ihr den Hund, ist er hier gekauft?" Gretel dachte daran, daß Großchen, um den Bru- b(T nicht zu erschrecken, ihm damals gar nichts von ihrer Krankheit geschrieben und es dann später auch uiterlafferf hatte. Er wußte also gar nichts davon, daß sie in Berlin krank gewesen und bei Dr. Diendorf gewohnt, von dem sie behandelt worden. Aber das alles konnte sie natürlich jetzt nicht so schnell erzählen. So erwiderte sie denn: „Der neue Tyras hat eine Geschichte. Er stammt aus Berlin, und die Geschichte erzähle ich dir nachher." Damit war er zufrieden, vorläufig aber dachte hier niemand daran, das Gespräch auf die Geschichte des neuen Tyras zu bringen. Die beiden Großmütter hatten genug zu tun, den Enkel nach der Begrüßung mit Fragen zu überschütten. Auch an Gretels Krankheit dachten Die Damen jetzt nicht. Bettina hatte eine Kleinigkeit im Städtchen besorgt und war mit einem Umweg nach Hause zurückgekehrt. Unterwegs sauste ein funkelnagelneues hellgraues Auto an ihr vorüber. Der Fahrer blickte gradeaus, sah sie nicht, aber sie hatte sofort Hans Syden erkannt. Sie blieb sekundenlang stehen, vom Schreck wie festgebannt. Schon seit Tagen hatte sie es sich vorgenommen, die beiden alten Damen und Gretel zu bitten, den Namen Dr. Diendorfs in ihren Gesprächen mit Hans auszuschalten, wenn er auf Weihnachtsbesuch käme. Aber immer hatte sie ihr Vorhaben wieder hinausgeschoben, weil ihr noch kein Grund eingefallen, der ihre gewiß sonderbar anmutenöe Bitte erklären konnte, und sie hatte sich immer damit getröstet: Kommt Zeit, kommt Rat! Erst in drei Tagen hatte Hans Syden heimkehren wollen, und sie wußte aus den Gesprächen mit Gretel, daß Hans noch nichts von ihrer Krankheit wußte und man ihm erst wenn er tarne, davon erzählen wollte und auch von dem gütigen Dr. Dien» borf und feiner Mutter, die Konrad Wilderlings Kusine war. Der Hund aber sollte eine große Überraschung sein. Und weil sie ihr Vorhaben törichterweise immer wieder aufgeschoben, war es nun wahrscheinlich zu spät dafür geworden. Auch war sie sich noch immer nicht darüber einig geworden, was für eine Ausrede sie Vorbringen mußte, um den Großchens und Gretel ein völliges Verschweigen des Namens Diendorf vor Hans als wichtig hinzustellen und begreiflich zu machen. Wie mußte Hans Syden erschrecken, wenn er im Waldschlößchen hörte, wo Großchen Jutta und Gretel in Berlin gewohnt, wer Gretel in ihrer Krankheit behandelt und sich ihrer angenommen, als die unangenehme Frau von Voßhardt anriet, sie ins Krankenhaus zu schaffen. Das mußte ihm ja seine Schuld gegen Diendorf doppelt stark ins Gedächtnis rufen, wenn er mit Diendorf auch quitt war seit jener Stunde im Wald, als Diendorf die Waffe gegen ihn gehoben. In ihrem Kopf sauste und brauste es. Die Gedanken schwirrten wild und erregt umher, suchten einen Ausweg, suchten Hilfe, während doch inmitten all des Durcheinanders die Gewißheit thronte: Es ist zu spät. In spätestens einer Viertelstunde würde Hans Syden im Waldschlößchen fein und dann sah er natürlich gleich den Hund und alles weitere ergab sich ganz von selbst. Ob er sich dann zusammennehmen konnte, ob er dann nicht vielleicht Dinge verriet, die gar nicht mehr verraten zu werden brauchten? Ihr Herz klopfte stürmisch vor Erregung und sie eilte nach Hause, nachdem sie sich entschlossen, noch jetzt ihr Heil zu versuchen. Ganz gleich, ob ihr Herz weh tat, wenn sie Hans Syden wiedersah. Die Mutter befand sich im Laden. Sie sagte hastig: „Ich möchte zu Gretel fahren, Mutter, mir ist etwas ganz Wichtiges eingefallen, was ich gern mit ihr besprechen möchte. Es hängt mit Weihnachten zusammen." Frau Hochwald nickte: „Dann nur los Bettina- lein, für unsere Kundschaft genügt meine Bedienung." Es lag unendliche Zärtlichkeit in der Art, wie sie zu der Tochter sprach. Bettina verdankten ihr Mann und sie ja wieder ruhige Tage. Sie hatten Geldsorgen gehabt, Bettinas Konzertteise aber hatte alle Sorgen verscheucht. Viel Geld hatte sie von unter» wegs schicken können und längst waren wieder Ruhe und Frohsinn daheim im Goldschmiedshause gegenüber dem steinernen Ritter. Bettina holte ihr Rad und in sausender Fahrt ging es am Rhein entlang. Ihr Kops schmerzte vom Grübeln, aber sie trat fest die Pedale und raste dem Waldschlößchen entgegen, kam gerade dort an, als sich Hans Syden eben in sein Zimmer begeben hatte, um sich ein bißchen zurecht zu machen zur Kaffeestunde, die in Großchen Juttas Wohnzimmer abgehalten werden sollte. Tyras bellte freudig, als Bettina, die er längst kannte, das Haus betrat und Gretel empfing sie mit strahlender Miene, verkündete: „Hans ist vorhin angekommen, wir sind alle sehr froh, daß er sich früher freimachen konnte." Bettina nickte nur. „Natürlich ist das sehr schön." Sie fragte: „Wo ist denn dein Bruder?" Gretel lachte: „Er macht oben Toilette. Wir werden gleich Kaffee trinfen. In einer Viertelstunde wird Hans wohl schon wieder unten sein." Bettina atmete leichter. Jedenfalls konnte sie jetzt mit den beiden alten Damen und Gretel sprechen, anscheinend war der Name Diendorf bis jetzt noch nicht gefallen. Aber Sicherheit wollte sie haben. Sie fragte hastig: „Hast du deinem Bruder schon von deiner Krankheit erzählt, und woher Tyras stammt?" Gretel schüttelte den Kopf. „Nein, das alles werden wir ihm erst am Kaffeetisch erzählen." kämpfen. Alle Anwesenden wurden von der Erkenntnis durchdrungen, wie schön wir es doch in unserem geeinten, friedlichen Deutschland haben. Aus dieser Erkenntnis erwachse aber auch Me Pflicht, noch mehr wie bisher für den VDA. zu tun. Reicher Beifall lohnte die Rednerin. Einige neue Mitglieder wurden geworben und ein Vorstand gebildet, dem auch Damen angehörten. Nachdem man auch des Führers und Reichskanzlers gedacht hatte und nach dem Gesang des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes schloß der Leiter die erhebende und werbende Tagung. — Heute wurde beim schönsten Herbstwetter der „Kalte Markt", ein Vieh- und Krämermarkt, für Homberg und die Orte seiner näheren Umgebung abaehalten. Auf dem Marktplatz waren viele 'Stände in langen Reihen aufgestellt. Viele Besucher hatten sich ein» gesunden. Ueberall sah man Leut- mit Paketen beladen. Darf doch das übliche Marktstück nicht vergessen werden! Auch für Unterhaltung und Vergnügen war gesorgt. Ein Kaspertheater unterhielt die Gäste. Vor der Stadthalle waren eine Schiffschaukel und eine Schießbude aufgeschlagen. Und in der Stadthalle sowie im Saale des Frankfurter Hofes war Gelegenheit zum Tanzen. Preußen. Verurteilte Bibelforscher. LPD. F r a n k f u r t a. M., 23. Okt. Vor dem Frankfurter Sondergericht hatten sich elf Personen, darunter fünf Frauen, wegen Fort- Durch deine Spende für das TBf)TD. dienst du dem Aufbauwillen des Führers. fetzung der seit dem 24. Juni 1933 aufgelösten Internationalen Bibelforscher - Vereinigung zu verantworten. Von den Angeklagten wurden zwei freigesprochen, das Verfahren gegen einen wurde eingestellt, ein Angeklagter wurde zu 150 Mark Geldstrafe und die übrigen zu je einem Monat Gefängnis verurteilt. Das Gericht stellte fest, daß die verbotene Vereinigung fortgesetzt und daß u. a. zu Propagandazwecken eine Fahrt nach Mannheim veranstaltet wurde, wo Druckschriften verteilt wurden. Die Angeklagten gaben auch das Vertreiben von Büchern in Frankfurt, Offenbach-Bieber und Heusenstamm, sowie Zusammenkünfte in Privatwohnungen zu. Die beiden freigesprochenen Angeklagten hatten sich an der Fahrt nach Mannheim beteiligt, lediglich um die Stadt zu sehen. Das Gericht war der Ansicht, daß die Angeklagten bewußt gegen das Verbot verstoßen haben. Die Tat als solche könne in keiner Weise milde angesehen werden, und nur aus persönlichen Gründen habe das Gericht bei den einzelnen Angeklagten eine mildere Beurteilung walten lassen, weil sie sich bisher nicht in staatsfeindlichem Sinne betätigten und geständig waren. Der zu einer Geldstrafe verurteilte Angeklagte hatte sich nur bei einer einzigen Gelegenheit beteiligt. Kreis Wetzlar. < Dornholzhausen, 23. Okt. Der hiesige Stützpunkt der NSDAP, veranstaltete anläßlich seines zweijährigen Bestehens am vorigen Sonntagabend in der Turnhalle eine Feier, die von den Parteigenossen und Volksgenossen unseres Ortes stark besucht war. Im Verlause des Abends hielten Stützpunktteiter Reuter und Kreisleiter Haus Ansprachen. Der Männergesangoerein unter Leitung seines Chormeisters Degen, Großen-Linden, erfreute durch Gesangsvorträge. Ferner wurden Sprechchöre der HI. und des Jungvolkes, Gesangs- vorträge der NS.-Frauenschaft, turnerische Vorführungen des Turnvereins und Gedichtvorträge geboten. Nach dem Schlußwort des Stützpunktleiters wurde der Abend mit dreimaligem Sieg-Heil auf Mit Arbeit überlastet? ..auf Kaffee Hag umstellen! In diesem Augenblick wurde ein Schritt auf der Treppe laut und Hans Sydens große Gestalt tauchte auf. Er stutzte, als er Bettina erkannte, dachte leicht verstimmt: Mußte sie ihm gleich am ersten Heimkehrtag in den Weg kommen, an die er viel zu oft gedacht, feit er sie geküßt und sie ihm das Leben gerettet, an die er noch öfter gedacht, seit er sie in Frankfurt am Main von weitem wiedergesehen. Im Konzertsaal, umbraust vom Beifall. Bezaubernd in dem mattgrünen Samtkleid, eine bekannte und doch fremde wunderschöne Bettina. Er grüßte in leichtem Ton. Hier ahnte ja niemand etwas davon, daß Bettina fein Leben beschützt vor der Kugel eines rachsüchtigen Mannes. Er reichte Bettina die Hand, sagte ein paar harmlose Worte, lachte Gretel an: „Ich habe mir nur die Hände gewaschen, weil ich nämlich Mordskaffeedurst habe." Gretel lachte ihn auch an und schob Bettina sacht vor sich her. „Jetzt trinkst du natürlich Kaffee mit, Bettina." Die war verzweifelt. Was sollte sie jetzt tun? Sie konnte sich nicht mehr einmischen, mußte abwarten und die Dinge zunächst gehen lassen. Sie richtete sich daran auf: Vielleicht war doch noch nicht jede Hoffnung vorbei. Vielleicht blieb Hans Syden nicht allzu lange am Kaffeetisch sitzen. Sie betrat mit den beiden anderen Gräfin Juttas Wohnzimmer und wurde von den beiden alten Darrten sehr lieb begrüßt. Dann saß sie Hans Syden gegenüber am geschmackvoll gedeckten Tisch, machte ein freundliches Gesicht und war doch bis zum Halse angefüllt von Angst, der Name Diendorf konnte fallen. Er fiel auch, gerade, als es Bettina am wenigsten erwartet hätte. Von Großchen Leonores Lippen fiel er deutlich und gewichtig in die Stille. Großchens Leonore hatte gesagt: „Wenn du nun wieder einmal in Berlin zu tun hast, lieber Hans, was doch häufig der Fall ist, muht du Herrn Dr. Gerhard Diendorf und feine Mutter besuchen, beiden schulden wir nämlich vielen Dank." Dr. Gerhard Diendorf! Großchen Leonore dachte nicht daran, den Namen besonders zu betonen, aber Bettina war es, als hätte ihn die Baronin Nottfeld überlaut hinausgeschrien. Ihr Auge suchte das Gesicht des ihr Gegenübersitzenden. Es hatte sich verändert. Eben waren seine Züge beinahe fröhlich und wie gelost gewesen, jetzt aber schienen sie schärfer und älter geworden. Hans Syden wollte fragen: Woher kennt ihr Dr. Diendorf? Unwillkürlich glitt sein Blick zu Bettina hinüber, begegnete ihrem Blick und scheinbar zufällig streifte Der Zeigefinger von Bettinas rechtem Hand ihre Lippen, blieb flüchtig darauf liegen. Betina hoffte, er würde verstehen, sie bat ihn jetzt um Schweigen und Vorsicht. (Fortsetzung folgte Einzahlungen für das Minier- bilsswerk 1935/36 sind auf das Konto 2938 bei der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft, Zweigstelle Giehen, oder auf unser Postscheckkonto Frankfurt a. 2H. 16114 zu tätigen. Kreisamtsteitung Giehen der J15D. den Führer und mit dem gemeinsamne Gesang der ersten Verse des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes geschlossen. Xunöfunfproflramm. Freitag, 25. Oktober. 6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bauernsunk. 9: Nachrichten. 9.20: S' Mütter-Stübli. Ein heiteres Helmatbild, 10.15: Schulfunk. 10.45: Praktische Rat. schlüge für Küche und Haus. 11.20: Nachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen Zwei und Drei. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Bücherfunk. 15.35: Neidhardt von Gneisenau. Zu seinem 175. Geburtstag. Von General a. D. Dr. Bethcke. 16: Konzert. 17: Kaleidoskop. Buntes musikalisches Farbenspiel, zierlich gefügt und zum Tönen gebracht von Kurt Kretzschmar. 18.30: Jugendfunk. 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.15: Zum Gedächtnis eines deutschen Musikers. Lothar Windsperger (geb 22. Oktober 1885, gest. 30. 5. 1935). 21.15: Auflösung des musikalischen Rätsels vom 17. September. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Sportschau der Woche. 23: Unterhaltungskonzert des Landesorchesters Gau Württemberg-Hohenzol- lern. 24 bis 2: Nachtkonzert. Kußball-Echiedsrichter-Appell des Kreises Gießen. Am Sonntag veranstalten die Schiedsrichter- Arbeitsgemeinschaften des Kreises Gießen eine Pflichtzusammenkunft, die aber über die Bedeutung einer sonstigen Zusammenkunft hinausgeht. Im Rahmen dieses Appells wird der Gau-Schieds- richter-Referent W i n g e n f e l d - Fulda über das Schiedsrichterwesen einen Vortrag halten. Es wird auch Gelegenheit sein, sich über neuere Entscheidungen und Regelauslegungen eingehend zu unterrichten. Zu dieser Veranstaltung werden besonders die- Vereinsführer und Spielausschuß-Obleute eingeladen. Sie haben dabei die Gelegenheit, sich einen Ueberblick über das in den Gemeinschaften zu Leistende und Geleistete zu machen und sie können das ihnen vermittelte Wissen innerhalb ihrer Vereine weitergeben. Auch diejenigen, die sich über die Schiedsrichterlaufbahn orientieren wollen, sind eingeladen. HandbattimKreisLahn-Oitt(GauXII) Schiedsrichteransehungen. Dornholzhausen — Wetzlar-Niedergirmes (Schneider); Hörnsheim — Atzbach (Bauernschub); Allen- dorf-Lahn — Wetzlar II (Hellhund); Wißmar — Beuern (Brück); Treis — Allendorf-Lda. (K. Müller, Gießen); Ebersgöns — Garbenteich (Müller, Langs-Göns); Hausen — Lich (Wilh. Engel,); 1900 Gießen — Grüningen (Petry); Alsfeld — Romrod (Luh); Burggemünden — Homberg (Bauer); Katzen- furt — Ehringshausen (Schäfer); Herbornseelbach — Mandeln (Eckhardt). Jugend: Niedergirmes — Münchholzhausen (Friedr. Zörb); Garbenheim — SpV. 05 Wetzlar (Weller, Atzbach); Lützellinden — Grüningen (Seibert II); Holzheim — Lang-Göns II (Schneider); SpV. 1900 Giehen — TD. 1846 Giehen (Petry); TV. Wihmar — TV. Londorf (Brück); TD. Staufenberg — TD. Ruttershausen (Klar); Dillenburg — Straßebersbach (Schmidt, Herborn). Kurze Sportnotizen. Die vorgesehen« „Generalprobe" der besten deutschen Fußballer für den Länderkampf gegen England, die in Form eines Auswahlspieles am 20. November in Berlin vor sich gehen sollte, wird nicht stattfinden. Der DFB. hat seine Nationalspieler für die „Winterhilfsspiele" des 20. November freigegeben, um überall zugkräftige Begegnungen zustande zu bringen. * B e i einem „Amerikaner-Schwimm- f e st" am Dienstagabend in Krefeld stellte der amerikanische Rückenschwimmer Adolph Kiefer einen neuen Weltrekord über 100-Meter-Rücken auf. Kie- fer erreichte 1:06,2 Min. und ließ damit die deutschen Schwimmer Simon-Gladbeck, Küppers-Plauen und Ruhfuß-Witten wett hinter sich. * Dor nur 5000 Zu schauern fand am Mittwoch in Belfast ein Fußball-Länderkampf zwischen Schottland und Irland statt, den die Schotten nach spannendem Kampf mit 3:2 (2:0) Toren für sich entscheiden konnten. Der englische Motorradfahrer Guthrie stellte mit einer 500-Kubikzenttmeter- Norton in Linas-Montlhery einen neuen Stunden- Weltrekord für Motorräder auf. Er schraubte das Durchschnittstempo von 178,318 auf 183,613 Stundenkilometer. Oer Sport in der neuen Wehrmacht. Von Hauptmann Goth im Generalstab des VII. AK. Sportliche Betätigung ist in allen Armeen zuhause, da Sport als Mittel zur Erziehung der Soldaten zum einsatzbereiten Kämpfer überall erkannt ist. Auch im kleinen deutschen Reichsheere hatte der sportliche Gedanke voll Fuß gefaßt. Die Errichtung der Heeres-Sportschulen, die Ausgabe vorzüglicher Dienstvorschriften für den Sport die Durchführung von Meisterschaften in Leichtathletik, Schwimmen, Tennis und im Schilauf sind äußere Zeichen der Aufnahme, die der Sport im Ausbildungsprogramm des Hunderttausend-Mann- Heeres gefunden hatte. Im neuen Heere find die Voraussetzungen für den Sport anders geworden. Nicht geändert hat sich die allgemeine Einstellung des deutschen Volkes zum Sport und zum sportlichen Gedanken. Da das neue Heer «in Volksheer ist, ist diese Einstellung wesentlich. Deutschland sieht heute im Zeichen der Olympiade 1936. Da die Nation dazu die Besten einsehen muß, ist es selbstverständlich, daß alle Soldaten, die ihren Leistungen nach für die Auswahl in Frage kommen, erfaßt wurden und zur Verfügung gestellt werden. Auch das neue Heer sieht im Vanne der Olympiade. Das Reichskriegsministerium hat seit langer Zeit die Auserwählten in Olympia-Kernmannschaften zusammengefaßt und ihre planmäßige Ausbildung befohlen. Leichtathleten, Schwimmer, Turner, Boxer, Reiter, Schiläufer und Fünfkämpfer bereiten sich in der Truppe und bei der Heeres-Sportschule auf den ernstesten Wettbewerb ihres Lebens vor. Es handelt sich dabei nur um wenig Auserlesene. Für die Masse des neuen Heeres gelten andere Richtlinien. Mit der Einführung der kurzen, einjährigen Dienstzeit ist der Schwerpunkt verschoben worden. Die hohen Anforderungen, die die militärischen Dienstzweige fordern, lassen deshalb beim ersten Betrachten für den Sport in der Armee wenig mehr zu hoffen übrig. Zeit und Arbeitskraft von Mann und Führer werden ganz der Ausbildung in den Waffen gewidmet. Und doch ist es unendlich wichtig und gibt es Mittel und Wege, den sportlichen Gedanken im neuen Heere bei Führer und Soldat nicht verkümmern zu lassen. Die neue Sportoorschrist gibt hierzu den Leitsatz: „Der Sport dient der militärischen Ausbildung". Durch diesen Leitsatz ist die Einstellung jedes Führers zum Sport klar gegeben. Der Sport ift ein Hilfsmittel bei der militärischen Ausbildung. Jeder Führer wird sich dieses Mittels bedienen, wo er kann und so gut er es kann. Die Verhältnisse für das Einbeziehen des Sports in die Ausbildung find bei den einzelnen Waffen verschieden. Gleiche Verhältnisse sind jedoch überall während der Rekrutenausbildunqszeit gegeben. Diese Zeit gibt in jeder Weise (Gelegenheit, den Sport maßgebend in den Dienstplan einzuschalten. Der junge Soldat besitzt bei seinem Eintritt in das Heer verschiedenes Können und verschiedene Veranlagung auf sportlichem Gebiet. Aufgabe der Führer ist es, den nötigen Ausgleich zu schaffen und jeden jungen Soldaten zu einem gesunden. kräftigen, ausdauernden und gewandten Kampfer zu erziehen. Es steht nur knappe Zeit zur Verfügung. Das llebungsprogramm umfaßt deshalb Hebungen, die einfach zu lernen find, den ganzen Körper durcharbeiten und die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit heben. Geübt werden die natürlichen Formen des Laufs, des Wurfs und des Sprungs. Der Lauf, die wertvollste Uebung, stärkt vor allem Herz und Lunge, stählt und ftrafft den Körper, verleiht Schnelligkeit und Ausdauer. Im Gelände durchgeführt, zwingt er den Soldaten zur schnellen und gewandten Ueberwindung von Hindernissen durch UeberMettem oder Ueberspringen. Als Wurfart wird das Werfen von Handgranaten gelehrt, also der Wurf mit einer Waffe, die jeder Soldat beherrschen muß. Zu diesen natürlichen Hebungen tritt Gymnastik aller Art. Gymnastik ohne Gerät (Freiübungen und Boxschule), Gymnastik am Gerät (an der Sprossenwand) und Gymnasttk mit Gerät (mit Medizinball, Kugeln, Hanteln, Baumstamm, Wurfgewicht und Hammer) reihen sich in abwechslungsreicher Folge aneinander. Stehen Bodenmatte und Turngeräte und, was am wichtig- ften ist, ausgebildete Lehrer zur Verfügung, so kommen Bodenturnen und Gerätetur- n e n zu ihrem Recht. Es besteht kein Zweifel, daß die Hilfsmittel, die die körperliche Entwicklung der jungen Soldaten fördern, sehr zahlreich sind. Die genannten Hebungen sind keinesfalls erschöpfend aufgeführt. So wird z. B. das Spiel in der Rekrutenausbildungszeit immer eine wesentliche Rolle spielen. hak der junge Soldat die Grundstufe der Ausbildung durchlaufen, fo erfolgt die Weiterbit- düng, nach den Dorten der Sportvorfchrist, auf möglichst vielen Sportgebieten nach feiner Veranlagung. Anzuftreben ist eine möglichst gleich- mShtge DeNerbMmng aller, um fo de« allgemeinen Ausbildungsfiand der Einheit zu heben. Die Möglichkeiten dieser Weiterbildung sind auch im neuen Heere vielfältig. Ob sie alle genützt wer» den können und wie sie genützt werden, ist an Der- schieden« Voraussetzungen gebunden. Waffengattung und Waffendienst sind von großem Einfluß. Wtt- terung und Jahreszeit, die Lehrerfrage, die Sportplatzfrage sind maßgebend. Grundsätzlich kann man sagen, daß die Schwierigkeiten, den Sport planmäßig in den übrigen Dienstbetrieb einzuschalten, groß sind, daß sich aber die Einschaltung ermöglichen lassen wird — bei allen Waffen. Es gehört nur eines dazu, daß der Führer die nötige innereEinstellungzumSport besitzt und den sportlichen Funken bei seinen Leuten zündet. Gutes Beispiel beim außerdienstlichen Sport lassen große Erfolge erzielen. Richtig betriebener Sport erweckt in der Truppe Freude, Frische und Froh^ sinn. Richtig betriebener Sport führt zum Weltkampf. Es wird in den Jahren des Aufbaus schwierig sein, militärische Meisterschaften durchzuführen, da sie gründliche Vorbereitungen und viel Zeit beanspruchen. Die Leistungen bei solchen Meisterschaften müssen auch in Zukunft auf hoher Stufe stehen. Es wäre nicht begrüßenswert, auf die Meisterschaften völlig zu verzichten. Das nähme dem schönsten Gedanken im militärischen Sport, dem Wettkampfgedanken sein Ziel. Militärische Meisterschaften bleiben in erster Linie den Längerdienenden vorbehalten. Sie geben aber auch dem in der einjährigen Dienstzeit stehenden, sportlich vorgebildeten Soldaten Gelegenheit, sich einzusetzen und auszuzeichnen. Der Sport lehrt, nicht nur jung zu sein, sondern auch jung zu bleiben. Der Sport wird im neuen Heere seinen, ihm gebührenden Platz finden, kraft der hohen geistigen und vaterländischen Werte, die in ihm ruhen. Der ungarische Mnisterpräsident Ehrenmitglied eines oberhesUchen Turnvereins. Für uns in Oberhessen dürfte es besonders interessant sein, daß der vom deutschen Volke so verehrte ungarische Ministerpräsident G ö m b ö s verwandtschaftliche Beziehungen in dem Dogelsbergorte Storndorf hat. Seine Ahnen mütterlicherseits stammen aus Storndorf, und man kann sich denken, daß die Gemeinde stolz darauf ist. Der Turnverein hat nun Ministerpräsident Gömbös zu seinem Ehrenmitglied ernannt und darüber eine kunstvolle Urkunde anfertigen lassen, die in den nächsten Tagen an das Auswärtige Amt nach Berlin geht, von wo sie im Kurierwege an die Deutsche Gesandtschaft in Budapest weitergeleitet wird. Der Wortlaut der Ehrenurkunde. Die Ehrenurkunde trägt folgende Inschrift: „In Ehrerbietung und Treue ernennt hiermit der Turnverein Storndorf Herrn Ministerpräsident Gömbös zum Ehrenmitglied: in dankbarer Anerkennung feiner aufrichtigen Verbundenheit zur Heimat feiner Ahnen." Der Dank des Ministerpräsidenten. Herr Gömbös hat die schlichte Ehrung freubig angenommen. Sein Schreiben, das er an Vereinsführer Reul gesandt hat, dürfte in weiten Kreisen lebhaftem Interesse begegnen. Es heißt im Wortlaut: „Die freundliche Mitteilung, daß mich der Turnverein Storndorf in die Reihe seiner Ehrenmitglieder ausgenommen hat, erfüllt mich mit aufrichtiger Freude, und ich danke herzlichst für den mir entgegengebrachten Beweis guter Gesinnung. Wollen Sie, geehrter Herr Dereinsführer, meinen innigsten Dank auch bei den Mitgliedern des Turnvereins verdolmetschen mit dem Beifügen, daß ich in dieser Ehrenmitgliedschaft nicht nur ein Band der Zusammengehörigkeit mit jener Gemeinde erblicke, aus der meine Vorfahren mütter- lickerseits stammen, sondern auch ein Zeichen dessen sehe, daß meine auf ein gutes Verhältnis mit dem Deutschen Reich gerichtete Politik selbst in Ihrem Kreise Verständnis und Widerhall gefunden hat. Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung! gez. Gömbös." Aus aller Wett. Noch drei Todesopfer des Orkans auf der Nordfee. Wie erst jetzt bekannt wird, hat der Orkan, der in den letzten Tagen auf der Nordsee tobte, noch drei Todesopfer gefordert. So wurde auf dem Logger „Krimhild" das Ruderhaus von der schweren See über Bord gespült. Dabei sanden der Kapitän und der Steuermann des Schisses den Tod. Auch auf dem Logger „Stettin 75" ist ein Todesopfer zu verzeichnen, da der Koch von einer Welle vom Deck gerissen wurde und in den Fluten ertrank. — Der Sturm hat auch der deutschen Heringsfischerei großen Schaden zugefügt. Besonders groß ist der Schaden am Netz- material. Ein großer Teil der Fischereiflotte mußte zurückkehren und liegt im Hafen, um Instandsetzungen oorzunehmen. Zuchthausstrafen in einem Devisenprozeß gegen katholische Geistliche. Vor dem Berliner Schöffengericht wurde gegen den 58jährigen Generalvikar des Bistums Hildesheim, Dr. Otto Seelmeyer aus Hildesheim, und den 41jährigen katholischen Geistlichen und Generalsekretär beim Bonifatius-Verein für das katholische Deutschland e. V. in Paderborn, Wilhelm Freckmann aus Paderborn verhandelt. Dem Angeklagten Dr. Seelmeyer wird Deoisenverbrechen in vier Fällen, dem Angeklagten Freckmann Devi- senoerbrechen in zwei Fällen zur Last gelegt. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen ist auf Veranlassung der beiden Angeklagten von dem berüchtigten Dr. Hofius ein Betrag von insgesamt 1 2 0 0 0 0 Reichsmark aus Deutschland nach Holland verbracht, dort in ein Guldenkonto von fast 70 000 holländischen Gulden umgewandelt und sodann zum Rückkauf von Obligationen verwendet worden. Freckmann erhält wegen gemeinschaftlichen fortgesetzten Devisenoergehens und Begünstigung fünf Jahre Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und 150 000 Mark Geldstrafe, Dr. Seelmeyer wegen gemeinschaftlichen fortgesetzten Devisenvergehens 4V2 Jahre Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und 150 000 Mark Geldstrafe. Die Hntersuchungshast wird voll angerechnet. Dis Mithaftung der von den Angeklagten vertretenen kirchlichen Organisationen für die Geldstrafen und die Kosten des Verfahrens wird ausgesprochen. Aulounfall der Söhne des Präsidenten Roosevelt. Die beiden Söhne des Präsidenten der Vereinigten Staaten, James und John Roosevelt, überfuhren mit ihrem Sportauto in der Bostoner Dorstadt East-Boston die Eisenbahnschranke. Das Auto wurde von einem heranbrausenden Zuge erfaßt und eine Strecke von etwa 10 Meter mitgeschleift. Der Zugführer brachte den Zug sofort zum Stehen und stellte fest, daß die beiden Söhne des Präsidenten wunderbarerweise unverletzt geblieben waren. Das zertrümmerte Auto wurde von „Andenkenjägern" geplündert. S x s 2 d CP c 2 Prometheus Gasheiiöfen; spenden au&i bei größter Kälte angenehme Wärme! Heizgas-Tarif RD, für Küche und Bad Büro und Wohnung Fachm. Beratung: 6121a Gas-Gemeinschaft Gießen H Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Mllllmeterzelle veröffentlicht lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll) wird Ihr Film entwickelt und piksauber kopiert. 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Ihre Entfesselung ist vielmehr auf eine große Anzahl von einander ergänzenden, wie entgegengesetzten Ursachen zurückzufuhren, die teils im Vorderen Orient selbst und teils in Europa liegen. Je mehr die englische Macht- und Einflußsphäre in Aegypren verdünnt und daher die Beherrschung des Suezkanals zum Problem wurde, um so mehr mußte England sich um den Vorderen und Mittleren Orient in seiner natürlichen Rolle als Land - und Luftweg nach Indien bemühen, wobei die Beherrschung Akabas auch vom Near East her eine gewisse Kontrolle des Roten Meeres ermöglicht. Diese Beziehungen, zu denen noch die europäischen Baumwoll - und Erdöl i n te re s s e n , sowie die Absatzsehnsucht der abendländischen Industrie verwirrend hinzutreten, mußten im Zusammenhang mit dem Streit um Abessinien das äußere Bild der Levante in gewissen Grenzen notwendig verändern. Besonders i n Palästina, das die wichtigsten strategischen Stützpunkte der Briten enthält, lassen sich die Auswirkungen am besten feststellen, die sich in einer Erhöhung der Land- und Luftstreit- fr ö f t e in erster Linie offenbaren. Auch die palästinensischen Häfen werden heute von der englischen Mittelmeerflotte stark in Anspruch genom- men. Vor allem bietet heute der neue Hafen von Haifa, dessen Anlage von vornherein die Priorität der militärischen vor den wirtschaftlichen Zwecken verriet, einen wesentlich veränderten Anblick, und selbst das fast ausrangierte A k k 0 in der gleichen Bucht wird zur Unterbrechung seiner würdigen Ruhe veranlaßt, um einige Kreuzer aufzunehmen. Es ist bezeichnend, daß arabische Blätter sogar von starken Befestigungen des Karmelgebirges berichten zu können glauben, das nicht nur Haifa, sondern auch den Eingang zu der strategisch so überaus wichtigen und in diesem Sinne historischen Ebene Jesreel bewacht. Die andere Verbindungslinie, die den Nahen Osten zu dem abessinischen Konflikt in Beziehung setzt, geht von der arabischen Nationalbe'- w e g u n g aus. Der arabische Nationalismus, der in den einzelnen Ländern sehr verschiedene Entwicklungsstufen aufweist, war durch die Ergebnisse des Weltkrieges tief enttäuscht worden. Er hatte ihnen nicht, wie König Hussein vom Hed- jas geglaubt hatte, die Erfüllung des Traumes vom panarabischen Reiche gebracht, vielmehr wurden wichtigste Gebiete einem Mandatssnstem unterworfen, das sich fast nur in der juristischen Forrnu- liernna nom Kolonialsyllem nnt-rich-id-t' und gnasi selbständige Reiche, wie der Irak, sind zutiefst in das politische und wirtschaftliche Jntrigennctz verstrickt worden, das Europa über sie geworfen hat. Aber die arabische Bewegung, durch viele zentrifugale Kräfte aufgespalten, durch die territoriale Zerstreuung des Volkes und seine Bindung an eine mittelalterliche Existenzform gelähmt und gehemmt, vermochte auch nach dem Kriege nickt aus eigener Kraft heraus dem Ziele der Emanzipation von Europa näher zu kommen. So kommt es, daß seit Jahren die arabische Bewegung auf den kommenden Weltkrieg als auf den „deus ex machina“ hofft. Es wurde die Vorstellung zum eisernen Bestand ihrer theoretischen Strateaie, daß nur in einem kommenden Kriege die Ablenkung und Zersplitterung der europäischen Kräfte einem kraftvollen arabischen Vorstoß zum nationalen Endziel Sinn geben werde. Der in Abessinien. N -Berichterstatter Streit um Abessinien als mögliches Auslösungsmoment eines Weltkrieges wird daher auf arabischer Seite mit gespanntester und hoffnungsfreudigster Aufmerksamkeit begleitet und diskutiert! Schon sieht man den Orient in ein Flammenmeer getaucht, aus dem sich dann die arabische Unabhängigkeit wie ein Phönix erheben werde! Diese Stimmung, die im Grunde von der verzweifelten Lage der arabischen Bewegung zeugt, verschafft sich ihren Ausdruck in einem starken Harn- stern von Gold und Lebensrnitteln und einem entsprechenden Steigen der Preise für diese Güter, sowie in einem gefährlichen Run auf diejenigen Banken, bei denen arabische Kreise deponiert haben; vor allem also bei der arabischen Bank und der Banco di Roma, an deren baldigen Zusammenbruch die erregte Phantasie des Volkes ernsthaft glaubt. Je nach der Intensität der Gerüchte wiederholen sich diese Vorgänge oder werden wieder rü^gängiq gemacht. Auch in dieser Beziehung geht Palästina den übrigen levantinischen Ländern voran. Denn die außerordentliche politische und wirtschaftliche Entwicklung des Jewish National Home in den letzten drei Jahren ließ das Interesse der arabischen Bewegung sick naturgemäß hier konzentrieren. Hier wurde ihre Schwäche am deutlichsten enthüllt, und hier ließ sich daher auch die N 0 t - wendigkeitdesKampfes um den „Jstaklal", um die nationale Unabhängigkeit, am sinnfälligsten demonstrieren. Buntes Hochze'iSreise im F-uozeua. Ein junges Ehepaar, Herr und Frau Littlejohn, ist dieser Tage vom Flugplatz in Southampton auf- aestiegen, um ihre Hochzeitsreise nach Australien im Flugzeug auszu^ühren. Dreizehn Tage wollen die beiden jungen Leute brauchen, bis sie in Sydney ankommen, wo der junge Ehemann als Verkehrsflieger angestellt ist. Ehe Frau Littlejohn ihren Gatten kannte, wußte sie kaum etwas vom Fliegen, und sie hätte es sich nicht träumen lassen, daß sie bald darauf selbst am Steuer eines eigenen Flugzeuges sitzen werde. Denn darin waren sich die beiden Neuvermählten einig: Die Rollenverteilung während des Fluges in die neue Heimat sollte keineswegs so vonstatten gehen, daß der Pilot am Steuer, seine Gattin aber hinter ihm auf dem Platz des Fahrgastes sitze. Das zur Reise ausersehene Flugzeug wurde umgebaut, und zwar so, daß Frau Littlejohn neben ihrem Gatten zu sitzen kam. Es war eine naheliegende Folgerung, daß sie sich alsdann mit ihm in die Arbeit und in die Verantwortung für das Gelingen des Fluges teilen sollte. So nahm sie Flugunterricht, und sie kann nun al^ ausgebildete Pilotin selber das Flugzeug führen, um ihren Gatten zu entlasten. Auf die Mitnahme von Fallschirmen hat das junge Ehepaar verzichtet; der umgebaute Apparat erschwert einen Absprung mit dem Fallschirm, und überdies hat Herr Littlejohn erklärt, daß er während seiner neunjährigen Tätigkeit als Pilot nie in eine Lage kam, wo er sich durch Absprung mit einem Fallschirm hätte aus großer Gefahr retten müssen. Die beiden unternehmungslustigen Ehegatten haben ihren Hochzeitsflug in einfacher Zivilkleidung angetreten, so wie Linddergh einst über den Ozean flog. Das Obr am fal cken Fleck. Ein Briefmarkensammler hat diesen kleinen Irrtum entdeckt: Ein auf österreichischen Briefmarken abgebildeter Landmann trägt das Ohr nicht auf Es ist schwer zu übersehen, welche konkreten Vor- 'tellung'n über ihre Position in einem Weltkriege die arabischen Kreise beherrschen bzw. ob ihre Vorstellungen überhaupt sehr deullich sind. Daß in dem italienisch-abessinischen Streit die arabischen Gefühle dem afrikanischen Reiche gehören, ist selbstverständlich. Eine so ausgesprochen bedingungslose Hinneigung zu Italien, wie sie der Emir Arslan in Genf zeigt, kann ebenso als isoliert betrachtet werden, wie die zionistisch-italienische Verbindung, die der revisionistischen „neuen Zionistischen Organisation" Jabotinskis — wohl mit Recht — nachgesagt wird; zwei Erscheinungen, die auf das KoiLo der außerordentlich verstärkten italienischen Propaganda im Nahen Osten zu setzen sind. Trotz der gefühlsmäßigen Hinneigung zu Abessinien kann man aber in arabischen Führer-Kreisen der Auffassung begegnen, daß man sich die Politik nicht durch Sentimentalitäten vorschrei- ben lassen dürfe, sondern daß man auch dem Gedanken nicht aus dem Wege gehen solle, notfalls gegen Herzensstimmungen Partei zu ergreifen, wenn es sich für das Befreiungsziel als notwendig erweisen sollte. W"nn man auch als sicher annehmen darf, daß die Hoffnungen der arabischen Bewegung in einem neuerlichen Weltkrieg keinesfalls erfüllt werden dürften, so ist sie dock jetzt schon stark genug, um das Spiel im Nahen Osten erheblich zu komplizieren. Jedenfalls bestätigt die Situation im Vordersten Orient die auch aus den europäischen Verhältnissen abzuleitende Gewißheit, daß infolge der vielfältigen und engen Verknüvfungen der internationalen Politik heute ein ernsthafter Konflikt zwischen zwei Staaten nichtmehrzu isolieren ist. Am wenigsten, wenn er räumlich und interessenmäßig das spannungsgeladene Mittelmeerbecken berührt! Allerlei. dem rechten Fleck! Mit dieser Entdeckung hat der Sammler nicht etwa den Künstler bloßstellen wollen, der die Marke entwarf, und auch nicht die Postbehörde, die den Fehler übersah, sondern ihm kam es lediglich darauf an, seine Sammlerfreunde auf diesen Irrtum aufmerksam zu machen. Denn durch einen solchen Fehler kann eine Marke, die sonst keinen besonderen Seltenheitswert haben würde, sehr begehrenswert werden. Man wird vermutlich bei den Neudrucken das Ohr an die rechte Stelle rücken, und der Sammler, der sich eine alte Marke sicherte, kann die beiden „Auflagen" nebeneinander ins Album einkleben, und den Neid all jener erregen, die nur die zweite verbesserte Auflage erhalten können. Zudem gibt es Beispiele dafür, daß Briefmarken durch solche Irrtümer erst ihren hohen Wert erhielten. Da fei vor allem der seltenen dunkelblauen Mauritius-Marken aus dem Jahre 1847 gedacht. Diese „blauen Wunder" sind darum so heiß begehrt, weil sie Fehldrucke sind. Dort wo stehen sollte: „Post(age) Paid“, d. h. Porto bezahlt, liest man nämlich „Post Office“, zu deutsch Postamt. Von Sammlern sehr begehrt sind auch einige deutsche Marken, die einige Irrtümer auf- weisen. Sck kam im Jahre 1921 eine Zwanzig- Pfennig-Marke heraus, die einen Pflüger darstellt, der sich in seinem Arbeitseifer offensichtlich beide Füße abschneidet. Bei dem gleichen Jahrgang findet sich auf einer Marke ein Bergarbeiter dargestellt, der mit der linken Hand den Hammer schwingt. Beim Neudruck hatte er alsdann offenbar auch im Gebrauch der rechten Hand Fortschritte gemacht, denn nun trug er den Hammer rechts. Man hatte das Markenbild umgekehrt. Bei einer spanischen Marke aus dem Jahre 1865 wurde der Zierrahmen verkehrt um das Mittelstück, den Kopf der Königin Isabella, gedruckt, so daß die Sammler jubelnd fest- ftellten: „Die Königin steht Kopf!" Welcher Sammler würde nicht gern eine solche berühmte Marke in seinem Album besitzen? Oie deutschen Robinsone. Von Kurt WeNner Durch ein halbes Jahrhundert stand der Name Stoltenhoff-Eiland auf allen See-Karten, auf denen die kleine südatlantische Inselgruppe Tristan da Eunha zu sehen war. Kürzlich ließ die britische Admiralität die Drei-Inselgruppe neu vermessen und taufte dabei bas Stoltenhoff-Eiland in Unattainable Island (Unerreichbare Insel) um. Das Nachbareiland behielt den alten Namen Nachtigall- insel bei, — vermutlich, weil noch nie eine Nachtigall in diese unwirtliche weltverlassene Gegend kam. Dagegen war der Name Stoltenhoff-Eiland die berechtigte Erinnerung an das Schicksal der Brüder Stoltenhoff aus Hamburg, die hier — abseits der Schiffahrtsstraße zwischen Kapstadt und Südamerika — ein erzwungenes Robinsonleben führten. Zu Beginn der Siebzigerjahre des letzten Jahrhunderts waren die beiden Stoltenhoffs junge Leute, — der eine Seemann, der andere Angestellter einer Hamburger Frachtenreederei. Der Bruder Seemann brachte von ein-’r feiner Fahrten nach Südafrika den Plan heim, auf der einsamen und unbewohnten Vorinsel der Gruppe Tristan da Eunha die wertvollen Felle der vielen Seehunde zu erbeuten, die dort ihren Ruheplatz hatten. Dem Bruder Angestellten gefiel der Plan, und so beschlossen b-'ibe, bie Felle zu holen und auf diesem Wege noch in jüngen Jahren wohlhabend zu werden. Der Bruder Angestellte schloß mit seinem Reeder einen Vertrag, nach dem sein nächstes nach Kapstadt fahrendes Schiff bie beiden Brüder mitnehmen und auf der einsamen Insel aussetzen sollte. Nach drei Jahren sollte das nächste vorbeikommende Schiff des Reeders die beiden Stoltenhoff aufneh- mm und in die Heimatstadt zurückbringen. Eine Sache, bie anscheinend gar nicht fehl gehen konnte. Es ging aber schon von Anfang alles schief, nachdem die Brüder das Eiland erreicht hatten und das Schiff abgefahren war. Kaum bemerkten die Seehunde, daß sie gejagt und erschlagen wurden, als sie auch schon das Eiland auf Nimmerwieder- kehr verließen. Damit war der Aufenthalt auf dem Eiland zwecklos geworden, aber die Brüder Stoltenhoff saßen nun Hier fest, — mit der wenig erfreulichen Aussicht auf ein müßiges Zuwarten, bis, nach der Vereinbarung mit dem Reeder, sein Schiff nach drei Jahren zum Abbolen kam. Ihr Eiland lag so außerhalb der Grupve Tristan da Eunha, daß selbst die nachbarliche Nachtigallinsel nicht sichtbar war. Ihr eigenes Eiland- war ringsum von tückischen Riffen umgeben, und deshalb ningen ihm auch die Schiffe meilenweit aus dem Weg. Durch die Riffkette hat es nur eine einzige enge Zufahrt, in der bie Stoltenhoffs infolge örtlicher Unkenntnis schon beim Lauben bas Boot beschädigt hatten, mit dem sie das draußen beiliegende Schiff verlassen hatten. Daher war nun an ein Verlassen des Eilands mit dem lecken Boote nicht zu denken, — abgesehen davon, daß der Bruder Seemann als bloße „Deckhand" nicht bie nautischen Kenntnisse für eine Hochseefahrt mit ein"m offenen Boote besaß. Beide Brüder sagten sich deshalb vernünftigerweise, daß jeder selbständige Versuch zum Verlassen ihres Jnselgefängnisses bloß der sichere Weg in den Tod sein mußte, weshalb ein geduldiges Abwarten wohl der schwerere, aber bessere Entschluß war. So' warteten sie auf das Kommen des vertragsmäßig verpflichteten Schiffes, so gut es eben gehen wollte... Doch die drei Jahre waren längst vergangen, ohne daß der erwartete Dampfer erschienen war. Als das Warten in das fünfte Jahr ging, gaben die Brüder jede Hoffnung auf. Jetzt hätten sie doch die Fahrt mit dem Boote gewagt, wenn es nicht in der Sonnendürre längst zerrottet wäre. In einer hoffnungslosen Falle steckend, mußten sie als leider echte, weltabgeschnittene Robinsone ihr Leben mit den Dingen fristen, die ihr notgeschärfter Mutterwitz den kargen Möglichkeiten des felsigen Dulkaneilands abgewann. Zwar dublierte ab und zu ein seltenes Schiss fern auf der Kimm bas Eiland, aber feines sah bas Notsignal ber Brüder, weil jedes nur so weit als möglich an dem rissigen Eiland vorbeizukommen trachtete. So kam es, daß jedes Erscheinen eines Schiffes durch die damit verbundene Enttäuschung bloß das traurige Los ber Stoltenhoffs verschlimmerte, weil dabei immer wieder ein gutes Stück Hoffnung verloren ging. Endlich, nach über zehn Jahren sah ein Schiff bas Notzeichen und nahm bie Brüder auf. Vorzeitig gealtert kehrten sie ärmer in die Heimat zurück, als sie auf dem trügerischen Wege zum raschen Wohlstand ausgezogen waren. Erst zuhause erfuhren sie, warum man sie nicht rechtzeitig abgeholt hatte. Ihr Reeder war bald nach ihrer Ausreise plötzlich gestorben. Seine Firma war in fremde Hände gekommen, bas Personal würbe gewechselt, und im Drange der schnellen Uebergabe vergaß man bie beiben Stoltenhoffs. Da ihr Schicksal ein seemännisches Ereignis war, taufte bie britische Admiralität bas bis dahin namenlose, aber zum Hoheitsbereich des britischsüdatlantischen Kronbesitzes gehörende Eiland auf den Namen Stoltenhoff. Jetzt steht bie Trist an-da- Eunha-Gruppe unter ber Regierung ber Südafrikanischen Union. Die von den Stoltenhoffs vertriebenen Robben find bis heute nicht wiedergekehrt. Gegenwärtig wohnen auf der ganzen Drei-Inselgruppe etwa achtzig Menschen, die sich vom Fischfang und vom Export ber Seevogeleier ernähren. Jhjnb um düS Fahrrad. Der badische Forstmeister Karl von Drais hätte es sich sicher nicht träumen lassen, daß allein in Deutschland einmal mehr als zwölf Millionen der anfangs so sehr verspotteten Fahrräder in Gebrauch sein würden, wie eine Zählung vor einigen Jahren ergab. England gab damals eine Zahl von zehn Millionen Fahrrädern an, und Länder wie Holland und Dänemark konnten geradezu Rekordziffern im Verhältnis zu ihren Bevölkerungszahlen mitteilen. Der Siegeszug des Fahrrades ist auch durch den Wettbewerb der elektrischen Bahnen, der Kraftwagen und Motorräder nicht aufgehalten worden, wie eine Beobachtung des Straßenverkehrs etwa in den Abendstunden lehrt. Auch als Sportsahrzeug hat sich das Fahrrad behauptet, wobei es sich der Zuneigung sowohl der Jugend wie ber Alten erfreut. So brachte kürzlich eine englische Zeitung bas Bild einer einundsiebzigiährigen Frau, die munter daherradelt. Diese Frau Spanton Cooper in Hampton ist eine stadtbekannte Erscheinung, da sie eine der ersten radsahrenden Frauen war und dem Fahrrad bis zum heutigen Tage treu blieb. Sie versichert, sich nirgends so wohl zu fühlen, als auf einer Radsahrt: so unternimmt sie ihre Feri°n- reife mit ihrem Stahlroß, und hat auch für bie kommenden Jahre schon große Fahrten geplant. Die Vorliebe ber Jugend für das Fahrrad erwies auch eine Gerichtsverhandlung, die kürzlich vor einem Londoner Polizeigericht stattfand. Vier wegen ^Übertretung der Fahrordnung angeklagte junge Mädchen waren mit ihren Fahrrädern aus Manchester gekommen, um sich zu rechtfertigen. Mit Verwunderung musterte der Richter die kurzbehosten Angeklagten. „Warum kommen Sie in diesem Aufzug hierher?" fragte er mißbilligend. Die Antwort verriet größtes Erstaunen: „Aber wir kamen doch mit dem Fahrrad hierher?" Der Richter schüttelte den Kopf. Was sollte daraus werden, wenn von nun an alle angeklagten Frauen zum Gerichtsort radelten und künftighin, der neuesten Radlermode -nUvrechend, in den sogenannten „Shorts" vor die Schranken des Gerichts treten wollten? Ader die unbefangene Sicherheit der Radlerinnen entwaff- Vom wilden Affen aebiff-n. Auch einem sonst zu mancherlei Kunststücken bereiten, gezähmten Assen reißt bisweilen, wie folgendes Beispiel lehrt, einmal bie Gebulb. So kam Alfred Howes, ein englischer Affenbändiger, kürzlich in einem sehr unerfreulichen Zustand zur Polizei, um ihre Hilfe zu erbitten. Er hatte mit feinem gezähmten Affen einige Kunststücke geübt, als das Tier, offenbar durch fein eigenes Spiegelbild erschreckt, plötzlich seine gute Erziehung vergaß und seinen Besitzer an fiel. An dreißig Kratz- und Bißwunden mußte sich Howes verbinden lassen, und er erklärte, allein den Kamps mit dem Affen nicht mehr aufnehmen zu wollen. Da ber wildgeworbene Affe eine Gefahr für bie Oeffentlichkeit barfteüt, so würbe sofort von Scotland Yard ein Ueberfall- fommanbo ausgeschickt, bas ihn einfangen sollte. Aber ber Anblick ber Polizisten wirkte auf den Affen keineswegs entmutigend, und er fetzte sich so heftig gegen sie zur Wehr, baß bie Beamten bar- auf verzichten mußten, ihn einzufangen. Es blieb nichts anderes übrig, als das Tier zu erschießen. Alfred Howes aber ist für eine Zeit bie Lust vergangen, aus einem Urwaldbewohner einen Artisten zu machen. Der Affe aber hat seine Unbotmäßigkeit mit dem Leben bezahlen müssen. Oie Hand bnnqf es an den Tao. Vor bem Polizeigerichtshof in Westlonbon stand in biefen Tagen ein Mann namens Percy Charles Wheeler; außer ihm war Frau George Wheeler erschienen, bie behauptete, baß es sich bei bem Angeklagten um ihren Mann handle, ber sie vor ungefähr zweiunbzwanzig Jahren verlassen und mit ihren Kindern allein gelassen habe. Die Verhandlung war außerordentlich verwickelt. Frau Wheeler blieb fest bei ihrer Angabe und versicherte immer wieder, daß eine Täuschung ausgeschlossen sei. Percy Charles Wheeler sand bann Gelegenheit zu schilbern, baß er und George Wheeler in Richmond zusammen auf ber Schulbank gesessen hätten, daß sie sich bamals aber keineswegs ähnlich gewesen seien, benn George sei kleiner unb zierlicher als er gewesen. 1917 haben sich bie beiden zuletzt auf bem westlichen Kriegsschauplatz in Rouen getroffen, wo George Wheeler im Königlichen Warwickshire Regiment eingereiht war. Ein paar Stunben nach biefer Begegnung rückte bas Regiment von Rouen ab, und seitdem hat Percy Charles Wheeler von seinem Namensvetter George Wheeler niemals wieder etwas gesehen, er glaubt jedoch, daß George Wheeler nach dem Kriege nach drüben gegangen ist. — Immer noch blieb Frau George Wheeler bet ihrer Behauptung, daß ber jetzt neben ihr stehende Mann ihr rechtmäßig angetrauter Ehegatte fei, ber im Jahre 1913 auf unb bavon gegangen sei, ohne sich weiter um sie und ihre drei Kinder zu kümmern. Der Richter war verzweifelt und suchte nach einem Ausweg. Schließlich fragte er Frau George Wheeler noch einmal um ein untrügliches Erkennungszeichen. Darauf erhielt er bie Antwort: „Mein Mann hat eine Narbe auf ber Hanbfläche ber linken Hand gehabt. Sie werden sehen, Herr Richter, dieser Mann hier ist ber richtige." Frau George Wheeler aber machte ein äußerst verblüfftes Gesicht, als der Angeschuldigte mit einem vernehmbaren Aufatmen der Erleichterung seine Handfläch* vorzeigte und ausrief: ,Hch habe keine Narbe!" Damit war bie Angelegenheit entschieden. Immerhin mußte der Richter Frau George Wheeler nach bem ganzen Gang ber Verhandlung guten Glauben zu- billigen, unb es ist nur erstaunlich, wie bie Frau sich in ihren Beobachtungen so weitgehenb irren konnte. Helden in der Dogelweli. Es setzt uns in Erstaunen zu hören, baß kleine Vögel unter Umständen große und überlegene Feinde angreifen. Und doch können solche Beobachtungen immer wieder gemacht werden. So weiß ein englischer Vogelfreund eine Reihe von Fällen zu berichten, in denen er das Heldentum der sonst so fröhlich und sorglos scheinenden gefiederten Bewohner ber Luft berounbert hat. So sah er, wie eine Drossel sich auf einen Kampf mit nete ihn. „Sie haben vor Gericht in einem anderen Kleid zu erscheinen", bemerkte er tadelnd, „der Magistrat will dieses Mal noch von einer Beanstandung ab sehen, aber wenn Sie wieder einmal vor bas Gericht treten sollten, bann suchen Sie sich ein anderes Kleid dazu aus." Der Polizist, der die Fahrkünste ber jungen Mädchen beanstandet hatte, versicherte, daß sie in einem unvorschriftsmäßigen Tempo gefahren seien, mit bem Ergebnis eines Zusammenstoßes. Die Radlerinnen erklärten, sichere Fahrer zu fein und den Zusammenstoß nicht verschuldet zu haben, und sie kamen mit einer Verurteilung zur Tragung der Kosten des Verfahrens davon. Unverzüglich schwangen sie sich auf ihre Stahlroffe und fuhren bie vierundsechzig Kilometer Lange Strecke nach Manchester nicht gerade langsam wieder zurück. Das einzige, was sie in ihrem Radlerglück hätte stören können, wäre vielleicht ein harmloser Schuhnagel auf der Landstraße gewesen. Aber auch gegen eine solche Panne soll es nun ein Allheilmittel geben. Zwei Radfahrer aus Rotterdam wollen nämlich Luftreifen erfunden haben, die zwar nicht gegen einen Nagelstich gefeit sind, aber dennoch bas Rad gebrauchsfähig erhalten. Unter dem Mantel befindet sich nämlich nicht mehr ein Luitschlauch, sondern ein ganzer Ring von sechs- undvierzig luftgefüllten Bällen. Wird nun einer ber Bälle burchstochen, so behnen sick) bie übrigen Bälle entsprechend aus; in jedem Fall aber kann man ungehindert weiterfahren und gelegentlich d-'n durchlöcherten Ball durch einen neuen ersetzen. Ob sich diese Erfindung allerdings wirklich so out bewährt, wie die Erfinder behaupten, muß die Erfahrung zeigen. Der »künstliche ©ußdbupf". Als der in Berlin geborene berühmte Chemiker Adolf von Baeyer, dessen Geburtstag sich demnächst zum 100. Male jährt, als Nachfolger von Justus von Liebig nach München berufen wurde, stieß er in dem für feinen Tätigkeitsbereich aufgestellten Haushaltsplan auf einige Ausgabeü- poften für Mehl, Zucker, Eier, Rosinen und ändere schöne Dinge. Darüber wunderte sich von Baeyer nicht wenig und verlangte Aufklärung. Einer der Diener teilte ihm daraufhin mit, der Herr Geheimrat Liebig habe im Laboratorium alle möglichen „künstlichen Sachen" bereitet, wie Säuglingssuppe, künstliche Sahne ober künstlichen Kaffee. Da hätten denn bie Diener auch versucht, „künstlichen Gugelhupf" zu bereiten. Die Herstellung biefes Gebäcks soll auch trefflich gelungen fein. einer dreimal größeren Dohle einließ. Die Dohle hatte eine bedenkliche Neugier für den Inhalt des Drosselnestes bewiesen und daraufhin ging ihr das Drosselweibchen mit aufgesperrtem Schnabel und flatternden Flügeln entgegen. Offenbar war die Dohle auf diesen Angriff nicht gefaßt gemefen, denn, sie ergriff eilig den Rückzug. Bei diesem Vorfall ist zu beachten, daß die Drosseln im allgemeinen zu den schüchternsten und scheuesten Vögeln gezählt werden; während der Zeit jedoch, in der sie die Jungen aufziehen, entfalten sie einen wahren Löwenmut bei der Verteidiaung ihrer Brut. Ebenso verhält es sich mit der Amsel, die auch zum Schutz ihrer Jungen den Kampf mit sehr viel größeren Tieren aufnimmt. Als eine junge Amsel, die eben ihre ersten Flugversuche machte, von einer Äuge gepackt wurde, schossen die beiden Eltern herunter und flatterten über dem Kopf der Katze, indem sie beständig auf ihre Augen zustießen. Die Katze ließ erschreckt ihre Beute fallen und floh vor dem wütenden Paar. Bei einem Paar Singdrosseln konnte ein ähnlicher Kampfesmut beobachtet werden. Die Katze hatte sich auf einem Zweig an das Nest herangeschlichten, als das Männchen ihr plötzlich mit voller Wucht ins Gesicht flog. Darauf verlor das Raubtier sein Gleichgewicht und stürzte vorn Baurn herunter, worauf es lief, was es konnte. Merkwürdiger ist die Tatsache, daß Schwalben bei mehr als einer Gelegenheit Katzen und Wiesel angegriffen haben. Einmal beobachtete ein Naturforscher eine große Anzahl Schwalben, die zusammen nisteten; sie spürten ein heranschleichendes Wiesel auf und begannen sofort zum großen Erstaunen des Beobachters das Tier zu umfliegen und mit ihren Flügeln zu umflattern, das Wiesel wurde ganz verwirrt, suchte sich zu wehren, fiel dann auf den Rücken, und da immer mehr Schwalben schreiend sich um es versammelten, floh es erschreckt von dannen. Wirtschaft. Oie Zndustrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1202: Vergebung von Lizenzrechten an Devisenausländer. 1203: Verfügung des eidg. Dolkswirtschaftsdeparte- rnents über den schweizerischen Reiseverkehr mit Deutschland. 1204: Bekanntmachung KP 46 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1205: Nachnahmeoerkehr nach Litauen und Memelgebiet. preise der Kartoffeln für das Winterhilfswerk. Fwd. Die Pressestelle der Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit: Zur Regelung der Preise für Winterkartoffeln, die für das Winterhilfswerk bestimmt sind, erläßt der Kartoffelwirtschaftsverband Hessen-Nassau eine Anordnung. Diese betont, daß im Gegensatz zu den Speisekartoffelpreisen, die frachtfrei Empfangsstation festgesetzt sind, die für das Winterhilfswerk bestimmten Kartoffeln nach Erzeugerpreisen eingekauft werden, und zwar nach einem Erzeugerpreis von 2,10 RM. je Zentner weiße und rote Speisekartoffeln (ausschl. Lotos und Pamasfia) und 2,40 RM. je Zentner für gelbe Speisekartoffeln (ausschl. Odenwälder blaue und mittelfrühe Sorten). Für den Ankauf gelten die bekannten Gütevorschriften für Speisekartoffeln. Die angeführten Erzeugerfestpreise gelten ab Voll- ober Kleinbahnverladestation des Erzeugers. Anmeldung von Schlachtvieh vor dem Versand. Fwd. Die Pressestelle der Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit: In den letzten Tagen hat der Schlachtviehverwertungsverband Hessen-Nassau eine sofort in Kraft tretende Anordnung erlassen, wonach sämtliche Viehverteiler (Handel- und Genossenschaften) und selbstverladenden Erzeuger das Schlachtvieh, das zur Verschickung gelangt, ihrer Kreisbauernschaft vor dem Versand zu melden haben. In dieserMeldung, die jeweils bis zum Donnerstag einer jeden Woche spätestens um 18 Uhr schriftlich oder fernmündlich zu erfolgen hat, muß Zahl und Gattung der Tiere, Abgangs- und Zielort, Zeitpunkt und Art des Versandes angegeben sein. Erhalten die zur Meldung Verpflichteten von feiten der Kreisbauernschaft keine gegenteiligen Verordnungen bis zum jeweiligen Freitag um 20 Uhr, so können die gemeldeten Verladungen vorgenommen werden. Alles Nähere, auch für den Fall der Zuwiderhandlung, geht aus der Anordnung, veröffentlicht im „Wochenblatt der Landesbauernschaft Hessen-Nassau" vom 26. Oktober hervor. Wann beginnen die Eintragungen in das WareneinganaSbuch? Fwd. In Einzelhandelskreisen bestehen noch häufig Unklarheiten darüber, von welchem Zeitpunkt ab die Eintragungen in das Wareneingangsbuch vorgenommen werden müssen. Wie die Wirtschaftsgruppe Einzelhandel dazu nochmals mitteilt, ist die Verordnung zur Führung des Wareneingangsbuches am 1. Oktober 1935 in Kraft getreten, d. h. Wareneingänge, die vor dem 1. Oktober in die Verfügungsmacht eines Einzelhändlers gelangten, sind nicht in das Wareneingangsbuch einzutragen. Auch Waren, die für den Monat Oktober oder November bestellt find, brauchen nicht eingetragen zu werden, wenn die Lieferung bereits im September erfolgte und der Einzelhändler den Besitz der Ware noch vor dem 1. Oktober erworben hat. Gleichzeitig ist darauf hinzuweisen, daß auch die Waren, die zum Eigenverbrauch bestimmt sind, in das Wareneingangsbuch eingetragen werden müssen. Bei einer Lieferung, die sowohl zur gewerblichen Veräußerung, als auch zum Eigenverbrauch bestimmt ist, muß also der Gesamtpreis in das Wareneingangsbuch eingetragen werden. Der Einkaufspreis darf 'also nicht um den auf den Eigenverbrauch entfallenden Teil gekürzt werden, und zwar auch dann nicht, wenn der Preis des Eigenverbrauchs in der Bemerkungsspalte besonders angegeben wird. Rhein-Mainische Börse. Mittagsbörse schwächer. Frankfurt a. M., 23. Oft. Das Fehlen jeglicher Aufträge der Kundschaft machte sich an der heutigen Börse wieder in starker Geschäftsstille fühlbar. Die berufsmäßigen Börsenkreise nahmen kleinste Abgaben vor, die bei der herrschenden Zurückhaltung kaum auf Aufnahmeneigung stießen. Infolgedessen setzten sich am Aktienmarkt die leichten Abschwächungen fort. Die in den letzten Tagen vorliegenden Wirtschaftsmeldungen gaben nur wenig Stütze. IG. Farben eröffneten mit 147,65 (148,25). Am Elektromarkt waren Bekula auf die Erörterungen über den bevorstehenden Abschluß gedrückt mit 141,50 bis 141 (142,40), ferner gaben AEG. 1 v. H. und Licht & Kraft 1,13 v. H. nach, während Lahmeyer 0,50 v. H. anzogen. Don Montanwerten ließen Stahlverein 0,65 v. H. und Harpener 0,25 v. H. nach, Hoesck; lagen mit 93,25 behauptet. Kunstseideaktien bröckelten weiter ab, besonders Bemberg auf 105,50 (107,50), AKU. 56 (56,50). Sonst eröffneten Deutscher Eisenhandel 1,50 d. H., Daimler Motoren 1 v. H., Norddeutscher Lloyd 0,25 v. H. niedriger, dagegen Reichsbank nach eintägiger Pause 0,50 v. H. höher. Nach den ersten Notierungen bröckelten die Kurse bei größter Geschäftslosigkeit meist weiter etwas ab. Am Rentenmarkt war die Haltung dagegen freundlich. Etwas fester lagen späte Reichsschuld- buchforderungen mit 97,25 (97), Zinsoergütungsscheine waren zu unverändert 90,50 gefragt, 2ut= besitz lagen mit 112,60 behauptet, während Kom- munal-Umschuldung etwas nachließen. Industrie- Obligationen bröckelten ab, 6 v. H. Hoesch 101,90 (102,50), 6 v. H. Krupp 102,25 (120,75), 6 v. H. Stahlverein 102,25 (102,40), dagegen 5 v. H. Stahlverein 96,90 (96,75). < In der zweiten Börsenstunde blieb der Geschäftsverkehr sehr gering, doch war die Haltung etwas gebessert. und teilweise ergaben sich geringfügige Erhöhungen. So bei IG. Farben auf 148, Stahl- verein auf' 81,40 und Harpener auf 110,25. Don später notierten Werten lagen Scheideanstalt bei kleinem Angebot sehr schwach mit 230 (23ö,50), da seit zwei Tagen die kursregulierende Stelle vermißt wird; seit Wochenbeginn beträgt der Gesamtverlust 7 v. H. Etwas höher lagen Eßlingen Maschinen mit 80,25 Geld (79,50), während sonst die Rückgänge überwogen. Am Rentenmarkt traten kaum Veränderungen ein. Nur 6 v. H. zertifizierte Dollar-Preußen gaben auf 59,25 nach, nachdem sie anfangs zu 59,75 gesucht waren. Pfandbriefe und die Mehrzahl der Stadtanlethen lagen unverändert, etwas hoher 4,50 v. H. Darmstadt von 1928 mit 91,50 (91). Auslandsrenten lagen geschäftslos. — Tagesgeld mit 2,75 (3) v. H. leichter. Abendbörse still. Die Abendbörse war ohne Anregung und nahm infolgedessen einen sehr ruhigen Verlauf. Trotz der starken Geschäftslosigkeit vermochten sich die Kurse verhältnismäßig gut zu behaupten. Soweit Veränderungen gegen den Berliner Schluß eintraten, waren sie nur geringprozentig. Schwächer lagen allerdings im Einklang mit Amsterdam Kunstseide AKU., die auf 55,25 bis 55 (56) nachgaben, während Bemberg zu 106 v. H. voll behauptet blieben. Am Rentenmarkt lagen die Kurse bei kleinsten Umsätzen unverändert. Etwas schwächer waren von zertif. Dollar-Bonds 6prozentige Preußen mit 59,25 (59,50). Ferner kamen Rheinprovinz Auslosung nach Pause mit 109,25 (am 18. 10. 111,50) zur Notiz. Don Auslandrenten blieben Ungarn gut gehalten. U. a. notierten: Altbesitz 112,65, 6proz. Stahlverein 102,40, Reichsbahn-VA. 122,50, 4^proz. 1913er und 1914er Ungarn je 9,13, 4proz. Rumänen 4,90, Commerzbank 86, DD-Bank 85,75, Harpener 110,25, Rheinstahl 105,50, Stahlverein 81,50, AKU. 55,25 bis 55, Bekula 140,75, Bemberg 106, dement Heidelberg 115,50, IG.-Chemie volle 170,50, do. leere 146, Conti Gummi 156, Scheideanstalt 230, Deutsche Linoleum 143,75, Dürrwerke Ratingen 36, Licht und Kraft 130,50, JG.-Farben 148, Feinmechanik Jetter 82, Gesfürel 122,50, Goldschmidt 105,25, RWE. 122, Schlickert 117,75, Junghans 84. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 26. Okt. Weizen und Roggen finden trotz des kleinen Angebots bei den Mühlen nur wenig Aufnahme, da sie durch die Zuteilungen der Reichsstelle gut versorgt sind. Futtergetreide bleibt stark gefragt, während Angebot in Futtergerste völlig fehlt und auch Hafer nur in kleinem Umfange aus Ostdeutschland zur Verfügung stand. Futtermittel, insbesondere ölhaltige sowie Kleie sind nicht angeboten, dagegen besteht für Nachmehle nur wenig Interesse. Der Mehlmarkt liegt still, das Geschäft beschränkt sich auf den laufenden Bedarf. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilo) in RM.: Weizen W 13 201, W 16 204, W 19 208, W 20 210. Roggen R 12 164, R 15 167, R 18 171, R 19 173; Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Sommergerste für Brauzwecke 200 bis 210. Weizenmehl W 13 27,85, W 16 28,10, W 19 28,10, W 20 28,45; Roggenmehl R 12 22,65, R 15 23,00, R 18 23,45, R19 23,70, plus 0,50 RM. Frachtausgleich. Weizennachmehl 17,10 bis 17,25, Weizenfuttermehl 13,50, Weizenkleie W 13 10,65, W16 10,80, W 19 11,00, W 20 11,10; Roggenkleie R 12 9,95, R15 10,15, R18 10.40, R19 10,50, Mühlenfeftpreife ab Mühlenstation. Sojaschrot mit Monopolzuschlag 16,20, Palmkuchen m. M. 16,80, Erdnußkuchen m. M. 18,30. Heu 8,00, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 3,20 bis 3,40, dasselbe gebündelt 2,60 bis 2,80. Frankfurter Schtachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 24. Okt. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 108 Rinder (31 Ochsen, 6 Bullen, 49 Kühe, 22 Färsen), 654 Kälber, 221 Schafe, 142 Schweine. Es kosteten: Kälber 50 bis 75 Mark, Hümmel 42 bis 46, Schafe 35 bis 43, Schweine 51 bis 57 Mark. — Marktverlauf: Kälber lebhaft, Hämmel und Schafe mittelmäßig, Schweine wurden zugeteilt. Mehr Ginkaufsdisziplin! „Werden wir im Winter genug zu essen haben?", fragt manche Hausfrau. Aengstliche Gemüter sehen sich in Gedanken schon in die entbehrungsreichen Kriegsjahre versetzt, in denen es an den lebenswichtigsten Nahrungsmitteln fehlte. Es ist leider so, daß viele Hausfrauen von unserer Ernährungslage keine rechte Vorstellung haben. Eine Preiserhöhung um wenige Pfennige, eine an sich bedeutungslose Verknappung einer Gemüse- oder Fleischsorte genügen, um sie unsicher zu machen. Horen sie gar noch etwas von schlechter Devisenlage, die uns nur eine beschränkte Einfuhr erlaube, so sehen sie uns schon einer Hungerkatastrophe entgegengehen. Wie sieht es denn in Wirklichkeit aus? Um es vorweg zu nehmen: Unsere Ernährung ist durchaus gesichert. Wir sind heule dank einer weitschauenden Ernäh- rungspolilik weiter als im Kriege, als wir in lebenswichtigen Nahrungsmitteln abhängig vom Auslande waren und darben mußten, als die Einfuhr gesperrt wurde. Aus diesen bitteren Erfahrungen haben wir gelernt und die notwendigen Folgerungen gezogen. Systematisch arbeiten Führung und Bauerntum zusammen, die Ernährung aus eigener Scholle zu sichern. Führten wir z. B. 1930 noch rund 2,6 Millionen Stück Eier ein, brauchten wir 1934 nur noch die Hälfte, nämlich 1,3 Millionen Eier einzuführen. Die Buttereinfuhr konnte von 1,3 Millionen Doppelzentner im Jahre 1930 ebenfalls auf die Hälfte, auf 617 000 Doppelzentner gesenkt werden. Unser Bestand an Rindern, Schafen, Hühnern usw. steigt von Jahr zu Jahr. Dies find nur einige Beispiele für die unermüdlichen Fortschritte, die unsere Landwirtschaft macht. Lebensnotwendige Nahrungsmittel, wie Brotgetreide, Kartoffeln, Milch und Rindfleisch brauchen mir heute schon nicht mehr einzuführen. Solange wir aber Brot, Kartoffeln, Fleisch und Milch im eigenen Lande haben, brauchen wir keine Ernährungsschwierigkeiten zu befürchten. Es ist also verantwortungslos und töricht, von drohender Hungersnot zu sprechen. Das schließt nicht gelegentliche Spannungen in der Gesamtversorgung aus. So waren z. B. Frühobst und Frühgemüse knapp. Der Wettergott hatte kein Einsehen und ließ viel Obst und Gemüse erfrieren. Ausländisches Gemüse und Obst aber konnten mir nur in beschränktem Maße einführen. Es wird trotzdem niemand behaupten können, daß mir deswegen Not gelitten haben. Don Wetterscheiden abgesehen, fteigt die Gemüse- und Obsternte von Jahr zu Jahr. Allein die Anbaufläche für Gemüse ist seit 1927 um 22 000 Hektar gestiegen. In kommenden Jahren werden wir auch hierin vom Ausland unabhängig sein. Noch war die Angst um die Versorgung mit Gemüse und Obst nicht behoben, als die Eier knapp wurden. Die Hühner lassen sich leider nicht dazu bewegen, das ganze Jahr hindurch gleichmäßig Eier zu legen. Statt nun weniger Eier zu essen oder Kühlhauseier zu kaufen, wurden gleich wieder Gerüchte über unsere schlechte Ernährungslage ausgestreut. Auch das Schweinefleisch war in diesem Sommer knapper als im vorigen Jahr, als große Mengen wegen der geringen Futterernte abgeschlachtet wurden. Anstatt Rindfleisch und Hammelfleisch zu kaufen, oder das „Fleisch im eigenen Saft", verlangten die Hausfrauen unbedingt Schweinefleisch und trugen zu weiteren Lieferungsschwierigkeiten bei. Wie die Landwirtschaft bemüht ist, den Ansprüchen der Verbraucher gerecht zu werden, so muß umgekehrt unbedingt erwartet werden, daß die Verbraucher sich auch der Marktlage anpassen. Besondere Aufregung verursachten die fehlenden Zitronen, als ob geradezu unser Lebensglück von einer Zitronenlimonade abhinge! Unsere Südfrüchteeinfuhr war 1934 sogar noch hoher, als 1929. Mehr als 140 Millionen wurden dafür verausgabt. Wir können uns aber augenblicklich nur die Einfuhr wirklich unentbehrlicher ausländischer Lebensrnittel leisten, wozu Südfrüchte und Zitronen jedenfalls nicht gehören. Devisen werden zur Bezahlung der Einfuhr industrieller Rohstoffe gebraucht. Geben wir sie für ausländisches Obst aus, so legen wir damit die Industrie brach. Wir tragen die Verantwortung für das Wohl vieler Arbeiter in den Fabriken, die nicht wieder stellungslos werden dürfen. Sollte es wirklich nicht möglich sein, auf E n t b e h r- liches zu verzichten, wenn so Lebenswichtiges auf dem Spiele steht? Auch die Butterknappheit ist jahreszeitlich bedingt. Immerhin wird auch hier von feiten der Regierung alles getan, um dem Bedarf in jeder Hinsicht gerecht zu werden. Ein anderer Anlaß zur Beunruhigung mar eine gewisse Preissteigerung. Werden die Preise ins Unerschwingliche steigen? Diese Sorge, die Wochen hindurch die Gedanken der Hausfrau beherrschte, dürfte nun endgültig und mit Recht verschwunden sein. Abgesehen davon, daß eine große Anzahl von Preisen, z. V. für Butter, Brot, Milch und Fische unverändert geblieben sind, sind vor kurzem die Preise, soweit sie willkürlich für Fleisch. Schmalz usw. erhöht waren, wieder auf den Stand des Frühjahres gesenkt worden. Den Spekulanten, welche die vorübergehenden Verknappungen ausgenuht halten, wurde damit das Handwerk gelegt. Auch in Zukunft wird barü: er gewacht werden, daß die Preise nicht aus eigensüchtigen Gewinnzwecken in die höhe getrieben werden. Jedenfalls ist es durchaus nicht angängig, von ge« legentlichen Preissteigerungen auf eine allgemeine Lebensmittelknappheit zu schließen und Unruhe zu verbreiten. Wie gesagt, von allen lebenswichtigen Nahrungsmitteln haben mir genug im Inland, auch wenn einmal die Brotgetreideernte und Kartoffelernte schlechter als in diesem Jahre ausfallen sollten. Die Landwirtschaft ist in Zusammenarbeit mit der Regierung bemüht, allen Ansprüchen der Verbraucher gerecht zu werden. Von den Hausfrauen muß nur eins verlangt werden: mehr E i n« kaufsdisziplink • Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) W. R. 10. Da Sie den seinerzeitigen Hauskauf gemeinsam mit Ihrer Frau abgeschlossen haben, kann heute insoweit kein Schadensersatzanspruch mehr geltend gemacht werden; insbesondere können Sie nicht das alleinige Verfügungsrecht an der Erbschaft Ihrer Frau beanspruchen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dwidende an. — Reichsbankdiskont 4 o H.. Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a.M. Berlin Schluß« kurs Schluß'. Abend- börse Schlußkurs Schlußk. Miltag« börse Datum 22 10. 23-10 22-10 23 10. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 100,13 100,13 100,13 100,13 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 97,75 98,13 98 98 6%% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 101,9 102 102,25 102,25 Auslos.-Rechten ............. <*/«% Deutsche Refchspostschatzan- 112,65 112,65 112,65 112,6 Weisungen von 1934, 1....... 6% ef)em.8% Hess. Bolksstaat 1929 100 100 100,13 100,2 (rückzahlb. 102%) .......... ehern. Hessische Landesbank 96,5 96,5 96,5 — Darmstadt Gold R. 12........ 5V2% ehem. Hess. Landes-Hypo- 96 96 — — lhekenbank Darmstadt Liaui ,.. V/i% ehem. 8% Darm st. Komm. 100,25 100,4 — — Landesb.Goldschuldverschr. R.6 Obekhessen Provinz-Anleihe mit 91,25 91,4 — — Auslos.-Rechten ............ Deutsche Komm. Sammelabl. An- — — — — leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten *H% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank 112,4 112,5 112,7 112,8 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 i/i% ehem. 454% Franks. Hyp.- 96,25 96,25 — — Bank-Liqu.-Pfandbriefe....... 6y,% ehem. 4Va% Rheinische 100,5 100,5 — — Hyp.-Bank-Liau.-Goldpfe. ... iy»°o ehem. 8% Pr.Landespsand- oriefanstalt, Pfandbriefe R. 19