Nr. 2^3 Erster Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 17. Oktober 1935 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertag» Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte w 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Giehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche llniverfitütr Such- und Steindruckerei R. Lange in Glotzen. Schristleitung und SeschSftrstelle: Schulstrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70mm Breite 50 Npf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25O/g mehr. 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Das sind die Gesichtspunkte, unter denen ich an meine Aufgabe tjerangegangen bin. Als ich mit einzelnen Pfarrern erst zusammen- Als ich diese Erklärung gelesen habe, habe ich sie mit der Leitung der evangelischen Kirche beauftragt. Manner, die aus alten Lagern der in sich immer noch uneinigen evangelischen Kirche kommen. Ich sage nicht zu viel, wenn ich glaube, daß sich damit eine Wendung im deutschen Volke vorbereitet, und daß das deutsche Volk auf diesem Wege auch anderen Völkern noch viel zu sagen haben wird. Die protestantische Welt stand immer unter der Führung Deutschlands. Die Befürchtung, die im Auslande laut geworden ist, daß aus der protestantischen Welt Deutschland ausscheiden wird, ist unbegrünbet. Noch nie ist das religiöse Leben in unserem Lande so lebendig gewesen wie heute, aber wir wissen, daß das alles langsam und organisch wachsen muß. Und ich weiß, daß es wachsen wird, und daß gerade die vergangene Zeit in diesem Wachstum ihre Frucht tragen wird. In dieser Ueberzeugung habe ich mein Werk in die Hand genommen. Was mir tun, tun wir in bestem Sinne für die Menschheit. Denn die nationalsozialistische Idee hat den Vorzug, daß sie keinerlei Imperialismus kennt. Sie weiß, daß man Menschen nicht germanisieren kann. Ihre Aufgabe ist es vielmehr, den Bestand des deutschen Dolks- tumes zu sichern. Man soll auch nicht von einem „bedauerlichen Ringen" innerhalb der Kirche sprechen, sondern von einem werteschaffenden, unerhörten Ringen, von dem die Welt außerordentlich viel zu erwarten hat. Dadurch tragen wir gemeinsam mit anderen Völkern dazu bei, die Völkerverständigung zu ermöglichen und die erhabenen Ziele der Menschheit durchzusetzen. Die Spitze unserer Nation marschiert, das Gros hat sich formiert. Dahinter herrscht noch Lärm und Streit, und das hat man für eine entscheidende Realität gehalten. Die wahre Realität ist aber eine andere: Dieses Volk marschiert mit dem Führer. Ich zwinge niemanden dazu, mitzumar- chieren. Wenn ihr eure Aufgabe erfüllen wollt, dann müßt ihr mit dem Volke sein und ihm auf seinem Wege Stärkung geben. Entweder die Kirche marschiert mit oder sie bleibt allein in ihrer absoluten Kirche und wird eines Tages die Nachhut unseres Volkes am Horizont verschwinden ehen. Ich habe nach llebernahme meines neuen Amtes drei Monate nach den Männern gesucht, die geeignet sind, die Leitung der evangelischen Kirche zu übernehmen. Jchhabefiegefun- den und ihnen gesagt: 3n geistlichen Dingen gilt nicht das Kommando, sondern lieber- zeugung und Gemeinschaft. Ihr habt die Bergung in eurer Hand. Beratet euch frei und in der Verantwortung vor der evangelischen Kirche, die wieder wachen muh über die Grundsätze eurer Leitung. Ls war einer der glücklichsten Tage meines Lebens, als diese 13 Männer des Reichskirchenausschusses und des Ausschusses der altpreuhischen Union mir eine einstimmige und einmütige Erklärung Übergaben, die sie unter sich gefunden hatten, ohne daß ich ein Wort dazu gesagt hatte, und die sie gefunden hatten unter der Mit- arbeit eines Mannes, wie des Generalsuperintendenten Zöllner, eines der geachtetsten und bekanntesten Führer des Weltprotestantismus. sah, habe ich gemerkt, dah wir gar nicht weit auseinander sind. Ich habe den katholisch en Priestern gesagt, dah ich nicht daran denke, irgendwie in Glaubensdinge einzugreifen. Ich habe den evangelischen Pfarrern gesagt, dah ich keinen Wert auf eine Staatskirche lege. Denn ich wünsche mir eine evangelische Kirche, die aus i n n e r ft e r Ueberzeugung und freiwillig zu unserem Staate kommt. Und sie muh dahin kommen, wenn sie leben will, denn sie hat mit den gleichen Volksgenossen zu tun, mit denen wir zu tun haben. Mit der Vlitts- gemeinschaft, in die Gott uns hineingestellt hat. Richt ich, sondern das Schicksal hat sie vor diese Frage gestellt, sie möge sich in Freiheit unter diese Tatsache beugen. Berlin, 16. Oft (DNB.) Der Wirtschaftsrat der । Deutschen Akademie veranstaltete im Hotel Kaiserhof einen Empfang, dem zahlreiche Vertreter des Diplomatischen Korps sowie des politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens beiwohnten. Der Präsident der Deutschen Akademie, Generalmajor i a. D. Professor Dr. Haushofer, erinnerte in seiner Ansprache daran, daß die Akademie 1924 in einer Zeit tiefsten Niederganges geschaffen wurde, um der kulturellen Weltgeltung eines wieder auferstandenen Deutschland zu dienen. Die Deutsche Akademie wolle bet allen Völkern der Erde Liebe und Verständnis für deutsche Kultur wecken. Er mies darauf hin, daß ähnliche Institute in anderen Ländern zum Teil schon seit mehreren hundert Jahren bestünden und betonte, daß auch die Deutsche Akademie für die Jahrhunderte wirken wolle. Dann nahm der Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten Kerrl das Wort zu einer Rede, in der er sich mit den Stimmen aus dem Auslande beschäftigte, die öfters die Behauptung aufstellen, das neue Deutschland sei christentums- bzw. k i r ch e n s e i n d l i ch geworden. Hier liegen Mißverständnisse vor, die durch persönliche Aussprache am allerbesten geklärt werden könnten. Denn in seltsamem Kontrast mit solchen Stimmen aus dem Auslande stehe doch die Tatsache, daß es dem Nationalsozialismus gelungen ist, Kommunismus und Gottlosenbewe- gung niederzuschlagen und völlig auszurotten. In Deutschland herrscht die nationalsozialistische Idee, wie sie der Führer selbst bezeichnet, lieber Ideen zu streiten, ist zwecklos. Ideen kommen aus dem Glaub e n. Erfolg oder Mißerfolg entscheiden ihre Gültigkeit. Uns hat d i e Not zur Besinnung gezwungen. In der Stunde der größten Gefahr erklang die Stimme eines einsamen unbekannten Mannes. Der Führer forderte neue Menschen, einen Glauben, der Berge versetzen kann. D i e f e r G l a u b e i st d a g e w e f e n, ist das Geheimnis unseres Volkes und unseres Sieges, dieser Glaube, der keine Sache eines Dogmas oder der Geschichte ist, sondern der die neue Botschaft geboren hat und verbreitete: Rationalismus und Sozialismus sind in Wahrheit dasselbe. Das neue Werden blieb in uns, in unserem Blute. Das haben wir erkannt und erlebt, dah hier die uns von Gott gegebene Gemeinschaft liegt, in die er uns hineingestellt hat, das Volk, das aus Familie, Sippe und Stamm geworden ist. Organisch aus Gottes Wille: gewachsen Ünd nicht entstanden durch irgendwelche Kriege um Grenzen oder Landstriche. So qab uns der Führer die neue Idee, die einst revolutiortterend und weltumstürzend sein wird wie die Kopernikanische vor 400 Jahren. Sinn und Zweck des einzelnen ist die Nation, die Erhaltung ihres Bestandes, für uns also die der deutschen Rasse. Nach diesem Grundsatz gestalten wir heute das Gemeinschaftsleben unserer Nation. War es nicht fast selbstverständlich, daß wir heute dasselbe hörten wie Kopermkus oor 400 Fahren: „Anathema! Das ist Vergottung der Rasse und unchristlich!" Paris, 16. Oktober 1935. Alljährlich im Oktober beginnt das parlamentarische Leben in Paris sich zu regen. Zwar pfle^ die Kammer der Deputierten gewöhnlich erst am 12. November, nämlich am Tage nach den Nationalfeierlichkeiten zum Andenken an den Waffenstillstand, zusammenzutreten. Aber in der Regel gehen einige politische Ereignisse vorher, welche den eigentlichen Auftakt für die Winter-Session des Parlaments geben und die parteipolitische Kräfteverteilung klären. Zunächst nimmt der Budgetminister nut den Finanz-Ausschüssen von Kammer und Senat Fühlung auf, um die Aussichten des von ihm vorbereiteten Haushaltsvoranschlages tm Parlament abzutasten. Die Bewilligung des Etats durch die beiden parlamentarischen Häuser, diss in der Zeit bis zum 31. Dezember erfolgen soll, bereitet in Frankreich jeder Regierung bekanntlich die größten Schwierigkeiten. In den Monaten November und Dezember fallen die französischen Kabinette wie die Fliegen infolge der Ablehnung von aewissen Steuereinnahmen oder Staatsausgaben, welche die Regierung für unerläßlich hält, zu denen sich aber die'Herren Abgeordneten aus Angst vor ihren Wählern nicht entschließen können. Ende Oktober folgt bann der alliahrliche Par- t ei tag der stärksten Partei in Frankreich, der Radikalsozialisten, die weder radikal, noch sozialistisch sind, sondern die breiten Schichten des ranwlischen Mittelstandes umfassen. Der diesjährige Kongreß findet vom 24. bis 28. Oktober statt, und xroar in Paris, wie immer am Vorabend von Neuwahlen zur Kammer, die im Frühjahr des nächsten Jahres fällig sind. Außerdem pflegen tm Oktober regelmäßig irgendwelche W a h l e n, fei es für den Senat für die Gemeinden oder sonstige Teil- und Neuwahlen, stattzufinden, die den Parteien die Strömungen in den Wählermasien aufzeigen. So sind auf den 20. Oktober die diesjährigen Senatswahlen an gesetzt. Die 314 Mitglieder des französischen Oberhauses werden auf neun Jahre Vor Genatswahlen in Frankreich Oer Auftakt zu einem unruhigen Winter. Don unserem Dr. Jh.-Korrespondenten. Sie Kirche muß mit dem Volke sein Oer Auftrag des Reichskirchenausschusses. Man kann die Konfessionen fragen: Was habt ihr gegen diese Lehre? Wo krankt sie euch? In Wahrheit kränkt sie die Religion nirgendwo. Wartet doch ab! Ihr könnt ja doch abwarten und ihr werdet es erleben, dah unsere Idee in keiner Weise in das Gebiet der Religion kränkend eingreift Aber ihr werbet gfefr zeitig erleben, daß alle Wissensgebiete unter der Idee Adolf Haklers neu erstrahlen und von der Erkenntnis der Rasien- frage ebenso selbstverständlich befruchtet werden wie vor 400 Jahren von der Erkenntnis der Um- drehung der Erde. Kirchen und Konfessionen haben nichts mit den praktischen Dingen des Lebens zu tun, sondern mit denen des Glaubens. Wir überlassen es der Religion, bas Wesen der Dinge zu erahnen und dogmatisch zu lassen. Wir verlangen aber, daß sie nicht gottlos sind. Venn der 31 a f i o n a 11 o $ i a l i 5 m u 5 b c b i n g t Gollesglauben. Ieder Ralionalsozialist muh religiös fein, nur die Form feines Glaubens ist feine Sache. Der Artikel 24 des Programms ist unumstößlich, der Rationalsozialismus steht zum positiven Christentum. Ich kenne die Lehre Jefu und bekenne mich zu ihr als evangelischer Christ. Ich bekenne aber gleichzeitig, daß mir die wahre Lehre Christi erst im nationalsozialisti- sch en Kampf auf gegangen ist, denn da habe ich erlebt, was es heißt: der Glaube kann Berge versehen. Weil wir den Glauben hatten, haben wir erreicht, was wir erreicht haben. Richt, weil wir redeten, sondern weil wir positives Christentum leb- t e n hörte Deutschland auf uns. Die Liebe dem Räch'sten gegenüber sehen wir in die Tat um. als praktische Liebe zum Rächsten. den Gott uns gegeben hat, den Volksgenossen der deutschen Ration. Mußten die Konfessionen nicht einen solchen Staat mit Freuden begrüßen? Was aus der Lehre des gewählt und alle drei Jahre zu je einem Drittel erneuert. Das erste Drittel, die Rubrik A, umfaßt die Departements mit den Anfangsbuchstaben A bis G, das zweite, Rubrik B, von H bis O und das dritte, Rubrik C, von O (zweite Hälfte) bis Y. Dieses Mal ist die dritte Rubrik dran, in der sich das Departement „Seine" befindet. In diesem Departement der Pariser Vorstädte stehen sich eine rechtsgerichtete Einheitsliste mit dem Ministerpräsidenten Laval an der Spitze und eine Liste der linksgerichteten „Volksfront" in erbittertem Wahlkampf gegenüber, dessen Ausgang für die innerpolitische Entwicklung in Frankreich außerordentlich bedeutsam ist. Die Senatoren werden nicht, wie die Kammerdeputierten, nach dem allgemeinen und direkten, sondern nach dem beschränkten und mittelbaren Verfahren gewählt. Es sind Kollegien von Wahlmännern dazwischen geschaltet, die in der Hauptsache aus d e n Generalräten der Departements (vergleichbar unfern früheren Provinziallandtags - Abgeordneten) und den Stadt- und G e m e i n d e r ä t e n zusammengesetzt sind. Die Kandidaten haben es daher leichter als ihre Kollegen von der Kammer. Sie brauchen sich nicht den Strapazen eines anstrengenden Wahlfeldzuges und großer Massenversammlungen zu unterziehen. Es genügt, wenn sie sich geruhsam mit den wenigen Wahlmännern ihres Bezirkes unterhalten und sie von den Vorzügen ihrer Person zu überzeugen versuchen. Man erzählt sich von dem früheren Staatspräsidenten Millerand, daß er ehemals allen seinen Wahlmännern einen persönlichen Besuch abstattete, auch denen, die sicher nicht für ihn stimmten. „Man kann nie wissen", erwiderte er den Fragern, die sich über feinen Elfer wunderten. _ .... Die Bewerber um einen Senatssitz müssen mindestens 40 Jahre alt sein. Tatsächlich sind die meisten Senatoren weit über 60, und Pierre Laval ist einer ihrer jüngsten. Man nennt sie deswegen auch Abgeordnete, die sich zur Ruhe gesetzt haben und den ganzen Senat ein „Parlament der Greise . Immerhin sind diese ehrwürdigen alten Herren weder politisch leidenschaftslos, noch ungefährlich. Sie haben schon manches Kabinett zu Fall gebracht, und gerade die bekanntesten Ministerpräsidenten sind von ihnen gestürzt worden (Herriot 1925, Tardieu 1930, Laval 1932 und indirekt auch Doumergue, der vor Jahresfrist zurücktreten mußte, da der Senat in die vorgeschlagene Staatsreform nicht einwilligen wollte). Als Ergebnis der kommenden Senatswahlen wird ein leichter Ruck nach links erwartet. Die Gründe dafür liegen teils in der wachsenden Opposition gegen die Notverord- nungspoIitiE der Regierung Laval, der allzu enge Bindungen an kapitalistische Auftraggeber oorgeroorfen werden, und teils in der Bundesgenossenschaft der antimarxistischen linksbürgerlichen Parteien und Gruppen mit den marxistischen Sozialisten und Kommunisten. Sogar der Ministerpräsident Laval ist sich seiner Wiederwahl im Seine- Departement so unsicher, daß er sich vorsichtshalber auch noch in seinem Heimat-Departement Puy-de- Döme als Kandidat hat aufstellen lassen, um nicht seiner parlamentarischen Grundlage, deren er bedarf, um Ministerpräsident bleiben zu können, verlustig zu gehen. Nationalsozialismus und Glaube. Reichsminister Kerrl spricht vor der Deutschen Akademie über seine Aufgabe An abessinischen Wachtfeuern. Die Berichte der zahlreichen ausländischen Korrespondenten, die sich auf dem abessinischen Kriegsschauplatz in beiden Lagern befinden, sind, was die tatsächlichen Meldungen anbetrifft, mit außerordentlicher Vorsicht aufzunehmen. Namentlich aus dem italienischen Lager wird darüber aeklagt, daß die Zensur sehr st r e n g sei und daß kein Bericht herauskomme, der die italienischen Auffassungen irgendwie kritisiere. Dies ist verständlich, denn keine Führung einer kämpfenden Armee wird es gestatten, daß über ihre Bewegungen und Absichten Meldungen verbreitet werden, die ihr schädlich werden könnten. Dennoch sind viele dieser Berichte sehr interessant, weniger wegen ihrer tatsächlichen Angaben, als wegen des Gei st es der Führung und der Truppe, den sie getreu widerspiegeln, sei es, daß sie selbst unter der Suggestion ihrer Umgebung stehen, sei es, daß sie das Wohlwollen der Zensur vorwegzunehmen suchen. So findet man in den ausführlichen Berichten des Korrespondenten des Pariser „Temps", der sich im italienischen Hauptquartter in Adua befindet, höchst anschauliche Schilderungen der Denkweise italienischer Offiziere und Soldaten, die auch die politische Situation interessant beleuchten, wie sie durch diesen größten europäischen Heereszug nach Afrika entstanden ist. Wir wollen hier nur eine kleine Episode herausgreifen, die Herr Gentizon an einem Wachtfeuer mit italienischen Offizieren zwischen Asmara und dem Mareb erlebte. Ein junger Leutnant schilderte die politische Situation Italiens und seiner afrikanischen Armee, wie sie sich in seinem Soldatenhirn spiegelt, etwa folgendermaßen: „Wir sind heute die zahlreichste, geschlossenste und mächtigste Armee, die auf afrikanischem Boden steht. Man kann nicht gegen uns an. Mag Genf alle möglichen Sanktionen verhängen, mag man den Kanal von Suez schließen, Afrika ist groß und reich. Nicht allein Abessinien, sondern auch Englisch-Kenya, der Sudan und Aegypten selb st liegen vor uns. Während des Weltkrieges hat sich der General von L e 11 o w - V o r b e ck mit 10 000 Mann vier Jahre in Tanganjika gehalten, ohne von Deufich- land Zufuhr zu bekommen. Er hal alle Mittel seines Widerstandes gegen drei Armeen aus dem Lande selbst bezogen. Wir vom italienischen Heer sind überzeugt, daß uns niemand unfern Weg verlegen kann." Dieses Gespräch hat auch ein englischer Korrespondent mit angehört. Welche Gedanken mögen durch den Kopf des Engländers gegangen fein, als er aus dem Munde dieses jungen un- bekümmerten italienischen Offiziers die Worte Kenya, Sudan und Aegypten hörte? Die Worte, die die eng- lifche Diplomatie so sorgfältig vermeidet und an deren Stelle sie den Begriff Völkerbund gesetzt hat. Gewiß ist es nur ein junger, politisch unverantwortlicher Offizier, der das Kind beim richtigen Namen nennt, denn auch die italienische Diplomatie beteuert, daß ihr afrikanischer Feldzug beileibe nicht gegen englische Interessen gerichtet sei. Aber niemand, weder in London, noch in Rom, glaubt ernstlich an diese Fassade, welche die'Diplomatie aufgerichtet hat. Die italienische Armee von 200 000 Mann, die auf afrikanischem Boden steht, weiß es besser, daß sie eine Bedra- hung Englands ist und eine solche sem will. Liegt in derWachtfeuerphantasie des jungen italienischen Leutnants eine politische und militärische Möglichkeit? Das Bespiel von Le ttow-Vordeck ist freilich nicht sehr überzeugend, denn es ist leichter, mit 10 000 Mann vier Jahre in Afrika zu leben und zu kämpfen, als mit 200 000 Mann. Aber hat sich nicht auch die Expeditionsarmee Napoleonsin Aegypten unter Kleber jahrelang gehalten, auch nachdem England die ftanzö- sische Flotte vernichtet hatte und alle Wege nach Aegypten beherrschte? Ist England, vorausgesetzt, daß es der italienischen Armee gelingt, Abessinien niederzuwerfen, in der Lage, abenteuerliche Züge dieses großen siegreichen Heeres zu verhindern, Unternehmungen, die sich auf den Besitz und die Beherrschung eines reichen Landes als Ausgangsstellung stützen können und einer fähigen und geroanb* ten Führung ungeahnte Möglichkeiten eröffnen? Es ist schwer, solche Möglichkeiten, die den Schein, . aber auch nur den Schein des Utopischen haben, in die Berechnungen der Wirklichkeit zu ziehen. Dennoch hätte England besser daran getan, dies rechtzeitig zu tun. Es hat tatenlos zugesehen, als Italien vom frühen Frühjahr an seine Truppen nach Afrika schickte und sie dort zu der gefährlichen Macht zusammenballte, die sie heute darstellt. Die Versuche, sie durch das Hebelwerk des Völkerbunds wieder ^urückzuführen, mußten mißlingen. Wied den Versuchen, wie sie jetzt wieder begonnen werden, sie von weiterem Kampf und Sieg abzuhalten, ein besseres Ergebnis beschieden sein? Das ist kaum anzunehmen. Der junge politisch unerfahrene Leutnant wird recht behalten; wir sind da und niemand kann gegen uns an. Die einzigen, die es vorläufig können, sind die Abessinier selbst. Wenn es ihnen nicht gelingt, dann beginnt für England der Kampf in Afrika gegen die „zahlreichste, geschlossenste und mächtigste Armee", die je auf dem Boden des schwarzen Erdteils und an den Grenzen des englischen Machtbereichs stand. Vom Kriegsschauplatz. Rege Fliegertätigkeit. — Es regnet wieder. Addis Abeba, 17. Okt. (DNB. Funkspruch). Die gestrigen Angriffe italienischer Flieger an der Nordfront wurden bis Amba Alatschi vorgetragen. Die Ortschaft wurde von mehreren Staffeln mit zahlreichen Bomben belegt. Nach abessinischen Meldungen soll das Bombardement zahlreiche Opfer unter der Zivilbevölkerung gefordert haben. Die Truppen hätten dagegen keine Verluste zu verzeichnen, da sie die Ortschaft vorher verlassen hätten. An der Südfront wurden die Aufklärungsflüae weiter fortgesetzt. Der Vormarsch der italienischen Truppen auf der Somalifront gegen Harrar ist nach Besetzung Genf, 16. Okt. (DNB.) Im Wirtschaftsausschuß der Sanktionskonferenz legte Eden einen Entschließungsentwurf über den Boykott der i t a l i e - nifchen Ausfuhr vor. Der Entwurf hat die Zustimmung der skandinavischen Staaten sowie Hollands, Belgiens, Rumäniens und Sowjetrußlands gefunden. Einige Länder, darunter Spanien und die Schweiz machten Vorbehalte. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt, da zunächst der Ausschuß für gegen- fertige Unterstützung befragt, d. h. die Frage der Entschädigungen geklärt werden soll. Der Antrag Edens hat folgenden Wortlaut: Die Regierungen der Dölkerbundsmitglieder v e r b i e - von Gerlo Gubi kurz vor Golahai wegen starker Regengüsse zum Stehen gekommen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß diese Regenfälle bis Ende November an halten. H a v a s meldet, italienische Flugzeuge hätten Taffara und Khatama in der Provinz Ogaden mit etwa 300 Bomben belegt. Dabei sollen fünf Personen getötet worden sein. Ein italienisches Flugzeug habe eine Notlandung in der Gegend von Ossa und ein zweites in der Gegend von Aski- Tafaro vornehmen müssen. Die Besatzungen seien gefangen genommen worden. Ein Teil der Truppen des Ras Seyoum habe den Takka^e-Fluß überschritten. Die Truppen des Ras Kassa hätten die Verbindung mit denen des Ras Seyoum hergestellt. Ein Gegenangriff zur Wiedereroberung der heiligen Stadt 21 tf um soll bevorstehen. Italienische Kamelaufkäufe in Britisch-Somaliland. London, 17. Okt. (DNB. Funkspruch.) Eine Reuter-Meldung aus Berbera (Britisch-Somaliland) besagt: Der Krieg hat günstige wirtschaftliche Folgen für Britisch-Somaliland. Die Italiener machen große Ankäufe, und zahlreiche Karawanen ziehen mit Waren nach Abessinien. Die Jta- liener kaufen Hunderte von Lastkamelen an. Am Dienstag fuhr das italienische Transportschiff „Marie Pompei" mit 250 Kamelen an Bord nach Maf- saua ab und man erwartet, daß es bald weitere Kamele abholen wird. Die Lage in der Kolonie ist im allgemeinen ruhig, doch werden Vorsichtsmaßnahmen getroffen, um mit dem Andrang von Flüchtlingen fertig zu werden. Jnternierungs- und Flüchtlingslager werden in aller Eile eingerichtet, um Kriegsteilnehmer beider Parteien und flüchtige Zivilpersonen aufzunehmen. Widerstand gegen die Gefährdung der Zusammenarbeit mit England und Italien wegen des jetzigen Streitfalles. Auch diese Kreise würden ihre Entscheidung zu treffen haben. Einige von ihnen, besonders die Faschisten, hätten bereits erklärt, sie seien entschlossen, lieber „auf die Straße zu gehen", als einen Zusammenstoß zwischen Franzosen und Italienern zu erleben, selbst, wenn England angegriffen werden sollte. „Daily Telegraph" sagt: Bei seiner Unterredung mit Laval habe der britische Botschafter u. a. gefragt, welche Rolle die französische Flotte bei einem italienischen Angriff auf die britische Mittelmeerflotte spielen werde. Laval habe geantwortet, daß er die Verpflichtungen des Absatzes 3 des Artikels 16 anerkenne, daß er sich aber nicht verpflichtet fühle, Beistand zur See zu versprechen, da es keine Erörterungen zwischen ihm und der britischen Regierung über militärische Zusammenarbeit gegeben habe. Es sei unzweifelhaft, daß die drei französischen Wehr- Minister eine enge Zusammenarbeit mit England als lebenswichtig für Frankreich betrachteten. Laval persönlich würde sich aber dafür entscheiden, die Zusammenarbeit mit Italien fortzusetzen, selbst für den Preis einer Entfremdung mit Großbritannien, da für das heutige Frankreich ein gesicherter Friede wichtiger fei als die Völkerbundssatzung. „Morning Post" berichtet, Lavals Antwort habe gelautet, wenn die britische Flotte von der itlieni- schen Flotte angegriffen werde, weil England wirtschaftliche und finanzielle Sühnemaßnahmen zur Anwendung bringe, würden die französischen Flottenstützpunkte England zur Verfügung stehen, und die französische Flotte würde die britische Flotte unter st Ütze n. Wenn dagegen ein Zusammenstoß infolge der bloßen Anwesenheit der britischen Heimatflotte im Mittelmeer oder infolge irgendeines Schrittes der britischen Regierung entstehe, der ohne Billigung des Völkerbundes getan worden sei, werde Frankreich s i ch nicht zur Unterstützung verpflichtet fühlen. dabei aber die Zurückziehung der englischen Flotte aus dem Mittelmeer. Die italienische Regierung habe aber außerdem wissen lassen, daß sie es a b l e h n e, unter der Drohung der Sühnemaßnahmen zu verhandeln. Englischerseits halte man den Zeitpunkt hingegen noch nicht für gekommen, wenn nicht inzwischen eine neue Sachlage dadurch eintrete, daß auch Italien an der libyschen Grenze Veränderungen vornehme. — „Motin" erklärt, weder England noch Italien widersetzen sich einer Regelung. Aber weder der eine noch der andere wolle seinen einmal gestellten Grundsätzen nachgeben. Frankreich werde von beiden Seiten aufgefordert, sich eindeutig zu erklären. Die Frage sei nur, ob man wirklich ehrlich das Werk der Versöhnung fortsetzen könne, wenn man für eines der beiden Länder Partei ergreife, deren Auffassungen scharf aufeinander stießen. Frankreich habe noch keine endgültigen Vorschläge unterbreitet. Wenn derartige Vorschläge überhaupt gemacht würden, dann würde dies im Rahmen des Völkerbundes erfolgen. Bis dahin werde man jedoch gut daran tun, die von verschiedenen Seiten in den Vordergrund gestellten Pläne mit größter Vorsicht aufzunehmen. ten die Einfuhr in ihr Gebiet für alle Waren, — außer gemünztem und ungemünztem Gold und Silber — die aus Italien oder den italienischen Besitzungen stammen, dort erzeugt oder hergestellt sind, ohne Rücksicht auf den Absendungsort. — Erzeugnisse ober Fabrikate Italiens oder der italienischen Besitzungen, die in einem anderen Land weiterverarbei- t e t worden sind, und Waren, die teils in Italien oder den italienischen Besitzungen und teils in einem anderen Land hergestellt sind, fallen ebenfalls unter das Verbot, es fei denn, daß mindestens 25 v. H. ihres Wertes beim Verlassen des letzten Versandortes auf Derarbeitungsprozesse fest dem letzten Verlassen Italiens oder der italienischen Besitzungen zurückzuführen sind. Waren, die Gegen st and laufenber Verträge finb, sinb von bem Verbot nicht ausgenommen, Waren, bie zur Zeit ber Verhängung bes Verbotes sich unterwegs besinben, werben von seiner An- roenbung befreit. — Bei ber Durchführung bie- ser Bestimmungen können bie Regierungen zur Erleichterung ber Hanbhabung unb unter Berücksichtigung ber normalen Transportzeit einen Stich- t a g festsetzen. Persönliches Gepäck von R e i s e n b e n , die aus Italien und den italienischen Besitzungen kommen, kann ebenfalls vondem Verbot befreit werden. Auch die Frage der gegenseitigen Unterstützung zwischen den die Sühnemaßnahmen durchführenden Staaten ist in dem hierfür eingesetzten Ausschuß behandelt worden. Es wurden verschiedene Vorschläge erörtert, die teils auf dem Grundsatz der rechtlichen Verpflichtung zum Ausgleich entstandener Schäden beruhten, teils davon ausgingen, daß allen billigen Ansprüchen durch entsprechende praktische Mittel genügt werden soll. Der spanische Delegierte beantragte die Schaffung einer Ausgleichs- stelle, die während der Dauer der Feindseligkeiten in Genf die nötigen Maßnahmen zur Umlagerung des Aus- und Einfuhrhandels der verschiedenen, an den Sühnemaßnahmen teilnehmenden Länder vorschlagen soll. Der rumänische Außenminister Titulescu beantragte, daß die die internationalen Verpflichtungen getreulich erfüllenden Staaten bei der Neuverteilung der Märkte, die durch die Ausschaltung des Vertragsbrüchigen Staates frei werden, einen Anspruch auf vorzugsweise B e - rücksichtigung haben sollen. Ein Vorschlag des griechischen Vertreters Maximos bezog sich auf die Schaffung einer Gemeinschaftskasfe, die die Verluste einzelner Staaten bei der Durchführung der Sühnemaßnahmen ausgleichen solle. Die Mittel hierzu sollen durch eine 2 - bis 3 pro - zentige Abgabe von dem Handel mit Italien aufgebracht werden. Das Waffenausfuhrverbot. Genf, 16. Okt. (DNB.) Die Sanktionskonferenz hat die ergänzte Verbotsliste für Waffen- fenbungen nach Italien angenommen. Der ungarische Vertreter enthielt sich ber Stimme. Bunbes- rat Motta erklärte zu bem Verbot ber chemischen und Brandwaffen, diese Kriegsmittel seien bereits durch das Völkerrecht verboten und sollten deshalb auch nicht nach Abessinien ausgeführt werden dürfen. Die Regierungen Polens, Griechenlands und Kubas haben mitgeteilt, daß sie der Entschließung über die Waffensperre Folge leisten werden. Der Vertreter D e n e z u e - l a s machte einen allgemeinen Vorbehalt hinsichtlich der Beteiligung seines Landes an Sanktionsmaßnahmen unter Berufung auf feine schlechte wirtschaftliche Lage. Er erklärte, es solle mit anderen als Gewaltmitteln eine Lösung des Streitfalles angestrebt werden. Hochbetrieb in den englischen Klugzeugfabriken L o n b o n, 17. Okt. (DNB. Funkspruch.) „Daily Mail" melbet: Das Luftfahrtministerium hat 18 verschiebene Typen von Militärflugzeugen ausgewählt unb bestellt. Bis zum Herbst 1937 sollen 2000 Flugzeuge gebaut werben, bie Flugzeugfabriken in ganz England sind organisiert worben, um biefe noch nicht bageroefene Arbeitsfülle zu bewältigen. Die Zahl ber Bestellungen ist so groß, baß die Fabrikanten gewisser Flugzeug-Typen einen Teil ihrer Arbeit unter Aufsicht des Ministeriums an andere Gesellschaften weitergegeben haben. Roosevelt besichtigt die Befestigungsanlagen im Panama-Kanal Neuyork, 16. Okt. (DNB.) Präsident Roose- v e l t befindet sich auf einer Besichtigungsreise durch den Panamakanal. Sein Augenmerk richtete er besonders auf die Befestigungengen und den erst kürzlich fertiggestellten Madbendamm, der zum Zwecke einer zusätzlichen Wasserversorgung des Kanals ungefähr in der Kanalmitte erbaut worden ist. Der Präsident besichtigte auch die in Fort Clay- ton liegenden Truppen ber Vereinigten Staaten. In Colon stattete ber Präsibent von Panama Roosevelt einen Besuch ab. Nach Beendigung der Besichtigung wirb Roosevelt wahrscheinlich noch einige Tage in Westindien verbringen, wo er sich mit Tiefseeangeln beschäftigen wird. Abbruch des Bergarbeiterstreiks in Wales. London, 17. Okt. (DNB. Funkspruch.) Nach einem Tage ernster Ruhestörungen im Streikgebiet von Süd-Wales hat am Abend des Mittwochs ber Bergarbeiter-Verband von Süd-Wales beschlossen, den „Streik unter Tage" für beendigt zu erklären unb die Bergleute anzuweisen, die Gruben zu verlassen. Dieser Beschluß erfolgte auf eine Mitteilung ber Zechenverwaltung, baß sie ihre brei Gruden schließen würde, aber zu Verhandlungen über bie Wiederaufnahme des Betriebes de- reit fei. Der Kampf stellte einen Protest gegen die Beschäftigung nichtorganisierter Arbeiter bar. Die Gesamtzahl ber Teilnehmer an bem Streik unter Tage war allmählich auf 1200 Mann gestiegen, wozu noch mehrere Tausend kamen, die einen Sympathiestreik über Tage begonnen hatten. Ein Teil ber in ben Gruben feiernden Arbeiter hat m e h r als 100 Stunben um unterbrochen in ber Tiefe verbracht. An- cheinenb findet der Beschluß des Bergarbeiter-Verbandes bei einem Teil der Angehörigen und Freunde der Streikenden keine Zustimmung, denn auf die Nachricht hin, daß die Streikenden die Gruben verlassen würden, versammelten sich tausende von Männern und Frauen um Mitternacht an ber Grube um zu protestieren. Kerkerstrafen gegen Sudetendeutsche. . B r ü n n, 16. Okt. (DNB.) In bem Prozeß gegen mer ehern. Mitglieber ber Kreisleitung ber aufgelösten Deutschen Nationalsozialistischen Arbeiterpartei in ber Tschechoslowakei würben brei Angeklagte föS. s§",ldig erkannt, „sich zu Anschlägen gegen die Tschechoslowakische Republik vereinigt zu Haven". Der Hauptbeschuldigte erhielt 13 Monate, zwei andere je ein Jahr schweren Kerkers mit Strafverschärfungen. Außerdem eine Geldstrafe von je tausend Kro- nen Sie verlieren die bürgerlichen Ehrenrechte und müssen die gesamten Prozeßkosten tragen. Der vierte Angeklagte wurde steigesprochen. Staatsanwalt unb Verteibiger werben bie Nichtigkeitsbeschwerbe und Berufung gegen das Urteil einlegen, so baß es erst nach bem Spruch bes Obersten Gerichtes rechtskräftig Japans Weg. Don unserem X W.-Serichierstaiier. (Nachbruck, auch mit Quellenangabe, verbotenl) Tokio, Enbe September 1935. Am 12. August wurde, wie seinerzeit durch Kabel gemeldet, in seinem Arbeitszimmer ber Generalmajor Nagata, Abteilungschef im Kriegsministerium, von bem Oberstleutnant Aizawa ersto - ch e n. Amtliche Erklärungen bezeichneten ben Fall als „einzig bastehend in der Geschichte ber Kaiserlichen Armee". Tatsächlich müssen auch schwerwiegende Gründe die Veranlassung zu ber furchtbaren Tat gegeben haben. Diesen Grünben nachzugehen, erscheint Pflicht ber Berichterstattung zu sein, da sie wesentlich zum Verständnis für den Geist im japanischen Heer beitragen, dann aber auch einen Einblick in gewisse geistige Strömungen in Japan gestatten, die man als „Nipponis- mus", dem Ausdruck schärfsten japanischen'Nationalismus', bezeichnet. Die „Nipponiften" verschiedenster Färbung streben nichts weniger als eine Art Restauration an, die „das heutige, von fremden, unjapanischen Einflüssen bedrohte Volk a u f den wahren Kaiserlichen Weg" zurückführen soll. Diese in ihrem Grundzug ohne Zweifel revolutionären Erscheinungen sind mit feinem wie immer gearteten Vorgang in anderen Ländern zu vergleichen. Wie die Meifi-Restauration 1868 eine Revolution von oben gegen die Herrschaft der Clans und Stammesherzöge (Shogune) war, so setzt die angestrebte Showa-Restauration eine Erneuerung von Staat und Volk unter dem jetzt regierenden Kaiser Showa voraus. Die Mordtat Aizawas ist nur zu verstehen, wenn man die in Japan herrschenden Zeitströmungen erkennt. In weiten Schichten der jungen Generation, besonders akfiv unter Studenten und Offizieren, aber auch stark verwurzelt in ländlichen Kreisen, freien Berufen usw., sammelten sich Gruppen, Bünde oder lose Gesinnungsgemeinschaften, die um die „Verwirklichung des ewigen un* endlicken und unabänderlichen Kaisergedankens" kämpften, deren ärgste Feinde die von unjapanischen Gedanken angekränkelten Personen und Erfcheinun» gen seien. Unjapanisch? Die Aktivisten sprechen sogar vom „Verrat am Kaiserlichen Gedanken", d. h. Verrat an allem, was den Aufstieg des kaiserlichen Japan im Kampf um die Führung in Ostasien und um das letzte Ziel: „Asien den Asiaten" beeinträchtigen könnte. Unjapanisch ist die Machtgier der politischen Parteien; unjapanisch z. B. die Unterzeichnung des ,chas japanische Volk entwürdigenden" Washingtoner Flottenoertrages; unjapanisch endlich der die Politik beherrschende Kapitalismus. Und in letzter Zeit gibt es ein besonders lehrreiches Beispiel: der bekannte Staatsrechtler Professor M i n o b e hatte gewagt, die japanische, vom Kaiser gegebene Versa s s u n g unter europäischem Gesichtswinkel zu erläutern. Er sagte kurz: Wenn im Arfikel V der Verfassung davon die Rede ist, daß der Kaiser seine gesetzgebende Macht in Ueberetn ft immun g mit dem Reichstag ausübt, so ist der Kaiser als „Organ des Staates" zu betrachten. Jahrzehnte beherrschte diese „Organ- theorie" die Hochschulen Japans, und es ist ein Beweis für die gerade in letzter Zeit anschwellende nipponistische Bewegung (man spricht von einem äußersten reaktionären Flügel), daß' plötzlich Minobe und seine Lehre aufben Jnbexgesetzt werden. Man begeht außerhalb Japans häufig ben Fehler, von parteipolitischen Schichtungen, etwa von „rechts" unb „links" zu sprechen. Es gibt aber in Japan feine Rechte ober Linke ober gar eine Mitte. Es gibt nur Nationalisten, bie man bestenfalls nach bem Grab ihres Kampfwillens um bie ftänbige Erneuerung bes Kaiserlichen Gebankens, bieses obersten Staatsgesetzes, unterscheiben kann. K o m m u n i - stische, sozialistische ober liberalistische Tenbenzen im Sinne „westlicher Anschauungen" haben wohl jugenbliche unb opportunistische Köpfe beschäftigt, aber nie Wurzel fassen können. Das ganze Volk beherrscht eine gefühlsmäßige Ablehnung aller von außen fommenben geistigen Strömungen, benen man bas echt japanische Wort: „gefährliche Gebauten" gegeben hat. Verstärkt wirb biefe Ablehnung burch politische Erwägungen: Japan befinbet sich in einer Gefahrenzeit, zu bereu Ueberroinbung alle Kräfte bes Volkes aufgeboten werben sollen. Japan ist bebroht von überlegenen Gegnern, bie Japan ben Aufstieg nicht gönnen unb bas japanische Volk mit allen Mitteln am Boben halten wollen. Flug- unb Denkschriften zeigen immer roieber ben „Kampf um Japans Selbstbehauptung" auf, ber Staat unb Volk zur „Entschlossenheit, zum Kampf- unb Siegeswillen" aufruft. Immer roieber wirb dem Volk eingehämmert: „Man versagt uns bie Gleichberechtigung (Flottenvertrag); man sperrt bie Grenzen gegen ben apanischeu Bevölkerungsüberschuß (Eiuwauberungs- zesetze in Norbamerika, Australien, in ben englischen Besitzungen unb Holläubisch-Jubien); man brosselt unsere natürliche wirtschaftliche Entwicklung (Han- belssperreu); man versagt uns ben gebührenden Anteil an ben natürlichen Hilfsquellen (Rohstoffe) ober an Sieblungslaub." ßeitgebanfe aller Aufrufe ist aber immer: Man mischt sich in bie Angelegenheiten ber Völker im Fernen Osten, an beren Spitze sich Japan als führeubes, ben Frieben Ostasieus ichernbes Volk gestellt hat. Es finb also zahlreiche Fragen, bie sich in bem Fernziel Groß-Japans ober barüber hinaus D ft a f i e n 5 mit China, Siam unb Manbfchukuo zusammenballen. Unerhört selbstbewußt ist bieses Ziel, für bas allein 100 Millionen Japaner eintreten, ür bas 30 Millionen Manbschukuos gewonnen wer- ben, unb zur Durchführung biefer Aufgaben wird leibenschaftlich um bie Seele von 300 Millionen Chinesen gerungen. Stolz, unnahbar unb abgeschlossen arbeitet bie Marine. Für sie gibt es keine „gefährlichen Gebauten", keinen Professor Minobe. In fast klösterlicher Abgeschiebenheit wächst bas junge Offizierkorps heran. Die Marine weiß, baß sie ben Großteil ber Verteibigung bes Vaterlanbes im weiten Raum des Pazifik zu tragen hat. Weber Mann noch Material werden geschont. Ein Sagenkreis hat sich um den Opfergeist des japanischen Seemannes gebildet; jeder weiß täglich neue, unerhörte Dinge zu erzählen. Wenn auch vieles übertrieben fein mag, so steht doch das eine fest: bie japanische Marine wirb einstmals em harter Gegner sein. Anbers bie Armee. Sie ist äußeren Einflüssen ^rker ausgesetzt. Manbschukuo, Norbchina, Korea mb Formosa beuten schon an, baß bie innere Ge- chlossenheit nicht in bem Maße wie bei ber Flott« gegeben ist. Der Kampf bes japanischen Geistes, Einflüsse von außen, wirtschaftliche unb soziale Fragen drängen sich an bie Führung und an bie Solbaten heran. Es wäre ein Wunber, wenn bas Heer von biefen Vorgängen unberührt geblieben wäre. Es würbe zu weit führen, gewissen Erschein nungen, die man nach unserem Begriff als Zuchtt Lavals Aussöhnungsverfuch gescheitert. England lehnt die Zurückziehung der Heimatflotte aus dem Mittelmeer ab. London, 17. Okt. (DNB.-Funkfpruch.) Reuter meldet aus Paris: Am Mittwoch um 20.10 Uhr machte der britische Botschafter Sir George Clerk dem französischen Ministerpräsidenten Mit- teilüng von der Entscheidung der britischen Regierung, auf Lavals Anregung wegen Zurückziehung der britischen Heimat f l o 11 e aus dem Mittelmeer mit einem bedingten „unmöglich" zu antworten. Vorher hatte Laval den italienischen Botschafter empfangen, der eine „k o n st r u k t i v e Antwort" von Mussolini auf Lavals Friebens- fühler überbracht haben soll. Es verlautet, daß der britische Botschafter erklärt hat, die britische Regierung könne es nicht in Erwägung ziehen, bie britischen Seesttzeitkräfte im Mittelmeer, bie bie Sicherheit gewährleisten sollen, zu vermindern, falls nicht ein gleichwertiger Schutz von Frankreich angeboten werde. Hierauf untersuchten Laval und der Botschafter die Lage, doch ist nicht bekannt, zu welcher Schlußfolgerung sie kamen. Man glaubt, daß Laval möglicherweise die Hilfe der französischen Flotte versprechen wird, um eine Trumpfkarte bei seinen Verhandlungen mit Mussolini zu haben. Die 'Erfolgsaussichten für die Versöhnungsbemühungen Lavals werden indessen in gut unterrichteten Pariser Kreisen als gering betrachtet. In einem Bericht des Pariser „Times"- Vertreters heißt es, die britische Regierung würde nur bereit fein, einen Vorschlag zur.Regelung des ganzen Streitfalles zu erwägen, falls die italienischen Truppen aus Abessinien zurückgezogen würden. Mussolini habe durch den Krieg feierliche Verpflichtungen gebrochen, was den Wert künftiger Versprechungen von vornherein vermindere. Laval stehe jetzt nach bem Fehlschlag seines Versöhnungsoersuches vor einer kritischen Entscheibung. Er werbe ben heftigen Wiber- ftanb vieler Franzosen finben, bie in einem Fehlschlag bes italienisch-faschistischen Abenteuers ben Tob ihrer eigenen Hoffnungen im Innern Frankreichs erblickten. Hinzu komme bie hartnäckige Weigerung eines großen Teiles ber französischen Oefsent- lichkeit, an bie Selbstlosigkeit ber britischen Beweg- grünbe zu glauben, und ein noch hartnäckigerer Zwiespältige Auffassung in Frankreich. Die Ansicht französischer Blätter geht bahin, baß Laval es erneut abgelehnt habe, entgegen den englischen Forberungen fest umschriebene Verpflichtungen zu übernehmen. Der englische Botschafter soll ben französischen Ministerprasibenten unterrichtet haben, baß bie englische Regierung eine Zurückziehung ihrer Flotte aus bem Mittelmeer für unangebracht halte, solange Italien neue Truppenverstärkungen nach Libyen senbe. Die englische Regierung sei außerbem ber Ansicht, baß jeder Versuch einer friedlichen Regelung des Streitfalles nur vor bem Völker- b unb möglich fei unb wenn Abessinien seineZustimmung bazu gegeben habe. — Das „Echo be Paris" behauptet, daß Laval sicher- neut geweigert habe, bie Folgen irgenb- welcher Zwischenfälle im Mittelmeer zwischen Englanb unb Italien zu tragen, weil Englanb sich vor ber Ergreifung biefer Maßnahmen nicht mit Frankreich ins Benehmen gesetzt habe. Gerabe auf dieser Auslegung beruhten bie ganzen französisch-englischen Schwierigkeiten. „Petit Journal" glaubt zu wissen, baß ber italienische Botschafter bie Bebingungen mitgeteilt habe, unter benen Italien bereit sei, bie Feind- feligfeiten in Abessinien einzustel- len, und zu verhandeln. 2In erster Stelle stehe Fortschreitende Arbeit des Genfer Sanktionsausschusses. Die Ein- und Ausfuhrsperre gegen Italien im einzelnen festgelegt. tattfindenden Reichsleistunaskampf der deutschen Studenten in Rittmarshausen bei Göt-1 und Aus aller Welt Am 17. Oktober erfolgt in Berlin durch Reichshandwerksmeister Schmidt die feierliche Einweihung des Hauses des deutschen Handwerks, womit dem gesamten deutschen Handwerk eine eigene Heimstätte gegeben wird. Das zwischen der Mittelund Dorotheenstraße im Zentrum der Reichshauptstadt gelegene Anwesen wurde bereits im Jahre 1888 als Armee- und Marineheim des ;abe ihres Eigendaseins. In Anerkennung ihrer elbstlosen Einstellung zum nationalsozialistischen Staat erteile ich hiermit den Mitgliedern der HI., )ie zugleich Angehörige der Deutschen Burschenschaft ind, die Erlaubnis, zum Wartburgfest am 18. Oktober 1935 zum letzten Male mit Band und Mütze in Uniform zu erscheinen." Gtudenterrlager Ettmarshausen. 74 v. H. Oer 9. November im Zeichen der deutschen Freiheit. München, 16. Oft. (DNB.) Der Traditionsgau München-Oberbayern, der vom Führer beauftragt wurde, die Vorarbeiten zur Durchführung der Feiern anläßlich des 12. Jahrestages des Schicksalsmarsches der Bewegung vom Burgerbräukeller zur Feldherrnhalle in Angriff zu nehmen, hat bereits feine Arbeiten begonnen. Der 12. Jahrestag des Schicksalsmarsches der Bewegung steht im Zeichen der vom Führer für alle Zotten wieder eroberten Freiheit des deutschen Volkes. Der 9. November 1935 gilt darum der Auferstehung der Helden in das neue freie Deutschland. Deshalb wird im Anschluß an den Marsch der alten Kämpfer vom Bürgerbräukeller zur Feldherrnhalle am 9. November 1935 Die Ueberführung der 16 Gefallenen in d i e Ehrentempel am Königsplatz erfolgen. Der Weg von der Feldherrnhalle bis zu den Ehrentempeln soll versinnbildlichen den Sieg und die Auferstehung der Gefallenen vom 9. November 1923 im Jahre der Freiheit. Auf dem Königsplatz findet zusammen mit dem Letzten Appell die Auferstehungsfeier der Gefallenen statt. Oer Heichsjugendführer zur Auflösung der Deutschen Burschenschaft. Berlin, 16. Okt. (DNB.) Der Reichsju- aend führet erläßt an die Hitler-Jugend folgenden Taaesbefehl: .,Am 18. Oktober 1935, dem historischen Tag des Wartburgfestes von 1817, wird die Deutsch- Burschenschaft auf der Wartburg chre Auflösung und Uebersuhrung in den National,azm- liititckien Deutschen Studentenbund verkünden. Mit M-f-L Schutt ist die Deutsch- Burschenschaft ihrer 120jähriqen Tradition treu geblieben indem sie zum Ausdruck bringt, daß oberster Grundsatz chres Handelns der Dienst am Volke ist, selbst unter Pr.VS' Das Haus -es Deutschen Handwerks Ein neues Wahrzeichen deutschen Aufbauwillens. men; er trat zurück. Oberstleutnant A i z a w a war vollkommen von dem Gefühl durchdrungen, im Sinne des Kaiserlichen Gedankens zu handeln. Auf feinem Wege nach Formosa, allem Anschein nach eine Strafversetzung, besucht er den Divisionskommandandeur, Prinz Fushiminomiya, der in hohem Ansehen bei den Soldaten steht. Er fährt nach Nara und betet an den Heiligtümern des Landes am Jfe-Tempel. In Tokio verrichtet er feine Gebete am Meiji- Tempel, verbringt die Nacht im Hause eines früheren Kameraden und schreitet am Morgen des 12. August zur Tat. Er bereut nichts, er ist ruhig und gefaßt. Täglich betet er im Militärgefängnis: er verneigt sich demütig in der Richtung des Kaiserlichen Palastes. Aizama stammt aus dem kärg- lichen Norden Japans aus Sendai, wo auch der greife Finanzminister Takahashi geboren wurde der mit dem Feuer der Jugend und der Abgeklärtheit seiner 86 Jahre seine letzten Kräfte dem Vaterland opfert. Ein tüchtiger Offizier, heißt es von Aizawa, ein strenger aber gütiger Vorgesetzter. Von seinem geringen Einkommen opfert er für die Soldaten, wo der ,'Schuh drückt". Ein fanatischer Diener seines Herrn. Nagata wird mit hohen Ehren zu Grabe getragen; die Trauer um den verdienten Offizier ist aufrichtig. Um den Täter ist Schweigen. Kein abfälliges Wort, kein Urteil. — Mitgefühl? Es ist schwer, in den Gedanken der japanischen Freunde zu lesen ... Niederlage der Minseito bei den japanischen Provinzialwahlen. Tokio, 16. Okt. (DNB.) Bei den Provinzial- wählen erhielt die japanische Regierungspartei Minseito nur 628 Mandate gegenüber früher 720 Die Seiyukai erhielten 670 (648), die von der Minseito abgesplitterte Gruppe Kokumin erhielt 32 Mandate (früher 52). Don den kleineren Parteien erhielten die Arbeiter 33 (14) und die sogenannten Neutralen 143 (82). Der Wahlerfolg der Seiyukai dürfte auf die nationalistische Einstellung dieser Partei in dem Kampf um die Kaiseridee zuruckzufuhren sein. - Die sogenannten F a s ch i st e n sind m der Partei der Neutralen vertreten ohne parteipolitische Bindung. Die Wahlbeteiligung betrug Göttingen, 16. Okt. (DNB.) Nachdem sich in der Zeit vom 27. September bis 4. Oktober d. I. die F a ch sch a ft s le it e r für Geschichte und Vorgeschichte der Deutschen Stuoentenschaft in Bremen versammelt hatten, wurde nun das erste Gesamtvorbereitungslager für den im Rahmen des Reichsberufswettkampfes denburg und des Führers und Reichs- j kanzlers Adolf Hitler. Beiderseits der t Ehrenhalle findet man ebenso geschmackvoll wie gediegen ausgestattete Repräsentationsräume, die für Tagungen, Sitzungen und Empfänge bestimmt sind. Auch ständig wechselnde Ausstel- langen sollen darin veranstaltet werden, in denen , die Leistungsfähigkeit und Qualitätsarbeit der Hand- ( werkszweige aller deutschen Gaue zum Ausdruck kommen. Die erste derartige Leistungsschau wird das deutsche Kun st Handwerk zum Gegenstand , haben. Dieser Ausstellung wird sich dann im Dezember eine Weihnachtsschau anschließen. Der große Ausstellungsraum mit der Front zur Dorotheenstraße verfügt über nicht weniger als elf S ch a u f e n ft e r, die für Werbezwecke besonders äieeignet sind. An die Ausstellungsräume schließt ich unmittelbar der Hauptsitzungssaalan, «essen mit Esche und Rüstern verkleidete Wände einen besonders anheimelnden Eindruck machen. Ein Kunstwerk für sich ist auch die Mittel- treppe, die auf ihrem ersten Absatz in gediegener Steinmetzarbeit den Meisterspruch trägt, nach dem am 28. Oktober 1934 von Braunschweig aus über den Rundfunk alle deutschen Handwerksmeister in örtlichen Versammlungen dem deutschen Handwerk verpflichtet wurden. Die Säulen der Mittelhalle selbst sind mit Keramik verkleidet und mit den Zeichen der fünfzig Reichsinnungsverbände geschmückt. Räumliche Rücksichten erforderten eine Verlegung der Haupttreppe an die Rückfront des Gebäudes, die Einziehung neuer Decken, Unterteilung der bisherigen großen Säle in zahlreiche einzelne Arbeitszimmer und endlich die Errichtung eines neuen Daches. Auch wurde zur Gewinnung neuer Räumlichkeiten das vierte Stockwerk ausgebaut. Die unter Denkmalschutz stehende Renaissance-Fassade des Gebäudes blieb hingegen erhalten. Das erste Stockwerk enthält die Geschäftsräume des Reichshandwerksmeisters und feiner Vertreter, sowie den mit Motiven aus dem wiederbefreiten Saargebiet geschmückten Saal der Landeshandwerksmeister und den Ehrengerichtshof des Deutschen Handwerks. Als Schmuck trägt jede Tür ein handgeschnitztes Stadtwappen. Auch eine eigene Bibliothek ist vorhanden. Der Verkehr zwischen den einzelnen Stockwerken und Arbeitszimmern wird durch einen selbsttätigen Fahrstuhl vermittelt. Als besondere Sehenswürdigkeit findet man im Keller des Gebäudes das sogenannte „Hindenburg-Zim- m e r", eine ehemalige Weinprobierstube des Deutschen Offiziersvereins, in dem gelegentlich Hindenburg, Ludendorff und andere berühmte Heerführer ; zu Gast waren. Man hat ausdrücklich davon abge- . sehen, diesen Raum zu verändern. Sämtliche Organisationen des Deutschen Hand- : werks haben durch Geld- oder Sachspenden zum , Gelingen des großen Werkes beigetragen und wer- - den daher auch bei der feierlichen Einweihung durch i eigene Abordnungen vertreten sein. Ein bleibendes . Wahrzeichen des deutschen Handwerks, soll das neue I Heim Generationen überdauern und der Nachwelt > Kunde geben von deutschem Aufbauwillen und neu - erwachter Schaffenskraft im Dritten Reich. Lln Jude wegen Sittlichkeitsverbrechen an feinet arischen Pflegetochter verurteilt. Wegen fortgesetzter Sittlichkeitsverbrechen an seiner jetzt 13V2jährigen arischen Pflegetochter verurteilte die 21. Strafkammer des Berliner Landgerichtes den 69jährigen Juden Adolf O b e r f k y aus Berlin zu 3 Jahren Zuchthaus und 5 Jahren Ehrverlust. Das geschändete Mädchen war nach dem Tode seiner Mutter im Jahre 1928 von den Eheleuten Obersky in Pflege genommen worden. Der Angeklagte gestand in der Verhandlung em, sich das letztemal vor etwa drei Jahren an dem Kinde vergangen zu haben. Strafverschärfend fiel gegen ihn ins Gewicht, daß er seine schweren Der- fehlungen an dem Kind unter Mißbrauch seiner E r z i e h e r e i g e n s ch a f t begangen hat. Durch falsches Zeugnis unschuldig verurteilt. In Mannheim beschäftigte sich das Schwurgericht mit einem Meineid und einer falschen Anschuldigung, wodurch der Vater eines damals erst zwölf Jahre alten Mädchens wegen Blutschande zu zwei Jahren Zuchthaus und wegen eines Vergehens gegen § 175 zu zwei Jahren einem Monat Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt worden war. 17 Monate 22 Tage hatte K. verbüßt, dann wurde er gnadenweise entlassen. Der 43 Jahre alte gesch. Karl Weber, der heutige Angeklagte, der bei dem Verurteilten wohnte, war mit der Tochter des K. auf der Polizei erschienen und hatte den Vater des Mädchens des sträflichen Umganges mit seiner Tochter auf Grund eigener Wahrnehmungen beschuldigt. Der Angeklagte beschwor seine Behaup- tungen und das Mädchen bestätigte trotz eingehender Belehrung und Verwarnung die Vorgänge. Der Verurteilte legte keine Berufung ein, weil er „rechtskundig" dahin belehrt worden sein soll, daß er bei der Beweislage keinen Erfolg haben werde. Erst als er entlassen wurde, setzte er alle Hebel in Be- weaung, um seine Ehre wieder herzustellen. Die Verhandlung ergab, daß die eidliche Behauptung des Angeklagten jeder Grundlage ent- b e h r t e , daß vielmehr e r das Mädchen mißbraucht hatte Dieses legte auch ein umfassendes Geständnis ab, der Angeklagte habe ihr Angst gemacht, sie käme in Fürsorgeerziehung, wenn sie die Wahrheit sage. Das Gericht sprach wegen Meineids und falscher Anschuldigung eine Zuchthaus st rafe von 6 Jahren und 10 Jahre Ehrverlust aus. Das Einsturzunglück in der Herniann-Göring-Gtraße. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. B e rlin, 16. Oktober. (DNB.) Die Justiz- Pressestelle Berlin teilt mit: Die Ermittlungen in dem Vorverfahren gegen Hoffmann und Gen. wegen des Einsturzunglücks beim Bau der Nordsüd-8-Bahn in der Hermann-Göring-Straße sind inzwischen mit allem Nachdruck gefördert worden. Nachdem ein Gutachten des von der Staatsanwaltschaft hinzugezogenen Sachoerständigengre- miums schwerwiegende Baufehler als Ursache der Katastrophe festgestellt hatte, war die Frage zu klären, wer von den am Bau Beteiligten im einzelnen die Verantwortung für diese Mißstände zu tragen hat. Mit der Durchführung dieser schwierigen und zeitraubenden Arbeit wurde Kriminalkommissar Moritz vom Polizeipräsidium Berlin von der Staatsanwaltschaft betraut. Es hat sich inzwischen weiter herausge- stellt, wie eine derartige Häufung der verschiedensten Fehler überhaupt möglich war. Das K o n - trollsystem der Reichsbahn über die vergebenen Arbeiten erwies sich an dieser Stelle als unzulänglich. Dies war um so verhängnisvoller als die Organisation der Berlinischen Bau- gesellschaft in keiner Weise den Anforderungen entsprach, die bei derartigen Spezialarbeiten an em Unternehmen gestellt werden müssen. Da sich inzwischen ergeben hat, daß der seinerzeit in Haft genommene Bauingenieur Joseph Karl Rath innerhalb der Berlinischen Baugesellschaft nicht wie auf Grund der ersten Vernehmungen angenommen werden mußte, technische r O b e r- bauleiter war, sondern daß seine Tätigkeit einen mehr kaufmännischen Charakter hatte ist er inzwischen auf Betreiben der Staatsanwaltschaft aus be r Haft entlassen worden. Gleichzeitig wurde heute Haftbefehl gegen den Reichsbahnoberrat Curt K e l l b e r g und den Reichsbahnbaufuhrer Wilhelm Schmidt erlassen und vollstreckt. Da die Verteidigung bereits jetzt ein umfangreiches Gegen- Gutachten angekündigt hat, mit dessen Fertigstellung frühestens in etwa drei Wochen zu rechnen ist, wird sich der Abschluß des Vorverfahrens trotz aller gebotenen Beschleunigung noch um einige Zett Der- zögern. Deutschen Offiziersoereins errichtet. Zum Zweck der Zusammenfassung der verschiedenen Handwerks-Organisationen unter einem Dach wurde das stattliche Dreifronten-Grundstück dann am 3. August 1934 durch den Deutschen Handwerks- und Ge- roerbefammertag zu Berlin käuflich erworben. Noch im Herbst desselben Jahres wurde ein großangelegter Umbau beschlossen, durch den sowohl dem Reichsstand des Deutschen Handwerks und der Reichsgruppe Handwerk, dem deutschen Handwerks- inftitut, dem Seminar für Handwerkskunde, als auch dem Handwerks- und Gewerbekammertag Berlin, dem Ehrengerichtshof beim Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertag und den Geschäftsstellen der fünfzig Reichsinnungsverbände Unterkunftsmöglichkeiten erschlossen werden sollten. Die Unterbringung dieser zahlreichen Handwerksorganisationen erfordert eine bis ins kleinste gehende Ausnützung der vorhandenen Räumlichkeiten und Einteilung nach den Grundsätzen der Zweckmäßigkeit. Daneben sollten jedoch durch den stattlichen Neubau auch das Können und die Gestaltungskraft des deutschen Handwerks unter Beweis gestellt werden. In seinem ganzen Aeußeren soll das Haus als monumentales Wahrzeichen des deutschen Handwerks in Erscheinung treten. Der Baulettuich gelang die Lösung dieses Problems in glücklichster Weise. Man betritt das Anwesen durch den vollkommen neu gestalteten Haupteingang an der Neustädtischen Kirch- straße, der von vier je 2,60 Meter hohen Handwerkerfiguren, einen Fleischer, Schmied, Schuhmacher und Zimmermann darstellend, gekrönt wird. Verschiedene Handwerkskammern haben für dieses Portal Kunstschmiedegitter mit eindrucksvollen Szenerien aus der deutschen Sagenwelt, die sich auf das Handwerk beziehen, geftiftet. Durch den allein schon ein Kunstwerk darstellenden Haupteingang gelangt man zunächst in die Ehrenhalle, die dem Andenken an unsere zwei Millionen Toten des Weltkrieges und an die für das neue Deutschland gefallenen Kämpfer gewidmet ist. Ein riesiges Glasfenster mit allegorischen Darstellungen trägt in markanten Lettern folgenden Leitspruch: „Geboren als Deutscher, gelebt als Kämpfer, gestorben als Held, auferstanden als Volk!" An dieser Stelle wird während der Einweihungsfeier durch Reichshandwerksmeister Schmidt der Schlußstein gelegt werden, der statt eines Grundsteines die bei öffentlichen Bauten üblichen Dokumente der Nachwelt überliefern wird. Der Schlußstein wird folgende Inschrift aufweisen: „Im dritten Jahr der Regierung Adolf Hitlers wurde dieses Haus durch den Opfersinn des deutschen Handwerks unter W. G. Schmidt geschaffen". In der Ehrenhalle fehlen auch nicht die kunstvoll in Stein gehauenen Büsten des verewigten Reichspräsidenten von Hin- Formgebung wird dem Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda unterstellt und arbeitet im enaften Zusammenwirken mit der Reichskammer der bildenden Künste. Olympiafchau der deutschen Automobilindustrie in London. Line Luthermaske für Soen hedin. Der schwedische Forscher Sven Hedin nahm während seines Leipziger Aufenthaltes von Vertretern des Deutschen Bibeltages, der seinen Sitz in Halle hat, die Luthermaske entgegen. Ausgezeichnet wurde damit nicht nur der große nordische Forscher, der glühende Deutschenfreund und vielgelesene Schriftsteller, sondern auch der warmherzige protestantische Christ, der sich nirgends in seinen Schriften verleugnet. Mit herzlichen Worten dankte der Gast und ließ sich die Geschichte der Luthermaske, die nach einem Original in der Halleschen Marienkirche entstanden ist, erklären. Sven Hedin ist der erste Nichtdeutsche, dem diese Auszeichnung zuteil wurde. Hans Schweißer (Uljötnir) zum Reichsbeauftraglen für künstlerische Formgebung ernannt. Der Führer und Reichskanzler hat auf Vorschlag des Reichsministers für Dolksaufklärung und Propaganda, Dr. G o e b b e l s, den Graphiker Hans Schweitzer (Mjölnir) zum Reichsbeauftragten für künstlerische Formgebung ernannt. Der Reichsbeauftragte für künstlerische losigkeit werten müßte, im einzelnen nachzugehen. Auch hier sind Vergleiche schwer zu ziehen, da es um das oberste Staatsgesetz, um den Kaiserlichen * Gedanken, keinerlei Meinungsverschiedenheiten gibt. Aber der Wille, in einer Restauration sich schützend vor angebliche Verfälschungen des „Kaisergedankens" zu stellen, findet in der Armee, besonders in den Fronttruppen, stärkeren Ausdruck, als beispielsweise in gewissen Kreisen des Bürgertums, die Nutznießer des unerhörten wirtschaftlichen Aufschwungs wurden und heute noch sind. Das erklärt die Tatsache, daß jüngere Offiziere AnschlußanBündeverschiedensterArt suchten, die eine führende Rolle in den Anschlägen der letzten Jahre auf führende Staatsmänner ober Kapitalisten spielten. Die Beweggründe? „Sie schädigten". so heißt es in den Vernehmungen, „Kaiser und Vaterland". So fielen die Ministerpräsidenten Hamaguchi und Jnukai, der Finanzminister Jnouye und der Finanzmann Baron Dan den Verteidigern des kaiserlichen Gedankens zum Opfer. Denkschriften und Flugschriften werden verbreitet, die die Beseitigung angeblicher Mißstände fordern, Jugendliche erscheinen bewaffnet vor dem Haus des Prinzen S c i o n j i und junge Offiziere verlangen Gehör beim Ministerpräsidenten Okada. Gerade in diesen Tagen wurden Vernehmungen über einen wohlvorbereitelen, aber in letzter Stunde vereitelten Anschlag auf Tokio abgeschlossen, in denen ehemalige Offiziere eine führende Rolle spielten. Ihre Anhänger nennen sich „Gottes- truppen", — von Gott gesandt, um das kaiserliche Japan zu schützen. Die Tat des Oberstleutnants Aizawa erscheint nun eher verständlich. Es heißt, daß er General Nagata schon dreimal ausgesucht hatte, um ihn „auf den rechten Weg zu bringen". Nagata soll zu einer Gruppe gehört haben, die, im Gegensatz zu der Gruppe des früheren volkstümlichen Kriegsministers A r a k i, „ehrgeizige und opportunistische" Ziele verfolgte. So wurde jedenfalls in Flugschriften und Zeitschriftenartikeln behauptet, die später verboten und von der Polizei beschlagnahmt wurden. Einer „neutralen" Gruppe soll der bisherige Kriegsminister H a y a s h i angehören, deren Bestreben es war, die politisierenden Gruppen aus dem Heere zu entfernen, ihre Führer zu beseitigen und so die Disziplin wieder herzustellen. Es ist müßig, darüber zu streiten, ob tatsächlich eine Art Gruppenbildung bestand. Jedenfalls hatte Kriegsminister Hayashi den Eindruck, daß er „die Kontrolle innerhalb des Heeres nicht streng genug durchgeführt hat, so daß der Anschlag auf Nagata mog- lich wurde". Dieses Verantwortungsgefühl konnte ihm nach japanischem Moralbegriff niemand abneh- tingen eröffnet. Hier haben sich etwa 80 Vertreter aller Hochschulen des Deutschen Reiches gefunden, um in gemeinsamer Arbeit Richtlinien für die verschiedenen Kampfgebiete herauszuarbeiten. Es werden u. a. der Siedlungsbeauftragte im Stabe des Stellvertreters des Führers, Pg. Dr. Ludovici, der Generalinspekteur für das Strahenbauwesen, Pg. Dr. Todt, und der Beauftragte des Reichsjugendführers für den Reichsberufswettkampf, Obergebietsführer Pg. A x m a n n, das Wort ergreifen. Auflösung des Allgemeinen Deutschen Waffenrings. Berlin, 16. Okt. (DNB.) Der Leiter des Allgemeinen Deutschen Waffenringes Pg. L a n g h o f f löste im Einvernehmen mit den Waffenstudentenverbänden den Allgemeinen Deutschen Waffenring auf. Um die Weltmeisterschaft im Schach. JmSchachwettkampfumdieWeltmei- st e r s ch a s t zwischen A l j e ch i n und Euwe kam in Rotterdam die sechste Partie zum Austrag. Euwe hatte die weißen Steine und spielte ein Damengambit. Die Partie nahm einen sehr interessanten Verlauf und endete schließlich nach hartem wechselvollem Kampf remis. Sie hat zwei Sitzungen in Anspruch genommen und beinahe neun Stunden gedauert. Der Stand des Wettkampfes ist: Aljechin 3, Euwe 1, remis 2. Reue Erdstöße in Tadschikistan. Die an der afghanischen Grenze gelegenen mittel- asiatische Republik Tadschikistan ist erneut vor. einem Erdbeben heimgesucht worden. Im Bezirk Towildorinsk wurden hierbei zwei Dörfer teilweise zerstört. Jngesantt sind im Erdbebengebiet seit dem 8. Oktober, an dem die ersten Erdstöße auftraten, 112 Leichen gefunden worden. 407 Menschen konnten als verletzt ermittelt werden. 12 Dörfer wurden dem Erdboden gleichgemacht. Zur Hilfeleistung für die betroffenen Gebiete sind auch Flieger eingesetzt worden. Don einem wütenden Affen gebissen. Ein siebenjähriger Schüler neckte in Kassel auf der Schaumesse den kleinen Affen eines Drehorgelspielers. Plötzlich wurde das Tier wütend und brachte dem Jungen außer Kratzwunden mehrere Bisse am rechten Arm bei. Der Junge mußte wegen der gefährlichen Wunden in Serumbehandlung gebracht werden. 50 Tote bei einem Fährbootsunglück in Aegypten. Bei Machamadi am Nil in der Nähe von Luxor ist ein mit 100 Personen besetztes Fährboot gekentert. Etwa 50 Personen ertranken. Getreidespeicher mit riesigen Vorräten eingeäscherk. Im Lagerhaus der Getteide-Lagerhaus-Genossen- schaft Eppingen (Baden) brach aus unbekannter Ursache Feuer aus, das sich mit rasender Schnel- ligkeit ausdehnte. Der Mittelbau und auch ein Anbau, in dem sich die Büroräumlichkeiten und weitere Speicher befanden, brannten vollständig nieder. Während der große Silobau, der erst vor einigen Jahren aus Eisenbeton errichtet wurde, von den Flammen nicht angegriffen werden konnte, wurden doch die dort lagernden Vorräte stark in Mitleidenschaft gezogen. Die riesigen eingelagerten Bestände in den anderen dreistöckigen Bauten wurden vom Feuer vollständig vernichtet. Angeblich sollen 48 Eisenbahnwagen Weizen, 300 Zentner Zucker sowie große Mengen Futtermittel, Mehl, Oel- kuchen in den einzelnen Räumlichkeiten eingelagert gewesen sein. Auch die zahlreichen Geräte und Maschinen wurden ein Raub der Flammen. Glücklicherweise gelang es, aus den Geschäftsräumen die Bücher und Papiere zu retten. Der Schaden soll nach bisherigen Schätzungen ungefähr 600 000 Mark betragen. Zwei Mörder zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht Lyck (Ostpreußen) verurteilte die Angeklagten Paul Hahnke und Viktor Forma n s k i wegen gemeinschaftlichen Mordes an dem Bauernsohn Erich Hoedtke zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte. Hahnke, der als jähzorniger Raufbold bekannt war, hatte oft Streitigkeiten mit Hoedtke. Nach einer Festlichkeit im März in dem Dorfe Rosengarten war Hoedtke, der mit feiner Braut an der Feier teilgenommen hatte, an einer Scheune mit einer Schnur um den Hals tot aufgefunden worden. Die Mordkommission fand die gleiche Schnur bei Hahnke und bei Formanski. Auf Grund dieser Indizien wurden beide überführt, den Mord an Hoedtke begangen zu haben. Zwei Todesopfer eines Autounglücks. Auf der Landstraße bei Grüna (Sa.) ereignete sich ein schweres Unglück. Ein mit vier Personen besetzter Kraftwagen fuhr aus nicht aufgeklär- ter Ursache in einer Kurve gegen einen Baum. Dabei erlitten zwei im Wagen sitzende Mädchen aus Grüna schwere Schädelbrüche, die den sofortigen Tod herbeiführten. Der Führer des Wagens wurde schwer verletzt, während der vierte Insasse mit einem Schlüsselbeinbruch davonkam. Absturz eines Bergsteigers. — Vom Gefährten 24 Stunden lang gesichert. Bei einer Klettertour am Stadlwandgrat im Schneeberger Gebiet stürzte ein Bergsteiger 30 Meter tief ab. Er wurde von seinem Gefährten am Seil gehalten. Einer Rettungsexpedition gelang es nach 24 Stunden schwerere Bergungsarbeit, zu den beiden vorzudringen. Während dieser ganzen Zeit sicherte der unverletzt gebliebene Bergsteiger seinen bewußtlosen Gefährten, Die Daimler-Benz-Werke, die feit 30 Jahren fn England vertreten sind, eröffneten in London eine große Olympiaschau. Direktor W e r l i n , der Leiter der Fachgruppe Fahrzeugindustrie, hielt eine Begrüßungsansprache und würdigte die freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen der deutschen und englischen Industrie. Rudolf Caracciola berichtete dann vor 50 englischen Pressevertretern und zahlreichen geladenen Gästen über feine Erlebnisse während der diesjährigen Rennsaison. Er erntete außerordentlichen Beifall. Den Mittelpunkt der Ausstellung bildet der Mercedes-Rennwagen, der bei acht Rennen dieses Jahres siegreich war von Presse und Publikum dicht umlagert ist. Heute früh 3 Uhr entschlief sanft nach langem schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Konrad Ludwig Seipp Ziegler im Alter von 73 Jahren. Im Namen der Hinterbliebenen: Elisabethe Seipp, geb. Harbach und Kinder. Lindenstruth (Ziegelhütte), den 16. Oktober 1935. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 18. Oktober, nachmittags 21/, Uhr in Lindenstruth statt. 5954 D im Alter von 39 Jahren. Im Namen der tieftrauernden Hinterbliebenen: Marie Artz und Kind Lang-Göns, den 16. Oktober 1935. Kaufmann und Schneidermeister Die Beerdigung findet Freitag nachmittag IV, Uhr statt. 5939 D nehmen. Wetterbericht 5944V für: fP« fern unb. für b, Vmch W noch beits Cchv werk (Eß hieß ihrer fojnm -es 91 Führe geeigi lismu W la hei 2000 Mt zur Ablösung e. ölufwcrt.»Hnpo- tbekperl.Jan.36 gesuhlt. Schrift!. Angeb. v. Selbst» gebet unt. 04448 andenGieß.Anz. SOM. sucht Arbeit, yeg. Sicherh.Schriftl. Angeb. u. 04444 andenGieß.Anz. Kleine Anielgen richten sich an Die Bevölkerung der engeren Heimat! Darum: Kleinan« zeigen in die Heimatzeitung, den BleßenerAnieiger Gebrauchtes 04489 Schlafzimmer billig zu verkauf. Asterweg 71 p. r. [Verschiedenes] ■Mara alle lästig. Haare, Lebemecken. Pickel, Sommer» spross, usw. end. u. Gar. I. immer ^rau B. Gulden Svrechst.s>reitag fließen, Alleenstraße 40 p. 9—7 Dhr durchgehend. De: bei l 500 9 aefun sehba Die s jo bi Bekanntmachung. Die äußeren Weißbinder» und Anstreicherarbeiten ScttM entlaufen 94443 Lindeuvlaiz 4. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenteilen Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An» zeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 35. 9929. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch» und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf» Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. StMUM Gießen «mD Kreitag, 18. Oft 20 bis 22.30 Uhr 3. Freit.-Abonn. Preise von 0.40 bis 2.50 Rm. letzte öffentliche Aufführung: Der Prinz von Homburg Schauspiel von Heinr. v. Kleist. 'Ein figen, durch altem nieur lange wirsch war fj Wagrotze Werth 'puren dem 5 batte, notf) \ . Da des 5 ihre Umzi >n M Auto Denk eines unter Da die * quiet] hachb ein ; harte [teile den 0 Dertoi rintf) Hch fc ander ies hinauf th S fr: Mein hbi Ä toeit 0 BetgeDung oon SttoBenUflnoröelteB. Die Arbeiten und Lieferungen für die Herstellung von fileinpflaffcr in der Ortsdurchfahrt Berstadt sollen auf Grund der Reichsverdingungsordnung im öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. 5942D Es handelt sich um die Lieferung von zirka 350 cbm Grundbausteinen, 50 m Randsteinen, 50 Sack Zement und zirka 900 t Pflastersand (Fluhsand); die Ausführung von zirka 4550 am Klein» Pflaster, 4900 qm Grohpflaster und Versetzen von zirka 50 m Randsteinen. Angebote können ab Freitag, den 18. Oktober 1935, während der Dienststunden auf unserem Geschäftszimmer abgeholt und die Bedingungen eingesehen werden. Die Angebote sind bis zum 24. Oktober 1935, vormittags 10 Uhr, bei uns Hitlerwall 371 portofrei im verschlossenen Umschläge mit der Aufschrift „2bi* gebot für die Ortsdurchfahrt Berstadt, Submission am 24. Oktober 1935" einzureichen. Die Eröffnung erfolgt in Gegenwart der etwa erschienenen Bewerber. Zuschlagsfrist 14 Tage. Gießen, den 16. Oktober 1935. Provinzialdirektion Oberhessen. Tiefbau. des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Im Bereiche feucht-milder Meeresluft hat sich bisher das überwiegend bewölkte und vielfach nebelige Wetter gehalten, wobei sogar leichte Regentätigkeit oon Norden her auch auf unseren Bezirk über« gegriffen hat. lieber Nordengland ist zur Zeit sehr heftiger Druckfall im Gange, so daß mit der Entwicklung eines kräftigen Teilwirbels im Nordseegebiet gerechnet werden kann. Dieser wird insofern Einfluß auf unser Wetter nehmen, als er wieder größere Lebhaftigkeit im Wettergeschehen bringen wird. Da dabei die Dunst- und Nebelbildung nachläßt, wird sich der Witterungscharakter freundlicher gestalten. Aussichten für Freitag: Veränderlich mit häufiger Aufheiterung, bei lebhafteren westlichen Winden im ganzen frischer. Aussichten für Samstag: Voraussichtlich noch Ueberwiegen des Hochdruckbereiches. Lufttemperaturen am 16. Oktober: mittags 13,5 Grad Celsius, abends 10,9 Grad; am 17. Oktober: morgens 11,5 Grad. Maximum 13,6 Grad, Minimum 8,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. Oktober: abends 10,5 Grad; am 17. Oktober! morgens 10,3 Grad Celsius. tvundung aus dem Auge verloren hatten und flh die sie durch eine gemeinsam vollbrachte Tat, durch das Erlebnis einer gemeinsamen schweren Stunde in ihren Träumen geknüpft waren, auch wenn der harte wache Tag die Erinnerung ausgelöscht zu haben schien. So stehen in den Briefmappen des Deutschlandssenders ganze Truppenteile, vergessene, in feiner Regimentsgeschichte verzeichnete Episoden des Weltkrieges wieder auf und helfen dazu, diejenigen, die einst als Brüder gelebt und gekämpft haben, wieder aneinander zu binden. Die Herstellung einer wahren Volksgemeinschaft ist nach des Führers schönem Wort in seiner Rede zur Eröffnung des Winterhilfswerkes der einzige „Krieg", den das nationalsozialistische Deutschland führt. Er muß mit allen Waffen und von allen Seiten geführt werden, wenn er gewonnen werden soll. Die neue Einrich» hing des Deutschlandsenders scheint uns eine solche ebenso neue wie wirksame Waffe zu fein. Qunft und Wissenschaft. Entsendung deutscher Künstler nach Rom. Der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Rust, hat die bildenden Künstler bestimmt, die vom 15. Oktober d. I. ab mit einem Barstipendium einen kostenfreien neunmonatigen Studienaufenthalt in der Deutschen Akademie (Villa Dassimo) in R 0 m erhalten. Es sind dies die Bildhauer Mar Haberselzer, Fritz Schwarzbeck und Philipp Flettner, die Maler Magnus Zeller und Erwin Merz sowie der Graphiker Hans Fischer. Ferner gehen die Maler Alfred Knispel und Wilhelm Gesser als Studiengäste nach Rom. Außerdem wird der Staatspreisträger der Preußischen Akademie der Künste, der Bildhauer Robert Stiel er, einen Studienaufenthalt in dem genannten Kunstinstitut 1. Wilhelmstraße Nr. 39, 2. Schützenstraße Nr. 9, 3. Wolkengasse Nr. 11 sollen öffentlich vergeben werden. Angebotsoordrucke sind bei der unterzeichneten Dienststelle erhältlich. Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift bis zum Dienstag, dem 22. Oktober 1935, vormittag, 10 Uhr. bei uns einzureichen. Gießen, den 17. Oktober 1935. Städtisches Hoch» und Tiefbauamt. Gravert. Gestern abend 9 Uhr entschlief sanft an einer im Kriege zugezogenen, schweren, mit grober Geduld ertragenen Krankheit mein herzensguter Mann, mein guter Vater, mein lieber Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Karl Artz Fahrt durch Kriegsitalien. Don unserem römischen E -Korrespondenten. Rom, Mitte Oktober. Gleichviel, ob man in Berlin oder Zürich i n den direkten Romwagen einsteigt, der Reisende schüttelt den Kops. Oder er sagt sich in Erinnerung an graue Kriegszeiten: Aha, fängt es schon an! Denn Der Wagen sieht aus, als stamme er schon aus der Ersatzreserve letzten Aufgebots. Einer jener alten, licht- und luftarmen Schachtel- waagons, die selbst die deutsche Reinmachefrau niemals sauber kriegt. Er enthält alle drei Klassen zusammen und selbst in der ersten weist die Bankreihe noch drei Sitzplätze auf, in der zweiten gar vier, die Fahrgäste dort kommen sich vor wie Die Zahnpasta in einer Tube. Zn der dritten empfindet man das lebhafte Bedürfnis,. das nächstemal als rechter Winkel geboren zu werden. Und so rollt das nun vom hohen Norden bis in den tiefen Süden, während daneben die freien, hellen, blonden Wagen der Reichsbahn ober die berglichten und blitzsauberen der schweizerischen Bundesbahnen laufen. Don den neuzeitlichen Speisewagen gar nicht zu reden. Es ist schwer verständlich, warum sich die sonst io rührige italienische Auslandspropaganda Diese fahrende Reklame entgehen läßt. Sie ist das erste, was im Ausland beachtet wird, die Eisenbahnwagen sind die rollenden Botschafter eines Landes, im Umgang mit ihnen formt sich der erste und oft bleibende Eindruck. Es kann daher nicht gleichgültig [ein, auf welche Wagen sich das reisende Publikum stürzt und welche es meidet. Als am Vierwaldstätter See ein Hochzeitspärchen einstieg, machte sich tiefe Enttäuschung Luft: Uje, nun händ' mr bitneib so'n Italiänncr verwutscht! Unb fuhren boch ins Land ihrer Sehnsucht. Aber das war schon immer so, der Wagen ist keine Kriegserrungenschaft. An der Grenze. Zn der seligen Jriedenszeit, so vor zwei, drei Iah- ren noch, starrte der Bahnhof Chiass 0 in Waffen, wenn ein Zug einlief. Dor jeder Wagentür pflanzte sich ein felbgrüner Mann auf unb ließ niemanb durch, bevor er nicht bie mehrfache Kontrolle hinter [ich hatte. Damals schworen die Reisenben darauf, daß sich Chiasso schon auf italienischem Boben befinde, benn wie könnte sich anders die Eidgenossenschaft ein so militärisches Bild gefallen lassen? Heute sieht man zwar auch noch febergeschmückte italienische Finanzer umherlaufen, aber bie Posten vor ben Wagenturen tragen bürgerliche Kleidung unb werden deshalb oon den Reisenden als Auokunftspersonen benützt. Gott, es gibt ja so viel zu fragen. „Dor allem in bezug auf bie Valuta I" Jeder drückt bas Schmerzenskind Währung an feine» Busen. Die Pässe wurden schon lange vorher eingesammelt, gerade als bie tiefliegenden Wolken hinter Bellinzona einen Blick auf ben Silberstreisen oon Locarno freigaben — man hat sie nach Lugano anstandslos zurückerhalten (immer ein Wunder, bah sich keiner unterwegs öerjäuft). Aber dos Gelb! Wie wirb biefer Kelch vorübergehen? Inzwischen kommt ein Gepäckträger unb holt unentgeltlich bie Koffer aus ben Netzen herunter, damit es auch bie zarteste Lady bequem unb keine Ausrebe habe. Die Zöllner tun einen Pflichtgriff in die liefe, fragen höflich, verabschieden sich höflich. Dann kommt der Geldwechsler und dann erst der Deviseaschreck. Was unb wieviel man an fremben *nb italienischen Gelbsorten einführe? Ein Schweizer, ber wie ein Hollänber aussieht unb auch von dort horkommt, kratzt sein bißchen Italienisch zusammen und bringt heraus, hundertfünfundsechzigtausenb Schweizersranken. Ehrfürchtig staunt ihn der Dem- fei,schreck an und geht mit einem zufriedenen Lächeln ab. Hinterher stellt sich heraus, daß der umfangreiche Erstkläßler 1650 hatte sagen wollen, s'isch ebe cheweschwer, das Italienisch, aber was tut’s, solche Devisenimporte sieht niemand ungern. Es stellte sich weiter heraus, daß der Devisenschreck auch im Interesse der Reisenden frägt, wie er sagt. Denn auf der Rückreise dürfe man nur 2000 Lire mit ins Ausland nehmen, es sei denn, man lasse sich den eingeführten Betrag bescheinigen. Wären es also wirklich 165 000 gewesen ... Daraufhin ließ ber Mann 200 Fränkli wechseln unb kriegte fast 1000 Lire bafür, währenb ihm nach bem Kurs nur etwa 800 zuständen. Und für die Lire kriegt man wieder auf ber rumänischen Bahn, wirft ein seufzenber Osteuropäer ein, 30 v. H. Auf- gelb. Man sieht, auch die Goldwährung ist etwas Relatives. Oie Zeitungen. Wie bem Deutschen jede wissenschaftliche Tat, so traut der Italiener auch heute noch dem Engländer unb Schweizer jebe Summe zu. Jetzt aber ist bie Stunbe gekommen, zu einem anderen Thema überzugehen Giornali! Giornali! Eine nach ber anderen fliegen bie druckfetten Kriegszeitungeh burchs Fenster. Unb man lieft unb staunt. Die Welt sieht auf einmal ganz anbers aus, zumal bort unten in Rom unb Abbis Abeba. Währenb ber Fahrt burch bie Schweiz würbe man ben Einbruck nicht los, baß bie Eibgenofsenschaft nicht bloß aus 22 Kantonen besteht, obwohl sie weniger Einwohner hat als Berlin, fonbern baneben noch 43 Parteien unb 86 politische Meinungen besitzen müsse. An den Kiosken wahllos Zeitungen zusammenkaufen, heißt ein Weltbild bekommen, das mit einer Kinderschlotter verzweifelte Ähnlichkeit hat. Auch ber Vergleich mit italienischem Salat wirb gestattet sein. Völkerbunb, Faschismus, Italien, Sanktionen, es gibt nichts, was nicht seine leiden- schastlichen Freunbe unb Feinde hätte. Dabei wird aber, mit wenigen rühmlichen Ausnahmen, alles, was heute draußen in der Welt vorfällt, durch bie innerpolitische Brille begutachtet unb kritisiert. Am einfachsten machen es sich die Mar- Als bas deutsche Frontheer nach vierjährigen ruhmvollen Kämpfen in die Heimat zurückgeführt wurde und sich bort auflöste, lebte in jebem Soldaten, ber seinem Führer ober Kameraden zum letzten Male zum Abschied bie Hanb schüttelte, der Wunsch unb ber Vorsatz, bie enge menschliche Verbunbenheit, die gemeinsam ertragenes Schicksal im Felbe geschaffen hatte, auch in den Frieden mit zu übernehmen. Das Fronterlebnis war das große stille Band, das bie Nation seelisch zusammenhielt, auch als Politik, wirtschaftlicher Zusammenbruch und moralische Schäden Deutschland hart an den Abgrund führten und auch viele menschliche Zusammenhänge lösten; aus dem Fronterlebnis allein sind die Kräfte zur nationalen Erneuerung erwachsen, und nach ihrem Durchbruch zur Führung des deutschen Schicksals in bie bessere Zukunft ist auch bie Sehnsucht ber Dielen roieber erwackt, die burch die Mühen und Verirrungen ihres Lebens in ber Nachkriegszeit bie Fühlung mit ben einstigen Kameraden verloren haben. Es ist für bas Söcrftänbnis, das die Leitung des Rundfunks ihrer Aufgabe entgegenbringt, der Volksgemeinschaft zu dienen, ein ehrendes Zei- riften: Italien muß den Krieg verlieren, damit der Faschismus fällt und mit ihm der noch viel verhaßtere Nationalsozialismus. Der Führer der eidgenössischen Sozialisten reimt sich das folgendermaßen zusammen: „Ein italienischer Krieg ist das Spiel um die Aufrechterhaltung des faschistischen Regimes in Europa, zunächst in Italien. Stellen sich bie Dölkerbunbsstaaten entschlossen auf bie Seite bes Rechts, bann verliert nicht nur Mussolini seinen Krieg, es verliert bas faschistische Regime seinen Kopf. Fällt aber bas faschistische Regime in Italien, bann ist auch der deutsche Faschismus er- schüttert." Ergo: Nieder mit Italien! In den Zeitungen des Landes, durch das nun ber Nachtzug rollt, hat ber Krieg ein ganz anberes Gesicht. Man sollte es nicht für möglich halten, welche Umwertungen ein Schlagbaum anrichten kann. Hier geht es auf einmal um einen Existenzkampf, um eine Weltmachtstellung, um Großbritanniens Flotte, bie ganze Erbe scheint in Aufruhr unb Umbruch besinblich. Nur eines ist unwesentlich: bie Parteienzänkerei. Die Zeitungen finb Kriegsrufe, Felbgeschrei, Schlacht. Schon vor einiger Zeit in ihrem Umfang stark beschnitten, um Papier zu sparen, haben sie kaum noch für anberes Platz. 3m Gespräch mit ben Leuten stößt man aber boch auch auf recht oerschiebene Auffassungen. Der gebilbete Italiener möchte vor allem wissen, roie man im Mus- Ian b bentt. Er hat seine Privatsorgen, gewiß, cs ist keine reine Lust zu leben, jeboch geht ihm bas Schicksal feines ßanbes im Ganzen näher. Er hat bas Gefühl ber Vereinsamung, bie ganze Welt sei gegen Italien, ob bas benn berechtigt sei? Ohne so weit zu gehen wie ber Englänber, der bie Frage nach Recht ober Unrecht bhnblings ablehnt unb für sein country eintritt, sucht ber nachdenkenbe Italiener Verteidigungsgründe, zweifelt unb möchte biese Zweifel vom Auslänber zerstreut haben. Der kleine Mann hingegen alaubt entroeber alles, was in ber Zeitung steht, ober gar nichts. Nun, denkt der fremde Reisende, morgen werden wir in Rom sein und damit Gelegenheit haben, die Volksseele tiefer zu befragen. Der Schnellzug hält jetzt merkwürdigerweise, wo er sonst nie gehalten hat: Florenz-Marsfeld. Ein paar Offiziere steigen aus. chen, daß sie diese mehr stille als ausgesprochene Strömung im deutschen Volke, im Fronterlebnis wieder enger zusammenzuwachsen, erfühlt hat und ihr eine praktische Möglichkeit zu^Verfügung stellt. Der Deutschlandsender hat eine neue Sonder- reihe in sein Programm ausgenommen mit dem Motto: „Kamerad des Weltkrieges, Kamerad im Kampfe der Bewegung (denn auch für diejenigen, die in den zehn Jahren des nationalsozialistischen Dorbereitungskampfes zusammenstanden und die das Leben wieder trennte, ist ein „Fronterlebnis" entstanden) wir rufen dich". An jedem Freitag, von 19.55 bis 20.00 Uhr, gibt der Sprecher am Mikrophon die Rufe nach verlorenen Kameraden durch den Aether unb leitet bie brieflichen Antworten an die Frager zurück, so daß die Verbindung wiederhergestellt werden kann. Schon nach der kurzen Einführungszeit kann man sagen, baß bie neue Einrichtung von den alten Soldaten des Weltkrieges und den Kämpfern der Bewegung freudig begrüßt und eifrig be- nützt wird. Viele Soldaten fragen nach ihren ehe- maligen Führern, deren sie sich in Dankbarkeit erinnern, viele nach Kameraden, die sie nach einer 23er- Stimmen -er Front. »Wir rufen Dich!^-Der Deutschlandsender im Dienst der Frontkameradschast Fahrradreparaturen bei fr'alirrnd - llornemann. Gießen, Sonnen st raße 5. s8i10a ” llnntfunktioiiM-<>cl macht widerstandsfähig u.wctter- harts Krttnterliaun JUNG, Faehgesch. f. naturgem. Lobens weise, in der Mäusburg. M06d Lehrling mit guter Schulbild. (fortbildungS- schulfrei) für baö Kontor eines diesigen Groß- und Kleinhandels- geschältes für sofort oder später gesucht. Schriftliche Angebote mit selbstgeschriebenem Lebenslauf unt. 5948D an den Gieß. Anzeiger erb. Frifeur- Laden mit kompl. Einrichtung ».Wohnung sofort oder spater -zu verrn. Schrift!. 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Würdig umrahmt war der Eröffnungsakt durch Darbietungen des Orchesters des Hochschen Konservatoriums, des Rundfunkchors und eines Sprechchors der Hitler- Jugend. Der Gauamtsleiter der NSB Bürgermeister Haug-Darmstadt hieß zunächst die zahlreich erschienenen Gäste, an ihrer Spitze Gauleiter Sprenger, herzlich willkommen und wies auf die eindrucksvolle Eröffnung des gesamten deutschen Winterhilfswerks durch den Führer hin. Gerade das Winterhilfswerk fei dazu geeignet, zu beweisen, wie sehr der Nationalsozialismus praktisch bereits Wurzeln geschlagen habe. Winlerhilfswerk heiße nichts anderes als die Tatwerdung des deutschen Sozialismus, es bedeute praktisches Christentum und Kampf gegen Zwietracht und Hader. So erkläre er jetzt an dieser Stelle die Gauarbeitsgemeinschaft aller Organisationen und Verbände für gebildet. Gauamtsleiter Haug gab dann anhand von Zahlen einen anschaulichen Ueberblick über die gewaltigen Leistungen des Winterhilfswerks 1934/35 in unserem Gau, die besser als Worte zeigen, wie sich die gesamte Bevölkerung in den Dienst der Volksgemeinschaft stellte. So wurden rund 550 000 Personen erfaßt, zu deren Betreuung ständig 12 000 bis 15 500 ehrenamtliche Helfer tätig waren. Gelegentlich erhöhte sich diese Zahl sogar weit über 100 000. An Lebensmitteln wurden wertmäßig annähernd 6 Millionen Mark ausgegeben, an Kleidern rund 5,7 Millionen Mark. An Gesamtwerten wurden im Tvinterhilfswerk 1934/35 insgesamt 18 700 000 2Nark an die hilfsbedürftigen Volksgenossen des Gaues Hessen- Nassau zur Verteilung gebracht. Zum Schluß seiner Ausführungen meldete Gauamtsleiter Haug dem Gauleiter, daß man bereitstehe und ihn bitte, das Winterhilfswerk unseres Gaues zu eröffnen. Gauleiter Sprenger sprach zunächst dem Gauamtsleiter, dessen Mitarbeitern und der gesamten Bevölkerung seinen Dank und den Dank der vom Winterhilfswerk Betreuten für die bisher geleistete Arbeit aus. Gerade weil es durch die Eigenart unseres Gebietes und seiner Wirtschaft vielleicht schwerer als anderswo sei, die noch vorhandenen Erwerbslosen wieder in den Arbeitsprozeß einzugliedern, sei es unsere Pflicht, diese Schwierigkeiten durch das großzügige Winterhilfswerk zu überbrücken. Es gelte, die Menschen so zu betreuen, daß ihre Arbeitskraft erhalten werde. Der Gauleiter verwies dabei auf das Lager bei L e h r b a ch im Kreise Alsfeld, in dem rund 500 Männer aus Notstandsgebieten Arbeit und Brot gefunden hätten. Auch im Westerwald solle in absehbarer Zeit ein solches Lager eingerichtet werden. Die Vorbereitungen hierzu seien bereits im Gange, so daß auch dort bald großzügige Meliorationen zum Segen der Gesamtheit in Angriff genommen werden könnten Als besonders erfreulich bezeichnete es der Gauleiter dann, daß sich diesmal alle Verbände in den Dienst des IBinfer- hilfswerks gestellt hätten. Er führte schließlich einige Fälle an, in denen gewisse Personen bzw. Kreise mit recht merkwürdigen Begründungen Gaben für das Winterhilfswerk ablehnten. Sie stellten sich durch dieses Verhalten außerhalb der Volksgemeinschaft und müßten die Konsequenzen aus dieser Sabotage ziehen. Wie sehr der Gedanke der Volksgemeinschaft trotz allem heute im deutschen Volke verwurzelt sei, das zeige eine Meldung des Landesbauernführers Dr. Wagner, wonach die Dauern Hessen-Nassaus diesmal 100 000 Zentner Kartoffeln mehr spenden werden, als im vergangenen Jahr. „Laßt uns nun, so schloß der Gauleiter, „g e = meinsam an d i e Arbeit gehen, das Werk gelingt, denn es ist das Werkdes Führers." Aus der proviuzialhaupistadt. Mein Mann bringt einen Tischgast. Männer sind im allgemeinen gastfreier als Frauen. Aus diesem Grunde ist der Mann auch fähig, der Frau kurz vor 19 Uhr mitteilen zu lassen, daß er um 20 Uhr einen Gast zum Essen mitbringt. Auf die Frau wirkt eine solche Eröffnung wie ein Donnerschlag. Der Mann aber freut sich seines Gastes. Entweder ist es eines jener Lebewesen, die unter dem Namen eines Geschäftsfreundes des öfteren für ein Alibi sorgen müssen, oder er hat am Stammtisch irgendeinen Zeitgenossen aufgelesen, der unbedingt mit nach Hause kommen muß. Er erwartet, daß der Eindringling mit freundlichem Lächeln begrüßt wird. Er will doch zeigen, was für eine reizende Frau er hat, die sich immer freut, wenn er irgend jemanden zum Essen mitbringt. „Nein, nein, meine Frau ist sogar unglücklich, wenn ich allein komme ..." Wohl ist der Tisch gerichtet. Die Kartoffeln sind schon geschnitten. Sie brauchen nur noch gebraten zu werden. Und zwei Schnitzel sind ja auch da. Die Frau rast unter allerhand Selbstgesprächen in die Speisekammer und holt eine Dose gemischtes Gemüse aus dem eisernen Bestand. Auch eine Dose Birnen muß geopfert und geöffnet werden. Sie überlegt sich, ob sie die Schnitzel durch die Wringmaschine drehen soll, um sie zu vergrößern! Sie kann doch jetzt auch keine frischen Kartoffeln mehr kochen! Dabei soll sie noch ein Abendkleid anziehen, den Ein Kleinod denischer Handwerkerkunst. Das erneuerte Rathaus in Büttelborn seiner Bestimmung übergeben. LPD. Groß-Gerau, 16. Okt. Das althistorische Rathaus in Büttelborn, eines der schönsten und wertvollsten Bauwerke seiner Art, war in den letzten Jahren innen und außen immer mehr verfallen, so daß sich der Gemeinderat zu einer gründlichen Erneuerung entschloß. Nunmehr ist das herrliche Gebäude nach monatelanger Arbeit wieder in seiner alten Pracht erstanden und konnte in einem feierlichen Akt seiner Bestimmung als Rathaus wieder übergeben werden. Bereits im Jahre 1835 erfuhr das Rathaus eine zwar durchgreifende, aber leider verständnislose Erneuerung und Umgestaltung, denn damals zerschlug man die schönen fränkischen Erker und vernichtete alle Verzierungen. Das ganze Gebäude aber überzog man mit einem einfachen und nüchtern wirkenden Verputz. Doch das alte Eichenholz ließ sich diese Gewalttat nicht gefallen. Es arbeitete unter dem Verputz fort, der immer größere Risse bekam und schließlich mehr und mehr abfiel. Nun entdeckte man im Jahre 1903 erneut die Schönheiten dieses Fachwerkbaues und erneuerte sie. Auch das Wahrzeichen des Rathauses, ein Büttelborner Sauerkrautschneider, wurde am Westgiebel zwischen den Fenstern angebracht. DNB M HL* — .......P”' V.....■ Das althistorische RathausinBüttelborn. Inder Mitte zwischen den Fenstern der „Büttelborner Sauerkrautschneider". (DNB.-Heimatbilderdienst. Photo: Krämer.) Tisch neu decken, während er mit dem Einbrecher — als solcher wird er in ihren Selbstgesprächen bezeichnet — sorglos rauchend im Herrenzimmer sitzt. Nebenher fragt er dann auch noch, wer den Kognak ausgetrunken hat. Wenn aber bann endlich aufgetragen ist, ballt sich erst das Schicksal in dunklen Wolken zusammen. Ihre Augen wandern unruhevoll von Teller zU Teller, ob es auch reicht! Zwischendurch muß sie ihrem Mann einen leichten Fußtritt versetzen — in diesem Falle tut fie es gerne und mit Nachdruck —, daß er nicht zweimal von dem mehrfach zerkleinerten Schnitzel nehmen soll. Er merkt aber gar nichts. Im Gegenteil: Mit der ihm angeborenen Dickfelligkeit fragt er: „Möchtest du etwas?" Er unterläßt auch nicht, den Gast immer wieder aufzufordern, doch zuzugreifen, obwohl nichts mehr vorhanden ist. Und wenn diese Tortur vorüber ist, wird am Tisch noch geraucht, und die Frau muß erleben, wie die Asche auf ihr schönes Damasttuch fällt, wobei sie aber lächelnd zu sagen hat: „Ich bitte, das macht doch gar nichts!" Dann darf fie abdecken, während er sich ausnahmsweise in den Keller bemüht, um ein paar Flaschen Wein zu holen. Er bringt gerade jenen Wein, den sie für Sonntag aufbewahren wollte, wenn Meiers zum Essen kommen! Später darf sie noch Kaffee bringen, wobei sie sich überlegt, daß sie noch eine halbe Stunde aufzuräumen und zu lüften hat, wenn der verehrte Gast endlich so gnädig sein wird, um Mitternacht aufzubrechen. Das alles vermag die Frau noch zu überstehen. Es treibt aber der Katastrophe zu, wenn der Mann zwei Gäste mitbringt, von denen der eine die Ehefrau des andern ist! „Es find so reizende Leute, — die mußt du kennenlernen ...!" Es gibt viele Frauen, die sich in solchen Augenblicken nach Handgranaten sehnen! M. Ä. Bornotiren. Tageskalender für Donnerstag. NSG. „Kraft durch Freude": 14 bis 18 Uhr allgemeine Körperschule auf dem Universitätsfportplatz; 17.30 bis 18.45 Uhr: Reichssportabzeichen auf dem Universitätssportplatz; 21 bis 22 Uhr: Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Königswalzer". — Oberheffifcher Kunst- verein, Turmhaus am Brandplatz: 16 bis 17 Uhr Ausstellung friesischer Maler der Gegenwart, Kleintierplastik von Lily König. Eporkamt »Kraft durch Freude". Neue „KdF."-Sportkurse. Für die Kurse: Reiten, Hallentennis, Kleinkaliberschießen, Ski-Trockenkursus können noch schriftliche oder persönliche Anmeldungen auf dem Sportamt, Schanzenftraße 18, abgegeben werden, lieber die Kosten und den Beginn der Kurse kann ebenfalls Auskunft auf dem Sportamt erteilt werden. heute folgende Kurse: Allgemeine Körperschule, für Frauen und Männer. Von 16 bis 18 Uhr, Universitäts- Sportplatz. Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Don 20 bis 21 Uhr und von 21 bis 22 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26. Zu diesen Kursen ist keine vorherige Anmeldung erforderlich. Reiten. Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Gesund und froh durch Leibesübungen mit „Kraft durch Freude"! NIVEA CREME Aus der Kmdheiisgeschichte der Autos. Don Heinrich Hauser. Ein historischer Besuch. * Eines Tages stand ich im Dachgeschoß eines riesigen, vielstöckigen Fabrikgebäudes; Dämmerlicht fiel durch ergraute Scheiben, es roch nach Leder, nach altem Maschinenöl, nach Mottenpulver. Der Ingenieur im weißen Kittel, der mich begleitete hatte lange nach dem rechten Schlüssel suchen müssen. Unwirsch und knarrend brach die Eisentür auf;, es war sichtlich lange niemand hier heraufgekommen. Was mich herführte, war ein Auftrag. Für eine große Automobilfabrik sollte ich so etwas wie em Werkspiel schreiben. Dazu gehörte auch em Aus- spüren der Tradition, ein Zurückverfolgen bis zu dem Tag, wo der alte Fbrikant sich entschlossen hatte, außer Fahrrädern und Nähmaschinen auch noch Automobile zu bauen. Da standen sie nun, die Saurier aus der Urzeit des Automobils. Man hat in letzter Zeit zuwellen ihre Bilder gesehen, man erlebt sie in historischen Umzügen, in der Ehrenhalle der Autoausstellung, in Museen. Aber es ist ein andres Ding, ein solches Automobil auf einen Sockel gestellt, gleich einem Denkmal anzufchauen, als ungestört in der Stille eines Bodenraumes an ihm herumzukramen wie unter anderem Gerümpel. Das tat ich und wurde dabei ganz unversehens in die Zeit der Väter versetzt. Die alten Federn quietschten, wenn man auf das Trittbrett trat, das hochbeinige Maschinentier begann zu schaukeln wie ein Kamel. Ich setzte mich ans Steuer auf die harte Lederbank und fand, daß ich genau die gleiche, steife Haltung einnehmen mußte, wie man sie auf Len alten Bildern sah. Augen und Gedanken folgten verwickeltem Gestänge und verirrten sich im Labyrinth des Vergasers, der viele geheime Gänge hatte. Ich schraubte eine messingne Acetylenlampe auseinander, ließ die Finger gleiten über handgeschmiedetes und handgefeiltes Metall, ich kletterte Stufen hinauf durch eine Einfteigtür im Heck des Wagens und thronte dort erhaben wie in einer Theaterloge. Ick kroch in einen Rennwagen des Jahrgangs 1908 hinein wie in einen Schlafsack und blickt- über -ine katb-dral-nhoh- Motorhaube; die V-ntilf-d-rn stachen durch die Abdeckbleche wie Stacheln eines Sta. chelfchweins. Von unten kam dumpfes Braten wie von -m-m weit entfernten Wasterfall; durchs Fenster sah ich di- spitzigen Glasdächer der Fabrikgebäude IN der Sonne blinken. Das gewundene Band eines Flusses glänzte, Schienen durchschnitten die Landschaft, ein Güterzug fuhr aus der Fabrik beladen mit neuen Automobilen und Planen; der Lokomotivrauch wischte wie ein Wattebausch über die Sonne. Es war sonderbar: Dort unter mir und unter den Glasdächern tobten die Maschinen, werkten 17 000 Arbeiter, liefen die Montagebänder, rollten ununterbrochen nagelneue, moderne Wagen ab — einige hundert Stück am Tag — und hier oben lag in staubiger Stille die Keimzelle, aus der das alles herausgewachfen war. Alte Kataloge. Ich blätterte in den alten Katalogen; elegante Damen mit Wespentaillen luden auf den Umschlägen lächelnd zum Besteigen messingfunkelnder Automobile ein. Ansehnlichen Herren mit ungeheuren Brillen wurde von sich verneigenden Chauffeuren der Schlag geöffnet. Man sah den Kaiser, den Zaren und den Prinzen Heinrich, das Baden-Baden von einst, und Homburg mit den Prinzen von Wales. Das Alles zeugte von sehr verschollenen Zeiten; verblüffend aber waren die Texte und die Werkzeichnungen um ihrer persönlichen Sprache willen und der völlig modernen Gedanken, die sie enthielten. 1898 hatte die Fabrik die Patente eines Hofschlosser- meifters gekauft, der schon 1896 Wagen baute und in seinem Prospekt hierüber schreibt wie folgt: „Patent-Motorwagen ,Pfeill. Der von mir nach neuestem System und durch Patente geschützte Motorwagen zeichnet sich durch geringes Gewicht, leichte Beweglichkeit, Einfachheit und billigen Preis ganz besonders aus. Derselbe legt in der Stunde bis 25 Kilometer zurück und überwindet Steigungen bis 12 v. H., je nach Wunsch des Käufers. Das Betriebsmittel ist ein Petroleum-Destillat und stellt sich der Verbrauch per Pferdekraft und Stunde auf 16 Pfennige. Der Betrieb ist absolut gefahrlos. Elektrische Akkumulatoren, Zündung mit Funken-Induktor. Die Lenkbarkeit des Gefährtes ist unübertrefflich leicht und schnell zu bewirken (Lenkkreis Durchmesser 6 Meter)" usw. Was hat nun damals so ein Wägelchen gekostet, das zwei Personen beförderte und einem Dogcart -iemlich ähnlich sah? — Wir machen uns im allgemeinen darüber ganz falsche Vorstellungen: „In diesem Modell liefere ich ein kleines, solid gebautes Gefährt (nicht vierrädriges Velociped) zum Preise von 2000 Mark und komme damit vielfach geäußerten Wünschen entgegen" — So schreibt der Hofschlossermeister, und er käme damit selbst unfern Wünschen noch entgegen, denn 2000 Mark sind auch heute noch ein außerordentlich billiger Preis. Wie fuhr nun so ein Modell 1896? Hierüber sprechen angefügte Zeugnisse: „Hierdurch bescheinigen wir dem Herrn Hofschlossermeister L., daß seit zwei Jahren ein Benzin- Motorwagen in unsrer Stadt und Umgegend verkehrt und daß sich derselbe in keiner Weise als hinderlich für den Verkehr gezeigt hat, da derselbe in bezug auf Lenkbarkeit, Fahren in jeder ae- wünschten Gangart und schnelles Anhalten sich bewährt hat und auch die Pferde sich an dessen Anblick bald gewöhnen. Dessau, Sept. 1895. Die Polizeiverwaltung." „... Ich muß sagen, daß mein Wagen in meiner vollständigen Gewalt ist, und ich kann ihn auf zehn Meter Entfernung anhalten, während ich zwanzig Kilometer fahre. Infolge feiner Leichtigkeit — Aluminium ist wo angängig angewendet — leibet meine Maschine wenig durch die Landstraßen. Es ist nur ein Hebel zum Langsam- und Schnellfahren sowie zum Anhalten notwendig." „... Herr Koosen aus Portsmouth (England) hatte am 9. September 1895 mit einem Motorwagen des Herrn L. eine Spazierfahrt durch die Stadt unternommen. Die Polizei erblickte darin die Benutzung einer Lokomotive auf öffentlicher Straße und stellte Mr. Koosen unter Strafe..." Von Jahreszeiten, Reifenfchäden und Polizei strafen. 1905 erscheint: stoßfrei Steuerung und ein „ganz geschlossenes, in einem Stück gefertigtes Stahlchasfis, das den Wagen nach unten vollständig glatt abdeckt". — Das ist ungefähr das modernste Chassis-Konstruktionsprinzip unserer eignen Zeit! Immerhin wird in der Einleitung noch gesagt: „Die Motorwagenindustrie geht Hand in Hand mit der Saison. Es liegt in der Natur des herrlichen Automobilsports, daß er nur während der besseren Jahreszeit zur vollen Entfaltung kommen kann... Wenn Mutter Erde ihren Winterschlaf beendet hat, erwacht er mit ihr zusammen zu neuer Blüte." Es gab aber nicht nur Kataloge in den Aktenschränken, sondern auch recht interessante Zusam- menstellungen von Betriebskosten aus der Vorkriegszeit. - ■ Das Auffallendste daran waren die vergleichsweise geradezu enormen Summen für Bereifung. Die Lebensdauer eines Reifens schien man 1913 mit 10 000 Kilometern zu bemessen, der Preis war ein Vielfaches des heutigen und die Pannen geradezu zahllos. Aus einer Zusammenstellung von Ueberlanbtouren ist zu entnehmen, baß durchschnitt- lich alle 50 bis 60 Kilometer eine Reifenpanne' auftrat. Ein Poften nennt sich „Strafgelder" und weist Summen von 3 bis 400 Mark auf! Hierzu wird geschrieben: „Das Automobil hat noch vielfach nicht nur unter dem Haß der großen Masse, sondern auch unter der Ungunst mancher Verwaltungs- und Polizeibehörden zu leiden. Mancher Polizeibeamte glaubt nichts Wichtigeres zu tun zu haben, als alle, seiner Ansicht nach zu schnell fahrenden Motorwagen zur Anzeige zu bringen. Etwaige Rechtsmittel hiergegen sind regelmäßig erfolglos. Man tut gut daran, die Strafen ohne weiteres zu bezahlen." ♦ Das Dröhnen der Arbeit unter mir verstärkte sich: die Tür war aufgegangen, der Ingenieur im weißen Kittel 'kam, mich abzuhvlen. Ich kroch heraus aus meiner fahrbaren Theaterloge, klappte die Haube wieder sorgsam über den zweizylindrigen Motor und stieg die Treppe hinab, — soviel Stufen, soviel Jahre, vom Beginn des Jahrhunderts ins Jahr 1935 hinein. Hochschulnachnchten. Professor Dr. Johannes Haller, der entpflich- tete Ordinarius für mittlere und neuere Geschichte an der Universität Tübingen, beging am 16. d. M. seinen 7 0. Geburtstag. Haller, der 1865 in Keinis (Estland) geboren wurde, begann feine akademische Laufbahn 1897 in Basel und wurde 1902 Extraordinarius in Marburg; zwei Jahre später zum ordentlichen Professor ernannt, wurde er 1904 an die Universität Gießen berufen und wirkte hier bis zu seiner Ueberfieblung nach Tübingen im Jahre 1913. Don Hallers zahlreichen Arbeiten nennen wir die über Heinrich den Löwen, über Kaiser Heinrich VI., über Deutschland und Rußland, über Bismarcks Friedensschlüsse, über die Aera Bülow, über den Ursprung des Weltkrieges, über die russische Gefahr im deutschen Hause, und über den Bildungswert der neueren Geschichte. Professor Dr. Wilhelm Hedemann, Ordinarius für bürgerliches Recht an der Universität Jena, hat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Leipzig abgelehnt. Professor Dr. Emil K i r s ch b a u m, Extraordinarius für chemischen Apparatebau an der Technischen Hochschule Karlsruhe, ist zum ordentlichen Professor in Karlsruhe ernannt worden. Aus parteiamtlichenBelanntmachungen Die Ortsgruppe Gießen-Nord veranstaltet am kommenoen Sonntag, 20. Oktober, 11 Uhr, im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, eine Vorführung des Films der Reichspropagandaleitung „Die Saat geht auf". Der Film, der vom Stabsamt des Reichsbauernführers hergestellt wurde, zeigt den deutschen Dauern, seine Arbeit, seine Seele, sein Schicksal und ferner das verhängnisvolle Judenproblem im Verhältnis zum Bauern. Eintrittskarten sind im Vorverkauf in der Geschäftsstelle, Walltorstraße 16, erhältlich. Weniger Sahne - dafür mehr Butter. Die Deutsche Milchwirtschaftliche Hauptvereini- gUng hat die Molkereien angewiesen, die Herstellung und den Vorkauf von Schlag- und Kaffeesahne um 40 Prozent ihrer bisherigen Erzeugung zu vermindern und die dadurch freiwerdenden Rahmmengen zu Butter zu verarbeiten. Dadurch tritt eine gleichmäßige Kürzung der Rahmbezüge für alle Sauwirtschaften, Cafebäckereien und Konditoreien ein. Diese vorübergehende Einschränkung des Scklag- sahneverbrauchs ist ein soziales Erfordernis, denn ehe der Kaufkräftige sich den Schlagsahnegenuß gestattet, muß der normale Fettbedarf der weniger kaufkräftigen Bevölkerung gesichert werden. Festtagsrückfahrkarten der Reichsbahn. Die Deutsche Reichsbahn wird zu Weihnachten 1935 und zu Ostern 1936 wieder Festtaasrückfahr- farten mit 33Vs v. H. Ermäßigung auflegen. Zu Weihnachten gelten die Karten, die für den gesamten Reichsbahnbereich ausgegeben werden, vom 20. Dezember 1935 (Freitag vor Weihnachten) 0 Uhr bis zum 3. Januar 1936 (Freitag nach Neujahr) 24 Uhr. Zu Ostern gelten sie vom 8. April 1936 (Mittwoch vor Ostern) 0 Uhr bis zum 16. April 1936 (Donnerstag nach Ostern) 24 Uhr. Die Rückreise muß am 3. Januar bzw. am 16. April um 24 Uhr beendet sein. In gleicher Weise wird auch die Geltungsdauer der Arbeiterrückfahrkarten zu Weihnachten/Neujahr verlängert. Zu Ostern bleibt die im Tarif vorgesehene Geltungsdauer der Arbeiterrückfahrkarten von zehn Tagen unberührt. Polizeibericht der Kriminalpolizeistelle Gießen. Unmenschliche Ellern. Arn 12. Oktober 1935 erhielt die Kriminalpolizeistelle Gießen von der Staatsanwaltschaft Gießen den Auftrag, bei den Eheleuten CH. Sch. in Burkhardsfelden Ermittlungen über angeblich vorliegende Mißhandlungen gegenüber ihrem 22 Jahre alten Sohne anzustellen. Den Beamten bot sich beim Erscheinen in der Wohnung ein trostloser Anblick. Der Erkrankte lag völlig abgemagert in einem total schmutzigen Bette, teilnahmslos im Zimmer umherschauend. Auf Fragen gab er keine Antwort. Das Kranken- und die übrigen Zimmer waren in größter Unordnung und schmutzig. Der sofort mit zugezogene Amtsarzt ordnete wegen großer Verwahrlosung schnellste Ueberführung in die Nervenklinik an. Aerztlicherseits rechnete man bei der Einlieferung des Kranken, der stark ausgehungert und in der Körperpflege total vernachlässigt war, auf ein baldiges Hinscheiden infolge der Unterernährung. Bemerkt wird, daß der bedauernswerte Mensch seit etwa 3 Jahren an Epilepsie leidet. Seit dieser Zeit ist er anscheinend ein überflüssiges Glied in der Familie. Von seinem Vater erhielt er nach einem Anfall noch Fußtritte und Schläge. Die Mutter, der die Pflege oblaa, die aber ihre Pflichten gröblich verletzt hat — sie zog u. a. erst einen Tag vor dem Einschreiten einen Arzt zu — wurde dem Amtsgericht zugeführt und in Untersuchungshaft genommen. Der Zustand des Erkrankten hat sich seit der Einlieferung bedeutend gebessert. Diebstähle. In der letzten Zeit wurden aus einer Leihbücherei etwa 100 Bücher, meistens Jugendschriften, aus einer Bude am Pferdemarktplatz ein Umhang aus grauem Segeltuchstoff, aus einem Ankleideraum des Universitätssportplatzes ein grauer, braundurchwirk- ter Herrenpullover und aus einem Keller des Kasernenneubaues in der Licher Straße drei 3 m lange, 1,5 Zoll starke Rohre gestohlen. In der Nacht vorn 4. auf 5. Oktober wurde im Seltersweg ein Schaukasten erbrochen. Personen, die über die Diebstähle sachdienliche Mitteilungen machen können, werden ersucht, der Kriminalpolizeistelle Nachricht zu geben. Heimabend der Hausgehilfinnen. Nach der Sommerpause hielten die vier Ortsgruppen der Kreiswaltung Gießen in der Reichsfachgruppe Hausgehilfinnen im Hause der Deutschen Arbeitsfront ihren gemeinsamen Heimabend ab, der gut besucht war. Bei Kaffee und Kuchen kam bald eine gemütliche Stimmung auf, die die Mädchen mit Handarbeiten ausnützten.• Der Kreiswalter der Fachgruppe der Hausgehilfinnen begrüßte die Mädchen, besonders diejenigen Hausangestellten, die nun auch den Weg zur Deutschen Arbeitsfront gefunden haben. Er ermunterte alle zu treuer Mitarbeit an dem großen Werk des Führers. Für das Winterhilfswerk sollen sie ihre Arbeitskraft einsetzen, indem sie gebrauchte Sachen ausbessern, oder neue Handarbeiten anfertigen. Diese Arbeit soll an gemeinsamen Heimabenden verrichtet werden. Nach einem Hinweis auf die Bedeutung der DAF. für die Hausangestellte gab der Kreisfach- gruppenwalter für jene Mädchen, die bei der Umgruppierung die Ummeldung zur DAF. nicht vollzogen haben, eine Vergünstigung bekannt. Alle diese Mädels können ihre alten Anrechte durch die nachträgliche Ummeldung und die Nachzahlung der geringsten Beiträge erwerben. Welch' große Bedeutung die DAF. für die praktische Fortbildung der Hausgehilfin besitzt, kam einleuchtend in dem Vortrag der Fachschullehrerin Wall zur Geltung. Die praktischen Schulungskurse im Kochen, Nähen, Krankenpflege und Säuglingspflege, die die Fachgruppe in den nächsten Wochen für alle 14- bis 20jährigen Hausgehilfinnen veranstaltet, sollen die Einzelne nicht nur mit praktischen Kenntnissen versehen, sondern auch durch eine Abschlußprüfung dazu dienen, den Beruf der Hausgehilfinnen auf die gleiche Stufe zu heben, wie z. B. den der Schneiderin oder anderer gewerblicher Art, so daß es auch Gesellen und Meistern unter den Hausgehilfinnen geben wird. Die jetzt beginnenden Kurse sind bereits die erste Vorbereitung dazu. Anmeldungen müssen sofort erfolgen. In längeren Ausführungen sprach der Kreiswal. ter der DAF. Pg. Wagner von der großen Bedeutung der Mitarbeit der Hausgehilfin am Auf- bauwerk des Führers. Er sprach von der anzustrebenden Hausgemeinschaft zwischen Hausfrau und Hausgehilfin in ihrer Bedeutung für die Volks- gemeinschaft, die von der Familie ausgehen muß, und von ihrer volkswirtschaftlichen und volkspoli» tischen Wichtigkeit. Solcher Erziehungsarbeit die- Aufmarsch der SA. Gruppe Hessen in Limburg. Stabschef Lutze kommt. Arn nächsten Sonntag, 20. Oktober, sind et in Limburg ein Aufmarsch der SA. der Gruppe Hessen in Stärke von etwa 25000 Mann ftatt, zu dem der Stabschef der SA. Lutze sein Erscheinen zugesagt hat. Um 14 Uhr wird der Stabschef im Rahmen eines Appells auf dem Marktplatz zu der SA. sprechen und anschließend den Vorbeimarsch auf dem Adolf-Hitler-Platz abnehmen. Am Abend findet sodann ein Appell der Führer vor dem Stabschef statt, dem sich ein Kameradschaftsabend anschließen wird. Verfügung des Landrats. Anläßlich des SA.-Aufmarsches am 20. Oktober in Limburg werden folgende Straßenstrecken von 10 bis 19 Uhr auf Anordnung des Regierungspräsidenten für den Durchgangsverkehr gesperrt: 1. Die Fernverkehrsstraße Nr. 8 Frankfurt a. M. —Limburg—Köln zwischen Lindenbolzhausen und Limburg (Brückenoorstadt). Die Umleitung erfolgt über Lindenholzhausen—Eschhofen— Mühlen—Dehrn—Dietkirchen—Limburg (Brük- kenvorstadt) und umgekehrt. 2. Die Fernverkehrsstraße Nr. 54 zwischen Freiendiez und Limburg. Die Umleitung des Verkehrs erfolgt in Freiendiez am Kriegerdenkmal über Diez—Aull—Staffel—Limburg (Brückenvorstadt) und umgekehrt. 3. Die Straße von Holzheim nach Limburg. Die Umleitung erfolgt von Holzheim über Freiendiez—Diez—Aull—Staffel. 4. Die Straße Kirberg—Limburg. Die Umleitung erfolgt über Zollhaus bei Mensfelden— Lindenholzhausen—Eschhofen usw. wie zu 1. 5. Die Straße zwischen Eschhofen—Limburg. Die Umleitung erfolgt wie zu 1 über Mühlen oder Lindenholzhausen. Der Landrat. Zeder Hilst dem Wmterhilsswerk! Macht Truhen und Schränke auf! lief vergraben In Schranken und Truhen liegen bestimmt noch Kinderkleidchen und wasche und Jäckchen, längst hat der Bub und das Alädel die Sachen schon ausgewachsen. Und draußen laufen Kinder herum, die haben kaum das nötigste zum Anziehen, und ein langer Winter steht vor der Tür! Liebe Mütter! wir Jungmädel aus Hessen-Nassau bitten euch ganz herzlich, guckt einmal nach in allen Schränken und Kisten und kramt die Sachen zusammen, die eueren Buben und Mädeln viel zu klein sind, aber bestimmt anderen Kindern passen, die sonst frieren müssen. Am Sonntag kommen wir Jungmädel zu euch und sammeln die Sachen ein, die ihr uns gebt für das Wlnterhilfswerk, zu dem der Führer uns alle aufgerufen hat. Liebe Bläffer! Suchf schon heufe aöes' zusammen! Macht weif die Truhen und Schränke auf und helff! Die Iungmädel in Hessen-Nassau. Ergebnis der Eintopf-Sammlung im Kreise Gießen. Die Elnfopssammlung vom vergangenen Sonntag erbrachte im gesamten Kreise Gießen (einschließlich Stadt Gießen und Gaststätten) den Betrag von etwa 8000 Wart. Einzahlungen für dasWmier- hilfswerk 1935/36 sind auf das Konto 2938 bei der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft. Zweigstelle Gießen, ober auf unser Postscheckkonto Frankfurt a. 2H. 16114 zu tätigen. Kreisamtsleitung Gießen der NSV. Bisher gingen folgende größere Spenden ein: Brauerei A. und W. Denninghoff 3000 Mk., Brauerei Jhring-Melchior, Kommanditgesellschaft in Lich 3000 Mark. GießenerVioiogen imFerienlager an derAordsee. Vortragsabend der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. Die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde hatte für den gestrigen Mittwoch zu einem Vortragsabend eingeladen, der von Professor Dr. Henneberg mit einem kurzen Hinweis auf die bevorstehenden Veranstaltungen eingeleitet wurde. Sodann sprach sofort Dr. W. Ankel über die Erlebnisse und Ergebnisse der Nordseefahrt Gießener Biologen und ihren Aufenthalt in einem Ferienlager auf der Insel Sylt. Er sprach zunächst in wenigen Worten grundsätzlich zu diesem Unternehmen. Die Exkursion galt in erster Linie, so führte er u. a. aus, der Ausweitung des Lebensbildes „Deutschland". Sie führte an die Nordsee, weil gerade dort Lebensbedingungen für Tier und Pflanze anzutreffen sind, wie sie an irgendeiner anderen Stelle unseres Vaterlandes nicht vorzufinden sind. Diese Lebensbedingungen sind extremster Natur. Eine bestimmte Fauna läßt sich nur an der Nordsee beobachten. Das Ferienlager an sich sollte die Möglichkeit schaffen, Kameradschaft zu erproben. Die Ergebnisse der Exkursion waren außerordentlich reich. Darüber hinaus waren den Teilnehmern starke Erlebnisse beschieden. Der Redner wandte sich nach diesen grundsätzlichen Worten der Landschaft zu, in der sich die Exkursionsteilnehmer zu bewegen hatten: zwischen Festland und Meer — im Watt. Das erste Ziel war Wilhelmshaven und der Jadebusen, in dessen Schlick die ersten Forschungen angestellt wurden. Den Wissenschaftlern wurde dabei tatkräftige Unterstützung durch die Marinebehörden zuteil und sie lernten dabei gleichzeitig die riesigen Anlagen, die Eisenbahnen hinaus in das Wattenmeer kennen, mit deren Hilfe der Jadebusen von dem in ungeheuren Mengen anfallenden Schlick freigehalten wird. In ausgezeichneten Lichtbildern zeigte der Vortragende nun auch interessante tierische Funde (Gelege der Tintenschnecke, eine Qualle, das Gelege der Zwergseeschwalbe, die Herzmuschel, die Seepocke ufro.). er schilderte das merkwürdige Landschaftsbild im Wattenmeer, die Halligen, sowie die Inseln und ihre Dünen. Nach einem kurzen Aufenthalt auf der Insel Wangeroog, nach einem Besuch der Insel Oldoog, führte die Fahrt nach Helgoland. Der Redner erzählte hier besonders von den für die Biologen so außerordentlich ergebnisreichen Fischzügen im Klip- penfelb der Westküste. Einen längeren Aufenthalt verbrachten dann die Gießener Biologen im nördlichen Teil der Insel Sylt, im Ferienlager Klappholttal. Eingehend schilderte Dr. Ankel die dortige Landschaft, den merkwürdigen Gegensatz von Dünen-, Heide- und Moor- landschast, die auf engstem Raume vereinigt sind und eine dementsprechend stark unterschiedliche Flora aufweisen. Den Gießener Wissenschaftlern galt aber als Wichtigstes der für sie so sehr ergiebige Weststrand, der eine unerschöpfliche Quelle für den Biologen darstellt, da dort Tier- und Pflanzenwelt in größter Reichhaltigkeit und verschiedensten Herkommen angeschwemmt wird. In einzigartig klaren Lichtbildern und aufschlußreichen Schilderungen bekamen die Zuhörer einen Eindruck von der an diesem Küstenstrich auftretenden Tier- und Pflanzenwelt. Mit Interesse hörte man auch von hem gegenwärtigen Stand der deutschen Austernfischerei auf Sylt, der die Exkursionsteilnehmer ebenfalls viel Aufmerksamkeit schenkten. Ein Ausflug nach der in dänischen Besitz befindlichen bekannten Vogelinsel J'orosand und die Streifen durch die Vogelschutzgelände — die sogenannten Vogelkojen — auf der Insel Sylt, rundeten das Bild der Exkursionsteilnehmer zu einer im Rahmen der zur Verfügung stehende Zeit möglichen Vollständigkeit. Ziel der Unternehmung war, so schloß Dr. Ankel den berichtenden Teil seines Vortrages, aus eigener Anschauung zu erkennen, wie sich in der weiten unbelebten Welt der Wolken, der Luft, der Winde, unter den extremsten Bedingungen die Tierwelt zu behaupten vermag, und damit das zu erreichen, was er die „Ausweitung des Lebensbildes von Deutschland" nannte. Mit Worten des Dankes an Rektor und Regierung, die der Exkursion alle notwendige Förderung angedeihen ließen, und mit dem Wunsche, daß es gelingen möge, für weitere Exkursionen einen Fonds zu schaffen, fand der mit großer Aufmerksamkeit verfolgte Vortrag seinen Abschluß. Im Anschluß daran war den zahlreichen Besuchern der Vortragsveranstaltung die Möglichkeit gegeben, die reichen Forschungsergebnisse in einer entsprechend umfangreichen Ausstellung zu besichtigen. Das, was der Vortrag an kurzen Hinweisen auf die Tier- und Pflanzenwelt an der deutschen Nordseeküste brachte, hatte in dieser Ausstellung vollendete Ergänzung gesunden. In vielen sorgfältigen Präparaten, den Ergebnissen einer eminent fleißigen Arbeit, hatte man die vielfältigen Erscheinungen tierischen und pflanzlichen Lebewesens vor dem Auge und konnte nicht zuletzt daran die große Bedeutung erkennen, die solchen Exkursionen beigemessen werden muß. Für viele Besucher der Ausstellung dürfte es eine große und angenehme Überraschung gewesen sein, daß viele Forschungsergebnisse ihren Niederschlag in wunderbaren Zeichnungen (Bleistiftzeichnungen und farbige Wiedergaben) fanden, die nicht nur hervorragend naturgetreu waren, sondern gleichzeitig großartig künstlerisch gesehen und wiedergegeben waren. Es fiel vielen Besuchern dieser anregenden Veranstaltung sichtlich schwer, sich von dieser aufschlußreichen Ausstellung zu trennen. nen die Heimabende, denen jetzt gemeinsame Abende mit den Hausfrauen folgen werden. Aus solcher Betätigung der Volksgemeinschaft wird auch das große Werk des Führers, das Winterhilfswerk, um das uns andere Völker beneiden, Nutzen ziehen. Erst wenn die innere Bereitschaft jedes Einzelnen, der Drang des Herzens ihn dazu bringt, mitzuhelfen, dann erst bahnt sich die große Volksgemeinschaft an. Das Winterhilfswerk ist die Beweisführung für das praktische und positive Christentum des Volkes. In ihm wird verwirklicht, was andere nur im Munde führen. Die packenden Worte des Kreiswalters fanden reichlichen Beifall. Kreisfachgruppenwalter Tipper besprach dann die große Werbeaktion zur Gewinnung der letzten Hausgehilfin für die Deutsche Arbeitsfront. Wo die Meldung nicht von selbst vorgenommen wird, werden Beauftragte von Haus zu Haus und von Familie zu Familie die Ermittelungen vornehmen und die Anmeldung veranlassen. * ** Arbeitsbeschaffung in Gießen. Das Städtische Hoch- und Tiefbauamt vergibt die äußeren Weißbinder- und Anstreicherarbeiten an Häusern in der Wilhelmstraße, Scbützenstraße und Wolkengasse. Interessenten mögen Die heutige Bekanntmachung beachten. ..** Das Schlageter-Ehrenkreuz wurde für seinen Einsatz für Deutschland als erster SA.- Sturmführer in Gießen und Vorkämpfer für die Bewegung dem August Weller, früher Klein- Linden, jetzt Bleichsttaße 18, verliehen. * * 40jähriges Dienstjubiläum bei der Reichsbahn. Am gestrigen 16. Oktober konnte der Reichsbahn-Lokomotivführer Emil Marx, Gießen, Bleichstraße, auf eine 40jährige Dienstzeit bei der Deutschen Reichsbahn zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden dem Jubilar vom Führer und Reichskanzler, dem Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn, sowie vom Präsidenten der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. Glückwunsch- und Anerkennungsschreiben durch Reichsbahnrat Nieder- straßer persönlich überreicht. * * Kurzschriftprüfung bei der Jndu- ftrie - unb Handelskammer Gießen. Die Industrie- und Handelskammer Gießen teilt mit, daß die nächste Geschäftsstenographenprüfung am (Sonntag, 17. November, stattfindet. Jeder junge Kauf- Reichsinnenminister Dr. Frick besuchte die Organi- sationsleitung des Winterhilfswerks in Berlin-Neukölln und die organisatorischen Einrichtungen des Deutschen Frauenwerks. — Unser Bild zeigt links Frau Scholtz-Klink, neben ihr Reichsminister Dr. Frick. — (Presse-Illustration Hoffmann-M.) mann und jede Stenotypistin, die diese Prüfung mit Erfolg abgelegt haben, erhalten hierüber ein Zeugnis, das für das Fortkommen im Beruf von großer Bedeutung ist. Man beachte die heutige Anzeige. * * Vergebung von Straßenbauarbei« t e n. Die Tiefbauverwaltung der Provinzialdirektion, schreibt in unserem heutigen Anzeigenteil die Arbeiten und Lieferungen für die Herstellung von Kleinpflaster in der Ortsdurchfahrt Berstadt aus. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen. * * Auf gehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Provinzialstraßen-Ortsdurch- fahrt Griedel wird von heute ab wieder aufgehoben. Giehener Vochenmarktpreije. * Gießen, 17. Okt. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (holländische Kühlhaus) Klasse B 11 bis IIV2, (inländische) Han- delsklasse B 12, C 11, Wirsing, das Pfund 6 bis 10 Pf., der Zentner 6 Mark, Weißkraut, das Pfund 4 bis 8 Pf., der Zentner 4,50 Mark, Rotkraut, das Pfund 8 bis 12 Pf., Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 20, Unterkohlrabi 5 bis 8, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 90 Ps. bis 1 Mark, Tomaten 10 bis 20 Pf., Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 35 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 6, Pilze 30 bis 45, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Falläpfel, das Pfund 5 bis 8 Pf., Aepfel 10 bis 28 Pf., der Zentner 12 bis 30 Mark, Birnen, das Pfund 10 bis 20 Pf., Zwetschen 18 bis 20, Nüsse 35 bis 40, junge Hähne 85 bis 90, Suppenhühner 70, Gänse 80 bis 90, Tauben, das Stück 50, Blumenkohl 10 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 5 bis 20, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bund 8 bis 15 Pf. Schöffengericht Gießen. Der Fr. B. aus Kesselbach wurde wegen Vergehens gegen die Paragraphen 186, 196 StGB, zu einer Gefängnisstrafe von einer Woche und zur Tragung der Kosten des Verfahrens verurteilt. Der Angeklagte schrieb am 6. Februar einen Brief an das Amtsgericht Grünberg, in dem er in Beziehung auf einen dortigen Richter eine nicht erweislich wahre Tatsache behauptete, die den Beamten in der öffentlichen Meinung herabzusetzen geeignet war. Eine weitere Sache wegen Beleidigung wurde durch eine Erklärung des Angeklagten W. St. aus Großen-Buseck, die an die Ortstafel angeheftet war, beigelegt. Der Angeklagte hat die Kosten des Verfahrens zu tragen. Ebenfalls wegen Beleidigung eines hiesigen SA.- Mannes, sowie eines SA.-Führers in Großen- Buseck wurde der O. B. daselbst zu insgesamt 5 0 Mark Geldstrafe sowie zu den Kosten des Verfahrens verurteilt. Gegen einen Angeklagten, der wiederholt nicht erschienen ist, wurde Haftbefehl erlassen. Kirche und Schule. Gustav-Adolf-Iest in Leihgestern. Der Zweigoerein des Dekanates Gießen feierte am Sonntag fein diesjähriges Jahresfest in Leihgestern. Festvrediger war Pfarrer Dr. Winkel- m a n n aus Offenbach. Vor und während des Krieges in Oesterreich elf Jahre als Pfarrer tätig, besonders in der Süd-Steiermark, führte er in dem Vormittagsgottesdienst die Schul- und konfirmierte Jugend in die Schönheit dieses Landes mit seinen Bergen und Tälern, in denen Glaube und Heimat eine unzerstörbare Einheit bilden. Die Zeiten der Gegenreformation ließ der Redner lebendig werden. Ebenso erstand - manches Bildnis seiner pfarramtlichen Tätigkeit vor den Augen der Zuhörer, ob es ein Gottesdienst, ober eine Beerdigung mitten im Winter hoch oben im Gebirge war. Immer war es die Treue zum Evangelium, zu ihrer lutherischen Kirche, die durch die Schilderungen durchklang, eine Treue, die sich gerade in der pfarrerlosen Zeit besonders bei diesen kernigen Gebirgsbauern bewährte. Der Hauptgottesdienst am Nachmittag stand unter dem Wort 1. Korinther 1,27 und Jes. 40,31. Die Nachversammlung eröffnete der Ortsgeistliche mit dem Wort aus der Epistel des Sonntags: „Seid fleißig zu halten die Enigkeit im Geist durch das Band des Friedens", als richtunggebend für die Arbeit des Gustav-Adolf-Vereins. Denn je mehr mir die innere Verbundenheit und Geschlossenheit der Heimat mit der evangelischen Diaspora des Inlandes und besonders des Auslandes (Memelland, Oesterreich, Siebenbürgen u. a.) erstreben, um so fester und treuer hielten diese Kämpfer draußen auf Vorposten die Wacht. Nach den Worten des Delons Sattler, der die Grüße des Dekanats Gießen überbrachte, erstattete Pfarker Becker (Gießen) den Jahresbericht. In lebendiger, fesselnder Weise entledigte sich der Redner seiner Ausgabe und konnte Oberheffen Nachdruck verboten! 19 Fortsetzung. Deutsche Volksgenossen! Wenn am 20. Oktober Kinderfäuste an eure Tür klopfen, dann öffnet und gebt ihnen von dem, was ihr an Kinder- kleidern und Wäsche entbehren könnt. Sie kommen im Auftrage bei Winterhilfe, die das von euch Gegebene der Volksgemeinschaft zuführen wird! Wilderling begrüßte Gerhard etwas verlegen und versprach etwas nervös: „Jetzt habe ich noch allerlei zu tun, aber ich besuche euch morgen, mein lieber Junge." Es klang, als sagte er: -alte mich nicht auf, ich habe keine Zeit! Ihm war es entsetzlich peinlich, Gretel Syden mit Gerhard Diendorf in einem Raum beisammen zu sehen. Gerhard Diendorf haßte ja ihren Bruder als den Zerstörer seines Lebensglücks, eine Vorstellung mußte um jeden Preis vermieden werden. Er stutzte, denn Gretel lachte eben vergnügt: „Sie werfen ja den Herrn Doktor förmlich hinaus und er ist doch so nett. Beim Eintreten hier haben wir uns nämlich angerempelt, der Herr Doktor und ich. Ich habe ihn zufällig derb in die Seite gestoßen und er hat nicht mal gebrummt. Er ist ein Verwandter von Ihnen, Herr Wilderling, er sagte es mir vorhin." Jutta von Syden lächelte ihr liebenswürdigstes Lächeln. , , . „Darf ich ine Herrschaften, ich meine, unsere beiden über Nacht berühmt gewordenen rheinischen Landsleute ein bißchen feiern. Ich bin um diese späte Stunde immer sehr unternehmungslustig, seit ich mit Gretel reise und bitte Sie herzlichst zu einem Glase Hejmatwein. Herr Dr. Diendorf, schlie- ßen Sie sich doch an. Als Verwandter von Herrn Wilderling gehören Sie auch ein wenig zum Rhein." „Natürlich schließt sich der Herr Doktor uns an", lachte Gretel und ihre tiefblauen Augen lachten auch. Gerhard Diendorf nahm mit einer Verbeugung an. Er war gekommen, um Konrad Wilderling zu begrüßen, und die Blumen hatte er in dem Sinne gesandt, wie es Bettina Hochwald aufgesaßt. Er hatte ihr noch einmal dafür danken wollen, daß sie in seiner bösesten Lebensstunde zu seinem Schutzengel geworden. Dem alten Musiker brach der Angstschweiß aus, weil nun Gerhard Diendorf und Gretel Syden gemeinsam an einem Tisch sitzen würden. Nein, das ging nicht an, das mußte verhindert werden. Das wäre geradezu toll, wäre unmöglich. Gerhard Diendorf und Hans Sydens Schwester an einem Tisch! Bettina beobachtete, wie der alte Herr sich mit allerlei quälenden Gedanken herumschlug. Sie wußte genau, was in ihm vorging und gab ihm einen Wink mit den Augen, sagte laut und mit, einem Lächeln: „Ich möchte gern ein paar Worte mit Herrn Wilderling sprechen. Wichtiges über das Konzert. Danach sind Mr gern bereit, uns ein bißchen feiern zu lassen." Er trat zu chr und sie zog rhn ein paar Schritte abseits, finsterte ihm zu: „Dr. Diendorf kennt den Zwischendurch sang der Gesangverein einige Lieder und Schulkinder sprachen turnerische und völkische Gedichte. Turner Hch. Eimer erzählte von der Turnfahrt nach Ober-Seemen. Den Mittelpunkt ber Veranstaltung bildete die Rede des Turnbruders Lehrer Becker, der den Zweck der Leibesübungen und die Daseinsberechtigung der leibesübungtreiben« den Verbände darlegte Danach zeigten die Turner und Turnerinnen noch Hebungen am Pferd, sowie Spruntzübungen. Den Schluß der Veranstaltung bil» bete bie Ansprache bes Ehrenvorsitzenden Lehrer B o p f. Er bankte im Namen bes Vereins, ben er lange Jahre geführt hatte, allen Beteiligten, sowie bem Lehrer Becker, ber bas Werk Bopfs, bie Turnerei in Groß-Eichen, mustergültig weiter führt. Ein dreifaches Sieg-Heil auf ben Führer unb bas gemeinsam gesungene Horst-Wessel-Lieb beschloß bie Kundgebung. Kreis Alsfeld. ll. Merlau, 16. Okt. Die beiden hiesigen Spar- und Darlehensgenossenschaften hielten im Saale von Hörle eine gemeinschaftliche Versammlung ab, in der der Zusammenschluß vollzogen wurde. Direktor Müller eröffnete die Versammlung. Revisor Rühl (Alsfeld) sprach über den Sinn unb Zweck bes Genossenschaftswesens der Festgemeinde nicht nur die frohe Mitteilung machen, daß sie bei den Gaben im abgelaufenen Jahr mit 143 Mark an der Spitze des Dekanats marschierte, sondern daß sich die Gesamteinnahme des Dekanats Gießen gegenüber dem vergangenen Jahr um 500 Mark gesteigert hätte. Zum Schluß führte Pfarrer Dr. Winkelmann die Gemeinde noch einmal nach Oesterreich, sprach über seine politische Entwickelung bis in bie Jetztzeit unb be» sonbers über bie Lage ber evangelischen Kirche, deren Glieder in der jetzigen Uebertrittsbewegung mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden hätten. Posaunenchor unb Kirchenchor stellten, wie immer bei berartigen Gelegenheiten, ihre Kräfte in den Dienst des Ganzen. Die zahlreichen auswärtigen Teilnehmer von Gießen und der Nachbargemeinden waren in ber Kaffeepause in ber Gemeinbe zu Gast. Die Festkollekte ergab ben Betrag von 68 Mark. Der Altar, am letzten Sonntag bes Erntebankfestes einzigartig geschmückt, am Nachmittag bas Ziel vieler Dorfbewohner, bot auch, biesmal von Gärtner Sänger (Großen-Linden) anläßlich einer am Samstag stattgehabten Hochzeit übernommen, ein bem Festtag würdiges, prachtvolles Bilb. Alles in allem ein schönes Fest. Zumal es auch äußerlich von ber warmen Herbstsonne am wolkenlosen Himmel überstrahlt war. Jahresversammlung des Hessischen Landesvereins für Innere Mission. = Butzbach, 16. Okt. Der Hessische Landesverein für Innere Mission hält am 27. unb 28. Oktober in unserer Stadt seine diesjährige Jahresversammlung ab. Sie wird mit einem Festgottesdienst am Sonntagmorgen in der Der Violinist, der ihr Bangen bemerkte, lächelte: „Sie haben es gerade nötig, sich im ßampenfieber abzuquäl-n. Ich g-st-h- es, als Sie mit aufs Pro- gramm kamen, war ich wenig zufrieden. Ich stellte mir nichts Besonderes von Ihrem Gesang vor. Rhei- ni ehe Lieder! Leichte Ware! dachte ich. Mumpitz! sie gehören nicht in den Konzertsaal. Und jetzt bin ich bekehrt. Ihr Gesang und die Lieder paßen m jedes Programm. Aber Sie haben meine Erfolge verdunkelt. Mit Ihnen zusammen mochte ich nicht mehr auftreten. Heute ist es das letzte Mal. Gott fei Dank! Verzeihen Sie, Fräulein Hochwald, aber das ,,©ott fei Dank" dürfen Sie mir nicht verübeln. Also gehen Sie frischen Mutes hinaus, Sie können auch hier Ihres Erfolges sicher fein." Konrad Wilderling lachte sie einfach aus. „Raus, Mädel, wir beide werden uns den ganzen, großen gefüllten Saal einfangen. Sie mit Ihrer Stimme, ich mit meinen Melodien. Ich habe schon Größenwahn und keine Angst mehr. Tun Sie's mir nach." Aber als er bann am Flügel faß und sein Vorspiel erklang, verwehte Bettinas Angst und sie sang die Lieder, die sie nun schon so oft gesungen und der Beifall blieb Liedern und Sängerin auch in Berlin treu. Blumen wurden ihr gereicht. Ein Korb weißer Rosen, ein Strauß leuchtender Nelken und wundervolle Chrysanthemen. Blumen hatte sie Überall erhalten. Sie stammten stets von dem Mu- sikverleger Peter Starke, der in fast allen Konzerten saß, in denen sie sang. Kurz vor bem Konzert tauchte er auf unb gleich nach bem Konzert ver- schwanb er roieber. Aber heute gab es noch brei andere Blumengrüße. Im Künstlerzimmer suchte Bettina nach Karten der Spender. Sie sand den Namen ber Gräfin Jutta, ben Gretels und fand den Namen Dr. Gerhard Diendorfs. Im Künstlerzimmer fiel Gretel Bettina einfach um ben Hals: „Mädel, du liebes, liebes Madel, was machst du für Geschichten Als wir von dem Konzert lasen, Großchen und ich waren mir mm- bestens fünf Minuten sprachlos. Und wie wirst du gefeiert!" St. Markuskirche eröffnet, in dem Pfarrer Sckmidt - Laubach die Festpredigt halten wird. Anschließend findet ein Feftkindergottesdienst statt. Am Nachmittag werden sich bie Helfer unb Helferinnen ber hessischen Kinbergottesdienste zu einer Arbeitstagung zusammenfinden, in deren Mittelpunkt ein Vortrag steht über die Frage „Warum und wie erzählen wir biblische Geschichte?" Der erste Tag wird mit einem Gemeindeabend abgeschlossen, in dessen Verlauf Berichte aus der Arbeit der Inneren Mission gegeben werden (Direktor Pfarrer Schneider- Nieder-Ramstadt über „Die Arbeit an Epileptischen und Krüppeln" und Schwester Irma Röhner über „Die Arbeit an Gefährdeten unb Verirrten"). Musikalische Darbietungen werben den Abend umrahmen. Der zweite Tag beginnt mit der geschlossenen Mitgliederversammlung (Rechnung, Voranschlag, Wahlen). In der darauffolgenden öffentlichen Jahresver- Versammlung spricht ber Leiter der Theologischen Schule, Pfarrer D. Brandt- Bethel, über das Thema „Wieherns Stellung zur Frage ber Vererbung unb Erziehung als Gegenwartsproblem". Direktor Röhricht- Darmstadt wird den Jahresbericht erstatten, an den sich eine Aussprache über Arbeitsfragen ber Inneren Mission anschließen wird. Die Hessische Hochschule für Lehrerbildung nach Darmstadt verlegt. LPD. Friedberg, 16. Okt. Die Hessische Hochschule für Lehrerbildung wird nach einer Entscheidung des Herrn Reichsstatthalters mit sofortiger Wirkung nach Darmstadt verlegt. Das Wintersemester wird bereits in Darmstadt eröffnet. NSDAP, statt, in der Kreisleiter Seipel, Friedberg, sprechen wird. $u dieser Versammlung wird das Erscheinen aller Angehörigen der Bewegung und auch der übrigen Volksgenossen erwartet. — Am gestrigen Mittwoch feierten der Landwirt Heinrich S ch e l d unb seine Ehefrau Margarete, geb. Mootz, das Fest dersilbernenHochzei t.— Zur Bekämpfung ber Obstbaumschäblinge hat bie Gemeinde an allen Gemeinde-Obstbäumen Klebgürtel anbringen lassen. § Mainzlar, 16. Okt. Die erste Eintopf- fammlung in unserer Ortsgruppe (Mainzlar, Daubringen und Staufenberg) erbrachte insgesamt 154,60 RM. Q] Queckborn, 16. Okt. In einer Versammlung sprach der Kreisamtsleiter der NS.- Volkswohlfahrt Pg. Kloß (Gießen) über politische Tagesfragen und anschließend über die Aufgabengebiete der NSV. Zum Schluß forderte der Redner auf, auch in diesem Jahre das Winterhilfswerk wirkungsvoll zu unterstützen. Als zweiter Redner sprach Jungbannführer T a e s l e r (Gießen) über die Hitler-Jugend, über ihre Aufgaben und Ziele. Ortsgruppenleiter Weber schloß die Versammlung mit dreifachem „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler. — Eine Honigsamm- lung, die von der NS.-Frauenschaft durchgeführt wurde, erbrachte fünf große Eimer Honig. Das Ergebnis ist um so erfreulicher, als nur bei den Mitgliedern der NS.-Frauenscyaft gesammelt wurde. ♦ Langsdorf, 17. Okt. Am kommenden Sonntagabend spricht hier im „Deutschen Haus" in einer öffentlichen Versammlung der stellv. Kreispropagandaleiter Heß über das Thema: „Gegen Staatsfeinde und Dunkelmänner unserer Zeit". Alle deutschen Volksgenossen werden zu dieser Versammlung erwartet. ■■ Musckenheim, 16. Okt. Die Kartoffelernte ist beendet. Man ist nun mit dem Ein- bringen der Dickwurz beschäftigt. Die Runkelrüben sind gerade in letzter Zeit noch stark gewachsen, so daß einzelne Stücke 13 bis 15 Pfund wiegen. # Bellersheim, 16. Okt. Landwirt Karl Schäfer von hier, dessen Scheuer im Nachsommer mit der ganzen ungedroschenen Getreideernte in Flammen aufging, hat eine neue Scheune errichtet, die mit allen Einrichtungen ihrer Vollendung entgegengeht. Nach altem dörflichem Brauch wurden Schwere« Autounglück in Lang-Göns. * Lang-Göns, 17. Okt. Am gestrigen Mittwochnachmittag stieß hier auf dem Kreuz das Personenauto des Lehrers Sch. aus Grünin- gen, das mit fünf Personen besetzt war, mit einem Lastauto mit Anhänger des Kalkwerkes Großen- Linden zusammen. In der Mitte der Straße wurde der Personenwagen am Hinteren Teil von dem aus Richtung Großen-Linden kommenden Lastwagen gefaßt und bis auf den gegenüberliegenden Fußsteig gedrückt. Dabei wurde die Frau des Lehrers Sck. in Grüningen schwer, doch zum Glück. nicht lebensgefährlich verletzt; nach erster Hilfeleistung durch den schnell herbeigeeilten Arzt wurde die Frau nach Nieder-Weisel in das Krankenhaus gebracht. Die übrigen Insassen kamen mit leichten Verletzungen davon. Der Personenwagen wurde so schwer beschädigt, daß er abgeschleppt werden mußte, das Lastauto erlitt nur geringen Schaden. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange. Landkreis Gießen. 00 Klein-Linden, 16. Okt. Im Caf6 Lutz hielt der Geflügelzuchtverein Klein- Linden eine stark besuchte außerordentliche Mitgliederversammlung ab. Es wurde beschlossen, die kommende Gauschau in Frankfurt a. M. mit einigen Nummern zu beschicken, ferner wurde ein Sonderbeitrag für den Ehrenpreisfonds der Gauschau genehmigt. Einstimmig wurde die Ueberroeifung eines Geldbetrages an das diesjährige Winterhilfswerk gutgeheißen. Die Mustersatzung für die der Reichsfachgruppe Ausstellungsgeflügelzüchter angeschlossenen örtlichen Ausstellungs - Geflügelzüchtervereine wurde einstimmig angenommen. Auf Grund dieser neuen Satzung mußte die Neuwahl des gesamten Vorstandes oorgenommen werden. Aus dieser Wahl ging einstimmig Züchter August Lenz als erster Vereinsführer hervor, während Züchter Gg. Lutz, nachdem er erklärt hatte, daß er unter keinen Umständen den Posten des ersten Vereinsführers angenommen hätte, ebenfalls einstimmig als stellv. Vereinsführer gewählt wurde. Zu der Ende Januar stattfindenden örtlichen Werbegeflügelschau wurden vorläufig etwa 60 Nummern durch die Mitglieder zugesagt. » wg. Großen-Buseck, 17. Okt. Am heutigen Donnerstagabend findet hier im Saale des Gastwirts Wilh. Wagner V. eine Kundgebung der MiWinMnBel Vornan von Anny von Panhuys Urheberrechtsschutz Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68. Gräfin Jutta in stumpfer grauer Seide mit paf- fendem Schal, dessen Enden begrenzt wurden von gediegenem hellgrauen Persianer, stellte fachkundig das Menü zusammen. Man aß, trank, (Stimmung wurde wach und wacher. Dr. Diendorf saß zwischen Bettina und Gretel. Er muhte manchmal lachen über die nette urwüchsige Art, in der die Komtesse redete. Es tat ihm gut, das Beisammensein mit frohen Menschen, er staunte, daß er lachen konnte, hatte er doch geglaubt, das vergnügte harmlose Lachen hätte er verlernt für immer. Und jetzt war es plötzlich wieder da. War wie ein frischer Luftzug nach enger Stubenhackerei, war wie ein kühler Trunk nach beschwerlicher Wanderung. 22. Kapitel. Loreley. Im Saale sprach es sich herum, wer der kleine Herr war, dem die grauen dicken Locken immer wieder in die Stirn fielen, und man erfuhr auch, wer die schöne Blonde war, die wie eine junge Nordlandskönigin da hinten am Ecktisch des kleinen Herrn faß und meist so ernst aussah, daß man ferst nicht zu glauben vermochte, sie könnte beim Singen der Rheinlieder zuweilen so hinreißend lächeln. Die kleine Hauskapelle wußte auch schon, wer heute hier zu Gast war. Der Kapellmeister hatte vor ein paar Tagen neue Noten gekauft. Es handelte sich um die erste Ausgabe eines Rheinlieder- Potpourris von Wilderling für Orchester arranaiert. Peter Starke arbeitete ja schon mit Hochdruck. Auch ein Band Lieder war bereits herausgekommen, gleich nach den ersten Konzerten. Der Kapellmeister legte die Noten auf, trat ge- schmeidig vor, rief überlaut: „Wir werden jetzt etwas zu Ehren von Bettina Hochwald und Konrad Wilderling spielen!" Still wurde es ringsum, kein Lachen, kein Wort mehr ward laut. Die beiden, die es am meisten anging, was der Kapellmeister eben verkündet, blickten sich erschreckt an. Waren sie schon so bekannt, daß sie hier in dem großen Berlin nicht einmal ein Stündchen ungestört in netter Gesellschaft verweilen konnten? Ueber dem Gesicht des alten Musikers lag jetzt ein heller Schein, der war wie Sonnenglanz. Sein Herz klopfte stürmisch vor Stolz und Gluck. Stolz und Glück des anerkannt schaffenden Künstlers, Stolz und Glück, die er in diesem Augenblick fast stärker empfand als je vorher. (Fortsetzung folgt!) Namen von Gretels Bruder noch immer nicht. Der Name Syden sagt ihm also nichts." Wie atmete der alte Wilderling da auf. Der Abend heute barg also keinerlei Gefahr, und Gretel Syden würde Dr. Diendorf wohl kaum jemals im Leben wiedersehen. Nachdem Wilderling und Bettina noch ein paar Reportern und Photographen standgehalten, auch Peter Starke war flüchtig aufgetaucht und wieder verschwunden, fuhr man in ein Weinrestaurant am Kurfürstendamm. Gräfin Jutta und der alte Musiker in der einen Taxe, in einer zweiten Dr. Diendorf mit den beiden jungen Damen. Bettina hatte ihre elegante Konzerttoilette anbehalten, sie trug sie ja heute zum letztenmal, in Berlin hatte ihr letztes Konzert stattgefunden. In der Garderobe des Restaurants legte man die Uebergarberobe ab, und als Bettina noch einmal, um Frisur und Aussehen zu prüfen, vor den großen Spiegel trat, stand hinter chr Gretel, sagte leise: „Du bist wunderschön, Bettinalein. Nun kennen wir uns von Kind an und ich habe das eigentlich gar nicht bemerkt bisher." „Wie ein radschlagender Pfau komme ich mir vor", gab Bettina zurück. „Ich hätte das Kleid nicht anbehalten dürfen, es paßt nur für mein Auftreten." Gretel kicherte: „Rede doch keinen Unsinn. Hier dürftest du noch mehr Damen in großer Abendtoilette finden. Doch wahrscheinlich wirst du auch hier die eleganteste, bestimmt aber die interessanteste Dame sein." Sie raunte ihr zu: „Du glaubst gar nicht, wie sehr ich dich bewundere, Bettina, ich bin ganz unbändig stolz darauf,* daß ich deine Freundin bin." Gretel trug ein hübsches Seidenkleid. Stahlblauen Grund Überstreuten weiße und rosa Feldblumen. Es war einfach gearbeitet und ließ Gretel noch jünger erscheinen als sie war. Man betrat den Hauvtspeisesaal, an den sich mehrere kleinere Säle anschlossen. Der Eintritt der Neuangekommenen erregte Aufsehen. Es waren ein paar Gäste hier, die das Konzert besucht hatten. Bettina fühlte die Blicke, die ihr entgegenkamen, peinlich. Jetzt stand sie nicht mehr auf dem Podium, jetzt sollte man sie nicht so anstarren. Sie dachte nicht daran, daß man sie erkannt hatte, schob die kleine Sensation, die sie hier erregte, lediglich auf das mattgrüne Samtkleid und dachte ärgerlich, sie hätte sich lieber doch erst umkleiden sollen. In einer Ecke des Saales nahm man auf Gräfin Juttas Bitte Platz. Man saß hier abseits und doch frei für jedes neugierige Augenpaar. durch die Ortsbauernschaft Stroh und Futterfrucht gesammelt, um dem Brandgeschädigten über bte schwerste Zeit hinwegzuhelfen. — Die Bautätigkeit hielt sich in diesem Jahre in normalen Grenzen. Neben verschiedenen Um- und Anbauten an Wohnhäusern und landwirtschaftlichen Gebäuden wurde in der Bahnhofstraße ein neues Einfamilienhaus errichtet. — Der Obstabsatz war dank der guten Obsternte hier sehr rege. Auswärtige Aufkäufer holten in Lastautos das Fall- und Schüttel- obst und zahlten 3 bis 5 Mark je Zentner. Besonders gefragt waren Zwetfchen, für die noch 10 bis 12 Mark für den Zentner geboten wurden. Rheinische Bohnäpfel kosten 9 bis 10 Mark, Schafnase 8 bis 9 Mark, Herrnävfel 11 bis 12 Mark. Gute Preise werden für Tafelobst angelegt; so erzielen Winter-Goldparmänen bis 18 Mark für den Zentner, für auserlesene Früchte der Sorte Schöner von Boskop und Goldrenette von Blenheim werden bis 20 Mark für den Zentner erzielt. )—( Obbornhofen, 16.Okt. Der neue Ge- meinderat hat in seiner ersten Sitzung beschlossen, die B ü r g e r ft e u e r im Rechnungsjahr 1936 mit hundert Prozent zu erheben. Mit Rücksicht auf die gute finanzielle Lage der Gemeinde sollen in Zukunft von den 12 Zielen Wassergeld und Kanalgebühren zwei erlassen werden, was ein Einnahmeausfall von etwa 800 Mark für die Gemeindekaffe bedeutet. Die Umlage braucht trotzdem nicht erhöht zu werden. — Seit einigen Wochen halten sich auf den Bäumen in den Hofreiten und Hausgärten mehrere Käuzchenpaare auf, die oft am Tage, besonders aber in der Nacht gegen Morgengrauen ihren eigenartigen Lockruf ertönen lassen. In früherer Zeit deutete man ihre Schreie in „Komm mit" um und glaubte, daß bald jemand in der Nähe sterben müsse. Deshalb heißt heute noch das Käuzchen bei der Landbevölkerung Toten- vogel, gegen den jedermann eine gewisse Abneigung hat. — Wie an dieser Stelle schon berichtet wurde, sind die Mannesmannwerke AG. seit Monaten im hiesigen Gemeindewald auf der Suche nach Bauxitvorkommen. Neuerdings wurden auch Probelöcher im Gewann „Am Marktweg" abgeteuft. Wie weit die Arbeiten von Erfolg gekrönt werden, läßt sich noch nicht mit Bestimmtheit angeben. * Lang-Göns, 14. Okt. Auf der großen zweiten Junggeflügelschau in Hannover, die aus ganz Deutschland beschickt wurde und die am gestrigen Sonntag die großen Geflügelausstellungen einleitete, errang der hiesige Züchter von rebyuhnfarbigen Italienern Willi Frey einen Ehrenpreis für eine Junghenne unter 387 Ausstellungstieren dieser Rasse. Eine zweite Jung- Henne von ihm wurde mit „gut" ausgezeichnet. Willi Frey ist in den Kreisen der Geflügelkenner schon seit Jahren als ganz vorzüglicher Züchter bekannt und geschätzt. Kreis Büdingen. ch Nidda, 14. Okt. Unser Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs unter- nahm gestern bei einer Beteiligung von 24 Mitgliedern eine planmäßige Wanderung nach Bad Homburg und der S a a l b u r g , der man unter fachkundiger Führung großes Interesse entgegenbrachte. Anschließend besichtigte man noch einige Sehenswürdigkeiten Homburgs. Kreis Schotten. ♦ Schotten, 16. Okt. Bei der Eintopf- fammlung wurde im Kreise Schotten der Betrag von etwa 1200 Mark gesammelt. Das Ergebnis liegt um einige hundert Mark über dem des Monats Oktober 1934. ch Groß-Eichen, 14. Okt. Gestern abend hielt der hiesige Turnverein eine Kundgebung für Leibesübungen ab. Von der Schule aus bewegte sich der Zug der Schuler, Schülerinnen, Turner und Turnerinnen mit fröhlichem Gesang nach der Turnhalle. Dort hatten sich die Einwohner zahlreich eingefunden. Mit dem Gesang des Liedes „Turner auf zum Streite" marschierten die Turner und Turnerinnen auf die Bühne. Turnbruder Wilhelm Zimmer begrüßte die Teilnehmer. Darauf erklang das neue Turnerlied „Getreu allezeit". Nach einem Sprechchor begannen die Darbietungen mit Bodenübungen, wie sie zur Zeit Jahns gezeigt wurden. Barrenübungen, Gruppenturnen, sowie gymnastische Vorführungen zweier Arbeitsdienstlerinnen. und empfahl die Zusammenlegung der beiden Kassen. Anschließend wurde die Verschmelzung der Sparund Darlehenskasse und des Spar- und Darlehenskassenvereins einstimmig beschlossen. Revisor Rühl empfahl im weiteren Verlaufe der Versammlung, daß die Spar- und Darlehenskasse den Direktor und der Spar- und Darlehenskassenverein den Rechner stellen sollten. Von der Versammlung wurde einstimmig Otto Kaufmann Jium Rechner bestimmt. Zum Schluß sprach Pg. M ü n ch im Auftrage der NSDAP, den Dank aus für die vollzogene Zusammenlegung und schloß die Versammlung mit dreifachem „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler. # Ober-Ohmen, 16. Okt. Die Gaufilmstelle ber NSDAP. veranstaltete im Saal von Krebs einen F i l m a b e n d mit dem Tonfilm „Krach um Jolanthe". Als Vorspiel wurde ein Filmstreifen vom vorjährigen Erntedanktag auf dem Bückeberg gezeigt. — Eine Riefenkarotte wurde hier geerntet. Das Exemplar weist einen Umfang von etwa 25 Zentimeter auf und hat ein Gewicht von 1% Pfund. Die übrigen geernteten Exemplare wogen 375 bis 500 Gramm. —.— Homberg, 15. Okt. Am Sonntag hielt der Kleinkaliber -Sckiitzenverein sein König- und Ritterschiehen veim schönsten Herbstwetter auf seinem auf dem Hermannsberg gelegenen neuen Schießstande ab. Die Veranstaltung fand durch ein gemütliches Beisammensein im Frankfurter Hof seinen Abschluß. Zu Beginn dieser Festlichkeit begrüßte der Vorsitzende, Dentist W. Becker, alle Teilnehmer, gab das Resultat des Schießens bekannt und nahm die Ehrung der Sieger vor. König wurde Ehrenmitglied Hans Schmitz (Gießen) mit 150 Ringen, erster Ritter Friedrich Goß- f elber mit 144 Ringen, zweiter Ritter Wilhelm Spieß mit 140 Ringen und bester Jungschütze Heinrich Rieß (Gontershausen) mit 124 Ringen. Die beim Schießen errungenen 6 Ehrenscheiben wurden ebenfalls ausgegeben. Ferner erhielt der bei den Verbandswettkämpfen als Altfchützen-Mei- fter hervorgegangene Kamerad Rudolf Seipp eine Medaille, gleichfalls der Jungfchütze Willi Strauch. Herr Schmitz trug durch den Gesang schöner Lieder sehr zur Verschönerung des Abends bei. £ Groh-Felda, 16. Okt. Auf Veranlassung ber Deutschen Arbeitsfront, Kreiswaltung Alsfeld, Strengt Ihr Beruf Sie an ? .. auf Kaffee Hag umstellen I war die Gefolgschaft der hiesigen Molkerei zu einem Betriebsappell in Anwesenheit von Pg. Kreiswalter Hartmann und Kreiswerkscharführer Pg. Löffler zusammengerufen worden. Pg. Löffler setzte Ziel und Aufgabe der Betriebs- appelle auseinander, nämlich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer das für die Wirtschaft notwendige Einvernehmen zu geben. Kreiswalter Hartmann zeichnete ein Bild vom Sinn und der Auf- -gabe des Vertrauensrates und der Arbeitsfront. Es wurde eine W e r k f ch a r gebildet, der alle Werksangehörigen im Alter von 18 bis 25 Jahren angehören und deren Führer das Vertrauensratsmitglied Pg. Essenwanger wurde. Mit einem Sieg-Heil auf den Führer schloß Betriebsführer Pg. Schußler den Appell. — In der üblichen Weise wurden auch hier Bürgermeister, Beigeordnete und Gemeinderäte auf die neue Gemeindeordnung verpflichtet. Es wurden verpflichtet: Bürgermeister A. Schneider, 1. Beigeordneter R. Schußler, 2. Beigeordneter O. Hofmann. Zu Gemeinderäten: H. Scharmann, H. Römer, O. Lind, O. Schneider, O. Semmler, H. Jöckel Schellnhausen. Oer Grünberger Gallusmarkt. Oer erste Tag. 4- Grün berg, 16. Oft Das trockene, milde Herbstwetter, das den ganzen Tag über anhielt, war schon eine Hauptbedingung für einen guten Markt. Schon früh begann der Auftrieb zum Sch wein e- und Rindermarkt. (Siehe untenstehend besonderen Bericht.) Um die Mittagsstunde setzte starkerZustrom von Marktbesuchern ein. Außer den verstärkt fahrenden fahrplanmäßigen Zügen kamen aus Richtung Alsfeld und Gießen je ein Sonderzug, ebenso verkehrte auf der Butzbach—Licher Eisenbahn ein Sonderzug, ein sehr großer Teil Marktbesucher kamen außerdem zu Fuß oder mit Auto, da besondere Omnibusfahrten von einzelnen Orten verkehrten. So entwickelte sich dann von der Mittagsstunde ab das gewohnte Bild des Gallusmarktes: starker Verkehr auf dem Marktplatz in den Gassen der Verkaufsstände, oder auf dem anliegenden Iuxplatz, dann das Hin und Her des Menschenstromes vom Marktplatz nach der Stadt, wo die Massen in den Straßen oder den Geschäftshäusern sich drängten. Außergewöhnlich stark waren diesmal die Krä - merstände vertreten; waren bei der Verlosung am Dienstagnachmittag bereits 400 Meter vergeben, so erhöhte sich diese Zahl durch am Mittwochmorgen noch eintreffende Nachzügler um weitere 200 Meter. Damit übertraf die Zahl der Stände recht erheblich die Beschickung der letzten Jahre. Auch die Ausgestaltung des Juxplatzes war eine sehr reichhaltige. In den späten Nachmittagsstunden begann in allen Sälen der Stadt der Tanz, für den diesmal nach zweijähriger Pause auch wieder die Turnhalle auf Betreiben des Marktausschusses vom Kreisamt zugelassen war. In allen Sälen, sowie in den Gastwirtschaften, Bäckereien und Metzgereien herrschte starker Betrieb, der bis in die späten Nachtstunden andauerte. Das geschäftliche Ergebnis des Marktes war, schon begünstigt durch den sehr starken Besuch, allgemein ein gutes. Die Marktwache, sowie die durch auswärtige Kräfte verstärke Potlizei fand bis zum Abend keinen Anlaß zum Eingreifen, nur für ein abhanden gekommenes kleines Kind wurde ihre Hilfe in Anspruch genommen. Jedenfalls hat sich der Gallusmarkt wieder einmal als das erwiesen, was er in Wirklichkeit ist: ein Markt und Volksfest von großer wirtschaftlicher Bedeutung für Grünberg und seine nähere und weitere Umgebung. Der zweite Tag (Donnerstag) bringt Fortsetzung des Krämermarkts und der Volksbelustigung. Außerdem findet am Nachmittag in der Turnhalle eine große Bauernkundgebung statt. Redner ist Kreisbauernführer O t t (Usingen), ferner wird die Referentin bei der Landesbauernschaft Hessen-Nassau, Frl. Johanna Bopp (Frankfurt a. M.), sprechen. Die Viehmärkte auf dem Gallusmarkt. Auch in diesem Jahre konnte man wieder die Wahrnehmung machen, daß der Gallusmarkt einer der größten Ferkelmärkte Oberhessens ist. Aufgetneben waren heute 831 Ferkel. Folgende Preise wurden erzielt: bis 6 Wochen alte Ferkel 18 bis 22 Mark, 6 bis 8 Wochen alte 22 bis 27 Mark, 8 bis 13 Wochen alte 26 bis 30 Mark, Läufer 30 bis 36 Mark. Handel langsam, es verblieb etwas Ueberstand, die Preise ließen gegen Schluß des Marktes etwas nach. Als Neuheit des Marktes war mit dem Ferkelmarkt eine Ferkelprämiierung verbunden. Veterinärrat Dr. Fuchs (Grünberg), Landwirt und Züchter Stark (Wirberg) und Schweinehändler Münch (Mücke) bildeten das Preisgericht. Bei der Preiszuteilung wurde auf Gleichmäßigkeit, Formschönheit und gesundes Aussehen des Ferkelschlags Rücksicht genommen. Folgende Preise wurden verliehen: H. Fuchs II., Ruppertenrod, Ehrenpreis; Hch. Stein VII., Unter-Seibertenrod, und K. Rock, Solms-Ilsdorf, je einen 1. Preis; Ed. Heßler, Queckborn, Ad. Köhler, Ermenrod, Wilh. S t Ü h- I e r, Lehnheim, Wilh. Schäfer, Ober-Bessingen, und H. Horst, Unter-Seibertenrod, je einen 2. Preis; Ehr. Brück, Grünberg, H. H o r st I., Ruppertenrod, Ehr. Ludwig, Beltershain, A l b a ch, Hattenrod, Gg. Hofmann, Stangenrod, Karl Lang, Nonnenroth, H. Kühn, Göbelnrod, H. P r e i ß, Ruppertenrod, Rud. Reitz, Bernsfeld, und Zimmer, Nieder-Beffingen je einen 3. Preis. Am Rindviehmarkt waren 25 Stück aufgetrieben. Wahrscheinlich hat hier die gesetzlich geforderte Blutuntersuchung über den „Äbortus Bang" stark hemmend auf die Beschickung des Marktes gewirkt, da andererseits starke Nachfrage war. Rinder, $/4- bis einjährig kosteten 140 bis 150 Mark, ein- bis zweijährig 150 bis 350 Mark, ältere tragende Kühe 300 bis 360 Mark. Ein 2V» Jahre altes Rind (tragend) brachte 420 Mark, eine jüngere Kuh (von der Viehoerwertungsgesellschaft Fulda) dagegen 520 Mark, für ein weiteres Stück (Rind) wurden von ihr 550 Mark gefordert. Hier wirkte eine Kommission unter Führung von Landwirtschaftsrat Dr. D i e n st - Grünberg bei der Taxierung des Viehes mit. pserde-prämiierung in Berstadt. Berstadt, 15. Okt. Die Pferde züchter- Vereinigung Ob er Hessen im Landesverband der Pferdezüchter in Hesfen-Nassau veranstaltete unter der Leitung von Oberlandwirtschaftsrat Dr. Wagner, dem Leiter des Tierzuchtamtes Gießen, eine Bezirks-Pferde- und Reichsoerbands- Stutenschau verbunden mit einer Dauerzugleistunqs- prüfung, die von den Wetterauer Zuchten reichlich beschickt war und sich trotz der zur Zeit dringlichen Feldarbeiten größten Interesses erfreute. Vorgeführt wurden etwa 60 Tiere aller Gattungen. Die Tiere befanden sich durchweg in guter Pflege und erzielten gute Noten. In der Preisbewertung war die Abteilung Warmblut der Abteilung Kaltblut leicht überlegen. In dem Urteil der Preisrichterkommission, deren Obmann Landesstallmeister Dr. Denker war, wurden in der Abteilung Kaltblut die dreijährigen Stuten, beim Warmblut die der älteren bodenständigen Stuten und die bodenständigen Jährlingsstuten, ausnahmslos in Oberhessen gezogene Fohlen, am besten bewertet. Sehr interessant war der Wettbewerb der bodenständigen Stuten in den beiden Abteilungen. Den Ehrenpreis in der Abteilung Kaltblut erzielte Bauer Karl Coburger, Nieder-Mockstadt, für seine dreijährige in Hessen gezogene Stute, einen Rotschimmel von Brutus aus Werra. Den Siegespreis in der Abteilung Warmblut wurde dem Bauer Albrecht Müller, Bellersheim, für feine braune zweijährige Stute von Apollo aus Mira zuerkannt. Die Preise wurden von der Bürgermeisterei Berstadt bzw. der Hengststation Voelbel gestiftet. Die Spitzentiere werden bei der am 9. November in Frankfurt a. M. stattfindenden Landesschau zur Prämiierung zugelassen. Bei dem sehr guten und gepflegten Zustand des oberhessischen Zuchtmaterials sollte man mit Erfolgen rechnen dürfen. Anschließend an die Schau nahm Dr. Franke vom Reichsverband der Kaltblutzüchter Berlin am Kraftmeßwagen die Höchstzugleistungsprüfungen vor, die sehr großes Interesse fanden und von den zahlreichen Zuschckuern mit viel Beifall begleitet wurden. Den Züchtern fielen zahlreiche und wertvolle Barpreise zu, deren Verteilung der Obmann der Preisrichterkommission vornahm. Oie Ergebnisse: Abteilung Kaltblut. Jährlings-Heng st e: 3. Preis Aug. Petri I., Dorn-Assenheim; Vierjährige und ältere Stuten (in Hessen gezogen): Ia-Preis Hch. Dreut II., Griedel; Id-Preis Wilhelm Marloff, Reichelsheim; 2a-Preis Karl Sprengel III., Reichelsheim; 2d-Preis Wilhelm Marloff, Reichelsheim; 2c-Preis Karl Sprengel III., Reichelsheim; 3a-Preis August Petri I., Dorn- Affenheim; 3d-Preis Wilhelm Kammer II., Ober- Widdersheim; Anerkennung Rudolf Alter, Berstadt. Das Material dieser Klasse war gut. Vierjährige und ältere Stuten (außerhalb Hessens gezogen): 2a-Preis Adolf Wolf, Wallernhausen; 2d-Preis Hermann Dauernheim, Heuchelheim; 3. Preis August Petri I., Dorn-Assen- heim. Material in dieser Klasse ziemlich gut. Dreijährige Stuten (in Hessen gezogen): 1. Preis Karl Coburger, Nieder-Mockstadt; 2a-Preis Robert Weitz, Heuchelheim; 2d-Preis Willi Eimer, Reichelsheim; 3. Preis August Ludwig, Reichelsheim. Material in dieser Klasse gut bis sehr gut. Dreijährige Stuten (außerhalb Hessens gezogen): 1. Preis Wilh. Konrad Schäfer, Reichelsheim; 2. Preis Wilh. Christian Haub, Nieder-Weifel. Material dieser Klasse sehr gut. Zweijährige Stuten: II. Preis: Gg. Wolf, Wohnbach; III. Pr. Karl Rau I., Berstadt. Material dieser Klasse gut. Jährlings-Stuten: I. Preis Hch. Dreut II., Griedel; Ila-Preis Adolf Wolf, Wallernhausen; Ild- Preis Wilh. Hensel II., Södel. Material dieser Klasse sehr gut. Abteilung Warmblut. Vierjährige und ältere Stuten (in Hessen gezogen): Ia-Preis Rud. Koch, Treis-Münzen- berg; Ib^Preis Gust. Weber, Ober-Hörgern; II. Pr. Jakob Müller II. Wwe., Ober-Hörgern; IIIa-Preis H. L. Dreut, Griedel; IIId-Preis Otto Metzger, Mün- zenberg. Material dieser Klasse gut bis sehr aut. Vierjährige und ältere Stuten (äußere halb Hessens gezogen); Ia-Preis Gust. Weber, Ober- Hörgern; Id-Preis Albrecht Müller, Bellersheim; Ila-Preis Ernst Walter II., Trais-Münzenberg; Ild- Preis Otto Metzger, Münzenberg; Ilc-Preis Heim?« Knöll, Berstadt; IIIa-Preis Rudolf Koch, Trais« Münzenberg; IIId-Preis Otto Heller, Echzell; Illc- Preis Albert Bopp, Griedel. Material dieser Klasse gut. Dreijährige Stuten: Ia-Preis Konrad W« Jung, Lang-Göns; Id-Pr. Willi Schultheiß, Heuchelheim; II. Preis Konrad Gerhard, Langd. Material dieser Klasse sehr gut. Zweijährige Stuten: I. Preis Albrecht Müller, Bellersheim; Ila-Preis Wilh. Keßler, Lang- Göns; lld-Preis Albert Ulrich, Reichelsheim; Illa- Preis Albert Tröster, Griedel; llld-Preis Friedrich Wilh. Schäfer, Reichelsheim. Material dieser Klasse gut bis sehr gut. Jährlings-Stuten: Ia-Preis Adam Wolf, Wohnbach; Id-Preis Ernst Walter U., Trais-Mün- zenberg; II. Preis Wilh. Koch I., Berstadt; III. Preis Albert Dieffenbach, Berstadt. Material dieser Klasse sehr gut; Spitzentiere vorzüglich. höchstzugleistungsprüfungen am kraftmehwagen. Mittelschwere Gespanne: 1. Gg. Wolf, Wohnbach, 265 Zentner in 11,2 Sekunden; 2. Rud, Alter, Berstadt, 259 Ztr. in 6,2 Sek.; 3. W. Stork I., Berstadt, 247 Ztr. in 9,2 Sek., 4. Keßler, Großen- Linden, 235 Ztr. in 9,1 Sek.; 5. Krieb-Knöll, Berstadt, 235 Ztr. in 9,2 Sek.; 6. Aug. Petri, Dorn- Assenheim, 223 Zentner in 8,4 Sekunden. Schwere Gespanne: 1. Marloff, Reichelsheim, 235 Zentner in 7,3- Sekunden. Aus den preußischen Nachbargebieten. Zwei junge Mädchen vermißt. LPD. Marburg, 16. Okt. Seit einigen Tagen werden die 15jährige Ida N ü s s e r und die 19jäh- rige Katharina 0 11 e r b e i n aus Marburg-Ockers- Haufen vermißt. Ida Nässer ist 1,55 bis 1,60 m groß, von schlanker Figur, hat dunkelblonde Haare, gebräunte Gesichtshaut und war bekleidet mit weißer Kappe, graumeliertem Mantel, rosa und schwarz getupftem Musselinkleid, hellbraunen Seidenstrümpfen und braunen Halbschuhen. Die Katharina Otterbein ist 1,56 m groß, hat schwarzes, nach hinten gerolltes Haar und war bekleidet mit hellgrauem Mantel, hellen Strümpfen, hellen Schnürschuhen, gestreiftem Druckkleid mit weißem Kragen. Die Marburger Kriminalpolizei erbittet Mitteilungen über den Verbleib der beiden Vermißten. Gescbästsschließung wegen lleberschreitens der Höchstpreise. LPD. Hanau, 16. Okt. Die Hanauer Polizei teilt mit: Anläßlich der polizeilichen Kontrolle der hiesigen Metzgerläden wurde festgestellt, daß der Metzgermeister Theodor Meininger die festgesetzten H ö ch st p r e f e für Fleisch- und Wurstwaren in ganz erheblichem Maße überschritten hat. In Anbetracht des volksschädigenden Verhaltens hat die Geheime Staatspolizei das Geschäft ge- schlossen. Kreis wehlar. <£ Rodheim a. d. Bieber, 14. Okt. Am gestrigen Sonntagnachmittag unternahmen 36 Angehörige der hiesigen NS. - Frauenschaft einen Ausflug mit Postauto nach Trohe bei Gießen. Es handelte sich um einen Gegenbesuch bei der dortigen Frauenschaft, die im vorigen Sommer in Rodheim war. Nach fröhlicher Fahrt durch den herrlichen Herbsttag trafen die Ausflüglerinnen in Trohe ein, wo sie von der dortigen 'Frauenschaft durch die Leiterin Frau Rühle herzlich willkommen geheißen wurden. Bald war die Verteilung der Gäste auf die einzelnen Familien geschehen, und dann wurde im gastlichen Trohe Umschau gehalten. Im Gasthaus „Zum Burgkeller" traf man sich dann zu einem gemeinsamen Plauderstündchen. Hier sprach Lehrerin Frau E i n tz, die Leiterin der hiesigen Frauenschaft, den Gastgebern herzliche Dankesworte und gab mit einem Gruß an den Führer und Reichskanzler der ganzen Veranstaltung den würdigen Abschluß. Gegen 18 Uhr wurde die Heimfahrt angetreten ILützellinden,16. Okt. Der Beauftragte der NSDAP., Kreisleiter Haus (Wetzlar), hat folgende Bürger unseres Ortes auf die Dauer von 6 Jahren zu Gemeinderäten berufen: Zimmermann Otto Altenheimer, Landwirt und Maurermeister Georg Allendörfer, Landwirt Friedrich L u h, Landwirt Heinrich Lenz, Friseur Hermann Weber und Zugführer Georg Wenzel. Die Gemeinderäte wurden durch Bürgermeister Engel in ihr Amt eingeführt. Die Aemter der Beigeordneten sind dem Landwirt und Maurer Wilhelm Altenheimer, dem Landwirt Ludwig Hölz und dem Landwirt Ludwig Jung übertragen. botc von Handwertem nur mit Namensnennung u. unter Vorlage besGewerbenachweije« ausgenommen werden. Verlag »««StebenerAnzeigers Ruf 3835. 3„5n ||||||||l|||||||||||||||||||| Lin Buch für Sommerlage und Ferienzeit Waldweben Die Lebensgemeinschaft des deutschen Waldes in Bildern 150 Naturaufnahmen aus dem Tier- und Pflanzenleben des heimatlichen Waldes auf 128 Kupfertiefdrucktafeln, mit lebendigem und aufschlußreichem Einfuhrungstext von «.Gerhard u. G.Wolff. 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Er kam dabei zu dem Ergebnis, daß der Mensch nur einen außerordentlich g e r i n g entwickelten Zeitsinn hat. Gewiß kann er ihn durch „Training" verbessern — aber das Gelernte wird sehr rasch wieder vergessen. Skramlik hat herausgefunden, daß die „innere Uhr" des Menschen 400mal schlechter als die beste Taschenuhr und 1 000 000mal schlechter als die Quarzuhr geht! Es ist also sehr schlecht um die „Uhr des Menschen" bestellt, und wir wollen froh sein, daß wir eine Taschenuhr besitzen, die zwar auch Nicht immer richtig, aber immerhin so geht, daß wir nicht zu künden schätzen. Zehnmal besser geht es dagegen mit den Minuten, die er im allgemeinen bei ungenügender Uebung einigermaßen richtig zu treffen vermag. Oas„Brockengespenst"gibtes garmcht. Mancher Skiläufer oder Alpinist kann über eine außerordentlich seltsame Naturerscheinung berichten, die namentlich im winterlichen Hochgebirge bei stark nebligem Wetter schon verhältnismäßig häufig beobachtet worden ist. Meistens ereignet sich dieses „Naturwunder" gegen Abend, wenn die Sonne eben im Begriff ist unterzuqehen und hinter einer Nebelwand steht. Sind die Bedingungen für das „Nebelgespenst" gegeben — die Voraussetzung dafür ist wahrscheinlich, daß die Sonne in einem bestimmten Winkel hinter der Nebelwand steht — dann sieht der Wanderer plötzlich eine ungeheure Gestalt, die aus dem Nebel auf ihn zuzuschreiten scheint. Wer die physikalischen Voraussetzungen dieses Naturwunders nicht kennt, wird vermutlich einen gehörigen Schrecken bekommen, bis er schließlich entdeckt, daß der Riese nichts anderes ist als eine Abbildung seiner eigenen Gestalt, die durch die Strahlen der untergehenden Sonne sozusagen auf die Nebelwand projiziert wird. Besonders häufig sind ähnliche Luftspiegelungen am Brocken beobachtet worden — in der dortigen Gegen spricht man direkt von einem „Brockengespenst", das in früheren, weniger aufgeklärten Zeiten außerordentlich gefürchtet war und vermutlich mit dazu beigetragen hat, dem Brocken den Ruf eines Lieblingsaufenthaltes von Teufeln und Hexen zu verschaffen. Olympischen Spiele halten. Die Maschine, die vom Reichsministerium der Luftfahrt zur Verfügung gestellt worden ist, wird von dem ehemaligen deutschen Leichtathletikmeister Flugkapitän Ludwig ©aim geführt. Oie Weltrekordliste der Gewichtheber. Am 9. und 10. November kämpfen in Paris die besten europäischen Gewichtheber aller Gewichtsklassen um die Europameisterschaften. Deutschland wird hierbei mit einer starken Mannschaft vertreten sein, um den guten Ruf der deutschen Schwerathle- tik auch bei dieser Gelegenheit zu wahren. Wie stark die internationale Bedeutung des deutschen Schwer- athletik-Sports immer noch ist, zeigt am besten die neue Liste der Gewichtheber-Weltrekorde, nach dem Stand vom 1 Oktober offiziell herausgegeben Von den 35 Rekorden, die amtlich geführt werden, befinden sich allein 15 in deutschen Händen. Oesterreich weist elf Rekordhalter auf, Aegypten folgt mit vier vor der Schweiz (drei) und Frankreich (zwei). Das ist nahezu die Hälfte aller Weltbestleistungen im Gewichtheben. Besonders erfreulich ist dabei die Tatsache, daß es in Deutschland kaum eine Gewichtheberklasse gibt, die einen erklärten Spitzenmann hat. Vielmehr ist überall die Spitzengruppe sowohl zahlen- als auch leistungsmäßig recht stark. Die erfolgreichen deutschen Stemmer sind Schwaiger (München), Walter (Saarbrücken), Schäfer (Stuttgart), Liebsch (Düsseldorf), Wölpe'rt (München), Jsmayr (München), Bührer (Karlsruhe), Opfchruf (Trier), Gietl (München), Bierwirth (Esten), Deutsch (Augsburg), Rieß (Mettendorf), Wahl (Möhringen) und Zügle (Lahr). ZReforö im beidarmigen Kugelstoßen. Im Rahmen eines Leichtathletik - Festes in Gronau unternahm der einheimische Wurfathlet Werring einen Angriff auf den deutschen Rekord im beidarmigen Kugelstoßen. Der Versuch hatte besten Erfolg. Mit 15,48 Meter rechts- und 13,03 Meter linksarmig kam er auf insgesamt 28,51 Meter, nichts an ihrem schlechten Nachruf in der Geschichte änderte. In Wirklichkeit aber hat die moderne Geschichtsforschung eindeutig nachgewiesen, daß die Gattin des Sokrates nicht bester und nicht schlechter war als andere Frauen — sie wurde vermutlich deshalb zu einer „Xanthippe" gestempelt, damit sich die Selbstbeherrschung und der Gleichmut des weisen Sokrates um so Heller von diesem dunklen Hintergrund abheben sollte. Francis Drake und die Kartoffel „Franz Drake hieß der brave Mann ..Mit diesen Worten beginnt das berühmte Kartoffellied, in dem Francis Drake als der Mann gefeiert wird, der als erster die Kartoffel aus Amerika in Europa eingeführt hat. Zn dankbarer Gesinnung hat man ihm deshalb 1853 in Offenburg in Baden ein Denkmal errichtet, obwohl bereits Humboldt 1814 nachgewiefen hatte, daß ihm dieses Verdienst nicht gebührt. Wem es in Wirklichkeit zugesprochen werden muß, ist bis jetzt noch nicht geklärt. Wahrscheinlich ist die Kartoffel im Jahre 1565 durch einen Sklavenhändler H a w k i n s nach Irland gebracht worden, wo sie allerdings wenig beachtet wurde. Erst nachdem die Spanier sie nach Ztalien und Burgund gebracht hatten, scheint sie seit 1588 in Mitteleuropa dauernd Wurzel gefaßt zu haben. Der Irrtum, daß Drake die Kartoffel als Erster nach Europa gebracht habe, kommt vielleicht daher, daß er viel dazu beigetragen hat, die Kartoffel bekannt zu machen, indem er nachdrücklich auf ihre Bedeutung hinwies. Aicht einmal Europa ist gründlich erforscht. Wir nehmen gewöhnlich an, daß unsere Erde größtenteils völlig erforscht sei. Ujib doch ist nach einer Mitteilung des berühmten Berliner Geographen und Altmeisters der deutschen Erdbeschreibung, Albrecht Pe n ck, nur ein verschwindend kleiner Bruchteil unserer Erdoberfläche so erforscht, daß wir wirklich genau Bescheid wissen, und zwar ist dieser Bruchteil noch nicht einmal so groß wie Europa. Es sind nämlich erst zehn Millionen Quadratkilometer mit eingehender Genauigkeit kartographisch ausgenommen worden. Für 126 Millionen Quadratkilometer existieren solche Karten noch nicht. Die besten vorhandenen Karten sind nur in großen Zügen richtig, während in den örtlichen Bezirken mehr oder minder erhebliche Abweichungen vorhanden sind. Restlos erforscht ist die Oberfläche unseres deutschen Raumes. Allerdings treten auch hier im Laufe der Zahre und Jahrzehnte Veränderungen ein, die immer wieder neue Aufnahmen nötig machen. Wir können die Zeit nicht richtio schätzen. Athen, Sosia, Belgrad und Zagreb vor den nalen Olympischen Komitees bzw. in den deutschen Gesandtschaften Vorträge über die nächstjährigen Fanthippe war gar nicht so übel! Irrtümer, die die Wiffenschast berichtigte. Von Dr. H. Schäfer. Adolf-Hitler-Preis für die Förderung des Segelfluges. Der Reichsluftsportführer Oberst L 0 e r z e r hat für die beste Leistung im Segelflug, die in der Zeit vom 1. Januar 1935 bis 31. März 1936 erzielt wurde, den Adolf-Hitler-Preis zur Förderung des Segelfluges gestiftet. Mit diesem Preis ist eine Zusatzprämie in Höhe von 4000 Mark verbunden. Die Bewerber müssen Mitglieder des Deutschen Luftsport-Verbandes, die Segelflugzeuge in Deutschland hergestellt sein. Preisträger wird derjenige, der während der Dauer der Ausschreibung die beste segelfliegerische Leistung erzielt hat. Die Gesamtleistung kann aus beliebig vielen Segelflügen der gleichen Bewerber gewertet werden, sie soll eine besondere fliegerische Leistung als Strecken-, Daueroder Höhenflug darstellen, wobei außerdem noch die innere und äußere Haltung der Bewerber bet der Bewertung berücksichtigt wird. Die Zusatzprämie entfällt auf den Eigentümer des Segelflugzeuges, das der Preisträger geführt hat. Der stellvertretende Ueichsdietwart ernannt. Der Dietwart des Gaues Bayern Wilhelm Schneemann ist als ständiger Stellvertreter und Mitarbeiter des Reichsdietwartes Kurt Münch in den Stab des Reichssportführers berufen worden. Den Posten des bayerischen Dietwartes behält Schneemann vorerst bei. Ein Olympia-Propagandaflug am 19. Oktober. Arn Samstag, 19. Oktober, vormittags, wird eine Junkers 52 zum Olympia-Propagandaflug vom Flughafen Tempelhof starten. An dem Flug nehmen teil der Generalsekretär des Organisationskomitees für die XI. Olympiade Dr. Diem und der Auslandsreferent des Reichssportführers von Tschammer und Osten Dr. Zapp. Die Maschine wird über Belgrad, Sofia nach Athen fliegen. In Belgrad wird der Reichssportführer von Tschammer und Osten an Bord gehen. Die Herren werden in Die moderne Wissenschaft hat — teilweise 1 erst in allerletzter Zeit — eine ganze Reihe । von Vorstellungen als irrig nachweisen kön- ' nen, die wir bisher kritiklos als „richtig" hingenommen hatten. Der nachstehende Artikel berichtet über einige besonders aufschlußreiche Fälle dieser Art, in denen fest eingewurzelte ( „Illusionen" der Menschheit von der nüchter- < nen Wissenschaft als Irrtümer entlarvt wurden. O»e prosaischen Tauben Oft haben die Dichter das Schnäbeln der Tauben verherrlicht und es als das L i e b e s s p i e l schlechthin bezeichnet — leider aber stimmt diese romantische Meinung in keiner Weise, so empört auch empfindsame Seelen darüber sein mögen. Die Wissenschaft, prosaisch wie sie ist, hat nämlich ganz zweifelsfrei nachgewiesen, daß keineswegs irgendwelche Zuneigung die Taube dazu veranlaßt, mit dem Täuberich 4 zu schnäbeln, sondern, daß sie sick hierdurch nur ihr den Besitz der Nahrung setzen will, die ihr der Täuberich vorher weggefressen hat. Bekanntlich ist der Täuberich bei seiner Mahlzeit sehr gefräßig, und die Taube geht dabei häufig leer aus. Sie beginnt nun, nachdem der Täuberich mit dem Fressen fertig ist, mit dem Schnäbeln. Dabei muh dieser einen Teil seiner Mahlzeit, die er im Kropf hat, wieder herausgeben. Diesen Teil frißt dann die Taube aus dem Schnabel des Täuberichs. So hat also das Schnäbeln nicht in der Liebe zum Täuberich, sondern im Hunger der Taube seine Ursache — und wir müssen eine altgewohnte Illusion aufgeben. Die „lange £eitunoz Die Wissenschaft hat in letzter Zeit durch mühevolle Experimente eindeutig festgestellt, wie s ch n e l l unsere Gedanken ablaufen. Es zeigte sich hierbei, daß die allgemein verbreitete Meinung von der „Blitzesschnelle" des menschlichen Gedankens leider ganz falsch ist. Das Ein- und Umschalten der Gehirnzentren und die Fortleitung in den einzelnen Nervenbahnen braucht bestimmte Zeit und oft ist es fraglich, ob die Gedankenschnelle eines Menschen mit der Schnelligkeit eines Flugzeuges konkurrieren kann. Im allgemeinen denken wir mit 250 Kilometer Stundengeschwindigkeit; d. h. ein Gedanke legt in einer Stunde 250 Kilometer Nervenstrecke zurück. Die Entfernung von Berlin bis Paris würde also in etwa drei Stunden überwunden haben: Diese Angaben gelten übrigens nur für gedanklich besonders rasch reagierende Versuchspersonen — bei Menschen mit „langer Leitung" sind die in Betracht kommenden Zeiten, noch wesentlich länger. Auf jeden Fall ist also die Sache mit der „Blitzesschnelle" der Gedanken ein Irrtum, denn die Geschwindigkeit des Blitzes ist ganz erheblich höher als die irgendeines Gedankens, der in unserem Gehirn auftaucht. Fanchlppe war qar nicht fc „Xanthippe war ein böses Weib, Der Zank war ihr ein Zeitvertreib." So steht es in der Fibel. Ist diesen Versen noch die entsprechende Abbildung beigegeben, so kann kaum wieder im späteren Leben die Vorstellung verwischt werden, die man von des Sokrates Eheweib frühzeitig erworben hat. Kein Wunder, daß die sprichwörtliche Xanthipe an die Spitze der geradezu unausrottbaren Irrtümer marschiert, und daß selbst die Ehrenrettung, die der große Philologe Zeller zu ihren Gunsten unternahm — nach ihm ist nur der zufällige Umstand, daß der erste Buch- — - ...------,y , . - - stöbe ihres Namens das selten vorkommende I ist, jeder Verabredung zu spat kommen. Besonders die hauptsächlichste Ursache ihres bösen Rufes — schlecht kann der Mensch sonderbarerwetse die Se- Mein Lieber, denkt sich hierbei der Gast, mein Lieber, du gefällst mir sehr, ich bewundere dich, ich bewundere jeden, der wirklich etwas ist, und der es auch ganz ist. Siehst du, es ist mir ganz und gar nicht peinlich, von dir bedient zu werden — und das ist auch ein Glück, wenn man nun einmal der Gast ist. Unter uns, es ist mir schon so oft peinlich und beschämend gewesen, und ich hätte nicht übel Luft gehabt, mir die Schüsseln selber an den Tisch zu tragen. Auch mußt du wissen, daß es bei uns zulande Gasthäuser gibt, wo sie Glock zwölfe in der Nacht anfangen, die Stühle auf die Tische zu stellen, gleichviel, ob noch verspätete Gäste ihr Bier austrinken wollen oder nicht, und wo sie die Kunst ausüben, mit Blicken zu töten, wenn du nicht auf die Minute verschwunden bist — und wo es mir wahrhaftig nicht gut hinausgegangen wäre, wenn ich den Nachtisch verweigert hätte, oder als zweiten Gang nur eine große Schüssel Bohnensalat genommen, wie vorhin bei dir. Ja, das mußt du einmal tun, wenn du zu uns kommst, geh hinein in einer der großen Bräus, oder auch in ein Weinlokal, wo des Abends Musik ist, und bestelle nichts als eine große Schüssel Bohnensalat, mein Freund, oder tu es doch lieber nicht. Aber siehst du, inzwischen sind hier aus dem einen Viertel Wein drei geworden, und so gehabe dich wohl, es war schon an deinem Tisch, du hast mir sehr gefallen, ich danke dir, ich danke ebenfalls! schwerer ärgern, während der Liederjan vom Holzhacken immer gesünder und kräftiger und vergnügter werden wird. Und nichts hindert ihn, mit dem glänzenden Durst, den man vom Holzhacken bekommt, sich Abend für Abend einen Kanonenrausch zu kaufen. Man sieht daraus, daß man mit Moral einen Liederjan lange nicht so schon ärgern kann wie einen moralischen Mann. Freilich, die Neffen werden ihre Tage damit zubringen, darüber nachzudenken, wie man zu dem Gelbe kommen kann, ohne es kleinzuhacken. Wenn der Anwalt auch ein Saufaus und Liederjan wäre, dann würde der Holzhacker zu hacken aufhören, der Anwalt bekäme das Geld und sie teilten es untereinander und gingen, sich einen Kanonendoppelrausch kaufen. Aber der Anwalt tft ein ehrenwerter Mann, und so geht das eben nicht. Für ihn heißt es alles ober nichts, und so bekommt er eben nichts. Für Leute, die, wie der Liederjan, gerne in der Sonne liegen und die Schönheit schwimmender Wolkenschiffe an späten Sommertagen betrachten, ist es eine dankbare Aufgabe, darüber nachzudenken, wie man dem Liederjan zu seinem Gelbe verhelfen konnte. Wem etwas einfällt, der fahre nach Budapest. Der Liederjan wird sich nicht lumpen lassen. Wir alle würden das mit Befriedigung begrüßen. Denn wenn wir auch nicht so boshaft sind, uns über Boshaftigkeit zu freuen, so sind wir doch boshaft genug, uns zu freuen, wenn die Bosheit hereinfällt. Die Sache ist nicht aussichtslos. Denn die Bosheit ist von Natur eine juristische Eigenschaft, und die Netze, die sie über ihre Opfer wirft, haben Maschen. So gab es einmal einen reichen Mann, der eine geizige und eine freigebige Tochter hatte. Er wollte die Geizige von ihrem Laster heilen und schenkte jeder seiner beiden Töchter hunderttausend Mark, mit der boshaften Bestimmung, baß diejenige, die ihr Geld zuerst ausgegeben habe, das Geld der anderen bekommen sollte. Aber die Geizige war nicht nur geizig, sondern auch klug. Sie ging hin und schenkte ihre ganzen hunderttausend Mark ihrer Schwester. Und da sie ihr Geld damit zuerst ausgegeben hatte, bekam sie nun das schwesterliche Vermögen und konnte es in Ruhe behalten. Und die Schwester hatte sie davor bewahrt, bas schöne Gelb auf eine überhitzte Weise ausgeben zu müssen. Gegen bie Bosheit hilft nur die Großmut oder die List. Hoffen wir, daß, wenn der Neffe Testamentsvollstrecker nicht Großmut genug hat, der Neffe Liederian listig genug ist, zu seinem Gelbe zu kommen. Auf jeben Fall aber wollen wir uns auf den Rücken legen und die Schönheit schwimmender Wol- kenschiffe betrachten und glücklich sein, solange wir keine anderen Sorgen haben als die um fremder Leute Geld. Bohnensalat in Bettagio. Kleine Veiseerinnerung von Paul Alverdes Stoffel und Sauertöpfe gibt es ganz gewiß in allen Ländern und allen Berufen, und ich will mich hüten, die italienischen Kellner hier ganz allgemein über den Schellenkönig zu loben und sie ihren Standesgenossen in der übrigen Welt, in Deutschland beispielsweise ober auch in Bayern, als bie unerreichlichen Vorbilber bes guten Kellners zu preisen. Aber boch will ich dieses einen zu Bellagio für viele seinesgleichen rühmend gedenken. Er war nicht beflissen, sondern ehrgeizig, er 'war nicht unterwürfig, sondern feurig, und sein „Subito, signore!“ erklang mit einer verheißenden Herzlichkeit Es ist eine leidige Wahrheit, und es hat auch allerhand leidige Gründe, baß bet uns in Deutsch- lanb bas „Sehr wohl!" unb bas „Bitte sehr! der Aufwartenden nicht selten einen ganz anderen Sinn zu haben scheint. Wenn ich nicht verdammt wäre, könnte es manchmal heißen, wenn ich 111$! vüeT2 dämmt wäre, den Kellner zu machen, um mich durch das Leben zu bringen, so wollte ich dich lehren, du Asse, nach der Suppe zu schreien und nach dem Bier mft der Gabel zu scheppern! Dieser zu Bellagio aber — und ich hatte es schon des öfteren an seinen Landsleuten erlebt — hatte eine andere Auffassung der Lage. Dabei hieß sein „Sofort, Herr! keineswegs etwa: ich lauf schon, ich springe wie ein Hündchen nach dem Stein, den du wirfst, denn ich bin eine Pudelseele, sondern es hieß: jetzt sollst du aber einmal erleben, was ein gelernter Kellner, was ein wahrer, kunstreicher Meister seines Faches ist. Staunen sollst du, Augen machen über das, was man hierzulande unter einer vollendeten, vorbildlichen Kellnerei versteht. Achtung, jetzt fängt es an, und ich hoffe, du wirst Verständnis dafür haben. Du bist der Gast und ich bin der Kellner: für mich wahrhaftig kein Grund, mich geringer zu fühlen. Erdbeeren zum Nachtisch gefällig? Ich will sie dir nicht aufbrängen, es *ift deine Sache, was du essen magst und was nicht — aber ich will sie dir immerhin zeigen, zeigen kostet nichts, hübsche, frische, leckere Erdbeeren, wie? Kein Appetit mehr? Schade, tut mir leid für dich, ehrlich leid, denn du versäumst etwas — aber ich verstehe vollkommen, wiederum keine Ursache für mich, dir zu grollen. Ein Bäckermeister in Budavest Von Peter Bamm Ein Bäckermeister in Budapest hatte, als er starb, eine halbe Million Pengö zu vererben. Zum Erben waren nur zwei Neffen da. Ein guter und ein böser. Der böse war ein Liederjan, der trank und bummelte und die Welt schön, genug fand, sich damit zu begnügen, vergnügt in ihr herumzulaufen. Der gute war ein Anwalt, der von morgens bis abends arbeitete unb bie Schönheit schwimmenber Wolkenschiffe an späten Sommertagen so sehr verachtete, baß er sie niemals ansah, sondern ohne Pause arbeitete. Der Bäckermeister, der diese beiden Neffen hatte, war boshaft. Aber er hatte wenigstens eine gute Eigenschaft. Er konnte die Neffen beide nicht leiden. Also setzte er den Liederjan zum Erben ein unb ben Anwalt zum Testamentsvollstrecker mit der Maßnahme, daß von dem ganzen Gelde Holz gekauft werden sollte und der liederliche Neffe täglich so viel davon haben könnte, wie er kleinhacken könnte. Und falls das Testament nicht eingehalten würde, sollte der Anwalt der Erbe sein. Der boshafte Bäckermeister war, bei aller Bosheit, ein Philosoph. Der Anwalt jedenfalls muh sich Zeitschriften. — Die „Süddeutfch en Monatshefte" widmen das erste Heft ihres neuen Jahrgangs ber „Rassenpflege unb Volksgefunbheit". Wie behutsam ber nationalsozialistische Staat vorgeht, beweist Ministerialdirektor Dr. Gütt im ersten Aufsatz, ber bie „Maßnahmen zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" behanbelt. Im Auslanbe teilweise falsch ausgelegte Maßnahmen werden hier vom sittlichen wie vom volksgesundheitlichen Standpunkt aus als notwendig bewiesen. Sozialpolitisch äußerst anregend spricht ber Direktor beim Statistischen Reichsamt Berlin, Friebrich Burgbörfer, über die Frage des Ausgleichs der Familienlasten. Zur rassenhygienischen Umgestaltung des Eherechtes ergreift Professor Nitsche bas Wort. Erschwerung ber Ehelösung, aber vorher Verhütung unglücklicher Ehen durch Beratung, Tauglichkeitszeugnisse und Eheverbote, das ist der Weg, ber bis zum Ziele weiter- gegangen werben wirb. Professor Rübin entwirft ein Bilb der rassenhygienischen Forschung. Besonders anregend ist die Untersuchung des Verhältnisses zwischen Rassenhygiene und Anthropologie, der sich Alfred Ploetz unterzieht. Die „Bauerngeschichte" von Karl Heinrich Waggerl untermalt durch bas merkwürdige Geschick eines elternlosen Kindes das vorher Nachgewiesene — Im Oktoberheft der bekannten Zeitschrift „Volk und Rasse" (I. F. Lehmanns Verlag, München. Einzelpreis 0,70 Mark) gibt u. a. Prof. Dr. M. Schubert, Frankfurt, eine aufschlußreiche Gegenüberstellung der „Rassenmerkmale der menschlichen Haut". — Die Lebensarbeit zweier bahnbrechenden Biologen als Beispiel stillen deutschen Gelehrtenschaffens beschreibt Dr. Werner Hüttig: Fritz Schaudinn, den Entdecker des Syphilis-Erregers unb ber Ursachen ber Malaria, bes Rückfall, fiebere unb ber Amöbenruhr, unb Earl Correns, ben Wieberentbecker ber Menbelschen Regel. — Sehr fein ist bie kleine Skizze von Dr. Paul Lubwig Krieger „Freund Hokusai", in ber mit vier Momentausnahmen ber Gegensatz zwischen weißer und gelber Rasse gewissermaßen mit Zeitlupe vorgeführt wirb. Dr. Bernharb Sommerlab weist in feinem Aufsatz: „Das Rassegefühl bes deutschen Handwer- fers in der Vergangenheit" nach, daß schon im Mittelalter überall in deutschen Landen der Nachweis „von allen vier ahnen rechter deutscher Art und ehelich geboren zu sein" erforderlich war, um in eine Handwerkergilde ausgenommen zu werben. Die Aufgaben bes „nationalsozialistischen Arztes als Eheberater" befpricht Dr. L. Branbt. — Die Mitteilungen „Aus Rassehygiene unb Bevölkerungspolitik" unb die Rubrik „Ein Blick hinüber" enthalten wieder eine Fülle wissenswerter Kurzberichte. Besonders , ansprechend ,ijt diesmal auch der Bildschmuck des Heftes. Aber vielleicht etwas Käse jetzt? Ich zeige dir die Sorten, versteht sich, ober reden wir vom Kaffee? Einen Augenblick übrigens, es sind Krümel auf dem Tisch ich fege sie weg, es schickt sich nicht in meinem Service, es gehört zur guten Kellnerei daß der Gast immer an einem sauberen frischen Tische sitzt, und hätte er zehn Gänge hinter sich. also 55 Zentimeter weiter, als Hirschfelds bisheriger Landesrekord. Der Holländer de Bruyn stieß bei der gleichen Gelegenheit mit 25,87 Meter ebenfalls neuen Landesrekord. — Auch in den übrigen Wettbewerben gab es einige bemerkenswerte Leistungen. So warf Lampert (Saarbrücken) den Diskus 49,28 Meter weit, wurde aber im Kugelstoßen best- armig von Werring mit 15,48 Meter gegen nur 14,91 Meter geschlagen. Schaumburg gewann einen 1500-Meter-Lauf in 4:11,2 Min., Syring ein 5000-Meter-Rennen in 15:04,4 Min. knapp vor seinem Klubkameraden Böttcher (15:04,7 Min.). Herbstwaldlauf des Kreises Gießen. Der Sportkreis Gießen (umfassend die politischen Kreise Gießen, Wetzlar, Dillkreis, Alsfeld und Schotten) führt den Herbstwaldlauf zusammen mit der GauMaldlaufmeisterschaft am 27. Oktober 1935 in Gießen durch, allerdings erfolgt die Wertung getrennt. Die Strecke führt über 10 Kilometer (Rundstrecke im Gießener Stadtwald, die zweimal zu durchlaufen ist). Start und Hiel ist der VfB.-R.- Sportplatz. Die Veranstaltung beginnt um 13.30 Uhr. Meldungen bis zum 23. Oktober 1935 an Kreisfachamtsleiter Gg. R i ch t b e r g, Gießen, Mühlstraße 32. Abpaddeln der Gießener Paddler-Gilde Die G.ießener Paddlergilde nahm in der gewohnten Weise am Sonntag vom diesjährigen Sommer Abschied. Als Ehrengast war Frau Sonne in ihrem strahlendsten Gewand erschienen. Zum letzten Mal freute sie sich in diesem Jahr über die noch braun gebrannten Rücken und Arme ihrer Gießener Paddler. Am Vormittag wurde die traditionelle Klubmeisterschaft über die kurze Strecke (1000 Meter) ausgetragen. Der talentierte H. Z u t t mußte sich mächtig dranhalten, um vor H. M o e s e r und P. Huber zu gewinnen. Der Sieg war jedoch schon auf Grund der gezeigten Jahresleistungen durchaus verdient und wurde deshalb herzlich gefeiert. Rach dem Mittagessen erlebte die Lahn letztmalig in diesem Jahre einen richtigen Massenandrang. Dreißig Paddler zogen in fröhlicher Gemeinschaft zur Badenburg mit dem festen, jedoch erfolglosen Vorsatz, den dortigen Wirt in Kaffeeverlegenheit zu bringen. Der Abend vereinte die Mitglieder im Klublokal auf der Puloermühle. Viel Beifall erhielt ein selbst gedrehter Erlebnisfilm aus dem Arbeitsdienst von Sportkamerad Karl Lapp. Der Film wurde vom Arbeitsdienst übernommen und wird auf der demnächst stattfindenden Reichsführertaaung gezeigt. Rach einem lustigen Skifilm und nach einem mit fröhlichem Hallo aufgenommenen „Poetischen Lichtbildertatsachenbericht", von den Kameraden Lohr und Frau geschaffen und gedichtet, fand das Sportjahr 1935 bei viel Gesang ein fröhliches Ende. Stand der Fußballspiele in der I. Kreisklaffe. Unentsch. Verl. 0 0 1 1 2 3 0 1 1 2 0 Pkte. 6:0 5:1 5:3 2:4 0:4 0:6 Spiele 3 3 4 3 2 Gew. 3 2 2 0 0 i, daß alle ausgetragenen Spiele gegen 1900 und VfB.-R. II Verein Lollar Großen-Buseck Leihgestern Heuchelheim Rodheim nicht gewertet wurden, da die Spiele mit unteren Mannschaften nur als Pflicht- und nicht als Der- bandsspiele durchgeführt werden. Aus diesem Grunde Grünberg 3 0 0 VfB.-R. II und 1900 II nicht gewertet. Bei dieser Tabelle ist zu berücksichtigen, wurden keine Punkte und Tore berücksichtigt. Lollar führt die Tabelle an; die Mannschaft hat durch gute Leistungen gefallen, es steht auch zu erwarten, daß sich Lollar nicht mehr von der Spitze der Tabelle verdrängen läßt. Großen-Buseck folgt mit einem Punkt weniger, die Mannschaft war gezwungen, in ollen Spielen mit Ersatz anzutreten. Leihgestern ist durcb Abgänge von Spielern gezwungen, die Mannschaft zu verjüngen und hat viel von ihrer Kampfkraft verloren. Gegen starke Gegner zeigt sie ihren ungebrochenen Kampfgeist. Heuchelheim kam erst nach dem zweiten Spielsonntag in Fahrt, die Krise ist überwunden; man wird mit der Mannschaft rechnen müssen. R o d h e i m, erstmalig in dieser Klasse spielend, hatte Pech, daß das gewonnene Spiel gegen Wieseck nicht gewertet wurde. Gegen zwei der stärksten Gegner zu verlieren ist keine Schande. Grünberg konnte sich bis jetzt noch nicht durchsetzen, das Spiel gegen VfB.-R, II 1:0 zählt nicht, doch dürsten zu Hause noch Punkte sicher sein. Fußball in Daubringen. Daubringen — Londorf 5:1. Am Sonntag trafen sich beide Mannschaften in Daubringen. Die Gastgeber zogen sofort heftig los und die gegnerische Verteidigung bekam viel Arbeit. Der Tormann der Gäste hielt aber glänzend und ließ zunächst keinen Erfolg zu. Die Einheimischen spielten im Sturm sehr zerfahren und arbeiteten mit der Läuferreihe nicht zusammen. Zur Halbzeit stand das Treffen 1:1. Rach der Pause klappte es bei den Platzbesitzern besser. In kurzen Abständen fielen vier Tore. Die Gäste hinterließen einen sehr guten Eindruck. Die Jugend von Daubringen verlor ersatzgeschwächt in Garbenteich mit 3:4 Toren. Abturnen im Turnverein »Gut Heil" Reiskirchen. Am Sonntag veranstaltete der hiesige Turnverein bei sehr starker Beteiligung sein Abturnen. Am frühen Morgen marschierten die Turner auf den Turnplatz an der Schule auf, um sich unter der umsichtigen Leitung des Turnbruders Ewald Jünger in den volkstümlichen Wettkämpfen zu messen. Als Riegenführer und Kampfrichter waren ältere Der- eins- und Turnkameraden tätig. Nachmittags nahmen die Wettkämpfe an den Geräten im Vereinslokal Gundrum ihren Fortgang. Der erste Dereinsführer Pg. Glaub hieß die zahlreich Erschienenen herzlich willkommen. Sofort traten die Turner an die Geräte, an denen zwei Turnbrüder aus Großen-Buseck als Kampfrichter ihres Amtes walteten. Durch sofortige Bekanntgabe der Punktzahl an einer großen Tafel konnte man sich über den Stand der einzelnen Leistungen sofort unterrichten, zumal auch die erreichte Punktzahl vom Vormittag ersichtlich war. In der Unterstufe entwickelten sich scharfe Kämpfe. Nach Beendigung des Geräteturnens am Reck, Barren und Pferd mit je einer Kürübung und einer Pflichtfreiübung dankte der Vereinsführer den Gästen und allen denen, die sich in den Dienst der Sache gestellt hatten. Ein ernstes Mahnwort richtete er an die Jugend, die heute der Turnersache noch fernsteht und die es einstmals bereuen werde, nicht aktiv als Turner tätig gewesen zu sein. Turnbruder Jünger nahm dann die Siegerverkündigung vor. Er wies nochmals auf die guten Leistungen hin. Er ermahnte die Turner, fleißig weiter zu arbeiten. Die Slegerlisie. Vierkampf der Oberstufe: 1. L. Launs- pach 89 P.; 2. Max Roth 82 P.; 3. Phil. Launs- pach 69 P.; 4. K. Menge! 66 P.; 5. Ferd Becker 56 P. Vierkamp f der Unterstufe: 1. Erich Opper 107 P.; 2. K. Stock 86 P.; 3. K. Damm 80 P.; 4. Helmuth Rausch 76 P.; 5. Hch. Schmidt 62 P. Vierkampf der Schüler: 1. Hch. Jünger 86 P.; 2. Willi Launspach 80 P.; 3. Willi Damm 77 P.; 4. Rich. Döring 75 P.; 5. Ludw. Peter 73 P. Neunkamps der Oberstufe: 1. L. Launspach 168 P.; 2. Phil. Launspach 163 P.; 3. Ferd. Becker 150 P.; 4. K. Mengel 149 P.; 5. Hch. Jakob 132 P. Neunkampf der Unterstufe: 1. Erich Opper und Karl Stock je 163 P.; 2. Helmut Rausch 158 P.; 3. K. Damm 157 P.; 4. Hch. Schmidt 143 P.; 5. Hch. Peter 135 P. Abiurnen im Turnverein Mainzlar. Der hiesige Turnverein hielt am Sonntag fein Abturnen ab. Den leichtathletischen Fünfkampf der Aktiven, bestehend aus Hochsprung, Weitsprung, Kugelstoßen, Keulenweitwurf und 100-Meter-Lauf, gewann Karl Surg ft einer. Es wurden auch sonst recht gute Leistungen erzielt. Nach Schluß nahm Sportwart Kern die Siegerverkündigung vor. Die Ergebnisse: Turner: 1. Karl Burg- steiner, 97 Punkte; 2. Wilh. Bittendorf 95; 3. Wilh. ©paar 79 Punkte. Jugend-Ober- stufe: 1. Erich ©paar 93 Punkte; 2. Wilh. Günther 79; 3. Joseph Paff 74 Punkte. Jugend- Unterstufe: 1. Walter Vogel 83 Punkte; 2. Karl Orb 81; 3. Erwin Speier 73 Punkte. Kurze Sportnotizen. Rudi H i d e n, einst der gefeierte Torhüter der österreichischen Fußball - Nationalmannschaft und heute mit 100 000 Franks (!) auf der Transfer-Liste seines Pariser Vereins stehend, will sich jetzt dem Eishockeysport zuwenden und dort sein Glück als Torwart versuchen. ♦ Gute Kameraden sind die deutschen Dauerfahrer. Am 20. Oktober werden in Elberfeld Rennen ausgefahren, an denen Krewer, Möller, Lohmann, Stach, Leuer, Neustedt und Jffland beteiligt sind. Der gesamte Ertrag dieser Veranstaltung wird dem seinerzeit in Elberfeld schwer gestürzten spanischen Dauerfahrer Prieto zur Verfügung gestellt. Wirtschaft. Der deutsche Außenhandel im September. Fwd. Die Einfuhr war im September mit 318 Millionen Mark ebenso hoch wie im Vormonat. Eine Erhöhung der Einfuhr von Lebensmitteln um 5 Millionen Mark wurde durch eine annähernd gleich starke Abnahme der Rohstoffeinfuhr ungefähr ausgeglichen. Die Einfuhr von Fertigwaren war gegenüber dem Vormonat wenig verändert. Die Entwicklung der Einfuhr nach Ländern zeigt im einzelnen große Unterschiede. Stark vermindert war die Einfuhr aus Rußland, Italien und den Niederlanden. Dagegen sind die Bezüge aus Belgien- Luxemburg, Bulgarien, Dänemark, Griechenland und Rumänien gestiegen. Von den überseeischen Ländern konnten Britisch-Südafrika und Chile ihren Absatz nach Deutschland etwas erhöhen. Die Ausfuhr hat gegenüber dem Vormonat um rund 5 Millionen Mark zugenommen. An der Zunahme der Gesamtausfuhr waren im wesentlichen nur Rohstoffe beteiligt. Die Fertigwarenausfuhr hat leicht abgenommen. Die geringe Steigerung der Ausfuhr im September entfällt ausschließlich auf europäische Länder. Zugenommen hat vor allem der Absatz nach Belgien-Luxemburg, Dänemark, Großbritannien, Italien, Oesterreich, Schweden und der Tschechoslowakei. Diesen Zunahmen stehen Rückgänge bei der Ausfuhr nach Bulgarien, Frankreich, den Niederlanden und Norwegen gegenüber. Der Absatz nach den überseeischen Ländern war im ganzen geringer als im Vormonat. Die Handelsbilanz schließt im September mit einem Ausfuhrüberschuß von 55 Millionen Mark, gegenüber 50 Millionen Mark im Vormonat, ab. Einer Steigerung der Aktivität der Gesamtheit der europäischen Länder steht eine Passivierung im Verkehr mit den lieber» feeländern gegenüber. Ausländer als Eigentümer von inländischen Grundstücken. Fwd. Die Devisenstelle, Zweigstelle Frankfurt am Main, teilt mit, daß Veranlassung besteht, darauf hinzuweisen, daß Zahlungen, welche die. Verwaltung von ganz oder teilweise Ausländern gehörenden, im Inland gelegenen Haus- und Grundbesitz betreffen, genehmigungspflichtig find. Ebenso bedarf die Veräußerung der vom zuständigen Finanzamt auf Grund des Gesetzes zur Förderung des Wohnungsbaues vom 30. Mai 1935 erhaltenen Ge- meindeumschuldungs-Anleihestücke bei einer inlänbi» fchen Devisenbank, sowie die Einlösung der fälligen Zinsscheine hiervon und die Verfügung über den Erlös der Anleihe und Zinsen für Zwecke der Hausverwaltung der Genehmigung. Diese Genehmigung kann zugleich mit der Verwaltergenehmigung allgemein beantragt werden. Entsprechende Anträge sind bei der Devisenstelle einzureichen, in deren Bezirk der Verwalter wohnt. Es empfiehlt sich, die Genehmigung für einen längeren Zeitraum einzuholen. Deoisenrechtlich sind als Ausländer jene Personen anzusehen, die im Ausland ihren dauernden Wohnsitz haben. Die von den ausländischen Grundstückseigentümern bestellten Verwalter dürfen ohne Genehmigung der zuständigen Devisenstelle für Rechnung der Ausländer weder Zahlungen annehmen, noch leisten. Rhein-Mainische Börse. Mttagsbörse ruhig. Frankfurt a. M., 16.Okt. Die Börse lag bei Eröffnung wieder außerordentlich ruhig. Die Unternehmungslust blieb sehr klein, zumal von der Privatkundschaft Aufträge nahezu fehlten. Die Fülle günstiger Wirtschaftsnachrichten, so u. a. die 3 (2,5)- prozentige Dividendenerklärung im Klöckner - Konzern, die Exportsteigerung bei der Adam Opel-AG. und die vorteilhafte Entwicklung bei der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg, fand daher kaum Öen, entsprechenden Niederschlag, wiewohl sie der Gesamthaltung gegenüber der starken Geschäftsstille eine Stütze gaben. Am Aktienmarkt hielten sich die Veränderungen nach beiden Seiten in engen Bahnen. JG.- Farben eröffneten mit 149,50 (149,90). Am Elektromarkt bröckelten die Kurse zumeist um 0,50 bis 0,75 v. H. ab, höher gesucht waren nur Chade-Aktien. Auch Montanpapiere gingen überwiegend um 0,50 v. H. zurück, außer Mansfeld mit plus 0,50 v. H. Sonst eröffneten noch niedriger: Daimler 93,50 (94,40), Westdeutsche Kaufhof 22 (22,50), Zellstoff Aschaffenburg 78,40 (79). Leicht befestigt waren Reichsbank, Hapag, Zellstoff Waldhof und Kunst- seide Aku bei Erhöhungen bis 0,75 v. H. Auch der R e n t e n m a r f t lag außergewöhnlich still bei zumeist unveränderten Kursen, so für Altbesitz, späte Reichsschuldbuchforderungen, Zinsvergütungsscheine und Kommunalumschuldung. Etwas höher gefragt waren zertifizierte Dollar-Bonds. Von Auslandrenten notierten Anatolier mit 38,65 (38,40). Im Verlaufe hielt die Geschäftsstille an und infolgedessen bröckelten die Kurse überwiegend weiter um Bruchteile v. H. ab, so u. a. JG.-Farben auf 149, Stahlverein auf 80,25, AEG. auf 36,75. Von den später notierten Werten lagen Julius Berger 1 v. H., Laurahütte bei kleinstem Umsatz 1,75 v. H. und Chade A bis C 3 Mark höher. Die Mehrzahl der Werte lag indes etwas niedriger. Bank für Brauindustrie lagen exclusive Dividende mit 116 (121,50) behauptet. Am Rentenmarkt ergaben sich keine Veränderungen von Belang. Don Goldpfandbriefen notierten Rheinische Hypotheken-Bank mit 96,25 nach 96. Liguidationspfandbriefe bröckelten zumeist um 0,13 o. H. ab, auch Stadtanleihen lagen nicht voll behauptet. Auslandrenten still. Tagesgeld unverändert 3 v. H. Abendbörse abbröckelnd. Die Abendbörse brachte am Aktienmarkt bei außerordentlich geringfügigem Geschäft zumeist weitere leichte Abschwächungen von 0,25 bis 0,50 v. H. gegen den Berliner Schluß. Das Angebot war zwar sehr klein, die Aufnahmeneigung blieb aber andererseits sehr klein. IG. Farben gaben zunächst auf 148,50 (149,13) nach, erholten sich aber wieder auf 148,75; an der Nachbörse waren sie allerdings zu 148,50 eher angeboten. Voll behauptet lagen nur wenige Werte, darunter Scheideanstalt, Süddeutscher Zucker, Bayerische Motorenwerke und Reichsbank. Der Rentenmarkt lag ebenfalls sehr still, die Kurse konnten sich aber gut halten. Von Ausländsanleihen waren Ungarn beachtet und höher, während 3,5 v. H. Schweizer Bundesbahn auf 178 (180) nachließen. U. a. notierten: Altbesitz 111,40, 7 v. H. Stahl- verein 101,90, IG. Farben-Bonds 122,50, Reichs- bahn-DA. 122,75, 5,50 v. H. Franks. Hyp.-Liquid. 100,35, 1913er und 1914er Ungarn 9, Ungarn-Gold 9,25, 1910er Ungarn 8,95, 3,50 SBB. 178, Commerzbank 86,50, Reichsbank 172, Harpener 109,75, Mannesmann 82,75, Hoesch 90, Rheinstahl 104,75, Stahlverein 80, AKU. 51,25, AEG. 36,75, Bayerische Motoren 120, Bekula 142,25, IG. Chemie, volle 174, leere 146, Conti-Gummi 151, Scheideanstalt 236, Deutsche Linoleum 143,40, Licht und Kraft 129,75, IG. Farben 148,50 bis 148,75, Gesfürel 123, Goldschmidt 103, Junghans 83,25, Ludwigshafener Walzmühle 150, Moenus 81,50, RWE. 122,75, Ritt- gerswerke 112, ©chuckert 118,50, Siemens 168, Süddeutsche Zucker 211, AG. für Verkehrswesen 76, Hapag 16. Jranffutfer Getreidebörse» Frankfurt a. M., 16. Ott. Der Getreide großmarkt lag auf allen Gebieten weiter still. Weizen ist bei den Mühlen nur schwer unterzubringen, da sie durch die Zuweisungen mit alterntigern Material seitens der RsG. ausreichend versorgt sind. Roggen wird von den Klein- und Mittelmühlen lausend ausgenommen. Futtergerste und Futterhafer sind weiter stark gefragt, aber nicht angeboten. Braugersten in hochwertigen Qualitäten bleiben gesucht. Am Futtermittelmartt war Kleie nicht angeboten, auch in Ölhaltigen Futtermitteln erwartet man noch die Zuteilungen für Oktober. Nachmehle fanden nur wenig Interesse. Der Mehlmarkt verzeichnet laufendes Bedarfsgeschäft. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 13 201, W 16 204, W 19 208, W 20 210; Roggen R12 164, R 15 167, R18 171, R19 173, Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Sommergerste für Brauzwecke 200 bis 210. Weizenmehl w 13 27,85, W 16 28,10, W 19 28,10, W 20 28,45; Rog- genmehl R12 22,65, R 15 23,00, R 18 23,45, R 19 23,70 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizennach- mehl 17,10 bis 17,25; Weizenfuttermehl 13,50. Weizenkleie W13 10,65, W16 10,80, W19 11, W 20 11,10; Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R19 10,50, Mühlenfeftpreise ab Mühlenstation. Sojaschrot mit Monopolzuschlag 16,20; Palmkuchen m. M. 16,80; Erdnuhkuchen m. M. 18,30; Heu 7,50 bis 8,00; Weizen- und Roggen- stroh (drahtgepreßt) 3,20 bis 3,40, do. (gebündelt) 2,60 bis 2,80. Frankfurter Pferdemarkt. Frankfurt a. M., 16. Okt. Der Frankfurter Pferdemarkt wies einen Auftrieb von nur 250 Tieren auf. Zum Verkauf standen Pferde aller Gattungen, auch einige Transporte Arbeitspferde aus Jugoslawien. Der Handel war schleppend, die Preise etwas gedrückt. Für die eingeführten Pferde wurden 1000 bis 1150 Mark je Stück bezahlt. Im übrigen wurden für schwere Arbeitspferde 1200 bis 1400 Mark, für mittelschwere Zugpferde 900 bis 1050 Mark und für leichte Laufpferde 650 bis 800 Mark je nach Qualität erzielt. Schlachttiere 1. Qualität kosteten 38 bis 40 Mark und 2. Qualität 33 bis 35 Mark je 50 Kilogramm Schlachtgewicht. Der nächste Markt findet am 3. Dezember statt. Frankfurter Schtachtviehmarkt. F r a n k f u r t a. M., 17. Oktober. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb 57 Rinder (9 Ochsen, 2 Bullen, 24 Kühe, 22 Färsen), 612 Kälber, 223 Schafe, 127 Schweine. Es kosteten: Kälber 48 bis 72 Mark, Hämmel 40 bis 45, Schafe 33 bis 42, Schweine 54 Mark. — Marktverkauf: Kälber, Hämmel und Schafe lebhaft, Schweine wurden zugeteilt. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben dte Höhe der zuteg, beschloßenen Dividende an. - Reichsbankdiskont 4 p. fr, Lombardzinsfuß 5 v, fr Frankfurt 0.2JL Berlin Schluß- kllsS Schluß!. Abend- börsc Echluß- kurö Schluß!. Mittag« börse Datum 15-10. 16.10. 15.10. 16.10. 6% Deutsche RetchSanlethe v. 1927 100,4 100,4 100,13 100,13 4% Deutsche RetchSanl. von 1934 97,65 97,65 97,65 97,65 b^,% Doung^lnleihe von 1930 .. 102,5 102,25 102 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mtl AuSlos.-Rechten ............. 111,4 111,4 111,65 111,65 4’/»% Deutsche Retchspostschatzan. Weisungen von 1934, 1....... 6% ehem.8% Hess. Volksstaat 1929 100,15 100,13 100,13 100,1 (rückzahlb. 102%)............ 96 96 96,5 -- 4%% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 96,13 96,13 — — ehem. Hess. LandeS.Hypo« thekenbank Darmstadt Ltoui ... 100,75 100,75 _ 4Vx% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R.6 —— _ _ vberhessen Provinz-Anleihe mil Auölos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. QIn- — — — — leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 112,75 112,5 113 112,75 *&% ehe m.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 96,25 96,25 _ i’4% ehem. 4/2% Franks. Hyp.. Bank'Liqu.-Psandoriefe....... W/o ehem. 4y,% Rheinische 100,45 100,35 - — Hyp.-Bank-Ltqu.-Goldpse..... 4¥i% ehem. 8% Pr.Landeöpfand- briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 100,75 100,65 100,65 100,5 97 97 97 97 4%% ehem. 7% Pr. Landespfand. briefanst., Gold Komm. C6I.VI 97 97 ^teuergutlch Verrechnung«!. 35-89 107,3 107,3 107^3 107^3 4% Oesterrelchtsche Goldrente.... 26,25 26,5 26,5 26,9 4,20% Lesterreichtsche Silberrente 1,25 4% Ungarische Goldrente ....... 9 9,25 8,9 9,13 4% Ungarische StaatSrente v. 1910 8,8 8,95 8,65 9 4%% desgl. von 1913.......... 8,9 9 8,85 6% abgest. Goldmexikaner von 99 10 10 10 10 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie t..................... ■W — Frankfurt a. M «Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend« börse Schlußkurs Schlußk. Mittag« börse Datum 15-10- 16.10. 15-10. 16.10 4% desgl. Serie II ............. 6% Rumän. veretnh. Rente v. 1903 4?49c>Rumän.vereinh.Renlev.i913 4% Rumänische veretnh. Rente .. 2Vi% Anatolier ............... Hamburg-Amertka-Paket .....o Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........o ll.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz, und Prioat-Bank ... 0 Deutsche Bank und DiSconto- Gesellschaft................o Dresdner Bank..............0 Reichsbank ................ 12 A.E.G......................0 Betula.................... io Elektr. Lieferungsgesellschaft... 6 Licht und Kraft ........... 6'A Felten & Guilleaume......... 0 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........5 Rhein. Wests. Elektr..........6 SchuckertSCo............... 4 Siemens L Hal-ke............. Lahmever L Lo.............. 7 Buderus ...... 0 Deutsche ($tbN .............. 4 Gelsenkirchener............... 8,4 4,75 38,4 16 17,75 75,5 112 86,5 87 87 171,5 37,25 142 109,75 130,4 103 123,75 129,5 123,25 119,5 168 129 99 103,75 5,7 8,4 4,8 38,65 16 18,25 76 111,25 86,5 86,5 86,5 172 36,75 142.25 109,75 129,75 102 123 127 122,75 118,5 168 128,5 100,25 104,25 5,4 8,5 4,75 38 16,4 18,4 • 76,25 111 86,5 87 87 172.5 37,25 142,13 109,5 130,5 102,5 123,75 127,5 123,25 119,5 169 129,25 99,5 104,5 5,7 8,4 4,85 38,8 16,4 18,4 76,5 111,75 86,5 86,5 86,5 172,5 36,9 142 110 130 101,5 123 122,75 119 168,5 128,5 99,75 104,4 Harpener............. 0 Hoesch Etsen—Kvln-Neuefs« .. 0 Ille Bergbau ............... s Ilse Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke ............. Mannesman n-Rühr« ........ 0 110,25 91,13 124,5 89,5 83,75 109,75 90 124,5 89 82,75 110,25 91,5 157 125 89,25 83,75 109,65 90,65 124,75 88,5 83 Frankfurt tu M. Berkin Schluß« kurü Schlußk. Abendbörse Schluß« kurü Schlußk. Mittagbörse Datum 15.10. 16.10. 15.10. 16-10. Mansselder Bergbau .. ....... | 116 116,5 116,75 116,75 Kökswerke ........... .......6 — — 114,5 113,65 Phönix Bergbau...... .......0 — —— Rheinische Braunkohlen .....12 215,5 215,5 215,75 214.5 Rheinstahl ........... .....8'/, 106,5 104,75 106 105 Bereinigte Stahlwerke. .......0 80,9 80 80,9 80,5 Otavi Minen ........ .......0 19,75 19,25 19,5 19,5 Kaliwerke Aschersleben. .......5 131,25 130,75 131,5 131 Kaliwerke Westeregeln . .......5 123 125 123,5 Kaliwerke Salzdetfurth .....7K 183 183 183 183 9- ®- Farben-Inbullri» .......7 149,9 148,5 149,65 149,13 Scheideanstalt........ .......9 237 236 Goldschmidt ......... .......0 103 103 103 102,65 Rütgerswerke ........ .......4 113 112 113 112,5 Melallgesellschast...... .......* 105,5 105 105,13 106 Philipp Hohmann .... Zementwerk Heidelberg Eementwerk Karlstadt.. .......0 88,5 89 89 89 ******* 4 116,5 130 117 130 = Schultheis Patzenhoser ....... 4 _ — 102,5 102,4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 51,25 51,25 51,5 51,75 Bemberg............ .......0 102 100,75 101,75 101,75 Zellstoff Waldhof..... .......0 108,5 109 108 108 Hellstoff Aschaffenburg .......0 79 78,4 79 78,13 Dessauer GaS ........ .......7 —» 125,25 124,5 Daimler Motoren..... .......0 94,4 93,5 94 93,4 Deutsche Linoleum .... .......6 144 143,4 144 144 Lrenstein L Koppel ... .......0 79,5 79,75 Westdeutsche Kaufhof.. .......0 22,5 22,4 22,5 22,4 Chade............... .......0 290 293 287 292,5 Aecumulatoren-Fabrü. ......12 170,5 Lonti^Lumml........ .......8 150,5 151 151,75 151,25 Gritzner............. .......0 30 29,5 29,25 Mainkraftwerke Höchst 4 - Süddeutscher Zuck« .. ••••••• w 211 211 210 210,25 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt -a. M. 15.Oktober 16-Offobei Amtliche Notierung Amtliche Notierung^ Geld Brief Geld Brief Buenos Atre-. 0,678 0,682 0,677 0,681 Brüssel..... 41,82 41,90 41,84 41,92 Rio de Ian. . 0,144 0,146 0,142 0,144 Sofia ...... 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,40 54,50 54,47 54,57 Danzig..... 46,81 46,91 46,83 46,93 London ..... 12,185 12,215 12,20 12,23 HelstngforS.. 5,37 5,38 5,37 5,38 Paris ...... 16,375 16,415 16,38 16,42 Holland .... 168,42 168,76 168,30 168,64 Italien..... 20,24 20,28 20,24 20,28 Japan...... 0,711 0,713 0,712 0,714 Jugoslawien. 5,674 5,686 5,674 5,686 Oslo..... : 61,17 61,29 61,25 61,37 Men....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,05 11,07 11,06 11,08 Stockholm... 62,81 62,93 62,89 63,01 Schweiz .... 80,86 81,12 80,94 81,10 Spanten.... 33,94 34,00 33,95 34,01 Prag....... Budapeg ... 10,275 10,295 10,275 10,295 Neuyork .... 2,486 2,490 2,486 2,490 Bantnoten. Berlin, 16.Oktober Geld M Amerikanische Not«.............. 2,438 41,68 54,26 2,458 41,84 54,48 Belgische Noten.................. Dänische Noten ................ Englische Noten ................. 12,165 12,205 Französische Noten............... 16,33 16,39 Holländische Noten ............... 167,88 168,56 Italienische Noten................ 19.46 19,54 Norwegische Noten ... i.......... Deutsch Oesterreich, i 100 Schilling 61,09 61,33 Rumänische Noten............... —- _ Schwedische Noten............... 62,72 62,98 Schweizer Noten................. 80,76 33,59 81,08 33,73 Spanische Noten................. Ungarische Not« •••••••••••••«••