M * WM! Nr. 27s Erster Blatt Dienstag, (9. November 1955 185. Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen gss.'Äa; wv * a. w o .......... w.« K.SS2KS HliAHAHAil llit4A4 Heimat im Bild Die Scholle ■ HnA ■ Ä W M w ■ ■ M W B ■ V|| Grundpreise für 1 mm höhe Monats-Vezug§prei§: H H B ■ HLr BBk Bz B B ■Jr B W B B B WV III B für Anzeigen von 22 mm Mil 4 Beilagen RM.1.95 H V B B Bk B Bk B B Bk B Ä B B B B B B Br B Breite 7 Rpf., für Text- Ohne Illustrierte „ 1.80 ■ H ®L M BVL. B B W. „ B JflL ZB B B B Bk _ B B. B Bk . B anzeigen von 70 mm Brette Zustellgebühr.. ▼▼ I |W| B W | B I 50 Npf.,Platzvorschrift nach Auch bei Nichterscheinen HB ~ ~ ■ "^1 ▼ ▼B vorh.Dereinbg.25°/o mehr. ?nO"olg:nÄe7U= W V «W= Grundpreise: Seneral-Anzeiger für Vberhessen WW 5ranifurt am Main 11686 Druck uitö Verlag: Vrühl'sche llniversttatsvuch- und Steinörudcrei R. Lauge in Gießen. Schriftlettung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel B h lZ ?§• ;

dieses Modell bedürfe, um alle Schwierigkeiten zu i bannen. Der Grundsatz, das Recht müsse gegenüber i der Gewalt gesichert und geschützt werben, ist ge= ' miß zu billigen. Aber abgesehen davon, daß die i Vorkämpfer des Genfer Bundes den Beweis noch 1 durchaus schuldig sind, daß dieses Prinzip auch ' dann gilt, wenn einmal — wie im Falle Memel — ihre eigenen Interessen nicht das geltende Völkerrecht als solches auf feinen Sinn und Wert geprüft wird, ist dieses Recht unmoralisch und zukunftswidrig: wie kann dann eine selbst mit Gewalt auf- gezwungene Aufrechterhaltung von Segen sein? Herr Hoare hat in feiner berühmten Genfer Rede einen hoffnungsvollen Ansatz gemacht, er hat in seinem Wort, daß die Elastizität ein Teil der Sicherheit sei, Statik und Dynamik des Dölkerledens wohl abzuwägen gewußt. Es kamen dann aber jene im Halbdunkel betriebenen französisch-englischen Sonderoerhandlungen, in denen diese Erkenntnisse doch wohl sehr stark gelitten haben. Denn das Interesse galt seitdem nur der Bekämpfung des „Angreifers . Des gegenwärtigen — und vor allem aber des zukünftigen. Wenn sich jetzt wieder die Blicke von London und Paris auf Deutschland richten, von der Wiederbelebung des Viererpaktes, von Rüstungsvereinbarungen und Zusammenarbeit mit Deutschland die Rede ist, so ist das alles kein Anlaß zu besonderem Optimismus und noch weniger zu der Annahme, daß sich diese beiden Mächte zu einer vernünftigen Einstellung gegenüber Deutschland durchgerungen hätten. Sind der Völkerbund und die kollektive Sicherheit, diese beiden uns immer wieder vorgehaltenen und vorgelobten Kronzeugen einer „besseren Zeit", nicht gerade jetzt erst recht die Bühne, auf der das ewige Drama des Nationalinteresses gespielt wird, — von dem einen gegen Italien, von dem anderen gegen Deutschland? So halten wir auch die Zeit noch nicht reif für eine offene und produktive Begegnung der beiden großen Nachbarnationen Deutschland und Die nordchinesischen Provinzen reißen sich von Nanking los Japan stellt die „Berater" für eine autonomistische Negierung Nordchinas. nissen in China eine Richtung und ein Tempo gibt, welches die oben angedeutete Ansicht des „Daily Telegraph" bestätigt. Wohin der Kurs geht, zeigen folgenbe Forderungen, die der japanische Außenminister dem chinesischen Botschafter übermittelt hat: „Zusammenarbeit beider Länder", das bedeutet Unterwerfung Chinas. „Anerkennung der Unabhängigkeit Nordchinas", das ist für Nanking aus inner- politischen Gründen unmöglich. „Die Aufrechterhaltung der Ordnung im unabhängigen Gebiete übernimmt Japan", d. h. dieser Teil wird Japan einverleibt. Japan operiert im Fernen Osten mit Glück sitzenden. Japan wagt diese Brüskierung der weißen Rasse, da niemand da ist. der deshalb von ihm Genugtuung verlangen kann. Das japanische Ebinageschwader ist angewiesen worden, „geeignete Maßnahmen für die Ehre und Sicherheit der Japaner in Schanghai zu treffen". Es ist möglich, .. .. , daß dieser Zwischenfall von Schanghai den Ereig-1 kräftigen chinesischen Rasse aufgesaugt worden. nesische Währungsreform wird zur Begründung des japanischen Vorgehens herangezogen: durch die Unabhängigkeitserklärung solle ein Herausziehen des Silbers aus diesem Gebiete verhindert werden. Schon jetzt findet in Tientsin eine „Flucht in den Pen" statt. Der folgenschwerste „Zwischenfall" ist der unlängst aus Schanghai gemeldete, nämlich die Ermordung eines japanischen Marinesoldaten, was Konsequenzen haben kann, die augenblicklich noch gar nicht zu übersehen sind. Daraufhin geht Japan anscheinend aufs Ganze! Vorbeugend sind sämtliche Straßen der internationalen (!) Niederlassung Schanghais, in denen Japaner wohnen, von den Japanern besetzt worden. Das ist ein Gebiet, das nicht der chinesischen, sondern in gewissem Sinne der englischen, zum mindesten der internationalen Souveränität untersteht! An seiner Spitze steht ein internationaler Staotrat mit einem englischen Vor- Unter allerhand Vorwänden waren die Japaner im Jahre 1933 über die Große Mauer ins eigentliche China eingefallen; sie zwangen die Zentralregierung von Nanking zum Abkommen von T o n g k u, „das zunächst Japan, Mandfchukuo und Nord-China wirtschatlich zusammenfassen sollte." Dieses Abkommen erfüllte aber nicht die japanische Hoffnungen. Darauf wurde unter Führung der Südmanschurischen Eisenbahn, mit Beteiligung der Regierung von Mandschukuo, eine kapitalstarke Gesellschaft 'gegründet mit einem umfassenden Programm: Ausbau des Eisenbahnnetzes in Nord- China und der Inneren Mongolei, Entwicklung der Kohlenbergwerke in Schansi, der Eisenminen in Tschaschar'und der Ölvorkommen in Schenst, sowie Förderung der Baumwollpflanzung in Schantung. Gleichzeitig mit dieser „wirtschaftlichen Durchdringung" ging der Umbau des Beamtenapparates' vor sich: die Anhänger der Nanking-Regierung wurden durch Nordchinesen ersetzt; der Nordchinese liebt nicht den Japaner und fühlt sich nicht zu ihm hingezogen, wohl aber zu seinem alten angestammten Kaiserhause, dessen letztes Reis auf dem Kaiserthrone von Mandschukuo sitzt. Un- svmpathisch ist ihm die in Nanking regierende Partei, die Kuo min tang, deren Organe und Statthalter es in all den Jahren nicht verstanden haben, sich ein Herz zu gewinnen. Süd- und Nord-Chinese unter cheiden sich physisch und seelisch wie Tag und Nacht; in ihrer Muttersprache können sie sich nicht v e r st ä n d i g e n. Als ich in Nanking lebte, hatte der Dizekönig zwei Dolmetscher, einen aus Kanton, den andern aus Tientsin gebürtig; beide unterhielten sich nur englisch mit einander. Alles zieht den Nordchinesen m die gleiche Richtung, nämlich in die Richtung der japanl- chen Wünsche, die in einer Abtrennung Nord- Chinas von dem übrigen China gipfeln. Die „Unabhängigkeitserklärung" ist der erste Schritt dazu. Um sie auch äußerlich ZU rechtfertigen, müssen zunächst „Zwischenfalle" geftiaffen werden. Bei der herrschenden Stimmung ist nichts leichter als das, wie man aus den A^^^^snach- richten der letzten Wochen leicht feftstellen kann. Nivvon Dempo", eine japanische Agentur meldete Inter bein 12 November, daß an verschiedenen L?N°rd-ChiE °ut°n°mMch° Bewegungen Frankreich, — ein Thema, das gerade jetzt wieder die uralte Diskussion dieser europäischen Schicksalsfrage von neuem belebt hat. Daß von jenseits des Rheins ehrlichere und sachlichere Stimmen herübertönen, daß man sogar bitter die Folgen der „Erbfeindtheorie" beklagt, Die Ausnutzung und Inrechnungstellung dieses „unüberbrückbaren" Gegensatzes für mitunter recht zweifelhafte Geschäfte, daß man die Fessel des Russenbündnisses als einer ausdrücklichen Rückversicherung Moskaus gegen eine deutsch-französische 23er« ständigung zu spüren beginnt, die Einholung der bolschewistischen Erlaubnis für ein Gespräch mit Berlin als unwürdige Schmach empfindet, — das alles soll als Symptom gewiß nicht unterschätzt werden. Aber die politischen und historischen Versäumnisse von 15 Jahren haben allzuviel Widerstände aufgetürmt und psychologischen Ballast hinterlassen, als daß die Lösung und Befreiung aus der alten Betrachtungsweise so ohne weiteres möglich märe, — selbst bei einem höheren Maß von gutem Willen. Daran fehlt es aber auch heute noch. Denn es ist ein Zeichen schlechten Willens, wenn in der französischen Presse die Pflicht zum Mißtrauen gegen Deutschland proklamiert roirt), weil es sich vom Völkerbunde zurückgezogen und der kollektiven Zusammenarbeit versagt habe. Diese Verdrehung von Ursache und Wirkung ist um so schlimmer, als sie dann wiederum den Vorwand für all die Vorkehrungen liefern soll, die der französischen Nachkriegspolitik das Gepräge geben. Deutschland ist durchaus zu jeder wirklichen Zusammenarbeit bereit; wenn sie bisher, was Frankreich anbetrifft, nicht möglich war, so deshalb, weil die französische Konzeption der internationalen Zusammenarbeit dem Geist wahrer Kollektivität widersprach, denn sie fand ihren Sinn und ihre Erfüllung in ihrer ausgesprochen antideutschen Tendenz. Solange man den pflichtgemäßen deutschen Widerspruch gegen dieses Zerrbild der Kollektivität als Absage an die Idee der Zusammenarbeit überhaupt auslegt, oder einen deutsch-französischen Ausgleich von der Anerkennung dieser Versailler Vorstellungswelt Frankreichs abhängig macht, solange wird sich die Kluft eben nicht schließen lassen. Es ist deshalb auch abwegig, wenn der „Motin" meint, die „französische Annäherungspolitik an Europa weist lediglich die Lücke Deutschland auf", es sei mit anderen Worten nur der mangelnde Wille Deutschlands, der die Schließung dieser Lücke verhindere. Denn die ganze Anlage der französischen Kontinentalpolitik ist derart, daß sie von vornherein auf diese Lücke abzielt, nämlich auf die Isolierung des Reiches. Mit der einfachen Ableugnung jeder Einkreisungsabsicht ist es angesichts der vielfachen Militärbündnisse nicht getan; diese Separatabkommen werfen im Gegenteil höchstens die Frage nach ihrer Vereinbarkeit mit der Idee der Kollektivität auf. Nun gilt es bei unserem westlichen Nachbarn als ausgemacht, daß das Reich sich Frankreich nur nähere, um sich im Westen den Rücken und im Osten die Handlungsfreiheit zu sichern für allerlei abenteuerliche und unfriedliche Vorhaben. Um des Friedens willen und aus seiner europäischen Verantwortung heraus dürfe deshalb Frankreich nie allein Deutschland als Gesprächspartner gegenüber« treten, sondern nur im Bunde und im Einverständnis mit feinen schutzbedürftigen Freunden. Das ist eine angesichts der durch die Tat bewiesenen deutschen Friedenspolitik ebenso unfaire wie groteske Unterstellung. Sie läßt um so mehr an dem guten Willen der französischen Politik zweifeln, als dieser Verdacht von einer Seite kommt, die auf Grund ihrer Taten den gegen Deutschland erhobenen Vorwurf wahrlich selbst in erster Linie verdient hat. Meint man, uns wirklich glauben machen zu können, daß die ganze diplomatische und militärische Einkreisungspolitik Frankreichs nur den Sinn habe, ein deutsch-französisches Gespräch zu ermöglichen? Ist es nicht vielmehr so, daß der Quai d'Orsay sich hier eine bequeme Möglichkeit geschaffen hat, eine Politik der Isolierung Deutschlands zu betreiben und gleichzeitig vor der Welt als derjenige aufzutreten, der durchaus guten und verständigungsbereiten Willens ist? Wäre es nicht europäischer gedacht, anstatt sich auf solche diplomatischen Finessen zu verlassen, eine ehrliche und loyale Politik zu treiben? Alles Raffinement hat den Aufstieg Deutschlands nicht hindern können. Daß er sich gegen Frankreichs Willen vollziehen mußte, daß die französische Politik heute deshalb über die „versäumten Gelegenheiten" klagen muß und von dem zunehmenden Zweifel an der Richtigkeit ihres Weges gedrängt wird, das alles markiert das enorme Ausmaß ihrer historischen Schuld. In souveräner Unabhängigkeit und Stärke, aber auch in loyaler Bereitschaft steht heute das Reich der Welt und Frankreich gegenüber. Erst wenn Frankreich aufhört, der — zuletzt doch vergebliche — Vollstrecker des Versailler Unrechtes zu fein und sein zu wollen. erst wenn es bereit ist, der Idee des wirklichen Rechtes der Völkergemeinschaft zum Siege zu verhelfen, wird sich die Brücke schlagen lassen, wird ein Problem gelöst werden können, das nach den treffenden Worten einer französischen Zeitung durch die Jahrhunderte hindurch Ruinen und Tränen gesät hat. Der erste Tag der Sanktionen. Oie Botschaften Frankreichs und Englands in Rom unter militärischem Schuft. Rom, 18. Nov. (DNB.) Italien hat aus Anlaß des heutigen Sanktionsbeginns die Fahnen gehißt als einmütiges Bekenntnis seiner entschlossenen Gegenwehr gegen die sanktionsführenden Staaten. In ganz Rom herrscht ungewöhnliche Bewegung. Ganze Straßenzüge gleichen einem Heerlager. Ueberall auf den Straßen sieht man Militär. Schon in den frühen Morgenstunden veranstalteten Studenten eine Razzia gegen alles, was noch fremde Spuren trägt. Sämtliche Zugangsstraßen der Piazza di Spagna, an der sich d a s englische Konsulat und eine große englische Apotheke befinden, waren von 4 bis 6 dichten Reihen feldmarschmäßig ausgerüsteter Grenadiere und 23er« saglieri mit aufgepflanztem Seitengewehr ab gesperrt. Nahe der englischen Botschaft sind Truppen bereitgestellt. An der französischen Botschaft hat man nach vielen Jahren erstmals ebenfalls Militär bereitgestellt, das allerdings in den Höfen der umliegenden Häuser verborgen gehalten wird. Allein in dem Hof des gegenüberliegenden Palastes steht eine ganze Kompanie bereit. 7,5-Zentimeter-Geschütze wurden in der Nähe der englischen Botschaft auf- gestellt. Der Tag ist aber ohne Zwischenfälle verlaufen. Die Polizei schritt an verschiedenen Stellen gegen die Demonstranten ein. Es sollen etwa 20 bis 30 Studenten festgenommen roorben sein. Trotzdem sind die Truppen nicht zurückgezogen worden. Die römische Presse äußert sich zum Beginn des Wirtschaftskrieges mit großer Verbitterung. Das halbamtliche „Giornale d ' I t a I i a" betont den harten Ernst des neuen wirtschaftlichen und politischen Krieges gegen Italien, der in der Geschichte der zivilisierten Welt beispiellos dastehe. Italien wisse, daß sich der Kampf noch weiter verschlechtern könne. Mit klaren Augen sehe es alle die verschiedenartigen Kräfte und die nationale Eigensucht imperialistischer Staaten, die sich in ihrer Sanktionswut zusammengeschlossen hätten. Es wisse, daß diese Kräfte auch weiterhin am Werke sind, um das letzte Zögern der neutral gebliebenen Staaten zu überwinden und um den Belagerungsring noch fester und unerbittlicher um Italien zu schließen. Es wisse auch, daß die Or- aanifatoren der Belagerung die bestialische Erpressermaschine noch schärfer anziehen wollen, da sie mit den ersten Erfolgen nicht zufrieden seien. Italien vertraue aufdas Gewissen, das in immer größeren Kreisen der zivilisierten Welt zu schlagen beginne. Vor allem aber vertraue es a u f seine eigene geistige und moralische Kraft und auf seine produktive und organisatorische Leistungsfähigkeit. Oie Sicherung der italienischen Oelbestände. Mailand, 19. Nov. (DNB. Funkspruch.) Das Korpvrativnsministerium ist ermächtigt, sämtliche Inhaber von Mineralöllagern zu verpflichten, einen £) e I d o r r a t von 70 vom Hundert des Rauminhalts aller L a g e r b e h ä l t e r von mehr als 5 0 0 Kubikmeter ständig zu halten. Die Mineralöllager haben innerhalb von zehn Tagen nähere Angaben über das Fassungsvermögen ihrer Oelbehälter, deren Verbrauchszweck und die höchstzulässige Einlagerungsmenge zu machen. Noch keine Sperre des französischitalienischen Handelsverkehrs. Paris, 19. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der erste Tag der Sühnemaßnahmen gegen Italien trug an der französischen Grenze im Süden feine allzu ernsten Formen. Die französischen Zollbehörden von Mentone und Nizza waren amtlich noch nicht im Besitz der erst im Amtsblatt vom Dienstag erscheinenden Notverordnung und die Tatsache, daß nach französischem Gesetz eine Maßnahme e r ft vier- undzwanzig Stunden nach der amtlichen Bekanntmachung in Kraft tritt, läßt auch für den Dienstag eine strenge Durchführung der zur Inkraftsetzung der Sühnemaßnahmen von Frankreich erlassenen Notverordnungen nicht erwarten. In Nizza und Mentone wurden im Laufe des Montag große Mengen Fleisch- und Wurst- waren sowie Südfrüchte gehandelt. In Marseille luden ebenfalls mehrere italienische Dampfer und Segler für Frankreich ober Italien bestimmte Waren aus ober ein. Hirtenbriefe italienischer Vischöfe gegen die Sanktionen. Rom, 19.Nov. (DNB. Funkspruch.) Die Erzbischöfe von Messina u n b Brindisi haben Hirtenbriefe gegen die Sühnemaßnahmen erlassen, die in der Schärfe des Tones parteiamtlichen Erklärungen nicht nachstehen. So heißt es im Hirtenbrief an die Gläubigen von Brindisi u. a.: „Am 18. d. M. nahmen die Sanktionen ihren Anfang, die der kalte Egoismus und die Anmaßung Englands gegen jeben Grunb - fatz ber Gerechtigkeit und Gleichheit zum Schaden unseres Vaterlandes gewollt haben, um einen halbbarbarischen Sklavenkönig, der Unterdrücker seines Volkes ist, zu unterstützen. Wir werden dem Vaterlande jetzt Gold geben, damit es die riesigen Kosten tragen kann, um die Zivilisation in die Gegenden zu bringen, wo bis jetzt Sklaverei und Barbarei herrschten. Damit ahmen wir die alten Römer nach, die alles für das Vaterland opferten." Auch der Erzbischof von Messina ermahnt seine Gläubigen, reichlich Gold zu spenden. Gerade Messina, das so oft von Erdbeben heimgesucht wurde und durch die Förderung des Staates wiederaufgebaut werden konnte, habe jetzt dem Vaterland eine große Dankesschuld abzutragen. In dem Hirtenbrief heißt es sodann: „Der gegenwärtige Augenblick ist keiner der glücklichsten für unser Vaterland. Man will unsere vitalen Lebensinteressen hemmen und den seit langen Jahren beschrittenen, aufwärts führenden Weg Italiens, das Mutter und Wiege der lateinischen Kultur ist, sperren. Haltet daher den nationalen Geist hoch; unterstützt und helft den Familien unserer kämpfenden Soldaten, befleißigt euch ber Sparsamkeit auf allen Gebieten, besonders in eurem häuslichen Verbrauch." „Wir wollen den Gndan." Anhaltende Erregung in Aegypten. Kairo, 18. Nov. (DNB.) In Kairo wurden zahlreiche Autobusse ber englischen Autobusgesell- schaft mit Steinen beworfen und beschädigt. Die Witwe des verstorbenen Nationalhelden Zaglul Pascha hielt vom Balkon des Volkshauses aus eine von der Menge mit Begeisterung aufgenommene Ansprache. In allen Versammlungen schworen die Demonstranten, „bis zum Tode für die Befreiung Aegyptens vom englischen Joch zu kämpfen". In Alexandrien marschierten Hunderte von Polizisten durch die Hauptstraßen und riefen „Nieder mit Hoare, mir wollen den Sudan". Auch in Assiut und Mi- nia kam es zu kleineren Unruhen. Die englischen Pressemeldungen berichtet über eine verschärfte italienische Propaganda unter den Aegyptern. Oer Prozeß gegen die Mörder König Alexanders. In Aix-en-Prvoence begann der Prozeß gegen die wegen Mittäterschaft an der Ermordung des Königs von Jugoslawien und des französischen Außenministers Barthou angeklagten drei Kroaten Raytsch, Mo Kralj und Pospischil. Das Gerichtsgebäude wird von einem starken Aufgebot Mobiler Garde zu Fuß und zu Pferde bewacht. Ueberall sind Schranken und Drahtzäune errichtet und nur ein sehr enger Weg ist für die Inhaber ber Eintrittskarten freigelaffen. Das Innere des Ge- richtsgebäubes gleicht einem wahren Heerlager. Die Verhanblungsbauer wird auf acht bis vierzehn Tage geschätzt. Da bie Angeklagten kein Wort fran- zosisch sprechen, muß jedes Wort übersetzt werben. Frankreichs steigende Rüstungen. Paris, 18. Nov. (DNB.) Der Bericht des rabt* kalsozialistischen Slbgeorbneten Archambaub über die Heeresausgaben 1936 weist die Ausgaben für diesen Zweck mit insgesamt 6952 Millionen Francs aus. 1935 beliefen sich die Heeresausgaben aus 7122 Millionen Francs. Die Verminderung für 1936 ist aber nur scheinbar, denn durch die Auswirkung der Notverordnungen sind im-Haushalt für 1935 etwa 530 Millionen e i n g e f p a r t worden, so daß also die Ausgaben für 1936 im Endergebnis um 360 Millionen Francs höher fein werden als die des Vorjahres. Im Anschluß an fantastische Angaben über die deutsche Heeresstärke erklärt der Bericht, daß die Bestände der französischen Streitkräfte „ungefähr nur 654000 Mann einschließlich ber Offiziere und Mannschaften in ben Kolonien" betrügen. Im einzelnen setzte sich bie französische Hee- resmacht zusammen aus 368000 Mann zur Verteidigung des Mutterlandes einschließlich 30 000 Mann Reserve, 73 000 Mann bewegliche, also stets und überall einsatzbereite Streitkräfte, 213 000 Mann überseeische Truppen, insgesamt 654 000 Mann. Der Bericht schließt daraus, daß der „deutschen Masse" nur 338 000 Mann (also bie 30 000 Mann Reservisten abgezogen) entgegengestellt werden könnten, unb sagt, wie könnte man unter biefen Umständen den Rüstungsstand Frankreichs übertrieben schätzen, der dazu bestimmt sei, seine zahlenmäßige Un« terlegenheit in Bezug auf feinen Gegner im Osten auszugleichen. Noch keine Klärung im Memelgebiet. Memel, 18. Nov. (DNB.) Der Präsident des Memelländischen Landtages B a l d s z u s , der sich für die Annahme des vom Gouverneur an ihn ergangenen Auftraaes zur Bildung des Direktoriums von vornherein Bedenkzeit erbeten hatte, hat sich gezwungen gesehen, dem Gouverneur den Auftrag zurückzugeben. Die Einheitsliste hält eine Anzahl Kandidaten für den Posten des Vorsitzenden des Direktoriums bereit, die der Gouverneur, wie aus feiner bisherigen Taktik hervorgeht, zu umgehen trachtet. Daß sich der soeben ernannte Präsident des Landtages zu diesem Verfahren nicht zur Verfügung stellen konnte, bedarf keiner weiteren Begründung. Die Einheitsliste muß vielmehr darauf bestehen, daß ihren Wünschen als dem ausschlaggebenden Mehrheitsfaktor im Landtag entsprochen wird. Landtagspräsident Baldszus hat dah^r bei seiner endgültigen Ablehnung betont, daß die von der Einheitsliste gemachten Vorschläge nunmehr endlich ihre Berücksichtigung finden müssen. Oie Ermordung des polnischen Innenministers p eracki vor Gericht. Vor dem Warschauer Bezirksgericht begann ber Prozeß gegen 12 ukrainische Studenten, die ber staatsfeinblichen ukrainischen nationalen Geheimorganisation angehörten unb angeflagt sinb, den Anschlag gegen den polnischen Innenminister P i e r a ck i im Juni 1934 mit vorbereitet bzw. dem Mörder zur Flucht verholfen zu haben. Die Angeklagten beantworteten alle Fragen nach ihren Personalien geflissentlich nur in ukrainischer Sprache und lehnten es ab, polnisch zu sprechen. Ein Antrag auf Heranziehung eines Dolmetschers wurde abgelehnt. Der Gerichtsvorsitzende erklärte, daß er bie Beantwortung ber Fragen in ukrainischer Sprache als Ausdruck dafür werten werde, daß bie Angeklagten nichts aussagen wollen. Keine Ursprungszeugnisse für die Einfuhr nach England. Berlin, 18. Nov. (DNB.) Wie bereits gemeldet, hat bie Reichsregierung bei ber Königlich Britischen Regierung Vorstellungen erhoben • Photo Seltersweg 67 Teleph on 3170 uhl Gießener Gtadttheaier. Tanz-Gastspiel: Palncca. Vor sieben Jahren haben wir die Palucca zum ersten Male in Gießen tanzen sehen: bas war, im Gesamteindruck, ein außerordentliches Erlebnis. Ihre Entwicklung von 1928 bis heute zu formulieren, wird — auf Grund einer Vergleichung der zweimal zwei Stunden, damals und gestern — kaum möglich fein. Vielleicht kann man jagen, sie l)abt damals abstrakter getanzt, absoluter; es scheint uns, wenn wir versuchen, das Erinnerungsbild ein wenig zu rekonstruieren, daß die Musik heute mehr Ausgangspunkt und Thema zugleich für ihren Tanz bedeutet, während das Notenblatt des Begleiters damals nur jo etwas wie ein Linienblatt der Choreographie bildete. Mit dieser Rückkehr zum Programm, wenn man es recht verstehen will, scheint die strenge, nirgends durchbrochene Form aufgelockert und weicher geworden zu sein; Bewegung und Rhythmus fließender und gelöster. Ob darin unbedingt eine Steigerung der Ausdrucksmöglichkeiten beschlossen liegt, wagen wir nach diesem immerhin flüchtigen Eindruck nicht zu entscheiden. Daß bas Gesamtbild vor sieben Jahren einheitlicher und überzeugender war, glauben wir allerdings sagen zu dürfen. ♦ Sie begann mit Albeniz, den auch Kreutzberg tanzte. „Cordoba" wirkte, als Vorspiel nicht übel gewählt, wie eine technische Improvisation; in deren Mittelpunkt als Zentralfigur und Leitmotiv ein kurzer Sprungschritt nach rückwärts; das Ganze spielerisch-überlegen, aber im Technischen dennoch völlig beherrscht, überlegen und durchkonstruiert. Dann die Serenata, sanft, lächelnd, mit wellen- hafter Schwingung, mehr oben als unten getanzt, eine kleine Ausdrucksstudie in Weinrot, noch in der heiteren Verhaltenheit eine fabelhafte Körperbeherrschung verratend, welche die Bravourstücke ber rhythmischen Gymnastik mühelos, gleichsam nebenbei in die Figur einbezieht. ♦ Von den drei „Bagatellen" (Casella) bezeugte der hüpfende Rhythmus des Caprizioso zwar den völligen Einklang mit ber Musik, zugleich aber auch die souveräne Unabhängigkeit echter tänzerischer Erfindung vom Begleiter ober vom Instrument. Die Siziliana setzte die angeschlagene Linie fort; der Galopp zum Schluß, betont „ins Parkett" ge= tanzt,fiel dagegen merklich ab unb beeinträchtigte für unser Empfinden die Wirkung der ganzen Gruppe. * Dann etwas völlig Anderes: alte Meister; das Adagio von Cvrelli im strengen, langfließenden schwarzen Gewand, in Zickzacklinien ruhig, groß- zügia und raumfüllend ausgeschritten, steigerte sich zu bestechend geformter und gelöster Bewegung. Dann kam ein bezauberndes Allegretto von Coupe- rin; das lichtblaue Kostüm völlig eingestimmt auf ben Charakter des Tanzes, der sehr leicht, sehr anmutig und sehr einfach wirkte, nicht so ausgesprochen raumgreifend wie der vorhergehende, mehr in der Vertikalachse betont, aber eben vollkommen und schlackenfrei als Tanz an sich, ohne technisches Beiwerk und Problem. Der erste Höhepunkt dieses Abends. * „Mit Schwung" hieß der folgende Tanz, ausholend in Körpergebärde und stürmischem Tempo, aber eigentlich nur in der begrifflich andeutenden Benennung an jene wundervollen Tänze vor sieben Jahren erinnernd, welche ganz einfach „Leicht" oder „Fern" oder „In leichter Bewegung" hießen ... unb biese Begriffe tatsächlich in Bewegung unb sinnliche Vorstellung umsetzten. Dann eine heitere, schon an bie Groteske strei- fenbe Zugabe, ein Bravourstück körperlicher Beherrschung unb Ausbrucksmöglichkeiten, eine Ab- wanblung von Detailbewegungen, temperamentvolles Spiel mit Hanb, Arm, Bein unb Rumpf; eine Nummer, bie wahre Beifallsstürme entfesselte, zu der man aber daheim, wenn ber Sturm sich gelegt hat, ben berühmten Aufsatz über das Marionettentheater von Heinrich von Kleist lesen sollte, in welchem viel Grundsätzliches über die Kunst des Tanzes und des Tänzers enthalten ist, womit man sich auch heute noch auseinandersetzen muß. * Nach der Pause zunächst die beiden Phantasien von Granados. Die Arabeske erwies sich als eine vollkommen gerundete Figur von edler Linienführung, besonders vom rechten Arm her akzentuiert, mit ganz flüchtigen Anklängen an ägyptische Bewe- gungsmotioe. Das „Spiel" hinwiederum wirkte als eine anmutige, ■ heitere, ja herzliche Kunstübung, ganz hingegeben an bie Erschöpfung eines alten, einfachen unb allgemeinmenschlichen Themas, an einen Begriff — aber ohne begriffliche ober konstruktive Enge, sonbern mit Leben, Bewegung unb Glieberspiel bis zum Rand gefüllt. Von ben „Dunklen Klängen" blieb bas „Triste" von Schwinghammer (ber als Begleiter am Flügel wirkte) auf ein Minbestmaß an Bewegung beschränkt; biefer Tanz vollzog sich gewissermaßen auf drei Ebenen: im Stehen, im Kauern, im Knien; sehr eindrucksvoll, wie ein Stück Plastik, aber boch schon vom eigentlichen Tanz, ber nun einmal von der Schwingung ober Bewegung lebt, entfernt. (Gleichzeitig würbe hier ein allgemeineres Problem erkennbar, wie weit nämlich ber Gesichtsausbruck des Tänzers oder ber Tanzenden in den Gesamtkörperausdruck miteinbezogen werden dürfe; dies scheint uns eine Stilfrage von grundsätzlicher Bedeutung zu sein.) Viel gelöster, fließender unb mehr in ben Raum hinein projiziert wirkte bie „Elegie" (in violettem Samt), obwohl auch diese Figur von einem statuarischen Ruhepunkt aus entwickelt wurde und dahin zurückkehrte. * Der zweite Gipfel des ganzen Programms war der „Rofenkavalier"-Walzer: ein beseelter Walzer, wenn es gestattet ist, diesen Ausdruck zu brauchen, wunderbar leicht, gelöst und schwebend, turmhoch über der billigen, konventionellen und geistlosen Dutzendware der unzähligen Bühnenwalzer, die ber Mensch in seinem langen Leben zu sehen bekommt. Es mar, ganz einfach, eine Freude unb ein Genuß, unb bamit hätte bas Programm abschließen sollen, denn weder die folgende Dolksmelodie (Allegro con brio) noch die zweite Zugabe reichten im mindesten an diesen Eindruck heran. * Victor Schwinghammer begleitete am Flügel: außerordentlich gepflegt und feinfühlig. — Das Haus war, wenn wir recht gesehen haben, nahezu ausoerfauft, der Beifall sehr herzlich. hth. Insekten als Schauspieler. Kann schon die merkwürdige Fähigkeit der Tiere, besonders der Insekten, ihre Ähnlichkeit mit ihrer Umgebung dazu auszunutzen, um einem Feinde zu entgehen, oder eine Beute zu erhaschen, mit dem Wesen des Schauspielers verglichen werden, so gibt es nach den Beobachtungen namhafter Naturforscher eine Reihe von Insekten, die man geradezu als geschickte Komödianten bezeichnen kann, die vor und mit anderen Tieren ein bald grausiges, bald lustiges Schauspiel aufführen. Die ihnen von der Natur verliehene Gabe der Schutzfärbung nutzen manche Schmetterlinge so raffiniert aus, daß sie auch das schärfste Auge täuschen. Da ist der Schönspinner, ein Schmetterling, der Indien unb die tropischen Gegenden der Alten Welt bewohnt. Er ist eins der jchönsten, aber auch der geschicktesten Lebewesen, die man kennt. Seine Flügel sind mit leuchtenden Flecken geschmückt, die sich von einem lebhaften Grund abheben. Er weiß wohl, daß Vogelschnäbel und Menschenhände ihn wegen dieses Schmuckes leicht fassen können. Deshalb wendet er einen Trick an, sobald er irgendeine Gefahr befurchtet: er setzt sich auf ein trockenes Blatt und schließt die Flügel fest, so daß ihre leuchtenden Spuren nicht sichtbar sind und er vollständig mit der Vegetation verschmilzt. So bleibt er stundenlang ohne die geringste Bewegung, ohne daß ihn auch nur ein Zittern feines Rüssels oder seiner kleinen Fühlhörner verrät. Er empfindet das geringste Geräusch in seiner Umgebung und stellt 'sich tot, da er sich dann sicher weiß. Ist die Gefahr vorüber, dann wagt er es, einen anderen Schutzort zu fuchen, aber auch dabei ist er höchst vorsichtig. Er läßt sich zunächst wie ein trockenes Blatt zur Erde fallen^ und bleibt so einige Minuten unbeweglich ober überläßt sich dem Wind, der ihn einige Schritt weit fortträgt. Er führt seine Rolle so glänzend durch, daß es äußerst schwer ist, ihn zu fangen. Die „Gottesanbeterin" ist ebenfalls höchst geschickt. Wenn sie sich auf einer grünen oder gelblichen Pflanze niederläßt, deren Farbe mit der ihren ganz genau übereinstimmt, dann sucht sie sich eine besonders sonnige Stelle aus, weil das Helle Licht die Illusion noch verstärkt. Sie führt ihre Rolle so vortrefflich durch, daß sie ihre Beute ohne die geringste Bewegung zu packen weiß. am 21 Das Mer m Dies un sinn be jein, 1 es Doli nierbe; M- IttUl1 haus alle uu u o n ä siiyruug jicherl ren uu Mister feit gege hr ns W ffn j«fia w Eil Der Der! steichs- erneu. Hillic oon Wo Räum' (teilt. Di • bisherige drei $erl sengerch pon ber I Men 1 fchendes wurde zu rerlust u Franzis!« Jahr Ge Verfahre Gnther eingeftell ziehun 120075 wie für Franzis! Untersuck höhe an der Drbt findet sic gegen bi im Fra r Holland Die S)i eHagten liolkswirt laben. ( Kißbrauc Holland ' Artigen Jung zu üs nach ' »orten, i liiederlafj Massen. Die Dort ' Fr Atzung »uni 19; kNng pandwer (inen s gingen, "er anftal ,/Das modernste Paradies der Welt." Augenzeugenbericht eines südamerikanischen Sozialisten.—Ausländischen Besuchern gehen die Augen auf. 18 N°°. (DNB.» Der „Bund" ver- unter der Ueberjdmft „Das modernste Paradies der Welt" einen Bericht über die Auslände m der Sowjetunion, der dadurch um so bemerkenswerter ist, als der Verfasser, der Fvrschungs- reisende Vitvriv Larco S) e r r e r a aus Lima, l/ uh er einer der eifrigsten Verfechter o e r bolschewistischen Lehre in seiner Heimat war, aber nach einer Studienreise nach Rußland zum schärfsten Feind des «owsetsystems geworden ist. Er hat nach dem Bericht des „Bund" einem Mitarbeiter der in Lima (Peru) erscheinenden Zeitung „La Cronica" geqen- über u. a. erklärt: „Was heute in Rußland regiert, ist ein völlig absurdes System; es herrscht dort kein Sozialismus, sondern eine erschreckende Tyrannei. Das, was ich sah, war für mich eine furchtbare Enttäuschung. Ich habe in Rußland niemanden angetroffen' der noch herzhaft lachen kann. Alle Menschen klagen und leiden. Ueberall traf ich düstere Unzufriedenheit, die von den Polizeiorganen trotz allem Eifer nur mit Mühe zu unterdrücken ist. Im ganzen Lande herrscht eine geladene Spannung. Die Bombe ist explosionsreif und kann jeden Augenblick platzen. An dem Tage, da in Rußland eine neue Revolution losbricht, wird die Welt mit Cnsetzen erfahren, wie das russische Volk von seinen Henkern und Scharfrichtern gefoltert wurde. Mit den russischen Methoden kann man ein großes Volk nie und nimmer lebend erhalten. Wohlstand ist ein lebens- und fortschritterhaltender Charakter. Wer darum Haß gegen Besitz und Wohlstand predigt, sät nicht nur Zwietracht, sortdern auch Untergang und Verwüstung. Kein einziges ausländisches Buch, keine fremdländische Zeitung oder Zeitschrift darf über die russische Grenze. Rußland hingegen verschickt Tausende und aber Tausende von Propagandaschriften in alle Weltteile. In widerwärtig verlogenen Sätzen werden in diesen Broschüren die großen Errungenschaften einer Tyrannei verkündet, die dem russischen Volk das einzige Glück verschafft hat — hungernd sterben zu dürfen. Ich habe gesehen, wie arme Arbeiter in Staatsrestaurants essen. Der Ekel stieg mir hoch; denn was hier den Arbeitern vorgesetzt wurde, war nicht einmal gut genug für Hunde." In einem Aufsatz, der die Ueberschrift „Die gesetzgeberische Perlenkette in Sowjetrußland" trägt, beschäftigt sich der „Bund" ferner mit der Gesetzgebung in der Sowjetunion, vor allem mit dem Arbeitsrecht. Das Blatt stellt dabei u. a. fest, daß kein Kulturstaat in Europa es wagen dürfe, solche Bestimmungen über das Arbeitsrecht aufzustellen, wie sie in Sowjetrußland in Kraft sind, ohne der Gefahr einer Revolution ausgesetzt zu werden. Ferner wird darauf hingewiesen, daß wichtige arbeitsrechtliche Bestimmungen, die das Proletariat von jeder Ausbeutung befreien sollen, in der Sowjetunion in Wirklichkeit längst überholt und durchbrochen sind. So bestimmt u. a. der sowjetrussische „Arbeits-Kodex" im Artikel 37, daß Lohnarbeiter nicht ohne ihre Zustimmung von einer Arbeitsstätte nach einer anderen abtransportiert werden dürfen. Diese Bestimmung ist bereits dahingehend abgeändert worden, daß Arbeiter von einem Ort an den andern abtransportiert werden können, falls „die Produktion es verlangt". Dadurch ist die Zwangsarbeit rechtlich sanktioniert. Eine weitere ungeheuerliche Bestimmung setzt fest, daß der Arbeiter, wenn er mit seinem Verschulden Ausschußware herstellt, keinen Lohn erhält, und nur die Hälfte des Lohnes erhält, wenn dies ohne sein Verschulden geschieht. Eine entsprechende Regelung ist für Betriebsstörungen vorgesehen. Schließlich weist der „Bund" darauf hin, daß in der Sowjetunion Felddiebstähle mit dem Tode durch Erschießen bestraft werden und daß durch ein Gesetz vom 7. April 1935 sogar Zwölfjährige zum Tode verurteilt werden können. Die Wühlarbeit der Kommunisten in Frankreich. Paris, 19. Roo. (DRB. Funkspr.) Das „Echo de Paris" wendet sich unter der Ueberschrift „H o ch- verrat" mit scharfen Worten gegen die Tätigkeit der französischen Kommunisten in Frankreich und in seinen Kolonien. Die kommunistische Internationale halle es in den französischen Kolonien darauf abgesehen,eine antiimperialistische Front gegen Frankreich zu schaffen und Frankreich aus seinen Kolonien herauszuwerfen. Es sei kein Wunder, daß England und die Vereinigten Staaten gegen die Beschlüsse und die Tätigkeit des 7. Komintern-Kongreßes in Moskau Einspruch erhoben hätten. „Wird aber Frankreich gestatten, daß eine politische Partei auf den Befehl einer fremden Internationale offen auf die Abtrennung von drei seiner Departements hinarbeitet? Was soll man schließlich von einem Staat halten, dessen führende Männer als Regierungschefs erklären, ein starkes Frankreich zu wünschen, dessen führende Männer aber als Drahtzieher der internationalen Politik zur selben Zeit den Befehl erteilen, Frankreich zu zerstückeln, zu schwächen und zu vernichten? Was soll man von der Freundschaft eines solchen Staates halten? Bedeutet sie eine Stärkung oder eine Schwächung?" gegen die Anordnung, daß bei der Einfuhr aus Deuschland nach England vom 18.November ab die Eigenschaft der Waren als deutsche Waren durch Ursprungszeugnisse besonders nachgewiesen werden muß. Die Königlich Britische Regierung hat daraufhin mitteilen lassen, daß sie die Anordnung mit Rücksicht auf die ingang befindlichen Besprechungen suspendiert habe. Tag der deutschen Hausmusik. Ein Geleitwort Professor Abendroths. Der Reichssachschaftslehrer für Mu- s i k e r z i e h e r, Professor Hermann Abendrot h, veröffentlicht zum „Tag der deutschen Hausmusik" am 21. November folgendes Geleitwort: Das Gefühl für Wert und Echtheit in der Musik muß in jedem Volksgenossen lebendig sein, und wo es noch nicht vorhanden ist, da mutz es auf dem Wege einer planmäßigen Volksmusikerziehung wachgeru'fen werden. Der sicherste Weg aber, der uns zu diesem Ziele führt, ist die Schaffung einer neuen musikalischen Kultur des Hauses. Echte H a u s m u s i k p f l e g e ist der festeste Damm gegen alle musikalischen Zersetzungs-Erscheinungen. Wer von K in d an mit- guter Musik in lebendiger Berührung steht und schon frühzeitig beginnt, unter sicherer Anleitung selbst zu musiziere n und m das Werk unserer großen deutschen Meister emzudringen, der ist für sein Leben gefeit gegen Minderwertigkeit und Schund und hat zugleich auf seinen Lebensweg eines der höchsten Hüter mitbekommen, die es in unferm Dasein gibt. Dies uns ins Bewußtsein zu rufen, das ist der Sinn des „Tages der deutschen Hausmusik". Neue Relchsmittel für den Umbau' von Wobnungen. Berlin, 19. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der Reichs- und Preußische Minister des Innern hat erneut Mittel in Höhe von rund zehn Millionen Reichsmark für die Teilung von Wohnungen und den Umbau sonstiger Räume zu Wohnungen zur Verfügung gestellt. Die Vergebung der Mittel erfolgt nach trtn bisherigen Bestimmungen. Drei Franziskaner wegen Devisen vergehens verurleilk. Berlin, 18. Nov. (DNB.) Das Berliner Schöffengericht verkündete gegen drei Franziskanermönche von der thüringischen Franziskaner-Provinz, die sich wegen Devisenvergehens zu verantworten hatten, folgendes Urteil: Der Hauptangeklagte Leo Böschen wurde zu vier Jahren Zuchthaus, drei Jahren Ehrverlust und 81 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Der Franziskanerbruder Waldemar Wurth erhielt ein Jahr Gefängnis und 2000 Mark Geldstrafe. Das Verfahren gegen den dritten Angeklagten Joseph Günther wurde auf Grund des Amnestiegesetzes eingestellt. Außerdem ordnete das Gericht die Einziehung eines Wertersatzes in Höhe von 120 075 Mark an. Für diesen Betrag soll ebenso wie für die verhängten Geldstrafen die thüringische Franziskaner-Provinz die Haftung übernehmen. Die Untersuchungshaft wurde den Verurteilten in voller höhe angerechnet. Der ebenfalls angeklagte Leiter der Ordensprovinz, der Pater Dr. Peter Gölz befindet sich auf einer Inspektionsreise in Japan. Auch gegen den Angeschuldigten Adalbert Reith, der sich sm Fransziskanerkloster Watersleyd'e Sittard in Holland aufhält, konnte nicht verhandelt werden. Die Hauptoerhandlung hat ergeben, daß die Angeklagten durch ihre Machenschaften die deutsche Volkswirtschaft um über 100 000 Mark geschädigt haben. Ein großer Teil dieser Summe ist unter Mißbrauch des Ordenskleides über die Grenze nach hollanll geschmuggelt worden, um zugunsten der dortigen Ordensschule der Franziskaner Verwendung zu finden. Ferner sind Unterstützungsdeträge bis nach Japan auf ungesetzlichem Wege ausgeführt worden, die der Franziskaner-Mission mit ihren 35 Niederlassungen in Saparro auf der Insel Hokkaido Massen. Die Vorbereitung des Reichshandwerkerkages 1936. In Frankfurt a. M. fand eine vorbereitende Sitzung für den Reichshandwerkertag am 6. und 7. Juni 1936 statt. Es ist dies der Sonntag nach Pfingsten, der auch in Zukunft für die Reichshandwerkertage festgelegt ist. Das Jahr 1936 wird einen Führerappell des Handwerks bringen. Die Arbeitstagungen werden von festlichen Veranstaltungen umrahmt fein. Im Zeichen handwerklicher Wertarbeit wird eine große Hand- werksausftellung ftattfinden, deren Hauptträger einige bedeutende Reichsinnungen find. Eine allgemeine Leistungsschau wird dieses Werk krönen. Kunst und Wissenschaft. Oie deutsche Amazonas-Expedition Bei einem Start auf dem Amazonas wurde das Expeditionsflugzeug D.-E. F. O. N., das Schulz- Kampfhenkel selbst steuerte, durch Leckschlagen eines Schwimmers beschädigt. Mit Hllfe von Ein- geborenen-Kanus einer nahen Urwaldsiedlung und Aninga-Floßen gelang es Schulz-Kampfhenkel und dem Bordmonteur Krause, die langsam sinkende Maschine trotz des aufkommenden Seegangs und der Strömung des an dieser Stelle ungefähr fünf Kilometer breiten Amazonas-Stromes ohne größere Beschädigungen zu sichern. Die auf einer Ufersand- banf vom Bordmonteur vorgenommene Untersuchung ergab, daß unter den primitiven Verhältnissen eine Reparatur mit der nötigen Sicherheit nicht durchführbar war. Die Maschine wurde daher sofort abmontiert und zur Sicherstellung in die Zivilisation abtransportiert. Da ein entscheidender Teil der Er- probungs- und Forschungsflüge bereits durchgeführt ist, kann die Expeditionsarbeit ohne Verzögerung planmäßig fortgesetzt werden. Als Ergebnis dieser erstmalig versuchten Erprobung eines Wasserflugzeuges im Dienste wissenschaftlicher Urwaldforschung muß sein Einsatz als unschätzbares Hilfsmittel für die Expeditionsarbeit bezeichnet werden. Die mitge- führte Maschine „Heinckel Seekadett" mit Siemens- Motor, der kleinsten Wasserflugzeugklasse angehörig, hat durch ihre Bewährung bei zahlreichen Urwaldflügen unter fliegerisch wie klimatisch schwersten Bedingungen der deutschen Flugzeugindustrie ein hervorragendes Zeugnis ausgestellt. Wenige Tage vor dem Unfall wurde der letzte Erkundungsflug über dem unerforschten Mittellauf des Jary durchgeführt, wobei diese Gegenden von Bra- silianisch-Guyana als ein bis dreihundert Meter hohes, von ununterbrochenem dichten Urwald bedecktes Bergland festgestellt wurden. Jndicmerfied- lungen fanden sich nicht und muffen weiter flußaufwärts vermutet werden. Da die Böen über dem Urwaldflußtal die kleine Maschine wie einen Spielball hin und herwarfen und auf dem Fluß keine Wasserungsmöglichkeit bestand, wurde der Flug nach siebzig Minuten beendet. Die Bewältigung der so erkundeten Flußstrecke dürfte mit den Booten der Hauptabteilung etwa einen halben Monat in Anspruch nehmen. Schulz - Kampfhenkel und Gerd Kahle find bereits mit ihrer Eingeborenen- Rudermannschaft und fünf Booten in das unerforschte jungfräuliche Stromschnellengebiet des mittleren Jary aufgebrochen, so daß in den nächsten Monaten kaum mit Nachricht von der Expedition gerechnet werden kann. Aus aller Wett. Raubüberfall auf eine Baseler Bank. In Basel wurde auf den Kassierer der Adlerbank ein Raubüberfall verübt. Als die Kasse für die Mittagspause geschlossen werden sollte, trat ein Unbekannter ein, der eine kleinere französische Note wechseln wollte. Unmittelbar darauf feuerte er ö r e i Schüsse auf den Kassierer ab, der schwerverletzt zusammenbrach. Dann sprang der Räuber zum Kassenschrank, riß ein Bündel Banknoten im Werte von 4200 Mark an sich und flüchtete. Fußgänger, die die Schüsse gehört hatten, nahmen sofort die Verfolgung auf. Als der Täter in einer Seitenstraße eingeholt wurde, tötete er sich durch einen Schuß in den Kopf. Es handelt sich um den aus Straßburg zugereisten Gaston H e y m a n n. Man vermutet, daß er auch derjenige Täter ist, der vor einigen Jahren am Zentralbahnhofsplatz in Basel unter genau den gleichen Umständen einen Banküberfall verübte, wobei der Kassierer das Leben lassen mußte. Dieser Ueberfaü konnte bis jetzt nicht aufgeklärt werden. 25 Todesopfer des Sturmes an der amerikanischen Atlantik-Küste. Der schwere Nordoststurm, der in den letzten lagen die amerikanische Atlantik-Küste heimsuchte, verursachte auch zahlreiche Verkehrsunfälle, wobei nach den letzten Berichten 25 Menschen g e- tötet und Hunderte verletzt wurden. Zahlreiche Küstendampfer und Fischerboote erlitten im Sturm schwere Beschädigungen. Die Uferstraßen von Neuyork stehen teilweise über zwei Fuß hoch unter Wasser. Der Sturm war von Hagel- und Schneefällen begleitet. Allein in den Küstenorten von New-Jersey wird der Sachschaden auf mehrere Millionen Dollar geschätzt. Zahlreiche Häuser wurden von der Flut völlig zerstört. Ganze Ortschaften sind von der Umwelt völlig abgeschnitten. Viele kleine Boote gingen unter. Jteun Todesopfer einer Familienfehde. In einer türkischen Stadt Diar Bekir forderte eine Familienfehde neun Tote. Ein junger Mann namens Salih erschoß auf der Straße seinen Freund Necmi. Darauf griffen alle Familienangehörigen des Toten zu den Waffen und gingen gegen die Familie Salihs vor. Es entwickelte sich schließlich auf offener Straße eine heftige Schießerei. Als die Polizei eingriff, deckten neun Tote den Kampfplatz. 25 Personen wurden festgenommen. Deutscher Motorsegler gesunken. Auf der Elbe bei Blankenese wurde der ausfahrende deutsche Motorsegler „Brandaris" von dem einfahrenden lettischen Dampfer „Taloadis" gerammt und zum Sinken gebracht. Die vier Mann starke Besatzung des Motorseglers, der in Langeoog beheimatet und etwa 300 Tonnen groß ist, wurde von dem Schleppdampfer „Mastade" gerettet und dann von dem lettischen Dampfer übernommen und nach Hamburg gebracht. Das Motorschiff sank in kurzer Zeit. Explosionsunglück in Chemnitz. Im Reichsbahnausbesserungswerk Chemnitz explodierte aus noch nicht bekannter Ursache die ortsfeste Azetylen-Anlage. Hierbei wurde der Schlosser Hartwig aus Merzdorf getötet, während der Vorschweißer Meyer aus Chemnitz und der Schlosser Glaser aus Hochenfichte schwer verletzt wurden und ins Krankenhaus eingeliefert werden mußten. Außerdem wurden 16 Arbeiter des Ausbesserungswerkes leicht verletzt. Die Umfassungsmauer der Anlage wurde eingedrückt. Die Chemnitzer Feuerwehr war zu tatkräftiger Hilfe bald zur Stelle. Zahlreiche Brolvergiflungen in Spanien. In Murcia und Cartagena sind zahlreiche Fälle von Brotvergiftungen festgestellt worden. Bis jetzt find über 4000 Personen erkrankt. Zwei von ihnen sind gestorben; ein Arbeiter verlor infolge der durch die Vergiftung hervorgerufenen Schmerzen den Verstand und beging Selbstmord. Die Vergiftungserscheinungen ähneln denen von Grubenarbeitern. In einzelnen Dörfern find bis zu 100 Familien erkrankt. Da auch bei einem großen Teil des Viehes Vergiftungserscheinungen aufgetreten sind, ist ein vorläufiges Schlachtverbot erlassen worden. Ein Müller wurde verhaftet, der drei Waggons mit 30 000 Kilo Baryterde empfangen und diese mit dem für die Bäcker in der Provinz bestimmten Mehl vermengt haben soll. und bedingungsloses Festhalten am Qualitätsprinzip erklären den Ruf, den ALVA RUNDE SORTE in Raucherkreisen genießt. MDG »RUNDE SORTE« Guispächier Weiß (Hof Graß) zu Grabe getragen. Hungen, 18. Nov. Am Samstag wurde hier auf dem Friedhof ein bemerkenswerter Angehöriger unserer Großbauernschicht zu Grabe getragen: Gutspächter Rudolf Weiß zu Hof Graß. Er entstammte einer Waldeckischen Landwirtsfamilie, in der gute alte Kultur gepflegt wurde. In den achtziger Jahren kam er als Volontär auf den ehemals du Thilfchen, jetzt Gräflich Wal- derndorffschen Hof Graß. Dort wurde er der Schwiegersohn des Pächters, der im vergangenen Sommer im 96. Lebensjahre verstorbenen, weithin bekannten Oekonomierates Oswald K l i n g e l h ö f - f er. Als Herr Weiß mit junger Kraft den Hof übernahm, stand er vor einer schwierigen Aufgabe. Es waren die damals für die Landwirtschaft überaus schwierigen Caprivi-Jahre. Dazu sah sich Herr Weiß veralteten Wirtschaftsmethoden gegenüber auf einem Gute, dessen Bodenqualität den Wetterauer Durchschnitt nicht erreicht. Don entschlossenem Willen und mit reichen landwirtschaftlichen Kenntnissen ausaestattet, ging er zur intensiven Ackerbewirt- schastung über, die sich alle Erfindungen der Technik und der Chemie zunutze machte. So erreichte er es in langer Mühe, daß sein Hof zu einem Mustergut wurde, dessen Aecker Ernten einbrachten, die sich neben den besten Gütern der Wetterau sehen lassen konnten. Das gleiche gilt für die Viehzucht, die auf Hof Graß betrieben wurde. Besonders bekanntgeworden ist Herr Weiß durch seine vorbildliche Schweinezucht. Seit langem ist deshalb sein Betrieb für das kleinere Bauerntum der Nachbarschaft ein Muster. Wohl noch wertvoller war Herr Weiß in seiner sozialen Haltung. Das Verhältnis zu dem Hofgesinde war in gutem Sinne patriarchalisch. Etliche Dienstleute gehören seit Generationen zum Hof. Mancher Veteran der Hofarbeit aß in Hof Graß das Gnadenbrot, ohne die unpersönliche Altersanstalt aufsuchen zu müssen. In Graß dienen zu dürfen, gilt in der Umgebung noch heute als eine Ehre. Dabei war Herr Weiß, der begeisterte ehemalige Soldat, ein aufrechter deutscher Mann. Der Zusammenbruch von 1918 war ihm ein tiefer Schmerz. Die damals angehende deutsche Not hat er nach Kräften gelindert. Darbende und Hungernde hatten in der unseligen Zwangswirtschaftszeit im Hause Graß eine Zuflucht, bei der es nicht auf den Geldbeutel der Entbehrenden abgesehen war. Aus deutscher Gesinnung hieß er alle Bestrebun- gen willkommen, die auf eine Besserung des deutschen Lebens zielten. Es war nur wenigen bekannt, daß im ©nätbprhft 1923 bei ihm verfolgte Kämpfer Adolf Hitlers Sicherheit fanden. Sein Haus ist sicher eines der ersten gewesen in dem die Lieder der jungen nationalsozialistischen Bewegung gesungen wurden. Darum wird der treue deutsche Mann unvergessen bleiben. Kirche und Schule CanbfrHs Gießen co Bettenhausen, 18. Nov. Unsere Gemeinde hatte gestern einen seltenen Tag: Wir durften unsere Kirche neu weihen, nachdem sie in etwa vierteljähriger Arbeit in ihrem Inneren ein völlig neues Gewand erhalten hatte. Die Weiheansprache und -Handlung hatte der Dekanstellvertreter, Stiftsdechant Kahn (Lich) übernommen. Im Anschluß an Epheser 4, 22—24 überbrachte er die Grüße des Dekanates Hungen und der Landeskirche und ließ seine Ausführungen in dem Wunsche gipfeln, daß in dem erneuerten Gotteshaus sich eine von innen heraus erneuerte Gemeinde sammeln möge. Die Festpredigt des zuständigen Pfarrers über Haggai 2, 7b führte aus, daß in dieser Kirche die Herrlichkeit des Herrn als Vater, Sohn und heiliger Geist allezeit gelebt hot. Das Mittelstück der Feier wurde würdig eingerahmt von zwei Liedern von Joh. Seb. Bach: „Kommt, Seelen, dieser Tag" und „Gott lebet noch". Lehrer Kruyer, Büdesheim, ein Kind unseres Dorfes, trug fte in angenehmem, gutgeschulten Bariton vor. Auch an der Orgel saß ein geborener Bettenhäuser als Organist. 'Wilhelm Köhler (Lugge), ein Sohn des in Oberhessen unvergessenen Philipp Köhler (Langsdorf). Die wichtigsten Lieder der Gemeinde wurden von dem jungen Langsdorfer Posaunenchor begleitet, so daß die musikalischen Teile der Feier von lauter heimischen Kräften bestritten wurden. Den Höhepunkt des Festgottesdienstes bildete die Weihe der Ehrentafel für die 13 Gefallenen des Weltkrieges. Sie wurde durch den Krrchenmaler Otto Kienzle (Alsbach) an der Empore der im Chorraum stehenden Orgel auf- gemalt und beherrscht durch ihre eindrucksvoll in Gold und Silber gehaltenen Farben den ganzen Chorraum. Unter dem Ehrengeläute der Glocken wurden die Namen der teuren Toten verlesen und das Mal geweiht, den Gefallenen zum Gedächtnis, den Nachkommen zur Mahnung, dem unerforfch- lichen Gott zu Lobe. Das Lied vom guten Kameraden beschloß eindrucksvoll den Weiheakt. Im gemeinsamen Unser Vater faßte die Gemeinde ihre Gedanken zusammen. Am Abend fand sich noch einmal eine zahlreiche Versammlung zu einer G e - m e i n d e s e i e r in der Kirche ein, um einen Vortrag über „Geschichte und Würdigung unserer Kirche" zu hören. Es wurde der Gemeinde aus der Bauzeit ihres Gotteshauses berichtet, wurde hingewiesen auf künstlerische Schäden, die in geschmackloser Zeit dem Bau zugefügt wurden, und es wurden die Aufgaben herausgestellt, die der Bauleitung und dem Kirchenmaler bei der jetzt vollendeten Wiederherstellung oblagen. Besonders betont wurden die Umstände, aus denen der reformierte Charakter dieses Kultusbaues hervorgeht. So nahm dieser festliche Tag unserer Gemeinde einen befriedigenden und würdigen Verlauf. Dem Gemeinderat und dem Bürgermeister sind wir alle viel Dank schuldig für das wohlgelungene Werk. öJ.Jporf HandballimKreisLahn-Dill(GauXH) Bezirksklasse: MTV. Gießen — Tuspo Marburg 6:5 (2:3). Die Gießener konnten, obwohl Marburg bei Halbzeit noch in Führung lag, einen knappen Sieg landen, der allerdings mehr als glücklich bezeichnet werden muß. Im übrigen soll, wie verlautet, Marburg Protest eingelegt haben. To. Heuchelheim — Tv. Wetzlar 4:10 (0:8). Heuchelheim war gegenüber den letzten Spielen diesmal nicht wieder zu erkennen. Nicht nur, daß vollkommen systemlos gespielt wurde, die Mannschaft war auch zeitweilig viel zu hart, was dem Spiel einen wenig schönen Rahmen gab. Erst nach der Pause wurde es besser, zu einer wesentlichen Veränderung des Resultates war es aber doch schon zu spät. Die Einheimischen würden gut daran tun, in Zukunft sofort mehr Wert auf ein zweckmäßiges Spiel zu legen, um damit etwaige Ueber- rumpelungsoersuche der Gegner von vorneherein zu unterbinden. To. Münchholzhausen — To. Roth. Roth trat auch zu diesem Spiele nicht an, so daß wohl damit gerechnet werden kann, daß die Mannschaft aus der Runde genommen wird. 1. Kreisklasse: Tv. Groß-Rechtenbach — Tv. Dorlar 11:5 (8:2). Daß die Platzbesitzer gewinnen würden, stand fest. Trotzdem überrascht der hohe Sieg doch. Er läßt sich aber erklären, wenn man weiß, daß Rechtenbach in allen Teilen gleich gut besetzt war, daß dahingegen Dorlar ^ehr viel Schwächen aufwies. To. A tz b a ch — Tv. Holzheim 5:5 (2:4). Atz- bach hatte auch diesmal wieder Glück. Denn das Spiel mußte unbedingt von den Gästen gewonnen werden, zumal bereits bei Halbzeit eine klare Führung bestand. Taktische Fehler ließen die Platzbesitzer aufkommen und ihnen allein ist dann auch der unerwartete Ausgleich zuzuschreiben. 2. Kreisklasse: Tv. Nauborn — Tv. Allendorf a.d.Lahn 5:6 (0:4). Viel sicherer als das Ergebnis besagt, konnte Allendorf dieses Spiel gewinnen. Der gute Torhüter der Platzmannschaft allein ließ ein höheres Ergebnis nicht zu. — Das Spiel wurde von Nauborn zu hart ausgetragen. Tv. Wetzlar II — Tv. Dutenhofen 4:10. Dutenhofen war seinem Gegner in jeder Beziehung weit überlegen und gewann auch in dieser Höhe verdient. Tv. Grüningen — Tv. Hausen 12:8 (8:4). Die Gäste gaben sich zwar alle Mühe, das Ergebnis besser zu gestalten, konnten aber den Sieg der Einheimischen nie gefährden. Tv. Treis — Tv. Londorf 1:3 (1:1). Auf beiden Seiten schlechte Stürmerleistungen, dafür waren aber die Hintermannschaften um so besser. Der Sieg der Gäste ist verdient, obwohl der Kampf zeitweilig vollkommen ausgeglichen war. Tv. Allendorf a. d. Lda. — Tv. Beuern 9:5 (5:2). Die Platzbesitzer lieferten ein ausgezeichnetes Spiel, gegen das auch die eifrigen Gäste nicht ankommen konnten. Es hat den Anschein, als ob Allendorf sich jetzt allmählich auf sich.selbst besonnen hätte und noch ein Wörtchen mitsprechen möchte. Jugend. Tv. Wetzlar — Spv. 05 Wetzlar 4:4 (2:2). Ein ausgeglichenes Spiel zweier gleichstarker Mannschaften, das in dem Unentschieden auch den gerechten Ausgang nahm. Tv. Münchholzhausen — Tv. Garben» heim 13:1 (7:0). Eine ziemlich einseitige Ange, legenheit. Die Platzmannschaft war um eine Klasse besser als ihr Gegner. Tv. Lützellinden — Tv. Lang-Göns II 12:1 (3:1). Die Gäste konnten wider Erwarten den in ausgezeichneter Form spielenden Einheimischen nie gefährlich werden, was das Ergebnis auch be» reits deutlich zum Ausdruck bringt. Tv. Lang-Göns I — Mtv. Gießen 13:1 (7:1). Das Spiel war nicht so einseitig, wie das Ergebnis besagt. Bei besserem Zusammenarbeiten und besserem Schußvermögen im Sturm der Gäste hätte ein zahlenmäßig besseres Ergebnis erreicht werden können. Tv. R u t t e r s h a u s e n — Tv. Wißmar 17:2 (9:0). Die Jungens aus Ruttershausen waren wieder ganz groß in Fahrt und überfuhren ihre Gaste im wahrsten Sinne des Wortes. To. Holzheim — Tv. Grüningen 10:0 (8:0). Grüningen zeigte sehr wenig von dem, was es wirklich kann. So ist es deshalb auch verständlich, daß Holzheim haushoch gewann. Freundschaftsspiel. Tv. Wißmar — Tv. Garbenheim 3:7. Das Spiel wurde auf beiden Seiten ziemlich schnell durchgeführt. Durch größere Spielerfahrung und Stehvermögen hat Garbenheim verdient gewonnen. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Der lebhaften Wirbeltätigkeit über dem Ostatlantik steht ein mächtiges Hochdruckgebiet über Osteuropa gegenüber, so daß vor allem in den höheren Lagen sich kräftige Abkühlung eingestellt hat. Dabei haben Schneefälle auch auf unser Mittelgebirge übergegrisfen, während in den Niederungen bei fast unveränderten Temperaturen vielfach Regenfälle niedergehen. Voraussichtlich wird das östliche Hochdruckgebiet sich langsam noch weiter westwärts ausdehnen und dabei zunehmenden Einfluß auf unser Wetter nehmen. Aussicht en für Mittwoch: Vielfach dunstig oder nebelig, sonst zeitweilig aufheiternd, abnehmende Niederschlagsneigung, bei lebhaften südlichen und östlichen Winden Tagestemperaturen um etwa 5 Grad Celsius. Aussichten für Donnerstag: Bei lebhaften westlichen Winden voraussichtlich weitere Abkühlung, doch noch nicht ganz beständig. Lufttemperaturen am 18. November: mittags 7,6 Grad Celsius, abends 5 Grad; am 19. November: morgens 5 Grad. Maximum 8,1 Grad, Minimum 1,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 18. November: abends 5,3 Grad; am 19. November: morgens 4,5 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 0,3 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Fünfziger-Vereinigung 1865 — 1915 <390 Um allseitige Beteiligung bittet im 23. Lebensjahre. Gießen (Auf der Weißerde 6), den 18. November 1935. billig 6181 d 0 6668 D wahren. in Lindenstruth, den 18. November 1935. ±snnD@. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 20. November, nachmittags 3.15 Uhr in Lindenstruth statt 04966 6617 A Katharine Muth und Kinder Gießen, im November 1935. 6675 D 6568 A de Grünewald ML Liebler Asterweg 16. Bretter Sperrholz Latten un Ql Gc hi( Pi Sei lin Di Le Allen die uns bei dem schweren Verlust unseres lieben Entschlafenen beigestanden haben, spreche ich im Namen der Hinterbliebenen für die unendlich vielen Beweise innigster Teilnahme unseren herzlichsten Dank aus. Pelzwaren Pelzrevaratureu ni te bi Q n n KleineAnzeigen im Gießener Anzeiger werden von Tausend»", beachtet »»>- -cuim. Kabeljau Pfund 25 Pf. Filet Pfund 48 Pf. GrüneHeringe 3 Pfd. 65 Pf. Stellenangebote] Verteiler mit Rad und Sicherh. gesucht. 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I Nr. 271 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 19. November 1935 Elsaß-Lothringen in Frankreich. Unter der großen Menge der Verordnungen mit Gesetzeskraft, welche die Regierung Laval auf Grund des Ermächtigungsgesetzes erlassen hat, befindet sich auch eines, das die bisherige Verwaltung Elfaß-Lothringens grundlegend ändert, tief in die politischen und verwaltungsrechtlichen Verhältnisse des annektierten Landes eingreift und, wie es scheint, auch für die inneren Beziehungen der Grenzprovinz zu dem zentralistisch geleiteten Frankreich von großer Bedeutung ist. Nach der formlosen Angliederung Elsaß-Lothrin- gens an Frankreich nach dem Waffenstillstand (le plöbiscite est fait!) wurde ein französischer Oberkommissar eingesetzt, der mit nahezu unbeschränkten Vollmachten die Angliederung des Landes an Frankreich vorzunehmen hatte, das nahezu fünfzig Jahre unter deutschen Gesetzen und in enger wirtschaftlicher Verflechtung mit Deutschland gelebt hatte. Die Widerstände waren erheblich; die Erfahrungen, die Frankreich dabei machte, zeigten, daß die Erwartungen einer schnellen und restlosen Assimilation der sehr eigenwilligen Bevölkerung, die man aus der Stimmung nach dem deutschen Zusammenbruch abgeleitet hatte, keineswegs gerechtfertigt waren. Man entschloß sich daher im Jahre 1925 zur Einrichtung einer Generaldirektion für die elsaß-lothringischen Angelegenheiten mit dem Sitze in Straßburg, die zwar vollständig an die Direktiven der Pariser Zentrale gebunden war, dem Lande aber wenigstens dem Schein und die Illusion einer autonomen Verwaltung geben konnte. Daß es dem Generaldirektor Paul V a l o t, der das Amt während der verflossenen zehn Jahre innehatte, nicht gelungen ist, dem Lande diese Illusion zu erhalten, zeigten der unverminderte Widerstand, den die autonomistische Bewegung der Assimilation entgegensetzt, und die sehr beachtlichen Erfolge, die diese politische Stimmung bei den letzten Senatswahlen erringen konnte. Ein Widerstand, der sich durchaus nicht aus der illegalen Natur der autonomistischen Bewegung erklärt, wie es in Frankreich landläufig dargestellt wird, sondern der seine Kraft und Anziehung aus dem mangelnden Verständnis der zentralen Politik und Verwaltung für die besonderen Verhältnisse des Landes und seine Forderungen in bezug auf Sprache, Kultur und Religion zieht. Offenbar waren es die Enttäuschungen auch dieser zweiten Periode elsaß-lothringischer Entwicklung in Frankreich, die die Pariser Regierung nun veranlaßt haben, von dem Wege, den sie mit Errichtung der Generaldirektion einzuschlagen schien, grundsätzlich abzubiegen und zwar in der Richtung nach einer schärferen Zentralisierung. Die erwähnte Verordnung hebt nämlich mit dem 1. Januar 1936 die Generaldirektion auf und unterstellt die elsaß-lothringischen Angelegenheiten unmittelbar dem Ministerpräsidenten. , Wie schwer es für das offizielle Frankreich auch heute noch ist, die Stimmung des in vielen Dingen wesensfremden Landes zu beurteilen und Wirkungen von politischen Maßnahmen einigermaßen richtig zu bezeichnen, welche verschiedenen Sprachen man nicht nur tatsächlich, sondern auch politisch in Paris und Straßburg spricht, dafür ist bezeichnend, daß man offenbar mit einer vollen Zustimmung zu der wichtigen Reform der staatsrechtlichen Stellung Elsaß-Lothringens wenigstens bei den Parteien und Volkskreisen gerechnet hatte, die als „zuverlässig" im französischen Sinne gelten, weil sie sich dem Gedanken einer vollkommenen Assimilierung in Frankreich mehr oder minder vorbehaltlos zur Verfügung stellten. Es zeigt sich nun aber, daß die Aufhebung des Generaldirektoriums und die Verlegung des Schwergewichts der Verwaltung elsaß-lothringischer Angelegenheiten nach Paris gerade von dieser Seite heftig- st e r Kritik ausgesetzt ist, während die autonomistische Presse einen Vorteil für das Land in dem Verschwinden des bisherigen Generaldirektors zu erblicken geneigt ist, wohl auch aus dem Irrweg der Verordnung für die Zukunft eine Stärkung und Rechtfertigung ihrer Bestrebungen erhofft. _ Gloria-palast. „Liselotte von der Pfalz." Das Schicksal der Liselotte von der Pfalz bleibt in der deutschen Geschichte eine schmerzliche Episode. Der Film, der seit gestern im Gloria-Palast aufgeführt wird, zeigt denn auch nicht die frohe, humorvolle, lustige Liselotte, die sie manchmal genannt wird, sondern eine Frau, deren Leben Opfer eines Irrtums und Tragik war. Sowohl ihr Vater, der polternde Kurfürst Karl Ludwig von der Pfalz, wie auch ihre Tante Sophie von Hannover glaubten ja, daß es gut fei, sie mit dem Bruder des Sonnenkönigs zu verheiraten, damit der Kurfürst vereinst vielleicht seine Hausmacht vergrößern konnte. Es wurde nichts daraus! Sehr das Gegenteil. Das Schloß Heidelberg fiel durch Melac in Schutt und Asche. Der Sonnenkönig hatte andere Plane als der Kurfürst, und Liselotte traf lediglich das Schicksal, Werkzeug zu sein. Das Thema gab dem Film reiche Möglichkeiten. Das Leben am deutschen Fürstenhof ist kraß den Lebensformen am Hofe Ludwigs XIV. gegenuber- oestellt, in ebenso hartem Kontrast der vertrauensselige deutsche Kurfürst und der machtlüsterne König der Franzosen. Noch auffälliger ist der Unterschied zwischen dem deutschen Edelfräulein und den frivolen, spöttischen und neidischen Maitressen aufgezeigt. Den Höhepunkt findet der Film in jener heftigen Szene zwischen Liselotte und Ludwig XIV., da die Gegensätze zwischen den Menschen zweier Nationen elementar aufeinanderstoßen, Liselotte sich leidenschaftlich für ihre Heimat einsetzt und dabei geradezu zu einer preußischen Figur wird. Der Sonnenkönig steht ihr als der kalte Rechner gegenüber. Einer der stärksten Eindrücke ist aber der Empfang der Abordnung Heidelberger Burger durch Liselotte im Schloß von Versailles. Schade daß die Handlung des Films unter einem unaebeuren äußeren Aufwand immer wieder mühsam aufae ucht werden muß. Die Ausstattung des Films der Carl-Froelich-Produktion ist tatsächlich auf em Ausmaß aetrieben als follte einem amerikanischen Publikum imponiert werden. Lediglich> die ausgezeichnete Darstellung läßt zum Wesentlichen zuruck- Senate Müller verkörpert in der Titelrolle die deutsche Prinzessin mit einem Ernst, der allein dem Der „Temps" nennt dies einen „befremdlichen W i d e r f p r u ch". Befremdlich ist er allerdings nur dann, wenn man, wie es die offizielle französische Lesart tut, an der falschen geschichtlichen Vorstellung festhält, nach der Elsaß-Lothringen nach emer Periode zwangsmäßiger „Germanisation^ seinem französischen Mutterlande wiedergegeben worden sei und daß es nun nur gelte, alle künstlichen Spuren der deutschen Zeit mit voller Billigung aller „wohlmeinenden" Elemente des Landes auszutilgen. Der angebliche Widerspruch klärt sich jedoch sofort auf, wenn man die geschichtliche Wahrheit erkennt, daß dieses alte Grenzland zwischen zwei europäischen Staaten und Kulturen zwar oft feine politischen Neigungen, nie aber seine Eigenart gewechselt hat und daß es an dieser unbeschadet seiner staatlichen Zugehörigkeit festhält und sie zäh verteidigt. Diese Erfahrung hat Frankreich schon einmal gemacht, als unter dem dritten Napoleon zum ersten Male Versuche gemacht wurden, in die Sprache und in die besonderen Rechte des Landes einzugreifen; sie sind auch der deutschen Politik nicht erspart geblieben, obwohl sie in den Jahren von 1871 bis 1914 den jetzigen Zickzackkurs der französischen vermied und konsequent zu einer immer vollständigeren Autonomie Elsaß-Lothringens fortschritt, die der Gliederung des damaligen Reiches entsprach. Aber es scheint, daß der Besitz dieses Landes keinen ganz glücklich macht, der es „besitzen" will. Das nationalsozialistische Deutschland hat aus dieser durch die Geschichte belegten Tatsache die Lehre gezogen und den Anspruch auf ein Land und eine Bevölkerung aufgegeben, die uns „nicht lieben wollen". Dies hindert uns allerdings nicht daran, mit Aufmerksamkeit und Teilnahme zu verfolgen, wie Elsaß-Lothringen den Kampf um feine Eigenart führt und wie es ihn im Zusammenstoß mit einer mächtigen, aber nach überlebten Ideen geformten und dazu geschichtlich nicht einwandfrei berechtigten Zentralgewalt bestehen wird. O. M. ©er: irtschastsmotor laust wieder. Der Reichsfinanzminister Graf Schwerin von Krosigk hat in einem in Frankfurt am Main gehaltenen Vortrage bemerkenswerte Streiflichter auf die gegenwärtige finanzpolitische Lage Deutschlands geworfen. Als wichtigste Schlußfolgerung aus seinen Ausführungen darf man die Feststellung anfehen, daß das große Werk der Wirtfchaftsankurbelung durch vorausgenommene Staatskredite restlos gelungen, damit aber auch in gewissem Sinne beendet ist. Die Erfolge, die auf diesem ganz neuen Wege der Konjunkturpolitik errungen wurden, sind so augenfällig, daß sie weder abgeleugnet noch verkleinert werden können. Die Zahl der Arbeitslosen, die sich fast in der ganzen Welt auf einem beängstigend hohen Niveau erhalten hat, ist in Deutschland auf 1,75 Millionen gesunken. Auch der Reichsfinanzminister sieht eine halbe Million dieser Arbeitslosen als Kräfte an, die auf Grund ihrer zu geringen Leistungsfähigkeit nicht wieder in den Arbeitsprozeß eingeschaltet werden können. Eine röeitere halbe Million muß als ein natürliches Sammelbecken angesehen werden, aus dem die Wirtschaft bei schwankendem Beschäftigungsstande ihrer einzelnen Zweige den Bedarf an Arbeitskräften decken muß, und das darum nicht geleert werden kann. Es bleiben also nur noch etwa dreiviertel Millionen Arbeitslose übrig, die durch eine aktive Konjunkturpolitik künftig noch inArbeit gebracht werden können. Damit hat diese ihre Aufgabe im wesentlichen gelöst. Selbst wenn der kommende Winter wieder eine zusätzlich saisonmäßige Arbeitslosigkeit in Höhe von etwa einer Million Feiernden bringen sollte, so würde es sich nur um eine vorübergehende Erscheinung handeln, die sehr bald überwunden sein wird. Ein wirklicher Rückschlag der Konjunktur braucht nicht befürchtet zu werden, weil der kräftig angekurbelte Motor der deutschen Wirtschaft nun von selbst weiterläuft, und man nicht mehr zu befürchten braucht, daß er etwa mangels genügenden Treibstoffs wieder stillzustehen gezwungen sein könnte. Der Treibstoff der Wirtschaft ist in erster Linie das Kapital, das ihr zur Verfügung steht. In der kritischen Zeit des Tiefstandes der Konjunktur hat der Staat dieses Kapital durch einen Zugriff auf seine künftigen Einnahmen herbeischaffen und der Wirtschaft zur Verfügung stellen müssen. Graf Schwerin von Krosigk betonte mit besonderem Nachdruck, daß diese aktive Kreditpolitik die erste große nationalsozialistische Tat auf wirtschaftlichem Gebiete ist, die getan werden mußte, weil die Ueberwindung der schweren Krise nicht mehr den Selbstheilungskräften der Wirtschaft Überlassen werden konnte. Aber wenn der Automatismus der Wirtschaft in den Krisenjahren 1932 versagte und versagen mußte, so ist er heute schon wieder in hohem Grade wirksam. Der Reichsfinanzminister verwies auf die beiden Tatsachen, daß durch erfolgreiche Senkung der Arbeitslosigkeit einerseits die öffentlichr Fürsorgelast um die Hälfte, nämlich um 1,4 Milliarden gesunken, andererseits aber der Erlös des Staates aus Steuern um 2,5 Milliarden Mark g e - st i e g e n ist. Das Jahr 1935 wird eine weitere Erhöhung der Steuereinnahmen um 1 Milliarde Mark bringen. Die Lage des Staatshaushalts hat sich also uminsgesamtrund 5 Milliarden Mark gebessert. Aus dieser neugeschaffenen finanziellen Reserve können künftig die vom Staate aufgenommenen Produktivkredite a b g e d e ck t werden. Es können aber aus ihr auch weitere Mittel für die Arbeitsbeschaffung und für die Finanzierung der Erfordernisse der Wehrmacht entnommen werden. In welchem Umfange das eine oder das andere geschieht, in welchem Tempo als die früher zur Ankurbelung der Wirtschaft aufgenommenen Produktivkredite getilgt werden, ist nicht von entscheidender Bedeutung. Die Hauptsache ist, daß Arbeitsbeschaffung und die Rüstungsausgaben künftig nicht mehr aus Krediten, sondern wieder aus den laufenden Einnahmen des Staates finanziert werden. Dieses ungeheuer wichtige Ergebnis, das der Reichsfinanzminister mit Recht als das deutsche Wunder bezeichnete, bedeutet nichts Geringeres als den erfolgreichen Abschluß der Wirtschaftsankurbelung mit staatlichen Krediten und die Wie- derherstellung der eigenen Heilungskräfte der deutschen Wirtschaft. Die aktive Kreditpolitik hat ihre Schuldigkeit in vollem Maße getan. Sie hat dadurch, daß sie den Wirtschaftsmotor ankurbelte und ihm die Kräfte zu eigener Weiterbewegung wiedergab, sich selbst im wesentlichen entbehrlich gemacht. Der künftige finanzielle Bedarf der Wirtschaft wird wieder aus ihren eigenen Erträgnissen befriedigt werden können. Die durch die Wiedereingliederung von Millionen deutscher Volksgenossen in den Arbeits prozeß erheblich gestärkte Konsumkraft wird in Zukunft ausreichen, um den Motor der deutschen Wirtschaft von selbst laufen zu lassen. Hierzu wird freilich auch weiterhin sorgsamste Sparsamkeit notwendig sein. An einen wesentlichen Abbau der Steuerlasten wird, wie der Reichsfinanzminister ausdrücklich betonte, in den nächsten Jahren noch nicht gedacht werden können. Aber die Schwierigkeiten, die überwunden werden müssen, liegen künftig in der Hauptsache nicht mehr auf dem Gebiete der Finanzierung der Arbeit, sondern vielmehr in der Beschaffung der zu ihrer Inganghaltung erforderlichen R o h st o f f e. Hier wird fortan in erster Linie das Ziel der staatlichen Wirtschaftspolitik liegen, das nur in enger Zusammenarbeit mit der Initiative der privatwirtschaftlichen Kräfte verfolgt werden kann. Die Rohstoffversorgung der Produktion ist eine vordringliche Aufgabe fowohl gegenüber den auf steuerliche Entlastung gerichteten Wünschen wie gegenüber vorübergehenden Stockungen der Konsumversorgung. Mit Recht hat Graf Schwerin von Krosigk in Frankfurt hervorgehoben, daß ebensowenig wie die vorjährige Hamsterwelle in Texil- tilwaren, die schnell zusammenbrach, auch der diesjährige Ansturm auf die Butterläden als eine ernste Gefahr anzusehen zu werden braucht. Im Brennpunkt der Wirtschaftspolitik steht jetzt die Rohstoff- lUd/it m! Wenn tclrtn - - dann Körting-Badio sicherung, der alle anderen Dinge untergeordnet werden müssen. Mit großer Eindringlichkeit verwies der Reichsfinanzminister das Ausland darauf, daß Deutschland ohne erhöhten Export nicht auskommen kann. Entweder muß man es wieder an Gebieten beteiligen, aus denen es seine Rohstoffe holen kann, ober es wird diese Rohstoffe selbst erzeugen müssen. Der nun wieder aus eigenen Kräften bewegte deutsche Wirtschaftsmotor wird ganz gewiß auch die Frage der Rohstoffversorgung auf die eine ober bie anbere Weise zu lösen imstanbe sein. Bücheriisch. — Karl Götz, Dos Kinberschiff. Ein Buch von ber weiten Welt, von Kinbern unb von Deutschland. Verlag Engelhorns Nachf., Stuttgart. Preis in Leinen 5,80 Mark. — (409) — Der schwäbische Dichter, dessen Buch mit dem Volksdeutschen Schrifttumspreis des Deutschen Ausland-Jnstituts ausgezeichnet wurde, hat hier kürzlich in einer Morgenfeier der Hitler-Jugend gesprochen unb dabei sicher in vielen seiner Zuhörer den Wunsch geweckt, nun auch das Buch in Händen zu halten, das von der fröhlichen Kinderfahrt aus den Schwabensiedlungen im fernen Palästina nach Deutschland erzählt. In diesem Buch ist mehr als nur die köstlichen Schilderungen der Erlebnisse dieser frischen Buben und Mädels, Erlebnisse auf dem Schiff, in den Städten unb auf bem Lande, hier wächst stark unb rein bie Kraft ber deutschen Erde empor, hier wird die wirkliche Blutsverbundenheit sichtbar, die die Deutschen untereinander, mögen sie auch noch so verstreut sitzen, verbindet. Hier offenbart sich, daß von allen Wundern ber Ferne doch der Wunder allergrößtes ist: die Heimat! — Robert Hichens: Wege im Zwielicht. Roman. Aus bem Englischen. Ganzleinen 4 Mark; broschiert 3,20 Mark. Verlag Ullstein, Berlin. — (462.) — Das Grunbthema dieses Romans ist ber Kampf zwischen Vernunft unb Leibenschaft. Ein bekannter Strafverteidiger erkennt verstanbes- mäßig sehr wohl, baß seine Manbantin offensichtlich bes ihr zur Last gelegten Verbrechens schulbig ist. Aber biese seltsame Frau, bie bes Morbes an ihrem Gatten angeklagt ist, hat ben nüchternen Anwalt so sehr in ihren Bann gezogen, baß er entschlossen ist, bis zum äußersten für bie schöne unb geheimnisvolle Angeklagte zu kämpfen. Während ber Gerichtsverhandlung jedoch wird dem Anwalt klar, baß sie ben Morb an ihrem Gatten aus Liebe 3U einem anberen Mann begangen hat. Er läßt sich hinreißen, feinen scharf durchdachten Verteidigungs- plan zu verwerfen, unb in einem leidenschaftlichen Ausbruch bezichtigt er ben Mann, ben bie Angeklagte liebt, bas Verbrechen begangen zu haben. Das aber wirb seiner Manbantin zum Verhängnis, benn nun erkennt bas Gericht bie wahren Zusammenhänge, unb bie Schulbige wirb zum Tobe verurteilt. Der Anwalt, ber ben Gebauten nicht ertragen kann, bie Frau, bie er geliebt hat, bem Galgen überliefert zu haben, gibt seinen Beruf auf unb wirb versuchen, seinem zerstörten Leben einen neuen Sinn zu geben. — Tex Harding: 76 Kilo Gold. Abenteuer zweier Tramps in Südamerika. 253 Seiten. Seinen 3,80 Mk., broschiert 2,80 Mark. Verlag Ullstein, Berlin. — (430) — Dieser neue Abenteurerroman erzählt von dem Glück unb Elenb zweier Golbgräber. Zwei Tramps, Slim, ber Amerikaner, unb Tex, ber junge deutsche Abenteurer, ziehen gemeinsam aus, um in ber gebirgigen Wildnis Südamerikas Gold zu waschen. Nach unsäglichen Strapazen entdecken sie endlich eine ergiebige Fundstelle. Als Reichgeworbene ziehen sie mit ihren 76 Kilo Golb in ber großen Stabt La Paz ein. Aber nicht lange bleiben sie im Besitz ihrer Reichtümer. Das wechselvolle Schicksal, bas sie mit ihrem Golbe erleben, bis sie arm, wie sie nach La Paz kamen, wie- ber hinaus in bie Wilbnis ziehen, hält jeben Leser in Bann. Thema gerecht werben kann. Ihre reichen barstellerischen Mittel werben zwar völlig herausgesorbert, sie überragt aber auch bei weitem alle anberen Darstellerinnen. In ber Rolle bes Kurfürsten sieht man Eugen Klöpfer. Seine universelle schauspielerische Kunst macht es ihm nicht schwer, ben Polterer unb Phantasten glaubhaft zu gestalten. Der Raugräfin, seiner Gattin, gab Maly Delschaft starke persönliche Züge. Den hoffärtigen Lud- wig XIV. stellte Michael Bohnen sehr konsequent bar. Hans Stüwe hatte als Philipp von Orleans bie sympathischste männliche Rolle. Iba W ü st war als Herzogin von Hannover unübertrefflich lebenswahr. Dorothea Wieck fiel in ber Rolle ber Maintenon sehr angenehm auf. Für bie stattliche Zahl ber übrigen Rollen hatte man sich ebenfalls um gute Kräfte bemüht. Der Film, ber unter Carl Froelichs routinierter Spielleitung entstaub, brachte eine Fülle einprägsamer Einzelszenen. Der Kameramann hatte bie schwierige Aufgabe, inmitten bes Prunks ber Ausstattung zu klaren Bilbern zu kommen. In ber Musik befleißigte man sich aller Zurückhaltung. N. „Daboona.^ „Baboona" — bas heißt auf beutfch: bas Laub ber Paviane. Unter biefem Titel zeigt bas Lichtspielhaus ben im Verleih ber Deutschen Fox- Filrn-AG. erschienenen Bilb- unb Tonbericht von ber Flugexpebition bes amerikanischen Ehepaares Martin unb Osa Johnson nach Afrika. Dieses sympathische, begabte unb wagemutige Ehepaar ist in Deutschlanb bereits burch bie in Buchform erschienenen Rechenschaftsberichte von feinen früheren Äfrika-Expebitionen bekannt geworben. Diese letzte nun bie roieberum vornehmlich ber Erforschung ber afrikanischen Tierwelt unb Lanbschast gewibmet war, würbe mit zwei Flugzeugen unternommen, was gegenüber ben früheren eine bebeutenbe Steigerung ber Beweglichkeit unb Erweiterung bes Aktionskreises bebeutete. So entftanb ein ungemein lebenbiger Kulturfilm, voll von schönen Bilbern, von reizvollen unb seltenen Szenen aus bem ursprünglichen Leben im Herzen bes schwarzen Erbteils, im afrikanischen Tierparabies. „Baboona" faßt die reiche Filmausbeute der Expedition zusammen. Wir machen die weiten und nicht immer ungefährlichen Luftreifen über dem ostafrikanischen Keniagebiet mit (Nairobi war ber Stützpunkt bes Unternehmens), bie Flüge zum Kilimanbscharo unb zum Rubolssee. Da erschließt sich in ihrer ganzen Eigenart unb ihrer großartigen Weite bie afrikanische Lanbschast aus ber Vogelperspektive, unb immer aufs neue beleben sich Fluß unb See, Walb unb Steppe mit bem unerschöpflichen Reichtum afrikanischer Tierwelt. Ein berücfenbes Bilb: ber Blick auf bie nach vielen Tausenben zählenben Flamingoschwärme. Unb zu ben Flamingos gesellen sich halb in wirbelnber Folge immer neue Scharen von Tieren, bie man gemeinhin nur aus bem Zoologischen Garten kennt: Krokobile, Giraffen, Gnus unb Antilopen, Geier und Reiher, Elefanten, Nashörner, Löwen und Affen, — Affen in ganzen Herden; nicht von ungefähr haben sie diesem Expeditionsfilm den Namen gegeben. Dazwischen finden sich allerlei völkerkundlich interessante Aufnahmen von den Kriegstänzen der Massai und von der Begegnung mit dem zutraulichen Zwergenvolk der Pygmäen. Der Film ist reich an dramatischen Szenen wie an heiteren und idyllischen Episoden. Da sieht man ein ganzes Löwenrudel in nächster Nähe des gelandeten Flugzeugs, da erlebt man einen aufregenden Kampf eingeborener Krieger mit einem Nashorn in offener Steppe, den Fang eines jungen Elefanten, den Ueberfall zweier Leoparden auf eine Pavianherde, den Fang eines Geparden und ein Duell zwischen Leopard unb Warzenschwein. Silber von bewegter, lebensnaher Schönheit ergeben bie Zeitlupenaufnahmen ber vor bem Leoparden burchs Wasser flüchten- ben Pavianherbe. Von besonberem Reiz find auch bie Szenen ber babenben jungen Elefanten, ber Geparbenbabys unb ber Affenkinber. Es ist wohl nicht unbillig, noch einige Namen zu nennen; Tru- man Talley hatte bie Oberleitung; Photographie: Martin Johnson, ber von feiner tapferen Frau an ber Kamera unb mit bem Gewehr vorzüglich unterstützt würbe; Ton: Robert Moreno unb Walter Hicks; erster Pilot: Vern Carstens. — Der Film läuft seit gestern, begleitet von ber neuen Wochenschau unb zwei anberen Kulturfilmen, bie vom ostpreußischen Bernstein unb thüringischen Porzellan handeln, unb sei nachbrücklich empfohlen. —r— Der verleumdete Freitag. Noch heute gibt es Leute, die an einem Freitag nicht aern eine Reise unternehmen und auch sonst darauf bedacht sind, an diesem Tag ihre häusliche Sicherheit nicht zu verlassen. Sie sind ber festen Ueberzeugung, daß der Freitag ein Unglückstag sei. Gegen diesen Aberglauben hat man schon verschiedentlich ins Feld geführt, daß ber Freitag sich im Gegenteil oft schon als Glückbringer erwiesen hat unb baß er zum minbeften besser ist als sein Ruf. So ist z. B. der Freitag, wie ein amerikanischer Gelehrter ermittelt hat, der Glückstag in ber Geschichte Amerikas. Kolumbus trat an einest Freitag seine Entdeckungsreise an, entdeckte bie Neue Welt an einem Freitag und kehrte an einem Freitag zurück. Die „Mayslower", das Schiff der ersten englischen Ansiedler in Amerika, landete an einem Freitag; der größte Staatsmann der Vereinigten Staaten, George Washington, wurde an einem Freitag geboren. Im Unabhängigkeitskriege war der Freitag für die Amerikaner ein Gluckstag, denn Burgoyne ergab sich an diesem Tage und an demselben Wochentage mußte sich Cornwalles ergeben. An einem Freitag veröffentlichte John Adams die Unabhängigkeits-Erklärung. — Auch die englische Marine feiert ben Freitag als Glückstag. An einem solchen Wochentage ging bie spanische Armaba unter, was allerdings für die Spanier immerhin ein Unglückstag war, unb die Flotte des holländischen Admirals van Tromp wurde an einem Freitag vernichtet. Einige der wichtigsten englischen Seesiege wurden am Freitag erfochten, unb wenn auch bie Schlacht bei Gibraltar an einem Montag ftattfanb, so schuf boch der vorhergehende Freitag die Grundlage für den Sieg, da sich der französische Admiral an diesem Tage zur Annahme der Schlacht herauswagte. — Die Schauspieler sind in bezug auf den Freitag besonders abergläubisch, und doch ist der gefährlichste Tag für bas Theater ber Montag, an bem bas Publikum am schwersten zu befriedigen ist. Hochschulnachrichten. Professor Dr. Hermann Bente, Ordinarius für wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität Kiel, hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Frankfurt abgelehnt. Wirtschaft Paul Hartmann (Regentin), Friedrich Gold, die Klärchens man das Mit erheblicher Spannung erwartete feiten, und man hätte sich doch gerade das Drama Kleists in einer vollkommeneren Gestalt gewünscht! in einen alte Schinkelbau am Gendarmenmarkt neuen Abschnitt seiner Geschichte. Oie Industne- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1263: Bekanntmachung KP 62 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1264: Einreiseverkehr mit Kraftfahrzeugen nach Frankreich. 1265: Beschränkung der Ein- und Aussuhr von Kriegsgerät. 1266: Deutscher Schritt gegen die Einführung von Ursprungszeugnisfen seitens Großbritanniens. 1267: Das deutsch-polnische Derrechnungsabkommen. 1268: Zulassung der Einzahlung von Konkurs- und Vergleichsforderungen auf die französischen Treuhänderkonten. 1269: Bekanntmachung KP 63 der Ueberwachungs- ftelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1270: Die Vertragszollsätze des deutsch-polnischen Wirtschaftsvertrages. Rhein-Mainische Börse. INittagsbörse schwächer. Frankfurt a. M., 18. Rov. Bei weiter merklich verringertem Gefchäftsumfang eröffnete die Börse zum Wochenbeginn am Aktienmarkt mit weiter abgeschwächten Kursen, nachdem bereits am Samstag infolge von Glattstellungen und Gewinnmitnahmen ein Teil der voraufgegangenen Erholungen eingebüßt wurde. Der Grund für die weiteren Abschwächungen, die überwiegend 1 v. H. betrugen, war in der wieder stark aufgekommenen Geschäftssttlle zu suchen, zumal von der Kundschaft nennenswerte Aufträge fehlten und auch sonst keine besonderen Anregungen vorlagen. Die Kulisse verhielt sich abwartend und nahm einige Abgaben vor, die auf nur geringe Aufnahmeneigung stießen. Schwächer waren insbesondere wieder Montanaktien, Mannesmann 80,25 bis 80 (81,25), Buderus 99,65 (100,75), Hoesch 83,75 (85), Rheinstahl 103 (104,50) und Stahlverein 76,75 (77,75). Von Chemiewerten ließen IG. Farben auf 147 (148) und Scheideanstalt auf 217 (217) nach. Durchweg niedriger lagen auch Elektrowerte, AEG., Felten und RWE. verloren je 1 v. H., Licht & Kraft 1,50 v. H., Schuckert 0,75 o. H., Siemens 0,50 v. H. und Ges- fürel 0,40 v. H. Von Zellstoffpapieren gingen Waldhof um 1,25 v. H. und Aschaffenburger um 0,50 v. H. zurück. Schwächer setzten ferner ein: Metall- gesellfchaft (— 1,50 v. H.), Daimler (— 0,90 v. H.), Deuffcher Eifenhandel (— 1 v. H.), AKU. (— 0,50 v. H.) und Dordd. Lloyd (— 0,50 v. H.). Reichsbank und Deutsche Linoleum sowie Deutsch-Atlanten lagen behauptet. Am Rentenmarkt war das Geschäft bei wenig veränderten Kursen klein. Altbefitzanleihe, späte Reichsschuldbuchforderungen und Zinsoergütungsscheine lagen unverändert, Kommunal-Umschuldung und 6 v. H. Stahlverein ließen je 0,13 v. H. nach. Von fremden Werten notierten Anatloier I und II mit 39 (38,50) etwas fester. In der zweiten Börsenstunde fanden Umsätze nur noch vereinzelt und zu kaum veränderten Kursen statt. Die Haltung war widerstandsfähig, etwas niedriger waren nochmals Gesfürel mit minus 0,65 v. H. und Kunstseide AKU. mit 51 nach 51,75. Von den erst später notierten Werten verloren Rhein. Braunkohlen 2 v. H. Auch am Rentenmarkt erfuhren die Kurse gegen den Anfang keine Veränderungen, das Geschäft war ebenfalls gering. Pfandbriefe und Stadtanleihen blieben zumeist unverändert. Von Auslandswerten fanden im Freioerkehr Brasilianer und Russen-Prioritäten bei etwas festeren Kursen Interesse. Tagesgeld weiter ermäßigt auf 2,75 (3) v. H. Abendbörfe sehr still. Die Abendbörse nahm am Aktien- und Rentenmarkt einen außerordentlich ruhigen Verlauf, Kursveränderungen von Belang traten nicht ein. Am Aktienmarkt ergaben sich im Vergleich zum Berliner Schluß teilweise leichte Rückgänge, nennenswerte Umsätze lagen diesen Kursen aber nicht zu wie Gemälde alter flämischer Meister. Auch das Bühnenhaus ist erheblich vergrößert worden und hat durch einen Uebergang über die benachbarte Charlottenstraße eine unendliche Tiefe gewonnen; man ahnt etwas von dieser Weite des Raums, wenn der nächtliche Marktplatz erscheint, auf dem Klärchen die Bürger zum Aufstand begeistern will: die Verlassenheit dieser Menschen vor dem fast grenzenlosen Hintergründe wird sichtbar. — Mit einem würdigen, festlichen Auftakt tritt der alle Bühnen suchen und brauchen: das Volksstück. Auch hier weiß man von Anfang an, daß der Rhemschiffer Jupp Schmitz (Paul Wagner) sein Lieschen (Fita F e n k h o f f) heimführen wird, aber auf welche lustige und humorige Art wird das erreicht! Auch hier gibt's (wie bei Billinger) Arabesken und Episoden, aber sie werden immer in die Handlung bezogen und führen sie weiter: ein ganz rheinisches Darf springt in seiner Kirmesvergnügt- heit aus dem Alltag und tobt sich aus. Dazwischen einige Liebesszenen: still, fast wortlos, sehr einfach und herzlich. Dank und Glückwunsch an den Autor, dem ein glücklicher Wurf gelang, und der hinreißend komischen Aufführung unter der Leitung des Grafen Solms! O. 6. Daß das Staatstheater am Gendarmenmarkt in Anwesenheit des Führers vor einer glänzenden Versammlung mit Goethes „E g - mont" nach dem Umbau eröffnet wurde, ist das Ereignis. Der Zuschauerraum, in wilhelminischer Zeit arg überladen und verunstaltet, stellt sich jetzt — Gold, Weiß und Dunkelrot in den Rängen — wieder in seinen reinen ursprünglichen Formen dar, der Bühnenrahmen hat seine viereckiae Form zurückerhalten, der S ch i n k e l s ch e Baugeoanke ist neu zu Ehren gekommen, das Haus ist etwa so geworden, wie es sich bei seiner Einweihung im Alte und neue Stücke in Berlin Theaterbrief aus der Reichshauptstadt. Grunde. Don Filialgroßbanken bröckelten DD- und Dresdner Bank um je 0,25 v. H. auf 83,75 ab, während Commerzbank mit 84,13 unverändert blieben. IG. Chemie Bafel 50 v. H. einbezahlte Stücke kamen nach Pause mit 138 (1. K. 135,50) wieder zur Notiz. An den Rentenmärkten herrschte völlige Geschäftsstille. Im Freiverkehr wurden Brasilianer wieder etwas höher bewertet, Umsätze fanden aber nicht statt. U. a. notierten: Altbesitz 112,90, 6proz. Stahlverein 102,90, IG. Farben-Bonds 123,90, Reichsbahn- Vorzugsaktien 122,75, 4proz. Rumänen 4,75, Adca 68,25, Braubank 112,50, Commerzbank 84,13, DD- bank 83,75, Dresdner Bank 84,25, Reichsbank 183, Buderus 99, Harpener 108, Mannesmann 80, Rheinftahl 102,65, Laurahütte 20,25, Stahlverein 76,40, Aku 50,75, Bekula 141, IG. Chemie volle 163, dto. 50proz. einbez. 138, Conti Gummi 156,50, Daimler 89,50, Deutsche Linoleum 136,50, Licht & Kraft 126,50, IG. Farben 147, Gesfürel 121,25, Goldschmidt 102,50, Junghans 80, Metallgesellschaft 105,25 Moenus 79, RWE. 122,65, Schuckert 116, Westdeutscher Kaufhof 24,50, Schöfferhof-Binding 160,50, AG. für Verkehrswesen 80. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 18. Nov. Brotgetreide war ausreichend angeboten, die Aufnahmefähigkeit der Mühlen für Weizen bleibt aber infolge der Andienungen durch die RfG. gering. Gerste war nicht angeboten. In Hafer wurden einige Zuteilungen durch die RfG. vorgenommen. Auch am Futtermittelmarkt gehen die Zuweisungen in ölhaltigen Futtermitteln weiter, daher ist die Nachfrage nicht mehr so dringend. Englische Biertreber wurden zu ca. 11,80 RM. je 100 Kilogramm an Frankfurt a. M. gehandelt, auch Malzkeime waren erhältlich. Die gute Nachfrage nach Schnitzeln hielt an. In Weizenmehl konnte sich das Geschäft etwas beleben, doch geht die Nachfrage über die laufende Bedarfsdeckung nicht hinaus. Nachmehle blieben vernachlässigt.' Rauhfutter liegt still. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in RM.: Weizen W 13 205, W 16 206, W 19 210, W 20 212. Roggen R 12 166, R 15 169, R 18 173, R 19 175 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerfte —, Sommergerste für Brauzwecke 200—210, Hafer —. Weizenmehl W 13. 27,95, W 16 28,20, W 19 28,20, W 20 28,55, Roggenmehl R 12 22,45, R 13 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 RM. Fracht-Ausgleich. Weizenmehl 17,10—17,25, Weizenfuttermehl 13,50. Weizenkleie W 13 10,65, W 16 10,80, W 19 11,00, W 20 11,10. Roggenkleie R 12 9I5, R 15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50 Miihlen- fe'stpreife ab Mühlenstation. Soyafchrot m. M. 16,20, Palmkuchen m. M. 16,80, Erdnußkuchen m. M. 18,30. Treber —, Trockenfchnitzel 8,80 Großhandelspreis ab Fabr.-Stat., Heu 8,00—8,50, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreht 3,20—3,50, gebündelt 3 bis 3,20. Kartoffeln (alles hief. Gegend): Industrie 2,90—2,95, gelbfleifchige 2,80—2,85, weiß-, rot- und blauschalige 260 RM. per 50 Kilogramm Frachtparität Frankfurt a. M. bei Waggonbezug. Frankfurter Schtachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 18. Nov. Auftrieb : Rinder 994 (gegen 941 am letzten Montagsmarkt), darunter 179 Ochsen, 52 Bullen, 642 Kühe, 121 Färsen. Kälber 315 (326), Schafe 106 (85), Schweine 1940 (1626). Notiert wurden pro 1 Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen a) 42 (am 11. Nov. 42), b) 42 (42), c) 42 (42), d) 39 bis 41 (38 bis 41). Bullen a) 42 (42), b) 42 (42), c) 42 (42), d) 40 bis 42 (41 bis 42). Kühe a) 42 (42), b) 40 bis 42 (41 bis 42), c) 33 bis 39 (33 bis 40), d) 25 bis 32 (25 bis 32). Färsen a) 42 (42), b) 42 (42), c) 42 (42) d) 39 bis 42 (41 bis 42). Kälber andere a) 73 bis 76 (74 bis 76), b) 67 bis 72 (67 bis 73), c) 61 bis 66 (61 bis 66), d) 54 bis 60 (53 bis 60). Lämmer und Hämmel b2) 50 (48), c) 47 bis 48 (46 bis 47), d) 44 dis 45 (40 bis 45). Schafe nicht notiert. Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57), b) 55 Dagegen hat die Volksbühne in ihrem zweiten Haufe, im Theater am Nolle ndorfplatz einen echten und rechten Triumph errungen. Heinrich Zerkaulens „Sprung aus dem Alltag", in Deutschland nicht zum erstenmal gespielt, wird unter wachsendem Jubel von den Berlinern empfangen. Hier ist in der Tat vorhanden, was Jahre 1821 zeigte. — Der „Egrnont" des Intendanten Gründgens erfreut durch die klassische Formung und Erhellung der Gespräche, die in diesem politischen Diskussionsstück so wesentlich sind; es wird verhalten und gedämpft, in jedem Sinne beherrscht gespielt. Wunderschön ist diese Beherrschung des Worts und Tons durch Darsteller wie ((Egrnont), Hermine Körner ________h Kayßler (Alba), Käthe ~ , ... .Märchens Gestalt mit mädchenhaftem Zauber umleuchtet, und durch den Ferdinand Claus (Haufens, ber aus einer Randfigur einen wichtigen Mitspieler macht. Beethovens vollständige Musik, von Wichelm Furtwängler dirigiert, umrahmt die Handlung, und tönt verklärend in das letzte Bild (Kerker), so daß die von Goethe gewünschte Traumerscheinung Klärchens entbehrlich wird. Die Bühnenbilder Rochus G l i e f e s wirken neue Schauspiel „Die Hexe von Passau" von Richard Billinger im Deutschen Theater. Wieder nimmt Billinger den Stoff aus dem Innviertel feiner bayerischen Heimat, aber wiederum schreibt er kein eigentliches Drama, sondern (wie zuvor in „Rauhnacht" und „Rosse") eine Folge von Arabesken, einen recht zusammenhanglosen Bilderbogen, der als Anschauungsmaterial für Brauchtumsunterweisung dienen könnte, dahinter die Handlung streckenweise vergessen wird. Auch innerhalb der Handlung bleibt Wichtiges unklar. Da empören sich die Bauern gegen einen grausamen Erzbischof, der sich im vorletzten Bild als ein urgemütlicher Herr vorstellt, der keinen Menschen leiden sehen Fann; da führt die Komödiantin Valentine Ingold auf dem Marktplatz ihr Magdalenenspiel vor, ohne daß ersichtlich würde, wie es dazu käme; dafür wird sie als Hexe (warum als Hexe?) aum Scheiterhaufen verurteilt, konnte errettet werden, begehrt aber (warum?) den Tod. Ihr Ende scheint das Signal zum Bauernaufstand zu geben, aber es scheint wohl nur so, denn der Vorhang fällt, das Spiel ist aus. Bauernaufstand, gewiß ein düsteres, brennendes Thema — aber es wird von einer zweiten, komödienhaften Handlung fortwährend überspielt und unterbrochen: keine „Kontrastwirkung", sondern die Unfähigkeit des Autors, den einmal angeschlagenen Ton durchzuhalten. Ein Vorspiel, sechs Auszüge und die Pause dauern nur zwei Stunden, in denen gegen fünfzig Personen auftreten. Unter ihnen Käthe Dorsch als Hexe, leuchtend in schlichter Innerlichkeit, aber auch sie nur ein Umriß. Die Regie Heinz Hilperts kann die Widerspräche und Unklarheiten nicht verdecken, die Bühnenbilder Ernst Schüttes spielen in diesem Bilderbogen eine wesentliche Rolle. Bühnenbilder, auch die schönsten, können gefährlich werden. In der Volksbühne läßt der junge Spielleiter Gerhart Scherler schöne Landschaften und Säle zu Kleists „Prinzen von Homburg" erbauen, aber damit ist zunächst noch nicht viel erreicht, darüber darf die innere Struktur der Szenen nicht verlorengehen. Aber die wichtige Paroleausgabe, um nur einiges zu nennen, wurde undeutlich, die Szene auf dem Feldherrnhügel bei Fehrbellin ging vor dem weiten Rundhorizont und im Schlachtendonner verloren. Mathias W i e m a n war herrlich und verhalten als Prinz, aber in dem entscheidenden Auftritt, da er um fein Leben fleht, findet er an der Darstellerin der Kurfürstin keine Partnerin; Bruno Decarli gibt einen recht patriarchalischen Kurfürsten ohne herrscherliche Größe, so sind in dieser Einstudierung manche Unstimmig(55), c) 53 (53), d) 51 (51), e) 51 (51). Sauen gl) 57 (57), g2) 57 (57). Marktoerlauf: Rinder sehr lebhaft, ausoertauft; in geringeren Kühen verblieb Ueberftanb. Kälber rege, ausoerfauft. Hämmel und Schafe lebhaft, ausverkauft. Schweine wurden zu- qeteilt. Ueberftanö: 5 Ochsen, 55 Kühe. Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung des Fleffchgroß- Marktes: 931 Viertel Rindfleisch, 81 ganze Kälber, 26 ganze Hämmel, 1148 halbe Schweine, 1 Kleinvieh. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch b) 76 bis 80, c) 68 bis 76. Bullenfleisch b) 74 bis 78. Kuhfleisch b) 68 bis 74, c) 58 bis 68. Färsenfleisch b) 76 bis 80, c) 68 bis 76. Kalbfleisch b) 84 bis 94, c) 74 bis 84. Hammelfleisch b) 90 bis 95 Schweinefleisch b) höchster Preis 74. Fettwaren. Speck aus hiesiger Schlachtung, roh unter 7 Zentimeter 77 bis 80. Marktverlauf ruhig. Rundfunkprogramm. Mittwoch, 20. Jlovember. 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.05: Gymnastik. 8.25: Sendepause. 8.45: Choralblasen. 9: Evangelische Morgenfeier. 9.45: Bekenntnisse zur Zeit. 10.30: „Fahrt ins Land der Toten". Wallfahrt nach Verdun. Eine Funkfolge. 11.30: Totenfeier. 12: Mittagskonzert I. 13: Mittagskonzert II. 14: Kinderfunk. 14.45: U-Boot auf dem Meeresgrund. Nach dem Tagebuch eines Matrosen. 15.15: „Letzte Reise". Eine Funkfolge. 16: Nachmittagskonzert. 18: Kloster Eberbach im Rheingau. Eine Funkfolge. 18.30: Konzert. 19.15: Die Geschichte von einer Mutter. Eine Funkfolge. 20: Brahms — Reger. Ein Sinfoniekonzert. 21: Abendmusik. 22: Nachrichten. 22.30: Nachtmusik. 24 bis 2: Nachtmusik. Kircklicke Jiacf>rid)fetL Evangelische Gemeinden. Mittwoch, den 20. November. Buß - und Bettag. Gießen. Stadlkirche. 9.30 Uhr: Propst Knodt; 17t, Pfr. Becker. — Iohanneskirche. 9.30: Pfr. Bechtols- heimer; 17: Pfr. Ausfeld. — üapelle des Allen Friedhofs. 9.30: Pfr. Anthes. — Petruskapelle. 9.30: Pfr. Trapp; Beichte und hl. Abendmahl; 17: Pfarrassistent Zfchau. — Wieseck. 9.30: Beichte; 10: Gottesdienst; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls; Kollekte für Gesamtanliegen der Deutschen Evangelischen Kirche. — Allen-Bufeck. 10: Gottesdienst. — Großen-Buseck. 10.30: Gottesdienst. — Oppenrod. 8.45: Gottesdienst. — Steinbach. 9.30: Beichte; 10: Gottesdienst und anschließend Abendmahl für die Jugend; Kollekte. — Albach. 12.30: Bußtagsgottesdienst; Kollekte. — Rödgen. 10.30: Gottesdienst; Kollekte für allgemeine Anliegen der Kirche. — Annerod. 9: Gottesdienst; Kollekte für allgemeine Anliegen der Kirche. — Kirchberg. 10: Gottesdienst; Kollekte für allgemeine Anliegen der Deutschen Evangelischen Kirche. — Treis a. d. Lda. 10: Hauptgottesdienst; Kollekte. — Klein-Linden. 10: Gottesdienst; Kollekte. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst. — Watzenborn-Steinberg. 9.45: Beichte; 10: Gottesdienst; anschließend Abendmahl für die jungen Leute; 19.30: Beichte und Abendmahl für junge Eheleute. — Garbenteich. 13: Gottesdienst. — Haufen. 10: Gottesdienst. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn; Kirchenchor; 14: Stiftspfarrer Naumann; 20: Bibelstunde. — Rieder-Bessingen. 10: Stiftspfarrer Naumann. — Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst. — Bettenhausen. 9.30: Hauptgottesdienst. — Münzenberg. 11: Gottesdienst. — Crais-Münzenberg. 13.30: Gottesdienst. — Hungen. 9.45: Gottesdienst; 19.30: Feierstunde für Innere Mission. — Kirtorf. 13: Hauptgottesdienst; anschließend Kindergottesdienst. — Ober-Gleen. 9: Kinder- gottesdienst; 10: Hauptgottesdienst. — Wirberg. 10: Gottesdienst; Kollekte. — Veitsberg. 12.30: Gottesdienst; anschließend Feier des hl. Abendmahls für die Jugend; Kollekte. Evangelische Sladtmisfion (Löberstraße 14). Mittwoch, den 20. November. 20.30 Uhr: Bibelftunde. Reuapostolische Gemeinden, händelsirahe 1 — Ederstraße 13. Mittwoch, den 20. November. 9.30 Uhr: Gottesdienst. Oeffentlicher Sonntagsdienfl. Polizei: Telefon 2751, nur in dringenden Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer I bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Arzt: Frl. Dr. Gürtler, Dr. Wolf. Zahnarzt: Dr. Schott. Apotheke: Pelikan-Apocheke. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. ^ran.iun a. jji. 25erii.i ytan. ur a. ... jetm Franpur u. jji. ■öeriu. Gchluß- kurs Schlußk. Abend- börse Schluß- kurs Schlußk. Mittag- börse Schluß- kurs Schluß!. Abendbörse Schluß- kurs Echlutzt. Mittag- börle Schluß- kurs Schlußk. Abendbörse Gchluß- kurs Schlußk. Mittag- börse Datum 16.11. 18.11. 16.11 18.11. Datum 16.11. 18.11. 16.11. 18.11. Datum 16-11. 18.11- 16-11- 18.11. 6% Deutsche Retchsanlethe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 5V*% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Wlös.-Schuld mit 100,4 97,5 101,75 113 100,25 96,25 100,75 92,25 113 96,25 100,65 100,9 97 97 107,65 1,25 9,15 9,25 10,7 100,13 97,5 101,75 112,9 100,2 97,4 96,25 100,75 92,5 113 96,25 100,75 100,9 97 97 107,65 28 1,25 9,2 9 9,13 10,7 100,5 97,5 102,25 113,1 100,3 113 101,25 97 97 107,65 29 1,25 9,25 9,15 9,4 100,5 97,5 102,25 112,9 100,25 97 113,13 100,9 97 97 107,65 28,25 1,3 9,15 9 9,2 10,7 4% desgl. Serie 11 ............ 5% Ruman. vereinh. Rente v. 1903 4yr%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh- Rente .. 2 y*% Anatolier .............. 11,9 5,9 8,25 4,75 38,5 15,13 16,9 80,5 108,75 84,5 84,75 85 182,75 36,75 141,4 111,25 104,25 122 123,5 117,5 165,13 100,75 102,75 109 85 152,5 125 83 84,13 5,8 8,25 4,75 38,5 15 16,4 80 109,5 84,13 83,75 84,25 183 35,75 141 109,5 126,5 103,25 121,25 122,65 116 164,65 123,5 99 102 108 83,5 152,5 125 81,5 80 6 8,5 4,75 38,75 15,13 28,65 16,9 81,25 110 84,5 84,75 85 183 37 141,25 111,75 128,5 104,5 121,9 129,75 123,25 117,5 164,13 124,5 100,75 102,5 109,5 85 152,5 125,25 83 80,9 11 4,75 39 14,9 28,5 16,4 80 110,5 84,25 84 84,5 183,25 35,75 141,13 109,9 126,75 103 121 128,75 122,5 116,5 163,25 123,25 99,65 101,75 108,25 83,4 154,5 125,4 81 79,75 Mansfelder Bergbau......... 6 Kokswerke.................. 6 Rheinische Braunkohlen .....12 Rheinftahl..................4 Bereinigte Stahlwerke........o Otavi Mnen ...............o Kaliwerke Aschersleben........5 Kaliwerke Westeregeln........5 Kaliwerke Salzdetfurth..... 7% I. G. Farben-Jndustrte.......7 Scheideanstalt...............g Goldschmidt ................5 Rütgerswerke ............... g Metallgesellschaft.............4 Philipp Holzmann...........4 Zementwerk Heidelberg ...... 7 Cementwerk Karlstadt.........g Schultheis Patzenhofer .......4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O Bemberg...................5 Zellstoff Waldhof ............6 Zellstoff Aschaffenburg .......O Dessauer Gas ...............7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum........... 8 Orenstein & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade....................7»/» Accumulatoren-Fabrtk....... 12 Conti-Gummi...............8 Gritzner....................0 Mainkrastwerke Höchst a.M.... 4 Süddeutsch« Zucker.....— 10 116,5 104,5 77,75 18,65 126 122,5 148 217 105,25 112,5 108,4 88,25 115,5 129 52,25 103 111,5 76,5 90,65 137 25,5 296,5 157,5 88,5 202 116,75 209 102,65 76,4 18,65 125,75 122,13 185 147 216 102,5 112 105,25 87,75 115,75 129 50,75 103,25 109,75 75,5 89,5 136,5 24,5 296 156,5 88 201,75 117 114,4 210 104 77,9 18,65 126 123 184 148,25 105 113 107,5 88,24 103 52,4 102,9 111,25 75,75 126,25 90,9 136,5 77,75 25 296,5 168,25 157,5 1 202 116,5 112,75 207,5 102,5 76,5 18,5 126,75 122,5 185,5 147,25 102,4 111,5 105,5 87,9 102,25 51,13 103,75 110 75,5 124,25 89,65 136,5 77 24,4 296 168 156,5 200 4*/.% Deutsche Reichspostschatzan- Weisungen von 1934, I....... 6% efjem.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ Hamburg-Amerika-Paket O Hamburg-Südam. Dampfschiff. O Norddeutscher Lloyd .........O A.G. für Verkehrswesen Akt. .. O Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz, und Prival-Bank ... O Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................O Dresdner Bank..............O Reichsbank ................12 A.E.G......................u Bekula.................... 10 Elektr. Lieferungsgesellschaft... 5 Licht und Kraft ........... 6y, Felten & Guilleaume......... 4 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co............... 4 Siemens L Halske............ 7 Lahmeyer L Co..............7 Buderus ........ 4 Deutsche Erdöl ..............4 Harpener...................O Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 8 Ilse Bergbau ............... 6 Ilse Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke ......... 8 Mannesmann-Röhren O V/i% ehein.8% Hessische Lande«' banl Darmstadt Gold R. 12.... 5yt% ehern. iy,%Hess. Landes. Hypothekenbank DarmstadtLiyui <’/»% ehern. 8% Darm st. Komm. LandeSb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhesfen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An. leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4%% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Gvldpse. 15 unkündbar bis 1935 6%% ehern. 4y,% Franks. Hyp.- Äank-Ligu.-Pfandbriefe....... 5%% ehern. 4%% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe..... 4%% ehern. 8% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4ys% ehern. 7% Pr. Landespfand. briefanst., Gold Komm. Lbl.Vl Steuergutsch.Verrechnungsk. 34-38 4% Oesterretchische Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 5% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Sette (................... Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Banknoten. 16-November 18-November Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld | Ärlef Geld 1 Brief Buenos Atre. 0,676 0,680 0,676 0,680 Brüssel .... 41,98 42,06 41,99 42,07 Rio de Jan. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia...... 3,047 3,053 3,047 3.05.3 Kopenhagen. 54,60 54,70 54,60 54 J0 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,225 12,255 12,225 12,255 Helsingfors.. 5,39 5,40 5,39 5,40 Paris ...... 16,37 16,41 16,37 16,41 Holland .... 168,73 169,07 168,73 169,07 Italien..... 20,16 20,20 20,16 20,20 Iavan ...... 0,712 0,714 0,711 0,713 Jugoslawien. 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 61,39 61,51 61,39 61,51 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,09 11,11 11,09 11,11 Stockholm... 63,02 63,14 63,02 63,14 Schweiz .... 80,79 80,95 80.79 80,95 Spanien.... 33,93 33,99 33,93 33,99 Prag....... Budapest ... 10,265 10,285 10,265 10,285 Neuyork ... 2,486 2,490 2,486 2,490 Serlin,18-November Geld Brief ' ' Amerikanische Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,84 42,00 Dänische Noten ................. 54,39 54,61 Englische Noten ................. 12,19 12,23 Französische Noten............... 16,32 16,38 Holländische Noten............... 168,31 168,99 Italienische Noten................ 19,46 19,54 Norwegische Noten .............. 61,23 61,47 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling —— Rumänische Noten............... — — Schwedische Noten............... 62,85 63,11 Schweizer Noten................. 80,61 80,93 Spanische Noten ..... ....... .. 33,57 33,71 Ungarische Noteu................ Nr.271 Drittes Blatt Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, 19. November 1955 Aus der Provinzialhauptstadt. Gedanken zum Bußtag. Von Reinhold Braun. Wenn es uns in einer Bußtagsstunde gelingt, uns auf das bewußte Leben zu besinnen, dann haben wir schon ein gut' Teil von der lebenshelfe- rischen Macht dieses großen Besinnungstages erlebt. Schließlich kommt alles im Leben auf das Be- wußt-Leben an. Wir alle kennen die Tiefpunkt- Gedanken. Solch' einen inneren Tiefpunkt erleben dünkt mich heilsam, wenn man nicht willenlos auf ihm verharrt, und ferner, wenn man sich dort von neuem an Gott knüpft, von ihm neue Kraft herab- ringt. Denn ein Bußtag ohne den Doraana des inneren Ringens ist keiner. Dazu gehört aber auch das: wirklich einmal klein Das schützt vor vielem, vor allem vor Selbstüberschätzung, von dem Das-Matz-Verlieren. Das Letzte aber ist das Gesährlichste für einen Men- fctjen und sein Tun. Der innerlich große Mensch Die Kameradschaft des deutschen Volkes bewährt sich im Winterhilfswerk! Deutscher, du darfst nicht fehlen! weiß, daß zu seinem Werden auch das Kleinwerden vor Gott und sich gehört: die Demut. Es gibt kein wirkliches, heldisches Leben ohne sie. Erinnern wir uns der Wesenheit Hindenburgs — eines Beispieles aus vielen —: „Als Mensch habe ich gedacht, gehandelt und geirrt!" . roufjte sich zu neigen; darum wußte er als ein Mann zu stehen. Zu dem Erlebnis dieses schöp- serischen Kleinwerdens gehört aber auch unbedingt die Erkenntnis, daß zu allem Wollen Gottes Gnade hinzukommen muß, wenn es sich voll entfalten soll. Wer zu dieser Erkenntnis nicht hindurchdringt, oder ste in verblendetem Stolze ablehnt, wird dem Baume im immerwährenden Schatten gleichen. Bußtag erleben, heißt, sich festigen in der Kunst, immer wieder am Anfang stehen zu können. Bußtag will Bereitungstag oes inwendigen Grundes sein. Dazu gehört neben dem Reinigen das unerbittliche Ansetzen der Pflugschar. Je bewußter, ziel- voller, gottverbundener das geschieht, um so besser ist es für den ganzen Menschen, seine Kraft und seine Liebe. Wo der einzelne sich zu bewußtem Leben hinkehrt, nicht nur am Bußtage, wird er an seinem leile helfen, daß das Ganze immer bewußter lebt auf Gott zu und die von ihm gestellten großen Aufgaben. Gerade der Bußtag soll uns lehren, daß der echte Menschenweg, der deutsche Weg zuerst nach innen zu gehen hat. Rur wer heimkehrt zu dem Grund des schöpferischen Lebens, wird auf die Höhe kommen. Sornofi en Tageskalender für Dienstag. NSG. „Kraft durch Freude": 20,30 bis 21,30 Uhr fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen in der alten Pestalozzischule; 20,30 bis 21,30 Uhr Ski- Gymnastik und allgemeine Körperschule in der Schillerschule; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Stadttheater: 20 bis 22,15 Uhr „Straßenmusik". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Lieselotte von der Pfalz". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Baboona". Tageskalender für Vuß- und Bettag. Stadttheater: 19 bis 22 Uhr „Peer Gynt". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Lieselotte von der Pfalz". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Baboona". Stadttheater Gießen. Heute, von 20 bis 22.15 Uhr, zum erstenmal das entzückende Lustspiel: „Straßenmusik" von Paul Schurek. Musik von Will M e i s e l. Spielleitung: Kurt L ü p k e. 8. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. Mittwoch von 19 bis 22 Uhr Wiederholung des dramatischen Gedichtes „Peer Gynt" von Henrik Die neue Gießener Rollschuhbahn am Eishaus. Es wird schon trainiert. Seit Jahren schon pflegt die Sportabteilung des Gießener Eisvereins als Ausgleich für die manchmal spärlichen Gelegenheiten der Ausübung des Eissports den Rollschuhlauf, dem schon eine stattliche Anzahl von Freunden gewonnen wurden. Bisher wurde der Rollschuhlauf in der Dolkshalle gepflegt. Inzwischen ist aber der Wunsch zu einer Freiluft-Rollschuhbahn in Erfüllung gegangen. In unmittelbarer Nähe des Eishäuschens an der Schlageterftraße ist eine große ebene Betonfläche entstanden, die einen idealen Uebungsplatz für den Rollschuhlauf darstellt. Die Freunde des schönen Sportes haben denn auch sofort nach der Fertigstellung der Bahn die Gelegenheit ergriffen und das Training im Freien ausgenommen. Reben dem Kunstlauf wird auch Rollschuhockey gepflegt. Für die Hockeyspieler ist diese Möglichkeit als Vortraining für Eishockey sehr wichtig. — Unsere Bilder zeigen Freunde des Rollschusportes beim Uebungs- lauf auf der neuen Sportplatzanlage, der großen Betonfläche, die demnächst in einer offiziellen Einweihungsfeier ihrer Beftmmung übergeben wird. — (Aufnahmen [2]: Neuner, Gießener Anzeiger.) Ibsen in der Uebersetzung von Dietrich Eckart. Spielleitung Hans von Spallart; Besetzung die der Erstaufführung. Wegen des Feiertags beginnt die Vorstellung bereits um 19 Uhr. Die Vorstellung ist die 8. Vorstellung im Mittwoch-Abonnement. Zum Tag der deutschen Hausmusil (Donnerstag, 21. November.) Von der Ortsmusikerschaft Gießen der Reichsmusikerschaft in der Reichsmusikkammer wird uns geschrieben: In diesen Tagen erfolgt eine großzügige Werbung für den „Tag der deutschen Hausmusik", damit eines der größten unserer Kulturgüter: „Musik". Allgemeingut des deutschen Volkes wird. Noch vor wenigen Jahren bestand eine tiefe Kluft zwischen Volk und Kunst, und besonders die Abgeschlossenheit der Kunstmusik führte zu einer gefahrvollen Situation für die gesamte deutsche Musikentwicklung, weil die Beschäftigung mit diesem Volksgut zu einer Angelegercheit für wenige geworden war. Der nationalsozialistische Staat schuf.hier Wandel, indem er, durch seine grundlegende andere Einstellung zur bildenden Kunst, auch auf dem Gebiete der Kunstmusik die Voraussetzungen geschaffen hat, daß das ganze Volk wieder die Musik als treue Freundin des Lebens lieben lernt. Das Verbundensein des Volkes mit dieser, den Charakter, Seele und Geist bildenden Kunst roi$ aber nur dann gewährleistet, wenn unsere Heranwachsende Jugend durch geeignete Musikerzieher zunächst durch Selbstmusizieren zum musikalischen Erlebnis geführt wird. Dabei ist der größte Wert auf häusliches M u - fixieren zu legen, denn hierdurch wird Sinn und Verständnis für das Wertvolle und Wesentliche der Musik in jeder Weise gefördert. Zur Pflege der Hausmusik im Sinne des heutigen deutschen Kulturwillens ist aber in erster Linie die deutsche Familie berufen, denn die eigentlichen Fundamente der Kultur liegen immer in den kleinen Gemeinschaften des täglichen Lebens. Die Familie ist die Keimzelle der großen deutschen Volksgemeinschaft, und gerade hier sollte jede Gelegenheit erkannt und verwertet werden, die Gemeinschaft so recht erlebnishaft zu gestalten. Dafür ist nichts geeigneter als gemeinsames häusliches Musizieren, denn gute Musik ist die Kunst, welche das Herz jedes Menschen findet und zu wertvoller Bereicherung des Ledens führt. Um für die deutsche Hausmusik überzeugend werben zu können, wird die Fachschaft III in der Reichsmufikkammer am Tag der Hausmusik (21. November) ein Vorspiel von Hausmusik in der „Neuen Aula" veranstalten, zu dem alle Musikfreunde herzlich eingeladen sind. (Siehe heutige Anzeige.) Vere d q ng junger SA -Männer Die Vereidigung der HI des Kreises Gießen, die am 9. November in die SA. übergetreten ist, findet am kommenden Sonntag, 24. November, 11 Uhr, im Stadttheater statt. Im Anschluß an die Vereidigung folgt die dramatische Szene „Schach dem Zaren", gespielt von Mitgliedern des Stadttheaters. Personenstandsaufnahme des iieichsluststhutzbundes. Ortsgruppe Gießen. Die Hessische Polizeidirektion gibt bekannt, daß im Laufe der Monate November und Dezember der Reichsluftschutzbund Ortsgruppe Gießen für jedes Haus eine Personenstandsaufnahme zwecks Erfassung der Selbstschutzkräfte durchführt. Die Bevölkerung wird angehalten, die Angaben auf das Gewissenhafteste zu machen. Meusel. Deutsche Arbeitsfront. Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung. Beginn der Lehrgänge. Die Lehrgänge der Berufserziehung werden in den nächsten Tagen beginnen Anmeldeschluß: Samstag, 23. November. Bis zu diesem Tage können Anmeldungen bei der Kreiswaltung Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 7, abgegeben werden. Sportamt „Kraft durch Freude". Heute folgende Kurse: Fröhliche Gymnastik und Spiele (nur für Frauen) Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Alte Pesta- lozzischule, Wernerwall. Schwimmen. Von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr für Frauen und Männer, Volksbad. Reiten: Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Am kommenden Freitag beginnt um 21 Uhr in der Reitschule Schömbs ein neuer Kursus für Ski-Trocken. Anmeldungen nimmt das Sportamt, Schanzenstraße 18, entgegen. Oer Führerschein entzogen. Vor dem Kreisausschuß des Kreises Gießen als Verwaltungsgericht wurde gestern der Einspruch des Kraftwagenführers F. W. K n ö ß von Lich verhandelt, dem durch eine Verfügung des Kreisamtes der Führerschein entzogen worden war. In der Verhandlung kam zur Sprache, daß Knöß sich als Kraftfahrzeugführer als unzuverlässig erwies, Verkehrsregeln nicht beachtete, ohne Licht und ohne gekennzeichneten Wagen fuhr, feinen Führerschein verpfändete und lange Zeit nicht einlöste, mit feinen Lastkraftwagen Transportgefährdung hervorrief und dergleichen Dinge mehr. In der Verhandlung konnte der Kläger die vorliegenden Tatsachen ernsthaft nicht bestreiten. Das Verwaltungsgericht kam zu dem Beschluß, den Einspruch als unbegründet kostenpflichtig abzulehnen. Sammlung von Schrott. Von der Bürgermeisterei Gießen werden wir um den Abdruck der nachstehenden Zeilen gebeten: Wie von der Reichsregierung und den führenden Stellen der Partei immer wieder betont wird, bedeutet nicht allein Sparsamkeit und der Wille, am großen Werk des Wiederaufbaues mitzuarbeiten, wirksame Hilfe. Auch die Beachtung der kleinsten Dinge im täglichen Beruf und Leben jedes einzelnen Volksgenossen bilden Sandkörner am Bau des Vaterlandes. So wird z. B. der Sammlung von Abfällen aller Art, insbesondere von Metallen in den Haushaltungen, teilweise noch nicht die Bedeutung beigelegt, die ihr eigentlich zukommt. Hier fehlt es meist nur an Ueberlegung. Ein jedes Kilo Alteisen, Blech oder Blei usw. bedeutet, wenn es gesammelt und der Industrie wieder zugeführt wird, eine Ersparnis an Einfuhr von Rohstoffen und damit an Zahlungsmitteln. Es herrscht vielfach Unkenntnis AEG Elektro- 6630v Haushaltgeräte erprobt — bewährt Bezucr d. d. Fachhandel WlMVMMvU Roman von Frank $. Brann. 15 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Er machte sich kein Gewissen, den Gefährten zu betrügen. Die Ehrlichkeit und Treue der Verbrecher untereinander besteht nur in Romanen. In Wirklichkeit steht jeder für sich. Jolly wußte genau, Basilius hätte ihn gegebenenfalls gerade so glatt fallen lassen. — Daß dies m den Plänen Basilius' schon geschehen war, ahnte er freilich nicht. v f Die Fahrt war noch nicht zu Ende, als Dber= inspektor Reußing schon zu sich kam. Ehe er sich jedoch hätte irgendwie orientieren können, stülpte ihm Jolly einen im Wagen bereitgehaltenen dunklen Sack über den Kopf, daß Reußing nichts mehr sehen konnte. „Verhalten Sie sich ruhig", zischte Jolly, ,,ie weniger Schwierigkeiten Sie uns machen, um so besser läuft die Sache für Sie ab". Reußing schwieg. Sein Schädel brummte, als habe er einen schweren Schlag über den Kopf bekommen. Er sah nichts mehr, aber er bekam genügend Lust. Ich werde in einem Auto gefahren, der Wagen fährt schnell, aber nicht so schnell, wie er auf einer Chaussee fahren würde. — Da — jetzt klingelt eine Straßenbahn. Wir sind also noch in der Stadt. Ich kann mich nicht rühren; meine Hände sind gefesselt. Stahlhandschellen moderner Konstruktion. Der Mensch neben mir wird Jolly fein; am Steuer sitzt gewiß Basilius. Ich bin der Bande Basilius' ins Netz gegangen. Das ist gefährlich; es geht auf Leben und Tod. — Wenn nur der fürchterliche Druck im Kopf nicht wäre, diese Chloroformnachwirkung. Die Füße sind frei. Dem Jolly vor den Magen treten... aber ich kann mchts sehen.ab- ^Er^verhielt sich regungslos Jolly mochte annehmen, er sei wieder bewußtlos geworden. Vielleicht gab er sich eine Blöße. Aper der Oberinspektor irrte ßch; er unterschätzte nochmals seine Gegner. Jolly wußte genau, roie weck die Wirkung des Betäubungsmittels reichte und daß Reußing sich jetzt verstellte. Aber er war das sehr zufrieden. Auf die Art hatte er keine Mühe mit dem Mann. Der Wagen hielt genau vor dem Neubau. Jolly stieg aus. Die Straße lag vollkommen menschenleer. Gemeinsam mit Basilius packte er Reußing unter den Armen und zog ihn in den Hausflur. Basilius fuhr erst den Wagen in eine andere Straße, wo er nicht auffallen konnte, während dessen Jolly mit seinem Gefangenen in den vierten Stock stieg. Reußing zählte die Stufen. Er spürte und stellte fest den frischen Geruch von Farben und Lack. Aber was konnte das nützen? Resigniert folgte er der Anweisung Jollys und betrat das Zimmer. Er hustete, er wollte am Schall die Weite des Raumes feststellen, aber Jolly nahm ihm die Hülle vom Kopf, und er durfte mit eigenen Augen sich überzeugen, wo er sich befand. Viel gab es da nicht zu sehen. Ein tapetenloser Raum. In der einen Ecke ein Feldbett mit einer Decke daraus; das Fenster in gewohnter halber Höhe... wohin sah man von hier aus? Der Oberinspektor tat einen raschen Sprung zum Fenster. Keineswegs gedachte er etwa, sich hmaus- zustürzen, aber er wollte erfahren, wo er sich befand. Doch Jolly war rascher als er und hielt ihn unsanft zurück. Er gab ihm einen Stoß vor die Brust, daß der Oberinspektor die Balance verlor und auf das Lager taumelte, sonst wäre er gefallen. Jolly war sofort bei ihm. „Wenn Sie nicht ruhig in Ihrer Ecke bleiben können, muß ich Ihnen auch die Füße fesseln." Seine Worte waren eigentlich nur eine Drohung, aber er ließ gleichzeitig die Tat folgen. Ehe Reu- ßina sich recht versah, saß er mit gefesselten Füßen auf der Pritsche. Geschickt hatte Jolly die Kette, die Reußings Füße verband, auch noch durch eine Oese des Bettes gezogen. Wollte Reußing nicht das Bett mit sich durch den ganzen Raum zerren, war es chm nicht mehr möglich, an das Fenster zu gelangen. „ r Er sah seinen Gegner an. „Jolly , sagte er, ,Has kommt euch diesmal sehr teuer zu stehen." Der einzige Schauspieler verzog das Gesicht. „Sie zahlen, Herr Reuhmg", meinte er spöttisch, „nicht wir!" Basilius, eben angelangt, hörte die Stimmen und kam vom 'Nebenraum herein. Gerade sagte der Oberinspektor: „Wenn Sie sich nicht doch irren! Ich wußte, daß ihr in der Stadt wart. Vielleicht habe ich bestimmte Vorkehrungen getroffen. Denn —" die überlegene Andeutung einer Verbeugung begleitete feine Worte — „ich weiß ja nur zu gut, mit wem ich es zu tun habe." Basilius sah den Beamten an. „Sie reden noch immer so viel und so klug, Reußing", stellte er trocken fest. „Wenn Sie wußten, daß wir in Hamburg waren, warum nahmen Sie uns, oder wenigstens mich, nicht fest wie damals?" Reußing blickte den Sprecher an. „Ich hatte keine Beweise gegen Sie, Basilius." „Ah, das gestehen Sie ein?" Basilius lachte Jolly an; der zwinkerte zurück. „Sind Sie immer so aufrichtig?" Reußing nickte sachlich. „Diesmal sollten Sie mir nicht wieder mit zwei Jahren davonkommen, deshalb wartete ich mit dem Zugriff. Leider zu lange. Schon ist wieder ein Opfer an eurem Weg des Schreckens. Ihr habt den Sekretär Zerny ermordet." „Gewiß", gestand Basil kalt. „Der Zerny wurde lästig. Genau wie Sie lästia werden, Reußing. Aber Sie sind ein Mann in Amt und Würden. Es wäre nicht richtig, Ihnen hinterrücks eins über den Kopf zu geben oder Ihnen eine blaue Bohne unter die fünfte linke Rippe zu jagen. Der Fall würde zuviel Aufsehen machen. Reußing sah die beiden Komplicen der Reihe nach an. Dann schaute er weg. ,^Jhr endet alle, wie ihr es verdient", sagte er furchtlos. Aber was nützte ihm solche kühne Rede. Seine Lage war verzweifelt. Entführt, dazu in Fesseln, war er den beiden einfach ausgeliefert auf Gnade oder Ungnade; und eine Gnade kam hier nicht in Frage. Basilius trat ein wenig näher. Er überprüfte die Fesseln und fand sie in Ordnung. „Was glauben Sie, Reußing, wie Sie enden werden?", meinte er. Der Oberinspektor sah die Sinnlosigkeit ein, hier zu antworten. Er zuckte die Achseln. Laßt mich mit dem Gerede in Ruhe, sollte das heißen. Aber Basilius nahm an, Reußing habe mit der Bewegung ein Nichtwissen ausdrücken wollen. Er nahm das recht gern an, denn es gab ihm Gelegenheit, diesem Gehaßten einen Schrecken einzujagen. Des Oberinspektors Sicherheit ärgerte ihn. „Ich könnte Ihr Ende voraussagen, Reußing", lächelte er giftig, „aber ich will Ihnen nicht die Erwartung nehmen. Sie haben voraussichtlich noch mehrere Stunden Zeit." Jolly hatte im Nebenzimmer auf dem Spirituskocher eine Mahlzeit aus Konserven warm gemacht. „Basil", rief er, „das Essen!" Basilius ging hinaus. Reußing blieb eine Weile allein. Er versuchte keine Bewegung. Die Fesseln waren gut angelegt. Er hätte sich nur weh getan. Er hörte, wie im Nebenzimmer die beiden Verbrecher sich gedämpft unterhielten. Was sie besprachen, verstand er nicht, aber ihm war, als habe er einige Male seinen Namen gehört. Er bedauerte, daß die beiden Verbrecher anscheinend die Wohnung nicht wieder verlassen wollten. Wußten sie, daß man auf sie fahndete, blieben sie deshalb im Hause und machten sich ein Essen zurecht? Schade, seine Aussichten, bald befreit zu werden, wurden geringer, wenn die Burschen nicht ihre Spur verrieten. Nach nicht langer Zeit kam Jolly mit einem Teller, auf dem ein Gericht dampfte. Er setzte es auf einen Stuhl vor dem Oberinspektor hin, so daß Reußing auch mit den gefesselten Händen den Löffel handhaben kannte. „Ich habe Ihnen das Fleisch klein geschnitten", sagte er, „ein Messer wäre in Ihren Händen nicht gut." Dabei zoa er eine kleine Glastube aus der Westentasche und streute ein weißliches Pulver über das Essen. Das Pulver löste sich sofort auf. Dann ging er wieder zu Basilius hinüber. „Ich habe ihm ein bißchen Salz über das Esten geschüttet", lachte er gedämpft, „nun sitzt er davor und wagt sich sicherlich nicht daran; natürlich denkt er, wir wollen ihn vergiften." Basilius erhob sich sofort. „Das ist Unfug, Jolly", sagte er. „Der Mann soll kräfttg essen. Er muß vollkommen gesund sein und bei guten Kräften. Es darf kein Verdacht aufkommen." Er drehte Jolly sich zu. „Wahrhaftig Salz?" fragte er und sah seinen Freund ernsthaft an. Jolly nickte. „Natürlich, ich kenne doch die Verabredung." (Fortsetzung folgt!) darüber, daß auch minderwertige Metalle, wie Blech, emailliertes oder verzinktes.Eisen u. a., wieder von der Industrie verarbeitet werden können. Weiterhin mag es daran liegen, daß die Händler diese Materialien nicht aufnahmen, da sie sie in den letzten Jahren nur schwer absetzen konnten. Nachdem aber von der Reichsbahn die Frachtsätze für minderwertigen Schrott und Ausschußschmelzeisen erheblich gesenkt wurden und die Eisen schassende Industrie diesen geringwertigen Schrott aufnimmt, kaufen auch die Händler dieses Material wieder auf. Aus diesem Grunde ist es erforderlich, die große Zahl der Volksgenossen aus die kleinen Möglichkeiten zur Mitarbeit an der großen Aufgabe hinzuweisen, damit alle irgendwie noch verwendbaren Stoffe nicht verloren gehen. Auf diesem Gebiet kann noch vieles geleistet werden. Man beachte nur bei einem Spaziergang, wie an allen möglichen Stellen, Hecken, Gruben, Böschungen usw. Altmetall und Unrat abgesetzt und ohne iede Ueberlegung gelagert wird, der zweifellos nicht zur Verschönerung des Landschaftsbildes beiträgt. Also, Volksgenossen, nachdenken und für die richtige Verwendung all dieser anscheinend wertlosen Gegenstände besorgt sein, hat zweierlei Erfolg: Stärkung der Wirtschaft und Verhütung der Verschandelung unseres schönen deutschen Landschaftsbildes. Schotten«! Bürgermeister auf der Fahrt nach Amerika. Am heutigen Dienstagmorgen hat der Leiter der Stadt Schotten, Bürgermeister M e n g e l, auf der Fahrt nach Amerika zu der goldenen Jubelfeier des Schottener Männerchors in Neuyork, an der er als Ehrengast des Vereins teilnehmen wird, den Gießener Bahnhof passiert. Bürgermeister M e n g e l wird heute abend in Hamburg ankommen und am Donnerstag früh mit mit Hapag-Dampfer „Neuyork" die Ausreise nach Neuyork antreten. In Neuyork wird chn, wie er uns heute morgen bei einer Begegnung im Gießener Bahnhof erzählte, eine Abordnung von drei Herren des Neuyorker Schottener Männerchors empfangen. Dabei wird auch der einzige noch lebende Gründer des Vereins, der aus Schotten gebürtige, 80 Jahre alte Charles W e i tz zugegen fein. Gelegentlich der akademischen Feier mit einem großen Konzert des Schottener Männerchors in der Neuyorker Turnhalle wird Bürgermeister Menge! die herzlichen Grüße des deutschen Vaterlandes, insbesondere der oberhessischen Heimat und der Stadt Schotten überbringen. Er hat dabei die Freude, dem Neuyorker Schottener Männerchor it a. ein Glückwunschschreiben des Reichsstatthalters Gauleiters Sprenger, ferner einige prächtige Oelgemälde, die die Heimatstadt Schotten und oberhessische Land- lchaftsbilder darstellen, Ehrungen der Neuyorker Deutschen Sänger durch den Schottener Männerchor in Schotten und durch den Hessischen Sängerbund in Gestalt von Ehrenurkunden und Ehrennadeln überreichen zu können. Bei diesen Ehrengaben befindet sich auch ein Erinnerungsstück für den 80 Jahre alten Charles Weitz, über das wir heute noch keine nähere Mitteilung machen möchten, das aber bestimmt den alten Herrn ganz außerordentlich erfreuen wird. Die oberhessische Heimat begrüßt es, daß sie durch den Schottener Bürgermeister den deutschen Brüdern im Schottener Männerchor in Neuyork ihre innige Verbundenheit mit den deutschen Brüdern und Schwestern jenseits des Ozeans bekunden lassen kann. Versammlung der Landwehrvereinigung 116. Am Samstag fand im CafL Ebel die Feier des 15. Stiftungsfestes der Vereinigung statt, die einen schönen, kameradschaftlichen Verlauf nahm. Der musikalische Teil wurde von der Kapelle Dau» bertshäuser bestritten. Der Führer der Vereinigung, Wilhelm B o p f, hieß die Kameraden und deren Angehörige herzlich willkommen und entbot seinen besonderen Gruß den Vertretern des Vereins ehemaliger 116er in Gießen. Er erinnerte dann an die kriegerischen Leistungen des LJR. 116 an der Westfront und verlas den ehrenden Tagesbefehl des Divisionskommandeurs v. Bahrfeld an das nach der Winterschlacht in der Champagne in einen anderen Verband übergehende ÄR. 116. Unter den Klängen des Liedes ,^Jch hatt' einen Kameraden" gedachte er der Gefallenen des Regiments und schloß mit einem Sieg-Heil auf Volk und Führer. Als Vertreter der Offiziersvereinigung LJR. 116 übermittelte Kamerad Heymann herzliche Glückwünsche und hob hervor, daß sowohl im Kriege als auch später die Kameradschaft zwischen den Offizieren und ihren Landwehrleuten, aus deren Reihen viele von den späteren Offizieren hervorgegangen sind, immer besonders gepflegt wurde. Er gab dann einen Ueberblick über die Entstehung und Geschichte der Landwehrvereinigung und ihre Ziele und Bestrebungen und unterstrich besonders die großen Verdienste des jetzigen Kameradschaftsführers Wilhelm B o p f, der nun schon jahrelang die Vereinigung mit Eifer, Geschick und in kameradschaftlichem Sinne führt. Er schloß mit einem Hurra auf das bewährte LJR. 116 und dessen Gießener Vereinigung. Kamerad B o p f ergriff im weiteren Verlause des Ahends nochmals das Wort, um zwei um die Vereinigung verdiente Kameraden, Dr. W. Heyman n, den Gründer und ersten Vorsitzenden, und Prokurist Chr. Studt, der von Anfang an als Schriftführer unermüdlich für feine Landwehr gewirkt hat, besonders zu ehren. Der zweite Vorsitzende, Rud. Schneider, betonte, daß ohne die unermüdliche Tätigkeit von Kamerad B o p f unsere Landwehrvereinigung nicht zu denken fei, er sprach die Hoffnung aus, daß er sie noch lange im bisherigen Sinne führen^möge. Schneider, der fast den ganzen Krieg in der vordersten Front mitgemacht hat, stellte fest, was alle von der Landwehr wissen, daß er nie einen Angehörigen des Regiments auch in der schwierigsten Lage habe versagen sehen, und daß gerade die alten Soldaten schon in der Systemzeit sich nach einem neuen Deutschland sehnten und das Reich Adolf Hitlers deshalb mit Freuden begrüßt haben. Im Namen der Gäste vom Verein der ehemaligen 116er dankte Kamerad Bill für die Einladung und erinnerte daran, daß der bekannte und noch heute geschätzte erste Vorsitzende seines 116er Vereins, Rechtsanwalt Kurt Kaufmann, einer der ersten Gefallenen des Landwehrregiments war. Er Oie Berufsausbildung der Frau. Elternabend und Ausstellung im Alice-Schnlverein Der Alice-Schulverein, der sich die Heranbildung des jungen Mädchens für feinen Beruf als Hausfrau und Mutter oder für andere weibliche Berufe zur Aufgabe gesetzt hat, gab diesmal dem Elternabend und der Ausstellung der Arbeiten der hauswirtschaftlichen Unterstufe in der Aliceschule in der Steinstraße ein hinweisendes Gepräge. Nachdem die Schülerinnen der Parallelklassen der Unterstufe unter Leitung ihrer Lehrerinnen Frl. Kellner und Frl. Krämer ihre Arbeiten ausgelegt hatten, führte sie und ihre Gäste ein gemeinsamer Elternabend zusammen, dem nach einem Klaviervortrag die Leiterin der Ausbildungskurse Gewerbelehrerin Bechtolsheimer einige freundliche Begrüßungsworte, besonders an die Vertreterin des Vorstandes des Vereins, Frau Bechtel, und die zahlreich erschienenen Eltern voranschickte. Diese Gelegenheit benutzte sie, um auf Ziel und Zweck der Arbeiten in der Fachschule hinzuweisen, die sich zwar eines sehr guten Besuches aus allen Orten des Kreises erfreut, aber immer noch nicht die Beachtung erfährt, die ihr zukommt. Das Ziel der Anstalt ist die Mädchenerziehung zur angehenden Frau und Staatsbürgerin. Dabei wird der praktischen ^Betätigung der Vorzug gegeben; denn die Arbeit und die Einstellung zur Arbeit muß gelernt werden. Die Auffassung dieser Arbeit ist eine sehr ernste. Was die angehende Frau und Mutter an praktischem Können für ihren Haushalt und ihre Familie braucht, wird ihr hier beigebracht. Aller Anfang ist schwer, so auch die gerade Naht, der rechte Entwurf eines Schnittes, das Bedienen der Nähmaschine, das sparsame Wirtschaften und Kochen, aber die Anregung und frohe Stimmung der Gemeinschaft helfen dem jungen Mädchen über die Anfänge hinweg. Neben den vielen und eingehenden praktischen Dingen wird auch eine Allgemeinbildung und die Kenntnis weltanschaulicher Fragen oermittelt. Durch eine einfache Buchführung soll der Hausfrau auch eine sparsame Wirtschaft anerzogen werden. Es find so vielerlei Fragen um Dinge, die dem jungen Menschenkind durch Die Gemeinschaft der Schule geklärt und gezeigt worden, so daß die Schülerin dieser hauswirtschaftlichen Fachschule zugleich die beste Vorbereitung für die Schule des Lebens empfängt und eingefuhrt wird in die Aufgaben und Pflichten, die der deutschen Frau und Mutter aus der deutschen Volksgemeinschaft erwachsen. Den aufmerksam und mit Beifall angehörten Worten schloß sich eine Besichtigung der Ausstellung und eine Teestunde an, bei der die jungen Mädchen ihre Künste im Kuchenbacken und in der Gebäck- Herstellung vorwcesen. Gemeinsam gesungene Lieder, Gedichtoorträge u. a. auch in Mundart (Heimatdichter Heß) verkürzten die Zeit. Ballübungen boten einen Ausschnitt der sportlichen Betätigung in der Schule. Schließlich traf der durch die Brotverteilung für das Winterhilfswerk in Anspruch genommene Vorsitzende des Alice-Schulvereins Oberstudiendirektor Schelhorn ein, der Eltern und Schüler herzlichst begrüßte. Er sprach von dem Wert dieser Abende, die die Eltern am besten überzeugen von der sorgsamen Erziehung und Arbeit, die die Schule an den Kindern leistet. Durch die große Auswahl der vorgelegten Arbeiten ist der Mutter eine bessere Uebersicht geboten über die vielen Anregungen und Anstrengungen, die hier gegeben und gemacht werden. Auf diese Art werden die Leistungen der Schule auch am besten bekannt. Diese Abende aber sollen auch die Zusammenarbeit von Haus und Schule fördern, damit Anregungen und Wünsche hinsichtlich mancher Arbeit, oder des Lehrplanes auch vertrauensvoll vorgebracht werden. Dann machte der Leiter sie auch mit den Sorgen des Alice-Schulvereins bekannt, der als privater Verein in uneigennütziger Arbeit und Aufopferung die gerade in heutiger Zeit wieder zu besonderer Ehre gekommene Fortbildung der. Frau als einziges derartiges Institut im weiten Umkreis betreibt. Leider ist der bisherige staatliche Zuschuß in Fortfall gekommen, aber die Stadt und der Verein sind bemüht, dieses für die Frauenfortbildung so wertvolle Institut zu erhalten. Durch die Umstände der Zeit ist der Mitgliederstand erheblich gesunken. Direktor Schelhorn schloß mit dem Wunsche, daß aus der Kraft der Gemeinschaft auch dieses Werk, das in feinem Bestehen sehr bedroht ist, erhalten bleiben möge zum Nutzen der Frauen Gießens und zum Wohle der Stadt. — Die Schülerinnen erfreuten durch musikalische Darbietungen. Die Freude am Spiel kam durch „die musikalische Familie" zum Ausdruck. So nahm der Elternabend einen harmonischen Verlauf. Oie Ausstellung gab eine geschlossene Uebersicht über die Vielfältigkeit des Könnens. Die mannigfaltigen Weißzeug- und Näharbeiten zeigten die mehr ober minder geschickte und geübte Hand, Farben- und Formensinn und die einfache ober sparsame Auffassung. Selbstoerftänblich waren auch für bas Winterhilfswerk in erster Linie Herrensachen angefertigt worden. Von ber einfachen Einfassung von Tüchern bis zur Herstellung von Wäschestücken aller Art waren nicht nur bie Entwicklungen ber Arbeit, fonbern auch ber Fleiß und bie ernste Arbeitsauffassung erkennbar, bie bie 15- unb 16jährigen Schülerinnen an ben Tag legten. Die Ausstellung fanb ben ungeteilten Beifall ber Eltern, bie mit mancher Anregung aus ber Ausstellung gingen. sprach ben Wunsch aus, baß bie guten, kamerab- schaftlichen Beziehungen zwischen ben beiben 116er Vereinigungen auch weiterhin bestehen möchten. Für bie anwesenbe Jugenb, unter ber zahlreiche Kameraden vom JR. 36 waren, bildete ein Tanz, an dem auch viele Landwehrkameraden sich eifrig betätigten, ben Abschluß bes schön verlaufenen Abenbs. Tapezier- und Sattler-Innung des Kreises Gießen. Von ber Leitung ber Innung wird uns berichtet: Am Sonntag hielt bie Tapezier- unb Sattler- Innung für den Kreis Gießen eine Jnnungsver- fammhing mit dem Hauptzweck der Lossprechung Der Lehrlinge ab. Nach kurzer Begrüßung ber Besucher, unter benen sich auch ber Kreisgemeinschafts- Walter „Hanbwerk", Herr Stein, befanb, betonte Obermeister Rubolf Leisler in seiner Ansprache, baß bie natonalsozialistische Bewegung großen Wert auf hanbwerklich hergestellte Qualitätsarbeit unb Qualitätsware lege. Aus biefem Grunb würben auch bie Lehrmeister angewiesen, ihre Lehrlinge so aus- zubilben, baß sie später einmal als Qualitätsarbeiter angesehen werben können. Er wies fobann noch auf bie Gelegenheiten hin, bie heute bem Nachwuchs zur weiteren Fortbilbung im Beruf geboten werben, unb betonte hierbei bie zusätzliche Berufsausbilbung burch bie DAF., bie jetzt in bie Wege geleitet werbe. Dann machte er herauf aufmerksam, baß für ben Besuch ber Reichsfachschulen bes Tapezier- unb Sattler-Hanbwerks in Frankfurt unb Hilbesheim Unterstützungen an minber- bemittelte Gefolgfchaftsmitglieber vom Reichs- innungsverbanb gewährt werben. Nach weiteren Ermahnungen an bie Lehrlinge, jebe Gelegenheit zur Fortbilbung im Beruf zu benutzen, verpflichtete er bie jungen Leute auf Vaterlanb unb Beruf unb sprach sie jobann zu Gesellen. Nachbem ber Obermeister noch ber Jungmeister gebacht hatte, bie am gleichen Tage ihre Meisterbriefe Überreicht bekamen, schloß er mit einem Sieg-Heil auf Vaterland und Führer. Hierauf richtete Kreisbetriebsgemeinschaftswalter Stein einige ermahnende Worte an die Junggesellen und beglückwünschte sie. Im weiteren Verlaufe der Versammlung gab Kreisbettiebsgemein- schaftswalter Stein einige Aufschlüsse über bie Glieberung ber DAF., bie mit großem Interesse verfolgt würben, auch gab er auf Anfragen ein- gehenbe Auskunft. Es würben fobann noch anbere Jnnungsangele- genheiten besprochen. Der Obermeister machte bekannt, baß die Innung jetzt einen größeren Auftrag von ber Lanbes-Lieferungsgenossenschaft erwarte, nachbem bie Probearbeit abgeliefert sei. Nach Schluß ber Versammlung war ben Jn- nungsmitgüebem Gelegenheit geboten, ber Anfertigung einer Febereinlagematratze burch einen Spezialisten beizuwohnen. Durch ben hierzu gehaltenen Vortrag würben manche Bebenken gegen bie{e Matratze zerstreut. Es wäre nur zu begrüßen, wenn ber Fachmann ben Verbraucher bester über biefe Mattatze aufklären mürbe, benn bekanntlich ist ber Kapok, bas in unserer Gegenb zu Auflegematratzen am meisten gebrauchte Material, Aus- lanbsroare unb baher burch bie Devisenknappheit außerorbentlich schwer zu beschaffen. Die Febereinlagematratze ist aber nicht nur als ein vollwertiger Ersatz ber Kapokmatratze, fonbern als viel bauerHafter unb gefünber anzufprechen. Aus diesen Gründen wäre es im Interesse unserer Devisenbewirtschaftung Pflicht jedes Volksgenossen, sich von seinen Vorurteilen fteizumachen und anstatt ber durch ihre verhältnismäßig kurze Lebensbauer viel teuereren Kapokmatratze sich für bie burch ihre lange. Lebensbauer viel billigere und bessere Feder- einlagemattatze. zu entscheiden. Das Schutnann-Theater in der Volkshalle. Die große Dariets-Sondervorstellung des Frankfurter Schumann-Theaters, das die NS.-Gemein- schaft „Kraft durch Freude" veranstaltete, löste viel Freude aus. Nachdem bereits am Nachmittag eine Vorführung für die Soldaten unserer Garnison vor fast ausverkauftem Hause stattgefunden hatte, war die Volkshalle am Abend bis auf den letzten Platz besetzt. Das Gastspiel, das der Kreiswalter der NSG. „Kraft durch Freude" Bienengräber mit Willkommensworten eingeleitet hatte, brachte 14 verschiedene anregende Darbietungen. Das Haus zeigte sich dankbar und würdigte bie Darbietungen mit anhaltendem Beifall. Diesmal kam nach Der musikalischen Einleitung eine Frau, Hanne Treff, als Ansagerin. Galant und witzig erlebigte sie ihre nicht gerade leichte Ausgabe, von Den Frauen immer mit erstauntem „Ovh! ober „Aah!" empfangen, wenn sie so nebenher als „Kurzstreckenläuferin" stets in einem neuen Modekleid vor die Rampe trat. Dora Wittenberg, eine verblüffende Eguilibristin, stellte alle hier bisher gesehenen Konkurrenten in den Schatten. Mit Anmut und außerordentlicher Gewandtheit zeigte sie fröhliche Gymnastik in unerhörter Feinheit. Ihr Sprung von einem 6 Meter hohen Brett mit dem Kopf nach unten versetzte die Massen erst recht in staunende Bewunderung. Mit einem „Weißen Traum" tanzte sich das Dorian-Ballett in die Herzen der Zuschauer. Mit graziösem Tanzschritt und dem Spiel ihrer feingliebrigen Hände unterstützt brachte die spielende Sängerin Low Skaya fremde und eigene Lieder zu Gehör. Den Abschluß des ersten Teiles bildeten die Rollschuhkünstler „Die R e s u a Sisters & Co ", vier Schwestern und ein Bruder. Ihre wie der Wirbelwind auf kleiner Tischfläche bargebotene Rollschuhkunst rief stürmischen Beifall hervor, der sich steigerte, als sie im atemberaubenden Tempo ihre akrobattschen Leistungen auf Rollschuhen produzierten. Nach einer kurzen Pause zog das Kraftphänomen Claudia Alba, die mit schweren Kugeln jonglierte, freihändig schwebend eine 234pfünbige Kanone mit der Lafette, aus ber ein Schuß abgegeben wurde, in ben Zähnen hob, bie Volksgenossen in ihren Dann. Die groteske Akrobatik kam burch R e n n 6 e la Mar' s brei Babies in vollenbeter Weise zur Geltung, bie in ausgelassener Stimmung mit ihrer spleenigen Derspieltheit für unterhaltende Abwechselung sorgten. Claire Schlichting produzierte sich mit Geschick als weiblicher Clown unb brachte mit ihren Derbheiten unb ihrem sonnigen Humor bas ganze Haus zum Lachen. Die ausgelassene Stimmung förderten bie „10 Argentina-Ladies" neben ihrer quicMebenbigen Dirigentin Gloria Argentina mit bezaubernder Akkordeon-Musik, bei ber die „Tick- Tack - Liebesserenade" einen Sonberapplaus fanb. Das Dorian-Ballett bezauberte burch einen Schiffs- jungenfolotanz unb eine Puppen-Groteske. Dann kam Heinrich Kohlbranbt, ber Meisterkomiker vom Rhein zu Wort, ber mit neuen Witzen unb Einfällen brillierte unb bie Lacher auf feiner Seite hatte. Die Seelöwen - Dressuren von Elsa Valente bildeten einen glanzvollen Abschluß. Die Gewanbtheit unb Geschicklichkeit biefer klugen und glatten Nobbentiere setzte jedermann in Erstaunen. Das Orchester paßte sich in ausgezeichneter Weiss ben Darbietungen an unb fanb stärksten Beifall. Lehrausflug nach Mainz Die Ortsgruppe Gießen bes Deutschen Biologen» verbanbes veranstaltete, gemeinsam mit ber Oberhessischen Gesellschaft für Natur- unb Heilkunde, unter ber Führung von Dozent Dr. W. E. Anke! am vergangenen Samstag einen Lehrausflug nach Mainz. Am Vormittage wurde bas Natur- historische Museum ber Stabt Mainz besucht, wo zunächst Dr. O h a u s , ber bekannte Brasilien- reifenbe unb Käferforscher, ben Teilnehmern an Hanb seiner reichen Sammlungen barlegte, wie not» roenbig und aufschlußreich die genaue systematische Durcharbeitung kleiner Tiergruppen ist und wie biologische Fragen aller Teilgebiete dabei angerührt werden. Dann führte der Leiter des Museums, Professor Schmidtgen, durch die palaeontologischen Sammlungen und zeigte an mehreren Beispielen, daß auch an den Resten und Spuren längst vergangener Lebewesen Biologie getrieben werden kann. Wir standen vor den riesigen Steinplatten aus bem Oberrotliegenben von Nierst e i n, auf benen burch bie Hanb von Präparator Stabelmann zahlreiche Spuren laufenber Tiere freigelegt finb; Prof. Schmibtgen gab uns seine, auf umfaffenben Untersuchungen fußenbe, Deutung biefer Spuren unb es erftanb bas Bild bes eintrotfnenben Tümpels vor uns, über besten zähen Schlamm vor Jahrmillionen Raubkäfer zum Fräße liefen. Abbrücke aus ben miozänen Hybrobienfchichten ließen bie Pflanzen- unb Jnsektenwelt, wie sie in jenen Zeiten im Mainzer Becken vorkam, kbenbig werben, unb bei ber Vorweisung ber berühmten Funde von Wallertheim gestaltete Prof. Schmidtgen das Leben der Eiszeitjäger, ihre Jagdweise und ihre Opfer in dramatischer Schilderung. Die Betrachtung der Neste der Elefantenvorfahren und des Riefenelches gab Gelegenheit, wichtige Fragen ber tierischen Stammesgeschichte zu besprechen. Nach gemeinsamem Mittagessen besuchten bie Teilnehmer ben großen Steinbruch ber Portlanbzementwerke Weisenau unb fanben hier eine unerwartet ein- brucksvolle Ergänzung ihrer Beobachtungen auf ber Norbseefahrt. Hier liegen in ben vom Meere ge» bilbeten Schichten bie Schalen von Muscheln und Schnecken in ganz ähnlicher Anordnung, wie wir das noch von den Strandsäumen der Norbseeküsten in frischer Erinnerung haben, unb in unmittelbarem Vergleichen konnte ein lebenbiges Bilb bes gewaltigen ehemaligen Geschehens, ber Zusammensetzung unb bes Schicksales ber Lebewelt im Tertiärmeer gewonnen werben. Den Abschluß bes Tages bilbete ein kamerabschaftliches Beisammensein, bei bem Dr. Ohaus fesselnbe Berichte von feinen Amazonas» reifen gab. Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 19. Nov. Auf bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, bas Pfunb 1,55 Mark, ßanbbutter keine vorhanben, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück 4 bis 10, Eier, frische (Jugoslawien), Klasse C 11, (Bulgarien) Klasse B 12, Klasse C 11, Wirsing, das Pfund 6 bis 10 Pf., ber Zentner 7 bis 8 Mark, Weißkraut, bas Pfund 4 bis 8 Pf., ber Zentner 4 bis 5 Mark, Rotkraut, bas Pfund 8 bis 12 Pf., der Zentner 8 bis 10 Mark, Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 10, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 20 bis 30, Feld- salat 80 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 25 bis 40 Pf., Zwiebeln 7 bis 8, Merrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 7, Kartoffeln, das Pfund 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Aepfel, das Pfund 12 bis 30 Pf., ber Zentner 12 bis 25 Mark, Birnen, das Pfund 10 bis 25 Pf., Nüsse 50 bis 60, Zwetschenhonig 40 bis 45, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 70 bis 80 Pf., Gänse 80 bis 90, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50, Salat 8 bis 10, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 8 bis 10, Lauch 5 bis 12, Sellerie 5 bis 25, Rettich 5 bis 10 P. * ** Ein Achtzigjähriger. Am kommenden Donnerstag, 21. November, kann der Rentner und frühere Friedhofsarbeiter Johannes M a g e l, Lindenplatz 4 wohnhaft, in körperlicher unb geistiger Frische seinen 80. Geburtstag begehen. Herr Magel ist schon seit langen Jahren Leser des „Gießener Anzeigers". ** Der Leseholz-Sammeltag am morgigen Mittwoch ist bes gesetzlichen Feiertags wegen auf Donnerstag, 21. November, verschoben worben. ** D i e Weihnachtsferien an den Berufsschulen. Die diesjährigen Weihnachtsferien in ben Berufsschulen dauern vom 16. Dezember 1935 bis 6. Januar 1936. Eine Kürzung der Osterferien findet nicht statt. Wo in Einzelfällen die Belange ber Wirtschaft eine Ferienverlängerung nicht notroenbig machen, fallen bie Weihnachtsferien ber Berufsschulen mit benen ber Volksschulen zusammen. Die Entscheibung trifft bas Kreis- bzw. das Stadtschulamt. ** Die Kriegsgeschichte des Großh. Artilleriekorps, 1. Großh. Hess. Feldartil- lerie-Regiment 25 kommt soeben in Druck. In einem stattlichen Band von etwa 600 Seiten, ausgestattet mit Karten und Bildern, zeigt bas Werk die Kriegsjahre 1914 bis 1918 dieses ausgezeichneten Regiments, eines der ältesten ber alten Armee. Im Anhang befindet sich bie vollstänbige Verlustliste, nach amtlichen Unterlagen bearbeitet. Die Kampfhanb- lungen aller Jahre finb burch bie Mitarbeit vieler Kriegsteilnehmer außerorbentlich anschaulich geschil- bert; bas Buch nennt viele Namen oerbienter Mitkämpfer, manche Seiten lesen sich wie ein Helben- gebicht. Bei Erkältungsgefahr, Halsentzündung und Grippe schützt vor Ansteckung In allen Apotheken und Drogerien. Einfach 1 Eßlöffel voll in 1 Liter kochendem Wasser auflösen und man erhält sofort kräftige wohlschmeckende Fleischbrühe Oberhessen S.JfXfportf Die Vor diesen Spielen spielen Jugendmannschaften, so daß ab 13.30 Uhr der Spielbetrieb auf den einzelnen Plätzen ausgenommen wird. Alle Sportler und Sportinteressenten sind zum Besuch dieser Veranstaltungen aufgerufen, denn ihr Erscheinen bietet die Gewähr dafür, daß eine möglichst hohe Summe dem Winterhilfswerk abgeführt werden kann. Das Winterhilfsspiel auf dem Waldsportplah Die Mannschaften. Stadtmannscha'ft spielt in der Aufstellung: Fischer (1900); Leutheuser I. und Leutheuser II. (VfB.); Schäfer (1900), Knauß (VfB.), Mank (1900); Anthes, Heß, Erben (VfB.), Henkelmann (1900); Ritter (VfB.). Ersatz: Hammer (1900) und Wlodareck (VfB.). Die Landmannschaft: Happel (Watzenborn- Steinberg); Hörstel (Lollar), Emil Walther (Daub- ringen); Michel (Daubrinaen), Krämer (Niedergirmes), Stumpf (Garbenteich); Gabriel und Kreiling (Lollar), Stumpf (Garbenteich), Gäbler (Krofdorf), Linksaußen von Niedergirmes. Ersatz: Lehr (Lollar). FE.Teutonia-Watzenborn-Steinberg Während die erste Mannschaft und die Jugend spielfrei waren, mußten die 2. Mannschaft und die Schüler zu Verbandsspielen auswärts weilen. Erwartungsgemäß konnte die 2. Mannschaft gegen die 1. Mannschaft des Fußballsportvereins Steinbach nicht um eine Niederlage herumkommen. Die Platzmannschaft, körperlich den Gästen überlegen, zeigte auch ein ansehnliches Spiel und siegte dank besseren Schußoermögens ihres Sturmes. Bei Halbzeit stand das Spiel bereits 4:0 für Steinbach. In Der zweiten Halbzeit kam jede Partei noch zu einem Erfolg, so daß das Spiel 5:1 für Steinbach endete. Auch die Schülermannschaft brachte eine Niederlage von Lollar mit nach Hause. Allerdings muß hier berücksichtigt werden, daß Lollar eine Mann- „Sege ns spuren der Liebe". Gemeindegesang umrahmte die Vorführung dieses Filmwerkes, das eindrucksvoll Zeugnis ablegt von dem Kampf der Mission gegen Elend und Not. ??!?kirchen, 19. Nov. Mit dem gestrigen Hai die Kleinkinderschule unter Leitung von Frl. Ilse Mosbach von Krofdorf wieder be- goitzn«,. Da noch kein passender Raum vorhanden lst, hat die Gemeinde, die jetzt Träger dieser Einrichtung ist, den neu hergerichteten Konfirmanden- saal zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig werden in diesem Raume die Frauenschaftsabende der NS.-Frauen schäft abgehalten. Man plant, im Frühjahr 1936 einen Bau herzurichten, m dem alle Organisationen der Partei und auch die Kleinkinderschule untergebracht werden können — Bei der am Samstag durch die Jungmädel vom BDM. durchgeführten Pfundsammlung für den Monat November kam man zu einem zufriedenstellenden Ergebnis. — Dem Winterhilfswerk konnten noch 10 Laib Brot mehr abgeliefert werden, als bereits bei der Listeneintragung gemeldet wurden, also 127 Brote. □ Harbach, 18. Nov. Nun sind auch in unserer Gemarkung die Feldarbeiten soweit beendet. Nur hier und da müssen noch einige Aecker gestürzt und verschiedene Gärten umgegraben werden. Die Felder lieferten in diesem Jahre trotz der lang anhaltenden Trockenheit durchschnittlich einen recht befriedigenden Ertrag. Die Getreideernte ließ allerdings viel zu wünschen übrig. Wie überall in der hiesigen Gegend, war der Körnerertrag wesentlich geringer als im Vorjahre. Besonders hinsichtlich der Gewichtes trat ein starker Ausfall ein. Dafür war die Kartoffelernte um so besser. Mit einem derartigen Ertrag halle man allgemein nicht gerechnet. Während aus trockenen Aeckern nur geringe Mengen geerntet werden konnten, waren die Ergebnisse auf feuchtem Boden vorzüglich. Reichen Ertrag lieferte besonders die für unser Land geeignete Sorte „Ackersegen". Was die Futterrüben anbelangt, so waren sie zwar nicht besonders dick, garantieren dafür aber eine längere Lagerfähigkeit, als in nassen Jahren. Trotzdem waren manche Landwirte gezwungen, aus Raummangel Mieten anzulegen. Durchaus befriedigend war die O b ft e r n t e. Besonders die Zwetschenernte fiel sehr gut aus. Zahlreiche Einwohner konnten zu guten Preisen beträchtliche Mengen absetzen und sicherten sich damit eine erwünschte Nebeneinnahme. < Harbach, 18.Nov. In diesen Tagen wurde im Rahmen der Arbeitsbeschaffung die Einfriedigung des hiesigen Schulgartens beendet. Die Einzäunung war schon vor längeren Fahren in Angriff genommen, aus finanziellen Gründen aber nicht beendet worden. Dafür hat nun der Schulgarten durch Errichtung einer Peton- mauer einen geschmackvollen Abschluß nach der Straßenseite erhalten. Die Maurerarbeiten wurden mit großem Geschick von Wilhelm Engel ausgeführt. Besonderes Lob verdient die Gartentreppe. Die sonstigen Arbeiten hatte man Schreinermeister Erb und Schmiedemeister B i e tz übertragen. Sie wurden ebenfalls einwandfrei erledigt. < Q u eck b o r n, 18. Nov. Das Jungvolk brachte bei der Brotsammlung in unserem Orte 100 Laibe Brot zusammen, die über die Ortsgruppenleitung der NSV. in Ettingshausen abgeliefert wurden. — In diesem Herbst werden hier viele Obst- bäume angepflanzt. Es werden mehrere neue Baumstücke angelegt, bei denen von zehn Bäumen an ein Staatszuschuß gewährt wird. ch Lauter, 18. Nov. Am Samstag stellte sich das Jungvolk in den Dienst des WHW. Mit Begeisterung zogen die Pimpfe von Haus zu Haus und brachten bei ihrer Sammlung 58 Laib Brot zusammen. — Auch die hiesige Volks- s ch u l k l a s s e hat sich in den Dienst des WHW. gestellt, indem sie in den herbstlichen Wald hinauszieht und Bucheckern sammelt. — In diesen Tagen wurden die Holzhauerarbeiten im staatlichen Wald ausgenommen. Dadurch ist wieder einigen Volksgenossen auf einige Wochen Verdienstmöglichkeit gegeben. — Ebenso wie im Vorjahre, wurden auch dieses Jahr von der Gemeinde junge Ob st bäume gepflanzt, um dadurch den Bestand zu verjüngen. — Am nächsten Mittwoch findet in unserer Kirche eine G e m-e indeversa m m l u n g statt, bei der ein Kirchbauoer- ei n gegründet werden soll. Zweck des Vereins ist, die Mittel zu beschaffen, daß unser Gotteshaus, das im vorigen Jahre außen renoviert wurde, bald auch innen ein neues Aussehen erhält. :: Großen-Linden, 18. Nov. Der Sparund Vor s ch ußverein Großen-Linden hielt im Saale der Gastwirtschaft von Schaum eine außerordentliche Generalversammlung unter Leitung des Aufsichtsratsoorsitzenden W. G u t e r m u t h ab. Der Vorsitzende widmete der Tätigkeit des durch den Tod aus dem Aufsichsrat ausgeschiedenen Joh. Feller anerkennende Worte. Auf Vorschlag wurde Altbürgermeister Lang einstimmig zum Mitglied des Aufsichtsrats gewählt. Oie Reichsau^obahn bei Steinbach I Steinbach, 18. Nov. Wie heute hier ortsüblich bekanntgemacht wurde, wird die Reichs- a u t o b a h n durch unsere Gemarkung auf der bereits im Vorjahr abgesteckten Spur gehen. Sie überschreitet also die Straße Gießen—Lich unterhalb des Dorfes so, daß ein Haus vom Dorfe durch die Autobahn abgeschnitten wird. Der Autobahnhof Gießen wird demnach ebenfalls in die Gemarkung Steinbach zu liegen kommen. (Sin Postwunsch der Stadt Lich. Von weiten Bevölkerungskreisen in Lich wird der dringende Wunsch nach einer Verbesserung derFrühpostverbindungzwischenLich und Gießen gehegt. Zur Zeit wird die Frühpost von Lich erst mit dem Zuge 9.06 Uhr ab Lich 9.25 Uhr an Gießen, befördert, so daß die Postsendungen immer erst mit der Mittagsbestellunq in die Hande der Gießener Adressaten gelangen. In Lich ist man der Meinung, daß es möglich sein mußte die Post nach Gießen schon mit dem ersten Fruhzug ab Lich 5.56 Uhr, an Gießen 6.17 Uhr evtl, durch Beutelpost befördern zu lassen, zumal um diese Zeit das Licher Postpersonal ohnehin am Bahnhof ist, um die Post mit Dem Zuge 5.59 Uhr ab Lich nach Gelnhausen zu befördern. Wenn man sich diesen Sachverhalt vor Klugen halt, so wird man allerdings den Wunsch der Licher Bevölkerung als berechtigt ansehen können. Die Stadt Lich wäre der Postoerwaltung sehr dankbar, wenn sie den hier vorgetragenen Wunsch erfüllen würde. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 19. Nov. Hier steigert sich die Nachfrage nach Garten- und Grab- ! and. Im zeitigen Frühjahr wurde ein größeres gemeindeeigenes Wiesenstück in 16 Grabgärten auf- ßeteilt. Damit konnte man die Landsuchenden nur ßum Teile befriedigen. Deshalb entschloß sich die Ortsverwaltung, neues Gartenland zu schaffen. In Zusammenarbeit mit dem hiesigen Obst- und Go r t e n b a u v e r e i n wurden durch freiwillige vorzeitige Lösung eines Pachtvertrages weitere |ed)5 Grabstücke in bester und geschützter Kulturlage „Auf dem Untergarten" geschaffen. Bei der Verpachtung wurden hohe Preise geboten. Es kamen die^ Stücke von 170 bis 190 Quadratmeter Größe auf 5 bis 16 Mark. Gleichzeitig wurden auf dem Federnberg zwei Pflanzstücke ausgeboten, die mit durchschnittlich 7 Mark bezahlt wurden. Die Verpachtung erfolgte auf acht Jahre. Die Einfriedigung wird nur an der Wegseite von der Gemeindeverwaltung durchgeführt. Falls weitere Nachfrage nach Gärten besteht, soll noch eine größere Wiesenfläche an der Steins Brücke als Gartenland erschlossen und aufgeteilt werden. > Lollar, 18. Nov. Im Gegenwart der Lehrerschaft, des Jungvolks, des BDM. und der Orts, gruppenleitung fand die Hissung der Hitler- Jugend-Fahne auf dem hiesigen Schulgebäude statt. Die Flaggenhissung umrahmte eine schlichte Feier, in deren Verlauf Lehrer Brasch im Namen der Schule, Ortsgruppenleiter P e t r a s ch im Namen der Partei und Standort- sührer S ch m a l b a ch für die Hitler-Jugend kurze Ansprachen hielten. Das Lied der Jugend und das Horft-Wefsel-Lied beschlossen die eindrucksvolle Feierstunde. □ Lollar, 18. Nov. Unter dem Kennwort: „Lache mit uns" veranstaltete die N S. - Gern e i n s ch a f t „Kraft durch Freude" im Saalbau „Zur Linde" einen lustigen Abend, der einen sehr anregenden Verlauf nahm. Ein Humorist sorgte dafür, daß die Lachmuskeln in Bewegung blieben, eine Tänzerin, ein Zauberkünstler unterhielten auf ihre Weise, und der „Kellermeister vom Rhein" breitete mit seinen rheinischen Liedern Stimmung um sich. Ein Akrobat und zwei Clownakrobaten fanden für ihre Leistungen ebenso dankbaren Beifall wie die anderen Künstler des Abends. Den musikalischen Teil bestritt die Kapelle Lyncker. § Mainzlar, 18. Nov. Hier wurden vom Jungvolk bei der Brotsammlung 114 Brote gesammelt und zusammen mit den Brotspenden aus den Nachbarorten nach Gießen zur Weiterleitung nach Offenbach gebracht. — Die N S G. »Kraft durch Freude" veranstaltet am 30. November hier einen Dorfgemeinschafts- Abend, bei dem auch der hiesige Männergesangverein mitwirken wird. § Staufenberg, 18. Nov. Die vom Jungvolk hier durchgeführte B r o t s a m m l u n g für das WHW. ergab 109 Brote. f Treis a. d.Lda., 18. Nov. Die B r o tf amm= lung für das Winterhilfswerk ergab in unserer Gemeinde 120 Brote. △ Beuern, 18. Nov. Bei der Kartoffelsammlung für das Winterhilfswerk wurden in unserem Dorfe 127 Zentner Kartoffeln gespendet. Bei der B r o t s am m l u n g wurden vom Jungvolk 87 Brote zusammengebracht. — Der Landesverband für Innere Mission zeigte hier den Film Jugend zu eifriger Mitarbeit an ihrer sportlichen Ertüchtigung. = Steinbach, 18. Nov. Am gestrigen Sonntag veranstalteten die hiesigen Kaninchenzüchter eine Ausstellung mit Prämiierung, Die einen guten Ueberblick über den Stand der Kaninchenzucht in unsrem Dorfe gewährte. Mit der gut besuchten Ausstellung war auch eine Pelzaus- ft e 11 u n g verbunden, ebenso ein Preisschieben mit Zimmerstutzen. Die Ausstellung war im Saale des „Ritter". — Am Abend fand im Saale des „Einhorn" eine sehr gut besuchte Veranstaltung der Deutschen Arbeitsfront und der KdF. flott. Frankfurter Künstler boten ein vielseitiges, mit großem Beifall aufgenommenes Programm. In buntem Wechsel folgten Tanzvorführungen, komische Vorträge, komische Gesangsoorträge, akrobatische und zauberkünstlerische Darbietungen. Um Mitternacht schloß der Propagandaleiter, Schuhmachermeister Größer, den ersten Teil des Abends mit einer Ansprache. Anschließend fand Tanz statt. * Dorf - Gill, 18. Nov. Von unserer Gemeinde werden künftighin Aufträge nur noch an diejenigen Betriebe vergeben, Deren Betriebsführer und Gefolgschaft geschlossen der Deutschen Arbeitsfront angehören. # Birklar, 18. Nov. Am gestrigen Sonntag beging der hiesige Gesangverein „Harmonie" die Feier seines 75jährigen Bestehens. Die Bevölkerung bekundete durch zahlreichen Besuch ihre enge Verbundenheit mit dem Verein. Der Vereinsoorsitzende Heinrich Wagner entbot zunächst den Gästen, insbesondere den auswärtigen Vereinen herzliche Willkommensgrüße, Dann vor ollem auch Dem einzigen noch lebenDen Mitbegrün» Der, Dem 91 Jahre alten Philipp Weisel II. Im weiteren Verlaufe Der Feier boten Der Jubilar-Verein, wie auch die auswärtigen Vereine ihr Bestes zur Bereicherung der Feierstunde. Im Auftrage des Leiter des Hessischen Sängerbundes. Ministerialrat Ringshausen überreichte Der Kreiswolter Des Sängerkreises, Rinker (Nonnenroth), Dem Verein unter herzlichen Glückwünschen eine Ehrenurkunbe. Die Gesangvereine „Cäeila" Lich unD „Lieberkranz" Muschenheim ehrten Den Jubilar-Verein Durch Überreichung je eines Fahnennagels. Die Freiwillige Feuerwehr Birklar ließ durch ihren zweiten Hauptmann Wolf dem Verein mit herzlichen Glückwünschen ein Geldgeschenk zur Anschaffung eines Chores aushändigen. Mit besonderer Anerkennung wurde der Chormeister des Vereins, Wilhelm Schäfer, Garbenteich, bedacht, unter dessen ausgezeichneter künstlerischer Leitung der Sängerchor große Fortschritte erzielen konnte. Das Abend-Programm der Jubiläums-Feier brachte einen luftigen Einakter, dann verlebte man bei Gesang und Tanz noch einige weitere frohe Stunden. • Großen-Linden, 19. Nov. Gestern Abend ereignete sich hier unweit der Waldschenke ein Verkehrunfall. Ein Kraftfahrer aus Frankfurt a. M. geriet mit seinem Kraftwagen onschei- > nend auf feuchter Straße ins Schleudern und stieß heftig gegen einen Baum. Der Verunglückte, der Kopfverletzungen erlitten hatte, mußte durch die Freiwillige Sanitätskolonne in Gießen in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. oo Leihgestern, 18. Nov. Am Sonntag wurde in unserer Kirche Der Film „Segensspuren Der Liebe" gezeigt, Der in großer Ueberschau einen Einblick in Die Arbeit, Die in 170 Anstalten mit 6668 Betten Der Kirche in Hessen-Nassau geleistet wird. Man sah freundliche, friedliche BilDer von Erholungsheimen für kleine KinDer, für Die JugenD, für erholungsbeDürftige Mütter, Das Leben im Altersheim und in Den Erziehungsheimen, ferner lernte man Das Wirken Der Bahnhofsmiffion unD Der Fürsorgerin kennen. Der Film vermittelte weiter einen Einblick in Heilanstalten unD stellte hier menschliches Elend unD Die Bemühungen um feine Linderung Dar. Der Bildstreifen dürste feinen Eindruck nicht verfehlt haben. s. Lang-Göns, 18. Nov. Die Schüler und Schülerinnen Der vier oberen Jahrgänge unserer Volksschule sind nun restlos beim Jungvolk unD bei Den JungmäDeln eingegliedert. Am letzten Freitag und Samstag sammelte das Jungvolk Brot für Das Winterhilfswerk. Am Freitag zog die Schar mit Fanfaren und Trommeln durch alle Straßen, am Samstag wurden die Brotlaibe abgeholt und auf mit Tannengrün und bunten Fähnchen geschmückte Wagen zusammengefahren. Die Jungen vergaßen kein Haus, und es wurde ihnen reichlich gespendet. Im ganzen brachten sie 242 Brote zusammen. ■ Garbenteich, 18. Nov. Der hiesige Sportverein 19 2 8 beging am Samstag im Saale des Gastwirts Becker einen wohlgelungenen Familienabend, dessen Vorbereitung und Abwicklung die Frauen und Töchter Der Vereinsmitglieder übernommen hatten. Die Frau Des Vereinsführers Coenen begrüßte die Besucher, besonders Bürgermeister Burk und Das im 83. Lebensjahre stehende Ehrenmitglied Balthasar Häuser, ferner beglückwünschte sie Die in Der gegenwärtigen 23er- banDsfpielferie ungeschlagene unD tabellenführenDe erste Mannschaft des Vereins, Der sie als sichtbaren Ausdruck Der Anerkennung einen Preis überreichte. Mit Sieg-Heil auf Führer und Vaterland beschloß Frau C o e n e n ihre Ansprache. Im weiteren Verlaufe des Abends vergnügten sich die Teilnehmer bei mancherlei frvhgeftimmten geselligen Darbietun- §en, bei Kaffee und Kuchen sowie Gesang und ^onz. Kurze Ansprachen hielten Der Spielausschuß- Obmann Willi Weigel, Schiedsrichter M i e r s - doch (Gießen), SportkameraD Schäfer und Bürgermeister Burk; die Redner ermahnten Die Fußball im Dienste der Winterhilfe. Die Spiele am Bußtag. Der 20. November soll ein Opfertag Der großen Deutschen Fußballgemeinde im Dienste des Winterhilfswerkes fein. Die Fußballer wollen auch in diesem Jahre nicht abseits stehen, wenn es gilt, die Not unserer Volksgenossen in der schwersten Zeit des Jahres zu linoern. Wir kommen damit einer selbstverständlichen nationalen Pflicht noch und wollen hierdurch dem Gedanken der Volksgemeinschaft dienen. Im Dienste des Winterhilfswerkes zu stehen, muß die Pflicht eines jeden einzelnen fein. Im Gau XII werden nicht weniger als 152 Win- terhilfsfpiele zum Austrag kommen, davon 14 allein im Sportkreis Gießen. Die Paarungen dieser Spiele bieten die Gewähr dafür, daß auch guter Sport geboten wird. In Gießen, Platz Des VfB.-Reichsbahn: Stadt — Land (Michel, Gießen). In Wetzlar, Platz des SV. 05: SV. 05 Wetzlar — Biffenberg (Deis, Nauborn). In Watzenborn-Steinberg, Platz der Teutonia: Watzenborn-Steinberg 1. und 2. komb. — Leih- gestern-Großenlinden komb. (Happel, W.-Steinberg). In Naunheim, Platz des Tufpielv.: Naunheim — Sportfreunde Wetzlar (Keller, Naunheim). In Lich: Lich-Steinbach komb. — Garbenteich (Holzapfel, Lich). In Daubringen: Daubringen — Lollar 1. u. 2. komb. (Grote). In Londorf: Londorf — Treis (Haiger, Treis). In Rodheim: Rodheim — Heuchelheim (Rüfpeler, Gleiberg). In Steindorf: Steindorf — Burgsolms (Kaletsch). In Werdorf: Ehringshausen — Aßlar (Küster). In Holzhausen: Holzhausen-Ulm komb. — Leun- Stockhausen komb. (Kleemann). In Alten-Buseck: Alten-Buseck — Großen-Buseck (Körber). In Rüddingshausen: Rüddingshausen — Geilshausen (Pieh, Londorf). In Mücke: Flensungen-Mücke — Grünberg (Beck). I 6 v\' v\ ll I OPFERT FÜR DÄS Bekanntmachung. Der wegen gesetzlichen Feiertags ausfallende Lefeholzfammeltag am Mittwoch, Dem 20. November d. I., wirb auf Donnerstag, Den 21. d. 21L, verlegt. Gießen, Den 19. November 1935. 6661C Bürgermeisterei Gießen. Ritter, Oberbürgermeister. Bekanntmachung. Zum verkauf von Christbäumen soll ein Platz von etwa 100 qm im Hofe Des stäDtifchen Verwal- tungsgebäuDes, Gartenstraße 2, für Die Zeit vom 9. bis 24. Dezember 1935 vergeben werben. Schriftliche Angebote sinD spätestens bis zum 30. November 1935, mittags 12 Uhr, im StaDthaus, Bergstraße 20, Zimmer 28, einzureichen. 6663C Gießen, Den 15. November 1935. Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. Hamm. Mahnung. Die Beiträge für den Monat Oktober 1935 können noch bis zum 25. November 1935 ohne Kosten bezahlt werden. 6665D Nach Ablauf dieser Frist erfolgt Kostenberechnung evtl. Zwangsbeitreibung. Die Einzahlung kann täglich an unserer Kasse ober auf Postscheckkonto 10833 Frankfurt a. M. erfolgen. Allgemeine Ortskrankenkasse für den kreis Gießen. Moos, Rechner. Verlobungs-Anzeigen liefert Brühl’sche Druckerei Telephon 3464. 6529D Senking-Herd für Kohle, mit 2 Gasstellen, Größe: 2,40X1,00 Meter, Wärmetiich für Gas Größe: 2,00X0,80 Meier, wenig gebraucht, auch einzeln preiswert abzugeben. W. 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Seit sie aber ihre eigene „Höhensonne” • Ongmal Hanau • im Hause haben, gibt es durdi die nervenberuhigende^ frödiende und belebende Wirkung fjochstätter-Tapeten WERK HILFS- schäft ms Feld stellte, die bürd) Iugendlichs vek- stärkt war, so daß die Aussichten von vornherein gleich Null waren. Mit einer 6:1-Niederlage mußten die kleinen Teutonen die Heimreise antreten. Winlerhilfefpiele in Watzenborn-Steinberg. 2Iüi Buß- und Bettag finden auf dem Platz in Watzenborn-Steinberg zwei Spiele zu Gunsten des Winterhilfswerks statt. Zunächst tritt die Jugendmannschaft einer kombinierten Jugendmannschaft aus Spielern von Klein-Linden und Großen-Linden entgegen. Anschließend treten zwei kombinierte Mannschaften der Aktiven auf den Plan. Der einheimischen Mannschaft, die aus Spielern der 1. und 2. Mannschaft zusammengestellt ist, tritt eine kombinierte Elf aus den Nachbardörfern Leihgestern-Großen- Linden gegenüber. Schon immer waren Begegnungen zwischen vorgenannten Vereinen spannend. Auch diesmal rechnet man wieder mit einem zahlreichen Besucherkreis, zumal die Einnahmen restlos dem Winterhilfswerk zufliehen. Sportverein 1920 Lollar. VfV. R. Gießen II — Lollar I 4:8. Atten-Vufeck I — Lollar II 5:5. Lollar Schüler — w.-Steinberg Schüler 1:6. Die erste Mannschaft siegte trotz Ersatzes in Gießen sicher mit 4:8 Toren. Die 2. Elf spielte in Älten-Buseck gegen die dortige Erste und konnte ein Unentschieden herausholen. Der Gegner der 3. Mannschaft Rüddingshausen sagte noch in letzter Minute ab. Die 1. Schüler-Elf konnte wieder einen sicheren 6:1-Sieg erringen und dadurch erneut ihre berechtigte Tabellenführung unter Beweis stellen. Sportverein Lollar bei den Opferspielen. Der Sportverein 1920 Lollar beteiligt sich an den diesjährigen Opferspielen am morgigen Mittwoch neben Stellung einiger Spieler zur Landmannschaft gegen die Stadtmannschaft in Gießen auch noch mit der Reserve- und Jugendmannschaft. Die Spieler der ersten Elf: Hörstel, Löhr, Gabriel und Kreiling werden im Gießener Kampf unseren Verein vertreten. Die Reserveelf tritt in folgender Aufstellung der ersten Elf von Daubringen in Daubringen gegenüber: Jungjohann; Wendt, Naumann; K. Rudolf, R. Wissemann, E. Jung! R. Espich, I. Will, H. Sehrt, A. Seipp, W. Loth. Man probiert hier zum erstenmale den Verteidiger Naumann aus, der vom FV. Ockershausen nach Lollar übersiedelte. Auch die Jugendelf wird in Daubringen zum Opferspiele antreten. Saasen Jugend — TNerlau Jugend 3:7 (3:2). Die Anfängerjugend von Saasen stand am Sonntag in Merlau der körperlich kräftigeren und außerdem spielerfahreneren Jugend von Merlau im Gesellschaftsspiel gegenüber. In der ersten Halbzeit wehrten sich die Saasener tapfer. Das Halbzeitergebnis lautete 3:2 für Saasen. Die Gäste lagen in der ersten Spielhälfte fast ständig vor des Gegners Tor. In der zweiten Halbzeit spielten die Saasener Jungens gegen den Wind und mußten sich 5 Tore gefallen lassen. DfB. Krofdorf-Gleiberg. VfB. Krofdorf-Gleiberg I — Wißmar I 6:2 (3:2). Ueberraschend hoch konnte Krofdorf-Gleiberg in diesem Spiel einen einwandfreien Sieg erringen, denn nachdem am letzten Sonntag Wißmar einen 11:0-Sieg gegen Vetzberg erzielte, rechnete man auch mit einem knappen Siege gegen Krofdorf-Gleiberg. Der Platzverein war sich dessen aber bewußt und legte sofort ein scharfes Tempo vor, während sich Wißmar nicht zurechtfand. Dadurch gelang es auch, innerhalb 20 Minuten einen 3:0-Dorsprung herauszuholen. Dann ließ aber Krofdorf-Gleiberg nach und das Spiel wurde ausgeglichener. Wißmar holte durch Strafftoß ein Tor auf, und kurz vor Halbzeit gelang es den Gästen, auf 3:2 zu verkürzen. Nach Wiederanstoß versuchte Wißmar unter allen Umständen den Ausgleich zu erzielen, so daß die Hintermannschaft von Krofdorf-Gleiberg bange Minuten zu überstehen hatte. Schließlich kam Krofdorf wieder besser ins Spiel, aber erst als durch einen Elfmeterball das Resultat auf 4:2 verbessert werden konnte, klappte es wieder besser. Wißmar hatte nun nichts mehr zu bestellen. Der Platzverein erhöhte auf 6:2. Fußballabteilung des Tv. Kinzenbach. Tv. Fellingshausen Jugend — Tv. Kinzenbach Jugend 0:6 (0:3). Dieses letzte Verbandsspiel endete wiederum mit einem klaren Sieg der Einheimischen, die dem Gegner in jeder Phase des Kampfes klar überlegen waren. Der Kinzenbacher Sturm verstand sich sehr gut. Siegesfeier der Leichtathleten des DfB.-R, Gießen. Am Samstag hielt, wie man uns mitteilt, die Leichtathletikabteilung ihre übliche Siegesfeier im Schützenhaus ab. Schüler, Jugendliche, Frauen und Aktive waren zum Empfang ihrer Diplome von verschiedenen Veranstaltungen erschienen. Nach verschiedenen Musikstücken der Kapelle K r e n g e l begrüßte der Abteilungsleiter und zweite Vereinsführer Herr W. Rinn die erschienenen Mitglieder und Gäste mit einer kurzen aber markigen Ansprache. Er führte folgendes aus: „Im Auftrage des VfB.-Reichsbahn heiße ich Sie willkommen. Besonders begrüße ich die Eltern unserer Jugendlichen und alle Freunde der Leichtathleten. Unsere Siegesfeier hat ihre Berechtigung durch die Erfolge der Aktiven. 406 Siege in der Saison, das war noch nicht da seit Bestehen des VfB.-Reichsbahn. Der gesamte VfB. wird Euch das zu danken wissen. Aber auch wir Leichtathleten haben eine Dankesschuld gegenüber unserem Verein und Vereinsführer. Denn nur durch die opferfreudige Zurverfügungstellung der erforderlichen Mittel war es uns möglich 35 Veranstaltungen 'zu besuchen. Diesen Dank können wir am besten abstatten, indem wir unserem Verein die Treue halten und durch Besuch der Trainings uns weiterhin verbessern, um mit neuen Taten aufwarten zu können. Durch das stahlharte Training, das wir uns freiwillig auf» erlegen, find wir in unserer Abteilung zu einer Gemeinschaft zusammengeschweißt, die einen wunder- baren Kameradschaftsgeist erstehen ließ, aus dem heraus wieder unsere großen Erfolge wuchsen. Es hat sich bewiesen, daß die Leichtathletik die beste Kompanie des VfB.-R. ist. Das erfüllt uns nicht nur mit Stolz und Freude, sondern legt uns auch die Verpflichtung auf, uns jederzeit so zu benehmen, daß wir alle überzeugen, daß aus uns die Jugend spricht, die mit ihrem ganzen Tun und Denken nur ein Ziel hat, unserem VfB.-Reichsbahn Ehre zu machen und dadurch wieder an dem großen Werk unseres Führers mitzuarbeiten zum Wohle unseres Vaterlandes." In Verhinderung des Vereinsführers Baurat Nieder st raßers, sprach der Schriftführer B e l l o f einige Dankesworte. Sodann trug der E-Jugendliche Heinrich M o o tz das Gedicht „Die Olympische Glocke — Ich rufe die Jugend der Welt" geschickt vor. Daran anschließend wurden die Diplome verteilt und verschiedene Ehrungen vorgenommen. Olympiakandidat Otto L u h "und der Trainer Sportlehrer R. Fischer erhielten praktische Geschenke. Die ungeschlagen durch die Saison gekommene 4 X 100 - Meter - Staffel der Jugendklasse C bekam die Vereinsnadel überreicht. Es waren dies die Jugendlichen H. Mootz, Oß - wald, Büdenbender und Willi Schwarz. Durch Singen der ersten Strophen des Deutschland- und Horst-Wessel-Liedes wurde der feierliche Teil beendet. Ab •\ ■ W V.X; 19.75 Pelzbesetzte Mäntel mit neuar tigen Pelzbesätzen, ganz auf Stepp lütter 48.— 39.50 29.75 Vornehme Wintermäntel mit schönen Edelpelzen, beste Konfektion 98.— 75.— 68.— 58.— | uchon, I fc/iidL, preiswert-- so finden Sie Män- D tel in großer Aus- W wähl bei mir — . M mit reichem Pelz- W schmuck,aber auch I / M sportlich schlicht / M - ganz nach Ihrem I M Wuns ch! 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