Nr.M Erster Blatt ,85. Jahrgang Mittwoch, 2l-August 1935 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats Bezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11086 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitats-Vuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. 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Bei dem Einsturz Unglück ist die Tunnelstrecke, die sich noch in Arbeit befand, in einer Länge von mehr als 50 Meter eingestürzt. Die Einbruchsstelle bildet ein tiefes gähnendes Loch. Bei dem Unglück wurden der große Kran und die gesamte Konstruktion mit den darüber liegenden Straßenbahn- schienen in die liefe gerissen. Auch ein starkes Wasserrohr zerbrach, das jedoch nur für kurze Zeit seine Wassermassen in die Grube senden konnte, da die Zufuhr sofort abgeriegelt wurde. Die Hermann-Göring-Straße, die vom Potsdamer Platz am Brandenburger Tor vorbei zum Reichstagsgebäude führt, ist sofort für jeden verkehr gesperrt worden. Der amtliche Bericht. Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Unglücks begab sich Reichsminisier Dr. Goebbels an die Unglücksstätte, an der alsbald auch Reichs- Minister Dr. Frick, Polizeipräsident Graf heul' o r f, Reichsleiter Dr. Ley, Generaldirektor Dorpmüller einlrafen, ebenso der zuständige Generalstaatsanwalt. Polizei und Pioniere beteiligten sich mit Energie an den Aufräumungsarbeiten, die mit Erfolg weitergeführt werden. Der Garten les Ministers Goebbels, ebenso seine ganze Wohnung wurden aus seine persönliche Anweisung z u Sanitätszwecken z ur Verfügung ge- ssellt, um den Verunglückten jede Hilfe zu leisten. Die Zahl der Verunglückten kann noch nicht angegeben werden. Bis jetzt wurden zwei Schwerverletzte und zwei Leichtverletzte feffge- skellt und geborgen. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht einwandfrei geklärt. Von feiten der anwesenden Regie- wngsmitglieder wurde jedoch eine strenge Untersuchung angeordnet, um festzustellen, ob und inwieweit Fahrlässigkeit der beteiligten Aufsichtsstellen in Frage kommt. Rach einer ersten Feststellung durch Namensaufruf werden etwa 14 Arbeiter vermißt. Man darf annehmen, daß bei dem Aufruf nicht alle Arbeiter erfaßt werden konnten, jo daß sich vielleicht noch einige als vermißt bezeichnete melden werden, wodurch sich die Vermißtenliste entsprechend verringern würde. Schärfste Untersuchung angeordnet. Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn Dr. Dorpmüller hat schärfste ^"Ersuchung angeordnet und läßt während der Aufräumungsarbeiten photographisch jede einzelne Phase festlegen, um der Untersuchungskommission einen möglichst einwandfreien Einblick in die Vorgänge die zu dem bedauernswerten Unglück geführt haben', zu geben. Ehe die Aufräumungsarbeiten durchgeführt find, wird sich voraussichtlich die Entlieh u n g s u r s a ch e des Unglücks mcht festftellen lrssen. Neben sechs Verletzten, die in die e haritö überführt worden sind, konnte bisher kei- rer von den vermutlich verschütteten Arbeitern geborgen werden. Sofort nach dem Einsturzunglück hat der amerikanische Botschafter das Gebäude der Botschaft, das ehemalige Blücher-Palais am Pariser Platz, für die Unterbringung der Verletzten und der Rettungsmannschaften bereitwillig st zur Verfügung gestellt. Duplizität der Ereignisse Berlin 21. Aug. (Eigenbericht.) Wer jemals die sjieichshauptstadt besucht hat, wird sich der brausenden Symphonie des Verkehrs erinnern, die um das Brandenburger Tor brandet. Ein Verkehr, der zwischen Siegessäule und Reichstagsgebaude einerseits und der Hermann-Göring-Straße bzw. dem Potsdamer Platz andererseits in scheinbar sinnlosem und doch so wohlgeordnetem Durcheinander sich abspielt. Xie Reichsbahn unterfährt auf kilometerlanger L trecke die belebtesten Straßen der Berliner City; her entwickelt sich der Trakt der Reichsbahn-Unter- flrUnb, der Schienenstrang derSchnellbah n, die unterirdisch die unmittelbare Verbindung der Ostmd Nordsee mit den bayerischen Gebirgen Herstellen ^°Die Reichshauptstadt ist im wahrsten Sinne des Wortes aufSandgebaut. Das SA.-Lied von btr märkischen HUde und dem nmrkischen Sand ist iw buchstäblichsten Sinne wahr. Riesige Baugruben stad hineingewühlt in diese unterirdischen Sandge- buge. Die ewig rieselnden SaNdmassen mußten ge° b-nnt werden in mühesamer Verschalungsarbeit, bevor sich die Werkleute unter Tag an die Arbeit begeben konnten. Wo oben auf dem Asphalt der Lerkehrsstraßen Tausende von Kraftwagen zeder Troße und Art vorüberrasten, da buddeln 15 ms 2(1 Meter tiefer in den geräumigen Baugruben ■WB -'M Unser Bild gibt einen UebLrblick über die Unglücksstätte wenige Minuten nach der Katastrophe. (Scherl-Bilderdienst-M.) Tag für Tag die fleißigen Arbeitsmänner, um zu den Olympischen Spielen die große Nord-Südbahn fertigzustellen, damit noch vor Empfang der ausländischen Gäste das Straßenbild der Innenstadt wieder das normale Aussehen erreichen kann. Denn auch die Prachtstraße Unter den Linden ist seit langem erfaßt vom Trubel des Riesenbauprojektes. Auch hier sind aus den breiten Fahrbahnen Engpässe des Verkehrs geworden, die nur unter sorgsamer Hut gewandter Verkehrspolizisten passiert werden können. hier also war es, wo das unfaßbare Unglück geschah. Ein Blick sagt alles: In einer Länge von 50 Meter und in einer Breite von 40 Meter gähnt ein entsetzlich tiefes Loch. 15, 20, vielleicht 30 Meter nichts als ein Gewirr von stählernen Gerüsten, von Röhren und Bauteilen. Die Straßenbahnschienen, die noch vor einer Stunde die schweren Straßenbahnen über die Baugrube hinwegtrugen, gleiten in die Tiefe. Da unten liegt der schwere Kran, der bisher die Eisenträger packte. Da unten liegen die Gerätschaften, die Streben, die Pfeiler. Da unten liegen: Menschen, fleißige Arbeiter, die ihrem Werk dienten. Die Ränder des tiefen Loches klaffen wie schwärende Wunden. Bäume drohen jeden Augenblick hineinzustürzen. Straßenbahnmasten stehen schief. Ueberall tut Hilfe not. Ueberall wird Einsatz erforderlich. Mit wunderbarer Präzision rollt auch diesmal das Uhrwerk der Rettungsaktion ab. Dreifach ist die Aufgabe: Neugierige, müßige Gaffer fernzuhalten und den Verkehr umzulenken; weiteren Einsturz und vermehrtes Unglück zu verhindern; schnell und gründlich zu helfen. Die gleiche Aufopferung, der gleiche ungeheure B e r l i n; 20. August. (DNB.) In den letzten Tagen wurde von der zuständigen Stelle des Reichs Ministeriums für Dol ks aufklär ung und Propaganda die Feststellung gemacht, daß in einem Berliner Lichtspieltheater bei den Aufführungen des bekannten Schwedenfilms Petterson & Bendel" die vom Deutschen Hammer-Verleih herausgegebene und von der Zensur genehmigte Originalkopie oerstum- melt zur Aufführung gebracht wurde. So wurde z. B. eine solche gesetzwidrige Kürzung der Originalfassung bei dem Dialog Petterson-Bendel festgestellt, in dem Petterson den Bendel fragt: Du bist wohl Jude, was?" und Bendel erzählt, wie er siebenmal aus Schweden ausgewiesen Staatskommissar Hans hinkel erklärte dazu u a daß auf seine Veranlassung 41 Berliner Filrn- theat'er besucht worden seien, die mit der Originalkopie von „Petterson & Bendel behefert feien Dabei seien in vier Fällen im Vergleich mit dem amtlichen Originaltext der Zensurkarte A e n - der ungen fest gestellt worden. Eine besonders sinnverletzende und böswillige Verstümmelung der Originalkopie habe, in einem 6^dßeren Kino des Berliner Ostens vorgelegen. Die Der- Tatenwille der Rettungsmannschaften, der 12 Stunden vorher am Funkturm das Schlimmste verhütete: wird wieder Ereignis. Die eingesetzten Männer tun in eiserner Ruhe mit selbstverständlicher Hingabe ihre Pflicht. Jeden Augenblick kann ein weiterer Einsturz, ein weiterer Sandrutsch erfolgen: niemand fragt danach. Wie jene verunglückten Arbeiter im Schacht still und selbstverständlich ihre Pflicht taten, so ohne Zaudern setzen sich Feuerwehr, Soldaten, Männer der Bewegung ein. In tiefer Trauer steht die Reichshauptstadt dem neuen Unglück gegenüber. Wieder hat eine Laune des Schicksals den Grundsatz der Duplizität der Er- eignisse bestätigt. Ein Unglück kommt nie allein, sagt der Volksmund. Er hat dieses Mal recht behalten. Heber den Gräbern aber schreitet das Werk vorwärts. Die toten Arbeitsmänner werden eingehen in das goldene Buch der Pflichterfüllung. Man wird ihrer in Trauer gedenken als Kameraden im Schützengraben der Arbeitsfchlacht. Schwierige LergungSarbeiten im Scheinwerferlicht. Seit Einbruch der Dunkelheit wird die Arbeit an der Unglücksstelle am Brandenburger Tor im Lichte vieler Scheinwerfer fortgeführt. Ein besonders schwieriges Stück der Bergungsarbeiten war die Bergung eines Schalthauses für die Straßenbeleuchtung, das in einer gleichfalls in die Grude gestürzten Litfaßsäule enthalten war. Infolge der Zerstörung dieser Säule lag vorerst der Hindenburg- Platz vor dem Brandenburger Tor noch im Dunkel. Bis 21 Uhr war es immer noch nicht möglich, eine genaue Auskunft über die Zahl der Vermißten zu geben. kürzungen müßten zweifellos von Fachleuten Dorgenommen fein. Der Inhalt des Films fei in so eindeutiger Absicht verfälscht und derart unverständlich geworden, daß die Beschlagnahme des Bild st reifens veranlaßt werden mußte. Es fei übrigens bezeichnend, daß die Verfälschung einen sofortigen Rückgang des Besuches zeitigte im Gegensatz zu den übrigen Filmtheatern, die Petterson & Bendel spielten. Bei zwei von den vier Kinos handele es sich um g l e i ch g e - schaltete Firmen, deren jüdischer Hauptinhaber offenbar auch jetzt noch der eigentliche geschäftliche und geistige Leiter sei. Selbstverständlich werde allen an dieser dreisten Fälschung Beteiligten durch die Filmkammer die Spiel- erlaubnis entzogen werden. „Darüber hinaus aber", schloß Staatskommissar Hinkel, „werden wir prüfen, welche nichtarifchen Berliner Kinotheaterbesitzer wir zukünftig überhaupt noch als genügend zuverlässig ansehen können, ihre Theater entsprechend den Gesetzen zu führen. In den Fallen wo dringender Verdacht der Unzuverlässigkeit vor'liegt, wird den betreffenden Theaterbesitzern eine Frist gesetzt werden, innerhalb deren sie ihren Betrieb an saubere und zuverlässige Personen zu veräußern haben." (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten?) Memel, 18. August. 1935. Das Memelgebiet steht am Vorabend einer schick« 1 alsschweren Entscheidung. Am 29. September soll der Landtag neu gewählt werden. Diese Wahl, der die ganze Bevölkerung wie in einem örmlichen Fieber entgegensieht, kann und muß ent- cheidend darüber werden, ob ein freiheitliches Volk auch weiterhin von fremben Eindringlingen in der schamlosesten Weise unterdrückt und geknebelt werden soll, oder ob sich endlich eine Aussicht eröffnet, daß Recht und Gesetz und Ruhe und Ordnung wiederkehren. Diese Wahl könnte endlich aller Welt die Unmöglichkeit des litauischen Ge- w a l t s y st e m s an der Memel vor Augen führen, könnte das ganze Lügengewebe zerstören, das um das angeblich „litauische Memelland" gesponnen worden ist, wenn die Abstimmung ensprechend den Bestimmungen des Memelabkommens frei und unbeeinflußt vor sich gehen würde. Die Litauer wissen aber sehr wohl, daß im Falle einer freien Wahl das Urteil der memelländischen Bevölkerung über die litauischen Fronvögte vernichtend ausfallen würde. Würde die Wahl so vor ich gehen, wie sie das Memel st atut vor« chreibt, die Mehrheit der memeldeutschen Parteien würde mindestens 95 v. h. betragen. Die litauische Regierung will aber am 29. September etwas ganz anderes durchsetzen. Sie will erreichen, daß ihre Gewaltpolitik nicht nur eine „Legalisierung" erfährt, sondern daß für alle Zeiten der litauische Kurs gewährleistet und gesichert wird. Das deutsche Memelland soll zu einer litauischen Provinz gemacht werden, und das Wahlergebnis soll nach außen hin den „Beweis" liefern, daß die Bevölkerung damit einverstanden und somit die Autonomie überflüssig sei! So grotesk und utopisch diese Zielsetzung auch anmuten mag, die Litauer wollen — darüber muß man sich klar werden — tatsächlich darauf hinaus. Um genügend Zeit für die Vorbereitung der Wahlen zu haben, wurde der Wahltermin in den späten September verlegt, obwohl die Wahlperiode des vorhergehenden Landtags bereits Anfang Mai abgelaufen» war. Inzwischen haben die litauischen Gehirnakrobaten alles aufgeboten, um eine in Europa sicher einzig dastehende Wahlkomödie aufzuziehen. Und dieses Zerrbild einer Wahl hat jetzt seine Krönung durch die Abänderung des bisherigen Wahlgesetzes erfahren, das hinter einer möglichst harmlosen Außenseite ein System verbirgt, das jeder Möglichkeit der Beeinflussung, Bedrohung, Verfälschung und Verhinderung der Stimmabgabe Tor und Tür öffnet. Das Wort „Wahl" nimmt sich wie ein Hohn aus für das, was sich am 29. September im Memelgebiet ad- spielen soll. Kriegszustand und „Staatsschutzgesetz" machen schon von vornherein jede Wahlpropaganda von memelländischer Seite unmöglich. Nicht einmal die Wahllügen der Litauer, die schon jetzt zu Dutzenden ausgestreut werden, dürfen die Memeldeutschen widerlegen, wollen sie sich nicht „wegen Aufhetzung des einen Teils der Bevölkerung gegen den anderen" hohen Zuchthausstrafen ausfetzen! Den Litauern steht es frei, Wahlversammlungen abzuhalten. Den Memeldeutschen nicht. Die litauische Presse darf Hetzen, so viel sie will, die deutsche Presse ist völlig mundtot gemacht. Die Litauer wissen, daß ihre Anhängerschaft verschwindend gering ist. Also wird eine Hilfs- truppe für die Wahl aus Großlitauen nach dem Memelgebiet kommandiert. Durch die Masseneinbürgerungen von Großlitauern, die ohne Rücksicht auf die gesetzlichen Bestimmungen erfolgen, sollen bis zum Wahltage mindestens 1 2 0 0 0 neue Wähler „geschaffen" werden, das würde aber noch lange nicht ausreichen, um einen litauischen Wahlsieg sicherzustellen. Man hat daher etwa 11000 Memelländern das Wahlrecht aberkannt unter der fadenscheinigen Begründung, ihre Pässe seien nicht in Ordnung und ihre Staatsangehörigkeit sei zweifelhaft. Hunderte von memelländischen Beamten sind nach dem Innern Litauens versetzt worden. Und jetzt wird in der Abänderung des Wahlgesetzes auch allen denen das aktive und passive Wahlrecht entzogen, die einer der verbotenen sogenannten „staatsfeindlichen Parteien" angehört haben, was eine weitere Schwächung der deutschen Wahlfront um mehrere tausend Stimmen bedeutet. Nach den Bestimmungen des neuen Wahlgesetzes schalten aber nicht nur etwa ein Drittel der memeldeutschen Wähler aus, sondern auch der K r e i s der Wählbaren wird auf das engste beschränkt. Mitglieder der verbotenen Parteien, deren „Staatsfeindlichkeit" gerichtlich festgestellt ist, können nicht gewählt werden. Es handelt sich dabei um dis Parteien von Neumann und Saß, deren Führer bekanntlich in dem berüchtigten Kownoer Prozeß zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt worden sind. Man muß bei dieser Gelegenheit daran erinnern, daß den Angeklagten auch nicht im geringsten ein Verbrechen im Sinne der Anklage (Vorbereitung eines bewaffneten Aufstandes) nachgewiesen werden konnte. Wenn man sich jetzt in Kowno erneut hierauf beruft, so ist das ein weiterer Beweis für die ausschließlich politische Tendenz dieses ungeheuerlichen Urteils. Weiter wird in den Abänderungsbestimmungen festgesetzt, daß auch frühere deutsche Beamte, die für Litauen optiert haben und damit laut Statut vollberechtigte Bürger geworden sind, nicht gewählt Fälschung desSchwedensilms,pellersvns.Venber Eine Erklärung Gtaatskommiffars Hinkels. werden dürfen. Auf diese Weise werden Memel- landführer wie der seines Amtes unrechtmäßig enthobene Landespräsident Dr. Schreiber und der frühere Oberbürgermeister Dr. Brindlinger ausgeschaltet. Wie soll das Memeldeutschtum seine Kandidatenlisten ^ustandebri^gen, wenn nabezu alle führenden Männer unter irgendwelchen fadenscheinigen Gründen als nicht wählbar bezeichnet werden? Ein Problem für sich ist die W a h l t e ch n i k. Früher wurde nach dem Listensystem gewählt. Jetzt sollen einzelne Abgeordnete tzewählt werden. Anscheinend soll das so vor sich gehen, daß jeder Wähler sich aus der Zahl der insgesamt vorhandenen Kanditaten die ihm zusagenden aussucht, und zwar so viele, wie Abgeordnete zu wählen sind, nämlich 29. Wenn man sich aber vorstellt, daß bei der letzten Wahl 34 Wahlvorschläge mit insgesamt 364 Kandidaten ausgestellt waren und in der Wahlordnung ausdrücklich bestimmt wird, daß der Wähler die Stimmzettel e r st i m W a h l l o k a l unmittelbar vor der Wahlhandlung erhält, so kann man sich lebhaft vorstellen, wie schwierig und zeitraubend das Aussuchen der einzelnen Kanditaten sich gestalten muß. Vermehren die Litauer die Anzahl der Kanditaten absichtlich oder drängen sie sich zuerst in die Wallokale, so besteht zweifellos die Gefahr, daß ein großer Teil der Wähler überhaupt nicht zur Stimmabgabe kommt. Im übrigen wird es bei diesem System auch gar nicht möglich sein, die Geheimhaltung der Stimmabgabe zu gewährleisten, so daß hier ein weiterer Spielraum für Beeinflussung gegeben ist, um so mehr, als sich die Wahlkommissionen ausschließlich aus Litauern zusammensetzen werden. Allergrößtes Mißtrauen muß es auch erregen, daß die Auszählung der Stimmen nicht im Wahllokal selbst erfolgen soll, sondern daß die Umschläge nach Memel geschickt werden müssen, wo die ebenfalls rein litauische Wahlkreiskommission das Ergebnis feststellt. Diese Wahlkreiskommission wird übrigens dem Landtag während der ganzen Dauer der Wahlperiode übergeordnet, so daß eine ordnungsmäßige und von fremden Einflüssen freie Tätigkeit der Volksvertretung überhaupt nicht mehr möglich ist. Eine besondere Rolle spielt der „Treu- eid" auf die Republik Litauen, von dem die Zuerteilung des Mandats an die gewählten Abgeordneten abhängig gemacht wird. Dieser „Treueid" ist so gehalten, daß er gewissermaßen einen Verzicht auf die autonomen Rechte in sich schließt. Der Abgeordnete soll sich eidlich verpflichten, u. a. auch alle die Gesetze, die die litauische Regierung in letzter Zeit für das Memelgebiet erlassen hat, zu achten. Mit anderen Worten: die Landtagsabgeordneten sollen dazu gezwungen werden, nachträglich alle Rechtsbrüche, die Kowno in letzter Zeit begangen hat, zu sanktionieren! Diese Wahlbestimmungen sind derart skandalös, daß man eigentlich erwarten könnte, die Unterzeich- nermächte des Memelabkommens würden nun end- lich einschreiten und dafür sorgen, daß die Wahl frei und unbeeinflußt vor sich geht. Um so mehr muß man sich wundern, wenn litauischerseits die Behauptung aufgestellt wird, Frankreich hätte bereits seine Zustimmung zu dieser unglaublichen Wahlschiebung gegeben. Die Memelländer erwarten, daß hier schnellstens eine Klarstellung erfolgt und daß die litauischen Behauptungen — wie sie beispielsweise auch das Kownoer Regierungsorgan „Lietuoos Aidas" aufgestellt hat — die Memelwahlen könnten sich nunmehr in einer normalen und durch fremde Propaganda nicht gestörten Atmosphäre abwickeln, nicht ohne weiteres als bare Münze genommen werden. Nötig wäre vor allem auch die Einsetzung einer Aufsichtskommission, wie sie bereits seit Langem von den Memelländern und kürzlich auch von einem bekannten englischen Blatt, dem Londoner „Star", gefordert worden ist. „Zimte“' zur Entrechtung der Memelländer. London, 21. Aug. (DNB. Funkspruch). „Times" erörtert die Maßnahmen der litauischen Regierung, die anscheinend darauf abzielten, bei den Wahlen im Memelland eine geheime und freie Abstimmuna unmöglich zu machen und die Rede- und Versammlungsfreiheit aufzuheben. Das Blatt spricht von einer Anregung, die Wahlen wie an der Saar unter Aufsicht des Völkerbundes abzuhalten. Dieser Vorschlag könne aber nicht verwirklicht werden, da die Saar der Aufsicht des Völkerbundes unterstand, während das Memelland sich unter der Souveränität Litauens befinde. Anderseits würden die Garantiemächte zweifellos ihre offiziellen Vertreter in Litauen beauftragen, auf die Art und Weife zu achten, in der die Wahlen abgehalten werden. Wenn das Ergebnis der Wahlen eine Krisis in den Beziehungen zwischen Litauen und Deutschland Hervorrufe, würden die Garantiemächte unvermeidlich in Mitleide ikschaft gezogen werden. Bis jetzt 465 Eonderzüge für den Reichsparteitag. Für den R e ich s par teita g 1935 sind an Sonderzügen vorgesehen (nach dem Stand vom 15. August 1935): Für den Arbeitsdienst 61, für die Deutsche Arbeitsfront 8, für den Deutschen Luftsportoerband 3, für die Hitlerjugend 45, für die Politischen Leiter 196, für SA. und RSKK. 105, für die SS. 31, für die Wehrmacht 16 Züge, insgesamt 456 Züge. Die Sonderzüge der verschiedenen Gliederungen treffen wie folgt ein: Am 6. September: 5 Züge HI., 1 Zug Politischer Leiter. 8 .(September: 2 Züge Arbeitsdienst, 1 Zug SS. 9. September: 11 Züge SS., 11 Züge SA., 14 Züge Wehrmacht. 10. September: 4 Züge SS., 2 Züge Politischer Leiter, 59 Züge Arbeitsdienst. Am 11. September in den Morgenstunden 6 Züge Politische Leiter-, vom 11., abends, bis 13. September, vormittags, die restlichen 184 Züge mit Politischen Leitern, anschließend 40 Züge HI., 12 Züge SS., 2 Züge Wehrmacht und weiter bis Samstag, den 14. September, 15 Uhr noch 94 Züge SA. und NSKK. sowie 3 Züge SS., 3 Züge DLD. und 8 Züge DAF. Italien und die Schweiz Genf, 20. August. (DNB.) Zwischen Bundes- rat Motta und dem italienischen Ge- sandten hat eine Unterredung stattgefunden über Die Angriffe, die ein in Varese erscheinendes Blatt wegen der „Adula"-Angelegenheit (irreben- tistische Propaganda im Kanton Tessin) gegen die Schweiz richtet. Bundesrat Motta soll den italie- nschen Gesandten auf den sehr schlechten Eindruck hingewiesen haben, den die Haltung dieses Blattes in der Schweiz und besonders im Tessin gemacht hat. Er soll von dem italienischen Gesandten die Zusicherung erhalten haben, daß künftig diese gehässigen Angriffe unterbunden werden. An -er Wiege -es nationalsozialistischen Arbeits-ienstes Ein Ge-enkiag in -er Geschichte -er Arbeits-ienstpflicht. Reich Stamm- und Musterverbände zu schaffen. So wurde hier in Groß-Kühnau die erste Stammabteilung und die erste Führerschule des nationalsozialistischen Arbeitsdienstes errietet Das kleine Land Anhalt kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die wiege des Reichsarbeitsdienstes zu fein. Zur Erinnerung an diese geschichtliche Tatsache habe ich der Gruppe für alle Zeiten das grün- rote Rand mit der Inschrift „Anhalt" verliehen. Im Sommer 1932 konnte der Aufbau des freiwilligen nationlasozialistischen Arbeitsdienstes im großen Stike und mit vollem Nachdruck beginnen. Zu dem Zweck wurden vor 3 Jahren die Sachbearbeiter hierher berufen. Sie haben damals die Richtlinien für den Aufbau und die Tätigkeit des nationalsozialistischen Freiwilligen Arbeitsdienstes erhalten im Hinblick auf die allgemeine Arbeits- dienstpflicht als Ziel. Wir haben an diesem Ziel unbeirrbar festgehalten. Wir find von den damals ausgegebenen Richtlinien bei aller Anpassung an die jeweilige Lage in grundsätzlichen Fragen nicht abgewichen. Der Erfolg hat gezeigt, daß Wog und Ziel richtig waren. Don jener ersten Führer- lagung in Groß-Kühnau im August 1932 bis zum 26. Juni 1935, dem Tage der gesetzlichen Einfüh- rung der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht, war der Weg steil und steinig. Aber als eine in Treue, Gehorsam und Kameradschaft verschworene Gemeinschaft haben wir allen Feinden zum Trotz weiter gearbeitet. Der Parteitag 1934 hat den Erfolg unserer Arbeit offenbart und Feinde, Verräter und Verleumder zum Schweigen gebracht. Dank dem Dillen unseres Führers Hal der 26. Juni 1935 und die Erreichung unseres feit 5 Zähren heiß erstrebten Zieles, die allgemeine Arbeitsdienst pflicht gebracht Die Erreichung dieses Zieles bedeutet für uns keinen Abschluß unserer Arbeit sondern einen neuen Anfang. Grund und Zweck ist die uns vom Führer übertragene Aufgabe, eine Schule der Ration zu sein, zu national- sozialistischem Gemeinschaftsgeist, nationalsozialistischer Arbeitsauffassung, Weltanschauung und Lebenshaltung. Doppelt schwer ist es, diesen Ausgaben in der außerordentlich kurzen Zeit eines halben Jahres zu entsprechen. Umso mehr müssen wir unsere flräfte anspannen, um das höchstmögliche zu erreichen. Dessau, 20. Aug. (DNB.) Dessau prangt im Schmuck der Fahnen des neuen Deutschlands. Mit klingendem Spiel und frohem Singen ziehen Abteilungen des Arbeitsdienstes hinaus nach Groß- Kühnau. Der Anlaß dieses Feiertages ist die dreijährige Wiederkehr des Tages, an dem im Schloß von Kühnau der damalige Beauftragte der NSDAP, für den Arbeitsdienst Oberst a.D. Hier! vor den Gaufachverwaltern der NSDAP, für Arbeitsdienst die Idee des staatlichen Arbeits- d i e n st e s auf der Grundlage der „allgemeinen, gleichen Arbeitsdien st pflicht für alle jungen Deutschen" verkündet hat. Auf dem Hof des Schlosses, wo die Ehrenabteilungen aus den Gruppen des Arbeitsgaues 13 mit dem Spielmannsund Gaumusikzug, die Fahnenabordnungen aller 30 Gaue des Reiches und Abordnungen der ehemaligen Kühnauer und Hammerfteiner, des Ar- beitsoankes und des weiblichen Arbeitsdienstes aufmarschiert waren, leitete die „Heroische Ouvertüre" von R. Schmidt den Festakt ein, 1700 Arbeitsmänner sangen wuchtig das Lied der Werksoldaten. Staatsminister F r e y b e r g, der als anhaltischer Ministerpräsident die erste Stammabteilung und die erste Führerschule des nationalsozialistischen Arbeitsdienstes Wirklichkeit werden ließ, gab eine anschauliche Schilderung aus dieser Zeit, und überreichte 45 der damaligen Teilnehmer der Tagung ein Erinnerungszeichen. Mchsarbeitssiihrer Hier! gab dann einen geschichtlichen Rückblick, bei dem er darauf hinwies, daß der Nationalsozialismus mit seinem Entschluß zur Beteiligung an dem da- maligen Freiwilligen Arbeitsdienst später kam als manche andere Verbände, weil es ihm darum zu tun war, die nationalsozialistische Auffassung vom Arbeitsdienst rein und unverfälscht zu er- halten. Entgegen der Auffassung der Systemregie, rung, die den Freiwilligen Arbeitsdienst lediglich als produktive Erwerbslosenfürsorge behandelte, betrachtete der Nationalsozialismus den Freiwilligen Arbeitsdienst ausschließlich als Vorstufe und Vorschule für die allgemeine Arbeits- d i e n ft p f l i ch t und die allgemeine Arbeitsdienst- pflicht als die große Schule des Volkes zur Erziehung zu nationalsozialistischer Arbeitsauffassung und nationalsozialistischer Weltanschauung. Der Reichsarbeitsführer schilderte dann, wie die Uebernahme der Regierung durch Nationalsozialisten in einigen Ländern die Möglichkeit bot, die nationalsozialistische Auffassung vom Arbeitsdienst in die Tat umzusetzen und damit für das Die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht m Deutschland wird in der Geschichte fortleben als ein Merkmal des 20. Jahrhunderts, wie die Einführung der allgemeinen Wehr- pflicht in Preußen ein Merkmal des 19. Jahr- Hunderts und die der allgemeinen Schulpflicht durch den Preußenkönig Friedrich Wilhelm 1. em Merkmal des 18. Jahrhunderts wurde. Der Führer hat verfügt, daß der Reichsarbeitsdienft auch als staatliche Einrichtung die Kampfbünde der Partei weitertragen darf. Damit ist symbolisch zum Aus-> druck gebracht, daß der Reichsarbeitsdienst auch als staatliche Einrichtung ein kämpfendes Glied der nationalsozialistischen Bewegung bildet. Unser Reichsarbeitsdienst würde nie bestehen, wenn die braunen Bataillone der Partei nicht den nationalsoizalistischen Staat erkämpft und wenn nicht der Führer seine schützende Hand über den Arbeitsdienst gehalten hätte. Wir danken dem Führer und vergelten ihm Treue mit Treue. Unseren Dank wollen wir unserem Führer ab- statten vor allem mit der Tat, indem wir unser Bestes daransehen, die uns übertragenen Arbeiten zu erfüllen. Damit helfen wir dem Führer, sein großes Werk fortzuführen und seine geschichtliche Sendung zu erfüllen. Dor den Fahnen der Stammabteilungen der 30 Gaue, schloß der Reichsarbeitsführer, geloben wir an diesem Lrlnnerungstaae aufs neue: Wir wollen bleiben eine auf Ehre und Treue und Kameradschaft verschworene Gemeinschaft im Ehrendienst an unserem Volk im Geiste Unseres Führers. In diesem Sinne rufen wir: „Hitler und Deutschland heil!" Dr. Will Deckers' festliche Hymne „Heiliges Feuer" beschloß die Feierstunde. Im Anschluß daran brachten tie Omnibusse die Festteilnehmer zur er st en Arbeits st elle der Stamm- und Lehrabteilung 1/135 bei Mosigkau, wo ein schlichter Gedenk st ein durch den Reichsarbeitsführer ein« geweiht wurde. Während dieser Zeit hatten sich die Fahnenabordnungen der 30 Arbeitsgaue und die Abteilungsabordnungen des Gaues 13 zum Vorbeimarsch vor dem Reichsarbeitsführer und den Ehrengästen am Reichsftatthaltergebäude in Dessau formiert Den Tag beschlossen sportliche Vorführungen und die Uraufführung des in gemeinsamer Arbeit des Arbeitsgaues 13 entstandenen Festspiels „Schwert und Spaten" im Groß-Kühnauer Park. Oie Ganktionsftage im Mittelpunkt -er morgigen Beratungen -es britischen Kabinetts. London, 21. August. (DNB. Funkspr.) Mardon a l d, der gestern abend von Schottland abgereift ist, wird heute früh in London erwartet. Baldwin hat gestern kurz nach 21 Uhr Aix- les - Bains verlassen und dürfte am späten Nachmittag in der englischen Hauptstadt sein. Dor seiner Abreise hatte er eine beinahe vierstündige Unterredung mit dem nach Aix-les-Bains gekommenen ständigen Unterstaatssekretär des Aeußeren, Sir Robert Vansittart. SirAustenCham- b e r I a i n und der australische Oberkommissar Bruce hatten im Foreign Dfice lange Unterredungen mit Eden, der ihnen über seine Pariser Bemühungen und die allgemeine Lage berichtete. Bruce ist australischer Vertreter im Völkerbunds- rat, in dem er während der Januar-Tagung den Vorsitz führen wird. Nach dem „Daily Telegraph" wird in der schon auf Donnerstag anberaumten Sondersitzung des Kabinetts u. a. die Frage erörtert werden, o b Baldwin persönlich an der Völkerbundsratstagung teilnehmen solle, was er bisher noch niemals getan hat. Wahrscheinlich werde die Ent- scheidung davon abhängen, ob Laval nach Genf gehen werde. In Regierungskreisen werde Nachdruck auf die Tatsache gelegt, daß e n g ft e diplomatische Fühlung mit Frankreich aufrecht erhalten werden solle. Gegenwärtig seien zwei verschiedene Auffassungen im Kabinett bekannt, die morgen zweifellos einander gegenübertreten würden. Die eine Gruppe von Winlstern, anscheinend die Wehrheit, glaube, daß England suchen sollte, d a 6,(0 ebiet des Streikes elnzuschränken, und daß es nichts tun sollte, was einen örtlichen kolonialen Zwist zu einem Streit zwischen den Wachten erweitern könnte, der nur z u einem neuen Weltkrieg führen würde. Diese Politik ziele besonders darauf ab, die S t r e f a - E i n i g k e i t zwischen England, Frankreich und Italien aufrechtzuerhalten. Die andere Gruppe von Wlnl- stern, deren Führer anscheinend Eden sei, vertrete die Auffassung, daß „Sanktionen" möglich seien, ohne England unbedingt in einen Krieg zu verwickeln, und daß England, selbst wenn es zum Kriege käme, stark genug wäre, um den Ausgang unzweifelhaft zu machen. In den Kreisen, die diese Meinung teilten, glaube man aber, daß der italienische wider st and bei der ersten Drohung mit Dölkerbundssanktio- nen zusammenbrechen würde. In einem beachtenswerten Aufsatz des Pariser Berichterstatters der „Times" heißt es: Das Foreign Office hatte zwar nicht erwartet, daß Mussolini die Vorschläge annehmen werde, war aber auch nich t auf eine glatte Ablehnung g e • faßt. Man hatte damit gerechnet, daß sie als Erörterungsgrundlage angenommen werden würden, und daß bei den anschließenden Verhandlungen die italienischen Einwendungen sich soweit verringern würden, um die noch bleibende- Kluft durch irgendein weiteres Zugeständnis oder Versprechen überbrücken zu können. Selbst ein fiel nee Entgegenkommen der Italiener wurde es Abessinien ermöglicht haben, von Frank- reich und England beraten, viel zur Befriedigung rtalienifötn Wmrjche zu tim. Wujjoüm war tatsächlich in der Lage, eine sehr wesentliche Ge- nugtuung zu erhalten; der Umstand, daß er anscheinend entschlossen ist, eine Regelung durch kriegerische Methoden zu erreichen, erscheint unerklärlich. Dun wird man abwarten müssen, ob der Döl- kerbundsrat beschließt, Sanktionen gegen Italien zu empfehlen. Die Sanktionen werden in erster Linie passiver und wirtschaftlicher Art sein und in der Hauptsache im Abschneiden der Lieferungen von Rohmaterial und der Kredite bestehen. Die Gefahren der Anwendung eines Druckes auf ein Land in der gegenwärtigen Stimmung und Verfassung Italiens liegen auf der Hand. Die wirksamste Waßnahme, um eine Eroberung Abessiniens durch Italien zu verhindern, würde die Schließung des Suez- Kanals für italienische Schiffe sein. Bevor dies aber geschehen könnte, mühte der völker- bundsrat den Wachten, die notwendigen Seestreitkräfte besitzen, d. h. Frankreich und England, eine Dollzugsvollmacht erteilen. Soweit die marinetechnische Seite in Frage kommt, dürste die Durchführung einer solchen Aufgabe nicht über die Fähigkeit Großbritanniens hinausgehen, gesetzt, daß es sich dazu entschlossen hat. Aber angesichts der Tatsache, daß eine halbe Million S oldaten in Norditalien Hebungen veranstaltet und daß die französische Armee nur etwas über 300 000 (?) besitzt, die für eine ganz andere Aufgabe bestimmt sind, ist es entschuldbar, wenn Laval in Genf mit äußer st er Vorsicht auftritt. Auf der anderen Seite kommt selbst ein isoliertes Vorgehen der britischen Regierung nicht in Frage. Bei dieser Sachlage wird, die Anwendung von Sanktionen zu einem äußerst r>erWelten Problem. Die italienische Regierung vertraut auf einen schnellen und leichten Erfolg in Abessinien. Sie nimmt sich anscheinend nicht die Mühe, au erwähen, daß das Gebiet, wenn es die Mühe Der Eroberung lohnte, ober wenn die Eroberung leicht wäre, wahrscheinlich schon einen Eroberer gefunden hätte. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie den Italienern nach den ersten drei Monaten Krieg zu Mute ist. Niemand außerhalb Italiens würde sich wundern, wenn ein Feldzug in Abessinien sich fünf oder Aehn oder fünfzehn Jahre bei unberechenbaren Ko st en hinschleppt. Kann Italien während einer solchen Zeit eine Million Mann unter Waffen halten und zahlungsfähig bleiben? Es gibt heute nur wenige britische oder fron- zösische Staatsmänner, die leugnen werden, wie unklug die Alliierten gewesen sind, die die italienischen Forderungen nach dem Kriege nicht in vernünftiger Weise befriedigten. In Frankreich und anderswo erkennt man seht, daß diese Unterlassung und die überflüssige Erwerbung neuer Gebiete durch Wächte, deren Ausdehnungsbe- dürfnls bereits mehr als befriedigt war, eine schwere Hypothek auf bie Zukunft Europas gelegt hat. Das koloniale Problem wird die nächste große Frage fein, der Europa gegenübertreten muß. 3n Frankreich wie in England gibt es nachdenkliche Leute, die glauben, daß eine Revision der Verteilung der Kolonien früher oder später unvermeidlich ist und daß diese Revision um so leichter und billiger oonffatten gehen wird, se eher diese Tatsache offen Anerkennung findet. Italien beschleunigt seine Truppentransporte. Oie Spitzen der Faschistischen Partei melden sich zur Teilnahme am Kriege. ttagt* die für da» faschistische Italien von bejon- den Fahnen derer geschichtlicher Bedeutung sind, haben dieser Bezeichnung nunmehr noch ein besonderes Kennwort zugefügt. Die erste Division „23. März" er hält den Beinamen „u n b e u g s a m", die zweite Division „28. Oktober": „höchster Mut und T a p f e r k e i t", die dritte Division „21. April":' „Roma, nomen est omen", die vierte Division „3. Januar": „W er wagt gewinnt" und die fünfte Division „1. Februar": „M i t dem Herzen unb mit der Waffe bis zum Z i e l". Durch ein soeben im Amtsblatt veröffentlichtes Dekret wird der Personal st and der italienischen Militärfliegerei beträchtlich vergrößert. So wird beim fliegenden Personal u. o. die Zahl der Generäle von 13 auf 33, die der Obersten von 22 auf 68 und die der Oberstleutnants von 57 auf 166 erhöht. Aehnliche Steigerungen finden sich beim Land- und technischen Personal. Insgesamt befinden sich bei der Fliegertruppe 3061 Offiziere bei einer Erhöhung um 500, 7026 Unteroffiziere bei einer Erhöhung um 1860 und 30 396 Mannschaften bei einer Erhöhung um 10 988 unter Rom, 20. August. (DNB ) Die Schwachem- denabteilungen, von denen sich der Duce am letzten Wochenende in Süditalien feierlich verabschiedete, haben nunmehr die Ausreise nach O st - afrika angetreten. Große Teile der beiden Divisionen „23. März" und „18. Oktober" schiffen sich täglich von Neavel aus ein. Die Dampfer „Leonardo da Diner und „Merano" sind bereits auf hoher See. „Cesare Battisti" läuft am Dienstag mit 1800 Schwarzhemden, 124 Offizieren und 2000 Regulären an Bord nach Ostafrika aus, desgleichen zwei weitere Schiffe mit Transporten. Noch in dieser Woche sollen „Saturnia", „Atlanta" und „Prinzipessa Giovanna" insgesamt 4000 Mann befördern. Anfang September werden sodann die großen Dampfer eingesetzt, die Italien von ausländischen Scbiffahrtsgesell- schäften erworben hat. Dadurch wird es möglich sein, die Truppenverladungen mit noch weit größerer Besckleunigung als bisher vorzunehmen. Die fünf für Ostafrika mobilisierten Schwarzhem- den-Divisionen, die ihre Namen nach den Daten w WW B HD' M < l vrrE- Aussichten ein. lllt/uyci uvv*|^*-..... VJ----1 — — . Gendarmerieoffizier wurden daber verletzt. Die Gendarmen mußten dann von der Schußwaffe Gebrauch machen, wobei es zu zwei Toten und 24 Verwundeten kam. Die gereizte Menge zerstreute sich nach dem Feuergefecht nicht sogleich, sondern schlug im Orte die Fensterscheiben von 20 Hausern Ms Ml g in Abis l‘t die M 'S die W- i grobem; en Erobi eressant |?r nach bij n Mute r ich wunder fünf od b e r e ch er Italien wi Mann um hig ble oder fron- n werden, -n sind, die ich dem i befriedig- rfennt man ie über- er ehnungsbe- friedigl ' auf die Das folo. e grob« treten muh. jt es nach- ineRevi' otonlt« ch ist uvd nb bBgtt se Tatsachr Diese nächtliche Aufnahme zeigt das Feuer in der Ausstellung und im Restaurant des Berliner Funk« turms. (Scherl-Bilderdienst-M.) verstarb. Die Feuerwehrwache gab Großfeueralarm. In kürzesten Zeitabständen trafen insgesamt 14 Züge der Feuerwehr ein. Im F u n k t u r m« Restaurant befand sich eine Anzahl Personen, die durch die Umsicht und den Mut des Fahrstuhlführers Erich G o s ch n e ck und weiterer Hilfs- mannschaften in Sicherheit gebracht wurden. Als Goschneck den Fahrstuhl nicht mehr in betrieb hätten konnte, befänden sich im Funkturm- Restaurant noch acht Personen, die durch eine Feuerwehrtruppe unter Führung von Baurat Dr. Schäfer in Sicherheit gebracht wurden. Um 22 Uhr war das Feuer eingekreist, und ein Heber- greifen auf benachbarte Hallen mit Sicherheit ausgeschlossen. Auch der Brand im Funkturm-Restaurant war eingedämmt. Durch das Feuer ist die Halle 4 völlig zer- stört worden. Die dort ausgestellten Apparate sowie der im Keller liegende Maschinenraum des Ultrakurzwellensenders sind ebenfalls vernichtet. Beim Brandunglück ist leider noch ein zweiter Toter zu beklagen. Am Dienstagmittag wurde nämlich nahe dem Haupteingang zur Halle 4 die verkohlte Leiche eines Mannes aufgefunden. 20 Verletzte wurden in das Krankenhaus eingeliefert, doch konnte der größte Teil von ihnen nach Anlegung von Notverbänden wieder entlassen werden. Die Funkausstellung erleidet keine Unterbrechung. Auch die in diesem Jahre weiterhin geplanten Veranstaltungen des Ausstellungs- und Messeamtes werden programmäßig durchgeführt. Reichsminister Dr. Goebbels sprach allen an den Hilfs-, Absperrungs- und Aufräumunqsarbei- ten Beteiligten den Dank für ihr kraftvolles Eingreifen aus. Dieser Dank gilt besonders den Mannschaften, die unter Lebensgefahr die Rettung vom Feuer schwer bedrohten Personen durchgeführt haben. Der Führer und Reichskanzler hat Reichsminister Dr. Goebbels bereits beauftragt, im Einvernehmen mit der Stadt Berlin eine großzügige Neuplanung des Messegeländes vorzubereiten. Eindrücke eines Auaenzeuaen. dd Berlin, 20. August. (Eigener Bericht.) Ker ab- K unser . ntn Ar- em Züh. >nd seine Vor den 0 Gaue, 1 wir an Vir wob und fiQ. hast im iste Unse- fen mit: schon der Feuerschein. Don den Gluten hell bet leuchtet, steht Reichsminister Dr. Goebbels sichtlich erschüttert, da, er muß zusehen, wie ein Teil des Werkes, dem er sich so besonders verbunden fühlt, in Flammen versinkt. Schließlich wird der Platz von allen, die.nicht an den Rettungsarbeiten beteiligt sind, geräumt Es ist wie ein Wunder, daß die Kabel bis zur Höhe des Funkturms nicht durch die Gluten zerstört wurden. Bis zuletzt leuchten die Lichter in den Restaurants und am Aufzug entlang. Bis zuletzt spielt der Scheinwerfer. Alles atmet auf, als ersichtlich wird, daß die Arbeit der wackeren Feuerwehrmänner am Funkturm-Restaurant Erfolg hat. Die Gluten hüllen sich mählich in schwelenden Rauch, eine weitere Ausbreitung des Brandes ist verhindert. Der Jernsender wieder in Betrieb. Berlin, 20. Aug. (DNB.) Wie die Reichssendet leitung mitteilt, ist in der Fernsehhalle der Funk- ausstellung am Dienstag um 16.15 Uhr der 3 2 0« zeitige Bildsender der Fern seh-AG. wieder in Betrieb genommen worden. Ab Mittwoch früh wird die Fernsehhalle den Besuchern wieder in Betrieb gezeigt. Sympathietelegramm des französischen poffministerS. Berlin, 20. Aug. (DNB.) Der französische Post- Minister Georges Mandel hat aus Anlaß des Brandes in der Funkausstellung an Reichsminister Dr. Goebbels das folgende Telegramm gesandt: „Tief betrübt von der Zerstörung Ihrer schönen Ausstellung bitte ich Sie, den Ausdruck der Sympathie des französischen Rund- f u n k s entgegenzunehmen." Reichsminister Dr. Goebbels hat darauf folgendermaßen geantwortet: „Ich danke Ihnen aufrichtig für Ihre freundliche Anteilnahme und Sympathie zu dem schweren Verlust, den der ' deutsche Rundfunk und seine Industrie erlitten Die Berliner Funkausstellung wieder in Betrieb. Aufräumungsarbeiten beendet — Zwei Todesopfer geborgen. — Dank an alle Helfer. Oie Ausstellungshallen wieder geöffnet. Der dichtgefüllte Stadtbahnzug trägt am Montagabend kurz nach 8 Uhr berufsmüde Berliner vom Zentrum nach dem Westen. Plötzlich weist einer entsetzt durchs Fenster: „Da brennt's!" Irgendwo fern im Westen — man kann die Richtung während der Fahrt nicht genau bestimmen — liegt eine riesengroße Rauchwolke über oder hinter dem Häusermeer. Sie verschwindet wieder hinter den rückwärtigen Steinfassaden. Es wird vielleicht eine eigenartige Wolkenbildung gewesen sein. Als sich der Blick wieder weitet, ist die fromme Täuschung zu Ende: ein gewaltiger Feuerschein wird in der Wolke sichtbar. Das muß ein Brand von riesenhaften Ausmaßen sein. Man rät auf die Gegend, schätzt auf den Kurfürstendamm, auf den Fehrbelliner Platz. Da plötzlich als sich die Stadtbahn auf die schnurgerade Strecke nach Witzleben schiebt, gewinnen die Menschen die die Kövfe zum Fenster hinausstecken, den Eindruck, als führen sie direkt in ein Flammenmeer hinein. Das kann nur die Fun k- ausstellung sein. Lähmendes Entsetzen legt sich auf die Gemüter. Sollte dies stolze Werk deutschen Erfindergeistes und deutscher Technik drei Tage, nachdem es der deutschen und der Weltöffentlichkeit übergeben wurde, ein Raub der entfesselten Elemente werden? .. Dann steht man nun an der nördlichen Ausfahrt der Avus; aus dem Ausstellungsgelande schlagen Flammen schon drei Häuser hoch gen Himmel. Durch die dichten Rauchwolken stiebt ein unerhörter Fun- Aus demamtlichenSchlußbmcht. Berlin, 20. Aug. (DNB.) Heber den Großbrand auf der Rundfunkausstellung wurde ein amtlicher Schlußbericht ausgegeben, nach dem das Feuer um 20.08 Uhr an einem Ausstellungsstand d e r Halle 4 entstanden ist. Es breitete sich mit außerordentlicher Schnelligkeit aus. Heizer und andere in der Halle anwesende Per- onen machten sofort Löschversuche. Dabei ist der Vertreter der Firma Stein, Karl Hehler, aus Nürnberg, der heldenmütig den Versuch machte, einen Hydranten in Tätigkeit zu setzen, von den Flammen erfaßt worden. Er erlitt o schwere Verletzungen, daß er Dienstag früh I* nKnege- 5 di- i®= i 'Mut". 2t »rfi jj und u \ dem. l q ei ■ ap, ,-ne 9? heilige n Anschlo stteilnehmc «; tamm- ut P 'n schlichii r 'führer eir L len sich i: ae und t um Derk den Ehw Dessau fr ■ orführiM- imer Lick: ■ estspirl! lauer $arl kben qi - "bette & ü'r ,et ' UNi t l auch Q' ^egun 1 nicht I mb w?r über bei ?en b(; X ?Ue INi kühlung. Temperaturen am 20. August: mittags 24,9 Grad Eelsius, am 20. August: abends 14,4 Grad, am 21. August: morgens 13,1 Grad, Maximum 26,5 Grad, Minimum 10,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 20. August: abends 19,1 Grad, am 21. August: morgens 15,7 Grad. Bis in die jüngste Gegenwartsgeschichte hinein bezog sich der Begriff der „S a n k t i o n e n" in der Praxis Der Nachkriegspolitik eigentlich nur a u f Deutschland. Wir erinnern uns mit Grauen der rechtlosen, der furchtbaren Zeit, als zügelloser Siegestaumel unsere ehemaligen Kriegsgegner in eine Psychose des Hasses hineinstürzte. „Sanktionen" nach §§ 17 und 18 der Anlage II zu Teil VIII und des Artikels 430 des Versailler Diktates sind gegen Deutschland rücksichtslos ange- wandt worden. Zweimal wurde das Sanktionsrecht der Entente in der Reparationsfrage ausgeübt. Einmal am 8. März 1921, als auf Grund der sogenannten Pariser Beschlüsse auf der Londoner Konferenz die Besetzung der „Sanktions- städte" Duisburg, Ruhrort und Düsseldorf erfolgte; im Anschluß daran wurde auch die berüchtigte Zollgrenze errichtet und eine Ausfuhrabgabe von 50 v. H. eingeführt. Zum zweiten Male rückten Belgier und Franzosen am 11. und 12. Januar 1923 — mitten im Trubel der Inflation — ins Ruhrgebiet ein, um „eine Eskorte für die Ingenieurkommission" zu stellen. Das Ende des Ruhrabenteuers ist bekannt. Wenn nun von Sanktionen g e g e n ii b e r I t a - l i en die Rede ist, so meint man vorerst keine militärischen Operationen, sondern versteht darunter höchstens wirtschaftliche Maßnahmen. Sv zum zum Beispiel dürfte die Aufhebung des englischen Waffenausfuhrverbotes nach Abessinien nahe bevorstehen, wobei sich die Gelehrten noch nicht darüber einig werden können, ob diese Aufhebung sich nur auf Abessinien ober aber auch auf Italien beziehen soll. Man denkt in London ferner an die Blockierung d e s Suezkanals, eine höchst interessante völ- kerrechtliche Angelegenheit, über die bereits viel Tinte verspritzt worden ist. In Paris, wo die Der- waltung des Kanals sitzt, erklärt man unzweideutig, daß England dazu gar kein Recht habe. Das internationale Abkommen von Konstantinopel aus dem Jahre 1888 sehe nämlich in feinen! letzten Absatz vor, daß „der Kanal niemals zur Ausübung des Rechtes einer Blockade" Verwendung finden darf. Wobei wir Deutschen uns lebhaft fragen, ob vielleicht während des Weltkrieges dieser edle Grundsatz auch uns gegenüber Recht geblieben ist. Komme es wie es wolle: die Sanktionsfiage ist ein Problem von höchstem juristischem Reiz und von erheblicher praktischer Bedeutung. Sollte es In einer Versammlung der Spitzen der Faschistischen Partei nahm Generalsekretär 61 a r a c e die Meldung der Mitglieder des Nationaldirektoriums der Partei und Der Parteisekretäre entgegen, die sich bereiterklärten, sich an dem kommenden Krieg gegen Abessinien aktiv zu beteiligen. Ztalienische Wasserflugzeuge bei Gibraltar. Spanien zieht Truppen zusammen. Madrid. 21. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Korrespondenten der Madrider Zeitungen in Cadiz teilen ihren Redaktionen mit. daß die Anwesenheit von zwei italienischen Wasser- slugzeugen am Cabo de Tarifs an der Straße von Gibraltar große Aufregung Hervorrufe. Die italienischen Wasserflugzeuge begründeten ihre Anwesenheit in spanischen Gewässern mit der Aufgabe, italienische Munitionsschiffs- lransporte zu schützen. Spanische Truppenteile seien bereits mobilisiert worden und befänden sich auf dem Wege nach Cadiz. Von den spanischen Garnisonen In Cordoba, Malaga und Sevilla würden weitere militärische Streitkräfte aufbrechen, um sich auf das südspanische Küstengebiet zu verteilen. Der oberste Befehlshaber der auf den balearischen Inseln liegenden spanischen Division, der zur Zeit in Madrid weilte, kehrte nach einer kurzen Unterredung mit dem spanischen Kriegsminister nach den Balearen zurück. Der spanische Innenminister teilte den Pressevertretern mit, daß die Rachrichten aus Cadiz auf Grund der noch bestehenden Pressezensur aus der spanischen Presse ferngehalten würden. Die italienischen Manöver in Südtirol. R o m , 20. August. (DNB.) Die am 25. August beginnenden großen italienischen Herbstmanöver werden für einige Tage das italienische Tagesinter- esse, das in der letzten Zeit nur auf einen großen Nenner „Abessinien" vereinigt war, nach den nördlichen Grenzgebieten des Landes ab- ziehen. Die wichtigste Aufgabe dürfte der völlig motorisierten Division Trient zufallen, wie überhaupt das Hauptziel Der fommenben Hebungen Darauf gerichtet zu sein scheint, Die Ver- wenDbarkeit beweglicher und motorisierter Truppen in Verbindung mit großen Truppeneinheiten i m Gebirge festzustellen. Militär und Schwarzhemden werden gemeinsam manövrieren. Bekanntlich nehmen die aktiven Minister und Staatssekretäre in den für sie zuständigen Truppenteilen an den Manövern teil. Als Zuschauer werden lediglich die Vertreter des königlichen Hauses, der Deputiertenkammer und des Senats, sowie sämtliche Militärattaches, darunter als Vertreter des Deutschen Reiches General Fischer, sowie zahlreiche Militärmissionen aus dem Ausland, unter ihnen auch eine Abor d n ung des Reichsheeres anwesend fein. Die Oberaufsicht des Manövers liegt offiziell in den Händen des Staatssekretärs im Kriegsministerium, General Vaistrocchi. Mussolini wird jedoch diese großen Hebungen in maßgebenden Teilen entscheidend beeinflussen. 0er Schlichtung-ausschuß siedelt nach Bern über. Hauptschriftleiter: Dr Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 35: 9945. Druck und Verlag: Brühl'sche Hniversitäts-Buch- und Steindruckeret R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugsprets RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit Der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit Der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. einer von EnglcmD geführten Gruppe von Staater ernst Damit sein, so würDe Italien vor einer sehr mißlichen Lage stehen. Denn Der Weg um Das Kap Der Guten Hoffnung ist für Truppentransporte fast gleichbleibenD mit einem fast völligen Abschneiden der Zufuhr. Ob es zu tiefgreifenden Entschlüssen dieser Art kommen wird, ist allerdings fraglich, Andererseits muß man bedenken, daß Das britische Imperium eine Schlappe Der Pariser Art nicht auf sich sitzen lassen kann. Wetterbericht Des Retchswetterdieuste». Ausgabeort Frankfurt. DeutschlanD liegt, abgesehen von Dem Küstengebiet Der Ostsee, noch vollkommen im Einfluß Des Bereichs hohen LuftDruckes. Bei heiterem Himmel hat sich Daher auch wieDer bei uns kräftige Erwärmung eingestellt. Zu gleicher Zeit ist es infolge Zufuhr feucht-warmer Mittelmeerluft über Dem gesamten Balkan zu ergiebigen Regenfällen gekommen. Auch Dringt von Westen her kühlere Meeresluft nach Dem Festland vor. Es kann daher auch bei uns bald mit dem Auftreten gewittriger Stö- Paris, 20. Aug. (DNB.) Der italienisch-abessinische Schlichtungs- und Schiedsgerichtsausschuß ist am Dienstag zu seiner zweiten Sitzung zusammengetreten. Zum fünften neutralen Schiedsrichter, dessen Wahl im Falle von Meinungsverschiedenheiten notwendig werden könnte, wurde einstimmig Der griechische Ge - sanDte in Paris, Po litis, ausersehen. Der Ausschuß hörte Dann Die Ausführungen Des Rechtsberaters Abessiniens, Professor Ieze, an, worauf her italienische Rechtsberater, Professor Lessona, den Antrag stellte, gewisse Persönlichkeiten in Der Ual-Hal-Angelegenheit zu vernehmen. Der Ausschu hat diesem Antrag stattgegeben und beschlossen, sich in den allernächsten Tagen nach Bern zu begeben, wo die Vernehmung erfolgen wird. Amerikas Neutralität im Kriegsfälle Washington, 21. August. (DNB. Funkspruch.) Der Außenausschuß des Senats verabschiedete Vorlagen, die die Neutralität Der Vereinigten Staaten im Falle kriegerischer Verwicklung unter anDeren Nationen sichern solle. Im Falle eines Kriegsausbruches ist Der PräsiDent verpflichtet, Die Munition s - unD Waffenausfuhr nach allen kriegführenDen Staaten zu verbieten. Oie Waffenfabrikanten unD AusfuhrlänDer werben durch Lizenzen unterAufficht gestellt. Zuwiber- banblungen gegen Die Ausfuhrverbote werben mit 10 000 Dollar Gelbstrafe unb fünf Jahren Gefängnis aeahnbet. Die amerikanischen Schiffe bürfen keine Munition an kriegführenbe Staaten verfrachten, auch barf fein Versanb von Waffen ober Truppen aus amerikanischen Häfen an kriegführenbe Schiffe erfolgen. Der Präsibent soll ermächtigt werben, bie Benutzung amerikanischer Häfen burch U n t e r f e e b o o t e zu regeln. Ferner soll es bem Ermessen bes Präsibenten anheimgestellt werben, amerikanischen Bürgern zu verbieten, auf Schiffen kriegführenber Parteien zu reifen. Blutige Unruhen in Bosnien. fenregen. Wann ist bas Feuer ausgebrochen? Sinb Menschenleben in Gefahr? Man kann es nicht glauben, baß vor einer halben Stunbe bie riesigen Scharen bet Besucher unangefochten unb ohne von ber brohenben Katastrophe etwas zu ahnen, Die weiten Hallen verlassen haben. Vor weniger als einer halben Stunbe ist in ber Halle IV, im „Haus bes beutschen Runbfunfs", wo ber alte Witzlebener Senber sich befinbet, ganz plötzlich eine hiesige Stichflamme burchs Dach geschlagen. Wenige Minuten später ftanb alles schon lichterloh in Flammen. Gespenstisch wirft hinter bem Flammenschein ber Funfturm, besten unteres unb oberes Restaurant noch wie festlich erleuchtet sinb, an bem sich bie Lichterfette neben Treppen unb Fahrstuhl nach oben ranft, zum Scheinwerfer, ber für bie Nachi- flugzeuge in Tätigkeit bleibt. Diese Selbstverstänb- lichkeit im Aufruhr ber Elemente ist im hoppelten Sinne überroältigenb. Wenn ber treifenbe Scheinwerfer auf bie gewaltige Rauchsäule stößt, wirkt bas Bilb mit einer übernatürlichen Furchtbarkeit. Plötzlich erkennt man hinter ber Rauchsäule, baß bie Flammen auch bas untere Restaurant bes Funk- turmes in Branb gesetzt haben. Es bauert auch nur wenige Minuten, so erscheint biese Gaststätte, bie 45 Meter über bem Erbboben liegt unb immer ein befonberer Anziehungspunkt für bie Berliner unb bie Gäste ber Reichshauptstabt war, in strah- lenber Glut. Das aufmerksame Auae erkennt unterhalb ber Plattform auf riesigen Leitern Gestalten in Bewegung: Feuerwehrleute bei ihrer aufopferungsvollen unb lebensgefährlichen Arbeit. Es werben boch nicht etwa noch Menschen oben fein? Wenige Minuten später führt mir ein Zufall einen Kellner zu, ber soeben als einer ber Letzten bas brennenbe Restaurant in ber Höhe verlassen hat. Als ich Das Flammensprühen unterlaufen habe und gegenüber dem Eingang bes „Hauses bes Runbfunks" stehe, ist bas Bilv schauerlich granbios. Der Funkturm selbst verschwinbet hinter dem Flammenmeer, bas alles innerhalb ber Hmfastungs- __________ Diese Aufnahme, bie vom Funkturm aus gemacht würbe, gibt einen Heberblick über bie Ausstellungs- hallen. — Im Vordergrunb bie nieber gebrannte Halle IV. — (Wettbilb-M.) „Sanktionen." rungen gerechnet werben. Aussichten für Donnerstag: Vorerst noch heiter unb trocken, tagsüber warm, östliche Winbe, späterhin auskommenbe Gewitterneigung. Aussichten für Freitag: Zunächst warm und schwül, Gewitterbilbung, später leichte Ab» Belgrab, 20. August (DNB.) In Dem bosnischen StäDtchen Roaatitza war in Der Nahe der orthoboren Kirche ein Flugzeug a b g e st ü r z t, Das PropaganDamaterial abgewor- sen hatte. Einige Muselmanen wollten Dem abgestürzten Flieger zu Hilfe eilen unb überquerten dabei Den Kirchenplatz, auf bem bie orthoboxe Ge- meinbe versammelt war. Die Versammelten protestierten gegen bie Anwesenheit ber Muselmanen, unb es entstaub eine Schlägerei. Als Genbarmen ben Streit schlichten wollten, wur- . den sie von den Muselmanen und den Orthodoxen J ber jt! gemeinsam angegriffen und mit einem ■ betrat“ Steinhagel überschüttet. Fünf Gendarmen und em ’ ti-' m___v -___mitrhan hrthpi n > r l P h t. Die Sä Oberhessen außer Dimitro aus Dan« allgemein 20. 2lug. her- Gehaltsansprüche einreichen. 4766D S. Lehmbelker, Gießen, Seltersweg 73 ist heute durch einen sanften Tod von uns gegangen. Gießen (Bahnhofstraße 50), den 20. August 1935. Junger llllllllllllllllllllllllllllll Stabile nicht üü.!8Jahre über, mit guten Nachdruck verboten Ohr» Gewähr --7K5V 20. August 1935 1L Ziehungstag 134446 Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen (Wilhelmstraße 51), den 20. August 1935. 2389 6107 8937 61454 398492 in Kenntnis. 4770D Die Führerschaft. teiligung. Kochstätter-Tapeten 231141 314495 393032 12175 263671 47902 81415 98920 Kameradschaftliche Vereinigung ehemalig. Leibgardisten, Gießen. 161066 245473 294102 310070 348334 162438 262675 295264 310913 375673 178236 264449 297709 320665 251390 257546 292900 303270 370675 372570 377729 382640 166155 264310 295288 320411 218916 325230 24706 103283 196895 265844 299837 337763 75473 88293 106388 124685 139300 163796 173625 190709 199442 214483 226924 235791 244115 262001 272167 287926 299515 309305 321560 338840 350585 361006 368442 383507 391711 101835 107539 136083 142865 152712 175898 186116 208342 222307 229365 237786 275118 287976 304664 321477 337237 361727 364358 383286 393614 236430 348106 10646 50182 63152 76353 89096 Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Millimeterzelle veröffentlicht Vermählungs-Anzeigen liefert Brühl'sche Druckerei 113174 241755 268917 301419 340423 Nadi kurzer, schwerer Krankheit entschlief am 19. August 1935 gegen 20 Uhr unser lieber Vater, Großvater, Schwiegervater, Bruder, Schwager und Onkel Heinrich Reining, Postassistent i.R. im 76. Lebensjahr. über, mit guten Zeugnissen, alsb. Durch ein dreigliedriges Preisgericht wurden im Rahmen der großen Wiesbadener Briefmar- kenausstellung u. a. folgende Aussteller mit Preisen bedacht: Ehrenpreis der Stadt Wiesbaden: Major a. D. Mergelsberg. Charlottenburg (Preußensammlung); den Ehrenpreis der Stadt Die Trauerfeier findet Freitag, den 23. August, nachmittags 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt zeigt sich starken an den Meine liebe, herzensgute Mutter, unsere geliebte Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elise NollWwe., geb. Junker 134544 134846 200604 203996 205550 221612 256576 261433 283745 323117 331867 333430 361223 396109 76 Gewinne zu 500 M. 6062 7812 22351 44080 48753 66705 69990 74612 76330 MMtii jeden Mittwoch von 5V2 Uhr nachmittags bei August Tloll Bäckerei. 4752D gesucht. Näheres r. Gieß.Anz. 0351a illllilllllllllllllilllimiii Wir setzen unsere Mit- glieder von dem Ableben ///||l''x des Kameraden Heinrich Reining, Postassistent i. R. Für die trauernd Hinterbliebenen t Marie NolL 62 Gewinne zu 500 M. 5470 15921 19497 32363 34827 46125 47954 90300 106376 108149 116623 123228 128341 148526 162856 187367 24355t! 260723 251364 257218 272984 309350 322067 366697 371265 372806 Auf jede gezogene Rümmer find zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lofe gleicher Rümmer in den beiden Abteilungen I und H gesucht. 03510 Bäckerei Lein Wieseck Alicenstratze 7. Zu der am Donnerstagnachmittag 3 Uhr auf dem Neuen Friedhof stattfindenden Trauerfeier erwarten wir zahlreiche Be- 377925 381601 _ _____ 54 Gewinne zu 1000 M. 10671 11689 31671 68697 74796 76590 96691 119903 119926 123653 * Die Trauerfeier vor der Einäscherung findet am Donnerstag, dem 22. August 1935, nachmittags 3 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt 03501 354 Gewinne zu 300 M 1162 2225 ----------- ---- 17862 23350 30246 31916 32244 38511 60086 Mercedes Mk. 182.- schonf.montl. M.7.98 FranzWCo., Gießen Seltersweg44 l9i3Ä 298 Gewinne zu 300 M. 917 6228 6264 9086 13849 17149 19466 24619 26418 28197 32914 41668 42345 44880 46764 47128 51487 65139 66456 70174 75511 77253 88636 89224 92102 93383 96823 98861 Grittem! Wir suchen f. unseren bewährt. vreiswert.Valenl-AutolvailM benirksM.ruhr.Herr.als Alleinverkäufen! eig.Rechn.,',.direkt. Vertriebe, mögl. m. Untervertretern,an Autobes.,Garagen, Fabriken etc. Knie Verdlemt- möglichkeit.Für nötige Lagerhalt. etwas Kapital erforderl. Gefl.Ang.m.gennuer Angabe d. evtl.Bezirkes a Stldd. Bflrsten- n. Metallwarenfabrik G.m.b.H. Ellingen b. Stuttgart. 4766v Saunen- s ««Milch ab-ugeb. Bestell, erb. wir v.Voftk. Damplsägewerk Lollar B.NuhnA.6.,Lollar. gewandte• vll für d. Verkauf unserer neuen elektr. Haushaltmasch. gesucht. 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Klaffe»-Lotterie Für mein 8urz-.VM-.V0ll- rooren u.Wonufor- tucivarell-GesWsk suche ich per 1. September ein Lehrmädchen aus gut. Familie, das auch zuBüro- arbeiten Beton» gezog. wird. Nur Bewerberinnen mit guter Hand» schritt u.d.Jnter- esse f. diesen Beruf zeigen, woll. sich melden. Angebote 0N (47510 Pb. Kropp Wacht Inh. Heb. Kappes Grttnberg, Hessen Preußen. Mit dem Motorrad tödlich verunglückt. LPD. Herborn, 20. Aug. Der 32 Jahre alt, Motorradfahrer Jakob Eckhard aus Hermann- stein wollte aus der Landstraße zwischen Naunheim und Hermannstein einer Fußgängerin ausweichen. Hierbei kam er zu Fall, und zog sich einen Schädelbruch zu, an dessen Folgen er verstarb. Amtsgericht Gießen. Der K. Ehr. L. aus Gießen wurde durch Strafbefehl mit 25 Reichsmark Geldstrafe belegt. Dagegen legte der Angeklagte Einspruch ein. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde festgestellt, daß er am 5. und 11. Mai, ohne im Besitz einer Fischereikarte zu sein, gefischt hatte. Das Gericht nahm eine fortgesetzte Handlung an und erkannte auf 10 RM. Geldstrafe. Ein anderer Angeklagter erschien nicht. Sein Einspruch wurde deshalb kostenpflichtig verworfen. Mainz: General a. D. Rotte» Wiesbaden (Memel- Ben: „Lieber sammlung), Goldene Medaille der Stadt Mainz: von Deinem , , A. Heidenreich- Osterburken (Forschungssamm-1 Stein oom Herzen gefallen/ Junger Mann z. Eisausfahren gesucht.Wo?sagt o. Geschäftsstelle des Gieß. Anz^ru # Ober-Ohmen, 20. Aug. Hier wurde tm Saale der Wirtschaft Krebs von der NS.- Film* stelle der Film „Ich für dich und du für rnidp vorgeführt, dazu wurde noch ein Beifilm rig gezeigt. Die Darbietungen fanden starken Anklang. # Aus dem oberen Ohmtal, Auf den Wiesen in unserer Gegend jetzt immer mehr der Schaden, der durch Wurzelfraß der Engerlinge Weideplätzen angerichtet worden ist. An vielen Stellen sind von den Schädlinaen sämtliche bodenverbindenden Wurzeln abgefressen. -er. Homberg, 20.Aug. Der in der letzten Woche hier durchgeführte Luftschutz ° Lehr- gang fand am Samstag mit der Erledigung von schriftlichen Arbeiten seinen Abschluß. In dem Kursus wurden 50 Männer und Frauen in allen Aufgaben des zivilen Luftschutzes gründlich unterrichtet. Die Teilnehmer brachten dem vielseitigen Unterrichtsstoff stets größtes Interesse entgegen. Am Samstag vereinigten sich die Kursusteilnehmer mit ihrem Lehrtrupp vom Reichsluftschutzbund und mit geladenen Gästen im Saale des „Frankfurter Hof zu einer schlichten und stimmungsvollen Schlußfeier. Bürgermeister S ch w e i k e r und Truppführer Günther vom Lehrtrupp hielten kurze Ansprachen, im übrigen war der Abend mit mancherlei frohgestimmter geselliger Unterhaltung ausgefüllt Aus aller Wett. Nächtliches Großfeuer In München. Im Gebäude des Schweizer Konsulats in München brach in der Nacht zum Mittwoch Feuer aus. Der Aufzug war in Brand geraten, und die Flammen griffen rasch auf das Innere des Gebäudes über, in dem sich zum Glück fast niemand aufhielt. Das Feuer war gegen Morgen ziemlich gelöscht. Die oberen Stockwerke, die die kostbar ausgestattete Repräsentationsräume enthalten, sind durch das Feuer schwer in Mitleidenschaft gezogen worden, während die unteren Stockwerke Wasserschaden erlitten. Insgesamt erlitten 15 Feuerwehrleute Rauchvergiftungen ober Schnittverletzungen. Zehn von ihnen mußten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Aus den Büroräumen des Konsulats, die unten liegen, konnten die Akten rechtzeitig in Sicherheit gebracht werden. Die Brandursache ist noch nicht geklärt. preisgekrönte Aussteller der Wiesbadener Vriefmarkenfchau. In der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 4 Gewinne $n 6000 M. 282331 360680 4 Gewinne zu 3000 M. 184752 255965 6 Gewinne zu 2000 M. 75240 114645 249020 46 Gewinne zu 1000 M. 28862 73161 94581 101319 150384 162742 180004 184072 211778 226899 Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu fe 1000000, 2 zu je 300000, 2 zu je 100000, 2 zu je 76000, 4 zu je 50000, 4 zu je 30000, 10 zu je 20000,. 58 zu je 10000, 104 zu je 5000, 254 zu je 8000, 602 zu fe 2000, 1850 zu je 1000, 3016 zu je 500, 12106 zu je 300 Mark. stet, denn er habe in ungeahntem Matze fammenfassung aller Kräfte beigetragen, um Sieg der proletarischen Welftevolution (!) beizuführen. Brandunglück im Kreise Alsfeld. ' ♦ Strebendorf (Kreis Alsfeld), 20. August. Hier brach in den Morgenstunden des Sonntag auf dem Grundstück des Landwirts Weiß Feuer aus. Der Brand wurde zuerst in der m i t E r n t e • Vorräten gefüllten Scheune bemerkt, wo er an dem Stroh und Heu reiche Nahrung fand. Die Flammen griffen dann von der Scheune auf das Wohnhaus und die Stallungen über, und bald stand der ganze Bauernhof m Brand. Das Wohnhaus, die Stallungen und die Scheune mit der ganzen Ernte fielen dem wütenden Element vollständig zum Opfer, nur das Vieh und ein kleiner Teil des Inventars konnten gerettet werden. Bei der Stärke und dem Umfange des Feuers mußte sich die Feuerwehr darauf beschränken, die stark bedrohten Nachbargebaude vor dem Uebergreifen der Flammen zu schützen. Landkreis Gießen. Schlußsitzung des Komintern-Kongresses. Moskau, 21. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Komintern-Kongreß hielt seine Schlußsitzung ab. Sie fand ihren Höhepunkt in der Neuwahl des Vollzugsausschusses der Komintern und in dem Schlußwort Dimitroffs, der als „her neue Steuermann der Komintern" und der „treueste Kampfgenosse des roten Stalin" über» Als Maler Schwind aus Wien fortging, bat sein Freund Bauernfeld, ihm doch dann und wann Nachricht über fein Befinden zukommen zu lassen. Schon ooM der fünften Station aus sandte Schwind einen Eilboten auf Bauernfelds Kosten, der einen dicken Brief mit den wenigen Worten aushändigte: ,Lch befinde mich wohl." Der Empfänger machte zu diesem bösen Streich gute Miene, kratzte sein letztes Geld zusammen, um den Eilboten zu bezahlen und schwor sich Rache. Nach einiger Zeit erhielt Schwind in München eine schwere unfrankierte Kiste durch die Post zugestellt. Als er sie öffnete, fand er- darin zu seinem großen Erstaunen einen sechzehn Pfund schweren Stein mit einem Zettel von Bauernfelds Hand. Darauf stand geschrieben: „Lieber Freund! Bei der erwünschten Nachricht von Deinem Wohlbefinden ist mir der beifolgende - - - B. wählt. Ä r . . Dimitroff erklärte, der 7. Kongreß fei „em Kongreß des völligen Triumphes der Einheit zwischen dem Proletariat des siegreichen Sozialismus in der Sowjetunion und dem Proletariat der kapitalistischen Welt" geworden, das um seine Befreiung ringe. Der Kongreß habe den Grund für eine neue Mobilisierung aller Kräfte der „Werktätigen" in der Welt im Kampf gegen den Kapitalismus gelegt, er habe die Losung von der einheitlichen proletarischen Front aufgestellt. Der Kongreß habe der Sache der „revolutionären Erhebung der Welt" (!) einen großen Dienst gelei- stet, denn er habe in ungeahntem Maße zur Zu- 1 - " ~ - ! i±—..... den schwänglich gefeiert wurde. Nach Angaben des Mandatsausschusses soll in den letzten sieben Jahren die Zahl der Mitglieder aller kornmunisttschen Parteien der Welt von 1676 000 auf 3148 000, die Zahl der eingeschrie- benen Kommunisten allein in den sogenannten kapitalistischen Ländern von 445 300 auf 758 500 gestiegen fein. Zusammen mit den Mitgliedern der kommunistischen Jugendverbände gebe es heute insgesamt 6 800 000 Kommunisten auf der Welt. Dem neuen Vollzugsausschuß gehören außer Dimitroff und Stalin u. a. noch an: Pieck, Florin, Ercoli, Marty, Cachin usw., auch Thälmann und der Ungar Rakosci wurden freilich „in Abwesenheit" m den Vollzugsausschuß ge» lung), w eine silberne Medaille: A. Gundel» finger-Frankfurt a. M., W. Fischer-Wies- baden. Fr. Unger- Wiesbaden. Die hochwasierkatafirophe in China. Durch über dreißig Bruchstellen im neuen Deich des Weischanghu-Sees, dessen lofe Erde dem ungeheuren Druck der Wassermassen nicht standhalten konnte, ftrömt die Hochflut nach ^ord-Kiangfu, das von den Bewohnern ttotz polizeilicher Aussorde- runq zur Mitarbeit an den Deichverstarkungen fluchtartig verlassen wird. Man befürchtet eine Katastrophe ähnlich der in West-Schantung. Der Vorsitzende der Hochwasser-Hilfsstelle des Lan- des Hsuschihying beziffert den Schaden in West- Schantung auf 250 Millionen Dollar, lieber 80 000 Quadratkilometer sind überschwemmt. Annähernd sechs Millionen Flüchtlinge befinden sich in verzweifelter Lage. In den Kreisen der Flüchtlinge hat eine starke Bewegung eingesetzt, nach Südchina abzuwandern. Hsuschihying teilte weiter mit, daß der Hochwasserschaden in der Provinz Honan 50 Millionen Dollar betrage. Hier feien eine Million Menschen geflüchtet. Das überflutete Gebiet sei 6000 Quadratkilometer groß. Eine Mitteilung der Wetterwarte aus Kaifoeng besagt, daß dort im Juli 435 Zentimeter Niederschläge gemessen worden seien. Die Regenfälle des letzten Jahres hatten eine Niederschlagsmenge von 517 Zentimeter. Riesiger Linwanderungsschwindel in USA. aufgedeckl. — (Ein Staatsanwalt als Haupttäter. Ein riesiger Einwanderungsschwindel, der sich von der sogenannten Einwandererinsel Ellis-Jsland im Hafen von Neuyork, nach fast allen großen Städten der Vereinigten Staaten erstreckte, konnte von den Bundesbehörden aufgedeckt werden. Als Haupttäter wurde der Staatsanwalt Samuel Kaufmann ermittelt, der gewerbsmäßig Einwanderungspapiere fälschte und an Einwanderer verkaufte. Er hat auf diese Weise jährlich etwa eine Million Dollar ergaunert. Zwei Bären im Zuckerladen. An einem der letzten Abende brachen die beiden Bären aus dem Bärenzwinger in der Fried- richsau in Ulm aus. Die schon älteren unberechenbaren Tiere gingen schnurstracks auf zwei Zuckerwarenstände zu, die aus Anlaß der Ulmer Festwoche aufgeschlagen waren. Die Verkäuferinnen flohen erschreckt, worauf sich die Bären mitten in dem einen Stand an den Zuckerwaren gütlich taten. Dann schleiften sie einen Sack mit 1000 Zuckerbroten ins Freie. Einer Polizeistreife gelang es, unter Mitwirkung einiger Zivilpersonen die wütenden Bären einzufangen und in ihre Zwinger zurückzubringen. Wurst wider Wurst. (D Lollar, 20. Aug. Alljährlich wird bei uns zum Abschluß der Erntezeit am traditionellen letzten Augustsonntag die Kirmes gefeiert, dieses Jahr also am nächsten Sonntag. — Die diesjährige Ausbildung der P f l i ch t f e u e r w e h r, der die Jahrgänge 1910 bis 1914 angehoren, wird ihren Abschluß finden mit einer Hebung, die gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr durchgeführt wird, und einem Alarm. y Watzenborn-Steinberg, 21. August. Unser Mitbürger Balthasar Schmandt X. begeht morgen in seltener geistiger und körperlicher Frische seinen 8 3. Geburtstag. — Der Feldschütz Karl Schmitt I. wurde zum Jagdaufseher für die hiesige Gemeinde ernannt und verpflichtet. + Grünberg, 20. Aug. Die Jnstandsetzungs- arbeiten an der Reichs st raße Gießen — Alsfeld sind nun von Lindenstruth bis Grünberg beendet. Auch die Strecke von hier nach Mücke ist schon über die Hälfte fertiggestellt. Seit einiger Zeit ist nun auch Die Straße nach Londorf in Angriff genommen worden, deren Herstellung von Grünberg an über Beltershain bis zur Abzweigung nach Lumda vorgesehen ist. )—( Steinheim, 20. Aug. Der hiesige G e • fangoerein „Frohsin n", im Jahre 1878 gegründet, zählt zu den, ältesten Vereinen der Umgegend. Unter Leitung seines jungen und tatkräftigen Präsidenten Wilhelm Koch hat er nach einer Mitglieder- und Sängerwerbung einen erneuten Aufschwung genommen. Schon vor dem Weltkrieg kehrte er von Gesangswettstreiren mit Ehrenpreisen zurück, und auch auf dem diesjährigen Sängertag in Inheiden wurden feine Leistungen besonders anerkannt. Durch den Hessischen Sängerbund wurden 13 aktive und passive Mitglieder mit Ehrenzeichen bedacht, darunter der Ehrenpräsident Karl Dietz und Otto Scharmann in Jvhnston (USA.) mit der goldenen Sängernadel. Beide Ehrenmitglieder sind die einzigen noch lebenden Vereinsgründer. Dieser Tage nun ging dem Verein aus Amerika ein Schreiben zu, in dem Otto Sch armann für die lleberfenbung der Auszeichnung mit dem Ehrendiplom herzlich dankt und in Aussicht stellt, nochmals in seine alte Heimat zurückzukehren. Anläßlich des goldenen Vereinsjubiläums wurden dem Gesangverein durch Sangesbruder Otto Schar- m an n und anderen nach Amerika ausgewanderten Steinheimern Stiftungen gemacht, die als um ön der heutigen Vormittaasziehung wurden Gewinne __ über 150 M. gezogen - 2 Gewinne zn 10000 M. 268602 6 Gewinne zu 5000 M. 77198 314156 323240 22 Gewinne zu 2000 M. 133623 231462 240793 272262 283087 310732 336836 345731 358730 antastbarer Vereinsstock bestimmt wurden, dessen Erttägnis zur Beschaffung von Notenliteratur Der- : Wendung findet. Jetziger Dirigent ist Lehrer Som- mer dahier. Kreis Schotten. ' *!* Aus dem Vogelsberg, 20. August. Von 1 den Imkern des Vogelsbergs hort man in diesem ■ Jahre lebhafte Klagen über äußerst geringen Ertrag der Honigernte. Manche alten Bie- ' nenzüchter erklären, seit Jahrzehnten nicht so wenig , Honig geerntet zu haben wie in diesem Jahre. Wer ' von den Imkern schleudern konnte, erntete nur em paar Pfund Honig pro Volk, da in diesem Frühjahr t und Sommer alle Lebensbedingungen der Bienen in , seltenem Maße ungünstig waren. Kreis Alsfeld. | Vermietungen | 4-Zim.-Whng. mit Zubehör zu verm. Preis Rm. 41.60 mtl. Näh. Büro Kirchner, Seltersweg 84767V 4-Zimnr.oWohn. im Zentrum, für Mk.46.-z.verm. Schr.Angeb.unt. 03511 a.d.G.A, 2-3-Zimni.-VohD., 1 Zimmer m. Küche an ruh. Ehepaar, möbliert. Zimmer mit u. ohne Pens, sofort zu vermiet. Zu erfrag. i.G.A. jüngere Verkäuferin für Wäsche-und Babyartikel gesucht. Verkäuferinnen, die über Durchschnitt leisten, wollen ihre schriftliche Bewerbung mit Zeugnisabschriften und Angabe der Mietgesüche"] 2-3-Zim.-Wohn» von Beamtenwitwe sofort gesucht. Schr.Ang. unt. 03514 an 0. Gießen. Anzeig. 1 Zimmer mit Küche versofortgesucht. 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August 1955 „... bloß nicht am Detektor wackeln!" Aus des Rundfunks Kindertagen. — Merkwürdigkeiten zwischen Sender, Antenne und Lautsprecher. Berichtet von Hermann Oembeck. Copyright by Verlag Presse-Tagesdienst, Berlin W 35. IV. Der Welt erster Rundfunk-Sprecher. Die ersten Rundfunksprecher der Welt batten nur wenige Hörer, und die Zeitungen brach- ten schlechte Kritiken über sie. Im Jahre 1906 fanden sich im Telefunkenhaus in Berlin zwei Dutzend geladene Gäste ein, um ein neues Wunder zu erleben. Einige Apparate mit Drehknöpfen standen in einem Saal, und den Anwesenden wurde erklärt, daß man jetzt ein Gespräch ohne Draht mit dem 40 Kilometer weit entfernten Empfänger in Nauen oor- führen werde. Gleichzeitig wurde eine Fernsprechverbindung mit Nauen hergestellt. Jeder der Anwesenden durfte ein paar Sätze nach Nauen sprechen, und am Telephon bestätigte dann der Techniker in Nauen, daß er soeben drahtlos die und die Worte gehört habe. Ganz klar geworden ist es damals keinem der Gäste, daß dies ein Versuch war, — der in wenigen Jahrzehnten schon h i st o - rische Bedeutung haben würde. In den Tageszeitungen erschienen Notizen von drei Zeilen, gewissermaßen also keine erhebende „Kritik" der Veranstaltung, die Wegbereitung für eine neue Aera der drahtlosen Uebertragung werden würde! Im Dezember 1906 wurde eine Experimentalvorführung mit Sprach-' und Musikübertragung vor dem Kaiser wiederholt. Auch hier wurde die Entfernung von 40 Kilometern einwandfrei überbrückt — und alles ohne Anwendung der ja damals noch nicht praktisch brauchbaren, knapp erfundenen Verstärkerröhre, nur mit Detektor. Die erste „Rundfunk"-Vorführung im heutigen Sinne fand übrigens in Amerika schon im Jahre 1913 statt. Ein Telefunken-Hochfrequenz-Maschinen- sender wurde damals in Berlin eigens für diese Versuche erbaut und „drüben" in Sayville eingebaut. Diese Rundfunksendungen fanden in der amerikanischen Presse breiten Widerhall und gaben den Anstoß zu vielen, in den nächsten Jahren geschriebenen „Zukunftsromane n", in denen der Rundfunk, so wie ihn sich die Schriftsteller ausmalten, eine erhebliche Rolle spielte. Das damals größte Schiff der Welt, der Dampfer „Vaterland", den die Amerikaner später „Leviathan" tauften, wurde im Anschluß an die Rundfunkversuche mit einem Telefoniesender ausgestattet. Erst im Jahre 1912 vernahm die Öffentlichkeit wieder von der drahtlosen Telephonie. Jetzt war Nauen schon Großstation, die Welt hörte auf seine Stimme. Hochsrequenzmaschinensender hatten das Knallfunkensystem längst abgelöst. Auf der Wellenlänge von 4800 Meter stand Nauen mit vielen fremden Stationen in Verbindung. Es gab schon Funktelegramme nach festem Tarif. Ein 'Sommertag war dazu bestimmt, das erstemal einem größeren Kreise von Fachleuten drahtlose Telephonie auf Großentfernung vorzuführen. Der neue Großsender hatte für Funktelegraphie schon eine Reichweite von 5000 Kilometer erzielt, Nauen war sogar in den deutschen Kolonien mit Detektorgerät zu empfangen. An jenem Tag, dem G e - burtstag des eigentlichen Rundfunkens, d.'h. des drahtlosen Sprechens in die Runde, saßen Funker in Wien und in deutschen Städten an ihren Empfangsgeräten, saßen Männer auf den deutschen Schiffen in der Nord- und Ostsee an ihren Funkempfängern. Auch der Staatssekretär des Reichspostministeriums hörte die Rundsprüche von Nauen in der Station Norddeich mit, er unterbrach zu diesem Zweck seine Ferien in einem Nordseebade. In Nauen ließ Betriebsleiter Neumann den Strom einschalten und den Betrieb sendefertig melden. Dann sprach er die Worte, die historischen Wert haben und damals doch nur von so wenigen richtig aufgefaßt wurden: „Hier ist Nauen. Wir machen jetzt drahtlose Telephonieversuche auf Wellenlänge 7500 Meter. Wir bitten um Ihre Empfangsmeldungen. Achtung, wir beginnen, es folgt der Vortrag eines Zeitungstextes!" In Wien und in Norddeich, auf Schiffen und an Landstationen wurde die Stimme des ersten Rundfunk- ansagers der Welt in den bescheidenen Detektorapparaten mit Kopfhörern abgehört. Empfangsmeldungen gingen im Telefunkenhaus reichlich ein. Das war zwei Jahre vor dem Weltkriege, 1912! Und doch vergingen noch weitere 11 Jahre, bis eines Tages der Ansager im Vox-Haus in Berlin mitteilen konnte, daß jetzt der deutsche Rundfunk in Betrieb genommen sei. Damals, im Jahre 1912, fand bereits im Anschluß an den Zeitungstext-Vortrag die erste Schqll- platten-Uebertragung statt, so daß man schon von einem, wenn auch in bescheidenem Rahmen steckenden „ersten deutschen Rundfunk-Programm" sprechen darf. Die ganze Versuchsveranstaltung dauerte damals ungefähr 30 Minuten. Die Tageszeitungen der Vorkriegszeit widmeten diesem Ereignis immerhin schon 10 bis 20 Zeilen. Wer zwischen den Zeilen zu lesen wußte, fand aber schnell den Grundton heraus, auf den bte Meldun- gen abgestimmt waren: „Eine Spielerei ohne ,ede Bedeutung, die Interesse nur bei den Technikern und in den Laboratorien haben kann!" Es war damals, man darf dies nicht vergessen, noch die Zeit der Pferdeomnibusse mit 5-Pfenmg-Teilstrecken- Tarif. Wie ahnungslos war doch die Allgemeinheit! Drahtloser Anschnauzer erbeten! Diese Geschichte passierte im Jahre 1906. Der Telefunkeningenieur war damals beauftragt, die Reichweite neuer Geräte von fahrenden Schiffen auszuprobieren. Die Sache klappte großartig, man kam schon auf 40, 45 Kilometer mit für die damalige Zeit verhältnismäßig kleinen Sendern. Der nächste Tag brachte aber — so schien es wenigstens _ die große Enttäuschung. Alle Rufe in den Aether ergebnislos, niemand antwortet. Funkstille wie sie sich heute jeder auf Fernempfang, pirschende Besitzer eines Einkreisempsangers herrlicher kaum wünschen kann. Der Ingenieur wußte sich die Sache nicht zu erklären. Fuhr nach Cuxhaven hinüber, ging an Land meldete sich m der Küstenfunkstelle. Und, erfuhr daß er mitten m die Marineübungen „hineingeknattert hatte Die Küsten- stationen hatten seine Anrufe wohl gehört, durften aber nicht Antwort geben. Sagt der Ingenieur dem Marinefunker darauf: „Na, dann hättet ihr mich doch wenigstens drahtlos anschnauzen können, das genügt ja schon, dann weiß ich wenigstens, daß ihr mich gehört habt!" Der Funker lächelt, sagt nichts. Nachmittags, 48 Kilometer weit ab von Cuxhaven und entsprechend weit weg von Helgoland westwärts, legt der Ingenieur versuchsweise wieder los und funkt in den Aether hinein. Prompt kam zwei Minuten später ein „donnernder Verweis" von Cuxhaven, schleunigst mit dem Krach aufzuhören, andernfalls... Abermals eine Minute später funkte Helgoland, daß sich der Ingenieur schleunigst aus gewissem Bereich verziehen solle, wenn er nicht —. „Was wollen Sie", sagt der Ingenieur mir heute, „ich hatte doch damals erreicht, was ich wollte: Cuxhaven und Helgoland hatten recht, gut verstanden, ich hatte die Reichweite meines kleinen Schiffssenders sozusagen „amtlich" in der Tasche, wenn auch in Form eines Verweises!" Oie Kommission wir» gebadet. Wenig später war es, als eine Abnahmekommission erschien, um zwei fertig montierte Anlagen zu überprüfen. Der Schiffssender auf dem Fischereidampfer „Ziethen" wurde eingeschaltet, und außer der gesuchten nahebei gelegenen Station meldete sich Helgoland. Den Herren der Abnahmekommission lag aber sehr wenig an dieser „Bestätigung", daß ihr Sender auch dort gut gehört worden war, denn ihre schöne „Abnahmereise" wäre dadurch überflüssig geworden, und sie baten den Funker, nicht ungefragt zu erwähnen, daß auch Helgoland geantwortet hatte. Die Abnahmekommission reiste weiter, um nun auf Helgoland zu erfahren, ob man dort den „Ziethen" hören könne oder nicht. Die Herren wußten nur nicht, daß der Kapitän der „Ziethen" längst durchschaut hatte, was los war. Die „Strafe" folgte jedoch schnell. Statt die Herren der Kommission auf Lee an Land auszubooten, nahm der Kapitän das Manöver auf Luv vor. Die „Abnahmeherren" muhten sich erst durch das Bad in den Nordseewellen „ihre Diäten verdienen..." Er glaubt sich verfolgt Im Sommer 1907 lief folgender Bericht eines Elektromonteurs aus Sibirien ein: „Als ich neulich so auf der Empfangslauer lag, da höre ich einen tönenden Funken. Wie ich den Empfangskondensator klein drehe, ist sein Ton hoch. Wie ich ihn groß drehe, ist er tief. Ich glaube, da verfolgt mich einer immerzu!" Es stellte sich schließlich heraus, daß der Monteur falsch geschaltet hatte und atmosphärische Entladungen in seiner Anlage die unerklärlichen Geräusche hervorriefen. Der Monteur war der Meinung, daß eine fremde Station Verbindung mit ihm suchte und ihn auf der ganzen Abstimmskala fortgesetzt verfolgte. Und die lieben „Aundfunsi-Laien" ... Der Rundfunk-Physiker Dr. Ewald erzählt aus den Jahren 1924 bis 1925 ein paar Episoden, die sich wirklich zugetragen haben sollen, obgleich sie einem Witzblatt entnommen zu sein scheinen. Lieferte ein Händler eines Tages einen Dreiröhrenempfänger ein, dessen Drehkondensator fürchterlich verbogen war. Man konnte sich nicht erklären, welche Ursache hier vorliegen sollte, und rief kurzerhand die Besitzerin des Gerätes an, fragte, ob sie denn an dem großen Mittelknopf mit Gewalt gedreht habe. Es stellte sich heraus, daß die Dame, die bisher nur den Schallplattenapparat kannte, geglaubt hatte, sie müsse den Apparat jedesmal vor Inbetriebnahme e r st „a u f z i e h e n" wie ein Grammophon. „Es ging aber nur eine Umdrehung weit, dann war es mit dem Aufziehen zu Ende", sagte sie in aller Harmlosigkeit. Der Besitzer eines neuen Lautsprechergerätes rief am nächsten Tage nach der Aufstellung des Dreiröhrenapparates in seiner Wohnung die Störungsabteilung der Fabrik an und beschwerte sich darüber, daß sein'Apparat anscheinend schon am ersten Tage „kaputt" sei. Er spiele zwar, aber es sei nicht möglich, die Musik langsamer oder schneller einzustellen. Der gute Mann wollte im gleichen Atemzuge wissen, wo denn die „W e l l e n b r e m s e" sei. Im Jahre 1930 kam ein Anruf, den die Männer im Rundfunklaboratorium für einen gar nicht einmal guten Scherz hielten. Eine alte Dame hatte einen der ersten Empfänger für Netzanschluß erworben, weil ihr das Aeußere gerade dieses Gerätes sehr gefiel. Am Fernsprecher klagte sie darüber, daß der Empfänger keinen Ton von sich gebe, selbst dann nicht, wenn sie die Gaslampe angezündet hätte! Sie hatte nämlich die Bedienungsvorschrift nur halb mit angehört und das Gerät nur mit der Antennenzuleitung an d i e Gasleitung „a n - g e f ch l o f f e n". Auf die Erklärung, daß sie den Kabelstecker doch in die Steckdose der Lichtleitung bringen müsse, antwortete die sich unbefriedigt fühlende Rundfunkhörerin: „Wieso in die Lichtleitung? Ich habe doch überhaupt keinen elektrischen Strom in der Wohnung!" Man sagte nicht mehr viel, versprach sofort einen Mann zu schicken, der „den Apparat in Ordnung bringen werde" und lieferte der Dame gegen den für sie nicht gerade empfehlenswerten Netzanschlußempfänger ein Batteriegerät. lieber die „schnelle Hilfsbereitschaft" der Rundfunktechniker war sie so erfreut, daß sie dem Briefträger dann bei der Kassierung des nächsten Monatsbeitrages gleich die Rundfunkgebühren für ein ganzes Jahr vorausbezahlte. „Die Leute vom Rundfunk sollen doch Meinen guten Willen sehen", sagte sie. (Fortsetzung folgt.) Oie Besichtigung des NGKK. in Gießen UM ;z */ Am vorigen Sonntag besichtigte — wie wir im Gießener Anzeiger vom Montag berichteten — Gruppenführer S e y d e l 500 Mann von der Motorbrigade Kurhefsen des NSKK. auf dem Trieb in Gießen. Rechts mit Sturzhelm Oberführer Richard Prinz von Hessen, daneben Gruppenführer Seydel, dahinter Stabsführer I e h l e n. Vorbeimarsch vor Gruppenführer Seydel, dahinter (ganz rechts) Oberführer Richard Prinz von Hessen. — (Ausnahmen [2]: Müller, Gießen.) *■ Gustav Bley. Oer neue Charakterbariton des Gießener Gtadttheaters. In München hab' ich die Welt erblickt, Dort hat man mich auch zur Schul' geschickt. Lernt neben Rechnen, Lesen und Schreiben Früh schon die holde Musik betreiben. Zuerst Klavier, dann Bratsche und Geige, Dies alles nicht nur zum Zeitvertreibe; Und bann, damit voll wird das Quartett, Lernt ich zum Schluß noch Klarinett'. Dirigent zu werden war mein Ziel. Doch oft kommt's anders, als man will. Denn plötzlich hatte man entdeckt, Daß in mir gar ein Sänger steckt! Mit Eifer lernt' ich nun Singen Und möcht's damit weit noch bringen. Drei Jahr' fang ich vor'm Publikum Als Konzertsänger auf dem Podium. Nun bin ich beim Theater das siebte Jahr Als Rigoletto, Wolfram und als Zar. Viel gab's zu lernen und zu üben, Niemals tat mich das betrüben. Und nun, du liebes Publikum von Gießen, Möcht ich recht herzlich dich begrüßen. Wollt auch mein Reim nicht richtig fließen, Laß's bitte dich nicht gleich verdrießen. Denk: diese ganze Reimerei Stammt nur von einem Gustav Bley. * Es wird, wie uns vom Dramaturgischen Büro des Stadttheaters ferner geschrieben wird, sicherlich die Theaterfreunde interessieren, bereits jetzt einen der neuverpflichteten Künstler kennenzulernen. Der für die kommende Spielzeit verpflichtete Charakterbariton Gustav Bley singt am Mittwoch, 21. August, nachmittags 16.10 Uhr, im Neichssender München in der Liederstunde „Das deutsche ßieb" Lieber von Hans Pfitzner. Aus her provinzialhaupistadt. Heimatmuseen und Fremdenverkehr. Die Heimatmuseen sinb Schatzkästlein ber Heimatgeschichte unb bes Heimatbrauchs, vor allem bestimmt für bie Einheimischen unb Bodenständi- gen. Sie sollen aus ber Kenntnis bes alten Kultur- unb Volksgutes ber Heimat, bes Altoäterbrauchs unb bes Könnens unb Schaffens ber früheren Geschlechter Heimatliebe unb Heimattreue vertiefen. Ein lebenbig unb sachkunbig zusammengestelltes und geschickt geleitetes Heimatmuseum ist niemals eine spinnwebenüberzogene Rumpelkammer, sondern eine frisch sprudelnde Quelle der Heimaterkenntnis unb ber Heimatgesinnung. Aber allein für bwi Einheimischen sinb bie Heimatmuseen auch nicht ba. Wer in beutschen Gauen reift, wirb heute in einem früher ganz unbekannten Maße von bem Fluibum ber Volksgemeinschaft, ber Zusammengehörigkeit aller Deutschen ersaßt. Das am lebenben Menschen zu erfahren, ist gleichermaßen wohltuenb wie lehrreich, erhebend unb beglückenb. Will einer aber noch tiefer in bas Wesen eines Stammes unb Gaues, in feine Kulturgeschichte, in seine alten Sitten unb Bräuche, in seine Taten unb Leistungen einbringen, so sollte er ben Besuch bes örtlichen Heimatmuseums nicht versäumen. Er wirb staunen, welche Fülle ber Erkenntnisse sich ihm ba in ein paar kurzen Stunben auftut, unb es kommt schließlich auch im heurigen Schönwettersommer immer roieber einmal ein trüber Tag, ber sich gar nicht genußreicher unb nutzbringenber ver- roenben läßt, als durch einen Besuch im Heimatmuseum. Der „Fremdenverkehr" — das Wort trifft heute längst nicht mehr, was mit ihm gemeint ist — ist ein ausgezeichnetes Mittel zur geiftioen Zufammen- schließung ber beutschen Volksgenossen aus allen Ecken unb Enben bes Reiches. Uns scheint, man sollte bie Heimatmuseen babei stärker in ben Vor- bergrunb stellen. Manche von ihnen führen ein richtiges Aschenbröbelbasein unb könnten ben Besuchern boch so viel Interessantes unb Aufschlußreiches bieten. Wie wäre es, wenn man bie überall üblichen Heimatabenbe für die Sommergäste ergänzen mürbe burch kleine Lichtbilbervorträge unb burch feffelnb arrangierte Führungen im Heimatmuseum. Es ist boch schabe, wenn soviel Volkstum unb Volkskunst, wie viele Heimatmuseen es bergen, gerabe in ber sommerlichen Besuchszeit wenig beachtet auf ber Seite liegen bleibt. Einführung der Aeichsforstuniform in Hessen. Nachbem bie Mehrheit ber ehemaligen beutschen ßänber seit Jahresfrist bie für bas ganze Deutschs Reich vorgeschriebene einheitliche Dienstkleibung für Staatsforstbeamte aller Grabe eingeführt hat, hat auch bie ßanbesregierung von Hessen nunmehr burch Verfügung bes Reichsstatthalters bie Einheits« dienstkleidungsvorschrift für die hessischen Staats- forstbeamten bekanntgegeben. Die hechtgraue Farbe und der Schnitt der alten hessischen Forstuniformen wird m absehbarer Zeit der Vergangenheit angehören und dem kleidsamen arau-grüngemischten Stoss der Reichseinheitsfarbe, sowie einem bequemen Schnitt des Dienstrockes Platz machen. Die neue Form des Diensthutes ist gleichfalls eine andere als diejenige des seither vorgeschriebenen „Schiffchens". So wird im -neuen Deutschland der Staatsforstbeamte in allen Ländern eine gleichmäßige, der Polizei ähnliche Dienstkleidung tragen, die dazu dient, Reichseinheit und Gleichheit auch äußerlich sichtbar zu festigen. Die hessische Forstbeamtendienstkleidung ist geschützt durch den § 360 Ziff. 7 und 8 des RStrGB. Es ist Nichtberechtigten untersagt, die Dienstkleidung der hessischen Forstbeamten, oder eine ihr im Schnitt, Form und Farbe zum Verwechseln ähnliche Kleidung, oder die Hoheits- und Rangabzeichen derselben zu tragen. Aus parteiamtlichenBekanntmachungen Der NS.-Lehrerbund Kreis Gießen macht darauf aufmerksam, daß im Mainzer Schulungslager der 26. Lehrgang für Erzieher vom 2. bis 14. September stattfindet und Anmeldungen spätestens bis zum Donnerstag, 22. August, an die Kreisgeschäftsstelle des NSLB. in Gießen, Plock- straße 9, zu richten sind. Der Bezirk Lich des NSLB. hält am heutigen Mittwoch, 15 Uhr, im „Holländischen Hof" zu Lich seine Bezirksversammlung ab, anschließend folgt eine Tagung der Arbeitsgemeinschaft „Volksschule". Eine Bezirkskonferenz des Bezirks Gro- ßen-Bufeck im NSLB. findet am kommenden Samstag, 15 Uhr, mit anschließender Tagung der Fachschaft „Volksschule" bei Gerlach in Großen- Buseck statt. Der Bezirk Londorf im NSLB. trifft sich am kommenden Samstag, 14 Uhr, in Londorf bei Höchst zur Bezirkskonferenz. Deutsche Arbeitsfront. Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung, Wirtschaftsgruppe Banken und Kredit. Die Vortragsreihe „Der deutsche Außenhandels und seine Finanzierung" wird fortgesetzt. Am Mittwoch, 21. August, findet der nächste Vortrag statt. Referent ist bekanntlich Prokurist R. Sterly, Frankfurt a. M. Beginn um 19.30 Uhr im Hotel Hindenburg, Gießen, Seltersweg. Der Eintritt ist für DAF.-Mitglieder frei. Ausstellung „Rhein - Wainische Wirtschaft" Frankfurt a. 211. In der Zeit vom 24. August bis 8. September findet in Frankfurt a. M. die Ausstellung „Rhein- Mainische Wirtschaft" statt. Zum Besuch dieser Ausstellung werden verbilligte Eintrittskarten zum Preise von je 30 Pfennig ausgegeben. (Der normale Preis beträgt 1,— Mark). Während der Ausstellungszeit werden von der Reichsbahn an allen Tagen Sonntagskarten zum Besuch der Ausstellung ausgegeben. Verbilligte Eintrittskarten sind erhältlich in der Geschäftsstelle der Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung in der Kreiswaltung Gießen, Lonystraße 18. Die frcutrdie Arbeitsfront n.s.-0ememschäft;,ßräft Dunhfreüöc Omnibussahrk an die Edertalsperre (Waldeck). Da die Anmeldungen für diese Fahrt stark eingegangen sind, beabsichtigen wir, bei genügender Teilnahme, einen zweiten Omnibus laufen zu lassen. Anmeldungen sind daher umgehend an die Geschäftsstelle der Jl$(5. ,!üraft durch Freude" bis Mittwoch, 21. August, 18 Uhr, abzugeben. Der Fahrpreis beträgt einfchl. Schiffahrt 4,60 Mark. Urlaubszug nach Allgäu (Sonthofen) vom 22. bis 30. August. Die Fahrkosten zu dieser Fahrt können in den Dienststunden auf dem Büro, Schanzenstraße 18II, Zimmer 8, abgeholt werden. Die Fahrt geht ab Frankfurt 23.48 Uhr. Man spricht davon.... Wenn ihr euch einmal die Mühe macht, die Gespräche der Hitlerjungen und der Pimpfe zu belauschen, wenn sie unter sich sind, so werdet lyr feststellen, daß sie nur noch ein Thema kennen: Das Bannsportfest. Lange genug haben sie auch in ihren Einheiten trainiert und geübt. Sie sind fast keinen Abend und keinen Mittag mehr zur Ruhe gekommen durch den vielen Dienst. Aber sie haben es gerne getan, denn sie besitzen einen Ehrgeiz, diese Jungen. Jede Einheit will der anderen etwas oormachen, lebe will den Sieg davontragen. Die Meinungen sind sehr geteilt. Diele glauben, daß die Gießener Gefolgschaften am heften abschneiden. Aber da sind wieder andere, Die behaupten mit gewichtiger Miene, daß auf dem Lande auch gute Sportkanonen zu Hause sind, die den ersteren nichts herausgeben. Wer wird Sieger werden? Das ist Die große Frage. Das Bannsportfest wird es entscheiden. Bis jetzt sind sie nur immer zusammenmarschiert, haben zusammen Kundgebungen und Veranstaltungen ad- gehalten, aber am nächsten Sonntag, da stehen sie sich einmal gegenüber, um auch auf sportlichem Gebiete zu zeigen, daß sie Kerle sind. Es wird eine große Sache geben, soviel ist klar. Nach den Vorbereitungen, Die getroffen worden sind, zu urteilen, muß es fabelhaft werden. Man spricht sogar von einer kulturellen Veranstaltung, Die Dem Sportfest einen roürDigen und feierlichen Rahmen geben soll. „HI. und Jungvolk singen ihre Lie- D e r" so nennt sich Die Veranstaltung, Die durchge- führt merDen soll. Gewiß, an unb für sich ist Das nichts befonDeres, Dieses Liedersingen. Wir fingen alle ßieDer. Aber wie Dieses große ßieDerfingen Der HI. und des Jungvolks vor sich gehen soll, das gibt etwas, was man in Gießen noch nicht gehört hat. Man spricht davon ... Man weiß es noch nicht ganz genau, aber etwas ganz Großes muß es auf alle Fälle fein, Das ist sicher. Kumare. Der Sportlag des VDN1Y35. Am Sonntag, 1. September, wird im ganzen Obergau Hessen-Nassau, in 17 oerschiebenen StäDten, Der Sporttag Des BDM. 1935 Durchgeführt merDen. Dieser Sporttag, Der seit Dem Bestehen unseres Bundes zum zweiten Male ftattfinbet, wird in Zukunft in jedem Jahr wiederholt werden und wird Den Eltern unserer MäDel und der an uns interessierten Öffentlichkeit Zeugnis oblegen über Die sportliche Arbeit innerhalb Des BDM. Dieser Sporttag ist immer Das Ergebnis unserer Sommerarbeit, unb so wie wir auch Damit, trotz allem Erreichten, noch im Anfang stehen, zeigt das Programm nur einen Ausschnitt dieser Arbeit. 3m Mittelpunkt der Veranstaltung stehen keine größeren Weltkämpfe, weder leichtathletischer Art, noch werden Mannschaftswettkämpfe ausgetragen; das Programm wird vielmehr einen Gesamleindruck der Arbeit des BDM. übermitteln und beweisen, daß wir unseren Leitsatz von der Körperertüchtigungspflicht der gesamten deutschen weiblichen Jugend schon verwirklicht haben und daß schon ein großer Prozentsatz unserer 2Nädel heute durch den BD21L über eine körperliche Grundausbildung verfügen. Man denke nur an Die ßandmäDel, Die nicht einmal Durch Die Schule einen Turnunterricht kennen, oDer an die berufstätigen MäDel, Denen unser SportabenD mit Der einzig gesündeste Ausgleich gegen einseitige Berufstätigkeit ist, um zu erkennen, welch' wichtiges Aufgabengebiet der BDM. hier zu erfüllen hat. Wir wünschen, alle Eltern nähmen einmal die Gelegenheit wahr, um unsere Arbeit direkt kennen zu lernen und zu sehen, wieweit sie an ihren Kindern Frucht trägt. Die Sportwartin des Obergaues Hefsen-Nvsfau: Gertrud Schild. Gefängnis für die Llnlerschlagnngen in Ortenberg In der gestrigen Verhandlung der Großen Strafkammer in Gießen gegen Die An- Öen Karl Müller, wohnhaft in Ortenberg, ßeinberger von Usenborn unb Walter Raab von Ortenberg wegen Der großen Unterschlagungen bei Der Bezirkssparkasse Ortenberg betonte, im Anschluß an Die Beweisaufnahme, Der Vertreter Der Anklage in feinem PlciDoyer, Daß als straferfchwerenD insbefonbere Der Umstand in Betracht zu ziehen fei, Daß Durch Die Verfehlungen Der Angeklagten das Vertrauen Der Bevölkerung in Die öffentlich-rechtlichen Sparkasseninstitute erheblich erschüttert warben sei. Straf- minDernb käme höchstens Die Unbestraftheit unb bas Gestänbnis ber Angeklagten in Betracht. Er beantragte gegen Müller eine Zuchthausstrafe von zwei Jahren unb 1000 Mark Gelbstrafe, gegen ßeinberger zweieinhalb Jahre Zuchthaus unb 2000 Mark Gelbstrafe, gegen Raab eine Zuchthausstrafe von eineinhalb Jahren unb 1000 Mark Gelbstrafe, sowie sämtlichen Angeklagten bie bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von brei Jahren abzuerkennen. Nach einftünbiger Beratung verurteilte Das Gericht Die Angeklagten Müller unD ßetn = berger zu Gefängnisstrafen von je zwei Jahren sechs Monaten, Raab zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr brei Monaten. Aut bie erkannten Strafen werben sämtlichen Angeklagten sieben Monate Der erlittenen Untersuchungshaft angerechnet. In Der UrteHsbegrünbung führte ber Vorsitzende u. a. aus, baß bie Kammer zu ber Ueberzeuaung gelangt sei, daß bie moralische Schuld an den Verfehlungen dem Rechner Raab zuzuschreiben ist. Der sich Durch SelbstmorD Der Verantwortung entzogen hat. Oporffurfe »Kraft durch Sreuöe''. heule laufen folgende Sporlkurfe: Schwimmen für Frauen und Männer, von 20 bis 21 Uhr, Gießen, Volksbab; für Frauen und Männer von 21 bis 22 Uhr, Gießen, Volksbad; nur für Frauen, von 20 bis 21 Uhr, Wetzlar, Hallenbad; nur für Männer, von 21 bis 22 Uhr, Wetzlar, Hallenbad. Reiten für Frauen und Männer, von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schombs. Landschastsbund Volkstum undHeimat. Heute, Mittwoch, 20.15 Uhr, Besprechung Der Fachamtsleiter unD Vertrauensleute im Frankfurter Hof. NS.-Kriegsopferversoraung. Am 15. September findet für die Mitglieder der Ortsgruppe Gießen eine Kriegsbeschädigte n f a h r t nach Bad Salzhausen statt. Für bie Mitglieber ber Stabt Gießen, des Stützpunktes Lollar, der Orte Heuchelheim, Allendorf (Lahn), Klein-Linden, Großen-Linben, Leihgestern, Lang-Göns, Watzenborn-Steinberg, Haufen, Garbenteich, Mainzlar, Daubringen, Rödgen und Wiefeck geht ein Gefellschaftssonderzug gegen 12.45 Uhr in Gießen ab. Jedes Mitglied darf entweder feine Frau, feine Kinder, oder eine Schwester oder Bruder mitnehmen. Der Preis für diesen Ausflug beträgt pro Mitglied 1.50 Mark, für die Verwandten, die NichtMitglieder sind, 2,50 Mark (Fahrtkosten und 2e* Pf2?eIIub'rigen Orte der Ortsgruppe Gießen fahren mit Postomnibussen unb haben sich bei ihren Stutz« punftobmännern zu melben. Die Teilnehmer aus der Stabt Gießen haben sich sofort auf der Ge» schäftsstelle, Bahnhofstraße 38, zu melden Der Betrag wird beim nächsten Kassieren miterhoben. Alles Nähere auf ber Geschäftsstelle. Anruf vom Gtadttheater. „Hier die Theaterkasse, Telephon 2930! Haben Sie schon gehört, daß ..." Mit diesem Anruf und dieser Frage werden in diesen Tagen manche Fernsprechteilnehmer nach ihrer Rückkehr aus Der Sommerfrische begrüßt werben. Es aibt zwei Arten von Erzählungen: Märchen, Die anfangen: „Es war einmal...", unb sie werben Kinbern erzählt; ferner wahre Begebenheiten, Die beginnen: „Haben Sie schon gehört...", unb sie finden hauptsächlich daburch Verbreitung, daß man sie erwachsenen Menschen erzählt. Kinber nehmen Die Märchen keineswegs einfach hin. Sie fragen und fragen unD wollen alles ganz genau wissen. Unb nur ihre glückliche Unwissenheit hindert sie Daran, herauszubekommen, baß es eben nur Märchen sind, die ihnen erzählt werden. Anders mit Tatsachen bei Erwachsenen. Erwach» jene fragen nicht. Da sie nicht fragen, Glauben sie, daß durch Die Abwesenheit während Der Ferien bas Anrecht auf ihren bisherigen Stammplatz verlorengegangen sei, weil sie bie in ber Presse angegebene Meldefrist unbenutzt haben verstreicken lassen. Dem ist nicht so. Die Intendanz gibt allen Abonnenten letzte Möglichkeit, ihren bisherigen Stammplatz auch für Die Spielzeit 1935/36 zu behalten, wenn bis zum 2 5. August zusagender Bescheid bei der Theaterkasse vorliegt. Da erfreulicherweise eine große Zahl Meldungen neuer Abonnenten erfolgt ist, muß als äußer st er Termin ab 2 6. August mit der Zuteilung begonnen werden. Die Theaterkasse ist werktäglich von 10 bis 13 Uhr geöffnet unb zu allen Auskünften und Mel« bungen bereit; Telephon 2930. Werbehefte, aus benen alles Nähere ersichtlich ist, können Dort eben* falls entgegengenommen werden. Den besten Trumpf im Kampf mit dem Alltag? Ein Abonnement für die Spielzeit 1935/36. Scharfes Vorgehen gegen rücksichtslose Motorradler. Der Pressedezernent bei Dem Landgericht Gießen teilt uns mit: Gegen MotorraDler, bie, insbefonbere nächtlicherweise, mit geöffnetem Auspuffrohr Durch bie Straßen rasen, ober bie glauben, nur auf Diese Weise anfahren zu können, aber hierdurch ohne Rücksicht auf ihre Mitmenschen ungehörigen Lärm verursachen, wird z. Z. mit aller Schärfe Dorgegangen. Erst in diesen Tagen erhielt ein Derart rücksichtsloser Fahrer von Dem Amtsgericht Gießen einen Strafbefehl von 20 Mark. Dies mögen sich andere Der- kehrssünber gleicher Art zur Warnung bienen lassen. Das Turmkreuz der katholischen Kirche. In diesen Tagen wurde in der Werkstatt des Schlossermeisters W o i st h e-n r i ch , Alicenstr. 35, bas Turmkreuz mit bem Wetterhahn für ben Turm ber Katholischen Kirche fertiggestellt. Das stattliche Kreuz mißt in seiner gesamten Höhe 9 Meter und ist etwa 3 Meter breit. Es wurde aus nichtrostendem Stahl der Röchlingwerke im Saargebiet her- gestellt. Das Kreuz wird 6 Meter über bie Turmspitze hinausragen und mit 3 Meter seiner Länge im Turmgerüst funbamentiert. Es wiegt insgesamt 5% Zentner. Der Turmhahn wird bas Kreuz üb erhöhen. Die tupfergetriebene Figur bes Hahnes ist 1,10 Meter breit unb etwa 0,90 Meter hoch. adio • Photo 463 J D ||L| Seltersweg 67 WÄB» Telephon 3170 Ferien-Obst. Von Julius Kreis. Die Birne. Das ist so recht bie Sommer- und Ferienfrucht, selbst wie ein Stück Sonne anzuschauen, leuchtend, gelb und heiß. Vom Spalte» eines Bauernhofes muß sie gebrockt sein, Da hängt sie festlich im Grünen, von vorne bestrahlt von Der Sommersonne unD ringsum nochmal gewärmt vom Widerstrahl Des hundertjährigen Gebälks Der HauswanD. Sie schmiegt sich zärtlich in Die hohle HanD, mit ihrer glatten, festlich gelb-goldenen Haut. Man spürt noch Durch, wie Die Sonne Dieses süße, saftige Fleisch ge- kocht hat, beißt man hinein, beißt man in ein Stück Sommer. Im kleinen Bauernladl steht ein Korb Davon, unD der würzige, helle Duft schwebt einen Atemzug lang über Seife, Hering unb Petroleum. Kinber beleftieren sich an bieser süßesten Sommergabe aus Dem Bauerngarten zu ihrem Vesperbrot, unD es ist wie eine Königsmahlzeit. Sogar ganz alte bazillenfürchtige Herrschaften bringen es nicht übers Herz, Der GolDgelben Die Haut abzuziehen. Sie hat noch eine kleine schüchterne Schwester. Die wächst am krummen Birnbaumholz hinten auf Der. Hauswiese, ist härter, spröDer, ist ein richtiger Bauernsprößling. Blutbirn sagen Die flachsköpfigen BauernkinDer zu ihr. Ein Gewittersturm reißt sie aus Dem Laub unD läßt sie ins Gras kugeln. — Noch ist sie nicht ganz vom Sommer gargekocht. Es knackt unb kracht, wenn Die festen Zähne Der Buben unD DirnDl hineinschlagen. — Eine HanDvoll bietet Das Bauern- kind ganz schüchtern Dem feinen feiDigen Sommerfrisch MäDel an. Und Diese rotbraunen kleinen Früchte, oft gesprenkelt unD gescheckt, Da unb Dort vom Wurm angenagt — sie finD auch ein Festessen; Denn so was gibt's Daheim in Berlin-Wilmersdorf ober Zwickau nie. — Wenn Die Bäuerin Der Frau Bas in Der StaDt, weil man gar zu gern zum Oktoberfest käm, einen Ranken schwarzes Rauchfleisch schickt,. bann legt sie einen Hiimpel bieser harten, rotgelben Birnen Dazu. Die merDen nicht matschig. Der Pomologe kennt HunDerte von Birnarten. Im Obst- unD Feinkostgeschäft prangen sie kinder- kopfgroß aus aller Herren Länder, in Schachteln unD Seidenpapier verpackt. Sie schmecken köstlich, aber keine ist so sehr unD so unmittelbar Der Deutsche Sommer, Die hohe Zeit Des Jahres, als Die Bauern- birne. Die Zwetschge. Man weiß nie recht als Nuresser und Nichtswisser, wie. diese Frucht nun eigentlich heißt: Pflaume oder Zwetschge, Vflaumenkuchen — Zwetschgenkuchen. Gleichviel: bas Wasser läuft uns im Munde zusammen. Draußen im Bauerngarten wächst die kleine, rot- blaue. Sie kommt gegen die Birne nicht auf. Aber in Der StaDt, Da prangen bei ber Dbftlerin bie richtigen Ferienzwetschgen, groß, bunfelblau unb saftig. Eine HanDvoll gab uns Damals die Mutter mit auf Die Theresienwiese. Da saß man am Bergl zu Füßen Der Bavaria unb verzehrte anbächtig, genießerisch Die saftige Frucht. Ein feiner Reif liegt über Der feiDigen Haut. Man poliert Daran herum, man Zieht spielerisch ein EnDchen Davon ab, daß das gelbbraune Fleisch zum Vorschein kommt. Dann knackt man Den Kern mit Dem Stiefelabsatz auf unD probiert Die Füllung. Die Mädchen kreischen auf unD rufen: Gift! Aber als starker Knabe knab- bert man Den Kern Doch zusammen. Die sollen nur sehen, Daß man sich vor Gift nicht fürchtet! Wie steht man Da! UnD wenn man heute eine Schüssel Der blauen überhauchten Früchte vor sich stehen hat, Dann muß man Den Witz erzählen, Den Der alte Onkel immer mit Dem allergrößten Heiterkeitserfolg ausprobierte, fobalD er wieder ein neues Opfer fand: Was ist außen blau und hat innen einen Zwetschgenkern? Haha! So ein Rätsel! Natürlich eine Zwetschge! Falsch! Ein alter bayerischer Soldat, Der einen Zwetschgenkern verschluckt hat. Der Pfirsich. Den kannte man als KinD eigentlich lange nur nom Sehen. Diese Frucht lag in Dem Korb Der Dbftlerin abseits von Dem gewöhnlichen Obst. Sie war unbezahlbar. Der Eugen, ber mit Dem Samtanzug unb dem Spitzenkragen, ber feine Knabe, ber hatte einmal vor bem Haustor so einen Pfirsich. Davon bürste man abbeißen unb er bürste bafür einmal auf unserem Trambahnpfeiferi pfeifen. Beibe Der- tragsschließer waren hochbestiedigt. Unb bann kam eines Tages ber Besuch, der was ganz unheimlich Großes unb Vornehmes war: Vetter Robert, ber brachte Pfirsche mit, gleich ein ganzes Körbchen voll. Das Parabies war auf die Erde gekommen. Man vergißt Kindheitserlebniffe nie. Pfirsiche sind heute noch Vetter Robert. Sie find die Dor- nehmen beim Obst. Samt und Seide. Nicht auf ben ersten Augenblick geben sie chre Köstlichkeit ganz. Der erste Biß schmeckt fast herb, säuerlich, man spürt den Flaum auf den Zähnen wie leisen Widerstand. Aber bann strömt Sommer, Süße, Milbe unb Köstlichkeit wie ungeahnte Wonne rm Uebermaß aus ber runben, zärtlichen Sammetfrucht. Ist man krank, wird man dabei gesund. Und besonders schnell und sicher Dann, wenn man am SommerabenD Die schöne Frucht in einer kühlen Bowle genießt. Denn Die reine, frische Pfirsich-Bowle — Das ist auch Der „Vetter Robert" unter Den sommerlichen Getränken. Wie dasWachsfiguren-Kabinett entstand Hinter bem prunkvollen Namen Panoptikum, nach bem griechisch-lateinischen als „Gesamtschau" zu übersetzen, verbirgt sich eine seltsame Sammlung von Wachsfiguren, Anbenken- unb Uniformstücken historischer Persönlichkeiten, Deren Anblick unsere Großeltern mit geheimem Schauer erfüllte. Die Schöpfung dieser Raritätensammlungen ist eng verknüpft mit dem Namen der Mme. Tussaud. Der Onkel der späteren Madame Tussaud, ein junger Schweizer Arzt namens Christoph Curtius, beschäftigte sich in seinen Mußestunden damit, anatomische Nachbildungen in Wachs herzustellen unb mobellierte allmählich nicht nur Die ©lieber unb Organe seiner Patienten, fonbern auch ihre Gesichter. Durch diese Liebhaberei kam er mit einem Aristokraten, Den Prinzen De Conte, in Berührung, unD Dieser vfanlaßte ihn, im Jahre 1766 nach Paris zu kommen, wo er ihm ein Atelier für feine Wachsfigurenplastik zur Verfügung stellte. Eurtius nahm Die sechs Jahre alte Tochter feiner einzigen Schwester Marie G r o ß h o l tz mit sich, unD bis zum Ausbruch Der Revolution hals nun Marie Dem Onkel bei Der Anfertigung Der lebensgroßen Wachsfiguren, Die Dann ab unD zu ausgestellt rourDen unD Das befonDere Interesse Der Hofgesellschaft fanDen. Als Die Revolution aus- brach, war gerade solch eine Ausstellung Der Curtiusschen Wachsfiguren am BoulevarD Du Temple, unD sie verursachte Das erste Blutvergießen bei Dem Aufstand. Der Herzog von Orleans und der Fmanzminifter N e ck e r , die beiden Lielllinge des Volkes, waren aus Paris verbannt. Die Masse drang daher in bie Ausstellung ein, wo ihre A b - bilder in Wachs zu sehen waren, und trug sie im Triumph durch die Straßen. Dabei kam es zu einem Zusammenstoß mit den Garden des Königs, bei Dem ein Soldat getötet wurde. Bei dieser Gelegenheit, und nicht, wie häufig zu lesen ist, beim Bastillensturm, tat der Minister ßiancourt den berühmt gewordenen Ausspruch, in Dem er auf DU Frage Des Königs: „Ist es eine Revolte?" die Antwort gab: „Nein, Sire, es ist eine Revolu« t i o n!" Während der Revolution war Curtius im Auftrage des Konvents von Paris abwesend und überließ seiner Nichte die weitere Anfertigung von Wachsplastiken, für die sie von den Behörden in Anspruch genommen wurde. Marie Großholtz wurde damit beauftragt, die Köpfe aller bedeutenden Persönlichkeiten, Die unter Dem Fallbeil der Guillotine fielen, in Wachs nachzubilden. Die Köpfe Ludwigs XVI. und derMarie Antoinette, Dantons und Robespierres und vieler anderer wurden zu ihr gebracht und von ihr lebensgetreu im plastischen Abbild festgehalten. Gegen Ende Der Revolution heiratete sie nach Dem ToDe ihres Onkels Francois T u s s a u D und begann nun, mit ihren Wachsfiguren und anderen Erinnerungen an die grausigen Ereignisse der Revolution auf Die WanDerschaft zu gehen. Im Jahre 1802 kam sie nach EnglanD und begrünDete hier Das erste Panoptikum; sie fanD gewaltigen Zulauf und war so erfolgreich. Daß sie bald Nachahmer fand unb nun solche Panoptiken allmählich überall in ben großen Stäbten entstauben. Svchschulnachrichten. Der ordentliche Professor für Strafrecht, Zivil» prozeßrecht und Rechtsphilosophie an ber Universität Halle Dr. Erich Schwinge ist in gleicher Eigenschaft an bie rechts- und staatswissenfchaftliche Fakultät ber Universität Marburg berufen worben. Es würben ferner berufen die ordentlichen Professoren Dr. Eberhard Schmidt (Strafrecht) von Hamburg nach Leipzig, Dr. Hans Wilhelm Schmidt (Neues Testament) von Münster (Ev.- theol. Fakultät) nach Bonn, Dr. K. A b e tz (Forst- wirtschaft) von Hann.-Münden nach Freiburg i.B.; versetzt wurde der o. Professor Dr. Hans Emil Weber (systematische Theologie) von Bonn (Ev.-theol. Fakultät) nach Münster. Der Landeskirchenrat Eugen M a t t i a t ist zum ordentlichen Professor in ber theologischen Fakultät Der Universität Berlin ernannt roorDen, unter Belassung in seiner Referentenstellung im Reichs- wirtschaftsministerium. LanDeskirchenrat Mattiat ist ein bekannter nationalsozialistischer Vorkämpfer, der vor längerer Zeit als Referent in Das Ministe- rium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung berufen wurde, wo er das Referat der evangelischen und katholischen theologischen Fakultäten und die geisteswissenschaftlichen Fächer der philosophischen FakuUäten innehat. vornotlzen. — Tageskalender für Mittwoch: DAF., Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung, Wirtschaftsgruppe Banken und Kredit: 19.30 Uhr im Hotel Hindenburg Vortrag: „Der deutsche Außenhandel und feine Finanzierung". DAF., Ortsgruppe Gießen-Nord: 20.30 Uhr im Aquarium: Mitgliederversammlung der Zellen 3 und 7. — Lanoschaftsbund Volkstum und Heimat, Ortsring Gießen: 20.15 Uhr im „Frankfurter Hof" Befpre- fprechung der Fachamtsleiter und Vertrauensleute. — NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad, 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Nacht der Verwandlung. — Der Verein der Einzelhändler zu Gießen versammelt sich am morgigen Donnerstagabend im Kaufmännischen Vereinshaus zu einer außerordentlichen Generalversammlung. Die Vereinsmitglieder feien auf die Anzeige in unserem heutigen Blatte besonders hingewiesen. ** 90 Jahre alt. Am heutigen Mittwoch, 21. August, wird Frau Philippine S ch u ch a r d t, Stephanstraße 11 wohnhaft, 90 Jahre alt. Die Jubilarin erfreut sich noch der besten körperlichen und geistigen Frische, sie liest täglich mit Eifer die Zeitungen und bringt allen Begebenheiten unserer Zeit noch größtes Interesse entgegen. ** Sonntagsrückfahrkart en zu Ver- anstaltungen in Worms und Frankfurt. Zu der Wiedersehensfeier ehemaliger 118er, die vom 24. bis 26. August in Worms stattfindet, werden vom Bahnhof Gießen Sonntagsrückfahrkarten ausgegeben. Gültigkeit zur Hinfahrt vom 24. August 0 Uhr bis 25. August, zur Rückfahrt vom 24. August 12 Uhr bis 26. August 24 Uhr. — Vom Bahnhof Gießen werden ferner Sonntagsrückfahrkarten mit dreitägiger Gültigkeitsdauer nach Frankfurt a. M. zu der Ausstellung „Die Rhein- Mainische Wirtschaft" in der Zeit vom 24. August bis 8. September ausgegeben. Für die Rückfahrt müssen die Karten von der Ausstellungsleitung ab- gestempelt fein, wenn sie Gültigkeit haben sollen. ** Sonntagsfahrkart en zum Rhein- M a i n i s ch e n M u s i k f e st in Bad-Nauheim. Anläßlich des Rhein-Mainischen Musikfestes am 23. und 24. August in Bad-Nauheim geben die Reichsbahndirektionen Frankfurt und Kassel Sonntagsfahrkarten im Umkreis von 75 Kilometer aus. ** Ausschachtungen und Kabeloerlegungen am Kugelberg. Das Städtische Elektrizitätswerk läßt gegenwärtig umfangreiche Ausschachtungen von Kabelgräben mit Kabelverlegungen im Stadtteil „Am Kugelberg" durchführen. Es handelt sich dabei um die Schaffung einer zusätzlichen Stromleitung zur Verstärkung der Betriebssicherheit in der Elektrizitätsversorgung des im Kugelberg-Bezirk neu entstehenden Stadtviertels. Ferner ist für später eine Umstellung in der dortigen Stromversorgung von Gleichstrom auf Wechselstrom ins Auge gefaßt. Die Besitzer von Radiogeräten werden vor dieser Umstellung vom Elektrizitätswerk noch rechtzeitig Nachricht erhalten. ** Ein Fahrrad in der Lahn aufgefunden. Das in der Nacht zum Montag in Heuchelheim gestohlene neue Damenfahrrad wurde von einem Gießener Studenten, der auf der Lahn paddelte, am gestrigen Dienstagabend in der Gemarkung Gießen in der Lahn liegend aufgefunden und der Gendarmerie ausgehändigt. ** Neue Lehrgänge in Stenographie und Maschinenschreiben kündigt die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft in unserem heutigen Anzeigenteil an. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. • Die Deutsche Arbeitsfront. Ausschneiden und aufbewahren! Nachstehend geben wir von den Ortsgruppen Gießen-Süd und Gießen-Nord die Dienst- stellen nebst Zellen- und Blockeinteilung bekannt. Die Mitglieder ersehen aus den Strahenzügen, zu welcher Zelle bzw. Block ihrer Ortsgruppe sie gehören. Ortsgruppe G eßen-Süd. Dienststelle: Frankfurter Straße 23, Hinterhaus. Sprechstunden: Montags und Freitags von 19 bis 21 Uhr. Zelle 1. Zellenwalter: Ferd. Link, Ditfonsiraße 10. Block 1. Blockwalter: Karl Kreuzbura, Liebig- straße 99. Straßenzug: Liebigstraße 58 ms 107. Block 2. Blockwalter: Robert Gärtner, Ludwig- ftraße 59. Strahenzüge: Liebigstraße 37 bis 57, Ludwiastraße 56 bis Ende. Block 3. Blockwalter: Werner Adam, Welcker- straße 10. Straßenzüge: Liebigstraße 1 bis 36, Bahnhofstraße von Liebigstraße bis Ende. Zelle 2. Zelleawaller: DUH. Schmidt, tkbelftrahe 14. Block 1. Blockwalter: A. Wagner, Wilhelmstrahe 1. Straßenzug: Wilhelmstrahe 1 bis 15. Block 2. Blockwalter: Ludwig Schön, Ebelstr. 34. Straßenzug: Wilhelmstraße 16 bis 54. Block 3. Blockwalter: Willi Ockel, Aulweg 40. Straßenzüae: Wilhelmstraße 55 bis 82, Jhering- straße, Weiherde, Welckerstraße, Güntersgraben. Zelle 3. Zellenwalter: Lrnst Hermann, Wilhelmstrahe 46. Block 1. Blockwalter: Karl Becker, Ebelstraße 34. Straßenzug: Ebelstraße 20 bis Ende. Block 2. Blockwalter: Max Heilmann, Liebigstraße 62. Straßenzug: Ebelstraße 1 bis 19, Wilson- straße. Block 3. Blockwalter: Karl Weihrauch, Liebigstraße 64. Straßenzug: Riegelpfad. Block 4. Blockwalter: August Fiedler, Ebelstr. 30. Straßenzug: Aulweg. Zelle 4. Zellenwalter: heinr. Faber, hillebrandstrahe 12. Block 1. Blockwalter: Josef Köhler, Mittelweg 10. Straßenzüge: Mittelweg und Glaubrechtstraße. Block 2. Blockwalter: Hans Köhler, Glaubrechtstraße 7. Straßenzüge: Hillebrandstraße, Buchner- straße, Am Steg. Block 3. Blockwalter: Friedrich Gauterien, Frankfurter Straße 132. Straßenzug: Crednerstraße. Zelle 5. Zellenwalter: Karl Müller, Frankfurter Strahe 71. Block 1. Blockwalter: Adolf Stumpf, Frankfurter Straße 132. Straßenzug: Frankfurter Straße 1—21. Block 2. Blockwalter: Conrad List, Frankfurter Str. 30. Straßenzug: Frankfurter Straße 22—30. Block 3. Blockwalter: Karl Dönges, Buddestr. 9. Straßenzug: Frankfurter Straße 31 bis 69. Block 4. Blockwalter: Hermann Wisker, Frankfurter Straße 132. Straßenzug: Frankfurter Straße 71 bis 127. Block 5. Blockwalter: Wilh. Derhey, Frankfurter Straße 83. Straßenzug: Frankfurter Straße 128 bis Ende. Zelle 6. Zellenwalter: Karl Neeb, Stephansirahe 34. Block 1. Blockwalter: Ernst Hahn, Liebigftr. 85. Straßenzug: Wetzlarer Weg 1 bis 55. Block 2. Blockwalter: W. Werner, Aulweg 36. Strahenzüge: Hofmannftraße, Wetzlarer Weg 56 bis Ende. Block 3. Blockwalter: Heinrich Schmidt, Kläranlage 84. Straßenzüae: An den Bahnhöfen, An der Margaretenhütte, An der Kläranlage. Zelle 7. Zellenwalter: Karl Appel, Franfurter Strahe 46. Block 1. Blockwalter: Wilh. Sehrt, Frankfurter Straße 85. Straßenzüge: Beethovenftraße, Händel- ftraße, Schubertftraße, Körnerstrahe. Block 2. Blockwalter: Karl Knaus, Ebelstraße 10. Straßenzug: Friedrichstraße 1 bis 30. Block 3. Franz Arnold, Wetzlarer Weg 65. Straßenzüge: Klinikstraße, Buddestraße. Block 4. Blockwalter: Hans Hermann Haagen, Frankfurter Straße 87. Straßenzüge: Wartweg, Am Schlangenzahl, Freiligrathstrahe. Zelle 8. Zellenwalter: Herrn. Freitag, Ebelstraße 16. Block 1. Blockwalter: Albert Dechert, Liebigftr. 68. Straßenzug: Schiffenberger Weg. Block 2. Blockwalter: Wilh. Raab, Leihgesterner Weg 126. Straßenzüge: Leihgesterner Weg 30 bis Ende, Bergwerk, Ober- und Unterhof. Block 3. Blockwalter: Ludwig Kaletsch, Friedrichstraße 14. Straßenzug: Friedrichstraße 31 bis Ende, Leihgesterner Weg 1 bis 29. Ortsgruppenwalter: Carl Heinrich Schmidt; stellv. Ortsgruppenwalter: Albrecht Adam. bis 21 Uhr. Zelle 1. Ortsgruppe Sießen-Nord. Dienststelle: Ederstraße (Wirtschaft Nohl). Dienststunden: Montags und Freitags von 19 Zellenwalter Richard Mund, Sonnenstrahe 12. Block 1. Blockwalter: Karl Euler, Kirchstrahe 13. Straßenzüae: Schulstraße, Kirchstraße. Block 2. Blockwalter: Walter Nickel, Neuen Bäue 3. Straßenzug: Sonnenstraße. Block 3. Blockwalter: Heinrich Abel, Wetzsteingasse Nr. 19. Strahenzüge: Schloßgasse, Wetzsteinstraße. Block 4. Blockwalter: Rud. Hofmann, Kirchstraße Nr. 12. Strahenzüge: Wetzsteingasse, Auf der Bach. Block 5. Blockwalter: L. Schupp, Wetzsteingasse 8. Straßenzug: Kirchenplatz. Zelle 2. Zellenwalter: Otto Pipper, Marktlaubenfirahe 4. Block 1. Blockwalter: Gustav Goltermann, Werner- wall 47. Straßenzüge: Brandgasse, Brandplatz, Lindengasse, Lindenplatz, Marktlaubenstrahe. Block 2. Blockwalter: Karl Glitsch, Lindenplatz 12. Strahenzüge: Walltorstrahe 1 bis 15, Hundsgasse, Block 3^ Blockwalter: Heinz Nickel, Neuen Bäue 3. Strahenzüge: Kanzleiberg, Kaplaneigasse, Neuen Bäue. Zelle 3. Zellenwalter: Karl Neuweiler, Walltorfirahe 51. Block 1. Blockwalter: Schmidt, Hitlerwall 37. Strahenzüge: Hitlerwall, Wiesenstraße, Gutfleischstraße. Block 2. Blockwalter: Otto Kruse, Schottstraße 8. ir fanden zueinander >rr Roman von Klothilde v. Stegmann. Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.) (Schluß.) Marlen stand blaß und zitternd da. Sie wußte überhaupt nicht mehr, was eigentlich gespielt wurde. Karla nahm die Freundin an der Hand. „Nun komm, Marlen. Wir gehen zu dir herein und sprechen in Ruhe über alles." Marlen machte sich von Karla frei. Sie schlug die Hände vor die Augen. „Quäle mich doch nicht so entsetzlich, Karla! Be- greife doch: ich kann nicht, ich will kein Almosen von Dietrich. Er hat mich zu schwer gekränkt. Ich kann nicht darüber hinwegkommen!" Sehr ernst fragte Karla: „Also liebst du ihn nicht mehr?" Da schluchzte Marlen heiß auf. Dies Schluchzen war Karla Antwort genug. „Marlen", fragte sie, „willst du auch unversöhnlich bleiben, roenn'id) dir sage, daß Dietrich bereut, und daß er krank ist?" Marlen ließ entsetzt die Hande sinken: „Krank? Was fehlt ihm?" „Er wurde verwundet, als er zwei Verorecher dingfest machen wollte. Dieselben Verbrecher, Marlen, die deinen Bruder um seine Erfindung betrugen wollten. Marlen, willst du mich jetzt anhören? Dann umfaßte sie Marlen und ging mit lhr dem Hause zu. . , ,. Justizrat Niemann wanderte inzwischen ruhig in dem Garten auf und ab, betrachtete sich hier eine Dahlie, roch dort an den letzten Spatrosen, pflückte eine Pflaume von den tief herabhanyenden Zweigen und genoß den milden Sonnenschein. Er hatte Zeit und wußte, die Sache Dietrich Veltheims war bei Karla von Weckenroth in guten Händen. Schließlich aber, nach einer halben Stunde Umher- wanderns, sah er bedenklich auf die Uhr. Dann trat er entschlossen in das kleine Sommerhaus und klopfte an die Zimmertür, hinter der Karla und Marlen verschwunden waren. „Entschuldigen Sie, meine Damen, wenn ich störe. Aber wenn eine von Ihnen den Nachtzug nach der Schweiz noch erreichen will, wird es verweinte, aber selige Gesichter sahen ihm entgegen. Beide wollen wir den Nachtzug erreichen, Herr Justizrat," sagte Karla. „Nicht nur Marlen." Marlen nickte mit feuchten Augen. Dann ging sie auf den Justizrat zu. „Können Sie mir verzechen, daß ich so unfreundlich war?" Justizrat Niemann lachte: Unsereins ist Kummer gewohnt, Frau Gräfin. Die Hauptsache: die Angelegenheit meines Auftraggebers ist gut erledigt." Marlen nickte mit heißen Wangen. Und dann lief sie in ihr Schlafzimmer, um bie notwendigsten Gegenstände zusammenzupacken. Der O-Zug Berlin—Rom stand m der Halle des Anhalter Bahnhofs. Die letzten Reifenden ,tr,/Bitt" Platz" nehmen!" riefen die Schaffner Sie ersten Türen Waffen stch fchon mit lautem Knall. Aus einem Schlafwagenabteil schauten Karla und Marlen. Manch wohlgefälliger Blick der Vorübergehenden galt ihnen. Wirklich, die beiden sahen auch reizend aus, wie sie so nebeneinander lehnten. Marlen trug ein graues Pelzjäckchen, das, geöffnet, einen lichtblauen, weichen Wolljumper mit zarten, weißen und grauen Stickereien freigab. Auf dem Kopf faß ein kleines graublaues Mützchen. Die weichen blonden Haare lagen um den feinen Kopf. Die grauen Augen mit den dunklen Wimpern strahlten wie zwei Sonnen. Neben ihr Karla in ihrer scheuen, dunklen Lieblichkeit, die durch ein sandfarbenes Reisekostüm mit braunem Iltis- besatz gehoben wurde. Mit Karla war seit ihrer Verlobung eine merkwürdige Verwandlung vorgegangen. Der schwermütige Ernst in ihren Zügen war einer stillen Glück- seligkeit gewichen. Es war, als wirkte das Selbstvertrauen, das sie durch ihren Verlobten gewonnen, auch auf ihren körperlichen Zustand zurück. Die kleine Unebenmäßigkeit der Schultern schien gewichen zu sein. Auch zog sie das eine Bein kaum noch nach. Doktor Langgisser schob es auf die neue elektrische Behandlung, die er an Karla ausprobiert hatte. Aber Karla wußte es besser: Die seelische Kraft, die sie durch das Glück der Liebe gewonnen, schuf langsam die körperliche Gesundung. Auf dem Bahnsteig stand Justizrat Niemann neben Georg Korda. „Den beiden sieht man’s an, daß sie geradewegs ins Glück fahren — nicht wahr, Herr Korda?" meinte er jetzt lachend. Da nickten Marlen und Karla strahlend. „Nur schade, Georg", meinte Marlen, ,Haß ich" dich nicht rnitnehrnen kann." „Geht nicht, Marlen. Du weißt doch, wieviel es jetzt zu tun gibt." Ein beinah entschuldigendes Lächeln ging über Georgs verträumtes Gesicht. „Ich bin ja plötzlich so eine Art Wundertier geworden. Tausend Leute wollen mich nun sprechen. Immerfort muß ich antworten. Jetzt bin ich ins Ministerium bestellt, wo man über die praktische Anwendung meiner Erfindung verhandeln will. Ich weiß schon nicht, wo mir der Kopf steht. Aber schön ist es", schloß er glücklich, „nun weiß man doch wieder, wozu man lebt." , . Nun weiß man doch wieder, wozu man lebt! Diese Worte klangen in Marlens Herzen nach, als sie nun an Karlas Seite Locarno entgegenfuhr. Es war derselbe Weg, den sie schon einmal gemacht hatte damals, als sie zu ihrer Trauung mit Dietrich reifte Aber wie schwer und traurig war ihr Herz damals gewesen! Und heute? Fast glaubte sie die Fülle der Seligkeit nicht fassen zu können. Die Zeit verging ihr viel zu langsam. Ihr Herz jubelte Dietrich entgegen. Keine Sour von Bitterkeit war mehr in ihr. Sie wußte nur, alle Mißverständnisse waren geklärt. Er liebte sie, wie sie ihn liebte Sie hatte die Umwelt ganz vergessen. Sie sah nichts von den Mitreisenden, nichts von der Landschaft, die da draußen an ihr vorbeiflog Sie war mit ihren Gedanken schon ganz bei Dietrich Aber da war Karla, die sie energisch an die Wirklichkeit mahnte Sonst hätte Marlen wohl das Essen und Trinken vergessen. Aber Karla war ganz energisch Das gibt es ja nun nicht", erklärte sie. „Willst du" etwa blaß und elend bei Dietrich ankommen? Es wird gegessen und getrunken. Es wird gut geschlafen. Ich will dich so abliefern, daß ich Ehre mit dir etnleaen kann." Da fügte sich Marlen lächelnd. Sie wußte ja, Karla wollte nur ihr Bestes. Der Zug sauste weiter und weiter. Die deutsche Grenze war überschritten. Die Bergwunder der Schweiz öffneten sich. Wieder ging es durch Tunnels an schroffen Felsenwänoen vorbei, über schäumende Bergflüsse. Das Wetter war hier in der Schweiz schon winterlich. Schnee stiebte vom grauen Himmel. Die weiten Vorberge lagen bereits im dichten weißen Kleid. Die Bergriesen glitzerten in Eis und Kätte. „Gokdau!" rief der Schweizer Schaffner. Marlen schaute hinaus. Dort auf einem kleinen Hügel lag das Krankenhaus, in dem Dietrich gewesen. Nun war er schon im Sanatorium Doktor Langgissers in Locarno. Nun der Tunnel von Airolo. Und jetzt war Wärme und goldener Spätsommer. Die Trauben in den Laubengängen leuchteten reif und blau. Seen blitzten auf. Die ganze Landschaft war heiter, sorglos, ganz dazu angetan, glückliche Menschen noch glücklicher zu machen. Mit strahlenden Augen saß Marlen am geöffneten Fenster und schaute in die schone Welt hinaus. Bald würde sie bei Dietrich sein. Locarno! Ein Gewimmel von Menschen. Ein Durcheinander verschiedener Sprachen. Und dort durch die offene Bahnhofshalle sah man den See, umkränzt von den hohen Bergen. Doktor Langgisser stand auf dem Bahnsteig. Innig begrüßte er Karla und dann Marlen. „Wie geht es Dietrich?" fragte Marlen als erstes. „Danke, viel besser! Ich glaube", ein lächelnder Blick streifte Marlens schönes, erwartungsftohes Gesicht, „nun wird er schnell gesunden." Sie gingen dem Ausgang zu. Doktor Langgisser half Marlen in seinen Wagen und stieg dann mit Karla ein. Die beiden hatten sich durch einen raschen Blick heimlich verständigt. In schneller Fahrt ging es über den Bahnhofs- platz. Dann bog Doktor Langgisser in die winklige Stadt ein. Mit ihren bunten Gassen und vorgebau- ten Häusern, mit ihrem fröhlichen Gewimmel forg- lofer Menschen. Marlens Augen wurden größer und immer größer. War das der Weg zu dem Sanatorium? Aber das war ja das Hotel, in dem sie damals nach ihrem Hochzeitsmahl mit Dietrich gewohnt hatte. Ehe sie zu fragen vermochte, hielt Langgisser schon, sprang heraus, öffnete den Schlag des Autos: „So, Frau Marlen, angelangt!" Ganz verwirrt fragte Marlen: „Aber ich denke, Dietrich ist in Ihrem Sanatorium?" Da lachte Doktor Langgisser. „Glauben Sie wirklich, daß Dietrich jetzt Wert auf unsere Gesellschaft legt?" Er winkte dem Boy, der herankayr. „Das Gepäck der Frau Gräfin bitte herauf! Herr Graf Veltheim erwartet die Fvau Gräfin." Wie im Traum ging Marlen neben dem Boy die Stufen hinauf. Nun war sie im Vestibül. Fuhr im Fahrstuhl empor. Nun ging sie den Korridor erlang, den sie schon einmal gegangen war. NIVEA ■ lW. leicht schäumend, ganz wundervoll to Geschmack. Straßenzüge: Diezstraße, Senckenbergstraße, Land« grafenstrahe, Landgraf-Philipp-Platz, Braugasse. Block 3. Blockwalter: Rudolf Sonntag, Brau» gaffe 2. Straßenzug: Walltorstraße 16 bis Ende. Zelle 4. Zellenwalter: Walter hällmayer, Steinstraße 68 Hs Block 1. Blockwalter: Hainer, Ederstraße 14s Straßenzüge: Ederstraße, Asterweg 40 bis 48t Steinstraße 58 bis 67. Block 2. Blockwalter: Heinrich Herbert, Lindem gaffe 18. Straßenzug: Asterweg 1 bis 35. Block 3. Blockwalter: Bernhard Dippel, Aster« weg 72. Sttaßenzug: Asterweg 50 bis 72. Block 4. Blockwalter: Ludwig Herbert, Astes« weg 48. Straßenzug: Steinstraße 69 bis 90. Block 5. Blockwalter: Willi Enz, Schottstraße 31t Straßenzug: Wernerwall 47 bis 53. Zelle 5. Zellenwalter Ludwig Plank, Großer Steinweg 26» Block 1. Blockwalter: Georg Schneider, Marburg ger Straße 9. Straßenzug: Marburger Straße 4 bis 22. Block 2. Blockwalter: Karl Sommer, Marburger Straße 32. Straßenzüge: Marburger Straße 23 bis 54 und Bückingstraße. Block 3. Blockwalter: Jakob Vogt, Schottstr. 19» Straßenzüge: Marburger Straße 56 bis 106» Friedhofsallee, Rodtberg, Am Wingert, Cranacht straße. Block 4. Blockwalter: Otto Rühl, Steinstraße 88, Straßenzüge: Wiesecker Weg, Feuerbachstraß^ Thomastraße. Zelle 6. Zellenwalter: Karl Nebe, Krofdorfer Straße 17. Block 1. Blockwalter: Otto Arnold, Lahnstraße 3» Strahenzüge: Lahnstraße, Hammstraße, Gabels« bergerstraße, Bootshausstraße, Zu den Mühlen» Witzmarer Weg. Block 2. Blockwalter: Walter Fischer, Krofdorfer Straße 1. Straßenzug: Krofdorfer Straße. Block 3. Blockwalter: Walter Schneider, Krof« borfer Straße 20. Straßenzüge: Schützenstraßs. Leimenkauterweg, Gleiberger Weg. Block 4. Blockwalter: Reinhold Wirch, Krof- dorfer Straße 8. Straßenzüge: Rodheimer Straße, Schlachthofftraße, Hinter den Schiehgärten, An der Haicktt. Zelle 7. Zellenwalter: Frih Wäll, Steinstraße 43. Block 1. Blockwalter: Schneider, Steinsttaßs» Straßenzug: Wernerwall 1 bis 35. Block 2. Blockwalter: Heinrich Weigel, Schiller- strahe 19. Straßenzug: Steinstraße 1 bis 60. Block 3. Blockwalter: Kurt Leipold, Asterweg 48s Straßenzug: Dammstraße. Block 4. Blockwalter: Wilhelm Fischer, Weser- straße 8. Straßenzug: Schillerstraße, Im Gartfeld» Block 5. Blockwalter: Otto Ludwig, Steinstr. 40» Straßenzug: Weserstraße. Ortsgruppenwalter: August Horn; stellv. Ortsgruppenwalter: Frih Zutt. „Hier, bitte!" Der Boy öffnete eine Zimmertür. Sie trug bie« selbe Nummer. Es war dasselbe Zimmer wie da« mals. Wie in einem süßen Traum befangen, schritt Marlen über die Schwelle. In der Mitt- des großen Hotelzimmers, das mit Blumen ange» füllt und erleuchtet war von der letzten Nachmit» tagsfonne, stand Dietrich. Sein Gesicht war blaß und trug noch die Spuren der überstandenen Krank« heit. In seinen Augen leuchteten unendliche Liebs und ein scheues Bangen. Er machte einen Schritt auf Marlen zu. Danri hielt er inne. „Marlen", sagte er leise und bittend, „Marlen, kannst du mir verzechen? Ist deine Liebe groß genug, Marlen?" Er taumelte. Sein Gesicht wurde noch blasser» Ein Schwächeanfall überkam ihn.. Da lief Marlen auf ihn zu. Ganz fest hielt sie ihn mit ihren Armen. Wollte sie ihn stützen? Oder barg sie sich bei ihm? Keiner von ihnen wußte es. Leifs sagte sie: „Sprich nicht von Verzechen! Alles ist üorbeif alles ist gut, wenn ich nur bei dir fein darf!" Der Abend war gekommen. Wieder lag ein zauberhaft silberner Mondschimmer über denH Lande und dem dunkelnden See. Auf dem großen Balkon vor den Hotelzimmern sitzen zwei Menschen eng umschlungen. Sie wissen nicht Zeit noch Raum» Sie Horen nicht die Glocken von den Türmen detz bunten Stadt, die Stunde um Stunde schlagen» Sie wissen nichts, als daß sie beieinander sind. SiS sprechen nicht. Sie werden ja noch viel, unendlich viel Zeit haben, alles zu klären, was sich zwischen ihnen aufgetürmt an Bitterkeit, Schmerz und Miß« verstehen. Diese erste heilige Stunde des Sichfin« bens wollen sie nicht mit Sprechen und Erklären entweihen. Ihr selig klopfendes Herz, bas glück« selige Leuchten in ihren Augen, ihr Hänbebruck sagt ihnen ja: Alles ist gut — und niemals kann es wieder schlimm werden. Die härteste Prüfung, bie Menschenherzen etbulben konnten, baß Mißtrauen bes ßiebenben gegen ben Geliebten — sie hatten es burchgekämpft. Was bas Schicksal ihnen nun auch noch bringen mochte an Schwerem: wenn sis es nur gemeinsam trugen, war es zu meistern. Das war ber Glaube, den sie gewonnen, unb ben nichts ihnen nehmen konnte! Der Monb zog seine silberne Spur in bem wetten See. Die Lichter erglänzten an ben Ufern — wie ein Märchen war bie Nacht bes Sübens, schön und unwirklich. Aber märchenhafter als alles und doch wirklich war den beiden Menschen diese schweigende Stunde, da nur ihre Herzen sprachen. Plötzlich rieselte es golden vom Himmel. EmS Sternschnuppe und noch eine zog wie ein Goldband, von göttlicher Hand geschlungen, über ben Himmel. „Siehst bu, Marlen? f)aft bu bir auch etwas ge« wünscht?" brach Diettich leise bas Schweigen. Marlen sah ben geliebten Mann innig an. „Wünschen? Was bleibt noch zu wünschen, Dietrich, nun wir uns gefunben haben? Höchstens das eine, daß wir nie, nie mehr uns verlieren mögen!" „Gott gebe es!" sagte Dietrich Veltheim ernst und küßte bie Hanb seiner Frau. Ende» S.A.-'SpoTt Dirndl-Kattun 4772 A Ihre Vermählung geben bekannt will allen Abonnenten, die bisher durch Ferienreise verhindert Gießen, den 21. August 1935 Gießen, Grabenstraße 7 Büdesheim (Oberhessen) beginnt erst am 26. August 1935 03500 Verein der Einzelhändler zu Gießen e.R 4750 V W. Martin, Vorsitzender. 4749D lAfE DDE DRUCKSACHEN VW C. IX DCßrühl'sche Druckerei laufend abzugeben 4754D und zum Bauen i