llr. 218 Erstes Blatt 185. Jahrgang Mittwoch, 18. September 1935 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Dietz euer Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. , --25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Siehe» Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäts-Vuch- und Steindrucke«! «.Lange in Sichen. 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Ls besteht aber guter Grund zu der Annahme, datz die Zusammenarbeit Frankreichs mit Grohbritannien zur Erhaltung des Friedens in Europa sich in der nahen Zukunft möglicherweise viel enger und vertrauensvoller ge st alten wird. Dies würde das natürliche Ergebnis gewisser Zusicherungen sein, die Grohbritan- nien vielleicht bald in der Lage sein wird, Frankreich zu machen, falls Frankreich seiner- feite zeigt, dah es nach wie vor der Völker- bundssahung volle Wirksamkeit zu geben wünscht. Keine Aussicht auf Annahme der Vorschläge des Fünferausschuffes durch Italien. Italiens Angriff 1 wird sürAnsang Oktober erwartet Enge Zusammenarbeit zwischen England und Frankreich. London. 18. Sept. (DRV. Funkspruch.) Rach tzen letzten Rachrichten aus Genf unterscheiden sich vie am Dienstag vom Fünfer-Ausschuh lertiggestellten Vorschläge nicht wesentlich von den Parier Vorschlägen Englands und Frankreichs. Infolgedessen wird, ganz abgesehen von den zahl- , eichen eindeutigen Aeuherungen Mussolinis und »er italienischen Presse, mit einer Verwerfung Des Schiedsplanes durch Italien ge- rechnet, und es wird befürchtet, dah in absehbarer Zeit der Angriff auf Abessinien beginnen werde. Rach Meldungen aus Addis Abeba dürfte die Regenzeit am 27. September ihr Ende linden. Da der Boden dann noch mehrere Tage oufgeweicht und morastifch bleibt, werden keine militärischen Operationen der Italiener vor den I et ff en Oktobertagen erwartet. Auch ..Daily Telegraph" sagt in einem Bericht aus Genf, kein einziger Delegierter zweifele daran, dah Mussolini »einen Fetdzug beginnen müsse. Rach sehr zuver- i affigen Mitteilungen werde er damit dem Ratso !?rfahrener leitender Männer wie Marschall Balbo und angeblich sogar des italienischen Oberkommandos in Ostafrika zuwiderhandeln. Das Blatt sagt weiter, es müsse angenommen werden, daß Abessinien die Vorschläge des Funser- Ausschusses als Derhandlungsgrundlage annehmen, Italien sie aber ablehnen werde. In diesem Falle würde es der Völkerbund nicht nötig Haben, mit gefalteten Händen auf den italienischen Angriff iiu warten. Der Dölkerbundsrat würde in der Lage sein, auf Grund der Artikel 10 und 11 der Völker- sundssatzung geeignete Abwehrmahnah- rn e n zu beschließen. Falls die Dinge sich in der erwarteten Richtung entwickele, bestehe Grund zu der Annahme, daß der Völkerbund dies auch tun werde. Der Bericht wiederholt dann „auf Grund zuverläs- iiger Informationen" die schon öfter in der Presse geäußerte Vermutung, daß Mussolini seine Truppen nur soweit in Abessinien einrücken lassen wolle, »aß er einen vorteilhaften Frieden abschließen Vönne, doch scheine Rom die Tatsache unbeachtet zu I rassen daß der Völkerbund nicht in der Lage sein werde, eine BelohnungfüreinenAngriff sju gewähren. Der Berichterstatter schließt: Zwei neue Faktoren sind in Mussolinis Berechnung eingetreten. Der erste ist der kraftvolle und entschlossene widerstand des Völkerbundes unter Führung Grohbritan- niens. Der Duce sucht etwaigen aktiven Mahnahmen Großbritanniens dadurch zu begegnen. Genfer Vefprechungen über Sühnemaßnchmen gegen Italien. Er sei in arabischer und französischer Sprache abgefaßt und würde durch geeignete Lichtbilder ergänzt. Don italienischer Seite beeinflußte Aussätze in den arabischen Blättern wenden sich an die ägyptische Empfindlichkeit und behaupten, die Verteidigung der abessinischen Souveränität durch Großbritannien verttage sich nicht mit seiner Weigerung, Aegypten wahre Unabhängigkeit zu geben. Schließlich richte derRundfunksender Bari täglich in arabischer Sprache bösartige Angriffe gegen die brittsche Polittk im nahen Osten. Die Sicherung Aegyptens. London, 17. Sept. (DNB.) „Star" steht der Begründung für die Entsendung von italienischen Verstärkungen nach Lydien skeptisch gegenüber, weil diese Maßnahme in Wirklichkeit den Versuch darstelle, die Aegypter ein- zu schüchtern. Tatsächlich sei man in Aegypten sehr beunruhigt, weil man über keine nennenswerten eigenen Streitkräfte verfüge. Aus diesem Grunde wende man sich auch an England um Schutz. „Star" hält den Augenblick für gekommen, um eine aufrichtige englisch-ägyptische Zusammenarbeit unter Verzicht auf kleinliche Em- mischungsversuche in die inneren Angelegenheiten Aegyptens zu sichern. Zn der geheimnisvollen Zusammenziehung italienischer Streitkräfte auf Rhodos und den benachbarten Inseln habe England eine mögliche Bedrohung P a l ä st i n a s zu sehen. Die verdächtige Ansammlung italienischer U-Boote und Zerstörer in den griechischen Gewässern hat offenbar den Zweck, für den Fall von Sühnemaßnahmen Vorkehrungen für eine Beschlagnahme der Handelsschiffe anderer Mächte zu treffen. London, 18. Sept. (DNB. Funkspr.) Nach Pressemeldungen aus Genf sind dort st r e n g vertrauliche Besprechungen über die Frage der Anwendung von etwaigen Sühnemaßnahmen gegen Italien geführt worden. Die Anregungen hätten sich aber nur auf wirtschaftliche Sühnemaßnahmen bezogen. Dabei soll, wie Reuter berichtet, eine internationale Autorität erklärt haben, Oe st erreich habe die Schlüssel st ellung. Angenommen, es fei möglich zu verhindern, «daß Italien auf dem Seewege bestimmtes Material erhalte, dann liege die Frage der Belieferung vom Lande her über Frankreich, die Schweiz, Oesterreich und Jugoslawien nahe. Wenn Frankreich und Jugoslawien Sühnemaßnahmen zustimmen würden, die Haltung Oesterreichs aber ungern i ß bleibe, dann würde die Schweiz keinen Schritt tun können. Die Stellung der Schweiz sei Um eine technische und militärische Verbindung zwischen Armee und Miliz herzustellen, hat Mussolini eine besondere Behörde unter seiner direkten Kontrolle eingerichtet, der ein General, gewissermaßen als Minister der Miliz, vorsteht. In allen Offiziers- und Unteroffiziersschulen sind der Faschismus, feine Lehren, Einrichtungen, staatlichen Auffassungen und Ziele Lehrfach. Um in der Armes Verständnis zu wecken für die Art und Bedeutung wirtschaftlicher und sozialer Fragen und Organi- fation, das heißt für jene Dinge, die dem Soldaten am fernsten zu liegen pflegen und ihn einem Staat mit sozial-revolutionärem Gehalt gegenüber zu einer kastenmäßigen Abschließung oder geheimen Gegnerschaft verleiten könnten, werden auf Anordnung Mussolinis die technischen Führer der Armee mit Vertretern der Unternehmer- und Arbeiterschaft zu» Bespechung und Beratung der gemeinsamen Aufgaben der Landesverteidigung und Kriegsführung in Verbindung gebracht. Seine Ziele, die Militarisierung der Nation und die Erfüllung der Armes! Piemont und der Faschismus. Die einzige militärifche und foldattfche Tradition in Italien ist die Piemonts, des kleinen Stammlandes des favoyischen Hauses, des Kern- landes des Königreiches Sardinien, von dem die nationale Einigung Italiens ausgegangen ist. Sie ist spärlich mit kriegerischem Lorbeer geschmückt, denn sie hatte viele Enttäuschungen und Mißerfolge auf blutigen Schlachtfeldern zu über- winden; aber sie ist ehrenvoll durch das zähe Verfolgen eines nationalen Zieles, durch Manneszucht, Ritterlichkeit und durch treuen Dienst an der Dynatt e und ihrer historifchen Aufgabe. Die pienwnte- ische Tradition war auch die der italieni- ch e n Armee; sie bildete im demokratischen Parteienstaate das schützende Bollwerk gegen republikanische Bestrebungen und legte sich wie em Mantel über die Neigung, regionale Unterschiede in dem spät zusammen geschweißten Lande zu betonen, die nicht geringer ist, als in Deutschland. Der Vergleich Piemonts mit Preußen ist bekannt; er bezieht sich auf den nüchternen, arbeitsamen, männlichen Charakter des einzelnen, rote auf die historische Leistung der Politik und der Armee. Gemeinsam ist auch das hohe Maß von Achtung und Bewunderung, wie das minder hohe von Liebe und Fügsamkeit, das ihm von den anders aearteten Gliedern der Nation entgegengebracht wird. Bei Uebernahme der Regierungsgewalt durch den Faschismus folgte die Armee nicht nur äußerlich, sondern auch in ihrer Gesinnung der Tradition des Hauses Savoyen, national-revolutiona- ren Bewegungen keinen Widerstand entgegenzusetzen, sondern sich mit ihnen zu verbünden Die Armee bejahte den nationalen Gehalt des neuen Regimes; wie sie sich zu seinen übrigen politischer Lehren und Programmen stellt, mag zweifelhaft bleiben. Wer die Entwicklung des faschistischen Italiens verfolgte — und die ganze Welt tat es, weil es werbend und beispielhaft wirkte — erinnert sich, daß besonders in den ersten Jahren viel von Gegensätzen zwischen Armee unö Faschismus die Rede war und daß dessen innere und äußere Gegner darauf ihre politischen Kombinationen und Weissagungen zu knüpfen pflegten. Die sie begleitende Kolportage liebte es, dem Thronfolger eine besondere Rolle dabei zuzuschreiben. Wenn man als Kern dieser unernsten und unkontrollierbaren Gerüchte nach einem staatspolitischen Problem sucht, so ist es folgendes: Der Faschismus war kein Regierungswechsel, sondern eine Umwälzung, die den ganzen Staat, also auch die Armee ergriff und beansprucht. Er brachte, was hier vor allem wichtig ist, eine bewaffnete Macht mit, die faschistische Miliz der Schwarzhemden, mit der er den Staat erobert hatte. Die Stärke dieser Parteitruppe, die sich nur aus Freiwilligen und Mitgliedern der Partei zusammensetzt, beträgt gegenwärtig an die 400 000 Mann, die auf den Duce zu unbedingtem Gehör- sam vereidigt sind. Die Aufgabe der Miliz war zuerst die Niederhaltung des politischen Wider- stands, die politische .Kontrolle des Landes und feiner öffentlichen Einrichtungen, Verwendung im Luft-, Grenz- und Küstenschutz usw. Sie steht bis auf einige Formationen mit besonderer Aufgabe nicht unter den Waffen, ist aber militärisch ausgebildet, genau nach dem Vorbild der Armee gegliedert und wird von Offizieren des Beurlaubtenstandes befehligt, bildet also politisch wie militärisch eine Reserve zu sofortiger Verwendung. Der Faschismus verfügt so über eine eigene Armee mit zunächst politischer Aufgabe, die aber jeden Augenblick militärisch werden kann. Daß das Nebeneinander-Bestehen zweier Armeen, von denen die eine auf den Staat, nicht auf die Partei, dis andere auf den Staat und die Partei verpflichtet ist, liegt in der Natur der Sache und der Menschen, die ihr dienen. Die großen Gesichtspunkte pflegen in solchen Verhältnissen weniger Schwierigkeiten zu machen, als die kleinen, die bedeutenden Menschen weniger, als die zu Jntrigue, Eifersucht oder Eitelkeit neigenden. So mag auch die Arbeit an diesem staatspolitischen Problem, die von piemontesischer Tradition erfüllte königliche Armee geistig und poh- tisch mit dem bewaffneten Faschismus auf eine Liste zu bringen, häufigen Störungen und Schwierigkeiten begegnet fein, die in jenen Gerüchten und Spekulationen ihren sensationellen Niederschlag gefunden haben. Tatsache ist nur, daß man aus verschiedenen Anzeichen und Vorgängen die Erfassung und Auflösung des Problems und die ordnende Hand Mussolinis erkennen kann, dem die Miliz als ihrem Schöpfer und Führer, die Armee als dem lauten Herold soldatischer Tugenden, als dem militärischen Erzieher der Jugend und als dem nationalen Erwecker in gleicher Weise verpflichtet In Aegypten bemühen sich die britischen Militärbehörden um genaue Angaben über die Straßen nach der westlich gelegenen Wüste und um die Schaffung von telephonischen und telegraphischen Verbindungen dorthin. Die ägyptischen Behörden sollen bereits eine Aufteilung und Verstärkung der dort vorhandenen Streitkräfte oorgenommen haben. Während die ägyptischen Grenzbehörden die Bewegungen italienischer Truppen jenseits der Grenze genau überwachen, stellten die Italiener bereits an mehreren Stellen eine Sperre aus Drahtverhauen her. Ein Teil der vor Alexandrien liegenden britischen Flotte ist inzwischen nach Port Said und dem Roten Meer verlegt worden. Einige Schiffe bleiben vor Suez und Jsmailia, andere liegen vor Port Sudan. Die Suezkanal- Zone wird stark überwacht. Der Bevölkerung ist bac Betreten bestimmter Bezirke streng verboten worden. Die britischen Behörden sind bei dem König Ibn Saud wegen der Ueberwachung der Küste des Hedschas vorstellig geworden. Dailn Erpreß" meldet, aus Rom fei die überraschende Nachricht eingetroffen, daß 30 000 italienische Soldaten, die am Sonntag von Neapel anscheinend nach Ostafrika abgefahren waren, nach L y b i e n g e s o n d t worden seien. Aus Kairo werde berichtet, Italien habe bereits 80000 Mann in Lybien. besonderer Art, da dieses Land in erheblichem Maß auf den Handel mit Italien angewiesen fei. Gemäß ihren Neutralitätsrechten nehme die Schweiz nicht an militärischen Maßnahmen teil und gestatte keine Truppenbewegung durch ihr Gebiet. Nach englischer Auffassung sei aber nicht einzusehen, was die Schweiz gegen roirt- chaftliche Sühnemaßnahmen vorzubringen habe. Auch die „Times" schreibt, bisher seien nur einige wirtschaftliche Sühnemaßnahmen erörtert worden, außerdem aber sei es zu einer unformellen Besprechung zwischen Sachverständigen über Derteidigungs maßnah men gekommen, die im äußersten Falle in bestimmten Gegenden notwendig werden könnten. Laval sei wahrscheinlich nicht gewillt, über rein wirtschaftliche Maßnahmen hinauszugehen. Man glaube sogar, daß er Italien ein Versprechen in diesem Sinne gegeben habe. Der Genfer Berichterstatter des „Echo de Paris" ist stark beeindruckt, durch die Vorbereitungen, die die e n g l i f ch e Regierung getroffen habe. Sie mache ihre Flotte und ihre Luftflotte in steigendem Maße mobil, vor allem im Roten Meer. Mithin erwarte sie von den weiteren Verhandlungen mit Baron Aloisi nichts und fasse das schlimmste ins Auge. Es scheine, daß sich England gegenwärtig seiner Macht bewußt werde und plötzlich aus der äußersten Apathie in den Zustand der Energie verfalle. Es nähere sich wieder Frankreich, was chm um so eher möglich sei, als auch Laval sich für die Anwendung finanzieller und wirtschaftlicher Sühnemaßnahmen ausgesprochen habe. Man frage sich sogar, ob eine ausdrücklich betonte französisch-englische Solidarität nicht das sicher st e Mittel wäre, den abessinischen Schaden auf das Mindestmaß zu beschränken und den Frieden zu erhalten. Auch „Oeuvre" legt die Betonung auf die englischen Flottenvorbereitungen und auf die Aussichtslosigkeit der Annahme des Rahmenentwurfes des Fünfer-Ausschusses durch Rom. In den Wandelgängen Genfs kritisiere man sehr die französische Unterstützungspolitik für Italien. Man sei der Ansicht, daß Frankreich sicher mit Nutzen für feine internationale Stellung b i e neuesten Erklärungen Mussolinis hätte zum Vorwand neh- men können, um seinerseits bekanntzugeben, daß es diese italienische Politik wegen der Opposition nicht nur Großbritanniens, sondern noch anderer Länder nicht länger unterstützen könne. Der „Matin" veröffentlicht, die Erklärungen Mussolinis, die Frankreich zu einer eindeutigen Stellungnahme aufforderten. Das Blatt erklärt, was dem einen recht fei, fei dem an« b e m billig. Selbst nach den Dölkerbundsfatzun- gen gebe es P o 1 i z e i o p e r a t i o n e n mit Maschinengewehren, Tanks und Flugzeugen, die nicht Krieg seien. Weshalb solle Italien nicht dasselbe Recht in Abessinien haben wie England im Irak oder in Indien? Weshalb könne Abessinien, selbst wenn es eines Tages einem römischen Reiche einverleibt werden sollte, nicht weiter Dölkerbunds- rni t glie d bleiben ro i e Indien, Irak und S ü b a fr i f a ? Es läge boch kein Grunb vor, über Europa einen Krieg zu entfesseln, weil sich Italien vorbehalte, Schwarze genau so zu behanbeln rote England Weiße behandelt habe. Die italienische Propaganda in Aegypten. London, 18. Sept. (DNB. Funkspr.) „Times" : berichtet über italienische Propaganda in Aegypten, die im letzten Monat besonders reae gewesen sei. Ihr Ziel sei offenbar, Italiens Haltung in möglichst günsttges Licht zu stellen, Großbritannien herabzusetzen, bte Gegensätze zwischen Großbritannien und Aegypten hervorzuheben und Großbritannien in Aegypten Schwierigkeiten zu bereiten. Hauptträger der Propaganda sei d e r italienische Nachrichtendienst der den ägypttschen Blättern unentgeltlich zugestellt werde. Die Vorschläge. Keine Erweiterung des Pariser Planes. Paris, 18. Sept. (DNB.»Funkspruch.) Eine Agentur-Meldung aus Rom deutet bereits darauf «in, daß die Vorschläge, die der Fünfer-Aus- ch u ß Italien zur friedlichen Beilegung des (Streitfalles mit Abessinien machen konnte, von Musso- ini als unannehmbar abgelehnt werden. Heber die noch geheim gehaltenen Vorschläge i'es Fünfer-Ausschusses will der Berichterstatter des .Echo de Paris" sagen können, daß sie kaum über )«ie französisch-britischen vom 15. August in Paris ■itnausgtngen, d. h. ein hundertprozentiges nternationales Regime in Abessi- i i e n, wobei die abessinische Oberhohett auf eine Fiktion beschränkt würde. Dem Negus würde ein Hauptbeirat zur Seite gegeben, der weder Italiener, noch Franzose, noch Engländer fein Jiürfe (also keinem der Länder angehören solle, lieren Kolonien an Abessinien grenzen). Der Genfer Sondervertteter der „Time s" beichtet interessante Einzelheiten über ben Staub der Fünfer-Verhandlungen. Baron Aloisi habe in einer Besprechung mit Laval erklärt, baß bie Vorschläge lies Fünfer-Ausschusses nichts zu enthalten scheinen, was für bie italienische Delegation ein Verbleiben in Genf ber Mühe w e r t machte. Laval habe barauf geantwortet, baß biefe Dor- rfjläge lebiglich als Erörterungsgrund- a g e und nicht als endgültige Lösung betrachtet »erben müßten. Die britische Delegation habe biefer Auffassung zugestimmt. Die Einzelheiten bes Berichtes sollten möglich geheim bleiben bis b i e A n t- »orten ber Abessinier unb Italiener ringegangen seien. Soviel könne aber gesagt werden, daß ber ausbrückliche Wunsch ber Abessinier nach wirtschaftlichem Beistand voll berücksichtigt »erbe, ebenso wie man bie italienischen Forberun- :,en berücksichtige, soweit ber Ausschuß sie für vernünftig halte. Die Behanblung von territorial en Zugestänbnissen im einzelnen sei n ich t Sache des Ausschusses. Solche Zugeständnisse müßten aus diplomatischem Wege Gehandelt werden. Es sei vorgesehen, daß die Ernennung von Beamten in Abessinien nicht -ohne Zustimmung des Negus erfolgen liürfe. Kunst und Wissenschaft. Der Tiecfchriftsleller Egon von kapherr f. Der bekannte Natur-, Jagd- und Tierschllderer Egon von Kapherr ist, 56 Jahre alt, in diesen Tagen g e st o r b e n. Kapherr entstammt väterlicherseits einem uralten Hause von Jägern und Grundbesitzern, seine Mutter kam aus einer livländischen Adelsfamilie, seine Witwe ist eine kaukasische Prinzessin. Kapherr hat als Forstmann und Jäger die weite Welt bereist und Reh und Fuchs, Wolf und Rotkehlchen, Hase und Elch, Elefant und Krähe, Eichhörnchen und Bär in zahlreichen Büchern lebendig geschildert. Die Herbstneuerscheinungen der Deutschen Verlags-Anstalt. Auf dem Gebiete der schönen Literatur wird die Deutsche Verlags-An st alt, Stuttgart-Ber« lin, demnächst folgende Werke veröffentlichen: Hervey Allen: Antonio Adverso. Aus dem Englischen übertragen von W. E. Süskind und Rudolf von Scholtz. Waldemar B o n s e l s : Der Reiter in der Wüste. Eine Amerikafahrt. Henry Benrath: Die Kaiserin Konstanze. Kurt Eggers: Herz im Osten. Der Roman Li Taipes, des Dichters. Theo L. Goerlitz: Christian Olegaard. Anfang eines Lebens. Roman. Hein Kruse: Der Gefallene ruft. Roman. Agathe Lindner: Madonna an der Treppe. Die Geschichte eines leidenschaftlichen Lebens. Lord M o t t i st o n e : Mein Pferd Warrior. Mit einem Geleitwort von Rudolf G. Binding. Clara Nordström: Roger Björn. Roman. Rudolf P r e s b e r : Ich gehe durch mein Haus. Erinnerungen. Ina Seidel: Meine Kindheit und Ju- aend. Ursprung, Erbteil und Weg. Albert Tal- yoff: Heilige Natur. Dichtungen. Clara Die big: Der Vielgeliebte und die Dielgehaßte. Roman. Josef Winckler: Die goldene Kiepe. Heitere und ernste Erzählungen. Ernst Zahn: Der Weg hinauf. Roman. — Weitere in Vorbereitung befindliche Werke: Marie von Bunsen: Die Nichte Talley- rands, Herzogin von Sagan. M. I. Krück von P o t u r z y n : Antonius und der Grieche. Roman aus der Zeit des römischen Friedens. Michael Prawdin: Das Erbe Tschingis-Chans. — Als verbilligte Neuausaaben erschienen: Hermann Stege m a n n : Der Kampf um den Rhein. Waldemar Dönsels: Mario und die Tiere. — Der Verlag F. A. Perthes bringt für die Jugend: P. L. Trave r s : Jungfer Putzig. Mit 40 Zeichnungen von Mary Shepard. Litauische Stimmungsmache in Gens. Dreiste Lerdrehungskunststücke des litauischen Außenministers. mtt dem Geist des Faschismus, begegnen sich in der hier gestellten Aufgabe, die natürlichen Rivalitäten allmählich zu beseitigen, den Faschismus piemontesisch zu machen, die piemontesische Tradition in eine faschistische zu entwickeln. Für seine kluge Erkenntnis, daß Äußerlichkeiten von großer Bedeutung sind, ist bezeichnend, daß die Neuuniformierung der Armee im letzten Jahre durch die Einführung einer sportlichen Bluse mit offenem Kragen auf grau-grünem Hemd und mit schwarzer Krawatte nur noch wenig Unterschied zwischen dem Aeußeren des Soldaten und des Milizmannes läßt. „Slrniee und Nation", erklärte Mussolini, „sind unzertrennliche Begriffe im Leben und in der Geschichte, besonders in unserer Zeit, in der neue Probleme sich stellen, neue Kräfte in die Schranken treten." Ob die Faschisierung der Armee so gut wie vollendet, in welchem Maße sie fortgeschritten ist, kann man von außen und wahrscheinlich nicht einmal in Italien selbst genau wissen. Durch verschiedene Maßnahmen ist neuerdings der Eintritt von Offizieren in die Partei erleichtert worden, was ein gewisses Vertrauen der Parteileitung vorayssetzt. Der beste Beweis aber, daß ein reibungsloses Zusammenwirken zwischen Armee und Miliz erwartet wird, ist die Mobilisierung gleich starker Kontin- gente für den afrikanischen Feldzug. Den fünf Armeedivisionen entsprechen fünf Divisionen Schwarzhemden. Piemont und die faschistische Revolution ziehen zum erstenmal gemeinsam in den Krieg. Wenn sie siegreich zurückkehren, wird von Unterschieden nicht mehr die Rede sein. Solche Fragen werden schlüssig nur „durch Blut und Eisen" gelöst, sagte einst jemand! Rom vor wichtigen Entschlüssen. Rom, 18. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Der heute erneut zusammentretende italienische Ministerrat wird bereits zu den Vorschlägen des Genfer Fünfer- Ausschusses Stellung nehmen. Ihre Ablehnung durch Italien steht außer allem Zweifel. Der heutige Genfer Bericht des „Messaggero" ist weit über das gewohnte Maß hinaus scharf ablehnend gegen die augenblicklichen Bemühungen des Völkerbundes. Die Arbeiten des Fünfer-Ausfchusfes, der nur „b e - reits abgeleynte Vorschläge wieder auf wärmt", werden von vornherein in Grund und Boden verdammt. Im gleichen Bericht wird mit großer Empörung von „neuen englischen Erpressungsversuchen" gegenüber Frankreich gesprochen. Sie hätten in Genf beträchtliche Verwirrung und Bestürzung hervoraerufen. England verlange nunmehr sogar verpflichtende Erklärungen Frankreichs zur Sanktionsfrage, ehe es feine eigene Stellungnahme festlege. „Times" meldet, die heutige Sitzung des f a schift i f ch en Großen Rates werde mit einiger Sorge erwartet, da sie eine entscheidende Wendung im guten oder schlimmen Sinne herbeiführen könne. Niemand würde überrascht sein, wenn diese Sitzung den Bruch Italiens mit dem Völkerbund herbeiführen würde. Mussolini soll auf der letzten Sitzung des italienischen Kabinetts erheblichen Wider st and gefunden haben. Diese Gerüchte seien in Genf mit Interesse verzeichnet worden. Man habe Mutmaßungen über die Möglichkeit geheimer, nachhaltiger Meinungsverschiedenheiten in Rom angestellt. Niemand sei aber optimistisch, davon eine Aenderung der Entwicklung des gegenwärtigen Streites zu erwarten. Die italienische Delegation in Genf sei äußerst beunruhigt über die energische Haltung Großbritanniens und den beinahe allgemeinen Zusammenschluß anderer großer und kleiner Nationen unter englischer Führung. Italienische ll-Boot-Zlottil e m einem spanischen Hafen? London, 18. Sept. (DNB. Funkspruch.) Reuter meldet aus Gibraltar: Es wird erwartet, daß am Mittwoch eine italienische U-Boot- Flottille in Malaga, dem spanischen Hafen, der 100 Kilometer nordöstlich von Gibraltar liegt, eintreffen wird. Zehn spanischeFlugzeuge werden in Algeciras (10 Kilometer westlich von Gibraltar) am Mittwoch aus Gibraltar erwartet. Die Flugzeuge sollen Manöver zwischen Tarifa und Algeciras ausführen. Genf, 16. Sept. (DNB.) Der litauische Außenminister erklärte in der Völkerbundsversammlung: Angesichts gewisser Kundgebungen außerhalb dieser Versammlung habe ich im Bewußtsein der Verantwortung meines Landes gegenüber der gesamten internationalen Gemeinschaft sowie feiner Stellung zu dem Problem Osteuropa von dieser Tribüne und vor der zivilisierten Welt feierlich zu erklären: Daß die loyale und r e ft I o f e Beachtung aller internationalenVerpflich- tungen das Wesen der äußeren und inneren Politik der litauischen Regierung bildet, daß meine Regierung stets bereit ist, mit allen Befugnissen zu einem freundschaftlichen u n d loyalen Gedankenaustausch über die Durchführung ihrer internationalen Verpflichtungen zu schreiten, daß meine Regierung dazu bereit ist, alle Meinungsverschiedenheiten über ihre internationalen Verpflichtungen gegebenenfalls dem durch die Verträge vorgefehenen Versah- r e n zu unterwerfen. Diese Richtlinie ist schon wiederholt eingehalten worden und hat immer positive Ergebnisse gezeitigt. Ich bin fest davon überzeugt, daß diese Haltung meiner Regierung als eine hinreichende Grundlage für diel o y a l e Zusammenarbeit unter allen Beteiligten aufaefaßt werden muß. Daher kann die Berücksichtigung gewisser Erklärungen eines Landes, die dazu angetan sind, die Atmosphäre des guten Einvernehmens und der Zusammenarbeit unter den Völkern zu trüben, nicht anerkannt werden. Es erscheint mir angezeigt, zum Schluß hinzuzufügen, daß mein Land feinen Glauben und seine Hoffnung auf die Solidarität der Länder setzt, die unter der Aegide des Völkerbundes vereinigt sind, dessen Aufgabe nicht nur darin besteht, Streitigkeiten zu schlichten, sondern auch zu verhüten. Die Geschichte meines Landes weiß sehr viel von erlittenem Unrecht zu berichten, aber sein Glaube an das edle Ideal der Menschheit hat niemals gewankt. Litauen bleibt unbesorgt für die Unversehrtheit seiner Ehre. Der Führers unmißverständliche Warnung an Litauen in seiner Nürnberger Reichstagsrede hat Nürnberg, 17. Sept. Der letzte Tag des Parteitages der Freiheit brachte eine Reihe bedeutsamer Sondertagungen. Auf der Sondertagung des 21grarpoliti = schen Apparates erklärte Reichsleiter und Reichsminister D arrä u. a., daß der agrarpolitische Apparat mit freudigem Stolz von sich fagen könne, von Anfang an für d i e Blutfragen unserer Rasse in vorderster Front gekämpft zu haben. Die jüngsten Ereignisse haben bewiesen, wie richtig diese eindeutige Zielsetzung gewesen sei. Wenn es dem agrarpolitischen Apparat gelungen sei, das deutsche Bauerntum zu einen, so sei dies nicht etwa möglich gewesen, weil wirtschaftliche Vorteile im Vordergrund gestanden hätten, diese Einigung sei vielmehr unter rein weltanschaulichen Gesichtspunkten geführt worden. ♦ In der Sondertagung der Kommission für Wirtschaftspolitik erläuterte Pg.Köhler, daß die Kommission kein Organ zur Vermittlung zwischen Wirtschaftsinteressen und Regierung sei, auch keine Nebenregierung oder Ueberregierung, und ebensowenig sei es ihre Aufgabe, die Wirtschaft zu organisieren. Die Aufgabe der öffentlichen Kontrolle habe die Partei übernommen, die wirtschaftspolitische Gruppe sei daher mit dazu da, Meldeapparat zu fein. Ihre zweite Aufgabe sei es, den politischen Willen und die politische Haltung zum Bewußtsein jedes Einzelnen zu bringen in aller Welt starken Eindruck gemacht und sogar die litauische Regierung selber scheint gemerkt zu haben, daß ihre Sache brenzlich wirb. Sie weih zwar aus allen bisherigen Erfahrungen, daß die Signatarmächte des Memelstalutes nichts Ernsthaftes gegen ihre llebertretung des Vertrages unternehmen wollen. Sie scheint sich aber nun doch auch die andere Frage zu überlegen, ob diese Signatarmächte ihr tatkräftig beistehen werden, wenn anders geartete machtpolitische Verwicklungen eintreten sollten. Sie bemüht sich jetzt nach Kräften darum, nach allen Seiten hin. gut Wetter zu machen. Der litauische Außenminister L o z o r a i t i s hat es für zweckmäßig befunden, bas G e n fer Podium als Ort einer Erwiderung zu wählen. Wenn er dabei erklärte, daß Litauen sich in feiner Treue zum Völkerbund nicht allein von idealen Auffassungen, sondern auch von Gesichtspunkten des eigenen Interesses leiten lasse, so glauben wir ihnen das gern. Die Haltung des Völkerbundes in der memelländischen Frage war praktisch bisher immer den litauischen Wünschen und Auffassungen günstig. Wenn er aber den Spieß umdrehen will und die gegen Litauen gerichtete Nürnberger Erklärung des Führers als geeignet bezeichnet, die Atmosphäre der Verständigung und Zusammenarbeit der Völker zu stören, so ist das wirklich ein starkes Stück. Plumper kann man Ursache und Wirkung nicht miteinander verwechseln. Einzig und allein die Handlungen Litauens sind es gewesen, die dem Führer zu einer unmißverständlichen Warnung Anlaß gegeben haben. Es liegt ganz an der Regierung in Kowno, die Atmosphäre der Verständigung zu erhalten, aber sie will das nicht. Das „Demeter Dampfboot" erneut beschlagnahmt. Memel, 17. Sept. (DNB.) Das „Memeler Dampfboot" ist am Dienstag wieder nicht erschienen. Die litauischen Zeitungen dürfen nach wie vor ungehindert gegen die memelländische Einheitsliste hetzen. Die Reichstagsrede des Führers wird in allen litauischen Zeitungen tot geschwiegen. Dagegen wird die Rede des litauischen Außenministers Lozoraitis in großer Aufmachung gebracht. und auf diese Weise den Dienst der Wirtschaft für die politische Führung sicherzustellen. Pg. Köhler erklärte: „Erhöhung der Lebenshaltung ist keine Verteilungsaufgabe, sondern eine Leistungsaufgabe. Hiermit ist jedoch nicht nur die Steigerung der Einzelleistung, sondern auch eine wohlgeführte Steigerung der Gesamtleistung zu verstehen. Die Entwicklung der Wirtschaft zu solcher Höchstleistung ist nur in einem sozialistischen Volke möglich/' Die Sondertagung des NS. - Lehrer- dun d e s sand ihren Auftakt in einer Ehrung des toten Kämpfers und Erziehers Hans Schemm. Der Frankenführer Julius Streicher legte sodann die wichtigsten Probleme der rassischen und damit verbundenen schulischen Erneuerung dar. Er sprach dabei über die Kräfte des Blutes als den ewigen göttlichen Grundgesetzen, zeigte die ungeheure Bedeutung des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre und entwickelte aus seinen reichen Erfahrungen als Kämpfer für die Idee Adolf Hitlers und als Lehrer feine Auffassung über den Lehrer und Erzieher der Zukunft. Mit der Ermahnung an die Erzieher, sich leidenschaftlich und tapfer besonders für die ewigen Gesetze des Blutes einzusetzen, schloß Gauleiter Streicher seine Ausführungen. Auf der Sondertagung des Hauptamtes für Beamte erstattete Hauptamtsleiter Pg. Neef Die letzten Sondertagungen auf dem Nürnberger Reichsparteitag. Bericht über die politische und weltanschauliche Re. Organisation der Beamten im Sinne und Geist des Nationalsozialismus. Er führte u. a. aus: Als Mittler zwischen Regierung und Volk muß die Beamtenschaft imstande fein, das national- sozialistische Ideengut, soweit der Staatsorganismus damit beauftragt ist, in die Tat umzusetzem Die NS.-Beamtenabteilung war deshalb eine Gesin- nungsgemeinschaft, nicht etwa eine Organisation zur Stützung und Erringung berufspolitischer Dor- teile. Der gewerkschaftliche Geist tn den alten Be- amtenverbänden war liberalistisch und marxistisch. Ihn galt -s mit Stumpf und Stiel auszurotten Die Einheit der Bewegung sichert die Einheit des Staates die Einheit des Staates gewährleistet eine em- heiiliche Beamtenschaft, deren die autoritäre Staats- führung als vollziehenden Faktor des Staatswillens bedarf. Auf der Tagung der Gau - und Kreispro- pagandaleiter im Apollotheater erklärte der Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels: Es genügt nicht, das Richtiae auszusprechen, sondern man müsse es so aussprechen, daß damit die breiten Massen des Volkes mobilisiert werden können. Solche Propaganda sei auch heute noch notwendig, um die Macht zu erhalten, denn der Nationalsozialismus habe nicht die Absicht, sich auf die Spitzen der Bajonette zu setzen, sondern m i t d e m Volk und durch das Volk zu realeren. Der Propagandist müsse vor allem die Volksseele kennen. Propaganda habe stets etwas Aggressives. Sie habe auch stets revolutionär zu sein. Sie müsse durchschlagend wirken und durchschlagend wirke st e t s nur das Extreme. Es gebe zwei Möglichkeiten: Entweder man rede den Massen nach dem Munde, das sei aber immer nur vor kurzer Dauer, bis die Masse die Durchsichttgkeit dieser Methode erkannt habe, oder man habe den Mut, auch unpopuläre, aber notwendige Maßnahmen durchzuführen, sie jedoch durch eine intensive Propaganda dem Volke verständlich zu machen. Da der Nattonalsozialismus nicht die Absicht habe, nach wenigen Jahren wieder abzudanken, müsse er den zweiten Weg gehen. Freilich dürfe die Propaganda nicht immer trommeln, weil das Volk sich sonst an den Trommelton gewöhne und ihn nicht mehr höre. Daher habe neben die Propaganda die Aufklärung zu treten, die nicht angreife, sondern methodisch belehre. Es sei Aufgabe der Propagandisten, kompli- zierte Dinge zu vereinfachen und nicht einfache Dinge zu komplizieren. Die Propaganda dürfe nicht jeden Tag neue Gedanken produzieren wollen, sondern sie müsse sich auf die wenigen revolutionären Fundamentalsätze der Bewegung beschränken und diese immer wieder predigen. Es gehe auch nicht an, am Schreibtisch einen Kult der Bewegung zu erfinden. Dieser müsse von selbst wachsen. An den einmal gefundenen Formen müsse aber dann festgehalten werden. Dr. Goebbels wandte sich dann gegen die Gefahr, allzuviel organisieren zu wollen, was schließlich eine Erstarrung zur Folge haben würde. Die Partei müsse auch nach außen eine geschlossene Einheit fein, ein wahrer Orden, der dem Gegner keine Hoffnung auf Zersetzung biete. Es sei Aufgabe der Parteigenossen, durch ihr eigenes Leben die besten Propagandisten ihrer Sache zu fein. Der Führer übergibt den Siegerstürmen desReichs- wettkampfeS der GA. die Ehrenpreise. Nürnberg. 16. Sept. (DNB.) Den Sieger- stürmen der SA. überreichte der Führer im Anschluß an den großen Vorbeimarsch nach einer kurzen Ansprache als Ehrenpreis sein Bild mit Unterschrift. Von der Gruppe Hessen waren sieben Mann des Sturms 6/63 Brigade 49, Standort Frankfurt a. M., angetreten. Der Führer betonte, daß er sich in Nürnberg davon überzeugt habe, daß die SA. im letzten Jahr wohl an Zahl sich verringert, dafür aber in d e r Qualität sich gesteigert habe. Und das sei wesentlich. Der Kampf, den die SA. geführt habe, sei nicht vergeblich gewesen. Letztes Ziel fei und bleibe die Erfüllung des Parteiprogramms in allen Punkten. Ein wichtiger Schritt zur Erreichung dieses Zieles seien die Gesetze, die der Reichstag angenommen hat. 1 b 5 Unvergeßliche Landschaft. Don Georg von der Bring. Unvergeßlicher Tag. Ich sitze an einem Waldrand und schaue in den blauen Himmel hinaus, noch zirpt die Grille. Irgendwo vor mir in der Ferne muß die Loire strömen. Auch dort gibt es Bäume und Wälder. Die ganze Landschaft ist voller Wälder, und alle Waldränder sind .^eute erfüllt von einer feierlichen Stille, die sich nirgendhin verbreiten kann, weil sie ja überall herrscht. Ringsum liegen meine Kameraden im Gras. Unten in der Talmulde aber ranaiert ein Zug. Dorthin richten sich viele Blicke. Sehr winzig nehmen sich die Wagen und die schwarze Maschine aus. Dieser Zug soll uns in die Heimat bringen, nach einer Kriegsgefangenschaft von dreizehn Monaten. Wir schreiben September 1919. — Heute ist das seit sechzehn Jahren vergangen. Vergangen? Werde ich in alle Ewigkeit diese Stunde vergessen können? Das fremde Land zeigt sich uns in seiner ganzen Schönheit, die Sonne strahlt und sticht, und ich sitze im Schatten eines Waldes, der noch grünt und der einen tiefgrünen Schatten über mich legt. Es gibt in der Welt unvergeßliche Dinge, denen der Mensch treu bleibt. So denke ich an jenen Waldrand der Loire zurück, und jeder Waldrand eines jeden Septembers meiner Heimat wird seither mit den Augen von damals betrachtet. Als die Kameraden schwiegen und sich schweigend den kleinen rangierenden Zug da unten betrachteten, und die Grillen ihren unendlichen Ton über den Rand des französischen Waldes spannen, den sie ja auch bei uns zu singen pflegen — trat zu mir ein Kamerad, den ich nie vorher gesprochen hatte, und dessen Namen ist nicht wußte und auch heute nicht weiß. Der setzte sich zu mir und begann, von sich zu erzählen. Bis zu dieser Minute hatte er wohl schweigsam in sich hineingehorcht und an das ge- dacht, woran wir alle dachten: An das Wiedersehen in der Heimat, deren Unversehrtheit uns, den Soldaten, zu danken war: an die neue Arbeit im Dater- lande, und vor allem, daß man sich jetzt daran würde gewöhnen müssen, daß man lebte ... daß der Tod uns verschmäht hatte. Dies neue Gefühl verhieß uns eine Kraft, die ohne Grenzen schien. Damals gaben wir uns ein Gelübde. Von diesem Kameraden aber, der sich an meiner Seite ins gilbende Gras legte, hörte ich etwas, das mich damals über alles erregte: Er hatte ein Kind, das fast zwei Jahre alt war, und dies kleine Kind, 6me# batte noch ms ssjchsm wücki ihn jetzt, in einigen Tagen, zum ersten Male auf seinen Arm nehmen, droben in den bayerischen Verbergen, wo die Frau seit Jahren auf ihn wartete. Als dann der Kamerad verstummte und wohl zum hundertsten Male den kleinen Transportzug da unten musterte, ob der ihn wohlbehalten an den deutschen Rhein bringen würde, stellte ich mir seine Heimat vor: Ich sah Berge, auf die die Septembersonne niederstrahlte, ein Mann kam auf seinem Wege gegangen und am Ende des Weges stand eine junge Frau und hob ihr Kind in das unaussprechlich süße Licht ... Jedes Ende ist ein Anfang, dachte ich, wir hören nie auf. Und in diesem Augenblick wurde mir der Waldrand der Loire zu dem, was er mir heute ist. „Der Graf von Monte Christo." Dies ist ein United-Artists-5ihn der Bavaria, welcher, wie sein Vorläufer im Lichtspielhaus, „Die Heilige und ihr Narr", ebenfalls auf eine berühmte Romanvorlage zurück geht, auf den „Grafen von Monte Christo" des älteren Alexander Dumas. Der Unterschied beruht — vom Stofflichen natürlich abgesehen — vor allem darin, daß man nach diesem Film den Roman viel eher rekonstruieren kann, und daß die überquellende Phantasie des französischen Autors sein Werk mit einer Fülle von Handlung, Abenteuer und effektvollen, theatergerechten Szenen ausgestattet hat, die schlechterdings von keiner Bearbeitung übersehen oder gar um ihre Wirkung gebracht werden konnten. Dabei kommt es in erster Linie weder auf die geschichtliche Einkleidung noch auf die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit der Einzelmotive an, sondern auf den schnellen Ablauf einer Fabel, die ebenso romantisch wie realistisch, die abenteuerlich, spannend und im höchsten Maße publikumswirksam genannt werden muß. Die Fäden überschneiden sich und sind dennoch übersichtlich: der Gang der Ereignisse bleibt trotz erheblicher zeitlicher Zwischenräume, die zu überbrücken waren, in stetem Fluß vom dramatischen Vorspiel bis zum glücklichen Ende. Der Seesturm bei der Ueberfahrt nach Marseille, der Tod des Kapitäns, der versiegelte Brief, die napoleonische Verschwörung, wie eine Vision die Schlacht bei Waterloo, Gefangennahme, Kerkerhaft auf Chateau d’If, die mehr als abenteuerliche Flucht ins Meer, das Schmugglerschiff, der sagenhafte Schatz auf der einsamen Insel Monte Christo, das rauschende Fest in Paris, das Wiedersehen mit der früheren Verlobten, die Zweikämpfe, endlich der Rachefeldzug des Grafen wider feine drei Tod- teintet der mit eurem dkMchep. jchamiHeo, endet, am eindringlichsten ganz zuletzt, wenn Monte Christo im Gerichtssaal sich jählings vom Angeklagten zum Ankläger wandelt und dem Staatsanwalt die Maske vom Gesicht reißt. Das sind die wichtigsten Stationen einer wirklich romanhaften Film-Fabel, mit deren Inszenierung der Spielleiter Rowland V. L e e eine dankbare, mit Geschick und Geschmack gelöste Aufgabe fand. Die deutsche Bearbeitung stammt von Curt Wesse: sie wird von englischen Darstellern gespielt, von deutschen gesprochen. In der Titelrolle sieht man Robert D o n a t, der in Spielstil und äußerer Erscheinung am ehesten mit Wohlbrück zu vergleichen wäre: ein Kavalier von untadeliger Haltung: elegant, kühl, beherrscht. Dorn großen Ensemble seien genannt Elissa Landi als Mercedes, Sidney Blackmer als Mondego, Raymond W alb um als Danglars, O. P. H e g g y als Abbä Faria und Lawrence Grant als Villefort. Der Film läuft (eit gestern im Lichtspielhaus und dürfte zahlreiche Besucher anziehen, jene vor allem, die sich bei der Gelegenheit einer halb vergessenen, aber aufregenden Lektüre entsinnen werden. — Im Beiprogramm: ein kleiner, zweifach aufschlußreicher und interessanter Film „Mit Kreuzer Emden zum Indischen Ozean", die recht aktuelle neue Wochenschau und ein Vorspann zu dem Kiepura-Film „Ich liebe alle Frauen". -r- Hochschulnachrichten. Professor Dr. .Theodor K a l u z a , Ordinarius für Mathematik an der Universität Kiel, erhielt einen Ruf an die Universität Göttingen. Professor Dr. Karl Bräuer, Ordinarius für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würzburg, erhielt einen Ruf an die Universität Leipzig. Professor Dr. Ernst M a g n u s - A l s l e d e n , Ordinarius für innere Medizin an der Universität Würzburg, erhielt einen Ruf an die türkische Universität Ankara, dem er Folge leistete. Professor Dr. Hermann L e u ch s , Extraordina- aus für Chemie an der Universität Berlin, ist 3um ordentlichen Professor in der Berliner Philo- sophischen Fakultät ernannt morden. Professor Dr. Hermann Reiher, Grtraordina- rius für technische Physik an der Technischen Hochschule in Stuttgart, ist zum ordentlichen Professor in der Abteilung für allgemeine Wissenschaften an der Stuttgarter Technischen Hochschule ernannt Giftpilze handele (!). Krankenhaus in Mannheim starb kürzlich In einem Vorort Berlins ereignete sich warda; Heinz snr'Din, dä sich eben erst von einer langjährigen Zweigoereme der einzelnen -lleroanoe amayriicy Mißwirtschaft zu erholen begann, dürften die Lei- Millionen von Dolksgenchsenhinaus m die heimi che stungsfähftikeit des armen Gebietes übersteigen. Der Landschaft. Emgegbedeift öte ein^ae Trost in diesem Elend ist das bisherige Wandervereme m das Fachamt Bergsteigen und Ausbleiben irgendwelcher Epidemien und die be-1 Dandern' des Reichsbundes für Leibesuvungen. Heinz Emil In einem dieser Tage Sieben Berliner flehen Kops. Sie haben nämlich alle sieben das Große Los gewonnen, das auf die bemerkenswerte Nummer 25L620 fiel. Ich weiß nicht, wer diese sieben Berliner sind, aber wenn sie zu Hause ein Telephon haben sollten, dann werden sie es wohl sofort abstellen lassen: es ist eine Binsenwahrheit, daß nach einem solchen Glücksfall die Freunde und Freundinnen wie die Pilze nach einem Landregen aus dem Asphalt schießen. Und 10Ö 000 Mark haben oder nicht haben, sind, wie der Berliner gern sagt, nach Adam Riese 200000 Mark. Man stelle sich vor: von viereinhalb Millionen Berlinern haben sieben das Glück, je 100000 Mark bar auf den Tisch des Hauses aufgezählt zu bekommen. Sieben Mal 100 000 Mark, das macht, wenn man multiplizieren kann, 700 000 Mark! Die Göttin Fortuna, die im Grunde ihres Wesens eine sehr zurückhaltende und schwer zugängliche Dame ist, hat dem Ansturm der sieben Berliner doch nicht widerstehen können. Die sieben Glückspilze werden sich zweifellos wie Maulwürfe vor den Jupiterlampen der Neugier und Sensationslüsternheit verkriechen und sich in irgendeinem versteckten Winkel ins Fäustchen lachen. Um aber diese Sieben endlich in Frieden zu lassen, wollen wir lieber ganz allgemein berichten, daß es auch in Berlin, der klassischen Stadt des Tempos und der Betriebsamkeit, immer noch zahlreiche Menschen gibt, die darauf warten, daß ihnen die gebratenen Tauben, mit Respekt zu sagen, ins Maul fliegen und die unentwegt in der Lotterie spielen, wobei der Aberglaube keine geringe Rolle pielt. Besonders das Spiel mit Zahlen. Die einen trainierten darauf, sich die Glückszahlen träumen zu lassen, andere wieder stellen die umständlichsten und verworrensten Berechnungen an und multiplizieren z. B. ihre Telephonnummer mit der Zahl ihrer Schlüssel, wozu dann vielleicht noch das Sterbedatum einer Großtante addiert wird. Auch sogenannte Drachenfelser Ländchen fegte eine Windhose. Zahlreiche schwere Bäume, namentlich in den Gemeinden Mehlen, Niederbarem und Königswinter, wurden umgeschlagen oder entwurzelt. Ernste Lage Im Ueberschwemmungsgeblet des hoangho. ein 54 Jahre alter Tagelöhner aus an einer Pilzvergiftung. Der Siebenmal „Hans im Glück". Und andere Sensationen in der Reichshauptstadt. Auflösung -erkatholischen Arbeitervereine im Regierungsbezirk Münster. Feudenheim c......— ------ v , Mann, der als ein guter Pilzkenner galt, hatte sich die Reste eines Pilzgerichtes am folgenden Tage ein Architekt, der dem Maharadscha vielleicht ein neues Feenschloß „mit allen Schikanen" offerieren wollte, ein Spezialist in Luxusschlössern, viele andere warteten außerdem, um den volkstümlichen Bart des Königs aus der Nähe zu bewundern. Die Köche des Hotels Adlon hatten sehr „heiße" Tage, denn sie mußten ein original-indisches Menü zusammenstellen, ein Menü mit scharfen Gewürzen. Nun sind sie allerdings dieser Sorge enthoben, denn der Maharadscha hat vor kurzem mit seinem Gefolge Berlin verlassen, um in Friedrichshafen den neuen Zeppelin au besichtigen. Da werden die sechs indischen Prinzessinnen Augen machen! Der Bär ifl los. Müller; —---------- - trüb: Margarete Klose. Die musikalische Leitung haben Wilhelm Furtwängler und Tietjen; Inszenierung des Werkes: Tietjen; Bühnenbilder und Kostüme: 'Preetorius. Aus aller Wett. Schwerer Sturm über England und der deutschen Nordseeküste. wundernswerte Geduld, mit der sich die Flüchtlinge in ihr bitteres Geschick fügen. Die Behörden von Kiangsu stehen übrigens auf dem Standpunkt, daß Maßnahmen möglich seien, die Flut in ihren jetzigen Grenzen zu halten und einen allmählichen Abfluß durch den Kaiser-Kanal und die Verbindungen zum Gelben Meer zu erreichen. 44. Deutscher Wandertag zu Freiburg i. B. Der Reichsverbanü der deutschen Gebirgs- und Wandervereine, der heute alle 53 deutschen Gebirgs- und Wandervereine mit über 250 000 Mitgliedern umfaßt, veranstaltet vom 19. bis 24. September seinen diesjährigen (44.) Deutschen Wandertag zu Freiburg i. B. Aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes werden die Der- vorgefunden. In einem der Briefe, der mit einem Vermerk „Zur Vorsicht" versehen ist, wird Jakobs von Dr. Konermann angewiesen, Vertrauenswür- dige von Haus zu Haus zu schicken, um die Tätigkeit der Arbeitsfront zu sabotieren, da der Deutschen Arbeitsfront kein Einbruch glücken dürfe. Aus diesem Schreiben geht nicht nur hervor, daß der Führer der katholischen Arbeitervereine Deutschlands Msg. Dr. Müller, Köln, jede Verhandlung mit der Regierung ablehnt, sondern daß er sich vielmehr zum offenen Kampf gegen den Staat und dessen Maßnahmen ausspricht. Aus dem Schreiben geht weiter hervor, daß man seitens der Leitung der katholischen Arbeitervereine beabsichtigt, ganze Betriebe zum Austritt aus der Deutschen Arbeitsfront zu bewegen und Massen au stritte zu organisieren. Da von feiten des Staates derartiges an Hochverrat grenzendes Verhalten nicht geduldet werden konnte, mußten die katholischen Arbeitervereine im hiesigen Bezirk a u f g e l ö st werden. Kunst und Wissenschaft. Die Landbauwissenschaft lagt in Würzburg. Zum zweitenmal seit seinem Bestehen hat sich ter Forschungsdienst (Reichsarbeitsgemein- sschaften der Landwirtschaftswissenschaft) zu einer Tagung versammelt. In Würzbura tagen gleichzeitig in gemeinsamen Sitzungen deutsche boden- ckundliche Gesellschaften, und der Verband für land- Mirtschaftliche Versuchungsanstalten. Die Tagung iist dazu bestimmt, Rüstzeug zur Forschungs- und «Erzeugungsschlacht des kommenden Winters zu schmieden. Es soll versucht werden, die Wissenschaft noch stärker als bisher in den Kampf um die «Erringung der Nahrungs- und Bekleidungsfreiheit mit einzustellen. Jrn Anschluß an die Bearüßung »ergriff der Obmann des Reichsforschungsdienstes, 'Prof. Meyer, zu grundsätzlichen, die Allgemein- lheit stark berührenden Problemen das Wort. Er »erörterte die gegenwärtige Problemlage und die naturwissenschaftliche Grundlegung der Landwirtschaftswissenschaft. Im Zusammenhang damit berührte er verschiedene Fragen der Neuordnung des llandwirtschaftlichen Studiums, die als Ausfluß der :neuen ganzheitlichen Denk- und Lehrweise zu werden sind. Der Altmeister der Deutschen Fütterungs- :lei)re, Geheimrat Lehmann (Göttingen) sprach über Ziel und Weg der Fütterungslehre von heute und behandelte dabei eins der schwierigsten Probleme der deutschen Landwirtschaft. „Lohengrin" in Bayreuth 1936. Die Leitung der Bayreuther Fe st spiele aufgewärmt. Fünf Familienmitglieder an einer Vergiftung gestorben. In Oberhausen (Rheinprovinz) zeigten sich dieser Tage in der Familie des Steinsetzers Eichas bei mehreren Familienmitgliedern schwere Berg t f • tungserscheinungen. Ein 13jähriges Mädchen, ein 15jähriaer Junge und ein 5jähriges Mädchen starben fchon nach mehreren Stunden. Die Mutter erlag in der folgenden Nacht der Vergiftung, wenig später starb ein 8jähriaes Mädchen. Auch bei dem jüngsten Kinde im Alter von drei Jahren besteht keine Hoffnung, es dem Leben zu erhalten. Die Art der Vergiftung konnte noch nicht genau festgestellt werden. Malaischer Amokläufer richtet ein Blutbad an. In der Ortschaft Kwala Bangko in der Land- schäft Kwaloen auf Sumatra fielen sieben Personen, darunter drei Frauen, einem Amokläufer zum Opfer. Ferner wurden zwei Frauen schwer und sieben Männer leicht oerle tz t. Das Drama ereignete sich während einer religiösen Zusammenkunft eines sogenannten Gebetskurses, währenddessen sich die Dorfbewohner zehn Tage lange in einem engen Raum einschließen ließen, um nicht durch die Ereignisse der Außenwelt in ihrer Andacht gehört zu werden. Mitten in dieser religiösen Ze- remonie erklärte plötzlich ein an ihr teilnehmender Malaie, er habe Allahs Stimme gehört, der ihm befohlen habe, ihm Menschenopfer darzubringen. Er ergriff darauf ein scharf geschliffenes Messer und richtete damit in dem engen, von außen oer- schlossenen Raume ein furchtbares Blutbad an. Als er endlich überwältigt und in Polizeigewahrsam gebracht worden war, zeigte er keinerlei Reue über die Bluttat, erklärte vielmehr, er habe ja nur einen Auftrag Allahs ausgeführt. Aufregender Kampf mit einem Betrunkenen lm Flugzeug. Der in den Vereinigten Staaten sehr bekannte Baseballspieler K o e n e ck e hatte in einer der letzten Nächte in Detroit ein Sonderflugzeug nach Toronto gemietet. Koenecke war einscheinend st a r k betrunken, denn kurz vor der Landung fing er in dem Flugzeug wie ein Irrsinniger an zu toben, und griff den Flugzeugführer sowie einen von ihm eingeladenen Fallschirmspringer an. Beide versuchten in der kleinen Kabine, den Rasenden zu überwältigen, bis der Flugzeugführer ihn iff der Notwehr mit einem Feuerlöscher niederstreckte. Dem ; Flugzeugführer gelang es noch rechtzeitig, die Ma- : schine abzufangen und eine Notlandung vor- : zunehmen, wobei das Flugzeug allerdings stark be- : schädigt wurde. Bei der Landung stellte sich heraus, daß Koenecke t o t war. Der Fallschirmspringer hatte zahlreiche Biß- und Kratzwunden davonge- . tragen. Gegen den Flugzeugführer und den Fall- schirmfpringer wurde formell ein Verfahren wegen Totschlags eingeleitet. Sechs Bergsteiger vermißt. Seit mehreren Tagen wird eine Karawane von zwei jungen Mädchen und vier Männern aus Lausanne v e r mi ß t, die von der Dufour-Hütte aus den 3833 Meter hohen Mont Dolent an der schweizerisch-italienisch-französischen Grenze besteigen 1 wollten. Der Hüttenwart, der einem Aufstieg wi- 1 derriet, beobachtete die Karawane zuletzt in 3500 Meter Höhe. Da abends ein großes Gewitter los- . brach, ist man in großer Sorge um die Bergsteiger. 1 Mehrere Rettungskolonnen sind unterwegs. Ein Kind von einem Pferd erschlagen. Das fünfjährige Söhnchen der Familie S e g r e f 1 in Altenhundem (Siegerland), das bei feiner Großmutter in Gleidorf zu Besuch weilte, wurde auf dem 1 Felde von einem Pferd mit dem Huf gegen ben 1 Kopf getreten. Dabei erlitt bas Kinb einen Schädel- 1 druck) unb war auf ber Stelle t o t. Die Wiederherstellung bes burch bie Ueberfchwem- mungs-Kataftrophe auf weite Strecke burchbroch e n e n Hoangho-Deiches scheint sehr zweifelhaft. Eine Rettung für bie von ber Ueberschwem- mung betroffenen Gebiete ber Provinz Schantung scheint nur baburch möglich zu sein, baß man ben Hoangho auf seiner Suche nach einem neuen Flußbett ungehindert gewähren läßt. Die Wassermassen beginnen bereits, sich einen Abfluß nach Osten hin zu suchen, offenbar in berfelben Richtung, in ber bis 1852 bas alte Flußbett bes Hoangho verlief. Die Provinz Schantung sieht ber Tatsache entgegen, baß ber burch bie Überschwemmung ge- bilbete Riesenfee noch mehrere Jahre weiter bestehen kann. Gegenwärtig allerbings steht eine andere Frage im Vordergrund: die Linderung der Not der von der Katastrophe Heimgesuchten. Damit verbunden die Notwendigkeit, wenigstens eine halbe Million Menschen bis zum Frühjahr aus öffentlichen Mitteln erhalten zu müssen. Diese Anforderungen an die öffentlichen Mittel einer treter der Verbände nach Freiburg kommen, um Zeugnis abzulegen für den deutschen Wandergeban- ken und in ernster Beratung die weitere gemeinsame Tätigkeit zu besprechen. Die stille Arbeit der Gebirgs- und Wandervereine für die Allgemeinheit verdient es, daß diese Tagung besondere Beachtung findet. Sind es doch gerade die Gebirgs- und Wandervereine, die die heimatlichen Gebirge für frie Wanderer erschließen durch ihre Bauten und Anlagen. Ueberaü arbeiten die Gebirasvereine mit in Fragen des Verkehrs und der Werbung für ihre Arbeitsgebiete. Auf Taufenden und aber Tausenden von Wanderungen führen die Ortsgruppen unb Zweigvereine ber einzelnen Verbände alljährlich bie Anhänger bes Horoskops finb noch lange nicht ausgestorben, wie überhaupt ber Wahrsager- schwindel, ber seit geraumer Zeit von ber Straße vertrieben würbe, in gewissen Berliner Volkskreisen noch immer eine große Rolle spielt. Da gibt es zum Beispiel ganz vernünftige unb moberne junge Mäbchen, bie von Zeki zu Zeit ihre Spezialwahrsagerin aufsuchen, um sich von ihr aus bem Lauf ber Hanblinie ober aus bem Kaffeesatz ben Zukünftigen prophezeien zu lassen. Aber bas nur so nebenbei. Der geheimnisvolleMharadscha Der König von Patiala im Ablon. Der König von Patiala auf ber Straße. Der König von Patiala im Schönholzer Volkspark. Der König von Patiala in einer Fabrik. Patiala, Patiala, Patiala. Nicht jeben Tag kommt ein Maharabscha nach Berlin. Es ist, als wäre er aus einem wunber- schönen Märchen aus Tausenb unb einer Nacht mitten auf ben Asphalt gesprungen. Sein Turban gehört zu den meistphotographierten Turbanen der Welt. Sechs indische Prinzessinnen gehören zu seiner Begleitung. Diese Prinzessinnen sind kürzlich im Zoo gewesen. (Da werden sich die großen Tiere aus Indien nicht schlecht gefreut haben!) Die sechs Prinzessinnen gingen auch artig in ein Berliner Kino. Patiala ist in Berlin Mode. In der Vorhalle des Hotels Adlon drehte sich eine Zeitlang alles um den Maharadscha. »Da wartete ein Berliner Maler, der vor einigen Jahren das Vergnügen hatte, den König von Patiala in Indien zu malen, Wetterbericht des Reichswetlerbienstes. Ausgabeork Frankfurt. Der Sturmwirbel verlagert sich unter Verflachung von der Nordsee über Skandinavien langsam südostwärts. Dabei hat die Luftbewegung schon erheblich nachgelassen. Doch herrschte im Nordseegebiet auch am Mittwochmorgen noch Sturm, lieber bem Atlantik ist ein neuer Wirbel in Entwicklung, so baß mit ber Fortsetzung ber Zufuhr von Meeresluft gerechnet werben kann. Der Witterungscharakter bleibt damit auch weiterhin unbeständig und wechselhaft, doch wird die Niederschlagstätigkeit stärkere Ausmaße annehmen. Aussichten für Donnerstag: Veränderlich, doch überwiegend bewölkt, zeitweise auch Niederschläge, bei noch lebhaften westlichen Winden Temperaturen wenig verändert. Aussichten für Freitag: Bei Luftzufuhr aus Westen Fortdauer der wechselhaften und zu Niederschläge neigenden Witterung. Lufttemperaturen am 17. September: mittags 18,4 Grad Celsius, abends 11,9 Grad; am 18. September: morgens 12,4 Grad. Maximum 19,2 Grad, Minimum 10,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. September: abends 14,6 Grad; am 18. September: morgens 13,2 Grad. — Sonnenscheindauer 3,8 Stunden. — Niederschläge 1 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VIII. 35: 9838. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und ©teäW druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. eine nette Wildwest-Episode, die unter den zahlreichen Zaungästen schallende Heiterkeit erweckte: zwei Waschbären, die ein bärenfreundlicher Tischler in einem Zwinger hielt, verspürten plötzlich das dringende Bedürfnis, aus ihrem Käfig auszubrechen, um sich mal die Gegend anzusehen. Sie stemmten sich mit vereinten Kräften gegen die Gitterstäbe und gelangten auch glücklich und prächtig gelaunt ins Freie, wo sie hörbar aufatmeten und sich auf eine recht burschikose Art ihrer Freiheit zu erfreuen begannen. Sie tobten wie die Wilden auf dem Grundstück des Tischlermeisters herum, liefen und balgten sich um die Wette unb alarmierten so bie ganze Umgebung. Alle Versuche, bie beiben Waschbären zur freiwilligen Rückkehr in ihren Käfig zu bewegen, waren vergeblich. Das wüste Um- herzotteln gefiel ihnen offensichtlich viel zu gut, als baß sie auch nur bie geringste Lust verspürt hätten, ihre Freiheit aufzugeben. Schließlich mußte sogar bie Feuerwehr eingreifen. Man spritzte ben nüber» [penftigen Waschbären einen bicken Wasserstrahl auf ihre Pelze, aber selbst das imponierte ihnen nicht im geringsten. Der Tischler, der schon in hellster Verzweiflung war, kam zuguterletzt auf den genialen Einfall, den beiden Haderlumpen Säcke und Tücher über ben Kopf zu werfen. Diese Methobe hatte bann auch bie gewünschte Wirkung: bie beiben Bären mußten wohl ober übel bie Waffen strecken unb ließen sich verärgert unb brummenb mitsamt ben Säcken unb Tüchern in ben Käfig zurückbeförbern. Eine Bärengeschichte, bie sich roir£ lieh „gewaschen" hat. Laßt Drachen steigen! Drachen über Berlin! Wer Berlin nicht kennt, wirb sicher glauben, baß nur bie Lanbkinber und die Kinder aus der Provinz diesem Vergnügen huldigen. Aber keineswegs: die „Hellen Köppe" der Berliner Jungs veranstalten in diesen Tagen allerorten, mitten auf den freien Plätzen der Stadt, ein großes „Drachenwettsteigen" und wenn ihnen auch die weite Wiese ober ein Stoppelacker fehlt mit bem enblofen Laufradius und dem unbegrenzten Ausblick in den herbstlichen Himmel, so sind sie deshalb doch nicht weniger glücklich. In ben Papier- geschästen herrscht große Nachfrage nach „Drachenmaterial". Manchmal ist so ein kleiner Laben gerammelt voll von kinblichen Käufern, benen der sehnsüchtige Wunsch in den Augen glüht: sich einen eigenen, bunten Drachen zu zimmern und zu leimen, um ihn hoch über ben Miethäusern Berlins in ben Himmel ihrer fliegerischen Träume schweben zu lassen. Keine Sensation zwar, aber ein hübsches Großstabtmärchen, um bas nur biejenigen wissen, bie biefem nach außen so nüchternen Berlin ganz tief ins Auge geblickt haben. Theodor Riegler. Mtt der Ermahnung, weiterhin wie bisher vor- bilblich ihre Pflicht zu tun, schloß der Führer seine Ansprache. Ein begeistertes „Hell mein Führer" schloß biese schöne Feierstunbe, ber außer bem Stabschef auch bie Amtschefs ber obersten SA.-Führung unb einige Gruppenführer beiwohnten. Erledigung des Falles Zacob Berlin, 18. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die deutsche unb die schweizer fsche Regierung hatten, wie bekannt, zur Erledigung des Falles Jacob auf Grund des deutsch-schweizerischen Schiedsgericht- und Vergleichsverfahrens von 1921 den schiedsgerichtlichen Weg betreten und Ende Juli eine Schiedsordnung vereinbart. Gemäß dieser Schiedsordnung haben sie dann Schriftsätze untereinander ausgetauscht, wobei sich herausgestellt hat, daß bedauerlicherweise ein Nachgeordneter deutscher Beamter in ber Angelegenheit in unzulässiger Weise vorgegangen ist. Der Beamte ist besmegen schon vor einiger Zeit auf bem Disziplinarwege bestraft worden. Auf Grunb biefes Sachverhaltes finb bie beiden Regierungen jetzt übereingetommen, baß Schiebsgerichtsverfahren burch biefen Vergleich zu e r l e b i g e n. Jacob ist gestern bens ch w eize- rischen Behörben übergeben worben. Die Bunbes-Anwclltschaft hat Jacob sofort in Haft genommen. Der Bunbesrat hat bie alsbalbige Ausweisung von Jacob beschlossen. Münster, 16. Sept. (DNB.) Die Staatspolizei ür ben Regierungsbezirk Münster teilt mit: Auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 in Verbindung mit § 14 des Polizeiverwaltungsgesetzes find die k a t h o l i f ch e n Arbeitervereine im Berich des Regierungsbezirks Münster mit sofortiger Wirkung wegen staatsfeindlicher Betätigung a u f g e l ö ft worden. Das Vermögen ber genannten Vereine würbe beschlagnahmt. Kürzlich würbe an ber hollänbischen Grenze ber Bezirkssekretär ber katholischen Arbeitervereine für ben Bezirk Mcholt, Josef Jakobs aus Bocholt, festgenommen. In seinem Bezirk würben Aufzeichnungen staatsfeinblichen Inhalts unb Schriften vorgefunben, bie bie d e r n eine n b e Einstellung ber katholischen Arbeitervereine gegenüber bem heutigen Staat beutlich zum Ausbruck bringen. Im Besitze bes Jakobs würben ferner verfchiebene Briefe bes Diözesan- präfes Dr. Koner mann, ber ber Leiter ber katholischen Arbeitervereine ber hiesigen Diözese ist. teilt mit: Nachbem „Lohengrin" vor 26 Jahren zum letztenmal aufgeführt worben ist, kommt das Werk im Festspieljahr 1936 zur Wiederaufführung. Besetzung: König Heinrich: Josef von Mano- Lohengrin: Max Lorenz; Elsa: Maria ; Telramund: Jaro Prohaska; Or- Der schwere Sturm auf den britischen Inseln »am Dienstag hat sieben Todesopfer gefor- ibert. Außerbem finb zahlreiche Verletzte unb »ein ungeheurer Materialschaben zu verzeichnen. «Beinahe 20 000 Fernsprech-Anschlüsse waren außer «Betrieb gesetzt. Eine Anzahl von Stäbten unb chunberte von Dörfern waren ftunbenlang vom «Verkehr abgeschnitten. Besonders schwer haben die Ortschaften an der Küste Gelitten. Der Sturm hat tauet) den Flugverkehr zwischen Frankreich unb Eng- lanb in Mitleibenschaft gezogen. Die fahrplanmäßigen Flugzeuge aus London kamen mit großer 93er- (fpätung auf dem Flugplatz Le Bourget an. Der englische Flugverkehr von Großbritannien nach der -Schweiz fiel aus. Ebenso blieben die holländischen sFlugzeuge in Paris aus. — Das Unwetter über- rraschte vier beim Bau der Verlängerung der Mole nn Boulogne-sur-Mer beschäftigte Arbeiter. Sie imußten daher über 20 Stunden in einem Senkkasten bleiben. Erst beim vierten Versuch konnte tein Rettungsboot sie befreien. Die an der englischen Küste herrschenden schwellen Stürme suchten mit unverminderter Heftigkeit auch die deutsche Nordsee küste heim. Meder die friesischen Inseln fegte der Sturm in «Stärke 11 hinweg und steigerte sich in einzelnen Wöen sogar bis zum Orkan. Um die Mittagszeit »tobte der Sturm am heftigsten und brad)te in lang andauernden Böen, wie sie feit Jahren im ganzen »Gebiet nicht beobachtet wurden, große Regenmassen mit sich. Schiffsunfälle sind bisher nicht bekannt -geworden. Fünf italienische Bergsteiger im Schneesturm erfroren. In Dal Masino (Ober-Italien) ist bei der Rück- lkehr von einer Besteigung der 3328 Meter hohen ?Punta Rasica eine Gruppe von Mailänder Berg- Üfteigern von einem Schnee st urrn überrascht wor- üden. Ein Teil der Gruppe, bem es unmöglich war, ^vorwärts zu kommen, muhte unter freiem Himmel Magern unb Zurückbleiben, während die anderen, Denen es gelang, ein Obdach zu erreichen, Rettungs- llmannschaften alarmierten und die Hilfeleistung organisierten. Fünf zurückgebliebene Bergsteiger fan- üben in biefer Zeit ben Erfrierungstob. Eine Windhose über Bielefeld. Dieser Tage würbe bie Stabt Bielefeld von einem ^gewaltigen Sturm überrascht, der an Häusern runb Baumbeständen beträchtlichen Schaben anrich- ttete. Besonbers umfangreich waren bie Verheerungen burch bie Winbhose auf bem Grunbsttick seiner Wäschefirma. Hier würbe ein Satteldach aus 'Pappelin im Ausmaß von etwa 400 Quadrat- unetern Fläche aufgerollt und ein beträchtliches fötücf weit getragen. Die schweren Balken der Dach- ttonstruktion zerbrachen. Auch Reserve-Nähmaschi- men die in bem Raum aufbewahrt waren, trug Der'Sturmwinb bavon. Sie gruben sich beim Auf- ipraH förmlich in bie Erbe ein — Der Wirbelsturm, Ker in ber Sielefelber Gegend große Verheerungen «rngerichtet hat, raste auch über das Bergische Land runb richtete in verschiedenen Stabten und fernem» Den nicht unerheblichen Schaden an. Auch über bas In Freiburg finden unter der Leitung bes Deut- scheu Wanberführers, Ministerpräsibent a. D. Dr. Werner (Darmstadt), die geschäftlichen Sitzungen statt. Die öffentliche Hauptversammlung in der Festhalle wird mit einer Wanderkundgebung auf dem Münsterplatz verbunden. Fünf Menschen an Pilzvergiftung gestorben. In Treuenbrietzen (Kreis Zauche-Belzig) sinv drei Erwachsene unb ein Kind nach dem Genuß von giftigen Pilaen a e ft o r b e n. Die Frau, dis die Pilze zubereitet hatte, war beim Pilzesuchen daraus aufmerksam gemacht worden, daß es sich um Tierschau in Schotten. Rückkehr -er politischen Leiter nach Gießen. Heute, Mittwoch, um 10.15 Uhr, kehrten die P o - litischen Leiter aus Stadt und Kreis Gießen, die am Reichsparteitag teilaenommen hatten, aus Nürnberg zurück. Auf dem Bahnhofsvorplatz in Gießen herrschte um diese Zeit reges Leben. Die Politischen Leiter unserer Stadt, die am Reichsparteitag nicht teilnehmen konnten, hatten sich zum Empfang der Nürnberg-Fahrer am Bahnhof eingefunden. Auch der Spielmanns- und der Musikzug der SA.-Standarte 116 hatte Aufstellung genommen und spielte, als die Politischen Leiter von dem Bahnsteig geschlossen auf den Bahnhofsvorplatz marschierten, einen Parademarsch. Die zahlreichen Volksgenossen, die den Rückkehrenden einen herzlichen Empfang bereiteten, grüßten die Fahnen mit dem Deutschen Gruß. Unter Vorantritt der Musik marschierten die Politischen Leiter in geschlossenem Zuge in die Stadt. Der Marsch ging durch die Bahnhofstraße, Liebig- straße, Frankfurter Straße, Seltersweg, Kreuzplatz, Sonnenstraße, Neuen Baue, Hindenburgwall, Bismarckstraße, Ludwigstraße zum Hause der Kreisleitung in der Ludwigstraße. Vor dem Hause der Kreisleitung hielt der Kreisbetriebszellenleiter Pg. Wagner eine kurze Ansprache und führte u. a. aus, daß das gewaltige Erlebnis von Nürnberg uns allen die Kraft gebe, das Werk des Führers zu vollenden, trotz aller Gegnerschaft der Nöraler und Mißmacher. Er schloß seine Ansprache mit den Worten: „Der Führer ist Deutschland und Deutschland ist der Führer!" Mit dreifachem „Sieg-Heil!" auf unseren herrlichen Führer Adolf Hitler und das deutsche Vaterland, und mit gemeinsam gesungenem ersten Vers des Horst-Wessel-Liedes fand die kurze Feier ihren Abschluß. Unter den Klängen eines Marsches wurden die Fahnen der Ortsgruppen und der Betriebszellen in das Haus der Kreisleitung eingebracht. Zu dieser kurzen Schlußkundgebung hatten sich zahlreiche Volksgenossen eingefunden, die stärksten nteil nahmen. w. Schotten, 17. Sept. Auf dem hiesigen Marktplatz fand heute unter Leitung des Tierzuchtamts Gießen (Amtsvorstand: Oberlandwirtschaftsrat Dr. Wagner) eine große Tier- s ch a u des Bezirks Schotten Über das V ogels- berger Rotvieh statt. Ueber 200 Tiere waren aus dem Kreise Schotten zu dieser Schau aufgetrie-- ben. Die Rotviehzucht, die besonders nach dem Weltkrieg im Vogelsberg eine starke Aufwärtsentwicklung erfahren hat, wird im Kreise Schotten besonders in den Gemeinden Rudingshain, Wingershausen, Burkhards, Eichelsachsen, Hof Zwiefalten (Gutspächter Fischer) gepflegt. Dank seiner besonderen rassischen Eigenart (Zugfestigkeit, Genügsamkeit, Gesundheit) eignet sich das Rotvieh besonders zur Zucht in unserem Vogelsberg. Bei der Reichhaltigkeit und der guten Qualität der Tiere hatten die Preisrichter mit der Beurteilung eine schwere Aufgabe zu erfüllen, die ihre Kraft bis weit in den Nachmittag hinein in Anspruch nahm. Für die Prämiierung standen dem Tierzuchtamt ansehnliche Mittel vom Kreis, von den Gemeinden, aus öffentlichen Kassen und von sonstigen interessierten Stellen zur Verfügung. Zu der Tierschau und Prämiierung waren sehr viele Interessenten und Zuschauer erschienen. Das Ergebnis der Prämiierung: Bullen über drei Jahre: Ib-Preis: Tierzuchtamt Gießen, Halter Robert Laubach, Ober- Mockstadts la-Preis: Gemeinde Unter-Seibertenrod; Za-Preis: Gemeinde Unter-Seibertenrod; 3b-Preis: Gemeinde Eschenrod; 3c-Preis: Gemeinde Wingershausen. Bullen zwei - bis dreijährig: 3. Preis: Gemeinde Rudingshain; Anerkennung: Gemeinde Burkhards. Bullen 16 bis 24 Monate alt: Za-Preis Gemeinde Eschenrod; 3b-Preis Gemeinde Sichenhausen; Anerkennung Gemeinde Schotten. Bullen 12 bis 16 Monatealt: la-Preis Gemeinde Rudingshain; Ib-Preis August Schneider (Unter-Seibertenrod). Kalbinnen, erkennbar tragend: 1. Preis Otto Weishaupt (Wohnfeld); 2a R. Becker (Wingershausen); 2b Th. Cellarius (Schotten); 2c I. H. Hartmann (Rudingshain); 3a K. L. Deubel (Rudingshain); 3b K. Waas (Burkhards). Kalbinnen vor dem 17. Mai gedeckt: la-Preis Gg. Schlörb (Schotten); 1b R. Laubach (Ober-Mockstadt); 2a Th. Fischer (Hof Zwiefalten); 2b Ed. Becker (Rudingshain); 2c H. Orth (Altenhain), K. Stein (Unter-Seibertenrod); 2e K. Hartmann III. (Rudingshain); 3a Ad. Momberger (Unter-Seibertenrod); 3b K. Bast (Unter-Seibertenrod); 3c W Alt (Eschenrod); 3d R. Laubach (Ober-Mock- stadt); 3e Th. Becker (Wingershausen); 3k H. K. Scharmann (Eschenrod); 3g Th. Dambmann (Rudingshain); 3h K. Hartmann (Rudingshain); 3i W. Becker (Wingershausen). Kühne mit drei und mehr Kälbern (in Milch): Ehrenpreis Th. Fischer-Hof Zwiefalten. 1. Preise: Lehr- und Versuchsgut Selgenhof, W. Zinnel I. (Betzenrod), Th. Cellarius (Schotten), K. L. Deubel (Rudingshain), Th. Fischer-Hof Zwiefalten. 2. Preise: H. Klein (Burkhards), H. Laubach (Ober-Mockstadt), Lehr- und Versuchsgut Selgenhof, Th. Cellarius (Schotten), Th. Dambmann (Rudingshain), K. Hartmann III. (Rudingshain). 3. Preise: K. Meiski (Schotten), K. Möser II. (Babenhausen II), A. Krämer (Wohnfeld), K. Fischer II. (Rudingshain), K. Hartmann III. (Rudingshain), A. Repp (Rudingshain), K, Klein und W. Jost (Eschenrod), K. L. Deubel (Rudingshain), A. Mom- berger (Unter-Seibertenrod). Kühe mit drei und mehr Kälbern (tra- gend): Ehrenpreis und Medaille: Th. Fischer (Hof Zwiefalten). 1. Preise: H. Laubach (Ober-Mockstadt), Lehr- und Versuchsgut Selgenhof, Th. Cellarius (Schotten), I. H. Hartmann. 2. Preise: K. Waas (Burkhards), R. Becker (Wingershausen), H. Buß II. (Eschenrod), Th. Fischer (Hof Zwiefalten). 3. Preise: O. Lang und W. Rühl (Burkhards), H. Laubach (Ober-Mockstadt), Gg. Schlörb (Schotten), O. Hartmann I. (Rudingshain), K. Stein III., Th. Becker (Wingershausen), H. Orth (Altenhain) zwei, H. Me- bus (Schotten), Th. Fischer (Hof Zwiefalten), H. Semmler (Unter-Seibertenrod). Kühe mit einem bis zwerKalbern (in Milch): 1. Preise: Lehr- und Versuchsgut Selgenhof zwei, Th. Fischer (Hof Zwiefalten) Zwei; 2.Preiser K. Blößer (Burkhards), Karl Stein III., Th^Druller und K. L. Deubel (Rudingsham); 3. Preise: W.Ruhl und K. Blößer (Burkhards), R. Laubach (Ober-Mockstadt), Lehr- und Versuchsgut Selgenhof, G. Schlörb und Th. Cellarius (Schotten), A. Schneider (Unter- Seibertenrod). . , Kühe mit einem bis zwei Kalbern (tragend): 1. Preis und Medaille: Th. Fischer (Hof Zwie- falten); 1. Preise: Lehr- und Versuchsgut Selgenhof zwei; 2. Preise: Lehr- und Versuchsgut Selgenhof, Gg. Schlörb (Schotten), Th. Fischer (Hof Zwiefalten) drei; 3. Preise: K. Meiski (Schotten), H. Hofmann (Rudingshain), R. Becker (Wingershausen), K. L Deubel (Rudingshain), Th. Fischer (Hof Zwiefalten)» Familien (Großmutter, Mutter, Enkel): 2a- Preis H. Laubach (Ober-Mockstadt); 2d-Preis K. Meiski (Schotten); 3a-Preis R. Laubach (Ober- Mockstadt); 3d-Preis K. Blößer (Burkhards). Familien (Kühe mit zwei Nachkommen, von denen mindestens ein Nachkomme gekalbt haben muß): Ehrenpreis Th. Fischer (Hof Zwiefalten); 2a-Preis R. Laubach (Ober-Mockstadt); 2b-Preis Th. Fischer (Hof Zwiefalten); 2c-Preis R. Becker (Wingershausen); 2ck-Preis I. H. Hartmann (Rudingshain); 3a-Preis W. Zinnel (Betzenrod); 3b- Preis Th. Dambmann (Rudingshain); Ze-Preis Gg. Schlörb I. (Schotten); 3d-Preis Ad. Momberger (Unter-Seibertenrod); 3e-Preis Th. Cellarius (Schotten). (Schluß folgt.) Kreis Laukerbach. LPD. Lauterbach, 17. Sept. Im Kreisort Rixfeld ereignete sich ein tragischer Unglück sfall. Das neun Monate alte Kind der Familie Bellinger wurde mit dem Wagen neben den Tisch gestellt. In einem unbewachten Augenblick erwischte es die Kanne mit heißem Kaffee, die sich über das Kind ergoß. Die erlittenen Brandwunden waren so stark, daß das Kind unter qualvollen Schmerzen starb. Nachruf Edeka-Großhandel e.G.m.b.H., Gießen 5294 A Der Ortsgrnppenftthrer. 5302D Die Beerdigung findet statt in Gießen von der Kapelle des Neuen Friedhofes aus. 5297 D Stellenangebote] Bäcker Wieseck, den 17. September 1935. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 19. September, um 15 Uhr vom Sterbehause Kirchstra&e 34 aus statt. 5299 D Am Freitag, dem 13. September 1935, abends, wurde während der Teilnahme am Nürnberger Parteitag der Präsident des Edeka-Verbandes Deutscher kaufmännischer Genossenschaften e. V., Berlin Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Helene Sommeriad. In tiefer Trauer: Dr. Seefeldt und Frau und Angehörige. Rosbach (Sieg), den 17. September 1935. geselle (zwischen 22. bis 25. Lebensjahr) per sof. gesucht. Ludwig Häuser HL Watzenborn- Steinoerg. 03955 Pg. Stadtrat Fritz Lösch, Augsburg von einem Herzschlag ereilt Der so plötzlich im Alter von 43 Jahren Dahingeschiedene gehörte mit zu der alten Garde des Führers. Er stand bereits im Jahre 1923 in den Reihen der Vorkämpfer für Adolf Hitler. Persönliche Leiden und geschäftliche Nachteile konnten seine Treue und Hingabe im Kampfe um das neue Deutschland nicht erschüttern. Er blieb die Jahre bis zur Machtübernahme hindurch mit Hand und Herz einsatzbereit. Besondere Verdienste hatte er sich als Kreisleiter der NS. Hago erworben. Nach der Machtübernahme wurde ihm das Amt des stellvertretenden Gau-Wirtschaftsberaters von Schwaben übertragen. Des weiteren wurde er Mitglied des Stadtrates der Stadt Augsburg und Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer seiner Heimatstadt Als Lebensmittelkaufmann hatte sich Fritz Lösch mit besonderem Eifer der Förderung der mittelständischen Einkaufsgenossenschaften verschrieben. Seit 15 jähren wirkte er in der Verwaltung des Edeka-Großhandels in Augsburg. Als einer der tüchtigsten süddeutschen Kollegen wurde er im Jahre 1924 in den Generalrat des Edeka-Verbandes gewählt und im Jahre 1933 einstimmig zum 1. Präsidenten der Edekazentralorganisationen berufen. Mit seiner ganzen Persönlichkeit opferte er sich auf für die hohen Aufgaben, die in seine Hand gelegt waren. Der so plötzliche Tod hatte ihn mitten aus seinem Schaffen gerissen, das immer unter dem Leitspruch stand, dem Vaterland und dem Volk zu dienen. Wir haben mit seinem Dahinscheiden einen der Besten aus unseren Reihen verloren. Sein Andenken wird stets in uns fortleben. Keine Ursprungs* Zeugnisse, sondern nur Zeugnisabschriften dem Be Werbungsschreiben beilegen! — Lichtbilder vndBewerbungsunter» lagen müssen *ur Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Na. men und Anschrift des Bewerbers tragen! Infolge eines Unglücksfalles wurde uns unser lieber, einziger Sohn und Bruder Rudolf Theodor Seefeldt cand. phil. durch den Tod entrissen. Am 17. September 1935 verschied nach längerem Leiden mein lieber Mann, Vater, Schwiegervater, Großvater und Onkel August Sommeriad. Am 16. September 1935 verschied unerwartet unser lieber Kamerad Heinrich Mootz Zugführer im 47. Lebensjahre. « Wir werden ihm ein treues Andenken bewahren. Die Beerdigung findet am Donnerstag, dem 19. September, um 14.30 Uhr, auf dem Neuen Friedhöfe statt. Zahlreiche Beteiligung erbeten. Mädchen stundenweise gesucht. Näheres in d. Geschäftsstelle d.Gietz.Anz. E Selbständiges tosmilctai gegen hoh. Lohn gesucht. 5300D Blockstraße 9 v. KriegerkÄiMiilim Gießen and deren Schützenabteilnng • '■* Die Beerdigung unseres lieben Kameraden Heinrich Mootz (Bruchstraße 6) findet am Donnerstag, 19. September, nachm.2V1Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. Um zahlreiche Beteiligung bittet die Führerschaft. _________________________________________5292 D Angehende MälH f. Lebensmittelgeschäft wird ge- sucht.Schriftliche Angebote unter 03957 an den Gieß. Anzeiger. Aelteres Mädchen zu alleinstehend, älteren Frau gesucht. Näheres Wieseck, Schul- sttatze 4. 5298P |stellengesuche| Mm 27 Jahre, verh., bewandert i. all. Büroarbeiten, sucht Stellung, egal w. Branche. Eventl. auch als Reisend er. Führ.- Schein,auch etw. Kapital Vorhand. Schr.Angeb unt. 5301Da.d.G.A. Mlein 44Jahre,i.Haus- haltführung und Krankenpflege erfahren, sucht Wirkungskreis in kl. besser. Hause. Vergütung nach Uebereinkunft. Schriftl. Ang. u. 03949 a.d.G.A. Geschäfts-Eröffnung! 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U*tiL iflulUI I du mito3 od. Motorradfahrer, wollen preiswert abzu- [tti^eldenunter8.2221 (5291V) geben. 08W1 durch den Gretzener Anzeiger. * " " Ur. 218 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch. |8. September 1935 Aus der Provinzialhauptstadt. Fischweid. Schrill unterbricht der Wecker die Stille der Nacht. Es ist 2.30 Uhr morgens. Müde und schlaftrunken fährt man hoch, aber die Gewißheit: „Heute geht es zur Fischweid?" läßt alle Müdigkeit vergessen und die verlockende Regung, „nur noch fünf Minuten!" im Keime ersticken. Schnell ist man marschfähig, denn in kluger Voraussicht etwa ein« tretender Schwierigkeiten, die ein Aufstehen zu so ungewöhnlich früher Stunde mit sich bringen könnte, wurde der Rucksack vorsorglich bereits am Abend vorher gepackt. Ein kleiner Imbiß, dann mit kühnen Schwung aufs Rad und in die kalte Morgenluft hinaus. Angenehm und erfrischend wirkt die Kühle der Nacht und läßt bald auch die verstecktesten Reste von Müdigkeit verschwinden. Mit wachen Sinnen geht es durch den jungen Morgen und in raschem Tempo gleitet das Rad die Landstraße entlang. Kaleidoskopartig, in abwechslungsreichen Bildern bietet ich die Landschaft dem Auge dar. lieber den taurischen Wiesen lagert ein feiner Dunst, leise wiegen ich die fruchtschweren Halme der Kornfelder im Morgenwind, so daß es wie ein weites, wogendes Meer erscheint. Feuchter Erdgeruch entströmt dem schweren Mutterboden und mischt sich mit dem Harz und Tannenduft, den der Morgenwind vom nahen Wald herüberträgt. Matt blinken noch einige Sterne am Himmel, fahlgelb beginnt es bereits im Osten zu dämmern und vertraut führt eine Ricke ihre beiden Kitzen zum nächsten Haferschlag, lieber weiße Kiesel murmelt im Wiesengrund ein Bach. Mümmelmann, der alte Hase, der die Menschen kennt, macht erschreckt einen Kegel, da er den Radfahrer erblickt, und hoppelt eilig seiner Sasse zu. Inzwischen ist man an Ort und Stelle angelangt. Langsam, in rosige Dunstschleier gehüllt, entsteigt den Kämmen der Berge der glühende Sonnenball. Schnell wird das Angelgerät fertig gemacht, gefährlich blinkt der Dreischlag an dem Borfach, dann noch ein Köderfisch daran und rasch in gleitenden Windungen durcheilt der Fisch mit den gefährlichen Spitzen die Flut. Schmerzlich drückt der starke Haken unter der Rückenflosse, darum geht des Fisches ganzes Trachten dabin, nach dem Binsendickicht, dem Gewirre der Blattpflanzen zu entkommen, denn hier glaubt er dem brennenden Schmerz entrinnen zu können. Aber unbarmherzig dirigiert ihn die führende Schnur dahin, wo der alte Hecht im tiefen alten Gumpen steht. Schlau und gerissen ist der Bursche, er kennt die Tücke der Menschen, und viele Jahre ist es ihm gelungen, ihren Listen zu entgehen. Aber heute ist er seinen Vorsätzen untreu geworden, gar zu verlockend ist die dicke halbpfündige Mähne, die schlängelnd gerade auf ihn zusteuert. Zu spät hat sie den unerbittlichen Feind erkannt, eilends versucht sie zu fliehen, aber schneller ist der graue Tod. Gierig fassen die spitzen Zähne zu und im unersättlichen Rachen verschwindet der Fisch Doch halt, was ist das, etwas Spitzes bohrt sich in seinen Schlund und dann ein Ruck, fest sitzt der Haken. Da weiß er, daß er gefangen ist. Wütend peitscht die Schwanzflosse des alten Kämpen die aufgewühlte Flut. Sekundenlang wird der mächtige, weiße Leib sichtbar. Zitternd vor Aufregung verfolgt der Mann mit der Angelrute am Ufer jede Bewegung des Fisches. Schnell gibt er Schnur, denn mächtig zieht der Hecht davon. Dann holt er ihn wieder heran. Widerwillig folgt der Fisch dem Zuge, denn schmerzend sitzt der Haken, aber sobald er in die Nähe des Der Lustschuh-Hauswart. Der Reichsluftschutzbund, Landesgruppe Hessen« Rheinland-Süd, teilt mit: Es wird nicht lange dauern, und er ist uns allen ebenso vertraut, wie der Briefträger und die Zeitungsfrau. Jeder wird begreifen lernen, daß es in Ankunft ohne den Luftschuhhauswart nicht geht, und alle werden vertrauensvoll zu ihm auf- blicken, weil er auf Grund seiner beim Reichsluftschuhbund erhaltenen Ausbildung der anerkannte Führer einer kleineren oder größeren Gemeinschaft von Hausbewohnern ist. Viele Volksgenossen wissen längst, wie notwendig und verantwortungsvoll sein Amt ist, aber es gibt immer noch viele, die sich keinen rechten Begriff machen können, weil sie bisher abseits standen. Nicht jeder kann Luftschutzhauswart werden. Schwache, energielose Menschen passen für dieses Amt nicht. Aber tatkräftige, entschlossene Männer oder Frauen, die Freundlichkeit mit Festigkeit zu verbinden wissen, die Achtung und Ansehen genießen, sind die richtigen Amtsträger des RLB. Sie allein bieten die Gewähr, daß die für die Sicherung eines Hauses gegen Angriffe aus der Luft notwendigen Vorbereitungen sachgemäß und gründlich getroffen und die Widerstände, die sich gegen alles Neue und deshalb zunächst Ungewohnte erheben, rasch hinweggeräumt werden. Der Luftschuhhauswart muß alle im Hause wohnenden Volksgenossen kennen. Aus ihnen muß er sich geeignete Helfer suchen, er muh wissen, wer im Ernstfall besonderer pflege und Aufmerksamkeit bedarf, kurz — er muh wie ein üompanieführer über alle seine Leute und ihre Verhältnisse Bescheid wissen. Er ist ver- pflichtet, eine Wohnungsbesichligung vorzunehmen und überall seine wünsche zur Geltung zu bringen. Er ist in gutem Sinne der Hausvater. Lr muh der Hausfrau sagen können, wie eine Wohnung verdunkelt, die Fenster gegen Spengwirkung, die Lebensmittel gegen Giftkampfstoffe gesichert werden. Er muh ihr die Notwendigkeit der Dachboden - Entrümpelung vor Augen führen und immer wieder die Errichtung des Schuhraumes zur Pflicht machen. Er darf nicht ruhen und rasten, bis er alle Hausbewohner von dem Zwang zur Selbsthilfe überzeugt hat. Er wird stets von neuem für seine Ueberzeugung eintreten und kämpfen müssen, weil die ihm anvertrauten Volksgenossen einer ständig wirkenden Führung bedürfen. Durch die Kraft seiner Persönlichkeit muß der Luftschutzhauswart die Hausbewohner im nationalsozialistischen Geist zu einer abwehrbereiten Ge- meinschaft zusammenfassen, ihnen den Willen zu gemeinsamer vorbereitender Arbeit einimpfen und ihnen die Gewißheit vermitteln, daß jeder einzelne in Abwandlung eines alten Sprichwortes seiner Sicherheit Schmied ist. Menschen kommt, geht er erneut mit ungebrochener Kraft stromabwärts 30 Meter, 40 Meter, sausend läuft die Rolle ab, dann steht sie wieder still. Vorsichtig versucht der Mann mit der Angelrute den Fisch aus dem Bereich der Schlingpflanzen zu bringen. Er weiß, gerät er da hinein, ist er für ihn verloren. Wieder und immer wieder drillt er den Fisch gegen den Strom, aber zu groß ist die Lebenskraft des Recken. Näher und näher kommt er dem rettenden Pflanzengewirre und jetzt fitzt er fest. Wütend wischt sich der Mann den Schweiß von der Stirne, aber noch gibt er den Kamps nicht auf. Fester zieht er an der Schnur, bedenklich biegt sich die Spitze der Rute, aber der Hecht rührt sich nicht Doch listenreich wie Odysseus ist der Mann. Während er den Fisch im Auge behält, steigt ein Anderer ins Boot. Im großen Bogen umfährt er den Ort, an dem der Fisch vermutlich steht, von hinten rudert er in das Blattgewirre und richtig, tobend fährt der Hecht hinaus ins freie Wasser. Jetzt ist gewonnenes Spiel. Noch eine halbe Stunde dauert der Kampf, dann ist das Schicksal des Fisches besiegelt. Müde und kraftlos werden seine Bewegungen, immer matter läuft die Schnur ab, um gleich darauf wieder um so fester angezogen zu werden und endlich taucht aus dem Wasser das riesenhafte Maul des Fisches auf. Blitzschnell greift der Landungshaken unter die Kiemen und mit mächtigem Schwünge fliegt der Fisch auf bas Land. Das Leben eines Raubritters der Tiefe ist zu Ende. Friedlich liegt der Gumben wieder da, nichts verrät das Drama, das sich eben hier abgespielt hat. Der Fischer geht noch nicht nach Hause. Er greift zur dünnen Angelrute mit dem kleinen Haken. Weißfische will er fangen. Ein bis zwei Körner weichen, gequollenen Weizens werden als Köder an dem Haken befestigt, wie Wassertropfen prasselt eine Handvoll Körner auf den Wasserspiegel, während in sausendem Schwünge die Angelschnur mit dem spitzen Häkchen in der Strömung niederfällt. Gierig schießt bas bicke Rotauge barauf zu, um gleich mit kurzem Anhieb in hohem Bogen auf bas feste Lanb zu fliegen Rasch mehrt sich bie Beute. Langsam sinkt ber Abenb nieber, kühler weht der Wind über das Wasser, und wie Kulissen Gottes heben sich düster die Wälder vom Horizonte ab. In der freundlichen Stube des Gasthauses am Wasser sitzen noch lange die Fischer und spinnen ein Garn, bis die sinkende Nacht sie zur Heimfahrt mahnt. Ortsgruppe (Hießeu-Aord. Abt. hilfskasse. Bezahlung ber hilfskassenbeiträge für bas letzte Vierteljahr 1935. Am Donnerstag, 19. September, und Freitag, 20. September, in der Zeit von 20 bis 22.30 Uhr zahlen alle SA.-, RSA.-, NSKK.-, Reiter- und Marine-SA.- usw. Angehörige, die nicht Parteigenossen sind, den Hilfskassenbeitrag für das 4. Vierteljahr 1935 im Cafä Leib, Walltorstraße. Wer an diesen beiden Abenden nicht bezahlt, wirb in München bei ber Hilfskasse abgemelbet. Auch werden die Hilfskassenbeiträge vorher nicht angenommen. Rückkehr des Feldzeichens der Standarte 116. Am gestrigen Dienstag traf mit dem Abendschnellzug von Frankfurt her, aus Nürnberg kommend, das Feldzeichen der SA.-Standarte 116 in Gießen ein. Zum Empfang war ein Ehrensturm mit dem Musikzug und dem Spielmannszug unserer Gießener SA. am Bahnhof aufmarschiert. Das Feldzeichen der Standarte wurde beim Herausbringen aus dem Bahnhofsgebäude von der Musik mit den Klängen des Präsentiermarsches, von dem Ehrensturm in strammer militärischer Haltung und von der Bevölkerung mit dem deutschen Gruß begrüßt. Hierauf wurde die Standarte von dem Ehrensturm unter Vorantritt der Musik duch die Bahnhofstraße, Liebigstraße, Frankfurter Straße, Seltersweg, Sonnenstraße und Brandplatz zum Standartengebäude gebracht, wobei dem Feldzeichen unterwegs der ehrerbietige Gruß der Bevölkerung dargebracht wurde. Nach dem Ausmasch des Sturmes vor dem Standartengebäude wurde das Feldzeichen unter den Klängen des Präsentiermarsches zum Fahnensaal getragen. Winierhilfswerk 1935/36. Ortsgruppe Gietzen-Mitte. Unter stützungsanträge für das WHW. 1935/36 der Volksgenossen aus den Straßen: 1. Neuenweg, Weidengasse, Kaplansgasse, Maigasse, Ludwigstraße können nur am 17.9., von 15 bis 18 und von 20 bis 22 Uhr auf der Geschäftsstelle, Kaplansgasse 18, bestellt werden. 2. Erlengasse, Kreuzplatz, Katharinengasse, Wolken- ?lasse, Löwengasse, Teufelslustgärtchen, Bleich- trahe am 18.9., von 15 bis 18 Uhr und von 20 bis 22 Uhr. 3. Seltersweg, Plockstraße, Hindenburgwall, Bahnhofstraße, Grabenstraße, Hinter der Westanlage, Löberstraße am 19.9., von 15 bis 18 Uhr und von 20 bis 22 Uhr. 4. Neustadt, Horst-Wessel-Wall, Mühlstraße, Bruch- straße, Goethestraße am 20.9., von 15 bis 18 Uhr und von 20 bis 22 Uhr. 5. Schanzenstraße, Tiefenweg, Sandgafse, Rittergasse, In Löbers Hof, Marktstraße, Mäusburg, Wagengasse, Marktplatz, Alicenstraße, Bismarck- straße am 21.9., von 15 bis 18 Uhr und von 20 bis 22 Uhr. Mietbücher, Quittungskarten und alle sonstigen Unterlagen über die Einkommensverhältnisse sind vorzulegen. Der Ortsgruppenamtsleiter. Deutsche Arbeitsfront. Orts- und Vetriebswanderwarte von Gießen, Lollar und Heuchelheim. Am Sonntag, 22. September, findet eine Wanderung nach dem Dünsberg statt. Treffpunkt ist in Bieber am Bahnhof. Abfahrt mit der Biebertalbahn in Gießen ab 8.20 Uhr (Sonntagskarte 0,80 RM.) z 5o NIVEA mild, leicht schäumend. ganz wundervoll im Geschmack Nachdruck verboten! 23 Fortsetzung Zu jedem komm! einmal das Gliilk ZRoman von Ellen Kulm Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) „Meinen Sie denn, daß Sie sich dazu eignen würde?" „Ach, ich glaube bestimmt. Was die Frau Müller ist, die ist des Lobes voll. Sie ist so tüchtig und so häuslich. Die Dame muß schon entschuldigen: wie ich die Dame zuerst sah, weil Sie halt so elegant sind, dachte ich, Sie wären wohl vom Theater, und Sie wollten das Fräulein von Tanner für das Theater. Aber sie wird froh fein, wenn sie was Reelles bekommt. Sie taugt halt gar nicht für diese Singerei, und die Müller sagt, das arme Fräulein macht es nur, weil sie nichts anderes bekommt." Shirley brannte vor Erregung. „So! Ja, das kann ich mir denken! Aber wo ist sie denn eigentlich jetzt?" Die Frau überlegte einen Augenblick. „Na, ich weiß es selbst nicht. Die Müller hat es mir nie gesagt, obwohl sie sie dort schon mal gehört hat. Aber sie sagt, es ist nicht viel daran. Na, halt in irgendeinem von den vielen Kabaretts in München drin Und da singt sie jeden Abend ein paar Lieder." „Und Sie wissen nicht, wo es ist?" „Leider nein! Damit kann ich nicht dienen!" „Aber Sie könnten doch mal die Frau Müller fragen?! Sie dürfen nur nicht verraten, für wen Sie es wissen wollen. Ich komme, mir die Antwort holen. Ich möchte doch erst einmal das Fräulein hören, was sie für Lieder vorträgt, bevor ich sie in mein Haus aufnehme. Also kann ich mich auf Sie verlassen?" Dabei ließ sie ein Geldstück in die Hand der Frau gleiten. Dem konnte die biedere Hausbesorgerin nicht widerstehen. „Wenn ich es herausbekomme, sollen Sie es bestimmt erfahren. Ist ja nichts Schlechtes. Don irgend etwas müssen wir doch alle leben." Shirley verabschiedete sich. Die bedrückend heiße Luft benahm ihr nach allen Aufregungen dieses Tages den Atem. Aber nun wußte sie roengftens etwas, und bald würde sie mehr wissen. Sie triumphierte schon jetzt, wenn sie an Gerling dachte. Als sie ins Hotel zurückkehrte, begegnete sie ihm in der Halle. Sie wollte mit einem Lächeln, als wäre nichts vorgefallen, auf ihn zugehen, doch er machte eine knappe Verbeugung und wollte sie oorbeilaffen. Das war zu viel für Shirley. Sie trat hastig dicht an ihn heran und sagte: „Sie sollen sehen, wie ich an Ihrem Schicksal Anteil nehme, Herr von Gerling! Ich kann Ihnen bereits jetzt mitteilen, warum Fräulein von Tanner des Abends immer solche Eile hat. Sie tritt täglich in einem kleinen zweitklassigen Kabarett auf. Gerling erblaßte. „Wie können Sie so etwas behaupten? Können Sie den Namen dieses — dieses Unternehmens nennen?" „Leider — nein!" „Nun, dann ..." Achselzuckend wollte er weitergehen. Doch sie ließ ihn nicht fort. „Ich werde Ihnen sehr bald den Namen dieses Lokals nennen, lieber Herr von Gerling? Nur Ge- duld! Vielleicht schon morgen. Inzwischen würde ich Ihnen aber einmal empfehlen, Fräulein von Tanner aufzufordern, einen Abend mit Ihnen zu Rechts war die Tür des Hausmeisters. Sie klopfte an. Eine verdrießliche Frau öffnete und fragte kurz nach ihren Wünschen. Shirley zog etwas Geld aus der Tasche und reichte es der Frau. „Wohnt hier ein Fräulein Tanner?" „Sie meinen wohl Frau von Tanner mit ihrer Tochter. — Ist hier. Im dritten Stock bei Frau Müller." Die erste Enttäuschung. Evi von Tanner wohnte also mit ihrer Mutter zusammen. Die Frau stand in der Tür und sah Shirley nicht gerade freundlich an. Sie schien zu erwarten, daß sie nach Erhalt der Auskunft sie nun nicht länger stören werde. Aber Shirley gab so schnell nicht auf. Sie zog hastig ein Markstück aus der Tasche und spielte damit, um der Frau anzudeuten, daß sie sie an« ständig entlohnen wolle. „Lassen Sie mich einen Augenblick eintreten, liebe Frau..." . Dabei verzog sich Shirleys empfindliches Naschen, als sie das Zimmer betrat, das von Seifen« geruch und vom Geruch nasser Wäsche ganz erfüllt war. Hastig zog sie ihr Taschentuch, das stets mit Kölnisch Wasser getränkt war, und preßte es an die Stirn. ,^Jch fühle mich heute nicht ganz wohl", sagte sie dabei, „und Sie müssen mir erlauben, mich einen Augenblick zu setzen. So, jetzt ist es schon besser. — Können Sie mir eigentlich etwas über die Tanners sagen?" „Was meint die Dame denn?" Fast feindselig sah die Frau sie an. „Ach Gott, so allerhand — wie lange sie hier sind, mit wem sie verkehren..." „Da kann ich Ihnen nicht viel sagen. Sind erst zwei Monate hier. Recht brave Leute. Frau Müller läßt nichts auf sie kommen. Stille Leute, die pünktlich ihre Miete bezahlen. Und ob sie Bekannte haben, weiß ich nun auch nicht. Es kommt nie jemand nach ihnen fragen. Sie sind die erste. Interessieren Sie sich vielleicht für das Fräulein? Wollen Sie sie vielleicht engagieren?" Shirley horchte gespannt auf. „Ja, das war eigentlich meine Absicht, und deswegen wollte ich erst mal im Hause etwas über sie hören. So eine Hausmeisterin kennt doch ihre Mieter. Die hat doch einen Blick dafür." Die Frau rieb die Hände in ihrer Schürze und lächelte. Auch sie war Schmeicheleien nicht unzu- gänglich, besonders wenn auch noch klingende Münze hinterher winkte. „Und wenn ich fragen darf: Wofür wollen Sie benrt das Fräulein? Vielleicht als Gesellschafterin?" verbringen. Es kommt darauf an, ob es möglich fein wird." Sie lachte kurz und höhnisch auf, denn sie sah, daß sie gut gezielt hatte. Was sie jetzt gesagt hatte, würde seine Wirkung haben, das wußte sie. Und tatsächlich — Gerling konnte den Gedanken an Shirleys Mitteilung nicht von sich abschütteln. Es war ohne Zweifel merkwürdig, daß Evi jeden Abend solche Eile hatte, pünktlich nach Hause zu kommen. Sie sagte zwar, sie müßte zu ihrem Mütterchen. Aber würde die ihr wirklich nicht verzeihen, wenn sie sich einmal ein wenig verspätete? Und dann — sie war allem Anschein nach ein vollkommen vermögensloses Mädchen, aber sie schien doch keinen Beruf zu haben, der sie am Tage in Anspruch nahm... Gerling war in den alten, strengen Ansichten erzogen und war jahrelang fortgewesen. Er konnte sich gar nicht leicht an den Gedanken gewöhnen, daß ein Mädchen aus gutem Hause, von feiner Wesensart in einem Kabarett auftreten sollte. Und dann — das Schlimmste war doch, daß Evi von Tanner — roenn’s Wahrheit war, was Frau Preston sagte — gar so ein Geheimnis daraus machte. Warum tat sie das? Es hätte ihn sehr betrübt, zu wissen, datz sie in einem Nachtlokal auftrat, aber noch schlimmer war es, daß sie es so ängstlich hütete. Wer konnte wissen, was sie dort tat? Ob sie tanzte ober vielleicht gar anstößige Lieder oortrug? Gerling schüttelte sich bei dem Gedanken. Dieses feine, unschuldige Mädchen, vor dem er nicht gewagt hätte, das leiseste, zweideutige Wort auszusprechen? Nein, er mußte Gewißheit haben. Hätte ihm Shirley das Kabarett genannt, er wäre sofort hin- gestürzt. So aber blieb ihm nichts übrig, als bis spät in die Nacht in seinem Zimmer zu grübeln. Zuletzt ertrug er es nicht mehr. Er hatte sich vorgenommen, sich mit Eva von Tanner auszusprechen. Ihr offen zu erzählen, welch heiliger Schwur ihn an Monika von Jnnemann band! Sollten sich dann ihre Wege trennen müssen, so würde sie doch wissen, daß er niemals leichtfertig mit ihr gespielt hatte? Er setzte sich an seinen Schreibtisch und griff nach einem Blatt Papier. Mein hochverehrtes gnädiges Fräulein? Ich bin genötigt, Ihnen zu schreiben, da ich heute leider gar keine Gelegenheit hatte, mit Ihnen zu sprechen, und ich es nicht wage. Sie in der Wohnung Ihrer Frau Mutter aufzusuchen, um Ihren Ruf zu wahren. Ich bitte Sie, mir die Möglichkeit zu geben, mit Ihnen allein zu sprechen. Ich muß Sie sprechen, Evi von Tanner, ich muß Sie in Ruhe sprechen und Ihnen offen und ehrlich die Wahr- heit bekennen! Und dazu bedarf es feines Zeugen! Sie dürfen mir vertrauen, Evi von Tanner! Wenn ich Sie um den morgigen Abend bitte, so dürfen Sie keine leichtfertigen Wünsche ver- muten. Es wird Ihnen sicher gelingen, von Ihrer Frau Mutter Urlaub für wenige Stunden zu erhalten. Tun Sie es für mich. Nur dies eine Mal! Ich habe Ihnen so viel zu sagen. Ach, dürfte ich Ihnen doch das eine sagen, daß ich Tag und Nacht an Sie denke, daß ich Sie liebe, Evi, teure, heißgeliebte Evi... Gerling warf die Feder fort und zerriß das Blatt. So durfte er nicht schreiben, er, den ein Schwur an eine andere band. Er nahm ein neues Blatt. Hochverehrtes gnädiges Fräulein! Ich bin genötigt, Ihnen zu schreiben, da ich Sie heute nicht allein sprechen konnte, und es nicht wage, die Wohnung Ihrer Frau Mutter zu betreten, um Ihren Ruf nicht zu schädigen. Doch ich muß Sie sprechen. Vieles muß zwischen uns geklärt werden; ich muß Ihnen manches sagen, ohne Zögern... Ich hoffe. Sie vertrauen mir. Ich muß den Abend wählen, da ich am Tage dringende Besprechungen habe betreffs meiner zukünftigen Arbeit. Ich werde Sie am Abend um sieben Uhr an der Ecke der ... straße mit meinem Wagen erwarten und werde Sie um zehn Uhr wieder nach Hause bringen. Ich bitte Sie, es zu ermöglichen; wenn es nicht anders geht, gebrauchen Sie doch für dieses eine Mal eine Notlüge Ihrer Frau Mutter gegenüber. Sie tun ein gutes Werk an einem Menschen, der diese Aussprache braucht, um durch ein offenes Bekenntnis feine seelische Ruhe wiederzufinden. Ich bitte um keine Antwort. Ich erwarte Sie! Ihr zu tiefst ergebener Friedrich Freiherr von Gerling. Er siegelte den Bries und warf sich auf fein Lager, doch ohne Schlaf zu finden. Am Morgen übergab er einem Laufjungen des Hotels den Brief und schärfte ihm ein, nicht auf Antwort zu warten. Er sollte ihn nur abgeben und sofort gehen. So geschah es auch. Frau Müller selbst übernahm den Brief und trug ihn nicht ohne große Neugierde in das Zimmer ihrer Mieterinnen. Evi von Tanner erblaßte, als sie den Brief erhielt. Sie kannte Gerlings Schrift nicht, und doch wußte sie, fühlte sie — es konnte nur von ihm sein. Sie preßte den Brief an sich. Dabei fühlte sie die neugierigen Augen Frau Müllers, die forschenden der Mutter auf sich gerichtet. Nein, hier konnte sie den Brief nicht öffnen. Sie steckte ihn hastig in die Tasche. „Er ist, glaube ich, von einem Kollegen, der mich an eine Probe mahnen will, die für heute vormittag angesetzt ist. Aber ich hätte auch so nicht vergessen. — Und nun muß ich sehr eilen, um fort zu kommen." Hastig strich sie sich das Haar unter die Mütze und eilte davon. Kopfschüttelnd sah ihr die Mutter nach. „Ich weiß nicht, was mit meinem kleinen Mädchen los ist?" Frau Müller lächelte. „Na, vieleicht ist sie verliebt, das Fräulein Evchen. — Ich war genau so in ihrem Alter, damals hab' ich immer meinen seligen Müller heimlich getroffen. Jefsas, wenn das mein Vater gewußt hätte, wo der Müller doch noch gar nichts war, damals ... Aber ganz genau, wie die Evchen war ich. Immer ... Jetzt muß ich mich aber eilen." Und schon war sie draußen (Forts, folgt.) worden. Die Ergebnisse werden durch Obecheffen Tagung Der Evangelischen Frauenhilfe •UM Schulpersonalien, liebertragen wurde dem Lehrer Joseph Kraus zu Ruhlkirchen, Üreis Linie auf die leeren untersucht adio • Photo 4630 0 ■ Seltersweg 67 IU1I1 Telephon 3<70 Nüßchen sind gut aufgegangen. In vielen Himbeeranlagen macht sich die Rutsnkrankheit unangenehm bemerkbar. --Bellersheim, 17. Sept. Wie bereits berichtet rourbe, hat die Bäuerliche Hauptgenos- se n s ch a f t in der ehemaligen Böckelschen Fabrik ein Lager für Flachs errichtet. Wie sehr dem seinerzeit erfolgten Aufrufe des Reichsbauernführers zur Förderung des Gespinstpflanzenbaues Folge geleistet wurde, erhellt aus der Tatsache, daß täglich R o h f l a ch s aus der näheren Umgebung mit Fuhrwerken angeliefert wird und aus den entfernteren Genossenschaftsbezirken Bahnwagenladungen mit 60 bis 70 Zentner Nettogewicht durch die Genossenschaft ausgeladen werden. Wie verlautet, ist geplant, eigen Teil der Weiterverarbeitung hier vorzunehmen. # Obbornhofen, 17. Sept. Die Bautätigkeit war in diesem Jahre hier nicht besonders belebt. Ein Wohnhaus wurde im Laufe des Frühjahres innen ausgebaut, und in diesen Tagen wurde mit den Erarbeiten für den Rohbau eines weiteren Neubaues begonnen. Verschiedentlich wurden Erweiterungs- und Erneuerungsarbeiten an landwirtschaftlichen Gebäuden Dorgenommen und dabei mehrere Einsäuerungsanlagen zur Silierung von Kartoffeln und Grünfutter errichtet. Durch Fassadenverputz mehrerer Wohnhäuser hat das Dorfbild eine wesentliche Verschönerung erfahren. Besonders gefällig ist das Haus Weigand Witwe in der Bahnhofstraße hergoi-ichtet worden. Das Eichen- Canbfreif Gießen. * Klein-Linden, 18. Sept. Hier ereignete ich gestern abend in der Nähe des Kriegerdenkmals ein Verkehrsunfall. Ein hiesiger Radfahrer wollte von der Hauptstraße in die Friedrichstraße einbiegen, ohne jedoch das entsprechende Richtungs- Reichen zu geben. Im gleichen Augenblick wollte ein )inter dem Radler kommender Motorradfahrer überholen, da er von dem vorausfahrenden Radfahrer keine Aenderung der Fahrtrichtung bemerken konnte. Beide stießen zusammen, wobei der Radfahrer eine Verletzung am Kopfe davontrug, die seine lieber» ührung in die Klinik in Gießen erforderlich machte. Der Motorradler blieb unverletzt, feine Maschine Der Kreisverband Gießen der Evangelischen Reichsfrauenhilfe, Landesverband Nassau-Hessen, hielt am Sonntag bei günstigem Wetter in Heuchelheim eine Herbsttagung ab. Es nahmen daran teil die Evangelischen Frauenhilfen von Lang-Göns mit 45, Leihgestern mit 40, Grohen-Linden mit 40, Watzenborn-Steinberg mit 93, Kirchgöns mit 10, Klein- Linden mit 80, Gießen Markusgemeinde mit 30 und Heuchelheim mit 120 Mitgliedern, zusammen 458 Personen. An der Tagung nahmen außerdem teil vom Kreisoerband Gießen Frau Else Kreu- d e r als Vorsitzende und vom Landesverband Nassau-Hessen die Rechnerin, Frau Dr. Ohly aus Alsbach a.d.B. Die Tagung wurde eröffnet mit einem Gottes- dienst, in dem über das Evangelium des Sonntags Mc. 12 V. 41—44, das Scherflein der Witwe, in schlichter, klarer, eindringlicher Weise gepredigt wurde. Nach einer Inständigen Kaffeepause in den Häusern der Heuchelheimer Frauen der Frauenhilfe fanden sich die Gäste mit ihren Gastgebern wieder in der Kirche zu einer Nachfeier zusammen. Die N ach feier wurde zugleich zu einer Feier de s 20jährigen Bestehens der Evangelischen Frauenhilfe von Heuchelheim. Am 24. Oktober 1915 wurde der Frauenverein Heuchelheim durch Pfarrer Dörr und seine Frau gegründet, 54 Frauen traten sofort bei, die Zahl hat sich im Laufe des ersten Jahres auf 130 erhöht. Der erst« Vorstand bestand aus der 1. Vorsitzenden f^rau Pfarrer Dörr, der 2. Vorsitzenden Frau Bürgermeister Kreiling, der Kinderschulschwester Philippine Kraus als Rechnerin und Pfarrer Dorr als Geschäftsführer. Außerdem gehörten noch 20 Frauen dem erweiterten Vorstand an. Wie auch sonst im Reich, half auch der Frauenverein Heuchelheim den Kriegern im Felde und den Aermsten daheim. Er stand anfänglich auf einer neutralen Basis. Am 1.3.1916 trat der Frauen- verein als außerordentliches Mitglied dem Alice- Frauenverein vom Roten Kreuz bei, löste aber dieses Verhältnis im Jahre 1935. Heute gehört die Evangelische Frauenhilfe Heuchelheim, wie der Frauenverein sich heute nennt, zur Evangelischen Reichsfrauenhilfe, Landesverband Nassau - Hessen. ** Besichtigung von Bienenständen. Die Kreisgruppe Gießen in der Reichsfachgruppe Imker hat in den letzten Wochen durch die Ortsobmänner für Bienenzucht eine Besichtigung sämtlicher Bienenstände des Dereinsgebietes durchführen lassen. Die Standrevisionen erstreckten sich in erster bös- und gutartige Faulbrutfälle. Auch Stände und die der Nichtmitglieder sind kreis Alsfeld. —Homberg, 17. Sept. Bei der zuständi- gen Oberpostdirektion hatte man zu Jahresbeginn die Absicht, das hiesige P o st a m t in eine Agentur umzuwandeln. Alsbald setzten Proteste em. Auch die Stadt Homberg-ließ in Verbindung mit dem Kreisamt fein Mittel unversucht, um mindestens den bestehenden Zustand zu erhalten. Der Der- kehrsverein hielt mehrere Sitzungen mit dem Ge- meinderat, mit Kaufleuten und Gewerbetreibenden ab, sammelte deren Ergebnisse und erhob von sich aus energischen Protest. Die Reichspost hat nun- mehr mit der nachstehenden Erklärung geantwortet: „Wir gestatten uns, Ihnen mitzuteilen, daß das Postamt Homberg nicht in eine Postagentur, sondern, um die Verwaltungskosten einzusparen, zu einem noch nicht feststehenden Zeitpunkt in ein Zweigpostamt umgewandelt werden soll. Die Betriebseinrichtungen bleiben dieselben, auf die Postversorgung der Einwohner von Homberg wird diese Maßnahme ohne irgendwelchen Einfluß sein." — Im Kraftwagen machten am vergangenen Sonntag die Mitglieder des Verschönerungs- Vereins einen Ausflug nach dem Herzberg. Vom Gipfel des 505 Meter hohen Berges aus bot sich eine herrliche Aussicht. Neben der Ruine wurde auch die Kapelle mit ihren Kunstschätzen besichtigt. Sehr befriedigt kehrten die Teilnehmer von diesem Ausflug zurück. . # Aus d e m oberen Ohmtal, 16. Sept. Die Zwetschenernte hat dieser Tage auch m unserer Gegend begonnen. Der Behang der Baume ist unregelmäßig, manche Bäume hängen zum Brechen voll, andere wieder tragen wenige oder gar keine Früchte. Für den Zentner Zwetschen men den je nach Qualität 6—8 Mark bezahlt. Wahrend man bei den Zwetschen nur wenige oder gar feine wurmstichigen Früchte findet, ist beim Kernobst, insbesondere bei den Aepfeln, das Gegenteil der Fall. st. Kirtorf, 17. Sept. Die Gerneindever- waltung hat in der Art der städtischen Be - fanntmadjungen eine Neuordnung getroffen. Die Ortsschelle wird a b g e I ö ft und soll nur noch in dringendsten Fällen zur Anwendung gelangen. Die städtischen Befanntrnachungen werden von jetzt ab an A n s ch l a g t a f e l n zur allgemeinen Kenntnis gegeben. Alsfeld, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Dienheim, Kreis Oppenheim, mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts an; dem Lehrer Wilhelm Wagner zu Wohnbach, Kreis Friedberg, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Billertshausen, Kreis Alsfeld, mit Wirkung vorn Tage des Dienstantritts an und dem Lehrer Philipp Hamm zu Oder-Ingelheim, Kreis Bingen, zur Zeit kommissarisch an der Volksschule zu Friedberg, eine Lehrerstelle an der Volksschule zu Wohnbach, Kreis Friedberg, mit Wirkung vom Tage des Dienstantritts an. ** Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 21. August bis 15. September: 22. August: Anna Euler, geb. Kratzenberger, 58 Jahre alt, Wolfstraße 23; 23.: Christian Maurer, Lehrer i. R., 80 I. alt, Wartweg 3; 25 : Eleonore Rausch, 5 I. alt, Wetzstelnstraße 32 Lud- roig Becker, Gärtnermeister, 72 I. alt, Kalserallee 17; 26.: Georg Helwig, Rektor i. R., 68 I. alt, Stephan- straße 41; 27.: Oskar Bock, Oberpostsekretar, 78 I. alt, Stephanstraße 38, Lorenz Ament, Hutmacher, 75 I. alt, Schiffenberger Weg 11; 2. September: Margarete Nuhn, geb. Hopp, 70 I. alt Horst- Wessel-Wall 25; 3.: Wilhelm Hillgärtner, Gemüsehändler, 66 I. alt, Walltorstraße 51; 4.: Karl Eduard Koch, Kaufmann, 65 I. alt. Großer Stein- weg 10; 5.: Konrad Becker, Oberzahlmeister i. R., 70 I. alt, Goethestraße 59; 7.: Gustav Trinkaus, Metzgermeister, 72 I. alt, Seltersweg 50; 10.: Heinrich Philippi, Invalide, 63 I. alt, Kreuzplatz 11, Luise Ida Schaumann, ohne Beruf, 41 I. alt, Stephanstraße 9, Karl Grüger, Jnstitutsgehilfe, 61 I. alt, Frankfurter Straße 94; 12.: Julie Elbs, geb. von Rotteck, 65 I. alt, Wilhelmftraße 21; 13.: Luise Käs, geb. Schneider, 64 I. alt, Schützen- straße 44. ** Eine Ob st Versteigerung der Stadt Gießen findet am nächsten Freitag statt. Näheres ist aus der heutigen Bekanntmachung ersichtlich. ** Erhebungen über O b sto a u m s p r i t - 3 en. Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau führt gegenwärtig durch die Ortsfachwarte für Obstbau eine Erhebung über Obstbaumspritzen durch, um einen Ueberblicf für die im Rahmen der kommenden Obsterzeugungsschlackt vorzunehmenden Schäd- lingsbekämpfungsmatznahmen zu bekommen. Es sollen alle Spritzen, sowohl die im Privatbesitz, als auch die im Besitz von Obst- und Gartenbauvereinen, Gemeinden, Genossenschaften irsw. erfaßt werden. Er zählt zur Zeit 120 Mitglieder und steht unter Leitung von Frau W e i s e l als 1. Vorsitzenden und Frau Rinn als 2. Vorsitzenden. Die Nachfeier brachte Begrüßungsworte des Orts- geistlichen Pfarrer Weisel, herzliche Worte des anwesenden Gründers des Frauenvereins, Pfarrer i. R. D ö r r in Friedberg, den Jahresbericht der Kreisverbandsvorsitzenden Frau Else K r e u d e r (Gießen) und eine dreioiertelstündige herzliche und anfeuernde Ansprache über die Aufgaben der Evangelischen Frauenhilfen von dem Lanoesvorstandsmit- glied Frau Dr. Ohly (Alsbach). Aus dem Jahresbericht geht hervor, daß 1934 innerhalb des Kreis- verbandes vier größere Versammlungen ftattgefun- den haben, 1. in Steinbach mit einer Besucherzahl von 407 Frauen und einer Einnahme von 43,58 Mark; 2. in Mainzlar mit einer Besucherzahl von 935 Frauen und einer Einnahme von 142,45 Mark, zugleich 25jähriges Jubiläum des dortigen Vereins; 3. in Klein-Linden mit einer Besucherzahl von 277 Frauen und einer Einnahme von 52,45 Mark, und 4. in Langsdorf mit einer Besucherzahl von 507 Frauen und einer Einnahme von 80 Mark. Der Kassenbestand Ende 1934 betrug mit einem Rest von 26,69 Mark aus 1933: 345,17 Mark. Davon wurden abgeliefert an den Verband 230 Mark, 117,95 Mark gingen darauf für Verwaltungskosten aller Art innerhalb des Kreisverbandes Gießen. Während die Beteiligung an den verschiedenen Veranstaltungen 1933 insgesamt 1670 Frauen betrug, stieg diese 1934 auf 2126 Frauen. Entsprechend stiegen die Kollekten von 238,64 Mark in 1933 auf 318,48 Mark in 1934. Der Rahmen der Veranstaltung war die 700 Jahre alte, unter Denkmalschutz stehende und von Meisterhand 1926 wiederhergestellte Heuchelheimer Kirche. den Bienenfeuchensachverstandigen G. Bodende n d e r (Gießen) zusammengestellt und ausgewertet. Große Strafkammer Gießen. Der angeklagte Jude Moses Sommer aus Crainfeld wurde seinerzeit vom Amtsgericht Herbstein durch Strafbefehl mit einer Geldstrafe belegt, weil er im November 1934 eine Kuh nach Salz verkauft hatte, ohne sie in das Hauptkontrollbuch eingetragen zu haben und außerdem ein solches Buch nicht besaß. Nachdem er Einspruch cinaelegt hatte, wurde der Angeklagte zur Begründung feines Einspruches von dem Gendarm vernommen. Inzwischen hatte der Sohn des Angeklagten, der Jude Ferdinand Sommer das Nebenkontrollbuch insofern in ein Hauptkontrollbuch umgewandelt, als er das Wort „Neben" durchstrich und durch das Wort „Haupt" ersetzte. Dieses Buch legte der Angeklagte Moses Sommer zu seiner Rechtfertigung dem Beamten vor, der ihn jedoch zur Anzeige brachte. Vom Schöffengericht Gießen wurden beide Angeklagten zu je 2 Monaten Gefängnis verurteilt. Die dagegen eingelegte Berufung wurde gestern kostenpflichtig zurückgewiesen. Wegen Betrugs wurde der W. R. aus Heuchelheim unter Einbeziehung des Urteils der Großen Strafkammer Gießen vom 25.6.1935 vom hiesigen Schöffengericht zu insgesamt 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte hatte sich von einem hiesigen Bäckermeister einen größeren Geldbetrag geliehen und ihm zur Sicherheit ein ausdrücklich in seinem Eigentum stehendes Klavier übereignet. Später stellte sich jedoch heraus, daß das Klavier unter Eigentumsvorbehalt verkauft war und noch im Eigentum der Lieferfirma stand. Da ihm in erster Instanz die Untersuchungshaft nicht angerechnet wurde, erreichte er dies durch Einlegung des Rechtsmittels der Berufung in der gestrigen Hauptverhandlung. Wegen Verbrechens nach § 176 Z. 3 StGB, wurde der Karl E m m e l aus Schwalheim unter Zubilligung mildernder Umstände zu einem Jahr und drei Monaten Gefängnis verurteilt, von denen zwei Monate zwei Wochen erlittene Untersuchungshaft angerechnet werden. Amtsgericht Gießen. Der W. W. aus Bruchenbrücken fuhr am 14. März mit feinem Lastkraftwagen und Anhänger in zu hoher Gefchwindgikeit durch die Bahnhofstraße in Richtung Bahnhof. Beim Ueberqueren der Kreuzung Schanzenstraße streifte er mit dem Anhänger das Pferd eines Fuhrwerks, das leicht verletzt wurde. Durch Strafbefehl wurde der Angeklagte mit 20 R M. Geldstrafe belegt. Der dagegen eingelegte Einspruch blieb ohne Erfolg. ober mit dem Rad 8 Uhr ab Lahnbrücke. Rucksack- Verpflegung. Die Wanderung geht von Bieber nach dem Dunsberg, dann nach Frankenbach durch das Strupbachtal nach Bieber. Führer: Wanderwart Paul Werner, Lollar. Meldungen über die Teilnehmerzahl bis Donnerstag, 19. September, auf der Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18. Fehlanzeige erforderlich. Eportamt „Krast durch Freude-'. heule folgende Kurse: Fröhliche Gymnastik und Spiele: von 16.30 bis 17.30 Uhr (nur für Frauen), Kantine der Firma Bänninger. R e i t e n : von 20 bis 21 Uhr Reitschule Schömbs. Schwimmen für Frauen und Männer von 20 bis 21 Uhr und von 21 bis 22 Uhr im Volksbad. Frauen-Schwimmkursus. Freitag, von 21.30 bis 22.15 Uhr, findet im Volks- bad ein Schwimmkursus nur für Frauen statt. Derselbe wird von einer Schwimmlehrerin geleitet. Vorher, von 20.30 bis 21.30 Uhr, läuft ein Schwimm- kursus für Frauen und Männer gemeinsam. Froh, gesund und stark durch Leibesübungen mit ,Kraft durch Freude"! Oie Einführung des Arbeitsbuches. LPD. Nach einer zweiten Bekanntmachung des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung über die Einführung des Arbeitsbuches werden die Arbeitsbücher vom 1. Oktober ab weiter für die Arbeiter und Angestellten der folgenden Betriebsgruppen ausgestellt: 1. Landwirtschaft, Gärtnerei, Tierzucht, Forst- wirtschaft, Fischerei. 2. Bergbau, Salinenwesen, Torfgräberei. 3. Textilindustrie. 4. Vervielfältigungsgewerbe. 5. Musikinstrumenten- und Spielwarenindustne. 6. Bekleidungsgewerbe. 7. Wasser-, Gas- und Elektrizitätsgewinnung und -Versorgung. 8. Reinigungsgewerbe. 9. Gaststättenwesen. 10. Häusliche Dienste. Ueber die Zugehörigkeit der Betriebe zu den Be- triebsgruppen erteilen die Arbeitsämter in Zweifelsfällen Auskunft. Ueber die Einführung des Arbeitsbuches für weitere Betriebsgruppen ergeht besondere Bekanntmachung. Höchstpreise für Speiseöle und -fette. Die Preisüberwachungsstelle (Abteilung HF) der Landesregierung gibt bekannt: In letzter Zeit sind beim Verkauf von Pflanzenölen und »fetten Preissteigerungen erfolgt, die über die Preiserhöhung der ausländischen Rohstoffe (Delfaaten und Del* früchte) zum Teil weit hinausgehen. Um diesen Preissteigerungen entgegentreten zu können, hat die Reichsstelle für Milcherzeugnisse, Oele und Fette Höchstpreise für Speiseöle und Speisefette errechnet. Ab 1. September sind folgende Kleinverkaufspreise festgesetzt worden: Sojaöl je Liter 1,25 Mk., Erdnußöl je Liter 1,35 Mk., Rüböl je Liter 1,20 Mk., Speisemischöl (mindestens 50 v. H. Erdnuß- oder Rüböl), je Liter 1,30 Mk. Pflanzenfette dürfen im Kleinverkauf einen Preis von 70 Pfennig je Pfund nicht überschreiten. Derstöß gegen die Höchstpreis- anorbnung werden durch die Preisüberwachungsstelle auf Grund der einschlägigen gesetzlichen Be- ftimmungen mit Ordnungsstrafen bis zu 1000 Mk. und gegebenfalls mit Geschäftsschließung bestraft. Oie Arbeit hat begonnen! Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Nachdem in den technischen Abteilungen des Theaters bereits seit Wochen lebhafte Tätigkeit eingesetzt hat, um all die Anforderungen einer Spielzeit zu erfüllen, und die mit einer neuen Spielzeit verbundenen Vorbereitungen zu treffen, hat jetzt das neue Ensemble ebenfalls in gesteigerter Arbeit die Proben für die ersten Aufführungen der kommenden Spielzeit begonnen. Die künstlerischen Vorstände schaffen in ernster Arbeit mit den Darstellern. Intendant Sch ultze-Gries heim hat mit den Proben zu Kleists „Prinz von Homburg" begonnen, der unter seiner Regie die festliche Eröffnungsvorstellung der Wlnterspielzeit bilden wird. Kapellmeister Paul Walter bereitet die erste Opernaufführung von Mozart „Cosi fan tutte" vor, während der zweite Kapellmeister Ernst Bräuer die Einstudierung der ersten Operette, Lehär: „Paganini", in Angriff genommen hat. wurde leicht beschädigt. * Ruttershausen, 17. Sept. Bei einem unglücklichen Sturz erlitt der 10jährige Sohn Ernst des Schlossers Sauer von hier einen Bruch des linken Oberarms. Der Junge mußte in ärztliche Behandlung nach Gießen gebracht werden. * Großen-Buseck, 17. Sept. Der etwa 21 Jahre alte Landwirtschaftsgehilfe Emil Schmidt kam bei seiner Arbeit so unglücklich zu Fall, daß er einen Oberarmbruch und eine schwere Schulterverletzung erlitt. Der bedauernswerte junge Mann mußte in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. tn. Lang-Göns, 16. Sept. Am nächsten Sonntag, 22. September, findet das diesjährige A b - turnen des Turnvereins bei der Turnhalle tatt. Damit wird das Fest der deutschen Schule verbunden werden. Q Grüningen, 17. Sept. Am Sonntag fand im hiesigen Gotteshause bei starker Beteiligung der Gemeinde die feierliche Eröffnung des Konfirmandenunterrichtes statt. In diesem Jahre sind hier neun Knaben und sieben Mädchen im Kon- irmandenunterricht. — Die O b st e r n t e in unsrer Gemarkung ist gegenwärtig in vollem Gange. Täglich werden die Zwetschen von den Händlern aufgekauft und mit Lastautos abbefördert. Bisher wurden 10 Mark je Zentner bezahlt. )—( Aus der mittleren We11erau, 17. Sept. Die Grummeternte wurde in den meisten Dörfern jetzt erst beendet. Durch die reichlichen Niederschläge, verbunden mit günstiger Wachswitterung war noch ein guter zweiter Grasschnitt herangewachsen, so daß ein zufriedenstellender Orummetertraa eingebracht werden konnte. Auf frühgemähten Wiesen ist auch noch ein üppiger Graswuchs eingetreten, der von den Besitzern als Futterweide verwertet wird. Fast glaubt man sich in die Weidewirtschaftsbetriebe Norddeutschlands versetzt, wenn man jetzt hier die schwarzbunten Kühe in den saftigen Wiesengründen erblickt. Von Futtermangel kann nun nicht mehr gesprochen werden. Neben dem Ewigen Klee hat sich der Stoppelklee besonders gut entwickelt, so daß er bereits die Knöpfe bildet. Die D i ck w u r z stehen prächtig. Die sofort nach der Getreideernte eingesäten Stoppelerbsen und-wicken bedecken bereits den Boden und liefern ein einweihreiches Herbstfutter. Die Zuckerrüben versprechen eine volle Ernte. Allgemein ist man jetzt von den Vorzügen des Rapsbaues überzeugt. Neben der Eigenerzeugung von Del für den Haushalt schlägt besonders die Rücklieferung von Delkuchen zur Vieh- fütterung zu Buch. Größere Betriebe haben meistens Wmterraps ausgestellt, während Neuanbauer 3u Rübsen greifen. Von den Freunden des fortschrittlichen Dbftbaues wird die behördliche Festsetzung des Beginns der Obsternte nicht vor dem 25. September für Spätobst, begrüßt. Die Obstaussichten haben sich insbesondere für Z w e t s ch e n ' gebessert. Der Handel ist sehr rege. Frei Ver- : sandbahnhof wird der Zentner Zwetschen mit 8 bis 9 Mark bezahlt. Sehr gesucht sind auch Honiabirnen zur Bereitung des häuslichen Brotaufstrichmittels. Der Stand der Gartenkul- turen ist ausgezeichnet. Spinat, .Wintersalat und bofxfacfiroerf wurde freigelegt, dadurch kanwn bfe kunstvoll verzierten Eckpfosten und die nnt Namen der Erbauer versehenen Lagerbalken zum Vorschein. Das Haus wurde im Jahre 1764 erbaut und beweist die bedeutsame Höhe handwerklichen Könnens zur Zeit des großen Preußenkomgs. Kreis Büdingen. tt. Nidda, 17. Sept. Bei einer Beteiligung von 40 Mitgliedern unternahm der hiesige Z w e t 9^ verein des VHC. am vorigen Sonntag seine 10. planmäßige Wanderung. VHC.-Bruder Spa- m er-Schotten führte die Wanderung von Station Rainrod aus durch das Giersbachtal zur Fer dmand-Werner-Eiche und zur Manenruhe, m deren Nähe der Schottener Zweigoerein des VHC. seinen Gefallenen eine Gedenktafel angebracht hat. Von hier aus führte der Weg zur „Warte , von der aus die Teilnehmer der Wanderung einen herrlichen Rundblick genossen. Nach kurzer Rast m oc^o ten wanderte man über den Bockzahl, über den zllten» burgsfopf und durch das Läunsdachtal nach Rain- rod. Mit der Eisenbahn begab man sich wieder nach Hause. Kreis Schotten. )—( Ruppertsburg, 17. Sept. Am Sonntagnachmittag fand hier das Jugend fest der Schule statt, an dem auch die Schulen von Wetterfeld und Gonterskirchen teilnahmen. Die Schüler mit ihren Lehrern marschierten mit frohen Marschliedern durch das Dorf zum Festplatz, wo sich eine große Menschenmenge eingefunden hatte. Hier hielt zunächst Lehrer Debus eine Ansprache über die Bedeutung der Jugendfeste und Jugendspiele. Sodann folgte auf einer Freilichtbühne die Ausführung eines Stückes „Der Freiheitskämpfer Wilhelm Teil" durch die Knaben der ersten Klasse von Ruppertsburg. Die Schule von Wetterfeld brachte anschließend Vorträge in oberhessischer Mund- art und einige Lieder. Die Kleinen der Schule von Gonterskirchen erfreuten durch die Aufführung eines Märchens. Schöne Reigen und Volkstänze mit Musikbegleitung wurden außerdem noch bargeboten. Die Veranstaltung fand allenthalben die verdienstvolle Anerkennung. Hauöwirtschastliches Jahr für alle Mädchen. Nach Mitteilungen der ReichsanstM für Arbeits- Dermittung und Arbeitslosenversicherung hat die Einführung des hauswirtschaftlichen Jahres für Mädchen gute Fortschritte gemacht. Durch die Teilnahme am hauswirtschaftlichen Jahr soll erreicht werden, daß sich die deutsche weibliche Jugend entweder ganz hauswirtschaftlicher Berufsarbeit zuwendet oder doch später bei Aufnahme einer gewerblichen Arbeit innerlich auch auf den Hausfrauen* und Mutterberuf ausgerichtet bleibt und neben der beruflichen Schulung die Weiterbildung für diesen Lebensberuf der Frau im Auge behält. Bei den Hausfrauen ist ebenfalls ein ständig wachsendes Verständnis dafür festzustellen, baß die deutschen Familienhaushaltungen die beste und natürlichste Schule für die Heranwachsenden deutschen Frauen und Mütter sind. Insbesondere die Hausfrauen auf dem Lande und in kleineren und mittleren Städten haben sich in großer Zahl bereit erklärt, junge Mädchen in ihren Familien aufzunehmen. Die bisher vorliegenden Erfahrungen über die weitere Berufslausbahn von jungen Mädchen, die durch das hauswirtschaftliche Jahr gegangen sind, zeigen, daß eine große Zahl von ihnen auch weiterhin im hauswirtschaftlichen Beruf bleiben will. Selbstverständlich bedarf es noch weiterer unermüdlicher Aufklärung, Werbung und enger Zusammenarbeit aller beteiligten Stellen, damit das haus- wirtschaftliche Jahr einmal für alle Mädchen zu einem selbstverständlichen Teil ihrer Berufs- und Lebensbahn wird. Vornotlzen. — Tageskalender für Mittwoch: NSG. „Kraft durch Freude": 16.30 bis 17.30 Uhr Fröhliche Gymnastik und Spiele für Frauen in der Kantine der Firma Bänninger; 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Graf von Monte Christo". — Sgv. Liederkranz Heiterkeit: 21 Uhr außerordentliche Generalversammlung im Caf6 Ebel. Lunge deutsche Nation Sie Wache. Don Heryberi Menzel. Steht einer einsam in der Nacht, Mit schwerer Pflicht beladen, Er denkt zurück und an die Wacht Der toten Kameraden. Er fühlt's, daß einer zu ihm tritt, Soldat aus anderen Tagen, Der schon das Bitterste erlitt; Und leise hört er sagen: Kamerad! Und nur dies eine Wort. Sie schweigen und sie schauen. Der Zweite geht, ein Schatten, fort Erst früh beim Morgengrauen. Erlebnis Äürnbera. Durch die Stadt Nürnberg ziehen die braunen Abteilungen der Jugend, unabsehbar, endlos, mit ihrer wirbelnden Marschmusik und dem dumpfen Klang der großen Landsknechtstrommeln. Wie eine Sturmflut das Land überflutet, so ist die Jugend über die alte Reichsstadt gekommen und hat Besitz ergriffen von ihren Straßen. Lieder klingen auf. Herbstsonne lockt. Der Staub der Straßen, diese flimmernden, bunten Häuserfronten, die verwehten Klangsetzen einer Kapelle und der rastlose, den Marschtritt verbindende Klang der Trommeln formen sich zu einem zukunftsfrohen Bild. Und hier beim Marsch muß ich wieder an die Abfahrt von Berlin denken, an das drängende, lange Warten, ehe wir den Zug bestiegen. * Abmarsch aus unserem Bezirk im Norden. Jung und alt ist auf den Straßen, um die Abrückenden zu grüßen. Unser Musikzug spielt das alte Abschiedslied: „Nun ade, du mein lieb Heimatland". — * Jetzt aber marschieren wir, marschieren. Sind wir in Nürnberg, sind wir noch daheim? Die Bilder verwischen sich bei der Fülle der Eindrücke. Vor uns schlägt die Fahne an den Fahnenstock und sinkt wieder zusammen. Es ist fast windstill. Genau so marschierten wir vorgestern abend durch unsere Heimatstadt. Es war spät. Die Gaslampen in den breiten Straßen warfen helle Lichtkegel auf das Straßenpflaster. Die langen Häuserreihen ließen den dumpfen Schall der marschierenden Kolonne nicht verhallen. Er kletterte an den Fensterreihen empor, schwang sich von Giebel zu Giebel und schallte uns voraus als Künder unseres .Kommens. Auf einem Platz hielten wir. Hier tobten einst die wildesten Kämpfe der Roten. Der Platz war das äußere Zeichen, wer ihn hatte, befaß auch die Straße in dieser Gegend. — Doch das sind alte ^Geschichten. Sie dringen nur noch halb in unsere junge, helle Zukunft. — Und dann standen wir auf Lern Bahnsteig. Sonderzug. Frohe Menschen win- 8en, grüßen und erzählen. Der schwarze Qualm der Lokomotiven hing über Äen Bahnsteig. Darrn ein Ruck. Ein letztes Winken tiu den Zurückbleibenden, hinter uns schwanden ^Bahnsteig und die Häuserwände der Vorstadt. Wir jähren zum Parteitag. Grau verschleiert hängt der Mond über den ischwarzen Dächern. Es ist zwei Uhr früh. Die Wagen stoßen, rattern eintönig. Immer die gleiche Melodie. Die Kameraden schlafen, auf den Bänken, nm Gang oder in den Gepäcknetzen, oder haben sich Zeltbahnen dazwischen ausgespannt. Draußen fließen die Schatten. Fahle Baumreihen wechseln mit dichtem Gehölz. Dazwischen Wiesen, schwarz und Raunt zu erkennen. Aecker. — Ich schließe die Augen. Ab und zu spricht einer im Schlaf, unverständliche Brocken. Da hinten, der Dicke, er ist Feldscher, gurgelt plötzlich auf. Richtet sich hoch, starrt um sich — und dreht sich brummend I Dann kam das Ausladen, der Weg zum Lager, auf die andere Seite.Es ist dunkel im Abteil. Nur das Beisammensein mit den Kameraden aus dem manchmal huschen helle Streifen über die Schlafen- Reich. Nun kommt der Höhepunkt: Der Vorbei- den, wenn der Mond für Augenblicke durch die marsch beim Führer. Menschen jubeln — die Augen ziehenden Wolkenfetzen bricht. leuchten — Fahnen, Farben, Sonne. Ein über» Die Schienen stoßen. Wir fahren, fahren nach wältigendes Bild, das immer wieder neu packt und Nürnberg. I wirkt. H. J. S. „... haben die bayrische Grenze überschritten." Tagebuch vom Adolf-Hitler-Marsch. Ein Hornsignal weckte uns aus unserem kurzen Schlaf. Aus den Zelten kam ein verschlafenes Knurren, hier und dort kroch einer aus dem Zelteingang in die finstere Nacht hinaus. Es war aber kein Irrtum: mitten in der Nacht wurde zum Aufbruch geblasen. Heimliches Fluchen in sämtlichen Zelten — also hatte der Marschsührer doch sein Wort vom Dor- abend wahr gemacht und ließ uns mitten in der Nacht abrücken. Gegen halb ^wölf Uhr nachts waren wir erst von dem Dorfabeno zurückgekommen und in die Zelte aekrochen. Jetzt war es halb eins Uhr. Eine harte, befehlende Stimme machte die letzten Schläfer munter und riß die Halbwachen zusammen: „Raus aus den Zelten! In fünfundvierzig Minuten steht das Ganze marschfertig vor den Zelten." Eine fieberhafte Tätigkeit beginnt: In stockfinsterer Nacht anziehen, Decken rollen, Tornister packen — Tempo, Tempo Hier sucht einer seine Decke, dort fehlt einem der Spaten, eine gereizte Stimmung liegt über der ganzen Mannschaft, die Müdigkeit sitzt zu fest in den Gliedern. „Noch fünfzehn Minuten!" klingt die Stimme des Marschführers durch die Nacht. „Los, Tempo!" Jeder weih, daß es nun auf den letzten Mann ankommt. Wir werden zeigen, daß wir ganze Kerle lind und bei Nacht genau so pünktlich und vorschriftsmäßig antreten und marschieren können wie am Tage. Ein Uhr fünfzehn Minuten: Die ganze Einheit steht marschfertig angetreten. Der Führer vom Dienst meldet, bann geht es in die rabenschwarze Nacht. Stille liegt über den Dörfern. Nur die Hofhunde, die vom Klang unserer Schritte geweckt wurden, bellen hinter uns her. Ruhe ist in unseren Reihen. Jeder kämpft mit dem Schlaf, gewaltsam nur halten wir die Augen offen. Doch wir marschieren, weil wir zeigen wollen, daß wir Kerle sind. Als es langsam dämmert, überschreiten wir die bayerische Grenze. Licht flammt in den ersten Gehöften auf. Einige verschlafene Gesichter blicken aus den Fenstern. Sie werden sich über die Kolonne gewundert haben, die da mit ihren wehenden Fahnen durch die erste Dämmerung zog. Gegen Morgen erreichten wir unser Ziel Die Füße schmerzen, der Magen knurrt, aber ein Stolz war in uns, daß wir alle durchgehalten hatten — daß wir in Disziplin marschiert waren. Erwin Kirchhof. „Haudireten zum Sportdienst!" Ein Jahr Zungensport im Lager. Don 6.30 bis 7.00 Uhr ist Frühsport. Das steht auf dem Dienstplan, und kaum hat der schrille Pfiff des Lageriührers den letzten faulen Schläfer geweckt, da saufen mir auch schon — mancher zwar noch etwas schläfrig — im Turnzeug durch die Mesen. Breite Gräben werden mit Hurrageschrei im Anlauf genommen und niedrige Anhöhen gestürmt. Auch ein Bach, der leise plätschernd unter oichtem Gesträuch dah-insließt, kann uns nicht aufhalten. „So 'ne kleine Pfütze!" ruft Willi mit seiner großen Klappe, macht einen kurzen Anlauf — und sitzt auf der anderen Seite prompt bis zu den Waden im Sumpf. Wir bersten fast vor Lachen, als er kleinlaut und mit hübschen schwarzen „Schlammfocken" die Umgebung der „kleinen Pfütze" verläßt. Wir anderen suchen uns inzwischen eine Stelle aus, an der wir besser über den Bach springen können und setzen in weiten Sprüngen über den Graben. Im Laufschritt geht es weiter. Der letzte Rest von Kälte und Müdigkeit ist verschwunden, als wir prustend und dampfend wieder im Lager eintreffen.--- Für den Vormittag ist Sportdienst angesetzt. Als wir das Lager verlassen, flucht ein Vordermann vor sich hin. Falschen Tritt hat er auch und läßt jämmerlich den Kopf hängen. Vielleicht hat er Heimweh! „Verdammte Striezerei!" „Menschenskind", sagt einer aus dem nächsten Glied, „nun halt aber die Luft an. Bist doch fein kleines Kind mehr!" Ein anderer meint: „Kerl, sei doch froh, jetzt kommt doch der schönste Teil des Taaes. Jetzt soll doch noch ein Kampfballspiel steigen! „Uebrigens — anderen Tritt könntest du heute auch noch einmal annehmen!" und „Du, dein Kopf wird bestimmt gleich runterfallen! Der hängt ja schon aanz schief!" „Laß ihn fallen, mir ist alles egal!" brummt der Dickkopf böse und latscht trotzig in seiner alten Weise weiter. Na, dann eben nicht! „Zum Donnerwetter, im Glied wird nicht gesprochen!" pfeift uns plötzlich der Lagerführer an. Weiß der Himmel, wo der so schnell hergekommen ist. Gleichzeitig bekommt mein widerspenstiger Vordermann einen Stoß in den Rücken und der Lagerführer kämmt ihn gründlich durch: „Du wackelst ja daher wie ’ne alte Großmutter. Reiß dich gefälligst mal ein bißchen zusammen. Kopf hoch, rich- tigen Tritt gefaßt! Du bist doch ein Junge!" Das hat gewirkt. Das duldet doch seine beleidigte Ehre nicht. Wir sind am Ziel. Die Sonne kommt schräg über den Wald hinweg und brennt stark. Schnell stellen wir uns zu den Freiübunaen auf. Kurt, einer der Ausbilder, erklärt jede Hebung und turnt sie vor: „Achtung! Erste Uebung: Laufstellung! Hochhalten der Arme! Arme durchschwingen, dabei in die Knie gehen! Nach dem vierten Durchschwung ein Sprung!" So aeht es eine Viertelstunde lang. Immer neue Hebungen kommen dran; alle passen scharf auf und merken sie sich für den Sportdienst zu Hause bei ihrem Fähnlein. Kurt hat scharfe Augen und übersieht keinen Fehler, denn nur eine ganz sorgfältig durchgeführte Uebung ist für den Körper von Nutzen. Nach den Uebungen werden zwei Mannschaften gebildet. Kurt gibt den Ball frei: Raufballspiel!! Jetzt sind sie alle in ihren Elementen. Manche stöhnen richttg vor Wut und Äampfeseifer. Als der Schlußpfiff ertönt, sind alle erschöpft und haben tüchttgen Hunger. Die Sieger strahlen, die Unterlegenen freuen sich auf die Vergeltung am nächsten Tag. Dann geht es mit einem frischen Lied zurück ins Lager. Der Sportdienst ist vorbei. i Und er war in Ordnung. H. R. Gegen den Wind. „Franz!", rief mich der Fluglehrer an. Erschrocken sah ich ihm ins Gesicht. Nun war es so weit, nun sollte ich fliegen. Herzklappern kennen wir ja nicht. Und doch war es mir eigentümlich zumute. Jetzt hieß es, die Gedanken zusammennehmen. Den Sturzhelm aufgeschnallt —, ein unheimliches Ding. Etwas zaghaft griff meine Hand nach dem Steuer. Ob sie nicht doch ein bißchen zitterte? Dann rief ich, ja, ich brüllte förmlich, damit auch alle hörten, mit welchem Mut ich an die Arbeit ging: „Fertig!" „Fertig!", gab die Startmannschaft zurück. „Aus- ziehn! Laufen!" Nun war der Moment da. Das Seil straffte sich mehr und mehr. „Los!" Wie aus einem Gewehr abgeschossen brauste ich los. Im Nu war ich auch schon 5 bis 6 Meter hoch. Ich wußte nicht, wie mir geschah. Alles ging blitzschnell. Die Spanndrähte pfiffen im Winde. Ich flog! Nur Sekunden, und doch kam es mir wie eine Ewigkeit vor. Nun wieder runter! Aber wie? Das Steuer nach vorn gedrückt. War es nicht zu viel? Ick krachte auf den Erdboden. Aber alles blieb heil. Auch die Maschine. Lachend kamen die Kameraden angelaufen. Ich wußte nicht, warum sie lachten. Ich fühlte auch nicht den Rippenstoß, den man mir gab, und der anbeuten sollte, endlich auszusteigen. Ein großes, nie geahntes Gefühl hatte sich meiner bemächtigt. Das war also das Fliegen, so frei in der Luft zu schweben. Ich stieg aus und half die Maschine zurücktragen. Andere Kameraden kamen in die Kiste. Liesbeth hat eine neue Stellung. Wir saßen beieinander um den großen Tisch im Tagesraum. Eigentlich war es ganz ungewohnt, am Hellen Nachmittag so untätig dazusitzen, aber es war unser letzter Tag im Umschulungslager; morgen sollten wir alle unsere neuen Stellen antreten. Nur Liesbeth hatte noch keine gefunden. Sie sah ein bißchen klein und zart aus, war ja auch unsere Jüngste. Aber wenn die Leute wüßten, wie fest und energisch das Mädel zupacken kann! — Nun saßen wir hier alle im Kreise, warteten auf sie und drückten fest die Daumen. „Wißt ihr noch", fing plötzlich Erna an, „wie wir am ersten Tag hier zusammenkamen? Es regnete, auf dem Hof standen große Pfützen und alles kam mir so grau und häßlich vor. Ich hatte gar keine Lust zu der neuen Arbeit und Heimweh obendrein!" — „Mir ist es genau so gegangen, und als ich gar hörte, daß wir immer alle zusammen- sein müssen, daß wir abends nicht fortdürfen, nicht zum Tanzen, nicht ins Kino, da wäre ich am liebsten umgekehrt und wieder nach Haufe gefahren." — Aber als wir dann zum erstenmal um diesen Tisch beim Nachmittagskaffee saßen, in unserem Tagesraum mit den lustigen Vorhängen an den Fenstern und den feinen Bildern an der Wand, war es schon besser, und als wir gar den ganzen ersten Nachmittag lang singen und spielen durften, um „das Heimweh zu oertreiben", da hatten wir uns schon fast eingewöhnt. „Dann ging's an die Arbeit! Wißt ihr noch, wie wir unseren ersten Waschtag hatten und alle mit wunden Fingern aus dem Waschhaus kamen, daß Trude nur Mühe hatte, uns zu verpflastern?" „Und erst die Abende, wo wir vorlasen und er» zählten! Wißt ihr noch, wie wir von dem Kampf der Deutschen an den Grenzen sprachen? Da fing Ilse auf einmal an, aus eigener Erfahrung zu erzählen; wir wußten gar nicht, daß sie stüher im Saarland zu Haus gewesen war! Nun bekam alles noch viel mehr Leben, und wir spürten erst, wie eng wir mit denen zusammengehören, die auf Grenzwacht stehen." — „An diesem Abend habe ich zum erstenmal den Sinn unserer Fahne ganz begriffen. Bis dahin schien mir das Fahnehissen und -einholen mehr eine Formsache, die man eben mitmacht. Aber an diesem Abend habe ich verstanden, daß unsere Fahne Deutschland bedeutet und daß Der Fliegerleutnant. Hans-Joachim hieß der Primaner, der damals, aals der große Krieg die Reihen unserer Lehrer mächtig gelichtet hatte, für einige Zeit aushilfsweise Ibas Turnen leitete. Es gab nicht wenige unter uns Knirpsen, die sich davon einen Riesenspaß ver- ssprachen. Ein Schüler uns befehlen? Sie zwinkerten sich zu und planten wohl schon eine ganze Reihe aoon Scherzen, die sie mit ihm aufstellen wollten. Biber sie wurden ganz grimmig enttäuscht, das Rann ich jetzt jagen. — Wir standen, etwas lässig angetreten, auf dem jHof der alten Thüringer Lateinschule, als Hans- Joachim vor die Front trat. Er verlas die Namen unb der erste, den er aufrief, antwortete mit glucksender Stimme. Ein Blick, sonst nichts. Ich weiß nur noch, daß unser neuer Lehrer unbewegt, aber sehr rasch und ordentlich die anderen aufrief. Dann Plötzlich ein Kommandorus, der allen in die Knochen ffuhr. „Laufschritt, marsch marsch..." Hans-Joachim llief mit, und es machte ihm gar nichts aus, uns gu überrunden und gleichzeitig zwanzig, dreißig Fehler im Glied zu tadeln. Dieser Anfang war Richtmaß für die ganje Dtunde, war es zugleich für den gesamten Dienst. Reck, Barren, Bock und Ringe — nichts vergaß tHans-Joachim und keine Finte und Schmeichelei Verschlug etwas dagegen. Wir waren gewiß keine Leuchten in diesem Fach. Der häufige Lehrerwechsel hatte manchen bequem gemacht aegen sich selbst. Biber der Primaner sah einen so fröhlich und auf» munternd an, war so unerreicht im Vorturnen und in der Hilfsstellung, daß auch der Letzte sein Westes tat. Ein halbes Jahr darauf machte Hans-Joachim Vas Kriegsreifezeugnis. Erst bei dieser Kunde wurden wir uns bewußt, daß er ja neben seinem Dienst Sei uns noch das reichliche Maß eigener Arbeit zu «rledigen hatte. Er rückte mit fünf Kameraden als Fahnenjunker ein. Noch einmal, bevor er ins Feld zog, waren mir zusammen. Er hatte uns zu kärglicher „Kriegstorte" eingeladen und war in dieser Abschiedsstunde ganz unser Kamerad. Wir hatten nun wieder einen richtigen Tum- Mehrer und benahmen uns auch ihm gegenüber so, daß wir einigermaßen in Ehren vor Hans-Joachim bestehen konnten. Nicht lange danach wurde uns m einer unsagbar schönen Stunde bekanntgegeben, Saß unsere Flotte den großen SMjeg vor dem Skagerrak erfochten hatte und die Fülle der kriegerischen Ergeinisse ließ das Bild Hans-Joachims etwas verblassen. Nur auf den Ausflügen war so recht Gelegenheit, Erinnerungen an ihn von Mann zu Mann auszutauschen. — Anfang 1918 — wir hatten inzwischen schon zweimal die Klasse gewechselt — stand dann an einem Vormittag ein junger Leutnant mit beiden Eisernen Kreuzen und der Fliegerspange vor dem alten gotischen Schulbau. Das ging wie ein Lauffeuer von Gruppe zu Gruppe: Hans-Joachim war da unb war inzwischen ein wirklicher Fliegerleutnant geworden. Zuerst waren wir etwas befangen — wie sollte man einem so berühmten Mann begegnen? — aber das legte sich bald. Auf mindestens tausend Fragen mußte er Auskunft geben unb immer wieder Hände schütteln, Erinnerungen auffrischen, gelungene Streiche roürbigen. Wer aber in ben folgenden Urlaubstagen ein Stück mit Hans- Joachim gegangen war, der war vielbewundert unb hatte unbebingt neue Einzelheiten aus Hans- Joachims Kriegstagen zu erzählen. Als dann der junge Flieger wieder zur Front gefahren war, da wurde jede Feldpostkarie, die von ihm kam — er hielt getreulich fein Versprechen — zu einem Heiligtum für uns. Im letzten Kriegssommer wurden meine Eltern nach einer norddeutschen Stadt versetzt. Erst viele Jahre später erfuhr ich so, daß Hans-Joachim nicht mehr heimgekehrt ist aus dem großen Krieg. In den Oktoberkämpfen 1918 starb er den Heldentod. Ein Leutnant unter vielen, vielen Tausenden. Sein Andenken hat seine Heimat wachgehalten. Die Totentafel der alten Schule krönt ein Bronzeschild mit dem Bildnis eines vorstürmenden Jünglings, ben Eichenkranz auf bem Haupt. Er trägt bie Züge bes Fliegers Hans-Joachim. Wir alle, seine Klassenkameraden unb seine Schüler von einst, stehen schon lange im Mannesalter; er aber ist für uns jung geblieben, ein Sinnbild des heldischen, ewigjungen Deutschland! H u g i n. Die Srezel. Kommt da nicht Max mit einem riesengroßen Paket unter den Arm geklemmt zum Appell getrudelt? .. _ r „Mensch, willst du verreisen, etwa zur Großmama?^ „ „ Er macht ganz große Feldherrnmiene. Huldvoll lächelnd sieht er zu, wie der Deckel weggerissen wird, bis unter dem Papier.. ... Potzblitz, ist die groß! Die ganze Jungenschaft staunt über das Unding von einer Brezel, die Max eben als ersten Preis im Schilauf gewonnen hat. Sie wandert von Hand zu Hand und löst ungeteilte Anerkennung aus. „Verrücktes Ding, reicht fast zum Mittagessen!" Die Achtung vor Max steigt zusehends. Schließlich hat ja jeder der Pimpfe einen Preis erhalten, aber so eine Brezel, so groß, so zum Anbeißen ... Respekt! Max packt siegesfroh wieder ein. Als wären die Kameraden nur zum Bewundern da. Hano! „Wenn sie dir gehörte!" Beda krähte: „Gäb für alle was!" „Und du!" „Zu Befehl, ebenso!" Aber Max hört offenbar nicht gut. Schließlich hat er doch gekämpft. Eine halbe Stunde später kommt der „Häuptling" auf Max zu. Ein verdächtiges Lächeln liegt ihm auf den Lippen. „Max, nichts für ungut, irgendeiner will deine kostbare Brezel verschleppen!" Max verdreht die Augen. „Meine Brezel?!" „Gemeinheit, was?" Max will wohl 'was sagen, aber da erlischt das Licht. Nichts als Finsternis und Stille mit einem Schlag. Alles ist organisiert. Jeder auf feinem Posten. „Die Riesenbrezel wird entführt!" „Mein Preis", gurgelt Max in die Stille. Es klingt wirklich gereizt. Keine Antwort. Als er sich recht besonnen hat und zum Paket greifen will, ist es weg. Aber deutlich hat er das Kratzen von Händen am Karton gehört. Er stürzt dem Geräusch nach. Er schnappt zu. Als er torkelnd aufsteht, bricht ein schwacher Strahl Mondlicht durch die Tür, Gestalten huschen hinaus. „Nach, nach!" Draußen laufen sie, die Räuber, über das Feld. „Nach, los!" schreit Max erregt ins Dunkel zurück. Endlich rührt sich der Jungenschaftsführer irgendwo im Dunkel des Heimes. „Los, Kameraden, Rache den bösen Räubern." Er läßt antreten. Man denke, diese Umständlichkeit! Auzählen, einmal, zweimal. Max rast hinweg und kommt fluchend wieder. „Schneller, schneller, los!" Fritz entschuldigt sich höflich. „Kameraden, es ist eine Gemeinheit, unserem Max das zu rauben, was er so heiß erkämpft hat. Wir finden das gemein, wir verachten das, wir schwören Rache." „Mensch, du bist verrückt, los mal!" Max heult: „Ja, nur nach!" Fritz teilt in zwei Gruppen ein, und los geht es. Max rast an bet Spitze. Links herein bricht Fritzens Rettungskolonne. Er gedenkt, den „Feind" einzukreisen, denn rechts und links ist freies Feld, vorn steigt der Wald in die Höhe. Beda findet immerhin noch was zu meckern, von einer in tödlicher Angst schwebenden Brezel, die verzweifelt in den Armen der Räuber sich windet und gellende Hilferufe in den Wind plärrt. Natürlich hat „Zicke" das Brezelungetüm entführt. Das war ausgemacht. Max ist „Zicke" nicht besonders hold. „Zicke" rast mit noch zweien eben den Hang hinauf, zwischen den Bäumen hindurch. Sie haben Schändliches vor. Jetzt sind auch die andern im Wald und brechen über die dürren Aeste wie das wilde Heer. Manchmal tauchen vorn wie Schatten die drei „Flüchtlinge" zwischen den Stämmen auf, von Minute zu Minute näher. Max vergeht beinahe vor Rachegelüsten. Jäh stürzt ein Fels in die Tiefe, wo unten im Mondlicht ein Teichlein Wellen schlägt. Im Augenblick sind die Jungen herbeigelaufen. Doch „Zicke" hebt mit beiden Armen die Schachtel hoch, und ehe Max es verhindern kann, fliegt der Preis durch die Luft, glänzt auf im Licht, verschwindet in der Tiefe und klatscht deutlich irgendwo drunten auf. Die Jungenschaft ist zurückgekehrt ins Heim, zuletzt Max mit zusammengebissenen Zähnen. Fritz fordert Ruhe. Er spricht von Kameradschaft. Viel braucht er schließlich nicht zu sagen, das meiste wissen die Dimpfe selbst. Dann grinst er zuletzt, als Max der Auflösung nahe ist. „Und wenn sie jetzt dir gehörte?" Wieder war die Frage an Beda gerichtet. Der druckst glückselig: „Gäb für alle was!" „Hm, leicht gefagtr Fritz langt unter den Tisch, kruschelt umher, zmD dann steigt strahlend eine neue ebenso schöne, große und leckere Brezel empor wie die erste. Fritz reicht sie Beda. Max bekommt Stiekaugen. „... das heißt", erklärt Fritz xum Schluß, „es ist dieselbe, weil sie vorsichtigerweise rechtzeitig aus» stieg!" Und Max nimmt am Ende von Beda, der die Brezel verteilt, das Stück in Empfang, das ihm als Kamerad zufteht. I die Treue, die wir ihr halten, Deutschland gilt* — Draußen klinkte die Haustür. Wir fuhren auf: „Liesbeth! — Das muß Liesbeth fein!" Es polierte die Treppe herauf, stürmte in die Tür — ^Hurra! Ich hab' sie, ich hab' meine Stelle! Bei einer jungen Frau mit zwei kleinen Kindern! Sie war so nett zu mir und sagte, ich sollte mich bei ihr wie zu Hause fühlen! Ich freu mich ja so!" — Lange saßen wir noch zusammen an diesem letzten Abend. Wir waren so verzweifelt gewesen, vorher, in der Zeit der langen Arbeitslosigkeit. Nun sollte für uns all der Weg in ein neues Leben beginnen, der erste Schritt war schon getan. Wir gingen in guter Zuversicht und haben ihn nie bereut. OJL-fport Oie Ergebnisse der Bezirksklasse. Frohnhausen — Watzenborn-Steinberg 3:1 (2:0) Sinn — Spielvereinigung 1900 Gießen 1:1 (1:0) VfB.-R. — Wetzlar-Niedergirmes 3:1 (2:0) Bissenberg — Naunheim 1:3 (0:3) Wetzlar — Dillenburg 3:1 (1:1) Die Frohnhäuser schlugen die Steinberger verdient nach einem ritterlichen und spannenden Kampfe. Die 1900er büßten wider Erwarten in Sinn einen Punkt ein. Der Verlauf des Spieles hat gezeigt, daß die ©inner durchaus in der Lage find, bei folgenden Spielen noch mehr Punkte auf ihrem Gelände zu sammeln. Die Grün-Weißen siegten erwartungsgemäß. Trotzdem mußten sie schwer kämpfen. Naunheim muß auch dieses Jahr sehr gut in Fahrt sein, denn aus Bissenberg zwei Punkte mit nach Haufe zu nehmen erfordert von einer Mannschaft mehr als durchschnittliches Können. Wetzlar hat bewiesen, daß es im gegebenen Moment zur Stelle ist. Die Dillenburger mußten nach Halbzeit sich dem besseren Können der Platzbesitzer beugen. VfB.-Reichsbahn Gießen. VfB.-R. n — Leihgestern I 2:2 (1:0). Dieses Spiel hätten die Platzbesitzer unbedingt gewinnen müssen. Der Gießener Sturm, der im Feldspiel Gutes leistete, war aber vor dem Tore viel zu unentschlossen. Bei Halbzeit führten die Hiesigen mit 1:0 und konnten kurz nach Wiederbeginn durch einen von Fenster verwandelten Elfmeter auf 2:0 erhöhen. Dann wurden die Gäste überlegen und konnten die Gießener Hintermannschaft zweimal überwinden. VfB.-R. III — Großen Linden I 4:1. Die dritte Mannschaft zeigte in diesem Spiel ansprechende Leistungen. Die Höhe des Sieges entspricht dem Spielverlauf. VfB.-R. 1. Jgd. — Sportverein Wetzlar 1. 3gb. 5:6 (4:3). In diesem Spiele rangen zwei gleichwertige Mannschaften um den Sieg. Im Endkampf verfügten die Gäste über das größere Stehvermögen, und schlugen die Gastgeber, die bei Halbzeit geführt haben. Sportverein 1920 Lollar. Grünberg I — Lollar I 1:6. Die erste Mannschaft fuhr 311m zweiten Der- bandsspiel nach Grünberg. Sie mußte für zwei ihrer besten Spieler Ersatz einstellen, zeigte aber trotzdem ein vorbildliches Spiel und gewann sehr sicher mit 6:1 Toren. Lollar war seinem Gegner in jeder Hinsicht weit überlegen. Die Elf zeigte sich in einer blendenden Verfassung. Das Spiel der zweiten Mannschaft kam nicht zum Austrag, weil 1846 Gießen noch in letzter Minute ab sagte. Das Spiel der dritten Mannschaft in Treis stand unter einem unglücklichen Stern. Zunächst trat die Elf mit reichlich Ersatz die Reise nach Treis an, und zum anderen verletzte sich ein Lollarer Spieler schon vor Beginn des Spieles derart, daß er nicht antreten konnte. Schon dadurch gewannen die Ereifer Oberwasser. Zum anderen verhalfen ihnen ein Elfmeter, ein Frei- und ein Strafstoß zu drei weiteren Erfolgen. 5:2 lautete das Ergebnis für Treis. Die Lollarer Kleinsten lieferten gegen Die Heuchelheimer ein gleichwertiges Spiel, waren aber wiederum vor dem Tore des Gegners zu weich. Heuchelheim gewann 1:0. Weitere Ergebnisse vom letzten Handballsonntag. Tv. Burg-Gemünden — To. Nieder- Ohmen 13:2 (8:2). Der Neuling Nieder-Ohmen hatte gegen die als spielstark bekannten Platz- oesitzer nicht viel zu bestellen. Durch schlechte Deckung und mangelhaftes Stellungsspiel mußte die hohe Niederlage kommen. Im übrigen war der Kampf recht interessant und vor allem anständig geführt. To. Katzenfurt — Tv. Herbornseelbach 12:2 (8:2). Das gleiche Bild auch hier. Die Gäste, die das Handballspiel wieder neu ausgenommen haben, mußten sich dem technisch weit besseren Gegner beugen. Tv. 1846 Gießen Jgd. — Tv. Lang- Göns l.Jgd. 2:9 (2:4). In der 1. Halbzeit machte sich schon eine leichte Überlegenheit der Gäste bemerkbar. Trotzdem konnten die Gießener das Spiel noch vollkommen offen halten. Durch größere Schnelligkeit und besseres Fangen kam Lang-Göns in der 2. Halbzeit mächtig auf und siegte auch in dieser Höhe verdient. Zum Lob der 1846er sei gesagt, daß sie bis zum Schluß unverdrossen durchhielten. Lang-Göns war dagegen etwas zu laut. Tv. Londorf Jgd. — Tv. Krofdorf Jgd. 15:2. Eine deutliche Abfuhr holten sich die Krof- dorfer Jungen in Londorf. Allerdings muß berücksichtigt werden, daß sie ihrem Gegner körperlich weit unterlegen waren. Der Sieg ist etwas zu hoch ausgefallen. Kämpfe des Sportkreises Gießen um die Deutsche Vereinemeisterschast. Die Vereine des Sportkreises Gießen (umfassend die politischen Kreise Gießen, Wetzlar, Dillkreis, Alsfeld und Schotten) werden darauf hingewiesen, daß Versuche um die Deutsche Vereinsmeisterschaft 1935 noch am 21. und 22. September 1935 und 28. und 29. September 1935 in der A=, B= und E-Klasse unternommen werden können. Die Teilnahme ist bis zum 20. September 1935 dem Kreisfachamtsleiter Gg. R i ch t b e r g, Gießen, Mühlstraße 32, änzuzelgen. Für die am 21. und 22. September 1935 startenden Vereine steht der Universitäts-Svortplatz zur Verfügung, und zwar am Samstag (21. September) ab 16.30 Uhr und am Sonntag (22. September) von 8.30 bis 10.30 Uhr. VfB.-ReichSbahu-Leichtathletik. Der Vertreter des DfB.-Reichsbahn beim Gaukampf Nordhessen gegen Südwest Otto Luh setzte sich im Kugelstoßen erfolgreich durch. Er wurde hinter dem Deutschen Meister im Diskuswerfen Lampert- Saarbrücken Zweiter mit 14,60 Meter. Lampert siegte mit 15,25 Meter. Junker-Frankfurt wurde mit 14,29 Meter Dritter und Gugel 1900 Gießen mit 13,25 Meter Vierter. Leider ließ man Luh im Diskuswerfen und den anwesenden Speerwerfer des VfB.-R. Jakob im Speerwerfen nicht starten, trotzdem beide zur Zeit sehr gut in Form sind. Kleinkakiber-Pokalschietzen in Gießen. Auf den Schießständen des Schützenvereins Gießen fand am Sonntag des Kleinkaliberschießen um den Pokal des Kreises Gießen unter Leitung des Kreisschießwartes Schmidt statt. Leider waren mehrere Vereine der Einladung nicht gefolgt, so daß nur sieben Mannschaften zu je fünf Mann vertreten waren. Geschossen wurde auf die 12er Ringscheibe je 3 Schuß liegend, kniend und stehend, ohne anzuzeigen. Den Pokal errang der Schützenverein Leihgestern mit 403 Ringen; es folgten Schützenoerein Allendorf (Lumda) mit 402, Post- Sportverein Gießen mit 398, Schützenverein Steinbach mit 396, Post-Sportverein Gießen 2. Mannschaft mit 388, Schützenverein Steinbach 2. Mannschaft mit 343 und Schützenverein Allendorf (Lda.) 2. Mannschaft mit 342 Ringen. Die Plakette der Jungschützen des Kreises Gießen, die bisher im Besitze der Allendorfer war, wurde dieser Mannschaft, die 231 Ringe schoß, ohne weiteren Gegenkampf überlassen, weil keine Jungschützenmannschaften mehr vorhanden waren. Freundschaftsschiehen Post-Sportverein Gieße« — Steinbach — Allendorf. Anschließend fand unter Leitung des Schießleiters Kern vom Post-Sportverein Gießen das dritte und letzte Freundschaftsschießen in diesem Jahre zwischen den Schützenvereinen Allendorf an der Lumda, Steinbach und dem Post-Sportverein statt. Jeder Verein stellte, wie bei dem Schießen in Allendorf und Steinbach je eine Mannschaft von 12 Schützen. Geschossen wurden hier wieder neun Schuß in drei Anschlagsarten ohne anzuzeigen. Es entbrannte unter den drei gleichwertigen Vereinen ein harter Kampf; galt es doch, die gemeinsam gestiftete große Hitler-Plakette zu erringen. Gewertet wurde das Gesamtergebnis der drei, in diesem Jahre veranstalteten Freundschaftsschießen. Sieger wurde der Post-Sportverein Gießen mit dem guten Ergebnis von 2718 Ringen. Es folgten Steinbach mit 2647 und Allendorf mit 2614 Ringen. Die Ehrenscheiben schossen H. K e r n, Post-Sportverein Gießen, und H. L. Haas, Steinbach. Bei dem letzten Freundschaftsschießen schossen 90 und mehr Ringe Hch. L. Haas, Steinbach; Willi Weber und Kurt Strack vom Post-Sportverein Gießen. Erfolgreicher Gießener Jungschiihe. Der Jungschütze Kurt Strack erschoß bei dem Bezirksschießen in Herborn die Bezirksmeisterschaft. Derselbe Schütze nimmt am Sonntag, 22. Septem- I ber, an dem Gauschießen in Homberg (Oberh.) teil. Oie Medenspiele in Dad-7lauheim. Für die am kommenden Wochenende in Bad-Nauheim stattfindenden Meden-Endspiele wurde jetzt die Spielfolge festgelegt. Am Samstag treffen Brandenburg und Schlesien sowie Nordmark und Baden aufeinander Der Sonntag bringt dann die beiden Sieger und die beiden Unterlegenen vom Samstag zu den Kämpfen um den 1. dzw. 3. Platz zusammen. Brandenburg hat seine Mannschaft geändert, so daß folgende Spieler antreten werden: G. v, (Tramm, H. Henkel, W. Menzel, H. Tübben, F. Kuhlmann und R. ©opfert. F. Henkel ist Ersatzmann zusammen mit M. Zander, Drost, F. Hartz, H. Klein« schroth und F.C.UHl. Nord mark stützt sich auf H. Denker, K. Lund, Dr. Dessart, Frentz, Hauß und Wulff. Ersatzleute sind Nottebohm und Mackenthun. Schlesien tritt mit Bräuer, Eichner, Fromlowitz, v. Gustke, Nitsche und Richter an, in der badi- scheu Mannschaft werden Dr. Buß, Walch und die Gebrüder Hildebrandt die Hauptstützen fein. Ballon „Deutschland" gelandet. Die erste Landemeldung vom Gordon-Bennett- Flug der Freiballone ist eingegangen, und zwar von dem deutschen Ballon „Deutschland". Der Ballonführer Stüber entschloß sich westlich von Riga in der Nähe des Schwefel- und Moorbades Kemmern zur Landung, da die Windverhältnisse überaus ungünstig waren und nach den Windverhältnissen damit zu rechnen war, daß der Ballon auf die Ostsee hinausgetrieben würde. Die Landung erfolgte ohne Zwischenfall. Bei den Letten fanden die Deutschen alle Unterstützung, so daß der Ballon ohne Schaden geborgen werden konnte. Zuerst wurde „Deutschland" nach dem am Sonntag erfolgten Start in Warschau in östlicher Richtung abgetrieben, doch wechselte dann der Wind nach Norden. Schätzungsweise haben die deutschen Ballonfahrer insgesamt etwa 550 Kilometer zurückgelegt. Kurze Sportnotizen. Einen deutschen Motorradsieg gab es in der Tschechoslowakei. In Pardubitz gewann Gunzenhauser (Freiburg) auf einer 500-ccm- Jawa-Maschine den „Goldenen Sturzhelm der Tschechoslowakei" vor dem Berliner Bertram auf Rudge. Das endgültige Nennungsergebnis für den Alpenflug 1935 brachte 23 Unterschriften. Die deutschen Rollschuh-Kun ft lauf« Meisterschaften wurden am (Sonntag in Dortmund entschieden. Meister der Männer wurde erwartungsgemäß Schmitz (Nürnberg), bei den Frauen belegte Frl. Renner (Stuttgart) den ersten Platz. Im Paarlaufen holten sich Pfister« S e l m a i r (Nürnberg) den Titel. 3um „lag des Pferdes" in Frankfurt am Main hatten sich am Sonntag 5000 Zuschauer im Sportfeld eingebunden. Rittmeister Sahla gewann mit „Bismarck" den Preis von Frankfurt vor SS.-Unterscharführer Knuth auf „Jäger". Oesterreich und Griechenland standen sich in Achen bei einem Leichtathletik-Länderkampf gegenüber, den die Oesterreicher mit 103:94 Punk- ten für sich entschieden. In Helsingfors fand eine Olympia-Werbe« Veranstaltung vor nahezu 10 000 Besuchern statt. Im Vordergrund stand ein Lauf Nurmis gegen eine 15X200 Lz II AM BRAND Gut aufheben Ihre Vermählung geben bekannt Oberamtsnchter Dr. Anton Anselmann und Frau Erika, geb.Äock Gießen (Günthersgraben 6), den 18. September 1935 03933 Waldweben Di« Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern 150 Naturaufnahmen aus dem Tier» und Pflanzenleben des heimatlichen Waldes auf 128 Kupfertiefdrucktafeln, mit lebendigem und auffchluhreichem Einführungstext von K. Gerhard u. <0.Wolff. 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Diesen Glauben haben wir wieder errungen, er ist jedem von uns durch die eiserne Tatkraft des Führers, durch seine Leistungen auf allen Gebieten des Daseins unserer Nation eingeimpft worden. Und mit dem Glauben pflanzte sich der unbeugsame Wille des Führers auch auf den letzten Volksgenossen fort, jener Wille der die Nation wie einen Fels zusammenschloß, auf dem das stolze und große Werk der Wehrhaft- m a ch u n g, der Rückkehr zur Wehrfreiheit und zum nationalen Schutz, so wie w i r ihn verstehen und wie wir ihn nötig haben, erfolgen konnte. Volk und Wehrmacht sind heute wieder eins; das hat auf das Herrlichste der militärische Höhepunkt des Reichsparteitages gezeigt. Hinein- qestellt in die zusammengeballte politische Energie dieses Treffens des nationalsozialistischen Deutschlands, wurde das Auftreten der verschiedensten Gruppen unserer Landesverteidigung mit ihren neu- zeitlichen Waffen zum sinnfälligsten Ausdruck unterer wiedergewonnenen Wehrfreiheit, die uns durch die Entschlußkraft des Führers auch inmitten der uns umgehenden Völker die Gleichberechtigung, die man uns bis zum Letzten aus guten Gründen streitig zu machen suchte, gegeben hat. So sahen am letzten Tag der Nürnberger Heerschau die versammelten Politischen Leiter die Männer der SA. und SS., des Arbeitsdienstes, der Deutschen Arbeitsfront, die Angehörigen der Hitlerjugend und die vielen, vielen tausend Volksgenossen einen der größten Erfolge ihrer politischen Tätigkeit vor sich: die jung», stark gepanzerte, sehr geschulte, auf das Beste bewaffnete und vom gesamten Volke getragene Wehrmacht, die unter dem Banner des nationalsozialistischen Deutschland zwischen Vergangenheit und Gegenwart eine Brücke schlagt und die einem scharfen Schwert gleicht, das das deutsche Volk in Stunden nationaler Not zu gebrauchen wissen wird. Möge Gott es geben, daß wir nicht gezwungen werden, einmal zu den Waffen greifen zu müssen. Aber sollten es Neider und Mißgünstige wagen, uns anzutasten, dann wird das vom Führer aus tiefsten Niederungen zur Höhe nationaler Selbstbehauptung empor geführte deutsche Volk sich seiner Haut zu wehren wissen. Doch gerade in unserer Wehrhaftigkeit und unserem guten Panzerschutz liegt die beste Friedenssicherung. Man wird es sich überlegen, uns anzufallen, man wird aber auch kein Glück haben, uns zu veranlassen, anderen Staaten die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Wir wollen mit aller Welt im Frieden leben, wir arbeiten und kämpfen für den Frieden und wir dienen dem Frieden. Nur haben wir aufgehört, Objekt der politischen Geschäftemacher zu sein, die ihre Streitigkeiten bisher stets auf dem Rücken eines ohnmächtigen Deutschland austrugen, um ihren Frieden, den Kirchhofsfrieden der Pariser Vorortdiktate zu sichern. Die Zeiten sind vorüber. Deutschland ist, wie der Führer in ferner Proklamation feststellte, kein wehrloser Spiel ball mehr, es ist kein Objekt mehr fremden lieber- mutes. Es ist gesichert, gesichert durch den ent- chlossenen Willen der Führung und die tatsächliche Kraft der Nation! In diesem Bewußtsein rollte das militärische Schauspiel vor dem Führer als Obersten Befehlshaber der Wehrmacht ab. Ganz Deutschland weiß, daß es wieder ein scharf geschliffenes Schwert besitzt, das ganze deutsche Volk dankt aus vollem Herzen dem Waffenschmied Adolf Hitler. Gäste bei den Hebungen des 9. Armeekorps. LPD Alexanderb ad, 17. Sept. Als Gaste des Oberbefehlshabers des Heeres, General der Ar- tillerie Freiherr von Fritsch, werden an den Ma» növern in der Bayerischen Ostmark teilnehmen: Reichsminister Dr. Frick, Relchsmlni- ster Graf Schwerin von Krosigk, Präsident des Rechnungshofes Dr. S ä m i f ch, Generalleutnant Daluege, Generalmajor Poten. Ferner werden als Gäste des kommandierenden Generals des IX.Armeekorps, Generalleutnant Dollmann u. a. anwesend fein: General der Infanterie und Reichsstatthalter von Bayern, Ritter v o n E p p , Reichsstatthalter von Hessen, Sprenger, Stabschef der SA., Lutze, die Gnuletter Simon (Koblenz), Streicher (Nürnberg), Weinreich (Kassel), SS. - Gruppenführer Jeckeln (Braunschweig), die SA.-Gruppenführer Kasche und Steinhoff, Gauarbeitsführer Faatz (Wiesbaden), General der Infanterie und Kommandeur der Kriegsakademie Liebmann, Generalleutnant List, Generalleutnant v. K l e i st, Generalleutnant Grün, Generalleutnant E r - furth. Der Führer verläßt Nürnberg. Formationen, die noch bis in die Vormittagsstunden hinein Dienst getan hatten, verladen. In den Nürnberger Hotels setzte schon am frühen Morgen die Abreise der Gäste ein. Die Angehörigen des Führerkorps der Partei verließen gegen Mittag ebenfalls die Stadt der Reichsparte'.- tage. Am Nachmittags fuhr auch der Führer aus Nürnberg ab, noch einmal umjubelt von den Menschenmassen, die noch ganz erfüllt waren von den historischen Tagen, deren Zeuge sie sein durften. Die Deutsche Wehrschast löst sich auf. Nürnberg, 17. Sept. (DNB.) Anläßlich des Reichsparteitages trat in Nürnberg der Führer- rat der Deutschen Wehrschaft zusammen und verfügte die Auflösung dieses waffenstudentischen Verbandes. fe $ w- a» K I -ä L <■ Reichskriegsminister vonBlombergiM Gespräch mit dem Oberbefehlshaber der Luftwaffe General der Flieger Göring, dem Oberbefehlshaber des Heeres General der Artillerie F r e i h e r r n v o n F r i t s ch und dem Oberbefehlshaber der Kriegsmarine Ad- miral Or. b. c. R a e d e r auf der Zeppelinwiese. — (Scherl-Bilderdienst-M.) E OMA».-:- 1 ; Nürnberg, 17. Sept. (DNB.) Am Dienstag früh dauerte auf den Nürnberger Bahnhöfen die Verladung der letzten Formationen noch an. Unter anderem wurden auch die zu Ab- lverrunas^wecken nach Nürnberg beorderten SS. - Der Führer inmitten des Lagers. Der Zweite von rechts ist General der Artillerie F r eih er r von Fritsch, dann Generalleutnant der Flieger Milch, Relchskriegsmimster v o n Blomberg, der ü Führer und General der Flieger ©bring. — (Scherl-Bilderdienst-M.) .. , ,; 3"' ?? o /- /MW , * / , ?-v, /V' \ - '• / z ■' z- - '»,4 / / Kampfwagen bei der Parade vor dem Führer. I ' ! Neben dem Führer steht Generaloberst von Blomberg, ^nter ihm Gemral Goring. M MM W&). Sitzmass.- -Scherl-BUdexdiWit« W M K e X; W ; MM ■';# M.- yg MW - WM | M M M- Die ruhmreichen Fahnen der alten Armee. ernm> Mebrmackt waen auf der Zeppelinwiefe m ’JturnDerg izi yagnen uer auen zirme VurterpÄ Ehr°nttibün° Dorüber. - (Scherl-Bild°rdi°nst-M.) Wirtschaft. lleberzeichnung der 4,5pro$. Iteichsschahanweisungen. Berlin, 17. Sept. (DJtB.) Die Zeichnung auf die 4,5prozentigen Reichsfchahan- Weisungen hat einen erfreulichen Erfolg gebracht. Sie wurden überzeichnet. Die Zutei- lung wird, sobald nicht feste Zusagen gemacht worden sind, in höhe von rund 88 v. h. des gezeichneten Betrages erfolgen. Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1117: Oeffentliche Aufträge: Nur durch Dermitt- lung der zuständigen Handelskammer kann die -Rhein - Mainische Auftragsstelle Berlin sich für Firmen einsetzen, sofern deren Verhältnisse in Ordnung gehen. 1118: Bekanntmachung KP 24 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1119: Bekanntmachung KP 25 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. Rindermarkt in Gießen. Auf dem gestrigen Rinder-Nutzviehmarkt in Gießen standen 324 Stück Großvieh, 54 Fresser und 88 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 380 bis 490 Mk., 2. Qualität 280 bis 360 Mk., 3. Qualität 150 bis 250 Mk.; Rinder bis ^jährig 100 bis 160 Mk., bis zweijährig 160 bis 240 Mk., tragend 220 bis 430 Mk.; Kälber bis zu zwei Wochen 36 Mk., bis zu vier Wochen 51 Mk., bis zu sechs Wochen 66 Mk. — Marktoerlauf: mittelmäßig. — Nächster Markt: 1. Oktober. Dom südwestdeutschen Kartoffelmarkt. Fwd. Die Ernte der Kartoffeln im südwestdeutschen Gebiet hat bei der freundlichen, trockenen Witterung wieder neu eingesetzt. Das Angebot aus der Wetterau, teilweise aus den nassauischen Bezirken und vereinzelt aus Rheinhessen hat zugenommen. Die Nachfrage ist noch gut. Soweit Ware vorliegt, konnte ein Versand nach dem Niederrhein, Baden, Bayern und Württemberg einsetzen, hauptsächlich dient jedoch das Angebot der Versorgung des rhein- mainischen Verbrauchergebietes selbst. Ahein-Mainische Börse. rNillagsbörse zurückhaltend. Frankfurt a. M., 17. Sept. Die Börse lag wieder recht ruhig und ohne große Bewegungen. Sowohl die Bankenkundschaft, als auch der berufsmäßige Börsenhandel hielten nach wie vor zurück, so daß auch im Verlaufe die Börse still blieb. Nach anfänglich im freien Markte zu hörenden schwächeren Kursen setzten sich später allaemein Befestigungen durch in Erwartung der Außenhandelsziffern und vor allem des Ergebnisses der Reichsanleihezeichnung. IG. Farben mit 154,75 (154), später bis 155 um 1 v. h. höher, die übrigen Chemiewerte gut gehalten. Der Elektromarkt lag freundlich, AEG. 0,75 v. h., Licht & Kraft 0,50, Gesfürel 0,75, Schuckert 1, RWE. 0,65 v. h. höher. Auch Montanwerte leicht erholt, so harpener um 0,75, Mannesmann 1, Rheinstahl 1, Stahlverein 0,65 v. h. Banken noch etwas leichter, so Reichsbank 1, Braubank 0,90 v. h. schwächer. Schiffahrtswerte gut gehalten, Nordd. Lloyd 0,40 v. h. höher. Am Kunststldemarkt Aku, auf die durch schwächeren Kunstseideabsatz im Auslande erfolgende Beleaschaftsverminderung, um 0,50 v. h. schwächer. Zellstoffwerte etwa gehalten. Maschinen- und Motorenwerte ruhig und kaum verändert. Auch der Rentenmarkt blieb still und ohne größere Kursoeränderung, Altbesitz unverändert 110,75. Von Auslandsrenten Rumänen in sich weiter fest, 4 o. h. Rumänen 5,50 (5,45). Im weiteren Verlaufe blieb die Börse still, einige hauptwerte gaben um den Bruchteil eines Prozentes leicht nach. IG. Farben 154,50 (154,75). Pfandbriefe bei geringem Umsätze unverändert. Renten ohne Veränderung. — Tagesgeld flüssiger und 3 (3,25) v. h. Abendbörse behauptet. Die Abendbörse lag sehr still. Auf höhe der Mittagschlußkurse machte sich eher etwas Nachfrage be- merkbar, so waren einige Montanwerte gesucht. IG. Farben mit 154,50, später 154,25, also etwas leid)» ter zu hören. Renten waren ohne Umsatz. Im weiteren Verlauf blieb die Börse unverändert still. Rheinstahl lagen 0,50, ebenso Metallgesellschaft 0,50 v. h. fester. IG. Farben schlossen auf Mittagsschluß behauptet mit 154,50, Altsbesitzanleihe 0,13 v. h. höher mit 110,65 (110,50). Es notierten: Altbesitz 110,65, Stahlbonds 101,90, Farbenbonds 125, 4,5 v. h. Rumänen 9,75, dto. 4prozentige 5,45, 3,5 v. h. Schweizer Bundesbahn 174,25, 5 v. h. Mexikaner 5, Adca 77, Commerzbank 90, DD-Bank 90, Dresdner Bank 90,25, harpener 113,25, Mannesmann 85,75, Mansfeld 117,75, Rheinstahl 109,25, Stahlverein 80,75, Bekula 144 75 Conti Gummi 156,50, Daimler 97, Scheldeanstalt 238, Deutsche Linoleum 150, Licht & Kraft 131,50, IG. Farben 154,50, Gesfürel 126, Goldschmidt 107,50, Holzmann 93,Metallgesellschaft 110,50, Schuckert 123,25, Siemens 173, Reichsbahn-Dorzugsaktien 124,13, hapag 15,50, Nordd. Lloyd 17,65, Südd. Zucker 208, JÜnghans 83,25. Frankfurter Obst- und Gemüsemackt. Frankfurt a. M., 17. Sept. Am Obst- und Südfrüchtemarkt war weiterhin sehr starke Zufuhr von Zwetschen, Birnen und Wirtschafts- apfeln zu verzeichnen. Auch deutsche Trauben und Pfirsiche waren in größeren Mengen am Markt. Bei schleppendem Geschäftsgang waren die Preise gegen die Vorwoche kaum verändert. Während ausländische Pfirsiche und Aepfel mengen- und gütemäßig gut angeliefert waren, herrschte in ausländischen Trauben Ueberangebot. Aepfel konnten ihren lctztwöchigen Preis behaupten, dagegen gaben Trauben und Pfirsiche leicht nach. Der G e m ü s e m a r k t hatte reichliches Angebot, besonders aber in Blu- Fwd. Die Einfuhr betrug im August 318 Millionen Mark. Nach einer Steigerung im Juli auf 330 Millionen Mark ist sie damit wieder auf den Stand vom Juni zurückgegangen. An dieser Abnahme sind alle Hauptgruppen mit Ausnahme von lebenden Tieren beteiligt. An dem Rückgang der Einfuhr waren in erster Linie europäische Länder beteiligt. Stark vermindert war insbesondere die Einfuhr aus Großbritannien, Frankreich, Italien, Rumänien, den Niederlanden, Norwegen und der Schweiz. Don den überseeischen Ländern sind an dem Rückgang hauptsächlich Britisch-Südafrika, die Türkei, die Vereinigten Staaten von Amerika und Chile beteiligt. Diese Rückgänge wurden durch Zunahmen der Einfuhr aus einer Reihe anderer Länder teilweise ausgeglichen. Gestiegen ist vor allem die Einfuhr aus Brasilien, Argentinien und Ungarn. Die Ausfuhr war mit 368 Millionen Mark Dreißig Jahre Marburger Kreisbahn. LPD. Marburg, 17. Sept. Am 19. September sind drei Jahrzehnte verflossen, seitdem der Betrieb der dem Landkreis Marburg gehörigen Vollspurbahn Marburg-Süd — Dreihausen in feierlicher Weise dem Verkehr übergeben wurde. Die Dreihäuser Basaltindustrie nahm seit dieser Zeit eine riesige Ausdehnung und gibt heute Hunderten von Arbeitern aus den umliegenden Orten Derdienstmöglichkeiten. Schon seit vielen Jahren besteht der Plan, die Bahn über Wermertshausen, Höingen nach Mücke (etwa 20 Kilometer) weiterzuführen und damit eine Verbindung mit der Bahnstrecke Fulda—Gießen herzustellen. Man glaubt dadurch die Eisenerzlager bei Weitershain und die großen Wälder dieser Gegend besser erschließen zu können. Ob dieser Plan allerdings bei der starken Entwicklung des Transportes durch Motorfahrzeuge zu Ausführung kommen wird, ist sehr fraglich. Fünf Fälle von Kinderlähmung in Frankfurt. LPD. Frankfurt a. M., 17. Sept. Bis jetzt ist eine weitere Ausbreitung der Kinderlähmung nicht erfolgt. Zu den bereits gemeldeten vier Fällen ist vor einer Woche ein fünfter in höchst hinzugetreten, so daß im ganzen nur fünf Fälle im Frankfurter Stadtbezirk vorgekommen sind. Zu irgendwelcher Besorgnis besteht also kein Anlaß. Oeffentlicher Aufzug für Feld- und Gartendiebe. LPD. Biedenkopf, 16. Sept. Die Ueberhand- nahme der Feld- und Gartendiebstähle in der Gemarkung Biedenkopf hat die Stadtverwaltung veranlaßt gesehen, in einer Bekanntmachung die Schuldigen letztmalig zu warnen. Die Täter haben u. a. damit zu rechnen, daß sie in öffentlichem Aufzug unter Hinweis auf die Straftat durch die Straßen der Stadt geführt werden. Kreis wehlar <£ Rodheim a. d. B., 17. Sept. Am Sonntag hielt die Kameradschaft Rodheim a. d. B. menkohl und Weißkraut, auch Eskariol war reichlich am Markt, dagegen ließ es in Bohnen, Gurken und Tomaten etwas nach, war aber noch völlig ausreichend. Die Preise lagen gegen die letzte Notierung nicht verändert, der Geschäftsgang war nicht besonders lebhaft. Es notierten: Blumenkohl, das Stück 10 bis 45, Buschbohnen, das Pfund 16 bis 18, Stangenbohnen 20 bis 25, Eskariol 5 bis 7, Salatgurken (Kasten) 5 bis 18, Salatgurken (Freiland) 3 bis 5, Karotten 4 bis 6, gelbe Kartoffeln 3,30 bis 3,50, Kartoffeln (Mäuschen) 12,—, Ober-Kohlrabi 3 bis 5, Kopfsalat 5 bis 10, Meerrettich 40 bis 50, Lauch 3 bis 8, Petersilie 25, Steinpilze 18 bis 23, Rettich 3 bis 8, Rote Rüben 4 bis 5, Römischkohl 5 bis 6, Rüben 4 bis 5, Rotkraut 5 bis 7, Sellerie 15 bis 30, Blätterspinat 15 bis 18, Wurzelspinat 12 bis 18, Schnittlauch 25 bis 30, Tomaten 1. Sorte 14 bis 15. 2. Sorte 10 bis 12, Weißkraut 2H bis 5, Wirsing 4 bis 7, Zwiebeln (Gärtner) 6, (Pfälzer) 4,6 bis 5, (Sachsen) 4,6 bis 5, Aepfel 1. Sorte 15 bis 20, 2. Sorte 9 bis 13, Falläpfel 3 bis 5, Tiroler Goldparmänen 20 bis 32, Jugoslawen 16 bis 24, Birnen 1. Sorte 20 bis 24, 2. Sorte 10 bis 15, Kochbirnen 5 bis 8, Brombeeren 35, Pfirsiche 20 bis 35, Preiselbeeren 30 bis 35, Trauben 12,5 bis 14, holländische 45 bis 50, italienische 19 bis 23, spanische 24 bis 26, bulgarische 22 bis 26, ungarische 16 bis 18, griechische 22 bis 26, Walnüsse 32 bis 65, gewöhnliche Zwetschen 11 bis 14, Eierzwetschen 14 bis 15. und etwas mehr als 2 v. h. höher als im Juli. Die Steigerung ist ausschließlich jahreszeitlich bedingt. Die Erhöhung der Gesamtausfuhr entfällt im wesentlichen auf Fertigwaren. Die Entwicklung der Ausfuhr nach Ländern war im einzelnen verschieden. Nennenswert zugenommen hat die Ausfuhr nach den Niederlanden, Norwegen, Rußland, Großbritannien, Schweden, Rumänien und Britisch-Südafrika. Diesen Zunahmen stehen in zahlreichen Fällen Rückgänge von mehr oder minder großem Umfang gegenüber. Abgenommen hat in erster Linie der Absatz nach Belgien, Luxemburg, Frankreich, der Schweiz, Ungarn und der Türkei. Die Handelsbilanz schließt im August mit einem Ausfuhrüberschuß von .50 Millionen Mark gegenüber 29 Millionen Mark im Juli ab. Diese Steigerung der Aktivität gegenüber dem Vormonat ist zum größeren Teil durch eine weitere Einschränkung der Einfuhr hervorgerufen. des Reichskyffhäuserbundes im Lokal Schlierbach einen Kameradschaftsabend ab. Kameradschaftsführer Müsfener begrüßte zunächst die angetretenen 33 Kameraden mit herzlichen Worten. Ganz bestimmt wäre die Zahl der Anwesenden erheblich größer gewesen, hätte nicht das plötzlich aufgetretene Gewitter manchen Entschluß umgeworfen. Sodann gedachte der Kameradschaftsführer mit ehrendem Nachruf der innerhalb von vier Wochen zur großen Armee abgegangenen beiden Kameraden Georg Bender I. und Konrad Platt. Die Kameradschaft widmete den Verstorbenen ein stilles Gedenken und sang zu ihrem Scheiden das Lied vom guten Kameraden. Es fand dann die Verpflichtung dreier neuer Kameraden statt. Nach Bekanntgabe der Hauptleitsätze des Kyffhäufer- bundes verpflichtete der Kameradschaftsführer die Kameraden Karl M a n k, Karl Becker und Heinrich Bremer durch Handschlag. Die Kamerad- fchaft fang in der üblichen Weise die erste Strophe von „Ich hab' mich ergeben". Seine besondere Freude drückte der Kameradschaftsführer darüber aus, daß wir nun schon den ersten Reservisten der neuen Wehrmacht in unsere Kameradschaft aufnehmen können, der in nächster Zeit weitere Aufnahmen folgen werden. Bei der Bekanntgabe neuer Befehle richtete der Kameradschaftsführer den Dank der Leitung des Reichskyffhäuferbundes für das glänzende Gelingen und den herrlichen Verlauf der Reichskriegertagung in Kassel aus. Kamerad Wilh. Hofmann, der seiner Zeit in Vertretung des behinderten Kameradschaftsführers die hiesige Mannschaft nach Kassel führte, knüpfte hieran noch besonderen Dank an unsere ältesten Kameraden, denen kein Marsch und keine Beschwerde zu groß war, dieses große Soldatenerlebnis mitzumachen, schilderte dann in begeisterten Worten die herrlichen Erlebnisse und Eindrücke dieses großen Tages, der für alle Teilnehmer stets eine unauslöschliche Erinnerung bleiben wird. Nach Bekanntgabe weiterer Befehle sprach der Kameradschaftsführer noch über das Wesen und die Bedeutung der Kameradschaft, ermahnte zu treuem Zusammenstehen, zur Opferbereitschaft und zur Treue zu Volk, Vaterland und Führer, dem die Kameraden ein dreifaches Sieg- Heil brachten. Die Opferbereitschaft möge sich auch Der deutsche Außenhandel im August. Aus den preußischen Nachbarge-ieten. zeigen wenn demnächst der Fechtmeister zu einer Haussammlung für die Kyffhäuser-Waisenhau er erscheinen wird. Das übliche Kameradschaftsopfer dieses Abends erbrachte den Betrag von 2,61 Mark. Noch Erledigung einiger interner Angelegenhelten beschloß der Kameradschaftsführer den Abend in der üblichen Weise. ■ 0 Aus dem Hüttenberg, 17. Sept. Die Z w e t s ch e n e r n t e ist hier in vollem Gange. Das Ergebnis ist ausgezeichnet. Händler und Genossenschaften bezahlen für den Zentner 10 Mark. Der Anfall an Kernobst ist gering. — Die Aussichten auf eine gute Kartoffelernte sind besser geworden. Lediglich in trockenen Lagen kam der Regen etwas zu spät. Die Dickwurz haben sich in den letzten Wochen gut entwickelt. Es kann mit eitler guten Ernte gerechnet werden. Die S t o p p e l s a a t ist gut aufgelaufen. Winterraps und Wintergerste stehen gut. 0 Groß-Rechtenbach, 17. Sept. Der hiesige Kindergarten feierte am Sonntag fein Som- rn e r f e st. Die Gemeinde beteiligte sich sehr zahlreich. Nach einem Musikvortrag des Posaunenchors hielt Lehrer S p o r y eine Ansprache, in der er besonders darauf hinwies, wie durch den Kindergarten den Eltern viel Sorge abgenommen werde und die Kinder gleichzeitig von früher Jugend an zu Ordnung und Gemeinsamkeit erzogen würden. Er dankte der Landesbauernschaft und der Gemeinde für die Einrichtung des Kindergartens. Unter Leitung der Kindergärtnerin wurden bann von den Kindern allerlei muntere Spiele aufgeführt, die den Erwachsenen große Freude machten. Der Ortsgeistliche Pfarrer Harth wies auf den Segen der Kindergarten-Arbeit hin und betonte, daß das Schwergewicht dieser Arbeit darin liege, die Kinder schon im frühen Alter zum Umgang untereinander und zur Kameradschaft zu erziehen. Bürgermeister Langsdorf dankte im Schlußwort der Kindergärtnerin und Frau S p o r y , die den Kindergarten betreut. An die Eltern richtete er den Appell, den Kindergarten zu unterstützen. Ein Choral beschloß die Feier. — In unserer Gemarkung treten seit kurzem Wildschweine auf. Die Tiere richten auf den Feldern beträchtlichen Schaden an. Im Distrikt Krainsacker gelang es dem Jagdpächter Friedrich Schmidt, zu nächtlicher Stunde aus einem Rudel von 15 Tieren einen schweren Keiler zu erlegen. Den Schwarzkitteln soll demnächst energisch zu Leibe gerückt werden. * Groß-Rechtenbach, 17. Sept. Die etwa 10jährige Tochter Elfriede des hiesigen Schreinermeisters Engel zog sich durch einen unglücklichen Sturz einen Bruch des r e ch t e n Oberarmes zu und mußte in die Klinik nach Gießen gebracht werden. Kreis Biedenkopf. ch Niederweidbach, 16. Sept. Am Samstagabend wurden hier einige Stücke Wiesen« und Ackerland versteigert. Für eine Wiese in der Größe von 10,25 Ar wurden pro Ar im Durchschnitt 53,66 Mark bezahlt. Aecker im Umfange von insgesamt 41 Ar erbrachten je Ar im Durchschnitt 37,56 Mark. Bei den Wiesen und Aeckern handelte es sich um Land verschiedener Qualitäten. Käufer waren einige hiesige Einwohner. — Die Gemeinde beabsichtigt, die H a u p t st r a ß e verbessern zu lassen. Bau und Teerung wurden einer Frankfurter Firma übertragen. Es ist ferner beabsichtigt, im nächsten Jahre eine neue Schule zu bauen. Die Arbeiten sollen voraussichtlich im nächsten Frühjahr begonnen werden. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 19. September. 6 Uhrr Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Morgenmusik. In der Pause (7): Nachrichten.-8.10: Gymnastik. 10.15: Schulfunk: Volksliedsingen. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert. 13: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk). 13.15: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Mitten im Werktag. 15: Nachrichten der Gauleitung. 15.15: Kinderfunk. 16: Kleines Konzert. 16.30: Bücherfunk. 16.45: Offenbarung deutscher Landschaft (II): „Wanderung durch die Rhön" von Jakob Schaffner. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Kunstbericht der Woche. 18.35: Bosheiten und Weisheiten. Plauderei um Arthur Schopenhauer. 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Orchefterkonzert. 21: „Madame Unbekannt", Sketsch von Arthur Berkun-Wulsfen. 21.20: Kammermusik. 22: Nachrichten (auch aus dem Sendebezirk), Sportbericht. 22.20: Volksliedsingen auf dem Freiburger Münsterplatz. 23: Zeitgenössische Musik (XVI). Ernst Schliepe: Deutsche Kantate op. 35. 23.35: Unbekannte Klaviermusik von Max Reger. 24 bis 2: Nachtmusik. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstaguach. mittag geschlossen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Banknoten. 63,39 80,86 33,75 28,5 1,5 9,45 9,3 9,25 10,9 28,5 9,45 9,3 9,3 28,25 9,4 9,25 9,4 10,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt