Mittwoch, 18. Dezember 1955 185. Jahrgang Nr. 295 Erstes Blatt Sietzener Anzeiger Auf boner tretet wenig werde timen Flottenkonferenz und Geopolitik. Von Or. Paul Rohrbach. fierriot; damit habe Herriot gegenüber Laval Fahnenflucht begangen. Im übrigen richtet sich die Aufmerksamkeit auf Genf. Man ist in weiten Kreisen davon überzeugt, daß die Entscheidung über das Schicksal des Friedensplanes Laval - Hoare nicht so sehr bei den beiden Parteien Italien und Abessinien, sondern vor allen Dingen beim Völkerbund liegt. Das „Journal" nimmt Italien noch einmal ins Gebet und sagt, wenn sich Rom nicht ganz deutlich gegen den etwaigen Vorwurf decke, für einen Mißerfolg des Friedensplanes verantwortlich gemacht zu werden, dann zwinge es die Länder, die etwas für Italien getan hätten dazu, nur noch den Sühnemaßnahmen zu vertrauen. Der „Figaro hebt hervor, weder von Mussolini noch vom Negus sei eine einfache Annahme der Vorschläge Laval - Hoare zu London, 18. Dez. (DRV. Funkspruch.) Die Unterhaus-Aussprache über den englisch-französi- chen Friedensplan am Donnerstag wird vom Außenminister Sir Samuel Hoare eröffnet und von Ministerpräsident Baldwin abgeschlossen werben. Die Parlamentsfraktion der Arbeiterpartei beschloß folgende Entschließung zur Regierungspolitik einzubringen: „Die von der britischen Regierung als Grund- läge für eine ilalienisch-abeffinische Regelung vorgeschlagenen Bedingungen belohnen den Angreifer auf Kosten des Opfers, vernichten die kollektive Sicherheit und stehen in Widerspruch zu dem ausgesprochenen Willen des englischen Volkes und zur Völkerbund s- s a h u n g, für deren Unterstützung die Ehre Großbritanniens verpflichtet ist. Das Unterhaus verlangt daher, daß diese Bedingungen sofort verworfen werden." Die Regierung wird die Entschließung als Mißtrauenserklärung betrachten. 14 Mitglieder der Regierungsparteien, darunter 2 Vertreter der nationalen Arbeitergruppe unter Führung des Brigadegenerals S p e a r s, haben einen Abänderungsantrag zu der sozialistischen Entschließung eingebracht, der besagt, das Unter- Flußübergang von Mai Timchet (65 Kilometer südwestlich von Aksum) angegriffen. Unsere erythräischen Truppen haben sich nach hartnäckigem Widerstand auf den Paß Dembeguina (20 Kilometer nördlich vom Mai Timchet) zurückgezogen. Zur gleichen Zeit hat eine andere Gruppe abessinischer Krieger den Fluß überschritten, um mit einem Umgehungsmanöver in der Landschaft Schire zu operieren, deren Bevölkerung sich unterworfen hatte. Das gegnerische Manöver hat zu Kämpfen geführt, die unter reger Teilnahme unserer Luftwaffe und Tankabteilungen zur Zeit im Gange sind. Bei den ersten Zusammenstößen sind vier Offiziere und 9 Soldaten der Heimatarmee gefallen und drei Offiziere verwundet worden. Die Verluste der Eingeborenentruppen belaufen sich auf einige Dutzend Tote und Verwundete. Die Verluste des Feindes sind noch nicht festgestellt, sie sind aber beträchtlich. Amerikas Aufrüstung zur Lust. Washington, 18. Dez. (DRB.) Das Kriegsministerium bat am Dienstag einen Auftrag auf 10 0 Jagdflugzeuge vergeben. Ferner wurden 110 große Douglas-Bombenflugzeuge bestellt. Die Jagdflugzeuge find Ganzmetallflugzeuge mit einschiebbarem Fahrgestell. Sie sind zweisitzig und einmotorig und können eine Höchstgeschwindigkeit von 4 0 0 Kilometer in der Stunde entwickeln. Bestückt sind sie mit fünf Maschinengewehren und einer Einrichtung zum Abwurf von 20 kleinen Bomben. Ferner find sie so eingerichtet, daß B e - b ä [ t e r mit Chemikalien eingebaut werden können. Mit diesen Flugzeugen will man kleine Formationen auf der Erde mit Bomben und Chemikalien angreifen. England regt Erklärungen über die Flottentzauprogranime an. London, 17. Dez. (DRV.) Die britische Abordnung hat auf der Flottenkonferenz die Abgabe einseitiger Erklärungen über die Flottenbauprogramme vorgeschlagen. Preß Association meldet, daß der britische Vorschlag von der amerikanischen Abordnung unter st ützt worden sei. Auch Frankreich und Italien hätten ihm grundsätzlich z u g e st i m m t. Sie hätten jedoch gefordert, daß die Bauprogramme auf einen geringe- , ren Zeitraum als sechs Jahre, wie dies -jron England vorgeschlagen worden sei, im voraus . bekannt gegeben werden. erwarten. Die Entscheidung liege beim Völkerbund selbst. Wenn der Völkerbund ablehne, so laufe er selbst Gefahr, bei Verschärfung der Lage und Ausdehnung des Streites eines Tages von den vorwürfen der öffentlichen Meinung erdrückt zu werden. Die Zeitung „Ordre" schlägt als besten Ausweg aus den außenpolitischen Schwierigkeiten vor, den kaum aussichtsreichen Vorschlag Laval-Hoare f alle n z u l a s s e n und dafür mit Einverständnis des Negus und des Völkerbundes Abessinien zu einem gemeinsamen englisch - französisch- italienischen Herrschaftsgebiet zu machen, in dessen Rahmen Italien unter gewissen Bedingungen ausschlaggebenden Einfluß erhalten könnte. der ersten Sitzung der eben eröffneten Lon« Flottenkvnferenz hat der amerikanische Der» einen scheinbar allgemein gehaltenen uni belangreichen Satz gesprochen: Amerika niemals den Anfang mit einem rnari« ........ Wettrüsten machen. Genauer betrachtet enthalten diese Worte aber den unausgesprochenen Nachsatz: Sollte das Wettrüsten von andere« Seite begonnen werden, so werden wir in Amerikq den längeren Atem haben! Unter diesem Eindruck hat die erste Sitzung, auf der diese Aeußerung fiel. Mßttauensanttag gegen das Kabinett Valdwin Ein Abänderungsantrag der Nationalen Arbeitergruppe hat Aussicht aus Annahme im englischen Llnterhaus. Rücksprache in Rom. „Giornale d'Ztalia" gegen die antifaschistische Agitation R o m , 17. Dez. (DRB.) Staatssekretär S u v i ch vorn italienischen Außenamt hat den englischen Botschafter Sir Eric Drummond und am Tage vorher den französischen Botschafter Chambrun empfangen. Amtlich wird erklärt, daß diese Unterredung in keiner Weise als Eröffnung einer neuen Verhandlungsphase ausgelegt werden könne, wenngleich nicht ausgeschlossen ist, daß in London und Paris tatsächlich Aufklärung über einige Punkte verlangt wurde. Sachlich bleibe die feit Überreichung der englisch- französischen Verhandlungsvorschläge entstandene Lage auch nach den letzten Unterredungen unverändert. Zu der Tagung des Dölkerbunds- r a t e s hat Italien vorerst keinen Delegiert en nach Genf entsandt. Das halbamtliche „Giornale d'Italia" erhebt unter der Überschrift „Sabotage an Europa" seine warnende Stimme gegen den anti- italienischen und antifaschistischen Sanktionismus, in dem heute völlig entgegengesetzte Interessen Zusammenarbeiten. Das Blatt zitiert aus verschiedenen Sanktionsländern Stimmen zum Beweis dafür, daß sowohl die Agitation von rechts, als auch die Agitation von links gegen das faschistische Regime und gegen Mussolini persönlich gerichtet sei. Das Blatt betont, daß Italien gegenüber dieser antiitalienischen Agitation mehr denn je allen Grund habe, unnachgiebig an seinem Standpunkt fe st zuhalten. Italien stelle fest, daß höchst verdächtige antiitalienische Strömungen sich in den abessinischen Konflikt eingeschaltet haben. Italien werde daher keine Lösung des italienisch-abessinischen Konfliktes annehmen, die noch irgendeine Tür für neue Zwischenfälle und neue antiitalienische Spekulationen offen lasse. Die verantwortlichen Regierungen Europas hätten dagegen ihrerseits dringenden Anlaß, mit klaren Augen bie trüben Hintergründe der sanktioni- stischen Auslegung zu betrachten. Italien meidet schwere Kämpfe im Mrdwesten. Abessinische Angriffe am Takazzc-Flutz. Rom, 17. Dez. (DNB.) Der italienische Heeresbericht Nr. 73 besagt: Beträchtliche gegnerische Kräfte, öle auf 3000 Krieger geschätzt werden, haben un j er.e am Takazze-Fluß verteilten Beobachtungsvorposten bei dem Paris, 17. Dez. (DNB.) Ministerpräsident Laval erklärte in der Kammer bei der Beratung des Haushalts des Außenministeriums, Frankreich habe alles getan, um den Versuch zu machen, den Krieg xu verhindern. Als er dennoch erklärt worden sei, fei in Genf der Mechanismus der kollektiven Sicherheit in Kraft gefetzt worden. Die französische Regierung habe sich mit der britischen dahin geeinigt, daß keinerlei militärische Sühnemaßnahmen angewandt und keine Maßnahmen durchgeführt werden würden, die zu einer Blockade führen konnten. Mit einem Wort, man habe alles ausgeschaltet, was eine Ausdehnung des italienisch-abessinischen Streites auf Europa zur Folge haben könnte. Vor Beginn der Feindseligkeiten habe er mit Sir Samuel Hoare und Eden die wirtschaftlichen Zwangsmaßnahmen in Aussicht genommen, die zur Beendigung des Streites angewendet werden könnten. Er habe den Wunsch geäußert, daß die schärfsten Maßnahmen nicht i n K r a f t treten vor dem Scheitern eines neuen Vermittlungsversuches. Die Ausdehnung der wirtschaftlichen Maßnah- * men sei auf seinen Wunsch vertagt worden, weil er zunächst mit Sir Samuel Hoare eine Unterredung haben wollte. Diese habe zu dem bekannten Plan geführt. Dieser Plan stelle für die englische Regierung und für die französische Regierung d i e Grenze ihrer Anstrengungen dar. Frankreich und England seien durchaus berechtigt ge- rvesen, das zu tun, was sie getan hätten, denn Frankreich und England seien in Genf aufgefordert worden, die Vermittlung fortzufetzen. Frankreich habe nur die Aufgabe erfüllt, die ihm vom Völkerbund gestellt worden war. Dem Völkerbund gebühre es, einen endgültigen Beschluß zu fassen. Die an dem Plan geübte Kritik sei ungerecht und falsch. Was würden an seiner Stelle die Gegner unternehmen? Würden sie vielleicht zu der vollkommenen und brutalen Anwendung aller Sühnemaßnahmen schreiten? (Zwischenruf von rechts: „Sie würden den Krieg erklären." — Erneuter anhaltender Lärm und erregte Antwort von der Linken.) Die verschiedenen Länder hätten bewußt die verschiedenen in den Völkerbundssatzungen vorgesehenen Bestimmungen beschränkt, und bewußt hätten sie jede Gefahr eines europäischen Krieges ausschalten wollen. Keines der anderen Länder habe jemals eine andere Meinung geäußert. Um die Gefahr einer Ausdehnung des Krieges zu vermeiden, habe er vorgeschlagen, Anregungen zu machen, die zu einer friedlichen, ehrenhaften und aerechten Lösung des Streites führen könnten. (Erregte Zwischenrufe von links.) Die ganze Welt wolle den Frieden, und zugunsten des Friedens habe er gehandelt. Er würde es bedauern, wenn man in das schwerwiegende Problem, das jetzt in Genf gelöst werden müßte, Ansichten über die verschiedenen ausländischen Regime hineintragen würde. Er habe mit allen Regierungen verhandelt, die sich bereit erklärten, dem Werk des europäischen Wiederaufbaues ihren Anteil zu leihen. In der Würde Frankreichs wolle er die Sicherheit des Landes aufrechterhalten und werde eine Politik fortsetzen, von der einige gesagt hätten, daß sie nicht glänzend sei, die aber sein Gewissen befriedige, weil sie ausschließlich auf die Aufrechterhaltung des Friedens abgeftellt fei. (Anhaltender Beifall in der Mitte und auf der Rechten.) Der Radikalfozialift Pierre Cot griff den englisch-französischen Plan außerordentlich scharf an. Er warf Laval vor, durch Mißachtung der kollektiven Sicherheit die Sicherheit Frankreichs gefährdet zu haben. Der Kommunist Peri erklärte, je schneller ein Regierungswechsel eintrete, um so besser wäre es für Frankreich. L a Dal betonte, er lasse sich nicht darauf ein, unter erniedrigenden Umständen nach Genf zu gehen. Er werde in Genf keine andere Politik machen, als er sie bargelegt habe. Lieber wolle er abtreten. Er fei damit einverstanden, daß am 27. Dezember eine umfassende allgemeine außenpolitische Aussprache erfolge. Die Abstimmung 'über die Festsetzung der außenpolitischen Aussprache auf den 27. Dezember ergab 3 0 4 Stimmen für Laval und 252 gegen i h n. Die Regierung hatte die Vertrauensfrage gestellt. Zwiespältiges Echo in der presse. Paris, 18. Dez. (DNB. Funkspruch.) Die Beurteilung der Kammersitzung in der Pariser Morgenpresse ist uneinheitlich. Das Laval ergebene „Journal" schreibt, die Abstimmung bedeute d i e Billigung der Lavalschetz Politik. Auf vbiefe Weise habe die Regierung Laval seit Wiederbeginn der Parlamentssitzungen in drei Fragen den Sieg davon getragen, von denen man geglaubt hatte, daß sie ihr gefährlich werden könnten: der Nordverordnungen, der Innenpolitik und der Außenpolitik. Das „Oeuvre" zweifelt die Einmütigkeit innerhalb der Regierung Laval an. Gestern habe Laval sein eigenes Spiel gespielt. Seine Rechtfertigung habe sich weniger gegen die Linke der Kammer, als gegen einige feiner Mitarbeiter gerichtet. Herriot habe offensichtlich Zurückhaltung bewahrt und andere Kabinettsmitglieder hatten Laval nur sehr vorsichtig etwas Beifall gespendet. Der „Jour brandmarkt diese Zurückhaltung des Staatsrnmstters haus halte die Pariser Vorschläge für unannehmbar und fordere daher die Minister auf, die im September vom britischen Außenminister in Genf bezeichnete und bei den letzten Wahlen vom Lande überwältigend bekräftigte Politik wieder aufzunehmen. Es steht noch nicht fest, ob es parlamentarisch-technisch möglich sein wird, eine Abstimmung über diesen Antrag herbeizuführen. Der Parlamentsberichterftatter der „Times" glaubt, daß der Antrag, falls es darüber zu einer Abstimmung kommt, mit überwältigender Mehrheit angenommen werden wird. Die Gruppe der Nationalen Liberalen hielt am Dienstagabend eine Zusammenkunft ab, um die Lage zu erörtern. Da aber Sir John Simon am Erscheinen verhindert war, herrschte allgemeine Ratlosigkeit. Diele Mitglieder schienen entschlossen zu sein, am Donnerstag gegen bie Regierung zu stimmen, falls die Erklärungen Hoares nicht ihre Zustimmung finden. — Die sogenannte imperialistische Gruppe der konservativen Fraktion, die sich aus rechtskonservativen Ober- und Unterhausabgeordneten zusammensetzt, telegraphierte an den Ministerpräsidenten, daß sie die Bemühungen der britischen Regierung zur Lösung des italienisch-abessinischen Konflikts auf friedlichem Wege unterftüfce. Das Telegramm wurde von 37 Abgeordneten unterzeichnet. auch gestanden. Es ist eine Ironie der Geschichte, daß gerade bie Vereinigten Staaten vor achtzig Jahren die O e f f • n u n g Japans für den Verkehr mit der Außenwelt gewaltsam erzwangen und heute mit den Folgen ihres damaligen Vorgehens am meisten zu tun haben. Als der amerikanische Commodore Parry 1854 mit vier Segelschiffen, die zusammen wenig über hundert Kanonen trugen, in der Bucht von Tokio erschien, um der damaligen Schogunatsregie» rung den von Washington geforderten Handelsvertrag abzunötigen, konnte man noch mit solch einer Flottille den Stillen Ozean kreuzen und sich am andern Gestade auf alles verlassen, was die kleinen schwimmenden hölzernen Festungen mit sich trugen* Der Wind war die bewegende Kraft: Kohlendepots, Niederlagen für Del, Docks, große maschinelle Reparaturwerkstätten brauchte die einmal unter Segel gegangene Flotte nicht. Ebensowenig war Japan imstande, bewaffnete Gegenwehr zu leisten. Heute wäre das entscheidende Problem für die Amerikaner, wie sie überhaupt eine Seeschlacht in den japanischen Gewässern liefern sollen. Die Japaner würden sich hüten, die amerikanische Küste am Stillen Ozean anzugreifen. Das Streitobjekt liegt nicht in Amerika, es liegt in 0 ft a f i e n , und es ist, in der Hauptsache, das Recht auf freie wirtschaftliche Betätigung in dem Dier- hundcrtmillionenland China. Die Amerikaner haben es sich eine halbhundertjährige intensive Anstrengung kosten lassen, um materiell, aber auch geistig, in China Fuß zu fassen. Die ganze geistige Einstellung Jung-Chinas in Verfassungs-,' Wirtschafts- und Weltanschauungsfragen ist großenteils ein Werk amerikanischer Schulung in Missions- anftalten und Hochschulen auf chinesischem und amerikanischem Boden. Amerika hat seinerzeit die ganze Borerentschädigung, mehrere Hundert Millionen Mark, für amerikanisch-chinesische Schulungszwecke gestiftet. Und nun kommen die Japaner und rufen den Weißen, Amerikanern wie Europäern, kaltblütig zu: Hände weg von Ostasien, die Gelbe Rasse wird für sich selbst sorgen, und wir werden die Führenden sein! Es wäre interessant, den kulturphilosophisch-nationalen Theorien nachzugehen, die jetzt in Japan entwickelt werden, um jenen Anspruch zu begründen. Wichtiger sind aber in diesem Augenblick die geopolitischen und seestrategischen Gesichtspunkte, von denen Japan, Amerika und die Flottenkonferenz bestimmt werden. Eine moderne Flotte ist nicht mehr fähig, in großer Entfernung von ihrer Heimat- b a f i 5 zu operieren und zu schlagen, vor allem nicht gegen einen ebenbürtigen Gegner. Sie ist zu abhängig von der Versorgung mit Treibstoffen und von der Möglichkeit, beschädigte Kampfeinheiten zu retten und sich nach stärkeren Verlusten auf eine nahegelegene sichere Basis zurückzuziehen. Das könnten die Japaner jederzeit, für die Amerikaner aber find selbst die beiden Kriegshäfen von Honolulu und Manila sehr weit ab von den japanischen Küsten, an denen die Entscheidung fallen müßte. Das Grundproblem für die Amerikaner heißt: Sollen wir den ganzen o st asia tischen Markt den Japanern kampflos preisgeben, oder sollen wir äußersten Falls um seine Erhaltung Krieg führen? Auch England ist hervorragend an ihm interessiert, aber bleiben wir zunächst noch beim amerikanischjapanischen Gegensatz. Amerika braucht, wenn es das Rennen nicht von vornherein verloren geben will, offenbar eine Flotte, die stärker ist, als die japanische. Japan verwendet bereits etwa die Hälfte seiner Staatseinkünfte für seine Rüstung, aber die Drohung, die der amerikanische Vertreter, Norman Davis, eben in London ausgesprochen hat, bedeutet: Wenn ihr das Flottenwettrüsten haben wollt, so könnt ihr es haben, und wir werden e 5 länger ausha11en ! Natürlich hängt daran indirekt auch die englische Flottenstärke, und weiterhin die französische und italienische. Es ist der ungeheure geopolitische Raum des Stillen Ozeans, der diese Spannung erzeugt. Die Amerikaner haben, um seine Nachteile für sich etwas auszugleichen, die Waffe der Flugzeug- Mutterschiffe besonders entwickelt: mächtige Fahrzeuge bis zu 30 000 und mehr Tonnen, die eins große Anzahl von Bombenflugzeugen bis nahe an die japanische Küsten herantragen und feuriges Verderben auf die aus Holz gebauten japanischen Großstädte niedergehen lassen können. Japan schlägt auf der Flottenkonferenz die Abschaffung der Angriffswaffen vor, und es nennt unter diesen an erster Stelle die Flugzeug-Mutterschiffe. Natürlich find sie für die Amerikaner In erster Linie Angriffswaffen, wie denn überhaupt ein amerikanisch-japanischer Krieg formell den Ent- i schluß Amerikas zum Appell an die Waffen voraussetzt — aber, sagen die Amerikaner, ist denn bat , offenbare Streben der Japaner nach Monopolisie« । rung ganz Oftafiens kein Angriff auf lebenswichtig^ , amerikanische Interessen? Der Moment ist günstig für Japan, vor allem 'deshalb, weil England behindert ist, solange Laval verteidigt die Kriedensformel. Der Ministerpräsident geht mit einem neuen Vertrauensvotum der Kammer nach Genf Erscheint täglich, nutzer JMV A -uT W Annahme von Anzeigen Sonntags und Feiertags ▼ W ▼ für die Mtttagsnummer veilagen: Di-Illustriert. ▲ Kjk A ▲▲ ▲ A < , jAfr, A AI b.s8>/,Uhr des Vormittag, Gießener Familienblatter B WU VV W W Grundpreise für 1mm Höhe Heimat im Bild - Die Scholle B HW B BW BJT I I I V I f I I I Zlyl B B B für Anzeigen von 22 mm Monatr-Vezugspreis: ■ ■ ■ B fl ■/ B B B / | IQ WWW B Breite 7 Rpf., für Texl- Mit 4 Beilagen RM.1.95 W M ■ W W ■ ■ A JB B B B H B B anzeigen von 70 mm Bretts Ohne Illustrierte 1.80 ■ H B B IL JjsL B B W 50Rpf.,Plcchvorschrift nach Zustellgebühr.. „ -.25 ■ B B B ▼ ■ VB vorh.Dereinbg.25°/, mehr. »ÄÄ2BS Kl V 6 W Weift: infolge höherer Gewalt < < M Stellen-, Derems., gemein. General-Anzeiger für ivbecheffen KM Stanifnrt Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche UnIverfitSts Such- und Steindruckerel «.Lauge in Gietzen. Schnftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrahe 7 M-ng-nobschlüff-Staffel8 brt abessinische Konflikt dauert. Daher auch die Eile, mit der die englische Politik bemüht ist, ihn zu Ende zu bringen. Italien als afrikanische Großmacht am Südausgang des Roten Meeres könnte unter Umständen eine Hilfe für Japan gegen das naturgeforderte amerikanisch-englische Bündnis in Ostasien sein — oder ein Mittel, um England einmal zu schwerwiegenden Zugeständnissen an den italienischen Ausdehnungswillen zu nötigen. Auch Frankreichs Hartnäckigkeit im Festhalten an der Unterseebootwaffe zeigt den Willen, sich in einer starken seestrategischen' Machtposition gegenüber England zu halten. Frankreich wird so wenig zögern, wie Italien es täte, sich englischer Bindungen in Ostasien zu bedienen, um seine eignen Zwecke zu verfolgen. Es wird daher auch ohne Bedauern die Formel von der „gemeinsamen oberen Bindung" vernommen haben, die der japanische Vertreter dem amerikanischen entgegensetzte. Sie bedeutete die Forderung der Flotten Parität! Es stehen gegeneinander: Japans günstige geopolitische Position in Ostasien und der heroische Ehr- aeiz des japanischen Volks; Amerikas materielle Kraft und sein Wirtschaftswille; Englands wiedergewonnener Wille, sein Weltimperium zu verteidigen. Japan steht dabei vor der Gefahr, seine Finanzkraft zu Überspannen; Amerikas Gegner ist der unendliche ozeanische Raum zwischen den beiden pazifischen Gegenküsten; England trägt die Folgen davon, daß es in Versailles das europäische Gleichgewicht hat zerstören, Mitteleuropa hat bal- kanisieren helfen. HL. im Kampf gegen Hunger und Kälte. Ein Tagesbefehl des Reichsjugendführers. Berlin, 18. Dez. (DRB.) Mit den Standort a p p e l l e n , die in allen Teilen des Reiches und. auch in der Reichshauptstadt heute ab 19 Uhr abgehalten werden, wird die Sammelaktion der Hitlerjugend und ihrer Untergliederungen eröffnet. Der Reichsjugendführer hat aus diesem Anlaß folgenden Tagesbefehl erlassen: Mit dem heutigen Tage beginnt die Aktion der Hitlerjugend für das Winterhilfswerk des deutschen Volkes. Sie dauert bis zum 22. Dezember einschließlich. Während dieser Zeit steht Ihr alle ausnahmslos im Dien st e unserer Aktion. Ihr habt in den vergangenen Jahren bewiesen, daß Ihr immer bereit seid, wenn Ihr im Kampf gegen Hunger und Kälte gebraucht werdet! Ich erwarte von Euch, daß Ihr er st recht in diesemWin- ter mit Eurer Opferbereitschaft und Eurem Sammeleifer allen Volksgenossen ein Beispiel gebt. Die große Kameradschaft aller deutschen Jugend soll sich erneut bewähren. Vorwärts gegen Not und Zwietracht. Baldur o. Schirach. Vereidigung des attkathottfchen Bischofs. Berlin, 17. Dez. (DNB.) Der Reichs- und Preußische Minister für die kirchlichen Angelegenheiten Pg. K e r r l empfing den Bischof der Altkatholiken des Deutschen Reiches, Erwin Kreuzer, aur Entgegennahme seines Eides. Dem feierlichen Akt wohnten Ministerialdirigent von Detten, Gerichtsassessor H a u a g , Pfarrer Dr. B u ch t a und Pfarrer H ü t w o h l bei. An dem zwangslofen Beisammensein, das sich der Vereidigung anschloß, nahm auch Reichsminister Dr. Frank teil. Der Vereidigung kommt insofern eine besondere Bedeutung zu, als es z u m ersten Mal seit 60 Jahren der Fall ist, daß der Bischof der Altkatholiken Deutschlands von einem Reichsminister vereidigt wird. Vor der Eidesleistung hielt Bischof Erwin Kreuzer eine Ansprache, die in einem eindrucksvollen Bekenntnis zum Führer gipfelte und in der er u. a. folgendes ausführte: Unsere Kirche wurzelt tm Evangelium Christi und im Erbgut des alten Katholizismus, sie fühlt sich aber zugleich verwachsen mit dem, was durch das Dritte Reich in unserem deutschen Volke werden und erstarken soll, der Volksgemeinschaft, die alle Glieder und Bekenntnisse unseres Volkes umfassen soll. So darf ich als Bischof meiner Kirche dieses Dritte Reich in herzlichster Hingabe begrüßen. Wir danken ihm, daß es auch die Besonderheit unserer kleinen Minderheit achtet. Was an mir liegt, wird es mein ernstestes Streben sein, die Verpflichtung der Volksverbundenheit und die Treue zum Staate und seinem Führer in allen ihren Gliedern wachzuhalten, zu hegen und zu pflegen. So gedenke ich in dankbarer Verehrung in dieser bedeutungsvollen Stunde, in der ich ihm ohne Rückhalt den Eid der Treue ablege, des Mannes, der dieses Dritte Reich heraufführte: Ich grüße den Führer. Der Minister antwortete u. a.: Mit Befriedigung darf ich feststellen, daß die Haltung der altkatholischen Volksgenossen in ihrer geistlichen Leitung zu Staat und Partei bisher stets eine rückhaltlos bejahende war, daß dieses Verhältnis keinerlei Trübung aufweist und wohl auch in Zukunft nicht ausweifen wird, da sich die altkatholische Kirche nach ihrer Versicherung, Herr Bischof, dem Volkstum und dem neuen Staat besonders verbunden fühlt. In dieser Verbundenheit erblicke ich die beste Bürgschaft für ein gedeihliches Zusammenarbeiten der staatlichen und kirchlichen Gewalten. Die nationalsozialistische Bewegung, die, wie ich in dieser feierlichen Stunde mit besonderem Nachdruck betone, auf dem Boden des positiven Christentumes steht, hat für den Altkatholizismus eine große innere Bedeutung. Derjenigen Kirche, die innerhalb des universellen Christentumes d i e menschlichen und völkischen Interessen am besten zu verbinden weiß, gehört die Zukunft. Wenn Sie, Herr Bischof, in diesem Geiste Ihres hohen verantwortungsvollen Amtes walten und die Treue zum neuen Staate auch unter Ihren Geistlichen und Ihren Gläubigen pflegen und fördern, dann dürfen Sie von mir die Versicherung entgegennehmen, daß die deutsche Reichsregierung der altkatholischen Kirche jederzeit Schutz und Förderung gewähren wird. Sühne für einen Marxistenüberfall in Breslau 1933. Breslau, 17. Dez. (DNB.) Das schlesische Sondergericht verurteilte den schwer vorbestraften Angeklagten Erich G o t t s ch l i n g, die Angeklagten Fritz Hentschel und Arthur Langer wegen Mittäterschaft am schweren Landfriedensbruch und Totschlags sowie die Angeklagten Luise Dominik und Richard Dominik wegen Beihilfe. Es erhielt Gottschling 15 Jahre, Hentschel sechs Jahre, Langer acht Jahre Zuchthaus, jeder auch zehn Jahre Ehrenrechtsverlust, Luise Dominik und Richard Do- Weihnachten in aller Wett. Was unsere Auslands-Berichterstatter von fremden Gitten zu erzählen wissen. „Hundert verschiedene Sitten"— meldet Neuyork. H. W. v.D. Neuyork. Weihnachten in Neuyork beschreiben zu wollen, ist fast unmöglich. Nicht deshalb, weil es hier vielleicht kein Weihnachten gibt, sondern weil es durch hundert verschiedene Sitten gefeiert wird. In diesem „Schmelztiegel" aller Nationen und Rassen feiert der Amerikaner deutscher Abstammung im Kreise seiner Familie sein Weihnachten auf deutsche Art, der Schwede, der Engländer, Italiener oder Russe das (einige auf seine eigene Weise. Und nur neben diesen häuslichen Feiern gibt es, besonders natürlich für solche Bindestrich-Amerikaner, deren Religion oder Stammland kein Weihnachtsfest kennt, auf den Avenues und den Vergnügungszentren am Broadway, am Union-Square und am Columbus- Circle, wo die Stadtverwaltung riesige Tannenbäume aufgebaut hat, ausgelassene und sehr weltliche Feiern, die eine Mischung von Karneval, Neujahr und eben — Broadway sind. Dort staut sich die Menge vor überfüllten Restaurants, Theatern und Tanzdielen. Auf den von Lichtreklamen grellerleuchteten Straßen läßt sie Tausende von Luftballons auffliegen, kümmert sich weder um den wahnsinnigen Autoverkehr noch um die erschütternde Armut im nächsten Häuserblock und macht mit natürlichen oder künstlichen Instrumenten einen ebensolchen Krach, wie er am Kurfürstendamm oder am Picadilly-Zirkus in der Silvesternacht herrscht. Wenn auch Neuyork durch seine Art, Weihnachten zu „feiern", nur erneut beweist, daß es eine Welt für sich ist, so bildet sich doch anderseits — langsam aber stetig — im übrigen Amerika der Typ eines Weihnachtsfestes heraus, der eine gute Mischung der deutschen und englischen Feier ist, und bei dem der Kirchgang, der Tannenbaum, der Austausch von Geschenken und der Festschmaus im Familienkreise die Hauptrolle spielen, wobei natürlich persönlichem Geschmack und örtlichen Sitten weitester Spielraum gelassen ist. Angeregt durch die vielen Einflüsse in einem Siedlungslande wie den USA. haben sich hingegen Bräuche eingebürgert, deren Ursprung nicht immer einwandfrei nachzuweisen ist, die aber vielleicht gerade deshalb geeignet sind, den Reiz des Weihnachtsfestes zu erhöhen. Es sei nur an die schöne Sitte erinnert, in den Vorgarten seines Hauses Tannenbäume zu pflanzen und sie an den Weihnachtsabenden mit elektrischen Kerzen zu erleuchten; an den Brauch, armen Kindern, die, wie in Deutschland am Nikolaus-Tag, in Phantasiekostümen singend von Haus zu Haus zu ziehen, freundliche Gaben zu machen, und an das Uebersenden einer besonderen Weihnachtsblume, der „Poinsettas", an Freunde und Bekannte. „Stille Nacht" auf Chinesisch bei 42 Grad Hitze. H. T. — Dairen. Ist es nicht „paradox", wenn chinesische Schulkinder bei 42 Grad Hitze, derweil die Sonne im Zenith steht, im tobenden Lärm der Chinesenstadt „Stille Nacht, heilige Nacht" singen? Und zwar auf chinesisch, aber nach der wohlbekannten deutschen Melodie. So geschehen — im August dieses Jahres in Port-Arthur, der großen Festung am Gelben Meer! Und was außerdem „paradox" ist? — Wenn der Herr Hauptschriftleiter von seinem geplagten, 13 000 Kilometer entfernten Mandschurei-Korrespondenten einen Beitrag über „Weihnachten in Mandschukuo" erbittet, mit dem Hinzufügen, daß dieser Bericht rechtzeitig vor dem Fest in seinen Händen sein müsse, damit er ihn noch in der Weihnachtsausgabe unterbringen könne. Da nun der besagte geplagte Mandschurei-Chronist auch hier draußen nur Feste schildern kann, die stattgefunden haben, sieht er sich vor eine unlösbare Aufgabe stellt! Dies um so mehr, als besagter Chronist selber noch nicht einmal weiß, ob und wie er dieses Fest hier draußen begehen wird! Denn er braucht dazu mindestens einen Tannenbaum — bisher hat er auf seinen vielen Reisen noch nirgends ein solches Bäumchen zu erblicken vermocht. Vielleicht gibt es welche in Mandschukuo, aber wer handelt hier mit Tannenbäumen? Und vor allem mit den vielen netten Dingern, die auf so einen Baum draufgehören? Glaskugeln? Flitter? Auch die Lichterfrage will überlegt sein, vor allem das Problem der Lichthalter. Nur 26 Deutsche wohnen zum Beispiel in der Halbmillionenstadt Dairen. Aber ich glaube nicht, daß der Posten „Weihnachtsartikel und Christbaumschmuck" in der japanischen Jmport- statistik eine besondere Rolle spielt. Wie also soll der Chronist das Weihnachtsfest in Mandschukuo begehen? Zur Stunde weiß er es noch nicht — aber er wird es aenau am 25. Dezember wissen, und dann ist es für die „Weihnachtsnummer" zu spät! Im Interesse seiner schönen Leser und seiner noch schöneren Leserinnen beklagt er diese bedauerliche Tatsache. Er tröstet sich aber mit dem Gedanken, des aufrichtigen Mitgefühls aller sicher zu sein, denen daheim im Angesicht des Tannenbaums dieser etwas trübselige Bericht vom Ende der Welt in die Finger gerät und die dabei sicherlich alle jener Deutschen gedenken werden, die sich hier draußen über die Frage: „Wo kauf ich mir einen Tannenbaum?" den Kopf zerbrechen — von anderen Sorgen ganz zu schweigen! Mitternachtsmette am Tauernpatz. Dr. A. Wien. Uraltes geheiligtes Brauchtum in den Alpenländern Oesterreichs ist die Mitternachtsmette. Wem es einmal vergönnt war, den Gang der Bauern zur Mitternachtsmette mit anzusehen, wird die eigenartige Feierlichkeit und die in diesem Brauchtum so deutlich zum Ausdruck kommende Symbolik nie mehr vergessen. Zuerst sammeln sich die Bauern der entlegenen Gehöfte bei jenem Nachbarn, von dem der kürzeste Weg zum Dorf, zur Kirche führt. Dann, wenn der Zeiger rückt, werden die Fackeln entzündet und durch den von Rauhreif blinkenden Wald, durch den Schnee der Mulden und Hänge bewegt sich der gespenstische Zug. Einer hinter dem andern, Schritt für Schritt, wie es der Aelpler Brauch ist, von dem flackernden Licht der Fackeln überglänzt, der Kirche zu... Sobald sie dort anlangen, wird das Kirchentor weit geöffnet. Der Strahl von hundert und auch mehr Kerzen brandet ihnen entgegen, und aus der finsteren Nacht, die sie umhüllt hat, tasten sie sich in den Raum des Lichts. Wenn die kirchlichen Zeremonien vorüber sind, treten die Bauern noch nicht den Heimweg an. Sie warten, bis es Tag wird, und erst im strahlenden Glanz der frühen Christtagssonne stapfen sie über den gleißenden Schnee in ihre Berge, in ihre Wälder. In diesem Gang zur Mitternachtsmette mit seinem Beginn zur Nachtzeit, seinem Harren auf das Helle, seiner Heimkehr bei Sonnenlicht, liegt nichts anderes beschlossen — kein geringerer als der steirische Dichter Peter Rosegger hat es in einer kleinen Novelle wunderschön herausgearbeitet — als die Sehnsucht des Bauern nach Wärme und Licht, nach der schöpfenden Zeugungskraft der Sonne. Noch mehr; es liegt der faustische Drang unseres Volkes darin, dieses Streben aus der Dunkelheit der Wissensqual zu den strahlenden Höhen der Erkenntnis. Eine besondere Christnachts-Mette wird auf dem uralten Tauernpaß abgehalten. Hier wird aller Wanderer gedacht, die seit Menschengedenken über diesen wichttgen Paß vom Norden nach dem Süden zogen und in den wilden Stürmen des Hochgebirges ihr Ziel nicht erreichten. Ihre Grabhügel sind vor dem Tor der Kirche aufgehäuft. Dieser Symbolismus des Dranges zum Licht kommt gerade hier besonders klar zum Ausdruck. Denn die Opfer, die da von dem ewigen Jochwind der Tauernberge um» fpielt ihren ewigen Schlaf schlafen, sie waren ja im Grunde nichts anderes als die Opfer jener geheimen Sehnsucht, der die Deutschen immer wieder aus dem rauhen Norden in die Länder des Südens trieb. Freilich, ein neues Geschlecht hat uns wissen gelehrt, daß die Sonne nirgends heißer und schöner brennt, im tiefften Winter vor allem, als auf den Gipfeln der Berge. Und während einst nur Säumer, Förster und Jäger dieser Mitternachtsmesse am Tauernpaß beiwohnten — heute ist es die Mannschaft der Skijugend, die uns verkündet, daß wir die Erfüllung unserer Sehnsucht nicht mehr in phantastischen Ländern, weiß wo in der Welt, sondern in uns und in unserer Kraft suchen sollen. plumpuddmg und Mstelzivrig. Koe. — London. Ein Deutscher, der zur Weihnachtszeit in England weilt, wird manches vermissen, was ihm in der Heimat an diesem Fest der Festö>lieb und wert ist. Vor allem die Natur hat es in dieser Beziehung schlecht mit den Engländern gemeint: Ein Christfest mit Schnee ist eine Seltenheit, die man schon seit vielen Jahren nicht mehr kennt. Früher, so erzählen alte Leute, soll es anders gewesen sein. Und doch feiert auch der Engländer seine Weihnacht als das größte und bedeutendste Fest im ganzen Jahre. Die Weihnachtsbräuche stellen eine seltsame, aber aus der Rassengeschichte Englands leicht erklärbare Vermengung nordisch-germanischer und romanischer Ueberlieferungen dar. Wie in Deutschland ist „Christmas" ein Fest der Familie, an dem sich die Familienmitglieder und Verwandten unter dem elterlichen Dach vereinigen. Am Weihnachtsabend sucht jedes Kind nach dem größten Strumpf, den es finden kann und hängt ihm am Fußende seines Bettes auf. Dann, wenn das Kind schläft, zieht „Father Christmas" oder Sankt Niklaus auf einem von Renntieren gezogenen Schlitten durch die Lüfte, rutscht durch die Kamine hinunter und füllt die Strümpfe mit Geschenken. Vor hundert Jahren kannte man noch keinen Christbaum in England. Erst der deutschstämmige Prinzregent Albert, der Gemahl der Königin Victoria, verpflanzte diese herrliche Sitte nach England. Sie hat Jahr für Jahr festeren Fuß gefaßt, vor allem beim englischen Bürgertum, wo der Weihnachtsbaum heute beinahe so unentbehrlich ist wie in Deutschland. Ja, selbst in den letzten Jahren hat man eine stetige Weiterverbreitung der Christbaumsitte feststellen können. Zum erstenmal wird in diesem Jahre ein riesiger, lichtergeschmückter Weihnachtsbaum vor dem Eingangsportal der mächtigen St.- Pauls-Kathedrale ausgestellt.- Am Weihnachtsabend ist der Platz vor der Kathedrale dichtgefüllt, und Tausende von Menschen fingen gemeinsam unter freiem Himmel Weihnachtsgesänge. Auch das Aufstellen von Weihnachtsbäumen in Bahnhofshallen und großen Gaststätten ist in den allerletzten Jahren in England nachgeahmt worden. Typisch englische Bräuche sind der Christmas- Pudding und der Weihnachts-Truthahn, der in keiner Familie fehlen darf. Der berühmte Plumpud- ding wird oft ein ganzes Jahr vorher hergestellt, denn er ist unverwüstlich. Mit Rum wird er übergossen und brennend auf den Tisch gebracht. Alle möglichen Gegenstände, die eine besondere Bedeutung haben, sind in den Pudding hineingebacken. Der Esser, der in seinem Stück einen Ring findet, wird sich als erster verheiraten, ein kleines Geldstück bedeutet Reichtum. Wer einen Knopf bekommt, bleibt Junggeselle. Riesige Plumpuddings von der Größe eines Feldkessels werden jährlich vom Oberbürgermeister ober anderen hohen Persönlichkeiten unter feierlichem Zeremoniell angeschnitten und unter die arme Bevölkerung verteilt. Eine alte nordische Sitte ist das „Hineinbringen des Jul-Klotzes" (vom alten Julfest). Ein besonders ausgewählter Holzklotz, mit Zweigen der Stechpalme geschmückt, wird feierlich ins Zimmer gebracht und auf das offene Feuer gelegt. Heute, im Zeitalter der elektrischen und der Gasfeuer ist diese Sitte allerdings nur noch selten zu finden. Auf dem englischen Land ilt die schöne Sitte verbreitet, daß die Kinder in den Tagen um Weihnacht herum von Haus zu Haus ziehen und alte Weihnachtslieder fingen. Sie werden von den Hausbesitzern eingeladen zu Trank und Speise ober bekommen Penny-Stücke. Gleichzeitig finb bie Tage unb Wochen vor und nach Weihnachten für den Engländer eine Art Karnevals-Saison. Besonders am zweiten Weihnachtstag, dem sogenannten „Boxing day“, strömen jung und alt in die Hotels und Gaststätten im Smoking oder im Kostüm, und vergnügen sich in ausgelassen» ter Weise bei Tanz und Getränken, mit Luftschlangen, Krachern, Konfetti und anderen karnevalisti- chen Instrumenten. An allen möglichen und unmöglichen Stellen sind Mistelzweige angebracht — eine äußerst volkstümliche Sitte, denn wer sich unter einer Mistel befindet, darf jeden und jede nach Herzenslust küssen! Viele Wohnungen werden vom Keller bis zum Dach mit bunten Papieren, Lampions und Fichtenzweigen geschmückt, um die frohe Fastnachtsstimmung zu betonen. Sehr beliebt sind die verschiedensten heiteren Gesellschaftsspiele nach dem Weihnachtsschmaus. Besonders in Nordengland verbreitet ist das Spiel „Snap-Dragons" (Schnapp-Drachen), bei dem es gilt, aus einer mit brennenden Rum gefüllten Schüssel Rosinen und gedörrte Pflaumen mit den Fingern herauszuschnappen. So ist Weihnachten im heutigen England teils ein Fest der Familie, teils eine Zelt froher Gesellschaftlichkeit und farbenbunten Rummels. reoolution versuchen hier immer wieder, den N a - minik je zwei Jahre Zuchthaus und je fünf Jahre Ehrverlust. Die Untersuchungshaft wird den Verurteilten nicht angerechnet, da sie dis zum letzten Augenblick geleugnet haben. Dem ' Prozeß lag der Marxistenüberfall auf drei SA. -Männer in Breslau am 5. Februar 1933 zu Grunde. Dabei war der 20jährige Sturmführer Martin D e m m i g durch Messerstiche so schwer verletzt worden, daß er nach schwerem Krankenlager st a r b. Der SA.-Mann K o l l o ch wurde ebenfalls verwundet. Er starb 1934, doch ließ sich nickst feststellen, ob sein Tod mit den Verletzungen zusammenhing. Ein weiterer Verletzter ist wiedergergestellt worden. Der Staatsanwalt erklärte bei der Begründung der Strafanträge, er habe die Todesstrafe gegen Gottschling nicht beantragt, da nicht voll erwiesen sei, daß Gottschling die tödlichen Stiche ausgeführt habe. Der Vorsitzende hob in feiner Urteilsbegründung hervor, daß nach den Vorstrafen Gottschlings diesem durchaus zu- autrauen fei, daß er die tödlichen Stiche ausgeführt habe. Oer erste Fall von Baffenschändung vor einem Berliner Gericht. Berlin, 17. Dez. (DNB.) Zum erstenmal vor den Berliner Gerichten kam ein Fall von Rassenschändung zur Verhandlung. Die Anklage richtete sich gegen den 43jährigen Juden Otto Jaffe, dem aur Last gelegt wurde, nach Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre mit einer deutschblütigen Frau rasse- schänderisch verkehrt zu haben. Der Angeklagte lebte mit dieser Frau, die er etwa schon fünf Jahre kannte, feit Beginn dieses Jahres in wilder Ehe in einer gemeinsamen Wohnung. Der Verbindung war ein jetzt 9 Monate altes Kind entsprossen. Der Staatsanwalt erklärte, der vorliegende Fall recht- artige eine mildere Beurteilung, da das Verhältnis bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes bestanden habe. Die volle Schärfe des Gesetzes und damit eine fühlbare Zuchthausstrafe werde aber alle diejenigen treffen, die nach Erlaß der Bestimmungen noch ein raffen« schänderisches Verhältnis begonnen haben. Das Gericht erkannte antragsgemäß wegen Zuwiderhandlung gegen § 2 des Gesetzes zum Schutze der deutschen Ehre und des deutschen Blutes auf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis bei Sofortiger Verhaftung des Angeklagten. Moskau wühlt in Palästina. Kommunistische Agitation unter den Arabern und Juden. Jerusalem, 17. Dez. (DNB.) In Palä - stina ist unter Arabern und Juden in letzter Zeit eine verstärkte kommunistische Propaganda wahrzunehmen, die alle sich bietenden Gelegenheiten zum Anlaß für ihre gewissenlose Hetze nimmt. Vor allem die Erregung, die unter den national gesinnten Arabern wegen der vor kurzem erfolgten Erschießung der Führer der Sekte der sogenannten „aufständischen Scheichs" herrscht, wird in jeder Weise ausgenutzt. Man versucht, die Erschossenen zu Märtyrern zu stempeln unb ben arabischen W id e r st a n d gegen bie Manbatsregierung unb bie englische Z i o n i st e n p o l i t i k immer roieber zu entfachen. Nach polizeilichen Ermittlungen, in bereu Verlauf zahlreiche kommunistische Araber verhaftet würben, haben bie Kommunisten bie Absicht, bie arabische Gebenkfeier am 5. Januar in Haifa in großem Umfange für ihre Zwecke auszuwerten. Diese Vorfälle finb kennzeichnen!) für bas Vorgehen ber Sowjets im Nahen Osten. Die Derkünber ber roten Weltker geschickt zu förbern, um auf biefe Weise kommunistische Sympathien zu wecken unb so den Kampf aegen England mit Unterstützung dieser Kreise zu führen. Mexiko gegen Calles. Der ehemalige Präsident umstürzlerischer Pläne bezichtigt. Mexiko (Stadt), 17. Dez. (DNB.) Nach der Rückkehr des früheren sozialistischen Staatspräsidenten, General Calles, ist es zu einer Beunruhigung in Mexiko gekommen. Die mexikanische Regierung ist scharf gegen die Anhänger von Calles oorgegangen. Die Absetzung der Gouverneure der Staaten Guanajuato, Durango, Sinaloa und Sonora hat der Senat noch Montagabend beschlossen. Die Gouverneure sind Anhänger von Calles. Gleichzeitig beschloß ber Senat, ben Staatspräsi- benten Carbenas aufzufordern, Calles aus bem Heere auszu stoßen. Carbenas setzt bie» jenigen Regierungsbeamten, bie einer Anhängerschaft an Calles verbächtig finb, überall im Lanbe ab. Die Elektrizitätsarbeiter haben ben Generalstreik für ben Fall angefünbigt, daß Calles nicht bis zum 31. Dezember das Land verlassen hat. In' Monterrey im Staate Nuevo Leon drangen Bewaffnete in das Rathaus und setzten die Stadtverwaltung ab, die sich aus Anhängern Calles zusammensetzt. General Garrido Alfaro hat beim Generalstaatsanwalt gegen Calles Anklage wegen umstürzlerischer Pläne erhoben. Zwei Mittelsmänner Calles' hätten ihn aufgefordert, an dem Sturz der Regierung mitzuwirken. Die Mittelsmänner hätten ihm ferner mitgeteilt, daß in einigen Banken von Neuyork 10 Millionen Dollar hinterlegt feien, mit denen der Umsturz finanziert wer- . , —------,----den solle. Das „Nattonal-Comitte für proletarische 11 o n a It s m u s der orientalischen 23 ö I * Verteidigung" hat die Bevölkerung zu einer Lund* gebung aufgerufen. Die Kundgebung steht unter dem Schlagwort „Gegen Calles und für Cardenas . In dem Aufruf wird gleichzeitig die Säuberung der Behörden von calliftischen und katholischen Elernen- zen gefordert. Neue Maßnahmen gegen die Heimattreuen von Eupen-Malme-y. Brüssel, 17. Dez. (DNB.) Nach den gestern erfolgten Ausweisungen der vier im Lütticher Ausbürgerungsprozeß verurteilten Heimattreuen Malrnedyer ist am Dienstag in Malmedy ein neuer Schlag gegen die Betroffenen erfolgt. Am Vormittag erschien im Gebäude des L a n d b o t e n", des Organs der Heimattreuen Bewegung in Malmedy, dessen Besitzer Josef De- h o t t a y ist, ein Gerichtsvollzieher in Begleitung von vier Gendarmen und beschlagnahmte das ganze Mobiliar und Inventar einschl. der sechs Maschinen. Gleichzeitig wurden auch in den Wohnungen der vier Ausgewiesenen Pfändungen vorgenommen. Die Maßnahme erfolgte unter der Angabe, Steuer- be träge sicherzustellen. Die Benutzung der Maschinen wurde zunächst verboten, um eine „Verringerung ihres Nutzwertes" zu verhindern. Später wurde diese Maßnahme wieder aufgehoben. Die Pfändungen sind jedoch aufrechterhalten worden. Auch die NSKOV. wird für bat WHW. sammeln. Berlin, 18. Dez. (DNB.) Am er st en Sonntag des neuen Jahres, am 5. Januar 1936, werden im ganzen Reich die in der NSKOV. zusammengeschlossenen 1 400 000 Frontsoldaten und Kriegsopfer und die Hinterbliebenen für das WHW. sammeln. Sie werden damit erneut zum Ausdruck bringen, daß sie in vorderster Linie stehen wollen, wenn es um die Belange der Gesamtheit geht, diesmal im Kampf gegen Hunger und Kälte. Am Vorabend des 5. Januar finden im ganzen Reich große Appelle der NSKOV. statt. Kleine politische Nachrichten. Der Reichsarbeitsminister hat gemeinsam mit dem Reichsminister des Innern und dem Reichsminister der Finanzen wie in den Vorjahren den Ländern zur Verteilung an die Kleinrentner 2,8 Millionen Mark zur Verfügung gestellt. Die Auszahlung soll möglichst bald erfolgen. Der Führer und Oberste Befehlshaber der Wehrmacht Adolf Hitler hat mit Wirkung vom 1. Dezember 1935 den Befehlshaber im Luftkreis II Berlin, Generalleutnant Kaupifch, zum General der Flieger und den Kommandeur der Fliegerschule, Oberst Christiansen, zum Generalmajor befördert. Ferner ist dem Kommandeur der Luft- kreisschule II Berlin, Generalmajor Wilberg, der Charakter als Generalleutnant verliehen worden. Der polnische Sejm hat das Gesetz über die Ratifizierung des deutsch-polnischen Wirtschaftsvertrages angenommen. Der preußische Ministerpräsident hat dem Staatssekretär im Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern, G r a u e r t, zum Vorsitzenden der Prüfungskommission für höhere Verwaltungsbeamte ernannt. Die Ausbildung der Regierungsreferendare in Preußen, die im Zuge des Neuaufbaues der Verwaltung eingestellt worden sind, ist abgeschlossen. Die ersten werden sich im Januar ihrer Regierungsassessorenprüfung unterziehen. In Paris ist die erste Nummer der „Deutschen Zeitung in Frankreich" (DZF.) als Blatt der in Frankreich ansässigen Reichsdeutschen und als Nachrichten- und Mitteilungsorgan der deutschen Vereine und Verbände erschienen. Die DZF. soll bald als Wochenzeitung herausgegeben werden. Der bisherige Berliner Vertreter der Kopenhagener Zeitung „P o l i t i k e n", der dänische Jude Thorwald Steinthal, ist aus dem Reichsgebiet kurzfristig ausgewiesen worden. Steinthal hat durch fortgesetzte unwahre und gehässige Berichterstattung an seine Zeitung die Interessen des Deutschen Reiches wiederholt schwer geschädigt und die Pflichten des Gast- rechtes, das ihm in Deutschland seit Jahren gewährt wurde, auss gröbste verletzt. Das Direktorium des Memelgebietes hat die von dem Direktorium Bruvelaitis erlassene Verordnung über den Erwerb der Eigenschaft als Bürger des Memelgebietes aufgehoben und damit die früheren Bestimmungen wieder in vollem Umfang in Kraft gesetzt. Die Verordnung von Bruvelaitis, die im Zusammenhang mit der Wahl des Memelländischen Landtags erlassen wurde, sah für die Einbürgerungen außerordentliche Erleichterungen vor, so daß der willkürlichen Einbürgerung Tür und Tor geöffnet waren. Der frühere Direktor der bulgarischen Landespolizei Ratscheff wurde bei seiner Rückkehr von Belgrad auf dem Bahnhof von Sofia verhaftet. Ratscheff verließ nach dem Sturz der Regierung Georgiefs Bulgarien. Er ist in die am 2. Oktober aufgedeckte Militärverschwörung verwickelt. Er hatte die Aufforderung, sich dem Militärgericht zu stellen, abgelehnt. Seine Rückkehr am Tag vor dem Beginn des großen Prozesses gegen die Teilnehmer an der Militärverschwörung kam daher überraschend. * Der griechische Ministerpräsident Demerdzis teilte nach einem Besuch beim König mit, daß der König der Auflösung der Nationalversammlung zugestimmt habe. Die Neuwahlen sollen am 26. Januar auf Grund des Verhältniswahlsystems vorgenommen werden. Die neue Kammer wird am 12. März zusammentreten. Aus aller Welt. Elf Arbeitsdienstlager erhalten die Hamen der Schillfchen Offiziere. Die Reichsarbeitsführung hat angeordnet, daß elf Arbeitsdienstlager in Westdeutschland die Namen der elf Schillfchen Offiziere tragen sollen, die in Wesel auf Befehl Napoleons erschossen wurden. Diese Lager befinden sich zum größten Teil auf der linken Niederrheinseite. Zwei liegen rechtsrheinisch in der Umgebung W e - s e l s und eins im E m s l a n d. Die Stadtverwaltung Wesel schenkte ihnen je drei Nachbildungen der bekannten Heringschen Gemälde, die die „Verkündung des Todesurteils", den „Letzten Gang" und die „Erschießung" darstellen. In der Verwaltung der Gruppe 210 (Tanten) wird außerdem noch ein großes Schill-Bild aufgehängt werden. D-5ug Prag—Wien entgleist. Der Schnellzug, der in Brünn um 20.40 Uhr nach Wien abfährt, ist in der Nähe der Station Branowitz auf halbem Wege nach Lundenburg aus noch nicht geklärter Ursache entgleist. Die Maschine sprang aus den Gleisen und stürzte um, ebenso der Gepäckwagen und drei Personenwagen. Der Lokomotivführer wurde auf der Stelle g e - tötet. Bisher werden etwa 30 Personen als verletzt gemeldet, darunter jedoch keine schwer. Der Sachschaden ist groß. Die Strecke ist auf etwa 18 Stunden gesperrt. Der Verkehr von Prag nach Wien wird über Böhmisch-Trübau-Prerau aufrechterhalten. 26 Todesopfer im Schneesiurm auf Island. Nach den aus Reykjavik eingegangenen Meldungen sind bei dem Schnee st urm, der in den letzten Tagen über einem Teil von Island wütete, 26 Menschen ums Leben gekommen. Davon fielen 20 der See zum Opfer, sechs sind erfroren. Riesiger Goldklumpen im Ural gefunden. Die Telegraphenagentur der Sowjetunion teilt mit, daß in den Goldgruben im Uralgebiet ein Goldklumpen im Gewicht von 13,787 kg aufgefunden worden ist. Ein unfreiwilliges Tinlenbad. Ein merkwürdiger Unfall, der der Komik nicht entbehrt, hat sich in Kopenhagen ereignet. Ein vierjähriges Mädchen, das mit seinem 2jährigen Schwesterchen im Hofe des elterlichen Hauses spielte, fiel durch eine Fensterscheibe in die Werkstatt eines Tintenfabrikanten hinein, geradewegs in einen unter dem Fenster stehenden Bottich mit hundert Liter Tinte. Ein junger Mann, der den Unfall beobachtet hatte, eilte in die Werkstatt hinunter und kam gerade zurecht, um zu sehen, wie zwei kleine Hände sich an den Rand des Bottichs klammerten und gleich darauf ein kleiner Negerkopf auftauchte. Der junge Mann trug das Mädchen auf Armlänge vor sich haltend, zu seinen Eltern, wobei er auf dem ganzen Wege eine Tintenfpur hinterließ. Da das Kind sich bei dem Sturz einige Schnittwunden im Gesicht zugezogen hatte, wurde es in ein Krankenhaus gebracht. Dort stellte sich heraus, daß es nicht nur im Gesicht, sondern am ganzen Körper schwarz von Tinte war, so daß der Säuberungsprozeß längere Zeit in Anspruch nahm. Bei Sprengarbeiten unter Tage verunglückt. Im Untertagebetrieb der Grube „Prinzenstein" zwischen St. Goar und Hirzenach am Rhein ereignete sich ein Unglücksfall, dem ein blühendes Menschenleben zum Opfer fiel. Bei Sprengarbeiten wurden auf bis jetzt noch nicht einwandfrei geklärte Art und Weife der 24jährige Lehrhauer Erich Richter aus Norath getötet und der Bergmann Anton M a l l m a n n aus Trarbach schwer verletzt. Ein Bucheinband aus massivem Silber. In der Werkstatt einer Kasseler Juwelierfirma wurde ein Bucheinband aus massivem Silber hergestellt. Der Buchdeckel ist 32X22 cm groß und weift ein Gewicht von 3000 Gramm Silber auf. Ganz besonders kunstvoll ist die Gravierarbeit, die sich auf beiden Deckelteilen befindet. Auf der Vorderseite wurde die erste Lokomotive in Gesellschaft mit der neuesten Stromlinienmaschine dargestellt, während die Rückseite ein Lastkraftwagen! neuesten Modells ziert. Der Bucheinband wurde im Auftrage der Firma Henschel & Sohn berge« stellt. Er soll eine besonders kostbare Ausfertigung der Geschichte des Hauses Henschel aufnehmen, die Herrn Oskar Henschel anläßlich des kürzlich gefeierten Firmenjubiläums zur Erinnerung gewidmet wurde. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Der Hauptteil des gestern im Kanalausgang lie« genben Wirbels ist zum Mittelmeer gezogen, eine stärkere Teilstörung jedoch nach Mitteldeutschland. Demgemäß kamen wir am Dienstag zunächst in den Bereich einer feucht-milden Luftströmung, die Anlaß zu verbreiteten Niederschlägen (im Gebirge Schnee, in den Niederungen meist Regen) gab. lieber Nacht drangen jedoch unter heftigem Druckanstieg bereits kältere polarmaritime Luftmassen ein, die vorübergehend zum Aufbau eines Zwischenhochs führen, später muß mit dem Eingreifen der bei Irland erkennbaren neuen Störungen gerechnet werden. Aussichten für Donnerstag: Nach meist heiterer und recht kalter Nacht Bewölkungszunahme und später auch Niederschlagsneigung, Temperaturen bei 0 Grad, veränderliche Winde. Aussichten für Freitag: Einzelheiten noch nicht absehbar, doch wahrscheinlich wieder unbeständiges Wetter, Temperaturen um 0 Grad. Lufttemperaturen am 17. Dezember: mittags 1,8 Grad Celsius, am 17. Dezember: abends 1,2 Grad, am 18. Dezember: morgens 0,9 Grad; Maximum 1,9 Grad, Minimum —1,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe am 17. Dezember: abends 0,9 Grad, am 18. Dezember: morgens 0,9 Grad, Niederschläge 2,4 Millimeter. Mntersporl-Wetternachrichten. Vogelsbera. Hoherodskopf: bewölkt, —5 Grad, 40 cm Gesamtschneehöhe, Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut. Hochwaldhausen: bewölkt, — 3 Grad, 40 cm Gesamtschneehöhe, 2 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut. Rhön. Wasserkuppe: Nebel, —5 Grad, 37 cm Gesamtschneehöhe, 8 cm Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut. Taunus, Kleiner Feldberg: Nebel, —4 Grad, 20 Zentimeter Gesamtschneehöhe, 2 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut. Großer Feldberg: Nebel, —5 Grad, 20 Zentimeter Gesamtschneehöhe, kein Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut. Schwarzwald, Feldberg: Schneefall, —5 Grad, 125 Zentimeter Gesamtschneehöhe, 15 Zentimeter Neuschnee, Pulverschnee, Ski und Rodel gut. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. 2). 21. XI. 35: 11030. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf.» mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. sparen jetzt dCr Win‘erstaffelung, ZYLINDER 4 Hiri ^ndpreis. . . Preisnurbisj4 1.35 «mousine RM 3600 RM3384 RM~2J6 •“mousineu.Cabr.tim ;• rm2500 1^Ll_RM2350 __C,L" Händler I S pr? 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RÜSSELSHEIM AM MAIN | Unverbindliche Probefahrten: Motorwagen -Verkauf SgCSellSChaft HL b. H. Frankfurter Strafte 51 - Telephon Nr. 284» GaWrleversammlung des Kreises Gießen. Die Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und B e- herbergungsge w e rbe, Kreisgruppe Gießen, hielt am gestrigen Dienstagnachmittag in Gießen im Katholischen Lercinshaus eine außerordentlich stark besuchte Versammlung ab. Kreisgruppenleiter Leopold Herr (Gießen) gab seiner Freude über das große Interesse Ausdruck und wünschte nur, daß es in gleichem Maße allen Fragen des bedrängten Gewerbes entaegengebracht werden möchte. Er begrüßte die Vertreter der DAF., Kreisbetriebszellenleiter Stein und Kreis- fachschaftswart Goldermann. Der Kassenwart der Bezirksgruppe Hessen, S ch l u p p (Darmstadt), sprach dann über die neue Beitragsordnung. Durch Gesetzesregelung von 1934 ist die Wirtschaftsgruppe Gaststätten- und Beherberaungsgewerbe zur Zwangsorganisation und Körperschaft des öffentlichen Rechtes erhoben worden. Dadurch ist jeder Betriebsunternehmer zum Beitritt und zur Beitragszahlung gesetzlich verpflichtet. Betriebsunternehmer ist, wer Lebens- oder Genußmittel zum Verzehr an Ort und Stelle abgibt. Wer der Wirtschaftsgruppe bisher noch nicht angehört hat, muß Beitrag und Eintrittsgeld nachbezahlen. Die neue Beitraasordnung verpflichtet alle zur Beitragszahlung. Die Höhe des Beitrages ist gestaffelt nach der Anzahl der Gefolgschaftsmitglieder des Betriebes. Als Gefolgschaftsmitglieder zahlen auch die eigenen Kinder über 16 Jahre, die beschäftigt werden, ganz gleich, ob sie dafür entlohnt werden oder nicht. Dom Beitrag befreit können werden: Handwerker, sofern sie zur Handwerkerstammrolle angemeldet sind und im Gastwirtsbetrieb einen Jahresumsatz von 3000 Mark nicht erreichen; Einzelhändler, die der „Rekofei" angeschlossen sind und deren Umsatz 3000 Mark nicht erreicht, zahlen die Hälfte des ihrer Stufe entsprechenden Beitrages; Landwirte, die dem Reichsnährstand angehören und deren Umsatz 2000 Mark nicht übersteigt, sind beitragsfrei, sofern sie einen Antrag einreichen. Erbhofbauern können von der Beitragszahlung in keinem Falle befreit werden. Landwirte, die nicht von der Konzession leben, mögen diese freiwillig im Interesse der existenzlosen Kollegen abgeben. In begründeten Fällen können auf Antrag Stützungen oder Erleichterungen eintreten, wenn unbillige Härten auszugleichen sind. Für Beitragsschulden gibt es keine Stundung. Der Beitrag ist Bringeschuld und muß monatlich im voraus entrichtet werden. In den Beitrag eingeschlossen ist der Bezugspreis für das Fachblatt. Beitragsfreie Betriebe sind Mitglied der Gruppe und haben gleiche Rechte, wie die zahlenden Mitglieder. Ihnen steht, wie allen Mitgliedern, der Anspruch auf kostenfreie Inanspruchnahme der Rechts- und Steuerberatung zu. In einer längeren Aussprache wurden die verschiedenartigsten Fragen der Beitragszahlung, Steuerberechnung, der Stagma, der Schlachtscheine u. a. gestellt, die der Redner in seiner Eigenschaft als Sachverständiger des Treuhänders beantwortete. Zur Frage der Berufs- und Laien- Musiker wurden die Tarifordnungen ausgegeben und der Wunsch ausgesprochen, daß den erwerbslosen und den verheirateten Musikern der Vorzug gegeben werden möge. Kreisfachschaftswalter Goldermann von der DAF. brachte die Frage der Aushilfskellner zur Sprache. Er betonte auch hierfür die Bevorzugung der erwerbslosen Berufskellner. Erfahrungen berechtigen zu der Forderung, daß die vom Arbeitsamt zur Aushilfe beorderten Arbeitskameraden nicht durch mangelnde Unterstützung behindert werden dürfen, indem zugleich Laienkellner heran- aeholt werden oder nur ein teilweiser Verkauf (Getränke oder Speisen) gestattet wird. Kreisbetriebszellenleiter Stein überbrachte die Grüße des Kreiswalters der DAF. Wagner und sprach dann von der DAF. als der Organisation aller schaffenden Deutschen. Auf der einen Seite ist jeder einzelne zur Eingliederung in seine Fachorganisation verpflichtet, auf der anderen Seite gehören alle diese Einzelorganisationen, sowohl die der Betriebsführer, wie die der Gefolgschaftsmitglieder, der DAF. an. Aufgabe der DAF. ist es, alle diese Untergliederungen im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung sozialpolitisch zu be- treuey, durch Förderung ihrer fachlichen Einzelberufsfortbildung ihren Blick auf das Ganze ous- zurichten und in sachlicher Hinsicht zu fördern. Der Führer verläßt sich auf die Kraft und den Arbeitswillen seines Volkes. Er soll sich nicht täuschen, und wrr, seder einzelne, wollen im stolzen Gefühle dieses Vertrauens zusammenstehen, Beruf, neben Beruf, Betriebsführer neben Gefolgschaftsmann, alles Arbeiter am Wiederaufbau des Volkes und Vaterlandes. Kreisgruppenführer L. Herr dankte im Schlußwort den Rednern und Besuchern und wünschte ihnen ftohes Fest und guten Jahresanfang. Die Versammlung schloß mit dem Treugelöbnis zum Führer. Wirf die Büchse nicht weg! „Halt! Hausfrau! Wirf nicht die leere Konservenbüchse fort!" „Warum soll ich die leere Konservenbüchse denn behalten? Damit kann ich doch nichts anfangen." „Du wohl nicht, aber andere." „Andere? Wem soll ich denn die Büchse geben? Die nimmt mir kein Mensch ab. Ich bin froh, wenn ich sie irgendwie los bin." „Sag' nicht, die nehme dir keiner ab! Leere Konservenbüchsen sind eine gesuchte Ware." „Dor Jahren schon habe ich häufiger versucht, unserem Alteisenkrämer solche Konservenbüchsen und anderen Krempel und Schrott zu verkaufen. Aber der Mann hat sich schön dafür bedankt. Er wollte den Plunder nicht einmal umsonst haben. Und da kommt nun einer, um mir zu erzählen, leere Konservenbüchsen seien eine gesuchte Ware! .Lohnt sich ja gar nicht die Fracht!, hat der Alteisenkrämer gesagt." „Da mag der Mann ganz recht gehabt haben. Gewiß hat sich bis vor kurzer Zeit die Fracht bei solchem Altschrott nicht gelohnt. Aber es ändert sich mit der Zeit so manches, warum sollen nicht auch einmal die Verhältnisse für den bisher so mißachteten Schrott sich bessern. Ueberall in der Welt ist die Nachfrage nach Schrott gestiegen. Manche Staaten haben ihren Schrottverbrauch vervielfacht. Die Folge des stärkeren Verbrauches und der stärkeren Nachfrage sind verständlicherweise höhere Preise. Niemals bisher war die Nachfrage nach Schrott so groß wie in diesen Tagen, niemals zuvor sind die Preise so steil in die Höhe gegangen wie jetzt. Schon allein aus diesem Grunde ist das Altschrottsammeln auch auf deinem abgelegenen Hofe lohnend geworden." „Wofür wird denn nun eigentlich das alte Gerümpel, dieser Altschrott gebraucht?" „Altschrott, und überhaupt Schrott, Bäuerin, ist ein sehr wichtiger Rohstoff für unsere Industrie. Vor allem die Stahlgewinnung, aber auch die Eisenerzeugung braucht viel Schrott. Von den Rohstoffen der Stahlherstellung ist fast die Hälfte Schrott. Außerdem haften sehr oft dem alten Blech, ob es nun für Siebe oder Eimer oder sonstwas verwandt worden ist, sehr wertvolle Ueberzüge von Metallen an, die wir im Reiche selbst nicht finden und die darum doppelt wertvoll find. Wenn wir beispielsweise hundert Pfund solcher Konservenbüchsen, wie du da eine in der Hand hast, sammeln und verarbeiten, so können wir dabei zwei Pfund des für uns so wertvollen Zinns gewinnen. Und so ist das mit manchen anderen Dingen auch. Wir haben jetzt in Deutschland nicht Devisen genug, daß wir nach Herzenslust jene Metalle oder auch nur Schrott, von dem unsere Industrie viele Millionen Tonnen braucht und den sie großenteils draußen kaufen muß, einführen könnten. Was wir bei uns gewinnen können, dürfen wir nicht bei anderen kaufen." „O, das versteh' ich wohl! Wir müssen uns nach dem Vorhandenen richten!" „Sieh! Darum auch kommt es darauf an, daß jeder alte Eimer, jede alte Kanne, überhaupt jeder Altschrott erhalten bleibt und der Industrie zugeführt wird. Auch die Eisenbahn, die sich lange geweigert hat, die Frachten für Schrott, die den ganzen Schrottverkehr unwirtschaftlich machten, zu senken, hat sich jetzt zu erheblichen Nachlässen bereit gefunden. Zum Teil geschieht der Versand zu Sätzen, die unter der Hälfte der früheren liegen. Auch die Eisenbahn setzt eben alles daran, um die Rohstoffversorgung unserer Industrie mit heimischen Rohstoffen zu erleichtern." „So wird jetzt wohl auch unser Alteisenkrämer solchen Schrott nehmen?" „Ganz gewiß wird er ihn nehmen! Er wird sogar dafür gut zahlen. Selbstverständlich kann keiner von dem Ältschrott, der auf dem Hofe anfällt, reich werden, aber es gibt doch immer etwas dafür, und das ist besser als gar nichts. Dazu für eine Ware, die einem sonst doch immer bloß im Wege liegt!" „So werde ich also gescheiterweise diese Konservenbüchse nicht wegwerfen, sondern sie sorgsam beiseite stellen. Und dann will ich noch zusehen, wo denn sonst im Hofe noch Altschrott herumliegt. Bald kommt der Krämer, dann will ich gewiß für ein paar Groschen zusammen haben." r Ist die billigste I 7370 D Brühl'sche Druckerei, Schulstraße 7, Anruf 2251 7355 A Photo ■ Kino Kreuzplatz 9 E-Zimin.-Wohnung U.LWnhnn mit 2 EnLreesol- 0 ’ UV1UUW 7045 A Kaisers Festkaffee im Geschenkbeutel. KAISER’ Rafiini Wir beraten Sie Wir entwerfen Wir drucken gut sind würdige Vertreter. Fragen Sie dieserhalb sind heute die Spitzenleistungen der photographischen Industrie ausgearbeitet. Es ist nichts vergessen: Schnell schußfertig, gekuppelter Entfernungsmesser, optischer Sucher, hohe Lichtstärke des Objektives sind die Merkmale der deutschen Qualitäts-Kameras. Leica, Contax, Super Nettei, Super Ikonta Alle Backzutaten 3% Rabatt in Marken (wen. Artikel ausgen.) Nur die beste Drucksache neben der Zeitungsanzeige kann Ihre Werbung wirksam unterstützen. Geringwertige Drucksachen schaden mehr als sie nützen. 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Horst von Metzsch: „Schlummernde Wehrkräfte" nachstehenden Abschnitt. Man wird in den philosophischen Vorlesungen der Vorkriegszeit sehr lange, wenn nicht überhaupt vergeblich blättern müssen, um Gedankengänge zu entdecken, daß auch der Kriegsgott seine kriegerischen Sterblichen braucht, wenn seine Fackel das Freudenfeuer des Sieges statt Scheiterhaufen anzünden soll. Die deutsche Gelehrtenwelt orientiert sich an dem scharfen Schnitt, der damals das Militär vom Zivil, den Fachmann vom Laien, den Humanisten vom Kadetten trennte, und vergaß so die lebendige deutsche Zukunft über der toten Zunft! Wenn diese aber nicht Wehrbklder zeichnet, in denen man seine eigene Nation marschieren sieht, sondern nur philosophisch-wissenschaftliche Bauplätze abgrenzt, deren „Betreten Unbefugten verboten" ist, dann stehen die Beckmesser auf dem Katheder, aber nur die Walther im wirklichen Leben. Der Name Clausewitz gehört also irgendwie in jede deutsche philosophische Lehre. Es gibt keine, wenigstens keine fruchtbare, in der das eine oder andere Element des Krieges nicht irgendwo, und sei es auch nur beispielhaft, vergleichend und erläuternd, seinen gelegentlichen Platz finden könnte. Es gibt kein Denken über unser Verhältnis zum All, über das Naturalistische oder Jdealistifche in uns und in diesem All, über das Absolute oder Relative in aller Geistigkeitund über dasHypothetische oder Konkrete in aller Endlichkeit, in das nicht der soldatische Mensch mit seiner kämpferischen Qual irgendwie eingeschaltet werden müßte, wenn nicht Tintenfischzüge schließlich nur eine abstrakte Beute liefern sollen, in der jeder kompakte, das will sagen: fester Bestand fehlt, auf dem Menschen mit gesundem Verstände Fuß fassen können, wenn sie das wollen. Und das wollen, mehr oder weniger, alle! Sie wollen eine Philosophie der Untermauerung des gesunden tätigen Lebens mit all seinem Meßbaren und Unwägbaren. Sie wollen sehen, daß wissenschaftliche Werte auch ihren Daseinswert haben. Aber ablehnen sollten wir subjektiv liebhaberische Denktürme aus Gedankengängen wie geschichtete Brezeln, die der Hammerschlag eines einzigen Ereignisses in Stücke schlägt. Ewigkeitswerte haben, soweit wir sie begreifen können, eine einfache Struktur, und überall, wo Philosophen etwas anderes als die uns Sterblichen allein faßbare großartige Einfachheit suchten oder ihr gar Neues anzuhängen versuchten, sind nur Arabesken oder Grotesken entstanden, sind Ornamente, ist Unterhaltung geliefert worden, die an den Fundamenten, an der Untermauerung unseres Volkstums nicht das geringste ändern, also so überflüssig für seine Wahrung und Mehrung sind, wie die spielerische Türmchen am Berliner Dom. So sieht nämlich das zusätzliche Denken einer entbehrlichen, nur um ihrer selbst willen vorhandenen Philosophie etwas aus. Die fruchtbare Philosophie hat das klare Ebenmaß der Schloßkuppel. Sie zwingt den, der überhaupt für dergleichen empfänglich ist, zum Denken. Die Verschnörkelungen des anderen Baus stören das Denken. Zum soldatischen Denken gehört Sinn für Ebenmaß im wehrhaften Aufbau der Nation, und es ist gleichgültig, ob man sich die Vergleiche für dieses Ebenmaß bei architektonischen oder — dem Kapitel gemäß — bei philosophischen Erkenntnissen sucht. Wenn nur der soldatische Sinn dafür überhaupt da ist, daß die Waffe geadelt sein will. Daß zu der Welt des Degens eine edle Welt des Denkens gehört, und daß Philosophen in der soldatischen Welt ebenso willkommen sind wie Goethe in den Lagern von Dalrny oder Leibniz in der Bibliothek manches Soldaten. Nicht nur zum Condottiere der Renaissance, auch zum Feldherrn des zwanzigsten Jahrhunderts, nicht nur zu Alexander dem Großen, auch zu Gustav Adolf, nicht nur zu der Erneuerung Preußens nach Jena, auch zur Erneuerung Deutschlands nach Versailles gehört der Denker neben den Krieger, die Studierstube zur Kasernenstube, Faust neben die Fäuste! Hippolyte Ta ine, der Historiker der französischen Revolution von 1789, spottet freilich über die Verbindung l’idee et l’ep^e und findet, damit habe man Frankreich lange genug genarrt. Das mag sein. Die französische Philosophie hat es immer verstanden, ihre Erkenntnisse für wertvoll genug zu halten, um andere Völker bewaffnet damit zu beglücken. Auf diesem netten Umwege hat Frankreich sich manches Stück urdeutschen Landes einzuverleiben verstanden. (Vgl. Moltke: Die westliche Grenzfrage.) Aber inzwischen hat es einen Weltkrieg gegeben, der allen Auftlärungsplunder zerstäubte und klarlegte, daß wir nicht bei Voltaire oder Rousseau, sondern bei Eckehart und Fichte in die Lehre zu gehen haben, damit wir erkennen, warum wir alle, Mann wie Frau, soldatisch denken und fühlen müssen, um als Volkstum zu bestehen. Ohne Geist kann sich kein Dolkskörper formen, aber es darf kein Fremdgeist sein, wenn sich nicht Fremdkörper bilden sollen. Eine soldatische Gemeinschaft, die sich eine Wehrkultur schafft, wird solche Fremdkörper abstoßen. Eine philosophische Geistesherrschaft, die anmaßlich genug ist, sich selbst für wichtiger zu halten als die Lebensnotwendigkeiten der Nation, wird dem Volkskörper nicht nur Fremdstoffe, sondern Krankheitskeime zuführen. Silber aus dem Argoimerwald. Der Hexenkeff el am Lharmesbach Durch die elenden Baumstümpfe, die an den Hängen des Charmesbachtals stehengeblieben waren, faucht der Wintersturm. In langgezogenen Tönen orgelt er um das zackige Massiv des „Storchnestes". Schneeflocken wirbeln hernieder und decken die Erde mit flauschigem Weiß. Doch von der beschaulichen Ruhe des winterlichen Waldes ist nichts zu spüren. Ein ohrenbetäubender Lärm erfüllt die einst so stillen Täler. Zwischen den Schneeflocken jaulen zentnerschwere Eisenklötze in steilen Bahnen. Mit sinnloser Gewalt bohren sie sich in den schon tausendfach zerpflügten Waldboden. Die Erde windet sich unter fürchterlichen Detonationen. In mächtigen Fontänen spritzt sie unausgesetzt zum grau verhängten Himmel empor. Erdfetzen, Steinbrocken und zerrissene Baumstümpfe heulen durch die Luft. Schon seit Wochen tobt hier ein mörderischer Nahkampf. Bei Tag und Nacht, an Sonn- und Feiertagen zerpflügen schwere und allerschwerste Minen den Boden. Drei erbitterte Gegner liegen sich hier gegenüber; ein schwerer französischer Minenwerfer am Nordhang des Tales, ein schweres deutsches MG. schräg gegenüber am Südhang und ein schwerer deutscher Minenwerfer ebenfalls am Nordhang. Kaum hundert Meter liegen die drei voneinander, aber nichts ist zu sehen. Kein Lebewesen zeigt die Stelle, wo sie stehen, und kein Rauchwölkchen kündet, daß hier Menschen in finsteren Löchern hausen. Wie von Geisterhand geleitet, geht der Kampf ohne Unterbrechung weiter. In der Regel beginnt es unten an der Sandsackmauer des Charmesbachtals. Solange der Franzmann die deutschen Passanten an dieser Mauer unbehelligt läßt, ist alles ruhig. Wenn er aber schießt, dann setzt sich das Räderwerk der Kriegsmaschine in Bewegung. Mit lebhaftem Jnfanteriefeuer und erbitterten Händgrana- tenkämpfen fängt es im Tale an. Das schwere deutsche MG. hat dann die Aufgabe, die französischen Anmarschwege von dem Dorfe la Harare zur Stellung im Charmesbachtal zu sperren. Dank seiner ausgezeichneten Lage kann es die französischen Laufgräben wirkungsvoll bestreichen. Schießt es aber, um die bedrängten Kameraden im Tale zu entlasten, dann tritt der französische Minenwerfer in Tätigkeit. Kaum haben seine ersten Minen in der Nähe des deutschen MG.s den Boden zerpflügt, da steht auch schon die deutsche Werfermannschaft an ihrem Geschütz. In Hemdärmeln wuchten die Wackeren die dicken Zentnerminen aus ihrem Stollen, in Hemdärmeln laden sie und in Hemdärmeln feuern sie ab. Dann spritzen die Erdfontänen beim französischen Werfer, dann orgeln die Eisenfetzen in Gemeinschaft mit Steinbrocken und gefrorenen Erdschollen empor, und bald brodelt und giftet es in diesem Stellungsdreieck wie in einem Hexenkessel. In maßloser Wut schwenkt dann allemal der Franzmann um und stürzt sich immer und immer wieder auf diesen für ihn unsichtbaren Gegner, der so empfindlich zu treffen weiß. So liegen sich dann die beiden Werfermannschaften in den Haaren. Und während die Werfer bellen und die Explosionen der Minen die letzten Reste des Waldes in alle Winde zerstreuen, fegt die Geschoß- garbe des deutschen MG.s in die feindlichen Laufgräben. Aber nicht lange darf das deutsche MG. ungestraft seine schwere Pflicht tun. Ein Telephonanruf eilt durch den französischen Draht nach rückwärts, eine eigens dafür bereitstehende Mannschaft stürzt an die Geschütze und feuert, was die Rohre hergeben, in das nur allzugut bekannte Planquadrat. Doch auch diese Batterie ist nur ein kleines Rad in der furchtbaren Kriegsmaschine. Schon bei der ersten feindlichen „Lage" springt der deutsche Artilleriebeobachter aus seinem Drahtbett im tiefen Stollen. Ein harmonisches „Tüt ... tütüt" alarmiert die Bedienungsmannschaften der deutschen Batterien, und kaum sind einige Sekunden vergangen, da rast ein fürchterlicher Feuerorkan durch die engen Täler des zerschmetterten Waldes. Dann zischen die Leuchtkugeln in allen Farben in die Höhe und beleuchten die über und über in Qualm und Rauch gehüllte Landschaft mit einem phantastischen Lichte. Im gleichen Moment wird es in den Stollen lebendig. Rußige Gestalten stürzen die Stufen empor, die Laufgräben füllen sich, und bald stehen sie auf den Bänken des Kampfgrabens, die Handgranate wurfbereit in den Händen. Aber der Feind zeigt sich nicht. Er schießt sein übliches Tagesprogramm herunter und macht Schichtwechsel, wenn es Abend wird. Um diese Zeit flaut dann der Kampf etwas ab. Ueberall ertönt das Geräusch der Hacken und Schaufeln. Die Gräben werden ausgebessert, das Wasser wird ausgeschöpft, Sandsäcke werden gefüllt und neue Deckungen erbaut. In den tiefen Stollen wühlt die Spitzhacke in kreidigem Fels. Immer weiter bringt sie in den Boden ein, immer näher rücken sich die Gegner tief unter der Erde. Man horcht sich gegenseitig ab, man berechnet die Entfernung des gegnerischen Stollens nach der Stärke des Schalles, man sucht einander zu überraschen und zu vernichten. Eines Tages wird man bann die Sprengstoffe bringen, wird sie in Säcken häufen, wird die eigene Stellung vorsichtig räumen und einen Funken in die unterirdische Sprengkammer senden. Millionen von Atmosphären werden frei, der Fels reißt klaftertief auf, die Erde öffnet sich, viele Hunderte von Kubikmeter an Steinen und Erde erfüllen die Luft, prasseln hernieder und senken sich lastend und schwer auf zerschmetterte Leiber. Noch ist der letzte Stein nicht gefallen, da stürzen auch schon die Stoßtrupps in den rauchenden Trichter. Handgranaten krachen, Maschinengewehre knattern, Leuchtkugeln zischen hoch, und der Kampf beginnt von neuem. Wieder schuften die Werfer an ihren Geschützen, wieder greifen die Batterien ein, und wiederum verwandelt sich das enge Tal in einen rauchenden und brodelnden Hexenkessel. So geht es Tag um Tag, wochen- und monatelang in einem fort. Und wenn sich die Dunkelheit auf die entweihte Natur herniedersenkt, dann erschallt in den Stollen der Reservestellung ernst und schwermütig das Lied vom Argonnerwald: „Ar- gonnerwald, Argonnerwald, ein stiller Friedhof wirst du bald!". P. Ni ess. Ersatzreserve. Von Major (E.) Matlhaei, Kommandeur des ErganzungsdaiaillonsNr. 18, Blankenburg a. ß. Soeben ist, herausgegeben von Major des Generalstabes Edgar Röhricht, das Jahrbuch des deutschen Heeres 1 9 3 6" (Verlag von Breitkopf und Härtel in Leipzig) erschienen. Namhafte Sachbearbeiter des Ministeriums und der verschiedensten Waffengattungen geben Bericht über den Stand der augenblicklichen Wehrhaft- machung des deutschen Volkes. Fragen der Eignung und Ausbildung, des Werdeganges des Offiziersanwärters, des Dienstes auf dem Truppenübungsplatz und der Ersatzreserve werden ebenso anschaulich behandelt, wie die Tätigkeit des Soldaten bei den einzelnen Truppenteilen. Die nachstehenden Darlegungen des Majors Matthaei sind diesem Werke entnommen. Der Ersatzreservist ist heute etwas anderes, als jener der Vorkriegszeit. Damals zählte man dazu jene, im Vergleich zur Jetztzeit vielleicht nicht durchweg gesündesten und kräftigsten überzähligen Männer Deutschlands, die keine Verwendung im aktiven Dienst und darum auch eine Erfüllung ihrer Wehrpflicht nicht mehr finden konnten. Die knappen Mittel des Reiches, ja auch politische und parteipolitische Gründe ließen die volle Ausschöpfung der Wehrkraft des deutschen Volkes nicht äu. Und bitter erinnert man sich hier der besonders von General Ludendorff nie vergessenen und nie verwundenen Tatsache, daß das Fehlen jener zwei Armeekorps im Westen, für die gerade er jahrelang im Frieden erbittert gekämpft hatte, schließlich den unseligen Ausgang der Marneschlacht mit verschuldete. Denn wenn man die zahlreich vorhandenen Ersatzreservisten im Frieden hätte ausbilden können, dann waren wohl die Truppen vorhanden, mit denen man im Westen den Sieg erringen konnte. Doch es ist heute nicht mehr Zeit, diese Entscheidung des Schicksals zu erörtern. In ihrer Wirkung aber liegt die militärische Notwendigkeit der Ersatzreservisten inbegriffen, jener Soldaten, die dringend gebraucht roeroen, wenn die Zeit es einmal verlangen sollte. So also hängen jedenfalls Name und Begriff der Ersatzreserve, wenn auch nur im negativen Sinne, mit einer geschichtlich entscheidenden Stunde Deutschlands zusammen. Heute ist der Ersatzreservist wieder auferstanden. Aettuten im Sattel. Von Oberstleutnant a. O. Benary. Reiten ist fein Handwerk! Reiten ist eine Kunst!" Zum Künstler, also auch zum Reiter muß man ge- boren sein. Aber auch der Reiter muß wie jeher Künstler das Handwerkszeug seiner Kunst beherrschen, muß einen dornenvollen, arbeitsreichen Weg gehen, bis er das Letzte, das Höchste in seiner Kunst leistet. Meister im Sattel werden immer seltener in unseren Tagen des Kraftwagens und des Flugzeuges. Wir treffen sie nur hier und da im Rund des Zirkus, auf dem Viereck der Turnierhalle, auf den Reitwegen draußen vor den Toren. Mit den Jahren ist immer mehr das Heer, die Kavallerie und ihre Waffenschule in Hannover die Hochburg deut- scher Reiterei geworden. Auch sie ist gefährdet. Denn es kommen die Neunmalweisen und erklären: „Wenn ihr nun einmal wider alle Vernunft noch an den berittenen Truppen, an der Kavallerie sesthaltet, bann verschwendet wenigstens keine unnütze Zeit auf reiterliche Feinheiten und Schönheiten, sondern betrachtet das Pferd lediglich als Transportmittel und begnügt euch, Pferd und Reiter soweit zu fördern, daß sie die ihnen anoertrauten leichten und schweren Waffen an den Ort zu bringen vermögen, wo sie zur Wirkung gelangen sollen." Wir können als begeisterte Kavalleristen, aber auch als neuzeitlich denkende Soldaten nur erwidern: „Mit einer berittenen Infanterie, einem schlecht reitenden Schützen auf einem mangelhaft durchgerittenen Pferde ist uns nicht gedient. Wir befürchten, daß sie die ihnen an- vertrauten Waffen nicht auf den befohlenen Platz bringen werden, oder daß, — wenn es ihnen wider Erwarten doch gelingen sollte — der Reiter körperlich überanstrengt, also zum Wasfengebrauch ungeeignet an fein Ziel gelangt, das Pferd, übermäßig in Anspruch genommen, rascher verbraucht wird als es seinem Wert nach geboten ist. Wir brauchen Reiter und Pferde, die unter denkbarer Schonung ihrer Kräfte jeder an sie ge st eilten Anforderung n a d) f o m m e n , brauchen Reiter, die fähig sind, Pferde und Pferde, die fähig sind, Reiter auszubilden. Wir sehen im Pferde nicht die tote Maschine, öie man, wie es einem beliebt, in Gebrauch nehmen ober in die Ecke stellen kann, sondern den lebendigen Waffenkameraden, in den man sich em'fühlen, den man mit liebevollem Verständnis behandeln muß, wenn man von ihm verlangt, daß er in Not und Gefahr treu zu einem steht. Darum halten wir Soldaten des Reichsheeres die Zeit, die wir auf die Ausbildung und Erziehung unserer Reiter und Pferde verwenden, nicht für verloren, wenn wir uns auch mit Generaloberst von Seeckt klar sind, daß der Kavallerist von heute m e h r s e i n muß als ein bloßer Reiter, daß er darüber hinaus als Schütze, als Pionier, als Fernsprecher und Funker seinen Mann zu stehen hat. Vor allem zu Beginn der Ausbildung, im Rekrutenhalbjahr, muß sie vorhanden sein: denn ist einmal die reiterliche Grundlage verpfuscht, ist alle Mühe und Sorgfalt, die sich Reitlehrer und Reitschüler in späteren Jahren geben, umsonst. Besser reiterlich vorgebildet als in unseren Leutnantsjahren, kommt ein Teil der Rekruten heute in die Kaserne. Die ländlichen Reit- und Fahrvereine und ihre Nachfolger, die Reiterstürme der SA., haben da zweifellos ersprießliche Arbeit geleistet. Aber mancher ländliche Reitlehrer ist auch Irrwege gegangen und allen den Schlossern, Schneidern, Sattlern und sonstigen Stadtbewohnern, die man — selbst die Schreiber eingeschlossen — gar nicht ungern unter den Rekruten sieht, war bisher das Pferd „ein wildes Tier, das dem Menschen nachdem Leben trachtet". Mit ihnen allen muß der Reitlehrer rechnen und darum mit seinem Unterricht von vorne beginnen. Seine Arbeit hat schon lange vor dem Eintreffen der Rekruten eingesetzt. Reiten lernen kann man nicht auf stumpfen, verbrauchten Böcken, sondern aus frischen, schwungvoll vorwärtsgehenden Pferden. Das wissen Schwadrons- und Batterieführer recht wohl, und suchen danach die geeigneten Pferde für die Rekruten aus. Aber diese Pferde sind durch bas Manöver aus der Form gekommen. Der Reitlehrer muß sie unter geschickten Reitern nacharbeiten, an das Gehen mit Ausbindezügel wieder gewöhnen lassen. Der Rekrut kommt am ersten Tage seiner D i e n st z e i t in den Stall, auf das Pferd. Wohl ist es nützlich und empfehlenswert, ihn zum Reit- bienft burch Leibesübungen vorzubereiten, wohl können schlechte Kopfhaltung, steife Schultern, steife Knie, Hanb-, Fuß- und Hüftgelenke, hohles und schlappes Kreuz durch zweckentsprechende Hebungen gelockert bzw. gekräftigt werden. Wohl ist der Sitz tm allgemeinen auf dem Uebungspferb, auf einem Tonnengestell, zu verbessern, ist das mühelose Aufsitzen am hochgestellten Uebungspferb zu erlernen. Aber all diese Üebungen gehen dem Reitdienst nicht voran, sondern parallel. Das Pferd ist das Lebenselement des Reiters. Also macht man ihn gleich mit ihm vertraut; denn man will, daß er es beherrschen soll. Aber man hütet sich ebenso, das Vertrauen, das jeder junge begeisterte Reiter, wie es unsere Rekruten doch sind, dem Pferde und dem Reiten entgegenbringt, gleich zu Beginn durch übertriebene Anforderungen zu erschüttern. Es ist eine veraltete, törichte Auffassung, daß man erst dann ein rechter Reiter ist, wenn man sich etliche Male von seinem Pferde getrennt hat. Beim Herunterfallen läuft der Reiter nur Gefahr, daß er die Nerven verliert ober sich verletzt, und bann für ben Reitunterricht für einige Zeit ausfällt. Die gleiche Gefahr besteht, wenn der Reitlehrer am Anfang zu lange Trab- und Galoppreprisen einlegt oder nicht auf den richtigen Sitz der Bekleidung achtet, so daß die Schüler sich wundreiben. Man kann auch ohne übertriebenes „Scheuchen" die Rekruten zu frischen, dreisten Reitern erziehen. Wieviel prächtige Voltigierübungen am stehenden und galoppierenden Pferde gibt es nicht, die Herz und Nerven der Rekruten stählen, ihre Geschicklichkeit und Gewandtheit heben. Ich nenne nur: Auf- und Abspringen in den Spreiz- und Quersitz, Abspringen aus dem Spreizsitz mit gestreckten Beinen nach vorwärts, Abspringen durch Ueberschlag nach vorwärts der inneren Schulter des Pferdes. Schere vorwärts und rückwärts, Knien und Stehen auf dem Pferde. Das erste Gebot für den jungen Reiter bleibt Losgelassenheit, Gewinnung' des Gleichgewichtes! Die militärische Form kommt dann später von selbst. Mindestens sechs Wochen bekommt der junge Reiter daher keinen Bügel auf den Fuß und nur selten die Zügel in die Hand. Die Bügel bleiben im Stall und die Zügel der Trense liegen geknotet auf dem Pferdehals. Der Rekrut soll erst lernen, mit tiefem Knie losgelassen auf dem vorgeschobenen breiten Gesäß zu sitzen. Man setzt ihn erst im Halten und im Schritt zurecht. Man geht aber bald zum Trabe und Galopp über. Dazwischen wird man immer wieder Schrittreiten und die in der Reitvorschrift vorgesehenen Freiübungen zu Pferde (diese später auch im Trabe und Galopp vornehmen lassen oder durch Ballspielen, Mütze hochwerfen) die Reiter unabhängig vom Sitz machen. Verliert bei den ersten Versuchen der Reiter den Halt, so beläßt man ihm ruhig Sattelknopf und Mähne als Rettungsanker. Es wird grundsätzlich nur im „Rührt euch" geritten. Das einst so beliebte „Fußexerzieren zu Pferde" ist verpönt. Täglich wird mindestens anderthalb Stunden geritten. Reitpausen werden zum Instruieren über Reiten und den Dienst als Meldereiter ausgenutzt. Die Zügel bekommt der Reiter erst in die Hand, wenn er durch einen völlig gefestigten Sitz sich im Gleichgewicht halten kann. Auch hier erzwingt man nicht vorn ersten Augenblick an die vorschriftsmäßige Haltung von Arm und Hand, vertraut, daß sie sich einfteüt, wenn Schulter-, Ellenbogen- und Handgelenk so losgelassen sind, daß die Hände bei jeder Bewegung des Maules mitgehen können und immer dieselbe leichte Anlehnung erhalten. Almählich erfolgt dann das Erlernen der Hilfen, wobei dem Rekruten von Beginn an ein« gehämmert wird, daß den Schenkel- und Gewichtshilfen eine wichtigere Rolle zufällt als den Zügelhilfen. Es folgen die Erlernung des Tempos, der Parade, des Reitens in Stellung, der Wendungen, der Volten, des Zirkeloerkleinerns und -vergrößerns, des schulgerechten Angaloppierens und noch vieler anderer Üebungen. Längst sind die Ausbildungszügel fortgefallen, bald nach Weihnachten wird die Trense durch die Kandare ersetzt, wird begonnen, das Pferd zu versammeln, in abgekürzten Gängen zu reiten. Das Springen macht den Rekruten schon lange keine Beschwerden mehr. Man hat schon am zweiten, dritten Tag ihre Pferde über die am Boden liegende Stange treten lassen, hat dann die Abteilung über die hochgelegene Stange geschickt und im Sprunggarten mit Mauer, Koppelrick, Hürde und Graben vertraut gemacht. Jetzt saust sie am Schluß jeder Stunden mit Hüften fest unter dem Gesang des schönen Liedes durch ihn hindurch: „Fall ich runter, bin ich tot, werd ich mit Musik begraben!" Aber er fällt nicht herunter oder tut er es doch, ist der Sand weich, und außerdem weiß er: „Kopf einziehen, Knochen anziehen, sich vom Pferd wegrollen, da kann so leicht nichts passieren." Auch den Säbel hat der Rekrute in die Hand bekommen, hat in ihm Stiche und Deckungen, die ihm zu Fuß eingedrillt sind, zu Pferde geübt, galoppiert in der Auslage an dem Hiebgerät vorüber und strahlt, wenn er mit einem wohlgezielten Rechtshieb den Strohkopf herunterschlägt. Ganz verfehlt wäre es gewesen, wenn der Reitlehrer die ganze Ausbildungszeit am offenen Reitviereck ober gar an der geschloffenen Reitbahn, die der Rekrut überhaupt nur selten zu sehen bekommt, geklebt hätte. Nein, sobald seine Zöglinge einigermaßen ihres Pferdes Herr waren, ist er mit ihnen ins Gelände gegangen, hat er sie auf sich allein gestellt, sie quer über den Exerzierplatz, durch das Stangenholz, später über die Kommissionshindernisse, ober eine Wegehecke, einen Wiesengraben geschickt. Denn er weiß, so erhält und fördert er bie Reiterpassion, bie im Staube ber Reitbahn leicht zu ersticken broht. Mit bem Nahen bes Frühlings naht auch ber Schlußpunkt ber Rekrutenausbilbung: bie Kan- barenbesichtigung. Aber ber Reitlehrer unb seine Schüler sehen ihr voll Vertrauen entgegen. Sie wirb genau so gut auslaufen, wie bie Sitz- und Trensenbesichtigung, bie Vorgesetzten werben loben, „er" wirb sich eine bessere „Pulle" im Kasino leisten unb „sie" werben stolz sein, jetzt enb- lich als ganze Reiter unb wahre Kavalleristen fühlen zu bürfen. In vielen Tausenden deutscher Männer lebt er, wird Soldat und trägt voll Stolz das feldgraue Ehrenkleid. Er ist da, und anders wohl als in der Vorkriegszeit. Es sind zunächst jene Jahrgänge, die zwischen 1 9 0 0 und 1910 geboren, also heute 25—35 Jahre alt sind, die aber, für den Weltkrieg zu jung, für den aktiven Dienst im Heere zu alt, nun mit Bitternis jenes schwere Unrecht empfanden, welches sie erlitten habens um das vornehmste Recht des deutschen Mannes, das Wehrrecht, bisher betrogen zu sein. Alle acht Wochen öffnen sich die Kasernen der E.-Einheiten für den neuen Nachschub: „Lehrgang" nennt man es. Da strömen sie in den zwölf Stunden des Tages zusammen, in SA.-Uniform und in bürgerlicher Kleidung, mit Lederkoffern und Schachteln, mit Bündeln und kleinen Taschen, aus allen Ständen des Volkes: Studienräte und Knechte, Landarbeiter und Attaches aus dem diplomatischen Dienst, Ministerialräte und Angestellte, Erbhofbauern und Studenten, Kumpels und Schriftleiter, Handwerker und Künstler, Sturmführer und Reichs- und Amtsleiter, Fabrikarbeiter und Beamte, — und schnell und pünktlich und sauber fügen sie sich in die ungewohnte straffe Ordnung der Kompanie, der Korporalschaft, der Stube ein. Untersuchung und Einkleidung gehen im Fluge vorüber, und ehe der E.-Mann, der nun immer wieder jüngste feldgraue Soldat Adolf Hitlers, sieht, woran er eigentlich ist, hat er schon die Waffe m der Hand, und der Dien st beginnt: zwei Wochen — vier Wochen — zwei Wochen so ist die Zeit eingeteilt, und wenn der E.-Mann vielleicht mit Bedauern und Staunen feststellen muß, daß die äußerlich am leichtesten sichtbaren Kennzeichen straffen Soldatentums, nämlich der Exerziermarsch und die Griffe nicht geübt werden dürfen, so sieht er doch wohl bald die Bedeutung dieses sinnvollen Befehles ein. Es geht ja nicht um den Paradesoldaten, sondern um den Feldsoldaten, der das Vaterland in der Stunde der Not mit der Waffe verteidigen können muß, und so stehen G e - sechtsdienst und Gefechtsdrill im Vordergrund der Ausbildung überhaupt. Also doch Drill: jawohl und mit Recht; denn gerade in der kurzen und knapp zusammengedrängten Ausbildung muß das drillmäßige Einüben der Handhabung der Waffen und Geräte sowie gewisser, immer wiederkehrender Formen und Gefechtshandlungen Grundsatz sein. Das Ziel, bedingungslosen Gehorsam und selbsttätige Pflichterfüllung des Soldaten auch im Augenblicke der Gefahr sicherzustellen, ist durch den Gefechtsdrill allein zu erreichen. Und heimlich freut sich der E.- Mann, wenn er allmählich dann auch das Umhängen des Gewehres in einen straffen Griff umbildet und wenn er anstatt des verbotenen Exer- ziermarsches mit besonders offenen Augen und besonders straffer Haltung an seinen Vorgesetzten vorbeimarschieren kann. Im Gelände draußen aber, im Heidekraut und auf dem Sturzacker, auf dem sandigen Uebungsplatz, hinter Kieferbüschen und kleinen Erdwellen sieht der E.-Mann bei der täglichen Geländeübung sehr bald, wie bedeutsam für ihn diese Dienstverrichtun- gen des Gefechtsdrills sind. Er lernt sie schnell, er faßt gut auf, er bemüht sich mit starker und voller Hingabe, und er weiß dann auch, weshalb das alles geschieht: um gut zielen und schießen und treffen ,)u können, um eigene Verluste im Ernstfall möglichst zu vermeiden, um stumm und pflichttreu den harten Dienst zu tun, um den Sieg über sich selbst und über den Feind zu gewinnen. Ist das viel, ist das wenig? Nein, es ist alles, denn dahinter stehen Leben und Gedeihen und Größe von Volk und Staat. Noch einmal, am Ende des Lehrgangs, beweist der E.-Mann, was er gelernt hat, bei der B e - s i ch t i g u n g ! Die höheren Dienstvorgesetzten erscheinen, sie prüfen genau und sorgfältig, und wie im letzten strahlenden Abglanz der acht harten Wochen steht der E.-Mann da und zeigt seine ausgereifte Leistung und beweist dem General mit den roten Streifen am Beinkleid, daß er sich dessen bewußt ist, was es heißt, ein feldverwendungsfähiger Soldat zu fein: ein Soldat, der geistig erfaßt hat, warum es geht, der seelisch gehärtet ist, und der das handwerkliche Können dieses stolzen Berufes beherrscht, ein Soldat, der auch im Feuersturm der feindlichen Waffen still und hart ausharren und seine Pflicht tun wird bis zum Tode. Weitere Spenden für das WHW. Dem Winterhilfswerk gingen weiter u. a. folgende Spenden zu: Generalleutnant der Landespolizei Daluege, Berlin, 900 Mark; Max Brandstädter, in Fa. M. Brandstädter, Königsberg (Pr.), 750; F. Lange, Maschinenfabrik, Rostock, 600; Wirtschaftsbank G.m.b.H., Düsseldorf, 600; Günther & Richter, Papier- und Holzstoff-Fabrik, Wernsdorf über Pockau, Flöhatal, 500; Heinrich Hagemeier G.m.b.H., Abt. Basaltwerk Dietrichsberg, Masbach (Rhön), 500; Brinker Eisenwerk Max H. Müller, Hannover- Brink, 500; Deutsche Versicherungsbank AG., Berlin, 500; Reichsstand des Deutschen Handwerks, Baugewerks-Jnnung, Hamburg, 500; Emil Kasten, Spezialhaus für Damen-Mäntel, Rostock, 500; Erbs- löh & Meyer G. m. b. H., Schraubenfabrik, Milspe (Wests.), 400; Carl Schleifer & Sohn, Textilwaren, München, 350; Dr. med. Hans Uhle, Chemnitz, 300; Varziner Papierfabrik, Hammermühle, Bezirk Köslin, 300; Gießerei Hammertal G. m. b. H., Sprockhövel i. W., 300; Max Bessin & Co., Gasapparate- Fabrik, Berlin, 300; Dr. Bach und Oehlschlägel, Rechtsanwälte, Bautzen, 300; Candofilm Verleih und Vertrieb G. m. b. H., Berlin, 300; August Spitta Söhne, Lederwerke, G.m.b.H., Brandenburg-Havel, 300; Continental - Gummi - Werke AG., Hannover, 100 000; Vereinigte Kugellager - Fabriken AG., Schweinfurt, 60 000; Gemeinschaftsgruppe Deutscher Hypotheken-Banken, Berlin, 30 000; Franz Haniel & Co., G. m. b. H., Duisburg-Ruhrort, 25 000; Po- lensky & Zöllner, Berlin-Charlottenburg, 25 000; AG. für Verkehrswesen und Eisenbahn-Tochtergesellschaft, Berlin, 24 000; Vereinigte Eisenbahn- Signalwerke, G. m. b. H., Berlin - Siemensstadt, 20 000; Vereinigte Deutsche Nickel-Werke AG., Schwerte (Ruhr), 20 000; Generaldirektor der Agrippina-Gruppe, Köln, 20 000; Dornier Metallbauten, G. m. b. H., und angeschlossene Konzernfirma, Friedrichshafen (Baden), 11000; Fritz Ho- mann AG., Margarine-Werke, Dissen, 10 000; Kaufmännische Krankenkasse Halle (Saale), Berlin, 10 000; Alte Leipziger Lebensversicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit, Leipzig, 7500; Allgemeine Häuserbau-AG., Berlin-Lichterfelde, 5000; Franz Prasse, Leder-Werke, Waida (Thür.), 5000; Ostpreußische General - Landschafts - Direktion, Königsberg (Pr.), 5000; Deutsche Messingwerke, CarlEver- king AG., Berlin-Niederschöneweide, 5000; Degea AG. (Auergesellschaft), Berlin, weitere 5000; Margarinewerk Gebr. Fauser, Eidelstedt-Sulzbach, erste Rate 5000; Ueberlandwerk Oberschlesien AG., Neiße, .5000; Leipziger Feuer-Versicherungsanstalt, Leipzig, 5000; Pfälzische Hypothekenbank, Ludwigshafen a. Rh., 4000; Deutsche Schachtbau-AG., Nordhausen am Harz, 4000; Gödecke & Co., Chemische Fahrik AG., Berlin-Charlottenburg, 4000; Ungenannt 4000; Mühlenwerke Gottschalk AG., Krefeld- Hinn, 3500; Junkers & Co., G. m. b. H., Fabrik wärmetechnischer Geräte, Dessau, 3000; Aluminium- Werke Göttingen, G. m. b. H., Göttingen, 3000; Nassauische Landesbank, Nassauische Sparkasse, Wiesbaden, 3000; Gustav Lohse AG., Fabrik feiner Parfümerien und Toilettenseifen, Teltow-Berlin, 3000; H. Mende & Co., Radio, Dresden, 2500; Neues Deutsches Lichtspiel-Syndikat,Filmgesellschaft m.b.H., Zentrale Berlin, 2000; Otto Friedeberg, Getreide- Import, Hamburg 11, weitere 2000; Seidenhaus Paul Groß, Leipzig, 1800; Dr. Günther Donner, Rechtsanwalt und Notar, Berlin-Lichterfelde, 1500; Credit-AG. für Ford-Fahrzeuge, Köln-Niehl, 1225; Stettiner Straßen-Eisenbahngesellschaft, Stettin, 1000, Frau Dr. Frieda Lutze, Berlin, 1000; Rhenania- Ossag Mineralölwerke AG., Werk Monheim, 1000; Rhenania - Ossag Mineralölwerk AG., Stuttgart, 1000; Gewerkschaft Bürbach, Benndorf, 1000; Ver- einsbank Hannover e.G.m.b.H., Hannover M., 1000; Glühlampenwerk Merkur G. m. b. H., Soest, erste Rate, 1000; Carl Ferd. Höffer G. m. b. H., Tannenberg, Erzgebirge, 1000; Faßbender G. m. b. H., Kon- fitüren-Fabrik, Berlin, 1000; Deutscher Verein für Vermessungswesen e. V., Berlin - Charlottenburg, 1000; Martha Ackermann, Rittergutsbesitzerin, Kutschlau bei Schwiebus, 1000; Rudolf Anders. Mitgesellschafter der Firma „Teekanne", Dresden, 1000; Fritz C. Meyerweißflog, Gera, 900; Allgemeine Elsässische Bankgesellschaft, Filiale Köln, 750; Meister, MdR., Berlin, 600; Derop-Deutsche Vertriebsgesellschaft für russische Oelprodukte AG., Nürnberg, 600; Filzfabrik Adlershof AG., Berlin-Adlershof, 500; Vereinigte Mitteldeutsche Lebensversicherungs-Gesellschaft a. G., Sitz Leipzig, 500; Hausbrandzentrale der Reichsbahndirekton, Erfurt, e. G. m. b. H., 500 Mark. Oer Führer besichtigt die Leibstandarte. 934 Der Führer und Reichskanzler hat den bisherigen Gesandten in Athen, Dr. Eifenlohr, zum Gesandten in Prag ernannt. — (Scherl-M.) Der Vorbeimarsch. Hinter dem Führer der Kommandeur der Leibstandarte, SS.-Obergruppenführer Joseph Dietrich. — (Presse-Illustration Hoffmann-M.) VA M v v. MU ■ jiXeüi 4 9 z •/ * - /, Mr MM ■ />' v ___ 'W/ZCTi. ML». Berlin, 17. Dez. (DNB.) Der Führer stattete der „L e i b st a n d a r t e Adolf Hitler" einen längeren Besuch in der Kaserne in Lichterfelde ab. Er besichtigte zunächst, nachdem der Kommandeur der Leibstandarte, SS.-Obergruppenführer Joseph Dietrich, die Standarte gemeldet hatte, die auf dem Hof des 1. Bataillons im feldgrauen Rock angetretenen drei Bataillone der Standarte. Der Führer schritt die Front der Kompanien ab und nahm dann den Parademarsch ab. Im Anschluß an die Parade besichtigte der Führer die gesamten Kasernenanlägen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurden dann die technischen Anlagen der Leibstandarte in Augenschein genommen. Die vorbildliche hochmoderne Kraftfahrwerkstätte, Garagen, die Waffenmeisterei und der Schießstand, der wohl der modernste Schießstand Deutschlands sein dürfte. Als es dämmerte, hielt der Führer an die gesamte Leib- standarte im großen Speisesaal eine längere A n - spräche und sprach bei dieser Gelegenheit dem Kommandeur der Leibstandarte, Obergruppenführer Joseph Dietrich, und den SS.-Männern der Leibstandarte seinen Dank aus für all das Vorbildliche, was er an diesem Tage hatte sehen können. Die Anwesenheit des Führers hatte sich in Lichterfelde rasch herumgesprochen, und die Kaserne war den ganzen Tag umlagert von einer Menge begeisterter Menschen, die den Führer sehen und grüßen wollte. Römische Kriegsweihnacht. Von unserem römischen E.-Korrespondenien. Rom, im Dezember. Als Weihnachtsgeschenk wird Italien die Benzinsperre erhalten — so soll ein hochherziger Geber in Genf gesagt haben. In Rom geriet man darüber außer sich, aber Mussolini kannte wohl seine Pappenheimer, denn er ließ sich durch keine Drohung von seinem diplomatischen Schreibtisch weglocken und befahl nicht einmal dem neuen Generalissimus Badoglio, unverzüglich so schneidig vorzugehen, wie es die Kriegsberichterstatter „voraus- geahnt" hatten. Wer denkt noch daran, den Benzinhahnen zuzudrehen? Wer möchte noch Italien in die Knie zwingen? Ach ja, wenn Baldwin reden dürfte! Und wenn er es darf und wenn er es tut, bann vernimmt die Welt doch nur die halbe Wahrheit. Es gehen Dinge um, die herzlich wenig mit Abessinien, nur einiges mit Aegypten und Ostasien, um so mehr jedoch mit M i 11 e I e u r o p a zu tun haben. Jedenfalls ist es Frankreich, dem Italien das wahre Weihnachtsgeschenk: den Umfall Englands, verdankt. Freilich weiß man nie, ob er länger als ein Schneefall anhalten werde. Zumal in Rom ist der Schnee eine unsichere Sache. Heute zwar treibt er tüchtig daher, auf dem beliebten Skigelände, zu dem die vornehme Welt im Auto hinauffährt, liegt er meterhoch, und wer es billiger haben will, braucht nur in die Castelli zu gehen, nach Frascati oder Rocco di Papa, wo die Götterhaine der Pinien und die Kastanienwälder genau so mollig versunken sind, wie die Weingärten, an denen noch die gelben Blätter hängen, und die Olivenhügel, wo wir gestern unter Mädchenlachen und Spatzenjubel die grünen und schwarzen Früchte ernteten. Krieg? Im Vertrauen gesagt, man merkt nichts davon und die Hoteliers ärgern sich nicht schlecht, wenn ihre alten Wintergäste besorgt anfragen, ob es denn wahr sei, daß man sich Proviant mitnehmen müsse. Man lernt nie aus und es gibt immer wieder Leute, die bessere Augen haben. Ein Kind könne jetzt wieder getrost mitten auf der Straße spielen. mW • *ai fA W Wahrend der heftigen Kampfe an der abessinischen Südfront gelang es den Abessiniern, in der Nähe ho? ^alremsche Tanks zu erbeuten. Die abessinischen Krieger, die sich bei der Eroberung ber Tanks besonders hervorgetan haben, durften sich in die Tanks fetzen und zur Parade auffahren. ^cherl-Bilderdienst-M.) habe ich in einer transalpinen Zeitung gelesen, der Autoverkehr in Rom habe vollständig aufgehört. Ich schüttelte mein Haupt, das bald ergraut sein wird, wenn es so weiter geht, und suchte straßauf, straßab nach einem Parkplatz. Er ist durchaus nicht leichter zu finden, zu erlisten, zu erkämpfen als gestern. Jenes spielende Kind muß in einem Verkehrsmärchen aus neunzehnhundertund- eins vorkommen; daß es gleichwohl ein Kollege in Rom gesichtet und feiner Zeitung gemeldet hat, das gehört zu den Mysterien unseres Berufs. Nehmen wir an, es sei nur ein Sonderberichterstatter gewesen. Man versteht den Meister unseres Faches, Mussolini, wenn er mit Anerkennung von den ständigen Vertretern der Auslandpresse in Rom, aber wenig erfreut von den journalistischen Oberflächenreisenden spricht. Uebrigens warnen auch die römischen Blätter vor demagogischen Uebertretbun* gen, wie der Forderung, man solle überhaupt nicht mehr Auto fahren. „Sanktionieren wir uns nur nicht selbst!" In der Tat, die Gefahr der Arbeitslosigkeit ist die Kehrseite der Medaille, wenn alles in patriotischem Eifer auf die kleinen Freuden des Lebens verzichtet. In Italien bilden die Selbstfahrer immer noch die Minderheit, jeder eingestellte Wagen bedeutet daher Brotlosigkeit für einen „autista", wie die schnell üblich gewordene Bezeichnung für den Chauffeur lautet, der schon vor der Ausrottung aller Fremdwörter unter die Räder kam. Der hohe Benzinpreis (3,66 Lire) ist ohnehin die beste Bremse für überflüssiges Herumfahren. Und so gibt es eine Reihe von Kaufgegenständen und Annehmlichkeiten, die zurückzuweisen nichts anderes heißt als die Volkswirtschaft schädigen. Leicht ist es allerdings nicht, beim Weihnachts- einkauf immer die verfemten Sanktionsländer und die Neutralen, die fremden und einheimischen Waren auseinanderzuhalten. Mancher brave Geschäftsmann glaubt besonders schlau zu handeln, wenn er Sanktionsware einfach durch einen Preis- a u f f ch l a g auszeichnet. Das ist natürlich nicht der Sinn der Uebung. Hingegen freuen wir uns von ganzem Herzen, daß mir nun endlich auch in Italien gute und billige Orangen bekommen, sogar gesunde Aepfel und Nüsse. Früher wurden die besseren Früchte samt und sonders ausgeführt. Es ist also in dieser Hinsicht etwas da, mehr als bisher, das unter den Weihnachtsbaum gelegt werden kann. Nur der Baum selber... das haben Sie ja gelesen. Fremder Unfug, heidnische Sitte! Da kann man nix machen. So kauft man ihn eben nicht mehr als Ketzerwerk, sondern als exotische Pflanze, nicht mehr auf der Straße, sondern beim Gartner, wie Orchideen und Rivieranelken auch. Mit Wurzeln, im Topf oder strohumwickelt, wer will das verbieten? Uebrigens ist das schon seit Jahren so gewesen, nur die abgesägten Bäume durften nicht mehr auf den Markt kommen. Durchaus verständlich, wenn man Aufforstung betreiben will. Südtirol ausgenommen, gibt es ja im Lande keine Tannen- und Fichtenwälder, wie wir sie verstehen. Man braucht auch nicht zu fürchten, daß die herrlichen Wälder dort oben durch die Christbaumsitte geschädigt würden, fressen doch die Papierfabriken an einem Tage mehr Bäume, als in einem Menschenalter an Weihnachten gebraucht werden. Wie erstaunte der Osservatore Romano, der über den protestantischen Frevel gewettert hatte, als ihm nun ein katholischer Bischof in Rom selber, der Deutsche H u ö a T; vorwarf, er verletze damit die deutschen Katholiken in ihren heiligsten Gefühlen! Wir werden alle unseren Lichterbaum in Rom haben, trotz Krieg und Vatikan, alle Nordländer. Die Südtiroler nicht minder, obwohl sie doch gewiß fromme Katholiken sind. Schlechter geht es den Bewohnern der Wälder, den Tieren. Wie jeder voraussehn konnte, der um die italienische Jagdauffassung Bescheid weiß, hatte die Aufhebung der Reservate die unverzügliche Vernichtung des gesamten Tierbestandes zur Folge. Jäger selber sind es, die das nun öffentlich in der Presse beklagen. Nicht für ein Vermögen, kann man da lesen, wäre noch etwas Lebendes aufzutreiben, in vier Tagen wurde die mühsame Arbeit von vier Jahren zerstört. „Wir sind auf falscher Straße!" Allerdings, von wirksamen Abwehrmaßnahmen gegen den Aushungerungsplan des Völkerbunds kann man unter solchen Umständen nicht gut sprechen. Und wenn nicht den Vogeljägern, die um die Zurücknahme der wenigen Schutzbestimmungen jahrelang gekämpft und nun dank der Sanktionen gesiegt haben, so werden eines Tages den Bauern Die Augen aufgehen und damit schließlich auch den Volkswirtschaftlern. Auf der richtigen Straße ist das Volk mit seinem Opfergang. Niemand wird an Weihnachten mit goldgeschmückten Fingern nach den Geschenken greifen oder vielmehr — denn der eigentliche Geschenktag ist der Dreikönigstag — nach dem guten Festessen. Sämtliche Trauringe sind der Nation von ihren Kindern geschenkt worden. Das ist eine Kriegsweihnacht, von der man fingen und sagen wird, so lange die Eisenringe währen. Kunst und Wissenschast. Stürmischer Erfolg eines Backhaus-Konzertes in Mailand. Mailand errang der deutsche Klavierkünstler Wilhelm Backhaus bei einem Konzert einen turrnischen Erfolg. Die Kritik hebt die vollendete Technik und das edle Spiel des Künstlers hervor und zollt ihm das höchste Lob für fein Können. Toscanini verläßt die Neuyorker Philharmonie. Der berühmte italienische Dirigent Arturo Toscanini, der jahrelang die Konzerte der Neuyor- ker Philharmonie geleitet hat, gibt diese Stellung am Ende der diesjährigen Spielzeit auf. Ein Nach- folger ist noch nicht endgültig berufen worben. Kl 295 Dritter Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Mittwoch, (8. Dezember (935 Aus der Provinzialhauptsiadt. Kamerad Kalender. Wer hat zu Hause nicht einen Kalender hängen oder stehen! Wessen Blick fällt jetzt nicht öfters täglich auf diesen Kalender, weil er so dünn geworden ist, daß man fast schon das letzte Blatt steht! Ein Jahr ist bald zu Ende! An jedem Tag im Jahre hat man ein Blatt dieses Kalenders abgerissen und ist mit hochgespannten Erwartungen m den neuen Tag geschritten, der dann oft so mancherlei Enttäuschungen brachte. v Der Dezember ist so recht der Kalendermonat. Fast jeder kauft seinen Kalender fürs kommende Jahr in diesem Monat, denn man kann und soll ja nicht warten, bis das neue Jahr schon hereingebrochen ist. Am Neujahrstag soll der neue, dickbäuchige Kalender schon strahlend und optimistisch an der Wand hängen, mit seinen 365 Blättern, von denen man anfangs meint, sie würden gar nicht zu Ende gehen können. Nirgends auf der Welt erfreut sich der Kalender in seinen mannigfachsten Arten und Abwandlungen solcher Beliebtheit wie in Deutschland. In unzähligen Formen wird er herqestellt, in allen möglichen Formaten. Da gibt es Riesenkalender mit Blättern vom Durchmesser eines Quadratmeters für Bank- und Geschäftshäuser, neben Miniaturkalendern, so winzig, daß man sie in das Portemonnaie eines kleinen Damenhandtäschchens stecken kann. Zu unterscheiden sind zunächst die eigentlichen Abreißkalender von den Kalenderbüchern. Der Geschäftskalender wieder wird auch in Puch- und Heftform für alle möglichen Zwecke und 'Geschäftszweige hergestellt mit allen möglichen wichtigen Beigaben, meist solche statistischen Inhalts, die sich oft zum Nachschlagen recht wertvoll erweisen. Dann die Notakalender, mit Platz für Eintragungen aller Art. Ihnen gesellen sich die Bilder- und Kunstdruckkalender zu, vielfach auf bestimmte Landschaften abgestimmt, auf einzelne deutsche Gaue oder das ganze Reich, ferner die Literatur-, die Musik- und Kunstkalender und die vielen religiösen nicht zu vergessen, die oft künstlerisch ausgezeichnet gemacht sind. Etwas anderes stellen die Kalenderbücher vor, die bisweilen auf eine vielhundertjährige Tradition zurückblicken. Eine breite Schicht von Menschen hält mit Treue an diesen Kalenderbüchern fett, bei denen das Kalendarium nur einen geringen Bruchteil des Umfanaes ausmacht. Der Rest ist belehrenden und unterhaltenden Inhalts. Biele von diesen Lesekalendern sind mit außerordentlichem Geschick gemacht, dem Ergebnis einer oft hundertiährigen Erfahrung. Den Abnehmerkreis dieser Bücher stellt meist die Landbevölkerung Schon aus dieser kurzen Aufzählung kann man ermessen, welche wirtschaftliche Rolle der Kalender jeder Ausführung svielt. Er wird in all feinen Arten und Formen in vielen Millionen Eromvlaren herqestellt und verkauft, und daß solche Riesennuslagen natürlich nicht erst im De^rnder heraestellt werden können, leuchtet ein. Die Druckzeit für den neuen Kalender b-ginnt daher meist schon im Sommer, vor all-m für die Abr«>iß- und die G"schäfts- kalender. roähri’nh iene Kalenderbiicher. die einen ausführlichen Nü-ebsick auf da? veraanaene 5Zabr brinaen die ^rn^l-guna mnaHrhff m-üt hinausschieben müllen Svätestens Mitte.Der-mber mutt ober olles fertig fein fonll betteht die Gefahr, daß man nicht mehr ins Geschäft kommt Tageskalender für Mittwoch. NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.30 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum; 16 bis 17 Uhr und 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — NSKOV., Ortsgruppe Gießen: 20 Uhr im Cafe Leib gemeinsam mit „Kraft durch Freude" Weihnachtsfeier. — Stadttheater: 15 bis 18 Uhr „Der kleine Muck", 19.30 bis 22.30 Uhr: „Der Waffenschmied". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Die blonde Carmen". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Gefangene des Königs". — Turmhaus am Brand- Ortsgruppe Gießen-Ost der 7!GV. bei Abfertigen der Weihnachtspakete. „Was die lustigen Engelein im Holle-Stübchen zu Weihnachten treiben" zur Aufführung. Die Spielleitung hat die Verfasserin des Märchenspieles, Frau Johanna Zimmer-Korschus, die rhythmische Bewegungsgestaltung übernahm Frau Erna Schumann. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen. Wer DieWeihnachtsplakettefürdasDHW. wird in der Zeil vom 17. bis 19. Dezember durch die vor Beginn des Verkaufs der Polizeidirektion unter Angabe der vorhandenen Mengen und näherer Be- deulfche Jugend verkauft. Sammlung liegt in den Jugend, die mit allen Donnerstag und Freitag, Die Durchführung der Händen der Hitler- ihren Formationen am nachmittags, in alten Orten des Kreises Gießen jedem deutschen Volksgenossen die Deihnachksplakette anbieten wird. Am Samstag sammeln dann alle deutschen Schüler und Schülerinnen. Die Weihnachtsplakette ist ein Erzeugnis deutscher Heimarbeiter aus dem Erzgebirge, die durch die Anfertigung dieser Plakette schon feit Monaten Arbeit und Vrot gefunden haben. Jeder deutsche Volksgenosse hat durch den Erwerb eines solchen Abzeichens diesen ärmsten Vevölkerungs- schichten geholfen, ein wenn auch bescheidenes Weihnachtsfest begehen zu können. Weiterhin kommt der Aeberschuß aus dem Verkauf dieser Plaketten wiederum dem WHW. zugute und hilft unverschuldete Not lindern. Wit dieser Straßensammlung erreicht die Sammeltätigkeit in diesem Jahre ihren Abschluß und Höhepunkt. Alle müssen zusammen stehen und nochmal-, ein Scherflein in die Sammelbüchse werfen, um den Kampf gegen hunger und Kälte siegreich zu gestalten. Keiner darf sich ausfchließen! Wie bei schweren Wontagearbeiken oder bei unserer Wehrmacht, wenn es gilt, unter Anspannung aller Kräfte das gesteckte Ziel zu erreichen, so müssen wir alle uns nochmal zurufen: „hau ruck" oder „zu g l e i ch". Dann wird der Erfolg nicht auf Anmeldung und Verkauf von Feuerwerkskörpern Feuerwerkskörper feilhalten will, hat dies Der Führer an die deutsche Jugend: Ihr müßt alles vermeiden, was dem Deutschland der Vergangenheit den Stempel des Unedlen aufprägte. Ihr müht vor allem in eurer Jugend lernen, etwas zu vermeiden, dessen ihr euch im späteren Leben sonst nur noch schwer entwöhnen könnt: Ihr müht den Geist der großen Gemeinschaft wie er euch in der Kindheit eigen ist, pflegen, müht ihn niemals mehr von euch lassen, auf dah ihr einst als Erwachsene nicht wie in den Zeiten der Vergangenheit in Klassen, Stände usw. auseinanderfallt, sondern einst in der Zukunft im grohen das seid, was ihr im kleinen in eurer Jugend wart: eine Gemeinschaft deutscher Menschen, die deutsche Volksgemeinschaft. Sie beruht auf euch, ihr seid dereinst ihre Träger, und ihr müht in der Jugend lernen, diese Träger zu sein. In vielen Jahrhunderten wurde das ersehnt, was heute Wirklichkeit geworden ist, und ihr habt das Glück, mit in diese Zeit hineinzuwachsen. Die Nation erwartet von euch, meine deutschen Jungen, dah ihr dieser grohen Zeit würdig seid. Und das erwartet vor allem auch jenes Deutschland, das einst auch unermehliche Opfer gebracht hat für den Bestand des Reiches und das Sein unserer deutschen Nation, dieses alte Deutschland, das einst Blut über Blut bringen muhte, um uns und euch überhaupt den Weg in die Zukunft freizuhalten. Die h i t l e r - J u g e n d sammelt vom NSDAP., Gießen-Nord. Abteilung Hilfskasse. Die rückständigen Hilfskassenbeiträge für das erste Vierteljahr 1936 der Angehörigen der SA.- Formationen im Bereiche der Ortsgruppe Gießen« Nord können nur noch heute, Mittwoch, 18. Dezember, in der Zeit von 20.30 bis 22 Uhr auf der Geschäftsstelle, Walltorstraße, bezahlt werden. Wer nicht bezahlt, wird bei der Hilfskasse abgemeldet. Kassenstunden der Hilfskasse erst wieder ab 6. Januar 1936 jeden Montag- und Mittwochabend. Die HL -Fahne über dem Lyzeum. An dem hiesigen Lyzeum und der Frauenschuls wurde in feierlicher Weise die Fahne der Hitler- Jugend gehißt. Der Schulleiter, Oberstudiendirektor Schel« Horn, gab einen kurzen Rückblick über die Entwicklung der Bewegung und den Anteil der deutschen Jugend an ihr. Er wies auf den Wunsch des Führers hin, daß alle jungen deutschen Menschen sich in der deutschen Staatsjugend zujammenfinden sollen, in der es keinen Unterschied zwischen arm und reich, hochgebildet und weniger gebildet, zwischen evangelisch und katholisch gibt und die nur das eine Ziel hat, deutsche Menschen zu erziehen, die sich voll und ganz für ihr Volk und Vaterland einsetzen. Nach einem von der Führerinnenklasse vorgetragenen Lied und einem Sprechchor sprach die Unter» gauführerin Ruth Fabian in eindringlichen Worten nochmals zu der Jugend und wies auf die Aufgaben und Ziele der Staatsjugend hin. Mit dem Sieg-Heil auf den Führer und dem Lied der HI. „Vorwärts, vorwärts" schloß die Feier. Der Ladenschluß am Heiligabend. Von der Polizeidirektion Gießen wird uns mitgeteilt: Am 24. Dezember dürfen offene Verkaufsstellen nur bis 17 Uhr geöffnet sein. Eine Ausnahme besteht lediglich für Verkaufsstellen, die ausschließlich oder überwiegend Lebensmittel, Genußmittel oder Blumen verkaufen. Derartige Verkaufsstellen dürfen bis um 18 Uhr für den geschäftlichen Verkehr offengehalten werden. Die beim Ladenschluß schon anwesenden Kunden dürfen noch bedient werden. Die Vorschriften gelten auch für Verkaufsstellen von Konsum- und ähnlichen Vereinen, für solche auf Eisenbahngelände und für das gewerbsmäßige Feilbieten außerhalb offener Verkaufsstellen. Sie gelten nicht für Apotheken, für den Marktverkehr und den Handel mit Christbäumen und den Verkauf von Waren aus selbsttätigen Verkaufseinrichtungen (Warenautomaten), die von dem Inhaber einer zum dauernden Betrieb eingerichteten offenen Verkaufsstelle in räumlichem Zufam- : menhang mit dieser aufgestellt und in denen nur Waren feilgeboten werden, die auch in der offenen 1 Verkaufsstelle selbst geführt werden. 529 Familien der Ortsgruppe Gießen - Ost sind der Bitte der NSV.-Walter nachgekommen und haben Weihnachtswunschzettel aus dem Kreise Hanau angenommen und Pakete auf der Geschäftsstelle abgeliefert, die im Bilde bei ihrer Tätigkeit gezeigt wird. Durch diese Spenden haben sie bewiesen, daß ihnen der Nationalsozialismus kein Lippenbekenntnis ist, sondern durch Opfern zum Ausdruck gebracht wird. (Aufnahme: Hagemann, Gießen). Die deutsche Lugend verkauft die Weihnachtsplakette des WHW sich warten lassen. 19. bis 22. Dezember für das D h W.! platz: 17 bis 19 Uhr: Weihnachtsausstellung oberhessischer Künstler. Stadttheater Gießen. Heute von 15—18 Uhr das Weihnachtsmärchen „Der kleine Muck" von W. Burggraf. Spielleitung: Karl V o l ck. Außer Abonnement. Von 19.30 bis 22.30 Uhr der Opernerfolg „Der Waffenschmied" von Lortzing. Die Partie des Grafen Liebenau singt Gustav Bley. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Heinz Weiser. 12. Mittwoch-Abonnement. Weihnachts-Wärchenspiel im Gloria-Palast. Am morgigen Donnerstag gelangt im Gloria- Palast ein Weihnachts-Märchenspiel unter dem Titel NIVEA mild, leicht schäumend, ganz wundervoll im Geschmack Gießener Gtaditheaier. Giuseppe Berdi: „Maskenball". Das tragische Schicksal König Gustavs III. von ; Schweden, der im März 1792 einer Verschwörung zum Opfer gefallen war, hatte schon einmal den Stoff für eine Oper von Auber abgegeben. Auf der , Suche nach einem Opernbuch faßte Verdi den Plan, S c r i b e s Libretto „Gustav III. von Schweden" als Oper zu vertonen. Die Uedersetzung bzw. die Einrichtung des Textbuches hatte der römische Advokat Antonio S o m m a übernommen; der Briefwechsel zwischen Verdi und Somma läßt uns genaue Einblicke tun in die starke Anteilnahme Verdis an der Ausgestaltung des Textbuches; namentlich schlägt Verdi für den Text bestimmte, treffend wirksame Ausdrücke vor und macht auch Vorschläge für die Abänderung von Versen. Anfangs des Jahres 1858 sollte mit der Einstudierung des Werkes am San Carlo-Theater in Neapel begonnen werden. Die Entwicklung der politischen Verhältnisse, insbesonders das in diese Zeit fallende Attentat Orsinis auf Napoleon III., bewog die Zensurbehörde, tief einschneidende Veränderungen am Textbuche vorzunehmen, denen Verdi auf keinen Fall zustimmen wollte. Die Zurückziehung der Oper verfehlte feine Wirkung auf die Theaterbesucher nicht; immer schärfer traten sich die Parteien gegenüber, da gelang es Verdi, mit seiner Partitur Neapel zu verlassen. In Rom versucht es der Impresario Jaccovacci, die Oper am Apollo-Theater aufzuführen. Obwohl man dort „in Prosa" „Gustav III." gestattet hatte, forderte man dort von Verdi die Umwandlung des Königs in einen Gouverneur von Boston und verlegte somit den Schauplatz der Szene von Europa fort. Die letzten textlichen Umarbeitungen führte dann Piave durch. Der Erfolg der Oper stellte Verdi in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit; über dreißigmal wurde er am Schluß hervorgerufen. Die klare übersichtliche Handlung der Oper gibt mit ihren scharf kontrastierenden Szenen bei der Wahrsagerin, am Hochgericht und dem glanzvollen Maskenfest dem Komponisten reiche Gelegenheit zur Erregung und Entfaltung seiner Schaffenskraft. Heber das Dreigestirn „Rigoletto", „Troubadour" und „Traviata" hinaus, die sich mit ihrer Musik an der Szene entzünden, zeigen sich besonders im „Maskenball" die Ansätze zu einer neuen Entwicklung und Durchbildung des Opernstiles, die dann weiterhin zur „Aida" und zum „Othello" hinfüh- Ycn: eine enge Verknüpfung des musikalischen Impulses mit dem dramatischen Geschehen, die sich sowohl in der charakteristischen Durchbildung des Thematttchen wie auch durch die Auswertung desl Orchesterkolorits und einer stellenweise polyphon j fundierten Schreibart erweist. Wie in vielen Bühnenwerken Verdis ist auch hier die Baritonrolle Träger des tragischen Konfliktes, in diesem Falle der Privatsekretär des Gouverneurs, Ren6. Seinem Herren treu ergeben, wird er durch vermeintlich begründete Eifersucht zu dessen Mörder; diesem Wandel gibt Verdi besonders in zwei typischen Arien Ausdruck. Je nach der Beziehung zu der Zentralgestalt geben sich die einzelnen Personen mit mehr oder minder charakterlich betonten Werten. Der Gouverneur Richard als Tenor Hebt Ren6s Frau, aber er unterscheidet sich doch stark durch feine Ehrenhaftigkeit von der Person des Herzogs im Rigoletto; wenngleich ihn der Konflikt zwischen Frauenliebe und Freundestreue innerlich schwanken läßt; Amelia, Renes Gattin, will sich um jeden Preis ihrem Gatten treu erhalten und die in ihr erwachte Liebe zu Richard mit allen Mitteln unterdrücken; so werden ihre Szenen sowohl bei der Wahrsagerin als auch am Hochgericht zu Bekenntnissen einer schwer ringenden Frauenseele, die dann, als ihr der Tod droht, von tiefstem Schmerz der Mutterliebe zu ihrem Sohn erfüllt ist. Oskar, der Page des Gouverneurs, wird so zu einer typischen Operngestalt, der Verdi mehr objektive Musik zuteilt als innerstes subjektives Erleben. Die Verschworenen, die dem Gouverneur nach dem Leben trachten, werden durch die Musik grell in ihrem finsteren Innern beleuchtet. Das Dämonische, schicksalhaft Drohende findet seine Verkörperung in -der Wahrsagerin Ulrica. Schon das Vorspiel stellt das polyphone Der- schwörerthema mit dem ersten Liebesgesang des Gouverneurs gegenüber und führt so in das weitere Geschehen symbolisch hinein. Die Einleitung zu der Wahrsagungsszene fängt schon mit ihren ersten Tönen das Unheimliche, Erschauernde des Milieus ein. Zu ganz besonderer Größe aber erhebt sich Verdi in der Liebesszene zwischen Amelia und Richard am Hochgericht. Aber nicht nur die Sologesänge und die musikalische Gegenüberstellung der Hauptpersonen, sondern ganz besonders auch die großen Ensembles erweisen die nie versagende Charakterisierungsgabe Verdis, ohne dabei die Geschlossenheit des musikalischen Gesamteindrucks aufzugeben. So stehen sich beispielsweise nach Ulricas Todesverkündung für den Gouverneur gegenüber: Richard, der sie als Posse und Scherz mit einer tänzelnden, ironischen Melodie : abweist; Ulrica, die beteuert, daß ihre Worte „fein - Wahn" sind, der Page Oskar, innerlich vom : Schrecken bestürzt, die Verschwörer, die durch diese , Prophezeiung ihren Plan vereitelt glauben, dazu als Untergrund der unheimlich erregte Chor des Volkes. Wie bei allen Opern Verdis, so auch beim „Maskenball", liegt die Entscheidung für das Gelingen der Aufführung zum großen Teil bei den Sängern. Nicht allein, daß Verdi hohe Anforderungen an den Stimmumfang stellt und zur Beherrschung seiner Kantilene Stimmen voraussetzt, die den Belkanto sich zu eigen gemacht haben, sondern bei ihm werden die einzelnen Stimmgattungen gleichsam zu Charaktertypen, und damit legt er das'höchste Maß an die Durchbildung der Gesangsstimmen. Somit mußte die hiesige Aufführung des „Maskenball" zum Prüfstein der Gesangskräfte des Gießener Stadttheaters werden. Abgesehen von geringfügigen Ungleichmäßigkeiten zeigte die Gesamtleistung einen sehr beachtlichen Hochstand. Als Rene war Gustav Bley vollkommen von seiner Aufgabe erfüllt. Er wußte die dramatischen Akzente der Darstellung mit Wucht zu betonen, dabei konnte er seine reichen Stimmittel, der Situation gemäß einsetzen. Sein dunkel timbrierter Bariton schuf besonders in den beiden Arien musikalische Höhepunkte, mit bewunderungswürdiger Expansion in einer für den Bariton schwierigen Höhenlage. Der Richard Heinz Weisers war in seinen dramatischen Bedingungen wohl durchdacht. Seine heldisch gefärbte Stimme war siegreich durch- schlaaend in der Höhe des Affektes; nur in der Kantilene wäre eine noch größere Nachgiebigkeit im Ausfvinnen des Tones zu wünschen gewesen. Den stärksten Eindruck hatte man von ihm in der Liebesszene des zweiten Aktes, deren leidenschaftliches Aufwallen feine Fähigkeiten zu vollem Einsatz wachrief. Amelia war bei Helene Wacker von echtem hinaebungsvollem und doch wieder vornehm sich zurückhaltendem Frauentum getragen. Klangschön und in schwebender Weichheit war die Stelle in der Wahrsagerszene: „Ach, laß mich nicht erliegen." Die inneren Kämpfe im schuldbewußten Bekennen der Liebe zu Richard wurden eindringlich durch seelisches Mitaehen und seinem Widersch-in im innerlich bewegten sympathischen Stimmklang. Die reiche Skala der Empfindungen des dritten Aktes vom durchdringenden mütterlichen Abschiedsschmerz bis zur Verzweiflung in ihrer Szene mit Richard wurde glaubhaft nahe durch Gebärde und Bereitschaft des gesanglichen Könnens. Die Wahrsagerszenen stehen und fallen mit dem dämonischen Schwergewicht der Darstellerin der Ulrica. Emmy Hagemann vermochte die Sphäre des Unheimlichen voll einzufangen und die einzelnen Züge auch in der Körperhaltung lebensnah herauszustellen. Ihr dunkler, breit geschwungener melodischer Bogen, ihr starker musikalischer Impuls spiegelten in der Beschwörungsvision inneres Erregtsein erschöpfend wieder. Als Kontrastfigur war temperamentvoll bei eingehender Berücksichtigung der charakterisierenden melodischen Form Friedel F o r n a l l a z, mit treffender Mimik das Stimmliche stützend, ja mit den diesmaligen Eindrücken weit ihre früheren Leistungen übertreffend mit frappierender, aber doch überzeugender Bewußtheit im Auftreten und in der gesanglichen Leistung. Das Verschwörerpaar, schon äußerlich durch seine Abseitsstellung gekennzeichnet, war besonders durch Wilhelm Greil (Samuel) mit akzentuiertem Stimmkönn'en geführt, das namentlich im Ausgang des zweiten Aktes gespannte Aufmerksamkeit auf sich zog. Ihm zur Seite war Heinz B e ch st e i n (Tom) im gleichen Sinne bemüht. Dem Matrosen Silvana war Karl Tank stimmlich wie darstellerisch bewußter Gestalter. Ebenso fügte sich Gerhard Frickhoeffer mit der Rolle des Richters dem Ganzen ein. Das Orchester unter Paul Walter stand vor der bisher größten Aufgabe der diesjährigen Spielzeit, die glücklich gemeistert wurde. Nachgebend folgte es dem Diriaenten in jeder Regung vom stärksten klanglichen Akzent bis zum satten Pianissimo, als vornehmlicher Träger d-s rhythmischen Elementes an jeher Stelle bemüht, den Forderungen des Werkes musikalisch wie technisch gerecht zu werden; die Chore, vortrefflich in den einzelnen soli- stiscb-'n Leistungen, waren reich in der klanglichen Entfaltung wie in der stimmungsgebundenen Abge- tontheit und dem pointierten Verschwörerspott im imeifen Aufzuae Die einzelnen Sr-nenbilder (Karl Löffler) am Hochgericht, bei der Wahrsagerin und das Maskentreiben verstärkten die Auswirkungskraft der Verdischen Musik. Ebenso bedeutsamen Anteil daran trug die Führung der Beleuchtung (L"dwig Keim). Das Ganze aber entwickelte sich mit innerer Spannung, augenblicksnaher Lebendigkeit und dramatischer Klarheit durch die Spielleitung des Intendanten Hermann Schultze-Griesheim; denn eine führende Hand war ständig im Fortgang der Handlung zu spuren. So war die Los-Szene mit der spannenden Schwüle unheimlichen Drohens ge« sättigt, und im letzten Bild prallten die Kontraste zwischen tänzerischer Fröhlichkeit und Todesahnen hart erschütternd aufeinander. Durch das Zusammenwirken aller beteiligten Kräfte in einem großen Willen geeint, wurde der „Maskenball" zu einer Aufführung, die für Gießen sicherlich den Höhepunkt der bisherigen Opernspielzeit bedeutet. Das bezeugte der reiche Beifall der Hörer, der alle Mitschaffenden, insbesondere auch I den Intendanten, hervorri^ [)r, H, Zeichnung der Feuerwerkskörper anzuzeigen. In Kaufläden darf der Vorrat 2% Kilogramm nicht übersteigen, und im Hause außerdem nicht mehr als 10, höchstens 15 Kilogramm, vorrätig gehalten werden. Die Aufbewahrung von Mengen über 2Kilogramm muß auf dem Dachboden in einem abgesonderten Raum, welcher nicht mit einem Schornsteinrohr in Verbindung steht, erfolgen. Knallkorken und sonstige Feuerwerkskörper dürfen in Kaufläden nur in verschlossenen Kisten aufbewahrt, oder unter Glas ausgelegt werden und in jedem Falle möglichst weit entfernt von Ofen und Ansteckflammen. Kanonenschläge und solche Feuerwerkskörper, die mit Abschußvorrichtungen abgefeuert werden müssen, dürfen in Verkaufsläden nicht aufbewahrt werden. 6 Millionen treten an! Am Mittwochabend treten im ganzen Deutschen Reich in feierlichen Standortappellen 6 Millionen Hitlerjungen und -mädel zusammen. Mobilmachung! Auf in den Kampf gegen Hunger und Kälte! Man muß sich einmal vorftellen, was es heißt, wenn 6 Millionen begeisterter junger Menschen eine Aufgabe in Angriff nehmen. Wer einmal auf dem Parteitag das Riesenfeld der Luitpoldarena mit den über 100 000 Braunhemden dort aufmarschiert ge- sehen hat und sich dann ausrechnet, daß erst mindestens 50 solcher Plätze die HI. fassen würden, die Mittwoch abend aufmarschiert, der erkennt die ganze Größe der kommenden Aktion. Am 19. Dezember tritt dann dieses junge Deutschland vor euch hin und appelliert an euren Kameradschaftsgeist. Schon am Abend dieses Tages muß der größte Teil der wunderschönen Holzreiter, welche die HI. verkaufen wird, abgesetzt sein. Das ist nicht nur Ehrensache — wir machen ja keinen „Rummel" —, sondern das ist Herzenssache für 6 Millionen junger Sozialisten der Tat! Wenn also vom 19. bis 22. Dezember wieder der dumpfe Klang der Landknechtstrommeln durch die Straßen schallt, marschierende Kolonnen durch die Straßen ziehen, Verkaufszelte an euren Wegen tehen, Sprechchöre durch die klare Winterluft klingen und Fackellicht in den Abendstunden aufflackert, !)ie Hellen Augen der Jugend der Nation euch an- trahlen, dann gebt, dann opfert! Und gebt der Jugend gerne! ** Ein tolles Gerücht über ein angebliches Familiendrama in D e ck e n b a ch bei Homberg bzw., nach neueren Erzählungen, in N o r d e ck (Rabenau) wird seit mehreren Tagen in unserer Stadt und in einigen anderen Orten kolportiert. An all diesen Erzählungen ist, wie uns auf Anfrage bei den zuständigen Stellen wiederholt erklärt wurde, kein wahres Wort. Hoffentlich findet das dumme Geschwätz nun endlich sein Ende. ** Aufgehobene Straßensperre. Vom heutigen Mittwoch, 18. Dezember, ab ist die Straßensperre in der Ortsdurchfahrt Birklar der Provinzialstraße wieder aufgehoben. ** Di e Ausgabe von Brennstoff-Bezugsscheinen betrifft eine Bekanntmachung des städtischen Wohlfahrtsamtes in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir die Interessenten besonders Hinweisen. Große Strafkammer Gießen. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelte das Gericht gegen den B. M. und den H. P., beide ous Ruppertsburg, wegen Verbrechens an einem Mädchen unter 14 Jahren. Unter Annahme mildernder Umstände wurde M. zu 8 Monaten G e - f ä n g n i s unter Anrechnung von 2 Monaten 2 Wochen erlittener Untersuchungshaft, P. zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Wegen Unterschlagung im Amt wurde der Heinrich Ernst Schäfer aus Groß-Karben unter Annahme mildernder Umstände zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte war als Untererheber der Gemeinde Groß-Karben tätig. Als solcher trug er in der Zeit von April 1932 bis Juni 1935 in einer größeren Anzahl Fälle Geldbeträge, die ihm von Steuerpflichtigen übergeben worden waren, nicht ein, sondern verbrauchte sie für persönliche Zwecke. Um diese Unterschlagungen zu verschleiern, führte er die Register unrichtig und legte falsche Buchauszüge vor. Der I. K. aus Homberg stand wegen Kuppelei unter Anklage. In der gestrigen Hauptverhandlung, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, wurde der Angeklagte mangels Beweises freige- s p r o ch e n. 3m Lager des Winterhilfswerkes Oie Eröffnung der Wildspeisungen. Gestern um die Mittagsstunde wurde in den unteren Räumen des früheren „Einhorn" zu Gießen wieder, wie im vergangenen Jahre, die Wild- s p e i s u n g eröffnet. Neben den vielen Volksgenossen, die nach ihren Kräften und Verhältnissen das Winterhilfswerk unterstützen, haben sich auch die Jäger des Kreises Gießen in den Dienst der guten Sache gestellt. Manches Stück Wild wurde im vergangenen Jahre an das Winterhilfswerk abgegeben. So wird es auch in diefem Jahre wieder fein. Von der Jägerschaft bzw. von den Forstbehörden war in diesen Tagen bereits Wild zur Verfügung gestellt worden, das in der Küche im Erdgeschoß des „Einhorn" von Mitgliedern der Frauenschaft zubereitet und im Rahmen des Winterhilfswerks 1935/36 gestern an minderbemittelte Volksgenossen ausgegeben wurde. täglichen Bedarfs. So ist ein großer Raum gefüllt mit langen Kleiderständern, mit hohen Schuhregalen, mit Kisten und Kasten, in denen sich viele praktische Dinge befinden. In den Schuhregalen, die zum Teil mit Schachteln gefüllt sind, die neue Schuhe bergen, findet man auch viele Schuhe, die gestiftet und von den Schuhmachern repariert wurden und nun in gut brauchbarem Zustande ausgegeben werden können. Auf vielen Kleiderbügeln hängen Anzüge, Mäntel und Kleider. In besonderen Regalen ist viel Wäsche untergebracht, die zum großen Teil von den Frauenschaften der vier Ortsgruppen und von anderen freiwilligen Helferinnen genäht worden ist. Unter den Beständen an Kleidungsstücken befinden sich auch diejenigen Dinge, die von Schülerinnen der Aliceschule und des Lyzeums gefertigt worden waren. In einer großen Nähstube, in der eine stattliche Anzahl von Nähmaschinen steht, ist bisher schon viel geleistet worden und wird auch immer wieder an vier Abenden der Woche von den Frauenschaften und anderen Helferinnen gearbeitet. Neben den getragenen, gereinigten und wiederhergestellten Kleidungsstücken, Schuhen usw. befinden sich auch viele neue Dinge im Lager, die aus Mitteln des Winterhilfswerkes anaekauft wurden. Für das Hilfswerk „Mutter und Kind" ist eine besondere Abteilung eingerichtet, in der alle Dinge zusammengetragen sind, die für die Wöchnerin notwendig und für das Kind unentbehrlich erscheinen. Der Rundgang in seiner Gesamtheit ließ erkennen, daß durch die Kreisführung des Winterhilfswerkes nicht nur eine sehr sorgfältige, sondern auch eine gut organisierte und aufopfernde Arbeit geleistet wird, die an alle, die unmittelbar im Dienste der großen Sache stehen, hohe Anforderun- aen stellt und den besonderen Dank der Volksgesamtheit verdient. Der Kreisamtsleiter der NSV. und des Winterhilfswerkes, Pg. Klöß, hielt aus diesem Anlaß vor den Vertretern der Partei und der Stadtverwaltung, wie auch vor den Volksgenossen, die sich zum Essenempfang eingefunden hatten, eine kurze Ansprache, in der er darauf hinwies, daß auch das Winterhilfswerk im Kreise Gießen mit der Einrichtung der Wildspeisung einem Wunsche des Reichsjägermeisters Göring nachkomme und so- mit der Segen des deutschen Waldes aus den minderbemittelten Volksgenossen zuteil werde. Mit einem Gedenken an den Führer, der die Not des Volkes am eigenen Leibe verspürte und weiß, wo geholfen werden muß, schloß Kreisamtsleiter K l ö ß seine kurze Ansprache. In das dreifache Sieg-Heil auf den Führer stimmte alles kräftig ein. Sodann begann die Essenausgabe. Das Wild war prächtig zubereitet, dazu gab es Gemüse und Kartoffeln. Wer wollte, konnte sich sogleich an den weißgedeckten und mit Tannenzweigen geschmückten Tischen satt essen; viele hatten aber Geschirr mitgebracht und faßten kräftige Portionen, um sie ihren Angehörigen mit nach Hause zu nehmen. Bei der Verteilung wurde reichlich gegeben, so daß mit dieser ersten Wildspeisung mancher Hunger gestillt sein dürfte. Bei dieser Gelegenheit wurden den Vertretern der Partei, der Behörden usw. auf einem interessanten Rundgang die Lagerräume des Winterhilfswerkes des Kreises Gießen gezeigt. Der Rundgang durch das Lager mußte allen Teilnehmern nicht nur als ein getreues Spiegelbild des Opfergeistes der Bevölkerung in Stadt und Kreis Gießen erscheinen, sondern auch als ein Kennzeichen der großen Arbeit, die hier durch das Winterhilfswerk und alle feine Helfer und Helferinnen geleistet wird. Die Besucher lernten zunächst das Lebensmittellager kennen, das gerade jetzt vor Weihnachten einen bedeutend erhöhten Ein- und Abgang zu verzeichnen hat. Viel Kleinarbeit ist gerade jetzt zu leisten. Die Lebensmittelspenden müssen ausgewogen werden. In viele Düten wird abgewogen und verpackt. Das Winterhilfswerk läßt es sich aber auch angelegen sein, dafür zu sorgen, daß auch der minderbemittelte Volksgenosse für das Weihnachtsfest ein Stück Kuchen haben kann. Beachtenswert ist, daß durch die Kreisführung des Winterhilfswerkes jede Spende karteimäßig erfaßt wird. Die Kreisführung hat bei all ihrer Arbeit immer wieder darauf zu sehen, daß sie einen gerechten Verteilungsschlüssel errechnen kann. Aus diesem Grunde müssen alle Spenden, selbst wenn sie einmal wieder in die spendenden Gemeinden zurückfließen sollten, durch die Lager der Kreisführung gehen. Das ist verständlich, denn aus manchen Gemeinden kann viel gespendet werden, während dort vielleicht nur wenige Hilfsbedürftige vorhanden find, in anderen Gemeinden dagegen ist das Spendenaufkommen geringer, die Zahl der Unterstützungsbedürftigen aber um so größer. Hier hat das Winterhilfswerk die durchaus nicht leichte Arbeit, den gerechten Ausgleich zu schaffen. Gerade jetzt vor Weihnachten gilt es für die Helferinnen und Helfer des Winterhilfswerkes, mit besonderem Eifer oft bis tief in die Nacht hinein zu arbeiten, wenn alles zu rechter Zeit in die Hände der Volksgenossen kommen soll, für die die gespendeten Dinge bestimmt sind. Die umfangreichen Arbeiten vollziehen sich in vollendeter Ordnung. Neben den Lebensmitteln befinden sich in besonderen Räumen auch noch viele andere Dinge des Obecheffen. Umwandlung der Zellenstrafanstalt Butzbach in ein Zuchthaus. LPD. D a r m st a d t, 17. Dez. Die Justizpressestelle Darmstadt teilt mit: Der Herr Reichsminister der Justiz hat angeordnet, daß die Zellenstraf- anstalt Butzbach mit Wirkung vorn 1. Januar 1936 in ein Zuchthaus umgewandelt wird. Es werden dahin in den besonderen Dollzugsanstalten des hiesigen Oberlandesgerichtsbezirks, der Zellenstrafanstalt Butzbach und dem Landeszuchthaus Marienschloß, nur noch Zuchthausstrafen vollstreckt. Die beiden Anstalten fino zur Aufnahme aller zu Zuchthausstrafen verurteilten Männer aus den Oberlandesgerichtsbezirken Darmstadt und Frankfurt a. M. und aus den Landesgerichtsbezirken Koblenz (Oberlandesgerichtsbezirk Köln) und Siegen (Oberlandesgerichtsbezirk Hamm) zuständig. Gefängnisstrafen von mehr als drei Monaten an verurteilten Männern des Oberlandesgerichtsbezirks Darmstadt müssen vom 1. Januar 1936 ab außerhalb des Oberlandesgerichtsbezirks vollstreckt werden. Zuständig für die Vollstreckung dieser Strafen sind bezüglich aller Jugendlichen des Oberlandesgerichtsbezirks und bezüglich der volljährigen Männer des Landgerichtsbezirks Gießen das Zentralgefängnis Freiendiez, bezüglich der Jungmänner im Alter von 18 bis 21 Jahren aus dem ganzen Oberlandesgerichtsbezirk die Gefangenenanstalt in Heilbronn a.N. und bezüglich der volljährigen Männer aus den Landgerichtsbezirken Darmstadt und Mainz die Gefangenenanstalt in Zweibrücken. Schäferhunde-Prüfung in Großen-Buseck. wg. Großen-Buseck, 17. Dez. Die Fachgruppe für Deutsche Schäferhunde Großen-Buseck hielt dieser Tage die dritte Hundeprüfung dieses Jahres ab. Es nahmen insgesamt 15 Deutsche Schäferhunde teil, und zwar 4 Schutzhunde, 1 Zuchthund und 10 Junghunde. Als Richter war Gauübungswart B r e i t b a ch (Ober- lahnstein) erschienen. Die Ergebnisse der Prüfung: Schutzhundprüfung: Olly vom Busecker Schloß, sehr gut, Führer und Besitzer: Johann Rahn, Trohe; Otmar vom Busecker Schloß, sehr gut, Führer und Besitzer: Wilhelm W e h r u m , Großen-Buseck; Olas vom Busecker Schloß, sehr gut, Führer und Besitzer: Heinrich Henkel, Großen- Buseck; Juno vom Busecker Schloß, sehr gut, Führer und Besitzer: Heinrich Zecher, Großen-Buseck. Zuchtprüfung: Odwin vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Ludwig Schmidt, Großen-Buseck. Jugendveranlagungsprüfung: Prando vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Heinrich Wagner, Großen-Buseck; Pitzo vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Heinrich Harbach, Großen-Buseck; Primus vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Wilh. Kimmel, Großen-Buseck; Prando vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Johann Becker, Rödgen; Pia vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Ernst Schwarz, Beltershain; Rando vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Wilhelm Wehrum, Großen-Buseck; Remo vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Wilhelm Schmidt, Großen-Buseck; Ria vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Ludwig Schmidt, Großen-Buseck; Rest vom Busecker Schloß, vorzüglich, Führer und Besitzer: Karl Alt» Haus, Großen-Buseck; Stern vom Felsenturm, vorzüglich, Führer und Besitzer: Karl Franz, Hochelheim. Außer letzterem sind sämtliche Hunde im Besitze der Mitglieder der Kreisfachgruppe Großen-Buseck und stammen aus dem hiesigen bekannten Zwinger vom Busecker Schloß von Alfred Hahn. Der Richter, Gauübungswart Br e i t b ach, sprach anschließend über die Leistungen der Hunde. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck und erklärte, daß er selten eine Fachgruppe mit derart gutem ausgeglichenen Hundematerial gesunden habe. Nicht ein einziger Hund sei dabei, an dem Wesensschwächen festzustellen seien. Fachgruppenobmann Wilh. Wehrum dankte dem Richter für feine Mühewaltung und sprach dem Uebungswart und Züchter Alfred Hahn (Großen-Buseck) seinen Dank aus. Ihm, sowie H. Zecher, H. Henkel und H. Wagner wurden für Verdienste in der Fachgruppe Ehrennadeln verliehen. Landkreis Gießen. ± Heuchelheim, 17. Dez. Die Frauen- schäft und die Evangelische Frauenhilfe veranstalteten eine gemeinsame stimmungsvolle Adventsfeier. Die Tische des Saales waren mit Tannengrün geschmückt. Vor jedem Platz stand eine Adventskerze. Ehrengäste waren die über 75jährigen und die Einsamen, deren eine große Zahl bis hoch in die 80er Jahre erschienen war. Der erste Teil des Abends war ganz auf Advent und Weihnacht eingestellt. Dem Charakter der Zeit entsprachen die Chöre, die Ansprache des Pfarrers und das weihevolle Adventsspiel. Der zweite Teil des Abends war der heiteren Muse geweiht, unterbrochen von einigen allgemein gelungenen Liedern. Den Abend eröffnete mit einer warmen Begrüßung die Leiterin der Frauenschaft, Frau W o b k e r, das Schlußwort sprach Ortsgruppenleiter W o b k e r. Das gegenseitige Verhältnis von Frauenschaft und Evangelische Frauenhilfe ist dank den beiden Leiterinnen ein vorbildliches. — Chinamissionar Michelfelder von der Basler Mission besuchte letzten Sonntag unsere Gemeinde. Er hielt den Hauptgottesdienst, den Kindergottesdienst, einen Lichtbildervortrag für die Kinder und einen solchen für die Erwachsenen. # Rödgen, 17. Dez. Am Sonntag hielt die hiesige NS. - Frauenschaft im Saalbau Wagner ihre A d v e n t s f e i e r ab, zu der die Frauenhilfe und die alten Leute über 70 Jahre eingeladen waren. Die Gäste waren zahlreich erschienen. Bei brennendem Adventskranz und Weihnachtsbaum begann die Feier. Die Führerin der NS.-Frauen- schaft Frau Lotz begrüßte die Gäste herzlich und dankte für ihr Erscheinen. Einige Kinder trugen schöne Weihnachtsgedichte vor und die Singgruppe Elektro- Warmwasserspeidier stets betriebsbereit Bezug d. d. Fachhandel AEG Nicht müde werden, Annelies? Roman von Bernhard Lonzer. Urheberrechtsschutz: Aufwärts-Verlag, Berlin. 13 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Nach dem Abendessen saß man in dem Turmzimmer hinten im Garten. Die Luft war schwer von Düften und von dem goldenen Licht der scheidenden Abendsonne. Die alten, knorrigen Eichen hoben sich dunkel von dem rötlichen Abendhimmel ab, ruhig lag dahinter das grünlich schimmernde Band des Flusses. Korbinian Sartorius kam eben die Treppe herab, um sich gleichfalls nach dem Turm zu begeben, als ein fremdes, elegantes Auto vor dem Hause anhielt. Er trat an das offene Fenster der Diele. Kam da jetzt noch Besuch? Es schien so. Eine junge, elegant gekleidete Dame stieg aus und rief bepi Chauffeur etwas zu, der gleich darauf mit dem Wagen weiterfuhr. Dann wandte sie sich um, ließ einen kurzen Blick über das Haus gleiten und kam mit raschen, festen Schritten auf die Haustür zu. Korbinian Sartorius räusperte sich und zog die Lust durch die Nase. Aha, das war „sie"! Na, nun würde man ja sehen ... Er war vom Fenster zurückgetreten, da ertönte auch schon die Türglocke. Mit unbewegter Miene öffnete er und machte eine knappe Verbeugung. „Bitte...?" Die Besucherin — es war Mia — umfaßte fein unbewegtes Gesicht mit einem raschen, abschätzenden Blick. „Ich komme zu wenig passender Zeit, aber ich mochte der Frau Senator gern noch guten Tag sagen. Ich habe ihr Grüße zu bringen. Ob gnädige Frau noch empfängt?" „Gewiß!" erwiderte Korbinian Sartorius gemessen. „Frau Rechberg, wenn ich nicht irre...?" „Jawohl!" Mia sah ihn wieder prüfend an. Ob der merkwürdige alte Herr zur Familie gehörte? Ein verteufelt hübsches Weib! Ein gefährlich schönes Weib! dachte Korbinian. „Ich kenne Sie bereits vom Sehen!" sagte er. „So ...? Ich wüßte nicht..." lächelte Mia verwundert und nicht ganz sicher. Wie sonderbar der alte Herr das gesagt hatte! „Es trifft aber zu. Gestern nämlich. Auf dem Rennplatz. „Ach...!" „Ja! Das ist doch interessant — nicht?" „Allerdings..." Mias Lächeln schien im Augenblick wie eingefroren zu sein. Was wußte der Mann? Und wer war er überhaupt? „Sartorius!" verbeugte Korbinian sich wieder knapp. Er schien zu sehen, daß die Besucherin mit dem Namen allein nicht viel anzufangen wußte, darum fügte er mit dem Anflug eines Lächelns hinzu: „Onkel des Herrn Senators und Großonkel von Günter. Und außerdem — freiwilliger, aber, wie ich hoffe, erfolgreicher und daher verdienstvoller Wächter des Hauses Sartorius." Mia lachte leise. Eine ulkige Nummer, dieser Onkel und Großonkel! Aber einer, vor dem man sich vorzusehen hatte. Er hatte so merkwürdig durchdringende Augen, deren Blick die verborgensten Winkel in einem bloßzulegen schien. Der Mann kannte offenbar die Welt und ließ sich bestimmt nichts vormachen. Man muhte auf der Hut sein und versuchen, sich von vornherein mit ihm auf guten Fuß zu stellen. „Das haben Sie entzückend gesagt, Herr Sartorius!" lächelte sie bestrickend und mit einem strahlenden Blick ihrer dunklen Augen. „Wächter des Hauses Sartorius — das klingt großartig, feudal und ein bißchen geheimnisvoll. Empfindsame Natu- ren konnte dabei so ein leises, angenehmes Gruseln überkommen. Man denkt unwillkürlich daran, wie einem die Mutter so wunderbar dunkle'Geschichten erzählte, von geheimnisvollen Wäldern und stolzen Ritterburgen, und wie einem da jedesmal so ein unglaublich süß-banger Schauer über Herz und Körper ging. Wenn man nicht genau wüßte, daß man sich mitten in einer mooernen Großstadt befindet, könnte man sich in dunkle Urzeiten zurückversetzt glauben." <5ie ließ unwillkürlich einen Blick durch die modern ausgestattete, in ihrer ganzen Anlage aber an vergangene Zeiten erinnernde Diele hingleiten. „Es erscheint manches dunkel und ist doch sonnenklar, wenn man nur richtig sehen will!" erwiderte Korbinian Sartorius mit undurchdringlichem Gesicht. „Aber die Herrschaften sind hinten im Turm. Wenn Sie mir also folgen wollen ...!" „Im Turm?" forschte Mia, während sie durch das Haus gingen. „Hat das Haus denn auch einen Turm? Man sieht doch von außen nichts davon." „Er gehört auch nicht zum Hause, sondern liegt hinten im Garten, schließt den Garten mit der Mauer von der Wasserseite ab." Mia ließ einen Ausruf des Entzückens hären, als sie den Garten betraten. Goldenes Abendlicht. lag wie ein zarter Hauch über Bäumen und Sträuchern und ließ alle Blüten in seltsam eindringlicher Schönheit aufleuchten. „Oh — das ist ja wundervoll!" staunte Mia. „Park und Garten in einem. Das reine Paradies, mitten in der Großstadt. Man ahnt nichts davon, wenn man auf der Straße steht. Hier kann man es sich wirklich wohl sein lassen." Immer wieder blieb sie stehen und ließ ein bewunderndes Wort hören. Und dann zeichnete sich vor ihnen die zackige Silhouette des Turmes gegen den rötlichen Abendhimmel ab. Korbinian Sartorius hob die Hand: „Das ist der Turm!" „Oh — wie romantisch! Ein Stück Mittelalter?" „Nicht ganz! Er ist erst später angelegt worden. Und er hat auch seinen Namen, wenn auch nur in der Familie." „Ja...?" „Korbinian Sartorius hat ihm den Namen ,$him= merturm‘ gegeben." „Das ist ja eine merkwürdige und seltene Bezeichnung!" „Besagter Korbinian ist auch ein seltenes und merkwürdiges Tier!" „Ist oder war...? Ich stelle mir darunter einen — sagen wir mal so: ein bißchen griesgrämigen alten Herrn im langschößigen Rock, mit der Puderperücke auf dem Kopfe und steifen Vatermördern unter dem Kinn vor." „Das ist ein ganz klein bißchen danebengeraten, Iurie Sie bei einiger Aufmerksamkeit finden werden. Korbinian Sartorius wandelt nämlich noch heute auf dieser schönen Erde herum." Mia blieb stehen. „Ach, da habe ich ja was Schönes gesagt...! Sind Sie das selbst?" „Es scheint so! Die Bezeichnung ,Shimmerturm* ist übrigens nur scherzhaft gemeint. Aber hoffentlich kommt nicht mal eine Zeit, wo er den Namen zu Recht führt..." „Das wäre allerdings bedauerlich." Korbinian hob langsam die Schultern. „Es gibt Menschen, die Kummer bringen, wohin sie auch kommen. Vor allem dann, wenn sie schon mit der festen Absicht kommen. Wäre es nicht möglich, daß das auch dem Hause Sartorius mal passiert?" Mias Gesicht überzog sich unter seinem Blick langsam mit einer dunklen Röte. „Sie nehmen es mit Ihrer Eigenschaft als Wächter des Hauses Sartorius anscheinend sehr ernst!" entgegnete sie mit leise flackernder Stimme. „Aber muß man sich da nicht fürchten, überhaupt den Fuß über die Schwelle des Hauses zu setzen?" „Das gilt nur für Menschen, die dunkel sind wie ihre Absichten. Wer guten Willens ist, der ist jeder- zeit willkommen." Damit wandte er sich um, weiterzugehen. Stumm folgte Mia ihm. Ein rätselhaftes Licht stand in ihren Augen. Die Tür zum Turmzimmer stand weit offen. Der Senator gewahrte die beiden Herankommenden zuerst und beugte sich verwundert vor. Korbinian Sartorius blieb an der Tür stehen, seine Rechte durchschnitt mit einer seltsamen Bewegung die Lust: „Frau Rechberg...!" meldete er steif. Es klang, als ob er ein Unglück ankündigte. Der Name wirkte elektrisierend. Frau Eugenie richtete sich lebhaft in ihrem Korbsessel auf. Günter mar vor Ueberraschung einen Moment wie gelähmt gewesen; aber jetzt sprang er auf. Mia...? Es traf also ein, was er im stillen gefürchtet hatte — sie kam unvorbereitet, absichtlich natürlich. Da trat sie auch schon ein, ruhig, weltgewandt, ein gewinnendes Lächeln um die Lippen. „Das ist aber nett, Frau Rechberg!" sagte Frau Eugenie und streckte ihr die Haick) entgegen. (Fortsetzung fotgtt) der Frauenschaft brachte unter Leitung von Lehrer Leisenheimer einiae schöne Lieder zu Gehör. Sodann wurde gemeinsam bei froher Stimmung dem reichlich gestifteten Kaffee und Kuchen zugesprochen. Nach der Kaffeepause kam der Nikolaus mit seinen Gaben für jung und alt. Gemeinsam wurden dann noch einige Volkslieder gesungen. Mit Ansprachen von Pfarrer Bönning und Bürgermeister Klos fand die Feier ihren Abschluß. — Bei der gestrigen T r e i b j a g d in unserer Gemar- kung wurden 7 Hasen zur Strecke gebracht. (D Staufenberg, 17. Dez. Die Sammlung der karitativen Verbande erbrachte in unserer Gemeinde rund 23 Mark sowie verschiedene hochwertige Lebensmittel. D M a i n z l a r, 17. Dez. Die Evangelische Frauenhilfe sammelte hier für die Innere Mission (Sammlung karitative Verbände) an Geld etwa 10 Mark und an Lebensmitteln etwa 30 Pfund. * Londorf, 17. Dez. Der Reichsbahnschaffner Georg Hillgärtner und Frau Helene, geb. Wißner, konnten dieser Tage das Fest der silbernen Hochzeit begehen. Das Jubelpaar hat HandwerklicheLeistungdmchHandwerkWsscheine! Ein Appell der Kreishandwerkerschast Gießen. Zeitung" tätig. Dabei spiegelte er verschiedenen Hausfrauen die Einwilligung ihres Ehemannes in die Bestellung vor. Gleichzeitig beleidigte der Angeklagte bei dieser Gelegenheit die hiesige gauamtliche Tageszeitung. in eine moderne umarbeiten zu lassen. Er vereinbart mit einem Polstermeister die Kosten dieser Umänderung mit 100 Mark, bezahlt diesen Betrag an den Meister und erwirbt einen Gutschein, den der Handwerksmeister mit seinem Firmenstempel versieht. Alle Gutscheine tragen trie Unterschrift des Schenkenden. Der künstlerisch ausaestattete Gutschein über die Ausbesserung der Klubsesselgarnitur auf dem Weihnachtstisch erfreut die Frau am Feste. I... möchte seiner Frau einen Wunsch erfüllen und die Küche neu Herrichten lassen. Er vereinbart mit dem Malermeister B. ., daß die Herstellung der Küche ungefähr 75 bis 80 Mark kostet. Er zahlt 50 Mark an, erwirbt den Gutschein, auf dem die Anzahlung vermerkt ist und verpflichtet sich zur Zahlung oes Restbetrages bei Fertigstellung der Arbeit. Eine Frau weiß, daß der Mann Liebhaber von kunstvoll eingebundenen Büchern ist. Sie will ihm einige Bücher einbinden lassen; die Höhe der Kosten ist ihr unbekannt, sie kann auch nicht mehr als 30 Mark ausgeben. Sie erwirbt beim Buchbinder- meister den Gutschein und verpflichtet sich, die Kosten bis zur Höhe von 30 Mark zu zahlen. Der Mann kann sich dann bei dem Buchbindermeister die ihm zusagenden Einbände selbst wählen und trägt den etwaigen Mehrbetrag der Rechnung selbst. Ein Mann will seiner Frau ein Dauerabonnement bei einem Friseur schenken. Er erwirbt den Gutschein, vereinbart mit dem Friseur den Umfang der Leistungen und den genauen Preis. Diesen Gutschein legt er seiner Frau auf den Weihnachtstisch und wird ihr damit viel Freude bereiten. Denn der Gutschein entlastet sie in ihrem Haushaltungsgeld und ist ein praktisches Dauergeschenk. Machen Sie Gebrauch von den Gutscheinen, die Sie bei den Handwerkern erhalten. Das deutsche Handwerk erhebt den Ruf: Vergeßt bei euren Weihnachtseinkäufen auch das deutsche Handwerk nicht! kauft deutsche Wertarbeit in guten deutschen Fachgeschäften! Hand aufs Herz! Haben Sie nicht selbst schon einmal ein Geschenk erhalten, bei dem Sie sich zwar freuten, sich aber dachten: „Hätte ich mir selbst etwas aussuchen dürfen, dann hätte ich mir etwas anderes gewählt. Oder ich würde lieber ein paar Mark draufgelegt und mir eine bessere Qualität gekauft haben." Nicht immer macht auch das Geschenk Freude, wenn man erwartet hat, daß man etwas ganz anderes erhalten würde. Diese Lage ist für den Schenkenden und für den Beschenkten unangenehm. Der Schenkende hat dann nicht den beabsichtigten Zweck erreicht und der Beschenkte ist enttäuscht. Dies alles kann vermieden werden, wenn man bei einem Handwerksmeister einen Welhnachls- gutfchein erwirbt, den man an Stelle des Geschenkes auf den Weihnachtstisch legt. Der Beschenkte hat dann Gelegenheit, sein Geschenk nach seiner Wahl auszusuchen. Er kann sich seine aeheimsten Wünsche befriedigen, will er eine bessere Ausführung, so steht dem nichts im Wege. Er legt dann selbst ein paar Mark zu. Damit zu Weihnachten aber nicht nur Handwerks- aegenstände, sondern auch Handwerks l e i - stunaen geschenkt werden können, kann man diese vom Reichsstand des deutschen Handwerks geschaffenen und propagierten Weihnachtsgutscheine auch für handwerkliche Leistungen verwenden. Der Beschenkte ist dann in der Lage, bei dem Handwerker, bei dem der Schenkende einen bestimmten Betrag vereinbart oder einbezahlt hat, eine handwerkliche L e i st u n g ausführen zu lassen. Damit der Gutschein nicht so nüchtern wirkt, ist er in künstlerischer, weihnachtlicher Form hergestellt, und damit ist gleichzeitig eine Arbeitsbeschaffung für das Buchdruck- und Buchbindergewerbe verbunden worden. Einige praktische Beispiele. Kaufmann N... möchte seiner Frau Gelegenheit geben, ihre unmodern gewordene Klubsesselgarnitur Roch einen lag! Von morgen bis zum 22. Dezember kämpft die hitler-Zugend in unserem Krieg, gegen hunger und Kälte. Dieser Krieg muh enden in einem großen Sieg! Opfert! Und opfert gern! seit 25 Jahren treu zu seinem Heimatblatte, dem Gießener Anzeiger, gestanden, dessen Leserin Frau Hillgärtner schon seit Über 30 Jahren ist. T Großen-Linden, 17. Dez. Gestern wurden am hiesigen Bahnhof durch das Winter- hilfswerk 91 Pakete nach dem Kreise Hanau zum Versand gebracht. Don den Paketen sind 51 in Großen-Linden und 40 in Leihgestern gespendet worden. Ferner wurden für das Winterhilfswerk 168 Zentner Kartoffeln gesammelt. h Großen-Linden, 17. Dez. Der hiesige Ob st - und Gartenbauverein eröffnete seine diesjährige Winterarbeit mit einem Vortragsabend in der Gastwirtschaft Schaum. Der Vereinsleiter, Altbürgermeister Lang, gab seiner Freude Ausdruck über den starken Besuch und begrüßte insbesondere die zahlreich erschienenen Hausfrauen. Er gab einige geschäftliche Mitteilungen bekannt und wies auf Grund von Erfahrungen auf den Anbau von chinesischem Kohl hin, streifte die Benutzung eines vorhandenen Mistbeets in der Zeit der Wachstumsruhe und gab Anweisung zur praktischen Ueber- winterung der verschiedenen Kohlarten. Dann hielt Lehrer Beppler von Wieseck einen Vortrag über „Fortschrittliche Gartenbewirtschaftung unter besonderer Berücksichtigung der Düngung." Die Ernährungsschlacht, so führte der Redner u. a. aus, geht auch alle Gartenbauer an. Mit dem zweiten Kampfabschnitt muß das Ziel auch auf den weiten Gebieten des Gartenbaues erreicht werden, nämlich das deutsche Volk mit Gemüse aus der heimischen Scholle versorgen zu können. Durch bessere Bodenbearbeitung, richtige Sortenwahl und harmonische Düngung wird und muß bei gleichen Aufwendungen eine Mehrerzeugung erreicht werden. Fast alle Bauerngärten leiden an Ueberdüngung mit Stickstoff, während Kali, Kalk und Superphosphat kaum Verwendung finden. Die Folge ist, daß Zwiebeln und Hülsenfrüchte kaum Erträge bringen und Wurzelknollengewächse sowie Kraut und Wirsing wenig haltbar sind. Der Vortragende ließ dann die Arbeiten des Gartenjahres an dem geistigen Auge der Zuhörer vorüberziehen, besprach die Dauerkulturen Erdbeeren und Spargel und anhand von Mustern die leicht zu handhabenden neuzeitlichen Gartengeräte. Auch die Schönheit des Gartens wurde gewürdigt, die in Zucht von einjährigen Blumen, Stauden und Rosen ihren Ausdruck findet und durch vollbehangenes Beeren-, Schalen- und Buschobst aufs beste ergänzt wird. Die von großer Kenntnis zeugenden Ausführungen wurden mit reichem Beifall belohnt. In der folgenden Aussprache wurde u. a. noch die Bekämpfung der hier stark auftretenden Wühlmäuse mit Gift, Gas, und Fallen geklärt und auf die Bepflanzung freier günstiger Wandflächen mit frühreifenden Weinstöcken hingewiesen. Nachdem noch eine Gratisverlosung von Hochstämmen, Busch- und Beerenobst, Sämereien und Gartengeräten unter die anwesenden Mitglieder stattgefunden hatte, wurde die Versammlung in üblicher Weise geschlossen. y Watzenborn-Steinberg, 17. Dez. Der Turnverein „Gut Heil" veranstaltete am Sonntagabend im Dereinslokal „Zum goldenen Löwen" ein Wintervergnügen, das gleichzeitig als Werbeveranstaltung galt. Es wurden gute Leistungen von Turnern und Turnerinnen an Barren, Reck und Pferd gezeigt. Auch die Stabübungen, Reigen, sowie zwei Turnerschwänke fanden reichen Beihall. * Watzenborn-Steinbach, 18. Dez. Auf eine 50jährige Mitgliedschaft bei der Schäferei - Gesellschaft Watzenborn kann der Landwirt Joh. Georg Philipp V. zurückblicken. Er zählt zu den Verfechtern der Auffassung der deutschen Wollversorgung aus eigener intensiver Schafzucht. Deshalb ist er der hessischen Schafzüchterei auch in den Zeiten ihres Niederganges nach dem Kriege treu geblieben, obwohl die Zucht keinen Gewinn einbrachte. Die hiesige Schäferei-Gesellschaft wird das Jubiläum ihres Seniors, dem sie reiche Förderung verdankt, in ihrer kommenden Jahreshauptversammlung entsprechend würdigen. (D Grüninaen, 17. Dez. Die Rheinische Missionsgesellschaft zeigte am Montagabend in unserer Kirche den Missionsfilm „Im Jesu-Dienst von Bethel nach Dftafrifa". Gemeinsam gesungene Lieder umrahmten die Vorführung. * E b e r st a d t, 18. Dez. Unsere Gemeinde wird in Zukunft Aufträge nur noch an diejenigen Betriebe vergeben, deren Betriebsführer und Gefolgschaft geschlossen in der Deutschen A r - b e i t s f r o n t stehen. > Queckborn, 17. Dez. Die hiesige N S. - Frauenschaft veranstaltete im Saale des Gastwirts G ö r n e r t eine wohlgelungene Advents- f e i er. Der Saal war prächtig geschmückt. Die über 70 Jahre alten Gemeindeglieder waren zu dieser Feier eingeladen und erschienen. Die Leiterin der Frauenschaft, Frau S ch i l l i n g e r, begrüßte die zahlreichen Gäste. Nach dem Gesang eines Liedes hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Grünewald, die Adventsansprache. Gedichtvorträge, humoristische Vorträge, und gemeinsam gesungene Lieder ließen die Stunden rasch vergehen. Den hochbetagten Gästen bedeutete es eine große Freude, daß sie im Laufe der Veranstaltung durch die NS.- Frauenschaft mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer fand die Veranstaltung ihren Abschluß. — Obstbauinspektor Rentsch - Friedberg hielt dieser Tage in unserem Orte einen Vortrag über die Pflanzung und Pflege der Obstbäume. Er erinnerte zunächst daran, daß Hessen ursprünglich an der Spitze der obstbauenden deutschen Länder stand, inzwischen aber von Bayern und Baden überflügelt wurde. Er forderte auf, dafür zu sorgen, daß mehr und hochqualifiziertes Obst geerntet werden könne. Vor allem müsse der Schädlingsbekämpfung größere Aufmerksamkeit entgegengebracht werden. Zum Schlüsse seiner Ausführungen sprach der Redner noch über das Pflanzen, Düngen und Ausputzen der Obstbäume. Die Ausführungen wurden mit großem Interesse verfolgt. Im Lause des Abends wurde ein O b st b a u v e re i n gegründet, dem sofort 10 Mitglieder beitraten. Kreis Lauterbach. Lauterbach, 17. Dez. Durch die Baubehörde, die Vertretung der Stadt und die Ratsherren von Lauterbach wurde dieser Tage die neuerbaute Wasserleitung abgenommen. Zunächst wurden die Quellfassuna und die Sammelkammer in der Gemarkung Allmenrod besichtigt. Nach den bisherigen Feststellungen beträgt die Durchschnittsleistung der neuen Quelle 600 cbm in 24 Stunden. Dann wurde die Linienführung der Wasserleitung durch die Gemarkungen Allmenrod, Sickendorf, Heblos und Rimlos verfolgt und erläutert. Auch der Hochbehälter wurde einer Besichtigung unterzogen. Kulturbau-Bürodirektor Jockel gab einen Ueberblick über die Entstehung der Anlage. Der neue Hochbehälter hat ein Fassungsvermögen von 220 cbm; 70 cbm Wasser werden als ständige Brandreserve gehalten. Die Kosten der Gesamtanlage belaufen sich auf 77 800 Mark, zu denen verschiedene Zuschüsse gegeben wurden. Die Stadt hat aus eigenen Mitteln rund 59 000 Mark aufzubringen. Herr Jockel übergab den Schlüssel zum Hochbehälter dem Beigeordneten Gürtler mit dem Wunsche, daß sich die Anlage jederzeit zum Wohle der Stadt auswirken möge. Beigeordneter Gürtler dankte allen, die mithalfen am Werk. Er bezeichnete hierbei die Errichtung der Anlagen als einen wichtigen Beitrag zur Arbeitsbeschaffung. Amtsgericht Gießen. Der E. St. aus Gießen übte am 15. Juli, entgegen der ihm erteilten Erlaubnis, mit zwei Handangeln die Fischerei aus. Durch Strafbefehl wurde er mit 10 Mark Geldstrafe belegt. Dagegen verfolgte der Angeklagte- Einspruch. In der gestrigen Hauptoerhandlung wurde der Angeklagte überführt. Die Strafe wurde daher auf 15 Mark erhöht. Wegen Betrugs und Beleidigung wurde der W.I. aus Essen zu einem Monat Gefäng- n i s verurteilt. Der Angeklagte war am 16. und 19. August in Gießen als Werber der „Neuesten Erfolge unserer heimischen Geflügelzüchter. Vor einigen Tagen wurde die Dritte Reichs- Kleintierschau in Leipzig, die Lehrschau der deutschen Kleintierzucht, geschlossen. Die Ausstellung war überaus reich beschickt. Der Besuch aus allen Teilen Deutschlands war gut, der Umsatz bedeutender als je. Allein 83 auserlesene Hähne der deutschen Herdbuchzuchten aus den zugelassenen Wirtschaftsrassen Weiße Leghorn, Rebhuhnfarbige Italiener, Rote Rhodeländer, Weiße Wyandotten und weiße Reichshühner gelangten zur öffentlichen Versteigerung. Vorn Kleinvieh waren alle Arten vertreten. Es waren allein annähernd 4000 Einzeltiere (Hühner und Tauben) der Reichsfachgruppe Ausstellungsgeflügelzüchter ausgestellt. Die Reicksfachgruppe der Brieftaubenzüchter zeigte den Besuchern über 800 Tiere der siegreichsten Flugtauben aller deutschen Gaue. Die Reichsfachgruppe Imker wartete mit einer Pflichtschau deutscher Honige auf, die mit 6000 Gläsern die Verschiedenartigkeit des deutschen Honigs den Besuchern darbot. In dieser Abteilung waren namentlich oberhessische Bienenzüchter mit ihren Erzeugnissen gut vertreten. Eine Ausstellung von fertigen Seidenwaren lieferte den Beweis, daß der deutsche Seidenbauer der ausländischen Konkurrenz standhalten kann. Die Reichsfachgruppe der deutschen Ziegenzüchter hatte 221 Butter- und 42 Käseproben zur Ausstellung gebracht, während die Reichsfachgruppe der ftantn- chenzüchter mit 1000 Tieren vertreten war. Ferner zeigten die Selbstverwerter von Kaninchenfellen in 400 Nummern, was deutscher Fleiß zustande bringen kann. Die Reichsfachgruppe Pelztierzüchter, unter denen auch Oberhessen vertreten war, hatte 64 Silberfüchse, 13 Nerze, 9 Waschbären und 10 Sumpfbiber zur Schau gestellt. Nachstehend bringen wir ein Verzeichnis der mit Erfolg ausstellenden Kleintierzüchter aus unserer engeren Heimat. Abteilung: Leistungsgeflügel aus Herdbuchzuchten. Johs. Nebel, Ortenberg, ein Stamm Weiße Leghorn, bewertet mit Gut, ein Stamm Rebhuhns. Italiener, ebenfalls Gut. Abteilung: Geflügel (Hühner und Tauben). (Es bedeuten sg-- sehr gut, g = gut, b - befriedigend.) Karl Habicht, Homberg a. d. Ohm, Zwerg- Langshan, schwarz: fg 1 Z, sg 2 Z, sg, dreimal g; Jak. Kappes, Büdesheim, Zwerg - Wyandotten, schwarz: sg 1 Z. Tauben: Betatschte Weißschwänze: zweimal b; Hch. Kraft, Wallenrod, Rheinländer, schwarz: sg 1 Z, sg 1 SZ, sg 3 Z, sg E, bestes Tier der Klasse, zweimal sg; Adolf No hl, Reichelsheim (Wetterau). Tauben: Hessische Kröpfer: sg 1, zweimal sg, g, Phil. Ostheim, Echzell. Tauben: Altdeutsche Kröpfer, schwarz: sg 2; Altd. Kröpfer, getigert: sg 1 Z; Altd. Kröpfer, tigerscheckig: sg 1, bestes Tier der Klasse und sg; Altd. Kröpfer, blau: sg 1, bestes Tier der Klasse, sg 1 Z, sg 1, sg 2, sg 3, sg, g; Friedr. Stotz, Laubach, Rheinländer, schwarz: sglSZ, zweimal sg, g; Emil Valddor, Wetzlar: Zwerg-Wyandotten, silber: sg 1 SZ, g; Willi Wagner, Gleiberg, Zwerg - Paduaner, chamois: sg 1, sg 2, zweimal gut. Abteilung: Reisebrieftauben. Fritz Jost, Wetzlar, blaue Reisebrieftauben, sg l, sg 2. Abteilung: Bienenwirtschaftliche Erzeugnisse. Heinrich Lang, Donsbach im Dillkreis, Honig, Bewertung 1; Heinrich Schmidt, Lehrer in Kesselbach, Honig, Bewertung 3; Ludwig Kimpel, Ulrichstein (Schmidtmühle), Honig, Bewertung 2; Heinrich Weckler, Rendant in Rockenberg, Honig, Bewertung 2; Heinrich Mann, Oberpostsekretär in Büdingen, Honig, Bewertung 3; Gotthard Bodenbender, Gießen, Honig, Bewertung 1; Wilhelm Klippert, Rixfeld, Honig, Bewertung 2; August B e ch t h o l d, Bahnvorsteher in Heldenbergen, Honig, Bewertung 3; Friedrich Braun, Lehrer in Rodheim v. d. Höhe, Honig, Bewertung 3. Abteilung: Ziegen (Butter- und käfebereitung). Jakob Michel, Kölbe bei Marburg, Butter, Bewertung 2; Heinrich Heuser, Kappel bei Marburg, Butter, Bewertung 2. Abteilung: Pelztiere. Otto Jäger, Inheiden, Waschbären, Rüde, geboren 1932, Klasse 1, 1. Preis und Ehrenpreis; Rüde, geboren 1934, Klasse 1, 1. Preis und Ehrenpreis. Du willst zu Weihnachten echte Freude machen ? 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