Ur. 167 Erstes Blatt 185. Zahrgang Samstag, 20. Juli 1935 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen*. Die Illustrierte Siegener Familienblätter Heimat tm Bild Die Scholle Monats Bezugspreis. Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Fernfprecharischliiffe enter Sammelnummer 225) Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Siesten Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitSts Such- und Zteindruckerei R. Lange in Stehen. Schrtstleitung und Geschastsstelle: Zchulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 60Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger satz 25°/0 mehr Ermäßigte Grundpreise: Stellen-., Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B planvolle Zusammenarbeit zur Säuberung Berlins. Wechsel im Polizeipräsidium der Reichshauptstadt. Berlin, 19. Juli. (DBB.) Der Polizeipräsident von Berlin, Konteradmiral a. D. von £ e - vehow, hat den Reichs- und preußischen Minister des Innern Dr. Frick um Enthebung von seinem Amt gebeten. Der Reichs- und preußische Minister des Innern hat bis zur endgültigen Genehmigung durch den Führer und Reichskanzler den Polizeipräsidenten von Levetzow von seinen Dien st gesch ästen enfbun- b e n und mit ihrer vorläufigen Wahrnehmung mit sofortiger Wirkung den Polizeipräsidenten von Potsdam, SA.-Gruppenführer Graf Helldorff, betraut In Verfolg dieser Beuernennung fand Freitagmittag eine Besprechung statt, an der Reichsminister Gauleiter Dr. Goebbels, der Staatskommissar der Hauptstadt Berlin, Dr. Lippert, Generalleutnant der Landespolizei, D a l u e g e, der stellvertretende Gauleiter G ö r l i h e r, Polizeipräsident SA.-Gruppenführer h e l l d o r f f und SA.-Gruppenführer U h l a n d teilnahmen. In dieser Besprechung wurden die Richtlinien fest- gelegt, nach denen in Zukunft in planvoller Zusammenarbeit zwischen politischer G a u l e i t u n g, SA. - Führung, Polizei und Stadtverwaltung der Kampf um die Säuberung der Reichshaupt st adt von kommunistischen Zersehungsversuchen, reaktionären Treibereien und bolschewistisch-jüdischer Anmaßung weitergeführt werden soll. Die Besprechung ergab eine vollkommene lieberein ff immun g, die die Gewähr bieten wird, daß auch in Zukunft der Charakter der Reichshauptstadt als einer durch die BSDAP. eroberten deutschen und nationalsozialistischen Stadt dieses Reiches und Volkes würdig ist, in vollem Umfange gewahrt bleibt. Partei, Polizei und Verwaltung werden es als ihre Ehrenpflicht anfehen, in einträchtigem Zusammenwirken diesem großen Ziele zu dienen. Der neue Polizeipräsident Der soeben mit der vorläufigen Wahrnehmung der Dienstgeschäfte des Berliner Polizeipräsidenten beauftragte Polizeipräsident von Potsdam, SA.- Gruppenführer Graf Helldorf, wurde 1896 in Merseburg geboren. Im Kriege ging er als Fahnenjunker im Husarenregiment Nr. 12 ins Feld und Graf Helldorff. (Scherl-M.) wurde in diesem Regiment 1915 zum Leutnant befördert. Nach der Revolution nahm er seinen Abschied und war danach von 1920 an im landwirtschaftlichen Beruf tätig. Er schloß sich der NSDAP, an und wurde 1925 von dieser in den Preußischen Landtag gewählt. Bon 1921 bis 1928 war er als Landwirt und Rittergutsbesitzer tätig und wurde dann 1931 SA.-Führer von Berlin-Brandenburg. In dieser Eigenschaft wurde er Ende 1931 von dem marxistisch eingestellten Schöffengericht wegen angeblichen Landfriedensbruchs zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt, in dem Berufungsverfahren vor dem Landgericht jedoch wieder freigesprochen. Unter seiner Leitung wurde am 8. März 1933 auf Anweisung des preußischen Ministers des Innern das Liebknechthaus in Berlin für die SA. beschlagnahmt und in Horst-Wessel-Haus umgetauft. Am 25. März 1933 wurde er zum Polizeipräsidenten von Potsdam ernannt und am 3. Juni 1933 in das preußische Ministe - rium des Innern berufen, um das Refe- r a t für Pferdesport zu übernehmen. Admiral von Levetzow Der bisherige Polizeipräsident von Berlin, Konteradmiral a. D. Magnus von Levetzow, hatte dieses Amt im Februar 1933 als Nachfolger des Polizeipräsidenten Dr. Melcher übernommen. Levetzow wurde 1871 in Flensburg geboren und trat 1889 als Kadett in die Kaiserliche Marine. Bon 1903 bis 1906 gehörte er u. a. dem Admiralstab der Marine in Berlin an. Bon 1916 bis 1918 oekleidete er den Posten des Chefs der Operationsabteilung des Kommandos der Hochfeestreit- kräfte. Nachdem Levetzow von Januar bis März 1920 Chef der Marinestation der Ostsee war, erbat er im Herbst des gleichen Jahres den Abschied. Während des Krieges hat Levetzow an allen Unternehmungen der Hochseeflotte teilgenommen. In den Jahren nach dem Kriege nahm er lebhaften Anteil an vaterländisch - politischen Bestrebungen. Ein unerhörter Vorfall LPD. Frankfurt a. M., 19. Juli. Das „Frankfurter Volksblatt" berichtet über ein Vorkommnis in Ober-Wöllstadt (Kreis Friedberg), das an die härteste Kampfzeit erinnert. Am 1. Juli d. I. verunglückte der stellvertretende Leiter der Landesstelle des Reichspropagandaministeriums, Pg. Müller, während einer Dienstfahrt am Ortseingang des Dorfes Ober-Wöllstadt. Ein Insasse des Kraftwagens wurde leicht verletzt und der Wagen selbst derart beschädigt, daß er abge- schleppt werden mußte. Sofort nach dem Unfall sammelte sich eine große Zahl Einwohner aus dem genannten Dorf an und erging sich in den gemein ft en Beschimpfungen gegen den Verunglückten und seine Kameraden. Es entstand sogar eine regelrechte Schlägerei unter den zum Teil betrunkenen Leuten, als ein besonnener Volksgenosse versuchte, für die Bedrohten Partei zu ergreifen. Auf die wiederholte Bitte um Hilfe wurde gefragt, was man b e - zahlen wolle, und als sich ein Einwohner bereit erklärte, für 40 Mark (!) einzuspringen, forderte man ihn lärmend auf, 50 Mark zu verlangen. Die wild gewordene Menge versuchte sogar, den Pg. Müller nach Geld zu durchsuchen und seine Freunde von ihm abzudrängen. Schließlich gelang es den Bedrohten, sich den Weg zu dem Haus eines vernünftigen Einwohners von Ober- Wöllstadt zu erzwingen und Hilfe herbeizurufen. Nach abgeschlossener Untersuchung des Sachverhalts hat der Reichs ft atthalter in Hessen als Chef der Hessischen Landesregierung angeordnet, daß die drei als Haupträdels- führer Fe ft gestellten, nämlich Heinrich Frank Stark, Hermann S ch w e i f e r t und Karl Hofmann, für längere Zeit nach D a - ch a u überwiesen werden. Hier soll versucht werden, diese drei Rädelsführer zu einigermaßen erträglichen Menschen zu erziehen. Den übrigen Einwohnern von Ober-Wöllstadt aber soll damit bargetan werden, daß man nicht ungestraft Wegelagerer spielen darf und dabei nach Vertreter des Staates und der Partei belästigen und beschimpfen darf. Der Reichsminister für kirchliche Angelegenheiten. Die Uebertragung aller kirchlichen Angelegenheiten, die bisher im Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern sowie im Reichs- und Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung bearbeitet wurden, an den Reichsminister ohne Geschäftsbereich Kerrl ist die politische und organisatorische Folgerung aus dem Erlaß, den der preußische Minister- präftbeni unb Chef ber Geheimen Staatspolizei, General Göring, über bie künftige Behanblung ungesetzlicher unb staatsfeinblicher Agitation eines Teiles ber Geistlichkeit an bie Staatsbehörben gerichtet hat. Die Zusammenfassung aller sich aus bem Erlaß Görings ergebenben Fragen unb Aufgaben, über bereu schwierigen unb beüfaten Charakter sich ber Erlaß selbst sehr offen ausgesprochen hat, in ber bewährten unb festen Hanb eines ber ältesten Mitarbeiter bes Führers unb Reichskanzlers zeigt, welche große Bebeutung bie Reichsleitung den in bem Erlaß kritisierten Mißständen, aber auch ihrer in gleicher Weise vom Interesse des Staates wie der Kirche gebotenen Beilegung zumiht. Für die Betrauung Kerrls mit dieser Aufgabe ist wohl ausschlaggebend gewesen, daß er sich a l s preußischer Justizminister, wozu er nach ber nationalen Revolution am 11. April 1933 ernannt worben war, außerorbentlich bewährt hat. Er kommt aus ber Laufbahn der mittleren Justizbeamten, ist, wie fast alle führenden Männer des neuen Deutschland, währenb bes ganzen Krieges an ber Front gewesen unb gehört seit Enbe 1923 ber Partei an. Sein Name würbe in der Politik zum ersten Male weiteren Kreisen bekannt, als er nach den preußischen Wahlen vom April 1932, die den Nationalsozialisten eine Vermehrung ihrer Sitze von 6 auf 162 gebracht hatten unb ben großen Umschwung in Preußen einleiteten, mit absoluter Mehrheit zum preußischen Lanbtagspräsi- b e n t e n gewählt wurde. Als solcher spielte er in ben Derhanblungen mit bem bamaügen Reichskanzler von Papen über bie ordnungsgemäße Bil- bung einer neuen preußischen Regierung, bie bekanntlich bann zur Einsetzung eines Reichskommissars für Preußen unb zur Beseitigung der alten schwarz-roten Kartellregierung führte, eine ausschlaggebende Rolle. Nach feiner Ernennung zum preußischen I u st i z m i n i st e r fiel ihm zunächst die Aufgabe zu, ben politischen Umschwung nach ber geistigen unb personellen Seite in ber Justizverwaltung burch- zusetzen, ber bie lange gemeinsame Herrschaft ber Soz'ialbemokratie unb bes Zentrums einen auch für parlamentarische Verhältnisse ungebührlich starken Stempel aufgebrücft hatte. Diese Spuren waren nur mit fester Hanb auszutilgen, unb Kerrl unter« zog sich biefer Arbeit burch persönlichen Einsatz unb burch eine unermübliche Jnspektionstätigkeit bei ben Lanbgerichten, um sich selbst ein Bilb zu machen unb persönliche Entscheibungen treffen zu können. Zn ber geistigen Angleichung ber Justizverwaltung an bie 3been unb Forberungen bes Nationalsozialismus ftanb im Vordergrunb eine grunbsätzliche Reform bes Strafvollzugs, man kann wohl sagen, um eine verstänbliche Formel zu gebrauchen, baß burch sie bie Zuchthäuser unb Gefängnisse roieber zu richtigen Strafanstalten umgestaltet würben. Hand in Hand damit ging eine energische Bekämpfung des Verbrechertums vor allem durch eine äußerste Beschleunigung ber Strafjustiz, und man weiß aus der Kriminalstatistik, daß in biefer verhältnismäßig kurzen Zeit ber Er- folg eines sichtbaren Rückgangs ber Kriminalität zu verzeichnen ist. Wenn bas Verbrechen im heutigen Deutschlanb mit unnachsichtlicher Verfolgung, mit schnellster Aburteilung unb mit hartem Strafvollzug zu rechnen hat unb auf der anbern Seite in ber Öffentlichkeit das Vertrauen in den wirksamen Schutz gegen ben Verbrecher durch ben Staat wieder hergestellt ist, so ist dies zweifellos mit dem energischen Durchgreifen Kerrls zu verdanken. Aber auch auf anberen Gebieten ber Justizverwaltung ist feine Wirksamkeit beutlich sichtbar geworben. Die G e r i ch t s f e r i e n würben nach bem Grunbsatz, baß bas rechtsuchende Volk ohne Unterbrechung sein Recht finben muß, so gut wie be» fertigt. Der Zivilprozeß würbe auf bas äußerste beschleunigt unb bie schriftliche Prozeßführung zugunsten eines unmittelbaren mündlichen unb persönlichen Derhanbelns eingeschränkt. Von großer Bebeutung für bie staats- politische Erziehung der beutschen Richter, Staatsanwälte unb Rechtsanwälte ist bie U m ft e 11 u n g ber beiben juristischen Prüfungen auf den Grundsatz ber Führung. Hineinstellen bes Referendars in ein Leben ber Gemeinschaft mit bem Ziel einer stärkeren Dolksverbunbenheit bes der Justiz dienenden Beamten, wie sie auch die Reform des materiellen Rechts selbst anstrebt. Das für die Zukunft ber beutschen Lanbwirtschaft lebenswichtige Gesetz über bas preußische Erbhofrecht brachte Kerrl als einzigem Nichtbauernführer bie Ehre ber Mitgliedschaft im Reichsbauernrat ein. Mit ber Uebernahme ber kirchlichen Angelegenheiten wirb bem Reichsminister Kerrl eine Aufgabe von großer Bebeutung zugewiesen. Der Weg unb bie Richtlinien finb ihm burch bie klare Haltung bes Führers unb Reichskanzlers in der Frage des Verhältnisses von Staat und Kirche, burch bie ebenso klaren Richtlinien ber Partei unb burch ben Grunbsatz bes Göringschen Erlasses vorgezeichnet, baß es nicht um bie Entfachung eines Kulturkampfes, fonberun um bie ausschließliche Geltung ber Staatsautorität innerhalb ihrer politischen Interessen unb Ziele geht. Nach bem Charakter, ber Laufbahn unb ben Leistungen Kerrls im Dienste von Partei unb Staat barf man erwarten, baß er auch dieser neuen schweren Aufgabe gerecht wird. Meine politische Nachrichten. Wie das Deutsche Nachrichtenbüro mitteilt, ist burch bas päptstliche Dekret bie Schrift Alfreb Rosenbergs „An bie Dunkelmänner unserer Zeit" auf ben Jnbex gesetzt worben. Der im „Osservatore Romano" veröffentlichte Erlaß enthält keinerlei Begrünbung. Der Retchskriegsminister unb Oberbefehlshaber ber Wehrmacht, Generaloberst von Blomberg, traf am Freitagvormittag i n Kassel ein, um Teile ber dortigen Standortstruppe zu besichtigen. Nach eintägigem Besuch wirb ber Reichskriegsminister sich in bas Fulba - unb Wesertal begeben. Durch königliches Dekret ist der südslawische Gesandte in Berlin Balugdschitsch in den Ruhe- stand versetzt worden. 3m Spiel der Mächte. Es scheint nun also nach endlos langem Hin und Her boch entschieden zu sein. Der Völkerbunb s- r a t wirb sich wohl ober übel in wenigen Tagen mit bem Abessinienkonflikt befassen müssen. Wir kennen vornehmlich Englanbs Befürchtungen, baß bem Völkerbunb aus biefer Sache unverbesserlicher Schabe erwachsen müsse, gleichgültig wie er entscheibe. Denn ein Spruch zu Gunsten bes um Schutz seiner Souveränität bittenben Abessiniens würbe ben Austritt Italiens aus bem Völkerbunb zur Folge haben, ein Gewährenlassen bes italienischen Imperialismus müßte bem Völkerbunbe bei allen aufrichtigen Jüngern ber Dölkerbunbsibee, bei allen kleinen unb unterbrückten Völkern einen un- wieberbringlichen Prestigeverlust einbringen. Beibes wollte Englanb oermeiben. Es suchte auch noch aus anberen Grünben zu vermitteln. Weber wünschte es bie italienische Freunbschaft aufs Spiel zu setzen, noch burch einen Krieg in Ostafrika bie benachbarten Völker ber eigenen Interessensphäre beunruhigt zu sehen. Die britischen Bemühungen liefen also barauf hinaus, burch einen Gebietsaustausch, zu bem es selbst einen Beitrag leisten wollte, unb an- bere Kompensationen Italien von einem Angriff auf Abessinien abzuhalten, andrerseits aber Abessiniens Unabhängigkeit zu erhalten. Ebens Angebot würbe in Rom als unzureichenb zurückgewiesen. Die italienische Presse führte gegen Englanb eine immer heftigere Sprache. Die Uneigennützigkeit ber britischen Vermittlung würbe in Zweifel gezogen und der Appell an bie Waffen als einziger Weg bezeichnet, ber in biefem Konflikt ber Ehre Italiens unb bem italienischen Verlangen nach einer enb» gültigen Lösung entspreche. Darauf hat man in London sich bemüht, Frankreich für eine Vermittlung einzuspannen. Wie es scheint vergeblich. Der Generalsekretär bes Völkerbunbes, ber Franzose Avenol, ben bie Angst vor einem folgenschweren Eklat in Genf schon vor Wochen auf bie Reise nach Lonbon unb Paris gescheucht hatte, hat bei feinen Lanbsleuten erstaunlich wenig Verstänbnis für seine Sorgen gefunben. Herrn Laval, ber ja Ministerpräsibentschaft und Leitung ber auswärtigen Angelegenheiten in seinen Hänben vereinigt, kamen bie innerpolitifchen Schwierigkeiten, bie sich um bas Defizit im Staatshaushalt unb feine Beseitigung burch bie bekannten rigorosen Notverordnungen brehen, insofern gewiß nicht ungelegen, als sie ihm einen Vorwanb boten, sich im Abessinienkonflikt nicht zu früh festzulegen und eine Antwort auf bie Mahnungen Englanbs unb Avenols hinauszuschieben. Im Grunbe wirb Frankreichs politische Linie klar unb einbeutig von ber eben erst bei Lavals Besuch in Rom begründeten Freunbschaft z u Italien bestimmt, ber zu Liebe es in diesem besonderen Falle auch bie sonst vergötterten Jbole des Völkerbunbes glaubt im Stich lassen zu können, wenn nun anbers einmal eine Lösung biefes Jnteressenkonflikts nicht möglich sein sollte. Im übrigen erinnere man sich baran, baß Mussolini erst ben Entschluß zum Aufrollen ber abessinischen Frage gefaßt hat, nachbem ihm Laval in Rom zuminbest bie Uninteressiertheit Frankreichs an biefem Gebiet Ostafrikas versichert hatte. Selbst an einer Ermunterung, bie Grünbung eines großen italienischen Kolonialreichs hier im Hinterlanb bes Roten Meers in Angriff zu nehmen, wirb es Laval vielleicht nicht hat fehlen lassen, benn ist Italiens militärische unb wirtschaftliche Kraft erst einmal hier festgelegt, verschwinbet im gleichen Maße bas italienische Interesse an Tunis, bas Jahrzehnte hinburch bie italienisch-französischen Beziehungen belastet hat. Avenol hat also ebensowenig wie England in Paris bie tatkräftige Unterstützung in Form eines Druckes auf Italien gefunden, bie nötig gewesen wäre, um eine erneute Abessinienbebatte vor bem Völkerbunbsrat zu üermeiben. Besonbers nach bem ergebnislosen Abbruch ber Schlichtungs- Verhandlungen in Scheveningen ist biefe Sorge ja höchst akut geworben, benn Abessinien ist entschlossen, seine günstige Position als angegriffenes Mitglieb bes Völkerbundes in Genf voll auszunutzen, um hier noch schnell vor bem wohl auch in Abbis Abeba als unvermeiblich angesehenen Waffengang mit Italien einen moralischen Siea bavonzutragen, der in feiner Wirkung auf bie Völker ber arabischen Welt gewiß nicht leicht zu unterschätzen wäre. Wir werben noch barauf zurück- fommen. Aber auch bie anbere Seite scheint nun eine moralische Offensive zu planen, ba ber un- verbüllte Imperialismus, mit bem Italien feine Ansprüche gegen Abessinien vertrat, nicht nur schlechten Einbruck gemacht hat, sonbern auch für bie Genfer Atmosphäre benkbar ungeeignet ist. Die Franzosen haben beshalb ben Gebauten aufgeworfen, Italien möge boch seinerseits gegenüber ben abessinischen Klagen über Grenzverletzungen unb Kriegsbrohungen in Genf mit einer Gegenklage hervortreten, in ber es nun alle seine Beschwerben über Vertragsbrüche Abessiniens, aber auch über bie kulturelle Rückständigkeit unb wirtschaftliche Unerschlossenheit zusammenfassen unb einen Auftrag bes Völkerbunbes zur kulturellen unb wirtschaftlichen Erschließung Abessiniens verlangen soll. Besonbers bie angebliche Duldung der Sklaverei durch den Herrscher von Abessinien wird von Rom aus immer als Beweis dafür angeführt, daß Abessinien nicht unter bie zivilisierten Nationen zu rechnen sei unb baher bie Voraussetzungen für ein« Mitgliebschaft im Völkerbunbe nicht erfülle, worauf englische Blätter maliziös einroenben, baß es 1923 gerabe Italien gewesen war, bas im Bunbe mit Frankreich bie ihm bamals zweckmäßig dünkenb« Aufnahme Abessiniens in ben Völkerbund gegen ben Wiberspruch Englanbs durchgesetzt hatte. Immerhin scheint die von Frankreich angeregte Taktik, Abessinien in Genf mit feinen eigenen Was- fen zu schlagen, in London sowohl wie in Rom Beachtung gefunden zu haben. England scheint sich nach dem Scheitern seines Vermittlungsversuches mit jedem Modus zufriedenzugeben, der einigermaßen geeignet ist, das Ansehen des Völker- bundes zu schonen, ungeachtet dessen es natürlich alle Maßnahmen zur Wahrung seiner eigenen Interessen in dem vom Kriege bedrohten Gebiet in aller Stille trifft. Die italienischen Blätter wissen davon fast täglich zu berichten, wenn auch im Unterhaus der britische Außenminister neugierige Fragen mit lakonischen Antworten abspeist. Auch Herr A v e n o l, dem von Berufs wegen die Reputation des Völkerbundes besonders am Herzen liegen muß, sieht in der französischen Anregung offenbar einen geeigneten Weg, um dem Völkerbund aus der Klemme zu helfen, wenn nun schon einmal das Aufrollen des Abessinienkonflikts in Genf ihn vor eine so peinliche Entscheidung stellt. Also zwar mit den Wölfen heulen, aber für ein moralisches Mäntelchen sorgen, hinter dem aus einem imperialistischen Kolonialkrieg alten Sttls ein kultureller Kreuzzug wird. In R o m denkt man vielleicht ohne ein solches Bekleidungsstück aus der Mottenkiste der Völkerbundsideologie auskommen zu können, selbst wenn neben England auch die Vereinigten Staaten im Hinblick auf den Kellogg- pakt zumindest auf Einhaltung der Formen drangen. Italiens Kriegsrüstung nimmt unaufhaltsam ihren Fortgang, Division auf Division wird ein- berufen und nach der künftigen Operationsbasts in Ostafrika verschifft, neue Divisionen werden ausgestellt, ungeheure Mengen von Kriegsmaterial werden in Somaliland und Eritrea aufgehauft, die künftige Etappe wird mit Umsicht eingerichtet und bereits die Anmarschwege ausgebaut, auf denen das italienische Heer Den Vorstoß ins Innere Abessiniens beginnen soll, sobald die Regenzeit vorbei ist, die jede militärische Operation in dem waldreichen Hochland unmöglich macht. Aber bis zum Ablauf der Regenzeit ist dem Duce die diplomatische Begleitmusik zu seinen Kriegsvorbereitungen zumindest herzlich gleichgültig. Sie stört ihn solange nicht, als er öon ihr keine Verschleppung seines festge- faßten Entschlusses zu erwarten braucht, die abessinische Frage im italienischen Sinne zu losen. So wird er vielleicht auch seine Hand zur Erörterung des Abessinienkonflikts unter dem neuen von dem französischen Freund eröffneten Aspekt der Gegenklage Italiens bieten, so lange diese Erörterung akademisch bleibt und sich nur auf die zur Kriegführung in Oftafrifa ohnehin unbrauchbaren Sommermonate beschränkt. Womöglich ließe sich m dieser Zeit auch bereits die Frage klären, ob Italien offen das Protektorat über Abessinien beanspruchen soll oder ein Dölkerbundsmandat erstrebenswerter wäre. Das Protektorat ist feit langem die für den kolonialen Imperialismus übliche Form, um ein Land in Besitz zu nehmen, in dem man eine einheimische Regierung vorfindet, die zu beseitigen unmöglich oder unzweckmäßig ist. Denken wir an die sog. Schutzverträge der Ostindischen Kompanie mit den einheimischen Maharadschas, und die der Holländer mit den Sultanen auf Java und den andern Sundainfeln, denken wir an Frankreichs Protektorat über Tunis, dessen Bey im Vertrage von 1881 zum Schattenherrscher herabgedrückt wurde, dem der Verzehr einer ansehnlichen, ihm von Frankreich ausgeworfenen Apanage Lebenszweck geworden ist. Richt anders ist die Stellung des Sultans von Marokko, der sich 1912 ebenfalls unter französische Schutzherrschaft „begab". England hat fein Protektorat über Aegypten zwar 1922 auf- gegeben, aber die damals erklärte Unabhängigkeit des Königs blieb beträchtlich eingeschränkt durch die Befugnisse des britischen Oberkommissars, unterstützt von den im Lande verbliebenen britischen Truppen. Hier hätte also Italien lehrreiche Vorbilder für die Ausgestaltung eines italienischen Protektorates über Abessinien, vom Schein völliger Unabhängigkeit mit parlamentarischen Betrieb, kulturellem Eigenleben und eigener Außenpolitik wie Aegypten bis zur reinen Kolonie mit einem von der Schutzmacht aus- gehaltenen Schattenherrscher wie Marokko gibt es die verschiedensten Spielarten tatsächlicher Beherrschung. Das Völkerbundsmandat sieht im Grunde nicht anders aus wie die Schutzherrschast, nur ist noch auffälliger ein moralisches Mäntelchen herumdrapiert. Der Artikel 22 des Völkerbundsstatuts verklei-st mit von sittlichem Hochgefühl gradezu triefenden Worten den eigentlichen Zweck der Mandate, nämlich die den Unterlegenen des Weltkrieges entrissenen Kolonien und Gebiete dem Kolonialbesitz der Siegermächte in einer Form einzuverleiben, die diesen Raub mit den von Wilson bombastisch verkündeten Grundsätzen des Selbstbestimmungsrechts der Völker in Einklang bringt. Deshalb wird hier von der „heiligen, zivilisatorischen Aufgabe" gesprochen, „das Wohlergehen und die Entwicklung" jener Völker zu fördern, „die noch nicht imstande sind, sich unter den besonders schwierigen Bedingun- aen der heutigen Welt selbst zu leiten". Für sie sollen diejenigen „fortgeschrittenen Rationen" die „Vormundschaft" übernehmen, die „kraft ihrer Hilfsmittel, ihrer Erfahrung ober ihrer geographischen Lage" am besten dazu imstande sind. Es wird sicher nützlich sein, diesen fast schon in Vergessenheit geratenen Wortschwall des Artikels 22, der einst dazu hat dienen müssen, sich unsere Kolonien und die türkischen Besitzungen in Dorderasien anzueignen, wieder über sich ergehen zu lassen, denn es könnte fein, daß wir in wenigen Tagen in Genf eine Auffrischung dieses politischen Phrasenschatzes erleben werden, um damit die Erteilung eines Völkerbunds- auftrags an Italien zu begründen, nunmehr in Abessinien seine „heilige, zivilisatorische Aufgabe" durchzuführen. Vielleicht wird sich aber der Völkerbundsrat, um auch nur die Möglichkeit unvorhergesehener Komplikationen zu vermeiden, auf feiner nächsten Tagung damit begnügen, durch Ernennung des fünften, neutralen Schiedsrichters die Schlich- tungskommifsion in die Lage zu versetzen, mit Stimmenmehrheit eine Entscheidung zu treffen, wozu sie bisher nicht in der Lage war. Ob mit einem solchen Beschluß der Ausbruch des Krieges auch nur hinausgeschoben werden könnte, bleibt angesichts der offenbar zum Kriege entschlossenen Haltung Italiens sehr fraglich. England scheint nach einem Bericht der „Morning Post" den Dingen ihren Lauf lassen zu wollen. Das dürfte indessen bestimmt nicht heißen, daß nun England sich an dem weiteren Gang der Ereignisse desinteressiert. Das kann es schon nicht mit Rücksicht auf Aegypten, wo nach einem Bericht des Pariser „Temps" es bereits in der Bevölkerung erneut zu gären beginnt, denn die Unzufriedenheit mit der Militärischen Besetzung des „unabhängigen" Landes durch britische Truppen ist unter der Oberfläche einer sich in parlamentarischen Kämpfen erschöpfenden Innenpolitik stets latent. Man nimmt wohl auch mit Recht an, daß England, sobald Italien die abessinische Frage durch einen Gewaltakt aufrollt, nicht länger zögern werde, selbst die Hand auf das Gebiet des Tanasees zu legen, um dem unter gemein» famer britisch-ägyptischer Verwaltung stehenden Su- Eine Oreirnä'chie-Konserenz über Abessinien? Oie Krage des Protektorats sott erörtert werden. London, 20. Juli. (DRB. Funkspruch.) Eine Meldung, die englische Regierung habe Mussolini vorgeschlagen, der nächsten Dölkerbundsratssitzung ein Schriftstück über den italienischen Standpunkt im italienisch-abessinischen Streitfall vorzulegen, wird in den Londoner Morgenblattern als verfrüht bezeichnet. Die italienische Regierung fei befragt worden, ob sie die Angelegenheit auf Der Grundlage des Vertrages von 190b mit der englischen und französischen Regierung e r- Örtern wolle. Während Reuter glaubt, datz Die Einberufung einer Konferenz unwahrscheinlich fei, meldet „Daily Telegraph", daß sich die Aussichten auf eine Konferenz in Rom Zwischen den Vertretern Englands, Italiens und Frankreichs stark verbessert hätten. Italien werde durch Mussolini vertreten fein, und England und Frankreich durch ihre Botschafter in Rom, Sir Eric Drum- mond und Graf Chambrun. In Rom fei man Der Ansicht, daß Die Dölkerbundsratssitzung nicht ftattfinDen könne, bevor biege» planten Besprechungen abgeschlossen seien. Italien habe auf den Vorschlag einer Drei- Mächte-Konferenz entgegnet, daß eine solche nur annehmbar wäre, wenn auch hier die Bedingungen eines italienischen Protektorats über Abessinien erörtert würben. Angesichts bes Aufrufes bes Kaisers von Abessinien an sein Volk „den Eindringlingen in Einigkeit Widerstand zu leisten", sei jedoch auf diesem Wege kein Fortschritt zu erwarten. Die letzte Möglichkeit, Feindseligkeiten in Abessinien abzuwenden und das moralische Ansehen des Völkerbundes aufrechtzuerhalten, bestehe jetzt darin, daß die britische Regierung dem Völkerbundsrat vorschlage, das inder Satzung vorgesehene Verfahren anzuwenben, wenn Italien sich weigere, seinen Stanbpunkt bem Vvl- kerbunb barzulegen. Abessinien und die Mondatsfrage. Abdis Abeba, 19. Juli. (DRB.) Der Kaiser versicherte erneut, daß im Falle eines Krieges Ausländer im Lande verbleiben könnten, daerfürihre Sicherheitgarantiere und in dieser Richtung alle Vorsorge getroffen habe. Der abessinische Außenminister erklärte, in der Parlamentsrede des Kaisers fei nicht zum Ausdruck gekommen, daß außer der Ablehnung eines italienischen Mandats überhaupt jedes Mandat einer fremden Macht abgelehnt werde. Japan verstimmt Tokio, 19. Juli (DRB.) Der japanische Außenminister H i r o t a erklärte dem italienischen Botschafter, daß der japanische Botschafter in Rom keinen Auftrag gehabt habe, eine Erklärung zum Abessinienkonflikt in der bekannten Form abzu- geben. Die italienische Darstellung sei unrichtig, baß sie eine Stellungnahme gegen Abessinien erkennen lasse. Japan werbe die weiteren Vorgänge aufmerksam verfolgen, Da es ebenso wie Englanb und Italien an Der italienisch-abessinischen Frage insofern politisch interessiert sei, weil sich Rückwirkungen in wirtschaftlicher Hinsicht auch für Japan ergeben könnten. Die japanische Presse spricht von einer ernften Verst i m m u n g über Das italienische Communiquä unD rechnet mit einem Botschafterwechsel in Rom. Aegypten. Italienische Blättermeldungen. Mailand, 20. Juli (DRB. Funkspruch). Die Mailänder Presse behauptet, in gewissen ägyptischen Kreisen herrsche Besorgnis, daß eine Besetzung Abessiniens durch Italien eine Verstärkung Des englischen Einflusses auf Aegypten zur Folge haben werbe. Damit würbe bie Unabhängigkeit Aegyptens gefährbet werden. Begründet wird diese Ansicht damit, daß England im Falle einer Festigung der italienischen Position im Roten Meer seine eigene Stellung am Eingang des Roten Meeres verstärken werde. Aus dem ägyptischen Blatt „Mussauar" wird die Nachricht übernommen, daß London, 20. Juli (DRV. Funkspruch). Dem Korrespondenten des „Daily Expreß" gab der Duce zu verstehen, daß seine afrikanischen Pläne weder durch eine europäische Krise noch durch das Eingreifen europäischer Staaten beeinflußt werden konnten. Mussolini erklärte, seiner Ansicht nach werbe es während der nächsten drei Jahre keinen Krieg in Europa geben. Mussolini stellte in Abrede, daß er einen Angriffkrieg gegen Abessinien plane und sagte: „2B i r müssen bereit fein, für den Fall, daß uns die Abessinier angreifen“. Lr sprach dann von den außerordentlichen Schwierigkeiten irgendwelcher militärischer Unternehmungen 3000 Meilen von der Heimat entfernt und beantwortete die Frage, ob ein Krieg unvermeidlich sei, mit den ausweichenden Worten: „Das will ich nicht sagen“. Ein gemeinsames italienisch-englisch-französisches Protektorats in Abessinien bezeichnete Mussolini als „u n- möglich und undurchführbar“. Als der Pressevertreter von der Möglichkeit einer friedlichen Lösung sprach, sagte der Duce: „In Amerika schreien sie alle Frieden, Frieden! und die Kommunisten, Sozialisten, Bolschewisten und politischen Freimaurer Europas schreien ebenfalls nach Frieden. Es ist leicht, nach dem Frieden zu schreien, aber ich bin in einer sehr schwierigen Lage. Ich muß für alles, was kommen mag, bereit fein. Ich muh für einen Angriff in einer Entfernung von 3000 Meilen vom Mutterlande bereit fein.“ Auf die Frage, ob Italien aus bem Völkerbund austreten werde, gab Mussolini die Antwort: „D a s will ich nicht sagen. Ich werde Italien nicht jetzt aus dem Völkerbund heraus- nehmen. Ich ziehe es vor, ein Mitglied zu bleiben.“ Er glaube wohl, daß der Völkerbund irgendwie auf den abessinischen Appell eingehen müsse, aber i m Falle China habe der Völkerbund nichts man in Aegypten Die Ankunft don fünf britischen Regimentern aus England u n b I n b i e n erwarte. Auch im ägyptischen Meer, Das bekanntlich unter englischer Führung steht, würden sehr lebhafte Vorbereitungen getroffen. Man habe mit Der Bildung eines neuen ägyptischen Regimentes begonnen, das 817 SoIDaten unD 28 Offiziere zählen solle und bas wahrscheinlich für Den Suban bestimmt sei. Außerbem habe man mit Dem Bau einer großen Straße von Der Bucht von Mars» amatruh nach Den umgebenden Hügeln begonnen, wo sich ägyptische Militärplätze und Kasernen befinden. Marsamatruh bilde einen wichtigen Stützpunkt für Die EnglänDer an Der ägyptischen West- grenze. getan, und er habe auch ben Krieg im Lhaco nicht verhindert. Mussolini fragte bann: „Warum traten bie Bereinigten Staaten nicht in ben Bötferbunb ein?“, worauf ber Pressevertreter sagte: „Weit bie Vereinigten Staaten ben Versailler vertrag nicht lieben“. Der Duce erwiberte: „Der Versailler Vertrag ist sogut wie erlebigf. Die Reparationen sind ausgelöscht, bie Reiberei ist zu Enbe, bie Abrüstung ist zu Enbe,“ Auf bie Frage, ob bie koloniale Entwicklung Abessiniens hanb an hanb mit militärischen Operationen gehen solle, antwortete Mussolini: „Jawohl, Sie haben recht!“ Italien wird feine zivilisatorische Ausgabe eWen. Auch „Herold Tribüne" (Neuyork) bringt eine Unterredung mit Mussolini, in Der Der italienische Regierungschef u. a. ausführt: Nach 50jährigen, wohlgemeinten, aber fruchtlosen Versuchen sei Italien jetzt entschlossen, Das Abessinien- Pro b lern ein für alle mal z u losen. Italien sei sich seiner zivilisatorischen Auf- a a b e n , Die es in Abessinien nicht nur in eigenem, sondern im N ame n Der ganzen westlichen Welt zu erfüllen habe, bewußt unD entschlossen, diese Aufgabe mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln Durchzuführen. Auf die Frage Des Berichterstatters, ob ein Abessinien-Krieg evtl, einen europäischen Konflikt nach sich ziehen konnte, erwiDerte Mussolini, Daß es sich um ein rein afrikanisches Kolonial- Problem handele und er daher nicht einsehen könne, wie sich Daraus Schwierigkeiten für Europa ergeben sollten. Die Abessinien-Frage, gleich, wie sie sich entwickeln roerDe, werDe aber auf keinen Fall zur Folge haben, daß sich Italien seinen Aufgaben einer europäischen Großmacht entziehen werde. Italien fei bereit, jeder Entwicklung auf dem europäischen Kontinent gegenüberzutreten. Mussolini erklärt, Italien plane keinen Angriffskrieg in Ostafrika. „Mr muffen bereit fein!" Dan Den Wasserzufluß für seine BaumwollfelDer zu sichern. Hieran hat natürlich auch Aegypten ein außerorDentliches Interesse. Weiter finden die italienischen Ausdehnungspläne begreiflicherweise auch jenseits des Roten Meeres bei den arabischen Staaten größte Aufmerksamkeit. Hier hat sich ja früher schon eine lebhafte britisch-italienische Rivalität bemerkbar gemacht, als Der Wahabitenkönig Ibn SauD vom HeDschas aus auf Das füDlichere Asir unD schließlich auf Das an Den Golf von ADen stoßenDe Nemen Übergriff. Hier weckt also ein italienischer Kolonialkrieg gegen Abessinien starke nationalistische Gefühle. Die Erklärung bes Kaisers Halle Selassie, Daß Abessinien bis zum letzten Mann für seine Unabhängigkeit kämpfen und lieber mit seinem Volke sterben werbe, als seine Freiheit verlieren, erregt Sympathien nicht nur in Aegypten, sondern auch in den ehemaligen britischen Mandatsländern Irak und Transjordanien, wenn Deren arabische Herrscher auch aus Furcht vor Ibn Saud sich ben britischen Schutz gern gefallen lassen. So kann Der Abessinienkonflikt wie eine Sprengpatrone wirken, Die Die ganze nur mühsam zur Ruhe gebrachte Welt Des Nahen Ostens erneut in Bewegung bringt. England weiß, was hier auf Dem Spiele steht und ist deshalb auf Der Hut, wenn nun einmal Italien nicht Davon abzuhalten ist, im Frühherbst den KriegspfaD zu beschreiten. Kabinettsumbildung in Griechenland. Die Frage der Staatsform. Athen, 19. Juli. (DNB.) Kriegsminister unD stellvertretender Ministerpräsident General Kon- d Y l i s sowie Landwirtschaftsminister Theotokis haben überraschend ihren Rücktritt erklärt. Ministerpräsident T s a l d a r i s forderte im Ministerrat, in der es in der Frage d e r Staats- form zu Meinungsverschiedenheiten gekommen war, die übrigen Minister auf, ihren Rücktritt einzureichen. In einer am Freitagabend im Hause des Außenministers Maximos abgehaltenen Ministerbesprechung kamen Ministerpräsident T s a l b a r i s und der stellvertretende Ministerpräsident Kondylis dahin überein, auf den bereits beschlossenen @ e f a m t r ü tf t r i 11 des Kabinetts zu verzichten und dafür nur eine T e i lumbildung des Kabinetts vorzunehmen. Diesem umgebildeten Kabinett werden Ministerprä- fiDent Tsaldaris, die Minister Kondylis, Maximos und Pesmazoglu angehören. Zum Kabinett treten als Minister für Wohlfahrt Sa- o a s -Das Flugwesen übernimmt Ricolaidis, ^.'ch°'.tbMnister wird K a r t a I i s, Minister für NA Romanos, während das Landwirt- ichaftsministerium Theodorides leiten wird. ♦ Der Regierungsumbau in Athen ist eine lieber« rafmung, mit der man offenbar in Griechenland elbft nicht gerechnet hatte. Denn nach Den Wahlen fdjien alles innerpolitifch einigermaßen in Ordnung ju fein, wenn auch noch gewisse Streitfragen, so Die Verfassungsänderung und Die Festsetzung Des Volksentscheides über die Wieder- einführun g Der Monarchie offen waren. Ja, nach dem günstigen Ergebnis Der Reise griechischer Abgesandter an die Königshöfe in London, Belgrad und Rom wegen der griechischen Königsfrage, konnte mit einer verhältnismäßig raschen UeberwinDung auch Der letzten Schwierigkeiten gerechnet werden. Die Ministerkrise wurde ausgelöst durch die Haltung Des Generals KonDylis, Der nach feiner Rückkehr aus Rom unD Belgrad Den Ministerpräsidenten Durch feinen Rücktritt zu einer klaren Stellungnahme in der Frage Der ©taatsform zu zwingen versuchte. Kon- Dylis meinte, er könne nach der Abreife bes Ministerpräsidenten Tsaldaris nach Deutschland nicht bie Stellvertretung in einem Ministerium übernehmen, dessen Mitglieder in Der Frage Der Staatsform gegenteiliger Meinung feien. Außerdem sei nach Ar sicht Kondylis Die von Der Regierung versprochene Neutrali - t ä t in dieser Frage währenD seiner Abwesenheit nicht eingehalten worden. — In Athen erwartet man eine normale Entwicklung der Verhandlungen zur Beilegung Der Regierungskrise. Für die neue Regierung bleibt natürlich Die alte Aufgabe. GriechenlanD würbe sicher von neuem inneren Unruhen ausgesetzt sein, wenn bas nächste Kabinett etwa Den Versuch machen sollte, die Losung ber Königsfrage auf die lange Bank zu schieben. Oie deutsch-englische Fronikanieradschast. Berlin, 19. Juli (DNB.) Am Donnerstagabend nahmen bie englischen Frontkämpfer gemeinsam mit bem Reichskriegsopferführer Dberlinbober, dem Führer des Kyffhäuferbundes Oberst a. D. Reinhard und Vertreter des N S. - D e u t - schen Frontkämpferbundes an einem Kameradschaftsabend der NS.-Kriegs- opferoerforgung im Lehrervereinshaus am Alexanderplatz, Berlin, tert. Reichskriegsopferführer Oberlindober erklärte in feiner Begrüßungsansprache, daß die deutschen Frontkämpfer allen die Freundeshand zu reichen bereit sind, die die beut» sche Soldatenehre hochachten mfb die gewillt sind, dem Frieden auf der Grundlage gleichen Rechtes und gleicher Sicherheit zu Dienen. Der Führer Der englischen Legionäre, Major Fetherstone G o b- ley Dankte noch einmal für Die sreunDliche Aufnahme und versprach, für eine Weiterverbrettung der in Deutschland gewonnenen Eindrücke in England zu sorgen. Zum Abschied hoben deutsche Frontkämpfer Major Fetherstone-Godley auf die Schul- tern und gaben damit ihrer kameradschaftlichen Verbundenheit mit Den englischen Frontkämpfern AusDruck. Vor Dem Kameradschaftsabend der NSKOV. waren Die englischen Delegierten Gäste des Bunbesleiters Des NS. -Deutschen ^r?"t?ä^pserbunDes, Arbeitsminister Ae er-c an dieser Veranstaltung nahmen die Führer Der deutschen Frontkämpferverbände teil. Unter Den anwesenden Kameraden und Lan- Desfuhrern Des NS.-Deutschen Frontkämpferbundes befand sich auch General a. D. von Lettow- Vorbeck. Bundesletter Seldte begrüßte die englischen Gäste mit einer kurzen Ansprache, auf die im Namen der Engländer Oberst C r o ß f i e l d antwortete. Mit herzlichen Worten würdigte Oberst Croßfield die Waffenbrüderschaft des großen Krieges, die ein gemeinsames Band zwischen allen Frontkämpfern hergestellt habe. Er schloß mit den Worten: „Wir alten Waffenbrüder Des Krieges wollen jetzt zusammen stehen zur Arbeit für ben Frieben und wollen gute Freunde bleiben." Am Freitagnachmittag folgten bie britischen Frontkämpfer einer Einladung bes Stellvertreters bes Führers Rubolf Heß, in Der Klinischen Abteilung für Sport- unD Arbeitsschäben Der Heilanstalt Hohenlychen bie Methoden kennenzulernen, mit Denen Durch Arbeits- und Sportschäden Verletzte und Körperbehinderte körperlich wiederhergestellt und für ihren Beruf seelisch wieder vorbereitet werden. Der Chefarzt Dr. Gebhardt, nach dessen Idee die Hohenlychener Heilanstalt entsprechend ihren neuen Aufgaben umgestaltet worden ist, erläuterte bie Anlagen und Arbeit in den Heilanstalten. Die englischen Gäste, unter denen sich auch Kriegsverletzte befinden, hatten sichtliches Interesse, besonders an den sportlichen Vorführungen, die Patienten der Heilanstalt zeigten. In der Heilanstalt befindet sich auch eine größere Anzahl von kriegsoerletzten Soldaten, die hier nach Den neuen Methoden von Dr. Gebhardt für ihre Berufe wieder tauglich gemacht werden. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. In Deutschland hält noch immer bas vorwiegend trockene unb im Süden auch sehr heitere Wetter an. Bis auf das Küstengebiet, wo es wieder kräftige Gewitterschauer gab, hielt sich bie Nieberschlagstätig. feit in äußerst schwachen Grenzen. Allgemein zeigte sich die Gesamtverschlechterung in zunehmender hoher Bewölkung. Bei weiterem Druckfall, Der durch Die starke Erwärmung begünstigt wirD, bildet sich am Samstag eine Flachstörung aus, hinter ber kältere Luft vom Westen herdurchdringen wirb. Es ist anzunehmen, baß hierbei allgemeine Gewittertätigkeit auftritt, die sich vom Westen nach Osten ausbreitet. Aussichten für Sonntag: Nach Gewittertätigkeit in ber Nacht zum Sonntag bewölktes späterhin wieber aufflärenöes Wetter, bei frischeren westlichen Winden kühl und einzelne Schauer. Aussichten für Montag: Wieder überwiegend freundliches, wenn auch nicht ganz beftän- biges Wetter. Hauptschriftleiter: Dr. Friebrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für ben übrigen Teil i. 23.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für ben Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 35: 10 150. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch» und Steindruckereß R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr,- mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. iier- über- Longk- Abes. : nach es sich ual. nsehen uropa ne sie M oben ittta tuto» eint Nische riflen, Äa- i en- . 3ta. Quf. enem, chen [offen, enden im tagte 111Q Kauf 'glen Ne. trag sind itung 6nt- liläri. ofini: hf >nd teer, * ifen. >en dar bas imt "er °rz, Nen, be, tüh. !-ft. atfurt wiegend Wetter träflige iflstäHg* jnienber er durch [bet sich i. L-/ terlätt#' en # SeSiNrk' «er lPfl* Ml" mf die , d ant« Oberst i Krie« allen ait den Krieges rbeit reunbe itifchen loer» in der schaden Mots» und te kör- seelisch Geb- r Heil- umge- n und Tafte, >n, i fpolt' ilanftalt ich eine ten, Mt lebhardt werben. M, K>' Für die Ferien an der See! Korüeroog Ein deutsches Bogelparadles. Natururkunden von den Halligen und vom Wattenmeer. Von PF. Weckmann-Witten bürg. Einführender Tert von Professor Dr. F. Dietrich. Mit 64 Kunstdrucktafeln. „Der Deutsche Bengt Berg- wird Weckmann-Wittenbura genannt. 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Leopold Ranke, der unvergleichliche Beur- teiler aller staatlichen Dinge, saat bei der Betrach- tung der Versuche Ludwigs XIV., die Führung Europas zu gewinnen, in der Natur vorwaltender Mächte liege es nicht, sich selbst Grenzen zu bestimmen, sie müßten ihnen von außen gesetzt werden. Ludwig dem XIV. konnten durch das Zusammenwirken halb Europas zum Heile der Welt solche Schranken gesetzt werden, und ein Jahrhundert später scheiterte der erneute Versuch Frankreichs, sich zum Herren Europas aufzuwerfen, abermals an dem vereinten Widerstande der ihrer Freiheit bedrohten Nationen. Wie bekannt, hat Deutschland beide Male an dem Schutz der europäischen Freiheit hervorragenden Anteil genommen, und seitdem es sich aus der Zersplitterung zu einem großen Reiche geeint hatte, war den französischen hegemonialen Bestrebungen dauernd ein Ziel gesetzt. Aber Deutschlands Aufgabe war damit noch nicht beendet: bald lag ihm ob, seine Unabhängigkeit und die Europas gegen die Bedrohung von der entgegengesetzten Seite, gegen Rußland, zu verteidigen. Immer wieder muß man, um den Weltkrieg in seiner vollen Bedeutung zu verstehen, sich diesen Zusammenhang klar machen, und man wird auch die Möglichkeiten der heutigen russischen Politik leichter begreifen, wenn man den Charakter der russischen Vorkriegspolitik richtig erkannt hat. Die russische Politik vor dem Kriege mußte, konsequent durchgeführt, jede nationale Selbständigkeit in Europa vernichten und mit der Weltherrschaft enden. Sie setzte sich ihre Ziele ohne Rücksicht aus die Rechte anderer und war gewohnt, nur vor der Gewalt zurückzuweichen. Um die Jahrhundertwende strebte sie nach allen Seiten über die Grenzen Rußlands hinaus. Wie man aus offiziellen Denkschriften des Ministeriums des Auswärtigen an den Zaren ersieht, war das Programm um diese Zeit Eroberung der Mandschurei, Koreas und Unterordnung Chinas unter russischen Einfluß, in Zentral- und Vorderasien wirtschaftliche und politische Beherrschung Tibets, Afghanistans und Persiens, im nahen Orient Beherrschung des türkischen Reiches und der Balkanhalbinsel, und endlich Durchführung des panslawistischen Gedankens der Vereinigung sämtlicher Slawen unter der Führung des Zaren. Tatsächlich bedeutete das die Herrschaft über Europa und Asien; nach einer solchen ungeheuren Verstärkung Rußlands wäre für die anderen europäischen Völker keine politische und wirtschaftliche Selbständigkeit mehr möglich gewesen. Im Vordergrund des Interesses standen damals — von 30 bis 40 Jahren — die Probleme des Fernen Ostens, und als Rußland hier wider Erwarten in Japan ein zunächst unüberwindliches Hindernis fand, verstärkte sich sein Druck nach den anderen Richtungen: Afghani st an, Per- sien und der Orient wurden jetzt die nächsten Angriffspunkte. In Afghanistan und Persien stieß man aber auf England, und das vom japanischen Kriege und von der Revolution geschwächte Zarenreich mußte abermals zurückweichen. Es mußte in der Verständigung von 1907 auf seine Absichten auf Afghanistan verzichten und Persien mit England teilen, freilich mit dem Hintergedanken, den Rivalen doch allmählich zu verdrängen, wie denn in der Tat sogleich ein stiller aber unermüdlicher Kampf gegen den Ententegenossen im Lande des Schah begonnen hat. Da ein offener Kampf gegen England einstweilen nicht möglich war, so richtete sich nach diesen Niederlagen die offizielle Politik und der Drana der öffentlichen Meinung um so kräftiger auf die anderen Ziele: die Beherrschung der Türkei, insbesondere der Meerengen, und die Verfolgung der panslawistischen Ideen. Da fand man Deutschland auf seinem Wege. Rußlands Vorsatz war, zur Erleichterung der Eroberung Konstantinopels die Pforte wirtschaftlich und militärisch schwach zu erhalten und jeden fremden wirtschaftlichen Einfluß auszuschließen. Deutschland wollte gerade durch die Bagdadbahn und andere Unternehmungen die Türkei wirtschaftlich und kulturell heben, was auch ihrer politischen Stärke zugute kommen mußte. Die Grundsätze der Freiheit und der Unterdrückung traten hier einander gegenüber. Rußland hat daher der Bagdadbahn nach Kräften Schwierigkeiten bereitet. Die panslawistischen Ideen trieben vollends in die deutschfeindliche Richtung: sie waren nicht durchführbar ohne Verkleinerung Deutschlands und Zertrümmerung Oe st erreich - Ungarns, die Deutschland, ohne sich selbst aufzugeben, nicht zulassen konnte. Die russische Nation fühlte den Gegensatz sofort heraus; nach der Verständigung mit England setzte sogleich eine lebhafte antideutsche Bewegung in der öffentlichen Meinung ein. Panslawistische Vereine bildeten sich und führten eine gehässige Propaganda gegen Deutschland und Oesterreich: mit Tschechen und Polen wurde angeknüpft, um sie gegen die Mittelmächte aufzu- reizen: die Deutschen in Rußland wurden wegen ihrer kulturellen Sonderstellung und ihrer wirtschaftlichen Tüchtigkeit angefeindet: gegen die deutsche Politik wurde der lächerliche Vorwurf erhoben, sie habe Rußland arglistig in den japanischen Krieg hineinaetrieben und strebe jetzt nach der ausschließlichen Beherrschung der Ostsee, um Rußland von Westeuropa abzuschnüren, und was dergleichen mehr war. Diese Feindseligkeit gegen Deutschland ist weder in der offiziellen Politik noch in der öffentlichen Meinung damals neu entstanden. Sie war unter der Oberfläche stets vorhanden und nur wählend der Expansion nach dem Fernen Osten vorübergehend zurückgetreten: gerade während der Vorbereitung der Offensive gegen die Mandschurei und Korea hatte die Petersburger Regierung die Re- vanchelust in Frankreich sorgsam geschürt und mit französischem Gelde den Bau von rein strategischen, wirtschaftlich unfruchtbaren Bahnen im Westen begonnen: wenn die Zeit gekommen war, sollte mit französischer Hilfe der stärkste Festlandsstaat, dessen Selbständigkeit mit einem russischen Weltreiche unverträglich war, niedergerungen werden; nachher mußte sich auch der Freund der russischen Uebermacht beugen. Bei jedem wichtigen Ereignis der internationalen Politik läßt sich seit der Annäherung au England das Wachsen der russischen Feindschaft gegen Deutschland wahrnehmen. Schon bereiteten sich die obersten mili- Nr. 167 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessens so rg. 'd in den i Pfälzer Iras ics angeblich „alles schon dagewesen' di Waffen strecken. JJ5A Boxen ^schuppen ferwen- tänder m. b. H. Postf 95 iche ;Melbe russische ssen) Die Unaufhaltsamkeit der Technik und ihres Ciegeszuges über die Erde zeigt sich wohl am sinn- fclligsten auf dem Gebiete des Lebens, das sich dsher gegen alle zeit- und kraftsparenden Erfin- ii in gen immer am konservativsten verhalten hat: km kirchlich-religiösen. Wenn nach einem b Kannten Scherzwort einmal ein orthodoxer Geistlicher seinen unterstellten Amtsbrüdern das Eisen- bclhnfahren verboten hat, weil es in der Bibel von dm Aposteln heiße: „Gehet hin in alle Welt!" — so 113t* ZU irichstr.' SP-.»52 is««r tteo jinge ite lDf I.S-lV' 1ikel Ist Schilderreklame notwendig? Die sie an- tmenben, werden die Frage natürlich bejahen. Daß aber die Reklame in der heute geübten Form, wo sin Schild das andere überschreit, die mit ihr beabsichtigte Wirkung nicht mehr voll erzielt, ist eine Erfahrung, die jeder, auf den sie Eindruck machen oll, an sich selber feststellen kann. Ist dem aber so, o kann man sich auch der Ueberlegung nicht ver- chließen, was zu tun ist, um die mit der Reklame aerbunbenen Verluste an Schönheit des Stadtbildes und der Landschaft zu dem möglichen prakti- chen Gewinn in ein vernünftig zu nennendes Verhältnis zu bringen. Man könnte einwenden: die modernen Geschäftsstraßen unserer deutschen Städte leien durch eine schlechte Architektur ja bereits so nerunftaltet, daß auch die schlimmste Reklame nicht mehr viel daran verderben kann. Schön — wo die Verhältnisse wirklich so liegen, möge man die Re- lame sich weiter austoben lassen: im anderen Falle über, der. Gott sei Dank, noch nicht so ganz selten fst dürfte eine weit schärfere Anwendung • er Denkmalspflegegesetze am Platze »in, soll es überhaupt noch gelingen, die schöne alte Stadt gegen das weitere Ueberhandnehmen der -emmungslosen Straßenreklame zu schützen. Am übelsten steht es aber a u f dem platten Lande, namentlich auf den großen Straßen und n den Eisenbahnstrecken, wo es nächstens kein Haus mehr geben wird, das nicht von oben bis unten mit Blechschildern bepflastert ist, die uns das „beste" .Aahnputzmittel, das „zuverlässigste" Trieböl usw. empfehlen zu müssen glauben. Da bisher alle Ver- iche, diesen Zustand zu beseitigen, ergebnislos ge- Hieben sind, scheint nur noch das strikte Verbot der ILußenreklame das allein erfolgversprechende Mittel. 'tePp. M iengasse 4094A jift heute, im mechanisierten Europa wenigstens, eine solche grundsätzliche Feindschaft gegen technische 'Errungenschaften allerdings nicht mehr zu befürch- ien. Aber auch im alten heiligen Asien scheint es g gären. Hat doch die erste Bresche in den Wall geheiligter Ueberlieferungen jetzt der an Konser- octismus nicht zu übertreffende Jslmni geschla- gci, vorausgesetzt, daß man einer Nachricht ©lau* be\ der Stiftung voll und rückhaltlos Geltung verschafft werden, namentlich auch, soweit sie Fragen der Rasse berührten. Hierfür bestehe aber nicht die Gewähr, wenn in dem Vorstand der Stiftung ein Nichtarier mitwirke. Die Devisenvorschriften für den Reiseverkehr n^ch Deutschland. Berlin, 19. Juli. (DNB.) Die nach Deutschland reisenden Ausländer haben folgende Bestimmungen zu beachten: Wer die bei der Einreise nach Deutschland mitgeführten in- oder ausländischen Zahlungsmittel bei der Wiederausreise ungehindert wieder mitnehmen will, muß sich bei der Einreise von der deutschen Zoll st el le eine Grenz bescheinigung ausstellen lassen, in der die mitgeführten Zahlungsmittel vermerkt werden. Diese Zahlungsmittel können ohne Genehmigung wieder ins Ausland verbracht werden. Das gleiche gilt für Zahlungsmittel, die einem Ausländer während feines Aufenthaltes in Deutschland aus dem Ausland übersandt worden sind, wenn der Ausländer sich durch das inländische Kreditinstitut, durch dessen Vermittlung die Auszahlung erfolgt, eine „Auszahlungsbescheinigung" hat ausstellen lassen. Jeder ausländische Reisende erhält bereits bei dem Erwerb von Registermarkreisescheck ein Merkblatt der Reichsbank, das ihn über die zulässige Verwendung der abgehobenen Reichsmarkbeträge unterrichtet. Bei der Abhebung größerer Reichsmarkbeträge auf Registermarkreiseschecks empfiehlt es sich, die Quittungen über d i e Verausgabung größerer Beträge (z. B. Hotelrechnungen) bis zur Ausreise aus Deutschland a u f- zubewahren, um erforderlichenfalls nachweisen zu können, daß die Beträge nur für Reise- zwecke Verwendung gefunden haben. Meine politische Nachrichten. Der Führer und Reichskanzler hat unter dem 16. Juni 1935 das Reichsgesetz vollzogen, demgemäß die bisherige deutsche G e - jandtschaft in China in eine Botschaft umgewandelt wird. Der österreichische Gesandte hat im Auswärtigen Amt Vorgesprächen und den Dank des Bundeskanzlers für die Beileidskundgebung der Reichsregierung, die der Gesandte von P a p e n übermittelt hatte, zum Ausdruck gebracht. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Paris, 18. Juli 1935. Nach den Paraden und Festlichkeiten des 14. Juli kommen jetzt die Sparkredite der Regierung Laval. „Sie fingen, sie werden zahle n", sagte einst Mazarin... Es wurde viel gesungen am Nationalfeiertag. Marseillaise und Internationale; aber die Marseillaise hat Bezirke erobert, wo man sie früher bei solchen Gelegenheiten nicht hören konnte. Das war einer der charakteristischen Züge dieses 14. Juli, der mit soviel Besorgnis und Angst erwartet wurde. Die Besorgnisse wurden nicht gerechtfertigt und das bedeutet an sich einen Erfolg für Laval. Die beiden Aufzüge, die der Rechten und der Linken, wurden Sorgfältig getrennt und eine achtunggebietende bewaffnete Macht verhinderte jedes Zusammentreffen. Die Gefahr war auch nicht groß, die militärische Revue, großzügiger als sonst, lenkte die Aufmerksamkeit von den politischen Aufzügen ab und das übrige tat die Hitze, sie nahm den ohnehin nicht sehr kampflustigen Massen jede Neigung zur Ruhestörung. Die Kommentare, die man nachträglich macht, sind alle auf die Parteizugehörigkeit der Beobachter abgestellt. Das kann in solchen Fällen auch nicht anders sein. So ist es zu verstehen, daß ein royalistisches Organ d i e Zahl der Demonstran- t e n der Linken die „front populaire“ mit fünfzigtausend angibt, während das kommunistische Blatt von fünfhunderttausend spricht. Danach kann es nicht mehr überraschen, daß man in der Mitte von zweihundertfünfzigtausend Demonstranten spricht. Als ob da die Zahlen eine besondere Bedeutung hätten. Die Lehren, die man ziehen kann, ergeben sich nicht aus den Zahlen. Auch die objektive Feststellung, daß die rechtsstehenden Organisationen weniger zahlreich, aber besser diszipliniert waren, besagt noch nichts. Das Interessante ist, daß am Nationalfeiertag sich alles um zwei Persönlichkeiten drehte, um den Chef der Feuerkreuzorganisation, den Colonel de la Rocque und um Den Leader der Linken, den früheren Ministerpräsidenten D a l a d i e r. Er hatte bei dieser Gelegenheit die Sozialisten und die Kommunisten hinter sich, und mit Rücksicht auf die radikale Partei wurde neben der Internationale auch schüchtern die Marseillaise gesungen. Seitdem haben sich die Sozialisten in ihrem Parteiorgan offen zur Marseillaise bekannt. Für die Wahlen ist das Zusammengehen der Linksparteien gesichert. Das Wahlkartell wird besser funktionieren als je, und die Marxisten werden die bürgerliche Linke unterstützen. Bei den Aufzügen mag es so ausgesehen haben, daß die Radikalen von den Reihen der Marxisten „absorbiert" wurden; die Wahlarithmetik wird andere Ergebnisse zeitigen. Man behauptet in politischen Kreisen, die gewöhnlich sehr gut informiert sind, daß aus Moskau an die französischen Marxisten die Weisung kam, bei den Wahlen sich für die bürgerliche Linke aufrichtig einzusetzen; die bösen Zungen sprechen von Opfern. Die Moskauer Machthaber befürchten nämlich, daß Frankreich in irgendeiner Form f a f c i f i e r t" werden könnte, und sie ziehen ein gemäßigt bürgerliches Frankreich der unsicheren Chance der Marxisten vor. Sie haben von ihrem Standpunkt aus wahrscheinlich recht, denn es ist kein Geheimnis, daß der Chef der Feuerkreuzorganisationen das russische Bündnis verurteilt. Db aber eine Linksregierung in Die Fleischvergiftung in Kassel. Vor mehreren Wochen erkrankte, wie gemeldet, die in Kassel ansässige Familie Dülfers an Fleischvergiftung, an Deren Folgen ein Familienmitglied gcftorben ist. Die Annahme, daß das Fleisch, das in einem eisernen Topf zubereitet worden war, durch Oxydieren des Eisens vergiftet worden fei, trifft nicht zu. Wie das Landeskrankenhaus in Kassel mitteilt, ist die Erkrankung auf dem I n f e k t i o n s w e g e entstanden, also bakterieller Art; sie kann somit nicht auf Oxydation des Eisens zurückgeführt werden. Der 11. Internationale Strafrechts- und Gefängnls- kongreh in Berlin. Im August d. I. wird auf Einladung der Reichsregierung in Berlin der 11. Internationale Strafrechts- und G e f ä n g n i s k o n g r e ß stattfinden. Der Kongreß wird veranstaltet von der Internationalen Strafrechts- und Gefängniskommission in Bern. Die Kommission besteht seit 60 Jahren. Ihr gehören jetzt 30 Staaten an. Das Präsidium der Kommission wird zur Zeit von Deutschland, und zwar vom Präsidenten des Reichsgerichtes Dr. Bumke, geführt. Die Kommission ist vom Völkerbund unabhängig. Ihre Arbeiten leitet ein ständiges Büro in Bern, dessen Generalsekretär der holländische Professor Dr. Simon von der Aa ist. Auf dem Kongreß werden im Mittelpunkt Der Erörterungen Fragen Der Gesetzgebung unb Verwaltung aus Den Gebieten Des Strafrechtes unD Des Strafvollzuges stehen. Der Kongreß wird eine erhebliche Zahl ausländischer Gäste nach Berlin führen. Nach einem Empfang durch die Reichsregierung wird der Kongreß mit einer Ansprache des Reichsjustizministers Dr. Gürtner eröffnet werden. Schultagung der Deutschen Erzieherakademie. In München begann die Schultagung ber Deutschen Erzieherakademie. Dazu hatten sich solche Scharen deutscher Erzieher und Erzieherinnen aus allen Teilen Deutschlands einge- funben, daß sich Der größte Saal der Münchener Hochschule als zu klein erwies und eine Lautsprecherübertragung notwendig wurde. Nach der Begrüßung durch den Tagungsleiter L i n D e m a i r betonte Gauamtsleiter Josef Streicher, daß, wie Die Erziehung überhaupt, so auch der Unterricht mehr und mehr vom neuen Geist durchwirkt werden müsse. Daraus habe sich die Forderung Der Neuf ormung des deutschen Bildungs- gutes ergeben. Volk und Staat und Einzelmensch gedeihen, wenn vor allem das kulturelle Leben im Sinne Des Nationalsozialismus ausgerichtet roerDe. Professor Dr. Haushofer bezeichnete die größere Universität, Die ganz große Hochschule Des gesamten Deutschen Volkes als Ziels Wenn Die Hochschule Der Dolksgesamtheit in erreichbarer Nähe Paris, 19. Juli. (DNB.) Die Pariser Innen- stabt um bas Opernviertel bot am Freitagabenb ein ungewohntes Bilb. Zur Verhütung verbotener Straßenkunbgedungen hat die Polizei mit Unterstützung ber Republikanischen Garbe zu Pferde und zu Fuß und von Militär den Opernplatz in 5 0 0 Meter Umkreis abgesperrt und den Verkehr umgeleitet. Die meisten Geschäfte des ab- geriegeltcn Viertels haben geschlossen und b i e eisernen Rolläben heruntergelassen. Die Polizei beschränkte sich daraus, den Verkehr aufrechtzuerhalten, der in der Umgebung der abgesperrten Straßenzüge hier unb ba von mehr ober weniger großen Gruppen aufgehalten wirb. Allenthalben hört man Sprechchöre ausrufen: „Laval Demission — Dalabier an bie Macht! Unsere Löhne — Löhne — Löhne!" Zwischenburch erklingt bie Internationale, die von einem Teil ber Kunbgeber mit bem kommunistischen Gruß beantwortet wirb. Die Hüter ber Drbnung können jeboch ohne Mühe jebe Ansammlung zerstreuen unb bie umringten Autobusse unb Kraftwagen roieber freimachen. Die Polizei wirb im wesentlichen mit bem Ruf begrüßt: „Polizei, steh' uns bei!" Im großen unb ganzen spielt sich die Kundgebung, abgesehen von großem Geschrei, harmlos ab, Da an ihr nur Das Linkslager beteiligt ist unb also au Zusammenstößen mit Andersgesinnten keine Gelegenheit geboten ist. Zu einer zweiten großen Protestkundgebung gegen Die NotverorDnungen versammelten sich am Freitagabend Die Anhänger Der Frc> ntkämp - fer-Verbänbe im Saal „Bullier". Schon lange stehe, werde auch die bisherige Hochschule ihre alte Form erneuern. Bis dahin sei sie bereit, mit Der Zukunft zu Dienen. Schulunasleiter Rittweger sprach über nationalsozialistische Haltung und betonte Die Wichtigkeit des Kampfes um Die deutsche Seele. Der Redner wandte sich gegen die früheren Geschichtsfälschungen und schloß mit einem Siegheil auf Den Führer. (Ein Ehepaar auf Der Urlaubsfahrt tödlich verunglückt. Ein schwerer A u t o u n f a 11 ereignete sich bei Harburg-Wilhelmsburg auf Der Bremer Chaussee vor Dem TrelDerberg. Der Leiter Des Harburger Postamtes, Postrat Seissert, befanD sich mit seiner Frau im Wagen auf einer Urlaubsfahrt nach Dem Schwarzwald. Etwa 20 Kilometer hinter Harburg kam Der Wagen infolge Des feuchten Pflasters Derart ins SchleuDern, Daß beiDe Insassen herausstürzten. Im selben Augenblick kam Den TrelDerberg ein Lastkraftwagen herunter, der nicht mehr rechtzeitig bremsen konnte und Den Postrat sowie seine Frau üb erfuhr, die auf der Stelle getötet wurden. Der Lastwagen fuhr Darauf in Den Personenkraftwagen hinein unD zertrümmerte ihn vollstänDig. Lawinen verschütten Die Strecke Innsbruck—Salzburg. Eine eintägige Verkehrsunterbrechung auf Der Strecke Salzburg—Innsbruck rourDe Durch einen Wolkenbruch im Pinzgau verursacht, wie er in solcher Stärke noch kaum erlebt rourDe. In Den Loferer Steinbergen kamen gewaltige Erbmassen ins Rutschen, unD Die ErDlawinen verschütteten an vier Stellen Die Straßen Der Bun- Desbahnen teilweise bis zu zwei Meter hoch. Zur Zeit Der Katastrophe waren glücklicherweise keine Personenzüge auf Der Strecke, leDiglich ein Güterzug blieb zwischen Den Erdlawinen stecken. Auch die Straßen und Wege wurden an vielen Stellen unpassierbar. Hochspannungsleitungen wurden zerstört und zahlreiches Vieh getötet. Antrag auf Todesstrafe gegen den Hierher des Arbeitsdiensimanns koch. Im Siegener Prozeß gegen Den MörDer Des Ar- beitsDienftmannes Koch aus Bochum beantragte Oberstaatsanwalt Dr. Matthes nach zweistünbi- gem PläDoyer gegen Den angeklagten 68jährigen Invaliden Peter Sasse aus Kirchhundem wegen Mordes Die Todesstrafe und Ehrverlust auf zehn Jahre. In seiner Rede beleuchtete der Staatsanwalt noch einmal eingehend die politischen Hintergründe der Bluttat und den unheilvollen Einfluß Des poli- tifierenDen Vikars Ruhpieper, Der Den Nähr- boDen für Die Untat geschaffen habe. Der Angeklagte habe nicht Den ihm unbekannten ArbeitsDienstmann Ernst Koch, fonbern Den Träger Der Uniform Des NS.-ArbeitsDienstes erschossen. Er habe sich Damit außerhalb ber Volksgemeinschaft gestellt unb eine Tat begangen, Die nur mit Dem ToDe gesühnt werden könne. In feinen Ausführungen wies Der Anklagevertreter auf die Erklärungen Des Reichsministers Dr. Frick unb bes Stabschefs Lutze yin, bie sich gegen ben politischen Katholizismus richten, unb erinnerte auch an ben Erlaß bes preußischen Ministerpräsibenten Göring, ber zu biefer Frage in ben letzten Tagen Stellung genommen hat. Der Angeklagte sei von dem Gift ber Verhetzung angesteckt worben. Die Stanbortstreife bes Arbeitsbienstes habe sich einroanbfrei benommen. Der Angeklagte habe unter Drohung provoziert. Bei bem Angeklagten sei sowohl ber Vorsatz wie auch bie Ueberlegung zu bejahen. Zusammenfassend hielt Der Oberstaatsanwalt Den Angeklagten bes Morbes für fchulbig. Die Anwenbung bes Schutzparagraphen 51 Absatz 2 StGB, könne für ben Angeklagten nicht in Frage kommen. Der Schutz ber Volksgemeinschaft sei oberstes Gesetz bes heutigen Staates. Wer eine so gemeine Bluttat begehe, stelle sich außerhalb ber Volksgemeinschaft. halliburtons (Elefantenritt über die Alpen Die Durchquerung ber Walliser Berge mit einem Elefanten, bie sich, wie kürzlich gemeldet, der amerikanische Schriftsteller Halliburton in den Kops gesetzt hat, kann jetzt beginnen. Der Elefant, der bie wichtigste Rolle in biefem fonberbaren Unternehmen spielt, ist jetzt in Martigny (Wallis), bem Ausgangsort des Marsches, eingetroffen. Halliburton ist also tatsächlich fest entschlossen, seine fixe Idee, Hannibals Leistungen zu wiederholen, burch- zuführen. Nachdem ihm von ben italienischen unb Walliser Behörden freier Durchgang gewährt wurde, wird er von Martigny aus über ben Großen St. Bernharb, Pisa unb schließlich nach Rom pilgern. Diese Elefantenreise wirb voraussichtlich 35 Tage Dauern. Gleichzeitig mit Dem Elefanten hat sich Der Amerikaner auch einen Treiber aus Paris kommen lassen. Umbauarbeifen an den Bahnstrecken Darmstadt-Bensheim und Darmstadt - Frankfurt D a r m ft a D t, 19. Juli. (Lpb.) Die Bahnstrecke Frankfurt—DarrnstaDt—HeiDelderg ist eine Der am stärksten benutzten Teilstrecken Der Deutschen Reichsbahn. Der fast ununterbrochene Person n e n» unb Güterverkehr macht eine b e • fonbers sorgfältige Beobachtung unb Unterhaltung bes Streckenbaumateri a l s notroenbig. So werben augenblicklich Gleisverlegungsarbeiten zwischen Darmstabt unb Bensheim burchgeführt. Zum größten Teil werben bis Schienen erneuert ober frisch unterbaut. In ben letzten heißen Tagen würbe nur in ben frühen Morgen- unb Vormittagsstunben gearbeitet, ba bie starke Mittagshitze von Einfluß auf bas Material ist. Auch in ber Nähe von Buchfchlag-Sprenblingen ist ein Bauzug ber Reichsbahnbirektion an ber Arbeit unb hat größere Gleisarbeiten Dorgenommeti. Aus aller Wett. Trauung der Luiseubräute in der GarmsmkirKe in Potsdam. '■ H - • W y % V 6 I Alljährlich werden in der Potsdamer Garnisonkirche am 19. Juli, in der Sterbestunde der Königin Luise, die Luisenbrautpaare getraut. Dieser alte schöne Brauch wird getragen von der „Stiftung Luisen-Denkmal", die den Brautpaaren eine Ausstattungsbeihilfe überreicht. Der Trauung kam diesmal, am 12 5. Todestage der Königin Luise, eine besondere Bedeutung zu. Zehn Paare, darunter ein Luisen-Silberpaar, standen vor dem mit Blumen geschmückten Altar, an dem auch der mit Kornblumen geschmückte Kirchensessel der Königin Luise stand. (Scherl-M.) Gegen Aberglauben und Okkultismus. Hellseh-Experimente an der Universität Bonn.—Aufklärungsarbeit der 7lSV. Die „Kölnische Zeitung" berichtete dieser Tage über Hellseh-Experimente, die Dr. Bender von der Universität Bonn mit einer Studentin seines Institutes vorgenommen hat, und bei denen bemerkenswerte positive Ergebnisse erzielt worden seien. Die Abteilung Schadenverhütung Der NSV. des Gaues Kurmark, die auch auf den Gebieten des Okkultismus und der Hellseherei Aufklärungsarbeit leistet, hat diesen Fall aufgegriffen und in Zusammenarbeit mit der Landesstelle Brandenburg-Grenzmark des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda zahlreiche Vertreter der Berliner Presse zusammen- aerufen, dg sie auf dem Standpunkt steht, daß es sich bei den vorgenannten Experimenten in Bonn um wissenschaftlich zumindest umstrittene Voraänge handelt. Der bekannte Experimentator Alfred Kistenmacher gab die Stellungnahme bedeutender Wissenschaftler, wie Professor Max D e s - soir, Universitätsprofessor Dr. Kollmann (Leipzig), Landgerichtsdirektor Dr. Hellwig (Potsdam) u. a., bekannt und betonte, daß die reale Wissenschaft den Okkultismus als bisher nicht erwiesen ablehnen müsse. Wenn immer wieder Verlautbarungen über wissenschaftlich fest- gestellte Hellseherei erscheinen, so handele es sich ausnahmslos um Aufbauschung von Einzelgängern. Die Abteilung Schadenoerhütung der NSV. bemühe sich seit langem, hier aufklärend zu wirken, um die Oeffentlichkeit davon zu überzeugen, daß es mit dem Wirken geheimnisvoller Kräfte bisher immer feine besondere Bewandtnis gehabt habe. Wahrsager, sogenannte Telepathen und Jahr- marktastrologen haben hier zum Schaden ihrer Mitmenschen sich die Tasche gefüllt. Es mag zugegeben werden, daß in einigen Fällen auch Gelehrte unbewußt das Opfer von Täuschungen geworden sind. Eine interessante Ergänzung der Ausführungen von Kistenmacher waren eine Reihe von Experimenten, die er selbst veranstaltete. Bei dem Unbefangenen mußte trotz gespanntester Aufmerksamkeit der Eindruck entstehen, daß man es hier mit einem Phänomen zu tun habe. Der Experimentator wies jedoch anschließend nach, daß es sich bei den hochinteressanten Experimenten um reine Täuschungsmanöver, um Taschenspielerkunststückchen gehandelt hat. Seine Erläuterungen bewiesen eindeutig, wie notwendig es ist, in der Oeffentlichkeit immer wieder darauf hinzuweisen, daß es Hellseherei und ähnliche Dinge wissenschaftlich nachweisbar nicht gibt. In der Auseinandersetzung über Hellseherei meldet sich jetzt auch Dr. Hans Bender (Bonn) zum Wort. Es stellt sich heraus, daß auch der wissenschaftliche Erforscher übersinnlicher Erscheinungen, Dr. Bender, durchaus in der Front „gegen Aberglauben und Okkultismus^ steht. Er gibt folgende Erklärung ab: „Meine Laboratoriumsversuche sind lediglich für die Fachwissenschaft bestimmt und benötigen, wie ich ausdrücklich in meiner Arbeit gesagt habe, zahlreiche Bestätigungen und immer erneute Nachprüfungen. Sie sind ohne mein Zutun in die Presse gekommen. Was die Oeffentlichkeit von einem.Hellseher erwartet, ist etwas ganz anderes, als daß eine Versuchsperson nach der Auffassung des Experimentators in einer Anzahl von Fällen einen Buchstaben annähernd richtig bestimmt, während der Buchstabe der Sinneswahrnehmung unzugänglich war. Insbesondere würde auch von einem einwandfreien Nachweis einer solchen Fähigkeit, die, wenn sie überhaupt existiert, jedenfalls äußerst selten ist, nicht die volle Berechtigung schärfster Maßnahmen gegen den volksschädlichen Unfug gewisser Wahrsagereien in Frage gestellt. Wenn 'ich mich als Wissenschaftler den Problemen der Parapsychologie im Laboratorium zuwende, so tue ich es in der Absicht, neben den rein wissenschaftlichen Forschungsergebnissen noch stärker aufklärend und warnend vor Mißbrauch und Unfug zu wirken. Ich erkläre mich mit den Bestrebungen der NS.-Volkswohlfahrt, Abteilung Schadenverhü- tung, durchaus einverstanden und möchte betonen, daß meine Arbeit nicht dazu verwendet werden darf, in der Oeffentlichkeit als Nachweis des Hellsehens im Siyne einer volkstümlichen Auffassung betrachtet zu werden. Sparmaßnahmen in Danzig. Pensionäre sollen ins Reich übersiedeln. Danzig, 19. Juli. (DNB.) Die schwierige finanzielle Lage der Freien Stadt Danzig macht es erforderlich, Ausgaben soweit wie möglich einzusparen. Schwierigkeiten bereiten die Pensions- und Rentenzahlungen der Alt- und Neupensionäre, die in ihrer Gesamtheit etwa 16 Millionen Gulden ausmachen, so daß der Staat auch auf diesem Gebiete danach trachten muß, seine Ausgaben erheblich einzuschränken. Allen Pensionären deutscher Staatsangehörigkeit wird die Genehmigung, ihre Pensionen in Danzig zu verbrauchen, vom Reich schon in nächster Zeit entzogen, so daß sich daraus eine zwangsläufige Rückwanderung ins Reich ergibt. Pensionäre Danziger Staatsangehörigkeit, bei denen das deutsch-danziger Beamtenabkommen zur Anwendung kommt, werden Aufforderungen erhalten, aus staatsfinanziellen Gründen ebenfalls nach Deutschland überzusiedeln. Ein Zwang zur Uebersiedlung von Danzigern ins Reich besteht jedoch nicht. Danzigs Pensionäre und Rentenempfänger, die von der freiwilligen Uebersiedlung ins Reich bis zum 30.9. 1935 Gebrauch machen, erhalten Umzugsbeihilfen und notwendigenfalls auch Mietsbei- Hilfen, die bei Kündigungsfrist ihrer Danziger Wohnung notwendig werden sollten. Nicht betroffen werden von der Uebersiedlung Altpensionäre und Kriegshinterbliebene über 80 Jahre und Rentenempfänger und Kriegsbeschädigte, deren monatliche Bezüge nicht mehr als 50 Gulden betragen Büchertisch. — Eberhard Wolfgang Möller: Berufung der Zeit. 76 Seiten. Theaterverlag Albert Langen/Georg Müller, Berlin. Geb. 1,80 Mark, Leinen 2,80 Mark. — (182) *— Eberhard Wolfgang Möller gehört, durch den Stefan-Gorge- Preis sichtbar hervorgehoben, zu den großen dichterischen Hoffnungen des Reiches. Seine Name tauchte übrigens schon vor Jahren auf, als sein Krieasdrama „Douaumont" in Berlin die Gemüter bewegte. Inzwischen hat Möller durch eine größere Zahl festlich chorischer Dichtungen und tief empfundener lyrischer Schöpfungen Den Beweis einer bleibenden künstlerischen Kraft erbracht. Die besten und schönsten seiner lyrischen Dichtungen sind vereinigt in dem Band „Berufung der Zeit", dem der Ruf des höchsten öffentlichen Buchpreises vorausgeht; er bringt ergreifende Dichtungen von echt deutscher Empsindungsart. Von den zarten Klängen der „Zwiesprache an der Wiege eines Kindes" über die erschütternden Mahnworte der Totenverkündung und der „Briefe der Gefallenen" führt uns diese Sammlung zu den hymnischen Strophen einer „Bauernkantate" und der „Kantate auf einen großen Mann". In Möllers „Berufung der Zeit" verbindet sich in einer bisher kaum gehörten Weise der starke Wille einer im Erleben hart gewordenen Jugend mit dem.zarten Gefühl eines Dichters, der um die geheimnisvollen Gründe unserer Sehnsucht und Liebe weiß. — Professor Dr. K. A. Eck ar dt: Das Studium der Wirtschaftswissenschaf t". (Heft 15 der Sammlung „Der deutsche Staat der Gegenwart", herausgegeben von Staatsrat Professor Dr. Carl Schmitt.) Kart. 1,20 Mark, Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg. — (242) —- Professor Eckardt, Referent im Reichswissenschaftsministerium entwickelt den Studienplan und im Anschluß daran die drei Semesterpläne für Diplom- Volkswirte, Diplom-Kaufleute und Diplom-Handelslehrer. Die grundlegenden Referate, die Professor Dr. v. Gottl-Ottilienfeld und Professor Dr. Wis- kemann auf der Tagung der Unterfachgruppe Wirtschaftswissenschaftliche Hochschullehrer gehalten haben, stellen die eingehende Begründung des neuen Studienplanes dar. Die Wirtschaftswissenschaft wird ihrem innersten Wesen nach wieder als eine politische Wissenschaft erkannt. An die Stelle des Wirrwars der Theorien und Begriffe tritt eine Wirtschaftslehre, die auf reinen Tatsachen-Forfchun- gen beruht. Als Ziel hat sie sich die Heranbildung von Wirtschaftsführern gesetzt, die die Wirtschaft bis in die betriebliche Einzelzelle hinein kennen, dabei aber wissen, daß auj die Dauer eine gesunde Einzelwirtschaft nur in einem gesunden und starken Volk möglich ist. — „Das I n n t a l". Ein Sonderheft des „Sera- fteigers". 1,80 Mark. Verlag F. Bruckmann AG. München. — (230) — Ein neuer Gedanke liegt dem letzten Sonderheft des „Bergsteigers" zu Grunde. Nicht eine Gebirgsgruppe oder ein Land, sondern der Lauf eines Flusses wurde zum Thema einer umfangreichen Sonderfolge genommen. Auf rund 200 Seiten und mit 102 Bildern (darunter fünf farbige) hat die Schriftleitung der Alpenvereinszeitschrift all das festgehalten, was den Bergsteiger, den Naturfreund, den Alpenwanderer bewegt, wenn er das Jnntal besucht. Artikel und Bilder geben eine Gesamtdarstellung des Tales in landschaftlicher, kultureller und naturwissenschaftlicher Hinsicht vom Malojapaß bis zum Austritt des Inns aus den Alpen. — Neue Ullstein-Bücher. Preis je Band 1,— Mark. — (178—181) — In einer neuen Roman-Serie des Ullstein-Verlages, deren Bücher sich in einem handlichen Format, haltbar kartoniert präsentieren und als Ferien- und Reiselektüre vorzugsweise geeignet erscheinen, liegen vor: R o - bert Arden, Episode in Texas. Ein Wild-West-Roman, der in starkem Maße fesselt, weil er sich nicht in Uebertreibungen und Sensationen ergeht, sondern die Züge der Wirklichkeit trägt; ferner Hans Medin, Der grüne Kaiser. Ein im besten Sinne guter und sehr spannender Kriminalroman: Klar und sauber im Sprachlichen, farbig und abwechselungsreich in der Schilderung. — Drittens: Karl Unselt, Der Art aus Leidenschaft. Das ungewöhnliche Leben eines Arztes und Forschers als helfender und doch selbst in schweren seelischen Kämpfen leidender Mensch. — Und schließlich: Fred Andreas, Liebe kann lügen. Ein sehr schöner kleiner Roman, der, zart und leidenschaftlich zugleich, das erste Liebeserlebnis eines jungen Mädchens schildert. Das Flüssige. Einst fragte der von Rheumatismus geplagte Dichter Gottfried Keller seinen Arzt: „Sagen Sie, Doktor, kommt das vielleicht vom Essen?" Der Arzt, der die Vorliebe des Dichters für einen guten Tropfen kannte, antwortete ebenso schonend wie anzüglich: „Nein, vom Flüssigen." — „Da siehst du es wieder einmal", bemerkte Keller vorwurfsvoll zu seiner Schwester, die seinen Haushalt führte, „das kommt von deinen ewigen Suppen." Ein Pionier der Kurzschrift. Ferdinand Schrey beging soeben seinen 85. Geburtstag. Er erfand im Jahre 1887 ein eigenes Kurzfchriftsystem, das später mit dem der Stolze» Schule zum Stenographiesystem Stolze- Schrey verschmolzen wurde. Ferdinand Schrey war auch an der Einführung der Sch reib- maschine in Deutschland beteiligt, von ihm stammt die Berufsbezeichnung „S t e n o t y p i st". (Scherl-M.) finden Sie in einem meiner Schaufenster Wen. 56ii W Br. Z 4164 A Tapeten e Linoleum Verlegen von Linoleum auswärts 4093 d 4218 D 03074 HAUS DER GUTEN QUALITÄTEN Geburtsanzeigen bei Brühl, Gießen ohne besondere Spesenberechnung Ueber einwandfreies Verlegen wird Garantie übernommen. Handwerker erhalten ihren zustehenden Rabatt Ala Anzeigen MienseielWnli Annahme von Anzeigen für alle Zeitungen u. Zeitschriften Klaviere, ? Harmoniums w fachgemäß u.vreisw. gestimmt u.rev. ü RhpplKlavier- U.LUuI l machet Liehen, LndwißstraheSp. £ eiet) b. 2403. Verkanfo.neu u. gedr.Klav. DrkaNRiNiaOARg Die Schwimmhalle des städtischen Volksbades ist wegen dringenderZnstandsetzungsarbeiten vom Montag, dem 22.Zuli, bis einschließlich Freitag, dem 26.3uli 1935 geschlossen. Vom Samstag, dem 22.3uli, ist die Schwimmhalle wieder wie bisher geöffnet. Eine kleine Auslese meiner großen Auswahl d=, Jahreszeit angepaßter, leichter Sommerstoffe ^Kalk U mit Lastwagen frei Baustelle liefert prompt und preiswert Kalkwerk Schlierbach Bieber Fernruf: Rodheim Nr. 8 Deshalb aber nicht verzweifeln! Doppelherz ist das bewährte Kräftigungsmittel für alle,die sich matt und elend fühlen. Doppel- herz erneuert Blut und Körpersäfte. Bei Schlaf- losigkeit,Nervosität und Vwti Mattigkeit als Kräftigungsmittel unentbehrlich. Flaschen zu 1,95 RM, 3,70 RM, 4,65 RM, Doppelherz-Dragees 1,50 RM. Zu haben in nachstehenden Drogerien : C. Seibel, Frankfurter Str., 0. Winterhoff, Kreuzplatz 9/10. Grün berg: Karl Schott u. sämtl. Filialen. 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Februar 1906 wurde ich in Wien als Sohn eines Staatsbeamten und Sproß einer alten Militärfamilie geboren. Rach Absolvierung des Realgymnasiums besuchte ich die Staatsakademie für Musik in Wien. In Musiktheorie war Joseph Marx, einer der bekanntesten Komponisten Oesterreichs, mein Lehrer. Klavier studierte ich bei Franz Moser: der Konzertdirektor am Wiener Konzerthaus Leopold Reichwein und Staatsopernkapellmeister Hugo Reichenberger unterrichteten mich im Dirigieren und in der Musikliterati^r. Dann trat ich wohl- ge-rüstet den Weg ins Theater an. Meine erste Etappe war 1929 das Stadttheater Troppau, wo ich als Ehordirektor und Kapellmeister verpflichtet wurde. 1930 führte mich mein Weg als Kapellmeister und Repetitor an die städtischen Bühnen Gladbach-Rheydt zu Intendant Dr. Legband. Dr. Legband nahm mich bei feiner Uebersiedlung nach Erfurt 1931 mit nach dort und berief mich als ersten Kapellmeister der Oper an das Erfurter Stadttheater. Bis 1933 blieb ich dort. Don 1933 bis 1935 unter Intendant Fritz Kranz war ich musikalischer Oberleite» und erster Kapellmeister für Oper und Konzerte in Trier. Mein Wirken in Trier war deshalb sehr wertvoll, weil ich am Stadttheater den Opernaufbau von Grund auf vornehmen durfte. Don dort holte mich für die kommende Spielzeit Intendant Schultze-Griesheim ans Stadttheater Gießen. Ich freue mich sehr auf die reformatorischen Arbeiten auf dem Gebiet der Oper und erhoffe eine künstlerisch schöne Spielzeit. ilrlaubswandern in der Heimat! Die Urlaubszeit lockt. Ist der Reifeplan fertig? Oder willst du ganz zu Hause bleiben? Das glaube ich nicht! Es liegt im deutschen Wesen begründet, daß wir uns hinaussehnen in die weite Welt. Ja, wir sehnen uns oft gar zu weit. Fremde Länder, fremde Städte und fremde Menschen möchten wir sehen, möchten schauen und ergründen, „wie es dort aussieht". Und es gab Zeiten, in denen wir nur das schätzten, was aus Der Fremde kam. Sagt doch ein deutsches Sprichwort so bezeichnend: Es ist nicht weit her! Besinnen wir uns doch auf uns selber, auf unsere Art, auf unsere Geschichte, auf unsere Leistungen und nicht zuletzt auf unsere Heimat! War es in früheren Jahren nicht „modern", ins Ausland zu reifen? Italien, Aegypten, oder wenigstens die Schweiz mußte man gesehen haben, wenn man mitreden wollte. Das galt als vornehm, als Zeichen des Wohlstandes. Und man kannte fremde Städte besser als die deutschen Das ist ja nun etwas anders geworden, aber noch lange nicht bei allen. Gar viele Deutsche merken immer noch nicht, wie stark wir mit der Heimat verwurzelt sind, wie unser Leben und Gedeihen von ihr abhängen. Und wenn wir wandern oder eine Reise machen, dann sollten wir unsere Heimat im tiefsten Sinne des Wortes „erwandern". Wer kennt unser deutsches Vaterland in allen Winkeln und Ecken? Wohl niemand! Wir sind schon im Taunus, in Thüringen, im Harz, im Riesengebirge, an der Ost- und Nordsee gewesen, aber damit kennen wir noch lange nicht unser schönes Vaterland. Wir müssen abseits von der großen Heerstraße wandern, müssen suchen nach verborgenen Schönheiten. Wir werden überrascht fein; denn immer wieder finden wir Plätzchen, die so einladend und schön find, daß wir dort gern einige Wochen verbringen. Was für alte, trauliche Städtchen gibt es tm deutschen Vaterland! Wie erzählen sie uns von vergangenen Tagen, von stolzem Geschehen, von echter deutscher Baukunst! Warum also nach Italien fahren? Dieses Erwandern der deutschen Heimat gehört zu den Ausgaben, die uns die Gegenwart stellt. Die Jugend, die Wandervögel, haben das schon lange geahnt und gefühlt. Sie ziehen singend und wandernd durch die deutschen Gaue, sie verschmähen auch die kleinsten Dörfchen nicht, und sie finden in Wald und Heide gar schöne Fleckchen, die sie in ihr Herz schließen. Erst wenn wir abseits von der Landstraße hin- eingehen in die Dörfer, auf die Höfe, lernen wir zu der Heimat auch den deutschen Menschen bei seinem Berufe, bei feiner Arbeit, bei Leid und Freud, kennen, dann erst verstehen wir deutsche Art und deutsches Brauchtum. Solche Wanderungen, ganz ohne Ziel und Plan, bereichern und stärken zugleich. Wir fühlen immer mehr, daß wir eine große Volksgemeinschaft bilden, in der jeder an feinem Platz zu stehen hat. Wir verstehen manche Eigenarten und manche Merkwürdigkeiten, wenn wir sie an Ort und Stelle selber studieren können. Mit ganz andern Augen betrachten wir nun unsere Umwelt Die Wochen des Urlaubs öffnen manchem die Augen. Wir gewinnen einen neuen Maßstab, unsere Umwelt zu schauen, und neue Wertungen werden uns vermittelt. Unser Blick weitet sich, wir verstehen und begreifen Zusammenhänge, die uns bis dahin fremd waren. Deutsche Vergangenheit steigt empor und läßt uns immer mehr fühlen, wie eng wir eigentlich mit der Heimat, mit unferm schönen Vaterlande verwurzelt sind. Wir brauchen nicht die fernen Länder, wir brauchen keine tropischen Schönheiten. Wir wandern hinaus in die deutschen Lande, wir öffnen Auge und Herz für alles Schone, und wir kehren zufrieden und beglückt zurück mit dem Bewußtsein: Wie ist die Heimat doch so schon! P Genehmigte Schenkungen in Hessen. Aus einer Statistik der Landesregierung geht hervor, daß im ersten Halbjahr 1935 u. a. folgende Schenkungen genehmigt worden sind: An die Stadt Mainz: vom Verein für Ferienkolonien in Mainz 15 000 Mark, von Verleger Karl Anton Diemer in Mainz als letztwillige Zuwendung mit verschiedenen Verpflichtungen Einzelwerte von rund 63 000 Mark, drei Häuser im Werte von 52 900, 78 700 und 78 960 Mark, eine Bibliothek, einen Betrag von 6000 Mark und ein Zwölftel der verfügbaren 10 Prozent aus dem Gewinn der „Weinzeitung"; von Oskar Jakob Hauswald Wwe., geb. Dunk, in Mainz 47 000 Mark als letztwillige Zuwendung. An die Landesuniverfität Gießen: vom ehemaligen Reichsbund der höheren Beamten, Landesverband Hessen, 17 500 Mark als Schenkung mit dem zukünftigen Namen „Otto-Altendorf- Stiftung" mit verschiedenen Verpflichtungen. An die Evangelische Kirche Groß-Gerau von der Evangelischen Kirchlichen Frauenhilfe Groß-Gerau 5881,04 als Schenkung. An den Armenfonds der Stadt Grünberg 5000 Dollars letzt- willige Zuwendung von Maria Betz (Neuyork). An die Katholische Kirchengemeinde Hackenheim 12 000 Mark. Schenkung von Jakob Schneider Wwe., Hackenheim. Oer Anteil der hessischen Gemeinden an der Krastfahrzeugsseuer. Der Reichsstatthalter — Landesregierung — erließ unter dem 12. Juli folgende Durchführungsbestimmungen zur Verordnung zur Regelung der finanziellen Auseinandersetzung zwischen den alten und neuen Trägern der Straßenbaulast: „Auf Grund des § 1 der Verordnung zur Regelung der finanziellen Auseinandersetzung zwischen den alten und neuen Trägern der Straßenbaulast vom 12. Februar 1935 (RGbl. I, Seite 81) wird vestimmt: Von dem auf das Land Hessen entfallen- Den Anteil an der Kraftfahrzeugsteuer fließen — nach Abzug von 4 vom Hundert für die Unterhaltung der öffentlichen Brücken — zu: a) den Trägern der Straßenbaulast an den Landstraßen 1. Ordnung und den Gemeinden mit mehr als 6000 Einwohnern, die Ortsdurchfahrten im Zuge von Reichsstraßen oder von Landstraßen 1. Ordnung zu unterhalten haben, 81 v. H.; b) den Trägern der Straßenbaulast an den Landstraßen 2. Ordnung und den Gemeinden mit mehr als 6000 Einwohnern, die Ortsdurchfahrten im Zuge von Landstraßen 2. Ordnung zu unterhalten haben, 20 v. H. Von den Beträgen unter a und b erhalten die Gemeinden mit mehr als 6000 Einwohnern für die Ortsdurchfahrten im Zuge von Reichsftraßen oder Landstraßen 1. Ordnung 500 Mark je Kilometer, von Landstraßen 2. Ordnung 250 Mk. je Kilometer. Als Ortsdurchfahrten gelten die im Zuge von Reichsftraßen oder von Landstraßen 1. und 2. Ordnung bisher schon bestehenden Einbahnstraßen in den beiden Richtungen. Bei Straßenstrecken, die später zu Einbahnstraßen erklärt werden, gilt nur die eine Fahrtrichtung als Ortsdurchfahrt, es fei denn, daß die oberste Straßenbaubehörde des Landes aus besonderen Gründen beide Einbahnstraßen als Ortsdurchfahrt ausdrücklich anerkennt. Die nach Abzug der für die Unterhaltung von Ortsdurchfahrten verbleibenden Kraftfahrzeugsteueranteile werden an die Provinzen ausgefchüttet, und zwar: 1. foweit sie zur Unterhaltung von Landstraßen 1. Ordnung bestimmt find: zu je einem Viertel nach der Bevölkerungszahl und dem örtlichen Aufkommen an Kraftfahrzeugsteuer, zur Hälfte nach der Straßenlänge, 2. foweit sie zur Unterhaltung von Landstraßen 2. Ordnung bestimmt sind 7 nach der Straßenlänge. Die Provinzen haben die ihnen gemäß Ziffer 1 zufließenden Beträge auftragsgemäß zu verwenden." polizeibericht. Jugendliche Diebesbande festgenommen. Eine jugendliche Bande, die sich zur Beraubung von parkenden Autos zusammengeschlossen hatte, konnte nunmehr ermittelt und feftgenommen werden. Die Jugendlichen hatten es hauptsächlich auf Ersatzräder abgesehen, aber auch für andere Gegenstände, wie Mäntel, Ferngläser usw, die in den Wagen oorgefunden wurden, hatten sie Verwendung. Mit einem Kraftwagen, der dem Bruder des Haupttäters gehört, fuhren sie nachts auf Beute aus und richteten sich so ein, daß sie am frühen Beatrice Doering t (Aufnahme: Collmann, Darmstadt.) - WM i i ; Die junge Gießener Schauspielerin Beatrice Doering, die früher am Stadttheater tätig war und, wie gestern bereits berichtet, in Sylt tödlich verunglückt ist. Morgen in Frankfurt a. M. eintrafen, wo sie die entwendeten Ersatzräder an den Mann brachten. Drei komplette neue Ersatzräder, ein Prismenglas und eine Anzahl andere Gegenstände konnten noch bei ihnen sichergestellt werden. Die Ermittelungen nach den bereits verkauften Stücken sind eingeleitet. Der Haupttäter, der 18jährige Elektriker M. Sch., der bereits vor 8 Tagen einmal in der gleichen Sache festgenommen worden war, aber wieder zur Entlassung kommen mußte, wurde wegen dringenden Tatverdachts am 16. Juli erneut festgenommen. Am gleichen Tage teilte auch das Polizeiamt Bad- Nauheim telephonisch mit, daß Sch. auch für einen Ersatzräderdiebstahl in Bad-Nauheim in Frage käme. Nach langem Leugnen gestand Sch. einzelne Diebstähle und die Namen feiner Mithelfer ein, deren Festnahme nunmehr auch erfolgte. Es handelt sich um den 18jährigen Arbeiter D. B., den 16jäh- rigen Arbeiter K. St. und den 17jährigen Arbeiter K. H. Letzterer ging flüchtig, konnte aber am 18. Juli auf Ersuchen durch die Gendarmerie Butzbach in Nieder-Weisel feftgenommen werden. Der 16jährige K. St. wurde nach Vernehmung wieder freigelaffen, während die anderen dem Amtsgericht zugeführt und unter Haftbefehl gestellt wurden. Der Eigentümer des Prismenglases, das aus einem vor dem Caf6 Amend in Gießen parkenden Wagen entwendet wurde, steht noch nicht fest. Er wird ersucht, umgehend bei der Kriminalpolizeistelle vorzusprechen. Diebstähle. Gestohlen wurde aus einer Badezelle im Volksbad eine Geldbörse mit 12 Mark, aus einer Halle der Müllerschen Badeanstalt ein Paar braune Halb- schuhe Marke „Salamander", ein Paar graue gemusterte Socken mit Haltern und aus einem Geräteraum in der Bergstraße eine Roßhaarmatratze. In den letzten Wochen wurden aus hiesigen Schrebergärten und aus auf Grundstücken stehenden Hühnerhäufern mehrere Hühner, vorwiegend 7 bis Karten für die Uraufführung Von Heinrich Leis Kurz nach 21 Uhr ging von der Villa Kunstmann der Alarmruf an die Polizei. Wenige Minuten später waren schon Beamte des Ueberfallkommandos Äur Stelle, ihnen folgte bald Kommissar Fischer, Der während des Telephonanrufs zufällig anwesend und auf besonderen Wunsch mit der Aufklärung des feltsarnen Falles beauftragt worden war. Der Tatbestand lag, wie ihn Direktor Kunstmann schilderte, unzweifelhaft klar. Der Direktor hatte mit feiner Frau einer bedeutungsvollen Uraufführung im Filmpalast beigewohnt. Dem Hausmädchen hatte man für einige Stunden Urlaub gegeben, es war zur Zeit noch nicht zurückgekommen. Inzwischen aber drangen Einbrecher in die verlassene Wohnung und räumten dort unter den Kostbarkeiten rücksichtslos auf; sie stahlen nicht nur alles Bargeld und den wertvolle« Schmuck der Hausfrau, sondern auch den JnhÄt einer Kassette, der das recht ansehnliche Vermögen eines von dem Direktor verwalteten Wohltätigkeitsunternehmens darstellte und von ihm zu Abrechnungszwecken gerade am selben Tage erst in seine Wohnung mitgenommen worden war. Mußte man nach alldem mit Tätern rechnen, die mit den örtlichen Verhältnissen aufs genaueste vertraut waren, so bekam der Fall durch die wunderliche Vorgeschichte noch eine eigene Note. Kunstmann hatte, wie er angab, gar nicht die Absicht gehabt, den Abend außerhalb zu verbringen; erst mit der Mittagspost waren ihm zwei Logenplätze für die Filmaufführung von unbekannter Hand zugefchickt worden. Er glaubte, irgend jemand unter feinen Freunden aus Künstlerkreisen fei der Absender und zögerte nicht, die Einladung anzunehmen. Erst zu spät begriff er, daß jene Karten nur ein Mittel für einen verbrecherischen Zweck gewesen waren und sich für ihre Käufer gut bezahlt gemacht hatten. v . Kommissar Fischer begann sofort mit der Untersuchung der Spuren am Tatort. Die ungebetenen Gäste hatten sich offenbar mit großer Gründlichkeit ans Werk gemacht, und die Art, wie sie alle Schränke und Läden geöffnet und durchgewühlt hatten, zeigte System unb kecke Sicherheit, die keinen unversehenen Zwischenfall fürchtete. Fmger- fpuren waren trotz sorgfältiger Prüfung nirgends zu entdecken, wohl aber fand sich die Spur eines «uffallend großen, schmutzigen Schuhes, die man bereits auf der Fensterbank abgedruckt sah und leicht durch alle Räume verfolgen konnte. Und diese Spur, die den Kommissar sogleich auf das dringlichste beschäftigte, wurde erster Anstoß für die bereits innerhalb weniger Stunden gelungene, überraschende Aufklärung des Rätsels. Fischer unterbrach sich plötzlich in der Arbeit, warf schnell einige Zeilen aufs Papier, die er einem Polizisten mit dem Befehl sofortiger Nachfrage übergab. Während der Mann davoneilte, setzte Der Kommissar nun die Untersuchung der Zimmer mit wachsender Spannung fort. Ein Ausdruck leicht spöttischer Heiterkeit blitzte zuweilen in feiner Miene auf, mit kurzem Kopfnicken bestätigte er sich das erfolgreiche Fortschreiten seiner Arbeit. Dann wandte er sich wieder mit allerlei Fragen an den Direktor, feine Frau und das inzwischen gekommene Hausmädchen, das angesichts der Spuren des Einbruchs in deutlich erkennbare Erregung geriet. Sein Benehmen war so auffallend, daß es auch dem Direktor nicht entging, der dem Kommissar eine heimliche Andeutung zuflüsterte. Fischer, sonst in seinen Fragen zurückhaltend und beinahe wohlwollend, fuhr das Mädchen scharf an; dessen Verwirrung stieg immer mehr, es versicherte stotternd seine Unschuld und begann zu meinen. Der Kommissar hieß es streng, van einem Polizisten bewacht, im Nebenzimmer warten, und machte auch Kunstmann gegenüber feinen Hehl aus seinem Verdacht. Nur nebenher zog er von dem Direktor beiläufige Erkundigungen ein, wie groß er etwa feinen Schaden einfchätze, ob er gegen Einbruch versichert gewesen, ließ sich den Briefumschlag geben, in dem die Karten lagen, und besah genau die von dem Platzanweiser durchgerissenen Billette. Dann bat er auch den Hausherrn, zunächst im Arbeitszimmer zu bleiben, um etwa noch vorhandene Spuren nicht zu verwischen. Endlich allein, durchstöberte er alle Winkel. Auf die Oefen im Haufe richtete er besonderes Augenmerk, vor allem schien ihn der Küchenherd zu fesseln. Hier fanden sich Spuren von frischer Asche, sorgfältig schob sie der Kommissar auf ein weißes Blatt; Zigarrenasche war es und ganz winzige Reste' von verbranntem Papier. Und schon fuhr Fischer auf mit einem Laut, der wie unterdrückter Jubelruf klang; zwischen spitzen Fingern hielt er ein winziges Etwas, einen ganz kleinen angekohlten Streife« farbigen Papiers, auf dem noch drei oder vier Druckbuchstaben zu lesen waren. Als er dann ins Arbeitszimmer zukückkam, verriet das Leuchten in seinem Blick, daß ihm des Rätsels Losung schon ^Fischer ftlbst hat von dieser Entdeckung später in feiner frischen Art Freunden gern erzählt. „Die Fußspur gab zuerst meinen Gedanken die Richtung, in Der ich nur fortzuschreiten brauchte, um das scheinbar verwickelte Knäuel mit ein paar Handgriffen zu entwirren. Die Spur erschien mir zu deutlich, kurz gesagt „präpariert", denn bei dem trockenen Wetter gehörte schon Kunst dazu, sich einen Stiefel derart zu beschmutzen. Mir eine künstliche Spur vorzuweisen, aber konnte nur im Interesse einer einzigen Seite liegen, und ich gab dem Verdacht Raum, so unwahrscheinlich er zunächst dünkte. Ich schickte einen Polizisten mit entsprechenden Erkundigungen fort, inzwischen kam das Mädchen, das sich so töricht benahm, daß es mir leicht fiel, es verdächtig zu machen, um ungestört Weiterarbeiten zu können. Ich betrachtete genau die dem Direktor zugesandten Logenkarten und rechnete, wenn mein Gedanke richtig war, konnten auch die fehlenden Stücke der Kontrollabschnitte nicht weit sein. Ich suchte und fand einen zugehörigen Streifen halbverkohlt im Küchenherd. Nun find auch Sie gewiß schon hinter die Losung gekommen und fragen, was war die Ursache von allem? Durchs Telefon horte ich auf meine schriftliche Anfrage, was ich erwartet hatte: daß es mit Direktor Kunstmanns Vermögensverhältnissen durchaus nicht so glänzend stand, wie die Allgemeinheit glaubte. Nun war es an der Zeit, ihm mein Beweisstück vorzuhalten; der Umschwung von völliger Sicherheit zu plötzlicher Anklage kam ihm so überraschend, daß er zusammenbrach und alles gestand. Eine ähnliche Diebesgeschichte hatte ihm den Ge- danken eingegeben; verschwenderisches Leben hatte ihn ruiniert, Daß er sich an den anoertrauten Geldern des Wohltätigkeitsvereins vergriff. Durch einen fingierten Einbruch glaubte er, nicht nur diese Unterschlagung zu vertuschen, sondern auch von der Versicherung für die angeblich gestohlenen, m Wahrheit längst verkauften Schmuckstücke eine schone Summe Geld herauszuschlagen. Der Plan war nicht übel erdacht, aber doch recht ungeschickt durchgeführl. Vor allem beging Kunstmann den Fehler der Dilettanten des Verbrechens, die falsche Spur, mit der er uns verwirren wollte, allzudeutlich zu unterstreichen, und derart verfing er sich in der eigenen Falle. Den alten, zerrissenen Schuh übrigens, den er benützte, und den ich aus dem Bach im nahegelegenen Park- gelänöe fischte, habe ich mir zur Erinnerung an den Fall in meinem Privatmuseum aufgehoben. Dort habe ich eine Menge von Kuriositäten solcher Art; wenn Sie mich besuchen, zeige ich sie Ihnen gern!" Gold in der Tomatensuppe. Immer wieder lockt die Vorstellung, man. könne Das gleißende Gold selbst aus der Erde holen und märcyenhaften Reichtum damit erwerben, Abenteurer aus aller Welt dorthin, wo die Nachricht von Goldfunden auftaucht. Jetzt hat Australien seinen Goldrausch, und so mancher, der nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen Hat, setzt seine Hoffnungen auf einen glücklichen Fund im fünften Erdteil. Das Leben eines Goldgräbers sieht aber in Australien wesentlich anders aus, als man es sich nach den Abenteurerbüchern ausmalen mochte. Seit Jahren werden in planmäßiger Arbeit Goldminen ausge« beutet, und so mancher, der glaubt, auf eigene Faust im Urwald fein Glück suchen zu können, wird zufrieden fein, wenn er ein geregeltes schweres Tagewerk als Goldwäscher finbet. Die Hoffnungen, sich neben dem Arbeitslohn durch das gefundene Gold bereichern zu können, find gering. Es müssen schon besonders schlaue Kniffe angewandt werden, wenn es einem der Arbeiter gelingen soll, Gold aus den Minen herauszuschmuggeln. Die Arbeiter müssen vor Verlassen der Bergwerke ihre Kleider wechseln und werden auch sonst unter strenger Aufsicht gehalten; dennoch soll stets ein Strom des kostbaren Goldstaubes durch unrechtmäßigen Verkauf in die kleinen Büros geheimer Agenten fließen. In früherer Zeit, als man noch Kerzen zum Erleuchten der Tunnel gebrauchte, hatte der findige Goldgräber bald heraus, daß er eine Unze Rohgold oder auch mehr in das Fett der Kerze hineinkneten konnte, ohne daß es jemand merkte. Die Lichtstumpfe, Die die Arbeiter aus den Bergwerken herausbrachten, waren daher höchst kostbare und sehr gesuchte Gegenstände, und Der Uneingeweihte begriff nicht, warum Diese wertlosen Stümpfe mit so riesigen Summen bezahlt wurden. Bevor der Wechsel der Kleidung eingeführt worden war, nahmen die Golddiebe bedeutende Mengen reines Gold in ihren Hemden, Strümpfen, Tüchern ufw. mit, indem sie einfach diese Stoffe in den mit Gold gesättigten Schlamm tauchten und so Die wertvollen Körnchen in ihre Sachen brachten. Ost reiben sich auch Arbeiter, Die reichen Haar- unD Bartwuchs verfügen, den goldhaltigen Schlamm in diese natürlichen Schatzbehälter und wissen sie dann durch Waschen geschickt wieder herauszubringen. Als letztes Mittel des Goldstehlens bleibt dem australischen Wäscher schließlich noch seine Suppe, um in ihr heimlich etwas mit fortzunehmen. Er gießt be- sonders goldhaltigen Schlamm unter die Tomatensuppe, und der Aufseher hat keinen Verdacht... Gießen in der Ordnung der GeireidewMaff ein- an Verkaufszeit Mark 162 n itt, 7 Fortsetzung. Nachdruck verbotenk tn m ” 1 ~ benskreis. lieber die $ -Ußoljer kennen Sie denn Fräulein Korda?" I Verbindung mit ihnen. ?! 196 159 162 Mark Mark Mark Festpreis pro Tonne 6 D Preisgebiete und Preise für das Gelreidegebiet Gießen. r d u Alk he, Ä bet H v 1 d n n b n 5 bo L bi in au tii D festgesetzt. und Preisstaffelung im Gießener Gebiet. Der Aufbau der ländlichen Berufsschule. Die Landesregierung teilt in einem Schreiben . die Kreis- und Stadtschulämter folgendes mit: 10 Wochen alte Kücken, entwendet. In der Nacht Zum Freitag, den 19. d. M., haben die Diebe wiederum aus einem Hühnerstall in der Marburger Straße 16 Stück 10 Wochen alte Kücken gestohlen. Bei diesen Tieren handelt es sich um 14 Stück weiße Amerikanische Leghorn, 1 gesprenkeltes und 1 schwarzes Kücken. Personen, die sachdienliche Mitteilungen machen können, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, werden ersucht, der Kriminalpolizeistelle, Zimmer 5, Nachricht zu geben. Z. mi M ert Qb( in An, pun Mo vrd. Wir sanden zueinanoer Vornan von Klothilde v. Stegmann Vrheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.) Durch die genaue Festsetzung der Preisgebiete und der Preise für die vier Getreidearten, wurde das Gesetz zur Ordnung der Getreidewirtschaft äußerst umfangreich und kompliziert. Das Getreidewirtschaftsgebiet des Stadt- und Kreisgebiets Gießen wurde in den vier folgenden Getrejdearten geteilt: «JQl hl Lcl! fh 16. Juli bis 31. August 1935 für Futtergerste........ 16. August bis 31. August 1935 für Weizen......... im August 1935 für Roggen . . . im September 1935 für Futterhafer _________ 3n den jeweils folgenden Monaten steigt der Preis für die einzelnen Getreidearten monattich um 2 Mark die Tonne. Dies gilt für Roggen bis zum 15. Juli 1936, für Weizen bis zum 15. August 1936, für Futtergerste bis zum 15. Juli 1936 und für Futterhafer bis zum 15. August 1936. Die Zeit ab 1. Juni 1936 bis zur Beendigung der Verkaufszeit gilt nur für einen Monat. Die Staffelung beträgt also in den einzelnen Verkaufsgebieten beim Roggen 20 Mark, beim Weizen 22 Mark, bei der Futtergerste 20 Mark und beim Futterhafer 22 Mark. Da hatte sie heimlich mit dem Leiter des Sanato- rmms, Doktor Langgisser, über Marlen gesprochen. Doktor Langgisser war ein noch junger Arzt, der sich trotzdem durch seine Tüchtigkeit sehr schnell einen Ruf geschaffen hatte. Er schien Karla unter allen feinen Patienten besonders gern zu betreuen. Oft hatten sie, nachdem die ärztliche Besprechung beendet war, noch ein gemütliches Plauderstündchen miteinander. So fragte ihn Karla eines Tages: „Würden Sie etwas dagegen haben, Herr Doktor, wenn ich Marlen Korda, Ihre junge Gärtnerin, etwas naher an mich heranzöge?" Erstaunt hatte Doktor Langgisser Karla angesehen und gefragt: Da hatte Karla von ihren Frühspaziergängen im Park und ihrem Zusammentreffen mit Marlen berichtet. Doktor Langgisser hatte lächelnd mit dem Finger gedroht: „Da erfährt man nun die Unbotmäßiakeit feiner bravsten Patientin so ganz nebenbei, Fraulein von Weckenroth. Sie sollen doch früh recht lange liegen und nicht in der Weltgeschichte herumsttolchen!^ Karla hatte gelächelt: „Sie wissen gar nicht, Herr Doktor, welche Erfrischung und Freude solch ein Spaziergang mor- 'n dem schönen rheinischen Frühling einem gibt. Wenn alles so blüht und' duftet, so taufrisch und unberührt daliegt, das gibt mehr Kraft, als stundenlang im dumpfen Zimmer zu liegen." Ihre Augen hatten geleuchtet. Ihr blasses Gesicht hatte sich zart gerötet. Doktor Langgisser sah mit einem schnellen Blick auf Karla: "Also schön. Nehmen wir's als eine Art Heilmethode, Fräulein von Weckenroth. Ich will ja alles roas Ihnen gut tut und Ihnen Freude macht. Und daß Sie mit Fräulein Korda in nähere Beziehungen gekommen sind, das finde ich wunderschön. Ich selbst schätze Fräulein Korda sehr hoch. Ich habe schon selbst daran gedacht, ob ich sie finanziell^ nicht ein bißchen aufbessern kann. ‘' raTi^i111 3l,I(fen war über sein energisches, gütiges Gesicht geglitten — „die Zeiten sind für uns letzt recht schwer. Außerdem, wenn ich Fräulein Korda ein höheres Gehalt bewilligt hätte, waren die anderen Gärtnereiangestellten auch gekommen. Das trägt der Betrieb ja nicht. Aber ?ie Uf §röulein Korda etwas tun könnten, wäre das wunderschön. an datierte die Freundschaft zwischen Marlen und Karla. Marlen war zuerst L".befangen, als Karla sie gebeten, ob sie ihr s Ä 3U SAich der Arbeitszeit Gesellschaft leisten wollte. Gausängeriag 1935 nach Darmstadt gelegt. Auf Anordnung des Gauführers des Gaues Xlj Hessen-Darmstadt findet der diesjährigeGau» sängertag anläßlich der großen Jubiläums- - Gartenbau-Ausstellung in Darmstadt am 28, - und 2 9. September statt. Dem Sängerkreis t Darmstadt wurden die Vorbereitungen übertragen. Die Arbeiisauffaffung des deutschen Menschen. Für den Marxismus war Sozialismus immer nur eine Angelegenheit wirtschaftlichen Denkens, die Arbeit wurde als Ware angesehen. Der „Bourgeois" kaufte die Arbeit für Gelv, der Arbeiter verkaufte. Entscheidend war die Frage nach der Rentabilität. Den radikalsten Ausdruck fand dann dieses unpersönliche Arbeitsverhältnis zwischen Arbeiter und kapitalistischem Unternehmer der vergangenen Zeit in der sogenannten wissenschaftlichen Betriebsführung des Amerikaners Taylor: der Wert einer Arbeit sollte nach der Zeit berechnet werden, die für ihre Fertigstellung benötigt wjrd, die Stoppuhr war das Symbol. Schnelligkeitsrekord zermürbte den Menschen und nahm ihm jedes Verhältnis zum Gelingen oder Nichtgelingen feines Arbeitsstückes. Die Arbeit wurde eine mechanische Folge von Bewegungen. Der bäuerliche Mensch ist dagegen seit jeher ein- gespannt in die Gesetzmäßigkeit der Natur. Frühling, Sommer, die Jahreszeiten kommen und gehen, der Bauer erfüllt seinen Auftrag. Es wird gesät und geerntet, die Tiere verlangen ihre Pflege. Jeder Tag im Jahr hat seine Ordnung. Es wird solange geschasst, bis die Arbeit fertig ist. Wenn das Rentabilitätsstreben zeitweilig auch auf dem Lande Platz greifen konnte, so hat doch der deutsche Bauer im Nationalsozialismus wieder begriffen, daß er nichts vermag außerhalb der lebensgesetzlichen Ordnungen der Natur und feines Volkes, in die er hineingestellt ist. Der Nationalsozialismus hat jedem einzelnen und jedem Stand feinen Platz in der Volksgemeinschaft zugewiesen. Der Arbeiter wie der Bauer erfüllen, jeder zu seinem Teil, die großen ihnen gesetzten Aufgaben. Das bloße Erfolgsstreben ohne verpflicht tenben Einsatz gegenüber der Gemeinschaft verschwindet. Es ist wieder ehrenvoll geworden, von seinem Ich absehen zu können. Es gilt das Wort, das Graf Schliessen, der große strategische Dorbereiter des Weltkrieges, seinem Leben vorangestellt hat: Wenig reden, viel leisten, mehr sein als scheinen! Die Arbeit wird grundsätzlich bejaht, man erfüllt seine Pflicht ohne Ansehen des (Ertrages. Es wird begriffen, daß das Recht auf Arbeit, das jedem zugebilligt ist, auch zu guter Arbeit verpflichtet. Aus der Zerrissenheit der Arbeitsziele, die der Kampf aller gegen alle bedeutete, ist jetzt ein großes Ziel geworden, das uns der Führer gestellt hat: Diener zu sein der Volksgemeinschaft. „Die Wirtschaft des deutschen Volkes wird die erste Wirtschaft der Welt fein, die aus einer neuen Ordnung aufgebaut ist, in der nicht mehr die Geldsucht des Händlers, sondern das Ethos der Arbeit die Achse aller Ueberlegungen ist." Gießener Dochenmarktpreise. * G i e ß e n , 20. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkte kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55, Landbutter 1,40 bis 142 Mark, Matte 20 bis 25, Käse, das Stück 5 bis 10, Wirsing (grün), das Pfund 12 bis 15, Weißkraut 12, Rotkraut 20 bis 25, Gelbe Rüben 12 bis 15, Rote Rüben 12 bis 15, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 15 bis 25, (gelb) 20 bis 25, Erbsen 18 bis 25, Tomaten 30 bis 45, Zwiebeln 15 bis 18, Rhabarber 8 bis 12, Kartoffeln (alte), bas Pfund 4%, der Zentner 4 bis 4,50 Mark, (neue), das Pfund 8 bis 11, der Zentner 6,60 bis 7 Mark, Pfirsiche 50 Nachdem die Vorverhandlungen über die ländliche Berufsschule zu einem gewissen Abschluß gekommen sind, wird nunmehr mit ihrem Ausbau begonnen. Zu grundlegenden Besprechungen sind die Kreis- und Stadtschulräte von Oberhessen auf Dienstag, den 20. August, 10 Uhr, nach Gießen (Kreisschul- amt), diejenigen von Starkenburg und Rheinhessen auf Donnerstag, den 22. August, 9 Uhr, nach Darmstadt (Abteilung II) eingeladen. Auf folgende wesentlichen Gesichtspunkte wird hingewiesen: 1. An Stelle der allgemeinen Fortbildungsschule aus dem Lande tritt die ländliche Berufsschule, die auf den bäuerlichen Beruf abgestimmt ist. 2. Der Unterricht ist ganzjährig mit mindestens vier Wochenstunden und nimmt auf die Arbeitsspitzen der bäuerlichen Bevölkerung Rücksicht. 3. Der Stützpunkt ist die bäuerliche Werkschule. Ilm sie herum werden Schulbezirke mit etwa 8 bis 10 Kilometer Anmarschweg gebildet. Auf allgemeine Derkehrsverbindungen ist Rücksicht zu nehmen, dagegen spielen die Kreisgrenzen keine Rolle. 4. Die ländliche^ Berufsschule liefert die Grund- schulung für die bäuerliche Werkschule, die den Erb- Hofbauer formt; sie vermittelt die allgemein notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten. Im besonderen wird für die Besprechung ersucht vorzubereiten: a) Welche Schulbezirke werden voraeschlagen? b) Wie groß ist die Zahl der dort zusammenge- zogenen Schüler nach Jahrgängen? c) Welche Lehrkräfte werden zu Einsatz vorge- schlagen? d) Welche Beträge aus den Ihnen für den nebenamtlichen Unterricht zur Verfügung gestellten Mitteln werden bei der Neuformung frei, wieviel werden neu benötigt? e)' Welche Lehrmittel stehen an den neuen Schulorten bereits zur Verfügung? Kann Land für Versuchszwecke usw. bereitgestellt werden? Zu Beginn des nächsten Monats beabsichtigt der Reichsreserent für das ländliche Berufsschulwesen, Herr Ministerialrat Döring, einige gut geleitete ländliche Fortbildungsschulen zu besichtigen. Ehrengabe des 7K5S8, im Schwimmen Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — teilt in einem Schreiben an die Direktionen der Höheren Schulen und an die Kreis- und Stabt- fchulämter folgendes mit: Das Hauptamt für Erzieher im NSLB. fordert auch in diesem Jahre zum Wettkampf um die Ehrengabe des NSLB. auf. Ein bestimmter Tag zur Durchführung des Kampfes ist nicht vorgeschrieben. Die Meldung muß jedoch bis spätestens 25. September 1935 aus den Kreisen bei der Geschäftsstelle des NSLB., Darmstadt, Wendelstadtstraße 15, durch den Kreisfachberater eingegangen sein. Die Hebungen sind die gleichen wie im vorigen Jahre mit der Erleichterung, daß bei der zweiten Leistung ein Sprung aus mindestens 1 Meter Hohe genügt. Die Wertungen bleiben ebenfalls wie im Vorjahre bestehen. Bei den Altersklassen gilt folgende Einteilung: Altersklasse I Jahrgänge 1925 bis 1923; Altersklasse II Jahrgänge 1922 bis 1920; Altersklasse III Jahrgänge 1919 bis 1917. Wer vor dem . 1. Januar 1917 geboren ist, scheidet aus. Sogernb hatte sie gemeint, oh das auch gehe und was die anderen Angestellten des Sanatoriums dazu sagen wurden. Aber Karla hatte energisch erklärt, das brauchte sie und Marlen nichts amu> gehen. Schließlich wäre Marlen dem Sanatorium nur für bte vorgeschriebene Arbeitszeit verpflicht? i?ffenbmaTfieJ,e d^atperson und könnte tun und s uEe Im übrigen hätte „der Kahl. ' ™an scherzhafter Weise Doktor Langgisser bezeichnete, seine Zustimmung gegeben Marlen selbst war ja nur zu glücklich wenn sie „t,nTa ’S1* e.,nem jungen Mädchen ihrer Kreise plaudern konnte. Denn so aut und fnm». radschaftlich sie mit den anderen Gärtnereigehilfen stand es waren doch schließlich immer Männer - und dazu Manner aus einem ganz anderen Lebenskreis. lieber bie Arbeit hinaus gab es keine 3n ber Folgezeit freute sich Karla jeben Morgen, wenn sie auf ihrem Spaziergang burch ben Park Marlen Korba traf. Die beiben jungen Mäbchen schlossen sich innig aneinanber an. Balb wußte jede von bem Lebensschicksal ber anberen. Marlen von Karlas Leben, bas burch ihren Unfall von Kinb auf in ganz anbere Bahnen gelenkt worben war —- von Karlas Vater, an bem Karla mit inniger Liebe hing, unb von ihrem einzigen Jugenb- freunb Dietrich von Veltheim. Karla roieberum lernte aus Marlens Erzählungen ben einzigen •ßruber Marlens kennen, ber Chemiker geworben war. Jetzt war ber Bruber arbeitslos unb suchte vergeblich einen Gelbmann, um eine Grfinbung, bie er gemacht hatte, auszuprobieren unb in bie Praxis umzusetzen. Marlen schickte von ihrem kargen Gehalt bem Bruber ben größten Teil. "AH habe ja hier Essen unb Trinken unb Woh- nung , sagte sie, als Karla nicht begreifen wollte, baß sie säst ohne Gelb auskommen konnte. „Nun unb Luxuskleibung brauche ich ja auch nicht. Eine Gärtnerin braucht nichts weiter als ein Paar feste Stiefel unb ein paar Arbeitskleiber." Dabei hatte sie an ihrem blauen Arbeitskittel heruntergesehen, in bem sie schlank unb rank wie ein Knabe ausschaute. Karla hatte voll Rührung unb Bewunberung 3ugebort. Wie selbstverstänblich sich Marlen in lhre Armut fügte! Dabei hatte sie doch auch ein- mal bessere Tage gesehen. Sie schien sich damit abgefunben zu haben, daß ihr Leben aus nichts als Arbeit bestand. Unb boch wußte Karla, Marlen sehnte sich auch nach anderen Dingen: nach guten Buchern, nach schöner Musik, nach allem, was die Menschen über bie Arbeitsfron hinausheben kann Der Reichsminister für Ernährung unb Lanbwirt- schaft hat in seiner Bekanntmachung vom 10. Juli 1935 bie Versorgung auf bem Gebiete ber Getreidewirtschaft neu geregelt. Nach dieser Verordnung ist das Reichsgebiet in zahlreiche Preiszonen eingeteilt worden, in denen der Verkaufspreis der Erzeuger ganz genau festgesetzt wird und auf keinen Fall überschritten ober unterboten werben barf. Das Interessante an bem neuen Reichsgesetz ist bas, baß in ben einzelnen Kreisen besfelben Regierungsbezirks bie vom Reichsminister für Ernährung unb Landwirtschaft festgesetzten Preise manchesmal recht verschieden ausfallen. Nach dem Reichsgesetz zur Ordnung der Getreidewirtschaft gibt es vier verschiedene ©etreibeftufen, unb zwar für Roggen bie Preisgebiete R I bis R XIX, für Weizen bie Preisgebiete W I bis W XX, für Futter- g e r ft e bie Preisgebiete O I bis O XIV unb für Futterhafer bie Preisgebiete H I bis H XIX. Diese Regelung bedeutet also, bah es im ganzen Reichsgebiet nunmehr 72 verschiedene Preisgebiete gibt. Je höher bie Nummer der Preisgebiete ausfällt, um fo höher ist der Preis für die betreffende (Setreibeart. So ist beispielsweise in bem Preisgebiet für Roggen in ber ersten Preisstufe R I ber Preis für eine Tonne inlänbifchen Roggen im August 1935 mit 145 Mark festgesetzt unb in bem letzten Preisgebiet R XIX mit 165 Mark. Da bas Gesetz zur Ordnung ber Getreibewirtschaft für Deutschland von außerorbentlicher Wichtigkeit ist, wollen wir nachstehenb eine Uebersicht geben über bie Preisgebiete, wozu unsere Stabt bzw. unser Getreibewirtschaftsgebiet gehört. Außerbern werben nachstehenb bie von ber Reichsregierung für bie Zeit vorn 16. Juli 1935 bis 15. August 1936 festgesetzten Preise ber vier (Setreibearten, bie für unser Gebiet zutreffen, angeführt. I RASIERCREME ( O macht das Rasieren zum Genuß rlWW Große, langreichende Tube S" Pf. Für ben Verkauf von den inländischen Getreide- arten Roggen, Weizen, Futtergerste unb Futter- Hafer durch ben Erzeuger werden für unser engeres Getreibewirtschaftsgebiet für bie Zeit vorn 16. Juli 1935 bis 15. August 1936 bie folgenben Festpreise pro Tonne ' " '' (Betreibend So empfanb sie bas Zusammensein mit Karla boppelt beglückend. So manchen Abend schlüpfte sie nach Arbeitsschluß schnell aus ber Arbeitskiei. bung, duschte unb wusch sich. Dann zog sie sich eins ihrer einfachen Sommerkleidchen an unb klopfte balb barauf an Karlas Zimmer. Zuerst hatten bie Angestellten ja etwas eigentümlich geblickt, wenn Marlen hier in bem Hauptgebäube bes Sanatoriums gleichberechtigt mit ben Gästen er- fdjien. Aber bann hatte bas Stubenmäbchen von Karlas Etage berichtet. Fräulein Karla von Weckenroth behandelte die junge Gärtnerin wie ihresgleichen und sähe sie wie einen lieben Gast zum Tee unb Slbenbbrot bei sich. Sehr schnell hatte man sich daran gewöhnt. Viele schöne Abendstunden verplauderten bie jungen Mädchen in Karlas behaglichem Sanato- numszimmer ober auf bem Balkon, ber ihm vor- gelagert war. Zum ersten Male, baß Marlen emen Menschen fand, ber alles oerftanb, was in ihr vorgmg, ber ihre Fragen nach Gott unb ber Welt unb bem Leben beantwortete, ihr Bücher unb ihrem wisfensburstigen Geist Nahrung gab. Karla Weckenroth war durch ihre Krankheit auf sich angewiesen. So hatte sie mehr gelesen unb für UZ gelernt als wohl sonst junge Mäbchen ihres Alters. Sie war glücklich, Marlen von bem geben ju können, was sie selbst erfüllte. So schlossen sich bic beiben Mäbchen immer enger aneinanber an An ihren Briefen an ben Vater schrieb Karla immer roieber von ihrer Freundin Marlen. Eines Tages erschien Hauptmann Weckenroth im Sana- tonum, um Karla zu besuchen. Etwas ängstlich war Marlen ihm entgegengetreten. Wie würde sie vor den Augen von Karlas Vater bestehen? Hauptmann Weckenroth sah Marlen scharf an. Dann streckte er ihr die Hände entgegen: «,'Z^u' mich. Sie kennenzulernen, Fräulein Äorba! D'e Karla hat mir schon mächtig von Ihnen vorgeschwarmt. Da wollt' ich doch selbst einmal sehen, wie bas Menschenkinb beschaffen ist, bem mein Mabel mit feinem scheuen Herzen sich so eng angeschlossen hat. Ich glaube, sie hat recht ge- t°n. Besuchen Sie uns recht balb, Fräulein jtoroai ■£*a batte Karla ganz glücklich ausgesehen, unb uuch Marlen fiel ein Stein vom Herzen. Sie batte ja zu gern einmal Karlas Heimat gesehen. Aber es war ja ganz unmöglich, ber Einlabung ^u folgen. Sie hatte ja nur brei Tage Urlaub, sie bollen kaum zur Hin- unb Herreise gereicht. So f lochen Herzens von Karla, die mit ' ».mBater in bie Heimat zurückkehrte. SnnnÄr^Qr a ^H'bn der Abschieb von bem schönen Ö ÄT Unb Mcrrlen sehr schwer zu werben: , letzte? Ab^ E immer Marlen!" sagte sie am : (Srhrpih, b ,mit <. tranenerstickter Stimme. bkr ih ® Vs dir geht, und was ihr alle ! ~DDtror ßan98i|fer"' Roggen- Preisgebiet R XV Weizen- „ W XVI Futtergerste- „ G IX Futterhafer- „ H XIII 1 , Unb bann hatte sie das Gesicht in bie Hänbe gelegt unb nichts mehr gesagt. , Da wußte Marlen genug. Aber zartfühlenb, wie sie war, wagte sie nicht, an Karlas Geheimnis zu rühren. Karla schätzte Doktor Langgisser offenbar ; nicht nur als Arzt. Aber Marlen wußte, baß Karla niemals solchen Gefühlen in sich Raum , geben würbe. Sie hatten einmal über Ehe unb Liebe gesprochen. Marlen war ganz entsetzt ge- wesen, wie hart Karla jebe Möglichkeit einer Ehe für sich selbst abgelehnt hatte. „Ein Mäbchen wie ich, bas keine gesunden Glieder mehr hat, barf keinen Mann an sich binben" hatte sie erklärt. Vergebens hatte Marlen versucht, ihr klarzumachen, baß die s e e l i s ch e n Werte eines Menschen mehr bebeuten konnten als eine vollkommene, äußere Schönheit. Aber Karla hatte nur ben Kopf geschüttelt: "Das kann jemanb sagen, ber gesund ist an Leib unb Seele wie bu, Marlen! Aber glaube mir, ein Man wirb über einen körperlichen Mangel bei einer Frau niemals hinwegsehen können. Jeben- hjUs würbe ich immer bas Gefühl haben, einem Manne nur Hemmschuh zu sein. Ich m u ß mich abfinben, unb ich habe mich abgefunben. Ich habe ja ben Jöater. Ich habe meine Bücher. Unb ich habe dich, Marlen! Ich wollte nur, ich könnte bim immer bei mir haben. Warum willst bu benn nicht für immer zu mir kommen?" Aber Marlen hatte abgelehnt. Sie wußte, wie gut Karla es meinte. Aber bennoch war es un- Don ber Freundm olles zu empfangen. Mensch, ber arbeiten konnte, mußte arbeiten unb bürste sich nicht auf bie Güte anberer verlassen. So war sie traurig zurückgeblieben. Karla kehlte ihr an allen Ecken unb Enben. War bie Arbeitszeit vorbei, faß sie in ihrem kleinen Stüb- chen ober auf einer Bank hinten bei ben Ge- wachshausern, bann fühlte sie ganz, was ihr bie Gemeinschaft mit Karla gegeben. Ihr einziger ^i?c^?or es, baß Doktor Langgisser oft nach Ar- beitsschluß einen Spaziergang durch ben Park machte unb für ein Viertelstünbchen mit ihr plan- 2)em>9RlrtteIPr"uL ^rcr ^spräche roar immer Äarla. aRad^ füllte: auch Doktor Langgisser konnte Karla Weckenroth nicht vergessen. Unb eine Ahnung kam ihr, als ob er ber Mann fein fonnte ber Karla von ihrem Unglauben an wirf- ^fiO!S$elI«n konnte. Don ihrem Unglauben an Liebe bie über Neuerliches hinwegfah. Hätte ie nur Karla sprechen können unb ihr von Doktor or?nrn .fragen nach ihr erzählen. ?ber brieflich ließ sich fo etwas schwer machen. Aebes Wort klang plump unb ungeschickt. Sa muffte sie warten, bis sie Karla einmal wieberfab. Aber wann würbe bas fein? (Fortsetzung folgt!) Nach bem Ausschreiben der Hauptamtsleitung des NSLB. beteiligen sich nur bie Orte, bie Schwimmgelegenheit haben. Um Zweifelsfälle zu klären, wirb bestimmt, baß unter biefer Gelegenheit eine Einrichtung unb Möglichkeit verstauben wirb, bie es gestattet, schul- und lehrmäßig das Schwimmen durchzuführen. Die Verantwortung für bie Durchführung ber Kämpfe tragen bie ß e i t e r ber beteiligten Schulen. Verpflichtet zur Teilnahme finb nur biejenigen Schulen, an benen im Unterrichtsbetrieb planmäßig bas Schwimmen zu pflegen ist. Sie bestimmen einen Uebungsleiter, ber für bie vorschriftsmäßige Erledigung ber Leistungsprüfungen unb bie Mel° bung an ben Kreisfachbearbeiter zu sorgen hat. Zur Melbung ist bas überfanbte Muster (Punktwertungsliste) zu wählen. Bezüglich ber Leistungsprüfungen unb anberer Fragen ist ber Kreisfachberater angewiesen, in feinem Gebiet zur Verfügung zu stehen. Äon feiten des NSLB. steht für jeden Kreis für das prozentual beste Gesamtergebnis aller Altersstufen an einer Schule eine besondere Auszeichnung in Form eines Schemm-Bildes bereit. Jeder e nrnal am Mikrophon Sonberzüge zur Runbfunkausstellung nach Berlin. „Jeder einmal am Mikrophon!" So lautet bie Parole, bie zu der diesjährigen Funkausstellung ausgegeben ist. Jeder Volksgenosse kann auf der Funkausstellung in einem eigens hierzu erbauten Volksfender während ber Ausstellung im Runbfunk mitwirken. Ein Funkhaus mitten in den Ausstellungshallen unb mitten im Volk, — ein Funkhaus, das bem Volk gehört, unb in bem bas Volk fenbet. Jeber Besucher ber Ausstellung ist in ber Lage, feine zu Haufe gebliebenen Volksgenossen von Berlin aus burch ben Volkssender zu begrüßen. Das Programm bes Volksfenbers wirb nur burch Darbietungen ber bie Ausstellung be- suchenben Volksgenossen bestritten. Wir suchen zur Teilnahme heimatliche Trachtengruppen, Gesangvereine, Belegschaftskapellen, Hei- matbichter, Jugenbspielscharen ber HI. unb bes Jungvolks usw. Jebermann kann über ben Volks- fenber feine Darbietungen bringen, sofern biefelben einer Sendung wert finb. Meldungen hierzu nehmen bie zustänbigen RDR.-Kreisgruppen entgegen. Um jebem Volksgenossen bie Beteiligung am Volkssenber zu ermöglichen, organisiert ber RDR. aus allen Teilen bes Reiches Sonberzüge zu den Funktagungen in Berlin mit einer Fahrpreisermäßigung von 75 v. H. Nach bem heutigen Stand der Anmeldungen ist mit einer überaus großen Beteiligung zu rechnen. Nicht allein der Volkssender bietet einen besonderen Anziehungspunkt, sondern auch der Fernsehfunk steht in diesem Jahre im Brennpunkt der Ausstellung. Liegen boch erstmalig Fernsehempfänger zum Kauf auf. Funkische Veranstaltungen aller Art, Stabtfahrten, Besichtigungen unb viele« anbere werben bie Teilnehmer ber Sonberfahrten in Berlin mitmachen können, so baß jeber Besucher wirklich auf feine Kosten kommt. Die Sonberzüge bes Gaues Hessen-Nassau fahren am 17. August (brei- tägiger Aufenthalt) und am 18. August (siebentägiger Aufenthalt). Der Fahrpreis einschl. Plakette unb Ausstellungskarte beträgt ca. 14,— Mark. Als letzter Melbetermin ist ber 1. August 1935 fest- gesetzt. Melbungen nimmt entgegen ber Reichsverband Deutscher Rundfunkteilnehmer, Kreisgruppe Gießen, in ber Geschäftsstelle (Kreisrunbfunkstelle) Gießen, Marktlaubenstraße 2. Geschäftszeit von 10 bis 11 unb 17 bis 19 Uhr außer Samstags. Es können nur Melbungen von Volksgenossen aus bem Kreise Gießen angenommen werben. bis 60, Himbeeren 50 bis 55, Birnen. 30 bis 50, Kirschen 45 bis 50, Heidelbeeren 38 bis 42, Stachel, beeren 15 bis 30, Johannisbeeren 20 bis 28, junge Hahnen 0,90 bis 1 Mark, Suppenhühner 70 bis 80, Enten 0,30 bis 1 Mark, Tauben, das Stück 40 bis 60, Eier (inländische) 10, Blumenkohl 10 bis 70, Salat 5 bis 12, Salatgurken 10 bis 35, Einmach- ?urten 2 bis 5, Obertohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 0, Suppengrün 5 bis 8, Radieschen, das Bund 8 bis 10 Pf. Daten für den 22. Jul, 1822: der Botaniker und Augustinermönch Jo- Hann Gregor Mendel in Heintzendorf, Oesterreich. Schlesien, geboren (gestorben 1884); — 1872: der Staatsmann Karl Helfferich in Neustadt a. d. H. geboren (gestorben 1924); — 1882: der Dichter Hans Kyser in Graudenz geboren; — 1909: der Dichter Detlev o. Liliencron in Alt-Rahlstadt bei Hamburg gestorben (geboren 1844); — 1917 (bis 14. September): Zweite große Schlacht in Flandern. Vornottzen. — Tageskalender für Samstag: DAF., Amt für Berufserziehung, Kurzschriftvereini- flimg: 20 Uhr im Garten des Restaurants ,Karls- ruhe" ein Kameradschaftsabend. — NS.-G. „Kraft durch Freude": 17 bis 19 Uhr Leichtathletik auf dem Universitätssportplatz am Kugelberg. — Lichtspiel- Haus, Bahnhofstraße: „Alles hört auf mein Kommando". — Tageskalender für Sonntag: Licht- fpielhaus, Bahnhofstraße: „Alles hört auf mein Kommando". — Reichstreubund, Ortsgruppe Gie- ßen: Familienspazieraang nach der „Karlsruhe", Treffpunkt: 15 Uhr, Ecke Walltor. und Marburger Straße. * ** Die Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen macht im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß die Beiträge für den Monat Juni 1935 noch bis zum 25. Juli 1935 ohne Kosten bezahlt werden können. ** Sonntags . Rückfahrkarten zum Rhönsegelflug . Wettbewerb. Zum Besuch des Rhönsegelflug-Wettbewerbs (20. Juli bis 4. August) gibt die Reichsbahn Sonntags-Rückfahrkarten nach Gersfeld (Rhön) aus. Die Karten gelten am 20. und 21. Juli, am 27. und 28. Juli, sowie am 3. und 4. August, jeweils von Samstag 0 Uhr bis Montag 24 Uhr. ** Sonntags . Rückfahrkarten zum Feldbergfest. Die Reichsbahn gibt zu dem am heutigen Samstag und am morgigen Sonntag statt- findenden Feldvergfest Sonntags-Rückfahrkarten nach (Kronberg im Taunus, nach Bad Homburg, nach Bad Soden und nach Königstein aus. Die Karten gelten vom Samstag 12 Uhr bis Montag ** Ausflug nach Eisenach. Der Verein „Wandervogel-Höhenflug" Gießen unternahm eine Autobusfahrt nach Eisenach und der Wartburg, lieber Lich und Laubach führte die Fahrt nach dem Vogelsberg. Von Ulrichstein aus genossen die Teil- nehmer einen herrlichen Ausblick auf zahlreiche Dörfchen inmitten der malerischen Landschaft. Durch Lauterbach und Schlitz wurde die Fahrt fortgesetzt und führte über Vacha und Hünfeld in das Thü- ringer Land. Vorher bot sich noch ein prächtiger Ausblick auf die Wasserkuppe. Gegen 11 Uhr grüßte die Wartburg von der Höhe. Nach einer kurzen Mittagsrast in Eisenach wurden zunächst verschiedene historische Stätten besichttgt und dann der Wartburg ein Besuch abgestattet. Eine gründliche Besichtigung der Burg und all ihrer Schönheiten machte den Teilnehmern große Freude. Der Ausflug wurde dann zur Drachenschlucht fortgesetzt und führte schließlich in einer schönen Fußwanderung zur Hohen Sonne. Gegen Abend wurde wieder die: Heimfahrt angetreten. Im schönen Städtchen Schlitz wurde noch einmal Halt gemacht und die dorttge Gewerbeausstellung mit ihren zahlreichen heimischen Erzeugnissen besichtigt. Gegen 24 Uhr kam man wieder, sehr befriedigt von der Fülle des Gesehenen und Erlebten, in Gießen an. ** Die Schwimmhalle im Volksbad vorübergehend geschlossen. Wie aus einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil her- oorgeht, ist die Schwimmhalle im Städtischen Volks- bad wegen dringender Jnstandsetzungsarbeiten in der Zeit vom Montag, 22. Juli bis einschließlich Freitag, 26. Juli, geschlossen. Es sei hiermit besonders darauf aufmerksam gemacht. ** Der nächste Rindvieh (Nutzvieh-) Markt in Gießen findet am Dienstag, 23. Juli, und der nächste Schweinemarkt am Mittwoch, 24. Juli, statt. Auf die heutige Bekanntmachung sei besonders aufmerksam gemacht. Amtsgericht (Sieben. Der H. K. aus Alsfeld fuhr mit seinem Wagen die Ludwigstraße hinauf und schnitt beim Einbiegen in die Liebigstraße die Kurve. Auf diese Weise verursachte er einen Zusammenstoß mit einem anderen Auto. Durch Strafbefehl wurde er zu 2 5 Mark G e l d st r a f e verurteilt. Der gegen diesen Strafbefehl eingelegte Einspruch war ohne Erfolg. Ein Mann aus Lich erhielt wegen groben Unfugs einen Strafbefehl über 5 Mark. Dagegen legte er Einspruch ein. Im Laufe der gestrigen Hauptver- handlung stellte sich heraus, daß er einen jungen Mann mißhandelt hatte. Die Strafe wurde auf 20 Mark erhöht. Oberheffen der Wirtschaft „Zur Burg" ab. Nazu 300 Sänger, viele mit ihren Familien, werden in unserem Dorf erwartet. Die Vorbereitungen zu dem deutschen Liedertag hat die hiesige Nationale Sängervereinigung „Eintracht-Harmonie" übernommen. Am Nachmittag werden die vereinigten Chöre auf einem freien Platz unseres Dorfes mit Massenchören für das deutsche Lied werben, um auch noch Außenstehende auf die edlen Ziele des deutschen Männergesangs aufmerksam zu machen. * Watzenborn . Steinberg, 19. Juli. Wie uns von dem Besitzer des Hofes Oberst e i n b e rg zu dem am 23. Juni im Gießener Anzeiger veröffentlichten Bericht über die Sonnwendfeier soeben mitgeteilt wird, ist die in diesem Bericht gebrauchte Bezeichnung „Hungerhof" unzutreffend. Der Hof heißt vielmehr „Hof Ober- fttiirberg". 4- Grünberg, 19. Juli. Am Donnerstag fand eine Besichtigung der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr statt. Dazu waren von Gießen erschienen: Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier, der Derbandsftihrer der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Gießen, Fritz Wenzel, und der Hauptmann der Gießener Gailschen Feuerwehr, Münch, ebenso war der hiesige Bürgermeister Wagner anwesend. Die Wehr, die in Stärke von 127 Mann angetreten war marschierte mit ihrer Kapelle nach dem Sportplatz, wo unter dem Kommando von Oberbrandmeister Seifert Fußexerzieren und Geräteübungen stattfanden. Nach dem Rückmarsch zum Marktplatz erfolgte ein Brandangriff, wobei auch die Sanitätskolonne vom Roten Kreuz mitwirkte. Nach Schluß der Hebung fand ein geselliges Beisammensein im „Hotel Hirsch" statt. Hier wurden von den die Besichtigung leitenden Herren die vorgeführten Hebungen besprochen, die sie als sehr gut bezeichneten, ebenso lobend sprachen sie sich über den Zustand und die Reichhaltigkeit der Feuerlöschgeräte aus. Auch Bürgermeister Wagner sprach sich anerkennend über das Gesehene aus und versprach als Vertreter der Stadt, der Wehr stets Unterstützung angedeihen zu lassen. Kreisoerbandsführer W e n - z e l überreichte dem Schmiedemeister Wilhelm S ch o m b e r, der auf eine 45jährige Mitgliedschaft bei der Freiwilligen Feuerwehr zurückblicken kann, als Auszeichnung das hessische Ehrenkreuz. Musikstücke der Kapelle verschönten den Abend. * Weitershain, 19. Juli. In der letzten Gemeinderatssitzung unterbreitete der Bürgermeister Nau dem Gemeinderat einen Beschluß, wonach die Gemeinde zukünftig jedem neuvermählten Paar am Hochzeitstage das Buch des Führers „Mein Kampf" zum Geschenk macht. So will die Gemeinde zu ihrem Teil dazu beitragen, daß das Standardwerk der nationalsozialistischen Bewegung Allgemeingut des ganzes Volkes wird. Em nachahmenswertes Beispiel. Weitershain, 19. Juli. Bekanntlich versank am vorigen Sonntag beim Baden in einem Wasserteich der Buderus'schen Eisenwerke bei Atzenhain der jung verheiratete Albrecht Fried- rich. Alle sofort angestellten Bemühungen ihm Hilfe zu bringen, waren vergeblich. Guten Schwimmern und Tauchern der Arbeitsdienstabteilung Burg- Gemünden, die in nächster Nähe beschäftigt find, sowie Schwimmern aus Grünberg gelang es nicht, die Leiche zu bergen. Auch eine Abteilung Reichswehr aus Gießen, die am Dienstag zu Hilfe gerufen wurde, konnte die Leiche nicht auffinden. Heute morgen zeigte sich die Leiche nun etwa 10 Meter von der Hnfallstelle entfernt unter der Wasseroberfläche. Einer Abteilung des Arbeitsdienstes gelang es dann, die Leiche zu länden. Friedrich gilt allgemein als ein tüchtiger Arbeiter. Kreis Bübingen. T) Bad Salzhausen, 19. Juli. Die Gesamt- frequenz unseres Bades ist im laufenden Jahr mit 470 Personen bis jetzt erheblich höher als in gleicher Zeit im vorigen Jahre mit nur 288 Gästen. Aller- dings hat der größte Teil der Gäste im Kaufmanns- Erholungsheim und Reichsblinden-Erholungsheim <8emeinberaf in Grünberg. + Grün berg, IS. Juli. Der Schulgeldzuschlag für die drei oberen Klassen der Oberrealschule soll in der gleichen Weise wie in den Vorjahren festgesetzt werden: hiesige Schüler 5 Mark, auswärtige Schüler 6 Mark pro Monat. — Einem Ersuchen der Stadt Nürnberg um Heberlassung von zwei Stadtfahnen zur Ausschmückung der Anmarschstraßen zum Reichsparteitag wird grundsätzlich zugestimmt. Jedoch wird sich die Ueberlassung für dieses Jahr noch nicht ermöglichen lassen, da die Anschaffung dieser 7:1,50 Meter großen Fahnen mit eingesticktem Stadtwappen erst durch Bereitstellung von Mitteln im nächsten Voranschlag erfolgen kann. — Der Bürgermeister macht grundsätzliche Aussüh- rungen über Verkehrswerbung für die Stadt. Insbesondere stimmt der Gemeinderat einer Beteiligung der Stadt an dem Reichshandbuch der Fremdenverkehrsorte zu. — Gegen drei Familien im Spital, denen die Möglichkeit gegeben ist, sich anderweitig Wohnung zu verschaffen, soll die Räumungsklage eingeleitet werden, um dadurch mehr Raum für die Aufnahme von alten, alleinstehenden und notleidenden Leuten zu schaffen. — Das Kreisamt wünscht in einem Schreiben an die Bürgermeisterei Beitritt zu einem Beschluß, den die Inhaber der Obligationen der Butzbach-Licher-Eisenbahn (AG.) in einer Versammlung am 27. Juni gefaßt haben. Danach sollen die Obligattonszinsen und Gemeindesteuern für 1935/36 erlassen werden und eine Rückzahlung von Obligationen in diesem Jahre nicht erfolgen. Dem Wunsche des Kreisamtes soll entsprochen wer- den, jedoch sollen demselben einige Wünsche einzelner Gemeinderäte unterbreitet werden. Wechsel in der Führung des HI.-Bannes 304 Lpd. Lauterbach, 19. Juli. Der seitherige Führer des Bannes 304 „Vogelsberg", Gefolgschaftsführer Fritz Guntrum, wurde auf eigenen Wunsch vom Führer des Gebiets 13, Oberbannführer Potthof, beurlaubt. Mit der Führung des Bannes wurde der ehemalige Führer des Ober- banne» Oberhessen, Bannführer Walter Blumen- r ö b er, beauftragt. Mit beiden Füßen in eine^gge getreten. Lpd. Friedberg, 19. Juli. Als der Landwirt Albert Welter im Kreisort Rodheim v. d. H. vom Heuboden heruntersteigen wollte, trat er mit einem Fuß in eine unter Heu am Boden liegende Egge, deren scharfe Zähne nach oben standen. Einer der Zähne drang dem Bauer durch die Fußbekleidung tief in den Fuß ein. Er suchte sich mit einem großen Schritt aus der gefährlichen Lage zu befreien und trat dabei unglücklicherweise auch noch mit dem anderen Fuß in einen Eggen- zahn, der ihm ebenfalls den Fuß durchbohrte. Erst ein schnell herbeigerufener Arzt konnte den Mann aus feiner schmerzhaften Fessel befreien. Iüd.sche Metzgerei wegen Unsauberkeit geschlossen. Lpd. Büdingen, 19. Juli. Bereits vor einiger Zeit mußte der Metzgereibetrieb des Juden Her- mann Schuster im Nachbarort Altenstadt wegen sehr großer Unsauberkeit beanstandet werden. Die erteilte Verwarnung beachtete der Judenmetzger aber nicht und führte seine Metzgerei nach wie vor in einem Zustand, der den einfachsten hygienischen Anforderungen Hohn spricht, weiter, so daß sich nunmehr die Polizeibehörde gezwungen sah, die sofortige Schließung des Metzgereibetriebs anzu- orbnen. Landkreis Gießen 00 Klein-Linden, 19.Juli. Am morgigen Sonntag finbet in unserer Gemeinde ein Werbe- t a g für das deutsche Lieb statt. Die unter Leitung von Chormeister Harnisch (Watzenborn- Steinberg) stehenden Tlännergefangoeretne hatten ihren Liedertag in dem herrlich gelegenen ©arten 67. Ausstellung und Zuchtviehversteigernng für Mlleli eulsches ro.es Höhenvieh. Prämiierungsergebnisse: Deutsches veredeltes Landschwein. Es wurden nur 3. Preise ausgegeben: Eber folgender Züchter wurden ausgezeichnet: Anton Engel V., Hörnsheim; Albert Engel, Hörnsheim; Otto Schneider, Hörnsheim. Mitteldeutsches rotes Höhenvieh: Leistungspreise: 1. Preise: W. Braun III., Dornholzhausen (Biedenkopf); Joh. Dornsett, Bromskirchen (Kurh.); Jakob Siefert, Fronhof (Ooenwald). la-Preise: Wilh. Bepler, Hörnsheim (Kr. Wetzlar); Reitz, Kleingladenbach; Ludwig Sattler, Airlenbach (Odenwald); Otto Schneider, Hörnsheim (Kreis Wetzlar); Dr. Rügen, Wormeln; Adam Siefert II., Airlenbach (Odenwald) und Dr. Rügen, Wormeln (zum zweiten Male). 3. Preis: Konrad Trusheim, Ernsthausen (Kurhessen). Formenpreise: la-Preis: Dr. Rügen, Wormeln; 1b: Wilh. Bepler, Hörnsheim; 1c: Reitz, Kleingladenbach (Biedenkopf); 2a: Dr. Ritgen, Wormeln; 2b: Heinrich Schmidt II., Oberdieten (Biedenkopf); 2c: Karl Müller IV., Lang-Göns; 2d: Anton Schmidt, Hörnsheim; 2e: Wilh. Bepler, Hörnsheim. 3. Preis: Wilh. Braun III., Dornholzhausen; 3b: Georg Bepler VII., Hörnsheim; 3c: Heinrich Ludwig, Hörnsheim; 4a: Tobias Werner, Krombach (Biedenkopf); 4b: Ludwig Sattler, Airlenbach; 4c: Wilh. Jungmann, Braunshausen (Westf.); 4d: Paul Weber, Hochelheim; 4e: Otto Schneider, Hörnsheim. Anerkennungen: Konrad Trusheim, Ernst- Hausen (Kurh.); Joh. Dornfeif, Bromskirchen (Kurh.); Jakob Liefert, Fronhof (Odenwald); Joh. Landau, Ernsthausen; Joh. Adam Siefert II., Airlenbach. Bullen über 15 Monate und älter: 2a-Preis: Anton Linker, Hörnsheim; 2b: Heinrich Harbach VIII., Großen-Buseck; 3a: Jakob Ströter V., Wilsbach, (Biedenkopf); 3b: Wilh. Kunz II., Werdorf (Kreis Wetzlar); Anerkennung: Wwe. Konrad Held, Reiskirchen (Kreis Wetzlar). * Wetzlar, 19. Juli. Der Reichsverband der Rinderzüchter Deutschlands e. 93., Abteilung 5 für mitteldeutsches Rotoieh, veranstaltete die 67. Ausstellung und Zuchtviehversteigerung in der neuen Markthalle auf dem Haarplatz. Aus den anerkannten Zuchten der Unterabteilungen waren insgesamt 41 ausgezeichnete Bullen mit ausgeprägter Forrnen- geftaltung und beachtlicher Durchschnittsleistung zur Schau gestellt, die der Ausrichtkommission viele Mühe für eine umfassende Prämiierung bereiteten. Allein 11 Tiere erhielten einen Leistungs-, 26 Tiere einen Formenpreis, ein Beweis für die Güte der Dualität des aufgetriebenen Zuchtmaterials. Anschließend an die Ausrichtung der Bullen fand die Zuchtschweine - Versteigerung des S ch w e i n e z u ch t v e r b a nd e s Der Kreise Wetzlar und Biedenkopf statt, die zwar gute Preise zeitigte, aber einen schlepvenden Verlauf nahm, so daß nicht alle Tiere ihren Besitzer wechselten. Den Spitzenpreis von 150 Mark für einen halbjährigen Eber erzielte der Züchter Wilh. G l a u m, Niederkleen, den Oer Käufer Hch. Ludwig aus Garbenheim bezahlte. Die weiteren Preise bewegten sich zwischen 100 und 140 Mark, das geringste Gebot war 90 Mark. Im anschließenden Freiverkauf wurden noch 120 Mark für das Stück erreicht, so daß saft alle Tiere zum Schluß an den Mann tarnen. Die Versteigerung der Zuchtbullen, der auch Dr. Wagner, Abteilungsvorstand der Landesbauernschaft Frankfurt a. M., und Landrat Grillo beiwohnten, zeigte sehr gute Erfolge. Es wurden alle Tiere abgesetzt. Bei flotten Geboten sowohl von Bauern wie von Züchtern aus dem unteren Lahngebiet, dem Dillkreis und aus Ober- Hessen und dem Vogelsberg wurden sehr gute Preise erzielt. Den Spitzenpreis von 1010 Mark für den mit einem 3c-Forrnenpreis ausgezeichneten Bullen aus der Zucht von Heinrich Ludwig, Hörnsheim, entrichtete die Gemeinde Lützellinden. Die weitaus größere Anzahl der Gebote lag zwischen 600 und 900 Mark. Der. Durchschnittspreis betrug rund 750 Mark, der Gesamtumsatz rund 31 000 Mark. Der Auftrieb wurde vollkommen abgesetzt, die Nachfrage war größer als das Aufgebot. Untertunft gefunden. Außer dem Kinderheim vom Roten Kreuz hat auch das Jugendfamilienheim für Fürsorgezöglinge mit durchschnittlich je 15 Kindern schon seit Eröffnung der Badezeit voll besetzt. In den Prioatgaststätten ist jetzt, wie es stets zur Sorn- merferienzeü der Fall zu fein pflegt, kaum noch em Gast unterzubringen. § N i d d a , 19. Juli. Ein bis jetzt nicht ermittelter Viehbesitzer hat in der Nachbargernarkung Ulfa in unverantwortlicher Weise ein verendetes Schwein im Gewichte von ungefähr anderthalb Zentner In einen Graben fast an der Gemarkungsgrenze in Richtung Gonterskirchen abgeladen, um vermutlich die Abhol- gebühr der Kadaververwertungsanstalt zu ersparen. Auf polizeiliche Anordnung wurde das verendete Tier durch die Gemeinde Ulfa zur Verwertungsstelle transportiert. Kreis Schotten. ch Laubach, 19. Juli. Dieser Tage hielt der Vorschuß-Verein und die Laubacher Bank im „Solmser Hof" eine außerordentliche Generaloer. jammlung ab. Als Hauptpunkt stand die Wahl des Rechners der Laubacher Bank und eines neuen Liquidators des Vorschuß-Vereins zur Tagesordnung. Da Herr Kröck vom Ländlichen Genossenschaftsoerband als Revisor angestellt worden ist, ist er freiwillig ausgeschieden. Dem scheidenden Rechner Überreichte der Vorsitzende Fr. D ö 11 mit Worten des Dantes und der Anerkennung ein Bild von Laubach mit der entsprechenden Widmung. Er betonte dabei, daß Herr Kröck in Ehren ausscheide. An seine Stelle muröe Herr Hermann Bohn zum Rechner und Vorstandsmitglied der Laubacher Bank und zum Liquidator des Vorschuß-Vereins einstimmig gewählt. Ferner wurden für den Vorschuß- Verein auf Vorschlag zwei weitere Liquidatoren und zwar die Herren Wilhelm K r e i ck e r und Ludwig Schudt gewählt. Für die in dem Vorschuß-Verein ausgeschiedenen Aufsichtsratmitglieder Otto Müller, Karl Rühl und Paul Schu- mann wurden die Herren Ernst M ö n n i a, Friedrich D ö 11 und Ludwig Schudt gewählt. In der Laubacher Bank wurde für das durch Krankheit zurückgetretene Aufsichtsratmitglied Otto Mül- l e r Herr Karl Schwanke (Lardenbach) gewählt. Der Verkauf eines der Kasse gehörigen Hauses wurde dem Aufsichtsrat und den Liquidatoren des Vorschuß-Vereins übertragen. Unter Punkt Verschiedenes richtete Direktor Hohmann einen Appell an die Mitglieder, daß sie alles daransetzen möchten, an dem weiteren Aufbau des neuen Instituts mitzuhelfen und für tüchtige Sparwerbung beizutragen. Im Anschluß an die Generalversammlung folgte noch eine allgemeine Aussprache. — In die hiesigen Standesamtsregister mürben im ersten Halbjahr 24 Geburten, 6 Eheschließungen und 20 Sterbefeälle eingetragen. Kreis Alsfeld. HP Mücke, 19. Juli. Die Strahenbauarbeiten an der Provinzialftrahe, von der Dueckbomer Abfahrt über Grünberg hin, schreiten rüstig vorwärts. Nachdem die Straße an den Kurven überhöht und stellenwüse erweitert worden war,, wurde die seitherige Straße vollkommen aufgebrochen und mit neuem Unterbau versehen. Gegenwärtig wird die Straße mit Asphalt belegt, der auf der Station Grünberg hergestellt und mittels Kraftwagen in heißem Zustand auf die Baustellen gebracht wird. Verschiedene Steigungen werden mit Pflaster versehen. Dankbar begrüßt wird auch die Tatsache, daß die Straße nach Londorf von Grünberg ab verbessert roitb. ss. Grebenau, 19. Juli. Um nun die von der Reichsregierung allgemein angeordnete und durchzuführende Erzeugungsschlacht zu fördern, haben sich auch hier in unserer Geaend sämtliche Bauern zum Gelingen und zu restloser Durchführung ein- gesetzt. Lein- und Raps wurden hier in unserer Gegend schon feit langen Jahren überhaupt nicht mehr angebaut. Es war eine Freude, ganz besonders für die Akten, im Frühjahr die gelbblühenden Napsäcker und blaublühenden Leinäcker nach fo langer Zeit wieder zu sehen. Da nun der Raps- famen schon eingeerntet und jetzt gedroschen wird, ist man im allgemeinen mit dem Samenertrag sehr zufrieden. Mit der Ernte des Lein (Flachses) wird auch in den ersten Tagen begonnen werden. Wie man von älteren Leuten hört, war früher das sogenannte Rupfen des Flachses ein großes Fest für die ganze Familie. Heute wird meistens von dem Lein der Samen gewonnen, während der rohe Lein (Stengel) zur weiteren Verarbeitung an die Fabriken direkt verkauft wird. — In Bezug auf Siedlung wurde in letzter Zeit vieles geleistet. In der Gemarkung Bieben werden rund 42 Morgen fiskalischer Wald in einem Zeitraum von 3 Jahren, unter Berücksichtigung der Verwertung des Holzes, zu Siedlungsland abgetrieben. Durch diese Maß» nähme bekommen Heinere Landwirte von Dieben noch so viel Land zugeteilt, dis die vorgeschriebene Größe eines Erbhofes erreicht ist. Dadurch werden diese Leute aus dem Arbeitsprozeß herausgenom- men und für andere werden wieder Arbeitsplätze frei. Auch wurde von dem Gemeindewaw von der Gemeinde Bieben im letzten Winter ein 1,5 ha großer Bestand zu Siedlungsland abgetrieben. Nieder-Gemünden, 19.Juli. Gegenwärtig werden in unserer Gemeinde größere Kanalisations- arbeiten durchgeführt. Der sog. „Dorfgraben", der die Abwässer aus Dem oberen Teil des Dorfes zur Felda bringt, wies schon seit einiger Zeit schlechte Stellen auf, so daß eine Neuherstellung notwendig erschien. Der alte gemauerte Durchlaß wird gegenwärtig aufgebrochen und mittels weiten Zement- rohren kanalisiert. Die Arbeiten werden von der Firma Reitz in Burg-Gemunden durchaeführt. Eine Anzahl Arbeiter findet dadurch auf längere Zeit lohnenden Erwerb. v Bleidenrod, 19. Juli. Die heiße Witterung in letzter Zeit hat die Reife der Frucht soweit begünstigt, daß bereits mit dem Schneiden von Gerste und Korn begonnen werden konnte. Die Ernte kann auch in diesem Jahre als sehr aünftig angesehen werden. Stroh ist besonders viel vorhanden. Auch der ftörnerertrag dürfte befriedigend ausfallen, zumal ja auch die Ernte nicht durch l!n- netter gelitten hat. Lagerfrucht ist nicht allzuviel zu sehen, so daß die Erntearbeiten keine Schwierigkeiten bereiten. Rundfunkprogramm. Sonntag, 21. Juli. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.05: Gymnastik. 8.45: Choralblasen. 9: Katholische Morgenfeier. 9.45: Bekenntnis zur Zeit. 10: Deutsche Feierstunde der Hitler-Jugend. 10.30: Chorgejang. 11.15: Dichter im Dritten Reich. 11.30: Deutsches Schatzkästlein. 12: Mittagskonzert. 14: Kinderfunk. 14.45: Aus dem Leben des schaffenden Volkes: Ein Bergmann von der Saar erzählt. 15: Stunde des Landes. 16: Großes Militärkonzert. 18: Jugendfunk. 18.30: Aus Waldkirch: Landestreffen der Badischen Bür- germilizen in Waldkirch i. Br. 19: „Ferienwonne — toommerfonne". Heilere Szenen für die Daheimgebliebenen. 19.50: Sportbericht. 20: Buntes Abendkonzert, 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22,25: Sportspiegel des Sonntags. 22.45: Tanzmusik. 24: Nachtmusik „Donna Diana", Oper. Montag, 22. In«. 6 Uhr: Choral — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 10,45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Schlohkonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskon- zert II. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Kinderfunk. 15.30: Der Zeitpunkt sendet Kurzgeschichten aus dem Leben. 16: Kleines Konzert. 16.30: „Reif steht das Korn". Eine Textfolge aus älteren und zeitgenössischen deutschen Dichtungen. 16.50: „Wesen und Wort am Oberrhein." Gedanken über das gleichnamige Werk von Adolf v. Grolman. 17: Nachmittagskonzert des Landesorchesters Gau Württemberg-Hohenzollern. 18.30: Jugendfunk. 18.50: Das Leben spricht. 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Volksmusik. 21.10: Kähne und Krane. 21.35: Zu- Sendfunk. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus em Sendebezirk und Sportbericht. 22.20: Unterhaltungskonzert. 23: Musik zur „Guten Nacht". Konzert der Orchestergemeinschast der Landesmusiker- schäft Schlesien. 24 bis 2: Nachtmusik. Sprechstunden der Redaktion. 1130 bis 1230 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnach- mltlag geschloßen. kyg.t>r I 1 imaiEiB D. .GENERAL v. STEU BEN« (14690 Brutto-Regieter-Tonnen) 17.AUG.- 31.AUG.ab Rm.270.- Italien / Griechenland / Türkei 2. SEPT.-14. SEPT.ab Rm 250.- I teilen/Spanien/Nordafrike / Griechenland Jugoalavien 19. SEPT.-2.OKT..b n™ 250.. Italien / Jugoalavien / Griechenland/Tripoli» 3. OKT.-23. OKT..b Km. 355.- ... Italien/Spanien/Marokko/Madeira/Tene- - ®'ex rife/Portugal/Bremen 4- oydreisen sind Qeierfage •“« rroepcaec oordi unsere Vertretungen end NORDDEUTSCHER LLOYD BREMEN In Gießen: H. Kretzschmar, Selters weg 24. — In Bad- anheim: Reisebüro Robert Capelle, Adolf - Hitler - ~ Wetzlar: Wilhelm Fischer, Inhaber Christian Heberhng, Lahnstraße 20. 4186v Wandem und weisen ♦ Bäder und Sommerfrischen Wanderfahrten -her mon wald kommen wir zum gastlichen, anmutig im Horlofttälchen gelegenen Jägerhaus. Hinter diesem gräflichen Forsthause finden wir noch die Kirchenruine des vor Jahrhunderten untergegangenen Dorfes Ruthardshaufen. Die Straße, die einigemale durch Feldwege zwecks Abschneiden unterbrochen wird, schreiten wir weiter bis zur Kiliansherberge, hinter der wir die Straße verlassen, um abwärts über eine Trift sowie ein Stück Wald durch das Giers- bachtälchen nach dem Kreisstädtchen Schotten zu kommen, wo wir uns erholen können. Nunmehr leiten uns blaue Striche nach der bekannten Sommerfrische Luginsland und von hier weiter durch Wald und Feld über Busenborn hinauf zu der mächtigen Basaltkuppe, dem Bilstein mit herrlicher Fernsicht. Das Zeichen führt uns weiter bis zur Straße Breungeshain—Sichenhausen, die wir, jetzt ohne Zeichen nach rechts einschlagen, um durch Sichenhausen nach Herchenhain, dem höstgelegenen Orte Hessens, zu gelangen. Wir statten der benachbarten Herchenhainer Höhe mit Gefallenendenkmal und Vater-Bender-Heim einen Besuch ab, bewundern die großartige Aussicht und steigen hinab nach unserem Endziel Hartmannshain. Wanderzeit: etwa 5Vr Stunden. Rund um den Hausberg: Buhbach — Forsthaus — Espa —Bodenrod —Huberlus —Münster—Ostheim. Vom Bahnhof Butzbach (Sonntagskarte) gehen wir die schöne Taunusstraße aufwärts zum Wald. Schwarze Punkte, später blaue Striche, führen uns über das gastliche Forsthaus Butzbach nach Espa. Nun wandern wir ohne Zeichen nach Weiperfelden im Solmsbachtal und von hier grünen Strichen nach hinab zum Bodenroder Grund, einem lieblichen Waldwiesentälchen, und am jenseitigen Waldrand hinauf nach dem schmucken Taunusdörfchen Bodenrod. Meist durch Wald leiten uns jetzt schwarze Punkte über den 507 Meter hohen Hesselberg (ohne Aussicht) am Jagdhaus Hubertus nut guter Einkehr vorbei über Münster und Hochweisel auf aussichtsreichen Wegen nach unserem Endziel Ostheim; bis Butzbach nachlösen. Dauer der Wanderung: 5‘A Stunden. Laubacher Wald—Schotten—Bilstein—Herchenhainer Höhe—hartmannshain. Wir fahren mit dem Frühzuge nach der Station Laubacher Wald, wenden uns von hier am Südrande des Gaulskopfes entlang in zehn Minuten zur Staatsstraße Laubach—Schotten, die mit blauen Ringen bezeichnet ist. Durch schönen Buchenhoch- Wir müssen es dem starken Geschlecht schon lassen: einen Koffer zu packen verstehen die Männer wirklich. Da liegt alles untadelig an seinem Platz, und wenn die Gegenstände wieder herausgenommen werden, brauchen sie nicht aufgebügelt zu werden, sondern sind gleich anziehfertig. Allerdings haben wir Frauen die Entschuldigung für uns, daß wir viel mehr Sachen auf eine Reise mitnehmen. Das sei, genau genommen, nicht nötig, meinen Sie? Aber bitte sehr: muß die Frau sich nicht Mühe geben, sich hübsch zu machen? Wer ist am unzufriedensten, wenn die Frau nicht gut aussieht? Immer der Mann. Außerdem muß man doch für jede Gelegenheit gerüstet sein. Auf der IKeife' können sich allerlei unvorhergesehene Fälle ereignen. Hat man dann im Koffer nicht die richtigen Zutaten, so verteuert sich die Reise erheblich, denn ein Einkauf unterwegs ist eine sehr zweischneidige Sache. Es greift die Reisekasse bedrohlich an. — Jeder Koffer aber muß mit Verstand und System gepackt werden. Zunächst legt man alle schweren Gegenstände hinein, wie Bücher, Papiere, Schuhe usw. Darüber kommen Wäsche, Taschentücher, Strümpfe, Unterkleider. An die eine Seite legt man den Körperpflege-Beutel, damit er leicht greifbar ist. Diese Unterschicht wird mit den Schnallriemen befestigt. Obenauf hat man dann Platz für eine ganze Menge Kleider, ohne daß sie gedrückt werden. Man legt sie am besten auf einer großen Tischplatte recht glatt zusammen. Sehr praktisch ist es, wenn man aus Seidenpapier Rollen macht, die man überall da, wo man das Kleid umschlagen muß, dazwischenlegt. Auf diese Weise vermeidet man Kniffe. Herrenbeinkleider müssen genau nach den Bügelfalten zusammengelegt werden, wie der Schneider es auch macht. Dann wird die Umbruchstelle ebenfalls mit Seidenpapierrollen ausgelegt. Heber die Kleidungsstücke breitet man lose ein Handtuch oder eine Decke. Alle schwereren Gegenstände müssen immer nach der dem Handgriff entgegengesetzten Seite gelegt werden, da sie sonst beim Tragen des Koffers einen zu starken Druck auf die darunterliegenden Gegenstände ausüben. Das Einpacken zerbrechlicher Gegenstände erfordert besondere Aufmerksamkeit. Wie oft ist es schon vorgekommen, daß eine nicht richtig verpackte Parfümflasche unterwegs zerbrach, so daß ihr Inhalt sich über Blusen und Kleider ergoß und die Farbe vollkommen verdarb! Eine Unachtsamkeit in dieser Richtung pflegt meist schmerzliche Verluste nach sich zu ziehen. Zerbrechliche Gegenstände müssen immer so gepackt werden, daß sie sich nicht an irgend etwas Hartem stoßen können Zusammengeballtes Zeitungspapier leistet uns hier sehr gute Dienste. Flaschen sind am besten in Flaschenhülsen aufbewahrt. Der Reiseproviant bedarf noch einer be- sonderen Erwähnung. An heißen Tagen muß er besonders sorgfältig zusammengestellt werden, man darf also keine fetten Wurstsachen und, wenn irgend möglich auch keine Butter mitnehmen, da man sich zu sehr der Gefahr aussetzt, daß dann alles von Fett trieft. Das Praktischste ist schon, den Proviant in einem kleinen besonderen Koffer oder einer großen Handtasche mitzunehmen, damit man den Koffer nicht jedesmal zu öffnen braucht, wenn jemand Lust bekommt, etwas zu essen. Butterbrote sind auf jeden Fall doppelt in Pergamentpapier einzuwickeln. Eier tut man am besten in die praktischen Aluminiumhülsen, um sich vor unangenehmen Ueberraschungen zu sichern. Empfindliches Obst ist zur Mitnahme für die Reise nicht geeignet. Reiseliteratur. — Sauerland - Führer und Wand er - b u ch. Verlag W. Stollfuß, Bonn. 2 Mark. — (246) — Alles was für den Wanderer und den Freund des Sauerlandes von Interesse ist, bringt dieser Führer. Gediegene Aufsätze über die Grenzen, das Bergland sowie die Gewässer und Täler, Abhandlungen über die Bodenschätze sowie über Geschichtliches und eine Anzahl der prächtigsten Landschaftsaufnahmen zeichnen den Führer aus. Eine große Sauerlandwanderkarte ist beigegeben. — Lahntal - Führer und Wanderbuch. Verlag W. Stollfuß, Bonn. Preis 1,50 Mark. — (247) — In neuer Auflage erschien der Führer des Lahntales, der mit drei guten Karten versehen ist. Es bringt in kurzer Einführung das Wesentlichste aus der Geschichte des Lahngebietes. Von allen wichtigen Plätzen aus sind die schönsten Wanderungen beschrieben. Oie Kunst, einen Koffer zu packen Ein wichtiges Kapitel in der Reisezeit. Von Marianne Gradenwitz. und fijhrten es jeden Taa auf den Wall und kehlten es so, daß es laut sthrie. Dann aber führten sie es wieder vorsichtig und ohne Geräusch in den Stall. Dadurch wurden die Belagerer der Burg getäuscht, denn sie mußten annehmen, daß droben auf der Bura noch alles im Wohlstand schwimme. Und so sind sie eines Tages ohne Sang und Klang abgezogen. Die Breuberger aber hatten ein „Schweineglück". Der Kopf des braven Tieres wurde später an das Burgtor gehängt. Das sind zwei Sagen vom Breuberg. Und nun steht man da oben und läßt sich vom Breilecker die Zunge zeigen! Wie oft hat uns der Lehrer vom Odenwald und seinen schönen Bergen erzählt. Alte Erinnerungen vermischen sich hier mit der Wirklichkeit. Längst vergessene Stunden werden wieder lebendig. Einige Wochen an solchen Plätzen bedeuten für uns doppelte Erholung. H J einer Mauer in einem großen Kessel Hirsebrei. Als er fertig war und sie sich zum Schmause setzen wollten, flog eine Kugel gegen den Turm, prallte ab und fiel mitten in den Kessel. Der Brei spritzte nach allen Seiten, aber der Krieasmann Werner, ein rechter Spaßvogel, leckte den Brei vom Boden auf, sprang auf die Mauer und streckte den Feinden die Zunge heraus. Da mußten alle Breuberger lachen, und der Steinmetz holte Hammer und Meißel. Neben dem Tor war ein vorspringender Stein. In diesen meißelte er den „Breilecker'. Und davon soll auch der Berg den Namen „Breiberg" erhalten haben. Eine andere Sage, die sich auch auf dem Breuberg zutrug, ist die vom Glücksschwein. Als sie droben auf der Burg — während einer Belagerung — schon in großer Not waren und wenig zu essen hatten, da nahmen sie ihr einziges Schweinchen 3m nördlichen Odenwald. Don ph Hofmann Wenn man mit dem Auto oder mit der Bahn von Darmstadt südwärts fährt, dann grüßen uns die^toil aufsteigenden Berge des Odenwaldes. Wunderschöne Seitentäler führen von der Hauptstraße ab hinein in den herrlichen Wald. Diese Täler sind ja alle bekannt und werden immer wieder ausgesucht. Seeheim, Zwingenberg, Jugenheim, Lindenfels, Erbach und Weinheim, um nur einige Namen zu nennen, sind Ausflugsorte, die jeder kennt. Aber wie reich der Odenwald an schönen Wäldern, tief eingeschnittenen Tälern und burggekrönten Bergen ist, das erkennen wir erst, wenn wir uns von DarmstadL aus mit der Bahn nach Osten tragen lassen und dem nördlichen Teil des Odenwaldes einen Besuch abstatten. Da ist vor allem das Mümlingtal zu nennen, das fast überall schön ist. König, Höch st, Sand b ach und N e u - st a d t sind ein paar Orte, die man sich merken soll, wenn man einige Wochen der Erholung braucht. Dort sinden wir Abwechslung genug: Laubund Nadelwälder, hohe Bergeskuppen mit Eichenhainen und Kiefernwäldern. Alte Burgen grüßen uns, und Aussichtstürme laden uns ein, daß wir auf die Berge steigen und von der Höhe herab auf das grüne Blättermeer fchauen. Am Fuße des B r e u b e r g e s liegt N e u st a d t im Mümlingtal, ein ganz reizendes Städtchen, das sich zu längerem Aufenthalt vorzüglich eignet. (Station der Bahn Höchst—Aschaffenburg.) An Gaststätten fehlt es dort nicht, und die Verpflegung ist ausgezeichnet. Man kann hier ganz ungestört durch die wunderschöne Umgebung streifen und kann auf Tagesausflügen viele, viele reizende Punkte des nördlichen Odenwaldes besuchen. Neustadt selbst hat eine schöne evangelische Kirche, die aus dem 15. Jahrhundert stammt. Ein Jnschrift- stein am Turm zeigt die Jahreszahl 1480. Der Erbauer ist der Graf Michel !I. von Wertheim. Auf dem Marktplatz steht heute noch zur Erinnerung an die Gerechtsame, die Neustadt früher besaß, ein Kreuz mit Schwert und Hand. Im Jahre 1602 wurde auf dem Marktplatz noch ein peinliches Gericht gehalten, dem Schöffen aus den Orten Lützelbach, Kirchbrombach und Höchst beiwohnten. Besonders sehenswert sind noch einige Häuser aus dem 16. und 17. Jahrhundert, so eins auf dem Marktplatz mit dem schönen achteckigen Erker (Jahreszahl 1569). Nach Höchst (über Dusenbach) führt ein schöner Waldweg (eine Stunde). Aeußerst reizvoll ist auch eine Wanderung nach Waldamorbach und von da nach Heubach (zwei Stunden). Ebenso schön sind Wanderungen nach dem Main, nach Wörth und Klingenberg (drei Stunden). Das sind nur einige der erwähnenswerten Ausflüge, die wir von Neustadt aus unternehmen können. Beherrscht wird die Umgebung von Neustadt von dem Breuberg. Mitten aus den Waldbergen heraus erhebt sich hier auf einem Sandsteinfelsen die malerische Burg. Mit ihren zahlreichen Gebäuden, Türmchen, Mauern und Erkern bietet sie ein romantisches Bild. Und wer einmal an einem Sommertag dort oben gestanden hat, wenn die Abendsonne das Sandsteinmauerwerk mit ihren letzten Strahlen vergoldet und wenn aus den Tälern die Glocken herauftönen, der wird diese Stunden nie vergessen. Wir stehen dort oben in einer Gegend, die schon lange vor unserer Zeitrechnung besiedelt war. Daß es hier schön ist, geht schon daraus hervor, daß das Mümlingtal einst „Rosenau" und „Rosental" genannt wurde. "(Heute noch das Dörfchen Rosenbach.) Die zahlreichen Hügelgräber und Ruinen von römischen Bauten sind Zeugen der Vergangenheit. In dem Tale bei Neustadt wurden Gebäude römischen Ursprungs ausgegraben, die mit Heiz- und Badeeinrichtungen versehen waren, auch zwei Säulenkapitelle, Götterbilder usw. wurden gefunden. Die Burg Breuberg selbst ist noch gut erhalten und eines der größten Bergschlösser, die wir kennen. Durch den öfteren Wechsel der Besitzer ist beständig an- und umgebaut worden. Der Bergfried in der Mitte ist 27 Meter hoch. Wenn man vor dem Haupteingang steht und die stattlichen Mauern betrachtet, dann fällt uns gleich ein merkwürdiges Steinbild auf. Rechts vom Tor sehen wir den Kopf eines Kriegers mit Sturmhaube und mächtigem Schnurrbart, der jedem Besucher die Zunge herausstreckt. Das ist der bekannte „Breilecker". Als ich ihn zum erstenmal sah, da stand plötzlich meine Schulzeit vor mir. Ein altes vergriffenes Lesebuch lag vor mir, und darin wurde von diesem Breilecker berichtet. Wie oft habe ich als Achtjähriger diese Geschichte gelesen! Es handelte sich bei der Geschichte um einen Streit der Otzberger mit den Breubergern. Die von der Burg Otzberg belagerten den Breubera. Sie hatten sogar Kanonen mitgebracht. Aber die Kugeln prallten an den riesigen Steinen ab. Die Breuberger verließen sich auf ihre feste Burg und verloren den Mut nicht. An einem Mittag kochten sie hinter Sonderzug zu dem Großen preis von Deutschland am 28. Iuli 1935 auf dem Nürburgring. Zu diesem Zuge sind noch einige Karten zu 5 Mark (einschl. Eintritt) zu haben. Wir bitten die Arbeitskameraden, sich zu dieser Fahrt möglichst umgehend schriftlich zu melden, oder den Betrag von 5 Mark sofort zu bezahlen. Sonderzug zu dem Großflugtag am 21. Juli nach Kassel. „Das deutsche Volk muß ein Volk von Fliegern werden!" Nach diesen Worten des Oberbefehlshabers der deutschen Luftwaffe, Hermann Göring, und unter diesem Motiv findet am Sonntag, dem 21. Juli 1935, in Kassel der 1. N S. - V o l k s f l u g - tag statt, in dessen Rahmen die besten Flieger, Luftakrobaten und Fallschirmabspringer (Udet, Oskar Dimpfel, Lisl Schwab u. a. m.) mitwirken. Der Sonderzug I fährt ab Marburg. Die Fahrt kostet einschl. Eintrittspreis 3 Mark. Ab Gießen kostet die Fahrt einschl. Eintritt 3,60 Mark. Dieser Preis ist wohl für jeden tragbar, bietet doch dieser Großflugtag, der mit militärischen Hebungen der verschiedensten Waffengattungen ausgestattet ist, ein sicherlich unvergeßliches Erlebnis. Schlußtermin für die schriftliche Anmeldung: 18. Juli 1935. Urlaubszug nach Danzig (Ostpreußen). Dieser Zug muß wegen technischer Schwierigkeiten leider ausfallen. Wir bitten die Teilnehmer, die sich für diesen Zug schon vorangemeldet haben, sich eine andere Ferienfährt auszusuchen. Sportkurse „Kraft durch Freude^. Achtung! Verlegung von Sportkursen! Während der Schulferien werden folgende Kurse in die Turnhalle der Schillerschule, Schillerstraße, verlegt: Donnerstags von 20 bis 21, Donnerstags von 21 bis 22 Uhr, Fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen; Freitags von 20 bis 21 Uhr, Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer. Das neue Vierteljahressportprogramm ist eingetroffen und kann auf dem Sportamt, Schanzenstraße 18, abgeholt werden. Der Sportamts-Stützpunkt Gießen hat bisher folgende Kurse aufgestellt: Fröhliche Gymnastik und Spiele. Nur für Frauen. Donnerstag von 20 bis 21 Uhr, Schillerschule, für Jüngere; Donnerstag von 21 bis 22 Uhr, Schiller- schule, für Aeltere; Freitags von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lollar, Kantinengebäude der Firma Buderus. Leichtathletik. Für Frauen und Männer gemeinsam. Samstags von 17 bis 19 Uhr. Universitätssportplatz am Kugelberg. Obige Kurse sind offene Kurse. Eintritt ist jederzeit möglich. Für folgende geschloffene K' rse ist vorherige Anmeldung auf dem Sportamt e forderlich. Allgemeine Körperschule. Für Frauen und Männer gemeinsam. Dienstags von 19 bis 21 Uhr Donnerstag von 16 bis 18 Uhr, Univerfitätssportplatz am Kugelberg; Freitags von 20 bis 21 Uhr, Schillerschule. Reichssportabzeichen. Für Frauen und Männer gemeinsam. Donnerstag von 18.30 bis 20.30 Uhr, Universitätssportplatz am Kugelberg. Tennis. Für Frauen Und Männer gemeinsam. Montags von 18 bis 19 Uhr, Montags von 19 bis 20 Uhr, Dienstags von 6.15 bis 7.15 Uhr, Städtische Plätze am Schützenhaus. Für die Anfängerkurse werden Bälle und Schläger vom Sportamt gestellt. Reiten. Für Frauen und Männer gemeinsam. Montags 21 bis 22 Uhr, Dienstags 21 bis 22 Uhr, Mittwochs 20 bis 21 Uhr, Freitags 20 bis 21 Uhr, Freitags 21 bis 22 Uhr, Reitschule, Brandplatz. Für den Montag-Kursus ist noch ein Platz frei, für den Mittwoch-Kursus sind noch sechs Plätze frei. Interessenten wollen sich umgehend an das Sportamt, Schanzenstraße 18, Sprechstunden von 8 bis 13 Uhr, oder Telephon 2919, wenden. Die Kosten betragen für Mitglieder der DAF. acht Sport- marken ä 1 Mark = 8 Mark, bzw. für Nichtmitglieder 8 Sportmarken ä 1,50 Mark = 12 Mark. Schwimmen. Für Frauen und Männer gemeinsam. Montags von 18 bis 19,15 Uhr Badeanstalt des Männerbadevereins; Mittwochs von 20 bis 21 und 21 bis 22 Uhr Volksbad; Samstags von 16 bis 17.15 Uhr Lollar, Lahnbad. Landaufth.i.Vogelsb. Ferienwohn. w 10^ (3 Bett.). Wochenend m. Frühst. 2.40. Volle Pens. 3.40.Fr.M.Klatt, geb. Dieffenthaler Schlierbach b.W.170 llllllllllllllllllllllllllllll Eine Einladung an triefet Stelle z. Besuch Ihres Hauses führt zu Gästen aus Gießen u. Ober- Hessen. IIIIIIIIUIIUtlllHIWtll 1 Nervös-Erschöpfte ■ Spezialkuranstalt Hofheim i. Taunus 3 bei Frankfurt a. M. l877v Tel.214 - Mäßige Preise - Prospekte durch: | Dr. M.Schulze-Kahleyss, Nervenarzt Bad Salzschlirf ÄXÄ Rheuma, Stoffwechselleiden Botel Kaiserhof Familien-Pension. Logis RM. 2.- an, Pension 5.- b. 7.- RM. Küche u. Keller gutenRuf.Prosp. gr. durchBes.L. Arnold 3294 D 'IIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIHII Für Wanderer und Raturfreunde Kurhotel Hochwaldhausen im Vogelsberg, 500 m, Stat. Jlbes- bansen. Tagespension b. 4 Mahlz. 4.- bis 4.50. Teles. Herbstein 36. SobvimmbaS. Küche von Ruf. ggeM Auf in die Vogelsberger Wälder! Als Aufenthalts- it. Erholungsort empfiehlt sich Caf6 n. 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Montags innerbabe» 21 bis 22 17.15 Uhr :70.- >50.. eoUfld * J55.« /r*8*' tagt ••4 eh Ba'i' tief' aber Bei kleinem Uschzug im Busecker Tal. Bon Rehfischern, Störchen und Fischreihern an der Wieseck. An der Struppmühle im Busecker Tal. (Aufnahmen |6] Neuner ..Gießener Anzeiger".) . /V-4 ,7 . -'7- ’t-L *■ i *"»** U •'< W* A Ä H W . M /** * • In dichtem Schwall stürzt das gestaute Wasser über Mauer und Steine. Ungezwungenen und natürlichen Laufes schlängelt sch die Wieseck durch das Busecker Tal. Büsche und Zaume säumen m willkürlichen Gruppen die Ufer. Leit dehnen sich die frischgrünen und blumen- iibersäten Wiesen zu beiden Seiten des Bachlaufes, uuf der einen Seite bis an den Fuß des Hangelseins hin, auf der anderen bis an die Höhen über Lödgen. Gelbe Getreidefelder leuchten von den (hängen in das Tal. Dunkler Wald krönt die Hähen- i-ige. Am Bache liegen einige Mühlen: Sinnbilder kindlichen Friedens und der Beschaulichkeit. Dicht bi Wieseck heben sich die weißen Mauern der lntetmühle aus dem Wiesengrün, weiter bach- ufroärts liegt, fernab von betriebsamen Wegen und Straßen die Strupp- oder Mittelsmühle. Noch weiter bachaufwärts liegt das Dorf Trohe lieblich i ngebettet in das Tal. Vom Fuß des Hangelsteins herüber leuchtet das i"lle rote Dach der „Jttmannsburg". Von Wieseck ttsr grüßt der ehrwürdige Kirchturm, der sich har- ronisch aus dem Gewirr der Dächer erhebt. ♦ Am vergangenen Samstagnachmittag lag, wie sets in den letzten Wochen, Heller Sonnenschein Hier Berg und Tal. lieber den Getreidefeldern fl mmerte die Lust. Der Himmel wölbte sich in boüuem Glast über der Landschaft. Da und dort soewammen leuchtend weiße Wölkchen im weiten Raum. Kühe weideten auf den fetten Wiesen und die Wiesecker Jugend badete mit viel Geräusch und Geplätscher im Bach. Die Wieseck, die sich in den letzten Tagen innerhalb der Stadt Gießen sehr wenig eindrucksvoll darbot und kaum Wasser führte, war in ihrem Oberlauf dreimal aufgehalten. Unmittelbar am Dorfe Wieseck hatte man den Bach gestaut, bei der Struppmühle waren die Schütze herabgelassen und kurz vor Trohe ebenfalls. Der Jugend wollte man die Badegelegenheit für diese heißen Tage verschaffen den Wiesen sollte auch etwas Feuchtigkeit zugute kommen und die Stauung hinter der Struppmühle geschieht dann, wenn der Müller seinen Wassergraben einmal reinigen will. Zwei stattliche Schütze hemmten dort den Lauf des Wassers und nur das, was für den Betrieb der Mühle an Wasser nötig war, floß zwischen schmalen Ufern gemächlich dahin. Unmittelbar hinter den Schützen aber war das Wasser auf zwei Meter über den normalen Stand in den hohen Ufern gestiegen. Am Samstagnachmittag, so gegen drei Uhr, die Sonne brannte heiß vom fast wolkenlosen Himmel, kamen die Fischer auf Fahrrädern, ihre Stangen und Netze über dem Rücken, über die Wiesen angefahren. Sie warteten schon lange auf diesen Tag. Einige Jungens waren auch dabei, die sich das an sich so sehr seltene Ereignis des Fischzuges in der Wieseck nicht entgehen lassen wollten. Meist nur alle zwei Jahre, höchstens aber nur einmal im Jahre läßt sich in der Wieseck fischen. Die Inhaber der Gerechtsame sind sehr darauf bedacht, den Fischbestand, so wie er gegenwärtig ist, zu erhalten. Und das ist eben nur möglich, wenn in großen Abständen gefischt wird. Als die Fischer kamen, wurden, da die Wiesen genug Wasser hatten, mit einer mächtigen Kurbel gerade die Schütze aufgezogen. In wildem Schwall stürzten dann die Wasser der Wieseck, die wir sonst als so harmlos kennen, etwa drei Meter in die Tiefe. Dem Auge bot sich ein romantisches Bild. Das Wasser sprühte und glänzte im Lichte der Sonne, ihre Strahlen schossen wie Pfeile durch das Grün der Bäume und Büsche und ließen das Wasser aufblitzen, die Jungens hatten sich auf den Schützesteg gesetzt und beobachteten das wilde Spiel des Wassers, das in tollen Wirbeln in die Tiefe und über schwere Steinblöcke schoß. Fein zerstäubte Feuchtigkeit erfüllte die Luft und schuf eine kühle Atmosphäre. Wasserjungfern, Libellen, glänzend dunkelblau und seidig schimmernd, andere von metallischem feinem Grün huschten über dem Wasser hin und her. Schmetterlinge, wie trunken von Sonnenwärme und Blumenduft, gaukelten über den breiten weißen Blütentellern des Schierlings. Und während das Wasser über Mauer und Steine sprang, banden die Fischer bereits ihre an langen Stangen befindlichen Netze zusammen und zwar'so, daß die Oeffnung der Netze einen großen Halbkreis bildete. Dann zogen sie sich um. In Rucksack und Taschen hatten sie sich alte Kleidungsstücke mitgebracht, vor allem aber auch alte Stiesel. Einer der Fischer hatte gar ein Paar Schaftstiefel bei sich, die den Weltkrieg und nachher noch manchen Fischzug überstanden hatten. Zwar waren sie knochenhart, aber der Mann wußte sich zu helfen: Er hing sie für einige Minuten in das Wasser und konnte dann mühelos in das Leder schlüpfen. Im Grunde wurden die Stiefel nur mitgenommen und angezogen, um die Füße vor Verletzungen zu schützen, die ja beim Waten im Wasser nicht ausgeschlossen sind und auch kaum ausbleiben würden. Wasserdicht brauchten die Stiefel ja gar nicht zu sein! Nachdem nun der Wasserstand fiel, hatten sich die Fische, das wußten die Fischer aus Erfahrung, bereits in die tieferen Kuhlen und außerdem bachaufwärts zurückgezogen. Schließlich schulterten die Männer ihre großen, an langen Stangen befestigten Netze und stiegen an einer leicht zugänglichen Stelle die tiefen Ufer hinab in den Bach. ♦ Der Fischzug, so wie ihn die Wiesecker Fischer pflegen, ist keine leichte Arbeit. Aber sie tun diese Arbeit in einer ganz bestimmten Art. Immer führt der Fischzug bachaufwärts. Immer müssen etliche Mann zusammen helfen. Steil wird zunächst das Netz in den Bachgrund gestellt, so daß die Netzöffnung dem Lauf des Wassers entgegengestellt ist. Das Netz bleibt in dieser Haltung, wird nicht bewegt. Etwa zwanzig Meter weiter oben steigen Zwei Mann in das Wasser, die mit langen Stangen ausgerüstet sind. Sie beide treiben nun, indem sie die Stangen immer wieder in das Wasser stoßen, damit im Wasser hin und her fahren, die Fische den Netzen entgegen. Wenn dann die beiden Helfer beim Fischer angelangt sind, bann hebt dieser fein Netz empor und es wäre ein großer Zufall, wenn sich nicht mindestens ein Fisch gefangen hätte. Mit raschem Griff werden die Fische getötet. Jungens, die mit umgehängten Taschen am Ufer mitlaufen und mit großer Aufmerksamkeit dem Fischzug folgen, übernehmen die Beute. Frisches Gras wird abgerupft und auf die Fische gestreut. Das hält frisch! Und je mehr bachaufwärts die Fischer streben, je mehr sich der Wasserspiegel senkt, je sicherer wird die Beute gefangen. Kurz oor dem Abschluß des Fischzuges kann mancher Fisch, wenn er in einer der Kuhlen zurückgeblieben ist, mit der Hand gegriffen werden. Die Arbeit des Fischens auf diese Weise ist schwer. Der Grund des Baches ist weich und zum Teil sehr schlammig. Manchmal gleitet einer der Beteiligten aus und fällt in die weiche Umgebung. Mühsam drängen die Fischer mit ihren schweren Netzen bachaufwärts, immer wieder steigen die Hilfer in und aus dem Wasser, um weiter oben wieder einzusteigen. Aber der Jagdeifer ist groß und so werden die Strapazen kaum gefühlt. Auch die Jungens bekommen dabei heiße Köpfe. ♦ | Den großen Abschluß des Fischzuges bildet die Verteilung der Beute, die zu genau gleichen Teilen erfolgt. (Schon um der Gerechtigkeit für schwere Arbeit willen.) Der gefangene Segen wird auf der Wiese ausgebreitet, die Gewichte und Qualitäten rasch geschätzt und dann verteilt. Diese ab- schließende Handlung vollzieht sich immer sehr friedlich. Das Ergebnis des Fischzuges in der Wieseck ist nicht sehr erheblich. 40 Pfund Fische als Ergebnis sind der normale Fang. Mänen und Rotaugen werden gefangen, hin und wieder ein schwerer Karpfen, der während eines Hochwassers aus seinem Teiche ausbrach, manchmal befindet sich ein Hecht oder ein Aal unter der Beute und Krebse fehlen auch nicht. Junge Fische bleiben immer unberührt und werden, wenn sie sich im Netzs Vorbereitung zum Fischfang. Die Netze werden zusammengebunden. MZ ,-4 § F* ' - *• * AA Mit langen Stangen scheuchen bte Treiber Die Fische tn oas vceg. • ■ • 7 OEKW / ■ ■ ', W',' MzMM HD Mm ' V Das ausgespannte Netz wird auf den Bachgrund gesenkt. Kleine Beute: Der erste Fisch wird aus dem Netz geholt. bis, Müller, Phil. Döll, flerm. Neuß und Ernst Hof- SJL-'SpoTt Geschichten aus aller Welt (1 3 ' Der Herr ♦t. Die Bienen im Staubsauger. Es kommt ( ■ \ i- Ein könnt, backen N e u y o r k wird eine Auto-Rennbahn bekommen, die auf dem Roofevelt-Feld auf Long Island erbaut werden soll. Bereits für diesen Herbst ist ein Rennen um den „Großen Preis" geplant, zu dem man auch prominente Fahrer aus Europa kommen lassen will. Einen neuen Weltrekord im Frauenschwimmen über eine Meile (1609 Meter) stellte Leo- nore K n i g h t in 24.20,4 Minuten auf. Die alte Bestleistung wurde von H. Madison mit 24.34,4 Minuten gehalten. Für die deutschen Bahnmeisterschaften der Amateur-Radfahrer über 10 und 25 Kilometer, im Zweisitzerfahren sowie im Mannschaftsfahren wurden insgesamt 64 Meldungen abgegeben. Die Meisterschaften kommen am 28. Juli in Erfurt zum Austrag. Das System. (sh) Mailand. Marco da Zara, beheimatet in Rom, ein günstiges Geschick vier Millionen Vor -em Endkamps um denDavis-pokal Deutschland in der Interzonenrunde. hatte durch Lire geerbt, die man ihm allerdings auf folgende Art und Weise sehr bald wieder abnahm: Er traf eines Tages einen netten, älteren Herrn, der sich als Giovanni Scalabrini vorstellte und bald zwei Freunde mitbrachte, die alle drei erklärten, daß sie im Besitz eines „unfehlbaren Systems" seien, das alle Banken der Spielsäle an der Riviera mit Leichtigkeit sprenge. Seitdem zogen sie zusamn^m mit Marco da Zara von einer Spielhölle zur anderen und bereisten die Riviera kreuz und quer. Jetzt, am Ende der .Tournee" hat jeder der drei Spieler l,33Vs Millionen Lire in der Tasche, da Zara aber hat gar nichts mehr. weniger denn hundert Meter nahe zu kommen. Tausende von Staren lärmen derzeit im Tal, fliegen in großem Schwarm irgendwo auf, kreisen einmal und fallen wieder mit Geschrei in die Wielen. Wenn man sie nahe über sich sieht, verdunkeln sie den Himmel, hört man ein Rauschen und Brausen von vielen Flügeln in der Lust. Alles, was sich so im Laufe der Stunden den Augen und den Ohren bietet, Wiese und Feld, Wasser, Luft und Licht, Berge und Tal, Pflanze und.Tier, das Geschrei der badenden Kinder, das Geklapper der Störche, das langgezogene „Muh" der Kühe auf der fetten Weide, das Spiel der Schmetterlinge und Libellen und nicht zuletzt der Mensch in seiner Arbeit auf dem Felde, bei seiner gewohnten Tätigkeit, — das alles vereinigt und verdichtet sich in uns zu dem, was wir Heimat und Heimaterleben nennen, wird zu dem, was wir unbewußt lieben und schätzen für Kinder und Enkel bis über den Tod hinaus. Als vor nunmehr 14 Tagen die große Schlacht in Wimbledon geschlagen war, als in einem der schönsten und mitteißendsten Endkämpfe, den es bei den inoffiziellen Weltmeisterschaften je gegeben hat, die Entscheidung zugunsten des Besten der Weltliste, des Engländers Perry, gefallen war, feierte das sportbegeisterte London und ganz Eng- land diesen Siea mit berechtigtem Stolz. Nicht minder groß als dieser Jubel jedoch war die rückhaltlose Anerkennung und Hochach- tung, die man seinem Gegner in dem so ungemein packenden Finale, unserem deutschen Spitzen- spieler Freiherrn von (Tramm, zollte. Verdankte man es doch gerade seinem wunderbaren Spiel, daß Perry alle Register seines Könnens ziehen mußte und sich in seiner Höchstform zeigte. ... l. " v.-—,— ™ -ramm das ist, was die Engländer einen Gentleman nennen, einen Sportsmann durch und durch. Und gerade für wahrhaft sportliches Verhalten haben die Eng- lander em seines Gefühl. Kein Wunder also, daß sie unseren Cramm in ihr Herz geschlossen haben und daß die führenden Blätter nachdrücklich betonten, daß man sich Immer freuen werde, Gottfried oon Gramm auf den englischen Tennisplätzen wiederzusehen. Der Wirt nahm seinen Staubsauger und fuhr mit ihm sachte über die Torten, wobei die Bienen restlos in den schwarzen Schlund gezogen wurden. Die Insekten setzten sich ahnungslos auf die ge- zuckerten Obstschnitten und wurden erbarmungslos abgesaugt. So füllte sich der Staubsack des Saugers und wurde später unter der Oberfläche eines Teiches entleert. Nachdem sich dieser Massenmord mehrere Tage wiederholt hatte, wurden die Imker der Umgebung stutzig. Sie forschten, entdeckten den Sachverhalt und klagten den Wirt an. Tatsächlich entschied das Gericht, daß der Wirt selbst die Belästigung durch die Bienen verschuldet habe. Er sei darum gar nicht berechtigt gewesen, die nützlichen Insekten in dieser Weise zu vertilgen. Er habe vielmehr die Schadensersatzansprüche der Imker vollauf zu befriedigen. Er will den Minos-Palast wieder aufbauen. .. * , , , , (an) Athen. 40 Jahre seines Lebens hat der berühmte englische Archäologe Arthur Evans damit zugebracht, die Trümmer der Vergangenheit, die unter dem Boden von Kreta verborgen lagen, an das Licht emporzubringen. Man kennt die Bedeutung feiner Forschungen und Arbeiten für die Archäologie im allgemeinen und für die Enträtselung der Geschichte Kretas im besonderen. Nun aber hat der Archäologe eine seltsame Idee gefaßt, die er feit Monaten mit größtem Eifer verfolgt. Diese Vorfreude wird schon in diesen Tagen ihre Erfüllung finden. Am letzten Wochenende haben unsere Vertreter, nach den schweren Kämpfen gegen Italien und Australien, auch die Begegnung gegen die Tschechoslowakei, ebenfalls mit 4:1, siegreich beendet. Zum dritten Wale haben wir im Schluhkampf der Europazone gestanden und zum dritten Wale sind wir siegreich daraus hervorgegangen. 1929 war England der Gegner, der in einem hoch- dramattschen Kampf mit knappem 3:2-Ausgana ausgeschaltet wurde. Auch 1932 blieben die beut” scheu Vertreter über England und dann über Italien siegreich und nur knapp wurden sie in Paris oon Dines, Shields, Allison und van Ryn, den Vertretern Amerikas, geschlagen. Die beiden letzteren stehen auch diesmal wieder in Wimbledon den deutschen Spielern gegenüber. Es ist ein so ungemein gut aufeinander eingespieltes Paar, das am kommenden Montag das Doppel geaen uns bestreiten wird, daß es kaum mög- lich erscheint, ihnen den Punkt für das Doppel zu entreißen. Wir sagen: kaum! Aber ganz unmöglich ist es nicht, und es liegt vor allem nicht in der Natur Das Veit- und Iahrturnier in Bad-Nauheim. Am heutigen Samstag und morgigen Sonntag wird in Bad-Nauheim aus Anlaß des 100jährigen Bestehens des Staatsbades ein großes Reit- und Fahrturnier stattfinden. Die Veranstaltung bringt eine Fülle der interessantesten Darbietungen. Schon die Materialprüfung für Reitpferde am Samstag wird hoch interessant werden, da hier zum ersten Mal der bekannte süddeutsche Stall Heilbronn ein Turnier in unserer Gegend besucht. Und zwar bringt er gleich vier erstklassige junge Hannoveraner mit. Auch die Dressurprüfung der Klasse L am Samstag rechtfertigt hohe Erwartungen. Sie wird für Amateur- und Berufsreiter getrennt geritten. Es werden neben bereits erwähnten Eignungspferden auch hier einige Neuerscheinungen auftreten, die im vergangenen Jahr vom Eignungs- zum Materialpferd entwickelt worden find. Der Sonntag bringt zwei Jagdspringen, die in ihrer ganzen Besetzung auf ein äußerst schnelles Reiten schließen lassen. Es sind da einige routinierte ©pringrefFer in der Konkurrenz, die auf Bieg-n und Brechen gehen werden. So wird das hiesige Publikum zum ersten Male mit Oberleutnant Neckelmann bekannt gemacht, der zu unseren Besten im Springsattel gehört. Sein bisheriger Aufstieg war beispiellos. Das zweite Springen wird wieder in der interessanten Form eines Glücksjagdspringens abgehalten, bei dem bekanntlich Die größte Anzahl fehlerlos genommener Hindernisse entscheidet. Bereits beim ersten Springfehler scheidet das Pferd aus. Hier nützt also weniger Schnelligkeit und Verve, hier kommt es auf die Seelenruhe an. Zwischen diese Springen und Prüfungen am Samstag ist eine sehr stark besetzte Gespann- prüfung für Einspänner gelegt. Auch werden am Samstag sämtliche Schaunummern gezeigt, von denen die Turnierleitung mit besonderem Nachdruck die Vorführung der Sechserge- spanne der oberhessischen SA. herausstellt, eines Sportzweiges, dessen große praktische Bedeutung einleuchtet. 2)09, Programm am Sonntag drängt in straffer Kürze eine Fülle interessanter Entscheidungen zusammen, von denen wohl das I a g'd s p r i n g e n der Klasses die meisten Erwartungen verdient, da hier eine ganze Reihe von hervorragenden ausgebildeten Springpferden unter erfahrenen Reitern der ersten Klasse zum Kampf antreten werden. Hier dürften nun die Ritte des Oberleutnant Neckelmann schwerlich zu übertreffen sein, der diesmal u. a. „Raubritter" startet. In der Dressurprüfung Klasse M wird Nahrung suchen. In letzter Zeit wurden oft 3u sechs dieser seltenen Vögel gezählt. Sie sind sehr scheu und kaum gelingt es jemanden, ihnen auf Die Schwalbenpost. (im) Rom. Ein junger Soldat eines italienischen Regiments, das kürzlich nach Afrika transportiert worden war, fing vor einiger Zeit eine Schwalbe und beschloß, ihr auf gut Glück einen Gruß an die Heimat anzuvertrauen. Er befestigte an einem ihrer Füße ein Zettelchen mit den Worten: „Gruß aus unferm Eritrea. Lang lebe Italien! Juni 1935". Der Vogel tat dem Soldaten den Gefallen, in sein Vaterland zu fliegen. Nach einem anstrengenden Flug von über 4500 Kilometer wurde das Tier völlig erschöpft von spielenden Kindern aufgefunden, von denen es sich willig greifen ließ. Dabei entdeckte man natürlich auch den Briefgruß und stellte als immerhin bemerkenswerte Fügung fest, daß die Schwalbe ausgerechnet in die wirkliche Heimat des Soldaten, nach Tortona nämlich, geflogen war, und daß sich unter den Kindern, die das Tierchen aufgegriffen hatten, auch ein kleiner Vetter des im fernen Afrika weilenden Absenders befand! Rettungstürme für Seevögel. (—) Southampton. Die Engländer sind große Tierfreunde. Das leiat sich nicht nur in schönen Reden und in der Übfassung von Broschüren zum Problem des Tier- chutzes. Sie sind auch bereit, erhebliche Summen ür diesen Zweck auszuwerfen. Da hatten z. B. die Wächter des Leuchtturms von Sherryvore berichtet, daß Jahr für Jahr Tausende von Vögeln, geblendet durch das Licht des Feuerturms, im Angesicht der englischen Küste dadurch zu Tode stürzten, daß sie gegen die Scheiben des Turms fjo» jen. Sofort wurden alle Vorbereitungen getrof» en, um große Masten und Ruhegeräte für die Do- aufzustellen. Diese Schutzeinrichtungen mußten n Hellem Weiß gehalten sein, damit die Vögel sie wirklich wahrnehmen. Jeder Turm kostet • Sterling, die Unterhaltung erfordert im Jahr etwa 20 Pfund. Kaum war das Pro- i entmorfen, da waren schon die notwendigen Betrage für nicht weniger als 15 solcher Ruhestätten der Vogel gezeichnet. eines Gramm, einen noch so schweren Kampf vorher als verloren an^usehen. Jedenfalls stehen nicht nur unsere Spieler, sondern auch der deutsche Mannschaftsführer Klein- schroth vor einer schweren Aufgabe: soll auch der letzte Funke an Energie in den Einzelspielen eingesetzt werden und soll man, unter Verzicht auf das Doppel, durch drei gewonnene Einzelspiele den Gesamtsieg sicherzustellen suchen? Von der taktischen Behandlung der Aufgabe kann der Enderfolg eben- sogut abhängen, wie von der Disposition der Spieler selbst. Me man vorgehen wird, wird sich erst am Abend Des ersten Kampftages ergeben. Sollten wir dann 2:0 fuhren oder aber 2:0 im Rückstände sein, wäre die Situation für alle Beteiligten klarer und ein- mutiger. Steht aber die Partie bis dahin 1:1, dann wurde das Doppel, das am Montag ausgetragen wird, möglicherweise den Ausschlag geben. Es kommt für unsere Spieler noch ein Handicap hinzu, das für sie eine empfindliche Benach. teiligung bedeutet: seit einer Reihe von Wochen haben sie einen ständigen Wechsel von hart- und Rasenplätzen durchzumachen gehabt. ®errIu hielten sie auf Hartplätzen gegen Italien unb Australien: dann folgten die aufreibenden Kampfe auf Wimbledons Rasenplätzen; darauf die Begegnung in Praa auf Hartplätzen. Nun haben sie sich wieder mit Rasenplätzen abzufinden, auf denen gleich im Anschluß an die Wim- bledon-Meisterschaften ihr Spezialtraining aufge- nommen haben, so daß diese ausgezeichnet in Schwung gekommen sind. A l l i s s o n — v a n R y n als einzigartig sich er- ganzendes und miteinander harmonierendes Doppel °er erst 19jährige Budge, der gleich bei seinem ersten Auftreten in Wimbledon sich bis zu den letz- ten Vier durchspielte, sowie nicht minder Allison als Einzelspieler, der überraschenderweise von den Amerikanern an Stelle von Wood ausgestellt wurde — sie alle werden für die deutsche Mannschaft ein schweres Hindernis fein, dessen Ueberroinbung jeboch au$ Den größten Triumph Deutschland in seiner blSj;er 5cn Tennisgeschichte barstellen würbe. ,, Die Jnterzonenbegegnung Deutschlanb — Amerika steht unter bem gleichen Zeichen eines sportlichen x D°u uberragenber Bedeutung, das in der ^^chlchte des Davis-Pokals fortleben wird, wie auch Im.m.c.r der Ausgang fein mag, als eines der denkwürdigsten Jnterzonensinale, die jemals ausgetragen rooroen find. ° (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Die Wette des Johnny Parkinson. (u) Sidney. Sollte sich in Australien ein neuer Sport entwickeln? Johnny Parkinson hat in allem Ernst eine Wette um eine erhebliche Summe abgeschlossen. Und das, was er zu tun hat, ist, einen feiner Freunde auf den Gipfel des Buffalo-Berges hin- aufzufahren. Der Berg ist nur 2000 Meter hoch. Die zurückzulegende Wegstrecke beträgt aber mit allen Windungen und Serpentinen gut 100 Kilometer. Doch nun das wichtigste: die Fahrt auf den Gipfel muß mit einer Schubkarre erfolgen. Der Freund setzt sich also in die Schubkarre und Johnny schiebt. Man hat die beiden Hauptbeteilig- ten an diesem Sturm auf den Gipfel des Buffalo- Berges vor Antritt der Fahrt gewogen. Beide hatten genau 38 Kilo. Ganz Australien ist nun gespannt zu erfahren, wie das Gesamtgewicht der beiden sein wird, wenn sie auf dem Gipfel angekommen sind. Man hat also nicht nur die Möglichkeit, Wetten über die Dauer dieses Bergsturmes abzuschließen, sondern auch über den Gewichtsverlust ober den Gewichtsgewinn, je nachdem man nun auf den Schiebenden oder den Geschobenen setzt. — Sorgen haben die Leute... Das ist ja himmelschreiend! (Dr.D.) Philadelphia. In USA. hat jede größere Jndustriefirma, die etwas auf sich hält, einen Himmelsschreiber ange- stellt, der den Namen seines Auftraggebers ober des Fabrikats, das dieser herstellt, mit Rauchbuchstaben an den Himmel schreibt. Bei einer großen Neuyorker Zahnpastafabrik stand zu diesem Behufs ein Flieger P. Floid in Amt und Würden. Täglich, das heißt, wenn gutes Wetter war, stieg Floid auf und erledigte fein jpenfum in schwindelnden Höhen. Als er aber feinen Lohn bekommen sollte, fühlte er sich benachteiligt, machte Krach und bekam dennoch nicht mehr Dollars. Da schwur er fürchterliche Rache, stieg am nächsten Tag noch einmal mit feiner Reklamemaschine auf und schrieb deutlich sichtbar mit Riesenbuchstaben an den klarblauen Himmel, was er von dem Auftrag- geber hielt. Da konnte man denn lesen: „Der Direktor der Zahnpastafabrik I, Mister NZ ist ein elender Schuft!" Das war eine Herzensfreude für das liebe Publikum, einen solchen persönlichen Erguß mitten zwischen den streng sachlichen und geschäftlichen Mitteilungen am Himmel lesen zu können. Minder beglückt war natürlich der Fabrikdirektor, der den Kunstflieger „wegen Beleidigung durch Schrift am Himmel" vor die Richter zog. Der Spruch des Gerichts steht noch aus. Zweifellos hat man es hier mit einem bisher einzigartigen Fall zu tun. Lady Mendel steht Kopf. (—) London. Wer hätte das von der vornehmen Lady Mendel gedacht! Sie war die Gattin jenes Sir Charles Mendel, der sich als Attache bei der britische^ Botschaft in Paris einen Namen machte. Heute ist Lady Mendel längst Witwe. Aber sie macht noch immer von sich reden. Nie aber sprach man mehr von ihr als jetzt, wo sie bei einer Tanzvorführung, der sie beiwohnte, ihrer Entrüstung darüber Ausdruck gab, daß die Mädchen von heute selbst für den Berufstanz nicht mehr so trainiert würden wie es nötig ei. Um zu beweisen, was sie unter einem „vollwertigen Training" verstände, ging sie hin und stellte sich ihren 60 Jahren zum Trotz auf den Kopf. Man war anfangs entsetzt, beruhigte sich dann aber über Lady Mendel und erfuhr schließlich, daß sie feit etwa 20 Jahren ein regelrechtes Noghi-Training durchführte. Sie gehörte einem Poghi-Zirkel an und bildete sich nach und nach zu einer Akrobatin aus, die es mit jedem Berufsartisten aufnehmen könnte. — Vermutlich wird man Lady Mendel nach dieser Probe ihrer 60jährigen Geschicklichkeit nicht mehr einlaben. Er hat sich in den Kopf gesetzt, den Palast des Minos auf Knosfos wieder aufzubauen. Man kann heute den doch schon bejahrten Wissenschaft- ler in Knosfos auf Kreta sehen, wie er zusammen mit einem Landsmann mühsam die Säulen und Fresken wieder aneinander zu fügen bemüht ist. Er hat buchstäblich sein ganzes Vermögen für ben genannten Zweck ausgegeben. Der Palast ist dafür aber auch heute zu einem Teil wenigstens wieder betretbar. Zu seinem Geburtstag bereiteten die Kreter, die zu einem großen Teil feit Jahren von den Geldern des Forschers leben, dem Archäologen eine besondere Ehrung. Sie stellten seine Büste am Eingang des Minos-Palastes auf und fetzten ihm eine große steinerne Tafel mit feinem Namen über ben Eingang, fo feinen Namen mit feinem Lebenswerk unmittelbar oerbinbenb. bas ht der umgekehrten Reihenfolge des Gesamtergebnisses gestartet wurde, war Archambaud in 1:39,08 Stunden der Schnellste vor R. Maes, Speicher und Morelli. , Kurze Sportnotizen. Das Fachamt für Rollschuh- und E i s l a u f f p o r t hat die nächstjährigen deutschen Meisterschaften wie folgt vergeben: Eisschnellauf am 18./19. Januar in Füssen; Eisschießen in Mittenwald; Rollschuhhockey in Stuttgart; Rollschuh-Kunstlauf in Dortmund. Die noch fehlenden Termine wer- den später bekanntgegeben. mann)*, 345 Ringe. 7. Kriegskameradschaft Lardenbach (Dörr, Momberger, Keil und Schwanke), 312 Ringe. Drittes Spiel - dritter Sieg. Im dritten Spiel errang die deutsche Island- Expedition wieder einen sehr klaren Sieg. Diesmal war Islands Fußball-Meister der Leidtragende. Die deutsche Mannschaft hatte auf der linken Sturmseite umgestellt, und zwar spielte Rasselnberg- Benrath halblinks neben seinem Klubkameraden Pickartz. Diese Umstellung bewährte sich sehr, brachte doch sie gerade immer wieder gefährliche Momente vor das Tor der Isländer. Schließlich sorgten auch Rasselnberg durch 4 Treffer und Pickartz durch zwei, während Der Chemnitzer Munkelt einen Treffer erzielen konnte, für den hohen Sieg.. Islands Fußballgemeinde war von dem hervorragenden Spiel der Deutschen begeistert. Eine stattliche Zahl von 4 5 0 0 Zuschauern wohnte dem Kampfe bei. Die 14. Etappe der „Tour". Die 14. Etappe der Tour de France von Montpellier nach Perpignan über 166 Kilometer war wieder in ein Rennen mit Massenstart und ein Einzel-Zeitfahren eingeteilt. Der erste Wettbewerb führte von Montpellier nach Narbonne (103 Kilometer) und wurde von Le Greves nach einer Fahrzeit von 3:55,12 Stunden vor Aerts, Dellifier, Speicher und den übrigen 49 Fahrern, Die alle auf den fünften Platz gesetzt wurden, gewonnen. Im Zeitfahren nach Perpignan über 63 Kilometer, man mit äußerst gleichmäßigen subtil ausgearbeiteten Leistungen in einer ganz knappen Entscheidung zu rechnen haben. Die Konkurrenzen für Wagenpferde werden eine besondere Augenweide für die Freunde Des edlen Pferdesports sein. Sehr stark besetzt ist die Zweispännerprüfung, in Der neben Den reinen Turnierställen Die Gespanne bäuerlicher Besitzer in großer Zahl antreten roerDen. Bei Den Mehrspännern fährt natürlich Baron von Der Borch die große Nummer mit seinem Fünfer- zugungarischerJucker,die er mit unerreichter Meisterschaft vorzuführen pflegt. Eine besondere Stellung im Programm des Sonntags nehmen die beiden Abteilungen des Jagdspringens Klasse L ein, für die der Herr Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger die Ehrenpreise gestiftet hat. In der ersten Abteilung dieser stark besetzten Prüfung werden Unteroffiziere und Mannschaften der Wehrmacht auf Dienstpferden konkurrieren. In der zweiten Abteilung werden die SA.-Reiter auf ihren Gebrauchspferden die für sie bedeutendste Entscheidung des bisherigen Turnierjahrs in unserem Gebiet austragen. Weiter wird die SA. eine Dressurprüfung der Klasse L zu bestehen haben, bei der man wahrscheinlich die Pferde der oberhessischen Reiterstandarte 147 in der ersten Reihe sehen wird. Wanderplakettenschießen drr Krieger- kameradschasten im Gebiet Laufach. Unter Leitung des Gebietsschießwarts Forstsekre- tär i. R. Gg. T r ö l l e r fand auf den Schießständen am Hällenberg das Schießen um die Wanderplakette für dieses Jahr statt. Es beteiligten sich sieben Kameradschaften, die mit je einer Gruppe von vier Schützen angetreten waren. Aus diesem Wettkampf ging die Gruppe der Kriegerkamerad- schaftLaubach mit 4 81 Ringen als Sieger hervor. Die höchste Ringzahl erreichte Reichsbahnassistent Heinrich Wahl mit 136 Ringen. Außerdem schossen bei der Gruppe Laubach die Schützen Karl Günther, Karl B e ck e r und Wilh Frank mit. Das Schießergebnis der übrigen Gruppen war: 2. Kriegerkameradschaft Gonterskirchen (W. .Rohn, Otto Jung, Ernst Kröll und Otto Reichert), 381 Ringe; 3. Kriegerkameradschaft Klein-Eichen (Dpper, Maurer, Hofmann und Biedenkapp), 397 Ringe; 4. Kriegerkameradschaft Freienseen (Beyer, Traum, Kratz und Walter), 370 Ringe; 5. KriegerkameradschaftR uppertsburg (Horst, Heinrich Becker, Wörner und Hahn), 361 Ringe. 6. Kriegerkameradschaft We11erfeld (Heinrich fangen sollten, immer wieder dem Element zu- riidqegcben. Selten nur kehren die Fischer unzufrieden nach Hause. Wenn auch die Fischausbeute aus der Wie- seck nicht ausreicht, um einen schwunghaften Großhandel zu eröffnen, so gibt es doch einige kräftige Mahlzeiten für den Tisch Der Familie, Der Ver- wanDten oDer Des Nachbarn. Erst wenn die Abendsonne hinter Dem Vetzberg hinabzusinken sich anschickt, wenn Bäume und Büsche lange Schatten werfen, wenn Die golDenen Strahlen Das Tal Durchfluten, Dann kehren Die Fischer nach Hause, müde, aber uneingestanden beglückt oon ihrer Arbeit. Und noch auf Dem Heimweg können sie schöne Beobachtungen machen. Die Störche von Wieseck, Die sich bis dahin in respektvoller Entfernung hielten, und ihr Gefieder sonnten, schwingen sich nun mit weitem Flügelschlag an Den Bach, um zu sehen, ob für sie etwas geblieben ist, suchen in Schlick und Schlamm nach Atzung für Den Abend. Wenn Die Sonne tiefer und tiefer sinkt, Dann sind plötzlich und oon irgendwoher Fischreiher oa, mit stahlblauem Gefieder, die auch Beute und (Da.) Zürich. Gastwirt am Züricher See war Dafür be- Daß er befonDers leckere Fruchttorten konnte. Seiher war die KunDe Davon nicht nur zu zahlenden Interessenten, sondern auch zu Den Bienenvölkern Der näheren und weiteren Umgebung des Gasthauses gedrungen. Die Folgen waren für den Geldbeutel des Bäckers und Gastwirts sehr unerfreulich. Er bemerkte mit zunehmend bewölkter Stirn, daß die fechsbeinigen Leckermäuler sich ungebührlich breit machten und die zahlenden Gäste nach und nach verdrängten. Zuerst waren es Die Kinder, die aus lauter Ängst vor den Insekten nicht mehr zu den Fruchttorten zu locken waren, und dann nahmen auch Die erwachsenen Kuchenesser Reißaus. Wirtschaft. Oie Lndusirie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 982: Behandlung der Devisenanträge des der Reichsschrifttumskammer unterstehenden Schrifttumsgewerbes. 983: Anordnung 32 der Ueberwachungsstelle für unedle Metalle vom 25. Juni 1935, betr. Verwendung von unedlen Metallen in der Elektrotechnik. 984: Anordnung 33 der Ueberwachungsstelle für unedle Metalle vom 8. Juli 1935, betr. Abände- rung der Anordnung 26 vom 24. April 1935 Wocyeuverichr vom Frankfurter Vroduktenmarkt. Die in den letzten Wochen zu beobachtende Zurückhaltung am hiesigen Getreidegrohmarkt herrschte auch in der letzten Woche fort. Am Brotgetreidemarkt hielt sich das Angebot in engen Grenzen, doch zeigten auch die Mühlen keine größere Nachfrage, da sie bestrebt sind, ihre alten Vorräte zu verringern. Alter Weizen und Roggen waren kaum unterzubringen, nur nach hochwertigem Weizen erhielt sich etwas Nachfrage, die auch befriedigt werden konnte; die Tatsache, daß die Landwirtschaft ihre besten Sorten bis zum Schluß des Erntejahres zurückhält, hat sich auch in diesem Jahre bestätigt. Alter Roggen wurde kaum noch beachtet, da die Mühlen noch in diesem Monat mit neuem Mahlgut rechnen; die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, daß die Bäcker neues Mehl, sobald es auf Dem Markt erscheint, verarbeiten wollen. Für Roggen wurden die alten Festpreise bis zum 1. August verlängert, so daß doch noch mit einem Geschäft in elf an Roggen gerechnet werden könnte. Auf dem Futtergetreidemarkt herrschte G.'chästsstille. Alte Futtergerste kam nicht mehr zur Notiz, während in neuer Wintergerste, für die sehr schöne Muster gezeigt wurden, noch keine Abschlüsse getätigt wurden. Für Hafer erhielt sich Nachfrage, da aber die alt n Bestände aufgebraucht sein dürften, lag Angebot nicht vor. Verbindlich mit Roggen war hier und da etwas zu haben, doch wurden diese Geschäfte abgelehnt. Das Futtermittelgeschäft liegt sehr still. Für ölhaltige Artikel sowie für Kleie bestand weiteres Interesse, doch war kein Angebot da. Leichte Futtermittel, wie Nach- und Bollmehle, waren stark offeriert und im Preise schwächer und blieben ohne Käufer. Don Rauhfuttermitteln wurde neues Heu erstmals angeboten und mit 5,50 Mark je Doppelzentner notiert. Wochenbericht vom Frankfurter Gchlachtviebniarkt. Trotz der heißen Witterung zeigte sich in der abgelaufenen Woche am Frankfurter Schlachtviehmarkt allgemein gute Nachfrage, so daß einmal die meist höheren Zufuhren geräumt wurden, und zum andern auch leichte Preiserhöhungen sich durchzusetzen vermochten. Gegen Ende der Woche lieh die lebhaftere Nachfrage etwas nach, das Gesamtgeschäft toT aber dennoch zufriedenstellend. Ueberraschend starke Nachfrage zeigte sich am Schweinemarkt, was auch in der Notierung mit plus 3 Mark gegen die Vorwoche zum Ausdruck kam Besonders aus Kreisen der Landmetzger erhielt sich der Bedarf sowohl für fette wie für leichte Schweine. Nach lebhaftem bis mittelmäßigem Handel wurde die merklich erhöhte Zufuhr von 4230 (3872) Tieren nahezu geräumt. Obwohl der R i n d e r m a r k t mit insgesamt 805 (707) Tieren beschickt wurde und außerdem die Reichsstelle 25 Rinder zur Verfügung stellte, konnte der Bedarf on Ochsen, Bullen und Färsen nicht restlos befriedigt werden, auch liefen die Qualitäten sehr zu wünschen übrig. An Kühen standen 435 Stück zum Verkauf. Bis auf Kühe nahm das Geschäft bei gleichbleibenden Preisen einen sehr leb- basten Verlauf. 30 Prozent des Auftriebs wurden in die umliegenden Versorgungsgebiete ausgeführt. Kälber wurden nach mittelmäßigem Geschäft und ziemlich unveränderten Preisen geräumt, die Zulubr betrug 1338 gegen 1350 Stück. Hammel und Schafe hatten ruhiges Geschäft, bei wenig veränderten Preisen verblieb von 73 (64) aufgetriebenen Tieren etwas Ueberstand. Rbein-Mainische Borke. Millagtzbörse: Tendenz schwächer. Frankfurt a. M„ 19. Juli. Die Börse eröffnete bei außerordentlich kleinen Umsätzen in weiter schwächerer Haltung. Die Vorgänge am Markte der Schiffahrtsaktien verstimmten weiter und verursachten stärkste Zurückhaltung. An den Aktienmärkten kam weiteres Angebot heraus. Obwohl es keinen größeren Umfang hatte, führte es aber bei der mangelnden Aufnahmeneigung zu durchschnittlichen Abschwächungen von 0,50 bis 1 o. H. Fest und lebhaft lagen nur JG- Farben mit 153 bis 152,50 bis 152,75 (151,90), außerdem setzten Feinmechanik Jetter 1 v. H. und Mansfelder Bergbau 0,75 v. H. höher ein. Im übrigen kamen Anfangskurse kaum zustande. Am Elektromarkt waren AEG. stärker angegriffen mit 43,25 bis 42,50 (43,75), auch Lahmeyer gingen um 1,25 v. H., die übrigen Werte bis 0,65 o. H. zurück. Schuckert lagen voll behauptet. Don Montanwerten setzten Hoesch 0,75 v. H., Mannesmann, Stahlverein und Rheinstahl je 0,25 v. H. niedriger ein. Etwas schwächer lagen ferner Zellstoff Aschaffenburg mit minus 1,25 v. H., Daimler mit minus 0,75 v. H. Deutscher Eisenhandel, Aku und Deutsche Erdöl verloren 0,25 bis 0,50 v. H. Gut behauptet blieben Reichsbank und Metallgesellschaft. Für Schiffahrtsaktien soll heute eine Notierung versucht werden; das Angebot blieb sehr stark. Der Rentenmarkt lag zwar still, bewahrte aber seine festere Grundtendenz. Die höhere vorbörsliche Taxe für Reichs-altbesitz von 113 v. H wurde allerdings nicht erreicht, vielmehr lag der erste Kurs mit 112,50 um 0,25 v. H. niedriger. Etwas gefragt blieben Kommunal-Umfchuldüng, Zinsvergütungsscheine und verschiedene Umtauschobligationen sowie zertifizierte Guldenobligationen. Im Verlaufe herrschte weiterhin Zurückhaltung; man wartete allgemein auf eine evtl. Wiederaufnahme der Notierungen für Schiffahrtswerte. Einiges Geschäft erhielt sich für JG.-Forbenindustrie, die zwischen 152.75 und 153,25, also wenig verändert, schwankten. Höher gesucht waren Scheideanstalt mit 234,50 (233), ferner zogen Reichsbank auf 188 nach 187 an. Andererseits gingen Aku und Stablverein um je 0,50 v. H. zurück. Im übrigen wiesen die Kurse gegen den Anfang kaum Veränderungen auf. Am Rentenmarkt bröckelten Altbesitz noch etwas ab, dagegen blieben Umtausch-Obligationen gefragt, 5proz. Stahlverein 99.50 bis 99,75 (99,25), 1951er und 1947er Stahlverein je 95,50 (95) und 4,5proz. Stahlverein 93,50 (93,25). Der Pfandbriefmarkt lag ruhig und unverändert. Stadtanleihen notierten uneinheitlich bei kleinen Abweichungen. Auslandrenten lagen geschäftslos. Schiffahrtsaktien kamen schließlich zur Notiz und das Anaebot wurde voll abgenommen. Hapag 18 (letzter Kurs am Mittwochabend 33,75, gestrige Tare 27,50), Nordd. Lloyd 19,65 (letzter Kurs 37,40/ letzte Taxe 30). Tagesgeld blieb zu 3 v. H. unverändert. Abendborse: behauplek. Die Abendbörse nahm bei freundlicher Grundstimmung auf allen Marktgebieten einen sehr ruhigen Verlaus. Kursveränd'erungen von Bedeutung waren nicht zu verzeichnen. Etwas Interesse erhielt sich für IG. Farben zu unv. 153,90, im übrigen lagen die meist etwas erholten Schlußkurse der Berliner Börse behauptet. Am Schiffahrtsaktienmarkt ist eine gewisse Beruhigung eingetreten, das noch in kleinem Umfange herauskommende Angebot wurde aufgenommen. Hapag zogen zunächst um 1 v. H. auf 19 v. H. an, nach dem Kurs waren sie aber wieder 18,50 Brief. Dagegen konnten sich Nordd. Llovd mit 19,60 gut behaupten. Am Einbeitsmarkt gingen Bayer. Spiegelglas um 1 v. H. auf 43,50 zurück. Der Rentenmarkt laa bei wenig veränderten Kursen geschäftslos. Altbesih blieben nur knavv gehalten mit 112,35 (112,60). U. a. notierten: Altbesiü 112,35, 4V-proz. Baden v. 1926 90, IG. Farben-Bonds 127,12, Reichsbabn- Vorzuasaktien 123,60, 4vroz. Ungarn Gold 10,50, 4yroz. Rumänen 5 80. Commerzbank 90,75, Bayer. Hypotheken-Bcmk 89,75, Aaroener 111, Mannesmann 89,90, Mansfeld 116, Hoesch 104,75, Rhein- stahl 111,25, Stahlverein 86,50, AEG. 42,60, Bem- berg 116,50, Daimler 94, Deutsche Erdöl 112, Scheideanstalt 235, Licht & Kraft 132.75, IG. Farben 153.90, Feinmech. Jetter 87,25, Junghans 92,50, Mainkrast 94.50, Metallgesellschaft 114,-50, Rheaq 139, RWE. 132,50, Schuckert 125,60, Westd. Kaufhof 33.75, Südd. Zucker 193, Hapag 19—18,50, Lloyd 19,60. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M„ 19. Juli. Die Erzeugung deutscher Eier hat angesichts der warmen Witterung eine starke Schrumpfung erfahren, auch macht sich ietzt die frühe Legetätigkeit der Hühner bemerkbar. In deutschen Eiern bestand daher in allen Größen Knappheit, auch aus dem Ausland stehen nur geringe Mengen zur Verfügung. Der Absatz war sowohl im Groß- als auch im Kleinhandel aus- aesvrochen lebhaft. Es notierten in Pfennigen pro Stück frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufs- Preise an den Kleinhandel): Deutsche Markeneier 8 10,75, A 10,25, B 9,50, C 9, D 8,50. Holländer, Flandern und Dänen S 10,50, A 10, B 9,50. Rumänen und Jugoslawen 7,50 bis 7,75. Frankfurter Buttermarkt. Frankfurt a. M., 19. Juli. Am Buttermarkt ergab sich keine nennenswerte Veränderung. Die Anlieferungen aus Hessen und Süddeutschlano blieben relativ knapp, während norddeutsche Ware zu höheren Preisen stärker angeboten wurde. Der hiesige Großhandel wurde zumeist mit holländischer Butter versorgt, die in etwas größeren Mengen als bisher zur Verfügung stand. Da andererseits der Verbrauch zur Zeit keine größeren Anforderungen stellt, reichten die Zufuhren aus. Es notierten in RM. pro 50 Kilogramm frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise an deck Kleinhandel)? Deutsche Markenbutter 143 bis 145, feine deutsche Molkereibutter 143, deutsche Molkereibutter 140 bis 142, Landbutter 125 bis 130, Kochbutter 115 bis 120. Holländische Butter 145. Mainzer Getreidemarkt. Mainz, 19. Juli. Es notierten in RM. pro 50 Kilogramm (Großhandelspreise loko Mainz): Weizen w 16 21,80, Roggen R15 17,80, Hafer H 14 17,50, Futtergerste 16,50, Malzkeime 15,50 bis 16,25, Weizenkleie W16 11,13, Roggenkleie R 15 10,44 (Mühlenfestpreise), Treber 16,75 bis 17,00, Soyaschrot 13,00 (Fabrikpreis ab süddeutscher abrikstation). Tendenz: Brotgetreide abwartend, leie knappes Angebot. Rinn & Eloos AG. im Jahre 1934. Ans dem Geschäftsbericht. Der Geschäftsgang war im Jahre 1934 befriedigend und der Absatz im 2. Halbjahr recht flott. Die Besserung der deutschen Wirtschaftslage wirkte sich immer mehr aus, dazu kam im letzten Viertel des Jahres eine gewisse Voroersorgung des Handels wegen der am 1. Januar 1935 in Kraft tretenden Aenderung des Tabaksteuergesetzes. Man konnte den Umsatz mengenmäßig um fast ein Viertel des Vorjahres steigern; die wertmäßige Erhöhung hielt allerdings damit nicht gleichen Schritt, da der Durchschnittspreis gegenüber 1933 weiter zurückgegangen ist. Die Rohtabakpreise hielten sich in 1934 im allgemeinen auf den niedrigen Stand des Vorjahres mit Ausnahme der Preise für Jnland- tabake. Diese erfuhren eine erhebliche Steigerung, in der Hauptsache hervorgerufen durch die Befürchtung, daß infolge des Devisenmangels nicht genügend ausländische Tabake eingekauft werden könnten. Die Versorgung mit ausländischem Material ist in der Tat sehr schwierig geworden, da die Ueberwachungsstelle für Tabak nur sehr bescheidene Devisenzuteilungen machen kann, die wiederum nur kurzfristige Eindeckung ermöglichen. In Verbindung mit der mengenmäßigen Mm- sahsteigerung konnte die Zahl der Gefolgschaftsmitglieder erheblich vermehrt werden. Der Geschäftsgang im 1. Halbjahr 1935 ist infolge der eben erwähnten Vorversorgung des Handels ruhiger. Der Handel leidet an einem zu geringen Wertumsatz, hervorgerufen durch die starke Gängigkeit der billigsten Preislagen, und muß daher mit seiner Lagerhaltung vorsichtig disponieren. Eine Gesundung der Gesamtbranche kann nur eintreten, wenn wieder diejenigen Preislagen mehr verbraucht werden, die Der hohen steuerlichen Belastung entsprechen. Die Bilanz verzeichnet im einzelnen folgende Posten: Aktiva: Anlagevermögen (Grundstücke, Gebäude, Maschinen, Gerätschaften, Wagen) 1 220 470 Mark; Umlauf-Vermögen 10 316185,48 Mark; Beteiligungen 875 636,54 Mark. Passiva: Reservefonds 3 900 001 Mark, davon Grundkapital 3 000 000 Mark, davon Zuweisungen in 1934 500 000 Mark; Stiftungskonto 1 117 936,70 Mark, davon Zuweisungen 19o4 100 000 Mark; Verbindlichkeiten auf Grund von Lieferungen und Leistungen 3 658 211,25 Mark; im Gewinnvortrag 76 090,07 Mark, davon 1934 45 884,40 Mark. Die Bilanz schließt in Einnahme und Ausgabe mit 12 412 329,02 Mark ab. Die Gewinn- und Verlu st- Rechnung verzeichnet an Löhnen und Gehältern 3 227 761,47 Mark; an sozialen Abgaben 248 780,40 Mark; an Abschreibungen aus Anlagen 155 889,93 Mark; Besitzsteuern 177 526,94 Mark; an sonstigen Aufwendungen 562 266,61 Mark. Der Rohertrag laut Warenkonto beläuft sich auf 4 993 407,75 Mark. An Zinsen und Dividenden wurden 24 702 Mark ausgeworfen. Der Reinertrag beläuft sich auf 645 884,40 Mark. Die Gewinn- und Verlust-Rechnung schließt mit 5 018 109,75 Mark ab. Kirchliche Nachrichten. Sonntag, den 21. Juli. 5. Sonntag nach Trinitatis. Gießen. Sladlklrche. 8 Uhr: Pfarrer Trapp. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten Der Matthäusgemeinde. 9.30: Pfarrer Becker. Feier des heiligen Abendmahls für Matthäus- und Markus- gemeinbe. — Iohanneskirche. 8.10: Militärgottesdienst. Im Anschluß Christenlehre für die Neukon- firmierten der Johannesgemeinde. 9.30: Pfarrer Bechtolsheirner. 20: Bibelbefprechung im Johannes- saal, Pfarrer Anthes. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfarrer Anthes. Zugleich Christenlehre für die neukonfirmierten Mädchen der Lutherge- meinde. — Pelruskapelle. 9.30: Pfarrer Trapp. — Wieseck. 9.30: Gottesdienst. — Rödgen. 10: Gottesdienst. — Annerod. 12.30: Gottesdienst. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst, Pfarrer Kalbhenn- Gießen. 8: Waldspaziergang des Kindergottes- dienstes mit Gottesdienst an der „Dicken Eiche" um 10 Uhr (nur bei günstigem Wetter). — Kirchberg. 10: Gottesdienst. 11: Christenlehre für die weibliche Jugend. — Lollar. 13.30: Gottesdienst. — Treis an der Lumda. 10: Hauptgottesdienst. 13: Katechismus- lehre. — Klein-Linden. 10: Gottesdienst. 11: Kindergottesdienst. 14: Missionsfest. 15.30: Nachoersammlung. — Watzenborn-Steinberg. 13: Hauptgottesdienst. — Langsdorf. 10: Kindergottesdienst. 11: Hauptgottesdienst. — Bettenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst. — INünzenberg. 10.30: Gottesdienst. 13: Christenlehre. — Trais-Münzenberg. 8.30: Gottesdienst und Christenlehre. — Hungen. 9.45: Gottesdienst. 10.45: Kindergottesdienst. — Langd. 13: Gottesdienst. — Göbelnrod. 9: Gottesdienst, anschließend Christenlehre; Kollekte. — Beltershain. 10.30: Gottesdienst, anschließend Christenlehre; Kollekte. — Ober-Gleen. 9: Kindergottesdienst, Dr. Unverzagt. 10: Hauptgottesdienst. — Kirtorf. 13: Haupt- aottesdienst mit hl. Taufe, Dr. Unverzagt. 14.15: Kindergottesdienst, Dr. Unverzagt. — Albach. 8.15: Gottesdienst. — Steinbach. 9.45: Gottesdienst. — Garbenteich. 11.15: Gottesdienst. — Haufen. 13: Gottesdienst. Evangelische Sladlmiffion, Löberftraße 14. Sonntag, den 21. Juli. 8.30 Uhr: Morgenandacht. 20.30: Evangelisationsvortrag. Mittwoch, den 24. Juli. 20.15: Öffentlicher Familienabend. Reuaposlolische Gemeinden. Händelftraße 1 — Ederstraße 13. Sonntag, den 21. Juli. 9.30 Uhr: Gottesdienst. 16: Gottesdienst. Mittwoch, den 24. Juli. 20.15 Uhr: Gottesdienst. katholische Gemeinden. Samstag, den 20. Juli. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 21. Juli. 6. Sontag nach Pfingsten. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte. 7: Messe, Kommunion der Kinder. 8: Kommunion. 9: Hochamt mit Predigt. 11: Messe mit Predigt. 14.30: Andacht. — Grün- berg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt. 14.30: Vortrag und Andacht. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt. 20: Vortrag und Andacht. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.15: Hochamt mit Predigt. Mittwoch, den 24. Juli. Hungen. 6.15: Messe. Öffentlicher Sonntagsdienst. Polizei: Telephon 27§1, nur in dringenden Notfällen Telephon 01. Feuerwache: Telephon 2244/45, Notruf Telephon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 8 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telephon 2500. Daten für den 21. Jnli. 1848: der Philosoph und Aesthetiker Johannes Volkelt in Lipnik, Galizien, geboren (gestorben 1930); — 1886: der Maler Karl v. Piloty im Ambach gestorben (geboren 1826). Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) W. U. in G. Leider war es uns nicht möglich, die Herkunft der Verszeilen sestzustellen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben Die Höhe Der zuletzt bejch lossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o H., Lombardzinsfuß 6 o. H. Frankfurt 0.1)1. ■Öerlin Schluß« turs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schluß!. Mittag« , börfe Datum 18 7 197 18 7 19.7. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 100,13 100,25 100,4 100,4 4% Deutsche Reichsanl. von 1984 97,75 97,75 98 98,13 bVz% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit — 103,9 104 112,65 Auslos.-Rechten ............. 112,75 112,4 112,8 4*/.% Deutsche ReichSpostschatzan- 100,1 Weisungen von 1934, 1....... 100,4 100,3 100,1 6% etjem.8% Hess. BoNsstaat 1929 97,25 (rückzahlb. 102%)............ 97,25 97,25 97,25 4y±% ehem. Hessische Landesbank 96,4 Darmstadt Gold R. 12........ 96,4 96,4 5’/a% ehem. Hess. Landes-Hypo- thekenbank Darmstadt Ltaui ... 4V.% ehem. 8% Darmst. Komm. 100,9 100,9 — — Landesb-Goldschuldverschr. R. 6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit 93 93 — — Auslos.»Rechten ....... 128,5 128,5 Deutsche Komm. Sammelabl. Aw leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4V.% ehe m.8% Franks. Hyp.-Banl 116 116 116 116 Goldpfe. 15 unkündbar bis 1936 6J4% ehem. 4'/.% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandvriefe....... 96,5 96,5 — — 101,25 101,4 bY.% ehem. 4'/t% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpse..... 4V.% ehem. 8% Pr. Landespfand- 101,9 101,9 101,9 101,75 öriefanstalt, Pfandbriefe 91. 19 4K% ehem. 7% Pr. Landespfand- vriefaust., Gold Komm. Obl.VI 97 97 97 97 97 97 97 97 Gteuerzutsch.BerrechnungSk. 85-89 107,3 107,3 107,3 107,3 4% Oesterretchtsche Goldrente.... 4,20% Oesterreichifche Stlberrente 32 1,7 32 1,7 31 1,7 32 10,6 10,5 10,7 10,6 4% Ungarische Staaisrente v. 1910 10,5 10,5 10,5 — *Y-o/ hptsni non 1913.......... - 10,6 10,8 — 12,5 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe 12,5 12,6 12,25 Serie l..................... * ** Datum 4% vesgl. Serie II ............. 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4^%Rumän.vereinh.Rentev.l9l3 4% Rumänijctie vercinh. Rente .. 2Vi% Anatolier ............... Hamburg-Amertka-Paket 0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd ......... 0 -21.®. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz- und Privat-Bank... 0 Deutsche Bank und Diskonts- Gesellschaft................0 Dresdner Bank ..........0 Reichsbanl ................ 12 A.E.G 0 Bekula 10 Elektr. LleferungSgeleMchaft... 5 Licht und Kraft ........... 6 V. Felten L Guilleaume 0 Gelellsch.f.Slektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........5 Rhein. Wests. Elektr. 6 SchuckertLCo. ......... 4 Siemen» L Halske 7 LahmeyerLEo. .......... 7 Buderut 0 Deutsche ErdU .•••••••••«••■ 4 Gelsenkirchener......... 6 Harpener -----........... 0 Hoesch Eisen-Köln-Neuesse» .. 0 £: Bergbau • • Bergbau Genüsse • cknerwerke ManneSmann-Röhre» ....... 0 Frankfurt a. M Serkin Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schluß- turs Schlußk. Mittag« börfe 18 7 19-7 18-7. 19 7 7,5 7,4 7,4 _ 10,25 10,25 10 9,85 5,8 40 5,8 5,9 5,75 39,75 40 39,8 _ 18,5 _ 18,5 — —— 30 29,25 — 19,65 —— 20 86,5 86,4 86,65 -— 117,25 117,5 117,25 116,25 91 90,75 91 90,5 92,25 92,5 92,5 92,5 92,25 92,5 92,5 92,5 188,4 187,4 187 188,5 43,75 42,65 44,25 43,13 141,65 141 141,25 141,13 116,75 116,5 115,75 115,25 132 132,75 132 133,25 108 107.75 108,5 108,25 126,5 126,5 127 126 —— 139 138 138,25 132,5 132,5 132,75 132,65 126 125,65 126,4 126,25 179,5 179,25 180,5 180,75 113,25 132 133 132,5 105 104,75 104,5 104,5 111,5 112 112,5 112 111,25 111 111,75 111,5 105,5 104,75 105,65 104,79 160 160 163,5 164 130 128,5 129,75 129 99,75 99,5 100,5 99,25 90 89,9 90,25 90 Frankfurt a. M. Serfin Schlußkurs Schlußk. Abend- börfe Schluß- kurs Schlußk. Mittag« börfe Datum 18.7 19 7 18 7 19.7 Mansfelder Bergbau .. .......8 116,25 116 115,75 116,25 Kvkswerke ........... ....... 6 — —— 121,5 121,75 Phönix Bergbau...... .......0 — — Rheinische Braunkohlen ..... 12 220,25 219 220,75 219 Rhcinstahl ........... .....8'/r 111,75 111,25 112,5 111,5 Bereinigte Stahlwerke. ....... 0 86,5 86,5 87 86,5 Ltavi Minen ....... .......0 18,13 18 18,4 18,13 Kaliwerke Aschersleben. .......6 127,75 127 127 127 Kaliwerke Westeregeln . ....... 5 126 126 126,5 126,5 Kaliwerke Salzdetfurth .....IV. 197 198 198 198 I. G. Farben-Jndustrte ....... 7 151,9 153,9 192,75 153,9 Scheideanstalt........ ....... 9 233 235 — Goldschmidt ......... .......0 110,75 110,5 111,25 110,5 RütgerSwerke ........ .......4 418,5 119 119 118,75 Melallgeiellschaft...... .......4 114 114,5 114 114 I ”1 0 6 92 119 135 92,5 119 135 Philipp HoUmann .... Zementwerk Heidelberg Cementwerk Karlstadt.. Schultbeis Patzenhofer 4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg...................0 Zellstoff Waldbof 0 Zellstoff Aschaffenburg ...... 0 Dessauer Gas ........ 7 Daimler Motoren ....... 0 Deutsche Linoleum ......6 Orenstein L Koppel ..... 0 Westdeutsche Kaufhof 0 Cha de................ 0 Accu m n latoren-Fabrik .....12 Conti-Gummi .............. 8 — — 113 112,9 65,25 65 65,9 64,9 116,5 116,5 116,5 — 120,5 118,5 120,5 119 89,25 88 88,5 88,75 — —— 136,25 136,25 94,75 94 94,65 94,25 166 167 166 166 — 88,65 88,5 34,75 33,75 35,25 34,4 — 294,5 294 294,5 177 176,5 177,5 176,5 155,75 155,5 155,75 155,25 Gritzner....................01 37,9 I Mainkraftwerke Höchst O-BL... 4 94 Süddeutscher Zucker As 193 I 37,5 1 37,91 94,5 - 38 193 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. 18. jun 19. Juli Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Buenos Atre- 0,658 0,662 0,658 0,662 Brüssel..... 41,885 41,965 41,885 41,965 Rio de Ian. . 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,77 54,87 54,77 54,87 Danzig..... 46,91 47,01 46,91 47,01 London..... 12,265 12,295 12,265 12,295 HelsingforS.. 5,41 5,42 5,41 5,42 Paris ...... 16,41 16,45 16,41 16,45 Holland .... 168,75 169,09 168,73 169,07 Italien..... 20,50 20,54 20,41 20,45 Japan...... 0,721 0,723 0,721 0,723 Jugoslawien. 5,684 5,696 5,684 5,696 csio.....; 61,65 61,77 61,65 61,77 Wien....... 48,95 49,05 Lissabon.... 11,13 11,15 11/12 1L14 Stockholm... 63,25 63,37 63,25 63,37 Schweiz .... 81,12 81,28 81,12 81,28 Spanien.... 34,00 34,06 34,02 34,08 Prag....... 10,34 10,36 10.31 10,33 Budapest ... — Neuhvrk... 2,474 2,478 2,477 2,481 Banknoten. Serlln,193uH Geld Ärlef Amerikanische Roten.............. 2,429 2,449 Belgische Noten.................. 41,72 4i ,88 Dänische Noten ................. 54,71 54,93 Englische Noten ................. 12^23 12,27 Französische Noten............... 16,37 ic'Ä« Holländische Noten............... 168,31 168^99 Italienische Noten.___......._____ 19,86 Norwegische Noten ....... 61,44 6b68 Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling Rumänische Noten........ Schwedische Noten ......... 63,03 Schweizer Noten........... 80,89 8^2? Spanische Noten 33,66 33,80 Ungarische Note» Ihre Vermählung geben bekannt Rene Neher und Frau, geb. Klarl Gießen, den 21. Juli 1935 OSORd Örroi'n Buchmann und Frau Käthi, geb. Körner geben ihre Vermählung bekannt Gießen, Plockstraße 16 Ludwigsburg b. Stuttgart 21. 3ult 1935 ‘ 49?1 D Ein neues Fahrrad Mernur Miele Zu haben in den Fahrradhandlungen. Cüfirfwiaugan. Timt eins; TUmm Lebewohl gegen Hühneraugen und Hörn' haut Blechdose (8 Pflaster) 68 Pfennig, hl Apotheken u. Drogerien. Sicher zu haben, Med.-Drog.Hans Hindenburg H. Eigen Seltersweg 68 a; Löwen-Drogerie W. Kilbinger NIL, Seltersw. 69; H. Holl, Lndwigspiatz-Droger. und Neustadt- Drogerie; Germania-Drog. C. Seibel, Frankfurt. Str. 39; Drogerie 0. Win- terhoH, Kreuzplatz 9/10. «msV Das Schwimmbad Lützellinden im Bau und nach der Fertigstellung. * Lützellinden, 19.Juli. Ein Schwimmbad herzurichten, war schon lange der Wunsch in Lützellinden. Zu diesem Zwecke bildete sich 1930 die Badegemeinschast, in der sich alle Interessierte, ca. 180, zusammenfanden. Schwierigkeiten machte die Platzfrage. Endlich konnte ein geeignetes Stück Land im Lindbachtal käuflich erworben werden. Im Februar 1935 wurde die Arbeit in Angriff genommen. Alle Ausschachtunos- und Planierungsarbeiten, sowie das Anfahren des Baumaterials wurden auf dem Wege der freiwilligen Dienstleistung durch Mitglieder der Gemeinschaft ausgeführt. Die Betonarbeiten vollzogen sich unter Leitung des Architekten Hohbach. Da die Badegemeinschast finanzielle Hilfe von keiner Seite hatte, muhten die Mitglieder ihre Arbeitsleistung auf ein Höchstmaß bringen. Vielfach wurde Tag und Nacht gearbeitet. Einzelne Mitglieder haben geradezu erstaunliche Spitzenleistungen aufzuweisen. So ist die Fertig- Bei der Betonarbeit am Boden des Schwimmbeckens. ■ Das Lützellindener Schwimmbad nach seiner Fertigstellung. (Aufnahmen |2| Wenzel, Lützellinden.) stellung gelungen, und im Bild ist der Bau-Werdegang sowie das im Betrieb befindliche Bad zu sehen. Das Betondecken ist 31 Meter lang und 12 Meter breit. Die Eröffnungsfeier findet am morgigen Sonntag statt Fünf Hundertmarkscheine verbrannt. LPD. Worms, 19. Juli. Anstatt das Geld auf die Bank oder die Sparkasse zu bringen, verwahrte ein Metzger und Makler in Biblis sage und schreibe 3 6 00 Mark bei s i ch z u Haufe auf. Ein 18jähriges Dienstmädchen erlag der Versuchung, öffnete eines Tages den Schrank mit einem Nachschlüssel und nahm aus der offen- stehenden Kassette 1000 Mark heraus. Die Diebin will 150 Mark für sich verbraucht, 200 Mark ihren Eltern geschickt und 110 Mark ihrem Verlobten geschenkt haben, und, als sie es mit der Angst zu tun bekam, die restlichen fünf Hundertmarkscheine verbrannt haben. Jedenfalls konnten bis heute erst 70 Mark zurückgegeben werden. Da das Mädchen noch jung und unbestraft ist, wurde es vom Schöffengericht in Worms unter Anrechnung von zwei Monaten Untersuchungshaft z u einem Jahr und zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Bräutigam erhielt als Hehler eine Gefängnisstrafe von einem Monat. Die Eltern bestritten, von ihrer Tochter die angegebenen 200 Mark erhalten zu haben 1 1. Gaufest Jn«. 111 । । 11 des Reichsbundes für Leibesübungen GauXIl (Hessen) vom 2. bis 4. August 1935 in Gießen Pest folge 423'n Samstag, den 3. August 1935: 6.30 Uhr: Antreten der 12-Kampf- und 10- Kampf-Sonder- Ober- und Unterstufe z 10- Kampf-Jugend-Hessenkampf 9.30 Uhr: Antreten derAltersturner9-Kampf A1 und A 2. 14.00 Uhr: Antreten zum Mehrkampf (Volksturnen) 5-Kampf-Oberstufe / 3-Kampf-Un- terstufe /3-Kampf-A.T. 1 / 3-Kampf-A. T. 2/ 3-Kampf-Jugend / 4-Kampf-Turnerinnen. 20.30 Uhr Festspiel: Deutsches Wollen — Deutsche Kraft Sonntag, den 4. August 1935: 7.00 Uhr: Kreis- und Vereinsturnen / Völkische Aussprache. 12.30 Uhr: Antreten zum Festzug. • 13.00 Uhr: Festzug. Ab 14.15 Uhr: Gemeinschaftstag des RfL. z Volkstänze der Turnerinnen z Ent- scheidung 100-m-Lauf der Männer u. Frauen (1900-Platz) / Handballspiel (1. Halb- MeJ?nR2?rAUr9""u?i?Ben(1900"Platz)/FaustballsPie|(TurnP|atz)/4x400-m-Staffel (1900-p|atz) z Schlußspiele des Gautennisturnieres (Städt.Tennisplätze) / Handballspiel (2. Halbzeit) (1900-Platz) z Fußballschule (Jugendl. des Fachamtes 2) SJunPJat^x »4x,L00;mJStaffel Frauen und Männer (1900-Platz) z Fußballspiel (1. Halbzeit) Bezirk 11 (Kassel) - Bezirk II (Gießen) (1900-Platz) z Faustball- zqP'm (Ju^P'atz) / Wx^-Rundenstaffel der Kreise (1900-Platz) / Fußballspiel (2. Halbzeit, 1900-Platz). r 17.50 Uhr: Allgemeiner Aufmarsch - Gefallenenehrung - Festfreiübunoen der Turnerinnen und Turner (Festplatz). • 18.30 Uhr: Siegerehrung - Ausklang. Freitag, den 2. August 1935: 19.00 Uhr: Abholen des Gaubanners am Bahnhof z Festeröffnung mit Bannerweihe und Bannerübergabe auf dem Oswaldsgarten z Marsch nach der Festhalle z Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal z Jahngedenken am Jahnstem rMvmes I Schiffenberg ' Schönster Augflnnsnrt niaRo«« i« tViele« Der Omnibus fährt täglich ab Bahnhof Gießen 15.25 Uhr ab Ludwigsplatz . . 15.30 Uhr Schönster Ausflugsort Gießens Vorzügliche Verpflegung 1592D bei mäßigen Preisen. Sonntag, Montag, 21. u. 22. Juli Tanz im Freien und im Saal!! Die Musik führen aus die bekannten KapellenDaubertobäuseru.Mant ff.Getränke,frisch geschlachtet Um Zuivruch bittet 4223D Hvch. Sovmamr „Zum kühlen Grund" (00 Rasierklingen 0,10 mm, echte Solinger, guter, sanfter Schnitt, mit Messern Ö QK versilberter Rasierapparat.. UuJ und Nachn.-Gebühr. Viele Dankschreiben. Köln 17, Postfach 2V. Tanzen lehrt in Einzel- stund, u. Kursen Tanzschule Bäulke Wolfstraße 31 Ruf 3835. :lltlRü Burg Gleiberg die schöne alte Ruine mit dem herrl. Ausblick auf den Vogelsberg, Taunus und Westerwald Gute billige Speisen und Getränke Schöne Säle und Gesellschafts-Zimmer 3»will Rrbeil- fdiaffßn Jch will in Rrbeil fein udi will meinenüoltogenofien. öluck bringen.- Auf zur Wiesecker Kirmes am 21. und 22. Juli bei Gastwirt Heinrich Braun Musik im Freien und im Saal. — Reichswehrkapelle. — Speisen und Getränke in altbekannter Güte. - Es laden ein: 42i3D Der Wirt. Die Burschen. Kl eine Anzeig en im Gießener Anzeiger werden von Tausenden b?nd)tPt und qelefpn Mercedes Mkc 182.- schonf.montl.M.7.90 FranzVoOlACo., Gießen Seltersweg44 10V,a WchsloMe ■für flrb eilsbelchafliing Kirmes ladet freundlichst ein 419R*1 Sonntag, den 21. Juli und Montag, den 22. Juli d. J. Wilhelm Dorfeld Es spielt die orig, bayrische Stimmungskapelle. — Mainzer Aktien-Bier. ZURÖfdnMagsfüA Preisliste ” und Proben kostenlos Sw,. SlESSEM-HINDENBURGV/All^ Zur Wiesecker