nr-197 Erstes vlatt Zamrtag, 24. August 1955 185. Jahrgang übergegangen. Der Reichsminister hat den Preisüberwachungsbehörden mitgeteilt, daß Preissteigerungen grundsätzlich nicht zugelassen werden dürfen. Zur Besprechung der sich hieraus ergebenden Fragen der Preisüberwachung sind außerdem die obersten Landesbehörden, die Oberpräsidenten, die Preisüberwachungsstellen, sowie die Gauleiter der NSDAP, für Mitte nächster Woche zu einer Besprechung nach Berlin eingeladen worden. seien und dem Begriff einer in sich geeinten schaffenden Volksgemeinschaft hätte Platz gemacht werden müssen. Zwar könne kein rechtlich Denkender erwarten, daß in zweieinhalb Jahren alle Probleme des grandiosen Aufbaues gelöst worden seien, aber der Nationalsozialismus könne mit Stolz von sich sagen, daß er wenigstens mit den Problemen angefangen habe. So seien die Klass en als Organisationsform en aufgelöst worden, ohne daß man indes die in ihnen zum Ausdruck kommenden Interessengegensätze bagatellisiert, oder gar außer Acht gelassen habe. Durch das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit sei auf dem Felde der Produktion ein wirklicher Werksfrieden hergestellt, und in der Deutschen Arbeitsfront seien die menhang gedachte der Botschafter in warmen Worten des Marschalls P i l s u d s k i, der gemeinsam mit dem Führer und Reichskanzler die Grundlagen für die Annäherung beider Nationen gelegt habe. Dieses Werk habe feine Festigkeit und Tragfähigkeit bereits erwiesen und gezeigt, daß die aus benachbarter Lage naturgegebene Gemeinsamkeit der Interessen einen Zusammenhalt schaffe, der stärker sei, als juristische Konstruktionen. Dieses Werk sei ein ruhender Pol in dem Wirbel politischen Geschehens und damit ein Faktor, der für die Festigung des Friedens in Europa immer größere Bedeutung gewinne. Kriegsminister General K a s p r z y ck i dankte dem Botschafter für die Worte des Gedenkens für dey polnischen Nationalhelden Marschall P i l s u d s k i und betonte, daß der Flottenbesuch beider Nationen geeignet erscheine, die freundschaftlichen Beziehungen weiter zu festigen und zu vertiefen. Es sei ihm eine besondere Freude, die Vertreter der hervorragenden deutschen Kriegsmarine zu begrüßen, mit her durch den Besuch polnischer Kriegsschiffe in Kiel eine direkte Fühlung ausgenommen worden sei. Der Kriegsminister dankte allen, die zu dem deutsch-polnischen Verständigungswerk beitrugen, das nicht nur im Sinne des Marschalls P i l s u d - s k i, sondern auch des Führers und Reichs- kanzlers Adolf Hitler begonnen worden sei. Das Echo im polnischen Volke. Warschau, 23. Aug. (DNB) Der regierungsfreundliche „K u r j e r Polski" äußert sich zu den Tischreden, die wäbrend des Essens im Offizierskasino in Gdingen zwischen Konteradmiral Unruh und dem Kommandanten des Kreuzers „Königsberg", Kapitän zur See S ch m u n d t, ausgetauscht worden sind, und bemerkt dazu, daß sie viel herzlicher und aufrichtiger gewesen seien, als es sonst der Fall bei solchen Tischreden zu sein pflege. In der einen wie der anderen Rede sei das Moment der Kameradschaft besonders unterstrichen worden, wie sie die Männer der Meere auf der ganzen Welt verbindet, wie auch die Tatsache nicht ausbleibe, daß der gegenseitige deutsch-polnische Flottenbesuch einen neuen Schritt zur Normalisierung der nachbarlichen Beziehungen zwischen Polen und Deutschland dar- stelle. Tatsächlich liege in diesen zwei Momenten das Wesen des deutschen Flottenbesuches. Das Blatt erinnert daran, wie herzlich und gastfreundlich die Besatzungen der polnischen Zerstörer in Kiel ausgenommen worden sind und wie hoch die öffentliche Meinung Polens diese herzliche Gastfreundschaft einzuschätzen gewußt habe. Die deutschen Gäste würden in Polen sicher dieselbe Herzlichkeit und Gastfreundschaft finden, zumal es die erste deutsche Aufwartung dieser Art sei Der Sinn der Revolution, die wir gemacht haben, ist die Volkwerdung der deutschen Ration. Erst in diesem heißen Ausbruch der volk- bedingten Kräfte wurde sie möglich. Ihr Vollzug war um so mitreißender, spontaner und explosiver, je länger man versucht hatte, sie durch künstliche Staudämme aufzuhalten. Das deut- che Volk erhob sich in einer einzigartigen Dernon- tration seines Lebenswillens und vollzog damit eine Einigung, die bis dahin nur von wenigen starkgläubigen Menschen für möglich gehalten, von allen anderen aber als unwahrscheinlich, gegen jede Er- ahrung und Lehre der Geschichte verstoßend be- ächelt und abgelehnt wurde. Der ausgesprochene Charakterzug der deutschen Erhebung, so führte Dr. Goebbels weiter aus, liege im Willensmäßigen. Diese Revolution sei fast ausschließlich Sache der deutschen Jugend gewesen. Sie habe sich heroisch und herb, sentimentalitätslos und wirklichkeitsnah erwiesen, und ihr nüchterner Sinn für gegebene Tatsachen habe sie das Notwendige nicht nur rechtzeitig erkennen, sondern auch rechtzeitig tun lassen. „Was uns an materiellem Glück", so rief Dr. Goebbels aus, „vom Schicksal in dieser Zeit versagt blieb, das haben wir durch die V e - glückung neuer Ideen doppelt und dreifach aufgeholt." Diese neue Gesinnung gebe Deutschland ein Tempo und eine Durchschlagskraft seiner aufbauenden Arbeit, wie sie bis dahin für unmöglich gehalten worden sei. Dies habe sich am deutlichsten sichtbar auf dem Gebiete der Wirtschaft ausgewirkt, wo die Klassengegensätze überwunden worden portugiesischer Dank an den Führer. Berlin, 23. August. (DNB.) Die aus Lehrern und Studenten bestehende portugiesische Studienkommission, die Deutschland bereist hat, hat an den Führer und Reichskanzler das nahstehende Telegramm gerichtet: „Beim Verlassen des gastfreien deutschen Landes grüßen die 260 portugiesischen Lehrer und Studenten, die Hamburg und Berlin besuchten, b e g e i - stert und dankbar das deutsche Volk in Ihrer werten Person. Es lebe Deutschland!" Preissteigerungen grundsätzlich nicht zugelaffen. Berlin, 23. August. (DNB.) Nach dem Ablauf des Gesetzes über die Bestellung eines Reichskommissars für Preisüberwachung ist die Ausübung der Befugnisse des Reichskommissars für den Geschäftsbereich des Reichs- und preußischen Ministers für Ernährung und Landwirtschaft auf diesen Deutsche Seeoffiziere in Warschau: Vertiefung der guten deutsch-polnischen Nachbarschaft. Metzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen des abessinischen Volkes gegen die angreisenoe europäische Macht zu organisieren. Das ist viel weniger eine Gemeinschaftsaktion empörten Gerechtigkeitsgefühls als eine bewußte politische Solidaritäts-Kundgebung. Die Welt außerhalb Europas erwacht nicht nur zum Eigenbewußtsein, sie erwacht zum organisierten gemeinschaftlichen Widerstand. Perspektiven von ganz gewaltiger Tragweite tun sich hier auf. Probleme, die keine beschränkte terrr- oriale die eine weltpolitisch universale Bedeutung haben. Noch ruht die Welt auf der alten Ordnung, die Europa chr gegeben hat. Aber diese Ordnung wird nicht mehr anerkannt, nicht mehr als unabänderlich hingenommen nicht mehr als Autorität aeachtet. Es bedarf nur des Anstoßes, um diese geistige Zersetzung der europäischen Autorität, für di- in erster Linie der selbstmörderische Krieg der Europäer gegen sich selbst verantwortlich ist, weiterzuführen in offener Auflehnung gegen den europäischen Primatanspruch. Japan wartet nur auf eine solche Gelegenheit. Es müßte feiner ganzen antieuropäischen Tradition untreu werden, wenn es nicht in Abessinien eine solche Gelegenheit sehen und benützen sollte. In Rom wo seit 2000 Jahren die koloniale Tradition fehlt, sieht man das nicht, aber in England das von dieser Tradition seit 300 Jahren lebt, weiß man das sehr genau. Und in Washington, wo man dem asiatischen Gegenspieler gegen den weißen Imperialismus am argwöhnischsten auf die Finger schaut, weiß man es ebenfalls. Daher ist man plotz- Das Aufbauwerk Adolf Hitlers. Reichsminister Or. Goebbels spricht vor dem Internationalen Gtrafrechtskongreß in Berlin folgerungen. ,L Der zweite Grund für Englands Gegnerschaft gegen Italiens Pläne ist die Sorge um Öen Seeweg nach Indien. Der Seeweg nach Indien ist der Lebensnerv des englischen Imperiums. Es ist traditionelle englische Politik, alles, was ihm zur Gefährdung werden könnte, fernzuhalten. Man sehe sich aber nur einmal die Karte an, um Die Sorge Englands zu verstehen: stößt zu dem italienischen Lydien im Westen durch die Einverleibung Abessiniens noch ein italienisches Riesenkolomalreich im Süden, dann ist die Basis dieses Verbindungsweges so eingeschnürt, daß daraus leicht eine Blockierung werden könnte. Die dritte Sorge, die England bewegt, ist Die Sorge der Rückwirkungen eines italienifch- abessinifchen Konfliktes auf feine kolonialen Besitzungen. England ist m erster Lime Kolonialmacht und in zweiter Linie erst europäische Macht. Es kann es sich einfach nicht leisten, m einem Konflikt unbeteiligt zu sein, der die Gemüter seiner kolonialen Völker erregt Sie wurden mit dem angegriffenen Abessinien sympathisieren, uno wenn England seine Pflicht gegen den Angreifer und für den Angegriffenen nicht erfüllt, wurde ernste Mißstimmung aufkommen Noch gewichtiger als diese Ruckwirkung des abessinischen^ Konfliktes auf die Einstellung ber euro- päichen Staaten selbst ist., die Rückwirkung a u f d i e außereuropäische Welt. Aegyp ten, Arabien, die Türkei, Indien, und hinter: all diesen als treibende und dirigierende Macht Japan, sind einig in der moralischen und materiellen Unt^- tützung Abessiniens. Türkische Generale, abtfäe Arbeiter indische Soldaten, japanische Kaufleute alles trifft sich in Addis Abeba, um den Widerstand lich überall so eifrig bemüht, den Kriegsfunken auszutreten, zu verhindern, daß der Lokalkonflikt zu einem Weltkonflikt werde. Das Wörtchen Krieg, das aus dem Dunkel Afrikas blitzt, bekommt plötzlich einen ganz anderen Klang. Sein Donner grollt über die ganze Welt hin, und keiner weiß, wie weit die Blitze reichen werden. Eine neue Erkenntnis und ein neues Erschrecken geht durch die politische Welt — und es kann sehr heilsam sein. Erfchelm lägltd), außer ä Annahme von Anzeigen Sonntags und Feiertags ■■■ ▼ für die Miltagsnummer «Z öicncnci zuHcigcr sm infolge höherer Gewalt ~ Stellen., Vereins-, gemein- „SÄÄ, ikeneral-Anrelaer für Ihherheiiett äwsäij SiMMÄ IDvIlvlW-fllljUyU |Ul täBSSSt Postscheckkonto: behördlicheAnzeigenSRpf. Stantfurt am Main 11686 Druck unb Verlag: vrvhl'sche UnwerftlStr-vuch- und Stcinöruderei n. Lange in Liehen. Schriftleitung und Seschäftrstelle: Schulftrahe 7 M-ng-natffchliiff-Staffel ö Warschau, 24. August (DNB.) Sechs Offiziere der Besatzung des Kreuzers „Königsberg" sind Freitag vormittag unter Führung des Kommandanten im Flugzeug in Warschau eingetroffen. Sie wurden von dem deutschen Geschäftsträger und dem deutschen Militärattache sowie pol- nischerseits von dem Kommandeur K o d r e b s k i begleitet. Nach verschiedenen offiziellen Besuchen legten die Offiziere in den Mittagsstunden einen Kranz am Grabe des Unbekannten Soldaten nieder. Besuch beim Chef der polnischen ' Kriegsmarine. Der Chef der polnischen Kriegsmarine, Konteradmiral Swirski, hat um 14.15 Uhr ein Essen zu Ehren der deutschen Seeoffiziere gegeben, an dem u. a. der deutsche Botschafter von Moltke, Botschaftsrat Dr. S ch l i e p, der Militärattache General Schindler und von polnischer Seite der Vizedirektor im Außenministerium Potocki, der Stellvertreter des Kriegsministers Oberst Ulryc, der Stellvertreter des Chefs des Protokolls Lu- bienski, sowie eine Reihe führender polnischer Marineoffiziere teilnahmen. Während des Empfanges hielt Konteradmiral Swirski eine Ansprache, in der er betonte, daß der Besuchsaustausch die Annäherung der Kriegsmarinen Polens und Deutschlands eingeleitet habe. Diese Annäherung würde das gegenfeifige Sich- kennenlernen ermöglichen, das zur Vertiefung der gutnachbarlichen Beziehungen führen werde. Konteradmiral Swirski schloß mit einem Trinkspruch zu Ehren der deutschen Kriegsmarine, des Deutschen Reiches und des Reichskanzlers Adolf Hitler. In der Antwortansprache dankte Botschafter von Moltke für die Begrüßung und betonte, daß der Besuch an demselben Tage stattfände, an dem die deutsche Armee mit Freude bei sich die Vertreter der polnischen Armee begrüße und daß dieser Besuch zur Vertiefung der gegenseitigen deutsch-polnischen Beziehungen führen werde. Der Botschafter brachte dann einen Trinkspruch auf die polnische Kriegsmarine, das polnische Volk und den Staatspräsidenten Moscicki aus. Gmpfona beim deutschen Botschafter. Auf einem Empfang, den Botschafter v. Moltke am Freitagabend für die Offiziere des Kreuzers „Königsberg" veranstaltete und an dem Vertreter der polnischen Militär- und Regierungsstellen teil- yahmen, wurden Tischreden zwischen dem Botschafter und dem polnischen Kriegsminister General Kasprzycki ausgetauscht. Botschafter von Moltke gab der Freude dar- über Ausdruck, Vertreter der deutschen und der polnischen Marine begrüßen zu können, und verwies u. a. auf die Bedeutung des Besuches für das Werk der Verständigung. In diesem Zusam- Abschluß des deutsch-französischen Studentenlagers auf llsekom. Stettin, 24. Aug. (DNB.) Nach vierwöchiger Zusammenarbeit der nach Deutschland eingeladenen französischen Studenten mit ihren deutschen Kameraden im Studentenlager von Zempin auf Usedom ist dieses jetzt beendet worden. Der Eindruck, den die Franzosen in der Arbeits- und Sportgemeinschaft mit den deutschen Studenten vom neuen Deutschland erhalten haben, ist außerordentlich tief. Vor der Abreise erklärte der Führer der französischen Studenten, Broudeur, daß er und seine Kameraden in Deutschland einen wirklichen Sozialismus kennengelernt hätten, der keine Phrase sei. Zwischen den deutschen und den französischen Studenten sei beschlossen worden, zur weiteren Verständigung ihrer Völker noch mehrere Lager in Frankreich und in Deutschland gemeinsam abzuhalten. Die andere Seite.... Man mag über Den Abessinienkonflikt denken wie man will, er hat auch seine guten Seiten. Er ist ein Exempel, am Horizont des europäischen Geschehens ausgeführt, das ungemein lehrreich ist und in mancher Hinsicht geradezu aufregende neue Perspektiven zeigt. Abessinien?! Ein kleiner Kolonialkrieg in Afrika? ! Was konnte das die Welt schon viel angehen! Er i brauchte sie nicht zu interessieren! Er würde eine ■ kleine nebensächliche Episode im großen weltpoli- ; tischen Geschehen bleiben, eine Episode, die sich ver- i hältnismäßig leicht in der allgemeinen Betriebsam- ' feit dieser Politik durchschmuggeln ließe. So dachte i man ganz sicher in Rom, so dachte man vielleicht i auch anderswo. Es war das Denken in alten Vor- | ftellungen und in Erinnerungen an Zeiten, in denen i das Wörtchen Krieg, wenn es irgendwo am Hori- 1 zont auftauchte, die Gemüter ungerührt ließ, in ' denen Kriege sozusagen Lokalereignisse waren, die : sich abkapseln ließen von den übrigen Geschehen. Und I siehe: nun muß man plötzlich die Entdeckung machen, daß diese Zeiten vorbei sind, daß, kommt die Politik 1 auch nur in einem entlegenen Zipfel Afrikas in Bewegung, sie als Ganzes in Aufruhr zu geraten droht. Die Welt ist erstens zu eng geworden für Ellenbogenmanieren, ihre Interessensphären sind zu sehr abgegrenzt und zu nahe aneinandergerückt, als daß man noch neue, ohne Komplikationen, zwischen die alten schieben könnte: die Erde ist aufgeteilt, wer sich neu anmeldet, der bringt die alten Inhaber gegen sich in Aufruhr. Das ist das eine. Das andere ist, daß der Weltkrieg die ganze Welt politisiert hat. Es ist ein gefährlicher Irrtum, ein Irrtum, an dem Europa leicht einmal sterben könnte, zu glauben, daß Politik eine Angelegenheit des Europäertums und der von ihm geführten weißen Rasse sei. Sie ist heute in zunehmendem Maße eine Angelegenheit der farbigen Völker, und zwar nicht nur der Japaner geworden. Ganz Abessinien befindet sich auf der Suche nach neuem politischem Gemeinschaftswollen und neuen politischen Gemeinschaftsformen, in Afrika ist unter den Schwarzen mindestens die dunkle Sehnsucht danach fpürbar. lieber» all ist die Solidarität ber anoeren Welt gegen Europa im Wachsen. Solidarität braucht aber zum Werden und zur Wirksamkeit die Voraussetzung des Konfliktes. Der abessinische Konflikt hat diese Voraussetzung geschaffen, Er hat uns plötzlich mit wirklich ernüchternder Deutlichkeit klar gemacht, wie sehr daß außereuropäische Solidaritätsgefühl wach und zum gemeinsamen Handeln auch entschlossen sei. Beide Umstände, die enge Verflechtung der europäischen Interessen selbst und der enge Zusammenschluß der außereuropäischen Welt gegen unser Europa, haben den Abessinienkonflikt zu der großen wertvollen Lehre werden lassen: daß es erstens keine Absonderung eines Konfliktes, und scheine er noch so klein und noch so entlegen, aus dem allgemeinen Problemkreis der europäischen Politik gibt, und daß zweitens heute jeder Konflikt zu einer allgemeinen Auseinandersetzung zwischen europäischer Geltung und außereuropäischem Anspruch wird. Wenn Rom sagt, daß England nicht des Völkerbundes, sondern eigener egoistischer Interessen wegen so leidenschaftlich am Abessinienkonflikt An teil nimmt, so hat es vielleicht Recht damit, aber diese Feststellung unterstreicht nur Die Bedeutung d e r Gefahr, die die Störung der Ordnung heutigen Tages an irgendeinem Punkt für das ganze Problem des weltpolitischen Friedens cheraufbeschwört. England setzt sich so energisch gegen Italien aus drei Gründen ein: erstens fürchtet es für Aegypten und Öen Sudan, dessen wirtschaftliches Gedeihen vollkommen von den Wassern des Blauen Nils abhängt, die wiederum ihr Quellengebiet im Tana-See-Gebiet des abessinischen Hochlandes haben. Wer den £arm5 Se^ beherrscht, hat Aegypten und den Sudan Das weiß man in London und zieht daraus seine Schluß- Berlin, 23. Aug. (DNB.) Die Verhandlungen des 11. Internationalen Strafrechtsund Gefängniskongresses wurden am Freitagvormittag fortgesetzt. Sie erreichten ihren Höhepunkt mit der großangelegten Rede des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels, der den versammelten Vertretern von 50 Nationen vor Augen führte, wie die nationalsozialistische Revolution Deutschland politisch, sozial, geistig und kulturell umgestaltet hat. Parkett und Tribünen waren überfüllt. Die Reichsminister Gürtner und Frank, die Staatssekretäre Freister und Schlegelberger, Polizeipräsident Graf H e 11 d o r f und zahlreiche andere bekannte Persönlichkeiten wohnten der Sitzung bei. Reichsgerichtspräsident Bumke eröffnete die Sitzung mit Dankesworten für Reichsminister Dr. Goebbels für seine Bereitwilligkeit, zu den Kongreßmitgliedern zu sprechen. Reichsminister Dr. Goebbels führte u. a. folgendes aus: „Jede Revolution, die vor der Geschichte Bestand hat, ist ein geistiger Akt. Die Bewegungen auf dem Felde der Machtpolitik, die dadurch ausgelöst werden, sind nur die sichtbaren Ausdrucksformen dieses Prozesses. Hinter jeder Revolution steht eine Idee, und es ist ihr Sinn, daß diese Idee auf allen Gebieten des öffentlichen und privaten Daseins zum Durchbruch kommt. Revolutionen, die sich lediglich im Machtpolitischen erschöpfen, sind meistens nur von kurzer Dauer. Sie bringen zwar neue Männer an die Verantwortung, aber mit diesen neuen Männern werden keine neuen Ideen in Form gebracht. Erst eine Machtpolitik, die sich als Mittel zu einem höheren Zweck empfindet und ihren eigentlichen Selbstzweck darin sieht, die hinter ihr stehende Ideenwelt, die sie zum Antrieb brachte, aus Der Welt der Theorien in die Welt Der Realitäten zu versetzen, gibt der Revolution eine über die Zeit hinaus wirkende Bedeutsamkeit. schaf enden Menschen des g a n z e n Volkes zusammengefaßt worden. Die Wertung des arbeitenden Menschen geschähe nicht mehr nach dem, w a s er tue, andern wie er es tue. Durch die Kräfte des Idealismus und einer heiligen Hingabefreudigkeit (ei das Wunder möglich geworden, daß schon jetzt von nahezu 7 Millionen Erwerbslosen, die der Nationalsozialismus bei der Uebernahme der Verantwortung mitübernehmen mußte, über 5 Millionen wieder in die Fariken und Kontore zurückgeführt worden feien. Drei Kardinalprobleme feien bei der Dichtigkeit all' der anderen Probleme als besonders vordringlich empfunden worden: das Problem der inneren Einheit, das Problem der Beseiti- gung der Arbeitslosigkeit und das Problem der Diederherstellung unserer nationalen Souveränität. Diese drei Probleme seien heute bereits einer weitgehenden Lösung zugeführt worden. Während der Liberalismus, der das vom Nationalsozialismus niedergeworfene System charakterisierte, vom Individuum ausgegangen sei und den Einzelmenschen in das Zentrum aller Dinge gestellt habe, habe der Nationalsozialismus Individuum durch Volk und Einzelmensch durch Gemeinschaft ersetzt. Dabei sei es freilich notwendig gewesen, die Freiheit des Individuums insoweit einzugrenzen, als sie sich mit der Freiheit der Nation in Widerspruch befand. „Kein Linzelmensch, er mag hoch oder niedrig stehen, kann das Recht besitzen, auf Kosten des nationalen Freiheilsbegriffes von seiner Freiheit Gebrauch zu machen. Denn nur die Sicherheit des nationalen Freiheitsbegriffes verbürgt ihm auf die Dauer auch persönliche Freiheit.- Das gelte gleicherweise für den geistigen Menschen. Wenn er sich von seinem Volke trenne, gebe er dabei die Quelle seiner Fruchtbarkeit auf. Die Kunst sei der edelste geistige Ausdruck einer Zeit. So gebe auch die neue deutsche Zeit der Kunst die Aufgabe, die ihr innewohnenden Gedanken in über die Zeit hinauswirkende Form zu gießen und damit nachkommenden Geschlechtern einen lebendigen und plastischen Ausdruck vergangener großer Epochen zu übermitteln. Wenn noch nicht die letzte künstlerische Ausdrucksform der neuen Zeit gefunden worden sei, so möge man nicht vergessen, daß alles Große Zeit zum Reifen brauche und daß es der Geduld im Warten bedürfe, um des Großen wirtlich teilhaftig zu werden. Wie tief und ehrlich die Sorge sei, die das neue Deutschland dem geistig Schaffenden entgegenbringe, das bewiesen kulturelle Großtaten wie die Gründung der Reichskulturkammer, der Bau des Hauses der deutschen Kunst, die umfassenden Baupläne für Berlin und München, die großzügige Uebernahme einer ganzen Reihe repräsentativer Theater in die Hand des Staates, das neue Schriftleiter- und Theatergesetz, die tatkräftige Fürsorge, die die nationalsozialistische Regierung dem Film angedeihen lasse, um nur einige zu nennen. Uebergehend zu den Problemen der Innenpolitik stellte Dr. Goebbels am Schluß seiner Ausführungen fest, die nationalsozialistische Staatsgestaltung sei nicht so undemokratisch, wie es auf den ersten Anblick scheinen möge. Sie habe eine neue Form des Zusammenwirkens zwischen Regierung und Volk gefunden. In ihr werde die Regierung zwar vom Volke beauftragt, nicht aber in der Durchführung dieses Auftrages von einer Unzahl Unverantwortlicher kontrolliert. Ls war das tragikomische Verhängnis der traditionellen demokratischen Parteien der deutschen Vergangenheit, daß sie zwar an das Volk appellierten, daß ihr Appell aber im Herzen des Volkes keinen Widerhall fand. Sie wollten lieber mit den Waffen irren, als gegen die Waffen das Richtige tun. Wir haben den Wut, dem Volke die wenn auch schwere Wahrheit zu sagen, und erleben dabei das Glück, daß das Volk uns versteht. Wenn es der Sinn einer wahren Demokratie ist, die Völker zu führen und ihnen den Weg zu Arbeit und Frieden zu zeigen, dann, glaube ich, ist diese wahre Demokratie in Deutschland, und zwar gegen die Parteien, die nur Zerrbild abgaben, verwirklicht worden. Diese Art wahrhaft moderner Demokratie haben wir dem deutschen Aufbau zugrundegelegt. Sie ist volksverbunden, souverän und autoritär, sie geht unbefangen an die großen Probleme der Welt heran und läßt sich in ihrer Losung nicht durch den wandelbaren Geschmack der Masse beirren. Was dem Volke dient, das muß getan werden. Es muß ganz getan werden, damit es zu seinem Segen ausschlagt. Die Besten des Volkes sind dazu berufen, es zu tun Sie sind die Träger einer aristokratischen Demokratie, die in ewiger Auslese die Berufenen an die Führung bringt, weil sie den Willen zum Führen haben und die Kunst des Führens beherrschen. Niemand glaube, daß es ein Allheilmittel gegen die große Krise gebe, oder eines Tages ein Zaubermann unter den Menschen aufstehe, der den Stein der Weisen gefunden hat. Die Völker werden arbeiten müssen, um der Krise Herr zu werden. Ihre Regierungen haben viel Wut nötig, um die Völker dazu anzuhalten und ihnen die Kraft der Ausdauer zu bewahren. Gebe Gott ein gütiges Schicksal, daß dieser Segen der Arbeit unter den Volkern und die Gnade einer mutigen Kraft unter ihren Staatsmännern einen sicheren und festen Platz einnehme, damit nach endlosen Wirren und grenzenlosen Leiden am Ende doch noch ein Stern aufgehe in dem dunklen Gewölk, das den Himmel Europas überschattet. TieferEindruck.-HerzlicherDank. Berlin, 23. August. (DNB.) Die Rede des Reichsministers Dr. Goebbels, die den ausländischen Kongreßteilnehmern in französischer und englischer -Sprache vorlag, machte offensichtlich auf alle Zuhörer tiefsten Eindruck. Als Dr. Goebbels betonte, daß der Nationalsozialismus Deutschland und Europa vor dem kommunistischen Ansturm 5e- wahrt habe, war der Beifall allgemein, und on Händeklatschen beteiligten sich auch die ausländischen Teilnehmer lebhaft. Das gleiche war am Schluß der Rede der Fall. Präsident B u m k e gab dem wärmsten Dank des Kongresses an Dr. Goebbels Ausdruck. Er er- klarte dabei u. a.: Der Kongreß hat die Ehre und me Freude gehabt, aus dem Munde des Herrn Reichsministers der Justiz Dr. Gürtner, des Herrn Reichsministers und Präsidenten der Akademie für Deutsches Recht Dr. Frank, des Herrn Staatssekretärs im Reichsministerium der Justiz Dr. Freisler zu hören, wie der Nationalsozialismus mit einer Art Naturgegebenheit das Recht des Dritten Reiches und insbesondere jein Strafrecht gestaltet. Was dem Kongreß an Belehrung, an Einblick in die tiefsten Gründe der Erneuerung Deutschlands bisher geboten worden ist, hat heute seine Vollendung dadurch erfahren, daß Reichsminister Dr. Goebbels uns, losgelöst von dem engen Gebiet, auf dem wir arbeiten, eingeführt hat in das Gedankenreich des Nationalsozialismus. Für uns Deutsche ist es keine Ueberraschung und doch ein erneuter Genuß, zu hören, wie dieser Wegbereiter des Dritten Reiches mit einer — ich darf wohl sagen — unvergleichlichen Rednergabe, mit einer einzigartigen Klarheit der Gedanken so einfach und eindringlich uns nähergebracht hat, was ihm und anderen Lebensaufgabe und Angelegenheit tiefen Glaubens, festen Willens und heiliger Ueberzeugung ist. Dem Dank des Präsidenten schloß sich der Kon- greß durch neue Beifallskundgeoungen an. Nach einer kurzen Pause setzte der Internationale Strafrechts- und Gefängniskongreß seine Verhandlungen fort. Litauische Sabotage der Memelwahlen. Tilsit, 23. Aug. (DNB.) Der Vorsitzende des widerrechtlich amtierenden Direktoriums des Memelgebietes Bruvelaitis hat auf Grund des 810 der neuen Wahlordnung des Memelgebiets die S t i m m b e z i r k e für die am 29. September stattfindende Wahl des Landtags festgesetzt. Die erste Ausführungsbestimmung des neuen Wahlgesetzes deckt mit einem Schlag den ganzen Plan der beabsichtigten Wahlbeeinflussung auf. Bruvelaitis hat die Zahl der Stimmbezirke in den Landkreisen von 198 auf 63 herabgesetzt. Lediglich die Stimmbezirke in der Stadt Memel selbst sind in ihrer bisherigen Zahl erhalten geblieben. Was diese Herabsetzung der Stimmbezirke auf dem Lande bedeutet, kann man sich vorstellen. Auf diese Weise werden die Wähler zum Teil gezwungen, Anmarschwege von vielen Kilometern vorzunehmen, ehe sie an ihre Wahlurnen kommen können. In diesen Wahlorten wird ein starkes Gedränge einsetzen, so daß also die Wahl für die Wähler so unbequem wie möglich gemacht wird. Regierungskrise in Jugoslawien. Belgrad, 23. Aug. (DNB.) Die seit einigen Tagen erwartete Regierungskrise ist Freitag ausgebrochen. Drei Mitglieder, nämlich der Minister für Sozialpolitik, Preka, der JustizyPnister Auer und der Forstminister Stefanowitsch überreichten ihre Rücktrittsgesuche dem Ministerpräsidenten und Außenminister Stojanowitsch, der gerade aus Veldes zurückgekehrt war, wo er vom Prinzregenten Paul in Audienz empfangen wurde, lieber die Ursachen der Krise wird von amtlicher Seite noch keine Mitteilung gemacht. In politischen Kreisen verlautet, daß die zurückgetretenen Minister mit der Gründuna der neuen Regierungspartei, bestehend aus den ehemaligen Serbisch-Radi» kalen, den bosnischen Muselmanen und der Slawe- Nischen Volksvartei, nicht einverstanden sind, weil sie darin eine Erschwerung zur Losung der kroatischen Frage erblicken, deren Bereinigung insbesondere ht Offizierskreisen gewünscht wird. Ministervesprechung beim polnischen Staatspräsidenten. W a r s ch a u, 23. Aug. (DNB.) Beim Staatsprä- sidenten M o s c i ck i fand am Donnerstagnachmittag eine Besprechung statt, an der Ministerpräsident Slawe t, Außenminister Beck und der Generalinspekteur der Armee General Rydz-Srnigly teilnahmen. Ein Amerikaner über das Zudenproblem. Neuyork, 23.Aug. (DNB.) „Herald Tribüne" veröffentlicht eine Unterredung mit dem aus Deutschland zurückgekehrten Neunorker Grundstücksmakler August checkscher. Aus die Frage nach dem Judenproblem in Deutschland antwortete Heckscher mit der Gegenfrage, wasdenninNeu- york geschehen solle. Das Neuyorker Judenproblem gleiche durchaus dem früheren deutschen Judenproblem. Der Prozentsatz jüdischer Aerzte und Richter sei in Neuyork sehr hoch im Verhältnis zu der übrigen Bevölkerung. Ein derartiger Zustand müsse zu Schwierigkeiten führen. Neue Ministerkonferenz in London. Oer Tana-See und die Quellen des Blauen Nils unter keinen Umständen für eine fremde Macht. — England verstärkt feine strategischen Punkte auf dem Wege zum Roten Meer. London, 23. Aug. (DRV.) Am Freitag fand in Downingstreet 10 unter dem Vorsitz des amtierenden Winisterpräsidenten Wacdonald eine zweistündige Besprechung über den Ha- lienifch-abessinischen Streitfall statt, an der die noch in London verbliebenen Minister, nämlich der A u ß en m i n i st e r, der Kriegs- Minister, der Erste Lord der Admiralität, der Kolonialminister und die Abteilungsleiter des Foreign Office und anderer Regierungsstellen teilnahmen. Während Wacdonald sich Freitagabend mit der Bahn nach Schottland zurückbegibt, verbleibt Sir Samuel Hoare in der Umgebung Londons, um sich über die Entwicklung ständig aus dem Laufenden halten zu lassen. Die französische Regierung ist von den Entscheidungen des britischen Kabinetts auf diplomatischem Wege unterrichtet worden. In unterrichteten Kreisen wird darauf hingewiesen, daß nicht beabsichtigt sei, irgendeine besondere Witteilung an Italien zu richten. Die hier und da aufgetauchte Behauptung, daß Eden in Kürze nach Paris zu einer Aussprache mit Laval fahren werde, gilt zum mindesten als verfrüht. Au der Aufnahme der britischen Kabinettsbeschlüsse in Rom stellen die englischen Berichterstatter das Fehlen einer maßgebenden Aeuhe- rung zu der Entschlossenheit Englands fest, sich strikt an die Verpflichtungen der Völkerbundssatzung zu halten. Gleichzeitig lasse man in Rom durchblicken, daß die Ergebnisse der Kabinettsslhung nur das darstellen, was Italien erwartet habe. Dagegen werde der Beschluß, die Verhandlungen auf diplomatischem Dege fortzusehen, zwar als wohlgemeint, aber hoffnungslos angesehen. lieber den Inhalt der Beratungen des Kabinetts sind inzwischen einige weitere Einzelheiten durchgesickert. Der im allgemeinen gut unterrichtete „Star" schreibt, das Kabinett habe sich einmütig auf den Standpunkt gestellt, daß der Tanasee und die Quellen des Blauen Rils unter keinen Umständen unter die Kontrolle einer fremden Wacht allen dürften. Ferner fei beschlossen worden, gewisse lebenswichtige strategische Punkte auf der Verbindungslinie des Weltreiches zwischen dem Wutterlande und dem Roten Weer zu verstärken. Der politische Berichterstatter des „Manchester Guardian" weiß zu berichten, daß das seinerzeitige Angebot Englands, einen Gebietstreifen von Britisch - Somaliland zusammen mit dem Hafen Zalla an Abessinien unter der Voraussetzung abessinischer Zuge- ländnisse an Italien abzutreten, trotz der unfreundlichen Aufnahme dieses Vorschlages im llnterhause nach wie vor G ü l t i g k e i t habe, falls es hierdurch gelinge, den Frieden zu erhalten. Der Staatssekretär des Aeußeren Sir Samuel Hoare und der Völkerbundsminister Eden haben sich nach Norfolk bzw. Porkshire begeben, um dort einige Tage auf dem Lande zu verbringen. Am Dienstag nächster Woche werden beide Minister wieder im Foreign Office fein. Einberufung i>e« französischen Minlstmafö. Datl» 23. Aug. (OHB.) AmIIIch wird mit- geteilt, daß am kommenden Mittwoch unter Vorsitz des Präsidenten der Republik ein Mi niste r- r a t Zusammentritt. Mussolinis Ziel: Völlige militärische Besetzung Abessiniens. Conbon, 24. Muguft. (BBB. Suntfpr.) Der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" will berichten können, daß Italien beabsichtige, die militärische Besetzung Abessiniens offiziell als polizeiliche Schutzmaßnahme" zu bezeichnen. Es wolle seinen Gesandten in Addis Abeba nicht abberufen, sondern wünsche ein Bataillon Infanterie zur Verstärkung der Gesandtschaftswache nach der abessinischen Hauptstadt zu senden. Mussolini führe Klage darüber, daß Großbritannien den abessinischen widerst und ermutige und ihu dadurch zu einer Verdoppelung seiner militärischen Vorbereitungen nötige. Er sei aber entschlossen, sich durch nichts von seinem Ziele abbringen zu lassen: der völligen militärischen Besetzung Abessiniens, der Erwerbung des Tieflandes und der Errichtung eines italienischen Protektorats über das Hochland. Die englischen Kredite fürMlien hören auf. London, 24.Aug. (DRB. Funkspruch.) Die „Finish News" schreibt, ein Beschluß der Londoner Llearing-Banken, die bisher italienischen Banken gewährten Krediterleichterungen nicht zu erneuern, werde dazu führen, daß die Kredite sich in den nächsten drei Monaten immer mehr vermindern, und nach ihrem Ablauf gänzlich aufhüren würden. Die Londoner Banken hätten ihren Beschluß nur widerwillig gefaßt. Die italieniischen Banken seien stets ausgezeichnete Kunden gewesen, aber es herrsche die begreifliche Sorge, daß der abessinische Streit zu einer Der, schlechterung der italienischen nan}tage führen werde. Englische Bombenflugzeuge für den Sudan. London, 24. Aug. (DNB. Funkspruch.) Reutet meldet aus Athen: Die britische Gesandt» s ch a f t hat die griechische Regierung ersucht, einem Geschwader britischer Bombenflugzeuge, das für den Sudan bestimmt ist, dis Erlaubnis zum Landen und zur Einnahme von Brennstoff in Griechenland zu geben. Lustschuhbelehrung an die Bevölkerung von Malta. London, 23. Aug. (DNB.) Wie aus M a 11 d berichtet wird, hat die Polizei am Freitag an die Bevölkerung Flugblätter verteilt, die Verhaltungsmaßregeln im Falle eines Gasangriffs aus der Luft enthielten. Weiikchin Zurückhaltung in Paris. tl Nur von den eigenen Interessen leiten lassen. — Gegen französische Kolonialzugeständnisse an Italien. Paris, 24. Aug. (DNB. Funkspruch.) In der Beurteilung der Lage, die durch die Londoner Kadinettsbeschlüfse geschaffen worden ist, beobachtet man in Paris weite rhin Zurückhaltung. In einer Londoner Meldung des „Petit Parisien" wird hervorgehoben, daß die englische Regierung die Prüfung der Sanktionsfrage mit aller Sorgfalt fortsetzen werde. Im „Echo de Paris" wird die Frage gestellt, was Frankreich tun werde, wenn es zwischen Rom und London zu wählen habe. Das Blatt beantwortet diese Frage selbst dahin, daß Frankreich sich ebenso wie Italien und England von seinen eigenen Interessen leiten lassen müsse. Das Interesse Frankreichs aber liege ausschließ- sich in Europa. Das Blatt spricht dann wieder in seiner bekannten scharfmacherischen Art von einer angeblichen „deutschen Gefahr" (!), gegen die man sich schützen müsse, und schließt, zwischen Frankreich, England und Italien gebe es angesichts dieser „Gefahr" eine tatsächliche Solidarität. Aber allein Frankreich habe mit Deutschland eine gemeinsame Grenze. Daher sei es zu ständiger Wachsamkeit verurteilt (I). Der Londoner Berichterstatter des „Echo de Paris", der stets gut über die Absichten der britischen Regierung unterrichtet ist, meldet, daß man sich täuschen würde, wenn man die abwarte n d e Haltung der britischen Regierung als Schwäche auslegen wollte. England werde in der Frage der Sanktionen nicht auf eigene Faust vorgehen. 3m Kabinettsrat fei In der Sanktionsfrage keine Einstimmigkeit erzielt worden. Einstimmigktzil habe es nur darüber gegeben, daß die All- quellen und der T a n a f e e nicht der Kontrolle einer fremden Macht unterliegen dürften und daß es notwendig fei, gewisse lebenswichtige strategische Punkte, wie Gibraltar, Mqlta, Lypern, Suez, Aden, Perim und Lhartum zu verstärken. Die britische Regierung erwarte im übrigen, daß Italien nach dem japanischen Beispiel in der Mandschurei die Feindseligkeiten in Abessinien ohne Kriegserklärung eröffnen werde. Italien werde feine militärischen Operationen als polizeiliche Maßnahmen hinstellen, wie England und Frankreich dies oft genug getan hätten. Das „Journal" erklärt, wenn man dem Völker« bunb treu bleiben wolle, müsse vor allem dessen eiaentliche Aufgabe bestehen bleiben, d.h« man müsse versuchen, den Frieden zu b e* wahren, nicht aber den Streitfall zu oerallge« meinem. „L'Ordre" ist der Ansicht, daß es mit den kolonialen Zugeständnissen Frankreich an Italien nunmehr genug fei. Frankreich habe in Tibesti und Tunis beträchtliche Zugeständnisse gemacht, und es habe in Französisch-Somaliland auf weitere wirtschaftliche Ausbeulung verzichtet. Größeres Entgegenkommen könne Frankreich auf kolonialem Gebiete Italien nicht zeigen. Der Aeutralitätswille Amerikas. »Amerika aus dem Rat der Völker ausgescholtet." — Ernüchtert nach den Erfahrungen des Weltkrieges. ®aff)ingfon, 24. Aug. (DNB.) Vas Re- präfentantenhaus nahm in feiner Sitzung am Freitag ohne Abstimmung die Neulrali- tätsvorlage des Senats mit der ein Kompromiß darstellenden Ergänzung an, daß der Präsident bis Ende Februar 1936, d. h. bis nach Beginn der nächsten Kongreßperiode, zwangsläufig ein Waffenausfuhrverbot gegen alle kriegführenden Staaten verhängen muffe. Die Vorlage wirb nach Bereinigung einiger unbedeutender Einzelheiten mit dem Senatskomitee an das Weiße Haus weilergehen. ^Än der Neutralitätsfrage hat sich das Staatsdepartement trotz schwerer Bedenken dem allgememen Ruf nach Isolierung von euro- paischen Streitfällen beugen müssen und xc. bamlt seinen Willen durchgesetzt, daß die Regierung im Falle eines Kriegsausbruch e s alsbald die Ausfuhrsperre a e■ gen alle kriegführenden Staaten Der« hängen muß. Damit ist Amerika aus dem Rat der Völker ausgeschaltet und die Mitarbeit Washingtons an den Bemühungen um eine friedliche Beilegung des Streitfalles zwischen Italien und Abessinien nunmehr unmöglich geworden. Zwar hat man die „Fesselung" der Bundesregie» rung vorläufig auf 6 Monate begrenzt, aber es handelt sich gerade um die kritischen Monate, in denen die Frage, ob ein Krieg in Afrika aus» oncht, entschieden werden muß. Weiter ist zu be- öenfen, bafj es erfahrungsgemäß schwerer ist, tm Uttaftliabr so stark umstrittene Punkte wie die Neu» tralitatsfrage gegen den Willen des Bundessenats durchzusetzen. Die Stimmung ist fast überall in oen Vereinigten Staaten so, daß irgendwelche Bindungen an oder auch nur Verhandlungen mit fremden Staaten abgelehnt werden. Die Erfahrungen des Weltkrieges und insbesondere die Richtzahlung von Kriegsschulden von feiten Englands, Frankreichs und der Übrigen verbündeten haben fc ernüchternd gewirkt. leicht Zwis _ ____ Spanien dem abessinischen Konflikt geographisch nahebringen würden. Aber auch in einem solchen Falle werde sich Spanien nur von seinem Willen zur Neutralität und zum Frieden leiten daß man den Reff der wett sich selbst über- lassen will. Hierzu kommt das instinktive Mißtrauen der Provinz gegen Washington und insbesondere gegen die Außenpolitik. DerSchlichtuWsausschußinVern Bern, 23. Aua. (DNB.) Der italienischabessinische Schlichtungs- und Schieds- aerichtsausschuß nahm am Freitag seine Arbeit in Bern mit der Vernehmung der von Italien genannten Zeugen auf. Als erster sagte Exzellenz R a o a , der ehemalige Generalgouverneur von Jta- lienisch-Somaliland, aus, der von seinem Adjutanten de V i t t o r i o begleitet ist. Die Sitzungen des Ausschusses finden im Hotel Bellevue statt und sind streng vertraulich. In Bern trafen zwei (Eingeborene aus Ostafrika ein, die als italienische Soldaten an den Kämpfen um Ual-Ual beteiligt waren und die ebenfalls als Zeugen vernommen werden sollen. Erklärung des italienischen Gesandten in Addis Abeba. AddisAbeba,23. Aug. (DNB.) Der i t a l i e - nischeGesandte Graf Vinci sprach im a b e s- s i n i s ch e n A u ß e n m i n i st e r i u m vor und gab die Erklärung ab, daß Konsul Muzzi Falconi sich infolge eines Unglücks mit eigener Hand verwundet hat. Täglich größere italienische Truppentransporte. Sonntag erreicht werden, wo aus den beiden Dampfern „Saturnia" und „Allante" 6000 Schwarzhemden die Reise nach den italienischen Kolonien antreten werden. Heute verläßt die „Quirinale" mit 400 Schwarzhemden und 5 Offizieren Neapel. Zur Ausfahrt für die nächsten Tage stehen sieben weitere Schiffe bereit. Die Haltung Spaniens. Madrid, 24. August. (DNB.) Die Madrider Zeitung „El Debatte" nimmt Stellung zu den Erklärungen des spanischen Kriegs- und des Innenministers über die Truppendewegungen in Südspanien und betont, daß zwar die Gefahr eines bewaffneten Konfliktes für Spanien in weiter Ferne liege, daß die spanische Regierung jedoch die Oeffentlichkeit recht- zeitig informieren sollte, um solchen Gerüchten, wie sie kürzlich im Umlauf waren, von vornherein entgegenzutreten. Wenn auch kein Grund zur Beunruhigung vorliege, so müsse man doch die Entwicklung der Dinge in der internationalen Politik mit aufmerksamen Augen verfolgen, da sich ~ enfälle ereignen könnten, die estnischen Konflik lassen. Englischer Flottenbesuch in Spanien. Madrid, 24. Aug. (DNB.) In El Ferrol liegen zur Zett sechs englische Unterseeboote, die sich aus einer Reise befinden, auf der alle größeren spanischen Häfen angelaufen werden sollen. Baldwin wieder in Aix-les-Bains. Paris, 23. Aug. (DNB.) Ministerpräsident Baldwin ist am Freitagnachmittag zur Fortsetzung seines Kuraufenthaltes wieder in Aix- les-Bains eingetroffen. Rom, 23. August. (DNB.) In ständig ge- fteigertem Maße erfolgen täglich große Truppentransporte nach Ostafrika. Sm Hafen von Neapel herrscht ein ungeheurer Betrieb, da kein Tag vergeht, an dem nicht mehrere Schiffe mit starker Besetzung nach Ostafrika ausfahren. Der Höhepunkt wird am kommenden S00-Mil1ioneu-Mark-Neichsanleihe. Berlin, 23. Aug. (DNB.) 3m Zuge der Durchführung der von der Reichsregierung in Angriff genommenen Aufgaben legt das Deutsche Reich durch das unter Führung der Reichsbank stehende Anleihe- konfortium 500 Millionen Mark vier- einhalbprozentige Reichsfchahanwei- fungen zum Kurse von 98,75 v. h. zur öffentlichen Zeichnung auf. Die Laufzeit dieser Reichsschahanweisungen beträgt zehn Jahre, beginnend mit dem 1. Oktober d. 3. Bon 1941 ab werden jedes 3ahr 20 v. H. des Lmissionsbetrages der Schahanweisungen ausgelost werden. Die Zahlungen durch die Zeichner auf zugeteilte Reichsschahanweisungen haben in der Zeit vom 3. Oktober bis 20. Dezember d. 3. zu erfolgen, und zwar am 3. Oktober und 2. November je 30 v. H, am 27. November und 20. Dezember je 20 v. H. des zugeteilten Betrages. Frühere Zahlungen find zulässig. Der Lauf der Stückzinsen beginnt mit dem 1. Oktober d. 3. Die Reichsschahanweisungen sind mündelsicher und bei der Reichsbank lombardfähig. Die Zeichnungsfrist läuft vom 4. bis 16. September 1935. Die Reichsbank hat ferner für Rechnung des Reiches mit der Deutschen Girozentrale weitere 500 Millionen Mark der viereinhalbprozentigen deutschen Reichsanleihe von 1935 zum Kurse von 98,25 v.h. zur Unterbringung bei den Sparkassen abgeschlossen. Die Anleihe wird getilgt mit jährlich 2 v. H. der ursprünglichen Summe unter Verwendung der Zinserspar- nisse. Die Abnahme und Bezahlung der Anleihe erfolgt mit 25 v. h. am 15. Oktober 1935, 25 v. h. am 25. November 1935, 25 v. H. am 15.3anuar 1936 und 25 v. h. am 15. Februar 1936. Lmlauschanleihe für ReichSpost-Schatzanweisungen. Berlin, 23. August (DNB.) Auf Grund der Erfahrungen bei der Zeichnung auf die kürzlich aufgelegten Schatzanweisungen der Deutschen Reichsbahngesellschaft wird bei der Erneuerung der am 1. Oktober d. I. fällig werdenden Postschatz - anweisungen von einer Auflegung zur B a r - Zeichnung abgesehen. Es findet daher in der Zeit vom 4. bis 16. Sept. 1935 nur ein Um- tausch zu den dazu bekanntgegebenen Bedingungen statt, und zwar werden bei dem Umtausch die neuen Schatzanweisungen zum Kurse von 98,50 v. H. abgegeben, so daß die Umtauschenden eine Barvergütung von anderthalb v. H. erhalten. Außerdem wird den Umtauschenden ein Bonus von 0,13 v. H. gewährt. Eine Kürzung bei der Zuteilung auf die Umtauschanmeldungen wird vorbehalten, wenn es sich Herausstellen sollte, daß beim Umtausch mehr als 125 Millionen Mk. viereinhalbprozentige Schatzanweisungen der Deutschen Reichspost angemeldet werden. Neubau des Neichslustfahriministeriums Ein Monumentalbau in der Wilhelmstraße.- Umfangreiche Arbeitsbeschaffung für die Notstandsgebiete. Berlin, 23. Aug. (DNB.) Es ist gerade ein halbes Jahr her, seitdem die Pläne zu dem Monumentalbau fürdas Reichsluftfahrt- mi.nisterium, dem ersten großen Bau der Nachkriegszeit in Berlin, genehmigt wurden, und schon steht der größte Teil des Gebäudes aus Eisenbeton und Mauerwerk fertig da. Bereits trn September wird das ganze Gebäude im R o h - bau fertiggestellt fein und im Oktober dieses Jahres werden einige Abteilungen dieses Ministeriums, etwa 1000 Zimmereinheiten in dem Neu- bau, beziehbar. Im Mittelpunkt der Reichshauptstadt, in der Wilhelmstrahe, entsteht ein Bau in einer Zeit, in der die Staatsführung wieder in der Zuversicht und im Vertrauen des Volkes begründet ist. Auf diesem Gelände standen bisher Gebäude, die zum größten Teil in den Gründerjahren ernchtet wurden und sich mit einigen Ausnahmen in hochu mangelhaftem Zustande befanden. Daß bei ihrer Niederreißung ein oder zwei geschichtlich wertvolle Gebäüde der Spitzhacke zum Opfer fallen muhten, i t verständlich, da es nickt zu rechtfertigen war, s e durch einen Umbau in den neuen Monumentalbau einzubeziehen. Eine der Hauptaufgaben mit bei dem Neubau des Ministeriums war es, den Notstandsge- bieten im Reiche Aufträge zu g e b e n und man kann heute feststellen, daß diese Aufga voll gelöst ist. Von den Muschelkalkstemgebieten am Main und in Baden, die augenblicklich etwa 5000 Arbeiter beschäftigen, sind nahezu 80 v. H. nur für das Luftsahrtmimsterium tätig. Der aus der bayrischen Ostmark kommende Granit chafft 20 000 Arbeitstage und das rheinische Basaltlagergebiet für 9b'En -ßlattenbelag SÖOO «tbW ju leisten. Darüber hinaus sind, die Kalkstein- und Marmorschneidereien des ^^cklefien MKMt an der Lahn auß-rard-ntüch stark herangezogen worden. Der entwerfende Architekt und verantwortliche k7n M«6« °r° 'L 56 000 Quadratmeter *^‘” 00 Zimmerern, beiten Ä am «prU 1936 fch-üsfelftr.ig. Diese des beschleunigten Tempos nicht ein einziger schwerer Unfall zu beklagen sei. Die Höhenentwicklung des Gebäudes in fünf und teilweise auch sieben Geschossen hat sich aus l u f t • chutztechnischen Erwägungen ergeben, llus demselben Grunde sind auch die besonders weiten Jnnenhöfe entstanden. Weiter entspricht auch dem Gedanken des Luftschutzes die Ausbildung des Kellergeschosses unter dem ganzen Gebäude sowie die Anlage eines Sammelschutzraumes für die Bevölkerung. In einem der Höfe, der von ber Leipziger Stratze direkt zu erreichen sein wird, ist ein unterirdischer Wagenparkplatz für 150 Kraftwagen geschaffen Daneben ist für die interne Fahrbereitschaft, ebenfalls unterirdisch, ein Parkplatz für weitere 150 Kraftwagen angelegt worden. Der Besucher wird trotz der 250 Meter langen Front, die das Ministerium in der Wilhelmstrahe haben wird, durch übersichtliche Einteilung der einzelnen Geschosse und Nebengebäude sehr schnell die von ihm gesuchte Dienststelle auffinden können. Kunst und Wissenschaft. Neuer Landesleiter Hessen-Nassau der Reichskammer der bildenden Künste. Der Landeskulturwalter Hessen-Nassau der Reichs- kulturkammer, Müller-Scheld, gibt bekannt: Durch berufliche starke Inansprucknahme des bis- Sen Landesleiters Architekten Karl Blattner e es notwendig, dieses Amt neu zu besetzen. 3um neuen L-andesleiter Hesien-Nasiau der Reichskammer der bildenden Künste hat der Präsident der Reichskammer den Architekten Dr. Jng. Karl Lieser Dozent an der Technischen Hochschule in Darmstadt und Denkmalspfleger für Oberhessen, berufen Der bisherige Landesleiter wird der Reichskammer der bildenden Künste im Gau Hessen-Nassau nach wie vor beratend zur Seite stehen Die Geschäftsräume befinden sich wie bisher Frankfurt a. M., Buchgasse 11. Hauvtschristleiter: Dr. Fr. W. Lange; stellvertretender Haupt chriftleiter: Ernst Blumschem. Verantwortlich für Poütik: i.V. Ernst Blumschem; für Feuilleton: Dr Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck; verantwort- lick für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA VH 35: 9945. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Mon°t-b°zugspreis RM ,2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Ramses Cigaretten sind seit Jahrzehnten berühmt wegen des guten Tabaks und des dick-runden Großformaten RAMSES im s-.Tauch-oder E .**. - ;Ly^s- Äs£?oi£o' MMMMW8 TßfeiA Geräumiger Lade« mit schönen Schaufenstern u. gröh. Nebenräumen in bester Geschäftslage gesucht. Schriftl. Ang. 11.4820d a. d. Gietz. Anz. W*i Abgeschloss. 2-3immer- Wohnung mit Küche, L Stock, sehr grob, in freier, ruhiger Sonnentage, 3. vermieten. [4803D 50,- Mk. Geilfus Bad-Nauheim, Adolf-Hitler- Strafte 50. Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II MlMMM m verk. 20-21 21-22 2QU-2115 Fortbildnnq sylvanischen Marken-! zurfijßiAfuxfyiMk 35, weniy gefhr., m. Fabnkgaran- fen. Bruch- Von der Reise zurück tie günst. z. verk. bach. [03589 03550 Ohne Gewähr Nachdruck verboten 146974 168833 225402 230847 297791 310011 340223 350617 3450 9055 34190 94686 95250 98058 104056 Im Gewlnnrade verblieben: 2 Kurzbeizverfahren 9846 38034 53156 65637 73588 87257 126369 173792 226883 287479 343602 118090 80677 229626 360439 140873 205069 265701 336815 380742 124772 160282 223434 279546 339751 126710 178951 243935 291162 344019 7119 36356 48867 60135 91588 116344 138300 202576 249609 336153 367362 11965 41441 50066 61251 97910 104274 118285 128334 140518 145975 158332 174176 192794 205819 215588 232452 245184 254182 263878 280688 297131 314787 326281 336078 343982 349155 359219 368988 380836 388599 179774 325322 43411 131457 217139 46400 55476 68212 81993 93150 30807 50443 62623 71585 84405 65583 55111 208431 346382 172539 113173 235372 389697 108206 119335 128736 140534 146842 161645 178007 194120 206500 229616 233344 247317 256163 264542 280703 298043 315541 327897 336515 344018 354262 359243 369281 384079 393998 46101 64600 68106 79868 89079 108004 122488 146697 167729 186680 193806 203737 228097 236172 256656 268139 290832 302244 309973 330127 345591 361360 383348 398872 121263 140106 210625 287600 333239 17845 42236 53783 66542 76664 89039 104943 367263 63135 173984 285698 306739 131765 187722 247235 314299 360679 29527 50109 56066 69471 83400 135300 182128 247171 314216 350982 300 M. 137756 200080 262951 316124 383472 139283 200661 282802 332925 36116 52266 64518 72029 86963 | Empfehlungen | Wirklich [03552 geschmackvolle Malerarbeit Ludwig Deeg, Asterweg 63. 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H/44 ________.__• KrJOZ Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 24. August 1935 Wehr und Waffen. gewesen, da bei dem verhältnismäßig geringen Bedarf an Reserveoffizieren die Auswahl unter der Ueberzahl von Anwärtern scharf sein konnte. Die Einjährigen genossen während ihrer Dienstzeit mancherlei Vorteile. Sie brauchten nicht, oder wenigstens nur kurze Zeit, in der Kaserne zu wohnen, nicht an der „Menage" teilzunehmen. Sie wurden rascher befördert, konnten sich Regiment und Standort auswählen. Aber sie hatten auch manche Verpflichtungen. Zunächst war ihre Dienstzeit bei Lichte besehen, nicht viel kürzer als die ihrer „gezogenen" Kameraden. Sie dauerte ihre volle 12 Monate bei der Truppe. Dazu kamen zwei achtwöchige Hebungen als Unteroffizier, und Vize-Feldwebel der Reserve und zum mindesten drei achtwöchige Hebungen a l s Reserveoffizier, zusammen 22 Monate, während jene 23 Monate unter den Fahnen blieben und allerhöchstens noch 4 bis 6 Wochen in der Reserve und Landwehr übten. Sie erhielten keine Löhnung, sie hatten sich selber unterzubringen, zu beköstigen und zu bekleiden, hatten bei den berittenen Truppen ein Pferd mitzubringen oder Pferdeentschädigungsgelder zu zahlen. Es wurden auch sonst allerlei geldliche Ansprüche (Beiträge zu Festlichkeiten, Tragen einer besseren Ausgehuniform, Beschaffung der Offiziersbekleidung und Ausrüstung) an sie gestellt, die das Einjährigen-Jahr bei manchen Truppenteilen zu einer recht kostspieligen Angelegenheit machten. So wenig eine Führerauslese unter Hereinspielen des Geldbeutels irgendwie gebilligt werden kann, so darf .doch andererseits nicht vergessen werden, daß es dem geldarmen Staat der Vorkriegszeit durch die auf eigene Kosten dienenden Freiwilligen ermöglicht wurde, fast 1OOOOO Mann mehr unter den Waffen zu halten als sein Haushalt ihm erlaubte. Erzieherisch wirkte sich das Ein- jährig-Freiwilligenjahr ohne Zweifel ungünstig aus. Es schuf vom Diensteintritt an eine Kluft zwischen den zwei „Klassen" der Wehrpflichtigen. Es weckte den Neid der Zweijahre-Dienenden auf die äußerlich besser gestellten Kameraden, die an körperliche Anstrengungen und Handarbeit nicht gewohnt, im praktischen Dienst häufig weniger als sie leisteten. Es ließ den heilsamen Einfluß, den die aus politisch einsichtigeren, vaterländisch zuverlässigeren Lebenskreisen stammenden, geistig geschulten Einjährig- Freiwilligen im engen Zusammenleben auf die Masse der Kameraden hätten haben können, nicht zur Geltung kommen. Es nahm umgekehrt den Söhnen des Bürgertums die Möglichkeit, sich in die Sorgen, die Denkweise ihrer Volksgenossen aus dem Arbeiter- und Bauernstand einzufügen. Dennoch. Alle diese dem Einsichtigen längst offenbaren Mängel einer überlebten und verwässerten Organisation haben den gesunden soldatischen Sinn der Masse unserer Vorkriegs-Einjährigen nicht anfechten können. Ihre aktive Dienstzeit und ihre Hebungen im Beurlaubtenstande haben ihnen die innere und äußere Haltung, da5 Maß an militärischen Kenntnissen gegeben, die sie zu jenen Reserve- und Landwehroffizieren werden ließen, die nach wenigen Wochen Felddienstzeit den aktiven Kame? raden ebenbürtig waren. Das neue deutsche Heer hat neue zeitgemäße Formen für die Heranbildung seiner Führerschicht des Beurlaubtenstandes gefunden. Die Männer, die in seiner Schule zu Führern heranwachsen sollen, werden an vaterländischem Opfersinn und an militärischem Wissen und Können den Einjährigen, den Reserve- und Landwehr-Offizieren nicht nachstehen. \ Die blanken Waffen Einst waren des Kriegers Stolz: „Das neidliche Schwert, die schattende Lanze!" Sie wurden vererbt von Geschlecht zu Geschlecht. Sie hingen am Ehrenplatz in des Hauses Halle. Sie wurden gefeiert vom Dichter, vom Sänger. Sie wurden wacker geschwungen gegen Gläubige und Hn- gläubige. Sie wurden nicht in die Scheide gesteckt, an die Wand gelehnt, ohne daß der Ehre des Trägers Genüge getan war. Im Zeitalter der Maschinenwaffen, der großen Schußweiten ist viel von ihrer Poesie oerlorengegangen. Dennoch: ganz zum alten Eisen wird man sie nicht tun können. Wird es doch auch in einem Zukunftskriege zu Nahkämpfen kommen, in denen der Soldat nach einer handlichen, wirksamen Waffe ruft. Mit Säbel, Lanze und Seitengewehr sind wir vor 20 Jahren in den Krieg gerückt. Den Säbel haben wohl die wenigsten von uns gezogen, und noch viel wenigere haben ihn gebraucht. Die Lanze hat auch nicht ganz die Mühe gelohnt, die auf die Ausbildung mit ihr im Frieden verwandt war. Sie war, da Massenattacken sich als undurchführbar erwiesen, nur hier und da den Patrouillen von Nutzen, war dagegen bei Ritten querbeet und im Fußgefecht ein Hindernis. Das Bajonett hat sich besser bewährt. Die Geschichte des Weltkrieges weiß von zahlreichen Gefechten, in denen das Bajonett den Ausschlag gab. Die Nachkriegszeit hat die Folgerungen aus diesen Erfahrungen gezogen. Die Kavallerie des deutschen Heeres und die französische Kavallerie führen keine Lanze mehr. Die italienische und die englische Kavallerie zeigen sie nur noch bei Paraden. In Polen und Rußland ist sie für einen Teil der Reiter, meist für die ersten Glieder der Schwadronen beibehalten. Die Amerikaner haben sogar ihren Reiterregimentern außer der Lanze noch den Säbel genommen und sie dafür reichhaltiger mit Faustwaffen ausgestattet. Zu einem so weitgehenden Schritt hat sich die deutsche Heeresleitung nicht entschließen können. Irgendeine Waffe muß der Reiter auf dem Pferde behalten. Das Schießen vom Pferde mit dem Karabiner — eine schwere Kunst — hat unseren Reitern nie gelegen, und auch die Handhabung der Pistole, mit der ja ein Teil der Reiter (Portepeeträger, MG.-Schützen) bewaffnet ist, ist nicht einfach. Nur in der Hand „kühl überlegener, selbstbeherrschter Kämpfer wird die Pistole Nutzen stiften". Um das Bajonett ist in der Fachpresse ein Kampf der Meinungen entbrannt. Ein Teil der Sachverständigen lehnt es gänzlich ab. Er behauptet, eine Schußwaffe — eine handliche, nur für einen Nahkampf berechnete Maschinenpistole — sei auch im Nahkampf unter allen Umständen einer Hieb- oder Stichwaffe vorzuziehen, oder falls er nicht ganz so weit geht, wendet er ein, jede andere Waffe, jedes Handwerkszeug, das der Mann sowieso mit sich führte, vom Gewehrkolben und Spaten bis zum Schraubenschlüssel könne, wie die Kriegführung aller Jahrhunderte beweise, als Hiebwaffe verwendet werden. Zum Stich in lebendes Fleisch entschlösse sich der Mann sowieso schwer. Der andere Teil setzt sich in dem Sieben, dem Manne im Gefecht eine Waffe zu geben, mit der er sich den Gegner eine Strecke vorn Leibe halten könne, für das Bajonett ein. Das deutsche Heer hat mit der Mehrzahl aller Heere seinen Schützen d a s Bajonett belassen. Es verzichtet aber darauf, sie im kunstvollen Bajonettfechten, wie wir es vor dem Kriege kannten, auszubilden. Die Kriegserfahrung hat es gelehrt, daß es zu Zweikämpfen mit dem Bajonett so gut wie nirgends gekommen ist, daß es vielmehr, wenn die Gegner im Handgemenge um die Entscheidung rangen, im Taumel der Leidenschaften nur auf kraftvolles, schnelles Zustoßen und Zuschlägen ankam. By. Wirtschaftliche Kriegführung. 33on Ertzard Wegeli, Oberstleutnant a. O. Im Weltkriege hat unsere wirtschaftliche Kriegführung trotz gewaltiger Leistungen versagt, und unsere Niederlage ist zum großen Teil auf dieses Versagen zurückzuführen. Eine der wesentlichsten Ursachen dieses Versagens war die vor dem Kriege und im ersten Teile desselben herrschende Meinung, daß eine lange Kriegsdauer undenkbar sei. Diesem falschen Gedanken und einer ebenso falschen Sparsamkeit der gesetzgebenden Körperschaften vor dem Kriege entsprechend waren die wirtschaftlichen Vorbereitungen für den Krieg unzulänglich. Und doch hatte es nicht an Mahnungen und Anregungen, besonders seitens des Generalstabes und des Kriegsministeriums gefehlt, in denen der Grundgedanke einer wirtschaftlichen Mobilmachung sich deutlich abzeichnete. Es blieb leider bei geringen Vorarbeiten, die für den wirtschaftlichen Teil der Kriegführung nicht den erforderlichen ausgiebigen Nutzen brachten. Wir hoffen von ganzem Herzen, daß unferm Vaterlande das Unglück eines Krieges auf recht lange Zeit erspart bleiben möge, und wir wissen, daß der Führer und die nationalsozialistische Regierung den Frieden wollen und ihre Politik auf dessen Erhaltung eingestellt haben. Wir können aber nicht daraus vertrauen, daß alle europäischen Staatsmänner das gleiche Streben haben, wenn sie es auch versichern. Keinesfalls dürfen wir uns in Sicherheit wiegen, und es wäre ein Verbrechen am deutschen Volke, wenn nicht alle Vorbereitungen getroffen würden, die erforderlich sind, um Deutschland vor einer neuen Niederlage zu bewahren, wenn uns der Krieg aufgezwungen werden sollte, denn eine zweite Niederlage würde uns noch vernichtender treffen als der ungünstige Ausgang des Weltkrieges. Wir wissen, daß ein neuzeitlicher Krieg in weit höherem Maße als der Weltkrieg auf dem Boden der Wirtschaft ausgefochten werden würde und müssen uns darauf einstellen. Die nachstehenden Ausführungen sollen lediglich zum Nachdenken über die wirtschaftliche Kriegführung anregen. Daß das ungeheure Gebiet dieses Teiles der Kriegführung im Rahmen eines kurzen Aufsatzes nur gestreift, nicht aber erschöpfend behandelt werden kann, ist selbstverständlich. Wir wollen zunächst die personelle Frage behandeln. Hierbei müssen wir uns darüber klar sein, daß das ganze Volk, soweit es körperlich und geistig leistungsfähig ist, in die Kriegführung einbezogen werden muß, was ja auch aus dem neuen Wehrgesetz klar hervorgeht. Wir möchten hierzu das Volk in das Kampfheer und das Arbeitsheer einteilen. Heber.das Kampfheer braucht hier nur wenig gesagt zu werden. Ihm werden die aktive Wehrmacht und die ausgebildeten Reserven, diese, soweit sie tiicht für das Arbeitsheer unabkömmlich sind (Facharbeiter), angehören. Außerdem werden Ersatz- formationen gebildet werden müssen, um die Ausfälle des Kampfheeres zu decken. Daß in einem modernen Kriege, der noch in weit höherem Maße als der Weltkrieg Materialkrieg sein wird, nicht derartige Menschenmassen für das Kampfheer benötigt werden wie in diesem, ist wahrscheinlich. Dafür spricht schon der Hmstand, daß bei der heutigen Waffenwirkung in den gleichen Kampfräumen erheblich weniger Menschen eingesetzt werden können und dürfen als im Weltkriege. Um so größer wird aber das Arbeitsheer sein müssen, das zur Schaffung des ungeheuren Materials dient, das für die neuzeitliche Kriegführung erforderlich ist. Wir dürfen auch nicht den in den Jahren 1914/18 gemachten Fehler wiederholen, daß wir der Landwirtschaft die zur intensivsten Bewirtschaftung des Bodens unentbehrlichen Arbeitskräfte entziehen. Im Gegenteil werden wir den Ertrag aufs äußerste steigern müssen. Der Einjährge. Von Oberstleutnant a. D Venary. „Natürlich der Einjährige!" Wer von uns alten «oldaten kennt nicht den Stoßseufzer des vielgeplagten Kompanie-Chefs, wenn der bebrillte Doktor der Philosophie wieder einmal als einziger seiner Korporalschaft nicht im Längssprung über das Uebungspferd kam! Der Einjährige der Vorkriegszeit! Er war gewiß kein Meisterstück seines mili- Wir wünschen gewiß nicht seine Auferstehung. Aber er hat ein besseres Schicksal verdient, als daß er als eine Gestalt der Witzblatter, als ein Musterbeispiel unsozialer Gesinnung weiterlebt. Er war ein Kind seiner Zeit und ist auch heute nur aus ihr heraus zu verstehen und zu würdigen. . ^biner Ahnen Namen klingen noch heute gut in deutschen Gauen. Es sind jene freiwilligen ^seiheitskriege, deren hoher vaterländischer Sinn durch die Lieder eines Kör- ners und eines Schenkendorfs schwingt. Sie gaben nach rascher Ausbildung die Führer und Offiziere u Regimenter der allgemeinen Wehrpflicht .7 , ch dem Kriegsende wurde die Einrichtung der Elniahng-Freiwilligen als Grundlage eines C a n b m e I) r = u n ö e f e r D e o f f i 3 i e r f o r p s beibeljalten unö durch die Instruktion vom 19. Mai löib im Heeresgefüge verankert. Als Einjähriq- Freiwilllgb sollten in erster Linie Studierende der UniDerfitaten angenommen werden. Das Recht der Annahme sollte den Jäger-Bataillonen Vorbehalten bleiben. Bald jedoch wurde der Andrang so groß, baß auch die übrigen Truppen die Erlaubnis er- hielten, Elniahrig-Freiwillige einzustellen. Bei der Garde 3, B. hatte dieses Recht 3uerst nur das A"roe-Schutzen-Bataillon, von 1817 an auch das §^>-Iäger-Bataillon. Wenige Jahre später folgten Oie Garde-Pioniere und die beiden Garde-Lcmd- wehr-Kavallerieregimenter. Aber erst seit dem Jahre 1841 wurde das Recht auf alle Garde-Truppen ausgedehnt., Bon 1817 bis 1842 trugen die Einjährig- Freiwilligen um rote Achselklappen einen weißen, um andersfarbige einen roten Vorstoß, bei den Husaren rote Achfelschüre, von 1842 ab die uns allen noch bekannten schwarzweißen Schnüre. ... Der ursprüngliche Sinn der Einrichtung der Ein- jährig-Freiwilligen war, jungen Leuten, die e r ft nach jahrelanger Ausbildung in einen Lebensberuf eintreten konnten, diese Zeit nicht durch einen drei- später zweijährigen Militärdienst noch weiter zu verlängern. Dadurch daß die Bevorzugung im Laufe der Jahre von dem Bestehen »einer Prüfung, der Einjährigen-Prü- fung abhängig gemacht wurde, die erheblich geringere Anforderungen als die Reifeprüfung für die Hochschule (das Abiturium) an die Prüflinge stellte, wurde die Einrichtung entwertet. Auch mittelmäßig begabte konnten die Prüfung bestehen. Verfügte der Vater über einen genügend großen Geldbeutel, so war das Einjährigen-Zeugnis zu „ersitzen". Allmählich gehörte es in weiten Kreisen des Bürgertums zum guten Ton, das „Einjährige" zu machen, als Einjähriger zu dienen und so wenigstens Aussicht zu haben, einmal die ersehnten Ofstziersepau- letten zu tragen. Auch immer mehr Beamtengruppen und bürgerliche Berufe verlangten von ihren Anwärtern und Lehrlingen das Einjäh - rigen-Zeugnis, so daß man in den letzten Jahren vor dem Kriege von einem Berechtigungsunwesen sprechen mußte. Im Kriege hat es sich zweifellos verhängnisvoll ausgewirkt, daß man an dem Einjährigenzeugnis als Vorbedingung für die Reserveoffizierlaufbahn festhielt, anstatt den Nachwuchs aus der G e - samtheit der Frontkämpfer auf Grund ihrer Führereigenschaften auszuwählen. Manche ungeeigneten Anwärter sind dadurch in Offiziersstellen geraten, während geeignete Elemente aus diesem rein äußeren Grunde zurückstehen mußten. In Vorkriegszeit waren diese Klippen zu umschiffen Die Schlacht vonAliioy-Mmssin Eine Erinnerung an den 22. August 1914. Von Otto Mütter. Am 22. August 1935 kehrt zum 21. Male der Tag wieder, an dem das Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm II. (Grohh. Hess.) Nr. 116 fe i n e Feuertaufe erhielt, der Tag von Anloy- Maissin, der mit ehernen Lettern in den Annalen der Geschichte des Regimentes verzeichnet ist. Da soll man einmal sich zurückdenken in die große Zeit des Aufbruches der Nation, an die Mobilmachungstage und ersten Kämpfe, und dann steigen die blaffen Schemen der Kameraden, die gleich in diesen Tagen für die Heimat starben, aus ihren Gräbern und sie sehen, daß heute im Reiche Adolf Hitlers, das feine Verwirklichung findet, für das sie gestorben sind und daß ihr Sterben nicht umsonst gewesen ist. Heiß brannte die Augustsonne des Jahres 1914 vom Himmel, aber rastlos zogen in unendlichen Kolonnen die grauen Schlangen der deutschen Regimenter von den Grenzen Hollands bis tief hinunter in die blauen Wälder der Vogesen, nach dem Westen. Noch einen letzten, feierlichen Appell hielt das Regiment am 6. August auf dem Hofe der Neuen Kaserne ab, dann folgte am 7. August die Verladung der drei Bataillone. Herzliche Abschiedsgrüße winkend, mit Gesichtern, auf denen sich alle Gefühlsnuancen widerspiegelten, umsäumte die Bevölkerung die Straßen des tiefen Ernstes der Stunde des Abschiedes ihres Regimentes bewußt. Nach einigen Tagen der Ruhe im Aufmarschgebiet von Luxemburg, die dazu benutzt wurden, dem Regiment den letzten kriegsmäßigen Schliff zu geben, marschierte es am 18. August als Spitze der Division gegen den Feind, um am 19. 8. d i e b e l- gische Grenze bei Martelange zu überschreiten. In begeisterter Stimmung sanken unter nervigen Soldatenfäusten die belgischen Gren^zpfähle zusammen. Nach Sicherung durch Vorposten an dem Surebach biwakierte das Regiment bei Hollange und trat am 20. 8. gefechtsmäßig den Marsch auf Tronquoy an. Zu einer Kampfeshcmdlung kam es aber hier noch nicht, da dgs französische Kaval- leriekorps, das sich schon seit dem 19. 8. vor der Front der Armee herumdrückte, überraschend von der 21. Division gefaßt und nach kurzem, aber heftigem Kampfe zurückgeworfen wurde. Hier zeigte der Krieg zum ersten Male sein hartes Gesicht. Verstreut lagen die verkrampften Leichen französischer Kavalleristen und drückten der Landschaft ihr Gepräge auf. Die Nacht vom 21. zum 22. August verbrachte das Regiment in ßibramont und Recogne und sicherte sich durch Feldwachen und Vorposten, die längs der großen Straßen vor- gescboben waren. Wiederum zeigten sich starke feindliche Kavalleriepatrouillen, die sich aber nach kurzem Geplänkel zurückzogen. Nach unruhiger Nacht dämmerte der Morgen des 22. August herauf. Langsam färben sich die Nebel rötlich und in rosige Dunstschleier gehüllt steigt glühend der Sonnenball empor. — Morgenrot... Gegen 6 Hhr morgens marschiert das Regiment als Vorhut der 25. Hessischen Infanterie-Division von Recogne über Ochamps nach Claireuse. Noch einmal rasten die Kompanien bei zusammengesetzten Gewehren nördlich von diesem Ort, dann schließt das Regiment 115 auf und setzt sich in Marschkolonnen daneben. Die II. Abteilung des Feldartillerie-Regiments Nr. 61 schließt sich an und folgt auf der Straße nach Claireuse. Allmählich scheint die Sache ernster zu werden. Scharf peitschen Gewehrschüsse durch das Vorgelände .und bestätigen die Meldungen, die bei der Division eingelaufen sind, und die besagen, daß der Feind die Wälder jenseits des LeßbachtaleS südlich von Maissin und Anloy besetzt hält und mit allen Mitteln versuche, unseren Kavalleriepatrouillen den Einblick zu verwehren. Aufs höchste ist die Spannung gewachsen, fester an die Rippen pocht das Herz, fiebernd steht manchem die Erregung in den Augen und hinüber eilen die Gedanken mit der Fro^e: Was verbirgt sich dort in jenen finsteren Wäldern? Wie eine Erlösung kommt endlich gegen 12 Hhr der Divisionsbefehl, den Leßbach zu überschreiten und den Feind anzugreifen. Rasch ist das Regiment entfaltet und mit vorgenommenem II. Bataillon in erster Linie links, dem III. Bataillon rechts und dem I Bataillon als Reserve der Brigade, am linken Flügel heraus gestaffelt, wird der Vormarsch angetreten, Marschnchtungspunkt rechter Flügel Südecke des Bournonwaldes mit Anschluß an den linken Flügel des Regiments 115. Dem linken Flügel fällt der Auftrag zu, an der Südecke von Anloy oorbeizugehen, ohne die Linie Bournon- wald-Anloy zu überschreiten. Gegen 13 Hhr setzt der weitere Vormarsch der entfalteten Bataillone mit vorgeschobenen Schützenlinien ein und unbeschossen wird nach Heberschreiten des Leßbachgmn- des die befohlene Lini-e erreicht. Kein Laut unterbricht die Stille der Lanschaft, nichts verrät die Nähe des Feindes, und so tritt keine Hnterbrechung der Vorwärtsbewegung ein. Jäh zerreißt plötzlich die Mittagsstille, einige Gewehrschüsse fallen aus den Getreidefeldern und vorliegenden Waldstücken, dann setzt schlagartig beim Erklimmen der Höhenkämme das Jnfanteriefeuer ein. Aber nervös ist der Feind und planlos sein feuer', so daß trotz der nahen Entfernung von 200 bis 400 Metern die meisten Schüsse zu hoch gehen und daher wenig Schaden anrichten. Hnd' nun zeigt sich, was der deutsche Soldat in langer Friedensschule gelernt hat. Ruhig wie auf dem Schießstand wird das Feuer eröffnet. Schuß auf Schuß fliegt aus den Läufen der Gewehre, so daß der Handschutz zu klappern anfängt und bald zeigen sich ausgebrannte Stellen in den französischen Linien, die Wirkung gutsitzender Geschoßlagen. Auch das I. Bataillon und die Maschinengewehrkompanie, die östlich an Anloy vorbeigegangen sind, werden in ein Gefecht mit einem weitüberlegenen Feind verwickelt, der den Au-Foret-Wald und das Haier de Wez besetzt hält. Hngeachtet der heranrauschenden Geschoßgarben greift das I. Bataillon mit weiten Sprüngen den übermächtigen Gegner an und eröffnet mit der Maschinengewehr-Kompanie ein wirkungsvolles Feuer. Heulend ziehen die ersten Granaten ihre Bahn und schlagen dumpf in Anloy ein. Schrapnellwölkchen stehen am lachenden Mittagshimmel und immer mehr reihen sich daneben. Sonnenglast liegt über der Landschaft und mörderisch ist der Kampf. Ein Vorstoß der Franzosen aus dem Au-Foret-Wald wird im dichten Unter» holz im blutigen Nahkampf zurückgeworfen. Aber noch immer kritisch bleibt die Lage für das kämpfende Bataillon. Immer neue Kompanien setzen die Franzosen ein, um das hartringende Bataillon zu umfassen, so daß zu seiner Entlastung der Einsatz der II. Pionier-Kompanie 21 erforderlich wurde. Ein darauf unter dem Schutze der schweren Maschinengewehre von der 2. und 3. Kompanie Dorgetragener Gegenangriff gelangte zwar bis zum Rande des Haier de Wez, lief sich aber dann in dem unwegsamen Gelände fest und alle Anstrengungen, durchzustoßen, waren erfolglos. Hart nimmt der Jnfanteriekampf seinen Fortgang. Es ist 14.30 Uhr. Auf vier Kilometer langer Front hatte das Regiment seine letzten Reserven eingesetzt und kämpft einen Verzweiflungskampf gegen etne dreifache Uebermacht. Jetzt versuchen feindliche Jägerbataillvne durch das Haier de Wez den linken Flügel des I. Bataillons zu umfassen. Gelingt dies, dann ist die Lage des Regiments unhaltbar. In der richtigen Erkenntnis der gefahrvollen Lage reitet der Regimentskommandeur, Oberst Schimmelpfennig, zu einer Haubitzbatterie, die in der Nähe von Anloy aufgefahren war, und leitet persönlich das Feuer auf die dicht gedrängten feindlichen Kolonnen im Walde. Eine Feldkanonenbatterie schließt sich an und nach halbstündigem, rasendem Feuer sind die feindlichen Bataillone zerschlagen und zersprengt. Heiß war der Kampf der beiden Artillerien. Inzwischen ist es 18 Hhr geworden und noch immer liegt das Regiment in hartem Kampfe. Da merkte man beim II. und III. Bataillon, daß das feindliche Feuer nachließ und Teile der feindlichen Infanterie sich zur Flucht wandten. In richtiger Erkenntnis und Ausnutzung der gegebenen Lage stießen die beiden Bataillone, mit Teilen des Regiments 115 vermischt, dem fliehenden Feinde bis tief in die vorliegenden Wälder nach. Lange rangen hier noch die 10. und 11. Kompanie bis zum Einbruch der Dunkelheit mit dem sich zäh wehrenden Gegner, während das I. Bataillon und die Maschinengewehrkompanie auf Befehl zum Schutze der Artillerie östlich von Anloy in Stellung gingen. Von Maissin aber rönte unvermindert grollend der Gefechtslärm herüber, wo die 50 Brigade in schwerem Häuserkampf um den Sieg rang. Unbarmherzig sandte die Sonne ihre versengenden Strahlen auf die zwischen Toten und Verwundeten liegenden Kämpfer und unruhig flackerte ab und zu noch einmal der Jnfanteriekampf auf, um dann bald wieder zu verstummen. Da ertönten plötzlich gegen 19.30 Uhr laute Kommandos und in losen Schützenlinien durchschritten die Musketiere des Reserve-Regiments 28 die Reihen der 116er, um die Verfolgung des fliehenden Feindes aufau= nehmen. In Eilmärschen waren sie direkt auf den Kanonendonner zu marschiert und kamen gerade recht, um den Sieg zu vervollständigen Auf dem Schlachtfelde aber ließ der Feind mehrere Tausend Tote und Verwundete fünf verschiedener Jnfanterieformationen zurück. Aber auch in den Reihen des Regiments hatte der Tod reiche Ernte gehalten, 13 Offiziere und 340 Unteroffiziere und Mannschaften waren den Heldentod gestorben, während weitere 20 Offiziere und 600 Kameraden verwundet worden waren, so daß bas Regiment über ein Drittel feiner Gefechtsstärke verloren hatte. Heber das Schlachtfeld senkte sich die Nacht und deckte mit dunklen Fittichen die Schrecken des Tages. da tnlr auf wesentliche Hilfe vom Ausland nicht rechnen können (Blockade, Mangel an Zahlungs- Mitteln für die Einfuhr von Lebensmitteln). Für die Mobilisierung des Arbeitsheeres, zu dem sowohl die Kopf- als auch die Handarbeiter jeder Art rechnen, wird eine allgemeine Kriegsarbeitspflicht geschaffen werden müssen, die die Angehörigen beiden Geschlechts vom 17. bis zum 65. Lebensjahr erfaßt, soweit sie arbeitsfähig sind. Auszunehmen wären nur die weiblichen Volksgenossen, die einen Hausstand mit Kindern zu versehen haben. Die Kriegsarbeitspflichtigen müßten sich zu jeder Zeit bereithalten, da eingesetzt zu werden, wo sie nach ihrer körperlichen oder geistigen Veranlagung gebraucht werden. Sie unterliegen den Kriegsgesetzen in ähnlicher Weise wie die Angehörigen des Kampfheeres. Aehnliches hatten Hindenburg und Ludendorff schon im Jahre 1916 mit dem Hilfsdienstpflichtgesetz beabsichtigt, leider wurde dieses durch den Reichstag derart verwässert, daß ihre Absichten in schädlichster Form durchkreuzt wurden. Daß im autoritären Staat der Gedanke bis zur vollen Wirksamkeit durchgeführt werden könnte, unterliegt keinem Zweifel. Eine der wichtigsten wirtschaftlichen Kriegsmaßnahmen ist die Umstellung aller dafür geeigneten Betriebe von der Friedens- auf die Kriegswirtschaft, d.h. auf die Herstellung von Kriegsbedarf aller Art. Daß diese Umstellung nicht, wie im Weltkriege geschehen, improvisiert werden kann und darf, ist klar. Sie muß vielmehr im Frieden geplant und vorbereitet sein, wozu eingehende wirtschaftliche Mobilmachungsarbeiten erforderlich sind, auf die im einzelnen hier nicht eingegangen werden kann. Alle hierfür vorgesehenen Betriebe müssen mit ihrem Personal und ihren Einrichtungen durch ein Kriegsleistungs- 8 e setz für den Kriegsdienst herangezogen werden. Freiwilligkeit und zeitraubende Verhandlungen wie im Weltkriege müssen ausgeschlossen sein. Neben der eigentlichen Kriegsindustrie, die selbstverständlich nur einen Teil der Gesamtindustrie erfassen wird, ist aber auch die Aufrechterhaltung der Industrie, die der Beschaffung des unbedingt notwendigen Bedarfs der Bevölkerung dient, ganz besonders aber desjenigen Teiles der Industrie erforderlich, der die Ausfuhr nach Ländern betreibt, mit denen ein Handelsaustausch möglich ist. Nur dadurch, daß wir uns eine lieferfähige Ausfuhrindustrie, soweit irgend möglich, erhalten, können wir uns die Einfuhr der notwendigsten Rohstoffe sichern. Die Erfassung und Verteilung der Rohstoffe muß im Gegensatz zum Weltkriege schon im Frieden durchdacht und sofort bei Kriegsausbruch durchgeführt werden. Die Schaffung einer Kriegsrohstoffbehörde wird zu diesem Zweck notwendig sein. Wir wollen nun eins der schwierigsten -Gebiete streifen: Die Finanzierung eines Krieges. Sie wird für Deutschland einerseits viel schwerer sein, als in den Jahren 1914/18, da wir damals ein reiches Volk mit erheblichem Gold- und Deoifen- vorrat waren, während wir jetzt verarmt sind und keine nennenswerten internationalen Zahlungsmittel besitzen. Andererseits wird sie erleichtert werden dadurch, daß im nationalsozialistischen Staat der Begriff des „Kriegsgewinnlers" undenkbar ist und jeder Deutsche weiß, daß er zu jedem Opfer an Geld und Gut bereit sein muß, wenn es sich um die Rettung des Vaterlandes handelt. Daß ein von der Finanzierung des Weltkrieges völlig verschiedener Weg beschritten werden muß, ist klar. Worin bestehen nun die Kriegskosten in der Hauptsache? 1. Persönliche Ausgaben (Besoldung und Verpflegung des Kampf- und Arbeitsheeres). 2. Einfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln. 3. Beschaffung des Kriegsmaterials. Die persönlichen Ausgaben für das Kampfheer find selbstredend unvermeidlich, sie dürfen aber nicht annähernd die Höhe erreichen wie im Weltkriege. Ich denke hierbei u. a. an die unnötig hohe Besoldung der Dienstgrade und meine, daß diese nicht über die Friedensbesoldung hinausgehen sollte, zumal, da die Verpflegung aus praktischen Gründen im mobilen Verhältnis kostenlos geliefert wird. Wenn die Voraussetzung zutrifft, daß das Kampfheer wefenttich weniger zahlreich fein wird als in den Jahren 1914/18, so werden damit auch die persönlichen Ausgaben entsprechend geringer sein. Auch bei den Verpflegungskosten wird gespart werden können. Die Verpflegung muß reichlich, aber einfach sein. Verschwendung, wie sie im ersten Teile des- Weltkrieges, z. B. in ßiebesgaben, stattgefunden hat, muß ausgeschlossen sein. Einfuhr von Rohstoffen und Lebensmitteln kann nur durch entsprechende Ausfuhr Heimat und Dichtertum. Don Hans Franck. Der mecklenburgische Dichter Hans Franck, der hier ein persönliches Glaubensbekenntnis ablegt, ist unfern Lesern seit langem aus zahlreichen Beiträgen im Feuilleton und in der Unterhaltungsbeilage bekannt; in den „Familienblättern" erschien von ihm zuletzt der Roman „Die Schusterkugel". 50 Morgen der Deutschen Erde, der mecklenbur- aischen Heimat gehören mir. Sie sind in schweren Jahren erarbeitet, erspart, erkämpft, erhungert worden und bilden nun die unerschöpfliche Quelle alles wahrhaften, dauernden Glückes. Das Haus selber, das dritte Gebäude auf unserm Fleckchen Erde, das auf drei Seiten von Wasser und Wald umgeben ist, horstet in den Bäumen. Der äußere und innere Zugang zu ihm ist nicht ganz leicht. Man muß schon die Flügel lupfen, wenn man bis zu ihm gelangen will. Ist es seltsam, daß im allgemeinen Tiere dafür eine größere Geschicklichkeit und Beharrlichkeit zeigen als Menschen? Tatsache jedenfalls: Auf dem „Frankenhorst" spielt sich der bedeutsamere und ungetrübtere Teil unseres Lebens nicht mit Menschen ab, sondern mit Tieren. Und mit Bäumen und Blumen, mit Wolken und Winden, in Garten, Acker und Wiese, auf, am und im See. Denn die Heimat, in der das Dasein um so reicher und vielfältiger wird, je einsamer und e^facher man es führt, ist in unfaßbarem, in unbestimmbarem Maße für mich zu einem Teil meines Selbst geworden. Darin drückt sich nicht etwa Flucht vor der Wirklichkeit und dem Dinglichen aus. Ich hab' draußen, in der sogenannten Welt, meinen Mann aestanden, zehn Jahre als Volksschullehrer in Hamburg und sieben Jahre als Dramaturg Louise Dumonts in Düsseldorf. Dies letztere Amt ist von mir zu einer Zeit, wo der Dramaturg eine mehr oder minder überflüssige, ja lächerliche Figur war, in einer Weise geführt worden, die vieles von dem Gegenwärtigen vorwegnahm. Ich brauche wohl nur daran zu erinnern, daß wir als erste Bühne im Reich den „Einsamen" des damals noch gänzlich unbekannten Hanns Johft aufführten und, was mehr besagen will, durchsetzten. Schwierigkeiten wird, wie erwähnt, vor allem die Versorgung mit Fetten und Kraftfuttermitteln verursachen. Wenn auch ein gewisser Teil davon aus dem Auslande wird beschafft werden können, so wird doch eine Einschränkung im Fettverbrauch und ein Rückgang der Milcherzeugung voraussichtlich unvermeidlich sein. Immerhin scheint die Gesamtlage der Verpflegung weniger bedrohlich als in den Jahren 1914/18, es fei denn, daß erhebliche landwirtschaftlich ergiebige Teile des Reiches vom Feinde besetzt würden. Das zu verhindern wird eine wichtige Aufgabe der Kriegführung fein. ’ Zweifellos wird die wirtschaftliche Kriegführung, die neben der Strategie und Taktik ein unendlich wichtiges Gebiet der neuzeitlichen Gefamtkriegfüh- rung ist, sehr umfangreiche, sorgfältig durchdachte Friedensoorbereitungen erfordern, die von einer Art wirtschaftlichen Generalstabes in Zusammenarbeit mit dem militärischen Generalstabe und dem Kriegsministerium geleistet werden muß. Dre wirtschaftliche Kriegführung wird die geistige physische und finanzielle Leistungsfähigkeit des „Volkes tn höchstem Maße beanspruchen. Wir wollen hoffen, daß dieses Opfer von unserem durch den Weltkrieg und seine äußeren und inneren Folgen schwer geprüften Volke in absehbarer Zeit nicht gefordert werden wird. Sollte es aber doch notwendig werden, so wird es von unserem durch Adolf Hitler geeinigten Volke gebracht werden. Aerztliche Studienreise nach Amerika. Medizinische Wolkenkratzer. - Fahrt durch die »Provinz-. - Bei deutschen Krankenschwestern in Neuyork. Don unserem Sonderberichterstatter Dr. Kurt Kir.kenrach. In dem steinernen Meer hoher und höchster Gebäude erhebt sich ein Bauwerk, das der ärztlichen Wissenschaft, Bildung und Krankenbilfe dient, das Medical Center o f New York. Der Gedanke der Zusammenballung in einer Straße, einem Block ober einem Hochhaus kommt auch hier zum Ausdruck, indem Kliniken und Ambulatorien aller Spezialitäten Kinder, Augen, Haut, Innere Nerven, Chirurgie, Frauen, Röntgen in einem Häuserblock größten Umfanges zusammengepackt werden. Die europäischen Dimensionen verschwinden vor solch einem Häuserkomplex, in dem Hunderte von Aerzten ihrer segensreichen Tätigkeit nachgehen. Aber in dieser Stadt, wo das Empire State Building 380 m hoch ist, der Zentralbahnhof allein für feine Verwaltung Wolkenkratzer gigantischen Ausmaßes benötigt, fällt das gar nicht auf. Die riesenhaften Anlagen bedingen eine umfassende Benutzung technischer Hilfsmittel und zahlreicher Hilfskräfte. Die Arbeit des Arztes wird weitgehend entlastet durch stärkere Inanspruchnahme von Sekretärinnen. Der riesenhafte Krankenhauskomplex dient auch der Ausbildung des ärztlichen Nach- wuchfes. Das Medizinstudium in Amerika ist keineswegs mit dem in Deutschland zu vergleichen. Die Medizinschulen sind meistens private Einrichtungen, sie sind außerordentlich ungleich in ihrer Lei st una und werden dementsprechend von der American Medical-Association, der größten Aerztevereinigung Amerikas, klassifiziert, um die minderwertigen Schulen zu bekämpfen, da es kein gesetzliches Mittel gibt, um ihre Existenz zu verhindern. In manchem erinnern diese Zustände an Deutschland vor hundert Jahren. Die deutschen Mediziner sind hier im allgemeinen sehr angesehen, da man das ernste wissenschaftliche Streben, die Reinheit der Zielsetzung und die Würde ärztlicher deutscher Gesinnung, die in erster Linie helfen und heilen will, anerkennt. Diese Tatsache hat manchem deutschen Arzt fein Los, im fremden Lande fein Brot suchen zu müssen, erleichtern helfen. Aber die deutsche medizinische Wissenschaft hat auch die offizielle Anerkennung Amerikas gefunden. Als vor Jahren, um den unhaltbaren Zuständen der Ausbildung amerikanischer Aerzte ein Ende zu machen, ein Beauftragter Amerikas Europa bereifte, um die Studien und Ausbildung der Aerzte in allen Ländern zu kontrollieren, kam er zu der Auffassung, daß die deutschen Aerzte die b e ft e wissenschaftliche Ausbildung in d er We l t erhalten. Die wissenschaftliche Erziehung zusammen mit der hervorragenden humanistischen Vorbildung waren die Grundlagen des hohen Standes- ethos des deutschen Arztes und seines Ruhmes in aller Welt. Die knapp 100 deutschen Aerzte, die jetzt Amerika besuchten, um mit offenen Augen zu sehen und zu lernen, muhten bei allem Erstaunlichen und Bewunderungswerten, sei es in Neuyork, fei es in Detroit, Rochester bei den berühmten Brüdern Majo, in Washington, Philadelphia, Chikago, bei Zivil und Armee immer wieder hören, was Amerika den deutschen Aerzten verdankt, und warum sie die deutschen Aerzte schätzen und worin sie ihnen Vorbild sind. Deutschland hat in seiner ärztlichen Wissenschaft und im deutschen Arzttum einen wichtigen Aktivposten in diesem Lande. ♦ „Neuyork ist nicht Amerika" war das erste, was ein amerikanischer Arzt bei unserem Empfang in der großen Halle des New Weston Hotels uns entgegenrief. Neuyork mit feinen Wolkenkratzern, der wunderbaren Silhouette von Lower Manhattan mit feinen riesigen Warenhäusern, seinem hastenden Treiben, ist und bleibt Hafen- st ad t. 7,5 Millionen Menschen aller Raffen und Farben auf engem Raum. So zahlreich wie die Kirchen sind auch die Glaubensbekenntnisse dieser Stadt. Ein ganzes Negerviertel. Chinesenviertel und Ghetto. Aber die Rassen sind nicht auf ihre Wohnviertel beschränkt. Fast 3,5 Millionen Juden treiben ihre Geschäfte in dieser Stadt. Neben dem technisch Großartigen, den ungeheuerlichen Häusern und Brücken, den schön gekleideten Frauen, den herrlichen Auslagen in den Geschäften grinst das Elend in den engen Straße des Hafens, die fern von der Fifth Avenue und dem Broadway liegen. Neuyork ist ein ft e i n e r n es Meer. Kein grüner Baum in den Straßen. Wenige Parkanlagen im Verhältnis zur Riefengröße der Stadt. Auf den steinernen Vorstufen der kleinen Häuser, die schmutzig und verwahrlost aussehen, sitzen Mann, Weib und Kinder in knappster Bekleidung, um in später Abendstunde der fürchterlichen Hitze ihrer Wohnhöllen zu entgehen. Die Central Railway führte uns den Hudson aufwärts aus Neuyork. Die Eisenbahnlinie umsäumten kleine Holzhäuser, Einfamilienhäuser, die für unsere Begriffe einen kalten trostlosen Anblick boten. Sie stehen reihenweise nebeneinander, ohne Zaun, ohne jedes Grün, ohne eine Blume. Statt dessen steht fast vor jedem Haus ein Auto, und in größeren Abständen sieht man in Talmulden ein Gewirr von Eisenteilen und Blechen — Auto- friedhöfe. Je weiter der Zug ins Innere fährt, desto lichter wird das Bild. Dann und wann zeigt sich ein grüner Rasenstreifen vor den Häusern. Erst in Detroit und im kanadischen Grenzland finden wir Gärten und schöne Dillen aus Stein in den verschiedensten Baustilen. Von Detroit, der Automobilwerkstatt Amerikas, geht «s nach Chikago mit seiner großen deutschen Einwohnerschaft und seinen deutschen Erinnerungen. Die schönste Stadt Amerikas aber war für uns Washington, eine Stadt, in der das Grün vorherrscht wie m deutschen Gartenstädten. Vom ärztlichen Standpunkt war die große Sehenswürdigkeit die berühmte Klinik der Brüder Majo in Roche st er (Minnesota). Die bekannten Prinzipien der amerikanischen Industrie hinsichtlich Normung und Rationalisierung der Arbeit sind hier in gewissem Sinne auch in der Medizin zur Anwendung gelangt. Ursprünglich waren es zwei Brüder, die gemeinsam operierten und immer mehr Spezialisten in den Dienst ihrer Klinik stellten, um so in der Diagnostik und Therapie ihren Patienten das Beste bieten zu können. Aus diesen Anfängen ist die weltberühmte Klinik entstanden, zu der die Kranken mit Auto und Flugzeugen eilen, um sich helfen zu lassen. Die deutschen Aerzte sind in Rochester in herzlichster Weise aufgenommen worden und haben gerade an dieser Stelle Dank und Anerkennung hören dürfen. Es gab nur noch eine Besichtigung, mit der die Aufnahme in Rochester sich messen konnte. Das war der Besuch des Army Medical-Hospi- t a I in Washington. Trotz des Sonntags waren die höchsten Dienststellen dort geblieben, um die deutschen Aerzte zu empfangen und ihnen ein Bild der geradezu mustergültigen und vorbildlichen Einrichtung des amerikanischen Militärsanitätsbezahlt werben. Gold und Devisen werden wir wohl in absehbarer Zeit nicht in so nennenswertem Umfange besitzen, daß damit ein wesentlicher Teil der unentbehrlichen Einfuhr bestritten werden kann. Daß uns das Ausland Kredite für feine Lieferungen bewilligt, erscheint auch bei günstigster Kriegslage ausgeschlossen, denn die Ausfuhrländer werden durch das Beispiel der Vereinigten Staaten von Amerika, die von der siegreichen Entente die Kriegskosten nicht eintreiben können, abgefchreckt sein. Daß nur die für die Kriegführung unentbehrliche Einfuhr für uns in Frage kommen kann, entbehrliche Genußmittel und Luxuswaren für die Kriegsdauer ausscheiden müssen, kann keinem Zweifel unterliegen. Die Beschaffungskosten für das Kriegsmaterial fetzen sich im wesentlichen aus den Kosten für die Rohstoffe und den persönlichen und sachlichen Bearbeitungskosten zusammen. Die Kosten für ausländische Rohstoffe können von uns schwerlich beeinflußt werden, wenn auch natürlich möglichst günstige Lieferverträge anzustreben sind. Die Kosten für inländische Rohstoffe werden dadurch gesteigert werden, daß der erhöhte Kriegsbedarf zur Erschließung von an sich nicht abbauwürdigen Rohstoffquellen, z. B. Erzvorkommen, sowie zur Verarbeitung teurer Ersatzstoffe zwingen wird. Im übrigen aber muß eine lieber» Höhung der Rohstoffkosten durch unbedingte Lieferpflicht zu fchärfstens kalkulierten Preisen vermieden werden. Was nun die Verarbeitsungskosten betrifft, so ist ein wesentlicher Teil derselben, die Personalkosten, durchaus beeinflußbar. Das A r b e i t s h e e r ist nach Kriegsgrundsätzen zu besolden und zu verpflegen, d. h. die Arbeiter erhalten den gleichen Barlohn wie die Frontsoldaten, Familienzulagen für die zu ernährenden Angehörigen. Bei einer solchen Regelung würde der Zustand nicht wiederkehren, der im Weltkriege zu großer Unzufriedenheit geführt hat, daß der Frontkämpfer bei bescheidenster Besoldung sein Leben einsetzen mußte, während die Arbeiter in der Heimat weit über Friedenslohn verdienten. In ähnlicher Weife wie die Handarbeiter wären die zum Arbeitsheer zählenden Kopfarbeiter zu behandeln. Es wäre hierbei eine Regelung denkbar, daß je nach der Art der Leistung und der Höhe der Verantwortung die Gehälter denen der Dienstgrade im Heer (Unteroffiziere und Ofsiziere bzw. Militärbeamte) angeglichen würden. Die sonstigen V e r a r b°e i t u n g s k o st e n, wie elektrischer Strom, Kohlen u. bergt, dürfen die Friedenskosten nicht überschreiten. Von einem besonderen Kriegsgewinn der zu Kriegslieferungen verpflichteten Werke darf keinesfalls die Rede fein. Divio end en oder sonstige Gewinne, die über einen festzusetzenden bescheidenen Satz hinausgehen, sind wegzusteuern. In den Vereinigten Staaten von Amerika ist z. B. ein Nutzen von nur 3 v. H. für Kriegslieferungen vorgesehen. Ferner sind die Verarbeitungskosten durch äußerste Rationalisierung und Erhöhung der Arbeitszeit auf 9 bis 10 Stunden herabzudrücken. Durch solche Maßnahmen würde die Beschaffung des Kriegsbedarfs relativ wesentlich billiger sein als im Weltkriege. Die Kriegskosten sind vorwiegend durch Abgaben und nur zum geringeren Teil durch Kriegsanleihen zu decken, da nur so eine neue Inflation verhütet werden kann. Die Kriegsabgaben würden sehr hart fein und das ganze Volk zu bescheidenster Lebenshaltung zwingen, die aber berechtigt ist, da der an der Front stehende Teil des Volkes bei größten Entbehrungen fein Höchstes, das Leben einsetzt. Wir wollen nun zu einem besonders wichtigen Punkt, der Verpflegung, kommen. Don vornherein müssen alle Maßnahmen unter dem Gesichtspunkte vorbereitet werden, daß auf einen nennenswerten Zuschuß aus dem Auslande nicht zu rechnen ist (Blockade, Mangel an Zahlungsmitteln). Wir wissen, daß unsere Selbsterzeugung an unentbehrlichen Lebensmitteln bis auf Fette, die wir noch zu 55 v. H. aus dem Auslande beziehen müssen, und bis auf Kraftfuttermittel, seit Kriegsende fo gestiegen ist, daß wir bei sparsamer Wirtschaft damit unser Volk ernähren können. Wir dürfen nur nicht den Fehler begehen, daß wir, wie im Weltkriege, die Lebensmittel erst dann rationieren, wenn sie knapp werden. Es wird sich also im Ernstfälle nicht vermeiden lassen, daß s o - fort bei Kriegsausbruch für die wichtigsten Lebensrnittel Karten ausgegeben werden. Verschwendung, wie im ersten Jahre des Weltkrieges, z. B. durch umfangreiche Liebesgabensendungen, die vielfach verdarben, muß gesetzlich ausgeschlossen werden. Aber für jeden, der seine Lebensaufgabe nicht in der Umgestaltung, der Aenderung der Wirklichkeit, sondern in ihrer Gestaltung und Läuterung sieht, kommt die Stunde, in der sein Werk ihn so ganz hinnimmt, daß daneben in feinem Dasein nichts mehr Raum haben kann und darf. Dann tritt nach den Jahren des Bestimmtwerdens die Frage der selbsttätigen, selbstbestimmten Lebenshaltung vor ihn hin. Als sie für mich da war, diese Entscheidungsstunde, beschloß ich — der Mecklenburger —, nach dem Süden, nach Bayern, zu ziehen. Ein Haus am Ammersee wurde besichtigt und für gut befunden. Alle Abmachungen waren getroffen. Nur eines mußte noch geschehen: den Namen unter das sorgsam vorbereitete, in allen Teilen anerkannte Schriftstück setzen. Aber dies Letzte, dies scheinbar Winzige, vollbrachte ich nicht. Ich ließ den Verkäufer samt Haus und Kaufvertrag sitzen und fuhr davon. Er hat mich sicher bis auf den heutigen Tag nicht begriffen. Ich aber begriff. Es gab für mich als Menschen und als Dichter nur eine lebenswerte Lebensmöglichkeit: die Rückkehr in die Heimat, die Verwurzelung in dem Boden, der mich gebar. Gewiß, Hebbel hat in Wien gelebt, nicht in Hamburg ober gar in Meldorf ober Wesselburen. Ader ob nicht boch in ihm manche Verkrampfungen gelöst, manche Ueberfteigerungen zurechtgerückt hätten, wenn ber Boben ber Heimat seinem Menschtum unb seinem Künstlertum zur Nahrung geworben wäre? Allerbings, Johannes Brahms hat seine ent- scheibenben Werke in Wien geschaffen unb ist bort ein waschechter Norbbeutscher geblieben. Aber ob nicht boch, wenn man statt eines Drittrangigen ihn, seinem Wunsch gemäß, zu rechter Zeit nach Hamburg als Dirigent unb Chorleiter berufen hätte, seine Musik gelöster und überquellender geworden wäre? Ein guter Freund von mir behauptet freilich immer wieder, gerade unter Hinweis auf Hebbel und Brahms, ich hätte an den Bodensee gehört statt an den Ziegelsee; aus der Ferne sähe man klarer als aus der Nähe, aus der Sehnsucht heraus gestalte man reicher als aus dem Besitz. Es gelte nicht, jene Eigenheiten und Besonderheiten, die, wenn nicht als das Werk, dann doch die Wirkung Hebbels und Brahmsens gefährdete, durch das Leben in der Heimat zu erhalten, sondern sie zu entfernen, abzuschleifen, um aus einem Mecklenburger, Hamburger ober Dithmarscher ein wahrhafter, ein ganzer Deutscher zu werben. Wer will in biefer Frage Recht sprechen? Wahrscheinlich läßt sie sich theoretisch unb allgemein überhaupt nicht beantworten, sonbern nur praktisch unb persönlich. Meine burch bie Tat befunbete persönliche Antwort lautet: In bemselben Maße, wie wir ber Welt nur baburch wahrhaft bienen können, baß wir im vollsten unb reinsten Sinne Deutsche finb unb immer mehr werben, können wir dem Deutschtum nur dadurch in feiner Entfaltung nutzen, daß wir unser Stammestum rein und reich erhalten. Ich sage mit vollem Bedacht — und reich. Denn man verstehe mich beileibe nicht dahin falsch, als wolle ich einer Kirchturmkultur, einer Heimatkunst im überwundenen, abgestandenen Sinn das Wort reden. Der Heimat gehören nur die Wurzeln, sie allerdings ganz. Stamm jedoch und Krone des Menschentums und Künstlertums müssen sich über das im engeren Sinne Heimatliche hinaus in das Deutsche, in das Welthafte erheben. Aber Deutschland, die Welt kommen mit ihrem Atem, der sich gerade heute nur zu oft zum Sturm steigert, in die verborgensten Winkel. Sieht man es so, führt man fein Leben nach diesen Grundsätzen, bann ist bas Dasein in ber Heimat burchaus nicht, wie man auf ben ersten Blick meinen kann, leicht unb mühelos. Denn dort will man meistens gerade das Enge, Abschließende, will man Ueberbetonung des Besonderen, Zufälligen, verlangt jeden Preis. Und der dilettantische Pfuscher, der den Leuten nach dem Maul redet, steht hoch im Ländchenkurs, während der aufrichtige Dichter, der die Ganzheit des Lebens gestaltet und vor Kritik — um der Besserung, keineswegs um des Absprechens willen — nicht zurückscheut, nur zu oft das Wort vom Vogel, der fein Nest beschmutzt, hören muß und reinstes Wollen mit Beschimpfung unb Derdächti- qung „belohnt" sieht. Insbesondre ist in Nord- beutschlanb die Verwechslung von Niederdeutsch und Plattdeutsch unausrottbar, so daß als Heimatdichter immer wieder fragwürdige Gestalten gelten, die weder ein Anrecht auf ben Ehrennamen Dichter besitzen, noch fähig finb, bie Heimat in ihrer Vielfältigkeit zu umfassen. Aber wenn es um das Werk geht, nicht um die Wirkung, wer sich einer höheren Instanz verantwortlich fühlt, der kommt mit dem Leidvollen und Schweren, das ihm die Heimat bereitet, um des unermeßlichen Segens willen, den sie ihm spendet, sehr viel leichter zurecht, als nicht nur die anderen, sondern er selber es für möalich hielt. Es ist schon so, wie ich es einmal in Versen faßte: Und ließest du die Heimat auch, weltwärts gewendet das Gesicht, kannst scheiden dich von Baum unb Strauch, von deiner Heimat nicht. Die Nation ber Milchtrinker. Die Finnen stehen in dem Ruf, die größten Milchtrinker der Welt zu sein, und man hat ihre Erfolge im Sport, besonders in der Leichtathletik darauf zurückgeführt, daß die Milch bei ihnen nicht nur als Getränk, sondern auch als Nahrungsmittel eine hervorragende Rolle spielt. Man kann den durchschnittlichen Tagesverbrauch eines Finnen mit anderthalb Liter rechnen, eine Menge, die viele Menschen in anderen Ländern nicht einmal in der Woche zu sich nehmen. Die Milch im Verein mit einfacher unb kräftiger Kost setzt bie Bewohner bes „Lanbes ber tausenb Seen" inftanb, ein oft sehr anstrengendes Leben als Holzfäller, als Flößer ober als Ackerbauer zu führen. Der finnische Sportsmann empfiehlt als ausgezeichnetes Mittel zur Erzielung überragenber Leistungen, ein Glas Milch zu trinken, in dem ein Eßlöffel voll Honig aufgelöst worben ist. Alle erfolgreichen Leichtathleten Finn- lanbs sollen bieses Rezept vor dem Eintritt in ben sportlichen Wettkampf befolgen. Wirb das gleiche Getränk vor dem Einschlafen genommen, so soll sich ein tiefer, traumloser Schlummer einstellen. Uebri- gens ist auch Nurmi, der berühmteste Mittelstreckenläufer der Neuzeit, ein starker Milchtrinker. Das Milchtrivken ist in Finnland eine so bekannte Erscheinung, daß es nichts Außergewöhnliches ist, wenn sich ein Gast in einem Hotel einen Krug mit einem Liter Milch zum Frühstück bestellt unb den Inhalt bis auf den letzten Tropfen ausleert. Läßt sich ein Hofbesitzer beispielsweise für besondere Arbeiten einen Mechaniker aus der nächsten Stadt kommen, so gilt es als Selbstverständlichkeit, daß dieser Handwerker ohne weiteres die gewohnte Milch erhält. Als Regel hat sich herausgebildet, daß der alleinstehende Mann täglich ungefähr ein Liter verlangen kann, unb daß ein Mann mit Familie rund vier Liter beanspruchen darf, unb zwar muß es voll- fette, noch nicht abgerahmte Milch sein, die soeben warm und frisch von der Kuh kommt. wesens zu geben. Den Schlußstein der medizinischen Sehenswürdigkeiten bot uns das A r m y Medi- cal ‘ Wi uf e um, das es in dieser Art bei uns nicht gibt, und das sehr viel Wertvolles enthält. So schien uns Washington der Höhepunkt dieser Reise, aber wir sollten uns auch in dieser Hinsicht in unseren Erwartungen getäuscht sehen. Es herrschte nicht viel Freude, als wir wieder in die unsaubere, kalte, herzlos wirkende Steinwüste Neuyorks zurückkehrten. Die bemerkenswerten Besonderheiten hatten wir schon gesehen. Alles war Amerika müde geworden, trotz des Erstaunlichen und des Grandiosen, das wir erlebt hatten. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, daß eine Einladung der deutschen Krankenschwestern in Neuyork zuerst wenig Gegenliebe fand. Aber irgend etwas führte uns doch dazu, diesen Tag zu opfern und mit deutschen Landsleuten einige Stunden zu verbringen. Keiner hat es bereut. Der Abend bei den deutschen Schwestern war das schön st e und nachhaltig st e Erlebnis, das wir in ganz Amerika hatten. In der 83. Straße befand sich mitten in diesem Steinhaufen ein Haus, nicht anders wie die anderen. Aber gleich bei dem Eintritt begrüßte uns in herzlichster Weife eine deutsche Krankenschwester, während sonst nur ein livrierter, steifer Portier auch an den Prioathäuiern Wache hält. In diesem Haus wohnten etwa 30 Krankenschwestern unter der mütterlichen Leitung der Oberin, Frau Auer, die ihrem schweren, aber so segensreichen Beruf der P r i - vat-Krankenpflege nachgehen. Die Zeiten sind auch für die Krankenschwestern in Amerika nicht leicht. Die Wirtschaftskrise hat ihnen geschadet, und unter der Boykottbewegung haben auch sie zu leiden gehabt. Aber die sachlichen Vorzüge der deutschen Krankenschwestern sind doch unersetzbar Mannigfache Schicksale haben sie nach Amerika verschlagen. Aus Nord und Süd, Ost und West, aus allen Gauen mit allen Untertönen der Sprache, die in der Fremde doppelt heimatlich wirken, sind sie hierhergekommen. Im ganzen Haus wehte eine andere Luft, als wir sie bisher verspürt hatten. Vielleicht wußten wir es alle noch nicht, als wir das Haus betraten, aber instinktiv fühlten wir es alle. Als dann die deutschen Lieder erklangen, wurden auch die amerikanischen Gäste warm. Den deutschen Krankenschwestern aber wurden die Augen feucht anläßlich der lebenden Grüße der Heimat. Jene träumte von Schwarzwald, diese vom Neckar, die andere von den Bergen. Kurz, das große Heimweh hatte sie alle ergriffen, die längst Amerika müde waren. Nun war uns klar geworden, was in ^Amerika allen Deutschen fehlte und wofür dieses Leben der Jagd nach Geld und Gütern ihnen keinen Platz und keine Zeit gegeben hatte: die deutsche Innerlichkeit und Herzlichkeit, für die jedes Haus, jeder Raum, jedes Dorf in Deutschland einen Ausdruck gefunden hatte. So wurde der Abend bei den deutschen Krankenschwestern nicht nur der schönste, sondern auch der l e h r r e i ch st e und der wertvollste der deutschen ärztlichen Studienreise nach Amerika. Wir hatten an diesem Abend ein Stück von Deutschland begriffen, das wir von Geburt in uns tragen, ohne seines Wertes voll bewußt gewesen zu sein. Die Katholikenverfolgungen in Irland. Ein Protest des irischen Bischofs bei Baldwin. London, 23. August (DNB.) Der Bischof von Down und Connor, Dr. Mageean, richtete an Ministerpräsident Baldwin ein in schärfster Form gehaltenes Schreiben, in dem die Regierung von Nord irl and für die blutigen Katholikenverfolgungen verantwortlich gemacht und eine peinlich genaue Untersuchung über die Natur und Ursachen der kürzlichen Ausschreitungen in Belfast gefordert wird. Der Bischof beruft sich dabei auf ein Gesetz der Regierung von Irland aus dem Jahre 1920, das für alle Teile der Volksgemeinschaft religiöse Gleichberechtigung vorsehe, und fährt dann fort, daß in sämtlichen sechs Grafschaften von Nordirland den Katholiken jede Spur von Recht und Freiheit verweigert werde. Die Regierung von Nordirland habe bei der Anwendung der Gesetze und bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ruhe und Ordnung völlig versagt. Im weiteren Verlaufe des Briefes schildert der Bischef die Art, in der die Katholiken in Belfast vom Pöbel terrorisiert worden seien. Unter den entfesselten Leidenschaften der Straße hätten die Katholiken, nur mit Uachtgewändern angetan, um ihr Leben fliehen müssen. Eine Mutter mit ihrem zwei Tage allen Kind aus dem Arm sei auf die Straße geworfen worden (!), und selbst vor ehemaligen Kriegsteilnehmern habe man nicht halt gemacht. Sie seien gewaltsam aus ihren Heimstätten vertrieben worden und ihre Möbel habe man verbrannt. Alles das habe sich unter den Augen der bewaffneten Streitkräfte Der britischen Krone zugetragen. Die noch unvollständige Liste der aus ihren Wohnungen vertriebenen Familien gebe 1903 Männer, Frauen und Kinder an, und die Vertreibungen hätten auch dann noch angedauert, nachdem er, der Verfasser- bei dem Ministerpräsidenten Lörd Crai- g a v v n protestiert habe. „Die irischen Katholiken" — so schreibt der Bischof zum Schluß — „haben ein Recht, in ihrem Heimatlande zu leben und dort ihr Brot zu verdienen. Dieses Recht ist herausgefordert worden. Die gegenwärtige Lage ist unhaltbar. Eine Untersuchung vor einem unparteiischen Gerichtshof ist ein zwingendes Gebot der Stunde. Im Auftrage meiner Gemeinde bitte ich Sie, dies veranlassen zu wollen." Wie verlautet, hat der Bischof von dem Büro des Ministerpräsidenten Baldwin eine kurze Empfangsbestätigung erhalten, in der darauf hingewiesen wird, daß Baldwin sich zur Zeit a u f Urlaub befinde. Die verschütteten Arbeiter in Berlin noch immer nicht geborgen. Oie Tunnelsohle noch nicht erreicht. - Ungeheure Schwierigkeiten erfordern neue Arbeitsmethoden. Die Einsturzstelle in der Hermann-Göring-Straße mit dem von den Bergungsmannschaften gegrabenen Stollen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) O Uh Fast 72 Stunden.... Berlin, 23. Aug. (DNB.) Fast 72 Stunden bangt man um die Opfer der Arbeit in der Hermann-Göring-Straße. Schon ist schier Uebermensch- liches geleistet worden, aber immer noch ist es nicht gelungen, an die Verschütteten heranzukommen. Auch die Geretteten haben nicht die genaue Lage der Vermißten bezeichnen können. Sie haben wohl angegeben, daß sich, im Augenblick des Unglücks an dieser und jener Stelle Arbeiter befunden haben, aber es ist ja mit Sicher- Sicherheit anzunehmen, daß sich die Arbeiter beim Erkennen der drohenden Katastrophe noch zu retten versuchten und naturgemäß von ihrem Aufenthaltsort nach beiden Seiten auseinanderstoben. Das Schwergewicht der Bergungsarbeit liegt immer noch auf der Seite nach der Hermann-Göring-Straße. Heute vormittag sind noch einmal die Preßluft- hämmer in Tätigkeit getreten, um einen weiteren Teil der Straßendecke wegzuräumen. Auf diese Weise kann man den steilen Abhang immer weiter abschrägen, die einzelnen Blattformen verbreitern und damit vollkommene Sicherheit für die Arbeitenden schaffen. Die Tunnelsohle konnte noch immer nicht erreicht werden, da sich, wie an den anderen Stellen, auch hier ein Gewirr von Eisen- und Holzträgern den Arbeitern entgegenreckt. Schweißbrenner und elektrische Sägen müssen oftmals eingesetzt werden, um Platz zu schaffen. Zimmerleute haben die Aufgabe, den 8 Meter breiten Schacht genügend zu sichern. Llebermenfchliche Anstrengungen An der Stätte des Einsturzunglücks gab am Freitagabend Generalleutnant D a l u e g e , der bekanntlich mit der Oberleitung auf der Unglücks- stelle beauftragt worden ist, einen Ueberblick über die seit Einrichtung der zentralen Führung der Ret- tungs- bzw. Bergungsarbeiten durchgeführten und für die nächste Zeit geplanten Arbeiten. Wer den Rettungsarbeiten vom ersten Tage an beigewohnt hat, wird zugeben müssen,, daß bisher nach menschlichen und technischen Kräften restlos alles getan worden ist, um einen Vorstoß zu den Verschütteten zu ermöglichen. Wenn diesen übermenschlichen Anstrengungen ein positiver Bergungserfolg noch nicht beschieden war, so liegt das allein an den ungeheuren Schwierigkeiten, die bei der Art des Einsturzes den Arbeiten im Wege stehen. Nachdem der Stollenbau der Bergleute insofern zu keinem positiven Ergebnis geführt hat, als man zwar Hohlräume entdeckt hat, an die Verschütteten aber nicht herangekommen ist, mußte man sich am Donnerstagnachmittag zur Anwendung grundle- gend neuer Methoden entschließen. Am Freitag sind in der ersten Schicht 680, in der zweiten 743 und in der dritten 800 Mann eingesetzt worden. Schon diese Zahlen beweisen, daß auf dem verhältnismäßig beschränkten Raum die Ansetzung von Kräften in vollstem Umfange erfolgt ist. In jeder dieser Schichten waren vertreten die Wachtruppe Berlin, die Pioniere, die Feuerwehr, außerdem mit wechselnder Stärke die Technische Nothilfe, die ihre Arbeit noch nach ihrer Berufsarbeit verrichteten. Ferner sind für jede Schicht 400 Fach- und Spezialarbeiter der namhaftesten Berliner Bau- firmen herangezogen worden. Hinzu kommen weiter die Bergleute, die zur Zeit mit Sonderarbeiten betraut sind. Unter diesen Umständen hat in der Nacht zum Samstag vor allem der Einbau des breiten Längs- stollens, von dem man sich sehr viel für die Bergung der Verschütteten verspricht, ansehnliche Fortschritte gemacht, obwohl man nach der Tiefe zu immer wieder auf wirr durcheinanderliegende Trümmer stößt. Getäuschte Hoffnung. Bei den Bergungsarbeiten kam es in der zweiten Morgenstunde zu einer Unterbrechung. Gegen Vz2 Uhr erschien ein Arbeiter aufgeregt bei der Leitung der Rettungsarbeiten und behauptete, er habe an einer Stelle des Tunnels — etwa fünf Meter vom Greifkran entfernt — Klopfzeichen gehört. Sofort wurde der gesamte Schürfbetrieb eingestellt, um vollkommene Ruhe zu haben. In aller Eile trieb man an der bezeichneten Stelle einen Schacht in das Erdreich hinein, doch waren trotz angespanntester Aufmerksamkeit irgendwelche Zeichen der Verschütteten nicht zu vernehmen. Nach mehreren Stunden gab man diese hoffnungslose Arbeit auf, da erfahrungsgemäß Klopfzeichen in lockerem Sandboden einfach nicht wahrnehmbar sein können und zudem ein Vorwärtskommen an dieser Stelle unmöglich ist. Der Arbeiter, der diese Zeichen gehört haben wollte, dürfte in der Aufregung einer Sinnestäuschung zum Opfer gefallen fein. Das Beileid des Auslandes. Anläßlich des Brandes im Funkgelände und insbesondere der Einsturzkatastrophe in der Hermann-Göring-Straße in Berlin hat eine Anzahl fremder Missionschefs der Reichsregierung ihre Anteilnahme zum Ausdruck gebracht. Die Aufräumungsarbeilen auf der Funkausstellung beendet. Reichsminister Dr. Goebbels ordnete in der Brandnacht an, daß die Aufräumungsar- beiten auf der Funkausstellung mit allen Kräften beschleunigt werden sollten. Freitag früh konnte Reichsminister Dr. Goebbels mitgeteilt werden, daß die Aufräumungsarbeiten Donnerstag, 22. August, 23 Uhr, beendet waren, und daß die Brandstelle, mit einem Bauzaun umgeben, als solche nicht mehr erkennbar ist. Es ist dem Zusammenwirken mit SA., SS., Arbeitsdienst, Reichswehr, Landespolizei und Politischen Leitern zu danken, daß die Arbeiten mit überraschender Schnelligkeit durchgeführt werden konnten. Vek Reichsminister Dr. Goebbels fand eine Besprechung über die Wiederherstellung und die Neuanlage des Ausstellungsgeländes statt, wobei bereits bestimmte Pläne vorgelegt wurden. Dieses Bild veranschaulicht deutlich die ungeheuren Schwierigkeiten, unter denen die Bergungsmannschaften arbeiten müssen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) W M N M T? ; w j®:' I Ein Jubiläum der Deutschen Lufthansa. 100 planmäßiqe Flüge mit 4 Millionen Luftpostbriefen im Transozeanverkehr. Berlin, 24. August (DNB. Funkspruch). Die deutsche Handelsluftfahrt kann am 2 5. 21 u g u ft auf eine einzigartige Luftverkehrsleistung zurückblicken. An diesem Tage wird der hundertste planmäßige Postflug auf der ersten regelmäßigen Transozean-Luftverkehrs ftrecke, dem Luftpostdienst Deutschland — Südamerika der Deutschen Lufthansa, beendet. Obwohl es uns in den anderthalb Jahren seit Eröffnung dieser schwierigsten aller Luftverkehrsstrecken bereits zur Selbstverständlichkeit geworden ist, daß allwöchentlich in Stuttgart und in Buenos-Aires die Flugzeuge her Deutschen Lufthansa und der eng mit ihr zusammenarbeitenden Sydicato Condor Ltda. starten und planmäßig in dreieinhalb Tagen die rund 40 000 Kilometer lange Entfernung in ununterbrochenem Tag- und Nachtfluge überwinden, verdient diese Leistung besondere Beachtung. Sie ist nicht nur ein Beweis für die sorgfältige Organisation des Dienstes, sondern auch ein sichtbares Zeichen für das können unseres Volkes und den Aufbauwillen des national- fozialistifchen Deutschland. Vicht besser kann das große vertrauen, das sich der deutsche Transozean-Luftpostverkehr durch feine Regelmäßigkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit in den eineinhalb Jahren seines Bestehens errungen hat, verdeutlicht werden, als durch die Beförderungsleistung: 4 Millionen Luftpostbriefe flogen über den Ozean! Um diese Beförderungsleistung zu ermöglichen, mußten die deutschen Flugzeuge 1400 000 Kilometer zurücklegen. Allein auf dem Transozean-Abschnitt zwischen Bathurst (Britisch-Gambien) und Natal an der Oft- lüfte Südamerikas wurden rund 320 000 Kilometer von den hier verwendeten Dornier-Wal-Flugbooten der Deutschen Lufthansa bewältigt. Berücksichtigt man jedoch, daß der Atlantik von der spanischen Küste, über die Kanarischen Inseln hinweg bis nach Bathurst in seiner Längsrichtung überflogen werden muß, da wir keinerlei koloniale Stützpunkte besitzen, so steigt die Zahl der über dem Ozean zurückgelegten Flugkilometer auf 710 000. Inseln -es Deutschtums. Von unserem R.W.-Äerichterstatter. V. Das Leben der Volksgenossen in Japan. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Tokio, im August 1935. Wo Deutsche auf der Erde wohnen, schließen sie sich zusammen. Die tägliche Arbeit in fremder Umgebung und unter fremden Menchen vermag das Gefühl der Zusammengehörigkeit nicht zu unterdrücken. Ob Beamter im auswärtigen Dienst, ob Kaufmann, Lehrer, Ingenieur oder Arzt — sie alle suchen Anschluß an die deutsche Gemeinde, die so zum Außenposten der Heimat wird. In aanz Japan leben heute etwa tausend deutsche Volksgenossen, die sich fast gleichmäßig auf Tokio, Yokohama, Kobe, Osaka und auf kleinere Plätze verteilen. Während früher der Zusammenschluß in ungebundener Form in „Deutschen Vereinigungen" mit Klubgebäuden erfolgte, haben die nach der nationalen Erhebung überall entstandenen Ortsgruppen der NSDAP, für einen festen landsmannschaftlichen Zusammenschluß gesorgt. Der Erfolg der Ortsgruppenführer und ihrer Mitarbeiter gerade auf diesem Gebiete kann nicht hoch genug eingeschätzt werden, und es wäre der Mühe wert, einmal zusammenfassend über die nationalen Verdienste dieser Männer zu schreiben. Im weitesten Sinne des Wortes wurde hier Pionierarbeit geleistet, die sich Verbreitung und Vertiefung des nationalsozialistischen Gedankens zur Aufgabe gestellt hat. In der Hauptsache seien hier die Ortsgruppen Tokio - Jokohama und Kobe - Osaka erwähnt, deren entschlossene und aufrüttelnde Tätigkeit den Ortsgruppen in der Heimat in nichts nach- steht. Regelmäßig finden Ortsgruppenabende oder Schulungsvorträge statt, zu denen jeder aus dem Schatz seines Wissens oder seiner Erfahrungen beiträgt. Wie zu Hause werden die Sammlungen für die Winterhilfe oder die Eintopffpenden streng durch- aeführt. Gesellige Veranstaltungen aller Art vertiefen den Zusammenschluß. An den großen Feiertagen der Nation schart sich das Deutschtum um seinen Botschafter und um feine Ortsgruppenführer, jeder ein überzeugter, treuer Gefolgsmann feines Führers in der Heimat. Feiertage sind ferner die Empfangsabende der in -japanischen Häfen einlaufenden deutschen Dampfer. Unseren deutschen Seeleuten wird so Gelegenheit zur Erholung und Ausspannung vom schweren Schiffsdienst gegeben. Man erzählt von Heimat und Ausland, tauscht Erfahrungen aus und gewinnt wieder einmal das beglückende Gefühl der Zusammengehörigkeit in der Heimat und in der Fremde. Früher hat der deutsche Seemann wähl auch die ganze Welt bereist, aber von Land und Leuten hat er nicht viel gesehen. Heute geht es, soweit Zeit und Dienst das erlauben, unter Führung der Ortsgruppen mit Wagen zu den schönsten Plätzen Japans. Gemeinsame Essen, gute deutsche Kaffee- und Biertafel sorgen dafür, daß Herz und Magen des Seemanns für die Weiterreise gestärkt werden. Und zum Abschied werden Adressen ausgetauscht, die noch lange die Verbindung mit den Deutschen in allen Teilen der Welt aufrechterhalten. Es ist nicht zuviel gesagt, wenn man die Heime der deutschen Vereinigungen im Ausland, die sogenannten Klubs, über ähnliche Einrichtungen anderer Nationen stellt. Nicht etwa, daß sie durch Großartigkeit prunken wollen, im Gegenteil, gerade durch ihre Schlichtheit in der Einrichtung wirken sie auf den deutschen Menschen. Da gibt es reichhaltige Bibliotheken, mit Zeitungen und Zeitschriften wohlausgerüstete Lesezimmer, Billard, Kegelbahn, Speisezimmer, Garten und Sportgelegenheit. Jede Vereinigung schließt eine kleine Theatergruppe oder eine musikalische Gruppe in sich. Die „Deutschen Abende" bieten infolgedessen alles nur mögliche an künstlerischen Darbietungen und leisten so Ersatz für vieles, auf das der Deutsche im Ausland verzichten muß. Auch deutsche Filme: „Der Führer", „Parteitag", „Unsere Reichswehr" und andere wertvolle Darstellungen Oer Erfinder des Fernsehens wurde zum Ehrendoktor ernannt. In der großen Abendveranstaltung in der Funkausstellung am Kaiserdamm feierte der greife Erfinder des Fernsehens, Paul N i b k o w, seinen 75. Geburtstag. Bei dieser Gelegenheit gab Professor Dr. M. Seddig bekannt, daß die Universität Frankfurt a. M. Paul Nibkow zum Ehrendoktor ernannt habe. Dieser Schnappschuß zeigt den Fernseherfinder Nibkow in aemütlicher Unterhaltung während des Abends. Links von ihm Präsident Dreßler-Andreß. —• (Scherl-Bilderdienst-M.) Aus aller Welt Md der Geschichte des neuen Deutschlands werden gezeigt. Selbstverständlich sind hiermit nicht alle Aufgaben und Erfolge der Ortsgruppen, der Träger des Deutschtums im Auslande, geschildert, aber man wird ungefähr einen Einblick in die geleistete Arbeit bekommen haben. — Wenden wir uns nun noch den Einrichtungen zu, die in erster Linie kulturellen Bestrebungen dienen. Vorwegzunehmen sind insbesondere die deutschen Lehrer an japanischen Schulen oder an der „Deutschen Schule" in Omori bei Tokio, die sich im Nationalsozialistischen Lehrerbund zusammengetan haben, mit dem Ziel, der neuen deutschen Erziehung der Jugend Stütze und Halt zu geben. Sinngemäß ergänzt wird der Bund durch die Jugend - und Frauengruppen, also die eigentlichen Träger deutscher Zukunft: Mutter und Kind. Doch damit erschöpft sich der Pioniergedanke des Deutschen noch nicht. In der OAG. (Deutsche Gesellschaft für Natur- und Völkerkunde O st a s i e n s), mit dem Sitz in Tokio, vereinigen sich die geistigen und geselligen Beziehungen zwischen Deutschland und Freunden des Durch die deutschen Lande geht die Nachricht zweier Katastrophen, die in diesen Tagen die Reichshauptstadt Berlin heimsuchten. Kurz nach der Eröffnung, am Montagabend, stand die Halle IV der großen Deutschen Funkausstellung in Flammen und brannte restlos nieder. Drei Tote und viele Verletzte sind neben dem unermeßlichen Schaden die Opfer dieses Tages. Knapp einen Tag später erfolgte beim Bau der Nord-Süd-8-Bahn- strecke in der Hermann-Göring-Straße am Brandenburger Tor der Einbruch der Baugrube. Achtundvierzig Stunden, zwei Tage und zwei Nächte, sind inzwischen dahingegangen und noch liegen unter den Trümmern zwanzig Arbeiter verschüttet. Zweimal hat das Schicksal brutal in den Frieden der Arbeit eingegriffen, zweimal kennzeichnen Trümmer, Schaden und vor allem Menschenleben seinen unheilvollen Weg. Von fleißigen Händen aufgebaut, Künder deutschen Schaffensdranges, deutscher Erfinderkunst und deutschen Kulturwillens, so stand die F u n k a u s st e l l u n g. Zwei Tage danach — ein Teil dieses Werkes zerstört. Drei Männer gaben ihr Leben für dieses Werk. Inzwischen reifte ein anderes,, gigantisches Werk seiner Vollendung entgegen, die Eisenbahn unter oer Erde, der Schienenstrang unter der Großstadt Berlin, die Nord-Süd-8-Bahn. Schwierig find die Bauverhältnisse, die Unterfahrung der Spree, der Untergrundbahnen, des Brandenburger Tores und des Bahnhofs Friedrichstraße. Technisches Können und sorgfältigste Arbeit aller beim Bau beschäftigten Arbeiter sind für die Durchführung dieses Werkes erforderlich. Täglich fahren die drei verschiedenen Schichten in die Stollen ein, holen den Sand heraus, täglich hämmern die Rammen eiserne Träger in die Erde, täglich greifen die Bagger in die Tiefe, um Raum zu schaffen für die Bahn, die in einem Jahr unter der Erde der Stadt entlangsahren soll. Täglich steht ein Heer deutscher Männer bei dieser Arbeit — bis auf diesen Dienstag. Viele Meter tief in der Erde griffen ihre Spaten hinein ins Erreich, oben auf der Straße, deren Lärm nur noch schwach zu ihnen hinunterdrang, oben schien die Sonne. Unten war es kühl und fremd und doch vertraut, denn diese Arbeit gab ihnen und ihren Familien Brot. Da geschah das Unfaßbare. Man mußte es sehen, wie jäh die Erde zusammenbrach, wie eine braune Sandwolke hoch- auoll aus dem Schacht, wie die Gleise der Straßenbahn, mit der man eben im Begriff war, abzufahren, vor einem in die gähnende Tiefe stürzten. Man mußte Augenzeuge werden, als der Riesenbagger sich zur Seite neigte und hinabstürzte in den schier unersättlichen Grund. Wie ein Mast der Oberleitung der Straßenbahn umstürzte, hinab in die Tiefe, wie ein Baum des Tiergartens in vollem Grün sich neigte und über dieses Grab legte. Jeder von allen, die im Augenblick des Geschehens Erlebende wurden, begriff, daß hier ein Entsetzliches hereingebrochen war, denn jeder wußte, dort unten in der Tiefe, uns nicht mehr sichtbar, d a Reichs In Ostasten. Zweck dek Gesellschaft ist, die Kenntnisse über Länder und Völker Ostasiens zu fördern. Ortsgruppen oder Ausschüsse befinden sich in Shanghai, Batavia, Kobe, Hamburg, Berlin und Leipzig. Bei den Sitzungen finden regelmäßig wissenschaftliche Vorträge und Besprechungen statt. Ende des Jahres 1934 hatte die Gesellschaft 925 Mitglieder auf der ganzen Welt, darunter in Japan allein 459 und in Deutschland 243. Und endlich ist das Japanisch-deutsche Kulturinsti tut, ein japanisches staatliches Institut, zu erwähnen, das von dem früheren Bot- schgfter Dr. Solf und dem früheren japanischen Innenminister Graf Goto gegründet wurde. Wie das Japaninstitut in Berlin, dient das hiesige Institut der Vertiefung der kulturellen Beziehungen beider Länder. Es würde zu weit führen, die Namen aller der Männer und ihre Verdienste um das Deutschtum aufzuführen, die diesen Vereinigungen und Instituten ihr Wissen und ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellen. Es sei nur festgestellt, daß der große Erfolg, der in dem Austausch kultureller Güter für das gegenseitige Verstehen zu suchen ist, nicht ausblieb. waren eb en noch Männer, schaffende, blutvoll ihrem Werk hingegebene Männer. Nun aber war nach dem Zusammenbrechen nichts als ein grausiges Schweigen. Aus den pflichterfüllten, schlichten Soldaten der Arbeit waren in dieser Mittagsstunde Helden des Alltags geworden. Soldatentum in Krieg und Frieden ist nichts ohne die Kameradschaft. Dort unten am Brandenburger Tor hatten Kameraden der Arbeit, den Spaten in der Faust, am neuen Werk gestanden und Dienst an der Front des Friedens getan. An dieser Front sind sie gefallen, denn es müßte ein Wunder der Allmacht sein, würde es noch gelingen, sie lebend der Welt wiederzugeben. Vor ihrem stummen Heldentum senken sich die Fahnen des Volkes, aus dem sie kamen, und für das sie sich opferten. Wir wollen aber auch des Heldentums all derer gedenken und uns ehrfürchtig vor ihm beugen, die ieberhaft ihren Kameraden Rettung zu bringen uchen; der Feuerwehr, die in dieser Woche Schwertes zu leisten hat, der Pioniere des Reichsheeres und der Nothelfer, der braven Bergknappen von der Ruhr und aus Hannover und der Polizei. Wir wollen auch dankbar des Straßenbahnführers gedenken, der seinen Zug wenige Schritte vor dem gähnenden Abgrund zum Stehen brachte. Sie alle machen uns stolz. In ihrer selbstverständlichen Hingabe für die Gemeinschaft, in ihren Opfern find sie Soldaten der Arbeit und Helden des Alltags, die der Nation Vorbild zu sein vermögen. Geringe Aussichten für Flottenbegrenzung. London, 24. August (DNB. Funkspruch). Der Marinemitarbeiter des „Daily Telegraph" ist der Ansicht, daß die vielseitigen Flotten- besprechungen im September, die von der britischen Regierung gewünscht würden, vorläufig nicht Zustandekommen könnten. Die japanische Antwort auf den britischen Vorschlag habe den Plan vereitelt. Sie sage, japanische Delegierte würden nur unter der Bedingung kommen, daß im voraus eine gemeinsame obere Grenze für Kriegsschiffe bewilligt werde. Dies sei eine beschönigende Umschreibung für Gleichheit der japanischen mit der britischen und der amerikanischen Flotte. Bekanntlich habe die amerikanische Regierung es entschieden abgelehnt, auf dieser Grundlage zu verhandeln. Wenn es nicht gelinge, Japan zur Aufgabe seines Standpunktes zu überreden, dann sei eine Eröffnung der Besprechung zwecklos. Dagegen würden Marinesachverständige von Frankreich 4inb Italien im nächsten Monat erwartet. Bei dieser Gelegenheit werde ihnen die volle Bedeutung des deutsch- englischen Flotten - Vertrages erklärt werden. Die Aussichten eines vielseitigen Vertrages für die Begrenzung der Flotten feien entschieden unwichtig. Die „Zwölfte Große Deutsche Rundfunkausstellung Berlin 1935“ um drei Tage verlängert. Mit Rücksicht auf den außerordentlich starken Besuch der diesjährigen „Zwölften Grotzen Deutschen Rundfunkausstellung" und die vorliegenden zahlreichen Meldungen von weiteren Sonderzüaen wird die Ausstellung noch um drei Tage, d. h. bis einschl. 28. August, verlängert. Diese Tage werden als Volkstage durchgeführt. Der sonst geltende Eintrittspreis von 1 Mk. wird als Einheitspreis auf 0,50 Mk. herabgesetzt, lediglich Erwerbslose zahlen 0,30 Mk. Der Umfang der Ausstellung bleibt in den Verlängerungstagen genau so wie bisher. Dienstag und Mittwoch finden Sonderveranstaltungen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" unter dem Motto „Volk sendet für Volk" statt, die gemeinsam mit dem RDR. und der Volkssenderleitung durchgeführt werden. Freilegung der Ruine Winneburg bei Cochem. Seit einiger Zeit läßt die Stadtverwaltung Cochem an der Mosel,die Eigentümerin der Burgruine Winneburg im Tal der „Wilden Endert" ist, umfangreiche Freilegungsarbeiten an den verfallenen Wällen, Mauern und Bastionen der Burg vornehmen. Die interessanten Arbeiten locken zahlreiche Fremde zu einem Spaziergang nach der Burg, von der sich jetzt zeigt, daß sie eine der größten des Rheinlandes gewesen ist. Bei den bisherigen Ausgrabungen wurden wuchtige Mauerzüge, Verließe, Kammern usw. sreigelegt. Im Pallas der Burg, die übrigens Stammsitz des Geschlechtes derer von Metternich ist, wurden Wände und Säulen mit gut erhaltener Malerei gefunden. Die Winneburg wird nach erfolgter Freilegung neben der Burg Cochem ein Anziehungspunkt für die Gäste des Moselstädtchens werden. Ein Mörder zum Tode verurteilt. In der Sitzung des Schwurgerichtes beim Landgericht Eichstaett (Bayern) wurde der 24jährige ledige Matthias Schwab auf Fünfstetten wegen Mordes zum Tode verurteilt. Schwab hcktte am 1. Juni d. I. seinen Onkel, den 53 Jahre alten Bäckermeister Joseph Haun st etter mit einem schweren Beil in der brutalsten Weise niedergeschlagen, so daß der Tod des Haunftetters nach wenigen Minuten eintrat. Schwab wollte in den Besitz des Anwesens Haunftetters kommen, um heiraten zu können. Von der Brutalität des Angeklagten zeugt die Tatsache, daß er an der Bahre des Erschlagenen die Totenwache gehalten und auch an der Beerdigung teilgenommen hatte. Großfeuer in einem holländischen Dorf. In dem kleinen Ort Beeft in der holländischen Provinz Gelderland fielen fünf Bauernhöfe mit sämtlichen Vorräten einem Großfeuer zum Opfer. Infolge der großen Trockenheit stand die Feuerwehr zunächst dem Brande völlig machtlos gegenüber. Erst nach vierstündigen Loscharbeiten gelang es, dem Feuer Einhalt zu gebieten. Die Getreide- und Futtervorräte waren nicht versichert. Die Ursache des Brandes ist noch ungeklärt. Schwere Unfälle in englischen Bergwerken. Zwei schwere Unfälle in englischen Bergwerken haben fünf Todesopfer gefordert. In einer Grube bei South Elmsall (Yorkshire) ereigneten sich eine Anzahl Explosiionen. Vier Pergleute wurden getötet und 13 verletzt, davon vier schwer. Zwei der Toten gehörten einer Rettungsmannschaft an, die nach der ersten Explosion eingefahren war. Bei Cymmer (Grafschaft Glamorgan) wurde ein Bergmann durch einen Gesteinseinsturz getötet. Sein Gefährte kam mit leichten Verletzungen davon. Ausdehnung der Schlafkrankheit in Japan. Die Schlafkrankheit breitet sich in Japan epidemisch immer weiter aus. Sie ist jetzt schon nahe östlich von Tokio. Auf dem Wege, den die Epidemie nimmt, werden alle Altersklassen von der tückischen Krankheit befallen. Bisher sind im ganzen 200 Fälle bekanntgeworden. 110 Todesopfer wurden gezählt. Die letzte Epidemie suchte Japan vor zehn Jahren heim. ♦ Schweres Schiffsunglück an der portugiesischen Küste. In der Nähe von Espozende an der portugiesischen Küste wurde ein portugiesisches Fischereiboot durch einen schweren Sturm auf ein Felsenriff geschleudert. Das Schiff wurde zerschmettert. Von der 48köpfigen Besatzung kamen sieben Fischer in den Wellen um, wahrend sich die restlichen schwimmend retten konnten. Kommunisten zu Zuchthaus verurteilt. LPD. Darmstadt, 23. Aug. Unter der Anklage, die kommunistische Jugendorganisation wieder aufbauen zu wollen, hatten sich 18 Kommunisten aus Mainz, Rüsselsheim und Umgebung vor dem Strafsenat des hessischen Oberlandesgerichts zu verantworten. Nach zweitägiger Verhandlung wurde heute das Urteil gefällt. Die Hauptangeklagten, der 19jährige Jakob Gremm aus Mainz und der 25jährige Friedrich Grünwald aus Königsstätten, erhielten j e 3V2 bzw. 3 Jahre Zuchthaus. Drei weitere Angeklagten wurden zu Zucht.haus st rafen von 2 Jahren 9 Mo - naten bis zu 2 Jahren verurteilt. Einige weitere Angeklagten kamen mtt Gefängnisstrafen von 6 Monaten bis zu einem Jahr neun Monaten davon. Den zu Zuchthaus Verurteilten wurden die Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren aberkannt und die Zulässigkeit der Polizeiaufsicht angeordnet. Rundfunkprogramm Dienstag, 27. August. 6 Uhr: Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 7: Nachrichten. 8.10:\ Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 10: Sendepause. 10.15: Schulfunk. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten, Nach- richten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Mitten im Werktag. Sozial- und Wirtschaftsdienst in bunter Folge. 15.15: Für die Frau! Krähwinkel! Ein Kleinstadtbild. 16: Nachmittagskonzert. 18: Kamps um das Reich. Die Landes-Staaten — Die Hausrnachtpolittk der Könige. 18.15: „Lockende Ferne." Deutsche Entdecker und Kolonisten vor vierhundert Jahren. Die Fugger und Welser in Südamerika und am Stillen Ozean. 18.30: „Die Natur macht keine Sprünge." Stimmt das heute noch? Eine biologische Betrachtung. 18.45: Zeitgenossen gibts... 19: Volksmusik. 19.40: Die Reichsrundfunkkammer. Die neue Broschüre des Präsidenten der Reichskundfunkkammer, Horst Dreßler-Andreß. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Konzert. 21.30: Die Lungen der Großstadt. Anlagen und Parks. Funkfolge. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk, Sportbericht. 22.30: Schöne Volksmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Das über Frankreich-Südengland zur Entwicklung gekommene. Störungsgebiet hat feit gestern ostwärts an Raum gewonnen und am Samstag früh sein Niederschlagsgebiet schon bis zum Oberrhein vorgeschoben. Bei uns macht sich eine kalte Westströmung bemerkbar und wird voraussichtlich im Laufe des Samstags zu gewittrigen Niederschlägen führen. Anschließend kann dann mit kühlerem Nachregen gerechnet werden, ohne daß jedoch diese Entwicklung einen nachhalttgen Witterungsumschlag im Gefolge haben wird. Aussichten für Sonntag: Nach Gewittertätigkeit bewölkt und weiterer Nachregen, kühle auf Westen drehende Winde. Aussichten für Montag: Noch unbeständig und ziemlich kühl, doch wieder eintretende Besserung. Lufttemperaturen am 23. August: mittags 28,4 Grad Celsius, abends 25,1 Grad; am 24. August: morgens 14,7 Grad. Maximum 28,6 Grad, Minimum 10,5 Grad. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 23. August: abends 20,8 Grad: am 24. August: morgens 17,8 Grad Celsius. Sonnenscheindauer 1^/2 Stunden. Niederschläge keine. Soldaten derArbeit—Helden desAlltags Heute Biinterftbend. Willy Reichert.. Volkshalle M- Ihre Vermählung geben bekannt Georg Kühn und Frau £ini, geb. Wahl Gießen, den 24. August 1935 Lieblgstraße 77 Dilhelmstraße 55 03573 Christa Oie glücklicheGeburt eines gesundenTöchterchens zeigen in dankbarer Freude an Dr. habil. Anton Dozent für innere Medizin und Frau Erika,geb.Meyer 4» 9D Da es uns nicht möglich ist, allen denen persönlich zu danken, die anläßlich unseres diamantenen Ehejubiläums in so reichem Maße durch Glückwünsche und Geschenke unserer gedachten, bitten wtr, auf diesem Wege unseren aufrichtigsten Dank entgegennehmen zu wollen Daniel Heil und Frau Dorothea, geb. Trapp Gießen (Hitlerwall 47), den 23. August 1935 --W. Ole Verlobung ihrer Kinder Gretel und Wilhelm zeigen hiermit an Saurat C. Schuhwacher Architekt u. Frau Käthe, geb. Gümblein Mühlenbesiher H. Konrad Wagner u. Frau Maria, geb. Kaufmann Gießen, Roonstraße 31 Meine Verlobung mit Fräulein Gretel Schuhmacher gebe ich bekannt Wilhelm Wagner Pfarramtskandidat Rinderbügen, Kr. Büdingen _____03564 25. August 1935 Für die mir anläßl. meines 70. Geburtstages erwiesene Aufmerksam, keit danke ich auf dies em Wege allen recht herzlich. Albert Franke Schuhmachermeister Gießen (Oammstr. 28), 24. 8. 35. 0357° NzmMsWml Kinne a Es laden freundlichst ein: 03537 Der Wirt. Die Burschenschaft. Tanz im Freien! Kirmes “5 am Sonntag, 25., und Montag, 26. August Es laden freundlichst ein 4801D Heinr. Brück, „Zum kühlen Grund“ Wilhelm Wagner, „Zur Germania“ Ludwig Gans, „Zum Buseckertal“ Burg Gleiberg J993D die schöne alte Ruine mit dem herrl. Ausblick auf den Vogelsberg, Taunus und Westerwald Gute billige Speisen und Getränke Schöne Säle und Gesellschafts-Zimmer 1 Einspaltige ] werden zum ermäßigten Kloinün7ainan Grundpreis von 5 Pf. für die 1 rueinanzeigen MllHmeterzelle veröffentlicht! Gebr.Erekryer a.1U. Qrotoe 33 MÖBEL Beschwerden? Dann zu LThöt- Gieße n <340 A Lieferant aller Krankenkassen I Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhesien) Gießener Crholunastätte „Eichgärten". LW Im Eichgärtengebiet ist in den letzten Monaten in eifriger Arbeit vieler Kräfte ein schöner Teich entstanden. Der Teich an der neuzuschaffenden Schlageterstraße, die in ihrem Unterbau schon völlig aufgeworfen ist, soll und wird zweifellos in Verbindung mit seinen Anlagen eine der schönsten Gießener Erholungsstätten werden. So wie sich die Wasserfläche und der ausgehobene Raum jetzt darbieten, handelt es sich um die endgültige Form. In einer Länge von etwa 450 Meter und einer Breite von 55 Meter ist ein ansehnlicher See entstanden, der der Stadt zur Zierde gereichen wird. Demnächst wird der Teich nun auf den vorgesehenen Wasserstand etwa 1,50 Meter gebracht. Gegenwärtig ist die Wassertiefe noch aus Hochwasserrückstand und aus dem Grundwasserstand gering. Inzwischen hat sich aber schon ein starkes pflanzliches und tierisches Leben eingestellt. Schils- und Wasserpflanzen in großer Menge und abwechslungsreichem Stand wachsen im und am Wasser, die Uferböschungen sind ebenfalls dicht bewachsen. Eine wilde Kamille blüht üppig und breitet ihren weißen Schimmer über die grüne Fläche und die schönen in den Teich vorgebauten Halbinseln. Der Strahlenglcmz der hochsommerlichen Sonne tut ein übriges um das Bild, das sich dem Auge bietet, zu verschönen. Frösche und Fische beleben das Wasser. Libellen huschen hin und her, stehen wie gebannt über dem Wasser und ihre glasklaren Flügel schimmern in der Sonne. Schwalben fliegen unauflörlich über dem Teich auf und ab. Wie wir hören, beabsichtigt man, das Wasser demnächst mit einer großen Anzahl von Karpfensetzlingen zu bevölkern. — (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.) nr. 197 Drittes Blaff Laßt die Blumen stehn! Don Franz Hohen. Es gibt Menschen, die alles, was grünt und blüht, als vogelfrei und herrenloses Gut betrachten. Wehe der Blumenhalde, über die sie geraten, wehe dem Baum, der einen Blütenzweig über die Mauer streckt, und der Geißblattranke, deren duftige Schößlinge durch die Lücken des Zauns ins Freie drängen! Ob sie Baum und Kraut mißhandeln und verstümmeln, gilt ihnen gleich, sie folgen dem Trieb, der Eingebung des Augenblicks — nur haben wollen, haben müssen! Jeder kennt das Bild, das ein vielbegangener Waldweg an einem Sonntagabend im Hochsommer bietet; alle paar Schritte weit liegen verlorene Blumen oder abgerissene und dann als lästige Bürde gedankenlos wieder weggeworfene grüne Zweige am Boden, und den Pfad entlang trauern an Busch und Strauch geknickte Reiser, die der Zerstörungwiderstanden und nun mit welkendem Laub den Wea verunzieren — kein schönes Bild für den, der sich gern an der Fülle und dem tiefen Einklang der Natur erfreut. Warum werden ungezählte Blüten und Zweige gebrochen und zu soaenannten Sträußen vereinigt, um nach kurzer Gnadenfrist in den Ascheneimer zu wandern? Ist es wirklich Freude an der farbigen Pracht der mühelos gewonnenen Schätze, der irre- gehende Ausdruck einer tiefen Sehnsucht nach der Natur? Der Alpenjäger, der, am schroffen Gebirgsgrat über der gähnenden Tiefe hängend, einen Buschen Edelweiß „brockt" und seinem Schatz als Gruß ans Fenster steckt, kann sich immerhin darauf berufen, daß er das Liebeszeichen mit Einsatz seiner gesunden Glieder oder gar seines Lebens gewonnen hat, aber die von einer blühenden Wiese im Vorbeigehen abgerupften, schnell welkenden Blüten des Flachlands? Es ist so weit gekommen, daß die Verwaltungen der ostfriesischen Nordseebäder gezwungen waren, strenge Pflückoerbote au erlassen, um dem völligen Untergang der botanisch wertvollen Inselflora, vor allem der seltenen Pirola und der Stranddistel, in letzter Stunde oor- ^ubeugen. Ausnahmen mögen gelten. Dem Kranken, den das Leiden an Haus oder Bett fesselt, soll ein bunter Feldblumenstrauß gern ein wenig Sonnenschein ins Zimmer bringen! Männer, wie Freytaa und Ranke, die emsiger Fleiß an den Schreibtisch bannte, brauchten, wie man weiß, je nach der Jahreszeit einen Stengel blühenden Seidelbasts, ein paar Vogelbeerreiser mit blutroten Beeren oder frischgrüne Birkentriebe, mit einer Efeuranke in ein geschliffenes Glas gestellt, um, wenn sie von der Arbeit aufblickten, das Auge zu neuer Sammlung darauf ruhen zu lassen; und mancher Naturfreund, der in der Ssadt zu leben gezwungen ist, sucht sich durch einen dunkelgrünen Föhrenzweig mit braunen Zapfen die Illusion des schmerzlich entbehrten Waldes zu verschaffen. Gemeinhin aber ist es nur* ein unreifes Gelüst, die launenhafte Freude am augenblicklichen Besitz. Und darin gleichen viele Erwachsene oft den Kindern — sie können von den zarten Blüten nicht genug erbeuten, doch ebenso schnell sind sie ihrer wieder überdrüssig. Darum schrieben, durch jahrzehntelange bittere Erfahrungen gewitzigt, die Mönche des Wallfahrtsklosters Andechs als gute Menschenkenner an die Pforte ihres sorgsam gepflegten Gartens: „Für jeden Fuß ist jeder Gang, Für jeden Müden eine Bank, Für jedes Auge eine Blume Zum allgemeinen Eigentume, Für Herz und Sinn ist alles schier — Nur für die Finger ist nichts hier!" Muß man überhaupt eine Blume pflücken, um ihrer froh zu werden? Riemer fand eines Tages Goethe am Rand einer entlegenen Waldmiese bei Tiefurt hingestreckt und in die innige Betrachtung einer prächtig erblühten Königskerze versunken. „Ich hätte sie gern mitgenommen und an mein Gartenhaus gesetzt", meinte der Richter, „aber habe ich größere Rechte als die vielen anderen, die vvrübergehen? Sie ist für alle gewachsen." Wer eine Blume findet, reiße sie nicht ab, sondern mache es wie Goethe, betrachte sie lange und liebevoll und nehme ihr Bild — jede Blüte, auch die unscheinbare, ist ja ein kleines Wunderwerk — mit allen Einzelheiten in sich auf; er wird staunen, was für ein kunstvolles Gebilde sie ist. er wird sie besser kennenlernen und größere Freude an ihr haben, als wenn er sie gedankenlos bricht, um schließlich feinen anderen Gewinn davonzutragen, als daß er sie welken sieht; er wird damit einen Schritt vorwärts tun in der schweren Kunst, zu genießen, ohne zu besitzen. Wie heißt es doch in der „Verlorenen Handschrift"? „Der Professor hielt die lange Ranke eines Brombeerstrauchs, welch- über die Mauer herabhing, in der Hand und sah bewundernd auf weiße Blüten, grüne und gebräunte Beeren, welche in dicken Büscheln beieinander standen... und er wurde nicht müde, ein Büschel Moos zu betrachten, er bürstete es mit der Hand und leate es bald nach der einen, bald nach der anderen^Seite." Wer auf diesem Wege in die wunderbare Mannigfaltigkeit und Schönheit der Pflanzenwelt tiefer einbringt, wird bald nur lebende Blumen und Gewächse, aus nahrhafter Erde getrieben um sich sehen wollen, wird lernen, auf den „Strauß" zu verzichten und ihn als das anzufehen, was er ist — ein unzulänglicher, schnell vergänglicher Ersatz des Lebens; denn das Schönste an unserem Naturbesitz ist doch die Freude, eine Pflanze keimen und wachsen zu sehen, Zeuge zu sein, wie sie sich von Tag zu Tag mehr entfaltet, Blätter, Knospen und Blüten treibt. Eine vielbesuchte deutsche Stadt, altberühmt durch die verschwenderische Fülle von landschaftlicher Schönheit, die die Natur über sie ausgegossen hat, ist dem Bestreben zum Schutz der Pflanzenwelt in einer Form mit gutem Beispiel vorangegangen, der man Nachahmung wünschen möchte. Wer die laubgrünen Odenwaldberge um Heidelberg durchstreift,^ findet an den Wegscheiden Tafeln in „Marterln"-Form, aus deren tiefrotem Grund ihm ein in frischen Farben gemalter Blumenkranz entgegenleuchtet, und darunter den Mahnspruch: „Laßt die Blume stehn Und den Strauch — Andere, die vorübergehn. Freuen sich auch." Militärfohrkarten für Wehrpflichtige. Eine Neuregelung vom 1. September an. In Nr. 38 des Teils II des Reichsgesetzblattes 1935 ist eine Verordnung des Reichs- und preußischen Verkehrsministers zum Militärtarif für Eisenbahnen enthalten, in der es heißt: „An Einzelreisende, und zwar an die zur Ableistung des a k t i v e n W e h r d i e n st e s, an die zur Ableistung des Wehrdienstes im 23 e uY l a u b t e n= ft a n b unb an bie zu Ausbilbungsübun- g e n in ber Wehrmacht eingezogenen Männer (Offiziere, Unteroffiziere, Mannschaften unb Wehrmachtbeamte) finb vom 1. September 1935 an Militärfahrkarten zu verabfolgen: a) bei ber Einberufung vom Wohnort zum Gestellungsort gegen Vorzeigen bes Gestellungsbefehls ober bes Einberufungsschreibens; b) bei ber Entlassung in bie Heimat ober nach bem künftigen Wohnort gegen Vorzeigen des Militärpasses ober ber Entlassungsbescheinigung; Samstag, 24. August 1935 adio • Photo uh! 463 D Seltersweg 67 Telephon 3170 c) bei Reisen zur ärztlichen Untersuchung außerhalb bes eigentlichen Musterungsgeschäfts ober zur psychologischen Prüfung für bie Hin- unb Rückreise gegen Dorzeigen bes Aufforberungsschreibens. Die Gestellungsbefehle, Einberufungs- unb Auf- forberungsschreiben werben in ber entmilitarisierten Zone burch bie Zioilbehörben, sonst burch bie militärischen Dienststellen ausgestellt. Im Bebarfsfalle können Einberufene bei Einzelreisen auch auf Militärfahrscheine befördert werben. Bei Reisen zur M u st e r u n g unb bei Reisen zu Wehrversammlungen bars ber Militärtarif nicht in Anspruch genommen werben. Die entgegenstehenben Bestimmungen bes Militärtarifs für Eisenbahnen vom 18. Dezember 1931 (Reichsgesetzblatt II Seite 603) werben hiermit aufgehoben." ßtffie Henckell. Die neue jugendliche Lalondame und Naive des Gießener Stadttheaters. Mein Vater ist Kaufmann, lebte einige Zeit in Englanb, unb so mürbe ich am 8. April 1912 in Lonbon geboren. Ich war kaum 1 Jahr alt, als wir nach Buenos Aires zogen, wo ich bie ersten Jahre meiner Kinbheit verlebte. Später übersiedelten wir nach Deutschland, und ich besuchte in Hamburg die Schule. Schon damals machte sich ber Wunsch bemerkbar, zur Bühne zu gehen. Kein Schulfest verging, an bem ich nicht remitieren mußte; mit Vorliebe führte ich Regie bei Märchenveranstaltungen. Enblich — mit 15 Jahren hatte ich es bet meinen Eltern burchgesetzt, Schauspielunterricht zu nehmen. Mein Lehrer, bamals Regisseur am Altonaer Stabttheater, brachte mich bort auch als Elevin unter. Dort machte ich meine ersten Gehversuche auf ber Bühne. Da ich auch fingen konnte, übernahm ich burch Zufall eine Rolle am Hamburger Operettenhaus unb würbe baraufhin ein Jahr verpflichtet. Ich wollte aber gern nur zum Schauspiel unb ging nach Altona ans Stabttheater zurück, wo ich zwei Jahre tätig war. Intendant Schultze- Griesheim engagierte mich für das Stadttheater in Gießen; ich bin glücklich über diesen Abschluß und freue mich unendlich auf die kommende Spielzeit. — WS KW WWW WOKO Nhem-Mainisches Musikfest in Bad-Nauheim. Die Zeiten, in denen die Musikfeste nur so aus dem Boden schossen, sind vorbei. Die Reichsmusik- fammer hat da mit Recht einen Riegel vorgeschoben, denn der künstlerische Erfolg stand oft durchaus nicht auf der Höhe, die der hochklingende Name verlangt. Anläßlich des 100jährigen Bestehens bes Nauheimer Babes veranstaltet die Stadt auf Veranlassung bes Generalmusikdirektors Stöver jetzt ein solches Fest, bei bem fast ausschließlich Komponisten des Rhein-Maingebietes zu Worte kommen. Die Reichsmusikkammer findet gerade die Badestädte für eine solche Veranstaltung besonders geeignet, weil so bem internationalen Publikum Gelegenheit geboten wirb, sich mit ben künstlerischen Bestrebungen bes neuen Deutschlanb bekannt zu machen. Eröffnet würbe bas Fest mit einer Veranstaltung in bem akustisch nicht gerabe sehr geeignete kleinen Bühnensaal. Die Folge beftanb aus ben Werken unserer Großmeister, bas „Mainzer Streichquartett" spielte einen Satz aus einem Beethovenquartett recht gefeilt, aber" noch nicht ganz schlackenfrei, und Eva Liebenberg (Alt) sang mit prachtvoller Stimme unb außerorbentlicher Dortragskunst Lieder von Schubert unb Wolf, fast zu temperamentvoll begleitet von Schirmer, Berlin. Das Orchesterkonzert am Abenb brachte dann bie Werke ber genannten neuzeitlichen Kom- fionisten. Eingeleitet würbe es burch eine musizier- reubige „Abenbmusik" von F. Schaub (Frank- urt am Main), bie harmonisch unb auch in ber Orchesterbehanblung von Wagner unb Strauß beeinflußt ist Das Finale aus ber Sinfonie für Streichorchester von Helmut Backe (Frankfurt am Main) ist in ber Hauptsache polyphon gehalten. Es zeugt von einbringlichem Stubium ber alten Meister. Leiber ist die zu einheitliche Farbgebung gerade des Streichorchesters nicht geeignet, die kontrapunk- tische Arbeit in voller Klarheit erstehen zu lassen. Die „Musik für Klavier und Orchester" von Arthur Grüber (Frankfurt a. M.) geht harmonisch oft über die Grenzen der Tonalität hinaus. Der Stil des Werkes ist noch zu uneinheitlich, bie Themen nicht gerabe bebeutenb. Eigenart und Lebendigkeit besitzt zweifellos die rhythmische Prägung. Die starke Verwendung der Schlagzeuge verschiedenster Art wirkt recht äußerlich. Das Soloklavier wurde von O. Franze (Bad-Nauheim) virtuos gespielt. Don Philipp Mohler (Landau) hörte man ein Rondo für Bläser, Streicher und Schlagzeug. Ein reizvolles Thema wird harmonisch recht kühn abgewandelt, die Behandlung des Orchesters ist erfreulich maßvoll. Die „Unsterblichkeit" für hohe Stimme und Orchester von Johanna S e n s t e r (Oppenheim) geht harmonisch in den Bahnen Max Regers. Das ganze Werk wirkt etwas episodenhaft, obwohl Ansätze zum Zeichnen großer Melodiebögen von schlichter Schönheit nicht selten sind. Nicht gerade vorteilhaft ist der zu dick auf- getragene Orchestersatz. Ria G i n st e r (Frankfurt am Main) setzte sich mit ihrer hohen Gesangskunst restlos für das Werk ein. Musikalisch natürlich gibt sich Walter Zachert (Mainz) in seinem Präludium und Scherzo für Bläser'. Hier spricht sich ein starkes musikalisches Talent ungesucht aus. Obwohl er hier ganz auf ben Schultern ber alten Meister steht, ist boch Eigenart genug vorhanben. Der Satz ist kunstvoll unb doch natürlich, bie Behanblung ber Instrumente originell unb witzig. Mit ben Variationen über ein Mozartthema von Werner Trenkner (Oberhausen) würbe ber Abenb beschlossen. Die verschiebenen Variationen finb geschickt gearbeitet unb einfallreid). Das harmonische Gewanb ist uneinheitlich, aber reizvoll. Das Orchester ist fast mozartisch behanbelt. Insgesamt gesehen war ber erste Tag recht erfreulich, wenn er auch keine Offenbarungen brachte. Bebauerlich war ber schwache Besuch; befonbers bie Jugend, um die es doch auch musikalisch geht, war fast nicht vertreten. Wenn diese Musikfeste zu einer dauernden Einrichtung werden sollen (wie in der Ansprache betont wurde), so muß das allgemeine Interesse dafür mehr geweckt werden. Für das Gelingen des ersten Tages fetzte sich sehr opferwillig bas" Kurorchester unter Leitung bes Generalmusikbirektors Stöver ein. Wenn auch nicht alle Wünsche erfüllt würben, so ist zu bebenten, welche Konzentrationskraft von bem Leiter unb ben Mit- gliebern verlangt wurde, um all den Werken unterschiedlichster Prägung und Form gerecht zu werden. Sanitätsdienst in Ztaiienisch-Ostafrika Die Vorgänge der letzten Monate haben für die Italiener die Notwendigkeit ergeben, den Sanitätsdienst in ihren Besitzungen in Nord- und Oftafrika noch weiter zu verstärken. Dabei ist, wie in ber „Deutschen Mebizinischen Wochenschrift" berichtet wirb, bie Sanierung dieser Gebiete von ben Italienern in ben letzten Jahren bereits planmäßig unb ohne Rücksicht auf bie Kosten in Angriff genommen worben. Für bas Heer wie für bie Zivilbevölkerung stehen heute in allen größeren Orten höchst mobern eingerichtete Spitäler, Ambulatorien für bie Behandlung ber Tuberkulose, der bösartigen Geschwülste und tropischen Krankheiten, Desinfektionsanstalten und Beratungsstellen des Mutter- und Säuglingsschutzes zur Verfügung. Die sanitären Verhältnisse der europäischen und einheimischen Bevölkerung bessern sich daher von Jahr zu Jahr; nach dem letzten Bericht betrug die Sterblichkeit unter den Europäern kaum 8 vom Tausend, eine der niedrigsten Sterbeziffern der Welt überhaupt, für die kinderreiche einheimische Bevölkerung nur noch 20 vom Tausend, während in den Jahren vorher 25 vom Tausend Krankheiten zum Opfer fielen. Heute sind alle die Gebiete bekannt, die als gefährliche Infektionsherde in Betracht kommen, und so war es möglich, die Standorte der Truppen und Arbeitergruppen so zu wählen, daß ihrer Gesundheit keine besondere Gefahr droht. Die nach Ostafrika gesandten Truppen verfügen über eine ausgezeichnete sanitäre Organisation und werden vor der Einschiffung durch eine besondere Schrift über die Hygiene in den heißen Gegenden auf ihren Dienst vorbereitet. Auch die dreißigtausend Arbeiter, die gleichzeitig nach Ostafrika gesandt wurden, sind vorher eingehend ärztlich untersucht und gegen die wichtigsten tropischen Krankheiten vorbeugend behandelt worden. Die Hauptsorge der Hygiene-Kommission gilt der Trinkwasser-' und Eisbeschaffung für die Truppen und Arbeiterkolonien; die vor wenigen Jahren angelegten Wasserleitungen stehen unter strenger militärischer Bewachung, und in den größeren Städten sind modernste Eiserzeugungsmaschinen aufgestellt worden. Im Senat konnte Senator Castellani, der kürzlich von einer Inspektionsreise aus Ostafrika nach Rom zurückkehrte, mitteilen, daß der Gesundheitszustand der Truppen und der Arbeiter ausgezeichnet ist. Von ben breißigtausenb Arbeitern würben bisher nur 240, bie an Malaria erkrankt finb, in die Heimat zurückbefördert. Eine epidemische Krankheit ist in den letzten Monaten nirgends aufgetreten. 7000 Eier als Krönunasgabe. Im Herbst wird der künftige Dalai Lama in Tibet gekrönt. Die sieben weisen Lamas, hohe Priester, werden sich im Saal zu Potala versammeln und unter den zwanzig Kindern, die in der Sterbestunde des letzten Dalai Lama geboren wurden, den Herrscher heraussuchen. Dieses Kind wird mit dem heiligen Wasser des Ganges gesalbt werdeZf das man mit aufopfernder Mühe über ben Himalaya gebracht hat, unb schließlich wirb bas Kinb eine kostbare Krönungsgabe bekommen: 7 0 0 0 Eier, bie lange Jahre in ber Erbe vergraben gewesen finb. Die ersten Dutzenb bieser Eier wirb bie eigene Mutter bem jungen Herrscher übergeben, die das Kind später nicht mehr sehen wird. Sie darf sich aber aus ber geheimen Schatzkammer so viel Schätze mitnehmen, wie sie in ihren Armen tragen kann, benn sie hat ber bubdhistischen Welt ihren Sohn geschenkt, in bem sich Gautama roieber verkörpert hat. Die aufreizende „DMone". Manche Insassen ber Zoologischen Gärten haben merfmürbige Abneigungen gegen bestimmte Klei- bungsstücke. So berichtet ber Direktor bes Zoologischen Gartens in Melbourne, baß er sich vor einigen feiner Schützlinge nicht im steifen runben Hut, ber sogenannten „Melone", sehen lassen barf. „Ein alter Löwe", erzählt er, ,kommt mir nur bann freunblich unb herzlich entgegen wenn ich ihn in meinen ältesten Sachen besuche. Wage ich aber, in einem steifen Hut bei ihm einzutreten, so knurrt er mich sofort wie einen Fremden an und nimmt eine feindselige Haltung ein. Ebenso unbeliebt mache ich mich mit bieser Kopfbebeckunq bei meinen Leoparden und Bären. Der Drang Utang Jimmy wird durch die Melone in solche Wut versetzt, daß er aus jede Weise versucht, sie herunterzureihen und zu vernichten. An die Bevölkerung des Kreises Gießen! Am Sonntag, dem 25. August, findet auf dem llniversitätssportplah die haupt- sportveranstattung des Bannes und Jungbannes 116 statt. Ich richte an die Bevölkerung die herzliche Bitte, ihre Verbundenheit mit der Hiller-Jugend zu zeigen und an dieser Veranstaltung recht zahlreich teilzunehmen. Was kann einem Volke geschehen, dessen Jugend aus alles verzichtet, um seinen großen Idealen zu dienen. heil Hitler! Gez.: Klostermann, Lreisleiter. An Alle! Am 2 4. u n d 2 5. A u g u st findet auf dem llniverfilatssportplah in Gießen das , Sportfest des Bannes undZungbannes 116 statt. Dir erwarten, daß recht viele Volksgenossen das Sportsest der HZ. besuchen, damit alle in die aus dem Gebiete der körperlichen Ertüchtigung von der HZ. ziel- bewußt betriebene Arbeit einen Einblick bekommen. Die Sonderveranstal- lungen, an der sich auch INarine-HZ. und Flieger-HI. beteiligen, beginnt am Sonntagnachmittag um 15 Uhr. Wer unsere Jungens beim friedlichen Wettkampf sehen will, der besuche schon vormittags unsere Sportwettkämpfe. Aus den hinder - nisgepäckmarsch weisen wir besonders hin. Als Abschluß des Baunsportsestes findet am Sonntag um 20.30 Uhr aus dem Brandplah vor dem Alten Schloß ein großes Gingen der HI. und desIV. statt, an dem 650 hiklerjungen und Pimpfe teilnehmen. Außerdem wirkt der Landsknechts-Trommel- und -Aanfarenzug des Jungvolks mit. Anschließend Schloß- beleuchtung. heil Hitler! Oer Führer des Bannes 116. 21t. d. $. b.: gez.: Schreiber, Gefolgschaftsführer. Gingen der ÄJ. am Gonntag um 20.30 Uhr. In dem gestern veröffentlichten Aufruf der HI. ~2ln Alle!" war irrtümlicherweise anoegeben, daß das große Singen der HI. und des I V. am Sonntag um 19.30 Uhr auf dem Brandplatz stattfinden solle. Wie uns heute morgen von der zuständigen Stelle der Bannführung mitgeteilt wird, findet das Singen er st um 2 0.30 Uhr statt. Deutsche Arbeitsfront. Winzerfest am 31. August, 1. und 2. September in der Gießener Volkshalle. An diesen Tagen findet das diesjährige Winzerfest statt, das voriges Jahr so großen Beifall gefunden hat. Dieses Jahr ist noch der Montag hinzugenommen worden, um dem Fest den richtigen Ausklang zu geben. Für Humor und Heiterkeit wird bestens gesorgt, denn namhafte rheinische Künstler sind an diesen Tagen vertreten und sorgen für Stimmung. Die Preise für Getränke sind äußerst niedrig gehalten, so daß es jedem Dolks- aenossen möglich sein wird, das Winzerfest zu besuchen. Bunter Abend mit Willy Reichert am 24. August in der Volkshalle in Gießen. heute Bunter Abend mit Willy Reichert in der Volkshalle in Gießen, Anfang 8 Uhr. Kasse ab 7 Uhr geöffnet. Achtung! Abfahrt der Omnibusse an die Edertalsperre (Waldeck) am Sonntag, 25. August. Die Abfahrt geht vom Hauptbahnhofplatz Gießen Sonntag, 25. August, morgens 7 Uhr. Als Fahrkarte gilt die von der Geschäftsstelle erhaltene Quittung. Abteilung für Arbeitsführung und Verufserziehung in der Kreiswallung Gießen. Ausstellung „Rhein-Walnische Wirtschaft- Frankfurt a. 2U. In der Zeit vom 24. August bis 8. September findet in Frankfurt a. M. die Ausstellung „Rhein- Mainische Wirtschaft" statt. Zum Besuch dieser Ausstellung werden verbilligte Eintrittskarten zum Preise von je 30 Pf. ausgegeben. (Der normale Preis beträgt 1 Mark.) Während der Ausstellungs- zeit werden von der Reichsbahn an allen Tagen Sonntagskarten zum Besuch dieser Ausstellung ausgegeben. Verbilligte Eintrittskarten sind erhältlich m der Geschäftsstelle der Arbeitsführung und Berufserziehung in der Kreiswaltung Gießen, Lony- straße 18. Gportkurfe »Kraft durch Freude-. Schwimmen und Radfahren für das Reichssportabzeichen! Das Schwimmen für das Reichssportabzeichen wird am heutigen Samstag um 17 Uhr in der Müllerschen Badeanstalt abgenommen. Treffpunkt am Sprungturm. Das Radfahren wird am morgigen Sonntag, 25. August, um 9 Uhr pünktlich abgenommen. Treffpunkt am Schützenhaus. ♦ Der Kursus Leichtathletik auf dem Universitätssportplatz muß heute und am Samstag, 31. August, aus fallen! Reue kdF. Sportkurfe! Schwimmen. Am Mittwoch, 28. August, beginnen um 20 Uhr und 21 Uhr neue Schwimmkurse im Volksbad. Kosten: DAF.-Mitglieder 6 Sportmarken zu 30 Pf., = 1,80 Mark, Nichtmitglieder 6 Sportmarken zu 60 Pf. = 3,60 Mark. Anmeldungen auf dem Sportamt oder vor Beginn der Kurse im Volks- bad. Reiten. Für den am kommenden Mittwoch, 28. August, beginnenden neuen Reittursus können noch zwei Anmeldungen angenommen werden. Die Kosten betragen für DAF.-Mitglieder 8 Sportmarken zu 1 Mark = 8 Mark, für Nichtmitglieder 8 Sportmarken zu 1,50 Mark = 12 Mark. Reichssportabzeichen. Für diejenigen Volksgenossen, die noch in diesem Jahre das Reichssportabzeichen erwerben wollen, richtet das Sportamt KdF. einen weiteren Vorbereitungskursus ein. Dieser beginnt am kommenden Donnerstag, 29. August, um 18.15 Uhr auf dem Universitatssportplatz. Kosten: DAF.-Mitglieder 8 Sportmarken zu 30 Pf. = 2,40 Mark, Nichtmitglieder 8 Sportmarken zu 50 Pf. = 4 Mark. * Das Sportamt KdF. ist täglich von 8 bis 13 Uhr geöffnet. Telephon 2919. Landfchastsbund Volkstum undHeimat. Orlsrlng Gießen. Die Leitung der Ausstellung „RHein- Ma ini sch e Wirtschaft" in Frankfurt a. M. hat uns Vorzugseintrittskarten zum Preis von nur 30 Pfennig gegenüber einem Einzeleintrittspreis von 1 Mark zur Verfügung gestellt. Die Karten werden bei der Ortsringleitung, Weserstraße 4, und beim Kassenwart, Friedrichstraße 16a, ausgegeben an Mitglieder und Freunde unseres Bundes und der angeschlossenen Vereine. Die Reichsbahn gibt für die Dauer der Ausstellung vom 24. August vis 8. September auch an Wochentagen Sonntags karten mit dreitägiger Gültigkeitsdauer an Besucher der Ausstellung aus. Wer ist vom Pflichtarbeitsdienst befreit? Verschiedene Gesuche um Befreiung von der Arbeitsdienstpflicht an Ministerien und Dienststellen des Reichsarbeitsdienstes haben die Leitung des Arbeitsdienstes veranlaßt, Stellung zu nehmen. Wir bringen nachstehend das Wichtigste. Das Reichsarbeitsdienstgeseh vom 26. Juni 1935 hat die Arbeitsdienstpflicht für jeden jungen Deutschen eingeführt. Eine Befreiung davon ist nur bei Vorliegen folgender Voraussetzungen möglich: 1. Der Arbeitsdienstpflichtige wird bei der Musterung für arbeitsdienstuntaualich befunden. 2. Der Arbeitsdienstpflichtige kann eine bereits freimütig abgeleistete Arbeitsdienstzeit von 26 Wochen nachweisen. (Solche, die vor dem 15. Dezember 1933 ihrer Arbeitsdienstpflicht genügt haben, haben entsprechend den damaligen Bestimmungen 20 Wochen nachzuweisen.) 3. Der Arbeitsdienstplichtige hat bereits in der Wehrmacht ober Polizei aktiv gedient. 4. Der Arbeitsdienstpflichtige hat feine studentische Arbeitsdienstpflicht abgeleistet und ist im Besitz des Pflichtenheftes. Neue Kurse in Kurzschrist und Maschinenschreiben. Von der Ortsgruppe Gießen der Deutschen 6te- nografenschaft wird uns geschrieben: Es ist heute nicht mehr notwendig, noch eilt Wort über die Bedeutung der Kurzschrift zu sagen. Die Tatsache, daß in Deutschland heute 10 bis 12 Millionen die Kenntnis der Deutschen Kurzschrift besitzen, zeigt deutlich, daß die meisten Volksgenos- sen erkannt haben, daß die Kurzschrift unerläßliche 1 Voraussetzung für fast alle Berufe ist. Bedauerlicherweise beschränken sich aber viele daraus, es höchstens bis zu einer niederen Geschwindigkeit au bringen, ober gar nur gerabe die Anfangsgrünoe zu erlernen, so daß sie mit ihrer „Kunst" nichts anfangen können und von einer wirttichen Beherrschung der Kurzschrift überhaupt nicht die Rede fein kann. Dabei muß sich boch jeher barüber klar sein, baß, wie überall, auch auf bem Gebiete ber Kurzschrift nur „Leistungen" zum Erfolg führen können. Wenn man mit Hilfe ber Kurzschrift beruflich vorankommen will, muß man überbürd)» schnittliche Leistungen aufweisen können. Aber immer kehren bie Klagen wieder, daß leistungsfähige Stenografen nicht aufzutreiben sinb. Das gleiche gilt vom Maschinenschreiben. Bei den meisten Volksgenossen ist immer noch bas „Tippen mit zwei Fingern" gang unb gäbe. Dabei ist burch Wissenschaft unb Erfahrung längst bewiesen, baß nur bas „Zehn-Finger-Blinbschreiben" bie - allein sachgemäße, schonenbste unb flotteste Schreibweise ist, bie zu erlernen sich jeher vornehmen sollte« Die Leistungssteigerung auf beiden Gebieten geschieht mit Hilfe ber Organisation, bie sich mit ber Förberung unb Pflege ber Kurzschrift bereits 74 Jahre besaßt unb auch bem Maschinenschreiben bie ihr gebührenbe Achtung schenkt: bas ist bie Deutsche Stenografenschaft. Die hiesige Ortsgruppe ber Deutschen Stenografenschaft beginnt am 2. September ihre Kurzschriftkurse und am 3. September ihre Maschinenschreibkurse. In den elf verschiedenen Lehrgängen ist jedem Gelegenheit gegeben, sich bis zu den höchsten Geschindigkeiten emporzuarbeiten. Es sei nur daran erinnert, daß bei den diesjährigen Wettschreiben eine ganze Reihe von Mitgliedern Leistungen von weit über 200 Silben zeigten und an der Spitze von ganz Oberhessen standen Besonderen Wert legt bie Stenografenschaft auf die für bie Leistungssteigerung besonders wichtige rebeschriftliche Unterweisung, bie für die Besucher der Diktatkurse vollkommen kostenlos ist. Näheres ist aus der heutigen Anzeige zu ersehen, bie man zu beadjten bittet. Das Goldene Militär-Verdienst -Kreuz kameradfchaflsbezlrk Frankfurt-Gleßen-Würzburg. Vor etwa Jahresfrist hatten sich die Ritter bes Preußischen Golbenen Militärverdienstkreuzes, des „Pour le Märite ber beutfchen Unteroffiziere", in Berlin zu einer Kamerabfchaft zufamnftzngeschlossen. Seitdem ist die Kamerabfchaft in soldatischem Geist treu gepflegt worden und es vereinigten sich die Frankfurter Ritter des „Goldenen" regelmäßig zu Kamerabschaftsabenden. Auch im weiten rhein- mainischen Bereich ist bie Pflege der Kameradschaft aufgenommen worben. Es sind die Kameraden aus dem Bereich ber Hauptversorgungsämter Frankfurt, Gießen unb Würzburg zu einem Bezirk zusammengefaßt, besten Leitung in ben Händen bes Inspektors der Frankfurter Rat- Hausverwaltung, Gustav Ide, liegt. Angehörige dieser Kameradschaft des „Goldenen", der auch die Ritterschaft des Pour le M6rite lose angeschlossen ist, sind in folgenden Orten des Bezirks Frankfurt- Gießen-Würzburg: neun in Frankfurt, zwei in Zu jedem kommt einmal das Glück. Zfioman von Gllen Kulm Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 2. Fortsetzung. Nachdruck verboten! 2. Kapitel. Weit von Europa, mitten im persischen Hochlande, saßen an diesem selben Tage zwei Männer mit ihren kurzen Pfeifen vor dem Eingang ihres Schlafzeltes. „Nun, Friedrich, gestehe, daß es sich hier recht angenehm sitzt. Dir muß doch weiß Gott schon der Kopf rauchen, wenn du bei der kleinen Lampe so viele Stunden über ben Skizzen unb Plänen sitzt. Dein fanatischer Fleiß kennt halb keine Grenzen mehr." „Aber du weißt boch, Rolf", hörte man bie Ruhige, tief Stimme bes Angesprochenen, „baß ich meine guten Grünbe bazu habe. Es ist boch gerabe in beinern Interesse, wenn ich bir bie Pläne für die Strecke ber Bahn, bie bu in meiner Abwesenheit weiterführen sollst, so ausgearbeitet als mög- lich übergebe. Man muß boch so vieles bebehten." „Ich weiß schon'. Aber fange jetzt nicht bavon an. Morgens, wenn bu willst, schon um vier Uhr, aber jetzt laß uns ben Abenb genießen. Der Himmel mit seinem Sternenmeer könnte ebenso gut über unserer beutschen Heimat leuchten." „Ja, bie Heimat! Unb nun werbe ich sie wieber- sehen! Nächste Woche geht bie ,Abukir' ab. Unb unsere Karawane braucht wenigstens vier Tage ba» zu. Wirb bebeutenb schneller gehen, bis unser Zügle lausen wirb." „Dein Zügle, Friebrich! Ich bin nur ein be- scheibener Mitarbeiter, unb bu kannst mir glauben, es fällt mir manchmal sehr schwer, baß ich jetzt allein weiter arbeiten muß. Daß bu auch gerabe jetzt Heimaturlaub nehmen mußt!" „Rolf, ich war brei Jahre nicht mehr in Europa!" „Eben barum! Hätte es nicht noch ein paar Monate Zeit gehabt bamit, bis wir über bas Gebirge hinüber sinb?" „Du wirst es sehr gut allein bauen, mein Junge. Im übrigen: es hat keine Zeit mehr gehabt. Unb ich muß mich höllisch dazuhalten, um bie ,Abukir' nicht zu verpassen. Ich darf sie nicht verpassen, denn sie ist schon die allerletzte Gelegenheit, rechtzeitig nach Europa zu kommen." Der andere machte einen tiefen Zug aus feiner Pfeife unb lachte bann kurz auf. „Du bist immer ein guter Freund gewesen, Friedrich. Aber erzählt hast du niemals viel von bir. Wenn man bich so reben hört, so möchte man glauben, bu fährst nach Deutschlanb, um bir eine Frau Heimzuholen." „Nun, Rolf — unb wenn es so wäre?!" „Was?" Der anbere sprang auf. „Aber bas ist boch wohl nicht möglich! Du machst einen Scherz, Friebrich!^ „Ich würbe nie bamit scherzen, unb ich verachte bie Menschen, bie bas tun können. Ja, ich fahre nach Deutschlanb, um ein Mäben zu fragen, ob es meine Frau werben will!" Rolf Werber, ber trotz feines lebhaften Temperaments auch feinen Gleichmut immer wieber schnell zurückfanb, hielt bem anberen bie Hanb hin. „Nun, bann meinen herzlichsten Glückwunsch, Friebrich! Nun verstehe ich auch beine Eile. Du bist aber boch auch ein komischer Heimlichtuer. Lebt man mit bem Jungen zwei Jahre zusammen, teilt Arbeit unb Schlafzelt, unb weiß nichts von ihm. Habe ich bir nicht immer getreulich mitgeteilt, wenn ich einen Brief aus ber Heimat von Liselotte, meiner Jugenbfreunbin, bekam, bie ich vielleicht auch einmal heirate, wenn ihr bas Warten nicht au lang wirb. Unb Liselottes Bild kennst bu auch. Aber bu hast nicht ein einziges Mal auch nur ein Sterbenswörtchen von einer Braut gesagt, wenn du deine Post erwartet hast." „Das Mädchen, an das ich denke, hat mir niemals geschrieben, Rolf. Du darfst es mir glauben. Aber ein Bild von ihr will ich dir gern zeigen." Mit Interesse betrachtete Rolf seinen Freund, ber aus seiner Brusttasche ein kleines Bilb hervorsuchte unb es bem Freunb hinhielt. Eine kleine Taschenlampe blitzte auf, unb Rolf beugte sich mit unverhohlener Spannung ifter bie Photographie, um im nächsten Augenblick hell aufzulachen. „Also boch ein Scherz, Friebrich." „Wieso benn?" „Ist ein reizenbes Mädelchen, muß man ihr lassen — mit ben kurzen Löckchen um bie Ohren! Aber wie alt ist sie benn?" „Auf bem Bilb hier? Ich glaube, fünf Jahre alt. Ich besitze aber kein anberes Bübchen von ihr." Rolf betrachtete mit immer wachsenberem Staunen ben Freunb. Aber ba er bas Gefühl hatte, daß Friebrich auch von selbst mehr sagen würbe, so reichte er bas Bilb zurück unb klopfte bebächtig unb erwartungsvoll feine Pfeife aus. „Sieh mal, Rolf, ich will bir die Sache erzählen. Du sollst nicht an mir unb meiner Aufrichtigkeit Zweifel hegen. Aber es gibt Dinge, über bie man gar nicht ober nur in ganz seltenen Augenblicken sprechen kann. — Du weißt, baß ich ben Weltkrieg von Anfang bis zu Enbe mitgemacht habe, bin auch ein paarmal verwunbet gewesen. In wirklicher Lebensgefahr war ich aber eigentlich nur einmal. Es war an ber Somme. Wir lagen wochenlang im Schützengraben; bas eintönige Trommelfeuer, bas Warten, bie Langweile, bös Grauen zerrten an unseren Nerven. Damals gab es nur einen Menschen, ber uns mit seinem Mut, feiner Tapferkeit, seiner wortkargen, aber glühen- ben 23aterlanbsliebe half, biese Zeit zu ertragen. Das war unser Major Herbert von Jnnemann. Ein Mensch, ber uns zuerst finster unb verbissen schien, unb ben wir bann, als wir ihn erkannten, leibenschastlich liebten. Er war ein Vorbild von Ausdauer, Kameradschaftlichkeit, ein lauterer Mensch. In seinem Privatleben schien er uns tief unglücklich zu sein. Er erhielt selten Post, sprach niemals von seiner Familie, war sehr früh ergraut. Dieser Major von Jnnemann schickte mich nun einmal auf Vorposten, das heißt, er schickte niemals einen von uns auf einen gefährlichen Weg, er fragte immer nach Freiwilligen, und wir alle meldeten uns wie ein Mann. Wir wußten, daß Jnnemann nur das von uns verlangte, was fein mußte. Ich bezog einen Schützengraben, ber schon geräumt war, unb bort würbe ich durch eine Granate nur leicht gestreift, aber zugleich verschüttet. Damals habe ich vierunbzwanzig Stunben lang mitgemacht, die die Hölle waren, und wenn ich Daran zurückdenke, so sind alle Entbehrungen, die mir hier bei unserer Pionierarbeit manchmal ertragen müssen, ein Kinderspiel. Zuletzt raubte mir eine wohl- tätige Schwäche das Bewußtsein. Als ich erwachte, lag ich im Feldspital. Unb damals, siehst du, hat mich Major Jnnemann gerettet Unter schwerster Gefahr, benn bie Franzosen nahmen gerabe zu ber Zeit ben eigentlich schon geräumten Frontabschnitt erneut unter Feuer. Meine Kameraben berichteten mir später, daß sie ihn alle beschworen hatten, ben aussichtslosen Versuch zu meiner Rettung aufzugeben. Aber er ließ sich nicht abhalten unb ging ganz allein, benn er erlaubte auch niemanben, ihn zu begleiten. Ich will bir bas nicht wiebererzählen, was ich mir später von meinen Kameraben oft erzählen ließ, aber es muß ein grauenhafter Tobesweg gewesen sein, ben Major von Jnnemann ging, um einen blutjungen Leutnant feiner Kompanie zu retten. Ich habe ihm eigentlich niemals banken bürfen. Aber ich bürste ihn nach Kriegsenbe auf feinem kleinen Besitz in Thüringen besuchen Er war ba- mals schon ein tobkranker Mann. Er hatte sich im Kriege ein schweres Herzleiben zugezogen, bas er nicht beachtete. Nun saß er einsam am Kamin in seinem großen büfteren Zimmer, bas nur burch bas golbige Haar unb bas fröhliche Lachen seines kleinen Töchterchens aufgehellt würbe. Unb ich war bamals selbst noch so jung, kaum zwanzig Jahre alt. Ich verstaub es so gut, mit ber kleinen Monika zu spielen. Wir würben oft so übermütig, baß ich manchmal erschrocken zu bem in warme Decken gehüllten Kranken hinüberblickte. Aber es freute ihn sichtlich, daß bas Kinb, bas sonst so wenig Heiterkeit um sich fand, an mir einen Spielgefährten hatte. Er hatte feine Frau so früh verloren, daß das Kind keine Erinnerung an die Mutter fjatte. Uebrigens sprach er nie von feiner Frau, und hier muß ein düsteres Geheimnis gewaltet haben, das wohl auch die Schuld an seinem einsamen Leben hatte. Ich kam bann öfter, bis ich ihn zuletzt so schwach fanb, baß er sein Lager nicht mehr verlassen konnte. Er, ber im Krieg so oft bem Tod ins Aug gesehen hatte, war auch jetzt gefaßt. Doch die Sorge um bie kleine Monika quälte ihn. /Sie ist ein so gutes, liebes Kinb. aber sie tjat so ein lebhaftes, wilbes Blut. Jetzt bleibt sie allein zurück. Meine Schwester wirb sich ihrer wohl an- nehmen, solange sie klein ist. Sie wirb auch für sie sorgen. Aber später, wenn Monika erwachsen ist, bann wüßte ich gern, baß jemanb ba ist, ber für sie sorgt.' Ich kniete an seinem Lager nieber, brückte seine Hand an mein Herz und bat ihn um die (Erlaubnis, selbst für Monika sorgen zu dürfen, solange sie klein fei. Später aber würde ich Monika einmal heiraten. Und ich bat den Sterbenden um seinen Segen für unseren Bund, den er selbst nicht mehr sehen würde. Er sttich mir sanft über mein Haar: Mein lieber Junge!' sagte er. ,Wäre meine kleine Tochter ein wenig größer, so würde ich sie dir gern zur Frau geben. Aber bu kannst dich dock nicht mit einem Kinb verloben. Du kannst boch nicht so lange warten!' ,Herr Major!' rief ich, ,Sie haben mein Leben gerettet! Es gehört Ihnen! Nehmen Sie meinen Schwur entgegen, baß ich...' Aber er ließ mich nicht zu Enbe sprechen. Er schickte mich fort unb bat mich, am Abenb wieber» zukommen. Unb ba teilte er mir seinen Entschluß mit. Es sollte mein eigener freier Wille bleiben, ob ich einmal, wenn es so weit sei, um Monika von Jnnemann werben wollte. Es sollte auch Monikas freier Wille bleiben. Bis zu ihrem einunbzwan- zigsten Geburtstag« würbe sie bei bes Majors Schwester, Frau von Riebers, aufwachsen. Sie würbe sie behüten unb für sie sorgen. In dieser Zeit sollte ich auch keinerlei Verbindung mit Mo- nifa haben, sie nicht besuchen und ihr nicht schreiben. Dann aber, wenn es bis dahin immer noch mein Wunsch unb Wille wäre, bann sollte ich kommen unb um Monika werben. ,Unb wenn sich eure Herzen bann zysammenfin- ben, sagte Major von Jnnemann mit leiser Stimme, ,bann wird es bie Erfüllung meines liebsten Wunsches fein, unb mein Segen wirb such, meine beiben geliebten Kinber, umschweben/" Friebrich von Gerling verstummte. In feinem schönen, schmalen von Strapazen und glühender Sonne gebräunten Gesicht spiegelte sich die Erregung jener weihevollen Stunde. (Fortsetzung folgt!) Frankfurt Höchst, einer in Höchst (Nidder), in Oppershofen (Hessen), Groß-Steinheim, Niederdieten (Biedenkopf), Marburg, Ansefahr (Marburg), Rittershaufen (Dill), Bellnhausen (Marburg), Bergebersbach, zwei in Wetzlar, einer in Gießen, Ehringshausen (Wetzlar), Niederwald (Marburg) und Stetten v. d. Rhön. Daten für den 24. August. 79 v. Ehr. (bis 26): Pompeji, Stabiae und Her- culanum durch Besuoausbrüche verschüttet; — 1899: die Dichterin, Graphikerin und Bildhauerin Ruth Schaumann in Hamburg geboren;— 1919: der Politiker Friedrich Neumann in Travemünde gestorben (geboren 1860); — 1921: Friedensschluß zwischen Oesterreich und Amerika. Daten für den 25. August. 1744: der Dichter Johann Gottfried von Herder in Mohrungen geboren (gestorben 1803); — 1822: der englische Astronom Friedrich Wilhelm Herschel in Slough gestorben (geboren 1738); — 1900: der Philosoph Friedrich Nietzsche in Weimar gestorben (geboren 1844); — 1924: das Ruhrgebiet geräumt- — 1925: der österreichische Feldmarschall Franz Conrad von Hötzendorf in Bad Mergentheim gestorben (geboren 1852);— 1928: der Vizeadmiral Alfred Meyer- Waldeck in Bad Kissingen gestorben (geboren 1864). Vornotizen. — Tageskalender fürSamstag: NSG. „Kraft durch Freude": 20 Uhr in der Volkshalle Bunter Abend mit Willy Reichert. — HI. und ID.: Sportfest des Bannes und Jungbannes 116 auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg, ab 15 Uhr Sonderveranstaltungen. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Herr Senator". — Tageskalender für Sonntag: HI. und JV. Sportfest des Bannes und Jungbannes 116, 20.30 Uhr großes Singen der HI. und des JV. auf dem Brandplatz, anschließend Schloßbe- leuchtung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Herr Senator". Gießener Wochenmarktpreife. * Gießen, 24. Aug. Arrf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Laydbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 12, Wirsing, das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 20, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 25 bis 35, Tomaten 15 bis 22, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 8 bis 10, Kürbis 8, Kartoffeln 5 Pf., der Zentner 4 bis 4,50 Mark, Frühäpfel, das Pfund 20 bis 45 Pf., Falläpfel 6 bis 8, Pfirsiche 45 bis 50, Brombeeren 45, Preiselbeeren 45, Birnen 15 bis 35, Zwetschen 15 bis 20, Mrabellen 30, Renekloden 25 bis 30, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 85, Salat 5 bis 12, Salatgurken 5 bis 25, Einmachgurken 1 bis 5, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, "Lauch 5, Rettich 5 bis 20, Suppengrünes 8 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 15 Pf. * * D i e Denkmalspfleae in Oberhef- f e n. Das Kreisamt Gießen gibt bekannt, daß sich an der Bestellung des Privatoozenten Dr. Heinrich Richter an der Universität Gießen zum Denkmalspfleger für die B o d e n a l t e r t ü m e r in der Provinz Oberhessen nichts geändert habe. Amtsgericht Gießen. Der E. D. wurde durch Strafbefehl mit 35 Mark Geldstrafe belegt, da er in zu schneller Fahrt mit seinem Kraftwagen die Ludwigstraße hinauffuhr und an der Ecke Wilhelmstraße einen Zusammenstoß mit einem Motorradfahrer verursachte, so daß dieser Verletzungen davontrug. Auf den Einspruch des Angeklagten verblieb es bei der erkannten Strafe. Der H. St. war wegen fahrlässiger falscher Anschuldigung angeklagt. Er schrieb einen Brief an hie Verwaltung der Universität, in dem er einem Buchbinder der Universitätsbibliothek den Vorwurf machte, Schwarzarbeit zu dulden. Außerdem habe er bei Aufgabe seines Geschäfts die an die Bibliothek gelieferten Maschinen weit über Preis verkauft. Das Urteil in dieser Sache ergeht am 30. August. Große Neuerung für Theaterbesucher. Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Um allen Theaterbesuchern, denen ein Abonnement mit 32 Vorstellungen zu umfangreich ist, die sich aus beruflichen Gründen nicht auf einen bestimmten Tag festlegen können, oder die unter den zur Aufführung gelangenden Werken (Schauspiel, Oper und Operette) selbst wählen wollen, trotzdem die Möglichkeit eines verbilligten, ständigen Theaterbesuches zu bieten, führt das Stadttheater Gießen erstmalig für die kommende Spielzeit das Wahlabonnement ein. Das Wahlabonnement umfaßt 16 Vorstellungen bei einer Preisgestaltung und bei Zahlungsbedingungen, die es jedem ermöglichen, an den großen Ereignissen der kommenden Spielzeit teilzunehmen. Jeder Wahlabonnent erhält eine Karte mit je 4 Abschnitten für den I. Ring (Sperrsitz Reihe 1 bis 7, I. Rang Reihe 1 bis 2), II. Ring (Sperrsitz Reihe 8 bis 11, I. Rang Reihe 3 bis 6), III. Ring (Sperrsitz Reihe 12 bis 15) und IV. Ring (Sperrsitz Reihe 16 bis 18). Das Wahlabonnement ist gültig jeden Dienstag, Mittwoch und Freitag. Wer das Theater besuchen will, geht also an einem beliebigen Tag an die Kasse, tauscht einen Abschnitt seiner Karte gegen eine entsprechende Tageskarte ohne jegliche Aufzahlung ein; die Karte ist übertragbar, und es können zu jeder Vorstellung beliebig viel Abschnitte eingetauscht werden. Umtausch gegen eine höhere Platzkategorie ist gegen Auszahlung der Differenz jederzeit möglich. Der Preis des Wahlabonnements liegt 20 v. H. unter dem durchschnittlichen Tagespreis. Die Karte gilt für die ganze Spielzeit und kann beliebig oft erneuert werden. Meldungen werden ab Montag, 26. August, täglich entgegengenommen an der Theaterkasse während der Kassenstunden werktäglich von 10 bis 13 Uhr, oder bei unfern Werbern. Da infolge der erfreulich großen Zahl von Neu- anmeldungen zum Dauerabonnement die Zahl der freien Plätze beschränkt ist, werden nur soviel Wahlabonnements ausgegeben, als gute Plätze wirklich zur Verfügung stehen. Wer daher die großen Borteile des Wahlabonnements benutzen, wer an der kommenden ereignisreichen Spielzeit regen Anteil nehmen und wer mit Freunden und Verwandten gemeinsam das Theater besuchen will, bestelle sofort sein Dahlabonnement! Umfassende berufserzieherische Maßnahmen der OAF. Die Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung der Deutschen Arbeitsfront, die auf Grund einer Anordnung des Führers vom 24. Oktober 1934 für die berufliche Ertüchtigung aller schaffenden deutschen Volksgenossen Sorge zu tragen hat, hielt eine vorbereitende Sitzung zur Durchführung ihres Winterarbeitsplanes ab. Die Referenten der einzelnen Berufsgruppen waren vollzählich erschienen, um die Richtlinien für die Berufserziehungsarbeit, die von dem Kreisbe- rufswalter Pg. M e r t e s gegeben wurden, ent- aegenzunehmen. Im Gegensatz zur liberalistischen Auffassung ist berufliche Ertüchtigung zur höchsten Berufsleistung heute feine Privatsache mehr, sondern eine nationalsozialistische Forderung. Wenn die Presse die Berufsertüchtigung herausstellt, führende Männer der Bewegung sich für den Berufs- wettkampf einsetzen, so deshalb, weil Berufserziehung und Berufsertüchtigung eine Grundforderung an jeden einzelnen um der Existenz des Volkes und der Nation willen ist. Dem Recht auf Arbeit entspricht die Pflicht zur Leistung. Aus der Kraft der Weltanschauung erfährt auch die geringste und kleinste Arbeit ihren Wert und ihren Ausdruck. Wenn sich erst einmal die Liebe zur Arbeit bei dem Werktätigen entwickelt hat, dann muß aus dieser Liebe Qualität entspringen. An allen Plätzen des Reiches und in allen Berufen, die in 16 Berufshauptgruppen eingeteilt sind, setzt die notwendige berufliche Schulung ein. Von berufserfahrenen Männern, die in der Spitze der Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung arbeiten, werden Richtlinien für die einzelnen Reichsberufshauptaruppen ausgearbeitet, die den Gauen und Kreisen für die parktische Berufserziehungsarbeit dienlich sind. Diese Richtlinien werden, entsprechend den verschiedenartigen Voraussetzungen, auf die einzelnen Gebiete jeweils zuge- schnitten und in die Praxis umgesetzt. Die ordnungsgemäße Durchführung der Maßnahmen wird durch die Gauberufsreferenten und den zuständigen Kreis- berufswalter überwacht. Während in verschiedenen Städten bereits Arbeitsschulen der DAF. entstanden sind, die über Werkstätten verfügen, welche Schulung und Umschulung der verschiedenen Berufsgruppen ermöglichen, wird die Arbeit in Gießen stark vorangetrieben. Auch in Gießen bestehl bereits eine solche Arbeitsschule, die es sich zur Aufgabe macht, in Tageslehrgängen stellenlosen Arbeitskameraden eine Ausbildung zu geben, die die Wiedereinsetzung dieser Arbeitskameraden in den Wirt- schaslsprozeß ermöglicht. In Abendlehrgängen soll allen Arbeitskameraden die Möglichkeit der beruflichen Weiterbildung gegeben werden. Den Referenten der Abteilung, die sich aus Praktikern der einzelnen Berufsgruppen zusammenfetzen, konnten Vorschläge für die in Angriff zu nehmenden Maßnahmen bereits ausgehändigt werden. In den nächsten Tagen werden in Einzelbesprechungen mit den Referenten die für jede Berufsgruppe aufzustellenden Arbeitspläne besprochen, und es ist zu erwarten, daß die Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung im Oktober dieses Jahres einen Plan der Öffentlichkeit unterbreiten wird, der allen strebsamen Volksgenossen aus allen Berufen die Möglichkeit gibt, durch Teilnahme an den Veranstaltungen sich umfassende Berufskenntnisse anzueignen. Die DAF. gibt jedem die Möglichkeit, nicht zuletzt in seinem Interesse das nötige Rüstzeug zum Existenzkampf sich anzueignen. Facharbeiter sind fast in allen Berufen gesucht, auch diesem Mangel wird durch umfassende Berufsausbildung gesteuert werden können. Der Reichsberufswettkampf gab ein gutes Bild über den Ausbildungsstand des Berufsnachwuchses. Auf den hierbei gewonnenen Erfahrungen läßt sich aufbauen. Selbstverständlich muß an jeden Interessierten die Forderung eines ungeheuren Fleißes gestellt werden. Hunbfunfprogramm. Sonntag, 25. August. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.05: Gymnasttk. 8.45: Choralblasen. 9: Evangelische Morgenfeier, veranstaltet von dem Amt für Kirchenmusik, Frankfurt a. M. 9.45: „Künstler und Philosoph". Friedrich Nietzsche zum 35. Todestag. Von Dr. Karl Kraft. 10: Deutsche Morgenfeier der HI. 10.30: Chorgesang. 11.10: Bekenntnisse zur Zeit: Paul Aloerdes Der Dichter und die Jugend". 11.30: Deutsches Schatzkästlein. „In der Sommerlaube". Eine Funk- folge 12: Mittagskonzert. 14: Kinderfunk. „Kasperl verfolgt das Nachtgespenst". Ein Kasperlspiel. 14.45: Das Volk erzählt. Saarländisches und Pfälzisches. Gesprochen, gesungen und gespielt von Saarländern und Pfälzern. 16: Nachmittagskonzert. 18: Jugend- fünf. Die Hitlerjugend hat das Wort! 18.30: „Der Hamstereinkauf." Funkhumoreske. 19: Kammermusik. 19.30: Deutscher Sport. Ringsendung Hamburg- München—Leipzig—Stuttgart. 20: Rundfunksprecher- Wettbewerb. 22: Nachrichten. 22.15: Sportnach- richten, Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Saar - Befremnas - Sportfest des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen. Es spricht Reichssportführer von Tfchammer-Osten. 22.40: Sportspiegel des Sonntag. 23: Tanz in der Nacht. 24 bis 2: Nachtkonzert. Montag, 26. August. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 10.15: Schulfunk. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Mitten im Werttag. 15.15: Kinderfunk. 15.30: Jugendfunk. 16: Nachmittagskonzert. 18: Ein Dichter seines Volkes. 18.15: Bücherfunk. 18.30: Weltpolitischer Monatsbericht. Von Prof. Dr. Karl Haushofer. 19: Unterhaltungskonzert. Marschmusik älterer und neuerer Zeit. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Saar und Pfalz. 21: Ballettmusiken. Konzert des Rundfunk-Orchesters. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk, Sportbericht. 22.30: Musik zur guten Nacht. 24 bis 2: Nachtmusik. Oberheffen. Derkehrsnnfall bei Lollar. 8 Lollar, 23. August. Heute gegen 10.30 Uhr ereignete sich auf der Landstraße Lollar—Sichertshausen in der Kurve bei Kirchberg, in der kürzlich erst ein Auto verunglückte, wieder ein Verkehrsunfall. Der 39 Jahre attb Konrad Schmidt aus Bistum (Holland) und feine auf dem Soziussitz mitfahrende Ehefrau kamen mit dem Motorrad ins Rutschen und stürzten. Oberwachtmeister Keil aus Fronhaufen, der zufällig die Unfallstelle passierte, sorgte schnell für die erste ärztliche Hilfe und rief das Sanitätsauto der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen herbei. Das verunglückte Ehepaar wurde nach Gießen in die Chirurgische Klinik überführt, wo der Mann mit einem Unterschenkelbruch und Kopfverletzungen darniederliegt, während die Ehefrau mit einigen Hautabschürfungen, Prellungen und einem Nervenschock noch glimpflich davon- gefommen ist. Das Ehepaar, beide Deutsche, hat seinen Wohnsitz in dem holländischen Orte und -befindet sich zur Zeit bei Verwandten im Kreise Marburg zu Besuch. Landkreis Gießen. # Lollar, 24. Aug. In völliger geistiger und körperlicher Frische feierte gestern Briefträger i. R. Ludwig Rohrbach feinen 75. Geburtstag. wg. Großen-Buseck, 24.Aug. Dieser Tage hielt die hiesige Spar- und Darlehnskasse ihre 57. Generalversammlung bei Mitglied W. WagnerV. ab. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Pg. Drtm ein, eröffnete die Versammlung und gab nach einleitenden Worten dem Direktor Damm das Wort zum Geschäftsbericht des Vorstandes. Aus diesem Bericht ging hervor, daß die Kasse in dem Jahr 1934 einen sehr starken Aufschwung genommen hat. Anschließend sprach der Vorsitzende des Aufsichtsrats und erklärte, daß ein harmonisches Zusammenarbeiten von Vorstand und Aufsichtsrat — wie es jetzt hier der Fall ist — sich immer zum Wohle der Kasse und sämtlicher Kunden auswirke. In der Zeit vom 6. Juni bis 14. Juni 1935 habe die gesetzliche Revision durch zwei Reoisionsbeamte stattgesunden. Diese Revision sei zur vollsten Zufriedenheit ausgefallen. Die Kasse sei liquide und rentabel und die Verwaltung besitze das volle Der- trauen des ganzen Dorfes. Er forderte die Anwesenden auf, auch weiterhin treu zur Kasse zu stehen, da dadurch weitere Vorteile für die Anhänger der Kasse zu erreichen seien. Besonders empfahl er den neueingerichteten, wöchentlichen Kleinsparverkehr und betonte, daß sich gerade dieser größter Beliebtheit unter den Volksgenossen erfreue. Anschließend gab der Rechner Roll die Bilanz in ihren Einzelheiten bekannt. Der Jahresumsatz betrug für bas Berichtsjahr 5089 000" RM., und überstieg somit den Umsatz aus 1933 um rund eine Million RM. An Spareinlagen wurden 51 000 RM. in 1934 neu eingelegt. Dieselben haben sich trotz größerer Abhebungen für die Feldbereinigung, erhöht. Der gesamte Spareinlagebestand betrug 374 675 RM. Die ausgeliehenen Kredite 397 732 RM. Der Reingewinn betrug 4711,94 RM. An Mitgliedern traten acht neu bei und sechs schieden aus, so daß am Schluß des Jahres noch 246 Mitglieder verblieben. Die Kaste bearbeitet zur Zeit rund 500 Konto- Korrent- und rund 1100 Spareinlage-Konten. Die Schuldzinfen wurden wiederum um 0,5 v. H. gefehlt. Die Bilanz wurde einstimmig mit der vom Vorstand und Aufsichtsrat vorgeschlagenen Gewinnverteilung angenommen und genehmigt. Vorstand und Aufsichtsrat wurde einstimmig Entlastung erteilt. Für das ausgeschiedene Aufsichtsratsmitglied Wilhelm Schmidt IX. wurde einstimmig Pg. Wilh. H e n ß V. gewählt. Pg. Ortwein schloß die Versammlung in her üblichen Weise. — In der Wirt- fchaft „Zur Germania" fand durch die Gaufilmstelle der NSDAP, die Vorführung des Filmes „I ch für dich und du für mich" statt, zu dem auch noch ein Beifilm aus Danzig gezeigt wurde. Die Darbietungen fanden starken Anklang. — Am heutigen Samstag feiert der Landwirt und Glaser- meister Heinrich B o n a r i u s , Bahnhofstraße, feinen 8 7. Geburtstag. Der hochbetagte Mann, der noch sehr rüstig ist, versieht noch bis auf den heutigen Tag sämtliche Haus- und Feldarbeiten. h. Großen-Linden, 23. August. Im Laufe dieser Woche verstarben zwei unserer ältesten Einwohner. Am Dienstag wurde die nahezu 82jährige Witwe Marie Velten, geb. Lang, Obergaffe 12, zu Grabe getragen, und heute der älteste männliche Mitbürger, der Landwirt Philipp Peppler, der im nächsten Monat sein 91. Lebensjahr vollendet hätte. Beide hatten sich bis in ihr hohes Alter eine verhältnismäßig gute Gesundheit bewahrt. Das älteste Glied unserer Gemeinde überhaupt ist die Landwirtswitwe Kath. Wagner, die im 92. Lebensjahre steht. Arn kommenden Somitag kann die Witwe Christine Pepp- ter, geb. Stamm, Bahnhofstraße 110, ihren 8 5. Geburtstay feiern. Auch sie erfreut sich noch geistiger und körperlicher Rüstigkeit. <£ Göbelnrod, 24. Aug. Am heutigen Samstag feiert der Landwirt Johannes Römer III. in körperlicher und geistiger Frische seinen 8 0. Geburtstag. Er schafft noch Tag für Tag in der Landwirtschaft und ist ein treuer Leser des Gießener Anzeigers. — Nachdem die Getreideernte trocken und gut eingebracht worden ist und zur Zeit die Dreschmaschine in unserem Orte weilt, hat man jetzt mit der Grummeternte begonnen, die aber in diesem Jahre infolge der langen Trockenheit schlecht ausfällt. ch Lauter, 23. Aug. In der gestrigen G e» rneinderatssitzung wurde beschlossen: „Jedem, der mit Juden handelt ober sonstige Geschäfte macht, wirb bie Gerneinbeviehwaage gesperrt. Außerdem kann er sein Vieh nicht zum Faselvieh bringen. Jeber, ber mit Juben handelt, ist ein Volksoerräter. Die Namen dieser Volksverräter werden öffentlich angeprangert. Der Beschluß tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft." Kreis Friedberg. Friedberg, 23. Aug. (LPD.) Der Chauffeur Kautz aus Nieder-Florstadt wurde bei Arbeiten an einem Motor von einer Stichflamme getroffen, die feine Kleider in Brand setzte. Obwohl alles zu seiner Rettung geschah, ist K. nun im hiesigen Krankenhaus fein en schweren Verletzungen erlegen. = Butzbach, 23. August. Gestern abend veranstaltete die hiesige Stadtschule einen gutbesuchten Elternabend in der Aula des neuen Schulhauses. Nach einem Eingangsmarsch der Hauskapelle betonte der Leiter der Schule, Rektor Bach, baß im Mittelpunkt ber Veranstaltung diesmal bas Schulkino stehe, bas eine dankenswerte Einrichtung des Reichserziehungsministers Ruß sei. Das Schulkino und damit ber Reichsschulfilm sei ein Anfchau- ungsmittel bester Art. Die vierteljährlichen Lernmittelbeiträge der Schulkinder von 20. Pf. feien bisher nur zur Herstellung von Apparaten und 9timen verwandt worben. Nun bekämen die Kinder die Filme unentgeltlich zu sehen. Anschließend zeigte der Bezirkssilmwart, Lehrer Schneider, einige Filme, u. a. „Beim Seiler", „Die Herstellung ber Emmenthaler Käse", „Seltene Schwimmvögel (Bläßhühner)". Die Vorführungen würben von ben Anwesenden mit großem Beifall ausgenommen, die die Ueberzeugung gewonnen hatten, daß der Lernmittelbeitrag der Kinder zu einem wahrhaft nützlichen Zwecke angelegt worden seien. Rektor Bach bankte zum Schluß allen Mitwirkenden und beschloß in ber hergebrachten Weise den anregend verlaufenen Elternabenb. Kreis Bübingen. ch Nidba, 23. Aug. Die schon längst als notwendig erkannte Verbreiterung der Eisenbahnüberführung über die Salzhäuser Straße wird zur Zeit von einer hiesigen Baufirma ausgeführt. Der Sandsteinsockel, über den das Geleise Nidda—Friedberg führt, wird in erheblich verbreitetem Maße durch Eijenbeton von Grund auf ersetzt. Da der Wagenverkehr auf erwähnter Straße äußerst groß ist, daß Viadukt aber durch Baumaßnahmen nur zur Hälfte in Anspruch genommen werden kann, so wird der Straßenverkehr an dieser unübersichtlichen Kurve van feiten der Eisenbahn überwacht. Der Wachhabende stellte dort an einem der letzten Sonntage von 7 bis gegen 23 Uhr, also in etwa 16 Stunden, 543 Kraftwagen fest, das macht je Stunde rund 34 ober alle zwei Minuten etwa einen Wagen. Die zahlreich passierenden Motorradfahrer blieben unberücksichtigt. Vorstehende Zahlen beweisen die ungeheure Bedeutung des Kraftwagenverkehrs auf den Landstraßen. Bezirkssparkasse Grünberg. GeschästSbericht für 1934. + Grünberg, 23. Aug. Am 21. b. M. fanb im Sparkassengebäude bie biesjährige orbent- liche Mitgliederversammlung ber B e - zirkssparkasse Grünberg statt. Außer 32 Gemeinbevertretern waren erschienen: als Vertreter ber Aufsichtsbehörde, Ober - Regierungsrat Dr. S ch ö n h a l s (Gießen), ber Vorsitzende des Hessischen Sparkaffen- und Giroverbandes, Oberbürgermeister a. D. Rahn (Darmstadt), und von der Landeskommunalbank-Girozenttale für Hessen, Direktor Seip, sowie bie Mitglieber bes Verwal- tungsrats unb bes Vorstandes. Der Vorsitzende des Derwaltungsrats, Lehrer Bocher (Grünberg), eröffnete die Versammlung und begrüßte bie Anwesenben. In einleitenden Worten wies der Vorsitzende darauf hin, daß es der Zweck ber Mitgliederversammlung sei, ben Gemeinbevertretern Einblick in bie Entwicklung unb ben Stand ber Kasse zu geben; für die Verwaltung unb ben Vorstand biete sie Gelegenheit, Rechenschaft abzulegen über ihr Wirken. Daß die Ver- jammlung in diesem Jahr später als sonst üblich stattfinde, sei auf eine Anordnung der Landesregierung zurückzuführen, nach welcher die Rechnung unb ber Jahresabschluß erst burch bie Ver- banbsrevision geprüft und von ber ßanbesregierung genehmigt werben müsse, bevor eine Drucklegung unb Veröffentlichung erfolge. Es fei zu hoffen, daß für bie Folge diese Prüfung so rechtzeitig erfolgen könne, daß eine frühere Anberaumung der Mitgliederversammlung möglich sei. Hierauf wurde in die Tagesordnung eingetreten, welche nur zwei Punkte aufwies. Der Geschäftsbericht für das 3ahr 1934 mit einem eingehenden Vorbericht lag in Druck vor und war ben Gemeinbevertretern bereits zugegangen. Er würbe in feinen wesentlichsten Punkten vom Vorsitzenden erläutert unb bietet ein erfreuliches Bild überaus günstiger Entwicklung. Der Gesamtumsatz steigerte sich gegen bas Vorjahr um annähernb zwei Millionen Reichsmark, unb bie Bilanzsumme erhöhte sich um über 300 000 RM. Die Zahl ber neuen Spareinlagen hat sich um 178 Konten vermehrt. Der Zugang an Spareinlagen betrug nach Abzug ber geleisteten Rückzahlungen 148 074 RM.; ferner würben noch aus ber Aufwertungsabteilung übernommen 85 019 RM., so baß bie Spareinlagen am Jahresenbe einen Rhein-Mainischeri Eine Mainifche Wirtfdiaft SS Schaffens • Frankfurt a. M. Festhallengelände • vom 24. Aug. bis 8. Sept. 193 5 bereltschaft der Kasse übersteigt das nach Gesetz und Stand von 2 423 189 RM.. aufwiesen. Die m Umlauf befindlichen Sparbücher betragen 153 v. H. und der Spareinlagenbestand 82 v. H. des Standes von Ende 1913 (der Durchschnitt für Hessen beträgt 68 v.Sy). Im Giro- und Kontokor- rentverkehr war der Umsatz um eine Million Reichsmark höher als im Vorjahr. Es bestanden am Jahresende 377 Konten, welche an Guthaben 118 326 RM. und 177 426 RM. beanspruchte Kredite aufwiesen. Infolge der günstigen Entwicklung konnte die Kasse die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung durch Darlehensgewäh- r u n g unterstützen. Es gelangten 132 neue Darlehen mit einem Gesamtbetrag von 142 253 R2IL zur Ausleihung. Die Gesamtzahl der Darlehen am Jahresende beträgt 1204 Posten. Don dieser Zahl entfallen 65 d. Sy auf Beträge unter 1000 RM., 27 o. Sy auf Beträge von 1000 bis 3000 RM. und nur 8 v. Sy auf Beträge über 3000 RM. Dies zeigt die breite Verlagerung der Ausleihungen und die starke Berücksichtigung der kleineren Darlehen. Die Zahlungs- Satzung vorgeschriebene Maß. Der Kasse stehen mithin genügend Mittel für neue Darlehen zur Verfügung. Besondere Aufmerksamkeit hat die Verwaltung schon immer der Entwicklung der Zinssätze gewidmet und sich bemüht, diese für die Darlehensnehmer möglichst erträglich zu gestalten. An zweiter Stelle unter den hessischen öffentlichen Sparkassen hat sie den Zinssatz für Hypotheken und Gemeindedarlehen auf 4,5 v. Sy und für alle übrigen Darlehen und Kredite auf 5 v. H. gesenkt. Die Sicherheits- und sonstigen Rücklagen der Kasse sind mit 300 000 RM. auf über 10 v. H. des Spareinlagenstandes angewachsen. Am Schluß seiner Ausführungen dankte der Vorsitzende den Beamten und Angestellten sowie den Vorstands- und Verwaltungsratsmitqliedern für ihre Tätigkeit im Dienste der Kasse. Die Kassenfrage sei und bleibe eine Vertrauensfrage. Die Entwicklung der Kasse, die Einlagenbewegung bilden ein ziemlich treffendes Barometer für dieses Verttauen. Daß die Anstalt dies Vertrauen verdiene und es auch in Wirklichkeit besitze, bewiesen nicht nur die Revisionsprotokolle, sondern das beweise auch der stets weiterschreitende Aufstieg. Er gab im Namen von Vorstand und Verwaltung das Versprechen, in diesem Sinne stets treu weiter zu arbeiten. Der Vorsitzende des Hessischen Sparkassen- und Giroverbandes, Oberbürgermeister a. D. Rahn, welcher zum Geschäftsbericht das Wort ergriff, betonte u. a., daß der Geschäftsbericht und die Ausführungen des Vorsitzenden sich durch Klarheit aus- zeichneten. Der Bericht biete ein sehr erfreuliches Bild; er wünsche, daß alle Kassen in allen Teilen so gut geleitet würden wie die hiesige. Besonders wies er auf die hohe Zahlungsbereit- fchast, den günstigen Stand der Rücklagen und die niedrigen Darlehenszinssätze hin; dies alles seien Punkte, die bei weitem noch nicht von allen Kassen in diesem Maße erreicht seien. Erfreulich sei auch das Zusammenarbeiten zwischen Kasse und Dezirkseinwohnern und das voll gerechtfertigte Vertrauen der letzteren zur Kasse. Die hessischen öffentlichen Sparkassen, deren Gewährsträger die Gemeinden seien, seien nicht ortsfremd, sondern sie dienten allen Volksgenossen ohne Unterschied, und jeder Bezirkseinwohner habe ein Anrecht darauf, seine Geschäfte bei der Sparkasse zu tätigen; sie sei die Kasse der Gewährsaemeinden. Der Redner dankte zum Schluß allen Beteiligten für die gute Geschäftsführung. Oberregierungsrat S ch ö n h a l s (Gießen) wies in seinen nun folgenden Ausführungen darauf hin, daß die Mitgliederversammlung Gelegenheit gebe für Rechenschaftsbericht und Aussprache. Er begrüßte die günstige Entwicklung und erklärte, daß er sich freue, eine so gut geleitete Kasse in seinem Bezirk zu haben. Das Vertrauen der Bevölkerung drückte sich In den Zahlen des Geschäftsberichts aus. Die Aufwärtsentwicklung der Kasse sei ein Beweis dafür, daß es auch allgemein wieder aufwärts gehe. Es sei zu hoffen, daß die Spareinlagen bald den Stand von Ende 1913 erreichen würden. Diese Entwicklung soll uns aber nur ein Ansporn zu weiterem Aufbau sein. Es sei noch eine gewaltige Arbeit zu leisten. Der Redner wies dann kurz auf die Ausführungen des Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht in seiner Königsberger Rede hin und forderte die Anwesenden auf, den Sparge- danken zu fördern, das sei Mitarbeit im Geiste Adolf Hitlers und diene dem Wohl der Nation. Der Vorsitzende' dankte beiden Rednern für ihre Ausführungen und erwähnte noch, daß auch der Geschäftsverlauf im neuen Geschäftsjahr sehr günstig Die auslandsdeutschen Zungen im Rhein-Main-Gebiet. lleberaus herzliche Begrüßung durch die Bevölkerung. LPD. Wiesbaden, 23. Aug. Heute nachmittag gegen 3.30 Uhr fuhren 45 Omnibusse, von Jdar- Oberstein kommend, mit den auslandsdeutschen Jungen über die Drususbrücke nach Bingen und trafen damit im Rhein-Main-Gebiet ein. Unbeschreiblich war der Jubel der Bevölkerung in den mit den Hakenkreuzfahnen und Girlanden reich geschmückten rheinischen Städten und Ortschaften. Ueberall hatten sich in dichten Scharen die Bevölkerung, die HI., das Jungvolk, der BDM. und die anderen Gliederungen der Partei eingefunden, um den auslandsdeutschen Jungen einen herzlichen Empfang zu bereiten. Von Bingen aus schwenkte ein Teil der Omnibusse nach Mainz ab. In ihnen befanden sich 260 auslandsdeutsche Jungen, die in der Mainzer Stadthalle verpflegt routben, worauf sich ein Gang durch die Sehenswürdigkeiten der Stadt anschloß. 400 Ausländsdeutsche begaben sich nach Wiesbaden, wo vor dem Kurshaus ein großer Empfang stattfand. Auch hier hatten sich Abordnungen aller Gliederungen der Partei, Vertreter der Stadt und der Regierung, sowie eine unübersehbare Menschenmenge eingefunden, die spontan in herzliche Beifallskundgebungen ausbrach, als die jungen Ausländsdeutschen eintrafen. Im Namen des Gauleiters begrüßte fein Stellvertreter Pg. Heyfe die auslandsdeutschen Kameraden im Rhein-Main-Gau auf das herzlichste. In Anbetracht der vielen Reden, die sie schon über sich hätten ergehen lassen müssen, fasse er sich kurz. Dieser fruchtbare Landstrich, in den sie jetzt gekommen seien, spreche für sich selbst. Sie sollten alle Eindrücke von hier in sich aufnehmen und von ihnen in ihrem späteren Leben zehren. Im Namen der Kreisleitung Wiesbaden begrüßte dann Kreisleiter Römer die Jungen und riet ihnen, die Stunden auszukoften, die sie am Rheine 9er Bau der Reichsautobahn im Kreis Friedberg Riesige Erdbewegungen.—Mit Bagger und Stampfer an der Arbeit. — Bad-Nauheim, 23. August. Wer in den letzten Wochen seine Schritte nach dem am Johannisberg gelegenen Hofgut Haffelheck lenkte, konnte und kann heute noch täglich von morgens früh bis abends spät die Arbeiten an der Reichsautobahn beobachten, deren Teilstrecke von Frankfurt bis Gießen zum Bau freigegeben und im Kreise Friedberg in Arbeit ist. In fünftem Anstieg nimmt die Strecke westlich von Rosbach v. d. Sy kommend ihren Lauf durch die Tannen- und Laubwälder in gemessener Höhe des Wintersteinmassivs, wo sie das oben genannte Hofgut, östlich liegend, anschneidet. Von dieser Höhe aus, von der man einen herrlichen Weitblick in die südliche, mittlere und nördliche Wetterau mit ihren fruchtbaren Gefilden, der auf einem Hügel gelegenen Kreisstadt Friedberg, auf die nahen Höhen des hessischen Taunus bis sei; es herrsche reger Geschäftsverkehr und der Spareinlagenzugang'sei bis jetzt schon wesentlich höher, als um die gleiche Zeit des Vorjahres. Nachdem noch an Stelle von Bürgermeister Dr. M i l d n e r, jetzt in Osthofen, Bürgermeister W a g- n e r (Grünberg) als Mitglied des Derwaltungsrats gewählt worden war, war die Tagesordnung erledigt. Der Vorsitzende wies noch darauf hin, daß, wenn die Verhältnisse in unserem Vaterland im allgemeinen und im Bereich der Arbeit der Kasse im besonderen wieder eine gesunde Grundlage bekommen hätten, wir dies dem Mann verdanken, der mit seiner Bewegung unser Volk wieder einem neuen Hochziel entgegenführt. Er schloß die Versammlung mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer, unser Volk und Vaterland. verlebten; dann sollten sie als Künder des Natto- nalfozialismus die Wahrheit über Deutschland und das deutsche Volk in ihren Ländern verkünden. Hiernach hieß Gebietsführer Potthoff die auslandsdeutschen Kameraden im Gebiet Hessen-Nassau willkommen. Die Herzen aller HI. - Kameraden seien mit ihnen. Er forderte sie auf, so wie die HJ.-Kameraden ihrer gedächten auch den reichs- deutschen Kameraden die Treue zu halten. Auf den Jugendburgen am Rhein würden sie nun einen Tag der Ruhe und Erholung genießen. Dabei sei ihnen die beste Gelegenheit geboten, die Schönheiten des deutschen Rheins in sich aufzunehmen. Für die auslandsdeutschen Kameraden dankte Oberbannführer Minke- Berlin den Volksgencsfen für den herzlichen Empfang, der ihnen zuteil geworden fei und entschuldigte sich für ihr verspätetes Eintreffen, das auf die begeisterte Begrüßung zurückzuführen fei, die ihnen überall entgegengebracht wurde und die sie sehr häufig zum Halten gezwungen hätte. Er glaube aber im Namen seiner Kameraden sagen zu dürfen, daß sie hier im fruchtbarsten und schönsten Teile des Reiches auch die inhaltreichsten Stunden und die nachhaltigsten Eindrücke erlebt hätten, Eindrücke, die sie in ihrem ganzen Leben nicht mehr vergessen würden. Im Anschluß an den feierlichen Empfang vor dem Kurshaus wurden die auslandsdeutschen Jungen im Paulinenschlößchen verpflegt. Darauf ging die Fahrt weiter zu den Jugendburgen in Rüdesheim, Lorch, Caub und Camp, wo die auslandsdeutschen Kameraden den Samstag verbringen. Von diesen Jugendherbergen werden sie kleinere Wanderungen in die nähere Umgebung unternehmen, um die Schönheiten des schönsten Rheinteiles in sich aufzunehmen und zu genießen. weit in den Kreis Gießen hinein, zur mächtigen Burgruine Münzenberg, dem Wetterauer Tintenfaß, und schließlich zu den kräftigen Höhen des Vogelsberges genießt, wendet sich die Autobahn von dem Taunus ab, um im weiten Bogen abwärts das romantische Usatal bei Ober-Mörlen zu überqueren und querfeldein die Main-Weser-Bahn beim Block- Ober-Mörlen in weiterer Süd-Nord-Richtung zu verlaufen. Während auf dieser gesamten Strecke der Mutterboden fast völlig beseitigt worden ist und in Kürze erst mit dem Weiterbau begonnen wird, ist beim Hofgut Hasselheck Arbeitshochbetrieb. Lange Feldbahngleise sind angelegt, ans denen in langen Zügen vom Walddurchstich nach dem sieben Kilometer entfernt gelegenen Rosbach ungeheure Erdmassen befördert werden. Dies geschieht zum Zweck der Anlegung eines 5 Meter hohen Dammes, unter dem die Straße nach dem bekannten Forsthaus Winterstein führt und deren endgültige Lage um etwa 1,50 Meter gesenkt werden wird. Auf dieser Basis von mehr als 30 Metern wird die Erde stufenweise von je 70 Zentimeter Höhe aufgefüllt. Ein mächttger Stampfer von 40 Zentner Gewicht saust ununterbrochen im gleichen Tempo auf die losen Erdschichten, die noch in angemessener Entfernung von dem herabfallenden mechanischen Kunstwerk zittern und dröhnen. Täglich werden von diesem Stampfer durchschnittlich über 1200 Quadratmeter in 2 Schichten bear eitet, eine Leistung, die die menschliche Kraft unter keinen Umständen zu vollbringen vermag. Etwa 100 Meter von diesem Bauabschnitt, der von Wiesbadener Firmen ausgeführt wird, gelangen wir zu einem Geländeteil, bei dem ein großer Löffelbagger in Tätigkeit ist und durchschnittlich 350 Kubikmeter Erdbewegung als tägliche Arbeitsleistung aufweist. Da größere Mengen befördert werden müssen, wird gegenwärtig ein zweiter Bagger mit weit höherer Leistungsfähigkeit aufmqntiert. Der abzutragende Boden besteht teils aus Ton, Lette, Lehm und steiniger Erde und ist zum Aufträgen geeignet Gerade dieser Bauabschnitt bietet ein abwechslungsreiches Bild. Hier herrscht Betrieb! Arbeiter, die aus allen umliegenden Orten stammen, kommen und gehen. Feldlokomotiven stampfen die Anhöhe herauf und mahnen durch ihren schrillen Pfiff zum Verlassen der Gleise. Lastautos bringen Kohlen, Holz, Maschinenteile usw. In den in reicher Zahl aufgestellten Buden herrscht Leben. Teils dienen sie der Belegschaft als Unterkunftsräume zur Materialaufbewahrung, teils find sie für den Bauführer und als Zeichenbüros eingerichtet. Sämtliches Wasser, das für den Betrieb benötigt wird, liefert eine für diesen Zweck eigens geschaffene Quellenfassung in den abseits nach dem Winterstein zu gelegenen Wiesen. Noch werden einige Wochen benötigt, um den gesamten Mutterboden auf diesem Bauabschnitt abzutransportieren. Dann erst beginnt die Hauptarbeit, die darin besteht, mehr als 400 000 Kubikmeter Erde zu bewegen. Nicht weniger als sechs große Brücken und Unterführungen find notwendig, um der Autobahn einen ungehinderten Weg bis nördlich von Griedel zu geben. Alle noch im Zuge dieser Strecke durchzuführenden Arbeiten können natürlich nicht in diesem laufenden Jahre noch beendet werden. Für die vielen, seither längere Jahre arbeitslos gewesenen Volksgenossen ist mit dem Bau der Autobahn lohnende Arbeit geschaffen worden. Wenn man von der höhe beim hofgut hasselheck den Verlauf der Autobahn verfolgt, so macht sie schon jetzt einen gewaltigen Eindruck, der erst überwältigend fein wird, wenn erst einmal das gigantische Werk vollendet ist und man mit Recht die Reichsautobahnen als die Straßen des Führers nennen darf. Preußen. Großes Bauvorhaben der Preußen-Elektra in Weh*ar. Wetzlar, 23. Aug. (LPD.) Die Preußische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft, Abteilung Stromversorgung Wetzlar, errichtet gegenwärtig hier ein großes Verwaltungsgebäude, ein Umspannwerk, eine Werkstatt sowie ein Dierfamilien-Wohnhaus. Das Gesamtobjekt beläuft sich auf rund 280 000 M k. Die Preußen-Elektra war bisher auf dem Fabrikgebäude von Buderus untergebracht. Kreis öchlor <£ Rodheim a. d. D., 24. Aug. Am Donnerstag verunglückte der Schneidermeister und Landwirt Konrad Platt von hier in feinem landwirtschaftlichen Betriebe. Er stürzte von einer Leiter aus nur geringer Höhe ab, fiel aber so unglücklich, daß er sich einen schweren Schädelbruch zuzog und sofort in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden mußte. Im Laufe des Freitag- nachmittag erlag der bedauernswerte Mann den erlittenen schweren Verletzungen. 03561 Gießen, den 22. August 1935. 03574 03538 Hochstätter-Tapeten Wiesede, Gießen, den 24. August 1935. Die trauernden Hinterbliebenen Familie Wilhelm Stecker Familie Ludwig Lepper Familie Heinrich Lindenstruth Familie Wilhelm Lindenstruth Familie Gustav Stiehl. Hllllillllillliiiiilllillllll Wissenschafti. Werke Sondergebiet der Brühl'schenDruckerei Hllllillllillliiiiilllillllll Am 22. August, abends 8 Uhr, entschlief sanft nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante Christine Lindenstruth, geb. Balser im Alter von nahezu 75 Jahren. Mercedes Mk. 182.- schon f.montl. M.7.90 FranzVoOMCo., Gießen Seltersweg 44 ,»v a Für die Beweise herzlichster Teilnahme, Blumen- und Kranzspenden beim Heimgang unserer lieben Mutter Frau Katharine Schupp, geb. Becker danken wir herzlich. Insbesondere danken wir Herrn Pfarrer König für die trostreichen Worte, sowie der Ev. Frauenhilfe für die arp Sarge und am Grabe erwiesene letzte Ehre. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Otto Schupp Familie Eberhardt Bast. Klein-Linden, den 24. August 1935. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem unerwarteten plötzlichen Verlust unserer lieben unvergeßlichen entschlafenen Tochter und Schwester Mariechen Ger big sagen wir allen unseren aufrichtigen Dank. Katharine Qerbig Wwe. Heini und Willy Gerbig. Gießen (am Riegelpfad 46), den 24. August 1935. -------------------------- ■ _______________________________4822 D Die Beerdigung findet Sonntag, den 25. August, nachmittags 1 y2 Uhr vom Sterbehause, Kornblumenstraße 44, aus statt. 4834 D Heute abend entschlief sanft nach langem schweren, mit großer Geduld ertragenem Leiden meine herzensgute Frau, unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwägerin und Tante In tiefer Trauert Karl Euler und Kinder. Die Beerdigung findet am Montag, dem 26. August, nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. — Wir bitten um zahlreiche Beteiligung. Der Vorstand. Damen-Altersvereinigung 1877/78. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unserer lieben Älterskollegin Frau Anna Euler m Kenntnis zu setzen. Die Beerdigung findet Montag, den 26. August, nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Frau Anna Johanna Dorothea Euler geb. Kratzenberger I Sannen- - AuinaWlz ubAUoeb Seiten erb nur n Dampisägewerk Lollar B.NuhnA.G., Lollar. Vornehm / Geschmackvoll! Persönlich l Diese drei wesentlichen Eigenschaften der gediegenen Familien- Drucksache Bietet Ihnen in zahlreichen neuzeitlichen Ausführungen sowie Papieren billiget die BrühPsche Druckerei Schulstr. 7. Ruf 2251 IlllilllUIIUlilHIIIIllillll WM« Ulli- Deutsche Weltmarke, fabrikneu, volle Garantie auch inWochenraten von 1.50 RM. bei entsprechendem Aufschlag. Lieferung frei Haus, ohne Anzahlung. Altmaschinen in Zahlung.Erste Rate Oktober 1935. Verlangen Sie kostenlos unverbindlichen Besuch durch meinen dortig. Vertreter, Postkarte genügt. Lyr.olkoSltzulv.rlävmaWllen-verttlev fairtfurt o.m..(9uneamrn6e 1. 45461> ...und zum Bauen Abermann Nr.w7 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhesten)Samstag, 24.August 1935 Urlaubsgedanken am Bahndamm der Heimat. Güterzug am Rodtberg. — (Aufnahmen (11|: Neuner, Gießener Anzeiger.) M mi r.::a. i Ferienzeit — köstliche Tage und Wochen der Ausspannung von ernster Berufsarbeit. Mancher sucht in dieser schönen Zeit seine Erholung durch ein Reise an die See oder ins Gebirge, nach dem deutschen Osten oder nach einem süddeutschen Gebirge. Viele dagegen verbringen diese Tage in der Heimat ihres Wirkens, wo sie auf Wanderungen durch Feld und Wald täglich aufs neue „die Heimat entdecken". In der Ferne, wie daheim kann man in dieser Ruhe von den Berufspflichten neue Kraft für die Werke des Alltags, vertiefte Liebe zu unserer schönen deutschen Heimat gewinnen — das ist die wunderbare Erholung der Urlaubszeit, der köstliche Gewinn jener Tage, der noch lange im Menschenherzen nachklingt. ♦ Urlaubserleben daheim erfreut ebenso sehr wie die Erinnerung an irgendeine Reise nach einem anderen Teile des deutschen Vaterlandes. Meine schönsten Wanderungen in jenen Tagen der Urlaubsfreiheit führten mich an den — Bahndamm! Hier konnte ich stundenlang verweilen, die Herrlichkeiten des Lahntals oder unserer Waldungen schauen und dabei die Gedanken hinaus- schweifen lassen in die Ferne nach Nord und Süd, nach Ost und West. Unter einem schattigen Baum, vor einem reifenden Getreidefeld, .auf einem duftenden Wiesenstück oder unter dem leisen Rauschen der Wkpfel schöner Waldbäume vergingen diese Stunden am Bcchndamm wie ein Gottesdienst im gewaltigen Himmelsdom der Natur. Die in rascher Fahrt vorbeisausenden v Züge trugen meine Gedanken hinaus in die Ferne. Zu allen Schönheiten der deutschen Erde und der deutschen Meere fuhr ich im Geiste. Lachende Menschen winkten aus den Fenstern des Zuges, herzlich wurde der Gruß erwidert. Weit in der Ferne sah ich den Zug am Horizont verschwinden, nur eine lange Rauchfahne kündete noch von seiner Fahrt. Darup lagen die blitzenden Bänder der Schienen wieder im Nachmittagssonnenschein, mit ihrer Unendlichkeit daran erinnernd, daß sie überallhin den Weg darstellen, auf dem der Reisende bequem und sicher seinem Ziele zugesührt wird. Weiter ratterten die Personenzüge des Nahverkehrs vorüber; sie vermitteln den werktägigen Menschen den Verkehr zwischen ihren Wohnorten und ihren Arbeitsplätzen, sie ermöglichen dem Bauersmann in kurzer Zeit den bequemen Besuch der Stadt, sie bringen wanderfrohe Jungens, Mädels, Männer und Frauen in kurzer Zeit hinaus zu den Ausgangspunkten für ihre Wanderungen zu Fuß oder auf dem Wasser. Bald darauf rumpelte ein langer, unendlich langer Güterzug über die Strecke, dessen unübersehbare Das Halt-Signal sichert den voraussahrenden Zug. Einsames Stellwerkhaus bei Klein-Linden. W NH ■ . - Wagenreihe davon erzählte, daß das unendliche Band der Schiene auch im Dienste der deutschen Arbeit steht, daß es dem Warenaustausch nach allen Gegenden des Reiches und des Auslandes dient, aber auch die Uebersiedlung deutscher Menschen mit all ihrem Hab und Gut von einem Platz zum anderen ermöglicht. In kurzen Zeitabständen rollten alle diese Züge nach Nord und Süd, Ost und West, Freude und Leid, Sehnsucht und Hoffnung in der Schar der Reisenden mit sich tragend, große materielle Werte sorgsam verstaut zu neuer Verwendung führend, befruchtende Arbeit befördernd oder schaffend, dem Wiederaufbau unseres deutschen Volkes dienend. Während alle diese Züge vor meinen Augen dahinrollten, gedachte ich auch der Männer, die im Dienste dieses Verkehrs in treuer Arbeit ihre Pflicht erfüllen. Mit dem Gefühl der Sicherheit, erfüllt von Freude oder auch beschwert mit Sorge und Leid, sitzen die Fahrgäste in den Zügen. Sie fahren durch den hellen, leuchtenden Sommertag oder durch die dunkle Nacht dahin. Ihr Schicksal liegt während dieser Stunden in den Händen weniger Männer. Im Bahnhof aber, weit ab vom Mittelpunkt des lebhaften Treibens, wirkt einsam in seinem hochgelegenen Hause der Wegweiser aller dieser Züge: der W e i ch e n st e l l e r. An seiner Arbeitsstätte rattern die Züge vorbei. Wohl nur wenige Reisende, oft überhaupt keiner von ihnen gönnt einmal diesem Manne des Schienenwegs, der allen durch seine aufmerksame Pflichterfüllung den richtigen Weg weist, einen Blick der Dankbarkeit und der Anerkennung Und doch ist gerade für den Mann des Weichen- dienstes in erster Linie die dankbare Würdigung seiner Arbeit am Platze. Mit hoher Geschwindigkeit brausen die Züge Das Bieberlieschen kommt aus dem Biebertal. MS ' MM ■ * Streckenbild bei Großen-Buseck. LLSM von der freien Strecke in den Bahnhofsbereich herein. Bei Tag und bei Nacht hat ihnen schon lange vorher der Weichensteller die Fahrstraße bereitgemacht, so daß sie in flottssr Fahrt ihren Weg nehmen können. Der Spaziergang am Bahndamm, oder aufmerksames Beobachten auf einer Brücke über dem schienen- und weichenübersäten Bahnhofs- gelände geben die Möglichkeit, das stille Walten des Weichenstellers zu beobachten: da schnurren die Drähte der Weichen, da drehen sich die Signalscheiben, die am Tage die verschiedensten weißen Flächen, in der Nacht entsprechende Lichter zeigen; dort hebt sich Einsames Bahnwärterhaus bei Großen-Linden. Schwere Arbeit auf der Strecke. ft Das Butzbach-Licher Bähnle bei Kloster Arnsburg. Der Weg in die weite Welt. • NHr- Mit dem v-Zug hinaus von Gießen. Das Arbeitsfeld des Weichenstellers.. von Kirchliche Nachrichten Wirtschaft Von unnotierten Werten ermäßigten sich Ufa- Abendbörse behauptet. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse $ranffurt a. M. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt o. ZU. I. ®- Farben-Inoustri« Scheideanstalt........ 7 156,75 0 4. 113,25 0 95,75 Banknoten. 11,7 । ® rinnet .................... ol Mainkraftwerke Höchst a.®L... 4 ' Süddeutscher Zucker t| Die hinter den Papieren die Dividende an. — Reichsbankdiskoni 4 o H., Lombardzinsfuß 5 o. S). o io 220 116,5 86,25 19,9 138 134 198 62,65 117 117,5 87,9 102,5 162 30 284 159 35 204 106 112,25 115 98,4 130 95,5 89,65 114,5 97,5 169 130,5 95,25 89,65 239 110,5 119,9 217,75 115,25 85,65 19,65 137,5 197 62,25 116,5 116,75 87,25 102 161 29,5 283,5 185 157,75 156,25 110 118,5 112 110,4 62,4 116,75 116,25 87,5 135 102 161 88,13 29,75 284,25 184,75 157,5 35,25 204 107 112,75 115,5 99,25 130 95,75 91 13,5 16 86,5 118,5 93,9 94 94 186,5 40,25 142,4 115,5 134 108,4 128,5 146,5 132,5 128,75 179 134,5 40,5 142,65 115 134,5 107,75 128,4 146 133 128.-75 179 133,75 14,4 27,25 16 87 118 93 92,5 92,5 185 156,13 239 110 119 112,5 157,75 110,5 119,75 114 41 142,9 116,25 136 108 129 148 133,5 129 179,5 134 14 15,75 86,75 118,75 93 92,5 92,5 185 14 28,5 16 86,75 119 93,75 94 94 186,25 Goldschmidt .... Rütgerswerke ... Metallgesellschaft. o 0 0 0 7 0 6 0 0| "I Urlaubstage — frohe Stunden voll Besinnlichkeit und Stimmung anv Bahndamm, euch behalte ich in dankbarer Erinnerung. Und noch oft am Alltag nach geleistetem Tagewerk oder in den Stunden des Sonntags wandere ich zur Brücke über den Bahnhof, um dort die aus- und einfahrenden Züge zu betrachten und meine Gedanken und Wünsche mit ihnen hinauszuschicken in die Ferne, die Tätigkeit der Weichensteller zu belauschen oder mich an dem prächtigen Lichterbild des nächtlichen Bahnhofsgeländes zu erfreuen, aber ich pilgere auch immer wieder gerne hinaus ins freie Feld, um draußen auf der Strecke die Züge vorübersausen zu lassen und den Männern auf der Maschine, wie den Insassen der Wagen, einen frohgestimmten Gruß in die Ferne mitzugeben ... 30,25 1,45 9,75 9,5 9,65 11,5 30,5 1,4 9,7 9,55 9,75 11,65 29 1,55 9,7 9,5 9,65 11,75 wenn die Arbeiten sich auf dem Nachbargleis abwickeln, mit unverminderter Geschwindigkeit. Diese Gruppen auf der Strecke sind die Kameraden, von deren sorgsamer Arbeit die Sicherheit des Schienenverkehrs nicht minder abhängt als von der treuen Pflichterfüllung der Männer im Bahnhof oder auf der Lokomotive. Auch diesen Außenposten des 41.25 143,25 116 136,5 108,4 129,5 147,75 134 129,75 180,75 134,25 Bahnbetriebs schenke der Reisende bei der flüchtigen Begegnung auf der Strecke einen anerkennenden Blick. Nicht minder gedenke man der vielen anderen Werkmänner der Bahn, die z. B. als Gottesdienst; anschließend Christenlehre. — Langd. 12: Gottesdienst. — Kirtorf. 11: Kindergottesdienst; 13: Hauptgottesdienst; anschließend Christenlehre.— Ober-Gleen. 8.45: Christenlehre; 9.15: Kindergottesdienst; 10: Hauptgottesdienst. — Wirberg. 10: Gottesdienst. — Harbach. 12.15: Christenlehre. — Beits- Elektr. LieferungSgesellschast... 5 Licht und Kraft ........... 6% Selten & Guilleaume 0 Gesellsch.s.Elektr. Unternehmung. 5 Rhetnifche Elektrizität ........ b Rhein. Wests. Elektr 6 Schuckert L Co............... 4 Siemen« L Halske 7 Lahmeyer L Co 7 110,9 62,9 117,5 116,75 87,75 137 102,65 162,5 89 29,65 284 185,25 159 A.E.G. Bekula 1,5 9,75 ____________-Berlin, 23-August 'Amerikanische Noten Hamburg-Amerika-Paket .... 0 Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 Norddeutscher Lloyd ......... 0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz- und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................0 Dresdner Bant 0 Reichsbank ................ 12 3m Gegensatz zu dem sausenden Tempo auf der großen Strecke ist die Gemütlichkeit der Großväterzeit heute noch auf der Kleinbahn zu Haus. Wie habe ich froh unser Bieberlieschen mit Gebimmel von Gießen her nach Heuchelheim hinschaukeln sehen, dabei die Straßen mit dem Qualm der heftig pustenden Maschine füllend, um schließlich in aller Gemächlichkeit durch die Felder in das Biebertal hineinzurollen. Und wie hübsch ist das Bild, wenn man in der Nähe von Kloster Arnsburg das Bähnle der Butzbach-Licher Strecke plötzlich aus der Kurve im großen Wald auftauchen sieht, gerade so, als ob es eben aus des Waldes tiefsten Gründen losgelassen worden wäre, um dann mit Ruck und Zuck der Wagen, heftigem Pusten und schrillem Pfeifen der Lokomotive dahinzurumpeln von Station zu Station, deren Anlieger nicht gerade durch die Häufigkeit dieses Verkehrsmittels verwöhnt sind. Philipp Holz IN an N .... Zementwerk Heidelberg Cementweri Karlstadt.. *% Oesterretchllche Goldrente.... 4,20% Oesterretchllche Silbenente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4*4% deSgl. von 1913.......... 5% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn.Anleihe Serie l..................... 115,75 99,25 130,5 96,13 | 91,13 1 Streckengänger, Bahnwärter usw., oder außen her unsichtbar an irgendeiner Stelle eine für das Ganze bedeutsame Arbeit verrichten. nehmungslust. Die Haltung war widerstandsfähiger, und die Kurse konnten sich im Vergleich zum Berliner Schluß zumeist behaupten; nur ganz vereinzelt traten noch geringfügige Rückgänge ein. Der Rentenmarkt lag bei 'freundlicher Grundstimmung und unveränderten Kursen ebenfalls nahezu geschäftslos. Don Pfandbriefen erhöhten sich sämtliche Reihen der Rhein. Hyp.-Bank auf 97 (96,90). U. a. notierten: Altbesitzanleihe 111,90, 6 v. H. Stahlverein 102,50, IG. Farben-Bonds 129,13, 6 d. H. Krupp 104, 6 v. H. Mainkraft 101,90, 4V2 o. H. Rhein. Hyp. Bank Gold alle Serien 97, 4 v. H. Rumänen 5,10, Commerzbank 93, DD.-Bank 92,50, Mannesmann 89,65, Rheinftahl 115,25, Stahlver- ein 85,65, AKU. 62,25, AEG. 40,25, Bekula 142,40, ZG. Chemie volle 177, Scheideanftalt 239, Deutsche Linoleum 161, Licht und Kraft 134, IG. Farben 156 bis 156,13, Geffürel 128,50, Goldschmidt 110, Moenus 88, RWE. 132,50, Schuckert 128,75, Thür. Lieferung 118,50, Reichsbahn-Vorzugsaktien 124,50, Hapag 14. Frankfurter Liermarkt. Frankfurt a. M.,-23. Aug. Die Haltung des Marktes ist noch fest, immerhin ist gegenüber den letzten Wochen eine gewisse Entspannung eingetreten. Die Zufuhren in frischen Eiern blieben knapp, doch konnte der etwas ruhigere Bedarf befriedigt werden, zumal Kühlhauseier genügend zur Verfügung stehen. Das Geschäft blieb trotz des bevorstehenden Monatsendes gut. Es notierten in Pfen-. nig pro Stück frei Frankfurt a. M. (Großhandelspreise an den Kleinhandel): Deutsche Markeneier S 12,25, A 11,50 bis 11,75, B 10,75 bis 11, C 10 bis 10,50, D 9,25 bis 9,75. Holländer S 12, A 11,50, B 10,75. Jugoslawen A 11, B 10,50. Bulgaren B 10,50. Deutsche Marken - Küblhauseier: S 10,75 bis 11,25. A 10,25 bis 10,75, B 9,75 bis 10,25, C 9,25 bis 9,75, D 8,75 bis 9. Frankfurter Vuttermarkt. Frankfurt a. M., 23. Aug. Die Zufuhren an Butter haben weiter abgenommen. Da jedoch die Nachfrage im Kleinhandel etwas ruhiger geworden dienst. — Oppenrod. 9: Gottesdienst; 10: Christenlehre. — Grohen-Buseck. 10.30: Gottesdienst; An der Abendbörse herrschte nach dem unsicheren 111.30: Christenlehre. — Rödgen. 10: Gottesdienst, Verlauf von heute mittag Zurückhaltung. Angebot anschließend Christenlehre. — Annerod. 12.30: lag kaum vor, anderseits bestand auch keine Unter- Gottesdienst, anschl. Christenlehre. — Dahenborn- 107,25 | 104 113,4 112,75 Steinberg. 10: Gottesdienst und Einführung der Konfirmanden. Evangelische Sladtmission (Löberstraße 14). Sonntag, den 25. August. 8.30 Uhr: Morgenandacht; 9.45: Sonntagsschule; 20.30: Evangelisationsvortrag. Mittwoch, den 28. August. 20.30 Uhr: Bibelstunde. Christliche Gemeinde (Zu den Mühlen 2). Sonntag, den 25. August. 10 Uhr: Erbauungsstunde; 20.30: Evangelisation. Dienstag, den 27. August. 20.30 Uhr: Bibel- und Gebetsstunde, katholische Gemeinden. Samstag, den 24. August. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 25. August. 11. Sonntag nach Pfingsten, Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14.30: Andacht. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt.— Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre; Andacht. — Lollar. 9.30: Messe mit Predigt. — Ridda. 8.15: Hochamt mit Predigt. Montag, den 26. August. Laubach. 7.30 Uhr: Messe. Mittwoch, den 28. August. Hungen. 6.15 Uhr: Messe. Reuapostolische Gemeinden, händelstraße 1 — Ederstrahe 13. Sonntag, den 25. August. 8.30 Uhr: Gottesdienste; 16: Gottesdienste. Mittwoch, den 28. August. 20.30 Uhr: Gottesdienste. Baplislen-Gemeinde (Gartenslrahe 13). Sonntag, den 25. August. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 20.30: Prediger Lotz. Donnerstag, den 29. August. 20.30 Uhr: Bibelbesprechung; Prediger Lotz. Oefsenllicher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur In dringenden Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpost amt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schlietzfachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500 Arzt: Dr. Klein; Dr. Schäffer. Zahnarzt: Dr. Buchinger. Apotheke: Engel-Apotheke. ist, blieben die Anlieferungen ausreichend. Nur in den billigen Sorten machte sich etwas Mangel bemerkbar. Es notierten in RM. pro 50 Kilo frei Frankfurt a. M. (Großhandelsoerkaufspreife an den Kleinhandel): Deutsche Markenbutter 144 bis 145, feine deutsche Molkereibutter 142 bis 143, deutsche Molkereibutter 140, Landbutter 125, Kochbutter 115 bis 120. Holländische Butter 144 bis 146. Wochenbericht vom Frankfurter Schlachtviehmartt. Das Geschäft am Schlachtviehmarkt hatte in der verflossenen Berichtswoche wieder einen ziemlich lebhaften Charakter, so daß auf allen Marktgebieten restlos ausverkaust wurde, obwohl die angetriebene Qualität zumeist zu wünschen übrig ließ. Das Angebot an Schlachtvieh erreichte in dieser Woche einen erneuten Tiefstand. Der Zutrieb von Schweinen war ausgesprochen knapp. Um den notroebigften Bedarf der Metzger sicherzustellen, mußte man wieder zur Verteilung der insgesamt 2712 (3363) Tiere schreiten, die nach sehr flottem Geschäft alle zum Höchstpreis von 54 Mark geräumt wurden. Am Rindermarkt war die Entspannung in der Vorwoche offenbar leider nur vorübergehend; diesmal standen nur 810 (1200) Stück zum Verkauf, wobei die Qualität gering war. Nachdem die besten Tiere verkauft waren, flaute der Handel etwas ab, trotzdem zogen die Preise auch für geringe und mittlere Tiere 1 bis 2 Mark an. Besonders gefragt waren Bullen, die fast sämtlich zum Höchstpreis von 42 Mark verkauft wurden. Der Auftrieb an Kälbern war gleichfalls gering (1018 gegen 1277). Nach mittelmäßigem Geschäft wurde bei leicht erhöhten Preisen ausverkauft. Der Schafauftrieb von 158 (115) Stück wurde nach mittlerem Handel und gut behaupteten Preisen geräumt. Schluß- kur« 22-8 114,5 Eien auf 71,50 (72,50). - Tagesgeld unv. 2,50 berg. 13.30: Christenlehre. — Albach. 8: Gottes v. H. v " ~ ‘ ......- - — - Evangelische Gemeinden. Sonntag, 25. August. 10. Sonntag nach Trinitatis. Gießen. Sladlkircye. 8 Uhr: Pfr. Becker; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Markus- gemeinbe; 9.30: Propst Knodt; feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts der Matthäusgemeinde; 11: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde; Propst Knodt. — Iohanneskirche. 8: Pfr. Bechtolsheimer; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Lukasgemeinde; 9.30: Pfr. Ausfeld; feierliche Eröffnung bes Konfirmandenunterrichts der Johannes- gemeinbe; 11: Kinberkirche für die Johannes- gemeinbe; Pfr. Ausfelb; 20: Bibelbefprechung im Iohannesfaal; Missionar Walther. — Kapelle bes Allen Friedhofs. 9.30: Pfr. Anthes; feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichts der Luther- gemeinbe; 10.45: Kinberkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Anthes. — pelruskapelle. 9.30: Pfr. Trapp; 10.45: Kinderkirche für die Petrusgemeinde; Pfr. Trapp. — Wiefeck. 9.30: Gottesdienst; 10.45: Kinderkirche. — Allen-Bufeck. 9.30: Gottesdienst; 10.30: Christenlehre. — Albach. 8: Gottesdienst. — Steinbach. 9: Gottesdienst. — Heuchelheim. 10: Haupt- gottesbienft; Pfr. Surfer, Dozent an der Lehrer- Akademie in Lauenburg; Kollekte. — Kirchberg. 10: Gottesdienst; Kollekte für den Ev. Bund; 11: Christenlehre für die männliche Jugend. — Mainzlar. 13.30: Gottesdienst; Kollekte für den Ev. Bund. — Daubringen. 20.15: Gottesdienst; Kollekte für den Ev. Bund. — Treis a. d. Lumda. 10: Hauptgottes- dienft; 13: Trauungsgottesbienft. — Klein-Linden. 9: Gottesbienft mit Christenlehre für die männliche Jugenb; anfchließenb Kinbergottesbienft. — hausen. 10.45: Gottesbienft; anschließend Christenlehre. — Garbenteich. 13: Gottesdienst. — Lich. 9.30: Gottesdienst; Stiftspfarrer Naumann. — Tlieber-Beffingen. 13.30: Gottesdienst; Stiftspfarrer Naumann. — Langsdorf. 10: Christenlehre; 11: Hauptgottesdienst; Kollekte für den Ev. Bund. — Bettenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst; Kollekte für den Ev. Bund. — Münzenberg. 10.30: Gottesdienst mit Beichte und hl. Abendmahl für die Mittleren; Kollekte für die Bekennende Kirche; 13: Christenlehre. — Trais-Münzenberg. 8.30: Gottesdienst mit Christenlehre und Kollekte für die Bekennende Kirche. — Hungen. 9.45: Schluß!. Abend- bfirfe 23.8 irr Voller Erfolg der neuen 4Vz% Neichs- bahn-Gchahanweifungen. Fwd. Die Umschuldung der am 1. September 1935 fälligen 6prozentigen Reichsbahn-Schatzan- Weisungen hat für die Deutsche Reichsbahn den er» Parteien Erfolg gehabt. Die Frist für Neuzeichnun- gen konnte bereits am 10. August 1935 geschlossen werden. Die zum Umtausch angemeldeten Beträge von 96,49 Millionen RM. konnten voll zugeteilt werden, dagegen wurden auf die 181,73 Mill. RM. Neuzeichnungen nur 53,51 Millionen Reichsmark zugeteilt, so daß von den durch das Konsortium übernommenen 150 Mill. RM. 4,5 proz. Reichsbahn-Schatzanweisungen 64,3 v. H. auf den Umtausch und 35,7 v. H. auf Neuzeichnungen entfallen. Rhein-Mainische Börse. Aktien weiter schwächer. Frankfurt a. M., 23. August. Die Börse brachte bei sehr kleinem Geschäft am Aktienmarkt weitere Rückgänge von durchschnittlich 1 v. H. Von der Kundschaft erfolgten kleine Verkäufe, denen mangels geeigneter Anregungen kaum Aufnahme gegenüberftanb. Die weltpolitische Entwicklung beeinträchtigte auch heute die Stimmung, außerdem ging von den Erörterungen über die Ge- winnausschüttungen in der Montanindustrie eine sichtliche Geschäftslähmung aus. Am Montanmarkt ließen Buberus, Harpener, Mansfelber unb Stahlverein je 1 v. H., Mannesmann 1,13 v. H., Rheinstahl 1,75 v. H. nach, besonders schwach lagen Rheinische Braunkohlen mit ca. minus 3,50 v. H. Von chemischen Werten waren besonbers Golbschmibt (— 2 v. H.) gebrückt, IG. Farben verloren 0,5 v. H. Rütgerswerke 0,75 v. H., währenb Scheibeanstalt behauptet blieben. Am Elektromarkt überwogen gleichfalls Abschwächungen, RWE. 132,25 (133,5), die übrigen Werte gaben bis 0,75 v. H. nach, etwas höher lagen jedoch Felten mit plus 0,40 v. H. und Sdiultbd« Payenhoser Mu (Allgemeine Kunstseide) .. Bemberg................... Zellstoff Waldhof Zellstoff Aschaffenburg ...... Dessauer Gas ............... Daimler Molaren Deutsche Linoleum .... Orenstein & Koppel .......... Westdeutsche Kaufhof......... Chade...................... ülecumulatoren-FaLrik Conti-Gummi ............. die Signalscheibe zur waagerechten Fläche, bann] Auf freier Strecke begegnet man auch ost den wieder geht sie in die senkrechte Grundstellung Gruppe« fleißiger Arbeiter, denen die Unterhal- zurürf; alles sinnvoll und in wunderbarem tung ober Erneuerung ber Bahndammanlagen und Zusammenwirken ausgerichtet auf das eine des Schienenweges obliegt. An diesen mit vielerlei Ziel: den Zügen zur rechten Zeit den richtigen Gerät schaffenden Männern rattert ber Zug vorbei, Weg zu ebnen unb bamit Dienst für bie Ge-' manchmal in verlangsamter Fahrt, oft aber auch, jamtheit zu leisten. Im engsten Bahnhofsbereich----11 xah. sorgt ber Mann mit ber roten Mütze, ber Fahr- bienstleiter, im Zusammenwirken mit zahlreichen anderen unsichtbaren Kameraden seiner Arbeit dafür, baß ber Zug rasch abgefertigt wirb unb weiterrollen kann, hinaus in ben Tag ober in bie buntle Nacht. Noch schneller als bie in sausenber Fahrt dahineilende Wagenschlange sind Telephon oder Telegraph, bie unter ber Hand von erfahrenen Männern dem Zug weit vorauseilend Kunde geben von feinem Nahen, damit schon lange vor seinem Auftauchen aus der Ferne des flimmernden Taaes oder aus dem Dunkel der Nacht der Wegweiser auf dem nächsten Bahnhof, der Weichensteller, wiederum die Fahrstraße bereitet hat. Und so setzt sich dieses Wirken fort von Station zu Station bis zum Endpunkt des Zuges. Unterwegs sind es zwei Männer, von deren Aufmerksamkeit und pflichtgetreuem Verantwortungs- bewußtfein bas Schicksal, ja das Leben von Hunderten von Menschen, die Erhaltung oder Vernich- tung von großen Werten abhängt: Der Lokomo- tivführer und sein Helfer, der Heizer. Wenn ber Fernzug im Hunbertkilometertempo burch bie helle Tageslandschaft bahinstürmt, ober burch bie stichdunkle Nacht seinem Ziele zubraust, immer ist es ber Mann auf bem rechten Stand der Lokomotive, der Lokomotivführer, der mit einigen Hebel- iiriffen die gewaltigen Kräfte seiner Maschine ent» esselt ober hemmt, bie sausenbe Fahrt als sorg- amer Steuermann lenkt unb gemeinsam mit seinem auf bie Glut bes Feuers achtenben Gefährten auf bem linken Stanb ber Maschine, bem Heizer, die schnell herankommenden und in einem Augenblick vorbeihuschenden Signale beachtet, um ben an« vertrauten Zug unb bie im Gefühl ber Sicherheit drinsitzenben Menschen wohlbehalten in ben Bahnhof zu bringen. Wenn bie Züge an meinem Platz am Bahndamm vorbeiflitzten, habe ich diesen Männern auf ber Lokomotive einen herzlichen Gruß hinübergewinkt, benn gerabe sie verdienen es besonders, daß ihrem schweren unb verantwortungsvollen Wirken bie gebührende Anerkennung zuteil wird. Wenn auch auf den meisten Stationen ber Weg bes aussteigenden Reisenden nicht an bem Halteplatz ber Lokomotive vvrüberführt, so sollte boch wenigstens auf ben Bahnhöfen, auf denen ber Reisende an ber Lokomotive vorübergehen muß, ein bankbarer Gruß ben beiben vom Kohlenstaub unb Ruß bes Feuers bedeckten Männern auf ber Maschine bargebracht werben als ein bescheidenes Zeichen ber Anerkennung, bie ihnen nach ber glücklichen Fahrt gebührt. Elektr. Lieferungen mit plus 0,75 v. H. Matt lagen ferner Reichsbank mit 184,5 (186,5), auch Zellstoffaktien gingen bis 1,5 v. H. zurück, ferner ver-, loren Daimler 0,75 v. H., Westdeutsche Kaufhof, Aku, Deutscher Eisenhandel und Holzmann bis 0,5 v. H. Metallgesellschaft ermäßigten sich auf 112 (113,25). Etwas höher lagen Hapag mit plus 0,5 v. H. und Feinmechanik Jetter mit plus 0,5 v. H. Der Rentenmarkt lag sehr still, aber fteund- lich; die Kurse zeigten indes gegen gestern abend keine Veränderungen. Man nannte Altbesitz mit 111,75, späte Schuldbuchforderungen mit 97,25 und Zinsoergütungsscheine mit 90,70. Fremde Werte lagen sehr still. Nach den ersten Kursen ergaben sich teilweise leichte Erholungen, da bas ermäßigte Niveau zu Rückbeckungen benutzt würbe. IG. Farben 157,25 nach 156,25, Reichsbank 185,5 nach 184,5, Harpener 115 nach 114,65, Stahlverein 86 nach 85,40, Hoesch 98,25 nach 98 unb Mannesmann 90,25 nach 89,90. Im Verlaufe bröckelten bie Kurse aber angesichts der starken Geschäftsstille zumeist wieder auf den An- fangsftanö ab. Schwach zur Notiz kamen nach Pause Allg. Lokal & Kraft mit 124,25 (127,25), ferner verloren Licht & Kraft 2 v. H., Hanfwerke Füßen 1,50 v. H. und Muag 1 v. H. Der Rentenmarkt lag auch späterhin nahezu geschäftslos und unverändert. 5proz. Stahlverein 99 (98,75). Am Pfandbriefmarkt blieben die Kurse zumeist unverändert. Stabtanleihen notierten teilweise 0,13—0,25 v. H. sreunblicher, der größere Teil blieb unverändert. Don fremden Werten notierten Ungarn etwas schwächer. Belgische Noten.................. Dänische Noten ............ Englische Noten .. Französische Noten Holländische Noien ...... Italienische Noten................ Norwegische Noten Deutsch Oesterreich, * 100 Schtllto- Rumänische Noten............... Schwedische Noten Schweizer Noten................. Spanische Noten Ungarische äs tat ••••*•••«••••••« Buderu» Deutsche Erdöl ......4 Gelsenkirchener .... 0 Harpener .................. q Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 0 Jlfe Bergbau g Ilse Bergbau Genüsse s Klöcknerwerke Mannesmann-Röhre» ....... oj 34,75 | 35,25 I 102,25 —I 204 1 203,5 1 Votum | ManSfelder Bergbau 8 Kokswerke 5 Phönix Bergbau 0 Rheinische Braunkohlen 12 Rhetnstahl ............... B’/j Bereinigte Stahlwerke 0 Otavi Minen ..............0 Kaliwerke Aschersleben 6 Kaliwerke Westeregeln 5; Kaliwerke Salzdetfurth iyt\ 96,25 I 96 I 96,25 I 123 122,25 - 132,5 I -I -! Frankfurt a. M Herlln Schlußkurs Schluvk. Abend- börsc Schlußkurs Schluß!. Mittag« börse Datum 22 8 23.8. 22.8 23.8. 4% desgl. Serie II ............ 11^6 11,75 — - 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 6,25 6,25 _ 6,3 4H%Rumän.vereinh.Rentev.l9iS 4% Rumänische vereinh. Rente .. 8,5 8,5 8,65 8,5 5,2 5,1 5,2 5,13 214% Anatolier.......... 41,25 40,5 41 41 Frankfurt «.Ul. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend» börsr Gchtuß- kurs Schluß!. Mittag- börle Datum 22.8 23 8 22 8 238 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 101,25 101,25 101,5 101,5 4% Deutsche ReichSanl. von 1984 97,75 97,7 97,75 98 5*4% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mü 103,25 103,13 103,25 Auslos.-Rechten ............. 4*/,% Deutsche Reich-postschatzan- 111,75 111,9 111.75 111,9 Weisungen von 1934, 1....... 6% ehem.8% Hess. BolkSstaat 1929 100,5 100,5 100,5 100,5 trückzahlb. 102%) ........... 4%% ehem. Hessische LandeSbank Darmstadt Gold R. 12........ 5V,% ehem. Hess. LandcS-Hypo- 97,75 97,75 — 97,5 96,75 96,75 — — thekenbank Darmstadt Liaui ... 4y.% ehem. 8% Darmst. Komm. LandeSb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhcssen Provinz-Anlethe mü 100,75 100,75 — — 93 93 — — AuSlos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- — — — — leihe Serie 1 mtt AuSIos.-Rechten ehem.8% Franks. Hyp.-Bank 115,5 115,25 115,5 115,25 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 671% ehem. 4*4% Franks. Hyp.- Vank-Ltqu.-Pfandoriefe....... 5Vi% ehem. 4ft% Rheinische 96,75 96,75 — — 101,15 101,15 — — Hyp..Bank-Ligu.-Goldpfe..... 4%% ehem. 8% Pr. LandeSpfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 *¥>% ehern. 7% Pr. LandeSpfand brtefanst., Gold Komm. Obl.VI 101,65 101,5 101,75 101,75 97 97 97 97 97 97 97 97 Eteuergutsch.VerrechnungSk. 85-89 107,4 97,4 107,4 107,4 Berlin Schluß« turs Schluß!. Mittag, börse 22-8. 23 8 114,5 113,75 119,75 119,9 — —— 221 216,5 117,13 115,5 86,25 85,75 19,75 19,5 138,5 137 134 131,5 198,5 197 22-August 23. August Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Dries Geld »rief Buenos atie-. 0,668 0,672 0,668 0,672 Brüssel..... 41,84 41,92 41,82 41,90 Rio de Ian. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 55,10 55,22 55,05 55,17 Danzig..... 46,96 47,06 46,96 47,06 London ..... 12,34 12,37 12,33 12,36 Hetsingfor».. 5,435 5,445 5,435 5,445 Paris ...... 16,425 16,465 16,425 16,465 Holland ... 167,76 168,10 168,07 168,41 Italien..... 20,36 20,40 20,36 20,40 Japan ...... 0,729 0,731 0,729 0,731 5,696 Jugoslawien 5,684 5,696 5,684 C41o ..... : 62,03 62,15 61,98 62,10 1 48,95 11,19 63,63 81,00 49,05 11,21 73,75 81,16 48,95 11,18 63,57 81,06 Liiiabon .... Stockholm... -Schweiz .... Spanien.... Prag....... 49,05 11,20 63,69 81,22 34,06 10,315 34,02 10,30 34,08 10,32 34,00 10,295 Budapest ... Neu york ... 2,477 2,481 2,483 2,487 Gelb »rief 9,435 2,455 41,72 41,88 54,85 55,07 12,295 12,335 16,375 16,435 167,65 168,33 19,46 19,54 61,77 62,01 — —— — 63,35 63,61 80,83 81,15 33,64 33,78 ■* ** Wandern und Reisen ♦ Bäder und Sommerfrischen Wanderfahrten doe. liegt, so unvorstellbar weit. Geschichten aus alter Welt Bei Inseln sind voller Geheimnisse und Ueberraschun- gen. Die Kuppel des Himmels wölbt sich über ihnen und macht sie zum Mittelpunkt einer eigenen Welt mit ihren großen und kleinen Besonderheiten. Auf der anderen Seite liegt das Festland, und wenn der Wind es will, treibt er die Wellen von dort an den Jnselrand. Ringsum ist unbegrenzte Weite — Wasser bis an den fernen Horizont. Das Wasser schließt ein und umhegt, es umbrandet bedrohlich die Küste oder streichelt zärtlich den Sand. Jnselleben hat seinen eigenen Pulsschlag, seinen eigenen Atem. Auf Rügen begegnen sich Nord und Süd, ve» schwenderische Fülle und still in sich gekehrte Kargheit. Im Mönchgut weiden die Schafe auf den kleinen Hügelketten zwischen den Buchten der Ostsee, die tief in das Land hineinschneiden. In den Mulden glüht die Sonne über einem Meer von Blüten. An der Küste im Osten gehen mächtige Buchenwälder bis hart an die See. Kühle rieselt von den glatten Bäumen, und das Licht fällt nur gedämpft ein wie durch die Fenster eines gotischen Doms. Dünen mit spärlichem Gras säumen die Erde gegen die See, dahinter ziehen sich durch Moor und Heide kaum ausgetretene Pfade zu einsamen Gehöften. Bon dem Feldern werden die letzten hochgetürmten Erntewagen eingefahren. Nur im Bannkreis der Badeorte, deren Namen auf bunten vielverheißenden Prospekten weit hinausgetragen werden, ist der Lebensrhythmus der Zauberinsel für einige Monate im Jahr ein wenig hastiger, um dann, wenn sich die ersten Herbststürme über der weiß aekräuselten See ankünden, in seine schöne Abseitigkeit zurückfallen. In dem langgestreckten Dorf am Wiek sehen die strohgedeckten Häuser weit hinaus auf das Wasser. Hier leben die Menschen wie seit Jahrhunderten: halb Fischer, halb Bauern. Einige von ihnen die ältesten, die sorgsam ihren Fischerbart, die „Fräse", pflegen — halten noch an der alten Mönch- guter Tracht fest. In den weiten, weißen Hosen, die nur wenig über das Knie reichen, der dunklen handgewebten Jacke und der roten Weste stapfen sie gemächlich die Straße entlang, blicken auf das Meer und sind verwundert, daß die Fremden so große Zaubermsel in der Ostsee Schöne Hochsommertage auf Rügen. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Der tierfreundliche Straßenbahner. (ku) Sidney. Die Zukunft wird zeigen müssen, ob die Anhänglichkeit zum Straßenbahnerberuf bei Francis Harris stärker ist, als die zu den Tieren. Denn wohin Harris auch kam mit seinem Straßenbahnwagen, überall hielt er nach Hunden oder Katzen Ausschau, hatte hier ein Brot für den verhungerten Straßenköter und dort einen Bücking für einen einsamen Kater. Diese Liebe zu den Tieren ging schließlich so weit, daß Harris immer magerer wurde und daß außerdem die Hunde und Katzen ihm in solchen Scharen nachliefen, daß sogar der Straßenverkehr gestört wurde. Man hat Harris setzt in em anderes Stadtviertel versetzt und ihm das Füttern von Tieren im Dienst untersagt. Ob das erfolgreich fein wird, bleibt ab- zuwarten. Speziell für Gäste ohne Gepäck. (th) Neuyork. Eg kann bekanntlich vorkommen, daß jemand seinen letzten Zug oerpaßt oder aus sonst einem Grunde ohne Gepäck dasteht. Im Hinblick auf diese Möglichkeiten hat jetzt ein großes Hotel in Newyork folgende Neuerung getroffen: Wer ohne Gepäck, aber mit den nötigen Ausweisen über seine Personalien und den nötigen Dollars das Hotel betritt, der bekommt, sofern er männlichen Geschlechtes ist, ein versiegeltes Päckchen ausgehändigt. Darin findet er: ein Paar Hausschuhe, einen Pyjama, eine Zahnbürste, einen Kamm, einen Rasierapparat nebst neuer Klingen und sonst noch einige Kleinigkeiten. Ist das gepäcklose Erdenwesen aber eine Dame, dann enthält das Paket: ein schönes seidenes Nachtkleid, ebenfalls Kamm und Bürste, außer der Zahnbürste aber auch noch Lippen- und Augenbrauen- sttfte und schließlich sogar eine Zellophanhaube, falls die Dame eine Dusche nehmen möchte. Creme, Puder und Seife dürfen die Gäste mitnehmen. Die anderen Leihgaben gehen durch ein großes Sterilisierverfahren und erleben ihre Auferstehung in einem neuen Päckchen für denjenigen, der ohne Gepäck kommt. Mechanisches Bettenmachen für Junggesellen. (th) Washington. Dor einigen Tagen hat man in den Vereinigten Staaten das 2 000 000. Patent für eine Erfindung ausgegeben. Es betraf eine sehr nüchterne Sache: die Verbesserung einer Luftdruckbremse, Mit der Endlich dürfte es in diesem Zusammenhänge der Erwähnung auch für weitere Kreise nicht unwert sein, daß der „Römer", aus dem der Pfälzerwein getrunken wird und getrunken werden soll, eine andere Gestalt hat, als die bekannten gewöhnlichen Römer. Er ist ohne Stiel, von der Höhe etwa eines halben Wasserglases, und hat eine bauchige, gewölbte Wand, entweder pang glatt, oder mit einfachen, waagerechten Streifen. Wenn zum Schlüsse noch erwähnt wird, daß die Rheinpfalz in dem Bade Dürkheim eine Stadt mit einer trefflichen Arsen-Sol-Quelle besitzt, die nicht nur ein bedeutender Weinhandelsplatz ist, sondern als Badeort auch verwöhnteren Ansprüchen, wie reizvoller Lage, genügt, und in dem Dorfe Brücken bei Kusel den Sitz einer ganz befände- ren Industrie, nämlich der allerdings erst seit 1888 bestehenden Diamantenschleifereien, so dürfte das am meisten Fesselnde aus der schönen Pfalz wenigstens berührt sein, was der Durchschnittsdeutsche nicht weiß, und das ihn anziehen könnte. Die Pfälzer sind ein heiterer, gastfreier, dabei kerndeutscher Menschenschlag. Ihr Wahlspruch ist: Fröhlich Pfalz, Gott erhalt's! Gießen — Fernewald — Ganseburg — Vergwald — Rödgen. Für den größten Teil dieser Wanderung geben uns blaue Punkte, die bei der Universitätsbibliothek beginnen, das Geleite. Wir gehen den Schreiberweg entlang durch das „Nizza", hierauf den Alten Steinbacher Weg durch bis zum Waldende, halten uns hier links, überschreiten die Licher Straße und gelangen nun in den Fernewald. Auf stillen, wenig begangenen Waldpfaden durchschreiten wir den ausgedehnten Forst und erreichen bei der Ganseburg die Grünberger Straße. An dieser Stelle haben wir einen freien Blick nach den Höhen des Vogelsbergs. Nach einer Erholungspause in dem einfachen, aber guten Gaschaus wandern wir auf der Landstraße in der Richtung Gießen weiter bis zur Rechten der Wald beginnt, in den wir einbiegen. Bald darauf kommen wir auf einen Feldweg und auf diesem zum Bergwald oberhalb Rödgen, zu dem uns der neuerrichtete hohe Blinkturm die Richtung angibt. Dor diesem Turm, wo auch einiae Ruhebänke stehen, bietet sich eine herrliche Aussicht über Gießen und das Lahntal nach unseren Nachbarburgen und dem schen Vaterlandes und im übrigen erst wieder etwa am Nordufer des Genfer Sees oder an den Ober- italienischen Seen antrifft. Und nun erst die ausgedehnten, berühmten Weingelände der Pfalz! Daß es in diesem Sonnenlande nicht nur geradezu unzählige Weinlagen aibt, die äußerst trinkbare, sehr bekömmliche, wohlschmeckende Weine liefern, sondern auch solche, wo in guten Jahren wahrhaft erlesene Göttertränke gewonnen werden, weiß jeder Weinkenner. Und es gibt Feinschmecker, die den pfälzischen Spitzenweinen vor allen anderen den Vorzug geben. Um derartige Spitzenweine dieses Landstrichs kennenzulernen, muß man allerdings das Glück haben, die Gastfreundschaft eines der großen pfälzischen „Weinbarone" genießen zu dürfen. Dadurch wird man denn auch von den gewaltigen Kellereien eine Anschauung bekommen, die katakombenartig einen weinberühmten Ort wie Deidesheim unterminieren. Einen dieser Herren zu nennen darf ich mich na» türlich nicht unterfangen, wohl aber sei hier darauf aufmerksam gemacht, daß das Historische Museum der Pfalz zu Speyer in sechs Sälen ein „Weinmuseum", zur Geschichte des Weinbaues und der Weingewinnung besitzt, das in seiner Art einzig ist. Augen machen über eine Kleidung, die ihnen immer als das Selbstverständlichste in ihrem Fischerberuf erschien. Der Fischfang gibt nicht mehr so reichen Ertrag wie in früheren Zeiten. Die Alten wissen von fabelhafter Beute zu erzählen. „Ja, damals..sagen sie, und um ihren Mund ist ein nachsichtiges Lächeln. Aber die Jungen lassen sich den Mut nicht aus den Segeln nehmen. Wo die Kräfte des einzelnen zu schwach sind gegen die Launen des Fischerglücks, haben sie sich zusammengetan. Gemeinsam ziehen die Manner des Dorfes auf den Fang, rammen die Pfähle für die großen Reusen in dsn Meeresgrund und holen gemeinsam die Netze ein, um die Beute bann an einen Händler zu verkaufen oder sie auch selber an den nächsten Markt zu brii'gen. Gerade jetzt werden die Reusen für den Aalfang gerichtet, und der Kutter der „Reusen-Kompanie" kreuzt eifrig an der Küste der Insel. Abends, wenn die Sonne hinter den Horizont sinkt, übergießt sie die See im Westen mit einer Flut von roten, goldenen, gelben und violetten Farben. Das Spiel der Lichter berauscht noch in seinem Abglanz das Land; es breitet seine Wiesen und Felder wie Märchenschwingen aus, als wollte die Erde sich lösen von ihrer Schwere und mit den ruhig gleitenden Möwen aufsteigen in die unendliche Weite des dämmernden Raumes. Während die letzten Strahlen der Sonne wie eine Aether- musik verklingen, besänftigen sich die Wellen. Nur noch leise klatschen sie — in langen Abständen — an das Ufer. Die Nächte haben hier im Spätsommer eine seltsame Ferne. Alles Verschwommene, Unklare ist abgestreift. Der Mond macht die Dinge durchsichtig. Dom Berge bei der alten Mühle, die schon lange schläft, sehen wir ringsum auf die faltenlose Scheibe des Meeres. Don ihr steigt eine Leiter von Glanz und Schimmer bis zu dem blassen Gestirn. Südlich milde streift der Wind an das Land. Mit ihm kommt der würzige Geruch von Salz und Tang und ein Ahnen von der Welt, die weit dahinten Leuchtender Vodenseesommer. Denn in den Millionenstädten die grelle Sonne heiß in dumpfe Straßenschluchten brennt, bann ist am Bodensee die schönste Jahreszeit, lieber silberglitzernden Wasserflächen erhebt sich am frühen Morgen das Gestirn und überschüttet die herrliche Landschaft der grünen Ufer mit seinem überwältt- genden (Slan3. Don draußen, wo ganz fern hinter dünnen Lichtschleiern die Fischerboote liegen, kommt der Seewind und läßt die Pappeln in einer frischen Brise aufrauschen. Und je höher die Sonne in den klaren Himmel steigt, desto schöner wird das Land. Settsam still, wie mit satten Farben auf blauen Grund gemalt, liegt es in brütender Mittagsglut. Draußen auf den Wassern aber wird es lebendig. Da ziehen die blinkweißen Dampfer in blaue Fernen, kreuzen die Segelboote, wandern die Paddelboote den fernen Ufern zu, und in den Strandbädern lärmt zwischen Wasser und Sonne die kernige Heiterkeit, die aus dem überschäumenden Kraftgefühl gesunder Körper kommt. In den Schilfbuchten des Ueberlingersees und um die Insel Mainau tummeln sich geräuschvoll die Wildenten und Taucher. Im Untersee schaukeln sich weiße Wildschwäne auf dem sanften Gewell und kreisen die Möven über dem Ried. Im heißen Mittagstraum befangen scheint die Landschaft kaum zu atmen, ganz yingegeben der festlichen Stunde, und die Zeit scheint still zu stehen. Aber wenn dann die Schatten tiefer werden, die Berge am lichtblauen Himmel deutlicher hervortreten, geht in der Landschaft eine seltsame Wandlung vor. Die grünen Hügeln mit ihren Wäldern, Wiesen und Obstgärten leuchten im gelben Schein des Abends und auf dem Wasser entfaltet die sinkende Sonne ein herrliches Farbenspiel. Tiefblau dehnt sich im Osten der Obersee, wie himmelblaue Seide spannt sich der Ueberlingersee von Ufer zu Ufer. Und der westwärts liegende Untersee gleicht einer herrlichen Palette, auf der die ganze Pracht des Regenbogens in zartesten Uebergängen ineinanderflieht. Das Schauspiel des Sonnenuntergangs am orangenen Himmel hinter den violetten Hegaubergen strahlt in den Wassern um die Reichenau noch stundenlang fort, bis in die späte Dämmerung hinein. Leuchtender Bodenseesommer! Man kann ihn nicht erleben, ohne vom Morgen bis zum Abend vom tiefen, klaren Glück bewegt zu sein, das einem aus seinem heißen Glanz entgegenstrahlt. Anmeldung des Patentes 2 000 001 erschien aber eln Mann as Lang Island, der sich stolz rühmte, eines der wichtigsten Probleme aller Junggesellen in zu» friedenstellender Weise gelöst zu haben: das Bettenmachen. Er hat nämlich einen Rahmen konstruiert, in den die Bettücher eingespannt werden. Erhebt sich morgens der Junggeselle von seinem Lager, dann braucht er nur an einem Strick über sich zu ziehen, um auf diese Weise den Rahmen in die Höhe zu recken und gleichzeitig das Bettzeug zu strecken. Läßt er dann den Strick wieder los, so ist das ganze Bett spiegelglatt in Ordnung und der Junggeselle kann sich auf den kommenden Abend freuen. Wie man hört, hat diese Erfindung lebhaftes Mißfallen der Mütter unverheirateter amerikanischer Töchter erregt: Mit derartigen Erfindungen werde die Frau nicht nur in ihrer Arbeit herabgesetzt und entwertet, sondern es würden auch die jungen Mädchen um eine bedeutende Heiratschance gebracht. Das Patent hat der Mann aus Lang Island aber dennoch bekommen. In einen alten Taxameter verliebt. (u) Liverpool. Diese Zukunft hätte sich der uralte Taxameter, der gut 20 Jahre durch die Straßen von Liverpool ratterte und dem die Menschen nur noch spöttisch nachsahen, gewiß nicht träumen lassen. Doch dakam eines Tages ein merkwürdiger Amerikaner aus Boston (Mass.). Er fuhr in dem Auto und kaufte den Wagen, als die Fahrt zu Ende war, für die runde Summe von sechs englischen Pfunden als sein Eigentum. Der Wagen wird nun mit einem erheblichen Kostenaufwand per Schiff nach Amerika gebracht. Dieser Transport kostet mindestens das Zehnfache des Gesamtwertes. Und mit jenem Wagen will dann jener Mr. Angier in Zukunst durch die Straßen von Boston fahren. Man hat versucht, aus ihm die Gründe für diesen merkwürdigen Kauf herauszufragen. Er wußte nur eine Erklärung: „Wenn ich schon fahre, dann will ich es auch fühlen. In solch einer alten Schaukel hat man wenigstens etwas davon." Trapper-Schicksal. B. D. Stockholm. Einen furchtbaren Streich hat das Schicksal einem schwedischen Trapper in Kanada gespielt. Gustaf Nyman war bei seiner Tätigkeit als Pelzjäger und Fallensteller in der kanadischen Provinz Saskatchewan alt und grau geworden. Immerhin brachte ihm sein schwerer und nicht ungefährlicher Beruf so viel ein, daß er bescheiden davon leben konnte. Vor etwa einem halben Jahr fand er auf seinem Jagdrevier einen merkwürdig goldig glänzenden Stein, den er bei Gelegenheit einem Goldgräber zeigte. Dieser erkannte sofort den Wert des Steines, untersuchte den Boden, auf dem er gefunden wurde, und ritt davon. Allein er kam bald mit vielen anderen Goldgräbern wieder und zefgte dem verdutzten Trapper ein amtliches Dokument, wonach ihm und feinen Kollegen das Schürfrecht m dem Jagdrevier des Schweden eingeräumt sei. Der Betrieb wurde bald mit den modernsten Maschinen aufgenommen, und die Ergebnisse übertrafen selbst die höchsten Erwartungen. Das Wild aber, von dessen Jagd der Trapper lebte, wurde durch den Schürfbetrieb verscheucht. Der alte Schwede beging aus Verzweiflung Selbstmord. Photographie genügt! (ha) Amsterdam. Der junge Herr von Asten war vor gut einem Jahr nach Niederländisch-Jndien ausgereist. Während der letzten Tage seines Aufenthaltes in Amsterdam hatte er ein Mädchen kennengelernt, das er offenbar nicht mehr vergessen konnte. Da dieses Mädchen ihm nur ihr Bild, nicht aber auch die Adresse und den Namen anvertraut hatte, wandte sich Der junge Holländer, der sich eines schönen Tages mit Heiratsabsichten trug, an die Amsterdamer Postbehörde, die mit Hilfe einiger Zeitungen und der Polizei die Dame ohne Namen endlich ermittelte. Man stellte das Bild öffentlich aus und erlebte eines Tages die befriedigende Ueberraschung, daß sich ein junges Mädel meldete, das nachweisen konnte, daß es die gewünschte Schöne vom vergangenen Jahre sei. Dem ferneren Glück steht nun nichts mehr im Wege. Fingerspitzen zu verkaufen. (z) Paris. Vor längerer Zett hörte man aus Amerika, daß sich dort Chirurgen dazu hergegeben hätten, Verbrechern die Haut der Fingerspitzen, soweit sie für die Fingerabdrücke in Frage kamen, zu beseitigen. Nun erfährt man, daß in Frankreich und auch in England schon feit drei Jahren in aller Stille ein ganz ähnliches „Handwerk" im Schwange ist. Es gibt nämlich einige „Fachleute" die eine regelrechte Kunst daraus entwickelt haben, Menschen, die Grund haben, ihre eigenen Fingerspitzen zu scheuen, dort die Haut zu entfernen und ihnen — die Fingerspitzenhaut anderer Menschen aufzusetzen. Die Verwachsung soll im Laufe von drei 1 bis vier Monaten vollkommen narbenlos vor sich i gehen. Dabei wird freilich der Operierte Bedacht ' nehmen müssen, daß jeder, dessen Fingerspitzen er - auf diese Weise erhält, kein noch schwererer Junge - ist als er selbst ... Ein reizender Stratzensänger. (z) Marseille. , Im Gymnasium einer kleinen Stadt in der Nähe - von Marseille wurden in diesen Tagen die Schluß- > Prüfungen abgehalten, die von allen Examinanten - vorzüglich bestanden wurden. Besonders die schrift- , lichen Arbeiten zeichneten sich durch ihre Güte aus. Erst nachträglich kam man dahinter, daß die Sache > etwas faul war: Ein alter Student hatte es gegen l ein festes Honorar übernommen, die ihm, auf einen ■ Zettel geschrieben, auf die Straße geworfenen Auf- , gaben zu lösen und dann den in Examensangst flöhenden Schülern Antworten zuzusprechen. Er sang ein paar baskische Lieder als Bänkelsänger. Der prüfende Professor war selbst kein Baske und verstand mithin keinen Ton von dem, was dort unten immer wieder gesungen wurde. i Aber einer der Geprüften konnte den Mund । nachher nicht halten, und so kam alles heraus. Da» : Examen wird demnächst in schallsicherer Kammer, • fernab von allen Bänkelsängern, wiederholt werden. Dünsberg. Die Fortsetzung unseres Weges bringt uns alsbald nach unserem Endziel Rödgen. Wander- zeit vier Stunden. Garbenleich — Pfahlgraben — Jägerpfad — Arnsburg — Lich. Vom Bahnhof Garbenteich (Sonntaaskarte Lich) durchschreiten wir das ansehnliche Dorf und folgen roten Strichen, die uns auf breitem Weg, eine ehemalige Römerstrahe, zum Walde bringen, wo wir uns links wenden. Etwas abseits der Markierung finden wir noch etliche frcigele^te Fundamente von römischen Wachttürmen. Wir überqueren die Dorf- Giller Straße, kommen in der Nähe des Bahnwärterhauses Fuchsstrauch in schönen Hochwald und gehen ein großes Stück den Pfahlgraben entlang, der hier noch sehr gut erhalten ist. Später wenden wir uns rechts und gelangen auf dem Jägerpfad mit hübschem Blick auf Burg Münzenberg nach dem Kloster Arnsburg mit guter Wirtschaft. Nach Besichtigung der interessanten Klosterruine leiten uns blaue Ringe durch das reizvolle Wetter- oder Gottesackertal nach unserem Endziel Lich. Dauer der Wanderung 3^ Stunden. „Fröhlich Pfalz.. Von Or. Stephan Kekule von Stradonih. Zu den reizvollsten, gar vieles bietenden, aber, völlig zu Unrecht, wenigst bekannten Reisegebieten unseres schönen deutschen Vaterlandes gehört die Bayerische ober Rheinpfalz. Sie bringt köstliche Weine hervor; das weiß man. In ihr liegt die hochbedeutsame Industriestadt Ludwigshafen. Das ist ebenfalls allgemein bekannt. Daß diese für Dergnügungs- und Erholungsreisende wenig bietet, daneben aber auch. Don der alten Kaiserstadt Speyer und ihren Reichstagen hat ziemlich jeder einigermaßen Gebildete von der Schule her noch eine gewisse Erinnerung, die sich vielleicht sogar mit der Vorstellung verbindet, von dem „gewaltigen Kaiserdom zu Speyer" einmal gehört zu haben. Daß dieser in seiner Kaisergruft eine der großen Sehenswürdigkeiten der Erde birgt, wissen schon nur ganz wenige. Und das, obwohl acht deutsche Kaiser und Könige, darunter die bedeutendsten Männer aus der mittelalterlichen Geschickte des alten Deutschen Reiches, hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben, während in einer Kapelle des Domes die höchst kostbaren Funde aus den Gräbern selbst, Schmuckstücke, Waffen, Rüstungsteile, Reste von Kleidungsstücken, Stoffteile usw. ausgestellt sind. Dom und Kaisergruft lohnen allein schon einen Aufenthalt in Speyer, d. h. in der Rheinpfalz. Wer reist deshalb hin? Engländer, die in diese Gegenden kommen — und es kommen doch alljährlich so viele nach dem nahen Heidelberg — müßten sich in erster Linie von der von dieser nahen Neckarstadt aus leicht erreichbaren Reichsburg Trifels bei Annweiler angezogen fühlen, weil in dieser ihr berühmter König Richard Löwenherz aus dem Hause Plantagenet, als Gefangener Kaiser Heinrichs VI., gesessen hat, bis er gegen ein ungeheures Lösegeld freigelassen wurde. Noch eine andere Stätte von weltgeschichtlicher Bedeutung besitzt die Rheinpfalz: Göllheim in der Nordostpfalz, am Fuße des Donnersbergs, wo am 2. Juli 1298 die beiden Gegenkömge Adolph von Nassau und Albrecht von Oesterreich ihren Streit um die Kaiserkrone in offener Feldschlacht zur Entscheidung gebracht haben, und Adolph ritterlich kämpfend gefallen ist. Das zu seinem Gedächtnis errichtete „Königskreuz", ein Kruzifix aus dem Ende des dreizehnten Jahrhunderts, ist somit em geschichtliches Denkmal ersten Ranges, wenn auch künstlerisch ohne Bedeutung. Aber nicht diese und andere geschichtlichen Denkmäler der Rheinpfalz machen diese zu einem würdigen Reiseziele für Ruhe-, Erholungs- und Kur- bedürftige, sondern die Herrlichkeit der Landschaft mit den waldgekrönten, dabuo|e Burgenreste tragenden, größtenteils recht hohen Bergen der Ausläufer des Wasgenwaldes und der Haardt, mit den überaus anmutigen Tälern dazwischen, malerischen alten Städten und Dörfern usw., sondern vor allem das bevorzugte, warme Klima und der dadurch bedingte südliche Pflanzenwuchs. Weite Mais- und Tabakfelder, stellenweise Hopfenanlagen, Haine von Edelkastanien, gewaltige Nußbäume erfreuen das Auge allenthalben. An bevorzugten Plätzen, so in dem weinberuhmten Deidesheim, reifen sogar Mandeln und Feigen. In einem Garten des uralten Klingenmünster gereifte Feigen habe ich selbst in diesem Spätsommer daselbst zu essen bekommen. Es ist ein Klima und dadurch ein Pflanzenwuchs, wie in den südlichen Teilen der Alpen, etwa in Wallis. Es ist im weiteren Deutschland sehr wenig bekannt, daß die Rheinpfalz sogar einen gegen die Nord- und Ostwinde durch Berge geschützten und dadurch klimatologisch ganz besonders bevorzugten Erdensleck besitzt, der hierin der weltberühmten Insel Mainau im Bodensee ähnelt, die Kuranstalt Gleisweiler bei Landau. Hier herrscht subtropisches Klima und auch subtropische Vegetation, und im berühmten Parke von Gleisweiler kann der Pflanzenfreund Seltenheiten feststellen, die er sonst nur an ganz wenigen Stellen unseres lieben deut- 9JL-^poit VfR.-Reichsbahn Gießen. VfV.-Reichsbahn I — VfR. Vuhbach I. Für den kommenden Sonntag haben sich die Gießener die 1. Mannschaft des BfR. Butzbach zum Gesellschaftsspiel auf den Waldsportplatz verpflichtet. Die Butzbacher, in früheren Jahren mit den Gießenern in einer Klasse spielend, gehören jetzt der Gruppe des Kreises Friedberg an. Durch Verletzungen und Sperrungen einzelner Spieler sind sie in der vergangenen Serie nicht vom Tabellenende weg- aekommen. Es wäre aber verkehrt, aus dieser Tatsache Rückschlüsse auf die Spielstarke der Butzbacher zu machen. Durch Zuzug mehrerer Spieler haben die Gäste jetzt ein Mannschaftsgebilde zur Stelle, das einen sehr spielstarken Gegner abgibt. Besonders ausgeprägt ist bei ihnen die Schnelligkeit, m der sie den Hiesigen überlegen sein dürften. Die Gießener haben durch ihr vorsonntägliches Spiel gezeigt, daß sie sich augenblicklich in guter Form oefinoen. Da die Mannschaft in der gleichen Aufstellung spielt, dürfte auch die Gewähr für das Verständnis der einzelnen Mannschaftsteile gegeben sein. VfV.-Reichsbahn II —VfR. Vuhbach II. Die zweite Mannschaft, die durch die Verhinderung mehrerer Spieler nicht komplett in Butzbach antreten kann, sollte einen schweren Stand haben. VfV.-Reichsbahn III — Alten-Vuseck I. . Hier sollte ein Revanchekampf zwischen Tabellenersten 'und Tabellenzweiten Zustandekommen. Die Hiesigen haben ihre Mannschaft durch Spieler aus der Jugend stark verjüngt. Der Ausgang des Kampfes ist offen. VfV.-Reichsbahn Jugend — VfR. Vuhbach Jugend. Vom vergangenen Sonntag ist noch der 6:0 - Sieg der 1. Jugend über die gleiche des Turnvereins Wißmar, der auf Grund besserer Leistungen auch in dieser Höhe verdient war, nachzutragen. In oem Spiele gegen die Butzbacher dürften die Gießener einen Gegner haben, den sie nicht so leicht schlagen sollten. VfV.-Reichsbahn 2. Jugend — Wleseck 1. Jugend. Das am vorigen Sonntag ausgefallene Spiel soll jetzt nachgeholt werden. Die Wiesecker dürften durch ihre körperliche Verfassung und auch durch ihre technische Ueberlegenheit das bessere Ende für stch behaupten. VfV.-Reichsbahn Schüler — VfR. Vuhbach Schüler. Fußball-Blihrunde des VfB. Krofdorf. Wie im vorigen Jahre, so hält auch am kommenden Sonntag der VfB. Krofdorf eine Werbesportveranstaltung ab. Bis jetzt haben fünf Mannschaften ihre Teilnahme zugesagt. Daß nicht mehr Vereine gemeldet haben liegt daran, daß in verschißenen Orten der Umgegend Kirmes gefeiert wird. Es wäre dem Verein eine größere Aktivität seitens der umliegenden Vereine zu wünschen gewesen, da er für den Sieger einen wertvollen Preis ausgesetzt hat. Nach Beendigung der Runde findet ein Auswahlspiel der teilnehmenden Vereine gegen Krofdorf statt. Durch diese Anordnung, die seitens des Vertreters des Deutschen Fußball-Bundes getroffen ist, ist schon die Gewähr dafür gegeben, daß die Spiele in sportlichem Rahmen durchgeführt werden. Es ist selbstverständlich, daß für das Auswahlspiel nur die technisch besten und sportlich anständigsten Spieler in .Fraae kommen. Die Veranstaltung steht unter Aufsicht des Fußballfach- wartes Zitzer (Gießen), der auch mit Schiedsrichter B ö ch e r (Gießen) die Spiele leitet. Sauliga bei den Teutonen in Watzenborn-Steinberg. Den Watzenborn-Steinberger „Teutonen" ist gelungen, für kommenden Sonntag die komplette Gauligamannschaft von Kurhessen Marburg nach Watzenborn-Steinberg zu verpflichten. Wenn die Vereinsleitung der Teutonen einen o überaus starken Gegner verpflichtete, so nahm ie die damit verbundenen Opfer nur deshalb auf ich, um erstens der ersten Mannschaft Gelegenheit zu geben, ihr gelerntes Können während der Sommersperre unter Beweis zu stellen und zu zeigen, ob sie befähigt ist, weiterhin der Bezirksklasse anzugehören, nachdem die Spiele der vergangenen Serie weniger glücklich ausgingen. Zweitens: um dem etwas verwöhnten einheimischen Publikum nach der zwangsläufigen Pause wieder einmal guten Fußballsport zu zeigen. „Kurhessen" Marburg, die langsährige Gauliga- mannschaft, ist auch zur Zeit wieder in bester Verfassung und hat berechtigte Aussichten in den diesjährigen Serienspielen der höchsten deutschen Spielklasse einen achtbaren Platz einzunehmen. Im Tor dieser ausgezeichneten Mannschaft steht der repräsentative Weinandt. Der außerordentlich schuß- gewaltige Sturm mit Böttner, Fischer usw. ist ebenfalls bestens bekannt. Die einheimische Elf tritt voraussichtlich in kompletter Aufstellung an, also mit den am vergangenen Sonntag verhinderten Spielern Lang und Schäfer und man hofft daher, daß sie einen achtbaren Gegner abgibt. Die Siegesaussichten liegen aber auf Seiten der Gauligamannschast Marburg. Vor allen Dingen erwartet man aber ein schönes faires Spiel, das werbend für den deutschen Volkssport, den Fußballsport, ausgetragen wird. Vorher findet ein Schülerspiel statt, und zwar ist die 1. Schülermannfchaft vom VfB.-R. Gießen in Watzenborn-Steinberg zu Gast. Fußball im Turnverein Großen-Linden Der To. Großen-Linden fährt am kommenden Sonntag mit zwei Mannschaften nach Herbornseelbach. Im Spiel der 2. Mannschaften ist der Ausgang durchaus offen, während im Spiel der 1. Mannschaften den Platzbesitzern ein Plus zuzusprechen ist. Die Gäste aus Großen-Linden, die in der Sommerpause ein intensives Training durchführten, werden sich erst nach Kampf geschlagen bekennen. Das Bergfest auf dem Hoherodskopf. Der Turnkreis 2, Wetterau-Vogelsberg, veranstaltet am Sonntag, 1. September, auf dem Hohe- rodskopf das erste Bergfest nach der Neuordnung von Turnen und Sport. Die Ausrichtung der Veranstaltung ist dem Turnverein Schotten übertragen. Man rechnet damit, da das Treffen gauoffen ist, daß sich etwa 600 Turner an den Wettkämpfen beteiligen werden. Gegenwärtig ist man auf dem Hoherodskopf damit beschäftigt, das Gelände an den Klubhäusern für ihren Zweck als Wettkampfstätten herzurichten. An Wettkämpfen sind vorgesehen: Lauf, Weiftprung, Kugelstoßen, ferner verschiedene Sonderkämpfe, eine Pendel- staffel, Keulenweitwurf und Mannschafts-Tauziehen. Auch bei diesem Bergfest werden sich die Teilnch- mer in einer völkischen Aussprache sinden. Dem Bergfest voraus geht am Samstagabend ein Be- grühungsabend in der Turnhalle. Das Gaufest in Saarbrücken. Erfolge in der Leichtathletik. Die leichtathletischen Entscheidungen des Nachmittags standen im Zeichen großer Siege des Deutschen Sport-Clubs Saarbrücken, der sich den größten Teil der Wettbewerbe sicherte. Es fing schon mit einem Saarbrücker Siege durch Kempf über 400 Meter an, sein Klubkamerad Wiedenhöft gewann dann die 100 und 200 Meter und Herzer holte sich die 800- Meter-Strecke. Auch im weiteren Verlauf h^elt die Erfolgserie der Saarbrücker an. Sie gewannen beide Staffeln gegen die Frankfurter Eintracht, stellten außerdem durch Lampert den Sieger im Diskuswerfen und Kugelstoßen und entschieden außerdem Stabhochsprung, Weitsprung und Fünfkampf zu ihren Gunsten. Eintracht Frankfurt gewann die Viererstaffel der Frauen und durch Gertrud Jack, die mit 1,55 Meter eine neue Gaubestleistung ausstellte, den Hochsprung. In de» beiden Strecken über 1500 und 5000 Meter stellt» Darmstadt die Sieger. tzrnsk Dinker Zwölfkampfsieger. 72 Turner traten in den frühen Morgenstunden zum Olympischen Zwölfkampf an, der aus je einer Pflicht- und einer Kürübung an Reck, Barren Querpferd, Längspferd und an den Ringen und einer Kür- und Pflicht-Freiübung bestand. Am erfolgreichsten schnitt Reck-Weltmeister Ernst Winter von der Frankfurter Turngemeinde „Eintracht" ab, der von 240 erreichbaren Punkten 23 2 Punkte erhielt. Mit 221,6 Punkten belegte der Pfälzer Lüttinger - Ludwigshafen vor dem Frankfurter H ö r n i s - TD. Niederrad (219,2) den zweiten Platz. G. Mauermeyers Rekord wurde anerkannt. Gisela Mauermeyers Weltrekord von 46,10 Meter im Diskuswurf, den sie bei den Hochschul- Meisterschaften in Jena am 29. Juni 1935 aufstellte, ist jetzt als deutscher Rekord anerkannt worden, ebenso die Leistung von 1,60 Meter im Hochsprung, die Frl. K a u n (Kiel) am 21. Juli 1935 in Elberfeld vollbrachte. Eintracht Frankfurt gegen Aegypten. Am 1. September wird die 1. Fußball-Mannschaft der Frankfurter „Eintracht" in Frankfurt gegen die Nationalmannschaft von Aegypten spielen, die zur Zeit eine Wettspielreise durch Europa durchführt. Vor dem Frankfurter Treffen werden die Aegypter in Saarbrücken den dortigen Fußballverein zum Gegner haben. Rumänien als Fußbailnation. Mit Rumänien tritt gegen die deutsche Nationalmannschaft die 21. Nation in den Bereich der Länderspielgegner ein. Dem Verband sind heute in 500 Vereinen rund 20 000 aktive Spieler angeschlossen. Rumäniens Fußball, dessen Gründungsjahr 1909 ist, sieht seit dieser Zeit auf einen geregelten Spiel- verkehr zurück. Bemerkenswert ist, daß das deutsch st ämmige Element(Siebenbür- gen) im rumänischen Fußball eine sehr einflußreiche Rolle spielt. In den bisher ausgetragenen 40 Länderkämpfen gegen 13 Nationen kam Rumänien zu 19 Siegen, 5 unentschieden und 16 Niederlagen. Der bisher größte Erfolg der Rumänen war die sehr ehrenvolle Niederlage gegen die tschechischen Berufsspieler im Rahmen der Weltmeisterschaft. Interessant ist auch, daß Rumänien Frankreich einmal 6:3 geschlagen hat und daß Polen, der nächste Länderspiel-Gegner Deutschlands, in 5 Spielen gegen Rumänien nur einen Sieg und 3 Unentschieden herausholen konnte. Kurze Sportnotizen. Auto-Union roitb sich mit einem von Achille Varzi gesteuerten Wagen am Stilfserjoch-Rennen beteiligen, das am 1. September ausgefahren wird. Insgesamt sind an dem Rennen 50 Fahrer aus fünf Nationen beteiligt. m Stoffspezialhaus Bernard&Sohn ______________________________________- ________________________________■ 4824 A ’O Wer mit. KdF. eine Urlaubsreise macht, der soll sich eine Photokamera mitnehmen! Jeder kann knipsen, weil es kinderleicht und spottbillig ist! Schon der billigste Apparat zu 4 Mk. liefert herrliche Ferienbilder. 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