185. Jahrgang Gietzener Anzeiger Wachsende innere Spannung in Frankreich. Oie Kampfbünde im Mittelpunkt. — Laval wird im Rundfunk sprechen stünden nur noch die Gebietsbestimmungen. Alles andere habe sich in den internationalen Konferenzen oder vor dem Völkerbund verflüchtigt. Deutschland seinerseits verlange von Frankreich nicht«, es schließe Gebietsforderungen ausdrücklich aus. Es wolle nur als Großmacht behandelt werden, seinen neuen Stand festgestellt wissen und von der Einkreisungsbedrohung befreit sein. Für diejenigen, die glauben, daß die Ruhe in Europa nicht ohne eine deutsch-französische Entspannung hergestellt werden könne, sei die freundschaftliche und vom guten Willen getragene Unterredung in Berlin ein Grund zu lebhafter Befriedigung. , Im „F i g a r o" wendet Wladimir d'Ormesson sich dagegen, daß der Tatsache der Unterhaltung eine sensationelle Bedeutung beigelegt wird. Je größer die Schwierigkeiten zwischen Frankreich und Deutschland seien, um so enger müsse die Fühlungnahme sein. Die wahre Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich bestehe eben darin, daß sich beide Länder trotz der Meinungsverschiedenheiten auf dem Boden der Höflichkeit bewegten. Wenn es gelänge, diese Tatsache 10 oder 15 Jahre lang durchzuhalten, habe man das größte Ergebnis erreicht, das sich die Friedensfreunde wünschen könnten. Die größte Dummheit würde darin bestehen, auf diese günstigen Voraussetzungen wer weiß was für Mutmaßung aufzubauen. So habe sich in der öffentlichen Meinung die Ansicht festgesetzt, daß Frankreich zwischen Berlin und Moskau wählen müsse und daß Frankreich sich an einem Scheidewege befinde. Dies treffe nicht zu. Es gebe nur eine französische Politik, und die bestehe darin, die ewigen Interessen der Nation und die des europäischen Friedens zu verteidigen. Alles andere sei Agitation oder Literatur. gemacht habe. Mag sein, aber es waren keine freiwillig gegebenen Konzessionen, an denen sich die Freundschaft hätte wärmen können, sie waren immer nicht uns Deutschen, sondern der Zeit und den Umständen Höch st widerwillig gegeben. Wieviel Haß des Krieges wäre nicht mit einem Schlage begraben worden, wenn Frankreich am Ende des Krieges die deutschen Gefangenen mit einer großzügigen Geste der Heimat wiedergegeben hätte! Was hätte Frankreich mit Deutschland nicht alles anfangen können, wenn es aus dem Unsinn der Reparationsforderungen die Folgerung eines großmütigen Verzichtes gezogen hätte? Was wäre das nicht für ein wunderbarer Brückenschlag gewesen, wenn Frankreich das Rheinland, das ihm doch nicht gehören konnte, mit einer großen Geste zurückgegeben hätte! Wie hätte es eine schöne Gabe der Versöhnung sein können, wenn es den Kampf um das Saargebiet, für Frankreich verloren, ehe er begonnen hatte, nicht bis zum bitteren Ende durchgekämpft hätte! Wie hätte Deutschland es zu würdigen verstanden, wenn man ihm die höchste Ehre einer Nation, die Ehre seiner Waffenfreiheit, von selbst gegeben hätte! Nun, inzwischen sind wir eben müde geworden. Wer immer wartet und keine Antwort bekommt, Das „Echo de Paris" ist überzeugt, daß Laval seine Kaltblütigkeit bewahren werde. Er werde den Kampf in der Kammer aufnehmen. Sollte er gestürzt werden, dann gebe es für die „Verschwörer" keine Entschuldigung, wenn sie nicht eine neue Regierungsmannschaft bereithalten, denn man könne das Land in der gegenwärtigen Stunde unmöglich der Anarchie überlassen unter dem Vorwande, das Ansehen der Republik wieder herstellen zu wollen. Der Druck auf den Franken. Paris, 23. Nov. (DNÄ. Funkspruch.) Der Druck auf den Franken ist, wie der „Matin" mit Besorgnis feststellt, am Freitag wieder stärker geworden. Auf den Geldmärkten der Welt seien die i n t e r - nationalen Spekulanten wieder am Werke. Das Anziehen einiger ausländischer Devisenkurse sei umso bezeichnender, als auch trotz des englischen Währungsausgleichsfonds das Pfund davon betroffen werde. Am Freitag sei das Pfund innerhalb von 24 Stunden von 74,79 auf über 75 gestiegen. Da neben dem Franken auch der holländische Gulden und der Schweizer Franken von esnem Kursverlust betroffen worden seien, stehe man offensichtlich vor planmäßigen Bemühungen, die drei letzten Währungen des Goldblockes anzugreifen. Dieses Manöver werde zu weiteren Kapitalab- z ü*g e n aus diesen drei Ländern führen. Auch das „Oeuvre" weist auf diese Angriffe gegen die Goldblockländer hin und erklärt, daß die Attacke sich vor allem gegen Frankreich richte. Warum verstehen sich also die beiden Völker nicht, die die kulturelle Mission Europas jahrhundertelang gemeinsam getragen und bereichert haben, ja die Europa als modernen Begriff gestaltet haben? Ist es unentrinnbares Schicksal, das sie immer wieder gegeneinander wirft, sind es tragische Mißverständnisse, denen sie immer wieder erliegen? Wer sich zu der ersteren Ansicht bekennt, leugnet die menschliche Verantwortung in der Geschichte. Geschichte aber ist nicht Anarchie, sondern Ordnung, ist nicht dumpfes Treiben, sondern tätiges Gestalten. Sind es aber Mißverständnisse, muß man dann nicht alles daransetzen, sie aufzu klären und zu beseitigen? Es sind vor allem zwei solcher Mißverständnisse, die das Verhältnis der beiden Länder vergiften. Das eine ist ein historisches, das andere ein politisches. Das h i st o r i s ch e wirkt seit den Tagen Richelieus und Mazarins fort bis in unsere Zeit. Aus der historischen Entwicklung heraus, die ein einheitliches Frankreich einem zersplitterten Deutschland gegenüberstellte, fühlte sich Frankreich seit Jahrhunderten als Vormacht Europas. Als diese Entwicklung mit der Bildung des Deutschen Reichs und Nationalbegriffes abbrach, schlug sein eigener Anspruch um in die Furcht vor der „pangermanischen Gefahr". Seit Bismarck ist dieser Begriff nicht mehr aus der politischen Diskussion Frankreichs verschwunden. Der Sieg in dem Kriege der vier Jahre hat ihn nicht zu verwischen vermocht: das Wissen,* daß dieser Sieg nur der Unterstützung der ganzen Welt zu danken war, saß zu tief im Bewußtsein der Nation. Der Friede, von vornherein nur auf dieser Angst aufgebaut, hat nur verstärkten Zwang gebracht, sich vor dieser „Gefahr" zu schützen. Die Auflehnung der deutschen Nation gegen diesen Vertrag in der nationalsozialistischen Revolution, die Rückgewinnung der Wehrfreiheit, haben die Einbildung zu einer Zwangshpnose gesteigert. Dieser Zwangshypnose hat Frankreich dann in der letzten Zeit seine ganze Politik geopfert: um Europa vor der „pangermanischen Gefahr" zu retten, hat es den Bund mit Europas grimmigstem Gegner, mit dem Moskauer Kommunismus geschlossen. Dieses historische Mißverständnis, das dem deutschen Volke eine Aufastung seiner historischen Mission unterschiebt, die durch keine Erfahrung beweisbar ist, hat zu einem noch gefährlicheren politischen Mißverständnis geführt: der Furcht vor dem Kriege, der Ueberzeuaung, daß Deutschland seinen „pangermanischen Anspruch" mit Waffengewalt durchsetzen wolle. Es ist wahrhaft erschütternd zu sehen, wie diese Angst vor dem Kriege die ganze französische Nation von oben bis unten erfüllt, wie sie jede Vernunft unterdrückt, ja wie sie drauf und dran war, in ihr Gegenteil umzuschlagen: aus Angst vor dem Kriege den Krieg selbst anzu- fangen. Es war Frankreich, das Frankreich Bartho us und Weygands, das — es ist noch kein Jahr her — die Frage und die Möglichkeit des Präventivkrieges gegen Deutschland erörterte! lieber diese beiden Wälle, den Glauben Frankreichs an den pangermanischen Anspruch auf Beherrschung Europas und die Angst vor kriegerischem deutschem Ueberfall, hat bisher noch kein Verständigungsversuch Hinwegkommen können. Das Schlimme und das Kennzeichnende der Lage ist dabei, daß wir Deutsche von uns aus nichts dazu tun können, Frankreich die Ueberwindung dieser Engpässe zu erleichtern. Die Franzosen müssen von s e l b st es versuchen. Daß wir nicht an die Errichtung einer germanischen Diktatur über die europäi- chen Welt 'denken — es ist zu lächerlich, hierfür politische Beweise erbringen zu wollen. Es genügt ein historischer Hinweis: Lä n d e r der Mitte, wie Deutschland eines ift mit Grenzen, dre offen m die Weiten des Raumes führen, sind niemals in der Geschichte Diktaturländer über ihre Nachbarn ; Sein Tod hat voraussichtlich eine doppelte Folge: Einmal wird damit für Baldwin die Notwendigkeit geschaffen, einen weiteren Kabine t t s s i tz neu zu besetzen, andererseits ist durch den Tod Skeltons voraussichtlich der Parlamentssitz freigeworden, den man für Rarnsay Macdonald sucht. Die Morgenblätter sind der Ansicht, daß die Neuernennungen den Charakter der nationalen Regierung unverändert lassen. Die Verteilung der Kabinettsposten unter den verschiedenen Regierungsparteien bleibt dieselbe: Die Konservativen sind mit 15, die Simon-Liberalen mit 4 und die Nationale Arbeiterpartei mit 3 Ministern vertreten. In politischen Kreisen nimmt man an, daß noch weitere Veränderungen im neuen Jahre folgen werden. Ihr Umfang hänge von der politischett Entwicklung ab Einige Blätter behaupten, der bisherige Lordsiegelbewahrer Lord L o n d o n d e r r y sei bei Paris, 23. Nov. (DNB.) Die Unterredung des Führers und Reichskanzlers mit dem französischen Botschafter in Berlin Francois- Poncet, über die wir gestern bereits kurz berichteten, hat in der französischen Oeffentlichkeit große Beachtung gefunden. In amttichen Pariser Kreisen will man die Bedeutung der Zusammenkunft nicht verkennen, bemerkt jedoch, daß ihre Wichtigkeit nicht übertrieben werden dürfe. Der Eindruck einer Entspannung verstärke sich, aber sachliche Ergebnisse hätte die Unterredung nicht erbracht. Man hält es jedoch für möglich, daß sie weitere mehr in die Tiefe gehende Besprechungen vorbereitet haben könne. Einen wichtigen Abschnitt des Meinungsaustausches habe zweifellos auch der französisch-sowjetrussische Vertrag gebildet, der in Berlin gewisse Besorgnisse nähre und der demnächst dem französischen Parlament zur Ratifizierung vorgelegt werden soll. „O e u v r e" erklärt, daß die Anregung zu der Unterhaltung von Laval ausgegangen sei, der den Wunsch gehabt habe, vor Ratifizierung des französisch-sowjetrussischen Vertrages Berlin wissen zu lasten, daß es sich für Frankreich dabei nicht um eine antideutsche Politik handele. Es habe jedoch nicht den Anschein, daß die vom französischen Botschafter gegebenen Aufklärungen den deutschen Standpunkt in dieser Frage auch nur im geringsten geändert haben. Im übrigen habe aber der französische Botschafter den Eindruck gewonnen, daß sich die Einstellung gegenüber Frankreich völlig geändert habe. Man zeige in Deutschland das Bestreben, liebenswürdig zu sein, und der Führer habe darauf Hinweisen können, wie sehr sich in dieser Hinsicht der Ton der deutschen Presse gegenüber Frankreich geändert habe. Kurz, zwischen Berlin und Paris herrsche gegenwärtig die Politik der ausge st reckten H a n d. Aber ausgestreckt in einem noch sehr dichtem Nebel. Gegenwärtig wolle Deutschland wegen des afrikanischen Streitfalles jedoch nicht aus seiner völligen Zurückhaltung heraustreten. Der „T e m p s" behauptet, daß die Deutschen durch die Stärkung des Ansehens des Völkerbundes und durch die englische Zustimmung zur kollektiven Sicherheit beeindruckt seien und den Augenblick für gekommen erachteten, sich in den Kreis der Mächte wieder einzuschalten, eine Entwicklung, die in ihrer Fortsetzung logischerweise zur Rückkehr Deutschlands nach Genf führen müsse. (Hier dürfte es sich um reine Kombinationen des „Temps" handeln. Die Schriftltg. des DNB.) Die Vorbedingung hierfür sei, jede Mißstimmung in den deutsch-fianzösischen Beziehungen zu zerstreuen. Die Unterredung zwischen Hitler und Francois-Poncet bestätige, daß die Fühlung zwischen Paris und Berlin aufrechterhalten werde, und daß, wenn die internationalen ,Umstände es erlauben, Raum für Verhandlungen zu einer kollektiven Regelung vorhanden sei, die sich genau dem Genfer Mechanismus anpaffe, wie dies die grundlegende Politik Frankreichs fordere. Das f r a n z ö s 4 s ch - s o w j e t- russische Abkommen habe keine Spitze gegen eine andere Macht. (Hat aber nicht die gesamte übrige Welt es als besonders gegen Deutschland gerichtet aufgefaßt? D. Schriftltg. des DNB.) Vielleicht habe die gestrige Unterredung jedes „diesbezügliche Mißverständnis" behebest können, was gegebenenfalls spätere Verhandlungen erleichtern würde. Man dürfe aber nicht vergessen, daß zu einer Verhandlung über eine Gesamtregelung mit Deutschland Frankreich st.o r k und seines Willens und seiner Mittel sicher fein müsse und aus seiner Regierstngsfestigkeit das Ansehen ableite, das für die Beständigkeit feiner Politik der Ordnung und des allgemeinen Friedens unerläßlich fei. j / Fernand de Brion schreibt in der „Information": Den Einwänden, daß die deutsch-französische Aussprache doch nur zu Enttäuschungen führe oder von Frankreich Verzichtseistungen fordere, mülle man entgegenhalten, daß Frankreich Deutschland nichts mehr zu geben habe aus dem einfachen Grunde, weil es /ihm gar nichts mehr bieten könne. Denig vom Versailler Vertrag Baldwin ergänzt sein Kabinett. Onff Cooper Kriegsminister. - Oie beiden Macdonalds bleiben im Kabinett. der verliert das Vertrauen, und wer immer nur seine Hand hinstreckt und nie die Hand des anderen findet, der zieht sie schließlich zurück. Wenn heute die Diskussion über das deutsch-französische Problem in Paris wieder auflebt, muß Frankreich das berücksichtigen: wir sind immer vorne gestanden mit den Worten und den Taten der Bereitschaft. Wenn jetzt von Frankreich die Anregung nach engerer politischer Fühlungnahme ausgegangen ift, so zeigt das amtliche Kommunique über die Unterredung zwischen dem Führer und dem französischen Botschafter in Berlin, daß Frankreichs Wunsch nach einer vertrauensvollen Aussprache in Deutschland auf volles Verständnis gestoßen ist. Wir haben immer wieder unfern guten Willen bewiesen, mit unserem westlichen Nachbarn zu einem guten Einvernehmen zu kommen. Eine deutsch-französische Verständigung kann natürlich nur aufgebaut fein auf dem Geiste der absoluten Gleichheit und deutschen Freiheit. Die ganze Welt würde es begrüßen, wenn dieser Geist, der einzig mögliche einer internationalen Verständigung überhaupt, beginnen würde, in Frankreich Verständnis zu finden. 2)arurti geht es. Eine solche Verständigung wird vorbereitet durch Gespräche wie das eben stattgefundene. London, 22. Nov. (DNB.) Amtlich wurden folgende Veränderungen im Kabinett bekannt- gegeben: Zum Lordsiegelbewahrer wird Viscount Halifax (bisher Kriegsminister) ernannt, zum Kriegsmini st er Mr. Duff Cooper (bisher Finanzsekretär im Schatzamt), aum Dominienminister Mr. Malcolm M a c o o - n a l d (bisher Kolonialminister), zum Kolonial- m i n i ft e r Mr. I. H. Thomas (bisher Domi- nienminifter). An Stelle von Duff Cooper wird zum Finanzfekretär im Schatzamt William S. Morrison ernannt. Der bisherige Lordfiegelbewahrer Lord Londonderry ist zurückgetreten. — Der Unterftaatsfefretär für Schottland, Noel Skelton, ift am Freitag plötzlich verstorben. Skelton war für einen der drei Sitze der schottischen Universitäten ausgestellt, deren Wahlergebnis erst am nächsten Montag bekanntgegeben wird. Es ist anzunehmen, daß Skelton bei der Wahl gewählt worden ist. Paris, 23. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die inner- politische Lage ist nach wie vor undurchsichtig. Zwischen der Regierung und dem Finanzausschuß besteht die Spannung fort. Auch zwischen den Parteien der „Volksfront" steht es nicht gut. Die Radikalsozialisten werden von rechts angegriffen, da im Finanzausschuß einige ihrer Abgeordneten sich nicht an die Beschlüsse der Kammergruppe gehalten haben. Nicht minder bitter beschweren sich die Sozialisten und Kommunisten. „Unsere Schuld ist es nicht", so schreibt der Sozialiftenführer Leon B l u m im „Populaire", „wenn im Finanzausschuß die Volksfront in der Frage der Milderung der Notverordnungen nicht durchgehalten hat. Aber ich hoffe dringend, daß sich die Festigkeit der Front, wenigstens in der Frage der Kampfbünde und der Verteidigung der republikanischen Freiheiten erweisen wird." Das „Oeuvre" meint, im Vordergründe stehe in allen Lagern die Frage der Kampfbünde. Laval arbeite an einer großen Rundfunkrede. In dieser werde er etwa folgendes erklären: „Wenn man eine politische Krise will, um eine Abwertung des Franken herbeizuführen, so mache ich eine Abwertung nicht mit. Sollte man die Krise wollen, um eine deutsch-französische A n - Näherung zu verhindern, so werde ich mich auch dazu nicht bereitfinden lassen. Ich halte am Franken und am Frieden fest. Man kann mich stürzen. Dann aber bitte ,im Ganzen und.nicht stückweise*, und man möge einen Nachfolger finden, einen Nachfolger mit einem Programm." Hr. 274 Erstes Blatt_____ 185. Jahrgang Samstag, 25. November 1955 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Ä Annahme von Anzeige» Beilagen: Die Illustrierte ▲ A für bie Mittagsnummer Gießener Familienblätter ■ wA AAL A JA wM M AA A A A A A bis ^/.Uhrdes Vormittags jwRf imPRPnvT 7iIKMnM* »**” ffiASÄTS Y/Ivllvllvl XIILiLiULI infolge höherer Gewalt MF Ermäßigte Grundpreise: General-Anzeiger für Oberhessen Postscheckkonto: v W ' gen, Bäder-,Unterrichts- u. Sron,jlirt om main 11686 Druck und Verlag: vriihl'sche Univerfi/ät-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstratze 7 WWZZKZN geworden. Und als eimVial in Außerachtlassung dieser geographischen Bedingtheiten und in Erfüllung einer mystisch geschautes Mission Deutschland einen solchen Anspruch erhob^ damals als in den Zeiten des Heiligen Römischen» Reiches deutscher Nation die deutschen Kaiser nach / Italien zogen, ist Deutschland an solchem Versuche gescheitert. Geglückt ist solcher Versuch immer nur, wenn er von Ländern unternommen mürbe, die an der Peripherie der Kontinente lagen. Und das andere, „der deutsche Drang /zum Kriege": Welche Nation gibt es, die weniger vom Kriege redet und an den Krieg denkt, als die deutsche? Welche Nation hat bereitwilliger zum Verzicht auf jede Waffe sich verpflichtet? Welche Nathan hat ihren Nachbarn ernsthaftere Garantien gögen jede Angriffsabsicht gegeben? Welche Natio/st hat gerade Frankreich mit größerer Herzlichkeit feie Hand zum Frieden hingestreckt? Aber freilich? und hier kommen wir auf das wesentlichste, dals psychologische Mißverständnis zu sprechen: sie will Frieden und Freundschaft haben, qie ehrlich und bereitwillig geboten hnetben. Und hier liegt die schwere Schuld Frankreichs. Man sagt in Frankreich, daß Frankreich seit Kriegsende ' " Deutschland Werden wir uns verstehen? Frankreich hat plötzlich wieder „d a s b e u t - sh e Problem" entdeckt. Die Frage, warum ist das Verhältnis zu Deutschland zu einem „Pro- blem , ja zum entscheidensten Problem der französischen Geschichte geworden? läßt die Historiker Frankreichs ebensowenig ruhen, wie die andere Frage: Welche Möglichkeiten lassen sich zu einer befriedigenden Lösung des Problems finden? die Politiker ruhen läßt. Ein ganzes Land empfindet, daß die Spannung, mit der sein Verhältnis zu einem anderen Lande erfüllt ist, die volle Summe feines nationalen Schicksals darstellt. Wir Deutsche haben an dem neuerwachten französischen Interesse höchstens das eine zu tadeln, daß es so spät kommt. Wir haben die Spannung in bem Verhältnis der beiden Nationen immer in erster ßinie als tragisch empfunden. Wir sind uns immer ber gemeinsamen mitteleuropäischen Verbundenheit bewußt gewesen und haben uns auch in den bittersten Zeiten des Verfalls von Freundschaft und Frieden ein Erinnern an gemeinsame Arbeit bewahrt. Wir haben der kulturellen und nationalen Leistung bes französischen Volkes immer Respekt gezollt und auch in den Tagen der Feindschaft diesen Respekt nie vom Haß überwinden lassen. Wir wissen, welch' heroische Leistungen die französische Nation aufzubringen imstande war, und wer im Kriege mit ß’^en ©innen durch die verwüsteten Zonen der französischen Landschaft ging, der wird nur mit höchster Achtung sich vor der Gläubigkeit des französischen Patriotismus verneigt haben, der auch in den trübsten Stunden des französischen Waffenschicksals niemals an dem Sieg der Heimat zweifelte. Wir wissen auch, daß dieses französische Volk, das mit wesentlich geringerer Volkskraft die Last nicht weniger Kriege zu tragen hatte als das deutsche Volk, heute des Krieges müde und des Friedens froh ist! Die deutsch-französische Fühlungnahme. Große Beachtung in Paris.—Laval wünschte den Vertrag mit Gowjetrußland zu erläutern den tenden Auslandsware zu Produktionseinschränkun- asn und zu einseitiger Betriebsführung unter Kon- p o 11111 d), ab sondert sein. M auch Petroleum aus die Sanktivnsliße <1 gesetzt werden? werde am nennen. arktordnuna erst gibt Die Gewayr rhandene Bestand auch rationell daß am 7. Oktober alle im Völkerbundsrat sitzen- Ant- die dem keine unbekannte Persönlichkeit, der setzt 45jähnge entstammt einer alten schottischen Adelsfamilie und nahm am ganzen Weltkrieg als Offizier des Grenadier-Garde-Regiments teil. 1928 bis 1929 war er Finanzsekretär des Kriegsministeriums. Diesen Posten bekleidete er auch von 1931 bis 1934. Nach der Kabinettsumbildung im Jahre 1934 wurde er Finanzsekretär des Schatzamtes. Don diesem Posten kehrt er nun wieder ins Ministerium zurück, diesmal aber als sein Leiter. Duff Cooper ist in diesem Jahre auch in Deutschland bekannt geworden durch seine viel besprochene, auch in deutscher Sprache erschienene Biographie des großen französischen Diplomaten Talleyrand. Keine einzige Nation habe sich mit Eifer und Zufriedenheit an der Sühnepolitik gegen Italien beteiligt. Es sei eine unwillkommene Pflicht, die überdies einen Verlust des Handels für die teilnehmenden Staaten mit sich bringe. Die Welt habe jedoch niemals zuvor eine ähnliche Kundgebung gesehen, die Einstimmigkeit und Schnelligkeit, mit der sie durchgeführt worden sei, stelle etwas Neues in den Annalen der internationalen Be- Englands. England könne wohl nicht geographisch abge als Mitglied des dieser Tatsache er» erfüllen und England und Frankreich anworlen aus den ilalienischen Protest gegen die Sanktionen. Sühnemaßnahmen wurde am Freitagmittag italienischen Botschafter in London, Grandi, von Sir Samuel Hoare überreicht. Die Antwort stellt Die britische Antwort. London, 22. Nov. (DNB.) Die britische wort auf die italienische Protestnote gegen England wird seine Rolle zu Ende spielen Eden begründet den Kurs der britischen Dölkerbundspolitik. Warschau, 23. Nov. (DNB. Funkspr.) Die polnische Note, die in der Frage der Sühnemaßnah- holung einer derartigen Lage zu vermeiden. Er glaube, daß Großbritannien eine Rolle in der europäischen und in der Weltpolitik zu spielen habe. Diese Rolle aufzugeben, würde den geschichtlichen Ueberlieferungen Englands nicht entsprechen. Er betrachte eine AbsonderunHs- Politik für England als eine selbstsüchtige Gemeinheit. Venn jedoch der Völkerbund zugrunde ginge, dann wäre es wohl möglich, daß die Absonderungspolitik den Engländern aufgezwungen werden könne. Eine solche Politik wäre der Aufstellung der Kabinettsliste sti lischwei - E; e n b übergangen worden. Das Verfahren ei verwunderlich, Londonderry sei ziemlich ent= äuscht über feinen „unfreiwilligen Rücktritt. „Times" sagt, es sei damit zu erklären, daß normalerweise nur zwei Minister im Oberhaus sitzen dürfen. Die Entscheidung sei dann zu Ungunsten Lord Londonderry ausgefallen, um die zu Peers ernannten Minister, Lord Bolton Eyres Monsell, den Ersten Lord der Admiralität, und Lord C u n l i f f e L i st e r, den Luftfahrtminister, im Kabinett zu halten. Die wichtigste Ernennung ist die Ernennung Duff Coopers zum Kriegsminister. Duff Cooper ist London, 23. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die erste politische Rede nach den Parlamentswahlen wurde am Freitagabend vom Völkerbundsminlster Eden in Edinburgh gehalten. Eden wies darauf hin, daß das System des Mächteausgleichs gescheitert sei. Bei einer Gelegenheit zum mindesten sei der Krieg möglicherweise deshalb ausgebrochen, weil dieStellungE n g- lands falsch berechnet worden sei. Der Völkerbund biete die Mittel, um b i e Wieder- lichkeit habe begreiflicherweise die italienische Regierung beunruhigt, die sich einer der Haupt- rohstoffe beraubt sehen würde, der für die Fortführung des afrikanischen Krieges von überragender Bedeutung fei. Die Verstimmung Italiens gegen die Staaten, die Sühnemaßnahmen durchführen, werde durch ein Petroleum-Ausfuhrverbot auf die Spitze getrieben werden, und die diplomatische Spannung zwischen Rom und den anderen Hauptstädten werde sich verschärfen. Amerika auf seine Neutralität bedacht. FinanziellerDruck auf dieSchiffahrtslinien. Washington, 23. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die Schiffahrts-Abteilung des amerikanischen Handelsministeriums hat denjenigen Schiffahrtslinien der Vereinigten Staaten, die Kriegsmaterial nach Italien zur Verschiffung bringet, mit Kreditsperre gedroht. Das Ministerium soll bereits mehrere Schiffe mit Ladungen für italienische und abessinische Rechnung aufgehalten haben. Trotzdem zeigen die Ausfuhrziffern im Oktober für die Ausfuhr nach Italien eine Steigerung von 5 063 700 Mark gegenüber dem September. Die Schiffahrts-Abteilung hat etwa 242,5 Millionen Mark an Anleihen an Die Schifffahrtslinien ausgegeben. Es handelt sich um Kredite für Neubauten. Außerdem schulden die Schiffahrts-Gesellschaften noch weitere Millionen für Schiffskäufe in früheren Jahren. Zwischen Hüll und dem italienischen Botschafter wurde die Aufforderung an die Oelgesellschaften, die Oellieferungen nach Italien einzustellen, erörtert, lieber die Besprechung ist keine Verlautbarung herausgegeben worden. den Regierungen bei der Gegenüberstellung unbestrittener Tatsachen mit den gebieterischen Bestimmungen der Völkerbundssatzungen feststellen mußten, daß die italienische Regierung in Verletzung des Artikels 12 zum Kriege ihre Zuflucht aenommen hatte. Gleichviel, welche Freundschaftsgefühle sie gegenüber Italien hegt, war sie daher nicht imstande, diese Feststellung zu verweigern. Aus dieser Lage ergaben sich unvermeidliche Folgen. Gegen die Verpflichtungen der Völkerbundssatzungen zu verstoßen hätte bedeutet, für die Zukunft die Möglichkeiten der Anwendung von Bestimmungen in Frage zu stellen, die ein wesentliches Element der den Völkerbundsmitgliedern gewährleisteten Kollektivsicherheit bilden. Dieser gebieterische Grund verbietet es trotz der Sorge um die französisch-italienischen Beziehungen und trotz der Gefühle sowie trotz der Beeinträchtigungen, die sich für die französische Wirtschaft daraus ergeben, der französischen Regierung, die schon auf den 18. November anberaumte Anwendung von Maßnahmen aufzuschieben, denen sie sich anzuschließen erklärt hat. Die französische Regierung ist nichtsdestoweniger mit den anderen Völkerbundsmitgliedern einig in der Auffassung, daß die Völkerbundssatzung ihnen außerdem die moralische Pflicht auferlegt, möglichst rasch eine friedliche Beilegung des jetzigen Streites zu suchen. Die französische Regierung legt Wert darauf zu betonen, daß keine Maßnahme gegenüber Italien den Charakter einer feindlichen Handlung hat. Italien kann diese Wahrheit nicht verkennen. Die französische Regierung betont ihre Hoffnung, daß die Stunde beschleunigt werde, in der der Streit ein Ende nimmt zum größten Porte il der Gemeinschaft der Völker und der internationalen Zusammenarbeit. Oie Antwort polens. DieLage droht sich zuverschärfen. Paris, 23.Nov. (DNB. Funkspruch.) Da der Inhalt der französischen Note an Italien im wesentlichen bereits bekannt war, wenden sich die Pariser Blätter vor allem den Auswirkungen der Sühnemaßnahmen zu, die nicht ohne Besorgnisse verfolgt werden. Auch der Ton des Schriftstückes scheint nicht in allen Schriftleitungen Anklang zu finden. So fragt „Le Jour" in welcher Amtsstube des Quai d'Orsay die Note abgefaßt sein möge. Zweifellos habe Laval, der von der „innenpolitischen Meute gehetzt werde", keine Zeit gefunden, sich um die Wendungen der Note zu kümmern; denn deren Ton weiche erheblich von den früherer Schriftstücke an Italien ab. „Oeuvre" behauptet, der italienische Botschafter habe Laval erklärt, wenn man Die Ausfuhr von Petroleum nach Italien verbieten werde, so bedeute das den Krieg. Das Blatt schreibt, daß Italien also seine seit 48 Stunden zu bemerkende Politik der Einschüchterung fortsetze. Das englische Kabinett wende nach den durchgeführten Wahlen sich der Verschärfung der Sühnemaßnahmen zu, indem es sich für das Petroleumausfuhroerbot nach Italien entscheide. Die englische Regierung sei in ihrer Politik der Ausfuhrverbote dadurch bestärkt worden, daß Roosevelt im Januar dem Kongreß einen Gesetzentwurf vorlegen werde, der auch für die Vereinigten Staaten die Petroleum- Ausfuhr nach Italien unterbinden werde. • Auch der dem Quai d'Orsay nahestehende „Petit Parisien" sagt, es sei die Rede davon, das Petroleum auf die Liste der durch die Sühnemaßnahmen für Italien verbotenen Waren zu setzen. Diese Mög- fest, daß die Organe des Völkerbundes sich der Schwere ihrer Verantwortung und der Interessen Italiens ständig bewußt gewesen seien. Die britische Regierung sei der Ansicht, es habe keinen Zweck, eine Aussprache über die in der italienischen Note erörterten Fragen von neuem zu eröffnen. Die Regierungen seien im Völkerbundsrat verpflichtet gewesen, zu bestätigen, daß die italienische Regierung in Verletzung des Artikels 12 zum Kriege geschritten sei. So stark auch die Gefühle der Freundschaft seien, die das vereinigte Königreich gegenüber Italien hege, so habe die britische Regierung sich doch verpflichtet gefühlt, dieser Entscheidung zuzustimmen und die Folgen auf sich zu nehmen, die sie unvermeidlich in sich schloß. Die britische Regierung verhülle keineswegs ihr Bestreben, soweit das in ihrer Macht als Mitglied des Völkerbundes liege, so früh wie möglich eine Regelung des bedauerlichen Streites herbeizuführen. Die britische Regierung habe, als sie den Völkerbundspakt unterschrieben habe, zwar nicht ihre eigene, freie und souveräne Beurteilung aufgegeben, habe aber die Absicht gehabt, diese Beurteilung in Zukunft in Uebereinftimmung mit den Verpflichtungen des Völkerbundes auszuüben. Keine andere Haltung sei für die britische Regierung möglich; sie halte es daher naturgemäß für wünschenswert, daß die italienische Regierung ihrer Mitgliedschaft beim Völkerbund eine gleiche Deutung gebe. Die französische Note. daher die Sühnemaßnahmen ohne Rücksicht! auf die herkömmlichen F r e u n d s ch a f t s- V7P&IUIVI banbe zwischen Italien und Polen habe anwen- lävN Fnthjos Melzer. Die französisch-englische verschrien war und noch vor Jahresfrist bei dem SMionssront. rische^ Konstruktion belächelt wurde, hat heute feste Süenia Treude in Varis. Gestalt und deutliche Form gefunden. Auf diesem wenig tfteuoc m tscirie. i ,5tei£ß5bauerntag kann man so recht ermessen, Paris, 23. Nov. (DNB.-Funkspr.) „Oeuvre be-1 sicher Abstand zwischen der Agrarpolitik von richtet, daß kürzlich der italienische Marchese Th e o» ;rüber und der Bauernpolitik von heute vorhanden doli in Paris zahlreichen einflußreichen Persönlich. --t ^ie ^raqe der Produktionsgestaltung ist in der fetten die Frage vorgelegt habe, ob die französische ^^.^ieaszeit niemals zur Ruhe gekommen. In Flotte und die französische Armee itn Sinne der erften Jahren nach dem Kriege hatten sich kluge am 26. Oktober eingegangenen Verpflichtung weitschauende Männer zusammengefunden und einem Appell Englands folgen mürben, ba5 sßroqramm fQr ein Hilfswerk der deutschen falls die Italiener ein en gl l sch es I ßanbrnirtfcbaft ausgearbeitet. Es ging damals nicht Kriegsschiff versenken sollten, lieber die etma um $i(jcn für die Landwirtschaft, sondern um erhaltene Antwort habe Theodoli dem italienischen a:[fen ber Landwirtschaft für das Volk, um eine Ministerpräsidenten berichtet. Infolgedessen Hache ^^o^x^onssteigerung zur Erringung der deutschen die italienische Regierung in London darauf hi"- Nahrungsfreiheit. Diese Männer sind damals nicht weisen können, daß zwischen Paris und verstanden worden. Inzwischen hatte eine verfehlte London noch zahlreiche Mei n u ngsv er- Agrarpolitik zusammen mit der immer schlimmeren chiedenheiten beständen. Diese Mitteilung sei Verschärfung der Arbeitslosigkeit aus dem Mangel- nur zu dem Zweck erfolgt, um England und Frank- Problem des ersten Lebensmittelhungers nach dem reich nach Möglichkeit von einander zu t r e n- Arie ge ein Absatzproblem gemacht, weil d'ie deutsche nen. Das Ergebnis dieses Schachzuges sei eine ge- Agrarerzeugung in Konkurrenz mit der hereinflu- wisse Nervosität zwischen Lond o n u no jcnben Auslandsware zu Produktionseinschränkun- Paris. Seit einigen Tagen fragten sich die unb einseitiger Betriebsführung unter Kon- Engländer, ob das Abkommen zwischen den Gene- lankturgesichtspunkten gezwungen hatte. ralftäben auf Grund der Note vom 26. Oktober, Heute ist wieder der Gedanke der Nahrung s- das noch nicht Tatsache geworden sti, s x ? j h e i t als wirtschaftlich bestimmenber Faktor in in der vorgesehenen Art wirklich d u r cf) g e« ben Mittelpunkt der Bauernpolitik gerückt. Dis führt werden würde, oder nicht. erste Verkündung erfolgte vor einem Jahr mit dem Das „Echo de Paris" schreibt, daß die Durchfüh- Aufruf zur Erzeugungsschlacht. Inzwischen hat rung der Sühnemaßnahmen in Frankreich eine!bas deutsche Volk tue Wehrfreiheit errungen; ftänbig zeigende Erregung auslöse. Man und damit hat die Nahrungsfreiheit eine noch empöre sich dagegen, einem Lande Schwierigkeiten größere Bedeutung erhalten, weil wir nur dann machen zu müssen, das man stets als latei- dazu in der Lage sind, von niemandem Unrecht zu nische Schwester und als den V e r b ü n d e - leiden, wie wir auch niemand Unrecht zusugen ten Frankreichs angesehen habe. Außerdem fürchte wollen. Heute aber bleiben solche Forderungen man mit Recht, daß die Sühnemaßnahmen die nicht nur Theorie, sondern werden nach der Aufrau- schwerwiegensten Folgen für die ohnehin schwer mung des Organisationswirrwarrs mit der einheit« getroffene Ausfuhr-Industrie haben werden, lichen Organisation des Reichsnährstandes auch in ________ die Tat umgesetzt. Die Durcharbeitung dieser _ Probleme und die Ausgabe der Richtlinien für den Dolen beschwert sich m Prag. zweiten Abschnitt der Erzeugungsschlacht waren der ' ™. . , .. Hauptinhalt dieses Reichsbauerntages. Die Behandlung der polnischen Minderheit Mit einem einleuchtenden Beispiel ist der große in der Tschechoslowakei. Gemeinschaftsgedanke der Bauernpolitik in Goslar Warschau 23. Nov. . ^unkspruch.) Am ^jl^qÄeiter Dr^Brummenbaum als fomman^e- Freitag ist m Prag eme polnische Note über d e j Zeneral der Erzeugungsschlacht, hat als Ge- polnisch-tschechoslowakischien Beziehungen und die I., f Qn ben Führer zum Erntedanktag des nach- Lage der polnischen Minderheit m der T\d)ed)o- gabre5 b -v e R o h st o f f e für einen D r i l- slowakei überreicht worden. Eme ®;roffentlt^^ung l1.6” W u f ür eben Soldaten des der polnischen Note scheint Nicht beabfkfjttgt zu sein. e r e s anqefünbigt. Die begeisterte Aufnahme ?^e dns Regierungsblatt ,.Expreß doranny er- $ Ankündigung beweist, mit welcher Hinge- ahrt entspricht die po msche Note der bereite be- > ÖQ5 |auerntum in den Dienst der Arbeit kannten polnischen Haltung, der die polnische Re- roirb Die Faserstofferzeugung ist im all- gierungspresse wiederholt Ausdruck gegeben habe r Bauerngeneration nicht mehr ist also anzunehmen daß auch die Note der ^läufig; es müssen also erst die Anbauerfahrungen polnischen Regierung auf bem ® ”)iebe,r^roonnen roerben. So wird zum nächsten daß ein Verfahren zwischen Polen und der Tschecho- K Bauer wenigstens einige Quadratmeter slowakei nicht in Frage komme und daß eine Ent- L ( a fI) 5 b e ft e 11 e n. Diese im Einzelfall Jpannung der Beziehungen lediglich von einer Mengen reichen zur Erfüllung des Geschen- A e n d e r u n g der Politik der fgr ben Führer. So handelt es sich überhaupt Hp wakei gegenüber der polnischen Erzeugungsschlacht vielfach nur um Kleinig- Minderheit abhange. fetten, die in der Einzelwirtschaft nicht stark in Er- scheinung treten, die aber insgesamt zur Schließung im der Versorgungslücken führen können. Die Erzen- V_7lipiSV 6811 tmiUlv-* gungssteigerung kann nicht wahllos durchgefuhrt tfnflomnm werden, sondern muß sich nach e i n em f e ft e n lyiKyiUlll« Plan richten, der ebenso der heutigen Bedarfslage Aus der Vatikanstadt wird mitgeteilt, der Papst wie der künftigen Entwicklung bei fortschreitender —— Iß Dezember 20 Kardinäle er- Arbeitsbeschaffung und gesundem Bevolkerungs- Das ist insofern eine Ueberraschung, als Wachstum Rechnung trägt. das ständige Sinken der Zahl der Kardinäle und Die Durchführung der Erzeuanngsschlacht verlangt die Abneigung Pius' XI. gegen Ergänzungen des aber nicht nur den Einsatz des Bauerntums, sondern Kollegiums in den letzten Jahren wiederholt An- auch die Mitarbeit des ganzen Volkes laß zu Vermutungen verschiedenster Art gegeben und vor allem der Verarbeiter un d V er - haben. Warum jetzt plötzlich auf einmal die größte Meiler der Agrarerzeugnisse, die ^m Reichsnayr» Ergänzung des Kollegiums in der gesamten Ge- stand mit dem Bauerntum zusammengeschlossen sind, schichte des Papsttums oorgenommen werden soll, Eine zweckvolle Marktordnung erst gibt die Gewahr ist noch nicht ersichtlich. Ebenso läßt sich noch nicht dafür, daß der vorhandene Bestand auch rationell erkennen, ob die Wahl des Zeitpunktes eine poli- an den Verbraucher weitergeleitet und die zusatz- tise Bedeutung im Zusammenhang mit der Stel- liche Erzeugung wirklich im Sinne des Volksgan- lung derXKune gegenüber Der italienischen Regie-izen zur Geltung gebracht wird. rung und^dem afrikanischen Kriege hat. Sind all diese Gesichtspunkte auf bem Reichs- Am bemerkenswertesten bleibt gerabe im Hinblick bauerntag unter dem Stichwort bes Orbnungs- auf die Möglichkeit einer politischen Bedeutung dergedankens zusammengefaht worden, so gehört umfangreichem Kardinalsernennungen die Tatsache, auch der Blutsgedanke unmittelbar dazu, daß unter den 20 neuen Kardinülen nicht weniger Volksgebundene wirtschaftliche Betätigung im Sinne als 14 Italiener fein werden. Zur Zeit besteht der Erzeugungsschlacht hat nichts mehr mit der das Karbinalskvllegium aus 49 Mitgliedern, von Wahrnehmung von Konjunkturen und mit per Er- benen 24 Italiener finb. In Zukunft werben bie zielung persönlicher Vorteile zu tun. Bei aller Italiener mit 38 Vertretern wieder die unbestrittene Sicherung der Wirtschaftlichkeit ist für die Durch- Mehrheit habän, die sie in den letzten30Jahren setzung derartiger Gedanken in der Wirtschaft^ innehatten. Außervem aber wird die starke Bevor- Praxis eine neue Gesinnung erforderlich, Die sich zuauna der Italiener noch dadurch unterstrichen, nicht mehr in Schlagworten vom Volkswohl und baß sie im ergänzten Kardinalskollegium fast alle in ber gegenseitigen Belobigung für bie Leistung maßgeblichen hohe^n kirchlichen A e m t e r be- zweifelhafter Volksvertreter erschöpft, svnbern zum setzen werben. Es if^t begreiflich, wenn biefe Form l Einsatz mit ber Tat bereit ist. Die weltanschaulichen der Auffüllung bes Kollegiums in ber italienischen Fragen, bie beim Reichsnährstanb einen breiten Presse gerabe jetzt mU Genugtuung verzeichnet wirb. Raum einnehmen, haben also ihre Bebemung auch Im einzelnen ist noch zu vermerken, baß unter für bie Erzeugungsschlacht. Nachbem sich die erben neu zu Ernennenden auch bie päpstlichen kenntnis durchgesetzt Hot, daß die DerstaDterung Nuntien in Warschau, Wien, Paris und Vergreisung des deutschen Volkes zum Volksund Madrid sind. Besonders interessant ist die tod führt, müssen auch alle Maßnahmen des Augen- Ernennung des Erzbischofs von P r a g zum blicklichen darauf geprüft werden, wie sie der Lr- Kardinal, womit der Pspst die Tradition aus der reichung des völkischen Fernzieles m Der Vevoire- Zeit Der österreichischen> Monarchie wieder auf- rungspolitik xu dienen vermögen. Man hat es nimmt. Bekanntlich ist auch der Erzbischof von auch jetzt wieder auf Dem ’Reidjsbauerntag ausge- Wien, Dr. Innitzer, Inhaber Des KarDinals- sprachen, Daß Der rassische Reiniaungsprozeh des Hutes. Besonders auffallende Ernennungen sind die deutschen Volkes erst m Jahrhunderten zum Ziele des Patriarchen von Aethiopien, Des führen kann. Aber Der An ang, um den heute Erzbischofs von Buenos Aires und bie noch schwer gerungen wirb, ist jetzt bereits mit ber eines Jesuiten. Die (Ernennung eines Mitglie- enbgültigen Beseitigung ber Lanbslucht und mit Der des Der Ostkirche erfolgt innerhalb Des letzten Jahr- UmwanDlung Der Bewegung zu einer Verbauerung tausenDs erst zum Dritten Mal, Die eines SüDame- zu machen; auch hier roteDer im vollen Einklang rifaners zum ersten Mal, währenD Jesuiten Dem mit Der Erzeugungsschlacht, zu Deren Durchführung Kardinalskollegium nur in ganz seltenen Fällen Die notroenDigen Arbeitskräfte vorhanben sein angehört haben, ba bie Vorschriften bes Orbens müssen. bie Annahme kirchlicher Aemiter eigentlich verbieten. In welche größeren Zusammenhänge biese Zweifellos wirb bie Ansprache Des Papstes am Bauernpolitik hineingehort, zeigte Die Vortrags- 16. Dezember noch einige Aufklärung über Die Be- folge auf Dem zweiten Tage Der Haupttagung, wo Deutung Der ebenso plötzlichen ' greichen Reichsminister K e r r 1, Reichsarbeitsfuhrer H i e r l Ergänzung de und Reichsführer SS. Himmler einige der heute gerade wichtigen Verbindungslinien zogen. Die «rnmwA Raumordnung als besondere Aufgabe Kerrls Japans---viprc’u/lliu. läuft praktisch auf eine Ausweitung des Ordnungs- Tokio, 23. Nov. (DNB. Fsinkspruch.) Das Aus- gedankens der Bauernpolitik auf den ganzen beut- roärtige Amt unb bie Ministerien für Heerwesen, schen ßejbensraum hinaus. Der Reichs ar- Marine und Finanzen hielten «eine gemeinsame Be- b e i t s b i e n ft ist ein unmittelbarer Weggenosse ratung über bie China-Politik Japans ab, worauf bei ber Durchführung ber Erzeugungsschlacht allein an Den japanischen Botschafters in Nanking, Aryoschi, schon mit ben Bobenmeliorationen und den Neu- neue Weisungen aogegartaen sind. Nach Mel- lanögeroinnungen, die für ein wachsendes Volk auch düngen der Agentur Rengo enthalten diese Weisun- wachsende (Ernäbrungsgrunblagen geben. Die SS. gen die Forderung, bie Regierung in Nanking solle als antibolschewistifche Kampforgan i- Der Selb st Verwaltungsbewegung infation steht unmittelbar Seite an Seite mit bent Nordchina Rechnung .tragen, bie de- Bauerntum, bas von jeher für den Marxismus f o n b e r e Stellung Ia.Pans in Nordchina unzugänglich war und in Rußland das Beispiel da- und in ber Nachbarschaft Mandschukuos a n e r • I für vor Augen sieht, wie ein Bauernland durch bie kennen und praktische Maßnahmen g e g e n d i e j volksfeindliche Politik des Bolschewismus ins kommunistifche GefaHr Vorschlägen. Hungerelend gestürzt wird. Paris, 22. Nov. (DNB.) Minifterpräsibent Laval hat dem italienischen Botschafter Frankreichs., v v „ Antwort auf Den italienischen Protest gegen ben men ber italienischen Regierung ^zugegangen ist, Sanktionsbeschluß übermittelt. In ber französischen weist barauf hin, baß Polen (.? Note heißt es u. a.: Die französische Regierung V ö l k e r b u nb e s bie sich aus wirb sich barauf beschränken, daran zu erinnern, gebenden Verpflichtungen Ziehungen Dar. Ein späterer Geschichtsschreiber werbe möglicherweise bie letzten Monate als bie entschei- Denben Tage in ber Schaffung Der DölkerbunDs- autorität bezeichnen. Er fei überzeugt, Daß sich Die Welt — wenn auch manchmal mit zögernDen Schritten — in ein Zeitalter bewege, in Dem Die Nationen sich bestreben, einander zu verstehen und Dadurch Verdächtigungen zu beseitigen und mit einem größeren Vertrauen z u versuchen, für die Aufrechterhaltung Des F r i e D e n s zusammenzuarbeiten. In Der Arbeit Oiu u.iyv .v ________ ~...v ,___.......... für Den FrieDen habe Die englische Regierung eine jcDoch voll Gefahren für Die nationale Sicherheit große Rolle zu spielen, unD sie müsse Diese Rolle ~ ~ ' 1 *" " olitisch, abervollständig und ehrenhaft bis zum ' ' . I E n b e burchzuführen. Or. Goebbels spricht in Kassel. Die feierliche Einführung der zwei GroßenSenatedesReichsgerichts durch den Reichsjustizminister Dr. Gürtner, den man auf unserem Bilde bei der feierlichen Verpflichtung der einzelnen Senatsmitglieder sieht. — (Weltbild-M.) MS K a ssel, 23. Nov. (DNB.) Eine einzigartige Kundgebung, die in ihrer Größe und Geschlossenheit ein beredtes Zeugnis von der Stärke des Nationalsozialismus ablegte, fand am Freitagabend in der Kurhessenhalle in Niederzwehren bei Kassel statt. Reichsminister Dr. Goebbels sprach zum erstenmal nach der Machtübernahme zu der kurhessischen Bevölkerung. Fansaren- klänge künden kurz nach 20.30 Uhr das Erscheinen des Reichsministers an. Ein ungeheurer Jubel der vieltausendköpfigen Menge bricht los. Langsam durchschreitet Reichsminister Dr. Goebbels das Spalier der SA. Die Beifallskundgebungen wollen kein Ende nehmen. Immer und immer wieder feiert mit Begeisterung die Menge ihren Dr. Goebbels. Nun erklingen die Landsknechtstrommeln des Jungvolks, unterbrochen von Fanfarenklängen. Wuchtig hämmert ein Sprechchor der HI. das Bekenntnis zum Führer und zum deutschen Volk in die Herzen Der Zuhörer. „Politik ist die Kunst, mit allen geeigneten Mitteln die Interessen eines Volkes zu vertreten" so begann Dr. Goebbels seine Ausführungen. „Während die Welt immer mehr in Unruhe versinkt, während Streiks, Revolutionen und Kriege die Welt durchtoben, ist Deutschland zu einer Insel der Disziplin und Ordnung, des Friedens und der Arbeit geworden." Dr. Goebbels würdigte dann die Verdienste der alten Garde, der „kleinen H l t l e r", an all dem, was bisher erreicht worden ist. Der Nationalsozialismus sei eine Sache der l.nneren E r a r i f f e n h e i t. Er sei keine poli- nsche Lehre, sondern eine Weltanschauung, die alle Dinge von einem bestimmten Gesichtspunkt aus ansehe. „Der Nationalsozialismus ist keine Angelegenheit der Bücher, sondern eine Sache der Praxis, eine Lehre für das Leben. Und darum ist die Partei die einzige Hüterin des politischen Lebens. Aus ihr allein werden in Zukunft die politischen Führer der Nation hervorgehen." Der Minister gab ein Bild von der Unsumme an Sorgen und Mühen, die mit der Wiedereingliederung der fünf Millionen Erwerbslosen in den Arbeitsprozeß und anderen Taten der Regierung verbunden waren. Es sei unfair, die Ergebnisse dieser Taten nun als Selbstverständlichkei- LPD Frankfurt a. M., 22. Nov. In Anwe- senheit des Reichsleiters der DAF. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und des Gauleiters Sprenger, trat die neugebildete Arbeitskammer Hessen im Frankfurter Rathause zu ihrer ersten Sitzung zusammen. Die Arbeitskammer Hessen umfaßt die beiden Gaue Hessen-Nassau und Kurhessen. Sie setzt sich aus 46 bewährten Männern der Arbeitsfront der beiden Gaue zusammen. Der Leiter der Arbeitskammer Hessen, Gauwalter der DAF. Hessen- Nassau Pg. Willi Becker, erteilte sogleich dem Heichsleiter Or. Ley das Wort zu längeren bedeutsamen Ausführungen, denen wir folgendes entnehmen: Heute muß der deutsche Mensch unter einer Parole stehen: Deutschland. Alles, was wir tun, in Staat und Wirtschaft, im Kontor, auf dem Arbeitsplatz, alles müssen wir unter die Parole stellen: Nützt es meinem Volk? Wir müssen Deutschland sehen als eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die vom Schicksal eine Mission haben, nämlich für ihren Teil und ihr Geschlecht die Geschichte Deutschlands weiterzuführen. Wenn wir Deutschland so sehen, dann müssen wir die Ordnung der Soldaten annehmen, dann müssen wir wieder gehorchen lernen. Jeder muß wissen, daß er kämpfen muß. Klassenhaß, Dünkel, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände wie auch die vergangenen politischen Parteien konnten nur gedeihen auf unserer falschen Lebensweise. Wir verstanden die Sprache des deutschen Volkes nicht mehr, wir verstanden uns untereinander nicht mehr. Heute aber vermag unser Volk Ungeheures zu leisten, weil es seine Lebenskräfte wieder spürt und wieder leben will, weil es seine völkische Krankheit überwunden hat und aus der Welt der Massenpsychose erwacht ist. ten entgegenzunehmen, um bann an Kleinig- f eiten herumzukritisieren. In diesem Zusammenhang kam Dr. Goebbels auch wieder auf öie augenblickliche Knappheit an Butter und Schweinefleisch zu sprechen und fertigte mit beißender Ironie jene kleine Zahl von Kritikastern ab, die nicht bereit sei, auf etwas Butter zu verzichten, um dadurch hungernden Erwerbslosen wieder zu Arbeit und damit zu Brot zu verhelfen. Wenn manche heute fragen, wer denn alles das bezahle: die Autobahnen und die großen Bau- ten, die Wehrpflicht und die Arbeitsdienstpflicht, so gab Dr. Göbbels unter stürmischem Beifall die Antwort: „Das bezahlen wir alles wenn jeder sich etwas einschränkt' Wenn wir uns andere Völker ansehen, die heute um die Interessen der Nation willen viel größere Opfer auf sich nehmen, dann müssen die Klagen um Butter und Schweinefleisch schnell verstummen." Zum Schluß wandte sich Dr. Goebbels noch einmal an die Partei und die alte Garde. Wenn diese Partei an das Volk appelliere, so bekunde das Volk seine Uebereinstimmung mit dem Führer Kemer habe das Recht, heute pessimistisch zu sein und sich in den Schmollwinkel zurückzuziehen. „Wir haben das Recht dazu, unsere Taten vor der Geschichte zu verantworten." Mit einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer und dem Gesang der beiden Nationallieder schloß die gewaltige Kundgebung. Noch einmal brandete der Jubel empor, als Dr. Goebbels die Halle verließ, um sich mit Gauleiter Weinrich zum Hotel Schirmer zu begeben. Kurz nach Mitternacht traf Reichsminister Dr. Goebbels dann mit dem Gauleiter Staatsrat Weinrich vor dem Adolf-Hitler- Haus ein, wo sich außer der Generalität Vertreter der Behörden mit dem Oberpräsidenten an der Spitze und Vertreter der verschiedenen Parteigliederungen eingefunden hatten. Auch hier brachte die zahlreiche Volksmenge dem Minister eine außerordentliche Huldigung dar. Immer und immer wieder ertönten Heilrufe und die Rufe: „Wir wollen unseren Goebbels sehen!". Der Minister nahm dann den von den verschiedenen Gliederungen der Partei gebildeten Fackelzug ab. Unsere Sozialordnung ist kein Himmelreich, unsere soziale Ordnung geschieht um Deutschlands willen. Dir können keinem den Lebenskampf abnehmen. Das war der Trugschluß und die große Lüge der früheren Gewerkschaften, daß sie erklärten, sie könnten dem arbeitenden Menschen den Kamps abnehmen. Wir können die Gemeinschaft stark machen, wir können Dir Befehle geben, aber den Kampf mußt Du selbst führen. Wir können Dich durch Berufsberatung und Berufserzie- hung für den Beruf stark machen, wir können Dir den Weg öffnen, aber nicht Deinetwegen, sondern Deutschlands wegen, wir dürfen nicht dulden, daß es in Deutschland ein Heer von ungelernten Arbeitern gibt. Wir müssen den Arbeiter gesund erhalten. Wir dürfen nicht zulassen, daß er durch ein falsches Arbeitssystem kaputt geht. Wer verlangt und fordert, der muß auch t w a s l e i st e n. Bescheidenheit heißt nicht schwächlich sein, sondern Bescheidenheit heißt, die Grenzen seiner Fähigkeit zu kennen. Wer diese Grenzen kennt, der muß aber auch bis an diese Grenzen gehen. Wenn wir auf dem Wege über „Kraft durch Freude" dem Arbeiter Erholung und Urlaub geben, so wird der Unternehmer selbst den Vorteil davon haben, da er wieder frische Leute in seinem Betrieb sieht. „Kraft durch Freude" soll das Lebensniveau des Arbeiters heben. Diese Organisation steht beispiellos in der Welt da. 35 Millionen Menschen haben durch „Kraft durch Freude" über eine Milliarde Mark mobil aemacht. Von den 3,3 Millionen Menschen, die sportlich erfaßt wurden, haben bisher über 90 v. H. überhaupt keinen Sport betrieben. Das alles wurde erreicht ohne jeden Zuschuß vom Staat. Dr. Ley streifte dann kurz die Fett- und Butterfrage und sagte: Hier geht es um die Frage: Entweder die.fehlenden 20 Prozent Fett oder um vier Millionen Erwerbslose. Wir können genügend Fett besorgen, aber dann bist du in vier Wochen arbeitslos und dann wirft du in vier Wochen das Fett nicht mehr kaufen können; dann wird es dir noch schlechter gehen wie heute. Dr. Ley umriß zum Schluß die Zuständigkeiten in der sozialen Ordnung. Der Betrieb ist eine Einheit, er baut sich allein auf dem Vertrauen auf. Der Betrieb ist die lebendige Zelle, auf der sich die deutsche Wirtschaft aufbaut. Arbeitsfront und Partei werden nichts tun, was diese Harmonie stört. Wir drängen uns nicht hinein. Wir melden uns erst bann, wenn ihr nicht fertig werdet, wenn ihr Unvernünftiges tut. Alle Fragen, die vor den Vertrauensrat gehören, müssen im Vertrauensrat gelöst werden. Eine Berufungsinstanz gibt es nicht. Was über dem Betrieb liegt und fachlich ist, kommt vor den Arbeitsausschuß, während allgemein sozialpolitische Fragen vor die Arbeitskammer gehören. Was endlich die Wirtschaft von der sozialpolitischen Seite her berührt, wird im A r b e i t s - und Wirtschaftsrat behandelt. Jede dieser Einrichtungen liegt auf einer bestimmten Ebene. Alle zusammen dienen sie der Gemeinschaft, die Interessengegensätze auszugleichen sucht. Darauf verpflichtete Dr. Ley den Leiter der Arbeitskammer Pg. Willi Becker und verlas die Eidesformel, die von den Mitgliedern der Arbeitskammer nachgesprochen wurde. Sie lautet: „Ich gelobe Adolf Hitler die Treue — Ich gelobe die Gemeinschaft zu üben und zu fördern — Ich gelobe den Arbeitsmenschen ein ehrlicher Helfer in allen ihren Sorgen zu sein — Ich gelobe immerdar die Interessen der Nation allen anderen ooran- Zusetzen." Aus aller Wett. Schwere Stürme am Schwarzen und am Kaspischen Deer. Aus den Küstenstädten des Schwarzen Meeres kommen Berichte über schwere Sturmschä - d e n. In Noworossijsk wurden große Verwüstungen angerichtet. Im Hafen riß sich ein griechischer Dampfer vom Anker los und kam ins Treiben. Auf See gaben mehrere Schiffe Notsignale. Aehnlich lauten die Meldungen von der Nordküste des Kaspischen Meeres. Bei dem Hafen Gurjew rissen sich sechs größere und 45 kleinere Schiffe von den Ankern los und wurden mit insgesamt 78 Mann Besatzung in See getrieben. Ihr Schicksal ist äußerst ungewiß. Rettungsversuche mit Eisbrechern und Flugzeugen werden unternommen. Der schwere Nordoststurm hat die Temperatur weit unter den Nullpunkt sinken lassen. Explosion in einer französischen Dynamitfabrik. Eine Explosion zerstörte einen Teil der Dy- namitfabrik in St. Martin de (Trau bei Arles. Vier Arbeiter wurden getötet und zwar zwei Franzosen, ein Italiener und ein Annamit. Das Un- glück ereignete sich in der Nitroglycerinmischerei. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Im Zusammenhang mit einem Mittelmeerwirbel sind feuchte Luftmassen über den Balkan nach Deutschland vorgestoßen und geben seit Samstag früh Anlaß zu verbreiteten Niederschlägen, die im Osten und Norden des Reiches sowie in Gebirgslagen meist in Form von Schnee fallen. Da sich über Deutschland gleichzeitig ein flaches Tiefdruckgebiet ausgebildet hat, mutz vorerst noch mit der Fortdauer der überwiegend unfreundlichen Witterung gerechnet werden. Aussichten für Sonntag: Vielfach neblig und noch überwiegend bewölkt, sowie einzelne Niederschläge, Temperaturen wenig geändert, veränderliche Winde. Aussichten für Montag: Teilweise neblig, sonst veränderlich, bewölktes Wetter mit nur ganz vereinzelten Niederschlägen, für die Jahreszeit zu kalt. Lufttemperaturen am 22. November: mittags 3,0 Grad Celsius, abends 3,9 Grad; am 23. November: morgens 3,4 Grad. Maximum 4,1 Grad, Minimum 1,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. November: abends 4 Grad Celsius; am 23. November: morgens 4 Grad Celsius. — Niederschläge 0,0 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An- zeigen: Theodor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Erste Sitzung -er Ar-eitskammer Hessen Oer Reichsleiter der OAF. Or. Ley verpflichtet die Mitglieder der Kammer. V'? esenen > 11 u n g. »RUNDE SORTE« wä ins Da bai [en we uni kon Au sich' mit Leb aus rooi sche Ä »aus fp rt jeder, steige zum als t abtre fpretf Haber „<5 »e- W Staa darf zöhll wie': kanr All Ein rungei Wagn> Zahl t deutsch liebe f zu Der Zeit, i getrage dcsorrde iln gew unversjj in, die und di ^n' "le i leit ge «bi »Richt öle pei Meiti Werke urioerf Tvtalit H Hb einer Hufen ginbfje ^nnqe- ?u ein ^v'elo JNöi ÖQ1 o ®ir,e fS5 Ä ?A-°i Ä» &’• ShK'ch ?yttpei Ein gutes Bild als Weihnacbts-Gescbenlf macht immer Freude Kommen Sie sciion jetzt zu Photo-Pfaff! Schon für RM. 1.50 erhalten Sie 4 verschiedene Aufnahmen. Neu eröffnet im 1. 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Doch in der dritten Nacht — und am nächsten Morgen wollten wir zum Entscheidungsvorstoß vorwärts stürmen! — flog der Staudamm mit gewaltiger Explosion in die öust. Der einzige Mann von der M.-G.-Abteilung, der durch ein zufälliges Beiseitegehen die Sprengung überlebte, brachte mit Tränen der Wut im Blick das Meisje aus dem Bahnwärterhaus an. Das Wasser gurgelte schon um den Bahndamm durch den geborstenen Wall. „Der war's!" fluchte der M.-G.-Schütze. Denn das Meisje trug keine blonden Zöpfe mehr. Ein Mann. Deterding wollte ihm eins in die Schnauze schlagen und sammelte alle Flüche über ihn. „Warum?" fragte ich den trotzig dreinschauenden Feind. Ein siegesgewisses Lächeln war die Antwort. Ein triumphierender Blick nach dem zersprengten Wall, durch den nun die Wogen zischten, um uns abzuschneiden. Dann bat er nur noch, seine Männerkleider anziehen zu dürfen. . Nein, nein, er stelle keine Falle, ein Doppelposten möge ihn begleiten. Ich nickte nur ... Wir banden ihn an eine der Telegraphenstangen, die den Bahndamm entlang liefen. Dann schossen sie auf mein Kommando. Die Wasser fliegen. Befehl kam: Zurück. Totenstille lag über der Morgenlandschaft. Mit geneigtem Haupt hing an der Telegraphenstange der tapfere Spion. Im Zurückmarschieren wendete ich mich oft um und sah immer wieder zu dem toten jungen Belgier hin. Sonst ragte weit und breit nichts mehr gegen den Himmel als der Pfahl mit dem Gerichteten. Das werde ich nicht vergessen. Das ist der Tod von Ypern, wie ich ihn sah und erlebte. Vielleicht wären wir von der fünften Reserve- division sonst doch durchgebrochen, ehe die Wasser nahten. Ueberall waren wir im Vordringen. Ueberall wichen die feindlichen Truppen. Und ein gewöhnlicher Zivilist —Ja, der Tod von Ypern — der —■ Tod — von — Ypern--" S>M ligffinHffll W» 235. Weltmeister ♦ inbamm -nstange". nächsten toß vor« ometer« ier hat- s Meer ieg nach my >m lerne lag, un- ■Hgen achen . Die- feiner ) von n un» : run« Hafti« i biß)« diesem i end« stahl« )ttober oges» ;mck )lhe!o, )ei jii' nk er« S, ein M1 Samt« treten« tadel- fekten haus ktplaiz kasse hauende» Antwort ann von ges 8«; )ie mit us dem Flanke. Schwab, )ien gemeinen iiing be« sobald ge Kßo« Sri* h c ggen ™.f chts !i- •ff» $perrI um un$ ne W nein, - . ihn de' Denr hr. Ei» in die che über „die Geschichten aus aller Welt für des Deutscher, denke daran, daß du ein Glied der Gemeinschaft bist, und daß du mit der Gemeinschaft stehst und fällst. Dein Opfer für das WHW. gilt dieser Gemeinschaft! : 6. Privatvermögen, darunter unschätzbare : Kunstwerte, die Hearst aus allen Ländern zusammengekauft hat. Hearst gilt auf den Kunstmärkten : der Welt als der größte, wenn auch nicht als der wählerischste Sammler. „Fortune" setzt den Wert seiner Sammlungen mit 20 000 000 Dollar an. Zu den Stützen der Hearstschen Organisation mußte man auch einen Stab hervorragender Mitarbeiter und Fachberater nennen, besonders den Rechtsanwalt Neylan aus San Franzisko, der Hearst im Jahre 1925 bewog, seine Unternehmungen zu konsolidieren und auf eine praktischere finanzielle Basis zu stellen. Hauptsächlich diesem Umstande hat er es zu verdanken, daß sein gewaltiges Zeitungsreich die Depressionsjahre gut überstanden hat, ohne daß auch nur eine einzige Hypothek oder Schuldverschreibung in Verzug geraten wäre. Ja, er hat es fertig gebracht, nach wie vor beträchtliche Dividenden auszuschütten, so daß die „Klasse A" Aktien der Hearst Consolidated heute als eine der besten Anlagen in den Vereinigten Staaten gilt. Aus den genannten 6 Grundpfeilern erheben sich 2 weitere Säulen, nämlich die „Hearst Magazines, Jncorporation", die sich aus den 5 größten Zeitschriften zusammensetzt, und „Hearst Consolidated Publi- cations", die 1930 aus den zehn am besten verdienenden Zeitungen gebildet wurde. Die Aktien dieser beiden Gesellschaften sind im Besitz einer weiteren Dachgesellschaft der „Hearst Corporation". Ueber dieser thront die letzte und höchste Holding- Gesellschaft, die „American Newspapers Jncorpo- ration". Sie umfaßt neben den Bergwerken, dem Grundbesitz und dem Privatvermögen auch die 17 Zeitungen und acht Zeitschriften, die nur kleine Gewinne abwerfen oder gar mit Verlust arbeiten. Verluste der einen Zeitung werden gegen den Gewinn einer anderen abgeschrieben. Diese Gesellschaft dient also gewissermaßen als Clearing-Haus für alle anderen Hearst-Unternehmungen. „Fortune" will wissen, daß Hearst binnen Jahresfrist aus steuertechnischen Gründen eine Reorganisation seines ganzen Verwaltungsapparats beabsichtige. Die Zahl der Gesellschaften solle auf drei reduziert werden, an deren Spitze „Hearst Enterprises, Jncorporation" stehen werde, um eine ähnliche Clearing-Funktion auszuüben, wie jetzt die „American Newspapers." (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Ein Verwandtschafts-Labyrinth. (ht) Washington. Aus der Stadt Adams in Massachusetts wird über em verzwicktes Familienverhältnis berichtet. In der genannten Stadt nämlich haben der Witwer B. und sein Sohn am gleichen Tage die Witwe M. und ihre Tochter geheiratet. Aber nicht, wie man annehmen möchte, dem Alter entsprechend. Sondern: der Vater nahm die Tochter und der Sohn die Mutter. Der Vater ist damit der Schwiegersohn seines Sohnes, der Sohn aber der Schwiegervater seines Vaters geworden. Die Mutter ist die Schwiegertochter ihres Schwiegersohns, die Tochter die Stiefmutter ihres Stiefvaters. Wenn man nun' erst mit freudigen Farnilienereig- ninen in den beiden Ehen rechnet, kommt man zu Öen tollsten Ergebnissen: erhält der Sohn einen Nachkommen, so wird dieser der Onkel seinen eigenen Großvaters und der Stiefbruder seiner angeheirateten Großmutter (der Tochter). Aber wenn man hier weiter rechnen will, läuft man Gefahr ebenso verwirrt und gestört zu werden, wie hier nach unserem Gefühl die Eheverhältnisse an sich schon sind. Weshalb er den Füllfederhalter erfand. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Neuyork, Oktober 1935. Das Winterhilfswerk als Wirtschastsfaktor. Der Reichsbeauftragte Hilgenfeldt vor der Presse. Eine Lotterie für die „Fram". N.Z. Oslo. 3n Norwegen hat man jetzt eine Lotterie veran« staltet, deren Einnahmen die Erhaltung des berühmten Polarschiffes „Fram" sichern soll. Das 1 Schiff selbst, das einmal bereits abgewrackt werden sollte, bleibt der Nachwelt erhalten, so lange seine . Planken nicht auseinanderfallen. Es fehlt jedoch an ! ®elb für die Unterhaltung des Schiffes und des Fram-Museums. Dieses Polarschiff hat eine so rühm- 1 reiche Geschichte hinter sich wie kein zweites. Welt- bekannt wurde sein Name durch Nansens Po- larfahrt von 1893 bis 1896, die den großen Forscher bis zu mehr als 86 Grad nach Norden brachte. Der zweite Polarfahrer, der die „Fram" benutzte, 1 A"r nverdrup, der Entdecker des Sverdrup- Archipels im arktischen Nordamerika. Der dritte große Name schließlich, der sich unlöslich an die „Fram' knüpft, ist der Roald Amundsens, der auf dem Schiff seine berühmte Südpolfahrt unternahm, die 1911 zur Eroberung des Südpols führte. Für die Norweger ist es daher Ehrensache, das Schiff ihrer letzten großen Wikinger würdig zu bewahren. Dauner mit gutem Appetit. _ _ Da. Paris. Der Herr war dem Geschäftsführer gleich aufgefallen, denn er hatte sich beim Hereinkommen in öie hinterste Ecke des Restaurants verdrückt und sich so unauffällig wie möglich benommen. Nun machte er ihm indessen die Mitteilung, er sei Kriminalbeamter, konnte sich auch als solcher ausweisen; er müsse leider den Herrn am dritten Tisch von rechts sofort abführen, da er ein steckbrieflich gesuch- ter Hochstabler sei. Der Geschäftsführer machte^eine Einwände, ob- wohl ihm die ganze Sache sehr peinlich war, und er bat den Beamten daher, die Verhaftung rasch und ohne Aufsehen zu erregen, oorzunehmen. Der Hochstapler wurde durch einen Kellner ans Telephon gebeten, verschwand nach draußen und wurde dort schon von dem Kriminalbeamten erwartet, der ihm nach einigen kurzen Worten die Handschellen anlegte und ihn abführte. Erst jetzt merkte der Kellner, daß sowohl der Hochstapler als auch der Beamte ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten — so schnell was alles gegangen. Das konnte aber nachgeholt werden, und der Geschäftsführer selbst legte' am nächsten Tag die Rechnungen auf der Polizei vor. Leider kam er dort nicht zu seinem Recht, denn man wußte Weber oon einem Hochstapler noch von einem Kriminalbeamten, die in dem betreffenden Restaurant gewesen seien. Gerade wollte er fürchterlich losschimpfen, als der Inhaber eines anderen Lokals mit dem gleichen Begehren anrückte. Auch ihm wurde dieselbe Erklä- rung zuteil, denn auch heute hatte die Polizei keinen Beamten beauftragt, einen Hochstapler festzu- nebmen. Ebenso wie im ersten Lokal hatten die bei öen Betrüger zuerst ein reichliches Diner eingenommen und waren dann auf öie bekannte Weise oer- ' ™Unöcn' ohne ihre Rechnungen zu begleichen. Man muß schon sagen, daß die Gauner zu leben verstanden. Sie aßen sich durch, aber sie werden wohl letzt einen anderen Trick aussinnen müssen, denn die „Verhaftung" dürfte das nächste Mal nicht mehr klappen. „Wohlüberlegte"Antworten-grober Unfug Amerikas„Zeitungskönig"undsein Reich Bon unserem E. A H.-Lenchierstatter. Aus aller Welt. Felsstürze und starke Schneefälle im westlichen Norditalien. fiängs der Bia Aurelia in der Nähe von Kap M-l- ereigneten sich infolge des ungewöhnlich J -ts große Felsstürze. Die Napoleon- Im° 77 ?allyano ist durch einen Felsrutsch unpass,erbar geworden. Starke V h c t!n 16,1 des westlichen Nord- üaliens haben ebenfalls dazu beigetragen daß der «erkehr auf den beiden Landstraßen fast völlig ahrngelegt wurde. a Berlin, 22. Nvv. (DNB.) Jrn Hauptamt Dolkswvhlfahrt sprach der Reichsbeauftragte WHW., Hauptamtsleiter Hilgenfeldt, vor der Presse über das Winterhilfswerk. Für einen großen Teil des Wirtschaftslebens wirke'sich das WHW., dessen Gesamtumsatz dem Jnlandsum- satz der I. G. Farbenindustrie gleichkomme, äußerst belebend aus. Das Winterhilfswerk sei z. B. der größte Kohlen-, Textil - und S ch u h a b n e h m e r. Ein Güterzug mit der Menge der von ihm verteilten Waren würde öie r,J^Vlner neinen Stadt im Staate Pennsylvanien djneb em elfjähriges Schulmädchen kürzlich an Öen «euj der Lokalzeitung unö bat ihn um Rat. vlbre Lehrerin hatte einen Aufsatz über öie ameri- kanlsche Verfassung aufgegeben. Zwei Tage später erschien auf öer ersten Seite sämtlicher Hearst-Zeitungen Amerikas ein Leitartikel aus öer Feder des „Zeitungskönigs". Er begann mit Öen Worten- My dear young lady..." unö enthielt nichts anderes als öen verlangten Schulaufsatz. So ist William R a n ö o l p h H e a r st. Er sieht bis in die kleinsten Winkel seiner Redaktionen und kontrolliert doch das größte Zeitungsunternehmen der Welt. Gefürchtet von feinen Untergebenen, gehaßt von feinen Feinden, umworben von Politikern. Auf der einen Seite skrupellos, ja oft als charakterlos bezeichnet ein Mann, der sich nicht scheut, morgen fanatisch das Gegenteil von dem zu verfechten, was er heute behauptet hat, ist er auf der anderen Seite der erste und einzige Zeitungsmann in den Staaten, der versucht, dem amerikanischen Volk so etwas wie Na- tivnalgefühl einzuhämmern. den Nasenschutz. Von diesem völlig unorganischen Helm sind damals einige Hundert Stück hergestellt und wohl auch von Vogesenkämpfern getragen wor- öenfJ?le waren unmöglich als Helm, außerdem viel zu schwer, und sind sehr rasch wieder verschwunden. In einem Selbstporträt hat Professor Dollbehr die bizarre Form dieses ersten Stahlhelms des Weltkrieges festgehalten, und man kann sich eines leisen Lächelns nicht erwehren, wenn man dieses Bild betrachtet. Nein, öer heutige Öeutsche Stahlhelm, welcher auch öer Stahlhelm des Weltkrieges gewesen ist, ist für den deutschen Soldaten notwendige und ihn kennzeichnende Form, ein Symbol deutschen Kriegertums. Dieser Helm hat zahllosen Mannern im Kriege das Leben gerettet oder sie vor schweren Verwundungen bewahrt. Er verbindet das Zweckmäßige mit dem Gestalteten. Er erfüllt die künstlerische Forderung nach der Einheit von Sinn und Form in einem vollendeten Maße Er ist ein zweckmäßiges Gebilde von höchster Schönheit des Kriegerischen. Denn im deutschen Raum hat immer der kämpferische Mensch jeder Art die So bekannt die politische und finanzielle Macht I Hearsts ist, so war es doch sonderbarerweise bisher noch niemandem gelungen, den Wert seiner weitverzweigten Unternehmungen zahlenmäßig auch nur annähernd zu erfassen. Kaum seine besten Freunde ließ er einen Blick hinter die Kulissen werfen. Als Ichlauer Propagandist wußte er genau, daß die öffentliche Meinung um so leichter zu beeinflussen ist als diese Beeinflussung dem Mann der Straße unbewußt bleibt. Die amerikanische Zeitschrift „Fortune" hat nun als erste unter erheblichen Schwierigkeiten Hearst die Zustimmung abgerungen, vor der Öffentlichkeit auf Grund gewissenhafter Nachforschungen ein Bild von der Struktur seiner Zeitungsmaschine entwerfen zu dürfen. Die nachstehenden Ausführungen geben in wenigen Worten das wieder, was sieben Redakteure vom Stad dieser Zeitschrift in fünfwöchiger, mühseliger Arbeit aus allen Teilen des Landes zusammengetragen haben. Am Anfang des Hearstschen Zeitungsreichs stand em kleines Blatt, der „San Francisco E x a - m i n e r", das ihm fein Vater, der Senator George Hearst, tm Jahre 1887 vermachte. Heute wird das Vermögen des 72jährigen Zeitungskönigs auf 220 Millionen Dollar geschätzt. Er beschäftigt insgesamt 31 000 Personen, denen er jährlich 57 000 000 Dollar an Lohnen und Gehältern zahlt, besitzt 2 8 Zeitungen, die sich auf alle amerikanischen Groß- stadte verteilen, 13 Zeitschriften, zwei Filmgesell- chaften, acht Rundfunksender, enormen Großgrundbesitz in Neuyork, Kalifornien, Mexiko und England (Hearst ist der größte Grundbesitzer in USA.!) und em beträchtliches Privatvermögen. Das Bauwerk seiner Unternehmungen ruht auf folgenden sechs Grundpfeilern: 1. Bergwerke. Ausgedehnte Interessen in Sud-Dakota; 51000 Aktien der Cerro-de-Pasco- Bergwerke in Peru und Aktienmehrheit öer Gold- unö Silberbergwerke von Guanacivi unö San Louis in Mexiko. Gesamtwert 15 000 000 Dollar. 2. 28 Zeitungen, öer wertvollste in einer Hund vereinigte Zeitungsbesitz der Welt, mit einer Gesamtauflage von 5 500 000 an Wochentagen und 7 000 000 Exemplaren an Sonntagen. Diese Zeitun- (rt) Philadelphia. Bei Gelegenheit einer Ausstellung bemühte sich em Statistiker festzustellen, ob wirklich alle amerikanischen Erfinder, mit Ausnahme Edisons, arm gestorben seien. Er konnte zu seiner Beruhigung ermitteln, daß unter 66 namhaften Erfindern der Vergangenheit zehn wenigstens teilweise einen Gewinn aus ihren Entdeckungen ziehen konnten. Bei seinen Nachforschungsarbeiten stieß er auch auf eine sehr interessante, bis heute unbekannte Geschichte: auf die Erfindung des Füllfederhalters. Dessen Erfinder war ein gewisser Levis E. Watermann, von Berus Versicherungsagent. Der erlebte es mehrfach, daß ihm Kunden, die schon ihren Versicherungsbeschluß gefaßt hatten, wieder „umfielen", ehe er irgendwoher ein Tintenfaß und einen Federhalter herbeigeschleppt hatte. Als er aber das Tintenfaß in feine Rocktasche stellte, mußte er zu seinem Kummer mehrfach erleben, daß feine schönsten hellgrauen Anzüge durch Tinte ruiniert wurden, die aus den Tintenflaschen ausgelaufen war. Endlich wurde es ihm zu dumm. Er ging hin und Dreizehn Jahre „versprochen". _ . ft) Nizza. Zwei Statistiker, die sich seit mehreren Jahren oanut beschäftigten, ein System von Durchschnitts- zahlen für das menschliche Leben zu ermitteln, ha. ben die folgenden Resultate erzielt: Ein Mensch, der das Alter von 70 Jahren erreicht, verschläft mindestens 23 Jahre. Von der übrigen Zeit aber verwendet er weitere 23 Jahre für seine persönlichen -öergnugen. Er ißt sechs Jahre lang und spricht alles in allem — ohne Volksredner ober Straßen- oerfaufer zu sein — mindestens 13 Jahre. Auch das Waschen und Rasieren häuft sich nach und nach an. Ohne übertriebene Sauberkeit verwendet der Mensch immerhin 18 Monate dieser 70 Lebens- lahre allein auf die Reinigung seines Körpers. Zwei Stunden zu spät. (ma.) Belgrad. Vor Jahren lernten sich Arpad Nadj, ein junger ungarischer Student, der später die diplomatische Laufbahn emschlug, und Henni Bartel, eines der schönsten Mädchens Serajewos im Hörsaal der Wie- ner UniDerfität kennen und verliebten sich auf den erften Blick. Nachdem Arpad nun in der ungarischen Diplomatie eine feste und aussichtsreiche Stellung gefunden hatte, wollten sie heiraten. Aber der Vater des jungen Mannes verweigerte feine Einwilligung Die beiden Liebenden beschlossen deshalb, sich auf eine Urlaubsreife nach Dubrownik zu begeben und dort gemeinsam aus dem Leben zu scheiden. Sie nahmen Gift und warfen sich von einer Felsklippe in die Adria. Fischer jedoch hatten den Vorgang beobachtet und zogen beide bewußtlos und mit schweren Verletzungen aus dem Wasser. Im Krankenhaus, in das sie sofort eingeliefert wurden, kam jede ärztliche Hilfe zu spät; beide starben unter ben Hauben ber Chirurgen. Zwei Stunben später kam im Hotel, wo sie abgelegen waren, ein Telegramm bes Vaters bes jungen Manes an, in bem er enblich seine vorbe« haltlose Einwilligung zur Eheschließung aussprach. Es war zu spät... * (ha) Marseille. Francois F. ist wegen groben Unfugs zu fünf Tagen Gefängnis verurteilt worben. Er 'hat Protest eingelegt, weil nach feiner Ansicht absolut kein Un- fug vorlag. Er habe wahrheitsgetreu geantwortet. stand nämlich in einer Zeugenvernehmung vor Gericht und sollte „wohlüberlegt" Antwort geben auf öie Fragen, öie der Richter ihm stellte. Das Frage- unö Antwortspiel wickelte sich wie folgt ab: Wo wohnen Sie?" — „Bei meinem Bruöer'" — „Unö wo wohnt Ihr Bruöer?" — „Bei mir'" — „Wo aber wohnen Sie beide?" — „Zusammen!" Der Richter fühlt- sich verulkt, schlug auf den Ich und ließ den daraufhin sprachlos gewordenen Francois F. abführen. Nach fünf Tagen wird der Mann abermals „wohlüberlegte" Antworten geben muffen. ” ?nJLArin0en' "Fortune" Zufolge, jährlich etwa 100 000 000 Dollar ein. 3. 13 Zeitschriften, darunter vier englische. Gesamtauflage 4 500 000, Gesamtwert 25 000 000 Dollar. Davon entfallen allein 20 Millionen auf das Magazin „Good Housekeeping", das als best- gehendes Magazin der Welt gilt und im Jahre 1934 allein einen Gewinn von zweieinhalb Millionen Dollar abwarf. 4. Gemischte Gesellschaften, darunter ein „Feature"-Syndikat (King Features) zwei Filmgesellschaften und acht Radiostationen. Gesamtwert 14 000 000 Dollar. 5. Grundbesitz. Dazu gehört die 900000 Acker (ca. 1400 Quadratmeilen) große Baricora- Ranch in Mexiko, die San-Simeon-Besitzung in Kalifornien (270 000 Acker groß mit einem Dorf in oberbayerischem Stil). Grundstücke in Neuyork im Werte von 4 1 000 000 Dollar, womit Hearst nach Vinzent Astor der reichste Grundbesitzer Neuyorks ist, ein Schloß in Wales (England) ufw. Gesamtwert 56 000 000 Dollar. König Georg nach Griechenland unterwegs. Rom, 22. ffloD. (DNB.) Heut früh hat König Georg von Griechenland auf dem Kreuzer „Hellu die Reise in sein Heimatland angetreten. Sein Aufenthalt in Rom trug lediglich ben Charakter eines Höflichkeitsbesuches. privater Besuch Lord Beaverbrooks in Berlin. B e r H n, 22. Nov. (DNB.) Der bekannte englische Zeitungsbesitzer Lord Beaverbrook ist Zu einem privaten Besuch in Berlin eingetrvffen. torb Beaverbrook wirb, wie wir erfahren, einige Tage in ber Reichshauptsdadt bleiben und sich bann Bad) München begeben. baute einen „Füllfederhalter", der sich dadurch aus- zeichnete, daß er nicht funktionierte. Erst viele Jahre spater verkaufte Watermann sein Patent und zog wenigstens soviel Gewinn aus seiner Erfindung, das er die inzwischen leichtfinnigerweise gemachten Schulden abdecken konnte, ehe er das Zeitliche segnete und mit einem seiner Füllfederhalter im Sarg der Vergessenheit anheimfiel. Eine einträgliche Maus. (th.) Neuyork. Gemeinhin stellen die Menschen den Mäusen mit Fallen ober mit Katzen nach unb suchen sie zu vertilgen, wo sie ihrer nur eben habhaft werben können. Die „Micky-Maus" aber macht eine rühmliche Ausnahme. Sie ist so gern gelitten, baß ihr Freun- beskreis in bie Millionen geht. In bie Millionen gehen aber auch bie Summen, bie sie ihrem Schöpfer unb seinen Mitarbeitern, ben Filmprobuzenten, eingebracht hat. In ben Vereinigten Staaten allein sinb in ben sieben Jahren ihrer Existenz für 350 Millionen Mark Micky-Maus-Filme ober -Spiel- Zeuge verkauft worben, bavon für etwa 100 Millionen Mark allein im letzten Jahr. In Englanb werben alljährlich für 30 Millionen Mark, in Ka- naba, Australien, Frankreich, Spanien unb in ben skandinavischen ßänbern für je 5 Millionen Mark jährlich an Micky-Maus-Spielwaren aller Art umgesetzt. Es geht nichts über Haltbarkeit. Strecke Berlin—Gibraltar ausfüllen. Die Kohlengruben des Saargebietes müßten ein viertel Jahr hindurch nur für bas WHW. förbern, um dessen Bedarf zu decken. Allgemein würden 16 v. H. der Kohlenerzeugung vom Winterhilfswerk verteilt. Wichtig sei auch die ausgleichende Tätigkeit für viele Wirtschaftsteile, da das WHW. oftmals Ueberfchüsie aufnehme. So habe man im letzten Sommer 500 000 Zentner Gemüse aufgenommen und an die Volksgenossen verteilt. Das Gleiche gelte für die Fischversvrgung. Bei der Vergebung von Aufträgen würden die Rand Wirtschaftsgebiete besonders berücksichtigt. Der Spendeneingang sei jetzt schon höher als im Vorjahr. Auch die Ergebnisse der Eintopfsonntage lägen über denen des Jahres 1934. Man könne daher der weiteren Entwickelung mit Zuver- icht entgegensehen. Die Fürsorge des WHW. werde ich auch auf Kurz- und Heimarbeiter, be- onders in den armen Gebieten des Thüringer und Bayerischen Waldes, erstrecken. Zum Schluß gedachte Pg. Hilgenfeldt der vielen ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen, die sich tagaus, tagein für das Gelingen dieses großen Werkes der Volksgemeinschaft einsetzten. (t) Stockholm. Seit jeher bemühten sich die Militär- und Marine- behvrden, Lebensrnittel so herzurichten, daß sie recht lange hielten. Trotz einer vielleicht weniger vollendeten Technik erweisen sich die Fabrikate der Vergangenheit ab unb zu immer noch als bie haltbareren. So wurde vor ein paar Tagen in Stockholm dem Marineamt ein Zwieback eingereicht, der 56 Jahre alt ist. Ein alter Seemann hatte ihn seinem Sohn vermacht, der ihn seinerzeit wiederum seinem Sprößling gab. Fast zur gleichen Zeit hört man aus England von einer Packung Schokolade, öie als „Königin Viktoria-Schokolade" 'bei Ausbruch eines Kolonialkrieges den Soldaten zur Aufheiterung von Gemüt und Zunge mit auf den Weg gegeben wurde. Packung unb Schokolabe sinb in bester Serfaffung. Freilich wirb man sie — wenn es nicht nötig ist — kaum als Delikatesse verzehren. Entscheibung in sich getragen unb herbeigeführt, mag es sich nun um soldatische Vorgänge bes Krieges ober um funureüe Schöpfungen der Dichtung oder oer Musik handeln, mag es nun um die Ausein- anöerfetjung im religiösen Glauben ober um den politischen Willen gehen. Unter diesem Helm sind fast zwei Millionen deut- che Soldaten gefallen und haben die große Ueber- heferung ber Geschichte weitergereicht an bie, welche nach ihnen kommen. Unb mit biesem Helm ist jener Selbstbehauptungs- unb Lebenswille ber früheren Deutschen unter ben herrschenben Gestalten pes Mittelalters wieberaufgenommen worben. Das Iteat beftimmenb in ber Form biefes stählernen Gebildes „zu Schutz unb Trutze". Unter biesem unermeßliches Sinnbild ber beutschen Wehrhaftigkeit und des deutschen Willens zur Nation marschieren heute die Soldaten des Deutschen Reiches, Waffenträger der Nation". AEG EG" Jeutfchlanomejjter ______________163 ~ ■ » Europamclftet ♦ RM- 235 -1 Erst das Opfer adelt! Das Winterhilfswerk des deutschenBauern. Unruhe herrfcht in der Welt. Der Krieg mit all seinen Schrecken droht tagtäglich aus den Spalten der Zeitungen. Inmitten dieser brandenden Unruhe steht wie ein unverrückbarer Fels das natio- n a l s o z i a l i st i s ch e Deutschland, in dem unermüdlich und unbeirrbar an einem umfassenden Wiederaufbauwerk gearbeitet wird. Die Not in Deutschland war riesengroß, das Erbe der Herren des Nooemberstaates ein millionenfaches Arbeitslosenheer und ein kaum vorstellbares Elend. Dieser Not zu Leibe zu gehen, erforderte eine unerbittliche Einsatzbereitschaft und einen fanatischen Willen. Wenn auch die Zahl der Arbeitslosen von Tag au Tag sich verkleinert, wenn auch mehr und mehr Arbeitsplätze geschaffen werden, noch immer gilt es, Volksgenossen vor Hunger und Kälte zu schützen, ihnen zu zeigen, daß das Deutschland Adolf Hitlers keinen Blutsgenossen im Stich läßt. Auch für das Jahr 1935/36 hat deshalb der Führer zum Winterhilfswerk aufgerufen. Für alle Deutschen gibt es darum nur einen Befehl: Einsatz bis zum Aeußersten! Nicht darauf kommt es an, daß man ein paar Groschen gibt, daß man ein paar Stunden der Sammelarbeit widmet. Nein, erst dann habe ich meine Pflicht erfüllt, wenn meine Gabe, mein Einsatz für mich e i n Opfer bedeuten. Auf das Opfern kommt es an, e r st das Opfer adelt! Da ist das Zehn-Pfennig-Stück des ärmeren Volksgenossen oftmals wertvoller als das Fünf-Mark-Stück des reichen Mannes! Opfern sollst du, deutscher Volksgenosse! Erst dann hast du bewiesen, daß du den Ausruf des Führers verstanden hast. Wenn aber einer berufen ist, seine Opferwillig- keit und Einsatzbereitschaft zu einem leuchtenden Beispiel zu machen, dann ist es der deutsche Bauer. Mit all seinen Kräften hat der Führer sich für die Rettung des Bauerntums eingesetzt, das vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch stand. Die Maßnahmen der nationalsozialistischen Agrarpolitik haben die Existenzgrundlagen des Bauerntums wiederhergestellt und Lebensoerhältnisse geschaffen, die es dem Bauern ermöglichen, in Ruhe und Sicherheit seiner Arbeit nachzugehen. Die vergangenen Jahre haben gezeigt, welche Opfer das Bauern- . tum zu leisten imstande ist. Aber damit ist die Aufgabe nicht erfüllt! Ein neuer Winter steht vor der Tür. Und wieder heißt es: Ei n s atz und Opfer! Phrasen und leere Worte stehen heute in Deutschland tief, sehr tief im Kurse. Auf die Tat allein kommt es an! Kein Volksgenosse darf im kommenden Winter hungern und frieren! Wer durch die Ungunst der Verhältnisse noch keine Ar- beits- und Derdienstmöglichkeiten bekommen konnte, der soll aber wissen, daß hinter ihm Deutschland, die geschlossene Front seines Volkes steht. Wenn auch gerade im vergangenen Jahr die schlechten Witterungsoerhältnisse den Bauern manchmal übel mitgespielt haben, so hat der Boden doch immer noch seine Früchte gegeben und jeder Bauer weiß, worauf es ankommt: Zu opfern, damit die sozialistische Gemeinschaft aller Deutschen immer wieder aufs neue durch die Tat bewiesen wird! Kh. B. Deutschlands einstiger Besitz Gamoa Im Rahmen des Volksbildungswerkes sprach in Annerod der Direktor des Landwirtschaftlichen Institutes der Universität Gießen, Professor Dr. S e s s o u s , über den einstigen deutschen Kolonialbesitz Samoa. Der Vortragende, der zu Beginn des Jahres 1912 vom Reichskolonialamt als landwirtschaftlicher Sachverständiger nach Samoa geschickt wurde, hatte dort reichlich Gelegenheit, Land und Leute kennen zu lernen. Unterstützt von schönen Lichtbildaufnahmen verstand er es, seinen Zuhörern einen lehrreichen und anregenden Abend zu bereiten. Die Schilderung der Fahrt von Deutschland durch das Rote Meer an Indien und Australien vorbei zu jener Inselgruppe Samoa, deren größte Inseln Savaii und Upolu sind, ließ die ungeheure Entfernung erkennen. Die Schilderung der Bodenbeschaffenheit dieser Inseln vulkanischen Ursprungs, die, begünstigt von tropischem Klima, sehr ertragreich sind, unterstützten zahlreiche Aufnahmen der abwechslungsreich gestalteten Landschaft. Samoa war eine wirtschaftlich ertragreiche Kolonie, die sich nach wenigen Jahren deutschen Besitzes finanziell schon selbständig erhalten konnte, so daß sie sehr wertvoll für das Mutterland geworden war. Die Deutschen haben durch die Verwendung der Kopfsteuern zum Wohle der Eingeborenen, im Gegensatz zu anderen Kolonialmächten, die nur Ausbeute betrieben, den Reichtum des Landes gefördert. Unter deutscher Führung blühten diese Inseln auf. Palmen, aus deren Kokosnüssen wertvolle Kopra gewonnen wird, Kakao- und Kaffee-, besonders auch Kautschuk-Anpflanzungen, machen den Reichtum dieser Länder aus. Des Vortragende Aufgabe war es, dieses Land durch bessere Anbau- und Düngungsmethoden noch ertragreicher zu gestalten. Wie das zustande gebracht wurde, führte der Redner an reichlichem Anschauungsmaterial vor Augen und bot damit einen ausgezeichneten Einblick in die Verhältnisse von Land und Leuten. Der sehr interessante Vortrag fand lebhaften Beifall, so daß sich Prof. S e s s o u s zu einer Fortsetzung bereiterklären mußte, bei der er seine Erlebnisse in der englischen Gefangenschaft während des Krieges mit anschließen wird. Chorgesänge und Sprechchöre der Schuljugend und sinnig gewählte Darbietungen des Gesangvereins gestalteten den vom Stützpunktleiter Pg. Schäfer geleiteten Abend zu einer Feierstunde, die zugleich als eine Werbung für den Verein für das Deutschtum im Auslande aufgefaßt werden konnte. So brachte dieser Heimabend für das Amt für Volksbildung einen reichen Gewinn. Klempner-, Installateur- und Kupfer- schmiede-^nnung Man berichtet uns: Die Klempner-. Jnstallateur- und Kupferfchmiede-Jnnung für den Kreis Gießen hielt ihre ordentliche Hauptversammlung in der Gastwirtschaft Boller zu Gießen ab. Gleichzeitig war die Ueberreichung der Gesellenbriefe an die Junggesellen, welche die Gesellenprüfung mit Erfolg bestanden hatten, damit verbunden. Der festlich geschmückte Raum deutete schon auf den Ernst der feierlichen Handlung hin. Nach kurzer Begrüßung der Jnnungskollegen aus Stadt und Land und nach einem besonderen Willkommengruß an Kreishandwerksmeister S t ü h l e r richtete der Obermeister Rüdiger an die Junggesellen herzliche Worte und ermahnte sie, treu und ehrlich in ihrem Handwerk weiter zu arbeiten und sich der großen Pflichten bewußt zu sein, die heute jeder Lehrling, Geselle und Meister dem Handwerk in seiner Gesamtheit und seinem Führer und Vaterland schuldig ist. Am Schluß seiner Worte, die von den Junggesellen stehend angehört wurden und die in ihrer Schlichtheit und Feierlichkeit einen tiefen Eindruck hinterließen, sprach er die sieben Lehrlinge (Wilhelm Bader, Andreas Bau m, Wilhelm Blum, Karl E i d t m a n n , Fritz Müller, Otto Reinig und Otto W a l l b o 11) frei und verpflichtete sie durch Handschlag als deutsche Handwerksgesellen. Nunmehr ergriff der Vorsitzende des Gesellenprüfungsausschusses, Kollege Heinrich Blum, das Wort, richtete an die Junggesellen herzliche Ermahnungen und überreichte ihnen die Gesellenbriefe nebst Diplome und wünschte ihnen eine gedeihliche Weiterarbeit. Dann sprach Kreishandwerksmeister Stühler, um den Junggesellen den Ernst der Handlung im Hinblick auf das große Werk der Aufbauarbeit des deutschen Handwerks und darüber hinaus unseres gesamten deutschen Vaterlandes durch den Führer Adolf Hitler in feierlicher Weise vor Augen zu führen. Seine Ermahnungen an die Junggesellen gingen darauf hinaus, nicht nach links und nicht nach rechts zu schauen, sondern nur immer den Blick auf das große Ganze zu richten, dann wurden sie dereinst mit die Träger des neuen Deutschland werden. Auch diese Worte verfehlten ihre Wirkung auf die Junggesellen nicht. . Nachdem noch das Gesellenbeirats-Mitglied Hermann Luft, in Verhinderung des erkrankten Altgesellen Wilhelm Wacker, die jungen Gesellen in die Gesellenfachschaft aufgenommen und sie ebenfalls durch Handschlag auf ihre Pflichten hingewie- fen hatte, war der feierliche Akt zu Ende. In der folgenden Jnnungsversammlung gab Kollege Blum einen Bericht über die Zwischenprüfung und wies die Mitglieder darauf hin, daß entsprechend dem zum Versand kommenden Prü- fungsbogen die Arbeit von den Lehrlingen auszu- ren fei. Diese Arbeiten sollen in der im Februar 1936 stattfindenden Jnnungsversammlung ausgestellt werden, damit sich jeder von dem Stand der Lehrlingsausbildung überzeugen könne. Die besten Arbeiten sollen mit Preisen ausgezeichnet werden, Lehrlingswart Kollege Lich gab noch sehr eingehende und wichtige Mitteilungen bezüglich der Lehrlingsanmeldungen und Vergütungen bekannt, die allen Kollegen zur unbedingten Befolgung empfohlen wurden. Unter Punkt „Verschiedenes" wurden noch geschäftliche Anfragen behandelt und u. a. zur Zeichnung der Adolf-Hitler-Spende, Teilnahme an der Reichsstraßensammlung am 1. Dezember usw., Zahlung der rückständigen Beiträge aufgefordert. Weiterhin wurde auf den Winterarbeitsplan der Dzly. aufmerksam gemacht. Eine längere Aussprache über besondere interne Angelegenheiten schloß sich an. Der Obermeister wurde beauftragt, mit den zuständigen Stellen Rücksprache zu nehmen und zu berichten. Die anregend verlaufene Versammlung wurde mit dreifachem' Sieg-Heil auf unseren Führer Adolf Hitler geschlossen. Frankfurter Marktberichte. Wochenbericht vom Frankfurter Gchlachtviebnrarkt. Bei wenig veränderten Preisen gegen die Vorwoche nahm das Geschäft am Schlachtviehmarkt wieder auf allen Märkten einen lebhaften Verlaus. Die Zufuhren haben sich meist weiter erhöht, insbesondere ist eine weitere Vermehrung der Anfuhren von auch qualitätsmäßig besser werdenden Schweinen sestzustellen. Der Austrieb betrug 2146 (2022) Stück, daneben standen etwa 1500 halbe Schweine am Fleischgroßmarkt zur Verfügung. Der Markt wurde zu den gültigen Festpreisen glatt geräumt. Für Großvieh hat sich die Zufuhr auf 1070 (996) Stück erhöht. Nach sehr lebhaftem Geschäft und bei unveränderten Preisen w"' der Markt schnell geräumt, nur in geringeren .Men verblieb etwas Ueberftanb. Arn Kälbermarkt war die Beschickung mit 846 (1094) Stück etwas schwächer. Bei leicht erhöhten Preisen und lebhaftem Handel wurde der Markt ausverkauft. Hämmel und Schafe verzeichneten bei erhöhter Zufuhr (345 gegen 338) und recht guten Qualitäten lebhaftes Geschäft. Für beste Weidemast- hämmel zogen die Preise leicht an. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Bei im Gesamtumfang noch kleinen Umsätzen ließ sich der Absatz in Brotgetreide in dieser Woche etwas besser als in der letzten Zeit an, nachdem schon in der Borwoche eine leichte Zunahme in der Nachfrage festgestellt werden konnte. Da die Andienungen der RsG. nachgelassen haben und sich auch das Weizenmehlgeschäft freundlicher entwickelte, zeigten die Mühlen Kauftnteresse für Weizen, wenngleich sich der Bedarf in der Hauptsache auf Qualitätsware richtete, während Durchschnittsqualitäten wenig gefragt werden und mehr als ausreichendes Angebot haben. Auch Kleberweizen wird gesucht, doch lag Angebot kaum vor. Das Angebot in Roggen blieb reichlich, obwohl sich das Ange- bot der Landwirtschaft kaum verstärkt hat. Da aber fast nur die Landmühlen laufend Käufer sind, während die Großmühlen nach den Andienungen durch die RfG. hinreichend versorgt bleiben, tritt das Angebot stärker in Erscheinung und es verbleiben tuet- terhin überschüssige Mengen. Der Gerstenmarkt liegt weiterhin fest. Das Angebot bleibt sowohl von Brau- und Jndustrie- gerste sowie von Futtergerste völlig ungenügend, insbesondere ist letztere nicht erhältlich, während der Bedarf sich eher noch vergrößert hat. Vielfach versorgten sich die Mäster mit Futterroggen als Ersatz für Gerste. Das Angebot in Hafer hat sich geringfügig ge- bessert, reichte aber für den starken Bedarf nicht aus; seitens der RfG. wurden kleine Zuteilungen vorgenommen. Am Futtermittelmarkt gehen die Zuteilungen in oelhaltigen Futtermitteln durch die RfG. weiter, so daß die Nachfrage nicht mehr so dringend ist; im freien Markt find Oelkuchen allerdings nicht zu haben. Die Versorgung mit Kleie läßt allgemein zu wünschen übrig, da der Anfall noch keine we- senttiche Besserung zu verzeichnen hat. Biertreber blieben ebenfalls sehr gesucht, das wenige herauskommende Material findet zu den hohen Preisen schlank Aufnahme. Englische Biertreber wurden zu etwa 11,80 Mark je 100 Kilogramm an Frankfurt a. M. gehandelt. Die lebhafte Nachfrage nach Trocken- und Steffenschnitzel hält an. Der Rauhfuttermarkt hat bei kleinem Angebot ruhiges Geschäft, Sttoh wird aus Süddeutschland gefragt. Am Mehlmarkt hat sich das Geschäft in Weizenmehl etwas belebt, insbesondere hielt die Nachfrage nach den für die Festzeit vorgesehenen feinen Mehlen der Typen 405 und 563 an. Auch Brotmehle der Typen 790 und 1600 blieben gefragt. Das Roggenmehlgeschäft bleibt schwach, die wenige Nachfrage beschränkt sich in der Hauptsache auf die hellere Type 815. Futtermehl hatte weiterhin guten Abzug, dagegen blieben Nachmehle stark zurück. _________________________________ Herr Heinrich Bierau Lollar, Gießen, Mannheim, den 22. November 1935. Keller. 383 D 6754 D Dank aus. Besichtigung. 06011 Heuchelheim, den 22. November 1935. 6750 D Geschwister Bender und alle Angehörigen I Wellhöfcr, Telephon 2313, Marb. Str. 24. Hartbrennbolz, ä, Wagen 5 Mk., Anmachbolz ä Wagen 6 Mk., 1 Sack Anmachholz 1 Mk. frei EineDelik.i.mein Pflaumenmus a.gar.fr.Pflaum. n.Hausfrauenart gew., d. 10-Pfd.- Pofteim.fr. Haus zu Mk. 5,- Nachnahme. Garant. Zurückn. [ «724 D Gg. Krebiel, Eich (Rheinb.). Heute morgen verschied nach kurzem, schwerem Leiden unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater und Urgroßvater ZU Weihnachten Kathol. Gesangbücher, Schott-Meßbücher,Anterhalt.-Bücher f.Kinder u. Erwachsene, Figuren, Kreuze, Weih- kessel, Bilder, Künstlerkarten usw. Weihnachtskrippen in allen Preislagen. — Zwanglose Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Heimgang unserer lieben Entschlafenen sowie für die wohltuenden Worte des Herrn Pfarrer Weisel, für die vielen Blumenspenden, und all denen, die ihr das letzte Geleit gaben, sprechen wir hiermit unseren innigsten Die Beerdigung findet am Sonntag, dem 24. November, nachmittags 2y2 Uhr in Lollar statt. im Alter von 89 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen; Marg. Bohl, geb. Bierau. Emilie Gvegovk Katholische Buchhandlung Kreuzplatz 14 (Eingang Rittergasse am Sporthaus Schwan, 3. Eingang) 6639 V Statt besonderer Anzeige Werner Mobs im Alter von nahezu 11 Jahren entrissen Gießen, den 21 November 1935 Die Beerdigung fand in der Stille statt 6759 D Nach Gottes unerfor schlich em Ratschluß wurde uns durch Unglück sf all unser einziger lieber Sohn, Bruder, Enkel und Vetter Franz Mobs und Frau Eva, geb. Kübel nach vollendetem 90. Lebensjahr zu sich zu nehmen. innerung fortleben. 6729D Die Briefträger des Postamtes Gießen Gießen (Katharinengasse 14), den 22. November 1935. 05027 Gratis Liste über 200 VornehmI Geschmackvoll! PersönlichI u» 80 Sorten Pel%»Plüsdie Samthaus Schmidt, Hannover/6L. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere liebe Mutter, Großmutter. Urgroßmutter und Tante bietet Ihnen In^ahlrelchen neuzeitlichen Ausführungsarten und Papieren zu mäßigen Preisen Brühl’sche Druckerei, Schulstr. 7, Ruf 2251 verschied.^ Die Beerdigung findet am Montag um 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Vogel und Frau. Schon wieder haben wir den Verlust eines teuren Mitarbeiters zu beklagen. Am 21.November verschied plötzlich und unerwartet unser Arbeitskamerad Wilhelm Weller, Postschaffner Wieseck Lange Jahre hindurch haben wir mit ihm zusammen gearbeitet und wußten ihn als einen treuen, aufrechten Kameraden zu schätzen. Er wird bei uns in der Er- Frau Barbara Löber geb. Rohrbach Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme, besonders für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrers sagen wir herzlichen Dank. Franz Kreuzburg und Familie Gießen, den 22. November 1935. __________________________________04989 e _ _ Diese wesentlichen Eigenschaften der guten Kleider-Samte Familien-Drucksache SIMWkWMlW Kostenlofe Beratung und Begutachtung m allen Fragen der Erbgefundheitsvflege, ärztliche Unter- luchungaufEhetauglichkeit(Ehetauglichkeitszeugniffe) ulm., entsprechend d.reichsgeseklicben Bestimmungen, bei der 6603V Abteilung für Erb- und Nassenpflege des Staat!. Gesundheitsamtes Bietzen, Friedrichstraße 18(neben der Augenklinik). Sprechstunden riir Eheberatung: Dienstags von 16 bis 18 Uhr. Dringende ftäue auch zu anderer Zeit, nach vorheriger Anmeldung (Telephon 3173). Innnen-? MlllMvtz abzugeb. 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Augenblicksbild von der HJ.-Flagaenhissung an der Oeffentlichen Handels-Lehranstalt. (Aufnahme: Photo-Pfaff.) m ?3 iij* •21m gestrigen Freitagmittag 12 Uhr traten die Schülerinnen und Schüler der Oeffentlichen Handels-Lehranstalt Gießen vor dem Liebighaus (Liebigstraße) an, um in gemeinsamer Feier mit dem Lehrkörper die Hissung der Fahne der HI. zu begehen. Fast alle Schülerinnen trugen die Tracht des BDM., die Jungens waren mit wenigen Ausnahmen im Braunhemd erschienen. Dem Schulleiter Dr. Kruse wurde die angetretene Schulkameradschaft gemeldet. Mit einem gemeinsam gesungenen Lied wurde die Feier eröffnet. Der Leiter der Schule Or. Kruse hielt sodann eine kurze Ansprache, in der er u. a. jagte: 97 v. H. der Jugend der Schule marschieren in den Gliederungen der Bewegung. Der gesamte Lehrkörper steht in den Formationen der Partei. Wir alle stehen im gleichen Gesetz, folgen unbeirrt dem Manne, der das neue Banner vor uns auf= richtete. Wir wissen, daß noch eine große Weg- ftrerfe zurückzulegen ist. Deshalb müssen alle aufbauwilligen Kräfte mitarbeiten, deshalb müssen auch Elternhaus, Schule und HI. gemeinsam in ihren Aufgabengebieten arbeiten zum Wohle der Jugend und des Vaterlandes. Es ist aber nicht mit schönen Worten getan. In der Schule weiß man, daß die Haltung und die Leistung entscheidet. Der Notwendigkeit der hohen beruflichen Leistung kann sich niemand entziehen. Erfüllen wir. was wir als Hiffung her Zahne her $ Gar frisch sahen die Hunderte von Mädchen in ihrer schmucken BDM.-Tracht aus, die, von ihren Lehrern geführt, sich nach der dritten Unterrichtsstunde im vorderen Hofe der Schillerschule um den Leiter der Schule, Rektor Stroh, sammelten, um im Beisein der Vertreterinnen des BDM. dem Tag der Hausmusik eine ganz besondere Prägung zu geben. Es galt, ihn einzuleiten durch eine eindrucksvolle Morgenfeier zur Hiffung der Fahne der HI., die ihren Höhepunkt fand in der Ansprache des Rektors, der in kurzen Strichen die eindeutige Entwicklung der neueren und neuesten Geschichte von 1813 bis zum Jahre 1933 zeichnete, immer betonend: Deutschland wird leben, wenn es "bas geschichtliche Naturgesetz achtet, nämlich aus Gott die Kraft holt, vom weisen Alter den Rat leiht und durch die Jugend die Tat zeigt! Die Ketten von Versailles und die Jahre die Bruderzwistes hätten das Vaterland im Grundgefüge bereits wankend gemacht, und der stolze Bau der Väter wäre Verpflichtung übernommen haben! Die Fahne ist uns der Marschrichtungspunkt. Zum Zeichen der gemeinsamen Arbeit von Schule und HI. wird deshalb heute die Fahne der HI vor dem Schulhause gehißt. Nach der Verlesung eines Wortes aus Adolf Hitlers „Mein Kampf" hielt lluierbauuführer Günther eine kurze Ansprache. Durch die deutsche Geschichte geht, so sagte er u. a., wie ein roter Faden der Wunsch nach Einheit und einem starken Führer. Die Jugend der Gegenwart folgt zielbewußt dem Führer, und es ist die große Aufgabe unserer Zeit, die gesamte deutsche Jugend in der Hitler-Jugend zu vereinigen. Es ist noch mancher Kampf zu bestehen, lieber jene, die heute noch der Hitler-Jugend fernstehen, wird man hmweggehen. Dankbar sind wir dem Führer, daß es ihm gelang, eine einige deutsche Jugend zu schaffen. Mit der Fahnenhissung tun wir kund, daß wir alle hinter dem Führer stehen. Die Fahne soll aber nicht nur ein äußeres Zeichen sein, sondern eine innere Verpflichtung zur Gefolgschaft, dem Volke, dem Staate und dem Führer gegenüber. Nach einem Fahnenspruch wurde auf das Kommando des Unterbannführers Günther die Flagge der HI. gehißt. Das Lied der Jugend „Vorwärts, vorwärts" beschloß die Feier. )3. in her Schillerschnle. ins Wanken gekommen. Da sei ein Retter erschienen, Wegrichtung und Ziel weisend — der Führer. Sein Ruf gelte allen, insbesondere aber der Jugend. Mit dem Symbol, der neuen Fahne, mit der Idee, ein Gott, ein Volk, ein Führer, ein Vaterland, marschiere diese neue Jugend in die Zukunft im Glauben an Deutschland,' in der Liebe zu Deutschland, in der Treue zu Deutschland. Auch die Schillerschule habe sich längst eingereiht. Heute seien die meisten ihrer Schülerinnen auch Glieder des BDM. Darum soll von jetzt ab neben der Reichs- flagge die Fahne der HI. vom Schulgebäude wehen und eine dauernde Mahnung an die Schülerinnen jein, im Glauben an Deutschland immer zu wachsen, in der Liebe zu Deutschland stetig zu glühen und in der Treue zum Vaterland ständig zu erstarken Nun hißte der Hausmeister der Schillerschule zum ersten Male die Fahne der HI. Hunderte von Arme erhoben sich zum Gruß Ein Mädchen sprach das Gedicht: „Steckt fester die Fahne!" Den Schwur der Treue faßte der Schulleiter in wuchtig packende Worte. Dann hallte über den Hof das Lied der Jugend: „Vorwärts, vorwärts ..." Die Köpfe reckten sich, die Augen glänzten, ruckartig hoben sich die Arme, Hunderte fangen begeistert die große Weise: „Unsere Fahne ist die neue Zeit." Mit einem Sieg-Heil auf das Vaterland und den Führer klang die Feier aus. X. Z. Fellingshausen läßt nach Wasser bohren. Wasserbohrung. Arbeit an dem alten, aber allein zweckmäßigen Bohrgerät. (Aufnahmen |2J: Neuner, Gießener Anzeiger.) 4 "• * x W HW Wer gegenwärtig die Straße nach Gladenbach dicht hinter dem Dorfe Fellingshausen am Fuße des Dünsbergs passiert, wird auf ein merkwürdiges Geräusch aufmerksam, das ihm in die Ohren klingt. Es ist ein regelmäßiger Schlag, etwa wenn hart auf hart prallt; metallisch nachklingend. Die Erklärung ist einfach: die Gemeinde Fellingshausen läßt nach Wasser bohren. Am Fuße des Berghanges rechts der Gladenbacher Straße sind Arbeiter dabei, mit Hilfe eines einfachen, vielfach erprobten Gerätes im Auftrag Der Bohrkeil wird aus dem Bohrloch gehoben. -A LA NM. der Gemeinde die Bohrung vorzunehmen. Vor kurzer Zeit war ein Mann aus Wetzlar in der Gegend auf der Suche nach Wasser gewesen, der prüfend und forschend über Wiesen und entlang dem Berghang ging, um schließlich zu dem Ergebnis zu kommen, daß an dieser oder jener Stelle Wasser zu finden fei. Er stellte feine Forschungen nach Art der Wünschelrutengänger an, ohne sich jedoch eines entsprechenden Gerätes zu bedienen. Inwieweit er von feiner gefühlsmäßigen Reaktion, von feinen Vermutungen, oder von feinem Wissen um die gesetzmäßigen Bedingtheiten eines Wasservorkommens richtig geführt wurde, muß die nun feit kurzer Zeit im Gang befindliche Bohrung beweisen. Eine solche Bohrung ist nicht nur eine sehr zeitraubende, sondern auch eine sehr teure Sache. Doppelt teuer ist die Bohrung bann, wenn hartes Gestein über der wasserführenden Schicht liegt und die Arbeit erschwert. Und gegenwärtig haben der Bohrmeister und die Bohrmannschaft, die für die Gemeinde im Tagelohn arbeitet, mit härtestem Gestein zu kämpfen! Die kräftige Schicht weichen Mutterbodens ist längst mit dem Spiralbohrer überwunden worden. Die Bohrarbeit vollzieht sich sehr einfach. Das Arbeitsgerät besteht aus einem schweren Hebebaum, dessen langer Hebelarm in einem Querbalken ausläuft, den fünf oder sechs Mann kraftvoll auf und ab bewegen. Am kurzen Hebelarm befindet sich an eifernen Stangen das eigentliche Bohrgerät, der Spiralbohrer, der Schaufelbohrer (für weicheres Erdreich), ober ber Bohrkeil für Steinbohrung. Dieser Bohrkeil, ber in Größe unb Gewicht verschieden fein kann, ist sinnreich befestigt, unb zwar zusammen mit einem langen runben Eisenstück, bas etwa bis zu sechs Zentner wiegt. Dieses Gewicht wird mitsamt dem Bohrkeil immer wieder durch Menschenkraft und über den langen Hebelarm hochgehoben, dann ausgelöst, so daß es mit der Wucht des ganzen Gewichts (Gewicht und Bohrkeil etwa sieben Zentner) auf die Steinschicht auftrifft und dabei jeweils kleine Teile abschlägt. Nach jedem Jhr Kind lacht WlkMMWWU Koman von Frank F. Braun. 17 Fortsetzung Nachdruck verboten! Einen kurzen Augenblick lang, während eines wirklich nur sehr kurzen Ueberraschungsmomentes war eine Bewegung da, die ihre Hand nach dem Revolver tasten ließ. Aber die Hand griff nicht zu. Ilia war eine leidenschaftliche Person; wie sie Liebte, würde sie auch hassen. Einen Augenblick stand aües auf der Schwebe. Vermochte sie ein Gefühl aus dem Herzen zu reißen? Die Vernunft siegte. „Ich will ihn sprechen", sagte sie und beendete alles innerliche Fragespiel. Ohne Hut, aber im leichten Mantel, den sie noch «nhatte, ging sie hinaus. Das Zimmermädchen, ,erabe auf dem Gang beschäftigt, blickte ihr kopfschüttelnd nach. Robert Nydegger saß auf einem Stuhl in seinem laum komfortablen Zimmer. Er hielt den Kopf in Ilie Hände gestützt und starrte auf die nicht mehr iaubere Tischdecke, die er selber mit Aschenresten i beschmutzt hatte. Er vernahm nicht, wie draußen im Flur jemand tagte: „Die zweite Tür links, Fräulein." Er über» hörte auch das Pochen gegen feine Tür, denn er 1 >elt sich die Ohren zu, ohne es zu beabsichtigen. Ilia wartete zwei, drei Atemzüge, dann drückte s e die Klinke nieder und betrat das Zimmer. Sie sah dort Robert Nydegger mit dem Rücken der Tür -^gekehrt am Tisch sitzen, und sie schloß hastig, aber sorgfältig diese Tür hinter sich. Sie brachte kein Sßort heraus, sondern blieb stehen, wo sie stand. Crft jetzt merkte sie, daß sie sich selber überrumpelt hatte mit ihrem Entschluß. Der junge Mann am Tisch mußte wohl doch ein Geräusch gehört haben. Er ließ die Arme sinken um drehte den Kopf mit lästiger Bewegung, wie man sich nach einer unwichtigen Störung umsieht. In derselben Sekunde fuhr er zusammen, als habe er einen Schlag bekommen. Er stand. Sein Stuhl fiel polternd um. „Ilia? Lebendig, Spuk? Bin ich verrückt geworden?" Mit einem Sprung war er bei ihr und packte sie an, als müsse er sich wirklich erst von ihrer blut- warmen Nähe überzeugen. So hart war dieser ganz planlose Zugriff, daß er sie fast umriß, um sie bann um so fester in die Arme zu nehmen. Wortlos, von Gefühlen gehalten, deren Tiefen sie vielleicht bisher nicht hatten erkennen können. Als er sie losließ, war die Welt wieder da. „Wie kommst du hierher, Ilia!?" Sie wehrte die Frage ab. Anderes war ihr wichtiger. „Wer war das Mädchen, mit dem du vorhin oorrn Hotel standest?" Er sah ihr Gesicht und mußte lächeln. „Ilia, Liebste, eifersüchtig? Du, die ruhige, kühle Ilia!" „Wenn ich mit meinen eigenen Augen ansehen muß „Was? Daß ich mit einer anderen Frau svreche?" Er wurde ernst. „Ich kenne Fräulein Reußing feit gestern. Ich wünschte, ich hätte sie niemals kennenlernen müssen Für sie und für mich wäre es besser gewesen." Ilia hatte keine Lust, hier Umwege zu gehen. „Ich habe das Telegramm im Englischen Garten gelesen und bin dir nachgefahren. Ich muß dich 'etwas fragen. Gebärst du zur Bande Basilius?" „Bande Basilius? Ist es eine Bande? Ich kenne Basilius; leider. Wenn du das Telegramm gelesen hast — warum tatest du es, Ilia! — weißt du das ja bereits." „Du kennst Basilius so gut, daß eine Depesche genügt. Du läßt alles im Stich und fährst zu ihm! Ist er dein Freund in so starkem Maße?" „Wenn irgendein Wort am schlechtesten paßt, um das Verhältnis zwischen Basilius und mir zu bezeichnen, so ist es bas Wort Freundschaft." „Du bist aber doch sofort nach Hamburg gefahren, als er dich rief!" „Gewiß. Ich war dazu gezwungen." Er wußte keinen Ausweg und sah sie an; verlangte sie noch weitere Erklärungen? Sie stand dicht vor ihm. „Robert", sprach sie eindringlich, „diese Stunde enstcheidet wahrscheinlich über unser ganzes Leben. Willst du mir die Wahrheit sagen?" „Was soll ich dir sagen?" „Wer Basilius für dich ist, was er in deinem Leben bedeutet." Nydegger blickte zur Erde. Da lag ein abgenutzter Teppich, den sah er an, als lese er dort feine Worte in dem bunten Muster. „Basilius ist mein! Unstern", gestand er, „Basilius bedeutet — mein schlechtes Gewissen." -Hast du mit ihm gemeinsam etwas Böses begangen? Was war es, sage mir nun alles!" „Er hat mich verführt, einen Wechsel zu fälschen mit ber Unterschrift meines Vaters. Aber bas ist feige ausgedrückt; es kann niemand einen anderen verführen. Ich war dumm genug, an Basilius zu glauben und übersah die Tragweite meiner Handlung damals nicht. Das ist die Wahrheit." Sie sagte bedächtig: „Dem Basilius haben sehr viele geglaubt; sonderbar; hat er etwas an sich, bas ihn so vertrauenerweckend' erscheinen läßt. Ich habe ihn in der ersten Minute durchschaut." Aber dann gab sie diese Ueberlegung wieder auf. Sie wandte sich wieder an ihren Freund. „Unb mit biefem Wissen um beine Schulb erpreßt dich Basilius; bu mußt ihm helfen, nicht wahr?" Nydegger nickte. Seine Stirn war von feinen Schweißtropfen bedeckt. Kein Untersuchungsrichter hätte ihn schlimmer martern können, als dieses Mädchen, das ihn liebte. Sie fragte: „Wozu hat er dich gebracht, wobei mußtest du ihm helfen?" „Ich habe ihm viele Monate Geld geben müssen, alles, was ich von den Eltern bekam. Aber in letzter Zeit ließ er mir Ruhe. Ich hörte nichts mehr von ihm im letzten Jahr, bis kürzlich das Telegramm nach München kam." „Was will er jetzt von dir?" Ilia war unerbittlich. Sie fetzten sich. Unter ihrem Blick, der kein Entweichen zuließ, gestand er den Rest. Viel war es nicht, was er sagen konnte. „Basilius will bei dem Kriminalbeamten Reußing einbrechen, vermute ich. Das soll heute geschehen. Ich soll dafür sorgen, daß die Tochter Ines diese Nacht nicht nach Hause kommt." Sie verzog den Mund. „Weshalb gingst du darauf ein, Robert? Mit der Faust hättest du ihm antworten müssen. Meinetwegen die Gerichtsverhandlung, wenn Basilius wirklich den Mut hat, die Anzeige zu erstatten! Aber doch nicht dieses klägliche Paktieren!" „Es ist nicht meinetwegen", sagte er. „Du mußt denken, Ilia, daß das alles nicht mich am härtesten träfe, sondern meine Eltern. Vater müßte sofort feinen Abschied nehmen. Das weiß natürlich Basilius." Sie blickte ihn an, sah sein trauriges, mutloses Gesicht. „Robert", rief sie, „ich muß dir sagen, ich bin trotzdem glücklich. Du bist kein Verbrecher. Du warst ein bummer Junge bazumal!", unb sie breitete bie Arme aus, „bu, wir fechten auf einer Seite!" Er benutzte bie Gelegenheit, sie an sich zu ziehen. Hielt er sie wirklich? „Du roenbeft bich also nicht ab von mir?" „Narr", lachte sie, „ich- will bir helfen!" Aber bann warb sie ganz ernst. Schatten überfielen ihr Gesicht. Sie sah zwar den Geliebten an, aber sie blichte durch ihn hindurch in eine Ferne, wohin er ihr nicht zu folgen vermochte. „Das Maß ist nun wohl endlich voll", sagte sie gedämpft. „Ich spüre es. Diesmal geht er nicht lächelnd davon." „Wer? Basilius? Wie redest bu benn? Vorhin schon einmal... Kennst bu Basilius?" Sie wich seinem Blick nicht aus. „Ich habe dir von Basilius erzählt, bevor ich ahnte, daß du ihn kanntest." Er starrte auf ihren Mund, diesen roten geliebten Mund, der sich jetzt schmerzhaft einwärts bog. „Ba- siilius ist es, ber deinen Vater, deine Eltern..." Sie nickte wortlos. Es war einen Augenblick ganz still. Da neigte er sich und küßte sie auf die Stirn. „Ich erwürge ihn doch noch", sagte er heiser und war sich nicht bewußt, daß dies ein sehr sonder- bares Versprechen war im Augenblick, wo er seine Braut küßte. Ilia machte sich sofort von ihm los. „Du rührst ihn nicht an!" forderte sie. „Versprich es mir! Er mag dich gepeinigt haben, aber er hat immerhin nur Geld von dir geholt. Mir aber ..." und sie beendete den Satz nicht. Das war wohl nicht in Worte zu bringen. Sie sagte hart und entschlossener denn je: „Das letzte Wort gehört mir!" Der Satz blieb lange allein. Erst nach geraumer Zeit faßten sie sich und begannen zu beraten.'Ilia, nun sie alles wußte, war die beste Kameradin, die er sich hätte wünschen können. Ines Reußing war nur noch eine Person Im Spiel, mit der 'sie leidenschaftslos rechnete. (Fortsetzung folgt!) Dornoiüen Tageskalender für Samstag. DAF.: 20.30 Uhr Großkundgebung in der Volkshalle. — NSG. „Kraft durch Freude": 20.15 Uhr in der Neuen Aula der Universität koloniale Kundgebung, es spricht Kurt Bütow. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Variets". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Mädchen vom Moorhof". Tageskalender für Sonntag. Stadttheater: 19 bis 22 Uhr „Peer Gynt". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Varietö". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Mädchen vom Moorhof". Das Gießener Stadttheater vom 24. November bis 1. Dezember. Aus dem Büro des Gießener Stadttheaters wird uns geschrieben: Am Totensonntag, 24. November, Wiederholung der Neu-Einstudierung „Peer Gynt" von Henrik Ibsen, mit der Musik von Edward Grieg. Hans von Spallart hat seiner Inszenierung und Bearbeitung die Übersetzung von Dietrich Eckart zugrunde gelegt. Die Leitung des städtischen Orchesters liegt in den Händen von Kapellmeister Ernst Bräuer. Dauer von 19 bis 22 Uhr. Außer Abonnement. — Montag, 25. November, von 20 bis 22 Uhr als Vorstellung der NS.-Kulturgemeinde Ring Deutsche Bühne der große Erstaufführungs- erfolg „Komödie der Irrungen" von Shakespeare. Spielleitung: Der Intendant. Freier Kartenverkauf an der Abendkasse zu Tagespreisen. — Dienstag, 26. November, von 20 bis gegen 23 Uhr Wiederholung des Opernerfolges „Der Waffenschmied" von Lortzing. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Heinz Weiser. Diese Vorstellung gilt zugleich als 9. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. — Mittwoch, 27. November, von 20 bis 22 Uhr 2. Symphonie-Konzert. Leitung: Prof. Dr. Stefan Temesvary. Solist: Professor Alfred Hoehn (Klavier). Das verstärkte städtische Orchester. 3. Abonnements-Konzert des Gießener Konzertvereins und 9. Mittwoch-Abonnement. Freier Verkauf nur in der Musikalienhandlung Challier. — Freitag, 29. November, von 20 bis 23 Uhr das dramatische Gedicht „Peer Gynt" von Henrik Ibsen, mit der Musik von Edward Grieg. Deutsche Ueber- setzung von Dietrich Eckart. Spielleitung und Bearbeitung: Hans von Spallart. Das städtische Orchester unter Leitung von Kapellmeister Ernst Bräuer. — Samstag, 30. November, von 20 bis 22 Uhr, die heiter beschwingte, echt Shakespearische „Komödie der Irrungen" von Shakespeare. Deutsche Uebersetzung von Hans Rothe. Spielleitung: Der Intendant. Vorstellung der NS -Kulturgemeinde Ring Deutsche Bühne. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen an der Abendkasse. — Sonntag, 1. Dezember, 15 Uhr bis 17.45 Uhr das Weihnachtsmärchen „Der kleine Muck" von M. Burggraf. Außer Abonnement. Ein bezauberndes Märchen für große und kleine Kinder..Die Spielleitung liegt in den Händen des bekannten „Märchenonkels" Karl V o l ck. Damit alle Kinder die Märchenvorstellung besuchen können, sind die Preise sehr niedrig gehalten. Von 19 bis gegen 22 Uhr die komische Over: ..Der Waffenschmied" von Lortzing. Musikalische Leitung: Vaul Walter. Spielleitung: Heinz Weiser. Außer Abonnement. Gefellfchafl für Erd- und Völkerkunde. Im heutigen Anzeigenteil kündigt die Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde eine Programmänderung für den am Donnerstag, 28. November, stattfindenden Vortrag an. Näheres ist aus der Anzeige ersichtlich. Gießener Wochenmarktpreffe. * Gießen, 23. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, Schlag wird der BohrkeU in seiner Stellung geändert, so daß im Endeffekt ein kreisrundes Loch im Stein entsteht, das jo tief getrieben werden muß, bis der _ Stein entweder durch eine andere Schicht (Kies, Lehm und dergleichen) besser aber durch die wasserführende Schicht abgelöst wird. Don Zeit zu Zeit wird der Bohrkeil herausgehoben und dann eine starke eiserne Hülse auf den Bohrgrund hinabgestoßen, die unten mit einem Klappdeckel versehen ist, der sich immer öffnet, sobald er Widerstand findet. Mit dieser Hülse wird das durch den Bohrkeil ganz fein zermahlene Gestein heraufgeholt. Die Hülse stößt bis zum festen Gestein vor, die abgeschlagene Masse dringt automatisch durch den sich öffnenden Deckel in die Hülse ein, die sich beim Anheben sofort schließt. Der Bohrkeil schlägt dann wieder unmittelbar auf den Stein auf und beginnt seine harte Arbeit von neuem. Um das Nachfallen von Erdreich oder Steinen aus der Muttererdschicht, oder einer Geröllschicht zu verhindern, wird das Bohrloch über dem Stein mit Hülsen befestigt. Wie der Bohrmeister, der die Arbeit im Auftrage einer Firma aus dem Kreise Marburg leitet (dabei selbst kräftig zupackt), erzählt, können gegenwärtig bei einer neunstündigen täglichen Arbeitszeit oft nicht mehr als 30 Zentimeter Tiefe geschafft werden. Und dazu muß der Bohrkeil täglich tausende Male aufschlagen. Für die Arbeiter bedeutet diese Beschäftigung eine nicht unerhebliche körperliche Leistung. Bis jetzt ist die Bohrung auf eine Tiefe von etwa sieben Meter angelangt. Wie lange noch ge- bohren werden muß, ist noch eine große Frage. Vielleicht stößt man schon morgen oder übermorgen auf die wasserführende Schicht, vielleicht aber erst in Wochen! Wer weiß es? Hier ist der Mensch in seinen Wünschen ganz und gar von der Natur abhängig! Es könnte im Zusammenhang mit dieser Bohrung die Frage auftauchen, ob es nicht Möglichkeiten gibt eine Bohrung rascher durchzuführen. Theoretisch lautet die Antwort: „Ja"! Praktisch jedoch „Nein"! Selbstverständlich gibt es modernste Bohrungsanlagen, wie sie für den Bergbau (für Bohrungen nach Kohle, Oel, Erze usw.) Verwendung finden. Die Bohranlagen setzen aber umfangreiche maschinelle Anlagen voraus, deren Trans-, port und Montage in den meisten Fällen teurer zu stehen kommt, als eine Bohrung auf die hier geschilderte altväterlich anmutende Art. Diese modernen Bohrvorrichtungen wären also für die Was- serbohrung einer ländlichen Gemeinde niemals tragbar. Man kann nur wünschen, daß die Männer, die da im Schweiße ihre Angesichts abseits im Walde ihrer Arbeit nachgehen, bald den Erfolg sehen, der der Gemeinde Fellingshausen zu wünschen ist. Aus der Provinzialhauptstadt. Rechtes Leben und Sterben. Von Reinhold Braun Es schildert einer, wie er beim Pflügen oft an die Heimgegangene Mutter denken muß und besonders an ihre letzten Worte auf dem Sterbebette: „Ja, so ist's!" Wie das hauchfein und doch voller Festigkeit von ihren Lippen kam! Nimmer kann er den Klang vergessen. Es ist seit dem Sterben der Mutter immer „etwas Feines und Stilles und Schönes in seinem Herzen, das vorher nicht da mar". Kann es eine schönere Gemeinschaft mit einem Entschlafenen geben? Bei dieser Schilderung muß ich an eine wunderbare Greisin denken, in deren Hause ich zuweilen Gast war. Als der Pfarrer zum letzten Abendmahle zu ihr kam, empfing ihn die Sterbende mit den Worten: „So, nun ist es so weit!" Ihr Krückstock, ohne den man sich diese Frau in dem letzten Jahrzehnt ihres Lebens nicht denken konnte, lag neben ihr auf dem Bette, und die Rechte hielt den Griff des Stockes umspannt. Es war wirklich, bildhaft, ein Heimgehen. „Ja, so ist's!" Und: „Nun ist es so weit!" Kann es ein Größeres geben denn dieses: Mit solcher Klarheit und Festigkeit den Schlußpunkt auf die letzte Seite des Lebensbuches setzen? Also still und stark in die letzte Notwendigkeit eingehen? Alle Tiefe und Höhe unserer Lebensweisheit offenbart sich darin, wie wir uns im Angesichte des Unabwendbaren verhalten, welche Tapferkeit, Güte und Gläubigkeit in unseren letzten Tagen und Stunden von uns ausgehen, sofern wir Bewußtsein haben. Unser letzter Augenblick kann zum schönsten, alles Dunkle überleuchtenden Trost für die werden, aus deren Kreis wir scheiden. Es gab Menschen, deren Todesstunde für ihre Lieben zur segensvollsten Begegnung mit dem Leben wurde. Ist das nicht die Krone alles Schenkens, wenn ein sterbender Mensch uns durch die Art, wie er über die letzte Schwelle tritt, innerlich reich macht, derart, daß ein Stilles und Schönes, Großes und Starkes in unserem Herzen ist, „das vorher nicht da war"? Die Gießener Polizei im Oktober. lieber die Tätigkeit der Polizeidirektion Gießen im Monat Oktober wird uns folgendes mitgeteilt: Im Monat Oktober 1935 gelangten 2 7 6 Anzeigen zur Bearbeitung, die sich auf folgende Straftaten erstreckten: Abtreibung 1, Bedrohung 2, Beleidigung 4, Betrug 38, Blutschande 2, Brand 9, Brandstiftung 3, Diebstahl 60, Einbruchdiebstahl 9, Erpressung 4, Explosion 1, Fahrlässige Tötung 1, Falsche Anschuldigung 1, Jagdvergehen 1, Kindestötung 1, Körperverletzung 19, Kuppelei 1, Landstreicherei 1, Meineid 3, mißbräuchliche Benutzung von Kraftwagen 2, Mordverdacht 1, Raubversuch 1, Sachbeschädigung 9, Selbstmordversuch 2, Sittlichkeitsverbrechen 10, Tierquälerei 1, tragisches Ableben 3, unerlaubter Waffenbesitz 2, Unterschlagung 20, Urkundenfälschung 1, Pfandverschleppung 1, Verausgabung von Falschgeld 8, Verdacht der Rassenschande 1, Verbreitung unzüchtiger Bilder 1, Vornahme unzüchtiger Handlungen 1, Widerstand 2, Wildern 1, Wucher 1. Ferner wurden 6 Vermißte zur Nachforschung auf- gegeben; 7 Fahrräder wurden polizeilich sicher- gestellt. Wegen Uebertretungen, insbesondere der Reichsstraßenverkehrsordnung, wurden 640 (496) Personen zur Anzeige gebracht. Im Berichtsmonat ereigneten sich 2 8 Verkehrsunfälle. Es waren daran beteiligt: Personenkraftwagen 20, Lastkraftwagen 6, Krafträder 7, Straßenbahn 3, Fahrräder 15, Fußgänger 4. Es kamen dabei zu Schaden 20 Personen. Der entstandene Sachschaden war erheblich. Das weitere Fortschreiten der Motorisierung zeigt sich darin, daß im Berichtsmonat allein für den Stadtbezirk Gießen 4 2 neue Führerscheine für Kraftfahrzeuge ausgegeben wurden. Die Gewerbebetriebe wurden kontrolliert, und zwar: Metzgereibetriebe 28, Durchführung der Verordnung über Obsterzeugnisse 77, Erzeugnisse der Margarinefabriken und Oelmühlen 19, Milch- Händler und Milchausträger 36, Frühkontrollen der Milchkannen auf Sauberkeit 30, Erhebung von Milchproben 20, von denen 3 beanstandet werden mußten, Milchkontrollen, Fettgehalt 28, Brotgewichtskontrollen 8, entnommene Lebensmittelproben 30, Revisionen der Betriebe auf Einhaltung der Arbeitszeitordnung usw. 42. Wegen vorgekommener Verstöße gegen die gewerbepolizeilichen Verordnungen mußten 10 Anzeigen erhoben werden. Die Bewegung der Einwohnerschaft unserer Stadt für den Monat Oktober 1935 drückt sich in folgenden Zahlen aus: Neu zugezogen sind 63 Familien mit 180 Personen, sowie 457 alleinstehende Personen, zusammen 637 Personen. Don Gießen fortgezogen sind: 47 Familien mit 115 Personen, sowie 601 alleinstehende Personen. Kolomal-Kimdgebmig der Staatsjugend. Gemeinsam veranstalteten am gestrigen Abend die Hitler-Jugend und die Vereinigung für Koloniale Wiedergewinnung in der Neuen Aula der Universität eine koloniale Kundgebung, an der die Hitler-Jugend (HI., BDM. und JV.) sowie der Arbeitsdienst Gießen geschlossen teilnahmen. Nach der Einbringung der Fahnen hielt der Führer der Vereinigung für Koloniale Wiedergewinnung, Herr Tetzner, eine kurze Begrüßungsansprache und hieß besonders den Redner des Abends herzlich willkommen. Hitler-Jugend sang sodann das Lied „Heia, Safari", ein Lied der Kolonialdeutschen, ferner noch das Lied „Heilig Vaterland". Ein kurzer Sprechchor und außerdem die Wiedergabe einer interessanten Zusammenfassung derjenigen geschichtlichen Tatsachen, die zur Loslösung der deutschen Kolonien führten, schufen die rechte vorbereitende geistige Situation für den Vortrag des Abends. Der Gründer der Deutschen Jugendbewegung in Südwestafrika, pg. Kurt Bütow, der aus Swakoprnunb stammt, sprach sodann über das Land seiner Heimat, über die deutsche Jugend in Südwestafrika, und über den kolonialen Gedanken und seine Bedeutung für das deutsche Mutterland Es bedarf, so sagte er u. a., in Deutschland noch vieler Aufklärung. Es ist notwendig, daß die deutsche Jungens auch einmal nach Afrika kommen. Wichtig ist darüber hinaus, daß die deutsche Jugend überhaupt einmal wieder in die Welt gehen kann. Im Ausland kann man den Nationalsozialismus übrigens am besten deuten. Die Deutschen im Ausland litten unter der Wehr- und Ehrlosigkeit der 14 Jahre vor der Machtergreifung durch Adolf Hitler. Nach dem Umschwung erlebten die Deutschen den Haß der anderen. Die Völker stehen dem Nationalsozialismus wie sprachlos gegenüber. Die Ratlosigkeit aber paart sich mit Respekt und Ach- tung. England schickt seine Jugend hinaus in die Welt, damit sie den Blick für das Wesentliche gewinnt. Für Deutschland muß es ähnlich werden. Die Reichsjugendführung verlangt für die Zukunft von jedem Bannführer den Nachweis eines Ausländsaufenthaltes. In straffer Zusammenfassung schilderte der Redner dann das Land und die Leute Südwestafrikas. Er schilderte die von den Deutschen geschaffenen Kultureinrichtungen und betonte, daß sich die deutschen Kolonien 1914 in einem vorbildlichen Kulturzustand befanden. Im Weltkrieg stand Südwestafrika ganz auf sich allein. 4V2 Jahren hörten die Deutschen in Südwest nur Lügennachrichten über ihr Vaterland. Nur der Glaube an einen Endsieg der deutschen Heermacht hielt sie aufrecht. 1918 gab es dann Ausweisungen nach Tausenden unter fadenscheinigen Begründungen. Das wehrlose Deutschland hat der Ausländsdeutsche schwer zu jpüren bekommen. Aber noch heute steht Südwest unter englischem Einfluß, und einem deutschen Jungen kann es ge- scheyen, daß er in einem Kriegsfälle für England Kriegsdienst tun muß. Die heutige Wirtschaftslage Südwestafrikas ist schlecht, und zwar allein deshalb, weil die wirtschaftliche Kraft Des Landes durch die Südafrikanische Union (der ja Südwestafrika angehört) künstlich niedergehalten wird. In seinen weiteren Ausführungen wandte sich der Redner der Jugend in Südwestafrika zu. Die Jugend in Südwest kennt, so sagte er u. a., nur den Gehorsam gegen die Eltern. Es gibt keine Einengung. Jeder kann reiten, schießen, jagen so viel er will. Oft bis zu acht Monaten ist der Farmerssohn dem Elternhause fern, wenn er die Schule besucht und in einem Schülerheim untergebracht ist. Die Jugend wird selbständig dabei. Die Freiheiten der Jugend sind allerdings politisch gefährlich. Es gibt kein völkisches Leben, wie man es in Deutschland kennt. Deutsches Denken vermittelt zu erhalten ist nur an deutschen Privatschulen möglich, niemals in der Regierungsschule. Südwestdeutsche Jugend leidet außerdem unter Vielsprachigkeit. Sie ist stets in der Gefahr, englischem oder burischem Denken anheimzufallen. Deshalb mußte die deutsche Jugend in Südwest zusammengefaßt werden. Es geschah unter dem Namen der „Pfadfinder". Selbstverständlich dürfen sie sich nicht politisch betätigen. Ihre Aufgabe, geht darauf hinaps, ihre kulturellen Rechte zu wahren. Eine Zusammenarbeit mit den burischen ober englischen Pfadfindern kann es nicht geben. Klassenunterschiede gibt es in der kolonialen Jugend nicht. Sie fühlt sich als Vorposten der HI. Eine Rassen frage gibt es in Südwest ebenfalls nicht, sondern nur eine Rassen - S e l b st v erst ä n d l i ch k e i t. Wer gegen diese Selbstverständlichkeit verstößt, schließt sich aus der deutschen Gemeinschaft aus. Die auslandsdeutsche Jugend weiß, was sie zu tun hat. Sie fühlt sich als Repräsentant des Paterlandes. In kurzen Ausführungen beschäftigte sich der Redner ferner mit der Haltung der Juden in Afrika und geißelte sie in ihrer beispiellosen politischen Unzuverlässigkeit. Er gab begeistert seiner Freude darüber Ausdruck, daß der kolonialen Jugend die Möglichkeit gegeben ist, über den Richtstrahler Witzleben Nachrichten aus Deutschland zu hören, die ihnen Evangelium sind. Abschließend betonte Bütow, daß wir nicht von einer kolonialen Frage reden dürfen, sondern nur von einer kolonialen Forderung. Nicht reden dürfen wir von den ehemaligen sondern nur von den deutschen Kolonien. Die Jugend muß für den kolonialen Gedanken erfaßt werden. Das ganze Volk muß mitgehen. In Südwest-Afrika ist der Wunsch aller Deutschen, daß dereinst das Hakenkreuzbanner von den Masten flattern möge! Mit anhaltendem Beifall wurden die Ausführungen des jugendlichen Redners ausgenommen. Ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf den Führer und das Lied der Jugend beschlossen die eindrucksvolle Kundgebung. In tausend Hochstunden unseres Daseins suchten wir unseres Wesens innerste Wahrheit zu schenken. Wir fühlten, es bliebe Bruchstück. Im Schweigen unterer tobesnahen Stunben rann es apfcheh^n bah unsere innerste Wahrheit unb Wirklichkeit sich bis zur Dollenbuna herrlich offenbart. Es gibt nicht nur ein Hinanleben; es gibt auch ein Hinansterben. Alles bas hilft mitbauen an ber großen, binbenben Gemeinschaft, bie uns mit benen eint, bie vor uns lebten und die nach uns leben werden. Alles ist ein Weiterreichen: Die Treue unseres Lebens und unser Bestehen vor dem Tode. Kern fettet sich an Kern im Wandern der Geschlechter. Aber leuchten muß Kern bei Kern unb Ruhe unb Sicherheit foenben im Auf unb Ab her Zeit. Wer segnende Gestalt im Dasein seiner Lieben bleiben will, muß Haltung zu bewahren suchen bis zuletzt. Haltung im Leben Haltung im Tobe, beibes schwingt zu einem Licht zusammen. Die erste Frau, von ber gesprochen wurde wor eine Tagelöhnersfrau, die zweite eine Professorenfrau. Beide mit gleichem Werte beglückt der Adel der Seele. Beide Male aber war bie Seele voller Gottesalauben unb erfüllt von ber Gewißheit ewigen Lebens. Der Wert einer Lebensauffassung bcs einzelnen ober einer Familie wirb nicht zuletzt bestimmt von ber rechten Tobes-Erfassung in Gebauten unb Gefühl, Mesen unb Wirklichkeit. „Ja, so ist's!" — „Nun ist es so weit?" Das ist: bas Gesetz seines Lebens erfüllen und sich in Glauben und Hoheit beugen dem ehernen Ablauf. Möge man auch aus unserem Leben einmal so viel Kraft schöpfen! Dann dienen wir noch als die Gewesenen der Gemeinschaft. bas Stück 4 bis 10, Eier, inländische vollfrischs, Klasse S 13^, frische, ungezeichnete 10 bis 11, bulgarische Kühlhauseier, Klasse B 11, Wirsing, bas Pfund 6 bis 10 Pf., ber Zentner 7 bis 8 Mk., Weißkraut, bas Pfunb 4 bis 8 Pf., ber Zentner 4 bis 8 Mk., Rotkraut, bas Pfunb 8 bis 12 Pf., ber Zentner 8 bis 12 Mk., Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 6 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 20 bis 30, Feldsalat 80 Pf. bis 1 Mk., Tomaten 25 bis 50 Pf., Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln, bas Pfunb 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mk., Aepfel, das Pfund 12 bis 30 Pf., der Zentner 12 bis 25 Mk., Birnen, bas Pfunb 15 bis 25 Pf., Nüsse 50 bis 60, Zwetschenhonig 40 bis 45, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mk., Suppenhühner 70 bis 80 Pf., Gänse 80 Pf. bis 1 Mk., Enten 90 Pf. bis 1 Mk., Tauben, bas Stück 50 bis 60 Pf., Blumenkohl 10 bis 60, Salat 8 bis 10, Enbivien 8 bis 10, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 12, Rettich 5 bis 10, Sellerie 5 bis 25, Kürbis, das Pfund 5 bis 7 Pf. Deutsche Arbeitsfront. Abteilung für Arbeitsführung und Verufserziehung in der kreiswattung Gießen. Da in den letzten Tagen eine große Anzahl Anmeldungen zu den Lehrgängen im Winterhalbjahr 1935/36 eingelaufen sind, sehen wir uns veranlaßt, die'Anmeldefrist letztmalig bis zum 2 7. November 1935 zu verlängern. Anmeldungen sind zu richten an: Die Deutsche Arbeitsfront, Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung in der Kreiswaltung Gießen, Schanzenstraße 18. 7 Sportamt „Krast durch Freude". Heute findet folgender Kursus statt: Waldlauf und All gern. Körperschule, für Frauen und Männer. Don 16 bis 17.30 Uhr, Universitätssportplatz. Die Kurse für Hallentennis müssen einer Veranstaltung wegen heute und Sonntag ausfallen! Achtung! kurfusverlegung! Der Kursus Fröhliche Gymnastik und Spiele, ber bisher Dienstags in ber alten Pestalozzischule stattgefunden hat, wird auf Wunsch vieler Teilnehmer in Zukunft Dienstags von 2 0.30 bis 21.30 in der Turnhalle des Lyzeums, Dammstraße 26, stattfinden. Wir bitten alle Teilnehmer, die bisher an dem Kursus teilgenommen haben, diesen neuen Kursus zu besuchen. kdF.-Skiausrüstung! Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß ber Schlußtermin für ben Verkauf ber KbF.-Ski- ausrüftung (Skier, Stiefel unb Stöcke) auf ben 10. Dezember festgesetzt ist! Die zum Perkauf zu- gelassenen Geschäfte finb burch entsprechenben Aushang kenntlich gemacht. kbF.-Skifahrlenl Termine können auf ber Kreisbienststelle, Schanzenstraße 18, eingesehen werben. Der Tag der deutschen Hausmusik. Von jeher galt bie heilige Eäcilie als Schutzherrin ber beutschen Musik. Viele Instrumental- unb Choroereinigungen tragen ihr zu Ehren ihren Namen. Der 21. November ist ihr geweiht. Er ist zum Tag ber beutschen Hausmusik geworben. Lanb- auf unb «ab, in Stabt unb Lanb werben ba in Schulen unb Musikerschasten Feierstunben gehalten, in beren Mittelpunkt bie Hausmusik steht. Schon seit einer Reihe von Jahren hat bas in Erkenntnis ber großen Wichtigkeit bie Gießener Ortsmusikerschaft so getan. Mit Freube kann sie nun feststellen, baß ber eingeschlagene Weg ber rechte war. Zuerst in kleinem Kreise beginnenb, konnte man burch bie sich stets fteigernbe Anteilnahme ben jetzigen Abend am Donnerstag in ber vollbesetzten Aula ber Universität abhalten. Es ist bies bie vorläufige Krönung biefer Zielgerichtetheit. Das betonte auch ber rührige Beauftragte ber Reichsmufikkammer, Herr ft <1 ft en, in feiner Ansprache, unb er wies barauf hin, baß bas erfreuliche Anwachsen bes Verständnisses für eine gute Sache auch darauf zurückzuführen fei, daß man im Dritten Reich wohl die große Bedeutung, die der deutschen Musik als Bildungsfaktor zukomme, erkannt habe unb ihr jebe Unterstützung zuteil werben lasse. In mahnenben Worten richtete er einen warmen Appell an alle Eltern musikbegabter Kinber, beren Jugenb zu nutzen, ehe bas Tor. bas zum Erfolg führt, für immer geschlossen ist. Wenn irgenbroo, so gibt es hier einmal ein „Zu spät!", unb manches Elternpaar wirb sich später ben Vor- rourf gefallen lassen müssen, hier etwas versäumt zu haben, was bem Gemütsleben bes Kinbes so unenblich Herrliches gegeben hätte. Es barf wahrlich nicht bazu kommen, baß ber Runbfunk eines Tages nur noch bie einzige Musik im Hause ist. Die Folge ber Veranstaltung enthielt 22 Nummern, bas war etwas reichlich, unb so war es nicht zu üerrounbern, baß manche Besucher, besonbers bie von ben Zügen abhängig waren, vor bem Enbe weggingen unb so um bie Freube kamen, ein so äußerst selten unb so schon gespieltes Konzert für vier Piolinen von Vivalbi zu hören. In ben Fachzeitungen liest man bie verschiedensten Vorschläge, wie eine solche Veranstaltung vorbildlich zu gestalten sei. Porbildlich ist sie, wenn die Ausführung einwandfrei ist, und das war diese ohne Zweifel. Stolz und Freude zugleich muß man empfinden, wenn man sieht, welch' reiche Zahl der köstlichsten Stücke der Hausmusik dienstbar gemacht werden können. Und alle, die der Abend auf die Bühne stellte, legten Zeugnis ob für all ben Fleiß unb die liebevolle Sorge, mit ber ihre Lehrer sie betreuten unb sie mit sicherer Hanb ben gewiß nicht leichten Weg zum enblichen Ziel führen. 'Sie waren aber auch überzeugt, von ber kleinsten Kammer- musikspielerin bis zum fast vollenbeten Künstler, baß sie für unsere schönste Kunst, bie beutsche Musik, in vorberster Linie stritten. Welchen Dienst sie ihr taten, bas wirb zweifellos bie fommenbe Zeit geigen; benn wir finb ber Ueberzeugung, baß man« a>er burch biefe Veranstaltung neu gewonnen mürbe, unb wir hoffen bas besonbers im Hinblick auf bie männliche Jugend, bie sich nicht burch bie H BCÜO »Photo Seltersweg 67 Telephon 3170 Be! Sodbrennen« Magenbesthwerden y 'M JK“4«^J?3S if; MM frw*? - V ./ F* X E e fr* ^wz *>T k ' ! fr*' Schöne Friedhöfe unserer Heimat! bei der Arbeit am Blumen Mahnmale irdischer Vergänglichkeit! Alte Grabkreuze auf dem Friedhof in Beuern (Aufnahmen {8]: Neuner. Gießener Anzeiger f Gartenarchitekten oder eines ausge|prod)enen Land- sch^ftsgärtners in Anspruch genommen werden, um eine der Umwelt und dem Charakter des Land- «chaftsbildes angepaßte Friedhofsstätte zu schaffen. Der geschulte Blick eines solchen Mannes und seine umfassenderen Erfahrungen auf diesem Spezialgebiet in Verbindung mit schönheitsfreudigen und kunstsinnigen Männern an den entscheidenden Stellen des Ortes werden ein Werk schaffen und erhalten, das dem Auge und dem Herzen der Ortseinwohner eine Quelle steter Freude und dem Orte ein eindrucksvolles Zeugnis für seinen kulturellen Hochstand sein wird Zu einer würdigen Ruhestätte der Verstorbenen gehört aber noch mehr. Und hier erwächst sowohl dem Pflegeverpflichteten einer Einzelgrabstätte als auch der Gesamtheit der Ortsbevölkerung, vertreten durch ihre Verwaltungsbehörde, eine unabweisbare Aufgabe. Wenn man über die Friedhöfe in Stadt und Land geht, kann man viel Schönes und Geschmackvolles sehen. Dazwischen befindet sich aber auch manches Grab, das überhaupt nicht gepflegt ist. Der Grund für diesen Mangel mag entweder darin zu erblicken sein, daß die Hinterbliebenen kein Empfinden für ihre moralische Verpflichtung zur Pflege der letzten Ruhestätte ihrer Angehörigen haben — denn so arm ist doch kein Mensch, daß er nicht wenigstens eine solche Ruhestätte in Ordnung halten und gelegentlich auch mit einigen Blumen Großen-Linden: Viele Marmorkreuze unter breitästigen Birken. Friedhof zu Lich: Zarte Birken ragen über den Gräberreihen in den Himmel. kameraden Abschied genommen haben. Dieses Gefühl der Verpflichtung in unserem Herzen fand feinen sichtbaren Ausdruck vor allem auch darin, es uns einfach eine Selbstverständlichkeit war, nach bester Möglichkeit selbst inmitten des Trubels öer Kriegsbegebenheiten an der Front für die letzten Ruhestätten der gefallenen Kameraden zu sorgen Viele schöne Friedhöfe sind aus dieser Verpflichtung heraus dort an den Fronten in West unö Ost und Süd in fremden Landen erstanden! Und alles geschah zum großen Teile aus der unmittelbaren Arbeit und der opfernden Kameraden- liebe der Soldaten selber. Auch an diese Friedhöfe Nur wenige Gräber umgeben das altersgraue Kirchlein auf dem Friedhof zu Winnerod. Totensonntag. Meist ein trüber, nebeliger Rovembertag, dessen äußeres Bild ganz deck schwermütigen Ernst des Tages entspricht. Er ist der hohe Tag der stillen Zwiesprache unserer Seelen mit ben Heimgegangenen, die als Glied der Familie, als treuer Freund oder als guter Kamerad uns im Leben teuer gewesen sind. Der Alltag mit seinem Kampf und seiner Arbeit läßt uns im allgemeinen nur wenig Zeit, in Gedanken mit den Verstorbenen vereint zu sein. Aber am Totensonntag wandern Tausende in Besinnlichkeit hinaus zu den Fried- Hosen, schmücken die Gräber als letzte irdische Stätte der Verstorbenen, verweilen dort in stiller Andacht und in herzlicher Erinnerung und gehen bann meist noch durch die Reihen der Ruhestätten, um sich auch herbei zu erinnern an die Allmacht Gottes, vor dessen Auge ein Menschenleben, und wenn es noch so hoch in die Jahre hinein reicht, nur ein winziges Sandkorn ist. ♦ Die winterliche Herbheit des Friedhofsbildes wird an diesem Tage gemildert durch das letzte Grün in den Kränzen und durch die Schönheit der letzten Blumen. Das ist der einzige Schmuck, den wir in dieser Jahreszeit unseren Toten auf ihre Ruhestätten geben können. Je schlichter dieser Schmuck ist, um so besser entspricht er der Würde unserer Totenhaine. Jedes Uebermaß von Kränzen oder von Blumen stört die wunderbaren Akkorde der gewaltigen Symphonie des Todes und der Unsterblichkeit der Seele. Ein einfacher Kranz aus Tannengrün, einige schöne Blumen in einem geschmackvollen' Gefäß und ein im übrigen in allen Teilen bestens gepflegtes Grab vermögen dem besinnlichen Menschen ein so Grabmal, Bäume und weite Landschaft geben vom Gießener Neuen Friedhof aus ein Bild schöner Harmonie. Der sonntägliche Kirchgang führt die Bewohner von Eberstadt n hen Gräbern nnrbpi schmücken könnte —, oder daß die Angehörigen des Toten aus dem Orte verzogen find, oder das Geschlecht ausgestorben ist. Wo sich Hinterbliebene in Pflichtvergessenheit nicht um die Grabstätte bemühen, sollte von den Behörden um der Pietät und um des würdigen Bildes der Ruhestätten willen mit entsprechenden Maßnahmen gegen die säumigen Menschen vorgegangen werden, um sie anzuhalten, der letzten Stätte ihres toten Familiengliedes die gebotene Pflege angedeihen zu lassen. Ist aber niemand mehr am Orte, der dieser Unterhaltspflicht zu genügen hätte, dann müssen die Pflegeberechtigten der benachbarten Ruhestätten es als ihre Aufgabe ansehen, auch einem solchen verlassenen Grabe durch Pflege und Schmuck zu würdiger Schönheit und zu ehrfürchtiger Erinnerung zu verhelfen Diese einsamen und verlassenen Gräber sind für uns alle, die wir über den Friedhof gehen, eine Verpflichtung! Und auch diejenigen, die noch nicht die Verpflichtung haben, das Grab eines lieben Angehörigen oder eines im Leben nahestehenden Menschen zu schmücken, mögen gerade am Totensonntag auf einem verlassenen, fremden Grabe einige Blumen oder einen Kranz niederlegen und damit eine Liebestat in echt christlicher Gesinnung vollbringen. Aber auch die Gemeinde als solche ist hier berufen, eine schöne Pflicht zu erfüllen. Es sind wertvolle Aufwendungen, die von einem Gemeindehaushalt für die Pflege solcher einsamen Grabstätten gemacht werden. Mit ein wenig Grasfamen ,m Sommer, rechtzeitigem Schnitt der Grasfläche, ein paar Blumen und gelegentlich mit einem Kranz ist da viel Wertvolles zu tun und zugleich zu bekunden, daß Pietät und Ehrfurcht unter den Lebenden dieses Ortes lebendig find. Und noch eines muß in diesem Zusammenhänge gesagt werden und findet hoffentlich auch überall Beherzigung: Benutzt die einsamen und verlassenen Grabstätten nicht als Schrittflächen zur bequemen Erreichung des Grabes, dem eure Liebe und Fürsorge gilt! Ost kann man leider beobachten, daß ' ' ' ' schmuck einer Ruhestätte oder auch beim Begießen gedankenlos auf der danebenliegenden verlassenen Grabstätte herumgetreten wird. Das ist ein Verhal- kerne Verzeihung gewährt werden kann. Allem schon die Achtung vor der Majestät des Todes, aber auch die christliche Gesinnung sollte es jedermann innerlich unmöglich machen, an der letzten Statte eines Menschen so zu handeln. Die Heilig- kett des Ortes erfordert vielmehr von jedermann, daß fern Verhalten dieser Stätte auch in den un- scheinbarsten Einzelheiten gerecht wird. Wahrhafte Große der Gesinnung und die unerschöpfliche Tiefe des Gemüts bekunden sich auch solchen Ruhestätten gegenüber, die wir besonders unter den Blickpunkten oes Totensonntags der fürsorgenden Liebe un erer Volksgenossen in Stadt und Land empfehlen. Wenn wir alle uns in der rechten Weife stets der Forderungen bewußt bleiben, die der Totensonntag über diesen einzigen Gedenktag des Jahres hinaus an uns stellt, dann kann uns nicht zweifelhaft fein, daß die gute Friedhofspflege eine der vornehmsten Aufgaben der Gesamtheit der Ortsbevölkerung, aber auch eine starke Verpflichtung jebes einzelnen Volksgenossen ist. Erinnern wir uns dabei — soweit wir selbst als Feldsoldaten Gelegen- hett hatten, auf Knegerfriedhöfen in Feindesland an den Grabern unserer Kameraden zu stehen —, mit welcher starken inneren Verpflichtung wir von der sterblichen Hülle unserer gefallenen Kriegs- der Fnedhofsgeftaltung ausreichend Rechnung getragen zu haben. Selbstverständlich soll mit dieser Feststellung nichts gegen das Gärtnerhandwerk gesagt werden, dessen hohe berufliche Qualitäten auch m der Friedhofspflege in vielfältiger Weise in Erscheinung treten. Aber von grundlegender Bedeutung ist es doch, daß für die Anlage eines Friedhofs in feiner Gesamtheit und für die künstlerische Gestaltung der einzelnen Geländeabschnitte die fachlichen Spezialkenntnisse und Erfahrungen eines Stattlich überragt her wuchtige Turm der Kirche zu Leihgestern den Gottesacker. packendes Bild von schönem, pietätvollem Gedenken -iu bieten, daß es noch lange vor dem geistigen Auge erhalten bleibt. ♦ . ^"te Friedhofspflege durch künstlerisch empfindende Menschen mit feinfühligem Herzen wird meist in der Lage fein, unter sachverständiger Beratung &e.r „Lieferanten von Friedhofsschmuck und durch feinsinnige Gestaltung der Friedhofsanlage, soweit sie zu den öffentlichen Aufgaben gehört, auf dem Gottesacker eine würdige Kultstätte edelster. Men- schengefinnung zu schaffen. Derartig gute Beispiele werden ihre erzieherische Wirkung auch auf die Pflege der Grabstätten der Familien nicht verfeh- llen. Es ist durchaus nicht alles getan, was zu tun motwendig ist, wenn man bei der Anlage des Fried- ihofes etwa nur den Gesichtspunkt der Verwaltunqs- behörde ober — was noch schlimmer wäre — lebig- Lich ben Gebauten an eine zweckmäßige Verwer- tung eines sonst nicht recht brauchbaren Gelänbes als Richtschnur für bie Schaffung bes Friebhofes ansieht. Der Stanbpunkt, „mit biefem Stück Land kann sonst nichts angefangen werden, also wird es zum Friedhof genommen", ist der anfechtbarste und unberechtigtste, den es bei der Lösung einer wichen Aufgabe geben kann. Es ist auch nicht ausreichend, wenn man bei der Auswahl des Fried- !»ofgeländes und bei der ersten grundlegenden Arbeit zur Gesamtanlage etwa nur einen Gärtner Lus dem Orte oder aus einer Nachbarstadt hinzu- iiefjt und glaubt, damit den sachlichen Erfordernissen Saasen begräbt seine Verstorbenen auf dem Friedhof am alten Kirchlein auf dem Veitsberg. ' wollen wir uns -im Totensonntag-Gedenken erinnern. Soweit sie uns aus Bildern Anregung geben tonnen zur Übertragung der guten Friedhofskunst oon den Felbfnedhöfen auf die Ruhestätten in der Heimat, wollen wir uns diese Anregungen als mahnendes Zeichen zu pflichtmäßigem Handeln bienen lasten. * (Bräber, Kreuze, Bäume unb Kapelle finb ber erhabene Dierklang unserer Friebhossstätten in otabt unb Lanb. Von biefen Plätzen geht immer mieber ein stärkenbes Gefühl ber'Ruhe unb Begebung auf bie burch ben Lebenskampf bebrängten Menschen über. Der Hauch ber Ewigkeit ist es, ber dort ben Herzen unb Gedanken einen erlösenden Ausgleich gegenüber den Spannungen des Daseins gewährt. Seien wir uns immer des hohen Wertes bewußt, der in diesen Auswirkungen der Ruhestätten unserer Toten auf uns Lebende und Schaf- sende liegt. Und tun wir in dieser Erkenntnis allezeit unser möglichstes, um diese Stätten so würdig zu gestalten und zu erhalten, wie es.ihnen um ihrer Itummen unb boch so berebeten Sprache willen zukommt. Friebhosslanb — h e i l i g es Land' diesem Bewußtsein und mit dem Gefühl ber inneren Verpflichtung gegenüber bem Acker Gottes wollen wir am Sonntag ber Toten, aber auch in oen übrigen Zeiten bes Jahres unsere Friedhöfe durchwandeln unb uns dabei des Friedens des all- mächtigen Gottes bewußt werden. Wirtschaft. Wareneingangsbuch und Belegaufbewahrung. Fwd. Das Wareneingangsbuch und die dazu gehörenden Belege sind 10 Jahre lang aufzubewahren. Bei vielen Einzelhändlern bestehen nun noch Unklarheiten darüber, ob die zum Wareneingangsbuch gehörenden Belege bei ihrer Aufbewahrung gesondert geordnet werden müssen. Die Wirtschastsgruppe Einzelhandel weist daher darauf hin, daß nach den Erläuterungen von Staatssekretär Reinhardt die Art der Ordnung der aufbewahrten Belege gleichgültig ist. Wird das Wareneinganasbuch in Karteiform geführt, so empfiehlt es sich, die Beleae nach Lieferanten zu ordnen. Wegen der zahlreichen weiteren Anfragen aus Einzelhandelskreisen zum Wareneingangsbuch verweist die Wirtschaftsgruppe Einzelhandel auf eine Broschüre, in der ihr Steuerreferent alle für den Einzelhandel wichtigen Fragen zusammensassend anhand von Beispielen erläutert hat. Mit Hilfe dieser Anleitung ist es jedem Kaufmann möglich, das Wareneinganasbuch ordnungsgemäß zu führen. Die jetzt von oen Finanzämtern eingeleitete Prüfung der Führung des Wareneingangsbuches durch Stichproben läßt es daher für die Einzelhändler ratsam erscheinen, sich der Vorschriftsmäßigkeit ihrer Wareneingangsbücher genau zu versichern. Mein-Mainische Börse. Mittagsbörse fester. Frankfurt a. M., 22. Nov. Die Börse brachte am Aktienmarkt durchweg Befestigungen. Aus der Börse heraus erfolgten Deckungen, während Angebot kaum vorlag. Das Geschäft war nicht besonders lebhaft, aber wesentlich besser als in den letzten Tagen. Die feste Haltung wurde gefördert durch eine Reihe von günstigen Wirtschaftsmeldungen. Im allgemeinen ergaben sich Erhöhun^n von etwa 1 d. H. Lebhafter waren naturgemäß Licht & Kraft mit 129,75 bis 130,50 (127,50), die übrigen Elektrowerte zogen von 0,50 bis 1 v. H. an. Größeren Umsatz hatten außerdem IG. Farben mit 148,75 bis 149,50 (147,75). Am Montanmarkt gewannen Harpener 1,50 o. H., Rheinstahl 1,13 v. H., die übrigen Papiere 0,50 bis 1 v. 5). Buderus gaben dagegen in Nachwirkung der Derwaltungsmitteilung zur Dioidendenfrage erneut nach auf 95,13 (96). Schwächer lagen ferner Reichsbank mit 180,50 (183), auch Südd. Zucker konnten sich mit 199,75 (200) kaum behaupten. Sonst eröffneten noch bis zu 1 v. H. fester: AG. für Verkehrswesen, Zement Heidelberg, Deutsche Erdöl und Kunstseide AKU. Scheideanstalt und Bank für Brauindustrie lagen «unverändert. Auf den übrigen Marktgebieten lagen Erstkurse zunächst nicht vor. Der R e n t e n m a r k t lag bei freundlicher Grundtendenz sehr ruhig. Etwas fester lagen Altbesitz und einige Industrie-Obligationen. Späte Schuldbuchforüerungen (97), Kommunal - Umschuldung (88,45) und Zinsvergütungsscheine (90,80) blieben behauptet. Im Freioerkehr lagen Gulden- Obligationen uneinheitlich, Young-Anleihe gingen auf 86,25 (87) zurück, während Ruhrverband auf 89,75 (89) anzogen. Russen-Prioritäten neigten zur Schwäche. Die feste Haltung blieb auch im Verlaufe, das Geschäft war allerdings erheblich ruhiger. Größere Beachtung fanden einige Elektropapiere, so RWE. mit 125,50 nach 124,50, Siemens mit 165,50 nach 164,65 und Licht & Kraft mit 131, ferner gewannen Lahmeyer 1,50 v. H. auf 122,50. Einige Montanwerte zogen ebenfalls noch leicht an, während IG. Farben auf 149,25 nach 149,75 abbröckelten. Von den später notierten Werten sind Hanfwerke Füssen mit 82,75 (80,50) zu erwähnen, auch sonst traten meist Besserungen von 0,50 bis 1 v. H. ein. Am Rentenmarkt blieb es auch späterhin sehr still bei unveränderten Kursen. Goldpfandbriefe und Kommunal-Obligationen lagen behauptet, Liquidationspfandbriefe teilweise etwas höher. Stadtanleihen bröckelten dagegen zumeist um 0,25 v. H. ab, 4,50 v. H. Mainzer von 1926 ermäßigten sich auf 91,25 (91,65). Von fremden Werten lagen Anatolier mit 39,40 (39) etwas fester, sonst herrschte Geschäftsstille. — Tagesgeld unverändert 2,50 v. H. Abendbörse weiter fest. Bei Eröffnung der Abendbörse lagen von der Bankkundschaft einige Aufträge vor, auch der berufsmäßige Börsenhandel schritt noch zu kleinen Käufen, so daß bei allerdings kleinen Umsätzen zunächst weitere Besserungen gegen den Mittagsschluß zu verzeichnen waren. Im Verlause wurde das Geschäft sehr still und es zeigte sich etwas Zurückhaltung und teilweise auch Bedürfnis zu Gewinnmitnahmen, ohne daß dies aber der festen Grundtendenz einen Abbruch tat. Gegen die Berliner Schluß- kurfe war die Entwicklung nicht ganz einheitlich, es überwogen aber noch leichte Befestigungen. JG- Farben blieben mit 149,75 bis 149,50 (149,50) behauptet, Scheideanstalt waren gesucht und stiegen auf 214 (212), hoher lagen ferner einige Montan- und Elektrowerte. Der Rentenmarkt lag weiterhin sehr still und kursmäßig unverändert. Von Gulden- Obligationen gingen Pounganleihe weiter zurück auf 86 Brief (86,25), während Ruhrverband zu 89,75 gefragt blieben, wobei Umtauschgerüchte mitsprechen. U. a. notierten: Altbesitz 112,65, 6proz. Stahlverein 103, JG.-Farben-Bonds 124,50, 6proz. Krupp 103,40, 5proz. Silbermexikaner 5,13, 4proz. Rumänen 4,75, 4proz. Schweiz. Bundesbahn 179, ZZ^proz. do. 169, Adca 69, Commerzbank 83, DD- Bank 83,50, Dresdner Bank 84, Reichsbank 181,50, Buderus 96,75, Harpener 107,50 bis 107,75, Mannesmann 80,75, Rheinstahl 104, Stahlverein 77,75, AKU. 52,25, AEG. 36,65, Bekula 141, Bemberg 102, Conti Gummi 157, Scheideanstalt 214, Deutsche Linoleum 137, Licht und Kraft 131,50, JG.-Farben 149,75 bis 149,50, Feldmühle 114, Gesfürel 123, Goldschmidt 105, Hoch- und Tiefbau 110, Holzmann 87,50, Metallgesellschaft 105, RWE. 126,75, Rütgers 112, Schuckert 118, Westdeutscher Kaufhof 26, Südd. Zucker 200, Schofferhof 160,50, AG. für Verkehrswesen 82, Reichsbahn-VA. 122,90, Ha- pag 15. Frankfurter Obst- und Gemüfemackt. Frankfurt a. M., 22. Nov. Der Gemüse- markt hat immer noch sehr starkes Angebot, besonders von Feldsalat, Karotten, Lauch, Rote Rüben, Sellerie, Spinat, Wirsing und Weiße Rüben. Zwiebeln knapp. Für Weiß- und Rotkraut lagen die Preise hoher, sonst blieben sie unverändert. Das Geschäft war unbefriedigend. U. a. notierten: Blumenkohl, Stück 15 bis 40, Eskarol 4 bis 12, Feldsalat 20 bis 30, Gewürze!, großes Bündel 25 bis 35, Karotten 3 bis 5, Kohlrabi, ober 3 bis 4, dieselben, unter 3,5 bis 5, Lauch 2 bis 6, Meerrettich 35 bis 45, Petersilie 20 bis 25, Rosenkohl 15 bis 18, Rote Rüben 4 bis 6, Rotkraut 5 bis 6,5, Sellerie, groß 20 bis 30, mittelgroß 12 bis 18, klein 5 bis 10, 50 Kilo 7 bis 12, Spinat 3 bis 6, Schwarzwurzel 15 bis 20, Haustomaten 28 bis 32, Freilandtomaten I 15 bis 18, II 8 bis 12, Weißkraut 3,5 bis 4,5, Wirsing 4 bis 5,5, Weiße Rüben 5 bis 6, Zwiebeln 7,5 bis 8,5. Obst - und Südfrüchte: Das Angebot von Aepfeln blieb stark, Birnen waren der vorgeschrittenen Jahreszeit entsprechend weniger angeboten. Bei kaum veränderten Preisen nahm das Geschäft einen recht schleppenden Verlauf. Von ausländischen Erzeugnissen haben insbesondere Apfelsinen, Mandarinen und Nüsse zunehmendes Angebot. Mandarinen waren im Preise rückläufig, sonst blieben sie bei befriedigendem Geschäft unverändert. U. a. notierten: Aepfel I 25 bis 30, II 18 bis 22, Wirtschaftsäpfel 14 bis 18; Goldparmänen 20 bis 30, Boskop 20 bis 30, Suiten 18 bis 20, Anhalter 18 bis 20, Schafsnafe 15 bis 18; ital. Aepfel 23 bis 26, jugosl. 20 bis 22. Apfelsinen 20 bis 25 span., Bananen, Kiste 25 Pfund netto I 7,00, II 6,00 Bras., Birnen I 25 bis 32, II 18 bis 24, Kochbirnen 12 bis 15; Le Lectier I 18 bis 24, Mollebusch I 25 bis 30, II 20 bis 22, Pastoren I 18 bis 20, II 12 bis 16. Erdnüsse, 5-Pfund°Packung 2,80, Kranz-Feigen, 50-Pfund-Sack 10,50 bis 11,50, Kastanien 12 bis 18, 22 bis 25 ital., Mandarinen 18 bis 25 span., Trauben 45 holl., 26 bis 30 bulg., Walnüsse 30 bis 45 ital., 32 bis 35 jugosl., 32 bis 40 bulg., Haselnüsse 33 bis 45 ital., Paranüsse 40 bis 45, Zitronen 3 bis 4,5. Die Preise verstehen sich in Reichsmark und ergeben sich aus dem Verkauf vom Großhändler oder Erzeuger an den Kleinhändler; sie gelten, soweit nichts anderes angegeben, für 100 Pfund, 100 Stück ober 100 Bündel. Die Aufzeichnungen erstrecken sich nur auf marktgängige Waren; Spitzenpreise oder solche für geringwertige Erzeugnisse werden nicht festgestellt. Frankfurter Buttermarkt. Frankfurt a. M., 22. Nov. Die Zufuhren an deutscher Butter zeigen noch keine wesentliche Zunahme, wenngleich in manchen Erzeugergebieten die Produktion größer geworden ist. Die anfallenden Mengen wurden weiterhin durch die Reichsstelle verteilt. Ausländische Butter war kaum angeboten. Es notierten in Mark pro 50 Kilogramm frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkausspreife an den Kleinhandel): Deutsche Markenbutter 145 bis 148, feine deutsche Molkereibutter 143 bis 145, deutsche Butter 142, holländische Butter 145 bis 148. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 22. Nov. Die Nachfrage nach Frischeiern kann infolge der noch nicht nennenswert größer gewordenen Zufuhren nicht ganz befriedigt werden. Das Geschäft beschränkt sich daher weiterhin meist auf Kühlhauseier, in denen die Anlieferungen befriedigend bleiben. Das Geschäft im Kleinhandel war weiter gut. Es notierten in Pf. pro Stück frei Frankfurt a. M. (Großhandelsver- kaufspreife an den Kleinhandel): Deutsche und ausländische Handelsklasseneier (Frischware): S12V4 bis 12-/2, A II1/2 bis IFA, B lOVt bis 11, C 9-/» bis' bis 10, D 91/4. Kühlhauseier: S 11, A IOV4 bis IOV2, B 91/4 bis M4, C 9 bis 9V4, D 8V2 bis 83/4. Der Reichsberufswettkampf. LPD. Frankfurt a. M. 22. Nov. Zur Vorbereitung des Reichsberufswettkampfes wird bereits eine rege Tätigkeit entfaltet. Die Wettkampfleiter der einzelnen Berufsgruppen und die Wettkampforte in den 37 Kreisen wurden bis zum Freitag gemeldet. Zur Teilnahme werden im ganzen Reich 1 Million Jungarbeiter und Jungarbeiterinnen zugelassen. An der Steigerung von 34 428 beim letzten Berufswett- kampf auf 56 800 jetzt im Gau Hessen-Nassau sind alle Berufe prozentual ziemlich gleichmäßig beteiligt, wobei zu bemerken ist, daß diesmal ganz besonders die Hilfsarbeiter und Hilfsarbeiterinnen, also die Ungelernten, in stärkerem Maße teilnehmen. Daß Die Studierenden sämtlicher deutschen Hochschulen, also auch in Frankfurt, Gießen, Marburg und Darmstadt, sich erstmals beteiligen werden, wurde bereits berichtet. Die Hauptkampftage, an denen die Vorentscheidung fällt und woran sich die 56 800 Teilnehmer im ganzen Gau beteiligen sind auf den 2. bis 15. Februar festgesetzt, während der Gauwettkampf, der jeweils die Besten des Gaues vereinen soll, mit Rücksicht auf Ostern am 14. und 15. März durchgeführt wird. Für den Endkampf, der im vergangenen Jahre in Saarbrücken stattsand, ist diesmal Danzig vorgesehen, und zwar für die Zeit vom 24. bis 30. April nächsten Jahres. Der Schaufensterwettbewerb, mit dem der letzte Reichsberufswettkampf eingeleitet wurde, gelangt diesmal am Schluß zur Durchführung, und zwar genau in derselben Weise. Von Preisen und Geschenken für die Gaubesten wird diesmal abgesehen, jedoch erhalten die Gau- und Reichssieger je nachdem zu ihrer beruflichen Weiterbildung Ski. pendien für Hochschulen und Fachausbildungsstätten. Die höchste Ehre erfahren auch diesmal wieder die Jungarbeiter, die aus dem dreimaligen Wettstreit im Ort-, Gau- und Reichsentscheid als endgültige Sieger hervorgehen und vom Führer in der Reichskanzlei empfangen werden. Preußen. Kreis Metzlar. <£ R 0 dheim a. d. Bieder, 22. Nov. Die hier feit Monaten ruhende gewerbliche Fort- dildungsschule feierte gestern in der Ländlichen Berufsschule sürKnaben ihre Auferstehung. Die Schule wird besucht von den nicht gewerblich tätigen Schulentlassenen der beiden letzten Jahrgänge und umfaßt die Ortschaften R 0 d - heim mit Bieder, Fellingshausen und Vetzberg. Zu erteilen sind je im Winter- und Sommerhalbjahr 80 Stunden für jede der zwei Klassen, die je von ca. 25 Jugendlichen besucht und von zwei Lehrern (Nickel und Jäkel) geleitet werden. Der Unterricht erstreckt sich auf Deutschkunde, Rechnen, Staatsbürgerkunde, nationalsozialistisches Gedankengut und landwirtschaftliche Berufskunde. Nachdem hier in der vorigen Woche bereits eine Mädchenfortbildungsschule eröffnet wurde, dürfte hierorts für die Beschulung der Schulentlassenen hinreichend gesorgt sein. Kreis Biedenkopf. * Gladenbach, 22. Nov. In den Ruhestand versetzt wurde auf Antrag der Pfarrer und Dekan Gustav Lehr zu Gladenbach mit Wirkung vom 1. Januar 1936 ab. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, 24. November. 23. Sonntag nach Trinitatis. Totensonntag. Gießen. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfr. Becker. 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde; Pfr. Becker; 17: Propst Knodt. — Johanneskirche. 8.15: Militär- gottesbienft; Pfr. Ausfeld; 9.30: Pfr. Bechtols- heimer; 11: Kinderkirche für die Lukasgemeinde; Pfr. Bechtolsheimer; 17: Pfr. Ausfeld; 20: Bibelbesprechung im Johannessaal; Pfr. Trapp. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Anthes; 10.45: Kinderkirche für die Luthergemeinde; Pfr. Anthes.— Petruskapelle. 9.30: Pfr. Trapp; 17: Pfr. Becker. — Kapelle des Reuen Friedhofs. 14.30: Pfarrassistent Zschau. — Saat der Reuen Krippe. 11: Kinderkirche für die Johannesgemeinde; Pfr. Ausfeld. — Wieseck. 9.45: Hauptgottesdienst; Chorschule; Kollekte für die örtliche Kriegerehrung; 11: Kinderkirche. — Alten- Duseck. 10: Gottesdienst; 13: Liturgische Feier. — Großen-Vuseck. 10.30: Festgottesdienst; Kirchenchor; Posaunenchor; Kollekte; 20: Liturgische Totenfeier; Konfirmandenchor; Lichtbilder; Kollekte. — Oppenrod. 8.45: Festgottesdienst; Kollekte; 18: Liturgische Totenfeier; Schülerchor; Lichtbilder; Kollekte. — Stelnvach. 9.45: Gottesdienst unter Mitwirkung des Gesangvereins Germania; Kollekte. — Albach. 12.30: Gottesdienst; Kollekte. — Rödgen. 10: Gottesdienst. — Annerod. 13: Gottesdienst. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst unter Mitwirkung des Kirchenchors; 11: Kindergotesdienst (2. Abteilung). — Kirchberg. 10: Gottesdienst; Kollekte; 11.15: hl. Abendmahl für die Jugend von Daubringen. — Mainzlar. 13.30: Gottesdienst. — Treis a. d. Lda. 10: Hauptgottesdienst-, Kollekte; 13: Liturgische Feier auf dem Friedhof; Schülerchor; Posaunenchor; Gesangverein Liederkranz. — Klein-Linden. 10: Gottesdienst; Kirchenchor; Kollekte; 11.15: Kindergottesdienst; 14: Feier auf dem Friedhof (bei schlechtem Wetter in der Kirche); Posaunenchor; Nationale Sängervereinigung. — Watzenborn-Steinberg. 10: Hauptgottesdienst; 16: Liturgischer Gottesdienst. — Garbenteich. 10.30: Gottesdienst; Mitwirkung des Gesangvereins Frohsinn. — hausen. 13: Gottesdienst; Mitwirkung des Frauenchors. — Llch. 9.30: Stiftsdechant Kahn; Kirchenchor; Sängervereinigung Cä- cilia; Kollekte; 14: Stiftspfarrer Naumann; Kollekte; 15.30: Feier auf dem Friedhof; Stiftspfarrer Naumann; Posaunenchor. — Rieder-Bessingen. 10: Stiftspfarrer Naumann. — Bettenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst; Kollekte. — Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst; Mitwirkung des Kirchenchors; Kollekte; 19.30: Gemeindefeier; Weihe der Ehrenhalle für die Toten früherer Kriege. — Münzenberg. 11: Gottesdienst. — Trais-Münzenberg. 9: Gottesdienst. — Hungen. 9.45: Gottesdienst; anschließend Feier am neuen Kriegerdenkmal; 15: Feier auf dem Friedhof. — Langd. 13: Gottesdienst; anschließend Kindergottesdienst. — Kirtorf. 12: Kindergottesdienst; 13: Hauptgottesdienst; anschließend kurze Feier auf dem Friedhof. — Ober-Gleen. 9: Kindergottesdienst; 10: Hauptgottesdienst; anschließend kurze Feier auf dem Friedhof. — Veilsberg. 9: Gottesdienst; Kollekte. — Wirberg. 10.30: Gottesdienst; Kollekte. — Beltershain. 12.30: Gottesdienst; Kollekte. — Harbach. 14: Gottesdienst; Kollekte. Mittwoch, den 27. November. Gießen. Stadtkirche. 20 Uhr: Abendandacht. — Kapelle des Alten Friedhofs. 20.15: Katechismus- andacht; Pfr. Anthes. Evangelische Sladtmission (Löberstraße 14). Sonntag, den 24. November. 8.30 Uhr: Morgenandacht; 13.30: Sonntagsschule; 20.15: Toten-Gedächtnisfeier. Mittwoch, den 27. November. 9, 10 und 14 Uhr: Frauen-Missionstag; Frl. Schroder, Missionarin; 20.30: Bibelstunde. Christliche Gemeinde Gießen, „Zu den Mühlen 2". Sonntag, 24. November. 10 Uhr: Erbauungsstunde; 20.30: Evangelisation Dienstag, 26. November. 20.30 Uhr: Bibel- und Gebetstunde, katholische Gemeinden. Samstag, den 23. November. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 24. November. 24. und letzter Sonntag nach Pfinasten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Frauen; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 17.30: Christenlehre und Andacht. — Echzell. 11: Hochamt mit Predigt. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: Christenlehre und Andacht. — Hungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Lollar. 9.30: Messe mit Predigt. — Ridda. 8.15: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 25. November. Laubach. 7.30 Uhr: Messe. Mittwoch, den 27. November. Hungen. 7.15 Uhr: Messe. Baptistengemeinde (Gartenstrahe 13). Sonntag, den 24. November. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 20.30: Prediger Lotz. Donnerstag, den 28. November. 20.30 Uhr: Bibelbesprechung; Prediger Lotz. Oesfentllcher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende» Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer I bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Aerzte : Dr. Mehl; Dr. Neurnann-Spengel. Z a h a r z t: Dr. Holzapfel. Apotheke: Hirsch-Apotheke. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Banknoten. Franim 1 ü. Di. ■öern . srankiui, a. Di. 4; er... (Vramiu •öeru.i Schluß- kurs Schlußk. Abendbörse Schluß- turs Schluß?. Mittag- börse Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittagbörse Schlußkurs Schlußk. Abend« börse Schlußkurs Schlußk. Mittagbörse 'Datum 19.11. 21-11. 19-11 21-11. Datum 91.11. 21.11 ■ 19.11. 21-11- Datum 19-11- 21.11. 19.11. 21.11. 6% Deutsche Reichsanlethe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 5*/2% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. <*/,% Deutsche ReichSpostschatzan- weisungen von 1934, I....... 6% ehern.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 4Vi% ehern. 8% Hessische Landes- baut Darmstadt Gold R. 12.... 5y2% ehern. 4/,% Hess. Landes- Hypothekenbank DarmstadtLiaui 4>/2% ehern. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuidberschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anlethe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4 y2% ehem.8% Franks. Hyp.-Aank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6yz% ehern. 4>/2% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriese....... 5y2% ehern. 4 y2% Rheinische Hyp.-Bank-Ligu.-Goldpfe..... ♦y.% ehem. 8% Pr. Landespfand- vriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 *%% ehern. 7% Pr.LandeSpsand- briefanst., Gold Komm. Cbl.Vl Steuerautfch.Verrechnungsk. 34-38 4% Oesterreichische Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4y2% dcsgl. von 1918.......... 5% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1..................... 100,4 97,5 102,25 112,65 100,2 97,4 96,25 92,75 112,9 96,25 100,65 100,75 97 97 107,7 28,25 9,15 9 8,9 11,25 100,13 97,5 102,5 112,65 100,2 97,4 96,25 100,65 92,75 112,9 96,25 100,75 100,9 97 97 107,7 9 8,75 8,9 11,25 100,5 97,5 112,65 100,2 97 113 100,75 97 97 107,7 28,4 1,25 9,15 8,95 9,15 11,3 100,5 97,5 102,65 112,65 100,2 97 113 100,75 97 97 107,7 28,25 9,05 8,9 8,95 11,25 4% desgl. Serie 11 ............. 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4'/2%Numän.vereinh.Rentev.l918 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2 *4% Anatolier ............... Hamburg-Nmertka-Paker .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz, und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und DiSconto. Gesellschaft................0 Dresdner Bank..............o Reichsbank ................ 12 A.E.G......................0 Bekula.................... 10 Clektr. Lieferungsgesellschaft... 6 Licht und Kraft ........... gy, Felten & Guilleaume......... 4 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co...............4 Siemens L HalSke............7 Lahmeyer L Eo..............7 Buderus ................... 4 Deutsche Erdöl ..............4 Harpener...................0 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 8 Ilse Bergbau ............... 6 Ilse Bergbau Genüsse........ 6 Klocknerwerke ............... 3 Mannesmann-Röhren........0 6,13 8,25 4,8 39 15 16,5 81 109,5 84 83,75 84,5 183 35,75 141 110,4 127,5 102,65 121,25 128 124 116,65 164,65 121 96 102,75 106,5 83 153 125,25 81 79,65 8,25 4,75 39,4 15 16,75 82 109 84 83,5 84 181,5 ‘ 36,65 141 111,75 131,5 102,65 123 128,5 126,75 118 166,25 122,5 96,75 103,75 107,75 84,25 155 126 82,5 80,75 10,25 6,25 8,5 4,85 39 15,5 17 80,65 109,5 84 84 84,5 182,13 36 141 111,25 128 102,75 121,4 128,5 124 116,75 164 121 96,5 103,13 106,75 82,9 125,75 81,13 79,5 10,25 8,25 4,75 39,2 15,5 27,25 17,25 82,5 109,25 84 83,5 84 181,5 36,65 141,25 112 131,5 103,25 122,75 130 126,25 118,5 166,5 122,5 97 103,65 108 84,25 156 126,4 82 80,4 ManSfelder Bergbau.........6 Kokswerke.................. 6 Rheinische Braunkohlen .....12 Ryeinstahl..................4 Vereinigte Stahlwerke........0 Otavi Minen ...............0 Kaliwerke Aschersleben........5 Kaliwerke Westeregeln........5 Kaliwerke Salzdetfurth..... ?y2 3. G. Farben-Jnbustrte.......7 Scheideanstalt............... 9 Goldschmidt ................ 5 Rütgerswerke ............... 6 Metallgesellschaft.............4 Philipp Holzmann...........4 Zementwerk Heidelberg ...... 7 Cementwerk Karlstadt......... 6 Schultheis Patzenhofer .......4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg................... 5 Zellstoff Waldhof ............6 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas ............... 7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum........... 8 Lrenstein & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade.................... 71/, Accumulatoren-Fabrik....... 12 Conti-Gummi............... 8 Gritzner....................0 Mainkraftwerke Höchst a.M.... 4 Süddeutscher Zucker ........10 116,5 209 102,13 75,5 18,5 122 186 147,75 212 103 111,5 105,5 87,75 114 129 50,65 102,5 108,75 74,5 89,75 136,5 24,75 290,5 155,25 200 117,25 210 104 77,75 18,13 126,75 122,5 186 149,5 214 105 112 105 87,5 115 129 52,25 102 109,25 74,5 89,75 137 26 293 157 27,25 87,5 200 116,75 113 209,5 102,65 75,65 18,4 126,75 122,25 186 148,75 103 112 105,25 87,75 102,25 50,75 101,25 108,5 75,13 124 89,5 136,65 76 24,75 290,5 167.25 155,5 27,5 ! 200 117,5 114,25 210 104 77,65 18,13 126,75 122,75 186 149,5 105,13 112,13 105,13 87,5 102,75 52 102 110 75,5 123,75 90,25 136,75 76,75 26 291,5 168 157 200 19.November 21 .November Amtliche Geld Notierung Brief Amtliche Notierung Geld Brief Buenos Atrer 0,676 0,680 0,678 0,682 Brüssel..... 42,00 42,08 42,05 42,13 Rio de Ian. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,62 54,72 54,75 54,85 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,23 12,26 12,26 12,29 HeljingforS.. Paris ...... 5,39 16,365 5,40 16,405 5,405 16,355 5,415 16,395 Holland .... 168,63 168,97 167,88 168,22 Italien..... 20,16 20,20 20,16 20,20 Iavan ...... 0,710 0,712 0,711 0,713 Jugoslawien 5,654 5,666 5,634 5,646 Oslo..... : 61,41 61,53 61,56 61,68 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,09 11,11 11,12 11,14 Stockholm... 63,04 63,16 63,19 63,31 Schweiz .... 80,72 80,88 80,32 80.48 Lpanien.... 33,92 33,98 33,92 33.98 10,27 10,29 10,255 10,275 Budapest ... Reuyork ... 2,486 2,490 2,486 2,490 Berlin,21 .November Geld Briet Amerikanische Roten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,92 42,08 Dänische Noten ................. 54,54 54,76 Englische Noten ................. 12,225 12,265 Französische Noten............... 16,305 16,365 Holländische Noten............... 167,46 168,14 Italienische Noten................ 19,46 19,54 Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling 61,40 61,64 Rumänische Noten............... — — Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. 63,02 63,28 80,14 80,46 Spanische Noten................. 33,56 33,70 Ungarische Noten............ ... Bücher unter dem Weihnachisbaum DeuWe Erzähler erkennt. Abermals, auch von hier aus, fühlt sich i Leser zurückgeführt in Hauptmanns schlesische W der diesen finden und für sich gewinnen sollte. —y— Heue Viographien Länder und Völker m die en^e Wirklichkeit eines schlesischen Dorfes yineinschneit (im Sinne des Wortes) und ebenso gehelmmsoott auch wieder daraus verschwindet- zwischen diesen beiden äußersten Polen kreist die mit vielen Gesichtern und Gestalten, mit Erlebnissen Traumen, Sehnsüchten und Wunschbildern befrachtete schlesische Welt; und wir glauben, wenn man die manchmal fast verwirrende Vielfalt der Gestalten und ihrer Beziehungen untereinander auf lich auf den Weihnachtstisch unserer Jungen wünschen möchten. —e. scheinung des Mädchens Agnete als „eine er- greifende Legende der Sehnsucht über sich hinaus" „ cn , . " . O uu U.ICII dllll 111, UlL einen Nenner bringen und den eigentlichen Sinn wandt in Gestalt oielcs gedankentiefen, versponnenen und träumeri- retteten Findlinge schen Romans zufommengefaßt aussagen mochte, dem ersten arost tressendsten mit den Worten ein schönes, innermpes uns ausgeprägt oeutiches öcs bekannten ®ljerarWor>terä Josef Nadlers, der Buch begrüßen, das sich an ernsthafte besinnliche LÄ" L^»°b«n stehende. Er. uns anZru'ch-volle Är wenL"uL L"L — Paul Rohrbach, Deutsch-Afrika, Ende oder Anfang? Briefe an einen jungen Deutschen. Verlag Volk und Heimat in Potsdam. Preis 4,— RM. — (395) — Unser langjähriger geschätzter Mitarbeiter in allen weltpolitischen Fragen kennt fast alle Länder des Erdkreises aus eigener Anschauung. Das können leider nicht viele Deut- i unseres Volkes hat darin wohl seinen Hauptgrund. Daß Rohrbach viele Länder mehrmals aufgesucht , hat, daß er sich die Möglichkeit verschafft hat, Ver- aleiche anzustellen, Entwicklung oder Stillstand zu beobachten, gibt diesem Weltenwanderer den weiten Blick für die großen weltpolitischen Zusammenhänge so gut, wie für das Charakteristische in Politik, Kultur und Wirtschaft der Länder und Völker. Wir verdanken ihm politische Erziehungsbücher wie „Der deutsche Gedanke in der Welt" und „Das weltpolitische Wanderbuch", Bücher über Amerika und die Länder des Fernen Ostens. Vor allem aber ist Rohrbach alter Afrikaner und als solcher unermüdlicher Pionier des Kolonialgedankens. Als kaiserlicher Kommissar war er in unserer alten Kolonie Deutsch-Südwest tätig und besitzt dort heute noch eine Farm. Die letzten Jahre haben ihn wieder hinübergeführt. Eine Reise mit Schiff, Eisenbahn und Auto hat ihn von Tanga durch das englische Kenya und unser Deutsch-Ost geführt, dann hat er Südafrika bereist, wieder unser altes Südwest besucht, um schließlich über Portugiesisch-Angola heimzukehren. Eine zweite Reise galt unserer ehemaligen Kolonie Kamerun. Berichte von beiden Reisen hat der Gießener Anzeiger damals laufend veröffentlicht. In diesen Briefen an den jungen Heidjer und seine Freunde stellt Rohrbach nun die Frage in den Vordergrund: „Braucht Deutschland Kolonien und eignen sich dazu unsere uns im Versailler Diktat entrissenen afrikanischen Besitzungen?" Die Antwort setzt zwei Untersuchungen voraus: „Kann Deutschland hier die tropischen Rohstoffe bauen, die es braucht?" und „Findet Deutschland hier Siedlungsraum für seinen Nachwuchs, dem es in der Heimat zu eng wird?" Wir wollen dem Leser des Buches nicht vorgreifen. Er möge nur darauf hingewiefen werden, daß Rohrbach es versteht, von seinen Besuchen und Fahrten plaudernd, alle wesentlichen Probleme ungemein anschaulich darzulegen und bis auf den Grund klarzustellen. Die Liebe zu Afrika und die Liebe zu unserer deutschen Jugend haben dem alten Kolonialpionier die Feder geführt, aber er ist ein so guter Kenner des Landes und ein so gewissenhafter Berichterstatter, daß er Licht und Schatten gerecht verteilt, nüchtern und sachlich die Schwierigkeiten sieht und kein Paradies malt, wo nur harte Arbeit und nicht zuletzt ; auch ein kleines Anfangskapital dauernden Erfolg c verspricht. Viele Augenblicksbilder von den Reisen s bereichern das fesselnde Buch, das wir uns nament- l DeutfOeund europäifcheBalerel. — Grünewalds Handzeichnungen. Herausgegeben von Richard Graul. 35 ©eiten. Im Insel-Verlag zu Leipzig. Insel-Bücherei Nr. 265. (452) — Von den nur dreiunddreißig Handzeichnungen des Mathis Gothart Nithart (Grünewald), die auf uns gekommen sind, vereinigt das vorliegende, >)nsel-Bändchen vierundzwanzig: es handel sich dabei überwiegend um Studienblätter nach der Natur, um Vorarbeiten zu berühmten Gemälden, zum Jsenheimer Altar und zur Stuppacher Ma- donna. Für viele, ja die meisten Betrachter wird in diesem schmalen Bändchen Neuland erschlossen, wird der ohnehin kaum bekannte, von mancherlei Ge- heimnis und Rätsel umgebene Name Grünewald ^ner.neuen Seite gezeigt und ein wenig erhellt. Dafür sollte jeder dankbar sein, der sich bewußt ist, hier einem der größten Künstler der deutschen Vergangenheit gegenüberzutreten; alles, was geeignet erscheint, das begrenzte und immer ein wenig ungewisse Bild zu verdichten und zu be- lichten, das wir mit Grünewalds Namen zu verbinden pflegen, muß uns heute hochwillkommen le*n-. ber Alsenheimer Altar wenigstens von Abbildungen her ein Begriff ist, wird mit Freude und Bewunderung auch in diesen, gemeinhin kaum bekannten Handzeichnungen blättern, auf ihnen Christus am Kreuz und Maria mit dem Kinde, Apostel und Heilige, weltliche Männer- und Frauen- gestalten finden und durch sie hindurch einen Blick tun in das unruhige Leben und das magische, glühende, ekstatische Künstlertum eines deutschen Großmeisters „am Vorabend der Reformation". Dem Herausgeber ist zu danken für eine maßvoll und liebevoll abwägende Einführung, die dem Be- Acht allein die hier vereinigten zwei Dutzend Blätter, sondern die Gestalt des Künstlers allgemein ein wenig näher zu rücken bemüht ist. Die Wiedergabe der Abbildungen ist so sorgfältig und technisch einwandfrei, wie wir das vom Insel- Verlage gewohnt sind. Wir wünschen dem Bändchen eine recht weite Verbreitung: hier kann jedermann für ganz geringes Geld seine Kunstbücherei um einen wesentlichen Beitrag vermehren. __y__ -----'e und Gesicht deutlich zu unterscheiden und das wahre und unverhüllte Antlitz dieser Völker zu erkennen. Er besucht ihre Kirchen und Schlosser, ihre Museen und ihre Theater und trachtet danach, wo immer sich ihm die Gelegenheit bietet, Sinn und Wesen dieser fremden Kulturen in ihrem volkhaften Ursprung zu begreifen: weniger um dabei sein eigenes Wissen zu mehren, als um seinem Volke die Wahrheit zu sagen über das, was außerhalb seiner Grenzen im Denken und Handeln anderer Völker einem Nationalsozialisten zum unmittelbaren Erlebnis wird. Er sieht freilich nicht nur das Gute mit großer Gerechtigkeit, sondern ergründet auch die Ungerechtigkeiten dieser Länder gegenüber dem neuen Deutschland und versucht sie ohne Argwohn und Tadel mit überzeugender Ehrlichkeit richtigzustellen. Je mehr er so Land und Leute studiert, um so sicherer bestärkt ihn der Glaube, daß über kurz oder lang die Welt draußen Deutschlands Leistungen anerkennen und seine gewaltige Tatkraft auf politischem, sozialem und kulturellem Gebiet nach Verdienst schätzen wird. Am stärksten packt uns aber Johst dort, wo er seine Liebe und Begeisterung sprechen lassen kann, so als er erzählt, wie er nach der Rückkehr dem Führer von seiner Fahrt berichtet und uns die schöne Menschlichkeit Adolf Hitlers in warmer Lebendigkeit vor Augen stellt. Das Erfreuliche an diesem Buche ist die anmutige Frische und Natürlichkeit, mit der ernsteste Fragen der Kunst und anderer Dinge des heutigen Lebens klug und gleichwohl jedem verständlich erörtert werden. — Rudolf G. Binding: Die Waffen- b r u d e r. 68 Seiten. 1,80 Mark. Rütten & Loenina Verlag, Frankfurt a. M. — (399) — Diese Erzählung von Binding, welche kein neues Werk, sondern bereits vor dem Kriege, 1910, geschrieben worben und bisher nur in einem Sammelbande zugänglich gewesen ist, erscheint jetzt als Einzelbändchen in der gleichen sorgfältigen Ausstattung und zum gleichen Preise innerhalb der Reihe, in der früher „Unsterblichkeit" und „Keuschheitslegende" erschienen: eben ein Vierteljahrhundert alt, scheint sie dennoch viel älter zu sein und liest sich, in Stil und Thema art ältere deutsche Meister erinnernd, wie eine Geschichte etwa aus dem Kreise der Roman- Ilker. Indessen fügt sie sich gut zu manchem, was Binding schrieb, zu jener klassischen Novelle aus dem aroßen Kriege, die den Namen- „Unsterblichkeit" führt, zu „Sankt Georgs Stellvertreter" und auch zu der Anekdote um Reims aus dem Jahre 1914. Zwar wird die berühmte Reiterattacke, welche gleichsam den Prolog macht, schon im siebziger Kriege geritten, aber das ist ja nicht entscheidend, und alles, was nachfolgt, ist erlebt und gestaltet aus dem gleichen ritterlichen, männlichen und doch zarten Geiste wie jene späteren Erzählungen und wie eigentlich alles, was wir von Binding kennen. Es ist die Geschichte einer Waffenbrüderschaft, zweier Freunde und zweier Waffen auch, dazu eine Liebesgeschichte, die auf schicksalhafte und schmerzliche Weise ausgetragen und zu Ende gebrach5 wird; das ift nun empfunden und wird erzählt dergestalt, daß Begriffe wie Freundschaft, Liebe, Ehre, Keuschheit nicht bloß unverbindliche Vorstellungen bleiben, sondern als verschiedene Namen eines und des selben über uns allen waltenden Schicksals begriffen werden, nach dessen dunklen Gesetzen sich unser irdischer Wandel vollzieht zwischen Wiege und Grab. r- t e b m Vischoff: D i e goldenen Schlosser. Roman. 561 Seiten. Broschiert 5 Mk Ganzleinen 6,50 Mk. Im Propyläen-Verlag, Berlin — (460.) — Der junge Dichter Friedrich Bischoff, von dem wir bisher nur einige Gedichte und kleine Prosa gelesen haben, legt hier ein erstes großes IßerE vor, einen Roman von bemerkenswertem äußerem Ausmaß und innerem Gewicht. Das farbige Umschlagbild in seinen dunkelbraunen, zartrosa und lichtblauen Tönen ist wohl eine Landschaft von Caspar David Friedrich, und wenn man das Motto von Novalis daneben hält — „Das Aeußere ist ein in Geheimniszustand erhobenes Innere" —, dann ist dem Leser, wie uns scheint, noch ehe er begonnen fjat, die Richtung gewiesen, und er mag ahnen, was ihn hier erwartet. Hier ist ein Buch aus der deutschen Romantik, die, wie man sich bie und da überzeugen kann, auch heute noch nicht ausgestorben ist, eine echte, große und breit angelegte Erzählung, welche an eine mit bedeutenden Namen unseres Schrifttums bezeichnete Tradition anzuknupfen geeignet und würdig scheint. Hier tut sich die immer ein wenig geheimnisvolle und hintergründige schlesische Welt auf, die wir aus den Buchern der Brüder Hauptmann und ihres Landsmannes Hermann Stehr kennen. Das ist die Landschaft, wo Angelus Silesius und der Mystiker Jakob Böhme daheim sind, die Welt der Wunder- gläubigen, Propheten und Narren in Christo. Wenn man das erste Buch, „Schneesturm", zu lesen beginnt, dann muß man, ohne daß sich unmittelbar greifbare Uebereinftimmungen ergäben, an das Glashüttenmärchen der kleinen Pippa denken, und die Zentralgestalt in Bischoffs Roman, Agnete Fendler, scheint uns, ohne daß wir es näher begründen könnten, in den geheimsten Seelengründen mit Hannele und Rautendelein verwandt; auch von der visionär im Traumspiel erschauten „goldenen Stadt" mag man Beziehungen finden zu den nicht minder unwirklichen Schlössern in Bischoffs Roman. 3n der Tat: ein echter Roman; weniger freilich um Kiner gegenständlichen Handlung willen; die tritt Zurück hinter den übersinnlichen Elementen der Erzählung, in der es einmal heißt, daß im Glauben her „einfältigen Leute" ... „hinter jeder Wirklichkeit noch eine zweite, heimlichere vorhanden ist"... Ein andermal heißt es von diesen einfältigen Leuten: „Denn daß ein Geistiges über ihnen rauschte, das ihre Stuben in Himmelstiefen zwischen die Sterne versetzte, das schien so gewiß, wie in diesem Geiste feine Wahrheit umging unter ihnen, oder was gemeinhin darunter verstanden wird, und vielleicht so sehr unser aller Irrtum ist, wie wir am Ende mit aller Weisheit sind, wenn es an einem milden Sommerabend Sternschnuppen über uns regnet in blaue Lichtjahre hinein." Diese kleine Probe mag zugleich für die dichterische Prosa zeugen, in der das Buch geschrieben ist; den „Inhalt" zu erzählen, ist natürlich, nicht bloß aus räumlichen Gründen, unmöglich; es handelt sich, um eine Andeutung zu geben, um die Geschichte eines Mädchens, das geheimnisvoll aus der Welt der „goldenen Schlösser" ! Aje^er zurucrgesuyrt in Hauptmanns schlesische Welt in der das Sehnsuchts-Motiv so vielfältig wieder- kehrend seine Gestaltung gefunden hat; und auch jenen berühmten „Boten aus der Außenwelt" (die bei Bischoff nun freilich eine sehr innerliche, ferne und verwunschene ist), den Fremden, der schicksalhaft in einen zuvor geschlossenen Kreis von Menschen eintritt, finden wir verwandelt und doch ver- sitalt des aus dem Schneesturm geretteten^ Findlings wieder. — So dürfen wir in jen Roman des jungen Dichters ein schönes, innerliches und ausgeprägt deutsches — Meisterwerke europäischer Malerei in Amerika. Mit über 300 Kupfertiefdrucktafeln. Herausgegeben von Hans liehe. 352 Selten. Ganzleinenband 4,80 Mark. Im Phaidon- Verlag, Wien. - (466) - Wir haben in der letzten Zeit des öfteren Gelegenheit gehabt, die zahl- reichen, erstaunlich großzügigen, wertvollen und da- bei überaus wohlfeilen Publikationen des Phaidon- Verlages aus dem Gebiete der klassischen Geschichte, Kunst- und Kulturgeschichte anzuzeigen und zu empfehlen. Hier haben wir einen neuen Band, der sich lenen Vorgängern würdig und ehrenvoll anschließt: das von dem bekannten Wiener Kunsthistoriker Hans Tietze herausgegebene Werk über die europäische Malerei in Amerika ist ein ebenso bedeutsames und seinem Inhalt nach gewichtiges, wie zum Nachdenken anregendes Buch, das vielen Betrachtern, auch kunstsinnigen und sehr gebildeten, auf eine überraschende und vermutlich sogar schmerzliche Weise die Augen öffnen wird. Das nicht ganz vierzehn Seiten füllende Vorwort ist zwar im wesent- lichen eine zusammengedrängte Geschichte der amerikanischen Kunstsammler und des amerikanischen Kunstbesitzes im Querschnitt und Ueberblick und wird als solcher zunächst manchem wenig belangvoll und wichtig erscheinen; wie eminent wichtig ein solcher Ueberblick aber auch und gerade für den europäischen und im befonöern den deutschen Kunstliebhaber ist oder jedenfalls sein sollte, lehrt schon das flüchtigste Durchblättern der 300 großen Tafeln dieses Bandes. Sie enthalten nämlich, wie der Verlag mit Recht bemerkt, eine Art von Geschichte der klassi- sehen Malerei unseres Erdteils von Giotto bis Cezanne. Das klingt einigermaßen großzügig, entspricht aber den Tatsachen. Es ist schwer zu bestreiten, daß die wenigsten von denen, welche eine annähernde Vorstellung von den Schätzen der privaten und öffentlichen Sammlungen in Europa habe.', auch nur eine ungefähre Kenntnis von dem außerordentlich reichen Kunstbesitz europäischen Ursprungs m Amerika haben; dieser Kunstbesitz ist so bedeu- tend nach Umfang und Qualität, daß unsere Vor- stellung von der klassischen Malerei von hier aus eine unleugbar wesentliche Bereicherung erfährt. Tietzes Buch erschließt nicht nur eine Fülle fast un- bekannten Materials, ist nicht nur ein Stück internationaler Kunstgeschichte großen Stils, sondern auch eine für uns nicht besonders erfreulich zu lesende Geschichte vom Kapital und vom systematisch mit reichsten Mitteln betätigten Sammlerehrgeiz. Was uns so an klassischen Schätzen wohl unwiderbringlich verloren gegangen ist über das große Wasser, lehrt eine genauere Betrachtung der vorzüglich roiebergegebenen Abbildungen. Die meisten Beschauer werden staunen (und nicht nur staunen), wenn sie gewahr werden, was alles an großer Kunst der europäischen Nationen in verhältnismäßig kurzer Zeit aus dem Ursprungslande in amerikanischen Besitz übergegangen und damit für die meisten von uns ziemlich unerreichbar geworden ist: da finden wir eine hervorragende Sammlung großer Spanier — Greco, Velasquez, Murillo und besonders Goya; aus der Fülle klassischer italienischer Malerei seien nur die wundervollen Botticellis, dann Bellini (sehr zahlreich), Raffael, Giorgione, Tizian, Tintoretto, Veronese, Tiepolo genannt, von vielen anderen zu schweigen; bei den Niederländern linden wir u. a. zwei köstliche frühe Van Eycks, dann Van der Weyden, Van der Goes, Bouts, zwei wenig bekannte Memlings, ferner Bosch, Brueghel, pompöse Rubens, Van Dyck und Hals, eine ganze Reihe von Rembrandts (darunter die Lukretia und das großartige Selbstbildnis von 1658) und sechs der schönsten Bilder von Vermeer. Uns interessiert natürlich die deutsche Gruppe am meisten: von Dürer, Cranach (Paris-Urteil) und vor allem Holbein eine Gruppe von erstaunlich sicher gewählten Bildern, daneben einige unbekannte Köst- lichkeiten aus der süddeutschen Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts. Auch England ist reich vertreten; wir nennen von den Gainsboroughs nur den be« rühmten „Blue Boy", die süßen Frauendilder von — Emil Strauß: Der Schleier. Novelle. (Die Kleine Bücherei Nr. 57.) Geb. 80 Pf. Albert Langen/Georg Müller, München, 1935. — (442.) —; Eine Kostbarkeit bedeutet für die ,Meine Bücherei" das Bändchen „Der Schleier" von Emil Strauß. Denn diese Novelle, die bisher nur in einem größeren Geschichtenband erreichbar war, zählt seit ihr-rm ersten Erscheinen unbestritten zu den schönsten und tiefsten Dichtungen der Gegenwart. Es gibt nicht viele Kunstwerke, die auf knappstem Raum das Schicksal dreier Menschen, Leidenschaft und Schuld, Gute und Vergebung mit gleicher meisterlicher Vollendung in den Bereich höchster Gültigkeit erheben. Die Gestalt dieser Frau in der die leichtfertig verratene Liebe sich zu einem Uebermaß von verzeihender Güte steigert, wird ebenso unvergeßlich bleiben, wie die ihres Gatten der durch das Erlebnis feiner Untreue reif geworden, sich des Einsseins mit feiner Frau erst recht bewußt wird und wieder den Weg zu ihr findet, um sie nie mehr zu verlieren. Als ein Sinnbild [u i 15 bezwingende Macht reinen Frauentums ge» hort bjefe Dichtung in ihrer seelischen Größe und Keuschheit, ihrer kristallenen Form, zu den wenigen Schöpfungen, in denen alles Geheimnis der Menschen spürbar wird. die Augen. So mußte das grausige Schicksal seinen Lauf nehmen. __e — August Winnig, „Heimkehr", Preis Leinen 5,80 RM. Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg^ — (326) — Mit dem neuen Band führt August Winnig seine Lebensgeschichte um fünf schick- salsreiche Jahre weiter. Barg „Frührot" den Glanz einer schweren Jugendzeit, waren im „Weiten Weg" jene harten Jahre männlichen Ringens um die Einordnung des deutschen Arbeiters geschildert, so lebt in dem neuen Buch jene Zeit auf, in der das Gewonnene sich bewähren mußte. Das Gewonnene, das ist der Dienst an Deutschland, in einer Zeit, da alle ethischen Bindungen im Wirbel einer verbrecherischen Revolte sich auflösten. In jenen Monaten 1918, da verhetzte Elemente die Ordnungen zerstörten, die ihnen selbst keinen Widerstand mehr entgegensetzen konnten, ist Winnig gerade auf einer Reise nach dem baltischen Land. Er wird zum Reichskommissar ernannt, um den drohenden Zusammenbruch der deutschen Verwaltung zu verhüten. Winnig gelingt es. Die Macht der Soldatenräte wird gebrochen, die allmählich gesicherte Rückkehr der Truvpen vollzogen, das Freikorps „Die eiserne Division' geschaffen, das sich der Roten Armee ent- gegenroirft und damit wieder Ostpreußen rettet. Bald ist Winnig in Ostpreußen als Oberpräsident, um die zügellosen Kräfte zu bändigen. Wieder beginnt der Kamps mit der berüchtigten Volks- Marine-Division, die von Königsberg das Land terrorisiert. Winnig wird zum Verteidiger der deutschen Ostprovinz und muß, — als sie durch das Versailler Diktat losgerissen wird vom Reich, — unter besonderen Schwierigkeiten eine zähe, unermüdliche Aufbauarbeit beginnen. Ihr setzt der Kapp-Putsch ein Ende. Winnig, schon lange im Gegensatz zur tatenlosen und entschlußarmen Reichsregierung, innerlich bereits gelöst von seiner Partei, erkennt die Größe der Gefahr, die in dieser Stunde Ostpreußen, das in wenigen Wochen zur Abstimmung schreiten muß, droht und stellt sich der neuen Regierung zur Verfügung. Mit dem Scheitern des Putsches ist auch dem Wirken Winnigs in Ostpreußen ein Ende gefetzt. — Das ganze verhängnisvolle Schicksal des deutschen Ostens ist in diesem Werk festgehalten; verbunden mit dem Leben eines deutschen Menschen, der in tatfordernder Stunde den Einsatz seiner Person nicht verweigert hat. ; — Prinzessin Stephanie von Bel- gi en, Fürstin von Lonyay: Ich sollte Kaiserin werden. Lebenserinnerungen der letzten Kronprinzessin von Oesterreich-Ungarn mit 14 Bildern. Verlag Koehler & Amelang in Leipzig. Preis in Ganzleinen 6,80 Mark. — (419) — Der Erinnerungsbücher aus der verklungenen Zeit des Glanzes der drei Kaiserhöfe in Berlin, Wien und Petersburg ist Legion. Nur wenige find als Geschichtsquelle von Bedeutung und ebenso wenige geben sich so sympathisch in anmutiger Natürlichkeit wie die Erinnerungen der Kronprinzessin Cecilie. Der letzten Kronprinzessin von Oesterreich war allerdings ein schwereres Los bestimmt, als sie erst sechzehn Jahre alt dem unglücklichen Rudolf vermahlt wurde. Die Geschichte des österreichischen Kaiserhauses ist besonders reich an eigenwilligen Persönlichkeiten und menschlichen Tragödien. Die Katastrophe von Mayerling gehört hierher. In unzähligen Büchern und Aufsätzen hat man versucht, Den Schleier zu lüften, den der Wiener Hof über Das grausige Ende des Kronprinzen Rudolf gebreitet hat. Was die Prinzessin Stephanie hierüber zu sagen weiß, ist das wesentlichste ihres Memoirenbuchs, das sonst von glücklichen Juaendjahren in Brüssel und einer aus politischen Gründen geschlossenen liebeleeren Ehe berichtet, die nach wenigen Jahren für die junge Kronprinzessin zu einem Martyrium geworden war, denn auch die Geburt der Erz- Herzogin Elisabeth kann den Vater, der einen Thronerben erhofft hatte, nicht vom Weg ins Verderben zurückführen. Die Aufzeichnungen Stephanies und der in Faksimile beigefügte Abschiedsbries Rudolfs Zeigen einen politisch schrankenlos ehrgeizigen, aber nervösen und haltlosen, dem Laster des Alkohols und ungeregeltem Leben sich hingehenden Mann, dessen zweifellos große und vielseitige Begabung nicht die rechte Bahn fand, in der sie sich zum Segen für seine Familie und sein Reich hätte aus- wirken können. Sein Sarkasmus, dem nichts heilig war, hat denn auch nach dem völligen Zusammenbruch seiner Nerven nicht davor zurückgeschreckt, die junge Mary Vetsera mit in das selbstgewählte Schicksal hineinzuziehen, als offenbar die Aufdeckung gefährlicher politischer Pläne ihn zu kompromittieren drohte. Die Kronprinzessin hatte in ihrer Angst den alten Kaiser zu warnen versucht, aber Franz Joseph schloß vor allen Vorstellungen roT a " " h st: Maske und Gesicht, sche von sich sagen: ber enge weltpolitische Horizont Reise eines Nationalsozialisten von Deutschland - -*■' ° - nach Deutschland. Geh. 3,20 RM., Seinen 4,80 RM. Verlag Albert Langen/Georg Müller, München, 1935. — (440) — Dieses neue Buch Johsts ist ein echtes Reisetagebuch, das auf liebenswürdigste und unterhaltsamste Weise Rechenschaft gibt über eine Fahrt, die durch sechs Länder führte — die Schweiz, Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark und Frankreich — mit dem Ziele, ihr kulturelles Leben aus eigener Anschauung kennenzulernen. Johst betrachtet wie noch kaum ein Deutscher vor ihm das Ausland mit den Augen eines Nationalsozialisten sind prüft die auf ihn einstürmenden Erlebnisse immer wieder unvoreingenommen auf ihren Wert und Unwert, um "" 1 Reynolds und ein prachtvolles Porträt von Lawrence. Mit den breitesten Raum beansprucht die französische Malerei; wir greifen heraus und staunen dabei: den „Mezzetin" von Watteau, das „Rendezvous" von Fragonard, Courbet („Halali"); dann eine glänzende Sammlung der Impressionisten Monet, Manet, Degas, Renoir; Cezanne, Toulouse- Lautrec und Dan Gogh machen den Schluß. Wir glauben schon mit dieser flüchtigen Aufzählung gezeigt zu haben, was den Beschauer hier erwartet. Quellennachweise, Anmerkungen, Standort- und Namenregister vervollständigen das Werk, das wir hiermit uneingeschränkt und nachdrücklich empfehlen möchten. —y— Geschichte. — Erich Marcks: Otto von Bismarck, ein Lebensbild, neue Ausgabe mit 12 Bildtafeln. Verlag der I. G. Cottaschen Buchhandlung in Stuttgart. Preis in Ganzleinen 4,80 Mark. — (457) — Dem bedeutendsten lebenden Geschichtsschreiber der Epoche der Reichsgründung, dem Meister des historischen Essays, dem Mann, der wissenschaftliche Forschung und künstlerische Formgebung in unvergleichlicher Weise vereinigt, verdanken wir eine von feinstem Verständnis für den Menschen Bismarck und die vielfältigen Elemente seiner Entwicklung zum Staatsmann zeigende Geschichte der Jugend des Kanzlers, die in weiteren Bänden zu einer großen Biographie des Kanzlers ausgestaltet werden sollte. Aber leider warten wir noch heute auf die Fortsetzung des Werkes. Statt dessen hat uns Erich Marcks, der eben erst durch Berufung in das Reichsinstitut für Geschichte des neuen Deutschland besonders geehrt wurde, zum hundertsten Geburtstage Bismarcks, der mitten in die Kriegszeit fiel, mit einem Lebensbild des großen Kanzlers beschenkt, das wegen der Fülle an Gedanken bei aller Knappheit' der Auswahl des Tatsächlichen aus dem unendlichen Reichtum des Stoffes, und wegen des prachtvollen Schwungs der Darstellung längst ein deutsches Volksbuch im besten Sinne geworden ist. Der Verlag hat sich ein Verdienst damit erworben, die neue ' Ausgabe (24.—28. Tausend) mit zwölf Bildtafeln zu schmücken, die den großen Deutschen in allen Stationen seines Lebens zeigt vom Schüler des Plamannschen Instituts bis zum Einsamen im Sachsenwald und seiner gewaltigen steinernen Heroisierung in Lederers Hamburger Denkmal. —e. — Josef Pilsudski: Erinnerungen und Dokumente, von ihm persönlich autorisierte deutsche Gesamtausgabe, ausgewählt, bearbeitet und redigiert von Major Dr. Waclaw L i - p i n s k i und Generalkonsul I. P. Kaczkowski mit einem Geleitwort von Ministerpräsident General Hermann Göring. Band I. Meine ersten Kämpfe. Preis in Ganzleinen gebunden RM. 8,50, Essener Verlagsanstalt G. m. b. H. in Essen. — (333) — Wir haben auf die Bedeutung dieser deutschen Ausgabe der Memoiren des Schöpfers des modernen polnischen Staates in der ausführlichen Besprechung hingewiesen, die wir der diesen Memoiren vorangestellten und auch als Sonderdruck erschienenen Lebensskizze des Marschalls aus der Feder des Herausgebers W. Lipinski vom militärhistorischen Büro in Warschau gewidmet haben. Dieser erste Band enthält die von Pilsudski während seiner Internierung in der Festung Magdeburg 1917/18 niedergeschriebenen Erinnerungen an die ersten Kämpfe der polnischen Schützenverbände, die unter seiner Führung vom damals österreichischen Krakau aus schon in den ersten Augusttagen des Jahres 1914 den Vormarsch ins russische Kongreßpolen angetreten und die Stadt Kielce besetzt hatten. Hier reichten sie einem deutschen Landwehrkorps die Hand, das von Schlesien aus vorgerückt war. Aber die unglücklichen Operationen der Oesterreicher zwangen auch Pilsudski zum Rückzug. Als Flankensicherung wird die polnische Legion bei Korcyn— Opatowice in die ersten Kämpfe verwickelt. Hiervon handelt der erste Abschnitt der Erinnerungen des Marschalls. Weit schwieriger und gefahrvoller war die Lage der polnischen Legion bei den Rückzugsgefechten nach Zurücknahme der deutsch-österreichischen Front von Iwangorod bis zur schlesischen Grenze Ende Oktober 1914. Vor der Front der zurückgehenden österreichischen Armee her, von den russischen Vorhuten ständig bedroht, schlägt sich Pilsudski nach Krakau durch. Hiervon berichtet der Marschall im zweiten Kapitel seiner Memoiren. Hier fällt auch ein bezeichnendes Licht auf das Verhältnis der polnischen Schützenverbände Pilsudskis einerseits zu der österreichischen Heeresleitung, deren untere Organe, vor allem auch tschechische Etappenkommandanten, die polnischen Freiwilligen mit betonter Geringschätzung behandelten, und andererseits zu dem polnischen Nationalkomitee, das, im politischen Endziel mit Pilsudski keineswegs übereinstimmend, die sog. austropolnische Lösung ansteuerte und daher die polnischen Legionen in den k. u. k. Heeresverband eingliedern ließ, während Pilsudski bis dahin die Selbständigkeit der Schützenverbände in Organisation und Führung als Kern des künftigen polnischen Heeres besonders betont hatte. Dieser kühne Zug der polnischen Legion mitten durch die feindlichen Vorhuten war ein Meisterstück an Entschlußkraft und geschickter Führung. Er rettete die polnische Legion vor dem. Abgedrängtwerden vom vaterländischen Boden und hielt sie für neue Taten bereit. Diese kamen in der Schlacht bei Limanowa im Dezember 1914, wo die polnische Legion auf dem rechten Flügel des österreichischen Heeres focht und die Russen bis an den Dunajec zurückdrängen half. Wenn auch alle diese Kämpfe nur kleine Teilausschnitte aus dem großen Geschehen dieser Tage darstellen, so zeigt die außerordentlich temperamentvolle und plastische Schilderung des Marsches, wie hier vor dem Feinde, in mißgünstiger Umgebung und unter schwierigsten materiellen Verhältnissen eine kleine Truppe durch unbedingtes Vertrauen zu sich selbst und zum Führer, durch gemeinsamen Kampf, gemeinsame Not, aber auch durch einen einzigen starken politischen Willen zu einem Stahlkern zusammengeschweißt wurde, der einst das stärkste Ak- tivum in dem Ringen um die Befreiung Polens sein sollte. Professor von Arnim-Berlin hat zu dem Buch ein Nachwort geschrieben, das die geschilderten Kämpfe in den großen Rahmen der militärischen Operationen eingliedert. —e. Heue Tierbücher. — Egon von Kapherr: Möff Pürzel- m a n n. Die Geschichte eines wilden Schweines. Mit vielen Bildern nach Originalaufnahmen. Neubearbeitete Auflage 6. bis 10. Tausend. Brosch. 2,80, Leinen 3,80 Mark. Brunnen-Verlag, Willi Bischoff, Berlin. — (420) — Kapherr, der große Weidmann und Tierfreund, dessen unübertroffene Erzählertalent und warmer Naturliebe wir die schönsten Tier- und Jagdgeschichten in deutscher Sprache verdanken, der in den riesigen Urwäldern und Steppen Rußlands und Sibiriens gleicherweise zu Hause war, wie in den deutschen Jagdgründen, hat kurz vor seinem allzufrühen Tode seine entzückende Wildschweingeschichte „Möff Pürzelmann" für eine neue Auflage überarbeitet. Der Verlag hat schöne, sehr lebendige Bilder nach Aufnahmen in der Natur beigesteuert und so geht nun dies Büchlein in neuem Gewände wieder hinaus als Vermächtnis Kapherrs an seine große Lesergemeinde, die immer wieder zu seinen fesselnden Jagdgeschichten von Bär, Wolf und Elch greifen wird, aber darüber auch nicht vergißt die von liebevoller Naturbeobachtung auch im kleinsten zeugenden Geschichten von Hinnerk Mummel, dem Hasen in Mecklenburgs Flur und Möff Pürzelmann, dem wehrhaften Keiler. —e. — Begegnung mit Tieren. Von Prof. Dr. Bastian Schmid. 175 Seiten und 56 Bilder auf Tafeln. Verlag Knorr & Hirth G. m. b. H., München 1935. Geh. NM. 3,80, Seinen RM, 4,90. — (424) — Durch Jahrzehnte hindurch mit Hunderten von Tieren verbunden, hat sich Professor Schmid die Erforschung der Tierseele zur Aufgabe gestellt. Wir erfahren in seinem Buch, wie der Vogel im Ei erwacht und schon in seinem kleinen Kerker seelische Belebtheit zeigt. Reiher treffen wir im Rohrwald und bann wieder im Garten; warum ziehen die einen seiner Vögel fort, während die anderen bleiben? Falken sehen wir im Körbchen als kleine Nesthocker und später auf freiem Feld. Ein mit der Flasche aufgezogener Wolf erweist sich als gutmütiges Haustier, kinderlieb, anhänglich, treu. Im Sommer lebt ein junger Brüllaffe auf den Bäumen des Gartens in völliger Freiheit. Völlig anders geartet find zwei Makakenkinder, geweckte und erfinderische Burschen, denen der Garten zu klein wird. Wir erforschen weiter mit Bastian Schmid die ungewöhnlichen Nasenleistungen des Hundes und dessen Orientierungsvermögen, lernen den singenden Fuchs Karo sowie den von allen Tieren „geschätzten" Hund Ali kennen und noch vieles andere Interessante... Jedes dieser Tiere hat seinen eigenen Lebensstil, seine Gewohnheiten, jedes ist eine Persönlichkeit und zugleich eine andere Form der Ausstrahlung urpsychischen Wesens! Heber 50 eigene Fotos des Verfassers schmücken das Buch. — Heinz Graupner-Fritz Kredel: Das kleine Buch der Vögel und Nester. Insel- Bücherei Nr. 100. Im Insel-Verlag zu Leipzig. — (388.) — Fritz Kredel, ö-r Schövfer des lustigen Soldatenliederbuches und Mitarbeiter Rudolf Kochs bei der Gestaltung des berühmten Blumenbuches, hat hier nach Originalen des Senckenberg-Museums in Frankfurt unsere dem Namen nach wenigstens bekanntesten Sinaoögel in der ganzen Schönheit ihrer natürlichen Farbenpracht vor uns hingezaubert. Und das besonders Reizvolle, auch für die Vogelbestimmung Wesentliche ist, daß wir unsere gefiederten Freunde mit ihrem Nest zusammen sehen, dessen Bau ja für die einzelnen Vogelarten so überaus charakteristisch ist. Heinz Graupner hat in einem feinsinnigen Geleitwort als Ornithologe wie als Naturfreund dazu alles Wissenswerte gesagt. Auch die Naturgeschichte des einzelnen Vogels gibt jeweils willkommene Anhaltspunkte. —e. Gedichte. — Wilhelm Busch: Schein und Sein. Im Insel - Verlag zu Leipzig. (Insel - Bücherei Nr. 478.) — (410) — Von Wilhelm Busch gibt es nicht bloß „Max und Moritz", „Hans Huckebein" und „Die fromme Helene", Bücher und Bilder also, von denen fast jeder Deutsche in seinem Leben schon irgend etwas gesehen, gehört oder gelesen hat, — sondern auch ein paar Bändchen, die ziemlich unbekannt geblieben sind. Dazu gehören die ernsten, stellenweise philosophisch angehauchten Gedichtbändchen „Zu guter Letzt", „Kritik des Herzens" und „Schein und Sein", von denen das letzte nun auch in die Insel-Bücherei eingegangen ist. Man findet hier einen etwas anderen Busch, als die meisten ihn kennen und nennen, — einen nachdenklichen, skeptischen und ost sogar pessimistischen Weltbetrachter. Mancher, der Busch bloß als Spaßmacher und humorvollen Zeichner kannte, wird sich wundern, Gedichte wie „Woher, wohin?", „Der fremde Hund", „Befriedigt" oder „Die alte Sorge" — um nur einige zu nennen — aus feiner Feder zu finden. (Es wird allerdings, wie wir glauben, meist übersehen, daß sich verwandte Züge auch in den bekannten Bildergeschichten finden.) Der Busch- Spezialist und Vortragsmeister Hans Balzer hat dem Bändchen ein Nachwort mit auf den Weg gegeben, das interessante Einblicke in die Werkstatt des Mannes aus Wiedensahl gestattet. —y— — Georg Britting: Der irdische Tag. Gedichte. 133 Seiten. Albert Langen/Geora Müller, Verlag, München, 1935. — (345) — Der bayerische Dichter Georg Britting ist zunächst als Erzähler bekannt geworden, mit sehr konzentrierten Novellen von ausgesprochener Eigenart und mit dem großen Roman „Lebenslauf eines dicken Mannes, der Hamlet hieß"; wir haben unseren Lesern des öfteren Proben von Brittings Erzählweise in der Unterhaltungsbeilage mitgeteilt. Der vorliegende Band sammelt eine größere Auswahl von Gedichten und ist geeignet, das Bild Brittings vom Lyrischen her zu ergänzen. „Der irdische Tag" enthält Gedichte, die mit wenigen Ausnahmen als Naturlyrik gelten können, und deren beste auf eine einleuchtende Art aus der bayerischen Landschaft hervorge» wachsen sind, die Brittings engere Heimat ist; das gilt vor allem für die „Gedichte vom Strom", von der Donau, die auch, nicht zufällig, durch manche feiner Erzählungen rauscht. Will man den Gesamteindruck zusammenfassen, wird man sagen dürfen, daß Brittings Gedichte meist auf einem Augenblickseindruck beruhen, daß sie genaue Naturbeobachtung bezeugen und Landschaftsausschnitte widerspiegeln, die unmittelbar, umrißscharf, farbig und eigenwillig gesehen sind. Dies scheint für Britting wesentlicher als die strenge, klare und geglättete Form, als innere Melodie, Rhythmus und Reim in einem Gedicht. Es findet sich daher manches, was dem Leser nicht ohne weiteres eingeht, manches auch, was man aus stofflichen Gründen ablehnen wird (uns jedenfalls scheint ein Gedicht wie „Der Bethlehemitische Kindermord" verfehlt und als lyrisches Motiv unmöglich) — anders wieder versöhnt mit solchen Eindrücken und redet uns unmittelbar an, wie etwa die wenigen, aber völlig in sich geschlossenen Verszeilen der „Geistlichen Stadt" oder das stimmungsvolle, ganz aus Brittings heimatlicher Welt hervorgegangene Weihnachtsgedicht „Mitten im Föhrenwald". —y— ”■ 1 ViePNwtüud Apmwd --das bietet Ihnen mein großes Stofflager in reicher Auswahl. Hier einige Beispiele: Cloqn6 ca. 95 cm breit, das Mode- geweoe in vielseitiger Auswahl 5.50, 4.90, 3.60, 2.95 Satin - Drucke ca. 95 cm breit, neueste Streif.-, Tupfen- u. 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