Nr. M Erster Blatt 185. Zahrgang Dienstag, 20. August 1935 Erscheint täglich, außer Sonntag« und Feiertag« Beilagen: Die Illustrierte Gietzen« FamUienblätter .Heimat im Bild • Die Scholle Monalr-Vezugrprei«: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. * —-25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Siesten poftschecktonto: Kranfturt am Main 11688 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UnIoerfitStrvuch- und Ztelndruckerel «.Lange in Glehen. 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Ls gelang den vereinten Kräften von Feuerwehr, SA.» SS. und politischen Leitern, Reichswehr, Arbeitsdienst und Landespolizei, das Feuer auf die Ausstellungshalle IV zu beschränken, die, wie alle anderen hallen, zu dieser Zeil schon vom Publikum geräumt war. Die hallen des Volkssenders und die Fernsehhalle wurden ebenso wie die übrigen hallen nicht in Mitleidenschaft gezogen. Soweit bis jetzt bekannt geworden ist, find Vertu st e an Menschenleben nicht zu beklagen. Zur Zeit des Brandes im Funkturmrestaurant befanden sich noch acht Personen auf dem Funk- turm. Dem mutigen Eingreifen eines Feuerwehr- trupps, der von Baurat Dr. Schäfer geführt wurde, gelang es, alle auf dem Funkturm befindlichen Personen mit nur geringfügigen Verletzungen in Sicherheit zu bringen. Reichsminister Dr. Goebbels, der um 20.45 Uhr auf der Brandstätte erschien, ordnete sofort eine weitgehende Absperrung an. Gegen 22 Uhr traf Reichsminister Dr. Frick am Brandort ein. Der Brand der Halle IV dauert an. Das Feuer ist aber eingekreist, so dah die Gefahr eines Umsichgreifens nicht mehr besteht. Dr. Goebbels an der Brandstelle. Ein zweiter amtlicher Bericht. Um Mitternacht wurde folgender zweiter amtlicher Bericht ausgegeben: Die Halle 4 brennt noch. Es ist absolute Gewähr gegeben, daß das Feuer auf Halle 4 beschränkt bleibt 3m Funk- furmreftaurant brennt noch eine Zwischenwand. Jedoch geht man diesem Feuer, das auf einen kleinen Umfang beschränkt bleibt, mit drei Schlauchleitungen zu Leibe. Reichsminister Dr. Goebbels in Begleitung des stellvertretenden Gauleiters Staatsrat Görliher und des Polizeipräsidenten Grafen h e 11 d o r f stieg gegen 22 Uhr zum Funk- turmreffaurant hinauf, um sich persönlich vom Stand des Feuers zu überzeugen. Bewundernswert war die Haltung und die unermüdliche Leistung aller an den Löfcharbeilen beteiligten Personen, der Feuerwehr, der Wehrmacht, der Polizei, der Organisationen und Verbände. Um 23 Uhr hielt Dr. Goebbels eine Besprechung ab, an der u. a. Obergruppenführer Dietrich, Polizeipräsident Graf h e 11 d o r f, Ministerialrat D r e tz l e r - A n d r e s und Reichs- fenbeletter hadamowsky teilnahmen. Ls wurden die Mahnahmen besprochen, wie in kürzester Frist die Aufräumungsarbeiten durchgeführt und die Weilerführung der Ausstellung sicherzustellen sei. Das Ergebnis dieser Besprechung wird in Kürze bekannlgegeben. Es stehl zu erwarten, dah nur am heutigen Dienstag die Ausstellung teilweise unterbrochen und in vollem Umfange am Mittwoch weitergeführt wird. Um 23.45 Uhr wird bekannt, dah das Feuer im Funkturmrestaurant gelöscht ist. Die Zahl der Verletzten beträgt nach den amtlichen Feststellungen 26, davon sind zwei Verletzungen schwerer Ratur. Sämtliche Ausstellungshallen geräumt. Der Riesenbrand war dank der aufopferungsvollen Bemühungen der Feuerwehr gegen 22 Uhr einaekreist. Die Feuerbekämpfung setzte systematisch bei dem ursprünglichen Brandherd in der Halle 4 ein. Bon Halle 3 und von Halle 5 sowie von dem riesigen Jnüenhof und von der Ostseite des ausgedehnten Ausstellungsgeländes wurde aus annähernd 30 Schlauchleitungen großen und mittleren Kalibers ununterbrochen Wasser in die auflodern- den Flammen geschleudert. Allerdings muß die Halle 4 als vollkommen vernichtet angesehen werden. Auch der größte Teil der in dieser Halle ausgestellten Gegenstände dürfte völlig z e r st ö r t sein. Auch ein Teil der hallen 3 und 5 hat durch das Feuer etwas gelitten. Zum Glück gelang es aber, die hallen 1 und 2, die durch eine breite Straße von den übrigen hallen getrennt liegen, sowie die hallen 6, 7 und 8 zu erhalten. Vorsichtshalber haben die zahlreichen Aussteller mit Hilfe der herangezogenen SA.-, SS.- und Arbeitsdienstmänner sowie von Angehörigen des Reichsheeres auch die vom Feuex verschont gebliebenen hallen geräumt. Schon eine Stunde nach dem Ausbruch des Brandes wurde ein großer Teil des Ausstellungsmaterials verladen und in Sicherheit gebracht. * Gerade in halle 4 hatten die führenden deutschen Firmen ihre Geräte zur Schau gestellt. So sind die Stände der Firmen S i e m en s , T e l e f u n k e n AEG., Mende usw. zum größten Teil zerstört worden. Auch die R e i ch s p o st hat einen großen Schaden zu beklagen. Ferner sind die beiden U l - trakurzwellensender, die täglich das Fernsehprogramm sandten, durch die Flammen sowie durch herunterstürzende Balken vernichtet worden. Auch der alte Rundfunksender Witzleben, der in der ersten Zeit des Rundfunks mit 4 Kilowatt für Berlin arbeitete, ist den Flammen zum Opfer gefallen. Oie Große Funkausstellung geht weiter. Berlin, 20. August. (DRB.) Die Ausftel- lungsleitung gibt folgende Verlautbarung bekannt: Rach der Besprechung mit Reistsminister Dr. Goebbels beschloß kurz vor Mitternacht die Ausstellungsleitung die ununterbrochene Dem rasenden Element entriffen. Durch das mutige Verhallen zweier Feuerwehrleute gelang es, eine Schlauchleitung vorn Erdboden bis zu dem in etwa 50 Bieter höhe befindlichen Funkturmrestaurant zu leiten, in das sich etwa zehn Personen geflüchtet hatten und das, wie gemeldet, durch die hochlodernden Flammen ebenfalls in Brand geraten war. Die Feuerwehrleute kletterten an den eisernen Blasien des Funkturms hoch und brachten auf diese Weise die Schlauchleitung bis unmittelbar an die in Brand geratenen Teile des Restaurants heran. Ls gelang auf diese Weise, die Funkturmbesucher, die nach Ausbruch des Brandes im Sprechchor mehrfach heruntergerufen hatten: „Rettet uns!“ außer Gefahr und in Sicherheit zu bringen. Schon kurz vor 22 Uhr waren die Flammen an der Lichtreklame auf dem Funkturm und im Funkrestaurant soweit abgelöscht, daß man daran gehen konnte, die Personen, die durch das verheerende Element abgeschnitten waren, in Sicherheit zu bringen. Auf den noch glühend heißen Treppen fliegen die Funkturmbesucher über Trümmer hinweg an der gefährlichsten Stelle vorbei und gelangten dann sehr schnell die 50 Bieter hinab auf den Erdboden. Soweit zu übersehen ist, hat keiner von ihnen ernsten Schaden erlitten. 3n- An der TrümmerMie. DieAufräumungsarbeiten in vollemGange. Berlin, 20. Aug. (DRB. Funkspruch.) Während noch ununterbrochen in das rauchende zusammengebrochene Trümmerfeld der Halle 4 der Ausstellungshallen am Kaiserdamm Wasser gegeben wird, um die Schuttmassen abzulöschen und abzukühlen, treffen bereits kurz nach 3 Uhr die ersten Helfer für die Aufräumungsarbeiten ein. Eine Pionierkompanie wurde noch in der Nacht alarmiert und aus dem etwa 60 Kilometer entfernt liegenden Zoffen nach dem Berliner Westen geschafft. Gleich nach ihrem Eintreffen trat sie in Tätigkeit und leistete in mehreren Stunden angestrengtester Arbeit kaum Glaubliches. Unter sachgemäßer Führung ging sie dem Trümmerfeld zuleibe, das zunächst vollkommen heruntergerissen wurde. Da die Mauerfront der Halle 4 zur Straße hin sich als standhaft erwies, wurden gegen 7 Uhr die Arbeiten zunächst eingestellt und Material zur Sprengung dieser Mauer herbeigeschafft. Die Pioniere durften sich aber noch immer auch jetzt noch nicht eine Stunde der Ruhe gönnen; bereits um 7 Uhr funktionierte der noch in der Nacht eingesetzte Apparat. Kurze Zeit darauf rollten die ersten mit Schutt, Balken und traurigen lieber« reften der schönen Jndustrieschau beladenen Wagen durch die Halle 5 zum Ausstellungsgelände heraus nach einem in der Nähe gelegenen Sportplatz, der behelfsmäßig als Schuttabladeplatz benutzt wird. Auch am Funkturm-Restaurant haben bereits in ber Nacht die Aufräumungsarbeiten begonnen, die sich allerdings etwas schwieriger gestalten, da die Brandstelle etwa 50 Meter über der Erde liegt. Die anderen gestern zum Teil vorsichtshalber geräumten Hallen waren jetzt wieder in Ordnung gebracht. Sie liegen schon aufgeräumt da. Die ersten Aussteller trafen alsbald ein, um ihre Erzeugnisse neu aufzubauen. Von draußen ist nur nach der Ost- eite hin die Wirkung des Brandes zu spüren; von den anderen Seiten aus bemerkt man nichts von dem Riesenbrand, der gestern seine verheerende Wirkung ausübte. Versuchsfahrt zur Prüfung heimischer Treibstoffe. Ein eigenartiges und für die Avus ungewohntes Bild war es, als dieser Tage Korpsführer Hühnlein 43 Lastwagen in Berlin auf eine achtwochige Fortführung der Ausstellung in den Hallen 1 und 2, in denen der Volkssender arbeitet, sowie die Weiterführung der Jndustrieschau in sämtlichen anderen, durch das Feuer gänzlich unbeschädigt gebliebenen Hallen. Lediglich die Jndustrieschau in Halle 4 erfährt eine kurze Unterbrechung und wird mit allen Kräften in kürzester Zeit wieder hergestellt sein. Die Vorführungen des Dolkssenders und die Abenddarbietungen gehen programmäßig weiter. Es wurde beschlossen, noch um Mitternacht mit der Wiedereinrichtung der Fernsehhalle zu beginnen. Die Halle wird sofort wieder für den Publikumsdurchgang geöffnet und voraussichtlich Mittwochfrüh wieder in Betrieb fein. Zur Sendung werden provisorisch Fernsehsender der Reichsrundfunkgesellschaft eingesetzt werden. zwischen schritten die Feneurwehrmannschaflen, die z. T. so erschöpft waren, dah sie abgelöst werden mußten, zur restlosen Löschung des Brandes und zu den Aufräumungsarbeiten. Kühne RettungStat des Fahrstuhlführers. Bei dem schweren Brandunglück, das auch den Funkturm bedrohte, zeichnete sich der Führ e r des Fahrstuhls zum Restaurant des Funkturms durch eine bewundernswerte Haltung aus. Als die Halle 4 bereits in hellen Flammen stand und die Feuergarben zum Funkturm hinausloderten und dort einen Teil der Lichtreklame in Brand setzten, die unmittelbar in der Hohe des Funkturmrestaurants etwa 50 Meter über dem Erdboden angebracht ist, ließ sich der Fahrstuhlführer nicht abschrecken, noch einmal hinaufzufahren, um einen Teil der Gäste aus dem Restaurant zu bergen. Er brachte sie wohlbehalten unten an und fuhr sofort ein zweites Mal hoch, um noch weitere Menschenleben zu retten. Obwohl die Flammen bereits durch die eisernen Konstruktionen des Funk- turms hindurchschlugen, gelang ihm auch tatsächlich noch die zweite Rettungsfahrt. Erst dann muhte der Fahrstuhlbetrieb eingestellt werden, va man befürchtete, daß die Seile und die Gleitkonstruktion des Fahrstuhles durch die glühende Hitze nicht mehr gebrauchsfähig waren. Ozeanüberquerung, auf die Weltfahrt und auf die Sibirien- und Polarfahrt. Nach einer interessanten Schilderung der Konstruktion des Luftschiffes „LZ. 129" gab Dr. Eckener bekannt, daß die beabsichtigten Fahrten nach Nordamerika den Zweiflern zeigen würden, daß sie ebensogut ausführbar seien als die südamerikanischen. Die Fertigstellung des neuen Luftschiffes habe sich deshalb verzögert, weil der Neubau und die Arbeiten am Heck erheblich mehr Zeitaufwand benötigten. Dr. Eckener schloß mit - einem dreifachen Sieg-Heil auf den Führer und das deutsche - Vaterland. Zum Schluß der Besichtigung des Luftschiffes stimmten die auslandsdeutschen Jungen das Deutschlandlied an, das in der großen Zeppelinhalle mächtig wiederhallte. Eine sonderbare Kvnserenz! Am letzten Freitag traten die Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens in Paris zur Konferenz über Abessinien zusammen; am Sonntag wurde sie für geschlossen erklärt und in kaum verhüllter Form mitgeteilt, daß sie wegen gänzlicher Aussichtslosigkeit einer Einigung jäh ab« gebrochen werden mußte. Es war vielleicht in ihren Formen und in ihrem Verlauf die sonderbarste Konferenz, die jemals stattgefunden hat. Wir werden über die merkwürdige Art, in der die Vertreter der Stresamächte, des Großmächtebundes, der der Pfeiler Europas fein will, miteinander verhandelten, erst später, vielleicht aber bald unterrichtet werden. Per Schilderer der Nachkriegsdiplomatie, der frühere englische Diplomat Harold N i c o l s e n , hätte hier für" seine spitze satirische Feder bei der Betrachtung diplomatischer Persönlichkeiten und Situationen zweifellos ein ergiebiges Feld gefunden. Man erinnert sich, wie er das erste Auftreten Mussolinis auf dem diplomatischen Parkett im November 1922 kurz nach der Uebernahme der Regierung schilderte. Lord Curzon und Poin- c a r 6 forderten ihn damals auf, in der Schweiz mit ihnen die Grundlage für die Konferenz von Lausanne festzulegen, auf der der neue Frieden mit der kriegerischen Türkei geschlossen werden sollte. Mussolini sagte zwar zu, aber der „provisorische Diktator" machte die sonderbare Formbedingung, daß er nicht nach Lausanne kommen werde, sondern daß- ihm die Vertreter der beiden mächtigsten Länder einige Stationen am Genfer See entgegenfahren und ihn aufsuchen müßten. Poincars war wütend und konnte von Curzon nur mit Mühe besänftigt werden. Mussolini führte die groteske Verärgerung der beiden berühmten diplomatischen Kollegen konsequent durch, indem er dann doch nach Lau- anne fuhr und zur Konferenz absichtlich zu pät kam." Poincarö ging gereizt mit großen Schritten im Zimmer hin und her, mit seinem randlosen Kneifer gegen den Daumennagel trommelnd. Curzon konnte sich nicht enthalten zu lächeln. Er lächelte nicht nur. Er grinste. PoincarS wandte sich von ihm ab, dem Fenster zu, und starrte ungeduldig auf den Trompetenbaum im Garten drunten hinab." In der Konferenz selbst machte dann Mus- olini allerdings keine Schwierigkeiten mehr, „er rieb verlegen an seinen steifen weißen Manschetten herum und rollte bedeutend die Augen. Er äußerte nur wenig, ,ich bin einverstanden^, war das wichtigste, was er sagte." Wie erst würde sich eine Schilderung der neuesten Vorgänge in Paris aus derselben Feder lesen! Mussolini war zwar^nicht anwesend, aber sein Vertreter A1 oisi hatte zweifellos von ihm die genauesten Verhaltungsmaßregeln im Stile jenes Beispiels von Lausanne erhalten. Eden und Laval hatten sich die größte Mühe gegeben, den schwierigen Konferenzstoff zu sichten und aus ihm ein für Italien annehmbares Kompromiß herauszuarbeiten. Sie waren darin sehr weit gegangen. Weiter vielleicht als die vorauszusetzende Zustimmung des abessinischen Negus erlaubte. Sie wollten beträchtliche und wertvolle Gebiete aus dem abessinischen Reich herausnehmen und sie Italien übergeben. Sie wollten die militärische Besetzung dieser Gebiete durch Italien bewilligen, um dem heiß angefachten kriegerischen Ehrgeiz Mussolinis Genüge zu tun. Sie wollten Abessinien wirtschaftlich so gut wie zur italienischen Kolonie machen. Das einzige, was sie sich vorbehielten, war die Wahrung der Form, die Schonung des Völkerbundes und die Aufrechterhaltung einer abessinischen Selbständigkeit ohne wirklichen Inhalt. Sie gaben sich offenbar größte Mühe, um von Aloisi eine Aeußerung dazu zu Horen. Er schwieg, denn „er hatte keine Instruktionen". Schließlich telephonierte er mit Rom. Mussolini lehnte ab. Das kommt auf jeder Konferenz vor. Man will also weiter verhandeln. Dafür sind italienische Gegenvorschläge notig. Man fragt Aloisi, was Italien fordere. Aloisi schweigt. „Er hat keine Instruktionen." Herr Eden geht in Paris spazieren und besucht seine Freunde. Laval sitzt in seinem Ministerium und bearbeitet „laufende, Angelegenheiten". Aloisi bleibt einen ganzen Tag lang unsichtbar und läßt sich am Quai d'Orsay nicht sehen. Schließlich erneute Fragen, welches die Forderungen Italiens sind. Aloisi zuckt die Achseln, die seien ja aus der italienischen Presse zur Genüge bekannt! Dies ist die Konferenz. Eden reift ab, und Laval erklärt, daß sie zu Ende fei und daß man weiter diplomatisch verhandeln wolle. Dies ist nur 6er äußere Hergang, lieber Stimmung und Physiognomik der handelnden Personen sind wir nicht unterrichtet. Aber die Vertreter der beiden größten europäischen Mächte haben hier eine Behandlung erfahren, die sich zweifellos in ihren Gesichtern gelegentlich scharf ausdrückte. Es ist vielleicht sogar das erstemal, daß ein hervorragender englischer Staatsmann, der mit dem ganzen Einsatz einer pivnierkompanie. Oie Truppen leisten hervorragende Hilfe. Versuchsfahrt schickte. Mit kurzen Worten umriß der Führer des deutschen Kraftfahrsportes Zweck und Ziel dieser technischen Prüfungsfahrt. Vor einem Kreis geladener Gäste dankte der Korpsführer allen, die am Zustandekommen dieser Fahrt, deren Veranstalter das NSKK. ist, beteiligt sind. Zum Schluß ermahnte er die Fahrer zur Einhaltung strengster Fahrdisziplin und die Fahrbeobachter, die das Auge des Veranstalters bei den einzelnen Fahrzeugen seien, zur Objektivität. Zwölf verschiedene heimische Treibstoffe sollen unter gleichen Bedingungen, gleichen Sicherungsverhältnissen und auf der gleichen Strecke auf ihre praktische Geeignetheit untersucht werden. In Vertretung des Reichsverkehrsministers sprach Ministerialdirektor Brandenburg. Die verschiedenen heimischen Treibstoffe sind Holz, Holzkohle, Torfkoks, Braunkohlenschwelkoks, Braunkohlenbriketts, Anthrazit, Steinkohlenschwelkoks, Methanol, Methan, Ruhrgasöl, Dampfanthrazit und Dieselöl. Die Gesamtfahrt.wird über 20 000 Kilometer gehen. Die Gesamtergebnisse dieser Prüfungsfahrt werden wichtige Aufschlüsse über die Verwendung und Wirtschaftlichkeit dieser heimischen Treibstoffe ergeben. Vor Abschluß dieser Unterlagen der Praxis wäre eine Betrachtung der eventuellen Vor- und Nachteile der verschiedenen Treibstoffarten verfrüht. Oie auslandsdeutschen Zungen in Friedrichshafen. Die auslandsdeutschen Jungen, die auf ihrer Deutschlandfahrt auch Friedrichshafen einen Besuch abstatteten, unternahmen mit dem Dampfer „Friedrichshafen" eine Bodenseefahrt in die Bregenzer Bucht. Die Jungen gaben ihrer Empfindung Ausdruck, daß sie die Heimat schöner fänden als sie sie sich oorzustellen vermochten. Nach der Rückkehr ging es zur Besichtigung des im Bau befindlichen Luftschiffes „LZ 129". Der erste Blick auf den Riesen loste bei den meisten, die noch kein Luftschiff gesehen haben, großes Erstaunen aus. Dr. Eckener erschien persönlich und wies zunächst daraufhin, daß der „Graf Zeppelin" auch den Teilnehmern des Welttreffens der deutschen Jugend und ihren Eltern als erfolgreicher Botschafter diene, was ihm die Luftschiffspost aus überseeischen Ländern verrate. Er betrachte den Besuch der auslandsdeutschen Jungen als einen Gegenbesuch, denn unter den vielen vertretenen Flaggen sehe er manche, deren Land das Luftschiff schon angesteuert habe. Dr. Eckener verwies in diesem Zusammenhang auf die erste Schwierige Reltimgsarbeiten am Funkiurm. Sprechchor der Turmbesucher.— Zwei tapfere Feuerwehrleute. Gewicht des Imperiums zu einer Konferenz ging, eine solche Behandlung erfahren hat. Die Folge hiervon wird zunächst eine Verstimmung sein. Aber welches sind die politischen Folgen? Diese grage stellt heute nach dem Abbruch der Konferenz bte ganze Welt. Niemand wird glauben, daß eine Einigung, der sich Italien in Paris in so brüsker Weise entjog, nun auf diplomatischem Wege mög« lich sein wird. Vorläufig herrscht die Ratlosigkeit vor. Nur Mussolini weiß genau, was er will. „Reden sind überflüssig", rief er in der Stunde des Konferenzabbruchs der Schwarzhemden-Division zu, die sich nach Afrika einschiffte. Er will den Krieg. England will ihn nicht, upd Frankreich hätte ihn gern vermieden. Aber auch dafür gibt es nur ein Mittel, und auch dieses heißt Krieg. Hier wird, wie man schon lange erkennen konnte, die abessinische Frage zu einer Schicksalsfrage für England und Europa. Los von Frankreich! Wallfahrt der Flamen nach Dixmuiden. Dixmuiden, 19. Aug. (DRV.) Am Sonntag fand die 16. Wallfahrt der Flamen nach Dixmuiden statt, wo die Erinnerung an die im Weltkrieg ge* fallenen Söhne Flanderns seit einigen Jahren durch den im ehemaligen Kampfgebiet am Ufer der Mr errichteten mächttgen Heldenturm wachgehalten wird. Mit einer Heldenehrung für die an der Flandern' front gefallenen Flamen verbanden die Teilnehmer auch in diesem Jahr wieder ein machtvolles Bekenntnis unwandelbarer Treue und Anhänglichkeit an das flämische Volkstum. Im Mitte-lpunkt der Feier stand die Enthüllung von Gedenktafeln für Dr. v a n d e P e r r e, den Gründer des flämischen Fronttheaters, de G ruy ter und den noch lebenden Priesterdichter Derchaeve. Diese drei hatten sich während des Krieges um die Entwicklung des flämischen Nationalbewußtseins besonders verdient gemacht. Professor D a e l s aus Gent, Hauptorgani- fator der Wallfahrt, wandte sich gegen die belgischen Zentralisierungsbestrebungen. Die im Weltkriege gemachten Versprechungen seien nicht gehalten worden. Den Abschluß der Feier bildete ein großer Auf- marsch des flämischen Frontkämpferverbandes auf dem Marktplatz von Dixmuiden. Hierbei wurde em gegen den französischen Militaris- m u s gerichtetes Manifest verlesen. In scharfer Form wurde die Preisgabe des zwischen Frankreich und Belgien bestehenden Militärabkommens gefordert. Zum Schluß erhoben alle Teilnehmer die Hand zum Schwur und brachen in den Ruf aus: Los von Frankreich. Mit dem Gesang eines flämischen Nattonalliedes fand die eindrucksvolle Feier ihr Ende. Sechs Tote bei religiösen Unruhen in Rumänien. Bukarest, 19.August. (DNB.) In dem Dorfe Aldinesti in Bessarabien kam es zwischen Gendarmen und Anhängern einer religiösen Sekte, die für die Beibehaltung d e s alten orthodoxen Kalenders kämpft, zu einem blutigen Zusammen st oß. Die Gendarmen hatten den Auftrag, den Führer der Sekte und einige seiner Anhänger zu v e r h a f t e n. Die religiösen Fanatiker griffen jedoch die Gendarmen an und töteten zwei von ihnen durch Revolverschüsse. Die Gendarmen erwiderten darauf das Feuer, töteten vier von den Angreifern und verletzten zwölf weitere. Nach Herbeiholung von Verstärkungen konnte die Ruhe in dem Dorf wiederhergestellt werden. Blutige Unruhen in Dalmatien. Belgrad, 19. August. (DNB.) Während einer Versammlung in Sinj in Norddalmatien wollten 5000 Bauern d i e Rednertribüne stürmen, auf der der Wojwode Grabowatz zu sprechen begonnen hatte. Die Bauern wurden fedoch von einem Gendarmerieaufgebot mit aufgepflanztem Bajonett zurückgetrieben, nachdem sie mehrere Gendarmen und einen Gendarmerieoffizier durch Steinwürfe verwundet hatten. Im Orte kam es zu erneuten Zusammenstößen mit der Gendarmerie, die diesmal auch mit Revolverschüssen angegriffen wurde. Die Gendarmerie machte nunmehr von der Schußwaffe Gebrauch und feuerte. Die Zeitungen berichten nur, daß die Gendarmerie zwei Schwerverletzte hatte. Aus privater Quelle verlautet, daß auf Seiten der Bauern ein Mann getötet wurde. Kunst und Wissenschaft. Abschluß der Heidelberger Reichsfestspiele. Die Heidelberger Reicksfe st spiele, die diesmal auch eine große Zayl von Ausländern angezogen hatten, fanden mit dem Thingspiel „Der Weg ins Reich", mit „Was Ihr wollt" und mit „Götz von Berlichingen" ihren Abschluß. Auf der Molkenkur fand ein Abschieds- und Kameradschaftsabend der Mitwirkenden statt, wobei stellv, Gauleiter R o e h n, Oberbürgermeister Dr. N e i ritz a u s und Intendant Erlich Worte des Dankes an alle Helfer an den Festspielen 1935 fanden. Man konnte auch diesmal wieder von allen Besuchern der Reichsfestspiele begeisterte Worte des Lobes hören. 6. Studienkonferenz der Deutschen Reichsbahn. In Berlin begann mit einer Begrüßung durch Generaldirektor Dr. Dorpmüller die 6. Studienkonferenz der Deutschen' Reichsbahn, an der neben 4 7 Professoren der deutschen Universitäten, Technischen und Handels-Hochschulen, der Vize- generaldirektor der Kgl. Bulgarischen Staats- ahnen, der Direktor-Stellvertreter der Kgl. U n - garischen Staatsbahnen, ferner ein Vertreter der Hellenischen Staatseisenbahnen und der Generalsekretär der staatlichen TungChi Universität in Woosung bei Schanghai teilnahmen. Die Studienkonferenz, bei der in zahlreichen Vorträgen die verschiedensten Probleme des Verkehrs behandelt werden, findet in ihrem ersten Teile in Berlin statt. Anschließend werden die Teilnehmer nach Prenzlau und Züsedom bei Pasewalk fahren, um hier Der - kehrsprobleme der Landwirtschaft zu studieren. In Hamburg wird die Konferenz am 24. August ihren Abschluß finden. Dort werden u. a. auch Fragen der Seeschiffahrt, des Seehafenverkehrs und der Ausfuhr behandelt. Der britische Konsul in Nanking hat im chinesischen Auswärtigen Amt eine Note überreicht, in der eine eingehende Untersuchung der Umstände, die zur Gefangennahme und Ermordung des Journalisten Jones führten, gefordert sowie die Verhaftung und Bestrafung der Schuldigen verlangt wird. Das chinesische Aus- wärttge Amt erklärte sich sofort bereit, dem briti- scheu Wunsche nachzukommen. Paris fordert Aufrechterhaltung der Giresa-Froni. Paris, 20. August. (DNB. Funkspr.) Die französische Presse hat nach dem ersten Schreck über das so plötzliche Ende der Dreier-Konferenz ihre Fassung wiedergefunden. Sie rechnet bereits mit dem Angriff in Abessinien wie mit einer Selbstverständlichkeit und empfiehlt nur, daß man sich vernähen möge, „das Feuer zu begrenzen und Mussolinis Waffenabenteuer im Rahmen der bisherigen Kolonialkriege zu ^Wichtiger ist, daß der französischen Presse offen- sichtlich ein Stichwort über ihr weiteres Verhalten gegeben worden ist. In fast allen Blättern findet man plötzlich die Feststellung, daß für bte Aufrechterhaltung ber europäischen Friebenspolittk b er Bestand der Stresafront unbedingt notwendig sei. Die Stresafront brauche unter dem afrikanischen Streitfall keineswegs zu leiden. Der Eifer, mit dem man wieder vom Donau- p a k t redet, läßt vermuten, daß man sich bemühen wird, diesen unter Dach zu bringen, bevor Mussolinis Aufmerksamkeit zu sehr von dem Waffengang in Abessinien in Anspruch genommen wird. So überrascht es auch nicht, in ber französischen Presse roieber besonders freundliche und verständnisvolle Worte für Italien zu finden, England für den weiteren Verlauf der Dinge ein größeres Maß von Verantwortung zuzuschieben, sei es in ber Frage bes Waffenausfuhrverbotes, fei es in ber Frage ber Ratsentfcheidung vom 4. September. „Petit parlsien" erklärt, baß man sich in Paris und London keinen trügerischen Hoffnungen darüber hingebe, als ob die diplomatischen Deiterverhandlungen etwa von Erfolg sein könnten. Laval habe seinen beiden Konferenzkollegen beim Abschied Al ä h i g u n g empfohlen. 3m übrigen dürfe man die Ereignisse nicht dramatisieren. Denn der Krieg ausbreche, sei das gewiß bedauerlich, aber die Diplomatie müsse sich bann bemühen, den Streitfall auf Afrika zu begrenzen. Europa müsse an sich selber denken. Italien fühle*stch an Truppen und Rüstung stark genug, gleichzeitig den Brenner zu bewachen und in Abessinien Krieg zu führen. So könne derGeistvonStresa, der allerdings durch die italienisch-englischen Meinungsverschiedenheiten stark in Mitleidenschaft gezogen sei, doch innerhalb Europas lebendig gehalten werden. Nachdem der abessinische Streitfall zwei Monate die anderen wichtigen Fragen zurückgedrängt habe, müsse man nun auf sie zurückkommen. Der Ost Pakt und der Donaupakt würden wieder auf der Bildfläche erscheinen. Das Blatt, das dem Außenministerium nahesteht, gibt bann Italien ben Rat, sich in Genf am 4. September nicht mehr wie bisher mit ber Rolle bes Angeklagten zuftiebenzugeben, fonbern selbst a l s Ankläger aufzutreten. Man könne dem „halbbarbarifchen Völkergemisch von Abessinien" viel vorwerfen, unb könne barlegen, wie sehr es einen Vormund nötig habe, um an ben Wohltaten ber Zivilisation teilzunehmen. Die Ent- scheibung bes Dölkerbunbsrates über ben Streitfall hänge zum größten Teil von ber Haltung ab, bie England inzwischen einnehmen werde. Ständig mit Grundsätzen zu fechten, die, so fügt bas Blatt hämisch hinzu, im übrigen bei anberen Gelegenheiten mangelhaft beachtet würben — sei nicht bas beste Mittel, einen Krieg in Afrika zu verhinbern. Auch Frau T a b o u i s , die ihre Anregungen am Quai d'Orsay zu empfangen pflegt, und bte bisher an ber Haltung Italiens viel auszusetzen hatte, erklärt nun plötzlich, baß bie französische Grundhaltung sich aus den in Rom beschlossenen italienisch-französischen Vereinbarungen ergebe. Es sei daher möglich, daß Frankreich versuchen werde, so schnell wie möglich in Mitteleuropa die Lage zu stabilisieren. Laval habe in seinen Abschiedsbesprechungen mit Eden und Aloisi zu erkennen gegeben, bah es sich jetzt barum hanbele, nach Möglichkeit bie bedauerliche Expedition in Abessinien im Rahmen ber zahlreichen Kolonialkriege ber Bergan« aenheit zu halten. Anberseits könne ber Völker- bunb, ohne sich auf „brutale Sanktionen" gegen Italien einzulafsen, boch einen vorteilhaften Druck auf Italien ausüben, wenn Englanb, das in Genf die Hauptrolle spiele, es wolle. Rom ziehe unter den schlechtesten Bedingungen in den Krieg. Vor allem werde es für Italien schwierig sein, bte not» roenbigen Krebite für ben afrikanischen Krieg zu finden. Aloisi vor der Presse. Keine Vernachlässigung der europäischen Ausgaben. Paris, 19. August. (DNB.) Baron Aloisi empfing vor feiner Abreife bie Presse unb stellte mit Bedauern fest, daß die Dreierbesprechungen zu keinem Ergebnis geführt hätten. Der Weg der divlomatischen Fühlungnahme bleibe offen. Er sehe allerdings noch keine Grundlage für neue Verhandlungen. Baron Aloisi wies ferner den Vorwurf zurück, daß Italien es ablehne, keine feiner Forderungen offen darzulegen. Mussolini habe Eden in Rom genau gesagt, welche Ziele sich Italien gesteckt habe. Das Ziel Italiens sei, die Sicherheit seiner o st afrikanischen Kolonien zu gewährleisten. Für den Bestand dieser Kolonien liege eine unmittelbare Gefahr vor, nachdem die jahrelangen Versuche, mit Abessinien zu einer Einigung zu gelangen, erfolglos geblieben seien. Auf die Frage, was Italien unter Sicherheit verstehe, anmortete Aloisi: „Die Abrüstun g." Zu der Frage, wie das geplante Vorgehen Italiens sich mit ber in bem Dreiervertrag erwähnten Unabhängigkeit Abessiniens vereinbaren lasse, er- miberte Aloisi, daß die Unabhängigkeit des Irak unb Aegyptens in den entsprechenden Verträgen auch anerkannt worden sei. Den Einwurf, daß ein militärisches Unternehmen in Abessinien gefährlich und kostspielig sein könne, beantwortete Baron Aloisi mit der Feststellung, baß bie italienische Regierung genau wisse, was sie vorhabe, unb die Folgen nicht scheue. Man brauchte nicht zu befürchten, baß die Kräfte Italiens in Abessinien so festgelegt werden könnten, daß Italien nicht in ber Lage wäre, sich europäischen Fragen zu widmen. An den bevorstehenden ManÖvern würden etwa eine Million Mann teilnehmen, außerdem verfüge Italien noch über Reserven, denn es sei zwar arm an Rohstoffen, aber nicht an M e nschen. An ber Politik ber Str esa - Front änbere ber Ausgang der Pariser Verhandlungen nichts. Rom sei sich mit Paris und London darüber einig, daß die italienische Oesterreich - Politik in keiner Weise geändert werde. Es bestehe vielmehr die Absicht, die Zusammenarbeit mit Paris und London in dieser Hinsicht demnächst zu vertiefen. Die Einberufung einer Donaukonferenz werde angestrebt. lieber Ort unb Zeitpunkt liege noch keine Entscheibung vor. Edens Linsengericht. Italienische Blätterstimmen zum Abbruch der Konferenz. M a i l a n b , 20. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der „(Sortiere bella Sera" schreibt: Die Dreimächte- Konferenz habe nochmals bewiesen, baß Italien immer zu freundschaftlichem Verhan - beln bereit, aber fest entschlossen ist, s i ch nicht von seiner Haltung abbringen zu lassen, bie moralischen unb historischen Lasten von lebenswichtiger Bedeutung entspreche. Die britische Regierung hätte wissen sollen, baß Italien einen Vergleich ober eine Teillösung ablehnt, bie ben Konflikt nur aufschieben und daher verschlimmern würde. Keine Regierung kann die Verantwortung übernehmen, ein von glühendem Kampfgeist beseeltes, bereits mobilisier t e s H e e r in die Heimat zurückzurufen, ohne alle moralischen unb materiellen Genugtuungen erlangt zu haben. Das von Herrn Eben angebotene Linsengericht könnte Italien nicht bewegen, seine Erstgeburtsrechte in Ostafrika herzugeben. Die Turiner „Gazzetta bei Popolo" schreibt, das Mißlingen ber Konferenz sei durch bte* hartnäckige Verständnislosigkeit G r o ß - britanniens für die Bedürfnisse des faschistischen Italiens gekennzeichnet. Die Diplomaten verließen jetzt Paris, und gleichzeitig gingen von den italienischen Häfen bie Divisionen nach Dftafrita ab. Klarer könne man nicht sprechen. Außerordentliche Kabinettssitzung in London. Baldwin und seine Ministerkollegen brechen den Urlaub ab. London, 20. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Zusammenbruch der pariser Dreimächte-Konferenz hat den Ferien ber britischen Minister ein jähes Ende bereitet. Bei der für spätestens Dienstag in Aussicht genommenen Sondersitzung des Kabinetts werden alle Minister zugegen fein. Eden, der Montagabend, begleitet von seinem Sekretär und einem Rechtssachverständigen des Foreiga Office, auf dem Luftwege aus Paris eingetroffen war, lehnte es ab, die Fragen der ihn umringenden Pressevertreter zu beantworten. Er sagte lediglich: „Dir wissen ganz gut, was bisher geschehen ist. Wir müssen die Lage in Erwägung ziehen. 3ch werde sofort dem Staatssekretär des Aeußeren Bericht erstatten. 3ch wünschte, wir hätten Besseres leisten können. Ich kann natürlich nicht behaupten, daß ich zufrieden bin. Mehr kann ich leider nicht sagen, weil dies weder die Zeit noch der Ort dafür ist." Sir Samuel Hoare hat seine Rückreise von seinem Dohnsih in Norfolk nach London i n Sandringham unterbrochen, um dem König Bortrag zu halten. Auch der Lordpräsident des Geheimen Staatsrates Macdonald, wird Dienstag von seinem schottischen Heimatort Lossie- mouth nach London zurückkehren, ebenso der in Schottland weilende prlvalsekretär des Königs, Lord D i g r a m. Der ständige Unterstaatssekretär des Aeuhern, Sir Robert Vanfittart, der in Paris mit Eden an den Verhandlungen teilgenommen hatte, ist nach A i x - l e s - V a l n s unterwegs, wo er mit dem Ministerpräsidenten Baldwin die Lage erörtern wird. Ls wird erwartet, daß Baldwin, ider erst am Sonntag in Aix-les- Vains eingetroffen ist, vielleicht schon heute Abend die Heimreise antreten wird, um im Ka- blnettsrat den Vorsitz zu führen. Der Schahkanzler Neville Chamberlain kehrt aus der Schweiz zurück, der Landwirtschaftsminister E l l i o t kommt aus der Nähe von Bordeaux: andere Minister wer- den aus verschiedenen Teilen Nordenglands und Schottlands in London zurückerwartet. Ernste Sprache in der englischen presse. London, 20.August (DNB. Funkspruch). Die Steuerungen ber Morgenpresse lassen keinen Zweifel daran, baß bie. Lage als ungemein kritisch betrachtet wirb. Der konservative „Daily T e - legraph" sagt, es werbe angegeben, baß bie Frage von Sanktionen jetzt m ben Vordergrund getreten ist. Die kleineren Staaten, besonders die skandinavischen Länder würden wahrscheinlich in Genf auf energisches Vorgehen drängen, um Italien an dem geplanten Kurs zu ver- Hundstage in Paris. Von unserem Dr. Ih.-Korrespondenien. Paris, August 1935. Die Pariser Saison ist vorüber. Die unter eifrigem Rühren ber Reklametrommel aufgezogenen Festwochen der französischen Hauvtstadt haben eine ziemliche Katerstimmung hinterlassen. Denn es fehlte an zahlenden Gästen. Wohl wurden ungefähr hunderttausend Fremde in den Hotels gezählt. Aber das waren zumeist die alljährlichen Besucher aus der Provinz. Die ausländischen Fremden, die wirklich Geld ins Land bringen, also Engländer, Amerikaner, Deutsche und andere, sind fast völlig ausgeblieben. Außer den üblichen Pferderennen, Flugfesten, Feuerwerken und Platzkonzerten gab es auch wenig zu sehen, was Besucher von weither hätte anlocken können. Eine einzige Ausnahme bildete die große italienische Kunstausstellungim „Pettt Palais", die dank der großzügigen Unterstützung Mussolinis, sowie aller bedeutenden Museen der Welt, unter diesen auch der deutschen, tatsächlich ein europäisches Kunstereignis allerersten Ranges darstellte. Außerdem war es ein gutes Geschäft; denn etwa 650 000 zahlende Besucher (der Eintritt kostete 10 Franken) wurden an den Eingangssperren gezählt. Aber davon abgesehen war das Ergebnis der Festwochen nur recht dürftig, so daß dem Handelsminister, Der für die Organisation verantwortlich zeichnet, nichts anderes übrig blieb, als, wie schon im vorigen Jahr, auf die nächste Saison zu vertrösten. Nach dem Trubel des Nationalfeiertages, an dem groß und klein unb alt und jung zwei Tage und drei Nächte lang auf den Straßen von Paris tanzt unb sich vergnügt, was man sich auch in biefem Jahr trotz ber politischen Kundgebungen nicht hat nehmen lassen, wird bie Hauptstabt z u - sehenbs leerer und stiller. Die Pariser find mit Kind und Kegel aufs Land zu Bekannten ober Verwandten gezogen, um dort bie Sommerferien zu verbringen. Alle, die es trgenb» wie ermöglichen können, kehren ihrer geliebten Stadt in den heißen Augusttagen den Rücken, wenn die Sona« unerbittlich m ben engen Gassen brütet, hindern. Die Fragen, benen sich bas britische Kabinett gegenübersehe, seien nicht weniger ernst, als bie vom-August 1914. In Paris sei bie Aeuherung getan worben: „Soll bie Welt einem Diktator erlauben, ben ganzen Bau ber Friebensorganrsation, ber durch Verträge mühselig errichtet worben ist, zu zerstören, um seinen nationalen Ehrgeiz zu beliebigen?" Eine wichtige Rolle spiele bie militärische Stärke Großbritanniens. Mussolini sei ber Meinung, baß bas heutige Englanb, verglichen mit ber Macht Italiens, schwächlich geworben sei. Das Zögern Frankreichs, eine entschiebene Haltung gegenüber Italien einzunehmen, fei in hohem Maße auf solche Bebenken zurückzufüyren. Mehr als eine europäische Nation habe ben Eindruck, daß Englanb nicht mehr bie notroenbige Macht besitze, um zu verlangen, baß seine Ansichten ernstlich in Rechnung gestellt würben. Dies sei eine schwere Hemmung für bie britische Diplomatie. Das Kabinett werbe sich in seiner nächsten Sitzung ernstlich damit beschäftigen. Zu Aloisis Hinweis auf die Stresafront bemerkt der „Daily Telegraph", daß nach Ansicht der britischen Abordnung der ganze Bau der europäischen Sicherheit, dessen Eckstein das Einvernehmen von Stresa bilden sollte, durck die Ereignisse der letzten Tage z e r ft ö r t worden fei. „Daily Telegraph" warnt Mussolini vor ben finanziellen Unkosten feiner gewaltigen Mobilisierungsmah» nahmen unb vor ber Möglichkeit, baß Italien burch bie Inanspruchnahme aller (einer Kräfte in Afrika verhinbert werbe, bie in Europa von Mussolini in Aussicht genommene Rolle zu spielen, während zugleich ein Schlag gegen ben Völkerbunb die ganze Grundlage bes jetzigen europäischen Systems schwachen müßte. „M o r n i n g P o st" (Blatt der Admiralität), stellt fest, daß Mussolini sich weder durch lieber- rebung, noch burch günstige Zugeständnisse, noch durch Achtung von vertraglichen Pflichten, deren Gülttgkeit er selbst nicht zu bestreiten wage, von seinen Plänen abhalten lasse. Das Blatt wendet sich gegen die Forderung der Pazifisten nach Sanktionen gegen Italien, verlangt aber sofortige Der« stärkung ber britischen Rüstungen. Der Pariser Korrespondent bes Blattes hat Den Eindruck, daß die französische Öffentlichkeit allmählich einsehe, daß bte französische Unterstützung Italiens bazu führen müßte, England in bie Isolierung zu treiben, ben Völkerbund zu entwerten und wahrscheinlich Frankreich seinen kleineren Verbündeten zu entfremden. Der liberale „News Chronicle" fordert, daß die brittsche Regierung jetzt endgülttg feftftelle, wie sich Frankreich in der Frage ber Anwendung von Sankttonen verhalten werde. — „Daily Mail" (Rothermere-Konzern) unb „Daily Expreß" (Beaverbrook-Konzern) oertreten nach wie vor bie Meinung, baß bas einzige Ziel ber britischen Politik fein müsse, England von jedem internationalen Konflikt fernzuhalten. unb ein schwüler Dunst über bem unermeßliche« Häusermeer lastet. Theater, Kinos, Gaststätten, ein Sroßer Teil der Läden sind bis in den September inein geschlossen. Sogar der Zeitungsverkäu- er am Montpamasse hat an seine wacklige Holzbude einen Zettel geklebt, auf bem in winbschiefer Schönschrift gekritzelt steht: „Fermeture pour va- cances“, — „Während ber Ferien geschlossen!" Doch in biefem Jahre ist bie Ferien-Beschaulichkeit in Frankreich nicht ungetrübt. Während sonst in den Monaten August und September auch die Politik ihren Sommerschlaf zu halten pflegt, können die Ministerien diesmal nicht zur Ruhe kommen. Der italienisch-abessinische Streitfall, ber bie Außenpolitik bes Quai d'Orsay in eine heikle Lage gebracht hat, weil der traditionelle Dölkerbundskurs sich mit den Erfordernissen der neuen Freundschaft mit Italien durchaus nicht ver- einbaren läßt, steht gerade in diesen Sommermonaten auf bes Messers Schneide, und es ist kaum an- zunehmen, daß die Dertagungs- und Kompromiß- kunftstücke bes französischen Ministerpräsidenten auf die Dauer eine bewaffnete Auseinandersetzung verhindern werden. Der einzelne Franzose, „le Fran^ais moyen“, kümmert sich allerdings herzlich wenig darum, was sich dort unten in Abessinien ereignet, von dessen geographischer Lage er kaum eine Vorstellung hat. Erheblich stärker bewegen ihn die Laval- schen Notverordnungen, die in diesen heißen Hundstagen plötzlich wie Pilze aus ber Erbe schießen; denn hier geht es um seinen Geldbeutel. Das Sparprogramm ber Regierung ist bei ben breiten Massen Des Volkes auf heftige Einwände, Ablehnung, ja auf offenen Protest gestoßen, weil es ihrer Meinung nach allzu sehr den kapitalistischen Stemvel ber Herren ber Bank von Frankreich trägt. Die allgemeine Unzufriedenheit würbe noch stärker zum Ausbruch kommen, wenn nicht eben_ gerade Sommer und die heilige Zeit der Ferien wäre, die man sich nicht verärgern unb Der- herben lassen will. Aber dra einzelnen Wahlir« * M ‘ ' ReichsgerWsprSsident Vumke Meine politische Nachrichten. Der Führer und Reichskanzler hat an Seine Durchlaucht den Reichsverweser von Ungarn zum St. Stefanstage, dem ungarischen Nationalfeiertag, folgendes Glückwunschtelegramm gerichtet: „Ew. Durchlaucht spreche ich anläßlich des ungarischen Nationalfeiertages meine herzlichsten Glückwünsche aus, mit denen ich meine besten Wünsche für Ew. Durchlaucht persönliches Wohlergehen und das weitere Gedeihen Ihres Landes verbinde. Adolf Hitler. Deutscher Reichskanzler." Die Eröffnungssitzung im Reichstag zu Berlin. Man sieht am Rednerpult den Relchsjuftlzmmlster Dr. G ü r t n e r. Dahinter der Präsident des Weltkongresses, Reichsgerichtsprasident Dr. B V m k e. (Scherl-Bilderdienst-M.) Die Gerechtigkeit im neuen deutschen Strafrecht Reichsjustizmmister Dr. Gärtner spricht in der Eröffnungssitzung des Internationalen Strafrechts-Kongreffes. wird die Fähigkeit sein, das UnrechtderTat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln. Wenn wir dem Richter die Aufgabe zuwer- sen, die Persönlichkeit des Täters zu erforschen, so keineswegs, um den Täter durch die Strafe zu erziehen, zu bessern oder von künftigen Straftaten abzuschrecken. Diese Lehren haben zu einer Der- weichlichung des Strafrechts geführt, die wir heute aufs schärfite bekämpfen. In diesen Fehler wird ein nationalsozialistisches Strafrecht nicht verfallen. Soll das Strafrecht die Volksgemeinschaft gegen Schädlinge verteidigen und vor ihnen schützen, so ergibt sich als Folgerung für den S t r a f v o l l z u g die Forderung nach Strenge in der Behandlung der Gefangenen, damit die Strafe Hemmungen hervorruft, die den Gefangenen verhindern, später erneut straffällig zu werden. Die Strenge soll aber durchaus gepaart sein mit einer Menschlichkeit, die fürsorglich Helsen will, den Weg zur Volksgemeinschaft und zu der richtigen Einstellung zu ihr, zu finden. Es ist gerecht, daß härter leidet, Berlin, 19. Aug. (DNB.) Im Sitzungssaal des Reichstages in der Krolloper wurde am Montagvormittag der XI. Internationale Strafrechts- und Gefängniskongreß feierlich eröffnet. Das große Präidentengestühl des Sitzungssaales war mit der Füh- -erbüste und den Symbolen des Dritten Reiches ge- chmückt. Zu beiden Seiten hatten die Fahnen der an dem Kongreß beteiligten Nationen Platz gefun- den. In der Diplomatenloge wohnten die Bot- chafter und Gesandten fast aller durch Delegierte vertretenen Nationen der Eröffnungssitzung bei. Reichsminister Dr. Gürtner erschien in Begleitung der Staatssekretäre Freister und Schlegelberger. Reichsminister Frank war mit den leitenden Persönlichkeiten der Deutschen Rechtsfront und der Kammer für deutsches Recht anwesend. Neben den Ministerialdirektoren und anderen höheren Beamten des Justizministeriums waren der Reichs gerichtspräsibent mit zahlreichen hohen Richtern, die Generalstaatsanwälte und Oberlandesgerichtspräsidenten aus dem ganzen Reich zugeaen, ferner die leitenden Gefängnisbeamten Deutschlands. Regierungs- und Parter- stellen hatten Vertreter entsandt. Unter den Ehrengästen sah man u. a. den Oberbefehlshaber der oeut- chen Polizei, Generalleutnant Daluege. Reichsjustizminisler Dr. Gürtner begrüßte die Versammlung mit herzlichen Worten und betonte, daß die Reichsregierung ganz besondere Freude und Genugtuung darüber empfinde, die Gäste in Berlin zu sehen. Deutschland sei an den Verhandlungen des Kongresses auf das lebhafteste fchen, daß wir in der ganzen Welt Gehör finden mögen, muß sich unser Kongreß bei seinen Beschlüssen auch bewußt bleiben, daß das Strafrecht eines jeden Staates der nationalen Eigenart des Volkes an gepaßt sein und bleiben muh. Je mehr dies geschieht, desto mehr muß auch das Verständnis aller Volksgenossen dafür wachsen, daß jedes Verbrechen sich gegen die Volksgemeinschaft in ihrer Gesamtheit richtet und daß eben deshalb auch die Abwehr der Verbrechen eine gemeinsame Aufgabe aller Volksgenossen ist. * Auf Vorschlag des Präsidenten Bumke wurden dann die Präsidenten der einzelnen Sektionen, in denen der Kongreß zunächst arbeiten wird, berufen. Präsident der ersten Sektion ist der rumänische Vertreter von Pella, der zweiten Sektion der Vertreter der Vereinigten Staaten Sanford Bates, der dritten Sektion ter schweizerische Delegierte Honorarprofessor an der Universität Genf Dr. Ernst D e l a q u i s und ter vierten Sektion der Professor des Strafrechts an der Universität Pisa Senator Graf Ugo Conti. Festsitzung der Akademie für Deutsches Recht. Berlin, 19. Aug. (DNB.) Der Präsident der Akademie für Deutsches Recht, Reichsminister Dr. Hans Frank, hat anläßlich des Internationalen Strafrechts- und Gefängniskongreffes in Berlin die Mitglieder der Akademie für Deutsches Recht, die Teilnehmer des Kongresses und die Mitglieder des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen zu einer Festsitzung der Akademie für Deutsches Recht am Mittwoch, 17.30 Uhr, in der Kroll- Oper zusammenberufen. Nach einer Begrüßungsansprache des stellvertretenden Präsidenten der Akademie, Geheimrats Professor Kisch, spricht Reichsminister Dr. Frank über „Zwischenstaatliche Strafrechtspolitik". Der Vortrag wird über alle deutschen Sender übertragen. Um 20.30 Uhr findet ein Empfang aller Teilnehmer am Kongreß mit ihren Damen durch Reichsminister Dr. Frank in den Festräumen von Kroll statt. Tagung. Die Bregenzer Alpenvereins-Tagung. Wie bereits verlautbart, findet die diesjährige (61.) Tagung des Deutschen und Oester- reichischen Alpenvereins vom 30. August bis 1. September in Breaenz statt. Die Alpenvereins-Sektion „Vorarlberg wurde mit den Vorarbeiten betraut; der Festausschuß ist bestrebt, alles zu tun, um die Tagung nach jeder Richtung hin erfolgreich zu gestatten. Neben den geschäftlichen Sitzungen und Beratungen werden einige festliche Veranstaltungen stattfinden und viele Bergtouren, Ausflüge, Autobus-Gesellschaftsfahrten, Alpenrundflüge usw. im Anschlüsse an die Tagung zur Durchführung gelangen. Deutsches Verkehrsflugzeug rettet dänischen Militärflieger aus Seenot. Heber dem Sund bei Kopenhagen geriet ein dänisches Militärflugzeug ins Trudeln. Der Flugzeugführer, Kapitän Larsen, konnte sich nur durch Fallschirmabsprung retten. Er ging mitten auf dem Sund nieder und geriet in Gefahr, unterzugehen. Fliegerkapitän K a s p e r der Deutschen Luft- Hansa, der mit dem planmäßigen Verkehrsflugzeug .William Langanke" aus Oslo in Kopenhagen ein- getroffen war, flog sofort zur Unfallstelle und wasserte in unmittelbarer Nähe des Verunglückten. Der deutsche Bordfunker Schneider sprang ins Wasser, um Larsen überzuholen. Den gemeinsamen Bemühungen der dreiköpfigen Besatzung der deutschen Maschine, zu der auch der deutsche Flugmaschinist Fahrenbruch gehört, gelang es, den dänischen Fliegeroffizier wohlbehalten an Bord zu nehmen und an Land zu bringen. Güterzug raff in ein Personenauto. An einem Bahnübergang bei Brohl, unweit Andernach am Rhein, ereignete sich ein schweres V e r - kehrsunglück. Nach dem Passieren des Bahnübergangs durch einen Triebwagen wurde die Bahnschranke geöffnet, und ein Personenwagen überfuhr die Gleise. Im gleichen Augenblick kam aus Richtung Brohl ein Güterzug und erfaßte das Auto. In dem Wagen befanden sich der Arzt Dr. Himmelmann aus Bonn und dessen Ehefrau. Während die Frau mit dem Schrecken davonkam, wurde der Arzt auf der Stelle getötet. Drei junge Touristen im Werdenfelftr Gebiet vermißt. glücken darf, durch die Maschen des Gesetzes zu schlüpfen. Der Nationalsozialismus stellt dem Strafrecht eine neue hohe Aufgabe. Die Verwirklichung wahrer Gerechtigkeit. Von der engen Bindung an den Gesetzestext wird das künftige deutsche Strafrecht den deutschen Richter erlösen. Unrecht ist also künftig in Deutschland auch da möglich, wo es kein Gesetz mit Strafe bedroht. Der Gesetzgeber vertraut dem Richter die Ausfüllung verbliebener Lücken an. Der Nationalsozialismus hat dem deutschen Volk eine einheitliche Weltanschauung geschenkt. Aus dieser vermag der Richter zu schöpfen. Auch der einzelne Volksgenosse wird aus der Kenntnis der einheitlichen Volksanschauung ein sicheres Rechtsgefühl für das gewinnen, was er tun darf und was er zu lassen hat. Einfluß und Ansehen der Gesetze können nur gehoben werden, wenn der Volksgenosse genötigt wird, nicht nur ihren Wortlaut, sondern auch i h r en Sinn zu achten, und wenn der Richter angewiesen wird, das Gesetz aus dem Gesamtwillen ter Rechtsordnung des Volkes auszulegen. Auch dos Gebiet des englischen Rechts kennt eine Rechtsschövfung durch den Richter auf dem Gebiete des Strafrechts. Als Rechtsquelle wird auch für das Strafrecht das common law anerkannt, also e i n Gewohnheitsrecht. Auch in den Ver - e in i g t e n Staaten ist in vielen Territorien das common law als Rechtsquelle für das Strafrecht zugelaffen. Für Deutschland aber schaffen wir durch Zulassung der zweiten Rechtserkenntnisquelle für das materielle Unrecht zugleich ein neues Verhältnis des Richters zum Gesetz. Wir geben dem Richter damit die Befugnis, in gewissen Grenzen nicht nur Recht zu finden, sondern auch Recht zu schöpfen. Der Führergrundsatz bedeutet nicht, daß der Führer selbst jede Einzelheit zu regeln hätte. Der Führer bestimmt vielmehr die Grundgedanken; im Rahmen dieser Bestimmungen arbeiten die Beamten der Verwaltung wie auch die Richter. Eine Bestätigung des Willens der Führung findet der Richter im Empfinden des Volkes Ein zweiter Grundsatz, den das künftige deutsche Sttafrecht verwirklichen will, ist der Grundsatz des W i l l e n s st r a f r e ch t s. Die Gerechtigkeit fordert, daß jede Schuld die ihr entsprechende Sühne findet. Der Richter muß angewiesen werden, bei vorsätzlichem Handeln die Strafe der Intensität des verbrecherischen Willens, bei fahrlässigem Handeln der Größe des Leichtsinns ober Gleichgültigkeit anzupassen, sie also stets nach Art und Maß nur nach der Schuld, nicht nach dem Erfolg zu bemessen. Die praktische Folgerung wird sein, daß das Gesetz die bisherigen । Ersolgsdelikte beseitigen wird, und daß es ferner im Falle des Versuchs die gleiche Strafe zur Verfügung stellen wird, wie für den Fall der ■ Vollendung. Das künftige Recht wird regelmäßig । f ch o n den Beginn der Tat mit Strafe i bedrohen; es wird also die Verteidigungslinie : des Staates ooroerlegen. Der neuen Auffassung ter . Schuld muß auch eine neue Auffassung der Zu- : rechnungsfähigkeit entsprechen. Psychologische Kennzeichen der Zurechnungsfähigkeit, die wir künftig Schuldf ähigkeit nennen werden, wer schwerer gefehlt hat. Ebenso aber ist es gerecht, daß Die Gefangenen, die dieselbe Strafe verbüßen, grundsätzlich gleich zu behandeln sind. Den Gefangenen ist ein Beschwerderecht eingeräumt, das zwar von den Ueberfteigerungen früherer Zetten befreit ist, ihnen aber Schutz vor ungerechter Behandlung unbedingt gewährleistet. * Die Rede des Reichsministers der Justiz wurde von dem Kongreß mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Als Vizepräsident der Internationalen Straf- rechts» und Gefängniskommission dankte Lord P o l w a r t h (Großbritannien) der Reichsregierung für das herzliche Willkomm, sowie dem Reichsminister der Justiz für feine Rede. Lord Polwarth schlug vor, Reichsminister Dr. Gürtner zum Ehrenpräsidenten des Kongresses zu wählen, ferner zum Präsidenten Reichsgerichtspräsidenten Dr. Bumke und zum Generalsekretär den holländischen Professor Dr. Simon van der A a. Die „Deutsche Bergwacht" teilt mit: Die beiden Münchener Touristen, der 24 Satjre alte Georg Will und der gleichaltrige Josef Ecker, wollten auf der Waxensteinhütte übernachten und am Sonntagfrüh durch das bayerische Schnekar auf die große Riffelwandspitze auffteigen. Seit Samstag fehlt von den beiden Münchner Touristen jede Spur. Weiter wird noch vermißt der 17 Jahre alte englische Staatsangehörige Pirie aus London. Der junge Mann wollte am Wochenende von ter Alpspitze zurück über das Hupfleitenjoch und durch die Höllentalklamm nach Garmifch. 1700 englische Omnlbusangesteltte streiken. In Swansea ist am Sonntag ein Streik der Omnibusangestellten ausgebrochen, durch den der gesamte Verkehr in einem Umkreis von 80 Kilometern völlig stillgelegt wurde. Rund 1700 Omnibusschaffner und -lenker haben wegen Lohnstreitigkeiten die Arbeit niedergelegt. Die von den kleineren Omnibusgesellschaften beschäftigten Lenker und Schaffner erhalten Stundenlöhne, die in deutscher Währung umgerechnet zwischen 50 und 60 Pfennig (!) schwanken. Die größeren Gesellschaften zahlen einen Stundenlohn von 70 bis 80 Pfennig. Swansea ist ein wichtiger Seehafen im westlichen Teile von Wales. interessiert. Der Minister fuhr dann u. a. fort: Ich zweifle nicht, daß Sie auf Grund Ihrer eigenen Beobach, tungen alsbald finden werden, daß vieles, was über Deutschland im Auslande berichtet ist, nicht zutrifft, und daß viele Bestrebungen, die wir ver- olgen, keineswegs so weit entfernt sind von den Zielen anderer Länder, wie manche Prefseäuße- rungen glauben machen wollen. I cy labe S i e herzlich ein, alles in Deutschland, was Sie in Fragen des Strafrechts-nmd Gefängniswesens interessiert, selb st zu prüfen und zu desichtiaen. Wie Sie vielleicht wissen, sind in Deutschland seit mehr als 30 Jahren planmäßige Vorarbeiten für eine Reform des gesamten Straf- rechts im Gange. Erft nachdem die nationalsozialistische Regierung den Streit der Parteien beseitigt hat, ist die Grundlage für ein Gelingen des großen Reformwerkes gesichert. Das geltende Strafgesetzbuch des Deutschen Reiches enthält in § 2 folgenden berühmten Rechtssatz: Eine Handlung kann nur dann mit einer Strafe belegt werden, wenn diese Strafe gesetzlich bestimmt war, bevor die Handlung begangen wurde. Das praktische Ergebnis dieser Lehre ist das Folgende: Findet der Richter für den Fall, den er zu beurteilen hat, keine Straf vor schritt im Gesetz, so muß er den Angeklagten frei sprechen, auch wenn er ihn für noch so strafwürdig hält, und wenn er weiter der festen Uederzeugung ist, daß der Gesetzgeber eine Strafe für diesen Fall gewollt und vorgesehen hätte, wenn er einen Fall dieser Art in den Kreis seiner Ueberlegungen gezogen hätte. Die nationalsozialistische Rechts- und Staatsauf- faffung erhebt die ernste Forderung, daß jedes strafwürdige Verhalten auch den verdienten Lohn finden soll, daß niemandem Die Verhandlungen zwischen Danzig und Polen auf Grund der Vereinbarung vom 8. August haben am Montag in Warschau begonnen. Seine Majestät der König von Italien hat dem Führer und Reichskanzler für das Beileid anläßlich der Ueberfchwemmungskata- strophe von Ovada mit folgendem Telegramm feinen Dank übermittelt: „Ich danke Eurer Exzellenz, der Reichsregierung und dem deutschen Volke aufrichtig für die herzliche Anteilnahme an der Trauer, welche die italienische Nation erlitten hat. Dittorio Emanuele." nahm die Wahl an und erklärte auch die Bereitwilligkeit des Reichsministers der Justiz, das Ehren- Präsidium zu übernehmen. Der Präsident erinnerte dann an den Internationalen Gefängniskongreß im Jahre 1925 in London, wo er in einen Kreis von Männern getreten wäre, der einig gewesen sei in dem Willen, gegen bie Flut der Verbrechen, die unter den furchtbaren Nachwirkun- gen des Weltkrieges überall immer bedrohlicher angefchwollen wäre, mit aller Kraft anzukämpfen und einig in der Uederzeugung, daß die Völker, um diesen Kampf möglichst wirksam zu führen, ihre Erkenntnisse und Erfahrungen miteinander austauschen müßten. Seit jenem Londoner Kongreß habe er gewünscht, daß einer der Kongresse endlich einmal auf deutschem Boden tagen möge. Es habe ihm geschienen, als sei hier eine Schuld einzulösen gegenüber den Männern, die zuerst auf europäischem Boden, in Frankfurt a. M. im Jahre 1846, einen internationalen Meinungsaustausch über Gefängnisfragen herbeigeführt hätten. Präsident Bumke wies weiter auf die deutsche Strafrechtsreform hin und sagte: Wir Deutschen blicken auf dieses Werk in gläubigem Vertrauen. Wir wissen, daß seine Grundlagen fest sind, weil es aus einer einheitlichen Weltanschauung heraus wächst: der Weltanschauung des Dritten Reiches, der unser Führer und Reichskanzler Adolf Hit- l e r zum Siege verhalfen hat. Es ist für den Kongreß eine Ehrenpflicht, dem Hüter des deutschen Bodens, auf dem der Kongreß tagt, feine Verehrung zu bezeugen. Ich werde mir erlauben, im Namen des Kongresses dies in einem Telegramm an den Führer und Reichskanzler zu tun. Das Telegramm hat folgenden Wortlaut: „Der XI. Internationale Kongreß für Strafrechts- und Gefängniswefen, der heute in Berlin eröffnet ist, entbietet bem Führer und Reichskanz- l e r feine verehrungsoollen Grüße. Er bittet den Führer und Reichskanzler, den aufrichtigen und ergeben en Dank für die gastliche freundschaftliche Aufnahme aussprechen zu dürfen, die die Reichsregierung dem Kongreß bereitet hat." Die Mitteilung wurde von allen Teilnehmern mit Beifall und Händeklatschen ausgenommen. Unter den Fragen, die unseren Kongreß beschäftigen sollen, so führte der Reichsgerichtspräsident bann u. a. weiter aus, scheint mir eine an Be- beutung besonders hervorzuragen, bie Frage nämlich, ob die Methoben, bie im Strafvollzug mit dem Ziele der Erziehung und Besserung der Verbrecher angewandt werden, Erfolg versprechen und ob bie Auffassung, auf der biefe Methoben beruhen, überhaupt zutreffenb ist. Hier soll noch einmal auf Grunb der Erfahrungen aller beteiligten Länder geprüft werden, wie die Freiheits st rase am besten zu einem wirksamen Mittel der V e r d r e ch e n s b e - f ämpfung ausgestaltet werden kann. Der Kongreß soll sich ferner darüber äußern, in welchen Fällen und nach welchen Grundsätzen sich im mo- bernen Strafsystem bie Anwenbung ber Sterilisation empfiehlt. Bei biefer Frage tritt vielleicht am klarsten hervor, wie sehr bas Problem ber Verbrechensverhütung vertieft worben ist. Hier geht es um bie Frage, ob es uns möglich ist, bas Unkraut bes Verbrechens mit ber Wurzel auszureißen unb künftige Generationen vor ber Seuche bes Verbrechens zu behüten. Unsere Kongresse können nicht befehlen, sie fön» nen nur raten unb hoffen, daß ihre Stimme gehört wird. Und eben well wir hoffen und wün- gebnisse ter letzten Wochen (von Nachwahlen zur Kammer unb örtlichen Wahlgängen) zeigen deutlich, daß ein revolutionäres Feuer unter ber Oberfläche schwelt. Besonders die Wahlüberraschungen in Toulon und Clermont-Ferrand ließen erkennen, wie stark die Opposition im Lande gegen die Pariser Rechtsregierung ift. In bem sub- französischen Kriegshafen wurde zum erstenmal e i n K o m m u n i st als Abgeorbneter für bie Kam- mer in Paris gewählt, wobei sich ein großer Teil der Bürgerlichen unb Anttmarxiften nur beswegen auf bie Seite dieses Moskauer Jüngers stellte, weil er ber entschiebenste Gegner der Pariser Kapita- listenherrschaft zu sein schien. Und in Clermont- Ferrand, der Hauptstadt des Hochlandes der Auvergne (der Heimat Pierre Lavals), wo bie rabikalsoziale Partei schon seit Jahrzehnten eine sichere Mehrheit hat, wurde deren Kandidat geschlagen unb statt dessen ein Sozialist zum Deputierten gewählt, obgleich die gesamte Rechte auf einen eigenen Kandidaten verzichtet hatte und geschlossen für die Radikalsozialen stimmte. Auch hier gab man dem Sozialisten den Vorzug, weil er die stärkere Gewähr bot, daß er im Parlament gegen die Notverordnungspolitik Lavals ankämpfen würde. Anders ist es nicht zu erklären, daß die Bauern und Handwerker ber Auvergne einen Vertreter des Marxismus wählen, mit dem sie nichts zu tun haben wollen. Die kommunistischen Krawalle in Brest unb Toulon runbeten das Bild des innenpolitischen Spannungszustandes ab. Es fehlt heute noch in Frankreich eine nationale Partei, bie aufrichtig sozialistisch ist unb nicht, wie die Feuerkreuzler, in bem Verdacht steht, von den Kapitalisten ausgenutzt und mißbraucht zu werden. Sobald die heiße Ferienzeit vorbei ist, in der der Hundsstern, der den „Hundstagen" den Namen gab, mit ber Sonne auf» unb untergeht, wirb aller Wahrscheinlickkeit nach ber innenpolitische Kamps in Frankreich mit erneuter Heftigkeit entbrennen und feinen Höhepunkt in den Neuwahlen erreichen, die im Mai des kommenden Jahres ftatt- finden sollen. Aus alter Welt. 41. Deutscher Philatelistentag in Mainz. Im Kurfürstlichen Schloß in Mainz wurde der 41. Deutsche Philatelistentag, zu dem Vertreter ber Sammlervereine aus vielen Gegenden Deutschlands erschienen waren, durch den Führer des gaftgebenben Vereins, Staatsanwalt Dr. Jakob, mit einer Ansprache eröffnet. Geheimrat Kalkoff (Berlin) berichtete über bie Ereignisse auf bem Gebiet ber Briefmarkenkunbe im verflossenen Jahr. Er hob u. a. hervor, baß ber Tiefstand des Briefmarkenhandels anscheinend überwunden sei, denn überall sei ein erfreulicher Aufschwung zu verzeichnen. Er überreichte dem Mitglied des Mainzer Vereins August Stapf die „Hans-Wagner- Medaille" für hervorragende philatelistifche Betätigung, die somit zum zweiten Male feit ihrer Stiftung nach Mainz fällt. Nach einer Ehrung ber im vergangenen Jahre verstorbenen Mitglieber sprach Major a. D. von Rubolvhi (Berlin-Spanbau) über bie Ziele unb ben Aufbau einer Sammlung. Eine Rheinfahrt nach Bacharach beschloß bie Das Deutschtum in Polen Zur jetzigen Aussaat für Feld und Garten 4483 D Ecke Wolkengasse 4629 A Plockstrasre 9 Vt. s Ludwig Kröck Tel. 3580 Am Oswaldsgarten 46ii a Bittorf, Gerichtsvollz. in Gießen, Gießen - Ruf ßk.2145/ÄMß .lÜMILüILjgLN Restaurant Karlsruhe Grundpreis von 5 Pf. für die Ml Himeteraei te veröffentlichte Saaterbsen, kleine gelbe und grüne Saatwicken, russische Herbst» oder Stoppelrüben Riesen-Spörgel Winter-Raps Winter-Rübsen, Lembkes Hochzucht Luzerne, Provencer und Pfälzer, seidefrei Winter-Wicken Italienisches Ray gras Incarnatklee, seidefrei Landsberger Gemenge Ein Sünden- und Sittenbuch. Mit 64 Kunstdrucktafeln und vielen Textabbildungen. Preis broschiett RM. 2,85 gebunden RM. 3,60. Zu beziehen durch jede Buchhandlung. Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde Winter-Spinat, verschiedene Sorten Feldsalat oder Nüßchen Advents Wirsing Weißkraut und Rotkraut Frühlingszwiebeln Stiefmütterchen Vergißmeinnicht Maßliebchen Silenen • Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Bei Island ist wieder sehr lebhafte Wirbeltätigkeit in Gang gekommen, die eine Umgestaltung der europäischen Großwetterlage einleitet. Die dabei über England nordost- und ostwärts verfrachtete feuchtwarms Meeresluft wird vorerst auf unsere Witterung noch ohne Einfluß bleiben. Vielmehr wird diese noch durch in der Nähe des kontinentalen Hochdruckgebietes herrschende absteigende Luftbewegung bestimmt werden. Aussichten für Mit t.w o ch : Abgesehen von Dunst oder Frühnebel heiter und trocken, tagsüber warm bei schwacher Luftbewegung. Aussichten für Donnerstag: Zunächst noch trocken und heiter, bei südlichen Winden warm und schwül, später aufkommenüe Gewitterneigung. Lufttemperaturen am 19. August: mittags 24,8 Grad Celsius, abends 15,3 Grad : am 20. August: morgens 11,8 Grad. Maximum 24,8 Grad, Minimum 9,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. August: abends 18,8 Grad; am 20. August: morgens 15,6 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 11,6 Stunden. Gtädtereinigung eine Aufgabe der Volksgesundheit. Veichsinnenminister Or. Frick begrüßt den II. Internationalen Kongreß für Städtereinigung in Frankfurt a. M. Student sucht auf 1. Sept, schön mölii. Simmet gut heizb. Nähe der Klinik. Angebote m. Preis u. 03501 a.d.G.A. D Ä;BettenÄÄlzm PChlafahnjirileJ Harpener...................0 Hoesch Lisen—Küln-Meuefte» .. O Ilse Bergbau ............. e Ilse Bergbau Genüsse ........ e Klöcknerwerke ............. Mannesmann-Röhren........ ( Frankfurt a. M. Serkin Schluß, hird Gchlußl. Abend- börse Schluß, kurü Schlußk. Mittagbörse Datum 17.8. 19.8- 17.8. 19 8- ManSselder Bergbau .. .. 1 117 116,75 116,9 116,5 Kokswerke........... e e e e e .. 6 — — 122,75 122,4 Phönix Bergbau...... .. 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Daimler Motoren..... .. 7 — — 139 138,25 .. 0 103,25 103,25 103,5 103,5 Deutsche Linoleum.... .. 6 164,75 163,75 164,9 163,75 Orenstein & Koppel ... .. O 91 89,5 Westdeutsche kastfhof.. ..... .. 0 31,5 30,25 30,9 30,25 Chade ............... Aerumulatoren-Fabrik. .. 0 . 12 190 288 190 288 189,5 289 190,25 Lonti-Gummi........ .. 8 160 159,5 160 159,25 Gritzner............. 36,9 | 36 36,25 MainrraftweNe Höchst a_W .. 4 ! 102,25 _ Sübdeutlcher Zucker .. .. • 1 203 1 202,5 I 203 203 Devisenmarkt Berlin - - Frankfurt a. 2TL 17-Auguft 19-August Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld 23rlef Geld 33 rief Buenos attc* 0,666 0,670 0,666 0,670 Brüssel..... 41,87 41,95 41,87 41,95 Rio de Jan. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3'053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,97 55,09 55,02 55,14 Danzig..... 46,96 47,06 46,96 47,06 London ..... 12,31 12,34 12,325 12,355 Heljingfor».. 5,425 5,435 5,43 5,44 Paris ...... 16,43 16,47 16,43 16,47 Holland .... 168,31 168,65 167,90 168,24 Italien..... 20,33 20,37 20,33 20,37 Iaoan ...... 0,727 0,729 0,728 0,730 Jugoslawien. 5,684 5,696 5,684 5,696 Oslo..... : 61,88 62,00 61,94 62,06 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,16 11,18 11,17 11,19 Stockholm... 63,48 63,60 63,54 63,66 Schweiz .... 81,11 81,27 81,06 81,22 Spanien.... 34,03 34,09 34,03 34,09 Prag...... Budapest .. 10,30 10,32 10,30 10,32 Reithork... 2,479 2,483 2,477 2,481 Banknoten. Berlin, 19. Äugufl Geld »ries Amerikanische Note»....... 2,429 2,449 Belgische Noten.................. 41,72 41', 88 Dänische Noten ................. 54,82 55J15 Englische Noten ................. 12,29 iH Französische Noten ............... 16,38 1644 Holländische Noten.............. 167,49 168Ü5 Italienische Noten............"" 19,46 19,54 Norwegische Noten .............. 61,73 fij 97 Deutsch Oesterreich, * 1OO SchMtna Rumänische Noten ....... — Schwedische Noten............... 63 3? 63 58 Schweizer SRoten......... 80,83 81,15 Spanische Noten................. 33,67 Ungarische Note» ......... ••••••• Ur.193 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 20. August (935 W ■ f :• tÄ» i _ < nnrh für klängen fidi ausae^eimnel) seinen jioman mn feinen man den jählings berühmt Gewogenen nchf 9 3 ö gestaltet. Das Berwandlungs- -in paar Stunden ,m Dunkel Unbekannt- MEn -rtak^u^^ |ebr klar -mpsund-n hert und Namenlosigkeit laßt urrd hr Z . g , n ’inIer|ter Linie ein optisches Motiv, und das dÄ Da"g?W-ht°au7'-in° -b°n1° M-ckmM«-. Spiel'mit Maske, B-rkl-idung, Vertauschung der vor das Fragen gegebenen Auskünften. Die Unterschlagungen konnten buchmäßig durch solange verschleiert werden, daß Journal die Einnahmen zu gering oder Ausgaben zu hoch, die Einnahmen nur da- im die auf lich ernst werdendes Spiel an der Grenze zwischen Schein und Realität. Ein richtiger kleiner Roman spinnt sich an, und das Schöne dabei ist, dah hier nicht irgendein mehr oder minder beliebiger Roman verfilmt das heißt also unverbindlich in bewegliche Bilder und Szenengruppen aufgelöst worden ist, sondern daß der Film (Manuskript und Regie ergänzen sich ausgezeichnet) seinen Roman mit seinen .X , t r. i ___x 'Ona >Kpr»Mnnnliinnfia übrig. Charakteristisch erscheint die Tatsache, daß die Geldbeträge, die über Nacht im Tresor lagen, weder am Abend gezählt, noch am Morgen nachgezählt wurden, ja, daß der verantwortliche Rechner von den Angestellten der Sparkasse den Schlüssel zum Tresor in seine Privatwohnung bringen und ihn von dort abholen lieh, weil er des öfteren entweder zu Beginn oder zum Schluß der Geschäftszeit nicht in den Geschäfts, räumen anwesend war. Die Unterschlagungen bei der Bezirks sparkasse Ortenberg vor Gericht. „Nacht der Verwandlung Lichtspielhaus. Zweiter Frühling. Jedes Ding hat seine Zeit. Man spricht im Sommer nicht von Rodelbahnen, unterhält sich Pfingsten nicht über Weihnachtsgeschenke und denkt, wenn es auf den Herbst zu geht, wohl an Laub- verfärbung und Obsternte, aber nicht etwa an die Pracht blühender Magnolienbäume. Denn die Magnolienblüten gehören unbestritten zu den ersten Offenbarungen des Frühlings. Das wissen sie selbst natürlich am besten und strengen sich alljährlich derartig mit Knospen und Entfalten an, daß sie weit vor den Blättern erscheinen, welche dann infolgedessen in dem Glauben leben, alleinige Träger der Schönheit ihrer Sträucher zu sein. Man kann sich daher vielleicht vorstellen, wie es der bejahrten und besonders stattlichen Magnolie eines Vorgartens zu Mute sein mußte, als sich dieser Tage in ihrem dunklen Grün große Helle Knospen zeigten, entwickelten, aufsprangen, und tief errötend ihren Platz auf den Zweigen behaupteten. Eine unbeschreibliche Erregung ging durch den Blätterwald. Alarmeldungen, Widerrufe, Beruhigungsaktionen — aber schließlich ließ es sich doch nicht vertuschen: die Magnolie blüht, wenn auch nur mit wenigen Blüten, jetzt, Ende August. „Es ist einfach schamlos", waren sich die Blätter einig. „Man muß sich ja direkt solchen jugendlichen Getues genieren. Reif sein ist alles in dieser Zeit, wir sind ernst und dunkel, wie es.sich gehört, und nun dieser rosig angehauchte Firlefanz zwischen uns. Außerdem, zugleich Blüten und Blätter zu tragen, haben wir bisher den Linden, Akazien, Kastanien und wie sie sonst heißen mögen, überlassen. W i r dagegen brachten erst die einen, dann die andern ans Licht der Welt und wünschen durchaus, weiterhin als etwas Besonderes zu gelten. Nicht nur in Baumkreisen, sondern vor allem auch vor den Menschen. Was werden die nur sagen?" Ja, was sagten sie? Sie blieben erstaunt dem Vorgarten stehen und machten sich auf Wunder aufmerksam: „Ist es zu glauben? Magnolienblüten in dieser Jahreszeit? Wie entzückend wirken sie in dem dunklen Grün, das ist ja wirklich etwas ganz Besonderes." Da erröteten die Blüten noch einmal so tief, die Blätter aber raschelten: „lieber den Geschmack läßt sich bekanntlich nicht streiten", außerdem: „Irren ist menschlich". Und sie fühlten sich allein maßgeblich. E- v- Wir möchten den Film nachdrücklich empfehlen, zumal er von einem interessanten und abwechslungsreichen Beiprogramm begleitet ist; das „Kino von anno dazumal^ wirkt auf uns ebenso erheiternd wie lehrreich. Dazu sehr schöne Aufnahmen vom Lüneburger Silberschatz und die neue Tonwoche. *"r Redner der HI. In der letzten Zeit hat sich in den Einheiten der HI. immer mehr das Bedürfnis herausgeftellt, nach dem Einsatz von Persönlichkeiten, die nicht vom Nationalsozialismus reden, sondern ihn leben und predigen. Wenn irgend jemand, so braucht die Jugend Redner, die von den Ideen der HI. begeistert sind und begeistern können. Um diesem Ziel näher zu kommen, hat die Abteilung Presse und Propaganda der Gebietsführung an den beiden vergangenen Wochenenden sämtliche Bann- und Jungbann- sührer, sowie besonders ausgesuchte Jugendgenossen zu einem Rednerkurzlehrgang zusammengezogen. Es handelte sich dabei nicht um eine rein technische Ausbildung, sondern die Vorträge, die von dem Leiter der Abteilung Pr. Scharführer Hans Falk, dem Leiter der Abteilung für weltanschauliche Schulung Gefolgschaftsführer Wolf Koschemann und Gebietsführer Hauptschnft- leiter S t a e b e gehalten wurden, zielten darauf ab, die jungen Kameraden von dem „Schema" loszulösen und in ihnen das Bewußtsein von dem Heiligtum der deutschen Sprache, von der Kraft der fortwirkenden Gewalt der Rede zu vertiefen. Die Teilnehmer des 2. Lehrganges hatten außerdem die Freude, daß der Führer des Gebietes Hessen-Nassau, Oberbannführer P o t t h o f f, ihn eröffnete und in einer Ansprache das Arbeitsgebiet umriß. Aus parteiamtlichenBekarmtmachungen Die Ortsgruppe Gießen-Nord der Deutschen Arbeitsfront hält am morgigen Mittwoch, 20.30 Uhr, im Aquarium, Walltorstraße, eine Mitgliederversammlung der Zellen 3 und 7 ab. Das Erscheinen aller Mitglieder ist Pflicht. Singkreis Gießen im LDH. Am kommenden Mittwoch, 21. August, 20.15 Uhr, beginnt der Singkreis im Zeichensaal der Schiller- schule mit seiner neuen Arbeit. Neben Kanons und Volksliedern werden im Laufe der nächsten Zeit zwei Kantaten von Dietrich Buxtehude und Christoph Bernhardt gesungen werden. Im November soll ein Abend, an dem „Alte Musik aus drei Jahrhunderten" musiziert wird, den Singkreis wiederum mit seinen Freunden im Zeichensaal der Schillerschule zusammenführen. Wiedersehensfeier ehemaliger 224er in Gießen. Man schreibt uns: Die Kameraden des ehemaligen Res.-Jnf.-Rgts. 224 feiern am 7. und 8. September in Gießen ein Wiedersehen. Die ganze Veranstaltung wird in würdigem Rahmen abgehalten werden. Für Samstag, 7. September, ist ab 20 Uhr ein Kameradschaftsabend im Schützenhaus vorgesehen. Samstagvormittag ist Antreten auf Oswaldsgarten, anschließend Marsch zum Gefalle- nen-Ehrenmal, wo die Gefallenen-Ehrung und Kranzniederlegung stattfindet. Am Sonntagnachmittag werden sich die Kameraden mit ihren Angehörigen zu einem geselligen Beisammensein im Kaffee Leib einfinden. Es darf wohl schon jetzt gesagt werden, daß im Res.-Jnf.-Rgt. 224 viele tapfere Gießener Söhne gekämpft und geblutet haben. Deshalb ist es für die Gießener Kameraden eine besondere Ehre, die diesjährige Wiedersehensfeier in den Mauern Gießens veranstalten zu dürfen. Gleichzeitig richtet die Gießener Vereinigung ehemaliger 224er unter Leitung des Kameraden Dr. Krüger, Bleichstraße 25, an die stets opferwillige Gießener Bürgerschaft die Bitte, um Bereitstellung einfacher Unterkünfte für den 7. auf 8. September. Wegen der Gestellung von Quartieren wolle man sich an Kamerad Fritz Iaeggle, Verwaltungs-Inspektor, Gießen, Rodheimer Straße 51, wenden. Nähere Mitteilungen über die Wiedersehensfeier, sowie über die Geschichte des Regiments werden in den Tageszeitungen noch bekanntgegeben. Konto und nicht im Journal und die Ausgaben nur im Journal und nicht auf Konto gebucht wurden. Sämtliche Angeklagten lebten bedeutend über ihre Verhältnisse. Durch Beschluß des Vorstandes der Bezirkssparkasse wurde der Angeklagte Müller im Jahre 1923 als Gehilfe eingestellt; noch in demselben Jahre wurde er Kontrolleur. Seine Kündigungsfrist wurde auf ein halbes Jahr festgesetzt. Im April 1934 erfolgte feine Anstellung als Beamter, er erhielt ein Gehalt von 200 Mark ausgezahlt. Bereits im Jahre 1926 begann Müller mit den Unterschlagungen. Stand für ihn gerade einmal eine Zahlung bevor, fo griff er, ohne sein Konto zu belasten, in die Tageskasse. Die Gesamtsumme dieser Beträge schätzt der Angeklagte selbst auf 2000 bis 3000 Mark. Außerdem gibt er noch größere unterschlagene Beträge an. So hat er im Jahre 1927 das Sollkonto der Baugenossenschaft um 5000 Mark abgeschrieben, ohne sein Konto damit zu belasten. Er hatte für 12 000 Mark ein Haus gekauft und benötigte zur Zahlung seiner Schulden diese 5000 Mark. In den Jahren 1930 oder 1931 entnahm der Angeklagte den Betrag von 770 Mark, 1933 einmal 200 Mark und dann 1000 Mark, die er als (eigenes Darlehen einem Zeugen aushändigte. Der Angeklagte, der das Journal und die Kassenkladde führte, buchte die jeweils fehlenden Beträge als ausgezahlt. Durch diese Falsch- buchungen wurden auch die Differenzen, die durch die Veruntreuungen der übrigen Angeklagten entstanden sind, zum Verschwinden gebracht. Der Angeklagte Leinberger steht seit 1922 im Dienst der Bezirkssparkasse. Im Jahre 1930 wurde er mit halbjähriger Kündigungsfrist und Namen, der Rollen und Figuren ist in der Tat ein bestrickender Vorwurf für eine mit Geschick arbeitende Kamera. Hier zeigt der Spielleiter Hans Deppe, was eine geistvolle Filmregie zu leisten vermag. Das Motiv „Karneval" ist ja immer um feiner Buntheit und Beweglichkeit willen beliebt gewesen, aber nur selten (in „Maskerade" zum Beispiel) war es mehr als Episode, Ausstattung, Beiwerk, Bild. Hier ist es ein wesentliches Element der Handlung, in der übrigens der Zufall eine durchaus romanhafte, aber dennoch durchaus nicht un- wahrscheinliche Rolle spielt: die Verknüpfung der Fäden, die Verstrickung im Wirbel des Maskenfestes, in dem sich eine Liebesgeschichte und ein Kriminalfall kreuzen, führt aus spielerisch-unverbindlichem Beginn am Ende unheimlich zur Demaskierung nackter Menschenschicksale. In diesem überaus geschickt angelegten und entwickelten Filmroman gibt es nur eine einzige schwache, nicht völlig bewältigte Stelle (die kurze Szene der ersten Aussprache zwischen Maria und Frank), wo eine veraltete Roman- und Dramen-Technik zur Aufhellung der Vorgänge herhalten mußte. Im übrigen wird der gute Film von guten Darstellern in seiner Wirkung nur vertieft. Heinrich George spielt den Boris Pettkoff: ein ziemlich ausgemachtes Scheusal; George gelingt es dennoch, ihm zuletzt, in einem Augenblick stummen Stillestehens, wenn nicht die Sympathie, so doch fast das Mitleid des Beschauers zuzuwenden. Eine vorzügliche Leistung; man bestaunt wieder einmal die bestechende Wandlungsfähigkeit und menschliche Fülle dieses großen Darstellers. Gustav Fröhlich spielt den Flieger, und es liegt nicht nur an der Rolle, wenn alle Sympathie auf feiner Seite ist; er wächst in die Rolle hinein, er erfaßt sie von innen her mit aller Kraft und Intensität seines stets noblen und beherrschten Spieles. In der wichtigsten Frauenrolle: Rose Stradner, ein neuer Stern der Ufa; schwer zu beurteilen, was sie wirklich kann: die Rolle gibt ihr nicht allzu große Chancen; aber man merkt in ein paar ganz kurzen Szenen, daß sie Herz und Gefühl hat. In anderen Rollen zeichnen sich Otto Graf (vom Staatstheater Berlin), G ü l st o r f f, Gertrud Wolle, Schroder-Schromm und Harry Hardt aus. Der Angeklagte Raab war feit 1927 Gehilfe bei der Bezirkssparkasse. Er verdiente etwas mehr als Leinberger. Er gibt zu, zwecks Bezahlung von Rechnungen seines Hauses nach und nach 2000 Mark aus der Tageskasse genommen zu haben, ohne dah jedoch die Beträge über sein Konto liefen. Außerdem hat er zwei Beträge von 900 Mark und 500 Mark entnommen, die er Kontenmäßig durch Falschbuchungen ausglich. Nach seinen eigenen Angaben veruntreute er im Jahre 1934 die Beträge von 70, 870 und 438,10 Mark. Die Vernehmung der Angeklagten. Sodann folgte die Vernehmung der Angeklagten, wobei sich ein erschütterndes Bild der Verantwortungslosigkeit ergab, mit der die Angeklagten ihren Berufspflichten nachgingen. Die Geschäftsführung ließ sichtlich in allen Punkten zu wünschen heilsame und, wie es zunächst scheint, auch sehr amüsante Weise: der Arzt stürzt sich mit dem anonymen Patienten in Kostüm und Maske in das fröhliche Gewühl des Karnevals von Nizza. Nun beginnt erst eigentlich der Roman, beginnt das Spiel in der Nacht der Verwandlung: ein verwirrendes, ein bald heiteres, bald süßes, bald gefähr- Bezeichnend war ferner, daß der Rechner nichts weiter zu tun schien, als lediglich die Post zu öffnen und sie dann den Angestellten zur Erledigung zu überlassen. — lieber Öen weiteren Verlaus der Der- Dieser Itala-Film des Neuen Deutschen Lichtspiel- Syndikates darf als eine sehr interessante und durchaus geglückte Leistung bezeichnet werden well er einen wirklich filmgerechten Stoff (es lM nicht allzu viele, wie man aus Erfahrung weiß) mtt filmischen Mitteln gestaltet und zu losen versteht. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: natürlich gibt es ausgesprochene Filmstoffe, und wahrscheinlich sind sie nicht einmal besonders sei- ten; aber es ist ziemlich selten, daß jemanb einen entdeckt, und nicht nur entdeckt, sondern auch etwas damit anzufangen versteht. Allerdings ist es bequemer, sich eine fertige Vorlage m ^erarischer Form zu suchen und sie zu ver-fllmen. In diesem Falle gibt es keine solche Vorlage sondern em on- ninales Drehbuch — von Hans R a m e a u. Man muß es loben: der Mann versteht sem Geschäft. Er beginnt mit der Schilderung eines Stratosphären, fluqes, einer technischen Sensation unserer Zeit, wie wir ähnliches als Motiv in letzter Zelt mehrfach in deutschen und amerikanischen Filmen gesehen haben; er verzichtet jedoch auf die dort versuchte direkte Darstellung des Ereignisses, die vorläufig immer noch ein bißchen unzulänglich und ateUer- mäßig wirkt, sondern er gibt das (Ereignis mittelbar wieder, in seinen Ausstrahlungen nämlich auf bie Umwelt, und erzielt damit mindestens die gleiche Wirkung: er läßt den Zuschauer die Erregung und Spannung des Vorganges miterleben. Das ist aber nur Voraussetzung, Vorspiel und ^"^akt, nicht, wle in jenen andern Filmen, Höhepunkt und Entsche^ düng des Ganzen. Er schildert nicht so sehr das technische als vielmehr das psychologische Problem eines solchen Fluges ins Grenzenlose, in die unermeßliche Einsamkeit des Aethers — zwanzig Kilometer über der Erde. Nicht die Maschine, nicht der Motor, son- dem der lebendige Mensch steht auf einmal vor uns —: ein Mann, der über Nacht berühmt ge- worden ist und sich dennoch seines Sieges nicht zu freuen vermag, weil ihm der Sieg nur das Gefühl einer unendlichen Einsamkeit, hoch oben jo sehr wie unten auf Erden, beschert hat. Em Mann also mit einer schweren seelischen Depression, der unter den behutsamen Händen eines klugen und menschenkennerischen Arztes dem Leben wiederge- wonnen werden muß. Dazu ist fteilich notig daß Der Angeklagte begann, wie er angibt, 1928 mit den Unterschlagungen, indem er jeweils Geld, das er benötigte, ber Tageskasse entnahm. In der Kladde, in die die Kassenein- und -ausgänge zum Eintrag kommen, und im Journal, worin alle Geschäftseingänge, wie sie sich aus Kladde und den Belegen ergaben, eingetragen wurden, stellte er die Beträge in Ausgabe, ohne aber sein Konto zu belasten. Die hohe der unterschlagenen Gelder kann er nicht angeben, doch glaubt er nicht, dah sie den Betrag von 20 000 Mark ausmachen, wie er bei der letzten Revision zugegeben hatte. Zettschriften. — Der Reichsverkehrsminister Frhr. von Eltz- Rübenach hat programmatische Worte dem Juliheft der „Süddeutschen Monatshefte" (Knorr & hirth, München) zum Geleite auf den Weg gegeben. Das heft zeigt Deutschland in rastloser Arbeit an der Durchdringung seines Raumes durch ein mustergültiges Verkehrsnetz. Staatssekretär Koenigs beleuchtet die Grundsätzlichkeit moderner Verkehrspolitik. Reichsbahndirektor Rudolf Meyer berichtet über Aufgabenkreis und Leistung der Reichsbahn. Staatssekretär Ohnesorge über den Nachrichtenverkehr der Reichspost. Ministerialrat Leopold unterwirft die alte Verbindungsfunktion der Wasserstraßen einer neuen Beleuchtung, wobei er sich besonders für den die großen westlichen und östlichen Wassersysteme verbindenden Mittellandkanal einsetzt. Ministerialrat Feszler schreibt über die deutschen Schiffahrtslinien. Besonderes Interesse dürfen zwei in sich zusammenhängende Arbeiten beanspruchen. „Kraftoerkehrspolitik im Dritten Reich" von Ministerialdirektor Brandenburg, und „Deutschlands neue Autostraßen" von Reismann. Der Aufsatz „Probleme des Deutschen Luftverkehrs" von Wronsky zeigt die Lufthansa bei ihrer völkerverbindenden Arbeit. Prof. Haushofer umreißt das ostasiatische Verkehrsproblem. Fritz Jaffe berichtet über die Erschließung des afrikanischen Kontinents. Einem besonderen Triumph des Menschengeistes wird Dr. Hermann Rüdiger in seiner Darstellung des „Luftverkehrs über der Arktis" gerecht. — Das kleine deutsche Land Anhalt mit seiner Hauptstadt Dessau, seit je ein Mittelpunkt deutscher Kultur, behandelt die Nummer „Dessau-Anhalt" (Nr. 4718) der „I l l u ft ri r t e n Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig), hier rollt die geschichtliche Entwicklung Anhalts vom hart umkämpften Kolonisationsland, über die fünft» und kulturgeschichtlich bedeutsame Zeit der Fürstenherrschaft bis zur heutigen Staatsform mit feiner wirtschaftlichen Bedeutung an uns vorüber. All die Zeugen dieser reichen Vergangenheit, denen man in Dessau und seinen Schwesterstädten Zerbst, Kothen, Bernburg und Ballenstedt sowie in den Parkkleinoden um Dessau: Wörlitz, Oranienbaum und Luisium, begegnet, treten in reich illustrierten Aussätzen vor den Leser hin. Des weiteren weist das Sonderheft auf die hohe künstlerische Entwicklung Dessaus hin, die sich in seinen reichen Kunstsammlungen, in seinem berühmten Friedrich-Theater sowie in dem gesamten architektonischen Stadtbild widerspiegelt. Die wirtschaftlichen Leistungen Anhalts legen Zeug» nis ab von der inneren Kraft eines kleinen Landes, das auch in Zukunft für die Entwicklung der deut- jchen Wirtschaft von Bedeutung sein wird. einem monatlichen Gehalt von 130 Mark angestellt. Dem Angeklagten oblag die Aufgabe, den Saldo festzustellen, die Bilanzen aufzustellen und das Journal sowie das Hauptbuch zu führen. Bei der Aufstellung einer Abstimmung zwischen konloblällern und Hauptbuch entdeckte er im Jahre 1927 einen Fehlbetrag von 30 000 Mark. Durch Unterdrückung einiger Habenkonten brachte der Angeklagte die Abrechnung „in Ordnung". Die Jahresbilanzen wurden aufge- ftellt auf Grund der (Eintragungen im Handbuch, da diese (Eintragungen jedoch falsch waren, waren demgemäß auch die Bilanzen falsch. Bei den vorgenommenen Revisionen wurden die Revisoren durch Beiseitestellen der Kontokarten getäuscht. An die Vorträge schlossen sich praktische Uebun- gen, wie freies Reden über ein selbstgewähltes Thema, über ein Pflichtthema, schriftliche Arbeiten und eine abschließende Diskussion, die zum Teil äußerst erheiternd wirkte und zeigte, wie die jungen Redner die geistigen Gegner des Nationalsozialismus niederzuringen versuchten, die von einigen Jugendgenossen geradezu meisterhaft gemimt wurden. Diese Lehrgänge waren ein einmaliger Versuch, haben aber bereits ihren Wert bewiesen. Das Ziel ist, aus diesen jungen Rednern einen Stoßtrupp u schaffen, den der Gebietsführer bei besonderen Ünlässen einsetzen kann, bei Appellen und Kund^ gedungen der HI. Der erste Einsatz wird in den ersten Oktobertagen anläßlich einer besonderen Aktion der HI. erfolgen. 71SDAV. - Amt für Volkswohlfahrt. Ortsgruppe Gießen-Mitte. Lebensmittelsammlung. Im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Mitte wird am Mittwoch, 21. August, die Lebens- mittelfammluna durchgeführt. Die Sammlerinnen werden die erhaltenen Spenden in die Mitgliedskarten vom Lebensmittelopferring quittieren. Wir bitten deshalb die Hausfrauen, die Spenden sowohl als die Mitgliedskarten ab Mittwoch, 9 Uhr, bereit zu halten. - . Amt für Volkswohlfahrt. Am heutigen Dienstagfrüh begann vor der Großen Strafkammer in Gießen die Verhandlung wegen der Unterschlagungen bei der Bezirkssparkasse in Ortenberg, die bekanntlich Ende vorigen Jahres ans Tageslicht kamen. Die Verhandlung brachte zunächst die Feststellung ber Personalien der Angeklagten. Diese sind der am 26. Mai 1901 in Nieder-Ramstadt geborene Karl Müller, wohnhaft in Ortenberg, der am 25. Mai 1906 Au Usenborn geborene Aug. Leinberger, wohnhaft daselbst, und der am 10. Oktober 1906 in Ortenberg geborene und daselbst wohnhafte Walter Raab Gegen einen vierten Angeklagten, den Karl Franz aus Ortenberg, wurde das Verfahren infolge Krankheit des Angeklagten abgetrennt. Sodann wurde der Eröffnungsbeschluß verlesen. Der Tatbestand. Eine im Dezember 1934 bei der Bezirks- sparkasse in Ortenberg unerwartet vorge- nommene Revision durch den hessischen Sparkassen- und Giroverband in Darmstadt ergab einen Fehlbetrag von 107 285,86 Mark. Seit etwa 10 Jahren waren bei dem Institut unhaltbare Zustände eingerissen. Der inzwischen verstorbene Rechner Wilhelm Raab, der Vater des Angeklagten Raab, war nicht in der Lage, die erforderlichen Prüfungen vorzunehmen und die notwendige Aufticht zu führen. Er unterschrieb, ohne sie vorher nachzuprüfen, gefälschte Bilanzen und vertraute den ihm von den Angeklagten auf seine Höhepunkt der Heringssaison. Heringe und Bückinge billig und in Massen angeboten. Die Schleppnetz-Herinasaison hat nunmehr ihren Höhepunkt erreicht. Die sehr großen Fänae werden jetzt längere Zeit anhalten. Sämtliche Fischdampfer sind in Fahrt, um den reichen Heringssegen des Meeres zu bergen. Auch der Fischhandel und die Fischindustrie arbeiten angespannt, um den Heringssegen den Verbrauchern zur Verfügung zu stellen. Zu dem reichlichen Angebot an Heringen kommt hinzu, daß auch die Qualität eine sehr gute ist, und schließlich sind auch die Preise niedrig, so daß für die Hausfrauen aller Anlaß besteht, den Hering mit seinem reichen Gehalt an Eiweiß, Fett und biologisch hochwertigen Stoffen noch mehr als bisher zur Ergänzung und Abwechslung im Speisezettel heranzuziehen. Wie kaum ein anderer Seefisch läßt sich der Hering in mannigfacher Gestalt verarbeiten. Der frische Hering, gebraten oder in anderen Zubereitungen, ermöglicht der Hausfrau, eine billige und dabei doch sättigende und gehaltvolle Mittagsmahlzeit herzustellen. Für die Abendmahlzeit eignet sich der Hering besonders als Bücking, Marinade oder Salzhering. Nach den bisherigen Heringsfängen ist anzunehmen, daß auch weiterhin das Massenangebot anhält und daher jedem Bedarf an Heringen und Bückingen entsprochen werden kann. Gießener Dochenmarktpreise. * G i e ß e n, 20. Aug. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 11 bis 12, Wirsing, das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 15 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 15, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 25, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 25 bis 35, Tomaten 25 bis 30, Zwiebeln 10 bis 15, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln 5 bis 6 Pf., der Zentner 4 bis 4,50 Mark, Frühäpfel, das Pfund 20 bis 50 Pf., Falläpfel 6 bis 8, Pfirsiche 45 bis 55, Brombeeren 45, Preiselbeeren 45, Birnen 15 bis 45, Pflaumen 20, Zwetschen 20 bis 25, Renekloden 25 bis 30, junge Hähne 80, Suppenhühner 70 bis 80, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 70, Salat 5 bis 12, Salatgurken 5 bis 25, Einmachgurken 1 bis 5, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10. Rettich 5 bis 20, Suppengrün 5 bis 10, Radieschen, das Bund 8 bis 15, Mirabellen, das Pfund 30 bis 35 Pf. Vornolizen. — TageskalenderfürDienstag. NSG. „Kraft durch Freude": 19 bis 21 Uhr allgemeine Körperschule auf dem Universitätssportplatz; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Nacht der Verwandlung". ♦ * * 7 8. Geburtstag. Frau Elisabeth Dietz, Steinstraße 74, feierte gestern in körperlicher und geistiger Frische ihren 78. Geburtstag. Frau Dietz ist langjährige Bezieherin des Gießener Anzeigers. * * Ein Siebzigjähriger. Am morgigen Mittwoch, 21. August, kann der Schuhmachermeister Albert Franke in geistiger und körperlicher Frische seinen 70. Geburtstag begehen. Herr Franke, der bereits seit 37 Jahren im Hause Dammstraße 28 wohnt, ist seit über 43 Jahren treuer Leser des Gießener Anzeigers. Seit 34 Jahren dient er der Hasio-Rhenania. * * Straßensperre in Gießen. Wegen Vornahme von Kanalarbeiten wird die Straße „Am Nahrungsberg" zwischen der Guten- berastraße und Keplerstraße in der Zeit vom 19. August bis 22. August für den gesamten Fahrzeugverkehr polizeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperr- und Umleitungsschilder sind zu beacyten. * * Straßensperren in Oberhessen. Die Provinzialstraße Selters — Stockheim ist Roman von Klothilde v. Stegmann. Urheberrechffchutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.) 82. Fortsetzung. Nachdruck verboten! „Hast du keinen Menschen in Berlin", fragte Karla, „der da eingreifen kann? Ich bin ja gern bereit, sofort herüberzufahren. Und Vater wird sicher damit einverstanden fein?" Weckenroth nickte. Karla fuhr fort: „Aber bis dahin muß doch schon iraend etwas geschehen." Dietrich überlegte. „Justizrat Niemann, er könnte die ganze Angelegenheit, soweit es das Finanzielle betrifft, in die Hand nehmen." „Der Meinung bin ich auch", nickte ßanggiffer und zog fein Notizbuch. „Bitte, triff deine Anordnungen — wir werden alles gewisfenhaft erfüllen." Nach wenigen Minuten war alles besprochen. Innig nahmen die Freunde von Dietrich Abschied. Der Chefarzt hatte in Aussicht gestellt, daß Dietrich in zwei Tagen das Krankenhaus verlassen und die Reise nach Locarno wagen könnte. ♦ Mit der ersten Geschäftspost schielt Justtzrat .Niemann einen eingeschriebenen Eilbrief aus Goldau. Justizrat Niemann öffnete das Schreiben. Sein Gesicht wurde immer erstaunter. Das war ja eine tolle Geschichte. Aber er freute sich darüber. Nun hieß es erst einmal, den Bruder der jungen Gräfin Marlen Veltheim, den Ingenieur Korda, zu erwischen. Er hatte keine Ahnung, wo er wohnte. Und bei Marlen Veltheim konnte er sich nicht nach der Adresse erkundigen. Das hätte den ganzen schönen Plan vorzeitig zunichte gemacht. Aber die Geschichte von dem Raub des wissenschaftlichen Patents war ja in allen Zeitungen. Justizrat Niemann klingelte den Lokalredakteur einer ihm bekannten Zeitung an. Nach kurzer Zeit wußte er, in welchem Hotel Georg Korda abgestiegen war. Justizrat Niemann hatte nun noch einige dringende telephonische Gespräche in der ihm übertragenen Angelegenheit. Dann fuhr er. schnell zu dem bezeichneten Hotel. Er erreichte Georg Korda gerade, als der glückstrahlend vom Polizeipräsidium zurückgekehrt war. Er hatte soeben die vertrauliche Nachrichten von der Gefangennahme der beiden Betrüger erhalten. „Wir'wollen die Nachricht jedoch der Presse noch nicht weitergeben, Herr Korda", hatte der Kriminalrat gesagt. „Ehe wir nicht die Verbrecher vernehmen konnten, wissen wir nicht, ob Ihr Geheimnis nicht schon weitergegeben worden ist. Wir wollen doch nicht noch andere verbrecherische Elemente uns auf die Spur setzen. Die beiden Betrüger, denen wegen Pflasterarbeiten mit Wirkung vom 22. August für jeglichen Verkehr gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Bleichenbach. Ferner ist die Ortsdurchfahrt Ober-Widdersheim mit Wirkung vom 19. August gesperrt. Die Umleitung erfolgt über Grundschwalheim. ** Eine Mahnung an säumige Bei- tragszahler erläßt die Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen in unserem heutigen Anzeigenteil. Interessenten mögen die Bekanntmachung beachten. * Wiedersehensfeier der 8/115er in Darmftaöt. Die 8. Kompanie des ehemaligen Lg.-Jnf.-Rgt. Nr. 115 hält ihre dritte Wiedersehens- feier am 12. und 13. Oktober in ihrer alten Garnison Darmstadt ab. Anmeldungen und Anfragen sind zu richten an Kamerad Trautmann, Darm« stadt, Kranichsteinerstraße Nr. 41. * * 4-Pfennigstücke nur n o cd bis Ende September 1935 gültig. Am 30. September läuft die Frist für die Einlösung der außer Kurs ge- setzten 4-Pfennigstücke ab. Bis zu diesem Tage können diese Münzen bei den Reichskassen und Landeskas- fen zu ihrem Nennwert sowohl in Zahlung gegeben als auch zur Umwechslung vorgelegt werden. Dom 1. Oktober 1935 ab haben die 4-Pfennigstücke keinen Geldwert mehr. ** Nachforschung in lieber fee. So manche Familie sorgt sich um ein Glied, das einmal ins Ausland ging und nun nichts mehr von sich Horen läßt. Die Nachforschung nach solchen Verschollenen ist meistens mit großen Schwierigkeiten verbunden, weil in Amerika kein polizeiliches Meldewesen besteht und daher durch Nachfrage bei behördlichen Stellen in den seltensten Fällen etwas über ihn zu erfahren ist. Immerhin ist es den Evangelischen Auswanderermissionen in Bremen, Georgstraße 22, und Hamburg 5, Rautenbergstrahe 11, in Verbindung mit ihren amerikanischen Vertrauensstellen in vielen Fällen gelungen, Feststellungen über Ausgewanderte der Nachkriegszeit zu machen und sie wieder in Verbindung mit ihren Angehörigen zu bringen. Die Tätigkeit erfolgt kostenlos. Die Nachforschung nach Auswanderern, die schon vor dem Kriege ins Ausland gingen, ist allerdings infolge mangelnder Unterlagen besonders erschwert und kaum noch möglich. GießenerVerkehrswerbiW auf einer Ausstellung In den nächsten Tagen wird in Frankfurt a. M. die Ausstellung „Die Rhein-Mainische Wirtschaft" eröffnet, die einen umfassenden Ueberblick über das gesamte Wirtschafts- und Verkehrsleben des Rhein-Main-Gebietes bieten wird. Unsere Stadt Gießen wird in dieser Anstellung mit einem wirksamen Werbestand vertreten ein. Wir hatten gestern Nachmittag Gelegenheit, )en nach Vorschlägen von Herrn Hans Fritz S ch u st e r vom Städt. Verkehrsamt durch Herrn Karl Löffler vom Stadttheater gestalteten Stand im Bühnenraum unseres Stadttheaters in Augenschein zu nehmen. Heute vormittag werden die einzelnen Teile dieses Standes auf städtischen Lastautos nach Frankfurt a. M. gebracht, um dort in der Ausstellung aufgebaut zu werden. Den Werbestand der Stadt Gießen betritt man durch ein Säulentor, das eine wirkungsvolle Front darstellt. Auf der rechten Seite des Standes wird im unteren Teile der Wand die verkebrs- geogravhifche Lage der Stadt Gießen in übersichtlicher Linienführung zu zahlreichen großen Städten des deutschen Verkehrsnetzes gezeigt; in der oberen Hälfte der Wandfläche sieht man eine wirksame Werbung unseres Stadttheaters durch fünf Modelle von Bühnenbildern, die in Schaukästen aufgebaut sind und Szenen aus einem Schauspiel, einer Oper, einer Operette, einem Lustspiel und einem Märchenspiel darbieten, ferner sind bei dieser Theaterwerbung eine Anzahl Spielprogramme, u. a. auch das Programm zur Eröffnungsvorstellung unseres Stadttheaters im Jahre 1907 und das Programm zu der 25-Jahrfeier unserer Bühne mit enthalten. Die Querwand des Standes ist von einer interessanten Nachbildung aus dem Liebig-Museum ausgefüllt, um hier den Ausstellungsbesuchern zu zeigen, wie stark in Gießen zu Liebigs Zeiten der Entwicklung der Chemie der Weg bereitet wurde. Die linke Seite bringt in der unteren Hälfte eine wirksame Werbung der Universität durch die Ausstellung zahlreicher guter Bilder und einer Büste von Röntgen, im oberen Teile der Wand wird unserer Stadt in ihrer Bedeutung als Garnison des Reichsheeres durch eine Anzahl guter Bilder der Oeffentlichkeit nahegebracht. Die Decke des Standes zeigt die Wappen der Stadt Gießen und der Universität. Der Stand macht in feiner klaren Gliederung und in der guten Geschlossenheit der einzelnen Abteilungen einen vortrefflichen Eindruck. Er wird auf der Ausstellung zweifellos eine gute Werbung für unsere Stadt bedeuten und damit die geistige Arbeit und das künstlerische Schaffen seiner Urheber in schöner Weise belohnen. Oberhessen. Neuer Dekan in Lauterbach. * Lauterbach, 19. Aug. Als Nachfolger des auf. feinen Wunsch von dem Amte des Dekans entbundenen Oberpfarrers Schlösser, wurde der seicherige Dekan-Stellvertreter, Oberpfarrer Zeh - fuß (Schlitz), mit der Leitung der Dekanatsgeschäfte des Dekanats LauterSach beauftragt. Gottesdienst des Landesbischofs Lic. Or. Dietrich in Münzenberg. (EPD.) Am Sonntag, 18. August, um 14.30 Uhr, fand im Burghof zu Münzenberg ein von vielen evangelischen Glaubensgenossen herzlich erbetener Gottesdienst des Landesbischofs statt. Etwa 1000 Personen füllten den gottesdienstlich hergerichteten Raum. Der Dekan des Dekanats Hungen, Dekan Engel, hielt die Eingangsliturgie, der Landesbischof predigte über das Bibelwort Psalm 139, Vers 17: „Wie köstlich sind vor mir, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihrer so eine große Summe". Seiner Perdigt lagen folgende Gedanken zugrunde: Köstlich sind Gottes Gedanken in der Schöpfung und in der Geschichte unseres Volkes. Aber diese herrliche Schöpfung ist auch dem Sterben und Vergehen unterworfen, die große Geschichte unseres Volkes ist zugleich Segen und Kampf. Darum bleibt der köstlichste Gedanke unseres Gottes: Jesus Christus, der unser Friede ist. Dieser Christus ist aber nicht nur Gedanke Gottes geblieben, er ist Mensch geworden und hat Fleisch und Blut angenommen; so wollen wir ihn, unseren Heiland, nicht bloß einen herrlichen Gedanken unter uns und über uns bleiben lassen, sondern in ihm und mit ihm leben durch die Tat. Der Gottesdienst hinterließ einen tiefen Eindruck bei den andächtig lauschenden Zuhörern. Im Anschluß an die gottesdienstliche Feier fand im Gast- Sie in die Hände gefallen sind, liegen noch schwer verwundet im Krankenhaus. Aber wie mir der Schweizer Kollege berichtet, wird man sie in diesen Tagen vernehmen können. Vielleicht fahren Sie mit mir zu diesem Zweck herüber. Sie können uns eventuell die Angaben der beiden wertvoll ergänzen." Glückstrahlend kehrte Georg zurück. Er wollte sofort vom Hotel aus zu Marlen fahren. S i e sollte die erste sein, die von der glücklichen Wendung erfuhr. „Herr Korda", jagte der Portier, als er ins Hotel eintrat, „hier, der Herr wünscht Sie zus pechen." Justizrat Nieman trat schnell auf ihn zu. „Justizrat Niemann, Sachwalter des Grafen Veltheim." Georg Korda sah etwas erstaunt aus. „In welcher Angelegenheit, bitte, Herr Justizrat?" „3n Sachen Ihrer Frau Schwester, der jungen Gräfin Veltheim." Befremdet trat Georg zurück. „Das muß ein Irrtum sein, Herr Justizrat! Ich habe nur eine Schwester: Marlen Korda/' Der alte Herr lächelte ftöhlich. „Ja — und um die handelt es sich, Herr Korda. Haben Sie einen Augenblick Zeit für mich?" Verwundert folgte Georg Korda dem Justizrat in das kleine Schreibzimmer des Hotels. Fassungslos hörte er dem Bericht des Justizrats zu. Marlen verheiratet? Eine Gräfin Veltheim? „Es kommt mir vor wie ein Märchen, Herr Justizrat!" meinte er verwirrt. „Das ist das richtige Wort, Herr Korda. Die Märchen fangen ja auch oft efhr traurig an und enden dann mit lauter Glückseligkeit. So wird es hoffentlich auch in diesem Falle fein. Nun hören Sie den Feldzugsplan, den sich Graf Veltheim ausgedacht hat." Die beiden Herren fvrachen eifrig miteinander. Das Gesicht Georg Kordas hellte sich immer mehr auf. 25. Kapitel. Das Gold der Herbstsonne lag über dem weißen Sommerhäuschen draußen inmitten der Blumen- und Gemüsefelder. Es sah schon herbstlich aus. Die lieblichen Sommerblumen waren verblüht, die großen Blüten der Dahlien waren kleiner und zarter. Nur die Astern, diese Spätherbstblumen, blühten in scheuem Weiß und ernstem Lila auf den Beten. Die Bäume standen in goldigem Laube da. Im lichten Herbstwinde segelten die Blätter müde in das welke Gras. Marlen stand vor ihrem kleinen Häuschen und spähte auf die Straße. Ihr Gesicht war ernst und traurig. ©leid) würde ein Käufer kommen, der sich für beute vormittag angesagt hatte. Dort weit hinten auf dem Gelände arbeiteten die beiden treuen Gehilfen. Wer würde ihr nächster Herr fein? Wenn sie daran dachte, sich von den braven Menschen zu trennen, die mit ihr so treu geschafft hatten, wurde ihr das Herz schwer. Sie hing an ihnen wie an jedem Stückchen Boden hier. Dies alles hatte sie mit Mühe und Arbeit gepflanzt, gesät und betreut. Hatte sich gefreut über jede Blume, die erblühte, über jede Frucht, die am Baum reifte. Und nun war alles vorbei. Wo würde sie hingehen? Was würde aus ihr werden und aus Georg? Mit brennenden Augen schaute sie vor sich hin. Jetzt schlug es vom Turme der nahen Dorfkirche elf Uhr. Und zu gleicher Zeit hörte sie von fern her das Hupen eines Wagens. Jetzt bog ein großer schwerer Mercedes um die Ecke, kam auf ihr Grundstück zu. Das war wohl der neue Käufer. Nun, es schien ein vermögender Herr zu sein. Aber was wollte er dann hier mit ihrem Grundstück? Hierher gehörte doch ein Gärtner, der verstand, mit dem Grund und Boden umzugehen. Für Leute, die an Luxusgärten gewöhnt waren, war das doch keine Gegend. Dem Mercedes entstieg ein älterer Herr in dunklem Ulster. Der Chauffeur war vom Sitz gesprungen und half dem Herrn ehrerbietig heraus. „Fräulein Marlen Korda?" fragte der alte Herr und lüftete höflich den Hut. „Jawohl!" „Sie haben wohl meinen Brief bekommen? Ich interessiere mich für Ihr Grundstück. Darf ich näherkommen?" Als Marlen nickte, wandte sich der Herr dem Chauffeur zu: „Fahren Sie zurück — Sie wissen ja Bescheid." „Jawohl, Herr Justizrat!" Der Chauffeur legte die Hand an die Mütze, wendete und fuhr davon. „Gestatten Sie zunächst, daß ich mich vorstelle: Justizrat Niemann!" Er nannte seinen Namen absichtlich undeutlich, so daß Marlen ihn nicht verstand. „Wollen Sie bitte nähertreten, Herr Justizrat!" Marlen öffnete die kleine Gartenpforte und schritt Justizrat Niemann voraus auf das Häuschen zu. „Wunderschön!" sagte- der Justizrat und sah sich befriedigt im Gehen um. „Sehr gut gehalten! Das muß eine ganze Menge Ertrag bringen." „Wenn man etwas vom Gartenbau versteht — allerdings. Wünschen Sie auch für einen Gärtner zu kaufen, Herr Justtzrat?" Marlen wunderte sich. Warum lachte denn der alte Herr plötzlich so verschmitzt? „Wie man's nimmt!" sagte er. „Also ich nehme das Grundstück, so wie es liegt und steht." Marlen blieb vor Verwunderung stehen. „Aber Sie wissen doch den Preis noch gar nicht, Herr Justizrat." „Der spielt keine Rolle. Mein Auftraggeber hat es sich in den Kopf gesetzt, dies Grundstück zu erwerben. Also brauchen wir über den Preis gar nicht zu verhandeln." Marlen war immer erstaunter. Wenn dieser alte Justtzrat nicht vollkommen normal und ver- nünftig ausgesehen, hätte sie geglaubt, sie hätte es mit jemandem zu tun, der entweder nicht bei Ver- ftanb war, ober der sich einen Scherz erlauben wollte. Hof ,Lur Burg" eine überfüllte Nachversammkunck statt, in der der Landesbischof über die kirchliche Lage sprach. Gemeindetag der Bekennenden Kirche in Münzenberg. Arn Sonntag, 18. August, hatte die Bekennende Gemeinde Münzenberg Die Bekennenden Christen der Wetterau zu einem Gemeindetag „Unter dem Wort" in die alte, mächtige Kirche zu Münzen« berg eingeladen. Trotz allerkürzester Borberei- tungszeit waren 1560 Gemeindeglieder dem Ruf des Kirchenoorstandes der Bekennenden Gemeinde Münzenberg gefolgt. Die geräumige Kirche konnte die Herbeigeeilten bei weitem nicht fassen, so daß ein gleichzeitiger Gottesdienst auf dem Kirchplatz stattfinden mußte. In der Kirche geleitete die Orgel, auf dem Kirchplatz der bewährte Posaunenchor Lang-Göns die gewaltig erklingenden Glaubenslieder der Gemeinde. In der Kirche hielt der Ortspfarrer Lenz die Liturgie und predigten die beiden Frankfurter Pfarrer Göbels, Diakonissenhaus, und Lic. Fricke, Mitalied des Landesbruderrates der Bekennenden Kirche Nassau-Hessen. Auf dem Kirchhof verkündigten Pfarrer Fricks und Pfarrer Dr. Adam, Frankfurt, der andächtigen Gemeinde das Wort Gottes zur Not und Verheißung der Kirche. Das Opfer der Bekennenden Gemeinde für die Arbeit der Bekennenden Kirche ergab den überraschenden Betrag von 260 Mark. Landkreis Gießen. wg Großen-Bufeck, 20. August. Die G e« treibeernte ist bis auf geringe Ausnahmen vollendet. Das Dreschen im Freien wurde ebenfalls abgeschlossen. Nunmehr wird mit zwei Dreschgarnituren in den Scheunen gearbeitet. Der Strohertrag ist zufriedenstellend, der Körnerertrag bleibt gegen das Jahr 1934 stark zurück. Die Entearbeiten, hauptsächlich für Roggen und Weizen, wurden in unserer Gemarkung gegenüber anderen Gemeinden etwas verspätet ausgeführt, da auch dis Aussaat im vergangenen Herbst wegen der Feld« bereinigung erst gegen Ende Oktober vorgenommen werden kannte. Die Grummeternte hat nunmehr eingesetzt. Der Graswuchs läßt' auf allen Wiesen, mit Ausnahme der Rechtenwiesen, viel zu wünschen übrig. Auf den Rechtenwiesen hat sich dis durch die Feldbereinigung geschaffene Bewässerungsanlage gut bewährt. Auf trockenen Feld» wiesen lohnt sich kaum das Mähen. )-( Staufenberg, 19. August. Kürzlich wurde amtlich bekanntgegeben, daß von zwei Pferdemärkten für den Ankauf von Militärpferden einer in Alsfeld und einer in Staufenberg stattfinden werde. Damit hat die Behörde, wohl mit Absicht, auf ein in früheren Jahren be* stehendes Recht von Staufenoerg ^urüdgegriffer^ was dem heutigen Geschlecht zumeist außer Gedächtnis gekommen ist. Dieser Entschluß ist dankbar zu begrüßen, denn in alter Zeit hatte (Staufenberg das Recht, drei Märkte jährlich zu halten, und zwar am Mittwoch nach Oculi, Mittwoch nach dem 1. Trinitatissonntage und dem 13. Trinitatissonntage. Die Landgräfin Elsiabeth Dorothee hatte dieses Recht der Stadt verliehen (1680), die Urkunde befindet sich noch auf dem Rathause unserer Gemeinde. Genannte Märkte waren an die Stells des in sehr alter Zeit vorhandenen, aber wegen „Unsicherheit" eingegangenen großen Viehmarktes in der „Kuhmark", gelegen zwischen Mainzlar und Hachborn, an der Straße, die früher von Gießen nach Kirchhain führte, getreten. * Großen-Linden, 20. Aug. Hier ereignete sich am gestrigen Montag gegen 15 Uhr ein Verkehrsunfall. Ein Autofahrer aus einem Nachbarorte, der in die sogenannte Heeresstraße einbiegen wollte, um nach Lang-Göns zu fahren, stieß an der Ecke mit einem im gleichen Augenblick auf einem Motorrad hereinkommenden Soldaten zusammen. „Darf ich Sie fragen, für wen Sie kaufen wollen, Herr Justizrat? Ist der Käufer imstande, meins Forderung sofort bar zu erledigen?" Das Gesicht des Justtzrats wurde immer fideles. „Ich glaube schon." „Dann darf ich vielleicht wissen, für wen SiS kaufen?" „Aber selbstverständlich. Mein Auftraggeber ist Diettich Graf Veltheim. Ich bin sein Sachwalter» Justizrat Niemann." Marlen fuhr zurück. „Graf Veltheim? — Unmöglich!" „Aber warum denn, meine Gnädigste?" fragte der Justizrat, und tat vollkommen harmlos. „Warum erschreckt Sie das so? Sie sind doch meines Wissens die Gattin des Grafen Veltheim." Marlen wurde es schwarz vor den Augen. Mit äußerster Energie nur bezwang sie das Schwindelgefühl, das von ihr Besitz ergriff. Sie wollte nicht schwach werden; sie wollte es nicht. Was war das für ein grausames Spiel, das da mit ihr getrieben wurde? Konnte Dietrich Velcheim es nicht genug damit sein lassen, daß er sie beschimpft hatte? Daß sie arm und elend war? Mußte er nun Den Spott so weit treiben. Das Grundstück hier zu erstehen, an dem sie hing, und das ihr letzter Besitz war? Aber er sollte sich getäuscht haben. Lieber wollte sie verhungern, als es ihm geben. Sie richtete sich auf. „Dann bestellen Sie dem Herrn Grafen Velcheim» Herr Justizrat, daß er sich in mir getäuscht hat. Ich nehme kein Almosen, in keiner Form! Ich verkaufe ihm das Grundstück nicht. Ich wünsche mit ihm nichts mehr zu tun zu haben. Niemals im Leben! Bitte, bestellen Sie ihm Das!" „ In ihrer furchtbaren Aufregung hatte sie ganz überhört, daß sich Schritte der Gartenpforte genähert hatten. Daß die Pforte leise geöffnet worden und hinter ihr eine junge Dame aufgetaucht mar. Aber Justizrat Niemann, der mit dem Ge. sicht Zum Eingang gestanden, hatte es gesehen. Jetzt sagte er betont laut: "Ja, das ist ja schlimm, gnädigste Gräfin. Dann werde ich wohl andere Hilfsttuppen heranholen müssen. „Bemühen Sie sich nicht, Herr Justizrat!" kam es schneidend zurück. „Ich bedaure nur, daß ein UJlann, wie Sie, sich zu dieser Komödie hergegeben hat. Mein Entschluß ist unabänderlich. Ich wünsche von Herrn Grafen Velcheim nichts mehr zu hören." Da fuhr sie zusammen. Eine sanfte Mädchenstimme hinter ihr erklang: „Wirklich nicht, Marlen? „Karla — du?" stammelte Marlen. „Ja, Marlen, ich bin Die Hilfstruppe, Die der gute Herr Justizrat herbeigerufen hat." „UnD Die hoffentlich ihre Schuldigkeit tun wird"» lächelte Herr Justizrat Niemann. „Gestatten Sie, Frau Gräfin, daß ich mich solange entferne. Ich glaube, ich kann Fräulein von Weckenroth jetzt Das Gefecht übergeben." 1 ö (Schluß folgt.) Dabei wurde derSoldat amKopfe verletzt, S.jlxfport Zum ersten Male seit dem Bestehen des neuen Gaues wurde durch den Gaujuäendjchwimmwart Kleinhans (Kassel) em Jugendschwlmmfest größeren Handball im Kreis VIII (Lahn-Dill) und zwar starten. . Ausschreibung: Ausmaßes durchgeführt. Der Erfolg war denn auch groß, wenn auch die Kasseler Vereine den Großteil der Teilnehmer stellten, lieber 180 Teilnehmer hatten sich gemeldet, um im Wettkampfe ihre Kräfte zu messen. Dem Kampftag war eine Zeltlagerwoche oorausgegangen, in der sich die Schwimmerjungen mit den in Vöhl untergebrachten Landjahrjungen bei gemeinsamem Training wie auch beim Exerzieren angefreundet hatten. Die Ausbildung der Landjahrteilnehmer lag in den Händen des Bezirksleiters der DLRG. Mehlis, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, jeden Jungen nicht nur zum Schwimmer, sondern auch zum ausgebildeten Retter zu machen. Außerdem führte Mehlis mit feinen Jungen als Neuestes ein sog. „Wasserexerzieren" vor, das von der stattlichen Zuschauerschar mit Bei- Dnefkasteri der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der SchriftteitungO Drei Wißbegierige (M. E., F. K., B. E.). Die Antwort auf Ihre Anfrage ist bei uns eingegangen. Wir bitten Sie, bei der Schriftleitung in der Zeit von 17 bis 18 Uhr vorzusprechen. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12JO Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samsiagnach- mittag geschlossen. Dferberennen in Frankfurt. ZdomeneuS Sieger im Landgrafen-Nennen Contefsina gewinnt Wäldchens - Nennen. überzeugen. Von der alten Spielstärke war nichts mehr vorhanden. Die PLatzbesitzer siegten wie sie wollten und haben damit bewiesen, daß gerade bei den kommenden Pflichtspielen mit ihnen zu rechnen ist. Tv. Hörnsheim II — Tv. Garben- heim II 20:6 (9:2). Auch hier ein ganz hohes Ergebnis für die Hörnsheimer, das eindeutig für die spielerischen Qualitäten des Nachwuchses zeugt. Die erste Mannschaft des Tv. 1846 Gießen gewinnt den Wanderpreis der Tuspo W.-7liedergirmes. Die Turn- und Sportgemeinde 03 Wetzlar-Niedergirmes veranstaltete am vergangenen Sonntag einen Werbespieltag, bei dem neben Handball und Fußball auch das Faustballspiel zu seinem Recht kam. Die Faustballspiele wurden in einem Turnier aus- getragen, das von jetzt ab alljährlich stattfinden soll, und zwar für Altersmannschaften. Für den Sieger des Turniers steht ein wertvoller Wanderpreis zur Verfügung. Nach dreimaligem, ununterbrochenem oder nach viermaligem Sieg überhaupt geht er in den Besitz der betreffenden Mannschaft über. Nach scharfen Kämpfen gelang es nun gestern den alten Herren des Tv. 1846 Gießen erstmals in den Besitz des Wanderpreises zu kommen. Wie gleichwertig die Mannschaften waren, bewies die gleiche Punktzahl, die am Schluß vier Mannschaften hatten. Erst im Entscheidungsspiel (Gießen hatte das Freilos gezogen), konnten die Gießener ihren alten Rivalen Philippftein ziemlich sicher nisderringen und sich so den Endsieg sichern. Nordhessens ßif gegen Bayern. Für den Fuhballkamps Nordhessen — Bayern am 25. August in Fulda hat der Gau Nordhessen folgende Mannschaft ausgestellt: Sonnrein (Hanau 93); Lippert (19 0 0 Gießen), Eufinger (Hanau 93); Weyandt (Germania Fulda), P l e t s ch (Borussia Fulda), Strasser (Borussia Fulda); Markert (Kassel 03), Philippi (Hanau 93), Maintz (Borussia Fulda), Brüssel (SV. Kassel), K l e i m (Kassel 03). Als Ersatz wurden Kammer! und Röll (beide Borussia Fulda) aufgeboten. Gaujugendschwimmfest in Vöhl am Edersee. Gießener Schwimmer gut placiert. essen in ihren zwei stattlichen Omnibussen zum Besuch von Bad-Nauheim weiter. Der Besuch löste hier große Freude aus, wird er doch als Beweis für die Gastfreundlichkeit Großen-Lindens angesehen. — Gestern fand bei herrlichem Wetter das Sommerfest der Kleinkinderschule auf dem Turnhallenplatz statt, wozu sich viele Einwohner eingefunüen hatten. Pfarrer Schultheiß wies in seiner Ansprache daraus hin, datz die Klein- Jugend A (Jahrgang 1917/18): 100 Meter, 400 Meter, 1500 Meter, Schwedenstaffel, Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen, Diskuswerfen. Jugend B (Jahrgang 1919/20): 100 Meter, 1000 Meter, 4X100-Meter-Staffel, Weitsprung, Kugelstoßen, Speerwerfen. , Jugend C (Jahrgang 1921/22): 100 Meter, 800 Meter, 4X100-Meter-Staffel, Weitsprung, Kugelstoßen. . Jugend D (Jahrgang 1923 und junger): 50 Meter, 4X50-Meter-Staffel, Weitsprung, Ballweitwurf. Wanderpreiskegeln in Wieseck. Zur Förderung des Kegelsportes einigten sich die drei in Wieseck bestehenden Kegelklubs (Mitglieder des Vereins der Kegler des Lahn- und Buseckertals), unter sich einen Wanderpreis auszukegeln. Am Sonn- tag fand auf der Kegelbahn des Vereins „Gut Holz bei Gastwirt Georg Keller der erste Kampf statt. Dem Kegelklub „Vorwärts" gelang es mit seiner hier eingetrofffen Kreis Büdingen. ch Nidda, 19.August. Nachdem unlängst die hiesige Ortsgruppe desVogelsbergerHohen- Clubs eine Nachtwanderung unter Beteiligung von etwa zwölf Männern über den Hain nach Wallenhausen ausgeführt hatte, unternahm sie am qeftriqen Sonntag mit 25 Teilnehmern eine Autobusfahrt ins Blaue. Die Fahrt führte über Frankfurt und die Reichsautobahn nach Darmstadt, sodann über die Bergstraße nach Worms. Unter Führung des dortigen VHC.-Bruders Don alt besichtigte man die Sehenswürdigkeiten der alten Nibelungenstadt, die man dann gegen 14 Uhr verließ, um auf der Heimfahrt noch irt Oppenheim und Mainz längere Rast zu machen. Gegen 22 Uhr kam man wieder in der Heimat an. Opel fährt mit der gesamten Belegschaft zum Mein. Am 17. August haben sich in Rüsselsheim die Fabriktore der größten Automibilsabrik auf dem europäischen Kontinent geschlossen und die gesamte Belegschaft — 15 000 Arbeitskameraden — ging für 14 Tage in Urlaub. Schon diese Tatsache ist bemerkenswert, denn es ist nichts Alltägliches, daß ein so großes Werk, das während des Jahres gemeinsam in eifriger Arbeit zusammensteht, auch gemeinsam seine Ferien antritt. . Einen tieferen Sinn erhalten diese Werksferien jedoch durch die gemeinsamen Rhein-Fahrten, die die A d a m O p e l A G. mit allen Werkskameraden zwischen Mainz und St. Goar auf zehn großen Salondampfern der Köln-Düsseldorfer Rheindamps- schiffahrt durchführt. Schon die erste dieser Fahrten, die am Sonntag rund 1000 Menschen auf dem Expreß-Dampfer „Kaiser Mhelm" Bereinigte, roar für alle Teilnehmer ein ebenso frohes, wie herrliches Erlebnis. Bei prächtigem Sonnenschein fuhr man von Mainz aus durch die gesegneten Fluren des Rheingaus mit den köstlichen Rebhügeln und den in leichtern Nebel verdämmernden Bergen des Taunus. Bei froher Musik ging es an den wunderschönen Weinstädtchen Eltville, Geisenheim, Rude^ heim, Bingen, Aßmannshausen, Lorch, Bacharach und wie sie alle heißen mögen, vorüber, einzigschon im Glanze dieses strahlenden Sonntags. . Der Betriebswart Der Adam Opel AG. fand m einer kurzen Ansprache herzliche Worte für die Werkskameraden, wobei er betonte, daß die Gemeinschaft im Betriebe der großen Volksgemeinschaft dienen müsse. Seine Worte klangen aus in einem begeistert aufgenommenen Sieg-Heil auf Führer und Vaterland. Bei froher Unterhaltung und guter Atzung kam man gegen Mittag an die Loreley, und eine halbe Stunde später legte der Dampfer in St. Goar an, der „Stadt, die allzeit gastlich war"! Mit Böllerschüssen und einem Ehrentrunk wurden die Rheinfahrer begrüßt, und dann stieg man hinauf zur Feste Rheinfels", um dort einmaal rückwärts zu schauen in die alten längst vergangenen Zeiten m Sturm und Drang des deutschen Stromes In beschaulicher Heiterkeit trat man nach ^/-stündigem Aufenthalt die Rückfahrt mit bem nut der gerbweißen Opelschen Hausflagge ftstUch geschmuck- tem Schiff an, um im dämmernden Abend das goldene Mainz wieder zu erreichen nach einem herrlichen Tag der Ausspannung m schönster deutscher Landschaast. LeichtathletischeLugendmeisterschasten des Kreises Giehen. Der Sportkreis Gießen, umfassend die politischen Kreise Gießen, Wetzlar, Dillkreis, Alsfeld und Schotten, führt am Sonntag, 8. September, in Gießen auf dem Waldsportplatz des VfB.-Reichs- bahn seine leichtathletischen Jugendmeisterschaften durch. Die Wettkämpfe finden vormittags statt und beginnen um 9.30 Uhr pünktlich. Die Meldungen sind zu richten bis zum 4. September 1935 an Kreisfachamtsleiter Gg. Richtberg, Gießen, Mühlstraße 32. Jeder Jugendliche muß im Besitze eines Passes oder sonstigen einwandfreien Ausweises sein und darf nur in seiner Altersklasse Zehnermannschast je 25 Kugeln die Kegelzahl 1499 zu erreichen. Kegelklub „Gut Holz" erreichte 1465 und Kegelklub „Alle Neun" 1404 Holz. Der nächste Kampf soll am Sonntag, 8. September, auf der Kegelbahn des Vereins „Alle Neun" in Wieseck bet Gastwirt Dölzel ausgetragen werden. Der dritte Kampf auf der Kegelbahn des Vereins „Vorwärts Wieseck bei Gastwirt Richard Weller wird noch bestimmt. Derjenige Verein, der in den drei Kämpfen die höchste Holzzahl erreicht, ist Sieger des wertvollen Wanderpreises. Das Resultat des ersten Kampfes kann als gut angefprochen werden. In der Einzelbewertung erreichten die Kegler Karl Düringer mit 25 Kugeln 164 Holz, Heinrich Ihm mit 158 Holz (beide Kegelkranz Vorwärts) und Otto Strack (Gut Holz) mit 158 Holz die Bestleistung. In Abwesenheit des Dereinsführers des Vereins der Kegler des Lahn- und Buseckertals würdigte in kurzen Worten der Dereinspressewart W. Rupp die sportliche Bedeutung des ausgetragenen Kampfes und wies darauf hin, daß der Kegelsport für alt und jung ein Betätigungsfeld fei, das den Menschen gesund, frisch und froh erhält. Mit einem Sieg-Heil auf unseren herrlichen Führer Adolf Hitler und auf den Reichssportführer vonTfchammerund Osten fand der sportliche Kampf fein Ende. Oer Abschluß der Studeuteu-Weltspiele In Budapest. 3m Gesamtergebnis Ungarn vor Deutschland. nach vorne, doch ging „Dornrose" sofort mit. „Con- tessina" wurde im selben Augenblick von Z e h - misch an „Janitor" herangebracht. Im Einlauf schoß „Contefsina" in Front, nur „Janitor" lag noch vorne, die beiden anderen waren schon wieder abgefallen. „Contefsina" hatte das Rennen jeden Augenblick sicher und gewann überzeugend mit l1/« Längen. Die ©tute zeigte in diesem Rennen erstmals wieder ihre groharttge Form vom vergangenen Jahre und wird nun, nachdem sie ihre Krankheit vom Frühjahr restlos überwunden hat, eine erste Rolle im deutschen Rennsport spielen. JmDr.-Riese-Erinnerungs-Jagdren- nen führte „Bellator" bis in den Einlaufbogen vor „I u b e I", der dann leicht gewann. Im abschließenden Preis von Frankenstein konnte der Westdeutsche „G n u s e m o n g" kurz vor dem Ziel den Kopf noch in Front bekommen. Die Rad-Weltmeisterschaften inBel- gien wurden am Sonntag mit den Sttaßen-Ren» nen der Amateure und Berufsfahrer abgeschlossen. Bei den Amateuren siegte der Italiener Man- cini und bei den Profis war Jean Aorts erfolgreich. Beide Rennen fanden auf der Rundstrecke von Floreffe im Beisein von mehr als 100 000 Menschen statt. Don den Deutschen belegte Wöl- tert bei den Amateuren und Kijewski bei den Berufsfahrer je den neunten Platz. Für das diesjährige Gordon - Bene tt - Rennen der Freiballone wurden vom Reichsluftsportführer folgende Ballone und Besatzungen gemeldet: D — Alfred Hildebrandt (Führer Bertram und Brehm, Chemnitz), D — Erich Deku (Führer Karl Götze jun. und Lohmann, Düsseldorf), D — Deutschland (Führer Eugen Stüber und W. Schäfer, Leipzig). * Ein außerordentlich starkes Aufgebot wird Deutschland zu der die internationale Rudersport - Saison abschließenden Holland - Becher- Regatta in Amsterdam entsenden. Es wurden vornehmlich Ruderer aus den südwestdeutschen Vereinen gemeldet. Das 13. Schleizer Dreiecks-Rennen, das in diesem Jahre unter dem Namen „Internationales Rund» strecken-Rennen von Thüringen" gestartet wurde, war mit 60 000 Zuschauern nicht so stark wie in den vergangenen Jahren besucht. Dem Rennen kam in diesem Jahre eine beson-- bere Bedeutung dadurch zu, daß in allen Klassen Meisterschastsläufe ausgefahren wurden. In der Klaffe bis 250 ccm waren die DKW.-Fahrer wieder klar überlegen. Arthur Geiß aus Zschopau Holts sich den Sieg mit geringem Vorsprung vor seinen Markengefährten Kluge und Hans Winkler. In der Klasse bis 350 ccm gab es das seltene Ergebnis, daß zwei Fahrer im toten Rennen über das Zielband als Sieger gingen. Die beiden NSU.- Fahrer M e l l m a n n und Steinbach lagen die ganzen 20 Runden über zusammen und passierten gemeinsam auch das Ziel. Auch in der Halb- . literklasse gab es einen NSU.-Sieg. Vier Fahrer, und zwar Steinbach (NSU.), S ü n i u s (NSU.), Bauhofer (DKW.) und Mansfeld (DKW.), lieferten sich einen mörderischen Kampf, aus dem schließlich der NSU.-Fahrer Steinbach als Sieger yervorgehen konnte. Bei den Seitenwagen- Maschinen errang der NSU.-Fahrer Schumann in der 600-ccm-Klasse den ersten Preis vor Kahr- mann (Fulda) auf DKW., und bei den „Großen" blieb Braun (Karlsruhe) auf Horex vor Wey- res- Aachen (Harley-Davidson) sicherer Sieger. Kurze Sportnotizen. Den Höhepunkt der Frankfurter Rennsaison bildet in jedem Jahre das Augustmeettng mit dem traditionellen Landgrafen- und Wäldchens-Rennen. Am letzten Sonntag hatte die Bahn in Niederrad bei dem herrlichen Wetter einen Massenbesuch aufzuweisen, so daß der Renntag zu einem vollen Erfolg wurde, da auch der gebotene Sport auf hoher Stufe stand. Eingeleitet wurde das Programm mit dem Preis des Gestüts Erlenhof für Zweijährige. Grabsch mit „Teutoburger Wald" konnte ganz nach Wunsch gewinnen. Im Präsidenten-Preis siegte die Wein- bergsche „Fiduzia" mit größter Ueberlegenheit. Im Landgrafen-Rennen klappte der Start auf den ersten Anhieb. „Jdomeneus" kam außen fliegend ab und behielt die Spitze bis ins Ziel. Zunächst war „Toscanella" auf dem zweiten Platz vor „Alexandra" und „Schwarzweiß", die das schnelle Tempo nicht gleich mithalten konnte. Im Bogen ging „Alexandra" dicht an den Führenden heran, und es schien so, als könnte sie ihn von der Spitze Derbrängen, doch hatte Grabsch auf „Jdomeneus" immer die Möglichkeit, den Hengst in Front zu halten. Je weiter es ging, um so sicherer gewann „Jdomeneus". Zum Schluß kam „Schwarzweiß" noch dicht auf uni) hätte einiae Meter weiter „Alexandra" um den zweiten Platz gebracht. Das Graf-Holck-Erinnerungs-Jagd- rennen wurde sehr flott geritten. Im scharfen Endkampf behauptete „Reichsmark" den Sieg knapp gegen „Salur", während weitab „Petrus" vor „Harun" den dritten Platz belegte. Mit großer Spannung erwartete man bas Wäldchens-Rennen, nach dem Derby das älteste deutsche Galopp-Rennen, das 1865 zum ersten Male gelaufen wurde. Der Weinberg'fche „Janitor", der Gewinner von 1933, versuchte gegen die vorzüglichen dreijährigen Stuten „Dornrose" und Contefsina", sowie den Westdeutschen „Famasino", den ein Könner wie Grabsch ritt, zum zweiten Male den Sieg in dieser berühmten Prüfung zu erringen. „Janitor" sah man die harten und erfolgreichen Kämpfe des Jahres an, aber der Hengst mar doch im Vollbesitz seines Könnens; „Contes- fina" hat erst jetzt ihre glänzende Vorjahresform wiedererlangt; Die mächtige „Dornrose", die zwei große Stutenrennen in diesem Jahre gewonnen hat und bisher ungeschlagen war, sand viele Anhänger; dem besonders auf Linkskurs erfolgreichen „Famasino" glaubte man auf Grund des Rittes von Grabsch einige Chancen geben zu können. Am Start ging Janitor" sofort in Führung und galoppierte in flotter Fahrt vor „Contefsina", „Dornrose" und Famasino" an den Tribünen vorbei, kam glanzend um die erste Ecke und drehte nun noch mächtiger auf. „Contefsina" folgte zwei Längen zurück, wahrend die anderen weiter ab liefen. Im Emlaufi bogeu warf Grabsch ganz plötzlich „Famasino so daß er der Klinik in Gießen zugeführt werden mußte, während das Motorrad stark beschädigt wurde. Die Insassen des Autos blieben unverletzt. h. Großen-Linden, 19. Aug. Samstag abenö fand in Schaums Saal ein Gesangsund Streichkonzert statt, das der Mannergesangverein Kaan-Marienborn unter Lei- hing feines Dirigenten Neebe veranstaltete. Dieser Verein hatte 1929 an einem großen Sängerwettstreit hier teilgenommen und besuchte deshalb jetzt den hiesigen Männergesangverein „German i a . Da der Gastoerein auch über eine gute Streichkapelle verfügt, konnte das Konzert, das in der Hauptsache etwa ein Dutzend Männerchöre bot, sehr abwechslungsreich gestaltet werden. Die über achtzig Besucher übernachteten hier als Gäste des Vereins „Germania" und fuhren nach dem Mittag- ihren groei stattlichen Omnibussen zum Be- x Bad-Nauheim weiter. Der Besuch kinberschule bereits 41 Jahre hier bestehe und in dieser Zeit viel Segen gegiftet habe. Es war eine Freude, die Reigen, Spiele und sonstigen Ausfüh- rungen der Kleinen und Allerkleinsten zu sehen, die sie unter Leitung der Schwester Sophie Kreh, die bereits acht Jahre hier wirkt, barboten. Garbenteich, 19. August. Die hiesige Genossenschaft des Markwaldes hatte am Samstagabend bei Gastwirt Steup ihre Mitglieder zur diesjährigen Hauptversammlung eingeladen. Nach Begrüßungsworten des Markmeisters Johannes Weigel gab dieser den Geschäftsbericht des abgelaufenen Rechnungsjahres bekannt. U. a. ist zu erwähnen, daß im vergangenen Winter in Anbetracht der guten Holzbestände nach vorausgegangener gemeinsamer Besichtigung des Waldes seitens des Vorstandes und der beaufsichtigenden Forstbehörde bei der Ausforstung ein Exttahieb durchgeführt und der Erlös als Reservefonds angelegt wurde. Die von Schatzmeister Wilhelm Kissel erstattete Jahresrechnung gab zu keinerlei Beanstandung Anlaß, worauf ihm durch die Rechnungsprüfer Entlastung erteilt wurde. Der Vorstand bleibt auch fifr das kommende Jahr in der seitherigen Zusammensetzung bestehen. Ein kleiner Reingewinn konnte trotz hoher Unkosten im abgelaufenen Geschäftsjahr an die Mitglieder verteilt werden. Hierzu wurde bekanntgegeben, daß beim Ausschlag des Gewinns die veraltete Rechnungs- formel in Klaftern durch die neuzeitliche Berechnung ersetzt wurde. Die fast vollzählige Versammlung wurde dann von Markmeister Weigel mit einem „Sieg-Heil" auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler geschlossen. cxd EberstQdt, 19. Aug. Ein junges Ehepaar, das am Sonntag mit Fahrrädern nach Butzbach fuhr, erlitt einen Unfall. Die junge Frau wurde von einem Auto angefah - ren und erheblich verletzt. Der Kraftwagenführer brachte die bedauernswerte Verunglückte sofort nach Lich zum Arzt. Neben leichteren Verletzungen hat die junge Frau auch einen komplizierten Armbruch erlitten; sie mußte in die Klinik zu Gießen gebracht werden. Wer die Schuld an dem Unfall trägt, ist noch nicht geklärt. — Die hie- fige Schäfereigenofsenschaft hat nach dem Abernten der Getreidefelder auch in diesem Jahre die Weide wieder verpachtet. Der langjährige Pächter Schiff er deck er ist mit seiner Herde wieder fall aufgenommen wurde. Dabei tauchten zum Schluß alle Knaben auf das Kommando „Fliegerdeckung" unter. Die Wettkämpfe, die übrigens nicht im Edersee, sondern in dem überraschend hübschen Gemeindebad des Ortes stattfanden, standen leistungsmäßig auf beachtlicher Höhe. Die Zeiten litten natürlich unter der kalten Witterung der letzten Tage, beson- ders auch unter der Wellenbildung, die die Bahn „schwer" macht. Fast jedes Rennen wurde unter den anfeuernden Rufen der Zuschauer, nur mit Zehntelsekunden Unterschied gewonnen. Unsere fünf Teilnehmer vom Gießener Schwimmverein haben sich gut geschlagen. Hervorzuheben ist der Sieg von Ortwein im 200-Meter-Brustschwimmen und der zweite Platz von Krenzien im 100-Meter-Rückenfchwimmen, der nach spannendem Kampf dem besten Jugendkrawler im Gau nur ganz knapp unterlag. Die 400-Meter-Krawlstrecke war denn auch John (Kurhessen Kassel) nicht zu nehmen. Dennoch war der Abstand zwischen ihm und dem Zweiten (Zimmer, Gießener SD.) geringer als erwartet wurde. Bentz (Gießener SV.), der erst kurze Zeit der Gießener Wettkampfmannschaft angehört, belegte in der Gesamtwertung noch einen achtbaren fünften Platz. Am umstrittensten war das 10 0 - M e t e r • Jugendkrawlschwimmen, zu dem genau 30 Teilnehmer gemeldet hatten. Zimmer (Gieß. SV.), der den ersten Sauf gewonnen hatte, belegte hier in der Gesamtwertung den 3. Platz, knapp vor Krenzien (Gießener SV.). Die 4X100-Meter- Krawlstaffel errang einen 2. Sieg mit der Mannschaft Albold, Krenzien, Bentz, Zimmer. Die Gießener Mannschaft war am ausgeglichensten, da die vier Kämpfer alle fast dieselbe Leistung zeigten. Die VI. Stubenten-Weltfpiele in Budapest wurden am Sonntag abgeschlossen. Am letzten Tage gab es am Vormittag Das Endspiel im Rugby, das dis Franzosen gegen Deutschland gewannen und am Nachmittag fielen im Universitätsstadion die letzten Entscheidungen in der Leichtathletik. In der Gesamtwertung aller in Budapest abgewickelten Sportarten haben Die Ungarn mit 481 Punkten den ersten Platz inne. Die deutschen Vertreter konnten auch durch ihre Erfolge in der Leichtathletik den Vorsprung, den sich die Magyaren in den anderen Wettbewerben, wie Schwimmen, Fechten, Fußball usw. errungen hatten, nicht mehr einholen und mußten sich mit 465 Punkten mit dem zweiten Platz zuftieden geben. An dritter Stelle folgt England vor Tschechoslowakei und Frankreich. Bei den Leichtathleten hat allerdings Deutschland mit 193 Punkten einen überlegenen Gesamtsieg vor Ungarn mit 107 Punkten errungen. Mit weitem Rückstand teilen sich Japan und England mit je 75 Punkten in den dritten Platz. Henner Henkel wurde Weltmeister im Tennis. Er besiegte im Männer-Einzel den Ungarn Gabro- vits mit 3:6, 10:8, 7:5, 6:1. S t u d e n t e n - F u ß- ball-Weltmeister wurde Ungarn, das Deutschland dank der gütigen Mithilfe des ungarischen Schiedsrichters mit 2:1 (0:0) besiegte. Im Fünfkampf kam der Berliner Stock zum Siege vor dem Polen L o k a j s k i (Ungarn), Sievert und Böhme (Deutschland). Luh (VfB.-R. Gießen) Vierter im Kugelstoßen bei den Studenten-Weltspielen. Der Gießener Leichtathlet Otto Luh vom VfB.« Reichsbahn, der an den Studenten-Weltspielen in Budapest teilnahm, wurde im Kugelstoßen hinter Widding (Estland) 15,38 Meter, Horvath (Ungarn) 14,56 Meter, und Stück (Deutschland) 14,44 Meter, mit 14,43 Meter vierter Sieger. Für beit Gießener Luh bedeutet dieser ehrenvolle vierte Platz einen schönen Erfolg. Das Motorrad-Hennen in Schleiz. Einheimischen zustande. Tv. Hörnsheim — Tv. Garbenhe im 24:5 (9:1}: In diesem Spiel konnten die Gäste nicht Das Programm für den ersten Sonntag nach der Sommerpause sah nur wenige Begegnungen. Das kam in der Hauptsache daher, daß die meisten Vereine mit ihren Aktiven in Großen-Buseck zu dem Kreisgebiets-Volksturnen antraten. Trotzdem gab es einige recht interessante Spiele, die zum Teil mit großen Überraschungen endeten und die für die kommende Spielzeit mancherlei Schlüffe zulassen. Tuspo W. - Ni e b e r g i r m e s I — Tv. Wetz- larI 5:9 (5:7) abgebrochen. Das Spiel begann Dieb versprechenb. Es würben auf beiben Seiten schone Angriffe eingeleitet. Dem Führungstor von Wetzlar ließen die Vorstädter stets prompt den Ausgleich folgen. Kurz vor der Pause wurden die Gäste überlegen und konnten mit zwei Toren in Führung gehen. Bei dem Stand von 5:9 für Wetzlar brach der Schiedsrichter das Spiel ab. Tuspo W. -Niedergirmes Jgd. — Turnv. Hochelheim Jgd. 12:5 (5:2): Das Spiel, das ebenfalls im Rahmen des Werbefpieltages des Tuspo Wetzlar-Niedergirmes ausgetragen wurde, stand ganz im Zeichen der Ueberlegenheit der Einheimischen, zumal die Gäste nur mit neun Mann antraten. To. Dorlar — Tv. Krofdorf 15:8 (6:2): Mit diesem Spiel hat sich die Mannschaft des To. Dorlar auch in der neuen Saison gut eingeführt. Der hohe Sieg kam in der Hauptsache durch das bessere Zusammenspiel aller Mannschaftsteile der ,M —«* M > » M ' ' ' / % MZW^ ' * / "TÖ* Ergebnisse des Kreisgebiets-Volksiurnens in Großen-Buseck -üu\