Donnerstag, 22. August 1935 Ur. 195 Erstes Blatt 185. Jahrgang Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Gießener Familienblätter MW »M JW Ww JW Vw JW MH M jM j9 W TSTv Grundpreise für I mm höhe IliliZHIZlIlzF zl llwlilr I Mit 4 Beilagen RM.1.95 HV ■ ■ ■ W HM ■ ■ ■ ■ Z ■ ■ ■ ■ ■ ■ ■ Wk ■ anzeigen von 70 mm Brette Ohne Illustrierte 1.80 M H ■ H Hk/ M Mk ■ HL H B WA W W 60Rpf.,Platzvorschrift oder Zustellgebühr .. „ -.25 W ■ W W schwieriger Satz 25°/n mehr TZ V ®«te «retfe: infolge höherer Gewalt _ - Stellen-, Vereins., gemem. SS General-Anzeiger nr «erheben W-W richten. ^"öEi-er Gletzen v ’ behördliche Anzeigen 6Npf. Krantfurt am Main'1168k Druck und Verlag: Vrühl'sche Universttätsvuch- und Stdnöruderd R. Lange in Sieben. Zchristleitnng und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7 Mengenabschlusse Staffel 8 Mrd der Suez-Kanal gesperrt? zieht. die Ziehungen angewandt werden könnten, z. B. die Aichtbelieferung Italiens mit Kautschuk, Kohle. Nickel, Petroleum und Zinn, wodurch Italiens kriegerische Unternehmungen gelähmt werden würden, ferner Verweigerung von Krediten und Kriegsmaterial. Der große Teil dieser Mahnahmen würde darin bestehen, daß die Regierungen sie nur ihren eigenen Staatsangehörigen zur Pflicht machen würden. Internationale Verwicklungen würden dadurch nicht heraufbeschworen werden. Iede Regierung, die dieser Politik der Beistandsverweigerung, sei es aus Grund des Kellogg-Paktes oder der völkerbundssahung zustimmen würde, würde für ihre Innehaltung durch die eigenen Staatsangehörigen zu sorgen haben. Die rechtskonservative „M o r n i n g Post" hält eine grundsätzliche Aenderung der britischen Politik für möglich. Ursprünglich habe Großbritannien seine Verpflichtungen auf Grund der Völkerbundssatzungen nur insoweit erfüllen wollen, wie andere Nationen dies täten. Von einem gesonderten Vorgehen sollte keine Rede sein. Seither sei aber bei einm wichtigen Teil der Regierung der Verdacht entstanden, daß die italienischen Pläne sich nicht auf das abessinische Hochland beschränken. In gewissen einflußreichen Kreisen werde sogar geglaubt, daß die italienischen in Port Said oder in Suez kann man jederzeit das Rufen der Besatzungen über das Wasser schallen hören: „E viva Italia! Duce, Duce, Duce!" Aber auch die ihnen begegnenden zurückkehrenden Schiffe sind nicht leer. Viele aus der großen Zahl der hinuntergeschickten Soldaten kehren todkrank und zerrüttet schon jetzt nach Hause zurück, ehe sie einen Schuß des erwarteten kommenden Krieges gehört hoben. Anders aber als die ägyptischen Behörden, beschäftigt sich das ägyptische Volk mit den Nöten seines Nachbarn. Die Sympathiekundgebungen und Freundschaftsbezeugungen mehren sich, und annähernd 2000 Aegypier, darunter viele ehemalige Offiziere der alten türkischen Armee, sollen sich bereits Abessinien zur Verfügung gestellt haben. Der ober st e Kirchenfürst der koptisch-christlichen Kirche, die zu ihren Anhängern etwa V/2 Millionen Aegypter und den größten Teil der abessinischen Bevölkerung zählt, hat mit Zustimmung des Hohen Rates der koptischen Kirche ein Protesttelegramm an den Völkerbund und an alle Mächte gegen die „imperialistischen Anmaßungen" Italiens gerichtet, das in der ägyptischen Presse großen Widerhall und allgemeine Zustimmung gefunden hat. Der „Verein islamischer junger Männer" hat führende ägyptische Persönlichkeiten zu einer Kundgebung eingeladen, auf der eine Hilfsaktion für Abessinien beschlossen wurde. Die zur Kundgebung Versammelten wählten einen „Ausschuß zur Hilfeleistung für Abessinien", dessen Präsidentschaft ein Mitglied des königlichen ägyptischen Hauses, Prinz Ismail D a ii d , übernahm. Dem Ausschuß geboren frühere Minister, ein führendes Mitglied der großen ägyptischen Nationalpartei, des Wafd, ein hier im Eril lebender, nationaler syrischer Politiker, nahe Geistliche des Islams und der koptischen Kirche, eines der ersten Mitglieder der persischen Kolonie, her Vorsitzende des „Vereins islamischer junger Männer" und viele andere namhafte Persönlichkeiten an Sie alle verkörpern in ihrer Gesamtheit nicht nur alle Schichten und Kreise des ägyptischen Volkes, sondern auch mohammedanische Bevölkerungsteile außerhalb der ägyptischen Grenze. Nur die ägyptischen Behörden sind in diesem Ausschuß nicht vertreten. Gewiß darf man in keiner Weife die praktische politische Bedeutung dieser Kundgebungen und der Anstrengungen, Abessinien zu unterstützen, überschätzen. Die tatsächliche Macht im Orient hat England, und es ist mehr denn je darauf bedacht, alle Strömungen innerhalb dieser Völker in wohlüberlegte Bahnen zu lenken. Dennoch aber Der Erzbischof von 9) o r ( veröffentlichte einen offenen Brief an die Regierung, in dem er Schließung des Suezkanals für italienische Schiffe durch eine vereinigte englische und fran- zösische Flotte forderte. — Unser Bild zeigt einen Blick auf den Suezkanal, der für Italien in einem ostafrikanischen Krieg eine Lebensader bedeuten würde. — (Scherl-Bilderdienst-M.) „Times" plädiert für passive Sanktionen Keine Rohstofflieferungen oder Kreditgewährung an Italien. AeMlen unb der Abessinien-KonsM. Bon unserem $ vD.-Äerichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Alexandrien, August 1935. Ministerpräsident Tewfik Nessim Pascha antwortete kürzlich auf die Frage, wie Aegypten ich zu dem italienisch-abessinischen Streitfall stelle, laß Aegypten keinerlei Stellung genommen und im Augenblick auch nichtdie Absicht habe, es zu tun, daß aber zu gegebener Zeit die politische Haltung der ägyptischen Regierung sich derjenigen Englands angleichen würde. Diese Erklärung gibt in eindeutiger Weise Aegyptens Auffassung wieder, daß sich die Außenpolitik des Landes in Englands Fahrwasser befindet — und nach Auffassung der heute Regierenden auch wohl- befindet — und nicht daran denkt, eigene Wege zu gehen, wie das in diesem Falle, von außen betrachtet, doch sehr wohl möglich erscheint. Aegypten hat bisher keinerlei Maßnahmen militärischer Art im Hinblick auf den abessinischen Konflikt getroffen! Die Sensationspresse der ganzen Welt, die ihren Lesern so gerne interessante Dinge vorsetzt, irrt sich darin. Weder ist eine militärische Expedition zum Tsana-See in Vorbereitung, noch werden neue Regimenter aufgestellt und Kasernen gebaut oder strategische Auto- traßen. Solche Dinge würden nicht hier, sondern in London ausgeknobelt werden, aber England hat bisher nichts unternommen, die Waffen einer orientalischen Macht, die seine Oberhoheit nur gezwungen anerkennt, mehr als unbedingt notwendig zu schärfen. Was die englischen militärischen Vorbereitungen in diesen Gegenden des Orients betrifft, so ist außer einer Verstärkung der Luftstreitkräfte und dem Ausbau der m i l i- tärifchen Sicherung des Suezkanals, auch das Dorwärtstreiben der Pläne für den Ausbau von Akaba, dem Hafen der Sinaihalbinsel am Roten Meer, wahrzunehmen. Das Leben geht seinen geregelten Gang und von offizieller ägyptischer Seite wird nichts unternommen, das darauf deuten könnte, daß der Nachbar im Süden sich zu einem Kampf auf Leben und Tod rüstet. Der Schiffsverkehr im Hafen von Part Sudan an der Sudanküste des Roten Meeres hat um ein Vielfaches zugenommen. Man sagt, daß Kriegsgerät und Waffen französischer und tschechischer Herkunft über diesen Hafen ihren Weg zur abessinischen Grenze fänden. Aber Gerüchte sind billig im Orient, und es ist schwer zu entscheiden, welchen tatsächlichen Umfang dieser neuzeitliche Handel hat. Hier im Norden Aegyptens merkt man jedenfalls nichts davon. Wohl aber spürt man die fieberhafte T ä - tigkeit der anderen Partei. Tag für Tag, ' und Nacht für Nacht schwimmen vollbeladene Dampfer mit Truppen, Munition oder Material 1 durch den Suezkanal nach Süden. Am Kanalufer Bestrebungen vielleicht über d i e Grenzen Abessiniens hinausgingen. Die Beschlüsse des heutigen Kabinettsrates würden vielleicht einen Wendepunkt in der englischen Geschichte bedeuten. Noch vor 8 oder 14 Tagen habe man glauben können, daß Mussolinis Eroberungspläne nicht unbedingt wesentliche politische Interessen Großbritanniens bedrohten, denn abgesehen von den Interessen an den Gewässern des Tana-Sees habe England in Abessinien nicht viel zu suchen. Aber die ganze Frage erscheine jetzt in einem neuen Licht. Man könne sich nicht länger der Schlußfolgerung entziehen, daß der Duce von einer Erneuerung der ruhmreichen Zeit der Cäsaren träume und gegen das Britische Reich vorgehen wolle. Die Aeußerungen der Presse Mussolinis bestätigten diesen Eindruck. Italien stelle den Mut Großbritanniens auf die Probe. In gewissen ausländischen Kreisen glaube man anscheinend, das Britische Reich warte nur darauf, von anderen Rassen zerstückelt zu werden. Wenn Großbritannien für eine kurze Zeit den Frieden e r - kaufe, würde es damit nur „r äuberisch e" Bestrebungen ermutigen, die später ungeheure Schwierigkeiten verursachen würden. Das britische Kabinett' habe heute zwischen zwei Wegen zu wählen. Die Nation werde sicher geschlossen hint r einer Entscheidung stehen, die keinem wirklichen ^rieben den Vorzug vor einem Scheinfrieden gäbe. London, 22. Aug. (DNB. Funkspr.) „Times" zufolge wird angenommen, daß das britische Kabinett heute den ganzen Tag beraten werde Entweder Donnerstagnachmtttag oder Freitaqmorqen dürfte eine Entscheidung über die Frage der Aufhebung des Verbotes der Munitionsausfuhr und über bte Politik der Regierung bei der Dölkerbundsrats- t a q u n g am 4. September getroffen werden. „Times" meint, däß es sich weniger um einen Streit zwischen zwei Ländern, sondern zwischen zwei Methoden handele, nämlich der Mechode, Krieg als Werkzeug der nationalen Politik zu gebrauchen und der Methode, internationale Streitigkeiten durch Schiedsgericht, diplomatische Verhandlungen und internationale Konferenz zu schlichten. Die britische Öffentlichkeit empfinde instinktiv, daß das bereits verminderte Ansehen des Völkerbundes völlig verschwinden würde, wenn es bet dieser Gelegenheit nicht aufrechterhalten werden könne. Das Blatt führt dann fort: „Die britische Regierung und das britische Volk müssen der Frage gegenuber- treten, welche Sanktionen sie bereit stno auszuführen, wenn der Völkerbundsrat am 4. September oder später entscheidet, daß Italien eine Angriffshandlung begangen habe. Es kann kaum bezweifelt werden, daß die anderen Mitglieder des Völkerbundes einem kraftvollen Vorgehen Großbritanniens in Genf folgen würden. Times" glaubt, Mussolini hatte nut Zustimmung Abessiniens Zugeständnisse erhalten könne n, die in früheren Zetten nur selten ohne Krieg gemacht worden seien. Nebenbei bemerkt, wurde der Völkerbund, der die Vereinbarung sicher bestätigt hätte, bewiesen haben, daß er imstande sei Aen- derungen zu fördern und nicht lediglich die auaenblicklichenZustände unverändertzu erhalten. Der italienische Diktator habe die Vorschläge unverzüglich v e r w o r f e n und den Völkerbund heraus- gef ordert. Der Völkerbund habe jetzt zu beweisen, daß er sich nicht vor Mussolini fürchte Er werde es tun, wenn Großbritannien die Führung übernehme und auf der Genfer Zusammenkunft entschiedene Vorschläge mache. . , . „Times" seht dann auseinander, daß eine restlose Anwendung des A r t i k e l s 1 6 der Bölkerbundsfahung gegenwärtig unmöglich fei, da sie beinahe sicher Krieg bedeuten würde, und es wünschenswert sei, eine Ausdehnung des Kriegsgebietes zu vermeiden. Ande- terfeite gebe es passive o et einge- schrankte Sanktionen, die ohne ernste Störung der internationalen politischen Be- Die französische Politik in peinlichem Zwiespalt Paris bemüht sich um Lokalisierung des Krieges England vor der Entscheidung. Die heutige Kabinettssitzung wird Englands politische Linie im Abessinienkonflikt fesllegen. macht nicht mehr ft art genug sei, um die seit Kriegsende gepredigte Politik auf internationalem Gebiet durchzufetzen. Der „Petit Parisien" glaubt, daß nicht nur in den politisch einflußreichen Kreisen Englands, sondern auch in der Regierung selbst die Ansichten über die Anwendung von Sanktionen gegenüber Italien geteilt seien Die öffentliche Meinung wünsche auf jeden Fall ein Handeln, das dem Geiste des Völkerbundes entspreche. Verstärkung der britischen Sesandt- schastswache in Addis Abeba. London, 22. August (DNB. Funkspruch). Wie „Daily Telegraph" aus Colombo meldet, wird die britische Gesandtschaftswache in Addis Abeba durch Entsendung von 15 0 Mann eines Punschab-Regiments mit zahlreichen Maschinengewehren und reichlichen Vorräten jeder Art verstärkt. Gegenwärtig befinden sich in Addis Abeba 50 indische Soldaten als Gesandtschaftswache. Der Kaiser von Abessinien drückte in einem Interview mit dem Sondervertreter des „Daily Telegraph" seine große Sorge über den Mangel an Waf - fen und Munition aus und bezeichnete das britische Ausfuhrverbot als „unerklärlich". Er sagte ferner, wenn alle Friedensbemühungen fehlfchlagen sollten, vertraue er darauf, daß feine Armee den Sieg von Adua erneuern werde. Amerikanische Medikamemte für Abessinien Paris, 22. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die amerikanische Jacht „Trenora" ist unterwegs mit Medikamenten für Abessinien. Leiter des Unternehmens ist der Archäologe Graf Byron de Prorok, der im vergangenen Jahr an der Spitze einer Forschungsgesellschaft Abessinien bereist hat. In den Vereinigten Staaten hat Gras Byron de Prorok einen Werbefeldzug für die Versorgung Abessiniens mit Medikamenten im Kriegsfälle durchgeführt. Unter dem Schutz des Roten Kreuzes bringt die Jacht nunmehr für eine Million Franken Medikamente, Operationsgeräte, Verbandszeug und Gasschutzmittel nach Abessinien. London, 22. Aug. (DNB. Funkspruch.) lieber die Stimmung in Paris berichtet der dortige „Ti- mes"-Korrespondent, in dem Augenblick, wo die ersten Schüsle in Abessinien fallen würden, werde Frankreich sich in einem peinlichen Zwiespalt befinden. Mussolini werde damit Völkerbundssatzung und Kelloggpakt verletzen und Frankreich sei fraglos zu deren Schutz verpflichtet. Andererseits sei das französische Außenministerium überzeugt, daß kein Ausweg gefunden werden könne, wenn irgend etwas gesagt oder getan werde, was die italienische Aufregung noch vergrößern und es Mussolini unmöglich machen würde, seine Haltung ohne Demütigung zu mäßigen. Die französische Regierung werde sich bemühen, den Streit soweit wie möglich einzuschränken und fein Uebergreif en auf Europa i ii verhindern. Wenn es zum Kampf komme, dann hofften die Franzosen, daß er kurz und nicht zu kostspielig fein werde. Sie glaubten, daß er vielleicht die Form einer schnellen Besetzung außenliegender Bezirke und Stützpunkte annehmen werde, die wahrscheinlich nicht mit großen Streitkräften verteidigt werden würden. In den Vorbetrachtungen der Pariser Morgenpresse zur heutigen Sitzung des englischen Kabinetts kommt deutlich das Bestreben zum Ausdruck, England die Verantwortung für den weiteren Verlauf der Dinge zuzufchieben. „Echo de Pans" hält es für wahrscheinlich, daß England das Waffenausfuhrverbot nach Abessinien aufheben werde. Die Engländer erblickten in der Aufhebung des Verbotes einen A k t der Gerechtigkeit, weil man Abessinien erlauben müsse, sich zu verteidigen: die Italiner aber sähen darin einen Akt d e r Feindseligkeit. So bedauerlich also die Rückwirkungen eines solchen Beschlusses auch sein würden, sei dieser doch nur von untergeordneter Bedeutung gegenüber Englands Haltung auf der nächsten Völkerbundsratstagung. England könne zwar den Suez-Kanal schließen, aber das würde von Italien als Kriegs- gründ aufgefaßt werden. Oeuvre" behauptet, bte militärischen Leiter Englands wüßten, daß Englands Flotten- und Militär- Hochbetrieb in derDownmgstreet London, 21. Aug. (DNB.) Seit den Tagen der Finanz- und Währungskrise im Jahre 1931 hat in der Downingstreet kein so reges Treiben geherrscht wie am Mittwoch. Immer wieder sammelten sich größere M e n s ch e n m a s s e n an, um die Minister und Diplomaten, die ständig vom Haus Nr. 10, der Wohnung des Ministerpräsidenten, zum Foreign Office hinüberwechselten, zu beobachten. Am Eingang hatten zahlreiche Photographen Aufstellung genommen, und auch die Vertreter fast sämtlicher führenden in- und ausländischen Zeitungen hatten sich eingefunden. Allerdings wurden die Erwartungen der Zeitungsvertreter, Einzelheiten über den bisherigen Verlauf der Besprechungen zu erfahren, durchweg enttäuscht; denn sämtliche Minister und Diplomaten hüllten sich entweder in undurchdringliches Schweigen oder gaben nichtssagende Antworten. An einer Sitzung des Auswärtigen Ausschusses der Regierung, die Mittwoch abend unter dem Vorsitz Baldwins stattfand, nahmen Wirtschaftsminister R u n c i m a n , Lordpräsident des Geheimen Rates Macdonald, der Schatzkanzler Neville Chamberlain, Innenminister Sir John Simon, Außenminister Sir Samuel Hoare und Dölkerbundsminister Eden teil. Wie Reuter berichtet, wird dem Auswärtigen Ausschuß des Kabinetts in der Kabinettssitzung eine Politik empfohlen, die darauf hinauskomme, daß die britische Regierung f e ft z u ihren Verpflichtungen aus der Völkerbundssatzung stehen werde. Dieser Beschluß bedeute, falls der Völkerbundsrat eine entsprechende Entscheidung treffen sollte, die Anwendung von Sanktionen gegen Italien. Man nimmt an, daß Frankreich dieser Haltung wohlwollend gegenüberstehe. Die Besprechungen, die Str Samuel Hoare am Mittwoch mit den Führern verschiedener Parteien, Gruppen oder Bewegungen hatte, waren dazu bestimmt, sie von den allgemeinen Richtlinien der Politik zu verständigen und die Ansichten maßgebender Mitglieder des Parlaments einzuholen. Diese Besprechungen bedeuten eine Neuerung, aus der geschlossen wird, daß die Regierung eine vorzeitige (Einberufung bes Parlaments gegenwärtig nicht in Erwägung ■ ■ KV WM M- MW Noch 20 Vermißte beim Einsturzunglück in Berlin. Großzügige Hilfsaktion des Führers.-Langsames Fortschreiten der Rettungsaktion. Immer noch Hoffnung. darf man an der Tatsache nicht vorbeigehen, daß das langsam erstarkende So l i da r i t ä t s ge f ü h l der orientalischen Völker diese Gelegenheit wieder einmal benutzt, um sein Dasein in Erinnerung zu bringen. Mussolini umgeht die religiöse Frage mit dem Hinweis, daß das abessinische Volk in die Barbarei zurückgefallen sei. Hier unter den Völkern des Orients ist die Frage der Religion, die früher alle andere Dinge an Bedeutung in den Schatten stellte, heute durch die gemeinsame Front gegenüber Europa völlig ausgelöscht: es wird nicht einmal davon geredet, daß die Abessinier Christen und alle ihre Nachbarn Mohammedaner sind. Diese Tatsache ist vielleicht der eindrucksvollste Beweis dafür, daß auch der Orient in einer geistigen U m - stellung begriffen ist, die nicht ohne Folgen bleiben wird. Kommt es tatsächlich zum Kriege um den Fortbestand eines unabhängigen Abessiniens, dann sind in dieser Hinsicht Ueberraschungen nicht ausgeschlossen. Und es ist sehr wohl möglich, daß Englands Anstrengungen auf der Suche nach einem friedlichen Ausgleich nicht zuletzt diese Gedanken zum Beweggrund haben. Wieviel Truppen hat Italien bereits in Ostasrrka? London, 22. Aug. (DNB. Funkspruch). „Daily Telegraph" meldet: der Verkehr i m Suez- Kanal ermöglicht es, die ungefähre Stärke der italienischen Truppen in Ostafrika abzuschätzen. Die amtliche Mitteilung der Suez-Kanal-Gesellschaft besagt, daß während der ersten sechs Monate dieses Jahres 84 185 italienische „militärische Fahr- g ä st e" den Kanal von Norden nach Süden durchfahren haben, und daß 6402 zurückgekehrt sind. Somit sind in den ostafrikanischen Kolonien Italiens rund 78 000 Mann eingetroffen. Seit dem 30. Juni sind 51 italienische Schiffe durch den Suez-Kanal nach Massaua in Erythrea und nach Mogadischo in Somaliland gefahren. Diese Zeit zeigt, daß eine Beschleunigung des Schiffsverkehrs eingesetzt hat, wahrscheinlich infolge der Verbesserung der Landevorrichtungen in den beiden genannten Häfen. Einige der Schiffe haben wahrscheinlich nur Material an Bord gehabt. Andererseits waren von ihnen große Dampfer, die imstande sind, tausend Mann und mehr an Bord zu haben. Sieben der 51 Schiffe haben die Reise während der genannten Zeit zweimal gemacht. Falls die 51 Schiffe insgesamt 30 bis 40 000 Mann befördert haben, so würde sich daraus eine Gesamtzahl von 118 000 bis 128 000Jtaliener in D ft - afrika ergeben. Hierzu wäre noch die Garnison zu rechnen, die sich vor dem Januar dort befunden hat und die 50 000 Mann betragen haben mag. In diesem Falle würde die gesamte italienische Stärke in Ostafrika nicht mehr als 178 000 Mann betragen. Diese Ziffer vermehre sich aber ständig, wahrscheinlich im Tempo von ungefähr 30 000 Mann im Monat. Amerikas Neutralität Berlin, 21.Aug. (DNB.) Wie durch Umfrage der Baufirma nunmehr festzuftehen fcheinl, muß fehl bei dem E i n sl u rz u n g l ü ck in der Hermann- Göring-Straße doch mit 20 vermißten ge- rechnet werden. Ob die vermißten sämtlich unter den Trümmern begraben liegen, stehl noch nicht fest. Möglich ist es immer noch, daß noch der eine ober andere der Arbeiter seine Arbeitsstätte noch nicht wieder ausgesucht hat. Reichsminister Dr. Goebbels hat veranlaßt, daß den Familien der vermißten von der RSV. im Laufe des heutigen Vormittags vorläufig je 1 0 0 0 Mark aus- gezahlt werden, um die erste Rot zu lindern. Die Anteilnahme des Führers. Ueberweisung einer Hilfe von 30000 RM. Der Führer und Reichskanzler übersandte an Reichsminister Dr. Goebbels anläßlich der schweren Einbruchkatastrophe folgendes Telegramm: „3n aufrichtiger Trauer bitte ich Sie, den betroffenen Familienmitgliedern der bei der Einslurzkatastrophe Verunglückten meine tiefe Teilnahme zu übermitteln. Ich wage kaum, die Hoffnung zu haben, daß es vielleicht doch noch gelingen wird, bei den Bergungsarbeiten einige der Verschütteten zu retten. Bitte übergeben Sie den unglücklichen Familien zunächst von mir aus die Summe von 30 000 Mark. Adolf Hitler." Reichsminister Dr. Goebbels hat sofort nach Erhalt dieses Telegramms die RS.-Volkswohlfahrt mit der Durchführung der Hilfsaktion des Führers betraut. 3m Auftrage des Führers begaben sich am heutigen Rachmittag Helfer der RSV. zu den unglücklichen Familien der verschütteten Arbeiter. Die Belreuungsaktion hat der Gauamtsleiter pg. Spiewock persönlich in die Hand genommen und wird sie in großzügigster und weitherzigster Weise durchführen. ♦ Der Generaldirektor der Reichsbahn Dr. Dorp- müller hat den durch den Unfall betroffenen Familien zur Linderung der Not einen Betrag von 50 000 Mark zur Verfügung gestellt. Das Befinden der vier im Krankenhaus befindlichen Verletzten ist erfreulicherweise gut. pionierearbeitenindreiSchichien Ueber die Bergungsarbeiten fand zwischen der Bauleitung der Reichsbahngesellschaft, den beteiligten Leitern der privaten Saufirmen und dem Führer der eingesetzten Truppen, Major L ü d i ck e, eine Konferenz statt, die zu folgendem Ergebnis führte: Auf Wunsch der Reichsbahndirektion sollen mit den Bergungsarbeiten die eingesetzten Pioniere auch weiter beschäftigt werden. Der Kommandant der Pionier-Abteilung, Major Lüdicke, gab daraufhin Befehl, die Pioniere in einem Dreischichtwechsel einzufetzen. Die Einteilung erfolgt derart, daß dauernd zwei Züge zu je 80 Mann an der Unfallstelle tätig sind. Neue Schwierigkeiten an der Einbruchstelle. Auf Grund einer Besprechung, an der Reichsminister Dr. Goebbels und der Leiter der Arbeitsfront, Dr. Ley, teilnahmen, hat sich Dr. Ley entschlossen, in Essen sofort eine Spezialrettungsmannschaft von erfahrenen Ruhrbergleuten anzufordern. Die aus zwölf Bergleuten bestehende Mannschaft ist in einem Sonderflugzeug eingetroffen. Die Bergleute sind sämtlich Mitglieder der Grubenwehren. Eie haben Bergungsapparate, Sauerstoff- und andere Wiederbelebungsgeräte mitgebracht. Die Ruhrbergleute haben an der südlichen Schmalseite der Grube in etwa zehn Meter Entfernung von dem abgestürzten Kran mitten unter den Trümmern den Einstieg zu dem geplanten Stollen sachverständig angelegt. Der Bau wird nun in ununterbrochener Arbeit unter allen erdenklichen Sicherungsmaßnahmen vorgetrieben. Die Arbeit geht nur sehr langsam voran, da immer neue Schwierigkeiten auftauchen. So geriet gegen Mitternacht aus bisher noch ungeklärter Ursache ein Kabel in Brand, wodurch die Straßenseite einige Zeit lang in dichte Rauchwolken gehüllt wurde. Der Stollen wird, um nicht neue Gefahrenmomente herbeizuführen, möglichst klein gehalten — etwa 1,60 Meter breit und mannshoch, aber doch so, daß zwei Mann darin arbeiten können. ♦ Auf Veranlassung von Dr. Goebbels wurde eine weitere Rettungsmannschaft aus Mit den Pionieren arbeiten augenblicklich Hand ind Hand die Arbeiter der Baufirmen, die zur Un- glücksstelle herangezogen wurden. Hier wird die Einbruch stelle terrassenförmig abgebaut. Von unten herauf werden immer zwei Meter hoch auf künstlich hergestellten Tribünen die Erbmassen nach oben auf die etwa 15 Meter hoch liegende Erdoberfläche geschafft. Unabhängig von diesen Erdarbeiten sind Pioniere und Spezial- arbeiter tief unten in der Grube mit dem Auf- schweißen verklemmter Eisenteile beschäftigt, um zunächst einmal an die verschütteten zwei oder drei Kipploren heranzukommen, unter denen die Vermißten vermutet werden. Wietze-Steinförde bei Hannover» nach Berlin beordert. Gegen 23 Uhr traf die Rettungsmannschaft, zwei Steiger und zehn Rettungsmänner, auf dem Flughafen Tempelhof ein und begab sich sofort an die Unglücksftelle. Entstehungsursache noch ungeklärt. Die Oberstaatsanwaltschaft hat inzwischen unabhängige Sachverständige zur Untersuchung an die Unglücksstätte entsandt. Vorläufig lassen sich Feststellungen über die Ursache des Unglücks noch nicht treffen. Sie kann in der Konstruktion, aber auch in der Ausführung liegen. Es ist kaum anzunehmen, daß das Unglück auf Konstruktionsmängel zurückzuführen ist, da die Bauart schon bei vielen Unter» grundbahnbauten angewandt und von der Stadt Berlin und auch von der Reichsbahndirektion an viel schwierigeren Stellen benutzt wurde. Bei dem Durcheinander der Trümmer der Unglücksstätte ist auch die Feststellung, ob die Bauausführung das Unglück verschuldete, sehr schwierig. Die Aufräumungsarbeiten werden noch längere Zeit andauern. Oer Reichsverkehrsminister bricht seinen Urlaub ab. Nachdem der Vertreter des Reichsoerkehrsministers und seine Sachbearbeiter sich wiederholt über den Fortgang der Bergungsarbeiten auf der Unglücksstelle der Nord-ivüdbahn unterrichtet haben, hat der Reichsminister von E l tz, der zur Zeit im Rheinland auf Urlaub weilt, nach dem am Mittwoch von feinem Sachbearbeiter erstatteten Bericht feinen Urlaub abgebrochen, um sich nach Berlin zu begeben. Einsatz von Spezialretlungsmannschasten aus dem Ruhrgebiet. Kritik an dem Beschluß des Senats. N e u y o r k, 22. Aug. (DNB. Funtspruch.) Die Blätter veröffentlichen ein Interview der „Associated Preß" mit dem Kaiser von Abessinien, in dem dieser auf die Gefahr aufmerksam macht, daß der Konflikt mit Italien sich zu einem allgemeinen Rassenkampf erweitern könnte. Die Blätter glauben nicht, daß der Neutralitäts- beschluß des Senats feinen Zweck erfüllen werde. „New Port Times" schreibt, der Beschluß enthalte bereits im voraus einen Bruch der Neutralität, denn das Verbot des Kriegsmaterialverkaufs an zwei Nationen ungleicher Stärke laufe meist auf eine stillschweigende Unter st ützung der besser a e r ü ft e t e n hinaus. Die Einsicht habe auch offenbar die britische Regierung veranlaßt, die Wiederaufhebung des Waffenoersandoerbots an Abessinien zu erwägen. Die Hauptbedeutung des Beschlusses liege in der Absicht, die Vereinigten Staaten auf eine Neutralitätspolitik festzulegen, die auch die Beteiligung an in Genf geplanten Sanktionen unmöglich mache. Für die Vereinigten Staaten bestehe keine gesetzliche Verpflichtung, sich an irgendwelchen Sanktionen zu beteiligen. Es könne sich aber um die moralische Verpflichtung handeln, daran mitzuwirken, um andere Nationen von einem Kriege abzuschrecken. Es wäre die Frage, ob die Vereinigten Staaten auch diese Verpflichtung ablehnen sollten. Spaniens Sicherungsmaßnahmen an der Straße von Gibraltar. London, 22. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wie „Preß Association" meldet, wurde ein in Barcelona umlaufendes Gericht, daß Großbritannien beabsichtige, die Meerenge von Gibraltar zu schließen, nach Mitternacht von der britischen Admiralität als unrichtig bezeichnet. Reuter meldet aus der spanisch-französischen Grenzstadt Hendaye, daß die spanischen Militärbehörden in der Nähe der Meerenge gewisse Vorsichtsmaßnahmen treffen. Ein Bataillon Infanterie soll in Autobussen nach T a r i f a angegangen sein. Weitere Bataillone aus Sevilla, Granada, Malaga und anderen Städten sollen an strategischen Punkten im Gebiet der Meerenge Stellung nehmen. Aus privater Quelle verlautet weiter, daß in der Provinz Cadiz sämtliche Privatautos für M i li t ä r t r a n s p o r t e eingezogen worden finb.e Die für den Küstenschutz mobilisierten Truppen verteilen sich auf das Gebiet zwischen Cadiz und Gibraltar. Da die spanischen Behörden mit jeder Aeußerung füber den Zweck dieser Truppenbewegungen zurück- halten und die Pressezensur keine Nachrichten hierüber durchläßt, sind die verschiedensten Gerüchte aufgetaucht, die aber von amtlichen Stellen als haltlos bezeichnet werden. Der Reuter-Korrespondent in Gibraltar hat sich tm Kraftwagen nach Tarifa, dem südlichsten Punkt Europas, begeben und eine Untersuchung der Gerüchte von dem Erscheinen italienischer Seeflugzeuge angestellt. Er meldet, daß in der ganzen Stadt Aufregung herrsche und viele Gerüchte im Umlauf seien, aber von Seeflug- zeugen sei nichts zu entdecken. Die spanische Regierung stelle gleichfalls ihre Anwesenheit in Abrede. Als Grund für die umfangreichen Truppenbewegungen teilt der Korrespondent mit, daß Spanien entschlossen sei, die Meerenge von Gibraltar so sorgfältig wie möglich zu bewachen, Erneuerung des Strafrechts aus dem Wandel der politischen Gmndanfchauung. Staatssekretär Freißler spricht zum Internationalen Dank für die Teilnahme des Kongresses an den Berliner LnglncksfaNen. Berlin, 21. Aug. (DNB.) Zu Beginn der heutigen Vollsitzung des XI. Internationalen Strafrechtsund Gefängniskongresses hielt der Präsident des Kongresses, Reichsgerichtspräsident B u rn k e , folgende Ansprache, bei der sich die Versammlung von den Plätzen erhob: Meine Damen und Herren! Wir alle stehen unter dem erschütternden Eindruck der schweren Ereignisse, die in den letzten Tagen die Reichshauptstadt betroffen und ganz Deutschland in Sorge und Trauer versetzt haben. Gestern sind mir auch aus dem Kreis unserer ausländischen Gäste viele Zeichen herzlichen Mitgefühls und tiefen Mitempfindens zugegangen. Der Herr R e i ch s m i n i st e r der Justiz, der sich auch heute zu uns begeben hat, hat den Wunsch, über diese Schicksalsschläge und die Empfindungen, die sie auslösen müssen, persönlich einige Worte an den Kongreß zu richten. Reichsminister der Justiz Dr. G ü r t n e r machte dann u. a. folgende Ausführungen: In der vorgestrigen Nacht hat ein großer Brand einen Teil der Funkausstellung zerstört. Schwerer als dieses Unglück hat uns das gestrige Einsturz- un glück beim Bau der Nord-Südbahn in Berlin betroffen. Meine Damen und Herren! Sie haben sich spontan von den Plätzen erhoben zu kurzem Gedenken an die Soldaten der Arbeit, die hier auf dem Felde der Arbeit gefallen sind. Für die Bekunoung des Mitgefühls, die aus den verschiedensten Kreisen des Auslandes an uns gekommen sind, und für die Teilnahme, die Sie soeben durch ihr Erheben gezeigt haben, darf ich Ihnen den Dank der Reichsregierung aussprechen. Staatssekretär Freißler nahm darauf das Wort zu einem Vortrag über den Wandel der politischen Grundanschauung in Deutschland und seinen Einfluß auf die Erneuerung von Strafrecht, Strafprozeß und Strafvollzug. Staatssekretär Dr. Freißler sckilderte die 2Iuf- faffuna der Elemente völkischen Zusammenlebens in der absolutistischen, der liberal-parlamentarischen und der nationalsozialistischen Regierungsart. Während der Absolutismus das Volk nicht als Wesen, sondern als eine Masse von Untertanen betrachtete, wurde in der parlamentarischen Demokratie der Einzelne Ausgangs- und Zielpunkt. Für das Volk blieb bei solcher Be- trachtungsweise überhaupt kein Raum. Seine Stelle nahm die menschliche Gesellschaft, also gewissermaßen ein Verein der Individuen ein, der rechtlich zu umreißen ist als die Summe der Stimmberechtigten. Der Staat ist auf den Zweck der Wahrung möglichster Handlungsfreiheit mög- lichst vieler Einzelwesen beschränkt, hat sich daher außerhalb dieses Zwecks neutral zu verhalten. Dem Nationalsozialismus erscheint das Volk als etn wirkliches Lebewesen. Der Einzelne erscheint als Volksglied, dessen Lebensinhalt in der Lrsütluug (einer Aufgabe im Volks- ganzen besteht, der alfo im Aufgehen im Volksganzen feinen Lebenssinn erfüllt. Daraus ergibt sich, daß der Staat lebendige Volksgemeinschaft ist. Erscheint dem Liberalismus das Recht als die „Zwangsregel des sozialen Lebens", so bedeutet dem Nationalsozialismus das Recht die Summe der Forderungen des Volksge- wissens an das Volk und seine Glieder mit dem Ziele der Durchsetzung des völkischen Lebensrechtes. Rechts- und Unrechtsbegriffe sind dem Nationalsozialismus materiell, dem Liberalismus formell bestimmt. Dem liberalen Staat ist das Strafrecht ein Notrecht zur Sicherung der Einhaltung des Gesellschaftsoertrages durch die Einzelindividuen Dem liberalen Strafrecht ist daher der Satz: „Keine Strafe ohne Gesetz" Grundrecht. Für den nationalsozialistischen Staat wird das Strafrecht zum Rüstzeug der Volksgemeinschaft, das dem Rei- nigungs- und Schutzbedürfnis des Volkes dient. Dem nationalsozialistischen Strafrecht kann es daher weniger auf die Eindeutigkeit der gesetzlichen Bestimmungen als auf die materiel l e G erech- tigkeit ankommen, die an Hand des gesunden Dolksempfindens jeweils festzustellen ist und die das gesunde Dalksempfinden als Rechtsquelle anerkennt. Der Satz nulla poena sine lege wird durch die Parole: „Dem Volke sein Recht" ersetzt. Die liberale Blickrichtung wendet sich der Forderung be s Einzelwesens zu, oas gerade im Strafrecht sehr leicht zu einer Forderung des der Straftat Dedächtigen führt. Die nationalsozialistische Auffassung wendet sich der Gemeinschaftsordnung zu, wobei sie sich dessen bewußt bleibt, daß Gerechtigkeit dem Einzelnen gegenüber auch zur Gemeinschaftsordnung gehört. Bei der Einheit von Volk und Staat, von der der Nationalsozialismus ausgeht, und bei der Wertung des Einzelnen als Volksglied besteht eine innere Problematik bezüglich der Berechtigung der Bestrafung nicht. Das Sühnbedürfnis für Taten von Volksgliedern empfindet das Volk als eigenes Sühnebedürf- nis; das Volk verlangt sogar von dem Einzelnen, Berlin, 21. Aug. (DNB.) Zu Ehren des 11. Internationalen Strafrechts- und Gefängniskon- aresfes hielt die Akademie für Deutsches Recht eine Festsitzung in der Kroll-Oper ab, mit den Mitgliedern des Internationalen Kongresses nahmen an der Sitzung u. a. teil: Reichsminister Dr. Gürt- n e r, als Vertreter des Reichskriegsministers Generalleutnant Schaumburg, ferner zahlreiche Vertreter von Staat, Partei, Wissenschaft und Kunst. Der stellvertretende Präsident der Akademie, Geheimrat Professor Dr. Kisch (München) eröffnete die Sitzung unb gab den ausländischen Gästen einen Einblick in die Bestrebungen und Arbeiten der Akademie, die eine wesentliche Aufgabe darin erblicke, an dem Werk der nationalsozialistischen Gesetzgebung iting teils anregende, teils fördernde, teils Gtrafrechtskongreß. daß er auch seinerseits dieses Bedürfnis zur Sühne hat. Die Sühne muß natürlich in einem ge • rechten Verhältnis zur Schuld stehen. Darüber hinaus kann es erforderlich fein, daß das Volk sich für die Zukunft gegenüber dem Verbrecher sichert. Dieser Erwägung verdanken die sichernden Maßnahmen des Staates ihre Entstehung. Auch der liberale Staat erkennt Sicherungsmaßnahmen als geeignetes Mittel zur Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung an. Auf diesem Gebiet finden wir alfo, wenn auch auf Grund verschiedener grundsätzlicher Erwägungen praktische Einigkeit, freilich nicht in der Ausgestaltung im einzelnen, wohl aber über die Notwendigkeit und Berechtigung solcher Maßnahmen. Der Kongreß nahm den Vortrag von Staatssekretär Freißler mit höchstem Interesse auf. Präsident Bumke gab, während die Versammlung sich erhob, das Telegramm bekannt, das der Führer und Reichskanzler an den Kongreß gerichtet hat. Das Sieg-Heil auf den Führer wurde begeistert ausgenommen. Der Kongreß trat dann in die Beratung der von den einzelnen Sektionen bisher oorgelegten Entschließungen ein. Entsprechend dem Vorschlag der Sektion III nahm der Kongreß einen Beschluß an, der es als wünschenswert bezeichnet, Personen, die wegen eines m i t ihrem Beruf zusammenhängenden Verbrechens verurteilt worden sind, die Ausübung des Berufs zu verbieten. Das Berufsverbot soll zeitlich beschränkt werden und höchstens fünf Jahre dauern. Angenommen wurde ein Beschluß, daß die Jugendgerichte Maßnahmen sowohl gegenüber moralisch gefährdeten Jugendlichen als auch gegenüber auf Abwege geratenen und straffälligen Jugendlichen treffen sollen. Besondere Organisationen für soziale Fürsorge sollen mit diesen Gerichten eng zusammenarbeiten. Die Gerichte sollen u. a. auch über Aberkennung der elterlichen Gewalt oder der vormundschaftlichen Befugnisse un- würdiger oder unfähiger Eltern oder Vormünder entscheiden. auch richtunggebende Mitarbeit zu leisten. Der gegenwärtige deutsche Staat fei durchaus bereit und gewillt, das beizubehalten, was an dem bisherigen Rechtsbestande gut war und dieses in das eiegene Recht an passender Stelle einzufügen. Je mehr die einzelnen Völker ihr Staats- und Rechtsleben g e - mäß ihrer Eigenart ausgestalten, um so mehr Gewähr bestehe für ein friedliches, vertrauensvolles, auf gegenseitiger Achtung beruhendes und den Fortschritt gewährleistendes Zusammenarbeiten zwischen den Kulturnationen. Reichsminister Dr. Frank nahm darauf das Wort zu seinem Vortrage über das Thema »LwtfcheystaaLliche Straf« Zwischenstaatliche Strasrechtspolitik. Reichsminister Frank spricht zu den ausländischen Gästen in einer Festsitzung der Akademie für Deutsches Recht. Ostasien-Schiffes nachmittag findet an Bord des der ein Empfang der japanischen Behörden, Arbeitsgemeinschaft. Sie soll in erster Linie dem Ziele dienen, eine noch engere Verbindung zwischen allen Schichten des Volkes und den Propagandisten der nativ» nalsozialistischen Bewegung zu schaffen, deren oberste Aufgabe es ist, getreu dem Wunsche des Reichspropagandaleiters stets das Ohr am Herzen des Volkes zu haben. Die Tagung ergab eine sehr fruchtbare Aussprache über Gegen- wartsfragen und Fernziele des nationalsozialistischen Kampfes. deutschen Botschaft und der Vertreter der deutschen Kolonie statt. 3m Dienst tödlich verunglückt. Der Streckenwärter E. ist auf der Bahnstrecke Bad Soden — Allendorf — Oberrieden von einem ausnahmsweise das falsche Gleis befahrenden Personenzug überfahr en und getötet worden. Todesstrafe für einen Mörder. Das Duisburger Schwurgericht verurteilte den 25jährigen Bernhard Raas aus Brünen bei We- H wegen Ermordung seiner Braut, der Schneiderin Alwine Marten, zum Tode. Raas hatte das Mädchen, das von ihm ein Kind erwartete, am 4. Mai d. I. an eine einsame Stelle gelockt und mit einem Spaten erschlagen. Der Mörder verscharrte dann die Leiche unter einer Rübenmiete, wo sie etwa 14 Tage später gefunden wurde. Der Ermordete aus der Rillerslraße in Berlin festgestellt. Unter dem Bauschutt des Hauses Ritterstraße 20 in Berlin war vor einigen Tagen, wie berichtet, die stark verweste Leiche eines Mannes aufgefunden worden. Der Tote ist jetzt einwandfrei als der 34jährige Paul Ruhnau, der schon mehrfach wegen Hehlerei und Betruges vorbestraft ist und seit Mai d. I. wegen Heiratsschwindels gesucht wurde, wiedererkannt worden. Ruhnau hatte sich zu dieser Zeit im Norden Berlins aufgehalten. Er war dann verschwunden, da ihm der Boden zu heiß war, nachdem er sich von seinen verschiedenen Bräuten unter dem Vorwand, er müsse für kurze Zeit ins Ruhrgebiet, seine Heimat, verreisen, verabschiedet hatte. Dort ist er aber nicht aufgetaucht. Die Umstände deuten darauf hin, daß Ruhnau vielleicht einen neuen „Wirkungskreis" gesucht und auch einen neuen Unterjchlupf gefunden hatte. FüL Oie deutsch-australischen Handelsbeziehungen. Zwischen Deutschland und dem Australischen Bund bestand bisher kein Handelsvertrag. Doch ergaben sich im gegenseitigen Handelsaustausch auch keine Schwierigkeiten, da Australien den eingeführten deutschen Waren meistbegünstigte Behandlung gewährte. Neuerdings hat aber der deutsche Markt für Australien an Bedeutung erheblich gewonnen, nachdem hier andere Länder, wie z. B. die Südafrikanische Union und Argentinien, als Lieferanten von Wolle mit Australien in aussichtsvollen Wettbewerb getreten sind. Da die deutsch-australische Handelsbilanz in hohem Grade passiv ist — im Jahre 1934 stand einer deutschen Einfuhr australischer Erzeugnisse im Betrage von 105 Millionen Mark eine deutsche Ausfuhr nach Australien von nur 21 Millionen Mark gegenüber —, so hat sich Deutschland in letzter Zeit gezwungen gesehen, seinen steigenden Bedarf an Rohwolle nach Möglichkeit in anderen Ländern zu decken, die bereit sind, auch ihrerseits mehr deutsche Waren zu kaufen. Diese Wahrnehmung hat wohl die australische Regierung veranlaßt, jetzt in Verhandlungen über den Abschluß eines Handelsvertrages mit Deutschland einzutreten. Ein Minister des Australischen Bundes, Sir Henry G u l l e t, befindet sich in Berlin, um die Grundlagen zu prüfen, auf denen ein deutsch-australischer Handelsvertrag abgeschlossen werden könnte. Die natürlichen Voraussetzungen eines erhöhten Handelsaustausches zwischen Deutschland und Australien sind zweifellos vorhanden. Australien ist in der Hauptsache ein Agrarland, das Nahrungsmittel sowie industrielle Rohstoffe (Weizen, Wolle, Gefrierfleisch, Butter, Obst und Metalle) erzeugt. Es ist darauf angewiesen, die großen Ueberschüsse, die es an diesen' Produkten erzeugt, auszuführen, um mit den Erlösen industrielle Fertigwaren für seine verhältnismäßig große städtische Bevölkerung einkaufen zu können. Es bestehen freilich sehr enge wirtschaftliche Beziehungen zwischen Australien und Großbritannien, die durch das Abkommen von Ottawa noch wesentlich ver- In demokratischen Parteikreisen ist man natürlich nicht geneigt, diesem einzelnen Wahl- ausgang eine nationale Bedeutung beizumessen, sondern man betrachtet ihn lediglich als eine „lokale Affäre". Einige demokratische Führer geben je«, doch zu, daß das Abstimmungsergebnis als eine Verwerfung der „New Deal"» Wirtschaftspolitik seitens des industriellen Ostens aufgefaßt werden könne. Bezeichnend ist, daß in letzterer Zeit verschiedene demokratische Führer an „New Deal", für den sie früher eintraten, scharfe Kritik üben und ihn als Fehlschlag bezeichnen. Ob der Rhode Island- Wahlausgang wirklich der von den Republikanern ersehnte „Strohhalm"^ ist, der die politische Windrichtung anzeigt, muß natürlich noch die Zukunft erweisen. Anfang vom Ende des „New Deal"? Bon unserem E Kl -Berichterstatter. Der nationalsozialistische Gesetzgeber lehrt die eugenische Prophylaxe und schärfste Niederkämpfung des bereits in Erscheinung tretenden verbrecherischen Elements. 'Aus diesem Gesichtspunkt begreift sich die international so großes Aufsehen erregende Rassen- und Sterilisationsgesetz- g e b u n g des Dritten Reiches. Wir sind des Glaubens, daß ein rassisch geschlossenes, von den höchsten Idealen der Volksgemeinschaftsaufqaben getragenes Volk den Verbrecher als einen Krankheitskeim ausscheidet. Der nationalsozialistische Ge- setzgeber geht aber nicht aus von Werturteilen über die Rassen an sich, er betont nur, daß die Vermischung der absolut nicht zu vereinbarenden Rassenkerne der Menschheit ein Unglück für die davon Betroffenen bedeutet. Wir wollen aber unsere Maßnahmen nicht anderen aufdrängen, wie wir auch bitten, uns mit Ratschlägen zu verschonen, die u. U. nicht ganz von präziser Erkenntnis der Notwendigkeiten des deutschen Volkes bestimmt sind. Wir nationalsozialistischen Juristen sind zu jeder Mitarbeit an dem Aufbau einer zwischenstaatlichen Jdeenordnung auf dem Gebiet der Strafrechtspolitik im Rahmen unserer eigenen Ideen und ihrer Auswirkungen bereit. Wir denken nicht an ein Weltstrafqesetzbuch. Immerhin besteht eine Gruppe von Delikten, bei denen eine einheitliche Ansicht aller Staaten vorhanden ist in der Richtung, daß sie internationalen Charakter haben und strafwürdig sind. Mögen Staaten und Völker verschieden sein, in einer Aufgabe müssen sie alle z u s a m m e n st e h e n : In der Verbrechensbekämpfung. Da es derzeit an einer allgemeinen Organisation der Staaten fehlt, die den Anspruch auf Anerkennung als über- staatlicher Gesetzgeber erheben könnte, und da der vertragliche Ausbau der Zusammenarbeit der Staaten auf dem Gebiete der zwischenstaatlichen Strafrechtspolitik durchaus nicht vollkommen ist, erwächst hier die große geistig-schövferische Mission der Juristen dieser Zeit im Dienste ihrer Volker und der Gesamtkultur. dem Gebiete des Tierschutzes aus. Reichstreffen der Altveteranen in Bad Harzburg. Vom 25. August bis 1. September veranstaltet der Deutsche Reichskriegerbund „Kyfthäuser" in Bad Harzburg ein Reichstreffen der Altveteranen von 1864, 1866 und 1870/71. Hierzu werden etwa 300 Teilnehmer erwartet. Der Kyffhäuferbund will mit dieser Veranstaltung den ehrwürdigen Mitkämpfern an den Einigungskriegen Tage der Erholung und Freude in dem schönen Harzkurort gewähren. Als besondere Ehrung für die Altveteranen findet am 1. September anläßlich der 65. Wiederkehr des Sedantages ein Feldgottesdienst, anschließend ein Festakt auf den Harzburger Kurhausterrassen statt, an den sich ein Vorbeimarsch der Formationen und Verbände vor den Altveteranen anschließt. Hamburger Baupläne für die Zukunft. Auf einer Ortsgruppenversammlung in Barmbeck sprach Senator Ahrens über Hamburgs Baupläne für die Zukunft. Er teilte u. a. mit, daß zur Entlastung des Elbtunnels der Bau einer Hochbrücke über die Elbe bei den St. Pauli-Landungsbrücken geplant fei, eine weitere Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Zukunft fei der Bau einer riesigen Kläranlage zur Reinigung der Hamburger Abwässer, die in die Elbe geführt werden. Endlich solle auch die H o ch - und Untergrundbahn bis zum Stadtteil Hom weitergeführt werden. Alle diese Bauvorhaben seien jedoch erst dann möglich, wenn die Hamburger Staatsfinanzen ihre Ausführungen zuließen. Regierender Bürgermeister Krogmann betonte in einer Ansprache, daß Hamburg als Notstandsgebiet alles getan habe und auch weiterhin alles tun werde, um die Wirtschaft auf allen Gebieten zu fördern. Dazu gehöre auch die Heranziehung neuer Industrien, die bereits zu einem großen Teile erfolgt fei. Man hoffe, im kommenden Winter noch 15 000 Arbeiter in diesen Industrien unterzubringen. Die „Potsdam" in Yokohama. Die japanische Presse berichtet in langen Artikeln und zahlreichen Bildern vom Eintreffen des deutschen Ostasien-Schiffes „Potsdam" in Yokohama. Die Berichte sprechen von der epochemachenden deutschen Schiffsbaukunst, die ein Ausdruck der Kraftentfaltung des neuen Reiches fei. Vertreter der japanischen Marine und des japanischen Schiffsbaues besichtigten neben zahllosen Besuchern die „Potsdam". Donnerstag- re ch t s p o l i t i k" Er führte u. a. aus: Es ist ganz offenbar, daß die Schwierigkeit der zwischenstaatlichen Strafrechtspolitik vor allem bedingt wird durch das Chaos der gegenwärtig herrschenden internationalen Staatsanschauungen. Wie svll zwischenstaatliche Strafrechtspolitik gestaltet werden können zwischen Staaten, von denen der eine aufgebaut ist auf dem Grundsatz „Eigentum ist Diebstahl", während der andere sagt: „Eigentum ist die Aufgabe des völkischen Kulturaufbaues". Es kann sich nur um eine starke, den Kulturschutz aller Völker steigernde kameradschaftliche Zusammenarbeit der in den Kulturaufgaben der Strafrechtspolitik grundsätzlich gleichgerichteten Nationen handeln. Die Regierungen aller Kulturländer mögen sich zu einer Anti - D e r b r e ch e r f r o n t zusammenschließen, die Strafrechtswissenschaft muß aufhören, eine möglichst werturteilsfreie Wissenschaftlichkeit des liberalistischen Zeitalters darzustellen. Die Wissenschaft hat ausschließlich volkswertbezogene Erkenntnis der der Volksgemeinschaft vom Verbrechertum drohenden Gefahr und Sammlung der darauf beruhenden logischen Schlußfolgerungen für den Aufbau des staatlichen Abwehrapparates gegenüber dem Verbrechen zu fein. Wenn im internationalen Leben jeder Staat, der eine gesetzgeberisch mächtige Regierung besitzt, Anerkennung zu finden hat, wie steht es dann mit Staaten, die u. U. in die Anti- Verbrechersront sich deshalb nicht einreihen wollen, weil sie auf Seit en der Verbrecher stehen, sei es km Sinne des gemeinen Verbrechers oder im Sinne des politischen Verbrechers? Wir haben erst vor einigen Tagen aus Moskau gehört, daß die starke Tendenz der Kommunistischen Partei dahingeht, die sogenannten bürgerlichen Staaten zu unterwühlen. Dieser internationale Kommunistenkongreß in Moskau hat sich zum Fürsprecher einer international anzuwendenden Verbrechensanstiftung gemacht. Es ist Aufgabe dieses Kongresses, gegen derartige zynische Kampfansagen an alle Kulturvölker der Erde auch unter dem Gesichtspunkt der zwischenstaatlichen Straf- rechtspolitik P r o t e st einzulegen. Ich möchte es begrüßen, wenn dieser Kongreß sich auch damit beschäftigen wollte, daß die D u l - düng von Scheinprozessen, die emigrierte politische Gegner als Parallelveranstaltung zu Strafprozessen in der ehemaligen Heimat im Auslande veranstalten, nicht mehr erfolgen solle. Wenn auch die Bedeutung derartiger Scheinprozesse nicht übersteigert werden soll, so muß doch vom Kongreß meines Erachtens erwartet werden, daß er derartige Herabwürdigungen der Rechtspflege als ein durch zwischenstaatliche Regelung unmöglich zu machendes Vorgehen bezeichnet. Freilich liegt hierin auch der große Appell an alle Regierungen, dem innenpolitischen Gegner strafrechtlich nicht eine ab» solut schutzlose Position zuzuweisen. Denn durch nichts wird das Ansehen des Strafprozesses so sehr gemindert als dadurch, daß es u. U. zu einer reinen Machtanwendung der offen 11 i d) e n Gewalt in anderen Formen als dem reinen Prozeßakt herabfinkt. Ich schlage vor, daß ohne Tangierung irgendwelcher anderen internationalen Einrichtungen als Ergebnis dieses Kongresses ein internationaler Arbeitsausschuß errichtet wird, dessen Aufgabe der Ausbau der zwischenstaatlichen Möglichkeiten auf dem Gebiet des Strafrechts zu fein hätte. Knöll, Dr. Malech: Berichte über verschiedene Fälle aus der Praxis. Aus aller Wett. Hochbetrieb auf der Rundfunkausstellung. Auf dem Ausstellungsgelände am Kaiserdamm in Berlin herrschte am Mittwoch wieder 5) o cf) betrieb. Man schätzt, daß der Mittwoch sogar einen werktäglichen Rekordbesuch aufweist. Unter den Besuchern sah man auch zahlreiche Ausländer, die anläßlich der bevorstehenden Eröffnung der Leipziger Messe in Deutschland weilen. Der Massenbesuch ist ein Beweis dafür, daß der Brand der Ausstellung nichts hat anhaben können. Der unbezwingbare Wille der verantwortlichen Stellen und die vorbildliche Zusammenarbeit zwischen Ausstellungsleitung und den von dem Großfeuer betroffenen Ausstellern haben den Schicksalsschlag, der die Ausstellung getroffen hatte, siegreich überwunden. Den Besuchern der Ausstellung wird wieder die gleiche umfassende Schau moderner Rundfunk- und Fernsehtechnik geboten, wie sie vor dem Brand zu sehen war. An Stelle der niebergebrannten Halle 4 wurde eine Ersatzhalle 4 geschaffen, die aber wirklich nur dem Namen nach eine Ersatzhalle ist. In dem großen Restaurant der Halle 7, dessen Raum durch die Errichtung eines riesigen Zeltes noch erheblich erweitert wurde, bietet sich dem Besucher dieselbe Schau dar, wie sie die ursprüngliche Halle 4 bisher beherbergte. Einer der Hauptanziehungspunkte der Ausstellung ist selbstverständlich nach wie vor die Fernseh st raße. Auch beim Volkssender herrschte wieder großer Andrang. Die Lose der vom Reichsverband Deutscher Rundfunkunternehmer veranstalteten Lotterie finden weiter guten Absatz. Sonderfahrt zum „Deutschen Tag" in Heugott. Wie der Volksbund für das Deutschtum im Aus- land mitteilt, begehen die Deutschen von Groß- Neuyork am 6. Oktober im Madison Square Gar» den einen „Deutschen Tag", der im Zeichen der Treue zum Volkstum und zur deutschen Heimat stehen soll. Namhafte Vertreter des Neugorker Deutschtums werden die Treue zur deutschen Art und die Verbundenheit mit dem Mutterland zum Ausdruck bringen. Um möglichst vielen reichsdeut» schen Besuchern die Teilnahme an diesem Festtage auf billige und bequeme Weise zu ermöglichen und gleichzeitig Gelegenheit zu fleben, einen Einblick in das Leben Amerikas zu gewinnen, wird eins Sonderfahrt zum „Deutschen Tag" veranstaltet, die am 26. September in Hamburg beginnt und ihre Teilnehmer am 4. Oktober nach Neuyork bringt. Die Sonderfahrt wird auf dem ^^ellbampfet „New York" der Hamburg-Amerika-Linie durchgeführt. Für die Reiseteilnehmer sind zwei Reiseprogramme für 3—4 Wochen vorbereitet. Die Teilnehmer lernen unter sachkundiger Führung oor allem Neuyork und seine Umgebung kennen, besuchen auch die Niagara-Fälle, Detroit, Chicago, Washington und Philadelphia. Beginn des Kartenverkaufs für den Reichsparteitag am 26. August. Wie die Drganifationsleituhg des Reichsparfeitags 1935 mitteilt, beginnt der Kartenverkauf für den Reichsparteitag am Montag, dem 26. August. Dieder Mitarbeit der Pioniere an der Ausgestaltung des Reichsparteilages. Wie im vergangenen Jahre werden auch diesmal die zur Ermöglichung des Sttaßenverkehrs am Reichsparteitag notwendigen Holzbrückenbauten sowie die bei den Veranstaltungen des Reichsheeres notwendigen Bauten von den Pionieren erstellt werden. Die ersten Pionierkompanien in Stärke von 300 Mann aus Stettin und Neu-Ulm sind bereits mit 33 Eisenbahnwagen in Nürnberg eingetroffen. Die Kompanien werden zu einem Bataillon zusammengestellt. Die Pioniere haben das Lager des Reichsheeres in Gebersdorf Deutschland führend auf dem Gebiet des Tierschutzes. Kürzlich wurden die Verhandlungen des 18. Internationalen Tierschutzkongresses, der unter großer Beteiligung in Brüssel tagte, beendet. Die zahlreichen Vorträge der Vertreter fast aller Kulturländer und die Diskussionen in den einzelnen Fachabteilungen ließen klar erkennen, daß der Gedanke des Tierschutzes in aller Welt in fort- chreitendem Maße Anerkennung findet. Die wertvollen Ergebnisse und Beschlüsse des Kongresses werden geeignet sein, in den einzelnen Ländern den Schutz der Tiere zu fördern und überall dort, wo die gesetzlichen Bestimmungen noch unzureichend ind, wirkungsvolle Vorschriften über den Tierschutz u erlangen. Hierzu können die heutigen deut- chen Tierschutzbestimmungen eine gute Grundlage bieten. Die deutschen Vertreter wurden von zahlreichen Teilnehmern des Kongresses zu dem Inhalt des Reichs-Tierschutzgesetzes sowie der anderen deutschen Gesetzesvorschriften über Tierschutz beglückwünscht, und der Kongreß sprach Deutschland die Anerkennung für die kulturelle Leistung auf Eine neue Kampfgemeinschaft. Reichsring für nationalsozialistische Propaganda und Bolksaufklärnng. Berlin, 22. Auq. (DNB.) Der „Völkische Beobachter" meldet aus München: Je mehr sich durch die Vergrößerung der Partei als Trägerin der natio- nalsozialistischen Weltanschauung tue Arbeit in den einzelnen Gliederungen und Aemtern der Partei spezialisiert hat, um so dringender stellt sich das Bedürfnis nach einer stetigen einheitlichen Ausrichtung des Kampfes auf allen Fachgebieten der Arbeit der Bewegung ein. Um eine enge Kampfgemeinschaft aller Gliederungen der Partei, insbesondere aber auf d e m Gebiet der Propaganda und Dolksaufklärung zu schaffen, hat der Reichs- propagandaleiter Verbindungsleute aus allen Gliederungen und angefchlvf e- nen Verbänden der NSDAP, zum „R et ch s° ring für nationalsozialistische Propaganda und Volksaufklärung" zusam- mengeschlossen. Organisatorisch gehört dieser Reichs- ring aum Stabe der Reichspropagandaleitung. In der ersten Arbeitstagung dieses Neichsringes umrissen der stellvertretende Reichspropagandaletter Pg. Hugo Fischer und der Letter des Reichs- ringe? Pg. Tießler, den Aufgabenkreis dreier (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)^ । Neuyork, Mitte August 1935. \ Bereits seit langem wirst die im nächsten Jahre ' tattfindende Präsidentschaftswahl ihre ! Schatten voraus. Während es natürlich im Lager . der Demokratischen Partei für selbstverständlich gilt, 1 daß Präsident Roosevelt abermals aufgestellt und . mit großer Majorität wieder gewählt wird, ist man im Lager der republikanischen Gegenpartei selbstverständlich anderer Ansicht, soweit die Wiederwahl Roosevelts in Frage kommt. Die Republikaner 'hakten Umschau nach einem geeigneten Gegenkandidaten. Als sicher kann gelten, daß die Präsident- chaftswahl sich um die Frage der Weiterführung )ber Verwerfung des in „New Deal" zusammenge» ahten großzügigen Rooseveltschen wirtschafte politischen Programms drehen wird. Die Republikaner reiten auf der Behauptung herum, daß der „New Deal" die erwünschte wirtschaftliche Besserung bisher nicht nur nicht gezeitigt, sondern eine nachhaltige Besserung der Wirtschaftslage direkt aufgehalten habe, und zwar infolge der verschiedenen Eingriffe der Bundesbehörden in die Privatwirtschaft und der durch die gesamte Wirtschaftspolitik gezeitigten wirt- chaftlichen Unsicherheiten. In Chikago haben fünfzig Republikaner aus zehn Mittelwestftaaten eine zweitägige Beratung ab» gehalten, wobei 1 ehauvtet wurde, daß eine ft eigen b e Anti-Roosevelt'Stimmung im ganzen Mi11elwesten ber Vereinigten Staaten um sich greife. Einer ber Teilnehmer, Mitglieb bes Republikanischen National-Komitees von Iowa, sagte wörtlich: „Die uns aus zehn Staaten zugehen- ben Berichte zeigen, daß das Volk jetzt die Gefahren erkennt, die sich aus einer Fortsetzung der „New- Deal"°Politik ergeben. Das Volk kann nicht zum Narren gehalten werden mit solchen unerfüllten und utopischen Versprechungen, wie sie täglich von Roose- velt und seinen Anhängern gemacht werden". Wen die Republikaner für die Präsidentschaft aufstellen werden, ist natürlich vorläufig nicht vor» auszusehen. In Verbindung mit der Kandidatenfrage werden eine ganze Reihe von Persönlichkeiten genannt, z. B. Senator B o r a h und neuerdings auch der berühmte Flieger Lindberg h. Auf der schon erwähnten Chikagoer Tagung wurde von verschiedenen Seiten erklärt, daß die Republikaner bei der Aufstellung ihres Kandidaten die Wünsche der sogenannten progressiven Flügel berücksichtigen müßten, sonst könnte die republikanische Partei bei der nächsten Präsidentschaftswahl nicht siegen. Die republikanische Partei müsse der Wählerschaft mehr bieten als nur Kritiken der Roosevelt-Politik. Der „New Deal" sei voller Fehler, aber der „Old Deal", also die frühere republikanische Wirtschastspolittk, sei kein Ersatz dafür. Jedenfalls hegen die Republikaner, soweit der Aus- Sang der nächstjährigen Präsidentschaftswahl in •rage kommt, bereits große Siegeszuversicht, die durch den Ausfall der Wahl in einem Kongreß- Distrikt im Staate Rhode Island, die mit dem Siege des republikanischen Kandidaten endete, noch erheblich verstärkt worden ist. Im ganzen republikanischen Lager wird der republikanische Wahlsieg als der „politische Stroh- Halm" begrüßt, ber bie Verwerfung bes „New Deals" im nächsten Jahre anzeige. Republikanische Führer behaupten, baß die Wahl in biefem Rhobe Island-Distrikt, bie eine Ersatzwahl war, ba ber bisherige demokratische Abgeorbnete infolge seiner Ernennung zum Richter des State Supre- mecourt zurücktreten mußte, einen nationalen Widerstand gegen Roosevelts Politik, vor allen Dingen gegen fein Steuererhöhungsprogramm und die großen Regierungsausgaben und die von der landwirtschaftlichen Ausgleichsbehörbe erhobenen Verarbeitungs steuern, wider- spiegele. Die Verarbeitungssteuern wurden in Rhode Island, einem Textilindustrie-Staat, von ben Republikanern währenb dieser Kongrehwahl beson- bers kritisiert. Während sich der siegreiche republikanische Kongreßkandidat rückhaltlos ber Kritik bes „New Deals" roibmete, führte ber unterlegene bemokratische Kanbidat feine Wahlkampagne als rückhaltloser Verfechter bes „New Deal". Der Umfang ber parteipolitischen Umwälzung, bie bie- ser Wahlausgang bebeutet, laßt sich baraus erkennen. baß bie bemokratische Stimmenmehrheit von 21 000, bie der siegreiche demokratische Kandidat bei ber Kongreßwahl im gleichen Districkt im November 1934 erhielt, bei ber soeben ftattgefunbe- nen Wahl in eine republikanische Stimmenmehrheit von fünftausend umgewandelt wurde. stärkt worden sind. Für Deutschland hingegen kommt Australien in erster Linie nicht als Lebensrnittel-, sondern als Woll-Lieferant in Frage, wenn es bereit ist, zum Ausgleich mehr deutsche industrielle Fertigwaren aufzunehmen. In ber ersten Hälfte bes Jahres 1935 war Australien nur noch mit einem Prozent an ber beutschen Einfuhr unb sogar nur mit 0,6 Prozent an ber beutschen Ausfuhr beteiligt. Infolge ber Einschränkung ber deutschen Wollbezüge ist die Einfuhr australischer Waren nach Deutschland, die im Jahre 1934 noch 105 Millionen Mark betrug, auf 23 Millionen Mark in der ersten Hälfte bes Jahres 1935 abge- fünfen, was einer Jahreseinfuhr von nur 46 Millionen Mark entsprechen mürbe. Bei einem Entgegenkommen ber australischen Bunbesregierung finb also bedeutende Möglichkeiten für eine Ausge- ftaltung der deutsch-australischen Handelsdeziehun- qen vorhanden, zumal ba bie fteigenbe beutsche Kaufkraft auch bei zunehmenber Eigenerzeugung zu einem erhöhten Wollbedars fuhren muß. Kunst und Wissenschaft. Naturärzte-Tagung In Wiesbaden. Am 25.August findet eine Gautagung des Reichsverbandes der Naturärzte, Gau Hessen-Nassau, in Wiesbaden statt. Die Teilnahme steht auch Aerzten unb Zahnärzten offen, die nicht Mitglieder des Verbandes finb. Nacktem die biologischen Aerzteverbänbe bereits tatkräftige Vorarbeit geleistet hatten, kam es vor einigen Mona- ten zu einer großen gemeinsamen Tagung und Kundgebung in Nürnberg unter der Schirmherrschaft von Gauleiter S t r e i ch er und unter persönlicher Anwesenheit bes Reichsärzteführers Dr. Wagner. Auf dieser Reichstagung kam es zu einem Zusammenschluß sämtlicher biologischer Aerzteverbände zu einer Arbeitsgemeinschaft, und ber Reichsärzteführer setzte sich besonders tatkräftig für die wissenschaftliche Weiterarbeit in ber Naturheillehre und für bas künftige Zusammenwirken zwischen ber eigentlichen ärztlichen Schule und ben Naturheillehren ein. Auch die jetzige Gautagung soll bem weiteren Ausbau ber Naturheillehre bienen unb soll auch Aerzten anderer Heilrichtungen bie Möglichkeit geben, sie näher kennenzulernen. — Die Tagesordnung enthält u. a.: Begrüßung durch den Oaubeauftragten Dr. Malech, Gießen; Vortrag Dr. med. Morkr amer, Frankfurt a. M., über Wesen unb naturärztliche Behandlung der Tuberkulose: Vortrag Dr. Jockel, Darmstadt, über die Gaumenmandeln; Dr. Römer, Dr. Funk- | Vermietungen | 1 ZilHIW 01. KÜChß odJIeeresZimmer 03526 Großen-Linden, Hörnsheim, Lützellinden, 21.August 1935. 3 Feinste Fischhaus „Cuxhaven“ "“"nin^ieS C. G. Kleinheilll ■II WERBE SSEHtfiS1|| Marktstraße 23 4776a Tel. 2417 28. Angust 1935: Monats-Versammlung S. September: Septemb.-Wanderunfl liehe Anihaas» zeigen in die Heimatzeitung, den Biefiener Anzeiger Flammen. An der breiten Fahrstraße zwischen Douenne und Saucats kamen die Flammen zum Stillstand. Kleine politische Nachrichten. Der Danziger Volkstag ist für Montag zu einer Sitzung einberufen worden. Auf der Tagesordnung steht die Wahl des neuen Volkstagspräsidenten an Stelle des kürzlich zurückgetretenen bisherigen Präsidenten, ferner die Abgabe einer Regierungserklärung. Ministerpräsident Laval hatte eine längere Aussprache mit dem Vorstand der Vereinigung franzö- sischer Bürgermeister, der auf die Schwierig- | Mietgesuche | MMIohi in der Nähe der Kliniken 1.10. zu mieten oder Haus mit Garten z. kaufen gesucht. Schr.Angeb.unt. 47800 a.d.G.A. Bahnhofstr. 61. Telephon 3866. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii Mitteilungen aus dem Publikum, die zur Aufklärung des Verbrechens führen, hat der Polizeipräsident von Berlin eine Belohnung von 1000 Mark ausgefetzt. Mussolini im Trauerzug für die Zlugzeugopfer. Sch.möbl. Zimmer sofort und Zimmer mit 2 Bett, ab 1. Sevtbr. zu vermieten. 035ifl Ludwmsvlatr 6 bet Gerbig. Eigentlich müßte man die Pioniere der technik als Heroen im besten Sinne des Wor- Copyright dy Verlag Preffe-Tagesdienst, Berlin W 35. V. Speck und Erbsen - bei Windstärke 10! In mein. Hause in Mücke beabsichtige ich eine 6-7-Ä-Wohn. nebst Garten zu nennieten. 47730 Röhm, Drogerie Grünberg. Neuzeit der Begriff vom „Funk" entwickelte. Ern deutscher Physiker trat jahrelang sehr energisch gegen die falsche Anwendung des Wortes „Funkentele- araphie" auf — so um die Jahrhundertwende herum, aber da war es schon zu spät, seine Hörer im Vortragssaal nahmen das höchstens zur Kenntms, sprachen aber nach wie vor von der „Funkentelegraphie". Patente, die die Welt bewegten. In der Technik geht es nicht ohne Patentschutz grundlegender Ideen und Erfindungen ab. Wer sich in den Annalen des Reichspatentamtes in Berlin auskennt, findet darin eine Reihe von Patenten, die im wahrsten Sinne des Wortes die große Umwälzung in der drahtlosen Technik brachten. Sie gewährten deutschen Erfindungen Schutz in der ganzen Welt und schufen dem deutschen Kaufmann zusammen mit der deutschen Industrie neue Absatzmöglichkeiten in allen Ländern der Erde. In den Patentakten findet man das Hauptpatent Nr. 179 807 vorn 4. März 1906. Es ist die Anrnel- düng der ersten V e r st ä r k e r r ö h r e der Welt, aus der die ganze Röhrentechnik von heute hervorgegangen ist, und ohne die der Rundfunk schlechterdings nicht möglich wäre. Bevor die Liebenröhre allerdings in die Praxis eingeführt wurde, vergingen noch Jahre. Die Akte Nr. 291604 beherbergt ein weiteres grundlegendes Patent: Mit ihm meldete Dr. Meißner die Rückkopplung an, die jahrzehntelang Grundlage für Sendung und Empfang wurde. Das soeben genannte Patent des rückgekoppelten Audions hatte einen Vorläufer in dem Patent Nr. 271 059 vom 3. September 1911, mit dem von Br 0 nk die Hochfrequenzverstärkung schützen ließ. Schon in seinem ersten grundlegenden Patent von 1906 hat von Lieben die Anwendungsgebiete der kommenden Röhren ganz klar umschrieben: Er wußte, was die deutsche Erfindung für die Tele- phonie, für die Sprache auf große Entfernungen, dann aber auch für die drahtlose Telephonie, ferner für die Verstärkung der Sprach- und Musikübertragungen und sogar für die Fernphotographie einmal bedeuten würde! Lieben hat in der Folge zahlreiche Patente angemeldet, keines aber ist so in die Geschichte der drahtlosen Telegraphie und Telephonie eingegangen wie das Patent vom Jahre 1906 mit der Nummer 179 807. Heute kostet eine Verstärkerröhre ein paar Mark. Im Jahre 1912 rechnete von Lieben aus, daß bei einer Jahreserzeugung von 1000 Röhren ein Selbstkostenpreis von 190 Mark für jede Röhre entstehen werde, der sich bei einer Erzeugung von 4000 Lampen aber schon auf 70 Mark pro Stück senken würde. Gegenwärtig sind nach rohen Schätzungen in 60 Millionen Rundfunkempfängern allein mindestens 150 Millionen Röhren drin, und eine halbe Milliarde wird vorher schon verbraucht worden fein ... (Schluß folgt.) tes bezeichnen, denn „kleine Schwierigkeiten", wie lange durchgewachte Nächte und das Abwarten besonders günstiger Verhältnisse für ihre Versuche, Widerstände aller Art, Indolenz der technisch wenig aufgeklärten Mitmenschen — alles das galt bei ihnen nicht, irgendwie waren sie alle von dem großen Glauben erfüllt, an einer Sache mitzuarbeiten, die über kurz oder lang einmal erdumspannend sein würde. Wußten sie auch noch nicht das „Wie", war ihnen doch klar, daß irgendwelche brauchbaren Wege gefunden würden. Ja, manche in späteren Jahren als selbstverständlich ^angesehene Erfindung wurde erst gemacht, nachdem ihre Einführung einfach eine dringende Notwendigkeit wurde ... Eines Tages ärgerte sich Ferdinand Braun, der Erfinder des gekoppelten Senders, der aus der einfachen Sendeanordnung von M a r c 0 n i erst ein brauchbares Instrument für Funk über Langstrecken schuf, allzu sehr über die verhältnismäßig kümmerlichen Ergebnisse mit den damals bekannten Kohärern, die die Vorläufer des späteren Detektors waren. Er erinnerte sich an Versuche, die er in seiner Schulzeit mit Stoffen wie Bleiglanz, Schwefelkies und Braunstein gemacht hatte, und bei denen er eine Gleichrichtwirkung feststellte. Von diesem Augenblick befaßte sich Braun damit, die Kristalldetektoren technisch durchzubilden und zu einem für die praktische Verwendung brauchbaren Instrument zu machen. Freilich — es blieb vom ersten bis zum letzten Detektor in einer Beziehung das gleiche: Wackeln durfte man am Detektor nicht, sonst war der ganze Empfang verschwunden, bis eine neue fein ansprechende Berührungsstelle gefunden war. Erst die Lieben- röhre und ihre verbesserten Nachfolger brachten die Erlösung vom Detektor. Ferdinand Braun selbst schuf dann in der nach ihm benannten Braunschen Röhre ein neues Instrument, das der Hochfrequenztechnik bedeutende Dienste ae= leistet hat. Die Experimentalphysiker und Wissenschaftler jedenfalls, die damals die Jahre der Versuche mit- gemacht haben, erblickten nicht selten in dem harten Leben eine Abwechslung gegenüber der einförmigen Laboratoriumsarbeit. Professor Z., der spätere Experimentalphysiker, sagte einmal in einem seiner Vorträge zu seinen Hörern: „An den schweren Seegang bei unseren Versuchen in der Nordsee haben wir uns schnell gewöhnt — obgleich sich dieser bei einem verankerten Feuerschiff unangenehmer bemerkbar macht als auf einem über das Meer jagenden Schiff. Allerdings neigten wir damals zu der Ansicht, daß so ein Feuerschiff ein paar Grade mehr Freiheit besitzt, als die Mechanik allgemein von einem starren Körper lehrt. Aus den Bädern während der Fahrten mit den Lotsenjollen haben wir uns wenig gemacht, aber den Akkumulatoren find sie nicht immer gut bekommen. In einer Woche waren wir alle so seefest, daß wir auch bei W i n d- ftärfe 10 Erbsen mit Speck verlangten, während mitgenommene Besucher halb ohnmächtig in ihrer Koje lagen ..." Weil dem Experimentalphysiker nicht zusagte, immer stundenlang auf die schweren Lotsenboote warten zu müssen, gründete er für den Sonder- 3roe(f sozusagen eine eigene Schiffahrtslinie: Er Schöne lo3°2« 2-Zimm.-Wohnung m. Küche U.fließ. Wasser, in schön. Lage in d. Nähe Gießens (Bahn- staüon) ab 1. 9. ob. 1.10. z. ver- mreten.Wo?sagt b. Geschäftsstelle besGieß.Anzeig. v. alleinstebenb., berufstät. Dame per sofort z. miet, gesucht. Schriftl. Angeb. u. 03525 an b. Gieß. Anz. Dauermieter fiwswne Schr.Angeb.unt. 03520 a. b G.A. eingetroffen 47H2d alle lästig.Haare, Leberstecken, Pickel, Sommerspross. usw. entf. u. Gar. I. immer Scan B. Gulden Svrechst.Freitag Gießen, Allcen- straße 40 p. 9—7 ühr durchgehend. ZweckSBekampwngoer Schwarzarbeit können Slrbeits Ange» bote von Handwerken» nur mit Romensnen» nung n. unter Dorlage desGewerbenachweijes ausgenommen werden. Serlea ^esStebenerSmzetgeeH Tüchtiger Mergeselle unter 20 Jahren gesucht. Schriftl. Angeb. u. 03527 an o. Gieß. An;. | Verschiedenes | SescftäftsvcTlefiunS Heute verlege ich mein Geschäft wieder in den von mir früher innegehabten Laden im Hause Seltersweg 75. — Ich bitte, mich bei Bedarf berücksichtigen zu wollen. 47770 5rit% JL Jtennstiel Ruf Nr. 3196 Fachgeschäft für den gesamten Bürobedarf. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt Das kontinentale Hochdruckgebiet hat seine Selbständigkeit verloren und stellt nur noch einen Ausläufer des über Nordosteuropa zum Aufbau gekommenen äußerst starken Hochdruckgebietes dar, das sich zudem im weiteren Abbau befindet. Wenn auch die lebhafte, vom Atlantik ausgehende Wirbeltätigkeit einen direkten Einfluß auf unser Wettergebiet hat, so ist doch jetzt die Möglichkeit gegeben, daß es zur Ausbildung einzelner örtlicher Gewitter bzw. zum zeitweiligen Auftreten von Bewölkung kommen wird. Aussichten für Freitag: Heiter bis wolkig, tagsüber recht warm und schwül, Neigung zu örtlicher Gewitterbildung, meist östliche und südliche Winde. Aussichten für Samstag: Im ganzen freundlich und warm, doch Neigung zu Gewitterbildung. Lufttemperaturen am 21. August: mittags 26,5 Grad Celsius, abends 15,5 Grad; am 22. August: morgens 13,1 Grad. Maximum 27,6 Grad, Minimum 8,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 21. August: abends 19,8 Grad; am 22. August: morgens 16,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 11,4 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Emst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 35: 9945. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R Lange, K.-G., sämtlich In Gießen. Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf mehr Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. feiten bei der Anwendung der Notverordnungen auf die Gemeinden aufmerksam machte. Der Ministerpräsident versicherte, daß die Bedürfnisse der Gemeinden weitgehend berücksichtigt werden würden, vorausgesetzt, daß die Richtlinien der Regierungspolitik von ihnen eingehalten würden. Die Bürgermeister haben daraufhin mit dem Finanz- und dem Innenminister über die Durchführung der Notverordnungen beraten^ Der Kriegsminister von Equador rief am Dienstagmorgen den Staatspräsidenten Melasco I b a r r a zumDikta10 r aus. Aber schon in der Nacht zum Mittwoch fanden diese Diftaturbeftrebungen ein Ende, als Führer der Armee den Präsidenten und seine. Minister kurzerhand in Haft nahmen. Stellenangebote] Keine Ursprungszeugnisse, sondern nur Zeugnisabschriften dem Bewerbungsschreiben bei- legen I - Lichtbilder undBewerbungsunrer- lagen müssen zur Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Namen und Anschrift deS Bewerbers tragen l Saub., freund!. Mädchen vom Lande zum 1. Sept, gesucht für Villa mit gr. Garten i. Jrank- furt/M.-Eschersheim. Gelegenh. zumErlernendes gutblirgerl.Haus- h altes. Offert, an Ur.M.vostlagernd Frankfurt a.M.- Eschersheim.^^0 Die Ueberführung der sieben Opfer des Flugzeugunglücks bei Kairo in ihre Heimat erfolgte im Beisein Mussolinis in Rom. 10000 Mann aus ollen Truppengattungen eskortierten den Leichenzug, und 250000 Männer und Frauen grüßten die Toten. (Scherl-Bilderdienft-M.) 3n der eigenen Schlinge gefangen. — Schreckliches Ende eines Diebes. Aus Lichtenfels (Oberfranken) wird berichtet: Der verheiratete 27jährige Ludwig Schramm wurde morgens von drei Arbeitern in einer Straße in Lichtenfels zwischen zwei Säcken liegend aufgefunden. Schramm hatte eine Schlinge um den Hals, an der die Säcke befestigt waren und gab noch einige Lebenszeichen von sich, doch trat der Tod alsbald ein. Die polizeilichen Erhebungen ergaben, daß Schramm das Opfer feiner eigenen Dieberei geworden ist. Er stieg nachts in den Garten eines Kaufmanns ein und stahl hier zwei Säcke mit Gemüse. Die beiden Säcke befestigte Schramm an einem Strick, den er über die Schultern und um den Hals legte. Beim Transport scheint sich einer der Säcke gelöst zu haben und von der Schulter heruntergerutscht zu fein, so daß die Schlinge zusammengezogen wurde. So wurde Schramm vom Diebesgut ums Leben gebracht. Schwere Unwetter über JteapeL Ein furchtbares Unwetter hat über der Gegend von Neapel gewütet, bei dem elf Menschen ums Leben kamen. Während eines heftigen Gewitters kam es zu starken Wolkenbrüchen. Blitzschläge und Wassermassen richteten schwere Schäden an. Fast sämtliche Telephonverbindungen zwischen Neapel und der Umgegend wurden unterbrochen. Die elektrischen Bahnen konnten nicht mehr verkehren. Das am Meer gelegene Castella Mare wurde besonders schwer heimgesucht. Durch das Hochwasser dreier Flüsse wurde die Stadt teilweise in einer Höhe von zwei Meter unter Wasser gesetzt. Dabei ertranken vier Personen, während fünf andere schwer verletzt wurden. Militär und Feuerwehr wurden sofort eingesetzt; sie suchten den Wassermassen einen anderen Weg zu schaffen, um die Gefahr für die Stadt zu beseitigen. Ebenso schwer wütete das Unwetter in Gragnono, wo so- gar sieben Todesopfer zu beklagen sind. Riesiger Waldbrand bei Bordeaux. Ein Waldbrand hat zwischen Douenne und Saucats südlich von Bordeaux gegen 900 Hektar Wald vernichtet. Das Feuer hatte sich sehr schnell ausgebreitet. Bald stand ein 15 Kilometer langer und vier Kilometer breiter Strich vollkommen in schaffte sich ein Segelboot und ein Paddelboot an. Bei der ersten Fahrt zwischen einem Feuerschiff und Neuwerk allerdings schlug das Boot schon um, und ein Heringsdampfer fischte den Gelehrten aus der See. Die Fischer sagten damals von ihm: ,^)ei supt sich noch af!" Kein Radio, nur gemütliche Unterhaltung!" In den Tagen, in denen noch die Trichterlautsprecher mit fürchterlichen Ausmaßen das Feld beherrschten und der Gastwirt, der „etwas auf sich hielt" und seinen Gästen etwas Besonderes bieten wollte, die Wahl ließ, ob man den Grammophontrichter ober den Trichterlautsprecher hören wolle, versuchte ein Gaststättenbesitzer gus der Chausseestraße in Berlin, seinen Gästen „wissenschaftlich" zu kommen. Er stellte ein großes Plakat in sein Schaufenster und malte die Worte darauf: „Wissen Sie, was elektrische Schwingungen sind? Musikinstrumente geben 50 bis 3000 Schwingungen pro Sekunde. Die Großfunkstationen strahlen 10 000 bis 20 000 Schwingungen pro Sekunde aus. Die Kurzwellenamateure bringen es auf 2 000 000 Schwingungen! Die Lichtstrahlen schwingen 100 Billionen mal in der Sekunde. Röntgenstrahlen schwingen 1 Trillion mal. Radioaktive Strahlen schwingen noch hundertmal schneller. Können Sie das in einer Ziffer ausdrücken?!" Die Vorübergehenden blieben stehen, gingen hinein, tranken eine Taffe Kaffee und ließen Zettelchen, eng bedeckt mit Ziffern, liegen. Der Konkurrent dieses Gastwirtes, wissenschaftlich weniger auf der Höhe, aber ein Praktiker aus Erfahrung, hatte erkannt, daß es manche Gäste auch vorzogen, einmal den Stimmen der Lautsprecher zu entrinnen. Er schrieb an fein Schaufenster: „Kein Radio, keine Musik, nur gemütliche Unterhaltung!" Amerikas erste Radiostationen deutsch.. Wie schnell die deutschen Funktechniker und Gelehrten aus dem neuen Wunder der drahtlosen Welle ein großes Ausfuhrgut aus Deutschland zu machen verstanden, dafür ein Beispiel: Der Italiener M a r c 0 n i, der hauptsächlich mit englischen Gesellschaften gufammengearbeitet hat, strebte begreiflicherweise eine Vormachtstellung auf dem neuen Gebiete an. Im Sommer 1903 traf in Neuyork ein deutscher Amerikadampfer ein, dessen Ladegut recht sorgsam behandelt wurde. Das Ladegut bestand aus den ersten von insgesamt 20 Funkstationen, die über die ganzen Vereinigten Staaten verteilt wurden. Der Erbauer war aber nicht Marconi; die ersten Radiostationen Amerikas, die allerdings nur Funkstationen waren, aber für Rundsprüche Verwendung fanden, sind in Berlin von der AEG. gebaut worden. Diese amerikanischen Funkstationen aus Berlin waren die ersten Stationen, die einen Riesenabsatz der deutschen funktechnischen Industrie einleiteten. Beinahe hieß es „funkenlose Telegraphie". Wie aus Satzbildungen, die an sich ganz falsch sind, Begriffe werden, lehrt das Wort „Funken- telegraphie". Man glaubte in den Kindheitstagen der drahtlosen Telegraphie, daß der Funke eigentlich die Hauptsache fei, während ihn ernste Wissenschaftler mit Recht nur als notwendiges Uedel betrachteten. Das Ideal dieser Männer mar die „funkenlose Telegraphie", die ja dann Jahre später auch gekommen ist. Noch in den nächsten Jahren sprach man indessen soviel von Knallfunkenstrecken und später von tönenden Löschfunken, daß sich die falsche Bezeichnung nicht bloß einbürgerte, sondern darüber hinaus zum Wortbild wurde, aus dem sich in der „... bloß nicht am Detektor wackeln!" Ans des Rundfunks Kindertagen. — Merkwürdigkeiten zwischen Sender, Antenne und Lautsprecher. Berichtet von Hermann Dembeck. „ u jr., . ÄÄ? FrifdieSeefifdie Kochfische und Filets ! engeren Heimat! Die Beerdigung findet Freitag, 23. August, nachmittags 31/0 Uhr statt <779 D Im Namen der trauernden Hinterbliebenen- Ph. Peppier VI. L. Peppier und Familie L. Keßler X. und Familie. Todesanzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsern lieben Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater, Ururgroßvater, Schwager und Onkel Am Sonntagabend 10y2 Uhr entschlief sanft unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater und Onkel Herr Ph. Henkel im 82. Lebensjahre. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie H. Ruhl Familie J. HenkeL Gießen (Sonnenstraße 18), den 22. August 1935. Die Beerdigung hat bereits stattgefunden. Philipp Peppier IV im 91. Lebensjahre zu sich in die Ewigkeit abzurufen Nr. 195 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen) Donnerstag, 22. August 1955 Der Sport im VM. Eine Untergau-Sportwartin über ihre Arbeit auf dem Lande. Aus der Provinzialhaupisiadt. Vielleicht doch zum Mond? Dor kurzem hat ein Doktor in einer Wissenschaft- lichen Abhandlung „Warum nie zum Mond?" haarscharf bewiesen, daß es für uns Menschen unmöglich sei, jemals auf dem Mond zu landen. Die Schwerkraft der Erde oder aber ihr Fehlen würde es nie zulassen. Nun mutz ich allerdings zugeben, datz ich von der Schwerkraft der Erde nicht viel verstehe; ich glaube, ich fehlte in der Schule, als sie durchgenommen wurde. Auch verstehe ich nichts von der Wirkung der Schwerkraft auf die inneren Organe des Menschen. Vielleicht hat der Doktor, der von der „Erdgebundenheit der Menschen" überzeugt ist, durchaus recht. Vielleicht würde bei verminderter, oder aufgehobener Schwerkraft der Mensch tatsächlich in sich zusammenfallen und sterben. Ja, ich gebe sogar zu, daß mir alle Ausführungen des Doktors zunächst sehr einleuchteten. Und ich gehöre auch keineswegs zu den ewigen Besserwissern, zumal ich keinerlei gelehrte oder wissenschaftliche, oder sonst treffsicheren Beweise vom Gegenteil beibringen könnte. Vielleicht stehe ich sogar mit meiner Meinung in der ganzen Menschheit völlig vereinzelt da. Und vielleicht tut der Leser oder die Leserin gut, hier abzubrechen und sich den Worten eines klügeren Menschen zuzuwenden... ... immerhin muß ich aber gestehen, daß mich das Wort von der „Erdgebundenheit der Menschen" doch etwas stutzig gemacht hat. Denn: gab es nicht einmal eirtc Zeit, in der die ganze Welt von der Erdgebundenheit und Schwerkraft so sehr überzeugt war, daß sie den Grafen Zeppelin für einen Schwachkopf hielt? Man wird einwenden, daß dieses Fliegen innerhalb des Schwerkraftraumes der Erde vor sich ging und geht! Und daß ja schließlich (sagte man hinterher!) schon vor dem Zeppelin Freiballons sich in die Lüfte gehoben hätten, da sie leichter als Luft sind. Ja — aber: hat es da nicht jenen Fall gegeben, daß das Reichspatentamt (bitte!) noch in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts es ablehnte^ ein Patent auf Flugzeuge zu geben, da diese schwerer als Luft seien und deswegen „niemals" aufsteigen könnten? Aber auch das Fliegen mit einem Flugzeug ist noch immer ein Vorgang innerhalb des Schwerkraftbereiches der Erde? Hm! Auch Ballonaufstiege in die Stratosphäre waren einmal unmöglich, weil da oben die Luft „viel zu dünn" sei, weil sie außerhalb aller Atmungsmöglichkeiten lägen. Und heute? Und morgen? Und übermorgen?? Gibt es denn keine Grenzen des menschlichen Könnens? Gewiß gibt es Grenzen des menschlichen Könnens! Wer möchte so vermessen sein, sie zu leugnen? Nur wissen wir nid)t w o diese Grenzen liegen! Denn die Grenzen des menschlichen Könnens verschieben sich entsprechend den Grenzen des menschlichen Wissens? Auch sie gibt es! Wer wäre so unbescheiden, dies zu leugnen? Ohne Grenzen aber ist der Wagemut der Menschen! Und dieser grenzenlose Wagemut wird allen „Niemals!" immer wieder ein Schnippchen schlagen, wobei es zuletzt ganz gleichgültig ist, ob wir auch wirklich einmal auf dem Monde landen oder nicht. Hätten wir Menschen diesen grenzenlosen Wagemut nicht, wir säßen noch heute in Erdlöchern und Höhlen und hielten den Mond für eine Laterne ... By. Daten für den 23. August. 1572 (in der Nacht zum 24.): Bartholomäusnacht; AUedermetzelung von 2000 Hugenotten in Paris, von gegen 20 000 in ganz Frankreich; — 1769: der Naturforscher Georges Cuvier in Mömpelgard geboren (gestorben 1832); — 1831: Feldmarschall Graf Neit- Ja, eine Turnstunde auf dem Lande ist nicht so einfach. Don einer Sportwartin, die in einer Gegend sitzt, wo noch Trachten getragen werden, dringt ein Hilferuf zu mir: „Komm so schnell wie es geht zu uns und mache den Mädels nochmals klar, warum, wie und was wir turnen wollen". Täglich kann man diesen Ruf vernehmen und daraus ersehen, wie sehr noch unsere Mädel gegen die Körperertüchtigung eingestellt sind. Ja, hier muß ich wieder mal meine altbewährte Methode anwenden. Es kann nur eines helfen, auf irgendeine Weife hinfahren und mit den Mädeln so eine kleine Turnstunde erleben, daß sie dann ihre Turnstunde nicht mehr missen möchten. Mit einigen Hindernissen — denn es ist wahnsinnig schwer, auf dem Lande in alle Gruppen zu kommen — bin ich nun glücklich im Schützer Ländchen gelandet. Die Mädel mit ihren hübschen, alten Trachten machen alle einen netten Eindruck, so daß ich mir vorerst noch nicht erklären kann, daß diese Mädel der Turnstunde so feindlich gegenüberstehen sollen. Ich mache mir so meine Gedanken und beschließe, erst mal die Ursache des Widerstandes zu erfahren. Langsam scheine ich ihr Vertrauen zu gewinnen, sie werden immer etwas zutraulicher, und auch die Antworten auf meine verschiedenen Fragen sind nicht mehr so knapp. Nach und nach erfahre ich, daß sie selbst eigentlich ganz gerne mitmachen möchten, aber die Eltern und sonstige Außenstehende, die noch sehr an althergebrachten Sitten und Gebräuchen hängen, könnten und wollten sie nicht verstehen und würden sie an allem hindern. Hier Hilst es auch nicht, daß man den Eltern mit Worten klarmacht, was es für unser ganzes Volk bedeutet, daß unsere Mädel im BDM. ertüchtigt werden, sondern sie müssen durch unsere Mädel, die ihre Pflicht erkannt haben, umlernen. So, jetzt sind wir so weit, daß wir mit unserer Turnstunde anfangen können. Dieses Mal wird noch in Kleidern geturnt, denn die Mädel haben es bis jetzt noch nicht gewagt, in einer Turnhose herumzulaufen. Mit den primitivsten Bedungen fangen wir an, es geht noch sehr, sehr schwer, es krachen sämtliche Knochen und ab und zu hört man ein Halbwegs unterdrücktes Stöhnen. Nun genug, die Mädel dürfen auf keinen Fall überanstrengt werden. Wir fitzen im Halbkreis und singen erst ein paar lustige Lieder, dann beschäftigen wir uns mit noch ein paar einfachen Spielen Aha, das ist das Richtige, die Mienen der Mädel werden immer froher und bald steigert sich die Fröhlichkeit zur ausgelassenen Freude. Dann ein Pfiff. Eben noch „laute" Freude, jetzt eine heilige Ruhe. Ich spreche nochmals zu den Mädeln über unser Untergausportfest, das bald steigen wird, und sie versprechen mir alle mit strahlenden Augen, von jetzt ab ihre Turnstunden regelmäßig zu besuchen und sie wollen sich Mühe geben, daß sie sich schon am Sportfest beteiligen können. Nun kommt für mich der schwierigste Teil: Wie komme ich nach Hause? Aber da laden mich schon verschiedene Mädel ein, bei ihnen zu übernachten. So, das ging ja auch mal wieder glatt. Noch ehe ich einschlafe, lasse ich mir noch mal alles im Geiste vorüberziehen und komme zu dem Schluß, daß ich mit diesem kleinen Erfolg zufrieden sein kann. Es dauert lange, bis auf dem Lande etwas Neues Fuß gefaßt hat, aber es fitzt dann um so fester, und hier findet man dann die treuesten Anhänger. Beurlaubung von Beamten zum Veichsparteitag. Der Reichsstatchalter in Hessen — Landesregierung — macht alle unterstellten Behörden, Gemeinden, Gemeindeverbände und sonstige Körperschaften des öffentlichen Rechts auf den Runderlatz des Reichs- und Preußischen Ministers des Innern vom 6. August 1935 aufmerksam, wonach für die Zeit des Reichsparteitages der NSDAP, vom 10. bis 16. September in Nürnberg den Beamten, Behördenangestellten und -arbeitern, welche nachweisen, daß sie auf Veranlassung oder mit Billigung der NSDAP, am Parteitag teilnehmen, der erforderliche Urlaub ohne Anrechnung auf den Erholungsurlaub und mit Fortzahlung der Gehalts- und Lohnbezüge erteilt werden kann, soweit dienstliche Belange nicht entgegenstehen. Die Gemeinden, Gemeindeverbände und sonstige Körperschaften des öffentlichen Rechts werden ersucht, entsprechende Anordnungen zu erlassen. Eine Erstattung von Kosten aus der Reichskasse kommt nicht in Frage. Unser neuer Vornan. Nachdem wir in der gestrigen Ausgabe unseres Blattes den Roman „Wir fanden zueinander" von Klothilde von Stegmann zum Abschluß gebracht haben, beginnen wir in der heutigen Nummer des Gießener Anzeigers mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes, mit dessen Erwerbung wir einen besonders glücklichen Griff getan zu haben glauben, und mit dessen Abdruck wir allen unseren Leserinnen und Lesern in Stadt und Land eine rechte Freude zu machen gedenken. Wir lassen diesmal eine junge, hier noch unbekannte Autorin zu Worte kommen, deren Romane schnell einen großen und begeisterten Leserkreis gefunden haben; ihr jüngstes Werk, mit dessen Veröffentlichung wir in der vorliegenden Nummer beginnen, heißt: „3u jedem kommt einmal das Glück .. von Ellen Kulm. Das ist die mit feinem Gefühl geschriebene, zu Herzen gehende und ungemein spannende Geschichte vorn Schicksal zweier junger Mädchen, die nach mancherlei Irrungen und trüben Erfahrungen Den Weg zu einem reinen und dauernden Lebensglück finden. Wir sind gewiß, daß jedermann unseren neuen Roman mit wirklicher, innerer Anteilnahme, in hohem Maße aefesselt und befriedigt, bis zum letzten Kapitel verfolgen wird. Du Laumann ...! „Was machst du eigentlich nächsten Sonntag? Fährtst du mit nach B ...?" „Mit nach B ...? Mensch bist du verrückt geworden! Weißt du nicht, was nächsten Sonntag hier los ist?" „Ach so, das hätte ich ja fast vergessen. Da habt ihr euer Bannsportfest. Man hört ja viel in der Stadt davon." „Du Laumann mußt auch gerade noch sagen „euer Bannsportfest". Das sieht gerade so aus, als ob du gar nicht in der HI. wärest und dich das alles nichts anginge. Du scheinst dich noch gar nicht mit dem Gedanken vertraut gemacht zu haben, daß es deine Pflicht und A u f g a b e ist, am Sonntag mitzuwirken. Sag', was willst du denn eigentlich am Sonntag treiben?" „Ich sagte dir ja schon, daß ich nach B ... will." „Natürlich nach B ..." „Immer nach B ... Das sind deine ganzen Gedanken die Woche über.Erlaub' mal mein Lieber, hast du überhaupt für sonst etwas noch Interesse? Ein richtiger Laumann bist du geworden! Reg' dich nicht auf. Dxr Ausdruck ist nicht von mir. Er stammt von unserem Bannführer. Anstatt dich ein- Hardt von Gneisenau in Posen gestorben (geboren 1769); — 1836: der Anthropologe Johannes Ranke in Thurnau geboren (gestorben 1916); — 1866: Friede zu Prag zwischen Oesterreich und Preußen; — 1914 (bis 31.): Schlacht bei Tannenberg; Generaloberst Paul von Hindenburg und sein Generalstabschef Erich Ludendorff vernichten die russische Narew- Armee. Gesundheits-Grundsätze fürRadfahrer. Mehr als je sieht man heute Fahrräder auf den Landstraßen und Wegen. Auch die Frauen haben sich darauf besonnen, daß es eigentlich kein billigeres und bequemeres Verkehrsmittel gibt als das Fahrrad. Bei Ausflügen und sogar bei Reisen kann es einem die besten Dienste tun. Zu Rad ist man eben unabhängig. Manche scheuen sich, an heißen Tagen Radfahrten zu unternehmen. Diese Abneigung ist unbegründet. Gerade beim Radfahren hat man immer einen Luftzug. Man muß sich natürlich bei einer Radfahrt so vernunftgemäß wie möglich verhalten. In den heißesten Tagesstunden wird man nicht im Sattel sitzen, sondern irgendwo in Kühle und Schatten rasten. Man soll an warmen Tagen auch nicht allzu schnell fahren, weil dabei die körperliche Anstrengung zu groß ist. Außerdem soll man seine Nahrung so einrichten, daß man sich nicht unnötig erhitzt. Vieles Trinken ist vor allem zu vermeiden. Wer zu Rad über Land will, soll früh austtehen, was im Sommer nicht schwer fällt. Dann hat man am Mittag Zeit genug, den kühlenden Schatten zu genießen. Hier kann man den vielleicht versäumten Schlaf nachholen. Und wenn man gestärkt aufwacht, soll man eine Tasse kühlen Tee, natürlich ungesüßt, trinken, und wird sich wunderbar erfrischt fühlen. Das Essen soll niemals gewürzt sein, weil das unnötig durstig machen würde. Ebenso muß während der Fahrt Alkohol jeder Art vermieden werden. Wichtig ist auch, daß man beim Radfahren durch die Nase atmet. Man bekommt dann nicht so leicht eine trockene Kehle, als wenn man die Luft durch den Mund gehen läßt. Gegen dieses oberste Gebot verstoßen sehr viele Radfahrer. Hat man erst Durst, so ist er ziemlich schwer zu bekämpfen. Oft ist es auch schon nützlich, den Mund gut mit Wasser auszuspülen und zu gurgeln. Tee soll man, wie gesagt, ohne Zucker trinken, aber auch nicht in größeren Mengen. Auch im Genuß von Speise-Eis bei Radfahrten soll man zurückhaltend sein, es kühlt zwar für den Augenblick, hinterläßt aber meist einen zuckerigen Geschmack im Munde, der das Durstgefühl nur steigert. Die Kleidung muß angemefsen fein und darf besonders an den Gelenken nicht fest anliegen. Eine der Hauptbedingungen, um sich auch beim Radfahren wohlzufühlen, ist körperliche Sauberkeit. Daß man auf den Straßen staubig und schmutzig wird, ist nicht zu vermeiden, aber man wird dafür Sorge tragen, daß die Spuren so rasch wie möglich beseitigt werden. Allerdings soll man niemals, wenn man etwa vom Radfahren erhitzt ist, kalt baden. Disziplin ist eine der wesentlichen Vorbedingungen für- den ungetrübten Genuß einer Unternehmung zu Rad. Dann aber kann man kaum ein schöneres Vergnügen haben als dieses. Zu jedem kommt einmal das GM. Vornan von Ellen Kulm Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) Nachdruck verboten. von sie. von das 1. Kapitel. Draußen war noch der strahlend-helle Sommertag; aber in dem kleinen Gartenhause, gleich neben der Tankstelle, das als Büro diente, begann es schon zu dämmern. Monika rückte mit einer ungeduldigen Bewegung den Sessel näher zum Fenster, ohne von ihrem Buch aufzublicken. Wenn sie las, vergaß sie alles. Wie oft muhte sie Vorwürfe hören, daß sie in einer eingebildeten Welt lebte. Aber konnte sie denn dafür, daß ihr eigenes Leben so ereignislos war, und daß ihr nichts anderes übrigblieb, als mit ihrer ganzen Sehnsucht in die Welt der Bücher zu flüchten? Ein kurzes, scharfes Hupensignal. Ein Auto verlangsamte bei der Tankstelle die Fahrt, stoppte ab ... . Sehr guter Wagen, dachte Monika; aber auch jetzt blickte sie noch nicht auf. Das Signal wiederholte sich einmal, zweimal, dreimal, sehr ungeduldig. m 9 War denn der alte Matthias nicht im Garten? Er hatte die Hecken hinten beim Hause beschneiden wollen. Aber dann hätte er das Signal gehört. Wahrscheinlich war er wieder ins Gasthaus hin- übergeschlüpst, weil er wußte, daß Onkel heute doch nicht vor Abend zurückkam. Monika warf das Buch auf den Tisch und verließ das Haus. Ein prachtvoller Tourenwagen. Ein livrierter Chauffeur stand schon bereit, beim Füllen zu helfen. „Dreißig Liter", sagte eine Gestalt, die vorn saß. Man konnte nicht gleich erkennen, ob es ein Mann ober eine Frau war. Eine mächtige Haube und eine breite Brille verdeckten das Gesicht fast gänzlich, und die Stimme war tief und kurz angebunden Es war aber doch eine Frau, denn jetzt öffnete sie den Schlag und stieg selbst heraus Sie sah komisch genug aus in dem unförmigen Ledermantel — kurz und breit wie sie war. Und jetzt nahm sie die Brille ab und musterte Monika ™ oben bis unten. , . Können Sie denn das überhaupt? fragte Monika lachte nur, statt einer Antwort. „Wie weit ist es bis Karlsbad. Monika gab Bescheid, sie sah dabei fluchtig ihrer Arbeit auf und warf einen Blick in Innere des Wagens. In dem breiten Fond saß nur ein einziger junger Mann. Er hielt ein Buch in der Hand und machte eifrig Eintragungen. Er chien noch jung zu fein, obwohl sein Haar, das von einem rötlichen Braun war, schon etwas gelichtet schien. Jedenfalls war er eine Ausnahme. Monika war daran gewöhnt, von allen den Männern, die in ihren Autos an der Tankstelle vorbeikamen, be« wundernde Blicke zu ernten. Aber dieser bebrillte Mann kümmerte sich nicht im mindesten um seine Umgebung. Dafür tat cs die ältere Dame um so mehr. Sie betrachtete Monika noch immer und sagte: „Sie erinnern mich an jemanden! Ich muß Sie schon irgendwo gesehen haben: München, Wien, Berlin?" Monika schüttelte den Kopf. Und jetzt trat ein trauriger und sehnsüchtiger Zug in ihr Gesicht. „Ich bin seit meinem siebenten Jahre in Wunsiedel, und in all diesen Städten bin ich noch nie gewesen." Der alte Matthias, mit der Mütze in der Hand, trat schuldbewußt heran — aber seine kleinen, listigen Augen Winterten Monika zu. Ihr brauchte er nichts vorzumachen. Sie wußte, wo er gewesen war, und sie verriet ihn nicht. „Gute Reise!" sagte Monika und wandte sich dem Gartenhäuschen zu. Die alte Dame stieg in den Wagen, der Schlag siel zu, und nun erlebte Monika ihre kleine Genugtuung. Der kleine Ruck, mit dem das Auto anfuhr, schreckte den Insassen des Wagens von feiner Arbeit auf. Er sah Monika an, um im nächsten Augenblick zu schnell im Wagen hochzuspringen, daß er mit dem Kopfe an das Wagendach stieß und wieder zurückfiel. Und dann starrte er durch das Hintere Fenster des sich schnell entfernenden Wagens Monika an, mit offenem Munde und mit einem fo entgeisterten und, wie es Monika schien, so dummen Ausdruck, daß sie ihr Helles Auflachen nur gerade noch im 1 Gartenhäuschen verbergen konnte. Unterdessen saß Monikas einzige Freundin, die Frau des Bezirksarztes, bei Monikas Tante, der alten Frau von Rieders .... ... Beide Frauen, die alte und Die junge, hatten Handarbeiten, und so eifrig sie auch plauderten, die Arbeit ging ihnen mindestens ebenso schnell von Sie sind doch nur wenige Jahre älter als Monika" sagte Frau von Rieders, „und Sie sind ihre Freundin! Können Sie nicht Einfluß auf Monika ausüben?" . Die schmale, dunkelhaarige Lotte sah Frau von Rieders nachdenklich an. Ich finde Monika eigentlich ganz richtig, Frau von Rieders! Sie hat eben keine richtige Be- fchäftigung. Sie find fo eine gute Hausfrau, Monika kann sicher von Ihnen lernen; aber fönst machen Sie doch alles allein und am besten!" Um den verbitterten Mund der älteren Frau erschien ein befriedigtes Lächeln, das aber schnell wieder einem bekümmerten Ausdruck Platz machte. „Ich konnte schon Hilfe brauchen, aber Monika hat ja keinen Sinn dafür; wenn'sie mal doch Hand anlegt, bin ich froh, wenn nicht alles verkehrt ist." „Und dabei sagt mein Mann immer, Monika begreife fo schnell und mache alles eigentlich viel richtiger als ich selbst. Mochten Sie sie nicht doch Erich als Ordinationshilfe geben? Ich weiß, daß Monika es gern machte. Und sie hätte vielleicht einmal einen Beruf." „Nein — nein, liebe Frau Doktor! Monika beginnt alles gern, aber sie macht nichts zu Ende. Sie hat keinen richtigen Lebensernst. Und immer die Bücher... Nein, was eine richtige, tüchtige Frau werden soll, die steckt nicht den ganzen Tag in den Büchern, und macht erschreckte Augen, wenn man sie anspricht!" Lotte seufzte leise. Sie wußte, wie gespannt das Verhältnis Frau von Rieders' zu ihrer einzigen Nichte war. Sie hörte so oft Monikas Klagen mit an, die es in diesem freudlosen Haushalt kaum ertragen konnte. Es war ja wahr: Frau von Rieders hatte viel in ihrem Leben durchgemacht. Ihre Ehe mit dem viel älteren Rittmeister war kinderlos geblieben, und in den schweren Jahren der Inflation war das ganze Vermögen des pensionierten Rittmeisters weggefchmolzen. Damals hatte fein alter Diener den Gedanken mit der Tankstelle gehabt, und mit Feuereifer hatte er ihn verwirklicht. Später hatte es sich gezeigt, daß es ein wahrer Segen war. Denn die kleine Monika kam als vater- und mutterlose Waise ohne einen Pfennig zu ihren einzigen Verwandtem die ohne den Verdienst aus der Tankstelle gar nicht die Möglichkeit gehabt hätten, das Kind zu versorgen. Und es fehlte der kleinen Monika auch niemals an Pflege, an Kleidung und Nahrung. Aber was ihr fehlte, war ein wenig Wärme, ein wenig Liebe. Es war kein Wunder, daß Monika ruhelos war. Lotte dachte an ihr eigenes Leben, das immer von Liebe und Zärtlichkeit umhegt gewesen war. „Ach, wenn Monika nur etwas von Ihrer Art hätte...!" „Ich habe es viel besser gehabt als Monika. Sie sind gewiß gut zu Monika; aber Monika hat ihren Vater, den sie so liebte, früh verloren, und ihre Mutter nie gekannt. Und ich habe meine lieben Eltern noch und meinen Mann und meine kleine Annemarie." . „Ja, wenn Monika wenigstens ans Heiraten denken wollte! Aber sie erträgt es ja gar nicht, wenn man davon spricht." „Ja, sie ist eben dem Richtigen noch nicht begegnet." Frau von Rieders machte eine abwehrende Hand- beroegung. „Wir hätten schon mehr als einmal einen braven Mann für Monika gefunden." Lotte Hartenberg unterdrückte mühsam ein Lächeln. Sie wußte wohl davon, wen Monikas Pflegeeltern für Monika im Sinne gehabt hatten. Einen Gutsbesitzer aus der Umgebung, einen älteren Witwer mit drei Kindern, der Monikas Vater hätte fein können; einmal auch einen Kollegen des Rittmeisters, der Junggeselle war und zu Besuch bei Rieders geweilt hatte. „Sie waren doch auch nicht älter als Monika, als Sie heirateten, Lotte; und Doktor Hartenberg ist auch seine fünfzehn Jahre älter als Sie!" Lotte errötete. Es war, als hätte Frau von Rieders ihre Gedanken erraten. „Bei mir war es Bestimmung. Weniastens glaube ich fest daran, wo doch schon Erichs Pater bei meiner Geburt war. Und Mutter wünschte damals so sehr einen Jungen. Aber der Doktor nahm mich hoch und sagte: ,Schad't nichts, Mädchen müssen auch sein, das da wird mal eine prächtige Frau für meinen Erich!' Und Mutter hat mir das erzählt, als ich noch ein sehr kleines Mädchen war. Und ich weiß noch genau, einmal in der Schule — ich glaube, ich war damals neun Jahre alt — fragte die Lehrerin, was wir denn alle werden wollten. Da schrieb ich auf? ,Jch heirate den Erich vom Doktor und werde eine Hausfrau.' Und ich verstand gar nicht, warum die Mädels alle lachten. Denn mir roar's ganz ernst damit, obwohl der Erich damals schon auf der Universität war und mich gar nicht anschaute, wenn er auf Ferien da war und ich ihm in den Weg lief..." Sie ließ den Sweater finken, den sie für ihr Tochterlein strickte, und blickte, mit einem glücklichen Lächeln um den feinen Mund, einer schnellen Sommerwolke nach, die gerade am offenen Fenster vorbeisegelte. „Aber zum Schluß hat er halt doch eingesehen, daß ich die richtige Frau für ihn bin. Vielleicht hat er sich auch bloß nicht retten können vor mir, der arme Erich..." Sie brach schnell ab, denn sie wußte, daß die ernste Lebensauffassung der alten Frau keine sol- chen Scherze liebte. „Nun muß ich aber gehen. Mein Mann ist bei Schneider Sporke drüben. Hoffentlich wird es nun diesmal endlich ein Junge. Eigentlich hat er versprochen, daß er hier vorbeikommt. Wenn nur nichts passiert ist..." Die kleine Lotte war eine richtige Arztfrau. Sie liebte den Beruf ihres Mannes, sie half ihm, wo sie konnte, und die Patienten kannten alle die Frcm Doktor und strahlten vor Freude, wenn sie mit ihnen sprach, und wußte, wo es fehlte. (Fortsetzung folgt!) mal aufzurappeln und die faulen Knochen zusammenzureihen und zu zeigen, was du kannst treibst du ziellos in der Gegend herum. Weiht du, daß solche Menschen in unserem heutigen Deutschland und ganz besonders in den Reihen der HI. keinen Platz mehr haben!" „Jetzt übertreibst du wieder. Du weißt doch, dah ich etwas an meinem Fuß habe und aus diesem Grunde nicht mitmachen kann." „Ach so, der Fuß. Es ist doch gut, daß du dir vor einem Jahre einmal den Fuß vertreten hast. Das ist ja eine feine Ausrede. Als neulich ein Schutzmann hinter dir her war, da hab' ich von einem verstauchten Fuß weiß Gott nicht das geringste gemerkt. Da bist du gelaufen wie einer, der den Weltrekord im 100-Meter-Lauf gewinnen will." „Und dann kommt am Sonntag meine Tante zu Besuch!" „Menschenskind, nimm mir's nicht übel, daß ich einmal leise lache. Ausgerechnet deine Tante. Die liebe, gute, alte Tante kommt und du mußt hübsch zu Hause bleiben und der Tante gelehrte Vorträge halten. Deine Anhänglichkeit an deine Tante ist ja ganz lobenswert, aber in diesem Falle scheint sie doch etwas übertrieben. Ich glaube, deine Tante würde sich sehr freuen, wenn du sie mit auf den Sportplatz nehmen würdest und ihr zeigtest, wie du deine Kameraden alle hinter dir läßt. Das würde ihr sicherlich mehr imponieren, und ich glaube, sie würde dir noch eine Mark obendrein schenken. „Recht hast du ja, aber ..." „Kein aber! Bei uns wird nicht lange gefeilscht, das hast du doch sicherlich schon gelernt. Und gezögert wird erst recht nicht. Du machst am kommenden Sonntag mit, da gibt es nichts zu bedenken. Bei einem solchen Sportfest, wie wir das_ am Sonntag veranstalten, darf kein Angehöriger der Hitler-Jugend fehlen. Jeder hat zu erscheinen und mitzumachen. Das ist Ehrensache eines jeden Hitler-Jungen." „Also gut, ich werde mitmachen. Du kannst dich darauf verlassen. Wir wollen doch mal sehen, ob unsere Knochen noch elastisch sind. Am Sonntag sehen wir uns dann wieder ..." K u m a r e. Wiedersehensfeier ehem. 118er in Wonns. Das große Treffen unter dem Schirmherrn Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger steht vor der Tür. Kommenden Samstag und Sonntag, 24. und 25. August, werden die alten Kameraden des gelben Regiments in Worms erwartet. Der Festausschuß des Verbandes ehem. 118er hat es an nichts fehlen lassen, um die Kameraden in würdiger, froher Weise zu unterhalten. Von den Veranstaltungen seien erwähnt: Samstag, 2 4. August: Nachmittags Kranzniederlegungen, Derbands-Führerschaftssitzung; um 20 Uhr: Großer Kameradschaftsabend im Festhaus. Ansprachen: Begrüßung, Kamerad Hisgen, Der- bandsführer; Festrede, Kamerad Freund (Mainz); Darbietungen verschiedener Art, u. a. Aufführung „Vaterländisches Feierspiel", verfaßt von Kamerad Gröber (Worms), ferner Konzert und Tanz. Sonntag, 2 5. August: 9 Uhr: Morgenandacht auf dem Kasernenhof. Anschließend Marsch zum Ehrendenkmal. Daselbst 10 Uhr Gedächtnisfeier. Ansprachen: Hauptmann d. R. a. D. Schmoll und Kamerad Bohländer. 11 Uhr Treffen der Kameraden in den Standquartieren. 11.15 Uhr Besprechung der Offizier-Vereinigung. 14 Uhr General-Appell auf dem Kasernenhof. Ansprachen: Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, Molzan, ehem. Reg.-Adj. Res.-JR. 118. Anschließend Marsch durch die Stadt zum Festhaus. Daselbst nachmittags und abends: Große Militärkonzerte usw. Nicht nur die Wormser 118er erwarten ihre Kameraden, auch die ganze Wormser Bürgerschaft, von jeher mit dem Regiment verwachsen, wird eingedenk der ruhmreichen Kriegstaten des Regiments und seiner Feldformationen alles aufbieten, den Empfang seiner alten Soldaten auf das herzlichste zu gestalten. Die Reichsbahn gibt im Umkreis von 150 Kilometer Sonntagsrückfahrkarten aus, gültig von Freitag nachts 24 Uhr bis Montaa nachts 24 Uhr. Freiquartier-Anfragen an Kamerad Wilh. Selbst, Worms, Gaustraße 22. Alle übrigen Auskünfte erteilt Kamerad Schnegelsberg, Worms, Jahnstraße 1. Auskunfts-, Empfangs- und Wohnungsausschuß ab Samstag, 24. August, von 13 Uhr und Sonntag ab 7 Uhr früh im Hauptbahnhof (Fürstenzimmer, Bahnsteig 1). Daselbst Eintrittskarten, Abzeichen und Festschrift. Das Regiment 118 stellte folgende Feldformativ- nen auf: Res.-JR. 118, 224 und 254, II. ML 88 und II. Batl. 221, Landw.-JR. 118, Landsturm-Batl. XVIII, 18 und 29, 2lrm.-Batl 87, 198 und 188, I und 88. Ers.-Batl. 118, Landst.-Ersatz-Batl. XV III 39 und 43, Brig.-Ers.-Batl.59, Masch.-Gew-Komp Scharfschützen-A'bt. 55 und 59, Mmenwerfer und Bergkompanie 118. Gießener Vochenmarktpreife. * G i e ß e n, 22. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis Mark Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stuck 5 bis 10, Eier (inländische) 11 bis 12, Wirsing, das Pfund 15 bis 20 WEraut 10 bis 12, Rotkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (arün) 15 bis 20, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 25 bis 35 Tomaten 15 bis 25, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln 5 bis 6 Pf., der Zentner 4 bis 4,50 Mark, Frühäpfel, das Pfund 20 bis 50 Pf., Falläpfel 6 bis 8, Pfirsiche 45 bis 50, Brombeeren 45, Preiselbeeren 45, Birnen 15 bis 40, Pflaumen 13 bis 20, Zwetfchen 18 bis 25, Mirabellen 30, Renekloden 25 bis 30, junge Hähne 80 bis 90, Suppenhühner 70 bis 80, Blumenkohl, das Stück 10 bis 70, Salat 5 bis 12, Salatgurken 5 bis 25, Einmachgurken 1 bis 5, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5, Rettich 5 bis 20, Suppengrünes 8 bis 10, Radieschen, das Bündel 8 bis 15 Pf. Vornotizen. — Tageskalender für Donnerstag: NSG. „Kraft durch Freude", 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr nur für Frauen Fröhliche Gymnastik und Spiele, Lyzeum, Dammstraße; 16 bis 18 Uhr, Allgemeine Körperschule auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg; 18.30 bis 20 Uhr Prüfung für das Sportabzeichen auf dem Unioersitätssportplatz am Kugelberg. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Herr Senator". — Verein der Einzelhändler zu Gießen, 20.30 Uhr, im Kaufmännischen Vereinshaus, außerordentliche Generalversammlung. — Die Baugenossenschaft1894 hält am Samstag, 31. August, im „Aquarium" eine ordentliche Hauptversammlung ab. Die Mitglieder seien auf die gestrige Anzeige der Genossenschaft besonders hingewiesen. ** Eine Fünfundsiebzigjährige. Am morgigen Freitag, 23. August, kann die Witwe Frau Karl Fach, Wetzlarer Weg 63, in geistiger und körperlicher Frische ihren 75. Geburtstag begehen. Die Jubilarin, die ihre Umgebung immer wieder durch ihr unterhaltsames Wesen erfreut, nimmt an allen Geschehnissen unserer Zeit noch regen Anteil. Frau Fach ist seit über 50 Jahren treue Leserin des Gießener Anzeigers. ** Die Berufsberatungs-Sprechstun- den imArbeitsamt Gießen fallen am kommenden Montag und Mittwoch, 26. und 28. August, aus. ** Straßensperre Sich — Langsdorf. Wegen Ausführung von Straßenbauarbeiten wird die Landstraße Lich—Langsdorf vom 26. August ab für jeden Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt von Lich über Nieder-Bessingen nach Langsdorf, von Hungen über Bettenhausen —Muschenheim — Hof- Gill nach Lich. ** Aufgehobene Straßensperren. Dom 26. August ab wird die Straßensperre auf der Provinzialftraße Langsdorf—Hungen wieder aufgehoben. — Auf der Provinzialstraße Gießen— Mücke wirÄ die Sperre auf der Teilstrecke Reiskirchen—Abzweig Lehnheim, Kilometer 17,8 bis 25, vom heutigen 22. August ab aufgehoben. Die Umleitung des Verkehrs für den Nahverkehr erfolgt von heute erb über Weickartshain oder Atzenhain. Für den Fernverkehr bleibt die Umleitung bestehen. ** Eine Schweinezwischenzählung findet am 4. September statt. Die Zählung, mit deren Durchführung die Bürgermeistereien beauftragt sind, ist mit einer Ermittlung der beschau- pflichfigen Hausschlachtungen in der Zeit vom 1. Juni bis 31. August 1935 und einer Ermittlung von Kälbergeburten in den Monaten Juni bis August 1935 verbunden. ** Richtige Anschriften im Auslandpostverkehr. Die Pressestelle des Reichspostministeriums teilt mit: Der Postverwaltung der Union der Sozialistischen Sowjet-Republiken gehen häufig Postsendungen mit Ortsangaben wie Pe- trovgrad, Moskov, Petersburg usw., die nach gleichnamigen Orten in andern Ländern, z. B. in Amerika, bestimmt sind, unrichtig zu, weil vom Absender das Bestimmungsland nicht bezeichnet ist. Es empfiehlt sich stets, bei Sendungen nach dem Ausland in der Aufschrift das Bestimmungsland anzugeben. Unbedingt notwendig ist dies bei Sendungen nach Orten, deren Namen öfter vorkommen. Führerwechfel im GS.« Abschnitt XXX. LPD. Frankfurt a. M., 21. Aug. In derFüh. rung des SS.-Abschnitts XXX, der die SS.- Standarten 2 (Frankfurt), 35 (Kassel) und 83 Gießen) umfaßt, ist ein Wechsel eingetreten. SS.. Oberführer Konrad Unger- Kassel, der bisher dem Abschnitt XXX vorstand, übernimmt auf Befehl des Reichsführers der SS. den SS.- Abschnitt XXIV in Oppeln. Zum Führer des Abschnitts XXX wurde der bisherige Führer der Standarte 57 (Schleusingen), SS.-Standartenführer Karl Lud» w i g besohlen. Allerlei Diebstähle. Bericht der Kriminalpolizeistelle Giehen. Gestohlene Fahrräder. a) Herrenräder. Marke „NSU.", Fabrik- Nr. 655 762; Marke „Phänomen", Nr. 160 956; Marke „Wanderer-Continental", Nr. 536 623; Marke „Presto", Nr. 581 790; Marke „Westfalenstolz", Nr. 202118; Marke „Viktoria", Nr. 1053 252; Marke „Presto", Nr. 548 520; Marke „Opelblitz", Nr. unbekannt; Marke „Sigmar", Nr. unbekannt; Marke „Miele", Nr. unbekannt, Marke „B. G. C.", Nr. unbekannt. b) Damenräder. Marke „Westfalen", Nr. 1265 320; Marke „Opollo", Nr. 882 011; Marke „Adler", Nr. 993 340; Marke „Anker", Nr. 240 639; Marke „Goldrad", Nr. 1280; Marke „W.K. C.", Nr. unbekannt. Sichergestellt wurden folgende Fahrräder: Herrenräder. Marke „Naxos", altes Rad mit Karbidlaterne, zwei ältere Fahrräder ohne Markenbezeichnung. Ein älteres Damenrad Marke „Adler". Eigentümer gesucht. Bei der Kriminalpolizeistelle Gießen sind folgende Gegenstände, die aus Diebstählen herrühren, sichergestellt: Ein komplettes Autoersatzrad von einem 1,2 Liter Opelkraftwagen. Eine elektrische Fahrradlampe, die am 5. Juni 1935 an der Lie- bigshöhe entwendet wurde. Eine Aktenmappe mit drei Ampullen Medizin und einer Spritze, die aus einem DKW.-Kraftwagen, der während der Durchfahrt hier in einem Hotel aufgestellt war, entwendet wurde. Eine Mappe mit Werkzeugen, die an einem Kraftrad entwendet wurde. Eine Lichtmaschine, Marke „Marell-Milano". Eine vermutlich aus der Müllerfchen Badeanstalt entwendete kleine silberne Damenuhr. Eine Autobrille, eine Kopfhaube, ein Roller, Marke „Steiff", mehrere Werkzeuge, die aus Werkzeugtaschen an Krafträdern entwendet worden sirck). Einbruchsdiebstähle. In der Nacht vom 11. zum 12. August wurden aus dem Keller eines Gießener Lebensmittelgeschäftes durch Einbruch folgende Gegenstände ent- wendet: Sechs Flaschen Obstsekt, eine Büchse Lachs, drei kleine Flaschen Weinbrand. In der gleichen Nacht wurde in einem Wasserhäuschen eingebrochen und folgende Gegenstände gestohlen: 280 Zigaretten, Marke „Güldenring", 250 Zigaretten, Marke „R 6", 30 Zigaretten, Marke „Overstolz", etwa 30 Zigaretten, Marke „Attikah", 92 Zigarren, Marke „Das sind Sächelcher", 40 Zigarren, Marke „Rekord", 30 Zigarren, Marke „B. W.", etwa 15 Tafeln Schokolade, Marke „Sarotti", „Waldbaur", „Mauxion" und „Galapeter". Aus einem Garten wurde eine fast neue Flügelpumpe, Größe 2, entwendet. Einbruchsversuch. Am 2. August wurde in einem Hause in der Stephanstraße in Gießen ein Einbruchsversuch begangen. Der Täter versuchte die Vorplatztüre mit einem Nachschlüssel zu öffnen, wobei der Schlüssel» bart abbrach und im Schloß steckenblieb. Verlorene Gegenstände. Am 7. Juli wurde auf dem Wege Frankfurter Straße — Hindenburgwall bis zum Stadttheater eine Doubl6armbanduhr mit einem Doublöglieder» armbanb verloren. Personen, die sachdienliche Angaben machen können, wollen diese der Kriminalpolizeistelle mitteilen. Die Deutsche Arbeitsfront. Ausschneiden und aufbewahren! Vordfeefahrt mit Dampfer „Der Deutsche" vom 31. August bis 8. September. Nachdem bei den letzten beiden Seefahrten wegen zu starker Anmeldung nicht alle Interessenten berücksichtigt werden konnten, wurde jetzt noch eine Urlaubsfahrt nach der Nordsee mit Dampfer „Der Deutsche" eingelegt. Die Fahrt geht über Bremerhaven. Die Kosten betragen, wie bisher, 59,50 Mk. Urlaubszug 3tr. 42/35 vom 24. August bis 1. September 1935 nach der Kieler Bucht. Bei der geringen Teilnehmerzahl ist es nicht möglich, diese Fahrt durchzuführen. Wir bitten die gemeldeten Teilnehmer, sich für einen anderen Urlaubszug zu entscheiden. Der Zug 47/35 Kieler Bucht wird bestimmt gefahren. Sonderzug an den Rhein am 15. September. Wir veranstalten am Sonntag, 15. September, die letzte Rheinfahrt. Die Fahrt geht ab Gießen mit dem Zug nach Mainz-Kastel, von Mainz-Kastel mit dem Dampfer nach Rüdesheim. In Rüdesheim wird den Teilnehmern Gelegenheit zur Besichtigung der Stadt geboten. Von Rüdesheim geht die Fahrt mit dem Dampfer weiter nach Koblenz. Die Rückfahrt geht ab Koblenz mit dem Sonderzug nach Gießen. Der Fahrpreis beträgt einschließlich Mit» tagesien 5,50 Mark. Anmeldeschluß 1. September. Urlaubszug Nordsee uom 24. August bis 1. September. Fahrkarten zu dieser Fahrt können in den Dienststunden auf dem Büro, Schanzenstraße 18 II, Zimmer 8, abgeholt werden. Die Fahrt geht ab Gießen 23.20 Uhr. Achtung, Abfahrt der Omnibusse an die Edertalsperre (Waldeck) am Sonntag, 25. August. Die Abfahrt geht vom Hauptbahnhofsplatz Gie» ßen Sonntag, 25. August, morgens 7 Uhr. Als Fahrkarte gilt die von der Geschästsstelle erhaltene Quittung. Bunter Abend mit Willy Reichert am 24. August in der Volkshalle in Gießen. Für den Bunten Abend mit Willy Reichert in der Dolkshalle sind Karten im Vorverkauf zu haben bei Oberhessische Tageszeitung, Schokoladenhaus Huntemann, Seltersweg; Musikhaus Challier; Orts» Mitten im Leben... Von Johan Luzian. Eine Schlange wollte uns narren, wollte die schöne Welt uns "erberben, im Schilf, zwischen den buttergelben Teichrosenkrönlein, ben strahlenbweihen Nymphaeen mit Dem golbenen Dotter. Sie hing geringelt um die Halmschläuche der Wasserblumen, ihr Schwanz schlug erregt gegen ein dürres Rohr vom vergangenen Jahre, das noch die braunen Wimpel wehen ließ über den raschelnden Blättern des jungen Schilfs. Wuchernd, strotzend, mannshoch, klaftertief wuchs es hinaus in die stille Bucht, Jahr um Jahr rückte es ein wenig weiter vor, als wolle es den ganzen See austrinken, den stahlblauen, mildgrünen See, um den die Wälder dunkeln. Die Natter hatte den schwarzgrünen Wasserfrosch an einem Hinterbein gepackt, ihr Zahn hatte ihn geschlagen, und nun zappelte das Fröschlein vor dem Nattermaul und quarrte, und fein Herz pochte unter der weißen Kehle, und seine Goldaugen flehten bas Schilf unb bie Rosen urtb bas Wasser unb den wolkenbetupften Himmel an, aber es half ihm nie» manb unb nichts. Die Natter ließ ihn sich mübe zappeln unb bann schluckte sie roieber ein wenig weiter an bem Fröschlein, bis es ihr munbgeredjt war, bis es in ihrem Rachen verschwinben konnte unb in bem schuppenbunklen, weiß unb schwarz am Bauche glitzernben Leib ein Klümpchen bilbete, ein immer geringeres Klümpchen, ein Nichts. Aber ba war bie Natter ängst fort, war ringelnb untergetaucht zwischen ben schwimmenben Blattinseln, auf benen Fliegen unb schimmernbe Libellen unb stumpfe verflogene Hummeln saßen, unb alles war roieber regungslos zwischen bem Schilf, auf bas bie Sonne brannte, unb in bem ber rasche, roanbernbe Winb sich vergnügte. Du hattest bie Augen voll Angst unb voll Mitleid unb hattest bas Ruber gehoben, um biese Natter zu treffen, bas Fröschlein zu retten. Doch ließest du alles geschehen und rührtest dich nicht, und wir beide sahen dem Tode des Fröschleins zu, unb erst als bie Schlange verschwunben war, sagtest bu: Komm, laß uns fort! ... Unb als wir weiter- ruberten: Rubere ein wenig schneller, bitte! ... Sieh einmal hier unter uns in bas Wasser, antwortete ich. Vielleicht kannst bu ben großen Hecht sehen, wie er den Weißfisch verschlingt. Oder den Zander, ber ben Barsch erjagt hat. Oder sieh einmal dort hinüber nach dem Lärchenwalb, siehst bu, bort rüttelt ein Falke, unb gleich stößt er hinab auf bas Mäuschen, bas aus bem Loche spitzt, ober sieh nur die Schwalben, wie sie blitzen in der Sonne und den Schnabel voll Insekten haben, ober vielleicht kannst bu auch ben Marber dort am Ufer erkennen, ber bie jungen Vögel erwürgt ... Ach, sieh bort bie Spinne, bie bitte, gestreifte, wie viele Blinbfliegen hat sie gefangen ... Ja, Liebe: Eines nährt bas erobere durch feinen Tod. Doch wollen wir uns bie chöne Welt mit ben schwarzen Fragen verbunkeln? Nein, nein! — Unb bu breitest bie braunen Arme weit aus, als wolltest bu ben Winb fangen, den frischen, wasserfrohen unb sagtest: Wir wollen sie lieben, bie Welt, wir wollen es lieben, bas Leben! — Unb nach einer Weile: Schließ einmal bie Augen ein wenig zu einem Spalt ... Jetzt ist alles nur Golb unb Grün unb Blau, ein roogenber Traum. Ja, so muß man die Erde sehen, jetzt in der hohen Zeit dieses Sommers. Wir glitten weiter am Schilfrand entlang, unb es lockte uns, noch einmal burch bie Binseninsel zu rubern, die Seerosenstille zu stören, die jungen Fische zu jagen, bie sich hier wärmten. Da fanben wir bas Nest des Haubentauchers, des scheuen Fischräubers. Er schwamm zwischen den blaugrünen Binsen auf einer kleinen Insel von Halmen, rund geflochten, mit Schlamm überspritzt, unb in dem Nest lagen drei hellbraune Eier. Der schöne Vogel aber forrte und köckerte nur eine Bootslänge von uns entfernt, er tauchte ein kurzes Stück zwischen den Halmen hin und her und kam immer wieder rund um das Nest hervor. Dabei schalt er mit einer hohlen, angstvollen Stimme, sein Dolkschnabel stand sperroffen, fein Kopf ruckte, die schönen kupferroten Federbüschel an ben Seiten waren wie Flämmlein im Dickicht des Schilfs. Wir aber sahen ber Angst, dem Entsetzen des Wasser- vogels zu, sahen die hübschen gebräunten Eier an unb fühlten uns versucht, sie in bie Hcrob zu nehmen unb ihre Wärme zu kosen ... Wir sahen gern, wie ber Vogel tauchte, immer von neuem tauchte, blitzschnell, unb roieberfam, immer an anberer Stelle, als wie wir geraten hatten: Da! Nein, bort! Hier! Es war nur ein Spiel für uns, ein zufallsgeschenktes Spiel in ber Stille, für ben Vogel aber war es die Todesangst um das Nest. Dann sagtest bu heiter unb satt von bem Spiel: Nun laß uns weiter! Unb später: Das Tierchen hatte eine Stimme, wie ein Mensch, der um Hilfe ruft ... Und wir tarnen uns sehr gütig vor, daß wir ihm nichts zuleide getan hatten, daß wir besserwarenalsdie Schlangen, die Hechte, die Falken und die Marder. Gegen Abend schallte ein Schuß in den Wäldern, weit von uns fort, und noch einmal ein Schuß. Das Echo ber Schüsse rollte von Ufer zu Ufer, rollte lange unb satt über ben See unb die Felder au ben Höhen bort drüben. Wir fuhren darauf zu unb stiegen an Lanb, gingen Arm in Arm bie blaugeteerte Lanbstrahe nach unserem Hause. Dort begegneten wir bem Jäger bes Grafen. Er trug ben Rehbock über ber Schulter. Durch die Fesseln des Tieres hatte er einen Schnitt gemacht, sie zusammengebunben unb sich bie braunschimmernde Last über bie Schulter gehängt neben seinem Gewehr. Der Jäger hat einen langen grauen Bart, der ihm in zwei schönen Spitzen über ber Brust bebt, wenn er lacht, unb er lacht gern, er steckt voller Scherze. Seine Augen blitzten über bas Glück bes Schusses, als er vorüberging, stolzen Gesichtes, ben schönen langen Bart voll Pfeifenrauch. Balb kommt bie Zeit der Entenjagd, dann wird er hinaufschießen in den dunkelnden Himmel, den Abendstern auf der Kimme, wird in den schaukelnden, rauschenden Flug der Tiere den Tod senden. Ja, er lebt gern und er tötet gern, der starke, fröhliche Jäger. steht im Baedeker .. " Ein Abgesandter ber Königin Viktoria von England erhielt eine Audienz bei Kaiser Wilhelm I. Er war zum erstenmal in Berlin und nützte die Tage vor der Audienz zur Betrachtung ber Reichshaupt- ftabt. Stets mit einem roten Baebecker bewaffnet, ging er umher unb kam auch schon manches Mal an bem Palais Unter ben Linden vorüber, das er bald betreten sollte. Sehr auffällig war ihm jeden Mittag nach zwölf Uhr die Ansammlung der Berliner vor diesem Palais, das für sie, wie er wohl wußte, eine Art Heiligtum war. Das Publikum wartete auf die Wackstparahe, eine Kompanie der Garde, welche die Faynen trug. Sobald sie sich mit klingendem Spiel dem historischen Eckfenster bes Palais näherte, erschien hinter ben Scheiben ber greife Monarch unb neigte bas Haupt, bas Generationen vertraut war. Dann kam der Mittag der Audienz. Das Herz chlug bem kühlen, würbevollen Briten, denn auch ein Leben erfüllte von je eine echte Verehrung bes chlichten Monarchen. Er würbe in das Arbeitszimmer des Kaisers geführt und sah nun das historische Eckfenster von der anderen Seite. Wilhelm I., im blauen Preußenrock mit roten Aufschlägen, erhob sich vom Schreibtisch unb reichte bem Abgesanbten feiner „hohen Schwester" bie Hanb. Dor diesem menschlichen Fürsten schwand jede Scheu, man saß sich gegenüber, es gab eine ziemlich lange Unterhaltung. Doch Minister M. glaubte allmählich eine gewisse Unruhe bei bem hohen Herrn zu bemerken. Er fragte sich beklommen, ob er bie Besuchszeit zu lange ausgebehnt hätte. Aber es war ja nicht an ihm, sie abzubrechen — er jnufjjte ben Wink des Kaisers erwarten. Währenb er noch überlegte, würbe es ihm nur halb bewußt, baß braußen Unter ben Linben Militärmusik herannahte. Zugleich wurde ein eigentümliches Summen, das nur von einer großen, erwartungsvollen Menschenmenge herrühren konnte, vernehmlich. Als der Hohenfriedberger Marsch nahe- aekommen, erhob sich plötzlich der Urgroßneffe des Alten Fritz. Mister M. schnellte vom Stuhl auf. Doch der alte Kaiser sagte lächelnd: „Bleiben Sie ruhig sitzen und entschuldigen Sie mich eine Minute. Die Wachtparade kommt. Da muß ich ans Fenster treten. Es steht im Baedeker." H. Zeitschriften — Die „Süddeutschen Monatshefte" haben ihr Augustheft der Jugend Europas gewidmet. Hervorragende Sachkenner führen uns ben Entwicklungsstand der außerdeutschen europäischen Jugend unter politischen, moralischen unb seelischen Gesichtspunkten vor. Graf Paul Toggenburg zeigt bie junge französische Generation, wie sie in einem bürgerlich-konservativen ßanbe bisher jeder Entscheidung fern herangewachsen, ben noch unklar sich abzeichnenden Weg zur eigenen Verantwortung sucht. Aehnlich unübersichtlich unb langfam bahnt sich in Englanb bie Erneuerung an. Was Klaus Mehnert in Moskau aus ber oben Gleichmacherei des russischen Bolschewismus an aufbauwilligen Kräften heranreifen sieht, mag in gewissem Sinne hoffnungsvoller stimmen, als weniger Eingeweihte zunächst zu vermuten geneigt sein bürsten. In Polen wie in der Tschechoslowakei ist die gegenwärtige Jugend der älteren Generation hinsichtlich der Staatwerdung verpflichtet. Egon Heymann unterwirft die neuen Generationen in Jugoslawien, Bulgarien und Rumänien einer zusammenfassenden Beleuchtung. Ueberall macht sich hier bas Streben nach autoritären Staatsformen geltend. Die italienische Jugenb empfängt ihre staatliche Prägung schon jahrelang in bekannter Weife. Was im Hinblick auf ben abessinischen Konflikt an neuen Momenten zutage tritt, ist vielbeutig genug. Der Einblick in die Seelenhaltung der kommenden Gene» ration zeigt uns bie ganze Vielseitigkeit und nationale Gegensätzlichkeit unseres einzigartigen Erdteils. Unb doch schließen schon die beiben Begriffe „Jugend" unb „neues Werden" eine so weitgehende Gemeinschaft in sich, daß wir in der Hoffnung leben dürfen, ein neues europäisches Geschlecht Hand in Hand mit Deutschlands werdender Generation einer besseren Zukunft entgegenschreiten zu sehen. Obecheffen aus. Kreis Friedberg. Aus dem Rheln-Main-Gebiet weise noch erheblich höher. Schon heule zeigt es sich, daß im kommenden Jahre weitere Flugkurse auf den Hauptverbindungen geschaffen und größere Flugzeuge eingesetzt werden müssen, um der sehr starken Plahnachfrage stets voll genügen zu können. LPD. Friedberg, 21. August. Der Motorradfahrer Weber aus Offenbach wurde in N i e d e r - F l o r st a d t auf der Straße von einem Unwohlsein befallen. Der sofort herbe.geruiene Arzt konnte nur noch den bereits durch Herzschlag eingetretenen Tod feststellen. Bergrutsch bei Büdingen. * Büdingen , 21. August. In dem Steinbruch der Firma G ö ck e l hatte man in wochenlanger Arbeit auf 10 Meter Länge und 11 Meter Breite durch Unterminieren einer mächtigen Sand st einwand im Ausmaß von etwa 5000 Kubikmeter die Loslösung dieser gewaltigen Gesteinsmasse vorbereitet, um ihre Verarbeitung zu erleichtern. Am Sonntagabend kam nun die gewaltige Steinmasse in einem etwa 5 0 Meter hohen Bergrutsch ins Gleiten, wobei eine Gesteinsmasse im Gewicht von schätzungsweise 200 000 Zentnern die Bergwand herab auf die Sohle des Steinbruches rutschte. Den zufälligen Augenzeugen dieses Bergrutsches bot sich ein wundervolles Schauspiel dar. Landkreis Gießen. z. Großen-Linden, 21.Aug. Der älteste Einwohner von Großen-Linden, der Landwirt Phil. P e p p l e r IV., Frankfurter Straße, ist heute nach einem arbeitsamen Leben im 91. Lebensjahre verstorben. Es lebt nun von diesem Jahrgang in unserem Orte nur noch eine Frau, nämlich Katharine Wagner Ww., Frankfurter Straße, die sich noch eines verhältnismäßig rüstigen Daseins erfreut. ~ CO Allendorf a. d. Lahn, 22. August. Gestern abend fand in der Wirtschaft „Zur Linde" die Vorführung des Films der Gaufilmstelle der NSDAP. „Ich für dich und du für mich" statt; dazu wurde noch ein Beifilm aus Danzig gezeigt. Die Darbietungen fanden allgemein starken Anklang. Zum Schlüsse wurde em „Sieg- heil!" auf den Führer ausgebracht. ch Lauter, 21. August. Gestern konnte Frau Elisabeth R e i d t in voller körperlicher und geistiger Frische ihren 79. Geburtstag feiern. Der Ehemann konnte im vorigen Monat aus fern 81. Lebensjahr zurückblicken. Im Jahre 1928 war es dem Ehepaar vergönnt, das Fest der Goldenen Hochzeit zu feiern. Beide Ehegatten sind noch rüstig und helfen noch bet der Feldarbeit. Der Ehemann übt noch täglich sein Wagnerhandwerk Waid und Schule Von Forstassessor A. Wilckens. kreisen. Eia weiteres Mitglied der Bande war sogar eine Zeitlang der Anführer des Berliner Unterweltktubs „Oleander". Die Banditen gingen meistens so zu Werke, daß sie sich zunächst ein möglichst harmloses und gut fundiertes Opfer aussuchten, dem sie dann einen „todsicheren" Tip gaben, bei dem das Opfer selbstverständlich, da es sich ja hier um Betrug handelte, sein Geld einbüßte. Konnte man den Betroffenen nun nicht mehr dazu bewegen, nochmals einen Tip zu kaufen, so mußte ein anderes Mitglied des Bande in Aktion treten, das den Vorgänger als „Schwindler" bezeichnete und selbst seine „unfehlbaren Tips" an den Mann zu bringen suchte^ Dabei wurden keine Mittel gescheut. Selbstverständlich kamen nun die Betrogenen in immer größere Schulden, so daß sie den einzigen Aus, weg in Unterschlagungen sahen. Man ging sogar so weit, daß man sich einzelne Opfer untereinander gegen entsprechende Zahlung überließ. Für einzelne Tips mußten bis zu 1500 Mark gezahlt werden. In der Auswahl ihrer Methoden waren die Betrüger nicht gerade wählerisch. Man fälschte Briefe, Telegramme und arbeitete eng mit französischen „Freunden" zusammen. Als eines Tages eines der Opfer das Telegramm mit dem Tip des Fachmanns sehen wollte, wußte man sich auch hier zu helfen, indem man ihm erklärte, daß dann der Gewinn in Frage gestellt sei- 2Han dürfe einen Tip feinem Fremden zeigen, denn das bringe Unglück. Auf diese und andere Weise wiegte man die Betrogenen immer wieder in Sicherheit und brachte es sogar fertig, daß man ihnen einfach größere Betrage mit der Bestimmung überließ, das Geld in Wetten anzulegen. Die größe Aktion der Polizei ist jedenfalls noch nicht ganz abgeschlossen. Ueberall setzt aber nun ein regelrechtes Kesseltreiben gegen derartige Elemente ein, so daß es hoffentlich recht bald gelingt, all diesen Gaunern das Handwerk zu legen. Starker Anstieg -es Flugverkehrs im Rhein-Main-Gebiet. Verstärkter Flugverkehr zur Leipziger Meffe.-Oie Lufthansa auf der Rhein« Mainischen Wirtschastsschau. gruppe der NSDAP. Gießen-Nord, Walltorstraße; Kreisdienststelle der NS.-G. „Kraft durch Freude", Schanzenstraße 181, Zimmer 8; allen Geschäftsstellen der DAF.-Ortsgruppen. Winzerfest am 31. August, 1. und 2. September in der Gießener Volkshalle. An diesen Tagen findet das diesjährige Winzerfest statt, das voriges Jahr so großen Beifall gefunden hat. Jetzt ist noch der Montag hmzugenom- men worden, um dem Fest den richtigen Ausklang zu geben. Namhafte rheinische Künstler werden für Stimmung und Unterhaltung sorgen. Sportkurse „Kraft durch Freude". Achtung! heute Prüfung für das Reichssporlabzeichen! Am heutigen Donnerstag findet um 18.15 Uhr auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg die Prüfung für das Reichssportabzeichen statt. Alle Inhaber der KdF.-Jahressportkarte können daran teilnehmen. Das Schwimmen für das Reichsfport- abzeichen wird am Samstag, 24. August, in der Müllerschen Badeanstalt abgenommen. Treffpunkt um 17 Uhr am Sprungturm. Zu den Prüfungen sind die Jahressportkarte und das Leistungsbuch mit eingeklebtem Lichtbild mitzubringen. Volksgenossen, die nicht im Besitze der KdF.-Jahressportkarte sind, können nicht zur Abnahme zugelassen werden. Gan; besonders gilt dies für die Vlihftrecke Frankfurt—Berlin, die ständig voll belegt ist. Kein Wunder, wenn man bedenkt, daß die Blitzflugzeuge den Frankfurter Geschäftsmann in 100 Minuten nach Berlin tragen, wo er bereits um 8.45 Uhr, d. h. rechtzeitig zu Geschäftsbeginn, eintrifft. Eine ähnlich schnelle Frühverbindung wird voraussichtlich im kommenden Sommer auch nach Hannover, Hamburg und Bremen neben der schon bestehenden Nachmittagsstrecke geschaffen werden. Während der Dauer der Leipziger Herbstmesse wird die Lufthansa den Flugdienst zwischen Frankfurt und Leipzig bei Bedarf verstärken, so daß man werktäglich dreimal in etwa 1% Stunden > nach Leipzig fliegen kann. Messebesucher erhalten eine Sonderermäßigung von 10 v. h.; auch auf die allgemein schon um 20 o. h. verbilligten Rückflugscheine. Lin Flug zur Leipziger Wesse und zurück kostet demnach nur 56,70 Reichsmark. Als bedeutendes Glied des Verkehrswesens im Rhein-Main - Gebiet wird die Deutsche Lufthansa auch auf der großen Wirtschaftsausstellung vertreten sein. Im Haus der Technik zeigt sie Großmodelle der bekannten Verkehrsflugzeuge Junkers Ju 52 und G 38, sowie ein Modell des schwimmenden Flugstützpunktes „Westfalen". Einen besonderen Anziehungspunkt ihres Ausstellungsstandes dürfte der vollständig ausgerüstete Führerstand eines drei- motorigen Großflugzeuges Junkers Ju52 bilden. In den Wald treibt es die Menschen wie zu einer ewigen Pilgerfahrt, und es ist besonders die Jugend, die sich immer wieder zu Wald und Wasser hingezogen fühlt. Ist es dann nicht seltsam, daß man dieser Jugend in den Schulen so selten etwas gesagt hat über den Wald, woher er kommt, wie er entsteht, was er bedeutet? Es wird wohl Heimatkunde-Unterricht getrieben und es werden dabei die Namen von Städten, Seen, Flüssen gepaukt, Denkmäler genannt und Zahlen auswendig gelernt, aber von solchen Fragen über den Wald, die der Jugend viel näher liegen, hören sie häufig nicht viel. Ist es denn gar so wichtig, vom Walde etwas zu wissen? Sicherlich, denn von da aus, wohin es die Jugend gefühlsmäßig am meisten zieht, soll man beginnen, ihr die Augen für die Heimat zu öffnen, um damit Heimat- und Vaterlandsliebe zu erwecken. Ein schöner und dankbarer Aufgabenkreis für die Schule. Und gehen wir besonders aufs Dorf. Denn hier wird die Schule auch von Söhnen der Besitzer kleinerer landwirtschaftlicher Betriebe besucht, die später mit Antritt des väterlichen Erbes auch oft einen kleinen Waldbesitz übernehmen. Ist aber das Verständnis für die Waldwirtschaft bereits auf der Schulbank allgemein wachgerufen, so wird auch später der Forstbetrieb nicht vernachlässigt. Wird den Schülern in der Schule anschaulich dargestellt, daß das Holz als Erzeugnis des Waldes immer der uralte Begleiter menschlicher Siedlung gewesen ist, daß die Erhaltung des Waldes als wertvolles Kulturgut unlösbar mit der Derwer - tung d e s Holzes als Werk- und Bau- st o f f verbunden ist, dann wird jeder Waldbesitzer und Bauer nicht nur sein Holz au schlagen, sondern auch zu pflegen verstehen und bestrebt sein, statt Eisen und Eisenbeton möglichst viel Holz im eigenen Betriebe zu verwerten. Nun setze sich der Lehrer beileibe nicht hin, um mit großem Eifer Forstwirtschaft aus Büchern zu pauken. Er halte mit einem Förster gute Freundschaft, lasse sich von ihm erzählen unt) Überträge das bann in die Bildersprache für feine Kinder Er ziehe mit seiner Schuljugend hinaus in den Wald und gebe dort feinen kleinen aufmerksamen Zwölfköpfige Betrügerbande verhaftet Guter Fang der Frankfurter Kriminalpolizei. — Oer „sichere Typ" bei Pferderennen. — Ein polnischer Jude als Anführer. Hörem ein anschauliches Bild von dem Wachsen und Werden der Wälder. Er zeige, wie der Forstmann erziehend in die Bestände eingreifen und die schlechteren Stämme zugunsten des wertvollen Materials herausnehmen muß. Es wird auch hier nicht auf Masse, sondern auf Hochwertigkeit gezüchtet. Auf die großen Schäden, die dem Wald durch Streunutzung erwachsen, weise der Lehrer an Hand von Beispielen hin und im Zusammenhang damit wird der Kreislauf der Nährstoffe erläutert. Der F o r ft- schütz finde eine besondere Würdigung. Die großen Raupenplagen, die schon ganze Wälder vernichtet haben, werden anschaulich vargestellt und besonders der Vogelschutz und die Bedeutung der Vogelwelt für die Vertilgung forstschädlicher Insekten • besprochen. Wenn die Kinder wissen, daß ein Meisenpaar mit Jungen . jährlich IV- Zentner Schädlinge vertilgt, so zollen sie diesen kleinen Tierchen besondere Hochachtung. Jeder Schüler erkennt damit, daß die Zerstörung von Vogelnestern, das Ausnehmen der Eier, großer Unfug ist, eine Schädigung des Waldes bedeutet und das ganze Landschaftsbild gefährdet. Und hier macht der Lehrer ebenfalls darauf aufmerksam, daß au ch die Waldameisen als besondere Beschützer des Waldes gelten, da auch sie ungeheure Mengen von Raupen und sonstigen frostschädlichen Insekten vertilgen und ganze Bestände verschiedentlich schon vom Kahlfraß verschonen konnten. Daß es daher eine frevelhafte Angewohnheit ist, die Ameisennester willkürlich zu zerstören, wird den Schülern hierdurch eindringlich klargemacht. Die W a l d - brandgefahr kann den Schülern als ein fö furchtbares und grausames Ereignis für alles Waldgetier und auch für die am Wald gelegenen menschlichen Siedlungen hingestellt werden, daß diese Erzählungen für immer im Gedächtnis der aufmerksamen Zuhörer haften bleiben und allzeit ihre praktische Wirkung tun. So lernen die Kinder beobachten, die Natu» sehen, und sie gewinnen lebendige Eindrücke voh dem großen Leben und Treiben in der Tier- und Pflanzenwelt. Sie sehen die Heimat mit verstände nisvollen Augen und heimatfrohen Herzen. Sis lernen ihr Vaterland fiebert* Tausende Frankfurter erleben täglich ! das Sowjet Paradies. Daß es kein Paradies ist, wissen wir alle! Wie geradezu trostlos es aber in diesem Paradies mit der Befriedigung auch nur der allernotwendigsten Lebensbedürfnisse bestellt ist, wie dort ^nber^- taulende dem Hungertod verfallen, das hat man alles durch in- und ausländische Zeitungen dutzende Male erfahren können. _ ... Am unmittelbarsten und am erschütterndsten stellen jedoch die unzähligen B r i e f e berm oie- fem Parabies schmachtenben Deutsch-Russen em Bilb ber bärtigen Zustänbe vor Augen. Ohne jebe p r o o aa an b i ft i f d) tJ A u t - machung liegen schllchtund einsach, f in ungelenken Schriftzügen, wie bie Menschen dieser Erbe selbst, ihre Briefe an deutsche Brüder im Inland jedem offen. Es find die wenigen, die durch die Zensur des bolschewistischen Systems hindurchgelangten. Diesi Briefe werden ergänzt durch ein ungemein reichhaltiges B 11 □ - m9a t e r i a i, das einen Ueberblick gewahrt über bie Entwicklung vorn bäuerlichen Wohlftanb ber vorbolschewistischen Zeit zu denl bekannten^ Zuständen, wie sie in ber Weltbegluckungszentrale heute &CßCe st" biefe Briefe! Seh t b i es e Bilb er! in her Ausstellung bes VDA., F r a n k ° f u r t a. M., Römerberg 11, Haus Lichtenstein. Eintritt freit Vorsicht bei Insektenstichen. LPD M ö r f e l b e n , 21. August. Immer wieder sorbert bie Nichtbeachtung von Insektenstichen Tobesopfer. So war ber Bauer Gg. Fr. Knodt hoi™ ftufterbolen von einem Insekt am Ä/Än worben. Er beachtete den Stich Nicht, und schon am nächster.Morgenkonnt- der Mann den Mond n.cht oufmachew Sofort n Krankenhaus überwiesen, ist ber Mann trog oe Kunst der A-rzte an -ing-treten-m W u N b^a r r- krampf gestorben, und zwar zwei -wocyen nachdem Tobe seiner Ehefrau . Iudenfreier Viehmarkt in Fulda. LRD ft u I b a 21. Aug. Nachbem ber letzte Dieh- moTber im Juli abgehaltenwurdeburchdas pro« vozierenbe Verhalten der jüdischen Viehhändler pofi zeilich aufgehoben worden war, hat die Kreis bauernschaft bie Durchführung bes nächsten Viehmarktes, ber am Donnerstag, bem 2 2. August, ftattfinbet, übernommen. Damit dürfte die Monopolstellung der fremdrassigen Elemente, die der Landwirtschaft große Schäden zugefügt hat, endgültig gebrochen sein. Tödlicher Sturz vom Erntewagen. LPD. Rennerod (Westerwald), 21. August. Auf bem Wege zwischen Westernohe unb Walb- mühlen kam ber 55 Jahre alte Schmiebemeister unb Lanbwirt Karl Zoth aus Westernohe auf tragische Weise ums Leben. Zoth war unterwegs auf bem mit Frucht hochbelabenen Wagen mit Nachbmben beschäftigt, als unversehens bas Seil riß unb er vom Wagen stürzte. Er erlitt schwere Kopfverletzungen unb einen Bruch ber Wirbelsäule unb war auf ber Stelle tot. Rundfunkprogramm. Freitag, 23. August. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Paus-: (7):, Sdtangabe Nach. Achten. 8.10: Gymnastik. 9: Fröhlicher Auftakt. 10.15: Allerlei luftige Weisen. 11.30: Sozialbienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus bem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14- Nachrichten. 14.15: Wirtschaftsbencht. 15.15: Für bie Frau. 16: Nachmittagskonzert 18: Freub unb Leib ber Nichtraucher, kleine Betrachtung. ,18.10: Praktische Lebensweisheit eines Asienreisenben, ber nicht vom Gelb abhängig ist. Der Schwebe T. Jllion erzählt. 18.30: Meier helmbrecht. Die Geschichte von bem Bauernsohn, ber ein Ritter werben wollte Von Heinrich Koch. 18.45: Das Leben spricht. 19: Unterhaltungskonzert. 19.40: Runbfunkausstellung rote noch nie Don Dr. Kurt Berenbt. 19.50: Morgen beginnt bie große Ausstellung: „Rhein-Mainische Wirt- schäft". 20: Nachrichten. 20.15: Stunbe ber Nation: Der Gott unb bie Bajadere". Indische Legende von Johann Wolfgang von Goethe. 20.45: „Sonniger Süden!" Ein buntes Unterhaltungskonzert des Rund- funkorchesters. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk), Sportbericht. 22.30: Ewiges Olympia. Don Professor Wold'emar Graf Uxkull-Gyllenband. 23: . Vom namenlosen Verleumder". Don Josef Magnus : Wehner (Wiederholung). 23.15: „Streiter wider den . Herenwahn". Zum 300. Todestag des Grafen Fnedr. , von Spee. 24 bis 2: Nachtmusik. LPD. Frankfurt a. M., 21. Aug. Nach monatelangen, mühevollen Ermittelungen gelang es der Frankfurter Kriminalpolizei, eine weitverzweigte zwölf köpfige Gaunerbande hinter Schloß und Riegel zu fetzen, die es auf unglaublich raffinierte Weife verstand, zahlreiche Personen durch falsche Tips für Pferderennen um ihr Hab und Gut zu bringen. Die Unterschlagungen, die von den Opfern zur Begleichung ihrer enormen Schulden erfolgten, dürften sich auf insgesamt 800 000 Mark belaufen. Zu diesen Vorgängen gab die Kriminalpolizei am Mittwoch in einer Pressebesprechung nähere Einzelheiten bekannt. Danach wurde man im vergangenen Jahre durch die außerordentlich hohe Unterschlagung eines Angestellten darauf aufmerksam, daß hier noch andere Kräfte ihre Hände im Spiel haben mußten. Nach einiger Zeit wurde wieder eine Unterschlagung größeren Umfanges aufgedeckt, und nun verstärkte sich der Verdacht, daß hier sogenannte „Tipser" ihre Hände im Spiel haben mußten. Als schließlich auch aus anderen Städten Unterschlagungen gemeldet wurden, ging man systematisch an die Aufklärung der einzelnen Fälle. Dabei stellte sich heraus, daß hier eine Bande zus ammenwirkte, die über ganz Deutschland verteilt war und es durch äußerst raffinierte Zusammenarbeit verstand, sich gegenseitig die Opfer zuzuschieben unb sie bis auf ben setzten Pfennig auszupressen. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei führten so nach und nach zur F e st n a h m e von insgesamt zwölf Mitgliedern der Bande, darunter zwei Frauen. Als einer der Hauptbanditen ist der 38 Jahre alte polnische Jude Kaimischeck Erbsen anzusprechen, der sich lange Jahre in Frankfurt a. M. aufhielt und hier unter dem Spitznamen „Erbs" bei der Polizei bestens bekannt war. Die übrigen Gauner sind alle bereis mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und entstammen zum Teil Zuhälter- LPD. Frankfurt a. M., 21. Aug. An ber allgemeinen Beleoung des Reiseverkehrs, bie wir in diesem Sommer in Deutschland verzeichnen können, hat auch bie Deutsche Lufthansa erheblichen Anteil. Im ganzen Reich ist die Zahl ber Fluggäste gegen das Vorjahr wiederum beträchtlich geliehen. Der Frankfurter Flughafen als Luftverkehrszentrum des Rhein-Main-Gebietes steht heute nicht nur an Zahl der Flugstrecken, sondern erstmalig auch an Umfang des Personenverkehrs an zweiter Stelle im Flugverkehr. Seine Passagierzissern werden nur noch von der Reichshauptsladt übertroffen. Die Zahl ber in Frankfurt anfommenben unb abffiegenben Personen nahm gegen das Vorjahr auf sämtlichen 18 Fluglinien um etwa 50 v. H. z u. Einen ähnlich starken Zuwachs zeigt der Umsteige- und Durchgangsverkehr. Auf den Hauptverbindungen, so z. B. nach Berlin, Leipzig, Hamburg, Köln und München, ist der Verkehrsanstieg teil- Heute folgende KdF.- Sportkurse: Allgemeine Körperschule, für Frauen und Männer aemeinfam, von 16 bis 18 Uhr auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg; Reichssportabzeichen (Abnahme) 18.15 Uhr auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg. Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen, von 20 bis 21 Uhr und von 21 bis 22 Uhr, Lyzeum, Dammstraße. Reue Reitkurse. Um möglichst vielen Volksgenossen die Möglichkeit zu geben, das Reiten zu erlernen, richtet das Sportamt „Kraft durch Freude" zwei neue Reitkurse in der Reitschule Schömbs, Brandplatz, ein, und zwar ab Dienstag, 27. August, von 21 bis 22 Uhr, und Mittwoch, 28. August, von 20 bis 21 Uhr. Die Kosten betragen für Mitglieder der DAF. 8 Sportmarken ä 1 Mark, für Nichtmit- gfieber 8 Sportmarken ä 1,50 Mark. Schriftliche Anmeldung an das Sportamt, Schanzenstraße 18, Telephon 2919. Sprechstunden von 8 bis 13 Uhr. Neuer Reichssportabzeichenkursus. Es gibt bestimmt viele Volksgenossen, die gern das Reichssportabzeichen erwerben möchten, dazu aber keine Gelegenheit haben. Für diese richtet das Sportamt „Kraft durch Freude" einen neuen Dor- dereitungskursus ein, der am Donnerstag, 29. Aug., um 18.15 Uhr, auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg beginnt. Die Kosten betragen für DAF.- Mitglieder 6 Sportmarken a 30 Pf., für Nichtmit- glieöer 6 Sportmarken ä 50 Pf. Kreis Bübingen. -- Geiß-Nidda, 21. August. Der Wiederaufbau der abgebrannten Gehöfte, die dem kürzlichen Großfeuer in unserem Orte zum Opfer fielen, ist nunmehr in Angriff genommen worden. Man will die Häuser noch in allernächster Zeit unter Dach bringen. Der Wiederaufbau wird von einer Baufirma in Nidda ausgeführt. Kreis Schotten. G L a u b a ch, 20. Aug. Am vergangenen Sonntag hatte Ortsgruppenleiter Henze die Ortsgruppe der NSDAP, und die NS.-Ge- meinfchaft „Kraft durch F r e u d e" zu einer gemeinsamen Wanderung eingeladen. Zahlreiche Mitglieder hatten dem Ruse Folge geleistet und versammelten sich um 15 Uhr an der Molkerei Eiling, um durch die Steinbach auf Umwegen — vorbei an dem Steinbruch von A. Braun in ber Nahe von Gonterskirchen — nach dem Gasthaus „Zum Laubacher Wald" zu wandern. Bei Kaffee und Kuchen verbrachte man dort einige Zeit in froher, kameradschaftlicher Stimmung. Bevor der gemeinsame Heimweg über den Ringelsberg angetreten wurde, hielt Ortsgruppenleiter Henze eine kurze Ansprache über den Zweck einer solchen Wanderung in Gottes freier Natur: Echte Volksverbundenheit und damit echt nationalsozialistischen Geist zu schassen zwischen alt und jung, zwischen arm und reich. Da die erste Wanderung so schön und harmonisch verlaufen sei, stellte er eine baldige Wiederholung in Aussicht. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer klang die Ansprache aus. Kreis Alsfeld. * Eifa, 21. August. Gestern nachmittag entstand hier in dem Grundstück des Landwirts Weitzel ein Brand, der zum Glück von Arbeitern in der Nachbarschaft bald bemerkt wurde. Dadurch war es möglich, die Bekämpfung der Flammen schnell in Gang zu bringen und den Brand auf die Scheune zu beschränken, die mit bem Stroh- unb Heuvorrat völlig nie» berbrannte. Das Wohnhaus konnte gerettet werben, ebenso blieb bie in ben letzten Tagen aus- gebroschene unb auf bem Boben bes Wohnhauses [agernbe Frucht unversehrt. Dieser Branb ist ber orfte seit 1896 in unserem Orte. In vorbilblichem Gemeinschaftssinn haben sich bie Ortseinwohner bereit erklärt, dem Brandgeschädigten beim Wiederaufbau der Scheune durch kostenlose Stein- und Holzfuhren zu helfen. QJL-'Sport von H. Freese 13:38,8 4:26,6 Minuten, Plauen, 10.8.35. 400-Meter-Kraul: Ruth 5:56,8 Minuten, Plauen, 10.8.35. Vom DSV. wurden jetzt deutscher Schwimmer und deutsche Rekorde anerkannt: 800- Meter-Kraul: Minuten, Paris, 6. 7. 35. Freese 20:39 Halbsguth Halbsguth H. Ruth folgende Bestleistungen Schwimmerinnen als Hans Freese 10:50,4 1000-Meter-Kraul: Minuten, Paris, 6. 7. 35. 1500-Meter-Kraul: Minuten, Paris, 6. 7. 35. 300-Meter-Kraul: Rumäniens Fußballelf für den am Sonntag in Erfurt stattfindenden ersten Länder» kampf gegen Deutschland spielt in folgender Aufstellung: Bugariu; Chiroiu, Albu: Munteanu, Juhaz, Sanislo; Bindea, Dalcov, Baratki, Bobola, Dobai. 1 9 36 soll am 26.Juli 1936 auf dem Rennplatz in München-Riem gelaufen werden. Der Preis wird mit 1 00 000 Mark ausgestattet. Mit der Durch- führung dieser Veranstaltung wird der Rennverein München-Riem beauftragt." Damit ist das „Braune Band" zu einem der höchstdotierten deutschen Rennen geworden. Es wird neben dem Deutschen Derby Ein Fußball-Länderspi e l zwischen Schottland und England wurde am Mittwoch vor 70 000 Zuschauern in Glasgow ausgetragen. Dis Engländer landeten mit 4:2 (3:0) einen eindrucksvollen Sieg. Fünf deutsche Leichiaihleiil-Rekorde anerkannt. Das Fachamt Leichtathletik hat jetzt die drei bei den Deutschen Meisterschaften .in Berlin im Weitsprung, Hammerwerfen und im 100-Meter-Lauf der Frauen aufgestellten Höchstleistungeck anerkannt. Außerdem wurden die Diskusbestleistungen von Schröder-Magdeburg und Mauermeyer-München, die zugleich Weltrekorde bedeuten, anerkannt. Im einzelnen handelt es sich um folgende Leistungen: Das Kuratorium für das „Braune Band Deutschland" hat in seiner Sitzung am Dienstag, 20. August 1935, im Braunen Haus in München, folgenden Beschluß gefaßt: „Der Große Preis um das Braune Band von Deutschland meldet. Sehr gut ist auch bisher schon die Besetzung der Sportwagenklasse, obwohl hier wie bei den Rennwagen mit weiteren Meldungen ebenso zu rechnen ist, wie bei den Krafträdern mit und ohne Seitenwagen. Bei den Motorrädern allerdings fehlt jetzt schon kaum ein bekannter deutscher Fahrer und auch aus dem Ausland liegen die Nennungen bekannter Fahrer vor. Man wird am 1. September auf der Schauinsland-Rennftrecke scharfe und schnelle Rennen zu sehen bekommen. Herbst-^Miliiary" in Berlin. Die ursprünglich nach München vorgesehene letzte diesjährige Vielseitigkeitsprüfung wird nicht stattfinden. Dagegen hat das Deutsche Olympiade-Koml- tee für Reiterei für die Tage vom 10. bis 12. Oktober eine große Vielseitigkeitsprüfung nach Berlin ausgeschrieben, wo sie in der Umgebung von Potsdam abgewickelt wird. Bei dieser Herbst-Military, die mit 6000 Mark an Geldpreisen und zahlreichen Ehrenpreisen ausgestattet ist, werden voraussichtlich noch einmal alle Pferde, die sich für dieReiterwettbewerbe bei den Olympischen Spielen in Vorbei- reitung befinden, am Start erscheinen. Hunderttausend Mark für das „Braune Band''. P.; 10. Alfred Grüdelbach, Westfalen, und Franz Beyer, Niederrhein, je 257,8 P.; 11. W. Reinhatt)t, Westfalen, 255,5 P.; 12. W. Nigge, Niederrhein, 248,1 P.; 13. Otto Gergs, Hessen (Kassel), 241,3 P.; 14. Richard Seth, Hessen (Grohen-Linden), 237,1 P.; 15. Hans Schlösser, Mittelrhein, 236,4 P.; 16. Karl Bender, Westfalen, 233,8 P.; 17. Bernhard Frey, Mittelrhein, 233,1 P.; 18. Ernst Schöffmann, Hessen (Wieseck), 231,8 P.r 19. Richard Reinartz, Mittelrhein, 192,7 P. (ohne zwei Hebungen); 20. Konrad Frey, Mittelrhein, 159,5 P. (ohne fünf Hebungen); 21. Kurt Wedekind, Hessen (Kassel), 157,3 P. (ohne vier Hebungen); 22. Martin Koßmann, Mittelrhein, 146,1 P. (ohne fünf Hebungen); 23. Hch. Schmitz, Nieder- rhein, 112,8 P. (ohne sechs Hebungen). Die Ausscheidungen der Gaugruppe Nord (Gaue Nordmark, Pommern, Ostpreußen, Niedersachsen) fanden in Stettin statt. Als bester Turner setzte sich hier der Bremer Steffens durch. Die Gaugruppe Ost (Gaue Brandenburg, Schlesien, Sachsen, Mitte) trug die Kämpfe in Leipzig aus. Hier war der Thüringer Popp (Schleiz) der Beste. Bei den Ausscheidungen der Gruppe Süd (Gaue Südwest, Baden, Schwaben, Bayern) am 1. September in Ulm werden sich u. a. Winter (Frankfurt a. M.) und Schwarzmann (Nürnberg) begegnen. Bei dem Ausscheidungsturnen in Remscheid war der frühere deutsche Kunstturnmeister Konrad Frey (Bad Kreuznach) infolge einer Verletzung nicht an allen Hebungen beteiligt, der Studentenweltmeister Heinz S a n d r o ck (Immigrath) war nicht am Start, wie auch bei den übrigen Gaugruppen nicht alle Spitzenturner beteiligt waren, so daß die Ergebnisse dieser drei Kämpfe in Stettin, Leipzig und ^Remscheid wohl kaum als endgülttger Maßstab für die Aufstellung der aus 30 Turnern bestehenden Olympia-Kernmannschaft der deutschen Geräte» turnet gelten kann. OlWpia-AusscheidungMmpse der Kunsttumer Oie Hessen in der Gruppe West in Remscheid. Dr. Bauwens-Köln oder B a r l a s s i n a » Italien wurden als Schiedsrichter für den Fußball- Länderkampf Tschechoslowakei — Jugoslawien am 6. September in Prag eingeladen. In Prag wird auch Anfang April 1936 der Rückkampf Deutschland — Tschechoslowakei stattfinden. IHänner: . i Weitfprung: Leichum (Neichsheer) 7,73 - Meter (aufgestellt am 3. August in Bettln); Diskuswerfen: Schroder (Pol. Mägde- ( bürg) 53,10 Meter (aufgestellt 28. April m Mägde- , ^"Hammerwerfen: Blast (Pol. Königs- ' berg) 49,17 Meter (aufgestellt 3. August in Berlin). 1 Frauen: 100-Meter-Lauf: Käthe Krauß (Dres- . den) 11,8 Sekunden (aufgestellt 4. August m . ^Diskuswerfen: Gisela Mauermeyer ' (München) 44,34 Meter Gisela Mauermeyer hat bte vorstehende Bestleistung inzwischen wieder verbessert, die Anerken- ning dieser Leistung ist aber bisher noch nicht erfolgt. Aordheffen gegen Bayern. Die Reihe der Fußball-Gaurepräsentativ-Spiele wird am Sonntag in Fulda mit dem Treffen Nordhessen — Bayern fortgesetzt. Diesem Spiele kommt nach dem Erfurter Länderspiel wohl die tärkste Beachtung zu. Nordhessen ist ja schon lange nicht mehr nur „der Schüler" der übrigen Gaue. Unb bie Sviele zwischen Bayern unb Norbhessen haben ebenso ihren Reiz, wie währenb ber letzten Jahre bie Kämpfe bes jeweiligen Norbhessen-Mei- ters im Ringen um bie Deutsche Fußball-Meister- chaft. Für bas Gauspiel am kommenben Sonntag nun Haden bie Norbhessen ihre Elf bereits aufgestellt. Im Gegensatz zu Bayern, wo man wohl bei ber Mannschaftsbilbung auf bie Hinweise bes letzt- onntägigen Spieles Norb- gegen Sübbayern Rücksicht nehmen wirb. Aber wie auch bie bayerische Mannschaft aussehen wirb, stark muß sie sein, sogar ehr stark, wenn sie in Fulba gegen Norbhessen wirkliche Siegchancen geltenb machen will. Der Gegner fährt mit folgenbem schwerem Geschütz auf: Sonnrein (Hanau93); Lippert (Gießen 1900), Eufinger (Hanau 93); Weyanbt (Germania Fulba), Pletsch, Straßer (beibe Borussia Fulda); Markert (Kassel 03), Philippi (Hanau 93), Maintz (Borussia Fulda), Brößel (SV. Kassel), Kleim (Kassel 03). Röll und Kammerl von Borussia Fulda sind Ersatzspieler. Diese Mannschaft ist sehr stark, d. h. wenn die Spieler an ihre Vorjahresreform anknüpfen können. Im bayerischen Lager wird man sich jedenfalls auf einen hartnäckigen Strauß gefaßt machen müssen. Brandenburg —Island 11:0 (6:0). Mit dem gleichen Ergebnis wie am Sonntag in Dresden gegen die Sachsen-Fußballelf verlor die isländische Fußball-Nationalmannschaft am Mittwoch auch ihr zweites Treffen auf deutschem Boden. Gegner der nordischen Gäste war diesmal auf dem hergerichteten Berliner Herthaplatz eine Auswahlmannschaft des Gaues Brandenburg. Ebenso wie in Dresden wurden die Isländer überlegen 0:11 (0:6) geschlagen. Auch Ostdeutschland schlägt Finnland. Die finnische Fußball ° Nationalmannschaft, die beim Länderkampf am vergangenen Sonntag in München 0:6 geschlagen wurde, trat auf der Rückreise in fast der gleichen Aufstellung gegen eine ostdeutsche Auswahl an und wurde auch hier besiegt. Mit 2:1 (0:0) fiel dieser Sieg zwar nicht so hoch aus, ist aber doch ein schöner Erfolg der Elf, die aus Spielern der (Saue Schlesien, Ostpreußen- Danzig und Pommern-Grenzmark zusammengestellt war. Oer Große Bergpreis von Deutschland Am 1. September wird auf der nun schon berühmt gewordenen Schauinsland - Rennstrecke bei Freiburg i. Br. der Große Bergpreis von Deutschland ausgefahren werden. Die Besetzung dieses Rennens wird diesmal ganz ausgezeichnet werden. Es liegen schon mehr als 100 Nennungen vor; die Qualität der Fahrer und Maschinen läßt dabei keinerlei Wünsche offen. Die Auto-Hnion, die im Acerbo-Rennen in Italien jetzt erst die beiden Sieger gestellt hat, wird bestimmt zwei Wagen in den Kampf schicken, von denen einer von Hans S t u ck gefahren wird, während der Fahrer des zweiten Wagens noch nicht feststeht. Aus Italien kommt aMhkllch Me wettvollste Zuchtprüfung wetten s sich damit einen bleibenden Platz im deutschen Rennsport sichern. Dreizehn Ballone beim Sordon -Bennett-Flug. Für den diesjährigen Gordon-Bennett-Wettbe- . werb der Freiballone, den Polen auszunchten hat und der am 15. September in Warschau gestartet wird, haben Deutschland und Polen je Drei, Belgien und Frankreich je zwei, Schweiz, Holland unb HSA. je einen Ballon gemelbet. Kurze Sportnotizen. Prüfung für das Deutsche Turn»und Sportabzeichen. Am kommenden Sonntag findet um 9 Hhr eine Prüfung für das Deutsche Turn« und Sportabzeichen (Radfahren) statt. Treffpunkt ist am „Schützenhaus". ♦ Zwei weitere Meistertitel wurden im deutschen Ringkampfsport vergeben. In Berlin holten sich der Einheimische Seelenbinder vor Böhmer und Engelhardt die Halbschwergewichtsmeisterschaft im griechisch - römischen Stil, während der Münchener Hering vor Pulheim unb Gildemeister Weltergewichtsmeister im Freistil wurde. Gauoffenes Straßenrennen im GauXII im Deutschen Radfahrerverband. Am Sonntag wurde mit Start und Ziel in Wölfersheim ein 150 Kilometer langes Straßenrennen ausgetragen, außerdem lief noch ein 30- Kilometer-Jugendrennen. Trotzdem die Besetzung nicht allzu stark war, waren die Leistungen in beiden Klassen ganz vorzüglich. Die große Klasse startete um 6.30 Hhr mit 17 Fahrer. Schon am Södeler Berg zog sich die Schar auseinander. Roh (Hanau) und Gerlach (Gießen) blieben etwas zurück. Gerlach bekam am Schalheimer Brunnen Reifenschaden unb mußte bas Rennen' aufgeben. Um 6.30 Hhr würbe Bab-Nau- heim passiert, hier war auch Kleiber (Langenselbolb) etwas abgefallen. Bei abwechselnber Führung ging es über Ufingen nach Merzhausen. An bem bekannten Merzhäuser Berg zog sich bie Kette aus« cinanber. Es bilbete sich hier eine Spitzengruppe von 7 Mann. Diese Spitzengruppe burchfuhr bas ganze Weiltal in einer erheblichen, bes öfteren bis zu 40 Kilometer Gefchwinbigkeit bis Bißkirchen. Hier ereilte Sichenich (Hanau) ein Schwächeanfall, ber jeboch dalb roieber behoben war, so baß er seine Fahrt fortsetzen konnte. Gegen 9 Uhr würbe Leun passiert unb gegen 9.20 Uhr Wetzlar erreicht. Hier, an ber Steigung ber Spilburg fiel bie bung. Die Spitzengruppe war auf Neumann, Preis, Hoßfelb unb Zinnborf zusammengeschmolzen. Da die Gießener Fahrer, Neumann unb Preis, bem ihnen bekannten Berg besser gewachsen waren, konnten sie hier, einen abermaligen Vorsprung von 200 Meter gewinnen unb auch bis Gießen beibehalten. In Gießen stürzte Preis, er konnte jedoch ohne größeren Schaben erlitten zu haben, bie Fahrt fortsetzen. Neumann unb Preis vergrößerten ihren Vorsprung immer mehr unb kämpften hier schon ganz erbittert um ben Sieg. Beibe fuhren einen ausgezeichneten Enbspurt, Neumann fuhr 1 Sekunbe vor Preis ins Ziel ein. In ber Jugenbklaffe, bie ebenfalls ein ausgezeichnetes Rennen fuhr, ging bie Spitzengruppe mit 7 Fahrer nur mit ©efunbenabftänben durch bas Ziel. Die Ergebnisse: Aktive. 1. Sieger Neumann, 1885 Gießen, 4:28 Stunben; 2. Preis, Germania Gießen, 4:28:01; 3. Hoßfelb, Fulba, 4:40:15; 4. Zinnborf, Hanau, 4:40:16; 5. Kleiber, Langenselbolb, 4:52:20; 6. Sichenich, Hanau, 4:58; 7. Kraft, Dutenhofen, 5:00 Stunben. Jugendklasse, 30 Kilometer. 1. Sieger Koch, Germania Bad Orb, 59:45 Minuten; 2. Basiermann, W., Dunlop Hanau, 59:46; 3. Wertmann, Germania Bad Orb, 59:47; 4. Löw, Dunlop Hanau, 59:48; 5. Meißner, Stahlrad Kassel, 59:49; 6. Schneider, Torpedo N.-Brechen, 59:50; 7. Haßler, Germania Gießen, 59:52; 8. Zart, Germania Gießen, 60:11; 9. Riegel, Vorwärts Anspach, 60:20; 10. Baum, 1885 Gießen, 61:00 Minuten. Die Leitung der Rennen lag in Händen des Be- zirksfahrwart Deibel (Gießen). Anerkannte deutsche Schwimmrekorde. Juan ZaneM mft dem neuen Nattönak Pescara» Wagen, der vorn Nürburgttng her bekannte Engländer Mays wird seinen ERA-2Bagen, über die Strecke führen. L. Hartmann (Ungarn) fährt wieder einen Bugatti, H. Wimmer und E. von Delius gehen auf Zoller-Wagen ins Rennen. R. Kohlrausch hat seinen MG.-Magic - Wagen ge- Zur Ermittlung einer Olympia-Kernmannschaft der deutschen Turner wurden in den vier Gaugruppen Nord, Ost, West und Süd, die je vier Gaue umfassen, Ausscheidungskämpfe angesetzt, von denen drei vergangenen Samstag und Sonntag durchgeführt wurden. Für die Gruppe Süd findet der Kampf am 1. September in Ulm statt. Die (Saugruppe TB e ft, bestehend aus den Gauen IX: Westfalen, X: Niederrhein, XI: Mittelrhein und XII: Hessen, führte ihr Ausscheidungsturnen im Neuendorff-Haus in Remscheid- Reinshagen durch. Jeder Gau stellte sechs seiner besten Turner. Die Aufgaben, die diese zu losen hatten, waren ungemein schwer. Noch in letzter Minute wurden die Bedingungen verschärft, und zwar mußten ' die Turner die Pflichtübungen zweimal turnen; sie wurden auch zweimal gewertet. Da für die Olympia-Kernmannschaft der Turner nur 30 Aktive im ganzen Reich in Frage kommen, fiel die Wertung der einzelnen Hebungen äußerst streng aus. Aus den 100 Anwärtern im Deutschen Reiche werden 30 in einer Kernmannschaft zusammengefaßt. Wer wird aus dem Gau Hessen dabei sein? Wird es unser bester Einzelturner in Remscheid, der Marburger Adolf Fink, sein, der die zweithöchste Punktzahl erreichte? Das weiß noch niemand. Wohl kennen wir die Rangfolge der 24 Turner der Gruppe West, die wir nachstehend veröffentlichen. Die Ergebnisse: 1. Georg Sich, Niederrhein, 297,3 Punkte; 2. Adolf Fink, Hessen (Marburg), 291,9 P.; 3. Ludwig Seligmann, Nie-derrhein, 290,5 P.; 4. Lorenz Schneider, Niederrhein, 289 P.; 5. Josef Brandfaß, Mittelrhein, 288,8 P.; 6. Georg Klinger, Westfalen, 275 P.; 7. Wilhelm Trostheim, Westfalen, 269,9 P.; 8. Hch. Hüttemann, Westfalen, 263,7 P.; 9. Werner Beckmann, Niederrhein, 260,9 Verkäufe 11 Empfehlungen] GuteMß spielte 03522 nach dem erfolgt, gleichn. Bühnenstück. Vorher: 4774A Täglich 4,6, 8.30, Sonntags 3, 5.30, 8.30 Uhr. Bröhl’sche Druckerei, SchulstraBe 7, Anruf 2251 Gutes Beiprogramm und Ufa-Ton-Woche Geschmackvoll Vornehm Persönlich Tanzen lehrt in Einzelstun d. u. Kursen Tanzschule Bäulke Wolfstraße 31 Ruf 3835. .otrO Der tiefgekühlte Schoppen hell, dunkel od. Malz % Liter 35 Pf. Heute Donnerstag v. 51/., Uhr nachm. Zwiebelchen Bäckerei Lange Neustadt 37. 4281d Diese 8 wesentlichen Eigenschaften der guten Famiiien-Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Aue- führungsarten schnell und zu mäßigen Preisen Lichtspielhaus »Gießen Heute Donnerstag bis Sonntag: Adele Sandrock Paul Henkels Fritz Kämpers, Betty Blrd in dem großen Lachachlager: llllllllllllllllllllllllllllll NWeSeeWe Pfb.45,35,30Pf. BOtfinge Pfund 30 Pf. neueBonherinoc 10St.60u.35 Pf. 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August 1935 3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 6 Gewinne zu 6000 M. 61209 63887 178261 2 Gewinne zu 3000 M. 119952 8 Gewinne zu 2000 M. 150956 236036 292397 881577 42 Gewinne zu 1000 M. 5558 21205 37077 45436 45546 66673 70971 71052 77318 77713 82321 100575 108214 111110 115460 122487 124436 208219 213418 376389 386675 82 Gewinne zu 600 M. 3681 8087 18937 36491 60560 64743 70460 102749 124567 125363 133278 135891 143455 154481 156671 157708 180530 182127 201005 216139 223636 224831 236096 245964 268194 272253 283648 284385 313577 313827 332149 341918 353706 359819 364719 369186 376095 377575 380983 395110 396809 368 Gewinne zu 300 M. 241 1075 7046 7312 7684 11121 11844 12400 17379 19325 21120 21833 23563 23653 24068 29029 29207 29812 31503 36091 38054 40039 42564 43919 46913 48891 49151 50631 50699 60213 61239 63133 70378 70472 70569 73895 74644 75063 81139 81954 84887 87511 89305 89801 90271 94436 98250 100692 102820 105961 106741 112003 112283 117358 120308 121327 122734 128132 132253 136329 136704 137778 142290 143520 143905 145301 145919 152939 152994 154136 156173 156649 161001 161812 168028 168114 171353 174272 176211 181445 183204 187520 191087 192246 193585 195815 197222 198360 198907 203055 204576 205732 211351 211421 211638 211751 213446 214302 220061 222010 226142 228133 228594 231817 237686 239864 240939 244910 245941 257955 260268 263652 264303 266516 269878 272513 274120 274762 275067 275231 276272 280026 283710 283916 287062 288125 288127 288460 289228 289464 290485 291227 294205 294867 294961 296836 299004 303233 305611 306878 308200 313407 313836 314128 316680 317538 317573 317923 318067 319484 327652 327835 332407 332416 339142 340452 343959 344549 346498 349534 350046 359160 361814 362110 364231 364514 368717 369412 371981 374480 374892 378160 380826 384546 391242 385101 385629 385774 386158 393043 398813 398756 399339 390166 Sn der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinnt, über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 10000 M. 390602 4 Gewinne zu 5000 M. 365915 370230 2 Gewinne zu 3000 M. 35545 12 Gewinne zu 2000 M. 74155 111604 130072 299373 346677 350788 52 Gewinne zu 1000 M. 42636 64401 68426 69020 113203 126432 160517 175239 180223 188607 216102 222859 227933 297693 301237 310854 326609 338318 354901 357200 357546 361858 369914 381224 394254 361328 76 Gewinne zu 500 M. 154 33772 34019 40779 41743 42448 45446 97128 98032 112778 126385 135835 153270 163606 164617 165531 170012 187244 200335 216634 219669 237415 242373 249305 254481 287659 287914 306522 318056 322816 324756 343265 349206 351265 364117 364955 394410 359673 326 Gewinne zu 300 M. 780 2018 15691 15781 24305 25905 26744 31003 31352 34200 39902 42766 44764 47174 49456 53178 59414 61719 67388 67609 71654 72314 77527 78415 82021 82036 83542 88801 97569 99835 99837 103236 105192 108781 109691 112841 114624 115381! 117946 122023 123664 124990 130130 131702 132679 139079 140612 141224 141372 1422861 143542 144594 146878 148064 148647 155647 156965 157267 160579 161922 163234 166840 168825 169494 171974 173323 173968 176189 178529 180518 185583 185873 190963 192252 194323 197238 200402 207497 210792 211382 212065 213896 215697 216959 217338 217697 218410 218625 218627 219338 222082 223415 229877 231049 231208 231302 231384 233298 236169 239323 239988 245667 248946 249414 249423 256673 260677 261431 262574 266055 266643 267245 269366 270798 271388 276972 277354 279951 284309 288119 291310 292094 294323 295771 296300 298293 299875 300303 305521 305577 312149 312184 313405 314126 314949 314993 318506 318969 321381 328713 333167 334676 337423 340087 341327 352236 352352 352438 353915 355686 360779 361048 366766 377198 383218 385089 386001 389336 392146 392593 398993 399868 388592 Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne jni te 1000000, 2 zu je 300000, 2 zu je 100000, 2 zu te 75000, 4 zu je 50000, 4 zu je 80000, 10 zu jej 20000, 56 zu je 10000, 94 zu je 5000, 250 zu e! 8000, 582 zu je 2000, 1756 zu je 1000, 2858 aai te 500, 11412 zu je 300 Mark. ÄUa Anzeigen-Attiengefellschafl Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen und Zeitschriste» Gletzerr / Schulftvatze 56 nr.195 Drittes Blatt Donnerstag, 22. August 1935 «Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesten) Mue Bücher zur Politik und Geschichte. durch Oesterreich 1908 gab die Anregung für einen Balkanbund mit Einschluß der Türkei als Schutz gegen weitere Ausdehnungsbestrebungen der Donaumonarchie. England förderte diesen Plan, um Rußland von den Meerengen fernzuhalten und den deutschen Einfluß in Konstantinopel zu beseitigen. Von der anderen Seite setzten Iswolski und sein Gehilfe Tscharikow in Bulgarien den Hebel an, das nun von Oesterreich und Rußland gleichzeitig umworben wurde, Ferdinand hielt beide hin und suchte bessere Beziehungen zu Serbien, ohne sich andere Türen vorzeitig zu versperren. Rußlands Versuch, die Meerengenfrage mit der Türkei zu lösen, scheiterte an dem Mißtrauen der Türken, aber ihre Niederlage im Tripoliskrieg aab dem Plan eines serbisch-bulgarischen Bündnisses neue Nahrung. Das Bündnis kam unter Vermittlung des russischen Gesandten Hartwig im • März 1912 zustande. Die Erweiterung zum Balkanbund durch den Beitritt Griechenlands gefchah ohne Mitwirkung, ja ohne Wissen der Russen. Damals verdiente sich der geschäftige Kreter Veniselos die ersten diplo- matischen Sporen. Die Bevormundung Petersburgs empfand man bereits als lästig, wenn man auch im Ernstfall mit der russischen Rückendeckung rechnete. Die gewünschte Anlehnung an Italien gelang indessen nicht, da dies ein Eingreifen Oesterreichs fürchtete, wenn die Existenz der Türkei durch einen Zweifrontenkrieg bedroht würde. Daß der Balkon- bund zum Kriege gegen die Türkei schritt, sobald ihm der Augenblick der größten Schwächung des Gegners durch den Tripoliskrieg günstig erschien, widersprach den Interessen des russischen Protektors, der für einen europäischen Krieg noch keineswegs hinreichend vorbereitet war und deshalb gegen die Kriegstreiber in den eigenen Reihen alles tat, um den Balkankrieg zu lokalisieren, Nach der Niederlage der Türkei und der Verteilung der Beute zerfiel der Balkanbund so schnell, wie er entstanden war, Rußland wurde die gegen Oester- reich geschmiedete Waffe vorzeitig aus der Hand geschlagen. — Die recht verwickelten diplomattschen Vorgänge, die hier kurz wiederholt wurden, hat Bickel sehr klar gegliedert und anschaulich darge- stellt. Ein wertvoller Beitrag zur Vorgeschichte des I Weltkrieges. e- ' Konservative Vorknegspolitik. — Jacob Burckhardt: Die Zeit Konstantins des Großen. Große illustrierte Phaidon-Ausgabe, mit 200 Kupfertiefdrücken. Preis 4,80 Mark. Phaidon-Verlag in Wien. — (228) — Dies Jugendwerk des großen Baseler Historikers ist 1852 erschienen, manches in seinem Inhalt ist durch moderne Quellenkritik widerlegt oder durch die Ergebnisse der historischen Forschung von acht Jahrzehnten überholt worden, aber ewig jugendfrisch bleibt die Diktion dieses Buches, ein echtes Erzeugnis Burckhardtschen Geistes, hervorgebracht aus der seltenen Paarung von höchster Gelehrsamkeit und stärkstem künstlerischen Empfinden. So ist es durchaus berechtigt, wenn der Phaidon-Verlag der Reihe feiner verdienstvollen Neuausgaben bedeutender Werke der Kulturgeschichtsschreibung nach Burckhardts „Renaissance" nun auch „Die Zeit Konstantins des Großen" einfügt, zumal sich auch hier Gelegenheit bot, durch Zusammenstellung eines vielseitigen, gut ausgewählten und sorgfältig wiederaegebenen Bilderteils dem nicht so sehr fachlich interessierten Leser etwas Neues und als willkommene Ergänzung der Ausführungen Burckhardts gewiß Verlockendes in die Hand zu aeben. Die Zeit Konstantins ist die Wende vom Altertum zum Mittelalter, vom Morgenland zum Abendland, vom Heidentum zum Christentum. Die alte Welt, soweit sie um den Mittelpunkt Rom kreiste, in Auflösung. Don der Peripherie drängen junge, unverbrauchte Völker zu den Sitzen antiker Kultur vor. Die seltsam labile Verfassung des römischen Imperiums vermag kaum noch den Erfordernissen dieser harten Zeit zu entsprechen. Das dritte Jahrhundert bringt im schnellen Wechsel der Herrscher wohl manch kraftvolle Persönlichkeit, manch bedeutenden Feldherrn, aber nicht das Genie, dem es qelänae, gleichzeitia die Grenzen des Reichs im Norden, Osten und Süden zu schützen und im Innern dem sittlichen Verfall zu wehren, auf gesünderen Grundlagen ein neues Staatsgebäude zu errichten und mit Leben zu erfüllen. Das ist auch dem Größten in dieser Reihe der Soldatenkaiser nicht gelungen. Diokletians Reichsreform — die übrigens eigentlich im Mittelpunkt der Darstellung Burckhardts steht — blieb eine Behelfsmaßnahme ohne nachhaltige Wirkung. Erst dem klaren Blick Konstantins gelang es, durch die Verbindung mit dem Christentum der Reichsgewalt neue Fundamente zu geben. In den äußeren Rahmen der politischen Geschichte zweier von Kampf an den Grenzen und im Innern blutiger Verfolgungen, grausiger Morde im Streit um den Thron angefüllter Jahrhunderte spannt Burckhardt ein ungemein farbiges Bild der großen geistigen Auseinandersetzung, die für diese Zeitwende so charakteristisch ist. Hier zeigt sich Burckhardts meisterhafte Gestaltungskunst, die Kraft des Ausdrucks, das Temperament des Urteils von der schönsten Seite. Wir hoffen, die neue Ausgabe möge recht viele verlocken, zu dem Buch zu greifen, das auch heute noch uns fo viel zu sagen hat. —e. — Karl Alexander v. Muller: Zwölf Historikerprofile. Preis geb. 3,60 Mark. Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart. — (176) — Der Münchener Geschichtslehrer gibt hier Skizzen nach dem Leben, meist geschaffen aus einem Anlaß des Lebens, gegründet auf persönliche Eindrücke. Und gerade dies Unmittelbare, von großem wissenschaftlichem Apparat Unbeschwerte macht diese Porträts so menschlich warm, gibt ihnen den Reiz des Subjektiven, den persönliche Memoiren vor Werken der Geschichtsschreibung stets voraushaben. Eine Fülle von markanten Profilen, verschieden in Charakter wie in ihren Interessen, in Lehre und Forschung, eine lebendige Illustration für die Vielseitigkeit deutschen Gelehrtentums. Neben dem großen Essayisten und Biographen Erich Marcks, dem künstlerischen Gestalter Bismarcks und des Alten Kaisers, Philipps II. und der englischen Elisabeth, steht der eigenwüchsige, streitbare Max Lenz, der Geschichtsschreiber der Berliner Universität, steht der Historiograph des preußischen Staates Reinhold K o s e r , dessen konzentrierter Arbeitskraft und Forscheringenium wir die hervorragende Lebensbeschreibung Friedrichs des Großen verdanken, steht schließlich Friedrich M e i n e ck e , dessen „Weltbürgertum und Nationalstaat" wie selten ein zweites Buch die junge Geschichtswissenschaft angeregt und befruchtet hat, strenger Forscher, grüblerischer Denker, künstlerisch empfindender Gestalter, leidenschaftlich und ehrlich die Erkenntnisse seiner Forschung darbringend, deren tiefgreifender Wirkung sich so leicht niemand zu entziehen vermag, lieber den Kreis der engeren Zunftgenossen hinaus, außerhalb der wissenschaftlichen Atmosphäre Münchens weniger bekannt geworden sind die bayerischen Geschichtsforscher Karl Theodor von H e i g e l, langjähriger Präsident der bayerischen Akademie der Wissenschaften, auch er wie Erich Marcks ein Meister des historischen Essays, künstlerisch empfindend, warmherzig und volksnah, Siegmund von Riezler, der verdiente Erforscher bayerischer Landesgeschichte, Hermann von Grauert, der katholische Kirchenhistoriker, Maximilian Fastlinger, gleich volkstümlich und eindrucksvoll als Priester wie als Gelehrter, als der er vom kleinen Kern der Ortsgeschichte vordrang zur Gesamtschau der Christianisierung Altbayerns, und schließlich der vielseitige Karl Mayr, eng im künstlerischen Leben des Münchens der Jahrhundertwende wurzelnd, Freund Hugo Wolfs und Fritz Erlers, ein Mann von eigenem persönlichen Charme. Zwischen diese beiden großen Gruppen schiebt der Verfasser eine Würdigung des österreichischen Historikers Heinrich Ritter von S r b i k, des bekannten Metternich-Biographen, und Wilhelm Heinrich Riehls, des großen Kulturhistorikers, dessen einzigartige Schilderungen deutschen Volkstums heute wieder auf besondere Aufmerksamkeit rechnen dürfen. Den Abschluß der schönen Sammlung bildet ein besonders warmherziger Nachruf auf den jungen Historiker Adalbert von Raumer, Nachfahre einer berühmten, weitverzweigten deutschen Gelehrtenfamilie, selber hoch- begabt, für alles Schöne und Große aufgeschlossen, voller Pläne und Entwürfe für feine Arbeit, als er mit der jungen Mannschaft Deutschlands in den Krieg zieht und schon im Herbst 1914 von einem Patrouillengang nicht wieder zurückkehrt. Mit diesem feinsinnigen Nachruf auf einen früh ins Grab gesunkenen Schüler und Freund schlingt Karl Alexander von Müller das Band zu denen, denen dies Buch gewidmet ist, der Jugend unter den deutschen Geschichtsforschern, von denen ein jeder nur mit Dank für den ästhetischen Genuß und die innere Bereicherung, die er empfangen hat, dies schmale Bändchen-aus der Hand legen wird. -e. — Dr. Otto Bickel, Rußland und die Entstehung des Balkanbundes 1912. Osteuropäische Forschungen Band 14. Im Ost- Europa-Derlag, Königsberg i. Pr. Preis geheftet 6 Mark. — (159) — Auf Grund amtlichen Aktenmaterials, namenttich aus österreichischen Archiven, wird hier unseres Wissens zum erstenmal eine zusammenfassende Darstellung der Entstehungsgeschichte des Balkanbundes gegeben, die bis hl die Zeit der Befreiungskämpfe der Balkanvölker gegen die Türkenherrschaft zurückreicht. Ein Problem der Polittk wird der Gedanke des Balkanbundes ober erst, als nach der Niederlage auf den mandschurischen Schlachtfeldern Rußland sich wieder dem Westen zuwendet und auf der Suche nach dem freien Zugang zum Meer darangeht, die Meerengenfrage erneut aufzurollen. Die panslawistische Idee wird der Sturmbock bei den diplomatischen Vorbereitungen für die Lösung der Meerengenfrage im russischen Sinne. Die Annexion Bosniens — Graf Westarp: Konservative Politik im letzten Jahrzehnt d e s Kaiserreichs. Band I. Don 1908 bis 1914. Preis gebunden 12 Mark. Deutsche Derlagsgesellschaft Berlin SW 11. — (161) — Der langjährige letzte Vorsitzende der konservativen Reichstagsfraktion gibt in diesem insgesamt auf drei Bände berechneten Werk eine bis ins einzelne dokumentarisch peinlich genau belegte Darstellung der konservativen Politik in der wilhelminischen Aera, soweit er persönlich an ihr beteiligt gewesen ist. Das ist auch für den an sich willkürlich gewählten Ausgangspunkt des Werkes bestimmend' gewesen. Der Abgang Bismarcks und der „neue Kurs" bleiben außerhalb der Darstellung, obwohl natürlich gerade zu dieser Epoche von konservativer Seite manches Neue zu sagen gewesen wäre. Aber die gewollte Begrenzung auf das als aktiver Politiker persönlich Erlebte schlossen das aus. So fetzt die Darstellung nach einem kurzen Rückblick auf den sich von der üblichen Laufbahn eines preußischen Verwaltungsbeamten in nichts unterscheidenden Lebensgang des Verfassers bis zu seiner Wahl in den Reichstag in der Zeit der „Daily-Telegraph"-Affaire ein. Die Konservativen haben damals so wenig wie die anderen Parteien das falsche Spiel Bülows durchschaut, der dem Kaiser die Verantwortung für die Folgen seines Interviews zuschob, obwohl dieser den Instanzenweg genau innegehalten hatte und der Kanzler keineswegs o überrascht und unbeteiligt sein konnte, wie er sich vor der Öffentlichkeit stellte. Der Kaiser hat den Konservativen ihre Zustimmung zu der sog. „Maulkorbentschkießunq" des Reichstags niemals verziehen. Vielleicht ist das einer der Gründe für die bei einer so betont königstreuen Partei seltsam berührende Distanz zwischen dem Kaiser und den Konservativen. Durch das ganze Buch Westarps, der übrigens den konservativen Anschauungen vom Wesen der Monarchie 'gemäß die Person des Monarchen ganz aus dem Spiel läßt, zieht sich der Eindruck eines überaus kühlen Verhältnisses zwischen Kaiser und Konservativen, das anscheinend durch bestimmte Persönlichkeiten in der Umgebung des Monarchen und besonders auch wohl durch die beiden Kanzler dieser Epoche, Bülow und Bethmann, bewußt genährt wurde. Aus der gleichen Anschauung der verfassungsmäßigen Stellung des Kaisers und Königs stammt auch die erstaunliche Zurückhaltung der Konservativen in allen Fragen der Außenpolitik und des Heeres. Beides sah man als dem parlamentarischen Einfluß entzogen an und überließ daher auch zwar folgerichttg, aber doch gefährlich entsagungsvoll der Regierung diese Fra- gen. So können die Konservativen nicht sreigespro- chen werden von der Schuld, zumindest den verhängnisvollen außenpolitischen Kurs widerspruchslos geduldet zu haben, wobei noch hinzugefügt werden muß, daß die außenpolitischen Kardinalfehler bereits im wesentlichen der Aera Bülow zur Last fallen, während sich der Hauptangriff der mit den Konservativen in außenpolitischen Fragen vielfach übereinstimmenden, aber in der Kritik sich keine Be- chränkung auferlegenden Alldeutschen gegen Veth- nann-Hollweg richtete. Wie man die Außenpolitik hinnahm, ohne den Versuch zu machen, auf sie Einfluß zu gewinnen — wobei dahingestellt bleiben muß, ob das Verhängnisvolle der Bülowfchen Politik damals schon von den Konservativen durchschaut worden ist —, so blieb der konservativen Par- tei auch in den Wehrfragen nichts anderes übrig, als die Regierungspolitik nach Kräften zu unterstützen. Die Frage, ob die Anträge der Regierung genügten, um das Heer für die drohende große Auseinandersetzung schlagfertig zu erhalten, über- ließ man den zuständigen Stellen. Gerade die überraschende Zurückhaltung der Konservativen zu die- sen beiden Fragen, vom Grafen Westarp mit einem entschuldigenden Unterton festgestellt und durch zahlreiche Dokumente erhärtet, widerlegt eindeutig die törichten Behauptungen des Auslandes von dem überragendeck Einfluß einer zum Kriege treibenden Partei auf Außen- und Wehrpolitik des Reiches. Die Konservativen, die man gerne mit den Alldeutschen identifiziert, haben so wenig wie diese irgendeinen bestimmenden Einfluß auf die Außenpolitik genommen, ja nicht einmal gesucht. ,T>es Königs attergetreuefte Opposition" sah ihr Wir- kungsfeld ganz überwiegend auf innerpolitischem Gebiet. Daraus erklärt sich auch, daß Herr von Heydebrand, der Führer der konservativen Fraktion im preußischen Landtag, nicht nur die interessanteste, sondern auch die ausschlaggebende Persönlichkeit des Konservativismus im Vorkriegsdeutschland gewesen ist. Er übte auch auf die konservative Politik im Reichstag den denkbar stärksten Einfluß aus. Wenn auch der sehr ins Einzelne gehenden Darstellung der parlamentarischen Kämpfe um die großen innerpolitischen Probleme dieser Zeit in den Denkwürdigkeiten des Grafen Westarp heute nur noch ein sehr beschränktes Interesse zu- kommt, so ist sie doch ein wertvoller Beleg für die gründliche, sachkundige und fruchtbare Arbeit, die im Reichstag der Vorkriegszeit z. B. bei der Reichs- Versicherungsordnung, der Reichsfinanzreform, der Sie KuMchM „DeutscheMi-er"mAarmstM Kinder um uns. Von Jo Hanns Rösler. Arno mag seine Suppe nicht essen. Um keinen Preis. Die Mutter zankt, redet gut zu, droht mit Schlägen. Nichts hilft. Ein Gewitter zieht heran, Donner kracht ums Haus, Blitze zucken. Die Mutter nimmt die gute Gelegenheit wahr: „Hörst du, der liebe Gott zankt auch, daß du deine Suppe nicht ißt!" Das hilft. Eingeschüchtert löffelt Arno seine Suppe auf. Das Gewitter schien verflogen. Aber plötzlich rollt ein neuer, dumpfer Donner. Arno sieht mürrisch zum Himmel: „Du, Mutti, was will denn der liebe Gott jetzt schon wieder von mir?" Man muß hier oft im Geiste ordnen, was sich j neben Sondersammlungen als buntes Beieinander < von Stilen und Begabungen zeigt. Weithin auch । blickt diese Kunstschau nur rückwärts Daß man - einem Thoma breiten Raum gab, darf als An- 1 requng gelten, nun in Ausstellungen immer eines • früheren Meisters zu gedenken. Und gleich verdienst- i Heb ist es, manche Lebenden wie Bühler, Hil- denbrand und W e i n s h e im er in reicher Auswahl vorzuführen. Leider spürt man auf der Mathildenhöhe in Darmstadt auch wieder eine Verwirrung in Kunstfragen. Sie muß sich zur Erkenntnis klären, daß Kunst kein Abbild, sondern Sinnbild des Lebens und der Menschenstunde zu sein hat. Und man wird von jeder zwar könne- rischen, aber leeren Schönheitsformel abrucken uno jene Wahrhaftigkeit, jene Glut des Herzens fordern müssen, die sich nicht mit geschmacklichem Schäften zufrieden geben. Vom Drang zum Charakteristischen erfüllt, gehorchte deutsche Kunst seit je auf besondere Art den schöpferischen Antrieben und offenbarte dabei mehr vom Ringen einer Zeit, als alle brav beschauliche oder schönfärberische Kunst. Auf Grund solcher Ueberzeugung ist zu prüfen, welchem Geiste ein Künstler dient Hans T h o m a erfreut-- uns, wo wir feiner redlichen re^lWe^ Malweise begegnen. Sehr viel trauliche Ge chopft lichkeit verraten Kind und Esel einer „Flucht nach Aegypten", deren Josefsgestalt eben o ergreifend ist^ Aber die Engelsallegorie, der theatralisch verzückte Blick Marias verstimmen, und fern bleiben uns die mntboloaischen Bilder, die z. T. an Bocklm anklingen g fern auch manche Niedlichkeiten. Der Thomaschuler Hans Adolf Bühler Karlsruhe treibt feine Kunst in eine gesteigerte Haltung, die sehr schön Thoma selbst gleichsam als getreuen Eckart deutschen Seins erscheinen laßt und em Menschenbild mit düster - grüblerischer Bedeutung malt Er glaubt weiter, seine „Große Familie mit einem Regenbogen drapieren zu müssen, heroisiert eine Stromlandschaft und benennt em Sreibilb Don Akten mit Namen der Mythologie, ohne erbliche Beziehung. So fesselnd seine Gestaltenzeichnung, mich her 3fenlanb=8rünnl)ilb fein taxin, bas ßanb; fcbafts- und Farbenfunoso des »Roten Reiters wirkt nur als dekorativ-phantastischer Spuk. Mötzlich steht man vor Paul B ü rck s Kartons zu einem Fresko in München wie vor der drängendsten Gegenwart, vor überlebensgroßen Entwürfen heutiger^Menschen, die uns mit einem reinen und erhebenden Adel der Form anrufen. Aber die des Gesamtaufbaues läßt befurchten, Abgleiten ins Illustrieren. Mit einem zahlreichen Wert ist noch Carl Kästner, München, vertreten, der aber mit feinem bekannten Farbendreiklang nichts Neues mehr zu sagen weiß. Im übrigen könnte man nun eine impressionistische Auswahl treffen, mit Zügels „Sauhatz" als einem frühen Kraftbeispiel, mit Seltmanns flottem Frühling im Gefolge, dessen Nordische See allerdings sehr abfällt, mit Groe - b e r 5 enkeltragender Frau, farbig lebhaft aufgelok- fert, mit malerisch fesselnden Arbeiten Eugen Kampfs und Soeders, während Ahlers- Hestermann, Beyer, Croissant, auch Urban, recht flach bleiben und an Gref eraths Temperament das Aeußerste an Stilauflösung leistet. Man könnte Künstler sammeln, die ins Großartige streben oder doch einem bestimmten äußeren Schönheitsideal huldigen. Hier wäre der „Hagelböen" Bachmanns, der „Gefesselten Kraft" Fahren- b r u ch s , des Farbenfeuerwerks in Leipolds Venedig-Bildern oder Gerhardingers Kostümpracht ,u gedenken. Auch Bayerleins „Sommernacht" bleibt im Gegensatz zum Wachaubildchen wie vieles im Dekorativen stecken. Oft wird versucht, Romantik mit überkommenen Mitteln der Stilisierung zu beleben, ja, auch das Heldische in die Natur einzubauen. Bewundern muß man dabei das Können, etwa der Münchener B r o e l E y e r, S t e p p e s. Aber wie wenig dringt es über die schöne Formel hinaus zu tieferem Sinn Das gilt auch für Bastanier. Prachtvoll reibt sich ein Weidebild des Düsseldorfers Jung- banns an. Sein Landsmann Fritz Köhler zeigt neben den nennenswerten Rheinbildern Gradls, Nürnberg, und Frieda K n i e p s, Freiburg eine Landschaft, die den neuromantischen Stil folgerichtig aus der sachlichen Blickrichtung ent- es werde bei der Ausführung viel von dieser Größe der Empfindung verloren gehen. Das Doppelaktbild der Kinder bezeichnet dann auch deutlich die weichere Haltung des Malers. Eine zweifellos starke, eigenwillige Begabung ist der Pforzheimer Adolf Hil- denbrand, bei dem man zuweilen Spuren van Goghs zu sehen vermeint, in selbständiger Formensprache verarbeitet. Am reifsten sind seine Landschaften von der Art des Vogelbeerbaumes, des Brandweierbildes, der Tallandschaft mit Tauben. Manchmal bleibt noch ein ungelöster Rest vordringlicher Mittel. Aber aus dem totgepaarten Selbstbildnis spricht ein überzeugender Ernst, der auch der „Familie" eine tiefe Empfindung mitgibt und dem Antlitz des Totengräbers, den Eltern, den Kriegskameraden, das Wesentliche abliest. Ein vielseitig anregbarer, Motivstimmungen und Farbenreizen einfühlend folgender Maler ist der in Florenz lebende Weinsheimer, ein erzählender Poet, womit auch seine Problematik angedeutet sei, fein wickelt. Auch Hermann Kunzes Königskerze gerät so in romantisches Schwingen. Ueckers „Am Wege" fei ihm beigeordnet. Es gibt auch Porträts der Neuen Sachlichkeit, von Henrich, Düsseldorf, und Padua, München, die ihre Malform sehr sicher beherrschen. Dann noch eine Gruppe der falschen Herztöne. Eine Ge- novefa ist bezeichnend, und manchmal glaubt man sich in die Zeit des Jugendstils versetzt. Um so mehr erfreut ein Dreitafelbild Wilhelm Hallers, Freiburg, das in feiner schlichten Menschendarstellung und Naturliebe echtes Erleben ausdrückt. Und Herdts „Hohlweg bei Noreuil" erschüttert durch die graue Trostlosigkeit des Schlachtfeldes. Eine zärtliche Arbeit ist Haiders Angelika. Fritz E r I e r hat ein Bild Hindenburgs beigesteuert, Fritz Haß, München, malt den Führer in der vollen Ergriffenheit des Redens. „Mutter und Kind" malt Plontke, Berlin, mit genrehaft schildernder Liebenswürdigkeit. Poetzelberger, München, aber trifft unmittelbar die Idee. Nichts wird umschrieben, das Wesentliche tritt desto packender hervor. Auch Maier, Stuttgart, liefert einen ausdrucksvollen, zeitgemäßen Beitrag. Schließlich finden wir zahlreiche schlicht-volkstümliche Arbeiten: aus der hessischen Heimat von Bantzer, Beithan, Eimer, Hoelscher, Zernin, und selbst der neunzigjährige K r ö h zeigt sich rüstig am Werk. Ein Wort noch über die Plastik. Man wird davon den Darmstädter Jobst mit seinem feingeformten Kinderkopf, ein strenges Frauenantlitz des Nürnbergers Brückner, Schmid-Ehmens Streicherporträt, den trefflichen S ch l i e ß l e r , Karlsruhe, den kraftvollen Saarländer Claus und die Stehende Richard S ch e i b e s, Frankfurt a. M., im Sinn behalten. Karl Ludwig Stork. Der Lehrer sprach über Sprichwörter. „Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Wer weiß ein Beispiel?" Rief Rudi: „Meine Hose, Herr Lehrer!" * Die gute Mutter kam nach Hause. Drei Stunden war sie fortgewesen. Die Kinder warteten in der Küche. Evi lief ihr sofort entgegen. Fiel ihr stürmisch um den Hals. Herzte und küßte sie. „Gute Mutti! Liebe Mutti! Schöne Mutti!" Der sechsjährige Hans stand daneben wie ein Klotz. „Siehst du, Hans", sagte die Mutter, ,,bein Schwesterchen ist viel lieber zu mir, als du!" Der Junge nickte erwachsen: „Ja, Mama, aber ich habe auch nicht vor zehn Minuten die große Vase im Speisezimmer zerbrochen!" Mümmchen sieht im Zoo zum erstenmal einen Tiger. „Schau, Mutti!", ruft sie begeistert, „das Tier trägt dort genau so einen Mantel wie du!" Latein ist die Sprache der Sprachen. Das wenigstens fand der Professor. Die Sextaner fanden es weniger. „Was heißt femina?", fragte der Professor. Femina heißt die Frau. Das weiß alle Welt. Nur der Schäler wußte es nicht. Der Professor half ihm. „Es fängt auch im Deutschen mit F an, Walter. Der kleine Walter wußte es noch immer nicht. „Wenn du heimkommst, wirst du es in der Küche finden." „Eine Fliege, Herr Lehrer!" „Unsinn! Es fängt mit F an, dein Vater hat es und später wirst du es haben!" Da endlich geht dem kleinen Walter ein Seifensieder auf und er sagt: „Unser Fischwarengeschäft, Herr Lehrer!" Herbert verschlingt hastig seine Schokolade. „Langsam essen, mein Junge", mahnt die besorgte Mutter. „Warum denn, Mama?" „Weil es dir schadet. Ich habe einmal einen kleinen Jungen gekannt, der hat seine Schokolade so schnell auf einmal zusammengegessen, daß er geplatzt ist, bevor er mit der Hälfte fertig war!" Herbert interessierte die Sache mächtig. Seine erste Frage lautete: „Du, Mama, was ist denn dann mit der übrigen Schokolade geworden?" Agrar-, Mittelstands-, Wirtschafte und SozialpoN- tik geleistet worden ist. Hinter der Sache treten m der Darstellung Westarps die Männer im allgemein nen zurück. Nur für wenige Persönlichkeiten wie Heydebrand und Bethmann gewinnen wir ergänzende Striche zu ihrem politischen Portrait. Der schlichte, fast nüchterne Stil Westarps nimmt seinem Buch die lebendige Farbigkeit anderer Denkwürdlg- keiten, aber der Ernst und die Gewissenhaftigkeit seiner Darstellung, die Polemik rein um des Polemischen willen vermeidet und auch politischen Gegnern anständige Gesinnung und Vaterlandsliebe nicht abspricht, wenn dafür kein triftiger Grund vorliegt, machen die Denkwürdigkeiten des Grafen zu einer durchaus sympathischen Lektüre. Man wird gespannt sein dürfen auf den zweiten Band, defsen Erscheinen für den Herbst angekündigt ist und der sich wohl vorwiegend mit der so sehr umstrittenen preußischen Wahlrechtsreform während des Krieges beschäftigen dürfte e* Wirtschaft. Förderung des Flachs- und Hanfbaues im Lahre 1936. DNB. Die Maßnahmen der Reichsregierung zur Forderung des Flachs- und Hanfbaues im Jahre 1935 haben zu einem beachtlichen Erfolg geführt. Die Hanfanbaufläche ist von etwa 300 Hektar auf über 2600 Hektar gestiegen, die Flachsanbaufläche hat sich gegenüber dem Vorjahre nahezu verdreifacht. Dadurch wird mindestens die Hälfte des Bedarfes der deutschen Leinenindustrie an Flachsfaser gedeckt. Eine weitere Steigerung der Anbaufläche für Flachs und Hanf muß jedoch unter allen Umständen erstrebt und im Jahre 1936 erreicht werden. Um hierfür die wirtschaftlichen Voraussetzungen zu schaffen, hat die Reichsregierung schon jetzt entschieden, daß die bisherigen Förderungsmaßnahmen auch im Jahre 1936 fortgeführt werden. Die Landwirtschaft wird diese frühzeitige Entscheidung begrüßen, weil sie dadurch die Möglichkeit erhalt, bei der Aufstellung der Bestellungspläne für das kommende Jahr, die bereits im Frühherbst erfolgt, eine möglichst erhebliche Vermehrung des Flachs- und Hanfanbaues vorzusehen. Oie Eierversorgunq im Herbst und Winter. Mit dem Beginn des Herbstes wird die Hausfrau in den einschlägigen Geschäften Eier zum Kauf angeboten erhalten, die den Aufdruck „K-Eier" tragen. Diese K-Eier sind Eier, die während der Zeit der sogenannten Eierschwemme in Kühlhäusern eingelagert wurden. Die Kühlhauseier unterliegen keinerlei chemischer Behandlung. Ihre Haltbarmachung wird lediglich dadurch erreicht, daß die Temperatur in den Kühlhäusern nahe an den Nullpunkt gebracht wird, wodurch sich die Wachstumsbedingungen für die Bakterien verschlechtern. Kühlhauseier sind dementsprechend keineswegs als minderwertig anzusehen. Die in diesem Jahre in Kühlhäusern eingelagerten Eiermengen sind so groß, daß wir gut über den Winter hinwegkommen.. Die in den Kühlhäusern fortlaufend vorgenommenen Ueberwachungen haben ergeben, daß die Eier dank der großen Sorgfalt bei der Einlagerung absolut vollwertig sind. Sie werden in diesem Jahre den Verbrauchern in Form einer wesentlich besseren Güte als im Vorjahre zugutekommen.' * * Anmeldefrist für saarländische Schuldverschreibungen bis 1. Sept, verlängert. Nach einer zweiten Bekanntmachung der Reichsstelle für Devisenbewirtschaftung über die Anmeldung saarländischer Schuldverschreibungen vom 20. August ist die bis zum 1. August 1935 gesetzte Frist bis zum 1. September 1935 verlängert worden. * Erhöhung d e s Emissionskurses für verzinsliche Reichsschatzanweisungen. Infolge der anhaltenden Nachfrage nach verzinslichen Reichsschatzanweisungen ist der Zeichnungskurs für die 4,5-v. H.-Abschnitte per 1. März 1939, der sich bisher auf 100,40 v.H. stellte, auf 100,50 v.H. erhöht worden. * Die Dividendenaussichten bei Klöckner. Bei der Klöckner-Werke-AG., Castrop-' Rauxel, ist nach den Erkundigungen des DHD. sicher damit zu rechnen, daß mindestens wieder eine Dividende in der Höhe des Vorjahres von 2,5 v. H. aus das Aktienkapital von 105 Millionen Mark verteilt wird. Sollte eine Erhöhung des Vorjahressatzes vorgenommen werden, wozu auf Grund der voraussichtlichen Ergebnisse die Möglichkeit besteht, so wird man — soweit sich das jetzt schon übersehen läßt — kaum über 3 v. H. hinausgehen. Das Unternehmen hat auf Grund der Absatzbelebung am Eisenmarkt im verflossenen Geschäftsjahr zweifellos so gearbeitet, daß neben der Gewinnausschüttung auch allen Abschreibungserfordernissen entsprochen werden kann und die Liquidität eine weitere Besserung erfahren haben dürfte. * Die Bremer Hansa gibt den La- P l a t a = D i en ft auf. Die Deutsche Dampfschifffahrtsgesellschaft Hansa, Bremen, gibt den zu Anfang des laufenden Jahres aufgenommenen La- Plata-Dienft wieder auf. Durch diesen Entschluß der Bremer Hansa wird die einheitliche Bereederung des Südamerika - Ostküstendienstes durch die Hamburg-Süd nunmehr sichergestellt. Die drei der bisher im La-Plata-Dienst der Bremer Hansa beschäftigten Schiffe werden an die Hamburg-Sud ver chartert. Die letzte Abfahrt von „Rosario" für Rechnung der Hansa soll am 27. Oktober stattfinden, dann gehen die drei Schiffe in Hamburg-Süd-Charter über. Mein-Mainische Börse. lUitfagsbörfe fester. Frankfurt a. M., 21. Aug. Die Börse brachte am Aktienmarkt überwiegend weitere leichte Befesttgungen, da in Spezialwerten einige Aufträge der Kundschaft Vorlagen. Auch die Kulisse ging etwas aus ihrer Reserve heraus und betätigte sich etwas mehr als bisher am Geschäft. Das absolute Ausmaß der Umsätze blieb dennoch recht klein. Die Börse empfing von einigen günstigen Wirtschaftsmeldungen etwas Anregung. Etwas größeres Geschäft hatten am Elektromarkt AEG. zu 42,25 (41,13), Bekula gewannen 0,25 v. H., Licht und Kraft 0,65 v.H., Mainkraft nach Pause 0,50 v.H., während im übrigen noch leichte Rückgänge eintraten, mehr ermäßigt waren Siemens (— 0,90 v. H.) und Thür. Lieferung (— 1 v. H.). Montanwerte notierten ebenfalls uneinheitlich. Dem erhöhten Juli - Absatz des Braunkohlen-Syndikats stand ein jahreszeitlicher Rückgang der Kohlenförderung gegenüber. Leicht befestigt waren Stahlverein mit plus 0,40 v. H., ferner zogen Otavi Minen auf 19,75 (19,50) an, dagegen gaben Harpener, Rheinstahl und Mannesmann je 0,25 o. H. nach, Hoesch und Buderus lagen unverändert. Kaliaktien blieben gut behauptet. Interesse zeigte sich erneut für Daimler Motoren zu 105 (103,75), ferner lagen Metallgesellschaft 1,25 v. H. und Deutscher Eisenhandel 1 o. H. fester. Don Maschinenwerten zogen Muag auf die Auslassungen über den Geschäftsgang auf 77,65 (77) an, MAN. 97 (96,50). Etwas lebhafteres Geschäft hatten ferner IG. Farben mit 159,65 bis 160 (159,25) und Kunstseide AKU. mit 63,40 (63). Schiffahrtswerte konnten sich weiter mäßig erholen, Hapag 14 (13,75), Nordd. Lloyd 16 (15,65), auch Zellstoffaktien lagen bis 0,50 o. H. freundlicher. Etwas niedriger lagen Reichsbank und Deutsche Linoleum mit je minus 0,25 v. H. Der Rentenmarkt lag wohl still, aber freundlich. Starke Beachtung fand die merkliche Ueberzeichnung der Reichsbahn-Schatzanweisungen. Etwas gefragt waren Kommunal-Umschuldung und Altbesitz mit je plus 5 Pf., dagegen bröckelten Späte Reichsschuldbuchforderungen auf etwa 97,25 (97,40) ab, Zinsvergütungsscheine lagen mit 90,65 unverändert. Von Industrie-Obligationen bröckelten 6 v.H. Stahlverein 0,25 o. H. ab, 6 o. H. Krupp lagen 0,25 v. H. höher. Don fremden Werten erhöhten sich Anatolier I und II auf 40,50 (40,25). In der zweiten Börsenstunde bröckelten die Kurse infolge der starken Geschäftslchrumpfung zumeist um 0,25 bis 0,50 v. H. ab, Thür. Lieferung verloren nochmals 1 v. H. auf 122. Etwas höher lagen noch Rheinstahl, AKU., MAN., Gesfürel, Rheag und Deutsche Linoleum bei Erhöhungen bis 0,75 v. H. Die später zur Notiz gekommenen Werte lagen uneinheitlich, aber ohne größere Abweichungen. Am Kassamarkt ermäßigte sich die Taxe für Klein, Schanzlin 'if 88 Brief (90, 1. K. 97). Auch am Rc. .imarft war das Geschäft klein, etwas höl,er lagen erneut Kommunal-Umschuldung, während Altbesitz etwa 10 Pf. nachgaben. Am Kassarentenmarkt bestand eher Nachfrage. Von Goldpfandbriefen zogen die beiden Frankfurter auf 96,75 (96,65) an, Kommunal-Obligationen lagen unverändert, Liquidationspfandbriefe etwas uneinheitlich. Auch für Stadtanleihen war die Kursbildung ungleichmäßig. 6 v. H. Dollar-Schätze von 1923 blieben weiterhin gesucht und waren ohne sichere Bewertung (1. K. 91,80). Ausländische Anleihen lagen ruhig, höher gesucht waren Schweizer Bundesbahn-Obligationen. Tagesgeld blieb zu 2,75 v. H. unverändert. Mbenbbörfe knapp behauptet. An der Abendbörse herrschte nach den Abschwächungen im Mittagsschlußverkehr stärkste Zurückhaltung. Es erfolgten noch kleine Abgaben, auch von Bankseite sollen keine Verkäufe vorgenommen worden sein. Im Durchschnitt bröckelten die Kurse gegen den schon stärker ermäßigten Berliner Schluß um weitere 0,25—0,50 v. H. ab. IG. Farben notierten mit 158,25—158 (158,90), Hoesch mit 100,25 (100,75), Harpener mit 115,75 (116,50), Metallgesellschaft mit 114,50 (115,25) und Hapag mit 13,50 (13,90). Elektroaktien lagen durchweg 0,25 v. H. niedriger. Etwas höher lagen andererseits Reichsbank mit 188 (187,50), Th. Goldschmidt mit 112,50 (112). Scheideanstalt blieben zu 240 gut behauptet. Daimler Motoren waren zu 103,50 angeboten. Von Grohbankaktien gingen Commerzbank weiter zurück auf 94,50 (94,75). Srantfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 21. Aug. Das Geschäft am Getreidegroßmarkt blieb klein. Das angebotene Kontingentgetreide wird von den Mühlen ausgenommen, dagegen bleiben die Verwertungsmöglichkeiten für freies Brotgetreide schlecht. Futtermittel aller Art blieben bei sehr knappem Angebot gesucht, Kleie war nur bei gleichzeitigem Bezug von Mehl erhältlich. Futter- und Jndustriegerste waren nicht angeboten. In neuem Hafer lag ebenfalls kein Angebot vor. Das Mehlgefchäft blieb sehr ruhig. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilo) in Reichsmark: Weizen W13 197, W 16 200, W 19 204, W 20 206. Roggen R 12 160, R 15 163, R18 167, R19 169; Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Hafer H13 170, H 14 172; Großhandelspreise ab Station. Bei Wasserverladung über 100 Tonnen 3 Mark mehr. Weizenmehl W 13 27,70, W 16 28,15, Roggenmehl Type 997 R12 22,45, R 15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50, plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizennachmehl 17,25, Weizenfuttermehl 13,50. Weizenkleie W13 10,92, W16 11,13. Roggenkleie R12 9,95, R15 10,15, R18 10,40, R19 10,50; Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Trockenschnitzel 10,25, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt oder gebündelt, 2,40 bis 2,50. Schweinemarkt in Gießen. Auf dem gestrigen Schweinemarkt in Gießen standen 171 Ferkel zum Verkauf. Es kosteten: Ferkel bis sechs Wochen alt 22 bis 24 Mark, sechs bis acht Wochen alte 24 bis 28 Mark, acht bis dreizehn Wochen alte 28 bis 34 Mark. — Tendenz gut. Schweinemarkt in Friedberg. LPD. F r t e b b e r g , 21. Aug. Auf dem heutigen Schweinemarkt wurden folgende Preise gezahlt für bis sechs Wochen alte Ferkel 15 bis 18 Mark, sechs bis acht Wochen alte 18 bis 23 Mark, acht bis zwölf Wochen alte Tiere 23 bis 30 Mark. Der Handel war sehr flott. Der Auftrieb wurde restlos verkauft. Frankfurter Pferdemarkt. LPD. Frankfurt a. TI., 21. Aug. Der Frank- furter Pferdemarkt hatte bei einem Auftrieb von nur 250 Tieren schleppenden Handel. Für volljährige mittelschwere Arbeitstiere wurden die bisherigen Preise gehalten. Geringere Zugtiere waren etwas billiger als im Vormonat. Der Umsatz in dieser Gattung war zufriedenstellend. Schlachtpferde (im Verhältnis zur Nachfrage wenig angetrieben) wurden in erster Qualität bis zu 37 bis 39 Mark je 50 Kilogramm Schlachtgewicht bezahlt. Der nächste Pferdemarkt findet am 15. Oktober statt. Frankfurter Schtachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 22. Aug. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 13 Rinder (3 Ochsen, 1 Bulle, 4 Kühe, 5 Färsen), 654 Kälber, 76 Schafe, 496 Schweine. Es kosteten: Kälber 42 bis 67 Mark, Hämmel 35 bis 41, Schafe 35 bis 37, Schweine 54 Mart. — Marktverlauf: Kälber, Hämmel und Schafe mittelmäßig, Schweine sehr flott. Die Versorgungslage bei Obst und Gemüse. Der überraschende und ganz ungewöhnliche Witterungsoerlauf hat sich in diesem Jahre im Obst- und Gemüsebau besonders stark ausgewirkt. Ganz späte Fröste, die gestrengen Herren mit großem und teilweise sehr unpünktlichem Gefolge, dann wieder frühe und anhaltende „Hundstage", sehr unterschiedliche Verteilung der Niederschläge im Reichsgebiet usw. usw. hatten erheblich geringere Marktanlieserungen zur Folge. Vergleichen wir den bisherigen Verlauf an den Obst- und Gemüsemärkten mit der Entwicklung und der Preisbildung in Jahren ähnlicher Witterungs-, Wachstums- und Ernteverhältnisse, dann wird der Unterschied zwischen dem regel- und zügellosen Treiben früherer Obst- und Gemüsekonjunkturen und einer der Disziplin der Marktordnung unterworfenen Bedarfsdeckungswirtschaft ganz offenbar. Dieser Vergleich gibt erst das wahre Bild. Freilich kann man nicht irgendwelche Preise herausgreifen und diese dann mit dem Preisstand zur gleichen Zeit des Vorjahres in Beziehung fetzen. Schließlich muß man berücksichtigen, daß ganz allgemein die Erntezeiten in diesem Jahre gegenüber dem Vorjahre bis zu etwa vier Wochen verspätet gewesen find. Das bedeutet, daß auch der naturbedingte Ablauf der Preisentwicklung sich um die entsprechende Zeit verschiebt. Bei der Frühgemüseversoraung ist diese Erscheinung ganz offenbar gewesen. Anfängliche Befürchtungen in Verbraucherkreisen, daß Verteiler oder vielleicht auch Erzeuger die Frühgemüsepreise aus einer im Vergleich mit dem Vorjahre ungerechtfertigten Höhe halten wollten, wurden schnell hinfällig, als die durch Frostschäden und ungünstige Wachstumsbindungen verzögerten Hauptanlieferungen einsetzten. Am Obstmarkt lagen und liegen z. T. noch heute die Verhältnisse ganz ähnlich. Allerdings kann nicht außer acht gelassen werden, daß die Obsternte nun einmal geringer ausgefallen ist, als im Vorjahre. Die Aufgabe der Marktordnung ist, die erzeugte Ware so zu lenken, daß sie zu angemessenen Preisen zum Verbraucher kommt. Die Grenzen dieser Arbeit werden von der Natur gezogen. Auch die beste Methode der Marktregelung kann mengenmäßig das natürliche Ernteergebnis nicht korrigieren. Aber es konnte doch durch die Marktordnung verhindert werden, daß diese für spekulative Betätigung so reizvolle Entwicklung etwa zum Schaden der Erzeuger und der Verbraucher ausgenuhk würde. Auch das Ausland hat in diesem Jahre gerade bei Obst erheblich geringere Ernten zu verzeichnen, und die Preissteigerungen, die als Folge der dortigen freien Marktentwicklung in einigen Ländern zu verzeichnen sind, können schon als sehr beträchtlich bezeichnet werden. Damit ist auch der Möglichkeit, das geringere deutsche Ernteergebnis durch Einfuhren auszugleichen, eine recht enge Grenze gezogen. Würde Deutschland bei den ohnehin nach oben neigenden Obstpreisen im Auslande noch in größerem Umfange als Käufer auftreten, so müßten die Auslandspreise sich bald auf einer Höhe bewegen, die für unsere Verhältnisse fast unerschwinglich wäre. Soweit es irgendwie unsere Devisenlage zuläßt, wird auch schon auf das Ausland zurückgegriffen. Früher wurde der deutsche Markt mit Auslandswaren geradezu überflutet. Die deutsche Erzeugung wurde vernachlässigt. Diese Sünden der Vergangenheit rächen sich auch heute noch, indem die Leistungsfähigkeit der deutscken Erzeugung trotz aller schon recht erfolgreichen Anstrengungen noch nicht den notwendigen Stand erreicht hat. Der Rückgriff auf Auslandsware muh sich in dem Gefamlrahmen unserer Devisenwirtschast auch stets in solchen Grenzen hallen, dah die Rohstoffversorgung der deutschen Industrie davon nicht berührt wird. Denn an erster Stelle steht immer noch im deutschen Aufbauprogramm die Arbeitsbeschaffung. Uebrigens haben die in der letzten Zeit gefallenen Regenmengen einen sehr günstigen Einfluß auf. bie Gemüsekulturen ausgeübt. Die Anlieferungen an den Märkten nehmen zu. Wir sind jetzt, wenn auch mit der durch die Witterung bedingten Verspätung, an dem Zeitpunkt angelangt, wo die Preisentwicklung sich auf die Mafsenanlieferungen aus der Haupternte einstellt. Die Preise für Gurken, Bohnen und überhaupt für Mafsengemüse neigen nach unten. Den Tomatenkulturen ist das kühlere Wetter zunächst nicht günstig gewesen, jedoch werden hier einige Tage anhaltenden Sonnenscheins die Anlieferungen an ausgereisten Früchten wieder steigen lassen. Die Versorgung der Konservenindustrie mit Gemüse ist nach den bisher vorliegenden Berichten und den weiteren Ernteaussichten völlig gesichert. Für eine ausreichende Belieferung der Marmeladenindustrie, vornehmlich mit dem für die Marmeladenherstellung besonders wertvollen Frühobst, sind alle Maßnahmen getroffen. Die Zwiebelernte, die nach der anhaltenden Trockenheit in den Haupterntegebieten zunächst wenig günstig beurteilt wurde, verspricht jetzt recht gut zu werden. Ein Teil der für die Einlagerung nicht geeigneten Frühzwiebelernte wird im Export zur Hereinnahme der anderweitig benötigten Auslandware Verwendung finden. Die Haupternte verspricht nach der bisherigen Entwicklung eine vorzügliche Zwiebelqualität und wird unter Ausnutzung der inzwischen auf einen sehr hohen Stand gebrachten Kühltechnik bis in die Monate hinein gut den deutschen Bedarf decken können, wo mir in früheren Jahren schon auf die Zwiebeleinfuhr angewiesen waren. Auch hier gestattet die Marktordnung, genau so wie bet der Obstverwertung, durch eine planvolle Steuerung der Verwertung die Erhaltung großer volkswirtschaftlicher Werte und damit eine Dorratswirt- schäft zum Preisausgleich zugunsten der Verbraucher gerade in den Monaten, in denen sonst infolge zu Ende gehender Vorräte die Preise in die Höhe kletterten. Kurszettel dek Berliner und Frankfurter Börse. Frankfurt e. M Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. W. «Berlin Datum 20 8 21.8. 21.8. 20.8 11,75 13,75 13,5 14 98,5 97,65 133 4J Banknoten. Zellstoss Waldhos .... Hellstoff Aschaffenburg Dessauer (Hai ....... 29,25 29,75 9,8 35 tä 203 Die hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt besch loffenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o H., Lombardzinsfuß 5 o. H. 108,13 113,25 103.5 163,5 109 114 115,75 100,25 108,5 113,75 109 113,9 6,35 8,65 5,25 97,75 123,5 133 63,13 118,5 119 89 7 7 41,5 143,25 117,75 137,65 110,5 129,75 148,25 134,5 130 183 95 95 188 95,25 95,25 188,5 6,35 8,65 5,25 40.65 63 119 118,5 88,5 30,25 286 190 160 111,9 63,13 118,5 118,4 88,65 137,25 103,65 163,25 90,25 30,13 288 190 159,9 15,75 86,75 118,5 95 30,13 287 190,75 159,75 35,75 102,75 203 116,75 103 15,65 87 120 95 41,13 143,5 118 137 110,75 131,75 148,5 136,65 130,9 184,75 134,75 117 102,65 170,5 131,5 101 94,13 13,9 28,5 16 86,65 119,5 95 95 95 187,5 16 86,75 119 94,5 41,4 143,5 117,25 137,5 110 129,75 148,5 134,75 130,4 183 135,25 Schluck, mittag» börse Schluß- furtf 132,5 99,5 92,75 Schluß!. Abend» börsc Schlußkurs 116,5 100,75 170,5 132,25 99 92,75 132,5 101,25 94 111 63,4 118.5 118,25 89 137,75 103,5 163.75 89,75 30 286,75 189,25 160 95,25 95,25 188,5 O] 98,5 0 123,75 9,8 12 8,5 5,2 40,25 Daimler Motoren ‘ Deutsche Linoleum Aecumulatoren-Fabrik öonti-tSummi....... Philipp Holz mann .... ßcmenttoerf Heidelberg Eementwerk Karlstadt.. 29,5 1,55 9,8 9,5 9,75 11,9 9,75 9,5 9,65 11,65 9,85 9,75 9,8 11,9 Lrenstein S Koppel .. Westdeutsche Kaufhof. Cbade ............. 41,13 143,75 118 137 110,5 131,75 148,5 136,75 130,5 185,9 134,4 Schultheis Patzenhofer ....... 4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O Bemberg...................o “ . 0 0 7 0 0 0 12 8 11,75 6,3 8,5 5,2 40,5 4% Oesterrelchstche Golbrente.... 4^0% Lesterreichische Silberreutc 4% Ungarische Goldrente ....... 4% Ungarische Staatsrente ö. 1910 4%% desgl. von 1913.......... 6% obgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische BagdadbahN'Anleihe Serie I..................... Gritzner...................... zgi Mainkraftwerke Höchst a.gu„ 4 — Süddeutscher Zuck« 202,25 ! 4% desgl. Serie II ............. 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4V,°/oRumän.vereinh.Rentev.l91g 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2%% Anatolier ............... 103,75 i 163,25 Hamburg-Amertka-Pakel .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiss. 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt, .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz, und Prioat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................0 Dresdner Bank............... Reichsbank ................12 Buderus ............... 0 Deutsche Erdöl .......... 4 Gelsenkirchener........ O Harpener...................0 Hoesch Eisen—Köln-Neueste« .. O Ilse Bergbau ....... Ilse Bergbau Genüsse Klöcknerwerke ....... Mannesmann-Röhrn» A.E.V......................0 Bekula.................... 10 Siehr. Lieferungsgesellschast... 5 Licht und Straft ........... 6% Felten & Guilleaume......... 0 Gesellsch.s.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........5 Rhein. Wests. Gleite..........6 Schlickert & (jo. Siemens & Halske. LohmenerLCo. .. Frankfurt a.M. Berlin Schluß» fur4 Schluß!. Abend- börse Schluß» furi Schluß!. Mittag» börse Datum 20.8. 21.8 20-8 21.8. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 101 101,25 101,5 101,5 4% Deutsche Reichsanl. von 1994 97,5 97,75 97,7 97 6!/2% Doung-Anleihe von 1930 Deutsche Anl.»Ablös.»Schuld mit 103,25 103,4 103,5 103,5 Anslos.-Rechten ............. 111,75 111,65 111.75 111,8 4*/!% Deutsche Relchspostschatzan- Weisungen von 1934, 1....... 6% cüem.8% Hess. Volksstaat 1929 100,6 100,5 100,65 100,5 (rückzahlb. 102%)............ 4K«% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 97,65 97,65 — 97,65 96,65 96,65 96,5 6y,% ehem. Hess. Landes-Hypo- thekenbanl Darmstadt Liaui ... 4ft% ehem. 8% Darmst. Komm. 100,75 100,75 — — LandeSb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit 93 93 — — Auslos.-Rechten ............. 128,5 128,5 _ 126,5 Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4 /t% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank 115,25 115,75 115,5 115,5 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 96,65 96,65 * — i>/2% ehem. 4%% Franks. Hyp.» Bank-Liyu.-Pfandbriefe....... 101,25 101,15 5Vi% ehem. 4'/,% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe..... 101,75 101,75 101,75 101,75 4y2% ehem. 8% Pr. Landespfand, briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 97 97 97 97 4y,% ehem. 7% Pr. Landespfand. briesanst., Gold Komm. £61.VI 97 97 97 97 Steuerflutf*. Verrechnung«!. 35-39 107,4 107,4 107,4 Frankfurt a. M. Berlin Schluß« kurs Schlußk. Abend» börse Schlußkurs GcNlußk. Mittagbörse Datum 20-8. 21-8. 20.8. 21 8. Mansselder Bergbau .. ....... 1 116,5 — 116 116 Kokswerke ........... — 122 120 Phönix Bergbau....... .......O - — Rheinische Braunkohlen .....12 224,25 222,75 225 223,25 Rheinstahl ........... .....6V1 118,25 117,5 118,75 117,75 .......c 88,13 87,4 88,13 87,25 .......0 19,5 19.75 19.65 19.5 Kaliwerke Aschersleben. .......6 139,5 139,65 139,4 138,75 Kaliwerke Westeregeln . .......5 134,0 134,5 134,75 134,5 Staliroede Salzdetfurth .....IVi 200 198 199 198,13 JJ. G. Farben-Jndustrie .......7 159,25 158 159,25 158,9 .......1 239,5 240 — — Goldschmidt ......... .......O 113,5 112,5 114 112 Rütgerswerle ........ .......4 121,5 — 121,5 121,5 MetaUgeiellschast...... .......4 114,5 114,5 115 115,25 20-August 21 .August Amtliche Geld Notierung Lries Amtliche Notierung Gelb Bries Buenos Aires 0,666 0,670 0,666 0,670 Brüssel .... 41,87 41,95 41,86 41,94 Rio de Jan. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia..... 3,047 3,053 3,047 Kopenhagen 55,07 55,19 55,12 55,24 Danzig .... 46,97 47,07 46,965 47,065 London.... 12,335 12,365 12,345 12,375 Helsingfor». 5,435 5,445 5,44 5,45 Paris ..... 16,43 16,47 16,43 16,47 Holland ... 167,85 168,19 167,76 168,10 Italien.... 20,33 20,37 20,36 20,40 Japan..... 0,729 0,731 0,729 0,731 Jugoslawien 5,684 5,696 5,684 5,696 Oslo..... 62,00 62,12 62,05 62,17 Wien...... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon... 11,18 11,20 11,19 11,21 Stockholm.. 63,60 63,72 63,65 63,77 Schweiz ... 81,06 81,22 81,05 81,21 Spanten... 34,03 34,09 34,03 34,09 Prag...... Budapest .. 10,30 10,32 10,31 10,33 Reupork... 2,476 2,480 2,478 2,482 Berlin, 21 .August Geld Bries " Amerikanische Noten.............. 2,43 2,45 Belgische Noten.................. 41,72 41,88 Dänische Noten ................. Englische Noten ................. 12,35 Französische Noten.............. 16,38 16,44 Holländische Noten............... 167,34 168,02 Italienische Noten................ 19,46 19,54 Norwegische Noten .............. 61,84 62,08 Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten............... — — Schwedische Noten............... 63,43 63,69 Schweizer Noten................. 80,82 81,14 Spanische Noten................. 33,67 33,81 Ungarische Rote» ................