ttr. 92 Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 18. April 1935 -KL'L'KiLL JHF« a jkw » >«*.•"** |Ä: 13L 4 Ä 5^ ä ä 46 1144 ▲ A4 A A <4 Heimat tm Bild - Die Scholle W WWM B B wH M W> M ▼ flB B BfflilF Jwk T M km « LIV Grundpreise für 1 mm höhe «tossssK» /■ Il4r lllr I Ohne Illustrierte , 1.80 ■ B BL. B 86 VÄk B B Bk, B JbL JB B B BI BL B Bk B B anzeigen von 70 mm Breite Zustellgebühr.. „ -.25 & W W B B >B^ By '^W^WL B & B BmF vBL< 60 Rpf.,Platzvorschrift oder Auch bei Nichterscheinen ■ B ^F ■ VF "V ^F ^F B ^F B ^F ^F^Ä schwieriger Satz 25"/„ mehr T,g7'h°h7re?''M fX-F V NF -'mäßigt- G'-ndP'-i,-- WM General-Anzeiger für Gberhessen WZ Zrantfurt am Main 11686 druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitats Buch- und Steittdrwterei R.Lange in Sieben. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftraße 7 Mengenabschlüss^staffel'V $a9 i,3um^elMw<,ffe Die Entschließung von Stresa im Völkerbundsrat angenommen Von Or. Schepelmann. Die Großtaten deutschen Soldatentums im Weltkriege sind für alle Zeiten in das Gedächtnis der ganzen Nation eingegangen. Jedem einzelnen von uns sind sie immer nahe. Aber an b e st im m te n Tagen im Jahre vereinen, sich alle Herzen zu gemeinsamen Schlag, richten sich alle Augen in ganz Deutschland auf die Stätte, die dem Bedenken der treuen Toten geweiht ist. Es sind die Ehrentage der deutschen Wehrmacht, an denen jeweils ein Wehrmachtsteil die Standortwachen in der Reichshauptstadt, insbesondere die Ehrenwache am Ehrenmal unter den Linden, übernimmt. Am Heldengedenktag stellt das Reichsheer die Wachen. Es ist der Tag, an dem ganz Deutschland in stolzer Trauer der unvergleichlichen Großtaten seines Feldheeres, das die Hauptlast des Krieges zu tragen hatte, gemeinsam gedenkt. Der Tag knüpft an kein besonderes Ereignis des großen Krieges, an keinen Höhepunkt im Heldenleben eines großen Soldaten oder Feldherrn an, in schlichter Größe gilt er dem tapferen, kämpfenden und duldenden Feldgrauen, dem unbekannten pflichttreuen Soldaten, der in Reih' und Glied mit vielen Millionen seiner Kameraden für Volk und Vaterland stritt und seine Treue mit dem Tode besiegelte. Die Reichsmarine begeht ihren Ehrentag a m Tage der Skagerrakschlacht, der größten Seeschlacht der modernen Geschichte, in der die junge Flotte des Bismarckreiches ihre Kräfte mit der meerbeherrschenden englischen Seemacht gemessen und die Feuerprobe ihres Könnens und ihrer Tapferkeit aufs glänzendste bestanden hat. Nun tritt zu diesen Tagen des Reichsheeres und der Reichsmarine der Ehrentag des jüngsten Wehrmachtteiles, derTag der Reichsluftwaffe. Nachdem der Reichswehrminister auf Antrag des Reichsministers der Luftfahrt die Schaffung eines jährlichen Ehrentages auch für die Reichsluftwaffe befohlen Hatz hat General Göring den Todestag des Rittmeisters Freiherrn von R i ch t h o f e n hierzu bestimmt. Unter allen großen deutschen Fliegern des Weltkrieges steht er dem Fühlen und Sinnen des Volkes am nächsten. Nicht nur als der erfolgreichste aller Flieger des Krieges überhaupt, nicht nur als der Sieger über 80 Gegner, sondern, wie es der Reichsminister der Luftfahrt, Hermann Göring, im Vorwort zu den Kriegserinnerungen des „Roten Kampffliegers" dem Volke aus der Seele gesprochen hat, als Sinnbild der besten Tugenden des deutschen Volkes, als Vorbild deutscher Tapferkeit, Ritterlichkeit und Vaterlandsliebe. Sein Geist ist der Gei st der deutschen Heldenflieger schlechthin, in ihm hat er sich vollendet. In das Gedächtnis seines Heldentums wird das deutsche Volk an seinem Todestage alle Offiziere und Mannschaften der deutschen Luftstreitkräfte des Weltkrieges einschließen, der Flieger wie der L u f t s ch i f f e r, der Flakartillerie wie des Bodenpersonals, die ihre Vaterlandsliebe mit der Hingabe ihres jungen Lebens gekrönt haben. Auf ihr Leben und Sterben fällt am Tage der Reichsluftwaffe der verklärende Glanz der alles überstrahlenden Heldentaten Manfred von Richthofens, wie an diesem Tage auch die Großtaten derjenigen unserer Heldenflieger, denen das Walten des Schicksals das den anderen abverlangte Opfer ersparte, lebendig vor der Seele des dankbaren Volkes stehen werden. Es hieße aber, der Größe der Persönlichkeit Richthofens nicht gerecht werden, wenn man seine Bedeutung in seiner Würdigung als Ideal deutschen Mannestums und erfolgreichsten aller Jagdflieger erschöpfen würde. Richthofen war mehr. Aus der Hand Oswald B o e l ck e s übernahm er die Aufgabe, die operativen und taktischen Grundsätze der Führung einer jungen Waffe weiter zu entwickeln, und aus seiner Hand ging sie nach dem bald auf seinen Tod folgenden tödlichen Absturz des Hauptmanns Reinhard an Hermann Göring über. Boelcke, Richthafen und Göring waren nicht nur Flieger, sie waren gebäre n eT r u p p e n f ü h r e r und begnadete taktische Denker und Organisatoren. Eine gerade Linie fuhrt daher auch von Boelcke über Richthofen zu Goring. Nur von dieser Blickrichtung aus kann man die Entwicklung des deutschen Jagdfluges im Söeltfncge und — so muß man hier hinzufugen auch die Aufgabe General Görings sowohl als letzter Kommandeur des alten Jagdgeschwaders Rlchthofen wie als Reorganisator der jungen Reichsluftwaffe verstehen, „ sm«««,»; Bis zum Jahre 1916 hielt sich die Jagdflieger-, im Rahmen des Einzelkampfes allen- falls auch des Zweier- oder Dreier-Fluges, ohne daß aber besondere taktische Grundsätze hierbel M Erscheinung traten. Die durchzufuhrenden Ausgaben waren mehr defensiver Natur wenn ihre Lösung auch in offensiver Form zu erfolgen hatte. Hierin trat im Frühjahr 1^16 ern grundlegender Wandel während der Verdun-Offensive ein. Es kam die Zeit, in der Altmeister Boelcke unter gleichzeitiger Organisierung eines Lu ftn ach richtend ienstes die Grundlagen einer neuen Gefechtstaktik des Luftkampfes und die Kampfregeln für eine ausgesprochene offensive Führung des Luftkrieges zwecks völliger Nieder- kämpfung des Luftgegners schuf Diese Kampf- regeln entwickelte er, dem damaligen Stande des Luftkrieges entsprechend, unter dem Gesichtspunkt des taktischen Einsatzes der Staffel. An seinen Lehrer Boelcke, und über ihn hinausgehend, schwy Manfred von Richthofen an. Auf ihn fuhren die Grundsätze der Formierung und Führung Dänemark enthält sich der Stimme. — Ein dreizehnköpfiger Ausschuß zur Lleberprüfung der Sanktionsartikel des Völkerbundsstatuts bestimmt. Das Urteil her Angeklagten. Wenn es eine Tatsache gibt, die den Spruch des Genfer Völkerbundsrates gegen Deutschland als den Spruch nicht nur Befangener, sondern A n - geklagter charakterisiert, dann ist es die, daß über einen Vertrag oder, vielmehr ein Diktat und dessen Verletzung die befunden haben, d i e d e n Vertrag schufen. Moralisch kann das große Deutsche Reich nicht von einem zusammengeschobenen Konsortium verurteilt werden, das die einfachsten Gesetze der Urteilsfindung verleugnet und das unter dem Einfluß Frankreichs und seines Außenministers stand und nicht wagte, dieser Anklagerede zu widersprechen. Der spanische Vertreter beim Völkerbundsrat, Madariaga, betonte, der Völkerbundsrat sei mehr eine politische Instanz als ein Gerichtshof. Als politische Instanz hat er geurteilt, und wenn auch die Presse der beteiligten Länder aus dem politischen ein moralisches Urteil machen möchte, so steht die Tatsache doch fest, daß es auch ein politisches Fehlurteil war. Schon daß Herr Litwinow aus Moskau als Mitrichter in einer unverschämten Weise gegen Deutschland hetzte und ihm unbegrenzte Eroberungsziele zuschob, ließ auf den Charakter dieses Gremiums schließen, das als Angeklagte sich erdreistete, über Deutschland zu urteilen. Wir haben niemals dem Völkerbundsrat eine Richterrolle zuerkannt, und können es vor allem deshalb nicht, weil er nie etwas tat, um der Welt wirklich den Frieden zu sichern und die Abrüstung weiter zu treiben. Der Völkerbundsrat hat versagt, als Poincarö in das Ruhrgebiet einbrach und der englische Außenminister Lord Curzon in seiner Augustnote des Jahres 1923 erklärte, dieser Schritt Poincarös bedeute den Bruch des Versailler Vertrages. Der Völkerbundsrat schwieg, als Poincare handelte. Er schwieg, als die Memeldeutschen um Schutz gegen litauische Frechheiten baten, obgleich er zum Sprechen verpflichtet war. Er war unfähig, China gegen den Verlust der Mandschurei zu schützen, er ließ die Zügel am Boden schweifen, als Abessinien als Völ- kerbundsmitglied sich an ihn wandte, um den Konflikt mit Italien in völkerbundsrechtlichen Maßnahmen zu entscheiden. Und daß der Krieg der Völkerbundsmitglieder Paraguay und Bolivien weiter andauert, ohne daß der Rat auch nur eine Entscheidung über diesen Konflikt getroffen hätte, spricht für seine Unfähigkeit, sich aus den Banden Der Siegerstaaten zu befreien, deren Jnteresfenorgan er lediglich ist. Zudem hat er mit Ausnahme von Dänemark sich auf einen Standpunkt gestellt, der uns gegenüber vollständig unhaltbar ist. Gerade der Völkerbundsrat h a t n i ch t s g e t a n , um die Aufrüstung der anderen zu verhindern, die vertragsgemäß aus der deutschen Abrüstung die Folgerungen zu ziehen hatten. Er hat feine Existenzberechtigung dadurch verneint, daß es ihm nicht gelang, die Abrüstung bei jenen Staaten zu erzwingen, die nach dem Versailler Diktat dazu verpflichtet waren. Danach er st nahm sich Deutschland das Recht, für feine Sicherheit, die der Völkerbundsrat ihm nicht verschaffen konnte, s e l b st zu sorgen. Angeklagt, seine Satzungen nicht erfüllt zu haben, hat dieser Völkerbundsrat für Deutschland ein Ausnahmegericht und ein Ausnahmerecht stabilisieren wollen und er hat Deutschland verur- G e n f, 17. April. (DNB.) Nach einer kurzen geheimen Sitzung des Völkerbundsrates wurde in öffentlicher Ratssitzung die weitere Erörterung der französifch-englifch-italienifchen Entschließung zum deutschen Schritt fortgesetzt. Der sowjettussische Außenminister Litwinow begann mit der Feststellung, daß gestern die Unterzeichner des Versailler Vertrages, die durch den deutschen Schritt unmittelbar berührt seien, gesprochen hätten. Sowjetrußland sei für Versailles nicht verantwortlich, aber als Mitglied des Völkerbundes und des Völkerbundsrates sei es durch eine Verletzung des Völkerbundspaktes durch einen Staat, der noch Mitglied des Völkerbundes fei, ebenfalls berührt. Gewiß müßten alle Staaten für ihre Sicherheit sorgen. Man werde, wenn ein» Staa: sich Waffen anschaffe, zunächst annneh- men, daß es zu defensiven Zwecken geschehe. Diese Annahme werde aber zweifelhaft, wenn diese Waffen nicht zu Verteidigungszwecken, sondern offensichtlich zur Revanche und zu einer Gewaltpolitik bestimmt fein könnten, die d i e Sicherheit benachbarter Staaten bedrohe. Wenn ein Staat, der durch ein Staatsoberhaupt regiert werde, das unbegrenzte Erobern n g s z i e l als fein Programm bezeichnet habe, und später von dieser Politik nicht abgerückt sei, dann sei eine andere Lage geschaffen. Deutschland habe keinerlei Garantien dafür gegeben, daß es an diesen Zielen nicht mehr festhalte. Litwinow suchte sodann die „Gefährlichkeit" Deutschlands durch einen Vergleich zu demonstrieren. Er behauptet, daß, wenn in einer Stadt sich ein Individuum, das die Absicht kundgetan habe, die Häuser der Bürger zu zerstören, illegal Was- teilt, einseitig den Vertrag gebrochen 3U haben, den wir nicht nur als Diktat betrachten, sondern gegen den alle anderen Nationen sich mit der Tat gewandt haben. Wenn schon die europäische Diplomatie der gegen uns eingesetzten Staaten von der heillosesten Lüge durchtränkt ist, so ist dieser Spruch doch der Gipfel aller Schamlosigkeit und aller Lügen. Und damit ist das Urteil über i h n gefällt. Deutschland hat sich das Recht selbst genommen, das andere Staaten für sich beanspruchten, und damit werden sich diese Staaten abzufinden haben. fen besorgt habe und dann beruhigende Zusicherungen gebe, zweifellos keine Sympathien erzeugt würden. Litwinow stellte in Zweifel, ob man die Versicherungen eines derartigen angriffslustigen Individuums ernst nehmen könne, das fähig sei, sich über alle Gesetze hinweg zu setzen. (Hier zeichnete Litwinow, ohne es selbst zu wollen, in hervorragender Weise den Durchschnittstyp des kommunistischen Revolutionärs.) Litwinow erklärte sodann abschließend, er wäre froh, wenn Deutschland hier anwesend wäre und die Gelegenheit ergreifen müßte, von feinem Programm der Revanche und der Eroberungsgelüste abzurücken. Leider sei hierzu keinerlei Aussicht vorhanden. Der spanische Vertreter Madariaga wies darauf hin, daß der Völkerbundsrat vielmehr eine politische Instanz als ein Gerichtshof fei und daß daher nicht lediglich nach dem Buchstaben Dorgegangen werden könne, ohne den politischen Notwendigkeiten Rechnung zu tragen. Aus diesem Grunde habe er der unterbreiteten Entschließung vorzuwerfen, daß sie nicht genügend die politische Gesamtlage berücksichtige und der geschichtlichen Entwicklung Rechnung trage, die das Vorgehen der deutschen Regierung zur Folge hätte. Wäre eine Abrüstungskonvention zustande gekommen, so würde man sich heute in einer wesentlich anderen Lage befinden. Wenn gewisse Paktartikel nicht mit der nötigen Ehrlichkeit angewendet würden, dürfe man sich auch nicht wundern, daß auch andere Verpflichtungen nicht eingehalten werden. Unglücklicherweise hätten die meisten Artikel des Paktes in den letzten Jahren eine Abschwä - chung erfahren. Die Schwierigkeit bei der Be- schließung von Sanktionen sei die Frage des Augenblickes ihrer Anwendung. Die spanische Delegation werde indessen die Realitäten berücksichtigen, denn Spanien könne sich nicht der Zustimmung zu einer Entschließung enthalten, in der gesagt fei, daß die Gewalt kein Recht hat. .Nachdem die Vertreter Mexikos, Argentiniens, Australiens und Chiles betont hatten, daß sie sich stets für genaue Innehaltung der gegenseitig eingegangenen Verpflichtungen eingesetzt hätten und der Entschließung z u ft i m m e n würden: erklärte her häm'sche Außenminister Munch, daß er die letzten drei Paragraphen der Entschließung gern annehmen würde. Aber die Einleitung zu der Entschließung, die aus die historische Entwicklung Bezug nehme und über das deutsche Vorgehen vom 16. März ein Urteil fälle, werde aus die im Gang befindlichen internationalen Verhandlungen eine schlechte Einwirkung haben und die Schwierigkeit, aus dem Engpaß herauszukommen, in dem sich die internationale Politik augenblicklich befinde, noch erhöhen. Er bebaute sehr, daß die Entschließung diesen Teil enthalte, da man Unter Bildtelegramm zeigt die erste ö f f e n tli ch - R ats i tz u u g am Dtenstagnachmtttag In der Mite sieht man links von dem Ratspräsidenten, dem türkischen Außenmmister Ruschdi Aras, den französischen Außenminister Laval während seiner Anklagerede gegen Deutschland. vt: 4 , Eine Hetzrede Litwinows. Unverschämte Verdächtigungen der deutschen Friedenspolitik durch den sowjetrussische« Außenkommiffar. eines Jagdgeschwaders zurück. Zweck des Geschwaderfluges, sagte Richthofen in einem kurz vor feinem Tode verfaßten Bericht über seine Erfahrungen im Geschwaderkampf, ist die Vernichtung feindlicher Geschwader. Er erzieht seine Staffeln zur Wucht des ersten Angriffs und zum bedingungslosen g e s ch l o s s e - nen Einsatz bei Erteilung des Angriffsbefehls durch den Sturzflug des Komandeurs. Nach ihm führte Hermann G o r i n g das Werk weiter und verfeinerte es im Zuge der fortschreitenden Kampftaktik. Je mehr der Krieg sich dem Ende näherte, je ungeheuer die Materialuberlegen- heit und der Personalaufschub des Gegners fühlbar wurde, um so riesenhafter wuchs seine Aufgabe, um so glänzender konnte er auch seine Fuhrerelgen- cbaften und seine organisatorischen Fähigkeiten be- wei en. Dem in den schwarzen Augusttagen des Jahres 1918 zufammengeschosienen Geschwader von fünfzig Flugzeugen blieben nur noch elf übrig — vermag er mit eiserner Energie und kluger Umsicht neue Kampfkraft und neuen Kampfesmut einzuflößcn, nachdem er in rastlosen Anstrengungen den jungen Ersatz mit dem alten verbliebenen kleinen Stamm zu einer neuen kampfkräftigen Einheit verschmolzen hat. Darüber hinaus stellt er seinem Geschwader eine weitere neue Aufgabe. Sobald es gelungen ist, den Gegner niederzukämpfen und die Luftherrschaft zu errichten, verlegt er den Kampf von der Luft auf die Erde und greift in breiter Front aufmarschierende Kolonnen, auffahrende Artillerie, vorrückende Tanks und rückwärtige Batteriestellungen an. In ungebrochenem Kampfgeist kann er das heldenhafte Richthofen-Geschwader in die Heimat zurückführen. Aus dem Bewußtsein heraus, daß die Vorsehung uns den Mann erhalten hat, der das Erbe Richthofens zu wahren und zu mehren verstand, wirb sich am Tage der Reichsluftwaffe mit dem ehrfurchtsvollen Gedenken der Toten der Stolz auf das Wiedererstehen der Luftwaffe in altem Glanz und altem Können verbinden. Von D ö b e r i tz ging einst am 1. Oktober 1912 die Gründung der „Königlich Preußischen Fliegertruppe" aus, von Döberitz aus startete bas neue Richthofen-Geschwader zu seinem ersten Fluge über der Reichshauptstadt, von Döberitz aus marschiert am Ostersonntag die Wachkompagnie des wieder- erstandenen Jagdgeschwaders Richthofen nach der Reichshauptstadt zur Uebernahme der Berliner Standortwachen und zur Totenwacht am Ehrenmal. In dem Dreiklang Richthofentag — Ostertag — Auferstehungstag marschiert ganz Deutschland in gleichem Schritt und mit gleichem Herzschlag mit. dadurch aus dem allgemeinen Rahmen herausgetreten fein, Deutschland namentlich genannt und dem Rat somit die Rolle eines Gerichtshofes zuerteilt habe. Die Annahme dieses Teiles würde die Versöhnungsaufgabe des Völkerbundsrates beinträchtigen. Er könne daher seine Zustimmung zu der Entschließung nur dann geben, wenn dieser Teil eine entsprechende Aenderung erfahren. So aber sei ihm das nicht möglich. Ser Vertreter Portugals erklärte, daß zwar die Förderung der kollektiven Sicherheit in Europa nur dann möglich sei, wenn ein Vertragsbruch unmöglich gemacht werde, daß er aber dem Beschluß von Sanktionen sehr skeptisch gegenüberstehe. Besonders Maßnahmen wirtschaftlicher Art träfen oft beide Teile und verlören daher den Charakter einer Strafe. Im übrigen gehöre Portugal zu den Staaten, die es begrüßen würden, wenn gewisse Länder, die durch ihre Bedeutung einen wichtigen Platz in der europäischen Friedensorganisation einzunehmen berufen seien, zum Völkerbund zurückkehrten. Der türkische Außenmini st er erklärte, daß eingegangene Verpflichtungen gehalten werden müßten und die Türkei deshalb der En t - schließung zustimme. Als Ratspräsident stelle er den Entschließungsentwurf nunmehr zur A b st i m m u n g. Die Abstimmung. Annahme der Entschließung bei Stimmenthaltung Dänemarks. Es meldete sich der dänische Außenminister Munch erneut zu Wort und brachte zum Ausdruck, daß ihm die Ablehnung der von ihm vorgeschlagenen Aenderungen dazu bestimmen müßte, sich bei der Abstimmung seiner Stimme zu enthalten. Er gab jedoch der Hoffnung Ausdruck, daß die Entschließung dennoch das Ziel erreichen würde, zu der so notwendigen Befriedung Europas beizutragen und zu einem Uebereinkommen aller Großmächte zu führen. Litwinow erklärte, daß er der Beschränkung der Bestimmungen gegen Vertragsbruch aufEuropa nicht zustimmen.könne. Solche Maßnahmen müßten auch auf die übrigen Weltteile ausgedehnt werden, da sonst der Eindruck entstehe, daß die außereuropäischen Verträge ohne weiteres verletzt werden dürften. Der englische Außenminister Sir John Simon erklärte dazu in ziemlich scharfem Ton, daß es nicht Sache der Ratsenschließung sei, die Aufgaben des einzusetzenden Ausschusses zu beschränken. Die besondere Erwähnung Europas in der Entschließung sei vollkommen erklärlich durch die Bedeutung, die die hier aufgeworfene Frage in erster Linie für Europa habe. Er könne einer Aenderung der Entschließung im Sinne der Wünsche Litwinows daher nicht z u st i m m e n. Durch eine Erweiterung würde die Entschließung ihrer Kraft und Wirkung verlieren. Ziemlich erregt fügte er hinzu, man befinde sich hier vor einem praktischen Problem, das eine praktische Lösung verlange und das nicht mit leeren Formeln in ein so erweitertes Gebiet getragen werden könne, daß es daran wirkungslos zerschelle. Kurz vor 13.30 Uhr wurde die von Frankreich, England und Italien eingebrachte Entschließung vom Völkerbundsrat bei Stimmenthaltung Dänemarks angenommen. Der französische Außenminister erklärte nach der Abstimmung, der Rat habe seine Verantwortlichkeiten übernommen. Er habe den Vertragsbruch ausdrücklich verurteilt. Er habe nun die angenehme Pflicht, dem Rat im Namen Frankreichs für die Erfüllung feiner Aufgaben zu danken. Einem unruhigen Europa werde Frankreich weiter feine Hilfe zur Sicherung des Friedens leihen. Durch Taten, wie die in Rom, London und Strefa beschlossenen, werde Frankreich weiter dem Frieden dienen. Der Völkerbundsrat hat dann in geheimer Sitzung den Ausschuß ernannt, der sich nach der Entschließung mit der Prüfung der Frage der Sanktionen gegen zukünftige Vertragsbrüche befassen soll. Der Ausschuß wird aus Vertretern folgender 13 Staaten bestehen: England, Kanada, Chile, Spanien, Frankreich, Ungarn, Italien, Holland, Polen, Portugal, Türkei, Sowjetrußland und Südslawien. Der Ausschuß soll dem im Mai zu seiner ordentlichen Tagung zusammentretenden Völkerbundsrat Bericht erstatten. Im übrigen hat der Rat den Beginn der ordentlichen Maitagung vom 13. Mai auf den 20. Mai verschoben. Der Völkerbund als Vasis der sowjetrussifthen Weltrevolution. Das doppelzüngige Spiel der sowjetrussischen Außenpolitik. Berlin, 18. April. (DNB.) Unter den Ueberschriften „Genf als Plattform des Weltbolschewismus" — „Der Völkerbund im Dienste des Politbüros" nimmt der „Völkische B e o b a ch - t e r" ausführlich Stellung zu der Entschließung des Dölkerbundsrates. Die Annahme des ebenso provozierenden wie lügenhaften sog. Stresaer Ent- fchließungsentwurfs durch den Dölkerbundsrat spricht erneut das eindeutige Urteil über dieses Gremium, das feit feiner Gründung ausschließlich dazu gedient hat, dem „sacro egoismo" der Genfer Hauptmächte den Mantel angeblicher Menschheitsinteressen umzuhängen. Insofern bietet die Sitzung des Völkerbundsrates nichts Neues. Sie liefert lediglich dem deutschen Volk wiederum den schlagenden Beweis, wie recht Deutschland daran tat, seine Mitgliedschaft an dieser Institution zu kündigen. Die europäische Politik ist aber mit dem heutigen Tage „um eine neue Schuldlüge bereichert" worden. Das Bild der Genfer Abstimmung bietet nichts Neues. Neu dürfte lediglich für die europäische Politik die Tatsache sein, daß die dort versammelten europäischen Staaten sich ihre Stellungnahme in großen Zügen von dem Außenmini st er des Bolschewismus als Hauptredner formulieren ließen. Wenn Litwinow in Genf gewissermaßen als Wortführer der Völkerbundspolitik aufgetreten ist, so dürfte es lediglich von Interesse fein, einzelne Hintergründe zu beleuchten, die die Richtung der Moskauer Außenpolitik bestimmen. Es seien hier einige Sähe aus dem Beschluß des Politbüros vom 3. April 1935 mitgeteilt, die uns auf besonderem Wege zugehen. Darin heißt es wörtlich: „Das Politbüro WKPB. teilt in vollem Umfang den Standpunkt des Genossen Stalin, daß das Sy st em der Garanti e p a k t e der Sicherheit und gegenseitigen Hilfeleistung für die Sowjetunion in feiner, Weise einen Selb st zweck darstellt, denn der bewaffnete Zusammenstoß zwischen den imperialistischen Gruppierungen in Europa und in Asien bestimmt keineswegs eine automatische aktive Einmischung der UdSSR, in den Krieg voraus, kann sich aber unter gewissen Umständen als die erste Etappe der Reaktivierung der revolutionären Weltbewegung unter dem Banner der Dritten Internationale erweisen." Herr Stalin spielte also auch in dieser Sitzung des Politbüros wieder mit der bolschewistischen Lieb- lingsidee der Weltrevolution unter Führung der Dritten Internationale. Und er kennzeichnete in recht offenherziger Weife das Geschrei der Sowjetpolitik über eine angebliche Bedrohung und die Notwendigkeit eines Ostpaktes als reines Täuschungsmanöver. 3n einem anderen Teil des Beschlusses des Politbüros wird erklärt, daß das Büro zu dem einmütigen Schluß gekommen fei, „daß das grundlegende und zentrale Problem für die Parteiführung die Erhaltung der international-politischen Positionen der Sowjetunion bleibt, da die Erhaltung dieser Positionen unter den Bedingungen des gegenwärtigen Augenblicks die unumgängliche Voraussetzung der Lebensgewährleistung der kommunistischen Bewegung ist." Diese beiden Zitate aus Moskau dürften genügen, um die Haltung der Sowjetunion auch in Genf klar und eindeutig zu beleuchten. Die Erhaltung der international-politischen Positionen der Sowjetunion sieht Litwinow bei der derzeitigen Mächtekonstellation am besten dadurch gewährleistet, daß er sich an dem Theater des Genfer Völkerbundes beteiligt, über das er sich im Innern als Außenkommiffar der bolschewistischen Weltrevolution zweifellos höchstlichst luftig macht. Die Erhaltung dieser Positionen selbst aber dient nach dem weiteren Geständnis der Moskauer Gewalthaber lediglich dazu, eine neue Basis für die W e i t e r t r e i b u n g der W e l t r e v o l u t i o n zu schaffen. Die Genfer Ratsmächte befinden sich also in einer ihrer würdigen Gesellschaft. Deutschland hat zu diesem Genfer Schauspiel und zu der Physiognomie dieses Völkerbundrates nichts mehr zu sagen. Der Völkerbund hat sich mit feiner heutigen Tagung selbst die stärkste Ohrfeige gegeben. Er hat sich als Tribüne des Pariser Militarismus und der Moskauer Bolschewisierung selbst endgültig als Institution einer europäischen Politik ausgeschaltet. Der Völkerbund seines letzten Prestiges beraubt. Heuchlerische Sophistik und Faustrecht im unversöhnlichen Kamps mit der Gerechtigkeit. Vernichtendes Urteil schwedischer Blätter. Die nordischen Länder mit Munch solidarisch. Stockholm, 17. April. (DNB.) Die meisten schwedischen Blätter unterstreichen mit Genugtuung und Befriedigung die mannhafte Haltung des dänischen Außenministers Munch in Gens, der sich als Sprecher der nordischen Länder der französischen Erklärung gegen Deutschland widersetzt habe. Durchweg bringen die Blätter hierbei zum Ausdruck,, daß es den nordischen Ländern vor allen Dingen um d i e Stellung des Völkerundes gehe, der durch die Politik der Großmächte, insbesondere Frankreichs, zu einem Instrument deren politischer M a chti nte r e f se n h e r a b ge w ürd igt und mißbraucht worden sei. Nach „N y a D a g- ligt Allehanda" fei der Völkerbund von einer allgemeinen Organisation zur Aufrechterhaltung des Friedens zu einer einseitigen politischen Machtgruppierung umgewandelt worden. Das Urteil über den deutschen „Vertragsbruch" sei ein Urteil über den Völkerbund, der ein Areopag für den Ausgleich von internationalen Interessengegensätzen sein soll. Diese Versailler Methoden hätten dem Völkerbund den letzten Re st seines Presti- ges geraubt. Ankläger und Richter hätten von derselben Tribüne gesprochen, wobei der Angeklagte nicht einmal eingeladen worden sei, sich zu verteidigen. Es habe sich diesmal weder um Recht noch um Gleichheit gehandelt. Was in Genf geschehen sei, das sei der Aufbau eines gegen Deutschland gerichteten Allianzsy- st e m e s gewesen. Das habe nichts mehr mit den internationalen Rechtsgrundsätzen zu tun. Das Verhalten der Großmächte in der Abrüstungsfrage, insbesondere im Hinblick auf Deutschland, charakterisiert das Blatt mit dem bekannten biblischen Spruch vom Splitter und dem Balken im Auge. Fast dieselben Gedanken werden auch im „21 f t o n- Habet" vertreten. Die französische Erklärung habe keinen anderen Zweck, als mit heuchlerischer Sophistik die demütigenden Bestimmungen von Versailles gegen Deutschland erneut aufrechtzuerhalten. Indessen sei im Friedensvertrag von Versailles nicht die geringste Spur von Gerechtigkeit und Heiligkeit zu finden. Der Versailler Vertrag sei viel eher eine Anwendung des F a u lt r e ch t e s, das im unversöhnlichen Kampf mit der Gerechtigkeit liege. Im Hinblick auf einen solchen Friedensvertrag und des Verhaltens der Großmächte nach dem Grundsatz des zweierlei Maß sei es Deutschlands moralische Pflicht als Nation gewesen, diese unwürdige Bestimmung abzuschütteln. Wenn Wehrpflicht eine Kriegsgefahr bedeute, um wieviel mehr seien denn die erhöhten Rü st ungen Frankreichs, Italiens und Sowjetrußlands eine Kriegsgefahr? Die Forderungen, die diese Mächte Deutschland gegenüber stellten, bezeichnet das Blatt als kindliche und alberne Ansprüche und zählt hierbei oll die Versäumnisse wie in Bezug auf Wilna, Memel und andere auf. Die nordischen Außenminister handelten gemäß der wirklichen Aufgabe des Völkerbundes und täten das, was Vernunft und Anständigkeit erforderten. „Stockholm Tidninge n", das in feiner Stellungnahme die gleichen Gedanken zum Ausdruck bringt, findet es vor allen Dingen überraschend, daß auch Englands Außenmini st er für die Annahme der französischen Erklärung eingetreten fei, obgleich er ja bis jetzt den Wiedereintritt Deutschlands in den Völkerbund gewünscht habe. Der Aorden solidarisch. Kopenhagen, 18. April. (DNB. Funkspruch.) Ministerpräsident Staun in g erklärte: Die Hal- tung von Außenminister Munch stimmt vollkommen mit dem Ergebnis der Verhandlungen zwischen den Außenministern der nordischen Länder überein. Wir haben geglaubt, daß es entscheidend sein müsse, den Weg für Deutschlands Rückkehr in den Völkerbund offenzuhalten, und es war unsere Ueberzeugung, daß diese Rückkehr durch die Annahme einer scharfen Erklärung erschwert werden würde. Aus Rücksicht darauf haben wir nicht geglaubt, irgendwelche Verantwortung hierfür mitübernehmen zu können. Der norwegische Außenminister Professor K o t h erklärte, „ich freue mich sehr über den Standpunkt, den Munch im Völkerbundsrat eingenommen hat, und ich kann mich ihm nur anschließen. Es war nach meiner Auffassung richtig von Dänemark, so zu handeln, und ich kann sagen, falls Norwegen Mitglied des Rates gewesen wäre, hätten wir genau in der gleichen Weise gehandelt. Macdonald feiert Strefa und die britische Friedenspolitik. London, 17. April. (DNB.) Ministerpräsident Macdonald gab im Unterhaus eine Erklärung über Stresa ab. Seine Ausführungen enthielten keine Gesichtspunkte, die über das Kommunique hinausgingen. Zu erwähnen wäre feine Aeuße- rung, daß die Rüstungsforderungen Deutschlands von einer derartigen Größe gewesen seien, daß die zahlenmäßigen Voraussetzungen, auf denen die Bemühungen zur Abrüstung beruht hätten, hinfällig geworden seien. Macdonald fuhr fort: „Wir sind nach Stresa gegangen, um frühere politische Erklärungen im Lichte neuer und verschlechterter Verhältnisse zu prüfen. Viele dachten, daß diese Verhältnisse neue Verpflichtungen der britischen Regierung bedeuten würden. Wir haben keine übernommen. Wir haben die Tür für Deutschland offen gehalten, damit es sich als ein aktiver Teilhaber den Bewegungen anschließen kann, die wir geplant haben, um ein Systern kollektiver Sicherheit in Europa zu schaffen, ohne Deutschland seinen Schritt zu verzeihen, im Gegenteil, indem wir ihm klar machten, daß wir ihn als eine ernste Ursache der Unruhe und als einen Schlag für jede internationale Organisation des Friedens und der Ordnung ansehen, haben wir zu erkennen gegeben, daß unsere Politik weiterhin auf die Satzung des Völkerbundes gegründet fein wird. In einer Rundfunkrede sprach Macdonald ebenfalls über die Stresaer Konferenz. Großbritannien, Frankreich und Italien haben der Spannung Stand gehalten. Ihre Uebereinftimmung richtet s i ch gegen niemand. Sie verlangen nur, daß sich ihnen die anderen bei der Aufrechterhaltung des Friedens und bei der Beseitigung von Drohungen gegen die Sicherheit irgendeines Staates a n - schließen. In einigen Kreisen glaubte man, daß die britische Nation ihr Betrauen in den endgültigen Triumph des Friedens mit der lieber« nähme neuer Verpflichtungen bezahlen müßte. Ich freue mich, versichern zu können, daß nicht eine Spur einer besonderen Verpflichtung übernommen worden ist. Ihr tragt heute keine Last, die ihr nicht an dem Tage vor unserer Abreise nach Stresa getragen habt. Die drei Stresamächte bekräftigten erneut ihre Entschlossenheit, sich an jeder greifbaren Bemühung für die Förderung einer Vereinbarung zum mindesten über die Begrenzung der Rü st ungen zu beteiligen. Ihr könnt versichert bleiben, daß keine von ihnen, und am wenigsten England, eine einzige Gelegenheit zur Fortsetzung der Besprechungen mit Deutschland als Partner versäumen wird. Ich brauche meine eigene Hingabe für den Frieden nicht zu wiederholen. Aber es besteht ein Unterschied zwischen dem Friedliebenden und dem Friedensmacher. . Der Friedliebende sitzt an seinem Kamin, träumt von dem, was er getan haben möchte, und ist getröstet, weil er in einer unwirklichen Welt feiner eigenen Erfindung lebt, in der alle praktischen Schwierigkeiten ausgeglichen sind. Der Friedensmacher aber hat den Tatsachen ins Gesicht zu blicken. Er hat allen Schwierigkeiten einer Welt gegenüberzustehen, von der ein großer Teil keinen leidenschaftlichen Friedenswillen hat. Manchmal mag man hoffen, und manchmal mag man enttäuscht sein. Trotzdem ich mich zur Enttäuschung bekenne, habe ich kein 2ltom meiner Hoffnung aufgegeben. Denn durch die herabsinkenden Wolken sehe ich den Sonnenschein. Die Konferenz von Stresa wird bestimmt helfen, die Wolken zu zerstreuen und die Sonne durchbrechen zu lassen, wenn ihr Geist erhalten, ihre Beschlüsse befolgt und ihr Zweck nicht gefährdet wird. Gedämpftes Scho in England. Times" erinnert an die Vorgeschichte des Versailler Diktats. ff London, 18. April. (DNB. Funkspruch.) Der liberale „News C h r o n i c l e" drückt die Hoffnung aus, daß der bedauerlicherweise inder deutschen Presse entstandene Sturm nur von kurzer Dauer sein und daß Deutschland die Aeuße- rung des Premierministers Macdonald würdigen werde, wonach der Abschluß einer allgemeinen Regelung mit Deutschland nach wie vor oas Ziel der Stresa-Mächte bleibe und daß die Tür für Deutschlands Rückkehr nach Genf nicht geschlossen sei. Das Arbeiterblatt „Daily H e r a l d" sagt, die unmittelbare Folge der Stresa-Entschließung sei nur zu offenbar. Die Aussichtaufeine Rückkehr Deutschlands nach Genf rücke in die Ferne. Dieses Ergebnis werde von allen Leuten begrüßt werden, die die Bildung eines Systems von antideutschen Bündnis- s e n wünschten. Von allen Anhängern eines wahren Kollektivsystems aber werde es bedauert werden. Das System der kollektiven Sicherheit dürfe sich nicht zu einem bloßen System antideutscher Bündniffe oder zu einer „heiligen Allianz" herunterentwickeln, einer Allianz, in der drei Großmächte, wenn auch unter Bezugnahme auf den Völkerbund, tatsächlich eine gemeinsame Diktatur in den europäischen Angelegenheiten ausüben und unter dem Schuhmantel der „Sicherung des Friedens" ihre eigenen Ziele verfolgen. „Time s" meint, gegen den Inhalt der gestern angenommenen Entschließung von Genf sei an und für sich nichts einzuwenden. Die Aufnahme der Nachricht in Deutschland allerdings erwecke ernste Zweifel, ob irgendein sofortiger Fortschritt möglich sei. Die Erklärung der Entschließung, daß Deutschland es unterlassen habe, die allen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft obliegende Pflicht der Achtung vor ein- gegangenen Verträgen zu erfüllen, sei unwiderlegbar. Aber sie enthalte nicht die ganze Wahrheit und werde naturgemäß in Deutschland als ein Beweis betrachtet, daß der Völkerbund nach wie vor ein williges Werkzeug in den Händen der Siegermächte sei. Es ist bedauerlich, daß eine Körperschaft rote der Völkerbundsrat keine Rücksicht aus die besonderen Umstände genommen hat, unter denen Deutschland feine Verpflichtungen eingegangen ist. Ls würde den Ruf des Völkerbundes als un- parleiifche Körperschaft erhöht haben, wenn sich zum mindesten eine Stimme erhoben hätte, um an die Art und Weise zu erinnern, in der dieser besondere Vertrag auferlegt worden ist. Deutschland hat ihn unterzeichnet, buchstäblich unter Bedrohung mit einer Bajonett- spitze. Die Deutschen haben sich erst zur Unterzeichnung entschlossen, als Marschall Fach Weisung erhalten hatte, den Einmarsch in Deutschland binnen drei Tagen vorzubereiten. Diese Tatsachen sind den Deutschen in die Seele gebrannt. Die nationalsozialistische Bewegung ist zum größten Teil eine Empörung gegen Versailles. Bevor diese grundlegende Tatsache nicht voll in Rechnung gestellt wird, wird es keinen wahren Frieden in Europa geben. Augenblicklich muß der Friede zweifellos durch eine enge Verbindung der Mächte aufrechterhalten werden, die mit den Lrgebniffen des Krieges zufrieden find. Aber der Fried- wird so lange nur ein unbehaglicher Waffenstillstand bleiben, bis die Mächte ihr Hauptziel nicht mehr in der negativen Politik der Organisierung der Sicherheit gegen den Krieg, sondern in der positiven Politik des Abschlusses eines vereinbarten Friedens erblicken. „Daily Telegraph" erklärt, Macdonald habe die wesentlichen Punkte des Strefa-Kommuni- quss eindrucksvoll herausgearbeitet. Besonders wünschenswert sei die Mitarbeit Deutschlands. Wenn Deutschland sie wolle, stehe ihm die Tür offen. Sei es zu ihr nicht bereit, so würden „die Mtionen, die guten und ehrenhaften Willens sind", ihre Weg trotzdem fortsetzen. Das Blatt unterstreicht dann die Erklärung, daß Großbritannien hinsichtlich des Ost- und Donaupaktes keine neuen Verpflichtungen eingegangen sei, und lebt die „G e r e ch t i g- k e i t und Mäßigung" der gestrigen Entschließung hervor. Es habe keinen einzigen Staat gegeben, der es über sich gebracht hätte, das „Pflichtversäumnis" Deutschlands zu leugnen. Die Handlungsweise Polens sei von ganz besonderer Bedeutung. Kein Staat in Europa habe durch „einseitige Kündigung" von Verträgen mehr zu verlieren als Polen. Polen habe gestern sein Gewissen und seine Unabhängigkeit bezeugt. polnische prefsestimmen. Warschau, 18. April (DNB. Funkspruch). Die offiziöse „Gazeta Polska" schreibt, in Genf habe es sich um eine formale Frage, die Erledigung der französischen Klage und um die wesentliche Frage gehandelt, welche Methode der internationalen Z u - fammenarbeit möglich sei, nachdem die bisherigen Methoden, die europäischen Probleme in engerem Kreise zu erledigen, seit Locarno zu dauerndem Mißtrauen geführt haben. Die A b st i m - m u n g über die Entschließung der drei Westmächte sei die Erledigung einer formalen Fraae gewesen, da die Entschließung keinerlei praktische Richtlinien enthalte. Bei dieser formalen Erledigung habe es sich nicht um Grundsätze, sondern um Den Gesichtspunkt des Praktischen gehandelt. Von diesem Gesichtspunkt aus sei es wichtig gewesen, diese Frage abzuschließen, um kein neues Chaos zu schaffen. Das Militärblatt „Polska Z b r o j n a" sagt: das mittlere Osteuropa, das die zwei Locarno- Perioden der Großmächte mit Schweigen übergangen hätte, sei infolge der polnischen Bemühungen in eine Periode der Stabilisierung und normaler nachbarlicher Beziehungen gelangt. Polen fordere, daß die polnische Sicherheit^ die es durch feine friedliche Politik erlangt habe, geachtet werde; es habe ein Recht zu verlangen, daß sich keme Pfuschereien ungünstig auf Polen und damit auch auf allgemeine europäische Interessen auswirken. „Kurjer Polski" schreibt, die polnische Politik gehe ihre eigenen Wege, suche ihre eigenen 15o|ungen, lehne aber keineswegs Die Zusammenarbeit mit allen denen ab, die wirklich ehrlich an der Erhaltung des Friedens in Europa arbeiteten Frankreichs Vündms mit Moskau sertiggestellt. Paris, 18. April. (DNB.-Funkspruch.) lieber, emfhmmenb berichten die Blätter, daß der franM- s'sch-sowietrussische Abkommensentwurf fertiaae- st e l l t worden sei Der französische Ministerrat a,m Freitag Stellung nehmen und auch den Zeitpunkt für Lavals Reise nach Warschau und Moskau festsetzen. „Journal" weist daraus hin daß Litwinow auf einem automatischen In- kroft t r e t e n bestanden habe, wodurch Frankreich völlig in das Fahrwasser der Sowjets geraten wäre. Außerdem habe er militärische Sanktionen in Artikel 16 des Völkerbundspaktes hineinbringen und auch sämtliche Sanktionen auf ein Nichtmitglied des Völkerbundes angewendet wissen wollen. „Petit Parisien" schreibt, es handelt sich um einen tn den Rahmen des Völkerbundes gestellten zweiseitigen Vertrag. Beide Länder versprechen sich Hilfeleistung im Falle eines Angriffes. Selbstverständlich bleibt das Empfehlungsrecht des Völkerbundsrates gewahrt, jedoch nur bis zur Grenze des „flagranten Falles", lieber» dies werden beide Länder ihre Urteilsfreiheit in unsicheren Fällen behalten. Das automatische Inkrafttreten ist also mit vernünftigen Vorsichtsmaßnahmen im Gange. Die furi- stische Hauptschwierigkeit besteht darin, dieses neue Abkommen mit dem Locarnovertrag in Einklang zu bringen. Man mußte vermeiden, daß Frankreich von England und Italien als Garanten des Rheinpaktes als Angreifer angesehen werden könnte in dem Fall, daß es durch d i e entmilitarisierte Zone dem angegriffenen Rußland zu Hilfe eilen würde. Die Lösung dieser heiklen Frage scheint gefunden worden zu sein in einer Formel, ähnlich der, die die Einbeziehung des französisch-polnischen Abkommens in den Locarnovertrag ermöglichte. Vesriedigimg in Pans Pans, 18. April. (DRV,-Funkspruch.) Der Genfer Spruch wird von der französischen Presse mit um so größerer Befriedigung ausgenommen, als noch Mittwochfrüh Zweifel über die Haltung einiger Staaten bestanden. Die Annahme des französischen Entschließungsentwurfes bei nur einer Stimmenthaltung wird als ein Erfolg der französischen Sicherheitspolitik, und als der schlagende Beweis für Die französisch-englifch-italienische Solidarität gefeiert. Die Zustimmung Polens findet lobende Erwähnung. Einige Blätter möchten darin eine Besinnung Polens auf Das Militärbündnis mit Frank- reief) und ein günstiges Anzeichen für eine Umstellung der polnischen Politik erblicken. „Excelfior" schreibt indessen, es wäre ein schwerer Fehler, das polnische Votum für einen Bruch zwischen Warschau und Berlin auszulegen. Polen nimmt heute ebensowenig Partei für Sowjetrußland gegen Deutschland wie gestern für Deutschland gegen Sowjetrußland. Die polnische Regierung spricht sich lediglich zugunsten eines st a r k garantierten Friedens aus, der keiner Macht die Möglichkeit läßt, den gebietsmäßigen Status von 1919 zu verletzen. Die von der französisch-englischen Erklärung anempfohlene Politik der Regionalpakte ist gegen niemand gerichtet. Es wäre deshalb wünschenswert, daß Warschau Berlin begreiflich machen könnte, daß Deutschland Interesse Daran haben würbe, seine Beteiligung an Der Konsolidie- rung Des FrieDens in Osteuropa nicht mehr zu verweigern. Der „Q u o t i D i e n" warnt ebenfalls vor opitimistischen Schlußfolgerungen aus Der polnischen Haltung. Wenn Oberst Beck schließlich für den französischen Antrag eingetreten sei, so solle das französische Außenministerium daraus keine falschen Schlußfolgerungen ziehen. „Ami du Peuple" erklärt: Es ist gut, bekräftigt zu haben, daß Recht vor Gewalt geht, aber noch besser ist, durch starke Sicherheitsmaßnahmen dieAchtung Des Rechtes z u gewähr- leisten. Die internationale Atmosphäre roirD Dadurch gereinigt werden. Das bedeutet jedoch nicht, daß die friedlichen Nationen jetzt wieder träumen dürfen. Denn Deutschland roirD, wenn überhaupt, Die „erteilte Lektion keineswegs im Sinne „Der Reue" annehmen. „Petit Parisien" meint, Daß Der Erfolg alle Erwartungen übertroffen habe. Die Zustimmung Des polnischen Ratsmitgliedes habe Frankreich Die Illusion wiedergegeben, daß Polen noch einen Bündnisvertrag mit Frankreich besitze. „Oeuvre" bemüht sich, Lavals Politik als keineswegs deutschfeindlich hinzustellen. Gerade jetzt, da Frankreich sich stark fühle, und sich seiner Verantwortung für die europäische Sicherheit bewußt sei, wünsche es. nichts sehnlicher, als mit Deutschland zusammenzuarbeiten. Polen wünsche, sein Militärbündnis mit Frankreich im Sinne eines „automatischen Inkrafttretens" zu erneuern. In Becks Umgebung habe man zu verstehen gegeben, daß Warschau sich nicht mit dem Gedanken abfinde, binnen kurzem Frankreich an Moskau durch stärkere Bande gefesselt zu sehen als an Polen. Außerdem beunruhige Warschau die demnächst zusammentretende Konferenz der baltischen Staaten. ___________ Pertinax schreibt im „Echo de Paris", die französische Regierung habe die von ihr gewünschte moralische Verurteilung durchgesetzt. Aber wichtiger wäre es, Deutschland zu verstehen zu geben, daß die auf den Frieden bedachten Mächte sich nicht „e i n s ch ü ch t e r n" ließen und entschlossen seien, ihre diplomatische und militärische Verteidigung zu organisieren. Nach dieser Richtung habe die Genfer Tagung jedoch keinen günstigen Eindruck hinterlassen. Sowjetspione in Paris verurteilt. Paris, 18. April. (DNB.) Das Pariser Strafgericht verkündete am Mittwoch das Urteil gegen die 32-köpfige Spionagegesellschaft Lydia Stahl und Genossen, die zugunsten der Sowjetunion arbeitete. 20 Personen saßen auf der Anklagebank; die an- deren 12 hatten die Flucht ergriffen. Gegen eine Anzahl der Angeklagten, die wohl d«e r Spionage überführt sind, aber zur Aufklärung beigetragen hatten, wurde auf Straffreiheit erkannt. Unter ihnen befindet sich das vielgenannte amerikanische Ehepaar Switz. Lydia Stahl, eine der Hauptbeteiligten, erhielt 5 Jahre Gefängnis, 3000 Francs Geldstrafe und 5 Jahre Aufenthaltsverbot. Die übrigen Urteile schwanken zwischen der Höchststrafe von 5 Jahren und 1 Jahr Gefängnis. Der rumänische Staatsangehörige Berkowitsch, Den man als Das Haupt Der Spionagegesellschaft betrachtet, erhielt ebenfalls die Höchststrafe. Krisenstimmung in Bulgarien. Die ehemaligen Ministerpräsidenten Zankoff und Georgieff verbannt. Sofia, 18. April. (DNB. Funkspruch.) Auf Befehl der Regierung wurde der frühere Ministerpräsident und Führer der im vorigen Jahre zusammen mit den übrigen parteipolitischen Organisationen aufgelösten nationalsozialen Bewegung, Professor Dr. Alexander Z a n k o f f festgenommen und nach der Hafenstadt Burgas am Schwarzen Meer verbannt wegen eines Briefes, den Zankoff an zahlreiche politische Persönlichkeiten richtete. In diesem hatte er sich scharf mit der jetzigen Regierungspolitik auseinandergesetzt, beschleunigte Rückkehr der Armee'aus der Politik in die Kasernen und Wieder- herstellung der vollen Rechte des Königs verlangt, da sonst dem Lande schwerste Erschütterungen drohten. Die Nachricht von der Verbannung Zankoffs, der in weiten politischen Kreisen als Der fommenDe Mann gilt, verbreitete sich wie ein Lauffeuer Durch Die HauptstaDt unD rief große Ueberraschung hervor. Da Die Verbannung als eine Kampfansage an Die nationalsoziale Bewegung gewertet wird. Zusammen mit Zankoff finD noch weitere bekannte Persönlichkeiten nach Burgas verbannt roorDen, so u. a. Der ehemalige MinisterpräsiDent ©eorgieff. Man erwartet, Daß auch der Oberst a. D. W e lisch e f f, der Organisator des Staatsstreiches vom 19. Mai 1934, interniert wirb. D«e Bluttaten gegen die deutsche Minderheit in Pommerellen. Eine Trauerfeier in Danzig. Der BdA. trauert um die ermordeten Angehörigen der deutschen Minderheit. Danzig, 17. April. (DNB.) Der VDA. in Danzig veranstaltete in der Petrischule eine er- Sreifende Trauerfeier für den bei dem polnischen Überfall in Nordpommerellen ermordeten jungen Deutschen Fritz G r o e n. An der Feier nahmen teil u. a. Senator 23 o e cf als Landesleiter Des VDA. in Danzig, Der Danziger evangelische Landesbischof Beermann, sowie der deutscye Konsul Köster. Senator Boeck wies auf das Schicksal unserer Volksgenossen hin, Die gegen ihren Willen unter Die Herrschaft anDerer Völker gekommen seien und trotzdem ihre Pflicht gegenüber ihrem neuen Staat erfüllten, gleichzeitig aber aus Liebe zu ihrer Heimat ihrem Volkstum die Treue bewahrten. Sowohl das Reich wie auch die Freie Stadt Danzig hätten gegenüber den Angehörigen fremden Volkstumes Dem GrunDfatz Der Gleichberechtigung Rechnung getragen. Um so mehr müsse man es beDauern, Daß Die deut- s ch e Minderheit in Polen nicht nur in der Pflege ihres Volkstumes vielfach behindert, sondern, wie die jüngsten Vorgänge in Pommerellen zeigten, noch immer willkürlichen Terrormaßnahmen beftimmter Verbände ausgesetzt sei. Der Schutz der Minderheiten habe nur dann einen Sinn, wenn er a u f Gegenseitigkeit beruhe. Wir verlangen, daß Die polnische Regierung unverzüglich Maßnahmen trifft, Das Leben unD Eigentum Der Deutschen MinDerheit gegen alle ruhestörenden Elemente z u sichern. Vor aller Welt legen wir gegen die Gewaltakte in Pommerellen flammenden P r o t e ft ein. Gleichzeitig verneigen wir uns vor dem Toten, der nichts anderes tat, als daß er feine Liebe zu feiner Heimaterde und zum Deutschtum bekundete. Shibienraf Dr. Johann Hoffmann gab als Augenzeuge eine Darstellung der blutigen Ausschreitungen in Kölln. Er habe dort vor einem Kreis von nur 20 Personen einen kulturellen Vortrag gehalten, in Dem er ausDrücklich Darauf aufmerksam gemacht habe, daß die Staatsbürgerpflichten gegenüber dem Wirtsoolk von den Volksdeutschen auf Das genaueste erfüllt roerDen müßten. Plötzlich fei Die Nachricht eingetroffen, Daß zwei Lastkraftwagen mit Unruhestiftern aus NeustaDt heranrollten, um Die Versammlung aufzulösen. Der Versammlungsleiter habe Darauf die Versammlung selbst aufgelöst und er, der Redner, sei mit zwei anderen Personen bei einer Tasse Kafee sitzen geblieben. Nach wenigen Minuten sei eine wilde Horde in das Lokal g e - stürmt. Als der Redner sich als Danziger zu erkennen gab, hätten ihn die Burschen von seinem Sitz gerissen und ihm mehrere Faustschläge auf den Kopf und ins Gesicht versetzt. Die polnische Polizei habe dann eingegriffen und Schlimmeres verhütet. Dann habe sie jedoch ruhig zugesehen, daß die beiden Lastwagen mit Dem RollkommanDo nach Klein-Katz weiterfuhren, um Dort Den Ueberfall auf Die zu einer frieDlichen Zusammenkunft versammelten deutschen Menschen zu vollführen. Dabei seien zwei Deutsche durch zahlreiche Stichwunden verletzt und ein 60jähriger Deutscher so auf den Kops geschlagen worden, daß er blutüberströmt zusammenbrach. Fritz G r o e n aus Gdingen, ein junger strebsamer Mensch, habe nach fast 24stündigem Leiden die Augen für immer geschloffen. Er fei eingegangen zu den Märtyrern feines Volkstumes und zu den beiden tapferen Deutschen, die vor nicht langer Zeil in ©rauben) gleichfalls dem Wüten eines en(f ef f elf en Pöbels zum Opfer gefallen feien.“ Wir können und wollen nicht das polnische Volk als solches für die Ausschreitungen einzelner, und wenn sie noch so empörend gewesen sind, verant- wörtlich machen. Wir müssen jedoch erwarten, daß der berechtigten Erpörung der Deutschen von der polnischen Regierung Rechnung getragen wird. Nachdem die Versammlung noch des in Posen ermordeten Deutschen Rieck gedacht hatte, fand die Trauerkundgebung mit dem Gesang des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes sowie mit der Führerehrung - ihr Ende. Vorher wurde noch folgende Entschließung bekanntgegeben: „Die Leiter der Ortsgruppen und Schulgemeinschaften des VDA. sowie die mit ihnen versammelten Mitglieder der Ortsgruppen bedauern auf das tiefste den durch unverantwortliche Willkür und nationale Verhetzung herbeigeführten Tod unseres deutschen Volksgenossen Fritz G r o e n aus Gdingen. Sie versprechen in heißer Liebe, aber auch mit ruhiger Besonnenheit, allezeit treu zur Heimat zu stehen. Sie sind davon durchdrungen, daß das polnische Volk gleich ihnen diese verruchte Tat verabscheut und die Regierung d i e Schuldigen zur Rechenschaft ziehen wird." Neue deutschfeindliche Ausschreitungen in Pommerellen. Danzig, 17. April (DNB.) Auch i m Kreise Karthaus kam es zu Ausschreitungen gegen die deutsche Minderheit. In Egger st Hütte wurde eine öffentliche Versammlung der Jungdeutschen Partei von Angehörigen des Schützenoerbandes gesprengt. Die Polizei verhinderte weitere Ausschreitungen. In P o 11 e n s ch i n drangen mit Gewehren bewaffnete und uniformierte Mitglieder des Schützenverbandes sogar in eine Versammlung des Raiffeisenverbandes ein und machten die Weiterführung der Versammlung unmöglich. In beiden Fällen wurden die Vorsitzenden der deutschen Organisationen durch Drohungen gezwungen, eine Entschließung z u unterschreiben, in der für die Polen in Deutschland und Danzig die gleichen Rechte gefordert werden, die angeblich die deutsche Minderheit in Polen besitzt. In Neustadt wurde die Z e i t u n g s « träger in der Danziger Neuesten Nachrichten überfallen und ihr die Zeitungen zerrissen. Ferner wurden während der Uebungsstunde des evangelischen Kirchen (ho r s , die unter volizeilichem Schutz stattfand, Fensterscheiben der Uebungsstätte eingeschlagen. Zeitungsbeschlagnahmen. Das Organ der deutschen Minderheit in Pommerellen, das „Pommereller Tageblatt", ist am Mittwoch erneut beschlagnahmt worden, nachdem bereits die Dienstag-Ausgabe der Be- schlagnayme verfiel. Beanstandet wurde eine rein sachliche Zusammenstellung von weiteren deutschfeindlichen Ausschreitungen in Pommerellen und sogar der Bericht der Amtlichen Polnischen Telegraphenagentur/über die Vorfälle. Auch die „Deutsche Rundschau" in Posen ist wegen ihrer Berichterstattung über die deutschfeindlichen Ausschreitungen am Dienstag und Mittwoch beschlagnahmt worden, obgleich sich die Deutsche Rundschau aus Gründen der Zensur jedes Kommentars enthalten hatte. Kaffativnsklage der Verurteilten im Memel-prozeß. K o ro n o, 17. April. (NDB.) Die Verteidiger sämtlicher Verurteilten im Memelländer-Pro^eß haben gegen das Urteil des Kriegsgerichts Kassa- tionsklage beim Obersten Tribunal eingereicht. Nach litauischem Recht sind Kassationsgründe nur Verletzungen der Gesetze bzw. unzutreffende Auslegungen der Gesetze, deren Vermeidung bei der Urteilsfindung ein anderes Urteil herbeiführen können. Die Kassationsklage beanstandet die Anwendung des § 3, der die Vorbereitung zu einem bewaffneten Aufstand vorsieht; weder sei der Nachweis erbracht für eine Bereitstellung von militärischem Material für den Aufstand, noch seien vorbereitende Handlungen zur Beschaffung dieses Materials erfolgt. Dann wird die Heranziehung des Paragraphen 6, der sich auf das Bestehen geheimer Verfchwörerorganisa- (hffißhter haben LCXTiÜetSS; Rauchkenner wissen HENZE-D. HANNOVER Neul Mokri Superb in eleganten 12 Stück-Packungen mit größeren StickereienI Mokri Superb ist das Ideal der Rauchkenner mild und doch pikant bekömmlich und doch voll Reiz,- eben eine echte „Lande" von unverkennbarer Eigenart! MOKRI Honen bezieht, als unzulässig bezeichnet, da die verurteilten Mitglieder der beiden memelländischen Parteien waren, also gesetzlich registrierten Organisationen angehörten. Ferner wird auf den Mangel einer individuellen Beurteilung der Straftaten der einzelnen Angeklagten hingewiesen. In dem Urteil heißt es' schematisch, daß die meisten Angeklagten Terrorakte verübt, loyale Bürger in Furcht versetzt sowie erlaubte litauische Versammlungen gestört hätten und dergleichen, ohne im einzelnen anzugeben, wann, wo, bei welcher Gelegenheit und in welcher Art diese Verbrechen begangen wurden. Das Urteil wird auch deswegen angegriffen, weil es von der Voraussetzung ausgeht, daß Beziehungen einzelner Verurteilter zu den Gliederungen der NSDAP, in Deutschland eo ipso den Beweis darstellten, daß diese Verurteilten auf eine gewaltsame Losreißung des Memelgebietes von Litauen und Angliederung an Deutschland hingearbeitet hätten, während das Gericht eine Klarstellung der Aufgaben und Ziele der SA. und SS., nicht zuließ. Das Verfahren vor dem Kassationsgerichtshof ist äußerst schwierig, weil Zeugenvernehmungen und Tatbestände vom Kriegsgericht nicht protokolliert wurden, so daß der Kassationsgerichtshof sich nur auf die Anklageschrift, das Urteil, die schriftlichen Gutachten und die wenigen, auf besonderen Antrag protokollierten Sätze aus dem Zeugenverhör stützen kann. Beschwerde der Memeldeutschen bei den Signatormächten. Genf, 17. April. (DNB.) Der in Genf anwesende Vertreter der Memeldeutschen, Schulrat Meyer, hak den Signatarmächten des Memelstatuts eine schriftliche Beschwerde überreicht. Darin wird auf die zahllosen Rechtsverletzungen der litauischen Regierung nachdrücklichst hingewiesen. Insbesondere wird betont, daß der Memelländische Landtag nun über ein Jahr lang am Zusammentreten verhindert worden sei. Verschiedentlich wird zum Ausdruck gebracht, daß der Vertreter der Memeldeutschen die Signatarmächte des Memelstatuts, die ye u t e als Ankläger gegen Deutschland wegen angeblicher Vertragsverletzungen im Dölkerbundsrat aufgetreten sind, darauf Hinweisen muhte, daß sie zu den schweren Vertragsverletzunaen der litauischen Regierung seit vielen Wochen fast untätig zusehen, ohne ihre selbstverständliche Pflicht und ihre eigene vertragliche Pflicht als Garantiemächte tatsächlich zu erfüllen. dem ist nebendemArbeitsdienstdie allgemeine Wehrpflicht für die Erziehung unseres Volkes zu nationalsozialistischer und opferbereiter Gesinnung einfach nicht zu entbehren. Deshalb Dank und Siegheil dem Führer zu seinem Geburtstag. Gott schenke seinem hohen Wollen seinen Segen und vollen Erfolg. Oie „Essener Volkszeitung" auf 14 Tage verboten. Essen, 17. April. (DNB.) Die „Essener Volkszeitung" vom 17. April 1935 hattö unter der Ueberschrift „Jslaker begnadigt" die Nachricht gebracht, der Mörder Jslaker sei zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt worden. Die Nachricht war unrichtig. Jslaker ist vielmehr, nachdem sein Gnadengesuch abgelehnt worden war, heute morgen h i n g e r i ch t e t worden. Die Nachricht der „Essener Volkszeitung" beruhte auf einer unerhörten Leichtfertigkeit. Der Berichterstatter der Zeitung hatte im Wirtshaus über den Biertisch herüber diese „Information" erhalten und zwar von einem Gast, der hierüber überhaupt nichts wissen konnte. Der Polizeipräsident hat auf Veranlassung des Oberpräsidenten die verantwortlichen Schriftleiter der „Essener Volkszeitung" und den Zwischenträger in Haft genommen. Das Verbot der „Essener Volkszeitung" ist für die Dauer von 14 Tagen ausgesprochen worden._________________________ Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. LangH für Feuilleton: Dr. Hans Thyrtot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 35: 11229. Druck und Verlag? Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf< Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr« Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. 3um Geburtstag des Führers. Reichsminister Or. Goebbels spricht zum Geburtstag des Führers über alle deutschen Sender. Berlin, 17.April. (DBB.) Reichsminister Dr. Goebbels wird am Samstag, den 20.d.21L, mittags von 12 bis 12.10 Uhr über alle deutschen Sender zum Geburtstage des Führers sprechen. Die Rede wird abends von 20 bis 20.10 Uhr wiederholt. OerGlückwunsch des Kyffhäuserbundes Berlin, 17. April. (DNB.) Der Kyffhäufer- Bundesführer, Oberst a. D. Reinhard, hat aus Anlaß des bevorstehenden Geburtstages des Führers dem Führer und Reichskanzler folgendes Glückwunschtelegramm gesandt: „Die im Kyffhäuser- bund zusammengeschlossenen drei Millionen Soldaten gedenken ihres Frontkameraden, des Führers und Oberbefehlshabers der deutschen Wehrmacht, an seinem diesjährigen Geburtstag in ganz besonderer Dankbarkeit für seine geschichtliche Tat der unserem Volke wiedergegebenen allgemeinen Wehrpflicht. Mit unserem Führer sehen wir ehemaligen Soldaten in ihr das einzige und stärk st e Unterpfand des wahrhaften Friedens. In einmütiger Geschlossenheit und unerschütterlicher Treue fühlen wir uns in stolzem Bewußtsein wiedererlangter Ehre und Freiheit eins mit dem gesamten deutschen Volke und wünschen unserem Frontkameraden und Führer von ganzem Herzen des Himmels reich st en Segen zu seinem Werk und Wollen." Oer Reichsverband Deutscher Offiziere an den Führer. Der Reichsverband Deutscher Offiziere in Berlin widmet dem Führer und Reichskanzler zu seinem Geburtstage in dem Verbandsorgan folgenden Glückwunsch: Dem Reichskanzler und Führer senden wir in diesem Jahre unsere Geburtstagsglückwünsche in besonders herzlicher Dankbarkeit für seine mutige Tatvom 16. März d. I. Mit dem Führer erblicken auch wir alten Offiziere in der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht eine Tatdes Friedens. Nur wenn das Land im Herzen Europas nicht mehr wehrlos jedem imperialistischen Feinde offen steht, sondern alle Welt weiß, daß wir uns zu wehren gewillt und imstande sind, kann der von allen gewissenhaften Politikern ersehnte Weltfriede erhalten bleiben. Gerade wir alten Offiziere, die den Krieg kennen, können seine Wiederholung nicht wünschen, sondern in seinen riesenhaften Zerstörungen nur den Anfang der Bolsche- wisierung der ganzen Welt, auch der etwaigen künftigen Siegerstaaten, fürchten. Deshalb müssen auch wir Deutschen, ebenso wie alle anderen Völker, auch die kleinsten, in der Lage sein, unsere Wirtschaft und unsere Kultur zu schützen. Nur so kann unser Volk auch sein altes hohes Ehr- und Sittlichkeitsgefühl voll wiedergewinnen, das in einem unterjochten Volke untergraben wird. AußerPREISE: 1.80 ü. 3.35 \ls> Liter 5.40 Täglich SEBALDS HAARTINKTUR sie schafft volles Haar PREISE: 1 .80 u. 3.35 */.> Liter 5.40 Karl Dorfeld Gastwirt im Alter von 83 Jahren Die trauernden Hinterbliebenen Wieseck, den 18. April 1935 2343 2329 D CARL]\inwflrK Der Vorstand. 2349 D Verschiedenes Vereine gesucht 01687 der Vorstand. 13281 und Jünglingskleidung Aenderungen sofort und kostenlos Gießen 2322 D 2339A Trinkt das gute MAINZER ACTIEN-BIER Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, unsere Mitglieder von dem Ableben unseres lieben Bundesbruders Heute vormittag 6 Uhr verschied nach kurzer Krankheit mein lieber Mann, unser guter Vater und Schwiegervater 8 eMfdk dos neue Kleid! 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IS.Avril 1935 Gießen - Pfahlgraben-Bubbach Abm. 8.30 Uhr Universitäts- Bibliothek. 2331D stöWoiei «ließen 2228D Freit., IS.Avril r (Karfreitag) Geschlossen. llr.92 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstages. April M5 Mit Kreuzer „Emden" um die halbe Welt richtigen Brückenhund geworden ist und sehr fleißig mit auf Wache geht. Trincomalee ist der Haupthafen des britifch-o st indischen Geschwaders. Unter den rund 10 000 Einwohnern gibt es außer den Besatzungsangehörigen der englischen Schiffe nur noch wenige Weiße. Deutsche wohnen hier nicht, aber aus Colombo sind einige herübergekommen, um uns zu begrüßen. An Land sieht man überall die bunte Tracht der Bevölkerung, Singhalesen und Inder herrschen vor Die einfachen Häuser der Eingeborenen liegen eingestreut zwischen Palmen, und in fast jeder Straße trifft man auf mehrere Tempel Vishnus oder Shivas. Auch recht viele Vertreter der mohammedanischen Religion findet man hier. In einem Tempel Shivas zeigte man uns den künstlerisch ausgestalteten Götterwagen, auf dem ein Abbild des Gottes bei besonderen Festlichkeiten durch den Ort gefahren wird. Ein anderer dieser Wagen befindet sich bei einem Handwerker nebenan im Bau, seine Fertigstellung dauert fünf Monate und sein Preis wird 10 000 Rupees betragen. Ueberall kommen die Händler aus ihren nach der Straße zu vollkommen offenen Läden heraus und laden zur Besichtigung ihrer Waren ein. Sie preisen an, holen ihre Schätze hervor und handeln; sie wissen ganz genau, — es hat sich schon herumgesprochen — daß wir nur beschränkt über Devisen verfügen, aber trotzdem versuchen sie fieberhaft, uns ein Mitbringsel zu verkaufen. „Heil Hitler, Master?" Mit diesem Gruß kommen viele der Händler nach Dienstschluß an Bord und dann beginnen sie ihre Ware an Bord auszubreiten. Ganze Herden aus Elfenbein und Ebenholz geschnitzter Elefanten bauen sie auf beiden Mitteldecks auf, und aus ihren Koffern kommen Kästen und Päckchen mit Edel- und Halbedelsteinen hervor. Ceylon ist ja das Land der Edelsteine. Dann halten sie die schöngeschliffenen Steine in eine dunkle Ecke und bewegen sie mit den Fingern VII. ArMeriefchießen vor Ceylon. Von Korvettenkapitän (3ng) Weber* (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) An Bord Kreuzer „Emden", April 1935. Der Hafen von Trincomalee an der Westküste von Ceylon ist ein prachtvoller Naturhafen. Beim Einlaufen feuern wir den Landessalut und den Salut für die Flagge des englischen Admirals, die beide erwidert werden. In den ersten Märztagen findet das Artillerie- und Torpedöschießen statt. Die Scheibe, die unser Begleitdampfer „Mittelmeer" aus der Heimat mitgebracht hat, wird früh morgens durch ein Arbeitskommando aufgebaut. Die Artilleristen unter der Führung des 1. Artillerieoffiziers sieht man durch Zentrale, Leitstände und an den Geschützen vorbei ziehen, überall werden die letzten Anweisungen erteilt. Dann treffen wir mit unserem Begleitdampfer zusammen, der jetzt als Scheibenschlepper dient und wenig später fällt programmgemäß der erste Schuß. Das Oberdeck hat ein ganz anderes Gesicht bekommen; das Sonnensegel ist geborgen, die Reeling ist herunter- geschlagen und die Panzerblenden der Seitenfenster sind geschlossen. Im Innern des Schiffes steigen die Temperaturen ins Unerträgliche. Munition wird über Oberdeck gemannt. Weit drüben sieht man das Verkehrsboot, das das Scheibenkommando an Bord hat. Nach jedem Anlauf geht es an die Scheibe, um die Trefferzahl festz'ustellen und bei uns an Bord freut sich ein jeder, wenn das Resultat gut war. Abends wird noch eine andere Gruppe sehr rege. Es ist die des Ing.-Offiziers für die elektrischen Anlagen und seiner Scheinwerfermänner. Nach einem Gang an den Dieseln vorbei, die die Dynamomaschinen antreiben, geht's fiel er in einen 24 Stunden langen todähnlichen Schlaf. Vergessen darf auch „Whisky", ein Ter- _ , rier, nicht werden, der im Laufe der Zeit zum I als wenn sie die Wasserstandsgläser der Kessel. Dann rasselt der Düsentelegraph, das Schiff geht auf eine geringere Geschwindigkeit. Auf der Brücke ist inzwischen das Aufkommen des Torpedo festgestellt worden. Der wachhabende Offizier bringt das Schiff in seine Nähe: ein Kutter wird ausgesetzt, der den „Aal" wieder einfängt und an Bord bringt. Kaum liegt er an Deck, so beginnt der neue Anlauf. Nach dem Schießen gehen wir gegen Abend wieder vor Trincomalee zu Anker. Inzwischen hat sich bei uns an Bord allerlei Getier angesammelt Zuerst kam neben Vögeln und sonstigem kleinen Viehzeug rote Schildkröten, Chamäleons usw eine Gazelle an Bord, die damals in Porto Amelia vielleicht 14 Tage alt war. Es ist ein wunderhübsches Tier mit großen Augen und feingliederigen Läufen. Es muß noch mit der Flasche groß gezogen werden. Auf dem Backbord-Signaldeck sitzt ein Halbaffe, ein zutrauliches Wesen, das eine besondere Vorliebe für bunte Getränke und Zigarettenstummeln hat. Ein richtiger Affe ist „Iäcky", der aber in einen Käfig gesperrt werden mußte, weil er unseren Chinesen die frisch gewaschene Wäsche herunterholte und auch sonst den ganzen Tag über nichts als Unsinn trieb. Dagegen ist gang ungefährlich „Johanna", d i e Riesenschilokröte. Sie bewegt sich kaum und nimmt nicht den geringsten Anteil an den Geschehnissen dieser Welt. Auch die Gattung der Raubtiere ist durch zwei FI p i n e Leoparden feit Trincomalee vertreten. Für die Belustigung unserer Kranken im Lazarett sorgt „Moritz", ein kleiner Affe, der anfangs auch noch die Flasche haben mußte. Neulich hat er bei einer Bestandsaufnahme dem Sanitätsmaaten eine Schlaftablette gestohlen und diese gefuttert, woraufhin ihm zunächst die Beine versagten, dann konnte er den Kopf nicht mehr oben halten und schließlich n leicht hin und her. „Look Here, Master!“, und aus dem Finstern heraus sieht man die Steine blitzen, n I als wenn sie mitten in der Sonne lägen. Drüben hinauf zu den Scheinwerfern. Nachtartille- r i e s ch i e ß e n gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen, die man an Bord eines Kriegsschiffes haben kann. Wenn in dunkler Nacht das gesammelte Licht der Scheinwerfer die Scheibe trifft und kurz darauf das Geschützfeuer aufblitzt, dann hält es niemanden mehr unter Deck, es sei denn, daß er Wache hat und deshalb diesem Schauspiel nicht beiwohnen kann. Nach dem Artillerieschießen tritt die Torpedowasfe in den Vordergrund. Wir haben eine Menge Kriegs- und Nachkriegstorpedobootsfahrer an Bord. Sie alle verfolgen mit regstem Interesse die Vorbereitungen und das Schießen selbst. „Rohr III fertig!" — „Rohr III ist fertig" — „Rohr III---los!" Kurz nach dem letzten Kommando des 1. Torpedooffiziers klatscht der „Aal" ins Wasser. Dann folgt das Kommando „Beide Maschinen 25 Meilen" und mit allmählich steigender Geschwindigkeit schert der Kreuzer in die Blasenbahn ein. Ich gehe zum Maschinenleitstand hinunter. Dort steht der wachhabende Ingenieur, den Blick au das Instrumentenbrett gerichtet. Don achtern her klingt das singende Geräusch der Rädergetriebe herauf; der Ton wird mit den steigenden Umdrehungen Immer höher. Unten in den Maschinenräumen liegen hinter den Manövrierständen der Maschinisten die Turbinen. Sie tun wie immer auch heute ihre Pflicht, manche Million an Umdrehungen haben sie schon hinter sich gebracht. Auch auf dieser Reise ist es so, bald wird die zehnte voll sein. In den Kesselräumen ist Hochbetrieb. Unter dem Aufheulen der Lüfter kann sich der Unteroffizier nur noch durch Pfeifensignale verständlich machen. Die Heizer führen die Befehle aus und werfen hin und wieder einen Blick auf * Vgl. den letzten Brief in Nr. 81 des „Gießener Anzeiger" vom 5. April.___________________ BdM begrüßt den Führer im Ruhrgebiet. D-rFührerundReichskanzler wellte in den letzten Tagen >m Ruhige biet wo er dem 88jährigen Parteigenossen und Wirischastsführer Geheimrat Emil Kirdorf einen Besuch abstattete. Man sieht hier den Führer bei der Begrüßung durch Madel vom BdM. IH k lew ; M W J V W' V '3 . S s M ";W> LW v * -w. X : M :;X- § 5 & KM ' / X zeigt man die Härte der Steine Der Händler nimmt zwei Kupfermünzen und legt einen Stein dazwischen, bann tritt er mit voller Wucht darauf. Die Geldstücke sind verbogen, der Stein ist unbe- chädigt. Aber er will seinem Opfer, das ihm vielleicht doch eine Kleinigkeit abkauftn wird, doch noch einen anderen Beweis für die Güte feiner Wassersaphire liefern. Er fährt quer über das Seitenfenster der Oberfeldwebelküche und ist stolz, als doch ein Riß zu sehen ist nach dieser Prozedur. Dann knickt er merklich zusammen: der Oberbootsmann, dem die Sorge für das äußere Aussehen des Schiffes obliegt, hat ihn einmal kräftig an geblinzelt! Und am nächsten Tage bringt er für eine Versuche eine Glasscherbe von Land mit... Jeden Tag ist das Bild dasselbe, aber auch immer wieder macht es Spaß zu sehen, mit welch neuen Mitteln die Händler es versuchen, ihre Ware an den Mann zu bringen. — Unterdesien hat sich zwischen uns und den Offizieren. Unteroffizieren und Mannschaften der im Hafen lieaenben enali- schen Schiffe „Emerald" unb „Colombo" ein freunb* chaftliches Verhältnis herausgebilbet Man beucht sich gegenseitig, schlendert zusammen durch die Straßen des Ortes und treibt zusammen Sport. 3n Cochm. Cochin, wo wir am 15. März einlaufen, liegt an d e r Malabarküste. Hinter einem schmalen Landstreifen liegt ein großer Binnensee, dessen teilweiser Ausbau zu einem Hasen ü r Ueberseedampfer erst seit einigen Jahren betrieben wird. Heute ist es so, daß bereits mehrere große Schiffe dort an die Boje gehen können. Zu beiden Seiten der schmalen Fahrrinne, die in den Hafen hineinführt, sieht man große Senknetze von einer eigentümlichen Bauart, wie man sie sonst an der indischen Küste nicht findet: An einem riesigen Hebel aus Baumstämmen hängt ein großes, mit seinen Enden nach unten geführtes Holzkreuz. Zwischen diesen Enden ist ein quadratisches Netz gespannt Dor allem bei auflaufendem Wasser werden die Netze herunter gefiert und nach etwa einer Stunde wieder hoch geholt. Der Fang ist nicht überwältigend groß, aber er genügt, um außer der Befriedigung des eigenen Magens auch noch einen Handel im kleinen Stile zu betreiben. Diese, wenig Arbeit verursachende Art des Fischfangs soll vor zwei Jahrtausenden von den Chinesen hierher gebracht worden sein. An Land angekommen, ist man zunächst etwas enttäuscht. Es ist ein anderes Indien, als man es erwartete, und wie man es aus Büchern kennt. Keine prunkvollen Bauten und Tempel zeugen hier von der alten Kultur Indiens Die Bevölkerung ist trotz des reichen Hinterlandes sehr arm unb lebt unter recht bürftigen Verhältnissen, es sinb zu viel Menschen, bie dieses Land ernähren soll. Geht man durch das Eingeborenenviertek mit seinen einfachen, von der Straße durch Flechtwerk abgegrenzten Hütten oder gar durch die engen Straßen des Hafenviertels, so merkt man diese Uebervölkerung recht deutlich: es wimmelt geradezu von Menschen. Zwischen ihnen herum laufen Kühe und Ziegen, ein scharfer, nicht gerade sehr angenehmer Geruch herrscht überall vor. Besonders zutraulich sind die Kinder. Gewiß, sie betteln um einen Backschisch; aber wo >m Orient wird nicht gebettelt? Man gibt gerne eine Münze, schon um die zuversichtliche Erwartung, die in ihren klaren, manchmal wirklich schönen Kinderaugen geschrieben steht, zu erfüllen und tue Freude zu sehen. Die Alten stehen beiseite mit freundlichem Gesicht, sie scheinen zu fühlen, daß uns ihre Kinder nicht unsympathisch sind. Eines nur stört dieses schöne Bild unseres Erlebens. Das sind die Krankheiten, die unter der eingeborenen Bevölkerung herrschen. Besonders die Elefantiasis mit ihren furchtbaren Auswirkungen ist hier sehr stark vertreten! Auf dem Rückwege „Oberwachimeister Schwenke" Lichtspielhaus. Marianne Hoppe als Maria Schönborn. und der handelnden Personen. Wie der ursprüngliche Fall einer Deoisenschiebung n einen neuen Fall schwerer Erpressung und schließlich in eine dritte Affäre, einen Mordfall übergeht wie private Beziehungen in die amtliche Untersuchung hm- einspielen, und wie endlich die Jagd nach dem Tater aus einem doppelten Antrieb, einem amtlichen und einem persönlichen zugleich, ausgenommen rotrb. Und erst in dem Augenblick, als ber Verbrecher schon gestellt, gefaßt und scheinbar unschädlich gemacht ist, beginnt für ben Beamten ein Kampf, wenn nicht auf Tob unb Leben, so hoch um ferne moraIt^ unb ^dienstliche Existenz, ein Kampf, der ihn fast Dieser Film der Europa wurde nach dem yleich- ; namigen Roman von H. I. Freiherrn von Reitzenstein gedreht, der vor einiger Zeit in einer Illustrierten erschienen ist. Das Drehbuch schrieben R A. S t c m m l c und E. Freiherr von Spiegel. Es ist ein großer und sehr spannender Film, der einen Kriminalfall behandelt, sich aber von den meisten ähnlichen Fällen dieser Art (im Film) durch zwei Umstände wesentlich unterscheidet: norm lich dadurch, daß es sich nicht um einen Bericht nach ben Akten, sondern ausdrücklich um einen Roman handelt, und daß zweitens in diesem Roman der Fall durchaus von der Polizei aus gesehen ist; genauer, daß der Beamte, der im Mittelpunkt der Ereignisse sieht, nicht nur dienstlich, sondern — auf eine ziemlich verwickelte Art und Weise - auch persönlich an dem Fall und an dessen Aufklärung beteiligt ist. Das verlegt den Schwerpunkt in der Darstellung so, daß man beinah von einem Polizei- Roman sprechen kann; jedenfalls intereffiert hier in erster Linie und am Ende ganz ausschließlich die Geschichte (nicht zuletzt auch: die Liebesgeschichte) eines Poftzeibeamten, eben jenes Oberwachtmeisters^ der dem Film seinen Namen gab. Daß dies em Mami der Berliner Polizei ist, scheint ebenfalls wesentlich, denn irgendwo in der Provinz wurde sch s cher Fall kaum in dieser Form haben abspielen kom nen Daß dabei überhaupt einmal, wenn auch nur flüchtig ein Blick in das dienstliche und private Dasein eines reichshauptstädtischen Schupomannes ge- worfen" wir?, macht den Film besonders interessant und anziehend, weil hier em sonst kaum h trachtetes Lebensgebiet erschlossen .. °?er wemg stens am Rande gestreift wird. Das lstnun wiederum ein springender Punkt: zu einem PaUzeiroman oder dem Roman eines Polizisten langt es nicht gan^ eben weil es sich um einen Film H°E^' „i/da? eine Verfilmung. Der Roman seinerseits, konnte da , aber das Drehbuch hat (notwendigerwefte wie durch aus zugegeben werden muß) recht einschneidend Veränderungen mit dem Stoff vorgenommen. D kommt zwar der Konzentration und der fi msichen Spannung ohne Zweifel zugute, «der mit dieser Konzentration mußte natürlich auch vieles - schwinden, was den Roman als ß^ben9au5J^^ni besonders we«rtvoll und eben zu emem (realistische ) Roman machte. Der Beschauer muh dagegen man ches kombinieren, was dort sehr klar und ursächlich verbunden zutage lag; und es konnten auch in der epischen Schilderung die im Brennpunkt der Favei zuiammenlaufenden und sich teilweise uberschnei- benben sehr verschiedenen Lebensspharen viel gründ- licher und beziehungsreicher entwickelt und zur Anschauung gebracht werden. Immerhin merkt man dem Film noch deutlich genug die literarische Herkunft an: es ist nicht nur ein interessanter, spannender und stellenweise geradezu aufregender Film, sondern auch ein — bei aller Realistik — etwas romanhafter und fast romantischer Film. Wir meinen hier nicht den abweichenden Schluß, der bet Reitzenstein auch nicht überzeugender war, sondern die Verkettung der Vorgänge, der Handlungsteile wehrlos findet; eine bösartige Verstrickung, der er beinahe zum Opfer fällt. Gerade diesen, rein menschlich interessantesten Abschnitt, werden manche gewiß als romanhaft, vielleicht sogar in seinen Voraussetzungen als unwahrscheinlich empfinden, aber man sollte bedenken, daß das Leben und der Zufall nicht einmal selten Situationen schafft, die ein Romanschreiber aus Instinkt ablehnen, und die man im Film unglaubwürdig finden würde. * Die Regie — Carl Froelich — ist ausgezeichnet: sie bringt alles, was aus dem Drehbuch irgend herauszuholen war. (Daß die Vorlage nicht restlos ausgeschöpft werden konnte, wurde bereits gesagt und hat mit der Inszenierung nichts zu tun.) Die Vorgänge sind filmifch mit bestechender Sicherheit gesehen, Milieu, Schauplätze und einzelne Gestalten, auch in kleinen Episoden, mit einer oft verblüffenden Echtheit dargestellt. Daß die im Stoff begründete Aktivität und Spannung der Fabel vollkommen erfaßt und intensiv auf den Beschauer übertragen wird, versteht sich nahezu von selbst. Den Schwenke gibt Gustav Fröhlich. Nur wenige werden sich erinnern, daß er schon einmal, noch im stummen Film, eine ganz ähnliche Rolle mit gleicher Sicherheit gespielt hat. Er ist ein netter Junge, tüchtiger Beamter, anständiger Kerl; er macht seine Sache dienstlich und menschlich ganz überzeugend, und es kann fein Zweifel sein, daß alle Sympathien auf seiner Seite sind. Was wir einzuwenden haben, wäre allenfalls dies, daß er gelegentlich um einen halben Grad zu sicher, zu gepflegt, fast hätten wir gesagt: zu weltmännisch wirkt für diese Rolle, die er hier zu spielen hat, und die natürlich von der Erinnerung an frühere und sehr andersartige Rollen empfindlich belastet wird. Äon den Frauen ist die Maria der Marianne Hoppe ein ganz anderer Typ als ihr Modell im Roman; aber sie spielt auch diese verwandelte Maria mit dem wachen Blick und dem warmen Gefühl, welches die Gestalt menschlich so anziehend und glaubhaft macht Auch die Fanny ist im Roman etwas anders angelegt, wird aber von Claire Fuchs, einer bisher kaum bekannten Darstellerin, in Geste, Tonfall und Aufmachung sehr sicher erfaßt. Eine überraschend geschlossene Leistung bietet Harald Paulsen, der von der Operette herkommt, unb dem man eine so echte Figur wie diesen zähen und gerissenen Erpresser schlechterdings nicht zutrauen konnte. Sehr gut Sibylle Schmitz als Erna Zuwade an ihrem verhängnisvollen Zwiespalt und Doppelspiel zwischen den Fronten. Emmy Sonne- mann gibt die Lena Wenkstern mit überlegener, gesellschaftlicher Gewandtheit, aber auch sehr nobel und menschlich in dem Konflikt, in den diese Frau ahnungslos und schuldlos verstrickt wird. Aus einer Fülle scharf und realistisch gesehener Gestalten, die den Film bevölkern und so lebendig-bewegt machen, seien noch S t e i n b e ck als Wenkstern, D a n n e • mann als Wölfert, Dienert als Kommissar, Gernot als Chauffeur Fritsch und Oscar S a b o als überaus natürlicher Berliner Straßenbahner hervorgehoben. Im Beiprogramm sieht man eine Reihe hübscher Tieraufnahmen und einen drolligen englischen Farbenfilm. Aus der Wochenschau interessiert vor allem ein Bildbericht von der Trauung des Reichsministers Göring in Berlin. — r — Zeitschriften. — „Der Naturforscher", vereint mit „Natur und Technik". Preis vierteljährlich 2,50 Mk., einzeln 1,00 Mk. Hugo Bermühler Äerlag, Berlin- Lichterfelde. — Vertiefung naturkundlichen Wissens erhöht die Freude an der Natur. Darum sollte jeder ernsthafte Naturfreund diese Zeitschrift lesen. Mft dem ersten Heft des 12. Jahrganges legt „Der Naturforscher" wieder ein eindrucksvolles Zeugnis feiner rühmlichen Leistungen ab. Vielseitig, prachtvoll bebildert, tiefgründig und doch allaemeinver- ständlich sind die Aufsätze der bebeutenoen Fachwissenschaftler, bie barin zu Wort kommen. Aus bem reichen Inhalt sei nur auf einige bebeutfame Beiträge hingewiesen: Zu ber wichtigen Frage, ob „menschliche Krankheiten unb Rassenmischungen" in Beziehungen zueinander stehen, äußert sich der berufenste Vertreter der Rassenpathologie vom Kaifer- Wilhelm-Jnstitut für Anthropologie, Professor Dr. Otmar Freiherr von Derschuer. — Auch in der Pflanzenzucht gewinnt die Frage nach den Rassen immer mehr an Bedeutung Wie weit gegenwärtig die durch züchterische Mittel erzeugte Rassenent- stehung im Pflanzenreich gediehen ist. zeigt an gut bebilderten Beispielen Dr. H. Stubbe. Der bekannte Tierpsychologe Prof. Dr. Bastian Schmid (München) und der Tierphotograph Ferd. Hartung (Düsseldorf) haben gemeinsam einen hervorragend bebilderten zoologischen Beitrag geliefert: „Tiermütter und Tierkinder". — Der Pflanzengeograph Dr. K. Hueck legt die „Bedeutung der vegetationskundlichen Forschungen für die Bodenberoirtschastung" an Hand von einleuchtenden Beispielen und Bildern bar. — Die Frage nach bem „Golb im Meere" ist neuerdings von der Preußischen Meeresforschungskommis- fion in Kiel wohl endgültig gelöst worden. Hierüber gibt Dr. H. Wattenberg (Kiel) einen Bericht. — lieber ein neues Naturschutzgebiet auf der Insel Rügen berichtet Professor Dr. W Schoenichen. — Unter „Technik und Wirtschaft" finden wir einen bebilderten Aussatz über „Die Bekämpfung der Forstschädlinge mit Giftstoffen". Seefahrt liegen vor uns, die ein reichhaltiges nach die Glocken in der Nacht nach Rom, des Erlösers. Dr. Ludwig Roth. Wirtschaft Ju- im Zudem Wetzlar im Zähre 1934 Montanpapiere lagen uneinheitlich, hatten aber nur für 1935 wieder ein zufriedenstellendes Ergebnis geringfügige Abweichungen. Schiffahrtsaktien brök-1 erwartet wird, lieber den Eisenstein-Bergbau wird feiten bis 0,25 v. 8). ab, etwas leichter lagen außer-1 berichtet, daß die Gesamtförderung auf den Gruben um der die im heutigen 418 Fer- -nvT UdQUdiuurotJ ||aPjmuo]og asq snv uaaafJgaO uv aiai uaiuiuo) ajoofö iaiajun sizsstsbunquvI ank ten vorbei, die im 16. und 17. Jahrhundert von den Portugiesen und Holländern aufgeführt wurden. In einer Kirche sehen wir unter vielen anderen auch die Grabplatte der letzten Ruhestätte des großen portugiesischen Seefahrers und Entdeckers Basco da Gamas, der 1524 in Cochin starb. Am 21. März verlassen wir Indien, um in eine neue Welt: in das orientalische Afrika zu fahren. Unser Ziel ist Alexandrien. Dreizehn Tage alt 26 bis 34 Mark. Läufer 37 Mark. — gut, geringer Ueberstand. Schweinemarkt in Homberg. = er. Homberg, 17. April. Zum gibt Auskunft: 665: Lockerung der Devisenbewirtschaftung in goslawien. 666: Ausstellung von Ursprungs-Zeugnissen Die Fndusirie- und Handelskammer Gießen Vorjahr in Vorschlag zu bringen. Mein-Mamische Mittagsbörse. Uneinheitlich. Dienstprogramm enthalten. Am 31. März treffen wir kurz vor Suez zum letzten Male unseren treuen Begleitdampfer „Mittelmeer" und übernehmen aus ihm die restlichen Oel- und Proviantbestände. Wir sind im Laufe der Monate so mit ihm verwachsen, daß wir ihn nur ungerne scheiden sehen. Zum Abschied spielt die Bordkapelle und drei Hurras klingen hinüber und herüber. Dann nimmt er Kurs i t Süden, sein Ziel ist der Persische Golf. Schweinemarkt betrug der Auftrieb fei. Es wurden für 6 bis 8 Wochen alte Ferkel 20 bis 25 Mark, für 8 bis 13 Wochen alte 23 bis ♦ Julius Berger Tiefbau AG., Berlin. In der Auffichtsratsfitzung wurde beschlossen, der am 18. Mai stattfindenden Hauptversammlung Der gestrige Schweinemarkt in Gießen war mit 234 Ferkeln und 2 Läufern zum Verkauf beschickt. Es kosteten: Ferkel bis 6 Wochen alt 19 bis 26 Mk., 6 bis 8 Wochen alt 21 bis 26 Mk., 8 bis 13 Wochen .... — ' -- — - Tendenz: Vom Palmsonntag bis Gründonnerstag Alte Volksbräuche in der Karwoche. nach reichlichen Abschreibungen und Rückstellungen Verteilung einer Dividende von 6 v. H. wie deutsch-argentinischen Warenverkehr. 667: Schlußschein-Zwang im Weinhandel. 663: Weitgehende Reiseverbilligung für die zweite Reichsnährstands-Ausstellung vorn 28. Mai bis 2. Juni 1935 in Hamburg. Sonderzüge mit 75 v. H. Ermäßigung. 30 Mark bezahlt. Der Handel war lebhaft, es verblieb nur geringer Ueberstand. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 17. April. Am Getreidegroßmarkt herrschte starke Feiertagsstimmung, Umsätze wurden kaum oorgenommen. Die Angebotsverhältnisse in Brotgetreide biteben unverändert. In Futtergetreide blieb das Angebot knapp, ebenso in Kraftfuttermitteln, während die Nachfrage noch anhielt. Das Mehlgeschäft brachte für die Feiertage keinerlei Mehrabsatz, insbesondere vermißte man Nachfrage für hochwertige Weizen-Auszugsmehle. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W IX 209, WXIII 213, WXVI 217; Roggen RIX 169, R XIII 173, R XV 177, Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Futtergerste G IX 171, GXI 174, G XII 176; Hafer H XIII 169, H XIV 171, Großhandelspreise ab Station. Bei Wasserverladung über 100 Tonnen 3 Mark mehr. Sommergerste für Brauzwecke 200; Weizenmehl W XIII 27,60, W XVI 28,05; Roggenmehl R XIII 23,70, R XV 24,10 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizennachmehl 17,50; Weizenfuttermehl 13,75; Weizenkleie W XIII 10,87, W XVI 11,08; Roggenkleie R XIII 10,14, R XV 10,38, Mühlenfestpreis ab Müh- lenstation. Sojaschrot mit Monopolzuschlag 13; . Palmkuchen 13,30; Erdnußkuchen 14,50 Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 18. April. Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Auftrieb: 51 Rinder, darunter 22 Ochsen, 1 Bulle, 18 Kühe, 10 Färsen, 920 Kälber, 65 Schafe, 430 Schweine. Preise für ein Zentner Lebendgewicht: Kälber 34 bis 60, Hämmel 35 bis 40, Schafe 25 bis 34, Schweine 44 bis 51 Mark. Marktoerlauf: Kälber lebhaft, Hämmel und Schafe langsam, Schweine schleppend. andererseits auf 149 (149,25) zurück. Am Kassamarkt waren Odenwälder Hartstein auf die Dioidenden- erhöhung gesucht und weiter fest und zogen auf 98,50 (97) an. Abendbörse still. Die Abendbörse lag ruhig. Vor den Feiertagen herrschte vollkommene Geschäftsmüdigkeit. Die Ber- liner Schlußkurse waren durchweg gut gehalten, IG. Farben 149 nach 149,25, Schiffahrtswerte jedoch nach der erneuten Mittagssteigerung 0,25 bis 0,40 v. H. niedriger angeboten, Hapag bei 34,75. Westdeutsche Kaufhof noch 0,13 v. H. über dem festen Mittagsschluß. Deutsche Renten lagen still, Altbesitz gaben von 113,05 auf 113 nach. Mexikaner ohne Umsatz. Am Kassamarkt zeigte sich wieder, wie schon heute mittag, erhöhtes Interesse für Odenwälder Hartstein, die von 98,50 auf 101,50, also um 3 v. H. anzogen. Schweinemast in Gießen. Christentum setzte an die Stelle des heidnischen Wintergottes den Judas Jschariot. Der Gründonnerstag ist der Erinnerung an die Einsetzung des Abendmahls gewidmet. Gegen Ende des 7. Jahrhunderts wurde er zum Fest erhoben und seitdem in der christlichen Kirche gefeiert. Die Römische Kirche nennt ihn den „Donnerstag der Abendmahlsfeier des Herrn". In der Griechischen Kirche heißt er der „große, heilige Donnerstag". In einzelnen Kirchen, außerhalb Roms, sollen an diesem Tage beim Hochamt grüne Gewänder getragen worden sein, während man sich in Rom selbst weißer Festgewandung bediente. Am Gründonnerstag wurden die öffentlichen Büßer, die nach ihrer während der Fastenzeit vollbrachten Buße nunmehr ihre Lossprechung von ihren Vergehen und' Kirchenstrafen erbaten, wieder in die Kirche als „frischgrüne Sündenlose" (viridis) ausgenommen. Daher soll der Name „Grüner Donnerstag", der zuerst im zwölften Jahrhundert vorkommt, stammen. Viel wahrscheinlicher ist es, daß die Bezeichnung von dem schon erwähnten uralten Brauch herstammt, an diesem Tage grüne Frühlingskräuter zu genießen, denen man eine heilbringende Kraft beilegte. Durch die weitverbreitete Bezeichnung „ft i 11 e Woche" wollte man in trauernder Erinnerung auch durch äußere Ruhe und Stille den Tod des Heilandes ehren. In alter Zeit war nicht nur Tanz und Musik verboten, sondern alle gerichtlichen Handlungen, alle gewerbliche Arbeit ruhte. Alle Wochenarbeit wurde soweit wie möglich eingestellt und auch die Dienstboten feierten. Mit besonderer Freigebigkeit wurden in der stillen Woche Almosen ausgeteilt; man ließ Gefangene frei und übte auf alle Weise gegen andere Milde und Barmherzigkeit. Auch sinnige Volksan- fchauungen verbanden sich mit dem Ernst der Karwoche. Wenn es, was übrigens häufig der Fall war, in der Karwoche regnete, so weint und trauert nach dem Volksglauben auch die Natur über den Tod dem noch Gebr. Junghans (— 1), Conti-Gummi (—1,13). Von sonstigen Werten lagen Reichsbank 0,75 v. H., Bank für Brauindustrie 0,25 v. H., Zellstoff Waldhof 0,40 v. H., Eßlingen-Maschinen 0,25 v. H. und Kunstseide AKU. 0,13 v. H. freundlicher. Am Rentenmarkt war das Geschäft ebenfalls sehr klein. Altbesitzanleihe gingen 0,13 v. H. zurück, während späte Reichsschuldbuchforderungen mäßig höher lagen, Zinsvergütungsscheine und Kom- munal-Umschuldung sowie 6 v. H. Stahlverein-Bonds und Reichsbahn-VA. gut behauptet blieben. Von fremden Werten neigten Mexikaner überwiegend zur Schwäche. Im Verlaufe konnte sich das Geschäft auf keinem Marktgebiet beleben, auch die Kurse wiesen gegen den Anfang fast keine Veränderung auf. Soweit Papiere spater zur Notiz gelangten, lagen sie eher um Bruchteile eines Prozentes freundlicher, so z. B. Daimler, Siemens, Rütgerswerke. Holzmann erhöhten sich auf 92 nach 91,75. IG. Farben gingen Frankfurt a. M., 17. April. Die heutige Mittagsbörse eröffnete bei sehr kleinen Umsätzen in uneinheitlicher Haltung, doch zeigten die Kurse sowohl am Aktien- wie am Rentenmarkt keine stärkeren Veränderungen. Mit Rücksicht auf die bevorstehenden Feiertage verhielt sich die Kulisse abwartend, auch die Kundschaft beteiligte sich nur in ganz kleinem Umfange am Geschäft. Die Grundtendenz war jedoch weiter freundlich und zuversichtlich, wobei einige günstige Wirtschaftsnachrichten der Haltung eine Stütze gaben. Starke Beachtung fand vor allem der Abschluß der Dresdner Bank. Daneben wirkte die aktive Außenhandelsbilanz im Monat März günstig nach. An den Aktienmärkten gingen die Kursveränderungen nach beiden Richtungen nicht über ein Prozent hinaus. Etwas Interesse zeigte sich am Chemiemarkt für IG. Farben und Scheideanstalt, die um 0,25 bzw. 0,75 v. H. fester lagen. Metallgesellschaft konnten sich behaupten, lediglich Deutsche Erdöl bröckelten um 0,90 v. H. ab. Elektroaktien hatten sehr stilles Geschäft. Fest lagen Felten mit 89,90 (88,50), dagegen gingen Bekula um 0,65 v. H. zurück, im übrigen wiesen die Kurse nur minimale Veränderungen auf. Erhöhtes Interesse zeigte sich für Zementaktien in Nachwirkung der günstigen Abschlüsse. Zement Heidelberg plus 0,65 o. H., auch Holzmann etwas angeregt und 0,40 v. H. höher. Wie zu Mitt-Winter der lichtgeschmückte Tannenbaum, so stellten zu Ostern die „Palmen" jeder Gröhe, von der einfachen Weidenkätzchenrute bis zum buntgezierten, heimatlichen Bäumchen das u r - alte Bild des „Lebens-Baumes" dar, der auch im nordischen Brauchtum, in Sage und Märchen, in vielfachen Wandlungen immer wieder auftaucht. Die grüne Rute, der Strauch von grünendem Kraut, Busch oder Baum ist zum heiligen Auf- erstehungs- und Lebenszeichen geworden, auch in dem kirchlichen Brauchtum der Christenheit. Bezeichnend ist, daß hier der Name für den vielgestaltigen Lebensbaum „Palme" ist. Der letzte Sonntag vor Ostern, der die „stille Woche", die „Kar-Woche" eröffnet, steht im Zeichen der Palme. Der „Palm-Sonntag" hat feinen Namen von der „Palm-Prozession", welche früher in der Kirche zur Erinnerung an den Einzug Christi in Jerusalem kurz vor dem Passahfeste stattfand, denn während dieses Einzuges streute bekanntlich das begeisterte Volk dem Messias „Palmen" auf den Weg. In den Ländern, in denen keine Palmen wachsen, ist hierfür Ersatz eingetreten: Buchsbaum, Stechpalmen, Weide, Haselnuß, Silberpappel. Heute noch findet in der römischen Kirche am Palm- Sonntag die „Palm-Weihe" statt. Die geweihten Palmzweige (Juniperus, Buchsbaum und Stechpalme) werden während des ganzen Jahres aufbe- wahrt. Sie dienen zu mancherlei Zwecken: wenn ein Gewitter im Anzuge ist, nimmt man einen Zweig und verbrennt ihn auf dem Herde. Andere Teile der Palmen werden in den Viehftällen zwischen Sparren und Dielen gesteckt, zur Abwehr von Blitz und Feuersgefahr und anderen Schäden. „Palmzweige" (Juniperus) werden aufbewahrt bis zum Dreikönigstag, dem „Obristentage" unserer Vorfahren; an diesem Tage werden auch durch Sprengen des geweihten Wassers mit diesen Karfreitagspalmen alle den Menschen und dem Vieh schädlichen bösen Geister aus dem Hause und aus den Ställen verbannt. An einigen Plätzen ist es auch üblich, drei Palmen- oder Weidenkätzchen morgens nüchtern zu verschlucken, das beschützt nach dem Volksglauben vor Halsweh und anderen Leiden. In früheren Zeiten wurde der Einzug Christi in Jerusalem durch die Palmesel-Prozession dargestellt. In Antwerpen schritten dem Palmesel die zwölf Apostel voran, und der Darsteller des Heilandes mußte nach einer Bestimmung aus dem Jahre 1487 ein soeben aus Jerusalem zurückge- kehrter Pilger sein. Bei der Prozession, die in Heidelberg am Palmsonntag stattfand, wurde die ganze biblische Geschichte dargestellt, beginnend mit Adam und Eva im Paradies, bis zum Einzuge Christi in Jerusalem, der den Schluß der langen Prozession bildete. Bis zur französischen Revolution war die Heidelberger Palm- Sonntags-Prozession ein berühmtes Volksfest des badischen Unterlandes. So kommt es, daß noch heute in Süddeutschland die Redensarten sehr gebräuchlich sind: „Er kommt so selten wie ein Palm-Esel" und „geputzt wie ein Palm-Esel acht Tage vor Oestern." Der Palmsonntag leitet, wie gesagt, die stille Woche, die Karwoche ein. Das Wort „chara“ bedeutet im Althochdeutschen Trauer, Klage und weist auf das Trauern und Klagen der Menschheit um das Sterben des Erlösers hin. In katholischen Ländern erklingen am Gründonnerstag beim Anstimmen des Gloria die Glocken noch einmal mit vollem Geläut, dann schweigt ihr hoher festlicher Klang zum Zeichen tiefer, stiller Wehmut bis zum Gloria am Karsamstag. „Die Glocken gehen nach Rom" heißt es im Volksmund. Der Mittwoch in der Karwoche wird der „Krumme Mittwoch" genannt, weil am Abend dieses Tages die Obersten des jüdischen Volkes das Recht „krümmten", indem sie den Beschluß faßten, den Heiland durch den angebotenen Verrat des Judas Jschariot festnehmen und kreuzigen zu lassen. Am Gründonnerstag läuteten, wie erwähnt, die Glocken der katholischen Kirchen zum letzten Male. Nach altem Volksglauben, der noch lange Zeit in der Vorstellung der Kinder haften blieb, reifen Die AG. Buderusfche Eisenwerke in Wetzlar verzeichnen 1934 eine Erhöhung des Betriebsüberschusses auf 12,79 (8,83). Zinsen und sonstige Kapitalerträge erbrachten 0,34 (0,26), ao. Erträge 0,012 )0,36) und Beteiliaungserträge 0,005 (0,001). Anderseits beanspruchten Lohnaufwendungen 8,15 (5,31) Sozialabgaben 1,05 (0,65), Steuern 1,11 (0,92), sonstige Aufwendungen 0,13 (0,013). Nach Anlageabschreibungen von 1,493 (1,391) und anderen Abschreibungen von 0,25 (0,99) verbleiben 1,326 (0,203) Reingewinn, aus dem der Nassauische Hüttenverein 0,36 (0,055) erhält, so daß aus dem verbleibenden Reingewinn von 0,98 die Dividendenzahlung mit 4 v H. aufgenommen wird und 0,075 zur Tilgung von Genußrechten verwandt werden. Zum Vortrag gelangen 173 306 RM. Das abgelaufene Jahr stand im Zeichen einer lebhaften Beschäftigung aller Erzeugungsgebiete der Gesellschaft. Das Auslandsgeschäft wurde, allerdings unter Opfern, etwas gesteigert. Die Belegschaftsziffer stieg im Konzern auf 8319 Mann. Mit der durchgeführten Auflösung der früheren Derkaufsgesellschaft des Hüttenvereins verminderten sich Beteiligungen und Verbindlichkeiten beim Hüttenverein um 2,69 Mill. RM. Alle Anzeichen deuten auf eine Belebung des Geschäftes zum beginnenden Frühjahr, so daß auch der IG. 155 383 Tonnen, die Kalksteingewinnung 94 516 Tonnen betrug. Nlit der Preag (Berlin) wurde ein langjähriges Abkommen getroffen, wonach Eisenstein aus dem Feldbesih der Preag im Dilltal von Buderus bezogen wird und gegenseitige Erleichterungen im Abbau miteinander markscheidender Gruben gewährt werden. Die von Buderus aufgenommene Bauxitgewinnung macht Fortschritte. Im März 1934 wurde von den drei Hochöfen ein zweiter neu in Betrieb genommen, wodurch die Roheisenerzeugung und der Versand der Sophien- hütte hundertprozentig stieg. Im laufenden Jahre wird mit der Neuzustellung des Hochofens F, also des dritten Ofens, begonnen werden. Die Nachfrage in den Gießereierzeugnissen war unvermindert stark. Erst ab August wurde in einzelnen Erzeugnissen auf Lager gearbeitet. Besondere Fortschritte wurden in der Hebung der Beschaffenheit des Roheisens und der Gießereierzeugnisse gemacht. Das Erzeugungsprogramm in Gußeisen wurde erweitert. Auch in sonstigen Baumaterialien liegen Fortschritte vor. Es wurden im Sinne der Arbeitsbeschaffung erhebliche Beträge aufgebracht. Eisenportland- und Hochofen-Zement hatte eine Steigerung um 72 v. H., eine Versandsteigerung um 63,5 v. H. Vermerkt wird noch, daß trotz der Belegschaftserhöhung die Lohnsumme der Gefolgschaftsmitglieder um 63,7 v. H. insgesamt stieg, die Arbeitsstunden erhöhten sich um 57 v. H. ihren Teil von dem Segen zu empfangen, den Papst am Karfreitag spendet. In der Nacht von dem Freitag auf den Samstag fliegen sie dann wieder heim. Während die Glocken schweigen, wird mit der „Ratsch e", einer Art hölzerner Klapper, zum Gottesdienst gerufen. Eine Weibsperson, die von ihrem Sprachwerkzeug allzu ausgiebig Gebrauch macht, bezeichnet man in Süddeutschland als „Karfreitags-Ratschen". Am Vormittag des Gründonnerstags werden in der Kirche die heiligen Oele geweiht, an den „zwölf Aposteln" (ehrwürdigen, bedürftigen Greifen) wurde die Zeremonie der Fußwaschung vollzogen. Daß am Gründonnerstag mittags eine grüne Suppe („Kräutel-Suppe") verzehrt wird, ist wohl überall Brauch; diese Sitte deutet aber auf germanischen Ursprung hin. Spinat mit Eiern, Kerbelsuppe und Schnittlauch-Pfannkuchen am Gründonnerstag beweisen uns, daß sich hier Reste des germanischen Frühlingsfestes erhalten haben, denn diese Speisen sollen Erstlingsopfer bedeuten. Auch die Dfterfeuer sind germanischen Ursprungs. Noch bis in unsere Zeit hat sich der Brauch erhalten, in diesen Feuern eine Strohpuppe, die den „Winter-Riesen" vorstellen soll, zu verbrennen. Das Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Devisenmarkl Berlin — Frankfurt a. M. Banknoten. Serlin, 17.April Amerikanische Noten.............. Belgische Noten............... Dänische Noten Englische Noten .......... Französische Noten Holländische Noten Italienische Noten Norwegische Noten Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Noten Schweizer Noten Spanische Noten Ungarische Noten Frankfurt a.M. | Berlin Schlußkurs Gchlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag« börse /Datum 16.4. 17.4- 16.4 17.4 6% Deutsche Neichsanleihe v. 1927 100,2 100,13 100,4 100,4 4% Deutsche Neichsanl. von 1934 —— 97,6 97,75 97,75 5*/2% Doung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 102,25 102,3 102,4 103 Auslos.-Rcchten ............. 4l/,% Deutsche ReichSpostschatzan- 113,25 113 113,25 112,9 Weisungen von 1934. I....... 6% eljem.8% Hess. Bolksstaat 1929 100,65 100 100 100 (ruckzahlb. 102%)............ ... 4 Süddeutscher Zucker.........9 Gelsenkirchener..............O Harvener...................0 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. O Ilse Bergbau ............... 6 Nie Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke .............gy, ManneSmann-Röhrea........ö 106,75 95.5 150 121,65 92 77,75 247,5 149 36,25 94 169 249,5 148 38 94 169 248 161,75 149 । 37,25 250 161,75 147 37,75 168 16.April 17. April Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Buenos Atre. 0,658 0,662 0,658 0,662 Brüssel .... 41,98 42,06 41.98 42,06 Rio de Jan. 0,201 0,203 0,201 0,203 Sofia..... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen 53,90 54,00 53,85 53,95 Danzig.... 81,10 81,26 81,10 81,26 London.... 12,07 12,10 12,06 12,09 HelsingforS. 5,33 5,34 5,32 5,33 Paris ..... 16,38 16,42 16,38 16,42 Holland ... 167,33 167,67 167,58 167,92 Italien.... 20,68 20,72 20,68 20,72 Japan ..... 0,710 0,712 0,709 0,711 Jugoslawien 5,649 5,661 5,649 5,661 Oslo..... 60.67 60,79 60,62 60,74 Wien...... 48.95 49,05 48 95 Lissabon ... 10,96 10,98 10,94 10,96 Stockholm.. 62,25 62,37 62,19 62,31 Schweiz ... 80,72 80,88 80,72 80,88 Spanien... 33,93 33,99 33.95 34,01 Prag...... i n 87 in, 99 Budapest .. — Neuhork... 2,484 2,488 2,484 2,488 Geld Srkf 2,436 2,456 41,82 41,98 53,64 53,86 12,025 12,065 16,32 16,38 167,1fr 167,84 20,76 20-84 60,41 60,65 61,98 62,22 80,24 80,56 33,48 33,62 — — Nr. 92 Dritter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, l8. April M5 Aus der Provinzialhaupistadi. Karfreitag. Haben wir schon einmal unsere Wege — nur Einen Tag lang — genau geprüft, warum wir sie gingen und wohin sie führten? Wie ernst, wie erschütternd ernst müßte erst die Antwort auf die Frage nach den Weaen in unserem ganzen bisherigen Leben ausfallen! Ob bei vielen Menschen unter all den tausend Wegen ihres langen Lebens auch der Weg nach Golgatha zu finden ist? Ob wir diesen heiligen Weg wenigstens einmal schon gegangen sind? Oder ist er unser Lebensweg gewor- oen, so daß wir mit Zinzendorf jubeln können: „-öch bin durch manche Zeiten, wohl auch durch Ewigkeiten mit meinem Sinn gereist. Nichts hat mir Herz genommen, bis daß ich hingekommen gen Golgatha. Gott sei gepreistl"? Wie dem auch sei morgen am Karfreitag, sollten wir diesen Weg nach Golgatha hin zu dem Gekreuzigten gehen. Wenn wir dann unter seinem Kreuz angekommen sind, wird uns auch heute wieder heiliges Staunen überkommen. Welch eine Wandlung ist mit diesem Kreuz von Golgatha geschehen! Einst vor 1900 Jahren ist auf Golgatha ein Mensch gekreuzigt worden, wie viele vor ihm und nach ihm. Er stirbt dort, scheinbar verlassen von Gott und aller Welt. Seine Feinde triumphieren, denn sie sind am Ziel, und er ist am Ende. Jesus von Nazareth scheint vernichtet, seine Sache verloren. Und heute? Da ist sein Kreuz nicht mehr das Holz der Schmach, sondern das Zeichen höchster Ehre. Es leuchtet von unseren Kirchtürmen segnend ins Land. Es steht auf unseren Gräbern als Sinnbild des Trostes. Die Botschaft von dem Gekreuzigten, in aller Welt verkündet, bezwingt noch heute das Menschenherz und wird noch nach Jahrtausenden die Menschen in ihren Bann ziehen. Je mehr wir diese gewaltige Tatsache bewundernd betrachten, um so klarer wird uns, daß der Gekreuzigte diesen Sieg erringen mußte. Denn dort auf Golgatha vollendet sich ein einzigartiges Heldentum. Jesus, der in seinem Leben heldenhaft gerungen hatte mit der Not, der Sünde und dem Tod in der Welt, offenbart dieses Heldentum in der erhabensten Größe am Kreuz mitten im Sterben und Unterliegen. Denn er bleibt seiner Sache treu. Er steht für sie ein bis zum Tode. Er trägt seine Bürde — einer Welt Sünde — ganz allein, ganz einsam, aber er trägt sie durch Kampf zum Sieg. Heldentum ist immer schwer zu bewähren, auch wenn man Schulter an Schulter kämpft. Aber Held bleiben, auch wenn man ganz allein und verlassen ist, Held sein und bleiben auch in schwerster Seelennot, in der selbst Gott {einen Auserwählten verlassen zu haben scheint — >as hebt dieses Heldentum in Uebermenschliche. Das läßt den einzigartigen Sieg dieses Helden schon auf Golgatha ahnen. Dort auf Golgatha offenbart sich aber noch mehr: dort vollendet sich ein einzigartiger Glaube. Der Mann, der hier den schwersten Tod stirbt, hatte in sonnigen Tagen sein Jünger gelehrt, an Gott als an ihren Vater zu glauben. Er hatte selber sein herrliches Leben gebaut auf diesen Glauben an seinen Vater. Nun muß er die Probe, eine einzigartige schwere Probe, auf diesen Glauben bestehen. Kein Engel erscheint. Kein Wunder geschieht. In tiefes Schweigen hat sich der Gott eingehüllt, von dem er bisher immer wieder Hilfe erfuhr und Kraft entgegennahm. Aber Jesus siegt in dieser schwersten Glaubensprobe. Er bleibt gewiß seines Gottes und des gnädigen Ratschlusses dieses Gottes, daß nur dieser Weg durch Sterben und durch Bluten zur Erlösung der Menschheit führt. Damit stehen wir bei der tiefsten Wahrheit, die uns der Gekreuzigte am Karfreitag wiederum verkündet, bei der Botschaft von einer einzigartigen Liebe. Jesus von Nazareth, dessen ganzes Leben Liebe und weiter nichts als Liebe zu seinen Mitmenschen war, vollendet diese Liebe am Kreuz. Er sagt Ja zu Gottes heiligem Willen der Welterlösung Er sagt Ja zu dieses Gottes größter Liebestat, obgleich "die Menschheit ihm ihr Nein in der entsetzlichsten Form entgegenschleudert, indem sie den Boten dieser göttlichen Liebe ans Kreuz schlagt. Die NGV. verteilt Ostereier. AW» - ..'M - X $1 . .,4"< V M * 'S (Aufnahme: Photo-Pfaff) Eier werden ausgepackt und für die Ausgabe vorbereitet. Im Lager des Winterhilfswerkes: die Als eine Sondermaßnahme zum Oster- f e ft verteilte die NS. - Volkswohlfahrt am gestrigen Mittwoch an hilfsbedürftige Volksgenossen in unserer Stadt Ostereier. Bei dieser Osterfreude war die NSV. in der Lage, an die Gießener Volksgenossen rund 13 0 0 0 Eier aus dem Ertrag der Ostereiersammlung in unserer Stadt abzugeben. Mit dieser Sondermaßnahme der NSV., durch die in viele Familien von Volksgenossen eine schöne Osterfreude gebracht wurde, ist der reiche Segen dieser Arbeit erneut in sehr eindrucksvoller Weise zutage getreten. Man kann sich nur freuen, daß durch diese Arbeit der NSV. und durch die verständnisvolle Mithilfe aller Volksgenossen es möglich ist, den hilfsbedürftigen Familien in wirkungsvoller Weife beizustehen und ihnen das starke Erleben der deutschen Volksgemeinschaft im Geiste des Führers Adolf Hitler zuteil werden zu lassen. Gerade an dieser Größe der menschlichen Schuld offenbart sich die ganze Größe der göttlichen Liebe in dem Gekreuzigten. Wir können dies Geheimnis von Golgatha nicht besser andeuten, als mit den Worten: Jesus starb für uns. Einer hat sich für alle geopfert. Und dadurch hat dieser Eine uns alle erlöst. Erscheint uns das unglaublich? Nun, dann wollen wir doch bedenken, daß schließlich alles wahre Leben stellvertretendes Opfer ist. Eine Mutter opfert sich für ihr Kind, eine Frau für ihren Mann. Unsere deutschen Heldenbrüder opferten sich für des Vaterlandes Leben. Alle Großen dieser Welt haben für ihre Sache opfernd einstehen müssen. Ja, alles Leben kommt nur durch Opfer zustande. Und da sollte es bei dem Größten, der über diese Erde ging, anders gewesen sein?! Nein! Bei diesem Größten offenbart sich eben auch das größte Opfer, mehr: das einzigartige Opfer! Er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Die Strafe liegt auf ihm, auf daß wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt." Darum, du gequältes Menschenherz, du geängstetes Gewissen, du beladene Seele: „Suchst du Frieden für das arme Herz, dürstest du nach ew'gem vielem Heil, willst du Balsam für des Lebens Schmerz, brauchst du Deckung vor der Sünde Pfeil — geh nach Golgatha, da wird alles, alles dir zuteil!" Das hat der Gekreuzigte für uns getan. Was tun wir für ihn? Etwas müssen wir heute für ihn tun, denn die Botschaft vom Kreuz ist nicht nur da für eine andächtige Betrachtung, für stimmungsvolle Feiern, für grübelndes Nachdenken, sondern sie zwingt uns mit linder und doch starker Gewalt zum Handeln. Sie verlangt von uns eine Tat. Darum wollen wir mit der Wahrheit vom Karfreitag dadurch ernst machen, daß auch wir in die Gemeinschaft derer eintreten, die Opfer zu bringen bereit sind. Wir wollen Menschen werden, welche die Not unserer Weggenossen mehr empfinden als die eigene und die darum an der Linderung dieser Not arbeiten müssen mit der Drangabe der ganzen Kraft, ja mit Drangabe des Lebens. Wir wollen Kämpfer werden, die dadurch dem Gekreuzigten nachfolgen, daß sie sich einsetzen mit heiligem Willen und brennender Seele gegen die Sünde in uns und um uns. Wir wollen auch darin unferm Erlöser nachfolgen, daß wir das Opfer des Glaubens bringen, Gott zu vertrauen auch da, wo wir nur Dunkel, nur Sinnlosigkeit, nur Tod sehen. Erst aus solchem Opfer wächst auch für den Glauben neues Leben. Und vor solchen Opfern stehen die Menschen still und kehren um. Solche Opfer zerbrechen noch heute Sünde und Not und sind stärker als die Welt. Denn in solchem Opfer ist Gott. In diese Gottesgemeinschaft wollen wir eintreten, indem wir geloben, durch unser Leben unseren Mitmenschen den Gekreuzigten zu verkündigen und damit den Gott der Liebe! Daten für den 19. April. 1560: Der Reformator Philipp Melanchthon in Wittenberg gest. (geb. 1497). — 1713: Pragmatische Sanktion Kaiser Karls VI. — 1824: Der englische Dichter Lord Byron in Missolunghi gest. (geb. 1788). — 1882: Der Naturforscher Charles Darwin in Down bei Beckenham gest. (geb. 1809). — 1906: Der französische Physiker Pierre Curie, Entdecker des Radiums, in Paris gest. (geb. 1859). — 1916: Der preußische Generalfeldmarschall und türkische Pascha Colmar Freiherr v. d. Goltz in Bagdad gest. (geb. 1843). Vornotizen. — Tageskalender f ü r Donnerstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Oberwachtmeister Schwenke". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg, „Im Schatten der Unterwelt." — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz, 16 bis 17 Uhr, 2. Ausstellung aus Gießener Privatbesitz. — Tageskalender für Karfreitag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, „Oberwachtmeister Schwenke." — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg, „Im Schatten der Unterwelt" — MTV., Karfreitag- Wanderung, 8.20 Uhr Abfahrt nach Bieber, Nachzügler Treffpunkt 16 Uhr auf dem Gleiberg. SA -Appell am Samstagabend Die S A. des Standorts Gießen marschiert am kommenden Samstag, dem Geburtstag des obersten SA.-Führers Adolf Hitler, um 20 ll h r zu einem SA. - Appell mit Großem Zapfenstreich auf Oswaldsgarten auf. Kaust neue Schulbücher! In Elternkreisen besteht vielfach noch Unklarheit über die ab Ostern 1935 gültigen, amtlich zugelassenen Schulbücher. Um Verdruß und Fehleinkäufe zu vermeiden, sei auf einen Erlaß des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 5. Februar 1935 hingewiesen. Dieser Erlaß bestimmt, „daß im kommenden Schuljahr 1935/36 mit Ausnahme des Lesebuches für das 5. und 6. Schuljahr und der Fibel mit Neueinführungen von Schulbüchern für die Volks schulen nicht zu rechnen ist". Welche Fibel ab Ostern 1935 (1. Schuljahr) gebraucht wird, gibt der Schulleiter im Einvernehmen mit der Schulaufsichtsbehörde den Eltern bekannt. Das neue, vom Reichskultusministerium vorbereitete Lesebuch für das 5. und 6. Schuljahr wird etwa um Pfingsten erscheinen. Für alle anderen Volksschulklassen und Unterrichtsfächer bleibt es bei den bisher eingeführten Büchern. In den Mittel- und höheren Schulen bleiben die bisher eingeführten Bücher auch für das Schuljahr 1935/36 in Gebrauch. In dem genannten Erlaß des Reichskultusministers heißt es weiter: „Ich lege Wert darauf, daß alle Schüler im Besitz der vorgeschriebenen Schulbücher sind, und bitte, die Schulaufsichtsbeamten anzuweisen, bei den Besichtigungen besonders darauf zu achten". Die Reichsarbeitsgemeinschaft für Deutsche Buchwerbung macht daher die Eltern auf folgendes aufmerksam: Wie ein Handwerker nicht ohne Werkzeug arbeiten kann, so gehört auch 3ur Schularbeit das eigene Buch zum geistigen Rüstzeug. Eltern, kauft euren Kindern neue Schulbücher! Ihr erzieht sie dadurch zu Ordnung und Sauberkeit. Jeder Schüler, der ein eigenes Buch besitzt, wird sich intensiver mit seinem Inhalt beschäftigen und daher besser vorwärts kommen. Eltern, bedenkt auch, daß jedes neue Buch deutschen Arbeitern Lohn und Brot gibt! Helft mit am Aufbau der deutschen Wirtschaft! Handelskammerstenographen-Prüfung Frühjahr 1935. Arn vergangenen Sonntag fand bei dem örtlichen Prüfungsausschuß der Industrie- und Handelskammer Gießen die Frühjahrs-Geschäfts-Stenographen- Prüfung 1935 statt, der sich sieben Prüflinge unterzogen. Da in vielen Kreisen über die Anforderungen, die bei diesen Geschästs-Stenographen-Prüfungen gestellt werden, noch Unklarheit herrscht, sollen nach- folgend die wichtigsten Bestimmungen nochmals kurz erörtert werden: Wer ein Prüfungszeugnis erwerben will, wird in der Geschwindigkeit von 150 bzw. 180 Silben in der Minute und in Geschwindigkeiten von je 20 Silben mehr geprüft. Eine Vorprüfung, die lediglich den Zweck hat, Anfängern über ihre Leistungsfähigkeit Gewißheit und damit für die Hauptprüfung ein Gefühl der Sicherheit zu verschaffen, findet in der Geschwindigkeit von 120 Silben statt. Bei ihrem Bestehen wird eine einfache Bescheinigung ausgestellt. Nach einem Vordiktat von einer Minute erfolgen zwei Diktate von je fünf Minuten Dauer mit einer Zwischenpause von einer Minute. Das Uebertragen kann sowohl handschriftlich, wie mit der Maschine geschehen. Von besonderer Bedeutung ist, daß Gegenstand der Prüfungen ■—BB—■■■■!■■■ I I......... einem Herrn still und schwer über Hof und Haus, „lllft Petrus ging hinaus und meinte bitterlich." Judas. In festlicher Erwartung faß der Kreis der Zwölfe um den Herrn. Funkelnd stand der Wein, und duftend harrte das heilige Brot des göttlichen Segens. Doch einer war unter den Zwölfen, den Ungeduld erfüllte in der Stunde des Versöhnungsmahls: er hungerte nach seines Meisters Tat; und heiß brannte das Begehren in ihm, Jesum auf dem Königsthrone zu sehen. Langsam ging der Blick des Herrn von einem zu andern; sie lagen alle an feinem Mund und harrten eines Wortes, — und das Wort kam aus dem Munde des Gottessohns; Tropfen um Tropfen; wie aus der Ewigkeit: „Wahrlich, ich sage Euch: Einer unter Euch wird mich verraten . Drei von den Elfen, seine Lieblingsjünger, hatte Jesus in den Garten Gethsemane genommen; sie zitterten und zagten um den Herrn — doch zwang auch sie die Müdigkeit und Traurigkeit von ihm weg. Und inmitten der Nacht stand er, sich beugend unter den göttlichen Willen, in leuchtender Klarheit vor ihnen in der Stunde, „da des Menschen Sohn in der Sünder Hände überantwortet" ward. „Und als er noch redete, siehe, da kam Judas, der Zwölfe einer und mit ihm eine große Schar". Sie fürchteten sich vor ihm — es hätte nur eines einzigen königlichen Wortes bedurft, und sie hätten ihn auf den Schild gehoben, und Judas und die Hohepriester statt feiner gekreuzigt; statt dessen aber litt er den Verräterkuß; befahl er Petrus: „Stecke dein Schwert an seinen Ort"!; heilte er das abgeschlagene Ohr des Häschers und ließ sich greifen. „Seine Jünger aber verließen ihn alle und flohen" — Doch von der Stunde an, da Jesus dem Gericht überantwortet ward, zerfraß der Verrat des Judas Seele. Die Dornenkrone, die sie Jesus in die bleiche Stirn gepreßt, drang mit spitzen Stacheln in des Verräters Herz „und er brachte wieder die dreißig Silberlinge den Hohepriestern und den Aeltesten und sprach: Ich habe übel getan, daß ich unschuldig Blut verraten habe." Die aber zuckten die Achseln. „Da siehe du zu! Und sie kauften für das befleckte Geld den Töpfersacker für das Begräbnis landfremder Pilger. Judas aber floh in die Nacht — hart und schaurig hallten seine Schritte wider in den menschenverlassenen Straßen; wie ein glühendes Feuer brannte der verräterische Kuß in ihm fort; Jesus stand schweigend und in göttlicher Heiterkeit unter den Geißelschlägen der Knechte; Judas aber ging hin und erhängte sich. Und Jesus war bei ihm im Schrecken seines Todes Passion. Von Hellmuth Langenbucher. Die große Verlassenheit. „Und er nahm das Brot dankte und brach s und gab's ihnen"; und es lag nun wieder we eine stille Zuversicht auf seinem Anlitz; und md)ts löschte die Zuversicht aus: nicht das Wort. „Doch siehe, die Hand meines Verräters ist nut nur über Tische", und nicht das andere, „Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, daß du mich kennest". — Dann aber war die große Verlassenheit um ihn. In leiser, drängender Schwüle lag eine junge Fruhlmgsnacht über Gethsemane. Juda mar ’Hbenb- mahl hinausgegangen — den Herrn zu verraten. Bon den Elsen nahm Jesus dreii mit sich. drei daß sie mit ihm wachten tn Gethsemane. „Uno er riß sich von ihnen einen Steinwurf wett und kme e nieder' betete und sprach: nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, son dem dein Wille geschehe!" - Mit Mim gingern griff die Einsamkeit nach ihm; — em Engel vom Himmel erschien ihm und stärkte ihn, — die and aber hatten ihn alle verlassen; - reglos lag d Landschaft; nicht eines einzigen Vogels Schr störte, löste die bleierne Stille, seine Junger fen „in Traurigkeit"; sie schliefen, auch als von ferne das Waffengeklirr der von dem Verräter Ju das geführten Häscher laut und grell die Ruhe sy>ndit verbrach. „Und es kam, daß er mit lobe rang und betete heftiger. Es ward aber sein Schweiß wie Blutstropfen, die fielen auf Die E^e." — Die Natur hielt den Atem an; allein, einen Steinwurf wett von den schlafenden ^uiigern, taub ber Herr; allein in ber großen Verlassenheit aller Kreatur; — wie Blutstropfen fiel fern Schweiß auf bie Erbe, — unb es wuchs baraus die Blume ber Vergebung, - Jesu Seele aber warb frei, - unb „fk traten hinzu unb legten die Hande an Jesum und griffen ihn . Die Verleugnung des Petrus. Ueberrounben war bie Stunbe am Oelberg, ba alle Not ber Welt unb eines menschlichen Herzens auf ben Herrn eingebrochen war; ba er mit bem göttlichen Vater gerungen hatte um ein Zeichen feines Willens; ba fein Schweiß wie Blutstropfen auf bie Erbe gefallen war unb ba bie Einsamkeit mit schwarzen Schwingen über ihm zusammengeschlagen im Angesicht seiner schlafenben Jünger. Ueberrounben war auch ber Verräterkuß bes Jubas, benn Jesus wußte um bie eherne Unab- änberlichkeit bes von Gott gefügten Schicksals, bas sich bie(en unglücklichen Menschen zum Werkzeug ausersehen hatte. Dann aber kam bie Stunbe, ba er geschlagen unb gehöhnt, bespien unb bumpfer, irrer Rohheit ausgesetzt, als gemeiner Verbrecher mißhanbelt, schweigenb stanb in einem Raume bes hohepriester- lichen Hauses, bieroeU im Vorhofe neugierige, gaf- fenbe Menschen sich ber Kühle ber moraenlanbischen Nacht erwehren wollten burch ein offenes Feuer, um bas sie lauernb, irgenb etwas Ungewöhnliches erhoffenb, hockten. Aber ber stille Dulber erfüllte nicht bie gierenben Erwartungen, unb bie hier um bas Feuer saßen, hatten Lust, ein anberes Opfer sich auszusuchen. War nicht einer unter ihnen, ber um Jesus gewesen war, ber vor einer Stunbe erst einem ber gefangennehmenben Knechte bas Ohr abgehauen hatte? „Da sah ihn eine Magb sitzen. — „Ich kenne ihn nicht." Unb noch einmal unb zum brittenmal: „Ich kenne ihn - nicht . Ein rascher harter Kampf mit Worten. Schon roieber brütete bie schläfrige Mübigkeit um das s^uer. Unb keiner von benen, bie hier saßen, unb keiner von benen, bie ben Sohn Gottes mit geiler Lust zermarterten, unb kein Mensch auf ber weiten Welt spürte in sich wie Jesus bas Beben ber Erbe, bie Klage ber Nacht unb aller Kreatur; keiner hörte ben Wellenschlag bes Meeres der unendlichen Todeseinsamkeit, in dem Jesus mitten mne stand. Und der Herr wandte sich unb sah Petrus an." Der eisige Schauer ber letzten Kreuzesverlassenhett wehte ben Gottessohn hier an; einen Augenb ick lang schlugen bie Flammen ber Verzweiflung zusammen über bem Glauben an ben Sinn feiner Passion — boch eines einzigen Augenblickes Lange nur Die Hanb Gottes legte sich auf bes Sohnes Haupt, bas noch bes Dornenschmuckes harrte, unb eine namenlose Milbe leuchtete im Auge des Dulders auf. „Unb ber Herr roanbte sich unb sah Petrus an." Die kühle, bunkle Nacht bie über tote Steine selbst bas große Erbarmen brachte, stanb Der Einzug Jesu in Jerusalem war zu rauschenben Fest geworben. Das Tier des , ging auf Teppichen; Palme unb grüne Zweige zeigten ben Weg bes Gefeierten an; bie Menge rief ihm bas taufenbfache Hosiannah jubelnb zu; die Blicke des Herrn gingen lächelnd über bie wo- cenbe Menge — weit hinaus; unb sie sahen fern ein Kreuz, aufgerichtet in einen grauen Morgen unb aus ihrem Hosiannah klang ihm bumpf unb schwer das Kreuziget" entgegen. und hatte längst die unselige Tat vergeben — um aller menschlichen Sünde willen. Hochschulnachrichten. Professor Dr. Martin Sticker, der bekannte Seuchenforscher und frühere Ordinarius für Geschichte der Medizin in Würzburg, beging am 17. April den 7 5. Geburtstag. Er stammt aus Köln, promovierte in Bonn, war dort Unterarzt an der Medizinischen Klinik, Assistent des bedeutenden Magenarztes Professor Riegel in Gießen, habilitierte sich dort 1895, gehörte 1897 ber von Robert Koch geleiteten Deutschen Kommission zur Bekämpfung der Beulenpest in Ostindien an, wurde 1899 außerordentlicher Professor in Gießen, 1905 Direktor des Städtischen Krankenhauses in Münster i. W., 1913 ordentlicher Honorarprofessor unb ging 1922 als Orbinarius nach Würzburg. In zahlreichen Arbeiten hat er bie Fragen ber Krcmkheits- unb Seuchenentstehung bearbeitet unb ist eine anerkannte Größe auf bem Gebiet ber Seuchenfor- schung. Er hat auch volkstümliche Schriften zur Verhütung von Krankheiten verfaßt, bie zu ben besten ihrer Art gehören. In ber Medizinischen Fakultät ber Universität Frankfurt finb am 1. April zwei orbentliche Professoren in ben Ruhest anb versetzt worben: Professor Dr. von Mettenheim, Ordinarius für Kinderheilkunde, unb Professor Dr. Schnaub- igel, Orbinarius für Augenheilkunbe. An ber Universität Hamburg würben wegen Erreichung ber Altersgrenze von ben amtlichen Verpflichtungen entbunben: ber orbentliche Professor für Sprache unb Kultur Chinas, Dr. Alfreb Forke; ber orbentliche Professor für afrikanische Sprachen, Dr. Karl M e i n h o f; ber orbentliche Professor für Völkerkunbe, Dr. Georg Thilenius; ber orbentliche Professor für Astronomie, Dr. Richard Scharr; der ordentliche Professor für Hygiene. Dr. Paul Rabe; der außerordentliche Professor für innere Medizin, Dr. Hugo S ch o t t m ü l l e r; der ordentliche Professor für Chemie, Dr. Paul Rebe, ber außerorbentliche Professor für Philosophie, Dr. Albert G ö r I a n b. Die Entpflichtung ber Professoren Forke, Meinhof, Thilenius, Scharr, Neumann unb Schattmüller erfolgte mit ber Maßgabe, baß sie weiterhin mit ber Vertretung ber non ihnen innegehabten Professuren beauftragt warben finb. Professor Dr. Fischbeck van ber Universität Tübingen hat einen Ruf auf ben Lehrstuhl für physikalische Chemie an ber Universität Heidelberg angenommen. nicht nur die Feststellung der Kurzschristgeschwindigkeit ist, sondern daß bei der Bewertung größtes Gewicht der Zuverlässigkeit der Uebertragung, vor allem in Bezgg auf Sprachlehre, Rechtschreibung und Satzzeichen beigemessen wird. Die Ergebnisse der letzten Prüfung haben gezeigt, daß in den weitaus meisten Fällen der Prüfling durchaus die stenographischen Fertigkeiten besaß, daß er jedoch lediglich aus Mängeln vorgenannter Art die Prüfung nicht bestand. Die hohen Anforderungen, die bei diesen Handelskammerprüfungen gestellt werden, bieten eine Gewähr dafür, daß diejenigen, die im Besitze eines Prüfungszeugnisses sind, innerhalb ihres Berufes in diesem speziellen Tätigkeitsgebiet eine unbedingt saubere und einwandfreie Arbeit zu leisten vermögen. Deutsche Arbeitsfront. NS.-lLemeinschaft „Kraft durch Freude". Neunte Symphonie. Nächste Chorprobe Mittwoch, 24. April, 20.15 Uhr, für den ganzen Chor: Großer Hörsal. Nächste Orcke st erprobe Dienstag, 23. April, 20 Uhr, im „Aquarium", Walltorstraße. Musikalische Abendfeier in der Zohanneskirche. Die siebente und für den Winter 1934/35 letzte musikalische Abendfeier, die am Karfreitag, 18 Uhr, in der Johanneskirche veranstaltet wird, steht wiederum unter dem Zeichen Johann Sebastian Bachs. Dieser große Tondichter wird mit fünf Programmnummern vertreten sein: Triosonate für Flöte, Geige und Orgel in l)-Moll, Fantasie und Fuge in C-Moll für Orgel, Einzelaesang: Es ist vollbracht, Duett für Sopran und Alt mit Flöte und Geige. Kompositionen der älteren Tondichter S. Scheidt (1587 bis 1654) und Heinrich Schütz (1585 bis 1672) werden die Feier einleiten. Mitwirkende sind: Tilly W e r n e ck e, Frankfurt a. M. (Alt), Maria Rebe- l i n g , Gießen (Sopran), die Mitglieder des Stadttheaterorchesters Rudolf Meyer (Flöte) und August Rein (Violine) sowie Organist Johannes N e b e l i n g. Himmelfahrtstag - Sternwanderungen des Reichsverbandes Deutscher Gebirgs- und Wandervereine. Deutschlands Wanderer veranstalten am 30. Mai (Himmelfahrtstag) in 37 verschiedenen Orten große öffentliche Kundgebungen für die Wandersache. Diesen Kundgebungen gehen Wanderungen voraus, die alle nach' dem einen Treffpunkt führen. Für die Wanderoereine des Maingebietes, des Kinziggaues und der W e t t e r a u kommt als Versammlungsort die alte Barbarossastadt Gelnhausen in Betracht, wo die Wanderer am Himmelfahrtstag sich treffen. Sehr erfreulich ist die Tatsache, daß an vielen Orten mit den Wandersleuten die Turner gemeinsame Sache machen und ihre althergebrachte Götz-Wanderung nach dem gleichen Ziele gehen lassen, streben doch auch beide in treuer Verbundenheit dem gleichen idealen. Ziele zu, der körperlichen Ertüchtigung des deutschen Volkes. Gießener Wochenmarktpreise. * Gießen, 18. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Matte 25 Pf.. Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 9, Wirsing (gelb), das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 25 bis 30, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 18. Unterkohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 15, Feldsalat 90 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 45 bis 50, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,40 bis 3,50 Mark, Aepfel, das Vfd. 25 bis 40 Pf., Honig 40, junge Hähne 85, Suppenyühner 80, Tauben, das Stück 70, Blumenkohl 40 bis 60, Salat 25 bis 30, Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Rettich, Bündel 20, Radieschen 12 bis 15 Pf. * * * E i n Arbeitsjubilar. Der bei der Zigarrenfabrik Gg. Heinr. Schirmer befcbäftigte Werkmeister Karl Georg Rinn aus Heuchelheim konnte am Dienstag auf eine 25jährige Tätigkeit bei dieser Firma zurückblicken. Dem Jubilar wurde in einer würdigen Feier mit der Belegschaft die wohlverdiente Anerkennung für seine langjährige treue Mitarbeit durch die Leitung der Firma ausgesprochen und ihm schöne Geschenke seitens der Firma und der Gefolgschaft überreicht. * * In den Ruhe st and getreten. 'In diesen Tagen trat mit Gerichtsvollzieher Christian Junker ein altbewährter Beamter in den wohlverdienten Ruhestand. Heroorgegangen aus dem Gießener Infanterieregiment 116, trat er im Jahre 1904 in den Vorbereitungsdienst als Gerichtsvollzieher bei dem Amtsgericht Gießen ein, war sodann an den Amtsgerichten Friedberg, Darmstadt und als Gerichtsvollzieher in Mainz und Reicyels- heim tätig und wurde am 28. Februar 1919 als solcher nach Gießen versetzt, wo er bis heute ununterbrochen tätig war. In vorbildlicher, stets menschlich-verständnisvoller Dienstführung hat Gerichtsvollzieher Junker gezeigt, daß man auch tu seinem schweren Berufe Gutes wirken kann. In einem hoffentlich noch recht lange währenden Ruhestand wird er als Freund von Wald und Feld mit Befriedigung auf seine nunmehr abgeschlossene Dienstzeit zurückblicken können. ** Sterbefälle in Gießen. Es verstarben in Gießen in der Zeit vom 1. bis 15. April: 2.: Johannes Lehr, Invalide, 75 I. alt, Löberstrahe 5. 3 : Heinrich Kümmel, Reichsbahn-Obersekretär i. R., 76 I. alt, Ludwigstraße 66; Katharine Haupt, geb. Groß, 76 I. alt. Roonstraße 38. 4.: Eugenie Ditt- mar, geb. Weinmann, Wwe., 62 I. alt, Sonnenstraße 7; Auguste Lotz, geb. Schulze, 58 I. alt, Wilhelmstraße 36. 6.: Johann Reinhardt, Kaufmann, 53 I. alt, Wetzlarer Weg 17. 8.: Anna Maria Döpfer, geb. Schick, 54 I. alt, Steinstraße 73; Katharine Schneider, geb. Borngässer, Wwe., 88 I. alt, An der Johanneskirche 4; 10: E. Alsdorf, Verwaltungs-Inspektor, 25 I. alt, Steinstraße 53; Wilhelm Wagner, Kellner, 39 I. alt, Seltersweg 79. 12.: Wilhelm Meurer, ohne Beruf, 18 I. alt, Marktstraße 22. 13.: Karl Schaub, Arbeiter, 411. alt, Horst-Wessel-Wall 56; Bertha Schmidt, geb. Lauer, 48 I. alt, Stephanstraße 27. 14.: Hermann Baum, Postschaffner, 45 I. alt, Am Riegelpfad 2. 15.: Georg Deutscher, Schlosser, 41 I. alt, Händel- straße 2; Luise Leuning, geb. Krämer, Wwe., 66 I. alt, Wolkengasse 12; Wilhelmine Hofmann, geb. Schwab, Wwe., 85 I. alt, Kaiserallee 30; Dora Wittmann, Hausangestellte, 26 I. alt, An der Kaserne 7; Karoline Schütz, geb. Euler, Wwe., 69 I. alt, Marburger Straße 76. ** Starker Osterverkehr bei der Reichsbahn. Auf eine Anfrage beim Gießener Bahnhof hören wir, daß der Osterreiseverkehr bereits sehr lebhaft eingesetzt hat. Heute passiert bereits eine stattliche Anzahl von Sonderzügen unsere Stadt, hauptsächlich in Nord-Süd- und Süd-Nord- richtung. Von Frankfurt aus fahren Züge nach Hannover und Berlin, Züge aus Berlin, Essen, Altona usw. fahren nach dem deutschen Süden und sind durchweg aut besetzt. Auch der Verkehr in der Richtung nach Koblenz, nach Fulda und nach Geldhausen ist stärker, so daß die Züge mit einer größeren Anzahl Wagen als sonst fahren müssen. Von Gießen aus fährt im Hinblick auf den verstärkten Verkehr zu dem Eilzug, der 14,41 Uhr Gießen verläßt, ein Vorzug nach Frankfurt a. M. Der Hauptverkehr ist allerdings erst morgen, insbesondere aber am Samstag zu erwarten. ** Rege Bautätigkeit im Siedlungs- viertel an der Licher Straße. Durch Bereitstellung von Erbpachtgelände seitens der Stadt wurden in den Jahren 1931 bis 1934 die Danziger, Memeler und Posener Straße durchweg mit Einfamilienhäusern bebaut. Nun ist man damit beschäftigt, weitere Neubauten gleicher Art in der Schle- sierstrahe zur Ausführung zu bringen, die im Nachsommer und Herbst bezogen werden sollen. Mit der Fertigstellung dieser Häuser und mit den hier noch beabsichtigten Bauvorhaben wird auch diese Straße ausgebaut und damit das bereitgestellte Gelände ausgenutzt sein. ** Straßensperre im Krofdorfer Forst. Die Straße Krofdorf—Waldhaus—Schmelz wird vom Forsthaus W a l d h a u s ab in Richtung Schmelz vom 23. April bis voraussichtlich 18. Mai wegen Neuschüttungs- und Walzarbeiten für jeden Fährverkehr gesperrt. Die Umleitung des Verkehrs erfolgt über Krofdorf—Wißmar—Odenhausen—Salzböden und umgekehrt. *’*' D i e Omnibusverbindung nach dem S ch i f f e n b e r g verkehrt ab morgen wieder täglich. Näheres ist aus der heutigen Anzeige ersichtlich, Schöffengericht Gießen. Als früherer Rechner des Kirchenchores Herbstein hatte sich der 30jährige Angeklagte L. H. R. aus Herbstein wegen Unterschlagung, Untreue und Urkundenfälschung zu verantworten. Wegen Verbrechens gegen die Paragraphen 267 und 268 Abs. 1 StGB, wurde der überführte Angeklagte zu einer Gefängnis st rafe von 1 Woche verurteilt, wegen Vergehens gegen die Paragraphen 246, 266 StGB, wurde das Verfahren auf Grund des Gesetzes über Straffreiheit vom 7. 8. 34 eingestellt. Der Angeklagte wurde mit den Kosten belastet. Wegen Körperverletzung, ausgeführt mittels eines Haustürschlüssels, wurde der 53jährige F. K. aus Lauterbach zur Zahlung einer Geld st rafe von 5 0 Mark, hilfsweise 10 Tage Gefängnis, verurteilt. Die Kosten hat der Angeklagte zu tragen. Die 50 Jahre alte Ph. W. und der 32 Jahre alte A. D., beide aus Kirtorf, hatten den Kreisleiter und andere Parteifunktionäre der NSDAP, beleidigt in der Absicht, sie verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen. Wegen ihres verwerflichen Verhaltens wurden die Angeklagten mit Gefängnis bestraft, und zwar erhielt die Angeklagte PH. W. 5 Wochen und der Angeklagte A. D. 2 Wochen Gefängnis zudiktiert. Außerdem haben sie die Kosten des Verfahrens zu tragen. DieVerttauensratswahIenlSZSimKreifeGießen Erste Liste. — Durchschnittsergebnis: 90 v. H stimmten mit Za. Von der Kreiswaltung Gießen der Deutschen Arbeitsfront werden uns folgende Ergebnisse der Vertrauensratswahlen 1935 im Kreise Gießen mitgeteilt: Gefolg- schafts- stärke: Von den Wahlberechtigten stimmten mit Ja: Stadt Gießen 700 89 v. H. Heil- und Pflegeanstalt 133 96 Eierteigwarenfabrik 48 94 II Julius Nattmann 48 98 ee Bänninger 508 86 II Brühlsche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, Gieße- ner Anzeiger 112 75 ee Großwäscherei Edelweiß 47 99 H Reichspost 73 80 ee Kupferschmiede Zimmer 60 87 II Reichsbahn: Bahnmei terei I 72 93 H Bahnmei terei II 30 96 II Bahnmei terei III 95 100 .. Bahnhof 76 98 ee Güterabfertigung 120 88 II Bahnbetriebswerk 437 78 H Fahrkartenausgabe 25 96 11 Friedrich Teipel 25 98 II Kaeß, Nachf. 22 100 H* Bette, Franz 25 100 ee Dresdener Bank 27 90 Commerz- u. Privatbank 32 94 ee Eduard Klinkel Söhne 30 93 Häute- u. Fettverwertung 23 100 ee Gg. Phil. Gail 321 80 II Ludwig Georgi 53 100 II Verbrauchergenossenschaft 99 94 II Denninghoff 41 97 II M. Abermann 151 97 II Univ.-Versuchsgut 42 81 II Karzentra 73 60 II Milchzentrale Grieb 41 77 II Franke & Co. 23 97 II W. G. Schuchardt 33 76 II Gustav Geisse 45 67 ee Adolf Geisfe 23 85 ,, Insgesamt entspricht dies im Kreise Gießen einem Verhältnis von 9 0 o. H. mit „I a" von allen abgegebenen Stimmen. GefolgVon den Wahlschaftsberechtigten stärke: stimmten mit Ja: Neils u. Kraft 23 78 Stempel-Kreuter 45 81 Schaffstädt, H. Karl Kerber, Kaufhaus 155 47 60 77 Textilhaus Graf 33 76 Karl Becker II, Gerberei 26 87 Forstamt Rabenau, Londorf 79 86 Hofgut Rinn, Utphe 41 63 Tonwerke Abendstern 107 65 August Schäfer, Hungen 59 74 ,, M. Schmiedeknecht, Londorf 45 95 Joh. Balser, Bettenhausen 60 90 Gutsverwaltuna Lich 34 77 Bahnmeisterei Hungen 49 95 Karl Schott, Grünberg Launsbach & Co., Ettings21 76 hausen 21 99 Gg. Schieferstein, Lich 142 93 ll Max Hertel, Kesselbach 49 89 Gebr. Behrens, Kl.-Linden 164 87 Heinr. Deibel, Lollar 20 85 Fr. Harries 8z Co., Wieseck 24 99 Wagner 8z Volk, Gr.-Linden 38 76 Dampfsägew. Nuhn, Lollar 87 88 Didierwerke, Mainzlar Buderus'sche Eisenwerke 427 85 Grube Abendstern, Hungen 59 99 Wilh. Stroh, Gr.-Linden 33 100 Forstamt Lick Wilh. Frey, Lang-Göns 57 59 85 99 Bahnmeisterei Lollar Rinn 8z Cloos, Gr.-Linden 55 79 96 100 Brauerei Jhring-Melchior Lich 103 95 Licher Tonwerke 31 100 Rinn 8z Cloos, Rödgen 61 97 Aug. Schlörb, Grünberg 20 94 Alb. Godosar, Grünberg 34 88 Abschluß aus dem Gleiberg. Am Dienstag war pg. Dr. Fischer, Frankfurt, im Lager zu Gast und sprach über „Luftfahrt und L u f t f a h r t r e ch t". In seinen packenden Ausführungen gab er einen Einblick in die Bestimmungen des Luftfahrtrechtes und ergänzte diese vor allen Dingen durch Beispiele aus seiner Praxis als Flieger. Er kam dann u. a. auf das Wort des Ministerpäsidenten Göring zu sprechen, daß wir wieder ein Volk von Fliegern werden müssen , und schloß seinen Vortrag mit einem Appell an die Lagerkameraden, indem er das Mahnwort auf der Wasserkuppe wiederholte: „W i r toten Flieger siegten durch uns allein. Volk, flieg du wieder und du wir st siegen durch dich allein". Am Abend desselben Tages sprach der Lagerleiter pg. ZRcg. - Assessor Denzer über „Nationalsozialistische Rechts- a u f f a s s u n g". Davon ausgehend, daß eine Weltanschauung auf allen Gebieten des Lebens eingreife und diese maßgebend bestimme, so greife auch die nationalsozialistische Weltanschauung in das Recht ein. Deshalb habe die Partei im Punkt 19 des Programms folgende Forderung aufgestellt: Wir fordern Ersatz für das der materialistischen Weltordnung dienende römische Recht durch ein deutsches Gemeinreckt. Unser heutiges deutsches Recht sei kein gewachsenes deutsches Recht, sondern ein auf fremdem Boden gewachsenes internationales römisches Recht oder von römisch-rechtlichen Gedankengängen beeinflußtes Recht. Ein nationalsozialistischer Staat müsse aber ein Recht verlangen, daß seiner Weltanschauung entspreche. Der Redner streifte dann das alte deutsche Recht, wie wir es im Sachsenspiegel und im Schwabenspiegel haben, Er wies aber darauf hin, daß es falsch sei, nun zu glauben, man könne auf den Zeitpunkt zurückzugreifen und dort wieder beginnen, wo noch kein römisches Recht in Deutschland eingeführt war. Es sei falsch, das Recht müsse aus dem Volke wachsen, das gesunde Rechtsempfinden des Volkes müsse aeweckt werden und Führer dieses Volkes müßten dann dieses neue Recht gestalten und sprechen. Er wies weiter darauf hin, wie man gerade deutlich im Recht spüren könne, daß auch hier die Voraussetzung für das Werden eines Rechtes eine gesunde Rasse sei. Deshalb sei die Erhaltung der Rasse eine wesentliche Voraussetzung. Rasse und Recht seien unlöslich miteinander verbunden. Jede Rasse, jedes Volk habe ihr eigenes Recht. Zum Abschluß wies er dann auf verschiedene neue Gesetze her Reichsregierung, die schon in dieser Linie lägen, hin, wie zum Beispiel das Erbhofgesetz, das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit, das Gesetz zur Regelung des vorläufigen Aufbaues des deutschen Handwerkes und auf die neue Gemeindeordnung, Er schloß dann seinen Vortrag mit dem Worte des Führers, das dieser auf dem Juristentag 1933 geprägt habe: „Es gibt von nun an keinen Unterschied mehr zwischen Recht und Moral". Als Abschluß in der Vortragsfolge war ein Vortrag des Leiters des Arbeitsamtes Gießen, pg. Oberregierungsrat List, Gießen, vorgesehen. Der Redner gab den Lagerteilnehmern aus seinem Arbeitsgebiet Ausschnitte und machte vor allen Dingen die Lagerteilnehmer mit dem Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung vertraut. Er zeigte die Ursachen auf, die 3ur Arbeitslosigkeit geführt hätten, und die vergeblichen Versuche der früheren Regierungen, diese zu meistern. Er wies an Hand von praktischen Beispielen nach, wie die Reichsregierung mit einem kühnen Entschluß das Problem gemeistert habe, das fast allen Menschen, insbesondere den zünftigen Nationalökonomen, unlösbar erschienen war. Er kam dann auf die engere Tätigkeit des Arbeitsamtes zu sprechen und bezeichnete dieses als die modernste Behörde, die schon wegen ihrer Aufgaben eine große Vielseitigkeit besitzen müsse. Um alle Arbeitssuchenden zu erfassen und um diese ihren Fähigkeiten entsprechend in den Arbeitsprozeß wieder einzuspannen, müsse das Arbeitsamt ein feingealiedertes System von Karteien usw. haben. Hierdurch habe der Leiter eines Arbeitsamtes eine klare Uebersicht über die Struktur seines Bezirkes und vor allen Dingen auch über die Möglichkeiten, Arbeitsuchende wieder ins Erwerbsleben ihren Fähigkeiten entsprechend einzugliedern. Daneben habe das Arbeitsamt die besonders wichtige Aufgabe der Berufsberatung. Die Bedeutung dieser Berufsberatung fei selbst im Volke draußen noch ziemlich unbekannt. Kein Lehrling dürfe heute mehr angenommen werden, ohne daß er sich einer besonderen Eignungsprüfung unterzogen habe. Diejenigen, die diese Berufsberatung ausübten, feien besonders geschulte Kräfte und müßten über eine außerordentliche Menschenkenntnis verfügen. Welche Bedeutung die Berufsberatung habe, gehe daraus hervor, daß im letzten Jahre in Deutschland über 660 000 junge Menschen sich hätten beraten lassen. In einer anregenden Aussprache wurden auftauchende Fragen erklärt und beantwortet. Kameradschastsabend und Abschiedsfeier. Nach vierzehntägiaem Führerschulungslager des BNSDJ. auf dem Gleiberg hatten die Teilnehmer am gestrigen Abend zu einer Abschiedsfeier eingeladen. Wie stets bisher war auch dieses Lager der Jungjuristen von dem Erlebten auf diesem einzigartigen Fleckchen deutscher Erde voll und ganz befriedigt. Die Benutzung des großen Kaisersaales der Burg zu kameradschaftlichen Veranstaltungen mit geladenen Gästen zeigt sich als eine wertvolle Ergänzung der Lagerräume. So war auch gestern dieser historische Raum aufs beste mit lannengrün und den Reichsfarben geschmückt, um den Gästen als angenehmer Aufenthaltsort zu dienen. Regierungsassessor Pg. Denzer (Schotten), der mit der Führung des Lagers betraute Leiter, eröffnete den Abend. Nach Dem gemeinsam gesungenen Lied „Volk ans Gewehr" sprach Kamerad Schulz einen selbstverfaßten Prolog, in dem das in vierzehn Tagen Erlebte in feiner Art zum Ausdruck kam. Schulungsleiter pg. Denzer begrüßte die Gäste, insonderheit den Gauleiter des Bundes Nationalsozialistischer Deutscher Juristen Dr. Wirth, den Landgerichtspräsidenten Thüre, Kreisleiter Schwebet von Worms, die Vertreter des Reichsheeres sowie die Frauen, die den Weg in anerkennenswerter Weise auf die Höhe des Berges gefunden hatten. Er sprach weiter über den Kameradschaftsgeist im Lagerleben, der sich entwickelt habe aus dem SA.-Geist. Nicht in einem juristischen Wörterbuch seien die Begriffe Kameradschaft, Gemeinschaft, Treue usw. zu finden; sie müßten vielmehr erlebt sein, und das könne nicht besser geschehen als im Lager. Vieles sei geboten worden, so Vorträge von der Partei, von der Universität, von Praktikern des Rechtslebens; der Sport in Form von Gymnastik, Marschieren, Handball usw. Wenn das Fachliche mehr in den Hintergrund getreten sei, so habe um so mehr der Gesichtspunkt geherrscht, sich in den vierzehn Tagen mit dem Nationalsozialismus und seinen Fragen auseinanderzusetzen. Assessoren, Referendare, Supernume- rare, Inspektoren aus den verschiedensten Altern und Gruppen seien ohne Unterschied zu einer Gemeinschaft zusammengejchweißt worden. Es wäre aus vollem Herzen zu wünschen, daß diese Art Lager eine feste Einrichtung würde. Jeder Jungjurist, auch jeder Amtswalter im BNSDJ. gehöre ins Lager. Das Grau der Lagerkleidung erinnere an die Fronttätigkeit der Väter im Weltkrieg; in Verbindung mit ihm die Hakenkreuze am Arm verpflichte jeden, als Apostel des Nationalsozialismus draußen im Land zu wirken. Mit der Bitte an den Gauführer, noch mehr Lager folgen zu lassen, schlossen die beifällig aufgenommenen Ausführungen. DerGauführerdesBNSDZ Pg Wirth versuchte an Beispielen heute noch geltender Rechtsauffassung klar zu machen, was den Nationalsozialismus in dieser Hinsicht bewegt. Im Kampf mit der Reaktion verlange der Nationalsozialismus kein zweierlei Recht, sondern nur Gerechtigkeit. In eindringlichen Worten sprach der Redner zu den jungen Kameraden als den einstigen Vertretern und Verkündern nationalsozialistischer Weltanschauung, die das durchzusetzen hätten, was man sich als nationalsozialistisches Rechtsempfinden oorfteUe und was der Führer wolle. Nationalsozialist sein, heiße zutiefst in der Volksgemeinschaft leben, in jedem seinen Bruder sehen. Das könne man am besten im Lager verstehen lernen; wie schön und groß sei es, mit Menschen zusammen zu sein, die man als Kameraden bezeichnet. Auf den Schultern der Jungjuristen ruhe die Verantwortung für die kommende nationalsozialistische Rechtsanschauung. An die Dankesworte von Assessor Denzer an den Gauführer erklang das Horst-Wessel-Lied und ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer. Worte des Dankes fand der Lagerälteste an die Lagerleitung und alle, die an dem Zustandekommen des Lagers mitgeholfen haben. Dieses habe bei allen Teilnehmern alle Erwartungen übertroffen; in ihm habe man den Grundsatz empfunden: Einer für alle, alle für einen, alles für Deutschland! Direktor Menkeu, der Vorsitzende des Gleibergvereins, ging kurz auf die Entstehungsgeschichte des Lagers ein, durch das nun schon viele junge Menschen hindurchgegangen seien. Der Gleibergverein wolle neben den Traditionen des Zweiten Deutschen Reiches sich gern und freudig in den Dienst des Dritten Reiches stellen, was voll und ganz geschehen könne, wenn immer neue Mitglieder in seine Reihen treten und der Staat seine Hilfe nicht versagt. Bei frohem Sang und Klang verlief der weitere Abend in bester Weise. Zusammenschluß der Frontsoldatenverbände. GPA. Frankfurt a. M., 17. April. Im Gau Hessen-Nassau fanden in den letzten Wachen kreisweise Kameradschaftstreffen der Frontsoldaten statt, die von der Nationalsozialistischen Kriegsopferoer- sorgung einberufen und von der Partei und ihren Gliederungen vorbildlich unterstützt wurden. Alle Veranstaltungen, an denen der Kyffhäuserbund, der Reichstreubund, der RDO., der NSDFB. (Stahlhelm) und Regimentsvereinigungen mit ihren Fahnen teilnahmen, wiesen Massenbesuch auf. In allen Kundgebungen kam der spontane Wille der Frontsoldaten zum Ausdruck, möglichst bald sich in einem einzigen großen Reichsfron t- soldatenbund zu gemeinsamer Arveit zusammenzufinden. Gerade im Hinblick auf die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht müssen die Frontsoldaten in unzertrennlicher Einigkeit geschlossen hinter unferm Führer Adolf Hitler stehen. Die Frontsoldatentreffen waren getragen von echtem Frontsoldatengeist und nahmen einen würdigen und erhebenden Verlauf. Nach dem Essen nicht vergessen Bullrich-Scilz iWS p!g. Overyeffen Preußen kung Bänke aufgestellt, die den Wanderer zur Rast einladen. Dieses vorbildliche Verhalten von Dirigent und Sängern verdient alle Anerkennung und Nachahmung. * Maulbach, 17. April. In unserem Orte ereignete sich heute ein eigenartiger Unfall. Das dreijährige Söhnchen des Arbeiters Walter von her, das auf dem Friedhof spielte, wurde von einem plötzlich umstürzenden G r a b ° stein getroffen und erlitt einen schweren Oberschenkelbruch des linken Beines. Das bedauernswerte Kind mußte sofort in die Klinik nach Gießen gebracht werden. Der Mainzer Sprengstoff-Prozeß Hohe Zuchthausstrafen beantragt. ^rQfte unhQtun9 -ShfiS* LPD. Mainz, 17. April. Heute vormittag erteilte der Vorsitzende im Mainzer Sprengstoffprozeß nach Eröffnung der Sitzung dem Vertreter der Reich sanwaltschaft das Wort zu seiner Anklagerede. In dreistündigen Ausführungen würdigte der Anklagevertreter das Ergebnis der fünftägigen Hauptverhandlung und stellte einleitend fest, der jetzige Prozeß gegen die 24 Mainzer und Finthener Kommunisten habe mit aller Deutlichkeit bewiesen, daß auch in Mainz der bewaffnete Aufstand durch die KPD. und ihre Hilfsorganisationen vorbereitet worden sei. Sodann umriß der Reichsanwalt die Rolle der einzelnen Angeklagten. Der 30jährige Bernhard W e r z und der 34jährige Peter B i n n e f e l d aus Finthen haben sich am Gonsenheimer Sprengstosf- diebstahl im April 1931 beteiligt, bet dem etwa 6 Pfund Sprengstoff und Sprengkapseln, sowie Zünd- schnür entwendet wurden. Der Strafantrag lautete gegen sie auf je 3 Jahre Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiauf- ^er 32jährige Karl Silz aus Finthen hat das Material aus dem Gonsenheimer Diebstahl erhalten, das später von Binnefeld an die Mainzer Kommunisten weitergegeben wurde. Silz ist weiter beteiligt an dem in der Nacht zum 1. März 1933 im Budenheimer Steinbruch durchgeführten großen Sprengstoffdiebstahl. Mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit dieses nach der nationalen Erhebung durchgeführten Unternehmens, bei dem gefährlichstes Sprengmaterial zentnerweise gestohlen wurde, erachtete der Anklagevertreter bei Silz eine besonders empfindliche Strafe für erforderlich. Sie wurde auf 10 Jahre Zuchthaus, 8 Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht bemessen. Der 26jährige Andreas Seibert hat den Sprengstoff für die Mainzer Kommunisten aus Finthen abgeholt und an Barth weitergegeben. Gegen den mehrfach vorbestraften Seibert, der zudem als gemeingefährlicher Kommunist gilt, lautete CREME In Do «en und Tuben von RM 0.15 bU 1.— Zuchthausstrafen für Falschmünzer. Lpd. Frankfurt a. M., 16. April. Ende Februar wurde in der Albusgasse eine Falsch- münzerwerstätte aufgeoeckt, in ber 6ln = mark- und Fünfzigpfennig stücke angefertigt worden waren. Die Sache kam durch die Aufmerksamkeit eines Kellners heraus, dem in einem Lokal auf der Kaiserstraße mehrere Gäste aufgefallen waren, die mit Falschgeld bezahlten. Der Kellner benachrichtigte die Kriminalpolizei. Als diese erschien, war einer der Verdächtigen schon ausgerückt, und es gelang nur, zwei Leute festzunehmen. Der Dritte im Bunde wurde aber doch alsbald festgenommen. Die Falschmünzer hatten sich jetzt vor der Großen Strafkammer zu verantworten. Der Hauptbelastete war der 1898 in Hanau geborene Hermann Seikel, der schon zweimal wegen Münzverbrechens bestraft ist und im Sommer v. I. aus der Strafanstalt entlassen wurde. Die Tätigkeit der Angeklagten erstreckte sich nur auf wenige Tage, Nur 2067 Studierende im Marburger Gommersemester. LPD. Marburg, 17. April. Die Einschreibungen der Studierenden an der Philipps-Universität zum Sommersemester 1935 gingen gestern abend zu Ende. Insgesamt werden in diesem Semester nur 2067 Studierende, darunter 378 Frauen, verzeichnet. Im Sommer 1934 waren es noch 2761, im Sommer 1933 3811, Sommer 1932 4051, Sommer 1931 4356, Sommer 1930 4228 und Sommer 1929 4087 Studierende. Auf die einzelnen Studienfächer verteilen sich die Studierenden des Sommersemesters 1935 wie folgt: Theologie 282 Männer, 10 Frauen; Rechts- und Staatswissenschaft 268 Männer, 13 Frauen; Medizin 694 Männer, 109 Frauen, Philosophie 445 Männer, 246 Frauen. Festnahme eines Opferstockdiebes. LPD. Frankfurt a. M., 16. April. Am 12. April wurde durch die Kriminalpolizei ein feit Monaten gesuchter Opferstockdieb fest- oenommen und dem Richter voryeführt. Es handelt sich um den 23jährigen H. Elsässer aus Bergen. Seit Beginn dieses Jahres wurden fast wöchentlich die katholischen Kirchen in Frankfurt a. M., Hanau und Offenbach von diesem Schädling heimgesucht. Dem Festaenommenen konnten bisher neun Kirchendieb st ähle nachaewiesen werden. Es besteht jedoch der dringende Verdacht, daß das Konto dieses Einbrechers erheblich größer ist und daß er mit einem Komplicen zusammengearbeitet hat, der wahrscheinlich die Diebstähle weiter fortsetzt. Die Einbrüche wurden insbesondere in den Vormittagsstunden ausgeführt. Die Kirchenbesucher und Kirchenbedienstete werden gebeten, auf verdächtige Personen zu achten, damit auch dem zweiten Täter das Handwerk gelegt werden kann. Landkreis Gießen. § Mainzlar, 17. April. Am vorigen Sonntag wurden in der Kirche zu Kirchberg aus unserem Orte 18 Konfirmanden eingesegnet, und zwar 11 Knaben und 7 Mädchen. — Die Sammlung der Inneren Mission erbrachte in unserer Gemeinde den stattlichen Betrag von 53,40 Mark. t Treis a. d. Lda., 17. April. Am Sonntag Palmarum wurden in der hiesigen Kirche 24 Kinder konfirmiert, und zwar 15 Knaben und 9 Mädchen. Beim Einzug in die Kirche, wobei der Kirchenvorstand, wie immer, vorausschritt, wurden die Konfirmanden vom Posaunenchor mit einem Choral begrüßt. Vor und nach der Einsegnung sangen sie: „Wenn ich ihn nur habe" und „Bei dir Jesu will ich bleiben." Am Nachmittag begaben sie sich nach alter Sitte unter Führung des Pfarrers auf den Friedhof, um hier nach einer kurzen Gedächtnisfeier mit Gebet und dem Gesang ihrer beiden Konfirmationslieder an den Gräbern ihrer verstorbenen Altersgenossen je einen Kranz niederzulegen. * Lumda, 17. April. Der elfjährige Sohn des hiesigen Bergmannes Schäfer erlitt durch einen unglücklichen Sturz einen komplizierten Ellenbogenbruch und mußte zur Behandlung in die Klinik nach Gießen gebracht werden. * Ettingshausen, 17. April. Am Sonntag wurden in unserer Kirche 12 Konfirmanden, und zwar 9 Knaben und 3 Mädchen, von unserem Ortsgeistlichen Pfarrer Nies, eingesegnet. — Bei der Eiersammlung für die NSV. wurden hier 330 Eier gespendet. — Am Sonntagabend fand hier im Saale von Karl Stein eine Filmvorführung statt, bei der der Film „Wilhelm Tell" gezeigt wurde. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Abend wurde mit Sieg-Heil auf den Führer geschlossen. # Großen-Linden, 17. April. Am Palmsonntag fand die Vorstellung und Prüfung der diesjährigen Konfirmanden statt. Es waren 70 an der Zahl, 45 Knaben und 25 Mädchen, gegen' 64 Kinder im Vorjahre und im nächsten Jahre 39 Knaben und Mädchen. In den nächsten Jahren wird fa-um die Hälfte der diesjährigen Zahl aus der Schule entlassen; dies ist auf die Kriegsjahre zurückzuführen. In diesem Jahr sind es 5 0 Schulrekruten. (D Grüningen, 17. April. Bei der Konfirmation in unserer Gemeinde wurden am vorigen Sonntag von Pfarrer R e u s ch (Leihgestern) zehn Knaben und fünf Mädchen eingesegnet. Die feierliche Handlung wurde durch zwei Chorgesänge der Schulkinder verschönt. — Die Sammlung für die Innere Mission, die von Mitgliedern des Kirchenvorstandes durchgeführt wurde, erbrachte 50,05 Mark. Das Ergebnis der Sammlung überstieg den Ertrag des Vorjahres. 44 Mark. Die Vorstellung der Konfirmanden Nieder-Besstngens findet am 2" Osterfeiertag, die Konfirmation am Sonn- ia9 nach Ostern statt. Hier werden 3 Buben und 1 April. Der hiesige WSh- riqe Bergmann Heinrich Metzger erlitt einen Unterschenkelbruch und mußte m ärztliche Behandlung gebracht werden Kreis Büdingen. ./. Unter-Schmitten, 17. April. Unsere Gemeinde führt zur Zeit gr ö h er e N o tst and s - arbeiten durch, die eine große Zahl meist auswärtiger Arbeitskräfte beschäftigen. Auf demflinken Niddaufer wird eine Straße aus gebar, die vom Dorfe aus durch die Gemarkung nach der der Antrag auf 3 Jahre Zuchthaus, 3 Jahre Ehrverlust und Polizeiaufsicht. Der 27jährige Andreas K a st e l l o, der, abgesehen von dem Besuch in Finthen, seine Wohnung zur Erteilung von Waffenunterricht zur Verfügung gestellt hat, erschien weiter dadurch schwer belastet, daß in seiner Wohnung ein kleines Waffenlager mit einer Bombe gesunden wurde. Er soll fünf Jahre Zuchthaus, 5 Jahre Ehrverlust erhalten und gleichfalls unter Polizeiaufsicht gestellt werden. Der Reichsanwalt ging sodann auf die Herstellung der vier Sprengkörper und fünf Bomben in der Wohnung des 31jährigen August Barth in Mainz ein. Dieser Angeklagte hat sich weiter strafbar gemacht durch seine Betätigung für den verbotenen RFB. und die Aufbewahrung und Weitergabe von Waffen und Munition. Auch bei Barth ging der Antrag auf die zulässige Höchststrafe von 10 Jahren Zuchthaus, 8 Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Die beiden Haupträdelsführer des illegalen Mainzer RFB., der 41jährige Josef Pfeiffer und der 36jährige Eduard Gasser sollen j e 8 Jahre Zuchthaus, 6 Jahre Ehrverlust erhalten und unter Polizeiaufsicht gestellt werden. Bei fünf weiteren Angeklagten, die sich gleichfalls mit der Aufbewahrung bzw. Weitergabe von Sprengstoffen befaßt haben, wurden Zuchthaus- strafen von 3 bzw. 2 Jahren für ausreichend erachtet. Bei allen übrigen Angeklagten, die sich in der Hauptsache nur innerhalb des verbotenen RFB., oder seiner getarnten Nachfolgeorganisation, des Roten Massenselbstschutzes, betätigt und am Waffenunterricht teilgenommen haben, wurden die Anträge zwischen 3 Jahren und 8 Monaten Gefängnis abgestuft. Die Unter- suchungshaft soll in allen Fällen, und zwar bis zur Dauer von 1 Jahr 7 Monaten, auf die Strafen angerechnet werden. Am Nachmittag begannen die Verteidiger mit ihren Schlußvorträgen. und das deutsche Vaterland geschlossen. ch Groß-Eichen, 17. April. Nachdem mit dem 31. März das Winterhilfswerk zum Abschluß gekommen ist, ist ein Rückblick auf die Lei st ungen sehr interessant. Unsere Ortsgruppe (Sellnrod, Groß-Eichen, Solms-Ilsdorf) mit einer Einwohnerzahl von 1473 Seelen hat allein an Bargeld rund 675 RM. aufgebracht. Das ist für unsere verhältnismäßig wenig bemittelte Bevölkerung eine ganz schöne Summe. Jedoch, muß auch gesagt werden, daß eine ganze Anzahl Volksgenossen nicht ihren Verhältnissen entsprechend gespendet haben. An Lebensmittelspenden verdient besonders hervorgehoben zu werden: 224 Kilogramm Brot, 259 Zentner Roggen (= 54,68 Zentner Roggenmehl), 502 Eier, 263/< Kilogramm Speck und Wurstwaren, 25 Weihnachtspakete und 15V2 Kilogramm Weihnachtsgebäck. Dazu kommen noch eine ganze Anzahl Pfundspenden. Die Sammlungen wurden, besonders in Groß-Eichen, von allen Organisationen und Vereinen der Reihe nach durchgeführt. Allen Helfern am großen Werk des Führers und allen Spendern fei herzlichst Dank gesagt. Die Zahl der gelegentlichen Helfer betrug in manchem Monat 30 bis 35. In unserer Ortsgruppe wurden etwa 67 Hilfsbedürftige zusätzlich durch das Winterhilfswerk betreut. Nun wartet eine neue Aufgabe auf Erfüllung und die heißt: „Erholungswerk des deutschen Volkes." Bedürftige Kinder und bedürftige Erwachsene sollen in Landpflege st ellen untergebracht werden. Daneben sind für SA.- und SS.-Männer und sonstige Angehörige der Wehrverbände Erholungsplätze bereitzustellen. Es ergeht daher an alle Volksgenossen, die dazu in der Lage sind, die dringende'Bitte, solche Pflege st ellen zur Verfügung zu stellen und so Nationalsozialismus der Tat zu beweisen. — In diesen Tagen verläßt Lehrer Bell unsere Gemeinde, um eine Lehrerstelle in Ober-Mockstadt zu übernehmen. _ , . — Eichelsdorf, 18. April. Wahrend der Wintermonate und in den Wochen des Vorfrühlings hat der Tod unter den hiesigen Gemeindegliedern reiche Ernte gehalten. Besonders unter den alten Leuten hat er stark aufgeräumt, so daß die vordem ungewöhnlich hohe Zahl von Gememde- gliedern über 70 Jahre jetzt sehr zusammengeschmol- 3cn ist. — Am vergangenen Sonntag wurden 31 Schulentlassene des Kirchspiele (16 aus Eichelsdorf, 15 aus Ober-Schmitten) in der hiesigen Kirche konfirmiert. Zwei Drittel der Konfirmanden waren Knaben, ein Drittel Mädchen. Kreis Alsfeld. D Alsfeld, 17. April. Die hiesige Hutfabrik Rockel konnte jetzt auf ihr zehnjähriges Bestehen zurückblicken. Aus kleinen Anfängen heraus hat sich das Unternehmen zu einer stattlichen Fabrikanlage entwickelt. Gerade tn der letzten Zeit hat die Hutfabrik Rockel umfangreiche Erweiterungsbauten vorgenommen und dadurch eine wesentliche Vergrößerung des Betriebs durchgefuhrt. Die Alsfelder Hutfabrik Rockel ist heute zu einem wesentlichen wirtschaftlichen Faktor für die Stadt Alsfeld geworden; sie beschäftigt gegenwärtig 200 Arbeiter und Angestellte. Anläßlich eines am Jubiläumstage veranstalteten Betriebsappells uber- sog. Reichelshäuser Höhe führt. Nach Fertigstellung dieser Straße wird die Bewirtschaftung des anliegenden Ackeraeländes stark erleichtert fein. Auch die zur Chaussierung gebrauchten Steine werden von den Notstandsarbeitern selbst gebrochen. * Mittelgründau, 17. April. Dieser Tage wurde auf dem Boden des elterlichen Hauses der 32jährige unverheiratete Knicket erschossen aufgefunden. Nach dem Ergebnis der Ermittelungen liegt Freitod vor. Knicke! hatte schon des öfteren Selbstmordabsichten geäußert, die jedoch nicht ernst genommen wurden. Kreis Schotten. 0 Laubach, 17. April. Am vergangenen Sonntag fand zum ersten Male an Palmarum die Konfirmation statt. In die stimmungsvoll und festlich geschmückte Kirche zog unter Vorantritt des Geistlichen und des Kirchenvorstandes die Konfirmandenschar ein. 35 Kinder, 19 Knaben und 15 Mädchen, wurden eingesegnet. Die Feier des Heiligen Abendmahls war sehr stark besucht. — Dieser Tage beging die hiesige Evangelische Kind er sch ule ihre Oster- und Jahresschlußfeier. Alle Kinder, dazu ihre Eltern, hatten sich eingefunden. Unter Lied, Gesang, Gedichten und Geschichte verlief die Feier recht stimmungsvoll. Der Ortsgeistliche richtete besonders an die Eltern der Kinder, die jetzt in die Schule kommen, einige dankende und mahnende Worte. Für die Kinder war der Höhepunkt der Osterhase, der durch den Garten gesprungen war und seine Eier versteckt hatte. — Der Volkstag der Inneren Mission brachte in Laubach einen anerkennenswerten Erfolg. Mit großem Eifer hatten sich die Sammler in den Dienst der guten Sache gestssllt. An Abzeichen wurden 500 Stück abgesetzt. Das Gesamtergebnis beträgt 364,59 Mark. □ Laubach, 17. April. Bei der durch die Hitler-Jugend vorgenommenen Ostersammlung wurden 1120 Eier gespendet. — Am Montagabend brachte die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" im Rahmen ihrer Veranstaltungen einen sehr interessanten Lichtbildervortrag, der von Kapitän Lauterbach (Rostock), einem Offizier des weltberühmten deutschen Kreuzers „Emoen", gehalten wurde. Der Redner verstand es, die Heldentaten der ruhmreichen „Emden" in den ostasiatischen Gewässern und im Indischen Ozean spannend zu childern, sowie seine weiteren Erlebnisse in der Ge° angenschaft und auf der Flucht über Amerika nach einem Vaterlande eingehend wiederzugeben. Zum Schlüsse sprach er noch über feine spätere Tätigkeit als Kommandant der „Möve^ und als Führer erfolgreicher deutscher U-Bootsfallen in der Ostsee. Der Vortrag, von zahlreichen Lichtbildern verschönt, wurde mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer lid) '"‘»ortet' auf' lbend tter. ‘“""gsltoet . die m'V's Hieb *« ^Mesa," ton J )e voll unh le’eni '«"lom ge[un H a , S; " bas r örl zuni Aue. öenjer Sauleiter des tristen ^nten Thüre ns. die Vertreter n-d>e den Weq le hohe des Der- weiter über den "'«der sich ent. •W m einem e9riffe Kamerad- ju finden; sie .das könne nicht ,eIes lei geboten tei, von der Uni- ebene; der Sport gieren, Handball den Hintergrund der Gesichtspunkt Tagen mit dem Fragen ausein» are, Superuume« liebenften Altern ied zu einer Geworden. Es wäre , daß diese Art 'de. Jeder Jung. MSDI. gehöre Reibung erinnere im Weltkrieg; in ije am Arm oer« itionalsozialisms ber Bitte an den l * 311 lassen, n Ausführungen. ' 3P9®ir«f Müder Nechis« n Mionaisozia« ; Im Kamps mit Dzialismus kein rchiigkrü. In ein- bner zu den jun« 1 Vertretern und Weltanschauung, , man sich als na« n vorstelle uni) I iziatist sein, W leben, in jedem । man am besten chön und groß sei fein, die man als buttern der W für die kommende ung. „„ ssor Denzer an I ü-Wesiel'Lied und Führer. Worte I an die Lagers tandekommen , 5 habe bei allen \ bert*; in M en: Einer für alle, md! N« aing km u" durchs hmdMEL neben »en »«“ ch-s sich n Reich-- sie» f ine, in* 1 treten * 5. «rfbf»» »eite« in denen etwa 90 Falschstücke angefertigt wurden. Das Gericht verurteilte Seikel zu vier Jahren Zuchthaus, den 34jährigen Anton Kill zu drei Jahren Zuchthaus, beide auch zu je fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizei- auf icht, und den 24jährigen Heinrich Hauck aus Metz zu zwei Jahren Gefängnis. Kreis Wetzlar. (D Wetzlar, 17. April. In einer der letzten Nächte ist unter Leitung des Stadtbaurates das Hauser Tor an der Eisernen Brücke durch Sprengungen beseitigt worden. Mag einerseits durch diese Maßnahme das romantische Bild eines Teiles von Alt-Wetzlar viel an Schönheit verloren haben, so bildete anderseits das enge Tor ein immer größeres Hindernis für den Fährverkehr, besonders für den Omnibus- und Lastkraftwagenverkehr. Damit ist das letzte der vier ehemaligen Stadttore, Langgässer, Neustädter, Silhöfer, und Hauser Tor, die den Zugang aus den vier Vorstädten gleichen Namens vermittelten, verschwunden. * Rodheim a. d. Bieber, 17.April. Seine Meisterprüfung bestand bei dem Winter-Semester in der Fachschule zu Gießen der Schuhmacher Heinrich Schneider. Lehrmeister war Karl Schmidt II. zu Rodheim. Z Dornholzhausen, 16.April. Der Haushaltsplan unserer Gemeinde für das Rechnungsjahr 1935 schließt im ordentlichen Plan in Einnahme und Ausgabe mit 35 850 Mk., im außerordentlichen Plan in Einnahme und Ausgabe mit 16 500 Mark ab. Die Steuersätze für die Gemeindesteuern sind wie folgt festgesetzt: Grundvermögensteuer I = 305 v. H., Grundvermögensteuer II = 305 v. H., Gewerbesteuer nach dem Ertrage = 350 v. H., Bürgersteuer - 100 v. H. Die Wohlfahrtslasten sind von 5300 Mark auf 4000 Mark zurückgegangen. Unter der Gruppe „Feuerlöschwesen" konnten die Mittel für die Uniformierung der neugegründeten Freiwilligen Feuerwehr vorgesehen werden, zu denen die Nassauische Brandversicherungsanstalt in Wiesbaden eine Beihilfe von 350 Mark bewilligt hat. Die Einnahmen aus Jagdpacht stiegen infolge Neuverpachtung der Jagdnutzung von 500 auf 620 Mark. Der Gesamtfehlbetrag aus dem Vorjahre ist auf 2000 Mark geschätzt und in den Haushaltsplan eingestellt; trotzdem konnte der Plan ohne Erhöhung der Steuersätze ausgeglichen werden. Für Arbeitsbefchafungszwecke sind 16 500 Mark vorgesehen, die restlos zur Ausführung von Meliorationsarbeiten auf einer Fläche von rund 37 Hektar Verwendung finden sollen. Zur Finanzierung dieser Arbeit hat die Deutsche Rentenbank-Kredit- Anstalt der Gemeinde ein Darlehen von 8700 Mark [ zur Verfügung gestellt. Der Restbetrag von 7800 . Mark wird durch die aus der wertschaffenden Ar- : beitslosensürsorge zu erwartende Grundförderung , aufgebracht. »ß, sbätlöe« ' April- :en Mj P rton n Snegsops Ari Parte. V itzt der Ajhle- - ’O« HJ! fiel?]/ XM‘ Auf wJm di« pflicht ge> . V°> V -Ä- ** reichte die Gefolgschaft dem Betriebsfuhrer als Ausdruck ihres Dankes eine kunstvoll geftaltete, in deutscher Eiche gerahmte lorbeergeschmückte Ehrenurkunde. <£ Nieder-Ohmen, 17. April. Am vergangenen Sonntag fand hier unter starker Beteiligung der Gemeinde durch den Ortsbeistlichen, Pfarrer Elt, die Einsegnung der diesjährigen Konfirmanden (18 Knaben und 16 Mädchen) statt. £ Kestrich, 17. April. Auf Veranlassung des Dirigenten des hiesigen Gesangvereins, der auf ein Entgelt für seine Bemühungen verzichtete, wurden von je zwei Mitgliedern an schönen Aussichtspunkten in ber Gemar- Aus aller Welt. Zwischenbilanz des Reichsberufswetckampfes. Berlin, 17. April. (DNB.) Im Hause der Deutschen Arbeitsfront trat nach Abschluß der Gauzwischenentscheidung und vor Beginn der Endkämpfe im Saargebiet, der Reichsausschuß für den zweiten Reichsberufswettkampf zusammen, um einen Bericht des Obergebietsführers A x m a n n über die ersten Ergebnisse des Wettkampfes entgegenzunehmen. Axmann erklärte einem Vertreter des DRB. über die in diesem Jahre erstmals durchgeführten sportlichen Wettbewerbe im Rahmen des Reichsberufswettkampfes, es sei wesentlich, daß die werktätige Jugend angespornt werde, sich der körperlichen Ertüchtigung zu unterziehen, weil die körperliche Ertüchtigung die Grundlage für die Leistung im Berufsleben sein müsse. Insgesamt hätten sich über eine Million Teilnehmer für den Reichsberufswettkampf gemeldet. Mit der Freiwilligkeit stehe und falle der Reichsberufswettkampf. Er solle nicht die Gesellenprüfung ersetzen, wie auch umgekehrt die Gesellenprüfung den Reichsberufswettkampf nicht ersetzen könne. Axmann betonte die Notwendigkeit einer planmäßigen Schulung der Jugenleiter. Hitlerjugend und Arbeitsfront wollten gemeinsam die Schaffung einer berufsfreudigen Jugend. Dies sei eine ergänzende Arbeit, die auch dem staatlichen Berufswesen zugutekomme. vom Spiel in den Tod. — Mil dem Rotter in den Rhein gefahren. Das fünfjährige Söhnchen der Eheleute G ö p - p e r t in Bingen wurde seit mehreren Tagen vermißt. Zuletzt war es mit seinem Roller gesehen worden. Jetzt fand man in der Nähe der Burg Rheinstein die Mütze des Bübchens im Rhein, so daß mit Sicherheit anzunehmen ist, daß der Kleine mit seinem Roller in den Rhein gefahren und ertrunken ist. Feuer im Siedlungslager. — Lin Mann in den Flammen umgekommen. In der Siedlung Springhof (Lockstedter Lager, Schleswig-Holstein) brach in einer der letzten Nächte auf dem Anwesen eines Siedlers ein Großfeuer aus. Trotz der eifrigen Bemühungen der Feuerwehr und des SA.-Hilfslagers konnten die Wirtschaftsgebäude nicht gerettet werden. Lediglich das Woynhaus wurde gerettet. In der niedergebrannten Scheune fand man bei den Aufräumungsarbeiten ein fremdes Fahrrad vor. Bei näherer Untersuchung wurde die völlig verkohlte Leiche eines unbekannten Mannes aufgefunden, der vermutlich dort im Strohlager übernachtet hatte. Es muß angenommen werden, daß das Feuer durch die Unvorsichtigkeit dieses unbekannten Mannes entstanden ist. Lawinenunglück in den Walliser Alpen. — Drei deutsche Touristen ums Leben gekommen. In den Walliser Alpen südlich des Dorfes Saas- Fee ereignete sich ein Lawinen Unglück, das drei Menschen das Leben gekostet hat. Eine aus etwa 15 Personen bestehende deutsche Touristengruppe aus Baden wurde beim Aufstieg zum Plattje, den sie trotz Schneefalles am Morgen und trotz vorheriger Warnung unternommen hatte, von einer vom Mittagshorn niedergehenden Staublawine überrascht. Von den Verschütteten, die zum Teil verletzt wurden, konnten einige lebend geborgen werden. Einer der Teilnehmer blieb in der Lawine und erstickte. Von den Geborgenen sind später zwei ihren Verletzungen erlegen, provmzialwahlen in Holland. Amsterdam, 18. April. (DNB. Funkspruch.) Die in acht holländischen Provinzen durchgeführten Wahlen zu den Provinzialversammlungen haben einen ruhigen Verlauf genommen. Der Eindruck geht dahin, daß die in der Regierung vertretenen Parteien, aber auch die Sozialdemokratie, auf der ganzen Linie Stimmverluste zu beklagen haben. Die ihnen verloren gegangenen Stimmen sind in erster Linie der National-Sozialistischen Bewegung (NSB.) Musserts, aber auch den Christlichdemokraten, den Revolutionär s o z i a l i st e n und den Kommunisten zugute gekommen. Besonders bedeutsam ist der Wahlausfall in der bisher als „rot" verschrieenen Landeshauptstadt Amsterdam. Von 15 hier an den Wahlen beteiligten Parteien konnte sich die NSB. sofort a n d i e vierte Stelle setzen. Von den 388 508 abgegebenen gültigen Stimmen entfallen u. a. 128 031 auf die Sozialdemokratie, 54 578 auf die Katholische Staatspartei, 47 291 auf die Kommunisten und 40 887 auf die NSB. Es folgen die Liberalen mit 30 888, die Antirevolutio» nären mit 24 052 und die Christlich-Historischen mit 21 472 Stimmen. In der fast ganz katholischen Provinz Limburg konnte die NSB. in die aus 45 Mitgliedern bestehende Provinzialversammlung mit fünf Vertretern einziehen. Die Katholische Staatspartei konnte ihre Sitze noch um einen auf 37 erhöhen, während die Sozialdemokratie einen Sitz verlor und nur noch mit drei Sitzen erscheinen wird. Ferner büßten die Christlich-Historischen und die Liberalen je einen Sitz ein. In der Provinz Seeland eroberte die NSB. zwei Sitze auf Kosten der Katholischen Staatspartei und der Liberalen. Kunst und Wissenschaft. Furtwängler dirigiert wieder das Berliner Philharmonische Orchester. Staatsrat Wilhelm Furtwängler dirigiert am 25. April in Berlin das Konzert des Berliner Philharmonischen Orchesters und am 26. April in Hamburg das seinerzeit verschobene zweite Hamburger Konzert des Berliner Philharmonischen Orchesters. „Deutsche Wohnkultur von 1815 bis 1870“. Dieser Tage wurde im Germanischen Museum in Nürnberg eine Ausstellung eröffnet, die in über 300 Aquarellen einen Ueberblick über die deut- s ch e Wohnkultur von 1815 b i s 1870 vermittelt. Außer zahlreichen bürgerlichen Zimmern, deren das Germanische Museum in letzter Zeit eine erhebliche Anzahl erwerben konnte, können dank dem Entgegenkommen der Besitzer insbesondere Räume der preußischen, bayerischen, sächsischen, hessischen und russischen Höfe gezeigt werden. •v-uyft Sä iuOityw! ^W=rn muss ^putzt.und G V.' ’= \ \ ‘-4 -7 A8 3 d Gelegenheiten 1 Speisezimmer (dunkeleicheXeine Nähmaschine, iDivlomaten- schreibtisch, alles wie neu, billig zu verkaufen, oieg? Marktstr. 32 II. Feder- Prilschenrten m. Gummibereifung, Ladefläche 3,75:1,85, Tragkraft 40-45 Ztr., preisw. zu verk. Hch Silberzahn, Wagenbau, Wetzlar, cm« W-Mgen 4Sitzer, offen u. zu zu fahren, gut erhalten, wegen Umst.vreisw. zu verkaufen, oms F. Brücker kLiebigstraße 63. Motorrad Ardie 500 a generalüberholt, in erstkl.Zustand, mit oder ohne Beiwagen billig zu verkauf. 2334D 0. AUS, M Butzbacher Str.7 Piels 2332 A Unterwelt mit Harry Piel, Dary-Holm, Hans Jnnkermann n.a. 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April in Brüssel wurde vom Deutschen Fußball-Bund wie folgt ausgestellt- Buchloh (VfB. Speldorf): Janes (Fortuna Dussel- oory.Tlefel (Eintracht Frankfurt): Bender (Fortuna Düsseldorf), Goldbrunner (Bayern München), Grämlich (Eintracht Frankfurt): Lehner (Augsburg) Siffling (SV. Waldhof), Schulz (Arm. Hannover, Conen (Saarbrücken), Fath (Wormatia Worms). Die neue deutsche Reichsmannschaft weist gegenüber den Mannschaften, die die Spiele gegen die Schweiz, Holland und Paris gewannen, beträchtliche Veränderungen auf. Das hervorstechendste ist, daß man nach längerer Zeit auch wieder einmal zwei Debütanten in der Elf hat. Der Frankfurter Eintrachtmann Tiefel und der Hannover Armine Schulz sollen sich gegen Belgien die ersten internationalen Sporen verdienen. Die Mannschaft ist stark und sie wird Stärke und Können auch nötig haben. Belgien darf nicht unterschätzt werden. Erst an diesem Sonntag gelang den Belgiern gegen Frankreich ein Unentschieden 1:1, und das läßt allerhand Rückschlüsse auf die augenblickliche Spielstärke unseres nächsten Gegners zu. Spaniens Fußballmannschaft gegen Deutschland. Einer durchaus glaubhaften spanischen Meldung aus Barcelona zufolge wurde von Dr. Garcia Z a l a z a r die spanische Elf für den Länderkampf gegen Deutschland am 12. Mai in Köln wie folgt aufgestellt: Zamora; Ciriaco, Quincvces; Pedro Regueiro, Cilaurren, Leon; Casuco, Jrragorri, Langara, Luis Regueiro, Emilim. Syielvereinigung Fürch in Lollar. 7Uit neun Spielern der allen Meister-Elf. Dem Sportverein 1920 Lollar ist es gelungen, eine Mannschaft der Spielvereimgung Fürth für den zweiten Osterfeiertag zu einem Gesellschaftsspiel zu gewinnen. Die Spielvereinigung Fürth hat für diese Begegnung eine starke Mannschaft gemeldet, in der nicht weniger denn neun Mann der alten Meistermannschaft mitwirken werden. Vor allem wird auch der zwölffache Internationale Hagen mit dabei sein. Hagen wird bereits am ersten Feiertagabend im Rahmen eines großen Begrüßungsabends einen Vortrag halten, in dem er über seine Erlebnisse und Erfahrungen bei vielen Länderspielen plaudern wird. Ein Eintrittsgeld wird zu diesem Vortrag nicht erhoben. Dor dem Spiel der Aktiven (am zweiten Osterfeiertag) werden Jugend- und Schülerspiele ausgetragen. , FCTeutonia * Watzenborn-Steinberg Watzenborn- Steinberg I — Heuchelheim I. Die erste Elf des FC. „Teutonia" Watzenborn- Steinberg empfängt am morgigen Freitag die erste Mannschaft des Sportvereins 1920 Heuchelheim. Die Gastgeber haben sich damit zweifellos einen gleichwertigen Gegner verschrieben. Man wird einen spannenden Kampf erwarten dürfen. Die Platzbesitzer treten mit ihrer seitherigen bewährten Mannschaft an und haben als wesentliches Aktivum den eigenen Platz und das eigens Publikum, das die Mannschaft stark unterstützt. Für die Gäste würde es nicht leicht sein, einen Sieg zu landen, denn auch der Platz in Watzenborn-Steinberg wird ihnen einige Schwierigkeiten bereiten. Der Ausgang des Spieles ist schwer vorauszusagen. Die Chancen liegen beim Gastgeber._______________________________ Sportverein 1928 Garbenteich. Garbenleich I — Butzbach I. Die erste Mannschaft des Sportvereins Garbenteich hat am morgigen Karfreitag die erste Elf des VfR Butzbach zu Gast, Butzbach stellt eine leistungsfähige Mannschaft, die auch technisch auf der höhe ist. Bisher gab es schon manche schöne Begegnung zwischen beiden Vereinen. Die Einheimischen treten voraussichtlich komplett an und dürften einen ebenbürtigen Gegner darstellen. Der Ausgang des Kampfes ist nicht vorauszusagen. Dor dem Spiel der ersten Mannschaften stehen sich die Schüler von Butzbach und Garbenteich gegenüber. Fußball im Turnverein Großen-Linden Großen-Linden I — 1900 Gießen II. Großen-Linden empfängt am morgigen Karfreitag die 2. Mannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen. Da der Platzbesitzer nur erst einige Spiele absolviert hat, muß man den Ausgang des Spieles als offen erachten. Die Gäste dürfen den Kampf nicht leicht nehmen. Wenn Großen-Linden komplett antritt, könnte es eine Ueberraschung geben. Gießener Leichtathlet in Eschwege erfolgreich. Der zur Zeit in Eschwege weilende Gießener Lelchtathlet W. Berghöfer vom VfB.-Reichs- bahn Gießen nahm am vergangenen Sonntag am 3. Nationalen Querseldein-Lauf in Eschwege teil und wurde überraschender Sieger. Unter 43 Teilnehmern durchlief Berghöfer die 20 km lange Strecke in der sehr achtbaren Zeit oon 1:18,05 Stunde. Berghöfer zog gleich vom Start an frisch davon und führte die ganze Strecke unangefochten bis in das Ziel. Zweiter wurde Herrmann vom Reichswehrbataillon in Kassel mit 1:18,53 Stunde. Besonders beachtenswert ist, daß Berghöfer zum ersten Male über eine so lange Strecke startete. Vor Beginn der Wettkampfzeit hatte Kreisführer D a u p e r t - Wiefeck nochmals feine Mitarbeiter zusammengerufen, um mit ihnen die kommende Arbeit durchzusprechen. Eingangs der Tagung konnte er zwei neue Helfer in dem Jugendwart O r t m a n n - Eibelshausen und Volksturnwart Dr. Wilhelm Loh-Gießen begrüßen. Ein Rückblick auf die Ereignisse der letzten Wochen ergab, daß vor allem durch die Einführung der Wehrpflicht die Aufgaben der Turnerschaft nur noch gewachsen seien und daß man ihre Arbeit in vollem Maße anerkenne, wie auch der Wettkampf, zwischen Reichsheer und Turnerschaft erst kürzlich gezeigt hat. Diesem Mehr an Arbeit wird vor allem eine vermehrte Lehrtätigkeit neue »Helfer zuführen. Insbesondere sollen nunmehr die Teilnehmer an den Lehrgängen der Deutschen Turnschule, dem Herzen der Turnerschaft, wie man sie so gerne nennt, zur tätigen Mitarbeit auch im Kreis yerangezogen werden. Sie sollen da eingesetzt werden, wo es gilt, neu. aufzubauen und wo noch die geeigneten vereinseigenen Kräfte fehlen. Weiterhin wird probeweise ein Abendlehrgana für Dorturnerausbildung für die Vereine der näheren Umgebung Gießens durchgeführt werden. Von dieser regen Vorarbeit gut vorbereitet, sollen dann im Juli und August die einzelnen Veranstaltungen des Kreises vonstatten gehen. Zunächst aber werden sich die wanderfrohen Turner an Himmelfahrt, dem früheren Götz-Wandertag, mit den Wandervereinen nach Sternwanderun- Beginn des Nizzaer Reitturniers. Oberleutnant Brandt mit Baron Zweiter im Eröfsnungs- Springen. Das 15. Internationale Reitturnier in Nizza, an dem elf Nationen teilnehmen, begann am Mittwoch mit dem Eröffnungsspringen. Zu dem Springen, das über einen 600 Meter langen Kurs mit 14 Sprüngen führte, wurden alle 97 verfügbaren Pferde gesattelt. In diesem Wettbewerb um den „Großen Preis der Hotels von Nizza" gab es einen überraschenden Sieg des portugiesischen Leutnants Beltrao auf Biscuit, der in 1:15,6 den Kurs als Schnellster fehlerlos absolvierte. Oberleutnant Brandt (Deutschland) mit Baron und de Gallier (Schweiz) mit Durmitor endeten mit je 1:19,2 auf dem zweiten Platz. Oberleutnant Brandt und der Schweizer lagen bis kurz vor Schluß der Prüfung an der Spitze, doch konnte der portugiesische Leutnant eine schnellere Zeit erreichen. Coubertin-Medaille für Fähnrichs der Reichsmarine Der Begründer der modernen olympischen Spiele, Baron de Coubertin, stiftete nach einem Besuch der Marineschule Mürwik im Juli 1914 als Preis für die Fähnriche dieser Schule eine Medaille, deren Austragung infolge des Kriegsausbruches unterblieb. Auf Grund der durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht erlangten Gleichberechtigung Deutschlands erfolgte nunmehr eine Anfrage bei Baron de Coubertin, ob er mit einer Verwendung der Medaille auch heute noch einverstanden sei. In seinem Antwortschreiben teilte Coubertin mit, daß er mit der vorgesehenen Verwendung der Medaille voll einverstanden sei. Er bäte, sie als Beweis des großen Interesses anzusehen, mit dem er die Vorbereitung der 11. Olympischen Spiele verfolge, deren Gelingen ihm am Herzen liege. Die Coubertin- Medaille wird für den sportlich besten Fähnrich der Marineschule Flensburg-Mürwik im Rahmen der Marinemeisterschaften 1935 in Kiel zum Austrag gebracht werden. , gen an historischen Orten unserer Heimat treffen. Dann rollt ein Fest nach dem anderen ab. An Pfingsten führt die 75-Jahrfeier der Turnerschaft Jung und Alt in Coburg zu festlicher Erinnerung zusammen. Oberturnwart Schüler wird den Kreis vertreten. Das aus unserer Gegend immer gern besuchte F e l d b e r g- f e st schließt sich am 16. Juni an. Dann treten die Faustballer auf den Plan und kämpfen um den Aufstieg in die höheren Klassen. Einen Höhepunkt stellt das Kreisturnfest in Sinn dar, das zum ersten Male im neuen Kreise Turnerinnen und Turner zum turnerischen Mehrkampf antreten läßt. Auch das Rhönturnfest wird, nachdem es zu einer Veranstaltung unseres Gaues geworden ist, am 14. Juli die besseren Volksturner des Kreises als Teilnehmer sehen. Die gesamte Festarbeit aber wird gekrönt durch das 1. Gaufest des Reichsbundes. Don den Kreisvereinen wird wegen der besonderen Begün- stiaung durch die Lage Gießens inmitten des Kreisgebietes ein besonders starker Besuch erwartet. Den früheren Bezirksturnfesten entsprechend werden für je zwei Unterkreise zusammen am 18. und 25. August volkstümliche Turnfeste gehalten, die Turner und Turnerinnen von der Schuljugend aufwärts bis zu den Altersturnen zu volkstümlichen Mehrkämpfen vereint. Die Austragungsorte werden in Kürze bestimmt werden. Dem Kranz der oielbeliebten Bergfeste ist ein weiteres hinzugefügt worden: das hoherodskopf-Bergfest Die Leitung des Turnkreises Lahn-Dill tagte. am 1. September ist wieder erstanden, nachdem es seit der Vorkriegszeit ausgesetzt worden war. Und zum Abschluß werden sich die Alters- t u r n e r am 8. September in Lich treffen. Sie werden bei all den vorhergehenden Veranstaltungen immer die stillen Arbeiter in Gestalt von Riegenführern und Kampfrichtern stellen, so daß ihnen wenig Zeit für turnerische Geselligkeit bleibt. Auch auf wettkämpferische Betätigung werden sie aus den gleichen Gründen zumeist verzichten. So wird dieser Tag eine Belohnung für diese Arbeit sein, und sie in jugendfroher Begeisterung trotz manch grauen Haares alte Kameradschaft wieder aufleben lassen. Nach Erörterung kassentechnischer Fragen wurde auch eingehend die Sonderausgabe der Turnerschaft, die Dietarbeit, behandelt. In diesem Jahre sollen die er st en Versuche mit völkischer Aussprache in festlichem Rahmen gemacht werden. Dies bedingt eine wechselnde Ausgestaltung bei den einzelnen Festen, da einheitliche Richtlinien wegen der Neuheit der Sache noch nicht gegeben werden können. Die Erfahrung wird dann den Weg für kommende Feiern zeigen. Nach fünfstündiger Beratung konnte Kreisführer D a u p e r t die Tagung schließen, die gezeigt hatte, daß alle an verantwortlicher Stelle stehenden Turner und Turnerinnen das Ziel turnerischer Arbeit erkannt haben und nach seiner Verwirklichung streben: „Im Jahnschen Sinne arbeiten für das Reich Adolf Hitlers". Die Adker-Rekorde anerkannt. Die in der Zeit vom 25. bis 31. März auf der Berliner Avus ausgestellten 13 Klasssnrekorde des Adler-Trumpf-Junior-Kleinwagens (999,585 ccm) wurden jetzt von der AJACR. offiziell als Klassenrekorde der Klasse G über 750 bis 1100 ccm anerkannt. Kurze Gportnotizen. R e i ch s s p o r t f ü h r e r von Tschammer und Osten wird am 26. April nach Frankfurt kommen und abends im Saalbau zu den Frankfurter Turnern und Sportlern sprechen. Um im Olympischen Jahr für Rugby werben zu können, beabsichtigt der Internationale Rugbyverband im Mai 1936 ein Rugbyturnier in Form eines Vierländerkampfes in Berlin auszutragen. Deutschland und Frankreich haben ihr Teilnahme bereits zugesagt. Finnlands K un stturn-Meist erschaft fiel an einen neuen, ganz hervorragenden Mann, M. N o r o m a, der Saarvala und Tukiainen überlegen schlug. Norwegens Skiläufer für die Olympischen Winterspiele in Garmisch-Partenkirchen wurden bereits ausgewählt. Oscar Gjöslien, Sigurd Vestad, Kaare hatten, Trygve Brodahl werden Norwegen im 50-Kilometer-Lauf, Bergendahl, Rustadstuen, Hagen, Jversen im 18-Kilometer- Langlauf, Hagen, hoffsbakken, Lian, Röen und Oesterklöft in der Kombination Lang-Sprunglauf vertreten. In einem Zwischenrundenspiel zur Deutschen Hochschul-Meisterschaft spielten am Mittwoch in Frankfurt die Universitäten Marburg und Heidelberg. Marburg siegte verdient mit 4:2 (2:1) Toren. NIVEA mild, leicht schäumend. ganz wundervoll im Geschmack ÄMMMlIIL... Roman von Charlotte prenzel. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.). 2 Fortsetzung Nachdruck verboten! „Wenn ich Sie recht verstehe, sind Sie aus derselben Branche wie Herr Scholz! Kannten Sie sich bis heute nicht?" „Vorgestellt waren wir uns nicht, aber dem Namen nach kannten wir uns allerdings!" „Das ist ein merkwürdiges Zusammentreffen!" „Gewiß!" , . Sie hatten die Untermainbrücke erreicht, fern Fuß zögerte. „Wohin wenden Sie sich nun, Fräulein ©aber?" , t L „Oh, es ist mir eigentlich gleich! Ich habe nun doch nichts Bestimmtes vor. Wenn Sie den Main hinunteraehen, könnte ich einen Spaziergang machen!^ . „ . v _ Der Main glitzerte und funkelte rn der Sonne, zahllose Boote belebten die Flache. Kulissenartig bauten sich am jenseitigen Ufer die Haustr der Altstadt auf. Sonntäglich gekleidete Menschen kamen ihnen entgegen, blank geputzte Autos flitzten an ihnen vorüber. f , . „Ist es nicht schön - unser Frankfurt? sagte Irene. „Ich möchte es mit keiner anderen Stadt vertauschen!" . ,. „Gewiß ist es schön! Und Sie werden hier ganz zu Hause sein, werden Ihre Familie, Ihre Verwandten hier haben!" „Und Sie?" fragte sie schnell. Ich habe keine Familie!" antwortete er, und wieder zuckte das Lächeln um seinen Mund. Irene atmete tief. „Dann sind Sie hier immer noch nicht heimisch!" ^oriitn ? " "Das liegt doch im Wort! heimisch kann man nur werden, wenn man ein heim hat. „Mir hat meine Arbeitsstätte von jeher das $ Das Gespräch stockte wieder. Sie gingen über den Eisernen Steg, nahmen den Weg über den Römer. Fred fragte nicht mehr nach ihrem Ziel, er wußte, daß sie ihn, so weit es nur g^g, begleiten würde — und offen, rote er gegen sich selbst war, mußte er zugeben, daß er gar nichts dagegen hatte, daß dieses schöne Mädchen an seiner Seite blieb. Schließlich, als sich Fred immer weiter in die Straßen der Altstadt verlor, raffte Irene sich aus. „Nun muß ich mich von Ihnen verabschieden! Er blieb stehen. „Ich habe mich sehr gefreut, Ihre Bekanntschaft gemacht zu haben!" . Sie gab ihm die Hand. „Werde ich Sie Wiedersehen?" „Vielleicht! Aber ich pflege gar keinen Verkehr!" „Oh, Sie werden nun doch zu den Gästen des Hauses Scholz gehören! Herr Scholz ist sehr gesellig." „Wenn dort stets ähnliche Bekanntschaften zu machen sind, wäre es zu überlegen!" Sie streckte ihm noch einmal die Hand hin und überließ sie ihm länger als notwendig. „Auf Wiedersehen, Herr Morland!" In dem Blick ihrer Augen lag ein eigentümliches Flimmern. „Auf Wiedersehen, Fräulein Gaber!" sagte er und erwiderte den Druck ihrer Hand. — Auf dem ganzen Nachhauseweg stand das Bild des Mannes vor ihr, dessen letztes Wort „Auf Wiedersehen!" gewesen war. Freilich, wenn sie sich des Gesprächs erinnerte, verlor dieses Wort an Bedeutung. Fred Morland war nicht sehr gesprächig gewesen; aber er war wohl von der Art der Leute, die keinen Verkehr haben und daher wenig mitteilsam sind. Irene aber war sich ihrer Schönheit und ihres Wertes so voll bewußt, daß sie bestimmt auf ein Wiedersehen rechnete, wenn sie nur wollte ,.. Und sie wollte. Als sie durch den Vorgarten schritt, der sich vor dem Miethause befand, knirschten plötzlich die Bremsen eines Autos hinter ihr, und ein Ruf traf sie: ,Irene!" " Sie wandte sich um. Vom Führersitz erhob sich die untersetzte Gestalt eines jungen Mannes. Sem breites, rotes Gesicht strahlte eitel Freude und Vergnügen. „Was ist, Kurt?" „Ich wollte dich zu einer Autopartte entladen! Kommst du mit?" . Sie zögerte einen Augenblick. „Ja, tch komme! Bringe nur meinen Schläger ins Haus und hole mir einen Mantel!" „Gut, ich warte auf dich!" Irene legte den Schläger auf der Diele nieder, holte ihren Mantel von dem Garderobestander und trat nur für einige Augenblicke in das Wohnzimmer ein, in dem mehrere junge Stimmen durcheinander redeten. In dem Zimmer selbst herrschte eine Unordnung, daß sich Irenes Gesicht finster verzog. Die Früh- stückstafel war noch nicht abgedeckt, Spielsachen standen umher, zwei ältere Knaben balgten sich um eine Eisenbahn, ein älteres Mädchen lag auf dem Sofa und las, ein jüngeres war gerade im Begriff, mit beiden Händen in die Zuckerbüchse zu langen. „Laß das!" herrschte Irene sie an. „Wo ist die Mutter?" „ „Schläft noch!" antwortete es im Chor. „Vater?" „Fortgegangen!" , _r. „Dann richtet aus, ich käme mcyt zum Eßen — ich bin eingeladen!" „Natürlich — du hast es gut!" tönte eine grollende Stimme vom Sofa her. „Du — die Prinzessin!" Irene hörte die Worte nicht mehr, sie schloß hastig die Tür und trat wieder auf die Treppe hinaus. Sie seufzte. Schrecklich, diese Zustände zu Hause. Solange sie in dem Konsulat eine einträgliche Beschäftigung gehabt hatte, war es noch gegangen — aber jetzt, da sie keinen Verdienst mehr hatte und auch keinen mehr fand, war das Leben mit den vielen Kindern, dem nie reichenden Einkommen des Vaters, der nicht wirtschaften könnenden Mutter und den meist unehrlichen Dienstboten entsetzlich. Ihr Gesicht klärte sich erst wieder auf, als sie Kurt die Hand gab. „Gute Idee von dir, mich abzuholen!" lobte sie. „Ich suchte dich schon im Stadion und fuhr dann auf gut Glück hierher!" „Wo fahren wir hin?" „Ich denke: Taunus! Oder willst du nach Wiesbaden? Auf dem Neroberg ißt es sich auch ganz leidlich-zu Mittag!" „Fein, Kurt! Fahr zu!" Sie fuhren los. Sehr bald hatte Irene die häusliche Misere vergessen. Die Welt war herrlich, das Leben schön: schade nur, daß Kurt Lechner kein Genie im Chauffieren war. Auch auf den geradesten Landstraßen kam er mit seinem schönen 'Wagen nicht über sechzig Kilometer; er hatte einfach Angst, schneller zu fahren. Wenigstens ließ es sich plaudern. „Warum spielst du heute nicht?" „Mir verging die Lust, als ich von Lianes Unfall hörte. Ja, davon weißt du natürlich noch nichts. Ihr Pferd scheute heute morgen im Walde. Du weißt doch, sie liefert immer solche Extrastückchen — in der Schule fiel sie mal von einer Leiter und brach sich den Arm, beim Schwimmen wurde sie schon mal ganz blau aus dem Wasser gezogen. Diesmal wäre sie im besten Falle aus dem Sattel gefallen, was übrigens doch noch geschah, trotzdem ein Herr ihr zu Hilfe kam und das Tier zum Stehen brachte." Kurt lachte leicht auf. „Nein, diese Liane! Immer muß ihr etwas passieren!" „Ja — dafür hat sie wenigstens eine interessante Bekanntschaft gemacht! Kennst du eigentlich einen Herrn Morland? Er ist auch aus der Lederwaren- branche." Kurts Kopf flog herum; er bremste so stark, daß der Wagen fast zum Halten kam: „Herr Morland? Wie kommst du auf den?" „Er war Lianes Lebensretter!" „Ach, was du nicht sagst!" Der Wagen fuhr wieder an. „Dieser Morland! Unglaublich!" „Warum unglaublich?" „Weil der Mann ganz einfach alles kann. Vor etlichen Jahren fängt er hier ein Fabrikchen an, ganz klein und bescheiden, setzt sich durch, vergrößert. sich, bringt Muster, auf die alle fliegen, zieht einem die Haut vom Kopfe, wenn man ihm Leder anbietet, und wird immer mehr zuU gefürchteten Konkurrenz. Dabei soll er keinen Pfennig eigenes Vermögen gehabt haben, ein Freund soll ihm fein Geld anoertraut haben." Ganz plötzlich sah Irene ihn wieder vor sich. Das männlich schöne Gesicht mit den markanten Zügen, die Energie und Entschlossenheit verrieten. Ja, es sah ihm ähnlich, daß er sich durchsetzte. „Ja, denke dir", sagte sie nach einer Weile, „durch diesen Unfall mußten sich Herr Scholz und er kennenlernen!" „Diese Bekanntschaft kann von Bedeutung sein!" meinte Kurt nachdenklich. „Wie meinst du das?" fragte Irene aufhorchend. „Nun, Herr Scholz ist alt, und nirgends zeigt sich ein Erbe für feine Firma!" Irene fühlte, wie sie erblaßte. „Und da meinst du..." „Allerdings! Eine Verbindung zwischen beiden wäre nicht von der Hand zu weisen. Scholz bekäme einen tüchtigen Menschen in sein Geschäft." Erst nach einer Weile fragte Irene, und ihre Stimme klang merkwürdig belegt: „Steht die Firma Scholz nicht mehr so fest und sicher wie früher?" Kurt hob die Schultern. „Alle Firmen haben zu kämpfen. Die Jungen werden mit den Schwierigkeiten groß, für die Alten sind sie etwas Neues — sie können nicht Schritt halten mit der Zeit. Bei meinem alten Herrn ist's ja ähnlich. Ich weiß nur eines: die Firma Scholz bezahlt nicht mehr so prompt wie srüher." Ganz unvermittelt lachte Irene auf. „Ich stelle mir vor: Herr Morland und Liane ein Paar! Kannst du dir das denken?" „Schwerlich!" lachte Kurt zurück. „Aber man kann ja nie wissen!" — Sie nahmen ein etwas verspätetes Mittagsmahl auf dem Neroberg ein, wo nur einzelne Tische besetzt waren. Hier gefiel es Irene, sie dachte nur flüchtig an die lange Tafel zu Hause und atmete die milde Luft in vollen Zügen ein. „Das war eine gute Idee von dir, hierher zu fahren!" lobte sie. Er legte seine Serviette zusammen und lehnte sich in seinen Stuhl zurück; sein Blick hob sich dem ihren entgegen. „Ja, Irene, ich wollte dich eigent» lich etwas fragen!" bekannte er zögernd. „Du mich? Da bin ich neugierig!" „Ja! Ich wollte dich fragen, ob du meine Frau werden willst?" Durch Irenes Körper ging es wie ein elektrischer Schlag. „Deine Frau?" „Ja'! Findest du das so seltsam?" (Fortsetzung folgt!) KolgenschwererDammbruch an der Sieg. Infolge der Schneeschmelze kam es bei dem Dorf L i t t f e l d an der Sieg zu einem folgenschweren D a m m b r u ch. Die Wassermassen richteten große Verwüstungen an. Unser Bild zeigt die Stelle, wo der Damm geborsten war. . - ^7 w UM / r ~ : M ><■ . : 'i»e MM >1 X ;• ’ MA. y , -y / AW ' ...........L Kollekte. — Münzenberg. 11: Gottesdienst mit hl. Abendmahl für die Alten und Kollekte für das syr. Waisenhaus; Hausabcndmahle anschließend; 17: Abendgottesdienst mit Kollekte für das syrische Waisenhaus; anschließend Beichte für die Mittleren. — Trais-BIiinzenberg. 9: Gottesdienst mit Kollekte für das syrische Waisenhaus. — Mrberg. 9.30: Gottesdienst; anschließend Feier des hl. Abendmahls für die Jugend, Kollekte. — Beltershain. 13: hl. Abendmahl für die Jugend, Kollekte. — Beits- berg. 19: hl. Abendmahl für die Jugend, Kollekte. — AttenBufeck. 10: Gottesdienst, Kollekte; 13: Lituraische Feier. — Kirtorf. 10: Christi Tod und Grabfeier (Kinder- und Hauptgottesdienst gemeinsam), anschließend Feier des hl. Abendmahls der alten Leute; 20: Kreuzandacht (7. Passionsandacht). — Ober-Gleen. 14: Kinder- und Hauptgottesdienst gemeinsam. Karsamstag, den 26. April. Langd. 13 Uhr: Beichte. katholische Gemeinden. Freitag, den 19. April. Karfreitag. Gießen. 7.30 bis 18 Uhr: Anbetungsstunden; 9: Verstörte Messe, Predigt; 18: Andacht. — Cid). 9: Predigt, verstörte Messe; 20: Kreuzwegandacht. — Hungen. 13: Predigt und Andacht. — Laubach. 15: Predigt und Andacht. Samstag, den 20. April. Karsamstag. Gießen. 7 Uhr: hl. Weihen; 8.30: Hochamt. — Lich. 6.30: hl. Weihen; 7.15: Hochamt; 17: Beichte. Beuapostolische Gemeinden, händelstraße 1 — Cderstraße 13. 9.30 Uhr: Gottesdienste. Baptisten-Gemeinde. 20.30 Uhr: Prediger Falk. Die Heilsarmee. Gießen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Gründonnerstag, den 18. April. Klein-Linden. 19.30 Uhr: Gottesdienst und hl. Abendmahl für alle. — Treis / Cda. 20: Abend- gottesdienft. — Atten-Bufeck. 19.30: Beichte und hl. Abendmahl. Karfreitag, den 19. April. Gießen. Stadtkirche. 9.30 Uhr: Pfarrer Becker, Beichte und hl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Mar- kusgemeinde, Pfarrer Becker; 18: Propst Knodt, Liturgischer Gottesdienst. — Iohanneskirche. 9.30: Pfarrer Ausfeld, Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde; 11.15: Kinderkirche für die Johannesgemeinde, Pfarrer Ausfeld; 18: Musikalische Abendfeier, Pfarrer Bechtolsheimer. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30; 10.45: Kinderkirche für die Luthergemeinde; 15: Liturgischer Gottesdienst. — petruskapelle. 9.30: Pfarrer Trapp, Beichte und hl. Abendmahl für die Petrusgemeinde. — Mefeck. 9.30: hauptgottesdienst, Kollekte; im Anschluß Feier des hl. Abendmahls. — Grohen- Buseck. 10.30: Gottesdienst; anschließend hl. Abendmahl, Kollekte. — Oppenrod. 8.30: Beichte, Gottesdienst und hl. Abendmahl. — Albach. 12.30: Gottesdienst. — Steinbach. 10: Gottesdienst; anschließend Abendmahl für die Alten. — Klein-Linden. 10: Gottesdienst; 11: Kindergottesdienst; 13.30: hl. Abendmahl für die Alten. — heucyelheim. 10: Haupt- aottesdienst unter Mitwirkung des Kirchenchors, Kollekte. — Kirchberg. 10: Gottesdienst. — Treis a. d. Lumda. 10: Hauptgottesdienst, Kollekte; 13: Lit. Karfreitngsfeler, Pos.-Chor, Schülerchor, Kollekte. — Garbenteich. 13: Gottesdienst, anschließend hl. Abendmahl. — Hausen. 10: Gottesdienst, anschließend hl. Abendmahl. — Lich. 9.30: Dechant Kahn, Kollekte; 17: Liturgischer Gottesdienst, Kollekte. — Nieder-Vessingen. 14: Dechant Kahn, Kollekte. — Hungen. 9.45: Gottesdienst; nachmittags Hausabendmahle; 20: Gottesdienst. — Langd. 13: Gottesdienst. — Langsdorf. 11: Hauptgottesdienst, Kollekte für das fyr. Waisenhaus; 20: Abendmahlfeier. — Bettenhausen. 13.30: Hauptgottesdienst, Grabenstraße 11. 8 Uhr: Weihestunde; 20: Öffentlicher Gottesdienst. Öffentlicher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringenden Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf leie» fon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 7 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Aerzte: Dr. Neumann-Spengel; Dr. Wolf. Zahnarzt: Dr. Hinrichs. Apotheke: Pelikan-Apotheke. Rundfunkprogramm Freitag, 19. April (Karfreitag): 8.45 Uhr: Choralblasen. 9: Evangelische Morgenfeier. 9.45: Deutsches Schatzkästlein. „Zwischen Tod und Seligkeit". Eine Funkfolge. 10.15: Funkstille. 11: Die sieben Worte des Erlösers am Kreuz. Oratorium für Solostimmen, gemischten Chor und Orchester. In Musik gesetz von Josef Haydn. 12.15: Funkstille. 17.30: Der Brückengeist. Hörspiel von Julius Maria Becker. 19: Von Leipzig: Reichssendung: Passion unseres Herrn Jesus Christus nach den Worten des Evangelischen Matthäus. Von Johann Sebastian Bach. 22. Nachrichten. 22.15: Szenen aus dem 3. Akt des Bühnenweihefestspiels Parsival. Von Richard Wagner. 23.15: Funkstille. Samstag, 20. April. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15, 6.30: Gymnastik. 6.55: Morgenspruch — Choral. 7: Frühk'onzert. 8.15: Gymnastik I. 9: Nachrichten. 9.15: Konzert. 9.45: „Die Gesänge der Entrechteten". Von Meta Schnei- der-Weckerli'ng. 10: Nachrichten. 11.45: Sozial- dienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten; anschließend Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Die Am 1. Mai trägt jeder Arbeitskamerad . die OM.-Mühe' besten Schallplatten der Woche. 15: Jugendfunk. 16: Nachmittagskonzert. 18: Stimme der Grenze. 18.20: Stegreifsendung. 18.35: Wir schalten ein! Das Mikrophon unterwegs. 19.10: Reichssendung: Notwende. Eine Hörfolge zum Geburtstag des Führers und Reichskanzlers, zusammengestellt von der Amtsleitung Kultur der Reichspropagandaleitung. 20: Nachrichten; anschließend Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20.15: Tiefland. Musikdrama in einem Vorspiel und zwei Aufzügen. In der Pause 21.35 bis 21.55: Heber Eugen d'Albert. 22.45: Nachrichten. 23: Orchestermusik. 24: Funkstille. Wetterbericht des Reichswetterdienstes Ausgabeort Frankfurt. Der gestern über England liegende Tiefdruckwirbel hat sich unter Abflachung zur Nordsee verlagert. Von seiner Rückseite vorstoßende kältere Luft ließ in der vergangenen Nacht die Temperaturen bis in Gefrierpunktsnähe sinken und wird heute noch Anlaß zur Niederschlagstätigkeit geben. Ein neuer Teilwirbel ist bei Irland in Entwicklung, der keinen vollen Einfluß auf unser Wetter nehmen, immerhin aber vorübergehend neue Verschlechterung bringen wird. Der Witterunascharakter bleibt auch weiterhin noch recht wechselhaft. Aussichten für Freitag: Wechselnd bewölktes Wetter mit einzelnen Niederschlagsschauern, bei wesllichen Winden Temperaturen wenig geändert, späterhin weitere Verschlechterung Aussichten für Samstag: Wieder mehr wechselnd bewölktes Wetter mit einzelnen Schauern, ziemlich kalt. Lufttemperaturen. Am 17. April, mittags 11,6 Grad Celsius; am 17. April, abends 6,3 Grad; am 18. April, morgens 0,6 Grad. Maximum 11,8 Grad, Minimum 0,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe. Am 17. April, abends 9,7 Grad; am 18. April, morgens 6,2 Grad. Sonnenscheindauer 6,1 Stunden. Wir bringen zu Ostern Trägerhemd a.gut. Hemdentuch, a he groß. Stickereimotiv, Stickerei-Träger L4u 1.- 0.60 1.25 1.90 3.50 dto., mit Innentasche 1.90 25 10 10-.05 -25-.20 Oster-Pralinen k usier-pr lu Packung 5.00 VtPfund 2.00 Gießen, Schulstraße 11 Das Haus der kleinen Preise Aermelhalter Sockenhalter Sportmützen in vielen Dessins . Achselschlußhemd aus Kretonne, Stickerei Damen-Nachthemd farbiger Batist,hellgeblümt.Besatz,m.Puffärmel Unterkleid aus Matt-Charmeuse, mit Motiv-Einsatz, in allen Größen. . Unterkleid aus schwerer Matt- Voll-Rindleder Coupg-Koffer Hartplatte mit Schutzecken, 55/34 cm .25 -.10 .50 -.25 Oster-Schok Eier Oster-Eier flüssig gefüllt Krawatten zum Aus- n ir a aa a Ansuchen, neue Muster. .. . 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