Mittwoch, 23. Wober 1935 185. Jahrgang . 248 Erstes Blatt ist. nen würde. sich aus folgendem (anf. 38, spät. 34) (298 531) 293 358 26 (27) Radikale Linke (Demo- (145 221) (anf. 0, spät. 3) nicht st a r k Eroberer am sicheren Besitz des Mittelmeer- :rauen, sich einer e i n m» Beute der Mächtigen. llr.d so hebt in der zweiten Hälfte des Mittel- der neue Kampf um das Mittelmeer an, ein Ihirpf, dessen Träger auf der einen Seite die ler 151527 52 736 41 190 27 140 16 217 (660 839) (381 862) 759 069 292 085 4 (4) 2 (2) 0 (0) man de- Die de- daß das (41 238) (17 179) (757) 14 (14) 5 Sozialdemokraten Vauernlinke ergibt: Mandate 68 (62) 28 traten) Freie Volkspartei en eins ,hl. z. B.: Rechtsstaatspartei Kommunisten Dän. Rationalsozialisten Schleswigsche Partei Aus dieser Uebersicht nach dem Linksruck in nder, ler u. n Sie htmal e sich ich an nicht st a r k genug zu sein, um sich zu behaupten und der einander widerstreitenden Kräfte der Ztontt der Herrschaft über Europa teilhaftig werden hi Jen. Italien selbst war ein staatliches Nichts, ittagskvN' hen Zmi in Dich, ichmittag. ir Abend- jchaft am Breisgau, künde des jesjpiegel n. 20.15: ad)enber ms .y 24 bis derne Europa. Und als ob England diese Wert- sich bereits 1704 i n Die Krisis der Landwirtschaft bleibt das Problem der dänischen Innenpolitik itit. 6.30i en. 8.10: am Mo» Ratschläge 12: Mit- geschichtlichen Entwicklung eingedenk sind, die wir hier nur ganz skizzenhaft andeuten konnten, so er« messen wir erst recht die Schwere der Entscheidun« gen, die jede europäische Macht heute zu treffen hat. Miens Frauen sollen Devisen sparen. Verzicht aus ausländische Luxusartikel. Rom, 22. Okt. (DNB.) Giornale d'Italia, dessen ird von öoniüag \ Zweite d- Unter k nod, hen. - technisch m. Das irten die mb ruhi. 1 bewies es seinen Wahlsieg der Regierungsparteien in Dänemark. Der Linksruck in Skandinavien fetzt sich fort.—Erste Erfolge der Nationalsozialisten Anwachfen der deutschen Glimmen in Nordschleswig. seinen Nlanche fietrewebe « pidenqua* ichiceres bie 5.50, lkunpas vollziehen würden. Weder die Goten noch goi 2.95 Langobarden haben sich dieses Raums dauernd (in Rordfchleswig) 12 618 (9 868) 1 (1) geht zunächst hervor, daß IJtorwegen und Schweden Das erste Echo. In Kreisen der Regierungsparteien hebt ren Erfolg natürlich entsprechend hervor, mokratische „Politiken" weist darauf hin, vorläufigen Ergebnis Stimmen tische Wüste den Suez-Kanal erbaute und damit den Weg nach Indien um Tausende von Kilometer verkürzte, griff England entschlossen zu, besetzte 1878 Cypern, 1882 Aegypten, 1884 Somali- land und stieß 1885 weit nach Afrika vor, die Franzosen bei F a s ch o d a rücksichtslos zum Rück- Ergebnis der Wahlen eine Festigung der Macht und des Ansehens der Regierung bedeute. Bon der Opposition erwartet das Blatt, daß sie nunmehr den Bestrebungen der Regierung keinen systematischen Widerstand mehr entgegenletzen werde. Der sozialdemokratische Ministerpräsident S t a u n i n g gab der Ansicht Ausdruck, daß nun vermutlich der Weg für eine positive Poli- W parlamentarischen Parteiwildnis Herr zu werden. Mit allen seinen Bemühungen, der „nationale starke Mann" zu (ein, steckt Stauning doch immer noch zu tief in dem Dickicht von Vorurteilen einer zerkrachten Weltanschauung und in den Hemmnissen der Parteimaschine, um sich ganz frei und unbehindert bewegen zu können. Schon als bie Bauern ihren bekannten Zug nach Kopenhagen unternahmen, um dem König persönlich ihre Not zu klagen, ließ Stauning sich aus parteitaktischen Gründen dazu hinreißen, die Wortführer der Bauern in beleidigender Form abzuweisen, statt sich auf Verhandlungen einzulassen. Daß der Zug der Bauern keiner demagogischen Hetze, sondern einer tatsächlichen Not der Landwirtschaft entsprungen war, wußte die Regierung am besten. Sie war auch bereit, Hilfe zu leisten, nur sollte diese Hilfe durch die parlamentarischen Parteiinstanzen verabreicht werden, damit man nicht hätte sagen können, sie hätten versagt. Unter mäßig kurzer Frist wird das Mittelmeer aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und in einen englischen Schiffahrtsweg nach Indien und dem Fernen Osten verwandell. Aber nicht nur seinen Schiffahrtsweg will und muh England verteidigen, sondern ebenso den für die Zukunft nicht weniger wichtigen F l u g w e g, der von den Küsten Palästinas über Bagdad nach Indien führt. Wieder wie zur Zeit des Kampfes zwischen Rom und Karthago ist das Mittelmeer der Schauplatz größter politischer Entscheidungen geworden. Und wenn wir der steigerung ahnte, setzte es Gibraltar fest und nahm damit den Schlüssel zum Mittelmeer in seine Hand. Und wieder 100 Jahre später bemächtigte es sich Maltas. Als dann der französische Graf Lesseps durch die ägyp- s ch' Reiterscharen nicht über die Pyrenäen hinweg tajd) Nordeuropa vorstießen. Italien war um jene rjtii ein buntscheckiges Ländergemisch. Kirchenstaat, iMsivbardische und normannische Fürstentümer, ost- trom sche Prokonsuln und sarazenische Gouverneure nelltn sich in die Beute, während die deutschen !knsr in immer wieder erneuten Vorstößen die !)ie Herrschaft zu erzwingen versuchen und doch nur für ganz kurze Zeit zu erreichen vermögen. Ißte die großen deutschen Kaiser bewegte, von dem ! sanken Karl bis zu dem Staufen Friedrich II. i wl nicht nur, mit hartem Schwert über die ein- ijlilnürt Stammesschicksale hinweg nach einer grö- llipn Zusammenfassung deutscher Menschen zu | toten, sondern auch das deutsche Volk vom Rande «kw'pas hinweg in den damaligen Mittel- pn n 11 Europas zu führen und es, im Besitz ^id*e ts, der Herrschaft über das Mittelmeer und “endL St US Hannes hinderte. Das Erbe von Byzanz traten die Araber an. ' der Flucht Mohammeds von Mekka _______ .st nicht nur Kleinasien, sondern auch Des gesamte Nordafrika und der größte Teil Spa- ichrs im Besitz der Araber, und nur dem Einsatz i ler Franken war es zu verdanken, daß die arabi- , ca. cm . KB Jahre nach ^unstseiä; uod Medina ist elenneuen 3.90,2. Jo neutm Nahrungs- und Lebensraum, nicht nur der We zur Herrschaft und Eroberung, die in jedem ijuncen und gesunden Volke steckt, sondern ebenso iier sichere Sinn bafür, daß sich im Raum des Mitgroßen politischen Entscheidungen zuq zwingend. Nicht mit einem Schlage, aber doch in verhältnismäßig kurzer Frist wird das Mittelmeer aus seinem (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Der folgende Bericht unseres Kopenhagener Korrespondenten ist kurz vor den Wah- l e n geschrieben, er beleuchtet aber die Kardinal» frage, vor der sich auch das neue dänische Folketing (das Unterhaus des dänischen Reichstags) gestellt sieht. Die Entwicklung der politischen und wirtschaftlichen Lage in Dänemark verschärft sich allmählich derart, daß Dänemark einer akuten Krise mit großen Schritten entgegengeht. In einer Beziehung ist diese Wendung unerwartet. Gewiß hatte man eine Zelt lang den Eindruck, daß die Wirtschaftspolitik der sozialistisch-radikalen Regierung Dänemarks weder Fleisch noch Fisch war, well sie bereits politisch verbraucht ist. Aber als der Regierungschef und sozialistische Parteiführer, Thorwald Stauning, auf hem sozialistischen Parteitag im Sommer viele seiner wirtschaftlichen Parteidoktrinen über Bord warf und sich entschlossen zu einer nationalen Wirtschaftspolitik bekannte, horchte man auf und war zu der Annahme berechtigt, daß eine neue Aera eingeleitet werden sollte, wenigstens auf wirtschaftlichem Gebiet. Man soll nicht leugnen, daß der Regierungschef von einem guten Willen beseelt ist. Allein, dieser Wille scheint Kopenhagen, 23.Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Wahlen zum Folkethmg, dem dänischen Unterhaus, sind in ganz Dänemark ruhig verlaufen. Dank des schönen Wetters fetzte schon früh ein starker Zustrom zu den Wahllokalen ein, und die Wahlbeteiligung überstieg bie des Jahres 1932, tn dem die letzten Folkethingwahlen statt- gesunden Haden. Insgesamt wurden 1 646 128 (1 547 082) gültige Stimmen abgegeben, beten Verteilung ebenso wie bie bet 148 ZRanbafe — der 149.2Ibgeorbnete wirb erst am 11. November auf bem Färöern gewählt — Na6„msre nostrum“ 23on Or. Theodor Bött ger Kuf der von Mussolini geschaffenen Prunkstraße >6« faschistischen Italiens, der Via del Impero, sind Hier marmorne Tafeln errichtet worden, die die knwicklung des römischen Reiches von den Anfän- jeti bis zur Glanzzeit Kaiser Trajans verkünden, in'. fast in jeder faschistischen Amtsstube hängt eine La dkarte, die das M i 11 e I m e e r zeigt, auf der üeKüsten Spaniens, Frankreichs, Afrikas, der Bal- laroalbinfel und Klein-Asiens als römischer Besitz Üpjezeichnet sind und die die Ueberschrift trägt: ,'Aiare nostrum“ (unser Meer). i er alte Traum von der Wiedergeburt römischer gti ße und Herrlichkeit aus dem Geiste neuen faschi- tijqen Römertums hat 300 000 Italiener hinüder- zes.hrt zu den fieberheißen Küsten des Roten Mee- res und des Indischen Ozeans, hat sie sich in Mcrsch setzen lassen in die Bergklüfte Nord-Abes- inens und durch die dornenbestandenen Steppen let Provinz Ogaden. Ueberall aber, wo die italieni- chn Truppentransportdampfer die blauen Fluten )er Mittelmeeres durchfurchen, fielen die Blicke auf tollende Kanonenrohre. Vor Malta, Alexandrien, Jtra, Suez und Aden liegen britische Großlar pfschiffe, Schlachtkreuzer, kleine Kreuzer, Tor-1 jetnboote, Unterseeboote und Flugzeugmutterschiffe. Fürsten dem Kaiser den Weg vermauern, der Deutschland zum Herrn Europas gemacht hätte. Weiter spricht es für den politischen Instinkt der Franzosen, daß sie ihren Eroberungsdrang im Mittelmeer mit einer idealistischen Mission verbinden und den Kampf um das Mittelmeer, der nun zum erstenmal wieder über Italien hinweg nach Griechenland und Kleinasien übergreift, mit den Kreuzzügen nach der Heiligen Stadt Jerusalem, verknüpfen. Und meteorhaft taucht in jener Zeit England zum erstenmal am politischen Himmel des Mittelmeeres auf in Gestatt des tapferen Königs Richard Löwenherz. Als sich der Kampf zwischen Kaisertum und Papsttum seinem Ende zuneigte, da regierten die französischen Anjous im gesamten Süditalien. Neben dem Reiche der Anjous und dem Kirchenstaate aber entwickelten sich langsam und stetig die großen Stadtrepubliken Genua und Venedig, Florenz und Mailand. In der Mitte des 16. Jahrhunderts ist Korsika im Besitze Genuas und die gesamte Dalmatinische Küste, Kreta wie Cypern im Besitz Venedigs. Die Anjous treten ab und an ihre Stelle d i e spanischen Habsburger. Die gesamte Balkanhalbinsel aber und weit darüber hinaus Ungarn, Siebenbürgen und die Moldau stehen unter türkischer Herrschaft. Ein neuer Kampf beginnt um das Mittelmeer, dessen Träger Venedig und das Reich der Osmanen sind. Inzwischen hatte sich die große Wende vollzogen. Amerika war entdeckt; portugiesische und spanische Seefahrer umsegelten Afrika und durchquerten mit ihren Fregatten die unendliche Weite des Stillen Ozeans. Der Blick Europas umspannte mit einem Schlage die Erdkugel, Portugal und Spanien, jetzt die Weltmächte Europas, bestimmen den Papst, den Erdball zwischen ihnen beiden aufzuteilen. Immer mehr zerfallen inzwischen im Raum des Mittelmeeres die Macht und das Ansehen Europas, Her- nun auch bie Sozialdemokraten in Dänemark den größten Erfolg bei den Wahlen zu verzeichnen hatten, während die Demokraten ihren Mandatsbesitz behaupten konnten. Beide Regierungsparteien verfügen nunmehr zusammen über 82 (76) Mandate, gegenüber 66 (72) Mandaten der Opposition. Von den Parteien der Opposition hat besonders die Bauernlinke dimmen an die Freie Dolkspartei und wahrscheinlich auch an die Nationalsozialisten abgeben müssen. Dank der dänischen Wahlarithmetik hat die Partei dabei noch zwei Mandate mehr erhalten, als ihr der Stimmenzahl nach zustanden. Eine Enttäuschung hat die Wahl auch den Konservati« Den gebracht, die zwar mehr Stimmen als die Bauernlinke, aber wiederum infolge der Wahlarithmetik ein Mandat weniger erhalten haben als früher. Die Kommunisten haben ihre Stimmenzahl zwar vergrößern können, ihr Besitzstand an Mandaten blieb jedoch der gleiche. Die Nationalsozialisten haben zum ersten Male in ganz Dänemark an den Folkethings- wahlen teilgenommen, so daß ein Vergleich mit früher nicht gut möglich ist. In Nordschleswig, wo sie sich bereits 1932 an der Wahl beteiligten, ist ihre Stimmmzahl jedoch von 757 auf rund 3550 gestiegen. Wenn sie nicht in das Folkething einziehen können, so ist das darauf zurückzuführen, daß ihre Stimmenzahlen in keinem der drei großen Gebiete (Hauptstadt, Inseln oder Jütland) die im Durchschnitt auf ein Mandat entfallende Stimmenzahl erreicht haben. Was die schleswigschenPar- t e i e n a n I a n g t, so ist festzustellen, daß der Anteil der deutschen Stimmen an allen in Nordschleswig abgegebenen Stimmen von 13,2 auf 15.5 v. H. zugenommen hat. Leitartikel schon seit einiger Zeit ernste Mahnungen an das italienische Volk richten, sich mit Umsicht und Vorbedacht auf die unvermeidlichen Sühnemaß- nahmen einzurichten, erläßt einen flammenden nahmen einzurichten, erläßt Aufruf an die italienischen Fr , . , fachen Lebensführung voll Ernst und Sparsamkeit zu befleißigen, da gerade sie im Kreise der Familie mit gutem Beispiel ooranzugehen hätten. Energisch müßten die ttalienischen Frauen jede Verwendung von Erzeugnissen vermeiden, die aus den sanktionsfüh- tg fordern, und eine günstige tsntnncm schaftlichen Verhältnisse des Volkes sichern ........ In der konservativen Presse körn nach einem Hinweis auf den Machtzuwachs der Regierung offen die Enttäuschung über das Wahlergebnis für die Konservativen zum Ausdruck. Auf der anderen Seite erklärte jedoch der Parteiführer, Christmas Müller, daß die Arbeit im Hinblick auf die nächste Wahl sofort begin« ren des Meeres werden die Kaper- und Piratenschiffe der Sultane von Marokko und Algier. Der Kamps geht nicht mehr um das kleine Europa, der Kampf geht um die Reichtümer des gesamten Erdballes. Die Rolle des Mittelmeeres scheint ausgespielt zu fein. Die englischen, portugiesischen, spanischen und holländischen Kausahrteischisse segeln über die Ozeane. Mit fremder Hilfe geht das immer mehr erstarkende England an die Niederwerfung seiner Rivalen in Afrika, Amerika und Asien. Spanien, die Niederlande und Frankren werden niedergezwungen. Je mehr sich aber Europa im Lause des 18. und 19. Jahrhunderts konsolidiert, desto höher steigt wieder der Wert des Mittelmeeres für dieses mo- tik zur Sicherung der dänischen Wirtschaft und Produktion offen sein werde. Er hoffe auf die Zusammenarbeit mit allen, die die Erzeugung fördern, und eine günstige Entwicklung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Volkes sichern wollten. In der konservativen Presse kommt dem Druck des Bauernzuges wurde auch eine G e • treiöeorbnung mit bemerkenswerter Schnelligkeit verabschiedet. Sie 'erfüllt die Forderungen der Bauern nicht ganz, denn das parlamentarische System besteht ja nun einmal im Abhandeln und Storm promissemachen. Dor allem aber wurde hierdurch nur dem getreide produzierenden Teil der Landwirtschaft geholfen, nicht aber dem fleisch- und butterproduzierenden. Doch auch diesen sollte zunächst durch eine Butterordnung geholfen werden. Diese Hilfe sollte ebenfalls von der großen parlamentarischen Landwirt- schaftskommission ausgearbeUet werden, aber nachdem der Bauernzug vorüber war, hatte man keine Eile mehr damit. Vielmehr meinten die Mitglieder, daß sie sich eine Woche Erholung nach der Anstrengung mit der Getreideordnung gönnen könnten ... Der Erwerbsausschuß der LS.-Bewegung Der« langte daraufhin, in bej parlamentarischen Kam« Mission mit drei Mitgliedern vertreten zu sein, um direkten Einfluß auf die Kommissionsverhand- lungen ausüben zu können. Da der Erwerbsauschuß nicht nur die politisch betonte LS.-Bewegung, andern den weitaus größten Tell der Genossen« chaftsschlächtereien und der Molkereien des Landes vertritt, so war dieses Verlangen nur billig und wurde auch von den konservativen Mitgliedern der Landwirtschaftskommission unterstützt. Nichtsdestoweniger verfiel aber auch diese bescheidene Forderung der Ablehnung durch die Regierung, während sie den Schlächtereien und Molkereien je einen Vertreter zubilligte. Durch diese und ähnliche kleine Nadelstiche gereizt, ließ sich der Erwerbsausschuß zur Ankündigung des Valuta st r eiks hinreißen und ging auch zur Tat über, als die Regierung keine direkten Verhandlungen mit ihm aufnehmen wollte. Das Ziel des Valutastreiks war, durch Zurückhaltung der ausländischen Zahlungsmittel für die landwirtschaftliche Ausfuhr die Krone zum Sinken zu bringen, um auf diesem Wege mehr Dünenkronen für die Produktion zu erhalten. Das war natürlich ein zweischneidiges Kampfmittel, aber die Führer der LS.-Bewegung betonten wiederholt, daß sie von diesem Streik zurücktreten wollten, sobald sie von der Regierung die Zusage einer ausreichenden Hilfe für die Landwirtschaft erhalten würden. Mtt der LS. zu verhandeln, hielt die sozialistisch-radikale ■ Regierung aber für unter ihrer Würde. Stattdessen 1 (3:2). °tomen 1 Wer» freiten. leimII p'el er. «den in weder» kieutschen Kaiser sind, auf der anderen Seite BHe Franzosen, die der bedrohten Kirche zu Mi e len, den Papst von Rom hinweg nach SHiitfion entführen und mit sicherem politischen - in'tinft den Augenblick abwarten, da die deutschen Flugzeugmutterschiffe' konservative itebereit. Das Wort vom „Mare Radikale Lin ", Vchiächttgen können, weil das neurömische ‘"LNeu- d) in Byzanz mit Klugheit, List und orien- 90. 2.95 1 bischer Verschlagenheit sich im östlichen Raum des ' Gewebe -^itteüneeres behaupten konnte und die^ germani- leider.ca. .90, 3.90 loitrum" erweist sich noch immer als e i n s ch ö - i £7 Traum. Wieder wie tn Jahrhunderten zuvor st Las Mittelmeer zum Schlachtfeld der großen iNnpäischen Entscheidungen geworden und es Der» qhnt sich wohl, heute, da der Kampf um dieses Her noch immer mit diplomatischen Noten aus- ;es chten wird, hinter denen allerdings Bomben inl Geschütze lauern, diesen Kampf um das Mittel-1 ner einmal zurückzuDerfolgen, längst Geschichte ge- adLene Kampfabschnitte aufzuzeigen. hn Anfang dieses Kampfes steht, wenn wir von Ist Eroberungszügen der Griechen nach Kleinasien H.hen, Rom. Die griechische Kolonisation na nicht wie in Rom von dem imperialistischen ßVtien zur Herrschaft und zur Unterwerfung ge- flta.en. Die kühnen Vorstöße Athens und Korinths Itaqi Sizilien, Südfrankreich, Südspanien und Nord- tefrifa waren mehr erfüllt von kaufmännischem Wage- m als kriegerischem Eroberungsdrang, glichen der IiiiLreiLung der Hanse im Raum der Ostsee. Und iÄ die Nebenbuhler der Griechen, die P h ö n i - iSr, die aus dem fernen Britannien das Zinn an lüften des Mittelmeeres brachten, waren Kaüf- eifl« und keine Krieger. Rom blieb es Vorbehalten, m harten Kampf mit seinem stärksten Rivalen Karthago die kriegerische Note anzuschlagen und Mi ersten Mal das Mittelmeer in den Binnensee inr einzigen Macht zu verwandeln. In zwei iikterten Kriegen wurde Karthago auf die Knie Innungen und vernichtet. 200 Jahre vor Christi Siburt sind Karthago, Sizilien, Sardinien, Korsika nit die gesamte Mittelmeerküste Spaniens im Be- ii Roms und 200 Jahre nach Christi Geburt re- M Marc Aurel mit imperatorischer Gewalt über Zs ^mt-Europa mit Ausnahme Germaniens, Skan- Bmnens, Rußlands und über das gesamte Klein- ijjti und Nordafrika einschließlich Aegyptens. :&enn dann in der Völkerwanderungszeit die germanischen Völker von Norden her in die iMaschen Provinzen vorstießen, so trieb sie dazu lüch nur der ihnen angedichtete Hang nach der «öorne des Südens, nicht nur der Drang nach renöen Ländern eingeführt würden. Ganz besonders soll der Bannsttahl ausländische Luxusartikel, Stoffe, Moden und Parfümerien treffen. Jeder derartige Einkauf bedeute eine Verminderung des italienischen Goldbestandes und eine Schwächung der italienischen finanziellen Widerstandskraft. Nunmehr sei endgültig Schluß damit zu machen, daß jährlich Hunderte von Millionen Lire für italienische Fraueneitelkeit ins Aus» land fließen. Der Aufruf klingt in die Hoffnung aus, daß sich die Frauen Italiens an jedem Platz in bie kämpferischen Reihen der Na« tion eingliedern und damit zur Verteidigung des italienischen Goldschatzes beitragen werden, der für den Erwerb von Kohlen, Petro« I e u m, Eisen und Gummi, die das tägliche Brot für die italienische Kriegsindustrie bilden, Vorbehalten bleiben müsse schein, ,L glich, -Uh-r MTf xtU, Annahme non Anzeige» Sonntags und Feiertag» ▼ Hfl ” für die Mittagsnummer Beilagen: Di-I-ustr.erle ▲ AA ▲ AA MW A ▲ ▲ Aä bis 8>/.Uhr des Dormittag, si™ (ntrnPIHM* /IWWr Bw er : 3 XZWVIIVIWVW vrIHVnww x» W «inzelnen^Nummern Ermäßigte Grundpreise: infolge höherer Gewalt —— M e* yflA < < NN Stellen-, Vereins-, gemein- SS General-Anzeiger für Oberhessen ZWM $«nifuttümnioin 11686 vruL und Verlag: vrühl'sche Univerfitätr-Vuch- und Steindruckerel R. Lauge in Stehen. Schristleitung und Seschästrftelle: Schulstratze 7 M-ng°a°dschlM Staffel ö erklärte sie die Valutaaktion der Bauern als gesetzwidrig uno ordnete eine gerichtliche Verfolgung an. Hierdurch erreichte sie, daß Verwirrung in den bis- ber festgeschlossenen Reihen der Bauern entstand, aoer Der Landwirtschaft war natürlich durch solche Polizeimahnahmen nicht geholfen. Ihre Rot bestand weiter und mit ihr wuchs die Erbitterung unter der Bauernschaft. Hätte nun die Arbeit in der parlamentarischen Landwirtschaftskommission zu einer Butterordnung oder einer Zinsentlastung der Landwirtschaft geführt, hätten die Bauern wohl auch beruhigt die Wirkung dieser Maßnahmen abgewartet. Aber zu einem solchen Ergebnis ist es nicht gekommen. Zn dieser Kommission waren zwar alle von der Notwendigkeit einer Abhilfe der landwirtschaftlichen Notlage überzeugt. Die Untersuchungen der Kommission haben gezeigt, daß nicht weniger als 60 000 bäuerliche Betriebe eine Schuldenlast von 110 o. H. ihrer Pfandleihwerte haben. Mit Pfandleihwerten meint man die Werte des Bodens, der Gebäude, des Inventars und der Viehbesatzung. Eine höhere Schuldenbelastung ist wohl kaum noch denkbar. Auch die Vertreter der Regierung sehen ein, daß hier geholfen werden müßte, aber vorläufig nur mit einem Bruchteil von dem, was die Bauern verlangten. Die Bauern fordertev einen garantierten Minde st preis für die gesamte Butterproduktion, also auch für die Auslandsbutter, von drei Kronen pro Kilo. Die Regierungsparteien wollten ihnen einen Preis von 2,25 Kronen garantieren und zwar a u f d e m H e i m a t m a r k t. Die Bauern forderten eine Entschuldung der Betriebe bis die Vorkriegslage erreicht märe, die Regierungsparteien wollten nur gewisse Erleichterungen und Barzuschüsse gewähren. Konservative und bäuerliche Linke konnten aus sachlichen und parteitaktischen Gründen sich mit diesen Bewilligungen nicht begnügen, sondern legten andere Vorschläge vor, die von den Regierunas- parteien nicht gutgeheißen wurden. So konnte Die Kommission zu keiner Einigung gelangen, und als Protest zog die bäuerliche Linke ihre Vertreter zurück. Damit haben die parlamentarischen Parteien ihre Unfähigkeit bewiesen, dringende praktische Fragen zu lösen! Hierdurch hat sich aber auch die allgemeine Lage stark zugespitzt. Die Erbitterung der Bauern ist im Zunehmen. Der sicherste Beweis hierfür ist die Haltung der bäuerlichen Linken, die sich mehr und mehr der LS.-Bewegung zu nähern sucht. Mackensen wird Erbhofbauer. Die Uebergabe der Domäne Brüssow an den Feldmarschall. Brüssow, 22. Okt. (DNB.) 9m Auftrage des Führers und Reichskanzlers übergab Ministerpräsident General Göring Dienstag mittag dem Generalfeldmarschall von Mackensen die ehe« malige preußische Domäne Brüssow in Kreise Prenzlau als Erbhof. Damit ist der aus altem Bauerngeschlecht hervorgegangene ruhmvolle Feldherr mit der Scholle, der er in seinen Iugendjahren als praktischer Landwirt diente, wieder verbunden worden. Ministerpräsident Göring faßte in einer Ansprache an den Generalfeldmarschall den Dank des deutschen Volkes gegenüber dem ältesten Feldherrn des Weltkrieges 'unb hervorragenden Soldaten in herzlichen Worten zusammen und händigte gleichzeitig dem Generalseldmarschall die Erbhofurkunde für Brüssow aus. Nach der Uebergabe der Schlüssel für Haus und Hof dankte Mackensen bewegt für die ihm erwiesene hohe Ehrung und versicherte, daß er die Schenkung in der Ueberzeugung annehme, mit ihr die deutschen Soldaten des großen Weltkrieges insgesamt aeehrt zu wissen. Die Familie Mackensen lebe noch heute wie vor 300 Jahren auf eigener Bauern- scholle. Er sei als Junge am Pfluge ausgebildet und könne nun, nachdem er feinem Vaterlande ein Leben lang mit dem Schwert gedient habe, wieder zum Pfluge zurückkehren. An der Feier nahmen u. a. teil die Reichs- minifter Darre, Freiherr v. Neurath, Graf Schwerin von Krosigk, Staatsminister Popitz, Staatsminister Rieke, der Leiter der Domänenabteilung im Reichsernährungsministerium, ferner der kommandierende General des zweiten Armeekorps General Blackowitz. Offizier-Beteranen von 1870/71. Die Zeitschrift des Reichsverbandes Deutscher Offiziere veröffentlicht eine interessante Ehrenliste alter Offiziere, die heute noch am Leben sind und die an den Feldzügen von 1864, 1866 und 1870/71 teilgenommen haben. Durch eine bei den Offizier-Vereinigungen der alten Armee angestellten Umfrage konnte noch das Dasein von 25 2 al» t e n Mitkämpfern festgestellt werden: 1 General-Feldmarschall, 1 Generaloberst, 20 Generäle der Infanterie, Artillerie oder Kavallerie, 43 Generalleutnants, 33 Generalmajore, 33 Obersten, 31 Oberstleutnants, 41 Majore, 24 Hauptleute und 22 Leutnants. Von den alten Herren haben 3 0 das 9 0. Lebensjahr bereits überschritten. An der Spitze steht Oberst von Kutzenbach, Kolberg, mit 9 7 Jahren. Ihm folgen: Generalarzt Dr. Miller, München, 95 Jahre; General der Artillerie v. Bomhardt, Ernstdors am Chiemsee, je 94 Jahre; Generalmajor Gabriel, Neiße. Von den alten Generalen sind noch insbesondere zu nennen: General der Infanterie Litz- mann, General der Artillerie v. Gronau, General der Artillerie v. G a l l w i tz , General der Infanterie v. Q u a ft, General der Infanterie Sixt v. Armin, General der Infanterie F r h r. von Plettenberg und General der Infanterie v. S t r a n tz. Heeresbeamten- (K nheits-) Laufbahn. B e r 1i n , 22. Okt. (DNB.) Der Bedarf an Z i» vilanwärtern für den gehobenen, mittleren, nicht technischen Dien st der Heeresverwaltung (Heeresbeamten (Einheit-) Laufbahn) wird im April jeden Jahres zum Teil aus den im Herbst des Vorjahres eingestellten Freiwilligen und Dienstpflichtigen gedeckt. Der größte Teil der Anwärterstellen ist den Versor» gungsanwärtern vorbehalten. Für die Ein- tellung als Zivilanwärter gelten folgende Voraus» etzungen: mindestens Primareife einer neunstufigen »öheren Lehranstalt (nicht Privatschule), arische Ab- tammung, deutsche Reichsangehörigkeit, unverheiratet, Ablegen einer psychologischen Prüfung. Im allgemeinen hoben nur Bewerber Aussicht, welche das 19. Lebensjahr vollendet haben. Die Bewerbungen sind unmittelbar an die Truppenteile ju richten. Neueinstellungen von Zivilanwärtern erfolgen erst wieder im April 1937. England plant keine militärischen Sanktionen. Abessiniendebatte im Llnterhaus.-Oer Völkerbund als Mittel der Kriegsverhütung. London, 22. Okt. (DNB.) Das englische Unterhaus trat zu feiner letzten Sitzung vor der Auflösung zusammen. Die außenpolitische Aussprache wurde mit einer Erklärung des Außenministers Sir Samuel Hoare eröffnet, der u a. ausführte, daß sich die Politik Englands in der letzten Zeit nicht geändert habe, sie habe die große Mehrheit des britischen Volkes hinter sich, auch die Dominions. Dies habe im Auslande Ueberraschung hervorgerufen. Man habe, weil England sich früher geweigert habe, sich zu einem bestimmten Vorgehen i n angenommenen Fällen zu verpflichten, irrtümlicherweise gemeint, daß die englische Handlungsweise auch in einem klaren und be» ftimmten Fall unbestimmt fein würde. Man habe nicht begriffen, daß England an den Völkerbund glaube als eine Einrichtung, nicht nur um den Krieg zu verhindern, sondern auch um seine Ursachen zu beseitigen. Man habe auch nicht begriffen, daß England den Völkerbund als die Brücke zwischen Großbritannien und Europa ansehe, und daß, falls diese Brücke geschwächt oder zerbrochen würde, die Zusammenarbeit zwischen England und dem Kontinent äußerst schwierig und gefährlich werden würde. England sei zur Zeit damit beschäftigt, die Bestimmungen der Völkerbundsatzung auszuprobieren. Dies feien die einzigen Gründe für die Rolle, die Großbritannien in Genf gespielt habe. Es habe keinerlei Reichsinteresse mitgespielt, es sei denn die natürliche Sorge, die ein über den Erdball sich erstreckendes Reich haben müsse, daß der Friede gewahrt werde. England habe auch nicht die mindeste Absicht, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Völker zu mischen. In Stresa sei die italienische Regierung über die Ansichten der britischen Regierung unterrichtet worden. Solange eine Versöhnung noch möglich gewesen sei, sei es die Pflicht des Völkerbundes gewesen, jede Anstrengung zu machen, um auf friedlichem Wege eine Lösung herbeizuführen. Wenn die Ziele der Völkerbundssatzung erreicht werden sollten, müßten alle Mitglieder des Völkerbundes ihre Aufgabe erfüllen. Er glaube nicht, daß der wirtschaftliche Druck, den man ins Auge gefaßt habe, unwirksam sein werde. Aber wenn eine Aktion dieser Art wirksam sein soll, müßten die Völkerbundsmitglieder ihren Anteil an dem Risiko, der Unbequemlichkeit und den Verlusten auf sich nehmen. Zweitens müßten alle Dolker- bundsstaaten zusammen st ehe n, um einem Angriff Widerstand z u I e i ft e n, der auf einen Staat gemacht wird, weil er die Völkerbundssatzung verteidigt. Die französische Antwort sei völlig befriedigend. Die Franzosen legten den Artikel 16 der Völkerbundssatzung genau so aus, wie die Engländer ihn auslegten. Militärische Sanktionen konnten nur kollektiv angewendet werden. England habe nicht die Absicht, allein zu handeln. Im übrigen habe man in Genf die Frage der militärischen Sanktionen nicht besprochen. Die geplanten Maßnahmen seien nicht militärischer, sondern wirtschaftlicher Art. Niemand in diesem Hause könne glauben, daß jemand in Europa einen Krieg wolle. Auch in den Verhandlungen mit den Franzosen sei niemals die Erwägung militärischer Maßnahmen behandelt worden. Der Völkerbund sei eine Einrichtung des Friedens. Daran müßten sich die Leute erinnern, die verlangten, daß England den Suez-Kanal schließen und die italienischen Seeverbindungen abschneiden sollte. Der wirtschaftliche Druck, der jetzt beabsichtigt sei, solle nicht so ausgedehnt werden, daß es zu einem Kriege komme. Die Atempause, in der man sich jetzt befinde, bevor der wirtschaftliche Druck angewendet werde, müsse benutzt werden, um eine Regelung zu erreichen. Kritik der Opposition Der Oppositionsführer A t t l e e, der an die Stelle des Sanktionsgegners Lansbury getreten ist, beschuldigte Mussolini, daß er den Frieden gebrochen und die ganze Welt in Gefahr gebracht habe. Das Unterhaus solle sein Mitgefühl für die Opfer des italienischen Vorgehens ausdrücken für die Männer, Frauen und Kinder Abessiniens und Italiens, die in dieses Gemetzel geführt würden. Die Opposition wolle aber nicht die faschistische Regierungsform als solche angreifen, denn sie glaube nicht, daß man den Faschismus oder irgendeine andere Regierungsform durch einen Angriff von außen her zerstören könne. Die englische Regierung habe zu spät in den italienisch-abessinischen Streit eingegriffen und durch ihr unentschlossenes Verhalten im japanisch-chinesischen Streit die Italiener zu ihrem jetzigen Vorgehen ermutigt. England habe selbst niemals a b g e r Ü st e t und sei daher zum Teil verantwortlich für die Wiederaufrüstung anderer Staaten wie z. B Deutschlands. Der Oppositionsführer forderte die sofortige Inkraftsetzung der wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen, da sonst Italien in der Zwischenzeit alles erhalten könnte, was es wünsche. (Beifall.) Die englische Regierung stehe im Verdacht, daß sie auf dem Wege über den Völkerbund ihre eigenen Interessen in Afrika verfolge. Sie möge daher eine Geste machen, daß sie nicht in Abessinien interessiert sei, indem sie auf alle aus früheren Verträgen entspringende Vorteile verzichte. England solle Aegypten „f r e i g e b e n" und den Sudan durch ein Völkerbundsmandat verwalten lassen. Die Regelung des Streites dürfe keine Aufteilung Abessiniens mit sich bringen und dürfe den Abessiniern nicht aufge- zwungen werden Der Führer der Liberalen Opposition Sir Herbert S a m u e l erklärte, daß feine Partei die wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen voll und ganz unterstütze und kein, grundsätzlicher Gegner von militärischen Sühnemaßnahmen sei. Sie forderte eine Volke rbundsreform. Drei Viertel der W e l t seien im Besitz von neun Staaten, während die anderen 50 Nationen, darunter Deutschland, Japan und Italien, sich mit einem Viertel begnügen müßten und von der Kolonialpolitik so gut wie ausgeschlossen seien. Die Lösung müsse aber nicht auf territorialem, sondern auf wirtschaftlichem Gebiet liegen. Wenn diese Frage nicht gelöst würde, könnte Deutschland eines Tages andere unzufriedene Mächte um sich sammeln (!) und eine Forderung stellen, die nicht erfültt werden und daher zu einer Katastrophe führen könnte. — Der Oppositionsliberale Mander vertrat die Ansicht, daß eine Schließung des Suezkanals die einzige Lösung zur Beendigung der Feindseligkeiten m Abessinien wäre. Frankreich wolle aber anscheinend bei einer solchen Maßnahme nicht mit» machen. — Am Mittwochnachmittag wird Ministerpräsident Baldwin als erster die Gründe an» geben, die ihn veranlaßt haben, dem König die sofortige Auflösung des Unterhauses anzuraten. Der letzte Redner dürfte Minister Eden sein. Stalen als Aachdar Englands in Afrika. London, 22. Okt. (DNB.) Der konservative Abgeordnete Brigadegeneral Nation, der Militärattache in Rom war und Italienisch-Ostafrika und Abessinien bereift hat, sagte in einem Vortrag in London, wie auch der jetzige Krieg ende, es sei kaum zu bezweifeln, daß Italien bei seinem Abschluß einen sehr großen Teil Abessiniens beherrschen werde. Wenn Italien die militärische Kontrolle über Abessinien erlange, werde d i e Lage Englands sehr ernst sein. Zum erstenmal würde es eine gemeinsame Grenze von 3000 Kilometer Länge mit einer europäischen Großmacht haben, die eine riesige Armee, Flottenstützpunkte und eine ungeheure Luftstreitmacht besitze. Hierzu komme noch eine Grenze von ungefähr 1000 Kilometer Länge in Aegypten. Entweder müsse das Britische Reich sich selbst schützen und eine Flotte, eine Luft, macht und ein Landheer von der doppelte» Stärke besitzen wie jedes andere Land. Angesicht; der damit verbundenen Kosten werde aber wohl der andere Weg gewählt werden, der in der Fortsetzung der Zusammenarbeit mit anderen Nation en bestehe. Was sagt man in Paris uni) Rom? Oie Völkerbundsbrücke. Französische Sorgen. Paris, 23. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die französische Presse ist zufrieden, daß England von militärischen Sühnemaßnahmen überhaupt und bei wirtschaftlichen und finanziellen Sühnemaßnahmen von einem selbständigen Vorgehen außerhalb des Völkerbundes abrückt. „Echo de Paris" wirft aber die Frage auf, was Sir Samuel Hoare tun werde, wenn sich die wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen als unwirksam Herausstellen. Das „Oeuvre" findet den Ton der Rede gegen Frankreich ziemlich streng Das begreife man, wenn man bedenke, daß die englische Flotte auf jede Betätigung im Mittelmeer habe verzichten und die englische Regierung ihre Haltung im italienisch- abessinischen Streit habe ändern müssen, weil Frankreich Großbritannien die Benutzung seiner Flottenstützpunkte Toulon und Bizerta verweigert habe. Enaland habe seine Politik der Anwesenheit in Europa nur auf den Völkerbund gegründet und die öffentliche Meinung unermüdlich methodisch darauf vorbereitet. Gerade als diese englische öffentliche Meinung die Dölkerbundsmystik bejahte, sei der Streit ausgebrochen. Wenn Mussolini über diese psychologischen Wirklichkeiten unterrichtet gewesen märe, würde er wohl anders vorgegangen fein, denn Italien sei, wie jedes andere Land, an der tätigen und vorbeugenden Anwesenheit Englands in Europa interessiert. Der „Quotidien" sagt: Wenn die Dölkerbunds- brücke zwischen England und dem europäischen Festland breche, werde jede Zusammenarbeit zwischen England und Europa schwierig. England habe durch seine hingestteckte Hand guten Willen gezeigt, hoffentlich werde Mussolini im Rahmen des Möglichen seinerseits guten Willen beweisen; dann brauch man an einer Regelung nicht zu zweifeln, die in Italien und England fein Gefühl der Bitterkeit hinterlassen werde. Frankreich dürfe es nicht dazu kommen lassen, das England sich vom Völkerbund loslöst und Deutschland den Wettlauf um bit britische Freundschaft gewinnt. „F i g a r o" sieht den wichtigsten Punkt der Rebe in dem Bekenntnis zur Kollektivaktion unter Ausschluß jeden vereinzelten Vorgehens. England' habe feit Kriegsende Frankreich und Deutschland als zwei böse Buben betrachtet, die es daran hinderten, in Ruhe den Frieden zu genießen. Vefttedisunst in Stallen. Mailand, 23. Oft. (DNB. Funkspruch.) Die Rede des britischen Außenministers wird zum Teil mit Befriedigung ausgenommen, vor allem soweit sie sich auf Die erneute Anerkennung des Rechtes der italienischen Ausdehnung und die Versicherungen bezieht und erklärt, daß England niemoh militärische Sühnemaßnahmen erörtert habe. Die Turiner „Stomp a" schreibt, die Ereignisse, die sich seit drei Wochen in Ostafrika abspielen, müßten auch einem Blinden zeigen, daß der Vormarsch her Italiener ein wirklicher Marschdes Fortschritts und der Z i v i l i s a t i o n sei. Um weiter zu kommen sei es empfehlenswert, daß die verantwortlichen Organe der britischen Polittk auf» hären, die der Kriegsraserei, der Barbarei und bet Sklaverei ergebenen abessinischen Lehensherren zu preisen oder zu belohnen. Es würde genügen, wenn die englischen Minister eine von Gerechtigkeitssinn und Verständnis für die italienischen Ausdehnungsbedürfnisse getragene Politik einschlagen mürben. Sie Kriegslage in Ostafrika. In den ersten Tagen des abessinischen Krieges war es selbst für den Fachmann schwierig, sich ein klares und einwandfreies Bild von den Vorgängen an der Front zu machen. Der schnelle Vormarsch der Italiener in Nord-Abessinien führte dazu, daß die Berichterstatter, denen auf beiden Seiten die Verfolgung der Kämpfe aus unmittelbarer Nähe nicht gestattet wurde, und die deshalb auch nur Berichte aus zweiter Hand verbreiten konnten, ihren Zeitungen in der Heimat nur eine sehr unzuverlässige Schilderung des Kriegsschauplatzes übergeben konnten. Seitdem aber die erste Angriffswelle der italienischen Expeditionsarmee ihr Ziel erreicht hat, seitdem Aksum, die Heilige Stadt erobert worden ist, ist ein allgemeiner Stillstand der militärischen Operationen eingetreten, so daß sich nunmehr ein zuverlässiger Ueberblick über die gegnerischen Positionen gewinnen läßt. Die militärische Lage wird sowohl von abessinischer als auch von italienischer Seite einigermaßen übereinstimmend geschildert, wohingegen das Urteil über Die politischen Bewegungen auf dem Kriegsschauplatz naturgemäß noch sehr verschiedenartig ausfällt. Die Kriegslage ist in kurzen Zügen etwa folgende:. Die von General de Bono befehligten italienischen Truppen, die den Vormarsch von Ery- t h r ä a aus angetreten haben, befinden sich auf der Linie der drei eroberten Städte Adigat — Adua — Aksum. Der rechte Flügel dieser Stellung ist gegen die erythräische Grenze nach Nordwesten zurückgelehnt, während der linke Flügel etwas nach Osten vorgeschoben wird, um die unschlüssigen Eingeborenen-Stämme in der Provinz Agame zum Abfall vom Negus zu bewegen. Im übrigen ist die militärische Leitung auf diesen Frontabschnitt eifrig damit beschäftigt, d i e Stellung mit allen technischen Mitteln der Neuzeit auszubauen und vor allem die nötigen Nachschubwege von Erythräa zu schaffen. Man rechnet mit einer mehrwöchigen Dauer dieser Arbeiten. Es kann also noch längere Zeit vergehen, bis ein neuer italienischer Vorstoß in Nordabessinien unternommen wird. Dieses schrittweise, aber sichere Vorgehen zeugt einerseits von den Schwierigkeiten, die ein Kolonialkrieg in Abessinien in besonders hohem Maße mit sich bringt, andererseits aber auch oon der klugen Ueberlegung, mit der die italienische Führung zu Werke geht. Denn es sind sich alle militärischen Fachleute darüber einig, daß die Methode der „Husarenritte" auf diesem schwierigsten Kriegsgelände der Wett nicht die geringste Aussicht auf einen dauerhaften Erfolg bietet. Dieselbe Taktik der langsamen militärischen Durchdringung wendet auch die italienische Armee an, die unter dem Befehl des Generals Graziani vom Somaliland her in Südabessinien einmarschiert ist. Unter reichlicher Verwendung von Tanks und Flugzeugen rücken die Truppen Schritt für Schritt in Die Wüste von Ogaden vor und _ suchen sich dort in den Besitz der wenigen Wasserlöcher zu setzen, von deren Beherrschung Erfolg ober Mißerfolg des ganzen Feldzuges im Süden abhängt. Die Somali-Front verläuft in ihrem wichtigsten Teile noch immer auf der Linie oon Ual-Ual über Oerlogubi in die Nähe von Gorrahei, das jedoch noch im Besitze der Abessinier ist. Um diese nach Westen vorragende Flanke nicht der Gefahr einer abessinischen Umgehungs» aftion auszusetzen, wurde in den letzten Tagen ein Entlastungsmanöver oorgenommen, das in der Erstürmung des Forts Dagnerei am Flusse Schebeli gipfelte. Die Italiener Huben damit einen wichtigen Stützpunkt eingenommen, der es ihnen wahrscheinlich gestatten wird, im Tale des Webi Schebeli in das Innere des Landes vorzubrinpc/r. Don der rechten Flanke der Somali-Front, die sich an die Grenze von Britisch-Somattland an« lehnt, sind neuere Nachrichten nicht zu verzeichnen. Die Sensationsmeldung, daß sich diese östliche Flügelgruppe Grazianis bereits bis auf 100 Kilometer an Horror herongeorbeitet Hobe und daß sie oon abessinischen Streitkräften im Rücken bedroht werde, scheint sicb nicht zu beftätigen. Bei dem unzweifelhaften Geschick, das die Italiener bei ihren bisherigen Aktionen in Abessinien bewiesen Haden, ist ein solcher waghalsiger Vorstoß nach Horror auch kaum denkbar. Die Berichte, die von dem dritten Kriegsschauplatz im Winkel von Eritrea und Fran- zosifch-Somaliland einlaufen, sind sch spärlich und widerspruchsvoll. Es kann daher auq von hier aus nicht beurteilt werden, ob sich da; vielbesprochene Bergmasstv des M u s s a A l i gegenwärtig in den Händen der Abessinier ober bet Italiener befinbet. Mit größeren Aktionen von strategischer Wichtigkeit ist auf biefer Front wohl zunächst nicht zu rechnen. Der Aufmarsch der abessinischen Heere geht seinem Abschluß entgegen. Nun fini auch bie Truppen aus der Südwest ecke von Abessinien in Addis Abeba eingetroffen. Am Dienstag kam der Gouverneur von M a d f ch i Ras Oe- tatu mit 30 000 Mann von der Grenze am englisch- ägyptischen Sudan in Addis Abeba an, nachdcni kurz vorher die Truppen des Gouverneurs von Gofa Dedjas Abeba nach der Front abgerihfi waren. Man erwartet noch die Truppen des Gouverneurs von W o 11 e g a Bidwoded Mokan Rens die 35 000 Mann zählen. Damit wäre die allgemein Mobilmachung beendet und 1100000 Mont ständen gefechtsbereit unter den Waffen. Df Beschluß des Kaisers, in den nächsten Tagen ebe» falls zur Front abzureisen, deutet darauf hin, das man in Addis Abeba nicht gewillt ist, auch weiterhin vor den italienischen Heeren zurückzuweichen. Eine Voraussage, ob es überhaupt zu einer großen Entscheidungsschlacht kommt, die den ganzen Kriej in dem einen oder anderen Sinne beenden tonnte, ober ob ber Felbzug aus einer Summe von unzähligen kleinen Einzelgefechten bestehen wirb, läßt natürlich noch nicht machen. Die Wahrscheinlichkei! spricht aber dafür, baß bie Erwartung ber Zei' tungslefer auf große sensationelle Schlachtberich'- enttäuscht werben wirb. Denn ber Kleinkrieg ist Trumpf in Abessinien. Der italienische Generalstabschts in Adua Rom, 22. Okt. (DNB.) Marschall Babogli° ist in Begleitung oon Staatssekretär L e s s o n a vom Kolonialministerium in Abua eingetroffen und feierlich empfangen worben. Bei einem Rapport ber Offiziere würdigte Marschall Baboglio bie moralische unb geschichtliche Bebeutung, bie in den Augen ber Welt bie Rückeroberung von Abua ZU' komme. Am Dienstagabenb fanb in Abua bie e r ft e Kinovorstellung statt, bei ber in Anwesenheit vieler Eingeborener Filme aus dem fafdH* st i s ch e n Italien aufgeführt wurden, die Aufnahmen von den Heeresmanövern unb verschiedenen faschistischen Veranstaltungen ber letzten Zett. D» Tonfilme finb in ber Sprache ber Bewoh' ner ber Provinz Tigre synchronisiert. Abend lei W M .JJn unb 1 £ ihre Wen, bie Dngen 3’ ■r Stanbc tzch rnoch ifi diesem He 31 ei jjoen §inZ i-solerfamn (Ajmer be fiftfisrunbt [Kalle IM M e n feier, Sä Mer, T RM, Mkten u IH niihre tH Drittei Miller t «in Doll i tinff al ®incr Je horberut Betitle n| WW IHolkSö jie * lange" rt-V? acht, ba , lvirb gen ba ?en M inten Minir chibate jppen, r Ä MM W 1« Um 2.51 tWmer ir |J t vrg i!tisch I siptlich foaai, ber Infl Wit märtet, b e» bie fü rnussg Nfiau bete kÄunbent |iiin beb MSN. Daß man Üiter laus Dienen 1 Äbsiversi toten tarn Hebt W nun b Mt, das m Ipern' hn die oii W werb •njdMeni hiöam M-ksmi Nt-nben HW? liegt, Rigleiten lüften bei Wen entst g möchte IS daran R bas gc '^dern M Leist < M Ä Bolksgenossinnen und Volksgenossen! ;i Volk ohne Künstler ist ein loles Volk. Die Künstler gefördert werden. [ter, Lauten- und Zitherorchester, Tänzer. Spieler und dazu noch als Vertreter der zirzen- Der furt Im entstehen. möchte auch noch bemerken, daß es mir we- Landeskulturwalter Hessen - Nassau", Frcmk- a. M. Nr. 6117. Imchöre. Männerchöre, gemischte Chöre, Hanb- l»nika-Orchester- Mandolinen- und Gitarren- ert, bagl Politik r, irei und \ nsherren lügen, ®r chtigkeit-i llsdehnm ien würbe >k5 Fl>i n (ei. kmst aller Gebiete ist sozusagen das Gesicht Kleine politische Nachrichten Di'e deutsch - polnischen Wirtschafts- Verhandlungen sind wieder ausgenommen worden. Die deutsche Delegation steht unter Führung des Botschaftsrates Hemmen, an der Spitze der polnischen Delegation steht Ministerialdirektor Sokolowski. abe und! Rücken • (tätigen.! Italiener i ien bM öorstoh k tcg man für einen solchen Abend, an dem weit über tausend Künstler teilnehmen, nicht einen kleinen Alltagseintritt nehmen kann, ist so (Ostverständlich, daß darüber kein Wort verloren za werden braucht. Außerdem sollen mit dm Ueberschuh des Abends junge talentierte eher Zeit, wer sich für die Kunst und für die Federung und Beachtung künstlerisch-schaffende Menschen nicht interessiert, interessiert sich in H klichkeit auch nicht für feine Zeit, sondern et steht als absoluter Egoist in der Zeit und Mluchl nur, alles für ihn mögliche an Vorteilen rücksichtslos „mitzunehmen". 2h 2. November will sich nun die Reichskultur- fitmer innerhalb des Gaues Hessen-Nassau a l s dlie Organisation aller geistig-künst- ll'ji(ch schaffenden Menschen der Oef- flüi lichte it vorstellen. Da nun in einem Saal der nur 1400 Menschen faßt, nicht große Teile .criopen, Musikstücke, Lieder usw. . Jemand sagte •V\t zum Beispiel: „Wenn Sie eintausenddreihun- i'etfunfzig Musiker, Sänger, Tänzer und Schau- jbieier auftreten lassen, so ist es doch einfach un- nockich, daß Sie in etwa zwei Stunden dieses ’Si^ramm abwickeln können, und wenn man zu Ilern Abend geht, kann es einem passieren, daß man leicrleben muß, wie sich das Programm endlos in Die allgcK' )00 ®’., . ©affen-;' tuM Schlacht Neinkm Front rdi:uLsmöglichkeiten in höchstens zwei Sstßnden, zwischen denen außerdem noch eine (sinij^Hch liegt, an den Zuschauern und Zuhörern vor- . ' : üSerpl eiten wird, ohne daß durch Auftreten und ^stecke -AS'trlten der Künstler Verzögerungen und unnütze uno oazu nocy ais luerireier uer öligen» f hin Künste die drei Rivels — weltberühmte Musil-Clowns — sehen und hören. In den Vorräu- Der bisherige jugoslawische Gesandte in Sofia Tsinzar Markowitsch wurde zum Gesandten in Berlin ernannt. Er wurde 1889 in Belgrad geboren, war 1918 Sekretär der jugoslawischen Abordnung bei der Friedenskonferenz in Paris, sodann Konsul in Zara und Triest, hierauf bei der Gesandtschaft in Tirana. 1925 Chef der Balkanabteilung des Belgrader Außenministeriums, ein Jahr später Geschäftsträger in Budapest, als > bie< Kunst und Wiftenschaft Der Tiermaler Heinrich von Zügel 85 Jahre all. Dem am 22. Oktober 1850 in Murrhardt (Württemberg) geborenen bekannten Münchener Tiermaler Geheimrat Professor Heinrich v. Zügel wurden anläßlich seines 8 5. Geburtstages zahlreiche Ehrungen zuteil. U. a. haben der Reichsstatthalter in Bayern Ritter v. Epp und der bayrische Ministerpräsident Siebert Geheimrat von Zügel zu seinem Ehrentage herzliche Glückwünsche Übersandt. Das Schulungslager der „Deutschen Studentenschaft in der Schweiz". Das Schulungslager der „Deutschen Studentenschaft in der Schweiz", zu dem diejenigen Studenten, die das kommende Semester an einer der Schweizer Hochschulen verbringen wollen, nach Ueberüngen am Bodensee einberufen worden waren, fand mit der Besichtigung oberbadischer Arbeitslager seinen Abschluß. Etwa 50 Studenten wurden durch Schulungsvorträge und Arbeitsgemeinschaften insbesondere mit der schweizerischen Geschichte und Kulturentwicklung vertraut gemacht. Das Lager stand unter der Leitung des Landesleiters der „Deutschen Studentenschaft in der Schweiz", Georg Theodor Maier, der über die freundschaftlichen Beziehungen berichtete, die die deutschen Studenten zu den schweizerischen und ausländischen Studenten in der Schweiz hätten anknüpfen können. Nicht politische Betätigung fei die Aufgabe der deutschen Studenten in der Schweiz, sondern vor allem voller Einsatz in seinem Studiengebiet. Ferner sprachen der Landesgruppenleiter der NSDAP, in der Schweiz, W. G u st l o f f, und die Professoren G e r l a ch (Basel), Ehrhardt (Freiburg i. d. Schweiz, früher in Gießen), sowie der'Reichsschaftsführer der deutschen Studierenden F e i ck e r t und der Schulungsleiter des NSDStB. Mehner. auch i einer 0* ganzen- senden W ne Donjg roird, laN men des Opernhauses, in denen anschließend für einige Stunden noch ein geselliges Verweilen vorgesehen ist, werden ausgesuchte Bilder lebender Maler sowie Werke im Gau lebender Schriftsteller und Komponisten ausgestellt. Dieser Abend ist der erste Versuch dieser Arl in ganz Deutschland, und dieser Versuch soll im kommenden Jahr auf alle Großstädte und Kreisstädte des Gaues ausgedehnt werden, und fo soll es großen Massen der Bevölkerung ermöglicht werden, auch daran teilzunehmen. Die führenden Schichten aller Berufe im Gau Hessen-Nassau sowie überhaupt alle Freunde der Kun st werden mithelfen, diesen Abend au einem in jeder Beziehung außergewöhnlichen Erlebnis zu gestalten. Einige Städte und Betriebe haben bereits das Erscheinen ihrer sämtlichen führenden Persönlichkeiten zugesagt. Nach dem jetzigen Stand der Entwicklung ist zu erwarten, daß sich an dem Abend alle für unser geistiges Leben Interessierten im Gau Hessen- Nassau treffen werden. Ich bedauere nur, daß die Kürze der Zeit und die Dauer der notwendigen organisatorischen Vorbereitungen es mir nicht schon in diesem Jahr ermöglicht haben, den 2. November zu einem künstlerisch-geistigen Riesen- erleben für die gesamte schaffende Bevölkerung des Gaues Hessen-Nassau zu machen. Kartenvorverkauf: Karten (nur numerierte Sitzplätze) für Mitglieder der Reichskulturkammer (einschließlich der in den Vereinen und Verbänden der sieben Einzelkammern Organisierten) und ihre Angehörigen zu 3, 5 und 10 Mark. Für Nicht- Mitglieder der Reichskulturkammer und deren Angehörige Karten nur für 10 Mark. Der Vorverkauf findet nur Frankfurt a. M., Buchgasse 11 (Reichskammer der bildenden Künste) täglich außer Sonntags in der Zeit von 10 bis 12 Uhr statt: in der gleichen Zeit werden telefonische Bestellungen entgegengenommen (Rufnummer 29 891), ferner Bestellungen über Postscheckkonto „Reichskulturkammer, grieasji Künstler gefordert werden. inb yr: Majnun das Programm anbelangt, so sei hier , (inb gtglcc-, daß nach dem großen Umbau der Bühne n daher t da-Mpernhauses durch die modernsten Einrichtun- ob (ich gqn. ie vielen Hundert Beteiligten mühelos aufge- a Ali g!| ställt werden und daß das Riesenprogramm durch ier ober oeirtiiebene Versenk- und Drehbühnen wie eine lEtionen gj!woltige Vision künstlerischer Aus- r es \V dir Kevölkerung untergebracht werden können, wird des L eirartet, daß sich an diesem Abend vor allen Din- :y&xxxp aqnt'ie führenden Volksgenossen aller wxVvh, Aetu fsgruppen innerhalb des Gaues Hessen- MM-. am engli niizn darauf ankam, ein einheitliches Leitmotiv ' n noHWtq das ganze Programm hindurchgehen zu las- ,„neurs-s^'sondern daß ich bei diesem ersten Versuch mehr nt abqtie' r( Leistungschau geben wollte. Und so wer- 0 göenit Sie denn durch zwei Orchester von 150 Mann fan jrttait. Bühne^und Rundfunkorchester) Solosänger. d'eedccht, daß es sich hier wieder um em neues Ver- ltte Ur . Mzen der sogenannten „oberen Zehntausend" han- ?elti wird und haben vielleicht auch bittere Bemer- eter & näßen darüber gemacht, daß die Masse der schaf- 19 Pch: >nien Menschen an einem solchen Abend nicht teil- eine ehnen kann Andere haben sich vielleicht das Riesen- Ppelt tTDcramm angesehen und gedacht: „Das ist ja eine Ungern jWqitbare Anhäufung aller möglichen Chöre, Tanz, aber “r*** ----s r--'^ berib: Wit o Dieses Bild wurde nach der Einnahme von Aksum ausgenommen und zeigt zwei abessinische Stammesfürsten vor dem italienischen General de Bono (rechts, mit dem Bart). (Scherl-Bilderdienst-M.) Michsstatthalter Löper gestorben marxistische Hochburg Mitteldeutschlands gestürmt. Es war selbstverständlich, daß diesem Mann auch nach der nationalen Befreiung am 30. Januar 1933 große Aufgaben gestellt nflirben. Der Führer ernannte ihn zum Reichs st atthalter von Anhalt und Braunschweig, ein Posten, auf dem er die Macht des Nationalsozialismus befestigte. Wilhelm Löpers größtes Verdienst ist es, hier dem Willen des Führers zum Durchbruch verhalfen zu haben. Er blieb auch auf diesem Posten das, was er im besten Sinne immer war, der Soldat und Kämpfer, der Hüter der nationalsozialistischen Idee im Gau Magdeburg-Anhalt. Werbung belebt die Wirtschaft Die Bedeutung der Wirtschaftswerbung kann jetzt ziemlich genau bemessen werden. Der Werberat der deutschen Wirtschaft erhebt von allen Werbeunternehmern eine Abgabe von 2 v. H. der Umsätze. Der Ertrag dieser Umsätze bient der gemeinnützigen Ausgestaltung des Werbewesens. Aus der Hohe dieser Erträge kann man Rückschlüsse auf die Aufwendungen ziehen, die die deutsche Wirtschaft zu Werbungszweckeir macht. Allerdings fällt die Eigenwerbung der Wirtschaft, z. B. durch Schaufensterreklame, Werberundschrei- den usw., nicht unter die Abgabepflicht. Trotzdem spiegeln die Eingänge aus der Werbungsabgabe ein interessantes Bild der Entwicklung und Bedeutung des deutschen Werbewesens wider. Die abgabepflichtige Werbung erfolgt durch Zeitungen, Zeit- schriften, Adreßbücher und Kalender, Anschläge und Verkehrswerbung. Von den aufgewandten Werbungskosten entfallen aber allein rund 55 v. H. auf die Zertungs - und weitere 28 o. H. aufdie Zeitschriftenwerbung. Aus diesen Ziffern geht die überragende Bedeutung der Zei- tungs- und Zeitschriftenreklame für das Werbe- wesen mit sehr eindringlicher Klarheit hervor. Die veröffentlichten Ziffern zeigen ferner, daß sich Dessau, 23. Oft. (DNV. Funkspruch.) heute morgen 5.30 Uhr ist der R e i ch s st a 11 h a 11 e r in Braunschweig und Anhalt und Gauleiter von Magdeburg-Anhalt Hauptmann a. D. Wilhelm Friedrich Löper nach längerer Krankheit sanft entschlafen. Wilhelm Löper war einer der ältesten und treuesten Kämpfer des Führers. Er, der Soldat des Weltkrieges, wurde später der Soldat des großen Freiheitskampfes und stand in den großen, aber auch in den schweren Stunden der nationalsozialistischen Bewegung stets an der Seite Adolf Hitlers. Sein Tod reiht eine tiefe Lücke in die Reihe der alten Kämpfer der nationalsozialistischen Bewegung. Löper ist 1883 in Schwerin in Mecklenburg geboren, trat als Fahnenjunker in bas Pionierbataillon III in Spanbau ein. Als Hauptmann ging er mit ben 4. Pionieren 1914 ins Felb unb oerbiente sich zahlreiche Auszeichnungen. Nach Beenbigung bes Krieges kämpfte er als Kompanieführer in einem Freikorps weiter, beim Grenzschutz im Osten, später beim Kapputsch im Ruhrgebiet, wo er ben kommunistischen Aufstand nieberschlagen half. Dann war er roieber als Hauptmann und Kompaniechef bei ber Reichswehr. So kam er 1923 als Lehrer an die Pionierschule in München. In biefe Zeit fällt seine erste Begegnung mit Abolf Hit- l e r. Beim großen Freiheitsmarsch am 9. November 1923 setzte er aus eigener Machtvollkommenheit ben Kommandeur der Münchener Pionierschule ab, und führte Adolf Hitler die gesamte Pionierschule zu. Seine Einsatzbereitschaft für den Nationalsozialismus hatte zur Folge, daß er aus der Reichswehr entlassen wurde. Aus dem Soldaten und Pionier des Weltkrieges wurde in dieser Stunde der SA.-Mann, der Pionier der Freiheitsbewegung. Als Gauleiter von Magdeburg-Anhalt nahm Löper den Kampf mit den marxistischen Elementen auf. Der Nationalsozialismus hat dank des zähen Kämpfers die Gesandtschaftsrat in Sofia, Wien und Paris. 1933 übernahm er den Gesandtenposten in Sofia. a g e n t e n , die eine türkenfeindliche Haltung einnehmen und sich hierzu aller fremden Elemente als Werkzeuge bedienen. Die französische Behörde hat entlang ber syrisch-türkischen Grenze zahlreiche armenische Kolonien angelegt in der Hoffnung dem türkischen Staat dadurch ständig Ungelegenheiten zu bereiten. Es ist bekannt, daß die Angehörigen ber revolutionären kurbischen Gruppen arbeiten. Angesichts bes in Syrien vorbereiteten Anschlags gegen bas Leben Atatürks ist es bie oberste Pflicht ber türkischen Regierung, vor ber ganzen Welt biefe lanbsfremben Behörben zu entlarven, beren einzige Beschäftigung barin besteht, Anschläge gegen bie Türken anzuzetteln. Arbeitslosenunruhen in Britisch-Destindien. L o n b o n , 23. Oft. (DNB.) Wie bas Kolonialministeriums mitteilt, kam es in K i n g s t o w n, ber Hauptstabt ber zu ber Gruppe ber Winbwarb-Inseln (Britisch-Westindien) gehörenben Insel Saint Vincent zu schweren Arbeitslosenunruhen. Polizei unb Freiwillige waren gezwungen, bas Feuer gegen bie Menge zu eröffnen, die die Polizei angriff und Läden plünderte. Zwei Unruhestifter wurden getötet und 22 verwundet Verletzt wurden ferner der Polizeipräsident, sechs Schutzleute und ein Gefängniswärter. Der Sachschaden ist beträchtlich. Um Mitternacht traf das englische Kriegsschiff „C hallen» g e r" ein. Der Bundesführer der Deutschen Gilden- schaft, Bund der Hochfchulgilden, Rechtsanwalt Dr. Harald Eckert (München), hat die <5615^1» auflöfung der Deutschen Gildenschaft verfügt, nachdem das Ziel des Bundes, eine einheitliche Studentenschaft als klassenlose Kameradschaft unter einheitlicher klarer Führung, durch die Bewegung erkämpft ist. ©er Anschlag auf Atatürk. Heftige Borwürfe gegen die französische Mandatsverwaltung in Syrien. Istanbul, 22. Oft. (DNB.) In allen großen Städten des Landes finden Kundgebungen statt, in denen die Empörung über den Anschlag auf ben Staatspräsidenten Atatürk zum Ausdruck kommt und bie unerbittliche Ausmerzung ber Verschwörer geforbert wirb. Die Zeitungen beschulbi- gen bie französischenMandatsbehorben in Syrien, bie Organisationen ber Armenier unb Kurben in Syrien zu unter st Ütze n. „Djumhurijet" schreibt: Es ist nicht glaubhaft, baß bie unter französischer Manbatsherrschaft in Ketten schmachtenben nationalistischen arabischen Kreise gegen die brüderliche türkische Nation von ehemals feindliche Gefühle hegen. Vielmehr sind es bie französischen Kolonial- t^n-50 ■ Aus aller Welt CÄNKA J KAFFEE Gehr Verschiedenes | Imheusei 6115 D und zum Bauen Äbermann in allerbester Lage zu Verkäufern Schriftl. Angebote unter 04548 an den Gieß. Anzeig, erbeten. Elegante Mäntel Wir zeigen qualltä*«* betonte Mäntel, von geschulten Händen geschaffen - vornehm - schlicht - unauffällig - mit edlen Pelzen besetzt - in sehr groß^ Auswahl Prüfen Sie bitte uns*' Angebot unverbindlich Bauspars vertrag aber 1« 000 Bark abzutreten.Schr. Ang. u. 6051D a. den Gieß. Anz. ein Kaffee, wie er sein soll, dazu coffeinfrei, preiswert, Pfd. RM 2.50 Pakete 50 Pfs. und RM lebte Aufwendungen der Wirtschaft für Werbungs- Zwecke im laufenden Jahre gegenüber dem Vorjahr erhöht haben. Denn die Indexziffer der Werbe- Umsätze, die von dem Durchschnittsumsatz des Jahres 1934 ausgeht, schwankt in den ersten acht Monaten des Jahres 1935 zwischen 103.6 und 119,1. Nur im Monat März sank sie auf 98,3. Die Statistik läßt ferner erkennen, daß die Werbetätigkeit in den Wintermonaten von November bis Februar am l e b h a f t e st e n ist. Zuverlässige Angaben über die Verteilung der Werbung aus die verschiedenen Jahreszeiten werden aber erst möglich sein, wenn die Ergebnisse der Umsatzbewegung für mehrere Jahre vorliegen werden. Aus der SteigeBuchenscheiter 1. Klasse Eichenscheiter 1. Klasse Eichenscheiter 2. Klasse Birkenscheiter 1. und 2. Klasse Aspenscheiter 1. Klasse Kiefernscheiter 1. und 2. Klasse Weimutskiefernscheiter 1. Klasse Fichtenscheiter 2. Klasse Buchenknüppel Eichenknüppel Aspenknüppel Kiefernknüppel Fichtenknüppel Birkenknüppel Eschenknüppel Buchenreiser 1. Klasse Nidda und Frankfurt a. M., 22. Oktober 1935 Auf Wunsch der Verstorbenen findet die Einäscherung in aller Stille statt. Friidie Fliehe Kochfische, Pfd. von 25 A an Filets, Pfd. 50 4 Grüne Heringe Pfd. 20 4 04547 Schellfische 35 4 Heilbutt, Scholl. R. Grünewald Babnbofstr. 27 5,8 12,6 133,8 6,5 41,4 18,9 2,9 1,2 8,9 10,0 6,4 25 Brennholz -Versteigerung der Stadt Gießen. Durch eine explodierende Karbidlampe tödlich verletzt. Der beim Bahnbau der Ostertalbahn (Rheinprov.) beschäftigte Arbeiter Kurt Lang aus Osterbrucken machte sich an einer Karbidlampe zu schaffen, als diese plötzlich explodierte. Der kaum 18jährige Lang erlitt hierbei so schwere Verletzungen, daß er bald nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus starb. Saarländischer Bergmann wird Ehrendoktor der Frankfurter Universität. Neuwertiger «eiierBert mit Wagen zu verkaufen. Lndwigstr. 40 v. AMW gut erhalten, wegzugshalberz. 60 Äck. z. vk. eoosD Neustadt 5. „ Eichenreiser 1. Klasse „ Aspenreiser 1. Klasse Wellen Fichtenreiser 3. Klasse. Am Mittwoch früh gegen 5 Uhr entschlief plötzlich und uneiwartet mein lieber Mann, unser lieber Vater Herr Karl Nicolaus sen. Weißbindermeister kurz vor Vollendung seines 68 Lebenswahres. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Luise Nicolaus, geb. Uphaus und Kinder Liselotte und Margot Ludwig N colaus und Familie Karl Nicolaus tun. Lehrer Schlidt und Frau Anna, geb Nicolaus Lehrer Ullrich und Frau Ottilie, geb Nicolaus Gießen (Am Nahrungsberg 2 p). den 23. Oktober 1935 Die Beerdigung findet Samstag, den 26 Oktober, vormittags 11 y., Uhr. aut dem Neuen Friedhof statt werden: 8,9 rm 67,3 „ 1,8 „ 3,2 „ 3,8 „ 23,6 „ 1,4 „ Statt besonderer Anzeige Heute entschlief unsere liebe, gute Mutter und Schwester Anna Metz Witwe des Justizrats Ernst Metz Für die trauernden Hinterbliebenen: Dr. med Willy Metz Hermann Metz und Familie Käthe Durin rung der Aufkommen aus der Umsatzabgabe darf man folgern, daß sich die deutsche Wirtschaft im wachsenden Maße des Mittels der Werbung bedient, um ihren Absatz zu erhöhen. Ganz besonders in Zeiten eines beginnenden neuen Wirtschaftsausschwungs ist eine richtige und wirksame Werbung unentbehrlich, um die Wirtschaft zu beleben und die Kauflust der Verbraucher anzuregen. Denn der Produzent wie der Kaufmann kann einen guten Absatz seiner Waren nur dann erwarten, wenn er alles getan hat, um die Verbraucher auf diese Waren aufmerksam zu machen, ihnen also deren Güte und Preiswürdigkeit ständig und immer wieder zur Kenntnis zu bringen. Aus den Waldungen der Stadt Gießen sollen am Montag, dem 28. Oktober 1935, 9% Uhr beginnend, aus den Abteilungen 35, 38, 39, 59, 76, 87, 93, 121 und 126, Förstereien Rödgen und Gießen, versteigert 6100C AM MARKT 61J in Deutschland — von der Einführung des obligatorischen Turnunterrichts an den Schulen und Universitäten abgesehen — völlig auf dem Grundsatz der Freiwilligkeit aufbauen. Ein an Leib und Charakter gesundes Volk werde ein größeres politisches Schwergewicht haben als ein krankes und feiges. Reichssportführer v. Tschammer und Osten wurde auch vom Regenten General K o n d y l i s empfangen. Schwere Sturmverwüstungen auf Jamaika und Kuba. Ein von schweren Wolkenbrüchen begleiteter Orkan, der vom Karibischen Meer südlich von Jamaica seinen Ausgang nahm, hat auf den Inseln Jamaica und Kuba ungeheuren Schaden verursacht und auch einige Menschenleben gefordert. Allein auf Jamaica wird der Sachschaden, der durch die Zerstöruna zahlreicher Pflanzungen einqe- treten ist, auf 2,25 Millionen Dollar geschätzt. Auf Kuba wurde hauptsächlich der Ostteil der Insel heim- gesucht. In Santiago de Kuba stürzten zahlreiche Gebäude ein, andere wurden beschädigt oder abgedeckt, darunter das Hospital und ein elektrisches Kraftwerk. Die Straßen sind mit Trümmern angefüllt. Der Cauto-Fluß trat infolge der Regengüsse über die Ufer und überflutete große Teil der Stadt. Bisher werden drei Tote und vier Verletzte gemeldet. Die benachbarten Orte Cairna- nera und Boqueron mußten von der Bevölkerung geräumt werden. Sämtliche Verbindungen dorthin sind unterbrochen. Schwere Unwetter auf Sizilien. Ueber ganz Mittel- und Süditalien sind in den letzten Tagen starke Unwetter niedergegangen, die teilweise großen Schaden anrichteten. In der Nähe von Syrakus auf Sizilien wurden fünf Bauern bei einem heftigen Gewitter vom Blitz erschlagen. Die Wiesen und Felder stehen zum größten Teil unter Wasser. In den Weingegenden hat die Ernte furchtbar gelitten. In Trapani im Nordwesten Siziliens haben heftige Stürme 83 Siedlungshäuser zum Einsturz gebracht. Um die Schachweltmeisterschaft. Im Schachweltmeisterschaftskampf zwischen A l j e ch i n und E u w e wurde in Amsterdam die 9. Partie gespielt. Aljechin eröffnete mit dem Königbauern, Euwe verteidigte sich französisch Beide spielten von Anfang an scharf auf Angriff, und es ergaben sich sehr schnell interessante Verwicklungen, aus denen schließlich Aljechin mit einem überlegenen Endspiel hervorging. Rach 40 Zügen mußte Euwe, da er auch noch mit einer Figur im Nachteil war, die Partie a u f g e b e n. Der Stand des Wettkampfes ist nunmehr: Aljechin 5, Euwe 2, remis 2. Das nächste Spiel wird in Gouda ausgetragen. Durch einen Schuh aus dem eigenen Jagdgewehr getötet In der Nähe seines Heimatortes Mohrweiler (Eifel) fand man einen Jagdhüter tot auf. Die Todesursache war ein Schuß aus dem eigenen Jagdgewehr, das der junge Jaqdhüter an seinem Fahrrad befestigt hatte. Wie festgestellt wurde, hat , ein Sturz mit dem Rad den verhängnisvollen Schuh ausgelöst. Weiß. n. schwarz. Herd u.Landofenzum Kochen zu verk. Valltorstr. 4 p. MeineAnzeigen 'M (Siebener Anzeiger werden von Tarnenden beachte« und aele'en Kaufgesuche | MS» MillenlMs zu kaufen gesucht. Schr. Ang. unt. 04546 a. d.G.A. Gebrauchter hleiderschrank zu kaufen gesucht. Schr.Angeb.unt. 04541a. d.G.A. 3 gebrauchte WWW zu kauf, gesucht. Schr. Angeb. m. näberorBeschrei- bung unt. 6117D an d. Gieß. Anz. Vor der versammelten Schüler- und Lehrerschaft 1 der Saarbrücker Bergfchule wurde dem in den Saargruben arbeitenden Steiger G u t h ö r l das Diplom eines Ehrendoktors der Raturwissen- schastlichen Fakultät der Universität Frankfurt a. M. verliehen. Guthörl hat neben seinem Beruf auf geologischem Gebiet ganz Hervorragendes geleistet Er gilt als der beste Kenner der Versteinerungen der Saarkohle, auf denen sich- die angewandte Kohlengeologie auch an der Saar aufzubauen beginnt, um den Vorsprung der anderen Reviere aufzuholen. Guthörl hat nicht weniger als 13 wissenschaftliche Arbeiten geschrieben. Sein letztes Werk im Umfang von 250 Seiten hat die ausdrückliche Anerkennung der Preußischen Geologischen Land»sanstalt gefunden, die es unter die staatlichen Veröffentlichungen ausgenommen hat. Für seine Idee, der er unter der französischen Saargrubenverwaltung nur in aller Heimlichkeit dienen konnte, hat Guthörl außerordentliche finanzielle Opfer gebracht. Der „Prophet" Weißenberg erneut verurteilt. Das Berliner Sondergericht verhandelte gegen den 79jährigen „Wunderpropheten" Josef Weißen- berg und zehn seiner Anhänger. Diesmal wirft die Anklage ihm und seinen Mitbeschuldigten die illegale Fortführung seiner am 17. Januar dieses Jahres verbotenen Sekte vor. Der mitangeklagte Schriftleiter der Sektenzeitung „Der Weiße Berg", Franz K u r s o w s k y , hat nach dem Verbot ein Rundschreiben herausgegeben, in dem die Mitglieder in versteckter Form zur Weiterzahlung von „Kirchenbeiträgen" aufgefordert wurden. Die Angeklagten hielten auch nach dem Verbot noch Versammlungen ab. Selbst der grobe Unfug der Geisterbeschwörungen wurde in spiritistischen Geheimsitzungen fortgesetzt, an denen der „Meister" und sein Hauptmedium Grete Müller teilnahmen. Das Sondergericht sprach alle elf Angeklagten eines Vergehens gegen § 4 der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat (illegale Fortsetzung einer verbotenen Vereinigung) für schuldig und verurteilte den 79jährigen Hauptangeklagten Joseph Weißenberg und den Schriftleiter der Sektenzeitung Franz K u r s o w - sky zu je einem Jahre Gefängnis. Drei weitere Angeklagte, darunter das Hauptmedium Grete Müller, erhielten je vier, drei Angeklagte je drei, einer zwei und die restlichen zwei je einen Monat Gefängnis. Zehn Todesopfer eines Schlffsunglücks im Weihen Meer. Nach einer Meldung aus Archangelsk wütet über dem westlichen Teil des Weißen Meeres ein Orkan, der ein schweres Schiffsunglück zur Folge hatte. Dom Sturm wurden auch zwei Eisbrecher überrascht, von denen einer einen schwer havarierten Leichter im Schlepp hatte. Von der Gewalt des Orkans wurde der Leichter losgerissen und der Eisbrecher selbst so schwer beschädigt, daß er mit Schlagseite in den Hafen von Archangelsk ! einlaufen mußte. Der andere Eisbrecher fand erst später den Leichter. Er war in der Mitte entzwei- ’ gebrochen. Fünf Mann der Besatzung konnte er retten, zehn waren von den Wellen fortgefpült und . ertrunken. 1000 000 RM. veruntreut. In Breslau wurde der Geschäftsführer der Pri- > oatkredit-Verwaltungs- und Vermittlunqsgesellschaft i m. b. H. in Breslau, Dr. Bernhard Lerch, ver- l haftet. Ihm werden fortgesetzte Untreue, schwere t Urkundenfälschung und Betrug in größ- i tem Ausmaße zur Last gelegt. Soweit die bisherigen Ermittlungen erkennen lassen hat Lerch die ihm von KeineWohnunqSzwangswirtschastmehr Berlin, 22. Okt. (DRB.) Der Reichsarbeitsminister hat sich in einem Erlaß an die Ministerien der Länder gegen d i e Bestrebungen auf Wiedereinführung der Wohnungs- Zwangswirtschaft, d. h. des Rechtes der Gemeinden zur Beschlagnahme von leerstehenden Wohnungen, ausgesprochen. -Der Minister erklärt, daß eine Wiedereinführung der Wohnungszwangswirtschaft ungünstige Rückwirkungen auf denRealkredit und den Wohnungsneubau haben mußte: das Beschlagnahmerecht sei auch nicht geeignet, etwaige Schwierigkeiten des Wohnungsmarktes in einer Gemeinde zu beheben. Dies könne nur durch genügenden Wohnungsneubau geschehen. Dieser müsse daher in erster Linie gefördert werden, und es müsse alles Unterlasten werden, was den Neubau von Wohnungen hemmen könne. (Strafantrog oegen den früheren Generaldirektor des Wick ng-Kornerns M ü n jt e r, 23. Okt. (DRB.) Gegen den seit dem 17. Dezember 1934 in Untersuchungshaft befindlichen früheren Generaldirektor der Wickingwerke in Munster, Generaldirektor Dr. h. c. Rudolf t e n Hom - p e l, der von 1920 bis 1928 als Abgeordneter der Zentrumspartei dem Reichstag angehörte, und durch seine Machenschaften den Zusammenbruch der Wickingwerke im Jahre 1931 herbeigeführt hat, schwebt seit sechs Wochen ein Prozeß vor der Großen Strafkammer. Dem Angeklagten wird handelsrechtliche Untreue gegenüber den Wickingwerken, Vollstreckungsvereitelung und Konkursverbrechen vorgeworfen. Die Beweisaufnahme hat im wesentlichen die in der Anklageschrift aufgeführten Straftaten als erwiesen ergeben. Der Vertreter der Anklage beantragte vier Jahre Zuchthaus unter Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren und 20 000 Mark Geldstrafe. Der Reichssportführer spricht in Athen. Im überfüllten Saal des Deutschen Klubs Phlla- delphia sprach Reichssportführer von Tschammer und O st e n zur deutschen Kolonie Athens. In seiner Rede schilderte er die Entwicklung der Organisation des deutschen Sports und der Berliner Olympiade 1936. Er erklärte, daß der Sport den Ausländsdeutschen die deutsche Grenze näher bringe. Die Deutschen im Ausland sollen im Sinne des Führers das Werk ihrer Väter fortsetzen. Nach einem Empfang, den der deutsche Gesandte in Athen Dr. E i s e n l o h r zu Ehren des Reichssportführers gab und an dem auch Außenminister T h e o t o k i s teilnahm, fand im Deutschen Archäologischen Institut in Athen eine große Olympia» Werbeveranstaltung statt, zu der die Minister und viele Vertreter des Heeres, des Sportes und der Wissenschaft erschienen waren. Reichssportführer von Tschammer und Osten wies daraufhin, daß es vornehmlich deutsche Gelehrte waren, die dem griechischen Volk zur Hand gehen konnten, die klassische Stätte Olympias dem Grabe der Jahrtausende zu entreißen. Dann betonte der Reichssportführer gegenüber falschen Ansichten, die im Auslande verbreitet sind, daß die Leibesübungen zahlreichen Geldgebern zur Ausleihung an Mit. telstandskreife zur Verfügung gestellten Gelder in weitestem Maße veruntreut, indem er die Unter, schriften der zur Sicherung der Geldgeber und Geld» nehmer eingesetzten Treuhänder geschickt auf Schecks. Zahlungsanweisungen und anderen Urkunden fälschte und so die Auszahlung der Gelder von den Treuhandkonten an sich selbst erschlich. Der Der. bleib der Gelder ist bisher nicht festgestellt. Der Schaden beträgt nach eigenem Geständnis des Dr. Lerch etwa 1 000 000 Mark. Die zur Siche, rung der Geldgeber und Geldnehmer erforderlichen Maßnahmen sind, soweit noch möglich, veranlaßt. Wit dem Kraftwagen in den Fluß gestürzt. Der Kraftwagen eines Spenglermeisters aus Innsbruck stürzte in den Sillfluß. In dem Auto befanden sich außer dem Besitzer noch ein Ehepaar und dessen vierjähriges Töchterchen. Während sich das Ehepaar ans Ufer retten konnte, wurde das Kind von den Wellen fortgetragen. Es tonnte nur als Leiche geborgen werden. Der Wagenbesitzer geriet unter das Auto und wurde schwer Der« letzt geborgen. Früherer Staatsanwaltschaftsrat wegen Glückspiels verurteilt. Die 21. Strafkammer des Berliner Landgerichts verurteilte den 54jährigen früheren Staatsanwalt- schaftsrat Dr. W a s m u n d wegen Beteiliguna an einem öffentlichen Glücksspiel zu 2000 Mark Geld strafe. Es bestand der Verdacht, daß sich der Angeklagte auch der Begünstigung im Amt schuldig gemacht habe. Dieser Anklagepunkt ließ sich jedoch strafrechtlich nicht erfassen. Zehn Todesopfer eines Verkehrsunglücks in Argentinien. Bei Naon in der Provinz Buenos Aires (Argen» tinien) wurde ein Ueberland-Autobus von einem Eisenbahnzug erfaßt und 500 Meter weit mitgeschleift. Alle zehn Jnsasten des Kraftwagens wurden getötet. Wetterben-t des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die Schlechtwetterzone des Mittelmeerwirbels hat in Deutschland weiter westwärts Raum gewönne. Der größte Teil Süddeutschlands und der südliche Teil Mitteldeutschlands sind von ihr erfaßt worden. Gleichzeitig ist das Regengebiet des neuen Atlantik» Wirbels nach Großbritannien und auch nach West» frankreich vorgestoßen. Zwischen beiden Störunas» grenzen liegt ein Hochdruckgebiet, das bisher für unser Wetter beftinimenb blieb. Dabei kam es auch in der vergangenen Nacht in West- und Nord west» deutschland wieder zu verbreiteten Strahlungsfrösten (bis zu —6 Grad Celsius). Voraussichtlich bleiben wir im wesentlichen unter dem Hochdruck- einfluß, doch werden schwache Störungen, vornehm» lich des Mittelmeerwirbels, sich bis zu uns hin bemerkbar machen. Aussichten für Donnerstag: Im Norden des Bezirks noch teilweise heiter, im Süden und Westen meist schon bewölktes Wetter und verein» zelt etwas Niederschlag. Bei überwiegend nördlichen und östlichen Winden für die Jahreszeit noch zu kalt. Lufttemperaturen am 22. Oktober: mittags 7,2 Grad Celsius, abends 1,6 Grad; am 23. Oktober: morgens —1 Grad. Maximum 7,2 Grad, Minimum — 2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Oktober: abends 5,5 Grad; am 23. Oktober: morgens 4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 0,4 Stunden. Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Longe. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhclm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiler: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Sinnigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 35: 9929. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. ■ Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., [ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. । Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Saud., fleißiges Ehepaar fürOoftmirrfdians- öerrieö gefucht.Ausführ- liches Angebot u. 6097Da.d.G.A. Drahthaar- Hündin zugelaufen. vorstamWießen Moltkestr.3.«iosv Außerdem werden noch in dem Versteigerungstermin freihändig zum Taxpreis abgegeben: 5,3 rm Eichen-Nutzscheiter 2. Klasse, 2,5 m lang 3,8 „ Eichen-Nutzknüppel 1. Klasse, 2 m lang 60 St. Fichtenderbstangen 1. bis 4. Klasse. Das Holz aus den Abteilungen 59, 76, 87, 93, 121 und 126 kann nicht vorgezeigt werden; vorherige Besichtigung wird daher empfohlen. Das Holzgeld wird zinslos bis 1. April 1936 gestundet. Zusammenkunft: Grünberger Straße, 1. Schneise. Gießen, den 22. Oktober 1935. Bürgermeisterei Gießen. Ritter, Oberbürgermeister. | Verkäufe~| Garage lHolzsf.Motorrad geeignet zu verk. Schr. Ang. unter 6104Da.d.G.A. 6118 D Nr. 248 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 23 Oktober <035 Aus dem Reiche der Krau. Nicht müde werden im freudigen Geben! Besuch in einer Kleiderkammer des WKW. Wir haben soviel von dem Winterhilfswerk und seinen freiwilligen Helfern gehört, daß es nicht wundernehmen kann, wenn wir es einmal wagten, die rastlose Tätigkeit all dieser fleißigen Hände in der Nähe zu beobachten. Nach freundlicher Erlaubnis der in Betracht kommenden Stellen machten wir uns also auf den Weg. Da der Nachmittag schon vorgeschritten war, fürchteten wir eine wenig begeisterte Ausnahme, aber, um es vorweg zu nehmen, wir erlebten eine Ueberraschung nach der anderen. Die Leiterin der Kleiderkammer, eine junge Frau, die keine Müdigkeit zu kennen schien, führte uns in die von ihr betreuten Räume und erzählte dabei mit großer Bereitwilligkeit von ihrem Tagewerk. Obgleich es an diesem Abend noch sehr viel für sie zu erledigen gab, fertigte sie uns nicht mit geschäftiger Eile ab, sondern zeigte uns in ihrer fürsorglichen Art alle Einzelheiten in ihrer Sammelstelle. | Da liegen nun Berge von Kleidern und Wäsche, die desinfiziert, auf ihre Umwandlung in brauchbare Kleidungsstücke warten. In der N ä h- st u b e sitzen die vom Arbeitsamt entsandten Frauen und arbeiten fieberhaft unter liebevoller Anleitung an der Wiederherstelluna dieser freudig gegebenen Spenden. Die sehr sorgfältig genähten und manchmal auch modernisierten Sachen wandern dann wieder zurück in die Kleiderkammer, von wo sie an die Bedürftigen zur Verteilung gelangen. Aber auch dies geschieht nicht etwa wahllos, sondern nach genauer Berücksichtigung des für den einzelnen Not- w ndigen und nach vorheriger Anprobe. So manch altes Mütterchen hat schon vor Auf- reauna und Freude über die Gaben die Fassung verloren, doch selbst für solche Zwischenfälle ist rührende Vorsorge getroffen. Die Leiterin hat einen Sanitätskursus beim Roten Kreuz mitge- macht, und wstß sich infolgedessen zu Hellen Sie bettet ihre Schützlinge auf ein Ruhebett und bemüht sich in der sachgemäßesten Weise um sie. In ein^m Raum für sich sind Schuhmacher am Werk, die den vorher probierten Schuhen und SA Stiefeln den schönsten Glanz und die haltbarsten Sohlen verleihen. Jeder bekommt nur das für ihn Passende, so daß die Unterstützungsberechtigten durchaus zu ihrem Recht gelangen. Natürlich wstb in besonderem Maß der jungen Mütter gedacht, sie erhalten Säuglings- wasche und leihweise ein wunderhübsch ausge- ftattetes Körbchen für das Neugeborene. Frohgemut mit neuerwachtem Glauben an die Zukunft gehen sie nach der Verteilung dieser ein Frnuenherz be- glück-nden Dinge zurück in ihre Häuslichkeit. Van moraens früh acht Uhr bis abends zu unbestimmter Zeit, wenn eben alles Wesentliche getan ist, sind die ehrenamtlichen Helfer zur Stelle. Zu ibn^n rechnen auch diejenigen, die die schriftlichen Arbeiten erledigen; denn alle Emnah- m n und Ausaönqe werden so genau verzeichnet, daß keine Möglichkeit einer Jrreleituna oder falschen Wohltätigkeit besteht. Gerechtigkeit und echte Nächstenliebe könnte man als Motto über diese Arbeitsstätte setzen. Und weil wir diese Gewißheit haben, laßt uns n'cht müde werden im freudigen Geben; viele kalten W'n>"rtaqe buchen, 'n die wir alle bei einigem aulln Willen den Aermsten der Armen ein wenig Wärme bringen können. Sehen wir immer wieder unfere Bestände nach, und sondern wir alles irgend Entbehrliche aus an Männer-, Frauen- und Kinderkleidung. Die. Not überwinden zu helfen, sei unser aller Streben. Hilde Fries. mig. Sein Gerechtigkeitsgefühl sagte ihm, daß er dem Mädel unrecht tat, wenn er sie und feine Arbeit nicht beachtete und anerkannte, fein Trotz stellte sich aber dagegen und unterdrückte jede mildere Regung. Und da sollte er auch noch allein mit ihr aufs Feld. Ihm war doch etwas ungemütlich zumute, denn er hatte die ganze Zeit über, seit das Mädel auf dem Hof war, keine zehn Worte mit ihr gesprochen und war ihr immer geflissentlich aus Dem Wege gegangen. Na, heute wurde es sich ja zeigen, ob sie etwas aushielt! Der alte Bauer sah nach dem Himmel, über den der Wird» graue Wolkenfetzen jagte. — Dann waren sie auf dem Felde, der Großvater lenkte den Pflug mit seinen arbeitsharten Händen, und das Mädel führte die Kühe. Ab und zu jagte ein Regenschauer über das Feld und überstürzte sie mit feiner Nässe. Mit Einern Seitenblick hatte der Alte bemerkt, daß die Finger der Jungen rot und starr vor Kälte waren. Eigentlich hörte er für gewöhnlich auf, wenn das Wetter zu toll wurde, aber heut hielt ihn der Eigensinn! Auf der einen Seite lauerte dieser darauf, daß das Mädel schlapp machen würde, auf der anderen Seite wiederum freute sich fein altes Bauernherz über ihre Zähigkeit und wünschte es, daß sie ,hurchhielt". — Und sie hielt durch! Als die letzte Furche gezogen war und er am Feldrain die Kühe vom Pflug abfchirrte, da war fein Trotz besiegt und fein Mißtrauen bekehrt. Ja, er schämte sich sogar etwas über seine Starrköpfigkeit. Und als er dann mit feiner harten abgearbeiteten Rechten nach der kälteroten Hand des Mädels griff und sagte: „Ihr seid schon ein anständiger Kerl" und nicht mehr, da zog ein kleines Lächeln über fein altes verwittertes Gesicht und die Freundschaft zwischen den beiden war besiegelt! Der Alte vom Lande und die Sunge aus der Stadt hatten einen Weg zueinander gesunden! Mas sollen wir tragen? PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS WiNTGR. MÄNTEL Das »el dom McitSdiesst Bon Maraar te O^ttdlo. Eigentlich war es dem alten Bauern gar nicht so recht, daß nun ein Mädel vom Arbeitsdienst auf den Neubauernhof feines Jungen kommen sollte! Freilich, seine Schwiegertochter hatte Hilfe notwendig, sehr notwendig sogar. Seit den sieben Jahren, seit denen sie mit ihrem Mann die Siedlung bewirtschaftet, kannte sie nichts als Arbeit, schwere Arbeit von morgens bis abends spät, auch in der Zeit, als sie ihre Kinder trug. Aber was würde so ein junges Ding aus der Stadt auf dem Bauernhof schon helfen können... Der alte Bauer spannte Die Kühe vor den Bretterwagen: „Na, mir werden ja sehen, wer recht behält!" Wie gesagt, er war mißtrauisch! In diesem Augenblick klang von der Straße frischer Gesang herüber, und aus dem Trupp Mädels, die dort mit lachenden Gesichtern auf der Dorfstraße vorüberzogen, löste sich eine Mädchengestalt und steuerte schnurstracks, nach einem prüfenden Blick auf die Hausnummer, auf den Hof zu. Der alte Bauer richtete sich nicht aus feiner gebückten Haltung auf, als das Mädel neben ihm stand und ihm einen Guten borgen wünschte. Er warf nur von unten her einen prüfenden Blick über ihr frisches Gesicht und wies Dann wortlos nach Dem Hauseingang, wo auf Der Schwelle ein kleines Madel faß und mit erstaunten Augen zu Dem „Ein- Dringling" herüberfah. Das MäDel oerftanD unD verfchwanb eiligst im Haufe. — Bald tönten Durch das geöffnete Küchenfenster die hellere Stimme der Jungen und der tiefere Alt feiner Schwiegertochter im munteren Gespräch Durch Das Klappern unD Klirren von Töpfen unD Tassen. Der Großvater schüttelte Den Kopf: Wie gesagt, er oerftanD Das nicht. Die (unD Damit meinte er seine Tochter) schien ja schon hübsch vertraut zu sein mit dem „fremden Ding" aus Der Stadt! Zwei Wochen waren Darüber vergangen. Dem sonnigen Spätsommer mit Den silbrigen Altweiber- lommer-Fäden war ein rauher und regnerischer derbst gefolgt. Ein harter Wind fegte über Die lablen Felber und wirbelte Die trockenen Blätter von Den Bäumen und im wildem Tanz über Die LanDstraße. — Die Bäuerin Hütte Dem Arbeits- DienftmäDel eine Derbe Jacke geborgt. Das Feld am Wäldchen mußte heute fertig gepflügt werden und sie sollte dem Großvater Die Kühe führen. Die Neubäuerin hatte Wäsche unD konnte nicht aufs FelD und Der SieDler war in Der KreisftaDt zu einem Termin. Der alte Lauer war etwas brunv Von Den beiden einfachen Wintermänteln unseres heutigen Vorschlages ist das Modell l'.nks ein ausgesprochen sportlicher Mantel aus Kamelhaar oder flauschiger Wolle in Hellen Farbtönen. Der breite, weiche Gürtel ist braunes Nappaleder mit passender Schließe. Die Linien,ührung des Mantels wird durch breite Steppnähte an den waagrecht- und fchräg- geftcllten Nähten betont. Am Halse, unter dem hochschließenden Umlegekragen, wird der Mantel durch einen Knopf geschlossen. Für besonders kalte Tage, das Auto oder die Reife dient ein Cape in Der entfprechenDen Linienführung zur Ergänzung. Es wirD unter dem Kragen dem Mantel aufgeknöpft. JRigräne. Was der Kamilienarzt dam sagt. Wenn die berühmte Schauspielerin X wegen Migräne nicht auftreten kann ober eine Einladung abfagt, so steckt gewöhnlich dahinter mehr eine launische Ausrede als eine wirkliche Migräne. Derartiger Mißbrauch des Wortes Migräne hat dazu geführt, Daß man Darunter allerlei nervöse Erscheinungen versteht, Die mit einer echten Migräne nichts zu tun haben. Das Wort Migräne kommt von Dem griechischen hemicrania unD beDeutet Halbseitenkopfschmerz. Dies ist Das charakteristische, aber nicht das einzige Symptom Die Migräne beginnt in Der Regel mit allgemeiner Mattigkeit, Gereiztheit unD Unlust zur Arbeit. Dann erst setzen Die streng einseitigen Kopfschmerzen ein unD steigern sich in Den folgerten StunDen zu unerträglicher Heftigkeit. Auf Dem Höhepunkt stellt sich gewöhnlich Erbrechen ein, worauf Der Kopfschmerz allmählich nachläht. Wäh- renD Des ganzen Anfalls fühlt sich Der Betroffene zerschlagen, ist unfähig zu^ jeder Arbeit und überempfindlich gegen alle Sinnesreize. Sobald Die Kopfschmerzen verschwunDen sind, erholt er sich rasch. Solche Migräneanfälle beginnen am häufigsten früh morgens und dauern mehrere Stunden. Ihre Häufigkeit kann sehr wechseln; es kommen ebenso tägliche Wiederholungen wie monatelange Pausen vor. Die Migräne ist also ein wohlcharakterisiertes Krankheitsbild und nicht zu verwechseln mit gewöhnlichen Kopfschmerzen, die das Allgemeinbefinden nie in solchem Grade tn Mitleidenschaft ziehen. Zumeist tritt sie familiär auf, d. h. schon die Eltern oder Großeltern haben an ähnlichen Erscheinungen Daß das Cape nur von sehr schlanken Figuren getragen werden kann, versteht sich wohl von selbst. Der kleine Herrenhut (links) ist moosgrüner Velours, während der kleine runde Hut (Mitte) aus braunem Hoarfilz gearbeitet ist. Dem Mantel rechts aus flaschengrünem B o u c l ö sind Die Aermel angeschnitten, Der Rücken hat eine DurchgehenDe Mittelnaht, um Die a n I i e » a " n d - Form 3U erzielen Die Taschen sind eingeschnitten, zwei große Knebel bilden den Verschluß. Als Besatz Dient silbergraues InDisch- Lammfell, Das kleine Barett ist aus flaschengrünem Samt. H. gelitten. In Derart belasteten Familien finden sich nun bei genauerer Nachforschung häufig auch andere Krankheiten — wie Asthma, Heuschnupfen, Nesselsucht, Ekzem — Die man als Ueberempfinblich- keits- (allergische) Krankheiten auffaßt. Man ist darum geneigt, auch manche Migränefälle als Ueber- empfinDlichkeitserfcheinung gegen allerlei körperfremde Stoffe anzusehen. Sicher gibt es aber auch andere Ursachen für den Halbseitenkopfschmerz, z. B. gleichzeitige Nervenkrankheiten ober andere chronische Erkrankungen. Der einzelne Anfall ist offenbar durch krampfhafte Verengerung der Gehirngefäße und infolgedessen ungenügende Gehirndurchblutung einer Kopfhälfte bedingt. In anderen Fällen kann auch eine Gefäßerweiterung und Blutüberfülle dem Anfall zugrunde liegen. Die Migräne ist eine außerordentlich hartnäckige Krankheit. Es gibt fein sicheres Mittel zu ihrer end- gültigen Heilung, wenn auch gegen den Einzel- anfall dem Arzt eine ganze Reihe wirksamer Medikamente zur Verfügung stehen. Wenn hier einige erprobte Hausmittel angegeben werden, so können sie die ärztliche Behandlung niemals ersetzen. Aber es ist nicht zu bestreiten, daß manchmal zu Beginn des Anfalls ein heißes Fußbad, eine Taffe starken Kaffees und der Saft einer Zitrone helfen, sogar Den Anfall untertrürfen können. Absolute Ruhe ist unerläßlich, Die AbDunkelung des Zimmers manchmal von Nutzen. Aber über den Einzelfall hinaus muß ja die Heilung der Gesamtkrankheit Das BehanDlungsziel sein. Diese Aufgabe gehört in Die HanD Des Arztes, Dem sehr ver- schieDene Methoden zu Gebote stehen, als modernste die kochsalzfreie Kott und klimatische Kuren. Dr.V. Hermann. Wir haben heut Abend Gaste... Aber wir machen keine „Umstände". Die Abende sind länger geworden, schon früh rnüfsen wir die Lampen anzünden. Die Winterabende lassen uns wieder gesellig werden. Freunde, die man oft den Sommer über kaum sah, finden sich beim Schein der Lampe wieder zusammen. Freundschaften werden geschlossen, Kameradschaften vertieft. Wir kennen heute Die steife „Gesellschaft" nicht mehr. Der Mensch ist ja schließlich nicht auf ber Welt, um sich bes Abenbs im großen Kreis ben Magen zu überlaben! Und es würde uns allen ja nicht schmecken, wenn wir zu einem vielgängigen Essen eingeladen würden und dann daran denken müßten, wieviele unserer Volksgenossen oft nicht wissen, wie sie ihre Schüsseln füllen sollen! Nein, Solidarität auch hier! Deshalb ist aber der Geselligkeit keine Schranke gesetzt. Wir haben das Recht darauf, nach des Tages Mühen uns am Abend zu entspannen. Und Entspannung ist es bann erst, wenn sich bie Hausfrau nicht abhetzen muß, fonbern alles fo vorbereiten kann, baß auch sie sich ohne Erschöpfung bem Gast roibmen kann. Heute läbt man meistens nach bem Abenb- essen ein. Zu einem Glas Wein, ein paar Kuchen» stücken, hübsch belegten Broten (aber nur nicht einen Haufen lieblos gemachte „Stullen".) Wer ganz üppig fein will, ber gebe noch eine Süßspeise ober Obst, aber bas ist nicht nötig! Wir finb bescheiben geworden — aber wir verlangen doch, daß die Hausfrau sich Mühe gibt und etwas nachdenkt, womit sie ihre Gäste erfreuen kann. Man kann es sich nicht leisten, ein Diner vorzusetzen. Man darf aber nicht so bequem sein, nun gar nichts vorzubereiten und die Ausrede zu gebrauchen: selbst Schiller setzte seinen Gästen nur ein Glas Wasser vor! Ach nein, so ein bißchen kann man sich schon Mühe geben. Das hat ja mit Geldausgaben gar nichts zu tun. Ein felbstgebackener Kuchen, der vielleicht 1,50 Mark gekostet hat, schmeckt den Gästen besser als eine teure Torte, bie lieblos gekauft würbe. Selbstverstänblich liefern auch ber Konbitor unb Bäcker schöne Sachen, mit benen man bie Gäste ehren unb erfreuen kann: aber man muß bann merken, baß alles mit Liebe ausgesucht worben ist! Gesellig leben, heißt, ben Gästen alles fo bereiten, baß sie sich nicht geniert fühlen. Sie müssen glauben, baß man sie gern bei sich aufnimmt! Diese Pflichten hat ber Gastgeber. Aber auch ber Gast hat Pflichten. Er barf nicht sagen: „Eigentlich bin ich ja furchtbar müde, aber weil Sie fo gebeten haben ..." — Nein, ber Gast muß zeigen, baß er sich freut, zu kommen! Schließlich ist ber Gast auch verpflichtet etwas zur Unterhaltung beizutragen. Er barf nicht gelangweilt ba» sitzen unb nun meinen, man müsse ihn unterhalten. Wer Gastfreunbschaft in Anspruch nimmt, ber muß auch als Gast etwas bieten! Kamerabschaft ins eigene Heim tragen — bas ist bie neue Gastlichkeit. Es gibt viele Kame- raben und Freunbe, bie vielleicht kein eigenes Zuhause haben. Die empfinben es bann boppelt angenehm, wenn man sie oft einläbt, ohne viel „Um- ftänbe" zu machen. — Wir wollen viele Gäste haben in biefem Winter. Wir wollen ben Tllch bocken für bie, bie es nicht selbst können! Das ist wahre Volksgemeinschaft. Unb hier hat bie Frau zu sagen, — an ihr liegt es, baß wir von ber Gesell» schäft zur Geselligkeit kommen! LoreThograL Fleisch im eigenen Säst. Was man alles daraus machen kann. Wirklich, ich muß gestehen, für uns Hausfrauen ist biefes „Fleisch im eigenen Saft" eine gerabezu herrliche „Erfinbung". Es erspart Gas, Kopfzerbrechen und Zeit, denn es ist fix unb fertig unb völlig gar. Es entspricht allen Erforbernissen ber Hygiene unb enthält alle Nährwerte, bie eben im Fleisch enthalten finb. Kann man noch mehr verlangen?! Unb bie Verwenbungsmoglichkeiten? — Deren gibt es mehr als genug. Zunächst — unb bas ist bie allereinfachste Art. Man öffnet bie Dose, stellt sie ins Wasserbab und macht norm Anrichten bie Brühe sämig. Wenn man will, kann man baraus auch eine Pilz-, Meerrettich-, Dill- ober Mostrich- ober Tomatensoße machen ober worauf man sonst Appetit hat. Ebenfalls kann man erst einmal alle Suppen» wurzeln mit Master auskochen, bann gibt man ben ganzen Inhalt ber Dose dazu mit etwas gehacktem Suppengrün unb gibt bas Fleisch mit Brühkartos» fein ober Reis zu Tisch. Behält man von biefem Fleisch kleine Reste, so dreht man sie durch die Fleischmühle, untermischt sie mit etwas frischer Butter, etwas Mostrich, wenn man mag, eine ganz feingehackte Sardelle, spritzt von einer durchgeschnittenen Zwiebel etwas Säst darüber, kann auch ein ganz klein wenig Zitronenschale daran reiben, eventuell auch ein Gelbei. Man verrührt alles zusammen zu einer weichen Paste, die in einem Tassenkopf geformt unb bann gestürzt, zum Abenbessen einen sehr wohlschmeckenben Brotaufstrich ergibt Etwas Salzgurke, bazu gegeben, wirb nicht verschmäht werben. Man macht aus Butter, Fett ober Margarine mit Mehl eine braune (Einbrenne, bie man mit bem Fleischsaft abrührt, setzt etwas Paprika ober Pfeffer zu unb bann erscheint es als Gulasch auf bem Tisch. Dieses war Rinbfleisch. Hat man Schweinefleisch, so läßt es sich auf minbeftens ebenso viele Arten verwerten. Erstens macht man aus bem Saft eine Art Fri- kasteesoße, läßt barin bas gleichmäßig geschnittene Fleisch heiß werben unb setzt es ber Familie mit Salzkartoffeln vor In anberer Art erscheint es mit einer braunen Ragoutsoße auf bem Tisch, in bie ich sehr gern feine Streifen von gekochten Mohrrüben und Sellerie schneibe. Etwas Saure- ober Pfeffer- auch Senfgurke bazu ist meist sehr willkommen Unbebingt ist es auch als Aspik zu empfehlen, wobei bem Spiel ber Phantasie keine Schranken ge- setzt finb. Kräftig ober mild gewürzt, mit kleinen nett aussehenben Gemüseresten von Wurzeln, Bohnen, Tomatenscheiben unb grünen Erbsen vermischt, bie im Aspik mit erstarren müssen. Dann noch irgenbroie nett garniert, je nach Geschmack und Gelbbeutel. Mit Bratkartoffeln unb Salat gereicht wirb cs jebem hochwillkommen fein. M. L. Bischdorf. ildwest ist nicht tot? Gefährliche Abenteuer mit AisonS und Mustangs. Sonderbericht unseres H. M.-Mitarbeiters von einer Reise durch USA. Eine wilde Sache. Eines Tages las ich in amerikanischen Zeitungen ein kleines Inserat: Sonntag, nachmittags 2 Uhr, Rodeo, Ricker Ranch, Merrimack, Wisconsin. Und darunter steht der vielversprechende Vermerk: Mächtiger und wilder denn je! — Was heißt Rodeo? Ein Bekannter erklärt, das sei eine ganz wilde Sache, wo Cowboys auf unzugerittenen Pferden, Büffeln, Stieren ihre Reiterkunststücke zeigen. Also Notizbuch heraus: Sonntag Rodeo Merrimack. Merrimack ist ein kleines ab gelegenes Dorf im Staate Wisconsin. Die Ricker Ranch ist äußerlich eine Farm wie alle anderen. Dos Unternehmen hat nicht viel Geld und verfügt über keinen großen Propagandaapparat. Aber das kleine Inserat hat genügt. Schon um die Mittagsstunde zeigen die Straßen nach Merrimack jene einseitige lieber» füllung, die der beste Wegweiser zu großen Ereignissen ist. Wir überholen einige Wagen. Im Vorbeifliegen schweift der Blick über die Nummernschilder. Eine ganze Reihe Chikagoer Wagen ist dabei. Und was für herrliche Wagen! Sonst fahren Frauen im Hermelin in solchen Wagen zur Oper. Aber so sind die Chikagoer: sie fahren ebenso gern 200 Meilen über Land, um am Sonntagnachmittag auf einer gewöhnlichen Farm Cowboys auf wilden Bisons reiten zu sehen. Merrimack liegt nicht an einer der herrlichen transkontinentalen Autostraßen. Man muß etwa 12 Meilen über eine staubige, unebene, mit grobem Kies bestreute Landstraße fahren. Dann zeigt die übliche Verstopfung der Straße mit Automobilen, daß wir am Ziel sind. Die riesigen Weideflächen der Stiere und der Bisons sind heute ein unübersehbarer Parkplatz für die Automobilströme, die aus allen Himmelsrichtungen das Dorf überfluten. Hier begegnen sich Chikagoer Wagen mit Wagen aus der Millionenstadt Minneapolis-St. Paul, die aus anderer Richtung auch etwa 250 Meilen zurückgelegt haben, und daneben ein ganz altmodischer, ländlicher, westlicher Eindruck: die nähere Umgebung ist zu Pferde herbeigekommen. Auch für die Pferde ist unter einer Baumgruppe ein Parkplatz freigehalten. Unter Erfrischungszelten geht es hmdurch, immer nach dem Schall der Blechmusik. Hier ist die Arena. Es ist eigentlich keine richtige Arena, weder rund noch elliptisch, sondern ein langgestreckter Auslauf, ein Schlauch, an dessen einem Ende die Stallungen sind und am anderen Ende geräumige Koppeln, in die Pferde und Stiere nach der Hatz getrieben werden. Rechts und links sind entlang dem Auslauf provisorische Holztribünen errichtet. Alles wäre so recht ländlich und um fünf Jahrzehnte zurück, wenn nicht die feinen Automobile da wären und die eleganten Damen, die aber heute nichts dabei finden, auf wacklige Holzgerüste zu klettern und ihren Kaugummi von einer Backentasche in die andere zu schieben. Has Süffelrennen. Eine Parade d e r Cowboys auf tänzelnden Pferden leitet die Vorführung ein. Voran reitet ein Indianer mit einem mächtigen Sternenbanner. Wer behauptet, Amerika sei ein nüchternes Land ohne Farben- und Formenfreude, der sehe sich diese Parade an, diese flatternden Hemdblusen, diese lose geknoteten Halstücher, diese verbeulten breitkrämpi- gen Hüte und diese weiten Hosen, die wie schwere Quasten um den Leib des Pferdes hängen. Und nun die Pferde selbst, die Falben und Schecken: nichts von der dressierten Zierlichkeit von Zirkuspferden, aber die Elastizität im Gang, die auf Langstreckenläufer schließen läßt. Ein Trompetensignal. Die Arena wird freigemacht. Ein Tusch. Der erste Bison stürmt ins Feld. Und da sitzt ein Kerl d e m Büffel im Ge- n i ck und klammert sich an wie ein Raubtier. Wild bockt das Tier und versucht den Reiter abzuschütteln. Es springt, dreht sich im Kreise, geht vorne hoch, schlägt hinten aus — vergeblich. Der Kerl hockt darauf wie festgebissen. Jetzt flankieren zwei Indianer zu Pferde den Büffel. Das Tier stutzt einen Augenblick, dann galoppiert es, von den Reitern gehetzt, schnurstracks auf das andere Ende des Auslaufs zu. Das ist ein Rennen! Der Kerl sitzt immer noch auf dem Büfiel ohne Zattel, ohne Zügel, und hinter ihm her jagen die beiden Indianer zu Pferde. Dicht am Gatter hat einer den Bison eingeholt und hebt nach wildwestlicher Art den Reiter auf sein Pferd herüber, wahrend das Tier ins offne Gatter getrieben wird. Das ist also noch einmal gut gegangen. Beifall und Musik ehren den tapferen Cowboy. Wie wird nun aber solch ein wilder Bison am Eingang des „Auslaufs" losgelassen, „a b g e - schos s e n", wie man hier sagt? — Das Tier wird vom Stall aus in einen ganz engen Gang getrieben. Am Ende dieses Ganges ist em starker hölzerner Verschlag mit einer Doppeltür, die in die Arena mündet. In diesem Verschlag kann sich das Tier weder seitlich noch vorwärts bewegen. Jetzt wird von geübten Cowboyhänden ein Seil durch den Verschlag geworfen und dem Stier um den Leib geknotet. Dabei verhält sich der Patient allerdings alles andere als ruhig, und manchem Cowboy ist schon bei dieser Gelegenheit der Arm gebrochen worden. Ist der Stier oder der Mustang so weit präpariert, klettert der Reiter von oben in den Verschlag hinein und läßt sich auf das bockende Tier nieder. Sobald er das Seil in der Hand hat, wird draußen ein Riegel zurückgeworfen, die Doppeltür fliegt auf, und der Stier stürmt ins Freie. Jetzt gilt es vor allen Dingen, das Seil festzuhalten, und wer ein Meister seines Faches ist, kann in der andern Hand seinen Hut schwenken und durch Scheuchen den Stier bald in diese, bald in jene Richtung lenken. Oft aber löst sich der Knoten bei den wilden Sprüngen, und manchmal gelingt es auch dem Stier, das Seil zu sprengen. Dann besteht die ganze Kunst des Cowboys darin, glücklich zu Boden zu kommen. Das Spiel ist nicht ganz ungefährlich, aber im allgemeinen fließt fein Blut, wie in den spanischen ober mexikanischen Stierkämpfen. Jetzt soll ein unzugerittenes Wildpferd „abgeschossen" werden. Unbroken, „ungebrochen", wie der Fachausdruck dafür heißt. Und das scheint eine wirkliche Bestie zu fein. Das Holz knirscht und knackt, man hört die dumpfen Schlage der Hufe gegen die Eichenbohlen. Wiehern und Schnauben. Auf einmal bäumt es sich im Verschlage auf und steckt vorne den Kops über die Doppeltür hinaus, der Riegel gibt nach, zwei Männer springen zur Seite und ehe noch das Seil um den „ungebrochenen" Leib geknotet werden konnte, stürmt durch Die Arena reiterlos mit erhobenem Kopf und bebenden Nüstern, in wundervollem Schwung, den Schweif nach sich tragend. Seine Majestät der Mustang. Eine amerikanische Europa. Nun kündigt Der Ansager an, daß Miß Sowieso, ein Cowgirl, einen wilden Stier reiten werde. Das tüchtige Cowgirl klettert in den Verschlag hinein, die Tür springt auf, und Jber Stier jagt mit seiner schönen Reiterin davon. Aber der Stier hält sich nicht an die programmäßigen Sprünge. Im gestreckten Galopp jagt er auf die andere Seite des Auslaufs zu. Das kam unerwartet. Die Reiter, die die Miß aus ihrer ungemütlichen Lage befreien sollen, kommen zu spät. Es wird ein Rennen um ßeben und Tod. Schaffen sie es? Noch zwei Pferdelängen Abstand, noch eine. Sie schaffen es nicht. Eine Sekunde lang steht das Herz still. Das amerikanische Publikum, aegen Sensationen nicht allzu empfindlich, hält den Atem an. Niemand wagt zu schreien. — Jetzt ist der Stier blind gegen das dicke Drahtgitter gerannt, — und die Miß? Sie hat sich mit einem gewaltigen Sprung vorn Rucken des Stieres geschnellt und hängt nun ganz oben im Gitter; sie hält sich fest und sicher. Der wütende Stier hat mit einem Ruck seine Hörner aus dem Netz zurückgezogen und, anstatt in das geöffnete Gatter zu traben, wendet er sich um und läuft direkt auf das Eingangsende der Arena zu, wo die Männer arbeiten. Schnell klettern sie über das Gitter. Aber da ist mitten in der Arena ein Clown, der den Zaun nicht mehr erreichen kann. Der Stier scheint ihn angreifen zu wollen. Werden sie nun das Tier abschießen? Nein. Der Clown schlägt ein paarmal um seine eigene Achse Rad. Der Stier stutzt und ist einen Augenblick lang geblufft. Der Augenblick genügt, damit die Reiter mit den Lassos ihn umringen. Angesichts dieser Uebermacht scheint der Stier sich plötzlich besonnen zu haben. Er dreht sich um und trabt, von den Reitern flankiert, in das offene Gatter hinein. Jetzt befreien sie die amerikanische Europa aus ihrer luftigen Höhe und bringen sie im Triumphzuge zurück. Der Clown wird bei dem lärmenden Beifall übergangen, darum noch ein Wort über Shorty, den Clown. Shorty, der Clown. Shorty ist ein Genie. Shorty kann alles. Er reitet einen bockenden Maulesel und klettert unter dem Hals und dem Bauch des galoppierenden Tieres hindurch. Er zündet sich mit einem Peitschenknall eine Zigarette an, und er hat sogar Öie seltene Gabe, in witziger Weise mit dem Publikum zu konferieren. Sein Haupttalent ist jedoch das Lasso- werfen. Er fängt ein, zwei und drei Pferde auf einmal mit dem Lasso. Er wirft ihnen die Schlinge über den Hals, über die Vorder- und über die Hinterbeiene und — auf Wunsch des Publikums — auch über den Schwanz. Nichts kann Shorty in Verlegenheit bringen außer feinem Vorkriegs-Ford- auto namens Puddlejumper, was soviel heißt wie Pfützenhupfer. Durch Verkürzung der Welle sind die Hinterräder viel zu weit nach vorne gerückt, so daß auch das Auto „bock t", und fertigbringt, was auch dem kapriziösen Maulesel nicht gelungen ist: Shorty abzuwerfen. Den Clou und Abschluß des Programms bildet das „Werfen" eines Stieres. Ein mächtiger Stier wird losgelassen und von Reitern mehr« mals durch die Arena gehetzt. Als der Stier beginnt, etwas lässiger zu laufen, reitet einer ber Kerls seitlich an den Stier heran und schwingt sich mit leopardenhafter Gewandtheit aus dem Sattel an die Hörner des Tieres. Das Pferd, auf dieses Manöver dressiert, weicht den wütenden Stößen des Stieres geschickt aus. Ein paar Minuten lang versucht der Stier mit aller Gewalt, die Hörner wieder freizubekommen. Man wagt nicht sich auszumalen, was geschieht, wenn die Arme ermatten und die Fäuste loslassen. Endlich steht der Stier einen Augenblick lang still. Das ist der Augenblick zum Angriff. Der Cowboy springt vom Genick Des Stieres und steht nun, Die Fäuste immer noch um Die Hörner gekrallt, vor Dem Kopf Des Stieres. Als Der Stier zum Stoß ansetzt, bringt ein mächtiger Ruck seinen Kopf zu Boden, und dann muß der ganze schwere Körper hinterher. Die Hufe stampfen Den BoDen, Mann unD Tier walzen sich in einer Staubwolke, aber Der Stier unterliegt. Mit bebenDen Flanken liegt er .Da, währenD Das Publikum vor Beifall rast. Das ist Amerika, Das ist Der Westen! Alle Achtung vor Den Kerls! Packen einfach so einen Stier unD schmeißen ihn hin, als wenn Das gar nichts wäre. Wer will noch mal, wer hat noch nicht? Wenn ich jetzt ein Buch über Amerika schreiben sollte, käme ber Kerl, ber ben Stier ba hingeworfen hat, auf bas Titelblatt. Aus aller Wett. Hinrichtung zweier Mörder. Am 22. Oktober würbe in Kottbus Karl Sandke hin gerichtet, ber vom Schwurgericht in Kottbus wegen Raubmorbes zum Tobe verurteilt worben ist. Sanbke, ber vielfach vorbestraft war, hatte in ber Nacht zum 17. April 1935 bie 74jährige Witwe Kasten in Boblitz in ihrer Wohnung erbros- selt, um sich in ben Besitz ihres Gelbes zu setzen. Am 22. Oktober ist in Dresben Der durch Urteil bes Schwurgerichts in Leipzig wegen Morbes zum Tobe verurteilte Bruno Niezschmann h i n g e r i ch t e t worben Niezschmann, ein schwer vorbestrafter Sittlichkeitsverbrecher, hat im Oktober v. I. eine zehnjährige Schülerin nach ber Begehung eines schweren Sittlichkeitsverbrechens ermorbet, um sie als Belastungszeugin aus bem Weg zu räumen. Ehemaliger Flugzeugführer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt. Die Große Strafkammer Bayreuth hat das Urteil gegen ben Flugzeugführer Michael Schmitt gefällt, unter besten Führung am 5. März 1935 ber Staatsmin-ister und Gauleiter ber bayerischen Ostmark Hans S ch e m m über bem Flugplatz von Bayreuth töblich verunglückte. Die Verhanblung Drehte sich in Der Hauptsache um Den Punkt, ob infolge ber Wahl bes Startplatzes ober ber Startrichtung eine Fahrlässigkeit ober bis zu einem gewissen Grabe, wie ber Angeklagte vorbrachte, eine Zwangslage burch beiberfeitige Gefahrenquellen anzunehmen wäre. Das Urteil lautete auf neun Monate Gefängnis wegen fahrlässiger Tötung unb Tragung der Kosten durch den Angeklagten. Als strafmildernd wurde angesehen, daß der Flieger Schmitt durch den Verlust seiner Stellung und seines Flugscheines sowie insbesondere durch bas hervor- gerufene Unglück ohnehin schon schwer gestraft worben fei. Starker Schneefall. Frost und Sturm im Riesengebirge. Die starken Schneefälle, bie in der Nacht zum Dienstag im schlesischen Gebirge einsetzten, führten bis zu einer Höhe von 350 Meter zur Bildung einer zusammenhängenden Schneedecke. Wie der Reichswetterdienst Breslau-Krietern meldet, hat die Schneedecke am Dienstagabend auf dem Riesen- gebirgskamm bei fünf Grad Kälte bereits eine Höhe von einem halben Meter erreicht. Bei starkem Sturm bildeten sich auf der Schneekoppe Verwehungen bis zu eineinhalb Meter. Königsberger Dampfer auf hoher See verschollen. Der Königsberger Dampfer „Insterburg", der von Rotterdam nach Königsberg unterwegs war, hat den Hafen von Brunsbüttel bis jetzt noch nicht angelaufen. Das Schiff hatte am 17. Oktober Rotterdam verlassen. Dieser Tage wurde der Reederei fernmündlich mitgeteilt, daß in Egmont (Holland) ein leeres Rettungsboot des Schiffes mit einem Riemen und einer Rettungsboje angetrieben worden fei. Obwohl alle Schiffe und alle Landrettungsstellen an der deutschen und holländischen Nordseeküste nach der „Insterburg" Ausschau hielten, ist bis jetzt kein weiteres Zeichen von dem Schiff ober seiner Besatzung wahrgenommen worben. Rundfunkprogramm. Donnerstag. 24. Oktober. 6 Uhr: Choral; Morgenspruch; Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In ber Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 9.15: Musik am Morgen. 10.15: Schulfunk: Volksliebersingen. 11.20: Nur Frankfurt: Nachrichten ber Gauleitung. 11.45: Sozialbienst. 12: Mit- tagskonzert I. 13: Nachrichten (auch aus bem Senbebezirk). 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen Zwei unb Drei. 15: Wirtschaftsbericht: Porzellan — für ben Gebrauch unb zur Zierbe. 15.15: Kinberfunk: Eine lustige Spielstunbe mit ber Plapperliefe. 16: Kleines Konzert. 17: Bunte Musik am Nachmittag. 18.30: Das aktuelle Buch. 18.45: Launiger ßeitfaben für Sprachsreunbe. 19: Volkstümliche Musik. 19.50: Der Tagesspiegel bes Reichssenbers Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Orchesterkonzert. 21.15: Stubio. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus bem Senbe- bezirk. 22.20: Die Mikrophonprüfungen unb bie Reichsfachschaft Runbfunk. Walter M. Gensel von der Reichsrundfunkkammer. 22.30: Die Landschaft spricht: Ragende Gipfel am Rhein. Das Siebengebirge. 23: Spätabendmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert. Friedrich List und unsere Eisenbahn. Von Walter von Molo. In seinem ausgezeichneten Roman „E i n Deutscher ohne Deutschlan d", von Dem jetzt im Verlage von Holle & Co. in Berlin eine billige Volksausgabe zum Preise von 3,75 RM. erschienen ist, hat Walter von Molo Dem Leben FrieDrich L i st s, Des Vorkämpfers Der Deutschen Eisenbahn, ein Dauern» Des nationales Ehrenmal geschaffen. Ein schwäbischer Weißgerberlehrling mußte am Anfang Des 19. Jahrhunberts, weil er Die väterliche Werkstatt mit Maschinen treiben wollte, ein unter: georDneter Schreiber in einer muffigen Amtsstube werben. Er bildete sich in seinen Freistunden aus eigener Kraft weiter unb mürbe in eines ber Ministerien in Stuttgart berufen. Mit 28 Jahren war er Professor ber Nationalökonomie unb ber Staatswissenschaften an ber Universität Tübingen. Friedrich List wurde später unser bedeutendster Nationalökonom, ber Erbauer ber ersten größeren Eisenbahnstrecke in Deutschlanb. Er sah um ein Jahrhunbert früher als bie bamals Regierenben, baß ber Urgrunb bes immer wieberkehrenben Unglücks Deutschland bie Zersplitterung aller seiner politischen unb wirtschaftlichen Dinge war. Jebes Der 39 Deutschen fiänber unseres Damaligen Staa- tenbunbes, ber bas entsetzlich magere Ergebnis unseres helbenhaften Freiheitskampfes gegen Napoleon war, hob vom anberen Zolle ein, dehanbelte es als Auslanb, nannte sich „Großmacht". Der Mann ber Tat, List, setzte sich kurzentschlossen mit südbeutschen Kaufleuten zusammen in Nürnberg unb grünbete einen Hanbels- unb Gewerbeverein zur Abschaffung bieser Mißstänbe; es war ber Anfang unseres späteren großen beutschen Zollvereins, Der Lists Jbeen nach feinem Tobe zum Allgemeingut ber Nation formte. Als List gegen bie rückschrittliche Bürokratie seiner Zeit auftrat, welche die Durchführung seiner großartigen Pläne immer wieder zu verhinbern wußte, würbe er auf Betreiben Metternichs in einen Kriminalprozeß verwickelt und zu zehn Monaten Festungshaft mit Zwangsarbeit auf bem Hohen Asperg verurteilt. Er floh, lebte roeiterlernenb unb bie Welt beobachtend in ber Schweiz, besuchte Frankreich und England, schließlich fing man ihn, und er mußte doch sitzen. Man entließ ihn, gestattete ihm gnädig, da man seine und seiner Familie Existenz zerstört hatte, nach Nordamerika auszuwandern unter der Bedingung, daß er auf seine württembergische Staatsbürgerschaft verzichte, also sich nicht mehr Deutscher nennen durfte. In Nordamerika versuchte er es erst als Farmer, hierauf als Redakteur eines kleinen deutsch-amerikanischen Blättchens in Reading in Pennsyloanien, dann entdeckte er die ersten großen Anthrazitlager in Nordamerika, das bis dahin fast alle seine Kohle über das Meer aus England bezogen hatte. Zur Ausnutzung ber riesigen Kohlenflöze baute er bie erste Dampfeisenbahn in Amerika; an ihr entstauben zwei Städte. In Amerika war es, baß List, bem im Hintergrunbe aller seiner (Bebauten unverrückbar sein Deutschlaub staub, unsere beutsche Eisenbahnkarte zeichnete, für bereu Umsetzung in bie Gegenstänblichkeit er sich von nun an ebenso fanatisch einsetzte wie für bie Zolleiuheit bes beutschen Haubelsgebietes. Er kehrte nach Deutschlanb zurück, unb es gelang ihm als amerikanischer Konsul, zwischen Leipzig unb Dresben kurze Zeit nachbem bie Nürnberg-Fürther Bahn gebaut war, bie erste größere Eiseubahnstrecke zu bauen. Als er mit anderen deutschen Ländern verhandelte, um sein Eisenbahnnetz, auf dem heute unsere Güter und wir rollen, weiter in die Tat umzusetzen, hob sich die Enge seiner Zeit neuerlich gegen ihn auf; die Bürokratie Metternichs wünschte aus kurzsehenden selbstischen Absichten kein einiges Deutschland. Abermals mußte List, gehässig als ehemaliger „Sträfling" unb „Auslänber" bezeichnet, ins Auslanb fliehen; boch er kehrte roieber zurück, denn er sah die Wirtschaftsentwicklung und die daraus entstehenden Gefahren des 19. und 20. Jahrhunderts voraus unb bot baher alles auf, um bie Deutschen zu einigen, zu sittlicher Wirtschaftsführung zu erziehen, beren produktive Kräfte für ben Ent- scheibungskamps zu heben, den er unabroenbbar für Deutschlanb herannahen sah, List hat wenige Monate vor seinem frühen Tobe in einer Denkschrift bem englischen Kabinett ben Vorschlag eines Bünb- nisses zwischen Englanb unb Preußen gemacht, bas er, auch hier prophetisch vorausahnenb, als ben Kristallisationspunkt aller beutschen Einheitsbestrebungen bezeichnete. List forberte unb kämpfte als Privatmann auch für bie beutsche Posteinheit, für einheitliches Maß unb Gewicht, für eine vom Auslanb unabhängige Reichsbank, für Kolonien unb eine Kriegsflotte, bafür, baß bie Deutschen bas Geld weniger achten sollten als ihre Ehre unb bie innere unb äußere Wehrfähigkeit ber Nation. Der ehemalige Weißgerberlehrling hätte in Amerika, in Frankreich unb Belgien bie entscheibenben Staatsstellungen erhalten können, er lehnte alles ab, um feine ganze Kraft seinem Vaterlanbe zu geben, bas ihm burch maßlose Beschimpfungen unb Verbächtigungen bankte. Es war einmal so weit, baß ihn ber junge Preußenkönig Friebrich Wilhelm IV. zu seinem Minister ober wenigstens zum Kolonisationsbirektor in Posen machen wollte; wie- ber scheiterte es an bem Wiberstanbe, biesmal ber preußischen Bürokratie, bie einen Mann, ber alles aus sich selbst gelernt hatte, ohne „bie vorgeschriebenen Schulen zu burchiaufen, verbächtigte und ablehnte. Ueberarbeitet unb totgehetzt hat List, noch nicht 57 Jahre alt, sich in Kufstein in Tiro! erschossen. Dort liegt bieser große Deutsche Patriot begraben. Nahe seiner Ruhestätte steht bas Denkmal, bas ihm bie beutschen unb österreichischen Eisenbahner vor bem Weltkriege errichteten. Inzwischen finb ihm auch Denkmäler in Reutlingen, Stuttgart unb Leipzig errichtet worben, aber noch fehlt bas schönste Denkmal, sein Denkmal im Herzen eines jeben Deutschen, benn wir alle verbauten bem Vorkämpfer unserer Einigung, bem Vorkämpfer für eine Wirtschaft, bie nicht, selbstherrlich ist, jonbern sich bem Gemeinwohl unterorbnet, Unenbliches. Seine Jbeen, bie erst ganz in unseren Tagen zur Durchführung gelangen, gehören zu ben grunb- legenben Schöpfungen verantwortlichen beutschen Geistes. Daher sei, da bie beutsche Eisenbahn ihr lOOjäh- riges Jubiläum feiert, an ben Schöpfer unserer Eisenbahnkarte, an ben großen Deutschen Friebrich List erinnert Chinesische Spitznamen. Wir halten ben so häufig zu beobadjtenben Aus- bruck bes Lächelns im Antlitz bes Chinesen weniger für bas Zeichen eines humorvollen Gemüts als für bie Maske einer feit je im Reich ber Mitte vorge- fchriebenen Höflichkeit. Unb boch besitzt ber Chinese viel Witz unb Humor. Das äußert sich nicht nur in zahlreichen luftigen Geschichten, bie im Schrifttum überliefert finb, fonbern auch im alltäglichen Verkehr, auf ber Straße, im Haufe, ja sogar im Umgang mit Den Eurpäern. So geben auch Die chinesischen Diener ihrem Deutschen Herren manchen Beinamen, Der ebenso treffsicher wie einprägsam ist; meistens wählen sie chn nach einer körperlichen Eigentümlichkeit. So mürbe ein Deutscher „Bai mau" = Weibhaar genannt, ein anderer „Da tou" = Großkopf und ein dritter „Da du dsy" = Dickbauch. Ein Europäer, der als Bücherwurm unb Junggeselle bekannt war, erhielt ben Namen „Lau bau hsüe" = Alter Taoiften- gelehrter. Ein Beamter, der die unangenehme Ausgabe hatte, den Bauern auf dem Lande die Steuern abzunehmen, bekam von diesen, weil er bei ber Erfüllung feiner Ausgabe stets ein wohlwollenbes Lächeln au bewahren pflegte, ben Spitznamen „Hfiau mien tyr = Tiger mit bem lachenben Gesicht. — Die Europäer vergalten biefen Spott verstänblicherweife mit allerlei Spitznamen, bie sie ihren Boys beilegten. Einer bieser fünfen kleinen Diener mit einem aller- bings ausgesprochen bummen Gesicht antwortete auf Frage nach seinem Namen zur nicht geringen lieber- raschung seines neuen Herrn: „Ich Bählamm heißen!" Ein Batu, ber hinkte, nannte sich „Dreivierteltakt", unb es hörte sich wirklich so an, als ob er im Dreivierteltakt ginge. Diese Spitznamen haben jedoch keinen gehässigen Beigeschmack, sie entsprechen nur bem natürlichen Bebürfnis nach einer anschaulichen Ausbrucksweise. Vierzig Schweine reffen einenMissionar Im Innern von Australien gibt es noch Eingeborene, bie Kanibalen sinb. So ist es nicht ohne Gefahr für einen Weißen, sich in ihr Bereich zu begeben, benn leicht fein es geschehen, daß er dort als willfommener Festbraten empfangen wirb. Dem Missionar S. Tomlinson, Der sich Durch diese Gefahr nicht abschrecken ließ, gelang es zwar, sich in furzer Zeit Die Freundschaft eines Dieser Eingeborenenstämme zu gewinnen unb er konnte sicher sein, daß ihm dort kein Leib zugefügt werbe. Aber er hatte nicht bamit gerechnet, baß auch ber Frömmste nicht in Frieben leben kann, wenn es Dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Eines Tages machte ein Nachbarstamm einen kriegerischen lieber- fall auf seine Freunde, in dessen Verlaus S. Tomlinson und seine Gattin geraubt wurden. Da ihre Wächter keinen Zweifel darüber ließen, was fein Schicksal sein werde, glaubte sich das Missionarsehepaar schon verloren. Aber in ber letzten Stunde wurde es zu seiner größten Ueberraschung mit freiem Geleit entlassen. War ein Wunder geschehen? Die wackeren Freunde hatten ihren Missionar nicht im Stich gelassen und sich mit ihren Gegnern nach langen diplomatischen Verhandlungen auf ein Lösegeld geeinigt. Der friedfertige Stamm erhielt bie beiben weißen Freunbe, wofür er vierzig Schweine an ben Feinb auslieferte. Es ist nicht verwunderlich, baß der Missionar unb seine Gattin nach diesem Han» bei aus bem Kampfgebiet abreisten, um sich einige Wochen in Sybney von bem ausgestandei.en Schrecken unb ben Anstrengungen zu erholen. Sie ffnfc jeboch beibe fest entschlossen, sich roieber in das Land der Menschenfresser zu wagen. Ur. 248 Drittes Blatt GietzenerAnzeiger (General-Anzeiger für Dberhesien) Mittwoch, 2Z. Oktober (935 Aus der Provinzialhauptstadt. Väter und Söhne. Es ist nichts mehr mit unserer Bildung, liebe Mitväter. Wir mögen ganz nette Sachen gelernt und diese netten Sachen auch einigermaßen nutzbringend angewandt haben, aber was nutzt uns das alles, wenn wir bei den Famitienmahlzeiten unseren nachdrängenden Herren Söhnen gegenüber» sitzen und aus ihre Fragen auch nicht eine einigermaßen zufriedenstellende Antwort haben. Oder sind Sie, lieber Herr Amtsbruder in väterlichen Dingen, Besitzer und gleichzeitig genauester (aber auch ganz genauester) Kenner eines modernsten Radioapparates, eines repräsentablen Autos, eines Motorrades, eines Segel- und eines Motorflugzeuges? Weichen Sie nicht aus; denn es genügt ja keineswegs, wenn Sie Besitzer und Kenner eines dieser Dinge sind: Ihr Sohn, Grundschüler oder höherer Jahrgang, das ist ganz gleichgültig, kennt sie alle, weiß alles von allen, besitzt sie alle um so mehr geistig, als er sie tatsächlich nicht besitzt, und druckt Sie (ebenfalls geistig) glattweg an die Wand mit seinen Kenntnissen. Vielleicht wünschen wir manchmal, diese kleinen Ingenieur- und Techniker-Anwärter möchten uns etwas über Latein, Mathematik, Geographie, unsertwegen auch über Physik (soweit wir sie noch verstehen), über Kunstgeschichte oder Literatur fragen. Wir wären ja bescheiden und gäben wahrhaftig nicht mehr, als mir selbst noch wissen (was unter Umständen ja immer noch mehr ist, als sie, die Herren Söhne, davon wissen); aber sich darum zu kümmern, was w i r wissen, oh, das fällt ihnen nicht im Traume ein. Und so wenden sich die Söhne stolz an die Mutter (die das alles nicht zu wissen braucht, weil sie ja eben nur die Mutter ist) und stechen den völlig unwissenden Vater aus mit Schwebeachse, mit Frontantrieb und Heckmotor, mit Limousine, Cabrio und Cabriolet, mit Zweitaktmotor, Pullman, Auf-, An- und Abtrieb, mit Differenzial, Röhrenempfänger, Kuppelung und Drosselung, mit Innenlenker und Außenbordmotor, mit Opel, Dixi, Auto-Union, Chlorodont, Adler, Löwe und Panther, mit Carra- ciola, Stuck, Schmeling, Leichum, v. Gramm und Schalke 04, mit Welle soundsoviel und Do X und Diesel, mit ... Aber nun erwachen wir Väter aus unserer Betäubung, legen "Messer und Gabel hin und behaupten nach einem entsprechenden Räuspern, daß wir hier doch wohl zusammengekommen seien, um zu Mittag zu essen. Doch wenn es nun auch etwas stiller wird (Gott sei dank, das packen wir ja schließlich noch!), so sind wir doch die geschlagenen Sieger, und unsere Söhne fragen sich verwundert hinter ihren klaren Stirnen, wie die Mutter überhaupt so einen Mann nehmen konnte, der noch nicht einmal in den einfachsten Dingen Bescheid weiß. D. Vornotizen. Tageskalender für Mittwoch. RSKOV., Ortsgruppe Gießen: 20.30 Uhr Monats- versammlung im Ccue Leib, Vortrag von Pg. B o n h a r d über „Spionage im Weltkrieg". — NSG. „Kraft durch Freude^: 20.30 bis 21.30 Uhr Allgemeine Körperschule in der Schillerschule; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Stadttheater: 19.30 bis 21.45 Uhr .Holzappel". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Vergiß mein nicht!" — Oberheffischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 16 bis 17 Uhr Ausstellung friesischer Maler der Gegenwart, Kleintierplastik von Lily König. Stadtthealer Gießen. Heute, 19.30 Uhr, als 4. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement der Uraufführungserfolg „Holzappel", ein lustiges Volksstück von H. A. Weber. Spielleitung: Intendant Schultze-Griesheim. Ende 21.45 Uhr. Oie Seiet des 9. November. Don der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda wird schon jetzt darauf aufmerksam gemacht, daß die Durchführung des 9 November einzig und allein Angelegenheit der NSDAP, ist. Die Gliederungen und angeschlossenen Verbände beteiligen sich an diesem Tage restlos im Rahmen der Veranstaltungen der NSDAP. Alls übrigen Vereine und Verbände werden besonders darauf hingewiesen, daß an diesem Tage Stjftunasfeste, Dergnüaungen vfro. zu unterbleiben haben. Auch die Saalbesitzer wollen hiervon Kenntnis nehmen, damit sie vor unnötigem Schaden bewahrt bleiben. Lehrerschaft und Buchwoche. Die Landesregierung — Abteilung II — hat an die unterstellten Schulen folgende Mitteilung gerichtet: In der Zeit vom 27. Oktober bis 3. November 1935 findet die „Deutsche Buchwoche" statt. Wie im vorigen Jahre, erwarte ich von der Lehrerschaft, daß sie sich an der Durchführung der Buchwoche tatkräftig beteiligt. Folgende Wege werden hierfür vorgeschlagen: 1. Plakat. In sämtlichen Dienststellen und Schulen kommt das Plakat zur „Woche des Deutschen Buches": „Das Buch — ein Schwert des Geistes" zum Aushang. Der Preis des sehr wirkungsvollen Plakates beträgt 20 Rpf. Es ist zu beziehen durch den örtlichen Buchhandel. 2. Sonderschrift „Buch und Vol k". Die Sonderschrift „Buch und Volk", 48 Seiten stark, mit vielen Bildern inhaltlich darauf abgestellt, weiteste Kreise des Volkes für das Buch zu gewinnen, nennt etwa 600 bis 1000 der besten deutschen Bücher. Es ist sehr erwünscht, wenn sich insbesondere die Lehrerschaft mit dieser Sonderschrift „Buch und Volk" vertraut macht, um daraus auch bei den Schülern das Interesse für das gute deutsche Buch zu wecken. Es wird also angestrebt, daß gerade von diesen Kreisen möglichst viele Exemplare dieser Sonderschrift, deren Preis ebenfalls nur 20 Rpf. beträgt, vom örtlichen Buchhandel bezogen werden. Die Sonderschrift selbst enthält ein großes Preisausschreiben, an dem sich jeder deutsche Volksgenosse, auch die Jugend, beteiligen soll und für das wertvolle Preise ausgesetzt sind. 3. Vorträge in den Schulen. Es wäre weiterhin sehr erwünscht, wenn gerade zur Buchwoche der eine ober andere Dichter zu den Schülern sprechen könnte, sei es im Rahmen einer geschlossenen Schuloeranstaltung, oder im Rahmen einer geeigneten Stunde. Tag der deutschen Hausmusik. Die Landesregierung — Abteilung II — hat an die Direktionen der höheren Schulen, der gewerblichen Unterrichtsanstalten und die Kreis- und Stadtschulämter folgende Verfügung gerichtet: Im Herbst 1935 wird die „Arbeitsgemeinschaft für Hausmusik in der Reichsmusikkammer", wie im Vorjahre, den „Tag der deutschen Hausmusik" durchführen, und zwar am 21. November. Aus der Erkenntnis heraus, daß ohne ein Wiederaufblühen des eigenen Musizierens der Laien im deutschen Hause, ohne den tätigen Anteil des ganzen Volkes an der Musik ein gesundes Musikleben nicht denkbar ist, vereinigen sich an diesem Tage Einzug der I. Abteilung des Artillerie-Regiments 9 in Gießen Die Pressestelle der Stadtverwaltung teilt uns folgendes mit: Am kommenden Freitag, dem 2 5. Oktober, wird die LAbteilung des Artillerie-Regiments 9 ihren Einzug in die Garnison Gießen halten. Aus diesem Anlaß findet aus dem Oswaldsgarteu um 8.3 0 Uhr ein feierlicher Empfang durch den Standortättesten Herrn Generalmajor Lüdke und durch Herrn Oberbürgermeister Ritter statt. 3m Anschluß an diese Begrüßung wird die Abteilung nach einem Marsch durch verschiedene Straßen der Stadt die Artillerie-Kaserne an der Grünberger Straße beziehen. Bor der Artillerie-Kaserne wird die feierliche Uebergabe an den Abteilungskommandeur Herrn Hauptmann Delte erfolgen. Am Freitagabend, 8 Uhr, findet in der v o l k s h a l l e aus Anlaß des Einzugs der Artillerie in Gießen im Rahmen der RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" ein großes Militär-Festkonzert statt, das vom Trompeterkorps des Artillerie-Regiments Fulda ausgeführt wird. Die Bevölkerung wird gebeten, die Veranstaltungen recht zahlreich zu besuchen. Die Marschstraßen. — Fahnen heraus! Die Artillerie-Abteilung wird nach der Kundgebung aus Oswaldsgarten durch folgende Straßen marschieren: Horst-Wesfel-Mall — hindenburgwall — hitlerwall — Malltorstraße — Lindenplah — Kircheuplah — Marktplatz — Mäusburg — Kreuzplah — Settersweg — Frankfurter Straße — Friedrichstraße -- Röntgenstrahe — Ludwigstraße — Ludwigsplah — Kaiserallee -- Grünbergec Straße. Die Anwohner dieser Straßen werden gebeten, ihre Häuser zu beflaggen. alle von ber Äulturbebeutung ber beutschen Musik Überzeugten Kreise unb Stellen zu einer großzügigen Kunbgebung unb Werbung für bie Pfleg- ber Musik im beutschen Hause. Trotzbern bie Arbeit für bie Hausmusik immer weitere Kreise zieht, bleibt nach wie vor wichtigster Ansatzpunkt bie Jugenb im schulpflichtigen Alter. Nur wenn bie Jugenb in ber Schule an bie» fern Tage nachbrücklich auf Wesen unb Bebeutung der Hausmusik hingewiesen wirb, ist ber Sinn bes „Tages ber beutschen Hausmusik" wirklich erfüllt. Da ber „Tag ber beutschen Hausmusik" alle musikerzieherischen unb musikinteressierten Kräfte zu gemeinsamer Arbeit vereinigt, hat er sich auch in weitem Maße zu einer Gelegenheit fruchtbaren Zusammenwirkens zwischen Schul- unb Privat» musiklehrerschaft entwickelt, eine Arbeitsverbinbung, die sich für beide Teile nur förbernb auswirken kann. Aus diesem Grunbe unb unter Hinweis auf meine Verfügung vorn 25. Oktober 1934 — zu Nr. V 36 024 — empfehle ich eine reürbige Begehung bes „Tages ber beutschen Hausmusik" am 21. November 1935, sei es in Form einer musikalischen Schulfeier, eines Glternabenbs ober einer anderen, den Schulbispositionen ber jeweiligen Anstalt entsprechenben Weise. NSV., Ortsgruppe Gießen-Nord. Donnerstag, 24. Oktober, 20.15 Uhr, finbet im Cafe Leib eine Versammlung aller NSV.-Mit- güeber ber Ortsgruppe Gießen-Norb statt. In biefer Versammlung werben bie eingegangenen Mitgliedskarten ausgegeben. Alle Mitglieber ber NS.-Volkswohlfahrt, bie im Bersche der Ortsgruppe Nord wohnen, werden zu dieser Versammlung eingelaben. Vollzähliges Erscheinen erwünscht. NGB., Ortsgruppe Gießen-Osi. Lebensmittel-Pfundpäckchen- Sammlung für das Whw. des deutschen Volkes 1935/36 in der Ortsgruppe Giehen-Ost. Donnerstag, 24., unb Freitag, 25. Oktober, wird die Sammlung in allen Haushaltungen burch bie NS.-Frauenschast burchgeführt. Es wirb gebeten, bie Spenbev bereitzuhalten unb ben Inhalt ber Päckchen burch Aufschrift auf bie Umhüllung anzugeben. Volksgenossen, benkt an bie Worte bes Führers: „Wer sein Volk lieb hat, beweist es einzig burch bie Opfer, bie er für biefes zu bringen bereit ist!" Sportamt „Kraft d»nch Freude". Achtung! Kursus für Ski-Trocken! Der erste Ski-Trockenkursus beginnt am kommen» ben Freitag, 21 Uhr, in ber Reitschule Schömbs. Schneeschuhe unb Stöcke werben vom Sportamt gestellt. Die Kosten betragen für DAF.-Mitglieber 4 Sportmarken zu 60 Pfennig bzw. 4 Sportmarken zu 80 Pfennig. Umgehende schriftliche ober persönliche Anmelbung an bas Sportamt, Schanzenstraße 18, Telephon 2919, erbeten. heute finden folgende Kurse statt. Allgemeine Körperschule, für Frauen unb Männer: Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26. Don 19.45 bis 20.45 Uhr, Großen» Buseck, Gasthaus Wagner. Fröhliche Gymnastik unb Spiele, nur für Frauen: Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Wieseck, Gasthaus Braun. Reiten: Von 20 bis 21 Uhr unb 21 bis Uniformen für Forstbeamte und Deutsche Jagerschaft in feinster Maßarbeit. Erste Spezialkräfte, Garantie iür tadellosen Sitz. Herren - Bekleidungshaus Gießen, G.m.b.H., Marktplatz. 6920A Roman von Anny von panhnys Urheberrechtsschutz Auswärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68. 25 Fortsetzung Nachbruck verboten! Gretels Lippen waren leicht geöffnet vor frohem Staunen unb Ueberraschung, aber sie brachte vor grctibe kein Wort heraus. Wirklich, genau wie Tyras sah der Schäferhund aus unb er hieß auch so unb wie er bie Pfote gab, so hatte sie Tyras auch gegeben — Tyras lebte wieder. Ihr feines Gesicht überzog sich mit sanftem Rot unb bie blauen Augen leuchteten vor Glück. Sie mußte ein paarmal ansetzen, ehe sie sagen konnte: „Wie gut Sie zu mir sind, Herr Doktor!" Sie streckte ihm beibe Hände entgegen. Ein kindlich liebes Geschöpf ist sie, dachte er unb freute sich üoer ihre Freube. Er ließ ihre Hänbe los unb in bem Augenblick hob Gretel Syben impulsiv beide Arme, legte sie um seinen Hals. „Ich banke tausendmal, ich bin Ihnen ja so gut und werde Sie nie vergessen." Schon sanken ihre Arme wieder herab: „Nicht böse sein, bas bürste ich nicht tun, ich schäme mich, aber--" Sie streichelte ben Hunb. „Wenn Sie uns im Frühjahr besuchen werben im Walbschloßchen, bann sind wir schon sehr gute Freunbe geworben, Tyras unb ich." Er kämpfte mit einer leichten Verlegenheit und meinte: „Es war ja so einfach, einen Hund zu finden, der Ihrem Tyras ähnelt. Ganz einfach war bas, nachdem Sie mir seine Photographie gezeigt." Sie nickte: „Das mag wohl richtig sein, mir aber erscheint es wie ein Wunder." Es stimmte ihn plötzlich sehr traurig, daß bie zierliche Komtesse von morgen an nicht mehr hier im Hause sein würbe. Wie hübsch war es zum Beispiel gewesen, wenn sie ihm, wie feit Tagen, an dem großen Tisch im Eßzimmer gegenübergesessen mit ihrem reinen feinen Jungmädchengesicht und so lieb unb nett von baheim geplaubert. Wie eine Erfrischung hatte er bas stets empfunden. Morgen aber, in aller Herrgottsfrühe um halb sechs Uhr würde sie abreifen. Sie streichelte den Hund und sah zu Gerhard Diendorf auf. Sie fand ihn meist sehr ernst und mochte ihn doch so übergern. Sie spürte ein ganz unbändig starkes Verlangen, ihm etwas Gutes, Cieufcs zu sagen, ehe sie abreiste. Ob sie es wagen iburfte, ihn zu trösten? Er trug sich mit kummervollen Gedanken herum, das sah man ihm an und sie wußte ja auch, mit welchen Gedanken er sich quälte. Sie nahm feine Hand: „Lieber Herr Doktor, ich weiß, was Sie Trauriges erlebt haben. Ihre Mutter hat es Großmutter und mir erzählt. Glauben Sie mir, es tut mir sehr leid, daß Sie Ihre Braut auf so schreckliche Weise verlieren mußten. Ick; habe Ihnen das schon jeden Tag sagen wollen, seit ich es weiß, doch ich wagte es nicht. Ehe ich nun fort» gehe, mußte ich es aber doch tun. Ich meine, es tröstet immer ein wenig, wenn andere Menschen mit einem fühlen." Wie fest die schmalen Mädchenfinger sich um seine Rechte legten. Er hätte am liebsten laut aufgelacht. Wer wußte denn, wie häßlich für ihn dis Erinnerung an Wally Walb war! Seine Mutter wußte es nicht und niemand wußte es, außer ein paar Menschen. Niemand, außer dem alten Konrad Wildeling, Bettina Hochwald und dem Manne, der die Schuld an dem Unheil trug, dessen Name er aber nicht kannte und auch nicht mehr erfahren wollte. Damals, als ihn Bettina Hochwald vor schlimmer Tat bewahrt, hatte er sich gelobt, nicht weiter danach zu forschen, wer der Fremde war. Zweimal hatte ihn das Schicksal mit ihm zusammengeführt. Einmal an Wally Walbs Grabe, als er noch nichts von ihrem Treuebruch geahnt und dann auf der Rheinreise. Ein drittes Treffen mochte des Himmels Güte für immer verhindern. Grtel, durch sein langes Schweigen irritiert, sagte schüchtern: „Ich hätte das Thema wohl doch nicht berühren dürfen, Herr Doktor, es tut mir leid, weil sch Sie nur noch trauriger stimmte. Verzeihen Sie mir." Er lächelte: „Ich danke Ihnen, Komtesse, für jedes liebe Wort, aber machen Sie sich keine Vorwürfe. Sie haben mir nicht weh getan." Da glitt ein heller Schein über ihr Gesicht und sie kniete sich neben den Hund hin, der sich jetzt auf dem Teppich niedergelassen hatte und sprach auf ihn ein. Sie erzählte ihm vom Waldschlößchen, wo er es gut haben sollte, Gerhard Diendorf aber sann wieder, es war eigentlich seltsam, mit welch großem Bedauern er daran dachte, daß die kleine blonde Komtesse morgen um diese Zeit schon beinahe daheim sein würde am Rhein. Durch ihren und Gräfin Sydens Aufenthalt hier war er doch sehr von seinen bitteren Gedanken abgelenkt worden, er wurde sich erst in diesem Augenblick so richtig darüber klar. Die beiden Damen würden auch seiner Mutter fehlen. Es klopfte. Das Mädchen meldete: „Ein Mann ist draußen, er will den Hund abholen!" Als hätte das Tier die Worte verstanden, erhob es sich und stand wie abwartend. „Gib Pfote, Tyras!" sagte die Komtesse, er tat es sofort und schwänzelt^ dabei lebhaft, als wollte er ausdrücken: Auf Wiedersehen! Noch einmal legte Gretel ihren Kopf zärtlich an den des Tieres, dann befand sie sich allein, Dr. Diendorf hatte mit dem Hund das Zimmer verlassen. Gretel ließ sich in einen Stuhl nieder und chr war wieder so traurig ums Herz, so traurig, wie schon so oft während des ganzen Tages. Sie freute sich auf daheim, aber es tat ihr leid, daß sie Gerhard Diendorf nun nicht mehr sehen konnte. Schon wieder wollten sich Tränen hervordrängen und sie schämte sich auch, weil sie Dr. Diendorf vorhin so einfach um den Hals gefallen war. Wie hatte sie das tun dürfen? War sie doch viel zu alt dazu, sich noch wie ein törichtes Kind zu betragen. Sie wollte lieber in ihr Zimmer gehen, die Tränen saßen heute zu locker und wenn Dr. Diendorf wieder Tränen bet ihr sah, mußte er sie ja für eine richtige Heulsuse halten. In ihrem Zimmer aber ließ sie den Tränen freien Laus, sie konnte sie nicht mehr zurückhalten. Warum sie weinte? Sie hätte keine richtige Antwort auf dte Frage gefunden, hätte sich immer damit zufrieden gegeben, sie hatte Dr. Diendorf gern, weil er so gut zu ihr gewesen. Sie ahnte ja nicht, daß sie ihn liebte, daß sie ihn liebte mit erster, reiner, wundervoller Liebe. Er hob leicht den Kopf. Was war denn das, hörte es sich nicht an, als ob jemand leise meinte? Er erhob sich, jedes Geräusch vermeidend, und lauschte an der Tür. Wahrhaftig, da drinnen meinte Gretel Syden. Sein Gehör mar ausgezeichnet, sonst hätte er es kaum vernommen Er schüttelte den Kopf. Statt sich auf die Heimreise zu freuen und über den Hund, der einen Tag nach ihrer Heimkehr bei chr sein mürbe, meinte die kleine Komteß. Mit Ueberreizung der Nerven, als Folge der Krankheit, ließ sich das Weinen mohl doch nicht ganz erklären. Sollte ihr vor dem Abschied hangen? Das zu glauben, märe lächerlich von ihm. Weg damit! Vielleicht hatte sie irgend einen Kummer, der sie drückte — vielleicht —. Er biß die Lippen auseinander. Er konnte sie nicht fragen — meil er selbst nichts mehr begriff, sich nicht und die kleine Komtesse nicht. Er glaubte wieder die schlanken Arme zu fühlen, die um feinen Hals lagen und die meiche Wange, die sich an die feine schmiegte. Gern hatte er bas Komteßchen, sehr gern, sein Frauenhaß mar schnell vor ihrer Einfachheit unb Lieblichkeit zu Kreuze gekrochen. Wie meh ihm bas leise, ganz leise Schluchzen tat. Er buchte: Jeben Augenblick könnte bas Mäbchen hier hereinkommen und so mie er das Weinen hören ober bie Damen könnten befonbers früh heimkehren unb bie Komtesse mit vermeintem Gesicht finben. Er entschloß sich unb klopfte an ihre Tür. Sie schien es nicht zu hören, benn kein Herein antwortete. Da drückte er, ohne weiter zu überlegen, die Klinke nieder und sah in das Zimmer hinein, in dem das gleiche Dämmerlicht herrschte, mie im Wohnzimmer. Er sah das zierliche Mädcken auf dem kleinen Sofa hocken und knipste das Licht an ber Tür an. Hell mürbe ber hübsche Raum, den so viele Jahre Wally Wald bewohnt hatte. Gretel schaute mit blinzelnben Augen auf. Ihre Liber brannten. Er trat bicht zu ihr heran. ,Komtesse, Sie finb noch nervös von der Krank- heit, aber Sie müssen sich zusammenreißen, sonst erschrecken Sie doch Ihre Großmama so sehr. Sie hat sich mährend Ihrer Krankheit eigentlich schon genug Jhretmegen geängstigt. Seine Stimme wurde fast hart. „Man darf nicht immer nur an sich denken, glaube ich." Gretel stand langsam auf, feine Stimme konnte auch mehetun, bas hatte sie noch nicht gemußt. Sie lächelte schmerzlich oermirrt „Ich mill mich zusammennehmen — aber marum ich meine, weiß ich selbst nicht. Die Tränen kommen immer reicher, wenn ich mich auch bagegen mehre." Er nahm ihre beiben Hände fest in die feinen. „Jetzt versprechen Sie mir, bitte, nicht mehr zu meinen und nur daran zu denken, mie schön es bet Ihnen zu Hause ist und daß Sie bald dort sein werden. Später schreiben Sie dann meiner Mutter manchmal und lassen mich grüßen und im Frühjahr besuchen mir Sie, Mutter und ich, und überzeugen uns, mie gut Sie sich inzreischen erholt haben." Gretel konnte schon micber lächeln. Wie ange» nehm jetzt Dr. Dienborfs Stimme mar. Sie ging an ben Waschtisch unb fuhr sich mit hem Schmamm über bie Augen, vor seinem Arzt brauchte man sich ja nicht zu genieren unb bann folgte sie ihm reicher ins Wohnzimmer unb beibe unterhielten sich gut unb lustig. Gretel konnte so überaus herzlich und anftedenb lachen. Gerharb Dienborf buchte: Gott sei Dank, bas Mädel war wirklich nur noch ein bißchen nervös von ber Krankheit. Komteßchen lächelte glücklich: „Ich freue mich auf bas Wiehersehen mit Tyras." Ein Kind ist sie, dachte er reicher, ein Kind, lf| hem Weinen unb Lachen nahe beisammen wohnen. (Fortsetzung folgt!), Die Rückzahlung von Wohlfchrtsunlerstühungen den soll 2. 3. 4. nicht erstattungsfähig. Oberheffen der Rücksichtnahme erfordern. So ist zu bedenken, daß die Wohlfahrtserwerbslosen, wenn sie wieder in Arbeit und Verdienst gekommen sind, erst einmal versuchen müssen, ihre während der oft jahrelangen Hilfsbedürftigkeit eingegangenen Verpflichtungen abzutragen und zurückgestellte notwendige wirtschaftliche Anschaffung, wie 3. B. Hausrat und Kleidung, nachzuholen. Außerdem liegt es auch im Interesse der Volksgesundheit, Rach Ablauf dieser Frist soll aus dem Arbeitseinkommen des Unterstützten Ersatz nicht verlangt werden, insoweit das Bruttoarbeitseinkommen nicht mehr als das Dreifache des Fürsorgerichtsatzes (gegebenenfalls mit den Familienzuschlägen) beträgt. Einnahmen von Familienangehörigen, mit denen der Unterstützte zusammenlebt, sind hierbei nach den Grundsätzen der Familiengemeinschaft (Haushaltungsgemeinschaft) mit zu berücksichtigen. Darüber hinaus ist von der Geltendmachung von Ersatzansprüchen gegen Unterstützte, die drei oder mehr Kinder haben, oder älter als 60 Jahre sind, in der Regel abzusehen. Für die Zeit, in der die Unterstützung von der Leistung von Pflichtarbeit abhängig gemacht worden ist, soll ein Satz der gewährten Unterstützung nicht verlangt werden." Außerdem sollen die Fürsorgeverbände in besonders gelagerten Fällen, z. B. bei langdauernder Hilfsbedürftigkeit, oder bei großen Ausgaben für den Wiederaufbau der Existenz, jedesmal wohlwollend prüfen, ob nicht die Eigenart des Falles und die Würdigung sozialer Belange ein höheres Maß 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Anmeldungen für Neue Kurse werden entgegengenommen. IXexxe kdF.-Sportturse! In der nächsten Woche beginnen die Kurse für Kleinkaliberschießen und Hallen-Tennis. Anmeldungen hierzu können auf dem Sportamt abgegeben werden. Deutscher Seidenbau. Die Bürgermeisterei Gießen bittet uns um Abdruck folgender Zeilen: ** 40jähriges Dienstjubiläum. Am 21. Oktober konnte Oberwerkmeister Wilhelm L ö f- fert auf eine 40jährige Dienstzeit im städtischen Gas- und Wasserwerk Gießen zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden ihm von dem Oberbürgermeister der Stadt Gießen und dem Direktor der städtischen Betriebe die besten Wünsche, sowie Dank und Anerkennung für die der Stadt Gießen geleisteten treuen Dienste ausgesprochen. Weitere Ehrungen wurden dem Jubilar von der Gefolgschaft des Städtischen Gas- und Wasserwerkes und von dem Verein Deutscher Licht- und Wasserfachmänner Deutschlands zuteil. ** Eine städtische L r e n n h o l z v e r- steigerung findet am kommenden Montag, dem 28. Oktober, statt. Näheres in der heutigen Bekanntmachung. Mann aus Gelnhausen, kam mit leichteren Verletzungen davon. Landkreis Gießen * Heuchelheim, 23. Okt. Am morgigen Donnerstag, 24. Oktober, um 20.15 Uhr, findet in der hiesigen Turnhalle eine Kundgebung der N S.-F r a u e n s ch a f t statt, an der die Ortsgruppe mit allen Gliederungen teilnehmen wird. Als Rednerin spricht die Gauamtsleiterin Frau Brinkhoff. Alle Volksgenossen und auch die auswärtigen Frauenschaften sind zu der Kundgebung eingeladen. * Heuchelheim, 23. Okt. Unserem gestrigen Bericht über den Liederabend von Erna Sack und Herbert Ernst Groh in der hiesigen Turnhalle ist nachzutragen, daß Frau Erna Sack für das Winterhilfswerk den Betrag von RM. 100 gestiftet hat. * Leihgestern, 23. Okt. Am heutigen Mittwoch begehen die Eheleute Georg Velten IV. und Frau Sophie, geb. Pauli, das Fest der silbernen Hochzeit. § A l t e n - B u s e ck , 22. Okt. Die H I. - W e r - b u n g ist nunmehr abgeschlossen und hatte vollen Erfolg. Durch tatkräftige Mithilfe der hiesigen Lehrerschaft konnten sämtliche Jungen und Mädels in die Formation der HI. ausgenommen werden. Nunmehr ist die Schule berechtigt, bei festlichen Anlässen neben der Haken- kreuzfahne auch die Fahne der HI. zu hissen. — Durch Lehrer Fay wurde den Schulklassen das für verschiedene Orte des Busecker Tales von der Kreisfilmstelle zur Verfügung gestellte neue F i l m g e r ä t vorgeführt. Dabei wurden wertvolle Unterrichtsfilme gezeigt. In Zukunft werden E l - ternabende stattfinden, bei denen die Erwachsenen Einsicht nehmen können in die neue Schularbeit auf dem Gebiete des Lehrfilms. Diese Filmgeräte werden für den Lehrmittelbeitrag, der von den Kindern vierteljährlich in Höhe von 20 Pf. entrichtet wird, angeschafft, so daß in einigen Jahren jede Schule in den Besitz eines Apparates kommen dürfte. wg. Großen-Bufeck, 23. Okt. Am Sonntag ereignete sich in unserem Dorfe ein Unfall. Eine Zigeunergesellschaft, die zwei Wagen zu Affenkästgen ausqebaut hatten, zog, um die Tiere zu zeigen, durch die Straßen des Ortes. Dabei kam der achtjährige Sohn des Landwirts Ludwig Harbach einem der Käsige zu nahe, wobei ihm ein Affe erhebliche Bisse an den Händen beibrachte. In fiebrigem Zustande mußte der Junge am anderen Morgen in die Klinik nach Gießen gebracht werden. Glücklicherweise hat sich sein Befinden inzwischen etwas gebessert. "Y Lollar, 22. Okt. Die Eheleute Ludwig Hofmann, Gastwirtschaft „Zum Löwen", und Frau Marie, geb. Moos, feiern morgen das Fest der Silbernen Hochzeit. d Lollar, 22. Okt. In der jüngsten G e - meinderatssitzung wurde für das Jahr 1936 die Erhebung einer Bürger ft euer in der gleichen Höhe wie in diesem Jahre (100 v. H.) beschlossen. Ferner wurde der Beschluß gefaßt, daß künftig Aufträge der Gemeinde nur noch an solche Unternehmer und Gewerbetreibende er» teilt werden, die der Deutschen Arbeitsfront und der NSV. angehören. — Aus Anlaß der Wein- werderovche veranstaltete die NS.-Gemeinfchaft „Kraft durch Freude" in der Gastwirtschaft „Zur Germania" (Scherb) ein Winzerfest, bei dem u. a. aud) der Gießener Künstler Paul Nieren vom Stadttheater mitwirkte. Das Fest verlief in schönster Weise, zumal der Patenwein vorzüglich mundete. t § Staufenberg, 22. Okt. Im Rahmen der Weinwerbewoche fand in der hiesigen Burg als Auftakt der Werbung für den deutschen Wein ein in allen Teilen wohlgelungenes Winzerfest Im Jahre 1919 sind die Wohlfahrtsämter geschah en worden. Die Rückzahlungspflicht irr Ersatzpflichtigen ist aber erstmalig erst in der Fürsorgepflichtverordnung vom 13. Februar 1924, die am 1. April 1934 in Kraft getreten ist, festgelegt. Der § 25 die- er Fürsorgepflichtverordnung enthielt über die Rückzahlungspflicht folgende Bestimmung: „Das Land bestimmt im Rahmen der reichsrechtlichen Vorschriften, inwieweit ein Hilfsbedürftiger, der zu hinreichendem Vermögen oder Einkommen gelangt, die aufgewendeten Kosten dem Fürsorgeverband zu ersetzen hat."_ Hierzu haben nur einzelne Länder Ausführungsbestimmungen getroffen. Die Frage der Ersatzpflicht fand erst ihre endgültige Lösung, als der § 25 der schon erwähnten Fürsorgeverordnung durch die zweite Notverordnung vom 5. Juni 1931 geändert worden ist. In dieser Notverordnung heißt es über die Rückzahlungspflicht: „Der Unterstützte ist verpflichtet, dem Fur- sorgeoerdand die aufgewendeten Kosten zu ersetzen. Der Unterstützte ist berechtigt den Ersatz zu verweigern, soweit und solange er kein hinreichendes Vermögen oder Einkommen hat ..." Darin ist also die grundsätzliche Ersatzpflicht der Wohlfahrtsempfänger festgelegt worden. Es ist jedoch noch recht umstritten, was „als hinreichendes Vermögen", bzw. „hinreichendes Einkommen" anzusehen ist. Diese Frage zu entscheiden, ist nach allgemeiner Ansicht in Das Ermessen der Fürsorgever- bände gestellt.Jm Laufe der Jahre hat sich die Regel herausgebildet, daß immer dann eine Rück- zahlungspflich't des Hilfsbedürftigen angenommen wird, wenn er ein Einkommen hat, daß er unbeschadet der Rückzahlung der Unterstützung die eigene und die Existenz seiner Familie nicht gefährdet. In den letzten Jahren sind die Bestimmungen über die Rückzahlungspflicht der Ersatzpflichtigen rücksichtslos streng durchgeführt worden, wodurch mancherlei Härten für die Ersatzpflichtigen zutage getreten sind. aufmerksam gemacht, daß die Wandergewerbescheine vom Kreisamt unmittelbar an das zuständige Finanzamt gegeben und dann von dort aus nach Verwendung des gesetzlichen Urkundenstempels und nach Regelung der Wandergewerbesteuerfrage an die Wandergewerbetreibenden ausgehändigt werden. Die Wandergewerbescheine werden demnach nicht vom Kreisamt mitgenommen, sondern sind beim Finanzamt abzuholen. Das persönliche Erscheinen des Antragstellers beim Kreisamt ist zwecklos. Falls Wandergewerbescheine nur noch für das laufende Jahr (bis Ende Dezember) ausgestellt werden sollen, ist das auf den Anträgen anzugeben. Oer Wohnungsbau in Gießen. Die vor kaum zwei Monaten begonnenen Wohnungsbauten in der Goethe-, Gnauth- und Bismarckstraße sind im Rohbau fertiggefteUt und sollen im Februar nächsten Jahres bezogen werden. Die Baugruppe im Schiffenberger Weg ist bis zum zweiten Obergeschoß hochgeführt, jetzt wird das Dachwerk aufgeschlagen. An den Bauten der Gagfah in der Lessingstraße sind die Kellergeschoßmauern aufgeführt, so daß alsbald die erste Geschoßdecke aufgebracht werden kann. Das Reihenhaus der Baugenossenschaft 1894, Ecke Aulweg und Riegelpfad, ist sowohl im Innern, als auch im Aeußern nahezu fertiggestellt. In der oberen Ebelstraße ist im Laufe des Sommers ein drei- aeschossiges Wohnhaus entstanden, dessen innerer Ausbau jetzt durchgeführt wird. Am Wartweg sind zwei Neubauten vor kurzer Zeit bezogen worden. Ecke Rodthohl und Leihgesterner Weg ist ein Neubau auf Höhe des Erdgeschosses gediehen. Die Wohnungsneubauten im verlängerten Asterweg und in der Ederstraße werden jetzt im Innern ausgebaut, so daß sie noch im Laufe dieses Jahres bezogen werden können. Im verlängerten Schwarzlachweg hat man mit der Errichtung zweier Wohnblöcke begonnen In der Fröbelstrahe, wo erst im vergangenen Herbst mit dem Bau von Wohnhäusern begonnen wurde, hat eine berartia starke Bautätigkeit eingesetzt, daß nach Fertigstellung der erst vor einigen Tagen begonnenen drei weiteren Neubauten die östliche Straßenseite bis auf einen Bauplatz als ausgebaut anzusehen ist. In der Wolfstraße, nahe den Eichgärten, ist das Eckwohnhaus nahezu bezugsfertig, während nebenan mit den Ausschachtungsdrbeiten für ein Einfamilienhaus begonnen wurde. In der Georg- Philipp-Gail-Straße wurde im Laufe dieses Sommers ein Privatwohnhaus im Rohbau fertiggestellt. In der Schlesiener- und in der Memeler Straße, sowie am Alten Steinbacher Weg herrscht nach wie vor rege Bautätigkeit; kürzlich wurden hier einige Emfamilienhäuser bezogen, an drei weiteren Neubauten wurde begonnen. In der verlängerten Bergstraße (Klebergäßchen) wurden zwei Neubauten bezogen, während man mit der Fertigstellung zweier weiterer Bauten beschäftigt ist. Eine Neunzigjährige in Lich. H Lich, 23. Okt. Die älteste Frau unserer Stadt, Frau Margarete M i t n a ch t, kann am kommenden Montag, 28. Oktober, in geistiger und körperlicher Frische ihr 9 0. Lebensjahr vollenden. Wohnhausbrände in Oberheffen. * Rüddingshausen (Kreis Giehen), 23. Okt. Unser Dorf wurde gestern gegen 14 Uhr durch Feueralarm beunruhigt. Im Wohnhaus des Invaliden Emil R e i ch m a n n war aus bisher noch unbekannter Ursache Feuer ausgebrvchen, das rasch um sich griff. Die sofort herbeigeeilte Feuerwehr von Rüddingshausen nahm die Bekämpfung des Brandes mit aller Energie auf, bald traf auch die Wehr von Wermertshausen ein, und mit gemeinsamer Kraft versuchte man nun das Feuer einzudämmen. Einen großen Teil der Aufmerksamkeit mußte man dabei einem nur wenige Meter entfernten Nachbargebäude zuwenden, um es vor der Feuersgefahr zu bewahren. Von dem Wohnhaus Reichmanns konnte nicht viel gerettet werden. Lediglich eine Stube, in der die zahlreiche Familie notdürftig bleiben kann, wurde von den Flammen ver- chont. Glücklicherweise war es möglich, den größten Teil der Möbel zu retten. Eine Kuh und eine Ziege konnten ebenfalls geborgen werden. Die Ermittlungen über die Brandursache sind im Gange. * Ober-Breidenbach (Kr. Alsfeld), 23. Okt. In unserem Orte brach gestern gegen 8 Uhr in dem kleinen Wohnhaus des Arbeiters Paul Stein vermutlich durch einen schadhatten Kamin Feuer aus. Trotz des energischen Eingreifens der Oder- Breidenbacher Feuerwehr konnte das Gebäude nicht e r h a l t en werden. Der Dachstuhl wurde völlig vernichtet, das Obergeschoß brannte aus, auch das Erdgeschoß wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Ein Teil der Möbel wurde ein Raub der Flammen. Zwei Ziegen, die im unmittelbar angebauten Stall untergebrach? waren, konnten gerettet werden. Personen tarnen glücklicherweise nicht zu Schaden. >000 Lahre alte Gräber aufgefunden. LPD. Vilbel, 22. Okt. Bei Ausschachtungsarbeiten in der Jakob-Sprenger-Siedlung, wo bereits vor einigen Tagen schon bemerkenswerte Altertumsfunde gemacht wurden, stieß man jetzt auf einige Gräber, die mindestens 2000 Jahre alt fein dürften. Es gelang, das Skelett eines etwa 1,75 Meter großen Mannes freizulegen, der sein Schwert im Arm liegen hatte. Man hofft, die Grabstelle sicherstellen und ohne Beschädigung präparieren zu können. Ein grausiger ftunö bei Nidda. * Nidda, 22. Okt. Im Straßengraben der Landstraße Nidda—Ranstadt, in der Nähe des Abzweigs nach Wallernhausen, fanden am Sonntagnachmittag zwei Handwerksburschen eine Pappschachtel auf, bei deren Deffnen man eine in ßunv pen eingewickelte und bereits stark in Verwesung ubergegangene kleine Kindesleiche, anscheinend eines neugeborenen Kindes, vorfand. Es sollen Anhaltspunkte dafür oorliegen, daß die Pappschachtel mit dem grausigen Inhalt noch nicht lange an der Fundstelle gelegen haben soll. Die polizeilichen Ermittlungen wurden sofort in die Wege geleitet. Mit dem Auto gegen einen Baum. ♦^Bübingen, 22. Okt. Auf der Landstraße Büdingen—-Lieblos fuhr in der Nacht zum Montag ein mit drei Personen besetztes Personenauto in einer Kurve gegen einen Baum. Dabei wurden ein junger Mann aus Büdingen und ein Mädchen aus Lieblos so schwer verletzt, daß sie in das hiesige Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Der Autoführer, ein Wie in anderen Gegenden Deutschlands, nunmehr auch in unserem Bezirk der Seidenbau tatkräftig gefördert werden. In der kommenden Pflanzzeit werden auch Gemeinden und Städte zur Anpflanzung von Maulbeeren schreiten. Das hierbei anfallende Laub wird später Interessenten, die Diese Härten haben hauptsächlich ihre Ursache darin, daß durch die von den früheren Regierungen betriebene verfehlte Staatspolitik Millionen von Volksgenossen ihrer Arbeitsplätze beraubt worden ind, für die die Leistung aus der Arbeitslosenver- icherung und Krisenfürsorge zeitlich begrenzt war. Der Arbeitslose, der bis zum 28. November 1932 aus der Krifenfürsorge ausgesteuert war, erhielt Wohlfahrtsunterstützung und unterlag damit den Vorschriften der Fürsorgepflichtoerordnung über die Ersatzpflicht. Wer aber bis zum genannten Stichtag nicht aus der Krisenfürsorge ausgeschieden war, vielmehr die Krisenunterstützung noch weiter be------- „ . ziehen konnte, ist von der Ersatzpflicht befreit wor- daß die Wohlfahrtserwerbslosen ihren Lohn für den; denn die Krisenunterstützung ist bekanntlich eine bessere Ernährung für sich und ihre Familie " '■ ..... verwenden. Seidenbau treiben wollen, jur Verfügung gestellt. Dadurch können sich auch Volksgenossen, die über kein Eigenland verfügen, eine zusätzliche Einnahmemöglichkeit durch Seidenbau schaffen; sie helfen außerdem mit, das Ziel, den Rohstoff „Seide" im Lande zu erzeugen, zu erreichen. Darüber hinaus sollte jeder, der Lust und Liebe für Kleintierzucht hat und eigenen Grund und Boden besitzt, selbst Seidenbau betreiben. Als erste Arbeit ist hierfür das Pflanzen von Maulbeeren notwendig. Es findet sich fast auf jedem Grundstück die Möglichkeit, 500 bis 100 Sträucher, die eine wirtschaftliche Grundlage für die spätere Zucht geben, in Hecken- oder Plantagenform unterzu- bringen. Stehen nach einigen Jahren die Maulbeeren im Dollertrag, so kann aus den Zuchten, wofür das Laub einer Maulbeeranlage von V* Hektar notwendig ist, mit einer Einnahme von 150 bis 200 Mk. gerechnet werden. Der Zuchtabschnitt erstreckt sich auf die Monate Brachmond (Juni) bis Scheiding (September). Ein gut durchlüftbarer Raum-und Einrichtungsgegenstände, die selbst hergestellt werden können, sind zur Zucht notwendig. Die angehenden Seidenbauer erhalten durch die Reichsfachgruppe Seidenbauer, Celle (Hannover), Im Franz. Garten, kostenlos jede gewünschte Auskunft. Die Reichsfachgruppe Seidenbauer vermittelt die benötigten Maulbeerpflanzen und die Seidenspinnerbrut; sie sichert weiterhin den Kokonabsatz. Da der Bedarf an deutscher Seide außerordentlich groß ist, können sich Tausende durch den Seidenbau eine zusätzliche Einnahme schaffen, daher: Treibe auch du Seidenbau! Oie Ausstellung der Wandergewerbescheine. Die Polizeidirektion Gießen machte am Montag in einer Mitteilung im „Gießener Anzeiger" auf die rechtzeitige Beschaffung der Wandergewerbescheine aufmerksam. In Ergänzung dieser Mitteilung sei bemerkt, daß die Wandergewerbescheine unter Einreichung eines gut erkennbaren und nicht über fünf Jahre alten Lichtbildes bei den Bürgermeistern der Landgemeinden, für das Stadtgebiet Gießen bei der Polizeidirektion, zu beantragen sind. Lichtbilder, die bereits in Wandergewerbescheine eingeklebt und abgestempelt waren, können nicht wieder verwandt werden. Es wird ferner darauf Unter Rücksichtnahme auf das Wohl der betroffenen Volksgenossen oder Wohlfahrtserwerbslosen, aber auch die finanzielle Sage der Gemeinden als die Träger der Fürsoraeverbände hat das Reichs- arbeitsministerium durch Erlaß vom 10. November 1934 (II b Nr. 6854/34) Richtlinien erlassen, die darauf abgestellt sind, die vbengestrersten Härten, die sich bei der Rückforderung der Ersatzkosten ergeben haben, zu mildern. Es wird darin insbesondere darauf verwiesen, daß bei der Rückforderung von Fürsorgekosten und der Sicherstellung des Kostenersatzes die fürsorgerisch gebotene Rücksicht zu nehmen ist. Es wird in diesen Richtlinien das Voraehen der Fürsorgeverbände durch nachfolgende Weisungen sichergestellt: „1. Der Ersatzanspruch soll gegen den Unterstützten nicht vor Ablauf von sechs Monaten nach der Arbeitsaufnahme geltend gemacht werden, wenn der Hilfsbedürftige länger als drei Monate laufend unterstützt worden ist. Amtsgericht Gießen. Wegen Bettelns wurde ein Anwohner der Kläranlage durch Strafbefehl mit einer Woche und drei Tagen Haft belegt. Der Angeklagte hielt am 21. März und am 17. April seine minderjährige Tochter zum Betteln an. Auf den Einspruch des Angeklagten erhöhte das Gericht die Strafe auf zwei Wochen Haft. Ein weiterer Angeklagter wegen Sachbeschädigung erschien nicht. Die Verhandlung wurde daher vertagt. Große Strafkammer Gießen. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit befaßte sich das Gericht mit dem Juden David Mayer aus Holzheim, dem die Anklage vorwarf, sich vor einigen Jahren an einem Mädchen unter 14 Jahren unsittlich vergangen au haben. Der Angeklagte wurde mangels Beweises freigesprvchen. Wegen eines vollendeten und eines versuchten Verbrechens nach §171 Absatz 1 Ziffer 3 StGB, wurde der K. I. Busch aus Gambach zu einer Gesamtgefängnis st rase von 7 Mona- t e n verurteilt. Auf die erkannte Strafe werden drei Monate, zwei Wochen und vier Tage erlittene Untersuchungshaft angerechnet. Eine weitere Sache wurde zwecks Anstellung weiterer Erhebungen ausgesetzt. * Bersrod, 22. Okt. Zum Rechner der evangelischen Kirche Winnerod - Bersrod wurde Wilhelm Graul ick II. (Bersrod) ernannt und verpflichtet. * Weickartshain, 22. Okt. Zum Hrlfs- p o l i z e i d i e n e r für unsere Gemeinde wurde Otto Melchior bestellt und verpflichtet. § L i ch , 22. Okt. Der „Rheinische Abend am vergangenen Samstag in Steins Saal, eine Wein- und Werbeveranstaltung der RS.-Gemem- schaft,Lraft durch Freude", gestaltete sich zu emem großen Erfolg. Kaum vermochte der prächtig mit Lampions, mit Weingirlanden und frischem Grün timmungsvoll geschmückte Saal die festfreudigen Be- ucher zu fassen. Pg. Schwab, der Ortsgruppen- walter der Deutschen Arbeitsfront, kennzeichnete in einer kurzen Ansprache den Sinn des Abends, der ich darin erfüllen solle, nach des Tages Arbeit einmal einige Stunden in froher Unterhaltung 3U bringen und dabei gleichzeitig die Dolksgemein^aft zu vertiefen. Bald entwickelte sich eine prächtige Stimmung, der Oppenheimer schmeckte gut, eine Kapelle musizierte sehr fleißig, Rheinlieder erklangen, S wurde selbstverständlich auch, so daß der in schönster Freude und Harmonie verlief. Kreis Friedberg. ch Butzbach, 22. Okt. Gestern abend hielt hier im Cafä Scharre die Ortsgruppe des Reichs- bundes der deutschen Beamten ihre Monatsversammlung ab. Der Leiter, Studienrat Dr. R o e s ch e n , sprach nach kurzer Begrüßung über das Thema „Der Leidensweg des deutschen Volkes von 1918 bis 1933." Die Ausführungen fan- den reichen Beifall. Anschließend wurde Die erste Spende für die memeldeutsche Bevölkerung vorgenommen, die einen schönen Betrag ergab. Der Leiter schloß darauf in der üblichen Weise den Schulungsabend. — Der Vogelsberger Höhen- Club, Ortsgruppe Butzbach, veranstaltete am Sonntag eine Herb st Wanderung, an der sich viele Wanderfreunde beteiligten. Durch meist herbstlich bunten Blätterwald führte der Weg über Den kleinen Hausberg, über Die Lochmühle, Die Lyra- Fichte nach Wernborn, wo bei einer Kaffeepause Der Vorsitzende eine Ansprache hielt und gemeinsam Lieder gesungen wurden. Dann marschierten die Teilnehmer^ durch das herrliche Ufatal nach dem romantisch gelegenen Luftkurort Ziegenberg.. Die Rückkehr fand mit Postauto statt. Kreis Alsfeld. # Ober-Ohmen, 22. Okt. Gegenwärtig fin- den in unserer Gemarkung Vermessungsarbeiten statt, Die man als Vorläufer einer kom- menDen Feldbereinigung ansprechen kann. In unserer Gemarkung würDe Die FelDbereinigung ein wesentlicher Fortschritt für Die bäuerlichen Wirtschaften sein, weil Durch die Zusammenlegung Der vielen zerstreut liegenDen Parzellen eine beDeutenDe Arbeitsersparnis Des einzelnen LanDwirts erziett werDen könnte. — Die KleiDersarnrnlung Des W H W. in unserem Orte, bei Der in Der Hauptsache Kinderwäsche unD KinDerkleider gefummelt wurden, erbrachte ein befriedigendes Ergebnis, Da Die Sachen fast sämtlich noch gut erhalten waren, so daß Ausbesserungen nicht erforderlich sind. Mit Bedauern mußte allerdings festgeftellt werden, Daß es auch hier noch Einwohner gibt, Die sich Dem Sinn Des Winterhilfswerkes noch verschließen. — Bei Den Bauarbeiten an Der Ohm st raße war eine Strecke in der Gegend unseres Nachbarortes Ober« Seibertenrod noch im Rückstand geblieben. Gegenwärtig wird nun mit stärkerem Einsatz von Arbeitskräften an Der Fertigstellung Dieses Straßenstückes gearbeitet, um es noch vor Beginn Des Winters zu vollenden. Kirche und Schule. Kreis Schotten. (D Schotten, 21. Okt. Unter dem Vorsitz vor Dekan W i D m a n n fanD hier Die 4. diesjährige Dekanats-Konferenz statt, zu welcher mit Ausnahme von Drei Dienstlich verhinDerten Geistlichen sämtliche Dekanatspfarrer erschienen waren. Die Konferenz rourDe eröffnet mit einer von Pfarr- Verwalter D o t h (Eichelsdorf) gehaltenen Andacht. Der Vorsitzende begrüßte sodann Die neu in Das Dekanat eingetretenen Amtsbrüder Huber (Oder- Lais), K n i e r r i e m (Oder-Seemen), Lind (Breungeshain) und Weigel (Burkhards) und gedachte hierauf der infolge Uedernahme anderer Pfarrstellen aus dem Dekanat ausgeschiedenen Pfarrer Naumann, jetzt in Lich, Pfarrer Weimar, jetzt in Wiesdaden-Schierstein, sowie Des langjährigen, nunmehr in Den RuhestanD getretenen Eschenröder Pfarrers Kraus, jetzt in BaD- Nauheim. Pfarrer Saal (GeDern) hielt Dann Das Referat über „Die Behandlung Des 1. unD 2. Hauptstückes Des Kleinen Katechismus im Konfirmanden- unterricht unter besonderer Berücksichtigung Der Er- forDernisse Der Gegenwart". An Den Vortrag schloß sich eine sehr angeregte unD ergiebige Aussprache an. Im zweiten Teil Der Konferenz erfolgte Die Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten. Beschlossen rourDe noch, im Laufe Des nächsten Monats eine Pfarrfamilien-Zusammenkunft zu veranstalten. Radio • Photo <630 D ■ Seltersweg 67 Ulli Telephon 3170 Einzahlungen für -as Winier- hilfswerk 1935/36 sind auf das Konto 2938 bei der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft, Zweigstelle Gießen, oder auf unser Postscheckkonto Frankfurt a. M. 16114 zu tätigen. Kreisamtsleitung Gießen der VSV. Aus -en preußischen Nachbargsbieten. Kreis Wetzlar. O Wetzlar, 22. Okt. Dieser Tage sand hier eine Versammlung der Ortsbauernführer des Kreises Wetzlar statt, der durch die Behandlung von grundsätzlichen Fragen des Reichsnähr- standes und durch die Erörterung der Neuregelung auf dem Gebiete der Schlachtoiehverwertung besondere Bedeutung zukam. Kreisbauernführer Belte leitete die Tagung und betonte, daß der Reichsnährstand eine Körperschaft des öffentlichen Rechts sei. Der Reichsnährstand habe die Aufgabe, dem Volksganzen zu dienen. Kreisleiter Haus hielt sodann eine Ansprache an die Ortsbauernführer und wies auf die hohen Verpflichtungen hin, die sich bei der Durchführung der Maßnahmen des nationalsozialistischen Staates für sie ergeben. Stabsleiter Fischer von der Kreisbauernschaft Wetzlar sprach über die nächste Futtermittelverteilung, über das Winterhilfswerk und gab anschließend eine Reihe von Bekanntmachungen des Reichsnährstandes zur Kenntnis. Hauptabteilungsleiter Fisch- bad) referierte sodann eingehend über die Neuregelung des Absatzes von Schlachtvieh und gab dabei eine Fülle von praktischen Anregungen und Aufschlüssen über die einschlägigen Bestimmungen. In der Aussprache kam zum Ausdruck, daß es eine wichtige Aufgabe der Ortsbauernführer sei, darüber zu wachen, daß die Anordnungen des Schlachtviehverwertungsverbandes überall strikte durchgeführt werden. Zum Schluß teilte Stabsleiter Fischer noch mit, daß für Ende November eine Gemeinschaftsschulung der Ortsbauernführer in den Orten Greifenstein, Rodheim, Groß-Rechten« bad) und Bonbaden vorgesehen sei. Mit einem Gruß an den Führer fand die Versammlung ihren Abschluß. < Krofdorf, 22. Okt. Der Beauftragte der NSDAP, für den Kreis Wetzlar, Kreisleiter Haus, hat folgende Bürger unserer Gemeinde zu Gerne i n d e r ä t e n berufen: Justizsekretär Wilhelm Waaner, Weißbinder Karl Leib, Landwirt Adolf Will, Gärtner Richard Bender, Schreiner Hermann Bender, Landwirt Otto B e ch - rhold, Schneider Paul Rech, Kaufmann Adolf P a u s ch. Die Aemter der drei Beigeordneten sind dem Weißbinder Hermann Schleenbecker, Buchdrucker Karl Schmidt und Landwirt Karl Bender übertragen worden. cv> Hochelheim, 22. Okt. Unsere Gemeinde er- hebt die Bürgersteuer 1936 wie bisher mit 100 o. H. }) Hörnsheim, 22.Okt. Nach Beratung mit den Gemeindevertretern hat der Leiter unserer Gemeinde den Beschluß gefaßt, die Bürgersteuer für das Kalenderjahr 1936 mit 100 v. H. zu erheben. Es handelt sich um denselben Satz, der auch für 1935 erhoben wurde. I Dornholzhausen, 22. Okt. Die Ein- topfsammlung ergab in unserer kleinen Ge- meinde den ansehnlichen Betrag von 34,20 Mark. — Die hiesige NS.-Frauenschaft hat für das Winterhilfswerk 65 Pfund Zwetfchenhonig und 48 Pfund Aepfelgelee gekocht. — Der Bürgermeister hat nach Anhörung der Gemeinderäte beschlossen, die Bürgersteuer für 1936 wie bisher mit 100 v. H. zu erheben. 4 Niederkleen, 22.Okt. In der jüngsten Sitzung der Gemeinderäte beschloß der Bürgermeister, die Bürger ft euer, wie für 1935, mit dem einfachen Satz (100 v.H.) zu erheben. (Sautagung des NS -Iuristenbundes. LPD. Frankfurt a. M., 22. Okt. Der Gau Frankfurt des NS.-Juristenbundes hält am 26. und 27. Oktober einen Gautag ab, an dem Reichsjuristenführer, Reichsminister Dr. Frank teilnebmen wird. Am Samstagabend findet im Hippoorom eine große Kundgebung statt, bei der Reichsminister Dr. Frank und Gauleiter Sprenger sprechen werden. Schulen in Bensheim geschloffen. LPD. Bensheim, 22. Okt. Zur Verhütung weiterer Uebertragung der spinalen Kinderlähmung und ihrer Erreger wurden vom Kreisamt alle öffentlichen und privaten Schulen, Kinderschulen, Kindergärten und ähnlichen Einrichtungen innerhalb der Stadt- Bensheim vorläufig bis zum 27 Oktober einschließlich geschlossen. ein-Anbau in alter Zeit am Gleiberg Diese Woche (20. bis 26. Oktober) steht im Zeichen der WWW., das bedeutet Wein-Werbe- Woche. Ueberall im deutschen Land, in Dorf und Stadt spricht man davon. Das ist gut. Aber noch ^[ier ist, nicht nur der Notlage vieler unserer Winzer-Volksgenossen teilnehmend zu gedenken, sondern ihnen auch zu helfen; zu helfen nicht nur in diesen Tagen, indem man wohlwollend sich mal ein Gläschen des edlen Rebensaftes genehmigt, nein, auch fernerhin fei dem deutschen Wein mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Längst ist sein Genuß kein Luxus mehr. Leider haftet diese Ansicht noch stark in unserer heimischen Bevölkerung. Möge der Wein wieder zu einem Volksgetränk werden. Wieder? Ja, w i e d e r, w i e einst! Mannigfach erzählt unsere heimische Vergangenheit vom Weinbau und Weintrunk. Da wünscht der Graf von Nassau-Weilburg in einem Schreiben, auf dem Gleiberg stets einen guten Trunk Weins bereitzuhalten. Da preisen die Weinsprüche in der alten Burgküche des Schlosses Gleiberg das edle Naß. Da, auf dem Burghof, leeren nachweislich die Amtsuntertanen bei Erb- und Landeshuldigungen ihrer Fürsten die Humpen. Da bestehen in der „Thal-Ordtnung" Bestimmungen über das Weinverzapfen. Da setzt 1563 Marx Lesch von Mühlheim in seinem Testament seiner „letzten Hausfrau zu ihrer Leibzucht und ohne ihre Kosten jährlich ein Fuder Weins" fest. Es mag freilich, nach unserem verfeinerten Geschmack, ein saurer Wein gewesen sein, der damals an den Hängen des Gleibergs, Vetzbergs, Wettenbergs und an dem Ziegenknüppel hinter Krofdorf wuchs. Doch unsere Vorfahren waren so anspruchslos und lebten so bescheiden. Immerhin verstand man doch schon, den einheimischen Wein „kunstreich" zu süßen und zu würzen. Noch 1592 sind dort Wingerte oder Weingärten (Wingerte als Flurnamen sind heute noch im Gebrauch) vorhanden. Ein 24 Seiten starker Kirchen- wisitationsbericht sprächt u. a. davon, daß zwar die Pfarrei keinen eigenen Weingarten besitze, wohl aber chr der Weinzehnte aus den Gärten am Ziegenknüppel zufalle, der jährlich etwa ein Ohm <140 Liter?) betrage. Des weiteren geht aus dem Bericht hervor, daß man den Weingartenzins zu entrichten hat, vorn halben Morgen 5 Schilling. Gleichwie durch Rodungen Wein-Neupflanzungen stattfänden, so kämen auch anderseits alte Anlagen in Abgang. Ein Beispiel von der Größe des Weinbergbesitzes der adligen Familie Lesch von Mühlheim bei Rodheim gibt eine Abrechnung aus dem Jahre 1592. Danach erforderte das Hacken usw. 79% Tage, das Schneiden der Reben 22% Tage, das Lauben 51 Tage, und zehn Mädchen waren je drei Tage in der Lese tätig. In jenem Jahr aber brachte dieser große Besitz keinen Gewinn, die Ausgaben über- ftiegen die Einnahmen um 18 Gulden. Aus dem Jahre 1584 liegt ein Verzeichnis über den Weinzehnten vor: 41 Bürger Krofdorf- Gleibergs sind namentlich ausgezeichnet, ein jeder mit dem von seiner Weinernte zu entrichtenden Maß Wein. Es kommen 2 Fuder, 1 Ohm, 17 Vierter!, 1 Maß zur Ablieferung an die Kellerei Gleiberg, eine wahrlich ansehnliche Menge. In der 1502 unter der Regierung Ludwig I. von Nassau-Weilburg (1492 bis 1523) herausgegebenen Gleiberaer „Thal-Ordtnung" ist angeordnet, daß die vier eidlich verpflichteten Steinsetzer für einen Augenschein % Viertel Wein erhalten. Ein Ausmärker hat der Gemeinde zu geben: eine Armbrust, 20 Gulden und einen ledernen Feuereimer, einem Burgmann 3 Pfennig, einem Schöffen 3 Pfennig, dem Schultheißen ein halb Viertel Wein und den beiden Bürgermeistern ein Viertel Wein. Ferner sind jährlich zweimal auf dem Rathaus di? Wein- und anderen Maße nachzuprüfen und die Eigentümer von unrichtigen Maßen zu strafen. Auch ist ein Weineicher zu bestellen, der allen Schenkwein zu eichen hat. Er bezieht dafür von jedem Ohm 2 Pfennig. Des weiteren sollen zwei Wein- s ch e r e r , die zugleich Baumeister sind, auf den Stephanstag angenommen werden, „welche die Wirte auf ihren Eid zu befragen haben, was sie ihr Wein gekostet hat, darauf den Wein kosten, und wann er Kaufmannes gut und des Geldes wert ist, das Zapfen erlauben". Damit nicht der Wein verfälscht oder gestreckt werden kann, was öfters vorkam, ist das Faß zuzufiegeln. Bei Weinverfälschung oder Verhehlung der Wahrheit sind harte Strafen vorgesehen. Aus diesen Bestimmungen läßt sich ohne weiteres auf eine gewisse Bedeutung des ehemaligen Weinbaues unserer Altvorderen schließen, zumal wenn man weiß, daß wichtige Händel, Abschlüsse, Verträge u. dgl. mit einem Wein-Urntrunk, dem Weinkauf, bekräftigt wurden. Anhaltende Besserung beim Handwerk im dritten Vierteljahr 1935. (FWD.) Wie der Reichsstand des deutschen Handwerks mitteilt, ergibt sich aus dem neuen Viertel- jahrsbericht über die Wirtschaftslage des Handwerks in den Monaten Juli, August und September, daß die Besserung angehalten hat. Dies gilt besonders für die Handwerkszweige, feie durch die öffentliche Arbeitsbeschaffung angeregt werden. Das Bauhaupi- und llebengeroerbe war durch bie großen öffentlichen Bauaufträge, durch Siedlungsbauten und städtische Wohnbauten z. T. besser beschäftigt, als zur gleichen Zeit des Vorjahres, in manchen Gebieten müssen Facharbeiter ans anderen Gegenden herangezogen werden. Die Beschäftigung des Handwerks im Saargebiet ™a,r fo gut, wie feit vielen Jahren nicht mehr, in vielen Berufen herrschte dort Facharbeitermangel. Mit steigendem Volkseinkommen vermehrten sich auch die Umsätze in Handwerkszweigen, die durch die Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Reichsregierung nicht unmittelbar berührt werden Die landwirtschaftliche Marktordnung hat zur Folge, daß die Bauern und Landwirte wieder mehr Handwerks- leistungen abnehmen. Günstig waren hier vermehrte Jnstandfetzungsaufträge und der Bau der Grünfutterfilos. Das Kunsthandwerk hat noch über Auftragsmangel zu klagen. Die Schwarzarbeit hat infolge der verminderten Arbeitslosigkeit und der Einführung der Handwerkskarte abgenommen. Die Wertschätzung guter Handwerksarbeit steigt wegen der Einführung des großen Befähigungsnachweises. Die Entlohnung war durchweg tarifmäßig, in Fällen des Facharbeitermangels, so besonders im Tiefbau, wurden übertarifliche Löhne gezahlt. Es wird vielfach noch darüber geklagt, daß die Preise bei Submissionen übermäßig gedrückt sind und daß der ehrliche Handwerker, der seinen sozialen und steuerlichen Verpflichtungen genau nachkommt, ausgeschaltet wird. Hier hofft das Handwerk, daß durch die Einführung der sog. Unternehmerlifte bei den öffentlichen Arbeiten alle Gewerbetreibenden ausgeschaltet werden, die nur auf Kosten ihrer privaten und öffentlichen Gläubiger den ordnungsmäßig kalkulierenden Handwerksmeister unterbieten können. Von der weiteren Tätigkeit der Lieferungsgenossenschaften und Arbeitsgemeinschaften des Handwerks wird erwartet, daß das Handwerk überall nach feiner Leistungsfähigkeit bei größeren Aufträgen eingeschaltet wird. Die Kreditversorgung ist dort noch unbefriedigend, wo tüchtige und zuverlässige Kleinhandwerker nicht genügend reale Sicherheiten bieten können und wo nachftellige Hypotheken gebraucht werden. Die Kreditschwierigkeiten werden durch den schlechten Zahlungseingang erhöht. Man hofft, daß der Feldzug ■ des Handwerks gegen das Borgunwesen zur Hebung der Schuldnermoral führt und die Handwerker durch vermehrte Zahlungseingänge befähigt werden, mehr Aufträge anzunehmen und durchzuführen. SJL-'Svort Der 9. November „Tag der Bewegung^ Die Pressestelle des Reichssportführers teilt folgende Anordnung des Reichssportführers mit: Der 9. November ist der Tag der Bewegung, den jeder Angehörige des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen mit feinem ganzen Denken und Fühlen miterleben soll. Ich lege Wert darauf, daß alle Verbünde und Vereine des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen diesen Tag von eigenen Veranstaltungen, besonders natürlich solchen festlicher Natur, gänzlich freihalten. Die Skiläufer rüsten. Nur noch wenige Wochen trennen uns von der Winterszeit mit all ihrem schönen Erleben im weißen Gelände. Doch die schönste Skiausrüstung nützt nichts, wenn nicht der Körper des Skisportlers schon jetzt einem systematischen Training unterzogen wird. Deshalb beginnt das Sportamt „Kraft durch Freude" schon in dieser Woche unter Leitung eines Lehrwartes des Ski-Klub Gießen (Fachamt Skilauf im Reichsbund für Leibesübungen) mit einem Trockenskikurs in der Reithalle am Brandplatz. Wie in früheren Jahren findet ab Mittwoch, 6 November, ebenfalls in der Reithalle ein Trockenskikurs des Ski-Klub auch für Nichtmitglieder statt. Als einzigartig in ganz Deutschland dürfte eine Neuerung in Form von Darstellungen der Skiübungen durch Projektion von Lichtbildern in Verbindung mit dem praktischen lieben sein. Die sonntäglichen Waldläufe erfahren am Sonntag, 27. Oktober, eine Unterbrechung durch Teilnahme am Herbstfeldberglauf des Mitteldeutschen Skioerbandes im Taunus. Ende November sowie im Januar 1936 werden zwei Skifilme in Gießen zur Vorführung gelangen. NordheffenS Hondball-pokal-Elf. Der Gau Nordhessen stellte für den Handball-Pokalkampf gegen den Gau Mitte am nächsten Sonntag in Gera folgende Mannschaft auf: Böcke! (CT.); Kleinwegen (Kurh. Kassel), D i e tz (CT.); S t o ck h o r st (Pol. Hanau), Wiese, B ü n g e l (beide CT.), Nauber, Wilhelm, Dorgerloh (alle CT.), Pilgermann (Kurh. Kassel), Krüger (Gießen 1900). Termine der Gauliga Nordhessen im Mannschaffsnngen In diesem Jahr kämpft die Ringermannschaft des 1. Kraft- und Sportklubs 1893 in der Gauliga des Gaues Nordheffen. In dieser Klasse kämpfen außerdem der vorjährige Gaumeister VfK. Alsfeld sowie Hessen-Preußen Kassel und Athletiksportoereinigung 91 Kassel. Die Vorrunde sieht folgende Begegnungen vor (der erstgenannte Verein ist jeweils der Veranstalter): 3. 11. 35 Hessen-Preußen Kassel — Gießen 93; 3. 11. 35 VfK. Alsfeld — Kassel 91; 10. 11, 35 Gießen 93 — VfK. Alsfeld; 17. 11. 35 Kassel 91 — Hessen-Preußen Kassel; 24. 11. 35 VfK. Alsfeld — Hessen-Preußen Kassel; 7. 12. 35 Gießen 93 — Kassel 91. Ein Lehrgang der DT.-Schwimmer. Unter der Leitung von DT.-Gauschwimmwart Franz Sauer (Gießen) fand am letzten Wochenende in Kassel ein Lehrgang für Kreis- und Vereinsschwimmwarte des Gaues XII Hessen statt. An der Tagung nahmen, was lebhaft begrüßt wurde, auch der Leiter des Gaufachamtes V Schwimmen, Schomburg (Kassel), und Gauschwimmwart Löwe (Kassel) teil. Gaufachamtsleiter Schomburg stellte in einem einführenden Vortrag die zukünftigen Aufgaben des Fachamtes Schwimmen klar heraus. Eine ersprießliche Zusammenarbeit aller Schwimmer ist anzustreben. Der Gaufachamtsleiter will dabei nicht auf die Mitarbeit der DT., deren wertvolle volkstümliche Breitenarbeit seine volle Anerkennung fand, verzichten. Die bewährten Schwimmwarte der DT. sind ihm besonders für die Kleinarbeit in den Kreisen unentbehrliche Helfer. DT.-Gauschwimmwart Sauer erstattete im Verlaufe des Samstags noch einen ausführlichen Bericht über die Arbeit des abgelaufenen Jahres. Am Sonntagvormittag führte Gauschwimmwart Löwe die Lehrgangsteilnehmer in die neuen Wett- kampfbestimmungen ein. In längerem Vortrag erläuterte er die wichtigsten und einschlägigsten Bestimmungen durch zahlreiche Beispiele. Der Sonntagnachmittag war der praktischen Arbeit im Kasseler Hallenbad, das die Hallenbadverwaltung unentgeltlich zur Verfügung gestellt hatte, gewidmet. Die Neuerungen im gesamten Gebiet des Schwimmens wurden praktisch erprobt: u. a. Startsprung (falsch und richtig), die vorteilhafteste Wende, die Feinheiten der verschiedenen Stilarten, das Startkommando, die richtige Beurteilung des Springens. Zum Schluß wurde ein Wasserball - Belehrungsspiel Wasser- freunde Fulda gegen eine kombinierte Mannschaft der CT. und des CSV. ausgetragen, das die Fuldaer 2:1 gewannen. Den Abschluß des Lehrgangs bildete ein Treuebekenntnis zu Volk und Führer und bas Gelöbnis, durch ernste zielbewußte Arbeit mitzuhelfen am Aufbau der neuen deutschen Leibesübung. Fußball -er heimischen Mannschasten. Der Stand der Fußballspiele in der Bezirksklaffe. Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. Naunheim 5 Bissenberg 5 VfV.-R. Gießen 4 05 Wetzlar 4 Frohnhausen 5 Dillenburg 5 Sinn 5 Niedergirmes 5 1900 Gießen 3 W.-Steinherg 5 4 0 1 8 3 1 1 7 3 0 1 6 3 0 1 6 2 1 2 5 2 0 3 4 1 1 3 3 1 1 3 3 0 2 1 2 1 0 4 2 Die Naunheimer führen trotz ihrer Niederlage noch die Tabelle an. Ihre Stellung ist aber am meisten durch die DfB.er, die eine relative Punktgleichheit erreichten, gefährdet. Auch die Bissenberger dürften einen Platz in der Spitzengruppe für die Vorrunde erobert haben. Der vorjährige Meister Wetzlar hat durch seinen Sieg den Anschluß an die Spitze gefunden. Die Frohnhäuser haben durch ihre hohe Niederlage ihr Torverhältnis bedenklich verschlechtert und müssen alles daransetzen, damit sie nicht den Anschluß verlieren. Dillenburg ist durch seinen Sieg vom vorletzten auf den sechsten Tabellenplatz gerückt. Niedergirmes und Sinn sind einen Platz abwärts gerutscht. Der vorletzte Tabellenplatz ist für die 1900er nicht bedenklich zu nehmen, da sie zwei Spiele weniger haben. Die Steinberger brachten das Kunststück fertig, ausgerechnet gegen den Tabellenführer ihre^ ersten Punkte zu erringen. Ergebnisse der KreieOassenspiele 1. Kreisklasse: Rodheim — Grünberg 4:2; Lol- lar — Großen-Buseck 7:3; 1900 II — Leihgestern 3:1; Bissenberg II — Burgsolms 0:2; Steindorf — Sportfreunde Wetzlar 0:3; Holzhaufen — Ehringshausen 4:3; Nauborn — Ulm 3:1. 2. Kreisklasse: 1900 III — Steinbach 0:2; Gro- ßen-Linden — Lich II, Lich nicht angetreten; Grü- ningen — ViB.-R. III 3:0; Garbenteich — Allen- dors 6:3; Wißmar — Lollar II 1:0; Vetzberg — Fellingshausen 1:8; Alten-Buseck — Rodheim II 16:0; TÄ. 1846 — Launsbach 2:5; Krofdorf — Heuchelheim II, ausgefallen; Saubringen — Grünberg II 9:0; Londorf — Großen-Buseck II 4:1; Sportfreunde Wetzlar II — Niedergirmes II 6:1. BfD.-Neichsbahn Gießen. Die dritte Mannschaft verlor unvollständig an- tretend verdient in Grüningen mit 3:0 Toren. Die Spielstärke ist bedeutend gesunken. Die erste Jugend lieferte ein gutes Spiel in Wieseck und hatte ihre Mühe mit den nach der angenehmen Seite enttäuschenden Wieseckern fertig Zu werden. Die Gastgeber werden mit diesen Leistungen noch von sich hören lassen. Die zweite Jugend gewann gegen die gleiche von Wetzlar verdient. Die Umstellung der Hiesigen bewährte sich. Auch die Schülermannschaft errang den erwarteten Sieg gegen die Sportfreunde Wetzlar. Die Leistungen der Hiesigen waren bedeutend besser, als die des vergangenen Sonntags. Sportverein 1920 Lollar. Lollar I — Großen-Buseck I 7:3. Die erste Mannschaft hatte den Kampf gegen seinen stärksten diesjährigen Verbandsspielgegner zu bestreiten. Großen-Buseck entpuppte sich auch bann als eine wirklich äußerst spielstarke Mannschaft. Beide Mannschaften bestritten diesen Kampf mit ihren besten Vertretungen. Beide Mannschaften spielten vorerst reichlich nervös. Großen-Buseck fand sich zuerst und glänzte durch Schnelligkeit und geschlossene Mannschaftsleistung; besonders der Sturm zeigte sich in bester Verfassung. Lollar spielte zunächst ziemlich zerrissen. Dennoch konnte es schon nach kurzer Zeit durch einen unhaltbaren Schuß seines Halblinken die Führung übernehmen. Doch schon nach kurzer Zeit konnte Großen-Buseck nicht nur ausgleichen, sondern durch ein zweites Tor die • Führung übernehmen. Nach nunmehr folgendem verteilten Spiele ging man mit obigem Stand in die Halbzeit. Nach Halbzeit änderte sich das Bild vollkommen. Lollar übernahm nun die Initiative und beherrschte 65 D Freude an der Arbeit, die Arbeitslust, das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit werden durch gute und reichliche Arbeitsplatz^Beleuchtung gehoben. Die Augen sind ein gar köstliches Gut; schone sie des Abends durch mehr und besseres Licht. % Osram-^^-Lampen geben, je nach Größe, bis ^Oein^ 20 % mehr Licht. 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Während des ganzen Spieles brauchte nicht ein Spieler der beiden Mannschaften verwarnt zu werden. Es gab nur wenige Strafstöße. Diele Zuschauer wurden Zeugen eines hochwertigen Spieles. Die Sportvereinsleute gingen mächtig aus sich heraus und konnten bereits in der 12. Minute mit 3:0 in Führung gehen. Die Freude dauerte jedoch nicht lange, denn Allendorf gelang der Ausgleich. Unentmutigt ging die schußfreudige Garben- teicher Stürmerreihe wieder zum Angriff über. Dem Linksaußen gelang kurze Zeit darauf der 4. Treffer. An diesem Resultat änderte sich bis zur Halbzeit nichts mehr. Nach Seitenwechsel war Garbenteich durchweg tonangebend und drängte den Tabellenzweiten in seine Hälfte zurück. Die Einheimischen drückten ihre Ueberlegenheit bis zu Beendigung des Spieles in zwei weiteren Toren aus. Ein Elfmeterball wurde verschossen. Garbenteich 1. 3gb. — Steinbach 1. Igd. 2:0 (1:0). Die 1. Jugendmannschaft war in Steinbach zu Gast und konnte ihrem Lokalpartner mit 2:0 das Nachsehen geben. Die Schülermannschaft verlor auf eigenem Platze gegen die gleichen von Alten-Buseck mit 2:1 Toren. Iinn-and bewirbt sich für 1940. Das finnische Olympische Komitee hat beschlossen, einen Ausschuß einzusetzen, der zu untersuchen hat, ob Finnland die nötigen technischen und finanziellen Doraussetzunaen für eine würdige Durchführung der Olympischen Spiele 1940 erfüllen kann. Der Staat und die Stadt Helsingfors werden in diesem Ausschuß vertreten sein. Helsingfors entsendet Ingenieur E. von Frenckell, den Präsidenten des Finnischen Fußball-Derbandes. Seiner Initiative ist auch der Bau des Helsingforser Stadions zuzuschreiben. Kurze Sportnotizen. Einen schönen Fußballsieg errang mit 4.1 Toren der deutsche Meister Schalke 04 über den Schweizer Meister Lausanne Sports. Die BegegHauimillel gegen Kopfschmerzen.Migräne Nervenschmerzen, Unbehagen und Schmerzzuslände. Seil Jahrzehnten behauptet sich Citrovenille dank seiner anerkannt raschen und milden Wirkung. 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Neuenweg 10 5993U Seefische 6111 D Schellfisch o.K., Md. von 35 Pf. an lyilet aus Kabl., Md. von 50 M.an Fluß- u- Seehecht, Heilbutt, Rot- Zungen, Schollen enwfieblt billigsi A.Koch,Äachfolss8 Mansburg 15, ^ernivrecker 3012 Großstadtkunde gibt uns überraschende Aufschlüffe, so wenn wir von den „vielen Ansatzstellen für eine Neublüte des Volkstums in den Kernteilen ge> schichtlich gewachsener Großstädte" und den reichen Möglichkeiten der Volkstumspflege durch die Groß- ftadtschule hören. Zu den Grundfragen des Ger- manentums führt uns Dr. Paul Zaun-rt (Kasie) in seinem Beitrag „Stammesentwicklung und Oft- besiedlung". Die Vielheit der deutschen Volkstracht führt uns Dr. Eva N i e n h o l d t nahe, wobei be- sonders die starke Berücksichtigung der auslands- deutschen Trachten hervorzuheben ist. Besonders fesselnd ist die Arbeit über „Die deutsche Volks- nahrung" von Prof. Martin Wähler (Hannover). Das Thema ist in klarer und konzentrierter Art be- handelt. Allein diese kurze Andeutung gibt auss neue einen Begriff von Wesen und Wert des „Handbuchs der deutschen Volkskunde". — Ratdüchleinin Reimund Bild. Ge- schrieben und gezeichnet von Elisabeth Behr end. 1. Lsbensanfang. Mit Geleitwort von Landesobermedizinalrat Dr. med. Dietrich, Direktor der Landesfrauenklinik Hannover. Mit zahlreichen Abbildungen im Text. Verlag von B. G. Teubner, Leipzig und Berlin, 1935. — (274) — Das Buch- fein erklärt in jedem verständlicher Art anhand klarer Zeichnungen die Mendelschen Gesetze und die Ergebnisse der Zellforschung^ Auf die hohe Verantwortung bei der Gattenwahl wird hinqewiesen. Die Verfasserin versteht es, die vorgeburtliche Entwicklung des Kindes in zarter Weife darzustellen und legt der künftigen Mutter eindringlich eine vernünftige Lebensweise ans Herz. Der Vorgang der Geburt wird schön und natürlich dargelegt. 2m letzten Teil des Büchleins werden alle Fragen der Hygiene eingehend behandelt, wobei insbesondere die Stilltechnik einen breiten Raum einnimmt. Den Schluß bildet „das erste Aufstehen". Dafür, daß alles auf wissenschaftlicher Grundlage und prakti- das Spielfeld. Man nahm den Rechtsaußen auf Halbrechts und gewann dadurch im Sturm mehr Durchschlagskraft. Der Gleichstand wurde erzielt und nun folgte unaufhaltsam Tor auf Tor. Der Gegner konnte nur noch ein Tor erzielen. Nach diesem Sieg führt Lollar die Tabelle mit 3 Punkten Vorsprung an und dürfte wohl kaum noch zu verdrängen sein. Wißmar I — Lollar II 1:0. Die zweite Mannschaft verlor wider Erwarten in Wißmar mit 1:0 Toren. Sie war im letzten Augenblicke noch gezwungen, die Reise mit reichlich Ersatz anzutreten. Zu allem Ueberflusse trat sie auch wieder nur mit 10 Mann an. Fußball in Daubringen. Daubringen I — Grünberg II 9:0 (5:0). Am vergangenen Sonntag empfing die Mannschaft von Daubringen die zweite Elf von Grünberg zum fälligen Verbandsspiel. Die Gastgeber spielten zunächst nur mit 10 Mann, konnten aber doch kurz nach Anstoß in Führung gehen, bald danach sogar auf 2:0 erhöhen. Dann trat der elfte Mann ein. Die Grünberger wurden nun mehr und mehr zu- rückgedrängt und mußten trotz der ausgezeichneten Abwehr des Tormanns noch drei weitere Tore hin- nehmen. Nach der Pause verteidigten die Gäste sehr energisch, so daß weitere Erfolge zunächst versagt blieben. In den letzten 10 Minuten zogen deshalb die Daubrinaer das Spiel ihres Sturmes in die Breite, zogen dadurch auch die Verteidigung der Grünberger auseinander und durch diese Taktik konnten noch vier Tore erzielt werden. Sportverein 1928 Garbente cb Garbenteich I — Allendorf a. b. Lahn I 6:3 (4:3). Drei Mannschaften hatte der Sportverein am vergangenen Sonntag im Felde stehen. Zwei Siege konnten verzeichnet werden. Eines der schönsten Derbandsspiele war das Spiel Garbenteich I gegen Besichtigen Sie meine Ausstellungen Marktstraße 10 und Hindenburqwall 20 Sport-J ackert innen gefüttert, strapaziertest und wettertrotzend 24.50 29.- 36.- 45.- .'Musik Challier _______________________5991 D nung der beiden Meister fand vor 12 000 Zuschauern gelegentlich der Einweihung des Stadions in Konstanz statt. Zum 30. Male kam am Sonntag der Kunst- turn-Dreistädtekampf Hamburg-Leipzig-Berlin zum Austrag. Sieger wurden bei dem in Hamburg ab- gewickelten Treffen die Sachsen mit 1870 Punkten vor Hamburg mit 1861 Punkten und Berlin mit 1835 Punkten. Amerikas Schwimmer absolvierten ihren zweiten Start in Berlin. Dabei stellte Adolf Kiefer über 100 Meter Rücken mit 1:07 Minuten einen neuen Weltrekord auf, nachdem er am Samstag über 400 Meter Rücken mit 3:32,5 Minuten einen amerikanischen Rekord geschwommen hatte. Ungarns Fechter trugen am Samstag in München einen Länderkampf gegen Deutschland aus, der mit 2:1 gewonnen wurde. Im Florett der Männer endete das Gefecht 8:8, wobei die bessere Trefferzahl den Ausschlag für einen deutschen Sieg gab. Im Florett der Frauen siegten die Ungarn 6:3 und im Säbelfechten gewannen sie 10:6. Rückertisch. Loden-Mäntel grau u.grüne Fai b- töne, erprobt gute Spezialqualitäten: 19.50 27.- 38.- 48.- 230 Millionen Reichsmark für Eigenheime Über 16000 Bausparer der Gemeinschaft der Freu di Wüstenrot in Ludwigsburg haben ihr Ziel schon erre cht. Die neue Bau re dzutellung erbrachte soeben wiederum 3,2 Mil ionen RM für 296 GdF-Bausoarer. We sich und seiner Familie in absehbarer Zeil ein Eigenheim erstellen möchte, verlange sofort die kostenlose Brose üre „Duren Bausparen zum Eigenheim“von der alt sfenu.größrendeutschenBausparkasse Gemeinschaft der Freunde Wüstenrot in Ludwigsburg. Neue Baugeldzuteilungen folgen regelmäßig. 5 921 V 04550 a.d.G.A. 2 Zimmer (möbl.) m. 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Die vorgermanische Bevölkerung in Südwestdeutschland, dann die Bewohner des deutschen Lebens- raumes von Christi Geburt bis zum Beginn der Geschichte behandelt Dr. (Summet Dr. Georg Fischer gibt einen vorbildlich zusammengefaßten Ueberblick über die „Geschichte des deutschen Volkstums" mit den Hauptkapiteln über Germanentum und Antike und germanischen Glauben und christliche Welt. „Volkstum und Gegenwart" ist das Thema von Prof. Joseph Klapper (Breslau), schen Erfahrungen beruht, bürgt das Geleitwort hier zunächst das Volkstum der Großstadt. Diese eines bekannten Arztes. Batterien und Karbid bei Fahrrad • Bornemann, Gießen. Sonnenstraße 0. ..seoA Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpre s von S Pf. für die Millimeterzelle veröffentlicht JUN BRIKETT- DAUERBRAND- FEN 29 Loden - Joppen m. schön wärmend. Innt-nfutter, geschl. und offene Formen 6.90 9.75 16.50 28.- von b,7A 9. Mer Magnus, Seltersweg 33 AH Besucht unsere Gaststätten! Trinkt Patenwein! 6095 D Nr. 248 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Mittwoch, 25. Oktober (955 Moskau und der abessinische Konflikt. Don unserem N.-Äerichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten?) Moskau, Oktober 1935. An dem Programm zur Revolutionierung Oer Welt, mit dessen Annahme der Komintern- k o n g r e ß schloß, fiel eigentlich nur das eine auf: An jede nur irgend wahrscheinliche Komplikation hatte man gedacht, jede etwaige neue Phase des Kampfes von vornherein in Rechnung gestellt und jeder kommenden Entwicklung versuchte man, in den Richtlinien schon jetzt theoretisch und praktisch die positivsten Seiten abzugewinnen, — das aber, woran jeder dachte, fehlte: vom abessinischen Konflikt wurde nicht gesprochen. Wenn auch die Kolonialfrage in ihrer geographischen und ökonomischen Vielgestaltigkeit zu einem der großen Angelpunkte aller Reden und aller Entschließungen gemacht wurde, wenn man auch Streiks, Unruhen, Kriegsgeschrei und Völkerverhetzung als die besten Mittel bezeichnete, um die rote Saat zum Reifen zu bringen. — aus jenem Gebiet, wo scheinbar alle diese Voraussetzungen für eine erfolgversprechende Tätigkeit der Komintern zutrafen, in dem schweren Konflikt zu Abessinien, verhielt man sich mucksmäuschenstill und lehnte es — wenigstens nach außen hin — ab, in das Feuer zu blasen. Bezeichnend dafür war das Auftreten des italienischen Kommunisten E r c o l i, eines der großen Wortführer auf dem Kongreß, der sich zwar in den heftigsten Ausfällen gegen den „Faschismus" im allgemeinen und den deutschen im besonderen erging, der aber stets doch nur den „besonderen deutschen" im Auge hatte, gegen den er die geballte Faust erhob. Streifte er auch mal den Faschismus Mussolinis mit ein paar Worten, so hatte sich zuvor seine Faust auf das Rednerpult gesenkt. Seme Stimme, die in den Flüsterton verfallen war, machte den Eindruck eines tief leidenden Menschen, upd er schwang sich höchstens zu einpm sandten Jns-G-'wisspnreden auf. Und ebenso wie der Kommternkongreß den abessinischen Konflikt, diese unvergleichliche Gelegenheit zu weltreoolutionären Geschäften, einfach übersah, hat sich auch die große s o w j e t r u s s i s ch e Presse bis zum Auftreten Litwinows in Genf taub und stumm gestellt. Freilich fiel dem Beobachter bald auf, daß zumindest das Taubsein nur schlecht erkünstelt war. Denn mit immer größerer Augenfälligkeit wurden alle jene Meldungen und Berichte ausländischer Zeitungen verzeichnet, die die Unmöglichkeit einer friedlichen Beilegung unter» strichen, und hier und da fanden sich in diesen Berichten auch typische Kominternformulierungen, wie Hinweise auf den italienischen Kolonialimperialismus und auf die schwere Bedrohung des werktätigen abessinischen Volkes. Neuerlich finden die Meldungen besondere Beachtung, die aus Paris, Genf und London kommen und die von den Bestrebungen des internationalen Marxismus sprechen, eine E i n- h e i t s f r o n t der Gewerkschaften, der Sozialdemokraten und womöglich auch der bürgerlichen Linksparteien gegen Waffenherstellung für Italien und Wasfentransporte auf den ostafrikanischen Schauplatz oder einfach „gegen den Imperialismus Italiens" und für „die Aufrechterhaltung des Weltfriedens" zu schaffen. Jedoch ist auch hierbei die deutliche Absicht spürbar, nichts zu sagen, was als eine halbamtliche Festlegung im Sinne der Ausgabe der „Neutralität" angesehen werden könnte. Sowohl in der befohlenen Zurückhaltung der Komintern wie in dem vorsichtigen Anpacken des heißen Eisens durch die Presse ist deutlich die leitende und lenkende Hand Stalins zu spüren. Er wünscht — vorläufig! — keine Ausbeutung des Konflikts im Sinne der internationalen kommunistischen Propaganda, weil er sich über die möglichen Auswirkungen der Entwicklung auf die zwischenstaatliche Lage der Sowjetunion noch nicht im Klaren ist Nichts kennzeichnet vielleicht deutlicher das Jneinandergreifen der außenvvlitischen Interesien der Sowjetunion mit den weltrevolutionären Aufgaben der Komintern und die enge Verflechtung zwischen beiden, als dieses gezwungene Abwarten. Längst hätte die Dritte Internationale alle Hemmungen abgeworfen und die entstandene Lage bestens genützt Mit Mühe hat sich aber Litwinow im Kreise der „imperialistischen Kollegen" im Völkerbund häuslich eingerichtet und eine Stellung geschaffen, deren Einfluß die Sowjetregierung heute nicht mehr ohne weiteres entbehren zu können glaubt. Hier, auf dem Genfer Boden und unter den Auspizien des „Bundes der Völker", — also ganz legal und unter aller Augen — hofft Moskau, und zwar das eine und das andere Moskau, das große Zukunftsgeschäft zu machen. Denn was Moskau heute am meisten fürchtet, ist eine Gefährdung der bisherigen Paktpolitik. Das Verhältnis, das sich gegenwärtig in Europa herausgebildet hat, enthält nach Auffassung des Außenkommissariats trotz mancher Schwierigkeiten und der ganzen herrschenden schwerfälligen Entwicklung doch noch die meisten Voraussetzungen für ein Gedeihen der eigenen Pläne In diesem Sinne ist auch das Genfer Hervortreten des Außenkommissars selbst zu verstehen. Litwinow unterstützte Die Weinwerbewoche gibt Anlaß, den Jahrgang 1934, der auf deutschen Rebenhügeln wuchs, zu „mustern". Es ist daher wohl angebracht, auch die wirtschaftliche Seite des Weinbaues zu beleuchten. Das vergangene Jahr war mit einem Mostergebnis von 4 525 000 Hektoliter doppelt so reich gesegnet wie die vorangegangenen, in denen der Jahresdurchschnitt nur 2,2 'Millionen Hektoliter aufwies. Mit Recht wird daher das deutsche Volk zu einem „guten Schluck" aufgerufen. Im W e i u^v e r - ITAUE vorsichtig die Bemühungen Edens und Lavals und versuchte, ebenso vorsichtig auf Italien im Sinne — wenn es nicht anders geht — wenigstens einer Lokalisierung des Konflikts einzuwirken, genau so, wie Litwinow die Front von Stresa unterstützt hat, die ihm die besten Aussichten einer Isolie- runfl Deutschlands und der Entfesselung eines rein europäischen Konflikts bot. Die englisch-italienische Spannung ist dem Herrn Litwinow- Wallach äußerst unangenehm, weil sie die Gefahr einer allgemeinen Verlagerung der Kräfte und einer europäischen Neuorientierung bedeutet. Eine Störung der jetzt bestehenden Kräfteverteilung könnte alles über den Haufen werfen, worauf Moskau baut. Es könnte eine ganz neue europäische Konjunktur geschaffen werden, — welche Rolle aber Moskau dann spielen würde, wäre noch völlig unbekannt. Deshalb die leise Warnung Litwinows an die Adresse Mussolinis, den Bogen nicht zu Überspannen und nicht eine Entwicklung heraufzubeschwören, die sich heute noch keineswegs übersehen läßt, denn der englische Widerstand gegen die im- s rialistische Kolonialpolitik Mussolinis wird in Mos- iau sehr ernst eingeschätzt — weit ernster, als die j Fähigkeiten und die Kräfte Italiens, auch einer etwaigen englischen Gegnerschaft die Stirn bieten zu i können Aber abgesehen davon, bleiben die Beziehungen >zwischen Moskau und Rom doch freundschaftbrauch stehen wir allerdings weit hinter anderen Völkern. Unsere kleinen Schaubilder zeigen, daß der Deutsche ein recht bescheidener Weintrinker ist gegenüber dem Franzosen oder Italiener. Und das obwohl der deutsche Wein genug Abwechslung bietet. Man sehe sich nur das untere Schaubild an. Jede genannte Weinart hat eine andere Geschmacksrichtung, so daß jeder die ihm zusagende herausfinden kann. — (Scherl-M. — Zeichnungen Oehlschlägel.) 80; E 55- Oer 1934er wird „gemustert". 925 33o IV GEMISCHTER I 126" S ■E % nach Sorts rui 1000/11 517 feisfihi rofiarw l Di lich, wie sie feit nahezu zehn Jahren find. So freundschaftlich sind diese Beziehungen, — und hier liegt vielleicht ein weiterer Grund für die bremsende Tätigkeit Stalins —, daß die sowjetrussischen Getreideverschiffungen für das italienische Heer munter fortgeben Man wird fragen, wie sich das zusammenreimt. Aber man sagt sich in Moskau, daß auch die alliierten Staatsmänner Tag und Nacht um den Frieden kämpfen, während ihre Rüstungsfirmen Tag und Nacht neue Bestellungen entgegenehmen. Warum soll ausgerechnet die Regierung der proletarischen Diktatur eine Ausnahme machen, zumal ihr Devisenbedarf unvergleichlich größer ist? — Das schließt freilich nicht aus, daß später einmal die Maske fallen gelassen wird, und daß die Komintern freien Weg für ihre Tätigkeit erhält. — Bis dahin wird aber noch einige Zeit vergehen. Denn zwei Dinge wirken für Moskau störend, um schon jetzt den Kettenhund der Komintern loszulassen: Frankreich bleibt allem Anschein nach neutral und Deutschland steht weit, weit abseits. Der Krieg, den sich aber Moskau wünscht und in dem auch die Komintern alle Hände voll zu tun bekommen wird, muß ausbrechen, wenn es gelänge, diese beiden Länder aufeinander» z u h e tz e n. Erst bann würde auch Moskaus Saat aufgehen. Werbeversammlungen mit unentgeltlicher Bewirtung sittenwidrige Lockmethode. Das Einigungsamt für Wettbewerbsftreitigkeiten beim Rhein-Mainischen Industrie- und Handelstag Sitz Frankfurt a. M. hat, zufolge der Rhein-Mainischen Wirtschafts-Zeitung vom 20. Oktober, feftge» stellt, daß ein Kaufmann sich des unlauteren Wettbewerbs schuldig gemacht hat, weil er zur Einführung eines von ihm vertriebenen patentamtlich geschützten Apparats durch seine Vertreter die verschiedenen Städte bereisen ließ und durch Handzettel, Flugblätter usw. zum Besuch von Werbeoer» anftaltungen aufforderte. In den Ankündigungen wurde den Besuchern der Veranstaltung kostenlose Bewirtung mit Kaffee, Bier oder Apfelwein in Aussicht gestellt. In der Begründung zu dem Spruch wird ausgeführt, daß ein Verstoß gegen das Zugabegesetz zwar nicht oorliege, weil die Bewirtung unabhängig von dem Ankauf der Ware erfolge. Durch die kostenlose Bewirtung werde aber ein gewisser moralischer Druck auf den Besucher der Veranstaltung ausgeübt, was nach heutiger Anschauung den guten Sitten nicht entspreche. Es sei auch fraglich, ob man die angekündigte Bewirtung tatsächlich als eine kostenlose bezeichnen könne. Dis Besucher der Veranstaltung, die den Aparat kauften, glaubten vielleicht, daß die Darreichung der Tasse Kaffee ufw. kostenlos sei, in Wirklichkeit komme sie ihnen aber meist sehr teuer zu stehen, da die Kosten einer solchen Reklame natürlich zu dem Kaufpreis dazugeschlagen würden. Im vorliegenden Falle hat das Einigungsamt für Wettbewerbsftreitigkeiten feftgeftellt, daß die Dertriebskoften für den in Frage kommenden Arikel bei einem Verkaufspreis von 15,50 RM. 10,50 RM. betrugen. Allgemeine Viehzählung am 3. Dezember. Auf Veranlassung des Reichs- und Preußischen Ministers für Ernährung und Landwirtschaft wird am 3. Dezember 1935 eine allgemeine Viehzählung durchgeführt werden. In Verbindung damit sollen 1. die nichtbeschaupflichtigen Hausschlachtungen von Bullen, Ochsen, Kühen, Jungrindern, Kälbern, Schweinen, Schafen und Ziegen in jedem der drei Monate September 1935, Oktober 1935, November 1935, 2. die in jedem der drei vorhergehenden Monate September 1935, Oktober 1935 und November 1935 geborenen Kälber ermittelt werden. Für die Geheimhaltung der statistischen Angaben durch alle Stellen und Organe ist Sorge getragen. Die richtige und zuverlässige Beantwortung der ge» Erfordernis, sondern auch im eigensten Interesse. „Vergiß mein nicht." Lichtspielhaus. Ian Kiepura und Benjammo Gigli scheinen von den Sängern unserer Zeit am ehesten dazu berufen, an die große Tradition des unvergeßlichen Caruso- anzuknüpfen. Bei Gigli ist vielleicht — aus landschaftlich-nationalen Gründen — die Verwandtschaft noch deutlicher zu empfinden, gerade in dem Syndikat-Film „Vergiß mein nicht , wo er den berühmten Tenor Enzo Curti von der Mailänder Scala spielt und auf einer Konzert-Reise durch die ganze Welt Gelegenheit hat. die Glanznummern eines blendenden Repertoires hören zu lassen. Das ist eine wundervolle Stimme von typisch italienischer Färbung, groß und weich, aber doch sehr männlich und mit metallischem Beiklang; Gigli singt hier aus „Troubadour" und „Rigoletto" mit prachtvollem Schwung und rhythmischem Temperament, er singt aus „Aida", aus „Carmen", aus „Martha" und „Lohengrin", dazu ein paar ein- fache Lieder, und wenn man die Augen zumacht, kann man sich vorstellen, eine Caruso-Platte zu hören. Aber den stärksten Eindruck macht doch von allem das ganz zart, mit halber Stimme italienisch gefungene Schubertsche Wiegenlied („Schlafe, schlafe, holder, süßer Knabe"). Und obwohl dieser Film ein richtiger Musik- und Tenor-Film ist, muß man doch mit Befriedigung feststellen, daß er nicht nur aus einer Kette für den Film zurechtgemachter Arien-Aufnahmen besteht; Gigli hat nicht bloß, wie das in manchen ähnlichen Filmen war, sich hinzustellen und mehr oder weniger unvermittelt los» zuschmettern, sondern er hat sogar eine richtige Rolle zu spielen, und er spielt sie auch so unkonventionell und innerlich beteiligt, daß man die Handlung nicht als die notwendige, aber lästige Unterbrechung eines ausgewählten Konzertprogramms anzusprechen braucht: eine der schönsten, darstellerisch und menschlich ergiebigsten Szenen ist die hilflose Liebeserklärung, die der berühmte Mann an Hand seines dicken Wörterbuches einer jungen deutschen Dame macht: er hat sie kurz zuvor in feinem Konzert zum ersten Male gesehen, und sein Gesang hat auf sie um deswillen einen fo ungewöhnlich tiefen Eindruck gemacht, weil sie dieses italienische Lied („Vergiß mein nicht") schon einmal gehört hat, in einer Nacht auf dem Meere, auf der Ueberfahrt nach Amerika — in der glücklichsten Stunde ihres Lebens. Das Mädchen hat sich in einen Schiffsoffizier verliebt, und eben als sie sich gefunden haben, klingt aus dem Radio vom Touristendeck herunter jenes Lied. Aber ach, das Drehbuch von Ernst Marijchka ist ein kleiner Roman nach den Regeln der Kunst; das Glück ist kurz, und die Ueberfahrt endet sehr traurig; da ist nämlich noch eine andere Frau an Bord, die ihre älteren Rechte an jenen Offizier erfolglos geltend zu macken versucht und dann aus Eifersucht eine Gemeinheit begeht, an der das junge Glück jäh und schmerzlich scheitert. Als der Mann Gelegenheit findet, sich von einer bösartigen Verleumdung zu rechtfertigen, ist Benjamino Gigli. es zu spät und die Geliebte längst die Frau des berühmten Sängers. Wir können der Fabel hier nicht in allen Einzelheiten nachgehen, aber wir müssen doch sagen, daß die Hersteller nichts versäumt haben, um auf die Tränendrüsen des Publikums (besonders des weiblichen) mit allen halbwegs zulässigen Mitteln einzuwirken. Das ist chnen gut gelungen, und es sind denn auch gegen Ende hin (obwohl es zuletzt noch leidlich ausgeht) allerhand Taschentücher gezückt worden. — Die Musik, soweit sie nicht von berühmteren Leuten stammt, schrieb Alois M e l i ch a r. Augusto Genina führte Regie und hat dem Film, der wie ein Gesellschaftsstück an Bord eines großen Ozeandampfers beginnt, mit unleugbarem Geschick für filmische und bildhafte Wirkungen in Szene gesetzt. Die durchweg sehr klare und artikulierte Tonwiedergabe ist zu loben. — Magda Schneider spielt die junge Dame mit der ersten, großen, unglücklichen Liebe; man kann sich vorstellen, daß sie gerade so ausgesehen hat, .und sie bringt auch in den entscheidenden Szenen ohne großen Aufwand so viel Wärme und Innerlichkeit in das Spiel, wie es die Rolle erfordert. Recht angenehm und überzeugend wirkt Siegfried S ch ü r e n b e r g als der erste Offizier, Herr von Ahrens, innerlich und äußerlich genau der ©egen» typ des Mailänder Sängers. Hedda B j ö r n s o n entledigt sich mit Anstand der undankbaren Aufgabe, ein Biest zu spielen, wie es zum Glück in Romanen und Filmen häufiger vorkommt als in der rauhen Wirklichkeit. Außerdem Schroder- Schrom, Despermann und ein niedliches Bübchen namens Peter Bosse. * „Vergiß mein nicht" lief gestern zum ersten Male im Lichtspielhaus und wird auch bei uns seine Anziehungskraft nicht verfehlen. — Im Beiprogramm gibt es einen Kulturfilm „Das Werdenfelser Bauernhaus" und die Wochenschau mit Aufnahmen von der Trauerfeier im Tannenberg-Ehrenmal und vom Erntedankfest. (Die Gießener wird es interessieren, in den Trachtengruppen auf dem Bückeberg dem Heimatdichter Georg Heß aus Leihgestern zu begegnen.) —r— Hochschulnachrichten Die Vertretung der durch die Emeritierung von Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Otto zur Straßen freigewordenen ordentlichen Professur für Zoologie an der Universität Frankfurt ist für das Wintersemester 1935/36 dem Dozenten Dr. phil. habil. Gerhard Heberer an der Universität Tübingen übertragen worden. Professor Dr. Walther W ü st, Extraordinarius für indische Philologie an der Universität München, ist zum ordentlichen Professor in München ernannt worden. Professor Dr. Friedrich Karl Schmidt, Extraordinarius für Mathematik an der Universität Erlangen, ist zum ordentlichen Professor in der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Jena ernannt worden. Von den amtlichen Verpflichtungen entbunden wurden die ordentlichen Professoren Dr. Max I e s s n e r (Haut- und Geschlechtskrankheiten) an der Universität Breslau und Dr. I. Schurz (Mathematik) an der Universität Berlin. Gegenseitige Hilfe im Tierreich Wohl ist der Kampf um das Dasein eine der Hauptkräfte in der Entwicklung aller Lebewesen, er ist aber nicht die einzige, und die gegenseitige Hilfe spielt in der Welt der Tiere eine nicht geringere Rolle. Wir können das an der aufopfernden Liebe erkennen, mit der die Nachkommenschaft großgezogen wird, vor allem aber auch an der Art des Zusammenlebens in den Tierstaaten der Ameisen, Termiten, Bienen, Hummeln und Wespen. Wer bei seinen Wanderungen durch die Natur die Augen offenhält, kann auch sonst viele Beispiele dieser gegenseitigen Hilfeleistung im Tierreich beobachten. Ein bekannter Vogelforscher hat, wie in der „Leipziger Illustrirten Zeitung" mitgeteitt wird, wiederholt festgestellt, daß die Jungen der ersten Brut des Grünfüßigen Teichhuhns die Eltern bei der Pflege und Wartung der zweiten und dritten Brut tatkräftig unterstützen. Sie begleiten die jüngeren Geschwister bei ihren ersten Ausflügen in die noch unbekannte Welt und bewahren sie vor drohenden Gefahren. Ein ähnliches Bild schonen Familienlebens hat auch ein amerikanischer Forscher bei dem neu- weltlichen Teichhuhn (Gallinula chloropus chochi« nans) beobachtet. Die Tiere der älteren Brut Hellen nestähnliche Haufen im Wasser her, auf denen die jüngeren Geschwister während der Nacht von ihnen schützend eingehüllt werden. Ein englischer Forscher hat kürzlich sehen können, daß eine Iungschwalbe, die an dem wenig glänzenden Gefieder und an dem kurzen Schwanz zu erkennen ist, beim Nestbau behilflich war; wahrscheinlich handelte es sich hier um ein Schwälbchen aus der ersten Brut des Elternpaares. Diese Annahme würde mit neueren Forschungsergebnissen übereinstimmen, nach denen junge Rauchschwalben ebenso wie junge Goldammern und Ringeltauben schon im ersten Lebensjahr fortpflanzungsfähig werden. Man kann deshalb mit Recht vermuten, daß der Brutinstinkt das kleine Tier zur Mithilfe beim Nestbau der Eltern veranlaßt hat. — lieber ein besonders interessantes Beispiel gegenseitiger Hilfe im Tierreich ist in der „Cambridge Natural History" berichtet worden. Eine flügellose südafrikanische Heuschreckenart gelangt bei ihrer Wanderung an ein Gewässer; es ereignet sich nun ein seltsames Schauspiel. Die Tiere ballen sich zu einen Knäuel zusammen und stürzen sich ins Wasser. Während die nach unten gedrückten nach oben kriechen, werden andere abwärts geschoben, und immer neue Tiere drängen vom Ufer nach. So kommt die ganze Masse vorwärts, und die mei. ften Heuschrecken erreichen das andere Ufer, was bei einet-Einzelwanderung natürlich unmöglich wäre. ---------- < verein 0,25 o. irtschast von insgesamt von vor- unb Uetzhausen 1871; Vaitshain Nr. 221 vom 21. Oktober. börslich gehegten Erwartungen lagen seitens der Bankenkundschaft kaum Aufträge vor, so daß die heutige Börse in starker Geschäftsstille eröffnete. Die wieder zahlreich vorliegenden Wirtschaftsmeldungen aus allen Zweigen der deutschen Industrie gaben wohl eine gewisse Stütze, vermochten aber nicht zu verhindern, daß die Kurse am Aktienmarkt überwiegend leicht nachgaben. Die Kulisse nahm verschiedentlich einige Abgaben vor, nachdem sie gestern vorwiegend als Käufer aufgetreten war. Die ersten Kurse lagen noch meist mäßig höher, später überwogen jedoch Abschwächungen. IG. Farben notierten mit 149,25 bis 148,75 (149,50), Scheideanstalt mit 234 (235). Elektroaktien konnten sich etwa behaupten, Siemens gaben etwas nach. Der Abschluß der Bekula und die Exportaufträge bei Felten fan- trägern, kaum andere hinzuzufügen. Aber wie auch zur Zeit noch häufig, so hatten Damals die behördlichen Anordnungen wegen der „Unverständlichkeit, Halsstarrigkeit und Unbelehrbarkeit der Bevölkerung" nicht den gewünschten Erfolg. Nach Erlöschen dieser Epidemie blieb Gonterskirchen 31 Jahre von Typhus verschont. Im Jahre 1896 traten wieder einige Erkrankungen auf; ferner in den Jahren 1902 und 1906. Zwei größere Epide- mien brachen 1907 (anschließend an eine Hochzeit, erkrankt waren 41 Personen) und 1910 aus (60 Erkrankungen, ebenfalls nach einer Hochzeit). Beide Male konnte die Ansteckungsquelle nicht gefunden werden. Weitere Typhusfälle sind seitdem in Gonterskirchen nicht mehr vorgekommen. Die vierte größere Epidemie des Kreises wurde im Jahre 1912 beobachtet. Obgleich die Erkrankungen in verschiedenen Orten vorkamen, in Breungeshain 11, Busenborn 14, Rüdingshain 18, M i - chelbach 6, Wingershausen 2, Eichelsachsen 3, Sichenhausen 1, Schotten 3, Götzen 3, Eichelsdorf 3 Fälle und in R a i n- rod 1 Fall, soll es sich doch um eine zusammenhängende Epidemie gehandelt haben. Als Ursache wurde ungenügende Vorsicht beim Verkehr mit anderen Kranken und Unbelehrbarkeit der Bevölkerung angegeben. Recht häufig kam Typhus auch in 53 a u b a cf) vor. Es handelte sich aber immer nur um vereinzelte Erkrankungen, meistens im Schloß oder Alumnat. Als Ursache kam wahrscheinlich eine 1914 erkannte Bazillenträgerin, die ein Lebensmittelgeschäft betrieb, in Frage. Zusammenstellung der Typhus- und Paratyphusfälle nach Orten und Jahren: Breungeshain 1912, 15; Busenborn 1912; Eichelsachsen 1881, 1908, 12; Eichelsdorf 1912; Freien- Seen 1894, 1910; Friedrichshütte 1902; Gedern 1894, 97, 1903, 10, 14; Götzen 1906, 12; Gonterskirchen 1865, 96, 1902, 06, 07, 10, 16; Hartmannshain 1916; Helpershain 1906; Laubach 1895, 96, 1900, 01, 03, 04, 05, 10, 11, 14, 16, 17, 18; Meiches 1906; Michelbach 1912; Mittel-Seemen 1897; Ober- Schmitten 1888; Ober-Seemen 1887, 97, 1902, 16; Rainrod 1912; Rebgeshain 1895; Rüdingshain 1907, 12, 14; Ruppertsburg 1910, 18; Schotten 1880, 87, 88, 90, 1902, 04, 07, 12, 14, 16; Sichenhausen 1912; Stumpertenrod 1896, 97; Ulfa 1897; Wingershausen 1912. werte gaben bis 0,50 v. H. nach, ferner verloren Westdeutsche Kaufhof 0,40 v. H., Metallgesellschaft 0,13 v. H. Kunstseideaktien waren noch fest, Bem- berg plus 1 v. H. AKU. plus 0,50 v. H. Deutsche Linoleum gewannen 0,90 v. H., Daimler Motoren Storndorf 1914; Uellershausen 1868, 82, 1909; Unterwegfurth * Vergl. „Gießener Anzeiger" September und Nr. 236 vom 9. 99 v. H. erreicht. Rhein-Mainische Börse. Mittagsbörse abbröckelnd. Frankfurt a. M., 22. Okt. Entgegen den lionen Tonnen im Vorjahr geschätzt, somit gegen 1934 ein Mehrertrag 6,68 Millionen Tonnen. Die Industrie- unlängst ausgenommen wurde, erfreuen sich einer anhaltend lebhaften Nachfrage. Nach einem Einführungskurs von 98,25 v. H., der dem Zeichnungskurs entspricht, haben die Reichsbahn-Schatzanweisungen an der gestrigen Berliner Börse einen Kurs Oie Geuchengeschichte Oberhessens Ein Ausschnitt.*) Don Obermedizinalrat Professor Dr. H. Kliewe. chungen ergeben. Die Heuernte wird insgesamt auf 33,11 Millionen Tonnen gegen 26,43 Mil- Es ergibt sich 1868, 75; Wallenrod 1880, 82; Weid-Moos 1876; Wernges 1875, 82, 85, 1907, 08, 12, 17; Willofs 1868, 72, 81, 1912; Maar 1875, 82, 83, 84, 1901. kreis Schotten. Die Zahl der Typhuserkrankungen in diesem Kreise betrug seit 1865 in 26 verschiedenen Ort- schäften 356, dazu kamen 29 Todesfälle. Paratyphus- fälle wurden nur 3 beobachtet. An größeren Epidemien sind 4 zu nennen, davon allein 3 in Gonterskirchen. Bei der ersten erkrankten etwa 70 Personen, 20 starben. Eine bestimmte Ansteckungsquelle konnte nicht angegeben werden. Als Hauptursache wurden Luftströmungen, kalte Abend- und Morgennebel, Rheumatismus, Erkaltung, und vor allem die „größte Unreinlichkeit in den Wohnungen" angesehen. Als mustergültig können die Bekämpfungsmaßnahmen bezeichnet werden: „1. Ein Arzt wird täglich nach Gonterskirchen geschickt, der Kreisarzt zweimal wöchentlich. 2. Pfarrer und Bürgermeister wachen über die sanitätspolizeilichen Maßnahmen; 3. Reinlichkeit der Krankenpfleger. 4. Erweiterung des Krankenpersonals durch 2 Diakonissinnen. 5. Desinfektion nach Genesung. Effekten in verschlossenen Kammern den Chlordämpfen über Nacht aussetzen. 6. Verbrennen des Bettstrohes, Verbot, gebrauchte Betten auf Straßen und Höfen auszubreiten; 7. Wände und Fußböden der Krankenzimmer scheuern. 8. In die Abtritte Chlorkalk werfen. 9. Der Schulbesuch ist nicht gestattet. 10. Reinlichkeit auf Straßen und Höfen; 11. Baldige Beerdigung, Trauergeleite untersagen. 12. Krankenbesuche beschränken. 13. Oeffentliche Speisungen unterstützen. 14. Anzeigepflicht aller Erkrankungsfälle, Verschweigen ist zu bestrafen. Außer- dem Belehrung über Straßenreinlichkeit, über den Einfluß öfterer Lufterneuerung in Wohn- und Schlafstuben, Vermeiden und Abwendung der scharfen Ausdünstungen offener Hühnerställe in die Wohngebäude und Hinwirken auf die Anlage entfernterer Senkgruben." Wir haben diesen Maßnahmen, abgesehen von dem Suchen nach Bazillen- urid Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1198: Bekanntmachung KP 45 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1199: Verzollung von Postsendungen in Frankreich. 1200: Zusammenfassung sämtlicher Devisenbestimmungen über die Nebenkosten des Warenverkehrs. 1201: Zur Erhöhung des besonderen Einfuhrzolls in den Niederlanden. * Lebhaftes B ö rfe n i nt e r e ffe für Reichsbahn - Schatz anweisungen. Die neuen 4,5prozentiaen Reichsbahn-Schatzanweisungen von 1935, deren Notiz an der Berliner Börse erst (Fortsetzung statt Schluß.) kreis Lauterbach. Seit dem Jahre 1868 wurden 819 Typhuserkrankungen und 166 Todesfälle gemeldet. Sichere Paratyphusfälle wurden bis 1918 nur 18 bekannt; der erste wurde im Jahre 1909 festgestellt. Don den Städten, die am häufigsten vom Typhus heim- : gesucht worden waren, ist zunächst Lauterbach zu nennen. Die ersten Fälle wurden im Jahre 1875 erwähnt. Damals erkrankte ein Mädchen, welches sich in Frankfurt a. M. angesteckt hatte; im Anschluß daran auch andere Personen, vor allem solche aus Häusern, die in der Nähe des Mühlbachs lagen. Es wurde deshalb angenommen, daß die Weiterverbreitung durch das Wasser dieses Baches erfolgt sei, weil es häufig zum Sprengen des Gartens, zum Waschen oder für andere Haushaltszwecke gebraucht wurde. Doch war auch eine direkte Berührungsansteckung nicht auszuschließen, da die Erkrankten nahe beieinander wohnten. Wahrscheinlich waren aus dieser Epidemie Dauerausscheider hervorgegangen, denn im folgenden Jahre (1876) trat eine neue auf. In Lauterbach und mehreren Nachbarorten waren etwa 70 bis 80 Personen erkrankt. Im Jahre 1881 wurden ebenfalls in verschiedenen Orten der näheren Umgebung von Lauterbach etwa 70 Typhuskranke beobachtet. Als Ansteckungsquelle wurde ein Knecht angenommen, der aus einer typhusverseuchten Gegend stammte, auf einem Hofgut arbeitete und mehrere Personen infiziert haben soll. Von diesen sind dann angeblich die Krankheitskeime weiter verstreut worden. In den nun folgenden Jahren haben wir fast alljährlich einzelne Typhus- fälle; im Jahre 1887 kam es nochmals zu einer größeren Epidemie (18 Fälle). Auch aus der Tatsache, daß in den späteren Jahren fast immer die Ansteckung auf den Mühlgraben zurückgeführt wurde und daß seit Durchführung der städtehygieni- schen Maßnahmen im Jahre 1909, die sich vor allem auf die Lauter bezogen, der Typhus immer seltener auftrat, dürfen wir schließen, daß es sich wenigstens bei den ersten Fällen um Wasserinfektionen gehan- beit hat. In der Nachkriegszeit wurde Typhus in Lauterbach nicht mehr beobachtet. An feiner Stelle trat der Paratyphus immer stärker auf. In den Jahren 1928/29 war es sogar zu Massenerkrankun- gen (über 300 Fälle) gekommen. An größeren Typhusepidemien des Kreises sind folgende zu nennen: eine in Holzmühl 1869; in Hutzdorf erkrankten im Jahre 1871 116 Personen, 8 starben, lieber die Ansteckungsquelle ist näheres nicht bekannt. Ferner wurden in mehreren Orten der Umgebung von Herbstein im Jahre 1874 insgesamt 119 Fälle beobachtet, davon allein 40 in Herbstein. Auch im Jahre 1875 trat der Typhus in der Umgebung von Herbstein stärker auf; von 63 Erkrankten starben 9. In Uetzhausen waren im Jahre 1880 11 Häuser befallen, in Freien st einau und den benachbarten Dörfern erkrankten 1886 18 Personen. Nähere Einzelheiten über diese Epidemie fehlen. Die Epidemie (40 Erkrankungen und 5 Todesfälle) in Schlitz im Jahre 1886 hatte ihren Ausgang wahrscheinlich vom Hospital in Schlitz genommen. Zusammenstellung der Typhus- und Paratyphusfälle nach Orten und Jahren: Almenrod 1892; Altenschlirf 1875, 76; Angers- bad) 1880, 88, 1903, 06, 12; Bannerod 1874, 76, 80; Bermutshain 1874, 75, 76, 80. 82; Blitzenrod 1886; Crainfeld 1869, 70, 74, 75, 86; Dirlammen 1870, 74, 75, 84, 91; Eichelhain 1870, 72, 74, 75; Eichenrod 1874; Eisenbach 1881; Engelrod 1870, 71, 75, 80; Fraurombach 1868, 1909; Freiensteinau 1866, 68, 85, 86, 93, 1907, 11; Frischbarn und Eisenbach 1884; Grebenhain 1869, 75, 76, 88; ©ungenau 1871; Hartershausen 1871; Heblos 1877, 80; Heisters 1870, 76, 80, 91; Herbstein 1874, 75, 80, 81, 82, 83, 86; Hörgenau 1874, 76; Holzmühl 1869, 86, 92; Hopf- mannsseld 1870, 75; Hutzdorf 1871; Jlbershausen 1869, 70, 72, 74, 75, 76, 80, 82; Landenhausen 1881, 88, 89, 90; Lanzenhain 1868, 74, 75, 76, 81, 82; Lauterbach 1875, 76, 80, 81, 82, 84, 85, 87, 88, 90, 91, 92, 93, 97, 1900, 01, 04, 05, 06, 07, 08, 10, 11, 14, 16, 18; Metzlos und Metzlosgehag 1868, 79, 80, 86; Nieder-Moos 1876; Nösberts 1868, 79, 82; Ober-Moos 1886; Ober-Wegfurth 1868; Quecf mit Saasen 1868, 81, 83; Radmühle 1886; Reichlos 1885, 86; Reuters 1916; Rimbach 1871; Rixfeld 1874, 75, 76, 80, 81, 82, 85, 86; Rudlos 1880, 81, 92; Sandlofs 1871; Schadges 1869, 75; Schlechtenwegen 1875, 76, 82; Schlitz 1868, 69, 81, 86, 87, 93, 1912, 14; Stockhausen 1874, 75, 76, 80, 82, 85, 94; den Beachtung. Don Montanwerken eröffneten Hoesch und Mannesmann je 0,50 v. H. höher, Stahl- — ,. H. leichter. Zellstoff- und Schiffahrts- bis 0,50 v. H. nach, ferner verloren Vollständige Angaben für Devisenbescheinigungen. Wie die Hauptgeschäftsstelle Frankfurt a. M. der Industrie- und Handelskammer für das Rhein- Mainische Wirtschaftsgebiet mitteilt, wird in Kreisen der Wirtschaft vielfach Klage darüber geführt, daß beantragte Devisenbescheinigungen und sonstige ds- visenrechtliche Genehmigungen nicht rechtzeitig erteilt werden und daß sich durch solche Verzögerungen häufig Geschäfte mit dem Ausland zerschlugen. Derartige Verzögerungen sind sehr häufig darauf zurückzuführen, daß die Anträge unvollständige Angaben enthalten, oder bei einer nicht zuständigen Stelle eingereicht werden. Zur Behebung der Mängel wird auf Veranlassung der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung darauf hingewiesen, daß die beteiligten Wirtschaftskreise sich in Zweifelsfällen vor der Einreichung ihrer Anträge bei ihrer zuständigen Industrie- und Handelskammer über das einzuhaltende Verfahren unterrichten sollen. Sämtliche Anträge müssen genaue und vollständige Angaben enthalten und sind sogleich an diejenige Stelle zu richten, die für die Entscheidung der Anträge zuständig ist. Die Industrie- und Handelskammern sind nach wierderholten Erklärungen der maßgeblichen Regierungsstellen in erster Linie berufen, die in Frage kommenden Firmen in allen Devisenangelegenheiten zu beraten. Erntevorschätzung jur Hackfrüchte und Heu Anfang Oktober. Die Vorschätzungen der amtlichen Berichterstatter zu Anfang Oktober d. I. ergaben nach Mitteilung des Statistischen Reichsamtes an Spcitkartof - fein einen Ertrag von 38,23 Millionen Tonnen, d. h. rund 3,7 Millionen Tonnen weniger als im sechsjährigen Mittel. Die Zuckerrübenernte wird nach vorläufiger Schätzung auf 9,85 Millionen Tonnen veranschlagt, das sind rund 500 000 Tonnen weniger als im Vorjahre. An Runkelrüben wird mit 30 Millionen Tonnen etwa das über dem Durchschnitt liegende sechsjährige Mittel (1929 — 34) erreicht. Bei der Beurteilung Der Hektarerträge für Hackfrüchte ist zu berücksichtigen, daß die Schätzungen zu einem Zeitpunkt abgegeben wurden, als die Früchte zum größten Teil noch nicht geerntet waren. Je nach der Auswirkung der Witterungsverhältnisse können sich — insbesondere bei den Rüben — bei der endgültigen Ernteermittlung noch Abwei- 0,25 v.H. Am Rentenmarkt herrschte Geschaftsstille, die Kurse konnten sich aber gut behaupten, nur Altbesitzanleihe gingen auf 112,25 (112,50) zurück. Sehr fest blieben zertif. Gulden-Obligationen sowie Dollar- Bonds bei Steigerungen von 1 bis 2 v. H. Von Ausländsanleihen waren Ungarn Gold etwas höher gefragt Die starke Geschäftsstille verursachte auch in der zweiten Börsenstunde ein weiteres Abgleiten der Kurse um durchschnittlich 0,50 bis 0,75 o. H. So gingen IG. Farben auf 148,25 (148,75), Stahlver- ein auf 81,50 (82,25), Bemberg auf 107,50 (108,40) und Zellstoff Waldhof auf 112 (112,25) zurück; auch die übrigen Papiere ließen im gleichen Ausmaß nach. Am Rentenmarkt waren Altbesitz wieder leicht erholt, im übrigen lagen die Kurse behauptet. Wei- tere Beachtung fanden zertif. Gulden-Obligationen und Dollar-Bonds, ferner zogen Umtausch-Obligationen des Stahlvereins etwas an. 6prozentige Hoesch gaben dagegen auf 102,50 (102,75) nach. Pfandbriefe und Stadtanleihen lagen still und zumeist -un« verändert, etwas fester 4,5 v. H. Heidelberg mit 87,50 (87,25) und 4,5 (6) v. H. Frankfurt mit 91,50 (91). 4,5prozentige Reichsbahn-Schatzanweisungen von 1935 zogen auf 98,75 (98,50) an. Abendbörse still. Die Abendbörse war auf allen Gebieten nahezu geschäftslos und brachte im Vergleich zu den Ber- liner Schlußnotierungen nur geringe Veränderungen, wobei die Rückgänge überwogen haben. Etwas höher lagen Bekula mit 142,40 (142). Von chemischen Werten gaben Scheideanstalt auf 233,50 (234) nach. Am Rentenmark konnten sich die Kurse gut behaupten. U. a. notierten: Altbesitz 112,65, Schutzgebietsanleihen 10,20, 6proz. Stahloerein 102,40, 6proz. Krupp 102,75, 5proz. Eisenbahnbank-Obligationen 79,50, 6proz. Siemens-Schuckert 105, Reichsbahn- Verwaltungsaktien 122,75, 4proz. Rumänen 4,90, Commerzbank 86,75, DD.-Bank 86,50, Harpener 110,25, Klöckner 90, Mannesmann 84, Rheinstahl 106,75, Stahlverein 81,75, Aku 56,50, BMW. 120,50, Bekula 142,40, Conti Gummi 155, Scheideanstalt 233,50, Deutsche Linoleum 143,50, Licht & Kraft 131,50, Eßlingen Maschinen 79,50, IG. Farben 148,50, Gesfürel 123, Goldschmidt 105, Hanfwerk Füssen 85, Junghans 84, Lahmeyer 131, Moe- nus 82, RWE. 123, Schuckert 119. Frankfurter Obst- und Gemüsernackt. Frankfurt a. TO., 22. Okt. Die starken Zufuhren, insbesondere von hochwertigen Gemüsen, hielten an. Die Nachfrage war bei wenig veränderten Preisen schleppend. U. a. notierten: Blumenkohl 10 bis 40, Eskarol 4 bis 8, Feldsalat 25 bis 35, Karotten 4 bis 5, gelbe Kartoffeln 3,30 bis 3,50, Kopfsalat 4 bis 10, Meerrettich 40 bis 45, Pfifferlinge 50 bis 55, Steinpilze 40 bis 45, Römischkohl 5, Rosenkohl 15 bis 24, Rote Rüben 4 bis 5, Rotkraut 4V- bis 6, Sellerie je nach Größe 5 bis 30, Spinat 4 bis 8, Schwarzwurzel 16 bis 25, Tomaten I 12 bis 15, II 8 bis 10, Haus-Toma- ten 20 bis 22, Weißkraut 3 bis 4, Filterkraut 4 bis 5, Wirsing 4 bis 6, Zwiebeln 5V- bis 6. Das O b ft angebot blieb allgemein sehr gut, be« sonders aus dem Bodenseegebiet. Nachfrage nachhochwertigen Aepfeln und Birnen gut, geringe Ware schwer verkäuflich. Preise kaum verändert, la Auslese über Notiz. Deutsche Walnüsse zogen infolge geringeren Angebots im Preise etwas an. In ausländischen Trauben bestand Ueberangebot. Absatz befriedigend. U. a. notierten: Aepfel I 20 bis 25, II 14 bis 18, Wirtschaftsäpfel 10 bis 14, Goldparmänen I 22 bis 25, II 18 bis 20, Boskoop I 20 bis 24, II 16 bis 18, Schafsnase 10 bis 14, Birnen I 20 bis 25, II 15 bis 18, Kochbirnen 6 bis 10, Diehls Butterbirnen I 20 bis 25, II 15 bis 18, Mollebusch I 18 bis 22, II 14 bis 17, Pastoren 12 bis 15, Kastanien 15 bis 18, Preißelbeeren 40, Quitten 25 bis 30, Trauben 13 bis 14, holländische 36 bis 45, italienische 16 bis 20, spanische 19 bis 23, bulgarische 16 bis 22, Walnüsse 32 bis 38. Falschgeld im Umlauf. LPD. Frankfurt a. M., 22. Okt. In letzter Zeit : werden in Frankfurt, besonders in den Lebensmittelgeschäften und Metzgereien der Innenstadt, falsche Fünf-Mark-Stücke der neuen Prägung : mit der Garnisonkirche zu Potsdam und falsche ; Zwei - Mark - Stücke der alten Prägung : in den Verkehr gebracht. Wie man bisher beobach- t ten konnte, tauchen die falschen Geldstücke regel- ■ mäßig an den beiben letzten Wochentagen auf, worauf zu schließen ist, daß die Vertreiber das Falschgeld nur bei regem Geschäftsverkehr absetzen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe Der zuletzt besch lossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v H., Lombardzinsfuß 5 o H. Frankfurt 0.3JL Herl in Frankfurt o. M Stalin Schluß« kurS Schluß!. Abend- börse Schluß« kurs Schluß!. Mittag« börse Gchluß- turs Schluß!. Abendbörse Schluß« lurs Schlußk. Mitlagbörse Oalum 21 10. 22-10. 21-10. 22-10. Datum 21-10. 22-10. 21-10. 22-10 _ 100,13 100 100,13 4% desgl. Serie II ............ _ _ 9,75 _ 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 981 97,75 98 98 5% Ruman. vereinh. Rente v. 1903 6 5,9 5,85 5,8 571% Young-Anleihe von 1930 .. 102 101,9 102,13 102,25 4H%Ruman.vereinh.Rentev.l913 8,4 8,4 8,85 8,45 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 4% Rumänische vereinh. Rente .. 4,8 4.9 4,8 4,95 viuslol -Reckten 112,5 112,65 112,5 112,65 2Vi% Anatolier ............... 38.5 38,65 38,75 38,9 VI,% Deutsche ReichSpostschatzan- Weisungen von 1934, 1....... 100,25 100 100,2 100,13 Hamburg-Amertka-Pakel ..... o 16 16,4 16,4 16,25 6% efiem.8% Hess. Volksstaat 1929 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 29 (rückzahlb. 102%) ........... 96 96,5 96,5 Norddeutscher Lloyd ......... 0 18 17,75 17,9 17,9