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Stantfutt am Main 11686 Prüft und Verlag: vrühl'sche Unioerfitätsvllch- und Stdnöructerd R. Lange in Stehen. Schriftlettung und SeschäftrsteNe: Schulftrahe 7 M-ng-nabschW-'staffel Eine Herausforderung Deutschlands. ^aval legt den Entschließungsentwurf der Konferenz von Gtrefa gegen die Verkündung der deutschen Wehrhoheit dem Völkerbundsrat vor. Genf, 16. April. (DNB.) Nach einer geheimen Sitzung, die nur einige Minuten dauerte, trat der Bolkerbundsrat in öffentlicher Sitzung zur Behandlung des französischen Antrages gegen den deutschen Beschluß zur Einführung der allgemeinen Wehrpflicht zusammen. Sofort nach Eröffnung der Sitzung erteilte der Präsident des Rates, der türkische Außenminister R ü s ch t ü " r Q5 . dem französischen Außenminister Laval das Wort zu einer kurzen Erklärung, die die Unterbreitung eines Entschließungsentwurfes im Namen der drei Mächte Frankreich, England und Italien, begleitete. Laval erklärte: Indem die französische Regierung den Entschluß gefaßt hat, diese Aussprache herbeizuführen, gibt sie ihrem Vertrauen in den Völkerbund Ausdruck. Es ist dies eine Anerkennung der Unabhängigkeit, der Unparteilichkeit und der Autorität der Genfer Institution. Das deutsche Vorgehen vom 16. März muß verurteilt werden. Es müssen Maßnahmen ins Auge gefaßt werden, um i n d e r Zutun f t den Völkerbundspakt hinsichtlich der Organisation der kollektiven Sicherheit wirksamer zu gestalten. Da der Rat mit der Aufrechterhaltung des Friedens betraut ist, wird er heute nicht schweigsam und unbeteiligt sein wollen. Er muß sich seiner Herkunft erinnern und muß die Grundsätze, auf denen er begründet ist, beherzigen. Er muß die Folgen seiner Haltung abmessen: dann wird er seiner Mission gerecht werden. Die Völker wissen, daß das Vertrauen in die beschworene Treue und in die übernommenen Verpflichtungen nicht nur ein moralisches Prinzip ist, sondern das lebendige Gesetz des Völkerbundes. Frankreich hat durch seine Taten gezeigt, daß es den Frieden will. In London haben wir am 3. Februar zusammen mit der britischen Regierung ein Verhandlungsprogramm ins Auge gefaßt, das uns schnell zu einer haltbaren Organisation der Sicherheit in Europa führen sollte. Unsere Vorkehrungen sind durch das deutsche Vorgehen zunichte gemacht worden. Wer könnte bestreiten, daß die Reichsregierung durch ihre Handlungsweise in der Welt die Enttäuschung und Beunruhigung verursacht hat? Wir machen keinen Unterschied zwischen den einzelnen Nationen. Alle Völker müssen auf demselben Boden der Gleichheit behandelt werden. Unsere Politik ist gegen kein Land gerichtet. Die Sicherheit, die wir verlangen, wollen wir für alle. Man wird in der Welt nicht sagen können, daß Frankreich durch den Antrag, dem notwendigen Werk der Versöhnung zwischen den Völkern geschadet hat. Wenn es für die Erfordernisse der internationalen Moral nötig ist, über die Vergangenheit zu richten, so darf doch die schwierige, langsame und oft undankbare Arbeit nicht unterbrochen werden, den Frieden zu organisieren. Ich habe daher die Ehre, bei dem Büro des Rats einen Entschließungsentwurf zu hinterlegen, der die Schlußfolgerung aus der jetzigen Debatte darstellen soll. Diese Entschließung wird von Frankreich, England und Italien unterbreitet. Der Entschließungsentwurf: I. Der Völkerbundsrat ist der Ansicht, 1. daß die gewissenhafte Einhaltung all er Verpflichtungen aus den Verträgen eine Grundregel des internationalen Lebens und eine Voraussetzung der Aufrechterhaltung des Friedens ist; 2. daß es ein Hauptgrundsah der Menschenrechte ist, daß k e i n e M a ch t si ch v o n d e n V e r - pftichtungen eines Vertrages los- lösen kann, noch daß sie seine Bestimmungen ohne Rebereinstimmung mit den anderen vertragschließenden Parteien abändert; -. daß die deutsche Einführung des Wehrgesehes vom 16.März 1935 in Widerspruch mit diesen Grundsätzen steht; 4. daß durch diese einseitige Maßnahme kein Recht entstehen konnte; 5. daß diese einseitige Maßnahme, indem sie ein neues Störungselement in die internationale Lage brachte, notwendigerweise als eine Drohung gegen die europäische Sicherheit erscheinen mußte. In der Erwägung, daß andererseits 6. die britische Regierung und die Regierung Frankreichs, mit Zustimmung der italienischen Regierung, die deutsche Regierung seit dem 3. Februar 1935 mit dem Programm einer allgemeinen Regelung befaßt hatten mit dem Ziele, durch freie Verhandlungen den Frieden in Europa 3u organisieren und zu einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung im Rahmen der Gleichberechtigung zu gelangen, bei gleichzeitiger Sicherstellung der aktiven Mitarbeit Deutschlands am Völkerbund; 7. daß die einseitige Maßnahme Deutschlands nicht nur unvereinbar mi t diesem Plan ist, sondern daß sie auch gerade zu der Zeit kam, als die Verhandlungen tatsächlich im Gange waren, erklärt der Rat: daß Deutschland gegen die Pflichten, die allen Mit- gliedern der internationalen Gemeinschaft auferlegt sind, verstoßen Hal, nämlich die eingegangenen Verpflichtungen innezuhalten. Der Rat verurteilt jede einseitige Aufkündigung der internationalen Verpflichtungen. II. Der Rat richtet an die Regierungen, die das Programm vom 3. Februar 1935 ins Leben gerufen haben oder die sich ihm angeschlossen haben, die Aufforderung, die Verhandlungen, die sie begonnen haben, fortzusehen und vor allem im Rahmen des Völkerbundsabkommens die Verträge abzuschließen, die im Einklang mit den Verpflichtungen des Völkerbundspaktes notwendig erscheinen sollten, um das Ziel zu erreichen, das in diesem Programm zur Sicherung der Aufrechterhaltung des Friedens vorgesehen ist. III. In Erwägung, daß die einseitige Aufkündigung internationaler Verpflich- t ungen sogar die Existenz des Völkerbundes in Gefahr bringen kann, also einer Einrichtung, die die Pflicht hat, die Aufrechterhaltung des Friedens zu sichern, und die allgemeine Sicherheit zu organisieren, beschließt der Völkerbundsrat: Daß eine derartige Vertragsaufkündigung, ohne damit die Anwendung der Bestimmungen zu beeinträchtigen, die schon in anderen internationalen Verträgen vorgesehen sind, von seilen der Mitglieder des Völkerbundes und im Rahmen des Völkerbuudspaktes alle geeigneten Maßnahmen Hervorrufen müßten, sobald es sich um Verpflichtungen handelt, die die Sicherheit ber Hölter und die Aufrechterhaltung des Friedens in Europa berühren. Der Rat beauftragt einen Ausschuß, der in folgender Weise zusammengesetzt sein soll: (Hier ist eine Lücke im Text gelassen) zu diesem Zwecke Maßnahmen vorzuschlagen, welche den Völker- bnndspakt wirksamer machen sollen hinsichtlich der Organisation der allgemeinen Sicherheit, und der im besonderen wirtschaftliche und finanzielle Maßnahmen genau f e ft l e g e n soll, die angewendet werden könnten in dem Fall, daß in Zukunft ein Staat, ob er nun Mitglied des Völkerbundes ist oder nicht, den Frieden in Gefahr bringen sollte, indem er einseitig seine internationalen Verpflichtungen aufkündigt. Der englische Außenminister Sir John Simon begann mit der Feststellung, daß die von Laval oorgelegte Entschließung eine gemeinsame Entschließung der drei Stresa-Mächte sei. Er wolle besonders daraus aufmerksam machen, daß die kollektive Aufrecherhaltung des Friedens im Rahmen des Völkerbundes das Ziel der drei Mächte sei. Obschon die Umstände, die die Einreichung der Entschließung hervorgerufen hätten, die Tat eines einzelnen Staates seien, müßten die Ratsmächte diesen Vorschlag auf sich anwenden und den Entschluß fassen, die darin festgehaltenen Pflichten unparteiisch gegenüber allen a n z u.e r k e n n e n. Der zweite Teil der Entschließung bestätige das Programm von London, er fei glücklich, daß diese Anstrengungen dadurch in den Rahmen des Völkerbundes gestellt seien. Es handle sich hier um einfache Vorschläge, die durch die Umstände besonders gerechtfertigt seien. Die Entschließung schließe keine Tür für die Zukunft, im Gegenteil, sie werde zeigen, daß der Völkerbund einig sei, um die Sache zu verteidigen, für die, er gegründet worden sei. Alle Türen würden o f f e n b te i b e n , um es möglich zu machen, durch Verhandlungen zu einer allgemeinen Regelung zu gelangen, die für die Aufrechterhaltung des Friedens und für die zukünftige Sicherheit der Welt notwendig sei. polen ignoriert die französische Klage. Grundlegende Vorbehalte gegen die Ostpattpläne. Der polnische Außenminister Neck erklärte: Niemand könne bestreiten, daß gewisse Verpflichtungen des Paktes unglücklicherweise ziemlich häufig nicht durchgeführt worden seien und daß dadurch das Ansehen des Völkerbundes vermindert worden sei. Glaube man ernstlich, daß es möglich ist, seine Autorität wieder herzustellen und die Wirksamkeit einer Aktion zu erhöhen, indem man die Zahl der Artikel und der Paragraphen vermehrt, die neue Verpflichtungen enthalten? Der Rat muß sich beschränken auf die Prüfung und Sondierung in dieser Hinsicht, da jede Entscheidung, die eine Erweiterung der Verpflichtungen des Völkerbundspaktes in sich schließt, zur Zuständigkeit aller Mitgliedsstaaten des Völkerbundes gehört. Polen hat zweifellos zu denjenigen Staaten gehört, die diese hohe Versammlung a m wenigsten im Hinblick a u f das Sicherheitsproblem beschäftigt haben. Trotzdem ist Polen an der Sicherheit aufs stärkste interessiert. Noch vor z w e i I a h r e n ist der Geisteszustand, in dem sich die politischen Beziehungen zwischen den Staaten Osteuropas entwickelten, wenig befriedigend gewesen. Trotzdem hat man sich damals wenig um die Sicherheit in diesem Teil Eurovas gekümmert. Um so lieber stelle er heute fest, daß sich die politischen Beziehungen in dieser Gegend außerordentlich günstig entwickelt haben. Beck erinnerte an die Nichtangriffsverträge seines Landes sowie Estlands, Finnlands und Lettlands mit Sowjetrußland, um dann besonders die freundschaftliche Entwicklung der Beziehungen mit Deutschland darzulegen. Man könne sich daher nicht wundern, daß die öffentliche Meinung Polens lebhaft überrascht fei, daß man nun dringend neue Mittel zur Befriedung Osteuropas verlange, in einem Augenblick, wo die F e ff i g u n g der Beziehungen zwischen Polen und zwei großen Rachbarn in so wirksamer Weise durchgeführt worden fei. Er könne nicht verheimlichen, daß diese Tatsache in der öffentlichen Meinung Polens starken Verdacht erregt habe, und daß man sich frage, ob nicht gewisse ins Auge gefaßte Verträge — wenn auch nicht hinsichtlich ihrer Absicht, so doch hinsichtlich ihrer möglichen Wirkungen — den Frieden beeinträchtigen können, der durch eine aufrichtige und loyale politische Anstrengung hergestellt worden fei. Man habe die Sorge, daß neue Abkommen das Richtangriffssystem an der polnischen Ostgrenze verwässern könnten oder auch die guten nachbarlichen Beziehungen mit den Rachbarn Polens im westen in Frage stellen könnten. Die polnische Regierung betrachte diese beiden Tatsachen als besonders wichtig und entscheidend. Aus diesem Grunde könne sie die Prüfung irgendeines neuen Vorschlages nur dann ins Auge fassen, wenn sie die Ueberzeugung gewonnen habe, daß er keine sehr schwerwiegenden Nachteile im Gefolge habe, weder hinsichtlich der Lebensinteressen Polens, noch hinsichtlich der Aufrechterhaltung des Friedens in Nordosteuropa. Der itallemscheKabmettscheMojsi erklärte, daß in dem gemeinsamen Entschließungsentwurf die Grundlagen festgelegt worden seien, die die Taten der italienischen Regierung auf internationalem Gebiet immer geleitet haben. Die faschistische Regierung habe ihre Pplitik immer auf Realitäten, aber auch auf die Interessen aller Nationen gegründet. Sie werde aber, obwohl sie die Notwendigkeit des Geistes der Verständigung nicht verkenne, sich dem Willen derjenigen widersetzen, die den europäischen Frieden bedrohen. Dieser Wille habe sich nicht nur in Worten, sond.ern in Taten ausgedrückt. Die italienische Regierung habe seinerzeit die weitestgehenden Vorbehalte geltend gemacht gegen die Entscheidung der deutschen Regierung vom 16. März. Sie schließe sich vollinhaltlich den Erklärungen Frankreichs und Großbritanniens an. Die italienische Regierung habe immer der Ansicht Ausdruck verliehen, daß es angezeigt wäre, den Teil V des Versailler Vertrages einer Revision zu unterziehen. Sie habe aber dabei immer klar zu verstehen gegeben, daß eine solche Revision auf rechtlichem Wege Zustandekommen müsse. Die faschistische Regierung sei einer Meinung mit Frankreich und Großbritannien in ihrem Vertrauen in die Politik der internationalen Zusammenarbeit, von deren Geist die Konferenz von Stresa beseelt gewesen sei. Abschluß der Aussprache. Der tschechoslowakische Außenminister B e n e s ch hob die Notwendigkeit hervor, sich mit den praktischen Auswirkungen des deutschen Entschlusses vom 16. März sowie mit den internationalen Verpflichtungen der Völkerbundsmitglieder auseinanderzusetzen. Der deutsche Schritt habe die allgemeine Beunruhigung Europas verstärkt. Die Grundsätze, die jedes Land für sich selbst anerkenne, müsse es auch auf andere Staaten anwenden. Seine Regierung schließe sich der Erklärung der drei Großmächte an. Der dänische Außenminister Munch erklärte, daß er mit einigen Punkten der Entschließuna völlig einverstanden sei, gegen andere jedoch schwere Zweifel hege. Da es jedoch nicht möglich gewesen sei, den vorliegenden Text der Entschließung seiner Regierung zur Kenntnis zu bringen, bat er, seine endgültige Stellungnahme bis morgen aufschieben zu dürfen. Die Verhandlungen wurden darauf auf Mittwoch vertagt. 7lEp in Ungarn. Von unserem E. G.-Berichterstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) B u d a p e st, April 1935. NEP. — das soll nicht etwa „neue Wirtschaftspolitik" ä la Stalin bedeuten. Es hat auch mit dem Ausdruck „neppen" im Sinne von „übers Ohr hauen" nichts zu tun. Der ungarische NEP. ist vielmehr eine urmagyarische Erscheinung, die von jetzt ab der ganzen ungarischen Politik ihren Stempel aufdrücken dürfte. NEP. ist nämlich die all- aemein gebräuchliche Abkürzung für: Nemzeti Egy- seges Part, auf deutsch: Nationale Einheitspartei. In den Wahlen, die jetzt endlich nach acht Tagen ihren endgültigen Abschluß gefunden haben, hat die von G ö m b ö s geführte Nationale Einheitspartei einen ganz entscheidenden Sieg davongetragen. Einen Sieg, der von grundsätzlicher Bedeutung darum ist, weil er einmal die inner- politische Stabilität in Ungarn auf Jahre hinaus sichert, und weil er zum anderen die Grundlage schasst, auf der die für Ungarn jetzt sehr ernste Frage der Neuordnung der ungarischen Außenpolitik einer Lösung zugeführt werden kann. Die nationale Einheitspartei hat eine gute Zweidrittelmehrheit und damit die Möglichkeit erhalten, im Parlament und überhaupt im Staate zu machen, was sie will, was ihr Führer Gömbös für richtig hält. Dabei find die Gegner, die bisher immerhin noch in gewisser Zahl und vor allem durch mancherlei gewichtige Persönlichkeiten im ungarischen Reichstag vertreten waren, durch diese Wahlen stark dezimiert worden, sowohl zahlen- als auch bedeutungsmäßig. So sind die Schreier gegen Deutschland und die eifrigsten Befürworter einer französischen Orientierung Unaarns nicht mehr ge- wählt worden, wie z. B. der alte Markgraf P a llall i c i n i, der Prälat E r n st und der Legitimistenführer G r i g e r. Sie alle sind bei diesen Wahlen durchgefallen und haben damit die Plattform verloren, von der aus sie bisher, wenn auch nur in beschränktem Maße, aber doch immerhin hörbar Oppositionspolitik treiben konnten. Dieser Teil des Wahlergebnisses kann.deutscherseits oefriedigen, ebenso wie man mit Genugtuung feststellen kann, daß Gömbös eine sichere Mehrheit in der Hand hat, die ihm nun die Möglichkeit gibt, sich als tatsächlicher Führer der ungarischen Nation zu betätigen. Nur eines muß uns Deutsche m 11 tiefem Bedauern erfüllen: die Tatsache näm- ilch, daß kein einziger von den offiziellen Kandidaten der deutschen Minderheit in Ungarn, die immerhin 550 000 Seelen umfaßt, ein Abgeordnetenmandat erhalten hat! Wenn sich die deutsche Volksgruppe in Ungarn den Vorwurf machen müßte, daß sie es selber an irgendetwas habe fehlen lassen, oder haß sie sich in die Reihen der Opposition gegen die Regierung Gömbös gestellt habe, dann könnte man dieses Wahlergebnis für die deutsche Minderheit als schließlich unabwendbares Schicksal ansehen. Dem ist aber in Wirklichkeit nicht so. Die deutsche Minderheit in Ungarn hat sich vielmehr, wie stets auch bei diesen Wahlen, nicht nur zum ungarischen Staat, sondern auch zur Regierung bekennen wollen und auch bekannt! So kandidierten die deutschen Vertreter, nachdem man sie im Rahmen der Nationalen Einheitspartei nicht auftreten lassen wollte, bei der mit der Regierungspartei befreundeten.Kleinlandwirtepartei. Mindestens zwei deutsche Abgeordnete — die deutsche Minderheit in Südsla- mien bekommt bei den bevorstehenden dortigen Wahlen vier Mandate — hätten auf diese Weise in das Parlament einziehen müssen. Sie erhielten aber nicht die nötige Stimmenzahl, und zwar leider einzig und allein aus dem Grunde, weil eine gewisse ungarische Presse eine so schrankenlose Hetze gegen die deutsche Minderheit gerade in den Tagen der Wahl entfaltet hatte, daß sich auch zahlreiche untergeordnete Organe der Exekutive und der Verwaltung dazu verleiten ließen, solche Unterdrückungsmaßnahmen zu ergreifen, daß es tatsächlich Tausenden von deutschen Wählern gar nicht mögli ch war, ihre Stimme für den deutschen Kandidaten abzugeben. Es ist in der Tat tief bedauerlich, daß auf diese Weise die historische deutsch-ungarische Freundschaft wieder einmal einer wirklich ganz überflüssigen Belastung ausgesetzt wurde. Zu hoffen bleibt nur, daß Ministerpräsident Gömbös die ihm jetzt in die Hand gegebene Macht auch dazu benutzt, um die hier begangenen Fehler untergeordneter Behörden wieder gut zu machen und Deutschland zu zeigen, daß er sich mit einem solchen Vorgehen nicht identifizieren will. Nachdem nunmehr die Wahlen abgeschlossen sind, wird auf der ganzen Linie der ungarischen Politik zweifellos viel Neues zu erwarten sein. So ist vor allem mit einer weitgehenden Umbildung des Kabinetts zu rechnen, und zwar unter dem Gesichtswinkel, der Nationalen Einheitspartei und den von ihr vertretenen Gedanken überall an den maßgebenden Stellen und Spitzen den nötigen Einfluß zu verschaffen. Denn nun soll ja die eigentliche Reformarbeit beginnen. Daß eine solche Reformarbeit notwendig ist, darüber herrscht nachgerade in ganz Ungarn in allen Kreisen absolute Einigkeit. Freilich wird es noch mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden geben, müssen doch sozusagen jahrhundertealte Vorurteile beseitigt werden. Denn es dürfte keinen anderen Staat im heutigen Europa geben, der so wie Ungarn auch heute noch in alten Formen lebt und in überlebten Gedankengängen steckt. Darum war ja auch der Wahlkampf nicht so sehr ein Kampf zwischen den Parteien als vielmehr ein Kampf zwischen einer gern als tausendjährig bezeichneten Vergangenheit und einer neuen Zukunft. Darum hat Ministerpräsident Gömbös bei der Auswahl der Kandidaten der wahren Das Ent- wurde am Dienstag beschlagnahmt wegen einer Todesanzeige der deutschen Vereinigung für ihre ermordeten Mitglieder Rieck und Groen. aus die London, 17. April (DRV. Funkspruch). Der Genfer Sonderberichterstatter der „Times" behauptet, die Entschließung der drei Stresa-Mächte vermeide durch ihre Form die ausdrückliche „Verurteilung der einseitigen Vertragsverleugnung durch Deutschland", die in Stresa ins Auge gefaßt gewesen sei. Dieser feine Unterschied sei nicht ohne Bedeutuna, denn man glaube, daß die Entschließung in ihrer jetzigen Form zwar dem Ernst der Lage entspreche, aber die Tür für eine mögliche Rückkehr Deutschlands nach Genf nicht schließe. Man halte es für sicher, daß zum mindesten die überwiegende Mehrzahl der Ratsmitglieder für die Entschließung stimmen werde. Das übliche Verfahren, einen Bericht- e r st a t t e r für die Ausarbeitung einer Entschließung zu ernennen, sei nicht befolgt worden, da sich niemand gefunden habe, der eine Entschließung habe befürworten wollen, die eine Verurteilung der künftig vielleicht stärksten europäischen Macht enthalten sollte. Die Franzosen hätten sich ihrerseits nicht auf weitgehende Aenderungen ihres Wortlautes eingelassen. Sie seien einen Augenblick lang sogar bereit gewesen, die Entschließung a l lein einzubringen, was zur Uneinigkeit im Völkerbundsrat und zu späteren Vorwürfen hätte Anlaß sein können. Durch die Unterlassung einer „ausdrücklichen Verurteilung Deutschlands" sei es dann möglich geworden, der Entschließung die Unterstützung Frankreichs, Englands und Italiens zu sichern. „Daily Herald" bezeichnet es in seinem Genfer Bericht als zweifelhaft, ob die drei Stresaer Mächte heute eine einstimmige Aeußerung des Dölkerbunds- rates zu dem von den drei Mächten vorgelegten Entschließungsentwurf erreichen werden. P o len, Dänemark, Spanien und vielleicht ein oder zwei südamerikanische Staaten seien am Dienstagabend geneigt gewesen, sich der Stimme zu enthalten. Sie seien, wie schon bei früheren Gelegenheiten, erbittert darüber, daß sie einen von drei Großmächten vorher vereinbarten Weg gehen sollten und fürchteten, daß der Völkerbund in ein Werkzeug verwandelt werde, das nur gegen Deutschland Verwendung finde. Dennoch sei man in den Wandelgängen der Meinung gewesen, daß die Entschließung nicht viel Schwierigkeiten bereiten werde. Ueberhaupt sei an dem Schicksal der Entschließung nicht so viel gelegen, vielmehr komme alles ' “ ' Absichten d e r drei Berlin, 17. April. (DRB.) Im „Haus der Nationalsozialisten" in München fand eine Arbeitstagung des Reich s'schulungsamtes statt, an der die Schulungsmänner aller Gliederungen der NSDAP, teilnahmen. Reichsschulungsleiter Pg. Dr. Max Frauendorfer erklärte u. a.: Unseren Gegnern, den versteckten Feinden von gestern, müsse eine geschlossene Front der Schulungsarbeit der Partei gegenüberstehen. Die Schulen der NSDAP, hätten die große Aufgabe der Auslese der besten Nationalsozia- l ist en. Wenn die Leistung Adolf Hitlers Bestand haben solle, dann sei es erforderlich, Männer heranzubilden, die fähig sind, des Führers Willen sinngemäß zu vollstrecken und in seinem Geiste weiter- zuhandeln. r v Alfred Rosenberg schilderte den Kampf der Geister und Seelen innerhalb der deutschen Geschichte und die Entwicklung der Weltanschauungen. In den letzten Jahren vor der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus stand Deutschland durch den Widerstreit der verschiedenen Richtungen und Parteien dem Abgrund nahe, in dem es rettungslos versunken wäre, wenn nicht der befreiende Gei st einer großen Berne- Nationalen Einheitspartei auch besonders darauf Bedacht genommen, möglich st viel junge Kräfte in das Parlament htneinzubekommen: Abgeordnete, die neuen Ideen leichter zugänglich sind und die nötige Aktivität besitzen, um die sich ihnen in den Weg stellenden Hindernisse zu überwinden. Besonders auf dem Gebiete der Sozialpolitik und der Bodenpolitik wird die meiste Reformarbeit zu leisten sein. Hier sollen ja eben die Grundlagen geschaffen werden für ein neues Ungarn, das aufgebaut ist nicht mehr auf Klassen und Kasten, sondern wirklich auf der Grundlage des Volkes unter Berücksichtigung völkischer Werte. Die weitere Aufgabe aber, die nun für die ungarische Regierung erwächst, wird die sein, auch außenpolitisch die Wege zu finden, die Ungarn zu wirklichen Erfolgen führen können. Daß dabei in erster Linie eine Verständigung mit Südslawien gesucht und gefunden werden muß, ist eine Auffassung, der man schon überall in maßgebenden ungarischen Kreisen begegnet. Der Abgeordnete Oer Memettändische Landtag wieder beschlutzunfMg. Memel, 16. April. (DNB.) Der Memelländische Landtag war für Dienstag durch seinen Alterspräsidenten Hilpert wieder zu einer Sitzung ein» berufen worden, um die Wahl des L a n d t a g s- präsidenten vorzunehmen. Die Sitzung nahm denselben Verlauf wie schon sieben Mal vorher seit Juli 1934. Von den zugelassenen 24 Abgeordneten waren nur 18 erschie« n e n. Die fünf Abgeordneten der litauischen Fraktion sabotierten auch diesmal den Landtag, so daß die Sitzung wegen Beschlußunfähigkeit nicht stattfinden konnte. Der Schriftführer des Landtages, Riech ert, gab von einem Schriftstück Kenntnis, das an den neuen Gouverneur Kurkauskas gerichtet werden soll und von den 18 anwesenden Abgeordneten unterzeichnet ist. Unter diesen Unterschriften befindet sich auch die des Abgeordneten Butgereit, des Mitgliedes des Direktoriums Bruvelaitis. Dem Schreiben an den Gouverneur werden die Erklärungen der sieben vorhergegangenen nicht zustandege- kommenen Sitzungen beigefügt werden. Der neue Gouverneur wird ersucht, die Grundlagen für eine ordnungsmäßige Arbeit des Landtages wiederherzustellen. Kleine Entente und Nalkanbund zur Revision her Verträge. Berlin, 17. April. (DNB.) Die Berliner Blätter lehnen den Entschliehungsentwurf Frankreichs, Englands und Italiens scharf ab. Der „Völkische Beobachter" schreibt u. a.: Dieser Entschließungsentwurf ist in jeder Hinsicht so sehr ein Produkt des Geistes von Versailles, daß er nur auf die einmütige Ablehnung der deutschen Öffentlichkeit stoßen wird. Heute lehnt es eine geschlossene große Nation, die vertrauensvoll hinter ihrem Führer steht, mit aller Entschiedenheit ab, sich irgendeinem Urteilsspruch zu beugen, der nicht dem G e i st e der Gerechtigkeit, sondern dem einer vollkommenen Willkür in der Auslegung internationaler Verträge entsprungen ist. Nach deutscher Auffassung hat'die deutsche Reichsregierung mit der Wiederherstellung der deutschen Wehrfreiheit als letzte der Versailler Vertragsmächte den Schritt unternommen, den alle anderen vor ihr getan haben. Der Entschließungsentwurf hat die Einhaltung aller Verpflichtungen internationaler Verträge die „Grundregel des internationalen Lebens" genannt. In keinem Lande wird man dieser Feststellung freudiger zustimmen als in Deutschland. Denn Deutschland hat 16 Jahre lang darauf gewartet, daß aus dieser theoretischen Erkentnis auch praktische Folgen entstehen würden. Erst als es den Glauben nicht mehr haben konnte, daß dies der Fall sein würde, hat es durch seinen Schritt den Gleichgewichtszustand im internationalen Recht wiederhergestellt, der durch die einseitige deutsche Abrüstung vorher nicht vorhanden war. Der Widerstand gegen die Mion Frankreichs Aenderung des Verfahrens, weil fein Berichterstatter zu finden war. Oie Verfolgung der deutschen Minderheit in Pommerellen. Danzig erhebt Vorstellungen beim polnischen Vertreter. Die Schulungsarbeit der NSDAP Gemeinsame Arbeitstagung aller Schulungsmänner. Paris, 17. April. (DNB.-Funkspruch.) Siegesgeschrei derer, die Laval für seine schlossenheit loben, wird sofort gedämmt durch die Feststellung, daß er Deutschland in keiner Weise habe verletzen wollen und diese Feststellung verdichtet sich beim „Echo de Paris" zu einer schar- f e n Kritik an der Fähigkeit eines Mannes, der noch immer nicht wisse, was er eigen t- l i k wolle. Auch die Zustimmung Sir John Simons muß nach Ansicht einiger Berichterstatter mit Vorbehalten ausgenommen werden, da sie erst nach langem Feilschen, das immerhin zu einer leichten Verwässerung des ursprünglichen in Stresa aufgesetzten Entschließungsentwurfes geführt habe, erzielt worden fei. Die Stellungnahme des polnischen Außenministers B e ck wird scharf verurteilt. Alles in allem rechnen die Blätter damit, daß der französische Antrag bei etwa Wolff der Christlichsozialen Partei hat schon vor Wochen diesem Gedanken in öffentlichen Reden Ausdruck gegeben, indem er die Forderung aufstellte, Ungarn müsse sich nun endlich einfügen in die politische Linie, die von Berlin über Warschau nach Belgrad führt. Eine solche außenpoli- tische Orientierung braucht auch, so wie die Dinge heute liegen, durchaus keine Feindseligkeit gegen den bisherigen, freilich wenig erfolgreichen Freund Italien zu bedeuten. Sie müßte aber automatisch dazu führen, daß auch die ungarische Presse nun endlich beginnt, für das neue Deutschland mehr Verständnis zu zeigen als bisher. Die außerordentlich engen und für Ungarn ertragreichen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Ungarn können dazu beitragen, um eine solche Neuorientierung zu erleichtern und zu beschleunigen. So wird man also hoffen und erwarten dürfen, daß auch für Deutschland diese letzte Phase der ungarischen Politik, die Parlamentswahlen, neue und freundlichere Aussichten eröffnet. zwei bis drei Stimmenthaltungen angenommen werden wird, fügen aber vorsichtshalber hinzu: „Wenn nichts unvorgefehenes eintritt". „Oeuvre" hebt hervor, daß langwierige Verhandlungen mit d e n Engländern notwendig gewesen seien, da diese bereit gewesen seien, den durch den Spanier Madariaga völlig verwässerten Antrag anzunehmen. „Echo de Pars" sagt, Laval habe wie ein „geschlagener Hund' gewirkt. Danzig, 16. April. (DNB.) Der Tod des jungen Deutschen Groen, der am Montag in einer Klinik in Zoppot an den Folgen d e s Ueberfalles einer polnischen Gruppe auf Angehörige der deutschen Minderheit in Pommerellen starb, hat in der Danziger Bevölkerung tiefste Teilnahme erweckt. Nachdem die Todesnachricht durch die Mittagsblätter bekannt geworden war. sah man bald an allen Häusern d i e deutschen Fahnen auf halbmast oder mit Trauerflor. Das ganze deutsche Danzig trauert um einen deutschen Volksgenossen, der jenseits der Grenze als Opfer der Hetze unverantwortlicher Elemente fiel. Bei den Ausschreitungen polnischer Gruppen gegen das Deutschtum in Nordpommerellen ist auch ein Danziger Staatsangehöriger, Studienrat Dr. Hoffmann, der zu einem Vortrag in dem Orte Kölln weilte, tätlich angegriffen worden. Der Danziger Senat hat deswefen beim diplomatischen Vertreter der Republik Polen in Danzig Vorstellungen erhoben. Die Danziger Presse nimmt mit sehr ernsten und eindringlichen Worten zu den traurigen Vorgängen Stellung. Die Blätter veröffenlichen erschütternde Augenzeugenberichte über pie Ausschreitungen. Das ' Organ der NSDAP., der „Danziger Vorposten", 'stellt fest, daß Danzig im Interesse der Erhaltung guter Beziehungen mit Polen energische Maßnahmen zur Wiederherstellung friedlicher Verhältnisse und zur Beseitigung ruhestörender Elemente in den unmittelbar benachbarten Gebieten fordern müsse. Das Blatt weist Fvei- ter darauf hin, daß man gewisse Greuelberichte über den Danziger Wahlkampf zum Ausgangspunkt der Aktion gegen das Deutschtum in Pommerellen gemacht habe, obwohl in Danzig nicht ein einziger ernsthafterer Gewaltakt zu verzeichnen gewesen sei. Die polnische „Gazet- ta Gdanska" bezeichnet die Vorfälle in Pommerellen als „höchst unerwünscht" und oerur = teilenswürdi g". Das „Danziger Korrespondenzbüro" stellt diese Verurteilung der Ausschreitungen durch das polnische Blatt mit Befriedigung fest,' knüpft daran aber die Erwartung, daß man polnischerfeits im Sinne der nachbarlichen Ver- tänbigung endlich der Hetze unverantwortlicher Elemente Einhalt gebiete. eine polmM Darstellung. Kamps gegen die neue Schuldlüge. Oie Berliner presse lehnt den Entschließungsentwurf als unerträgliche Herausforderung scharf ab. nur der Stärkung des Völkerbundes und nicht völkerbundsfeindlichen Bülpdnisver- trägen diene. Die polnische Lebmaschung. Warschau vonBecksErklärung hochbefriedigt Warschau, 17. April. (DNB. Funkspruch.) Das Regierungsorgan „Gazeta P o l s k a" berichtet aus Genf, der kategorische Ton Lavals habe den Eindruck heroorgerufen, als ob der Text der Resolution endgültig sei und in dieser Form zur Abstimmung gelangen müsse. Sir John Simon habe ungefähr dasselbe gesagt wie Laval, aber er habe es anders gesagt. Die Begründung sei fast die gleiche gewesen, aber der Ton völlig verschieden. Die Rede Becks habe einen bemerkenswerten Eindruck gemacht. Zur Frage der Abrüstung habe Polen erklärt, daß es an den Diskussionen außerhalb der Rüstungskonferenz und des Völkerbundes nicht beteiligt gewesen und daher nicht berufen sei, das Bier auszutrin- ken, das andere trotz der polnischen Warnungen gebraut hätten. Man habe sich offenbar für die Sicherheit in Osteuropa s o viele Jahre so wenig interessiert, daß man gar nicht bemerkt habe, daß Polen schon seit 1932 selbständig an dieses Werk herangegangen sei. Polen werde nicht Hand anlegen, um diese Errungenschaften zu vernichten, die nicht nur eine Errungenschaft für Polen, sondern für den Frieden überhaupt sei. Man habe den Eindruck, daß man diese Dinge in Genf er ft malig hörte und zum. Teil mit der Enttäuschung eines Forschers, der in diesem angeblich noch nicht erforschten Dickicht auf die Hütte eines glücklichen Vorgängers trifft. Ein amerikanischer Journalist habe gesagt: Der Pole sei der Mann, der bereits für eigenes Geld gegessen habe und den man mit Gewalt z u einer zweiten Mahlzeit bitte, die wieder mit der Suppe beginne... pariser Kritik an Laval. Die „Deutsche Allgemeine Zeitung" bezeichnet den Genfer Entwurf als Herausforderung. „Der Schuldige tritt als Richter auf. Wenn dieser Entwurf zum Beschluß erhoben wird, ist das angeblich erstrebte Weiterverhandeln über die Organisierung des europäischen Friedens ms Ungemessene erschwert. Wir zweifeln nicht daran, daß das Deutsche Reich dem Völkerbund, wenn er diesen Vorschlägen beitritt, eine Antwort erteilt, die nichts an Deutlichkeit zu wünschen übrig lassen wird. Die „Berliner B ö r s e n z e i t u n g" spricht von einem Dokument der Heuchelei, der Ratsbeschlußentwurf sei in seiner ganzen Tonart, in seinem Versuch zu diffamieren und zu brüskieren, für Deutschland so unerträglich, daß man den Verdacht hegen müsse, er sei m i t 33 o r = bedacht so redigiert, um einen Ausgleich mit Deutschland unmöglich zu machen. Im „Berliner L o k a l a n z e i g e r" heißt es: Wiederum soll eine neue Schuldlüge mit der feierlichen Phrafenmusik der großen Worte aus der Taufe gehoben werden, wiederum soll Deutschland der Schuldige sein. Die 16 langen Jahre, die hinter dem deutschen Volke liegen, sind uns eingebrannt wie ein einziges Unrecht. Darum wehren wir uns leidenschaftlich gegen j e - de neue Lüge, die uns moralisch treffen will, darum verweigern wir den Mächten, die ihre Schuld immer wieder hinter neuen Anklagen zu verstecken suchen, das Recht, noch enmal als Ankläger und als Richter in einer Person aufzutreten! gung das Volk erfaßt hätte. Was die national- sozialistische Weltanschauung lehrte, war eine revolutionäre Tat. Das E r z i e h u n g s p r 1 n z i p des Nationalsozialismus sei das Prinzip des Mutes auf allen Gebieten des Lebens, Denkens, Fühlens und Glaubens. Heute genüge es nicht mehr, daß man den Glauben an eine Sache ausspreche, sondern heute sei es erforderlich, daß man sich zur nationalsozialistischen Weltanschauung überall in Worten und Taten bekenne. Rudolf Heß bezeichnete Alfred Rosenberg als jenen alten Kämpfer des Nationalsozialismus, der niemals von der geraden Linie der Bewegung abgeirrt sei. Rudolf Heß ermahnte die Schulungsmänner, sich der Wichtigkeit ihrer Aufgabe, die politischen Führer der Nation heranzubilden, stets bewußt zu sein. — An den Führer wurde folgendes Telegramm gesandt: „In München sind zum erstenmal die Gauschulungsleiter der NSDAP, und Schulungsmanner sämtlicher Gliederungen und angeschlossener Verbände der Partei zu gemeinsamer Arbeit im Rahmen des Reichsschulungsamtes versammelt. Sie grüßen den Führer. Dr. Max Frauendorfer." Warschau, 16. April. (DNB.) Die Polnische Telegraphenagentur gibt eine Erklärung über die Vorgänge in Neustadt (polnisch: Weyhe- roroo) aus. Darin heißt es: Am 13. d. M. hatte in Neustadt eine öffentliche Versammlung stattgefunden, an der mehr als 600 Personen teil- nahmen. Die Versammlung soll einberufen gewesen sein, um gegen die feit einiger Zeit beobachtete Agitation der Organisationen der deutschen Volksgruppe unter der polnischen Bevölkerung zu protestieren. Nach einigen Reden wurde von den Versammelten eine Protest- entschließung angenommen. Nach der Versammlung soll eine Gruppe von Versammlungsteilnehmern durch die Straßen gezogen sein und bald in einer Reihe von Geschäften die Scheiben zertrümmert haben. Die Polizei habe energisch weitere Ausschreitungen sofort verhindert. Am 14. d. M. hatte in Weherowo eine Versammlung von Mitgliedern der deutschen Organisationen stattgefunden. Dor dem Gasthaus, in dem die Versammlung statt- fanb, sei eine Gruppe von Personen erschienen, die Zutritt zur Versammlung verlangte. Im Verlaufe der Auseinandersetzungen fei es zu einer Schlägerei gekommen, bei der sechs Teilnehmer der Versammlung verletzt wurden, einer davon schwer. Die benachrichtigte Polizei sei sofort herbeigeeilt, habe aber die am Zusammenstoß Beteiligten nicht mehr angetroffen. Von den Gerichtsbehörden sei eine Untersuchung eingeleitet und seien Steckbriefe gegen die Täter erlassen worden. Mord an einem deutschen Bauern in Posen. In Neuhütte Kreis Ostrowo (Posen) ist der deutsche Bauer Rudolf Rieck von unbekannten Tätern auf feinem Gehöft überfallen und so schwer verletzt worden, daß er wenige Minuten nach dem UeberfaU d e r ft a r b. Noch in der gleichen Nacht nahm die Polizei die Nachforschungen nach den Tätern auf, die bisher jedoch noch zu keinem Ergebnis geführt haben. Rieck, der Mitglied der Ortsgruppe Sufchen der deutschen Vereinigung war, hinterläßt fünf unmündige Kinder. Die Untersuchung wird ergeben müssen, ob der Verdacht zutrifft, daß es sich auch in diesem Falle um einen politischen UeberfaU handelt. * Die Zeitung der deutschen Minderheit in Pommerellen, das „Pommereller Tageblatt", Stresa-Mächte an. „News Chronicle" meldet aus Genf, der Völkerbundsausschuß, der auf Grund des Entschließungsentwurfs seine Arbeit aufnehmen soll, werde wohl keine sehr lebhafte Tätigkeit vor der Romkonferenz entwickeln. Er werde wohl er st die Haltung Deutschlands abwarten. Mehrere Abordnungen hätten die Hoffnung, er möge niemals einen Arbeitseifer ent» entwickeln. Bei den Engländern sei die nervöse Angst vor neuen Verbindlichkeiten mit der Überzeugung verknüpft, daß wirtschaftlicher und finanzieller Druck auf einen Friedensbrecher sich in Friedenszeiten praktisch nicht bewähren werde. In jedem Falle habe der Ausschuß eine lange und schwierige Ausgabe vor sich. Das wichtigste Ergebnis der'letzten Tage sei, daß Großbritannien seine Verantwortung in Europa bestimmter als je zuvor anerkannt habe. Aufgabe der öffentlichen Meinung Englands werde es sein, dafür zu sorgen, daß jedes Vorgehen, das sich aus dieser Verantwortung ergebe, Genf, 16. April. (DNB.) lieber -eine gemein* same Tagung des ständigen Rates der Kleinen Entente und der Balkan-En* te n t e , unter dem Vorsitz von Ti t u l e 5 c u, wurde eine Verlautbarung veröffentlicht, in der es heißt: Die Kleine Entente und die Balkan-Entente legen dem baldigen Abschluß von gegenseitigen Hilfeleistungsverträgen im Nordosten Europas sowie dem Erfolg der Verhandlungen für die Verwirklichung eines Sicherheitspaktes in Mittel- und Südo st- europa besondere Bedeutung bei. Was die Revision des Militär st atuts der Unter- zeichnerftaaten der Verträge von St. Germain, Trianon und Neuilly anlangt, so haben die Vertreter der fünf Staaten von den Erläuterungen Lavals Kenntnis genommen, die besonders besagen, a) daß die englische, französische und italienische Regierung davon abgesehen haben, ihre Ansicht über den Grund der Frage abzugeben, da diese durch die am unmittelbarsten interessierten Regierungen frei entschieden werden muß, b) daß die einzige Empfehlung, die die drei Regierungen in Stresa glaubten abgeben zu müssen, das Bestreben betrifft, jeden Versuch auszuschalten auf einem anderen Wege als öem eines Vertrages zu einer Regelung zu gelangen, indem die drei Mächte das Verfahren freier Verhandlungen vorgefchlagen haben, deren Möglichkeiten eng von der Gewährung neuer Sicherheitsgarantien bedingt sind. Wahlbündnis der autonomistischen Parteien in der Slowakei. Prag, 17. April. (DNB.) Nach Meldungen aus Preßburg hat die Entwicklung der autonomistischen Bewegung der Slowakei neue Fortschritte gemacht. Der Vollzugsausschuß der S l o° wakischen Katholischen Volksparter hielt unter dem Vorsitz des Parteiführers Monsignore Pater H l i n k a in Rosenberg in der Slowakei eine Sitzung ab. Hlinka teilte dabei mit, daß die Slowakische Nationalpartei unter der Führung des Abgeordneten R a z u s mit der S l o- wakis'chen Katholischen Volkspart ei ein Wahlbündnis eingegangen sei. Dieses Übereinkommen ist bemerkenswert, da der Slowakischen Nationalpartei zum großen Teil protestantische Kreise der Slowakei angehören. Die Annäherung der slowakischen nationalen Parteien über die religiösen Unterschiede hinweg ist ein Beweis dafür, daß die Bildung eines ka- t h o l i s ch e n Blockes, der sich aus allen Nationalitäten der Tschechoslowakei zusam- mensetzt, gescheitert ist. Beide slowakischen Parteien treten für d i e Autonomie der Slowakei ein. Ferner gab Pater Hlinka bekannt, daß der autonome landwirtschaftliche SoM in Kartpathenrußland (das ist die nationale tat* pathenrusfische Partei) und die polm* scheu oppositionellen Parteien i» Schlesien ebenfalls in eine Wahlgemeln« schäft mit der Slowakischen Katholischen Volks« partei treten werden. Alle genannten Parteien werden einen oppositionellen Block bilden. unbekannten Volkskreisen Spenden 's l m den Carmona konnte seine mäßig beleuchtete Fahrzeuge, schehen. Ebenso können die Der portugiesische Staatspräsident ist schwer erkrankt. Infolgedessen konnte, nach dieser Fähigkeit zu handeln. Die Strafe war daher nach den Vorschriften des Gesetzes über den Versuch abzuschwächen. Dreister Schwindler erbeutet 19 000 Mark. — Eine Frau um ihr ganzes vermögen gebracht. Ein dreister Schwindler suchte dieser Tage eine Frau in ihrer Wohnung in Berlin-Wedding auf und gab sich ihr gegenüber als D e v i s e n kontra l l e u r aus. Er erklärte, er habe Auftrag, die Wohnung zu durchsuchen, wenn ihm nicht etwa versteckte Devisen freiwillig oorgelegt würden. Die Frau glaubte tatsächlich, es mit einem Beamten zu tun zu haben und legte dem Betrüger ihr gesamtes Vermögen in barem Gelds in Höhe von 19 000 Mark zur Einsichtnahme vor. Nun erklärte der Betrüger, daß er das Geld mitnehmen müsse, da seine Behörde darüber entscheiden werde, ob sie es zurückerhielte. Er zählte dann das Geld ab, legte es in einen mitgebrachten kleinen Pappkarton und entfernte sich. Zu spät erkannte dann die Frau, daß sie einem Schwindler in die Hände gefallen war. 184 Perlenfischer ums Leben gekommen. An der Westküste Australiens, westlich von Broom, gerieten Perlenfischer in einen schweren Sturm. Die Boote der Fischer kenterten, und die Insassen stürzten ins Meer. 184 Perlenfischer, unter ihnen 61 Japaner, ertranken oder sielen den Haifischen zum Opfer. Fünf österreichische Bauernhöfe eingeäscherk. In der Ortschaft Lasberg in Oberösterreich vernichtete ein Großfeuer fünf Bauernhöfe. Der Schaden ist außerordentlich groß. z. B. Fahrräder, ge- Marschierenden nach werden. Die Abtei- Kleine politische Nachrichten Ministerpräsident General Göring und Gemahlin sind zu einem mehrtägigen Kuraufenthalt in Wiesbaden eingetroffen. * Die von der deutschen und französischen Regierung im November 1934 eingesetzte „Stand i g e K o m m i s s i o n", in der deutscherseits Ministerialrat Dr. W e y m a n n und auf französischer Seite Herr L e c u y e r den Vorsitz führten, hat in Berlin getagt und die Einzelheiten über die Verlängerung sozialistischen Listen. Zwecklose Bewerbungen. Berlin, 16. April. (DNB.) Täglich gehen Reichsluftfahrtmini st erium und Bestätigtes Todesurtest. LPD. Mainz, 16. April. Der erste Strafsenat des Reichsgerichts hatte sich am Dienstag als Revisionsgericht mit einem Todesurteil des Schwurgerichts Mainz zu befassen. Der Franz Josef Peck er aus Gonsenheim bei Mainz hat am 14. Oktober 1934 die 68jährige Katharina Grau in Mainz erdrosselt und ihr eine Handtasche mit 412 Mark geraubt. Er hat die Tat mit Ueberlegung begangen nur zu dem Zweck, den Raub ausführen zu können. Das Reichsgericht hat die Revision des Becker gegen das Urteil des Schwurgerichts Mainz vom 31. Januar 1935, das die Todesstrafe verhängte, verworfen. Das Todesurteil ist damit rechtskräftig geworden. Die französische Regierung will dem i t a l i e n i- schen unbekannten Soldaten die französische Militärmedaille verleihen. Der französische Botschafter beim Quirinal wird die Medaille am Grabe des italienischen Soldaten niederlegen. Entwicklung der neuen L , und unter dem Namen „Wehrdank zu einer Sammlung zusammengeschlosjen wurden. Generaloberst v. Blomberg spricht allen Spendern hiermit seinen Dank aus, bittet jedoch, von weiteren Spenden oder gar Sammelaktionen Abstand zu nehmen, da die Sammlung inzwischen abgeschlossen worden ist. Wetterbericht des Reichswetterdlenstes Ausgabeorl Frankfurt. Der zur Zeit mit seinem Kern über Schottland gelegene kräftige Sturmwirbel bleibt vorerst für unser Wetter bestimmend. Da wir jedoch jetzt im wesentlichen im Bereich der von seiner Rückseite einströmenden Luftmassen verbleiben, wird die Bewölkung stark veränderlichen Charakter zeigen und die Niederschlagstätigkeit im wesentlichen auf Schauer beschränkt sein. Die Temperaturen werden etwa der Jahreszeit entsprechend sein. Aussichten für Donnerstag: Sehr veränderlich mit häufiger Aufheiterung und auch wiederholten Niederschlagsschauern, Tagestemperaturen etwa 10 Grad Celsius, westliche Winde. Aussichten für Freitag: Fortdauer der wechselhaften Witterung mit einzelnen Niederschlagsschauern. Lufttemperaturen am 16. April: mittags 8,7 Grad Celsius, abends 8,9 Grad; am 17. April: morgens 6,8 Grad. Maximum 9,8 Grad, Minimum 5,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 16. April: abends 8,4 Grad; am 17. April: morgens 7,5 Grad Celsius. — Niederschläge 6 mm. Nachgeordneten Dienststellen zahlreiche Bewerbungen um Verwendung in Beamten-, Angestellten- und Arbeiterstellen der Luftfahrt ein. Der Bedarf an Personal ist im wesentlichen gedeckt, so daß Verwendungsmöglichkeit nur noch für einen geringen Teil der Bewerber besteht. Weitere Bewerbungen sind zwecklos. Bei der lieber» fülle der bereits vorliegenden Bewerbungen kann erst nach geraumer Zeit und nur im Falle der Verwendung mit einer Antwort gerechnet werden. Gesuche, die innerhalb vier Wochen nicht beantwortet sind, sind als a b g e l e h n t zu betrachten. Rückfragen verzögern nur die Bearbeitung und sind zu vermeiden. Oie Sammlung „Wehrdank^ abgeschlossen. vorne hin kenntlich gemacht lung muß aber in ihrer vollen Breite und Bestrafte Heilmittelschwindler. LPD Mainz, 16. April. Vor dem hiesigen Bezirksschöffengericht hatten sich der mehr als zehnmal vorbestrafte 36jährige Josef Burger aus Karlsruhe und der 46jährige Johann Georg Schätzte, ebenfalls aus Karlsruhe, zu verantworten. Schätzte hielt in den Jahren 1933/34 in Wackernheim „biologisch - wissenschaftliche" Vorträge und besuchte die „Belehrten", um ihnen seine „Heilmittel" aufzuschwätzen. Für schwer Nieren- und Herzleidende, für die selbst ärztliche Kapazitäten nur noch Linderungsmittel hatten, wußte Schätzte ein „Heilmittel", das ganz bestimmt helfe. In Wirklichkeit handelte es sich nur um Kräftigungsmittel, die einen G e - toinn von 400 bis 500 v. H. abwarfen. Das Gericht verurteilte Burger, den Hersteller und Lieferanten der „Heilmittel", wegen Wuchers zu acht Monaten Gefängnis, 200 RM. Geldstrafe und zwei Jahren Ehrverlust, Schätzte, der für feine Tätigkeit 50 v. H. Provision erhielt, wegen fortgesetzten Betrugs und Vergehens gegen die Gewerbeordnung ebenfalls zu acht Monaten Gefängnis abzüglich vier Monate zwei Wochen Haft. 5eden Abend Chlorodont: eine gute Gewohnheit! Feuer im Segelfliegerhorst Babenhausen. LPD. Babenhausen, 16. April. Aus bisher noch unbekannter Ursache war im Segelfliegerhorst in Babenhausen Feuer entstanden, das die ganze winterliche Arbeit im Werkstättengeoäude zerstörte. Neben Gebäudeschaden wurde namentlich die ganze Vorarbeit für den Neubau eines „12-Meter-Zöglings" ein Raub der Flammen, dazu ein großer Teil der Werkstatteinrichtung. Den vereinten Bemühungen der Freiwilligen Feuerwehr und der Angehörigen des Segelfliegerhorstes gelang es, das Feuer auf feinen Herd zu beschränken und ein Uebergreifen auf Die angrenzenden Gebäude zu verhindern. Aus aller Welt. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für Den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 35: 11229. Druck und Verlag: Brühl'jche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. 9100) der Sitzung des Vollzugsausschusses wurde zwischen den Vertretern der polnischen Parteien, dem autonomen Sojus und den Vertretern der slowakischen Autonomisten eine schriftliche Vereinbarung unterzeichnet. Das kommende Strafgesetzbuch. Der Borspruch für die Leitsätze für ein nationalsozialistisches Strafrecht. A^il (DNB.) Der Reichsleiter des Reichsrechtsamtes der NSDAP., Reichsminister Dr. Frank, als Kommissar der Partei hat im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers einen Ausschuß bestellt, der in Fischbachau in Bauern tagte und die Le i t s ä tz e für ein natio- ?^°-ä"^stlsches Strafrecht ausqear- be,tet hat Den einzelnen Gefetzesvorschriften geht em Grundlagen, Sinn und Zweck des Gesetzes erläuternder V o r f p r u ch voraus; dieser heißt- . "D°s Volk umschließt Wert und Leben des ?lnf3el?en- Auf den Schultern der vergangenen Geschlechter wird Blut und Kumpf, Not und Schaffen Schicksal für die kommenden Geschlechter. Diese große, ewige, völkische Verbundenheit wird von dem B l u t als dem Träger alles Lebendigen und von der Treue als dem sittlichen Band der Gemeinschaft getragen. Verdirbt das Blut, dann stirbt das Volk, erlischt die Treue, dann zerfällt die Gemeinschaft. Die Pflicht aus der Treue ist höchste völkische, sittliche Pflicht. Nur der Volksgenosse, der seine T r e u e p f l i ch t erfüllt, hat seinen Platz, feinen Wert und seine Ehre in der Gemeinschaft. Wer seine Treuepflicht verletzt, löst sich von seinem Volke, wird zum Verräter an der Volksgemeinschaft, verliert Platz und Ehre in der Volksgemeinschaft und muß so feinen Treuebruch sühnen. Der Staat hat diese Sühne zu vollziehen und den Treuebrecher zu bestrafen. Die gerechte -Strafe dient der Festigung und dem Schutz der Volksgemeinschaft und steht mitten in dem bedeutsamen Kampf um die Erfüllung der volksgenössi- schen Treuepflichten, in dem Kampf gegen Verbrecher und Verbrechertum. Zur rechtlichen Ordnung des staatlichen Straf- und Sühnewesens dient das Strafgesetz. Durch das Strafgesetz wird allen Volksgenossen bekundet, daß der Staat die vorbehaltlose Erfüllung der Treuepflichten zum Wohl der Volksgemeinschaft verlangt und daß den Treulosen die gerechte Strafe treffen wird. Im Strafrecht soll der beherrschende Gedanke der Volksgemeinschaft, der Treue, der Pflicht, der Ehre und der gerechten Sühne, sowie die Ueber- einstimmung mit dem völkischen Rechts- und Sittlichkeitsgefühl in höchster Weife verpflichtenden Ausdruck finden." Weitere Ergebmffe der Verirauensratswahlen. Berlin, 16. April (DNB.) Es liegen jetzt noch weitere Ergebnisse vor, die einen glänzenden Erfolg der Vertrauensratswahlen beweisen. Folgende sollen besonders erwähnt werden: Bei Siemens von 3000 Wahlberechtigten 99 v. H. abgegebene Stimmen, 90 v. H. Ja; bei AEG. von 12 200 Wbr. 100 v. H. abg. St., 96 v. H. Ja; bei Gasag von 6598 Wbr. 6278 abg. St., 5590 Ja; bei Hamburger EW. von 4000 Wbr. 93,6 v. H. abg. St., 92,2 v. H. Ja; bei Wowald-Werk Hamburg von 2500 Wbr. 95 v. H. abg. St., 86 v. H. Ja; bei Stül- kenwerk-Hamburg von 1200 Wbr. 95 v. H. abg. St. 80 v. H. Ja. In Halle ist das Gesamtergebnis aus 133 Betrieben bei 24 130 Beteiligten 22 000 Ja-Stimmen, also 89 v. H. Im Gau Köln-Aachen 78 bis 90 v. H. Ja-Stimmen; im Regierungsbezirk Köln 97,5 v. H. Bei den IG. Farben bei 88 v. H. Wahlbeteiligung 83 v. H. Ja-Stimmen. * Wie der Gauleiter in einer Kreisleiter-Tagung mitteilte, hat sich die Vertrauensratswohl i m G a u Hessen-Nassau dank der unermüdlichen Arbeit des Betriebszellenobmanns Pg. Becker zu einem glänzenden Erfolg für die nationalsozialistische Bewegung gestaltet. Mehr als 92 Prozent aller Stimmen fielen auf die national» Länge erkennbar sein. Wichtig ist es vor allem, daß der Verkehr durch marschierende Gruppen nicht mehr als notwendig behindert wird. Feuerwehr- und Unfallwagen muß selbstverständlich Platz gemacht werden. Rückkehr des Luftschiffes „Graf Zeppelin". Das Luftschiff „Graf Zeppelin" ist am Dienstag 9.15 Uhr mit 21 Passagieren von Südamerika zurückkommend unter Führung von Kapitän von Schiller planmäßig in Friedrichshafen gelandet. Die von der ausländischen Presse teilweise gebrachten sensationellen Uebertreibungen der bei der Landung in Pernambuco infolge einer schweren Tropen-Regenbö vorgekommenen geringfügigen Beschädigungen des Luftschiffes sind durch die planmäßige Rückkehr und Ankunft in Friedrichshafen einwandfrei widerlegt. Das Luftschiff wird fahrplanmäßig am 20. April 20 Uhr unter Führung von Kapitän von Schiller seine zweite Südamerikafahrt im Dienste der Deutschen Zeppelin- Reederei antreten. Die Auslandreisen der Kreuzer „Emden" und „Karlsruhe". Kreuzer „Emde n" ist am 15. April in Cartagena (Kolumbien), Kreuzer „Karlsruhe" am gleichen Tage in Colon (Panama) eingetroffen. Ausstellung für Feuerschutz und Rettungswesen „Der Rote Hahn" in Dresden. Die feit einer Reihe von Jahren veranstaltete Jahresfchau deutscher Arbeit in Dresden steht in diesem Jahre unter dem Zeichen des „Roten Hahns" und wird alles, was den Feuerschutz und das gesamte Rettungswesen zu Lande und zur See sowie die Verhütung von Schäden betrifft, zur Schau bringen. Als Glanzdarbietungen sind vorgesehen u. a. tägliche Hebungen der Dresdner Feuerwehr, der Dienst der Sanitäter, Vorträge, Massendarbietungen von Militär, SA., Landespolizei, Eisen- und Straßenbahner sowie Feuerwehrkapellen usw. Furchtbare Dynamit-Explosion in USA. — hundert verletzte. In Helenwood (Tennessee) ereignete sich ein furchtbares Explosionsunglück. Ein Brand, der in einem Wohnhaus ausgebrochen war, breitete sich auf einen Lagerschuppen aus, in dem zwanzig Kisten mit Dynamit und 200 Kisten mit Schießpulver aufgespeichert waren. Die gesamten Sprengstoffvorräte explodierten. Außer der Bahnstation wurden 36 Gebäude zerstört bzw. schwer beschädigt. Hundert Menschen wurden mehr oder weniger schwer verletzt. 200 Personen sind obdachlos geworden. Eine Reihe von Personen hatte sich kurz vor der Explosion noch in Sicherheit bringen können, da der Bahnhofvorsteher die Einwohner noch rechtzeitig warnen konnte. Aerzte und Hilfsmannschaften sind an die Unglücksstätte ent- fanbt worden. Panikszenen auf einer Inselgruppe im Persischen Golf. — 75 Menschen ums Leben gekommen. Auf den Bahrein-Inseln im Persischen Golf sind dieser Tage 75 Personen, größtenteils Frauen und Kinder, bei einer Panik ums Leben gekommen. Vor dem Hause eines persischen Kaufmanns hatte sich eine Menschenmenge von 2000 Personen eingefunden, da es hieß, der Kaufmann wolle Spenden an die Armen verteilen. Die Leute drängten in dichten Scharen durch den engen Flur auf den Hof. Plötzlich entstand eine allgemeine Panik. Viele Leute wurden in dem Gedränge e r - drückt, andere fielen zu Boden und wurden zertreten. — Die Bahrein-Inseln haben eine Bevölkerung von mehr als 100 000 Menschen. Sie sind erst kürzlich zu einem Stützpunkt der britischen Flotte ausgebaut worden. Auch im Luftverkehr England—Indien spielen sie als Zwischenstation eine große Rolle. Sühne für den Rieder-Schönhausener Knabenmord. Das Berliner Schwurgericht verkündete das Urteil gegen den 25jährigen Nieder-Schönhausener Knabenmörder Hans Holler, der am 26. Januar dieses Jahres in den Abendstunden den acht Jahre alten Schüler Paul Herms auf dem einsam gelegenen Büchnerweg in Nieder-Schön- hausen durch einen Messerstich in den Hals getötet hatte. Der Angeklagte ist nach dem Urteilsspruch des Mordes schuldig und wird zu 15 Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurteilt. Außerdem wird die Entmannung des Angeklagten angeordnet, ebenso nach Verbüßung der Strafe seine Unterbringung in eine Heil- und Pflegeanstalt. Ferner wurde gegen Holler auf Verhängung der Polizeiaufsicht erkannt. In der Urteils* begrünöung führte der Vorsitzende u. a. aus, das Gericht habe die Frage der Ueberlegung bejaht. Das Gericht habe sich der Meinung des Sachverständigen Dr. W o k e r angeschlossen, wonach der Verurteilte infolge seiner Geistesschwäche zwar in der Lage war, das Unerlaubte seiner Tat einzusehen, daß er aber nicht die Einsicht aufbringen Vereidigung, die durch seine Wiederwahl notwendig geworden war, nicht stattfinden. Da die Wahlperiode ablief, gehen die Funktionen des Staatsoberhauptes einstweilen auf den Ministerpräsidenten Salazar über. Schulen, die auf dem Papier stehen. Moskau, 12. April. (DNB.) In Leningrad fand, wie die „Prawda" meldet, eine Versammlung des staatlichen Schulkommisa- r i a 15 statt, in der über die Vernachlässigung verbringenden Schulbauten durch die verantwortlichen Stellen schärfste Kritik geübt wurde. Von über 30 Schulen, die in Leningrad bis zum Beginn des neuen Schuljahres erbaut werden sollen ist erst — eine einzige in Angriff genommen worden. Auch in Moskau befinden sich von 72 neuen Schulen erst zwei im Bau. Jetzt wird es als fraglich bezeichnet, ob die Schulen in der kurzen Zeit noch fertiggestellt werden können. Ein Vertreter der Regierung sagte allen denjenigen Ausschluß aus der Partei und Gefängnisstrafen voraus, die den „Plan sabotieren". 100 Jahre deutsche Eisenbahn. Neichsbahnausstellung Nürnberg 1935 Anläßlich des 100jährigen Bestehens der deutschen Eisenbahnen veranstaltet die Deutsche Reichsbahn in Nürnberg, dem Geburtsort der deutschen Eisenbahnen, in der Zeit von Mitte Juli bis Anfang September eine Ausstellung, die den Besuchern den gegenwärtigen Stand der Deutschen Reichsbahn auf allen Gebieten nach einer 100jährigen Entwicklung zeigen soll. Sie wird mit einer großen Kundgebung eröffnet werden. In der neu erbauten großen Umladehalle, die sich in unmittelbarer Nähe des Parteigeländes befindet und die später dem Güterverkehr dienen wird, soll eine Fahrzeuaschau neben den Einheitsbauarten der Reichsbahn die modernsten Lokomotiven, Triebwagen, Personen-, Güter- und Lastkraftwagen zeigen. In einer reichhaltigen Jnnen- ausstellung werden die aeroaltigen Verkehrs- l e i ft u n g e n der Deutschen Reichsbahn, der technische Fortschritt, die Fürsorge für die deutschen Eisenbahner, die Zusammenarbeit mit anderen Verkehrsmitteln, ihre Bedeutung für das deutsche Volk und die deutsche Wirtschaft und ihre Stellung im nationalsozialistischen Staat durch Bilder und Zeichnungen zur Darstellung gebracht. Im Freigelände wird sich eine Ausstellung des Sicherungswesens, der Oberbauformen und Oberbaugeräte sowie des Culemeyer-Fahrzeugs anschließen. Außerdem soll eine der neuesten Lokomotiven im Betriebe und weiter die Wirkungsweise der optischen und induktiven Zugbeeinflussung den Besuchern vorgeführt werden. Eine Ergänzung dieser neuzeitlichen Schau bildet die Ausstellung im Nürnberger Verkehrsmuseum, das der geschichtlichen Entwicklung des Eisenbahnwesens aeroibmet ist und dessen Sammlungen für das Jubeljahr völlig neu bearbeitet und wesentlich erweitert wurden. Oer dritte kynologische Weltkongreß und die erste Welt-Hundeausstellung in Frankfurt a. M. Dem 3. kynologischen Weltkongreß in Frankfurt am Main vom 22. bis 25. April wohnen rund 500 Teilnehmer aller Herren Länderr bei. Zur Welt- Hundeausstellung vom 26. bis 28. April sind 3300 Hunde gemeldet. 200 Züchter vertedigen die Preise im deutschen Zuchtgruppenwettstreit und 100 Züchter diejenigen im internationalen Zuchtgruppenwettstreit. Die Jagdhunde stehen mit über 1000 an der Spitze, vorherrschend sind die Teckel mit 225 und 20 Zuchtgruppen sowie die Foxterrier mit 150. Bei den Vorstehhunderassen ist Deutsch K u r z h a a r mit 80 am besten vertreten. Die Hetzhunde stellen 150 Vertreter, während die Polizeidien st Hundrassen von den deutschen Schäferhunden mit rund 500 geführt werden. Hervorragend sind die Rottweiler mit 120 und die Boxer mit 100. Dobermannpinscher, Airedale Terrier und Riesenschnauzer halten sich mit je 80 die Waage. Ganz hervorragende Klasse stellen die deutschen Doggen mit 150 und die Bernhardiner mit rund 100. Schnauzer, Pudel irn b Spitze brachten es auf je 100. Die Haus- und Zwerghunde, die Lieblinge der Damen, sind mit 250 aller Gattungen vertreten, am besten sind die Z w e r g s ch n a u z e r mit 60, die Asiaten brachten es auf 75, die Malteser auf 30 und die Möpse, die immer noch nicht ausgestorben sind, auf 20. Insgesamt sind auf der Welthundeausstellung 12 4 Rassen der Welt zu sehen. Glänzend vertreten mit ihren Ursprungsrassen, die in Deutschland nicht bekannt sind, sind Belgien, Frankreich, Holland, Italien, Oesterreich, Schweden, Schweiz usw. Bei den italienischen Rassen haben wir vor allem die Bracchi- und Spinoni Vorstehhunde, die italienischen Schäferhunde, die italienischen Laufhunde, die Volpini, Malteser und Bologneser. Oesterreich stellt alle österreichischen und steierischen Brackenschläge, Schweden die Hamilton-Schiller und Smalandstober, sowie die Lappländischen Spitze. Von der Schweiz kommen die Niederlaufhunde, ferner die Berner, Jura- und Luzerner Niederlaufhunde, von Belgien, Frankreich und Holland vor allem die verschiedenen Schäferhundschläge. Den Höchstanteil an der Weltausstellung stellen die deutschen Aussteller und Züchter. Vom Ausland sind nur 500 Hunde gemeldet. Sicherung marschierender hJ.Abieilungen. Das Organisationsamt der Reichsjugendführung beschäftigt sich zurzeit mit Versuchen, einen den gesetzlichen Bestimmungen entsprechenden Rück- st r a h l e r zu konstruieren. Nach der neuen Reichs-Straßenverkehrsordnung sind die bisher herausgebrachten Rückstrahlergarnituren, die am Gürtel oder am Tornister getragen wurden, nicht zulässig, denn das Rücklicht darf nicht hoher als 40 Zentimeter über d e r Erdoberfläche sein, muß also in Kniehohe getragen werden. Vis die neuen Rückstrahler fertiggestellt sind, kann die Beleuchtung geschlossener Abteilungen bei Dunkelheit ober Nebel durch nachfolgende vorschrifts- Berlin, 16. April. (DNB.) Aus Anlaß der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht find dem Reichswehrmini st erium aus allen ~ ~ •- zugegangen, die der Wehrmacht dienen sollten des Abkommens über den Verrechnungsverkehr festgelegt. Die zwei Regierungsausschüsse haben Einverständnis über fast alle Verhandlungspunkte erzielt; nächster Verhandlungsort ist Paris. * Laut Verfügung der Osnabrücker Staatspolizei wurde der Bund katholischer Schüler an den höheren Lehranstalten „Neudeutschland", Gau Wittekind, a u f g e l ö st und ihm jede weitere zukünftige Betätigung verboten. Acht dem Bund angehörend? Schüler hatten nach einem Bericht des „Angriff" ein in Singen an,der Ems neu eingerichtetes HJ.- Heim vollständig zerstört. ex^' 2024 D Gießen (Hindenburgwall 23), den 16. April 1935. Von Beileidsbesuchen bitte abzusehen. 01680 FERTIG UND 1 MASS im 49. Lebensjahr. Straßen-Anzüge in den neusten Mustern 65b- u. höher 2289 D Eine Osterfreude 2302 D 01 -71 Große Auswahl! Aeußerste Preise! 2107 D Frdr.Teipel 2281 p 2268A Und zu Ostern neue Kleidung! moderne Formen in jeder Preislage Die Beerdigung findet Donnerstag, den 18. April, nachmittags 2% Uhr in Alten-Buseck statt. Die Trauer feier findet statt am Samstag, dem 20. April, um 12 Uhr in der Kapelle des Neuen Friedhofes. Waschen Spannen und Bügeln 590 (auch nur Spannen) von Vorhängen Gardinen Strickdecken in sachgem. Ausführ. Großwäscherei Edelweiß Familien- Drucksachen Verlobungsanzeigen Vermählungsanzeigen bei Brühl, Schulstraße 7 Geburtsanzeigen Wasserdichte Regen-Mäntel in Lack, Batist und Gummi Mark 9,50 12.75 15.75 17.50 In tiefem Schmerz: Lina Seibert, geb. Jacobi Annemarie und Erwin Seibert Im Namen der Hinterbliebenen: Marie Barak Wwe. Gießen, den 17. April 1935. Die Beerdigung findet Donnerstag, 18. April l1/2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. den Damen: Kunstseidene Wäsche, Schlüpfer, Hemden, Röcke, kunstseidene Strümpfe, glatt und neueste Muster, Marken: ELBEO —F. T. O. 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Nach längerem Leiden entschlief Montag abend unerwartet unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Frau Lina Schütz Wwe. Nachruf! Am Dienstag, dem 16. d. M., morgens 10.30 Uhr, verschied nach kurzer, schwerer Krankheit in der Med. Klinik Gießen unser verehrter Chef Eduard Seibert. Wir verlieren in dem Verstorbenen einen vorbildlichen Gefolgschaftsführer, der durch sein soziales Wohlwollen, seinen allzeit offnen Charakter und kameradschaftlichen Geist uns unvergeßlich bleibt Personal der Buchdruckerei Eduard Seibert, Gießen. Gießen, den 17. April 1935. ■Ofen in gut.Erhaltung ges. Schr. Angeb. u.01673a.d.G.A. 58- 68- und höher Heute vormittag 7,11 Uhr verschied plötzlich und unerwartet nach kurzem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, mein innigst geliebter Mann, unser treusorgender, herzensguter Vater, unser lieber Sohn, Schwiegersohn, Bruder, Schwager und Onkel Herr Eduard Seibert Buchdruckereibesitzer Vekanntmachrrrrg. Am Samstag, dem 20. Avril 1935, bleibt unsere Kasse für den öffentlichen Verkehr geschlossen! Die an diesem Tage fälligen Krankengelder können bereits am Donnerstag, dem 18. Avril, während der üblichen Schalterstunden in Empfang genommen werden. Wem. SltskrMenWe f. ö. Siels Gießen Die Geschäftsleitung. G. m, b. H, Gießen, Marktplatz Mein geliebter Mann, mein guter Vater Max Weißbäcker ist heute von seinem langen schweren Leiden erlöst Mk. 29— 35- 42- 48- Joh. Steinbach, Gießen Wolkengasse 21. i688v | Verkäufe Reinrass. oig?? Drohthoar Zoe m. Stammbaum (Hündin) günstig zu verkaufen. Wetzl. Weg 151. KARLBRUCK Juwelier / Kreuzplatz 8 Fugenlose TRAURINGE bereiten Sie mit meinen schönen aparten Frühj ahrs-Neuheiten Unsere große Auswahl macht Ihnen das Wählen zur Freude 2291 A Erstkl. Vogelsbg. Zucht- n. Fahrrind Herdbuchtier, zu verkaufen, oms Fellingshausen Nr. 62 Post Rodheim a. d. Bieber. 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DetlDanbte E «, %\ ^&hA| P^z. / . K^> . ' :v/; x. « <>^Ä.. >Rw >>^ ?< u z 4 2' < T IW L^Ms - V,;'z, >< >p4 > MV; N :*- / w Jv •? < J N* -' ^'" V/JJ ”', ,'<■' V/.z * •s 4^v- A ■ s ■•' < <1 Ostern in der heimatlichen Natur In meinem gelben Kleid. Aus der Provinzialhauptstadt Bei nicht leicht zu verwechseln ist. Mit den bekannten Lockrufen einiger Meisen vermischt sich der klangvolle Ruf des Kleibers, und aus der Ferne klingen die vollen absinkenden Pfeiftöne eines Gr aufp echtes. Auch Buntspecht, Grünspecht und Schwarzspecht lassen nicht selten ihren, für jede Art verschiedenen Ruf oder gar ein Trommeln auf dürrem Ast vernehmen. Während am Waldrand ein Bussard seine Kreise zieht, steigt auf einer Waldblöße ein Baumpieper eine Strecke in die Luft, um dann singend im Gleitflug auf einen Holzstapel niederzugehen. Als Vertreter des Jnsektenreiches fliegen Hummeln und Bienen in sonnigen Stunden von Blume zu Blume oder von Kätzchen zu Kätzchen. Auch ein Zitronenfalter ist auf der Suche nach Blüten, die für ihn den Tisch gedeckt haben. Es sind ihrer noch nicht allzuviel, und ungünstige Witterung kann den so früh erschienenen Schmetterling in Rot bringen. Mit feinem Humor besingt Mörike den „Zitronenfalter im April": Grausame Frühlingssonne, Du weckst mich vor der Zeit, Dem nur in Maienwonne Die zarte Kost gedeiht! Ist nicht ein liebes Mädchen hier. Das auf der Rosenlippe mir Ein Tröpfchen Honig beut. So muß ich jämmerlich vergehn, Und wird der Mai mich nimmer sehn Kuckuck, Kuckuck, rust's aus dem Wald. „Frühling, Frühling wird es nun bald!" jauchzen die Kinder. Denn e r ist da, der Lenzesbote! Schon im 15. Jahrhundert heißt es: „Wann der Gauch guket", dann ist Lenzesbeginn. Aber nicht nur den Lenz sagt er an, der seltsame Vogel, er kann Glück und Unglück weissagen. Darum wird trotz aller Warnungen der Prophet auch eifrig befragt. Namentlich seine Lebensdauer hofft der Frager zu erfahren. So erzählt schon Aegidius Albertinis „Narrenhatz" (Augsburg 1617): „Jnmaßen jenem alten Weib beschehen, welche einen Guguck fragte, wieviel Jar sie noch zu leben hette? Der Guguck fieng an, fünf Mal Guguck zu singen, da vermeinte sie, daß sie noch fünf Jar zu leben hette." Heute heißt's in der Schweiz: „Gugger, wie lang leb i no?" und in Mitteldeutschland fragen die Kinder: „Kuckuck, Kuckuck, sag mir doch, wieviel Jahre leb ich noch?" Der Kuckuck weiß aber nicht nur die Lebensdauer des Menschen anzugeben, er ist überhaupt ein kluger Vogel, der weit in die Zukunft blickt. Als solchen kennt ihn schon der Bamberger Schulmeister Hugo von Trimberg, der in seiner im Jahr 1300 beendeten Dichtung „Der Renner" von einem ren Plätzen hat das zierliche Frühlingshun- 9 lumchen ganze Flächen mit seinen kleinen weißen Bluten uberkleidet. An solchen Stellen findet sich auch das E r d b e e r f j n g e r k r a u t das einer blühenden Walderdbeere täuschend ähnlich sieht. Auch die Frühblüher des Waldes sind so ihrem Standort angepaßt, daß sie ihre Blütezeit bis zur Laubentfaltung der Bäume hinter sich haben. Neben Anemonen, Scharbockskraut, Gold- n e s s e l n fällt das Lungenkraut 'mit seinen herzförmigen, meist weiß getupften Blättern auf Die trichterförmigen Blüten sind anfangs rosa gefärbt. Nach der Bestäubung ändert sich die Farbe der Blüten in Blau-Violett um. Durch diesen Farbenwechsel wird den die Bestäubung ausführenden Insekten ihre Arbeit erleichtert. Früher wurde das Lungenkraut gegen Lungenkrankheiten gebraucht, weil man in der verschiedenen Färbung der Blüten eine Beziehung zu der verschiedenen Farbe des Blutes vermutete. Mit dem Lungenkraut steht oft das Ausdauernde Bingelkraut zusammen, dessen unscheinbare Blüten wenig ausfallen Gefingerter und Hohler Lerchensporn treten nicht überall, meist gesellig unter Gebüsch, Baumen, an Zäunen und in Grasgärten auf Auch die V o g e l w e l t trägt ihr Teil zur Verherrlichung des Osterfestes bei. Auf den Feldern schrauben sich die Lerchen jubilierend in die Lüfte. Hier und da treiben sich Hänflinge, meist paarweise, umher, und an einigen vorjährigen Distelstengeln befinden sich zwei Stieglitze auf der Futtersuche. War im Wald bis vor wenigen Wochen außer dem Rufen eines Spechtes oder dem „pink, pink" einer Meisengesellschaft kaum eine Dogelstimme zu vernehmen, so ist dies jetzt anders geworden. Schon am Waldrand begrüßt uns das „Schnickern" eines Rotkehlchens und schmetternder Buchfinkenschlag Singdrossel und Amsel lassen ihren flötenden Gesang von den Baumwipfeln erschallen, und im Gezweig der Bäume tummeln sich Weidenlaubsänger, nach ihrem Gesang auch „zilp, zalp" genannt, sowie Fitislaubsänger, deren absinkende, weiche, schwebende Singweise mit anderen Vogelstimmen „wenig am Halbdutzend fehlt". Wie hier der Künder des Glückes, so ist er andererseits auch Unglücksbote. So meldet Paulus Diakonus, der Geschichtsschreiber der Langobarden, von König Hildebrand: Als diesem sich ein Kukuk aufs Scepter setzte, glaubten einige „kluge Männer", das sei ein Zeichen und besage, daß seine Herrschaft „nutzlos" sein werde. Dem serbischen Haiducken bedeutet es Unheil, wenn der Kuckuck früh erscheint und aus dem schwarzen Wald schreit. Glück dagegen, wenn er aus dem grünen Wold ruft. In der Schweiz glaubt man, der Kuckuck könne nicht rufen, ehe er ein Vogelei gefressen habe und rufe nie vor dem dritten April und nie nach Johannis. Ruft er aber doch nach Johannis, so bedeutet das Teuerung, wie die „Chemnitzer Rockenphilosophie" zu berichten weiß; oder es heißt: Wenn der Kuckuck lang nach Johannis schreit. Kündet er Mißwachs und teure Zeit. Das erste „kuckuck!" im Lenz spielt eine große Rolle im Volksglauben. Hört man im Frühling den Kuckucksruf zuerst aus Norden schallen (also von der unglücklichen Seite her), so hat man während des Jahres Trauer zu erwarten, tönt der Ruf aber zuerst von Osten oder Westen, so bedeutet er Glück. Ruft der Kuckuck von Süden her, so ist er der Butterausrufer. Geld im Sack muß man haben beim ersten Kuckucksruf, denn dann hat man's im ganzen Jahr die Fülle; ist aber der Beutel leer, so ist das ein böses Omen fürs ganze Jahr. Und Schmalhans wird Küchenmeister sein zwölf Monate lang, wenn man das Pech hat, den Kuckuck zum ersten Male mit nüchternem Magen zu hören. Er ist also ein gefährlicher Bursche, der „Gauch", dem das Volk auch sonst allerhand böse Dinge nachsagt: er gilt als Ehebrecher, als Geizhals, z. B. bei Freidank: „fo der gouch daz erste loup gesiht, so getar (getraut) er sich's gesäten niht, er vürht, es im zerinne (mangle). Er legt seine Eier in fremde Nester (schon bei Galler von Kaiserberg heißt's: „Ein Gauch leit seine Eier dem Grasmückele in fein Nest), und gar sehr Goethe (im „Frühlingsorakel") kündet der „Blütensänger" einem liebenden Paar, „wie lange es warten soll", und die Zahl der Kinder, wobei Mann spricht, der ein übles Leben führen will; aber wie lang er seiner Freuden Spiel treiben werde, „Daz weiz der gouch, der im oür war. Hat gegutzet hundert jar". (Daraus ist dann unser heutiges „das weiß der Kuckuck!" geworden, d. h. ich weiß es nicht, sondern jemand, der klüger ist als ich, welch letzterer Bedeutung wir uns aber kaum mehr bewußt sind.) Im Hunsrück sprechen die Mädchen: „Kuckucksknecht: Sag mir's recht, Sao mir fein Auf Latein, Wie lang ich wohl werde ledig fein!" Zlnenwneii. Ausnahmen: Vogl, Gießen.) Das germanische Osterfest war die Feier des Erwachens der Natur von ihrem Winterschlaf und ££ Annens sichtbaren Wachsens und Grünens. deutsche Benennung des christlichen Osterfestes, Jls.Jltc5 ^ Auferstehung Jesu, ist sehr wahrscheinlich auf das Fest der Ostara, der Göttin der im Frühling wiederauflebenden Natur, welches die alten Sachsen um diese Zeit zu feiern pflea- ten zuruckzufuhren. Mit dem Kult bei diesem Fruhlingsfest hangen die Gebräuche des Oster! feuers des Osterwaßers, der Ostereier zusammen. Huflattich. Um die Osterzeit regt es sich überall in der Natur, besonders erst recht, wenn das Osterfest auf einen so späten Zeitpunkt fällt, wie in diesem Jahr. Abgesehen von den Gärten, in denen einheimische und aus der Fremde eingeführte Frühlingsblüher zu Ostern ihre weißen, gelben, blauen und roten Blüten entfalten, finden wir draußen im Freien nur eine bescheidene Zahl blühender Pflanzen vor. Auf den bebauten Aeckern sind es unscheinbare Unkräuter, wie Efeublätteriger Ehrenpreis, Vogelmiere und Hirtentäschel, die mit ihrem Blühen schon Halbwegs im Winter begonnen haben. Die Bearbeitung' und Bewirtschaftung der Felder zwingt diese Pflanzen mit ihrer Entwicklung so rechtzeitig zu beginnen, daß sie, bevor der Mensch mit seiner Feldarbeit ihr Dasein bedroht, wenigstens teilweise zur Samenbildung gelangt sind Auf tonigen, quelligen Stellen, auf Dämmen, Halden, Aeckern mit töni- gem Boden entfalten sich die goldgelben Körbchenblütchen des Huflattichs. Die zugehörigen, bis 15 Zentimeter großen rundlich eckigen Blätter, die als Hausmittel gegen Husten gebraucht werden und hier und da während des Krieges von abgehärteten Rauchern als Ersatz für 'den fehlenden Tabak benutzt wurden, erscheinen nach den Blüten. Im Schutz von Hecken und Büschen, an Rainen und Zäunen findet sich nicht selten das Wohlriechende Veilchen und meist überall das Gänseblümchen. Am sonnigen, steinigen Südhang, wo sich der Boden während der oft nur kurz anhaltenden Bestrahlungen durch die Frühlingssonne rascher und durchdringender erwärmt, haben sich Pflanzen angesiedelt, denen diese Stand- ortsbedingungen zusagen. Hier bildet das Frühlingsfingerkraut gelbe Polster, und stellenweise schmückt die Küchenschelle den Hang mit ihren violetten Vlütenqlocken. Auf mageren, dür- Gießener Siadttheater. Carl Hauptmann: „Die armseligen Besenbinder/ Gerhart Hauptmanns 1921 verstorbener, um vier Jahre älterer Bruder Carl, 1858 in Obersalzbrunn in Schlesien geboren, hat seine literarische Laufbahn erst begonnen, als der Jüngere bereits bekannt und berühmt war. Carl hatte sich ursprünglich mit naturwissenschaftlichen und philosophischen Arbeiten befaßt, war von dem Jenaer Kreise um Haeckel und Eucken beeinflußt worden und hatte 1892 ein Buch Über die Metaphysik in der modernen Physiologie geschrieben — ein Werk, das von seiner späteren Entwicklung noch nichts ahnen ließ. Er begann dann später, auf neuem Felde, wie der bedeutendere Bruder, mit naturalistischen Dramen („Marianne", „Waldleute", „Ephraims Breite") und wenn man auch bald aus die Wesensunterschiede im Werk der beiden aufmerksam wurde, so dürften doch auch gewisse Gemeinsamkeiten und verwandte Züge kaum zu übersehen sein. In einem von Carl Hauptmanns bekanntsten Dramen, dem Märchenspiel von den armseligen Besenbindern „irgendwo in einem entlegenen Gebirgsdorf, hoch oben am Waldsaume in der letzten Hütte" mischen sich reale und Übersinnliche Züge auf eine wirre und wunderliche Weise. Die karge und elende Welt dieser Besenbinderfamilie hat szenenweise eine verzweifelte Aehnlichkeit mit den Hungerdörfern der schlesischen Web^r; wenn aber im zweiten Aufzuge der alte Raschke im Traum vor der Himmelstür steht, wo die ehrenwerten Bürger eingehen und empfangen werden, dann muß man ein paar Augenblicke lang an das Fieberparadies des armen Hannele denken; die Besenbindertochter Rapunzel wiederum ist ein wenig mit der tanzenden Pippa verwandt; die Szene vor dem Amtssekretär im vierten Akt erinnert da und dort an die Diebskomödie vom Biberpelz; und auch jener berühmte Fremde, der als Bote aus der Außenwelt in den Kreis der Handelnden eintritt, ist eine bei Gerhart Hauptmann mehr als einmal anzutreffende typische Figur des naturalistischen Schauspiels. Die reale und die übersinnliche Sphäre durchdringen sich in den „Besenbindern" auf eine Weise, daß es kaum möglich ist, einen geordneten „Gang der Handlung", der ja überdies dem Märchen- und Traumspiel-Charakter zuwiderliefe, zu erzählen. Die Geschichte, die hier geschildert wird, ist, mit einfachen Worten, das alte Märchen von der Sehnsucht nach dem Glück. Dieses Märchen könnte ja nirgends inbrünstiger gespielt werden als in der armseligen Welt der schlesischen Besenbinder. Aber es ist nicht nur die leibliche Sehnsucht, einmal im kalten Winter den nagenden Hunger mit der Diebesbeute aus dem Dorfkruge zu betäuben, und nicht nur der wilde Triumph der armen Leute, dem Gendarmen auf ihrer Spur ein Schnippchen zu schlagen. Der älteste in der Familie, der Großvater Raschke, wartet mit gläubigem und sehnsüchtigem Herzen auf die Heimkehr des verschollenen Sohnes aus der Fremde, der ihm sein Kind, die Märchenprinzessin Rapunzel zurückließ, auf daß er sie bewahre und rein erhalte in der armseligen Hütte im hohen Walde. Und wenn der Alte seinen Johannes auch an der Himmelspsorte nicht findet — die Tochter begegnet ihm unter allem Volk in der Schenke, und es ist ein feiner und reicher Herr, ein Graf und ein Zauberer, dem das Mädchen alsbald auf geheimnisvolle Weise verbunden ist. Als er dann endlich die heimatliche Hütte betritt, kann er dem Alten nur noch die müden Augen schließen, ehe Rapunzel, den Vater erkennend, in seine Arme stürzt. Die reale und trostlose Alltäglichkeit wird zuletzt, wie am Anfang, von den milden Klängen aus der jenseitigen Welt Überspielt, und der Tod mit seiner Geige gehört ebenso in die aus der Phantasie geborene Märchenwelt wie jene arme, irre „Prinzessin Trull aus Arau- fanien", die sich, wunderlich genug, in die Besen- binderhütte verirrt hat und sich hier ein längst versunkenes Königreich vorzugaukeln versucht. — Herr Neuhaus hatte die Spielleitung und folgte in seiner Wiedergabe dem eigentümlichen Rhythmus, welcher die Vorgänge so ungewiß und oft verwirrend auf der Schwebe zwischen den beiden Welten hält, zwischen harter, nüchterner Realität und den übersinnlichen Bezirken des Traumes und der Phantasie. Das äußere Bild (Dekorationen von Löffler. Beleuchtung: Keim) unterstrich diesen Eindruck auf eine sehr sinnfällige Art in der Gegenüberstellung von Besenbinderhütte, Kretscham und Gerichtsstube hienieden und jener paradiesischen Waldwiese, die von Wolken umsäumt ist und an der Himmelstür endigt. • * Unter dem Besenbinderoolk ragte die Gestalt des alten Raschke nicht nur körperlich über seine Sippe heraus: Herr Kühne spielte ihn so, daß zwar die landschaftliche und soziale Verwandtschaft mit Gestalten wie Vater Baumert und Vater Hilfe aus den „Webern" spürbar blieb, aber auch die mysti- scheu Züge des Glückssuchers aus einem „alten Märchen" zu begreifen waren. Ganz naturalistisch wirkten daneben die andern: Frau Stirl, Frau Schubert-Jüngling und Herr Q u a d f I i e g, die vor allem im ersten und im vierten Akt die reale Welt des Spieles mit scharfen Strichen verdeutlichten. Ganz ins Jenseitige, Mystische und Märchenhafte gewandt gab Herr Neuhaus die barocke Figur des Johannes Habundus; doch wußte er in der Kneipenszene auch die rein theatralischen Elemente der Rolle wirksam auszuschöpfen. Fräulein W i e l a n d e r gab die Rapunzel als ein zartes und von der Wirklichkeit nie völlig umfangenes Geschöpf aus der Welt der Pippa und des Hannele. Fräulein Decker in den wirren Phantasien der Prinzessin Trull; Herr Sieten als handfester Gendarm; Herr Volck als Amtssekretär wie aus dem Skizzenbuch von Spitzweg; die Herren Geiger und Göbel, die Damen Pflug und W e y l seien aus dem umfänglichen Ensemble noch genannt. Die Besucher schienen sich zumeist an die spärlichen heiteren Momente zu halten und spendeten zum Schluß freundlichen Beifall hth. Klavierabend Georg Kuhlmann. Sie sind selten geworden, die selbständigen Klavierabende. Nicht nur an kleineren Plätzen, auch in der Großstadt, und da vielleicht noch mehr, sind sie jetzt ein Wagnis; denn in den überwiegenden Fällen spielen die Ausübenden vor leeren Stühlen. Nur Leute mit berühmten Namen können auf ein volles Haus rechnen, der unbekannte Künstler hat es schwer, sich durchzusetzen. Herr Georg Kuhlmann veranstaltete zugunsten des Studentenwerks Gießen im Studentenheim einen eigenen Klavierabend. Er hatte sich eine recht anspruchsvolle Folge gewählt. Sie enthielt Werke von Bach, Mozart, Chopin und Schumann, also Stücke aus den verschiedensten Stilperioden, die einem Künstler wohl Gelegenheit geben, sein technisches und musikalisches Können unter Beweis zu stellen. Dieses Riesenprogramm auswendig zu spielen, ist eine erstaunliche Gedächtnisleistung, und es ist durchaus zu verstehen und zu entschuldigen, wenn bei der anfänglichen Befangenheit hierbei kleine Unebenheiten vorkamen. Der Konzertgeber ver- fügt über eine recht solide Technik, der nur noch wenig fehlt, um sie allen Schwierigkeiten gewachsen zu machen. Sein Anschlag ist sehr modulations- fähig, beHnders gepflegt erschien das Pianospiel. Der em Anfang gespielten C-Moll-Partita von' Bach fehlte noch etwas die Ruhe und Klarheit, die bei diesem Meister Grundbedingung ist. Max Reger sagte einmal mit Recht, man dürfe Bach nur so schnell spielen, daß die Klarheit nicht darunter leide. Die Tempi hätten ruhig breiter fein dürfen. Der Vortrag verlor sich hie und da zu sehr ln Kleinigkeiten (besonders dynamisch), zum Schaden der großen Linie. Die Allemande und Sarabande waren sehr schön. Die Sonate von Mozart ist eine der letzten des Meisters. Er schrieb sie im Jahre 1789, also zu einer Zeit, als schon „Figaros Hochzeit" und bedeutende Symphonien geschrieben waren. Sie nimmt mit noch zwei anderen Sonaten, der großen b-Dur- und der Phantasiesonate in C-Moll eine besondere Stellung ein. In ihnen tritt nämlich eine hohe Satzkunst zutage, die man in den übrigen Sonaten nicht findet. Die kontrapunktische Bearbeitung der Themen ist in allen drei Sätzen gleich bewundernswert, und dabei klingt alles so elbstoerständlich, als ob es nur so und nicht anders em könne. 5)err Kuhlmann spielte die Sonate^srisch und lebendig, hob besonders im ersten und zweiten Satz die Themengruppen klar van einander ab und gestaltete dynamisch recht farbig. Die Romantiker Chopin und Schumann scheinen dem Veranstalter besonders zu liegen. Vier Etüden oon Chopin und die Barkarole wurden mit jenem Gefühlsüberschwang gespielt, der bei diesem Meister unerläßlich ist. Im Hinblick auf das Er- zieherische, das doch jedes Konzert haben soll, ist die Angabe der genauen Werkzahl (es war op. IQ 3, 4, op. 25 6, 12) unbedingt nötig. Den Beschluß machten die im Jahre 1837 er- schienenen Etüden in Form von Variationen von Robert Schumann. Das Thema stammt nach Angabe des Komponisten von einem „Amateur". Dem Meister scheint dieses herrliche Werk besonders am Herzen gelegen zu haben, denn er änderte bei der zweiten Ausgabe teilweise den Notentext und die Vortragsbezeichnunaen. Der Vortrag durch Herrn Kuhlmann löste ungetrübte Freude aus. Technisch und oortraglich gelang alles gut. Jede der zwölf Variationen erhielt ihr eigenes Gepräge. Der Beifall der recht zahlreichen Zuhörer war deshalb nach dieser Leistung besonders herzlich. Er zwang den Künstler nach dem anstrengenden Abeird noch zu zwei Zugaben. —<— Sochschulnachrichten. Geh. Rat Professor Dr. Heinrich Lüders, der namhafte Indologe an der Universität Berlin, ist mit Wirkung vom 1. April an emeritiert worden. hüten soll man sich, einen Kuckuck ohne Ursache zu töten, sein Anhana könnte ihn rächen. Infolge dieser 'schlechten Eigenschaften, die dem Kuckuck zugeschrieben werden, wird dann auch das Wort „Gauch" im übertragenen Sinne gebraucht, z. B. für einen Buhler, bei Fischart und Philander von Sittewald, welch Letzterer auch das Wort ,, G a u ch s g e h ö r n " für die Hörner des Hahnrei kennt. Fifchart gebraucht das Wort „Gauch" übrigens auch in der Bedeutung von „Schelm". Andererseits heißt „Gauch" so viel wie Narr. So lesen wir in Brants „Narrenschiff" (Ende des 15. Jahrhunderts): „dargegen sind vil narren auch, die uzgebrutet hat ein gouch". oder in Beheims „Buch von den Wienern": „ein esel, gach und narr war er". Auch ein verliebter Narr wird „Gauch" genannt, und Murner, der Zeitgenosse Luthers, hat diesen verliebten Narren eine ganze Dichtung gewidmet, die „ g e u ch m a t t". Die „geuchmatt" ist eine Wiese bei Basel, auf der die verliebten Narren zu einem Fest zusammenkommen. Schon im Altertum spielt der Kuckuck eine Rolle. Noch ^Hesiod verkündet sein Ruf die Zeit der fallenden Saatregen. Seiner Gestalt bedient sich Zeus, wie die argivische Sage zu berichten weiß, als er sich zuerst Hera naht. Ums Jahr 420 schuf Polyklet seine berühmte Kolossalstatue der Göttin für das Heraion bei Mykene und gesellte Hera den ihr heiligen Kuckuck. Erscheint er hier nur als Begleiter der Gottheit, so ist den Neuseeländern er selbst ein Gott. In Serbien aber gilt er als Wahrzeichen der Trauer: auf den hohen hölzernen Grabkreuzen werden dort so viele Kuckucke abgebildet, als Angehörige, namentlich Schwestern, um den Toten trauern. So ruft der Kuckuck durch die Jahrhunderte, Glückes Bote, Unglücks Künder, weiser Seher, Uebel- täter, — wahrlich, auch von ihm könnte es heißen: „Don der Parteien Gunst und Haß verwirrt, Schwankt sein Charakterbild in der Geschichte." E. B. Entgeltzahlung auch an Heimarbeiter am i. Mai. Der Treuhänder der Arbeit des Wirtschaftsgebiets Hessen gibt bekannt: Soeben hat der Reichs- und Preußische Arbeitsminister im Einvernehmen mit dem Reichs- und Preußischen Wirtschaftsminister folgende Anordnung betr. Entgeltzahlung an Heimarbeiter am 1. Mai erlassen: „Der nationale Feiertag des deutschen Volkes soll dem deutschen Arbeiter nach dem Willen der Reichsregierung keinen Lohnausfall bringen. Das Gesetz über die Lohnzahlung am nationalen Feiertag des deutschen Volkes vom 26. April 1934 schreibt daher vor, daß dem Arbeiter der regelmäßige Arbeitsverdienst auch für den 1. Mai zu zahlen ist. Auch der deutsche Heimarbeiter soll den nationalen Feiertag feiern können, ohne daß seine Festesfreude durch Entgeltausfall getrübt wird. Es wird daher erwartet, daß alle Auftraggeber, Zwi- fchenmeifter und Hausgewerbetreibende die von ihnen beschäftigten Heimarbeiter so stellen, daß sie keinen Entgöltausfall erleiden. Im Interesse einheitlicher Behandlung soll jeder Heimarbeiter 4 v. H. der im Monat April verdienten Entgelte erhalten. In Betrieben, in denen vor dem Osterfeste eine saisonmäßige Belebung des Geschäftes zu besonders hohen Entgelten im April geführt hat, kann ausnahmsweise auf 3 v. H. der im April verdienten Entgelte herabgegangen werden. Da es für manchen Zwischenmeister und die Hausgewerbetreibenden wirtschaftlich nicht erträglich ist, wenn ihnen der Arbeitsausfall zur Last fällt, ist es Pflicht aller Auftraggeber, diesen Zwischenmeistern und Hausgewerbetreibenden die von ihnen gezahlten Entgeltsummen zu ersetzen." Ich fordere alle Auftraggeber, Zwischenmeister und Hausgewerbetreibenden des Wirtschaftsgebietes Hessen zur genauesten Befolgung dieser Anordnung auf, durch welche nunmehr auch den Heimarbeitern die Entgeltzahlung am 1. Mai gesichert wird, so wie dies für alle übrigen Arbeiter bereits durch das Gesetz über die Lohnzahlung am nationalen Feiertag des deutschen Volkes vorn 26. April 1934 geschehen ist. Deutsche Arbeitsfront. NS.-Gemeinschafl „Kraft durch Freude". Das Konzert des Gesangvereins Friedrichsthal (Saar) verschoben. Da viele Volksgenossen infolge einer eigenen Veranstaltung verhindert sind, an dem geplanten Großkonzert in der Volkshalle teilzunehmen, haben wir uns entschlossen, das Konzert abzusagen. Wir hoffen, daß wir das Konzert im Lauf des Sommers halten können. Heidelberg-Fahrt! Anmeldungen abgeschlossen! Es sind Wünsche laut geworden, an dem geplanten Mittagessen in Heidelberg nicht teilzunehmen. Wir stellen es des- halb jedem frei und geben nochmals die Preise bekannt: Für Kinder von 6 bis 10 Jahren Fahrpreis ohne Mittagessen 2,65 Mark, mit Mittagessen 3,45 Mk., für Erwachsene ohne Mittagessen 4,20 Mk., mit Mittagessen 5 Mark. Die Preise verstehen sich ab Gießet. Es wird dafür gesorgt, daß Anschlußzüge morgens und abends nach den einzelnen Ortschaften gehen. Für den Anfahrpreis find von den einzelnen Ortsgruppen besondere Anträge bei ihrer Station zu stellen. Die Fahrpreise sind nach wie vor auf der Bezirkssparkasse Gießen, Konto „Kraft durch Freude" Nr. 5085, einzuzahlen. In den Ortsgruppen sammeln die KdF. - Warte die einzelnen Beträge ein, führen eine genaue Liste über die Teilnehmer (Kinder und Erwachsene, mit und ohne Mittagessen) und zahlen den gesamten Betrag auf die Bezirksfparkasse ein. Wir haben den Einzahlungstermin bis zum 25. April verlängert. Die Karten können ab 25. April auf der Geschäftsstelle von „Kraft durch Freude", Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 8, abgeholt werden. „Neunte Symphonie." Letzte Probe vor Ostern Mittwoch, 17. April, 20 Uhr für Damen, 21 Uhr für alle Herren. Die Probe der Männergesangvereine fällt zugunsten dieser Probe an diesem Tage aus. NS.-Gemeinschafl „Kraft durch Freude". Kreis Gießen. An unsere Kameraden in allen Betrieben! Am Freitag, 26. Aprils also Freitag nach Ostern, hält Professor Temesvary im Großen Hörsaal der Universität Gießen einen Einführungsvortrag für die „Neunte Symphonie" von Beethoven. Der Eintritt ist für jedermann frei. Anschließend findet eine Chorprobe statt, der jeder zuhören kann. Fester Urlaubsplan in den Betrieben. Ein Aufruf an die Betriebsführer. Viele Gefolgschaftsmitglieder wissen nicht, ob und an welcher „Kraft-durch-Freude"-llrlaubsfahrt sie teilnehmen können, weil in den Betrieben kein fester Urlaubsplan aufgestellt ist. Dadurch ist den einzelnen Interessenten nicht die Möglichkeit gegeben, sich auf lange Sicht für eine bestimmte Fahrt vorzubereiten und rechtzeitig anzumelden. An die Betriebssührer ergeht daher die Bitte, durch rechtzeitige Aufstellung eines festen Urlaubsplans die Vorbereitung und Teilnahme an den „kraft-durch-Freude"- Fahrten möglich zu machen. Es liegt ja auch im Interesse des Betriebsführers, wenn feine Gefolgschaftsmilglieder neu gestärkt nach einem angenehm verbrachten Urlaub wieder zur Arbeit zurückkehren. Gez.: Sprenger Gauleiter und Beichsstatthalter. Gez.: Becker Landesobmann der NSBO. und Bezirkswalter der DAF. Was wird mein Lunge? Berufswünsche und Lehrstellenmarkt. Von Dr. Wagenbach, Berufsberater, Arbeitsamt Gießen. Schon stehen rund 5000 oberhessische Jungen und Mädchen vor den Toren der Berufe. Sie zählen zu der Schar der 950 000 Jugendlichen, die zu Ostern im Alter von 13 bis 16 Jahren neu in das deutsche Berufsleben treten. Nach den sehr schwach besetzten Kriegsjahrgängen sind es vor allem die sehr umfangreichen Jahrgänge 1920/21, die einen Zugang bringen, der größer ist, als der Zugang jemals feit 1929, und auch größer, als der voraussichtliche Zugang der nächsten fünf Jahre. Zu diesen jungen Kräften treten die 130 000 Rückkehrer aus dem Arbeitsdienst, die in diesen Tagen die Lager verlassen haben. Zwei Etappen gibt es in diesem gewaltigen Eingliederungsprozeß: Die Berufsberatung, die ausgeht von der Neigung und Eignung der jugendlichen Ratsuchenden, und die Stellenoermitt- I u n g, die vom Bedarf der Wirtschaft an Nachwuchs bestimmt wird. meisten begehrten Berufen kontrastieren stark solche, die offensichtlich vernachlässigt werden, wie zum Beispiel: Landarbeiter, Melker (ein durchaus qualifizierter Beruf mit 2jähriger Lehre) überhaupt alle landwirtschaftlichen Berufe, Steinmetz, Former, Schweißer, Wäscher, Küfer, Stellmacher, Glaser. Diese Verteilung der Berufswünsche entspricht nicht den Bedürfnissen der Wirtschaft an Nachwuchs. Es ist unmöglich, daß alle Jugendlichen, die Autoschlosser, Maschinenschlosser, Elektro-Jnstallateur, Schuhmacher oder Kaufmann werden wollen, restlos in die gewünschten Berufe hineinkommen können. Statt kurzsichtiger und übereilter Entschlüsse ist daher besonnene Ueberlegung am Platze, die sich über die tatsächliche Aufnahmefähigkeit des Lehrstellenmarktes klar wird, und dann aus den gegebenen Möglichkeiten das Bestmögliche im Hinblick auf Neigung und Eignung auswählt. Nur so besteht Aussicht, daß die ins Erwerbsleben marschierende Jugend untergebracht werden kann. Allerdings besteht die Tatsache, daß insgesamt weniger Lehrstellen als Lehrstellensuchende vorhanden sind, so daß der Rest daran denken muß, in die Landwirtschaft zu gehen, die jederzeit Kräfte benötigt. Diesen Jugendlichen ist mit 16 Jahren die neugeschaffene landwirtschaftliche Lehre zugängig. tro-Jnstallateur werden wollen, die Zahl der in Bei der Lösung dieser schwierigen Aufgabe will Wie sehr Berufswünsche und Bedarf auseinanderfallen, beweist die Tatsache, daß die Zahl der Anwärter für die kaufmännischen und Büroberufe ungefähr doppelt so groß, für den Schuhmacherberuf viermal so groß ist, als das Angebot an Lehrstellen, daß die Zahl der Jugendlichen, die Auto- und Maschinenschlosser, oder Elek- diesen Berufszweigen gemeldeten offenen Lehrstel-, die Berufsberatung allen Jugendlichen und deren len um ein Mehrfaches übersteigt. Mit diesen am I Eltern beratend und helfend zur Seite stehen. Die „Neunte Symphonie" ist wohl das volkstümlichste Werk Beethovens. Wenn Herr Professor Temesvary trotzdem einen Einführungsvortrag hält, so nur deshalb, um auf besondere Feinheiten des Werkes aufmerksam zu machen. Wir verweisen schon jetzt auf diesen Vortrag, damit unsere Ortswarte alle Volksgenossen auf die einzigartige Aufführung am 30. April aufmerksam machen können. Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen. Bezirk Oberhessen. Betr.: Führerschulungslager auf dem Gleiberg. Am Mittwoch, 17. April, abends 20.15 Uhr, hält das Führerschulungslager feinen aroßen Kameradschaftsabend ab, der zugleich Abschiedsfeier dieses Lehrganges ist. Zu diesem Kameradschaftsabend werden sämtliche Mitglieder des Bundes nebst Frauen eingeladen. Die Kameraden werden in ernster und heiterer Form den Abend in echt nationalsozialistischem Sinne ausgestalten. Zu dieser Veranstaltung stellt die Post einen Omnibus, der um 19.45 Uhr am Neustädter Tor abfährt. Lagerleiter werden geschult. Dreitausend Jungen im Laufe des Sommers das achttägige Zeltlager der Hitlerjugend zu einem Erlebnis, zu einer Quelle der Kraft und Erholung und zu einer Stätte der Kameradschaft und erzieherischen Gemeinschaft werden zu lassen, ist für einen Lagerleiter (und etwa 50 werden es insgesamt fein) nicht so einfach. Um so mehr wird er, und das ist ja selbstverständlich, sich der Verantwortung und der großen Aufgabe, die ihm hier gestellt werden, vollkommen bewußt sein. So ergibt sich denn ohne weiteres die große Bedeutung, die den gegenwärtig aus zwei Gebietsführerschulen der HI. des Gebietes Hessen-Nassau (in Eltville und Niedernhausen i.T.) stattfindenden Lehrgängen für die Lagerleiter der Zeltlager der Hitlerjugend und des Jungvolks zukommen. In vier Wochen wird ihnen in theoretischer und praktischer Schulung das Rüstzeug an die Hand gegeben, das sie ihre Aufgaben bewältigen läßt. Sie müssen Sport und Spiel beherrschen können und über einen reichen Schatz von Liedern und Spielen verfügen, sie müssen Kamerad und Vorbild zugleich sein und es fertig bringen, den Jungen das Erlebnis der Landschaft wie der Kameradschaft zuteil werden zu lassen. Parteiführer und Führer der HI., Persönlichkeiten der Wissenschaft und Kultur, Aerzte und Sportwarte der HI. unterweisen die verantwortungsbewußten Lagerleiter, so daß die einwandfreie Durchführung der HJ.-Zeltlager in jeder Hinsicht gewährleistet ist, die am 19. Mai im Rahmen einer eindrucksvollen Feierstunde eröffnet werden. Straßen- und Kanalbauten im Stadtteil Schiffenberaer Weg. Gegenwärtig steht im Schifsenberger Weg eine Reihe von Bauvorhaben, bei denen neben Facharbeitern auch zahlreiche andere Arbeitskräfte Verwendung finden, im Vordergrund des öffentlichen Interesses. Zunächst ist man damit beschäftigt, das Bett des am Schreiberweg entlangführenden Klingelbachs bis zum Bahndamm der Strecke Gießen— Fulda zu reinigen, gerade zu legen und zu vertiefen. Vom Bahndamm aus soll der Bach durch einen noch zu errichtenden Betonkanal in den bereits vor Jahren unter der Keplerstraße angelegten Kanal eingeführt werden und von dort aus unter der Wiefeckbrücke in die Wiefeck einmünden. Mit der Durchführung dieses Projekts wird der im Stadtinnem bisher noch freie Lauf des Klingelbachs vollständig verschwinden. Parallel zum Klingelbach bzw. zum Schreiberweg wird in der als „Hegstrauchweg" bezeichnete Straße ein Regen- und Schmutzwasserkanal gebaut, ferner der hier bereits bestehende Weg auf eine Breite von zehn Meter als Straße ausgebaut und auf eine Höhe von einem Meter aufgeschüttet werden. Weiter fall der zwischen dieser Straße und dem Aulweg am Bahndamm entlangführende Fußgängerweg ausgebaut werden, so daß man nach Fertigstellung dieser Straße vom! Südoiertel aus über diese guten Straßen auf dem kürzesten Wege zum Stadtwald gelangen kann. Schließlich seien noch die Straßenregulierungsarbeiten am Nahrungsbera zwischen der Gartenstraße und der Keplerstraße erwähnt, durch die ebenfalls eine erfreuliche Verbesserung und fort- streitende Erschließung von Baugelände im Schif- fenberger-Weg-Diertel erreicht wird. Vornokizen. — Tageskalender für Mittwoch: Führerschulungslager des Bundes Nationalsozialistischer Juristen, Gau Hessen-Nassau: 20.15 Uhr Kameradschaftsabend auf dem Gleiberg. — Ortsgruppe Gießen-Süd: 20.15 Uhr im großen Warteraum des Arbeitsamtes, Bahnhofstraße, Zellen- verfammlung der Zelle 3 (Kliniken). Es spricht Kameraden,tragt dieOAF.-Mühe! Dr. List über „Der Kampf gegen die Arbeitslosigkeit in Oberhessen". Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr „Die armseligen Besenbinder". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Oberwachtmeister Schwenke". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 16 bis 17 Uhr 2. Ausstellung aus Gießener Privatbesitz. — Stadttheater Gießen. Heute 19.30 Uhr erste Wiederholung der Spielplanneuheit „Die armseligen Besenbinder", ein altes Märchen von Carl Hauptmann. Spielleitung dieser Szenenfolge hat Anton Neuhaus. ♦ ** Der Postdienst am Osterfest. Am Karfreitag und am 1. Dfterfeiertag findet je eine Brief- und Paketzustellung statt. Am 2. Osterfeier- tag ruht der Zustelldienst. Im übrigen wird an den genannten drei Tagen der Dienst wie Sonntags abgehalten. ** Die Allgemeine Ortskrankenkasse für den Kreis Gießen weist im heutigen Anzeigenteil darauf hin, daß die Kasse am Samstag, 20. April, geschlossen ist. Krankengelder können bereits am Donnerstag, 18. April, in Empfang genommen werden. Auf die Bekanntmachung sei besonders aufmerksam gemacht. ** Autozusammenstoß. Gestern gegen 17 Uhr stießen in der Gartenstraße bei der Alten Bürgermeisterei zwei Personenkraftwagen zusammen. Dabei wurde ein Auto so erheblich beschädigt, daß es vom Autohilfsdienst abgeschleppt werden mußte. Erfreulicherweise kamen bei dem Unfall Personen nicht zu Schaden. ** Urlaubsspende für die Betriebsgefolgschaft. Anläßlich des 10jährigen Berufsjubiläums spendete der Inhaber der Firma Photo- Pfaff in Gießen, Photograph Philipp Pfaff, jedem seiner drei Angestellten eine Urlaubsfahrt mit „Kraft durch Freude" und stellte dafür den Betrag von 100 Mark den Angstellten zur Verfügung. Daneben findet selbstverständlich während der Urlaubszeit bis au vier Wochen volle Gehaltszahlung statt. Erwähnt sei bei dieser Gelegenheit noch, daß Herr Pfaff seinen Angestellten gelegentlich des Weihnachtsfestes ein volles Monatsgehalt in barer Summe als Weihnachtsgeschenk aus« händigte. ** Fünf Sonnenfinsternisse — erstmalig feit 1 255. Erstmalig feit 1255 werden wir in diesem Jahre wieder fünf Sonnenfinsternisse haben. Denn nicht weniger als fünfmal wird der Mond zwischen der Erde und der Sonne hin- durchgehen. Zweimal werden wir obendrein eine Mondfinsternis haben, die durch den Schatten der Erde auf der Mondoberfläche verursacht wird. Seit 1255, dem Jahre, in dem wir in unserer Zeitrechnung zum erstenmal fünf Sonnenfinsternisse hatten, wird also das Jahr 1935 das erste sein, in dem sich dieser Naturvorgang so häufig wiederholt, und wir werden auch so bald nichts Aehnliches auf der Erde zu verzeichnen haben. Denn erst unsere Nachfahren im Jahre 2485 werden wieder einmal fünf Sonnenfinsternisse zu beobachten haben. Große Giraffammer Gießen. Wegen Devisenvergehen wurden der Ludwig Leßrnann und die Anna Lehmann aus Ober- Rosbach (Kreis Friedberg) vom Gießener Schöffengericht zu Freiheits- und Geldstrafen verurteilt. Gegen dieses Urteil legten der Angeklagte Leßrnann und die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Während der Vertreter der Anklage die Berufung gegen die Ehefrau zurücknahm, wurde in der gestrigen Hauptverhandlung lediglich gegen den Ehemann verhandelt, der die Tat selbst zugab, jedoch um eine Herabsetzung der Strafe — acht Monate Gefängnis und 10 0Ö0 Mark Geldstrafe — bat. Die Angeklagten hatten sich Registermarkschecks beschafft, ohne gesetzlicher Bestimmung gemäß ihren Wohnsitz im Ausland zu haben. Einen Teil des Jahres lebten sie in Ober-Rosbach, um den Rest m Amsterdam zu verbringen. Auf der Hinreise nach Holland nahmen sie mehr Geld mit, als ihnen nach den gesetzlichen Vorschriften gestattet war. Die Strafkammer wies die Berufungen unter Anrechnung der zwischenzeitlichen Untersuchungshaft kosten- fällig zurück. Der Johann Ferdinand Rupp aus Ober-Efch- bach (Kreis Friedberg) wurde wegen Vergehens gegen den § 1 des Gesetzes zum Schutze von Staat und Partei und der Parteiuniform in Tateinheit mit einem Vergehen im Sinne des § 185 RStGB. zu drei Monaten zwei Wochen Gefäng- n i s verurteilt. Der Angeklagte machte der Kreisleitung schwere kriminelle Vergehen zum Vorwurf und beleidigte den dortigen Kreisleiter in der übelften Weise. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit befaßte sich die Kammer mit dem G. K. aus Büdingen wegen Verbrechens im Sinne des § 176 Ziffer 3 StGB, und verurteilte ihn zu einem Jahr Gefängnis unter Anrechnung von drei Monaten 10 Tagen erlittener Untersuchungshaft. Oberhessen. Alte Osterbräuche im Busecker Tal. Großen - Buseck, 16. April. In unserem Tal wird heute noch die uralte Sitte des Oster» wasser-Schöpfens gepflegt. Am Dftermorgen vor Sonnenaufgang begeben sich immer noch zahlreiche Volksgenossen an die unser Tal durchfließenden Bäche und holen d^s gegen mancherlei Krankheiten zu gebrauchende Wasser. Es muß aber immer in Fließrichtung geschöpft werden und man darf kein Wort dabei sprechen. Das Wasser wird dann in Krügen das ganze Jahr im Keller aufbewahrt, ohne daß es verdirbt. Unsere heidnischen Vorfahren- waren der Ansicht, daß das helle Licht der strahlenden Sonne die segnenden Geister nötigt, sich in bie' Tiefe zurückzuziehen. Daher war nur das vor Sonnenaufgang geschöpfte Wasser heilkräftig. Auch das Wasser, das sich an heiligen Steinen niederschluq, hatte Heilkraft. Die nordische Sage brachte diese Wassertropfen mit den Augen in Verbindung. Sie galten als Tränen, von den Felsen und Steinen bei dem plötzlichen Tode des gütigsten der Götter, des lichtstrahlenden Baldur, gemeint. Die der Gottheit geweihten Tränen können daher auch den Schmerz der kranken Augen lindern. Die heilige Stille geziemte sich wegen der gegenwärtig gedachten heilenden Gottheit, vor der alle Kreatur verstummen muß. Wenn der Geist sich sammeln soll, so muß der Mund verstummen. Landkreis Gießen. 8 Alten-Buseck, 16. April. Am Sonntag fand in der hiesigen Kirche die feierliche Einsegnung unserer Konfirmanden von Alten- Buseck und Trohe statt. Es wurden insgesamt 35 Kinder konfirmiert, und zwar aus Alten-Buseck 12 Knaben und 16 Mädchen, aus Trohe 5 Knaben und 2 Mädchen. Unser Ortsgeistlicher, Pfarrer Naumann, legte seiner Predigt das Bibelwort aus dem 43. Psalm zugrunde: „Sende dein Licht und deine Wahrheit, daß sie mich leiten, und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung". ch Beuern, 16. April. Im Saale von Dietrich veranstalteten die HI. und der B d M. einen E l» ternabenb, der gut besucht war. Nach dem Einzug der Fahnen und der Aufstellung der Jugend wurde die Veranstaltung mit Lied und Sprechchor eröffnet. Kameradschaftsführer Belloff dankte für den zahlreichen Besuch und> teilte mit, daß der Verlauf des Abends den Eltern zeigen solle, wie die HI. ihre Dienstabende gestalte. Nachdem man der Gefallenen des Weltkrieges und des innerdeutschen Freiheitskampfes gedacht hatte, führte die HI. den Verlauf eines Dienstabends vor. Der BdM. erfreute hierauf mit einem Märchenspiel und zeigte den 93er» lauf eines Heimabends. Gefolgschaftsführer Karl Heinz (Winnerod) hielt noch eine kurze Ansprache, in der er die Eltern um die Forderung der Arbeiten der HI. und des BdM. bat. Die Ansprachen und die Darbietungen wurden mit großem Beifall aufgenommen. Mit dem Lied der HI. und mit begeistertem Sieg-Heil auf den Führer Adolf Hitler fand der Abend feinen Abschluß. * Aus dem ßumbatal, 16. April. Für die Gemarkungen Beltershain, Rüddings- hausen und Reinhardshardshain sind Wasser-Genossenschaften gebildet worden, deren Aufgabe die Entwässerung von Teilen der Gemarkungen Beltershain, Rüddingshausen und Reinhardshain ist. Der Sitz der Genossenschaft befindet sich jeweils in Beltershain, Rüddingshaufkn und Reinhardshain. * Harbach, 17. April. Am Karfreitag, 19. April, kann unser Mitbürger Friedrich Frey von der Sommersmühle seinen 7 8. Geburtstag begehen. Der alte Herr ist noch sehr rüstig und besorgt alle seine Arbeiten in der Mühle. Seit rund 40 Jahren ist er treuer Bezieher des „Gießener Anzeigers". )—( Hungen, 16. April. Nachdem am vorletzten Sonntgg hier die Vorstellung und Prüfung der diesjährigen Konfirmanden stattgefunden hatte, erfolgte am Palmsonntag die Konfirmation, und zwar von 14 Jungen und 27 Mädchen. — Während in früheren Zeiten die Vorstellung am Sonntag vor Pfingsten und die Konfirmation am 2. Pfingstfeiertag stattfand, wurde die letztere etwa um die Jahrhundertwende auf den Sonntag nach Ostern (Quasirnodogeniti), den sog. Weißen Sonntag verlegt. Der Grund hierfür bestand in der Entlassung der Vierzehnjährigen aus der Schule an Ostern und der hierdurch geschaffenen Möglichkeit zum alsbaldigen Eintritt in eine Berufsausbildungsstelle. Es waren also Gründe mehr materieller Art, die es geboten erscheinen ließen, mit einem alten Herkommen zu brechen. Nachdem nunmehr durch die einheitliche Festlegung des Buß- und Bettags, der in Hessen auf den Palmsonntag fiel, auf das Ende des Kirchenjahres der Palmsonntag gewissermaßen frei wurde, erwies sich die Verlegung der Konfirmation auf diesen Tag als zweckmäßig. 5 Trais-Horloff, 16. April. Am vergangenen Sonntag hat auch hier die Äonfirma« t i o n stattgefunden. Es war eine große Zahl Konfirmanden, aus Trais-Horloff 9 Bubqn und 6 Mädchen, Utphe 7 Buben und 2 Mädchen, Inheiden 8 Buben und 7 Mädchen. Im Ganzen also 24 Buben und 15 Märchen. — Die Sammlung für d i e Innere Mission hatte in unserer Pfarrei auch in diesem Jahre wieder ein gutes Ergebnis. Im Ganzen find 111 Mark eingegangen: aus Trais-Horloff 21,10 Mark, Utphe 60,20 Mark und Inheiden 29,70 Mark, die Kirchenkollekte am Sonntag erbrachte 13 Mark, so daß der Inneren Mission 124 Mark zugeführt werden konnten. D R o d h e i m a. d. Horloff, 16. April. Die Haussammlung für die Innere Mission, die in der Woche vom 8. bis 14. April auch in unserer Pfarrei durch die Kirchenvorsteher vor- genommen wurde, hotte folgendes Ergebnis: Rod- heim 15 Mk., Steinheim 26,15 Mk., Rabertshausen 6,80 Mk., zusammen 47,95 Mark. Die Kirchenkollekte betrug 2,30 Mark. Kreis Büdingen. LPD. B ü d i n g e n , 16. April. In dem Kreisort Mittelgründau wurde gestern auf seinem Hausboden unmittelbar nach einem Schuß der 32 Jahre alte ledige Friedrich Knicke! tot aufgefunden. Ob ein Unfall oder Selbstmord vorliegt, ist nicht bekannt. 8 Nidda, 17. April. Die Zahl der diesjährigen Konfirmanden nähert sich nun allmählich wieder der jährlichen Geburtenziffer vor dem Weltkriege. Es wurden am vergangenen Sonntag hier 61 Kinder, nämlich 36 Knaben und 25 Mädchen, aus unserem Kirchspiel konfirmiert. Zu letzterem gehören die Gemeinden Nidda, Bad Salzhausen, Kohden, Michelnau und Unter-Schmitten. 8 Bad Salzhausen, 17. April. Nach der winterlichen Ruhe regt es sich hier seit kurzer Zeit überall. Nicht allein an Häusern und deren Ziergärten wird alles, was das Auge stört, entfernt, Beete neu geordnet und gefällig bepflanzt, sondern auch viele fleißige Hände säubern die Parkwege, stechen die überragende Rasenfläche mit scharfer Grenze ab, beschütten Wege mit Basaltsplitt, beschneiden bald üppig grünende Sträucher, entfernen entbehrliche und dürre Aeste, wodurch die Anlagen ein nettes Gepräge erhalten. Rundum lassen gefiederte Sänger beim Nestbau auf blatttreibenden Bäumen und Büschen herrliche Lieder erschallen. Das Kindererholunasheim des Roten Kreuzes beherbergt schon seit kurzer Zeit einige kleine Gäste. Das Kurhaus hat für die diesjährige Saison schon am vorigen Sonntag die Pforten geöffnet. Ebenso sind die anderen Gaststätten für die zunächst an den Ostertogen eintreffenden Besucher gerüstet, aber auch für später kommende eingerichtet. Kreis Scholten. ch Groß-Eichen, 17. April. Heute feiern die Eheleute Otto Becker und Marie, geb. Rühl, das Fest der silbernen Hochzeit. — Das Fest der goldenen Hochzeit feiern am 19. April in großer Rüstigkeit die Eheleute Iohs. Rühl II. und Katharine, geb. Müller. Kreis Alsfeld. st. Kirtorf. Zu einer eindrucksvollen Feierstunde gestaltete sich hier auf dem festlich geschmückten Marktplatz die Ueberweisung der schulentlassenen Iungvolkpimpfe und Jung- möbel aus ihrer bisherigen Organisation i n d i e HI. und den B d M. Der Aufmarsch, Musik, gemeinsam gesungene Lieder, Gedichtvortrag und Sprechchöre leiteten die Feier ein. Anschließend sprach die Führerin des BdM. kurz zur Ueberweisung, die dann in feierlicher Weise vollzogen wurde. Unter den Klängen des Deutschlandliedes verabschiedeten sich die Üebertretenden von ihrer bisherigen Führerschaft und wurden sofort mit Händedruck unter der Fahne der neuen Führung verpflichtet. Anschließend sprach der Sozialreferent der Gefolgschaft 15/304, Walter Pfeil-Heimertshausen, Über die Ueberweisung. Er ermahnte, Dienst und Pflicht kn der neuen Einheit genau so zu tun, wie in der bisherigen Organisation. Mit dreifachem Sieg-Heil auf Deutschland und seinen Führer, sowie mit dem gemeinsamen Lied der Hitler-Jugend wurde die Feier beschlossen. Preußen. Kreis Wetzlar. Lützellinden, 16. April. In diesen Tagen konnte die Krankenschwester Karoline Loh von hier ihren 7 0. Geburtstag feiern. Sie hat hier über 20 Jahre den Dienst als Gemeindekrankenschwester versehen. Zum Dank hierfür überreichte ihr der Gemeindeschulze Engel in einer schlichten Feier das Buch „Altersdank". Pfarrer Koch fand ebenfalls Worte des Dankes und würdigte ihre Verdienste als Krankenschwester. OtunÖfunfprogromm Donnerstag. 18. April. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15 und 6.30: Gymnastik. 6.55: Morgenfpruch — Choral. 7: Frühkonzert. 8.13: Gymnastkk. 9: Werbekonzerk. ID: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten der Gauleitung. 15.15: Kinderfunk. Heute lernen wir ein Osterspiel. 16: Berthold Nennstiel: Ein neuerfundenes Tonsilben-ABC. Vortrag mit Musikbeispielen. 16.30: Neue deutsche Dichtung. 16.40: Ein altdeutsches Osterspiel. Von Dr. Otto Goemer. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Kunstbericht der Woche. 18.35: Johann Sebastian Bach. Eine Rede von Wilhelm Schäfer. 19: Volkstümliche Musik. 19.45: Die neuen Bestimmungen über die Befreiung von Rundfunkgebühren. Es spricht Oberpostrat Flanze vom Reichspostministerium. 20: Nachrichten. Anschließend: Der Zentfunk bringt den Tagesspiegel. 20.15: Orchesterkonzert. Neue deutsche Musik. 21.15: Kammermusik für Horn und Klavier. 22: Nachrichten. 22.20: Aus Wafhington: Worüber man in Amerika spricht. Von Kurt G. Sell. 22.30: Matthäus-Passion von Heinrich Schütz. 23: Orgelmusik von Ioh. Seb. Bach. 24: Funkstille. O.Jl.-’SpOTt Gründung einer Ortsgruppe des RfL. in Klein-Linden. Am Samstagabend fand im Turnerheim zu Klein-Linden eine Versammlung aller sporttreibenden Vereine unseres Dorfes statt, und zwar zum Zweck des Zusammenschlusses zu einer Ortsgruppe des Reichsbundes für Leibesübungen. Der örtliche Sachbearbeiter des Amtes für Sportwerbung, Karl Klinkel, der die Versammlung einberufen hatte, stellte einleitend fest, daß alle einge- labenen Vereine vertreten waren. Er gab der Versammlung die Verordnungen des Reichsausschusses für Leibesübungen über den Zusammenschluß bekannt. Nach längeren Beratungen und Besprechungen darüber erfolgte bann der Zuammenschluß der in der Gemeinde ansässigen, dem Deutschen Reichsbund für Leibesübungen angeschlossenen Turn- und Sportvereine zu einem Verein, der den Namen trägt: „Ortsgruppe Klein-Linden des DRL." Die Ortsgruppe, die in das Vereinsregister eingetragen wird, hat den Zweck, gewisse Aufgaben des DRL. durchzuführen, die Interessen des deutschen Sports gegenüber örtlichen Behörden zu vertreten und in der Oeffentlichkeit für den Gedanken der Leibesübungen werbend und fördernd einzutreten. Die Satzungen wurden verlesen und einstimmig angenommen. Als Ortsgruppenleiter des DRL. wurde der Dietmar! des Turnvereins, geführt werden sollte. Wie der Kampf ausgeht, ist nicht vorauszufagen. Die Gäste werden schwer zu kämpfen haben, wenn sie auf dem gefährlichen Gelände der Grohen-Busecker ehrenvoll abschneiden wollen. Fußball im Tv. Launsbach. Die beiden Mannschaften trafen sich zu einem Gesellschaftsspiel in Launsbach. Allendorf ging zuerst in Führung, Launsbach glich aber gleich darauf aus und konnte bis zur Pause noch zweimal einsenden. Beim Stande von 3:1 wurden die Seiten gewechselt. Launsbach war auch weiterhin überlegen und führte bis kurz vor Schluß mit 4:2 Toren. Die Gäste vermochten dann noch den Ausgleich zu erzielen, so daß man sich mit dem Ergebnis von 4:4 Unentschieden trennte. Launsbach tritt am Karfreitag in Wißmar an. Wißmar konnte im letzten Spiel einen knappen Sieg erringen. Der Gegner des bevorstehenden Spieles spielt allerdings eine Klasse höher und hat mehr Routine, wie die Launsbacher. Wenn Launsbach komplett antritt, sollte der Sieger doch erst mit dem Schlußpfiff seststehen. Handball im Gan XII (7!ordheffen). Der Spielbetrieb in der Gauklasse ruhte vollkommen. Das Aufstiegspiel in der Bezirksklasse TV. Keffelstadf — Kurhessen Marburg mußte wegen de« fchlechten Platzes ausfallen. In der 2. Kreisklasss stand nur ein Aufstiegspiel auf dem Programm. In Herborn trafen sich TV. Herborn und TD. Garbenheim, die sich nach ausgeglichenem Spiel 3:3 trennten. Der Freundschaftsspielbetrieb ruhte durch das Gießener Hallenturnier vollkommen. Im Schützenhaus fand dann die Handballkampf gegen Holland. Der erste Handball-Länderkampf Deutschland — Holland wird am 2. Juni im Haag zum Austrag kommen. Ferner ist noch ein Länderkampf mit Dänemark am 30. Juni in Kiel geplant. Deutschland wird also in diesem Jahre am 19. Mai gegen Schweiz in Augsburg, am 30. Mai gegen Schweden in Hannover und am 2. Juni gegen Holland im Haag Handball-Länderkämpfe austragen. Deutscher Boxsieg über Ungarn. Ungarns Länderstaffel mit 11:5 geschlagen. In Budapest kam vor 6000 Zuschauern der fällige Boxländerkompf im Wettbewerb um den Mitropa» Pokal zwischen Deutschland und Ungarn zum Austrag. Obwohl der Kampf nach den ersten vier Treffen noch 4:4 stand, landete die deutsche Staffel noch einen überlegenen Sieg mit 11:5. Deutschland ist damit der Gewinn des Mitropapokals nicht mehr zu nehmen. Es ist noch ein Kampf gegen Polen auszutragen, der erste Platz ist Deutschland aber auch im Falle einer Niederlage gegen Polen nicht zu nehmen. Von den acht Treffen des Budapester Länderkampfes wurden fünf von den deutschen Vertretern gewonnen. Die Ungarn kamen durch zwei Siege und ein Unentschieden zu ihren fünf Punkten. Siegreich waren für Deutschland: Färber, 21 r e n 3 v Murach, Stein und Runge; geschlagen wurden Stafch und Schmedes; unentschieden kämpfte B e r n l ö h r. Den einzigen k. o. des Abends landete der Bonner Stein im Mittelgewicht, alle anderen Kämpfe gingen über die Distanz. Tenniskampf Berlin — London 4:8. Der dreitägige Tennisklubkampf Rotweiß Berlin gegen All England Club London wurde beendet. Die Engländer, die schon in dieser Saison reichlich Trainingsmöglichkeiten im Freien hatten, wogegen die Deutschen fast ausnahmslos zum ersten Mal in dieser Saison spielten, gewannen das Treffen im Gesamtergebnis 8:4. Kurze Sportnotizen. Das 2. Wachenberg-Bergrennen für Autos und Motorräder wurde auf den 5. Mai 1935 angesetzt. Aus dem DFB. ausgeschlossen wurde der DSC. 1900 Duisburg, der sich bei Spiel-Abrechnungen Verstöße zuschulden kommen ließ. Karl Gering, einstimmig gewählt. In den Beirat wurden berufen Albert Deibel als Vertreter des Schützenklubs „Roland", Gottfried Deibel für den Radfahrerverein 1904, Hans Funke für den Radklub „Germania" und Karl H i n t e r ! a n g jr. für den Kegelklub „Gut Holz". Dem erweiterten Ausschuß gehören an Ferdinand Neuser als Vertreter der NS. „Kraft durch Freude", Karl Klinke l als Sachbearbeiter des Amts für Sportwerbung und Hermann R a u für die NS. Kulturgemeinde. Es wurde noch beschlossen, während der Reichs-Sportwerdewoche zwischen 26. Mai und 2. Juni eine Werbeveranstaltung sänitlicher Sportvereine unserer Gemeinde durchzüführen. Mit den Vorarbeiten soll sofort begonnen werden. Die Feier soll am 2. Juni abgehalten werden. Zum Schluß wurden noch von verschiedenen Seiten Anregungen für die Reichssportwerbewoche gegeben. Fußballklub 1926 . o >7^7 IDEALWERKE A-G FÜR DRAHTLOSE TELEPHONIE Berlin-Hohenschönhausen iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiriiiiiiiiiiiiiiiiiii sviMe Mehe heute und Donnerstag eintreffend: ff.Schcllffsche d.SL, Pfd. 50 u.554 Pa. Kabeljau und Seelachs 0. K. Pfund 28 und 30 smD Pa. Goldbarsch 0. K., Pfd. 28 Notzungen, Pfund 60 ->) Bratschellfische Grüne Heringe Frische Filets, Pfd.40,50u.60^ Richard Grünewald Bahnhofstr. 27. Fernspr. 3631. illllllllllllllllilllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Der Oster-Kuchen Zum guten Gelingen des Oster- Kuchens helfen Ihnen die richtigen praktischen Geräte: Kuchenbleche, Gasbackform, Teigschüssel, Lochrührlöffel, Schneeschläger, Schüttelsieb. Lassen Sie sich diese Backgeräte zeigen bei J. B. 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Die Beweisaufnahme wurde abgeschlossen mit der Verlesung des Reichsgerichtsurteils aus dem Budenheimer Sprengstoffdiebstahl in der Nacht zum 1. 3. 1933. Neben 2,5 Zentnern Sprengstoff und fast 4000 Sprengkapseln wurden, wie bereits aus der jetzigen Verhandlung bekannt ist, 60 Ringe Zündschnur und eine große Anzahl von Glühzündern und Zündlichtern erbeutet. Das gefährliche Material, das bis auf 103 Sprengkapseln von der Polizei wieder herangeschafft werden konnte, wurde in einem Schacht am Schloß Waldhausen versteckt. Als Täter wurden zunächst die Kommunisten Steigner, Seibold, Appel und Frenz ermittelt und vom Reichsgericht am 10. 2. 1934 zu Zuchthausstrafen von 8 bis 5 Jahren verurteilt. Der jetzige Mitangeklagte Silz wurde damals vom Reichsgericht als Zeuge vernommen. Bald ergab sich aber, daß auch er am Budenheimer Sprengstoffdiebstahl beteiligt war. Sein in der Voruntersuchung abgelegtes Geständnis hat er auch in der jetzigen Verhandlung aufrechterhalten. Am Mittwoch wird zunächst der Vertreter der Reichsanwaltschaft seine Anklagerede halten und LPD. Mainz, 16. April. Am heutigen Dienstag wurde die Beweisaufnahme im Mainzer Sprengstoff-Prozeß mit der Vernehmung der restlichen 13 Zeugen fortgesetzt. Als erster wurde ein früherer Finthener Kommunist S. vernommen, der in dieser Sache zunächst mit angeschuldigt war; da er sich aber nur in geringem Maße strafbar ge- macyt hat, ist das Verfahren gegen ihn auf Grund des Amnestiegesetzes eingestellt worden. Er hatte sich zu äußern über das Auftauchen der Mainzer Kommunisten in Finthen, sowie über die Vorbesprechungen und die Ortsbesichtigung zwecks Durchführung eines Sprengstoffdiebstahls in den Budenheimer Kalksteinbrüchen. Aus diesem Diebstahl ist allerdings nichts geworden, da das Unternehmen von den Finthener Kommunisten wieder „abgeblasen" wurde. Zwischen den Aussagen dieses Zeugen und der Darstellung der Angeklagten ergaben sich erhebliche Differenzen, die zu zahlreichen Zwi? schenfragen und Gegenäußerungen der Angeklagten Anlaß gaben. Die übrigen im Laufe des Vormittags vernommenen Zeugen, darunter die geschiedene Ehefrau des Hauptangeklagten Barth, bekundeten nichts Wesentliches. Man kann sich dem Eindruck nicht verschließen, daß sie absichtlich mit ihrer Aussage zurückhielten. Mehrere der Angeklagten, unter ihnen an erster Strafanträge stellen. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Gründonnerstag, den 18. April. Oer Mainzer Sprengstoff-Prozeß Oie Beweisaufnahme abgeschlossen. Markusgemeinde. — Johanneskirche. 19.45: Pfk. Bechtolsheimer; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Johannesgemeinde. — Kapelle des Alten Friedhofs. 18: Pfr. Anthes; Beichte und hl. Abendmahl für die Luthergemeinde. — Petrus- kapelle. 19.45: Pfr. Trapp; Beichte und hl. Abend- mahl für die Petrusgemeinde. — Wieseck. 9: Beichte. — Großen-Vuseck. 11: Gottesdienst; Beichte. — Oppenrod. 8.30: Gottesdienst; Beichte. — Steinbach. 9: Beichtgottesdienst. — Albach. 20: Beicht- gottesdienst. — Lich. 20: Beicht- und Abendmahlsgottesdienst; Dechant Kahn. — Hungen. 20: Vorbereitung und Feier des hl. Abendmahls. — Langsdorf. 10: Beichtgottesdienst. — Münzenberg. 11: Gottesdienst mit anschließender Beichte für die Alten. — Trais-Münzenberg. 9: Gottesdienst. — Kirtorf. 20: Gründonnerstagsandacht; anschließend Feier des hl. Abendmahls für die Gemeindeglieder mittleren Alters. — Harbach. 10: Gottesdienst; anschließend Feier des hl. Abendmahls für die Alten; Kollekte. — Kirchberg. 10: Passions-Kindergottes- dienst; Gaben für das syrische Waisenhaus. katholische Gemeinden. Mittwoch, den 17. April. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Donnerstag, den 18. April. Gründonnerstag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 6.30, 7, 7.30, 8: Kommunion; 9: Hochamt; 10 bis 18: Anbetungsstunden in der Kapelle; 18: Andacht; 21: Lesung der Abschiedsreden Christi. — Lich. 7: Hochamt; 20: Andacht. Stelle Pfeiffer, ließen sodann eine Reihe von ehemaligen Gesinnungsgenossen und Mitgliedern des Roten Massenselbstschutzes aufmarschieren. Die Hoffnungen, die sie auf diese „Entlastungszeugen" gesetzt hatten, schlugen aber kläglich fehl, denn in fast allen wesentlichen Punkten schweigen sich die Zeugen nur zu gründlich aus. Ein früherer Funktionär der KPD., der mit der Üeberwachung des Roten Rlasienfelbst- fchuhes betraut war, gab zu, daß diese proletarische Vereinigung als Einheitsfrontorganisation gegründet worden sei, um die aus der Eisernen Front abgewanderten SPD.-7Nitglie- der der KPD. zuzuführen. Vom Roten Rlassen- selbstschuh sollten auch „fliegende Demonstrationen" ausgelöst werden, offenbar um Unruhe in die Bevölkerung zu tragen und die zum Losschlagen erforderliche „akut-revolutionäre Situation" zu schaffen. Zwei Kriminalbeamte, die am Herausfischen der in der Küche des Angeklagten Barth hergestellten vier Sprengkörper aus dem Mainzer Flußhafen beteiligt waren, erklärten übereinstimmend, daß aus der Papierhülle des Sprengstoffpaketes keine Zündschnur herausgesehen habe, ein Punkt, der für die Frage^von Bedeutung ist, ob die Angelagten, durch Bolistümliifle Hfltat- WenWsl in reichbebilderten, leichtoerständl. Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damit durch erweitertes Wissen er- höhteFreudeanden vielfältigen Schönheiten der Natur. 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Aus dem Bruderrat der „Macarena" wurde der erzbischöfliche Vertreter, nachdem man ihm das Gesicht mit Indigo überstrichen hatte, hinausgeworfen. Die Eitelkeit und der Stolz des einzelnen Bruders bestehen darin, daß er in der Prozession als Bußgänger in eine Tunica gekleidet, das Gesicht in ein von der kegelförmigen hohen Kopfbedeckung herabfallendes Tuch gehüllt, als Unbekannter die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich lenkt. Wenn er dann durch die Augenschlitze seiner Tuchmaske die am Wegesrande stehenden Bekannten erblickt und von ihren Gesichtern die Frage abliest, „Wer wird das wohl sein? Ob das Don Pedro ist?", dann fühlt er sich aus seiner kleinen Werkstatt, aus der engen Gasse, aus seiner erbärmlichen Taberne, in der er das ganze Jahr über zu leben gezwungen ist, hervorgehoben. Dann fühlt er sich als der reiche Kaufmann, der mächtige Bankier oder als feiner Aristokrat, dann ist er, er ganz allein die ganze Bruderschaft. Die Organisation der großen Prozession der Heiligen Woche ist sehr schwierig. Die Bewegungen, der Abstand der hinter dem Kreuz und der Heiligen Jungfrau wandelnden sogenannten Nazarener sind genau vorgeschrieben. Bei einzelnen Bruderschaften geht die Disziplin so weit, daß jeder Bruder, der während des Festumzuges auch nur eine Silbe sprach oder sich gar aus der Reihe entfernte, unweigerlich aus der Gemeinschaft ausgestoßen wurde. Auch der sportliche Ehrgeiz kommt bei der Prozession nicht zu kurz. Der Nazarener, der das Kreuz einer Bruderschaft zu tragen hat, befindet sich vor einer wenig beneidenswerten Aufgabe. Das infolge der Metallbeschläge und der zahlreichen Verzierungen (zum Teil aus Edelmetallen) außerordentlich schwere Kreuz ist nämlich quer durch Sevilla zu tragen. Die mit dieser Aufgabe betrauten Bußgänger setzen ihren ganzen Stolz darein, ihre Last auf dem ganzen Wege möglichst überhaupt nicht abzusetzen. Aehnlich wie der Stierkampf hat auch dieser „Sport" seine fanatischen Anhänger, die während der ganzen Prozession neben dem Kreuzträger einherlaufen und sorgsam über etwaige Ermüdungserscheinungen wachen. Besteht er die Probe, so wird er zum Gegenstand öffentlicher Ehrungen. Jede Bruderschaft hat ihren eigenen Weqführer, der während der Prozession vor der von 16 Männern getragenen Mutter-Gottes-Figur schreitet und diese durch die engen Straßen und Gassen leitet, die oft nur Millimeter freien Raum an den Seiten lassen. Auch hierin sieht der Sevillaner ein unentbehrliches Schauspiel. Es würde ihm nie einfallen, den festlichen Zug durch breitere Straßen zu lenken, da ihm dann eine kleine Sensation verloren ginge. Bekannt ist in Sevilla der eiserne Arm der Gaslampe, die aus einer Hauswand hervorsteht und jahrein, jahraus die vorbeiziehenden Sänften und Christus- und Mutter-Gottes-Gestalten mit ihrem großen Aufwand gefährlich bedroht. Ein Gesuch an die Stadtverwaltung auf Entfernung dieses Hindernisses würde ohne weiteres von Erfolg be. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Madrid, April 1935. Zum zweiten Male feit dem Bestehen der jungen spanischen Republik wird in diesem Jahre das Fest der Semana Santa in Sevilla wieder in ganz großem Stile gefeiert werden. Die 7 rmß Hochburg verwandelte Hauptstadt Andalusiens kehrt nach einer kurzen Unterbrechung ^wieper zu einer uralten Tradition zuruck, die fo tief m ihrer Bevölkerung verwurzelt ? Solisten Charakterzüge einer opfer- bereitett Lebensgemeinschaft trägt. Die Prozession der Semana Santa, zu der die fremden Besucher aus allen Breitengraden herbeiströmen und jede noch so unscheinbare Bleibe schon Wochen lanq vorher mit Beschlag belegen, ist nicht, wie das der Ausländer gern anzunehmen geneigt ist,' ein r-be- von hölzernen Mutter- Gottes-Ge talten und gekreuzigten Chriftusfiguren. .^Zession ist auch auf den Fremdenverkehr zu- geschnittenes Unternehmen, geschweige denn ein profanes Schauspiel der Straße. Sie wird weder von den weltlichen noch von rein kirchlichen Behörden organisiert sondern ist das unbestreitbare geistige Eigentum der Sevillaner und eines tief in ihrer Seele verankerten religiösen Empfindens. Die Träger und Organisatoren der Semana Santa sind zweiundvierzig Bruderschaften, die ungefähr die gesamte Bevölkerung Sevillas er- La'!eA 21 ™ber Spitze einer jeden „Hermandad" steht der Bruderrat mit dem Obersten Bruder an der Spitze, der im allgemeinen zugleich der Vermögendste unter den Mitgliedern ist und jederzeit die Hand zum Geben bereit hält. Da jede Bruderschaft den Ehrgeiz hat, die ihr gehörende Mutter- Gottes als schönste und glänzendste bei der Pro- Zession durch die winkligen Gassen der Stadt zu fuhren, ihr den schönsten gold- und silberbestickten Umhang zu geben, ihr die prächtigste mit Diamanten besetzte Krone aufs Haupt zu setzen und ihr strahlende Ketten aus Perlen und Edelsteinen umzuhängen, spielt die Geldfrage besonders bei den ärmeren Bruderschaften eine wesentliche Rolle. Die Stadtväter haben sich in diesem Jahre nach mehrjähriger Pause wieder bereit gefunden, den Bruderschaften eine größere Geldsumme zur Verfügung zu stellen, die je nach den Bedürfnissen kurz vor dem Fest aufgeteilt wird. Aus dem Kampf zwischen den marxistischen Ideen und dem urwüchsigen religiösen Gefühl des Sevillaners sind also die Stadtväter als echte Sevillaner hervorgegangen. Zu den ärmsten Bruderschaften gehören die der Zigeuner. Die städtische Finanzbeihilfe deckt nur einen kleinen Teil der notwendigen Ausgaben, so daß alljährlich erneut die Frage auftaucht: woher nehmen und nicht stehlen. Da aber die ganze Bevölkerung ihren Ehrgeiz darin sieht, daß in der Prozession alle Bruderschaften vertreten sind, so werden die Unkosten schließlich aus Geld- und Sachspenden gedeckt. Jeder richtige Bruder opferte feiner Bruderschaft alles, was nicht unbedingt zum Leben gehört: er trägt in sie fein Bestes hinein, das er als Mensch hergeben kann: das Gefühl für Kameradschaft. So wird es auch erklärlich, daß die armen Leute und kleinen Handwerker, die tagein, tagaus in einer dürftigen, armseligen Werkstatt ihrer Arbeit nachgehen, das ganze Jahr über von ihrer Bruderschaft sprechen, ihren Reichtum rühmen und Pläne schmieden, die zur Semana Santa verwirklicht werden sollen. „Wir wollen einen Tempel bauen, der so herrlich ist, daß die kommenden Geschlechter uns für verrückt halten werden." Diese Worte, die vor vielen hundert Jahren in einem .Bruderrat ausgesprochen Die Heilige Woche in Sevilla Don unserem v. Gss-Äerichiersiatter. gleitet jein. Aber — das Gesuch ist bisher nicht gestellt worden und dürfte in absehbarer Zeit auch nicht gestellt werden. In jeder Bruderschaft hat ferner ein Kammermädchen, das sich durch guten Geschmack auszeichnet, das Sinn für natürliche Eleganz hat und das Leben von einer frohen Seite auffaßt, für den festlichen Putz der Mutter Gottes zu foraen, eine Aufgabe, die gut verstanden fein will, uno zu der im allgemeinen nur junge Mädchen von besonders gutem Ruf herangezogen werden. Der wertvollste Schmuß der Heiligen Jungfrau ist außer der reichlich mit Gold und Edelsteinen besetzten Krone der Sammetumhang, der ein Kostenobjekt von 50- bis 60 000 Peseten durchschnittlich darstellt. Das etwa 20 Quadratmeter große Tuch ist über und über von silbernen und goldenen Fäden durchwirkt, die sich zu phantasievollen harmonischen Formen zusammenschließen. Zum besseren Verständnis des Reichtums, der in den Bruderschaften mit den Spargroschen, den Almosen und Spenden seiner armen und reichen Mitglieder zusammenkommt, sei ein Halsband, das die Heilige Jungfrau der „Hermandad del Silencio" trägt, erwähnt: Es hat einen Wert von über 75 000 Peseten. Die in den letzten Jahren ständig zunehmenden Attentate auf Leben und Eigentum friedlicher Bürger und vor allem die Pistolenschützen des Anarchosyndikalismus sind für die unter soviel Opfersinn zusammenqetragenen Schätze der Bruderschaften eine ernste Gefahr. So lassen denn die reicheren Gemeinden ihre Kapelle, in der die heiligen Kleinodien aufbewahrt werden, durch bewaffnete Brüder bewachen. Wie bei allen traditionellen spanischen Festen, so wird auch während der Heiligen Woche in Sevilla die ganze Stadt j)on frischem Blumenduft erfüllt. Da die Blumen Andalusiens nicht ausreichen, den Bedarf für die Semana Santa zu decken, liefert Valencia von dem Reichtum feiner Flora der andalusischen Schwester zahlreiche Waggons roter und weißer Nelken, die, verflochten mit Orangenblüten, jede einzelne Gruppe schmücken. Der Gärtner, in dessen Händen diese Aufgabe liegt, genießt einen besonderen Ruf, das es nur wenige gibt, die mit einem künstlerischen Dekorationsverständnis begabt find. Ein sehr schöner Brauch ist es, nach beendeter Prozession die Blumen unter die Brüder zu verteilen und die schönsten für die Gräber verstorbener Kameraden auszusuchen. Der tiefere Sinn einer aufrichtigen Volksgemeinschaft, der die religiösen Innungen Sevillas erfüllt, schlägt eine Brücke über soziale Unterschiede und erzieht die Mitglieder zu gegenseitiger Opferbereitschaft. Hinter einem für unsere Begriffe übertriebenen Aufwand verbirgt sich ein ehrliches religiöses — wenn auch sehr primitives — Gefühl, begleitet von dem Stolz auf die im Laufe von Generationen erworbenen Schätze. Gut und gern darf man an dem Geltungsbedürfnis vorbeisehen, das bei dem einzelnen Bruder anläßlich der Prozession zum Ausdruck kommt, und in dem sich nur ein allgemeiner Wesenszug des spanischen Menschen widerspiegelt. Der eigentliche Kern leidet darunter keineswegs. Auch die marxistiscnen Ideen haben der im Volke verwurzelten historischen Semana Santa Sevillas auf die Dauer keinen Abbruch tun können. Wirtschaft. Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 657: Nach § 11 der Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Devisenbewirtschaftung vom 4. Februar 1935 ist die Anmeldung der Warenausfuhr durch Abgabe einer Exportvalutaerklärung mit den Abschnitten A und B zu bewirken. Die Erklärung ist von dem Ausführer der zur Ausfuhr anzumeldenden Ware auszustellen und, soweit es sich um den Abschnitt B handelt, nach § 18 der Verordnung dem Frachtführer (Verfrachter) zu übermitteln. Da diese Vorschriften von den Ausfuhrfirmen nicht immer genau beachtet werden, und insbesondere die Aushändigung des Abschnittes B an den Spediteur häufig unterlassen wird, wird darauf aufmerksam gemacht, daß künftig eine besonders scharfe Ueber- wachung einsetzen und jede Zuwiderhandlung nach § 20 der Verordnung bestraft wird. 658: Die Firmen, die vor dem 15. II. 1935 erstmalig fällige Verbindlichkeiten aus der Wareneinfuhr aus Panama haben, werden aufgefordert, umgehend diese Verbindlichkeiten bei der zuständigen Devisenstelle anzumelden. 659: Allgemeines staatliches Verrechnungsbüro in Lettland. 660 : 20 v. H. Aufschlag bei der Einfuhr ohne Devisenvorgenehmigung in Argentinien. 661: Niederländische Verrechnungszertifikate für Schnittblumen und Torferzeugnisse im Handel mit Deutschland. 662: Preisfestsetzung für gebrauchte Scjcke. 663: Ausstellungstätigkeit im Auslande und Devisenbewirtschaftung. 664: Verzinsung von Zwischenkonten niederländischer Gläubiger. Der Abschluß der Dresdner Bank für 1934. Für die Dresdner Bank, Dresden-Berlin, brachte das Berichtsjahr 1934 die Fortsetzung der vorjährigen Aufwärtsentwicklung. Die Umsätze lagen im Durchschnitt um 8 v. H. über denen des Jahres 1933 und erreichten insgesamt 85 Milliarden RM., worin allerdings die Filialumsätze usw. nicht enthalten sind. Die Einlagen der inländischen Kundschaft erhöhten sich im Laufe des Jahres in erheblichem Ausmaße. Der Rückgang der. Auslandsoerpflichtungen und inländischen Nostroverpflichtungen um zusammen rund 330 Millionen RM. führte bei gleichzeitiger Erhöhung des Wechselbestandes zu einer beträchtlichen Verbesserung der Gesamtliquidität, die sich rechnerisch auf 33 v. H. gegen 25,7 v. H. i. V. beläuft. Die Erfolgsrechnung weist Erträge aus Zinsen, Devisen und Sorten von 39,85 (43,01) Mill. RM. sowie Provisionen, Gebühren und sonstige Einnahmen von 47,22 (44,37) Mill. RM. aus. Die Aufwendungen für Handlungsunkosten betrugen 69,04 (71,61), für Steuern 2,90 (3,18) Mill. NM. Nach Abschreibungen von 0,99 (1,03) Mill. RM. verbleibt ein Betriebsgewinn von 14,13 (11,56) Mill. RM., von dem 12,5 (10,00) Mill, im Interesse einer weiteren Konsolidierung zur Verstärkung der Rückstellungen verwendet werden. Der Hauptversammlung am 10. Mai wird vorgeschlagen, von den verbleibenden 1,63 (1,56) Millionen RM. 0,80 (—) Mill, dem Pensionsfonds zuzuführen und den Rest von 0,83 Mill. RM. zuzüglich des Vortrages von 1,56 Mill. RM. mit insgesamt 2,39 Mill. RM. vor- zutragen. Aus dem Bericht ist zu entnehmen, daß die Summe der 1934 gewährten Kredite (abgesehen von der unmittelbaren Finanzierung der Ärbeits- beschaffungsmaßnahmen und ohne Prolongationen oder Wiedererhöhungen) 578 (486) Mill. RM. betrug. Im Devisengeschäft sei ein Rückgang zu verzeichnen. Eine befriedigende Weiterentwicklung zeigte MUMM, MS».... Vornan von Charlotte prenzel. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.). 1. Fortsetzung Nachdruck verdatens Franz Scholz sah den Gast an. „Verzeihen Sie, wenn sich meine Sorge nur um meine Tochter gedreht t)at. Sie ist mein einziges Kind, und sie ist leider nicht allzu achtsam. Ich lebe immer in Aufregung, wenn ich sie nicht um mich weiß. Sie haben keinen Schaden genommen? Bitte, folgen Sie mir! Ich stelle Ihnen meinen Ankleideraum zur Verfügung und werde den Chauffeur rufen lassen, der Ihnen behilflich sein wird. Ich sehe, Sie sind beftaübt. Sie werden froh fein, wenn Sie sich erfrischen können." Als Fred Morland kurze Zeit darauf das Herrenzimmer betrat, kam ihm Lianes Vater mit offenen Armen entgegen. „Sie wissen nicht, was Sie an mir getan haben", sagte der ältere Herr bewegt. „Liane hat mir erzählt. . ." „Ihr Fräulein Tochter übertreibt. Es war mir ein Leichtes, das Tier zum Stehen zu bringen. Wenn man einigermaßen mit Pferden umzugehen versteht ..." „Weiß man, welche Geistesgegenwart dazu gehört, sich einem scheuen Pferde entgegenzuwerfen." Um Freds Mundwinkel zuckte ein Lächeln. „Wirklich, ich möchte Sie herzlich bitten, nicht allzuviel Aufhebens von meiner Tat zu machen, die für mich wirklich keine war." „Ich werde immer in Ihrer Schuld bleiben, Herr — Herr . . . Verzeihen Sie, ich habe in der allgemeinen Aufregung Ihren Namen vergessen." „Morland." ' ' „Morland?" Franz Scholz sah sein Gegenüber aufmerksam an. „Ist Ihr Name identisch mit dem des Inhabers der Firma F- Morland?" „Der bin ich, Herr Scholz. Auch ich habe zu meiner Ueberraschung schon festgestellt, daß mir der Unfall eine wertvolle Bekanntschaft übermittelt." „Sie kennen mich?" „Wer von der Branche sollte Sie nicht kennen? Auf der Leipziger Messe sah ich Sie des öfteren, einmal begegnete ich Ihnen auch irgendwo auf der Reist." „Das ist allerdings ein merkwürdiges Kennenlernen. Ich hätte mir unsere Bekanntschaft lieber unter anderen Umständen gewünscht. Immerhin freue ich mich, gerade Sie vor mir zu sehen. Ich habe von dem Inhaber Ihrer jungen und erfolgreichen Firma schon des öfteren gehört. Sie scheinen in der Lederwarenfabrikation genau so bewandert zu sein rote in der Verhütung von Unfällen. Rauchm Sie?" „Ja, gern — danke." Während der Jüngere dem Weiteren Feuer anbot, sah Franz Scholz sein Gegenüber mit offenem Wohlgefallen an. Unter den schwarzen, glatt zurückgestrichenen Haaren zeigte sich eine hohe, kühne Stirn, ein auffallend markantes Gesicht mit energischen, strengen Zügen, zu denen die ausdrucksvollen, warmen, sinnenden Augen nicht passen wollten. Tadellos war die Erscheinung des Mannes, kein Stäubchen lag mehr auf dem dunkelblauen Anzug, der in unanfälliger Eleganz die schlanke, über Mittelgroße stehende Gestalt umschloß. Franz Scholz wußte: der vor ihm saß, war ein Mensch von eisernem Willen, großer Geistesgegenwart und Klugheit — ein Mensch, der sich in einiger Zeit wo es alten, erfahrenen Geschäftsleuten schwer wurde, sich zu behaupten, durchgesetzt hatte. Was hatte die Firma Morland vor fünf, sechs Jahren bedeutet? Hatte sie damals überhaupt existiert? Jetzt begann man bereits von ihr zu sprechen, sie zu fürchten und zu achten. „Ich stehe sehr tief in Ihrer Schuld!" begann Scholz wieder. „Tiefer als jemals bei einem Menschen. Ich wünsche nur, daß ich Ihnen irgendwie meine Dankbarkeit beweisen konnte." Freds Hand hob sich zur Abwehr. In diesem Augenblick öffnete sich die Tür, und Liane erschien. Sie hatte das Reitkleid mit einem hellen, duftigen Kleid vertauscht, worin sie noch zierlicher und zarter wirkte als vorher. „Sieh, Väterchen, da bin ich wieder, heil und gesund, auch von dem Schrecken wieder erholt! Und nun begreife ich nicht mehr, wie es geschehen konnte, und daß nur Ihr Dazwischenkommen mich vor langem Siechtum oder gar vor dem Ende bewahrt hat." Das Mädchen brachte Wein und Gebäck. Franz Scholz schenkte die Gläser voll und hob das Glas: „Auf das Wohl unseres Gastes! Hoffentlich sehen wir Sie von jetzt ab oft bei uns!" Fred tat Bescheid. „Auf das Wohl des gnädigen Fräuleins, daß sie sich nie mehr in einer ähnlichen Lage befinden möchte roje heute!" „Wie konnte es nur geschehen, Liane?" fragte der Vater, als sie die Gläser niedergesetzt hatten. „Herr Bauer war doch an deiner Seite. Warum verließest du überhaupt das Hippodrom?" „Ach, es ist so langweilig, immer dort zu reiten, und der lammfromme Dandy hatte doch sonst keine Mucken. Ich war so froh, so übermütig in dem schönen Sonnenschein. Da ließ ich ihn immer schneller laufen, schon im Galopp, scheute das Tier plötzlich: ich weiß selbst nicht mehr richtig." Ein Klopfen an der Tür unterbrach sie. Das Mädchen erschien wieder und meldete Liane eine Freundin. „Ach ja, Irene wollte mich zum Tennis abholen. Führen Sie sie nur herein!" Die junge Dame, die das Zimmer betrat, war eine auffallend sthme Erscheinung, schlank und ebenmäßig gewachsen, die Züge ihres Gesichts sehr regelmäßig, die hellen Augen kühl und scharf beobachtend. „Meine Freundin Irene Gober!" stellte Liane vor, und man sah ihr an, daß sie auf diese Freundin stolz war. „Die nächste Anwärterin auf den Weltmeistertitel im Tennis!" Wie magnetisch angezogen, sah Irene den Gast an; in ihr Gesicht trat ein Ausdruck jäher Spannung, als sie Fred die Hand reichte. „Sehen Sie sich unser Kleinchen gut an, Fräu- fein Irene!" scherzte Franz Scholz. „Fast hätten Sie sie nicht mehr gesehen!" „Wieso? Was ist denn geschehen?" „Gestürzt ich sie, vom Pferd, wollte durchaus Reiterkunststücke auf den Waldwegen probieren." „Ja — und wäre Herr Morland nicht dazwischen gekommen, läge ich vielleicht mit zerschmetterten Gliedern unter meinem Pferd. Der lammfromme Dandy ging durch." „Um Himmels willen — darüber kannst du noch scherzen?" „Ich muß schon! Herr Morland will absolut nicht als mein Lebensretter angesehen werden." „Aber ich bitte Sie, mein Fräulein, mir fehlt das Talent, mehr aus einer Sache zu machen, als daran ist, wenn ich auch nicht begreife, daß Sie sich außerhalb des Hippodroms nicht besonders in ad)t nehmen!" Liane wurde dunkelrot über die Zurechtweisung, Irene aber lachte fröhlich auf. „Also leichtsinnig war das Kleinchen. Wie oft hat man ihr schon gepredigt: Liane, sei vorsichtig!" „Ja, Fräulein Irene, sagen Sie es ihr nur immer wieder! Sie darf sich keine Extravaganzen erlauben. Meine Tochter mutet sich leider immer mehr zu, als sie vertragen kann." „Gar nichts mute ich mir zu, und ein Pferd besteige ich nie wieder!" trotzte Liane. „Bravo, Kleinchen! Aber mit dem Auto, das du dir wünschst, wird es nun erst recht nichts." „Warum? Papa, das hast du mir versprochen! Jawohl, das hast du mir fest versprochen! Hätte ich mir schon längst den Führerschein holen können, wäre es heute nicht so weit gekommen!" „Dann würdest du jetzt unter den Trümmern deines Autos liegen!" „Weil mir nun das eine Mal etwas passiert ist, fallt ihr über mich her, als wenn das gang und gäbe bei mir wäre!" „Kleinchen, du liegst oft genug auf der Nase!" „Aber das ist doch nicht wahr!" verteidigte sich Liane fast weinend. „So rege dich doch nicht wieder auf, bist noch blaß genug von der letzten Aufregung!" „Dann kommst du wohl nicht mit zum Tennisspielen?" „Auf keinen Fall, Liane! Du bleibst hier!" entschied der Vater. „Oh, ich kann schon mitkommen... ich..." Fred Morland stand auf, das Gespräch unterbrechend. „Oh — Sie wollen schon gehen?" „Ich muß, ich werde im Geschäft erwartet!" „Auch Sonntags tätig?" „Manchmal ist es notwendig!" „Dann werde ich mich Ihnen gleich anschließen! Ich habe mich sowieso verspätet!" sagte Irene. „Und wenn du doch nicht mitkommst . . „Nein, Liane soll nur zu Hause bleiben!" entschied^ der Vater. Liane verzog schmollend den Mund; aber es blieb ihr nichts anderes übrig, als sich dem Wunsche des Vaters zu fügen. Fred trat mit Irene aus dem Haufe. „Wir haben wohl nicht denselben Weg, Fräulein ©aber! Sie wollen sicher zum Stadion!" Sie zögerte sichtlich. „Ach, ich habe keine rechte Lust, da Liane mich nicht begleitet! Ich war gestern den ganzen Tag draußen und könnte es heute ruhig mal sein lassen!" „Wenn man aber Anwärterin auf den Weltmeisterschaftstitel ist . . .", warf er lächelnd hin. Sie lachte leise und etwas verlegen, wandte sich aber endgültig nach der anderen Seite. „Liane hat nur gescherzt. Ich fyabe allerdings bei den letzten Spielen in Frankfurt den ersten Platz belegen können, was aber in Hinsicht auf den Weltmeisterschaftstitel nicht viel heißen will." „Ich gratuliere nachträglich zu dem Erfolg!" „Danke! Interessieren Sie sich für Tennis?" „Mir bleibt nicht viel Zeit zu Liebhabereien!" „Also interessieren Sie nur Pferde?" „Pferde? Wieso? Ach, Sie meinen wegen des Unfalls? Es ist schon lange her, daß ich mit Pferden zu tun hatte." „Ah — und trotzdem nahmen Sie es mit dem scheuen Pferde auf?" entfuhr es ihr bewundernd. „Ich versuchte es eben." „Das finde ich unerhört kühn!" Fred antwortete nicht — eine ganze Weile gingen sie nebeneinander her, ohne zu sprechen. Er fühlte, wie ihn der Blick des Mädchens von der Seite her streifte, aber er machte ihr nicht das Vergnügen, den Kopf nach ihr zu drehen. Was bist du nur für ein Mensch!, dachte Irene. Warum muß man alles aus dir herauslocken? Mutig wagte sie einen neuen Vorstoß: „Sie sind doch nicht Frankfurter, Herr Morland?" „Nein, Norddeutscher!" „Und Sie sind ganz zufällig hierher verschlagen worden?" Er unterdrückte ein Lächeln. Die junge Dame examinierte scharf. Aber was lag daran, wenn es ihr Spaß machte? „Nicht ganz zufällig! Allerdings hätte ich mich meiner Branche nach in Offenbach ansässig machen müssen, aber das Großstadtgetriebe ist mir Bedürfnis!" (Fortsetzung folgt I) dagegen das Effektengeschäft. Die wertmäßigen Umsätze weisen gegenüber dem Vorjahre eine Erhöhung um etwa 20 v. H. auf. Der Gesamtumsatz mit befreundeten Genossenschaften ist 1934 gegen das Vorjahr um rund 600 Millionen RM. auf 3,4 Milliarden RM. gestiegen. Der Personalbestand des Institutes konnte im Berichtsjahr erhöht werden. Mndermarkt in Gießen. Auf dem gestrigen Rtnder-Nutzvieh-Markt standen 682 Stück Großvieh, 196 Fresser und 173 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 370 bis 500 RM., 2. Qualität 260 bis 350, 3. Qualität 130 bis 180; Schlachtkühe a) 280 bis 400, b) 100 bis 180; Rinder, X'- bis Z4jährig 80 bis 130, %= bis zweijährig 130 bis 200, tragend 200 bis 400; Kälber, das Pfund Lebendgewicht 25 bis 35 RM. Ausgesuchte Tiere über Notiz. — Marktverlauf: anfangs lebhaft, später abflauend. Fahr- und Milchkühe stark gesucht. * Erhöhter Hementabsatz im März. Der Zementabsatz belief sich nach Mitteilung des Deutschen Zementbundes im März auf 552 000 Tonnen gegenüber 328 000 Tonnen im Februar. Khein-Mainische Mttagsbörse • Ruhig, aber freundlich. Frankfurt a. M., 16. April. Das Näherrücken der Osterfeiertage mit ihrer längeren Verkehrsunterbrechung machte sich im heutigen Börsenverkehr schon stark fühlbar. Die Aufträge der Kundschaft waren ziemlich klein und betrafen nur wenige Spezialpapiere, während die Kulisse sich reserviert verhielt, zumal besondere Anregungen nicht vorlagen. Auch hinsichtlich der weiteren Entwicklung der außenpolitischen Lage machte sich eine gewisse Zurückhaltung bemerkbar. Bei nicht ganz einheitlicher Kursentwicklung war die Grundtendenz weiter freundlich. Zu den ersten Kursen überwogen an den A k - tienmärkten leichte Befestigungen. Von chemischen Werten zeigte sich erhöhtes Interesse für Scheideanstalt zu 214,50 (212,50), auch Rütgers- werke fanden größere Nachfragen mit plus 0,75 v. H. ferner gewannen IG. Farben 0,50 v. $). auf 148,75, Deutsche Erdöl und Metallgesellschaft lagen ebenfalls um 0,50 v. 5). freundlicher. Don Montanpapieren waren Harpener 0,90, Marisfelder 1 v. S). fester, Stahlverein mit 80,65 behauptet, andererseits Rheinstahl etwa 0,40 v. $). leichter. Kleine Umsatztätigkeit hatten auch Elektroaktien bei zumeist nur wenig veränderten Kursen, AEG. auf der erhöhten Basis gut behauptet, ebenso Gesfürel, Lah- meyer und Mainkraft waren geringfügig fester. Siemens bröckelten um 0,25 v. H. ab. Die gestern Abend noch ziemlich lebhaften Schiffahrtswerte lagen bei Börseneröffnung fehr ruhig, da neue Käufe ausblieben. Infolge leichter Gewinnmitnahmen gingen Nordd. Lloyd auf 35,90 bis 35,75 (36,75) und Hapag auf 34,25 bis 34 (34,25) zurück. Von sonstigen Werten eröffneten u. a.: Holzmann 0,50, Daimler 0,25 und Kunstseide Aku. 0,25 v. H. freundlicher. Kräftig erholt waren Reichsbankanteile mit 159 (157,50). An den Rentenmärkten waren die Umsätze nur klein, und auch die Kursveränderungen hielten sich in sehr engen Grenzen. Altbesitzanleihe und Späte Reichsschuldbuchforderungen lagen gut behauptet, eine Nuance leichter lagen aber Zinsvergütungsscheine und Kommunalumschuldung. Don fremden Werten waren Mexikaner sehr still und vielfach nur knapp behauptet, so 5 v. H. Gold-Mexikaner mit 13,13 (13,25), 5 v. H. Silber-Mexikaner mit 5,75 (5,90). Dagegen zogen 5 v. H. Tehuantepec noch leicht an auf 7,65 (7,40). Auch in der zweiten Börsenstunde blieb die Umsatztätigkeit aus allen Marktgebieten sehr klein und die Kurse zeigten im Vergleich zum Anfang nur geringfügige Veränderungen. Die Grundtendenz blieb durchaus freundlich. Mäßig höher waren IG. Farben, auch Schiffahrtswerte holten einen Teil ihres Rückganges wieder auf. Fest lagen Eßlingen Maschinen mit 80,75 (79), ferner Rhein. Elektr. Mannheim mit 125 (123,25). Soweit sonst noch Kurse später zur Notiz kamen, lagen sie meist um Bruchteile eines Prozentes fester. Nur einige Montanpapiere bröckelten etwas ab. Ilse Genuß blieben unter Berücksichtigung des Dividendenabschlages gut behauptet. Am Rentenmarkt traten späterhin keine Veränderungen ein, nur die verschiedenen Stahlverein- Bonds notierten durchweg 0,25 bis 0,40 v. H. höher. Pfandbriefe und Stadtanleihen lagen bei sehr kleinem Geschäft gut behauptet. Am Auslandsrentenmarkt blieb die Kursentwicklung für Mexikanische Anleihen bei noch verhältnismäßig lebhaftem Geschäft weiter uneinheitlich. Im Freiverkehr zogen Ufa-Aktien auf 73 (70,50) und Barmag-Meguin auf 47,50 (45,50) an. Tagesgeld 2,75 v. H. Abendbörse sehr still. Die Abendbörse nahm bei im ganzen wenig veränderten Kursen einen sehr stillen Verlauf. Die Haltung blieb aber zuversichtlich. Mit Befriedigung nahm man von der aktiven Außenhandelsbilanz im März Kenntnis, wenngleich angesichts der bestehenden Zurückhaltuna keine stärkere Anregung hiervor ausgehen konnte. Etwas Geschäft ' hatten I. G. Farben und im Schiffahrtsmarkt Hapag. Großbank-Aktien blieben gesucht und waren weiter befestigt, ferner zogen Odenwälder Hartstein auf 97 (94,50) an. Am Rentenmarkt lagen deutsche Anleihen kaum verändert, während mexikanische Werte angeboten wurden. U. a. notierten: Altbesitz 113,25. 6 v. H. Stabl- verein 100,90, 5 v. H. Silber-Mexikaner 5,50, 3 v. H. do. 4,65, 5 v. H. äußer. Geld 13, Commerzbank 89,25, DD-Bank 91,75, Reichsbank 159,50, Mannesmann 78, Rheinstahl 107,75, Stahlverein 80, Aku 53,65, AEG. 38.13, Scheibeanstalt 214, I IG. Farben 149 bis 148, Gesfürel 123,50, Schuckert 1106.25, Aschasfenb. Zellstoff 81, Hapag 34,25 bis 34. Der deutsche Außenhandel im März. Ausfuhrüberschuß von 12 Millionen Mark. Die Einfuhr betrug im März 353 Mill. RM. Gegenüber dem Vormonat (359 Mill. RM.) ist die Gesamteinfuhrziffer somit leicht gesunken. Die Ausfuhr betrug 365 Mill. RM. gegenüber 302 Mill. RM. im Februar. Dies bedeutet eine Steigerung um mehr als ein Fünftel. Nach der Sai- sontenoenz war mit einer Zunahme der Ausfuhr zu rechnen, da der März in fast allen Jahren feit 1925 eine Ausfuhrsteigerung aufwies. Jedoch war die Erhöhung diesmal stärker als in irgendeinem der Vorjahre. Die Handelsbilanz schließt also im März mit einem Ausfuhrüberschuß von 12 Mill. RM. gegenüber einem Einfuhrüberschuß von 57 Mill. RM. im Februar ab. Bei dieser Entwicklung ist zu berücksichtigen, daß die Rückgliederung des Saargebietes eine gewisse Verbesserung der Handelsbilanz zu Gunsten Deutschlands zur Folge gehabt hat. Während der bisher in der Handelsstatistik erfaßte Verkehr zwischen dem deutschen Wirtschaftsgebiet und Dem Saargebiet einen Einfuhrüberschuß für Deutschland aufwies, schließt der Warenverkehr des Saargebietes mit dem Ausland, der nunmehr in den Auhenhandelsnachweisen enthalten ist — soweit die handelsstatistischen Unterlagen erkennen lassen — im März mit einer etwa ausgeglichenen Bilanz ab. Im einzelnen sind im Außenhandel des Monats März folgende Veränderungen hervorzuheben: In der Gruppe Lebensmittel und Getränke hat die Einfuhr von Küchengewächsen, von Südfrüchten und von Eiern zugenommen. Demgegenüber find auf den meisten anderen Lebensmittelgebieten Einfuhrrückgänqe zu verzeichnen, so insbesondere bei Roggen, Fischen, Fischzubereitungen. In der Gruppe Rohstoffe und halbfertige Waren sind Einfuhrsteigerungen in erster Linie bei Wolle, Bau- und Nutzholz, Kautschuk und Mineralölen zu verzeichnen. Abgenommen hat die Einfuhr von Flachs, Hanf, Jute, Aluminium sowie Oelfrüchten und Oelsaaten. An dem Rückgang der Gesamtfertigwarenausfuhr sind Eisenerzeugnisse mit 4,9 Mill. Reichsmark und Textilfertigwaren mit 3 Mill. RM. beteiligt. Im übrigen halten sich die Veränderungen nach beiden Richtungen in engen Grenzen. I der Gruppe Rohstoffe und halbfertige Waren ist uie Ausfuhr von Steinkohlen um 3,2 Mill. RM. höher astsgewiesen. Der Nachweis enthält in diesem Falle erstmalig die Kohlenausfuhr des Saargebiets. An der Zunahme der Fertigwarenausfuhr find mit wenigen Ausnahmen alle Warengruppen beteiligt. Gestiegen ist die Ausfuhr von Walzwerkserzeu'gnifsen und sonstigen Eisenwaren um 10 Mill. RM., von Textilfertigwaren um 9,5 Mill. Reichsmark, von chemischen Erzeugnissen um 9,3 Mill. RM., von elektrischen Maschinen und elektrotechnischen Erzeugnissen um 2,9 Mill. RM., von Papier und Papierwaren um 2,5 Mill. RM., von Maschinen um 2,4 Mill. RM. sowie von Waren aus Kupfer um 2 Mill. RM. Frankfurter Obff- und Gemiifemarkt. Frankfurt a. M., 16. April. Bei unveränderten Preisen und befriedigendem Absatz war am O b st m a r k t das Angebot in deutschen Aepfeln sehr gering. Auch in amerikanischen Aepfeln war die Anfuhr ziemlich klein. Preise unverändert, Geschäftsgang lebhafter. Apfelsinen hatten unveränderte Preise und langsamen Absatz zu verzeichnen. Das Angebot ilt hier noch gut. Zitronen und Bananen hatten Höhere Preise aber geringes Angebot aufzuweisen. Am G e m ü s e m a r k t war die Zufuhr in Feldsalat ausreichend, in Kopfsalat, Radieschen und Rettich zunehmend, hingegen waren Gärtnerzwiebeln nur in ganz kleinen Mengen vorhanden. Die Preise für Zwiebeln zogen deshalb um ein beträchtliches an, dagegen stnd sie für Spinat etwas gefallen, aber sonst unverändert. Der Geschäftsgang war für Salat, Radieschen, Rettich und Spinat zufriedenstellend. Von ausländischen Gemüsen war holländischer Kopfsalat stark angefahren, auch italienischer Blumenkohl genügend am Markt. Die Preise waren bei befriedigendem Geschäft leicht rückläufig. Es erzielten: Blumenkohl italienischer Herkunft, Steige 12 und 18 Stück 3,75 bis 4,50 RM., Feldsalat 30 bis 45, Kopfsalat (Mistbeet) 15 bis 24, Lattich 50 bis 60, Schlüpfer 45 bis 50, Kopfsalat Steige 30 Stück 6,00 bis 6,50 RM. (holländischer), Meerrettich 30 bis 35, Radieschen, Bündel 8 bis 10, Rettich (Treibhaus) 20 bis 70, Spinat 7 bis 12, Schwarzwurzel (holländisch) 30, Weißkraut 5 bis 6, Wirsing (holländifch) 6 bis 8, Winterkohl 3, Gärtnerzwiebeln 22 bis 25, Aepfel, I. Sorte 32 bis 40, II. Sorte 26 bis 30, Champagner Renette I 35 bis 40, Roter Eifer 23 bis 35, Bohnapfel 28 bis 35, Apfelsinen (blond), spanischer Herkunft 17 bis 24, Blut 18 bis 26, Ravel 22, italienischer Herkunft, Blut 25 bis 30, Bananen, Kiste 25 Pfund netto 10 bis 11 (Jameika). Oos Ende her soq Aa»er"lr= bunben wird, wird es also in Zukunft solche Bauernwaren und damit die Bauernläden nicht mehr geben. Die gleichen Gesichtspunkte setzen sich bezüglich der Bezeichnungen „Lanberzevgnisfe" und „Landware" usw. durch. Lediglich für einige bereits eingebürgerte Gattungsbezeichnungen, wie Landleberwurst ober Landschinken, soll auch weiterhin eine Ausnahme gemacht werden, da das Publikum genau weiß, daß es sich dabei um eine handwerklich ober, industriell hergestellte Ware handelt. Schach-Ecke. Bearbeitet von F. Sä misch Eine entzückende Zugzwangsstudie Henri Rinck, Barcelona 8 8 5 5 2 2 M M M a b c d e Weiß zieht und gewinnt (Sin leichter Dreizüger eines bayerischen Komponisten Weiß zieht und setzt in drei Rügen matt 4 2 8 7 3 7 4 3 2 8 6 5 6 5 H. Röschlaub, Bamberg („Münchener Neueste Nachrichten") abedef g h Lösung des Problems Nr. 387. Von H. von Hennig. 1. Df7—e6 (droht Lf2—el + usw.), Te3Xe6. 2. Sd3—e5, Tg5Xe5. 3. Lf2—el+, TeSXel. 4. Sb6 —d5+ und matt. 1. Df7-e6, Te3Xe6. 2. Sd3-e5, Te6Xe5. 3. Sb6 —d5+, Te5Xd5. 4. Lf2—el+ und matt. 1. ...» Te3Xe6. 2. Sd3—e5, Kc3Xb4. 3. Lf2 —el+, Kb4—c5. 4. Sb6—d7+ und matt. Lösung des Problems Nr. 388. Von J. 01 a s z. 1. TföXeö! usw. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom Äedaktionstisch. Anekdolen um Adele Sanbrotf. Adele Sandrock während einer Aufnahme im Filmatelier, mürrisch und in einem aufgedonnerten, vorsintflutlichen Kostüm. Ihr Gesicht ist ganz in feierlichen Ernst gehüllt, sie rafft die Schleppe und schreitet mit wuchtigen Schritten durch den Raum. Dann hebt sie majestätisch das Haupt und donnert einen Satz von elementarer Wucht durch die Gegend. Der Kameramann versucht vergeblich ernst zu bleiben. Er lacht ganz laut drauflos, weil die göttliche Adele so unwiderstehlich komisch ist. Adele erstarrt. Sie bleibt stehn und erdolcht ihn mit einem Blick von durchbohrender Schärfe. Dann spricht sie mit Grabesstimme: „Junger Mann, lachen Sie, wenn der Film läuft!" * Am Wittenbergplatz steht ein alter, gebrechlicher Mann. Adele Sandrock rauscht hoheitsvoll vorüber.. Der Bettler erhebt seine bittende Stimme, da bleibt Adele stehn, greift in die Tasche und reicht ihm einen Groschen. „Nehmen Sie, armer Mann!" Da geschieht das Unfaßbare: der Bettler schlägt ehrerbietig und freudestrahlend die Hacken zusammen: „Danke, Herr General!" Aus Kriegs- und Friedenszeiten. Der Bataillonskommandeur hatte sich an besser geschützter Stelle einen Unterstand bauen lassen, lieber dem Eingang prangte ein schön geschnitztes Schild: „Herzlich willkommen!" Es ist Abend. Zwei alte, im Pulverdampf ergraute Krieger kommen vom Kaffeeholen und setzen die Kochgeschirre vor dem Unterstand ab. Tiefsinnig betrachten sie bas neue Bauwerk und die Inschrift. Dann gucken sie sich beide gegenseitig an. Endlich spricht einer die erlösenden Worte: „Was wettst, wennst nei gehst, flieg st raus'" An Bord eines Kriegsschiffes war beim Scharfschießen ein Geschütz gesprungen und hatte großps Unheil angerichtet. Der Matrose Wuttke hatte lange Zeit im Lazarett gelegen und stand dann nach seiner Genesung vor dem Marinegericht, um über den Unglücksfall auszusagen. „Erzählen Sie uns mal, was Sie von der Geschichte wissen", sagte der Verhandlungsleiter. „Tscha!" fing der Matrose Wuttke an, „ich stand da neben dem Geschütz und hörte einen ganz furchtbaren Knall ... und bann sagte der Doktor: Versuchen Sie mal, ob Sie sich ein wenia aufrichten können, ich muß ben Verband erneuern/' Hein und Fietje find zur Musterung beordert. Die Gestellungszeiten liegen eine Stunde auseinander. Fietje geht als Erster hin. „Ick bün untauglich!" „Orotuleer ook", sagt Hein und geht mit Fietje zur feierlichen Befeuchtung dieses Ereignisses in einen Keller, wo es Hamborger Beer und Köm gibt. Beim fünften Köm kommt Hein ein Gedanke: Fietje soll nochmal vor die Aushebungskommission und seine — Heins — Rolle spielen. Fietje schiebt also ab, und Hein bleibt auf der Köm-Insel zurück. Nach einiger Zeit kommt Fietje wieder angesegelt: „Du — Hein —", sagt er, „di ch h eb b ’ n f e n o*I) m e n I" Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe Der zuletzt besch lossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a/DL | Berlin Frankfurt a. M Berlin Schlußkurs Schluß!. Abmd- börsc Schlußkurs Schluß!. Mittag« börse Schluß- turs Schluß!. Abendbörse Schluß» für» Schluß!. Dlittag» börse Ootum 15 4 ' j 16.4 15 4 16 4 Datum 15 4 16.4 15-4 16.4 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 5*/i% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Anslos.-Rechten ............. 100,2 97,65 102,25 113,4 100,2 97,75 100 92 115.13 96,25 100,4 100-25 96 96 105,9 .,125 7,13 6,3 6,65 13,25 8,4 ' 100,2 102,25 113,25 100,65 98 96,25 100,5 92,5 115,25 96,25 100,4 101 96 96 105,9 26,25 1,13 7,4 6,5 6,8 13 8,5 100,3 97,75 102,4 113,4 100,25 97,75 96,13 115,25 115,5 96,5 101 96 96 105,9 27 1,13 7,25 6,4 6,55 13,3 8,7 100,4 97,75 102,4 113,25 100 98 96,25 115,5 101,13 96 96 105,9 26,4 1,13 7,25 6,65 6,8 13 4% vesgl. Serie II ............. 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4Vr%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2y4% Anatolier .............. Hamburg-Amertka-Pakei o Hambttrg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........O A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz- und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................ o Dresdner Bank..............o Reichsbank ................ 12 A.C.G......................u Bekula.................... 10 Elektr. Lieferungsgesellschaft... 5 Licht und Kraft ........... 6% Felten & Guilleaume......... O Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........ 5 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co............... 4 Siemens L Halske......... 7 LahmeyerLCo.............. 7 Buderus .......... O Deutsche Erdöl....... * Gelsenkirchener.......... o Harpener........ . .. n 8,4 4,5 6,5 4,1 33,65 34,25 36,75 81,75 107,25 88,5 90,25 90,25 157,5 38,4 136,25 109,5 124,5 89,13 123 123,5 106,25 150,5 123,25 95 107 '05,4 126,5 93 78.75 8,5 4,4 6,5 4,1 33,25 34 36 82 108 89,25 91,75 91,75 159.5 38,13 136,25 109 124,5 88,5 123,5 125 106,25 150 123,4 95,5 107 106 121,5 92,75 78 8,7 4.4 5,65 4,1 33,5 33,9 26,65 35,9 81,9 108 88,5 90 90 157.25 38,13 136 25 109 124,65 88,25 123 123 106,13 150,5 123.25 95,25 107,4 106 95,9 152 126,75 92,5 78.75 4,4 6,5 4,1 33,25 33,9 27,75 35,65 82,5 108,5 88,5 91,5 91,5 159,5 38 136,5 109 125 88,65 123,9 125 106,5 150,25 123,25 95,13 106,9 106,4 95,65 146 121,65 92,75 78,4 4l/*% Deutsche Retchspostschatzan' Weisungen von 1934, I....... 6% ehem.8% Hess. BoUsstaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 454% ehem. Hessische Landesbant Darmstadt Gold R. 12........ 5/2% ehem. Hess. Landes-Hypo- thekenbant Darmstadt Staut ... 4’/2% ehem. 8% Darmst. Komm. Lgndesb.Gosdschuldverschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 454% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 654% ehem. 454% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Psandbriese....... 6%% ehem. ’ 454% Rheinische Hyp^Bank-Liqu.-Goldpse..... 454% ehem. 8% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 454% ehem. 7% Pr. Landespfand- briefanst., Gold Komm. Obl.VI Steuergutsch.Verrechnungsk. 35-39 4% Oesterreichische Goldrente.... 4,20% Oesterretcytsche Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 454% desgl. von 1913.......... Hoesch Eisen—Köln-Neuesse« .. Ö Ilse Bergbau ............... 6 Ilse Bergbau Genüsse........ 6 Klöcknerwerke ............. gyt Mannesmonn-Röhren....... o 5% abgest" Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie l..................... Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß- kur» Schlußk. Mittag- börse Datum 15 4 16 4 15.4 16.4 Mansselder Bergbau....... .. 8 100,4 101,5 101 101 Kokswerke ................ .. 5 — —— 109 109.13 Phönix Bergbau........... .. O — — — — Rheinische Braunkohlen .... 12 219,25 217,25 218 218 Rheinstahl ................ syt 108,4 107,75 108,5 108 Vereinigte Stahlwerke...... .. 0 80,65 80 80,9 80,13 Otavi Minen ............. .. 0 15,4 15,4 15,5 15,4 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 112,25 113 113,5 113,25 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 114 114,13 114,25 114,5 Kaliwerke Salzdetfurth..... ?ya — 159,5 159 159,65 I. G. Farben-Jndustrie..... .. 7 148,25 149 148.5 148,9 Scheideanstalt............. .. 9 212,5 214 ■ _ Goldschmidt .............. .. O 105,25 105,5 105,25 105 75 Rütgerswerkc ............. .. 4 110 110,75 110,25 111,25 Metallgesellschaft........... .. 4 97 97,5 97.13 .. O 91,25 91,4 91,65 91,9 Zementwerk Heidelberg .... .. 5 121,4 .. 4 — Schultheis Patzenhofer ..... .. 4 — 108,75 108,75 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O 53,4 53,65 53,75 54 Bemberg................. .. O —— 115 115,13 115 Zellstoff Waldhof .......... .. 0 111,75 112,13 111,75 112,5 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 81,25 81 81 75 81 Dessauer GaS ............. .. 7 _ 127 5 •124 25 Daimler Motoren.......... .. O 94 94,25 94,25 '94 Deutsche Linoleum......... .. 6 152 152 151,75 Orenstein & Koppel ........ .. O — — 88 88,13 Westdeutsche Kaufhof....... .. O 35,25 36 15,13 35,65 Chade.................... .. (J 243x5 247,5 248 Accumulatoren-Fabrik...... . 12 162 161,75 Conti-Gummt ............ .. 8 149 149 149 149 Gritzner.................. .. O 36,75 36,25 37,4 37,25 Mainkrastwerke Höchst a.M>. .. 4 93,5 94 - Süddeutscher Zucker....... .. 9 169 169 168 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. IN. Banknoten. -15.April 16.ApriI Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Buenos Airec 0,658 . 0,662 0,658 0,662 Brüssel..... 41,98 42,06 41,98 42,06 Rio de Jan. . 0,201 0,203 0,201 0,203 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 53,69 53,79 53,90 54,00 Danzig..... 81,10 81,26 81,10 81,26 London ..... 12,025 12,055 12,07 12,10 Helsingfors.. 5,31 5,32 5,33 5,34 Paris ...... 16,38 16,42 16,38 16,42 Holland .... 167,38 167,72 167,33 167,67 Italien..... 20,68 20,72 20,68 20,72 Javan ...... 0,707 0,709 0,710 0,712 Jugoslawien. 5,649 5,661 5,649 5,661 Oslo..... : 60,43 60,55 60.67 60,79 Wien....... 48,95 49,05 Lissabon.... 10,91 1093 10,96 10^98 Stockholm... 62,00 62,12 62,25 62,37 Schweiz .... 80,72 80,88 80,72 80,88 Spanten.... 33,93 33,99 33,93 33,99 Prag....... 10,37 10,39 10,37 10,39 Budapest ... Neuyork ... 2,481 2,485 2,484 2,488 Berlin, 16.April Geld Brief . Amerikanische Noten.............. 2,436 2,456 Belgische Noten.................. 41,82 41,98 Dänische Noten ................. 53 69 53,91 Englische Noten ................. 1? 035 12,075 Französische Noten............... 16,38 Holländische Noten............... 167,58 Italienische Noten................ 20,76 20.84 Norwegische Noten .............. 60,46 60,70 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilkina — Rumänische Noten............... — Schwedische Noten............... 62,04 62,28 Schweizer Noten................. 80,24 80,56 Spanische Noten................. 33,46 33,60 Ungarische Noten................ —