Sonntag, 17. März 1935 185. Fahrgang Giekener Anzeiger Extrablatt! Annahme von Anzeigen für die Mitlaysnummer bis 8' /,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70 mm Breite 60 Npf.sPlahvorfchrist oder schwieriger Satz 25°/n mehr Ermäßigte Grundpreise: Erscheint tLglich,.«mßer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblStter Heimattm Bild - Die Scholle Monat» Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. » y2& Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Gießen poftscheckkonto: Krantfutt am Main 11686 w d- Stellen-, Vereins-, gemein» General-Anzeiger füt Sberhessen WW „WW H.I,..mto«* M» SM.tn.tod n-t..,. I« «... Sürtltrn» WM«: ° An das deutsche Volk! Oer Aufruf dee Reichsregierung. Das Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht. Berlin, 16. März. (ONB.) Das am Schluß des nachstehenden Aufrufs verkündete Gesetz hat folgenden Wortlaut: Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht vom 16. März 1935: Oie Reichsregierung hat folgendes Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird: H 1. Oer Dienst in der Wehrmacht erfolgt auf der Grundlage der allgemeinen Wehrpflicht. H 2. Das deutsche Zriedensheer einschließlich der überführten Truppenpol,- zeien gliedert sich in 12 KorpSkommandoS und 36 Divisionen. § 3. Oie ergänzenden Gesetze über die Regelung der allgemeinen Wehrpflicht sind durch den Reichswehrminister dem Reichsministerium vorzulegen. Berlin, 16. März 1935. Das Gesetz ist vom Führer und sämtlichen Mitgliedern des Reichskabinetts unterschrieben worden. Das deutsche Volk eins mit seinem Führer? Meder Allgemeine Wehrpflicht in Deusschland! Instrument zur Sicherung de- s-i-d-n- und des deutschen D-tert-nd--. - San, Seutschlnn» d-n« dem Führer Zur d.e befreiende große Tat. — Flaggen auf Ganzstock. Berlin, 16. März. (DNB.) Der Eindruck, den die Proklamation auf die Mitglieder des Reichskabinetts gemacht hat, als der Führer und Reichskanzler sie zur Kenntnis gab, war groß. Die Mitglieder des Kabinetts erhoben sich spontan von ihren Plätzen, und der Reichswehrminister Generaloberst von Blomberg brachte ein dreifaches heil auf den Führer aus, verbunden mit einem Gelöbnis der weiteren unverbrüchlichen Treue und Verbundenheit. DiegleicheVegeifterung herrscht auch i m deutschen Volke. Gleichzeitig mit der Betonung der Freude und der Glückseligkeit über die Wahrung der deutschen Sicherheit durch die nunmehr beschlossene Aufrüstung weih das deutsche Volk sich eins mit feinem Führer in dem klaren Bekenntnis zum Frieden. Mit der Proklamation und dem dazu gehörenden Gesetz ist ein entscheidender Vorgang in der deutschen Geschichte erolgt: Nämlich die erste grohe Li- quidationsmahnahme des Versailler Diktats, durch die die wesentlichste Schande dieses Vertrags endgültig gelöscht worden ist. Berlin jubelt dem Führer zu. Begeisterte Kundgebungen vor der Reichskanzlei. Berlin. 16. März. (DNB.) In den Abendstunden sammelte sich in der Wilhelmstraße vor der Reichskanzlei eine schnell anwachsende Menschenmenge, die patriotische Lieder sang und immer wieder in Heilrufe auf den Führer aus- brach. Neben den schon bekannten Zweizeilern er- flang ein neuer, der lebhaften Beifall fand: „Führer, Dank für Wehr und Rüstung, Zeig' Dich an der Fensterbrüslung!" Unterdessen hatte sich der Wilhelmplatz mit einer nach vielen Tausenden zählenden, begeisterten Menge gefüllt. Als dann der Führer kurz nach 10 Uhr sich zusammen mit den Reichsministern Heß und Dr. Goebbels an den Fenstern zeigte, da kannte der Jubel keine Grenze mehr. Die Menschenmenge flutete bis über die Straße an die Reichskanzlei und fang in tiefer Ergriffenheit „Deutschland, Deutschland über alles!" Unter dem Licht der Straßenlaternen, vor den Schaufenstern der Verkaufsläden und selbst im eiligen Weitergehen sah man jung und alt, Männer und Frauen mit dem durch Extrablätter verbreite« 1 ten Aufruf der Reichsregierung in der Hand. In den Kaffeehäusern und Gaststätten bot sich das gleiche Bild. Und wenn man den Gesprächen lauschte, so wußte man bald, welch begeistertesEchodie Tat des Führers in den Kreisen der Bevölkerung auslöste. Es war wohl kaum ein Deutscher, der dem Beschluß der Reichsregierung nicht innerlich mitFreudeseineZustimmung gegeben hat. Die Flaggen heißt hoch! Berlin, 17. März (DNB.) Der Reichs- Minister für v o 1 k s a u f k 1 ä r u n g und Propaganda hat im Einvernehmen mit dem Reichswehrmini sl er folgende Anordnung erlassen: Am heldengedenklag sind zu Ehren der Gefallenen des Weltkrieges die Flaggen und Fahnen bis zum Abschluß der Gedenkfeier auf halbmast zu sehen. Nach dem Abschluß der Gedenkfeiern sind die Flaggen und Fahnen zum Aus- druck der Freude über die wiedergewonnene D ehrfreihei t auf Ganz stock zu sehen und erst bei Eintritt der Dunkelheit einzuholen. Nach dem Vorbeimarsch nach der Kranzniederlegung sind die Flaggen an den Masten hochzuheißen. Der Reichswehrminister hat angeordnet, daß beim Abmarsch das Spiel zu rühren ist. * Die Bevölkerung wird aufgefordert, dieser Anordnung nachzukommen. Empfang der Boischaster beim Führer. Berlin, 16. März. (DNB.) Der Führer hat heute nachmittag im Beisein des Reichsministers des Aeußeren die Botschafter Frankreichs. England». Italiens und Polens empfangen, um Ihnen den Entschluß der Reichsregierung, die allgemeine Wehrpflicht einzu- ! führen, mttzutetten. Berlin, 16. März. (DNB.) Heute um 16 Uhr empfing Reichsminister Dr. G o e b b e l s die Haupt- chriftleiter der Berliner Zeitungen und die Der- tretet der auswärtigen Presse und gab ihnen die olgende Erklärung der Reichsregie, rung mit anschließendem Gesetzestext bekannt: An das deutsche Volk! Als im November 1918 das deutsche Volk — Der- trauend auf die in den 14 Punkten Wilsons gegebenen Zusicherungen — nach viereinhalbjährigem ruhmvollen Widerstand in einem Kriege, dessen Ausbruch es nie gewollt hatte, die Waffen streckte, glaubte es, nicht nur der gequälten Menschheit, sondern auch einer großen Idee an sich einen Dienst erwiesen zu haben. Selbst am schwersten leidend unter den Folgen dieses wahnsinnigen Kampfes, griffen die Millionen unseres Volkes gläubig nach dem Gedanken einer Neugestaltung derVöl - kerbeziehungen, die durch die Abschaffung der Geheimnisse diplomatischer Kabinettspolitik einerseits, sowie der schrecklichen Mitteln des Krieges andererseits veredelt werden sollte. Die geschichtlich härtesten Folgen einer Niederlage erschienen vielen Deutschen damit geradezu als notwendige Opfer, um einmal für immer die Welt von ähnlichen Schrecknissen zu erlösen. Die Idee des Völkerbundes hat vielleicht in keiner Nation eine heißere Zustimmung erweckt als in der von allem irdischen Glück verlassenen deutschen. Nur so war es verständlich, daß in manchem geradezu sinnlose Bedingungen der Z e r st ö - rung jeder Wehrvoraussetzung und Wehr möglich leit im deutschen Volke nicht nur angenommen, sondern von ihm auch erfüllt worden sind. Das deutsche Volk und infonderhctt feine damaligen Regierungen waren überzeugt, daß durch die Erfüllung der im Versailler Vertrag vorgeschriebenen Entwassnungsbestimmungen entsprechend der Verheißung dieses Vertrages der Beginn einer internationalen allgemeinen Abrüstung eingeleitet und garantiert sein würde. Denn nur in einer solchen zweiseitigen Erfüllung dieser gestellten Aufgabe des Vertrages konnte die moralische und vernünftige Berechtigung für eine Forderung liegen, die einseitig auferlegt und durchgeführt zu einer ewigen Diskriminierung und damit Minderwertigkeilserklärung einer großen Nation werden muhte. Damit aber könnte ein solcher Friedensvertrag niemals die Voraussetzung für eine wahrhafte innere Aussöhnung der Völker und einer dadurch herbeigeführlen Befriedung der Welt, sondern nur für die Aufrichtung eines weiterführenden Hasses sein. Oeutschland hat die ihm auferlegten Abrüstungsverpflichtungen nach drn Feststellungen der Interalliierten Kontrollkommission erfüllt. Folgendes waren die von dieser Komission bestätigten Arbeiten der Zerstörung der deutschen Wehrkraft und ihrer Mittel: A. Heer. 59 897 Geschütze und Rohre 130 558 Maschinengewehre 31 470 Minenwerfer und Rohre 6007 000 Gewehre und Karabiner 243 938 MG.-Läufe 28 001 Lafetten 4 390 MW.-Lafetten 38 750 000 Geschosse 16 550 000 Hand- und Gewehrgranatt 60 400 000 scharfe Zünder 591000 000 Handwaffenmunition 335 000 Tonnen Geschoßhülsen 23 515 Tonnen Kartuschpatronenhülsen 37 600 Tonnen Pulver 79 500 Munitionslehren 212 000 Fernsprecher 1072 Flammenwerfer 31 Panzerzüge 59 Tanks 1 762 Beobachtungswagen 8 982 drahtlose Stationen 1 240 Feldbäckereien 2 199 Pontons 981,7 Tonnen Ausrüstungsstücke für ©olbau.. 8 230 350 Sack Ausrüstungsstücke für Soldaten 7 300 Pistolen und Revolver 180 MG.-Schlitten 21 fahrbare Werkstätten 12 Flak-Geschützwagen 11 Protzen 64 000 Stahlhelme 174 000 Gasmasken 2 500 Maschinen der ehemal. Krieg. i 8 000 Gewehrläufe. B. Lust. 15 714 Jagd- und Bombenflugzeuge 27 757 Flugzeugmotoren. O Marine. Zerstörtes, abgewracktes, versenktes ober ausgelie« fertes Kriegsschiffmaterial der Marine: 26 Großkampfschiffe 4 Küstenpanzer 4 Panzerkreuzer 19 kleine Kreuzer 21 Schul- und Spezialschifte 83 Torpedoboote 315 U-Boote. Ferner unterlagen der Zerstörungspflicht: Fahr- zeuge aller Art, Gaskampf- und z. T. Gasschutz- mittel, Treib- und Sprengmittel, Scheinwerfer, Visiereinrichtungen, (Entfernung^« und Schallmeßgerät, optische Geräte aller Art, Pferdegeschirr, Schmal- spurgerät, Felddruckereien, Feldküchen, Werkstätten, Hieb- und Stichwaffen, Stahlhelme, Munitions- transportmaterial, Normal- und Spezialmaschinen der Kriegsindustrie, sowie Einspannvorrichtungen, Zeichnungen dazu, Flugzeug- und Luftschiffhallen usw. Nach dieser geschichtlich beispiellosen Erfüllung eines Vertrages hatte das deutsche Volk ein Anrecht, die Einlösung der eingegangenen Verpflichtungen auch von der anderen Seite zu erwarten. Denn: 1. Deutschland hatte abgerüstet. 2. 3m Friedensvertrag war ausdrücklich gefordert worden, daß Deutschland a b g e- rüstet werden müßte, um damit die Voraussetzung für eine allgemeine Abrüstung zu schaffen, d. h.: es war damit behauptet, daß nur in Deutschlands Rüstung allein die Begründung für die Rüstung der anderen Länder läge. 3. Das deutsche Volk war sowobl in seinen Regierungen, als auch in feinen Parteien damals von einer Gesinnung erfüllt, die den pazifistisch-demokratischen Idealen des Völkerbundes und seiner Gründer restlos entspracb. Während aber Deutschland als die eine Seite der Vertragschließenden seine Verpflichtungen erfüllt hatte, unterblieb die Einlösung der Verpflichtung der zweiten Vertrag s f e i t e. Oas heißt: Oie Hohen Vertrag' schließenden der ehemaligen Sieger« staaten haben sich einseitig von den Verpflichtungen des Versailler Ser« träges gelöst! Ischlossenheit ist, ist das deutsche Volk von einer den wahren zu können. rung an das deutsche Volk durch Dr. Goebbels. Verantwortlich: J.B.! Gvvst Die Regierung des heutigen Deutschen Reiches aber wünscht nur eine einzige moralische und materielle Macht, es ist die Macht, für das Reich und damit thema, ein einziges Wort, das sie alle beherrschte: „Wehrpflicht". Gegen 20 Uhr, als der Sportpalast längst bis auf den letzten Platz besetzt war, kündeten Heilrufe das Eintreffen des Berliner Gauleiters Dr. Goebbels an. Von nicht endenwollendem Beifall stürmisch begrüßt, schritt Dr. Goebbels durch das blitzende Spatenspalier des Arbeitsdienstes. In seiner Be- wohl auch für ganz Europa den Krie- punkt der Kundgebung bildete die Verlesung der Proklamation der Reichsregie- ipnerung haben. Deutschland war bereit, diefen plan anzunehmen und zur Grundlage von abzuschließenden Vereinbarungen zu machen. Pakten angetragen. 2. Sie hat mit ihrem östlichen Nachbarstaat eine vertragliche Regelung gesucht und gefunden, die dank des großen entgegenkommenden Verständnisses, wie sie hofft, für immer die bedrohliche Atmosphäre, die sie bei ihrer Machtübernahme vorfand, entgiftet hat! und zu einer dauernden Verständigung und Freundschaft der beiden Volker führen Berlin, 16. März. (DNB.) Die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz schreibt zur Proklama- Berlin, 16. März. (DNB.) Am Vorabend des Heldengedenktages veranstalteten der Gau Groß- Berlin der NSDAP, und der Arbeitsgau Brandenburg im überfüllten Sportpalast eine würdige Heldengedenkfeier, die sich spontan infolge der großen Bedeutung des 16. März zu einer riesigen Freiheitskundgebung des deutschen Volkes gestaltete. Die Gedenkfeier erhielt dadurch eine besondere Bedeutung, daß sie, wenige Stunden nach Bekanntgabe der Erlasse des Führers über die Einführung I der allgemeinen Wehrpflicht, die erste öffentliche Kundgebung nach diesem für Deutschland so überaus bedeutungsvollen Ereignis war. Den Höhe- Wenn sie daher den in der Rede des englischen Ministers Baldwin am 28. November 1934 ausgesprochenen Wunsch nach einer Aufhellung der deutschen Absichten nunmehr entspricht. dann geschieht es: 1. um dem deutschen Volk die Ueberzeugung und den anderen Staaten die Kenntnis zu geben, daß die Wahrung der Ehre und Sicherheit des Deutschen Reiches von jetzt ab wieder der eigenen firaft der deuts chen Rader deutschen Ration wiederherge- stellt. Dir stehen mit erhobener Stirn als freie Ration wieder unter den Völkern. Wir können als souveräner Staat frei verhandeln. um an der Organisation des Friedens mitzuarbeiten. Wir besitzen wiedereine deutscheArmee, um unser deutsches Vaterland selbst mit der Waffe verteidigen zu können. Die Freiheit und das Leben unseres Volkes sind die heiligen Güter der deutschen Nation, die in einem waffenstarrenden Europa nur durch die Wiedergeburt der deutschen Armee gesichert werden können. Die Erinnerung an das ruhmreiche deutsche Heer mit ihrer ruhmvollen Geschichte ist nun kein blasses historisches Schemen mehr. Das nationalsozialistische Deutschland hat wieder eine Wehrmacht, auf die wir stolz sein können. schlage anderer Staaten zu überprüfen, sondern auch I eigene, praktische Vorschläge zu machen. Sie übernahm dabei die von den anderen Staaten selbst Sie hat daher auch weiterhin getan, was in Schon Stunden vor Beginn wiesen der Sport- ihren Kräften stand und zur Förderung des Frie- palast und die Potsdamer Straße typische Kenndens dienen konnte. Zeichen eines großen Tages auf. Die zum Sport- 1. Sie hat all ihren Nachbarstaaten schon vor palast anmarschierenden Kolonnen und Menschenlanger Frist den Abschluß von N i ch t a n g r i f f s - massen kannten nur ein einziges Gesprächsgeprägte Auffassung, daß die Schaffung kurzdienender Armeen für die Zwecke des Angriffes ungeeignet und für die friedliche Verteidigung anzu- empfehlest'^ei. Sie war daher bereit, die langdienende Reichs- wehr nach dem Wunsche der anderen Staaten I in eine kurzdienende Armee zu verwandeln. Ihre Vorschläge vom Winter 1933/34 waren praktische und durchführbare. Ähre Ablehnung sowohl als die endgültige Ablehnung der ähnlich gedachten italienischen und englischen Entwürfe ließen aber darauf schließen, daß die Geneigtheit zu einer nachträglichen sinngemäßen Erfüllung der Versailler Abrüstungsbestimmungen auf der anderen Seite der Vertragspartner nicht mehr bestand. Unter diesen Umständen sah sich die deutsche Regierung veranlaßt, von sich aus jene notwendigen Maßnahmen zu treffen, die eine Beendigung des ebenso unwürdigen wie letzten Endes bedrohlichen Zustandes der ohnmächtigen Wehrlosigkeit eines großen Volkes und Reiches gewährleisten konnte. Sie ging dabei von denselben Erwägungen aus, denen Minister Baldwin in seiner letzten Rede so wahren Ausdruck verlieh: „Lin Land, das nicht gewillt, die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zu seiner eigenen Verteidigung zu ergreifen, wird niemals Macht in dieser Welt haben, weder moralische, noch materielle Macht." Die deutsche Regierung muh aber zu ihrem Bedauern ersehen, daß seit Monaten eine sich fortgesetzt steigernde Aufrüstung der übrigen 1B eit stattfindet. Sie sieht in der Schaffung einer sowjetrussischen Armee von 101 Divisionen, d. h. 960 000 Mann zugegebene Friedens-Präsenzstärke, ein Element, das bei der Abfassung des Versailler Vertrages nicht geahnt werden konnte. Sie sieht in der Forcierung ähnlicher Maßnahmen in den anderen Staaten weitere Beweise der Ablehnung der seinerzeit proklamierten Abrüsiungsidee. Es liegt der deutschen Regierung fern, gegen irgend- einen Staat einen Vorwurf erheben zu wollen. Aber sie muß heute feststellen, daß durch die nunmehr beschlossene Einführung der zweijährigen Dienstzeit in Frankreich die gedanklichen Grundlagen der Schaffung kurzdienender Armeen zugunsten einer langdienenden Organisation aufgegeben worden sind. Dies war aber mit ein Argument für die seinerzeit von Deutschland geforderte Preisgabe seiner Reichswehr. Die deutsche Regierung empfindet es unter diesen Umständen als eine Unmöglichkeit, die für die Sicherheit des Reiches notwendigen Maßnahmen nach länger auszusehen, oder gar vor der Kenntnis der Mitwelt zu verbergen. Hon anvertraut wird: 2. zweitens aber, um durch die Fixierung des Umfanges der deutschen Maßnahmen jene Behauptungen zu entkräften, die dem deutschen Volke das Streben nach einer militärischen Hegemonie-Stellung in Europa unterschieben wollen. Was die deutsche Regierung als Wahrerin der Ehre und der Interessen der deutschen Ration wünscht, ist, das Ausmaß jener Machtmittel sicherzustellen, die nicht nur für die Er- Haltung der Integrität des Deutschen Reiches, sondern auch für die internationale Respektierung und Bewertung Deutschlands als eines Mitgaranten des allgemeinen Friedens erforderlich sind. Denn in dieser Stunde erneuert die deutsche Regierung vor dem deutschen Volke und vor der ganzen Welt die Versicherung ihrer Entschlossenheit, über die Wahrung der deutschen Ehre und der Freiheit des Reiches nie hinauszugehen und insbesondere in der nationalen deutschen Aufrüstung kein Instrument kriegerischen Angriffes, als vielmehr ausschließlich der V e r t e i d i g u n g und damit der Erhaltung des Friedens bilden zu wollen. Die deuffche Reichsregierung drückt dabei die zuversichtliche Hoffnung aus, daß es dem damit wieder zu seiner Ehre zurückfindenden deutschen Volke in unabhängiger, gleicher Berechtigung vergönnt sein möge, seinen Beitrag zu leisten zur Befriedung der Welt in einer freien und offenen Zusammenarbeit mit den anderen Rationen und ihren Regierungen. In diesem Sinne hat die deutsche Reichsregierung mit dem heutigen Tage das obenstehend wieder- gegebene Gesetz beschlossen. Die Erklärung der Reichsregierung wurde mit demonstrativem, langandauerndem Beifall begrüßt. Im Anschluß daran empfing Reichsmimster Dr. Goebbels die Berliner Vertreter sämtlicher ausländischen Zeitungen und gab dort die gleiche Erklärung ab. Es ist kein Wunder geschehen. Diese Gleichberechtigung der deutschen Nation, diese Freiheit ist uns nicht in den Schoß gefallen, wir haben sie uns selbst errungen. Der Führer hat sie für uns erkämpft! Es ist seine Leistung! In 14 Jahren formte er die Nation neu und schweißte sie zusammen. Innerhalb zwei Jahren nach der Machtergreifung erkämpfte er seinem Volke politisch die Gleichberechtigung! In dieser geschichtlichen Stunde vergißtdas deutsche Volk nicht, was es seinem Führer schuldet. Er weiß, daß alles, was , wurde, fein Derk ist, daß allein feine Tat deut- fches Schicksal in neue Bahnen lenkte, in die Bahnen von Ehre und Freiheit. Der Dank, den ihm das deutsche Volk dafür abstattet, ist das grenzenlose Vertrauen, mit dem es hinter ihm und seiner staatsmännischen Tat steht. Die ketten sind gefallen. Wie eine Phalanx in unerschütterlicher Einheit und Geschlossenheit stehen Volk und Führer zusammen. Sie bedrohen niemand, der Deutschlands friedliche Arbeit in Frieden sich entwickeln läßt. Sie werden aber ihren ganzen Heroismus dem entgegensetzen, der es wagen würde, das Leben und die Freiheit unserer Ration anzugreifen. Nur unter freien Völkern kann es wahren Frieden geben. Wir glauben deshalb, daß der 16. März 1935, der im Buche der deutschen Geschichte eingeschrieben steht als der Tag der deutschen Ehre und Freiheit, gleichzeitig der Beginn einer neuen Epoche friedlicher Zusammenarbeit der Völker Europas sein wird. Allein nicht genügend, daß jede Abrüstung in einem irgendwie mit der deutschen Waffenzerstörung vergleichbaren Wahe unterblieb, nein: es trat nicht einmal ein Stillstand der Rüstungen ein, ja im Gegenteil, es wurde endlich die Aufrüstung einer ganzen Reihe von Staaten offensichtlich. Was im Kriege an neuen Zerstörungsmaschinen erfunden wurde, erhielt nunmehr im Frieden in methodisch - wissenschaftlicher Arbeit die letzte Vollendung. Auf dem Gebiete der Schaffung mächtiger Landpanzer sowohl, als neuer Kampf- und Vombenma- s ch i n e n fanden ununterbrochene und schreckliche Verbesserungen statt. Reue Riefen- geschühe wurden konstruiert, neue Spreng-, Brand- und Gasbomben entwickelt. Die Welt aber hallte seitdem wider von Kriegsgeschrei, als ob niemals ein Weltkrieg gewesen und ein Versailler Vertrag geschlossen worden wäre. Inmitten dieser hochgerüsteten und sich immer mehr der modernsten motorisierten Kräfte bedienenden Kriegsstaaten war Deutschland ein machtmäßig leerer Raum, jeder Drohung und jeder Bedrohung jedes einzelnen wehrlos ausgclie- fert. Das deutsche Volk erinnert sich des Unglücks und Leides von fünfzehn Jahren, wirtschaftlicher Verelendung, politischer und moralischer Demütigung. Es war daher verständlich, wenn Deuffchland laut auf die Einlösung des versprechens auf Abrüstung der anderen Staaten zu drängen begann. Denn dieses ist klar: (Einen hundertjährigen Frieden würde die Welt nicht nur ertragen, sondern er mühte ihr von | unermeßlichem Segen fein. Eine hundertjährige I Zerreißung in Sieger und Besiegte aber erträgt sie nicht. «territorialen Forderungen mehr an Frankreich stellen oder erheben wird. Sie glaubt damit, in einer geschichtlich seltenen Form die Voraussetzung für die Beendigung eines jahrhundertlangen Streites zwischen zwei großen Nationen durch ein schweres politisches und sachliches Opfer geschaffen zu haben. wird. gleitung befanden sich Reichsarbeitssührer H i e r l, 3. Sie hat endlich Frankreich die feierliche der stellvertretende Gauleiter Görlitzer, Gau- Versicherung gegeben, daß Deutschland nach der arbeitssührer Dohrmann, Obergebietsführer erfolgten Regelung der ©aarfrage nunmehr telneiStmann« Brigadeführer Dffermann und Die Empfindung über die moralische Berechtigung und Notwendigkeit einer internationalen Abrüstung war aber nicht nur in Deuffchland, 'sondern auch innerhalb vieler anderer Völker lebendig. Aus dem Drängen dieser Kräfte entstanden die Versuche, auf dem Wege von Konferenzen eine Rüstungsverminde, rung und damit eine internationale allgemeine An-1 gleichung auf niederem Niveau in die Wege leiten! zu wollen. So entstanden die ersten Vorschläge internationaler Rüstungsabkommen, von denen wir als bedeutungsvollen den Plan Macdonalds in Er-1 Der stellvertretende Gauleiter Görlitzer teilte odann mit, daß Reichsminister Dr. Goebbels sich ofort zum Führer begeben müsse, der ihn gerufen habe. „Wir bitten ihn", so fügte er hinzu, dem Führer unseren Dank und unser Gelöbnis ewiger Treue zu überbringen". Donnernd scholl das Sieg-Heil auf den Führer durch den Sportpalast. Spontan wurden aus der Menge Heilrufe auf den Gauleiter ausgebracht, der unter unausgefetzten Ovationen den Sportpalast verließ. Den Abschluß der Heldengedenkfeier der Berliner Bewegung bildete das kultische Weihöspiel des Arbeitsdienstes „Deuffche Not und Wende". Im Sprechchor und Gesang stellten die Kolonnen des Arbeitsdienstes in ihrer erdbraunen Uniform und im vielgestaltigen Werkkleid des deuffchen Arbeitsmannes eine einzige Hymne des deutschen Schicksals und der deuffchen Arbeit dar. Mit einem gewaltigen Bekenntnis zum Führer schloß das Weihespiel. Das Lied vom guten Kameraden war in dieser Stunde der Erinnerung deuffchen Heldentums eilt feierlicher Ausklang. Staatsrat Görlitzer gedachte noch einmal des Mannes, dem der deuffche Aufstieg und insbeson» dere auch der heutige Tag zu danken ist. Die Schande des g.Rovember 1918 fei ausgetilgt durch die heroische Tat des Führers vom 16. Rlärz 1935. Staatsrat Görlitzer schloß mit einem von den Tausenden brausend aufgenommenen Sieg-Heil auf den Führer die würdige Heldengedenkfeier und Bö freiungskundgebung der Berliner Bewegung. Oie Wiederherstellung der deutschen Ehre. Alfred Rosenberg gibt der Meinung deS ganzen Volkes Ausdruck. Berlin, 16. März. (DNB.) Unter der Hebert chrift „Die Wiederherstellung der deut^ chen Ehre" schreibt Alfred Rosenberg im „Vöst tischen Beobachter": In der Proklamation der Reichsregierung für dis Einführung der allgemeinen deutschen Wehrpflicht ist alles gesagt, was Deutschland der Welt int voraus auf alle kommenden Fragen und Kritiken zu antworten hat. Alles das, was an Unverständnis und Böswilligkeit angesichts der Regierungsprokl« mation lebendig werden könnte, findet seins eherne Widerlegung in den angeführter» geschichtlichenTatsachen. Diese wirken nun» mehr für sich auch als eine furchtbare Antwort auf die Versuche in der französischen Abgeordneten» kammer, nicht nur die Geschichte der letzten fünff zehn Jahre, sondern auch die Geschichte der letzten 150 Jahre in das Gegenteil zu verkehren. Allein ein solches Wort zeigt die bedrohliche Mentalität» von der man sich in Frankreich noch immer nicht frei gemacht hat. Der Führer hat gegenüber dieser Haltung, die nichts weiter darstellt als die Wiederholung der Poincareschen und Clemenceauschen Methoden, einen Entschluß gefaßt, der die praktische Verwirklichung der deutschen Gleichberechtigung ein- leitet: Ml dem 16. Wär; 1935, am Vorabend der Totengedenkfeier der Gefallenen des Weltkriegs, ist die Proklamation der deutschen Souveränität verkündet. Deutschland fuhrt die allgemeine Dienst- und Wehrpflicht ein, nicht um Irgendein anderes Volk zu bedrohen, sondern ganz im Gegenteil, um seine Sicherheit gegenüber eventuell geplanten Aebersallen zu gewährleisten. Die deutsche Prokiamatton hat auf die völkerrechtliche Lage eindeutig und unwiderleglich hingewiesen. Roch geschlossener als früher bekennt sich in dieser ernsten Stunde ganz Deutschland zu Adolf Hitler und feiner Führung, und unbeirrt durch eine vielleicht kommende Hetze stehen 66 Millionen Menschen für ihn ein in unbeugsamem Willen, die deutsche Gleichberechtigung unter anderen Völkern im Dienste eines wirklichen Friedens zu wahren. Freudige Zustimmung. Erste Urteile der Berliner Presse. 23 erlin, 16. März. (DNB) Außer den üblichen Spätausgaben der Berliner Blätter sind am Heu» tigen Samstag noch verschiedene andere Zeitungen erschienen, die in großen Schlagzeilen über die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht" und dis Proklamation des Führers berichten. Uebereinftimmenb wird in allen Artikeln mit Begeisterung und Genugtuung der Schritt des Führers zur Wiederherstellung der deuffchen Ehre gefeiert. Oer erste Eindruck in London. London, 16. März. (EP.) Die Nachricht über die Proklamation der Reichsregierung, wonach dis allgemeine Wehrpflicht in Deutschland wieder ein- geführt wird, ist kurz vor 18 Uhr englischer Zeit in London eingetroffen und wurde sofort durch Extra« blätter verbreitet, die reißenden Absatz fanden. Eigene Kommentare der Blätter zu dem Beschluß der Reichsregierung liegen bisher noch nicht vor. Wie nicht anders zu erwarten war, hat die Nachricht allgemein den stärksten Eindruck gemacht und wird demenffprechend lebhaft besprochen. Man steht um so mehr unter der nachhalttgen Wirkung der Proklamation, als man hier das Gefühl hat, daß es sich um ein (Ereignis oon g e • f chichtlicher Tragweite handelt, das ein neues Element in die bevorstehenden Rüstungsbesprechungen bringt und neue Entschlüffe von allen an diesen Besprechungen Beteiligten erfordert, wenn auch die Tatsache hier Anerkennung finden dürst- daß durch den Beschluß der Reichsregie* rung jede Unklarheit über die von Deutsck^ land zu erwartenden Zugeständnisse au» der Webt geschafft wird. Er scheiterte an der 21 Meinung | Die Proklamation des Führers ist für das deutsche dere Staaten und wurde endlich P r e t 5 g e - * bistorilckes Ereianis von aröß- 9«b °n D° unter solchen Umständen die dem deut- t Au - mah, E-tt den Tagen in denen Deutsch. Bolte und Re.che m der E kla ung 1SS2 se.er-1 3ufammenbrad)- (eit ben Tagen, hd) auflefufjerte S1 e dj d) 8 ln denen das Diktat von Versailles uns aufgezwun- Verwirttichung sand sah sich die neu- deutsche bcs deutschen Volkes größte Re,chsreg,erung als Wahrer,u der Ehre und > Proklamation, die ein Do- der Lebensrechte des deut,chen Volkes^^^.^s Friedens, aber auch der Ent- Heldengedenkfeier und ZreihMundgebung 0r. Goebbels übermittelt dem Führer den Dank der Ration. Volk und Führer unlöslich verbunden! Die Ketten find gefatten! außerstande, noch weiterhin an solchen Konferenzen »>° =>*• - »> w* deuffche Regierung dennoch bereit, nicht nur Vor- "esten woroen. fchläae anderer Staaten m überprüfen, sondern auch R"» dem heutigen Tage ist die Ehre Ministerialrat Hanke. Der stellvertretende Gauleiter Görlitzer eröffnete die Gedenkkundgebung und kündigte an, daß Or. Goebbels dieProklamationderReichsregierung an das deutsche Volk verlesen werde. Unter atemloser Stille verlas Dr. Goebbels darauf die Proklamation der Reichsregierung an das deutsche Volk. Lebhafter Beifall rauschte auf, als Dr. Goebbels den Willen der deutschen Regierung bekanntgab, dem bisherigen, eines freien Volkes unwürdigen Zustand ein Ende zu machen. Immer wieder gaben die Tausende ihre Zustimmung zu diesem Dokument deutschen Friedens- und Ehr willens stürmischen Ausdruck. Als Dr. Goebbels geendet hatte, wurden spontan von allen Seiten Heilrufe auf den Führer ausgebracht. „Damit", so schloß Dr. Goebbels", „sind die Toten des großen Krieges geehrt, und den Lebenden unseres Volkes ist wieder die Sicherheit unserer nationalen Zukunft gewährleistet. 3m Zeichen dieser historischen Stunde verneigen wir uns vor der Gröhe unseres gemeinsamen Vaterlandes. Ls lebe der Führer!" Die Heilrufe der Masten, die erfüllt waren von der Größe dieser vaterländischen Stunde, gingen über in den Gesang der Nationalhymnen. „Deutschland, Deutschland über alles!" so sangen sie bewegt und bann erscholl das Lied Horst Wessels, des Sturmführers, der wie die Helden des Krieges sein Leden für Deutschland hingegeben hat.