Ur. 119 Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 25. Mai 1935 Somttags* und * Feiertags TR&T Ä Annahme von Anzeigen jiÄiAM A44AA« 1Ia*A äI A. AAA EÄSCXS ÖtimatlmiBilb.DieS^He ■ BW B I ■ F HS W^ MW W^I ^^W ▼ für I mm höhe Monats-Vezugspreir: H |B K H B B B B B B B B B für Anzeigen von mm von einzelnen Nummern MM infolge höherer Gewalt ’W ErmShtgte Grundpreise: MM General-Anzeiger für Oberhessen MW poftscherttonto: VW I t I r gen, Bäder-, Unterrichts-u. gwnffurt am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfilStL-vllch- und Steindruckerei «.Lange in Sietzen. Schristleitung und SeschSftrstelle: Schulstrahe r Mengenabschlüsse Staffel B An dieAdreffe Europas. Wer der historischen Reichstagssitzung vom 21. Mai in der Kroll-Oper zu Berlin hat beiwohnen können, wird eine kleine Beobachtung gemacht haben: jedesmal, wenn die Rede des Führers einen politischen Kulminationspunkt erreichte, blickte Adolf Hitler über das Abgeordnetenparkett hinweg, gleichsam, als ob er direkt zu den Vertretern der ausländischen Nationen spräche, die in der Diplomatenloge mit gespanntester Aufmerksamkeit feinen Worten folgten. In der ersten Reihe saßen die Botschafter Großbritanniens, Italiens und Frankreichs nebeneinander, und aus zahlreichen kleinen Einzelheiten war unschwer festzustellen, wie sorgfältig sie jede Formulierung wogen. Die drei Vertreter der Nationen, deren Regierungen die vom Führer abgelehnte Genfer Entschließung in Stresa vorbereitet hatten, waren sich klar darüber, daß sie die eigentlichen Adressaten der deutschen Regierungserklärung waren. Sowohl die Schärfe der unwiderleglichen Anklage, die der Führer gegen die europäische Politik der vergangenen 15 Fahre erhob, wie die 13 Punkte, in denen Adolf Hitler die politischen Auffassungen der deutschen Reichsregierung zur gegenwärtigen Lage und über die Möglichkeiten einer neuen europäischen Friedensordnung zusammenfaßte, waren an die Adresse Europas gerichtet. Und dies Europa steht nun einmal unter der maßgeblichen Führung Englands, Frankreichs und Italiens. Die Regierungen aller drei Mächte tragen die entscheidende Verantwortung für die politische Verfassung, in der sich der Kontinent gegenwärtig befindet. In L o n d o n hat man denn auch die Bedeutung der historischen Stunde im Reichstag wohl begriffen. Noch in der Nacht ließ das Kabinett sich von der britischen Botschaft einen Auszug der Rede übermitteln. Und wenn man auch schon vorher sehr gewichtige Beschlüsse über eine neue, dritte Reorganisation der britischen Luftrüstungen gefaßt hatte, so ist doch aus der Rede Baldwins und aus der Wehrdebatte in beiden Häusern des britischen Parlaments deutlich erkennbar, daß die britische Politik offensichtlich bereit ist, die leidenschaftliche Bekundung des deutschen Friedenswillens, die aus jeder Phase der Kanzlererklärung sprach, positiv zu werten. Es ist dabei interessant, zu beobachten, daß quer durch die innerpolitische Schichtung der britischen Nation so etwas wie ein Riß geht. Nur die ewig Unbelehrbaren, nur die Kreise, die sozusagen berufsmäßig Deutschenfresser sind, wollen auch heute noch nicht zugeben, daß die 13 Punkte des deutschen Reichskanzlers eine praktische Bekundung des deutschen Friedenswillens sind, während sich im anderen Lager verständnisvolle konservative Elemente gemeinsam mit Liberalen und Sozialisten befinden, von denen man wirklich nicht behaupten kann, daß sie bisher dem neuen Deutschland freundlich gesinnt gewesen seien. Aufgespalten ist einstweilen auch noch die Meinung der französischen und der italienischen Oeffentlichkeit. Hier lag offenbar noch kein Stichwort der Regierungskreise vor, das gewisse Anhaltspunkte hätte geben können. Dennoch ist der tiefe Eindruck, den die deutsche Regierungserklärung hinterlassen hat, auch hier unschwer festzustellen. An den unverrückbaren Worten Adolf Hitlers kann die Welt nun nicht mehr vorüber. Das Bewußtsein, daß hier „ein fanatischer Realist seiner Idee", wie ein kluger Ausländer den Reichskanzler einmal bezeichnete, offen und rückhaltslos gesprochen hat, ist nicht mehr hinwegzudiskutieren. Und es ist ferner sehr bezeichnend, daß die ersten französischen Kommentare, soweit sie Kritik üben zu müssen glauben, mit keinem Wort auf die Rüstungsfrage eingehen, ein Beweis, wie restlos überzeugend die Rede Adolf Hitlers gerade in diesem Punkte gewirkt hat. Wenn Europa heute sich jenseits von Versailles befindet, so ist das wahrhaftig nicht Deutschlands Schuld, dessen Abrüstung so vollständig wie nur möglich war. Das zu beweisen, war eine der Hauptaufgaben, die sich der Führer gestellt hatte. Sie ist restlos gelöst. Nicht ein einziges Wort von Gewicht konnte der deutschen Regierungserklärung zu dieser Frage entgegengesetzt werden, und es ist deutlich zu spüren, daß die realpolitischen Köpfe jenseits der deutschen Grenzen seit langem bereit sind, diesem Tatbestand Rechnung zu tragen. Wer wirklich guten Willens ist, versteht heute, warum Deutschland hat aufrüsten müssen. Wenn Deutschland sich dabei an den Rahmen hält, der am 16. März bekanntgegeben worden ist, so ist das nicht etwa die erste Maßnahme für die internationale Aufrüstung gewesen, sondern dieser Rahmen ist nur die Rückwirkung auf das, was vorher in Europa vorgegangen ist. Die englische Politik pflegt sonst nicht'darunter zu leiden, empfindsam zu sein oder gar das, was der Vergangenheit angehört, immer wieder auf die offene Bühne zu zerren. Wenn es in England noch Leute gibt, die an den ursprünglichen und an den verbesserten Macdonald-Plan erinnern, wenn sie die 200- oder 300 000-Mann-Grenze mit dem Rahmen vom 16. März 1935 vergleichen, also mit den 560 000 Mann, so handelt es sich im Grunde um etwas, was zu vergleichen ein britischer Gentleman als unfair bezeichnen müßte. Als der Macdonald-Plan von Louis Barthou torpediert wurde, zeigte der Kalender den 17. April 1934. Inzwischen fjat sich in Europa Einiges ereignet, wozu nicht nur die Einführung der zweijährigen Dienstzeit in Frankreich und die Verkündung des 960 000-Mann-Heeres in der Sowjetunion gehört, sondern auch alles das, was auf dem Gebiete der militärischen Aufrüstung bei den Anderen vor sich gegangen ist. Der Führer und Reichskanzler hat darüber so aufschlußreiche Englands erste Antwort ein Zeichen merklicher Entspannung. Baldwin begrüßt im Unterhaus die Erklärungen des Führers als brauchbaren Beitrag, auf der Grundlage gleichstarker Lustflotten zu einer Begrenzung zu kommen. Ser Lustpatt im Mtelpuntt des Interesses. London, 22. Mai. (DNB.) Die mit Spannung erwartete wehrtechnische Aussprache des Unterhauses eröffnete Baldwin. Er führte u. a. aus: Das Unterhaus muß sich daran erinnern, daß die Erklärungen, die der Ministerpräsident und der Außenminister in der Aussprache am 2. Mai abgegeben haben, einen Appell an Deutschland enthielten, in einer konkreten Form einen Beitrag zur Lösung der Schwierigkeiten und Gefahren für die Sicherheit und das Vertrauen zu leisten, die die Welt überfluten und die nur durch kollektive Abmachungen beseitigt werden können. Es ist offenkundig, daß die Rede des Kanzlers unter anderen Dingen eine Antwort auf diesen Appell ist. Wirerkennen sie als solche an. Hitler hat den deutschen Standpunkt in mehreren Richtungen von größter Bedeutung stärker präzisiert und hat in einer Reihe von Fragen angedeutet, was Deutschland z u t u n bereit ist. Wir sehen diese Erklärungen als sehr bedeutungsvoll an. Sie verdienen es, von uns allen aufs ernsteste und schnellste geprüft zu werden. Die britische Regierung wird ihnen sofort ihre ganze Aufmerksamkeit i n einem Gei st der Sympathie und der Aufrichtigkeit schenken. Die gegenwärtige Lage hängt nicht nur von dem ab, was Großbritannien tut oder sagt. Aber wir werden unser Aeußerstes tun, um in jeder möglichen Richtung ein internationales Abkommen zustande- zubringen. In der Rede Hitlers ist ein Punkt, der sich unmittelbar auf das Thema der heutigen Aussprache bezieht. Hitler hat erklärt, Deutschland beabsichtige, die deutschen Luftstreitkräfte auf den Stand der anderen We st möchte zu begrenzen. Das ist eine Bestätigung der Grundlage, von der die britischen Luft- plane ausgingen. Hitler wies darauf hin, daß bei der Einführung eines Paritälsverhältnisfes zum Unterschied von der Methode der zahlen- Luftpaktes mit einer Bemühung zum Schutze der Zivilbevölkerung gegen die Gefahren von Angriffen aus der Luft verbunden werden könnte. Und in der Rede Hitlers sind Stellen, die anzudeuten scheinen, daß Hitler diese Ansicht teilt. (Beifall.) Das sind sehr wichtige Ueberlegungen, die in einer Luftfahrtaussprache nicht ausgelassen werden können. Wir begrüßen Hitlers Beitrag in dieser Angelegenheit als eine Hilfe für eine allgemeine Regelung, die das Ziel des Londoner Protokolls war. Wenn ich heute keine anderen Teile seiner Erklärung berühre, in der er beispielsweise den Beitrag definiert, den Deutschland im Interesse einer größeren Sicherheit in Osteuropa zu leisten gewillt ist, so nur deshalb — wie wichtig sie auch sein mag — weil sie mit den Gegenständen nichts unmittelbar zu tun hat, die heute nachmittag das Interesse in dieser Aussprache in Anspruch nehmen. Baldwin wandte sich hierauf der eigentlichen britischen Wehrfrage zu. Die in der Hoffnung auf eine allgemeine Rüstungsbegrenzung so lange verzögerte Wiederaufrüstung sei als ein Akt der Landesverteidigung beschlossen worden, den keine verantwortliche englische Regierung ungeschehen hätte lassen dürfen Deutschland lüstet den Schleier. Man könnte sich nicht vorstellen, daß die demokratische Regierung dieses Landes jemals ihre militärische Stärke zu einem Angriffskrieg benutzen würde, selbst wenn sie zehnmal größer als heute wäre. Line der ernstesten Ursachen der Beunruhigung und Furcht sei die Ungewißheit der Welk über das, was hinter den planen der autoritären Staaten, deren es in Europa drei gebe, stecke. Das autoritäre System könne über ade Geschehnisse im Lande den Vorhang decken. 3 n Deutschland fei der Schleier teilweise gelüftet. Erhoffe und glaube, daß er bald völlig gelüftet werde und daß man sich gänzlich freimütig über alles äußern werde, was in der Rüstungsfrage gefügt werden müsse. Solange das nicht geschehe, könne es kein echtes Vertrauen geben. Was er im November v. I. über die deutschen Flugzeuge gesagt habe, sei damals durchaus richtig gewesen, völlig falsch seien aber seine Voranschläge für die Zukunft gewesen. Weder er noch seine Berater hätten irgendeine Vorstellung von der Höhe der Flugzeugerzeugung in Deutschland in den letzten 6 Monaten gehabt. In der Unterredung mit Hitler sei klar gemacht worden, daß Hitlers Ziel Parität mit Frankreich sei. Auf diese Angabe stützten sich die jetzigen englischen Vorschläge. Für die Parität der drei Nationen sei die Zahl von rund 1500 Frontlinienflugzeugen zu Grunde gelegt worden. Die englischen Luftstreitkräfte im Fernen Osten seien in diese Zahl nicht miteinbegriffen. Die zahlenmäßige Parität fei fast unumgänglich, um zwei höchst wünschenswerte Ziele verwirklichen zu können, nämlich eine gewisse Form kollektiver Sicherheit wie etwa der vorgeschlagene Lufkpakt der Locarno- mächke, und eine Methode der Begrenzung. Diese Ziele seien viel leichter zu erreichen, wenn alle Parteien von ungefähr dem gleichen punkt aus starteten. Er glaube, daß Hitler das im Auge habe, als er gestern sagte, Deutschland habe sein Bestes getan, um seinen Wunsch zu zeigen, einen unbeschränkten Rüstungswettlauf in der Welt zu vermeiden und seine Luftrüstungen auf die Parität mit den anderen westeuropäischen Mächten zu beschränken, was jederzeit die Festsetzung eines Höchstmaßes ermögliche, das einzuhalten Deutschland sich dann verpflichten würde. mäßigen Festsetzung einer Gesamtstärke ohne Rücksicht auf das, was andere tun, es durch Uebereinkommen zwischen den betroffenen Mächten möglich sei, nicht nur die England muß einen neuen Entschluß fasten. obere Grenze festzusehen, sondern auch herabzusehen. Das ist eine sehr wichtige Ueberlegung, die auch wir schon immer angeslellt haben. Ich muß ferner die besondere Aufmerksamkeit der Abgeordneten auf die Bezugnahme Hitlers auf den vorgefchlagenen Luftpakt zwischen den Locarnomächten lenken. Simon hat mit Hitler hierüber in Berlin gesprochen. Was Hitler jetzt gesagt hat, ist um so wertvoller, weil er seine Hoffnung durchblicken läßt, daß der Abschluß eines solchen Paktes durch vereinbarte Begrenzung verwirklicht werden könne. Darüber hinaus gibt es einen weiteren Punkt, dem die britische Regierung die größte Bedeutung beimißt. Es scheint uns, daß der Abschluß eines Baldwin kündigte hierauf einen Ergänzungshaushalt an und verteidigte das Luftfahrtmini- fterium gegen die Behauptung, daß es für ein unangemessenes Programm verantwortlich zu machen sei. Er habe, so fuhr er fort, für die heutige Unter- Haus-Sitzung einen feierlichen Redeschluß in Vorbereitung gehalten. Dieses Manuskript aber habe er, wie er gestehen wolle, zerrissen, weil es sich nach einem Studium der gestern in Berlin gehaltenen Rede als ungeeignet e r - wiesen habe. Er wolle daher seine Rede i n einem anderen Ton enden. Die größte Gefahr in der Welt, unter der alle Nationen litten, fei d i e Furcht. Solange die Völker und die Regierungen Europas einen A n - griff erwarteten mit allen Schrecken eines Ueberfalles aus der Luft, so lange würden die Staatsmänner und Völker von ihren eigentlichen Aufgaben im Innern ihrer Länder abgelenkt. Heute gebe es kein Land in Europa ohne innere Fragen. Eine Beruhigung werde nicht eintreten, solange dieser Geisteszustand anhalte. Nur durch eine allmähliche Wiederherstellung von Handel und Wandel werde der Frieden in Europa wieder einziehen. „3ch halle", so schloß Baldwin, „Ausschau nach Lichl, wo immer ich es finden kann. 3ch glaube, in der Rebe, die am Dienstagabend gehalten worden ist, einen Lichtblick zu erspähen. Wir alle müssen versuchen, dieses Lichtes habhaft zu werden. Wir müssen einen neuen Entschluß fassen. 3ch glaube, daß es uns sogar noch in elfter Stunde gelingen werbe, aus bieser Welt zu bannen, was für bie MenschMitteilungen gemacht, daß schon eine eiserne Stirn dazu gehört, immer wieder so zu tun oder zu behaupten, als ob es Deutschland gewesen sei, das durch die Wiedereinführung der Wehrhoheit Unruhe und Unsicherheit in Europa hervorgerufen hätte. Vielleicht ist es nützlich daran zu erinnern, daß nach dem Macdonald-Plan nicht nur Deutschland die 200 000-Mann-Grenze zugemessen war, sondern auch Italien. Aber wenn Italien bei geringerer Volksdichte sowie im Besitz von Ueberseege- bieten heute 900 000 Mann zu den Fahnen gerufen hat, so ist der Abstand zum Macdonald- Plan doch erheblich größer als der, der sich aus der Wiedereinführung der deutschen Wehrhoheit ergeben hat. Es fällt auf, daß die französische Presse mit der Rede des Führers und Reichskanzlers sowie mit den 13 Punkten nicht ganz einverstanden ist. Die öffentliche Meinung in Frankreich hat sich in die Täuschung einwickeln lassen, als sei die Durchflechtung Europas mit Beistandsverträgen und militärischen Bündnissen eine unbedingte Sicherung der Versailler Politik. Moskau hat durch'seine unter- und oberirdische Wühlarbeit sehr viel zur Vergiftung der öffentlichen Meinung gegen Deutschland beigetragen. Moskau hat es vor allem darauf angelegt, Frankreich einzuschüchtern, sowie den Franzosen einzuhämmern, als ob der Wiederaufstieg Deutschlands nur gegen Frankreich gerichtet fei. Moskau hat es sogar fertiggebracht, daß selbst englische Staatsmänner, die von berufs- wegen verpflichtet find, etwas von politischen Dingen zu verstehen, sich einzureden suchen, bei dem Gegensatz Deutschland — Räterußland handelte es sich', wenigstens bei Deutschland, um Hirngespinste. Auch hier hat der Führer und Reichskanzler die Dinge zurechtgerückt, wobei wieder nur daran erinnert zu werden braucht, daß wenn sich die bolschewistisch-kommunistische Wühlarbeit in Deutschland hätte fortfetzen können, mie sie 1932 noch gegeben war, daß dann heute Deutschland der politischen und sozialen Vernichtung anheimgefallen wäre. Wenn die Beistandsoerträge dazu bestimmt sind, das Versailler System über Europa aufrecht zu erhalten, so ist der geistige und politische Prozeß, der zu diesen Beistandsverträgen geführt hat, doch auch ein Zeugnis dafür, daß es Staatsmänner und Völker gibt, die einen Grundsatz von gestern einer anderen Einsicht von heute opfern. Auch das Versailler Sy st em muß unter dem Druck des natürlichen wirtschaftlichen und politischen Geschehens in sich zusammenbrechen, um einer neuen Entwicklung, um neuen Möglichkeiten den Weg frei zu geben. Aber mit den bisherigen Methoden — und dies war der zweite Kernpunkt in der Beweisführung des Reichskanzlers — ist eine neue Grundlage für ein Zusammenleben der Völker nicht zu schaffen. Sie waren darauf begründet, die Nationen m i t zweierlei Maß zu messen und sie auch noch jenseits von Versailles in zwei Kategorien einzuteilen, in Sieger und Besiegte. Das mußte zu neuen Verwirrungen, zu neuen Komplikationen, zu neuen gefährlichen Stauungen führen. Die Konferenz von Stresa war dafür ebenso ein Beispiel wie das neue System von militärischen Allianzen, das zwischen Paris, Moskau und Prag begründet wurde. Wer von den Tatsachen der europäischen Gegenwart aus eine gedeihlichere Zukunft für den geplagten Kontinent begründen will, der muß zunächst die Grundforderung der neuen deutschen Außenpolitik erfüllen, nämlich allen europäischen Nationen wirklich gleiche Rechte zubilligen. Das Messen mit verschiedenen Maßstäben muß ein für allemal aufhören, wenn man die erste elementare Voraussetzung zu einer gedeihlichen kollektiven Zusammenarbeit schaffen will. Deshalb ist es aber auch ferner unmöglich, in diesem „Zeitalter der Konferenzen" zwischen zwei oder drei Nationen Konferenzprogramme auszuhandeln, deren Verwirklichung notwendigerweise mit den Lebensinteressen anderer Nationen, die man später einzuladen gedenkt, kollidieren muß. Es ist nicht nur ein Unding, praktisch unerreichbare Forderungen aufzustellen, sondern eine unmittelbare Gefährdung der zwischenstaatlichen Beziehungen, wenn man weiter bei der Praxis bleiben will, die seit einigen Monaten von den Hauptstädten Westeuropas angewandt wird. Der deutsche Reichskanzler hat sich aber auch hierbei nicht mit einer negativen Kritik begnügt, sondern einen positiven, jederzeit zu verwirklichenden Vorschlag gemacht: er bekannte sich ganz bewußt zu einer Politik des Erreichbaren, wobei er mit Recht auf den deutsch-polnischen Vertrag und auf die wiederholt angebotene Grenzgarantie gegenüber Frankreich verweisen konnte. Der Gesichtspunkt der schrittweisen Verständigung kehrte in den 13 Punkten am Schluß in seiner Rede noch einmal, auf die knappste Formel gebracht, wieder. Hier ist ein deutsches Friedensprogramm mit einer Vollständigkeit aufgestellt worden, die in der europäischen Nachkriegsgeschichte ihresgleichen sucht. Die 13 Punkte Adolf Hitlers können für Europa von epochaler Bedeutung sein, wenn man sie als das nimmt, was sie sein sollen, als Wegweiser zu einer neuen Friedensordnung. Der Führer des deutschen Volkes hat mit diesem klaren und jederzeit zu realisierenden Programm nicht nur den eben geschlossenen Kriegsbündnissen, sondern auch der beinahe ebenso gefährlichen Kriegspsychose eine nüchterne Absage erteilt. Mehr: in den von hohem Schwung getragenen Schlußsätzen seiner Regierungserklärung hat er sich sehr unmittelbar z u dem Glauben an eine Wiederauferstehung Europas bekannt. Wenn der Adressat begreifen will, was leicht zu begreifen ist, dann kann in kurzer Frist der Druck der Spannungen, die heute über den europäischen Völkern lagern, verschwunden sein. Es ist nun Sache Europas, zu handeln. - Wi; w Lebhafte Siskusfion in der britischen Preise Begrenzung nicht Abrüstung Mit Ablauf des nächsten Finanzjahres (31. März 1937) wird d i e Stärke der englischen 5) e i= matluftflotte, ausgenommen die Flottenluftstreitkräfte, 1500 Frontflugzeuge betragen. Gegenwärtig sei die Frontstärke 580 Flugzeuge, so daß die Heimatluftflotte annähernd verdreifacht werde. 2500 weitere Piloten und insgesamt 22 500 Mann zusätzlichen Personals würden benötigt. In diesem Jahr würden allein 1200 bis 1300 neue Flieger eingestellt, außerdem würden Hunderte von Offizieren und Mannschaften über ihre Dienst- zeit hinaus weiter unter den Fahnen gehalten. Londonderrn führte dann noch die Vermehrung der Fliegerschulen und die Bildung von 71 neuen Geschwadern sowie die Anlage von neuen Militärflugplätzen an. Der Minister erklärte, er freue sich über die Erklärung Hitlers, daß Deutschland keine 10 000 Bombenflugzeuge besitze und auch nicht bauen wolle. Die Fähigkeit Deutschlands, seine Flugzeugerzeugung in kurzer Zeit zu vervielfachen, sei jedoch von sehr ernster Bedeutung. Hinzukomme, daß in einem Diktaturlande das ganze Volk unter einer Kontrolle und einem Regiment stehe. In einem Diktaturlande seien die Erweiterung der Industrie, die Mobilisierung der verschiedenen Fabrikationsprozesse, die mit der Erzeugung von Flugzeugen und Munition Zusammenhängen, eine verhältnismäßig einfache Sache. „Ich bin überzeugt, daß sich das Ideal der 2l b - rüstungim gegenwärtigen Au st and der wett als undurchführbar erweist, wenn es praktisch geprüft wird. Dir konnten den Uhrzeiger nicht zurückstellen. Begrenzung, nichtAbrü st ung wäre alles, worauf wir wirklich hoffen könnten. Begrenzung war die Luftpolitik, die ich stets befürwortete, und ich bin in der Tat erfreut, daß die Worte Hitlers eine endgültige Annahme dieses Grundsatzes enthalten. Die englische Regierung wird Mai? PrLeunb| Dalkerb unwichtig stungs' Wer bb so aussic! Verhanb zur W Ablehnb Rüstung der hitli können gutem (S als die c sind den Deutschlc abgetretc Locar eines nisses Führer l pflichtet, 1935 a (T — Lord Davis erklärte, er unterstütze Hitlers Forderung, daß der Vertrag von Versailles endgültig von den Völkerbundssatzungen getrennt werden müsse. Man könne Hitlers Rede zum Anlaß nehmen, um die Verfassung des Völkerbundes unter Mitarbeit des deutschen Volkes abzuändern. — Auch Lord Renne! (konservativ) meinte, die Rede des Führers zeige einen befriedigenderen Weg zu einer Begrenzung der Rüstungen als alles andere, was man bisher gehört habe. Für die Regierung antwortete Lord Halifax, die Rede Hitlers werde ihre Verdienste und sympathische Würdigung durch die Regierung erfahren. Es sei jedoch unmöglich, Einzelheiten heute zu besprechen, er halte es nicht für zweckmäßig, sich zu dieser Rede zu äußern, bevor die Staatsmänner Europas insgesamt Gelegenheit gehabt hätten, sie zu erwägen und festzustellen, welche Möglichkeiten sie enthalte. Nachdem Lord Lloyd noch erklärt hatte, er sei glücklich darüber, daß in der ganzen Aussprache kein unfreundliches Wort gegen Hitler oder das deutsche Volk gefallen sei, wurde die Aussprache geschlossen. Thik 8k Jn b lQ!Ne fcj heil entsetzliches Grauen und furchtbarste Selbst- verwüstung bedeuten würde." Nachdem Baldwin unter großem Beifall der Regierungsparteien geendet hatte, teilte der stellv. Vorsitzende der Arbeiteropposition, Major A t t l e e, mit, daß seine Partei mit den Regierungsvorschlägen nicht zufrieden sei. Sie werde daher gegen den Ergänzungshaushalt für die Luftaufrüstung stimmen. Die Wehrvorschläge Baldwins seien nicht im gering st en dazu angetan, den Gefahren zu begegnen. Die Rede Hitlers enthalte gewisse Erklärungen und Vorschläge, die auf die Möglichkeit einer Wiedereröffnung der Abrüstungs- debatte hoffen lassen. Die arbeiterparteiliche Opposition wünsche ein baldiges Zusammentreten der Abrüstungskonferenz, um die Vorschläge Hitlers zu erwägen, denn in ihnen sehe man eine Möglichkeit, dem Rüstungs- wettlauf Einhalt zu gebieten. Die Rede Hitlers sei allerdings nicht völlig befriedigend. Sie enthalte sehr große Gefahren. Er müsse daher Einschränkungen machen. Deutschland und Rußland müssen in derselben Welt leben. Der von Hitler erwähnte Abgrund zwischen .den beiden Ländern müsse daher überbrückt werden. Auch Großbritannien müsse bereit sein, seinen vollen Beitrag zur kollektiven Sicherheit zu leisten. Diese Sicherheit müsse durch Abrü- stung und nicht durch Aufrüstung erzielt werden. Der Arbeitervertreter Wilmot sagte, Hitlers Rede biete eine Gelegenheit, eine europäische Regelung zu erzielen. Die englische Regierung solle H i t- ler beim Wort nehmen und jetzt die Initiative ergreifen. Sir Stafford Cripps (Arbeiterpartei) erklärte u. a.: Wenn Hitler es ernst meint, dann ist das der goldene Augenblick, auf den die englische Regierung gewartet hat. Warum sollte die englische Regierung nicht aus der Bereitwilligkeit Hitlers Vorteile ziehen? Laßt uns mit Hitlers Angebot und mit unserem Angebot an die französische Regierung herantreten. Wenn die französische Regierung sich ablehnend verhält, können wir immer noch lachen. Dies ist eine letzte Gelegenheit, um die große Tragödie, die Europa heimsuchen könnte, zu verhüten. Churchills Ausführungen waren darauf abgestellt, Deutschlands Friedenswillen zu verdächtigen. Es wäre sehr zu bedauern, wenn die Mei- Zivilbevölkerung vor einem rücksichtslosen Luftangriff schützen kann. Hitler habe seine Karten in offener Weise auf den Tisch gelegt und Europa dürfe' ihm für sein Angebot dankbar sein. „Financial News" erklärt, wenn es möglich sei, einen wirksamen internationalen Friedensplan zustande zu bringen, dann sei die Zeit jetzt dafür reif. Obwohl die Wirkung des neuen Luftbauprogramms auf den Haushalt entschieden unwillkommen sei, werde im allgemeinen eine ruhigere Stimmung herrschen, da die Landesverteidigung in Ordnung gebracht werden solle. Der Widerstand der Arbeiterpartei in dieser Frage sei bestimmt nur geeignet, die Stellung der Regierung im Lande zu stärken. „Daily H e r a l d" (Arbeiterpartei) führt Klage darüber, daß die Regierung die Verdreifachung der britischen Luftstreitmacht beschlossen habe, „g a n z, als ob Hitler kein Angebot gemacht hätte". Die britische Regierung führe ihren Plan trotz des versöhnlichen Tones der Friedensrede Hitlers durch. Die unbestimmte und liebenswürdige Aeußerung Baldwins, daß die Regierung die Rede Hitlers ernstlich erwägen werde, sei unzulänglich. Gegenwärtig biete sich die beste Gelegenheit, um eine — allgemeine, in Freiheit vereinbarte Regelung zwischen Deutschland und den anderen Mächten zu sichern, die das von der Regierung angegebene Ziel bildet. Wenn die Regie- rung die Unterstützung des britischen Volkes haben x wolle, dürfe sie nicht gemeinsame Sache mit den Störenfrieden machen, die gestern in einem großen Teil der europäischen Presse gelärmt hätten, und die weder eine Vereinbarung mit Deutschland noch Deutschlands Rückkehr in den Völkerbund wünschten. Die unmittelbare Antwort Großbritanniens bestehe in der V e r d r e i - fachung der britischen Luftmacht. Diese Antwort könne nicht als förderlich betrachtet werden. Im liberalen „News C h r o n i c l e" heißt es: Der deutsche Reichskanzler habe seine Karten auf den Tisch gelegt, die britische Regierung müsse dasselbe tun. Der beste Weg würde die sofortige Einberufung einer neuen europäischen Konferenz sein. Der konservative „D a i l y T e l e g r a p h" schreibt, das britische Volk werde den Geist der Aeußerung Baldwins zu Hitlers „eindrucksvoller Erklärung" im Reichstag billigen. Es sei von aröß- ter Wichtigkeit, daß Hitler erklärt habe, daß Deutschland in der Luft nichts als Gleichheit mit den Westmächten suche und daß er einen europäischen Luftpakt abzuschließen wünsche ferner daß er nicht nur zur Begrenzung, sondern auch zur Verminderung der Luft st reit- k r ä f t e bereit sei. Hitler glaube, daß eine Begrenzung viel leichter sein werde, wenn es P a r i - t ä t zwischen den vertragsschließenden Mächten cmbe. Dies sei ein starkes internationales Argument für den großen Ausbau der Luftstärke Großbritanniens. Die Regierung müsse ihr Programm durchführen, zugleich aber geduldig nach den Bedingungen forschen, unter denen sie mit Deutschland in einemLuftlocarno, das die Hoffnung auf eine Rüstungsbegrenzung eröffne, Zusammenarbeiten könnte. London, 23. Mai. (DNB. Funkspruch.) Im Leitartikel der „Times" heißt es, Baldwins Rede habe einen tiefen Eindruck auf das Unterhaus gemacht. Baldwin habe Hitlers Rede als eine ehrliche Antwort auf die Einladung zu einem deutlichen Beitrag zur Lösung der europäischen Schwierigkeiten anerkannt. Kein Abschnitt der Rede Baldwins sei willkommener, als seine Befürwortung völligen Friedens zwischen Großbritannien und Deutschland. Einer der großen von ihm früher geleisteten Dienste sei der gewesen, die Unkenntnis und Geheimhaltung zu beklagen, die damals jede Abrüstungserörterung behinderte. Jetzt komme die Wahrheit ans Licht und nach den ersten natürlichen Erschütterungen, die die deutsche Aufrüstung besonders bei seinen Nachbarn auslösen mußte, bestehe wirklich eine viel bessere Aussicht auf eine vernünftige Vereinbarung über Verhältnisstärken als je. Baldwin habe gestern ein Beispiel der Offenheit gegeben, als er sagte, daß seine Abschätzung der künftigen Luftstärke Deutschlands im November vollkommen falsch gewesen sei. Auf der anderen Seite sei General Göring vollkommen offen gewesen, als er erläutert habe, wie Baldwins falsche Berechnung zustande gekommen sei. Jetzt vereinigten sich Baldwin und.Hitler, um in klarer Beredsamkeit den Lüftbombenkrieg zu verurteilen. Der erste Schritt in dieser Beziehung — der vielleicht ein völliges Abschreckungsmittel sein werde — gehe sicher dahin, durch Verhandlung das Luftlocarno zustande zu bringen und einen überwältigenden Zusammenschluß von Kräften gegen jeden verbrecherischen Angreifer zu sichern. Das britische Luftprogramm gehe vom Grundsatz der Parität mit den einzelnen West möchten aus. Auch in dieser Beziehung stehe Baldwin auf demselben Grunde wie der Reichskanzler. Ebenso seien beide nicht nur zur Begrenzung, sondern auch zur Verminderung bereit. Die Aussicht auf Krieg, die niemals sehr nahe war, ist infolge der Erklärung der britischen Negierung und der Rede Hitlers endgültig zurückgegangen. Beide Regierungen haben bemerkenswerte Beiträge zu dem Vertrauen gegeben, das das Hauptbedürfnis Europas ist. Endlich gibt es eine Grundlage für eine praktische Regelung. In der „Morn in g Post" (Konservativ) heißt es, der große und schnelle Ausbau der deutschen Luftmacht, auf den Baldwin Bezug nahm, sei eine Tatsache, die mehr sage als eine Rede. Bei aller Achtung vor den ausgezeichneten Absichten der Nachbarn Englands werde der Friede auf gesünderer Grundlage beruhen, wenn die Gleichheit in der Stärke der Luftwaffe aufrecht- erh alten bleibe. „Daily Mail" hält, wie vor- auszusehen war, das neue Luftbauprogramm für unzulänglich, begrüßt aber die herzliche Antwort, die Baldwin auf Hitlers „bedeutungsvolle Rede" gegeben habe. Deutschlands Zusammenarbeit für die Sache des Friedens werde hier herzlich begrüßt werden, ebenso jede Vereinbarung, die die DNB. London, 22. Mai. Im Oberhaus wurde zur gleichen Zeit wie im Unterhaus die Wehraussprache begonnen. Der konservative Lord Lloyd erklärte unter Anspielung auf Deutschland, daß sich nur drei Stunden von London entfernt eine starke Armee befinde, durch die England einmal Unheil zugefügt werden könnte. Deutschland müsse für eine solche Offenheit Verständnis aufbringen, da mit dieser Feststellung nicht die Ehrlichkeit des deutschen Friedenswillens angezweifelt werden soll. Luftfahrtminister Lord Londonderry stellte fest, daß England nach dem Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund und angesichts der wachsenden Luftrüstungen anderer Länder gezwungen gewesen sei, die Politik der einseitigen Abrüstung zu verlassen. Die Stärke des englischen Luftprogramms müsse stets an der größten, in Reichweite Englands befindlichen Luftflotte g e - m e ff e n werden. Dies ist unsere Formel. — Die neue Wehrpolitik Deutschlands sei in der englischen Oeffentlichkeit und im Ausland als ein Schlag empfunden worden. „Wir fühlen, daß diese aufeinanderfolgenden Erklärungen Deutschlands Zeichen der Stimmung und Gesinnung des deutschen Volkes und seiner Führer sind, Zeichen, die für England von schwerster Bedeutung sind und auf die es ei n e klare Antwort finden muß." Londonderry bedauerte dann, daß über die Stärke der deutschen Luftstreitkraft so außer- ordenttlch übertriebene Zahlen verbreitet worden seien, die von amtlicher deutscher Seite dementiert worden seien. Aber trotzdem müsse man zu schnellem und kräftigem handeln entschlossen sein. Dies solle nicht als eine Unfreundlichkeit gegenüber Deutschland gedeutet werden. Die Erklärung Hitlers vor dem Reichstag, die die Rüstungsbegrenzung behandele, begrüße er ganz besonders. nung Platz greife, daß durch die Rede Hillers eine neue und besonders hoffnungsvolle Lage geschaffen worden sei. Die Haltung Hitlers zu der Sicher- h e i t s f r a g e sei alles andere als ermutigend, und auch seine Haltung zu der Frage der Nichteinmischung in die Politik der Donauländer sei enttäuschend. Die Bemerkung über die Schwierigkeiten, die Bestimmungen der entmilitarisierten Zone einzuhalten, sei mehr dazu angetan, aufzuregen als Sorgen zu zerstreuen. Er begrüße die Erklärung Hitlers über den unbegrenzten Bombenabwurf auf die Z i - vilbevölkeruna, er müsse jedoch daran erinnern, daß die deutsche Luftwaffe eine größere Anzahl von Langstreckenbombern besitze, als irgendein anderes Land der Welt. Wenn die Deutschen 35 v. H. der englischen Tonnage in Schiffsneubauten auf Stapel legten, sei es klar, daß dann auch England neue Konstruktionen aller Schiffsklassen auf Stapel legen müsse. Im Namen der Regierung schloß der Unterstaatssekretär im Luftfahrtministerium, Sir Philipp S a s s o o n , die Unterhausaussprache ab. Er erklärte u. a., daß England außer der verdreifachten Heimatluftflotte stets einen Teil der in England befindlichen Reserven für die überseeischen Luftstreitkräfte zur Verfügung haben werde. Es wäre nicht im öffentlichen Interesse, genaue Einzelheiten über die zusätzlichen Flugzeuge und Flugzeugmotoren zu geben, die die englische Regierung in Auftrag geben werde. Ausländische Regierungen würden hierüber ebenfalls keine Informationen geben. „Unsere Anforderungen an die Industrie werden sehr schwer sein, aber wir sind überzeugt, daß die Industrie ihnen gerecht werden wird. Wir werden jede Maßnahme ergreifen, um die Profitmacherei zu verhüten, die sich aus den großen Aufträgen auf Flugzeuge und Flugmotoren ergeben könnte." Sassoon kam dann noch kurz auf die Aufrüstung der deutschen Luftstreitkräfte zu sprechen und schloß mit den Worten: „Ich bin überzeugt, daß eine starke englische Luftflotte die beste Garantie für den europäischen Frieden ist." Das Unterhaus lehnte hierauf mit 340 gegen 52 Stimmen den arbeiterparteilichen Antrag auf Herabsetzung des Ergänzungshaushalts ab und bekräftigte damit die Regierungsvorschläge. Hierauf wurde die' Unterhausaussprache abgeschlossen. G Pari. Genfer $ lienisch-ab taifd, Man erkl Lavals if ??n mar °be, trotz glichen >bt bc Wsen Ltae Austritt ®htb ten. j tan Vorsichtige Zurückhaltung in Krankreich Man spürt eine Lockerung in London. unter keinen Umständen eine zweitklassige Stellung in der Luft annehmen. Wenn sich das mitgeteilte Programm als unzulänglich erweisen sollte, werden wir es erhöhen, koste es, was es wolle!" Der konservative Lord W i n t e r t o n will aus der Hitler-Rede herausgelesen haben, daß Deutschland die Absicht habe, eine Armee zu unterhalten, die größer sei als irgendein anderes Heer in Europa mit Ausnahme des russischen. Deutschland verlange eine Luftwaffe, die der größten Luftmacht in Europa gleiche und eine Flotte, deren Gesamttonnage 35 v. H. der englischen betrage, obwohl Deutschland „nur wenige Meilen Küstenlinie besitze!" Darüber Klarheit geschaffen zu haben, sei das Verdienst von Churchill, Rothermere und Gar- vin. Den Unterstaatssekretär im Luftfahrtministerium griff Winterton heftig an, weil er noch im Herbst behauptet habe, England sei Deutschland in der Luft überlegen. Während im weiteren Verlauf der Debatte der konservative Abgeordnete Pic- t h o n e vor der Erzeugung von Panikstimmungen warnte, versteifte sich der konservative Hauptmann Balfour auf die Behauptung, daß die Lage in Europa der von 1914 entspreche. Der Oppositionsführer Lord P o n s o n b y (Arbeiterpartei) bedauerte, daß der Luftfahrtminister kaum auf die Erklärungen Hitlers Bezug genommen habe. „Nach der Rede Hitlers, die von dringlicher Bedeutung war, ist es klar, daß wir an einem Wendepunkt angekommen sind und daß uns zwei Wege offenstehen." Ein Weg sei, die wichtigen Punkte seiner Rede aufzugreif e n, der andere, sie völlig außer acht zu lassen. Die englische Regierung habe den letzteren Weg eingeschlagen. Ponsonby schlug die Einberufung einer internationalen Konferenz vor, die eine Abrüstungs- oder Sonderkonferenz sein könne. Auf dieser Konferenz sollten die Vorschläge Hitlers auf ihre Ehrlichkeit geprüft werden. Die Luftdebatte im Oberhaus. Der britische Lustfahrtminister begründet das neue Lustflottenprogramm/ das an der größten, in Reichweite Englands befindlichen Lustflotte gemessen wird. Paris, 23. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Aufmerksamkeit, die die französische Presse am Mittwoch der Rede des Führers entgegenbrachte, hat ich auch am Donnerstag noch nicht abgeschwächt. Der Genfer Sonderberichterstatter der halbamtlichen Nachrichtenagentur H a v a s schreibt, der französische Außenminister Laval, der sich in Genf befindet, behalte sich seine Stellungnahme zur Führerrede vor, bis er Gelegenheit genommen habe, die Rede im Wortlaut zu lesen. Immerhin betrachte man die Ausführungen des Kanzlers als sehr bedeutsam. Man erkläre, daß sie einer sehr aufmerksamen Untersuchun g.w e r t seien und lasse durchblicken, daß sich der französische Außenminister in allernächster Zeit mit dem französischen Sachverständigen über gewisse Punkte dieser Rede ins Benehmen setzen werde. Andere Genfer Sonderberichterstatter behaupten, daß die Ausführungen des Führers in Genf enttäuscht hätten. Besonders der Hinweis darauf, daß die Reichsregierung an ihrem Rüstunaspro- gramm fefthalte, so schreibt „Petit Parisien", habe in Genfer Kreisen jede Hoffnung auf eine mögliche Einigung verschwinden lassen.' Das einig neue in der Rede des Führers sei der Teil, )er sich auf die territorialen Älaufeln und auf die Revision der Verträge bezieht. Diesen Teil halte man für sehr wichtig, weil der Führer darin zum Ausdruck zu bringen scheine, daß er nicht an eine gewaltsame Revision der Verträge denke. Der Pariser Berichterstatter der „Time s" meldet seinem Blatt, es werde einiger Zeit bedürfen, um die Aufnahme der Rede in den amtlichen Kreisen Frankreichs einzuschätzen. Aber Laval sei nicht der Mann, der eine Gelegenheit megtoirft, die es ermöglicht, den gebrechlichen Bau der Versöhnung, den er errichtete, zu verstärken. Einen deutschen Wunsch nach erneuten Verhandlungen werde Laval nicht a b l e h n e n. Man könne vielleicht sogar sagen, daß der Abstand, der Paris in der Frage der Behandlung des Versailler Vertrages von Berlin I trenne, mehr der Methode als dem Ziell England fei aber nicht bereit, in der Zwischenzeit eine zweitklassige Stellung einzunehmen. Die deutsche Regierung habe zwar gelegentlich ihres Paritätsanspruchs mit England mitgeteilt, daß ihre Frontstärke etwa 800 bis 850 Flugzeuge betrage. Diese Zahlen seien aber keine zuverlässige Vergleichsgrundlage, da in der deutschen und der englischen Auslegung des Begriffs „Frontlinie" ein beträchtlicher Auffassungsunterschied bestehe. Die deutsche Luftstreitmacht besitze nicht annähernd so viele Militärflugzeuge wie die englische. Jedoch sei die Erweiterungsfähigkeit der deutschen Flugzeugindustrie ein Faktor, mit dem sehr ernstlich gerechnet werden müsse. Die englische Luftflotte besitze 2700 voll ausgebildete Piloten im aktiven Dienst. 400 weitere Flieger würden zur Zeit ausgebildet, außerdem bestehe eine Reserve von 1200 voll ausgebildeten Militärfliegern, die gegenwärtig schnell vergrößert werde. Die zuverlässige Ausbildung eines Militärfliegers beanspruche 12 Monate, Kriegsflieger müßten außerdem noch IV2 Jahre Geschwaderdienst tun. Auf dem Gebiet der Ausbildung, vor allem der kollektiven Ausbildung der Geschwader und ihrer Zusammenarbeit mit anderen Einheiten, läge der große Vorsprung gegenüber Deutschland. „Wir können noch immer behaupten, eine £uf(- streitkraft zu besitzen, die eine stärkere Rückendeckung besitzt als eine andere Luftflotte Europas". Ein neuer Bomber „mit garantierter Leistung" sei zur Zeit im Bau und werde spätestens im Februar 1936 abgeliefert. „Trotz all dieser Erwägungen werden wir die angegebenen deutschen Ziffern als Grundlage für die notwendigen weiteren Schritte annehmen". Lord L 01 f) i a n bedauerte ebenfalls, daß Londonderry die Vorschläge der sehr bemerkenswerten Rede Hitlers nicht ausgenommen habe. Die Rede Hitlers habe in der gegenwärtigen Lage starke Hoffnungen erweckt. (Beifall.) Die Rede sei bestimmt und genau und auch durchaus vernünftig. Er hoffe, daß Hitlers Erklärung die Luft reinigen werde und den Weg zu Verhandlungen ebne. Dies fei d i e letzte Gelegenheit, um den Rüstungswettbewerb abzustoppen. Ein Rüstungswettbewerb lege die Entscheidung über Frieden oder Krieg in die Hand von Verrückten, Knechten oder Sachverständigen. Lord Cecil erklärte, Hitlers Rede sei ein gewaltiges und bedeutendes Angebot, das sehr sorgfältig erwogen werden müsse. Er würde sich freuen," wenn die britische Regierung in der Lage sein würde, ein Gegenangebot zu machen, das ebenso bestimmt und ebenso annehmbar sei. Er finde es ein wenig beunruhigend, daß in diesen Fragen die Initiative ständig den Diktatoren des Kontinents überlassen bleibe. — Lord M 0 11ist 0 ne sprach den Wunsch aus, daß man Hitlers ausgestreckte Hand ergreife. gelte. Man dürfe annehmen, daß die amtliche Welt, die wahrscheinlich beinahe ebenso froh wie Hitler fein würde, die lästigeren Teile des Versailler Vertrages endgültig los zu werden, bald einsehen werde, daß es zwecklos sei, etwas durch Zeitaufschub erhalten zu wollen, was niemand durch Gewalt zu verteidigen wünsche. Die Rüstungsaussprache im englischen Unterhaus wird in der französischen Presse aufmerksam verfolgt. Man spürt zwischen den Zeilen die Genugtuung über die Durchführung des englischen Rüstungsprogramms, das als die Antwort Baldwins auf die Führerrede bezeichnet wird. Nur der ,Hour" will feststellen können, daß die englische Regierung nach den Erklärungen des Führers ihre Haltung wesentlich geändert habe. Man dürfe sich nicht wundern, so schreibt das Blatt, daß Baldwin von seinem ursprünglichen Standpunkt abgewichen sei. Baldwin habe in seiner gestrigen Rede absichtlich jeden Hinweis auf die Effektivstärke des deutschen Heeres und auf den Frieden im Osten sowie auf die österreichische Unabhängigkeit vermieden. Er habe ferner praktisch das Luftabkommen von allen anderen Verhandlungen getrennt, die augenblicklich geführt würden. Man erinnere sich noch daran, daß der Führer in Beantwortung der Londoner Erklärung vom 3. Februar a l s er ft er diese Trennung vorgeschlagen habe und daß London und Paris übereingekommen seien, dies für unannehmbar zu erklären. Man müsse sich deshalb die Frage vorlegen, ob London seine Absicht geändert habe. Das Echo in Warschau. Friedfertigkeit ohne komplizierte Paktformeln. Schweizer Gens, „; D e" ertl nur d-«.< Sie BerhM" Pf«»» werden. J °°n!->«" Lmd g-M h°bl gen das h-it <“!* len Wf Methoden einer M- meint, daß rufen werd das Beftre zu branger spräche ers sie sich auf Diese wer! lichung sin mehr erreg ten durch werden, f) mehrere bi dem Gebie DeuWanl eine Lustki waffen ur nicht mib DeuWan durch die Die J Die erste uns dari im Londc zierte Sy Zufamme ist aber Grunde i Friedens// /y//em wärtig ein moderne, n begriffene bundes. folche, die eine eigen zu decken geben. Di den rückf vor ler K $ei ÄÄ L° Pl* £ Warschau, 23. Mai. (DNB. Funkspruch.) Der zum Regierungslager gehörende „Expreß Po- r an n y" stellt fest, daß die Reichstagsrede des - -------, Führers die Friedfertigkeit der deut- ethode als dem Zieltj ch en Politik und den Wunsch zur Verständi- nnd \ ol ~ „lch spd-r-"> u.nLngen 3 Steine S"*'j gung und zum freundschaftlichen Zusammenleben als Leitmotiv gehabt habe. Die Friedfertigkeit sei dabei nicht mit komplizierten Paktformeln verknüpft. Für Polen seien von besonderem Interesse die Ausführungen Hitlers, daß der deutsch-polnische Vertrag ein mehr als wertvoller Beitrag zum europäischen Frieden sei und daß man Vertiefung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen wünsche. Polen seinerseits habe niemals den Vertrag mit Deutschland als zeitlich begrenzt angesehen. Seine Verlängerung liege ebenso im Sinne der polnischen Regierung, wie nach der Erklärung des Reichskanzlers auch im Sinne der Reichsregierung. Durch diese Erklärung habe der Kanzler die Grundlosigkeit der von einzelnen Seiten aufgetauchten Behauptungen bewiesen, daß der deutsch-polnische Vertrag etwas Provisorisches, auf einem zehnjährigen Zeitraum- Beschränktes sei. Der Kanzler habe vor aller Welt festgestellt, daß der deutschpolnische Vertrag der Versuch zu einer dauerhaften Lösung eines ernsthaften europäischen Problems sei. „Das Kriegsgespenst von 1935 verscheucht." Schweizer Pressestimmen zur Führerrede. Genf, 22. Mai. (DRV.) „Journal de G e - nöoe" erklärt, der Führer habe seine Politik nicht nur darlegen, sondern auch rechtfertigen wollen. Die Beweisführung, daß Deutschland durch das Verhalten der anderen seiner Entwaffnungsverpflichtungen ledig geworden sei, könne widerlegt werden. Hitler vergesse immer, daß der Krieg von seinem Lande erklärt worden sei, daß dieses Land seinen Nachbarn nicht immer Vertrauen ein- geflößt habe und daß keine juristische Theorie gegen das Vorhandensein einer belasteten Vergangenheit aufkommen könne. Das Blatt entnimmt aus den Ausführungen über die bisherigen Konferenzmethoden den Wunsch Deutschlands, nicht mehr einer gemeinsamen Front gegenüberzustehen. Es meint, daß diese Forderung Befürchtungen Hervorrufen werde. In manchen Kreisen habe man darin das Bestreben gesehen, sich zwischen die Alliierten zu drängen und sie zu spalten. Die deutschen Ansprüche erschienen nicht übertrieben, sobald sie sich auf die effektive Gleichheit beziehen. Diese werde aber ihre ganz natürliche Verwirklichung finden, sobald das Reich kein Mißtrauen mehr erregt. Die Befürchtungen der anderen könnten durch die Organisation der Sicherheit behoben werden. Hier mache Hitler Vorschläge, von denen mehrere durchaus konstruktiv erschienen. Auch auf dem Gebiet der Rüstungen sei festzustellen, daß Deutschland ein allgemeines Begrenzungsniveau, eine Luftkonvention, die Abschaffung der Offensivwaffen und das Verbot des Bombenabwurfs in nicht militärischen Zonen annehme. Hier suche Deutschland einen Schutz gegen die Bedrohung durch die Sowjetluftfahrt. Die „Basler Nachrichten" schreiben u. a.: Die erste Konsequenz aus der Hitler-Rede scheint uns darin zu bestehen, daß Deutschland für das im Londoner Programm vom 3. Februar d. I. skizzierte System eines Ausbaues der internationalen Zusammenarbeit nicht zu haben ist. Darüber hinaus ist aber noch höchst wichtig, daß Adolf Hitler im Grunde überhaupt jede internationale systematische Friedenssicherung ablehnt, sowohl das Allianz- system der Vorkriegszeit, das gegenwärtig eine Art Renaissance erlebt, als auch die moderne, in schwerem Kampf um ihre Durchsetzung begriffene Rechtsordnung des Völkerbundes. Für die Großmächte, namentlich für solche, die ihren Bedarf an Kriegsmaterial durch eine eigene leistungsfähige Industrie jederzeit selbst zu decken in der Lage sind, wird das zu denken geben. Die mittleren und die kleinen Staaten würden rücksichtslos dem Recht des Stärkeren preis- gegeben werden. Die zweite Konsequenz der Hitler- Rede ist erfreulicher. Das Reich ist zu praktisch nicht unwichtigen Vereinbarungen über Rü- stungsbeschränkung geneigt. So entschieden Hitler die Brücke zum Völkerbund abgebrochen hat, so aussichtsreich scheinen uns nach seiner Erklärung Verhandlungen über die Rückkehr des Reichs zur Weltabrüstungskonferenz zu sein. Ablehnbar wäre ein Zusammengehen auf dem Rüstungsgebiet nur dann, wenn der Gesamteindruck der Hitlerrede ein friedensfeindlicher wäre, und das können auch deren aufmerksamste Kritiker nicht mit gutem Gewissen behaupten. Unendlich viel wichtiger als die antiannexionistischen Beteuerungen der Rede sind deren konkrete Feststellungen über den Verzicht Deutschlands auf Rückeroberung der in Versailles abgetretenen Gebiets auf dem Beharren beim Locarnovertrag und auf Einhaltung eines bestimmten Rü st ungs Verhältnisses zur See und in der Luft. Damit hat der Führer sein Reich und sein Volk so feierlich verpflichtet, daß das Kriegs gespenst von 1935 als verscheucht gelten darf. Der Abessinienkonflikt. Gefahren für den Völkerbund. Paris, 23. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die Genfer Besprechungen über die Beilegung des italienisch-abessinischen Streitfalles werden von den französischen Blättern sehr pessimistisch beurteilt. Man erklärt, daß die bisherigen Bemühungen Lavals und Edens erfolglos geblieben seien, wenn man auch noch nicht die Hoffnung aufgegeben habe, trotz der italienischen Unnachgiebigkeit zu -'mer friedlichen Lösung zu gelangen. Der Streitfall so schreibt das „Echo de Pans", könne schwerste Folgen für einen auf der Grundlage des gegenseitigen Beistandes vorgenommenen friedlichen 2luf* bau Europas haben. Er drohe immer mehr sich zu einem Streit zwischen Italle nun d dem Völkerbund auszuwirken. Der ..Mattn weift ebenfalls auf diese besondere Gefahr hm. Cm Austritt Italiens aus dem Völkerbund wurde das Sterbegeläut der Genfer Einrichtung bedeuten. „Oeuvre" wirft Mussolini vor, aus Der gcmzen Angelegenheit eine faschistische Prestigefrage zu machen, die auffallend an das Vorgehen Japans in der Mandschurei erinnere. Anstatt aber mit orientalischer Geschmeidigkeit und Freundlichkeit mit den Genfer Gesetzen zu verfahren, versuche der italienische Diktator, dem Völkerbund kaltblütig seinen Willen aufzuzwingen. Chinesisches Militärflugzeug auf eine Kaserne gestürzt. — Cin Toter, vierzig Verletzte. In der Nähe von Kanton stürzte ein chinesisches Militärflugzeug bei Vorführungsflügen ab und landete auf einer Kaserne. Beim Aufprall fand der Pilot den Tod. Die Kaserne wurde teilweise schwerbeschädigt, und durch einstürzende Mauerteile wurden 40 von den in der Kaserne untergebrachten Kadetten vo »Letzt, Oie Auswirkungen des Wehrgesehes. General von Reichenau, Leiter des Wehrmachtsamts, gibt der presse Erläuterungen. Berlin, 22. Mai (DNB.) Der Leiter des Wehrmachtsamtes im Reichskriegsministerium, General von R e i ch e n a u , gab der Preße den Inhalt des neuen Wehrgesetzes bekannt. Er führte aus: Der Entschluß des Führers und Reichskanzlers vom 16. März 1935 hat dem deutschen Volk die Wehrhoheit und damit seine Ehre wiedergegeben. Die Größe dieser Tat wird für sich selbst sprechen, nicht nur in den heutigen Tagen, sondern noch in erner Zukunft. W i r Soldaten danken dem Zührer, daß wir auf der Grundlage seines Ent- chlusses unsere Arbeit aufnehmen konnten; mit uns )ankt ihm das ganze deutsche Volk für dieses Ge- chenk von historischer Bedeutung. Das neue Wehrgefetz wurzelt tief in dem Grunde besten und stärksten deutschen Geistes, der vor mehr als hundert Jahren einem geknechteten Volk die Freiheit wiedergegeben hat. Es ist aber auch befruchtet von der Kraft des Nationalsozialismus, der das heutige Deutschland geschaffen hat. Es ist nationalsozialistisch in seinem Geist und in seinen Forderungen, in einen Rechten und in seinen Pflichten; denn es teilt d i e Pflicht, dem Volksganzen zu Dienen und in ihm aufzugehen vor das Recht, als Einzelperson in unserem Volke anerkannt und ge- chätzt zu werden. Es stellt aber auch das Recht edes wehrwürdigen und wehrfähigen Mannes fest, einem Volke mit der Waffe zu dienen, und macht )ie Stärke der Wehrmacht nicht abhängig von Parlament und Mehrheitsbeschlüssen. Es kennt keine Standesvorrechte und keine Bildungsprivilegien, nur Charakter und Leistung werden den Weg des Soldaten bestimmen. Das alte Wehrgesetz. Ehe ich auf das Gesetz im einzelnen eingehe, darf ich noch ganz kurz Ihre Aufmerksamkeit auf das Wehrgesetz vom 23. März 1923 lenken, das unter dem Druck des Versailler Vertrages die gesetzliche Grundlage für die Reichswehr geschaffen hat. Begriffe und Bezeichnungen aus diesem Gesetz, die mit der Berufswehrmacht eng verbunden waren, find in das neue Gesetz nicht übernommen worden, um diese Periode unserer Wehrpolitik auch äußerlich endgültig abzuschließen. Ich möchte aber betonen, daß wir Soldaten Der Reichswehr keine Veranlassung haben, uns Jener Zeit zu schämen. Trotz Versailler Vertrag, trotz innenpolitischer Hemmungen ist es der Zielklarheit, dem Idealismus und der Beharrlichkeit der verantwortlichen Führer gelungen, das soldatische Erbe unserer großen Vergangenheit zu bewahren. Sie haben, um ein Wort des Generali- obersten von Seeckt zu zitieren, mit heißem Herzen aber kühlem Verstand geholfen, den 16. März 1935 vorzubereiten. Das neue Wehrgesetz. Die Dauer der Wehrpflicht ist vom 18. bis zum 45. Lebensjahr festgesetzt. Der Reichskriegsminister kann diese Dauer im Kriege und bei besonderen Notständen erweitern. Diese Festlegungen stellen keineswegs eine lieber* jpannung der Wehrpflicht dar. In allen europäischen Staaten mit allgemeiner Wehrpflicht sind etwa die gleichen Altersgrenzen festgelegt, häufig sogar noch Darüber hinausgehend, wie in Frankreich und in Rußland. Die Wehrpflicht wird durch den Wehr- d i e n ft erfüllt, der aktiv in Der Wehrmacht ober im Beurlaubtenstande geleistet wird. Die Unterteilung des Beurlaubtenstandes ist derjenigen der Vorkriegszeit angeglichen, wie überhaupt auf bewährten Einrichtungen und Erfahrungen aufgebaut worden ist. Der Mann tritt nach Erfüllung der aktiven Dienstpflicht zur Reserve über, der er bis zum 35. Lebensjahr angehört. Zwischen dem 35. und 45. Lebensjahr gehört er der Landwehr an; die Jahrgänge über 45 Jahre, die im Kriege ober bei befonberen Notftänben einberufen werben können, bilben ben ßanbfturm. Zur Ersatzreserve gehören -bie Wehrpflichtigen, bie nicht zur Erfüllung der aktiven Dienstpflicht einberufen werben. Auch bie Ersatzreservisten treten mit Vollenbung bes 35. Lebensjahres zur Lanb- wehr über. Die Dauer ber aktiven Dienst- p flicht beträgt ein Jahr. Neben ben langbie- nenben Unteroffizieren können Freiwillige im Heer auf ein weiteres Jahr, in Kriegsmarine undLuftwaffe auf insgesamt vier Jahre verpflichtet werben. Das Flottenperfonal ber Kriegsmarine unb bie Fliegertruppe werden sich ausschließlich aus längerdienenden Freiwilligen ergänzen. Die Erfüllung der Arbeits- di en ftp flicht ist eine Voraussetzung für den aktiven Wehrdienst. Für das Jahr 1935 kann diese Voraussetzung allerdings noch nicht gefordert werden, da die Arbeitsdienstpflicht noch nicht gesetzlich feftgelegt ist. Gewisse Ausnahmen werden für die Übergangszeit und auch auf weitere Sicht notwendig bleiben. Das Ersatzwesen. Die Wehrpflichtigen werden durch die Ersatzdienst stellen der Wehrmacht ersaßt. Die näheren Ausführungsbestimmungen hierüber, auch über Wehrtauglichkeit, Zurückstellung und Wehrüberwachung, wird die Deutsche Wehr- Ordnung enthalten, deren erster Teil als „Vorläufige Musterungsanweisung für 1 935" noch in dieser Woche veröffentlicht werden soll Die Ersatzorganisation der Wehrmacht gliedert sich in Wehrersatzinspektionen und Wehrbezirkskommandos, die in die zehn Wehrkreise eingeordnet sind. Es sind insgesamt 24 Wehrersatzinspektionen und 223 Wehrbezirkskommandos. Die Stellung der «tarier. Die Vorschriften über die Stellung ber Nichtarier sinb nach Grundsätzen entstanden, die ber Führer und Reichskanzler aufgestellt hat. Arische Abstammung ist grundsätzlich eine Voraussetzung für den Wehrdienst, doch können Ausnahmen zugelassen werden, die durch Prüfung s a u s s ch ü s s e entschieden werden, die bei den Wehrersatzinspektionen durch den Reichsminister des Innern im Einvernehmen mit Dem Reichskriegsminister eingerichtet werden, eben o werden Die Richtlinien für Die Prüfungsausschüsse von beiDen Ministern ausgearbeitet Die Richtlinien werden dahin gehen, daß solche Nichtaner und Personen, bie mit Frauen ntchtaa: t» 4^»« strrÜ. Mi V&tV williger Melbung zum aktiven Wehrdienst zugelassen werden, die nach der Art ihrer bisherigen Betätigung nach dem persönlichen Gesamteindruck und nach Prüfung der politischen Zuverlässigkeit für geeignet befunden werden. Reinrassige Juden werden zum aktiven Wehrdienst nicht heran gezogen. Alle Nichtarier unterliegen der militärischen Meldepflicht und ber Wehrüberwachung. Die zum aktiven Wehrbienst zugelafsenen Nichtarier gelangen nicht in Vorgesetzten st ellungen. Für ben Kriegsfall wirb eine befonbere Regelung biefer schwierigen Frage eintreten müssen, bie ber Führer unb Reichskanzler sich noch vorbehalten hat. Die Wehrpflichtigen, die dauernd im Auslände leben ober für längere Zeit nach dem Auslanbe gehen wollen, müssen grunbsätz- lich ihre Wehrpflicht in Deutschland erfüllen. Es ist jedoch zeitliche Zurück st ellung, in Ausnahmefällen sogar Urlaub bis zur Beendigung der Wehrpflicht möglich. Im Jahre 19 3 5 sollen im Ausland lebende Wehrpflichtige zum aktiven Wehrdienst nicht herangezogen werden, da weder die Musterung unb Aushebung rechtzeitig burchge- sührt noch bie Gesuche sich freiwillig Meldenber bearbeitet werben können. Die für Die im Auslanb lebenden Wehrpflichtigen zuständige Ersatz» d i e n st st e l l e ist das Wehrbezirkskommando VI, Berlin W 35, Genthiner Straße 11, Fernsprecher B 2 2187. Soldaten dürfen sich nach § 26 nicht politisch betätigen. Dieser Grundsatz ist alt und bewährt. Es ist klar, daß während der kurzen Dienstzeit ber Solbat seine ganze körperliche unb geistige Kraft auf bie Ausbildung mit ber Waffe lenken muß, baß er nur einer Befehls» gemalt, der der Wehrmacht, unterstehen kann. Infolgedessen ruht auch für alle Soldaten die Zugehörigkeit zur NSDAP., das Recht zum Wählen unb zur Teilnahme an Abstimmungen. Die G e b ü h r n i s s e ber Solbaten werben burch bas Reichsbesolbungsgesetz geregelt. Besonbers dringlich ist eine Sicherungsvorschrift gehalten, die verhindern soll, daß dem einzelnen Wehrpflichtigen nach Ableistung seines aktiven Wehrbien st es Nachteile in seinem Beruf entstehen. Ebenso ist für freiwillig länger bienende Soldaten eine Versorgung vorgesehen, die eingehend in einem besonderen Gesetz, dem Wehrmachtsversorgungsgesetz, behandelt werden wird. Die Musterung der Geburtsjahrgänge 1914 unh 1915. Jahrgang 1914 wird am 1. November eingezogen, Jahrgang 1915 muß die Arbeitsdienstpflicht ableisten. 3m Jahre 1935 werben ble Geburts- jahrgänge 1914 unb 1915 gemustert unb ber Jahrgang 1914 zur Erfüllung ber aktiven Dienstpflicht ausgehoben. Der Jahrgang 1915 steht nach ber Musterung zunächst zur Ableistung bes Arbeltsdien- ft es zur Verfügung. Die Dienstpflichttgen dieser beiden Jahrgänge find bereits durch die Behörden der Allgemeinen und Inneren Verwaltung in Personalblättern erfaßt. Die Musterung beginnt im Juni, die Aushebung findet im Herbst 1935 statt. Die Ausgehobenen werden beim Heer und der Luftwaffe zum 1. November 1935 eingezogen. Die Kriegsmarine hat verschiedene Ein- slellungslermine, die sich je nach der Verwendung im Flotten- oder Küstendienst über das ganze Jahr verteilen. Für Ostpreußen wird außerdem noch der Geburtsjahrgang 1910 zur Erfüllung der aktiven Dienstpflicht gemustert unb ausgehoben. Die vorläufige Anweisung für die Musterung und Aushebung 1935 wird in Kürze im Reichs- gesehblatt veröffentlicht werden. Die Wehrpflichtigen aus den Jahrgängen 1913 bis 1910 können auf Grund freiwilliger Meldung zur Ableistung der aktiven Dienstpflicht eingestellt werden. Eine Musterung und Aushebung dieser Jahrgänge und der noch älteren kann vorläufig noch nicht erfolgen, da die Unterlagen hierzu erst geschaffen werden müssen. Sie werden nicht mehr für die Ableistung der aktiven Dienstpflicht, sondern nur zu einer kurzen Ersah- reserveausbildung herangezogen werden. Gesuche um freiwilligen Eintritt in die Wehrmacht können nur bis zum 1. Juli d. I. angenommen werden, da mit Beginn der Musterung die Freiwilligeneinstellung beendet sein muß. Es wird gebeten, alle Anfragen an das zuständige Wehrbezirkskom- m a n d o zu richten. Wer nicht weiß, welches Wehrbezirkskommando für feinen Wohnort zuständig ist. erhält Auskunft auf der Orlspolizei- b e h ö r d e. ie werden die Dienstpflichtigen ersaßt? Berlin, 23. Mai. (DNB.) Das Reichsgesetzblatt Nr. 52 Teil 1 vom 22. Mai 1935 enthält eine „V e x- ordnung über bas Ersassungswesen" vom 22. Mai 1935, durch bie bie Erfassung ber Wehrpflichtigen eingchenb geregelt wirb. Danach wirb bas Erfassungsoerfahren von Den polizeilichen MelDebehörden unD von Den Standesämtern Durchgeführt. Das Verfahren ber polizeilichen MelDebehörbe erfaßt bie Dienstpflichtigen an ihrem Wohnsitz ober bauernben Aufenthalt, währenb Das Verfahren bes Stanbesamtes bie Dienstpflichtigen an Dem Orte ihrer Geburt erfaßt unb ber Er- g ä n z u n g bes Verfahrens ber polizeilichen Melbe- vehörbe bient. Die polizeiliche Melbebehörbe legt anhanb ihrer Unterlagen (polizeiliche Meldescheine, Einwohnerlisten und bergt.) für jeden Dienstpflichtigen, der an dem festgesetzten Stichtag in ihrem Bezirk Wohnsitz ober dauernden Aufenthalt hat, ein Personalblatt an, das alle wichtigen Angaben übet die Person des Dienstpflichtigen enthält. Das Standesamt führt Die Geburtskartei nach Dem Geburtsregister. In diese Kartei sind alle in das Geburtsregister des erfaßten Jahrganges eingetragenen Dienstpflichtigen aufzunehmen. Im einzelnen enthält die Verordnung genaue Vorschriften über die Behandlung Der einzelnen Formblätter, Die für das Erfaffungsverfahren und Die Musterung der Dienstpflichttgen benötigt werben. Kopien der Formblätter find dem Reichsgefetzblatt beigefügt. Eine Anlage 1 zum Reichsgesetzblatt Nr. 52 enthält ein Berufsverzeichnis, in dem sämtliche wr Eintragung in die Formblätter zugelassenen Berufsbezeichnungen aufgezählt werben. Anlage 2 enthält bie W e h r b e zir k s e inte i 1 u n g für bas Deutsche Reich mit Ausnahme der entmilitarisierten Zone, während Anlage 3 bie E r s a tz b e z i r k s e i n t e i- lu n g für die entmilitarisierte Zone des Deutschen Reiches angibt. ft erkannOsflzierdesVeurtaubtenflandeswerden? Berlin, 22. Mai. (DNB.) In einem amtlichen Merkblatt werden im einzelnen die Richtlinien aufgeführt, die für die Ernennung zum Offizier des Beurlaubtenftanbes maßgebend find. Einleitend mitt) betont, daß der Weg zum Offizier d. B. jedem Wehrfähigen offen steht, der als Soldat im Heer gedient hat. Der erfolgreiche Abschluß einer höheren Bildungsan- ftalt ist nicht erforderlich, die Anwärter müssen jedoch nach Auffassung, Persönlichkeit und Lebenswandel Den an Führerpersönlichkeiten zu stellenden Anforderungen entsprechen, geordnete wirtschaftliche Ver- hältnise nachweisen und für sich sowie gegebenenfalls für ihre Ehefrau ben Nachweis arischer Abstammung erbringen. In Frage kommen 1. Persönlichkeiten mit guter militärischer Vorbildung, die die Grundausbildung für ihren Beruf bereits abgeschlossen haben und ben Lebensunterhalt für sich unb gegebenenfalls ihre Familie bestreiten können. — 2. Aus bem Heere entlassene Versorgungsanwärter, bie bie Abschlußprüfung I unb II mit Erfolg bestauben haben unb Deren Persönlichkeit Darauf schließen läßt. Daß sie nach Ablauf ber Hebergangsjahre als Beamter an- gestellt werben. — 3. Aus bem Heere entlassene Versorgungsanwärter, bie anstatt bes Zivilbienstscheines eine Kapitalabfindung erhalten haben, wenn sie Die Voraussetzungen zu 1. erfüllen. — 4. Ehemalige aktive unb Reserve-Offiziere Der alten unb ber neuen Wehrmacht, soweit sie ben Voraussetzungen zu 1. entsprechen. Wie kann man Offizier des Beurlaubtenstandes werden? A. Nach Erfüllung Der aktiven Dienstpflicht: 1. Nach aktiver Dienstzeit von minDeftens ein Jahr. Entlassung unter Ernennung zum Reserve-Offiziersanwärter unD zum überzähligen Gefreiten ber Reserve. — 2. Erste Reserve-Uebung: sechs Wochen bei Der Truppe. Bei Bewährung Ernennung zum überzähligen Unteroffizier her Reserve. — 3. Zweite Referve-Hebung: Einberufung tm dritten Reserve- Jahr. Dauer ber Hebung: vier Wochen bei ber Truppe. Mit Bestehen Der am Schluß zu leistenben praktischen und theoretischen Prüfung: Ernennung zum überzähligen Feldwebel (Wachtmeister) ber Reserve. — 4. Dritte Reserve-Hebung: (Offiziers- Hebung) Einberufung im vierten ober fünften Reserve-Jahr. Dauer Der Hebung: sechs Wochen, bie ersten Drei Wochen in besonderem Lehrgang auf einem Hebungsplatz.' Aus Grund bes Urteils beim besonderen Lehrgang, Der abschließenDen entscheidenden Beurteilung bes Truppenteils und der erfolgten Offizierswähl kann bei Eignung Vorschlag zur Ernennung zum Leutnant der Reserve erfolgen. Die Vorzuschlagenden müssen sich verpflichtet haben, innerhalb von vier Jahren, in Ausnahmefällen innerhalb von sechs Jahren nach Ernennung zum Reserve-Offizier zwei weitere Hebungen von zusammen 10 Wochen Dauer abzuleisten. — 5. Mit Genehmigung Der Wehrkreiskommandos kann bie zweite und dritte Hebung auch unmittelbar hintereinander abgeleitet werden. — 6. Einmalige Wiederholung der Hebungen eins, zwei unb Drei ist mit Genehmigung ber Wehrkreiskommanbos zulässig. — 7. Der Reserve-Offizieranwärter leistet in der Regel die Drei Reserve-Hebungen bei feinem Stammtruppenteil ab; d. h. bei Dem Truppenteil, bei welchem er aktiv gedient hat. Läßt sich jedoch ein künftiger dauernder Wohnsitz voraussehen, so sind die Hebungen im Hinblick auf die spätere endgültige Zuteilung als Reserve-Offizier bei einem dem künftigen dauernden Wohnsitz nahegelegenen Truppenteil abzuleisten. Nach ber ersten Hebung ist ein Wechsel bes Truppenteils nicht mehr zulässig. — 8. Bei Dem Truppenteil, bei bem bie brei Reserve-Hebungen abgeleistet werben, erfolgt bie Wahl und ber Vorschlag zur Ernennung zum Reserve- Offizier. Der Vorschlag ist bem vorgesetzten Wehr- kreiskommanbo vorzulegen, das bei Weitergabe art den Chef der Heeresleitung zugleich Den Truppenteil vor schlägt, zu dessen Reserve der Vorgeschla» gene gestellt werden soll. B. Nach Ableistung von zwei Ausbildungsübungeiz von je zwei Monaten Dauer. 1. Männer im 2Uiei von 25 bis 35 Jahren, die bisher keine militärische Ausbildung erhalten haben, können nach Ableistung der Ausbiloungsübungen, falls sie den Bedingungen der Ziffer 11 entsprechen, zum Reserveoffizier-Anwärter und überzähligen Gefreiten der Reserve ernannt werden. — 2. Die weitere Ausbildung erfolgt dann gemäß Ziffer II A 2—8. C. Außerdem können zur Ernennung zum Offizier d. B. vorgeschlagen werden: 1. Ehemalige aktive und Reserve-Offiziere des alten Heeres, falls ihre Geeignetheit feststeht. — 2. Ausgeschiedene aktive Offiziere des Reichsheeres, falls vor längerer Zeit verabschiedet, sobald die Geeignetheit nach vierwöchiger Uebung nachgewiesen ist. — 3. Unteroffiziere, die nach 12jähriger Dienstzeit mit und nach dem 1.4.1935 aus dem Heeresdienst ausgeschieden sind, wenn sie voll geeignet sind. — 4. Unteroffiziere, die vor dem 1. 4.1935 nach ^jähriger Dienstzeit entlassen, nicht älter als 45 Jahre und voll geeignet sind. Sie müssen dem sie wählenden Offizierkorps durch Ableistung einer Uebung bekannt geworden sein. Die zur Uebernahme in das Reseroe-Offizierkorps Vorgeschlagenen müssen sich zur Ableistung von zwei Reserve-Uebungen nach Ernennung zum Reserve-Offizier verpflichtet haben. Anträge sind schriftlich an das für den Wohnort des Bewerbers zuständige Wehrbezirkskommando zu richten. Zusammenarbeit zwischen Hitler-Lugend und TlGDGtB. Der Reichs-Jugend-Pressedienst teilt mit: Die Schaffung einer neuen Deutschen Hoch- und Fachschule fordert die enge Zusammenarbeit zwischen der Hitler-Jugend, der weltanschaulichen Erziehungsgemeinschaft der deutschen Jugend und dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund als verantwortlichem Träger der studentischen Erziehung. In der Erkenntnis dieser gemeinsamen Verantwortung für die Zukunft beschließen die obengenannten Gliederungen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei: 1. Die an der Hoch- oder Fachschule studierenden Angehörigen der Hitler-Jugend sind Mitglieder des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes. Als Mitglieder des NSDStB. haben sie an seinen Veranstaltungen teilzunehmen. 2. Die Hiller-Jugend legt den zukünftigen NSDStB.-Mitgliedern nahe, in die Häuser des Studentenbundes, die der Ausdruck politisch studentischer Lebensgemeinschaft sind, einzutreten. i 8. Die an der Hoch- bzw. Fachschule studierenden ‘ Mitglieder der HI. (DJ., BdM.) bilden eine HI.-Gemeinschaft innerhalb des NSDStB. Diese Arbeitsgemeinschaft untersteht in bezug auf die Arbeit des NSDStB. dem zuständigen Hoch- bzw. Fachschulgruppenführer. *4. lieber den Einsatz der Arbeitsgemeinschaft außerhalb des Tätigkeitsbereiches des NSDStB. bestimmt der Gebietsführer bzw. der von ihm beauftragte HJ.-Führer. 5. Bei öffentlichen Veranstaltungen des NSDStB. nimmt die HJ.-Arbeitsgemeinschaft unter Füh- runa ihres ranghöchsten HJ.-Führers als Bestandteil der Hoch- bzw. Fachschulgruppe teil, wobei der Hoch- bzw. Fachschulgruppenführer den Befehl über die gesamte Formation übernimmt. 6. Die Bildung von sog. Hochschulgruppen der Hitler-Jugend wird untersagt. Dieses Abkommen gilt sinngemäß auch für den BdM. und tritt mit dem Tage seiner Veröffentlichung in Kraft. Berlin, den 21. Mai 1935. Gez.: Baldur v. S ch i r a ch , Reichsjugendführer der NSDAP. Gez.: Derichsweiler, Reichsamtsleiter x des NSDStB. Zwei Ordensschwestern vor Gericht. Devisenverbrechen Katholischer Orden. Berlin, 22. Mai. (DNB.) Vor dem Berliner Schnell-Schöffengericht begann am Mittwoch der zweite Prozeß aus dem Gesamtkomplex der D e v i s e n v e r b r e ch e n katholischer Orden. Unter der Anklage des fortgesetzten Devisenoerbrechens in fünf Fällen haben sich diesmal zwei Angehörige des Ordens der Augustinerinnen, die 56jährige Generaloberin Maria Mencke, genannt Schwester Neophystia, und die 57jährige Generalschaffnerin Gertrud Dohm, genannt Schwester Englaia, zu verantworten. Die Hauptangeklagte Mencke ist seit dem Jahre 1931 das alleinige Vorstandsmitglied der „Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des Hl. Augustinus in Köln E. 23.", während die Mitangeklagte Dohm seit 1929 für diese Genossenschaft unterschriftsberechtigt ist. Die Vorgeschichte, die zu diesem Verfahren führte, deckt sich im wesentlichen mit den Feststellungen aus dem Prozeß, der in der vorigen Woche durchgeführt wurde. Aus dem Hauptdelikt, das jetzt zur Aburteilung steht, hat sich noch eineReihe weiterer Straftaten ergeben. Die Angeklagte Mencke hat im Verlauf der Voruntersuchung ein volles Geständnis abgelegt und auch erklärt, daß sie sich über die Tragweite ihrer Handlungen bewußt war. Auch die Mitangeklagte Dohm hat ihre Beteiligung zugegeben, will aber nicht in der Lage gewesen sein, die Folgen zu übersehen. Das Schnellschösfengericht verurteilte die Generaloberin Maria Menke wegen fortgesetzten Devisenverbrechens zu 5 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und 121 000 Mark Geldstrafe. An Stelle der Geldstrafe soll im Nichtbeitreibungsfalle eine Zuchthausstrafe von weiteren 12 Monaten und 2 Tagen treten. Die Angeklagte Dohm wurde wegen Beihilfe zum fortgesetzten Devisenverbrechen zu 10 Monaten Gefängnis und 1000 Mark Geldstrafe verurteilt. Bei dieser Angeklagten sind zwei Monate der Untersuchungshaft angerechnet worden. Ferner wurde die Einziehung von 190 000 Mark angeordnet. Für diesen Betrag haftet die „Genossenschaft der Cellitinnen nach der Regel des Hl. Augustinus in Köln e. 23.". Die Angeklagte Dohm soll von der weiteren Haft verschont werden, wenn eine Kaution von 5000 Mark beigebracht wird. Aus aller Welt. Sühne für die Ermordung der polizeihauplleuke Anlauf und Lenk. In Berlin ist der durch rechtskräftiges Erkenntnis des Schwurgerichtes I in Berlin vom 19. Juni 1934 wegen gemeinschaftlichen Mordes zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilte Max Matern hingerichtet worden. Er hat ebenso wie der gleichfalls zum Tode verurteilte Michael Klause entscheidend an der Ermordung der Polizeihauptleute Anlauf und Lenk mitgewirkt, die am 9. August 1931 in der Nähe des Bülow-Platzes, des jetzigen Horst-Wefsel- Platzes, von Kommunisten erschossen wurden. Die Mordtat stellt sich als ein wohlvorbereitetes, auf Anweisung der Gauleitung der KPD. planmäßig durchgeführtes Unternehmen dar, dem zwei pflichttreue Beamte zum Opfer gefallen sind. Mit Rücksicht hierauf, hat der Führer und Reichskanzler es abgelehnt, bei Matern von dem Begnadigungsrecht Gebrauch zu machen. Dagegen hat er die gegen Klause erkannte Todesstrafe im Gnadenwege in lebenslängliche Zuchthaus strafe umgewandelt, weil Klause durch sein offenes Geständnis den Behörden wertvolle Hilfe geleistet und die Aufklärung der Tat bis in alle Einzelheiten ermöglicht hat. Der im gleichen Verfahren ebenfalls zum Tode verurteilte Friedrich B r o e d e hat im Gefängnis Selbstmord verübt. Hinrichtung in Berlin. Der am 10. Oktober 1934 vom Volksgerichtshof wegen Verrats militärischer Geheimnisse zum Tode verurteilte Wilhelm Krüger aus Düsseldorf ist, nachdem der Führer und Reichskanzler von feinem Begnadigungsrecht keinen Gebrauch gemacht hat, in Berlin hingerichtet worden. Drei amerikanische Rennfahrer tödlich verunglückt. Auf der Autorennbahn von Indianapolis (USA.) ereigneten sich bei den Ausscheidungskämpfen für das am 30. Mai stattfindende 500 - Meilen - Autorennen zwei schwere Unfälle, die drei Todesopfer forderten. Der Wagen des bekannten Rennfahrers W. H. Stubblefield raste in voller Fahrt gegen eine Schutzmauer. Stubblefield und fein Mechaniker waren sofort tot. — Das gleiche Schicksal traf den Rennfahrer Johnny H a n n o n. Sein Mechaniker wurde schwer verletzt. Insgesamt sind bis jetzt 30 Personen auf dieser Bahn tödlich verunglückt. Hochwasserkatastrophe in Amerika. Infolge Hochwassers des Canadian und anderer Flüsse sind im Staate Oklahoma weite Landstrecken überschwemmt worden. Im Staate Oklahoma wurden über 20000 Acres und in Texas 125 000 Acres Farmland überflutet. Durch die Zerstörungen, die das Hochwasser anrichtete, sind in beiden Staaten etwa 400 Farmer obdachlos geworden. Die Umgebung von Oklahoma-City ist bei weiterem Steigen des Hochwassers gleichfalls überschwemmt, und mehrere Brücken, die über den Canadian führten, wurden weggerissen. Lin geschichtlich aufschlußreicher Fund: Die Tagebücher des Herzogs Ferdinand von Braunschweig. In einer fürstlichen Privatbibliothek in Ostpreußen fanden sich die lang vermißten Tagebücher des HerzogsFerdinand vonBraunschweig, die u. a. auch des Herzogs Erlebnisse im Siebenjährigen Krieg in der Gegend von Dillenburg schildern. Besonders interessant ist, wie er in der Nacht vom 7. zum 8. Januar 1760 auf den Höhen vor Oberscheld bei ungeheurer Kälte biwakierte und in größter Sorge war, bis ihm nach Mitternacht sein Adjutant die Meldung von der Vertreibung der Franzosen aus der Stadt brachte. Bemerkenswert ist auch, daß der Herzog noch sechs Tage vor der erneuten Belagerung des Schlosses im Juni 1760 durch die Meldung irregeführt wurde, „die Franzosen hätten in Dillenburg weiter nichts vor." Wären damals die Lucknerischen Husaren über Dillenburg hinaus weiter auf den Westerwald vorgeritten, so wäre den Franzosen die Einschließung der Stadt, die mit der Zerstörung des Schlosses endete, wohl nicht so leicht möglich gewesen. Eunsi und Wissenschaft Musikalischer Empfang beim deutschen Botschafter in London. Beim deutschen Botschafter in London Dr. v. H ö s ch fand ein musikalischer Empfang statt, zu dem etwa 400 Personen eingeladen waren. Unter den Anwesenden war auch Prinzessin Marie Luise, die Base des englischen Königs. Zahlreiche Mitglieder des englischen Kabinetts mit ihren Gemahlinnen, die höchsten Staatsbeamten und Hofwürdenträger waren erschienen, ferner die Spitzen der englischen Gesellschaft sowie eine große Anzahl der in London beglaubigten diplomatischen Vertreter. Von den in London lebenden Deutschen waren u. a. anwesend der Landesgruppenleiter der NSDAP, für Großbritannien und Irland sowie sein Stellvertreter. Bei dem Konzert fangen Frieda Leider, Erna Berger, Rudolf Bockelmann und Herbert Janssen. Die Begleitung am Flügel hatte Staatsrat Dr. Wilhelm Furtwängler persönlich übernommen. Die Darbietungen der Künstler riefen bei den Gästen größten Beifall hervor. Errichtung eines Reichs-Singschul-Lehrerseminars in Augsburg. Nach längeren Verhandlungen zwischen der Stadt Augsburg und den zuständigen Stellen in Berlin ist es mit Unterstützung der Reichsmusikkammer gelungen, der Stadt Augsburg die alleinige Ausbildung der künftigen deutschen Singschullehrer zu sichern. Augsburg errichtet im Auftrage der Reichsmusikkammer ein Singschulseminar, das als einzige diesbezügliche Ausbildungsstätte in Deutschland von der Reichsmusikkammer bestätigt wurde. Die Reichsmusikkammer hat sich verpflichtet, darauf hinzuwirken, daß bei Neuordnung bereits bestehender sowie Gründung neuer Singschulen die Träger berartiger Institute (Gemeinden) solche Bewerber bevorzugen, die das Ausbildungszeugnis des Augsburger Singschul- Seminars besitzen. Sie sichert außerdem der Stadt Augsburg eine jährliche finanzielle Unterstützung des Seminars von mindestens 20 000 Mark zu. Direktor Otto Jochum wird die künstlerisch-pädagogische Leitung des neuen Singschul-Lehrerseminars übernehmen. Der Reichsverband der Gemischten Chöre Deutschlands hat nach der mit Beifall aufgenommenen Proklamation des Augsburger Singfchul-Lehrerfeminars auf der Reichstagung in Bremen beschlossen, seine nächstjährige Tagung in Augsburg abzuhalten. Reichslagung des Reichsverbandes der gemischten Chöre Deutschlands. Die Reichstagung des Reichsoerbandes der gemischten Chöre Deutschlands wurde in Bremen mit einer Festmotette im Dom eröffnet, die in der Uraufführung von Kurt Thomas' Oratorium die hohen künstlerischen Ziele des Chorgesanges im hellsten Licht zeigte. Beim Empfang im Neuen Rathaus hielt der regierende Bürgermeister H e i ö e r die Begrüßungs- anfvrache. Auf dem Marktplatz waren das Reichs- wehrorchefter und Sänger und Sängerinnen des Chorkreifes Bremen angetreten, um in einer öffentlichen Kundgebung die Reichstagung einzuleiten. Nach dem Sängerspruch des Gaues Niedersachfen begrüßte Gauführer Fehse besonders die auswärtigen Sängerinnen und Sänger. Zwei eindrucksstarke Massenchöre umrahmten die Ansprache des Senators Laue, der die kulturelle Bedeutung der aemischten Chöre in Deutschland unterstrich. Den Abschluß der Kundgebung bildete eine Ansprache des Präsidialrats der Reichsmusikkammer I h l e r t Wie im Deutschen Sängerbund über eine Million singender Männer, so seien nun auch im Reichs- verband der gemischten Chöre Tausende großer und kleiner Vereine zusammengefaßt. Sie alle erstrebten dies einheitliche Ziel: mitzuhelfen an der geistigen und seelischen Verwirklichung der deutschen Volksgemeinschaft. Die Braunschweiger Singakademie unter der Leitung von Willi Sonnen fang am folgenden Tag Proben aus den Motetten von Heinrich Schütz. Ein A-cappella-Äongert vermittelte sodann Ur- und Erstaufführungen vor Werken zeitgenössischer Ton» setzer, darunter Werke von Kurt Thomas, Otto Jochum, Walter Reins, Hermann G r a b n e r, Armin Knab und Bruno Stürmer. In zwei Kirchen wurden Kantatenfeiern veranstaltet. Größtes Interesse fand die Bremer Erstaufführung von Hermann R e u 11 e r s Oratorium „Der große Kalender". Weiterbericht des Relchswetterdlenstes. Ansgabeort Frankfurt. Die Mittelmeerwirbel haben sich nordwärts entwickelt und nehmen jetzt auch vereinzelt auf die Witterung Deutschlands Einfluß. Vor allem brachten sie feucht-warme ttopische Luft nach Mitteleuropa, so daß gewittrige Neigung auch bei uns zunächst noch besteht. Aussichten für Freitag: Ueberroiegenb bewölktes Wetter mit Regenfällen, teilweise gewittriger Natur, mäßig schwül, abflauende westliche Winde. Aussichten für Samstag: Wieder Besserung, aber noch kein bestimmtes Wetter. Lufttemperaturen am 22. Mai: mittags 20,2 Grad Celsius, abends 14,8 Grad; am 23. Mai: morgens 13,6 Grad. Maximum 21,1 Grad, Minimum 9,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Mai: abends 16,9 Grad; am 23. Mai: morgens 13,9 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 10,4 Stunden. — Niederschläge 0,1 mm. Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. VerantworUich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für Den übrigen Teil: Emst Blumschein. Anz^igemeiter: Hans Deck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 35: 10688. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerel R. Lange, K.-G., sämllich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf- Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr« Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig- | Mietgesuche | Fünfziger-Vereinigung 1865-1915 Laden gliedes Konrad Graulich Verkäufe Gut erhaltenes Herr. Fahrrad 3089 D Kataloge bei Brühl, Gießen Gewinnauszug Ohne Gewahr Nachdruck verboten Herrn Konrad Graulich 22. Mai 1935 L Ziehungstag Die Kolonnenführung. KriegerkameratlschallGießeD 368979 330486 349940 379260 Heinrich Schaub der Kameradschaftsltihrer. 308«O 132413 140293 153186 202905 221653 245574 260985 279404 339705 346863 371352 394496 130051 138856 151579 191738 221462 245483 260694 274981 337034 346589 363844 389607 126418 138279 148922 186611 216168 244467 250381 271674 307092 346108 363296 389055 116024 132564 144892 164194 205051 224990 246284 262000 289507 341784 356798 372634 125437 133312 147562 173274 214627 242967 249221 266460 301304 344133 362664 372*20 132816 145970 164485 211348 242506 248337 263629 297960 343038 369791 375404 billig zu verkauf. Bnanthstr. 12II r. und 3Zimmer in feinst. Geschäftslage zu vermiet. 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"GF-90b 278894 360888 285205 289366 289502 369174 372727 379610 129527 172380 188945 219077 258024 284796 139607 259084 296280 384633 114342 156735 272618 315531 80180 182391 385539 92912 126436 159634 178366 214644 240240 282776 335985 381866 117716 156123 177806 210176 234007 277818 322605 381119 873531 145969 173198 191531 219219 267699 307608 353584 3727» 8996® S o 96738 126821 161564 187406 215726 246968 283303 341604 368333 886394 114563 148820 174414 197672 224143 270816 316995 354753 376250 Monats- Versammlung 24.Mai,20'/rUhr Wanderung 2. Juni, s. Aush. 152 Gewinne zu 300 M. 5714 10919 11148 17716 22264 23429 46311 47114 47518 48003 48799 62327 64856 66191 77944 83236 87774 88743 KleineAnzeigen tm Gießener Anzeiger werden von Tausenden beachtet und gelesen. ca - * 1.40 lohnlangen iftaresef befähle Happel $ Co. 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Nr.fty Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 2Z. Mai 1935 Afrika kommt in Sewegmig. Von unserem römischen E.-Korrespondenien. Rom, im Mai. „Das heutige Abessinien bildet eine Gefahr für Italien und alle Kolonialstaaten. Abessinien rüstet zum Kriege, es bewaffnet sich, um uns anzugreifen. Seine Pläne sind nun bekannt. Und daher ist es klar, daß Italien die Bedrohung seiner ostafrikanischen Besitzungen nicht mehr länger ertragen kann. Die Frage unserer Beziehungen zu Abessinien muß, wie der Unterstaatssekretär für die Kolonien ausgeführt hat, ein für allemal gründlich bereinigt werden." So steht es in den Zeitungen zu lesen, auf diesen Ton war die Aussprache in der Kammer abgestimmt, jedermann kann es sogar aus den Italien wohlgesinnten Auslandsstimmen vernehmen, daß „Italien in Abessinien nicht nur sein gutes Recht und seine nationale Ehre, sondern auch die Zivilisation gegen die Barbarei verteidigt". Es ist die Sprache, wie sie politischen Verwicklungen, die auf diplomatische Weise nicht mehr gelöst werden können, vgrauszugehen pflegt. Sie wird täglich mehr übertönt von oem Waffenlärm eines aufstehenden Heeres. Es hieße den Kopf in den Sand stecken, den kriegerischen Willen Italiens als Pose zu nehmen. Dieser Tage hat der Kriegsblinde Del Croix, der auch an beiden Armen verstümmelte Heros des neuen Italien, an derselben Stelle die große Rede gehalten, wo sie D ' A n n u n z i o vor 20 Jahren hielt: an der historischen Klippe bei Genua, wo sich Garibaldi mit seinen „Tausend" einschiffte, um im fernen Süden den römischen Gedanken zu verteidigen. Kurz nach der Dichterrede erfolgte die Kriegserklärung, die Jnvalidenrede begleitete die neue Mobilisation und die Kundgebungen in der Kammer. „La volontä guerriera esaltata!“ In Blockschrift steht es da, und schwerlich läßt es sich anders übersetzen als „der Kriegs wille gepriesen!" Del Croix hat damit nur den schon von Mussolini feierlich betonten Geist der opferbereiten Wehrhaftigkeit aufs neue verkündet. In seinem Munde, mit seinen erloschenen Augen gesehen, nimmt er ohne Zweifel etwas mystisch Heroisches an, niemand, der das Feuer aus solchen Lippen lodern sah, konnte sich einer tiefen Erschütterung erwehren. Im Senat war dann, als die Ausgaben für die Militärmaßnahmen in Afrika zur Sprache kamen, die Stimmung, wenn auch nicht weniger entschlossen, so doch etwas ruhiger. Es wurde betont, daß es sich bei diesen Maßnahmen lediglich um Sicherheitsvorkehrungen handle, „um den Herausforderungen ein Ende zu machen und unsere Kolonien gegen jeden etwaigen weiteren Angriff zu schützen". Danach wäre also der Casus belli noch nicht gegeben, und wer es sehr genau nimmt, kann ohne Schwierigkeit feststellen, daß von italienischer Seite auch noch niemals offen die Notwendigkeit kriegerischer Maßnahmen behauptet wurde. Hier liegt ein feiner Unterschied vor, der allerdings mehr die Historiker bei ihren Erörterungen über die Erörterung der Schuldfrage beschäftigen wird. Die italienische Presse hält es so, daß sie die öffentliche Meinung nicht selbst aufklärt, sondern mittelbar durch die ausländischen Zeitungen. Tag für Tag kann der Mann auf der Straße infolgedessen vernehmen, wie man in Paris und Wien ein Herz und eine Seele mit Rom sei, wie die Weltsympathien die für die Zivilisation kämpfenden oder kampfbereiten Truppen begleiten, wie sehr England die Sklaverei unter dem König der Könige verabscheut. Und da weit und breit kein Widerspruch zu vernehmen ist, abgesehen von den Erklärungen der abessinischen Gesandtschaft in Rom, befreundet sich das Volk immer mehr mit seinem Kreuzzug im dunkelsten Afrika. Die Tageszeitung für die Kolonien ist um aktuellen Stoff nicht mehr verlegen, die Karikaturisten bekommen zu tun. Daneben läuft eine recht ernste d i p l o m a t i - sche Offensive Italiens gegen die europäischen Waffenlieferanten, die dem Negus alles geben, was er braucht. Zuerst war natürlich, wie immer, Deutschland das Karnickel, und es wurde, besonders auf dem Umweg über französische Zeitungen, eine böse Stimmung gegen Berlin geweckt oder gAiährt, jetzt muß sogar das Giornale d'Jtalia zugeben, daß sich die italienische Regierung genötigt gesehen hat, b e i anderen Kolonialmächten zu protestieren, indem es hinzufügt, diese Mächte hätten allen Grund, vom Kriege her Italien dankbar zu fein und sollten sich überdies der Solidarität der weißen Kulturnationen erinnern. Ferner kriegen einige Länder etwas ab, die „vor einiger Zeit gegen angebliche Waffenlieferungen Italiens die Stimme erhoben". Das geht vor allem auf die Affäre Hirtenberg. Die belgischen oder schwedischen Instruktionsoffiziere, die in Addis Abeba tätig fein sollen, können natürlich auch nicht mit freundlichen Augen betrachtet werden. Kurz, die Stimmung ist manchenorts recht gereizt. Wichtiger aber als die geräuschvolle Ouvertüre, wichtiger als der Kolonialfeldzug, der nach bestimmten englischen Behauptungen sofort nach dem Ende der Regenzeit, also im Herbst, in großem Stil eröffnet werden soll, bleibt die Tatsache, daß damit die ganze afrikanische Frage aufgerollt, Afrika in Bewegung kommen wird. Abessinien wird zum Sturmbock gegen die — selbst nach französischer Darstellung — heuchlerische Konstruktion der „M a n b a t e'y werden, alles gerät ins Schwanken, was schon leidlich befestigt schien, kein Sektor der europäischen Politik, der nicht von dieser Flutwelle berührt werden würde. Seit langem schon wird in Rom dem Gedanken an Eurasien, d. h. dem Zusammengehen Europas mit Asien, der Gedanke „E u r a f r i k a" entgegengesetzt, und jetzt findet er bereits Widerhall im Senat. Afrika erscheint den Neurömern als ein riesiger Absatz- und Arbeitsmarkt, es habe Rio grande do Sui. Der deutsche Gesandte in Brasilien Dr. Schmidt- Els ko p hielt es für feine Pflicht, das Deutschtum in den einzelnen brasilianischen Staaten näher kennen zu lernen. So kam er November 1934 auch in den südlichsten Staat, Rio Grande do Sul, und zwar in dessen Hauptstadt Porto Alegre. In Rio Grande do Sul leben etwa eine halbe Million Deutsche; in der Hauptstadt ist ihre Zahl so groß, daß man da überall auf den Straßen deutsch sprechen hört. Große Freude erfüllte die Herzen aller Deutschen, als der Gesandte kam. Ihm zu Ehren veranstaltete am Schluß des Besuches das deutsche Konsulat, die Kreisleitung der NSDAP., der Verband deutscher Vereine einen „Deutschen Abend" in dem festlich geschmückten Saal des Turnerbundes. Eine überaus zahlreiche Versammlung hatte sich eingefunden, weitaus die meisten aus Porto Alegre. Begleitet von dem Bund Deutscher Mädel und der deutschen Iungmannschaft betrat der Gesandte zusammen mit dem Konsul den Saal und nahm am Ehrentisch Platz. Der Veranstalter des Abends begrüßte die Versammlung mit kurzen Worten. Es folgte ein gemeinsam gesungenes Lied und ein Gedichtvortrag. Hierauf ergriff der evangelische Pfarrer Propst Funke das Wort zur Begrüßung des Gesandten. Im Namen des Portv-Alegrenser wie des ganzen Rio-Grandenser Deutschtums begrüßte er ihn und drückte seine Freude aus, daß nach den schweren Jahren, in denen trotz aller Geschehnisse das dortige Deutschtum sich bewährt und an seiner Treue zur Stammesheimat festgehalten, ein Gesandter des Deutschen Reiches zu Besuch gekommen sei. Das brasilianische Deutschtum habe seit Generationen deutsche Sitte, deutschen Glauben und deutsche Hoffnung hoch gehalten, die sich nun auf das neue Deutschland und seinen Führer übertrügen. Der Redner bat den Gealles, was Europa brauche. Unverkennbar spielt dabei die Vorstellung märchenhaft billiger Arbeitskräfte mit, so, als ob sich die von Sklavenarmen getragene Welt des antiken Roms, die in Europa erloschen ist, auf dem benachbarten Kontinent noch einmal ins Leben rufen ließe. In der Tat staunt man in den italienischen Kolonien über die Genügsamkeit der Eingeborenen, die aber mächtige Nutzbauten, Militärstraßen wie Wasserleitungen, unter der Führung eines Herrenvolkes zuwege bringt. Die Schwierigkeiten beginnen freilich sogleich dort, wo der Wunschtraum realisiert werden soll. Wer soll die Aufteilung des Kontinents, der längst nicht mehr dunkel ist, vornehmen? Etwa der Völkerbund? Wer von den Teilhaberanwärtern wird abgewiesen werden? Kurz und bündig stellt zum Beispiel die italienische Kolonialzeitung fest, daß Deutschland nichts ^urückkriegt von dem, was ihm gehörte (soll wohl heißen: gehört). Der Herr Leitartikler erlaubt das nicht. Nun, darüber haben schließlich noch andere Leute zu befinden, selbst in Rom blieb man nicht heiter, als man diese Absage las. Das neue Deutschland hat ja klar genug zu verstehen gegeben, daß es im Gegensatz zu Abessinien sogar auf die Fürbitte des Völkerbundes verzichten kann. F r a n k r e i ck bläst zwar mit vollen Backen in das Feuer, das der Wind gegen Abessinien weht, und es gibt schlechterdings heute keine Handlung Italiens, die nicht den ungestümen, etwas zu lauten Beifall der versöhnten lateinischen Schwester finden würde, aber auch Mussolini weiß sehr wohl, daß diese Unterstützung nichts als ein Ablenkungsmanöver ist. England verhält sich Eurafrika gegenüber ausgesprochen kühl, Japan ist schließlich auch noch da. Immerhin, zu den beiden großen Zügen der Weltpolitik, wie sie durch den Versuch einer neuen Einkreisung Deutschlands und durch die Spannung im Pazifik gekennzeichnet sind, scheint sich ein drittes Kraftfeld gesellen zu wollen. sandten, mitzuhelfen auf seinem Posten, daß die alte Heimat die Deutschen in Brasilien in ihren Nöten nicht vergäße. Deutsches Blut, deutsche Ehre, deutscher Wille verbinde sie mit allen Deutschen in Brasilien, ja mit allen in der weiten Welt. Er schloß: So grüße ich Sie, deutscher Gesandter, mit einem stolzen und frohen Siegheil auf Deutschland und seinen Führer. Darauf erklang das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied. Nach einigen turnerischen Hebungen, ausgeführt von der jungen Mannschaft des Turnerbundes, erhob sich der Gesandte zu einer längeren, bedeutungsvollen Rede, aus der folgendes hervorgehoben zu werden verdient: In den zwei Jahren meiner Tätigkeit in Rio de Janeiro war es mein lebhafter Wunsch, die drei Südstaaten Brasiliens zu besuchen, nicht nur, um den Präsidenten dieser Staaten den selbstverständlichen Pflichtbesuch zu machen, sondern vor allem um das nach Hunderttausenden zählende Deutschtum kennenzulernen, das ganzen Landstrichen hier seinen Charakter aufprägt. Ich begab mich zuerst nach Parana, dann durch das waldreiche Sta Katharina und kam dann nach Porto Alegre, dieser aufblühenden Stadt, die ganz besonders durch das Verdienst ihres Präfekten (Bürgermeisters), unseres hoch geachteten Stam- mesgenossen, in stetem Aufblühen begriffen ist und die ich als die „Königin Südbrasiliens" bezeichnen muß. Ich sehe mit Freude, wie die Deutschen in diesem Staate in harmonischem Zusammenleben mit der Bevölkerung des Gastlandes stehen und wie hier durch Generationen hindurch das Deutschtum hochgehalten wird in Sprache, Kultur, wie in den Schulen blonde Kinder deutsche Lieder singen, in deutschen Kirchen deutsch gepredigt wird, kurz ich fand hier ein kleines Deutschland wieder und in den Kolonien die deutsche Landwirtschaft, wie ich sie aus meiner Heimat Schleswig-Holstein als Sohn einer Bauernfamilie kenne. Ich hoffe, Das Deutschtum in Süd-Brasilien. Scherl-Bildmatemdienst Generalleutnant Knochenhauer, der bisherige Inspekteur der Kavallerie, wurde mit der Führung des X. Armeekorps in Hamburg betraut. Zum Chef des Stabes ded Korps- kommandaos X Hamburg ist Oberst v. Mackensen, Sohn des Generalfeldmarschalls, ernannt worden. daß diese Pflege deutschen Volkstums hier sich weiter fortsetzen wird auf Kind und Kindeskinder. Ich hoffe auch, daß die brasilianische Gesetzgebung, die dies bisher großzügig gestattete, weiterhin in diesem Sinn sich zeigen wird. Die Aussprache, die ich vor wenigen Tagen mit dem Bundespräsidenten in Rio und einem Minister hatte, erweckten in mir die große Hoffnung, daß es Ihnen auch weiter erlaubt sein wird, deutsche Sprache, Sitte und Kultur zu pflegen. Die brasilianische Regierung erkennt eben, daß deutscher Fleiß und deutsche Organisationsgabe wertvolle Bausteine im Staatsgefüge sind; gerade in diesem Staat, wo deutsche Arbeit so viel vermochte und dem die deutsche Landwirtschaft ungeheure Dienste geleistet, verdient dies besonders Anerkennung und Belohnung. Ihre Treue zum deutschen Vaterland, die Sie früher in der Kaiserzeit bewährten, die Sie auch in der Nachkriegszeit festhielten, diese Treue werden Sie nun übertragen auf das Dritte Reich. Die Deutschen im Ausland müssen im Geist des neuen Vaterlandes zusammesthalten und arbeiten. Dadurch wird Einigkeit und Friede hergestellt in der Kolonie. Auf einem Ihrer Häuser hier las ich die Inschrift: „Das Schwerste leicht ist zu vollbringen, wenn einig sich ergänzt die Welt!" Handeln Sie darnach, so wird die deutsche Kolonie in Porto Alegre das leidige deutsche Erbübel der Uneinigkeit überwinden. Das neue Deutschland hat in seiner Außenpolitik gleicherweise Frieden verkündet; indem es den Grundsatz aufstellte, daß, wenn die Achtung, die wir andern Völkern entgegenbringen, ergänzt wird durch die Achtung der anderen vor unserem Volk, dann eine glückliche Friedenszeit sich anspinnen könne. Wir wollen mit friedlichen Mitteln unser Recht erkämpfen und die Welt wird einsehen, welche Ungerechtigkeit uns zugefügt wurde. Bismarck hat schon gesagt: „Wenn wir Zusammenhalten, bilden wir einen harten Klotz im Herzen Europas, den niemand anrühren wird, ohne sich die Finger zu zerquetschen." Das wird auch unser Standpunkt sein. Wir wünschen besonders freundschaftliche Beziehungen zu Brasilien und glücklicherweise ist die kurze Unterbrechung der deutsch-brasilianischen Freundschaft während des Krieges vergessen und beginnt neuem Verständnis Platz zu machen. Manche Beweise dafür habe ich in Rio de Janeiro erhalten. Ich weise nur hin, in welch freundlicher Weise der Bau der Zeppelinhalle in Rio von der Regierung unterstützt wurde, wie aufrichtig die Trauerkundgebung der Regierung beim Tod unfe- Der letzte Kavalier des Rokoko. Stirn Geburtstag des Fürsten Ligne am 23. Mai. Der Fürst Karl Joseph von L i g n e, den Goethe in dem ihm geweihten „Requiem" als „den frohesten Mann des Jahrhunderts" gefeiert hat, war der letzte Kavalier des Rokokos: Weltmann und Lebemann, Held des Krieges und des Salons. Einer der ältesten Familien der Niederlande entstammend, fühlte er sich als österreichischer Vasall, kämpfte im «Sieben« jährigen Krieg gegen Friedrich den Großen, an dessen Tafel er später ein gern gesehener Gast war, und als ihn die Revolutionskriege seines angestammten Fürstentums beraubten, lebte er in Wien als Feldmarschall und Hofmann. Sein jugendlicher Ehrgeiz strebte nach kriegerischen Lorbeeren, aber als er in dem Regiment, das den Namen seines Vaters trug zum Obersten ernannt worden war und er dies' dem Fürsten mitteilte, erwiderte dieser, tief verstimmt durch die tollen Streiche seines Sproß- linqs: „Mein Herr, nach dem Unglück Sie zum Sohne zu haben, konnte mir nichts fein, als Sie nun auch zum Obersten zu haben. Ligne hat in seinem langen Leben ganz Europa bis nach Asien durchquert. Ein großer Liebling der Fürsten, Josephs II. wie Friedrichs des Großen der Königin Marie Antoinette wie der großen Katharina, nahm er im Gefolge der Souveräne an vielen Feldzügen und Fahrten teil, begleitete tue "Semi- ramis des Nordens" auf ihrer phantastischen Fahrt nach der Krim, auf jener „Reise nach Cythere , die zum Krieg gegen die Türken führte. Als das kaiserliche Schiff in der Nähe des Felsens vorbeifuhr, auf den die Üeberlieferung die Opferung Spljigenies verlegt, und man sich über die Wahrheit dieses Mythos unterhielt, sagte die Kaiserin mit graziöser Handbewegung: „Mein Fürst, ich schenke Ihnen das umstrittene Land", worauf Ligne in Uniform sofort vom Deck aus ins Wasser sprang, um von öem Felsen Besitz zu ergreifen; er erzählt, daß er auf der dem Schiff zugewandten Seite den Namen Katharina einritzte, auf der anderen den ganz bescheidenen Namen seiner damaligen Herzensdame. Wie mit den Herrschern der Staaten stand er auch mit den Fürsten des Geistes in enger Beziehung, hat lange Gespräche mit Voltaire und Rousseau und Wieland und Goethe geführt. Er hat wichtige Aufzeichnungen hinterlassen, die für die Geschichte seiner Zeit unschätzbar sind. Der Fürst war ein leidenschaftlicher Verehrer Goethes, obwohl der ganz französisch Erzogene nicht so viel Deutsch konnte, um Goethes an ihn gerichtete Gedichte zu verstehen, und sein von dem Olympier so hochgeschätztes Urteil über die „Wahlverwandtschaften" gab er auf Grund der französischen Übersetzung ab. Berühmt war er durch seine geistreichen Wortspiele. Dafür ein paar Beispiele, so weit sie sich übersetzen lassen. Als Daun nach seinem Sieg bei Hochkirch, anstatt den Befehl zur Verfolgung des Sieges und völligen Vernichtung des Feindes zu geben, an einen Stein gelehnt, feinen Siegesbericht an die Kaiserin verfaßte, sagte Ligne: „Dieser Stein da war der Stein unseres Anstoßes!" Ser Herzog Albert von Sachsen-Teschen, der nach der Niederlage bei Jemappes schwer erkrankt war, fragte den Fürsten, der ihn in Wien wiedersah, wie er ihn finde: „Meiner Treu, Monseigneur, ich finde Sie ziemlich abgeschlagen!" lautete die Antwort. Als er, aus seinen Besitzungen vertrieben, sich in Wien bescheiden einrichten mußte, ließ er das engbrüstige Häuschen, den sog. „Papageienstock", das er einem Schneider abmietete, mit seiner Lieblingsfarbe Rosenrot anstreichen und fuhr in einer alten, ebenfalls rosenroten Kalesche aus. Den guten Humor behielt er bis zuletzt. Noch auf dem Wiener Kongreß war er der gesellschaftliche Mittelpunkt, von ihm stammt der berühmte Ausspruch: „Der Kongreß tanzt, aber er kommt nicht vorwärts". „Der Kongreß ist mit Festlichkeiten übersättigt", sagte er ein andermal. „Er langweilt sich. Man wird ihm, um ihn zu zerstreuen, das Begräbnis erster Klasse eines Fürsten und Feldmarschalls bieten müssen!" Und Ligne hielt Wort. Als er am 13. Dezember 1814 starb, wurde feine Bestattung zu einem Schauspiel, das die ganze damals in Wien versammelte Welt in Spannung versetzte. Die Lorelei bekommt die Nase geputzt. Don Martin Dey, Frankfurt am Main. Im engen Felsental des Rheins bei St. Goar hallen seit Wochen Tag für Tag dumpfe Schüsse; und wenn das berühmte siebenfache Lorelei- Echo grollend wie ferner Donner nachklingt, dann nicken die Steuerleute auf dem Strom wehmütig mit bem Kopf. Sie wissen, was die Schüsse bedeuten: die Lorelei bekommt die Nase geputzt — mit Vorschlaghämmern, Gesteinsbohrern und Dynamit, denn anders ist der Nase einer Lorelei nicht gut beizukommen. Mit der Mqse der Lorelei hat es, wie überhaupt mit dem ganzen Felsen, feine besondere Bewandt- nis. Wenn es auch Zweifler gibt, die nicht recht daran glauben wollen, daß in grauen Vorzeiten auf der Spitze des Berges eine schöne Nixe gesessen habe, um die Schisser auf dem Strom mit verführerischem Gesang ins Verderben zu locken, so steht doch eins zweifellos fest, daß die Lorelei, so lange man zurückdenken kann, immer ein besonderer Gefahrenpunkt für den Verkehr im Rheintal gewesen ist. Die Vorüberfahrt an der Lorelei war von den Schiffern von jeher gefürchtet; und selbst heute, nach zahllosen Strombettregulierungen, wagt auch der älteste Rheinschiffer es nicht, sein Fahrzeug ohne Lotsen am Fuße des sagenumwobenen Berges oorbeizusteuern. Der Fels schiebt sich so weit in den Strom vor, daß fein Bett sich hier auf nur 120 Metsr, die schmälste Stelle seines ganzen Laufes von Bafel bis zum Meer, verengt. Und dabei fällt der Fels so steil ins Strombett ab, daß ursprünglich nicht einmal ein schmaler Fußpfad zwischen dem aufragenden Gestein und den wirbelnden Fluten des «Stroms Platz hatte. Als vor gut einem Jahrhundert die rechte Rhein- uferstraße angelegt wurde, mußte sie um den Fuß der Lorelei herum zur Hälfte aus dem Gestein herausgehauen und zur anderen Hälfte künstlich in den Strom hinausgebaut werden. Obwohl die Straße seitdem manche Verbesserung erfahren hat, wand sie sich doch bis in unsere Tage noch immer in scharfer Kurve eng und schmal zwischen steilem Fels und jäh abfallender Ufermauer um den mächtigen Berg. Bei der schnellen Entwicklung des Autowesens und der besonders starken Beanspruchung der Rheinuferstraßen wurde die Lorelei daher für den modernen Autoverkehr bald zu einem ebensolchen Gefahrenpunkt, wie sie für die Schifffahrt schon immer gewesen ist. Besonders gefährlich war eine am Fuße des Berges weit und mächtig vorspringende Felsnase, die nicht nur die Straße zu einer scharfen und engen Kurve zwang, sondern auch jede Sicht auf entgegenkommende Fahrzeuge nahm. Bei der im Laufe des letzten Jahres begonnenen Verbreitung der rechten Rheinuferstraße auf 12 Meter, gab die gefährliche Felsmasse der Lorelei den Straßenbautechnikern eine harte Aufgabe zu lösen. Nach langem Ueberlegen mußte man sich endlich entschließen, den gefährlichen Felsvorsprung am Fuße der Lorelei zu beseitigen; denn allein damit, daß man die Sraße noch zwei Meter weiter in den Rhein vorbaute, konnte die Gefahr nicht beseitigt werden. Es half nichts: die Nase des romantisch verklärten Felsens mußte geputzt, ja, einfach und glatt fortgeputzt werden! Und so sind denn jetzt gut vier Wochen einige Arbeitskolonnen dabei, auf der Loreleinase herumzuklettern, um sie Stück für Stück in die Lust zu sprengen. Das losgeschossene Gestein wird gleich an Ort und Stelle wieder benutzt. Es dient dazu, die auch nach dem Strom hin verbreiterte Straße bis an die neu errichtete Betonmauer aufzuschütten. Schon heute kann man übersehen, wie sicher und weit die neue Straße den Autofahrer in Zukunft um den gefürchteten Berg führen wird. Seitdem die Lorelei ihre Nase verloren hat, wird sie auch dem leichtsinnigen Fahrer so schnell nicht mehr gefährlich werden. Das soll allerdings nicht heißen, daß die Lorelei durch die notwendige Operation ihre «Schönheit verloren habe. Nein, ganz im Gegenteil. Heute, da die Sprengarbeiten am Fuße des Berges wenigstens im Großen so gut wie beendet sind, kann man mit ruhigem Gewissen sagen, daß die nüchternen Techniker die viel bewunderte Schönheit des romantischen Felsens nicht verschandelt haben. Jetzt, da der Felsen von der verbreiterten Straße nahezu senkrecht hoch aufragt, bietet sich dem Reisenden auf dem Schiff und ganz besonders den Autofahrern auf der bald vollendeten neuen Straße ein viel einprägsameres Bild der Lorelei, von deren Gefahren man in allen Teilen der Welt ja schon immer fingen und sagen gehört hat. Seiftoriften. — „D i e Kun st", Verlag F. Bruckrnann, München, bringt in ihrem Maiheft eine ganze Sammlung hoher Werte aus dem Bereich der modernen Künste. Die Veröffentlichungen „Hans Reinhold Lichtenberger" von Bruno Kroll, „Berliner Kunst in München" von Ulrich Christoffel und „Große Frühjahrsausstellung im Kunstverein Hannover" von K. Fifchoeder und „Otto Pankok" bringen viele gute Reproduktionen. Von besonderem Reiz sind die Plastiken, die in einem Artikel „Zu den Arbeiten von Joachim Karsch" von Fritz Hellwag behandelt werden; ebenso aufschlußreich ist der Aufsatz „Holbein, Leibi und die malerische Sachlichkeit" von Ulrich Christoffel. In dem der Wohnungskunst gewidmeten Teil folgen wir einer Führung durch die mit auserlesenem Geschmack ausgeführten Baulichkeiten, Wohnräume und gärtnerischen Anlagen des Hauses „Im Forster" in Zürich. Zur Veranschaulichung dienen viele prächtige Bildaufnahmen. Eine Plauderei „Mietwohnung" von Architekt Otto Völckers hat aktuelles Interesse, während dem Leser in dem Aufsatz „Alltagsformen deutscher Vergangenheit" von Dr. W. Dexel Erzeugnisse vergangener Haubwerkskunst vor Augen geführt werden. res Reichspräsidenten war. Politische Interessen haben wir in Brasilien nicht zu verfolgen. Natürlich wird es von uns begrüßt, wenn deutschstämmige Brasilianer sich immer mehr zu Führern entwickeln und an der Verwaltung Brasiliens teilnehmen. Unsere Interessen sind rein wirtschaftlich, aber von großer Bedeutung und durchaus freundschaftlich. Hier ist Brasiliens Haltung sehr entgegenkommend, denn Deutschland ist der größte Abnehmer der Erzeugnisse Brasiliens in Europa. Auf der anderen Seite ist Brasilien ein riesi- a e r M a r k t f ü r d e u t s ch e A r t i k e l. Und diesen Markt suchen wir weiter zu erobern. Daran wird Rio Grande do Sul mit feinen mancherlei Erzeugnissen besonderen Anteil yaben. Ebenso haben wir kulturelle Beziehungen zu Brasilien zu wahren und diese gestalten sich erfreulicherweise immer enger. Möge der Zeppelin, der die Entfernung zwischen Deutschland und Brasilien auf drei Tage verkürzte, ein Zeichen für diese Annäyerung sein. Nach dem Vortrag einiger Lieder durch die deutsche Jungenschaft und den Bund Deutscher Mädel erhob sich der Präfekt von Porto Alegre Major Alberto Bins und führte etwa aus: Obwohl eben erst von einer 800 Kilometer langen Reise ins Innere des Staates zurückgekehrt, 'will ich doch die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen. Sie, verehrter Herr Minister, im Namen der Stadt zu begrüßen. Sie erwähnten den bedeutenden Anteil des deutschen Elementes an dem Aufbau und Blühen dieser Stadt. Ich selbst habe immer dasselbe betont und bin stolz darauf von Deutschen abzustammen. Der Major betonte weiter, es sei bedauerlich, daß der Gesandte nickt auch die deutschen Kolonien im Staate besuchen könne, denn erst dort gewinne man einen rechten Ueberblick über den Wert der deutschen Arbeit an dem Fortschritt des Staates. Der deutsche Bauer sei der Pionier, der zuerst den Mut gehabt, in die Wildnis des Urwaldes einzudringen, die selbst von den Indianern gemieden werde. Ihm allein sei es zu danken, daß man heute Rio Grande doch als die Kornkammer Brasilien bezeichnen könne. Wie in Deutschland sei auch hier die Regierung bemüht, die Lage des Bauerntums zu heben; sie wolle der Erhaltung deutscher Sprache und Sitte kein Hindernis in den Weg legen; ihre einzige berechtigte Forderung sei nur, daß in den Schulen die brasilianische Sprache und Geschichte gelehrt werde. Major Bins beendigte seine herzlichen oft von großem Beifall unterbrochenen Worte mit einem dreifachen Hoch auf das Deutschland Adolf Hitlers. Das offizielle Programm schloß mit zwei von dev Sängerriege des Turnerbundes oorgetragenen Liedern. Der ganze Verlauf des Abends hinterließ die tiefsten Eindrücke bei allen, die ihn erlebten, auch bei dem Gesandten, der am folgenden Tag früh im Flugzeug nach Rio de Janeiro zurückkehrte und die frohe Gewißheit mitnahm, daß die Deutschen in Porto Alegre an ihrem Deutschtum festhalten werden, wenn sie auch brave brasilianische Staatsbürger sind. O. Fertsch. Die Notlage des akademischen Nachwuchses. Das Ergebnis einer Umfrage des «.Völkischen Beobachters." In der Erkenntnis, daß die Notlage des akademischen Nachwuchses das gesamte deutsche Volk angeht, hat der „Völkische Beobachter" bei vier großen akademischen Fachschaften eine Umfrage gehalten, der wir auszugsweise folgendes entnehmen: Aerzte: Das medizinische Hochschul st udium dauert elf Semester und kostet etwa 9 bis 12 000 Mark, wobei Studiengelder und Lebenshaltungskosten eingerechnet sind. Das Angebot an Aerzten ist seit 1928 im ständigen Wachsen begriffen, während der Bedarf ständig sinkt. Approbiert wurden 1928—1929 = 1273, 1931—1932 = 1891. Auf Grund der Vorprüfungsziffern läßt sich bereits sagen, daß im Jahre 1934 die Zahl auf insgesamt 3500, im Jahre 1935 auf 4000, im Jahre 1936 auf 4500, im Jahre 1937 ebenfalls auf 4500 wachsen wird. Der Bedarf an Aerzten wurde auf etwa 1200 bis 1400 für das Jahr 1931 geschätzt. Die Beurteilung der Entwicklung wird von der Reichsfachschaft dahin zusammengefaßt, daß die Zahl der Studierenden und der Aerzte weit über den Bedarf des Staates hinausgehen wird, ab 1935 um mehr als das Dreifache. Falls es dem jungen Arzt gelingt, eine Assistentenstelle zu bekommen oder eine Kassenpraxis zu eröffnen, liegt das durchschnittliche Monatseinkommen bei etwa 220 Mark und steigt bann bis schließlich 360 Mark, lieber diese Grenze hinauszukommen, ist meist schon recht schwierig. Juristen: Sieben Semester Studien, drei Jahre Vörde r e i t u n g s di e n st als unbesoldeter Beamter (Referendar). Die durchschnittlichen Stud i en- ko st e n betragen etwa 12 000 Mark. Die Zahl der Assessoren ist seit 1928 ständig im Wachsen begriffen. Im Jahre 1938 ist mit einem Höchst- ft a n b von 7 bis 8000 unbeschäftigten Assessoren zu rechnen, die mit einem Kostenaufwand von 12 000 Mark sieben Jahre lang an ihrer Berufsausbildung gearbeitet haben, um dann arbeitslos vor dem Nichts zu stehen. Nach vorsichtigen Schätzungen ergibt sich für den Gericktsassesso- ren eine regelmäßige Wartezeit von 10 Jayren, wobei dann das durchschnittliche Monatseinkommen etwa 200 bis 220 Mark beträgt. Lehrer: Studiendauer einschließlich Referendarzeit etwa 14 Semester, Studienkosten etwa 15 000 Mark. Die Zahl der Assessoren ständig im Wachsen, die Nachfrage naturgemäß durch das Schrumpfen der Schulklassen ständig im Sinken. Die Zahl der unbeschäftigten Assessoren in Preußen betrug im Jahre 1934 etwa 500, d. H. fast 20 v. H. der in diesem Jahre vorhandenen Assessoren. Die Zahl der minderbeschäftigten Assessoren etwa 1600, d. h. 40 v. H. der im Jahre 1934 vorhandenen Assessoren. Vom 1. April 1935 hat sich die B e s ch ä f t i- gungslage noch bedeutend verschlechtert. Das Durchschnittseinkommen eines vollbeschäftigten Assessoren in den ersten fünf Dienstjahren beträgt etwa 230 bis 300 Mark, das der minder beschäftigten etwa 100 bis 150 Mark. Eine spätere Aufbesserung ist meist nicht möglich, da die Aufstiegsmöglichkeiten äußerst gering sind. Ingenieure: Studiendauer 9 bis 10 Semester, Gesamtstudien- kosten etwa 6800 bis 7000 Mark. Seit dem Jahre 1933 eine fühlbare Erleichterung und Entlastung des Arbeitsmarktes infolge der Maßnahmen der Reichsregierung, der Wirtschaft und der Stände. Weit entfernt sind wir allerdings noch davon, bereits für alle Ingenieure eine Beschäftigung gefunden zu haben. Durchschnittseinkommen in den ersten fünf Jahren etwa 200 bis 250 Mark. Im Gegensatz zu den übrigen akademischen Fachgruppen ist für den jüngeren Nachwuchs heute die wirtschaftliche Lage günstiger als in früheren Jahren. Es ist ein erbbiologisches Grundgesetz, daß der Wert des Erbgutes abhängig ist von dem Heiratsalter der Eltern. Das günstigste Heiratsalter liegt beim Manne bei 27 Jahren. Statistische Feststellungen haben ergeben, daß der Akademiker mit 27 Jahren ganz allgemein unverheiratet ist. Von 186 Diplomingenieuren im Alter von 25 bis 44 Jahren sind nur 25 v. H. verheiratet. Von diesen haben wiederum die Hälfte überhaupt keine Kinder, während nur 17 ein Kind und nur fünf von 186 Diplomingenieuren mehr als ein Kind haben. Aehnliches Material legte die Reichsfachschaft der Assistenzärzte vor. Wenn man der Ansicht ist, daß die Akademiker wertvolles Erbgut weiter- Reichskriegsminister v. Momberg ehrt denMMpser der deutschen Wehrmacht. nT-5 H \ tz W kW o 1 Scherl-Bildmaterndienst Am Tage nach der historischen Reichstagsrede des Führers und der Verkündung des Wehrgesetzes legte Reichskriegsminister Generaloberst von Blomberg an dem Grabe des Generals Scharnhorst, des Schöpfers des Volksheeres, und an dem Grabe des Generalfeldmarfchalls von B o y e n, der im Jahre 1814 die allgemeine Wehrpflicht in Preußen einführte, Kränze nieder. — Unser Bild zeigt den Reichskriegsminister nach der Kranzniederlegung auf dem Jnvalidenfriedhof vor dem Grabe Doyens;, dahinter Reichserziehungsminister Rust und Offiziere der Wehrmacht. zugeben haben, dann muß man ihnen auch die Möglichkeit geben, eine Familie zu gründen. Bei den heutigen Entlohnungssätzen von durchschnittlich 230 Mark ist das aber schlechterdings ausgeschlossen. Die staatlichen Hilfmaßnahmen konnten bisher nur gering sein. Begrüßungswert ist natürlich die vorübergehende Zulassungs- sperre zum Hochschulstudium. Jedoch bringt diese Maßnahme erst in etwa 5 bis 6 Jahren eine Erleichterung. Mit staatlichen Unterstützungen ist bei der Größe der Not im Augenblick nicht viel gewonnen. Erforderlich ist und bleibt, daß zunächst d i e Jungakademiker ihrer Leistung und Ausbildung entsprechend höher bezahlt werden. Erforderlich ist weiter, daß alle die Tausende arbeitslosen Jungakademiker wieder eingegliedert werden in den großen Arbeitsprozeß. Nundsunkprogramm. Freitag, 24. Mai. 6 Uhr: Frühkonzert I. 6.30 bis 6.45: Gymnastik. 7: Frühkonzert II. 8.10: Gymnastik. 10.15: Schulfunk. Im größten Binnenhafen der Welt. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskon- flcrt I. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Für die Frau. „Frauenliebe und Leben." Eine Hörfolge aus dem gleichnamigen Liederzyklus von Robert Schumann nach Dichtungen von Adalbert von Chamisso. 16: Kleines Konzert. Lieder von Julius Weismann. 16.30: Der schwarze Tag der 69er. Ein Erlebnisbericht von W. Ziesemer (Köln). 16.45: Vom Werden und 23er- Seinen Urlaub verbringt der deutsche Junge in den Zeltlagern der Hitlerjugend, kein Meister, kein Betriebsführer, der ihn daran hindert. gehen der Dielstaaterei. Ein Rückblick auf deutsche Geschichte von Dr. H. Braun (Frankfurt a. M.). 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Jugendfunk, 'nen Augenblick bitte! 18.45: Das Leben spricht! 19: Und jetzt ist Feierabend. 20.15: Reichsfendung: Stunde der Nation. Marien-Kantate. 21.10: Klaviermusik. Hubert Giesen. 22.30: „Der unsterbliche Falstaff." Ein Funkspiel nach Shakespeare. Von Ludwig Metzger. 24 bis 1: Nachtkonzert. Werke von Johann Sebastian Bach. Tiere hinter Glas. Von Peter Bauer Das Aquarium bekam ich eines Tages unter der Bedingung geschenkt, daß ich feinen mexikanischen Bewohner, einen Axolotl, mit übernehme. Die weiße plumpe Molchlaroe sah mit ihrem breiten Maul, den beiderseitigen Kiemenbüscheln und dem mächtigen Floffensaum an Rücken und Schwanz wie ein kleiner Tatzelwurm aus und bemühte sich, so träge wie möglich zu fein. Der Axolotl atmete, sonst tat er stundenlang nichts. Bewegungslos, wie ein Philosoph in ein Problem verbohrt, starrte er eine Glaswand an. Nur äußerst selten mimte er einen Tobsuchtsanfall: er wühlte den Sand auf, schoß in wilden Kurven auf und ab, prallte wider die Scheiben und durchstieß den Wasserspiegel, als beabsichtige er auszubrechen. Dann vergingen Minuten bis die aüfgemirbeüen Sand- und Schmutzmasten sich setzten und aus den geklärten Wassern der Axolotl, der schon wieder in seine übliche Erstarrung verfallen war, sichtbar wurde. Vielleicht empörte sich in diesen wilden Szenen die vergewaltigte Natur, der die Menschen einen verewigten Larvenzustand aufzwangen, um einen grotesken Aquariumsbewohner mehr zu haben. Nach ihm bezogen zwei Stichlinge das Glashaus, das inzwischen einige grasähnliche Wasserpflanzen mit zarten Blättern und Ranken in eine grüne Wildnis verwandelt hatten. Aber auch sie benahmen sich wenig wohlgefällig. Einer fühlte sich als der Stärkere und verfolgte den andern. Vielleicht hätten sie sich in der Natur genau so verhalten, wenn sie einander begegnet wären, vielleicht hätte der Schwächere noch vor vielen anderen Stichlingen flüchten müssen, hier im engen Raum war jedoch die Verfolgung hitziger, und der Verfolgte kam nie aus der Gefahrzone hinaus, bis er eines Tages rücklings wie ein gekentertes Boot an der Oberfläche trieb. Bald darauf ging auch der zweite Stichling ein. Seitdem bewohnen zwei Goldfische das Aquarium. Es sind zwei von den tausenderlei Arten jener chinesischen Zierfische in Karpfenform, die einmal als Wildlinge unscheinbar grau ober bräunlich waren, in der Gefangenschaft aber den leichten Goldschimmer angenommen hatten. Ich fjabe sie ihrer Färbung nach „Morgenröte und „Nacht" getauft. „Morgenröte" leuchtet am Rücken tief orange, wird aber nach dem Bauch hin immer heller und säumt dort mit einem blaffen Zitronengelb ab. Die Flossen sind ein wenig schwarz gerändert. Außerdem trägt „Morgenröte" ein schwarzes Bärtchen über dem Maul. „Nacht" ist natürlich schwarz bis auf den gelben Mondkopf und die vielen Goldsterne, die überall durchfunkeln. Auch tragen die Flossen und der Schwanz zarte Goldsäume. Beide sind, wie sie die Menschen wollen: schön und anmutig in jeder ihrer zierlichen Bewegungen. Wenn das Schwanzsteuer zart anschlägt, bann geschieht es leichter, als das Winken einer schmalen Frauenhanb in ben Gelenken spielt. Manchmal schlängelt sich eine stärkere Bewegung bes Schwanzes nach bem Kopse zu weiter, baß bie gleitende „Morgenröte" wie eine goldene Welle dahinhuscht ober wie eine züngelnbe Flamme. Mit befonberer Vorliebe suchen beide ihr Futter aus bem Kopfstanb, inbem sie mit heftig flappenbem Maul ben Sanb burchstöbern. Alles vollzieht sich inbes so geräuschlos unb leicht, baß bas Wasser starr bleibt unb gläsern wie ein Spiegel. Selbst wenn einer von ihnen in jähem Uebermut plötzlich einmal in scharfem Winkel aus feiner Richtung fast sprunghaft abbiegt, ist nur ein leises Geräusch — wie es bei einem Kusse nicht sein soll — Zu vernehmen unb bie zarten Fingerspitzen ber Wasserpflanzen beben kaum. Es ist gut, baß bie Golbfische bie Blicke ber Menschen vertragen unb nicht in Wut geraten wie ber Axolotl, ber fassungslos unb häßlich wirb. Denn wer im Glashause fitzt, oerbient Bewunberung. „Er schrieb Noten wie Briefe". Aus zeitgenössischen Berichten über Mozart. Als Mozart einst ber Geigenspielerin Str i- nasacchi eine Sonate für gemeinsames Konzert versprochen hatte, war am Abenb vorher noch keine Note geschrieben. Die Strinasacchi bittet, beschwört, fleht; schließlich komponiert Mozart ihr bie Violinstimme. Sie übt ihren Part ein, unb beim Konzert ernten beibe großen Beifall. Der Kaiser Joseph aber, ber zugegen war, erkennt mit ber Lorgnette, baß Mozart keine Noten vor sich hat. Er läßt ihn zu sich kommen unb bitten, bie Sonate mitzubringen. Doch außer ber Violinstimme ist nichts aufgeschrieben, Mozart hat ben Klavierpart zu ber Violinstimme, bie er auch nur gehört hatte, frei erfunben. Sinfonien, so z. B. ben ergötzlichen „mu- sikalischen Spaß" feiner Bauernsinfonie, hat er gar nicht in ber Partitur, fonbern gleich nach Stimmen komponiert, eine gewaltige Leistung, bie boch nur möglich ist, wenn bas ganze Klangbild bis in bie letzten Einzelheiten dem Komponisten aufs Lebendigste vor der Seele steht. Die „Hochzeit bes Figaro" würbe in einigen Wochen vollenbet. Um ben Vormittag zum Schreiben frei zu haben, verlegte Mozart alle seine Unterrichtsstunben auf ben Nachmittag. Die Ouvertüre zum „Don Juan" ist bekanntlich in ber Nacht vor bem Tage ber Aufführung begonnen unb zwar erst von 5 bis 7 Uhr früh ausgearbeitet worben. All biefe Beispiele für bie Schnelligkeit ber Nie- berschrift zauberhafter Musikwerke bürfen inbes nicht mit ber inneren Arbeit bes eigentlichen Schaffens verwechselt* werben. Das Einzigartige an Mozarts Größe war nicht, baß er jeben Augenblick ein Meisterwerk nieberschreiben konnte, sondern baß bei ihm die einzelnen Stadien des schöpferischen Prozesses vollkommen verborgen waren. Während wir bei anderen Künstlern durch Selbstbekenntnisse, Entwürfe, Studien, Skizzen das allmähliche Wachsen und Reifen ihres Werkes verfolgen können, sind uns bei Mozart nur wenige Vorstufen bekannt, selten Skizzien, meist nur der äußere Anlaß. Die eigentliche gestaltende und schaffende Arbeit ist vor'dem ersten Entwurf schon getan, und auch die Aenderun- gen bei den Ausarbeitungen sind sehr spärlich; bas ist um so erstaunlicher, als gerabe in ber Musik eine harmonische Verschmelzung komplizierter Faktoren notroenbig ist unb sich vor bem inneren Ohr des Komponisten die einzelnen Klänge der verschiedenen Instrumente deutlich sondern unb zu einem Akkorb oerbinben müssen. Mozart, ber sich fein Orchester erst selbst geschaffen hat, erfanb wunbersame Klangverbinbungen, kostbare Kombinationen ber Streicher unb Bläser! ohne Ttroas Aehnliches je gehört zu haben, unb boch vereinigte sich alles zu einem einzig schonen Ge° bilbe, wenn bann bie Tone in ber Wirklichkeit erklangen, bie bes Künstlers Schöpferkraft in feiner Phantasie aus bem Nichts geboren hatte. Das Klavier nahm Mozart beim Komponieren nie zu Hilfe, er „schrieb Noten wie Briefe". Dagegen war ihm das Phantasieren auf dem Klavier Bedürfnis. Schon als Kind mußte man ihn abends mit Gewalt vom Klavier fort ins Bett bringen, unb auch in feinen Mannesjahren brachte er halbe Nächte am Klavier zu. Was ihn an süßen Klängen übermächtiqt burchflutete, ergoß sich in die Phantasien, bie er am Klavier improvisierte. Freunbe, bie ihm babei zuhören bürsten, erinnerten sich als Greise besten als bes Schönsten unb Ergreisenbsten, was sie je vernommen hatten. Mozart war bann ganz umfangen von einem Zustanb von Bezauberung und Ver- Zückung. Ueberhaupt war sein ganzes Wesen von allem Aeußeren, den Geschehnissen der Umwelt, abgekehrt. Alles, was in ihm geschah, wurde ihm zu Musik. „Sie wissen," schrieb er an den Vater, „baß ich sozusagen in ber Musique stecke, baß ich ben ganzen Tag bannt umgehe", unb so war es auch wirklich. Der Friseur hatte seine liebe Not mit ihm, benn aste Augenblicke sprang er auf und lief zum Klavier, und der Figaro mußte ihm mit bem Zopf, banb überall hin folgen. Beim Kegeln unb Billarb- ipielen summte er vor sich hin, taktierte mit bem Äopf unb warf Noten auf irgenb ein hervorgezoge- Papier. Teile bes „Don Juan" unb ber „Zau- berflote finb fo entstauben. Beim Reiten würbe chm bas Komponieren fast gefährlich, benn bas Pserb ging mit bem versonnenen Musiker burch. Schuf er ein großes Werk, so war er zu Possen unb Späßen befonbers geneigt, in benen er ein Gegengewicht gegen bie geistig tief erregenben Augenblicke bes Gestaltens fand. „Er war immer guter Laune, aber selbst in ber besten sehr nach- benkend, einem babei sehr scharf ins Auge blickenb, auf alles, es mochte heiter ober traurig sein, überlegt antworten!), unb boch schien er babei an etwas ganz anderem tief denkend zu arbeiten. Selbst wenn er sich in der Früh die Hände wusch, ging er babei im Zimmer auf unb ab, blieb nie ruhig stehen, schlug babei eine Ferse an bie anbere unb war immer nachbenkenb. Bei Tisch nahm er oft eine Ecke ber Serviette, brehte sie fest zusammen, fuhr sich bamit unter der Nase herum unb schien in feinen Nachbenken öfters nichts baovn zu wissen, unb öfters machte er babei noch eine Grimasse mit' bem Munde.--Auch sonst war er immer in Bewegung mit Hänben unb Füßen, spielte immer mit etwas, z. B. mit seinem Chapeau, Taschen, Uhr- banb, Tischen unb Stühlen gleichsam Klavier." B. Sochschulnachi-ichten. Professor Dr Efau, Ordinarius für Technische Physik an der Universität I e n a , ist zum Mitglied der neuerrichteten Fernsehgesellschaft bei der Reichs- Runbfunkkammer ernannt worben. Professor Dr. Kühl, Extraorbinarius für Mikro« Kopie unb angeroanbte Optik an ber Universität Jena, ist zum orbentlichen Professor in Jena ernannt worben. -..PAessor Dr Hans Bartels, Extraordinarius für Physik an ber Universität Breslau, ist zum orbentlichen Professor in ber Fakultät für allge- meine Wissenschaften an ber Technischen Hochschul-' Hannover ernannt worben. Ur. HO Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 25. Mai 1955 Vom Schlafraum zur „Weltjugendherberge // Wie das Zugendherbergswerk entstand und sich ausbreitete. Äon Richard Schirrmann, Burg Altena, Westfalen. Am 25. Mai wird der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, die erste deutsche Jugendherberge auf Burg Altena in Westfalen ihrer neuen Bestimmung als „Weltjugendherberge" übergeben. — Wir haben den Begründer und jetzigen Ehrenvorsitzenden des „Verbandes für Deutsche Jugendherbergen", Lehrer Richard Schirrmann, gebeten, uns zu schildern, wie das Jugendherbergswerk entstand und wie es im Laufe der Jahre immer festeren Fuß faßte. Beide: Jugendwandern und Jugendherbergswerk sind aus derselben Volksnot, der Großstadtnot, geboren. Aber warum haben nicht auch andere Länder mit gleich großen und noch größeren Städten ein ähnliches Werk hervorgebracht? So könnte man fragen und dabei auf Millionenstädte wie Paris und Rom Hinweisen. — Weil gerade dem §?utsch-germanischen Menschen wohl mehr als jedem anderen ein unstillbarer Drang aus der Enge in die Weite ureigen ist! Die erste Jugendherberge, die zugleich als Ausgang des deutschen JH.-Werkes anzusprechen ist, liegt im neuen Palas der Burg Altena und umfaßte ursprünglich nur 54 Betten. Wie einfach sie eingerichtet war, mag man daraus ersehen, daß sie nur einen einzigen Raum besaß, der zugleich Schlafraum, Waschraum und Tagesaufenthaltsraum war. Anfänglich wanderten ja nur die Jungens. Als aber bald das Mädchenwan- d e r n auch anhub, teilte ich den Schlafraum durch einen aufziehbaren Segeltuchvorhang in zwei Schlafräume nach Bedarf. Später habe ich dann eine Eichenholzwand zwischen beide Schlafräume mit getrennten Zugängen gebaut. Der Grundriß und die ganze grundsätzliche Einrichtung des Jugendherbergshauses fand hier feine Entwicklung. Es ging nicht an, daß die früh ein- kehrenden Wandergruppen schon am Nachmittag den Schlafraum bezogen und sich müde und verstaubt, oft mit verschmutzten Schuhen in die mit sauberer Bettwäsche bezogenen Betten legten. Und wenn der Riesenkamin, wo alle Gruppen ihre Kochtöpfe an den Halbaum gehängt hatten, nicht ziehen wollte und der gesamte Raum dick verqualmt war, daß die Augen tränten und keine Kehle mehr singen konnte und man vor dem Schlafengehen ein „Türen- und F e n st e r - schwenkkommando" zum Rausmahlen der Rauchschwaden befehlen mußte, so waren das doch ein wenig unangenehme Begleiterscheinungen im lieben Herbergshaus. Und die rabautzigen Jungen wollten auch mal einen Raum zur Einkehr ganz für sich haben, wo sie beim Mönen und Budenzauber niemand der „Langbezopften" störte, aber auch die Mädel wollten mal ganz unter sich sein. Oder der Lehrer kam mit seiner gesamten Schulklasse in die JH. und hatte gleichfalls seine Belange. Und die ortsansässigen Jugendgruppen, die in der Wanderzeit alle Abende auf der Burgbleibe sich einfanden, brauchten ein „H e i m n e st" — und die Sing- und Spielscharen begehrten einen Raum für ihre Darbietungen. Die wandermüden und erhitzten Glieder riefen nach der Erfrischung eines Brausebades in gesonderten Räumen für Jungen und Mädchen, — und der gute Geruch der Schlafräume verlangte ohnehin bei so viel verschwitzten Menschenleibern Säuberungs-Wasserbäder und Seife für alle Einkehrenden vor dem Zuneste- gehen. So gliederte sich der anfänglich einzigste Herbergsraum bald in besondere Räume für die Uebernachtung und für die Einkehr am Tage, für Küche und Bad und Waschraum. Die Tagesräume mußten gedoppelt und für die Belange von ganzen Schulklassen für tageweise und längere Einkehr im Sinne eines Schullandheimes und die Möglichkeiten von Spiel, Singen und Tanz und mit dafür erweitertem Herbergsgelände im Freien eingerichtet werden. Die ortsansässige Jugend hielt in der wanderstillen Zeit ihre Heimabende im Herbergshaus ab — und aus dem Massenschlafraum wurden kleinere und sinngemäße Abteilungen mit anschließenden Wasch- und Abortgelegenheiten für beide Geschlechter. Und unbedingt mußten ein „H e r b e r g s v a t e r" und eine „H e r- bergsmutter" in dem Herbergshaus wohnen und über dem guten Geist des Heimes wachen, Vater- und Mutterstelle an ihren Gästen vertreten. Mit einem Wort gesagt: Aus dem anfangs nur billigsten Uebernachtungsraum wurde eine Jugend- und Erziehungsstätte. Und mit den Jahren wuchs daraus ein neuer Kultur- Mittelpunkt für unsere zersplitterte Jugend, der eine bewußte Abkehr von der Asphaltkultur der Großstadtwelt war und eine neue Volkwanderung einleiten half, die rückläufig aus der Stadt aufs Land führte: zu Blut und Boden, nach den Worten unseres Führers. Allerdings ist insofern ein Unterschied für die JH. als Jugenderziehungsstätte von damals und heute festzustellen, als sie bis dahin vollkommen überparteilich die einkehrende Jugend für deutsche Heimat- und Vaterlandsliebe erziehen wollte, während sie heute, als ein Bestandteil der Reichsjugendführung im Dritten Reich, eine Erziehungsstätte zur Formung der gesamten deutschen Jugend im nationalsozialistischen Sinne zu sein hat. Und damit vom Gestern zum Heute und Morgen in unserem Werke! Das Vorwärtsschauen ist wichtiger als alles Zurückblicken. Wieviel besser wäre es mit unserer gesamten Erziehungs- und Unterrichtsarbeit in allen Schulen bestellt gewesen nach solchem Grundsätze? Unser JH.-Haus mitsamt dem Jugendwandern habe ich von vornherein dafür als „W ändernde Schule" ins Leben gerufen. Heimat und weites Vaterland und letztlich die unermeßliche Gotteswelt sollen Schulungs- und Erziehungsstätte junger Menschen werden. Alles Wandervolk, jung oder alt, der Stadt und Haus entronnen, denkt ganz von allein im befreienden Wandern, in dem Vorwärtsschreiten, nicht an Vergangenes, sondern an den blühenden Gegenwartsaugenblick und immer an Kommendes. Viel zu lange schon hat ein Stubengelehrtentum uns und Generationen vor uns mit der Knechtschaft der Bücher zu sehr belastet und zu Vergangenheitsmenschen gestempelt und damit untüchtig für die Erfassung des rechten Augenblicks in der Gegenwart gemacht! Das vorwärtstreibende Wandern schützt die Jugend und das unverkalkte Alter vor dem Derliegen, vor dem Satt- und Rostigwerden, vor Spießertum und Blasiertheit und ist eine unsterbliche Revolution zum Wachhalten gesunder Triebkräfte unserer Volksrasse. Wandern und Führertum? Es gibt kaum eine Seite des Führertums, die im Wanderleben nicht berührt wird. Führer und Gefolgschaft sind ein Gebilde aus einem Guß, geformt in der harten und entsagungsreichen Schule des Vorlebens. Sollen die Grundsätze des Nationalsozialismus mit der lebenden Generation nicht verebben, so muß der Nachwuchs dafür geschult werden. Unsere Jugendherbergen sind dafür nutzbar gemacht worden im Dienste fast ungezählter Schulungslehrgänge in allen Teilen des Reiches. Damit ist die Uebernachtungsziffer im Reiche von gegen 5 Millionen auf über 6 Millionen hinaufgeschnellt. Wenn, wie zu erwarten ist, aus diesen Schulungslehrgängen eine neue Jugendwanderbewegung ersteht und dazu führt, daß wirklich die gesamte 10-Millionenjugend Deutschlands davon erfaßt wird, so reichen unsere heutigen Jugendherbergen bei weitem nicht aus. Wir werden mit Dielen Neubauten rechnen müssen. Zwar hat die neue Verbandsleitung mit dem im ganzen Reich durchgeführten „Reichsherbergspfennig" einen gewaltigen finanziellen Erfolg zu verzeichnen, aber dafür sind leider die früher laufenden Staat- und Stadtbeihilfen (5 Pf. auf den Kopf) fortgefallen. Deshalb muß unablässig für unser JH.-Werk als für ein sehr lebenswichtiges Volkswerk geworben werden. Die Mitgliederzahlen und damit die Einnahmen müssen angesichts der erzieherischen und oolksgesundheitlichen Ausgaben des JH.-Werkes wachsen für einen Werksaufbau, der den Kommenden dafür Zeugnis ablegt, daß die heutige lebende Generation alles tat, was in ihren Kräften stand, für die Erneuerung unseres Volkes zu einem neuen und ewigen Deutschland. Auf der 3. Internationalen Konferenz im „Welt- JH.-Werk" im Herbst vergangenen Jahres in London sind neue Verbände angegliedert worden: Freistaat Danzig, Luxemburg und Amerika, mit denen jetzt also auch ein Gegenseitigkeitsabkommen in der Anerkennung unserer JH.-Ausweise getroffen ist. Im Ausland in 18 Staaten mit 21 JH.-Verbänden befinden sich heute bereits 1800 JH. mit einer jährlichen Uebernachtungsziffer von über einer Million. Lehrmeister bei allen war und ist unser deutsches JH.-Werk, das in Altena vor mehr als 25 Jahren feinen Anfang nahm. Am 7. Dezember 1835, also vor nun bald 100 Jahren, lief die erste Eisenbahn zwischen Nürnbera und Fürth. Sieben Jahre vorher, 1828, sprach Goethe ein prophetisches Wort: „Mir ist nicht bange, daß Deutschland nicht eins werde: unsere guten Schossen (Chausseen) und künftigen Eisenbahnen werden schon das ihrige tun!" Und sein Wort hat sich erfüllt. Daß wir aber an dieser Volksoerschmelzung weiter zu arbeiten haben, und daß es letzten Endes nicht allein die Verkehrsstraßen und Verkehrsmaschinen sind, die zum Ziele führen, sondern der lebendige deutsche Mensch, wissen wir auch. Und wenn heute zu Landstraßen und Eisenbahnen auch oogelflugschnelle und schnellere Flugzeuge und Flugschiffe treten, so gehört in diese schnellebige Gegenwart sicher auch das JH.- Werk mit seinen 2 2 0 0 Heimen und 6 Millionen Uebernachtungen für beschaulich wanderndes Jungvolk von Buben und Mädchen, die unter dem heiligen germanischen Sonnenzeichenbanner Heimat und Vaterland immer wieder aufs neue erobern wollen. Die ausländische Jugend, die in unseren Jugendherbergen mit zu Gaste sitzt, wird den Sinn des Dritten Reiches aus eigenster Anschauung verstehen und achten lernen im neuen deutschen Menschen, den unsere JH. mit erziehen helfen will und soll. Aus der Provinzialhauptstadt. Nicht ärgern, nur wundem! Das ist ein holländisches Sprichwort, aber ein sehr autes. Es hat schon vielen beholfen, und ich bemühe mich, es weiter zu verbreiten. Denn ist es nicht der Aerger, der uns begleitet vom frühen Morgen bis zum späten Abend? Nichts ist anhänglicher und nichts ist zäher als der Aerger, unser treuester Feind. Und wenn wir an gar nichts denken, dann bricht er aus irgendeinem Schlupfwinkel hervor und stört unsere Lebensfreude. Wir sagen uns hundertmal, wir wollen uns nicht ärgern, das wäre zu dumm, aber im letzten Augenblick tun wir es dann doch. Wir wissen, daß Aergern älter macht, wir wissen, daß wir nicht schöner werden, wenn wir täglich unserm Aerger verfallen, aber ... Unsere Nerven werden verbraucht durch den Aerger. Er ist wie ein schleichendes Gift, nicht so schnell wirkend wie etwa Zorn ober Haß. Er geht langsamer, aber desto sicherer vor. Am Tage nimmt er uns die Freude, nachts stiehlt er uns den Schlaf. Er kann uns den Appetit rauben, und Arbeitsunlust stellt sich ein, wenn er Herr über uns wird. Was helfen da alle Vorsätze, alle Lehren, die von der schönen Ruhe und der Gelassenheit erzählen? Wir sollen uns in Ergebung schicken, wir sollen den unabänderlichen Tatsachen ins Gesicht sehen und uns nicht ärgern. So wird uns gelehrt. Ueberwinden wir damit den Aerger? Manche Menschen bringen es fertig. Andere wieder stellen diesem alten, giftigen Feind einen Gegner gegenüber, der es wohl mit ihm aufnehmen kann, das ist der Humor. Wenn wir bei ärgerlichen Sachen einmal den Humor herrschen lassen, dann wird der Aerger bald besiegt fein. Vor allem aber müssen wir Einsicht haben in das Wesen des Aergers. Ueberlegen wir einmal, wie es überhaupt dazu kommt, daß der Aerger in uns hochsteigt. Es ist doch weiter nichts als ein Widerspruch unseres Jchs gegen die Außenwelt. Im tiefsten Grunde also entspringt der Aerger unserer Selbstsucht. Wir wünschen, daß die Menschen so handeln und so leben, wie wir es uns vorstellen. Wir wollen auch, daß sich alle Geschehnisse so abspielen, wie wir es gern haben. Geschieht das nicht, dann kommt der Aerger, manchmal über uns selbst, allerdings in den seltensten Fällen, in der Hauptsache über unsere Umwelt und unsere Mitmenschen. Unsere Eigenschaften, unsere Neigungen und Anschauungen sind so fest mit uns verwurzelt, daß wir glauben, andere Menschen müßten nun auch so sein. Das ist ein Irrtum. Je mehr wir das erkennen, desto weniger wird der Aerger Herr über uns werden. Deshalb halte ich bei plötzlichen, mir ganz unerwünschten Tatsachen das klare, holländische Sprichwort bereit: „Nicht ärgern, nur wundern!". Es hilft vielleicht picht immer, es mildert aber ganz entschieden. Im ersten Augenblick können wir ärgerlich auffahren, dann aber sollte man doch eine Pause machen: Nicht ärgern, nur wundern! Wir können, wenn wir wollen, den Aerger bewußt abstellen. Und die Tatsache, daß wir dieses Sprichwort leise oder laut, je nach dem Fall, vor uns hin- spkechen, ist schon der bewußte Wille, der auch oft zum Ziel führt. Man mache den Versuch! Hat jemand eine schöne Tasse oder ein Trinkglas zerbrochen, so ist das für viele Menschen ein Grund zum Aerger. Aber was hilft dieser Aerger? Gar nichts! Eigentlich ist doch schon die Tatsache, daß nun die Tasse entzwei ist, genug. Warum legt man Roman von Charlotte prenzel. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.). 29. Fortsetzung. Nachdruck verboten! Es war seine Tochter. Auch ohne das Bild hätte Liane Gerda Morland unter Hunderten von Mädchen sofort als seine Tochter erkannt. Wie ähnelte sie dem Vater! Wie hübsch waren ihre großen, sprühenden Augen, ihr dunkles Haar, ihr erregtes, gerötetes Gesicht! Man mußte das Mädchen auf den ersten Blick liebhaben. Lianes Herz klopfte freudig erregt. „Komm mit in mein Zimmer", sagte sie schnell, „da werden wir den Schaden gutmachen." „Wirklich?" fragte Gerda erfreut. „Ach, Sie wissen gar nicht, wie dankbar ich Ihnen sein werde. Nähen ist nicht meine Stärke, und wenn Großmutter durch den dummen Riß erfährt, was sich zugetragen Jjat, dann kann ich mich auf allerhand gefaßt machen." „Wir machen es schon so, daß sie es nicht sieht", tröstete Liane. „Großmutter hat so gute Augen, sie sieht immer alles." „ Sie traten in Lianes Zimmer. „Nett ist es hier , sagte Gerda. „Wir wohnen da drüben. Großmutter und ich haben auch ein Zimmer noch vorn heraus. Zu hübsch ist die Aussicht — nicht wahr?" Liane suchte nach Nadel und Faden. „Sehr schön, kleines Fräulein. Ich darf doch noch du zu dir sagen? Wie?" . v ... „Oh ich höre es noch viel lieber —und überhaupt, da habe ich mich wohl wieder schön damenhaft betragen?" „Die Hauptsache ist, daß die Katze gerettet wurde." „So meine ich auch, aber Großmutter wird schelten. Großmutter vertritt nämlich Mutterstelle an mir. Sie ist selten mit mir zufrieden; nur gut, daß ich mich um so besser mit meinem Vater verstehe." „Dann hast du ihn wohl recht lieb?" „Und wie!" kam es strahlend von den Lippen des Mädchens. „Wir sind die besten Freunde, Papa und ich. Kein Mensch versteht mich so gut wie er. Augenblicklich ist er weit fort — denken Sie nur, in Amerika." „Oh, so weit? Da bist du natürlich stolz auf den Vater?" „Ja, die wenigsten Menschen machen doch in ihrem Leben eine so große Reise. Aber nun muß ich wohl stillstehen? Sie dürfen gleich schelten, wenn ich immer so hin und her zappele. Papa sagt immer, ich sei ein Unband." Liane fühlte, wie sich ihr Herz diesem Mädchen gegenüber weit öffnete, und sie begriff, daß Fred dieses Kind nicht verlieren wollte, daß sein ganzes Herz ihm gehörte. Wie lebhaft, wie frisch und natürlich war Gerda! Es war direkt eine Freude, ihn zuzuhören. Gerda betrachtete aufmerksam Lianes flinke Finger, die den Riß so sauber zunähten, daß man ihn wirklich kaum sah. „So fein hätte ich es nie fertiggebracht", meinte sie seufzend. „Haben Sie das immer fo gut gekonnt?" . „O nein, es hat recht lange gedauert, bis ich diese Kunst beherrscht habe. Du kannst daraus rechnen, es auch noch zu lernen." „Glauben Sie? Großmutter behauptet immer, daß ich dergleichen nie lernen werde. Wieviel Mühe habe ich Ihnen nun gemacht?! Wie soll ich Ihnen danken?" „Der kleine Samariterdienst macht mir doch Spaß; nun habe ich auch meinen Teil an der Befreiung der Katze getan." „Hoffentlich habe ich Sie nicht aufgehalten. Gewiß wollten Sie baden gehen. Großmutter ist schon fort. Sie schläft danach immer ein Stündchen, und ich mache indessen den ganzen Kurort unsicher." Gerda lachte frisch auf. „Wie komme ich aber nun in die Stadt? Vielleicht passen die Jungen auf mich auf — da habe ich mir was Schönes eingebrockt, bin wohl meines Lebens hier nicht mehr sicher." „Ich gehe mit dir", erbot sich Liane schnell. „Das paßt auch mir gerade sehr gut. Ich bin erst gestern abend hier angekommen und kenne mich noch gar nicht hier aus. Wenn du allein bist, kannst du mir ein paar hübsche Spaziergänge zeigen." Gerda hüpfte vergnügt von einem Fuß auf den anderen, unterbrach sich aber schnell in der Bewegung. „Sehen Sie, daß ich nicht Ruhe halten kann. Großmutter hat schon recht mit ihren Klagen." „Die Großmutter möchte sicher schon gern ein Fräulein zur Enkelin." „Ja, leider. Wollen wir nun gehen? Uebrigens habe ist mich noch nicht vorgestellt. Ich heiße Gerda Morland." „Und ich bin Frau Scholz." „Scholz, Scholz? So heißt ja die Firma meines Vaters." „Der Name ist bei uns in Frankfurt sehr allgemein." „Wie? Sie sind auch aus Frankfurt? Da wohnt mein Papa auch. Nun müssen Sie mir recht viel von Frankfurt erzählen. Denken , Zweite Werktags-Postzustellung in Wieseck. Schon seit längerer Zeit besteht in Wieseck der Wunsch nach einer zweiten Zustellung der Post an Werktagen. Dahinzielende Anträge wurden bei der Postoermaltung gestellt. Diese Schritte haben nun» mehr das erfreuliche Ergebnis gehabt, daß voraus» I sichtlich schon in der nächsten Zeit die zweite Post- ! Zustellung an Werktagen auch für Wieseck eingeführt werden wird. Kreis-Wertungssmgen 1935. Das für die Gruppe 3 des Sängerkreises Gießen ursprünglich auf den 19. Mai in Wieseck, Saalbau Hormann, angesetzte, wegen der Einweihung der Reichsautobahn aber verlegte Kreis - Wer - tungssingen 1935 ist nunmehr endgültig auf nächsten Sonntag, 26. Mai, in Wieseck festgelegt worden. Ferner findet am nächsten Sonntag auch das Wertungssingen der Gruppe 1 in Heuchelheim, Turnhalle, statt. Sonderzüge zur 2. Reichsnährstands- Ausstellung in Hamburg. LPD. Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit: v ®ne$( Son«? "henb fr» wte s4i?cn' fr"'*® LA- to”Ull9 Oer pi, teil: Ä »» h;.Ä bi Richtfestkosten aus öffentlichen Mitteln In einem Erlaß des Reichsfinanzministers wird bestimmt: „In Gegenden, wo der Brauch von Richtefesten besteht, dürfen bei allen Neubauten (Hochbauten über 30 000 RM. Baukosten) künftig in die Kostenanschläge Beträge für ein Richtefest einge etzt werden. Bei der Vermessung der Höhe des Betrages ist als Anhalt davon auszugehen, daß für die zur Zeit des Richtens im Bau voraussichtlich tätigen Gesellen, Arbeiter und Lehrlinge ein Tagelohn, für Poliere, Werkführer und Vorarbeiter ein doppelter Tagelohn gerechnet wird. Dem Handwerksbrauch entsprechend, oll dieser Betrag in der Regel für ein wirkliches Richtefest verwandt werden. Eine Auszahlung soll nicht mehr die Regel bilden, beides nebeneinander ist nicht statthaft. Wenn diese Bestimmung auch hauptsächlich für die Errichtung städtischer Hochbauten gedacht ist, so bin ich doch damit einverstanden und komme hiermit einem mir mehrfach vorgetragenen Wunsche nach, daß auch bei der Errichtung von Kleinsiedlungen in Gegenden, in denen bei sonstigen Bauvorhaben Richtefeste abgehalten zu werden'pflegen, derartige Feste ftattfinben dürfen. Allerdings muß auch hierbei, wie dieses bei allen Maßnahmen der Kleinsiedlung vorgeschrieben ist, äußerste Sparsamkeit obwalten. Infolgedessen darf der Kostensatz, der hierfür bei der Abrechnung in Ansatz gebracht werden darf, den Betrag von 10 RM. Je Siedlerstelle nicht über« teigen. Eine Barauszahlung dieses Betrages an die beim Bau tätigen Handwerker, Arbeiter usw. kommt nicht in Frage" Der Kirchensteuerzettel. Im Mai werden auch dieses Jahr wieder die Kirchensteuerzettel den Pflichtigen zugestellt. Es ist wohl nicht zuviel gesagt, daß sich diese blauen Zettel im allgemeinen keiner besonderen Beliebtheit, eher des Gegenteils erfreuen. Sie sind „Liebesgaben" der Novemberrevolte, denn im kaiser- »C* 4)ien^a.J u am SS-"* germe's^A Arm ** N eÄe N® ioBä. V Am M^sestehende « eine 1 61 Deutsche Arbeitsfront. NSG. „Kraft durch Freude". Arbeitskameraden! Arbeitskameradinnen! Besucht am 5. und 6. Juni (Mittwoch und Donnerstag) im Stadttheater Gießen das Kabarett der Komiker! Lüderitz & Comico werden ganz tolle Kunststücke auf einem Seil bringen. Mit einem Wort gesagt: diese ganze Vorstellung wird hinter dem Gastspiels des Schumanntheaters nicht zurückstehen. Wir bitten alle Kameraden, sich umgehend Karten zu besorgen, der Vorverkauf hat, ohne daß wir bisher besondere Werbung machten, stark eingesetzt. Alle, die sich die Karten nicht frühzeitig besorgen, werden sich bestimmt wieder ärgern. Die Preise sind: 60 Pf., 1 Mark, 1,30 Mark, 1,50 Mark. Rheinfahrt! Unsere erste Rheinfahrt im Jahre 1935 findet am 23. Juni statt. Meldet euch umgehend zu dieser Fahrt an! Es ist allen Kameraden bekannt, wie schnell unsere Fahrten ausverkauft sind. Nur die Anmeldungen sind gültig, bei denen der Betrag von 5 Mark (ohne Essen) gleich einbezahlt wird. Urlaubsfahrken „Kraft durch Freude". (DAF.) Für die Urlaubsfahrten vom 1. bis 12. Juni an den Bodenfee—Merseburg, Fahrtkosten 44,50 Mark, vom 3. bis 11. Juni nach der Nordsee, Fahrtkosten 59 Mark, und vom 6. bis 16 Juni nach Dem Chiemsee, Fahrtkosten 42 Mark, sind noch einige Plätze frei. Anmeldungen werden noch bis Samstag, 25. Mai, von den Kreisdienststellen der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" entgegengenommen. In Den Fahrtkosten sind Fahrt, Unterkunft und Verpflegung enthalten. Seefahrt mit dem Dampfer „Oceana". Es wird darauf hingewiesen, daß die nächsten Schiffsfahrten bis Ende Juli bereits belegt sind, so daß keine Anmeldungen mehr angenommen werden können. Sportamt „Krast durch Freude". Reiten. Die Nachfrage nach den Reitkurfen des Sportamts „Kraft durch Freude" ist fo groß geworden, daß die uns zur Verfügung stehenden Kurse bereite besetzt sind. Um noch möglichst vielen Volksgenossen die Gelegenheit zum Reiten zu geben, sind wir bemüht, weitere Kurse einzurichten. Persönliche oder schriftliche Anmeldung an das Sportamt „Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18, Sprechstunde von 11 bis 13 und 15 bis 17 Uhr, ist baldigst erforderlich. Die Kosten betragen 6 Mark für Mitglieder der DAF. bzw. 9 Mark für Nichtmitglieder. Segelsportfahrten auf der Ostsee! Das Reichssportamt der NSG. „Kraft durch Freude" beabsichtigt, in der Zeit vom Juni bis Oktober verschiedene sieben- und vierzehntägige Segelsportfahrten auf der Ostsee durchzuführen. Die Kosten sind außerordentlich niedrig gehalten; sie betragen 37,50 Mark für die siebentägige und 65 Mark für die vierzehntägige Fahrt. Für die Hin- und Rückreise der Teilnehmer vom Wohnort zum Liegeplatz der Schiffe wird eine 50prozentige Fahrtpreisermäßigung für die Bahnfahrt gewährt. Weitere Auskunft, sowie Anmeldung auf dem Sportamt Gießen, Schanzenstraße 18. Weitere Sportkurse des Sportamks „Kraft durch Freude". er " erstag : 20 bis 21, 21 bis 22 Uhr, Fröhliche Gymnastik für Frauen, Lyzeum. .Fr e i t a g : 20 bis 22 Uhr, Allgemeine Körperschule, Frauen und Männer, Lyzeum- 20 bis 21 Uhr, Fröhliche Gymnastik für Frauen, Heil- und Pflegeanstalt; 21 bis 22 Uhr, Reiten, Reitschule Schombs, Brandplatz. ?.is 19 Uhr, Leichtathletik • (Ne-chssportabzeichen), Umversitätssportplatz, Kugel- . Anmeldung zu diesen Kursen bei den Lehrkräften 1 in Der Uebungsftätte. Daten für den 23. Mai. 1618: Aufstand in Prag. Beginn des 30jähriqen Krieges. — 1707: der Naturforscher Karl von Sinne Au Rashult in Schweden geboren (geft. 1778). — 1838: der Geograph Alfred Kirchhofs in Erfurt geboren (geft. 1907). — 1886: der Geschichtsforscher ; Leopold von Ranke in Berlin gestorben (geb. 1795). : — 1906: der norwegische Dramatiker Henrik Ibsen . m Kristiania gestorben (geb. 1828). — 1915: Italien 1 erklärt Oesterreich-Ungarn den Krieg. i Für die Benutzung der Sonderzüge wird noch folgendes bekanntgegeben: Der Verkauf von Sonder- zugkarten erfolgt durch die Stellen, die die Anmeldung für die Sonderzüge entgegengenommen haben. Bestellte Karten, die bis zum 21., spätestens 22. d. M. nicht abgeholt sind, werden vom 23. ab durch die Reichsbahnhöfe freihändig an jedermann verkauft. Die bestellten Karten können bei den zuständigen Bahnhöfen frühestens Dienstag, den 21., nachmittags, durch die Beauftragten der Landesbauernschaft bzw. der Kreisbauernschaften abgeholt werden und kommen an die Besteller Der Karten im Laufe Der nächsten Tage zur Verteilung. Die Sonderzugkarten haben nur Gültigkeit für Den SonDerzug, Der auf der Karte angegeben ist. Zur besseren Unterscheidung sind die Karten je nach Datum in verschiedenen Farben gehalten,; sie tragen ferner die genaue Bahnhofsbezeichnung, den Taa und die Abfahrtszeit für die Hin- und Rückfahrt sowie Sie Sonderzugnummer aufgedruckt. Die Sonderzugteil- nehmer erhalten gegen Vorlegen einer gelösten Sonderzugkarte bei ihren zuständigen Fahrtantrittsbahnhöfen für die ersten 100 km mit fahrplanmäßigen Zügen von ihren Fahrtantrittsbahnhöfen bis zu den Zusteigebahnhöfen Der Sonderzüge ebenfalls 75 v. H. Fahrpreisermäßigung. Die über 100 km überfchießenden Kilometer find nach vollem Tarif zu zahlen. Für jeden Sonderzug ist ein Transportführer bestimmt. Dieser Transportführer erhält eine deutlich sichtbare Armbinde. In der Mitte des Zuges ist für ihn ein Abteil bereitgestellt, welches durch ein Schild „Transportführer" gekennzeichnet ist. Den Anordnungen des Transportführers ist in allen Fällen unbedingt Folge zu leisten. Die Teilnehmer haben vollzählig und pünktlich am Fahrtantrittsbahnhof Des Verwaltungssonberzuges einzutreffen. Unbefugtes Ein- und Aussteigen auf Den Zusteige- bahnhöfen ist wegen Transportgefährdung unbedingt verboten. Die Teilnehmer werden auf den Hamburger Ankunftsbahnhöfen wartenden Führern übergeben, Die sie auf dem kürzesten Wege nach den Quartieren bzw. nach der Ausstellung leiten. Das Beschreiben mit Kreide usw. sowie das Ausschmücken der Züge ist von der Reichsbahn aus verboten. Im .. , Falle von Verunreinigungen oder Beschädigungen • ™ "en Schranken des Gerichts stand sodann muß durch die Betreffenden Ersatz geleistet werden, em Mann aus Alsfeld. Die Anklage machte ihm Der Fahrplan wird im Laufe dieser Woche auf Zum Vorwurf, einem Vollziehungsbeamten des Fi- allen Bahnhöfen ausgehängt werden. . @ie®T2rÄTrtlrfi,e-«* ÄÄ Ä mar® taffen:' Ä Schuld nicht er ^n^Da^Z-^'kam^ahÄ ur & Freisprechung ’ ' ° I o •^a*e' bas Stuck 5 bis 10, Eier (inländische) Das Gericht befaßte sich schließlich mit Dem frhnn 7 9' Wirsing (gelb), das Pfund 18 bis 20, mehrfach vorbestraften Albert Kreß aus Nürn- hn-un) 25, Weißkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben, berp meqenIRütffallbetruas r ®err2tnn^^^nS^fp mnr 20 bis 25, das Pfund alte 15, Rat- Rüben bei einer Lebensversicheruna anaefteIH Nun hm 19 15, Spinat 20 bis 25, Römischkohl 15 bis Berirtau bieerabflhlrf kannte er bie erft» 20' Spargel«! 45. II 55, I 65, Erbsen 35, Misch- Prämie einziehen. Um sich möglichst viel Provision Pi ^MeerretUä^İ b 70°™,'Smicbcln 20 zu verschossen, schloß er die Verträge unter weit 22 Pß, M<>err,-tt.ch 50 b,s 70 Schwarzwurzeln niedrigeren Bedinaunaen als aufäffm nh In hnfe 7?' Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln 4 Pf., der Die Versicherten, trotzdem sie eine Prämie gejafitt äl" hatten, niemals einen Anivruch auf Ausmbsnnri I ßl-' Homg 45, Tauben, das Stuck 60 bis hatten. Der Angeklagte mietete sich außerdem in 70' Blumenkohl 60 bis 70, Salat 15 bis 20, Salat- eÜier ganzen Anzahl Fälle ein, üernachtete Dort Ro^etHrfisn-' unb verschwand schließlich, ohne zu zahlen und Än^7 bi- in if 10 bl5 15, SunbeI 20' ^Dies« unter Mitnahme des Hausschlüssels. Das Schöf- $ 7 üls 10 *>• _ fengericht erkannte auf 2 Jahre und 3 Mo- _ vornonzen. nate Gefängnis; 2 Monate Unterfuchunqs- \~ T a g e s f a 1 e n b e r für Donnerstag: haft wurden angerechnet. NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21.30 Uhr --- 11 _____Vortrag in der Universität von Professor Rein- --wein: „Die Wichtigkeit der Erforschung und der lichen Deutschland gab es keine besonderen Kirchen- Bekämpfung einer Seuche". — NSG. „Kraft durch steuerzettel, wohl aber Kirchensteuer, die mit ber i^eu.be"- 20 bis 21, 21 bis 22 Uhr im Lyzeum Einkommensteuer in einem Betrag erhoben würbe; fröhliche Gymnastik für Frauen. — Stabttheater: seit ber Aera Gnauth staub auf bem Steuerzettel bis 22.15 Uhr „So ein Mäbel". — Lichtspielbemerkt, baß in bem angeforberten Betrag — er Paus Bahnhofstraße: „Petersburger Nächte". — war pro Ziel angegeben — so unb soviel Kirchen- Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Branb» steuer-Jahressumme enthalten sei. Das zur Ge- p^tz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung Christian Rohlfs» schichte. Hagen. — Elektro - Gemeinschaft unb Allgemeine , r ... Elektrizitäte - Gesellschaft: 20 Uhr im Cafe Leib Die Kirchensteuer wirb alljährlich für bas ganze Elektro-Koch- unb Back-Veranstaltung. — Krieger- Land und für beide Kirchen festgesetzt und von der kameradschaft Gießen: 20.30 Uhr im Cafe Ebel Regierung genehmigt. Die einzelnen Kirchengemein- Monatsversammlung. den können für ihren örtlichen Bedarf eine Reli- — Stadttheater Gießen. Von 20 bis glonsgemeindesteuer erheben, deren Höhe vom Kir- 22.15 Uhr das Lustspiel „So ein Mädel" von Sturm chenvorstand beschlossen und vom Kreisamt geneh- und Färber; Spieleitung: Karl V 0 l ck. Geschlossene migt werden muß. Da durch die Inflation der Vorstellung für die NS. - Kulturgemeinde, Ring größte Teil der Kirchenkapitalien verschwunden ist, Deutsche Bühne. so wurden viele Gemeinden, die früher keine ört- * liche Kirchensteuer kannten, zu deren Erhebung ge- ** 86 Jahre alt. Der Oberbahnassistent i. R. armingen. Die Grundlagen für die Veranlagung zur Wilhelm Bourgeois, Moltkestraße 28, ein ge« m>rcben^euer die Reichseinkommensteuer, der borener Gießener, vollendet am 24. Mai in körper» Wert des unbebauten Grundbesitzes unb bas Ge- licher unb geistiger Rüstigkeit fein 86. Lebensjahr, werbekapital. Die Veranlagung geschieht, ebenso W. Bourgeois erlernte in seiner Jugenb bas Buch- roie bie Ausstellung ber Kirchensteuerzettel unb bie bmderhandwerk, trat bann als Freiwilliger bei dem Erhebung der Steuer, durch das Finanzamt bzw. Hess. Chevauleger-Regiment, den späteren Garde- burch bie Finanzkasse. Für alle ©lieber beider Kir- Dragonern, ein und machte den Feldzug von chen, die das 21. Lebensjahr vollendet haben, kommt 1870/71 mit. Nach beendeter Probedienstzeit bei der noch eine Kopfsteuer hinzu. Dieses sogenannte Kir- damaligen Köln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft chennotgeld wird von den vom Finanzamt nicht wurde W. Bourgeois nach Bremen und ein Jahr veranlagten Gemeindegliedern durch die Kirchenkasse später nach Oberhausen i. Rhld. versetzt. Seit 1911 Phöben. im Ruhestand, war es für ihn selbstverständlich, baß Der Pfarrer aber Kirchenvorstanb haben bemnad, I^Xtf,^^äÄr‘!einGerr iTnh fPrfc3!! a9Un9'- ^umschreiben ber blauen Zettel einigung von 1849/99 unb Ehrenmitglieb be« Krie- unb Erhebung n 1 ch t s zu tun. Nur für Ermäßi- gervereins Gießen. Seine Verbunbenbeit mit feiner 9 9en unb GrIöffe "US RtnmPpifsnrnnhtH l-" I Vaterstabt bewies er badurch, baß er üt Oberhausen im Rheinlanb schon Bezieher des Gießener Anzeigers war und es auch heute noch ist. ■ ** 21 k t e n, Die nicht vernichtet werden. In den Akten der Justizbehörden befinden sich zahl- reiche Schriftstücke, die für die Sippenkunde, die Rasseforschung und die Feststellung der Abstammung oder, die Erbanlage eines Menschen von Bedeutung sein können, und die deshalb erhalte« j' II 1 I tu als Oberheffen f ■ H IM I I |ul' der Urzeit * bis gab Aufschlüsse über die Zusammensetzung Heereseinheiten bei unseren Nachbarstaaten und tonte, unser Heer müsse das Instrument sein, der be- auf !! mer bei ausgelassenster Stimmung. Dieses erste Lager der Mathematiker kann Erfolg verbucht werden. tent i. ft ein 0e‘ n körper bensjah/- as Bu-H' bei dein , Garde- iiia 015,1 erstag: 21.30 Uhr r Rein- q und der 'roft durch i Lyzeum Mater: Lichtspiel' d)ie". 7 । Brand- , Rohlfs- llaemeine i. MWochen- nb 1,50 bis !atte 20 bis inländische) 18 bis 20, be Rüben, tote Rüben ohl 15 bis 35, Mischwiebeln 20 arzwurzeln 4 Pf-, der Pfund 35 ürf 60 bis 20, Salat- >ne 10 bis 0, Radies- Krieger- tast Ebel t 20 bis >n Sturm 'schlossene ) , Ring on JJ FQf|ou teilt En r $ f"1, ln Sonber. r d>- A». iTOmmen I lpötestens ß 23- °b ■ Röerntann |ei den zu. 19. Den 21. rr Landes- fn «Mott I Marten im r!e Sonder-1 Sonderzua, |eren Unterem in oer- ferner di- mö die Ab- sowie die ' Arbeitslager der Gießener Mathematischen Fachschaft auf der Herchenhainer Höhe. A-->- sr ltersoel' iit f* ** lefejl Gbei 6 pfe?nur" be" N |3S. L ' 6qqI= pft* Fff9 oul 11 ^iefej P .da- re 1 v e i m *rRün^: das sich das Vaterland verlassen könne. Reicher Beifall der alten Soldaten belohnte den Redner. Oberst K ö t t s ch a u dankte dem Redner für seine allgemein verständlichen Ausführungen und sagte, es müsse jeden alten Soldaten freuen, daß die Jugend nun wieder eine so vorzüaliche Schule durchmachen dürfe, wie es das alte Heer gewesen, daß wir dies ganz allein nur unserem Führer und Volkskanzler verdanken dürften, und er brachte ein dreifaches „Sieg-Heil!" auf Führer und Vaterland aus. Ooerst K ö t t s ch a u warb dann nochmals für den Reichskriegertag in Kassel, sprach dem Kreisführer Bonhard zu seinem Geburtstag die besten Glückwünsche aus und forderte die Kameraden auf, fest zum Soldatentum hinter Führer und Reich zu stehen. Mit dem Gesang einiger alter Soldatenlieder schloß die sehr anregend verlaufene Tagung. Oer Verkehrsunfall bei Butzbach. * Butzbach, 23. Mai. Die behördliche Untersuchung über den gestern berichteten Zusammen- stoß zwischen einem Auto und einem Motorrad, bei dem bekanntlich die 20 Jahre alte Elise Richter aus Rieder-Weisel auf der Stelle getötet wurde, während der 27 Jahre alte Motorradführer Otto Häusner aus Pohl-Göns schwer verletzt dem Johanniter-Krankenhaus in Rieder-Weisel zu- aeführt werden mußte, ist noch in vollem Gange. Bei dem in Betracht kommenden Auto handelte es sich um den Kraftwagen des Arztes Dr. Baur aus Bad-Nauheim, der selbst am Steuer seines Wagens nur noch aufs Pferd gesetzte Infanterie sei, gehörten zusammen, ferner über Kampfwagen (Tanks) und technische Waffen, Flammenwerfer, Gas und Vernebelung als Verschleierung der eigenen Kampfhandlung und zog Vergleiche über den Kampf aus der Urzeit'bis heute. Am Schlüsse seiner Aus- sührungen sprach er über aktive und passive Abwehr, Zum ersten Male veranstaltete die F a ch a b t e i ° luna für Mathematik der Studentenschaft an der Universität Gießen ein Arbeitslager. Ende April verbrachten Dozenten und Studenten auf der Herchenhainer Höhe Taae gemeinsamer Arbeit, Tage, die vor allem der Besinnung auf die Aufgabe als deutsche Mathematiker im neuen Reiche dienten. Der Gedanke des Arbeitslagers wurde geboren aus dem Wunsche, weitab von Katheder und dicken Wälzern draußen in der Natur dem Kameraden menschlich näherzukommen und eine Arbeitsgemeinschaft zu formen, wie man sie in den Hörsälen niemals erreichen konnte. Alan ist sich darüber im klaren, daß der Lager- belrieb. der nun nach dem großen Erfolg dieses ersten Lagers zu einer ständigen Einrichtung der Aachfchaflsarbeil werden soll, niemals den Lehrbetrieb der Härsäle ersehen kann. Aber er soll und wird als Erlebnis der Kameradschaft und als Zeit der Besinnung auf die Aufgaben diesen Betrieb mit Leben durchfluten, eine Atmosphäre schaffen, in der nur menschlich vollwertige Wissenschaftler gedeihen können. Und er wird durch die Auswahl der Arbeitsgebiete Brücken fchlagen zwischen den einzelnen, in der Vorlesung getrennt behandelten Disziplinen, wird die Ausbildung des Mathematikers ergänzen und abrunden und so dem jungen Mathematiker ein geschlossenes Bild seiner Wissenschaft geben, wie er es aus den einzelnen Vorlesungen nicht zu gewinnen vermag. Wir sind entschlossen, jene wankende Gestalt des vom Leben losgelösten Gehirnakrobaten, die einst als Blüte unsrer Hörsäle und Seminare sich Geltung zu verschaffen vermochte, der wir aber zugleich jenes Bild des Wissenschaftlers und insbesondere des Mathematikers zu verdanken haben, an dessen berechtigter Verspottung wir heute noch tragen, von unseren Hochschulen restlos zu entfernen. Dem Hochschullehrer geben wir die Möglichkeit, in einem bisher nicht zu erreichenden Maße seine Schüler charakterlich zu beurteilen, und wir erwarten von ihm, daß er unser Streben nach Auslese in jeder Weise unterstützt. Anderseits hat sich der Hochschullehrer selbst in unserer Gemeinschaft zu bewähren, er muß ein ganzer Kerl und Kamerad sein, der jener Verantwortung würdig ist, die er vor der Gemeinschaft zu tragen hat. Die studentische Jugend will in ihrem Lehrer nicht nur den bewährten Forscher sehen, sondern auch den vorbildlichen Führer und Kameraden, zu dem sie in einem Verhältnis persönlichen Vertrauens steht. Gerade dies ist für sie eines der stärksten Erlebnisse des Lagerlebens. Neben den bereits gekenntzeichneten wichtigen Aufgaben des Arbeitslagers, die der Arbeit aller Fachschaften gestellt sind, haben die Mathematiker insbesondere weitere Ziele verfolgt. So mancher Nicht-Mathematiker, dem man den Plan des Lagers vortrug, schüttelte zunächst verwundert den Kopf, oder sah sich veranlaßt, über diesen Gedanken zu spotten. „Was wollen ausgerechnet die Mathematiker in der Landschaft?" „Ihr wollt euch wohl gleich in eueren Heimatboden verquadratwur- zeln?" Man versteht diesen Spott, wenn er jenen guten Gesundheit. Der Ehemann, schon in frühen Jahren durch Krankheit invalide geworden, versieht seit langer Zeit den Dienst des hiesigen Friedhofaufsehers. Kreis Büdingen. ]) Nidda, 22. Mai. Die Niddaer Bank hielt unter Leitung des stellv. Vorsitzenden, Kaufmann Schmoll, im Gasthaus „Zur Krone" die diesjährige erste Hauptversammlung ab. Aus dem Geschäftsbericht konnte entnommen werden: Die schon im Jahre 1933 in allen Betrieben des öffentlichen Lebens bemerkbare Besserung der wirtschaftlichen Lage hat im Jahre 1934 zu einer weiteren Festigung geführt, die auch auf den Geschäftsbetrieb der Niddaer Bank von günstigem Einfluß war. Die Bilanzsumme ist gestiegen, die Spareinlagen haben sich vermehrt. Der Eingang der Zinsrückstände in 1934 hat sich wesentlich gebessert. Während diese in den vorhergehenden Jahren ständig wuchsen, war am Ende des vorigen Jahres erstmals eine Senkung der Zinsrückstände festzustellen. Nach dem Stand vom 31. Dezember 1934 setzt sich die Summe der Aktiva in Höhe von 1 242196,86 RM. zusammen aus: Rückständige Einlagen auf das Grundkapital 11 088,30 RM., Anlagevermögen 32 890,52 RM., Beteiligungen 6000 RM., Umlaufvermögen 1 159 357,93 RM., Posten, die der Rechnungsbegrenzung dienen 32 860,11 RM. Die Summe der 1 237 768,44 RM. betragenden Passiva gliedert sich in: Grundkapital 55 000 RM., Reservefonds 65 000 RM., Delkrederefonds 19 643,55 RM., Verbindlichkeiten 1096 804,77 RM., Polten, die der Rechnungsabgrenzung dienen 1320,12 RM. Der Reingewinn beträgt 4 428,28 RM., wovon auf das Aktienkapital 5 v. H. Zinsen vergütet und der Rest für Abschreibungen, soziale Zwecke u. a. verwandt wurde. Ab 1. Januar 1935 tritt eine Senkung der Soll- und Habenzinsen ein. Kreis Schotten. V Schotten, 22. Mai. Der landschaftlich schön gelegene Fischteich in der Launsbach wurde dieser Tage von der Stadt zum Preis von 95,— Mark verpachtet. § Ulrichstein, 22. Mai. Gestern wurde hier der weit über die engeren Grenzen seiner Heimat hinaus bekannte Gastwirt Ferdinand P f a n n st i e l beerdigt. Die hohe Wertschätzung, die der Verstorbene in der Bevölkerung und besonders in Kriegervereinskreisen der ganzen Umgebung genoß, zeigte sich in dem großen Trauergeleite, zu dem Abordnungen der Kriegervereine aus allen umliegenden Orten mit ihren Fahnen erschienen waren. Auch der Vogelsberger Höhen-Club ließ durch seinen Vereinsführer Dr. Bruchhäuser dem verstorbenen treuen Vogelsberger die letzte Ehre erweisen, war doch in seinem Gasthaus einst der VHC. gearündet worden. Als Mitglied öffentlicher Körperschaften und als Erforscher und guter Kenner der Heimat- aeschichte Ulrichsteins war er stets um das Wohl seiner Heimatgemeinde besorgt. Vier Tage vor seinem Tode war Ferdinand Pfannstiel 76 Jahre alt geworden. Karikaturen einer vergangenen Zeit gilt, von denen bereits gesprochen wurde, und gerade deswegen ließ man sich nicht irremachen, weil der Beweis erbracht werden sollte, daß jene Zeiten endgültig vorbei sind. Jenen Spöttern wollte man zeigen, daß der Mathematiker nicht ein weltabgewandter, in blassen Symbolen lebender Phantast ist, dem die- Frage seiner Daseinsberechtigung innerhalb der Volksgemeinschaft gleichgültig ist. Man wollte ihnen eindeutig beweisen, daß die Erziehung zum Mathematiker Dienst an der Volksgemeinschaft ist. Nicht allein in einer zweckbetonten Ausrichtung unserer Arbeit (Wehrfragen, Geländevermessung) wollte man dieser Forderung an unsere wissenschaftliche Arbeit gerecht werden. Es ist eine Verkennung dieser Forderung, zu behaupten, nur die Wissenschaft im Dienste praktischer Forderung habe Daseinsberechtigung. Heute wie immer stellen die erzieherischen Werte der Wissenschaft und insbesondere der Mathematik, Wissenschaft als Streben nach Erkenntnis, Dienst an der Volksgemeinschaft dar. Wenn sich die Mathematiker mit Stolz darauf berufen, daß ihre Wissenschaft den jungen Menschen zu selbständigem Denken und Forschen, zu klarem Sichten und zu eindeutigen Antworten erzieht, so ist das Dienst an der Volksgemeinschaft. In diesem Sinne faßten sie ihre Arbeit auf, und ihr Lagerleben möge immer wieder der Besinnung auf diese Aufgaben dienen. Dann wird eine junge Mathematikergeneration herangebildet werden, die dort, wo- auch immer sie ihren Auftrag von der Gemeinschaft erhält, ihrer Verantwortung ihrem Volke gegenüber würdig sein wird. Bei der Ausgestaltung des Lagers half besonders Professor Geppert durch vielseitige Anregung und tatkräftige Hilfe und Förderung mit. Das Lagerleben zeigte das gewohnte frohe und disziplinierte Bild. Die Gruppe von 20 Mann wurde in zwei Scharen unterteilt, die dem Lagerleiter Gürtler verantwortlich waren, lieber den Verlauf des Lagers, über die geleistete wissenschaftliche Arbeit kann an dieser Stelle nicht berichtet werden. Es sei hier nur kurz ein Ueberblick über die behandelte Materie gegeben. Professor Geppert legte ausführlich die Beziehungen zwischen Mathematik und Volkskunde (Entstehung unserer Zahlsprache und Rechenverfahren) dar. lieber die Beziehungen zwischen Mathematik und Musik berichtete Herr Schultheiß. Der Schulung der geometrischen Anschauung dienten die Vorträge von Herrn Seibert über Kreislagerungen und Kugelpackungen und von Herrn Gärtler über die Theorie der Artinschen Zöpfe. An die letzten Ausführungen schloß sich eine kurze Darlegung des Kleinschen Erlanger Programms durch Dr. G r ö tz s ch. Mathematisch-wehrsportliche Aufgaben führten unter Leitung der Herren Jüngst und Hofmann ins Gelände. Dr. Fuhr leitete zu einfacheren Vermessungsaufgaben an. Ausführungen über Schallmeßverfahren, Photogrammetrie, Kartenkunde ergänzten die Hebungen. Für Humor bot die Mathematik-Wissenschaft bei den abendlichen Unterhaltungen reichen Stoff. Ein Kameradschaftsabend in Hartmannshain zeigte die Teilneh- kreis Alsfeld. # Ober-Ohmen, 22. Mai. Nunmehr wurde mit den Straßenbauarbeiten an den Kurven der Ohm st raße begonnen. Gegenwärtig ist man mit der Verbreiterung und Ueberhöhung der Kurven des Abschnitts Ruppertenrod bis Unter-Seibertenrod beschäftigt. Da für die weiteren Straßenbauarbeiten bis nach Ulrich- stein noch größere Mengen Steine erforderlich sind, ist in dem hiesigen Basaltwerk eine zweite Schicht eingelegt worden, durch die weiteren Volksgenossen Arbeit und Verdienst erhalten. — In den drei gemeindeeigenen Backhäusern unseres Ortes werden zwei Oefen durch neue ersetzt, wovon der eine Ofen dieser Tage schon seiner Bestimmung übergeben werden konnte, während die Herrichtung des zweiten Ofens noch im Gange ist. Die Arbeit wird von einem Backofenbauer aus Amöneburg ausgeführt, die Steine wurden von einer Firma in Bayern geliefert. st. Kirtorf, 20. Mai. Unter Leitung des Aufsichtsratsvorsitzenden Otto F a u l d r a t h fand gestern die ordentliche Generalversammlung der Landwirtschaftlichen Bezugs- und Absatzgenossenschaft im Gasthaus „Zum offenen Helm" statt. Direktor Wilhelm Wolf erstattete den Geschäftsbericht, der über die Entwicklung der Genossenschaft im verflossenen Jahre eingehende Mitteilungen brachte und von der Versammlung mit allgemeiner Zustimmung aufgenom- men wurde. Rechner Ludwig Maar gab die Bilanz bekannt, zu der vom Direktor noch aufschlußreiche Erklärungen gegeben wurden. Der Geschäftsbericht und die Bilanz wurden genehmigt, dem Vorstand und Aufsichtsrat wurde einstimmig Entlastung erteilt. Bei den Wahlen zum Vorstand und Aufsichtsrat wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder Ludwig Maar, Ludwig Häuf und Otto Fauldrath durch Zuruf einstimmig wieder- gewählt. Nach Erledigung einiger kleinerer Angelegenheiten wurde die Versammlung mit dreimaligem Sieg-Keil auf den Führer geschlossen. ss Grebenau, 21. Mai. Am Samstag und Sonntag feierte der hiesige Turnverein „Frohsinn" unter sehr starker Beteiligung der Gemeinde sein 2 5. S t i f t u n g s f e ft. Am Samstagabend fand in der Turnhalle ein Festkommers statt, der mit einem finnige Prolog, verfaßt und vorgetragen von einem Mitglied des Turnvereins, eröffnet wurde. Krsisturnwart B a - st i a n, Alsfeld, überbrachte hierauf in einer Ansprache die Grüße des Turngaues XII und überreichte dem seitherigen langjährigen Vorsitzenden und Mitbegründer des Vereins Heinrich Kalbfleisch den Kreisehrenbrief. Der jetzige Vereinsführer Adam S ch u ch a r d t begrüßte hierauf die zahlreichen Besucher mit einer herzlichen An« spräche und überreichte anschließend im Auftrage des Vereins den langjährigen treuen Mitgliedern Jakob Kalbfleisch, Heinrich Antz und Heinrich Steuernagel Ehrenurkunden mit gleichzeitiger Ernennung zu Ehrenmitgliedern. Im weiteren Verlaufe des Abends wurden die Besucher durch ausgezeichnete turnerische Vorführungen erfreut, an denen sich auch eine Werberiege, die aus den Vereinen Schlitz, Maar, Alsfeld und Breitenbach zufammengeftellt war, beteiligte. Dabei konnte man sich von dem hohen Stand der turnerischen Arbeit in unseren Vereinen überzeugen. Zur Verschönerung des Abends trua noch der Gesangverein „Eintracht" mit zwei passenden Chören bei. Am Sonntagmittag bewegte sich ein Festzug durch die Ortsstraßen nach dem Festplatz, wo Kreisturnwart B a st i a n , Alsfeld, die Festansprache hielt. Dabei gedachte er besonders der Gründer des Vereins und richtete unter Hinweis auf diese Turnervorbilder die Aufforderung an die Jugend, dem Turnverein beizutreten und auch in feinen Reihen zum eigenen Wohl, aber auch für den Wiederaufbau Deutschlands mitzuarbeiten. Die Ansprache klang mit dreimaligem Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler des Liebigstraße, Aulweg und Rieaelpfad als ausgebaut anzusehen ist. Die Erd-, Maurer- und Betonarbeiten kommen durch die hiesige Baufirma H. W. Rinn zur Ausführung. ** Behördenurlaub zur Freiburger K olonialtagung und zum Reichskriege r t a g^ Die Zentralabteilung der hessischen Landesregierung teilt in einem Ausschreiben einen Erlaß des Herrn Reichs- und preußischen Ministers des Innern vom 8. Mai 1935 mit. Danach kann Beamten, Behördenangestellten und -arbeitern, die Mitglieder des Deutschen Kolonialkriegerbundes, der vom 14. bis 17. Juni in Freiburg i. Br. seine Kolonialtagung abhält, und des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffhäuser", der vom 6. bis 8. Juli in Kassel seinen Reichskriegertag veranstaltet, sind, zur Teilnahme an diesen Veranstaltungen auf Antrag der erforderliche Urlaub unter Fortzahlung der Gehalts- und Lohnbezüge und ohne Anrechnung auf den Erholungsurlaub gewährt werden, soweit dienstliche Belange nicht entgegensetzen. Eine Erstattung von Kosten aus der Reichskasse kommt nicht in Frage. saß und mit seiner Frau und einer anderen Frau als Insassen von Butzbach kam. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Frage des Verschuldens womöglich zu ungunften von Dr. Baur entschieden wird. Dem schwerverletzten Otto Häusner ging es heute morgen nach einer verhältnismäßig gut verbrachten Nacht erfreulicherweise etwas besser. Der Verunglückte liegt mit einem komplizierten Oberschenkelbruch darnieder und ist durch starken Blutverlust sehr geschwächt. Oer Vorschußverein Grünberg im Lahre 1934. + Grünberg, 23. Mai. Der Vorschuß- verein Grünberg e. G. m. b. H. veröffentlicht soeben seinen Geschäftsbericht für das Jahr 1934, fein 72. Geschäftsjahr. Danach haben sich die Grundzahlen gegenüber dem Vorjahre in fast allen Geschäftszweigen erhöht. So stieg der Umsatz von 6,4 Millionen (1933) auf 7,7 Millionen (1934), während sich die Bilanzsumme von 707 733,69 Mark auf 728 413,81 Mark erhöhte. Die Bilanz zeigt auf der Vermögensfeite in den wichtigsten Posten folgende Zahlen: Geschäftsgebäude und -einrichtung 12 001 Mark, Hypotheken 160 221 Mark, Aufwertungshypotheken 76 860,13 Mark, Darlehen gegen Schuldscheine und Wechsel 95 333,10 Mk., Forderungen in lausender Rechnung 234 167,85 Mark, Warenwechsel 25 684,05 Mark, Wertpapiere 60 462,50 Mark, Guthaben bei Banken 40 537,12 Mark, Kassenbestand einschließlich Postscheckkonto 12 778,45 Mark. Demgegenüber zeigt Die Schuldenseite folgende Zahlen: Geschäftsguthaben 78 046,01 Mark, Reserven 42 667,86 Mark, Wertberichtigungskonto 35 522,91 Mark. Dieses Konto wurde im vorigen Jahre eingeführt, um etwaige Ausfälle bei Schuldnern, bei denen das landwirtfchaftliche Entschuldungsverfahren schwebt, zu decken. Spareinlagen 405 497,57 Mark, aufgewertete Spareinlagen 105 710,94 Mark, Einlagen in laufender Rechnung 56 556,07 Mark. Reingewinn 3 683,56 Mark. Die Gewinn- und Lastenrechnung schließt mit 53 061,68 Mark ab. Die Zahl der Mitglieder betrug am 1. Januar 1934 439, im Berichtsjahre fand ein Zugang von 18 und ein Abgang von 49 statt, so daß am 31. Dezember 1934 eine Mitgliederzahl von 408 verblieb. Die Haftsumme für jedes Mitglied beträgt 300 Mark. Die Zusammensetzung der Mitglieder ergibt folgendes Bild: Handwerker 104, Kaufleute und Fabrikanten 42, Landwirte und Pächter 132, freie Berufe, Staats- und Gemeindebeamten 44, Angestellte und Arbeiter 78, andere 8. Der Bericht erwähnt noch den großen Verlust, den der Vorfchußverein bald nach Abschluß des Geschäftsjahres durch den Tod des langjährigen Geschäftsführers Karl Möller erlitten hat. Ebenso wird auf die außerordentliche Hauptversammlung vom 27. April dieses Jahres hingewiesen, in welcher der jetzige Vorstand bestimmt wurde. Es wurde damals Herr Müller aus Schupbach bei Weilburg zum Rechner gewählt, der am 1. Mai diesen Posten übernahm, als zweites Vorstandsmitglied wurde Karl S ch m a d e l gewählt, der schon vorher an der Kasse angestellt war. Landkreis Gießen. wg. Großen-Buseck, 22. Mai. Aus Veranlassung des Bürgermeisters R e b h o l z wurde der Anger im Verlaufe der letzten Wochen völlig neuhergerichtet, so daß er zu einer schönen, mit Bäumen und Blumen ausgestatteten Anlage wurde, die auch einen Springbrunnen aufweist und nun noch Bänke erhalten soll. Für die Kinder ist an dieser Stelle auch ein Spielplatz hergerichtet worden. — Nach dem Abschluß der Feldbereinigung wurde die Verlängerung der TaI - st r a ß e von der Adolf-Hitler-Straße bis zur Bahnhofstraße in den letzten Wochen ausgebaut. Die erforderlichen Ent- und Bewässerungsanlagen wurden bei dieser Gelegenheit geschaffen. Die Arbeiten erfuhren eine erhebliche Förderung dadurch, daß die Fuhrwerksbesitzer einen Teil der Fuhrleistungen gegen eine erheblich herabgesetzte Bezahlung leisteten. — Hier fand dieser Tage eine Bauern- versammlung unter Leitung des Ortsbauernführers Wilhelm Schmidt statt, der zunächst über die Reichsnährstandsfchau in Hamburg sprach. Zum Besuche dieser Ausstellung meldeten sich bereits 40 Bauern und Bäuerinnen. Im weiteren Verlaufe des Abends wurden Fragen der Unkrautbekämpfung und des Ausbaues der Feldwege nach dem Abschluß der Feldbereinigung besprochen, wobei u. a. beschlossen wurde, daß zu diesem Wegebau jeder Grundbesitzer für einen Morgen Land einen Kubikmeter Steine kostenlos zu fahren hat. Am Schluffe der Versammlung sprach Bürgermeister R e b h o l z noch über die Bedeutung des Bauernstandes im Dritten Reich und über nationalsozialistische Maßnahmen in unserer Gemeinde. § Lollar, 22. Mai. Im Wohlfahrtsgebäude der Buderusschen Eisenwerke fand ein D A F. - W alte r a p p e l l der Ortsgruppen Mainzlar und Lollar statt, der sehr gut besucht war. Kreisorganisationsleiter Reitz- Gießen gab zunächst eingehende organisatorische Aufklärungen. Sodann sprach der Kreiswalter der DAF., Wagner- Gießen, in außerordentlich fesselnder Weise über den Zweck und die Ziele der organisatorischen Arbeiten, wobei er auch auf die große Bedeutung des Blockwalter- amtes in der DAF. hinwies. Mit dreimaligem Sieg- Heil auf den Führer fand der Appell feinen Abschluß. § Mainzlar, 22. Mai. Heute begingen die Eheleute Reichsbahnassistent Balthasar Will und Frau das Fest der Silbernen Hochzeit. K Steinbach, 23. Mai. Unser Dorf hat durch die Rücksichtslosigkeit mancher Autofahrer viele Unannehmlichkeiten. Auch kamen schon einigemal im Dorfe und in der Nähe tödliche Unfälle vor. Die Kurven und bas Gefälle im Zug der Straße Gießen—Lich durch das Dorf bedeuten an und für sich schon eine Gefahrenquelle. Eine Rücksichtslosikeit, die schon mehr ein grober Unfug ist und öffentliches Aergernis erregt, wurde dieser Tage, wie auch früher schon, bei einer Beerdigung beobachtet. Als der Leichenzug sich durch die Hauptstraße bewegte, kam von hinten her ein Auto mit vielem Hupen, und der Autofahrer besaß die Unverschämtheit, an dem ca. 200 Meter langen Leichenzug vorbeizufahren. Solche Rücksichtslosigkeit verdient öffentlich gebranbmarft zu werben. ♦ Watzenborn-Steinberg, 22. Mai. Hier fanb ein Schachturnier zwischen ber hiesigen „Schachoereinigung" unb ben „Schachfreunben" Rob- heim a. b. Bieber statt. Ueberraschenb würben bie Gäste mit 4:2 Punkten von bem Neuling besiegt, der dadurch einen großen Erfolg für sich buchen konnte. 3 Leihgestern, 23. Mai. Am Samstag, 25. Mai, begehen der Ziegeleiarbeiter i. R. Ludwig Haas II. und feine Ehefrau Sophie, geb. Jung, dahier, im Kreise ihrer sechs Kinder das Fest der Goldenen Hochzeit. Beide Ehegatten stehen im 73. Lebensjahre und erfreuen sich noch einer bleiben müssen. Aus diesem Grunde hat der iieichsjustizminister angeordnet, daß Akten der erwähnten Art, die im einzelnen näher bezeichnet werden, nicht zu vernichten sind. ** Viehmärkte in Gießen. Am nächsten Dienstag findet in Gießen Rindvieh-(Nutzvieh-) Narkt statt, am Mittwoch folgt Schweinemar^. Näheres in der heutigen Bekanntmachung der Bürgermeisterei. Wochenmarkt-Verlegung. Die Bürgermeisterei gibt heute bekannt, daß der auf Donnerstag, 30. Mai (Himmelfahrt), fallende Wochenmarkt bereits am Mittwoch, 29. Mai, stattfindet. ** Neuer Bau der Baugenossenschaft 1894. Ecke Aulweg und Hinterer Riegelpfad hat die Baugenossenschaft 1894 mit den Ausschachtungsarbeiten für ein dreistöckiges Wohnhaus, in dem dreimal Dreizimmerwohnungen eingerichtet werden sollen, beginnen lassen. Das Gebäude kommt als Massivbau zur Ausführung und wird die dort feit Jahren bestehende Baulücke schließen. Gleichzeitig wird dort eine Regulierung der davorliegenden Straßen und Fußsteige durchgeführt, so daß nach der Vollendung der Bauarbeiten das Bauquartier Eine Tagung alter Soldaten. )( Watzenborn-Steinberg, 21. Mai. Am Sonntagmittag fand in Steinberg in der „Krone" eine Zusammenkunft ber im Kyffhäuser- Unterfreisoerbanb Leihgestern zusammengefaßten Kamerabschaften von Garbenteich, Großen-Linben, Haufen, Leihgestern unb Watzenborn-Steinberg statt. Hieran nahmen teil: ber Bezirksführer, Oberst a. D. Kott sch au, unb Major a.D. Kindl (Bab-Nauheim), Major a. D. R i t s ch (Hanau) unb Oberleutnant a. D. Bonhard (Gießen). Nach kurzen Begrüßungsworten bes Kreisführers B o n h a r b begrüßte ber Bezirksführer, Oberst Köttfchau, bie zahlreiche Versammlung, sprach über bie großen Ereignisse in unserem Vaterland, bie Wehrhoheit unb bie Einführung ber allgemeinen Wehrpflicht unb betonte, es gelte jetzt für jeben alten Solbaten als höchstes, ben Wehrgebanken zu förbern. Hierauf sprach Major Ritsch in eineinhalb- ftünbigen Ausführungen über „Wehrpolitik, moberne Kampfmethoben unb Kampfmittel" unter Berücksichtigung ber einzelnen Waffengattungen unb ihre Bewaffnung. Weiter sprach er über bie Fortbewegung ber Truppen, wobei Auto, Motorrab mit Beiwagen unb Lastkraftwagen eine große Rolle spielen; motorisierte Truppen unb Kavallerie, die er gelösten hrtantritts- ! sahrplan- sbahnhösen Züge eben« ! über 100 ollem Taris Transport: erhält eine 1 des Zuges 15 durch ein 't ist. Den t in allen Teilnehmer ihrtantritts. Mzutreffen. n Zusteige- ) unbedingt den Ham- hrern übet-- nad) den eiten. Das sfdjmüden boten. 3m ädigungen it werden. Loche auf M ' Ji . • * H j »LF-, ;AM\ V 'U',* l ’, -' . M 'AK W MPM „• w :W« - wäBw M , .> ;;< N&t x-^'X X '^£^- /z> . /, Hier werden die neuesten Sommermoden gezeigt. Scherl-BUdmatemdienst In Hoppegarten bei Berlin fand der große Moden-Renntag statt, auf dem die neuesten Mode. schöpfungendesSommers gezeigt wurden. Hier sieht man einige interessante Modelle auf der Rennbahn. deutschen Volkes, sowie auf die Turnsache aus. Gemeinsam wurden sodann die ersten Verse des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes gesun- §en. Wegen Regenwetters, das den Verlauf des esttages im Freien leider beeinträchtigte, mußten die weiteren Darbietungen vom Festplatz nach der Turnhalle verlegt werden. Hier erfreute der Gesangverein „Eintracht" wieder durch einen Gesangsvortrag, anschließend folgten turnerische Vorführungen an sämtlichen Geräten. Dann spielte die Festkapelle noch für lange Zeit zum Tanze auf. Fast aller Burgunder erfroren. LPD. Bingen, 22. Mai. Die letzten Nächte hatten einen Temperaturfall gebracht, wie ihn die Winzer am Rhein seit vielen Fahren nicht erlebt haben. Trotz der eifrigsten Frostbekämpfung mit Feuer, Rauch und Elektrizität konnten die Winzer nicht gegen den Nachtfrost ankommen und das erfrieren ber im ersten zarten Grün stehenden Reben verhindern. Sehr gelitten haben besonders die Burgunder- und Portugieserreben, so daß in fast allen Weinbaugebieten am Rhein mit einem mehr oder weniger größeren Ausfall zu rechnen ist. Bei Ingelheim, das die berühmten Rotweinlagen hat, Marburgs alte Rathausuhr spielt wieder. Justitia, Wächter, Tod und Hahn wieder in Gang. Marburg ist um eine beachtenswerte Sehenswürdigkeit reicher geworden, die gerade recht kommt zu dem festereichen Marburger Sommer (Juni Stiftungsfeste der Marburger Studentenverbindungen, 700jähriger Gedenktag der Heiligsprechung Elisabeths, Marburger Festspiele im Schloßparktheater, 700jähriger Gedenktag der Grundstein- f Aufnahme: Spannring, Frankfurt a. M. legung der Elisabethkirche u. a.). Das alte Werk der mittelalterlichen Kunstuhr am Rathaus ist durch den Marburger Uhrmachermeister Fr. S p ö r y a s e glücklich wieder in Gang gebracht worden, nachdem lange Zeit nur das Uhrwerk gelaufen war. Der goldene Hahn auf dem Giebel schlägt nun mit dem Uhrenschlag wieder fröhlich krähend mit den Flügeln, die Justitia unterhalb des großen Ziffernblatts wägt wieder wie in alter Zeit Recht und Unrecht, der Wächter links vom Ziffernblatt bläst zum vollen Stundenschlag ins Horn, und der Sensenmann Tod rechts vom Ziffernblatt dreht wieder seine Sanduhr. Schließlich zeigt auch die an der Spitze des Uhrengiebels angebrachte Weltkugel wie einst wieder die Tages- und die Nachtzeit an. Die Wiederinstandsetzung dieser unter den verschiedenen bekannten öffentlichen deutschen Kunstuhren sehr bemerkenswerten mittelalterlichen Uhr ist dem Marburger Uhrmacher Fr. S p ö r h a s e zu danken. schätzt man den Ausfall mit 70 v. H. Fast ebenso schwer wurde das Binger Weinbaugebiet betroffen. Bei Bacharach ist im Diertälergebiet an manchen Stellen rund die Hälfte aller Reben erfroren. Weniger gelitten haben die berühmten Rotweinlagen bei Aßmannshausen. Hoffentlich treten jetzt keine weiteren Nachtfröste auf, andernfalls müßte der Winzer auf einen großen Teil seiner Ernte im Herbst verzichten. Burg Frankenstein wird wiederhergestelli. LPD. D a r m st a d t, 22. Mai. Am Eingang der Bergstraße steht als Wacht die schöne Burg der Franken st einer mit ihrem herrlichen Ausblick auf die Rheinebene bis zum Rhein, nach Mainz und Frankfurt. Seit einigen Wochen sind Bauarbeiter dabei, den im Winter durch den Frost zum Einsturz gebrachten Teil der äußeren Ringmauer wieder aufzubauen und die Burg dadurch wieder in ihrem alten Kleid erstehen zu lassen. Interessant ist, daß gerade hundert Jahre verflossen sind, als die Burg im Jahre 1835 durch mehrjährige Arbeiten vor dem Ruin bewahrt blieb, der so vielen Burgen aus dem Mittelalter den Garaus machte. Schwerer llnglücköfall im Steinbruch. - Nordeck (Kreis Marburg), 22. Mai. Heute ereignete sich hier in dem Basaltstein - bruch von Ferdinand Maikranz ein schwe- resUnglück. Der Steinbruchbesitzer Ferdinand M a i k r a n z aus Winnen und der Arbeiter Konrad Braun aus Wermertshausen wurden bei der Arbeit in dem Steinbruch von plötzlich hernieder stürzenden Gesteinsmassen getroffen und verschüttet. Es gelang, die beiden Verunglückten zu befreien, jedoch hat M a i - kranz mehrere Beinbrüche erlitten, während Braun innere Verletzungen davon- trug. Nach erster ärztlicher Hilfeleistung wurden die bedauernswerten Männer schwerverletzt nach der Chirurgischen Klinik in Marburg überführt. Oie Zungvolksportreferenten tagten. GPA. Frankfurt a. M., 22. Mai. In Niedernhausen i. T. waren am vergangenen Samstag und Sonntag die Sportreferenten der Jungbanne zusammengekommen, um den Sommerarbeitsplan auf dem Gebiete der körperlichen Ertüchtigung festzulegen. Groß und verantwortungsvoll sei, so führte der Gebietssportreferent aus, die Aufgabe, die Jugend zu gesunden, lebensstarken Männern heranzuziehen. Der Sport, so wie er in der HI. unb bei den Pimpfen getrieben werde — ohne Rekordwahn und ohne den Nervenkitzel der Sensation — sei der natürliche Weg zu Mannesmut und Körpergewandtheit. Die Zeltlager des Sommers mit den vielseitigen Auswertungen der Freizeit, das Fest der Jugend am 22. und 23. Juni, das die Mannschaftskämpfe der HI. und des Jungvolks, sowie die des BdM. und der Jungmädel in den Vordergrund stellen, die Sportfeste mit dem gewaltigen Gebietssportfest im September als Abschluß würden zeigen, was innerhalb der HI. in den Sportstunden geleistet werde, und zugleich beweisen, wie ernst es den Pimpfen mit dieser Aufgabe sei. Die Anwesenheit des Gebietsjungvolkfüh- rers gab dem Sonntag, der im übrigen im Zeichen der praktischen Arbeit und Körperschulung stand, eine besondere Note. 20000 Maßkrüge für den Reichshandwerkstag LPD. Frankfurt a. M., 22. Mai. Auf Anregung des Reichshandwerksmeisters Schmidt werden für die Frankfurter Gaststätten zum Reichshandwerkstag besondere Maß - trüge hergestellt, die das Handwerksabzeichen und den Aufdruck „Reichshandwerkstag 1935 Frankfurt a. M." tragen. Ein Auftrag von über 20 000 Maßkrügen ist bereits den weitbekannten Kannebäckern des Unterwesterwald- kreises erteilt, die dadurch für Wochen lohnende Arbeit bekommen. Da der Preis für die Krüge äußerst günstig bemessen ist, wird mancher Besucher des Reichshandwerkstages gern gegen Erstattung der Gestehungskosten einen solchen originellen Krug als Erinnerung an den Reichshandwerkstag zu eigen erwerben wollen. Kreis Dehlar. cxd Lützellinden, 22. Mai. Baumwärter Wilhelm Bork konnte auf eine 25jährige Tätigkeit als Gemeindebaumwärter zurückblicken. Während dieses Vierteljahrhunderts seines Wirkens hat er sich um den Obstbau in unserer Gemeinde große Verdienste erworben. U. a. hat er im vorigen Jahre auch die allgemeine Obstbaumreinigungsaktion geleitet, ferner wurde nach seinen Angaben eine umfangreiche Schädlingsbekämpfung an den Obstbäumen durchgeführt. --^Hörnsheim, 20. Mai. Der hiesige Schützenverein hatte am gestrigen Sonntag den Schützenverein Maulsbach (Kreis Altenkirchen) zu einem Schützentreffen hierher eingeladen. Mittags trafen die Gäste in Stärke von 75 Mann unter Führung unseres früheren Lehrers Bork mit zwei Kraftomnibussen ein. Durch Lehrer Bork sind die freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Schützenvereinen hergestellt worden. Nach der Begrüßung der Gäste durch den Vorsitzenden des hiesigen Schützenvereins Müller wurde im Saalbau des Gasthauses Engel das Mittagessen bargeboten, dann folgte von 13.30 Uhr ab das Schießen auf dem Schießstand, wobei gute Treffer auf Ring- und Ehrenscheiben erzielt wurden. Wegen des schlechten Wetters mußte das Schießen um 15 Uhr abgebrochen werden. Die Vereine marschierten dann geschlossen in den Saalbau Engel zurück, wo man noch einige Stunden in froher Geselligkeit bei gemeinsamer Kaffeetafel, Tanz und Abendessen beisammenblieb. Am Abend kehrten die Gäste wieder nach ihrer Heimat zurück. HunOfunfprogramtn. Samstag, 25. Wal. 6 Uhr: Frühkonzert I. Sang und Klang zur Morgenstunde. 7: Frühkonzert II. 8.10: Gymnastik. 9: Nachrichten. 9.15: Konzert. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12 : „Buntes Wochenende". 13.15: Mittagskonzert II des Musikzuges der SS.- Standarte Ellwangen-Jagst. 15: Jugendfunk. 16: Der frohe Samstagnachmittag. 18: Schwarzwälder Volksmusik. 18.20: Stegreifsendung. 18.30: Wir schalten ein! Das Mikrophon unterwegs. 18.40: Der Weg zur Volksgemeinschaft — Schulung im Arbeitsdienst. Mit dem Mikrophon im Arbeitsdienstlager Scheidter Berg-Saar. 19: Reichssendung. 20: Reichssendung. 22.20: Reichssendung. 23.30: Am Grabe Schlageters in Schönau in Wiesenthal Gedenkstunde. 24 bis 2: Nachtmusik. Büchertisch. — Hellmuth Lenz: Deutsches Schick» sal an der Memel. Verlag I. F. Lehmann in München. Preis 1,50 RM. — (145) Das Kownoer Bluturteil lenkt die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die Schmach, die dem Deutschtum des Memellandes und damit dem ganzen deutschen Volke von dem Zwergstaat Litauen angetan wird. 2657 Quadratkilometer Land mit 141 000 fast durchweg deutschgesinnten Einwohnern trennte das Diktat von Versailles vom deutschen Mutterland. 17 Jahre Leiden und Vergewaltigung liegen hinter unseren Volksgenossen an der Memell Gerade in diesen Tagen erlebten wir wieder einen Höhepunkt ihrer Unterdrückung. Gerade recht erscheint deshalb diese volkstümliche mit 30 Bildern und eindrucksvollen Karten ausgestattete Schrift, die bestimmt ist, dem ganzen deutschen Volk und der Welt die Wahrheit über das Memelland zu bringen. — Professor Dr. H. F. H o f f m a n n : lieber Aerzte und Patienten. Verlag Ferdinand Enke in Stuttgart. Preis in Seinen geb. 3,40 Mk.— (109) — In knapper Form, prägnant und festgefügt stehen Sprüche und Sentenzen zur ärztlichen Lebensweisheit vor uns, die für die Gemeinschaft "Arzt und Patient" grundsätzliche Bedeutung haben. Wie jede Lebensweisheit, so muß auch die des Arztes sich der eigenen Schwächen bewußt sein, muß im steten Kampfe selbstgerechter Dünkelei schlicht und bescheiden ihre Grenzen weisen. Diese auch gegen sich selbst kritische Haltung ist Voraussetzung jeder höheren Leistung. So will dieses Büchlein unseres Gießener Psychiaters zur Selbstkritik ermahnen und zur Selbsterziehung ermuntern. Er will auch über bas Reich ärztlicher Tätigkeit hinaus allen Nachdenklichen Anregung und Selbstbesinnung bringen. Hier spricht in Aphorismen eine Weltanschauung zu uns, die dem ernsten Streben dient zu wirken und zu heilen. — „Hundert Jahre Karlsruher Lebensversicherung 1835 — 193 5." — (112)— Dem Bericht über ihr 100. Geschäftsjahr läßt die Gesellschaft nunmehr den von Generaldirektor Adolf Sammer verfaßten Bericht über ein Jahrhundert segensreicher Arbeit für Volk und Wirtschaft folgen. Die vornehm ausgestattete Fest- schrift ist reich mit Abbildungen versehen; neben der knapp gefaßten, historischen Darstellung enthält sie wissenschaftliche Arbeiten erster Mitarbeiter der Gesellschaft. Preußen Vorher: 3091A Gutes Beiprogramm und Ufa-Ton-Woche Lichtspielhaus GieBen Ab heute Donnerstag bis Sonntag Paul Hörbiger spielt Johann Strauß in: ~\j A/ NDLS XAJAvvw Johann Strauß _ I als Gast am Hofe des Zaren. I B Ein einzigartiger Gesellschafts - Großfilm ■ ■ mit erster Besetzung. I Paul Hörbiger-Adele Sandrock I Theo Lingen - Eliza Jlliard I [Stellengesuche] Haushälterin sucht Stelle bei Herrn od.Dame, geht auch als Köchin. Schrift!. Angebote unter 02230 a. d.G.A. Ordentl., fleißig. Mädchen das Lust u.Liebe hat, das Kochen zu erlernen und alle Hausarbeit mit übern., geg. Vergüt, gesucht. 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Die heimische« Raubvögel 2°!*?ar,ti „ ß 8 ? eLT ° 2Don der Staatlichen Stelle für w.rH ö. n?^'teerKin e 1 b-grM JL Öffneten. Mi Gesichter auf Türen und l in der W lvirtfchaftsleh die Küche uni aus. We s' anaebrannt Meine Frc als erfahren nungstiir ni diesen ersten fülligem Nia kleinen Eber über die Geis nicht Doch k supne mag. Schneller । brachen. Ing> ihres Amtes türlich norgei nen“ Aber schnell die 3 Petersilie zu Linsen für d sie Wasser b es sollte ehr nicht nur im Denn, roenr fo gab's na Frau wurde ihr altes Ki um Inge ne auch vor, d< machens not Singen uni) reineWchen. Aber nach Men die Ä bis dahin oft manierlich bi Gegenwart t zu schaffen.' narrt in feir Ja, und ' zusammen, legungen ist guter Gedcr ling aufzm Sie hätte g Säuglingrp nicht diene meint meir länger!. Rhal Dem jun nach oitam m die Nah, |ich m dem wohlschmeck Geschmack i Nhaba Mreitmu Fricks bewi faltig werde ^erlange St aufgesetzt. 9 vir einige T ?Qn, o Wu M zuletz Vanillezucker Stück Aabarber o x Kännche &er Schüssel Afuni .?h°b°r ?agWn. t SSW " nen t enn I°tz2°n Hm (./.Oaba Wn« Sa 'u)lagen ?i Safi ff' obti £ " ®ir inU93pen * 2 Hr.UO vierter Blatt GiehenerAnzeiger (General-Anzeiger für Dberhefsen) Aus dem Reiche der Frau. PRAKTISCHE VORSCHLÄGE UNSERES MODEZEICHNERS Hitze bäckt die Pastete und wird in 50 Minuten völlig gut sein. Die Springform wird mit einer Serviette umhüllt, auf den Tisch gebracht, ihn Inhalt heiß gereicht. Oder man läßt die Pastete kalt werden und reicht sie unter Begleitung von Schlagsahne. Rhabarber mit Kartoffeln: Ein Gericht, das besonders Kranken und Genesenden empfohlen werden kann. Da die Krankenkost Bekömmlichkeit mit Nahrhaftigkeit zu verbinden hat, ist die Zusammenstellung von Rhabarber und Kartoffeln dafür sehr geeignet. Rhabarberkompott wird mit wenig Wasser als üblich und unter Weglassung von Vanille und Zimt bereitet. Kartoffeln werden geschält, gekocht, Brei unter Beifügung von gekochter Milch bereitet. Da Kranke bekanntlich lieber essen und mehr Appetit haben, wenn die Speisen hübsch aussehen, häufe in einer tiefen Schüssel einen kleinen Kartoffelberg, umkränze ihn mit Rhabarber und gieße den Saft darüber. Der Geschmack ist anregend. — Rhabarbertrunk: Auch als Getränk ist Rhabarber sehr zu empfehlen. Erfrischend und stärkend, eignet sich dieser Trunk für Gesunde und Genesende. 1 Pfund geschälter, klein geschnittener Rhabarber wird mit einem Liter Wasser weich gekocht und durch ein Sieb getrieben Jetzt gebe man Zucker einige Tropfen Zitrone daran, koche den Saft noch einmal auf und stelle ihn kalt. Er kann unverdünnt genossen werden, eignet sich aber auch sehr gut zum Verdünnen mit einem Sprudelwasser und bekommt einen erhöhten Wohlgeschmack, wenn noch etwas Himbeersaft dazu gegeben wird. Rhabarber als Reinigungsmittel: Daß man vom Rhabarber auch ein vorzügliches Rei- nigungsmittel gewinnen kann, wissen nur wenige Hausfrauen. Aus den Blättern kocht man eine Lauge, die sich zum Putzen von Blechgeräten, Küchenbestecks und Löffeln verwenden läßt. Die Blätter des Rhabarbers vertreiben, auf den Fingern zerrieben, den Geruch von Küchenkräutern und Zwiebeln. Schü. KINDERKLCIDCUCN 3 EUR DIE u i j SOMMERJAGE ß Unser Sauswirtschaflslehrling. Wir waren zuerst dagegen. Man hatte uns gefragt, ob wir ein junges Mädchen, das zu Ostern die Schule beenden würde, in unserer Familie aufnehmen wollten, damit es bei uns sein „hauswirtschaftliches Jahr" verbringen könnte. Beauftragte des Arbeitsamtes und der NS.-Frauenschaft wollten uns ein solches Mädel „vermitteln". Sie sollte, bevor sie einen anderen Beruf ergreift, sich einmal darüber klar werden, ob nicht auch der Beruf der Hauswirtschaft ein verlockendes Ziel für sie sein könnte. Run, wie gesagt, wir waren zuerst dagegen! Man zögert doch etwas, ob man jemand „Fremdes" in die Familie aufnehmen soll oder nicht. Wer weiß, ob so ein Mädel zu uns paßt? Ob es sich in unsere Umgebung und in unsere Gewohnheiten hineinfühlen kann? Und dann die Sache mit unseren drei Jungens! Run mit einem Mal mitten dadrin ein Mädel? Na — und, was der Gründe und Uebertegungen noch mehr sind! Dann aber haben wir zugesagt? Und eines schönen Tages kam „sie" denn auch bei uns an. Wir hatten geglaubt, sie würde etwas verlegen fein. Aber das war eie Irrtum. Mit einem fröhlichen „Heil Hitler!" begrüßte sie uns, als wir ihr die Wohnungstür öffneten. Meine Frau und ich hatten sehr feierliche Gesichter aufgesetzt. Die Jungens hatten hinter Türen und Schränken Horchposten bezogen! Mitten in der Begrüßung tat Inge, so heißt unser Hauswirtschaftslehrling. einen kleinen Schrei, stürzte in die Küche und drehte mit Behendigkeit den Gashahn aus. Hätte sie es nicht getan, wäre die Milchsuppe anqebrannt. Meine Frau, obwohl ein bißchen ärgerlich, daß sie als erfahrene Hausfrau beim Klingeln an der Woh- nungstür nicht an die Milch gedacht hatte, nahm diesen ersten hauswirtschaftlichen Handgriff mit beifälligem Nicken auf Und wir anderen, bis auf den kleinen Eberhard, schlossen uns der Bewunderung über die Geistesgegenwart restlos an. Nur Eberhard nicht Doch kommt das daher, weil er keine Milch suppe mag. Schneller als gedacht, war also der Bann gebrochen. Inge zog in ihr Zimmer ein und begann ihres Amtes zu walten. Meine Frau hatte sich natürlich vorgenommen, Inge zuerst etwas zu „schonen" Aber es kam umgekehrt? Da sprang Inge schnell die Treppen hinunter, um die vergessene Petersilie zu holen. Da hatte sie abends schon die Linsen für den nächsten Tag eingeweicht. Da hatte sie Wasser heiß gemacht, nur weil sie gehört hatte, es sollte etwas gewaschen werden. Aber Inge war nicht nur immer sprungbereit, sie war auch gelehrig! Denn, wenn sie auch dies und das schon verstand, so gab's natürlich noch viel, viel zu lernen. Meine Frau wurde von Tag zu Tag vergnügter. Sie holte ihr altes Kochbuch hervor und studierte darin, nur um Inge neue Aufgaben zu geben. Ja, es kam jetzt auch vor, daß, wenn ich an Tagen des Großreinemachens nach Hause kam, ich schon auf der Treppe Singen und Lachen hörte. So sehr machte das Großreinemachen unseren beiden weiblichen Hausgeistern Spaß? Aber noch eine Wandlung ging bei uns vor! Hatten die Jungens, besonders die beiden größeren, bis dahin oft trotz väterlicher Ermahnung recht unmanierlich bei Tisch gesessen, so brachte es Inges Gegenwart unversehens fertig, hier sichtlich Abhilfe zu schaffen. Der kleine Eberhard aber war ganz vernarrt in sein neues Schwesterchen Ja, und so leben wir denn alle höchst vergnügt zusammen, und von allen Bedenken und tieber- legungen ist nichts mehr geblieben. Es war doch ein guter Gedanke von uns, einen Hauswirtschaftslehrling aufzunehmen. Nur einen Kummer hat Inge. Sie hätte gar zu gern in ihrem Lehrlingsjahr auch Säuglingspflege gelernt! Damit konnten wir ja nun nicht dienen. Aber es ist ja nicht ausgeschlossen, meint meine Frau, daß Inge ihr Jahr etwas verlängert. "Rhabarber... Rhabarber! Dem jungen Rhabarber ist nachzurühmen, daß er nach vitaminarmer Zeit eine Fülle von Vitaminen in die Nahrung bringt. Süße, mit Herbheit verbinde sich in dem bereiteten Rhabarber, und so lassen sich wohlschmeckende Speisen daraus Herstellen, deren Geschmack nicht zu unterschätzen ist. Rhabarberkompott mit Sahne: Die Zubereitung ist sehr einfach. Nur einige kleine Tricks bewirken, daß das Ergebnis gut ist. Sorgfältig werden die Rhabarberstauden geschält, in fingerlange Stücke geschnitten. Mit ganz wenig Wasser aufgesetzt. Bevor die Stückchen weich sind, fügen wir einige Tropfen Zitrone bei, und dadurch braucht man, o Wunder, weit weniger Zucker. Der Zucker kommt zuletzt, und dann wird alles mit ein wenig Vanillezucker, der Schale einer halben Zitrone und einem Stückchen Zimt aufgekocht. Nun wird der Rhabarber vom Feuer genommen und kalt gestellt. Ein Kännchen saure oder süße Sahne macht mit der Schüssel die Runde. Das Mengenverhältnis ist: auf 1 Pfund Rhabarber 100 Gramm Zucker. Rhabarber suppe: Wieder wird Rhabarber abgezogen, und zwar rechnet man 1 Pfund auf 1 Liter Wasser. In kleine Stücke geschnitten, mit Wasser und 2 Weißbrötchen, einer Prise Salz gekocht. Wenn'die Stückchen weich zu werden beginnen, kommen 100 Gramm Zucker dazu. Das Ganze kocht noch einmal auf, wird bann durch ein Sieb gestrichen. 2 Eigelb dienen zum Binden der Suppe. Das Eiweiß wird zu Schnee geschlagen und in kleinen Flocken auf die Suppe gegeben. Rhabarbergelee: Die abgezogenen Rha- barberftücfchen werden unter Zusatz von einer Kleinigkeit Wasser weichgekocht und durch ein Sieb geflogen. Hierzu nehmen wir 6 Blatt Gelatine, gewaschen, klein geschnitten und gekocht. Ein halb Liter Wasser wird mit Zucker gesponnen, dem Rhabarbersaft und der Gelatine beigegeben. Sobald die Masse abkühlt, erstarrt sie zum Gelee, die möglichst kalt und am besten auf Eis gestellt ist. Rhabarberpa st ete: ' Zuerst bereiten wir einen Mürbeteig aus 200 Gramm Butter, 200 Gramm Mehl, 50 Gramm Zucker, 50 Gramm süßen Mandeln. Nachdem er gemacht ist, wird er zum Ruhen gestellt. Die Hälfte dieses Teiges ist dazu bestimmt, Boden und Wände einer Springform auszufüllen. Alsdann kochen wir abgezogenen und in kleine Stückchen geschnittenen Rhabarber tnit Zucker an, legen eine Schicht in die Form, rollen den Rest des Teiges aus und geben ihn als Deckel darüber. Bei guter Ofen» Von den Kinderkleidchen für die Somme r t a g e ist das erste aus knitterfreiem rosa Leinen. Passe und Schulterteil sind aus einem Stück geschnitten, vorne ergeben zwei tiefeingelegte Falten die nötige Weite. Alle Ränder sowie die schrägeingeschnittenen Taschen sind schmal mit schwarzen Schräg st reifen eingefaßt. Das zweite Kleidchen ist aus blau-weiß tariertem Zephir, feine Vorderbahn ist an die Paffe angeschnitten. Das kleine H a l s b ü n d - Längeres Leben für die Strümpfe! Es gibt Dinge im Leben einer Frau, die scheinbar so unwichtig sind, daß man eigentlich gar nicht darüber reden sollte, die aber, wenn man sie näher betrachtet, doch ihre Wichtigkeit erhalten. Wer von uns Frauen hat es nicht schon erlebt, daß in einem Augenblick, wo es einem besonders darauf ankam, gut auszusehen, es einen leisen Knacks gab, und man merkte, wie sich am Strumpf eine Masche löste und pfeilgeschwind das Bein entlang rutschte, eine Spur zurücklassend, die nicht so leicht zu tilgen ist! Warum haben unsere Strümpfe eine so kurze Lebensdauer? Ja, Strümpfe müssen liebevoll behandelt werden, man muß Verständnis für die Webart und die Maschenfestigkeit haben! Unserem Nadelgeld wird allerlei zugemutet, wenn man achtlos mit den Strümpfen umgeht. Besonders die neuen Strümpfe sind überempfindlich, denn wenn man sie gleich anzieht, wie man sie aus dem Laden kaufte, so wird man sich wundern, wie schnell sie kaputt gehen! Neue Seiden- und Kunstseidenstrümpfe müssen vor dem ersten Anziehen immer kurze Zeit in lauwarmem Wasser geweicht werden, um die Fäden elastischer au machen und die Appretur zu entfernen. Strümpfe, die nicht so vor- aeweicht wurden, bekommen im Regen häßliche Flecke, außerdem lassen sie sich nicht glatt über das Bein ziehen und werfen Falten. Gewebe, deren Fäden nicht elastisch gemacht wurden, reißen sehr leicht, und man darf sich nicht wundern, wenn der neue Strumpf schon nach wenigen Tagen Laufmaschen zeigt. Das Abgleiten der Maschen kann man verhindern, wenn man beim neuen Strumpf unterhalb des Knies mit der Maschine und sehr feinem Seidengarn in derselben Farbe des Strumpfes ein paarmal durchsteppt. Den Stich darf man nicht zu fest spannen, da sich sonst eine Falte bildet. Strümpfe, die so behandelt werden, können keine Laufmasche bekommen! Wenn die Sommertage da sind, und der Fuß warm wird, dans, ist die Strpmpfpslege besonders ch e n ist innen weiß abgefüttert. Aus ge 1 b - weiß gemusterter Waschseide ist das dritte Kleid, dessen weiteingelesener Rock und P u f f ä r m e l rund an die Passe gearbeitet sind. Zeichnung vier zeigt ein hellblaues Lei - nenkleidchen mit Faltenrock, dessen Mie- derchen vorne durch Schnürverschluß geschlossen wird. Die Schnur ist weiß, die Schnürlöcher sind weiß ausgenäht. H. wichtig, denn der Fußschweiß zerstört jedes Gewebe, wenn man ihn eintrocknen läßt. Im Sommer muß man seine Strümpfe jeden Abend leicht durchspülen in Essigwasser, ohne Reiben und Kneten, nur in klarem Wasser schwenken, dem man ein paar Seifenflocken zusetzte. Das tägliche Waschen schont das Gewebe, und die Strümpfe halten dreimal so lange * Lauwarmes Wasser ist zur Strumpfwäsche Vorbedingung, wenn sie Zweck haben soll. In heißem Wasser wird jeder Seidenfaden zerstört, er reißt dann wie Zunder. Strümpfe brauchen auch nicht eingeseift zu werden, selbst Hacke und Spitze haben das nicht nötig. Sie werden sauber, wenn man sie im Wasser schwenkt. Verschiedenfarbige Strümpfe dürfen nicht zusammen gewaschen werden, da sie sonst streifig werden! Geschwindigkeit ist keine Hexerei, aber zur Strumpfwäsche unbedingt erforderlich. Wer seine Strümpfe lange Zeit im Waschwasser liegen läßt, der darf sich nicht wundern, wenn sie nicht halten. * Das Aufhängen wird von vielen Hausfrauen noch falsch gehandhabt. Man muß die Strümpfe immer erst in ihre Form ziehen und dann an der Spitze aufhängen, nicht etwa am oberen Rand, denn dann verliert der Strumpf feine Fasson. Noch besser ist es, die Strümpfe in einer „Hängematte" zu trocknen, wie man' sie für feine Wollwäsche braucht ♦ Gewaschene Strümpfe zu plätten, ist unsinnig, wenn man dazu ein heißes Eisen benutzt, denn dann zerstört man die Seide. Nur lauwarm darf geplättet werden, wenn man die Strümpfe zwischen Frottiertüchern getrocknet hat, dann erübrigt sich das Plätten! Glanz und Festigkeit erhalten die Strümpfe, wenn man dem Spülwasser einen Schuß Essig zusetzt! Man kann die Lebensdauer der Strümpfe erheblich verlängern, wenn man sie richtig pflegt, und unserem Nadelgeld tun wir damit einen großen Gefallen, denn die Strümpfe fallen auch unter die „Kleinigkeiten", die unser Leben so teuer machen! I Lore. Donnerstag, 23. MaNW Inßschmerzen — die Berufskrankheit der Frau. Gewiße F u ß l e i d e n : Senkfuß, Spreizfuß, Ballenbildung usw kann man, ganz abgesehen davon, daß sie in allen Berufen auftreten, die em langes Stehen nötig machen (Verkäufer, Kellner u. a. Berufe) geradezu als Berufskrankheiten der Hausfrauen ansprechen Daß die Fußpflege noch viel zu wenig bei uns beachtet wird, zeigt schon die Tatsache, daß in ganz Deutschland mit seiner 65-Millionen-Bevolkerung nur verhältnismäßig wenig orthopädische Aerzte tätig sind, während diese Fachärzte in Amerika so häufig sind, wie bei uns beispielsweise die Zahnärzte. Als Ursache der vielen Fußerkrankungen, an denen Hausfrauen leiden, ist u. a. das viele unnötige Stehen auf den harten Fußboden unserer Küchen anzusehen. Im Interesse ihrer Gesundheit sollte sich darum jede Hausfrau dazu erziehen, alle Hausarbeit, die im Sitzen erledigt werden kann, nicht im Stehen zu tun. Die ersten Anzeichen begin- nenber Fußleiden sind sog. „schwache Füße", d. h. ein Schmerzgefühl, das von den Knöcheln aus- strahlt und eine vermehrte Ausdünstung. Neben dieser vermehrten Ausdünstung zeigt der schwache Fuß auch sonst allerlei Erscheinungen, die darauf Hinweisen, daß es höchste Zeit ist, den Fuß in pflegliche Behandlung zu nehmen. Da ist die Verhornung der Haut an der Unterseite des Vorderfußes, die das Gehen und Stehen sehr schmerzhaft macht. Auch diese Krankheitserscheinung, denn das ist sie, sollte sofort in ihren ersten Anfängen beobachtet werden. Während Hühneraugen meist durch den Druck zu enger Schuhe entstehen, ist die Verhornung des Unterfußes meist das erste Anzeichen des Senk- oder des Spreizfußes. Unser Fuß ist ein sehr kunstvolles Gebilde aus 26 Knochen, die in ihrer Verflechtung die Wölbungen bilden, deren Federwirkung unser Körpergewicht aus- bolanziert und Gehen und Springen ermöglicht. Tritt nun eine Verlagerung eines dieser Knochen ein, beim Senkfuß die des Mittelfußknochens nach der Fußsohle, treten mehr oder minder heftige Schmerzen auf, die in ihrer Wirkung auf den ganzen Körper das Allgemeinbefinden ungünstig beeinflussen. Der sogenannte Spreizfuß, bei dem alle feinen Fußknochen auseinandergetrieben werden, bildet ,Hammerzehen", die sich dann wieder als Hühneraugenträger unangenehm fühlbar machen. Alle Formen des Senkfußes, Spreizfuß, Plattfuß bilden den flachen Fuß, dessen Auftreten schmerzhaft ist, den Gang unschön macht und mit Ballen- und Hühneraugenbildung verbunden ist. Der sog. Hohlfuß, bei dem die natürliche Wölbung des Mittelfußes zum Rist erhöht ist, ergibt Beschwerden beim Gehen durch Umknicken nach außen, Druckempfindlichkeit und Schmerzen in Spann und Fußgewölbe. Alle diese nur allzu häufigen Erscheinungen darf man nicht unbeachtet lassen und die damit verbundenen Schmerzen und Unbequemlichkeiten resigniert in Kauf nehmen. Der gegebene Berater bei den ersten Anzeichen solcher Fußbeschwerden, die sich zu ernsten Leiden für den gesamten Organismus aus- weiten können, ist der Orthopäde. Er kann durch Fußabdruck, Röntgenbild und Meßinstrumente dis Art des Leidens ermitteln und die Hilfe zur Beseitigung des Uebels bringen. Aber die Hausfrau kann auch von sich aus schon allerlei tun, es überhaupt nicht zu solchen Leiden kommen zu lassen. So ist z. B. das stundenlange Herumgehen in den so beliebten „Niedertretern" eine große Gefahr für den Fuß. Ein ihn bequem aber fest umschließender Hausschuh mit flachem Absatz ist entschieden besser angebracht. Beim Schuhkauf achte man darauf, daß der Absatz im richtigen Verhältnis zum Körpergewicht steht: eine sehr füllige Erscheinung kann nicht, ohne Fußkrankheiten heraufzubeschwören, spitze, hohe Absätze tragen. Den Müttern aber sei vor allem gesagt, daß sie das Kleinkind nicht zu früh auf „eigene Füße stellen" sollen, da durch ein zu frühes Gehen auf den noch weichen Knochen oft der Grund für spätere Fußleiden gelegt wird. Kleine Tricks beim Gparaeikochen. Auch tüchtige und erfahrene Hausfrauen sind geneigt, die Schuld dem Spargel zu geben, wenn er nicht ganz fo schmeckt, wie sie es sich oorgeftellt haben. Doch oft ist er völlig unschuldig, und allein die Kochart hat ihm manchen Wohlgeschmack geraubt. Es gibt einige Tricks beim Kochen! Sie beginnen bereits beim Schälen. Nie zu dünn schälen, aber auch nicht etwa zu dick. Von jeder Stange soll mindestens ein Zentimeter abgeschnitten werden, bevor der Spargel in den Kochtopf gelangt. Dann ist das untere Ende nicht holzig und bitter. Nie soll Salz sofort in das Wasser kommen. Sonst übernimmt der Spargel einen Teil des (Salzes und läßt seine eigenen mineralischen Salze bescheiden in den Hintergrund treten. Kein Zweifel, daß er so weniger gut schmeckt. Das Salz gelange nie vor Ablauf einer Kochzeit von fünfzehn Minuten in das Kochgut. Auch Zucker werde ihm beigefügt. Damit braucht man nicht zu sparsam umzugehen, obzwar der Spargel keinesfalls gesüßt werden soll. Seine Beschaffenheit verlangt nach einer Zucker- würze. „Dorschmecken" dagegen darf Zucker nie- mals. Besitzt man keinen Spargelkocher, so nehme man den Fischkessel zum Bereiten von Spargel. Er soll lang ausgestreckt im Topf liegen, damit er sich nicht zu krümmen braucht, wenn das Wasser zu sprudeln beginnt. 5)at man in feiner Wirtschaft jedoch auch kein solches Gerät, so binden wir die Stangen gut zusammen. Der Faden schneide nicht ein, er halte die losen Stangen fest. In den Schalen, die wir leichtsinnigerweise gern fortwerfen, sind eine erhebliche Menge von aromatischen (Stoffen. Wir waschen die Schalen kalt ab und machen gleichfalls ein kleines Bündel daraus, das wir — genau wie die abgeschnittenen Spargelenden — dem Kochwasser enwerleiben. Nie zuviel Wasser! Ist er vom Wasser nur bedeckt, dann schmeckt das Gemüse besser, außerdem eignet sich das Wasser gut zur Bereitung der beliebten und gesunden Spargel- suppe. ' Schü. I ilil 1 F' . || 3 1