Nr. US Erstes Blatt 185. Jahrgang Samstag, 18. M1935 Erscheint täglich, anher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Siegener Familienblatter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zzernfprechanschliiffe enter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger (Liehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger Annahme oon Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8' /,Uhr des Vormittags Grundpreise für \ mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rps., für Textanzeigen von 70mm Breite 60Npf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr ErmShigte Grundpreise: e « •• ze» < < aa Stellen-, Vereins», gemein- General-Anzeiger für Oberhessen ZZW behördliche Anzeigen 6Rpf. Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfttatsvuch- und Steinöruderei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7 Mengenabschlüsse Staffel B Der Führer beim morgigen Staatsakt zugegen. Reichsminister Dr. Goebbels spricht bei der Eröffnung der Reichsautobahn Frankfurt- Darmstadt in Anwesenheit des Führers. Die Landes st eile Hessen-Rassau des Reichsministeriums für Volksausklärung und Propaganda teilt mit: Am Tage der Eröffnung der Reichsautobahn Strecke Frankfurt—Darmstadt am 19. Mal 1935 werden der Generatinspektor für das deutsche Stra- ßenwesen Dr. Tod t, Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger, Generaldirektor Dr. D o r p m ü l- l e r, ein am Bau der Strecke beteiligter Arbeiter und Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels in Anwesenheit des Führers sprechen. Die Kundgebung wird auf Lautsprecher längs der Reichsautobahn und auf alle deutschen Sender übertragen. * Als Vertreter der Arbeiterschaft, die an der Autobahn, Teilstrecke Frankfurt Darmstadt, mitgeschafft haben, spricht bei der Einweihung am Sonntag, 19. Mai, der Maschinist Ludwig V r o e ß l e r aus Sailauf bei Aschaffenburg. Broeh- ler, der verheiratet ist und sechs Kinder hat, war Frontsoldat und schwer verwundet und ist seit 1931 Mitglied der RSDAP. und seit 1933 Ortsgruppenleiter in seinem Heimatort. Aulobahn-Vetnebs- und Verkehrsordnung. Im Reichsgesetzblatt wird die „Vorläufige Auto- bahn-Betriebs- und Verkehrsordnung" veröffentlicht. Darin wird u. a. bestimmt, daß die Kraftfahrbahnen nur von Kraftfahrzeugen (maschinell an- getriebenen, nicht an Gleise gebundenen Landfahrzeugen) benutzt werden dürfen. Verboten ist die Erteilung von Fahrunterricht und die Abhaltung von Führerprüfungen auf den Kraftfahrbahnen. Rennen, Rekord- führten und ähnliche Veranstaltungen dürfen unbeschadet der sonst erforderlichen Genehmigung nur mit Zustimmung der Gesellschaft „Re ichsautobahnen" stattfinden. Die Kraftfahrzeuge haben die rechte Hälfte der in ihrer Fahrtrichtung rechts liegenden Fahrbahn zu benutzen. Die linke Hälfte der Fahrbahn darf nur beim Ueberholen befahren werden. Wenden auf der Fahrbahn ist verboten. Verboten ist, die Kraftfahrbahnen einschließlich ihrer Nebenanlagen zu beschädigen oder zu verunreinigen, Gegenstände auf die Fahrbahn zu legen oder andere Fahrthindernisse zu bereiten, Signale nachzuahmen oder andere verkehrsstörende oder verkehrsgefährdende Handlungen oorzunehmen. Die Verkehrspolizei auf den Kraftfahrbahnen wird von den Derkehrspolizeibehörden und ihren Organen wahrgenommen. Die Verkehrspolizeibehörden haben von Straßensperrungen, die auf den Betrieb der Kraftfahrbahnen von Einfluß sind, den obersten Bauleitungen der Gesellschaft „Reichsautobahnen" rechtzeitig Mitteilung zu machen. Den B e d i e n st e t e n der Gesellschaft „Reichsautobahnen", zu deren Aufgabenkreis die Ueberwachung der Kraftfahrbahnen gehört, stehen im Rahmen dieses Aufgabenkreises nach Maßgabe ihrer Dienstanweisung polizeilicbe Befua- nisse zu. Wer den Bestimmungen dieser Verordnung zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit haft bestraft, wenn nicht nach den allgemeinen Strafbestimmungen eine höhere Strafe verwirkt ist. Scherl-Biidmaterndiensi - 'V W M MW 3$.’. * Ein charakteristisches Bild der Reichsautobahnstrecke zwischen Frankfurt am Main und Darmstadt. Das Kownoer Bluturteil vom litauischen Obertribunal bestätigt. Der Haß triumphiert. Die zum Tode Verurteilten lehnen es ab. um Gnade zu betteln fiorono, 17. Mai. (DRV.) Das Litauische Obertribunal verkündete seine Entscheidung über die Kassationsklage der verurteilten irn Memelprozeß. Danach werden mit Ausnahme des Urteils gegen Baron von der Ropp alle Kaffationsklagen als unbegründet abgelehnt. Gegenüber Baron von der Ropp ist § 3 (Vorbereitung eines bewaffneten Aufstandes) gestrichen worden, jedoch wurden die übrigen Beschuldigungen auch ihm gegenüber aufrechlerhalten. Damit sind alle Rechtsmittel nunmehr erschöpft. Das Urteil des Kriegsgerichtes einschließlich der vier Todesurteile ist mit der Entscheidung des Obersten Tribunals rechtsgültig geworden. Der v o l l z u g erfolgt innerhalbvon 24 Stunden. Den Verurteilten stehen nur noch die Gnadenmittel offen. Die Entscheidung des Obersten Tribunals wurde den Verurteilten noch Freitag nachmittag zur Kenntnis gebracht. Den vier zum Tode Verurteilten, die die Entscheidung des Obersten Tribunals vollkommen gefaßt aufnahmen, wurde mitgeteilt, daß sie zwecks Vermeidung einer schnellen Vollstreckung des Urteils ein Gnadengesuch beim Staatspräsidenten einreichen können. Sie erklärten jedoch ihrem Verteidiger, daß sie im Bewußtsein ihrer Unschuld nicht den Gnadenweg in Anspruch nehmen würden. Der Verteidiger wird sich trotzdem für die Begnadigung weiter einsehen. Falls die zum Tode Verurteilten kein Gnadengesuch an den Staatspräsidenten einreichen, so kann in diesem Falle auch der Kriegsminister um Begnadigung intervenieren. Ebenso kann der Staatspräsident von sich aus die Vollstreckung des Todesurteils aussehen. Heber den Zeitpunkt des endgültigen Vollstreckungstermins herrschen auch in juristischen Kreisen verschiedene Ansichten. Es heißt einerseits, daß ein Todesurteil 24 Stunden nach Bekanntgabe der Entscheidung der letzten Instanz vollstreckbar wird, andererseits heißt es jedoch, daß die Bekanntgabe in diesem Falle den weg über das Kriegsgericht, von da über die Staatsanwaltschaft des Kriegsgerichtes zum Zivilstaats- a n ro a 11, der die Vollstreckung durchführen würde, passieren müßte, was einige Tage in Anspruch nehmen würde Tiefe Empörung in Ostpreußen. Demonstrationen in Königsberg. Königsberg, 17. Mai. (DRV.) Die Bestätigung des Kownoer Bluturteils hat in ganz Ostpreußen stärkste Entrüstung hervorgerufen. Aus allen Häusern strömten in Königsberg die Berlin, 18. Mai. (DNB.) Die gesamte Berliner Presse wendet sich in einhelliger Empörung gegen die Bestätigung des Kownoer Blutgerichtsurteils durch das litauische Obertribunal. Der „Völkische Beobachter" schreibt: Das litauische Obertribunal hat mit der Bestätigung des Kownoer Kriegsgerichtsurteils ein Verbrechen sanktioniert, das nicht etwa die totgeweihten uni) zu schwerem Kerker verurteilten deutschen Volksgenossen begangen haben, sondern dasKow - noer Kriegsgericht, das mit seinem Haßurteil Über die unschuldigen Memelländer, weil Liebe zum eigenen Volkstum, die Abwehr fremd- nationaler Willkür und die Notwehr niemals ein Verbrechen sein kann, in der schamlose st en Weise die Gerechtigkeit vergewaltigt hat. Einen solchen Rechtsbruch und ein solches Haßurteil hatte man nicht erwartet. Dieses Urteil bat nichts mehr mit Gerechtigkeit oder Sühne einer Schuld zu tun, sondern ist die Ausgeburt eines abgrundtiefen Hasses gegen das Deutschtum. Es ist ein politisches Mordurteil, das die ganze zivilisierte Welt als Ankläger gegen seine Verkünder auf den Plan rufen müßte. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" sagt: Diese litauischen Bluturteile sind nicht vom Recht, sondern vom gemein en haß diktiert. Die wochenlangen Verhandlungen sprachen jeder zivilisierten Rechtsprechung hohn. Es kann und darf nicht zum Vollzug der Todesurteile kommen, die sich als schlimmster Justizmord darstellen würden. — Die „Berliner Börsenzeitung" äußert u. a.: In jedem Falle sind die verantwortlichen Staatsmänner in Lon- Menschen, und wieder bildeten sich spontan De-' monftrationstüge, die aus dem Innern der Stadt hinaus in die Vorstadt, die Hufen, zogen, wo sich das litauische Generalkonsulat befindet hier hatte Polizei in weitem Umkreis das in völliger Finsternis liegende Konsulatsgebäude abgesperrt. Immer mehr Demonstranten zogen heran, so daß bald die Zahl der erregten Menschen vor dem Hause nach Zehntausenden zählte. Immer wieder schwangen sich die Empörungsrufe zu den verdunkelten Fenstern empor, mit denen die Menge ihrer Erregung über das unerhörte Urteil Luft machte. Im übrigen vollzog sich die Kundgebung in völliger Disziplin. don, Paris und Rom mitschuldig, daß die Külturschande, deren sich ganz Europa schämen muß, jetzt Tatsache geworden ist. Daß die Bestätigung der Bluturteile vom ganzen deutschen Volk als unerhörte Herausforderung empfunden wird, doppelt bitter, weil sie oon einem in der Zivilisation um Jahrhunderte zurückgebliebenen Kleinstaat dritter Ordnung einer großen Nation geboten wird, wer will an dieser so natürlichen Konsequenz noch zweifeln? — Im „Lokalanzeiger" heißt es: Dieser Prozeß ist von Anfang an durchschaut worden. So kam zu politischen Motiven der haß über die Entlarvung Es war, als ob die Kownoer Richter nun auch auf den letzten Rest ihres Ansehens verzichteten, als ob nur noch d i e Rache triumphierte, die ein Opfer haben wollte. Aber oon dem Unrecht hebt sich nur um so leuchtender das ewige Recht des deutschen Volkstums ab, für das die Verurteilten ein mannhaftes Zeugnis ablegten. Es wäre einfach unfaßlich, wenn diese von haß und engstirnigster Politik diktierten Bluturteile vollstreckt würden Die „K r e u z z e i t u n g" erklärt: Die litauischen Stellen werden sich darüber klar sein, daß dieser Unrechtspruch nicht vollstreckt werden darf. Das Blut der Märtyrer unseres Volkstums würde a u f Ewigkeit als breiter Strom zwischen dem deutschen und dem litauischen Volke fließen. Es ist genug geschehen, um das Schuldkonto Litauens auf Jahre und Jahrzehnte zu belasten. Wollte man jetzt auch noch das Leben von Menschen antasten, deren Unschuld durch neutrale Sachverständige hinreichend bezeugt ist, so-würde der litauische Staat feine Exi- stenzberechtigung vor aller Welt moralisch vernichten. Line unerhörte Herausforderung Deutschlands. Berliner preffestinnnen zur Bestätigung des Bluturteils Eine gefährliche Ehe. Lavals Besuch in Moskau, der die letzten Schwierigkeiten für den französisch-sowjetrussischen Beistandspakt aus dem Wege räumen sollte, hat wenigstens das eine Gute gehabt, er hat völlige Klarheit geschaffen über den Charakter des neu begründeten Verhältnisses zwischen der bürgerlich-kapitalistischen, demokratischen Republik Frankreich und dem revolutionär-kommunistischen russischen Rätestaat. Die Anklänge an die Zeit vor der Jahrhundertwende sind deutlich. Damals kostete es Alexander III. dem Selbstherrscher aller Reußen, sichtliche lieber- Windung, beim ersten Staatsbesuch aus der verbündeten Republik des Westens die verhaßten Klänge des französischen Revolutionsliedes der Marseillaise über sich ergehen zu lassen, heute wird es umgekehrt Herrn Laval in Moskau nicht grade lieblich in den Ohren geklungen haben, als nach der Marseillaise dieselbe Internationale zu seinen Ehren ertönte, unter deren Musik eben erst daheim in Frankreich die Kommunisten im Wahlkampf um die Gemeinderäte gegen ihn, der ja auch Bürgermeister von Auberoilliers, einem Pariser Vorort, ist, zu Felde gezogen waren. Und so ist auch die Aufnahme der Erneuerung der .alten französischrussischen Militärallianz in der öffentlichen Meinung beider Völker grade umgekehrt, wenn man zum Vergleich das Jahr 1892 heranzieht, in dem das damals schon merkwürdig ungleiche und unheilvolle Bündnis aus der Tgufe gehoben wurde. Damals innere Beklemmung und nach außen kühle Reserviertheit in Rußland vom Zaren und feiner Regierung bis in die tonangebenden Schichten, einzig getragen oon dem Gedanken, eine Vernunftehe einzugehen, bei der das Herz zu schweigen habe. Anlehnungsbedürfnis nach der Nichterneuerung des Rückversicherungsoertrags durch Deutschland und die Aussicht auf Geld, mit dessen Hilfe man die Rüstung zur Untermauerung der panslawistischen Pläne betreiben könne, ließen alle weltanschaulichen Bedenken zurücktreten. In Frankreich dagegen nahm damals die Oeffentlichkeit das Bündnis mit dem absolutistischen Rußland durchaus freundlich, ja begeistert auf, machte es doch die dritte Republik, nachdem in langen innerpolitischen Kämpfen alle Aussichten für eine donapartistifche ober roya- listifche Restauration endgültig begraben waren, gleichsam wieder hoffähig im Kreise der europäischen Großmächte und gab es doch weiter den materiellen Untergrund für eine Revanche für 1871. Man sieht die Parallelen zu heute, nur mit umgekehrtem Vorzeichen. Die russischen Bolschewiken haben sich bereits der Hilfe Frankreichs bedient, um durch ihren Eintritt in den früher nicht laut genug geschmähten und verhöhnten Völkerbund nach so langen Jahren schmerzlich empfundener Isolierung in den engeren Kreis der europäischen Großmächte zurückzukehren, in dem sie als asiatische Macht an sich nichts zu suchen hatten. Nach den von den kapitalistischen Westmächten mehr oder minder offen unterstützten aber überall mißglückten Jnterventions- versuchen hatte Sowjetrußland im Rapallovertrag mit dem unter der Knute von Versailles seufzenden, sich der geschlossenen Front erbarmungsloser Sieger gegenübersehenden Deutschland einen Rückhalt gesucht. Die aus nacktem Selbsterhaltungstrieb notwendige Niederwerfung des Kommunismus im na- tionalsozialistschen Deutschland hat die Beziehungen zu Moskau getrübt, in Frankreich glauben die Bolschewiken nun den selbstlosen Freund gefunden zu haben, der ihre immer mehr das alte imperialistische Gesicht zeigende Außenpolitik unterstützt, ohne allzu empfindlich zu sein, wenn unter der Decke auch die weltrevolutionären Ideen des Bolschewismus weitergetragen werden. So ist man in Moskau in Heller Begeisterung und denkt den für die sowjetrussische Äußenpolitik bedeutsamen Wendepunkt durch die Taufe zweier Stationen der neuen Moskauer Untergrundbahn auf die Namen Laval und Eden symbolisch festzuhalten. Das Echo aus Frankreich klingt dagegen beklommen und ängstlich. Man hat eben die Gemeindewahlen hinter sich. In mehr als 40 französischen Rathäusern haben die Marxisten die Mehrheit erobert. Die größte bürgerliche Partei, die Radikalsozialisten, deren Führer Herriot der eifrigste Befürworter des Zusammengehens mit Moskau ist, hat die Quittung dafür erhalten. Denn wenn man sich auch in der bürgerlichen Presse bemüht, die schlechten wirtschaftlichen Verhältnisse und die Zerfahrenheit des parlamentarischen Regimes, namentlich auch die Parteienzersplitterung in den Reihen des Bürgertums, für den Wahlsieg des Kommunismus verantwortlich zu machen, so kann schwerlich geleugnet werden, daß das außenpolitische Abenteuer des Kabinetts Flandin den Kommunisten Oberwasser gegeben hat gewiß auch zusammen mit der Unpopularität der französischen Heeresvermeh- rung in den Arbeiterkreisen Frankreichs. Hier hat denn auch Laval in Moskau eingehakt. Er hat von dem roten Diktator Rußlands, der ja gleichzeitig Generalsekretär der Kommunistischen Partei ist, die Unterschrift unter eine Verlautbarung erreicht, in der zweifellos folgendem Satz besondere Bedeutung zukommt: „Stalin begreift und billigt vollkommen die Politik der Landesverteidigung die Frankreich durchführt, um die Stärke feiner Wehrmacht mit den Notwendigkeiten seiner Sicherheit in Einklang zu bringen". Laval hat also beim roten Zaren in Moskau Deckung gegen die Angriffe feiner eigenen Kommunisten gesucht und gefunden. Die antimilitaristische Propaganda der von Moskau instruierten und geförderten französischen Kommunisten war ja eines der Hauptargumente, die namentlich von Leuten der klerikalen Rechten gegen die sowjetfreundliche Politik der Radikalsozialisten vom Schlage Herriots und des Kabinetts Flandin ins Feld geführt wurden. Noch Ende 1934 hieß es in einem Gutachten des Kammerausschusses für Auswärtige Angelegenheiten: „Glänzend ausgestattete Propagandaschriften berichten uns über die Leistungen der Sowjets. Man verschweigt aber, daß diese Ergebnisse durch die Versklavung von 160 Millionen erreicht wurden, durch die Zwangsarbeit von Tausenden politisch Verdächtiger. Wir wissen, daß trotz aller Verkappung in Moskau eine enge Gemeinschaft zwischen Räte-Regierung und Leitung der kommunistischen Bewegung besteht, die durch eine großzügige Propaganda in allen Ländern den Klassenkampf zu entfesseln sucht. Dazu kann eine Annäherung an Rußland schwere äußere Verwicklungen herbeiführen: Gegensätzlichkeit zu England, Konfliktgefahr mit Japan, Verletzung Polens." Soweit der Bericht, man war sich also in Paris durchaus im klaren über die Tragweite und die möglichen Gefahren einer Erneuerung der Allianz mit Sowjetrußland. Und es ist begreiflich, daß die Blätter der Regierung und des Generalstabs eifrig bemüht sind, aus dem Satz des amtlichen Kommuniques, daß Stalin die Maßnahmen der französischen Landesverteidigung billige, eine Absage des Sowjetgewal- tiaen an die französischen Kommunisten herauszulesen, um das durch das letzte Wahlergebnis nicht mit Unrecht verängstigte französische Bürgertum zu beruhigen. Andere Blätter allerdings weisen auf die früher schon so oft bewiesene Doppelzüngigkeit der Sowjets hin, die auch jetzt wieder sich an gegebene Versprechen nicht kehren werden, und die marxistische Presse, die aus ihrer Verlegenheit keinen Ausweg findet, kündigt Fortsetzung der antimilitaristischen Propaganda an. So ist der Widerhall des Pakts mit Moskau trotz der von Laval durchgesetzten, zu innerpolitischem Gebrauch gewünschten Erklärung Stalins in Frankreich durchaus zwiespältig. Zuguterletzt tröstet man sich mit der militärischen Stärke des neuen Verbündeten und berauscht sich an den begeisterten Schilderungen der französischen Presseberichterstatter, die in Moskau zusammen mit Laval auf großartigen Paraden aller Waffengattungen Zeuge sein konnten von der bis zum Aeußersten gesteigerten Aufrüstung Sowjetrußlands. Auch das weckt Erinnerungen an die zahlreichen Besuche, die im letzten Jahrzehnt vor dem Weltkrieg französische Minister und Parlamentarier dem Zarenreich abstatteten, um sich von der richtigen Verwendung der den Russen bewilligten Anleihen selber zu überzeugen. Anspielungen darauf, daß Rüstungen Geld kosten und man auf Frankreichs offene Hcmb rechne, sind auch diesmal nicht ausgeblieben. Man will ja sogar einen Dreh gefunden haben, um die sich ge- vrellt fühlenden Inhaber russischer Staatspapiere der Vorkriegszeit zu beruhigen und gleichzeittg dem unersättlichen russischen Militarismus neue Geldquellen zu eröffnen. Denn an der Verstärkung der militärischen Rüstungen des neuen Verbündeten ist Frankreich natürlich alles gelegen. Diplomatisch wird zwar noch immer der alte Gedanke eines jedem dritten Staat offenstehenden Systems von Regionalpakten gleicher Sicherheit in den Vordergrund geschoben, aber das zweiseitige Militärbündnis alten Stils tritt immer unverhüllter als Ziel und Ergebnis der Moskauer Besprechungen ans Licht. Pariser Blätter berichten ja bereits von dem bevorstehenden Besuch zweier ganzer französischer Regimenter in Sowjetrußland, der auch der Oef- fentlichkeit beider Völker den wahren Charakter der Allianz sinnfällig vor Augen führen soll. Wich- tiger sind die ebenfalls für den Sommer vorgesehenen Besprechungen oer Generalstäbe beider Armeen. Man weiß ja, daß die hohen Militärkreise Frankreichs, trotz ihrer weltanschaulichen Abneigung gegen das herrschende Regime des Bolschewismus, sich für das Bündnis mit der Sowjetunion stark eingesetzt haben. In dem bereits genannten Gutachten des außenpolitischen Ausschusses der französischen Kammer hieß es auch: „Räterußland stellt heute vom militärischen Gesichtspunkt aus und besonders für einen Luftkrieg einen Faktor dar, dessen Unterstützung unter umständen von größtem Nutzen sein kann". In diplomatischer und militärischer Zusammenarbeit mit Frankreich scheinen die Sowjets ihre Vorbereitungen für einen Luftkrieg sogar schon über die eigene Grenze oorzuschieben. So sollen sowjetrussische Offiziere in Litauen Gelände für die Anlage von Militärflugplätzen erkundet haben, wobei anscheinend nicht einmal die unter dem Schutz des Völkerbundes und der Garantie der Großmächte stehende Autonomie des Memellandes dieses davor schützt, zum militärischen Aufmarschgelände sowjetrussischer Fliegerkorps gemacht zu werden. Der andere Vorstoß führt in die Tschechoslowakei, die sich ja soeben durch den Abschluß eines dem französisch - sowjetrussischen Beistandspakt nachgebildeten Bündnisvertrags in das von Moskau und Paris gesponnene System eingegliedert hat. Auch in der Tschechoslowakei sollen Flugplätze für sowjetrussische Kampfgeschwader bereitgestellt werden. Das ganze Paktsystem, das von allen Beteiligten so laut als Bürgschaft der Erhaltung und Sicherung des Friedens gepriesen wird, enthüllt sich also als eine Kette von Militärbündnissen, die auf bestimmte Fälle zugeschnitten sind und nur mit Rücksicht auf Englands Besorgnisse äußerlich der Völkerbundssatzung angepaßt wurden. Sollte es aber gegebenen- falls im Völkerbundsrat den verbündeten Mächten nicht gelingen, durch konzentrischen Druck auf die übrigen Ratsmitglieder einen Beschluß herbeizuführen, wie man ihn braucht, um vom Leder ziehen zu können, so werden die verbündeten Mächte eben „von sich aus die erforderlichen Maßnahmen treffen", das heißt zum Kriege schreiten. Nächst Deutschland muß sich natürlich Polen von dieser systematischen Einkreisung Der Mitte Europas bedroht fühlen. Der Tod des Marschalls P i l s u d s k i, dessen überragende Persönlichkeit in ihrer gar nicht zu überschätzenden Bedeutung für das Schicksal des von ihm geschaffenen und gestalteten jungen polnischen Staates wir an dieser Stelle bereits gewürdigt haben, hat in Frankreich Hoffnungen geweckt, als ob nun die Möglichkeiten für einen Kurswechsel der polnischen Außenpolitik eher gegeben wären, als zu Lebzeiten des großen alten Marschalls, dessen Todfeindschaft gegen Rußland als stärkstes Hindernis für eine Eingliederung Polens in das neue französisch - sowjettussische Bündnis- system betrachtet wurde. Wir möchten glauben, daß Herr Laval sich bei seinem neuerlichen Besuch in Warschau davon wird überzeugen müssen, daß die politische Linie Polens nicht von einer einzelnen Persönlichkeit vorgezeichnet ist, sondern von den unveränderlichen völkischen und geographischen Gegebenheiten im osteuropäischen Raum bestimmt werden. Diese Gegebenheiten zwingen Polen, sich jedem europäischen Verbündeten Rußlands zu versagen, der ja im Bündnisfall mit dem Durchmarsch russischer Truppen durch Polen rechnet. Hat dieser Zwang im ersten Nachkriegsjahrzehnt sicherlich zu einer Vertiefung des Gegensatzes zu Deutschland beigetragen, so führt er heute Polen von der Seite Frankreichs, dem militärischen Verbündeten Moskaus, an die Seite der Macht, die Sowjetrußland als ihren Gegner betrachtet. In derselben Linie wirkt die Beteiligung der Tschechoslowakei an dem französisch-sowjetrussischen Bündnis. Zwischen Prag und Warschau bestehen trotz der Rassenverwandtschaft und dem in manchem gemeinsamen historischen Schicksal durch die Aberkennung des von Polen bewohnten Herzogtums Teschen ehr erhebliche Spannungen. Polen muß sich also >urch das Bündnis vom 2. Mai und den Anschluß Prags geradezu von einer Zange umklammert fühlen, denn auch mit Litauen, das seit langem schon bei Sowjettußland den einzigen Halt gefunden hat, lebt Polen heute noch ohne geregelten diplomatischen Verkehr. Angesichts dieser Spannungen, die durch bie Militärbündnisse der letzten Tage nur noch ver- chärft worden sind, ist der Optimismus erstaunlich, die der wieder genesene britische Lordsiegel- bewahrer Eden in feiner Rede am Donnerstag zur Schau getragen hat Die unerhörte Aktivität der sowjetrussischen Außenpolitik, die erst mit den Vereinigten Staaten ins Reine zu kommen suchte, dann durch den Verkauf der ostchinesischen Bahn einen akuten Anlaß zu einem gefährlichen Konflikt mit Japan aus dem Wege räumte, und nun sich energisch nach Westen wendend nach Aufnahme in den Völkerbund durch Bündnisse mit Frankreich und der Kleinen Entente in Europa einen Block hochgerüsteter Mächte zu schassen trachtet, diese Aktivität sieht nicht so aus, als ob Sowjetrußland fein ganzes Interesse auf das wirtschaftliche Experiment konzentriere, das es im Innern begonnen hat. Im Gegenteil dünkt uns Sowjettußland immer stärker zu einer ernstlicken Gefahr für den Frieden zu werden, fo sehr Eden dies auch nicht wahr haben will, je mehr die Erfolglosigkeit des bolschewistischen Wirtschaftsexperiments zutage tritt und die rote Diktatur eine Ablenkung nach außen braucht. Dafür spricht ja auch die durch die verschiedensten Zeugnisse belegte Tatsache, daß die Industrialisierung Svwjettußlands ausschließlich unter dem Gesichtspunkt rüstungspolitischer Bedürf- nisse erfolgt. Aber in Moskau hat man Herrn Eden wohlweislich mit andern Vorführungen unterhalten als den für Flugzeugparaden empfänglicheren Laval. So steuert England auch angesichts der soeben abgeschlossenen Militärbündnisse unbeirrt weiter auf ein kollektives Sicherheitssystem los, für das es im Völkerbund den besten Rahmen gefunden zu haben glaubt. Eden hat zum Schluß feiner Rede angedeutet, daß England „konstruktive Beiträge erwartet und es ist nicht schwer zu erraten, von wem es sie erwartet. Wir meinen, es hätte wesentlich zur Klärung beigetragen, wenn Eden sich schon einmal darüber geäußert haben würde, ob England etwa in dem französisch-foröjettussisch-tschecho- slowakischen Bündnisvertrag mit seinen bereits erfolgten oder noch zu erwartenden militärischen Abreden einen solchen „konstruktiven Beittag" zur gemeinsamen guten Sache der Sicherung des Friedens erblickt. Uns scheint, man erwarte von Deutschland immer dann etwas, wenn die eigene Politik in der Sackgasse steckt und nicht den Entschluß auf- zubringen vermag, auch die andere Seite zu Beiträgen zu zwingen, die einem wahren Frieden dienen. Der Führer und Reichskanzler wird am Dienstag in feiner Rede im Reichstag verkünden, was Deutschland im gegenwärtigen Augenblick zu sagen hat, aber nur wenn die Gegenseite auch den aufrichtigen Willen hat, seine Worte zu hören und zu begreifen, kann daraus die Atmosphäre des Vertrauens zwischen den Völkern erwachsen, die wichtiger ist für die Erhaltung des Friedens als Pakte und Formeln. polens Hauptstadt nimmt Abschied von Marschall pilsudski Scherl-Bildmaterndienst Unsere Bilder zeigen links den Sarg des Marschalls auf der Lafette. Darüber sieht man das polnische Banner mit der Soldatenmütze und dem Säbel Pilsudskis. Dem Sarge folgen die Familienangehörigen des verstorbenen Staatsmannes. Auf dem Bilde rechts sieht man den preußischen Ministerpräsidenten General Göring mit dem deutschen Botschafter in Warschau v. Moltke, den General der Infanterie v. B o ck als Vertreter des Reichs- Heeres, Admiral W i tz e l von der Reichsmarine und Generalmajor Weser von der Reichsluftwaffe im Trauerzuge. Ministerpräsident Göring in Warschau. Warschau, 17. Mai. (DNB.) Ministerpräsident General Göring ist gegen 8.30 Uhr im Sonderzug auf dem Warschauer Ostbahnhof eingetroffen. Zur Begrüßung war der polnische Außenminister Beck erschienen, ferner der Chef des polnischen Generalstabes General G o n s i o r o w s k i, der Chef des polnischen Militärflugwesens General R a y s k i, General Garnuzkiewicz und Botschafter von M o l t k e mit den Mitgliedern der Botschaft. Mini- terpräfibent Göring schritt die Front der Ehrenkompanie des Warschauer Infanterieregiments Nr. 30 ab und begab sich in die deutsche Botschaft. Durch Major Conrath und Hauptmann Kintzel wurden in der Kathedrale am Sarge des Marschalls Pilsudski vier Lorbeerkränze mit Schleifen in den deutschen Farben niedergelegt, und zwar ein Kranz des Führers und Reichskanzlers mit der Widmung „Dem großen Marschall Polens, der deutsche Reichskanzler" und je ein Kranz des deutschen Reichsheeres, der Reichsmarine und der Reichsluftwaffe. mit den gleichlautenden Inschriften „Dem er st en Soldaten Polens". Der Trauergottesdienst. Warschau, 17. Mai. (DNB.) Die Trauerfeier- lichkeiten für Pilsudski begannen um 10 Uhr mit dem feierlichen Trauergottesdienst in der Kathedrale. An dem Gottesdienst nahmen der Staatspräsident, die Vertreter der ausländischen Staatsoberhäupter und Armeen, die Regierung, die Generalität, das Diplomatische Korps, die Vertreter von Sejm und Senat teil. Der Erzbischof von Warschau, Kardinal K a k o w s k i, zelebrierte unter Assistenz der hohen Geistlichkeit das feierliche Totenamt. Im Chor hatte der Nuntius M a r m a g g i als Sondergesandter des Heiligen Stuhles Platz genommen. Am Katafalk hielten Offiziere und Soldaten der polnischen Armee und des 16. rumänischen Infanterie- Regiments, dessen Chef der Marschall war, die Ehrenwache. Feldbischof G a w l i n a hob in seiner Trauerrede die großen Eigenschaften des Verstorbenen hervor. Der Trauerzug durch Warschau. Nach Beendigung des Gottesdienstes trugen zehn Offiziere und danach die Mitglieder der Regierung den Sarg auf den Schultern aus dem Gotteshaus, um ihn auf eine Lafette zu legen. Unter dem Geläute aller Glocken setzte sich sodann der Trauerzug in Bewegung. Voran schritten die Fahnenabordnungen aller polnischen Regimenter und die katholische Geistlichkeit, an ihrer Spitze Kardinalerzbischaf K a k o w s k i und Feldbischof Gawlina. Hinter der Lafette wurden die Kränze des Staatspräsidenten, der ausländischen Staatsoberhäupter und der Armeen, sowie die Orden, der Marschallstab, der Säbel und die Feldmütze des Verstorbenen getragen. Es folgten bie Witwe bes Marschalls, van bem Generalinspekteur ber polnischen Armee Rydz-Smigly geleitet, bie Töchter, ber Staatspräsibent unb oie Vertreter ber auslänbischen Staatsoberhäupter, barunter Ministerpräsibent General Göring, ber Earl o f Caoan unb Außenminister Laval. Marschall P 61 a i n folgte bem Zuge in einem Kraftwagen. Man sah ferner bie Regierung, bi$ Marschälle von Sejm unb Senat, bas Diplomatische Korps, bie Inhaber bes Orbens „virtuti militari“ unb unzählige Adorbnungen der Legionäre, des Schützenverbandes unb anberer Organisationen. Eine unübersehbare Menschenmenge bildete in den Straßen Spalier. Balkone, Dächer und Bäume waren mit Menschen besetzt, die ihrem toten Marschall die letzte Ehre erweisen wollten. Soldaten in Stahlhelm mit präsentiertem Gewehr säumten die Straßen. Sämtliche Büros und Läden hatten geschlossen, überall sah man Trauerfahnen. Die letzte Parade. Kurz nach 14 Uhr erschien nach über dreistündigem Marsch bie Spitze bes Trauerzuges, eine Kompanie Chevauleger^ mit bem schwarzbehängten Reitpferb bes Marschalls auf bem Mokotowplatz. Die enblose Reihe ber Kränze wirb rings um b e n Marschallhügel gelegt. Die Offiziere mit ben Orbenskissen unb bie Aborbnung ber Legionäre mit ihren alten Fahnen nehmen an bem Aufgang zum Hügel Aufstellung. Alle Häupter entblößen sich, als sechs Generäle ben Sarg auf ben Hügel tragen unb auf bie Lafette heben. Oden auf dem Sarg liegt wieder der Marschallstab, der Säbel und die schlichte blaue Feldmütze bes Toten. Inzwischen haben sich am äußersten Enbe bes Platzes bie Truppenabteilungen formiert. Ihre Spitze setzt sich langsam in Bewegung. Als sie mit bem Generalinspekteur Rydz-Smigly an ber Spitze von etwa 100 Generälen sich bem Marschallhügel nähern, haben sich alle, bie biefer ergreifenben Parabe beiwohnen, von ihren Plätzen erhoben unb ihre Häupter entblößt. Dreimal senken sie Degen unb Fahnen, ehe sie an bem toten Marschall vorbeiziehen. Die je 100 Mann ber 90 Jnfan- terieregimenter, unter ihnen bie Ehrenkompanie bes 16. rumänischen Infanterie-Regiments, ber 48 Kavallerie Regimenter unb ber Flieger, Marine, Grenzschutzkorps unb ber Artillerie bifben einen enblofen Zug, ber erst nach etwa einer Stunbe sein Ende erreicht. Hin unb roieber unterbrechen bie Flugzeuge, bie über bem Platz in Staffeln kreisen, bie Totenstille. Sonst ist nur bas bumpfe ununterbrochene Wirbeln ber Trommeln vernehmbar. Es ist so still, baß man bie einzelnen Kommanbos ber Offiziere versteht unb bie gedämpfte Stimme bes Sprechers am Mikrophon hört. Kurz nach 15.30 Uhr ist bie Parade beenbet. Der Trommelwirbel reißt ab unb bie Kapelle intoniert bie Nationalhymne. Die Generale betreten roieber ben Hügel, um ben Sarg in Empfang zu nehmen. Dumpf übertönt ber letzte Ehrensalut ber Geschütze bie Melobie ber Nationalhymne. Langsam tragen bie Generals auf ihren Schultern ben Marschall an ber Ehrenloge unb ben Hinterbliebenen vorbei auf ben bereit» stehenben Eisenbahnwagen. Offiziere tragen bie Kränze auf ben langen Wagen. Der bes Füh - rers wirb unmittelbar vor ber Protze niebergelegt. Eisenbahner treffen bie letzten Vorbereitungen für die Reise. Zu beiden Seiten bes Sarges beziehen sechs Offiziere mit gezogenem Degen bie Ehrenwache. Tränen finb in vielen Augen, als ber lange Wagen von ben Generalen roieber bis zu ber etwas weiter entfernt bereitstehenben Lokomotive gezogen wirb. Die tiefverschleierte Gattin bes Toten mit ihren beiben Töchtern besteigen ben für sie bestimmten Salonwagen. Langsam setzt sich ber Zug in Bewegung. Zu beiden Seiten stehen bichtge- drängte Menschenmengen, um mit tränenden Augen ben größten Helden ber mobernen polnischen Geschichte stumm unb ehrfürchtig noch einmal zu grüßen. pilsudskisletzteFahttnachKrakau An ber ganzen Eisenbahnlinie von Warschau nach Krakau, Die ber Sonberzug mit dem Sarge Pilsudskis in der Nacht zum Samstag befuhr, hatte sich bie bäuerliche Bevölkerung eingefunben, um von bem großen Toten Abschied zu nehmen. Vielerorts waren riesige Feuer rechts und links der Bahnlinie angezün» bet. Freiwillige Feuerwehren aus ben anliegenben Ortschaften bildeten mit Pechfakeln einen Ehrenspalier. Vielfach war die Bevölkerung zu Fuß und auf Wagen schon am Freitagmittag an ber Bahnstrecke angekommen unb harrte bort aus bis in bie tiefe Nacht hinein, trotz Regenwetter. Auf ben größeren Bahnhöfen wurde ein kurzer Aufenthalt eingelegt, bei dem von Geistlichen an Felbaltären M e ss e n gelesen wurden. Im Sonderzug würbe der Sarg in einem offenen Wagen in ber Mitte bes Zuges befördert. Auf ber ganzen Fahrt hielten Offiziere unb Solbaten am Sarge bie Ehrenwache. Ihn schmückten Kränze unb bas Drbensbanb „Polonia restituta" sowie bie Staatsflagge. Damit man den Sarg des Nachts auch weithin sehen konnte, wurde er von kleinen Scheinwerfern beleuchtet. Die Ankunst in Krakau. Kurz nach 8 Uhr traf der Sonderzug auf dem Hauptbahnhof in Krakau ein. Als der Sarg von den polnischen Generälen vom Wagen gehoben wurde, grüßten ber Staatspräsibent mit ber Regierung und bie militärischen Sonberaborbnungen und ausländischen Vertreter. Der Kardinal-Erzbischof K a k o w s k i mit den anderen kirchlichen Würdenträgern sprachen Gebete. Von der Straße her tönte dumpfer Trommelwirbel herüber, und in der ganzen Stadt läuteten bie Glocken. Durch ein langes Spalier von Offizieren trugen bie Generäle ben Sarg auf bie Lafette, bie auf bem Bahnhofsplatz wartete. Unmittelbar hinter bem Sarg führte General Rybz - S m i g l y bie Gattin bes Dahingeschiebenen und andere Offiziere die beiden Töchter. Der Staatspräsident folgte. Langsam formierte sich der Trauerzug in dem auch die deutsche Abordnung mit dem Ministerpräsidenten General Goring an der Spitze und dem deutschen Botschafter v. M o 11 k e sowie die drei Vertreter der deutschen Wehrmacht schritten. Draußen auf bem Platz vor bem Bahnhof harrten in stummer Trauer bie Aborbnungen ber verschiebensten militärischen unb halbmilitärischen Verbänbe, ber Vereine unb Aborbnungen von Bauern aus allen Teilen bes Laubes. Nur das Schluchzen der Frauen unb auch vieler Männer unterbrach die tiefe Stille. Lange schwarze Fahnen kennzeichneten ben Weg, ben ber Zug nahm. Auf hohen Kan- belabern züngelten Flammen. Oie künftige Politik Polens. L o n b o n , 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die „Times" beschäftigt sich mit ber voraussichtlichen Entwicklung der polnischen Außenpolitik nach bem Tobe Pilsubskis. Angesichts ber politischen Erbschaft, bie Pilsubski hinterlassen habe, fei gegenwärtig nicht mit einer Aenberung in ber polnischen Außenpolitik z u rechnen. Allerdings werbe ber vereinheitlich e n b e Einfluß bes Marschalls schwer vermißt werden. Sein tiefer Haß gegen Rußland werde von der Mehrzahl seiner Nachfolger nicht geteilt. Pilsudskis größter persönlicher Erfolg in der Außenpolittk sei das in Zusammenarbeit mit Reichskanzler Hitler erzielte Abkommen mit Deutschland gewesen. Nach seinem Tode sei es möglich, obwohl bie Tendenz hierzu wahrscheinlich nicht ausgeprägt fein werde, daß d i e Spannung mit Rußland abgeschwächt und ein Teil der früheren herzlichen Begehungen mit Frankreich wiederhergestellt werden könne. Die Bemühungen Lavals in Moskau und Warschau seien naturgemäß darauf hinaus gegangen, die drei Staaten so eng wie möglich zusanünenzubringen^ Erhebung her deutschen unh chinesischen Gesandtschaften zu Botschaften. Berkin, 17. Mai. kDNB.) Die Reichsregierung hat beschlossen, der chinesischen Regierung vorzuschlagen, bie beiberfeitigen Gesanbtschasten zu Botschaften zu erheben. Der Reichsminister bes Aeußern, Freiherr von Neurath, hat heute den chj-, nesischen Gesandten empfangen und ihm diese Ab'- sicht der deutschen Regierung mitgeteilt. Blutige Auseinandersetzung vor einer italienischen Bürgermeisterei. Rom, 18. Mai (DRB.) In Tricase (Provinz Lecce, Süditalien) kam es anläßlich der Ernennung eines Inspektionsbeamten für eine landwirtschaftliche Genossenschaft zu einer bedrohlichen An- s a m m l u n g der Genossenschaftsmitglieder vor dem Bürgermeisteramt. Die letzteren versuchten m i t Gewalt in die Bürgermeisterei einzudringen, wurden aber von der Polizei m i t der Schußwaffe daran gehindert. Bei der Schießerei wurden fünfzehn Personen verletzt, von denen drei kurz darauf starben. Die öffentliche Ordnung konnte nach dem Vorfall wieder hergestellt werden. Das italienische Kulturinstitut bezieht ein Wiener Palais. Wien, 17. Mai (DRB.) Das italienische Kultur- Institut in Wien hat am Freitag das vor kurzem angekaufte Palais Fürftenberg in Besitz Genommen. Die Inneneinrichtung wird durch italienische Baufachleute, die Ende Mai nach Wien kommen, durchgeführt. Ordensschwester wegen Devisen, verbrechens mit Zuchthaus bestraft. tive Vereinigung G. m. b. H. Die Urteilsbegründung lin und Sachsen ist überall das gleiche feftgeftellt worden, daß nämlich Klöster zunächst mit der Uni- versum-Bank und dann auch selbständig Schiebungen Dorgenommen haben. Nach längerer Pause wird die Angeklagte wieder in den Gerichtssaal geführt. Sie hat die Tracht ihres Ordens angelegt, während sie am Vormittag in einer Kleidung erschienen war, die derjenigen evan- gelischer Schwestern ähnlich sah. Der Vorsitzende erklärt, es fei ihm zur Kenntnis gebracht worden, daß viele Volksgenossen daran Anstoß genommen hätten. Er habe deshalb dem Antrag des Staatsanwaltes ftattgegeben, daß die Angeklagte ihre Ordenstracht während der Pause anlege. Der (Strafantrag. Der Anklagevertreter wies in feinem Plädoyer nach, daß die Deoifengefetzgebung erforderlich geworden sei, um das Reich gegen alle Angriffe auf die deutsche Währung zu schützen und die vorhandenen Devisen im Interesse der Allgemeinheit au bewirtschaften. Die Devisenbestimmungen, die hier verletzt worden sind, seien von den Systemministern Brüning und Wirth erlassen worden. Nicht die katholische Kirche sitze auf der Anklagebank, sondern nur eine Vertreterin derjenigen Elemente, die das Ordenskleid mißbraucht hätten, um unter seinem Schutz sich geldliche Vorteile zu verschaffen, die ihnen kein Staat in unserer Lage gewähren konnte. Die Klöster hätten seit 1925 in Deutschland Spitäler und Schulen gebaut und sich in allen möglichen Richtungen zu propagandistischen Zwecken ausgebreitet. Aus diesem Anlaß hätten sie in ganz ungewöhnlichem Maße fremde Gelder hereingenommen und Deutschland völlig unnötig dem Ausland gegenüber verschuldet. Das Verfahren sei nicht ein Schlag gegen die katholische Kirche, sondern auf Grund der bei den Behörden eingegangenen Anzeigen nach dem Dolksverratsgesetz vom 12. Juni 1933 eröffnet worden. Die Beweisaufnahme habe eine Deoisen- schiebung der angeklagten Schwester in Hohe von 250 000 Mark ergeben. Wenn zu diesem Zweck das Ordenskleid der Vinzentinerinnen mißbraucht wurde, so müsse das um so schwerer wiegen, als die katholischen Ordensschwestern, die ihr Leben angeblich nur karitativen Zwecken gewidmet haben, innerhalb der Volksgemeinschaft bisher in großem Ansehen standen. Ein Zollbeamter hätte daher auch nie gewagt, sie in ihrer Kleidung auf Devisenschiebungen hin zu untersuchen. Der hier nachgewiesene Mißbrauch kirchlicher Einrichtungen müsse daher auch von jedem anständigen deutschen Katholiken abgelehnt werden. Der Staatsanwalt wies den Einwand zurück, daß die Angeklagte aus einer gewissen Weltfremdheit gehandelt haben könne. Sie sei nach ihrer ganzen Vorbildung und ihrem Pflichtenkreis in geschäftlichen Angelegenheiten durchaus bewandert gewesen und habe auch die deutschen Devisenvorschriften gekannt. Er beantrage deshalb eine Gesamtstrafe von fünf Jahren Zuchthaus und fünf Jahren Ehrverlust und 150 000 Mark Geldstrafe, die Einziehung von 250 000 Mark und Haftung für diesen Betrag durch die Karita- Hauptschristleiter.- Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. IV. 35: 10688. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mtt der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstag, 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vorn 2. Juli 1934 gültig. Zur Begründung des oben bereits mitgeteilten Urteils führte der Vorsitzende u. a. aus: Es handelt sich um ein Devifenftrafverfahren, wie es bisher die deutschen Gerichte noch nicht beschäftigt hat. Es handelt sich hier um eine Frage, die den Existenzkampf des deutschen Volkes um die Erhaltungseiner Währung und da- mit seiner Lebensmöglichkeiten im internationalen Wirtschaftskampf betrifft Nur unter diesen Gesichtspunkten kann die Beurteilung der Straftat erfolgen. Wir haben einmal die schaurige Zeit der Inflation in Deutschland erlebt und es gibt niemanden in Deutschland, der sich wünscht, daß diese Zeiten wiederkommen. Aus diesem Grunde hat sich die Regierung genötigt gesehen, in dem Staatsnotstand, der durch die Entziehung von riesigen Reparationsbeträgen auf der einen Seite und Die Maßnahmen der Auslandmächte gegen Deutschland auf der anderen Seite eingetreten war, d i e Devisenverordnung zu erlassen. Hier handelt es sich um Beträge, wie sie bisher nur selten ins Ausland verschoben worden seien. In feiner Praxis fei der höchste Betrag 100 000 Mark gewesen und der Angeklagte habe dafür 10 Jahre Zuchthaus erhalten. Da der Orden noch weitere große Auslandschulden hat, ist nicht abzusehen, bis zu welchem Betrag die Schiebungen noch gegangen wären. Bei der Beurteilung des Strafmaßes fei besonders schwer für die Angeklagte ins Gewicht gefallen, daß sie ihre Schiebungen unter dem Deckmantel ihrer Ordenstracht begangen hätte. Der Umstand, daß sie nicht in die eigene Tasche gewirtschaftet habe, sondern glaubte, im Interesse des Ordens zu handeln, habe sie vor der Höchststrafe bewahrt. Ihr Verhalten fei dazu an« aetan, das Ansehen der katholischen Kirche zu gefährden. Weiter erschwerend sei, daß sie durchaus nicht weltfremd fei, sondern in Finanzdingen Bescheid gewußt habe. Die Angeklagte nahm das Urteil und die Begründung ohne Bewegung auf. Berlin, 17.2Uai (BJIB.) Hach mehrstündiger Verhandlung verkündete der Vorsitzende des Berliner Schnellfchöffengerichts das Urteil gegen die 42 Jahre alte Katharina Wiedenhüfer, genannt Schwester Wernera, die in ihrer Eigenschaft a I s provinzialfekretärin des Ordens der Vinzentinerinnen eine viertel Million RM. ins Ausland verbracht hat. Die Angeklagte wurde nftgen fortgesetzter und vorsätzlicher Devisenverbrechen zu einer Gesamts! rafe von fünf Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und 140 000 Mark Geldstrafe verurteilt: an Stelle der Geldstrafe soll im Richtbeitreibungsfalle eine Zuchthausstrafe von weiteren 14 Monaten treten. Ferner wurde die Einziehung eines Betrages von 250 000 Mark angeordnet: für die Einziehung haftet die Karitative Bereinigung in Köln-Rippes. DieVernehmungderAngeklaglen Zu Beginn der Verhandlung hatte die Angeklagte sich über den Aufbau des Ordens der Vinzentinerinnen geäußert, der als G. m. b. H. in das Handelsregister eingetragen ist. Drei Schwestern treten als Geschäftsführerinnen auf. Das Mutterhaus der Vinzentinerinnen befindet sich in Äöln- Nippes. Der Orden besitzt in Deutschland 22 eigene Häuser. Die Angeklagte hatte einen Teil der finanziellen Transaktionen durchzuführen. Nach ihrer Angabe schloß die Bilanz im Jahre 1927 mit einem Vermögen von 7 000 000 Mark, seine Geschäfte tätigte der Orden der Vinzentinerinnen über die Universum-Bank in Berlin, die von einem Dr. Hofius geleitet wurde. Diese Bank hatte in Amsterdam eine Filiale errichtet. Die Angeklagte gibt im wesentlichen ihre Vergehen zu. Nach ihrer Schilderung hat der Orden im Jahre 1926 eine sechsprozentige Anleihe von 10 0 000 Dollar bei einer Bank in S t. Louis ausgenommen. Später wurde dann eine holländische Anleihe von 261000 Gulden au 7 v. H. und ein Jahr darauf eine weitere yo11ändische Anleihe von 200 000 Gulden mit 7Vrprozentiger Verzinsung gezeichnet. Es mürben hierüber Guldenobligationen ausgegeben, die nur an holländischen Börsen gehandelt wurden. Die Angeklagte gibt an, daß diese Anleihe dem Krankenhaus des Ordens in Köln-Nippes zugutegekommen fei. Der Leiter der Unioer- sum-Bank in Berlin, Dr. Hofius, hat den Vorschlag gemacht, eine Umschuldung dieser ausländischen Anleihen anzubahnen, weil die Zins- 1 a ft e n für den Orden angesichts der veränderten Lage zu groß gewesen seien. Sie sei auf diesen Vorschlag eingegangen. Dr. Hofius habe nun weiter vorgeschlagen, die Obligationen des Ordens i n Holland aufzukaufen und dann die Um- fchuldungsattion in die Wege zu leiten. Als Vermittlerin für dieses Geschäft sei eine Schwefter Dorothea in Belgien eingeschaltet worden. Sie habe sich mit dieser Schwester in Verbindung gesetzt und das zum Ankauf der Obligationen notwendige Geld in ihrer Ordensklei- bung nach Kerkrabe gebracht, wo es ein Pater namens Haas in Empfang nahm. Pater Haas habe bann 70 000 Mark nach St. Louis geschickt und für 130 000 Mark Guldenobligationen aufgefauft. Eine Genehmigung der zuständigen Devisenstelle für diese Transaktion sei nicht e i n g e h o 11 worden. Die Beweisaufnahme. Es wird sodann die Korrespondenz zwischen der Angeklagten und der Schwester Dorothea zur Verlesung gebracht. In einem der Schreiben, bas mit den Worten: „Die Gnade Gottes sei mit uns!" beginnt, wird die Transaktion in allen Einzelheiten erörtert. Weiter wird in dem Brief vereinbart, daß eine etwaige Antwort der amerikanischen Bank mit dem Stichwort „Ich habe einen Brief von Louis erhalten", angekündigt werden sollte. Der Brief schließt mit den Worten: „Bitten wir, daß in unserem Vaterlande sich alles so regelt, wie es für die Sache Gottes am besten ist." Der Staatsanwalt hielt der Angeklagten vor, ob es ihr nicht zum Bewußtsein gekommen sei, daß die Verquickung des Namens Gottes mit derartigen Schiebergeschäften eine Gotteslästerung sei. Die Angeklagte erwidert: „Das ist doch bei uns so Brauch", worauf der Staatsanwalt erklärt: „Dann hätte ich es trotzdem in diesem Falle weg- gelassen, ober ist das bei Ihnen eine leere Formel gewesen?" Die Angeklagte schweigt darauf. Ein Beamter der Zollfahndungs- stelle, der mit den Ermittlungen betreut worden war, schildert, daß ihm von der Pförntnerin des Klosters der Vinzentianerinnen in Köln zunächst, als er Einlaß begehrte, erklärt worden sei, daß Männern der Zutritt in das Kloster nicht gestattet werden könne. Die Oberin habe ihn aber schließlich doch empfangen. Bei einer Prüfung sei dann zahlreiches belastendes Material gefunden worden. Staatsanwalt: Sie sind in der Auslandspresse als ehrgeiziger Handlanger der Geheimen Staatspolizei bezeichnet roorben. Zeuge: Wir haben mit der Staatspolizei nicht das Geringste zu tun, unsere vorge- setzte Behörde ist das Reichsfinanzministerium und wir find in solchen Fällen wie dem vorliegenden nur Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft. Staatsanwalt: Weshalb setzte die ganze Aktion, von der wir hier einen Teilausschnitt verhandeln, in ganz Deutschland schlagartig ein? Zeuge: Wir mußten befürchten, daß ein Kloster, bas etwas auf dem Gewissen hatte, bestimmt nicht lange mit der Vernichtung der Belege warten würde. Die Ermittlungen erstreckten sich auf das ganze Reich. Besonders im Rheinland, Schlesien, Ber- *4 So verschieden die Tabakblätter für die » R 6 « -Mischung in Größe, Struktur und Aussehen auch sind, alle sind durch den Läuterungsprozeß bis zur vollkommenen Klarheit gereinigt! tGjt e's c'ö 0.-e re,<^ , aOen ' vö//, 'e, >1, w I Kartonagen en- | Verkäufe 2797 V Karl Faber ElektroUn. Is Ringofen steine BMW.-Wag. empfiehlt in altbekannter Qualität WIM,Miel Bergisches Kraftluttorwerk 6. m. b. H-, Düsseldorf - Hofen durch 02131 | Vermietungen | | Mietgesuche | 4-Zimm.-Wohng. Wohnungen Komplettes |stellengesuche| deutsches Fest. 3022 D ErsHmgsmehl u.Kükenkörnerfutter Htf Gett. Damen- u. Herrenkleider f. starke Figur zu kauf. ges. [02168 Wo, sagt d. Ge- schäftsst. d. G.A. Hugo Einmahl, Frankfurt a.DL, Main- luststr. 8 (dentsch.lHakler),TeL 31834 Holzbauten aller Art, feuersicher, vollimprägn., ministeriell zügel. Prosp. kostenl. Feuersicherer Holzbau und Imprägnierwerk, Nieder-Ohmen. 2191p u. §knabengard. 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G.A. sind zuverlässig und kosten weniger Ur. 115 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Samstag, 18. Mai 1935 Japan und der Islam. Von Otto Corbach. Die Sowjet-Diplomatie soll neuerdings ihre weltrevolutionäre Sendung den westeuropäischen Freunden zuliebe und der Zugehörigkeit Rußlands zum Völkerbunde zu Ehren abgeschworen haben. Aber macht sie nicht bloß aus der Not eine Tugend, wenn sie z. B. zurzeit darauf verzichtet, „Asien gegen Europa aufzuwiegeln"? Eine ernsthafte Gefahr bedeutete die b o l s ch e- wistische Propaganda in China für die westlichen Kolonialmächte früher dadurch, daß sie die nationalen Leidenschaften, die fremdenfeindlichen Stimmungen und die aufreizenden Wirkungen üppiger abendländischer Lebensformen bei den chinesischen Volksmasfen für sich arbeiten zu lassen wußte. Davon kann heute wenig mehr die Rede fein. Die japanisch-allasiatische Propaganda versteht das viel besser. „Es ist lehrreich zu beobachten", meinte der Pariser „Temps" kürzlich, „daß in dem Augenblick, wo die Sowjetregierung darauf verzichtet, Asien gegen Europa aufzuwiegeln, Japan diese Politik für eigene Rechnung übernimmt." Soweit es den Japanern dabei ehrlich darum zu tun ist, den Völkern Asiens eine vom abendländischen Kulturkreise unabhängige Entwicklung zu sichern, kann man den westlichen Kolonialmächten nur raten, sich damit beizeiten abzufinden Sie haben durch die Art und Weise, wie sie im Weltkriege ihre kolonialen Hilfsquellen mißbrauchten, zum mindesten im Fernen Osten ihren Anspruch auf die führende Rolle verwirkt. Sie können froh sein, wenn sie ihre Machtstellungen in anderen Weltgegenden gegen japanische imperialistische Bestrebungen dauernd zu behaupten vermögen. Viel gefährlicher als die Förderung nationaler Freiheitsbestrebungen durch die japanische Propaganda kann ihnen dabei deren wachsender Einfluß auf die religiösen Empfindungen in der Welt des Islams werden. Unter den russischen Emigranten, die im Laufe der bolschewistischen Revolution in der japanischen Machtsphäre Zuflucht suchten, befanden sich viele Mohammedaner, die besonders in der Mandschurei die zu- vorkommenste Hilfsbereitschaft fanden. Ein Emigrant aus Turkestan wurde Professor an der Militärschule in Mukden, mohammedanische Moscheen wurden errichtet in Tokio, Kobe, Charbin, Mukden und Dairen auf Grundstücken, die den mohammedanischen Gemeinden großmütig von japanischen Behörden überlassen wurden. Lehrer- und Lehrerinnen-Seml- nare wurden gegründet, aus denen heute jährlich 'twa 300 Lehrkräfte hervorgehen, die meist an den -Schulen mohammedanischer Gemeinden in Man- üschukuo unterrichten. Die Einweihung einer neuen Moschee in Kobe im Oktober 1934 gab der japanischen Presse Anlaß zu lebhaften Bekundungen freundschaftlicher Empfindungen gegenüber dem Islam unter dem Stichwort: „Die schintoistischen Priester reichen den mohammedanischen die Bruderhand!" Fast gleichzeitig erschien die erste Nummer einer Zeitschrift für Anhänger des Islam „Der japanische Informator", die das Erscheinen einer in der japanischen Staatsdruckerei hergestellten neuen Zeitschrift zur Förderung der Handelsbeziehungen zwischen Japan und den mohammedanischen Ländern ankündigte. Inzwischen hatte die japanische Regierung Sonder-Gesandtschaften nach Afghanistan, Iran, dem Irak und Aegypten abgeschickt. Die für Afghani st an bestimmte Gesandtschaft wurde geführt von einem gewissen Tanaka, einem japanischen Notabeln, der zum Islam übergetreten war. Ein anderer „Bekehrer" führte die nach Aegypten abgegangene Gesandtschaft an; er hatte seinen ursprünglichen altadelig - japanischen Namen Ohara mit Abu Bekr vertauscht. Der Turkestaner Mohammed Muschin Jioban Oglu verfaßte einen Kommentar zum Koran in japanischer Sprache und übersetzte die arabischen Werke Sahibs ins Japanische. Ein anderer in Mandschukuo lebender Muselmann, Mohammed el Saccaf, begab sich im Auftrage der japanischen Regierung nach dem Hedschas. Weitere japanische Sendboten tauchten in Palästina und Syrien auf. Ueberall wurden junge Mohammedaner aufgefordert, an japanischen Hochschulen zu studieren, welchem Rufe bisher etwa 1500 Studierende gefolgt sein sollen. Auf japanische Anregung schickten die Ulemas von Damaskus eine religiöse Gesandtschaft nach Japan, um die Gründung einer „Orientalischen Union gegen die Werbearbeit des Okzidents" in die Wege zu leiten. Viel wichtiger und bedenklicher als all diese Anzeichen lebhafter geistiger Beeinflussung der Anhänger des Islam ist die Wirksamkeit, womit d e r japanische Industrialismus den so vorbereiteten Boden für seine Zwecke zu bearbeiten weiß Die abendländischen Kolonialmächte haben mit ihren industriefeudalen Verfahrungsweisen bei der Auswertung von Eroberungen die Möglichkeiten des Absatzes ihrer industriellen Erzeugnisse in kolonialen Gebieten mit eigener Hand zerrüttet. Es sind die R ü ck w i r k u n g e n d l e s e s R a u b - baus die nunmehr ihre eigenen Produktivkräfte in großem Umfange lahmlegen Und wahrend der Leerlauf eines großen Teils ihrer Maschinerie, der erzwungene Müßiggang vieler Millionen williger Arbeitskräfte, das Brachliegenlassen weiter fruchtbarer Gebiete, die trotzdem noch notwendig bleibende Vernichtung großer unverkäuflicher Vorräte usw. alle Fortschritte techiiischer „Rationalisierung mehr als wettmacht, entwickeln die Javaner unbekümmert eine neue „W erkstätte der W e l t , die unter schonungsloser Ausnutzung aller solcher Verlegenheiten abendländischer Industrieländer beispiellos massenhaft Waren zu so wohlfeilen Preisen hcrstelle, daß sie von farbigen Menschen trotz ihrer durch „weiße" Kolonialherrschaft so stark herabgedrückten Kaufkraft erworben werden können, soweit es ihnen diese Kolonialherrschaft, natürlich auf Kokten ihrer ..Beliebtheit", nicht durch zollpolitische und andere Maßnahmen unmöglich macht. Lieber liefern Engländer und Franzosen aus ihren kolonialen Gebieten den Japanern Rohstoffe zu Spottpreisen, zu denen sie sie für ihre eigenen industriellen Zwecke gar nicht erwerben können, da sie den Erzeugern irgendwie dazu verhelfen müssen, auf ihre Kosten zu kommen, als daß sie Deutschland die Wiedererlangung auch nur eines kleinen Bruchteils seines ehemaligen Kolonialgebiets gönnten, und lieber wenden die Amerikaner jährlich Unsummen auf, um. Farmer dafür zu entschädiaen, einen Teil ihrer Anbaufläche brach liegen lassen, als daß sie mit überflüssigen $orräten Einwandererheere aus der alten Welt in Nahrung und Tätigkeit Etretszüge im Mittelmeer. Von Dr. paul Rohrbach* bis 3000 Mann von Italien nach Erythräa, leider darunter auch viele Soldaten aus Südtirol, die dem hiesigen Klima absolut nicht standhalten können. Von Tripolis wurden 10 000 Askaris hier gelandet. Die Straßen und Plätze von VI. Moskaus Politik in der Levante. R o m , Mai 1935. Wenn man den Charakter der augenblicklichen politischen Atmosphäre in Italien richtig deutet, so soll, nicht zuletzt unter dem Einfluß Englands, im Laufe des Sommers den europäischen Fragen ihre Schärfe so weit wie möglich genommen werden, weil im Herbst, mit dem Aufhören der Regenzeit, der abessinische Feldzug in vollem Ernst beginnen soll. Bis dahin ist es wünschenswert, Rückenfreiheit in Europa zu schaffen. Dabei entwickelt sich aber hinter den Kulissen die Frage „Was will Rußland?" zu einem immer komplizierteren Problem der Weltlage. Man muß ihr auch vom italienischen Boden aus verstärkte Aufmerksamkeit zuwenden, zumal Frankreich, der neue große Freund Italiens, unter der Einwirkung Englands in dem eben abgeschlossenen Pakt mit Rußland von den ursprünglich verfolgten Tendenzen ein deutliches Stück zurückgewichen ist. Kurz vor dem französisch-russischen Abschluß brachte die „Times" einen bedeutsamen Bericht ihres Pariser Korrespondenten, der auffallend, fast wörtlich, in dieselbe Richtung wies, wie die auch in der deutschen Presse bekanntgewordenen Bedenken eines französischen Generalstabsoffiziers gegen die militärische Zweckmäßigkeit eines gar zu engen französisch-russischen Bündnisses: Auf dem Prinzip strikter Gegenseitigkeit beruhend könne ein solches nur zum Nachteil Frankreichs ausschlagen, das im Ernstfall alles zu bieten und nichts zu empfangen habe! Aus dem stark verklausulierten Text des Ausführungsprotokolls zu dem Pakt vom 3. Mai ist zu erkennen, daß die anfangs von Rußland geforderte automatische und sofortige Funktion der militärischen Hilfeleistung gegen den „Angreifer" jetzt durch die Einschaltung des Locarnopakts und des Völkerbundes beseitigt ist. Das ist das Werk Englands. Um aber das russische Bedürfnis nach Rückendeckung in Europa ganz zu verstehen, muß man den weit ausgreifenden verborgenen Pfaden der im Kreml verfolgten Politik näher nachgehen. Erst dann wird man die Voraussetzungen ihres Verhaltens in Europa erkennen. Die ursprüngliche Politik Sowjetrußlands hat zwei große, enttäuschende Mißerfolge zu buchen. Im Zeitalter Lenins und Trotzkis war es die Idee des Moskauer Illusionisten, erstens d i e kommunistische Weltrevolution in Europa auszubreiten, und zweitens Asien, vor allem China, dadurch zu erobern, daß man die kommunistische Parole mit der anderen verband: den asiatischen Völkern Rußlands Hilfe zur Befreiung vom europäischen Imperialismus und Kapitalismus anzubieten. Mit beidem ist Moskau gescheitert. China ist noch nicht ganz aufgegeben; die Unruhen im Süden, mit denen die sogenannte Zentralregierung in Nanking nicht fertig werden kann, tragen zwar mehr eine kommunistische Kappe, als daß sie bewußt kommunistische Ideen im Sinne Moskaus verfolgen, aber sie genießen doch dessen aktive Sympathie, ebenso wie die „indonesischen" Tendenzen in Juna-Java, die sich gegen das bollön- dische Regime richten. Diese fernasiatischen Gebiete liegen jedoch zurzeit mehr an der Peripherie der Moskauer Politik. In China sind die Japaner die stärkeren Gegenspieler, und Japan gegenüber zieht man es im Kreml vor, sich einstweilen zu ducken. Anders steht es mit dem planmäßig aufgenommenen Gedanken — auch er knüpft an übereilte. * Vergleiche den letzten Bericht in Nr. 109 vom 11. Mai 1935 damals noch nicht zur Reife gekommene Pläne der Leninschen Zeit an — mit den drei noch unabhängigen islamischen Staaten Asiens, der T ü r k e i, I r a n und Afghani st an, in enge Beziehungen zu kommen. Ich habe in Konstantinopel bestätigt gehört, daß die Sowjetregierung es sich erhebliches Geld kosten läßt, der Türkei russisches Kriegsmaterial zu liefern und ihr Textilfabriken und metallurgische Anlagen zu bauen. Natürlich fehlt dabei auch der übliche Austausch „kultureller Werte" nicht. Der Ghasi Mustafa Kemal, dessen Bedürfnis nach Anerkennung seiner Leistungen bekannt ist, wird mit den entsprechenden Ausdrücken gefeiert, und man gibt ihm zu verstehen, daß im Kreml nicht nur uneigennützige politische Ratschläge zu haben sind, sondern auch Geld, mit dem die europäischen Finanzmächte zurückhalten — eine Anspielung auf die Schwierigkeiten der Türkei bei der Finanzierung ihrer strategischen Bahnbauten. Botschafter Sowjetrußlands in Angora ist kürzlich ein Mann geworden, der sich noch zur Zeit Lenins als Spezialist für die asiatische Politik entwickelte, und dessen kaukasische Herkunft auch Stalin sympathisch ist, der Tatar K a r a ch a n. Ursprünglich Mohammedaner (jetzt gibt es ja offiziell keine Religion mehr in der Sowjetunion), des Türkischen und Persischen mächtig und ein Kenner des orientalischen Geistes von Grund auf, hat er die Aufgabe, zunächst den Ghasi und danach die Beherrscher Irans und Afghanistans für einen Asiatischen Pakt unter russisch-türkischer Führung zu gewinnen. Im Orient laufen jetzt zwei große geistige Bewegungen parallel, die innerlich von einander unabhängig sind, ja selbst in einem gewissen Gegensatz zu einander stehen, aber doch in dieselbe Richtung wirken. Die eine ist die Regeneration des Islams, die, mit starkem politischen Einschlag, von dem Beherrscher Arabiens, Ibn Saud, geführt wird. In der Persönlichkeit Ibn Sauds verkörpert sich zugleich der panarabische Gedanke, aber in Verbindung mit Automobilen, Maschinengewehren und drahtloser Telegraphie. Auch an seinem Hofe ist der Sowjetgesandte eine wichtige Persönlichkeit, als Ratgeber und Erläute- rer der internationalen Politik im Sinne Moskaus. Die andere Bewegung richtet sich gegen die politische und wirtschaftliche Ausbeutung der Länder des Orients durch die europäischen „Kapitalisten und Imperialisten". Ihre Parole ist Unabhängigkeit von europäischer Vormund- s ch a f t auf allen Gebieten, und ihr Fahnenträger ist der Ghasi Mustafa Kemal. Dieser türkische Held, Atatürk ist sein zweiter ehrender Beiname, ist nur national orientiert, den Religionsgesetzen des Islam hat er den Krieg angesagt, soweit sie der Modernisierung der Türkei in materiellem, technischem und geistigem Sinne, entgegenstehen, aber Europa gegenüber können der islamische, der arabische und der türkische Gedanke trotz aller Verschiedenheiten Zusammengehen, und auch die national-persische Politik Risa Chan Pehlevis kann sich leicht in den Bündnisgedanken einfügen. Auf der anderen Seite greift die enge Bundes- genoffenfchaft Moskaus bis nach der fowjetmäßig organisierten Republik der inneren Mongolei. Soll diese große asiatische Politik gedeihen, so braucht Moskau Frieden mit Japan, dem es vielleicht noch mehr Opfer wird bringen müssen, als nur die ostchinesische Bahn, und „Sicherheit" in Europa. In Lodnon, in Paris und in Rom wird man nicht ganz unorientiert über diese Zusammenhänge sein. Rußland, ob zarisch oder bolschewistisch, kann eine andere als expansive Politik nicht machen. Massaua gleichen Pionierparks. Stacheldraht, Drahtverhauschrauben, Stollenhölzer, Wellbleche, Zement, Wasserröhren und Kleinbahnmaterial sind in großen Massen aufgestapelt. Tage und Nächte lang rollen Autokolonnen das Material i n s Oberland. Die Autos werden vorzugsweise von Amerika geliefert, es find in der Regel neueste Typen von Ford und Chevrolet. Italienische Fabrikate sind kaum darunter. Wagen, die mit dem Dampfer eintreffen, werden gleich nach dem Ausladen am Kai mit Material bepackt und auf den Weg nach Asmara geschickt, wo sich der Sitz des Gouverneurs befindet. Die Straßen find sehr schlecht. Schwere Beschädigungen des Wagenmaterials find keine Seltenheit. In diesen Tagen bevölkern schon etwa 75 Lastwagen aller Art die in Massaua eingerichtete Reparaturwerkstatt. Am besten scheint sich B ü \ f i n g » N S U zu bewähren, der für schwer st e Transporte Verwendung findet. Litauens Herausforderung. Stimmen aus Ostpreußen. Die „Preußische Zeitung" schreibt unter der Ueberschrift „Protest" u. a.: Wochen hat die Folter gedauert, auf die man unsere deutschen Brüder im Memelland gespannt hat. Wochen hindurch haben sie in tiefsten und finsteren Kerkern des litauischen Staates zubringen müssen, um heute ein Urteil bestätigt zu erhalten, das i n der Weltgeschichte ohne B e i s p i e l da- steht. Wir hoffen mit den Angeklagten, daß - man sich in Kowno noch in letzter Stunde besinnt. Heftiger denn je fühlt sich das deutsche Volk in dieser Stunde mit seinen Brüdern im gequälten Memellande verbunden. Mitverantwortlich für das Schicksal des Memellandes sind die Mächte, die am 17. Mai 1934 durch die Unterzeichnung des Autonomiestatutes die Garanten des Me- mellandes wurden. Sollte das Urteil der Kow- noer Machthaber vollstreckt werden, dann kommt das Blut der hier zum Tode verurteilten Memelländer mit auf das Haupt der Memelsignatare. Immer wieder ist das Problem des europäischen Friedens in den letzten Monaten Gegenstand und Mittelpunkt der internationalen Gespräche gewesen. Will die Welt, wollen die Großmächte beweisen, daß es ihnen ernst ist um die Erhaltung des europäischen Friedens, dann mögen sie in dieser Stunde beweisen, daß sie nicht gewillt sind, ein Unrecht geschehen zu lassen, das mit den Memelländern dem ganzen deutschen Volk geschieht. Die „Königsberger Allgemeine Zei- t u n g" führt aus: Wir stellen an Europa die Frage, ob in einem solchen Augenblick eine falsche und kalte Formaljuristik siegen soll, wie sie sich in dem Urteil des litauischen Obertribunals auszuleben dünkt, oder ob es heute nicht um mehr geht — nämlich um d i e Rettung des Friedens und der Gerechtigkeit überhaupt. Bor allem erheben wir in dieser Stunde unsere Stimme» um die Unterzeichnermächte des Memel« st a t u t s an ihre Pflichten zu ermahnen. Können sie zugeben, wie hier alle Ausgleichsbemühungen mit einem Schlage vernichtet werden sollen? Es ist eine Stunde, in der die verantwortlichen Staaten Europas, die mittelbar oder unmittelbar an diesem Urteil beteiligt sind, sich darauf besinnen müssen, daß sie mehr zu tun haben als diplomatische Formeln zu erfüllen, in der sie sich darüber klar sein müssen, daß sie für das Schicksal der Volker verantwortlich sind. Ersie englische Stimmen. setzen, mit denen in den menschenleeren oder -armen Gegenden der Länder der Neuen Welt vernünftig organisierte kaufkräftige moderne Gemeinwesen ins Leben gerufen werden können. Braucht man sich bei solchem weltpolitischem Unverstand darüber zu wundern, daß sich Japan unversehens die geistigen Kräfte des Islam dienstbar zu machen weiß, dessen Anhänger gerade in den Gebieten Mittel-Asiens, des nahen Ostens und Nordafrikas überwiegen, die für die künftige Herrschaft über Asien wie über Afrika von ausschlaggebender strategischer Bedeutung sind? Die Kabinettsumbildung in England. Wird Eden Außenminister? London, 17. Mai. (DNB.) Reuter berichtet, daß die Aenderungen im Kabinett wahrscheinlich vor oder während der Pfingstpause in die Tat umgesetzt werden würden. Es würde keine Ueberraschung bedeuten, wenn Macdonald und Baldwin ihre Posten tauschen würden. Das Gerede über einen Rücktritt Simons als Außenminister könne als unbegründet abgetan werden. Dagegen erwarte man einen Wech - fei im Luftfahrtmini st erium, das gegenwärtig Lord Londonderry innehat. Außerdem sei es nicht ausgeschlossen, daß die derzeitigen Leiter des Kolonialministeriums (Sir Philipp Cun- l i f f e - L i st e r) und des Innenministeriums (Sir John Gilmour) in den Peer st and erhoben würden. Die Struktur der nationalen Regierung werde hierdurch nicht berührt werden. Die zunehmende Besserung in Handel und Wandel führt Reuter als Grund für die Neigung der Regierung an, die Neuwahlen nicht mehr auf die lange Bank zu schieben. Viel hänge von dem Ergebnis der Besprechungen des Kabinetts mit Lloyd George ab. Wenn die Unterstützung Lloyd Georges gesichert werden könne, sei damit zu rechnen, daß die liberale Wählerschaft, die sich bisher mangels einer zugkräftigen Führung der Stimme enthalten habe, sich der Regierung anschließen werde. „Daily Mai l" meint, die geplanten Aenderungen seien am Freitag zwischen Baldwin und Macdonald besprochen worden. Als wahrscheinlicher Nachfolger für Außenminister Simon wird der Lordsiegelbewahrer Eden genannt. Zweifel bestehen noch darüber, ob Macdonald schon im Sommer den Posten des Ministerpräsidenten an Baldwin abgeben ober ob er vorher noch als Haupt der Nationalrcgierung in die Wahlen gehen werde. „Daily Herold" glaubt,' daß zunächst das A u ßenmini° st erium neubesetzt werde, während mit einer allgemeinen Umbildung des Kabinetts erst nach den Neuwahlen, die bestimmt im Oktober statt- finben, zu rechnen fei. Eden soll im Abefsinien- Konsliki vermitteln. Lonbon, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Lord- siegelbewahrer Eben reift heute nach Genf ob. Er soll sich bemühen, b e n kriegerischen A d - sichten Italiens zwar entgegenzutre- t e n, aber gleichzeitig zuvermeiben, baß Italien aus b e m Völkerbunb getrieben werden könnte. Der abessinisch-italienische Streitfall wird voraussichtlich erst Mitte der nächsten Woche vom Völkerbundsrat behandelt werden. Der Großsiegelbewahrer wird bis dahin Besprechungen mit den Vertretern Frankreichs und Italiens führen. „Mor- ning Post" berichtet, daß nur durch eine V e r- ftänbigung zwischen den brei Mächten eine Spaltung im Völkerbunb oermieben werben könne. Eben werde sein äußerstes tun, eine solche Verständigung zu erzielen, bevor sich der Völkerbundsrat mit dem Fall beschäftige. Eden habe in der Vergangenheit beträchtliche Erfolge in der Ueberbrückung gefährlicher Situationen erzielt, und man setze in der gegenwärtigen Krise große Hoffnungen auf seine Geschicklichkeit Dos Blatt stellt dann die offenbar aus italienischer Quelle stammende und längst widerlegte Behauptung von einer moralischen und materiellen Unterstützung der Abessinier durch Deutschland auf und leitet aus dieser haltlosen Behauptung eine Berechtigung der italienischen „Vorsichtsmaßnahmen" ab. Das erste Ziel der italienischen Streitkräfte sei es, ein starkes Verteidigungssystem längs der von Italien beanspruchten Grenzlinie zu errichten und dann die beiden italienischen Kolonien Erythräa und Jtalienisch-Somoliland zu verbinden. Dies würde den Bau einer Eisenbahnlinie erforderlich machen, zu welchem Zwecke Italien einen Gebietsstreifen auf der abessinischen Seite der Grenzen von Britisch- und FranzösischSomoliland besetzen müßte. Mffam ein Heerlaaer. Massaua (Erythräa), 17. Mai. (DNB.) Massaua gleicht einem Heerlager. Der kleine Hofen ist überfüllt von Truppentransporten und Frachtschiffen, die Kriegsmaterial aller Art in ungeheuren Mengen löschen. Oft liegen aus Italien eintreffenöe Schiffe tagelang außerhalb des Hafens auf Reede, da keine Möglichkeit besteht, im Hofen vor Anker bzw. an den Kai zu gehen, um Ladung zu löschen. Trotz alledem laufen täglich neue Truppen- ' t rans1 p ot t e ein. Fast immer bringen sie 2000 London, 18. Mai. (DNB. Funkspruch.) Die englische Presse berichtet, vorläufig ohne eigene Stellungnahme, über die Bestätigung der Urteile im Memelländer Prozeß. Es wird jedoch zum Ausdruck gebracht, daß der Beschluß des obersten litauischen Gerichtshofes zu neuen Spannungen zwischen Deutschland und Litauen führen könne. Die „Times" meldet aus Riga, die Bestätigung des Urteils durch den obersten Gerichtshof habe bei denjenigen, die Litauen wohlwollten, und die einen versöhnlichen Schritt zur Beilegung des Memelstreits erwarteten, Enttäuschung hervorgerufen. Es fei allerdings so gut wie sicher, daß die Todesurteile nicht ausgeführt würden. Präsident Smetana könne als kluger Staatsmann die Todesurteile abändern, ohne das übermäßig betonte Ansehen Litauens zu opfern. In der Tat würde eine großzügige Geste zugunsten der Verurteilten einen großen Teil der neuerdings verlorengegangenen Sympathie für Litauen unter den freundschaftlichen ausländischen Beobachtern wieder Herstellen. Wenn aber eine solche Geste nicht aus- geübt werde, ober wenn sie sich lediglich auf die Todesurteile erstrecken würde, dann bestehe keine Aussicht aus eine Erleichterung der Spannung an der deutsch-litauischen Grenze und im Memelland. Die presse der Gudeiendeuischen Partei vor der Wahl mundtot gemacht. Prag, 17. Mai. (DNB.) Am vorletzten Tage vor den Wahlen hat die tschechoslowakische Zensurbehörde das Erscheinen der Presse der Sudetendeutschen Partei Konrad Henleins unmöglich gemacht. Das Hauptblatt der Partei, die „Rundschau" in Asch, ist beschlagnahmt worden. Die gesamte Auslage in Höhe der bereits ausgedruckten 46 000 Stück wurde in Lastwagen weggefahren. Auch eine einseitige Sonderausgabe der „Rundschau", die die Schriftleitung herauszubringen versuchte, wurde beschlagnahmt. Von der Zensurbehörde wurde die in Prag erscheinende „W a h l z e i t u n g" der Sudetendeutschen Partei ebenfalls beschlagnahmt, so daß es dieser Partei im letzten Augenblick unmöglich gemacht ist, auf die Angriffe der Gegner zu antworten. Börsenmanvver um den 5ran)ösiscden Franken. P a r i 5, 17. Mai. (DNB.) Die Pariser Börse stand unter dem Eindruck der Gerüchte von einer bevorstehenden Abwertung des Franken. Sie wirkten sich vor allem auf die Kurse der französischen S^aatsrenten katastrophal aus, so daß der Finanzminister sich genötigt sah, die Behauptungen zu de» men Heren, daß der Kabinettsrat sich auf die Abwertung des Franken geeinigt habe. Der Finanz- Minister hat feststellen können, daß umfang- reiche Börsenmanöver eingeleitet worden seien, bereits bei der Eröffnung der Börse hätten ausgedehnte Verkaufsaufträge für französische Staatsrenten Vorgelegen. Wechsel in der Führung des SG.- Hauptamtes der Heichsführung-GE>. Berlin, 17. Mai. (DNB.) Der Chef des SS.- Hauptamtes, SS.-Gruppenführer W i t t j e , hat aus gesundheitlichen Gründen den Reichsführer-SS. um Enthebung von seinem Amt gebeten. Der Reichsführer-SS. hat diesem Wunsche Rechnung getragen und zum Nachfolger den bisherigen Führer des SS.-Oberabfchnittes Rhein, SS.-Gruppen- fuhrer Heißmeyer ernannt. Der Reichsführer- SS. würdigte die Verdienste des aus feinem Amt scheidenden Gruppenführers, den er bis zur Wiederherstellung seiner Gesundheit zu seiner besonderen Verfügung stellte. Er habe dem Gruppenführer Wittje schon vor Monaten immer wieder Schonung anempfohlen, da er gesehen habe, daß dieser sich in seiner Arbeit übernahm. Wenn er jetzt schweren Herzens der Bitte um Enthebung von seiner Stellung doch nachgeben müsse, so mit dem Wunsch, daß er in absehbarer Zeit wieder voll zur Verfügung stehen würde. Nummernzwang für Anhänger. Berlin, 17. Mai. (DNB.) Der Reichs- und preußische Verkehrsminister gibt seine Absicht bekannt, auch fürAnhänger das vom Kraftfahrzeug her bekannte Nummernschild vorzuschreiben. Es genügt, daß die Polizeinummer des Kraftwagens auch am Anhänger angebracht wird. Soll der Anhänger hinter Der- schiedenen Kraftfahrzeugen mitgeführt werden, muß die Nummer allerdings ausgewechselt werden. Der Minister erwartet, daß Verkehrstreibende bereits jetzt, ehe der Nummernzwang eingeführt wird, die Bestimmungen freiwillig durchführen. Wiedersehen mit dem Ort an der Mainbrücke, an dem der Führer am 23. September 1933 mit den Worten „Deutsche Arbeiter an das Werk!" die erste Schaufel Sand hob. Wiedersehen mit dem Schauplatz des ersten Spatenstichs, der für seinen Teil half, den Fluch der Arbeitslosigkeit zu beseitigen. 93 000 deutsche Arbeiter stehen jetzt auf den Autobahnstrecken in Lohn und Brot. Rund 150 000 Arbeiter in Steinbruch, und Brückenbaubetrieben kommen dazu. Von Frankfurt am Main bis nach Darmstadt, auf einer Strecke von 23 Kilometer, ist die erste Reichsautobahn vollendet, lieber Mannheim führt sie weiter nach Heidelberg. Da schließt sich wieder Der Kreis: Der Anschluß cm die großen Südost- und Nordwestlinien ist hergestellt. Bald werden die Straßen Adolf Hitlers, woher man auch kommen, wohin man auch fahren mag, ganz Deutschland durchziehen. Es gibt wohl keine Vergleiche, um dis Reize einer Fahrt durch das Waldidyll zwischen Frankfurt und Darmstadt dem Leser plastisch nahezubringen. Weder die Avus Berlins noch die Strecke Köln—Bonn lassen sich als Beispiels anführen. Ueberzeugend und erhebend zugleich ist die grandiose Einpassung der Straße in das Landschaftsbild; trotz der ungewöhnlichen Breite ist keine langweilige Rennstrecke entstanden. In keinem Augenblick wirkt die Straße öde, dem Schönheitsempfinden ist weitgehend Rechnung getragen. Auch auf dieser Waldstrecke wird dem Reisenden dann und wann ein freier Blick in die Landschaft gewährt. Vorsommerzauber liegt über der Straße: Es blüht und grünt ringsum. Eben sind wir an der großartigen Mainbrücke, einem Meisterwerk deutscher Architektur, vorübergesaust. Wer kann die Herrlichkeit schildern — frei ist die Bahn — mir drücken Den Gashebel — selbst einmal fahren, über diese Straße, nur das überzeugt und öffnet ganz das Verständnis für diese monumentalen Straßen des Dritten Reiches. Straßenbautechniker und Landschaftsanwälte wirken bei diesem großen Werk zusammen. Schaffen die einen dem Kraftverkehr die technisch vollkommene Fahrbahn, so haben die anderen die Aufgabe, diese in ihrer Ausgestaltung der Landschaft anzupassen. Denn entscheidender Leitgedanke für den Bau ist die Unterordnung des technischen Zweckes unter die Rücksicht auf die deutsche Landschaft. Wer über die Straßen Adolf Hitlers fährt, soll nicht nur auf einer technisch vollendeten Straße fahren, sondern es soll sich ihm das ewig wechselnde Bild der herrlichen deutschen Landschaft und des Wirkens und Lebens der Menschen in ihr erschließen. Straße und Landschaft werden harmonisch zusammenklingen, werden ein begeisterndes Kunstwerk vollkommener Schönheit sein. Gtahlhelm-Wohlfahrislotterie. Der Nationalsozialistische Deutsche Frontkämpfer- Bund (Stahlhelm) veranstaltet eine 2. Stahlhelm- Wohlfahrtslotterie, deren Reinertrag ausschließlich für die Verwirklichung der hohen kulturellen, wirtschaftlichen und insbesondere der sozialen Ziele des Bundes bestimmt ist; weiter sollen die durch die Lotterie gewonnenen Mittel zugunsten der bedürftigen und k r ie g s b e s ch ä d i g t e n Kameraden verwendet werden. Die Lotterie, die durch den Reichs- und preußischen Innen- Auf Adolf Hitlers Straßen. Ein Fahrtbericht von der ersten Reichsautobahnstrecke. Von Herbert Seehofer-Wagner. Ein kleiner Lattenzaun säumt den Platz, auf dem der Führer stand. Die Lore Sand, die in einem feierlichen Akt gekippt und vom Führer auseinandergebreitet wurde, hat man sorgfältig wieder zusammengeschaufelt. Sie wird später in dem Böschungskegel der Mainbrücke eingelagert, eine Gedenktafel am Hügel wird die Besucher an den ersten Spatenstich erinnern. Für alle Zeiten, wenn sicy erfüllt hat, was der Führer an dieser Stelle sprach: „Und ehe wieder Jahre vergehen, soll ein Riesenwerk zeugen von unserem Dienst, unserem Fleiß, unserer Fähigkeit und unserer Entschlußkraft!" Ich werde auf einer Fähre über den Main gerudert und habe Gelegenheit, die wuchtigen Bogen der 290 Meter langen Brücke der Autobahn zu betrachten. Während von einem Ufer her noch ganze Wagenladungen Betonmischung angefahren und in die gefräßigen Riesenfundamente versenkt werden, verkleidet man die andere Seite schon mit dem schmückenden hellen Granit. Aus dem Odenwald und dem Fichtelgebirge kommt er; hohe Kräne tragen ihn Stück für Stück an die Baustelle heran. Millimeterhaft genau wird er dem Bauwerk eingepaßt. Hoch vom schwenkenden Kran flattert fröhlich unsere Fahne, und es ist, als wollte sie erzählen, daß diese Straße auch den notleidenden Steinbruchgebieten Arbeit gibt. Ueberhaupt muß man sich einhämmern, um die ganze Größe des gewaltigen Projekts des Führers zu verstehen, daß die Arbeit auf den Strecken weit über die Grenzen der Straßen hinaus ihre Kreise zieht. Zahllose Wirtschaftsgruppen des deutschen Volkes erhalten dadurch Arbeit und Verdienst und befruchten ihrerseits wieder durch erhöhte Konsumkraft die Gesamtwirtschaft. Man mußt nicht nur die Arbeit und den Umsatz auf der Baustelle selbst in Rechnung stellen — dahinter stehen, um nur ein knappes Beispiel zu geben, die Lieferanten der Baustoffe, der Werkzeuge und Maschinen. Ein großer Kreislauf kommt in Gang. Vierhundert Millionen Mark, die jährlich von der nationalsozialistischen Regierung für den Bau der Autobahnen zur Verfügung gestellt werden, rollen durch die Volkswirtschaft. Mackensens Besuch in Ltngarn. Scherl-Bildmatern die rat W IW I / M j Generalfeldmarschall von Mackensen legt auf dem deutschen Heldenfriedhof einen Kranz nieder. —» Links (in Zivil): der Sohn des Feldmarschalls, der deutsche Gesandte in Budapest von Mackensen. Budapest, 17. Mai. (DNB.) Den Höhepunkt des Aufenthaltes des Generalfeldmarschalls von Mackensen in Ungarn bildete der Besuch in der alten Krönunasstadt Stuhlweißenburg bei den Mackensen-Husar en Nr. 10, deren Ehrenchef der Generalfeldmarschall seit dem Weltkriege ist. Der Feldmarschall begab sich zunächst zu Dem für den Reichspräsidenten v. Hin d e n - bürg errichteten Denkmal, vor dem er einige Minuten entblößten Hauptes in stiller Andacht verweilte. Er besuchte dann das Kriegerdenkmal des Regiments, das seinen Namen trägt. Der letzte Kommandeur des Regiments, Oberst v. T o e p k e, wies darauf hin, daß Mackensen für Ungarn das Symbol des großen gemeinsamen Kampfes der deutschen und der ungarischen Armee für die Ehre und Sicherheit des Vaterlandes fei. Der Feldmarschall legte vor dem Denkmal einen Kranz nieder und nahm unter den Klängen der deutschen und der ungarischen Nationalhymne den Vorbeimarsch der alten Frontkämpfer des Mackensen-Husaren-Regi- ments entgegen. Der Jubel wollte kein Ende nehmen, als Mackensen in straffer militärischer Hal- tung die aufgestellten Formationen der Angehörigen des Husaren-Regiments abschritt. Anschließend fand ein vom Obergespan Grafen Szechenyi zu Ehren des Feldmarschalls veranstaltetes Essen statt, bei dem Innenminister von Kozma den Feldmarschall feierte. Mackensen schilderte die große Schlacht von Limannowa, in der unter feinem Kommando ungarische Truppen eingesetzt wurden und die die Grundlage für den großen entscheidenden Durchbruchssieg bei Gorlice schuf. Mit warmen Worten gedachte dabei der Generalfeldmarschall der Generale A r z und Conrad v. Hötzendorfß Die Ausführungen des Feldmarschalls wurden mit unbeschreiblichem Jubel ausgenommen. Zu Ehren des Feldmarschalls findet heute abend eine Gala- oper statt, an der der Reichsverwes e r mit seinem Gefolge, sämtliche Erzherzöge, die Regierung, die Militär- und Zivilbehörden erscheinen. Minister genehmigt worden ist, besteht aus 800 000 Losen zum Preise von 50 Pfg. Jedem Los ist ein Kunstblatt (Bilder des Führers Adolf Hitler und des Bundesführers Franz Seldte) beigegeben. Die Ziehung findet am 8. Juli 1935 bei der Lotterie-Geschäftsstelle des NS. Deutschen Frontkämpfer-Bundes (Stahlhelm), Frankfurt a. M., Kaiserstraße 24, statt. Der Hauptgewinn beträgt 20000 RM., die Prämie, die auf die zuletzt einzeln gezogene Losnummer mit einem Gewinn von 10 RM. und höher fällt, 8000 RM., so daß der mögliche Höchstgewinn 28 000 RM. wäre. Die Lose werden durch die Ortsgruppen und Dienststellen des Bundes an Kameraden, Freunde und Gönner des Bundes vertrieben. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Infolge der in der Nacht zum Samstag eingetretenen Aufheiterung kam es gerade innerhalb unseres Gebietes noch einmal zu verbreiteten Strahlungsfrösten, im übrigen Deutschland, ebenso in Frankreich, fallen dagegen bei meist bedecktem Himmel vielerorts Niederschläge. Auch kann man mit dem Auskommen unbeständigen Wetters rechnen. Die Witterung ist nach wie vor für die Jahreszeit zu kühl. Wetteraussichten für Sonntag: Veränderlich, überwiegend bewölkt, zeitweilig Niederschläge bei meist nördlichen und östlichen Winden. Wetteraussichten für Montag: Noch immer unbeständiges veränderliches Wetter, bewölkt, leichte Wärmezunahme. Lufttemperaturen am 17. Mai: mittags 8,7 Grad Celsius, abends 5 Grad; am 18. Mai: morgens 4 Grad. Maximum 10 Grad, Minimum —1,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. Mai: abends 11,9 Grad; am 18. Mai: morgens 7,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 1,7 Stunden. MibockundMiduttiliMlichen Von Mara Mägander. Im Hofbräuhaus zu München fließt der Maibock; schwer, dunkel und süß ist das Bier, das man am liebsten im sonnigen Hofe, um ein Faß herum geschart, trinkt. Es schmeckt zwar droben im Festsaal auch recht gut; aber drunten ists halt „zünftiger". Der galante Ehegatte schenkt seiner lieben Frau den Maibuschen und rückt ihr den Makkrug näher; denn gar die Frauen mögen den Bock so gerne! Laut und vernehmlich spielt die Blasmusik das Lied von der Münchener Gemütlichkeit, und es gibt keinen einzigen unter den froyen Zechern, Der daran zweifelt, an der Gemütlichkeit in der Stadt des alten Peter. „Frische Radi! Mair^ttiche!" Etwas Besseres und Bekömmlicheres gibt es nicht zum Bier. Das fesche Mädel in der hübschen Tracht wird ihre frühlingsfrische Ware reißend los. Der Hofbräuhaus-Maitrank ist dunkel; er ist noch nicht erblondet wie andere Münchner Biere, fon- dem der alten Tradition treu geblieben. Früher gab es nämlich in München kaum ein Helles Bier. Trotzdem ist auch der Helle Maibock köstlich im Geschmack, nur eben ein wenig degeneriert. Auch er hat seine Freunde. Denn jeder echte Münchner trinkt sein Bier, schwört auf fein Bier, und wenn er Löwenbräu für gut befindet, bringt ihn kein Mensch ins Hosbräuhaus. Wir haben noch Grund- sätze, Gott fei Dank! Zur Zeit, da der Maibock süffig durch die durstige Kehle rinnt, ist rings um den Mariahilfplatz die bunte Budenstadt der Maidult gewachsen. Die blühenden Bäume geben den windschiefen Verkaufsständen einen Schimmer von Romantik. Besonders in der Straße, in der die Kastanien einen grünen Laubengang bilden und eine milde, versöhnliche Dämmerung über verschossenen Altwarenkram breiten. In diesem weichen Licht glänzt das Holz des wurmstichigen Mahagonischrankes in neuer Schönheit auf und das Silber in den Vitrinen blinkt wie ehemals, als es noch reichbestellte Tafeln schmückte. Ein Stück Vergangenheit verklingt wie die Melodie einer alten Spieluhr. In der Gasse nebenan regiert des Lebens Prosa. Hier streiten Steckerlfische, warme Würstchen, türkischer Honig und Kletzenbrot um die Gunst des Publikums. Dom Glückshafen trägt soeben ein Glücklicher einen pfundsamen Regulator heim, und am Spitzenstand dreht ein altef witziger Rheinländer mit verwirrender Geschwindigkeit den Münchnerinnen fein« zarte Ware an. Die «.Billigen Jakobe" preisen mit viel Stimmaufwand nichtige Dinge an, und Quacksalber wissen von der Kraft ihrer Allheilmittel zu überzeugen. Es gibt dann eine solide Straße mit Ständen, die von dauerhaften Wollsachen für Männlein und Weiblein angefüllt sind und in denen man sehr billig ein Paar feste Schuhe haben kann. Ein noch gut aussehender Frack träumt von verflossenen Zeiten und scheint gekränkt, daß die stabile Arbeitshose viel rascher einen Liebhaber findet Auf dem Geschirrmarkt stehen die lustigen bunten Bauerntöpfe neben sehr vornehmen Kaffeekannen, und winzige Porzellanfiguren finden begeisterte Käuferinnen. Helles Kinderjauchzen und ein verwirrendes Durcheinander in allen Tonarten quiekender Drehorgeln lockt uns dorthin, wo für die Kinder erst der Zauber der Maidult beginnt. Sie sitzen mit verträumtem Lächeln, im weißen Kleid, das Krän- zerl im Haar, in prachtvollen Karossen und lassen sich drehen, bis ihnen schwindlig wird. Wir Erwachsenen aber setzen uns, bewaffnet mit einem Stück köstlich frischen Kletzenbrotes in die „Russische Schaukel . Es geht sehr langsam aufwärts, und wir können von unserer luftigen Höhe aus das wunderbare Stadtbild so recht genießen. Oer postmichel. Von Nikolaus Schwarzkops. Der Briefträger ward genannt der Postmichel und wohnte gegenüber vom Pfarrhaus in einem Hüttchen, das fast kleiner war als er. Die beiden Porzellanschellen aber, die an dem geschindelten Giebel in starken Eisenhaken saßen, verbanden ihn, wie er sagte, mit der ganzen Welt. Er konnte, wenn er wollte, Gespräche, der der Kaiser führte, belauschen, er konnte, wenn er wollte, den Großherzog anrufen, allein, das glaubten ihm selbst die Kinder kaum. Ein Schild hing über den Schellen: Kaiserlich Deutsche Reichspost, Nebenstelle. Also ein wenig neben dran war der Michel doch hingesetzt. Wenn ich draußen im Feld an der Landstraße die beiden Drähte brummen hörte und das Ohr an die Holzstangen legte, ich hörte da allerlei, war andere Kinder nicht hörten, und ich war vielleicht das einzige Kind, das dem Postmichel glaubte. Der Postmichel tarn jeden Morgen zwischen zehn und halb elf Uhr in die Schule, dem Lehrer etwas zu bringen. Man hörte ihn schon auf der Straße, denn er schritt wie ein richtiger Soldat mit schwer genagelten Stiefeln einher. Er klopfte, der Lehrer öffnete, und dann blies der Mchel, der stets eine Zigarre rauchen mußte, einen Mundvoll seines Qualms in die Schulstube herein. Alle Liebschaften waren ihm bekannt, alle Feindschaften, alle beginnenden Prozesse: er wußte, wo jeder einzelne, der aus Urberach stammte, draußen in der Welt wohnte, die Straßen wußte er, die Hausnummern, wieviel Kinder der einzelne hatte, was für eine Frau, in was für Verhältnissen er lebte. Seine Kenntnis reichte bis über die See, und wenn einer ausgewandert mar, wußte der Michel warum, und er wußte, wohin. Er wußte das besser als der Staatsanwalt. Als meine Tante auswanderte und einen armen Sohn hinterließ, wußte er, welche tieferen Gründe die Tante zu diesem schrecklichen Schritt veranlaßt hatten. Er konnte nicht nur telephonieren, er konnte auch telegraphieren, und die messingenen Apparate tickten Tag und Nacht auf seinem Tisch, ein Zeichen, daß in der großen Welt immer etwas vor sich ging. Nur ein Mann war im Dorf, der die Geheimschrift des Funks lesen konnte — er! Seine ungeheure Neugierde ließ ihn bis tief in die Nacht über den Zeitungen und Zeitschriften sitzen, die er andern Tags auszutragen hatte, und dem Bienenzüchter, der „Papiere" befaß, rief er schon von weitem den Stand der Börse zu. Er konnte das getrost tun, denn außer diesen beiden Männern kümmerte sich im Dorf niemand um die Börse. Zu uns ins Erbseneck kam der Postmichel oft, denn mein Vater schickte, wenn er weit in der Welt pflasterte, alle vierzehn Tage seinen Lohn heim. Dann zeilte der Michel die Taler auf unseren Wachstuchtisch nebeneinander, die Mutter zählte sie, indem sie mit zwei Fingern je zwei ein wenig weiterschob, nach, und bann, wenn alles stimmte, bekam der Michel fünf Pfennig geschenkt. Als meine Mutter sechzig Jahre alt war, wollte ich, der ich unterdesien gewaltig in die Welt gewachsen war, ihr telephonisch meinen Glückwunsch sagen. Meine Mutter aber hatte noch nie telephoniert und erschrak, als sie zur Post gerufen wurde. Sie nimmt den Hörer ans Ohr, hört etwas, versteht aber nicht, ich spüre, wie aufgeregt sie ist und denke, da hast du ja was Schönes angerichtet! Ich höre, wie der Hörer hinfällt, ich höre gar einen verhaltenen Schrei, und endlich meldet sich der Pvst- michel. Er sagt, daß meine Mutter nichts verstehen könne, was denn eigentlich Schreckliches geschehen sei . „ ach so!, er lacht, der Michel, ich lache, und ich höre nun auch deutlich die Stimme meiner Mutter; nebendran höre ich den Michel sagen: „Wie ckann man nur auch solche Dummheiten machen!" Und dann sagt meine Mutter wieder ganz deutlich: „Du — böser — Bub!" Und zwei Tage später bekomme ich einen Brief von meiner Mutter, den konnte ich mir hinter den Spiegel stecken, wie man so sagt. Das war der schönste Liebesbrief, den ich je bekommen habe. Heute lebt der Postmichel in meiner Stadt. Seine Tochter hat einen Eisenbahner geheiratet, der hier am Hauptbahnhof dicht neben dem Direktor steht. Der Michel stapft mit der Zigarre im Mund tagaus, tagein durch die Straßen, als wenn er noch im Dienst wäre, und wenn er zu mir kommt, höre ich seinen scharfen Schritt schon von weitem. Wir sitzen oft beisammen, trinken eins, rauchen miteinander und schwatzen das Urderacher Blaue vom Himmel herunter. Oft hängen wir miteinander am Telephon, und wenn das Postfräulein nicht wüßte, wer da miteinander plaudert, hätten wir schon oft Strafe zahlen müssen. Der Michel lebt im Ruhestand, im wohlverdienten, aber es ist noch mehr Unruhe in ihm als Ruhe. Wenn er schreiben könnte, wäre es gut für ihn und mich, denn dann müßte er die lebende Chronik meines Dorfes, was er fo schön zu erzählen weiß, niederschreiben. Aber er kann nur aussprechen, was fein noch junges Herz bewegt, und ich hebe das alles getreulich auf. Wenn er bei mir ist, ist mein ganzes Dorf bei mir, alle dörflichen Leidenschaften, alle Freundschaften, alle Männer, alle Frauen, alle Nachkommenschaften, in denen die alten Dinge neu erstehen, denn die Menschen an sich ändern sich kaum, was einmal in den Seelen sitzt, das sitzt fest und vererbt sich, hat bisweilen nur eine Maske auf oder gar eine Toga auf der bäuerischen Schulter; die Häuser sehe ich, die Gassen, die alten Bäume, die Brunnen, den Kirchturm und den Herrn Pfarrer, der sich gleich dem lieben Gott auch kaum ändert; die ganze Gemarkung wird durchwandert, Nußbäume sind größer geworden, Wegraine, an denen Heckenrosen blühten, sind noch überblüht, die Wälder stehen noch wie früher, die Schornsteine der Häfner qualmen noch, der Bahndamm in den Bruchwiesen ist noch nicht eingerutscht, der Untermüller läßt das Wasser laufen und mahlt elektrisch, und das ganze Dors ist elektrisch erhellt, so daß die Liebespärchen Mühe haben, sich verborgen zu halten, und die beiden Drähte mit den Porzellanschellen stecken am Haus des Wirts. Das Schönste am Postmichel ist aber, daß er mir die Mundart der Heimat geläufig hält und den ganzen Herzschlag der Heimat. Hochschulnocknchten. Der Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung hat den seitherigen Rektor der Universität M ä r b u r g, Professor Dr. Max Baur, erneut zum Rektor ernannt. Geschichten aus aller Welt. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Auch eine Königsehrung. (h) Bombay. Aus allen englischen Kronkolonien und Dominien wurden Huldigungsgaben und Glückwunschadressen zum Regierungsjübiläurn nach London abgeschickt. Aber von dem „Geschenk" des Kandesh-Powra- Stammes im Dschungel bei den Satpura-Hügeln hörte man bisher nichts. Dieser Stamm hat als immerhin eigenartige „Königsehrung" beschlossen, zur Feier des Tages auf mindestens sechs Monate — die Ehefrauen nicht mehr zu verprügeln! Die Powras halten, nämlich diese Uebung für eine selbstverständliche Sitte, so daß es wirklich für sie eine Ueberwindung bedeutet, wenn sie einmal ihren Schönen die braune Haut unangetastet lassen. Ter.Klub der Vergeßlichen". (th.) Neuyork. In Pittsburg (Pennsylvanien) wurde neulich, wahrscheinlich weil es noch nicht genug Vereine in der großen Stadt gab, ein neuer ins Leben ge- rufsn, und zwar ein „Klub der Vergeßlichen". Der Gründer dieser Vereinigung ist nicht etwa ein zerstreuter Gelehrter gewesen, sondern der in seinen Geschäften sehr erfolgreiche Kaufmann James White, der jedoch behauptet, im Privatleben furchtbar vergeßlich zu sein und nicht einmal die Telephonnummern seiner besten Freunde im Kopfe behalten zu können. Ein hämischer Nachbar behauptet freilich, White sei am vergeßlichsten in seiner Eigenschaft als Steuerzahler! Mitglied des von ihm ins Leben gerufenen Klubs kan nur ein unbescholtener Pittsburger Bürger werden, der nachzuweisen in der Lage ist, daß er durch seine Vergeßlichkeit schon einmal einen großen Schaden erlitten hat. Bei der Gründungsfeier waren vierunddreißig Herren anwesend, denen dieser Nachweis gelungen war. Seitdem soll das Klublokal wie ausaestorben sein, vielleicht, weil die meisten Klub- mitgueder vergessen haben, daß sie diesen Verein gegründet haben ... Beruf: Preisausschreibenlöser. (—) Manchester. Latten bereits gebündelt in einer Hofecke stehen sah, lud er sie einfach auf die Schulter und ging davon. Um an der nächsten Straßenecke von zwei Polizisten auf die Forderung eines Holzplatzange- stellten hin, der von dem Einkauf nichts wußte, wegen Diebstahls verhaftet zu werden! Auch hier stellte sich seine Unschuld bald heraus. Also machte der Pechvogel — inzwischen war es schon Mittag geworden — sich wieder auf den Heimweg. Der größte Schreck dieses ereignisreichen Tages jedoch erwartete ihn zu Hause: in der mit Gas gefüllten Küche lag wie leblos seine Frau. Als ihr Mann nicht zur gewohnten Zeit nach Hause gekommen wer, hatte sie in der Fabrik nach seinem Verbleiben angerufen und den Bescheid erhalten, daß er fristlos entlassen sei. In der ersten Aufregung darüber hatte sie einen Selbstmordversuch unternommen. Der Feuerwehr gelang es zum Glück, sie wieder ins Leben zurückzurufen. Etienne Cayoux aber meinte mit Recht, die Erlebnisse dieses einen Vormittags seien doch wohl ein bißchen viel auf einmal ... Lchule der Bettler. (p) Prag. Vor einigen Tagen hielt die Brünner Polizei eine Bande von vierzehn Jungens an, die sich in Stadt und Land herumtrieben und sich recht einträglich von dem etwas anrüchigen Gewerbe der Bettelei ernährten. Die Bande unterstand zwei „Leitern", die genaue Anweisungen gaben, wie und wo zu betteln sei. Und wenn dann das „Geschäft" einmal etwas weniger blühte, so hielten die beiden Anführer „Unterricht" ab, wobei die Mitglieder der Bande darin unterwiesen wurden, wie man es anstellen müsse, um möglichst ärmlich und zerlumpt auszusehen, wie man das Mitleid älterer Frauen und das von vermögenden Herren erweckte. Gewissermaßen eine Schule für die Psychologie des Bettelns. Sogar das Vortäuschen von körperlichen Gebrechen und Verkrüppelungen wurde „geübt". Neben dem „theoretischen" Unterricht wurden auch praktische Uebungen abgehalten. Das Geld, das sich die Mitglieder der Bande erbettelten, mußten sie ihren beiden Anführern abliefern, die die Hälfte für sich behielten, und das übrige Geld unter ihren „Schülern" verteilten. Begeisterung auf der Bühne. (Da) Warschau. In einer kleinen polnischen Stadt wurde Abend für Abend von einer Wanderbühne ein Singspiel gegeben, in dem die tollsten Sachen vorkamen. Unter anderem passierte die unglaubliche Begegnung eines Jägers mit einem riesenhaften Bären, bei der ein regelrechter Boxkampf zwischen diesen beiden Partnern stattfindet. Der Bär stürzt, Knockout geschlagen, auf die Bretter, und zum größten Vergnügen der Zuschauer setzt sich der Jäger auf ihn nieder und singt triumphierend ein Liedchen. Eines Abends befand sich ein junger Mann im Saal, der restlos begeistert war über das verrückte Spiel; er freute sich besonders über die Boxszene. Nachdem er mehrere Male der Vorstellung beigewohnt hatte, ging er zu dem Theaterdirektor und bat ihn herzlich, einmal mitspielen zu dürfen. Und zwar wollte er die Rolle des Bären übernehmen. Der Theaterbegeisterte bekam schließlich die Erlaubnis, den Bären darzustellen. Der Bär war einfach wundervoll. Der Mann hatte entschieden Talent; hinter der Szene überlegte der Direktor schon, ob er den neuen Schauspieler engagieren sollte. Da ging es gerade ans Boxen. Der arme Jäger! Der Bär dachte gar nicht daran, sich Knockout schlagen zu lassen. In dem Mann war der Boxeifer erwacht. Er boxte, daß es eine Lust war. Mit Entzücken und Händeklatschen verfolgte das Publikum den Kampf auf der Bühne und war begeistert, als der Bär ganz unprogrammäßig den Jäger mit einem Kinnhaken erledigte, sich Hütchen und Gitarre des Niedergeschlagenen aneignete und nun das lustige Liedchen sang, das eigentlich der Rolle des Jägers zukam. Der Erfolg war riesengroß. Indessen gab der Direktor doch den Gedanken auf, den sportbegeisterten jungen Mann noch länger zu beschäftigen. Er wollte nicht jeden Abend auf neue Ueberraschungen gefaßt- sein. Vom Werden eines Regiments. „Not macht erfinderisch!" sagte ein altes Sprich- wort. Diese Behauptung wird bestätigt durch die Tatsache, daß man immer wieder von neuen Berufen hört, von denen unsere Vorfahren sich bestimmt noch nichts hätten träumen lassen. Vor einem englischen Gerichtshof wurde unlängst ein Zeuge nach seinem Berufe gefragt. Als er darauf antwortete: „Ich bin Preisaüsschreibenlöser", sah der Richter ihn erstaunt an: Was denn das für ein Beruf sei, der sei ihm in seiner immerhin nicht kurzen Praxis ja noch nie begegnet. „Ja", meinte der Mann, „das ist auch meine Erfindung. Ich rate und löse alle Preisausschreiben, die in den Zeitungen oder anderswo veröffentlicht werden. Aber ich tue das nickt für mich, sondern ich habe zahlreiche „Kunden , in deren Namen ich die Lösung einschicke und von denen ist im Falle eines Gewinns einen gewissen Prozentsatz erhalte." Auf eine weitere Frage des Richters erklärte er, mit seinen Einnahmen recht zufrieden zu sein. Womit also fest- gestellt ist, daß dieses moderne „Gewerbe" einen Mann über Wasser halten kann. Ein teurer Morgentrank. (zi) Brüssel. Vor einigen Tagen brannte das historische Schloß der Prinzen von Caraman-Chimay im Maastal südlich von Charleroi vollständig nieder, wobei unersetzliche geschichtliche Dokumente und viele künstlerische Werte zugrunde gingen. Das Schloß war übrigens während des Weltkrieges der Sitz eines hohen deutschen Truppenstabes. In den Berichten über den Brand wurde geschildert, wie die Dienerschaft den jetzigen Besitzer des Schlosses, den 78jährigen Prinzen von Caramon, aus dem brennenden Gebäude in einem Lehnstuhl heraustrug, denn der alte Herr ist seit Jahren schon gelähmt. Der Prinz ließ den Lehnstuhl — es war in den frühesten Morgenstunden, — nur wenige Schritte von der polizeilichen Absperrung vor der Front feines brennenden Besitztums aufstellen und sah zwei Stunden lang stumm in die Glut. Dann jedoch rief er, wird versichert, seinen Diener zu sich und befahl, „bevor es zu spät und das Feuer gelöscht" sei, ihm mit den Flammen wenigstens noch seine Morgenschokolade zu kochen — So geschah es auch. Es war wahrscheinlich der teuerste Morgentrank den jemals ein Sterblicher geschlürft hat ... Ein erlebnisreicher Bormittag. (z) Paris. Etienne Cayoux ist, oder richtiger: war Nachtwächter bei einer Seidenweberei in Lyon. Unlängst feierte der jüngste Bruder seiner Frau Hochzeit, und auch Etienne nahm an den Feierlichkeiten teil. Man vergnügte sich großartig und trank einen guten Tropfen. Am Abend verließ Etienne, weil er sich keinen Urlaub hatte geben lassen, die feuchtfröhliche Gesellschaft, um wie üblich seinen Dienst anzutreten. Er mußte aber wohl doch etwas zu tief in die Kanne geguckt haben, denn nach dem ersten Rundgang durch die Fabrikräume und Werksäle schlief er auf einem Treppenpodest ein. Er wurde erst wach, als die morgens zuerst ankommenden Arbeiter und Angestellten ihn wachrüttelten und ihm die niederschmetternde Mitteilung machten, während der Nacht sei in den Kassenraum eingebrochen und der Geldschrank aufqeschweißt worden ... Daß er mit den Einbrechern nicht etwa gar gemeinschaftliche Sache gemacht habe, glaubte ihm die herbeigerufene Polizei. Die Fabrikleitung aber entließ ihn wegen grober Pflichtverletzung auf der Stelle und händigte ihm seine Papiere aus. Betrübt machte er sich in später Vormittagsstunde auf den Heimweg und kam dabei an einem Holzplatze vorbei, bei dessen Inhaber er am Tage vorher eine Anzahl Latten zur Reparatur seines Hühnerstalles bestellt und gleich bezahlt hatte, um sie an diesem Morgen mit nach Hause zu nehmen. Der Inhaber war gerade nicht anwesend, aber weil Etienne seine Besuch auf dem Truppenübungsplatz Döberitz. Das Infanterie-Regiment Döberitz hatte die Zeitungen der Reichshauptstadt und die in Berlin vertretenen Zeitungen aus dem Reiche zu einem Besuch eingeladen. Dieser Einladung hatten sich der Kommandant des Olympischen Dorfes, das auf einem der Wehrmacht gehörenden Gelände in unmittelbarer Nachbarschaft des Truppenübungsplatzes durch die Wehrmacht erbaut wird, und der Kommandant des Truppenübungsplatzes Döberitz selbst angeschlossen. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Regimentskommandeur Oberst Graf von S p o n a ck, schilderte der Kommandant des Olympischen Dorfes Hauptmann F ü r st n e r zunächst an Hand von Karten und Bildmaterial das Olympische Dorf, das anschließend besichtigt wurde. Der Nachmittag war dann in der Hauptsache den Vorführungen des I R. Döberitz vorbehalten. Einer Begrüßung durch den Kommandeur des Truppenübungsplatzes Döberitz, Oberst von D u f a y, folgte eine Besichtigung des Lagers unter Führung des Adjutanten Major Graf Stolberg. Eine Rundfahrt um den Platz vermittelte ein eindrucksvolles Bild von der Größe der Anlage. Unser Berliner Berichter st atter schreibt uns über seine Eindrücke: Ungezählte Schweißtropfen sind auf diesem Truppenübungsplatz in Döberitz geffoffen von den September-Tagen an, da Friedrich der Große hier mit 44 000 Mann lag, bis zu den Vorkriegsjahren, da hier vorzugsweise das Gardekorps übte. Viele tausend junger, begeisterter Menschen haben dann in den Kriegsjahren den Waffengebrauch hier erlernt, ehe sie hinausgingen an die Front. Und heute wiederum wird ein Stück Aufbauarbeit der deutschen Armee hier geleistet. Soldatenarbeit ist hier Friedensarbeit im allerbesten Sinne geworden, dem Sinne nämlich, der deutschen Heimat und den deutschen Menschen den Frieden durch vollen Einsatz aller Kräfte und allen Könnens zu sichern. Seit Monaten liegt nun hier draußen vor den Toren Berlins das Infanterie-Regiment Döberitz. Wie solch ein Regiment lebt und wächst, wie es Form und Inhalt erhält, das ist schöpferische Arbeit, an der alle mithelfen müssen, angefangen vom Regimentskommandeur bis zum Pferdepfleger. Da ist vorerst einmal die Anknüpfung an die Tradition notwendig, um das deutsche Soldatenerbe fest im Regiment verwurzeln zu lassen. Traditionspflege in der Wehrmacht ist nicht eine Angelegenheit, die nur etwa in Verordnungen oder in Tagesbefehlen ihren Ausdruck findet. Tradition ist der Ausdruck der Zusammengehörigkeit in der Gegenwart und in der Vergangenheit. Tradition ist nicht nur zu erblicken im Feiern historischer Gedenktage, Tradition wirkt vielmehr in jedem einzelnen, und das ist wohl immer noch die beste Tradition gewesen, wenn die Söhne dort dienen wollen, wo einst ihre Väter gedient haben. Wenn dazu noch die landschaftliche Verbundenheit und die stammesgemäße Einheit kommt, dann sind, wie hier beim Infanterie-Regiment Döberitz, wo Pommern und Mecklenburger die Hauptbestandteile bilden, die Voraussetzungen für einen organischen Aufbau einer geschlossenen Truppe gegeben. Zu dieser Voraussetzung kommt der Geist des gemeinschaftlichen Willens und der gemeinschaftlichen Ziele. Ist der vorhanden, dann lassen sich die Fragen der Ausbildung viel leichter lösen. Hier ist ein Bei- lviel: Wie wäre es wobl möglich gewesen, aus Kompanien, die bis zu 125 Mann aus Rekru- ten bestanden, in kurzer Zeit ein Regiment zu schaffen, das sich sehen lassen kann, wenn nicht der rechte Geist, der entschlossene Wille und das große Ziel vorhanden gewesen wären? Das Infanterie- Regiment Döberitz will nicht ein Musterbeispiel sein. Es ist ein Regiment wie alle Regimenter. Wenn wir aber dieses Regiment sehen, dürfen wir die feste Zuversicht haben, daß so wie hier, auch überall im Reiche gearbeitet worden ist. Es ist eine Freude, die Kompanien in der Ausbildung zu sehen. Da steht die 2. Kompanie, Unteroffiziere lassen exerzieren. Einer von ihnen hat vor wenigen Tagen als Anerkennung für Bestleistungen vom Wehrkreiskommando eine Uhr erhalten. Heute weiß man vielleicht besser als früher, daß Lob und Anerkennung mindestens ebenso notwendig sind als Tadel und Kritik. Die 10. Kompanie zeigt Leichtathletik und Gym- nastik. Neuzeitliche Sporterkenntnisse sind mit militärischen Notwendigkeiten verknüpft worden, z. B. beim Hindernisturnen. Ein Blick in die Arbeit der Reitabteilung der 12. Kompanie beweist, daß heute ein Infanterie-Regiment, ganz anders als früher,, auch kaoal- leriftische Aufgaben übernommen hat und hat übernehmen müssen. Am schlagendsten geht das aus der Tatsache hervor, daß ein Infanterie-Regiment heute über etwa 400 Pferde verfügt, eine Zahl, die der früheren Pferdezahl eines Reiter-Regimentes fast gleichkommt. Als eine Maschinengewehr- Kompanie in gefechtsmäßigen Uebungen gezeigt wird, da wird erkennbar, welche Anforderungen heute an Mann und Pferd gestellt werden müssen. Der Begleitzug zeigt Stellungswechsel vorwärts: im Galopp in eine offene Feuerstellung. Wenn wir gesehen haben, daß die Infanteristen von heute auch reiten und fahren können müssen, so sehen wir beim Kampfzug der Maschinengewehr- Kompanie in verdeckter Feuerstellung, daß der Infanterist von heute auch ein gut Teil A r t i l l e r i st sein muß. Das indirekte Schießen unter Berücksichtigung der Wetter- und Temperaturoerhältnisse und der Geländeschwierigkeiten verlangt eine ganz besonders ausgebildete Mannschaft, die im letzten das alles nur leisten kann, wenn sie die wahre Liebe zum Soldatsein mitbringt. Immer wieder ist es der G e i st des Regiments, der keine unfaßbare Angelegenheit im luftleeren Raum fein darf, sondern der ein sehr realer Faktor für den Kampfwert der Truppen ist. Das alles wird noch mehr an Bedeutung gewinnen, wenn jetzt die Allgemeine Wehrpflicht voll durchgeführt wird, und die jungen Soldaten in kurzem Zeit von diesem Geist ergriffen sein müssen. Dabei wird von großer Bedeutung auch Gei st und Haltung der Unteroffiziere sein. Es ist vieles anders geworden, ja, man darf es ruhig sagen, vieles besser geworden als manches in dieser Hinsicht im alten Heer, freilich unter anderen Voraussetzungen, war. Heute muß es der Unteroffizier verstehen, ohne zu schleifen, das Letzte aus dem jungen Soldaten, der immer den allerbesten Willen mitbringt, herauszuholen. Man darf aber die sichere Zuversicht hegen, daß aus dem Hundert- taufend-Mann-Heer ein Unteroffizierkorps herausentwickelt worden ist, das die ihm heute gestellte Aufgabe auch erfüllen wird. Der Geist des Regiments muß der gleiche fein im Dienst wie außer Dienst. Soldatengeist zeigt sich im Soldatenlied. Wiederum ein Beispiel, das viel Freude gemacht hat. Im Infanterie-Regiment Döberitz ist vor kurzer Zeit ein Regimentschor gebildet worden, der aus vierhundert Angehörigen des Regiments besteht. Das erste Auftreten dieses Chors im nachtdunklen Hofe des alten Gutshofes von Döberitz bot eindrucksstarke Bilder. Als im Fackelschein der Regimentskommandeur Graf S p o n e ck den Sängern feine Anerkennung aussprach, da wußte jeder, daß diese Anerkennung verdient war. Es darf nicht vergessen werden: Die Sänger haben ihre Freizeit, die in diesen harten Ausbildungswochen nicht allzu reichlich bemessen werden konnte, benutzt, um das Soldatenlied und das deutsche Volkslied zu pflegen. Das allein zeugt für den guten Geist des Regiments. Diese Eindrücke vom Werden eines Regiments sind hinreichende Gewähr für den guten Geist, der in der deutschen Wehrmacht webt und wirkt. Die fliegenden Elchkälber. Scherl-Bildmaterndienst MMMM Zwei entzückende kleine Elchkälber reisten — wie bereits gemeldet — mit dem Großflugzeug „Ju 52" von Ostpreußen nach Berlin, von wo sie in die Schorfheide gebracht wurden. Hier sieht man die zwei Elchkälber nach ihrer Ankunft auf dem Berliner Flughafen. Aus atter Wett. 600 Tote bei dem Grubenunglück in Schanlung. Nach den letzten in Peiping eingetroffenen Nachrichten hat sich die Zahl der Todesopfer des vor einigen Tagen gemeldeten schweren Grubenunglücks bei Tßetschuan, 80 Kilometer östlich von Tsinanfu, auf etwa 600 erhöht. Neue Waffereinbrüche haben den größten Teil der Schächte und Stollen vernichtet und somit die Rettung weiterer Menschenleben unmöglich gemacht. Der Sachschaden ist vorläufig noch gar nicht abzuschätzen. Für 80 000 2Nark Schmucksachen gestohlen. — 2000 Dollar Belohnung. Im Februar d. I. wurde kurz vor der Abfahrt des Dampfers „Bremen" eine Dame, die am 8. Februar von Neuyork nach Bremerhaven fuhr, an Bord des Dampfers, und zwar noch in Neuyork um mehrere Schmuckfachen b e - st o h l e n. Es handelt sich um eine Halskette mit 83 der Größe nach abgestuften Perlen; das Schloß ist mit Diamanten besetzt. (Wert 2 0 000 Dol- l a r), ein Armband mit 20 Smaragden und 243 Diamanten mit dem Zeichen O. K. 1753 (es trägt vermutlich auch den Namen Charlton eingestanzt) im Werte von 2500 Dollar, einen Ring mit einem viereckigen Smaragden und einem viereckigen Diamanten im Gewicht von je 2 bis 3 Karat in Pla- tinfaffung, und weiterhin um ein Armband mit 5 bis 8 birnenförmig geschnittenen, auf zwei Drähten aufgezogenen Smaragden, besetzt mit kleinen Diamanten im Werte von 4000 Dollar. Für die Wiederherbeischaffung der Schmuckstücke ist eine Belöhnung von 2 0 0 0 Dollar zugesichert worden. Zweckdienliche Mitteilungen werden an das Landeskriminalpolizeiamt Berlin und an sämtliche Polizeidienststellen des Reiches erbeten. Von der Anklage der Golleslästerung freigesprochen. Vor einigen Wochen war der Reichsredner der Deutschen Glaubensbewegung Paul O r l o w s k y auf Grund einer Anzeige des Magdeburgifchen evangelischen Konsistoriums weaen angeblicher Gotteslästerung verhaftet woroen. Die Verhaftung wurde damals nach 12 Stunden wieder aufgehoben. Nunmehr ist Orlowsky am 16. Mai 1935 nach mehrstündiger Verhandlung vor der Großen Strafkammer in Magdeburg von der Anklage der Gotteslästerung wegen erwiesener Unschuld freigesprochen worden. Begnadigung eines zum Tode verurkeillen Vlädchenmörders. Der Führer und Reichskanzler hat die vom Schwurgericht in Aurich gegen den am 16. Oktober 1914 geborenen Eppo lammen wegen Mordes erkannte Todesstrafe im Gnadenwege in lebenslängliche Zuchthaus strafe umgewandelt. lammen hatte im Juni 1934 die 26- jährige Haustochter Gerda Klingenberg in Riepe (Kreis Aurich), die von ihm ein Kind erwartete, ermordet. Der Gnadenerwris für den sonst unbestraften und gut beleumundeten lammen ist erteilt worden, weil er die Tat aus eiper durch die Getötete herbeigeführten seelischen Bedrängnis heraus begangen hat, durch die er infolge feiner jugendlichen Unreife und Hilflosigkeit zu der verzweifelten Tat verleitet wurde. In Dosen u. Tuben von RM 0.15 bi« 1.* PFEILRING&ACREME^SEIFE Stück 30 Ptg. / 3Stück 85 Pfg< . . . . ober noch ist die Luft rauh. Darum schützen und pflegen Sie Ihre Haut mit I UMW In alte des Wall gen Dust eben erj man lieb [ein stal erstehunc stuben dt verwandt Magno Gießer Kraut, ji Beulen g alles, wa- die Leber das Kopf, Brauner, buch" von mancherlei Zaldmeif wenn das als Extra! Leber uni quicken." innerlich 1 Zeit der rebengrm lich hat 1 Jahre qc Als Ä trockner Tage bei einen jta fywfraih (lutem IBe dien als [ Seinen, 11 und in t weite Buc Paradies Maienzeit Innenseite tes zu fdu Die Mäi . meister M beißt er 9 Meserich 0 und in bei stadt Tosl 3n eir Lauer m kleines K Neisch zu ihnen der Milch. Einstens ten „Dlimr leicht betoi ,2>as U Menbaur srt aut das ' freude" ll spärliche Wldmech Uhrte ein 65 glückli- geworden, l^ine rieft kleines We den j fb ihr die Verbote ans e Überrasch den nntein blankem' ^ufe jta hell m b: , Das % $als hn Dcurmels leise Escheln aber der Das B d°„ es c ^Qll=n nn " Biöb, gWen ln)oner ?'*n, b! 5*4! «i«t ,pf Mncrtr p'n c 1,5 Uli gebe ich bekannt Bonn am Rhein im Mai 2981 D Statt Karten! Ihre Verlobung geben bekannt G-eßen, den 18. Mai 1935 Äleichstraße 36 p Meige Verlobung mit Fräulein Liselotte Vermeulen Die Verlobung ihrer Tochter Liselotte mitHerrn Apotheker Otto Suffert zeigen an Otto Suffert Apotheker Meta Löffler Reinhard Äickelhaupt, Ingenieur Druckschriften In gefalzten Bogen In Heftform und gebunden klar In der Schrift, übersichtlich angeordnet und sorgfältig gedruckt, dienen den Belangen von Handel und Verkehr,Industrie und Bewerbe, Behörden, Landwirtschaft und Vereinigungen. 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Ab Bahnhof Gießen. 1. Zug Nr. 401, Transporlführer: Sturmführer Schuppe, 11/116; Abfahrt: 1.00 Uhr, Rückkunft: 23.18 Uhr. 2. Zug Nr. 402, Transportführer: Obersturmführer Bender, 11/116; Abfahrt: 2.00 Uhr, Rück- hinff: 0.35 Uhr (am 20.5.). 3. Zug Nr. 403, Transportführer: Sturmführer Lenz, 45/116; Abfahrt: 2.23 Uhr, Rückkunft: 1.43 Uhr (am 20.5.). 4. Zug Nr. 404, Transportführer: Obertruppführer Heß, II/R 116; Abfahrt: 2.43 Uhr, Rückkunft: 2.00 Uhr (am 20.5.). Ab Bahnhof Grünberg. Zug Nr. 405, Transportführer: Sturmführer Da p per, 3/116; Abfahrt: 1.10 Uhr, Rückkunft. 23.53 Uhr. Ab Bahnhof Hungen. Zug Nr. 406, Transportführer: Obersturmbannführer Bender, 111/116; Abfahrt: 2.52 Uhr, Rückkunft: 0.52 Uhr (am 20.5.). Achtung! Volksgenossen! Waldbrandqefahr! Schont Wald und Wild! Am 19. 2Nai wird das erste Teilstück der Reichs- autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt durch feierlichen Staatsakt eingeweiht. Gin ungeheurer INenschenstrom wird sich an diesem Tage nach dieser Autobahnstrecke bewegen, um Zeuge des Ereignisses zu sein. Die Autobahn führt weite Straßen durch den Wald, hier wird mit einem nie zuvor gesehenen Verkehr und einer Menschenansammlung von ungeheurem Ausmaß zu rechnen sein. Daraus erwachsen dem Wald große Gefahren. Es muh daher jeder einzelne Besucher von sich aus darauf bedacht sein, alle Handlungen zu unterlassen, die eine Gefährdung des Waldes und des Wildes zur Folge haben können. Insbesondere müssen die hierauf abzielenden Bestimmungen streng eingehalten werden: 1. Es darf im Wald oder dessen Rahe fein Feuer angezündet werden. 2. Es ist verboten, im Wald zu rauchen. 3. Alle Wege müssen streng eingehalten werden. 4. hegen und eingezäunte Flächen dürfen nicht betreten werden. 5. Einzäunungen und alle sonstigen Anlagen im Wald sind zu schonen. 6. Pflanzen dürfen nicht ausgerissen, Bäume durch Abbrechen von Aesten usw. nicht beschädigt werden. 7. Hunde müssen an der Leine geführt werden. Volksgenossen! Bewahrt während des Aufenthaltes im Walde Disziplin! Beweist, dah ihr Rationalsozialisten der Tat seid! OieBenuhungsvorschnsten für dieKrast- fahrbahn Sranffurf a. M -Darmstadt. Ab Sonntag nachmittag frei für den allgemeinen Verkehr. LPD. Frankfurt a. M., 17. Mai. Die Oberste Bauleitung für den Bau der Kraftfahrbahn Frankfurt—Mannheim—Heidelberg teilt folgendes mit: Die Kraftfahrbahn Frankfurt a. M—Darmstadt wird am Nachmittag des 19. Mai dem allgemeinen Verkehr übergeben. Für sie gelten folgende Verkehrsvorschriften: Die Kraftfahrbahn darf nur von Kraftfahrzeugen benutzt werden; Fußgänger, Radfahrer, Reiter, Fuhrwerke sind also ausgeschlossen. Als Zufahrtswege von und zum bestehenden Straßennetz dürfen nur die dafür vorgesehenen Anschlußstellen benutzt werden. An Anschlußstellen ist der fließende Verkehr bevorrechtigt. Die Kraftfahrzeuge haben die rechte Hälfte der in ihrer Fahrtrichtung rechts liegenden Fahrbahn zu benutzen; die andere Hälfte der Fahrbahn dient zur Ueberholung. Wenden auf der Fahrbahn ist verboten. Zur Erteilung von Fahrunterricht und zur Abhaltung von Führerprüfungen dürfen die Kraftfahrbahnen nicht benutzt werden. Im übrigen finden die Reichsstraßenverkehrsordnung vom 28. Mai 1934 und ihre Ausführungsbestimmungen sinngemäß Anwendung. Aus Der Provinzialhauptstadt. Waldmeister. Deutscher Waldmeister, Du Kraut des Mai, Zum Maitrank gieße ich Wein auf, Daß dein Duft befreie Des Weines Geister! Kein anderes Kraut des deutschen Waldes umweht ein solcher hauch, wie den Waldmeister — asperula odorata. Schon der Name atmet Waldgeruch und Rebenduft: „Wo nähme der Maimond den Maitrank her, wenn nicht im Walde der Waldmeister wär'!" Ehe nod) die Buche, der heilige Runenbaum der Germanen und der Charakterbaum des deutschen Waldes, ihr Blattgrün voll entfaltet und die Maiblume die Wälder durchduftet, sprießt zwischen Moospolstern und braunem Altlaub das zarto Pflänzchen, das „Duftkraut des Duchendomes" auf, das im Mittelalter den schönen Namen „Herzfreude" trug. Ja, der schattige Buchenforst, den spärliche goldige Sonnenlichter durchweben, ist Wakdmeisters eigentliche Heimat: „Im Buchwald grünt ein Edelkraut, Ich nenn' es nicht mit Namen, Das mußt du pflücken frischbetaut, Eh's Blüten trägt und Samen, Wie Quirle stehn in gerader Zahl v. Um eck'gen Stil die Blätter schmal. Das mußt du streu'n und stürzen Ins Kämmerlein, den kühlen Wein Dir wohl damit zu würzen." In alter Zeit kannte man die würzenden Kräfte des Waldmeisters, die dem Maiwein seinen blumigen Duft und Geschmack verleihen, die aber nur der eben ersprossenen Pflanze eigen sind, noch nicht; man liebte ihn als Sinnbild der Fruchtbarkeit, und sein starker Duft galt als Wahrzeichen des Auferstehungsglaubens, auch wurde er in den Kräuterstuben der Klöster gern als äußerliches Arzneimittel verwandt. Als solches erwähnt ihn Albertus Ma g n u s , und der Mönch Burchard von Gießen berichtet aus dem 16. Jahrhundert: „Das Kraut, zerdrückt und auf hitzige Geschwülste und Beulen gelegt, nimmt diesen die Hitze und zeitigt alles, was aufbrechen soll; es hat auch die Natur, die Leber zu öffnen; um die Stirn gelegt, stillt es das Kopfweh." Ein anderer Kräutermann, Jakob Brauner, rühmt es in seinem „Deutschen Kräuterbuch" von 1713 als wirksame Heilpflanze gegen mancherlei Leiden: „Sternleberkraut, von etlichen ,Waldmeister^ genannt, pflegen die Leute im Maien, wenn das Kräutlein noch frisch ist, zu sammeln und als Extrakt heiß zu trinken in der Meinung, daß es Leber und Lunge stärke, auch soll es das Herz erquicken." Zu der Erkenntnis, daß es „auch sonst innerlich gar wohl zu brauchen sei", ist man erst zur Zeit der Befreiungskriege, und zwar zuerst in der rebengrünen, weinfrohen Pfalz gelangt; dann freilich hat sich der süffige Maitrunk binnen weniger Jahre ganz Deutschland erobert. Als Wetterprophet galt das Kraut feit alters; irockner Waldmeister ist, solange schöne, sonnige Tage bevorstehen, fast geruchlos, er strömt aber einen starken Duft aus, wenn Regen droht. Viele Hausfrauen — Goethes Mutter ging ihnen mit gutem Beifviel voran — legen Waldmeistersträußchen als Riechkissen zwischen das frischaewaschsne Leinen, um diesen das zarte Aroma mitzuteilen, und in den Randdörfern des Spessarts, dessen weite Buchenwälder im Frühling ein Waldmeister- Paradies sind, besteht der hübsche Brauch, in der Maienzeit die farbenbunten Kirchenfenster an der Innenseite mit üppigen Kränzen des frischen Krautes zu schmücken. Die Märker und Mecklenburger nennen den Waldmeister Mösch, die Altmärker Möske, in Ostpreußen beißt er Merske, in der Lausitz und in Schlesien Meserich oder Meiserich. Auf dem Thüringer Wald und in den Harzstädten, zumal in der alten Kaiserstadt Goslar und in Harzburg, bieten die Einheimi- pr.nz Schmetterling. Von Josef Friedrich perfomg. In einer einsamen Gegend lebte ein armer Bauer mit seiner Tochter. Sie hatten nur ein kleines Feld, auf dem sie Gemüse bauten. Das Fleisch zu dem Salat, Kohl und Kraut schenkte ihnen der nahe Wald, eine Ziege versorgte sie mit Milch. Einstens sagte der Bauer wieder zu seiner Tochter: „Nimm die Flinte und gehe in den Wald, vielleicht bekommst du ein Wildbret" Das Mädchen hängte sich das Gewehr um und ging in den nahen Bergwald. Bald traf sie die Fährte eines Rehes; sie spurte ihm nach und erlegte es glücklich. Aber von der Pirsch war sie müde geworden, und sie suchte nun einen Ort zum Ruhen. Eine riesige Eiche breitete ihre Schatten aus wie ein kleines , dunkles Reich, und die Bauerntochter legte den Kopf an den uralten Stamm zurück. Eben als ihr die Augen zufallen wollten, Überlief sie ein sonderbares Gefühl Sie drehte sich um, und da war auf einmal in dem Baume eine Tür, in der ein Schlüssel stak. Voll Verwunderung sprang die Ueberraschte auf, ließ das Reh liegen und drehte den Schlüssel um. Die Türe öffnete sich, und sie konnte in die Eiche treten. Eine breite Treppe aus blankem Metall führte in die Tiefe, und auf jeder Stufe stand ein silberner Leuchter; so war es taghell in die dunkle Erde herab. Das Herz klopfte dem Mädchen bis hoch in den hals hinauf. In feinen Ohren klang es wie das Murmeln von tausend Stimmen. Es war nur der leise Wind, der oben in der Krone das Laub rascheln ließ, hier, tief im Stamme, verstärkte sich aber der Laut vielfach. Das Bauernkind kam in ein so schönes Zimmer, daß es vor Schreck und Erstaunen den Atem anhalten mußte. Die Wände waren aus Kristall und die Möbel aus Gold. In der Ecke stand ein silbernes Bett mit einem rotseidenen Vorhang. Das Mädchen schlug ihn zurück, da lag ein wunderschöner Jüngling in tiefem Schlaf. Sie wollte ihn wecken, doch alle Mühe war vergeblich. Traurig schob sie den Vorhang wieder zurück und setzte sich in einen der Lehnstühle, in dem sie beinahe versank. Da kam aus einem Winkel eine Otter daher und schlich sich gerade unter ihre Füße. Schon wollte sie das Tier zertreten, doch Mitleid regte sich m ihr und sie ließ die Schlange am Leben. Diese hob den Kopf und sagte: „Ich danke dir, daß du mtd) nicht zertreten hast. Du könntest mir leicht einen Gefallen erweisen". .. Das Mädchen fragte, was sie begehre, und die schen den fremden Besuchern zur Pfingstzeit Waldmeistersträußchen und Maienbüsche in Fülle an; will man aber das Kräutlein im eigenen Garten ziehen, so verlangt es nahrhafte humusreiche Walderde und schattige Lage unter Laubbäumen. Am besten gedeiht es, wenn es im September aus dem Wald in den Garten verpflanzt wird; für die Winterzeit bedarf die junge Pflanzung der gewohnten, leichten Laubdecke, die ihm im Wald das Herbstlaub der Buchen spendet. Seinen Sänger und Herold sand er in Otto Ro- quette, der ihm zum Ruhm sein Rhein-, Wein- und Wanderepos „Waldmeisters Brautfahrt" schuf, in dem Prinz Waldmeister um Rebenblüte freit, die sich ihm im edlen Saft der Traube vermählt. Zedlitz gedenkt seiner in dem Märchen „Das Wald- fräulein", Baumbach, Johannes Trojan, Julius Wolff haben ihn gefeiert, keiner aber mit größerer Liebe als Scheffel, der in seiner Heidelberger Zeit im Bunde mit den Sodalen des „Engeren" das ..Maitranktrinken" alljährlich im „Waldhorn ob der Drück" zu einem täglich erneuerten Mysterium erhob: „Der du mir die Seele mit Sonne, Die Kehle mit Maitrank durchglühst, O Frühling, Herold der Wonne, Sei tausendmal du mir gegrüßt!" F. h. Otter bat: ,Zch bin vom Eichbaum heruntergefallen; hilf mir wieder hinauf". Das Mädchen nahm die Schlange in die Hand und trug sie die Stiege empor. Kaum hatte es die Schwelle überschritten, schlug das Tor von selber zu, und es stand vor einem gewöhnlichen Baume. Auf der Rinde des Stammes liefen die Ameisen auf und ab, und eine Eichkatz schaute klug und neugierig aus dem Laube. Die Bauerntochter hob die Otter auf einen niederhängenden Ast, nahm Flinte und Reh und ging nachdenklich heim. Ihr war, als hätte sie eben im Eichenschatten geträumt. Am nächsten Tage spaltete sie im Hofe Holz. Da hörte sie einen dumpfen Laut und glaubte, die Nachbarn wälzten ein Faß über die Tenne. Aber aus der Ferne kam eine Kugel, rollte näher und wurde immer größer. Vor der holzkliebenden zersprang sie mit einem scharfen Klang, als ob recht sprödes Glas zerbräche. Ein kleines Weib, schön von Angesicht und ländlich gekleidet, stand da. So sahen die guten Feen aus, nur trug sie Bauerngewänder. Das Mädchen erschrak sehr, aber die Erscheinung sagte: „Fürchte dich nicht, ich bin die Otter, die du verschont und auf den Baurn gehoben hast. Ich und mein Sohn, der Prinz Schmetterling, sind nun erlöst. Du sollst nun bei uns im Schloß wohnen". Das Mädchen schlug die hacke in den Holzblock und ging in das Haus, den Vater zu fragen. Er schlug eben die Eisenreifen fester auf die Dauben des Melkkübels und nickte ihr feine Eiwilligung zu. „In drei Tagen holen wir dich und deinen Vater", sagte das Weib. Dem Mädchen wurde vor lauter Freude schwindelig. Als sie sich nach wenigen Augenblicken umschaute, war die Fee verschwunden, und eine Schlange kroch in das hohe Gras der Wiese hinein. Nach drei Tagen, in der Abenddämmerung beim Gebetläuten, da sauste und schwirrte ein Schwarm vom Waldrande her. Vier Schimmel zogen einen schönen Wagen und darin saß die Fee und Prinz Schmetterling. Neben dem Wagen flogen Tausende Falter in allen möglichen Farben, und das Wehen ihrer Flügel war wie ein leises Rauschen hörbar. Der Bauer und seine Tochter sollten in die Kutsche einsteigen, aber da sah der Mann die Sense in dem Flur hängen, mit der er bei den wohlhabenden Nachbarn in so vielen Sommern die Mahd besorgt hatte, und das Mädchen hörte die Ziege meckern. Auf einmal sagte es leise und schüchtern zu dem Prinzen Schmetterling: „Wir bleiben lieber hier." „Du wirst aber im Schlosse aus goldenen Schüsseln elfen", sagte er. „Ich trinke die Milch gerne aus unserer irdenen." 1 „Du wirst in einem seidenen Bette schlafen." Eintragung in die Hankwerksrolte. Vom Kreisamt Gießen wird uns mitgeteilt: Durch die dritte Verordnung über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks vom.18. Jan. 1935 ist die Berechtigung zum selbständigen Betrieb eines Handwerks von der Eintragung in die Handwerksrolle abhängig gemacht worden, die von der Handwerkskammer geführt wird. In die Handwerksrolle wird grundsätzlich nur eingetragen, wer die Meisterprüfung für das von ihm betriebene ober für ein diesem verwandtes Handwerk bestanden hat. Diese gesetzliche Vorschrift ist für viele überraschend gekommen und hätte bei sofortiger strenger Handhabung außerordentliche Schwierigkeiten mit sich gebracht. Infolgedessen hat der Gesetzgeber lieber» gangsbeftimmungen vorgesehen. In Hessen sind die Kreisämter ermächtigt, in besonderen Fällen Erleichterungen für die Eintragung in die Handwerksrolle und damit für die Eröffnung eines Handwerksbetriebes zuzulassen (Ausnahmebewilligung). Von dieser Ermächtigung ist bisher in einer großen Zahl von Fällen Gebrauch gemacht worden, was aber auf dis Dauer nicht angeht. In Zukunft ist, wie das Kreisamt mitteilt, nur noch unter ganz besonders schwerwiegenden Gründen mit der Erteilung solcher Ausnahmebewilligun- „Jch liege auf rupfener Leinwand gut." „Du wirst nicht mehr arbeiten müssen." „Mir sind meine rauhen Hände schon recht." Da lächelte Prinz Schmetterling und fuhr wieder davon. Aber er nickte den Bauersleuten so fröhlich zu, als wäre er nun erst völlig erlöst. Tanz Der Wassersäulen. Von Friedrich Schlack. Den ganzen Tag und die Nacht hatte es heftig geweht. Auf einem kleinen Küstenfahrzeug, das Reis, Kaffee und Hölzer geladen hatte, fuhr ich im Indischen Ozean, unweit der Mastareneninseln. Wie eine Wand stand der Wind, darin sich das Schiff entlang scheuerte. Am Morgen daraus, mit einem Male, legte sich die steife Brise. Mächtig, doch lautlos dünte das Meer — wie durch einen hohlraum, angefüllt mit Totenstille, fuhr man unter dem schweren Himmel. Es war zur Zeit des Frühjahrsmon- sums, der seine Wolkenlasten westwärts trieb. Eine lauernde Stimmung hing plötzlich über dem Ozean. Das Schiff schlich, als hätte es ein schlechtes Gewissen, und war doch mit guter Fracht beladen. Aber das Meer sah eigentümlich bleifarben aus, zäh und dickflüssig. Plötzlich gab es ein Bersten und Zerreißen in der Luft. Ein heftiger Wolkenbruch schmetterte nieder, auf das Deck knallend. Wie unter dichten Güssen von Schrot zischte die Wasserfläche, unaufhörlich. Zwei Stunden lang stürzte von oben eine See in die See. Dann, so schnell er niedergebrochen war, versiegte der Regen, und ein feiner Wasserstaub durchnebelte die Luft, mehr ein Dampf, der alle Gegenstände beschlug, soweit sie der Regen nicht schon genäßt hatte. Die Atmosphäre war gesättigt mit diesem Dunst, und er erinnerte mich durch seine Dichte an die Waschküchenluft des Roten Meeres, wo ich hinter Dampf- und Staubschleiern einmal den seltenen Anblick einer tiefblauen Sonne erlebt hatte. Ich stand auf dem Achterdeck. Das Kielwasser schäumte ... Auf einmal bemächtigte sich meiner das Gefühl einer sonderbaren Verlassenheit, als wäre ich losgelöst von der modernen Zeit, wiewohl ich auf einem Schiff des 20. Jahrhunderts fuhr: eine Empfindung überfiel mich, wie sie ein Reifender der Urzeit vielleicht gehabt hätte, wäre nur einer auf dem Meer Herumgetrieben. So ungefähr war mein seelischer Zustand vor einem aufregenden und grandiosen Anblick, der sich mir auf dem Meer darbot. In der Entfernung von etwa einer halben Seemeile war der Ozean von einer phantastischen Anstrengung überkommen. In der großen Stille stan- gen zu rechnen. In der Regel ist daher vor Eröffnung eines Handwerksbetriebes die Meisterprüfung abzulegen. Es wird dringend davor gewarnt, sich leichtfertig über diese Bestimmung hinwegzusetzen und etwa Verpflichtungen einzugehen (Kauf von Betriebseinrichtungen, Abschluß von Mietverträgen usw) in der Annahme, daß dann behördlicherseits die vorherige Ablegung der Meisterprüfung erlassen wird und die Eintragung in die Handwerksrolle auf Grund einer Ausnahmebewilligung erfolgt. Taten für den 19. Ma». 1607: Gründung der Universität Gießen; — 1762: der Philosoph Joh. Gottl. Fichte in Rammenau geb. (gestorben 1814); — 1891: der deutsche Kampfflieger Oswald Boelke in Halle-Giebichenstein geboren (tödlich abgestürzt 1916); — 1931: die Leiche des Grönlandforschers Alfred Wegener in Westgrönland gefunden (geboren 1880). Taten für den 20. Mai. 1664: der Baumeister Andreas Schlüter in Hamburg geboren (gestorben 1714); — 1764: der Bildhauer Gottfried Schadow in Berlin geboren (gestorben 1850); 1846: der Heerführer Generaloberst Alexander von Kluck in Münster geboren. Aus parteiamtlichenBekanntmachungen Der Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen, Bezirk Oberhessen, veranstaltet am Freitag nächster Woche, 19.30 Uhr, im Saale des Cafe Ebel zu Gießen eine Bezirksversammlung, in der Prof, heyland (Frankfurt a. M.) über das Thema: „Das nationalsozialistische deutsche Beamtenrecht" sprechen wird. Deutsche Arbeitsfront. RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". Am 5. und 6. Juni finden im Stadttheater wieder zwei große fröhliche Abende statt, die hinter dem Abend des Schumanntheaters nicht zurückstehen werden. Kabarett der Komiker! Ein ganzer Abend, der nur auf Heiterkeit und unbändigen Humor abgestellt ist. Die Kräfte, die die einzelnen Nummern bestreiten, sind außerordentlich gut und zum großen Teil auch sehr bekannt. Der Ansager, der rheinische Humorist Harry Vogel, ist vom Rundfunk her bestens bekannt. Man wird die 4 lustigen Soundys, die luftigen Hofmusikanten, hören, die auf allen Musikinstrumenten Virituosen sind und fast alle menschliche Stimmen ihren Instrumenten entlocken können. Was sonst noch alles kommt, das bringen wir in den nächsten Tagen in der Presse. Eines ist sicher: man kommt wieder einmal aus dem Lachen nicht heraus. — Die Preise der Plätze sind von 60 Pfennig bis 1,50 Mk. Karten können durch die Orts- und Betriebswarte bestellt werden. Kartenvoroerkauf ist auf der Kreisdienststelle „Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18, Zimmer 8, ferner bei der Oberhessischen Tageszeitung, Musikhaus Challier und Frau Huntemann. * Kreiswandertag! Der für den 19. Mai geplante Kreiswandertag in Kloster Arnsburg ist wegen der Eröffnung der Reichsautobahnen auf den 26. Mai in Kloster Arnsburg verschoben worden. Wer darf bei einer Zagdverpachtung beeten? Die Pressestelle des Kreisjägermeisters für den Kreis Gießen teilt mit: In den nächsten Tagen beginnen die öffentlichen Verpachtungen zahlreicher gemeinschaftlicher Jagdbezirke im Kreise Gießen. Um Pachtlustige vor Unannehmlichkeiten zu bewahren, erscheint es geboten, diese auf § 12 Ziffer 4 des Reichsjagdgesetzes und die „Anweisung für das Verfahren bei der Jagd- verpachtung" Ziffer 5 nochmals hinzuweisen. Die Beobachtung zeigt nämlich, daß hierüber vielfach noch Unklarheiten bestehen. Das Gesetz besagt: „Pächter kann nur fein, wer den, wie hingezaubert, graue Wasserhosen; eine ganze Säulenreihe hatte sich erhoben und schien den Himmel zu tragen. Das ebenso anziehende, wie erstaunliche Schauspiel erinnerte an ein Bild aus einem alten Buch der Erdkatastrophen, Stürme und Sintfluten. In gewaltigen Massen sog die von seltsamen Wirbeln und Kräften hoch oben beherrschte Atmosphäre bas Meerwasser aufwärts. Man hätte beinahe meinen können, der Himmel versuche, das Meer durch mammuthafte Luftrüssel zu schlucken. Das Schwere war plötzlich leicht geworden, aber das Licht, das trüb hinter den Wolken keimte, hatte sich i durch die Wasserdämpfe noch mehr verdüstert. Bereitwillig gab sie der Ozean per. Ich glaubte in dem grauen halblicht an die zehn Säulen zählen zu können, wie sie, gleich den aschenfarbenen Stämmen eines seltsamen sich im Nebeldunst verlierenden Waldes, hintereinander standen und ihre rauchiggeftaltlosen Wipfel unter den Wolken sanft und schwermutsvoll hin- und herwischten, indes ihre Säulenfüße auf dem Wasser ruhten. Eine wunderbare Halle von Wasser und Luft, für einen Augenblick aufgebaut, für einen Augenblick geheimnisvoll und unerhört fremdartig. Dann verging das flüchtige Werk wieder. Einzelne Säulen begannen zusammenzustürzen, in Wolken von Staub, andere schrumpften und schraubten sich aus der höhe zur Tiefe zurück, woher sie gekommen waren, bald war auch der Rest verschwunden und der ganze Tempel, den der Meergeist aus seinem amphibischen Reiche emporgeftemmt hatte, wieder in die Wellen versunken. Aber er trieb sein Spiel noch eine Weile. Das ganze Meer war ein fruchtbarer Boden für die herrlichen Wasserbäume. Beständig spielte der Ozean damit; es war, als hätte ihn ein Rausch gepackt, ein Urzeitgedanke, den er verwirklichte: bald nah, bald fern stießen neue ungeheure Flutrüssel empor, manche fernen ganz in die Nähe des Schiffes, das stark schwankte und zwischen den beständig neu aufwachsenden Säulen hinschwamm. Auf dem Meer herrschte zwar vollkommene Windstille, doch wo eben eine Wasserhose aufbäumte, begann ein leichter Wirbelwind zu wehen. Der Ozean drängte empor zum Himmel, der Himmel neigte sich herab — die flüchtigen Staubsäulen verbanden die höhe mit der Tiefe. Da manche Säule unweit des Schiffes sich erhob, konnte ich ihre Entstehung genau beobachten, wie das Meer plötzlich an der Äufdruchstelle dunkel anschwoll, angesogen von den bildenden Kräften, unh wie der Staub und Dampf rasch in die höhe fäulten. lieber eine Stunde währte der geisterhafte Aufmarsch der Säulen. Dann, als plötzlich alle die mächtigen Brunnen in ihren Ursprung zurückgcfallen i waren, geschah nichts weiter: die Meeresphantasir I war vorüber, das Schauspiel zu Ende. mindestens Z Jahre Im Deutschen Reich Inhaber eines Jahresjagdscheines gewesen ist und den Nachweis führt, daß er Mitglied der Deutschen Jägerschaft tft, oder daß seiner Aufnahme in die Deutsche Jägerschaft nichts im Wege steht." Die Anweisung über das Verpachtungsverfahren bestimmt, daß der Jagdvorsteher, der die Verpachtung leitet, sich überzeugen muß, „daß die Bietlustigen die Voraussetzungen des § 12 Abs. 4 des Gesetzes erfüllen". Daraus geht also hervor, daß der Pachtlustige zunächst nachweisen muß, daß er 3 Jahresjagdscheine besessen hat. In welcher Weise er diesen Nachweis erbringt, ist seine Sache. Er kann, wenn er etwa die abgelaufenen Scheine aufzuheben pflegte, diese direkt oorlegen. Ist dies nicht der Fall, so ist unter Umständen eine Bescheinigung der Behörde nötig, die jene früheren Jagdscheine ausgestellt hat. Handelt es sich natürlich um eine Persönlichkeit, die bekanntermaßen schon lange Jahre Jäger, vielleicht sogar Jagdpächter ist, so wird der Kreisjägermeister auch in der Lage sein, seinerseits zu bescheinigen, daß diese Bedingung erfüllt ist. Es ist ferner nachzuweisen, daß der Bietlustige der Deutschen Jägerschaft angehört oder gegen seine Aufnahme keine Bedenken bestehen. Das Letztere kann nur durch einen Ausweis des Kreisjägermeisters geschehen, während sonst der Jahresjagdschein 1935 genügt, um den Nachweis der Mitgliedschaft zu erbringen. Denn wer nicht ausgenommen wird, bekommt auch keinen Jagdschein. Es ist dem einzelnen Pachtlustigen überlassen, wie er den Nachweis erbringen will, daß er den Gesetzesvorschriften gerecht wird. Es wäre der einfachste Weg, er erbrächte ihn vor dem Kreisjägermeister, der dann einen Ausweis ausstellt, daß der Betreffende „bietungsberechtigt" ist. Bei der derzeitigen starken dienstlichen Ueberlastung des Kreis- lägermeisters müßten die Ausweise schnellstens beantragt werden, wenn sie rechtzeitig zur Hand sein sollen. Der Jagdvorsteher muß jedenfalls jeden Bieter zurückweisen und jedes Gebot ablehnen, wenn die Nachprüfung nicht einwandfrei ergeben hat, daß jeder erschienene Bietelustige zum Bieten auch tatsächlich berechtigt ist. Weist er Gebote Nichtbereck- tigter nicht zurück und schließt die Betreffenden nicht vom Bieten aus, wird die Verpachtung unter Umständen vollkommen nichtig. Um alle Schwierigkeiten zu vermeiden, werden Iagdvorsteher rote Jäger in gleicher Weise gebeten, sich peinlich genau an die Vorschriften zu halten, pflichtschießen derDeutschen Iägerschafi Die Presiestelle des Kreisjägermeisters für den Kreis Gießen teilt uns mit: In der kommenden Woche beginnen im ganzen Kreis die Pflichtschießen der Deutschen Jägerschaft auf jagdliche Scheiben. Jeder Inhaber eines entgeltlichen oder unentgeltlichen Jagdscheines muß daran teilnehmen und die vorgeschriebenen Uebungen schießen. Es findet zunächst nur Kugelschießen statt, und zwar sind fünf verschiedene Ziele mit je 4 Schuß zu beschießen. Es schießen am Mittwoch, 22. Mai, in der den, die zum jagdlichen Gebrauch geeignet und gestattet sind. Der Jahresjagdschein 1935 ist zum Schießen mitzubringen. Der Leiter des Hegeringes Gießen hat für seinen Hegerinq folgende Anordnung getroffen: Es schießen am Mittwoch, 22. Mai, in der Zeit von 14 bis 19 Uhr alle im Hegeringbezirk wohnenden Jagdscheininhaber, deren Namen mit A—K einschl. beginnt, am Sonntag, 2 6. Mai, zur gleichen Stunde alle von L—S einschließlich und am Dienstag, 2 8. Mai, alle übrigen. Die angesetzten Schießtage sind, wenn irgend möglich, einzuhalten. Bei dringender Verhinderung ist Mitteilung des Tages, an dem der betreffende Schütze schießen wird, notwendig. Das Schießen findet auf den Ständen des Schützenvereins und des Hubertus-Gießen bei dem Schützenhaus statt. Kundgebung der Deutschen Slaubensbewegung. Am Donnerstagabend veranstaltete die Ortsgemeinde Gießen der Deutschen Glaubensbewegung am stark überfüllten Saale des Caf6 Leib eine öffentliche Kundgebung. 2m Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag des Herrn Werner S ch u m i tz aus Berlin über das Thema „Durchbruch deutschen Glaubens". Der etwa zweistündige Vortrag, der mit den Grundgedanken der deutschen Glaubensbewegung bekanntmachte, wurde von der großen Versammlung mit starkem Interesse, teilweise von Gegnern mit einigen Zwischenrufen ausgenommen, am Schlüsse aber von der stark überwiegenden Mehrheit der Versammlung mit langanhaltendem lebhaften Beifall unterstrichen. Im Verlaufe einer Pause wurden dem Versammlungsleiter Baur eine Reihe von Fragen aus der Versammlung heraus zugeleitet. Die der Hauptredner Sch umitz beantwortete. Die Versammlung schloß mit dreima- ligem Sieg-Heil auf das deutsche Vaterland und seinen Führer Adolf H i t l e r und mit dem gemeinsamen Gesang des ersten Verses des Horst-Wessel- Liedes. Gießener Dochenmarktprelse. * G i e ß e n, 18. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 8 bis 9, Wirsing (gelb), das Pfund 18 bis 20, (grün, neuer) 25, Weißkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben (alte) 15, (neue), das Bündel 25, Rote Rüben, das Pfund 10 bis 15, Spinat 18 bis 25, Römischkohl 15 bis 20, Spargel, 40, 50, 60, Erbsen 35, Mischgemüse 15 bis 20, Tomaten 90 Pf. bis 1,20 Mk., Zwiebeln 25, Meerrettich 40 bis 60, Schwarzwurzeln 20 bis 45, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,50 bis 4 Mark, Aepfel, das Pfund 35 bis 60, Honig 45 Pf. bis 1,10 Mark, Suppenhühner 70 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 60 bis 70, Blumenkohl 45 bis 70, Salat 15 bis 30, Salatgurken 45 bis 55, Oberkohlrabi 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50, Radieschen, das Bündel 7 bis 15 Pf. Vornotizen. — Tage s kale nde r für Samstag: NSG. „Kraft durch Freude": 17 bis 19 Uhr Leichtathletik auf dem Universitätssportplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Polenblut". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Wer kennt diese Frau?". — Gesellschaft von Freunden und Fördern der Universität Gießen (Gießener Hochschulgesellschaft): 17.30 Uhr Festsitzung im Großen Hörsaal der Universität. — Dünsbergverein: 20.30 Uhr Hauptversammlung im Hotel Köhler. — Tageskalender für Sonntag. Lichtsvielhaus, Bahnhofstraße: „Polenblut". — Astorta- Lichtspiele, Seltersweg: „Wer kennt diese Frau?".— Oberhessicher Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 11 bis 1 Uhr Ausstellung „Rohlfs-Hagen". — Oberhessischer Kun st verein. Der für morgen Sonntag angekündigte Einführungsvortrag für die Ausstellung R o h l f s tft auf Sonntag, den 26. Mai, verschoben worden. Dte Ausstellung selbst beginnt morgen. (Siehe heutige Anzeige.) — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die ursprünglich für Samstag, 18. Mai, angesetzte Vorstellung „Die armseligen Besenbinder" fällt aus. — Sonntag, 19. Mai, bleibt das Theater geschlossen. — Dienstag, 21. Mai, das Schauspiel: „Vertrag um Karakat" von Fritz Peter Buch; Spielleitung Kurt L ü p k e. Da die Rede des Führer und Reichskanzlers vor der Vorstellung durch Lautsprecher übertragen wird, in der Zeit von 20 bis etwa 21.15 Uhr, beginnt die Vorstellung anschließend an die Regierungserklärung um 21.15 Uhr und endet um 23.30 Uhr. — Mittwoch, 22. Mai, von 19.30 bis 22.15 Uhr „Vertrag um Karakat" von Buch; Spielleitung Lupke. — Donnerstag, 23. Mai, und Samstag, 25. Mai, als geschlossene Vorstellung für die NS.-Kulturgemeinde, Ring Deutsche Bühne; Freitag, 24. Mai, jeweils von 20 bis 22.15 Uhr das Lustspiel: „So ein Mädel! (Extemporale)" von Sturm und Färber; Spielleitung Karl Volck. — Sonntag, 26. Mai, um 19 Uhr Veranstaltung des VDA. „Volksdeutsches Fest". — Vom VDA. Gießen wird uns geschrieben: Am Sonntag, 26. Mai, veranstaltet die Frauengruppe des VDA. Gießen im Stadttheater ein „Dolksdeutsches Fest für alle" zum Besten un- erer auslandsdeutschen Volksgenossen. (S. Am zeige.) Auf der Bühne wird man in künstlerisch gestalteten Bildern Frauen aus der Geschichte unsres Volkes erblicken, allen wohlbekannt, jede in besonderer Art deutsches Wesen verkörpernd und ebe in ihrer besonderen Umwelt. In den Wandelgängen und im Erfrischungsraum werden Frauen der Ortsgruppe im Verein mit freundlich Mitwtr- kende-n aus allen Kreisen unserer Stadt Erfrischungen anbieten und Tanz und Tombola (mit vielen verlockenden Gewinnen) werden hoffentlich alle Teilnehmer lange in froher Stimmung vereinigen. * **VonderLandesuniversität. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der Privatdozent an der Universität Gießen, Dr. Wilhelm C l a ß , wurde zum ao. Professor für Strafrecht an der Universität Frankfurt a. M. ernannt. — Der Privatdozent Dr. Walter R a u h ist vom Reichs- und preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung mit Wirkung ab 1. April 1935 an die Universität Leipzig versetzt worden. ** Das Stadttheater heute und morgen geschlossen! Aus dem Stadttheaterbüro wird mitgeteilt: Um Irrtümer zu vermeiden, wird erneut bekanntgemacht, daß das Theater am Samstag, 18. Mai, und Sonntag, 19. Mai, geschlossen ist. ** Die Termine der öffentlichen Impfung in Gießen werden von der Bürgermeisterei in unserem heutiaen Anzeigenteil bekanntgegeben. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. Die Mitglieder sämtlicher Gießener Ortsgruppen der Hausgehilfinnen hielten gestern im Cafs Ebel einen gemeinsamen Ortsgruppenabend ab. Nach kurzen Begrüßungsworten durch Ortsgruppenfach- wart Z o tz wurde der Abend durch musikalische Darbietungen der Hauskapelle und mit einem gemeinsam gesungenen Volkslied eröffnet. Zunächst sprach Verwaltungsstellenleiter Pg. Schmidt über die Richtlinien für die Mitgliedschaft zur DAF. (Deutsche Arbeitsfront), den notwendigen verwaltungstechnischen Gang, um dann an praktischen Beispielen (Krankengeld, Arbeitslosenunterstützung, Geburts- und Heiratsbeihilfe, Sterbegeld (auch für das Kind) den Wert dieses großen sozialen Werkes verständlich zu machen. Stellv. Kreiswalter der DAF. pg. Hahn fand für seine Ausführungen über die Grundgedanken der nationalsozialistischen Weltanschauung aufmerksame Zuhörer. Der Redner wies zunächst darauf hin, daß das entstehende Werk des Führers ehrliches und tiefghendes Beschäftigen jedes einzelnen Gliedes der Volksgemeinschaft mit diesem Werk erfordert, damit aus dem Erkennen der riesengroßen Aufgaben liebevolles Verstehen und entschlossene, leidenschaftliche Hingabe jedes einzelnen an den Aufbau erwachsen möge. Unter solchen Voraus- setzungen wird es leicht sein, den Grundsatz von Blut und Rasse in seiner ganzen Tragweite zu verstehen und dem deutschen Volke Wertbeständigkeit und ewige Dauer zu erringen. Unserem Wissen der Vergangenheit, das sich in Aeuherllchkeilen verloren Halle, so daß der einzelne von anderen Völkern mehr wühle, als von seinem eigenen, Hal der Führer den Weg zur Innerlichkeit gewiesen und es für alle Au- *» Das Glelbergfest. Das bereite zur Tradition geworden^ Gleibergfest, das sich immer steigender Beliebtheit erfreut, ist für dieses Jahr tn Öte schöne Maienzeit verlegt worden. Alle Gletberg- freunbe, jung unb alt, treffen sich zu frohem Bet- sammensein auf ber Burg am Sonntag, 26. Mai. (Siehe heutige Anzeige.) ** Sterbefälle in Gteßen. Es verstürben in ber Zeit vom 1. bis 15. Mai: 1. Georg Leitner, Schneiber, 66 Jahre alt, Roonstraße 2; 2. Auguste Kleinmann, geb. Frey, Witwe, 70 Jahre alt, Neustabt 32; 3. Katharine Ott, geb. Thomas, 62 Jahre alt, Schiffenberger Weg 5; 4. Emma Hunermunb, geb. Georgi, 64 Jahre alt, Wolkengasse 17; 4. Margarete Führer, geb. Bellos, 76 Jahre alt, Neuenweg 34; 4. Katharina Lubwig, geb. Leclerc, 65 Jahre alt, Löberstraße 18; 5. Lubwig Bernharbt, Schuhmachermeister, 70 Jahre alt, Schulstraße 10; 6. Friebrich Valentin, Steinbrecher, 75 Jahre alt, Robheimer Straße 38; 6. Anna Thielmann, ohne Beruf, 34 Jahre alt, Liebigstraße 21; 6. Robert Schich, Schneibermeister, 79 Jahre alt, Mäusburg 3; 7. Johanna Rosenbecker, 7 Monate alt, Schottstr. 33; 7. Lubwig Pfeiffer, Arbeiter, 57 Jahre alt, Schloßgasse 1; 8. Ilse Wolf, 6 Jahre alt, Wetzsteingasse 32; 8. Lubwig Wahl, Heizer, 66 Jahre alt, Ebelstr. 24; 9. Katharina Schmibt, geb. Hopfinger, 46 Jahre alt, Dammstraße 47; 9. August Kretzschmar, Rentner, 79 Jahre alt, Marktplatz 22; 9. Hermann Natt, Kaufmann, 56 Jahre alt, Eichweg 7; 10. Julie Jung, geb. Wiganbt, 52 Jahre alt, Löberstraße 5; 12. Peter Margolf, Arbeiter, 59 Jahre alt, Dammstraße 26; 12. Margarete Best, geb. Zeiß, 59 Jahre alt, Bleichstraße 11; 12. Johannes Eckirch, Hoteldiener, 52 Jahre alt, Löwengasse 20; 13. Heinrich Hedderich, Arbeiter, 57 Jahre alt, Lindengasse 14; 14. Elisabeth Schmitz, geb. Böcher, 42 Jahre alt, Krofdorser Straße 48. ** Eine Gasherd-Ausstellung veranstaltet die Gas-Gemeinschaft Gießen in ihrem neuen Geschästslokal, Bahnhofstraße 29. (Siehe heutige Anzeige.) fünft fest begründet in dem Grundgedanken von Blut und Rasse. Das Erkennen unserer eigenen Herkunft, die hohe Bedeutung der Erbmasse, die sowohl dem einzelnen Menschen, als dem ihm zugehörigen Volk die eigene Prägung und Wesensbestimmung gibt, bedeutet eine bewußte Ablehnung ber internationalen Weltmeinung. Aus bem Erkennen unserer.eigenen Art erwächst uns bas Erkennen unseres eigenen Volkes. Je überzeugter unser Hanbeln, unsere Gestaltung bes uns eigenen Lebens nach solcher Erkenntnis unserer eigenen Art ist, besto reifer wirb unser Volk werben. Auf solchem Wege kommen wir zu bem ewigen Sein unseres Volkes. Aus den Werten unserer Herkunft erwachsen uns die Kräfte zur Gestaltung unserer Gegenwart, und darauf bauen wir auf eine unvergängliche Ankunft unseres Volkes. Die Geschichte zeigt uns ein fortwährendes Auf und Ab, unb sie beweist uns bie Größe einer Zeitepoche, bie bestimmt ist von ber Wucht unb der Schwungkraft ber Gesinnung, bie in ber jeweiligen Generation vorherrscht. Aus solcher Einsicht ermessen wir bie Wertmaßstäbe, bie wir anzuwenben haben an bie Gestaltung unseres Daseins. Wenn darum unser Volk ewig fein soll, dann müssen wir zur Bejahung der elementaren Grundsätze der nationalsozialistischen Weltanschauung kommen. In diesem bisher nie gekannten Umbruch erleben wir unsere neue Lebensgrundlage, die ein neues Ethos geschaffen hat. Die logische Folge ist, daß mit den neuen Formen unserer Lebenshaltung sich auch neue Werte anzubahnen beginnen. Im revolutio- OrtsgruppenabendderGießenerHausgehilfinnen UiMOil.... Roman von Charlotte prenzel. Urheberrechtsschutz: Funf-Türme-Verlag, Halle (6.). 25 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Kam da schon Emst? Schnelle Schritte näherten sich der Tür. Nein, es war nicht sein Schritt. Der Freund konnte auch unmöglich schon hier fein. Was war das? Sah er einen Spuk, ein Gespenst vor sich? Eine Frauengestalt stand auf der Schwelle, wandte ihm langsam das Antlitz zu, ließ den Pelz fallen, der das Gesicht halb verhüllt hatte — Kitty stand vor ihm. „Fred", klang ihre zwitschernde Stimme, „sei mir nicht böse, daß ich gekommen bin. Ich konnte nicht anders^ ich mußte dich sprechen." Er fuhr jäh auf. „Was willst du von mir?" entfuhr es ihm rauh. „Habe ich dir nicht mein Haus verboten? Wagst du es, zum zweiten Male zu kommen?" Sie kam langsam näher, ein bittendes Lächeln lag um ihren Mund. Beschämt und flehend zugleich traf ihn ihr Blick. „Dein Haus hast du mir verboten, nicht das Geschäft", erwiderte sie sanft. „Ich habe den Mut, mich noch einmal in die Höhle des Löwen zu begeben. Schilt mich darum nicht! Ick habe in den letzten Wochen eingesehen, daß es besser ist, von diesem Löwen vernichtet zu werden, als ihn zu meiden." ,.Wir beide haben uns nichts mehr zu sagen. Geh, dort ist die Tür! Oder willst du, daß ich den Hausdiener rufe?" „Das wirst bu nicht tun. Auch ist kein Mensch mehr im ganzen Hause, sogar ber Pförtner ist nicht ba. Ich war vorsichtig genüg, mich von niemanbem sehen zu lassen — auch in beinern Interesse." Sie machte noch ein paar Schritte vorwärts, ihre Stimme flehte: „Freb, ich bitte bich nur, höre mich an! Jage mich nicht fort. Du weißt nicht, wie sehr ich gelitten habe um bich." „Davon habe ich bis zur Stunbe nichts gemerkt", antwortete er hart. „Ich bin eine gute Komöbiantin geworben. Was blieb mir übrig? Ich habe nun einmal in einer mir selbst unfaßbaren Stunbe meine Hanb Mar- „Was kann bir beine Ehe fein? Wie kannst bu bie kleine Frau lieben?" unterbrach sie ihn mit leiser Heftigkeit. „Ich habe sie lieb, sie steht mir hoch über allen Menschen. Du bist nicht wert, baß auch nur ihr Blick dich trifft!" Kitty zuckte zusammen, sie senkte ben Kopf; aber unter ihren halb geschlossenen Augenlibern bekam ihr Blick ein seltsames Funkeln. „Wo hast bu das Kinb?" fragte sie leise, kaum hörbar. Sein strenger Blick maß sie verächtlich. „Ach, besinnst bu bich auf beine Mutterpflichten? Weißt du noch, daß bu einmal einem Kinbe bas Leben gabst?" Sie schien sich unter ben Worten zu roinben. „Freb, ich will nichts weiter als bieses Kinb. Du hast beine Frau — gut, ich will zurückstehen, aber bas Kinb mußt bu mir lassen." „Gerba weiß nichts von ber Mutter, für sie ist die Mutter tot. Ich wollte nicht bas ganze Leben des Kindes vergiften durch das treulose Verhalten ber Mutter." Kitty sprang jäh auf. „Du mußt wir sagen, wo Gerba ist. Sehen will ich sie wenigstens, sie einmal küssen. Was weißt bu von mir? Was weißt bu von bem Leib einer Mutter?" „Du hast bir jebes Recht auf bas Kinb verscherzt." Ihr Atem ging keuchend. „Das wagst bu mir zu sagen, bu — bu...", schrie sie außer sich auf. „Wenn bu einen Funken Mutterliebe in bir hast, so störe nicht ihren Frieben. Laß sie bas Andenken ber toten Mutter hochhalten." Wie eine Katze ftanb Kitty, bie sich auf ihr Opfer stürzen wollte, ben Oberkörper vorgebeugt, mit sprühenben Augen. „Weiß sie auch, wer ihr Vater ist? entfuhr es ihr schrill. „Weiß sie, baß biefer treubesorgte Vater gerabe noch bem Gefängnis entgangen ist? Ha, auf bie Straße will ich es schreien, daß Fred Morland ein Dieb ist — seine Frau soll es wissen, sein . . ." Fred packte den Stuhl, ber vor ihm ftanb. Rote Kreise tanzten vor seinen Augen; mit einer roUben Gebärbe warf er ben Stuhl nach ber schönen, wil- ben Katze vor ihm. Er hörte einen Schrei, ein Gepolter, fiel kraftlos nach vorn in bie Arme Ernst Schröbers. ckart gereicht, aber ich habe ihn nie geliebt. Für Er fanb sich auf feinem Schreibtischstuhl roteber. mich war fein Tob eine Erlösung. Ich habe immer Das Gesicht bes Freunbes beugte sich über ihn, nur an bich gebucht." besorgte Augen sahen ihn an. „Verlangst du von mir, daß ich deinen Worten „Fred, Fred, komm zu bir!" ertönte di- Stimme glaube? , bes Freunbes wie aus weiter Ferne. Er suhlte Sie sank wie gebrochen auf emen Stuhl, in ihren rxd) am Arm gerüttelt, wankte kraftlos hin unb 2Iugen schimmerten Tranen. -Zertritt mich - ^r. Ernsts Stimme schien näher zu kommen: tu, was bu willst, aber laß mich an betner Seite! „Me kannst bu bich so erregen, bich so weit ver- „Wenn bu gutmachen willst, was bu an mir ver- geffen? Hat biefe Frau nicht genug Elenb in bein schulbest, bann kreuze meinen Weg nicht mehr. Ich Leben gebracht? Willst bu weitere Schulb auf bin kein freier Mann mehr, bin..." dich laden um ihretwillen?" Fred erwachte jäh. „Ist sie fort?" war seine erste Frage. „Ich traf an ber Tür mit ihr zusammen, fing ben Stuhl auf — er war gut gezielt. Sie flüchtete eilenbs." Freb atmete schwer. Er strich sich mit ber Hanb über bas Gesicht, stützte mübe ben Kopf auf. „Was ist benn nur geschehen? Ich hörte ihre erregte Stimme schon im Vorzimmer. Wie kannst bu beine Ruhe ihr gegenüber verlieren! Wie kannst bu dich zu Taten hinreißen lassen, die bu nie verantworten könntest!" „Laß, laß!" entfuhr es ihm gequält. „Vielleicht wäre es bie beste Tat meines Lebens gewesen, wenn ich sie getroffen hätte." „Freb, hat benn biefe Frau immer noch Macht über bich? Willst bu zum zweiten Male an ihr zugrunbe gehen?" „Mein Leben wirb trotzbem verspielt sein. Wie kann ich meinem Kinbe unter bie Augen treten, wenn es wissen wirb, baß fein Vater zum Dieb würbe? Wie barf ich mich jemals Liane nähern, wenn sie weiß, was einst war? Sie werden es erfahren. Ich hab' es gewußt, daß Kitty zum zweiten Male mein Verderben wird." „Niemand wird deine Ehre antasten. Du hast gezeigt, was bu kannst." „Sie werben alle über mich herfallen, unb wenn ich ben Konkurs eröffnen muß, werbe ich für immer ein Gezeichneter fein." „Wie kannst bu von Konkurs sprechen?! Besinne bich, Freb, raffe bich auf! So schlimm steht es noch nicht. Rette, was zu retten ist! Sorge bafür, baß bie Firma Scholz nicht angetastet werden kann! Tu deine Pflicht, dann laß Kitty ruhig sprechen. Nur einen Pflichtvergessenen kann man richten." Fred ftanb auf. Die ©lieber waren ihm schwer, aber fein Kopf war roieber klar, ruhig unb überlegend. „Ich will es versuchen. Sorge bu mir für Gerba. Ich werbe fahren." Ernst gab ihm bie Hanb. ,Lch bleibe hier unb werbe bir Gerba hüten — wenn bu bich nur wie- bergefunben hast." Am Tage seiner Abreise ftanb er vor Liane. Er fühlte Llanes Hanb mit festem Druck in ber seinen ruhen, sah, wie schwer ihr ber Abschieb fiel, trotzbem sie tapfer lächelte. „Glück auf!" klang ihre helle Stimme warm. „Komm gefunb roieber!" Er nahm ihre feinen Finger in beide Hände, sah sie lange unb fest an. Ein abenteuerlicher Plan burchkreuzte für wenige Augenblicke feine ©ebanfeji: Sie mitnehmen, brüben noch einmal ein neues Leben aufbauen, noch einmal mit bem allen brechen. Würbe aber jemals Glück auf ihrer Verbinbung ruhen, wenn ber Schatten eines Geheimnisses ihn umgab? Unb was sollte aus Gerba werben? Er führte ihre Hanb an bie Lippen. Noch einmal stieg heiß unb brennenb ber Wunsch in ihm jiuf, sich ihr anzuvertrauen, sie zu umfangen, sie zu küssen, ihr. zu gestehen, wie lieb er sie hatte. Er wagte es nicht. Er trat von ihr zurück unb, schon an ber Tür, fragte er: ,Komrnst bu mit zur Bahn? Möchtest bu mich begleiten?" Ein helles Rot flog über ihr Antlitz. „Gern komme ich mit, wenn es bir recht ist." Sie fuhren stumm zum Bahnhof. Liane fühlte feinen ernsten, leibvollen Blick auf sich ruhen. Warum sagte fein Blick soviel, was fein Munb verschwieg? Das Herz begann ihr rascher zu klopfen. Freb war es, als ob er ihr Bilb unauslöschlich in seinem Herzen festhalten mußte. Wer konnte wissen, was war, wenn er wieberkam? Vielleicht fanb er ihr Haus dann verschlossen vor seinem Eintritt, vielleicht floh sie voller Entsetzen vor ihm. Auf bem Bahnsteig trafen sie Ernst Schröber. Mit bebeutungsooHem Druck lagen bie Hänbe ber beiben Freunbe ineinanber. ,^)üte mir auch biefe ba!" sagte Freb leise, mit einem Blick auf Liane. Die Augen bes Freunbes bekamen freudigen Glanz. „Sie bleibt bir erhalten", flüsterte er, unb zurücktretenb fügte er laut hinzu: „Die Reise wirb beine Erwartungen übertreffen, Freb. Noch nie hast bu besseres Geleit zur Bahn gehabt als diesmal." Zum letzten Male lagen ihre Hänbe (ineinander, zum letzten Male trafen sich ihre Blicke, ernst und weh war ber seine, bittend unb fragenb zugleich der ihre. Sprich, sprich ein Wort!, klopfte bang ihr Herz. Doch ber Zug entführte ihn, bevor sich fein Munb geöffnet. Noch lange sah Liane eine roinfenbe Hanb, bann war auch biefe verschwunben. Mit Tränen in ben Augen, roanbte sie sich bem Ausgang zu. Ernst schloß sich ihr an. Sie gingen zusammen zu Fuß nach ihrem Hause. Vor ber Haustür sagte Ernst: „Darf ich mit Ihnen eintreten? Darf ich ben Schleier lüften, ber über Frebs Leben schwebt? Werben Sie stark genug fein, alles zu hören?" Sie nickt stumm, bann traten sie ein. Im Wohnzimmer wollte Liane bas Licht einschalten, aber ihre Hanb sank nieber, bevor sie ben Knopf berührt hatte. In ber Dämmerung, bie über bem Raum lag, bebeutete sie ihm stumm, Platz zu nehmen. Sie setzte sich in ben Kessel am Fenster unb sah ihn aus großen, ängstlichen Augen an. Das Herz schlug ihr schwer. Was sollte sie Horen? (Fortsetzung folgt!) nären Schwung und stolzem, idealen Gefühl des Nationalsozialismus werden alte Formen beseitigt, ein neuer Inhalt schafft sich eigene Organisationen. Das deutsche Volk ist nickt um seiner selbst willen da, sondern es hat eine hohe Mission, kulturschöpfend zu wirken auf dem Erdball. Die Weltgeschichte erlebt in Adolf Hitler den überragenden Führer, der das Abendland bewahrt vor dem Bolschewismus. Indem er dem jungen Deutschland Ziel und Richtung gab, prägte er der Welt ein neues Gesicht. Zu den neuen Organisationen, die er geschaffen hat, damit sie als Mittel zum Zweck der neuen Weltanschauung dienen, zählt auch die Deutsche Arbeitsfront. Diese kennt keine Arbeitnehmer und Arbeitgeber, sondern ist die Gemeinschaft der durch Blut und Boden zusammengefügten Diener am Volk. Die gleiche Pflicht des Dienens am Volke schaltet sofort jede Überheblichkeit aus. Wie der neue Staat den Landarbeiter als den zukünftigen Bauer aus der industriellen Bewertung seiner Arbeit befreit hat, so kommt auch der Hausgehilfin als der werdenden Hausfrau und Mutter eine hohe Bedeutung zu. Früher wurde der Verdienst als die Hauptsache angesehen, jetzt aber steht der Ernst, die Hingabe und die Aufrichtigkeit der Erfüllung des Berufes im Vordergrund, die notwendige materielle Entschädigung wird als selbstverständlich vorausgesetzt. Der haushalt, die Familie soll die Stätte der Erneuerung der im Tageskampf verlorengegangenen Gemütskräfte sein. Die Familie muh wieder Quelle der seelischen Kräfte, der Gemütstiefe und Herzensfreude und damit der Bronnen schöpferischen volkstumes werden. Aus der Erkenntnis dieser hohen Aufgaben erwächst für die Hausgehilfin und die Hausfrau die ernste Verpflichtung, durch die Arbeit an sich selber den häuslichen Dienst auszufüllen in der Blickrichtung auf das ganze deutsche Volk. Anhaltender Beifall dankte dem Redner. Pg. Hahn ermahnte noch zu zahlreichem Besuch der folgenden Abende und schloß den offiziellen Teil mit dem Treugruß an den Führer. Der gemeinsame Gesang von Volksliedern hielt die Teilnehmer des Abends noch einige Zeit gesellig beisammen. Deutsche Vorgeschichte. Ein Vortrag vor HZ.-Jührern. Am Donnerstagabend sprach in der Aula des Gymnasiums vor den Führern und Führerinnen der HI., des ID. und des BdM. des Standortes Gießen Studienreferendar Hans Szczech, Assistent am Oberhessischen Museum, über deutsche Vorgeschichte. Der Leiter der Abteilung Schulung im Vann 116, Kameradfchastsführer Müller eröffnete den Schulungsabend mit einigen kurzen Eingangsworten, sprach darüber, daß das Thema des Abends für die weltanschauliche Schulung innerhalb der HI. besonders wichtig sei, denn gerade deutsche Vorgeschichte sei noch bis vor kurzem vielen aewissermaßen ein Buch mit sieben Siegeln gewesen, da die Wissenschaft, die sich mit diesen Dingen beschäftigte, in den weiteren Kreisen des Volkes wenig Widerhall oder Verstehen fand. Man hatte sich eben mit den geschichtlich überlieferten Dingen anderer Völker beschäftigt und hierfür auch mehr Interesse gezeigt. Durch den Nationalsozialismus erfuhr dies alles eine Aenderung, soll doch heute jeder deutsche Volksgenosse in erster Linie über die Vorgeschichte seiner eigenen Heimat Bescheid wissen. Aus diesem Grunde müsse besonders die HI. diese Gedanken beherzigen. Herr Gzezech vom Oberhessischen Museum führte dann u. a. aus: Diejenigen Wissenschaftler und Leute, die sich vor einigen Jahren oder Jahrzehnten mit der Erforschung deutscher Dor- und Frühzeit beschäftigten, die über ihre Ausgrabungen sprachen oder schrieben, hatte man im allgemeinen nicht ernst genommen. Ihre Arbeiten stützten sich nämlich nicht auf irgendwelche schriftlichen Ueberlieferungen, sondern nur auf das, was sie den Ausgrabungen, die sie hier oder da tätigten, entnahmen. Und dies mag vielleicht auch der Grund sein für so wenig Verständnis, das man den Leuten, die sich mit diesen Dingen beschäftigten, entgegenbrachte. Durch den Nationalsozialismus ist dies heute anders geworden, und wenn deutsche Vorgeschichte in den Lehrplan der Schulen ausgenommen werden wird, so wird dies eines der schönsten Unterrichtsfächer werden. Man soll auch nicht annehmen, daß ein solches Unterrichtsfach in der Schule, bedingt durch die Gegenstände selber, irgendwie trocken oder uninteressant erscheinen könne, weil man sich über Vorgeschichte oder Stufen menschlicher Entwicklung nur durch Ausgrabungen und Funde unterrichten kann. Der Redner streifte sodann in ganz großen Zügen die verschiedenen Erdformationen und Stufen und begann die mit der Steinzeit beginnende Entwicklung des Menschen zu schildern, dieser ersten Menschen, von denen die Ausgrabungen bei Heidelberg und die des Neandertales Kunde geben, und von denen wir wissen, daß jene Lebensweise außerordentlich primitiv gewesen ist. Als unstete Völker haben diese Menschen ihr Leben von dem, was ihnen die Jagd bot, gefristet und haben sich einfacher Handwerkszeugs aus Steinen, wie Keilen und Hiebwaffen, bedient. Eine jüngere Periode dieser Steinzeit läßt dann schon eine gewaltige Entwicklung jur Verbesserung der Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens erkennen, zum erstenmal tritt Kunst in Erscheinung. Die Beweise hierfür bringen die noch heute gut erhaltenen Höhlenzeichnungen Süüfrankreichs, schon eine Kulturerscheinung, die an die eisfreien Gegenden der damaligen Eiszeit gebunden waren. Der Redner sprach dann darüber, wie jenes Urvolk entstanden ist, deren wichtigster Bestandteil Germanen waren, diese Arier oder Indogermanen, wie man sie auch noch oft nennen hört, über die verschiedenen Wanderungen, dann über den Umbruch der Bodenbe chaftenheit, der Ackerbau und Seßhaftigkeit bedingte. Durch erbaute Wohnstätten entstehen gesellschaftliche Ordnungen, und zum erstenmal wird Vieh zum Nutzen der Menschen herangezogen, schöne Werkzeuge aus Stein, Pflüge, hacken, Aexte, hämmer und Waffen in großer Vollkommenheit hergestellt, dazu kommt die Tongefäßkunst. Die zur Zeit am Glauberg bei Büdingen vorgenommenen riesigen Ausgrabungen Rottweiler lute Gewißheit gibt, daß er sich zu jeder Zeit und in allen Lagen auf seinen treuen Hund verlassen kann. Die Zucht von Schutz- und Polizeihunden hat eigentlich erst nach dem Kriege und nach der durch die Novemberrevolte von 1918 verursachten starken Unsicherheit in Stadt und Land in weiten Kreisen der Bevölkerung Liebhaber gefunden. Zahlreiche Privatpersonen suchten ihr berechtigtes Bedürfnis nach Sicherheit und Schutz durch die Anschaffung eines für diesen Zweck besonders geeigneten Hundes zu befriedigen Damit allein war es aber nicht getan, denn auch der beste und schönste Hund taugt nicht als Beschützer seines Herrn wenn dem Tier keine Ausbildung für den besonderen Zweck seines Daseins zuteil wird Bon dieser Erkenntnis ausgehend wurden zum Teil in Zucht- und Abrichteanstalten für Hunde, aber auch durch den Zusammenschluß von Hundebesitzern in Vereinen Kräfte mobilgemacht, die sich der Ausbildung und fortgesetzten weiteren Unterrichtung geeigneter Schutz- und Polizeihunde für deren besondere Aufgaben widmeten. Auf diese Weise entstanden in Stadt und Land die Hundezüchter-Vereine mit dem besonderen Zweck der Züchtung und Ausbildung von Schutz- und Polizeihunden Nicht jede Hunderasse eignet sich für diesen Spezialdienst eines Hundes für seinen Herrn. Von den Schutz- und Polizeihunderassen ist am bekanntesten der Deutsche Schäferhund mit dem klugen Kopf und den großen Stehohren, der uns täglich in vielen Exemplaren in Stadt und Land begegnet Ihm macht der Dobermann durch seinen Mut und seine Furchtlosigkeit im Einsatz für seinen Herrn den Rana streitig Ein ebenso treuer Kämpe und ein Urbild von Kraft, beides Eigen- schafren, die man bei einem Schutzhund besonders erwartet, ist der Deutsche Boxer. Dex Airedaleterrier, auch „Kriegshund" genannt, ist eine aus England eingeführt Rasse, die wegen ihrer Unerschrockenheit und Wetterfestigkeit in vielen Teilen unseres Vaterlandes sehr beliebt .und bevorzugt ist. Der Rottweiler besticht durch seine muskulöse Kraft, seine Ruhe und Schärfe. Seine Zucht befindet sich zum größten Teil noch in Metzgerhänden. Der Riesen- s ch n a u z e r als jüngster unter den Polizei- und Schutzhunderassen hot seine Fähigkeiten als Riesenschnauzer. Dobermann. Boxer. Deutscher Schäferhund. MM Schutz- und Polizeihund bereits unter Beweis stellen können. Alle diese Rassen stellen Hunde von hervorragender Klasse dar. Für den Liebhaber von Polizei- und Schutzhunden ist es daher nicht leicht, sich ohne weiteres vom Standpunkt der Rangklasse aus für eine bestimmte Rasse zu entscheiden, wenn nicht schon vorher eine besondere Vorliebe für die eine oder andere Art des Hundes oorliegt. Die Temperamente der einzelnen Rassen und ihr Aeußeres, wie auch die Erfordernisse für ihre Pflege sind so verschieden, daß tatsächlich die Entscheidung für den Hundeliebhaber bei der Anschaffung eines solchen Tieres schwer ist Eine besondere Freude ist es, wenn man diese wertvollen Hunde bei der Arbeit zu ihrer Aus- und Fortbildung beobachten kann. Der Polizei- und Schutzhunde-Verein 1914 Gießen gab uns auf unseren Wunsch hin die Möglichkeit, dieser Arbeit seiner Hunde zuzuschauen und einige interessante Hebungen im Bild festzuhalten. Wir sahen dabei zunächst, mit welcher Geschlossenheit der Kraft und Spannung die Hunde vor dem Beginn ihrer Arbeit auf dem Dressurplatz beisammen waren, da ihnen ja das bekannte Hebungsgelände schon ins Bewußtsein rief, was es jetzt zu leisten galt. Hnser Bild zeigt daher auch Herr und Tier voll gespannter Aufmerksamkeit und voll Harmonie sich auf die Lösung der Aufgaben einstellen. Hnd dann sahen wir die braven Vierfüßler in mancherlei Lagen bei ihrer Arbeit. Da offenbart sich, wie der treue Hund seinem Herrn bei einem Heberfall vor dem Auto zu Hilfe eilt; die beiden Insassen des Autos sind durch einen mächtigen Baumstamm zum Halten des Wagens veranlaßt worden und gerade damit beschäftigt, das Hindernis aus dem Wege zu räumen, als der Heberfall erfolgt und der Kampf von Mann zu Mann entbrennt, in den der treue Hund, blitzschnell herbeieilend, zum Schutze seines Herrn tapfer eingreift. Wir sehen weiter, wie das Tier seinen überwältigt und gefesselt am Boden liegenden Herrn durch die Kraft des Gebisses befreit. Ein anderes Bild zeigt, wie der Schutzhund voll Heberfall auf Automobilisten. Hurdensprunq. Der Hund befreit seinen gefesselten Herrn. '(AusiiaijLien? Neuner, Gießener Anzeiger.) Herr lind Hund oot* d:r Drcssurarbeit. W Wirtschaft 789: 790: 791: Freude, sich als Außenseiter einmal für einige Stunden mit diesen herrlichen Tieren und ihrer ausgezeichneten Arbeit zu beschäftigen. Man erhält dabei ungefähr eine Ahnung von der großen Freude, die den Besitzern dieser Hunde aus der Beschäftigung mit ihren vierbeinigen Gefährten und treuen Weggenossen täglich aufs neue erwächst. Wenn wir jetzt in unserem lieben Vaterlands und damit auch in unserer engeren Heimat erfreulicherweise wieder durchaus geordnete Zustände auf dem Gebiete der öffentlichen Sicherheit und des Schutzes der Privatinteressen durch eine starke und machtvolle Staatsgewalt genießen, so wäre es doch ein großer Gewinn für die Allgemeinheit, wenn sich die Mitarbeit an diesem Zweig der Tierhaltung auf immer größere Bevölkerungskreise in Stadt und Land ausbreiten würde, zur Bereicherung des persönlichen Erlebens des Züchters durch die Freude am Tier, aber auch zum Nutzen der Volksgesamtheit. Einführung neuer französischer Antragsformulare für Einfuhroewilligungen. Die Leipziger Herbstmesse 1935 beginnt am Sonntag, dem 25. August, und dauert bis einschließlich Donnerstag, den 29. August, die Textilmesse wird am Mittwoch, dem 28. August, beendet, während alle anderen Zweige der Mustermesse am 29. August schließen. Auf dem Ausstellungsgelände wird die Messe für Bau-, Haus- und Betriebsbedarf durchgeführt; sie dauert ebenfalls vom 25. August bis einschließlich 29. August. Neue Vorschriften für die Ausfuhr nach OteFndustne- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 786: Vorläufige Regelung des brasilianischen Zahlungsverkehrs mit Deutschland. 787: Abkommen mit Holland über gegenseitige Zulassung von Arbeitskräften. 788: Verordnung über die Umrechnung fremder Währungen bei der Berechnung der Wechselsteuer vom 11. Mai 1935. Griechenland. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. Am Frankfurter Getreidegroßmarkt blieb die Geschäftstätigkeit auch in der abgelaufenen Woche außerordentlich eng begrenzt. Die Mühlen bekunden mit Rücksicht auf ihre erheblichen Lagerbestände mit Aufnahmen in Brotgetreide weiterhin Zurückhaltung. Das Angebot in Weizen ist etwas kleiner geworden und fand verschiedentlich etwas Aufnahme, dagegen blieb Roggen stark an- geboten und ohne Interesse, insbesondere bei den Großmühlen. Lediglich bei den weniger gut versorgten kleinen Landmühlen machte sich zeitweise etwas Kaufneigung geltend. An Brotgetreide zu Futterzwecken ist der Markt weiter ziemlich überfüllt, der Absatz bleibt schwierig. Nur im Zusammenhang mit Soyaschrot fand Eosin-Weizen einige Käufer. Futtergerste war nicht mehr so stark gefragt und leichter erhältlich, dagegen ist Hafer nur im Verband mit schweren ölhaltigen Futtermitteln zu beziehen, jedoch wurden besondere Um- sätze wieder nicht bekannt. Die Futtermittelmärkte liegen eher ruhiger, wenngleich nach Soyaschrot und anderen ölhaltigen Artikeln, sowie für Kleie weiter großer Bedarf besteht und die Angebotsverhältnisse tn den genannten Artikeln noch keine Besserung aufwie- fen. Dagegen blieb das Angebot in anderen Futtermitteln, wie Nachmehle, Malzkeime, Futtermehle und Melasse-Mischfutter, zum Teil überreichlich. Für Treber ließ der Preis um 0,50 RM. auf 18,50 je Doppelzentner nach, außerdem ging von Rauhfuttermitteln Heu auf 10,00 (10,25—10,50) weiter zurück. Stroh blieb unverändert. Das M e h l g e f ch ä f t blieb weiterhin sehr klein, lieber die Auswirkung des neuen Mehlschlußscheines herrschte vielfach noch in mancher Beziehung Unklarheit, so daß der Handel in seinen Dispositionen noch vorsichtiger geworden ist. Für Weizenbrotmehl blieb die Nachfrage befriedigend, dagegen hat sich das Interesse für das neue Roggenmehl Type 815 noch nicht gehoben. Am K a r t o f f e l m a r k t ist die Haltung fest, die Nachfrage nach alten Kartoffeln hat mit der fortschreitenden Jahreszeit stark zugenommen. Die Preise haben sich weiter etwas erhöht. Indu- strie hies. Gegend notierten 3,40 (3,30), gelbfleischige hies. Gegend 3,10 (3,00) per 50 Kilogramm bei Waggonbezug. * Wieder 4 v.H. Dividende bei der Deutschen Erdöl AG., Berlin. In der Bi- Mimg des Aufsichtsrats wurde der Abschluß 34 vorgelegt. Die Verwaltung schlägt vor, eine Dividende von unv. 4 v. H. zur Verteilung zu bringen. Hauptversammlung 26. Juni. Hhein-Mainische Mittagsbörse. Ueberwiegend fest. Frankfurt a. M., 17. Mai. Auch heute lagen von der Kundschaft wieder zahlreiche Kaufaufträge vor, denen jedoch auch einige Abgaben aus der Kulisse und zum Teil der Banken gegenüberstanden. Die Kursentwicklung war daher etwas uneinheitlich, immerhin überwogen am Aktienmarkt weitere Befestigungen von durchschnittlich 0,50 bis 1 v. H. Das Geschäft ist im ganzen etwas kleiner geworden, in manchen Spezialwerten erreichte es aber weiterhin größeres Ausmaß. Besondere Motive lagen nicht vor, man verweist indes auf die nach wie vor guten Abschlüsse der Industrie. Inwieweit auch heute Käufe gegen Sperrmarkt erfolgten, war nicht zu erkennen. Stark erhöht waren am Elektromarkt Schuckert auf die guten Abschlußziffern mit 116 (112,25). Lebhaft blieben AEG. mit 39,75 bis 40 (39,65), Gesfürel, Felten, Elektrische Lieferungen und Bekula zogen bis 0,75 v. H. an, während Lahmeyer 0,75 v. H. und Licht und Kraft 0,25 v. H. nachgaben. Siemens lagen mit 164 etwa behauptet. Am Montanmarkt zeigten die Kurse bei kleineren Umsätzen keine nennenswerten Veränderungen mit Ausnahme von Harpener, die um 1,50 v. H. anzogen. Rheinstahl notierten 110 (109,90), Mannesmann 79,75 bis 80 (80), Buderus 99,25 (99) und Stahlverein 81,25 (81,40). Kaliaktien blieben unter Berücksichti- §ung des Dividendenabganges voll behauptet. Am hemiemarkt wurden IG. Farben mit 148 bis 147,75 (147,25) lebhaft umgesetzt, Deutsche Erdöl aus die guten Abschlüsse im Erdöl-Konzern auf 113,50 (112,40) erhöht, ferner setzten Metallgesell- schaft ihre Erhöhung auf 103,40 (101) fort. Sonst eröffneten u. a. Daimler, Eßlingen - Maschinen, Moenus-Maschinen, Deutsche Linoleum, Holzmann und Zellstoff Waldhof bis 6,50 v. H. fester, dagegen gingen Reichsbank um 0,75 v. H., AG. für Verkehr um 0,50 v. H., Zellstoff Aschaffenburg 0,50 v. H. und Conti Gummi 0,75 v. H. zurück. Schiffahrtswerte und AKU. lagen behauptet. Deutsche Renten blieben weiterhin stark vernachlässigt, wobei Altbesitz und späte Schuldbuchforderungen je 0,13 v. H. nachgaben. Zinsoergütungsscheine und Kommunal-Umschu^ung lagen unverändert, Reichsbahn-VA. 0,13 v. H. höher. Lebhaft waren im Freiverkehr zertifizierte Dollar-Bonds, 6 v. H. Preußen 3. Zertifizierung 65,50 (63,75), 4. (Nachzertifizierung) 65 (63,25). Ferner hatten Ruffen-Gulden mit 1,37,5 bis 1,40 (1,25) sowie polnische Eisenbahn-Anleihen mit plus 1 v. H. größeres Geschäft, außerdem waren Mexikaner bei anziehenden Kursen lebhafter. Im Verlaufe blieb die Grundtendenz fest, die Kursentwicklung war bei nachlassendem Geschäft uneinheitlich, da vielfach auf der erhöhten Basis einige Gewinnmitnahmen erfolgten. Leicht rückläufig waren u. a. Schuckert, AEG. Metallgesellschaft, Harpener und Rheinstahl, andererseits waren AG. für Verkehr, Lahmeyer, Hanfwerke Füssen und Moenus- Maschinen noch bis 0,75 v. H. höher. Die später zur Notiz gekommenen Papiere lagen meist etwas fester, etwas schwächer lagen Scheideanstalt mit 221 (222). Der Rentenmarkt lag weiterhin ruhig, Zinsver- gütunasscheine gingen um 0,10 v. H. auf 90,15 zurück. 1Der Pfanobriefmarkt verzeichnete nur wenig Aenderungen, auch Stadtanleihen lagen ziemlich behauptet. Von Ausländern blieben Schweizer Bahnanleihen sowie einige Stadtanleihen gesucht, schwächer lagen aber 5 v. H. Bosnier Eisenbayn mit 15,25 (16,13). Zertifizierte Dollar-Bonds, Mexikaner und Russen lagen etwas ruhiger. starker Kraft das Hindernis eines Gebüsches, dar- gestellt durch eine geflochtene Hürde, überwindet, oder wie er mit Gewandtheit, Mut und Kraft an der Bretterwand emporklettert, um dann an der anderen Seite sich hinabzuschwingen und die Verfolgung des Missetäters fortzusetzen. Voll Kampfes- freube und unerbittlicher Schärfe geht er aber auch dem Uebeltäter an die Hofen und hält ihn an einem mit scharfem Biß gefaßten Stück Kleidung fest, so daß dem Friedensstörer das Ueberflettem des Zaunes und damit das Entkommen unmöglich gemacht wird. Als aufmerksamen Beschützer sehen wir den treuen vierbeinigen Hausgefährten auf einem anderen Bilde, das uns zeigt, wie unbesorgt die Eltern ihre Kinder dem Schutze eines gut ausgebildeten Hundes anvertrauen können. Und nicht minder respekteinflößend, aber auch voll edler Tierschönheit sind die prächtigen Hundeköpfe, die uns die in Gießen z. Zt. vorhandenen Schutz- und Polizeihundrassen anschaulich machen. Es ist fürwahr eine Tagesgekd blieb mit 2,25 v. H. leicht und unverändert. Abendbörse: fest. Bei lebhaftem Geschäft fetzten sich an der Abendbörse die Kurssteigerungen am Aktienmarkt fort. Besonders IG. Farben waren gesucht und auf 149,75 bis 150,25 (149,40) befestigt, außerdem zogen die meisten Elektro- und Montanaktien weiter bis 1 v. H. an. Scheideanstalt gewannen 2 v. H. auf 223. Für die übrigen Werte ergaben sich durchschnittliche Befestigungen von 0,25 bis 0,75 v. H. gegen den schon wesentlich erhöhten Berliner Schluß. Etwas schwächer lagen nach dem starken Anstieg Chade A—C mit 304 bis 303 (306). Don Einheitswerten stiegen Ehern. Milch auf 88 (86), ©inner, Grünwinkel, auf 91 (89,50). Deutsche Renten lagen sehr still und schwächer, wobei Altbesitz um 0,40 v. H. auf 115,13 und Deko- fama I um 0,25 v. H. auf 114,90 nachließen. Von Industrie-Obligationen 6 v. H. Stahlverein 102 (101,75), IG. Farben-Bonds 130,13 (129,75). Ausländische Renten, insbesondere Mexikaner, Türken, Ungarn, Rumänen, Warschau-Wiener und Vorkriegs- Russen, weiter lebhaft und höher. Ferner waren Dollar-Bonds weiter erhöht. Schwächer lagen 3,5- prozentige Schweizer Bundesbahn mit 173 (175), 4prozentige etwa 178 (180). Im Freiverkehr Weilwerke mit 108,50 bis 110 fest. U. a. notierten: Altbefitz 115,13, Dekofama I 114,90, 6 v. H. Stahlverein 102, 4,50 o. H. Frankfurter Hypvtheken-Gvld R 8 bis 10 96, 1914er Ungarn 8,25, Ungarn Gold 8,60, 5 v. H. Rumänen 5,25, 4 v. H. Rumänen 4,70, 5 v. H. innere Mexikaner 6,70, 5 v. H. Goldmexikaner 14,65, 3 v. H. Silber 6,10, Buderus 101,65, Harpener 109,50 bis 110, Mannesmann 81,75 bis 82, Rheinstahl 112, Stahlverein 82,50, AEG. 40, Zement Heidelberg 117,75, Scheideanstalt 223, IG. Farben 149,75 bis 150,25, Gesfürel 124,50 bis 124,75, Lahmeyer 127, Metallgesellschaft 103,25, Moenus 86,75, Siemens 167, Schuckert 116,50, Schöfferhof 165, AG. für Verkehr 86, Anatolier I und II 39,75 bis 39,90, Chade A—C 304 bis 303, 3,5 v. H. Schweizer Bundesbahn 173. Frankfurter Elermarkt. Frankfurt a. M., 17. Mai. Angesichts der kühlen Witterung hat sich die Produktion ziemlich verringert, so daß die Anlieferungen knapper geworden sind. Da anderseits die Nachfrage des Publikums zugenommen hat, wurden die zugeführten Mengen glatt verkauft. Von ausländischen Eiern kamen nur Holländer und in kleinem Umfange Belgier an die Märkte. Es notierten in Pfg. pro Stück frei Frankfurt a. M. (Großhan- delsverkaufspreife an den Kleinhandel): Deutsche Handelsklasseneier S 9,75—10, A 9,25—9,50, B 8,75, C 8,25, D 7,75. Holländer Kl. S 9,75, A 9,50, B 8,50—8,75. Flandern Kl. S 9,75, A 9,25, B 8,50. Frankfurter Vuttermarkt. Frankfurt a. M., 17. Mai. Im Gegensatz zu anderen Teilen im Reich, wo ausreichende Zufuhren in deutscher Butter vorliegen, blieben die Anlieferungen in Süddeutschland recht knapp. Die kalte Witterung hemmt die Erzeugung. Die Nachfrage blieb zufriedenstellend, sie hat durch das verbilligte Angebot in Spargeln koch eine leichte Zunahme erfahren. Infolgedesien werden die Ankünfte glatt untergebracht und die festgelegten Preise werden erzielt. Es notierten in RM. pro 50 Kilogramm frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise an den Kleinhandel): Deutsche Mar- fenbutter 143—145, feine deutsche Molkereibutter 143, deutsche Molkereibutter 140—142, Landbutter 125—130, Kochbutter 115—120, Holländische But- ter je nach Qualität 146—148. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Sonntag, den 19. Mai. Kantate. Gießen. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Propst Knodt; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäusgemeinde; 9.30: Studienrat Dr. Unverzagt; 11: Kinderkirche für die Markusgemeinde, Studienrat Dr. Unverzagt. — Johanneskirche. 8.10: Pfarrer Ausfeld, Militärgottesdienst; 9.30: Pfarrer Bechtolsheimer; 11: Kinderkirche für die Lukas- gemeinde, Pfarrer Becktolsheimer; 14: Christenlehre für die Neukonstrmierten der Johannes- gemeinoe, Pfarrer Ausfeld; 20: Bibelbesprechung im Johannessaal, Pfarrer Ausfeld. — Kapelle des Allen Friedhofs. 9.30; zugleich Christenlehre für die neukonfirmierten Knaben der Luthergemeinde; 10.45: Kinderkirche für die Luthergemeinde. — Petruskapelle. 9.30: Pfarrer Trapp; zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Petrus- gemeinbe. — Saal der neuen Krippe. 11: Kinderkirche für die Iohannesgemeinde, Pfarrer Ausfeld. — Mefeck. 9.30: Beichte; 10: Predigtgottesdienst, im Anschluß Feier des hl. Abendmahls, Kollekte; 20: Bibelstunde. — Steinbach. 9.30: Beichte; 10: Gottesdienst und Abendmahl, 3. Kollekte. — Albach. 13.15: Gottesdienst. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst; 10: Kindergottesdienst. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst stuck, theol. Gutsche; 11: Kindergottesdienst, 1. Abteilung. — Lollar. 13.15, Kollekte; — Daubringen. 13.15, Kollekte. — Kirchberg. 10: Kollekte für die Kirchenmusik; 11: hl. Abendmahl für die Jugend von Mainzlar. — Treis a. d. Lda. 10: Hauptgottesdienst (Kantatefeier); 13: Katechis- muslehre. — Garbenteich. 13: Gottesdienst. — Hausen. 10: Gottesdienst, anschließend Christenlehre. — Watzenborn-Steinberg. 10: Liturgischer Gottesdienst unter Mitwirkung des Kirchenchors. — Lich. 9.30: Stiftsdechant Kahn, Frauen- und Kirchenchor, Kollekte, Christenlehre für die weibl. Jugend; 12.45: Kinderkirche. — Nieder-Befsingen. 14: Stiftsdechant Kahn, Kollekte. — Hungen. 9.45: Gottesdienst, anschließend Christenlehre. — Langd. 13: Gottesdienst, anschließend Christenlehre. — Langsdorf. 10: Kindergottesdienst; 11: Hauptgottesdienst. — Bettenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst. — Wünzenberg. 10.30: Gottesdienst mit Kollekte-; 13.30: Christenlehre. — Trais-Wünzenbera. 8.30: Prediqtgottesdienst mit Christenlehre und Kollekte. — Ober-Gleen. 9: Kindergottesdienst; 10: Hauptgottesdienst, Pfarrer Jakobi (Eisemroth). — Wir- berg. 9.30: Gotte«dienst, anschließend Feier des hl. Abendmahls für die Altverheirateten, Kollekte. — Beltershain. 13: Gottesdienst, anschließend Feier des hl. Abendmahls für die Altverheirateten, Kollekte. — Kirtorf. 10: Kindergottesdienst; 13: Hauptgottesdienst, Pfarrer Jakobi (Eisemroth), Posaunenchor Eisemroth. Evangelische Stadtmission (Löberstraße 14). Sonntag, den 19. Mai. 8.30 Uhr: Morgenandacht; 9.45: Sonntagsschule; 20.30: Evangelisationsvortrag. Mittwoch, den 22. Mai. 20.30 Uhr: Oeffentlicher Familien-Abend. Neuapostolische Gemeinden Gießen. Händelstraße 1 — Ederstraße 13. Sonntag, den 19. Mai. 9.30 Uhr: Gottesdienst; 16: Gottesdienst. Mittwoch, den 22. Mai. 20.30 Uhr: Gottesdienst. Bapttsten-Gemeinde (Gartensttaße 13). Sonntag, den 19. Mai. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 20.30: Prediger Loh. Donnerstag, den 23. Mai. 20.30 Uhr: Bibelstunde, Prediger Falk. Die Heilsarmee (Grabensttaße 11). ; Sonntag, den 19. Mai. 9 Uhr: Heiligungsoersammlung; 11: Kindergottesdienst; 20.15: Feier des 7. Jahresfestes. Dienstag, den 21. Mai. 20.15 Uhr: Mitglieder-Verfammlung. Mittwoch, den 22. Mai. 15 Uhr: Kinderstunde; 20.15: Heiligungsver- fammlung. Freitag, den 24. Mai. 20.15 Uhr: Nähabend für Frauen und junge Mädchen. katholische Gemeinden. Samstag, den 18. Mai. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 19. Mai. 4. Sonntag nach Ostern. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe, Kommunion der Kinder; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14.30: Christenlehre und Andacht. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 8: Hochamt mit Predigt. — Laubach. 10: Hochamt mit Predigt; 14.30: Vortrag und Andacht. — Lich. 10: Hochamt mit Predigt; 20: Vortrag und Andacht. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. — Schotten. 10.30: Hochamt mit Predigt. Dienstag, den 21. Mai. Gießen. 20 Uhr: Maiandacht. Mittwoch, den 22. Mai. Hungen. 6.15 Uhr: Messe. Freitag, den 24. Mai. Gießen. 20 Uhr: Maiandacht. Oeffentlicher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende» Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachadholer f bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Arzt: Frl. Dr. Gürtler; Dr. Ploch. Apotheke: Hirsch-Apotheke. Zahnarzt: Dr. Buchinger. Kurszettel her Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe Der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt 0.2)1 Berlin Frankfurt a. M Serlln Frankfurt a. M. Berlin Schluß» turs Gchlußk. Abendbörse Schluß« hird Schlußk. Mittag» bürse Schluß» kurs Gchlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag- börse Schluß« kurs Schlußk. Abend- börse Schluß-1 kurs Schlußk. Mittag- börse Datum 16.5 17.5 16.5 17.5 Datum 165 17 5 16.5 17.5 Datum 16.5. 17.5 16.5 17.5 6% Deutsche Retchsanleihe v. 1927 4% Deutsche Retchsanl. von 1934 6%% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 100 96,9 102,25 100 96,7 102,5 100,25 96,9 102,5 100,25 96,7 102,75 4% beSal. Serie 11 . 9,75 4,75 7 4,5 9,75 5 7,13 4,7 ManSselder Bergbau ....... .. 8 112,5 113,5 112,75 117,65 114 118,5 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4y,%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 5 7,4 4,5 5,25 7,45 4,65 .. 6 Phönix Bergbau........... .. n Rheinische Braunkohlen .... 12; 228,75 229 228,25 229,5 Ausloi -Neckten 115,75 115,13 115,75 115,5 2 *4% Anatolier ............... 38,75 39,9 38,75 39,4 Rheinstahl ................ Bereinigte Stahlwerke...... B’/3 .. O 109,9 112 82,5 109 81 25 111,4 82 4*/,% Deutsche Reichspostschatzan- 81'4 Weisungen von 1934, I....... 100,5 100,6 100,4 100,5 Hamburg-Amertta-Paket .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. O 33,75 33,75 33,5 28 33,75 28 Ltavi Minen ............. .. O 19,25 19,25 122,5 19,25 126 6% efcm.8% Hess. Bollsstaat 1929 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 126,5 123 (rückzahlb. 102%) ............ 98,25 96,25 98,25 96,25 98.25 Norddeutscher Lloyd ....... 0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 35,5 86,25 35,65 86 35,5 86,4 111,25 35,65 85,75 112 Kaliwerke Westeregeln...... Kaliwerke Salzdetfurth ..... . 5 125,75 170 123 162 125,5 169,5 122,5 164 4%% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 96 7% 6y,% ehem. Hess. LandcS^ypo- 3. G. Farben-Jndustrte..... 100,75 100,5 Commerz- und Prlvat-Bank ... O 93 92,25 93 92,13 .. 7 147,25 150,25 147,25 149,4 lhckenbcmk Darmstadt Staut ... Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................o Dresdner Bank.............. o Sckeideanstalt............. .. 9 223 99,13 114,5 103,25 4K% ehem. 8% Darmst. Komm. 93,75 93,75 161,75 93 93 161,4 93,75 93,75 161,25 -93 93 161,25 Goldschmidt .............. .. O 98 114.25 98 114,4 100.5 98,5 114,9 103,5 LandeSb.Goldschuldverschr. R.6 91,75 91,75 — .. 4 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Reichsbank ............. 12 Metallgesellschaft........... .. 4 124 Deutsche Komm. Eammelabl. An- Philipp Holz mann......... Zementwerk Heidelberg .... Cementwerk Karlstadt....... .. O 92,5 leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 115,5 114,9 115,75 115,5 A.E.G......................0 39,65 133,75 40 39,65 134 39,75 93 92,75 92,25 4%% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar btS 1935 Bekula.................... 10 134 134 .. 6 116,9 117,75 96 96 96,25 96,25 Elektr.Lieferungsgesellschaft... b 107,25 109,5 107 109 .. 4 6y.% ehem. 4y2% Franks. Hyp.- Licht und Kraft ........... ey, 127 127 126,5 127,5 100,8 100,55 _ stellen & Guilleaume......... 0 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........5 97 98 97,5 97,75 Schultheis Patzenhofer ..... .. 4 109,5 109,25 6¥i% ehem. 4y,% Rheinische 122 124,75 122,25 124,13 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O 93,9 53,9 53,75 53,75 Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldpfe..... 101 101 100,75 101,4 133,5 133 134 130,75 Bemberg................. .. 0 113 114,65 113 114 4Vi% ehem. 8% Pr. Landespfand- ortesanstalt, Pfandbriefe R. 19 4%% ehem. 7% Pr. LandeSpsand- briesanst., Gold Komm. Cbl.VI Rhein. Wests. Elektr..........6 —- — — Zellstoff Waldhof .......... .. 0 117,25 118,5 117 118,25 96,75 96,75 96,75 96,75 Schuckert L Co............ 4 Siemens L Halske....... 7 112,25 164,5 126,25 116,5 167 127 112 164 117 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 89,5 89,5 88,65 126,75 19,65 163 86,5 89,25 129,4 90,13 163,5 85,75 166,25 Dessauer Gas ..... ...... .. 7 96,75 106,1 96,75 96,75 96,75 106,13 Lahmeyer & ........ 7 124,9 127,5 Daimler Motoren.......... .. O 89,75 162,5 89,65 163,5 Steuergutsck.BerrecknungSk. 85-39 106,13 106,1 Deutsche Linoleum ........ .. 6 Buderus ....... 0 99 101,65 99,25 101,4 Orenstetn L Koppel ........ .. 0 4% Oesterretchtsche Goldrente.... 29 29,5 29 30,5 Deutsche Erd« ..............4 H2,4 113,5 111,65 113,9 Westdeutsche Kaufhof....... .. u 15,13 35 34,75 34,9 4,20% Oesterretchtsche SUberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 1,25 8,3 7,9 1,2 >,25 7,7 1,3 8,45 8,2 Gelsenkirchener.............. 0 107 96,25 109,4 97,75 Chade.................... 290 166 153 303 167,5 154 289 167 152,4 306 167 154,5 8,1 7,65 Harpener...................0 Hoesch Eisen—Köln-Neuesfea .. 0 107 110 Contt-Gumm» 7........... 7^8 4%% desgl. von 1913.......... 7,9 14,4 8,1 14,5 7,8 8,3 Ilse Bergbau ............... 6 Ilse Bergbau Genüsse........ 6 _ _ 161 129,5 161 5% abgest. Goldmexikaner von 99 14,4 14,4 129,5 132 132,25 Gritzner.................. .. 0 j6,9 37,9 66,9 37 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie I..................... Klöcknerwerke ............. gy, 92,13 80 93,25 82 92,25 80 93,25 Matnkraftwerke Höchst a.M.. Süddeutscher Zucker....... .. 4 92,5 171 93 171 9,75 9,75 — — Mannesmann-Röhre« ........ Ö 81,4 .. • 1 170 171 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. ZIL Banknoten. 16.Mai 17-Mai Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Buenos SItrer 0,653 0,662 0,658 0,662 Brüssel..... 41,98 42,06 41,98 42,06 Rio de Ian. . 0,179 0,181 0,169 0,171 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3 053 Kopenhagen. 54,19 54,29 54,50 54,60 Danzig..... 46,77 46,87 46,77 46,87 London ..... 12,135 12,165 12,205 12,235 HelstngforS.. 5,355 5,365 5.38 5,39 Paris ...... 16,365 16,405 16,365 16,405 Holland .... 168,35 168,69 168,33 168,67 Italien..... 20,53 20,57 20,53 20,57 Javan ...... 0,714 0,716 0,718 0,720 Jugoslawien. 5,649 5,661 5,649 5,661 Oslo..... : 60,99 61,11 61,34 61.46 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,015 11,035 11,08 11,10 Stockholm... 62,58 62,70 62,94 63,06 Schweiz .... 80,32 80,48 80,32 80,48 Spanten.... 33,92 33,98 33,95 34,01 Prag....... Budapest ... 10,345 10,365 10,345 10,365 Neuyork... 2,485 2,489 2,486 2,490 Berlin,i7.Mai Geld Brief Amerikanische Noten.............. 2,438 41,82 54,29 12,17 16,305 167,91 19,92 61,13 2,458 41,98 54,51 12 21 16,365 168,59 20,00 61,37 Belgische Noten.................. Dänische Noten ................. Englische Noten ................. Französische Noten............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Lesterretch, ä 1OO Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. 62,72 80,09 33,48 62,98 80,41 33,62 Spanische Noten................. Ungarische Note» .... ..... ..... S?er f. N'- b.r kn-p^lh >67 '■ ÄN in en^aib ,°«»F !54 Kr SL -D leiste l 'rb™ bie ün. 'in &‘e8l,nil L®r“tta£ ' KZch- Mar. ‘ He« butt« i Sonbbutter indische Lut. Abend, ließen. >e 13. dienst. aße 13). Prediger Loß. galt, je 11). . H: Kinderaot» festes. ng. '■ heiligungsver- ■ len und junge L te. g H Ofiem. Mch, Kommu- 1: Hochamt mit 130: Christen- 1; Hochamt mit it Predigt. - 14.30: Dortrag lit Predigt; 20: 3: Hochamt mit nt mit Predigt. i. ensl. in dringende» i, Notruf Tel- Schalterdienst ßfachabholer 1 2500. och. utt a.M- 17.M' 62-$ Sä 33,ö "Ä- ■^458 41-98 54,5 12 2 16,3 168-59 20,0$ Bl-37 0,662 42,06 0,171 3,053 54,60 46,87 12,235 5,39 16,405 168,67 20,57 ,720 5,661 61-46 49,05 11,10 63,06 80,48 34,01 10.365 2,490 IP 1--—' 6SF ,98 169 J47 ,50 ,77 205 .38 365 1,33 1,5 ,718 649 ,34 1,95 ,08 ',94 1,32 ,95 345 486 Wandern und weisen ♦ Bäder und Sommerfrischen. Frühling in Hildesheim. Hildesheim, im Mai. Heute habe ich hier den Frühling erlebt. Als ich auf dem Markt stand und auf einmal unvermittelt all' die wundervollen alten Bauten zusammen sah, war ich tief bewegt. Die vielen Stockwerke des „Knochenhauerschen Amtshauses" ragten hochgiebe- lig, bunt und leuchtend in den zartblauen Frühjahrshimmel. Es erschien mir als das schönste Fachwerkhaus, das ich je gesehen. Der Bürgerstolz der alten Hansestadt und ihre mittelalterliche Handwerkskunst konnten sich kein schöneres Denkmal setzen. Sehr sein, aber nicht so imponierend wirkte das Tempelhaus, fast der einzige weltliche Steinbau des alten Hildesheim; zierlich und doch wehrhaft ist es das Ritterhaus in dieser bürgerlichen Stadt. Dann die vielen anderen schönen Bauten am Markt, die kleinen, engen Gassen — die Straßen der mittelalterlichen Stadt, die sich hier so zahlreich erhallen haben — diese ganze leuchtende Farbigkeit harmonisch zusammengefaßt durch den hellblauen Himmel, es war einzigartig. Steil steigt der Turm der Andreaskirche in die Unendlichkeit, hoch empor über die Masse der Bürgerhäuser. Es kann einen schwindeln, wenn man unten an seinem Fuße steht und zur Spitze hinauf- sieht. Dann im Gegensatz dazu breit hingelagert auf Hügeln, im Grünen, die romanischen Bauten: St. Michael, der graue Dom mit seinem grünglänzenden Kupferdach, und St. Godehard. Es sind die alten Gegensätze, die hier in diesen Kirchenbauten aus dem Geist der Romantik und Gotik gestaltet sind: gesammelte Kraft vor der Wirkung und wirkende, tätige Kraft. Zuletzt noch ein Frühlingsspaziergang droben über den Wall, wo man auf gleicher Höhe steht mit den roten Ziegeldächern und wo unten auf der anderen Seite in der Tiefe sich das Wasser des Wallgrabens hinzieht. Diesmal war's droben besonders schön, wo all' das junge Grün sich von der Sonne liebend wärmen ließ und wo all' die bunten Kleider und die suchenden, blanken Mädchenaugen sagten, daß das Jahr seine Jugendblüte feiere. H. O. Erster Wandertag. Von Alfred Hein. Rach langem Winter lockt wieder ein linder, sonnenfroher Morgen zum Wandern. Die Flucht aus der Stadt, der Weg durch Wiese und Wald stimmen festlich und froh. Zum erstenmal drückt der Rucksack wieder den Rücken; aber gerade seine Beschwerlichkeit schafft wanderfrohes Beschwingtsein. Mutter Erde, da sind wir wieder, wir stillen Glücksucher! — — Wanderschaft ist Heimkehr der Seele, die schon von der Großstadt verschüttet schien und in erdrückenden Zimmern wie ein gefangener Vogel gegen die Scheiben schlug, um schließlich wüde den Käfig als unabänderlich hinzunehmen. Von luftiger Höhe blicken wir auf die alte kleine Stadt unten im Tale. Sie hat noch das Bunte und Zieratfeine verschollener Jahrhunderte — Fürstenschloß, Kirche und Rathaus, Tortürme und stolze Giebel vornehmer Bürgerhäuser, bescheidenere Fachwerkhäuschen dazwischen — nur wenige Menschen darin — aber jeder hat sein Haus, seinen Garten, seine Welt. Ganz schmal fügt diese kleine Welt sich klar und still, fernab von den großen Straßen, mit wenigen Gassen, die alle in den Bergwald führen, ins Tal, das mit dem zarten Grün der Buchen die Hänge emporleuchtet, bis dahin, wo große, starke Tannen als Hüter der weiten Nadelwälder aufragen. Darüber wölbt sich der blaue Himmel voller Wolken, die den weißen Glanz des Lenzes auf ihren leichten Leibern tragen — und dieses schon voll im Höhepunkt stehende, sonnenlodernde Fest des Mittagshimmels sprüht in die Wipfel der Bäume herab, der zarten Birken, der immergrünen Fichten und Tannen, der harten, schwarzen Eichen. Die Wipfel saugen das Licht. Das Gezwitscher und Gepfeife der Stare, Meisen, Grasmücken hat kein Ende. Da wird ein Lied in der Brust wach und springt hervor wie Schneeglöckchen aus dem dürren Gras am Wald, frisch und keusch und freudig, als wäre es zrim ersten Male. An einsamem Waldrand, hoch im Tannenwald, wo die reinen, mächtigen Grünseelen ragen, wohlvertraute Freunde nur der Förster und der Rehe, die hier am Abend aus dem Dickicht treten, wird Mittagsrast gehalten. Und täten sich jetzt die Tore von tausend Palästen auf, lockten mit Flöten und Geigen zu festlichem Prunkmahl aus silbernem und kristallenem Geschirr — wir würden nur sagen: Laßt uns Wanderer am Wege bleiben, frühlings- beglückte Freunde des Bergwaldes, der uns das Gold der Sonne, das Rauschen des Bergbaches, die Musik der Waldvögel, die Speise des Rucksacks, das unveräußerliche Wanderglück in der Brust schenkt. Dann wird es Abend. Fahl der Himmel, scharf der Sturmwind auf der Höhe. Einsam und un- heimlich dehnt sich kahles Hochmoor, von dem der Wald rund um die Berge hinab xu fliehen scheint. Rur eine Eichenallee wandert kühn darauf zu. Und ganz weit vorgewagt, allein, hundertfach ver- knorrt mit fast steinernem Stamm ragt eine tausendjährige Eiche: Symbol unverzagten Kämpfertums, unbändigen Lebenswillens! Mond und Sterne führten uns in ein Dorf am Berghange. Aus dem Gasthaus erklang das Lied der Zither! Junges Bauernvolk, mancher Bursch, manches Mädel noch in der heimischen farbenlustigen Tracht, tanzt seinen Ländler — und wir tanzen mit. Wir aus der Stadt, die uns so fern vorkommt, wenn kraftvolles Bauerntum uns umfängt. Wie schön, wenn die Sprache einmal nicht korrekt hochdeutsch ist! Wie anheimelnd, wenn in gemütlichem Dialekt die stillen naturhaften Ereignisse des Landlebens auftauchen; hinter den Worten steht immer gleich das leuchtend und bunt auf, was sie bedeuten, ob nun der Bauer von seiner Kuh redet oder der Schmied von seinem Blasebalg. Der erste Wandertag des jungen Frühlings hat uns Heimfinden lassen zum deutschen Wald, zum deutschen Land, zum deutschen Menschen! Wanderfahrten. Bieber — Dicke Elche — Blasbach — Altenberg — Bieber. Mit Sonntagskarte fahren wir nach Bieber, gehen von hier durch Hof Haina, später am Forsthaus Haina vorbei nach dem anmutigen, mit schwarzen Dreiecken bezeichneten Schwalbenbachtal. In der Mitte des Tales weist uns ein Schild in wenigen Minuten hinauf nach der unter Naturschutz stehenden Dicken Eiche. Das altehrwürdige Naturdenkmal ist dank dem tatkräftigen Eingreifen des Waldgirmeser Pfarrers vor dem Verfall verwahrt worden. Gelbe Striche leiten uns jetzt in südlicher Richtung zunächst durch Wald, hierauf über einen Wiesenarund bis zur nächsten Wald- spitze, wo wir das Zeichen verlassen uno auf einem Feldweg einen Höhenrücken übersteigen, auf dessen Kamm sich ein prächtiger Blick auf das Blasbach- tat und das zu unseren Füßen malerisch gelegene Blasbach erschließt. Bald darauf erreichen wir den Ort, wo wir rasten können. Wir gehen nun das liebliche, vielgewundene Tal aufwärts, kommen zum Altenberg, ergötzen uns auf der Plattform des neu hergerichteten Turmes an dem herrlichen Panorama und folgen gelben Andreaskreuzen, die uns auf aussichtreichen Wegen nach vierstündiger Wanderung wieder nach Bieber zurückbringen. Nidda — Ulfa — Sfornfets — Reipperls — Schotten. Diese lohnende Vogelsbergwanderung beginnen wir in dem reizvoll gelegenen Städtchen Nidda (Sonntagskarte). Auf guter Landstraße gehen wir zunächst blauen Andreaskreuzen nach, vorwiegend durch Wald, nach Ulfa, wo wir das Zeichen verlassen und in nordwestlicher Richtung weiterwandern. Nach einiger Zeit erreichen wir das hochragende, einer Wartburg ähnliche Stornfels, wo uns eine hübsche Fernsicht reichlich für den Aufstieg belohnt. Hier treffen wir weiße Striche, die uns durch schönen Hochwald nach dem Jagdhaus Wolfslauf führen. Bei dem Jagdhaus hat man eine prächtige Aussicht auf die Wetterau und den Taunus, während etwa 3 Minuten nach Norden zu sich eine herrliche Fernsicht auf den Laubacher Wald, Dünsberg, Gleiberg, Stoppelberg usw. bietet. In einigen Minuten von hier gelangen wir auf den Reipperts (400 Meter) mit wiederum prachtvollen Blicken nach dem Hohen Vogelsberg und der Schot- tener Gegend. Rote Kreuze leiten uns hinab über die sog. Spieß nach dem freundlichen Kreisstädtchen Schotten, von wo wir heimfahren. Dauer der Wanderung VA Stunden. Altes Städtchen am Neckar. Wer kann sich rühmen, wie du von vier Burgen bewacht zu fein, kleines Neckarstädtchen! Ob man mit dem Fluß aus dem Schwabenland gezogen kommt, oder ihm einen Tag lang aus der Rhein- ebene entgegengeht, immer grüßt du den Wanderer mit einem Ausblick auf vier alte Wahrzeichen aus der Ritterzeit. Im schmalen Tal ist nur wenig Platz für deine Häuser und jede Gasse führt hinauf auf eine kleine Anhöhe, die von einer Bergruine geziert ist. Auf jener kleinen Feste, die wie das Nest einer Schwalbe an der dichtbewaldeten steilen Felswand hängt — stolz nennt sie sich darum auch bas „Schwalbennest" — wohnten die „Landschaden", deren Name schon ihr Tun und Treiben verrät. Sie spannten über Landstraße und Fluß eine Kette und machten beim Beutezug auf Kaufahrtei- schiffe und Reisewagen gemeinsame Sache mit den Herren vom Dilsberg drüben, die sich auf der Höhe des kegelförmigen Berges jenseits des Neckars festgesetzt hatten. Man teilte die Beute und hielt zusammen wie Pech und Schwefel. Die Bligger von Steinach waren auch gern bei jedem tollen Streich dabei und beherrschten eigenmächtig den Handelsweg nach dem Welschland hinüber. Sie nahmen sich aus einem Recht ihren Zehnten, bis der Kaiser und die Bauern ihren Trotz brachen und ihre Burgen in Trümmer legten. Auf der bewohnten Mittelburg leben noch heute Nachfahren der alten Geschlechter, friedliche Schutzherren jetzt des Tales, das ihre Väter einst bedrohten. Es ist ein kleines Reich für sich, das hier inmitten des Odenwaldes liegt; denn der Fluß zieht sich in vielen Bogen durch das Bergland, so daß dunkle Kuppen allerorts das Tal verriegeln. So plötzlich wendet sich hier der Fluß nach dem Süden, daß es den Anschein hat, sein Lauf werde durch die Berge begrenzt, und er sei in Wirklichkeit ein See, der da zwischen einem Ring von Bergen wie ein Auge der Erde in den Himmel blickt. Freundlich belaubte Kuppen, die nur durch niedrige Senkungen voneinander geschieden sind, schließen sich dicht zusammen. Man kann auf den Höhen bleiben, einen ganzen Tag lang auf einsamen Wegen dort oben wandern, ohne einmal hinabsteigen zu müssen. Eine wunderbare Stille liegt über diesem Tal, und der Fluß blitzt tief unten hell und friedlich in der Mittagssonne. Auf einem Grasflecken streckt man sich zur Ruhe nieder und blickt verweilend in den sanften blauen Himmel, durch den eine kleine weiße Wolke nach Westen hinüber, nach dem Rheine, zieht. Erst wenn es dämmerig wird, steigt man ins Tal hinab. Man findet den schmalen Fußweg zum Schwalbennest und schaut von feinem hohen Turm aus nach her Feste Dilsberg hinüber, die von einer Mauer umgeben ist. Die Häuser sind in die Steinwand eingebaut, auch heute noch wagt keines, sich außerhalb des Schutzwalles anzusieireln, weiter unten in dem fruchtbaren Acker- und Wiesenland, das bis zum Wasser hinabreicht. Auch Hinter-, Mittel- und Vorderburg betreten wir auf dem Heimweg. Hier ist es ein schöner Hof, dort der Kranz der Zinnen und der Ausblick vom Turmsteg, der uns zum Verweilen lockt. Dann gehen wir durch steile Gäßchen mit Kopfpflaster in das Städtchen hinunter. Hier ist gut Einkehr halten. Bis an den Neckar erstrecken sich die Gärten. Im Freien sitzt- man im warmen Frühlingsabend, unter blühenden Linden, und trinkt Wein aus der alten Kurpfalz. Die Paddelboote der Wasserwanderer gleiten im Halbdunkel über die schimmernde Wasserfläche. Dort taucht ein lampiongeschmücktes Boot mit einer kleinen trinkfrohen Gesellschaft auf. Zum Lautenschlag erklingen Abendlieder, und die Mondsichel neigt sich aus einem schiefergrauen Himmel zärtlich herab. Nun müssen wir aufbrechen und heim- wärtswandern, den Fluß entlang, auf der Landstraße zu Füßen all jener Stätten, von denen wir vorhin herabwinkten. Ehe die Windung des Flusses das Tal verschließt, werfen wir noch einmal einen Blick auf das kleine Zauberreich zurück, das uns einen Tag lang aufgetan war. Im Städtchen schimmern viele Hundert kleine Lichter, hoch darüber aber ragt im silbern erhellten Nachthimmel der Kranz der Burgen. P. S. Frühlings-Wanderungen an der Mosel. Nun ist wieder frische, frohe Wanderzeit im Moselland! Da grüßen dich Burgen von vielen Bergen, da lachen Reben von Millionen Stöcken, da spiegelt der ruhig-heitere Strom ein Bild von grünen Matten und steilen Bergklippen, von reichen Obst- hänyen und wilden Felsschroffen, von Dörfchen, die im Sonnenglanz die Frühlingszeit verträumen. Glockenläuten geht mit dir durch die Windungen des Stromtales und auf den Höhenwegen über dem Flusse. Vinum bonum, vinum bonum, so läuten sie in die Morgenfrühe und Abendstille: Moselwein ist lieblich, duftig' fein und zart. Es gibt wunderbare Weinstübchen Und Weinlauben an der Mosel. Ich erinnere nur an die „Brixiadenstube" in Cond gegenüber Cochem. Bier trinken kann jeder und kann man überall, Wein trinken ist eine Kunst, zu der die rechten Freunde gehören und der Zauber des Landes, wo er wächst, und Rebenlaub und Sonnenglanz oder Mondesschimmer und ein gutes Lied. Bald wanderst du im tiefen Tale am Strome zwischen Bergesenge. Steil steigen die Rebstöcke die Hänge empor, über sonnenheißem Schiefer aufgebaut bis in die kleinsten Nischen und Winkel, wo eben der Fuß nach Halt hat zu schwerer Weinbergsarbeit. Durch verzauberte Orte schreitest du, wo dich, wie im uralten Cochem auf Schritt und Tritt vergangene Jahrhunderte grüßen: verwitternde Stadttore, altdeutsche Schenken, Giebelhäuser im Moselfachwerk, Reste von zerschossenen Stadtmauern, Gassen und Gäßchen und Winkel. Bald schreitest du den Moselhöhenweg hoch über Stromes Tiefe, zu Füßen in kaum merkbarem Wechsel ein Landschaftsbild schöner als das andere. Stattliche Buchenwälder rauschen dir ein Willkommen, dämmerdunkle Tannenweiten umfangen dich mit dem ganzen Zauber ihrer Tiefe und Andacht. Von den höchsten Höhen aus ergötzt sich dein Auge bis zu den fernen Weiten des Hunsrücks und der Eifel, über die ausgedehnten Waldgebiete des Soon- und Jdarwaldes bis zum Erbeskopf und jenseits über Kuppe an Kuppe bis zur Hohen Acht. Magst du Standguartier nehmen in Cochem ober anderswo und von da aus hineinwandern in die zum Teil hochromantischen Seitentäler der Mosel, magst du wandern von Ort zu Ort und allabendlich dein Haupt an anderer Stätte zur Ruhe betten, bu Mosel bietet dir des Schönen und Lieblichen, des Wuchtigen und Eindruckstiefen eine Ueberfüüe. Gehst du aus nach Sage und Geschichte, du findest eine reiche Ernte. Steht dein Sinnen mehr auf Blumen, Kraut und Stein, die Mosel ist eine Fundgrube für jeden, der die Augen offen hat, suchst du Ruhe und Entspannung, an der Mosel läßt es sich friedsam weilen, fern von dem Hasten der modernen Zeit. Und kehrst du abends ein ins Städtchen oder Dörfchen, wandermüde, aber angeregt durch all das Schöne eines reichgesegneten Fleckchens Erde, so empfängt dich ein gastliches Völkchen, das leicht und froh die Stunde nimmt, wie sie ein sonniger Himmel und ein duftiger Trank dem Moseltale immer wieder bescheren. Reiseliteratur. — Billige Unter?unfts« und Erholungsstätten im Schwabenland. Aus einem übersichtlichen Verzeichnis über Unterkunftsstätten im württembergischen Schwarzwald, Neckarland, in Hohenlohe-Franken, der Schwäbischen Alb und in Oberschwaben bis zum Bodensee erseyen wir, daß in diesen Gebieten die Unterkunfts- und Pensionspreise stark gesenkt sind. Man kann hier volle Pension für eine Woche in guten Gasthöfen schon von etwa 20 Mark an bekommen. Auch die erstklassigen Hotels und Pensionen haben Preise, welche sich an der untersten Grenze bewegen. — Zu einer Reise in ein Land voller Romantik und Schönheit im deutschen Südwesten lädt eine Werbeschrift ein, die vom Gebietsausschuß für Nordwürttemberg-Hohenlohe-Franken herausgegeben wurde. Es handelt sich hier um das Gebiet, das wir auf der Karte zwischen Heidelberg im Norden, Stuttgart im Süden, Karlsruhe im Westen und Rothenburg-Nürnberg im Osten finden. Das neue Faltblatt für dieses neue schöne Reiseziel im deutschen Vaterland zeigt seine Reize und Vorzüge in einem kleinen, aber wirkungsvollen Ausschnitt, besonders durch seine farbige Reliefkarte, die jeder gerne studieren wird, um einen kleinen Ueberblick über das romantische Land der Burgen und Schlösser im nördlichen Württemberg zu gewinnen. BadSalzhausen;; Das nervenberuhigende Heilbad Herz-u.Gefäßleiden -Rheuma Erschöpfungszustände -Katarrhe PAUSCHAL-U. VERGÜNSTIGUNSKUREN ! AUSKÜNFTE ERTEILT: HESSISCHE B A D E DIR E KTION beloenörüHen im Speffott Hotel,,St. Hubertus"^ modernstes Haus am Kneipp- und Schwimmbad gelegen. Fließendes Wasser, W.-C., Zentralheizung, schöne Terrassen und Liegewiesen. Pensionspreis Mk. 4.60. rs87v Kindersanatorium Dr. Rohr Wilhelmshöhe bei Kassel mittlere Höhe, nächste Nähe vom weltberühmten Schloßpark und Habichtswald. Frühjahrskaren wöchentl. Pauschalpr. einschl. ärztL Überwach, b. 8. Lebens!. RM. 32.— darüber RM. 36.—. 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Der Kreisverband Schotten der Landesdienststelle Hessen / Hessen - Nassau des Deutschen Gemeindetages hielt heute im Singsaal der Turnhalle zu Schotten eine Tagung ab. Der Obmann, Bürgermeister M e n g e l, begrüßte die Gäste, den Geschäftsführer der Landesdienststelle, Dr. G ö b , Frankfurt, Kreisleiter K r o m m , vom Kreisamt Schotten Regierungsrat Schwan, die Verwaltungs-Inspektoren Müller und Alles. Erschienen waren die Bürgermeister und Beigeordneten aller Gemeinden des Kreises und einige politische Leiter. Zunächst wurde eine Reihe von Verfügungen des Gemeindetages, der Landesdienststelle, wie auch der Landesregierung bekanntgegeben. Geschäftsführer Or. Göb sprach alsdann über das Thema.des Tages: „Die neue deutsche Gemeindeordnung". Er gab einen ganz kurzen Rückblick auf die große Tat des Freiherrn vom S t e i n , des Schöpfers der gemeindlichen Selbstverwaltung. Adolf Hitler hat diese verlorengegangene wahre Selbstverwaltung den deutschen Gemeinden in der neuen Gemeindeordnung wiedergegeben. Das Gesetz ist übersichtlich, klar, für jedermann leicht verständlich, es beschränkt sich auf das Wesentliche, es ist ein Rahmengesetz, um den einzelnen Landesteilen die Möglichkeit zu geben, die ihrer Eigenart entsprechende besonderen Regelungen zu treffen. Ein erster, wichtigster Grundsatz ist der, daß Partei, Staat und Gemeinden als drei zusammengehörige Glieder miteinander und füreinander zur Verwirklichung der nationalsozialistischen Grundsätze Zusammenarbeiten. Die Befugnisse der politischen Stellen, der Aufsichtsbehörde, d. h. des Staates und des verantwortlichen Leiters der Gemeinde, des Bürgermeisters, sind klar und scharf umrissen abgegrenzt. Die Partei ist durch ihren Beauftragten in die Gemeindeverwaltung eingebaut. Der Stellvertreter des Führers hat hierfür als Beauftragte der Partei nicht die örtlichen Stellen, die Ortsgruppenleiter, bestimmt, sondern die K r e i s l e i t e r sind (abgesehen von Sonderfällen) zu Beauftragten der Partei ernannt worden, lieber» all, wo früher Wahlen stattfanden (Bürgermeister, Beigeordnete, Gemeinderäte), tritt an Stelle dieser Wahlen die Berufung durch die Partei bzw. durch den Parteibeauftragten. Der zweite Grundsatz ist die Erneuerung der Selbstverwaltung im Geiste des Freiherrn vom Stein. „In Eure Hände, Ihr Bürger, lege ich Eure Gemeinwesen" sprach Stein. Die Gemeinden sollen sich selbst unter eigner Verantwortung als das Fundament des Staates verwalten, aber auch hier wird das Einzelschicksal unter das Wohl der Gesamtheit gestellt, das I ch wird zum Wir, Gemeinnutz vor Eigennutz, keine engstirnige Kirchturmspolitik. 3m Mittelpunkt der Gemeinde sieht der Mensch, der Staatsbürger. Das Wohl der Einwohner zu fördern, die geschichtliche und heimatliche Eigenart zu erhalten, hierzu sind die Gemeinden vornehmlich berufen, dabei ist Rücksicht zu nehmen auf die Leistungsfähigkeit und Steuerkraft der Gemeinden. Der Staat kann den Gemeinden neue Aufgaben und Pflichten nur durch besondere Gesetze auferlegen. Die Gemeinden haben das Recht der örtlichen Gesetzgebung erhalten, sie können durch Satzungen ihre örtlichen, eignen Angelegenheiten regeln. Diese brauchen nicht mehr durch die Aufsichtsbehörden genehmigt zu werden, abgesehen von Sonderfällen. Die Satzungen müssen ortsüblich bekanntgemacht werden. Die früher erlassenen Satzungen einer Gemeinde bleiben in Kraft, wenn sie nicht sonst gegen die Gemeindeordnung verstoßen. Jede Gemeinde muß sich ein eigenes Verfassungsstatut geben, die sog. Hauptsatzung, sie ist genehmigungspflichtig, auch der Beauftragte der Partei muß zustimmen. In der Hauptsatzung wird die Zahl der Beigeordneten (mindestens zwei, auch in kleinen Gemeinden) sowie die der Gemeinderäte (je nach Größe 4 bis 6, höchstens 8 hier im Kreis) festgelegt. Es wird mit der Herausgabe einer Mustersatzung zu rechnen sein, auch mit Richtlinien für die Vergütungen an Bürgermeister und Gemeindebeamte. Für den Gebielsumfang der Gemeinde ist die Leistungsfähigkeit ausschlaggebend. Do diese fehlt, ist die Zusammenlegung mehrerer Gemeinden, die Bildung von Gemeindeverbänden, Schaffung einer Amtsverfassung oder Gemeinschaftseinrichtung, gemeinsames Kastenwesen usw. möglich. In fesselnder Weise sprach der Redner über dieses Thema und über die Versuche, die in einigen Gegenden (Oldenburg usw.) auf diesem Gebiet gemacht worden sind. Eine Bereinheitlichung wird sich gerade auf diesem Gebiete nicht durchführen lassen, da die Verhältnisse bei den deutschen Gemeinden, z. B. West und Ost, zu verschieden liegen. Näher sprach der Redner über Rechte und Pflichten der Einwohner und Bürger. Letztere sind nur solche deutsche Staatsbürger, die 25 Jahre alt sind und seit mindestens 1 Jahr in der Gemeinde wohnen. Diese können vom Bürgermeister zu ehrenamtlicher Tätigkeit bestellt und herangezogen werden und müssen dieser Ehrenpflicht bei Meldung strafrechtlicher Verfolgung nachkommen. Das Führerprinzip in den Gemeinden ist dadurch verwirklicht, daß der Bürgermeister in voller, ausschließlicher Verantwortung die Gemeindeverwaltung führt. In einzelnen Punkten muß der Beauftragte der Partei, in allen wichtigen Angelegenheiten müssen die Gemeinderäte gehört werden. Mit seiner Ehre und seinem Gewissen haftet der Bürgermeister für saubere und gerechte Amtsführung. Der Typ des Diktators wird ebenso abgelehnt, wie ein Rachgeber nach allen Seiten. Der ist kein Führer einer Gemeinde, der sich nicht des wohlmeinenden Rates seiner Mitarbeiter, die der Bürgermeister in seinen Gemeinderäten hat, bedient. Der Bürgermeister vertritt die Gemeinde gerichtlich und außergerichtlich. Erklärungen, durch die die Gemeinde verpflichtet werden, bedürfen der handschriftlichen Unterzeichnung durch den Bürger- meister und der schriftlichen Form. Bürgermeister dürfen nicht beamtete Diener des Staates fein, auch bezüglich der Verwandtschaft bestehen besondere Bedingungen. Ehrenamtliche Bürgermeister werden auf 6 Jahre bestätigt, Wiederbestätigung ist möglich. Mit dem Führergedanken ist das Sera« tungsprinzip durch die Berufung der Gemeinderäte verbunden, die ebenfalls auf die Dauer von 6 Jahren vom Beauftragten der Partei berufen werden. Die Gemeinderäte haben die Aufgabe, die dauernde Fühlungnahme der Verwaltung mit mit allen Schichten der Vürgerfchaft zu sichern, den Bürgermeister eigenverantwortlich zu beraten und seinen Maßnahmen in der Bevölkerung Verständnis zu verschaffen. Es gibt keine Abstimmung mehr bei den Gemeinde- röten, jedes Mitglied muß seine Ansicht äußern, er kann auch verlangen, daß seine gegenteilige Meinung im Protokoll festgehalten wird. Die Staatsaufsicht ist überall da, wo es sich um öffentliche Gelder und Lasten, die dem Steuerzahler aufgebürdet werden sollen, eingeschaltet. Die finanzpolitischen Bestimmungen der Gemeindeordnung beschränken sich auf das Wichtigste. Der Bürgermei, ster stellt nach dem Grundsatz der Sparsamkeit, Sauberkeit und Wirtschaftlichkeit den Voranschlag auf und berät ihn mit seinen Gemeinderäten. Bei der Entlastung des Bürgermeisters durch die Aufsichtsbehörde werden die Gemeinderäte vorher gehört. Das Fundament ist nun in der neuen Gemeindeordnung geschaffen, die Bürgermeister als Pioniere sollen beim Aufbau, eingedenk ihrer großen Verantwortung, in Treue Mitarbeiten. Reicher Beifall folgte den etwa zweistündigen Ausführungen des Redners, dem der Obmann dankte. Es folgte eine Aussprache, bei der noch viele Zweifelsfragen aus der Versammlung geklärt wurden. Kreisleiter K r o m m sprach treffende Worte über das Verhältnis zwischen den Bürgermeistern und den politischen Leitern, immer müste ein gutes harmonisches Zusammenarbeiten zwischen beiden Teilen bestehen. Obmann Bürgermeister M e n g e l brachte im Schlußwort ein Sieg-Heil auf den Führer aus. Siscfidcdicii SloMalhaus Bernard (neben / Plockstrabe Nr. 14 — 16 3028 A Das Heimatbuch vom deutschen Walde! meldet CARLftlQWACK preis in Leinen R M. 4.80 »<> GIESSEN SELTERSWEG 81 Während des Umbaues befinden sich meine Achtung Autobesitzer k Achtung Autobesitzer! Der 60% Ersparnis bringende 3013 o JNHABER: CARL HEINZ SCHLÜTER Das deutsche Dirndlkleid aus Stellen von Dernard Unzählige schöne Muster in Kattun, Deutschem Kretonne, Vistraleinen, Kunstseidenleinen, Woll- mousseline, Leinenimitaten u. anderen Stoffarten. Alles zu unseren bekannt niedrigen Preisen. 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