Ur. 27 2 Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 21. November 1955 * Alf • Annahme »°n »nze.g«n ä:iiliAMAHA« llü4AiAAM S;8!*S5 Heimat im Bild - Die Scholle fl BW» B Ä Vf W ▼ IW Bj W IbIT HH Hf B JF fflW B V 5» hI^ Grundpreise für 1mm höhe MonatsBezugrprels: ■|K| ByZ BA H/ B B KT B W B I I A B^< B B B B ftir Anzeigen von 22 mm Mit 4 Beilagen RM.1.95 Hi ll Bf RI Bf B B Bf B /Bll ||| B Breite 7 Rpf., für Text- Ohne Illustrierte 1.80 ^Br V B B B B B B >B B B ^B HBk B Bl B Bk B anzeigen von 70mm Breite Zustellgebühr .. VW | B W B W W B & 1 wBWl WW 50 Rpf.,Platzvorschrift nach Auch bei Nichterscheinen B B w ^F ■ ” ▼ W vorh.Dereinbg.25°/„ mehr. SÄÄ VIZ V AF cmakigte «greife: j MW General-Anzeiger fit Sberhessen WZ 8tonm.rt am Main liess Prüft und Verlag: vriihl'sche Univerfitäts-Vuch- und Steindruckerei «.Lange in Siehrn. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel B Reue Lage im Kernen Osten. 3m Schatten Sunjatsens. Zum erstenmal seit vier Jahren hält die Kuomintang, die chinesische Regierungspartei, wieder einen Landeskongreß ab. Der radikale Flügel in Kanton und der gemäßigte in Nanking haben sich geeinigt. Am Geburtstag ihres Gründers Sunjatsen ist der Kongreß mit der üblichen Feier vor dem Mausoleum des 1925 Verstorbenen eröffnet worden. Vergeblich hatten die Japaner versucht, die Kantonesen von dem Wiedereintritt in die Kuomintang abzuhalten. Ein dorthin entsandter japanischer General, der das Rezept von Zuckerbrot und Peitsche anzuwenden versuchte, erlitt eine klare Niederlage, und feit der Juliproklamation der japanischen Kwantung-Armee, die die Unterstellung ganz Chinas unter Japan heischte, ist Marschall Chiang kai-sheck wieder antijapanisch orientiert. Als Sunjatsen seinen Kampf um die nationale Selbstbestimmung des Chinesentums aufnahm und sich gegen die Privilegien der weihen Rasse wandte, hat er zunächst Japans Wob' ^llen für sich beanspruchen können. Seit 1644 h. n die oolksfremden Mandschus aus dem Norden China unterworfen und in blutigen Kämpfen ihre Dynastie gefestigt. Sie haben den Chinesen den Zopf angehängt, der ursprünglich keine chinesische Tracht gewesen ist. Die Mandschus versanken zwar im zähen Brei des Chinesentums, blieben aber immer etwas Volks- Hemdes. Im vorigen Jahrhundert richtete sich die Taiping-Revolution unter dem Schlagwort eines Agrarsozialismus gegen die Mandfchu- herrschaft. Ihr Sitz war Nanking, die alte Kaiserstadt der nationalchinesischen Dynastien. Erst nach vielen Jahren gelang es den Mandschus, unter Strömen von Blut Nanking zu erobern. Aber die Ideen dieser Taiping-Revolution waren unzerstörbar. Sunjatsen nahm sie wieder auf und 1912 gelang es ihm, die Mandschus, deren Dynastie jetzt in Mandschukuo von Gnaden der Japaner sitzt, aus China herauszwerfen. Sunjatsen verband mit seinem Stolz auf das Nationalchinesen- tum die Idee von den unzerstörbaren Grundlagen seiner Rasse. Er wollte China von allen fremden Gewalten freihalten, fußte auf dem Volks-, Sippen- und Familiensinn des Chinesentums und verlangte, daß das Volk militärisch sich wieder ertüchtige. Seine volkswirtschaftlichen Ideen sind wesentlich vom Agrarsozialismus beeinflußt worden, der in China feit Jahrtausenden eine gewaltige Rolle spielt. Er wollte ferner China in gewissem Maße nach den Vorbildern der westlichen Demokratien umgestalten, da er davon eine wesentliche Stärkung des chinesischen Selbstbewußtseins erwartete. Aber seine Ziele sind nicht verwirklicht worden. Als er 1925 starb, stand einem nationalen Chinesen- tum der japanische Imperialismus feindlich gegenüber. Seit dieser Zeit hat Japan die Mandschurei von China losgelöst und verlangt nun, die fünf nordchmesischen Provinzen Tschahar, Hopei, Schansi, Schensi und Schantung, reiche Provinzen mit einem Boden, der sich vorzüglich zur Baumwoll- kultur eignet, vom übrigen China loszulösen. Die japanische Kwantung-Armee aber blickt auch auf Schanghai. Die japanische Propaganda war in dieser Millionenstadt besonders heftig. Immer mehr hat sich auch das japanische Außenministerium unter Hirota den Forderungen der Kwantung-Armee ver- schrieban. Die Tötung eines japanischen Marine- soldaten in Schanghai war das willkommene Signal, um den Bürgermeister von Schanghai und der Nam king-Regierung ein schroffes UÜimatum zu stellen und Kreuzer In die Schanghaier Gewässer zu ent« Die Nanking-Regierung versuchte allen diesen ja= panifchen Amputationsbestrebungen gegenüber zunächst zu verhandeln. Aber die japanischen Forderungen wurden immer schroffer. Der Lawrence des Fernen Ostens, der japanische General Doi- Hara, trieb die Forderungen der Japaner immer höher und der Nanking-Regierung blieb fern anderer Weg übrig, als sich-entweder zu unterwerfen ober Chinos Kräfte zum Widerstand au zurufen Nanking wählte den Weg der Selbständigkeit. Der Nationale Wirtschaftsrat versuchte, m Chma den Japanern ein Programm her Jinefi f dje n Eigenproduktion entgegenzusetzen, der Kasy, also die Kupfermünze, und der Silberschuh wurden nicht mehr als offizielles Zahlungsmittel anerkannt, sondern die Nanking-Regierung verbot die Silber- ausfuhr, da infolge der Politik Roosevelts das Silber überwertet war, und ging zu einer reinen Papierwährung über. Welche Rolle bei dieser Währungsrevolution der Sachverständige der britischen Regierung Leith-Roß spielte, ob er tatsächlich der Nanking-Regierung eine Anleihe verschaffte, läßt sich nicht feststellen. Jedenfalls behauptete die japanische Regierung das und nahm fchross gegen die Nankinger Bestrebungen, die Wahrungsrevolution durchzuführen, Stellung. Ebenso war sie gegen jede Anleihe für China, die der Nankmg- Remerung den Widerstand gegen d'e Forderungen des japanischen Imperialismus ermöglicht hatte. Ja- van bat den Nordprovinzen verboten, sich um die neue chinesische Währung zu kümmern. Aus diesem Wirrwarr soll die jetzt wieder geeinte Kuomintang- Par!" den Ausweg finden im^ Sinne de- großen nationalen Revolutionärs Sunjatsen. Ihre Be- S werben für den Fernen Osten von großer Bedeutung sein. - . Angespannte Finanzen Japans. Tnfi0 21 No». (DNB. Funkspr) Der japa- Haushaltsplan vor einer finanzieren Ueberspannung gewarnt. Die finanzielle Lage Japans fei u n g e s u n d. Sie sei schlechter als die europäische und die amerikanische. Der S ch u l d e n d i e n st des japanischen Staates beanspruche 4 0 v. H. der Steuerei, i nahmen. Der neue Haushaltsplan sehe noch dazu neue Schulden in Höhe von 600 bis 700 Pen vor. Einheitsfront Kanton-Nanking. Bildung einer chinesischen National-- rmieriutg? Nanking, 20. Nov. (DNB.) Die Bekundung des Widerstandswillens für den Fall, daß Chinas Unabhängigkeit angegriffen werden sollte, war der Kernpunkt der Rede Marschall Dschiang- kaischecks auf dem Part ei tag der Kuo- m i n t a n g. Der Marschall sagte u. a., Chinas Geduld sei erschöpft. Es habe den Willen zur internationalen wirtschaftlichen und politischen Zusammenarbeit auf der Grundlage der Gegenseitigkeit und Gleiberechtigung. China gebe jedoch die Hoffnung auf Erhaltung des Friedens nicht auf. Der Frieden habe jedoch Grenzen. Wenn nötig, müßten Höch st e Opfer mit Entschlossenheit gebracht werden. Der Rede des Marschalls stimmten auch die Vertreter Kantons zu. Dies wird a\5 Beweis für die Annäherung der Vertreter des Südens an Nanking gewertet. Man erwartet die Aufnahme von Vertretern Südchinas in die Nationalregierung, denen wahrscheinlich zwei Reichsämter zufallen dürften. H u h a n m i n , einer der bekanntesten Führer Südchinas, der sich zur Zeit in Europa aufhält, teilte dem Parteitag telegraphisch mit, daß er sich entschlossen habe, der Nankingregierung einen Besuch abzustatten. Die Mitteilung löste großen Beifall aus. Die Tagung stand im Zeichen der Stärkung der nationalen Einheitsfront in der jetzigen Krise. Es wurden wichtige Entschließungen angenommen. Sie sehen u. a. die Verbesserung des Regierungssystems sowie die baldige Einführung der Wehrpflicht vor. Aoch keine Ausrufung der Selbständigkeit Aordchinas. Weisungen aus Nanking. — Doihara Peiping , 20. Nov. (DNB.) Die für Mittwoch angekündigte Autonomieerklärung der fünf nordchinesischen Provinzen ist a u s g e b l i e b e n. Die in letzter Stunde aus Nanking eingetroffenen Anweisungen haben die chinesischen Behörden in Peiping veranlaßt, dem Vertrauensmann der Kwan- tungarmee, General D o i h a r a, mitzuteilen, daß sie weitere private Verhandlungen mit ihm ablehnen müßten. Heber alle China und Japan gemeinsam berührenden Fragen würden offizielle Verhandlungen zwischen der Nanking-Regierung und dem bei ihr akkreditierten japanischen Botschafter geführt. Die von General Doihara nach Peiping zur Konferenz eingeladenen Gouverneure von Hopei und Schantung lehnten die Teilnahme ab. Verschiedene Divisionskommandeure der von Sungcheyuan befehligten 29. chinesischen Armee erklärten, ihrem Befehlshaber nicht Folge leisten zu können. Sungcheyuan ist nach Tientsin abgereist. Doihara verließ Peiping Mittwoch früh. In gut unterrichteten chinesischen Kreisen wird erklärt, daß die Nankinger Zentralregierung vor der Absendung ihrer Anweisung an die nordchinesischen Behörden die Verhandlungen mit Doihara abzubrechen, bei den zuständigen japanischen Stellen durch Anfrage festgestellt hätte, daß Doihara in privater Eigenschaft spreche und keine amt- von seiner Negierung desavouiert? lichen Aufträge habe, die japanische Regierung auch nicht beabsichtige, durch militärischen Druck innerpolitische Entwicklungen in Nordchina zu beeinflussen. Nur verschoben? Japans Politik in Nordchina. Tokio, 20. Nov. (DNB.) Wie die japanische Nachrichtenagentur Rengo wissen will, ist die ursprünglich für heute in Aussicht genommene Autonomieerklärung Nordchinas nur um einige Tage verschoben worden. Der Sprecher des Kriegsministeriums erklärte, daß die maßgebenden japanischen Armeekreise nicht die Absicht hätten, sich in die autonomistische Bewegung Nordchinas einzumischen. Es handele sich um eine chinesische Volksbewegung und demnach um eine innere Angelegenheit Chinas. Die autonomistische Bewegung sei jedoch von großer Bedeutung, da sie in der entmilitarisierten Zone in der Nachbarschaft von Mandschukuo vor sich gehe. Er betonte, daß Japan eine wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit mit Nordchina wünsche und bereit sei, Nordchina Hilfe zu lei st en und sich mit ihm zur B e k ä m p f u n g d e s Kommunismus zu vereinigen. Der japanische Voischaster bei Dschiangkaischeck. Oer Marschall sagt Erfüllung der Wünsche Japans zu. Nanking. 20. Nov. (DNB.) Zwischen Marschall Dschiangkaischeck und dem japanischen Botschafter Aryoschi fand am rNittwochnachmll- tag eine eingehende Aussprache über die zur Verbesserung der chinesisch-japanischen Beziehungen zu ergreifenden Maßnahmen statt. Die Besprechung dauerte mehrere Stunden. Wie von japanischer Seite verlautet, übermittelte Aryoschi dem Marschall die drei von Außenminister hirota formulierten Forderungen. die in dem Wunsch nach Unterdrückung der japanfeindlichen Strömungen in China, in der Aufrichtung eines Systems zur Zusammenarbeit zwischen China, Japan und der Mandschurei und schließlich in der Festlegung gemeinsamer Maßnahmen zur Bekämpfung des Kommunismus im Fernen Osten gipfelten. Vorbehaltlich der Genehmigung des von dem Parteitag des Kuomintang zu wählenden Vollzugsausschusses erklärte Marschall Dschiangkaischeck seine grundsätzliche Zustimmung zu den japanischen Forderungen. Die Nanking- Regierung habe Pläne zur Regelung der Lage in Nordchina aufgestellt. Er hoffe, daß Japan die S o u v e r ä n i t ä t s r e ch t e Chinas achten werde. Die Regierung werde das äußerste tun, um die japanischen wünsche zu befriedigen, und die Festnahme des Mörders des in Schanghai ermordeten japanischen Matrosen ermöglichen. Der japanische Botschafter brachte bann Einwendungen gegen das neue chinesische Währungssystem vor und legte die Bedenken Japans gegen eine internationale A n - leihe an China dar, an ihr könne sich Japan unmöglich beteiligen. Dschiangkaischeck erklärte sich bereit, die Angelegenheit gemeinsam mit den zuständigen chinesischen Ministerien zu prüfen. Die höchsten Regierungsstellen Chinas würden ihre Bemühungen zur Erhaltung des Friedens im Fernen Osten und zur Herstellung besserer chinesisch-japanischer Beziehungen nicht aufgeben. Der japanische Botschafter stattete hierauf Ministerpräsident W a n g t s ch i n g w e i, der am Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen wurde, aber immer noch sehr schonungsbedürftig ist, einen Besuch ab. Innere Schwierigkeiten in Frankreich. Fenerkreuzter und Volksfront. Paris 21. Nov. (DNB. Funkfpruch.)Die innenpolitische Lage ist durch die zahlreichen Derhand- lunaen und Beschlüsse der Parteigruppen am Mittwoch noch nicht klarer geworden. Zwar besteht nunmehr Gewißheit darüber, daß die Radikalso- , i a l i st e n im Finanzausschuß der Regierung keine Schwierigkeiten mehr machen werden. Aber in der kritischen Angelegenheit der K a m p f b ü n d e ist die weitere Entwicklung durchaus ungewiß. Diese Frage ist zu einer innenpolitischen Angelegenheit erster Ordnung geworden. Es hat nicht den Anschein, als ob die Radikalsozlalisten in der Kammer dem Antrag der Sozialisten auf Auflösung der Kampfbünde folgen werden. Sie scheinen sich vielmehr darauf beschranken zu wollen, eine wirkungsvollere Durchführung der m Kraft befindlichen Notverordnungen zu fordern. „Populmre stellt mit leichter Enttäuschung fest, daß die Radikalsozialisten am Mittwoch nicht unversucht gelassen hätten, eine Regierungskrise zu verhindern. Auch die kommunistische „Humanits" ist nicht mit den Radikalsozialisten zufrieden. . Der „Mati n" wendet sich mit aller Entschieoen- heit erneut gegen die bolschewistischen Machenschaften auf französischem Boden. Man könne nicht leugnen, daß die Kommunisten in der Volksfront eine gewisse Rolle spielten. Ebenso wenig aber könne man leugnen, daß die mit großen französischen Parteien verbündete kommunistische Partei Frankreich ihr Geld, ihre Grundsätze und selbst ihre Tagesbefehle von Moskau erhalte. Die Absicht der Kommunisten fei, jetzt Laval zu stürzen, weil er auf dem Wege der Abkommen mit Sowjetrußland nicht weit genug gehe. Die Bolschewisten seien gegenwärtig weniger an einer bolschewistischen Revolution interessiert als daran, Frankreich an die sowjetrussische Politik zu ketten. Könne man aber im Ernst glauben, daß Frankreich nach 2000 Jahren der Unabhängigkeit und der Größe ein Kolonisationsgebiet für die Sowjetrussen werden wolle? De la Nocque an Laval. Paris, 20. Nov. (DNB.) Der Führer der Feuer- kreuzler, Oberst de la Rocque, hat in einem Schreiben an den Ministerpräsidenten Laval erklärt, seine Bewegung zähle bereits über 7 0 0 0 0 0 Mitglieder. Täglich meldeten sich 1000 neue Anhänger. Er würde im vaterländischen Interesse eine Auflösuna der Feuerkreuzler bedauern, da sie die innere Lage in einem Augenblick erschweren würde, in dem die außenpolitischen Fragen alles andere beherrschen müßten. Aber vom Standpunkt der Feuerkreuzler allein betrachtet, könnte nichts günstiger sein als eine Auflösung oder gar eine Verhaftung ihrer Führer. Die Bewegung würde sich dann in drei Monaten verdreifachen. Oberst de la Rocque versichert, daß die Feuerkreuzler und nationalen Freiwilligen niemals zu Angriffen auf der Straße gegen anders gerichtete Verbände übergegangen feien. Die Sorge, Zusammenstöße zu vermeiden, habe ihn gezwungen, die schwierigsten Maßnahmen zu ergreifen, um seine Versammlungen ungestört abzuhalten. „Wenn die Regierung nicht durch energische und gesetzmäßige Maßnahmen die Sicherheit dieser guten Bürger und das Versammlungsrecht schützt und nicht die Meuterei unter »einer fremden Fahne* verhindert, werde ich gezwungen sein, unter meiner eigenen Verantwortlichkeit alle meine Anhänger und die große Masse der guten Franzosen, Die ihnen folgen, gleichsam als im Zustande der berechtigten Verteidigung zu betrachten. Meine Sorge, nichts zu unterlassen im Hinblick auf Unvorhergesehenes in so schweren Fällen, wird mich sogar dazu zwingen, diese gesetzmäßige Verteidigung zu organisiere n." Admiral Jellicoe gestorben. London, 20. Nov. (DNB.) Am Mittwochnachmittag starb in seinem Hause in Kensington der Admiral I e l l i c o e im Alter von 76 Jahren. Jel- licoe war im Alter von 13 Jahren als Kadett in die Marine eingetreten. 1880 wurde er Unterleutnant und nahm' zwei Jahre später am ägyptischen Krieg teil. Ein weiteres Kommando führte ihn nach China während des Boxeraufstandes. 1910/11 war er Befehlshaber der atlantischen Flotte. Als der Krieg ausbrach, war Jellicoe Zweiter Seelord. Er wurde Oberkommandierender der britischen Hochseeflotte. In dieser Eigenschaft nahm er an der Schlacht am Skagerrak teil. Ende 1916 wurde Admiral Jellicoe Erster Seelord und Chef des Ma- rinestabes. 1919 nahm er seinen Abschied und wurde Generalgouverneur von Neuseeland. Später wurde Jellicoe in den Grafenstand erhoben. * Der Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine, Admiral Dr. h. c. Raeder, widmet dem verstorbenen Admiral folgenden Nachrufe Der Oberbefehlshaber der deutschen Kriegsmarine und die deutsche Marine betrauern aufrich - tig den Tod des Admirals Jellicoe, der als ritterlicher Gegner der deutschen Flotte im Weltkriege, insbesondere in der Skagerrak-Schlacht, in der gesamten deutschen Marine hoch geschätzt wurde und unter den älteren deutschen Marineoffizieren viele persönliche Freunde und Bewunderer hatte. Die deutsche Kriegsmarine bedauert um so mehr das Hinscheiden des Admirals, weil sie seinen Wunsch kannte, einmal die junge deutsche Flotte und ihre Führer zu besuchen, und weil sie die Absicht hatte, entsprechend diesem Wunsche ihn zu bitten, der deutschen Flotte die Ehre zu erweisen, an der Gedenkfeier für die Gefallenen der Skagerrakschlacht, der deutschen wie der englischen, im Frühjahr des Jahres 1 9 3 6 teilzuneh - m e n. Die deutsche Kriegsmarine senkt ihre Flaggen vor dem großen Admiral der britischen Flotte. Kein Wechsel im britischen Lustfahrtministerium. London, 20. Nov. (DNB.) Wie amtlich mitgeteilt wird, hat der König den Staatssekretär für Luftfahrt Sir Philipp Cunliffe-Lister und den Ersten Lord der Admiralität Sir Bolton Eyres-Monsell in den Rang eines Viscount (Grafenstand) erhoben. Damit steht fest, daß die beiden Minister ihren bisherigen Posten im Kabinett beibehalten werden. Es scheint sich also zu bestätigen, daß Churchill nicht Marineminister wird. Nach der Ansicht einer Reihe von Blättern fei es nunmehr unwahrscheinlich, daß er überhaupt einen Posten im Kabinett erhalten werde. Das Schicksal Macdonalds ist hingegen noch unentschieden. Die Blätter berichten-allerdings übereinstimmend, daß Baldwin entschlossen sei, Mac- donald beizubehalten und daß für ihn ein sicherer Sitz gesucht werden würde, um ihn auf dem Umwege über eine Nachwahl doch noch ins Kabinett zu bringen. Vor einem Bergarbeiterstreik? London, 20. Nov. (DNB.) In der Frage, ob die englischen Bergarbeiter zu einem aUgemeinett Streik zur Erzwingung ihrer Lohnforderungen bereit sind, haben sich 409 351 Bergarbeiter für und 29 215 gegen einen Streik ausgesprochen. Das Ergebnis der Abstimmung wird in der Presse mit Sorge, aber nicht mit Befürchtung besprochen. Man ist der Ansicht, daß die Arbeiterführer selbst keinen übereilten Schritt tun wollen, und große Anstrengungen machen werden, um einen Bergarbeiterstreik zu verhindern. Die „Times" zeigt eine gewisse Unruhe, da die bisherige Taktik der Bergarbeiterführer die gleiche sei wie 1925/26 und da auch der Gewerkschaftskongreß vor zwei Monaten wie schon damals den „weitestgehenden B e i st a n d" versprochen habe. Das Blatt drückt die Hoffnung aus, daß die weitere Entwicklung nicht mehr nach dem Vorbild von 1926 erfolge. Damals war vom Gewerkschaftskongreß im Interesse der Bergleute der General st reik erklärt worden. Zwischenfall im Königsmör-er-prozeß. Der Verteidiger von der Anwaltsliste gestrichen. Paris, 19. Nov. (DNB.) Im Königsmörder- Prozeß in Aix-en-Provence kam es zu einem Zwischenfall. Der Verteidiger der drei angeklagten Kroaten, Rechtsanwalt D e s b o n s, hatte einen Zwischenantrag eingebracht, den der Staatsanwalt als Manöver bezeichnete. Als der Gerichtsschreiber den Antrag verlesen wollte, stellte er fest, daß Desbons versäumt hatte, unter den Antrag seine Unterschrift zu setzen. Diese Feststellung brachte den Anwalt in so große Wut, daß er mit der Faust auf den Tisch schlug. Der Staatsanwalt rief dazwischen: „Das ist die Weiterentwicklung eines Manövers, das ich als verdächtig bezeichne!" Rechtsanwalt Desbons entgegnete daraus: „Das ist also die republikanische Rechtspflege!" Darauf beantragte der Staatsanwalt den Ausschluß des Rechtsanwalts Desbons. Dieser rief aus: „Ich bin Sohn eines richterlichen Beamten. Man will mir meine Lebensmöglichkeit nehmen. Ich habe keine Familie mehr. Man macht mir meine Unabhängigkeit zum Vorwurf, auch daß ich der Freund der Kroaten und Mazedonier bin." Rechtsanwalt Desbons schloß mit Angriffen gegen gewisse Anwälte, Richter und Parlamentarier. Obwohl der Vorsitzende der Anwaltskammer an die Milde des Gerichts appellierte, wurde dem Antrag des Staatsanwalts stattgegeben und Desbons aus der Anwaltsliste gestrichen. Desbons wurde durch einen Gendarmerieoffizier aus dem Schwurgerichtssaal gewiesen. Die drei Kroaten werden nunmehr von dem Vorsitzenden der Anwaltskammmer von Aix-en-Provence von amtswegen verteidigt. Sie erklärten aber, sie würden ohne den Beistand ihres alten Anwalts Desbons nicht sprechen, drohten mit dem Hungerstreik und machten beleidigende Aeußerun- gen für die jugoslawische Regierung. Der Offizialverteidiger sagte zu, daß er die Angeklagten auch gegen ihren Willen verteidigen wolle. Er müsse jedoch erst die Akten kennenlernen. Das Gericht erklärte sich darauf zu einer Unterbrechung des Prozesses bis Donnerstagnachmittag bereit. Der auf der Anwaltsliste gestrichene Verteidiger erklärte dem Vertreter des Journal, man habe seinen Ausschluß vollzogen, weil man verhindern wollte, daß er über eine andere Verschwörung gegen König Alexander von Jugoslawien im Juli des vergangenen Jahres spreche. Man habe vermeiden wollen, daß er die Gründe für das Fehlen eines ausreichenden Ordnungsdienstes in Marseille bei der Landung des Königs erkläre. Man habe ihn am Reden hindern wollen, weil man wußte, daß er geheime Tatsachen auf Grund von diplomatischen Schriftstücken darlegen würde, deren Echtheit nicht angezweifelt werden könne. In Paris hätten Mitglieder ausländischer Parteien ihm zweimal 400000 Francs angeboten, wenn er während des Prozesses zwei oder drei Fragen aufrollen werde, die keine rechtliche Bedeutung hätten, „die aber einen Feldzug der öffentlichen Meinung entfesseln würden, besonders im Auslande,, um den A u s - bruch des nächsten Krieges zu fördern". Desbons behauptet ferner, er habe zwei balkanische Gesandte empfangen und sei, nachdem er es abgelehnt hatte, ihre Vorschläge anzunehmen, darauf aufmerksam gemacht worden, daß er in dem Prozeß nicht werde auftreten können. Man habe ihm mit dem Tode gedroht, daher sei er während der ersten beiden Tage des Prozesses durch zwei Beamte der Sicherheitspolizei bewacht worden. Abessiniens Aufmarsch ist beendet. Ein Frontbericht aus dem Hauptquartier von Addis Abeba. Von unserem I.A.Sch.-Berichierstaiier. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Addis Abeba, 4.November 1935. Wenn man den Aufmarsch der abessinischen Armeen und die Mobilisation Aethiopiens mit denen der Italiener vergleichen will, so ist das von vornherein ein grundsätzlicher Fehler. Italien moblli- sierte bereits seit Anfang dieses Jahres und begann den Aufmarsch an den abessinischen Grenzen von beiden Kolonien aus. Italien standen Eisenbahnen, Schiffe, zum Teil gute Straßen, ein ungeheurer Automobilpark und sonstige Mittel aller Art zur Mobilisation zur Verfügung. Trotzdem dauerte der Aufmarsch der italienischen Armeen in Eritrea und Somaliland volle 10 Monate. Abessinien hatte nur.zum Schutze seiner Grenzen im Frühjahr dieses Jahres einige Formationen bereitgestellt, ohne aber auch nur im entferntetesten an eine Mobilmachung au denken. Der Kaiser rechnete bis zum letzten Augenblick immer noch mit einer friedlichen Lösung des Konfliktes und war derzeit auch bereit, Zugeständnisse zu machen. Als die Italiener jedoch am 2. Oktober unter Artilleriefeuer mit Tanks, Flug-, zeugen, Infanterie, Kavallerie und Genietruppen den Mareb (Grenzfluß zwischen Eritrea und Abessinien) überschritten und somit in abessinisches Gebiet eindrangen, sah sich Kaiser Haile Selassie L gezwungen, im Interesse der Landesverteidigung die Mobilmachung zu proklamieren, die am 3. Oktober erfolgte. Mobilmachung in Abessinien — ohne Telephon, Eisenbahnen, Presse, Wehrkreiskommandos, Bezirksämter und ähnliches in Europa unentbehrliche Mittel — erfordert ein ganz anderes System und bedeutend längere Zeit, als jede Mobilmachung in irgendeinem modernen Staate, wo Eisenbahnen, Chausseen, Autostraßen und moderne Mittel zur Verfügung stehen. Am Morgen des 3. Oktober erdröhnte die uralte geheiligte Kriegstrommel Kaiser Meneliks II., die zum letzten Male im italienischabessinischen Kriege von 1896 Abessinien zum Kampf gerufen hatte. Die Trommel ist der Telegraph Abessiniens. Von Ort zu Ort, von Provinz zu Provinz setzte sich das Trommelgedröhne fort und hallte über das ganze Land. Seit Wochen treffen nun Heerhaufen, bewaffnet mit Gewehren modernster und ältester Konstruktion, vereinzelt auch mit Maschinengewehren, und ausgerüstet mit Pferden, Maultieren und Verpflegung in Addis Abeba ein. Zu Hunderttausenden durchzogen und umlagerten sie Addis Abeba. Von Addis Abeba aus marschieren sie dann auf Karawanenstraßen, über Berghänge, tiefe Täler, Schluchten, über Flußbetten und endlose Steppe in die Grenzgebiete und Bergstellungen, die ihnen der Kaiser befahl. Manche Truppenteile, die den Nomadenstämmen zugehören, führen auch Frauen und Kinder mit sich. Wochen und Wochen dauern diese Märsche, denn die Grenzen im Norden, Osten und im Süden sind fast alle 800 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Wochen marschierten die Truppen, um nach Addis Abeba zu kommen, und Wochen marschieren sie, um an die bedrohte Grenze zu gelangen. Darum hat die abessinische Heeresleitung sich bisher noch in keine größere Schlacht eingelassen! Nun aber werden die Armeen die anbefohlenen Stellen bezogen haben, und jetzt erst wird für Abessinien der Krieg beginnen ... 1 100 000 Mann marschierender, bewaffneter Krieger ist das Ergebnis eine in einem Monat durchgeführten Mobilmachung. Fast 450 000 Mann würden an die Nordfront entsandt. Oberbefehlshaber ist hier Ras S e y o u m für den westlichen Abschnitt, Ras Kassa leitet die Operationen rechts anschließend. 350 000 Mann marschierten an die Südfront. Ihr Oberbefehlshaber ist Dedjasmatsch N a s s i b u, fein Hauptquartier ist Djidjiga. Die übrigen Truppen sind Reserve. 100 000 Mann davon liegen in der Umgebung von Addis Abeba. Die bisherigen Kämpfe, sowohl an der Nordfront wie auch im Süden, wurden von abessinischer Seite nur mit Nachhuten und Einzelabteilungen geführt. Eine groß angelegte Schlacht gegen den an Kriegsmaterial weit überlegenen Gegner konnte die abessinische Armee noch nicht wagen, bevor der Aufmarsch vollendet war. Selbst die großen verlustreichen Kämpfe um Adua, Akfum und Adigrat wurden von abessinischer Seite mit nur verhältnismäßig kleinen Kräften geführt. Trotzdem die Italiener im Adua-Abschnitt drei kriegsstarke Divisionen ansetzten, gelang es ihnen innerhalb des ersten Kriegsmonats nicht, weiter als 45 Kilometer an der Nordfront in Abessinien einzudringen. Und selbst dieser Fronteinbruch geschah nur in einer Frontlänge von etwa 150 Kilometer im Gebiet zwischen Aksum und Adigrat. Westlich vom Takazzefluß hat bisher kein italienischer Soldat abessinisches Gebiet betreten. An der Südfront beschränkten sich die Italiener fast ausschließlich auf Fliegerangriffe mit Bombenabwürfen und MG.-Feuer. An der Ogadenfront führt die Frontlinie zum.Teil bis 175 Kilometer tief in abessinisches Gebiet. Diese Fronttiefe wurde aber von italienischer Seite nicht durch Kampfhandlungen erreicht, sondern entstand durch die im Oktober vergangenen Jahres vorgenommene B e - etzung Ual-Uals, das etwa 150 Kilometer jenseits der 1908 festgelegten Grenzen zwischen Jtalie- nisch-Somaliland und dem Kaiserreich Abessinien in Abessinien liegt. Heute find Ual-Ual und das östliche Nachbardorf Wardair die Flugaeugbasen zweier italienischer Bombenstaffeln Der Somaliarmee General Grazianis. Seit Wochen überschütten diese Staffeln die kleinen Ortschaften an der Südfront, angefangen bei Ado über Gerlogubi, Gora- Hai, dann südlich im Sichelbogen bis zum größeren Ort Dolo, wo die Grenzen Abessiniens, der britischen Kolonie Kenya und Jtalienisch-Somalilandes Zusammenstößen, mit Bomben — ohne aber militärische Gewinne zu erzielen. Alle diese Abwürfe galten abessinischen Rundhütten, Tickuls genannt, -die von den Männern verlassen waren. Insbesondere aber war das Hauptziel der Angriffe die abessinischen Feld-Funk st ationen, um somit die Verbindung mit dem Hauptquartier abzuschneiden und dieses im Ungewissen über die Frontvorgänge ZU lassen. Bemerkenswert ist, daß die Italiener an der N o r d s r o n t jeden Geländegewinn durch Grabenanlagen, Stacheldraht und sonstige Befestigungen sichern und gleichzeitig große Materialtransporte, speziell Wasser, nachführen. An der Südfront wird nicht geschanzt: es wäre auch eine Sysiphus- Arbeit, sich in der endlosen Ogadenwüste einzugrüben, denn der Flugsand würde bald wieder alles nivellieren. An der Nordo st front versuchen die Italiener, Straßen über Straßen, natürlich nicht im europäischen Sinne, zu bauen, die darauf hindeuten, daß man auch von dieser Seite aus größere Unternehmungen vorhat. Selbst eine Flugzeugbasis wurde in den letzten Oktobertagen in Älalgeri angelegt. Dieser Frontabschnitt ist säst ebenso gefahrvoll wie die Südfront, da die Danakil-Wüste fast völlig wasserlos ist, die vereinzelten Seen überaus salzhaltig sind und die wenigen Brunnen von den Kriegern des Massarai-Stammes zerstört, und wo das nicht gelang, restlos versalzen oder vergiftet wurden. Das ist die Frontlage und ist der Stand der Aufmarschbewegungen der abessinischen Armee in den ersten Novembertagen, einen Monat nach Beginn der Feindseligkeiten. Abessiniens Armee erwartet nun den Befehl des Kaisers zum Gegenangriff. Frontflua des Kaisers. Die Abessinier melden Ausdehnung der Kämpfe. Addis Abeba, 20. Nov. (DNB.) Nach den in Addis Abeba vorliegenden Meldungen nehmen die Kämpfe in der Gheralta-Provinz, in Tembien und im Scire-Gebiet immer größeren Umfang an. Die Vormarschbewegung der Italiener soll da- durch stark behindert worden sein. Aus. zuverlässiger Quelle verlautet, daß ungefähr 10 000 Mann abessinischer Truppen in einzelnen Abteilungen an dem Kleinkrieg in den vorgenannten Gebieten beteiligt fein sollen. Ein italienischer Versuch, am W e b i Schebeli vorzustoßen, wurde abgewiesen. Südlich von Makalle sind am Dienstag und am Mittwoch größere italienische Bombengeschwader erschienen, die versuchten, durch Bombenabwurf den noch nicht vollendeten Aufmarsch der abessinischen Truvpen zu stören. Der Kaiser hat sich am Dienstag im Flugzeug an die Front begeben. Das Ziel seiner Reise ist unbekannt. Es heißt, daß er sich an die Nordfront nach Dessie begeben habe, um Die strategische Lage zu überprüfen. Gerüchte wollen aber auch von einem Zusammentreffen mit General Nassidu in Dschi- dschiga wissen. Italienische Säüberungsattion an der Aordsront. Asmara, 20.Nov. (DNB. Funkspruch.) Zwei italienische Kolonnen stießen bei Makalle und H a u s s i e n vor, um die Hochebene von Tembien, in der Truppen des Ras Seyoum stehen, zu umgehen. In der Nacht zum 18. November stieß eine Kcwalleneeskadron auf eine abessinische Abteilung, die zurückgeworfen wurde. Ditz abessinischen Verluste scheinen groß zu sein. Auf tta- lienischer Seite fiel der Rittmeister Rinalüi, einige Reiter wurden verwundet. Dem italienischen Hauptquartier werden abessinische Truppen im Anmarsch auf Schelikot südlich von Makalle gemeldet. Sie haben anscheinend die Absicht, die italienische Front bei Makalle und Dolo anzugreifen. Im Gebiet von Gundi wurden keine weiteren abef- sinischen Streitkräfte mehr gesichtet. Es ist unklar, ob sich die Abessinier verstreut oder Schlupfwinkel in dem unübersichtlichen Gelände bezogen haben. Ein italienisches Flugzeug, das bei Haussien notlanden mußte, hatte einige Verwundete an Bord. Aegypten und die Mittelmeerkrisis. Englands militärische Vorbereitungen in Aegypten. Von unserem vH.-Äerichierstatier. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Kairo, Mitte November 1935. Wenn es für Europa heute auch noch andere Probleme geben mag, so kennt Aegypten, kennen seine Oesfentlichkeit, seine Presse und vor allem seine politisch interessierten Kreise heute fein anderes Thema als „die M i t t e l m e e r k r i s e". Es ist ja auch wohl selbstverständlich, daß Aegypten, in dessen Hoheitsgebiet der Suezkanal liegt, und dessen Bereich die Linie Rom — Maffaua unterbricht, bei militärischen Zusammenstößen ganz besonders in Mitleidenschaft gezogen werden wurde. Die Außenpolitik Aegyptens kann praktisch keine anderen Ziele verfolgen als die seines Beschützers und Verbündeten, England. Trotz seiner nominellen Unabhängigkeit ist Aegypten durch die in der Unabhängigkeitserklärung .enthaltenen Klauseln praktisch an Groß-Britannien geschmiedet. Es würde sich selbst keinen Dienst erweisen, wenn es im Augenblick versuchen wollte, diese Bindung zu lösen. Abgesehen von der Gewißheit, daß England unter den gegenwärtigen Umständen sich einer solchen Lösung widersetzen würde, wird auch von allen maßgebenden Persönlichkeiten Aegyptens anerkannt, daß die politische Verbundenheit mit England heute den wirtschaftlichen und politischen Interessen Aegyptens dient. Man ist sich wohl darüber klar, daß ein Aegypten ohne Anlehnung an die starke britische Macht aus den außenpolitischen Sorgen — siehe Abessinien — nicht mehr herauskommen würde. So erlebt man es denn heute, daß England auf ägyptischem Boden militärische Vorbereitungen trifft, wie sie Ägypten wohl noch nie gesehen hat, nach Kräften Unterstützt von ägyptischen Behörden. In Alexandrien liegen 45 Einheiten der britischen Flotte, die Zahl der zur ständigen Besetzung Aegyptens gehörenden Truppen ist bis heute etwa verdoppelt. Wenn man Engländer fragt, wozu diese Rüstungen sein sollen, so erhält man die Antwort, es ständen 80 000 Mann regulärer italienischer Truppen an der ägyptischen Grenze in Tripolis, und diese offensichtliche Bedrohung Aegyptens erfordere Sicherungsmaßnahmen. Wenn man Italiener fragt, warum sie in Tripolis eine genau so große Zahl von Truppen konzentrieren, so lautet die Antwort, Italien müsse bereit fein und sich schützen gegenüber ben ungeheueren Rüstungen Englands in Aegypten. Sie klettern also beide aneinander hoch und würden wohl beide schon in den Wolken verschwunden sein, wenn die Wirklichkeit nicht doch etwas anders läge, gewissermaßen weniger friedlich, als dieses beiderseits betonte Sicherungsbedürfnis. Die gegenwärtigen Verhältnisse hier und die politischen Maßnahmen lassen den Schluß zu, daß England unter allen Umständen einer Vergrößerung des italienischen Ostafrikagebietes einen Riegel vorschieben will. Es sieht offenbar in der Einverleibung Abessiniens in Italiens Kolonialreich eine so große Verstärkung der Machtposition einer anderen Großmacht auf Englands Weg nach Indien und Ostasien, daß es diese Einverleibung im Interesse der eigenen Machtstellung verhindern zu müssen glaubt. Die kriegerischen Vorbereitungen Englands in Aegypten zeigen aber deutlich, daß man es Abessinien doch nicht recht zutraut, sich selb st und ohne fremde Hilfe gegen Italien verteidigen zu können. Und auch das zweite Hindernis auf dem italienischen Wege nach Addis Abeba, die wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen des Völkerbundes, sind offensichtlich nach ^Englands Ansicht für Italien möglicherweise zu überwinden. Denn: wozu britische Rüstungen, wenn die Wirtschaftssanktionen bestimmt wirksam wären. England sieht daher wohl die Notwendigkeit voraus, daß es selbst — vielleicht erhält es vom Völkerbund hierzu den Auftrag — wird eingreifen müssen, um seine Wünsche zu erzwingen. An den Ernst der italienischen Drohung der 80 000 Mann in Libyen glaubt man hier nicht recht, das heißt, man hält sie nur dann für eine Drohung, wenn England mit Gewalt feinen Willen durchzusetzen versuchen würde. Zwischen der libyschen Grenze und dem Nildelta liegen 6 0 0 Kilometer wasserlose Wüste, denn die wenigen für einzelne Beduinen, aber nicht für eine Truppe ausreichenden Wasserlöcher sind leicht zu vergiften oder unbrauchbar zu machen. Auch ohne die geringste militärische Gegenwirkung ist die lieber« Windung dieser Wüstenstrecke für jede Truppe eine Leistung, die außerordentlicher Vorbereitungen bedarf. Sie wiegt mehr als eine Verteidigungsarmee. Jedenfalls vermittelt die Art der britischen militärischen Vorbereitungen in Aegypten die Auffassung, daß England mit einem Zusammenstoß rechnet. Nicht nur die Verstärkung der britischen Besatzungstruppen auf jetzt etwa 20 000 Mann oder die Entsendung einer größeren Flottenmacht in den Hafen von Alexandrien oder die zahlenmäßige Vermehrung der britischen Kriegsflugzeuge auf jetzt schätzungsweise 400 Stück find Der Grund dazu, sondern mehr die kleineren Maßnahmen, die eben gerade deshalb, weil sie nicht so wichtig sind, den Ernst der Lage unterstreichen. Es handelt sich eben um eine gründliche Vorbereitung auf den Kriegsfall! Das Mieten des größten Hotels Alexandriens und fein Umbau zu einem Lazarett, die Anlage eines großen Gefangenenlagers in der Sand- wüste des Sinai, die Besetzung der Alexandriner Hafenverwaltung mit briüschen Marineoffizieren, die Versorgung der ägypttschen Eisenbahn mit Kohle und Material auf zwei Jahre hinaus, der beschleunigte Ausbau der Wüstenstrecke Kairo—Alexandrien für militärische Bedürfnisse, die Anlage von Flugzeugabwehrstellunaen am Hafen von Mersa Matruch, am großen Nilstaudamm bei Assuan und bei Heluan, die Entsendung von Tankkompanien an die libysche Grenze, die Vorbereitung der Einziehung ägyptischer Reservisten für die ägyptische Armee, Üig Verstärkung der ägyptischen Truppen im Sudan und viele andere Dinge mehr veranschaulichen das in aller Deutlichkeit. Denn wozu brauche man Lazarette und Gefangenenlager, fragt eine hiesige arabische Zeitung, wenn man keine Verwundeten und Gefangenen erwarte? Die Protestbewegung. Kairo, 20. Nov. (DNB.) Der Ministerrat hat beschlossen, die Zwischenfälle zu untersuchen, bei denen drei Studenten durch Schüsse der Polizei meöergeftrecft wurden. Der Ministerpräsident hat ein Schießverbot für d i e Polizei erlassen. Die Direktoren aller arabischen Blätter haben beschlossen, ihre Zeitungen am Donnerstag nicht erscheinen zu lassen, um damit gegen die Haltung des ägyptischen Kabinetts gegenüber der englischen Politik und gegen das Ausnahmegesetz für die Presse zu protestieren. Am Donnerstag sollen auch alle ägyptischen Läden und Büros geschlossen bleiben. Die ägyptischen Anwälte werden vor den gemischten Gerichtshöfen nicht erscheinen. In einer neuen Erklärung des Ministerpräsidenten wird festgestellt, daß das ägyptische Kabinett nicht zurücktreten werde, da ein Rücktritt unter den gegenwärtigen Umständen die Flucht bedeuten würde. Die in Alexandrien zusammengezogenen britischen Flottenetnheiten werden am Donnerstag i n See gehen, um Manöver abzuhalten. Der britische Oberkommissar, der ägyptische Ministerpräsident und die übrigen Mitglieder des Kabinetts werden den Uebungen beiwohnen Wiederaufnahme der diploma- iWen Vefprechungen. Paris, 21. Nov. (DNB. Funkspr.) Die diplo- matischen Besprechungen zur Beilegung des italienisch-abessinischen Streitfalls werden heute in Paris wieder aufgenommen. „Oeuvre" glaubt zu wissen, daß nicht nur der englische Sachverständige Peterson in Paris eintreffen wird, sondern auch ein italienischer Sachver ständiger. Beide werden gemeinsam mit dem französischen Sachverständigen Saint-Quentin die Grundlage für eine Regelung suchen. Das Blatt glaubt, daß Petersons Vorschläge denen ähnlich fein werden, die er bereits vor drei Wochen in Paris Dorgetragen habe, denen aber damals sogar die englische Regierung wenig Wichtigkeit beigelegt habe. „Le Jour" läßt sich aus London melden, daß die Besprechungen des englischen und des französischen Sachverständigen sich „im Rahmen des Völkerbundes" halten werden. Zwar scheine es, daß im Augenblick weder Laval noch die englische Regierung einen genauen.Plan für eine Regelung hätten, doch hoffe man in London, bald eine annehmbare Grundlage für eine Aussprache zu finden. Iudenfeindliche Gtudenten-Kund- gebungen in Budapest und Warschau. Budapest, 19. Nor>. (DNB.) An der Buda. Pefter Universität und der Technischen Hochschule kam es zu judenfeindlichen Kundgebungen der Studentenschaft. Von der christlichen Studentenorgani- sation waren 100 schwarze Holzkreuze, ähnlich wie in anderen ungarischen Hochschulen, in den einzelnen Hörsälen angebracht. Als jüdische Studenten sich in spöttisch abfälligem Ton über die Anbringung der Kreuze ergingen, forderte die christliche Studen- tengruppe die jüdischen Studenten auf, urwerzüg- lich den Hörsaal zu verlassen. Da die jüdischen Studenten sich weigerten, entstand eine heftige Schlägerei. Auf Anordnung des Rektors wurden die Vorlesungen eingestellt und die Schließung der Philosophischen Fakultät für zwei Tage angeordnet. In der Technischen Hochschule fand eine Versammlung der Studentenschaft statt, in der gefordert wurde, daß der christliche Charakter der Hochschule durch die Anbringung von Kreuzen in den Hörsälen vor der Oeffentlichkeit zum Ausdruck komme. Die Forderung der Studenten wurde vom Rektor und der Professorenschaft warm unterstützt. Judenfeindliche Studentenunruhen, .die vor einigen Tagen zur vorläufigen Einstellung der Vorlesungen an der Warschauer Technischen Hochschule geführt haben, haben nach Zusammenstößen in der Warschauer Universität und in der Handelshochschule die Rektoren dieser beiden Lehranstalten veranlaßt, bis auf weiteres auch diese Hochschulen zu schließen. Gruppen polnischer Studenten zogen mit dem Rufe: „Nieder mit den Juden" durch die Straßen. — Auch aus Lemberg werden judenfeindliche Kundgebungen gemeldet. Li amsche Winkelzüge im MemelceSiet. Memel, 20. Nov. (DNB.) Der Präsident des Memelländischen Landtages Baldszus hat sich nunmehr auf Drängen seiner Fraktion bereit erklärt, die Bildung des Direktoriums des Memelgebietes zu übernehmen. Nachdem so der Bildung eines Memeldirektoriums, das des einmütigen Vertrauens der Landtagsmehrheit sicher sein kann, nichts mehr im Wege zu stehen schien, wurde vom Gouverneur Kurkauskas das Ansinnen gestellt, einen Litauer in das Direktorium zu nehmen. Dieses Ansinnen wurde ab- gelehnt. Kurkauskas erklärte hierauf, sich die weitere Entscheidung vorbehalten und zur Rücksprache nach Kowno reifen zu wollen. Volksnahe Rechtspflege. DiebeidenGrotzenLenatcdesReichsgerichts , Fp.Hz.l®’ ^0D- (DNB.) Der Staatssekretär tm Relchs;ustl,;ministerium, Dr.-jur. Raland Freiste r, veröffentlicht im Hinblick auf die am 21. November erfolgende Amtseinführung der .^0 en Großen Senate des Reichsge- r ich t s einen Aufsatz, in dem es u. a. heißt: Die diesjährigen Strafrechtsnooellen haben die glückselige Bindung der Rechtsprechung an Hunderte von Bänden füllende Vorentscheidungen gelöst, die nach der bisherigen Gesetzgebung fast gesetzesgleiche Kraft besaßen und infolgedessen ein schweres Hemmnis der freien Fortentwicklung des Rechtes durch die Rechtspflege darstellten. Die Strafrechtsnooellen dieses Jahres haben an die Stelle der bisherigen vereinigten Zivil- und Strafsenate und des Plenums des Reichsgerichts zwei gedrungene Beratungs-und Beschlußkörper gesetzt, die die Gewähr bieten, schnell und tatkräftig den Bedürfnissen nicht nur der Rechts- einheit, sondern — was heute besonders wichtig lst — der R e ch t s e r n e u e r u n g in der Rechtspflege Rechnung zu tragen. Es sind das die bei- den Großen Senate des Reichsgerichts, die geführt werden vom Präsidenten des Reichsgerichtes und seinem Vizepräsidenten, und m denen je sieben Senatspräsidenten und Reichsge- richtsrate sitzen, die vom Reichsminister der Justiz jeweils auf zwei Jahre ernannt werden. Diese Senate, die der Reichsminister der Justiz am 21. November in ihr verantwortungsvolles Amt einfuhrt, werden und sollen im Lichte der öffentlichen Betrachtung arbeiten; denn nur so können sie in ständiger Selbstprüfung die Gewißheit täglich neu gewinnen, daß das Recht, daß sie sprechen, kein abgestorbenes Ueberbleibsel einer Vergangenheit ist, nicht erstarrt, um sich als ewige Krankheit die Lebenskraft des Volkes hemmend fortzuschleppen; das es sich vielmehr dynamisch i m Volksleben widerspiegelt und in freier und starker Entwicklung das völkische Leben befruchtet. Nur so kann das Recht das sein, was es sein muß: eine der stärksten Sicherungen gesunder Weiterentwicklung, des deutschen Volkes. Kleine politische Nachrichten Der Nobel-Ausschuß des norwegischen Storting hat beschlossen, in diesem Jahre keinen Friedenspreis der Nobel-Stiftung zu verteilen. * In dem am 16. Dezbr. stattfindenden Geheimen Konsistorium sollen vom Papst Pius XI. zwanzig neue Kardinäle ernannt werden. Darunter befinden sich die päpstlichen Nuntien in Polen, Frankreich und Oesterreich sowie fünf Ausländer, davon zwei Franzosen, der Erzbischof von Reims und der Rektor des Katholischen Instituts in Paris, derErzbischofvon Prag, der Erzbischof von Toledo (Spanien) und der ErzbischofvonBuenos Aires. Das öffentliche Konsistorium findet sodann am 19. Dezember statt. * Das Gasthaus „Mondschein" und die dazugehörige Metzgerei in Sterzing (Südtirol) sind dieser Tage aus politischen Gründen behördlich g e - schlossen. ♦ Mussolini hat dem Nietzsche-Archiv in Weimar folgende Beileidsbezeugung übersandt: „Die Nachricht von dem Ableben der Frau Först e r - N i.e tz s ch e, der Schwester des großen Philosophen, hat mich tief betrübt. Ich bringe mein aufrichtigstes Beileid zum Ausdruck." * Am Mittwochnachmittag traf König Georg II. von Griechenland im Hofzug des Königs von Italien i n R o m ein. Mit allen einem regierenden Souverän zustehenden Ehren wurde er am Bahnhof empfangen. Eine Ehrenkompanie hatte Aufstellung genommen. Im Namen des Königs begrüßte Admiral Monaco di Lugano den König. Mussolini hatte sich durch Staatssekretär S u v i ch vertreten lassen. ♦ „Daily Mail" meldet, daß Sarah Churchill, die 21jährige jüngere Tochter Winston Churchills, die Laufbahn einer Revuetänzerin eingeschlagen hat. Sie wird zum erstenmal am 23. Dezember in einer Revue in der Provinz und später in London auftreten. Ihr Vater Winston Churchill hat seine Einwilligung gegeben._____________________ Litauen unterstützt ukrainische Terron'sten. Aufschlußreiche Enthüllungen im Prozeß gegen die Mörder des polnischen Innenministers. Warschau, 19. Nav. (DNB., Die Fortsetzung oer Verlesung der Anklage im Warschauer Prozeß gegen die ukrainischen Verschwörer, die an der Ermordung des Innenministers Pieracki beteiligt waren, brachte bei der Darstellung des Zusammenhanges der ukrainischen nationalistischen Organisation in Polen mit ihren im Ausländ sitzenden leitenden Stellen Einzelheiten zur Sprache, die größtes Aufsehen erregen. Aus Schriftstücken, die in der Anklageschrift genannt werden, geht hervor, daß tn den letzten Jahren die litauische Regierung die ukrainische Terrororganisation lebhaft unterstützt hat. Die Anklage führt unter genauer Angabe der Summen Fälle auf, in denen die litauische Regierung zugunsten der ukrainischen Terrororganisation erhebliche Geldbeträge zur Verfügung gestellt habe. Weiter wird in der Anklage behauptet, daß das litauische Außenministerium und insbesondere der ehemalige Außenminister Za uni us engste persönliche Beziehungen zu der Kownoer Vertretung der ukrainischen Organisation unterhalten habe. Hervorragenden Mitgliedern der Organisation seien im litauischen Außenministerium falsche Pässe ausgestellt worden, um ihnen Werbereisen bis nach Amerika zu ermöglichen. In dem Fall eines gewissen Suszko soll der Paß sogar die Angabe enthalten haben, daß Suszko, der polnischer Staatsangehöriger ist, Beamter des litauischen Innenministeriums sei. lieber diese Fälle hinaus verzeichnet die Anklage einen Brief des Leiters der ukrainischen Terrororganisation Konowalek an seinen Kampfgenossen Senyk über eine Unterredung Konowa- leks mit Minister Zaunius am 6. Oktober 1932 in Genf. Aus diesem Brief gehe hervor, daß der litauische Minister sich -z u r finanziellen Beihilfe und auch zur Beschaffung von Pässen und Sichtvermerken bereit erklärte. Im weiteren Teil der Anklage wird darauf hingewiesen, daß hervorragende Persönlichkeiten der ukrainischen Terrororganisation und zahlreiche Berlin, 19. Nov. (DNB.) Im Prozeß gegen den Bischof von Meißen wurde der Bischof von Berlin Dr. Graf von Preysing als Sachverständiger über die Frage vernommen, inwieweit sich ein Bischof um alle Einzelheiten der verwaltungstechnischen Angelegenheiten seiner Diözese bekümmern müsse. Das Amt des Bischofs im Sinne der Kirche, so führte der Bischof von Berlin in seinem Sachverständigengutachten aus, ist vor allem ein g e i st l i ch'e s A m t und hat sich mit den geistlichen, spezifisch bischöflichen Funktionen zu befassen. Der Bischof bekommt durch die Weihe und die Sendung das Lehr-, das Hirten- und das Priesteramt: das Lehramt zur Verkündung der Lehre, das Hirtenamt zum Wachen über die Sitten und das Priesteramt zur Ausführung der ihm eigensten Gewalten, der bischöflichen Gewalten, die ihm allein die Möglichkeit geben, das Sakrament der Priesterweihe zu spenden. Die finanziellen Fragen liegen wohl am« allerweitesten von dem bischöflichen Pflichtenkreis ab. Im allgemeinen wird der Bischof seiner Pflicht völlig gerecht, wenn er sämtliche Postsachen seinem Generalvikar zum Deffnen überträgt und sich über die wichtigsten den Bischof berührenden Dinge vom Generalvikar unterrichten läßt und sie mit diesem bespricht. Es ist unmöglich, daß irgendein Bischof einer größeren Diözese den ganzen Komplex der seinen kirchlichen Bezirk betreffenden Fochfragen überblicken kann. Da muß er sich bescheiden und eine Auswahl treffen. Jeder Bischof habe das Recht, sich zu seiner Entlastung einen Generalvikar zu bestellen. Dieser sei Flüchtlinge jederzeit im GebietederTschecho- slowakei Zuflucht gefunden hätten. Der „Völkische Beobachter" schreibt dazu: Die Enthüllungen, die der Warschauer Prozeß gegen die Mörder des Innenministers Pieracki schon an seinen beiden ersten Tagen gebracht hat, sind in der Tat außerordentlich aufschlußreich. Die Bemühungen der litauischen Diplomatie, seit langem für ihren Bruch des Memelstatuts eine gewisse Unterstützung von polnischer Seite zu erhalten, gewinnen im Rahmen schon dieser ersten Darstellungen über die Arbeiten der ukrainischen Terrororganisation ein außerordentlich interessantes Gesicht. Auf der ein en Seite der Versuch, mit P o - l e n im Interesse gewisser anderer Ziele zu einem Ausgleich zu kommen, um im Schutze der polnischen Rückendeckung um so ungestrafter sein friedenstörendes Treiben im Memelgebiet fortsetzen zu können und auf der anderen Seite gleichzeitig das Aushalten einer Terrororganisation, deren Aufgabe die Schwächung des polnischen Staates darstellt. In diesen Tatsachen schon zeigt sich das einzig wahre Gesicht der litauischen Politik: Litauen stellt heute eine Bedrohung des Friedens im Osten dar, von der ganz Europa betroffen ist. Ein Staat, der zu Mitteln greift, wie sie seit Jahren im Memelgebiet angewendet worden sind, und wie sie in noch ungeheuerlicheren Formen in diesem Prozeß aufgedeckt worden sind, stellt sichaußerhalbder Gesetze, die für das Zusammenleben von Staaten sonst gültig sind. Man kann mit Recht darauf aespannt sein, welche weiteren Ergebnisse der Warschauer Prozeß noch zeitigen wird. Vor allen Dingen wäre es noch wissenswert, ob der augenblickliche Ministerpräsident in Kowno ebenfalls in die Mordsache verwickelt ist, nachdem die Beteiligung eines ehemaligen litauischen Außenmini st ers bereits festgestellt werden mußte. Das steht jedenfalls schon heute fest: Neue, noch so ungeheuerliche Enthüllungen über die Methoden der litauischen Politik werden für niemanden mehr eine Ueberraschung bedeuten. Don Litauen ist alles zu erwarten. gewissermaßen das andere Ich des Bischofs und habe nach dessen Richtlinien sein Amt zu führen. Der Bischof dürfe jedoch jederzeit in die Amtsführung des Generalvikars eingreifen. Bei größeren Geldgeschäften müsse der Generalvikar dem Bischof Vortrag halten, soweit er nicht auf Grund besonderer Abmachungen von vornherein zur Durchführung derartiger Geschäfte ermächtigt sei. Einer der Zw l l i n s p e k t o r e n, die die Ermittlungen durchgeführt haben, stellte fest, daß Dr. Legge seine Angaben über die Anschaffung der Obligationen fünfmal gewechselt habe. Der Bischof habe erklärt, er sei über die ganze Angelegenheit keineswegs unterrichtet. Der Bischof ‘ will weiter nicht gewußt haben, was eine Amnestie sei, und daß sie eine strafbare Handlung zur Voraussetzung habe. Der zweite Beamte erklärte, daß ihn die Angaben des Bischofs geradezu erschüttert hätten. Der Bischof habe sogar erklärt, er wisse überhaupt nicht, daß das Bistum Meißen Schuldverschreibungen habe und was eine Obligation sei. Der Bischof bestätigt das. Demgegenüber wies die Staatsanwaltschaft darauf hin, daß der Generaloikar Dr. Soppa seinerzeit sein maßloses Erstaunen über diese Erklärung des Bischofs geäußert habe. Dr. Soppa habe nach seiner Darstellung mehrfach mit dem Bischof über die Anleiheangelegenheit verhandelt und sei der Meinung, daß dem Bischof auf Grund dieser Unterredungen der Begriff „Obligation" durchaus geläufig sein müsse. Der Vorsitzende gab den Inhalt eines Schreibens bekannt, daß Dr. Hofius auf Grund der Zeitungsberichte über den Bischofsprozeß an das Gericht gesandt hat. Darin befaßt er sich zunächst mit der Darstellung Dr. Legges, wonach dieser erst in der Wohnung des Dr. Hofius erfahren habe, daß gegen feinen Willen ein Guldenkonto in Amsterdam eingerich- t e t worden sei und daß er Hofius darauf wie ein Stier angebrüllt habe. Dr. Hofius bezeichnete diese Darstellung als von A bis Z frei erfunden. Dem gegenüber bleibt Dr. Legge bei feinen Aussagen. Der Bischof habe, so schreibt Dr. Hofius weiter, tatsächlich nichts gewußt und nichts wissen wollen, daß illegale Käufe getätigt wurden. Das bestätigt übrige'ns auch sein Bruder Dr. Theodor Legge. Auch mit Dr. Soppa befaßt sich Dr. Hofius in seinem Schreiben und teilt mit, daß der Generalvikar erst Anfang dieses Jahres über die Einzelheiten der Obligationsaufkäufe unterrichtet worden fei. Der Bischof erklärte zu diesem Brief, aus ihm gehe mit aller Deutlichkeit hervor, daß er nichts gewußt habe, und daß auch der Generalvikar Dr. Soppa offenbar nicht unterrichtet gewesen sei. Aus aller Welt. Todessturz der Adoplivtochler des Atatürk. Die Adoptivtochter des Präsidenten der türkischen Republik, die sich aus der Rückreise von England in dem Calais—Paris Expreß befand, ist zwischen den Bahnhöfen von Picguigny und Ailly in Frankreich aus der Tür ihres Abteils gestürzt. Da der Un- alücksfall bemerkt worden war, konnte der Zug sofort zum Halten gebracht werden. Die Verunglückte, die mit schweren inneren Verletzungen in das Krankenhaus von Amiens eingeliefert wurde, ist, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben, geworben. Die Tote wurde in einer Kapelle auf« gebahrt. Die französische Regierung ließ an der Bahre einen Kranz niederlegen. Auszeichnung für Rettungsarbeit beim Brand , in der Funkausftellung. Im Reichs- und preußischen Ministerium des Innern überreichte Reichsminister Dr. Frick die weiteren Urkunden und Medaillen, die der Führer und Reichskanzler den bei der Löschung des Brandes in der Funkausstellung am 19. August Beteiligten verliehen hat. Reichsminister Dr. Frick richtete an die zehn Ausgezeichneten eine Ansprache, in der er die Tatkraft und die Geistesgegenwart der bei den Rettungsarbeiten beteiligten Volksgenossen würdigte. Aus der besonderen Anteilnahme des Führers und Reichskanzlers, die sich in den Auszeichnungen äußere, fei erfichtlich, wie der Führer alle Taten der Volksgenossen aufmerksam verfolge und anerkenne. 70. Geburtstag des Generals Graf von der Schutenburg. Am 21. November feiert Generalmajor a. D. Friedrich Graf von der Schulenburg, einer der verdienstvollsten der noch lebenden Generale der alten Armee, auf feinem Gute Tresiow in Mecklenburg seinen 7 0. Geburtstag. Hervorgegangen aus der preußischen Garde-Kavallerie, stühzeitig in den Generalstab versetzt und bald nach der Jahrhundertwende auf mehrere Jahre als Militärattache zur deutschen Botschaft nach London kommandiert, befehligte er vor dem Kriege zuletzt das Regiment Gardedukorps. Im Weltkrieg nahm er zunächst als Generakftabschef des Gardekorps an allen ruhmvollen Kämpfen der preußischen Garde in Frankreich, Galizien und Polen teil, wurde dann im Frühjahr 1916 während der Schlacht um Verdun in den Stab des deutschen Kronprinzen berufen und trat diesem im Herbst als Generalstabschef der nach ihm benannten Heeresgruppe zur Seite. In dieser verantwortungsvollen Stellung hat sich Graf Schulenberg um die Führung der Operationen an der Westfront in den beiden letzten Kriegsjahren hohe Verdienste erworben. Wenn sein Name auch der Oeffentlichkeit nur wenig bekannt geworden ist, so gebührt doch seinem strategischen Weitblick und seiner Arbeits- und Tatkraft entscheidender Anteil an den hervorragenden Leistungen der Heeresgruppe Deutscher Kronpinz, sowohl während der schweren Abwehrkämpfe des Jahres 1917 wie bei den großen Offensiven im ersten Halbjahr 1918. Im Strudel des Zusammenbruchs im November 1918 und in den Wirrnissen des Umsturzes, hat Graf Schulenburg die aufrechte Haltung bewahrt, die den preußischen Offizier und Edelmann im höchsten Sinne des Wortes kennzeichnen. Lange vor der Machtübernahme durch Adolf Hitler hat er sich als überzeugter Anhänger feiner Idee bekannt. * Korpsführer Hühnlein sandte an Graf von der Schulenburg nachstehendes Telegramm: „Am heutigen Tage gedenkt das nationalsoziali- ft't sche K r a f t f a h r k o r p s des hochverdienten Der Devisenprozeß gegen den Bischof von Meißen. Das Sachverständigengutachten des Bischofs von Berlin. Ein Brief des Dr. Hofius. deren Qualität un »RUN Generalstabschefs der ehemaligen Heeresgruppe Deutscher Kronprinz, der sich, ausgezeichnet mit den höchsten Kriegsorden der alten Armee, ohne Rücksicht auf sein hohes Alter in schwerster Kampfzeit der Bewegung als einfacher SA.-Mann beispielgebend einreihte in die braune Armee der Freiwilligen der Nation, und entbiete ihm, dem späteren Freund und Förderer des Motorisierungsgedankens, zum 70. Geburtstage seine aufrichtigen Glückwünsche." Der Kampf um die Schachweltmeisterfchaft. A l j e ch i n hat die 21. Partie, die in Ermelo zunächst abgebrochen war, aufgegeben. Der Stand ist demnach 7:7 bei 7 Remis-Partien. Amerikanischer Stromlinienzug in Flammen. Der neue Stromlinienzug, den die Santa-F6-Eisenbahn bauen ließ, ist in der Nähe der Station Gallup (Neu-Mexiko) in Brand geraten. Die Flammen haben die Hälfte des Zuges vollkommen zerstört. Verluste an Menschenleben sind bisher noch nicht bekannt. Es handelt sich bei dem Stromlinienzug um einen mit Dieselmotoren ausgerüsteten Blitzzug, der bereits mehrere amerikanische Schnelligkeitsrekorde aufgestellt hat. Der Zug befand sich zur Zeit des Unglücks auf einer Versuchsfahrt von Chikayo nach Los Angeles. Die Meldung von dem Unglück stammt aus einem Bericht der an der Versuchsfahrt als Vertreter von Zeitungen beteiligten Journalisten. rNassenvergiflung von Kirchenbesuchern beim Butztagsgottesdienst. Während des Bußtaggottesdienstes in der evangelischen Kirche in Tegernau bei Schopfheim im Wiesental (Baden) ereignete sich ein schweres U n - glück. Durch Ausströmen von Kohlenoxydgas aus einem Ofen erkrankten etwa 120 Kirchenbesucher, darunter auch zahlreiche Kinder, an Vergiftungserscheinungen. Bei 20 Personen waren die Vergiftungen schwerer Art, doch waren die Betroffenen dank der ununterbrochenen Bemühungen der Aerzte und des Sanitätspersonals am Abend außer Lebensgefahr. Das Unglück ereignete fick am Vormittag. Ein Kirchenbesucher nach dem anderen wurde plötzlich von Unwohlsein befallen und verließ das Gotteshaus, andere sanken sofort zusammen. Die Aufregung unter den Gläubigen wuchs erheblich, als auch der Pfarrer, nachdem er feine Predigt gehalten und wieder zum Altar getreten war, ohnmächtig wurde. Schnell wurde ärztliche Hilfe herbeigerufen, die aber angesichts der großen Zahl der Erkrankungen bei weitem nicht ausreichte. In aller Eile wurden Sanitätspersonal mit Sauerstoffapparaten und Aerzte aus Schopfheim, Lörvach und Grenzbach herbeigeholt Zwei Todesopfer eines Familiendramas. In der Wohnung eines Fabrikaufsehers in Sos- nowitz (Oberschlesien) spielte sich ein furchtbares Familiendrama ab. Die 20jährige Tochter des Eheepaares Jmiela hantierte mit einem ungesicherten Revolver. Plötzlich löste sich ein Schuß, der dem Mädchen in den Kopf drang und seinen sofortigen Tod herbeiführte. Als der im gleichen Zimmer anwesende Verlobte des Mädchens seine Braut leblos zu Boden sinken sah, griff er die Waffe und tötete s i ch durch einen Kopfschuß. Inzwischen waren die Eltern des Mädchens herbeigeeilt. Beim Anblick der beiden Toten faßte Frau Jmiela die Waffe und schoß sich, ehe sie daran gehindert werden konnte, in die Herzgegend. Die Verletzte wurde ins Krankenhaus gebracht. Jmiela konnte von hinzukommenden Nachbarn nur mit Mühe davon abgehalten werden, gleichfalls einen Selbstmordversuch zu unternehmen. Münchens große Pläne für 1936. München, die Hauptstadt der Bewegung und die Stadt der deutschen Kunst, rüstet sich schon jetzt für das Fremdenoerkehrsjahr 1936. Der Direktor des Fremdenverkehrsverbandes gab auf einer Presfebesprechung einen Ueberblick über die geplanten Veranstaltungen. So wird der kulturell und wirtschaftlich fo bedeutsame Münchener Fasching eine Faschingausstellung unter dem Namen „Schatzkammer des Prinzen Carneval" bringen, eine Veranstaltung, die in ihrer Art erst- malig für d i e ganze Welt ist. Auch sonst wird der Münchener Fasching eine weit über seinen bisherigen Rahmen hinausgehende Ausgestaltung erfahren. Zum Fasching ist beispielsweise die Wiedereröffnung des Deutschen Theaters sichergestellt. Den weltberühmten Faschingszug wird man zwar etwas „einschränkend seine Länge wird 1936 „nur" 4 Kilometer betragen, dafür wird aber die Zusammenstellung um so sorgfältiger gestaltet werden. Das Jahr 1936 wird mit einem großen Silvesterfeuerwerk begrüßt werden, das inmitten der Stadt abgebrannt wird. Im Frühjahr sieht München eine Reihe kleinerer Veranstaltungen und Ausstellungen. Es folgen die Jubiläumswochen „500 Jahre deutsche Rennen in München", die zum „Braunen Band von Deutschland" hinüberleiten werden. Eine gesellschaftliche Veranstaltung von besonderem Reiz ist in der „Nacht der Amazonen" im Nymphenburger Park zu erwarten. Auch wird München der Schauplatz der ersten Schach-Olympiade der Welt fein; mit einer Straßenbau-Ausstellung und dem altherkömmlichen Oktoberfest werden die Veranstaltungen des Jahres 1936 abschließen. Vier Tote bei einem Zusammenstoß zwischen Auto und personenzug. Auf einem unbewachten Wegübergang zwischen Urlau und Friesenhofen (Württ.) fuhr ein mit vier Personen besetzter Personenkraftwagen in den Zug Leutkirch—Jsny hinein. Die vier Insassen des Wagens, die alle aus Leutkirch stammen, wurden getötet. Der Kraftwagen wurde zertrümmert. Don den Reisenden und den Zugbediensteten ist niemand zu Schaden gekommen. Der Lokomotivführer hat die vorgeschriebenen Läute- und Haltsignale gegeben. Oie Laufbahn des Heeres- beamten. Richtlinien des Reichskriegsministeriums. Die Heeresbearnten- (Einheit-) Laufbahn umfaßt die früheren^Laufbahnen der Jntendantursekretäre, Zahlmeister, der Beamten des Verpflegungs-, Un- terkunfts-, Bekleidungsamts- und Lazarettverwaltungsdienstes. Der verhältnismäßig geringe Bedarf an Zivilanwärtern — der größte Teil der Anwärterstellen ist den Versorgungsanwär- t e r n, d. h. Soldaten, welche nach zwölfjähriger Dienstzeit den Zivildienstschein erworben und die Abschlußprüfung II abgelegt haben, Vorbehalten — wird im April jedes Jahres — erstmals im April 1937 — aus dem im Herbst des Vorjahres eingestellten Freiwilligen und Dienstpflichtigen gedeckt, die mindestens P r i m a r e i f e einer neunftufigen höheren Lehranstalt (nicht Privatschule) und besondere Neigung und Fähigkeiten für den Heeresverwaltungsdienst besitzen. Die Bewerbung ist nur beim Truppenteil zulässig, nachdem das Reichskriegsministerium Auf^ trag zur Vorlage einer bestimmten Anzahl von Gesuchen erteilt hat. Im allgemeinen haben nur Gesuche von Bewerbern Aussicht auf Berücksichtigung, welche das 19. Lebensjahr vollendet haben und in den Hauptfächern Deutsch, Geschichte, Erdkunde und Mathematik gute Noten nachweifen können. Voraussetzung ist ferner, daß der Bewerber a) arischer Abstammung ist, b) die deutsche Staatsangehörigkeit (Reichsangehörigkeit) besitzt, c) unverheiratet ist, d) durch eine psychologische Prüfung seine Eignung für den Heeresbeamtendienst nachweift. Welche Papiere dem Gesuch beizufügen sind, ordnet das Reichskriegsministerium an. Die vom Reichskriegsministerium ausgewählten Bewerber haben nach Erfüllung der einjährigen Dienstpflicht noch drei Vierteljahre in der Truppe weiterzudienen. Alsdann werden sie ein Vierteljahr probeweise bei einer Ver- waltungsdienststelle beschäftigt und bei Bewährung weiter im Verwaltungs- dienst ausgebildet. Die Gefamtausbil- dungszeit — einschließlich vierteljähriger Probedienstzeit — beträgt drei Jahre und "schließt mit der Prüfung für den gehobenen mittleren nichttechnischen Heeresverwaltungsdienst ab. Anwärter, die während der Ausbildungszeit als ungeeignet erachtet werden, treten zur Truppe zurück und werden wegen mangelnder Eignung entlassen. Während der Frontdienstzeit und der Ausbildung im Verwaltungsdienst stehen Gebührnisse nach dem jeweiligen militärischen Dienstgrad zu. Die Anwärter werden bei guter Führung und Bewährung zu Beginn des zweiten Dienstjahres zum Gefreit e n und zu Beginn des dritten Dienstjahres zum Unteroffizier befördert; nach bestandener Prüfung werden sie zu Zahlmeisteranwärtern ernannt. Die Ernennung zum außerplanmäßigen Zahlmeister regelt sich nach den dienstlichen Bedürfnissen. Da der Bedarf an Anwärtern vorläufig gedeckt ist und das bisherige Verfahren, wonach Bewerbungen für die Heeresbeamten-(Einheit)Lauf- bahn in der ersten Aprilhälfte jedes Jahres unmittelbar dem Reichskriegsministerium einzureichen waren, nicht mehr gilt, ist "es zwecklos, Gesuche um Annahme oder Vormerkung dorthin zu richten. Es wird zur Vermeidung einer Geschäftserschwerung dringend gebeten, von solchen Gesuchen abzusehen. Soweit Bewerbern bisher Bescheide erteilt sein sollten, wonach ihnen die Vorlage eines er» neuten Gesuches im Anfang April 1936 anheimgestellt wurde, sind diese Bescheide durch die neue Regelung überholt. Geldspenden für das Winterhilfswerk 1935/36. Reichsbund der Deutschen Beamten e. V., Berlin 200 000 Mark; Aachener und Münchener Feuer- Versicherung-Gesellschaft, Aachen 38 000 Mark; Gerling-Konzern, Rheinische Versicherungs-Gruppe AG., Köln, 35 000 Mark, Piepenmeyer & Oppenhorst, Frankfurt a M. 25 000 Mark; Reichsverband der Deutschen Zeitungsverleger (Herausgeber der deutschen Zeitungen e. 23.), Berlin 25 000 Mark; Nord- stern-Lebensversicherungsbank AG., Berlin-Schone- berg 15 000 Mark; Gustav Ramelow, Berlin-Grune- wald 15 000 Mark; Deutsche Vacuum Oel AG., Hamburg 13 000 Mark; AG. für Zellstoff- und Papier-Fabriken, Aschaffenburg 20 000 Mark; Zucker- Raff. Fr. Meyers Sohn AG., Tangermünde, erste Rate 10 000 Mark; Güldner, Motoren - Werke, Aschaffenburg 10 000 Mark; Kabelwerk Rheydt AG., Rheydt (Rheinland) zunächst fO 000 Mark; Karlsruher Lebensversicherungsbank AG., Abteilung VIB (Verwaltung), Karlsruhe 10 000 Mark; Reichsverband der Zahnärzte Deutschlands e. V. 10 000 Mark; Oeffentlich-rechtlicher Hagelversiche rungsverband in Deutschland, Berlin-Dahlem 7200 Mark; Deutsche Automobil-Treuhand GmbH., Berlin-Charlottenburg 5000 Mark; Ungenannt 5000 Mark; Wirtschaftsgruppe Malzindustrie (Bund Deutscher Malzfabriken e. 23.), Berlin 5000 Mark; Lebensversicherungs-Gesellschaft Phönix in Wien, Direktion Berlin und München 5000 Mark; Wolldeckenfabrik Zoeppritz AG., Mergelstetten (Württ.) 3000 Mark; Giesecke & Deorient AG., Leipzig C 1 3000 Mark; Lahnkraftwerke AG., Limburg 2100 Mark; San.-Rat Dr. Hermann Meyer, Frauenarzt, Hildesheim 1100 Mark; Gefolgschaft der Hauptverwaltung Elektrowerke AG., Berlin W 62 (Oktober- Spende) 1165 Mark; Rechtsanwalt und Notar Dr. Hermann Fischer, Berlin (1. Spende) 1000 Mark; Kolonialkriegerdank im Reichskolonialbund, Berlin 1000 Mark; R. und M. Wegener, Blitzenrod 1000 Mark; Thermos Ges. gesch. Thermos AG., Langwiesen in Thür. 750 Mark; Dr. Paul Madsack, Mitinhaber der Firma Hannoverscher Anzeiger A. Madsack & Co. (1. Rate) 500 Mark; Deutsche Gartenbau Kredit AG., Berlin 500 Mark; Linke-Hofmann-Werke AG., Betriebskrankenkasse, Breslau 300 Mark; Fritz Rintelmann, Mitbesitzer des Sanatoriums Bad Nenndorf, Bad Nenndorf 300 Mark; Rittergutsbesitzerin Frau Major von Eckhardt, Rittergut Ammelshain 300 Mark; Gyld- und Silber- Scheideanstalt, Franz Reischauer, Oberstein (Nahe) 300 Mark; Werner Beumelburg, Berlin 300 Mark; Matth. Hohner, Harmonika-Fabrik, Trossingen in Württemberg 30 000 Mark; H. und G. Horstmann, Verlag und Druck des Generalanzeigers der Stadt Frankfurt a. M. 18 000 Mark; Deutsche Luft-Hanja AG., Berlin 16 500 Mark; Duisburger Margarine- Fabrik Schmitz & Loh, AG., Duisburg 15 000 Mark; Gewerkschafts-Victor-Stickstoffwerke, Castrop-Rauxel 2 10 000 Mark; I. G. Moufon & Co., Fabrik feiner Parf. und Toilettefeifen, Frankfurt a. M. 10 000 Mark; Magdeburger Feuer-Versicherungs- Gesellschaft, Magdeburg 10 000 Mark; Porzellanfabrik Ph. Rosenthal 6- Sohn AG., Selb 6500 Mark; W. vom Rath, Kronberg (Taunus) 6000 Mark; Hessische und Herkules-Bierbrauerei AG., Kassel 5000 Mark; Emil Busch AG., Optische Industrie, Rathenow 5000 Mark; Sterbekassenverein für Reichspostbeamte, Berlin 5000 Mark; Hessen-Nas- säuische Lebensversicherungs-Anstalt, Wiesbaden 3500 Mark; Dr. phil. Oskar Zahn, Berlin 3150 Mark; E. Holtzmann & Cie., Weisenbachfabrik, Murgtal (Baden) 3000 Mark. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 21. November. 12 Uhr: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen zwei und drei. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Kinderfunk. 17: Bunts Musik am Nachmittag. 18.30: Launiger Leitfaden für Sprachfreunde. 18.40: Das aktuelle Buch. 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichsfenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der Nation: Zum Tage der deutschen Hausmusik. 21.15: Musik im deutschen Haus im Wandel der Jahrhunderte. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 22.20: Es war einmal. Einlage: Glauben Sie noch an Märchen? Ein heiteres Funkspiel. 24 bis 2: Nachtmusik. Freitag, 22. November. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause (7) Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Bauernfunk. 10.15: Schulfunk. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.20: Nachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen zwei und drei. 15: Wirtschaftsbericht: Flüssige Kohle — ein nationaler Treibstoff. 15.15: Ein Meister des nordischen Barock: Andreas Schlüter. Von Otto Rombach. 15.30: Aus der Werkstatt deutscher Gegenwartsdichter (I). „Gärtner und Dichter": Besuch bei Otto Nebelthau. 15.40: Bücherfunk. 16: Konzert. 17: Nachmittagskonzert des Leipziger Sinfonieorchesters. 18.30: Vortrag. 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Mozart-Zyklus 1935/36* (III): Das Wunderkind irt Paris und London. Zwischen Jlme und dem Maine. Heimatlandschaft um Goethe. 21: Unterhaltungskonzert. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). Sportbericht. 22.20: Sportschau der Woche. 23; Abendmusik. 24 bis 2: Nachtmusik. Neue deutsche Musik. Weiterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. lieber Osteuropa ist es im Bereich des dort liegenden starken Hochdruckgebietes bei überwiegend heiterem Wetter zu beachtlichen Frosten (bis minus 10 Grad Celsius) gekommen. Gleichzeitig setzt sich über Südwest- und Südeuropa noch lebhafte Wirbeltätigkeit fort, die neuerdings in Oberitalien wieder zu stärkeren Niederschlägen Anlaß gibt. Wir liegen immer noch auf der Grenze zwischen beiden Einflüssen, doch ist der Witterungscharakter überwiegend unfreundlich. Eine wesentliche Aenderung ist vorerst noch nicht zu erwarten. Aussichten für Freitag: Vielfach dunstig ober nebelig, sowie überwiegend bewölkt und zeitweise auch Regen, bei veränderlichen, meist aber östlichen Winden Tagestemperaturen um 5 Grad. Aussichten für Samstag: Vorerst noch Fortdauer der überwiegend unfreundlichen, ziemlich kalten Witterung mit zeitweiligen Niederschlägen. Lufttemperaturen am 20. November: mittags 7,9 Grad Celsius, abends 3,2 Grad; am 21. November: morgens 2 Grad. Maximum 8 Grad, Minimum 1,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. November: abends 4,7 Grad; am 21. November: morgens 3,9 Grad. Celsius. — Sonnenscheindauer 0,8 Stunden. — Niederschläge 0,3 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. 6691 D j Vermietungen | Die trauernden Hinterbliebenen Beteiligung. Steinbach, Dorf-Gill, Neuyork, den 20. November 1935. |SWnangebote| hgilDlkliN ün’Ln’K«"0’’ l.Klasie,zu zwei sofort gesucht für 1. Klaffe, zu zwei Zeugnisse, 6699 D Gießen (Wllsonstraße 4), den 20. November 1935. Im Namen der Hinterbliebenen; Frau Berta Bachmann Wwe. Fritz Bachmann Liselotte Bachmann Die Beerdigung findet am Freitag, dem 22. November, nachmittags 2‘/4 Uhr vom Trauerhause aus statt. Familiendrucksachen Verlobungsanzelgen Vermfihlungsanzelgen Geburtsanzeigen bei Brühl, Schulstr. 1 Der Vorstand. _______________6702 D Die Trauerfeier findet in der Stille statt - Beileidsbesuche und Kranzspenden dankend verbeten. frauenl-Haushalt 3u erfr. im Greß. Anzeiger. 6r,8oD Kindern, 6 und 3 Jahre, i.kl.Stadt, Nähe Gießens, gesucht.Sckr.An- geböte mit Zeugnissen, Lichtbild u. Gehaltsforderung. >un t. 6696D andenGieß.Anz. Altersvereinigung 1880-1930 Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, die Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Alterskameraden Fritz Bachmann geziemend in Kenntnis zu setzen. Die Trauerfeier findet am Freitag, 22. Nov., um 3 Uhr statt. Wir bitten um zahlreiche Heute morgen um 11 Uhr ist mein geliebter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Friedrich Bachmann Lokomotivführer im 56. Lebensjahr für immer von uns gegangen. Am Mittwoch 1 Uhr verschied plötzlich und unerwartet mein lieber Mann, Vater, Schwiegervater und Großvater, der Postagent 1. R. Joh. Gg. Gerhard im 69. Lebensjahre. A Ameisen.Aktiengesellschaft W vV Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen u. Zeitschrifien Glotzen / Schulftvatze «v. ?. Todesanzeige Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, dab am Montag, dem 18 November, unser lieber Sohn und Bruder Fritz Hofmann Flugzeug-Monteur und Fallschirmwart bei der Luftsportlandesgruppe 11 infolge eines Unfalles im blühenden Alter von 22 fahren im städt Krankenhaus zu Darmstadt verstorben ist. In tiefer Trauer: Farn. Zugführer Heinrich Hofmann u. Kinder Gießen (Wolkengasse 22), den 21. November 1935. Die Beerdigung findet Freitag, 22. Nov., nachm 2 Uhr, von der Kapelle des Neuen Friedhofes in Gießen aus statt ______________________________________________________________________6687 d| lonbern nur Zeugnis» ablchrtften dem Be werbungsichretben bet legen I - Lichtbilder undBewerbungsunter- lagen mühen zur Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Ra- men und Anschrift des Bewerber» tragen! Schöne 3-3im.-lBolin. mit Bad, i. Südviertel, z. I.Dez. zu vermieten. Schr.Angeb.unt. 04982 an d.G.A. | Mietgesuche | Alleinst. Dame s. 3 3 immer Küche u.Zub.bis 1. o. 15. Januar. 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Schießgärten 22 Mündlich können Sie es nur wenigen sagen, schriftlich mehreren, durch eine Kleinanzeige sagen Sie es allen Monats-Versammlung mit Lichtbilder- vorfrag über Butzbach am 22.Novemb., 20*/2 Uhr. Nikolaus-Wanderung am 1. Dezember, s. Aushänge, +Oamenhart (Gesichtshaare) u.al.läst.Haarew. nur d die von mir angew.,einz.sich, Meth. um. Gar. tmm.mitd.Wurz. 'chmerzl.entfernt Frau B. Gulden. Spreckstd. jeden Freitag,Gießen, Alicemfraße40v. 9-7 Ubr durcka. Bei Husten und Weh Jungs Kräutertee Kräuterhaus i.derDIMnsbnrg Stummer Gießen eeiiD Freit., 22. Nov.» 20—23 Uhr, 8. Freit.-Abonn. Preise von 1.20 bis 5.00 NM. Der Waffenschmieds Komische Oper von Lortzing. ! 1 t r i f 2 e D tf 0 n li et 2 ei si li d t i n n ir tr u tr a d r b r f( L 3' n 1( ü s- fi h d li fe w di T ft ir n bi ru D! 22 hv Ml de vo im zu los zig bet s err hol der bef (Be zu c Uli gei Ml mi ich Nu sich lief fiai den s°8 aus last au Mi Ai na in fei du in mit spr eige r toet (ihi Ach öUg Nr. 272 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Donnerstag, 21 November |955 Aus der Provinzialhauptstadt. Tag der Hausmusik. Im Jahre 1932 wurde der Tag der Hausmusik ersten. Male begangen mit dem Ziel, in allen -llolkskrelsen für eine eigene Musikbetätigung zu werben. Wenn auch seitdem viele Menschen für öie Hausmusik gewonnen wurden, so mag es doch noch einige geben, die nicht ganz den Sinn und Zweck dieser großen Werbung einsehen. Sie halten diese leicht für Gedanken von Idealisten und Phantasten. Dem ist aber nicht so: Auch der Staat hat großes Interesse an der musikalischen Eigenbetäti- gung des Volkes. Obenan steht für ihn das Ziel, deutsche Kultur, die durch Jahrhunderte hindurch an wegweisender Stelle stand, in ihrer ganzen Bedeutung und Tragkraft zu erhalten und zu stärken. Die großen Kulturvermittler des Staates — Schule, völkisches Erziehungswesen und öffentliches kulturelles Leben in Konzertbetrieb und Rundfunk - vermögen ihre Aufgabe nur in beschränktem Maße zu erfüllen. Die Schule kann z. B. mit der em- oder zweimal wöchentlich stattfindenden Musik- stunde gerade nur Anregungen auf dem Gebiete des Volksliedgesanges und guter Chormufik vermit- tetn. In den völkischen Jugendgruppen wird auch vorwiegend der Gesang, wenig die Jnftrumental- mustk, gepflegt werden, wenn auch hier die Mög. lichkeit zum Erlernen des Spiels eines Instruments, etwa Blockflöte, Laute, Signalhorn, gegeben ist. Der Konzert- und Rundfunkbetrieb endlich ist zu einseitig auf das Hören von Musik eingestellt. Musik will aber nicht nur gehört werden. Ein eigentlich persönliches Verhältnis erhält nur der zu ihr, der sich um sie mit eigener Tatkraft, mit Gestaltungswillen und mit Liebe bemüht hat. Das produktive Nachschaffen erst macht die Musik zu einer wahren Herzensangelegenheit. Hierzu soll die Hausmusik verhelfen, d. h. die Musik, die im Heim und m der Familie getrieben wird. Frühzeitig muß hier mit dem Unterricht auf irgendeinem Instrument, und sei es das kleinste, bescheidenste, • begonnen werden. Auch eine wirtschaftliche Seite gilt es noch zu beachten: Viele Menschen verdienen sich ihr Brot durch das Erteilen von Musikunterricht, viele sind in der Jnstrumentenindustrie beschäftigt. Wir müssen ihnen mit unserem Kulturwillen ihre Arbeitsstellen erhalten und nach Möglichkeit noch vermehren. Die Auswirkungen bei mangelnden Aufträgen find besonders in der Industrie schwer tragbar. 'Ihre Leistungsfähigkeit, die ihr gerade im Ausland zahlreiche Kunden sichert, würde zwangsläufig abnehmen und damit auch der Verkauf nach dem Ausland Nachlassen. Hierdurch würden viele Devisen, über deren Bedeutsanikeit für die deutsche Wirtschaftslage heute wohl bei niemandem mehr Unkenntnis herrscht, für uns verloren gehen. Wie hoch die Summen find, möge daraus ersichtlich sein, daß z. B. von Januar bis Juli 1935 über K Millionen RM. durch den Verkauf von Musikinstrumenten der deutschen Wirtschaft in Devisen zugeführt werden konnten. Auch das Papier- und Notendruckgewerbe ist mit einem nicht unbeträchtlichen Teil am deutschen Wirtschaftsleben beteiligt. Kulturelle , und wirtschaftliche Ueberlegungen führen dazu, in der Werbung für die Hausmusik mehr zu sehen als nur Pläne einiger Musikbefliffe- ner. Möge deshalb der Ruf, Hausmusik zu treiben, nicht vergeblich sein! Dornoii en Tageskalender für Donnerstag. DAF., Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung: 18 Uhr in der Arbeitsschule der DAF. Lehrgang für Hochfrequenztechnik. — NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr fröhliche Gymnastik und Spiele (nur für Frauen) im Lyzeum: 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Liselotte von der Pfalz". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das Mädchen vom Moorhof". — Orts- mufikerfchaft Gießen: 20 Uhr in der Neuen Aula der Universität Vorspiel von Hausmusik. Zum Tag der deutschen Hausmusik. ^ute begeht das deutsche Volk den Tag der deutschen Hausmusik. Gerade in der deutschen Familie spielt seit altersher die Musik eine große Rolle. Sie vereinigt die Hausbewohner und läßt ihnen in genußreichen Stunden die Schönheit der deutschen Musik erstehen. Auch ohne teure Instrumente läßt sich' wie dieses Bild zeigt, ein schönes Konzert veranstalten. — (Deutsche Presse-Photo-Zentrale-M.) General von Lettow-Dorbeck spricht in Gießen. Am 9. Dezember wird General von Lettow- Vordeck — wie man uns schreibt — im Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft über seine Erlebnisse während des Weltkrieges und über die Bedeutung unserer Kolonien sprechen. Es steht außer Zweifel, daß die Kolonialfrage schon aus Gründen der Rohstoffversorgung und Produktionsverbilligung für Deutschlands Zukunft unendlich wichtig ist. Sieks von neuem müssen wir weitesten Schichten des deutschen Volkes die Wichtigkeit dieser Fragen vor Augen halten General von Lettow- Vordeck wird uns über alle kolonialen Belange eingehend berichten Hitler-Jugend Unterbann 1/116. Der Unterbann 1/116 einschließlich Marine-Hitler- Jugend tritt am Freitag, 22. November, pünktlich 19.45 Uhr auf deiy Brandplaß an. Die Gefolgschaften 1, 2, 3 und 4/116 führen ihre Gefolgschafts- Fahnen mit IiGLB Abt. höhere Schute. Die Deutschkundliche Fachschaft hält ihre nächste Sitzung Freitag, 22. November, um 16 Uhr, in der Oberrealschule ab. Gäste willkommen. Dr Kiefer, Fachschaftsleiter. Oie Imniatrikulationsifnst für das Wintersemester 1935/36. Reichserziehungsminister R u ft gibt folgendes bekannt: Die Jmmatrikulationsfrift des jetzt beginnenden Wintersemesters 1935/36 läuft an allen Hochschulen im Reich bis Montag, 25. November 1935 einschließlich. Nach diesem Tage sind nachträgliche Aufnahmen von Studenten und Studentinnen verboten. Bis zu diesem Tage haben sich alle Studierenden in der Organisationsstelle ihres Hochschulsekretariats aus den Ferien zurückzumelden, oder ihre Beurlaubung zu beantragen, soweit dies nicht bereits geschehen ist. Wer dies versäumt, wird gestrichen: eine Anrechnung dieses Semesters kann dann nicht stattfinden. Bei Wiederaufnahme des Studiums im nächsten Sommersemester muß in solchen Fällen eine Neu-Immatrikulation beantragt werden. Kann bis zum 25. November 1935 die Immatrikulation oder Beurlaubung nicht persönlich beantragt werden, so ist bis zu diesem Tage ein schriftliches Gesuch an die Hochschuloerwaltung einzureichen, über das der Rektor entscheidet. Oie Annahme von Beamtenanwärtern. Die Landesregierung hat allen Behörden und Körperschaften des öffentlichen Rechts den nachstehenden Erlaß des Reichs- und preußischen Ministers des Innern vom 1. November 1935 über die Bedingungen für die Annahme von Beamtenanwärtern zur Kenntnis gebracht: Nach dem geltenden Recht darf nur Beamter werden, wer die Gewähr dafür bietet, daß er jederzeit rückhaltlos für den nationalsozialistischen Staat eintritt. Zur Verwirklichung des nationalsozialistischen Staatsgedankens ist es erforderlich, daß in Zukunft diejenigen, die Beamte werden wollen, schon von Jugend auf in nationalsozialistischer Weltanschauung erzogen worden sind. Der Führer und Reichskanzler wird bestimmen, in welcher Weise diese Schulung zu erfolgen hat. Bis zum Erlaß dieser Bestimmung durch den Führer und Reichskanzler ist zu fordern, daß Bewerber um Beamtenstellen, die nach dem 31. Dezember 1935 das sechzehnte Lebensjahr vollenden, mit Erfolg der Hitler- Jugend angehört haben. In Zukunft sind deshalb nur solche Bewerber um Beamtenstellen anzunehmen, die dieser Bedingung entsprechen oder aus der Wehrmacht als Offiziere oder als Soldaten mit Versorgungsberechtigung entlassen sind. Sollte aus besonderen Gründen einem Bewerber die Teilnahme an der nationalsozialistischen Schulung der Jugend oder die Zugehörigkeit zur Hitler- Jugend nicht möglich gewesen sein, so kann eine Ausnahme zugelassen werden; sie bedarf meiner Zustimmung im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers. Polizeistunde beachten! Die Polizeidirektion Gießen teilt mit: Wir haben Anlaß, auf die ordnungsmäßige Einhaltung der Polizeistunde nachdrücklichst hinzuweisen. Die Polizeistunde ist einheitlich für das ganze Land Hessen und somit auch für die Stadt Gießen auf 1 Uhr nachts festgesetzt. Nach dieser Zeit dürfen Speisen und Getränke von Wirten an die Gäste nicht mehr verabreicht werden. Tun sie es doch, so machen sie sich strafbar. Auch die Gäste machen sich strafbar, wenn sie — vom Wirt auf die Feierabendstunde aufmerksam gemacht — die Gaststätten nicht alsbald verlassen. Wir glauben, daß dieser kurze Hinweis genügt, um nicht mehr in so häufigen Fällen, wie in letzter Zeit, gegen die Wirte und Gäste, die die gesetzliche Feierstunde überschreiten, einschreiten zn müssen. In Ausnahmefällen kann auf Antrag des Wirtes von der Polizeidirektion die Feierabend- ftunbe gegen Entrichtung des hierfür im Hessischen Urkundenstempelgesetz festgesetzten Stempelbetrages in Höhe von 6 Mark verlängert werden. Anmeldung zum Wehrstammblott Die Polizeidirektion Gießen veröffentlicht in unserem heutigen Blatte einen Aufruf zur Anmeldung der Jahrgänge 1913 und 1916 zum Wehrstammblatt. Die Meldepflichtigen seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. Koloniale Werbekundgebungen. Im Rahmen der im ganzen Reiche veranstalteten kolonialen Werbek«ndgebungen finden auch in Gießen zwei dieser Kundgebungen statt, und zwar eine am morgigen Freitag für die Hitler-Jugend, den BDM. utzd die Koloniale Arbeitsgemeinschaft, die andere am kommenden Samstag für die gesamte Gießener Bevölkerung. In den Kundgebungen spricht der Gründer und Leiter der Jugendbewegung von Deutsch-Südwestafrika Kurt Bütow. Wissenschaft im Dienst am deutschen Volk. Die beulfdie Rrbeitofront n.5.=demeihf(haft „Kraft öunh freude Der nächste Vortrag dieser Reihe findet am 25. November, um 20 Uhr, im Hörsaal des Kunstwissenschaftlichen Instituts, Ludwigstraße 34, statt. Es spricht Professor Dr. Hoffmann über: „Leistungssteigerung und Nervensystem". koloniale Kundgebung. Am Samstag, 23. November, 20.15 Uhr, in der Neuen Aula der Universität, unter Beteiligung der HI., BDM., Arbeitsdienst, Musikzug des SA.- Marinesturms und der Kolonialen Arbeitsgemeinschaft Gießen. Es spricht P g. Kurt Bütow (Gründer und Führer der deutschen Jugendbewegung in Süd-West-Afrika) über d i e deutsche Koloniasorderung. Unkostenbeitrag 20 Pf. Karten find auf der K r e i s d i e n st st e l l e, Schanzenstraße 18 erhältlich. * Die Programme für die Winterfahrten und Fahrten ins Wintersportgebiet sind eingetroffen und sind auf der Kreisgeschäftsstelle Gießen, Schanzen- straße 18, für 10 Pf. erhältlich. Sportamt „Krast durch $reut>e". Verlegung von Sportkurfen am Donnerstag! Die beiden Kurse für Fröhliche Gymnastik und Spiele müssen am Donnerstag einmal aus dem Körting-Radio Liebeserklärung an einMniment Von Hedwig Aauharl Meine Laute ist mein treuester, mein verständnisvollster Freund. Sie wird nie versagen, jeder Stimmung wird sie den Ausdruck geben, für den Worte zu arm sind Sie wird mich trösten, wenn ich mutlos bin, und sie wird für meine Freude den einzigen Ton finden, in dem der ganze Jubel aufkliygt, der mich erfüllt. Aber ich mußte mir ihre Freundschaft anfangs erringen. Sie war ein wenig spröde, wie alle wertvollen und dauerhaften Dinge im Leben. Sie for- berte, daß ich mich eingehend und ernsthaft mit ihr befaßte. Hätte ich es bei den bißchen gelegentlichen Geklimper belassen, mit dem ich ihre Bekanntschaft zu machen begann, so wäre ich ihr niemals nähergekommen. Sie hätte mich vielleicht sogar geärgert: Boshafterweise wären in aller Stille, während sie unbenutzt an der Wand hing, ihre Saite gesprungen, oder sie hätte sich einfach nicht stimmen lassen — o sie war erfinderisch darin, es dem schwer zu machen, der sie zu leicht nahm Sobald sie aber merken konnte, daß ich mich bemühte, ihrem Wesen auf den Grund zu gehen, daß ich ihre Freundschaft suchte, war sie mir gewonnen. Nun erschloß sie mir langsam, Stunde um Stunde sich steigernd, ihren wahren wundervollen Ton. tote ließ mich das Geheimnis erraten, in dem ihre oft staunend schon verspürte Macht ruht: Daß fie mir den Umweg der Sprache erspart und fedes Gefühl sogleich und in feiner herrlichen Ursprünglichkeit heraussingt Sie befreit mich von der bump auf mir lastender Trauer, die sie in eine harmonische Klage aufzulösen vermag — es ist, als meinte sie für mich die Tränen, die ich selbst nicht meinen kann. Bin ich aber erst glücklich, dann treibt es mich beinahe noch mehr zu ihr, ich kann es kaum ermarten, in ihrem freudigen Gesang meine Seligkeit zu er« kennen Sie erlebt alles mit, was ich erlebe — ia durch sie erst erlebe ich es in feiner ganzen Tiefe, in feinem unendlichen Reichtum. Darum sage ich mit einer großen Zärtlichkeit, wenn ich von ihr spreche: Meine Laute. Und so werden andre mit dem gleichen zärtlichen Lächeln sagen: Meine Flöte, mein Cello mem gutes altes Klavier! Sie sind lebendiger als viele Menschen, unsre stummen Freunde, die erst unser eigenes Empfinden zum Tonen bringt. Denn ihr glaubt doch nicht etwa, daß sie reden, wenn irgendwer versucht, sie so ganz nebenbei, m einer fluchtigen Laune zum Klingen zu bringen. Ach da kennt ihr sie schlecht. Sie sind nicht so leicht zugänglich. Natürlich geben fie Tone von sich, wie manches arme Klavier, das in irgendeinem Vereinszimmer steht, stöhnt gequält unter den Händen eines Gastes, der sich plötzlich an längst vergangene Tage erinnert und bas schöne Lieb vom Püppchen herunterpaukt, baß bie Pebale krachen. Es klingt erbärmlich, unb nachdem sich unser Pianist genügend blamiert hat, wirft er dem „lächerlichen Kasten" einen verachtungsvollen Blick zu unb behauptet, es fei überhaupt nicht mehr zu brauchen, total verstimmt. Merkwürbig: eine Stunde später kommt die kleine Tochter des Gastwirts schüchtern herein, dreht ein bißchen den Klavierstuhl hinauf unb beginnt leise ein altes Mellüett zu spielen, bas sie in ber Kla- üierftunbe gelernt hat. Sie kann es noch nicht richtig, und sie traut sich nicht recht, ganz laut zu spielen, man könnte es drüben am Schanktisch hören. Aber unter ihren behutsamen kleinen Fingern wird das alte Klavier lebendig, es bekommt einen süßen, zarten Ton, den es vorher nicht hatte, unb mag es ein wenig verstimmt fein, so hört man hoch gleich, baß es jetzt erst wirklich zu reben beginnt, in ber Sprache des Kinbes. bas sich langsam in bas Geheimnis ber Musik hineinzutasten beginnt. Ja, es ist eben sein Klavier, unb ihm allein gibt es sich zu erkennen Wer gewöhnt ist, mit guten unb ehrfürchtigen Hänben an ein Instrument heranzugehen, wird auch ein fremdes bald gewinnen Es ist wie bei edlen Tieren: sie spüren genau, wer sie liebt, und lassen sich nicht von jedem streicheln Eine Liebe, bie voll Achtung unb Hingabe ist, gehört dazu, bie flingenben Freunbe sich ganz unb für immer zu erwerben. Dafür erweisen sie sich dankbar: sie beschenken mit der köstlichsten aller Gaben — mit dem Glück, sich befreien zu können durch erlösende Harmonie Die Stadt des Doktors Eisenbarth Von 6nvl Baader Mitten im Herzen Deutschlands, am Zusammenfluß von Fulda und Werra, von prächtigen Wäldern umrahmt, liegt „H a n n o v e r s ch - M ü n - d e n", die Stadt, in welcher ber zu feiner Zeit weltberühmte Doktor Eisenbarth bie letzten Jahre seines abenteuerlichen Lebens verbrachte. Alexander von Humboldt, der Weitgereiste, zählte Münden zu den fielen schönsten Städten ber Erbe. Das ist ein großes Wort. Wer auf rascher Durchreise bie etwa 12 000 Einwohner zählende Stabt von ber Eisenbahn aus schaut, sieht neue Sieblungen an ben Hängen rings um bie Stabt, sieht das hohe Welfenschloß emporragen, aus dem Stadtbild, sieht die Forstakabemie, unb mo- berne Fabrikanlagen ba unb bort. Wer Münben kennenlernen, erleben will, wie Humbolbt es tat, muß beschaulich hier verweilen. Vom oberen Werratal her bin ich nach Münben bekommen. Eine blumen- unb gartenreiche Straße führt vom Bahnhof zur Stadt. Doch läßt man sich vor dem Eintritt in die Altstadt gern dazu verlocken, durch ben zu einem schattigen Park ver- roanbelten alten Friebhos zu schreiten. Am Ranb bes Parkes erhebt sich ber hohe „Hagelturm", ein Wahrzeichen ber Stabt. Unversehens stehen mir vor Mündens imposantestem Bauwerk, bem Schloß, einem stolzen Renaissance-Bau. Viele Jahrhunderte war es Sitz ber Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Nunmehr wirb bas Gebäube als Museum verwenbet. Außer einer heimatgeschichtlichen unb volkskunblichen Abteilung birgt bas Museum eine reiche Sammlung von Werken bes in Münben beheimateten beutfrfvn Bilbhauers Gustav Eber- lein (1847 bis 1926) Vom Schloß kommen wir zur Altstabt. Der Geist, aus bem diese lieben alten Fachwerkhäuser unb schönen Kirchen geschaffen würben, ist uns innerlich nahe. Wer Hildesbeim unb Dinkelsbühl liebt, wirb sich auch für All-Münden begeistern. Unweit der prächtigen St.-Blasius-Kirche steht bas „Küsterhaus", Münbens ältestes Fachwerkhaus. Am Markt ist bas ,Tillyhaus", in welchem ber große General 1626 sein Hauptquartier aufgeschlaqen hatte. Durch eigenartige Schnitzereien unb Malereien überraschen uns bie Münbener Fachwerkhäuser. In ber Lange Straße, eine ber schönsten Altstraßen, steht das E i s e n b a r t h - H a u s. Lebenswahr, angetan mit ber großen Perücke, in ben Hänben ein mebizinisches Instrument, steht Meister Eisenbarth ba. Die Inschrift am Bilbwerk lautet: In biefem Hause wirkte unb starb • Doktor Eisenbarth Es war besser als sein Rus 1661—1727 Geboren zu Vichtach in Nieberbayern, erlernte Eisenbarth zu Bamberg bie Chirurgie. Als Marktarzt zog er in Norbbeutschlanb von Stabt zu Stabt. Angetan mit rotem Mantel, auf bem Kopfe Perücke unb Dreimaster, in ber Hanb den Stock, pries er überall seine Kunst: „Ich bin der berühmte Eisenbarth Ich heile Blindheit, Melancholie, Schlagfluß, Schwindel, Wahnsinn, Wassersucht, Muttermale und Kröpfe, setze künstliche Augen und neue Zähne ein .." 1703 ließ sich Eisenbarth in Magdeburg, 1710 in Hannover nieder. Nachdem er 1716 einen preußischen Obersten durch eine Operation von einem schweren Augenleiden befreit hatte, wurde Eisenbarth von König Friedrich Wilhelm I. von Preußen zum „Königl. Preuß. Rat unb Hof- okulisten" ernannt. Vom Eisenbarth-Haus roanbern wir burch schöne alte Gassen zur Kirche St. Aegibii, wo sich des berühmten Heilkünstlers Grabstein befindet. Wir entziffern bie Inschrift: Allhier ruhet in Gott Der Weilanb hochedle hocherfahrene weltberühmte Herr Joh. Anbreas Eisenbarth, königl. großbritannischer und furfürftl. braunschweig. lüneburgischer privilegierter Landarzt, wie auch königl. preußischer Rat und Hofoculisi von Magdeburg Geboren Anno 1661 Gestorben 1727 den 11. November. Aetatis 66 Jahr. Am Marktplatz besuchen wir das Rathaus, gleich dem Schloß ein vornehmer Renaissance-Bau, mit Blumen herrlich geschmückt. In der Rathaushalle erzählen uns farbenprächtige Gemälde von ber Geschichte ber Stabt. Auf einem der Bilder bemerken wir den Herrn Rat Goethe, wie er in schmucker Kutscht in die Stadt Münden Einzug hält. Vom Starrsinn der Münbener Schiffer legt bie Tatsache Zeugnis ab, baß sie bas erste Papinsche Dampfschiff, bas im Nähre 1707 — ohne Erlaubnis ber Münbener Schiffer — auf ber Weser fuhr, in Trümmer schlugen unb bie Trümmer auf bem Markt öffentlich versteigerten. Vom Rathaus gelangen wir zum „Tanzwerber"; bas ist bie Lanbspitze, bei ber sich Fulda unb Werra vereinigen. Ein Kastanienbaum beschattet ben „Weserstem", auf bem wir folgenben Vers lesen: Wo Werra sich unb Fulba küssen, Sie ihren Namen büßen müssen. Und hier entsteht durch diesen Kuß Deutsch bis zum Meer der Weserfluß. Ein Personendampfer landet soeben. Von Hameln und Corvey her kommt er. Wen lockt es nicht, eine Weserfahrt zu unternehmen. Binnen kurzer Zeit ist der große Dampfer mit Passagieren wieder gefüllt. Er tritt die Rückfahrt nach Hameln an Gegen Abend steigen wir durch schöne Wälder empor zur „Tilly-Schanze", von ber aus Tilly am Pfingsttag 1626 bie Stabt beschoß. Hier genießen wir bas Allerschönste, was Münden bieten kann. Gruppen von warmroten alten steilen Ziegeldächern scharen sich so wundervoll um den Turm ber St.-Blasius-Kirche, baß wir bas nie vergessen können. Wir werben nicht müde, hinunterzuschauen auf das Wunder ber alten wald- und flußumrahmten Stadt. Hier verstehen wir, warum Alexander von Humboldt diese Stadt so sehr liebte. Lyzeum in den Saal im Haus der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenftraße 18, verlegt werden. Die Kurse laufen also: Fröhliche Gymnastik ung Spiele, nur für Frauen. Von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr, Haus der Deutschen Arbeitsfront, Schon- zenstraße 18, Saal. Reiten. Don 16 bis 17 Uhr, Reitschule Schömüs. Don 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Am kommenden Samstag und Sonntag müssen die Kurse für Hallentennis einer Versammlung wegen ausfallen! Schwere Autounfälle. Am gestrigen Mittwochabend wurde die Familie des Seifenfabrikanten Franz M ö b s von hier auf der Landstraße Grünberg—Gießen, zwischen dem Straßenabzweig nach Harbach und dem Fußweg von Saasen über die Wiesen in Richtung Harbach, von einem folgenschweren Autounfall betroffen. Das Auto, mit dem die Familie aus dem Vogelsberg kam, geriet aus bis jetzt noch ungeklärter Ursache von der Straße ab und fuhr in den Straßengraben, wo es sich um sich selbst drehte und mit der Spitze in Richtung Grünberg zu stehen kam. Bei dem Unfall des Kraftwagens, in dem das Ehepaar vorne faß und die beiden Kinder^ die rückwärtigen Sitze innehatten, erlitt Herr M ö b s einen Armbruch, feine Gattin eine Brustquetschung und Armoerletzungen, die beiden Kinder, die 11 und 12 Jahre alt sind, dagegen schwere Schädelverletzungen. Alle Verunglückten wurden von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz bzw. das Töchterchen von einem vorbei kommende n Privatauto nach Gießen in die Chirurgische Klinik verbracht, wo leider das 11 Jahre alte Söhnchen in der letzten Nacht feinen schweren Verletzungen erlegen ist. Ein zweiter Autounfall einer Gießener Familie ereignete sich gestern vormittag vor Niederursel. Dort kam der Kraftwagen, in dem der hiesige Kaufmann Willi Bette mit seiner Frau und seinen Kindern auf der Fahrt nach Mainz war, offensichtlich infolge glatter Straße ins Rutschen und fuhr «mscheinend gegen Bordsteine. Herr Bette wurde dabei durch Glassplitter am Kopfe verletzt und trug eine Ge- Hirnerschütterung davon, seine Gattin erlitt gleichfalls leichte Verletzungen am Kopfe; die beiden Kinder blieben unverletzt. Das Ehepaar befindet sich im Bürgerhospital in Frankfurt a. M. in Behandlung. Tödlicher Unglücfcfaii eines jungen Gießener Fliegers. Am Samstag, morgens 7 Uhr, ereignete sich auf der Griesheimer Chaussee ein Verkehrsunfall, dem der im blühenden Alter von 22 Jahren stehende Sohn des hiesigen Zugführers Hofmann zum Opfer fiel. Als einer der ersten, der im Jahre 1933 dem Gießener Fliegersturm beitrat, wurde er im Jahre 1934 von der Luftsportlandesgruppe 11 in Darmstadt übernommen. Sein Streben und Wirken galt der deutschen Fliegerei. Bei allen Vorgesetzten und Kameraden durch seine Pflichttreue und Kameradschaftlichkeit beliebt, verliert in ihm der deutsche Luftsport einen Anwärter, der zu großen Hoffnungen berechtigte. ^ucyhnnde-prüfung. Man berichtet uns: Der Gau Hessen der Fachschaft für deutsche Schäferhunde S. V. übertrug der Kreissachgruppe Gießen die Durchführung der Such- hundprüsung 1935. Am vorigen Sonntag wurde diese im Gelände rechts und links der Rodheimer Straße, nahe Heuchelheim, durchgeführt. Um 6.30 Uhr wurden von den Spurenlegern die benötigten Verbrecherspuren gelegt (2000 Schritt lang, mit je drei auf der Spur verlorenen Gegen- ständen). Die Spuren lagen in geraden, spitzen Winkeln, Zickzack usw. über Wiesen, Sturzäckern, (Bräuen, längere Feldwege und stark begangene Straßen. Die Hauptspuren wurden nach zweistündigem Liegen nochmals durch eine Verführerspur gekreuzt, so daß dem Hunde die Arbeit nicht leicht gemacht wurde, zumal sich noch auf der Spur rechtsseitig der Rodheimer Straße zwei Ketten Rebhühner und fast am Ende der Spur eine Katze niederließ, was aber bei dem Hunde keine Beachtung fand. Gemeldet waren zur Suche zwei Rüden und eine Hündin. Ein Rüde wurde kurz vor der Suche zurückgezogen. Als Richter war Polizeihauptwachtmeister B r e i t b a ch (Oberlahnstein) tätig. Die Ausarbeitung der einzelnen Spuren wurde durch das Los bestimmt Um 10.30 Uhr wurde als erster Hund angfetzt: Alma vom Dörnergrund 438 965 Sch. H. Besitzer und Führer Herr Georg Klös (Gießen). Note sehr aut. Als zweiter Hund wurde gegen 12 Uhr rechtsseitig angesetzt: Togo vom Lahnstrand Z. Pr. 461 107 Besitzer Herr Georg Huttenberger (Gießen), Führerin Frl. Virgine Hüttenberger (Gießen). Note sehr gut Beide Spuren wurden von den Hunden sehr gut ausgearbeitet, und die verlorenen Gegenstände vom Hunde dem Führer übergeben. Die Suche selbst wurde nach den Vorschriften der Fachschaft an der 10 Meter langen Leine gearbeitet. Gegen 13 Uhr war diese interessante Prüfung beendet. Anschließend fand noch eine Jugendveranlagungsprüfung statt, bei der neun Junghunde (sechs Rüden und drei Hündinnen) auf ihre Veranlagung geprüft wurden. Sechs Hunde waren vorzüglich und nur drei Hunde gut. Bei der Preisverteilung auf der Puloe^mühle sprach der Richter seine volle Anerkennung für die Leistung der Suchhunde aus und hob hervor, daß im hiesigen Bezirk erstklassiges Material an deutschen Schäferhunden stände. Die Vergebung des Gauwanderpreises mußte das Los entscheiden, da beide Suchhunde gleichwertig waren. Er wurde dem Hund Togo vom Lahnstrand Such. H. zugesprochen. Gießener Dochenmarkipreife * Gießen, 21. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, bas Pfund 1,55 Mk., Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, inländische Kühlhauseier, Klasse A 12, Klasse B 11, jugoslawische frische Eier Klasse C 11, Wirsing, das Pfund 6 bis 10 Pf., der Zentner 7 bis 8 Mk., Weißkraut, das Pfund 4 bis 8 Pf., der Zentner 4 bis 5 Mk., Rotkraut, das Pfund 8 bis 12 Pf., der Zentner 8 bis 10 Mk., Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 10, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 20 bis 30, Feldsalat 80 Pf. bis 1 Mk., Tomaten 25 bis 40 Pf., Zwiebeln 7 bis 8, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 7, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mk., Aepfel, das Pfund 12 bis 30 Pf., der Zentner 12 bis 25 Mk., Birnen, das Pfund 15 bis 25 Pf., Nüsse 50 bis 60, Zwetschenhonig 40 bis 45, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mk., Suppenhühner 70 bis 80 Pf., Gänse 80 bis 90, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50, Salat 8 bis 10, Endivien 8 bis 12, Ober- kohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 12, Rettich 5 bis 10, Sellerie 5 bis 25 Pf. Einrichtung von Poststellen. Aus Anlaß der Umgestaltung des Landpostdienstes werden in folgenden Orten des Kreises am 1. Dezember 1935 Post stellen eingerichtet: Ruttershausen, Staufenberg, Mainzlar, Treis (Hessen), Odenhausen, Geilshausen, Lumda, Beltershain, Reinhardshain und Göbelnrod. Mit den Poststellen sind öffentliche Fernsprech stellen verbunden. Die Poststellen haben die Eigenschaft einer Postanstalt im Sinne des § 1 des Reichspostgesetzes vom 28. Oktober 1871 (RGBl. S. 347) und einer Telegraphenanstalt im Sinne der Telegraphenordnung mit der Befugnis zur Annahme und Ausgabe von Postsendungen aller Art und von Telegrammen, sowie zur Vermittlung von Gesprächen. Sie nehmen ferner Bestellungen auf die durch die Post zu beziehenden Zeitungen an und zahlen für ihren Zustellungsbereich die Renten aus. Im Briefverkehr gelten die Ortsgebühren nur innerhalb des eigenen Zustellungsbereichs der Poststellen. Wenn Poststellen mit anderen Poststellen oder Postanstalten in derselben Gemeinde liegen, so gilt in ihrem gegenseitigen Verkehr ebenfalls die Ortsgebühr. In allen übrigen Fällen gilt die Ferngebühr. Sämtliche Poststellen werden dem Postamt Gießen, das als L e i t p o st a m t gilt, unterstellt und werden amtlich bezeichnet mit dem Namen des Ortes, in vvm sie liegen, sowie dem Namen des Leitpostamtes mit dem Zusatz „über Gießen", z. B. Ruttershausen über Gießen. \ Olympiade-Wertzeichen W 7 § I Die Deutsche Reichspost gibt anläßlich der voms 6. bis 16. Februar 1936 in Garmisch-Partenkirchen | stattfindenden Olympischen Winterspiele auch im i Auslandsverkehr zugelassene Sonderwertzeichen mit, Zuschlägen heraus, und zwar: Freimarken zu 6 und 4 Rpf. mit dem Bilde eines Eisschnelläufers, zu 12 und 6 Rpf. mit dem Bilde eines Skispringers, zu 25 und 15 Rpf. mit dem Bilde von Bobfahrern. Die Farbe der Freimarken ist den gewöhnlichen Freimarken gleicher Werte ähnlich. Die Postkarten zu 6 und 4 Rpf. (braun) und 15 und 10 Rpf. (rötlich) tragen auf der linken Hälfte der Vorderseite die Abbildung einer Hochgebirgslandschaft, ihr Wertzeichen zeigt den Adler der Olympischen Glocke mit den 5 Ringen in den Fängen. Als Freigebühr gilt nur der N nnroert der Wertzeichen. Die Zuschläge sind für die Deckung der Kosten der Olympischen Spiele bestimmt. Entworfen sind die Freimarken von dem Künstler Max E s ch l e, die Postkarten einschließlich Wertstempel von dem Künstler Karl D i e b i t s ch , beide in München. Der Verkauf beginnt bei allen Postanstalten am 25. November 1935 und endet mit Ablauf des 31. März 1936. Ein Teil der Wertzeichen wird auch von den Sportoerbänden vertrieben. Reichsberufswettkampf 1936 im Gau Hessen-Nassau. 56860 Teilnehmer und Teilnehmerinnen gegen 34000 im Vorjahre. LPD. Frankfurt a. M., 19. Nov. Künstlerisch umrahmt von musikalischen und chorischen Darbietungen der HI. wurde heute abend im Bürgersaal des Römers der Reichsberufswettkampf 19 3 6 durch den Zusammentritt des Gauausschusses Hessen-Nassau für den Berufswettkampf eröffnet. Nach dem Einmarsch der Fahnen und einem Lied zu Ehren der Arbeit sprach zunächst zu den den Gauausschuß bildenden führenden Mannern der Bewegung, des Staates und der Wirtschaft Gebietsführer potthoff über die geplante Winterarbeit der Hitlerjugend. Er führte dabei u. a. aus: Zum dritten Male fckickt sich die HI. an, den Reichsberufswettkampf durchzufuhren, der eine Notwendigkeit ist und der inneren Bereitschaft der Jugend entspricht, im friedlichen Wettkampf ihre Kräfte zu messen. Die Bedeutung dieses Wettkampfes kann nur klar erkannt werden in Verbindung mit den anderen großen Arbeiten und Leistungen der Bewegung, die im Interesse des Volkes durchgführt worden sind. Es gilt dabei mit den alten Gedankengängen zu brechen und in den jungen Volksgenossen den Gemeinschaftsgeist wachzurufen, der in der Parole enthalten ist: Gemeinnutz gehl vor Eigennutz. Der Führer selbst gab die Initiative zu diesem Kampf, und die HI. würde ihren Namen zu Unrecht tragen, wenn sie sich hier nicht entscheidend einsetzen würde, um dem Führer bei dieser feiner Aufgabe zu helfen. Der Reichsjugendführer hat die Parole zum Reichsberufswettkampf ausgegeben und freudig ist ihr die Jugend gefolgt. Mit Dan- kesworten an die Deutsche Arbeitsfront, die die technische Leitung des Berufswettkampfes wieder übernommen habe, schloß der Gebietssührer seine Ausführungen. Dann sprach, auch im Namen des Gauleiters, der Gauwalter der DAF., Landesobmann Becker der namentlich auf die Vorbereitungen zum Reichsberufswettkampf, seiner Organisation und Durchführung zu sprechen kam. U. a. sagte er: Wir können stolz darauf sein, daß die deutsche Jugend den Kampf begriffen har und das Wollen des Führers besser versteht, wie mancher Erwachsene. Die deutsche Jugend hat eine riesengroße Ausgabe durchzuführen, und sie muß alles das behaupten und verteidigen, was bereits erreicht und errungen worden ift, in erster Linie die Kameradschaft und die Freiheit. Pg. Becker gab bann einen kurzen Umriß über die Vorbereitungen zum Reichsberufswettkampf. Diese sind für 1936 bedeutend umfangreicher, ist doch allein die Zahl der Teilnehmer und Teilnehmerinnen von rund 34 000 im vergangenen Jahre auf über 56 000 für 1936 angesiiegen. Die Durchführung des Berufswettkampfes werde sich in diesem Jahre, und das sei eine bedeutende Aenderung gegenüber den vergangenen Jahren, streng nach der Struktur der einzelnen Gaue richten, also viel individueller sein. Der Landesoo- mann, richtete dann an die Arbeitgeber den dringenden Appell, den jungen Menschen während der Zeit des Berufswettkampfes restlose Unterstützung und Wohlwollen zukommen zu lassen. Es gelte, tüchtigen fachlichen Nachwuchs heranzubilden, denn nur durch allerbeste Qualitätsarbeit könne Deutschland für die Zukunft sich auf dem Weltmarkt behaupten. Darum müsse der unvergleichbare deutsche Oua- litätsarbeiter geschaffen werden, der mit dem deutschen Blute und dem deutschen Boden schicksalhaft verbunden sei. Der Kampf der deutschen Jugend in Verbindung mit der Deutschen Arbeitsfront ziele darauf ab, den jungen Deutschen der Zukunft zu schaffen, der die Stütze des Volkes und des Vaterlandes fein werde. Ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer schloß die feierliche Eröffnungssitzung des Gauausschusses Hessen-Nasiau für den Reichsberufswettkampf 1936. * * Dienstjubiläum. Herr Karl W ä h r u m, der Kassenbote und Hausmeister der Handels- und Gewerbebank e. G. m. b. H. Gießen, konnte am Dienstag auf eine 40jährige Dienstzeit zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden dem Jubilar zahlreiche Ehrungen zuteil. Die Belegschaft der Bank hatte sich schon vor Geschästsbeginn vollzählig zu einem Betriebsappell versammelt. Der Betriebsführer gedachte der langjährigen Tätigkeit des Jubilars und überreichte ihm ein Geldgeschenk. Die kleine Feier wurde durch ein Musikstück einiger Kameraden der SA.-Kapelle, deren Mitbegründer der Jubilar ist, eröffnet. Am Abend vereinigten sich Betriebsführer, Belegschaft und Aufsichtsrat der Bank zu einem geselligen Zusammensein, das im Geiste wahrer Volksgemeinschaft verlief. ** Sitzung des Provinzialausfchuf- s e s. Am Samstag, 23. November, vormittags 8.30 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 3, eine öffentliche Sitzung des Provinzialausschusses statt mit folgender Tagesordnung: Klage des Wilhelm R i e h m in Langd gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 16. Juli 1935 wegen Versagung des Wandergewerbescheins für 1935 Kj.— Klage des Bezirksfürsorgeverbandes Stadtkreis Frankfurt a. M. gegen den Bezirksfürsorgeverband Kreis Friedberg wegen Erstattung von Fürsorgekosten für Jozfa Chaladyniak und deren Kind Stefanie. — Antrag des Kreisamts Friedberg auf Untersagung der Ausübung des Viehhandels durch Wilhelm V ö m e l I. in Vilbel. — Klage des Karl Stern in Ulrichstein gegen den Bescheid des Kreisamts Schotten vom 3. Mai 1935 wegen Versagung der Legitimationskarte für 1935 Kj. — Klage des Hermann Rosenthal in Gedern gegen den Bescheid des Kreisamts Schotten vom 21. Mai 1935 wegen Versagung der Legitimationskarte für 1935 Kj. — Klage des Ludwig Rosenthal in Gedern gegen den Bescheid des Kreisamts Schotten vom 21. Mai 1935 wegen Versagung der Legitimationskarte für 1935 Kj. — Klage des Ferdinand R o - f e n t h a l in Gedern gegen den Bescheid des Kreisamts Schotten vom 21. Mai 1935 wegen Versagung der Legitimationskarte für 1935 Kj. ** D i e tägliche Turnstunde. Der Reichs- und Preußische Erziehungsminister hat kürzlich mit Beginn des Winterhalbjahres 1935/36 die Einführung einer dritten Turnstunde für die männliche Jugend an den höheren Lehranstalten verfügt, die im wesentlichen zur Pflege der Hebungen verwendet werden soll, die besonders geeignet sind, die Jugend zu Mut, Kraft und Gewandtheit und Wehrhaftigkeit zu erziehen. Nun soll bereits ab Ostern nächsten Sabres die vierte Turnstunde eingeführt werden, so daß dann einschließlich der beiden Spielstunden die alte Forderung der Turnlehrerschaft und der Verbände für Leibesübungen nach Einführung der täglichen Turnstunde ihre Erfüllung gefunden haben wird. Große Strafkammer Gießen. Der Peter Heinrich Pfeffer zu Bad-Nauheim wurde wegen Verbrechens im Amt unter Zubilligung mildernder Umstünde zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr verurteilt, unter Anrechnung von 5 Monaten 3 Wochen Untersuchungs- haft. Der Angeklagte, der bei der Stadtverwaltung in Bad-Nauheim tätig war, eignete sich in den Jahren 1930 bis 1933 fortgesetzt als Beamter in amtlicher Eigenschaft empfangene Gelder, die er in Gewahrsam hatte, rechtswidrig an. Um den Fehlbetrag in Hohe von 240 Mark zu verdecken, schaffte er die ma^ebenben Akten beiseite. Der Angeklagte war im wesentlichen geständig. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit wurde der Georg Tobias Krämer aus Heldenbergen wegen dreier Verbrechen im Sinne des § 176 Ziff. 3 StGB, zu einer ©efamtgefängnisftrafe von 1 Jahr 8 Monaten unter Anrechnung von 1 Monat 2 Wochen Untersuchungshaft verurteilt. Wegen desselben Delikts in Tateinheit mit einem Vergehen nach § 175 a. F. StGB, wurde der Albert Richard Ulrichsohn in Bad-Nauheim zu 1 Jahr 6 Monaten Gefängnis verurteilt. 2 Monate und 4 Wochen der erlittenen Untersuchungshaft werden in Anrechnung gebracht. Amtsgericht Gießen. Wegen Uebertretung der Reichsstraßenverkehrsordnung wurde der H. W. aus Gießen durch Strafbefehl mit 3 5 Mark Geldstrafe belegt. Der Angeklagte fuhr am 11. April mit einem städtischen Lastwagen in zu hoher Geschwindigkeit die Ludwig- straße entlang und verursachte Ecke Bleichstraße einen Zusammenstoß mit einem anderen Wagen. Sein Einspruch blieb ohne Erfolg. Am 26. Januar ließ der F. A. aus Gießen fein Pferd den ganzen Tag über an einer Leine im Schneewetter stehen. Er erhielt daher einen Strafbefehl über 25 Mark. Auf den Einspruch des Angeklagten blieb es bei der erkannten Strafe. Oberhessen. Ratssitzung in Grünberg. + Grünberg, 20. Nov. Da die Kleinkin- d e r s ch u l e seither die Mittel für die alljährliche Weihnachtsbefcherung ihrer Zöglinge durch eine Haussammlung aufbrachte, jetzt aber im Hinblick auf die Sammlungen für das Winterhilfswerk wohl kaum Aussicht auf Genehmigung zu einer Sammlung besteht, erhält sie aus Mitteln der Gemeinde den Betrag von 25 Mark. Der* Bürgermeister gab bekannt, daß er auf Empfehlung der Kreisleitung 10 Stück der Schrift „D i e Neugestaltung des Gemeindeverfassungsrechtes" angeschafft habe, die zum Gebrauch der Ratsherren bestimmt feien. Wegen der Richtlinien für Erlässe auf kommunale Gewerbe ft euer soll es auch für die Jahre 1934 und 1935 bei der in früheren Jahren geübten Handhabung bleiben. Auf bas Gesuch des VHC. wegen einer Beihilfe für den Neubau auf dem Hoherodskopf sprachen sich die Ratsherren für die Bewilligung eines Zuschusses aus. Bei der Besprechung des Punktes 750-Jahr- feier im Jahre 1 936 aus Anlaß der Wiederkehr des Tages der Gründung der Burg Grünberg ist man allgemein der Ansicht, diese Feier in angemessener Weise zu begehen. Als vorläufiger Zeitpunkt wird Ende Juni ober Anfang Juli in Aussicht genommen. Landkreis Gießen * Wies eck, 20. Nov. In den Uebungsabenben des hiesigen Turnvereins herrscht seit einigen Wochen reges Treiben. Alle Abteilungen, von ber Jugend bis zu ben Altersturnern, üben mit viel Fleiß und Hingabe, um am kommenden Samstag beim Werbeabend mit einem vorzüglichen Programm in bie Öffentlichkeit zu treten. wg. Großen-Bufeck, 20. Nov. Im Schulsaal ber hiesigen Kochschule hielt bie Führerin der NS. -Frauenschast, Frau Schneider, einen Aufklärungsoortrag über die Lage der deutschen Nordfeefischer und über bie Wichtigkeit des größeren Verzehrs deutscher Seefische. Die Rednerin betonte dabei, baß unsere Haushaltungen mehr als bisher auf den Verbrauch von Fischen umgestellt werden müßten. Kostproben von Fischgerichten wurden am Schlüsse des Vortrags, zu dem auch der Alice-Frauenverein erschienen war, an die Hörerinnen verabreicht. Der Abend wurde in üblicher Weise geschlossen. — In unserer Gemarkung sind nunmehr die Feldarbeiten im wesentlichen abgeschlossen. Die Dreschmaschine, die bisher noch auf dem hiesigen Hofgut in Betrieb war, hat nun ebenfalls unseren Ort, verlassen. Mit dem Ernteertrag des Jahres 1935 ist man hier im allgemeinen zufrieden. —.— Großen-Buseck, 19. Nov. Gestern feierte der Weichensteller i. R. Konrad Walther von hier in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 90. G e b u r t s t a g. Dem Jubilar wurden eine große Zahl Ehrungen und Glückwünsche aus nah und fern zuteil. Auch der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn sowie ber Präsident der Reichsbahnbirektion Frankfurt a. M. hatten burch den Vorstand des Betriebsamts Gießen ihre Glückwünsche überbringen lassen. Der außergewöhnlich rüstige Mann hatte noch bis vor zwei Jahren bie Aecker bestellt, und heute noch zerkleinert er ben ganzen Holzbedarf, der im Hause seines Sohnes, wo er im Altersteil wohnt, gebraucht wird. 5 Steinbach, 21. Nov. Am Mittwoch starb an einem Herzschlag in Gießen, wo er Genesung von schwerer Krankheit suchte, ber Postagent i. R. Johann Georg G e r h a r b im 69. Lebensjahre. Da der Sohn des Verstorbenen als dessen Nachfolger die hiesige Poststelle innehat, so ist bie Post in Steinbach seit bem Bestehen der Post in ber Familie Gerhard. Der Großvater des Verstorbenen, Kaspar Gerhard, war ber erste Postexpeditor in Steinbach, fein Sohn Karl Julius war sein Nachfolger als Postexpeditor, dessen Sohn und Nachfolger war ber Verstorbene. Die Familie Gerharb gehört auch zu ben Familien, beten Ursprung sich bis zum Beginn der Kirchenbücher zurückverfolgen läßt. Der Fall, daß bie Post eines Ortes seit 4 Generationen in einer Familie ist, bürste einzigartig sein. Den ganzen Wechsel ber Post über Fürstlich Thurn-und-Ta- xisches Postgebiet, Norddeutscher Postbezirk, Kaiserlich Deutsche Reichspost bis yeute hat Die Familie Gerharb mitgemacht. J) Reiskirchen, 19. Nov. In ber vorigen Woche fiel einer hiesigen Frau einGlasaufben B o b e n unb zerbrach. Sie kehrte bie Scherben zusammen. aber es muß boch ein winziges Stückchen liegengeblieben sein. Am folgenben Morgen lief ihr Töchterchen barfaß burch bie Stube und trat indie Glasscherbe. Das Kind bekam Schmerzen am Bein, ber Arzt fand auch einen winzigen Glassplitter im Fuß und konnte ihn entfernen. Die Schmerzen liehen aber nicht nach. Das Kind wurde in die Klinik nach Gießen gebracht, wo Großer Münzendiebstahl im v Zug Wert 150000 Schweizer Franken - 6000 Mark Belohnung. Frankfurt a. M., 19. Nov. (LPD.) Am Don- nerstag, 14. November, fuhr ein polnischer Staatsangehöriger von Paris nach Frankfurt a. M. Nach der Zollrevision legte er sich schlafen. Während dieser Zeit wurde ihm auf der Fahrt zwischen Saar- brücken und Münster am Stein aus dem Gepäcknetz ein Koffer mit einer Sammlung von zirka 800 Stück alter russischer Münzen gestohlen. Die Sammlung hat einen Wert von etwa 150 000 Schweizer Franken. Sie soll eine der schönsten und wertvollsten Sammlungen sein, die in Privathand ist. Es handelt sich um Münzen in Platin, Gold, Silber und Kupfer im Werte von 50 bis 3500 Schweizer Franken das Stück. Unter den gestohlenen Münzen befinden sich: 1 Dukatenstück aus der Zeit Fedor Iwanowitsch (1584 bis 1594), 1 Dukatenstück aus der Zeit Alexei Michajlowitsch (1645 bis 1676), 1 Rubel aus dem Jahre 1793 „Effimok", 20 Rubel verschiedener Prägung und 2 Zweikopekenstücke aus der Zeit Alexander I. (1801 bis 1825), mehrere Halbrubel-, Drei« rubel-, Sechsrubel- und Zwölfrubelstücke aus Platin aus der Zeit Nikolaus I. (1825 bis 1835), mehrere Rubel aus der Zeit Alexander II. (1855 bis 1889), mehrere 15-Rubel-Stücke aus der Zeit Nikolaus II. (1894 bis 1917). Die Münzen befanden sich einzeln in hellbraun gestreiften Umschlägen von 6X5% cm Größe, die wieder in sechs Kartons gelegt und dann in dem Koffer verpackt waren. Der hellbraune Lederkoffer hal eine Größe von 80X40X25 cm. Er ist E. M. gezeichnet; über den Buchstaben befindet sich eine Krone. Für die Herbeischaffung der Münzen hat die Versicherungsgesellschaft eine Belohnung von 500 englischen Pfund bzw. den Gegenwert in deutscher Reichsmark ausgesetzt. Denn das gestohlene Gut nur zum Teil wieder beigeschaffl wird, kommt eine entsprechende Belohnungs- fumme zur Auszahlung. Ein Teil der Belohnungssumme soll aber auch für die Ergreifung des Täters oder für Angaben, die zu feiner Ergreifung dienen, zur Auszahlung kommen, auch wenn von dem gestohlenen Gut nichts wieder beigeschatt werden kann. Sachdienliche Angaben nimmt die Kriminalpolizei in Frankfurt a. M., sowie jede Polizeistation ent» Zegen. Auf Wunsch werden Mitteilungen vertrau- ich behandelt. gefördert werden, daß die Einweihung der Halle im nächsten Sommer erfolgen kann. © Lollar, 19. Nov. Während die durch den Tod von Rektor Keller vor einem Jahre freigewordene Sri) ul [teile nicht wieder besetzt wird, wurde die durch die Ruhestandsversetzung des Lehrers Jacobi erledigte Stelle im Sommer dieses Jahres zur Neubesetzung ausgeschrieben. Nunmehr ist die Stelle dem Schulverwalter Brasch aus Gießen übertragen worden. Zugleich wurde dieser mit der Leitung der Schule beauftragt. Lehrer Brasch war einige Jahre in Südamerika als Lehrer tätig. T Lollar, 19. Nov. Alle Klassen der hiesigen Volksschule zogen heute in den Wald, um Bucheckern zu sammeln, und stellten sich so in den Dienst des Winterhilfswerks. Es konnte eine recht ansehnliche Menge der für die Fettgewinnung wichtigen Früchte zur Ablieferung kom- nten. § Mainzlar, 20. Nov. Auf feinem Grundstück in den Wiesen bei Staufenberg, im sogenannten Teichgebiet, hat der Metzgermeister Heinrich Zecher von hier einen Fischteich angelegt. In den Teich wurden Karpfen und Schleie ausgesetzt. 00 Klein-Linden, 21. Nov. Am Dienstagabend wurde in unserer Kirche der Film „Segensspuren der Lieb e", ein Film aus der Arbeit der Inneren Mission Nassau-Hessen, vorge- führt. In seinen erläuternden Worten ging Diakon Hagebölling, der den Film zeigte, auf die Gründung der Inneren Mission durch Johann Hinrich Wichern in Hamburg vor 80 Jahren ein und zeigte den Dienst, den die Innere Mission dem Staat leistete. Die Bilder hinterließen tiefen Eindruck bei allen Besuchern. Die Feierstunde war von Gemeindegesang umrahmt. 00 Großen-Linden, 20. Nov. Bei der B r y t s a m m l u n g , die vom Jungvolk durchgeführt wurde, sind hier 203 Laib und in Leihgestern 170 Laib Brote für arme Volksgenossen gespendet worden. Die Sammlung muß man als gut bezeichnen. y Watzenborn-Steinberg, 20. Nov. Der Turnverein „G u t Heil" hielt im „Goldenen Löwen" einen Werbeabend innerhalb des Vereins ab. Vereinsführer Otto Jung II. be- arüßte die Mitglieder und eröffnete den Abend. Anschließend war den Turnern, Turnerinnen, Schülern und Schülerinnen Gelegenheit gegeben, ihr Können unter Beweis zu stellen. Die neu gegründete Riege der Turnerinnen zeigte neben einem schönen Reigen auch beachtliche Leistungen am Gerät. Als Werberat des Vereins sprach Lehrer Philipp über die Bedeutung des heutigen deutschen Turnwesens. Jeder deutsche Turner diene nicht nur sich selbst, sondern auch dem Volk und Vaterland. Es müsse die Aufgabe jedes Volksgenossen sein, mitzuwirken, um das Ziel, das uns auch die nächstjährige Olnmpiade vor Augen führt, zu erreichen. Im Schlußwort sprach Bürgermeister Schäfer seine Anerkennung über die Darbietungen aus und betonte, daß zur weiteren Förderung des Turnsports innerhalb unserer Gemeinde mit dem Bau der neuen geräumigen Turnhalle voraussichtlich schon im Frühjahr begonnen wird. y~ Watzenborn-Steinberg, 19. Nov. Der hiesige Kriegerverein hielt am Sonntag auf dem Gemeinde-Schießstand ein Preisschießen ab. Der Reinertrag wurde dem Winterhilfswerk Überwiesen. — Die von den Pimpfen durchgeführte Brotsammlung ergab, mit der Zelle Hausen, 244 Laib Brot. T Lich, 19. Nov. Am 22. November kann die Sängeroereinigung „Cäcilia" auf ihr 97jähriges Bestehen zurück'vlicken. In den nächsten Tagen soll das Jubiläum in schlichter Weise gefeiert werden. erii,i Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß- lurü Schlußk. Mittag- börse Datum 18.11. 19.11. 18.11. 19-11 . 6% Deutsche Relchsanleihe v. 1927 100,13 100,25 100,5 100,5 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 97,5 97,5 97,5 97,5 6%% Doung-Anleihe von 1930 .. 101,75 102 102,25 102,65 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Ausloi.-Rechten ............. 112,0 4l/,% Deutsche Reichspostschatzan- Weisungen von 1934, I....... 100,2 100,2j 6% ehem.8% Hess. Volk'sstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 97/4 4x/i% ehem.8% Hessische Landes- banl Darmstadt Gold R. 12.... 96,25 96,25 — 96,25 5%% ehem. 4^,% Hess. Landes- Hypothekenbank DarmstadtLiaui 100,75 _ _ 4*4% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R.6 92,5 92,25 Oberhessen Provinz-Anlethe mii Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 113 113 113,13 113 4y.% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 96,25 96,25 6yz% ehem. 4‘/2% Franks. Hyp.. Bank-Ltqu.-Psandbriese....... 100,65 6¥i% ehem. iy2% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfc..... 4yt% ehem. 8% Pr. Landespfand- 100,9 100,75 100,9 100,9 briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4%% ehem. 7% Pr. Landespfand. briefanst., Gold Komm. Obl.Vi Steuergutsch.Verrechnungsk. 34-38 107,65 107,65 107,65 107,65 4% Sesterretchische Goldrente.... 28 27,75 28,25 27,5 4,20% Oesterreichische Silberrente 1,25 1,25 1,3 1,25 4% Ungarische Goldrente....... 9,2 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 9 8^85 ' 9 9 4Vi% deSgl. von 1913.......... 9,13 q 5% abgest. Goldmexikaner von 99 10,7 11,5 10,7 11,25 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Serie l..................... •— — — ivraniiun a. oernh Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß- kurs Schlußk. Mittag- börse Datum 18.11. 19.11. 18-11. 19-11. 4% vesgl. Serie 11 ............. — -r— 11 _ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 5,8 5,9 5,8 4'/4%Rumän.vereinh.Rentev.l913 8,25 8,25 — 8,5 4% Stumcinische vereinh. Rente .. 4,75 4,75 4,75 4,8 2 y4% Anatolier .............. 38,5 38,75 39 38,9 Frantmi u. .UL Zterlui Schluß- kurs Schlußk. Abend- börse Schluß« kurs Schlußk. Mittag, börse 18-11. 19.11. 18.11. 19.11. ' 116,75 116 116,5 112,75 116,5 —7- 113,5 209 208,5 207,5 208,5 102,65 103,5 102,5 103,25 76,4 77,25 76,5 77 18,65 18,5 18,5 18,5 125,75 126,5 126,75 126,75 122,13 122 122,5 122 185 185 185,5 185,5 I 147 148,75 147,25 148,75 216 213,5 — ; 102,5 103,25 102,4 102 112 112,5 111,5 111,75 I 105,25 105,5 105,5 105,25 I 87,75 88,5 87,9 87,75 115,75 114,75 - — 1 129 129 - — _ 102,25 102,5 50,75 51,5 51,13 50,75 103,25 —— 103,75 101,75 109,75 109,25 110 109 75,5 75,25 75,5 75,25 — — 124,25 124,25 89,5 90 89,65 90,25 136,5 136,5 136,5 136,25 — 77 76,75 24,5 25 24,4 24,9 296 294,5 296 294 — — 168 —— 156,5 156,25 156,5 156,25 27,13 88 88 1 201,75 200 200 200 18-November 19-November Amtliche Geld Notierung Brief Amtliche Notierung Geld Brief Buenos Atre- 0,676 0,680 0,676 0,680 Brüssel..... 41,99 42,07 41,99 42,07 Rio de Jan. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,60 54,70 54,60 54,70 Danzig ..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,225 12,255 12,225 12,255 HeljtngsorS.. 5,39 5,40 5,39 5,40 Paris ...... 16,37 16,41 16,37 16,41 Holland .... 168,73 169,07 168,68 169,02 Italien..... 20,16 20,20 20,16 20,20 Japan ...... 0,711 0,713 0,709 0,711 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 61,39 61,51 61,39 61,51 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon... 11,09 11,11 11,09 11,11 Stockholm... 63,02 63,14 63,02 63,14 Schweiz .... 80,79 80,95 • 80,76 80,92 Spanien... 33,93 33,99 33,93 33,99 Prag....... Budapest ... 10,265 10,285 10,27 10,29 Neuyork... 2,486 2,490 2,486 2,490 Berlin,19.November Geld Brief Amerikanische Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,84 42,00 Dänische Noten ................. 54,39 54,61 Englische Noten ...»............ 12,19 12,23 Französische Noten............... 16,32 16,38 Holländische Noten............... 168 26 Italienische Noten................ 19,46 19',54 Norwegische Noten .............. 61,23 61,47 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling Rumänische Noten............... — — Schwedische Noten............... 62,85 63,11 Schweizer Noten................. 80,58 80,90 Spanische Noten................. 33,57 33,71 Ungarische Noten ................