M. 296 Erste; Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 19. Dezember 1955 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüfse unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Sietzen poftschecklonto: Frankfurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UniverfitStr Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Gietzen. Zchristleitung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70 mm Breite 50 Rpf.,Plahvorschrift nach vorh.Bereinbg.25"/„ mehr. 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Der Sturm der Entrüstung, den die von ihm gemeinsam mit Laval ausgearbeiteten Friedenspläne erregt haben, scheint ihn aber in letzter Stunde überzeugt zu haben, daß er nicht in der Lage sein werde, ihn vor dem Unterhaus zu vertreten. Hoare war ja nicht nur kraft seines Amtes, sondern darüber hinaus Höch st persönlich für diese Vorschläge verantwortlich, da er sie zusammen mit Laval ausgearbeitet hat. Sein Rücktritt wurde sehr schnell bekannt, da nur wenige Minuten nach dem erfolgten Rücktritt die Nachricht hierüber im Rundfunk verbreitet wurde. Die Werarünhe des Rücktritts. London, 19. De;. (DRV. Funkfpruch.) „Daily Telegraph" meldet, Hoare habe dem Premierminister am frühen Nachmittag des Mittwoch seinen Rücktritt eingereicht, nachdem einer seiner ältesten Freunde im Kabinett und der Valdwin am nächsten stehende Minister, der Schatzkanzler N e - ville Chamberlain, ihn namens des Premierministers aufgesucht und ihm Mitteilung von dem strengen Urteil gemacht habe, das in der Vormittagssihung des Kabinetts über feine Pariser Politik gefällt worden sei. Den Ministern habe der Entwurf der Rede vorgelegen, die Hoare beabsichtigt hatte, heute im Unterhaus zu halten. Ein großer Teil der Minister sei mit dem Inhalt der Rede nicht ein- verstanden gewesen. Die geplante Rede sollte eine freimütige Mitteilung der Umstände enthalten, unter denen Hoare seine Vereinbarung mit Laval schloß. Hoare beabsichtigt, fein Verhalten unverhohlen mit realistischen Gründen zu verteidigen und auf die b e - stehenden Schwächen des Kollektivsystems hinzuweisen. Er habe erklären wollen, daß der Völkerbund gegenwärtig nicht imstande sei, den erforderlichen weiteren Druck anzuwenden, der Mussolini zu Verhandlungen auf einer ihm weniger günstigen Grundlage genötigt haben würde. Er habe ferner dartun wollen, daß nur England Vorsichtsmaßnahmen gegen italienische Vergeltungsmaßnahmen getroffen habe und daß im Kriegsfall England dem Angriff allein hätte stand- halten müssen. Hoare habe somit beabsichtigt, keinerlei Entschuldigung vorzubringen. Eine Gruppe seiner Kollegen habe aber die Ansicht vertreten, daß er zugeben sollte, einen Fehler begangen zu haben. Diese Ansicht sei besonders nachdrücklich vertreten worden von dem Kriegsminister Duff Looper, dem Minister für öffentliche Arbeiten Ormsby-Gore, dem Unterrichtsminister Oliver Stanley, dem Völkerbundsminister Eden und dem Landwirtschaftsminister E l l i o t. Diese Ansicht sei bereits in der Sondersitzung des Kabinetts am Dienstag geäußert worden, aber Baldwin und Neville Lhamberlain hätten, als sie Hoare später in Begleitung Edens besuchten, den Außenminister ihres vollen Vertrauens und ihrer Unter st ühung versichert. Der eigentliche Kampf im Ministerium sei erst am Mittwochvormittag losgebrochen, als der Entwurf der Rede Hoares vorlag. Eine Anzahl der jüngeren Minister hätten ihren Rücktritt in Aussicht gestellt, falls versucht werde, die Pariser Beschlüsse zu rechtfertigen. Das Kabinett sei in einer heiklen Lage gewesen, da es die von Hoare aus Paris nach London gemeldeten Vorschläge g e - billigt hatte. Schließlich habe man die Entscheidung getroffen, daß Hoare aufgefordert werden sollte, seiner Erklärung im Unterhaus einen mehr entschuldigenden Ton zu geben. Der Außenminister habe dies abgelehnt, und seinen Rücktritt eingereicht. Wer wird Außenminister? Wird auch Bansittart zurücktreten? London, 19. Dez. (DNB.) Sir Samuel Hoare wurde 'm letzten Juli zum englischen Außenminister ernannt und zwar als Nachfolger Sir John Simons. Er ist also knapp sechs Monate im Amt gewesen. Sein Rücktritt dürfte außer durch die außenpolitischen Ereignisse u. a. auch durch seinen Gesundheitszustand mit verursacht sein. Hoare litt stark an Rheumatismus, der ihn in der letzten Zeit außerordentlich mitgenommen hat. Wer sein Nachfolger werden wird, ist noch völlig ungeklärt. Man hält es für möglich, daß Baldwin vorläufig das Außenministerium mitverwalten wird, andererseits glaubt man, daß Neville Chamberlain Außenminister werden wird. Nach dem „Daily Telegraph" werden unter den Kandidaten für den Posten des Außenministers auch der Lord-Geheimsiegelbewahrer Lord Halifax und der Völkerbundsminister Eden genannt. Eine Ernennung von Lord Halifax wiirde wahrscheinlich eine grundlegende Aende - rung in d er Orientierung der britischen Außenpolitik bedeuten. In den Wandelgängen des Unterhauses war am Mittwochabend von der Möglichkeit die Rede, daß der ständige Unter st aatssekretär des Foreign Office, Sir Robert V a n s i t t a r t, der zusammen mit Hoare in Paris war und an den dortigen Beschlüssen einen beträchtlichen Anteil hatte, ebenfalls seinen Rücktritt einreichen werde. „Daily Telegraph" hört, das Bansittart aus ausdrücklichen Wunsch des Premierministers gegenwärtig auf seinem Posten bleiben wird. Die heutige Merhaussihung. London, 19. Dez. (DNB.) Die heutige Unter« Haussitzung wird trotz des Rücktritts Hoares stattfinden. Hoare wird, wie das üblich ist, voraussichtlich von einer der hinteren Bänke aus, auf denen die Abgeordneten sitzen (nur Minister und Parteiführer sitzen auf den vordersten Bänken) eine Erklärung über seinen Rücktritt abgeben. Hieraus wird der Führer der Arbeiterpartei A 111 c c den bekannten Mißtrauensantrag gegen die Regierung einbringen. Ministerpräsident Baldwin wird hieraus das Wort nehmen. Hoare hatte seine Rede für heute bereits vollständig vorbereitet. Sie war über 4000 Worte lang. Ob er diese Rede vortragen wird, ist jedoch noch ungewiß. Nach dem üblichen Brauch wird er dies nicht können; es ist aber möglich, daß eine Ausnahme gemacht wird., Die Lage des Kabinetts wesentlich erleichtert. Ein neuer konservativer Abänderungsantrag. London, 19. Dez. (DNB. Funkspruch.) Der Rücktritt des Außenministers Sir Samuel Hoare hat allgemeine Ueberraschung verursacht, da er den Erwartungen zuwider vor der heutigen U n- terhaüs- Aussprache erfolgt ist, und da es sich um den Sturz eines der hervorragendsten, einflußreichsten und angesehensten Mitglieder einer Regierung handelt, die vor wenig mehr als einem Monat bei den Parlamentswahlen einen großen ■ Scherl-Bildmaterndienst Sieg erfochten hat. Seit Jahrzehnten hat es in der politischen Geschicht Englands den Fall nicht gegeben, daß eines der wichtigsten Mitglieder der Regierung am Vorabend einer Parlamentsaussprache, die den Bestand der Regierung bedroht, zurückgetreten ist. In den Wandelgängen des Unterhauses wird der Schritt Hoares fast allgemein gebilligt. Die meisten Abgeordneten sehen ein, daß der Pariser Plan ganz ohne Rücksicht darauf, was sich zu seiner Rechtfertigung vorbringen ließe, das Vertrauen des englischen Volkes zu der Außenpolitik der Regierung erschüttert hat, nachdem diese Außenpolitik noch vor zehn Tagen von allen Parteien des Unterhauses gebilligt worden war. Man glaubt, daß die Regierung selbst zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß es notwendig ist, dem Parlament und der öffentlichen Meinung Sicherheit darüber zu geben, daß es keine entschiedene Aenderung der Politik der letzten Monate geben wird. Hieraus deutet die Tatsache hin, daß die Regierung sich mit einem neuen Abänderungsantrag zu dem ursprünglichen Mißtrauensantrag und dem ersten von einer Gruppe konservativer Abgeordneter angemeldeten Abänderungsantrag einverstanden erklärt hat. Dieser neue Abänderungsantrag, der von Lord W i n t e r t o n eingebracht werden wird, besagt, das Unterhaus sei der Meinung, daß die Bedingungen eines Friedens im italienisch-abessinischen Streit für den Völkerbund an« nehmbar sein müßten, und verspreche der Regierung volle Unterstützung bei der Außenpolitik, die in der Kundgebung der Regierung bezeichnet und bei den Wahlen vom Lande bekräftigt worden sei. In diesem Antrag wird im Gegensatz zu der arbeiterparteilichen Entschließung und dem ersten Abänderungsantrag jede Bezugnahme aus den Pariser Plan vermieden. In Regierungskreisen hofft man, daß der Wortlaut dieses Antrages d i e Gefahr beseitigen wird, daß bei der heutigen Abstimmung eine Anzahl der Regierungs« anbänger gegen d i e Regierung stimmen und viele andere sich der Stimmabgabe enthal- t e n werden. Sturm bei den Radikalsozialisten. Herriot legt den parteivorsih nieder. Paris, 19. Dez. (DNB. Funkspruch.) Staats- Minister H e r r i o t hat in der Nacht zum Donnerstag den Vorsitz der Radikalsozialisti« sch en Partei unter Protest nieöergelegt. Dieser Beschluß, den die Parteifreunde Herriots vergebens wieder rückgängig zu machen versuchten, geht auf einen Zwischenfall zurück, der sich gegen Mitternacht am Schlüsse einer Sitzung des radi- kalsoziali st i scheu Vollzugsausschusses ereignet hat. Ein Mitglied des Vollzugsausschusses, Ad'de-Vidal, fragte im Hinblick auf die un« einheitliche A b st i m m u n g der radikalsozialistischen Abgeordneten bei der letzten Abstimmung am Dienstag in der Kammer, was „diese Roß- tausch er ei bedeuten solle, nachdem 78 radikalsozialistische Abgeordnete gegen d i e Negierung gestimmt haben"? Es entstand ein großes Durcheinander und der Abgeordnete P i o t rief aus, der Ausdruck Roßtäuscherei lasse sich sehr wohl auf öie Politik des Ministerpräsidenten Laval anwenden und es sei ein völliger politischer Kurswechsel nötig. Darauf tief herriot aus, er könne die eben gefallenen Worte nicht hinnehmen. Zur Rohtäuscherel gehörten zwei, einer der vorschlage und einer der annehme. Er fei weder der eine noch der andere. Als A d d e- V i d a t darauf erklärte, er habe mit seinem Ausdruck herriot nicht zu nahe treten wollen, erwiderte herriot, wenn jemand anders gemeint fei, fo fei das noch bedenklicher: er, herriot, habe den Ministerprä- fibenten vor der radikalsozialistischen Partei decken müssen; er habe versucht, seine Stellung als Vorsitzender einer großen Partei und als Mitglied der Regierung Laval in Einklang zu bringen. Das sei ihm nicht gelungen. Infolgedessen trete er als ParteiVorsitzender zurück. Als Herriot daraufhin den Saal verlassen wollte, stellte sich ihm unter zahlreichen anderen auch D a - lädier in den Weg und forderte ihn auf, den Vorsitz zu behalten: In der Stunde, in der Sir Samuel Hoare zurücktrete, und die Politik, die Herriot bekämpfte, mattgesetzt werde, also in dem Augenblick, in dem das große Ideal der Achtung des Völkerrechts triumphieren werde, dürfe Herriot nicht zurück- treten. Er, Daladier, den man in Gegensatz zu Herriot habe bringen wollen, bitte Herriot, zu bleiben. Dieser Aufruf blieb auf Herriot ebenso unwirksam wie ein Versuch, den der Vor - st a n d nachts um 2'/r Uhr bei Herriot unternahm, um ihn um der Einheit der Partei wil- l e n zum Bleiben zu bestimmen. Paris zum Rücktritt Hoares. „Wie eine Bombe cinsteschlagen." Paris, 19. Dez. (DNB. Funkspruch.) Der Rücktritt des einen der Urheber des in Genf vorgelegten Friedensplanes, Sir Samuel Hoare, hat in Paris, wo der a n d e r e Urheber des Planes, Ministerpräsident und Außenminister Laval, eine außenpolitische Aussprache im Parlament nur mit Mühe bis zum 27. Dezember hatte verschieben lassen können, wie eine 'Bombe eingeschlagen. Man sieht den Plan Laval-Hoare als erledigt an, zumal er nach dem Rücktritt des englischen Verfassers auch in Frankreich immer stärke- ren Angriffen ausgesetzt sein wird, die vom linken Flügel der radikalsozialistischen Partei durch den Abgeordneten C o t schon begonnen hat. Der Rücktritt Herriots als Vorsitzender der radikalsozialistischen Partei gestaltet die Lage Lavals noch verwickelter. Man ist einmütig der Anfickt, daß international gesehen öie Rede Mussolinis in Pontinia, über die wir an anderer Stelle berichtet, den Anstoß zu dem Rücktritt des englischen Außenministers gegeben hat und beurteilt die Lage unter dieser Voraussetzung. Der „Matin" schreibt, starke Gründe müßten den englischen Ministerpräsidenten bestimmt haben, sich einen so wertvollen Mitarbeiter wie Sir Samuel Hoare zu berauben. Möglicherweise ft ä r f e B a l d- w i n seine innerpolitische Stellung, aber man könne befürchten, daß das hinsichtlich der Außenpolitik nicht der Fall sei. — Das „Petit Journal" führt aus, Laval habe entsprechend dem Geist der Dölkerbundssatzungen alles mögliche zur friedlichen Lösung des Streites und zur Vermeidung strenger Maßnahmen versucht, die den europäischen Frieden in Frage stellen könnten, der für die kleinen wie für die großen Staaten so notwendig fei. Dieses realpolitische Werk des Friedens müsse man unter allen Umständen weiter verfolgen. — Dem „Journal" wird aus London berichtet, aus dem Rücktritt Hoares sei zu schließen, daß Baldwin den Plan Laval- Hoare nicht billigte. Mithin sei nunmehr m i t einer sehr deutlichen Kursänderung der englischen Politik zu rechnen. — Im „Popu- laire" erklärt der Sozialist Leon Blum, einer der Unterzeichner des Planes habe bereits fein Vergehen gegen den Frieden gesühnt. „Aber der andere? der Anstifter und Hauptschuldige La- v a l?" Blum behauptet, daß Laval der von ihm befürchteten Aussprache im Parlament dadurch ausweichen wolle, daß er gleich nach der Verabschiedung des Gesetzentwurfes über die Kampf- bünbe durch den Senat im Parlament die Verordnung über die Schließung der Parlamentstagung verlesen werde. Der „F i g a r o" schreibt, der Pariser Plan sei tot. Frankreichs Vermittlungstätigkeit fei edelmütig, vielleicht aber nicht gewinnbringend gewesen. Man möge jetzt ruhig abmarten, bis Frankreich infolge der weiteren Entwicklung schließlich um seine Vermittlung gebeten werde. „Le Jour" schreibt, Abessinien habe den Vorschlag Laval-Hoare abgelehnt und Italien habe ihn mehr als zurückhaltend ausgenommen. Man könne aber schließlich niemandem sein Glück aufzwing e n. „Ami du Peuple" schreibt, der Aufsehen erregende Rücktritt Sir Samuel Hoares zeige, daß die parlamentarischen Herrschaft s- formen recht krank seien. Sogar in dem wegen seiner Festigkeit berühmten England seien die Regierungen ebenso wenig vor einer Parteien-Er- Hebung geschützt wie in Frankreich. Man stehe inmitten einer revolutionären Zeit. Englische preffestimmen. London, 19. Dez. (DNB. Funkspruch.) In den meisten Morgenblättern wird der Rücktritt des Außenministers Sir Samuel Hoare als ein Schritt betrachtet, der durch die neueste Entwicklung der Lage unvermeidlich geworden ist. Von den beiden Dölkerbundsgegnern in der Presse drückt „Daily Mail" die Erwartung aus, daß die britische Außenpolitik jetzt wieder den gefährlichen Boden von Genf betreten wird, anstatt auf der „festen und stabilen Grundlage" des Pariser Planes zu bleiben. — „Daily Expreß" de- zeichnet den „Sieg des linken Flügels der Konservativen Partei" und die Preisgabe der Pariser Vorschläge als beklagenswert und vergleicht Hoare mit einem über Bord geworfenen Steuermann. In den konservativen Blättern sind Aeußerungen des Bedauerns und Mitgefühls mit Hoare allgemein. „Time s" erklärt, der Beschluß des Außenministers fei die unvermeidliche Folge eines Irrtums, den man einem Menschen, aber nicht einem Außenmini st er verzeihen könne. Die Pariser Vorschläge seien auf jeden Fall dem Tode geweiht. Dies sei schon aus dem Ton der französischen und britischen Erklärung im Völkerbundsrat hervorgegangen, lieber« dies zeige sich auch aus Mussolinis Rede, daß die Vorschläge die Verbissenheit des Duce und feiner Gefolgsleute nicht gemäßigt, sondern ihre Unduldsamkeit noch größer gemacht hätten. Es habe einer ausdrucksvollen Gebärde bedurft, um der Welt zu zeigen, daß die britische Außenpolitik sich nicht verändert habe. Unglücksfall bei der japanischen Marine. Bei einer Sturmfahrt in der Nähe von Kure kenterten zwei Barkassen einer japanischen U-Boot-Flvtille. Ein Korvettenkapitän und zwei Maate wurden getötet, zwei Offiziere und zwei Maate konnten mit schweren Verletzungen geborgen werden. Der Völkerbundsrat vertagt die Aussprache. Italiens Stellung zur pariser Friedensformel noch nicht bekannt. Genf, 18. Dez. (DNB.) Der Dölkerbundsrat hat Mittwochabend eine öffentliche Sitzung abgehalten, um die englisch-französischen Anregungen zur Erledigung des italienisch-abessinischen Streitfalles entaegenzunehmen. Eden erklärte, es sei in der Auffassung der beiden Regierungen stets eine wesentliche Bedingung gewesen, daß, ehe man den Parteien irgendwelche Regelungsbedingungen in endgültiger Form empfehle, diese Bedingungen vom Völkerbund gebilligt sein müßten; denn die Völkerbundsmitglieder seien verpflichtet, den Pakt zu achten und ihr äußerstes zu tun, um ihn anzuwenden. Wenn sich also Herausstellen sollte, daß diese Vorschläge der wesentlichen Voraussetzung einer Zustimmung der beiden Parteien und des Völkerbundes nicht genügen sollten, könne die britische Regierung sie nicht weiterhin empfehlen oder unterstützen. Der augenblickliche Ver- söhnungsoersuch müsse von ihr dann als gescheitert angesehen werden, und die britische Regierung wünsche ihn in diesem Falle nicht weiter fortzusetzen. Ministerpräsident Laval betonte, solange von anderen Regierungen keine Stellungnahme vorliege, werde es der Rat vielleicht für richtiger halten, sich nicht zu äußern. Er werde aber wahrscheinlich keine Gelegenheit versäumen, um dem Streit eine ehrenvolle, gerechte und der Satzung entsprechende Lösung zu geben. Rach einer längeren Erklärung des abessinischen Vertreters Wolde Mariam, der den Völkerbund bat, Abessinien nicht im Stich zu lassen, stellte der Ratspräsident fest, daß die Auffassung der italienischen Regierung noch nicht bekannt sei, und daß der Rat den Wunsch haben werde, die Aussprache auf einen späte- ren Zeitpunkt zu vertagen. Der Rat stimmte diesem stillschweigend zu, und die Sitzung wurde geschlossen. Abessiniens Einwände gegen die Medensformes. Oer pariser Vorschlag verstößt in allen Teilen gegen die Völkerbundssatznng. Genf, 18. Dez. (DNB.) Der Gesandte Abessiniens in Paris, der sein Land beim Völkerbundsrat vertritt, hat dem Generalsekretär des Völkerbundes eine Erklärung über die Stellungnahme Abessiniens aur Lage zugehen lassen. Er hat dabei ausdrücklich hervorgehoben, daß diese Erklärung nicht als Abessiniens Antwort auf die französischenglischen Anregungen betrachtet werden dürfe. Diese Antwort werde später erteilt werden. Die Erklärung übt scharfe Kritik an dem Verfahren, das zur Ausarbeitung der englisch-französischen Vorschläge geführt hat und an dem Inhalt Der Vorschläge selbst. Die abessinische Regierung habe sich gefraat, ob diese „Bedingungen" wirklich dazu angetan seien, die Vertragsverletzungen aufhören zu lassen, oder ob man nicht die Feindseligkeiten dadurch beenden wolle, daß man das Opfer des Angreifers zur Kapitulation auffordere. Gegen die Vorschläge werden im einzelnen folgende Einwände erhoben: 1. Kein Organ des Völkerbundes ist befugt, einem Mitglieds st aat eine Gebietsabtretung oder auch nur einen Gebietsaustausch aufzuerlegen oder anzuraten. Dies wäre eine Verletzung des Artikels 10 des Völ- ke^'undsvertrages. Die Pariser Vorschläge versuchen Aber unter dem Deckmantel eines Gebietsaustausches Abessinien eine Gebietsabtretung aufzuerlegen oder gebieterisch anzuraten. Dies stellt eine Verletzung des Artikels 10 dar. 2. Kein Organ des Völkerbundes ist befugt, einem Mitgliedsstaat die Einräumung von wirtschaftlichen Vorrechten für einen Teil seines Gebietes gegenüber einem dritten Staat aufzuerlegen. Die Pariser Anregungen sind darauf gerichtet, Abessinien gebieterisch anzuraten, Italien wirtschaftliche Vorrechte, verbunden mit Polizeibefugnissen, einzuräumen. Dies bedeutet eine B e - einträchtigung der politischen Unabhängigkeit Abessiniens und ebenfalls eine Verletzung des Artikels 10. 3. Kein Organ des Völkerbundes hat die Befugnis, einem Mitgliedsstaat eine ausländische Kontrolle seiner Verwaltung noch die Ernennung von Beratern aufzuerlegen. Rur d e r Mitgliedsstaat selbst hat das Recht, den Völkerbund um eine solche Kontrolle zu ersuchen. Der Bund hat dann die Pflicht, ihm diese zu gewähren. Sie kann aber nur d i e Form einer uneigennützigen Mitarbeit haben, d. h. sie muß kollektiv und international sein, sowie dem Staat, dem sie gewährt wird, v o l l - ständige Freiheit in der Wahl der ausländischen Berater lassen. Wenn alle diele Voraussetzungen nicht erfüllt sind, liegt ebenfalls eine Verletzung des Artikels 10 vor. Die Pariser Vorschläge wollen vorwiegend Italien die Kontrolle über Abessinien zuerteilen mit dem ausgesprochenen Zweck, Italien die Verwaltung der Haupt st a d t und eines großen Gebietsteiles zu übertragen. Sollte sich der Völkerbund zu diesem Spiel hergeben, so würde er den Artikel 10 verletzen. 4. Die vollständige Abtretung eines Landstreifens und des Hafens Assab wäre eine reine Schein- leistung. Dieses Gebiet und der Hafen sind so geartet, daß es nur von Italien abhängen würde, Abessinien durch einen Handstreich sein Eigentum und die freie Benutzung zu entziehen. Außerdem versprechen Frankreich und England Italien eine Kontrolle über dieses Gebiet. Kein Organ des Völkerbundes ist befugt, einem dritten Staat ein Kontrollrecht über das Gebiet eines Mitgliedsstaates zu gewähren oder auch seinen Einfluß in dieser Hinsicht auszuüben. Dies wäre eine Verletzung des Artikels 10. Italiens Frauen opfern die Trauringe am Altar des Vaterlandes. Königin Elenas Gruß an die italienische Armee in Ostafrika. Rom, 18. Dez. (DNB.) Am „Altar des Vaterlandes", dem jeden Romreisenden bekannten, „dem Vater des Vaterlandes" König Victor Emanuel II. geweihten Nationaldenkmal, hat das feierliche Opfer der Trauringe für den Goldschutz der italienischen Staatsbank begonnen. Nachdem ein Priester Tausende von Stahlringen, die gegen die goldenen Trauringe eingetauscht werden, eingesegnet hatte, stieg als e r st e italienische Frau langsamen Schrittes die Königin von Italien, begleitet von einem Zug römischer Kriegerwitwen und hoher Parteipersönlichkeiten, unter dem Gesang vaterländischer Lieder die Stufen des Nationaldenkmals hinan, um am Grabe des Unbekannten Soldaten die Trauringe des italienischen Herrscherpaares zu opfern und die Stahlringe mit den beiden Daten des 18. November XIV (faschistische Zeitrechnung) und 18. Dezember einzutauschen. Die Königin verlas anschließend eine Botschaft, in der sie das Opfer der Trauringe, „dieses Symbol ersten Glückes und letzten Verzichtes" im ganzen Lande a l s eine Huldigung an den U n - bekannten Soldaten und die übrigen italienischen Gefallenen des Weltkrieges verherrlichte und vor dem ganzen Volk von Gott den Sieg und den „Triumph der Kultur Roms in dem erlösten Afrika" erflehte. Zugleich entbot sie allen italienischen Soldaten, den Schwarzhemden, den Arbeitern, den getreuen Askaris in Ostafrika ihren Weihnachtsgruß. Als die Königin das Denkmal verlassen hatte und der etwa 40 Meter breite Treppenaufbau frei- gegeben wurde, strömten in fünf Kolonnen die Massen die Treppen hinan. Zur gleichen Zeit begann in allen Städten und Dörfern Italiens die Ablieferung der Trauringe, zu der überall die Geistlichkeit, die Partei und die Behörden aufgeboten worden sind. Der „Altar des Völkerbundes" war abends von Hunderten von Fackeln erleuchtet, Nach den ersten Nachrichten kamen am Mittwoch in Rom und der Provinz Rom 250 0 0 0 Trauringe zusammen, darunter 100 000 in Nom selbst, wobei jedoch zu berücksichigen ist, daß vielfach bereits in den letzten Wochen gerade vom einfacheren Volk die Trauringe schon abgegeben worden waren. 3tolien wird bis zum Ende durchkämpfen. Mussolini weiht die Stadt Pontinia. Rom, 18. Dezember. (DRV.) Fast zur selben Stunde, in der als Protest gegen den Sanktionskrieg die Frauen Italiens ihren Opfer- und Bittgang für den Sieg der italienischen Sache angetreten haben, hat 2H u f f o l i n i in den früheren pon- tinifchen Sümpfen eine neue Gemeinde ponHnia, die dritte Siedlung in dem trockengelegten Gelände, eingewelht. Rach Besichtigung der neuen Siedlungshäuser hielt Mussolini eine Ansprache, in der er erklärte, was der Faschismus in den letzten Jahren mit der Trockenlegung der pon- tinifchen Sümpfe und der Gründung von drei neuen Gemeinden geschaffen hat, ist d e r beste Maßstab für die Tatkraft des neuen Italiens und die Leistungsfähigkeit der Revolution der Schwarzhemden. 300 000 Hektar neues Getreideland sind bereits für die italienische Landwirtschaft aus diesem Sumpfgelände zurückgewon- nen worden. Das italienische Volk kann einer sehr langen Belagerung Widerstand leisten, weil es weiß, daß es das Recht auf feiner Seite hat. Der Krieg, der in Afrika begonnen hat, ist ein Krieg der Zivilisation, ist der Krieg des Volkes, das erkannt hat, daß dieser Krieg sein Krieg ist, der Krieg der Armen und Proletarier. Gegen uns st e h t d i e Front des Konservativismus, der Selbstsucht und der Heuchelei. Gegen diese Front liegen wir im Kamps, der hart ist und den wir b i s z u Ende durchkämpfen werden. Lin Volk von 44 Millionen Seelen läßt sich nicht betören. Mit seiner tiefgehenden, einmütigen Zustimmung geht das Regime seinen geraden Weg weiter. Ls kann unb will nicht anders handeln. Für diese Kraftprobe muß sich jeder einsehen. Sie wird den Maßstab für das italienische Volk geben. Werden wir siegreich aus dieser Kraftprobe hervorgehen? Ls braucht Zeit. Wo aber der Kampf im Gange ist, ist es nicht die Zeit, die zählt, sondern der Sieg. Die Kämpfe am Mazze dauern an. Sich widersprechende Heeresberichte. Asmara, 18. Dez. (Funkspruch des DNB.) Am Takazze-Fluß ist es zu schweren Kämpfen gekommen. Die Abessinier haben in einer Stärke von 3000 Mann die italienischen Vorposten am Takazze angegriffen. Gleichzeitig bemächtigten sich starke abessinische Abteilungen einer Ortschaft. Die Italiener leisteten hartnäckigen Widerstand unter Einsatz von Tanks und Flugzeugen. Der Kampf war um Mitternacht noch in vollem Gange. Die Verluste werden als schwer bezeichnet; man spricht von mehreren hundert Toten und Verwundeten. Der italienische Heeresbericht erklärt u. a.: Die am 15. Dezember zwischen Mai Timachet und Dem- beguina begonnenen Kämpfe sind am 17. Dezember abgeschlossen worden. Unsere Streitkräfte haben die abessinischen Kolonnen, die beim Paß Dernbeguina ein Umzingelunasrnanö- d e r unternommen haben, angegriffen und nach heftigen Kämpfen mit der blanken Waffe a u f g e r i e- b e n. Die feindlichen Verluste belaufen sich auf über 500 Tote. Auf unserer Seite sind gefallen 7 Offiziere und 20 Soldaten des Heimatheeres, von Alexandrien ein englisches Heerlager. Venter berichtet ausführlich über die militärischen Vorbereitungen Englands an der ägyptischen Küste. London, 19. Dez. (DNB.-Funkspruch.) Eine Reuter-Meldung aus Alexandrien gibt eine lebendige und lehrreiche Darstellung der in Aegypten im Gange befindlichen militärischen Vorbereitungen. Es heißt darin u. a., daß viele Dampfer aus England militärische Ladungen aller Art bringen, wie Flugzeuge, Geschütze, Tanks, Lastkraftwagen und Tausende von Rollen Stacheldraht. Bei Sidi Bichr in der Umgebung von Alexandrien befindet sich eine regelrechte militärische Zeltstadt, die von einer 10 Kilometer langen Stacheldraht-Sperre umschlossen ist und asphaltierte Straßen, Lichtspielhäuser und Cafös besitzt. 5 0 0 0 neue Zelte sind von England unterwegs, und weitere Truppen werden binnen kurzem erwartet. Den Einwohnern ist es bereits eine tägliche Gewohnheit geworden, die Reihen britischer Kriegsschiffe bei Schiffsübungen zu beobachten, der Donner von Luftabwehrgeschützen ist an der Küste ein gewöhnliches Ereignis. An strategischen Punkten der Stadt schießen hölzerne Kasernen und Bürogebäude wie Pilze in die Höhe. Der Gegensatz zu Kairo, wo alles normal geblieben ist, ist stark. Im Hafen liegen nahezu 80 britische Kriegsschiffe. Zum erstenmal in seiner Geschichte ist der Hafen so voll, daß zwei Kreuzer außerhalb des Hafens vor Anker gehen mußten. Das westlich der Stadt gelegene Küstengebiet, das bis vor wenigen Monaten ein beliebtes Ausflugsziel war, ist jetzt für Neugierige gesperrt. In Alexandrien wird angenommen, daß im Kriegsfall ein Angriff auf die britische Flotte von der Zwölf-Jnsel-Gruppe (dem im italienischen Besitz befindlichen Dodekanes an der kleinasiatischen Küste) und von Rhodos erfolgen werde und daß dabei U-Boote die Hauptrolle spielen würden, um die britischen Kriegsschiffe von der Küste zu entfernen und einer aus Libyen vorrückenden Armee bessere Aussichten für einen Durchbruch zu geben. Man glaubt, daß ein Angriff von Libyen aus fehlschlagen würde, solange die britische Flotte die ägyptische Küstenlinie beherrscht. Große Mengen von Flugzeugen treffen ständigem, obwohl die Zahl der in Aegypten befindlichen Militärmaschinen streng geheimgehalten wird, ist bekannt, daß die britische Luftstärke im nahen Osten weit größer ist, als die jetzige italienische L u f t st ä r k e in Libyen. den Erythräa-Truppen 48 Korporale und 127 Askaris. Eine Erklärung Nach einem Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB. aus Asmara ist es am Mittwochabend südlich von Makalle zu einem schweren Vorpostengefecht gekommen. Einer abessinischen Abteilung war es gelungen, sich dem italienischen Vorposten zu nähern. Die Vorposten schafften sich durch rasendes Maschinengewehrfeuer Luft und schlugen die Angreifer zurück. Der Christbaum in Südtirol. Bozen, 17. Dez. (DNB.) Wie bereits gemeldet, wurde die Verordnung des faschistischen Parteisekretärs über die Abschaffung der Weihnachtsbäume in Italien für d i e Provinz Bozen aufgehoben. Das Verbot des Verkaufes von Christbaumschmuck, das vom Faschistischen Kaufleuteverband erlassen wurde, besteht jedoch immer noch. Da im übrigen das Christbaumverbot nur für die Provinz Bozen, nicht für ganz Südtirol aufgehoben wurde, werden die deutschen Bewohner des Bozener Unterlandes, daszur Provinz Trient gehört, ihr Weihnachten nun doch ohne Tannenbaum feiern müssen, falls das Verbot nicht in letzter Stunde auch noch für sie aufgehoben wird. Oer Präsident von Venezuelq der Deutschen Christen. Berlin, 18. Dez. (DNB.) Das Theologische Amt der Reichsbewegung „Deutsche Christen" unter Führung von Studienrat Dr. Reh m, dem Nachfolger Dr. Kinders, hat dem Reichskirchenausschuß eine theologische Erklärung überreicht, in der es u. a. heißt: Wir haben auf das wärmste und herzlichste den fundamentalen und wegweisenden Aufruf des Reichs- und Preußischen Landeskirchenausschusses vom 17. Oktober 1935 begrüßt. Er stellt als die unantastbare Grundlage der deutschen evangelischen Kirche das Evangelium von Jesus Chri- st u s heraus, wie es uns in der Heiligen Schrift bezeugt und in den Bekenntnissen der Reformation neu ans Licht getreten ist. Aus dieser Glaubensgebundenheit mahnt er die evangelischen Gemeinden, in Fürbitte, Treue und Gehorsam zu Volk, Reich und Führer zu stehen, bejaht die nationalsozialistische Dolkwerdung auf der Grundlage von Rasse, Blut und Boden und bejaht den Willen zu Freiheit, nationaler Würde und sozialistischer Opserbereitschast bis zur Lebenshin- >gabe für die Volksgemeinschaft, indem er darin dis uns von Gott gegebene Wirklichkeit unseres deutschen Volkes erkämpft. Wir selber sehen da in der gestorben. Caracas, 18. Dez. (DNB.) Der Präsident von Venezuela, General Vincente Gomez, ist am Mittwoch im Alter von 78 Jahren in Caracas gestorben. Der Ministerrat hat als Nachfolger den Kriegs- und Marineminister E l e a z a r L o - pez-Conpreras zum vorläufigen Präsidenten gewählt. Er bleibt im Amt bis der Kongreß Zusammentritt,, um die endgültige W a h l des neuen Staatspräsidenten ^vorzunehmen. Juan Vincente Gomez war der Sohn eines Landwirtes. Er trat in den Staatsdienst ein, lernte dabei den damaligen Gouverneur des Staates Ta- chira, Cipriano Castro, kennen, der sich durch die siegreiche Revolution von 1899 zum Diktator von Venezuela machte und sich 1903 zum Präsidenten wählen ließ. Gomez wurde durch ihn Gouverneur des Bundesdistrikts Caracas, später Vizepräsident und Oberbefehlshaber der Armee. Er erwies sich in allen Stellungen als unbestechlich und pflichttreu. Seine Volkstümlichkeit wuchs im gleichen Maße, wie die Castros durch dessen diktatorische Regierungsweise und die um sich greifende Mißwirtschaft abnahm. Castros Reise nach Europa 1908 beendete vorschnell seine Gewaltherrschaft. Während seiner Abwesenheit setzte ihn der venezolanische Kongreß ab und wählte Gomez einstimmig zum Präsidenten von Venezuela. Während der Kriegsjahre hat Venezuela trotz wiederholter Schwierigkeiten von feiten der Entente an seiner Neutralität sestgehal- t e n. Gomez' größtes Verdienst ist die Neuorganisation des Finanz- und Steuerwesens. Er vermochte die Schuldenlast Venezuelas, von 1909—1923, auf die Hälfte herabzumindern, 1931 war Venezuela der einzige südamerikanische Staat, der sich vollkommener Schuldenfreiheit rühmen konnte. Diese Erfolge verdankte er in erster Linie der systematischen Ausbeute des Petroleumreichtums seines Landes, die an amerikanische und englische Weltsirmen vergeben ist. Durch die Beschränkung der Selbständigkeit der Einzelstaaten infolge der Verfassungsgesetze von 1922 und 1925 ist Gomez tatsächlich der Schöpfer der „Vereinigten Staaten" von Venezue- l a geworden. Am 18. Dezember 1933 feierte Venezuela als Volksfest das Iubliäum der 25jähri- gen Regierungszeit Gomez'. Der deutsche Reichspräsident übersandte ihm als Dank des deutschen Volkes für seine immer gleichbleibende Gesinnung in Frieden und Krieg, einen Ehrendegen. Deutscher Protest in Brüssel. Brüssel, 18. Dez. (DNB.) Nachdem von der belgischen Regierung ungeachtet aller von der deutschen Regierung gegen das Ausbürgerungsgesetz vom 30. Juli 1934 und gegen den Ausbürgerungsprozeß erhobenenDorstellungen mit kürzester Frist die Ausweisung der vier durch Urteil des Appellationsgerichtes in Lüttich vom 24. Oktober 1935 endgültig ausgebürger-, t e n Heimattreuen Bewohner von Eupen-Malmedy verfügt worden ist, hat die deutsche Regierung durch ihren Geschäftsträger in Brüssel nochmals schärfsten Protest gegen das Vorgehen der belgischen Regierung einlegen lassen. Die Kanzlei des Führers bis zum 6. Januar geschloffen. Berlin, 19. Dez. (DNB. Funkspruch.) Der Chef der Kanzlei des Führers, Reichsleiter B a u h - ler, gibt bekannt: „Die Kanzlei des Führers der NSDAP, bleibt für den Parteiverkehr in der Zeit von Freitag, den 20. Dezember 1935, bis Montag, den 6. Januar 1936, geschloffen. Ich bitte, während dieser Zeit den Schriftverkehr auf das allernotwendig st e zu beschränken. Tat nichts anderes als eben unser eigenes, eigentliches Anliegen. Wir erklären hiermit noch einmal, daß wir schlechterdings in der Glaubensgebundenheit an das reformatorisch-lutherisch verstandene Evangelium von Jesus Christus stehen und aus ihr heraus denken und uns aufrichten, und daß auch uns die natürliche, schöpfungsmäßige Wirklichkeit und Offenbarung der zentralen evangelischen Heils-Offenbarung in Jesus Christus so unter- und eingeordnet bleibt, wie recht und gültig bislang in der Lehre der Kirche Luthers! Das Theologische Amt der Reichsbewegung Deutsche Christen. I. A. gez.: Dr. theol. Petermann. I. A. gez.: Dr. theol. Grünagel, Aachen. Berlin, den 4. Dezember 1935. Die Kirchenamtliche Pressestelle der Deutschen Evangelischen Kirche schreibt dazu: „Es ist aufrichtig zu hoffen, daß die Erklärung der Deutschen Christen alle positiven Kräfte der Bewegung auf dem klaren Glaubensgrund der Kirche fester zusammenbinden und dadurch dem Befriedungswert der Deutschen Evangelischen Kirche dienen wird. Eine solche Befriedung ist kein Kompromiß, sondern das Ergebnis ehrlichen Ringens, in dem die gemeinsame Sache immer klarer herauswächst und durch das alle gegenseitige Diffamierung zur inneren Unmöglichkeit wird." Die altkathoüsche Kirche. Die feierliche Vereidigung des deutschen Bischofs der Altkatholiken durch den Reichsminister Kerrl lenkt die Aufmerksamkeit auf die kirchliche Bewegung des Altkatholizismus, die einst im religiösen Leben Deutschlands eine bedeutende Rolle spielte. Die dogmatische Entstehung des Altkatholi. zismus wollen wir hier übergeben; sie ist älter als die kirchenpolitische Rolle, zu der die Bewegung berufen wurde, als sie sich mit dem Widerstand identifizierte, den in weiten katholischen Kreisen, namentlich in den nordischen Ländern, um die Wende der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Lehre von der päpstlichen Unfehlbarkeit fand. Als auf dem vatikanischen Konzil diese Lehre zum Glaubenssatz erhoben wurde, kam es in Deutschland, aber auch in Oesterreich, der Schweiz, in Holland und sogar in Polen zu offenem Bruch mit Rom und zur Kirchenspaltung. In Deutschland erhielt die altkatholische Bewegung im Zusammenhang mit dem gleichzeitig ausgebrochenen sogenannten Kulturkampf auch eine starke politische Bedeutung. Eine Zeitlang schien es, als ob die deutschen Bischöfe sich in ihrer Mehrheit auf die Seite des Altkatholizis- mus stellen würden, womit die Möglichkeit der Bildung einer deutschen katholischen Nationalkirche nahe gerückt war. Es gab sogar einen deutschen Kardinal, den Bruder des nachmaligen Reichskanz- lers Fürsten Hohenlohe, der offen mit dem Führer des deutschen Altkatholizismus Professor Ignaz Döllinger sympathisierte und daraus auch in Rom kein Geheimnis machte. Schließlich fügten sich jedoch die deutschen Bischöfe der vatikanischen Entscheidung, und die altkatholischen Führer und Lehrer wurden aus der Kirche ausgestoßen. Immerhin bekannten sich einige Hunderttausende katholischer Laien aus allen Volksschichten zu ihnen, und die Bewegung konnte in kleinem Maßstabe eine Kirche mit je einem deutschen, österreichischen und Schweizer Bistum, mit einer theologischen Fakultät in Bonn und mit geordneten Vertragsbeziehungen zum Staate aufbauen. Sie trat auch in internationale kirchliche Beziehungen zu den Kirchen des Ostens und steht mit der anglikanischen Kirche in Abendmahlsgemeinschaft. Die Unterschiede im Verhältnis zum römischen Katholizismus sind vorwiegend lithurgischer Art» im kirchlichen Leben wird statt der lateinischen nur die Muttersprache angewandt, an die Stelle der Ohrenbeichte treten gemeinschaftliche Bußandachten, die Feuerbestattung ist nicht verboten und den Geistlichen die Ehe gestattet. Mit zunehmender Entf^- nung von den starken Gemütsbewegungen, welche das Unfehlbarkeitsdogma in der katholischen Welt erregt hatte, und nach dem Frieden, den das kaiserliche Deutschland mit Rom schloß, ist dann die altkatholische Bewegung in Deutschland zuruckgegan- gen, während sie in den andern nördlichen Landern größere Bedeutung behalten hat. Zum erstenmal seit sechzig Jahren ist nun wieder em altkatholischer deutscher Bischof von einem Minister des Reichs in fein Amt eingeführt worden. Die deutsche Gozialordnung. Dr. Leh über die soziale Selbstverwaltung. Berlin, 18. Dez. (DRB.) Auf der Arbeitstagung des Sozialamtes der Deutschen Arbeitsfront ging Reichsleiter Dr. Ley auf die Frage der Führung von wirtschaftlichen Unternehmungen ein. Er erklärte, daß es eine Doktrin in wirtschaftlichem Sinne überhaupt nicht gäbe, sondern auch hier die Frage von Wichtigkeit sei: Leistest du etwas und bi st du anständig? Was sozialpolitisch falsch sei, sei auch wirtschaftlich falsch, wie umgekehrt alles, was wirtschaftlich falsch sei, sich in der gleichen Weise sozialpolitisch als falsch Herausstellen müsse. Wer sich den natürlichen Gesehen nicht beuge, gehe zugrunde. Kapitalismus ist ein technisches Hilfsmittel, das ich zum Betrieb brauche. Es wird erst zum Kapitalismus übler Prägung, wenn das Geld nach politischer Macht strebt. — Dann sagen wir „H a l t". Wir haben auf dem Gebiet einer sauberen Verwaltung in den zwei Jahren Gewaltiges geleistet. Wir sind gesund, wir haben bares Geld, wir werden der Wirtschaft ein vorbildliches Versorgungssystem geben. Die Menschen müssen ihr Schicksal in der neugewonnenen Selbstverwaltung selber meistern. In vernünftiger Zusammenarbeit sollen sie gemeinsam arbeiten. Ich glaube, daß das eine vernünftige Volksgemeinschaft ist. Selbstverwaltung als die Lebenshaltung des Ganzen, die Lebensbejahung, „Kraft durch Freude", das ist dann die neue soziale Ordnung Deutschlands. Ein Weihnachtsgeschenk des Films an die Soldaten. Berlin, 18. Dez. (DRB.) Der Präsident der Reichsfilmkammer Dr. L e h n i ch hat angeordnet, daß die Filmtheater ab sofort berechtigt sein sollen, Soldaten in Mannschaftsdienstgraden in Uniform auf allen Plätzen eine Eintrittsermäßigung bis zu 50 v. H. zu gewähren. Der Mindesteintrittspreis darf 0,30 RM. nicht unterschreiten. Auf einer Pressebesprechung ließ der Vorsitzende des Reichsverbandes deutscher Filmtheater Frltz 0uhrmann erklären, daß durch diese Anordnung der ilm gewissermaßen zum eisernen,Be st and des Wochenprogramms eines jeden Soldaten gemacht werden solle. Die Anordnung verlange an manchen Orten von den Filmtheaterbesitzern große Opfer. In Anbetracht der Wehrfreiheit des deutschen Volkes werde jedoch jeder deutscher Filmtheaterbesitzer diese Neuregelung begrüßen und ihrer Durchführung größtes Verständnis entgegenbringen. Im Auftrage des Reichskriegsministers dankte Major Joost der Reichsfilmkammer für dieses großzügige Weihnachtsgeschenk. Er betonte, daß in dieser Maßnahme gewissermaßen eine Wiederbelebung alter Traditionen aus der Vorkriegszeit mit dem schönen Wort „M i l i t ä r vom Feldwebel abwärts die Hälfte" zu erblicken sei. Er drückte seine Freude darüber aus, daß jene Art von Kriegsfilmen, die den Pazifismus verherrlichten, und sogenannte Militärschwänke aus dem deutschen Film verschwunden seien. Wehrmacht und Film wurzelten beide im gemeinsamen Boden der Nation. Die Soldaten würden nunmehr verstärkten Anteil am künstlerischen Schaffen des Films nehmen, und der Film werde somit dazu beitragen, den Soldaten nach der harten Tagesarbeit die Möglichkeit zur Entspannung zu geben. In diesem Sinne begrüßte er die Maßnahme der Reichsfilmkammer besonders dankbar und sprach die Hoffnuna aus, daß sie sich für Wehrmacht und Film fruchtbar auswirken möge. „Das blaue Licht." Am 22. Dezember, 18 Uhr, sendet der Deutschlandsender eine Hörfolge auslandsdeutscher Weihnachtsgesänge, die von Claus Clauberg musikalisch bearbeitet wurden. Der Kammerchor des Deutschlandsenders, das Landesorchester Gau Berlin unter Leitung von Hans Görner find Oer Bombenangriff auf Defsie. Der große Bombenangriff der italienischen Flieger galt hauptsächlich dem Kaiserlichen Hauptquartier in Dessie. — (Scherl-Bilderdienst-M.) MU As-EM L M A tz B Addis Abeba, 18. Dez. (DNB.) Der Bericht über die Untersuchung der Vorgänge bei der Bombardierung von Dessie ist vom Internationalen Roten Kreuz nunmehr nach Genf gesandt worden. In dem Bericht wird erklärt, daß das amerikanische Hospital in Dessie unmittelbar an das Gebäude des italienischen Konsulats angrenze, wo der Kaiser sein Quartier aufge- schlagen hatte. Alle acht Meter seien auf dem Dach des Hospitals sichtbare Rote-Kreuz- Fahnen angebracht worden. Ebenso seien sämtliche Verbandplätze und Transportwagen mit Rote- Kreuz-Fahnen in 1 Quadratmeter Größe gekennzeichnet gewesen. Das Hospital selbst sei von fünf Brandbomben getroffen worden, von denen zwei in den Operationssälen gezündet hätten. Auch ein Lazarettzelt sei durch eine Brandbombe zerstört worden, ebenso auch der I n st r u m e n t e n s a a l. Im ganzen seien etwa 1000 Bomben abgeworfen worden. Die endgültige Zahl der Toten betrage 50, verwundet seien 120 Personen. Die Ambulanzen 3 und 5 seien aus Dessie herausgezogen und an bie~ Nordfront verlegt worden. Auf den Straßen nördlich von Dessie zur Nordfront würden weitere Verbandplätze und Ambulanzen eingerichtet. die Ausführenden. Den verbindenden Text schrieb Fritz Heinz Reimesch. Warum „Das blaue Licht"? Seit einigen Jahren wird vom Volksbund für das Deutschtum im Ausland die blaue Kerze als das Symbol volksdeutscher Treue entzündet. Hunderttausende reichsdeutsche Familien lassen dies blaue Licht an ihrem Weihnachtsbaum leuchten und fühlen sich dadurch innerlich mit den Volksbrü- dcrn im fremden Land herzlich verbunden. Auslanddeutsche Weihnachtslieder aus Siebenbürgen und der Zips, aus Luxemburg wie von der Wolga, aus den Tälern Südtirols und den Dörfern des Sudetenlandes werden erklingen, Weisen, die seit Jahrhunderten zu dem Schönsten gehören, was das deutsche Volkslied kennt. In dem verbindenden Text wird über die Weihnachtsbräuche unserer auslandsdeutschen Volksgenossen geplaudert und es wird von den altgermanischen und christlichen Sitten und Bräuchen erzählt, die sich bei den fern vom Mutterlande lebenden Volksgenossen oft besser erhalten haben als im Deutschen Reich. So wird auch durch den Rundfunk das blaue Licht volksdeutscher Verbundenheit leuchten. Aus aller Wett. Italiens neueste Autostraße. In Anwesenheit des Königs von Italien wurde kürzlich die Camionale, eine Autobahn von Genua nach Norden, Richtung Mailand und Turin, in einer Länge von rund 50 Kilometer eröffnet. Die Straße, die den Apennin überquert, besitzt 700 Kunstbauten, darunter 30 Brücken und elf Tunnels. Die Erdbewegungen betrugen drei Millionen Kubikmeter. Ein Parkplatz bei Genua umfaßt rund 50 000 Quadratmeter. Interessant ind die Vorgänge, die seinerzeit zum Bau der Straße geführt haben. Jahrzehntelang ging der Streit um die „Dirittissima“. Darunter verstand man eine geplante, kürzeste Eisenbahnverbindung zwischen Genua und Mailand. Im Februar 1932 hat Mussolini diesen Streit dadurch beendet, daß er durch einen Brief an den Präfekten von Genua sich für die zeitgemäßere „Dirittissima Autocamionale" aussprach, und zwar mit der Begründung, daß diese Straße gegenüber der geplanten Eisenbahnverbindung weniger koste, daß der Kraftwagendienst rascher arbeite und die Waren direkt vorn Hafen in die Magazine und Fabriken bringe. Drei Tote bei einem Autounglück. In der Nähe von Passau ereignete sich ein schweres Unglück, dem drei Menschenleben zum Opfer fielen. Ein auf der Fahrt von Obernzell nach Passau befindlicher Personenwagen geriet kurz vor der Gemeinde Grubweg ins Schleudern und stürzte über die 6 Meter hohe Straßenböschung in die Donau. Von den Insassen konnte sich nur ein Mann in schwerverletztem Zustande retten, während die Tochter Else des Tierarztes Jungwirth aus Birnbach im Rottal und die beiden Schwestern Vogel ertranken. Oer Große Giaatspreis für Maler. ; ■ Z . HM Ä M JM' > % ü&y/iMwwyv '■•vZ •• » • v/.-x Der Wettbewerb um den Großen Staats- preis derAkademie der Künste für Maler 1935 ist jetzt entschieden worden. Der Berliner Maler Carl Schneiders, den unser Bild vor einem Selbstporträt zeigt, erhielt den Großen Staatspreis. (Weltbild-M.) InEUERBURGi W o .$• E ex z <■> rn £ o ÖQ L. u 'V- M& l KM KM .SS K W NW - » Sä S ä || MW M fc OHNE Mdst. Mit Qold RAVENKLAU 6 PF. Jllit Qold cfn tyropen -9actytngen zu 10 u. 2^Stüc\ OVERSTOLZ ausserdem in $0 Stücl^Dosen mit einem ständig wirksamen 3rischhalte-Verschluss. IJTi / ä - - M ausWeuerb urg-' Zigaretten sind frisch und bleiben frisch,auch dann,wenn sie längere Zeit auf bewahrt werden; deshalb sind sie als ^Weihnachtsgeschenkbesonders geeignet. GÜLDENRING 4 PF. OVERSTOLZ 5 PF. HL. kämpst gegen Hunger und Kälte. Nachdem am ersten Sammeltag des diesjährigen Winterhilfswerks Beamte und Handwerker und am „Tag der nationalen Solidarität" die führenden Persönlichkeiten von Partei und Staat — unter ihnen die HJ.-Führerschaft — mit großem Erfolg eingesetzt worden sind, wird nunmehr ein Einsatz in größtem Umfang vorbereitet: Die W i n t e r h i l f s- aktion der Hitler-Jugend. In den Tagen vom 18. bis 23. Dezember werden überall die Hit- lcrjungen, die Pimpfe des deutschen Jungvolks, die Mädel und Jungmädel des BDM. an jeden Volksgenossen, der zu geben in der Lage ist, herantreten und ihn um ein Opfer bitten für jene, die weniger haben. Und wir glauben, daß dieser Appell der deutschen Jugend an die Opferbereitschaft des deutschen Volkes offene Ohren und Herzen finden wird und daß die Sammeltage der HI. mit einem ganz großen Erfolg abschließen werden. Nicht ohne Absicht ist gerade die Vorweihnachtszelt für den Einsatz der Hitler-Jugend gewählt worden. Ist doch gerade für uns Deutschen das Schenken und Frcudebereiten hundertmal mehr wert als Empfangen und Beschenktwerden. Und vor allem die Jugend drängt es, in dieser Zeit vor dem schönsten Fest des Jahres, sich einzusetzen für das Werk an der Gemeinschaft. Sie wird keinen schöneren Lohn kennen als die gefüllte Sammelbüchse, und sie wird als schönstes Geschenk der Weihnacht das Bewußtsein mitnehmen, auch denen eine Festfreude bereitet zu haben, die heute noch Not leiden. Zwar werden die Hitler- jungens auch diesmal das Fest nicht in satter Behaglichkeit verleben, nein, sie wissen, daß sie nur ihre selbstverständliche Pflicht getan haben und daß noch vieles zu tun übrigbleibt. Aber auch das wissen sie: so wie das Weihnachtsfest mit seinem strahlenden Lichterbaum das Zeichen ist, daß die Zeit der dunklen Tage vorbei ist, so ist es auch Symbol, daß die dunkle Zeit der Not überwunden wird und die lichten Tage einer sozialistischen Zukunft anbrechen. Der Einsatz der Hitler-Jugend in der Reichshauptstadt für die Winterhilfsaktion wird eingeleitet durch einen Aufruf des Obergebietsführers Ax- mahn, in dem es heißt: „Ihr habt einst im Kampfe gezeigt, daß ihr Kerle seid. Im Kampf auf der Straße seid ihr Sieger geblieben! Heute ist der Kampf um die Straße vorbei. Die Nation ist einig. Die wenigen, die noch nörgeln, wird das Rad der Entwicklung überrennen, ihr übernehmt den Staat und vollendet ihn ... Am 22. Dezember wird der Einsatz der HI. für das Winterhilfswerk in der Reichshauptftadt den Höhepunkt erreichen. 2 5 0 0 0 Hitlerjungen und 18 000 BDM.-Mädel werden in den Straßen sammeln, sämtliche verfügbaren Musik-, Spielmanns- und Fanfarenzüge, sämtliche Spielscharen und Sprechchöre werden eingesetzt, Jungvolk zeltet auf großen Plätzen und wird Spiele veranstalten. Abends wird die HI. an den Weihnachtsfeiern für die Hilfsbedürftigen teilnehmen und die Ausgestaltung übernehmen. Der BDM. hat die bedürftigen Familien zur Betreuung von den Ortsgruppen der NSV. zugewiesen bekommen, und die Mädel haben in monatelanger Arbeit Wollsachen und Wäsche für die Hilfsbedürftigen und Spielzeug für die Kinder angefertigt und gebastelt. Ein wackerer Lebensretter. Einige Kinder im Alter von 7—8 Jahren wagten sich in Neustadt bei Lohr auf die nur leicht gefrorene Eisdecke des Mains, wo alsbald ein Kind e i n - brach und versank. Hauptlehrer Bits von Erlach hatte vom Fenster aus den Vorgang beobachtet, eilte an Ort und Stelle und sprang ins Wasser und rettete den achtjährigen bereits bewußtlosen Jungen. kleines Kind im Bett verbrannt. Einem schrecklichen Unglück fiel in dem Moselort Sehl bei Kochem ein 1 ^jähriger Knabe zum Opfer. Das Bettchen des kleinen Jungen stand in der Nähe eines Ofens, über dem die Mutter Wäschestücke zum Trocknen aufgehängt hatte. Diese Wäschestücke fingen plötzlich Feuer, fielen auf des Bettchen und setzten auch dieses in Flammen. Erft durch den stark entwickelten Rauch wurde man auf das Feuer aufmerksam. Ehe noch Hilfe zur Stelle war, war das Kind in seinem Bettchen im Schlafe von den Flammen erfaßt worden und verbrannt. Vater und Sohn vom Auto angefahren und getötet. Ein Verkehrsunglück, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen, ereignete sich in Maxdorf bei Ludwigshafen am Rhein. Zwei Einwohner^ der etwa 40jährige Jakob I a e ck und fein 16jähriger Sohn, die sich auf dem Heimweg befanden, wurden von einem Personenkraftwagen angefahren und auf der Stelle getötet. Die Fahrer des Personenkraftwagens versuchten die Flucht zu ergreifen, konnten aber noch im Dorf festgenommen werden, nachdem sie irrtümlicherweise in eine Toreinfahrt hineingeraten waren. Die Untersuchung ist eingeleitet. Büchertisch. — Das deutsche Herz in Briefen der Liebe. Verlag Strecker und Schröder in Stuttgart. Preis in Leinen geb. 4,50 Mk. — (519) — Eine Auslese der schönsten Liebesbriefe, vorwiegend aus dem 19. und 20. Jahrhundert, offenbart uns die Herzensbekenntnisse bedeutender Menschen. Wir lesen Briefe von Bismarck und Johanna von Puttkammer, von Hölderlin, Luise Nast und Diotima, Clausewitz und Marie von Brühl, Wilhelm von Humboldt und Karoline von Dacheröden, Mozart an Konstanze Weber, Gottfried Keller an Luise Rieter und Johanna Kapp, Moltke an Wilhelmine Marie Burt, Max Reger an Elsa von Bercken, Hans Thoma an Cella Berteneder, Ludwig Thoma an Marion und Maidi von Liebermann, Conrad von Hötzendorf an Gina von Reininghaus, und viele andere. Jede Zeit hat ihren eigenen Lebens-, Liebes- und Briefstil. Immer aber spiegelt das Wort des Briefschreibers fein Denken, Fühlen und feinen Charakter, der sich gerade hier am wenigsten verleugnet. Hier, wo alles Zufällige von Amt, Würde und Beruf abgestreift ist, wo der Mensch ganz aus sich heraustritt, die Tore des Gefühls weit öffnet und einen anderen in die Tiefe feines Herzens schauen läßt, da zeigt sich das wahre Wesen der Persönlichkeit am klarsten. So gibt das Buch ein fesselndes und farbiges Bild des liebenden Herzens. Besonders reizvoll wird der Band durch die oft mit anekdotischen Zügen geschmückten kurzen Lebensgeschichten, die sein Herausgeber, M. Ger- ster, jedem Briefwechsel vorangestellt hat. — LiAtenbergs Werke. In einem Bande mit Faksimile 434 Seiten. Geschenkleinenband 4,50 Mk., Halbleder 6,50 Mk. Walter Hädecke Verlag, Stuttgart. — (477) — Dieser gut ausgestattete Band der Werke Lichtenbergs enthält alles Wesentliche dieses bedeutenden Denkers und Kritikers, der schon zu Lebzeiten seines sprühenden Witzes wegen als Klassiker galt und dessen Aphorismen bereits Nietzsche zum unvergänglichen Gut der deutschen Literatur zählte. Da alle älteren Ausgaben von Lichtenbergs Werken nur noch selten antiquarisch zu haben sind, wird man gerne nach diesem ausgezeichneten Auswahlband greifen, dessen Reichhaltigkeit ein Auszug aus der Inhaltsangabe zeigt: Selbstbiographie — Aphorismen — Kunst und Wissenschaft — Briefe und Gedanken über das Theater — Politik — lieber die Frauen und die Liebe — Epigramme — Aufsätze, Beobachtungen und Satiren — Aus Lichtenbergs Briefen — Lichtenbergs Leben und Werk. Der große Kreis der Lichtenberg-Freunde wird die Ausgabe freudig begrüßen. — Ludwig Huna: Die Hackenberg. Roman. Verlag Grethlein & Co. in Leipzig. Preis geb.....Mark. — (521) — Ludwig Huna schildert hier die wildbewegte Zeit der Margarete Maul- tasch, der Gräfin von Tirol. In einem Bergschloß des Jnntales, umwogt von kriegerischen Geschehnissen, haust das Geschlecht der Hackenberg. Das Heidentum des alten Burgherrn, der Kampf mit dem zelotifchen Abt des nahen Klosters. Die zarte Liebe einer Jungfrau, männlicher Kampf und Untergang der Herrenburg und endlicher Ausklang in dem hohenpriefterlichen Erlebnis eines Eremiten von Ekkehardscher Prägung schildert Huna beschwingt und kraftvoll. — Nils Aribert: Das Ende der Philosophie. Durchbruch des Nietzsche-Uebermen- schen. 56 Seiten. Amalthea-Verlag, Zürich, Leipzig, Wien. — (554.) — Wetterbericht des Aeichswelferdiensles. Ausgabeort Jranffurf. Nachdem in einem Zwischenhoch vornehmlich in der Nacht zum Donnerstag Aufheiterung und damit verbreitete Strahlungsfröfte eingetreten waren, machte sich heute früh bereits der Einfluß der neuen, inzwischen nach Frankreich voraedrungenen Störung bemerkbar. Da sic bereits in Abschwächung begriffen ist, wird sich die Niederschlagstätigkeit bei uns in sehr mäßigen Grenzen halten. Auch anschließend bleibt für die Niederungen vielfach dunstiges und überwiegend bewölktes Wetter mit Temperaturen um 0 Grad erhalten. Aussichten für Freitag: Vielfach dunstig und überwiegend bewölkt, höchstens noch vereinzelt leichte Niederschläge (auch in den Niederungen meist Schnee), Temperaturen bei 0 Grad, meist östliche und südliche Winde. Aussichten für Samstag: Voraussichtlich Fortdauer der vielfach dunstigen und bewölkten Witterung mit Neigung zu leichten Niederschlägen, Temperaturen um 0 Grad. Lufttemperaturen am 18. Dezember: mittags 2,3 Grad Celsius, abends 1,4 (Brab; am 19. Dezember: morgens — 1,4 Grad. Maximum 2,5 Grad, Minimum — 2,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. Dezember: abends 0,3 Grad, am 19. Dezember: morgens 0,3 Grad Celsius. — Niederschläge 0,3 mm. Winlersport-Wetlernachrichlen. Vogelsberg. Hoherodskopf: bewölkt, — 8 Grad, 50 cm Gesamtschneehöhe, 5 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Herchenhainer Höhe: heiter, —5 Grad, 40 cm Gesamtschneehöhe, 2 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut. Rhön. Wasserkuppe: heiter, —6 Grad, 37 cm Gesamtschneehöhe, kein Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Taunus. Kleiner Feldberg: Nebel, —15 Grad, 20 cm Gesamtschneehöhe, 2 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut. Großer Feldberg: Nebel, — 6 Grad, 25 cm Gesamtschneehöhe, 2 em Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Schwarzwald. Feldberg: Schneefall, —5 Grad, 125 cm Gesamtschneehöhe, 15 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel sehr gut. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2).21. XI. 35: 11030. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf, Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig^ Der billige Brennstoff Statt besonderer Anzeige. Frau Susanne Ditzel, geb. Lehr Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Karl Ditzel, Apotheker. Die Beerdigung findet Samstag, den 21. Dezember, vormittags 11% Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. 05399 Meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elisabeth Zecher, geb. Stephan wurde heute nach kurzem Krankenlager von uns genommen. >211 A von Gustav Geisse Brühl’sche Druckerei. Schulstraße 7. Anruf 2251 Klein-Linden, Staufenberg, Freiburg i. Br., Lollar, Gießen, den 18. Dezember 1935. Gestern abend 9 Uhr verschied nach kurzer Krankheit im Alter von 74 Jahren unsere liebe Mutter, Schwester und Tante Geschmackvoll Vornehm Persönlich Gießen (Kaiserallee b), Frankfurt a. M.-Fechenheim, den 19. Dezember 1935. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 20. Dezember, nachmittags 2% Uhr, vom Elternhause in Staufenberg, Vorstadt Nr. 9, aus statt In tiefer Trauer.- Wilhelm Zecher Elli Zecher Elfriede Zecher. Diese 3 wesentlichen Eigenschaften der guten Familien-Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Aue- führungsarten schnell und zu mäßigen Preisen iewlchtskontrolle auf der Aloxanderwerk - Personenwaage I Aul der niedrigen Trittplatt« steht man sicher Die Waage Ist elu Schmuckstück des Badezimmers Das genaue Gewidsf läfj* sich euf der Skala leicht ablesea Alexanderwerk- Maschinen sind geschahen auf Grund 50-jihrige, Erfahrung. Diese deutschen Qualitäts-Erzeugnisse sind erhältlich bei J. B. Häuser Gießen Am Oswaldsgarten Fernruf 2145 und 2146 Aktenmappen von BM. 2.25 an Bttchermappen von BM. 3.75 an Schttler-Etnis mit Füllung BM. 0.50, BM. 0.75, BM. 1.00. 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Die amtliche Auszählung ergab 440 abgegebene gültige Stimmen. Davon lauteten auf Dr. Benesch 340, auf Dr. Nemec 24; 76 Stimmzettel waren leer. Die Mehrheit, die Dr. Benesch schon im ersten Wahlgang erhielt, war überraschend. Die 76 leeren Stimmzettel stammen von der Sudetendeutschen Partei, von den Ungarn und den tschechischen Faschisten. Die 24 Stimmen für den Gegenkandidaten Dr. Beneschs, Dr. Nemec, waren von der Tschechischen Nationalvereinigung abgegeben worden. Kurz nach 11.15 Uhr kündigten 21 Kanonenschüsse an, daß die Wahl des neuen Präsidenten der Republik vollzogen war. lieber Stadt und Burg kreisten zwei Flugzeuggeschwader, bestehend aus neun schweren Bombenflugzeugen. Gleichzeitig wurde über alle tschechoslowakischen Rundfunksender das Ergebnis der Wahl bekanntgegeben. Auf dem Gebäude des Wladislaw-Saales wurde die Staatsflagge gehißt. Die Burgwache leistete die militärische Ehrenbezeugung, und die Militärkapelle intonierte die Staatshymne. Der alte Wladislaw-Saal der Prager Burg, der Schauplatz vieler böhmischer Königswahlen im Mittelalter und der letzten Wahl des Staatspräsidenten Masaryk im Jahre 1924 bot mit den gotischen Wölbungen und festlich geschmückten Tribünen ein stimmungsvolles Bild. Er war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt. Unter den dunkel gekleideten Zuschauern leuchteten die farbigen Soutanen der katholischen Geistlichkeit, die Uniformen der Generale und Militärattaches hervor. Die Rektoren der Prager Hochschulen waren in ihrer Amtstracht mit der Rektorenkette erschienen. Während der Präsident des Abgeordnetenhauses Mal.ypetr als Vorsitzender der Nationalver? fammlung ehrende Worte an Masaryk richtete, hatte sich die Versammlung von ihren Plätzen erhoben. Als das Ergebnis verkündet wurde, standen die Anwesenden ebenfalls auf und brachten stürmische Beifalls - und Hochrufe auf Dr. Benesch aus. Die Ablegung des Gelöbnisses des neugewählten Staatspräsidenten erfolgte dann unter größter Aufmerksamkeit. Auf dem Burgplatz hatten Militär in Parade, die Prager Bürgerwache mit ihren charakteristischen Bärenmützen, Abordnungen der Sokoln, der tschechischen National-Sozialistischen Freiheitswache, der tschechischen Pfadfinder und anderer Vereine Aufstellung genommen. Dr. Benesch, bei seinem Erscheinen von stürmischem Jubel empfangen, schritt die Front der Ehrenkompanie ab und begab sich hierauf zu einem Besuch Masaryks nach Schloß Lana. Dr. Benesch hat den Vorsitzenden der Regierung Dr. H o d z a neuerdings zum Vorsitzenden der Regierung ernannt und ihn gleichzeitig mit der Leitung des Ministeriums des Aeußeren betraut. Die übrigen Mitglieder der bisherigen Regierung werden gleichzeitig neu in ihre bisherigen Aemter berufen. Bon Masaryk zu Benesch. Der bisherige Präsident der tschechoslowakischen Republik T. G. Masaryk hat in seiner Rücktrittserklärung u. a. bemerkt: „Ich möchte Ihnen gern sagen,- daß ich Dr. Benesch zu meinem Nachfolger empfehle, mit dem ich gearbeitet habe und den ich kenne." Masaryk und Benesch haben in der Tat an der Schaffung und dem Ausbau des tschechoslowakischen Staates entscheidend zusammengearbeitet. An Lebensjahren recht verschieden — eine volle Generationsspanne trennt den fünfzigjährigen Benesch von dem sechsundachtzigjährigen Masaryk — gleichen sie sich doch in ihrem Lebensgange und in ihren persönlichen Schicksalen. M a - saryk entstammte ärmlichen Verhältnissen, sein slowakischer Vater war herrschaftlicher Kutscher, seine Mutter war eine Deutsche. Benesch, der Abstammung nach reiner Tscheche, hat seine Heimat in einem kleinen tschechischen Landort; auch ihm ist es nur unter schwierigen Verhältnissen möglich gewesen, die akademische Laufbahn einzufchlagen. Nach fleißigem Studium in Paris und Berlin wurde Benesch Dozent in Prag, die Schriften und Lehren des Philosophen Masaryk hatten einen starken Eindruck auf ihn gemacht. Immerhin kann gesagt werden, daß dieser noch auf dem Boden der älteren bürgerlichen Auffassung stand, während Benesch sich starker von den marxistischen Strömungen tragen ließ, die in der russischen Revolution von 1905 ihren Ausdruck fanden und in denen die deutsch-feindliche Tendenz nicht an letzter Stelle stand. Benesch selbst schildert in feinem Lebensgong, daß er Frankreich liebte, daß ihm England durch seine Kraft imponierte, daß ihn aber das Deutschland der Vorkriegszeit zur inneren Ablehnung veranlaßte. „Ich söhnte mich mit Deutschland erst beim Studium der deutschen Philosophie und Literatur aus. Erst in der Heimat arbeitete ich mich bewußt und konsequent zur objektiven und unvoreingenommenen Beurteilung Deutschlands und seiner Kultur durch." Daß der junge Politiker ein Feind des Habsburger Staates war, versteht sich von selber. Er bekennt, daß die Erziehung diese Einstellung schon seit feiner Jugend systematisch ausgebildet hatte. Der Weltkrieg schloß die aktivistischen Kreise des tschechischen Volkes eng zusammen. Während die Truppen an der Front standen, bildete sich um Masaryk, Benesch, Kramarsch und andere eine Gruppe von Männern, die entschlossen war, die Gunst der Zeit zu nutzen. Benesch sagt, daß er nach dem Eintritt Englands in den Krieg über feinen Ausgang nicht zweifelhaft gewesen sei. Im Dezember 1915 — es find jetzt 2Ö Jahre her — ging M a - saryk ins Ausland, um dort die Propaganda gegen Oesterreich-Ungarn aufzunehmen. Er übergab die Weisungen für die Taktik der tschechischen Bewegung in der Heimat Eduard Benesch. Masaryk ging zuerst nach der Schweiz und nach Frankreich, später hat er insbesondere in A m.e - r i f a gearbeitet, um die dorthin gewanderten Tschechen in Nationalkomitees zu organisieren und die Einigung mit den Slowaken durchzuführen. Diese Gruppen im Ausland wurden die ersten Anfänge der eigenen nationalen Vertretung, sie wirkten nicht nur propagandistisch, sondern brachten auch die ersten Gelder für diesen Zweck auf. In Böhmen wurde eine Geheimorganisation geschaffen, die mit den ausländischen Komitees in Verkündung stand. Im September 1915 floh auch Benesch ins Ausland. Ein befreundeter Militärarzt half ihm bei Asch über die Grenze. An der Schweizer Grenze gab es eine mehrere Stunden dauernde aufregende Durchsuchung, dann war der neutrale Boden erreicht. Paris und London waren die Zentralstellen der Agitation. Masaryk war der Leiter, Benesch der Sekretär des National-Ausschusses. Mit allen Mitteln suchte man die öffentliche Meinung in den Staaten der Entente zu beeinflussen, Eingang bei Politikern und Militärs zu finden. Die Gründung tschechischer Legionen durch Ueberläufer an der russischen Front wirkte im Sinne der Unabhängigkeitsbewegung. Wenn sich die militärische Lage bei den Staaten der Entente verschlechterte, setzte diese ihre Hoffnung um so stärker auf den inneren Zerfall Oesterreichs. Polen und Südslawien arbeiteten in derselben Richtung. So gelang im Laufe der Zeit bei der Entente die Anerkennung der Tschechen als einer kriegführenden Macht. Im Sommer 1918 proklamierte der Nationalrat die Selbständigkeit eines tschechoslowakischen Staates von Paris aus. Einige Monate später hatten Masaryk und Benesch das Ziel erreicht, nach dem Zusammenbruch des alten Oesterreich kehrten sie als Führer ihrer N a t i o n in die Heimat zurück. Benesch hatte sich inzwischen derart mit den außenpolitischen Männern vertraut gemacht, daß er der gegebene Außenmini st er des neuen Staates wurde, dessen Stellung auch durch die in- nerpolitischen Schwankungen der Tschechoslowakei nicht berührt wurde. Gerade weil man ihn als Kenner des Genfer Kräftespiels, als Förderer der französisch-sowjetrussischen Annäherung außenpolitisch stark festgelegt. So energisch auch Benesch jederzeit für die Befreiung des tschechoslowakischen Volkes eingetreten ist, so „diplomatisch" hat er das Problem der deutschen Minderheitsfrage angepackt. Er hat oft so getan, als ob für ihn ein solches Problem überhaupt nicht existiere^ Hoffen wir, daß der Staatspräsident dieser brennenden Frage größeres Wohlwollen entgegen« bringen wird als der Außenminister. Deutsche Weihnacht in Aegypten. Erinnerungen eines ehemaligen Ausländsdeutschen. Von Dr. Alfred Kaufmann, Gießen. Das deutsche Weihnachtsfest im Ausland hat einen ganz besonderen Klang. Wenn je die Auslanddeutschen draußen über den Weltmeeren sich ganz eng mit der Fernen Heimat verbunden fühlen, so ist es gerade zur Weihnachtszeit; denn Weihnachten ist das deutscheste der Feste, von dem kein deutsches Herz lassen kann. Alles, was mit diesem weihevollen Fest verbunden ist, führt zurück zur Heimat, zu Elternhaus und Kindheit, wo wir zum ersten Male in heiliger Ergriffenheit ins Licht des Chriftbaums schauten, zum Heimatdorf und Heimatglockenklang, zu Lied und Brauchtum, mit dem das deutsche Gemüt in so überreicher Fülle dies einzigartige Fest mitten im falten Winter ausgestaltet hat. So ist es natürlich, daß wir gerade im Ausland, im Nebeneinander verschiedener Nationen, Sprachen, Rassen, Religionen, Weihnachten mit besonderer Liebe und besonders gehobener Stimmung Jahr für Jahr gefeiert haben. Christliches Fest — deutsches Fest: das schloß'sich aufs engste zusammen. Wohl paßten die deutschen Weihnachsklänge van Schnee und Eis wenig zu der palmengeschmückten Landschaft, zum warmen Sonnenhimmel, die uns umgaben. Aber was tat's? Die Herzen aller Deutschen waren auf Weihnachten eingestellt. Wir feierten die Weihnachtstage mit einer Innigkeit, wie sie selbst in der Heimat selten ist, in der Deutschen Schule, wo unsere Kinder den ganzen Dezember hindurch die alten lieben heimatlichen Weihnachtslieder übten und dann am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien kleine Theaterstücke vor versammeltem Elternkreis aufführten mit Darstellungen aus der deutschen Märchenwelt ober den heiligen Weihenächten der alten Germanen. Wir feierten es in unserer am Meeresufer gelegenen trauten Kirche im Festgottesdienst der Gemeinde und bei einer weihnachtlichen Abendfeier mit den Kleinen des Kindergottesdienstes, die freudig ihre Sprüche und Lieder zum Preis des Christfestes aufsagten. Wir feierten es in unserem deutschen Dia - konissenhospital, wo das Evangelium der Weihnacht dem Kreis der um den Lichterbaum und den reichen Gabentisch versammelten Kranken aus allen Ländern und Völkern in vier Sprachen, deutsch, englisch, französisch und arabisch verkündet wurde. Wir feierten es im deutschen Frauen- verein, von dem die Armen der Kolonie, besonders die einsamen Frauen und Mädchen beschert wurden und ihre sorgsam vorbereiteten Gaben entweder bei dieser Feier selbst erhielten oder von der Gemeindeschwester ins Haus gebracht bekamen. Wir feierten es auf den im Hafen liegenden deutschen Schiffen; jedes Jahr hatten wir die Freude des Besuchs eines deutschen Kriegsschiffs im Hafen von Alexandrien, und Handelsschiffe der Deutschen Levantelinie oder anderer Schiffsgesellschaften kehrten auch meist zur Weihnachtszeit bei uns ein. Wir brachten den wetterharten Männern von der See aus Sammlungen in der deutschen Kolonie Körbe von Liebesgaben aller Art, Fässer voll Bier und Wein, die als Zeichen des weihnachtlichen Gedenkens der Landsleute im Land am Nil freudig aufgenommen wurden. Wie herrlich war es, wenn der Gesang „Stille Nacht" und „O du fröhliche" von Bord der Schiffe über die nächtliche Wasserfläche des Alexandriner Hafens hinüberklang zum lichtüber-i säten Küstensaum der ägyptischen Großstadt! Wir feierten Weihnachten auch für die deutschen „Brüder von der Landstraße", die früher in großer Zahl, Anfänger auf der abenteuerlichen schiefen Ebene und richtige Stromer, die Länder des Orients durchzogen. Von überall, aus den armseligen Kneipen und Asylen der internationalen Hafenstadt, kamen sie zusammen in den festlichen Saal der Deutschen Schule, sangen in Erinnerung an die fern dahintenliegende Heimat und bessere Tage ihres Lebens in Ergriffenheit die alten, vielleicht feit vielen Jahren nie mehr gehörten Weihnachtslieder und empfingen gerührt die von warmer Liebe für diese ärmsten Landsleute zeugenden Gaben. Gar mancher, dessen weiteren Lebensweg wir verfolgen konnten, empfing dabei einen Lichtstrahl in sein Herz, der neuen Lebensmut entfachte und Kraft gab zur Rückkehr in ein geordnetes Dasein. Manchen jungen Mann, der wegen irgendeines leichtsinnigen Streichs, eines Streits im Elternhaus, einer Liebesgeschichte und dergleichen die Heimat verlassen und in der Fremde die Not des Lebens reichlich erfahren, manchen deutschen Deserteur von der französischen Fremdenlegion, der bei der Durchfahrt durch den Suezkanal dem Truppentransportdampfer entflohen, konnten wir durch die Vermittlung unseres Deutschen Hilfsvereins den bekümmerten Eltern in der Heimat wieder zuführen. Wir feierten Weihnachten aber selbstverständlich auch in der deutschen Familie; viele Familien boten dabei alleinstehenden jungen Deutschen Gastfreundschaft, und alle anderen aus unserer internationalen Umwelt wußten: das ist „das deutsche Fest"! Wir feierten Weihnacht auch nach Möglichkeit mit den im ägyptischen Land einzeln zerstreuten deutschen Familien, denen ihre Einsamkeit in der fremden Welt gerade zu diesem Fest besonders zum Bewußtsein kam. Jedes Jahr machte ich in den Tagen nach Weihnachten eine Rundfahrt durch das Nilde 11a, um da und dort in arabischen Dörfern und kleinen Städten die Landsleute zu besuchen und ihnen einen Festgruß von unserer Kolonie in Alexandrien zu bringen. Wie war man überall als Bote der Heimat willkommen und als Gast gefeiert! Dann saßen wir am milden Abend mit der Familie unter den Palmen, schauten über die grünenden Felder und die Kanäle mit ihren langsam dahin- ziehenden malerischen Segelbooten in das herrliche Farbenspiel des ägyptischen Abendhimmels, waren fröhlich zusammen in Weihnachtsfreude und redeten von der fernen winterlichen Heimat und allem was uns als Deutsche hier in diesem Land anging. Eine kurze Festpause gönnte sich jeder dieser im Berufsleben so angestrengt arbeitenden Menschen. Wohltuend breitete sich der Lichtglanz der deutschen Weihnacht über alle, auch die Einsamsten in der Diaspora. Ueberall, wo wir Weihnachten feierten, brannte auch der deutsche Christbaum, keine Ersatzbäume, sondern richtige Tannen aus dem deutschen Weihnachten im allen Haus. r*Dti Isolde Frey, z. z. Äuenos Aires. In der Nacht ist Schnee gefallen und hat die Häuser und Straßen der Kleinstadt in einen winterlichen Mantel eingehüllt. Am Ende der weißbeschneiten Gasse steht dunkel und trutzig das alte Steinhaus und schaut stolz auf die bürgerlichen Fachwerkhäuser herab. Gerade fällt krachend sein Tor zu, und laut jubelnd über den Schnee stehen die Jüngsten des Hauses, zwei Buben, auf der Straße. Ein Trupp Schulmädchen, der vorbeikommt, wird übermütig mit Schneeballen bombardiert, und dann gehts einträchtig zur Schule. Stolz und froh, aber auch etwas bang sieht ihnen die Mutter nach. Denn gestern hat sie Weihnachtsgebäck gemacht, und der Vater hat ihr mit den beiden bis in die späte Nacht hinein beim Ausstechen der Plätzchen geholfen. So find die Kinder heute in der Schule sicher unaufmerksam und verschlafen. Ja, sonst war das etwas anderes. Da waren die zwei Aeltesten, die „Großen", noch zu Hause, die jetzt in der Hauptstadt sich ausbilden. Mutter vermißt sie überall, besonders die Tochter, die ihr sonst bei allen Weihnachtsvorbereitungen half. Doch es muß auch so gehen. Die größte Freude an Weihnachten wird es für sie fein, ihre vier Kinder zu Hause zu haben. Ja, ein paar Tage nach und dann sind sie alle wieder zusammen im alten Nest. — Die kalte Winter lüft stört sie in ihren Gedanken. Schnell schließt sie die klirrenden Butzenscheibenfenster und begibt sich in die Küche, von wo ein weihnachtlicher Duft sich über Diele und Treppenhaus bis in alle Räume verbreitet. Die Tage vor Weihnachten fliegen unter Vorbereitungen zum Fest vorbei; denn, ist auch das Geld knapp und bedrücken Zukunftssorgen die Eltern, an Weihnachten werden solche Dinge in den Hintergrund geschoben. Inzwischen sind auch die Großen eingetroffen. All die schönen, weihnachtlich geschmückten Läden in der Stadt konnten ihnen keine Weihnachtsstimmung bringen; doch bei der Ankunst am kleinen Bahnhof, als sie in die frohen Augen der Geschwister blickten, zog sofort Weihnachtsfreude in ihre Herzen ein. Auf dem Weg nach Hause vertrauten die Buben den größeren Geschwistern ihre Heimlichkeiten an und befragten sie über diese und jene Ueberraschung, die sie in Ihrem Zimmer versteckt hielten. Weder Vater noch Mutter durften bei „Todesstrafe" dieses Zimmer betreten. Nun waren sie unter Plaudern und dem Begrüßen der vielen Bekannten in der Kleinstadt zu Hause angekommen und umarmten stürmisch, doch etwas flüchtig, die Eltern. Flüchtig, weil man mit den Gedanken schon wieder bei den eigenen Weihnachtssorgen war. In der folgenden Zeit wird das alte Haus in feiner ehrwürdigen Ruhe sehr gestört durch die Geschäftigkeit seiner Bewohner. Niemand kann mehr ein Zimmer betreten, ohne von einer erschreckten Stimme laut hinausgebrüllt zu werden. Ja, es will fast scheinen, aus der glücklichen Familie fei ein Haufen kämpfender Feinde geworden. Blickt man aber in die frohen Gesichter, so wird man eines Besseren belehrt. Schließlich ist es wirklich Heiliger Abend, und in der dunklen, schmalen Kemenate hat sich erwartungsvoll die Familie versammelt. Aus einem Nachbarhause bringen die Töne eines Weihnachtsliedes zu ihnen und senken ein Gefühl von Verbundensein und Gemeinschaft mit vielen Tausenden von Menschen in ihre Herzen, und auch sie fangen an zu fingen. Die schönen, altbekannten, lieben Lieder erfüllen den Raum, und während ihres Singens öffnet der Vater die Türe zu dem Weihnachtszimmer. Welch ein Weihnachtszimmer: der Saal mit der wundervollen Stuckdecke, dem alten, grünen Kachelofen und den vielen Fensternischen in den dicken Mauern. Vor den verschlossenen Türen des Erkers steht nun der große Tannenbaum, dessen Kerzen den festlichen Raum mit Licht erfüllen. Schweigend und feierlich, wie die Ahnenbilder an der Wand, treten die Bewohner des alten Hauses ein und gehen auf den Baum zu. Und im An- schauen des Weihnachtsbaumes kommen ihnen Worte der Liebe, Worte, die als schöne Erinnerung auf lange Zeit in ihren Herzen nachhallen werden. Glückliche Augen sehen sich aus Gesichtern an, die vorn Kerzenschein des Lichterbaumes bestrahlt sind. Sie brauchen sich nicht zu fragen, warum Weihnachten das schönste Fest im Jahre ist, denn für sie ist es ein Symbol gegenseitiger Liebe. Nur in Gedanken daran haben sie einander Ueberraschun- gen bereitet, die nun auf geschmückten Tischen aus- gebreitet sind. — Draußen fällt leise und weich Schneeflocke auf Schneeflocke herab, vorbei an den festlich erleuchteten Fenstern des Saales, aus denen der laute Jubel der Kinder bringt. Auf den wehrhaften Mauern, ben Zacken bes Giebels unb bem alten Ziehbrunnen im Hof häuft sich ber Schnee, unb die Stille Her Nacht senkt sich herab auf bie kleine Stadt. Wieviel Hugenotten-Abkömmlinge gibt es noch in Deutschland? Dor einigen Monaten wurde in den deutschen Hugenottengemeinden die 250. Wiederkehr des Tages gefeiert, an dem der Große Kurfürst mit feinem Edikt von Potsdam die französischen Glaubensflüchtlinge in seine Lande rief und ihnen eine neue Heimat anbot. Viele Zeitungen haben aus Anlaß dieser Feiern ihren Lesern ein Stück Geschichte näher gebracht, das vielfach in Vergessenheit geraten war. Die Hugenotten, Waldenser und Wallonen, die infolge der Aufhebung des Ediktes von Nantes nach Deutschland geflüchtet waren, sind treue und brave Staatsbürger des Deutschen Reiches geworden und haben von ihrem Ursprungslande lediglich noch den Namen, lieber die Zahl der hier eingewanderten Flüchtlinge gehen die Ansichten weit auseinander. Man schätzt den Verlust, den das Frankreich Ludwigs XIV. durch die Auswanderung erlitten haben soll, auf mancher Seite bis auf 800 000 Personen. England, Holland, die Schweiz und Amerika hatten sich ebenfalls der Hugenotten angenommen und auch in diesen Ländern trifft man heute noch Nachkommen von ihnen. Allein nach Brandenburg-Preußen sollen etwa 25 000 Refugies gekommen sein. Wenn man bedenkt, daß Berlin mit seinen etwa 22 000 Einwohnern im Jahre 1697 rund 4300 Refugies beherbergte, bann kann man sich eine Vorstellung baoon machen, welchen Einfluß biefe Zugewanberten auf bas gesamte Geistes- unb Wirtschaftsleben ausüben mußten. Es wäre interessant, einmal festzustellen, ob die Zahl ber Hugenotten mit ber Bevölkerungszunahme Deutschlands Schritt gehalten hat ober ob im Laufe ber Jahre ein Rückgang eingetreten ist, ber vielleicht zu erklären wäre burch ein lleberroiegen weiblicher Hugenotten, bie burch Verheiratung mit einem Deutschen gewissermaßen einen Ahnenschwund barstellen. Von ben seinerzeit gegrünbeten 200 Hugenottenkolonien bestehen heute nicht mehr sehr viele als jelbftänbige Gemeinben. Die Jubiläumsfeiern haben aber doch gezeigt, baß bas Gemeinbeleben recht rege ist unb manch ein Hugenottenabkömmling hat auch eine weite Reife nicht gescheut, um roieber einmal an einem Koloniefest teilnehmen zu können. Hugenotten leben heute im ganzen Reiche zerstreut. Wie viele mögen es noch fein? Wer sich zu ihnen rechnet, senbe seine Anschrift mit einer kurzen Angabe barüber, wo seine Vorfahren einmal in Deutschland ihre erste Nieberlassung hatten, an ben Bibliothekar des Deutschen Hugenotten-Dereins, Herrn Richarb Fouquet, Berlin-Friedenau, Rubensstraße 45. Es soll versucht werden, möglichst viele Abkömmlinge zu erfassen und im Deutschen Hugenotten-Verein zu sammeln. In seiner über 40 Jahre währenden Tätigkeit hat dieser Verein durch seine Geschichtsforschungen, die in feinen Geschichtsblättern niedergelegt sind, viel zum Verständnis und zur Vertiefung bes Hugenottentums beigetragen. Auch Familienforscher finben in ben Geschichtsblättern ost reiches Material. Hochschulnachrichten. Der Dozent unb Stubienrat Dr. phil. habil. Lud- wig Zimmermann in Marburg ist beauftragt worben, ab sofort bie in ber philosophischen Fakultät ber Universität Erlangen burch bas Ableben bes Professors Brandt freigeworbene Professur für neuere unb neueste Geschichte einstweilen vertretungsweise zu übernehmen. Geh. Rat. Professor Dr. Joh. Hoops, Ordina- rius für englische Philologie an ber Universität Heibelberg, ist von ber Königlichen Sozietät ber Wissenschaft in Upsala zum orbentlichen Dtitglieb ernannt worben. Der planmäßige a. o. Professor für neuere beut« sche Literatur an ber Universität Heibelberg, Professor Dr. Rudolf F a h r n e r , ist für bas Wintersemester 1935/36 infolge einer Erkrankung von seinem Lehramt beurlaubt worben. Als Vertreter Professor Fahrners übernimmt ber Orbina- rius für beutsche Sprache an ber Technischen Hochschule Stuttgart, Professor Dr. Hermann Pongs, bie Vorlesungen an ber Universität Heidelberg. Der ordentliche Professor für Agrikulturchemie an der Universität Jena, Dr. Hans Wieß- mann, Direktor der landwirtschaftlichen Versuchsstation, ist im Alter von 47 Jahren g e ft o r • ben. Professor Wießmann, ber feit zwei Jahren ber Universität Jena angehört, hatte sich in Ausübung seines Berufes eine Lungenentzünbung zu- gezogen, bie jetzt feinen Tob herbeiführte. Seit bem i. Oktober 1934 war Professor Wießmann erster Vorsitzenber bes Verbanbes Deutscher Lanbwirt- schaftlicher Versuchsanstalten unb Obmann ber Reichsarbeitsgemeinschaft lanbwirtschaftlicher Chemie. Auf ber Tagung ber Internationalen Bobenkunb- lichen Gesellschaft, bie kürzlich in ber englischen Universitätsstabt Oxforb ffattfanb, würbe er zum Generalsekretär der Kommission für Bodenphysik ernannt Wald. Wir waren in Aegypten nicht so weit von der Heimat entfernt, daß es nicht möglich gewesen wäre, Tannenbäume aus unserem Lande kommen zu lassen. Meist kamen sie aus dem Schwarzwald, zum Teil auch aus dem Karst bei Triest, ßu Hunderten trafen sie im Dezember mit den Schiffen in Alexandrien ein, große, mittlere und kleine Bäume. Die schwäbischen Metzger in den Markthallen von Alexandrien verkauften zu dieser Zeit nicht nur heimisches Sauerkraut und Wurst, sondern auch deutsche Tannen. Die Bäume, die nicht in Alexandrien blieben, gingen von da mit den Expreßzügen ins ganze Aegyptenland, nach Kairo, Unter- und Oberägypten bis an die Grenze des Sudan, in jedes kleine ägyptische Städtchen, wo irgendein Deutscher, Ingenieur, Mechaniker oder was er sonst sein mochte, mit seiner Familie ansässig war. Es war wohl keine deutsche Familie in ganz Aegypten ohne Weihnachtstanne. Billig waren sie natürlich nicht; aber was tat es? Viel mehr als im deutschen Vaterland hatte ja hier im fernen Süden, im Land der Palmen, die deutsche Tanne zu sagen; sie war ein wunderbarer Gruß aus der Heimat, innigste, sichtbare Verbundenheit mit ihr. Einmal traf ich tausend Kilometer von Alexandrien entfernt, bei Luxor in Oberägypten auf der Totenstätte des alten Theben ein paar deutsche Mechaniker, die in einem Pharaonen grab eine elektrische Leitung installierten; es war in den Tagen nach Weihnachten. Die guten Leute hatten in dem weit in die Felswand hineinführenden Grabschacht ein Tannenbäumchen und arbeiteten im Blick auf seine Lichter. Deutsches Gemüt! Wie unsere Kriege^ im Feld im Unterstand. Wie nah waren diese Leute im heißen Pharaonengrab innerlich der Heimat, die in Schnee und Eis nun Weihnachten feierte. Wie stimmungsvoll, ja herzerhebend war es auch, wenn unser schwarzer nu bischer Diener von der Deutschen Schule in Alexandrien vom Hafen auf einem Eselskarren, in Sackleinwand eingehüllt, die mächtige Tanne herbrachte und im Schulhof ablud. Wenn alle Schüler aus den Klassen zusammengerufen wurden und unter ihrem Jubel der Baum allmählich aus seiner Umhüllung zum Vorschein kam. Ja, dcmn war es wieder Weihnachten, dann sangen wir um den Tannenbaum „O du fröhliche", und dann wollte jeder ein kleines Zweiglein haben, es freudestrahlend nach Haus bringen und dort erzählen: der deutsche Weihnachtsbaum ist eingetroffen! Und wenn dann zu Hause an der Kerze das Zweiglein knisterte und Tannenduft verbreitete, dann war es ein Gruß aus der deutschen Heimat, die die meisten unserer Schüler zwar noch nicht gesehen, aber durch ihre Erziehung im Herzen trugen. Denn unsere Kinder waren so erzogen, daß sie als tiefstes inneres Gut das empfanden, was der Dichter in den Worten ausspricht: „Was ich bin und was ich habe, dank ich dir, mein Vaterland". Ja, unsere deutsche Tanne zur Weihnachtszeit ist wie ein Strahl deutschen Brauchtums in die Welt! Wenn bei der Weihnachtsfeier in unserer Kirche die Lichter am Baum brannten, dann war das Portal der überfüllten Kirche weit offen. Drinnen außer den Deutschen viele Ausländer, Italiener, Franwfen, Griechen, Levantiner usw. und draußen auf der Straße mit neugierigen Blicken Aegypter, Araber, Nubier, Neger und viele andere. „Der Baum der Deutschen", sagten staunend die Eingeborenen. Vielfach hat sich die Sitte des Christbaums von den deutschen Familien aus auch zu den anderen Nationen in Aegypten verbreitet. Oft kam es vor, daß, wenn unsere Tannen schon ganz gehörig die Nadeln fallen ließen, griechische Familien kamen und um unsere Päume für ihr Christfest baten, das nach dem griechischen Kalender 13 Tage später gefeiert wird. * Reichsminister Rudolf Heß, der bekanntlich aus der deutschen Kolonie in Alexandrien stammt und seine erste Ausbildung an unserer deutschen Schule dort genossen hat, schloß in den letzten beiden Jahren seine weihnachtliche Rundfunkansprache an die Ausländsdeutschen mit einem Gruß an seine alten Eltern in Alexandrien. Die Familie Heß, aus Oberfranken in Bayern stammend, schon seit 1860 in der vierten Generation in Aegypten ansässig, war von jeher eine starke Stütze der kulturellen deutschen Wirksamkeit in Aegypten, aller Anstalten und Organisationen zur Pflege und Erhaltung der ideellen Güter der Heimat, deutscher Sprache, deutscher Sitte, deutschen Glaubens. Aus dem Geist dieser vorbildlichen deutschen Auslandsfamilie ist unser stellvertretender Führer herausgewachsen. Wenn seine Gedanken und Worte im Rundfunk zur Weihnacht hinausgehen zur deutschen Volksgemeinschaft in der weiten Welt, hinüber über das Mittelmeer zur alten ägyptischen Heimat, zum urdeutschen Elternhaus im palmenumrauschten Sonnenland am Nil, dann kommt ihm sicher weihevoll auch die Erinnerung wieder an Kindheit und Jugend, an den einzigartigen Zauber der deutschen Weihnacht in Aegypten, so wie wir sie einst gefeiert, an die deutsche Tanne, die doppelt warm und hell strahlt im fremden Land! Wirtschast. Oie Jndustrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1360: Ergänzung und Abänderung des RE. über die Behandlung der Nebenkosten des Warenverkehrs. 1361: Aufhebung der DevisendepotpfUcht für die Einfuhr deutscher Waren in Argentinien. 1362: Postanweisungen und Postaufträge nach Island. 1363: Neue Reiseverkehrsregelung mit der Schweiz. 1364: Die Reichsstelle für den Außenhandel gibt demnächst eine Druckschrift „Em- und Ausfuhrverbote des Derttschen Reiches" mit Anhang: Liste der von den Ueberwachungsstel- len bewirtschafteten Waren heraus. Der Preis der Druckschrift beträgt 3,20 RM. zuzüglich 0,30 RM. Dersandspesen. Vorbestellungen werden von der Kammer entgegengenommen. 1365: Erhöhung der rumänischen Einfuhrquoten für Deutschland im 4. Vierteljahr. 1366: Kurse der Rumänischen Nationalbank für „starke" und „schwache" Devisen. 1367: Tschechische Durchführungsbestimmungen zum Einfuhrverbot für Kc-Noten. — Sperrkonto für eingeführte Zahlungsmittel. 1368: Neuausgabe des spanischen Tarifs für Südfrüchte nach Deutschland. 1369: Erhebung der 12proz. rumänischen Wertzuschlagsabgabe auf alle Waren. berufsmäßige Börsenhandel zeigte Zurückhaltung, während die Kundschaft fehlte. Die Grundstimmung war aber sowohl am Aktien- wie am Rentenmarkt nicht unfreundlich. Scheideanstalt bröckelten leicht ab auf 213,50 (214), dagegen wurden IG. Chemie Basel volle in teilweiser Anpassung an Berlin um 1,50 v. H. auf 164 heraufgesetzt. Am Rentenmarkt wurden Zinsoergütungsscheine zu 91,65 noch etwas gesucht, sonst lagen die Kurse unverändert. Von Stadtanleihen waren 4,50 o. H. Mainz weiter erholt mit 92 (91,75). Der Auslandsrentenmarkt war völlig geschäftlos. U.- a. notierten: Altbesitzanleihe 110,50, 5proz. Stahlverein 97,40, 6proz. Stahlverein 102,75, IG. Farben-Bonds 124,40, Reichsbahn-Vorzugsaktien 123,25, Adca 68,75, Commerzbank 83,90, DD.- Bank 83, Dresdner Bank 83,25, Harpener 103, Mannesmann 77, Rheinstahl 102, Laurahütte 20, Stahlverein 73,25, Aku 51, Bekula 132,50, IG. Chemie volle 164, dto. leere 141, Daimler 87,50, Scheideanstalt 213,50, Deutsche Linoleum 136,50, Licht & Kraft 126, IG. Farben 146,90. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurta. M., 18. Dez. Am Getreidegroß- markt entwickelte sich für den lausenden Monat in Brotgetreide kaum noch Geschäft, die Mühlen zeigten allenfalls nur Nachfrage für den Monat Januar. Futtergetreide blieb gesucht, war aber nur spärlich angeboten. Im übrigen blieb die Marktlage unver» ändert. Weizenmehl hatte weiterhin verhältnismäßig befriedigendes Geschäft. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 13 205, W 16 208, W 19 212, W 20 214; Roggen R 12 168, R 15 171, R18 175, R19 177, Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste—> Sommergerste für Brauzwecke 225 bis 230, Hvfer —. Weizenmehl W13 28,05, W 16 28,30, W19 28,30, W 20 28,65; Roggenmehl R 12 22,45, R15 22,80, R18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizennachmehl 17,00, Weizenfuttermehl 13,50; Weizenkleie W13 10,65, W16 10,80, W19 11.00, W 20 11,10; Roggenkleie R12 9,95, R15 10,15, R18 10,40, R 19 10,50, Mühlenfestpreis ab Mühlenstation. Sojaschrot mit Monopolzuschlag 16.20, Palmkuchen m. M. 16,80, Erdnußkuchen m. M. 18,30, Treber —, Trockenschnitzel 8,80, Großhandelspreis ab Fabrikstation, Heu 8,70 bis 9,00, Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreßt) 3,60 bis 3,80, do. (gebündelt) 3,50 bis 3,70. Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtviebmarkt. Frankfurt a. M., 19. Dez. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 112 Rinder (13 Ochsen, 2 Bullen, 95 Kühe, 2 Färsen), 1190 Kälber, 160 Schafe, 770 Schweine. Es kosteten: Kälber 45 bis 76 Mark, Hämmel 42 bis 48, Schafe 30 bis 43, Schweine 51 bis 57 Mark. —- Marktverlauf: Kälber, Hämmel, Schafe mittelmäßig, Schweine wurden zugeteilt. Die Ordnung des Lebensmitielmarkies. * Die deutsche Erdölgewinnung. Wie der Amtliche Pressedienst mitteilt, betrug die deutsche Erdölgewinnung nach den vorläufigen Ergebnissen der amtlichen Statistik im Oktober zusammen 33 237 Tonnen und im November 33 827 Tonnen. Der Monatsdurchschnitt der deutschen Erdölgewinnung im Jahre 1934 hatte 26 218 Tonnen betragen. Rhein-Mainische Börse. TNillagsbörse: Renten fester, Aktien abbröckelnd. F r a n k f u rt a. M., 18. Dez. Nach dem gestrigen Anlauf zu einer Belebung des seit einiger Zeit darnieder liegenden Börsengeschäftes, herrschte an der heutigen Mittagsbörse wieder starke Geschäftsstille. Der nur schwache Eingang von Kundenaufträgen bewirkte bei der Kulisse wieder Zurückhaltung, teilweise erfolgten kleine Realisationen. Am Aktienmarkt war die Kursentwicklung nicht ganz einheitlich, indes gingen die Veränderungen nach beiden Seiten kaum über 1 v. H. hinaus. IG.-Farbenindustrie eröffneten mit 147,25 (147,50) und wurden nach dem ersten Kurs mehrfach mit 147,13 und 147 gehandelt. Scheideanstalt bröckelten weitere 1 v. H. ab, Rütgerswerke blieben behauptet. Am Elektromarkt kamen zunächst nur Siemens mit plus 1 v. H., RWE. mit plus 0,25 v. H. und Geffürel mit minus 0,25 v. H. zur Notiz. Auch die gestern verhältnismäßig lebhaften Montanaktien wurden vernachlässigt. Stahlverein bröckelten auf 73,65 bis 73,50 (73,75), Hoesch Eisen auf 82 (82,75) ab, während Harpener etwas gefragt waren und 1,25 o. H. gewannen. Im einzelnen eröffneten u. a. Reichsbank 0,50, Muag 0,50, Westdeutsche Kaufhof 0,75, Holzmann 0,25 und Aschaffenburger Zellstoff 0,50 v. H. freundlicher, ferner waren Südd. Zucker um 2 v. H. höher gesucht, Cement Heidelberg, Zellstoff Waldhof und Schiffahrtswerte bröckelten etwas ab. Der Rentenmarkt hatte dagegen eine freundliche Tendenz und auch etwas Geschäft. Es zeigte sich weiteres Anlagebedürfnis zum Januar-Termin, insbesondere für Pfandbriefe. Von den variablen Werten erhöhten sich Altbesitz auf 111 (110,90), Zinsvergütungsscheine auf 91,50 (91,20), Kommu- nal-Umschuldung auf 88,13, späte Reichsschuldbuchforderungen waren zu unverändert 97 gefragt. Fremde Werte lagen still. 4proz. Goldmexikaner unv. 7,40, 5proz. äußere Gold etwa 12,13 (12), 5proz. Silber 5,25 (5,40). Im Verlaufe blieb das Geschäft am Aktienmarkt sehr gering und die Kurse bröckelten vielfach um 0,25 bis 0,50 o. H. ab. Etwas höher notierten Dt. Linoleum mit 136,50 (135,13) und Licht & Kraft mit 126 (125,25). Am Rentenmarkt erhöhten sich Zinsvergütunos- scheine bei einigem Geschäft auf 91,65 nach 91,50, dagegen gingen Kommunal - Umschuldung auf 88 nach' 88,13 zurück. Bei guter Nachfrage aus dem Publikum notierten Pfandbriefe unverändert. Stadtanleihen notierten nicht ganz einheitlich. Tagesgeld unverändert 2,75 v. H. Abendbörse behauptet. Die Abendbörse war nahezu geschäftslos. Die Kurse wiesen im Vergleich zum Berliner und Frankfurter Mittagsschluß nur ganz minimale Abweichungen auf. In den meisten Fällen hatten die Papiere nominelle Notiz. Selbst in den Standardwerten kamen keine Umsätze zustande. Der LPD. Frankfurt a. M., 18. Dez. Der Pressedienst der Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit: Zu der Frage der Ordnung des Lebensmittelmarktes und der hier einzuhaltenden Richtlinien bringen wir nachstehend eine Bekanntmachung des bayerischen Innenministers zur Kenntnis, die in eindeutiger Form gegen verschiedene Auswüchse Stellung nimmt, die sich in der letzten Zeit bei der Lebensmittelverteilung bemerkbar machen. Die vorliegende Bekanntmachung umreißt in klarer Form die Dinge, so wie sie sind, und wie sie in den letzten Wochen von verschiedenen maßgebenden Persönlichkeiten von Partei und Staat, insbesondere von den Ministern Dr. Goebbels und Hermann Göring in ihren Versamlungsreden dargelegt wurden. Der Verbaucherschaft von Hessen-Rafsau sei gleichzeitig gesagt, daß die zuständigen Regierungsstellen, insbesondere die in Frage kommenden Preisüberwachungsstellen, genau so scharf durchzugreifen beabsichtigen, wie dies im Einzelnen in dem Aufruf des Bayerischen Ministeriums auseinandergeselzt ist. Wir geben deshalb die Bekanntmachung des bayerischen Innenministers Adolf Wagner im Wortlaut wieder: „Der in der letzten Zeit um sich greifende Handel mit Butter und Schmalz außerhalb des ordentlichen Marktverkehrs beginnt zu Schwierigkeiten in der Versorgung der Bevölkerung zu führen. Die Polizeibehörden haben deshalb diesen unerwünschten Vorgängen ihre ganz besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Die unsauberen Machenschaften spielen sich in der Regel folgendermaßen ab: Gewissenlose Schädlinge versuchen ihre dunklen Geschäfte dadurch machen zu können, daß sie es vermeiden, die erzeugte oder vom Erzeuger aufgekaufte Ware auf den ordentlichen Handels- und Marktweg weiterzugeben, Erzeuger halten die Ware zur Erzielung von Wucherpreisen zurück, Händler versuchen auf dem Schleichhandelsweg unter Zahlung von Ueberpreisen an die Erzeuger vermehrte Quantitäten an sich zu raffen und diese zu Wucherpreisen in die Großstädte zu verschieben. Diesen Verbrechern am Volk und Staat muß das Handwerk von Grund auf gelegt werden, um so mehr, da hauptsächlich durch dieses Treiben die Knappheit entstanden ist. Ich gebe deshalb Befehl, daß neben den Strafmöglichkeiten der Anordnung des Staatsministeriums für Wirtschaft über Butterpreise vom 12. Januar 1935 (GVBL. S. 38) in jedem Einzelfall von den Polizeibehörden zu prüfen ist, ob nicht schärfere polizeiliche Mittel anzuwenden sind. Das wird nahezu in allen Fällen notwendig sein, da es sich fast immer erweisen wird, daß verwerflicher Egoismus die Triebfeder für dieses asoziale Handeln bildet. In diesen Fällen gibt § 1 der VO. des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 8. Februar 1933 (RGBl. I S. 83) die geeignete, zuverlässige und wirksame .Handhabe, alle Schädlinge auf längere Zeit durch Einweisung in das Konzentrationslager in Dachau von allen anständigen Volksgenossen abzusondern und ihnen dort Gelegenheit zur Ueberlegung zu geben, welche Pflichten jedem anständigen Erzeuger und Händler gegenüber der Volksgemeinschaft obliegen. Im übrigen besteht Deranlassuna, darauf hinzuweisen, daß sich auch auf anderen Lebensmittelgebieten preistreiberische Tendenzen bemerkbar machen. Die Polizeibehörden werden deshalb auch diesen Vorgängen ihr Augenmerk zuwenden. Ich erwarte von den Polizeibehörden peinlichsten Vollzug meines Befehls. Sie werden bis auf weiteres wöchentlich jeweils am Samstag über ihre Erfahrungen, insbesondere über die Notwendigkeit des Einschreitens, an die vorgesetzten Regierungen berichten. Diese werden ihrerseits unverzüglich zu- sammenfassenden Bericht dem Staatsministerium des Innern vorlegen, wobei die Regierungen zu den einzelnen Fällen, soweit erforderlich, Stellung zu nehmen haben." Verbotene Butterlieferungen. LPD. Der Pressedienst der Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit: Verschiedentlich wurde die Feststellung gemacht, daß Hausfrauen, welche bisher von ihrem Milchlieferanten noch keine Butter bezogen haben, nunmehr von diesem Butterlieferungen verlangen, andernfalls müßten sie ihre Milch an anderer Stelle beziehen. Nach einer Anordnung des Milchwirtschaftsverbandes, welche im Auftrag des Reichsnährstandes Berlin ergangen ist, sind Butterlieferungen an Kunden, die im August 1935 nicht beliefert worden sind, verboten. Den Milchverteilern ist es also nicht möglich, sofern sie im August ihre Milchabnehmer mit Butter nicht beliefert haben, nunmehr solche Lieferungen aufzunehmen. Dem Milchoerteiler Vorwürfe zu machen, wenn er der Aufforderung nicht nachkammt, ist also durchaus ungerecht. Dasselbe gilt für die Verweigerung der Milchabnahme, die überdies zu keinem Erfolg führt. Anderseits muß darauf hingewiesen werden, daß auch diejenigen Milchoerteiler, welche bereits im August ihre Milchabnehmer mit Butter beliefert haben, diese Lieferung nicht in voller Höhe aufrechterhalten können, sondern sie entsprechend der Lieferungsmöglichkeit der Molkereien anteilmäßig kürzen müssen. Rundfunkproqramm. Freitag, 20. Dezember: 6 Uhr: Choral — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30 Frühkonzert. In der Pause: 7: Nachrichten. 8.15: Gymnastik. 10.15: Schulfunk. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.20: Nachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk), 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen Zwei und Drei. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Vom Winterkleid der Tiere. 15.30: Die Weihnachtsmistel. Plauderei von Ewald Schild. 15.40: Und so fliehen unsre Tage... Das Jahr 1936 in Almanachen und Kalendern. 16: Konzert. 17: Nachmittaqskonzert. 18.30: Rufe ins Volk! Moeller van den Bruck und feini Werk. 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Neichsfenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Von Leipzig: Großes Unterhaltungskonzert. 21: „Die Erbschaft aus Amerika", Funkspiele. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Franlluri a. M. Berlin (Schlußkurs Schluß!. Abend« börse Schluß- turs Schluß!. Miitag- börfe Oatum 17-12 | 18.12 17.12 18 12. 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 100,4 | 100,5 100,5 100,5 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 5'/2% Young-Anleihe von 1930 .. 97,13 97 97 97 101,75 101,5 101,65 101,75 Deutsche Anl.«Ablös.«Schn1d mit Auslos.-Rechten ............. 4l/,% Deutsche Reichöpostschahan 110,9 110,5 110,9 110,5 Weisungen von 1934, 1....... 100,13 100,13 100,1 100 6% ehern.8% Hess. Bolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 97 97 96,75 — 4/2% ehern. 8% Hessische Landes banl Darmstadt Gold 91.12.... 96,25 96,25 96 96 5*4% ehern. 4*4% Hess. Landes Hypothekenbank DarmstadtLiaui 100,65 100.65 — 4*4% ehe m. 8% Darm st. Komm Landesb.Goldschuldverschr. 91. G 92,25 92,25 — — Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. 115 115 _ _ Deutsche Komm. Sammelabl. An leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 112,25 112,25 112,5 112,5 4*4% ehern.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 96,4 96,4 _ 6y2% ehern. 4*/2% Franks. Hyp. Bank-Ligu.-Pfandbriese....... 100,8 100,8 _ — iy2% ehern. 4*4% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpse..... 100,75 100,9 101 101 4*4% ehem. 8% Pr. Landespfand- briefanstalt, Pfandbriefe 91 19 97 97 97 97 4*4% ehem. 7% Pr.LandeSvsand- briefanst., Gold Komm. LhLVi 97 97 97 97 Steuergutsch.Berrechnungsk. 34-38 107,9 107,9 107,9 107,9 4% Oesterreichtsche Goldrente.... — I - 28,25 28,25 4,20% Oesterreichische Silberrente 1,2 1,2 1,25 1,3 4% Ungarische Goldrente....... 9,1 9,05 9,1 9,1 4% Ungarische Staalsrente v. 1910 9 8,8 8,8 9 4y.% desgl. von 1913.......... 9 9 9,1 9,13 5% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe 12 12,13 12,5 12,3 Serie i..................... — I a,25 — I 9,5 Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börte Schlußkurs Schluß!. Miltag. börie Oatum 17 12 18-12 17.12. 18.12. 4% desgl. Serie II ........... — 9,25 — 9,6 5% Rumän. veretnh. Mente v. 1902 5,65 5,7 5,75 5,95 4y2%Mumän.vereinh.Rentev.i9U 8,5 8,5 8,7 8,75 4% Rumänische veretnh. Rente 4,75 4,7 4,75 4,75 2%% Anatolier............ 39,15 39,25 39 39,25 Hamburg-Amerika-Pakel ..... 0 14,75 14,75 15 15 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 —- — — 24.75 Norddeutscher Lloyd ......... 0 16,25 16,13 16,4 16.13 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 84,5 84 84,9 84,5 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 112,5 113 113,5 113.5 Commerz» und Prival-Bank ... 0 83,9 83,9 83,9 84 Deutsche Bank und D'.sconto- Gesellschaft................ 0 82,75 83 82,75 83 Dresdner Bank.............. 0 83 83,25 83 83,5 Reichsbank ................ 12 176,25 176,75 176,25 176,75 A.E.G...................... u 34,9 35 35,13 35 Bekula.................... 10 132,5 132,5 133 132,65 Elektr. LieferungSgesellschaft... 5 109 109 109 109 Licht und Kraft ........... 6% 125,25 126 125,5 126,25 Felten & Guilleaume......... 4 106,5 106,5 106,5 106,9 Äesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 123 123.25 123,5 123,25 Rheinische Elektrizität ........ 6 125 125 125,5 Rhein. Wests. Elcktr.......... 6 129,9 129,9 129,75 129,9 Schuckerl & Go............... 4 118,75 119 119 119,25 Siemens S Halske............ 7 165 165 164,75 166 LahmeyerLCo.............. 120 119 119,5 119,25 Buderus .................. 4 93,5 93,75 93,4 93,75 Deutsche Erdöl ............. 4 105,13 105,25 105,4 104,5 Harpener.................. 0 102,75 103 103,25 103 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen . 82,75 82 82,75 81,75 Ilse Bergbau .............. 6 153,5 Ilse Bergbau Genüsse....... e 126 126 125,9 126,25 Klöcknerwerke .............. 79,5 79 79,25 78,25 Mannes mann-Röhren....... 0 77 I 77 77,4 77 Frankfurt a. M. Berlin Schluß« iurs Schluß!. Abend« börse Schlußkurs Schluß!, mittag« börse Oatum 17-12. 18 12. 17-12 18.12- ManSfelder Bergbau....... .. 6 — 117 117,5 117 Kokswerke ................ .. 6 — — 112,65 113,13 Rheinische Braunkohlen .... 12 209,5 210,5 209,65 210,75 Rheinslahl ................ .. 4 102,5 102 102 102,25 Bereinigte Stahlwerke...... .. O 73,75 73,25 73,4 73,25 Otavi Minen ............. .. O 17,75 17,65 17,9 17,65 Kaliwerke Ascheröleben...... .. 5 124,5 124 124 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 115,5 Kaliwerke Salzdetfurth..... IVi 184 — 184 179 I. G. Farben-Jnvustrte..... .. 7 147,5 146,9 147,5 146,9 Scheldeanstalt............. .. 9 215 213,5 — Goldschmidt .............. .. 5 105 105 105 105 Rütgerswerke ............. .. 6 111 110,5 110-5 110,5 Metällgelellschaft........... .. 4 110 110 110 110,4 Philipp Holzmann......... .. 4 86 86 85,5 86,25 Zementwerk Heidelberg .... .. 7 116,5 116 - Eernentwerk Karlstadt....... .. 6 128 128 - Schultheis Patzenhofer ..... .. 4 — — 100,25 100,5 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O 50,75 51 50,9 50,9 Bemberg................. .. 5 100,5 100,75 100 100,75 Zellstoff Waldhof .......... .. 5 115,5 115,25 115,5 115,25 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. O 78 78,5 78,5 77,65 Dessauer Gas ............. .. 7 — —— 119 119,5 Daimler Motoren.......... .. O 87,5 87,5 88,13 87,5 Deutsche Linoleum......... .. 8 135,13 136,5 134,5 136,5 Oren stein & Koppel ........ .. O — — 74,25 73,9 Westdeutsche Kaufhof....... .. O 24,75 25 25 24,65 Chave .................... 7*/, 283 284,5 283 284,5 Accumulaloren-Fabrik...... . 12 — — —- 168,25 Conti-Gummi............. .. 8 158,25 158,75 158 159 Gritzner.................. .. O 24,4 24,5 24,5 Mainkraftwerke Höchst a.M.. .. 4 87,25 87 - Süddeutscher Zucker — . 10 I 196,5 - 200 200 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. Banknoten. 17.Dezember 18.Dezember Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Bries Buenos Atrer 0,679 0,683 0,678 0,682 Brüssel..... 41,92 42,00 41,92 42,00 Rio de Jan. . 0,138 0,140 0,137 0,139 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,69 54,79 54,64 54,74 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,245 12,275 12,235 12,265 Heljingfors.. 5,395 5,405 5,39 5,40 Paris ...... 16,425 16,465 16,435 16,475 Holland .... 168,36 168,70 168,38 168,72 Italien..... 19.98 20,02 19,98 20,02 Japan ...... 0,714 0.716 0,714 0,716 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 61,49 61,61 61,44 61,56 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,11 11,13 11,10 11,12 Stockholm... 63,14 63,26 63,09 63.21 Schweiz ... 80,64 80,80 80,70 80,86 Spanien.... 34,07 34,13 34,05 34,11 Prag....... Budapest .. 10,30 10,32 10,305 10,325 Neuyork .. 2.486 2,490 2,486 2,490 Berlin, 18.Dezember Ge>d Brie! Amerikanische Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,80 41,96 Dänische Noten ................. 54,45 54,67 Englische Noten ................. 12,20 12,24 Französische Noten............... 16,385 16,445 Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. 61,28 61,52 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... 62,92 63,18 Schweizer Noten................. 80,52 80,84 Spanische Noten................. 33,69 33,83 Ungarische Noten................ Ur.296 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen) Donnerstag. (9. Dezember (935 Aus der Provinzialhauptstadt. Eine Weihnachtsüberraschung. Don Ernst --Hel. Es war im Dezember 1916. Schwer hatte das Regiment an der Somme vor Bouchavesnes geblutet, aber keinen Schritt Boden verloren. Bei St. Mihiel an ruhiger Front hatte es kurze Ruhe gehabt, und nun stand es wieder an der Somme — zwischen Peronne und Chaulnes. Die Somme- Schlacht war vorüber, ein neuer Kampf begann, der gegen Wetter und Schlamm. Stellungs- und Laufgräben führten durch schwersten Zuckerrübenboden, und es regnete Tag um Tag. Als die Kompanie das letzte Mal in Stellung ging, war der kleine Kompanieschuster, der wegen Mannschaftsmangel mit nach vorne mußte, im Dunkel der Regennacht spurlos verschwunden. Am nächsten Morgen hatte ihn die Reseroekompanie buchstäblich aus dem Schlamm ausgegraben und so, wie ihn Gott geschaffen hatte, lag er im Unterstand des Kompanieführers jener Kompanie, bis ich ihm neue Bekleidung schicken konnte. Eine feine Gegend! Weihnachten kam heran, doch solange ich meine Kompanie führte, hat sie Weihnachtsabend in Stellung verbracht. So mußte auch dieses Jahr das Fest in den kurzen Ruhetagen in Pargny an der Somme bereits früher gefeiert werden.' Am Nachmittag des 21. fand in der von der Kompanie gereinigten und geschmückten Dorfkirche ein Festgottesdienst statt, dann folgte die Bescherung in Ermangelung eines größeren Raumes am gleichen Orte. Das „Rote Kreuz" hatte von Gießen eine große Kiste voll schöner Sachen geschickt, jeder Mann erhielt eine Flasche Wein aus der Weinspende des XVIII. Armeekorps, und auch die Kompaniemutter hatte für die Ihren gesorgt und in Gießen allerlei Dinge einkaufen lassen, die der Soldat brauchen kann. War die Unterbringung auf zugigen Böden auch miserabel, so zog doch bald eine festliche Stimmung auch dort ein. Was die Feldküche an jenem Abend dazu beitrug, weiß ich nicht mehr. Aber als „Beikost" stehen mir noch Schüsseln von „Gehacktem" und „Deutsche Beefsteaks" vor Augen, zu denen ein am Tage zuvor vor dem Dorf durch eine Granate gefallenes Kolonnenpferd die Grundlage geliefert hatte. In der Nacht zum 24. Dezember ging es wieder nach vorne. Dreieinhalb Stunden Marsch in strömendem Regen, vorbei an der „windigen" Ecke am Friedhof von Morchelepot, ohne Feuer zu bekommen, und dann hinein in den Laufgraben. Das Marschieren hörte auf; das war ein Tasten, Waten, Schwimmen. Bis über die Knie reichten Schlamm und Wasser, man fiel von einer Wand des Grabens gegen die andere. Ellenbogen und Unterarm überzogen sich mit einer dicken Schlammschicht. Beschreiben läßt sich das gar nicht, das muß man erlebt haben. Ab und zu blieb einer stehen. Er wußte, daß beim nächsten Nachziehen des Fußes der Stiefel im Schlamme stecken bleiben würde. Hilfsbereit wühlte dann der Hintermann oft mit im Schlamm und suchte die Stiefelschlaufen, um dem Vordermann Hilfestellung zu leisten. Und manch kräftiges Männerwort mit besonderer „Frontzulage" entfloh dem Gehege der Zähne! Gegen 6 Uhr morgens war es geschafft, die Ablösung in vorderster Linie vollzogen. Wie sah es hier aus! In dieser Stellung hatte die Sommeschlacht sich totgelaufen. Schlechte Gräben, von Wasser und Schlamm erfüllt, Unterstände durch einige Stollenrahmen leicht angedeutet, Hindernis schwach und lückenhaft. Viel Arbeit hätte es gegeben, wenn es überhaupt möglich gewesen wäre, Äaterial in nennenswerten Mengen vom Pionierpark heranzuschaffen. Ein trüber „Heiliger Abend" sank herab. Die Gedanken gingen in die Heimat. Kalt kam das „Drahtverhau" (Suppe aus Dörr- qemüse) nach vorne, kalt wurde es gegessen, da Oefen fehlte. Ich wate durch den Graben, sehe nach meinen Posten, bleibe in der Nacht länger wie gewöhnlich bei dem Einzelnen stehen, denn die Weihnachtsnacht sollte keine Nacht der Einsamkeit sein, Als ich in meinen Unterstand zurückkomme, den ich außer mit meinem „Stab" mit einer Gruppe des ersten Zuges teilte, ist alles wach, und mein Bursche entzündet ein ganz kleines Bäumchen, das er heimlich mitgebracht hat. Ein merkwürdiger Ehristbaum! Der Stamm und die Aeste aus Draht, Rinde und Nadeln aus Papier, und daran kleine rote Kerzen. Kitsch! Und doch trieb dieser „Kitsch" Hitter-Ägend tritt zur MM.-Sammlung an nicht wahr zu sein. Wieder geht rechts eine Leuchtkugel hoch. Drei dunkle Punkte sind sichtbar. Vorher waren sie noch nicht da. „Fertigmachen!", flüstert der Feldwebel. „Die kommen gerade auf uns zu. Keiner rührt sich!" Jetzt hört man ein Schleichen und Kriechen, ein Flüstern in — französischer Sprache und .. „Jetzt!" Ehe sich die Patrouille versieht, ist sie schon im deutschen Graben. Kein Schuß ist dabei gefallen. Im Kompanieführerunterstand brennt düster eine Kerze, ich schreibe gerade meine übliche nächtliche Meldung. Da fliegt die Zeltbahn weg, die. als Haustür dient, ich höre die Stimme meines Zugführers: „Herr Leutnant, wir hawwe drei Franzose!" Da gab es kein Halten, lieber die Schläfer auf der Stollentreppe geht's hinweg, so rasch es möglich ist. Und da stehen sie auch schon in ihren blauen Mänteln und — ein Trost — genau so dreckig wie wir. Der Feldwebel meldet, der Patrouillenführer, ein Korporal, salutiert. Ich hole mir den Mann ins Licht: „Quel regiment?'< — „34." „Georg!", sage ich, „das ist Ihr Christkindchen! Der Franzmann hat abgelöst. Auf die drei Mann da wartet der General schon seit Tagen. Sie bringen mit Keller und Weik zusammen ihre Gefangenen selbst zum Regiment. Sorgt nur dafür, daß die Kerle nicht miteinander reden können!" Im Dunkel' der Nacht verschwinden sechs Gestalten. Gegen Morgen kommt ein Melder vom Bataillon. Der Herr Regimentskommandeur behalte starken Männern, die Tod und Grauen gewöhnt waren, Tränen in die Augen. Um Mitternacht des 25. Dezember stand in dieser Stellung der Landsturmmann Keller der 5./116 auf Posten. Es regnete und regnete, schwarz war die Nacht, nur ab und zu wurde ihr Dunkel durch eine Leuchtkugel erhellt. Regungslos starrt der Posten ins Dunkel. „Quatsch — quatsch —" hört er es kommt jemand durch den Graben. Es ist der Zugführer vom Dienst, Vizefeldwebel Georg, einer der besten Unteroffiziere der 5. Kompanie, schon zweimal wegen Tapferkeit vorm Feinde befördert. „Na, Keller, was Neues?" — „Ich waas net, Herr Feldwebel, ich glaawe, da vorn stimmt was net. Ich maane, am Drahtverhau hätt' es gerappelt!", flüstert der Posten. Beide lauschen in die Nacht. „Quatsch — quatsch" — kommt es von links her durch den Graben. Es ist der Melder W e i k der 6. Kompanie, der eine Meldung zum Bataillon bringen will. „Halt! Ruhig stehenbleiben!", flüstert ihm der Feldwebel zu. Im Scheine einer fernen Leuchtkugel glaubt er eine Bewegung gesehen zu haben, doch schon ist der Spuk verschwunden. Was tun? Selbst das Vorgelände ableuchten? Schießen? Erst gestern Nacht, in der Weihnachtsnacht, sind weiter links zwei deutsche Kameraden glücklich in unsere Linien zurückgekommen, der Gefangenschaft und der Arbeit im Feuerbereich deutscher Geschütze entflohen. Angestrengt lauschen die drei in die Nacht. Man hört bald ein Klirren,' bald ein Flüstern, bald scheint es in der er zunächst darauf hinwies, daß der ] Führer nun auch die Jugend zur Sammlung für • die notleidenden Volksgenossen aufgerufen habe. Wer berufen fei, mitzusammeln, habe die Pflicht, - sich mit feiner ganzen Kraft dafür einzusetzen, daß . die Sammelaktion zu einem ganz großen Erfolg werde. So wie wir jetzt hier stehen, so stehe die Jugend im ganzen Reich als Einheit bereit, dem Winterhilfswerk zu helfen. Die Sammeltage sollen in der Einsatzbereitschaft der HI. allen Volksgenossen zum Beispiel werden. Mit dem Worte: „Nimmer wird das Reich zerstört, wenn Ihr einig seid und treu!" schloß Bannführer Schreiber seine kurze Ansprache. Mit dem Liede der Jugend „Vorwärts, vorwärts" fand der Appell feinen Abschluß. Sodann wurden die Abzeichen und Sammelbüchsen an die Sammler ausgeteilt. In Gefolgschaften und Fähnlein geschißen rückte die Jugend wieder ab. Singend zog sie durch die abendlichen Straßen. Bald darauf konnte man in den Straßen den bereits eifrig sammelnden Hitler-Jungen beim Verkauf der Abzeichen und der Entgegennahme von Spenden begegnen. Dabei entwickelten sie in anerkennenswerter Weise großen Eifer, der hoffentlich überall seine verdiente Gegenleistung im Spenden gefunden hat und im Verlaufe der Sammlung noch weiterhin finden wird. DerFühman diedeutscheJugend „Ihr seid das kommende Deutschland. Ihr müßt lernen, was wir einst von ihm erhoffen. Ihr seid noch jung, ihr habt noch nicht die trennenden Einflüsse des Lebens kennengelernt, ihr könnt euch noch jo unter- und miteinander verbinden, daß euch das jpätere Leben niemals mehr zu trennen vermag. Ihr müßt in eure jungen Herzen nicht den Eigendünkel, Ueberhebtichkeit, älaffenauffaffung, Unterschiede von reich und arm hineinlassen, ihr müht vielmehr in eurer Jugend bewahren, was ihr besitzt, das große Gefühl der Kameradschaft und der Zusammengehörigkeit. Wenn ihr das nicht preisgeben werdet, wird keine Wett es euch zu nehmen vermögen, und ihr werdet einmal sein ein Volk, genau so fest gefügt, wie ihr das jetzt seid als deutsche Jugend, als unsere ganze Hoffnung, als unseres Volkes Zuversicht und unser Glaube. Ihr . müht die Tugenden heute üben, die die Völker । brauchen, wenn sie groh werden wollen." Die Hitler-Jugend sammelt vom 19. bis 2 2. Dezember für das WhW. Der Reichspostminister teilt mit: Zur Unterstützung des Winterhilfswerkes bin ich damit einverstanden, daß bis Ende März 1936 Gabenfendun- gen als Poftftück oder Stückgut unentgeltlich mit Kraftpoften und, wenn es die Betriebsverhältnisse zulassen, auch mit Landkraftposten befördert werden. Bedingung ist, daß das Winterhilfswerk oder feine Vertretungen (Orts-, Kreis-, Gau- ufw. Vertretung) entweder Absender, oder Empfänger der Sendung ist. Als Gaben für die Winterhilfe gelten die vom Winterhilfswerk und seinen örtlichen Vertretungen beschafften oder gesammelten und von ihm unentgeltlich an hilfsbedürftige Personen abzugebenden Lebensmittel, Kleidungs- und Wäschestücke. Die Sendungen — bei Stückgütern auch die Frachtkarte — müssen den Vermerk „Gaben für die Winterhilfe des Deutschen Volkes" oder „Winterhilfe" tragen, Oie Kurzschristleistungen der Beamten bei der Prüfung. Der Vorsitzende der Landesdienststelle Hessen/ Hessen-Nassau des Deutschen Gemeindetages hat auf Vorschlag des Vorsitzenden des Prüfungsausschusses bestimmt, daß die in den vorläufigen Vorschriften über den Vorbereitungsdienst, die erste und zweite Verwaltungsprüfung bet den hessischen Gemeinden und Gemeindeverbänden vom 10. April 1934 geforderte Geschwindigkeit in Einheitskurzschrift wie- der (wie früher) auf 120 Silben je Minute herabgesetzt wird. Diese Aenderung tritt sofort in Kraft. Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, daß andere Systeme als die Einheitskurzschrift nicht mehr anerkannt werden. Oie Erneuerung des deutschen Chorgesangs. Die neuen Richtlinien für das Wertungssingen. Mit Beginn des neuen Jahres- tritt eine Neuregelung des Wertungssingens ein. Der Ausschuß für das Wertungsfingen im Deutschen Sängerbund in Frankfurt a. M. hielt eine Tagung ab, um sich mit den neuen Richtlinien zu befassen. Danach ist jeder Verein verpflichtet, innerhalb von drei Jahren mindestens einmal an einem Wertungssingen teilzunehmen. Bei den Meldungen der dazu aufgerufenen Vereine müssen die Chormeister, Stärke des Vereins, sowie ein Verzeichnis der in den letzten zwei Jahre eingeübten Chöre (darunter mindestens zwei Volksliederbearbeitungen) enthalten sein. Die ausgewählten zwei Chöre, die wie bisher , jeder Verein bei einem Wertungssingen zu singen hat, werden sechs Wochen vorher durch den Kreis- > chormeister bekanntgegeben, der auch auf Grund der - eingereichten Verzeichnisse die Dortragsfolge dec 1 einzelnen Vereine aufzustellen hat. Musikalisch min- meine Leute heute noch auf feinem Gefechtsstand. —> Am Abend des 26. kamen sie zurück. Freudestrahlend. Die Gefangenenaussage hatte wichtige Feststellungen erlaubt. Die Gefangenen waren wertvoller gewesen als wenn die Patrouille abgeschossen worden wäre. Deshalb hatte der Kommandierende General außer seiner besonderen Anerkennung die Verleihung des E. K. I an den Vizefeldwebel Georg und des E. K. II an den ßanöfturmmann Keller fernmündlich ausgesprochen. Aber woher die Auszeichnung selbst nehmen? Auf dem Gefechtsstand waren keine, die Leute aber wollten zur Kompanie zurück. Da griff der Regimentskommandeur Oberst Haffe an feine Brust und steckte dem Feldwebel fein eigenes E. K. I an, indes ein anderer Offizier des Regimentsftabes fein Ordensband auf Kellers Rock heftete. So hatte die unfestliche Weihnacht in Wasser und Schlamm doch noch mit einer Weihnachtsüberraschung geendet, auf die wir alle stolz waren. Vornotizen. Tageskalender für Donnerstag. NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen im Lyzeum; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Die blonde Carmen". 18 Uhr Kinder- und Fa- milien-Sonderoeranstaltung. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Gefangene des Königs". — Turmhaus am Brandplatz: 17 bis 19 Uhr Weihnachtsausstellung oberhessischer Künstler. Neichöpost und WHW. Hitlerjungen bei einer Straßensammluna für das WHW. — (Aufnahme: Reichsbildstelle Der HI.) Die große Sammelaktion der Hitler- Jugend für das Winterhilfswerk fand am gestrigen Mittwochabend einen eindrucksvollen Auftakt. Die Gefolgschaften der Hitler-Jugend und der gesamte Jungbann des Jungvolks traten zu einem großen Appell an, der die Jungens auf ihre große Aufgabe während der Sammeltage vorbereitete. In' geschloffenen Kolonnen marschierte die Hitler-Jugend mit ihren Fahnen vor dem Gymnasium auf, das Jungvolk trat in der Goethestraße an. Beide Einheiten marschierten dann auf dem Hof des Gymnasiums zum Appell auf. Bannführer Schreiber hielt, nach einem gemeinsam gesungenen Lied, eine kurze Anfprache, MM Nachdruck verboten! 14. Fortsetzung. herab. Mit angstvoller Spannung suchte Annelies wieder Mias Gesicht. Ihre Augen weiteten sich unnatürlich in jähem Erschrecken. Tiefblaß sank sie wieder in ihren Stuhl zurück, ihre Hände verkrampften sich ineinander. Keiner beachtete sie im Augenblick. Mia hatte Platz genommen und richtete die ihr aufgetragenen Grüße' aus. Sie mußte viel erzählen. Frau Euqeme wollte allerlei von ihrer alten Freundin wissen. Und Mia verstand es, zu erzählen. Eine reizende Frau! Eine entzückende Frau!, dachte Frau Eugeme. Günter saß wie im Fieber da. Nur selten einmal streifte er Annelies mit einem forschenden Blick. War es das Licht, das sie so blaß machte? Oder ...? Er nickte ihr stumm zu. Sie erwiderte es mit einem leichten Neigen des Kopfes; aber ihre Lippen schienen leise zu zucken und preßten sich plötzlich herb zusammen. „Beabsichtigen Sie, längere Zeit hierzubleiben, Frau Rechberg?" fragte Frau Eugenie. Mia hob die prachtvollen Schultern. „Das kommt ganz darauf an! Vermutlich aber! Vielleicht — wenn alles gut geht — sogar für immer ..." . Günter schien sich langsam aufzunchten. Sem Kinn hob sich, seine Augen wurden weit. Annelies sah es und wandte sich ab. Sie hatte das Fenster mit einem Stück Himmel vor sich. Die ersten Sterne Schimmerten mattgolden durch das scheidende Tageslicht Der Uebergang zur Dunkelheit macht die Abendferne hinter dem Fluß so undurchsichtig wie die Unendlichkeit, in der alles ertrank und versank. Alles — Liebe und Leben, Mensch und Welt. „Ich gehe mit der Absicht um, mich hier anzu- kaüfen'" fuhr Mia gleichmütig fort. „Ich habe auch schon ein paar Angebote. Unter anderem eine hübsche Villa direkt an See und Wald, geräumig, modern mit allem Komfort. Mit Garage und Chauffeurwohnung. Ein bißchen groß und einsam ist es ja wenn man so allein steht; ich kann mich daher noch nicht so recht entschließen. Aber wenn — gewisse Umstände sich günstig entwickeln, werde ich wohl zugreifen." Sie sind Witwe, wie ich horte?! sagte Frau Eugenie. „Sie werden ja sicher noch mal heiraten, so jung, wie Sie noch sind!?" Wieder hob Mia langsam die Schultern Nicht müde werden, Annelies! Vornan von Bernhard Lonzer. Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Derlag, Berlin. „Wer weiß ...! Wenn die erste Ehe eine Enttäuschung war, wenn man so als junges Ding blind und nicht ganz freiwillig hineingetaumelt ist, dann überlegt man es sich sehr reiflich. Dann muß es schon etwas ganz Großes, Ueberroältigenbes fein, was einem den Mut gibt, es noch einmal mit dem Glück zu versichern. Aber warum nicht. Das Bereitsein zum Glück ist wohl in jedem Menschen vorhanden — vielleicht kommt es auch zu unfereinem noch einmal. Besser spät, als nie ..." Es war ganz dunkel geworden, als sie sich verabschiedete. Günter stand auf, um sie hinauszube- gleiten. „Kommst du mit, Annelies?" fragte er. Ihr Blick war ganz leer. Ein paar dunkle Flecke brannten auf ihrem Gesicht. Langsam und merkwürdig schwer, als verursachte es ihr ungeheure Anftrenaung, erhob sie sich. Unwillkürlich legte sie einen Abstand zwischen sich und Günter, der dicht an Mias Seite durch den Garten zurückging. Mia schien ganz unbefangen, schien auch ihre Schweigsamkeit nicht zu bemerken. „Ihr könnt mich doch mal besuchen!" sagte sie. „Nicht wahr, Fräulein Fahrenkamp? Ich würde mich riesig freuen. Es ist natürlich nicht so, als wenn man jemanden im eigenen Hause empfängt; aber wir werden es uns schon nach Möglichkeit gemütlich machen. Und ich bin überzeugt, daß wir uns ausgezeichnet unterhalten werden. Darf ich Sie also mal zum Tee erwarten? Günter kann sich dann ja mal etwas früher im Geschäft frei machen und nachkommen. Einverstanden?" Annelies zögerte mit der Antwort. „Aber natürlich, das ginge schon!" entgegnete Günter an ihrer Stelle. „Wie denkst du, Annelies?" Im gleichen Augenblick bereute er schon, zugestimmt zu haben. Die beiden zusammen — sogar allein miteinander, bis man nachkommen konnte — das war es ja gerade, was man hatte vermeiden wollen. Aber zu seiner Erleichterung sagte Annelies mit seltsam müder Stimme: „Sehr liebenswürdig — aber vorläufig — ich weiß wirklich nicht? Meine Tante kränkelt seit einiger Zeit. Mal ist es besser, mal schlechter. Ich kann so schwer abkommen, kann wirklich nichts im voraus bestimmen." „Nun, mal läßt es sich schon ermöglichen. Ueber- kamp!" Gewandt begrüßte Mia auch Annelies. Kemer gewahrte den kalten, aber scharfen und abschätzenden Blick, mit dem sie die Nebenbuhlerin musterte. Ader Annelies war es, als ob Mias Gesicht, das sie einen Augenblick dicht vor sich hatte, irgendeine schwere, bedrohende Erinerung wachriefe. „Aber wir wollen doch Licht machen! sagte Frau Man hatte bisher in der Abenddämmerung gesessen in der es sich so schön plaudern ließ. Korbinian Sartorius stand noch immer m der Nahe der Tür. Stumm schaltete er letzt Die Beleuchtung ein. Eine strahlende Lichtflut stürzte von Der Decke „Ich muß um Entschuldigung bitten, Frau Senator, daß ich zu so unpassender Zeit bei Ihnen em- falle! Aber mir war doch, als hätte ich den Dien^ tag mit Günter für meinen Besuch ausgemacht. Ich sollte wohl anrufen, aber ich habe es $u meiner Schande muß ich es gestehen — total vergeßen. Ich war heute den ganzen Tog so in Anspruch genommen, daß es mir er ft vorhin beim 2Ibenöenen wieder eingefallen ist. Und um nicht unhöflich zu erscheinen, habe ich mich gleich aufgemacht. Hoffentlich komme ich nicht allzu ungelegen ... „Aber ich bitte ...!", versicherte Frau Eugenie eifrig. „Seien Sie herzlich willkommen! Der Senator hatte sich erhoben. „Mein Mann!", stellte Frau Eugenie vor. „Onkel Korbinians Bekanntschaft haben Sie ja bereits gemacht. Und Günther ist Ihnen ja auch kein Fremder „Allerdings nicht!", lachte Mia und schüttelte Günter die Hand. „Den Strolch habe ich noch sehr gut im Gedächtnis! Auch wenn ich ihn gestern nicht zufällig getroffen hätte!" Günter war ganz benommen und sagte: „Und das ist meine Braut, Annelies Fahrenlegt es euch. Du kannst mich ja gelegentlich mal anrufen, Günter, und Bescheid sagen!" Als Günter in das Haus trat, um Licht zu machen, hielt Mia Annelies einen Moment zurück und trat ganz dicht vor sie hin. „Sie kommen natürlich, Fräulein Fahrenkamp?" Wie eisige Härte klirrte es leise in ihrer Stimme. Annelies fühlte sich von einem kalten, feindseligen Blick erfaßt. „Ich weiß wirklich nicht ...!", erwiderte sie gequält. „Doch! Ich glaube, wir haben einiges miteinander zu reden — nicht wahr?" „Vielleicht ..." „Sehen Sie, das ist vernünftig! Man soll Unklarheiten so schnell wie möglich aus der Welt schaffen. Wann kann ich sie erwarten?" „Morgen nicht. Uebermorqen ..." „Gut!" Mit raschen Schritten trat Mia ins Haus. Günter wartete bereits. „Das ist aber nett, Günter!" sagte sie mit heiterer Unbefangenheit. „Fräulein Fahrenkamp hat es sich schon überlegt und zugesagt. Uebermorgen also, um fünf Uhr zum Tee. Wir erwarten, daß du dich so gegen halb sechs Uhr einstellen wirst, wenn du nicht den Zorn der Götter auf dein schuldiges Haupt herabbeschwören willst." Mit liebenswürdiger Gelassenheit verabschiedete sie sich- Günter wollte mit Annelies in den Garten zurück- gehen, aber sie lehnte ab: „Ich habe Kopfschmerzen und möchte zu Bett gehen." „Du wirst doch nicht etwa krank werden?" sagte er verlegen und schuldbewußt zualeich. Ein kümmerliches Lächeln schlich um ihre Lippen. „Es ist morgen wieder besser. Gute Nacht, Günter?" Langsam zog er sie zum gewohnten Gute-Nacht- Kuß an sich. Sie duldete es, aber sie hielt die Augen geschlossen, als er sie küßte, ihre Lippen waren kalt und wie leblos. „Schlaf wohl, Annelies?" hörte sie feine geliebte, aber doch fo seltsam fremde Stimme wie aus weiter Ferne kommen. „Gute Nacht, Günter!" wiederholte sie tonlos. (Fortsetzung folgt!) oerwertiges Liedergut kann nicht mehr auf Genehmigung rechnen. Man war sich in der Sitzung allgemein' darüber klar, daß die Einführung der neuen Richtlinien einen Markstein in der Entwicklung und Erneuerung des deutschen Chorgesanges bedeuten. Der Deutsche Sängerbund bezweckt damit die erzieherische und künstlerische Förderung der Vereine und eine systematische Steigerung ihrer technischen und gesanglichen Leistungsfähigkeit. Gleichzeitig soll dadurch das Gemeinschaftsgefühl gestärkt und vertieft werden. Die Ausschaltung aller üblen Leidenschaften und die Wahrung absoluter Sängerehrlichkeit ist der wahre Hintergrund für die Neuregelung des Wertungssingens in der Zukunft. Richtfeste bei der katholischen Kirche. Man berichtet uns: Vor etwa einem Vierteljahr hielt die Leitung der katholischen Kirche für die Handwerksleute der Baufirma Ab er mann und der Zimmerei Nuhn- Lollar anläßlich der Fertigstellung des Dachgebälks am neuen Kirchturm ein erstes Richtfest ab. Dabei hatten sich Kirchenvorstand und Geistlichkeit vollzählig eingefunden, um sowohl dadurch, als auch durch persönliche Bewirtung und im gemeinsamen Austausch den Arbeitern Dank und Anerkennung zu zollen für die besonders gefahrvollen Leistungen, die sie gerade bei diesem Bauwerk bis 60 Meter hoch hinauf vollbringen mußten. Inzwischen haben auch der Erweiterungsbau des Kirchenschiffs und der kleine Turm ihr Dachgebälk erhalten, und ein zweites Mal versammelte dieser Tage die Bauleitung die Maurer von Aber- mann, diesmal mit den Zimmerleuten der Firma Bell- Oppershofen zu einem Richtfest um sich. Bei beiden Anlässen würdigte der Kirchenvorstand die Achtung verdienenden Leistungen, die die Handwerker an diesem Bauwerk vollbringen mußten. Die hier mitgearbeitet hätten, dürften stolz darauf sein, an einem schönen Bauwerk gearbeitet zu haben, das durch Gestaltung und Größe eine neue Zierde der Stadt bilde und dem Gepräge des Stadtbildes bestimmenden Ausdruck verleihe. So oft sei er darauf angesprochen worden, wie emsig doch an der Kirche gearbeitet werde, ein Urteil, das er nur bestens bekräftigen könne. Er sage herzlichen Dank allen, die hier so tüchtige Hanowerksarbeit vollbracht hätten. Ein Vertreter der Firma Abermann beglückwünschte den Kirchenvorstand dazu, daß er mit diesen Anbauten des Turms und der Kirche die Vollendung eines Werkes erfahren dürfe, das er selbst begonnen und für das er sich durch lange Jahre mit Ausdauer und Zielbewußtsein eingesetzt habe. Er erblicke in den Einladungen zu den Richtfesten Anerkennung für die tüchtigen Leistungen, die die Werkleute geschaffen hätten, und danke zugleich diesen, daß sie durch die bewiesenen Kunstfertigkeiten an solchen, seit Jahrzehnten wieder erstmaligen Arbeiten sowohl den bewährten Traditionen ihrer Firma Ehre gemacht, als auch den Forderungen des neuen Reiches nach Vertiefung der Handwerksleitung in so ausdrucksvoller Weise entsprochen hätten. Für die Bauleitung gab Dipl.-Jng. Schmidt seiner Anerkennung Ausdruck für die tüchtigen Leistungen und gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Polier Dem gab für seine Maurer noch einmal einen Einblick in besonders schwierige Situationen des Gerüstbaues und hob einzelne Leistungen seiner besonders kaltblütigen Kletterer hervor. Er vermittelte weiter mit genauen Zahlen einen Einblick in die riesigen Mengen Materials und deren Bewegungen, die für Turm und Kirche erforderlich waren. Mit seinem Dank für das gebotene Richtfest verband er sodann die Mahnung, des Führers zu gedenken, in dessen großes Aufbauwerk sich auch diese Neubauten zweckdienlich einfüaten. Nachdem beim ersten Richtfest Polier Nuhn, beim letzten Herr Bell für die von ihnen vertretenen Zimmergeschäfte gleichen Namens ihren Dank und beste Wünsche für das Bauwerk zum Ausdruck gebracht hatten, kam durch Hilfsarbeiter Hammel der Humor zu seinem Recht. Er gab in mundartlicher Dichtung Begebenheiten aus der Bauzeit zum besten, inzünftig derber Art kleine Schwächen einzelner Kameraden glossierend. Zwei Zimmergesellen brachten ihr zünftiges Klatschlied zum Vortrag. .. Mit dem gemütvollen Gesang unserer unerschöpflichen Volkslieder nahmen die Richtfeste einen har- manischen Verlauf. Am Riegelpfad 30; 10. Friedrich Engel, Postafststent i. R., 77 Jahre alt, Stephanstraße 14; 10. Ernst Müller, Pfarrer, 66 Jahre alt, Bismarckstraße 45; 11. Clara Nagel, geb. Gerhard, 42 Jahre alt, Am Kugelberg 63; 11. Katharine Seuling, geb. Schwarz, Wwe., 84 Jahre alt. Am Kugelberg 4; 13. Luise Flick, Lehrerin i. R., 58 Jahre alt, Ludwigstraße 39; 14. Wilhelm Hebbel, Gerichtsvollzieher i. R., 65 Jahre alt, Wilhelmstraße 6; 14. Lina Dörfner, geb. Ziegler, Wwe., 51 Jahre alt, Kaiserallee 19. Schöffengericht Gießen. In der gestrigen Sitzung beschäftigte sich das Gericht mit dem Hermann Euler und dem Hermann Christmann, beide aus Gießen, wegen Dieb- tahls bzw Sachhehlerei usw. Etwa seit dem Jahre 1924 war der Angeklagte Euler beim Schlachthof in Gießen beschäftigt. In dieser Eigenschaft hatte er die Konfiskalkasten zu leeren und die dort unter- gebrachten, mit irgendwelchen Fehlern behafteten Fleischteile in den Abdeckereiraum zu verbringen. Anläßlich einer Revision des Abdeckereiraumes und der Konfiskalkasten bemerkte man, daß sogenannte „verworfene" Lebern abhanden gekommen waren. Da Euler zu den Räumlichkeiten Zugang hatte, fiel der Verdacht sofort auf ihn, und er verdichtete sich nwhr und mehr, als man am 12. August d. I. von acht beschlagnahmten Schweinelebern vier zeichnete und bei der Revision am gleichen Tage diese Lebern nicht mehr vorhanden waren. Man stellte schließlich fest, daß der Angeklagte Christ mann mehr Lebern verwandte, als er Tiere schlachtete. Bei einer Untersuchung der Kühl- und Pökelzellen des Christmann sand man die vier vorbezeichneten Lebern, die ihm von Euler gegen Zahlung kleinerer Beträge überlassen wurden. C h r i st m a n n verwandte seinerseits das krankhafte, gesundheitsschädigende Fleisch, das er sozusagen ständig von Euler bezog, zur Herstellung minderwertiger Wurst, die er als vollwertig verkaufte Während Euler die Tat unumwunden zugab, aber auf dem Standpunkt stand, daß es sich um genießbares Fleisch handelte, leugnete Christmann hartnäckig. Die Beweisaufnahme ergab jedoch einwandfrei die Schuld des Angeklagten. Das Gericht erkannte gegen Euler wegen eines fortgesetzten Diebstahls, sowie eines fortgesetzten Vergehens gegen das Lebensmittelgesetz auf neun Monate, gegen Christmann wegen fortgesetzter Sachhehlerei, sowie wegen eines fortgesetzten Vergehens gegen das Lebensmittelgesetz in Tateinheit mit Betrug auf ein Jahr Gefängnis. Zugleich wurde angeordnet, daß die rechtskräftige Verurteilung der Angeklagten auf ihre Kosten in den beiden Gießener Tageszeitungen öffentlich bekanntzumachen ist. ♦ An Stelle einer an sich verwirkten Gefängnisstrafe von 20 Tagen wurde der H. B. G. aus Ulrichstein wegen Urkundenfälschung mit 10 0 R M. Geldstrafe belegt. Wegen eines Vergehens gegen die Reichsabgabenordnung erhielt er 5 0 RM. Geldstrafe. Durch Fälschung von Urkunden versuchte der Angeklagte, im Juni 1935 gezahlte Schlachtsteuern zurückzuverlangen. Wegen Beleidigung wurden der K. St. aus Stumpertenrod, der K. Sch. aus Ermenrod und der H. V. aus Gelnhaar zu je drei Wochen Gefängnis verurteilt. Der M. W. aus Offenbach wurde wegen Sittlichkeitsverbrechens zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt. Das sind unsere Wahlziffern! Vor der Kreisführung des WHW. in Gießen wird uns mitgeteilt: Auf der Kreisführung des WHW. Gießen liegen RM. Damit ist Geilshausen im Verhältnis zur Bevölkerungszahl nicht nur im Gau Hessen-Nassau, sondern in ganz Süddeutschland die Gemeinde, die Ortsgruppenverzeichnis. nunmehr von den Geldsammlungen dieses Monats die genaue Ergebnisse vor. Sie_ zeugen wiederum von der Opferfreudigkeit der Bevölkerung in Stadt und Kreis Gießen. Während noch vor einigen Jahren ähnlichen Ziffern in ähnlichen Tabellen alle paar Monate die Spalten unserer Zeitungen füllten, tun sie es auch heute wieder. Nur handelte es sich damals um Stimmzahlen für Dutzende von Parteien, die die Rettung Deutschlands auf ihr Banner geschrieben hatten, die aber nicht verhindern konnten, daß trotz häufiger Befragung des deutschen Volkes das deutsche Volk langsam dem Ruin zueilte. Heute sind diese Zahlen das Sinnbild echter Volksgemeinschaft, der Ausdruck des geeinten Aufbau- willens eines Volkes, das der Partei seines Führers folgend alle Kraft zusammennimmt, um den damals in Not geratenen deutschen Brüdern helfen zu können. Und so soll die folgende Ausstellung nicht nur eine öffentliche Quittung über die eingegangenen Beträge sein, sondern für uns alle ein Ansporn, in diesem großen Liebeswerk des deutschen Volkes nicht zu erlahmen. Besondere Hervorhebung verdient das Sammel- ergebnis vom Tag der nationalen Solidarität der Ortsgruppe Geilshausen, der außer Geils-: hausen noch die Orte Lumda und Odenhausen angehören. Alle drei Orte zählen zusammen 12931 Einwohner Das Sammelergebnis betrug 442,30 an der Spitze steht. Nachfolgend die genaue Aufstellung: Der erste lag der h Z. ist da! Ihr alle! helft der HZ. helfen! Auch die Augen der Aermsten sollen an Weihnachten vor Freude strahlen. Der Glanz in den Augen der Zugend soll überall wieder leuchten! Gebt! Geben und Schenken i st r e i n st e s G l ü ck! Edelstein- Tag der Plakette nat. Solidarität Eintopf RM. RM. RM. Allendorf (Lda.) 89,80 146,65 138,90 Alten-Bufeck 42,10 78,74 66,81 Annerod 26,60 158,— 43,75 Bellersheim 47,25 77,89 58,35 Beltershain 48,25 140,— 51,65 Bersrod 95,70 168,73 122,60 Bettenhausen 62,88 97,44 119,50 Ettingshausen 60,65 216,80 68,75 Geilshausen 62,60 442,30 64,20 Gießen-Mitte ) ) 1064,45 Gießen-Nord ) 3380,12 ) 5589,68 809,01 Gießen-Ost ) ) 819,17 Gießen-Süd ) ) 933,44 Großen-Buseck 83,31 161,90 125,75 Großen-Linden 150,50 518,55 276,35 Grünberg 240,— 353,11 297,45 Grüningen 133,87 89,89 71,10 Harbach 38,45 45,41 33,40 Heuchelheim 106,38 151,13 223,75 Hungen 182,75 578,86 267,35 Klein-Linden 116,27 161,23 195,30 Lang-Göns 157,01 282,05 174,75 Lich 109,12 164,— 344,50 Lollar 108,— 246,93 280,10 Londorf 103,72 113,64 106,35 Mainzlar 77,21 145,54 140,45 Ober-Bessingen 55,90 187,46 69,40 Rodheim 36,52 49,91 41,20 Saasen 27,42 116,75 43,90 Steinbach 63,37 229,73 107,10 Trais-Horloff 44,11 93,89 90,70 Watzenb.-Steinbero 62,15 95,36 139,40 Weitershain 29,92 133,60 55,35 Wieseck 87,35 136,05 246,80 Gaststätten —,— —,— 218,20 Zusammen 5929,28 11171,22 7909,23 Weitere Geldspenden für das WHW. Dreimal mehr verbilligte Marmelade als im Vorjahr Seit mehr als vier Wochen ist wieder die verbilligte Marmelade auf dem Markt, die von den Gliederungen des Reichsnährstandes mit Hilfe der von der Zuckerindustrie zur Verfügung gestellten Mittel herausgebracht wurde. Diesmal handelt es sich um die dreifache Menge der im vergangenen Winter auf den Markt gekommenen Ware, nämlich um rund 2 Millionen Zentner für das Wirtschaftsjahr 1935'36, die jetzt zu dem verbilligten Kleinverkaufspreis von 32 Pfennig je Pfund in den Geschäften zu haben ist. Es ist kein Wunder, daß die Hausfrau gern zu dieser verbilligten Marmelade greift. Die Qualität dieser Ware ist ganz besonders gut und wird auch künftig durch verschärfte Herstellungsbedingungen gesichert, lieber die sonstigen gesetzlichen Vorschriften hinaus ist für die Fabrikation dieser Marmelade die Verwendung erheblicher Mengen von Edelobst vorgeschrieben. Dadurch ist die Marmelade zu einem ausgezeichneten Brotaufstrichmittel geworden, das von dem Verbraucher gerne gekauft wird und geeignet ist, auch über die gegenwärtige Verknappung auf dem Fettmarkt hinwegzuhelfen. Der Kleinhandel hat von der bis Mitte Dezember freigegebenen Menge bereits beträchtliche Vorräte auf Lager genommen. Damit ist eine erhebliche Vermehrung der Brotaufstrichmengen erreicht, und zwar in einer Güte, die jeden Vergleich aushält, und zu einem Preis, der für jeden erschwinglich ist ** Von der Universität. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der Führer und Reichskanzler hat den Veterinärrat Dr. Richard Stand fuß aus Potsdam mit Wirkung vom 1. April 1935 ab zum ordentlichen Professor in der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Gießen ernannt, mit der Verpflichtung, daß Lehrgebiet „Animalische Nahrungsmittelkunde" zu vertreten. ** Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 1. bis 15. Dezember: 3. August Petri, Schriftsetzer, 41 Jahre alt, Walltorstraße 67, 5. Mathilde Becker, geb. May, Wwe., 71 Jahre alt, Kaiserallee 1; 8. Dr. Albert Jesionek, Universitäts-Professor i. R., 66 Jahre alt, Frankfurter Straße 29; 8. August Seibert, Büroangestellter, 39 Jahre alt, Grabenstraße 9: 9. Heinrich Schneider, Rentner, 75 Jahre alt, Stephanstraße 44; 10. Brigitte Meisel, 2 Jahre alt, Weidengasse 7; 10. Magdalene Grimm, geb. Lang, 72 Jahre alt. Gesamtsumme der bisher eingegangenen Spenden 24 747.30 RM. 5. Dez.: Kriegerverein Oueckborn 4 RM.; Kriegerkameradschaft Beltershain 5; Spar und Dorschußkasse Mainzlar 10; Freiw. Feuerwehr Daub- ringen 5; Westerwald-Verein Gießen 8; Sparund Darlehenskasse Lollar 50; Firma A. Reinig, Gießen, 20; Frau Luise Reuning Gießen. 10; Juhu-Verein Lich 5; Ingenieur Ldw. Schunk, Gießen, 25; VAE. Gießen 20. 6. Dez: Kavallerie-Verein, Gießen, 20 RM.; Kriegerkameradschaft Oppenrod 5; Christliche Gemeinschaft Gießen 5; Gesangverein Konkordia Langsdorf 10; Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Real-Gymnasiums 20; Verein Deutscher Chemiker 20; Dr. Pauly, Gießen, 100; Freiherr von Lemmers, Gießen, 11. 7. Dev. Richtfest Abermann bei GAGFAG. 50,50 RM.; Brieftaubenverein Hungen 5; Bezugsund Absatzgenossenschaft Leihgestern 50; Spar- und Darlehenskasse Watzenborn-Steinberg 50; Kirchenchor Treis a. d. Lumda 3; Prof. Dr. Messer, Gießen, 20. 8. Dez.: Postkegelverein Gießen 10 RM. 9. Dez.: Geflügel- und Brieftaubenverein Lollar 10 RM.; Turnverein Lollar 5; Landwirtschaftlicher Konsumverein Mendorf a. d. Lumda 15; Freiwillige Feuerwehr Hausen 5,50; Akademischer Gesangverein Gießen 10; Bezugs- und Absatz-Genossenschaft Eberstadt 10; Gesangverein Jugendtreu Oueckborn 3; Turnverein Kesselbach 5; Gießener Hochschulgesellschaft 20; Kegelklub Erholung 10,70; Orchesterverein Gießen 5. 10. Dez.: Spar- und Darlehenskasse Großen-Linden 25 RM.; Radfahrervereinigung Klein Linden 10; Evangelische Frauenhilfe Geilshausen 10; Kleintier- zuchtoerein Daubringen 10,40; Spar- und Darlehenskasse Wieseck 25; Turnverein Klein-Linden 10; Kriegerkameradschaft Kyffhäuser Mendorf 5; Gesangverein Viktoria Garbenteich 8,60; Niederhausen und Co. 15; Deutsche Strenographenschaft Gießen 15; Evangelische Frauenhilfe Odenhausen 5; Turnverein Obbornhofen 5; Hubertus-Verein Gießen 20. 11. Dez.: Deutscher Sprachverein Gießen 10 RM. 12. Dez.: Oberhessrscher Gebirgsoerein Gießen 20 RM; Kriegerkameradschaft Muschenheim 5; Kegelkranz Vorwärts Wieseck 35; Jüngerer Vieh- versicherungsverein Wieseck 10; Radfahrer-Verein Münster 3; Bezugs- und Absatz-Genossenschaft Ober-Hörgern 10; Kanarienzucht- und Vogelzucht- verein Gießen 5; Kananenzüchterbezirk Gießen 5. 13. Dez.: Postkegelverein Gießen 5 RM.; Gesangverein Eintracht, Inheiden 5; Bezugs- und Absatzgenossenschaft, Stangenrod 10; Pferdeversicherungs- verein Grünberg 10; Altersvereinigung 1883/1933, Gießen 20; Kriegerkameradschaft Watzenborn-Steinberg 10; Kriegerkameradschaft Wieseck 20; Brieftaubenklub Gießen 10; Borromäusverein Gießen 5; Katholische Jungfrauenkongregation Gießen 5; Hch. Dippel III., Albach 18; Postverein 1906, Gießen 15; 1 Freiwillige Feuerwehr Annerod 5; Ministerialdirektor Urstadt 13; Johannes Mewes, Gießen 5. 14. Dez.: Gesangverein Liederkranz, Stockhausen 5 RM.; Kameradschaft der Leibgardisten, Gießen 12; Altersvereinigung 1882/1932, Gießen 15; Evangel. Frauenhilfe, Eberstadt 10; E. Weyl, Gießen 25; Sammlung im UC. 5,20. 16. Dez.: Obst- und Gartenbauverein, Wieseck 5 RM.; Sportverein Villingen 3; Gesangverein Neue Eintracht, Ober-Bessingen 3. 17. Dez.: Bezugs- und Absatzgenossenschaft Dorf- Gill 20 RM: Kriegeroerein Bettenhausen 5; Gesangverein Sängerkranz, Rodheim 10; 76. Reserve- Division 20; Frauengemeinschaft für Körperschulung 25; Gesangverein Heiterkeit, Gießen 5. Lohnspenden von Arbeitnehmern. 5. Dez.: Gefolgschaft Kaeß Nachf., Gießen 5,80 RM.; Kulturbauamt Gießen 5,30; Firma Faber, Schepp & Weimer, Gießen 5,70; Gailsche Tonwerke 47,70. 6. Dez.: Friedrich Teipel, Gießen 12,39 RM.; Bänninger, Gießen 237,80; Gemeindebeamten,Hungen 15,81; Schuhhaus Darrs, Gießen 18,35; Stem- pel-Kreuter, Gießen 25,87; Zigarren-Möser, Gießen 14,15; Georg Philipp Gail, Gießen 58,50; Pelikan- Apotheke 9,70: Verbrauchergenossenschaft Gießen 64,20; Malex, Kesselbach 9,55; Franz Bette, Gießen 12,35; DAF., Gießen-Mitte 149,20; Betriebsgemeinschaft Provinzial-Verwaltung, Gießen 403,80; Institut für Pflanzenbau 10,20. 7. Dez.: Fliegerhorstkommandantur, Kassel 7 RM.; Milchzentrale Gießen 22,87; Bekrusa, Gießen 14.80; Adolf Geisse, Gießen 15,25; P. I. Möbs, Gießen 64,96; Verein Aliceschule, Gießen 32,30; Veterinärklinik und Institut, Gießen 56,60; W. Frey, Lang- Göns 11,65; I. B. Häuser, Gießen 37,20. 9. Dez.: Finanzkasse Hungen 15,85 RM.; Opel- Motorwagen, Gießenl7,30; Kasse der Landesuniver- fität, Gießen 965,68; Wilhelm Röhrig, Gießen 11,86; L. Bratfisch, Gießen 5; Münchowsche Druckerei, Gießen, 12,72; Brühlsche Druckerei, Gießen 103,65; Firma Abermann 99,80, 10. Dez.: Industrie- und Handelskammer 15,70 RM.;Harries & Co. 7,96; Theodor Köhler, Gießen 9,48; Pistor Nachf., Gießen 6,06; Gustav Geisse, Gießen, 30,90; W. Zimmer, Gießen 18,65; I. B. Noll, Gießen 167,45; Friedrich Guhr, Gießen 30,80. 11. Dez.: Didier-Werke, Mainzlar 115,02 RM.; Arbeitsamt Gießen 11,10; Tribus & Sundheim, Gießen 17,48; Frischdienst, Gießen 23,15; Franke & Co., Gießen 8,45; Textilhaus Graf 24,15; Orth. Universitätsklinik 27,02. 12. Dez.: DAF., Gießen 25,42 RM.; Herrenbekleidungshaus, Gießen 19,56. 13. Dez.: Baugeschäft Freitag, Gießen 44,39 RM. 14. Dez.: Landkrankenkaffe Gießen 8,50 RM.; Mannesmann-Röhren, Büro Gießen 6,60; Reichs- Luftschutzbund, Gießen 5,45; Singer-Nähmaschinen, Gießen 6,65; Eierteigwaren, Gießen 19,90. 16. Dez.: Fliegerhorstkommandantur, Kassel 29,15 RM : Deutsche Bank und Diskontogesellschaft 37,05; DAF., Gießen-Süd 107,49. 17. Dez.: Buderus, Lollar 433,82 RM.; Dampfsägewerk B. Nuhn, Lollar 300; B. Nuhn, Lollar 26,90; Abendstern 42,04; Keil, Hattenrod 26,50; Dresdner Bank, Gießen 55,10. Gesamtsumme 30 397,95 R7N. Weiterhin wurde noch ein Bild von der Kunsthandlung Leib gestiftet. (Siebener Wochenmarkkpreise. * Gießen, 19. Dez. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Markenbutter 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (inländische), ungezeichnete 10 bis 11, Wirsing, das Pfund 10 bis 12, Weißkraut 8, Rotkraut 12, Gelbe Rüben 10, Rote Rüben 10, Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 7 bis 8, Grünkohl 10 bis 15, Rosenkohl 20 bis 30, Feldsalat 80 bis 90, Zwiebeln 10, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln, das Pfund 4, 10 Pfund 39 bis 41 Pf., der Zentner 3,30 bis 3,50 Mk., Aepfel, das Pfund 10 bis 30 Pf., der Zentner 10 bis 30 Mk., Birnen, das Pfund 12 bis 25 Pf., Nüsse 45 bis 55, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 1,20 bis 1,25 Mk., Tauben, das Stück 50 Pf., Blumenkohl 10 bis 60, Endivien 5 bis 12, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 12, Rettich 5 bis 10, Sellerie 5 bis 25 Pf. Gebrüder „Ehrlich" vor Gericht. Unsaubere und betrügerische Geschäfte zweier Juden. LPD. Bad Vilbel, 18. Dez. Das Amtsgericht Vilbel hatte sich am Mittwoch mit einer Strafsache gegen die jüdischen Gebrüder Sally und Sigmund Ehrlich aus Nieder-Eschbach zu befassen, denen Steuerhinterziehung, Vergehen gegen das Schlachtsteuer- und Fleischbeschaugesetz, sowie andere Delikte zur Last gelegt wurden. Sigmund Ehrlich war außerdem beschuldigt, dem jüdischen Ritus entsprechend Tiere geschächtet zu haben, obwohl dies nach den neuen gesetzlichen Bestimmungen strengstens verboten ist. Im Juli dieses Jahres tauchte durch besondere Umstände der Verdacht auf, daß der jüdische Metzger Sigmund Ehrlich in Nieder-Eschbach mehrere Kälber geschächtet hatte. Die Polizeibehörde nahm daher, zumal einige Tage vorher in Oberhessen ein ähnlicher Fall festgestellt worden war, eine Besichtigung des Betriebes des Angeklagten vor. Dabei fand man im Schlachthaus drei bereits geschlachtete Kälber, denen jedoch Kopf und Beine fehlten. Dieser Umstand und besonders auch die Tatsache, daß die Tiere ohne vorherige Fleischbeschau und ohne Entrichtung der Schlachtsteuer getötet worden waren, verstärkten nur noch den Verdacht, daß man die Tiere geschächtet hatte. Hinzu kam noch, daß am Tage der Schlachtung ein im Dorfe als Schächter bekannter auswärtiger Jude bei Sigmund Ehrlich zu Besuch war. Als man die weiteren Räumlichkeiten besichttgte, mußte man feststellen, daß nicht nur der Metzgerladen selbst, sondern auch das Schlachthaus einen äußerst schmutzigen Eindruck machten. Man fand Tierkadaver und Fleischreste, die zum Teil schon in Verwesung übergegangen waren. Der Metzgereibetrieb wurde daraufhin geschlossen. Im Kuhstall des Gehöftes lag, in einen Sack gehüllt, ein geschlachtetes Kalb, das ebenfalls schon schlecht war. Wie Sigmund Ehrlich hierzu erklärte, hatte sein Bruder Sally diesen Sack mit Inhalt während seiner Abwesenheit hierher gebracht. Nun nahm man eine Durchsuchung der brüderlichen Wohnung vor und machte dabei die Feststellung, daß Sally Ehrlich schon seit einem halben Jahre Tiere schlachtete, ohne hierzu überhaupt eine Genehmigung zu haben, die ihm nicht erteilt worden wäre. Die Schlachtungen hatte er zum Teil in seiner eigenen Waschküche, zum Teil bei seinem Bruder vorgenommen. Bücher führte er nicht und hatte auch während der ganzen Zeit keine Steuern abgeführt, so daß das Finanzamt nicht unwesentlich geschädigt wurde. Das bei Sigmund Ehrlich vorgefundene halbverweste Kalb hatte der Glaubensgenosse Oppenheimer von einem Landwirt zum Fellpreise von 5 Mark gekauft. Bei diesem Kauf bemerkte der Landwirt ausdrücklich, daß das Tier schon fünf oder sechs Tage lang nichts gefreßen fjabc und krank fei. Trotzdem verkaufte es Oppenheimer als Schlach11ier für 16 Mark an Sally Oppenheimer. In der Gerichtsverhandlung konnte Sally Ehrlich, der übrigens schon zweimal vorbestraft ist, die ihm zur Last gelegten Vergehen nicht bestreiten und wurde daher wegen Vergehens gegen das Umsatzsteuergesetz, die Reichsabgabeordnung, das Schlachtsteuergesetz, die Gewerbeordnung, sowie wegen der weiteren Delikte zu insgesamt 550 Reichsmark Geldstrase verurteilt, an deren Stelle im Nichtbeitreibungsfalle für je 5 RM. ein Tag Gefängnis tritt. Sigmund Ehrlich erhielt wegen fast der gleichen Vergehen eine Geldstrafe von insgesamt 2 60 RM. bzw. 5 2 Tage Gefängnis. Außerdem wurde er wegen Vergebens gegen das Gesetz über das Schlachten von Tieren und das Tierschutzgesetz zu einer Gefängnis« ftrafe von drei Monaten verurteilt. Obwohl der Sachverständige betonte, daß nach dem Befund eine Betäubung der in Frage stehenden Kälber nicht stattgefunden habe, daß außerdem die Tatsache, wie man den Hals der Tiere durch» schnitten habe, darauf schließen lasse, daß hier eine Schächtung vorliege, zumindest aber keine Betäubung, konnte ein einwandfreier Beweis für das dem Angeklagten zur Last gelegte Vergehen nicht geliefert werden. tl E n d e. Oberheffen Freiübg. Reck Begegnungen dieser tru- 124 120 104 band Vereinsführer Hofmann (Rodheim) Dank an die Turnermannschaften und an die Rodheim Krofdorf Kinzenbach In den 17 19 18 Pferd 118 118 106 ltsgericht rtrafsache Sigmunb befassen, gen das sowie Ägmund jüdischen u haben, Bestim- ver- den bei» rtH Wik Barren 132 126 117 bisherigen besondere che Meh- mehrere )e nahm -erhe/fen ine Be- celte gelb Beine ; die Tat- schbeschau r getötet Verdacht, inzu kam im Dorfe • bei Sig- die weite- nan fest' elbst, son- i schmutzi« ;aver und ung über- b wurde Gehöftes etes Kalb, Sigmund der Sally Abwefen' Kajr. eichnete Weiß. Rüben Grün- üat 80 >'« 60, 130 bis N-. bet > 12 bis 80 bis 15 Stück bis 12. lettich 5 davon sprechen konnte, daß in den Mannschaften von Rodheim und Krofdorf ein Versager gewesen wäre. Kinzenbach fiel allerdings durch zwei Versager sehr zurück. Im Ergebnis am Reck blieb Krofdorf mit vier Punkten hinter dem Sieger. Kinzenbach blieb 20 Punkte zurück. Als beste Einzetturner erwiesen sich bei den Aktiven, jeweils ohne die Freiübung: 1. Bender (Rodheim), 55 Punkte: 2. R. Reeh (Rodheim), 3. Ad. Leib und O. Röhrsheim (Krofdorf), 49 P.; 4. K. Würtz (Krofdorf), 48 P.; 5. W. Bepler (Kinzenbach), 47 P.; 6. O. Schlierbach (Rodheim), 46 P. Altersturner: 1. K. F a i l i n g (Rodheim), 56 Punkte: 2. E. V i eh m a n n (Kinzenbach), 48; 3. K. Gisse! (Rodheim), 46; 4. W. Schneider (Krofdorf), 45 Punkte. Jugend tu rner: 1. K. Wagner (Krofdorf), 46 Punkte; 2. W. Reeh (Rodheim), 41; 3. Ehr. Schmidt (Krofdorf), 40; 4. R. Mandler (Kinzenbach) und K. P a u s ch (Rodheim), 38 P. Die Einzelergebnisse an den Geräten: schäften konnte Krofdorf zweimal den Sieger stellen. Rodheim belegte einmal den 3. und in Kinzenbach den 2. Platz. Kinzenbach kam für den Sieg bisher nicht in Frage. Krofdorf und Rodheim zeigten die besseren Standard-Leistungen. Krofdorf den stets objektiv amtierenden Kampfrichter Rinn und Groh. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf Führer, Volk und Vaterland sand die Veranstaltung ihren Abschluß. Wnachls-Iamilien-Abend der ASKOV und AS.-G „Kraft durch Zreure". wartete in allen drei bisherigen Kämpfen mit absolut gleichen Leistungen auf. Den Hauptanteil am Siege der Rodheimer in diesem dritten Kampf gen die Altersturner. Mit dem Schlußwort und der Siegerehrung wirt", wo den Gästen von der Firma in üblicher Weise ein Freitrunk gespendet wurde. In jeder Werse befriedigt von all dem Gesehenen kehrten dre Teilnehmer des Ausflugs in ihre Heimatgemernden zurück. Kreis Friedberg. * Gambach, 18. Dez. Der 74 Jahre alte Land- wirt Jakob Klein von hier stürzte heute so unglücklich, daß er mit schweren inneren Versetzungen nach Gießen in das Krankenhaus gebracht werden mußte. Kreis Büdingen. * Ober-Widdersheim, 18. Dez. Der Steinbrucharbeiter Ernst Koch von hier erlitt bei der Arbeit eine schwereQuetschungderrechten Hand, die es erforderlich machte, den Verunglückten nach Gießen in die Klinik zu bringen. Kreis Schotten. * Freienseen, 18. Dez. Bei seiner Arbeit wurde der 27 Jahre alte Schmied Heinrich Weber von hier von einem bei der Bearbeitung aus der Zange abspringenden glühenden Hufeisen an den Kopf getroffen und über dem linken Auge durch Brandwunden erheblich verletzt. Der bedauernswerte Mann mußte nach Gießen in Klinikbehandlung gebracht werden. Gesamt 391 345 Mann- der Straße zwischen Erzhausen und Grafenhausen, sowie wegen zwei vollendeter und eines versuchten Falles des Diebstahls im Rückfall zu einer Gesamt Zuchthaus ft rafe von 12 I ähren und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren verurteilte. Gleichzeitig ordnete das Gericht die Entmannung des Verurteilten an. Mord und Selbstmord in einem Odenwaldstädtchen. LPD. Kirchzell (Odenwald), 18. Dez. Eine furchtbare Bluttat ereignete sich am Dienstag in Kirchzell. Der 42 Jahre alte Emil Körber lebte schon seit längerer Zeit mit seiner Frau in Unfrieden. Vor etwa vier Wochen hatte die Frau mit ihren drei Kindern im Alter von 7, 10 und 14 Jahren ihren Mann verlassen und war zu ihren Eltern gezogen. Gestern gegen 15.30 Uhr kam der Mann zu ihr und forderte sie auf, wieder mit ihm nach Hause zu gehen. Die Frau weigerte sich und erklärte, er habe sie in den 15 Jahren ihrer Ehe zu sehr drangsaliert, als daß sie mit ihm weiter Zusammenleben wolle. Darauf zog Körber eine Armeepistole aus der Tasche und feuerte auf seine Frau einen Schuß ab, der jedoch fehlging. Er gab dann einen zweiten Schuß ab und tödlich getroffen sank die Frau zu Boden. Die Mutter der Ermordeten und eine Verwandte von ihr, die im Zimmer waren, kamen bestürzt heraus und riefen um Hilfe. Zwei Brüder der Ermordeten gingen darauf in das Haus hinein und wollten Körber die Waffe abnehmen, was ihnen aber nicht gelang. Rach einem Handgemenge machte der Mörder seinem Leben mit einem Schuß ein Die Großkreis - Fachgruppe d e r Kaninchenzüchter in Oberhessen veranstaltete am 14. und am 15. Dezember im Saale zum Johannesberg in Lauterbach eine große Kaninchen- und Pelzausstellung, die aus allen Kreisen unserer Provinz sehr gut beschickt war. Da die meisten Vereine bereits Vorschauen abgehalten hatten, kam nur das beste Material zur Schau, so daß die Preisrichter keine leichte Arbeit hatten. Die Ausstellung fand viel Interesse. Reben den zahlreichen fachlich interessierten Besuchern sanden sich auch Vertreter der Behörden (Stadt und Kreisamt) und der Bauernschaften zur Besichtigung der Anstellung ein. Rach der Begrüßungsansprache bei der Eröffnung der Ausstellung durch den Ausstellungsleiter W. Schmidt, sprach der Kreis- Fachgruppenoorsitzende über die Bedeutung der Kaninchenzucht. Er dankte allen, welche die Ausstellung unterstützten. Nachstehend die Preisträger aus dem kreise Gießen. Belgische Riesen: Gg. Schellhaas (Gießen), 1 Preis. WeißeRiesen : Emil Kern (Gießen), zwei 1., drei 2., zwei 3. Preise und Zuschlags-Ehrenpreis; Wilh. Bender (Gießen), 1. und 3. Pr.; Gg. Schellhaas (Gießen), zwei 2. und 3. Pr.; Albert Nuhn (Gießen), 3. Preis. Deutsche Widder: Hans Becker (Lollar), zwei 1., zwei 2. Preise; Jos. Wagnör (Grünberg), 1. und 3.; Willi Schultheiß (Lollar), drei 2. Preise. Franz. Silber: Emil Brokopf (Lollar), 1. Pr.; Walter Horst (Grünberg), 2. u. 3.; Karl Repp (Grünberg), zwei 1.; Herrn. Schäfer (Grünberg), 1.; Gustav Aff (Stangenrod), zwei 2.; Hch. Röder (Grünberg), 1. Preis. Deutsche Groß-Silber: Gustav Aff (Stangenrod), l.Pr.; Hch. Lehr (Lollar), 2. Preis. Groß-Chinchilla: Hch. Röder, 1. und zwei 2. Preise; Gustav Aff, 2. Preis. Blaue Wiener: Otto Lehr (Daubringen), drei 2. Preise. Weiße Wiener: Karl Stumpf (Leihgestern), Silberne Medaille der Landesfachgruppe u. 2. Pr.; J5.70 Än x 30,80. RH. JfQntt Vrth. 'beklei. 3 RH. A Reich;, chinen, 1 29,15 37.05; Oampf, Dollar 26,50; er brühet- it M-l- im halben Haupt eine rteiü wor; zum Teu bei seinem i# “ni int 6kw i)t Mwe- ' Ob' ur^httn vM ifiS { Mer * ii-'to d» Kirche und Schule. Kreis Friedberg. (D Kirch-Göns, 17. Dez. Am Sonntag weilte der zuständige Dekan des Dekanats Gießen, Dekan Sattler (Wieseck), bei uns, um eine ordentliche Kirchenvisitation abzuhalten. Es war die erste wieder seit 17. Juni 1923, die der damalige Superintendent D. Petersen, jetzt in Darmstadt im Ruhestand lebend, gehalten hatte. Nach der Predigt des Ortsgeistlichen, der von dem gleichen Dekan am 20. Januar dieses Jahres hier in sein Amt eingeführt worden war, hielt der Visitator an dem schön geschmückten Altar im Zeichen des hier zum ersten Male aufgehängten Adventskranzes eine Ansprache über die Frage des Johannes im Gefängnis: „Bist du, der da kommen soll?" und ermahnte die Gemeinde, im Geisteskampf in Wort und Wesen zur rechten Antwort stets bereit zu sein. Eine Katechese mit den Konfirmierten und der Schuljugend schloß sich an. Nach einer Besprechung mit dem Organisten Nern (Pohl-Göns) schloß sich im Pfarrhaus eine Sitzung mit dem Kirchenvorstand an, in der u. a. die Verteilung von Traubibeln angeregt wurde, wie die Beschaffung weiterer Paramente durch die Evangelische Frauenhilfe. Auch andere brennend gewordene Fragen wurden behandelt. lieber die würdige Herstellung des Pfarrhausäußeren in diesem Jahr sprach Der Visitator der bürgerlichen Gemeinde seine Anerkennung aus. * Pohl-Göns, 17. Dez. Nachdem am 9. Dezember 1928 durch den damaligen Dekan Guß- mann, Kirchberg, die letzte ordentliche Kirchen- Visitation hier stattgefunden hatte, war für den 3. Advent in Vertretung von Propst Trommers- hausen durch den jetzigen Dekan Sattler, Wieseck, eine solche angesetzt worden. Die Beteiligung der Gemeinde war dabei, wie in der am selben Tag vom Visitator besuchten Nachbarpfarrei Kirch- Göns, sehr gut. Pfarrer Schaad predigte über Joh. 3, 30: „Er muß wachsen, ich aber muß ab- nehmen." Auch der Visitator legte seiner Ansprache eine Johanneswort: Matth. 11, 3 zu Grunde. Den Organistendienst versah, auch in dem Jugendgottesdienst mit Konfirmierten und Schuljugend, Organist Volk, Pohl,Göns. In dem Sitzungszimmer des zur Zeit vermieteten Pfarrhauses fand eine Sitzung mit dem Kirchenvorstand statt, auch eine Einsichtnahme in die dort aufbewahrten Akten. Abgelehnte Hostbeschwerde. * Darmstadt, 18. Dez. Die Justizpressestelle Darmstadt teilt mit: Am 6. Dezember 1935 kam es zwischen dem Hermann Hofmann aus Büdingen und einem Kaufmann aus Gedern in der Landkreis Gießen. X Wieseck, 18. Dez. Nachdem unsere E v a n - gelische Frauenhilfe die Freude hatte, bei s -ihrer Adventsfeier die Geschäftsführerin des Versandes, Fräulein Wahrendorf, zu begrüßen, konnte sie am 3. Advent Gast bei der Adventsfeier Oer NS.-Frauenschaft sein. Im Wechsel von Gedichten, Lesungen und kleinen Aufführungen, ine der Begrüßung durch die Leiterin Frau M ö b u s folgten, vergingen schnell die Stunden an den reizvoll adventtich geschmückten Tischen unter dem Adventskranz. Dekan Sattler dankte im Namen der Gäste und wies auf das hier vorbildliche Ver- -hältnis von Frauenschaft und Frauenhilfe hm, die . beiden Schwestern seien auf dem Weg zum gleichen Ziel, dem Wohl des deutschen Volkes. Am Ende Der Kaffeetafel wurde in der üblichen Weise des Führers gedacht. 3 Daubringen, 18. Dez. In der Zeit vom A4 bis 16. Dezember wurden hier für die I n - mere Mission (karitative Verbände) gesam- inelt: an Geld ca. 27 Mark, ferner verschiedene Lebensmittel, wie Eier, Kakao, Wurst, Mondamin unö Tee. — Die NSG. „Kraft durch Freude" ver- cnnstaltet am kommenden Samstag, 22 Uhr, am Hölzernborn bei Daubringen eine Winter- Sonnwendfeier, wobei die SA.-Kapelle Lollar mitwirkt. _ m . - Lang-Göns, 18. Dez. Im Rahmen des Winterhilfswerkes wurden in unserer Gemeinde 55 Zentner Kartoffeln und 5 Zentner Ge- müse gesammelt. Außerdem war das Ergebnis der Sammlung von hochwertigenLebens- mitteln (Kakao, Kaffee, Fleisch, Wurst usw.) für Denselben Zweck recht befriedigend Als Sammlerinnen betätigten sich Mitglieder der evangelischen Geräte-Mnnschastskampf in Rodheim Rodheim siegt vor Krofdorf und Kinzenbach. Erfolge der KamnOenzWer des Kreises Gießen Ausstellung in Lauterbach. Jrauenhilfe. . ' _ ,,, L L i ch, 18. Dez. Heute morgen, turß nach 3 Uhr, Cäutete in unserer Stadt auf dem Stadtturm die Brandglocke und ertönte gleichzeitig das Brandsignal der Sicher Freiwilligen Feuerwehr. Auf dem Hofe der Buchhandlung Volk- mann waren auf bisher ungeklärte Welse einige leerstehende Kisten in Brand geraten. Glücklicherweise wurde der Besitzer des Hauses, Herr V o l k m a n n , selbst rechtzeitig auf das Feuer aufmerksam, fo daß es ihm gelang, ohne weitere Hilfe dasselbe vollkommen zu loschen und wei- Keren Sachschaden zu verhüten. Die wenige Mmu- üen nach Ertönen des Brandalarms angeruckte Areiwillige Feuerwehr brauchte infolgedes en nicht mehr einzugreifen. Trotzdem muß die Schlagfertigkeit der Licher Wehr, die sie auch hier wiederum unter Beweis stellte, lobende Anerkennung finden. A Lich, 18. Dez. Heute machte die Bauer - lliche Werkschule Gießen unter Führung ihres Leiters Dr. Lung und der anderen Lehrer »einen Lernausslug nach unserem Städtchen. Ent- ssprechend ihrer praktischen Einstellung wurden solche Anlagen besucht, die mit dem landwirtschaftlichen Berus in Beziehung stehen. Zunächst fand eine Berichtigung der weltbekannten Maschinenfabrik Schie- Iferftein & Söhne statt, wo Lehrer wie Schüler sich nn Schreinerei und Schlosserei von der Herstellung mnd Zusammensetzung der Bodenbearbeitungs-, «Saat-, Dünger- und Erntemaschinen in ihren einzelnen Folgen überzeugen konnten, die dem Land- rwirt seine Arbeit erleichtern und fördern. Im fürst- llichen Oekonomiehof war Gelegenheit geboten, einen Blick in die mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit und Sauberkeit betriebene Viehhaltung und Musterwirtsschaft zu tun, die das Herz des Landmannes erfreuen muß und ohne weiteres zur Nachahmung ireizt, sofern die finanziellen Mittel es erlauben. Der Nachmittag brachte die Teilnehmer in die Brauerei Don Jhring-Melchior, der Abnehmerin von guter Braugerste des praktisch denkenden und mit der Zeit fortschreitenden Landwirtes. Hier konnten sie sich Dekanntmachen mit der Behandlung der Rohstoffe, ungefangen von der Reinigung der Gerste bis zu ihrer Ueberführung in das zur Bierbereitung fertige Malzprodukt. Interessant war auch der Gang Durch die Maschinen-, Gär- und Keller-, Abfull- und Neinigungsräume der Fässer bis hin zum „Stern- Nähe von Calbach zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf Hofmann dem Kaufmann aus Gedern eine Schußverletzung am Hals beibrachte. Das Ermittlungsverfahren, welches die Staatsanwaltschaft in Gießen eingeleitet hat, ist noch nicht zum Abschluß gelangt. Die Mitteilung des Ergebnisses des Ermittlungsverfahrens zu gegebener Zeit bleibt vorbehalten. Der Täter Hofmann befindet sich in Untersuchungshaft. Die von ihm gegen den Haftbefehl eingelegte weitere Beschwerde wurde vom Strafsenat des Oberlandesgerichts Darmstadt zurückgewiesen. Zwölf Jahre Zuchthaus für einen Sitllichkeitsverbrecher. :ne t)«16' Oppen' preise w" net»e ,ch°n f“n h°b- ® fteimer ID W® , ealll Ä i nÄt jene < nm«. nn »«' 5 "" n W* °°" S-' Gg. Buß (Grünberg), Ehrenpr. des Landesbauernführers, zwei 1. und 2.; Hans Keller (Grünberg), zwei 2.; Joh. Böcher (Grünberg), 2.; Fritz Ledermann (Hungen), E. u. 2.; Heinrich Wagenbach 2.; Karl Kirchner (Gießen), E. und zwei 1.; Karl Schneider (Garbenteich), zwei 1. Preise. Japaner: Willi Jung (Holzheim), 2. Pr.; Lud» wig Arnold (Albach), 3. Preis. Hasen: Hch. Walther (Daubringen), 3. u. l.Pr. Lux: Otto Stech (Gießen), 2 E. u 1. Pr.; Karl Berghöfer (Gießen), 3. Pr.; Hch. Schneider (Steinbach), Ehrenpreis. Englische Schecken: L. Kreiling (Gießen), 2. Preis; Karl Henkel (Grünberg), 3. Preis. Marburger Feh: Willi Zahrt (Großen- Linden), zwei l.Pr.; Paul Friedrich (Grünberg), 1. u. 2.; Wilh. Opper (Daubringen), 3.; Friedrich Wagenbach (Mainzlar), 3. Preis. Silberkaninchen: Gust. Hoffmann (Stangenrod), drei 2. und 3. Pr.; Hch. Schneider (Steinbach), 1.; Karl Schneider (Steinbach), 3.; Ludwig Schäfer (Daubringen), 3.; Friedrich Walter (Daubringen), 3.; Karl Wagner (Grünberg), 1.; Hans Frank (Grünberg), 1. u. 3.; Wilh. Ullrich (Gießen), 3. Preis. Holländer: Karl Erbes (Stangenrod), 2. und 3 Preis; H. Panzer (Trohe), E.; Wilhelm Magel (Steinbach), 2. Preis. Schwarz loh: Heinrich Müller (Leihgestern), zwei 1. Preise; Otto Schäfer (Großen-Linden), drei 1.; Ehr. Stichler (Grünberg), 1. unb 3.; H. Sommer (Steinbach), 1.; Karl Bingel (Holzheim), zwei 3. und 2. Preis. Hermelin: Willi Zahrt (Großen-Linden), E. und zwei 1.; Justus Volz (Heuchelheim), E. und zwei 1.; Ludw. Kreiling (Gießen), 1. u. 2.; Otto Stech (Gießen), 1. u. 2.; Wilh. Magel (Steinbach), 1. Preis. Rexkaninchen: O. Urstadt (Gießen), 1. Pr. Jugendgruppenschau: Erich Sann (Holz- heim), zwei 2.; Karl Jung (Holzheim), 2.; Albert Müller (Holzheim), E.; Heinrich Keßler (Steinbach), 2. Preeis. LPD. Darmstadt, 18. Dez. Am 14. ber hatte sich auf der Straße zwischen Roßdorf und Traisa bei Darmstadt ein schweres Sittlichkeitsverbrechen ereignet, das dank der energischen Arbeit der Kriminalpolizei jedoch nach wenigen Tagen aufgeklärt werden konnte. Als Täter wurde der vorbestrafte 29 Jahre alte Peter F e r- t j g aus Urberach ermittelt. Bei den Ermittlungen fand man im Haufe des Fertig auch noch allerhand Diebesgut, zum größten Teil aus Autodiebstählen stammend. Außerdem ergab sich, daß er auch in anderen Fällen der versuchten Notzucht verdächtig war. Fertig stand jetzt vor der Großen Strafkammer, die nach eingehender Beweisaufnahme den bis zum Schluß leugnenden Angeklagten wegen einer vollendeten Notzucht und gefährlicher Körperverletzung, wegen einer versuchten Notzucht unb schweren Raubes an einem Mäbchen im Juli b. I. auf ber Straße Messel- Gunbernhausen, unb wegen einer versuchten Not- Im Cafe Leib fand am gestrigen Mittwochabend der Weihnachts-Familienabend b e r NS.-Kriegsopferverjorgung statt, dessen Ausgestaltung in kameradschaftlicher Weife die NSG. „Kraft durch übernommen tjatte Aus ber Ortsgruppe Gießen ber NvKOV., die 23 Orte bes Kreises Gießen umfaßt waren etwa 900 Teilnehmer, bavon fast 400 Kinder, erschienen, so daß ber Saal schon vor Beginn ber Veranstaltung bis auf ben letzten Platz besetzt war. Vor ber Bühne ftanb ber Weihnachtsbaum. Die Kapelle Krengel l'pielte Weihnachtsweisen. Kreis- unb Ortsgruppenobmann Pg. Halbroth fand herzliche Worte ber Begrüßung für bie Ver- rreter ber Wehrmacht, ber SA., bes Arbeitsbienftes unb ber Behörben. Er gab ber Hoffnung Ausbruck, 2aß dieser Abenb ein richtiges beutsches vorweihnachtliches Fest werben möge im Sinne bes Führers, der die Familie in den Mittelpunkt des Lebens gestellt hat. Wahre Frontkameradschaft bedingt auch ?in echtes Familienleben. Die Familie war die Der- mkerung der Frontkameradschaft, um die Familie kreiste das ganze Denken und Fühlen des Feldgrauen. Wenn nun an diesem Abend Kriegerfrauen zugegen seien, deren Männer heute nicht dabei sein können, dann mögen sie sich nicht trüben Gedanken hingeben, sondern sich mitfreuen in dem stolzen Bewußtsein, daß ihre Männer geblieben sind für Deutschlands Ehre. Ihr Opfer hat neuen Sinn bekommen durch unseren Führer und Frontkameraden Adolf Hitler, der Deutschland wieder groß und stark ' gemacht hat. In diesem Sinne wünsche er allen viel Freude zu dieser vorweihnachtlichen Feier. Der Kreiswart der NSG. „Kraft durch Freude" Pg. Bienengräber sagte, daß die NSG. „Kraft durch Freude" sich gern in den Dienst einer solchen Veranstaltung gestellt habe. Wie die NSKOV. eine verschworene Schicksalsgemeinschaft fei, so sei die NSG. „Kraft durch Freude" in der Deutschen Arbeitsfront das Bindeglied zwischen allen schaffenden Deutschen zur Pflege echter Volksgemeinschaft. Sie will, daß alle schaffenden Volksgenossen sich nach des Tages Last und Arbeit kennenlernen und sich freuen. Besonders allen, denen ein hartes Schicksal , auferlegt ist, will sie Freude in die Herzen senken, Oamit sie neue Kraft gewinnen für den Kampf im Alltag. In weiser Vorsicht und treuer Fürsorge hat der Führer dem Volke die NSG. „Kraft durch Freude" geschenkt, für bie wir ihm bankbar sein müssen. Darum bekräftigen wir unsere Treue unb unseren Glauben an ihn erneut mit einem brei- fachen „Sieg-Heil", in bas bie Versammlung freubig einftimmte. Das Horst-Wessel-Lieb beschloß bie Ansprache Der Frankfurter Künstler Rubi Morgani wußte im Hanbumbrehen groß unb klein zu erheitern. In munterer Plauberei brachte er mit ben Ansaaen auch seine Scherze an. Mit riesiaen Schuhen fiel „Blumgummi)", ber rotierenbe Clown, gerabezu auf unb zog burch seine Akrobatenkünfte insbeson- bere bie Kleinen in seinen Bann. „Slow-Fips", ber Mann ohne Gelenke, produzierte sich als Step- unb Tricktanzexzentriker. Riga Orizaba ftanb ben hier schon öfter gesehenen Zauberkünstlern in nichts nach unb verblüffte burch feine Taschenspielerkunste. In Klein-Karola unb Klein-Setonia Rojan kam auch ber Tanz zur Geltung. . In ber Zwischenzeit waren bic jebermann kostenlos gestifteten Kuchenstücke unb der Kakao verzehrt. Da kam durch den Saal der Nikolaus daher und rief alle Kinder zu sich auf die Bühne. Mit großen Augen und voller Erwartung drängten diese sich m langer Reihe zur Bühne vor, wo jedes der 400 Kinder mit einem Beutel voll Pfefferkuchen und Nüssen beschenkt wurde. Das war für groß und klein der schönste Augenblick des Abends, der für die viele Mühe und Arbeit, die Pg. Halbroth mit feinem Helferftab hatte, reichlich entschädigte Als der Weihnachtsmann seine große Arbeit beendet hatte, tanzte Klein-Karola Rojan einen Spitzentanz „Rosen aus dem Süden", und schließlich erfreute Erika Wenner, die schon vom Stadttheater her bekannte Tochter eines Mitgliedes, durch ihr graziöses tänzerisches Können. Riga Orizaba zauberte Geld herbei und ließ Uhren, Tücher, Tauben und andere Gegenstände verschwinden. Schließlich trat auch „Slow-Fips" noch einmal auf und ahmte Öen Gang der Lokomotive und den Schlittschuhlauf durch feine Tricktänze nach. Die Besucher kargten nicht mit dem Beifall. Der Abend verlief sehr froh und anregend. Die Gerätemannschaften der Turnvereine Rodheim (Tuspo), Krofdorf und Kinzenbach trafen sich zur dritten Austragung des Mannschaftskampfes in Rodheim. Der Saalbau Mank war bis auf ben letzten Platz besetzt. Der Einmarsch ber Turner eröffnete bie Veranstaltung. Der Führer bes gast- gebenben Vereins begrüßte alle Teilnehmer bes Abends. Die beiden Kampfrichter Rinn (Heuchelheim) unb Groh (Atzbach) würben vorgeftellt. Die Wettkämpfe begannen mit bem Turnen am Barren. Bereits hier holte sich ber Sieger bes Mannschaftskampfes, Robheim, einen Punktvorsprung. Krofborf hielt sich auf seinen bisherigen Leistungen. Die Robheimer Turner fühlten sich sehr sicher. Kinzenbach fiel etwas ab. Es gab bei biefem Gerät unb in keiner Mannschaft einen Versager. Krofborf lag gegen Robheim mit 6, Kinzenbach mit 15 Punkten zurück. Die Leistungen am Pferb, bem nächsten Gerät, waren weniger beachtlich unb konnten nur geringere Wertungen erfahren. Krofdorf kam dabei allerdings etwas auf und brachte es auf bie gleiche Punktzahl wie Robheim. Kinzenbach fiel weiter zurück. Sehr ausgeglichen waren die Leistungen der Rodheimer und Krofdorfer Jugendturner. Auch Kinzenbach zeigte sich hier in seiner eigenen Leistung etwas verbessert. Nach einer kurzen Pause zeigten je ein Turner jeder Mannschaft die Freiübungen. Die Leistungen waren hier ziemlich ausgeglichen, wenn auch schwierig zu bewerten, da die verschiedenartigsten Uebungen gezeigt wurden. Krofdorf und Rodheim stellten aktive Turner für die Freiübungen, Kinzenbach einen Altersturner. Der Krofdorfer 0. Röhrsheim erzielte 19 Punkte, der Kinzenbacher L. Bepler 18 Punkte und der Rodheimer O. Bender 17 Punkte. Dadurch, daß Krofdorf gegen Rodheim bis auf vier Punkte Unterschied aufholen konnte, während Kinzenbach in die Entscheidung nicht mehr eingriff, war die Spannung erheblich gestiegen. Das Reck bradjte die Entscheidung. Die Entscheidung erzwangen die Rodheimer, für die der Alterstumer O. Bender mit seiner Hebung (die mit 20 Punkten bewertet wurde), turnte. Die Leistungen der Aktiven fielen dagegen etwas ab, obwohl man nicht können. Rodheim II fehlt die Routine. Gießen A. Gießen C Gießen B. noch ungeschlagen, Allein auf weiter Flur, dazu Lich hat sich in ist zwar noch Das praktische Festgeschenk für die Dame 7391 D Meine große Auswahl und Preiswürdigkeit erleichtern Ihnen Ihre WahlI 3.50 6.50 7382 A Vögel singen unterm Weihnachtsbaum! 7386 A o Kamera o FIRNR-3O57 SE1TERSW=36 G 0 0 o- 7286 D ener. Eff» 7101 A Sonntag geöffnet! 7383 A 'TEXTILHAUSi Qualitäten HAUS DER GUTEN z cLTtb 3x?an.6 | Durch die Niederlage Garbenteichs die Tabelle verschoben. Garbenteich im Format 4/4 oder 6/6 cm hat viele Verehrer. 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Allendorf hat verschiedentlich gute Spieler verloren und wird schwer zu kämpfen haben, bis der Ersatz eingespielt ist. Großen-Linden hat enttäuscht. Grüningen ist nur zu Hause gefürchtet, doch versteht die Mannschaft zu kämpfen. Die dritte Mannschaft des VsB.-Reichsbahn entwickelte sich in den letzten Spielen zu einem beachtlichen Gegner. Bei allen Tabellen sind die Spiele der 1. Mannschaften gegen die unteren Mannschaften nicht berücksichtigt und umgekehrt, da ja keine Punktwertung erfolgt. Vie junge Nation Rh Kampf gegen hunger und Kalte Sind Sie viel Gehn und Stehn gewoF XähaoaScL- Ihre Füße schont Sjimd alte gute „Geister“ dieman„lhm“schenkt! Photo ' Kino 7381 A Kreuzplatz 9 HandvallimKrelSLahn-Oül(GauXII) Schiedsrichteransehungen für den 22. Dezember. Tv. Dorlar — Tv. Atzbach (Bauernschub); Txk Groß-Rechtenbach — Tv. Niedergirmes (Zörb, Gro. ßen-Linden); To. Hörnsheim — Tv. Garbenheim (Schneider); Tv. Wetzlar II — Tv. Allendorf an der Lahn (Bauer); Tv. Dutenhofen — To. Nauborn (Otto Engel); Tv. Allendorf a. d. Lda. — Tv. Londorf (Birkenstock); Tv. Beuern — To. Treis (Ploch); Tv. Nieder-Ohmen — Tv. Bernsfeld (W. Engel). Jugend: Garbenheim — Tv. Dutenhofen (Sei« bert); Tv. Wetzlar — Tv. Münchholzhausen (Bauer)? Spv. 05 Wetzlar Niedergirmes (Weller); Holzheim gegen Lich (Rudolf Jung); Tv. Garbenteich — Tv. Grüningen (Ruppenthal). 218000 Mark für das WHW. Das Opfer des deutschen Fuhballsporls. Die deutschen Fußballer konnten für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes 218 000 Mark aufbringen. Außer den 27 275 Mark, die das Spiel der beiden Nationalmannschaften in Berlin erbracht hat, konnten die einzelnen Gaue folgende Beträge abliefern: Ostpreußen 2000 M., Pommern 3143 M., Brandenburg 7833 M., Schlesien 4893 Mark, Sachsen 27122 M., Mitte 18 600 M., Nordmark 7284 M., Niedersachsen 10 940 M., Westfalen 22160 M., Niederrhein 22 566 M.» Mittelrhein 8314 M., Nordhessen 5701 M., Südwest 13180 M., Baden 6778 M., Württemberg 15 675 M., Bayern 15 000 M. 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Bei den unteren Mannschaften hat Grünberg die besten Aussichten, da die Mannschaft jetzt fast alle Gegner zu Hause hat. ist immer das schöne Kleid p n fürStraße „ , „ Gesellschaft , _ und Tanz । P b° Mingenell W gerade mangln Steren rin^bcrati der Position Eck, i ld n en r »rber zung ne j die in 1 vor .genli in n an msbc Mcihen, Wien U M rgefjc ttnieie Tat | Lcr Der (men gera Li inf, das M5rede tnrabe oe ii'b der Inil ersort Dzuwend mens, die tzs auch Men roiirb here Rabin hify/nbsmi Mer offe WW T' iruntt in t Iss „Dailr terlnin in ftSssiicht ui ilvbmetts tim Wort l.im Außei lit ober i fr tigert h Me und !»aß diese (nach von Imchlerun, Mgt dem »S fo g MJIh wedei eothie oei Regier »oh geret 2®enn । Mnlsbefuc Mm Unter Weibe sch^ Wie ihn Martig W nachh, Miekund ?»vei Kern M feine ö!» des Uj b>e v ö tiu r b s i b inner 5J L2Meinb Mn sei, JJUr einer dies ■«Wfpad EJn und J»)Qntom geli fj, öie (5 "^letzter ^aldwj VWeine, Monlich Sln'l"terr V$en QUj Alten-Buseck führt die Tabelle an und beweist seine Beständigkeit, denn auch im Vorjahre war diese Mannschaft Meister der Gruppe. Krofdorf ist zu unbeständig, um erfolgreicher sein zu können. Wißmar verscherzte sich einen günstigen Tabellenstand durch Nichtantreten in Fellingshausen. Fellingshausen ist in den Leistungen schwankend. Launsbach ist eine Ueberraschungsmannschaft, sie leistet es sich, gegen schwache Gegner zu verlieren, während sie gegen starke Gegner meistens gut abschneidet. Die Gießener Turner haben jetzt endlich mehr Beständigkeit ge- Kl "'d Wfraue sb,e h- Gefiederte Meistersänger Das erste tönende Lehr- und Hilfsbuch zur Beobachtung u. Bestimmung der heimischen Dogelwess von Or. Oskar Heinroth. ftP G Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. Garbenteich 7 6 0 1 12:2 Lich 6 4 0 2 8:4 Steinbach 4 3 0 1 6:2 Allendorf 5 2 0 3 4:6 Großen-Linden 6 1 1 4 3:9 Grüningen 6 0 1 5 1:11 VfB.-R. III 9 4 1 4 — 1900 III 9 3 1 5 — Steinberg II 10 3 1 6 — Lich II 7 0 0 7 — Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. Daubringen 7 7 0 0 14:0 Londorf 6 4 1 1 9:3 Rüddingshausen 5 3 0 2 6:4 Geilshausen 5 1 0 4 2:8 Treis 5 0 2 3 2:8 Flensungen Großen-Buseck II 6 7 0 3 1 0 5 4 1:11 Lollar III 6 2 0 4 — Grünberg II 6 1 0 5 —