Br. 242 Erster Blatt 18L. Jahrgang Mittwoch, w. Oktober MS Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat im Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewatt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach- richten: Anzeiger Eiehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätrvuch- und Steindruckerei «.Lange in Sietzen. Schristleitung und GeschSstsstelle: Schulstratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittag, Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von 70 mm Brette 50 Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25°/g mehr. ErmShigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzei- gen 5 Rpf.,Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- 1L behördliche Anzeigen6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B DasJubelfest her Kriegsakademie. Die Wiedererrichtung der Bildungsstätte für den Führernachwuchs der Wehrmacht. Der Führer beim Festakt. Zahlreiche Generäle der alten und neuen Armee als Ehrengäste. Berlin, 15. DEL (DNB.) Mit der Wiederherstellung der deutschen Wehrfreiheit ist auch die Kriegsakademie, die Dienstag vor 125 Jahren von General von Scharnhorst gegründet worden ist, wieder neu e r st a n d e n. lieber ihre Geschichte und ihre Neuerrichtung haben wir bereits am Samstag in einem größeren Aufsatz des G i e - ßener Anzeigers berichtet. Zur Jubiläumsfeier am Dienstagfrüh hatten sich im Festsaal der Kriegsakademie die Vertreter der Reichsregierung und anderer Behörden, die Generalität des alten und neuen Heeres, ehemalige Kommandeure, Lehrer und Schüler der Kriegsakademie versammelt. In der ersten Reihe nahmen der Oberbefehlshaber der deutschen Wehrmacht, Reichskriegsminister Generaloberst von Blomberg, Platz, ferner der Kommandeur der Kriegsakademie, General der Infanterie Liebmann, der Oberbefehlshaber des Heeres General der Artillerie Freiherr von Fritsch, der Oberbefehlshaber der Luftwaffe General der Flieger Göring, der Chef des Generalstabes General der Artillerie Beck, Reichsminister Dr. Goebbels, der „Marschall Vorwärts" des Weltkrieges Generalfeldmarschall von Mackensen, der ehemalige Chef der Heeresleitung Generaloberst von Seeckt, der Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos I General der Infanterie von R u n d st e d t, der kommandierende General des III. Armeekorps Generalleutnant von Witzleben, Reichsarbeitsführer Staatssekretär Oberst a. D. H i e r l, der frühere Kommandeur der bayerischen Militärakademie. Als Vertreter der alten Armee sah man u. a. den Sieger von Brzeziny und einzigen noch lebenden Direktor der alten Kriegsakademie General der Infanterie L i tz m a n n, die Generäle von Eisenhart-Rothe, von Balk, von Oven, von Lochow, von Kuhl, von Gronau und viele andere aus dem Weltkrieg bekannte hohe Offiziere. Um 10 Uhr ertönte von der Straße her der Präsentiermarsch und wenige Minuten später betrat der Führer und Re ichskanzler den Festsaal. Der Festakt nahm seinen Beginn. Oer Kommandeur der Kriegsakademie General der Infanterie Liebmann dankte dem Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht für sein Erscheinen an diesem Ehrentage der Akademie. Er dankte weiter dem Führer für die Wiederherstellung der deutschen Wehrfreiheit und erklärte, sich an den Führer wendend: Wir wissen und sind im tiefsten durchdrungen davon, daß wir diese Freiheit allein Ihrem heißen Wollen und Ihrer unbeirrbaren Führung verdanken und — wie das deutsche Volk — so werden auch wir mit der gesamten deutschen Wehrmacht Ihnen, mein Führer, dies durch un- wandelbare Treue und Hingabe danken. Weiter gedachte General Liebmann all der Männer, die in schwerer, kritischer Zeit dafür gesorgt haben, daß die Kette, die Vergangenes nut Zukünftigem verbinden mußte, niemals gebrochen sei, der Männer, die durchdrungen waren von dem Willen, das geistige Erbgut des Generalstabes und der Kriegsakademie zu erhalten und bis zur Stunde des Anbruches deutscher Wehrfreiheit und dem Auferstehungstage eines größeren Heeres zu bewahren. Mit besonderer Freude und Genugtuung begrüßte er die Gelegenheit, auch dem ehemaligen Chef der Heeresleitung Generaloberst von Seeckt gegenüber diese Dankesschuld bekennen zu können. Eine hohe Ehre und Freude sei es,-in der Person des Generalfeldmarschalls von Mackensen den ältesten Repräsentanten der alten Armee zu begrüßen und mit ihm eine große Zahl ehemaliger Kommandeure und Lehrer der alten Knegs- akademie. Den Schülern und denen, die diese Schüler jetzt heranzubilden hätten, könne nichts Besseres gegeben und gelehrt werden als das, was Kern und Inhalt auch ihrer Lehre gewesen fei: Eine Gesinnung, die den großen Vorbildern gerecht zu werden strebt, deren Bildnisse diesen Saal zieren; eine Berufs- und Lebensauffassung, die d a s S a ch- liche stets hoch über das Persönliche stellt, der rückhaltlose Hingabe an Führer, Volk und Vaterland eine Selbstverständlichkeit ist und über der mit großen Lettern bas Wort steht: „Mehr sein als scheinen!" Oer Lhef des Generalstabes General der Artillerie Deck beglückwünschte die Kriegsakademie zu ihrem Jubeltage. Er gab einen Rückblick über Entstehung und Entwicklung der Kriegsakademie. Er hob insbesondere die Verdienste des Generalobersten von Seeckt um den Neuaufbau der Wehrmacht unter den Fesseln des Versailler Diktats hervor und betonte die Wichtigkeit der Erziehung und geisttgen Schulung der Offiziere. General Beck stellte Moltke als Vorbild für alle Offiziere in besonders verant- wörtlichen Stellungen hin. Die höchste und wichtigste Aufgabe der Kriegsakademie erblicke er in der g e i ff i g - f e e 1 i - scheu Erziehung des Führernachwuchs e s zu klarem logischen Denken und ent- schledenem handeln. Lehrgebiete und Lehrstoffe der Kriegsakademie hatten in der Nachkriegszeit weitgehende Veränderungen erfahren müssen, aber die elementaren Grundgesetze der militärischen Führung eines Krieges würden zu allen Zeiten die g 1 e i ch en bleiben. Daß schon die Geschichte des Weltkrieges nicht mehr nur unter dem Gesichtswinkel des Abringens der beiderseitigen Streitkräfte allein betrachtet werden könne, sondern der gesamten Volkskraft der Gegner, also auch der wirtschaftlichen und seelischen, sei allen Lehrenden und Lernenden der jungen Wehrmacht Oer Reichskriegsminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht Generaloberst von Blomberg verwies auf bas leuchtenbe solbatische Vorbild des Grünbers der Kriegsakademie, des Generals von Scharnhorst, des Vorkämpfers der allgemeinen Wehrpflicht, dessen Testament erst heute, nach 125 Jahren, von dem Führer ganz verwirklicht wurde. Scharnhorst habe im Zeitalter des Absolutismus geschrieben: „Man muß der Nation das Gefühl der Selbständigkeit einflößen. Man muß ihr Gelegenheit geben, daß sie sich ihrer selbst annimmt. Nur erst dann wird sie sich selbst achten und von anderen Achtung zu erzwingen wissen." In einer. Denkschrift habe Scharnhorst gemahnt: „Man darf die einzelnen Gegenstände nicht ohne das Ganze betrachten." Den Lehrern und Schülern der Kriegsakademie wie dem Generalstab als Ganzes sollte diese Wahrheit Richtschnur des Denkens und Handelns sein. Der Reichskriegsminister fuhr dann fort: „Man darf über dem Mittel nicht den Zweck, über den Generalstab nicht die Truppe vergessen. Aus der Truppe erhält der Generalstab die Kraft. Der Truppe hat er zu dienen in selbstloser Arbeit. Man darf aber den einzelnen Gegenstand, das Heer, nicht ohne das Ganze, die Wehrmacht, betrachten. Alle Teile der Wehrmacht müssen aufeinander abgestimmt sein, um eine harmonische Gesamtleistung zu ergeben. Aus der Dreiheit von Heer, marine und Luftwaffe ist die Dreieinigkeit der neuen Wehrmacht geschaffen worden. Das seht wechselseitige Kenntnis, gegenseitiges Verständnis und Zurückstellen von Sonderinteressen der einzelnen Wehrmachtsteile voraus. Die Tatsache der einheitlichen Wehrmacht weitet das Blickfeld und stellt der Führung neue Aufgaben. Diese müssen im Frieden vorbereitet uni) erprobt fein, um im Kriege erfolgreich gelöst zu werden. eine eindringliche Mahnung für das Verstehen und das Wesen eines Zukunftskrieges. Das wehrbewußte Volk, der Führer und die sonstigen Vorgesetzten könnten mit Zuversicht auf die wiedererstandene Kriegsakademie blicken. Möchten die Offiziere, die durch die Kriegsakademie gehen, immer der stolzen Tradition dieser Anstalt, aber auch der Verpflichtungen bewußt fein, die sie dem (Erneuerer und Mehrer der deutschen Wehrmacht, der die Fesseln von Versailles endgültig von ihr genommen hat, und dem neuen Staat schuldig sind. Dieser verbürgt uns in einem in sich geschlossenen Volke festere Grundlagen als früher. Die Wehrmachtsakademie, zusammengesetzt aus Führergehilfen der drei Wehrmachtsteile, beauftragt mit dem Studium der großen Fragen der Gesamtkriegsführung, ist die Frucht dieser Erkenntnis. Ihre Geburtsstunde fällt mit dem 125. Jahresjubiläum der Kriegsakademie zusammen. Mit ihr und den entsprechenden Einrichtungen der Luftwaffe und der Kriegsmarine sollen sie alle künftig der Führerausbildung dienen. Die Wehrmacht ist nur ein Teil, bas größere ist bie Nation. Der Offizier muß wissen, wo bie Kraftquellen b e r Nation liegen. Das hat nichts mit politischer Betätigung zu tun, wohl aber fordert der Blickpunkt als Ganzes die Pflicht zu politischem Denken, zur Aufgeschlossenheit für die neue Grundlage unserer ßebensorbnung, zum freudigen Bekenntnis zur nationalsozialistischen Weltanschauung. Wir muffen alle V ahnbrecher der Einheit und Geschlosfenheit von Volk und Staat fein. Dann erst hat die Wehrmacht die feste Grundlage, bte sie braucht, dann < erst wird die neue Wehrmacht das fein, was Scharnhorst aus ihr machen wollte: „Die Vereinigung aller moralischen und physischen Kräfte aller Staatsbürger." Der große politische Führer und die zusammengeballte Kraft der Ration, der ausgezeichnete Helfer und die festgefügte Wehrmacht und in ihr ein Heer mit einem Generalstab und einer Truppe, die an kriegerischer Tüchtigkeit und soldatischer Haltung mit der alten Armee wetteifern können: Das ist das Ganze, und das sind die einzelnen Gegenstände! Das ist der große Rahmen, in dem sich die Arbeit der Kriegsakademie einfügen muß. Den Geist der Armee zu erhallen und beleben, die Armee und Nation inniger zu vereinen und ihr die Richtung zu ihrer wesentlichen und großen Bestimmung zu geben, dies ist das System, welches bei den neuen Einrichtungen zugrundeliegt! Wir aber, so schloß der Reichskriegsminister, die wir an einer Ausgabe arbeiten dürfen, wie sie schöner und ehrenvoller nie zuvor deutschen Soldaten gestellt war, wollen diese Feierstunde mit dem Gelöbnis unerschütterlicher Treue und Hingabe zu dem Manne bekräftigen, der die Lebensziele Scharnhorsts ver« wirklicht. Unser Führer, Reichskanzler und oder st er Befehlshaber, der Schöpfer des Dritten Reiches, der geeinten Nation und der neuen Wehrmacht, Adolf Hitler, Sieg-Heil! Deutsch« lanblied unb Horst-Wessel-Lieb bilbeten ben Abschluß ber Feierstunde. Der Führer besichtigte anschlie« ßend eingehend das Gebäude und die Einrichtungen der Kriegsakademie. Am Vormittag hatte der Kommandeur der Kriegsakademie, General ber Infanterie Liebmann, am Grabe bes Generals von Scharnhorst einen Kranz niebergelegt, dessen Schleife folgende Inschrift trug: „Dem Wegbereiter für Deutschlands Freiheit unb Größe. Die deutsche Wehrmacht zur 125. Wiederkehr des Gründungs- tages der Kriegsakademie." OeutscheGesettschast fürWehr, Politik undWehrwisseuschaste«. Während der Sommerpause wurden die Vorbereitungen für die Tätigkeit der Gesellschaft im nächsten Winterhalbjahr 1935/36 getroffen. Die Vorträge werben monatlich einmal im Schlief» fen-Saal "der Deutschen Heeresbücherei, Berlin NW 7, Dorotheenstraße 48, ftattfinben. Es werden besonders Fragen ber Wehrpolitik behanbelt. Im Oktober werben folgenbe wehrwissenschaftliche Arbeitsgemeinschaften ihre regelmäßige Tätigkeit aufnehmen: I. Kriegsgeschichte unter Leitung von Direktor Oberstleutnant a. D. Fo er st er. II. Kriegsrecht (Oberstleutnant a. D. M u l- l e r - L o e b n i tz). III. L-Kriegsphilosophie (Oderarchivrat L i n n e b a ch). b) Wehrpsychologie (RegierungsratDr. S i m o n e i t). IV. Wehrtechnik (Oberstleutnant a. D. I u - ft r o w). V. Wehrwirtschaft (Oberst a. D. Dr. h. c. Koeth). VI. a) L u f t s ch u tz (Generalleutnant a. D. Grimme). b) Gasschütz (Dr. Hanslian). VII. Marinefragen (Abmiral a. D. P r e n t- Z e.l). VIII. Wehrpublizistik (Abmiral a. D. Gla- b i s ch). Zu biefer Arbeitsgemeinschaft sind in erster Linie alle sich schriftstellerisch betört» genben Mitglieber ber Gesellschaft eingelaben. Von maßgebenben Stellen, wie aus bem Kreise bes Verlags- unb Zeitungswesens, sollen Vorträge gehalten werben, in denen Aufgaben, Wünsche unb Probleme behanbelt werben. Die Gesellschaft beabsichtigt, ihren Mitgliedern eine Reihe von Preisangaben zu stellen, um die Mitarbeit an wehrwissenschaftlichen Fragen anzuregen. Folgende auf Veranlassung ber Gesell- 4 I M ; «Hs ,„7 W ■' 7 /&*- w Di. Teilnehmer der Feier während der Nationalhymnen. In der vorderen Reihe von links nach rechts: Professor Dr. K r ü g e r, Rektor der Universität S.,n"n- m/n.ralleutnant von W itileb en ' Ministerialdirektor Dr. Sunkel vom Reichsunterrichtsministerlum: Reichsmmister Dr. Goebbels: der Cbl des^Seneralstabes General der Artillerie Beck: der Oberbesehlshaber der Luftwaffe General der Flieger Goring: der Führer: der Kommandeur der Kriegsakademie General der Infanterie Liebmann: Generalfeldmarfchall von Mackensen: General der Artillerie Freihe rr v° n Fr, tsch ; Mener-loberst vonSeeckt: General der Infanterie v ° n R u n d st e d t; Reichsarbeitsfuhrer ch, er I; Professor Dr.vonArnim, Rektor der Technischen ' Hochschule. — (Scherl-Bilberbienst-M.) , Die Ausgaben der neuen Kriegsakademie. schäft bearbeitete Bücher sind in Vorbereitung be- 1. 2. 3. B. teilt 2. 3. orderunaen antwort, diese zweite Aufforderung 4. 5. ZU nach Förderung A u f t e i I Heeresberichte von der Front .Italien. 8. 9. 6. 7. dem zur Der mai er sich die be- Krankreich in der Zwickmühle. Geringe Aussichten für Lavals Aussöhnungsversuch Paris, 16. Okt. (DNB. Funkspruch.) lieber die Unterredung, die Laval mit dem englischen Botschafter in Paris hatte, glauben hie Blätter zu wissen, daß Sir George Clerk eine eindeutige Stellungnahme Frankreichs hinsichtlich der Auslegung des Abschnittes 3 des Artikels 16 des Dölkerbundspaktes verlangt habe; mit anderen Worten, er habe eine unzweideutige Antwort auf die letzte englische Note gefordert, in der England die Frage der Unterstützung der englischen Flotte im Mittelmeer auf- ;eworfen hat und auf die Frankreich mit Gegen- en antwortete. Laval habe auch auf A. Gliederungen des R e i ch s l u f t f a h r t s- Ministeriums: 1. Der R e i ch s m i n i st e r der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe: General der Flieger Göring, mit Adjutanten. 2. Der Staatssekretär der Luftfahrt, als Vertreter des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe: Generalleutnant Milch mit General-Stabsoffizier. 3. Zentralabteilung: Oberst Wenninger. 4. Luftkommandoamt: Generalmajor W e v e r. 5. Allgemeines Luftamt: Ministerialdirektor Fisch. 3m Gegensatz zu allen Zusicherungen, die Mussolini vor einigen Wochen gegeben hakle, kettle die italienische Regierung Paris mit, daß sie Zweifel hege, ob sie im Stande fein würde, den Vrennerpaß im Falle eines Angriffes zu verteidigen. Rom wünschte eine Zusicherung, daß es sich in einem solchen Falle auf den Bei st and der französischen Armee verlassen könne. Rom ersuchte ausdrücklich um Mitteilung über die Streitkräfte, die Frankreich bereit fein würde, f o - fort an Ort und Stelle zu entsenden. Der Korrespondent erklärt dann, daß die französische Regierung durch diese Anfrage ernstlich erschüttert worden sei. Es herrsche der Eindruck, daß das französisch-italienische Mi- litarabkommen — das zugleich mit den Verträgen von Rom abgeschlossen worden sei und zur völligen Entmilitarisierung der franz ösifch-ilalienischen Grenze durch Frankreich geführt habe, keinen Derk mehr habe. Besonders sei dies der Fall, da das Abkommen niemals durch sein logisches Gegenstück vervollständig l worden sei: Eine italienisch- jugoslawische militärische Verständigung. Auf die italienische Frage sei keine Antwort gegeben worden, wahrscheinlich werde dies auch nicht geschehen. Lavals neue Friedensbemühungen bildeten den Grund für Frankreichs Zögern. Die französischen Vertreter hätten angeregt, daß die Prüfung der wirtschaftlichen Vorschläge verlängert werden solle. Dieses Zögern sei auf eine Weisung Lavals zurückzuführen. Laval wünsche dringend, schärfste Sühnemaßnahmen gegen Italien zu verhindern, solange noch nach seiner Ansicht irgendeine Aussicht auf eine Vereinbarung besteht. schcn Gesellschaft für Wehrpolitik und Wehr- wissenschasten, erscheint im Oktober bei der Hanseatischen Verlagsanstalt, Hamburg. „Heer, Flotte und ß u f t ro a f f e", Wehrpolitisches Taschenbuch der Gesellschaft, 1936, erscheint im Dezember im Verlag für vaterländische Literatur Dr. Riegler, Berlin. „Handbuch der Wehrwissenschaf- t e n", im Auftrage und unter Mitarbeit der Gesellschaft herausgegeben von Generalmajor a. D Franke. 1. Bd.: Wehrpolitik und Kriegführung, erscheint im Januar 1936 im Verlage Walter de Gruyter, Berlin. Die Gpitzengtiederung der Luftfahrt. Laval sucht auszuweichen. England drängt auf klare Entscheidung. England bitter enttäuscht. Chamberlain droht den Franzosen mit Isolierung. Der Korrespondent fährt fort: Die neuen Vorschläge, die Laval Italien gemacht hat, folgen zeitlich auf zwei bedeutsame Vorgänge: Während seines kurzen Aufenthaltes in Vichy hat Laval eine Botschaft aus Paris erhalten, die unzweifelhaft erkennen ließ, daß London bitter enttäuscht über die französische Haltung ist. Sir Austen E h a m b e r I a i n, der als freund Frankreichs bekannte ehemalige konservative Außenminister hat erklärt: Denn ihr Franzosen nicht eure Freundschaft zu 31alien zurück stellt und uns nachdrücklich bei den Sühnemaßnahmen unterstützt, dann dürft ihr nicht allzu sehr auf uns Engländer rechnen, falls ihr mit Deutschland in Streik geratet. Ttie- mand in England wolle mit Italien Händel unsangen. Dena man aber untätig bliebe, würde 6. Italien erklärt sich mit der Regelung der Angelegenheit durch den Völkerbund einverstanden. Lufttechnisches Amt: Oberst Wimmer. Luftoerwaltungsamt: Generalmajor Kesselring. Luftpersonalamt: Oberst Stumpfs. Inspekteur der Flakartillerie und des Luftschutzes: Generalmajor Rüdel. Unmittelbar unterstellte militärische Es wird ein selbständiger Staat unter italienischer Schuhherrschaft in der Provinz Tigre geschaffen. Die Provinzen harrar und Ogaden werden an Italien abgetreten. Italien stimmt dem britischen Vorschlag zu, wonach der Freihafen von Zaila an Äbessinien abgetreten wird, wofür Abessinien Italien eine Lifenbahn- 3 o n e zu gewähren hat, die Erythräa und Italienisch-Somaliland verbindet. Der übrige Teil Abessiniens wird einem System internationaler Kontrolle unterstellt, das dem vom Fünferausfchuß im September vorgeschlagenen ähnlich sieht, in dem jedoch Italiens Einfluß vorherrschend sein soll. Der Inhalt der Pariser Besprechung sei britischen Botschafter Sir Georae Clerk Weitergabe nach London mitgetettt worden, britische Botschafter soll Laval erklärt haben, einer Ansicht werde die britische Regierung keine Einigungsgrundlage billigen, die nicht in erster Linie die Zurücknahme der ita> lienischen Truppen von abessinischem Gebiet vorsehe. Die meisten Staatsmänner in Genf, mit denen der Korrespondent gesprochen habe, eien der Ansicht, daß der Völkerbund nichts zur Förderung einer Vereinvu-ung tun könne, die eine Aufteilung Abessiniens .zur Grundlage habe. Die Italiener ihrerseits hätten auf den Wilsonschen Grundsatz des Selbstbestimmungsrechtes der Völker hingewiesen und den Standpunkt vertreten, daß die äußeren Bezirke Abessiniens, die einst von Kaiser Menelik annek- fiert worden seien, am liebsten das Joch von Addis Abeba abschütteln möchten. Die Justizpressestelle Darmstadt mit: In der „Deutschen Justiz", dem amtlichen Mit- man viel mehr opfern als Abessinien, nämlich den Grundsatz, daß die zwischenstaatlichen Beziehungen nach einem zwischenstaatlichen Gesetz geregelt werden müssen. Seien die Völkerbundssahungen etwa e i n Papier fe he n, auf den man sich berufe, wenn man das bequem finde und den man verleugne, wenn er hinderlich fei? England sei erstaunt und gekränkt, daß Frankreichs Haltung im vorliegenden Falle von offenkundigem Zögern und von Sorgen um das eigene I ch getragen zu fein scheine. Denn die Völkerbundssahung triumphiere, werde ein S ch u l f a H geschaffen fein, nach dem Großbritannien feine Haltung in künftigen Fällen einrichken werde. Denn aber andere Völker, die die Satzungen mit unterschrieben haben, in dieser entscheidenden Stunde ihre Verpflichtungen nicht einhalten, dann werde sich Großbritannien von seinen Ver- pfllchtungen entbunden ansehen und seine Politik künftighin nur von den britischen nationalen Belangen abhängig machen. Das Militärbündnis von Rom wird brüchig. Italien erbittet französische Hilfe am Brenner. Laval hat eine gleichlautende amtliche Information aus London erhalten. Es wurde ihm klar gemacht, daß er feine Entscheidung nicht länger a u f s ch i e b e n könne. Einige Tage zuvor hatte die französische Regierung eine äußerst beunruhigende Anfrage der italienischen Regierung erhalten. griffen: ‘ ,Wehrfreihei t". Jahrbuch 1935 der Deut- Der französische Vorschlag. Beiderseitige militärische Entspannung im Mittelmeer. London, 16. Oktober. (DNB. Funkspruch.) Der Pariser „Times"-Vertreter meldet, daß Laval Großbritannien und Italien nicht, wie behauptet wurde, einen ins einzelne gehende Plan für die Beilegung des italienisch-abessinischen Streitfalles unterbreitet habe, sondern daß seine Hauptsorge einer Besserung der Beziehungen zwischen beiden Ländern gelte. Laval habe dem britischen Botschafter nahegelegt, eine großzügige Geste zu tun, d. h. die in den letzten Dochen vorgenommene Bet - ff ä r f u n g der Mittelmeerflottewiede r rückgängig zu machen. Laval habe nur in allgemeinen Wendungen von einer Vereinbarung über Abessinien auf Grund eines Völkerbundsmandates und der Anerkennung der Sonderinteressen Italiens gesprochen. Bei einer Unterredung mit dem italienischen Botschafter habe Laval angeblich angeregt, Italien solle den ersten Schritt durch Zurückziehung seiner Verstärkungen aus Libyen tun, natürlich nur, wenn es die Zusicherung habe, daß England den zweiten Schritt tun werde. Gleichzeitig solle Mussolini eine offene und bündige Erklärung über seine friedfertigen Absichten gegenüber der britischen Ration abgeben. Der Genfer Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet, Laval habe aus eigenem Antrieb gehandelt. Er habe dem italienischen Botschafter erklärt, in Genf stehe die Annahme scharfer wirtschaftlicher SühnemaH nahmen bevor. Diese würden einen schweren Druck auf Italien ausüben. Frankreich könne diese Wendung nicht verhindern, es sei im Gegentett verpflichtet, den Völkerbund bei seinem Vorgehen restlos zu unterstützen. Mussolinis Forderungen. Abtretung dreier abessinischer Provinzen und italienische Kontrolle im übrigen Reich. Mussolini soll darauf dem französifchen Ministerpräsidenten folgende Vorschläge unterbreitet haben: 1. Italien hält seine Truppen in den jetzigen Stellungen. Außen st eilen: 1. Luftkreiskommandos I bis VI. 2. Kommando der Fliegerschulen: Oberst Chri- st i a n s e n. 3. Luftzeugmeister: Oberst K i tz i n g e r. C. Einteilung der Luftwaffe: 1. Fliegertruppe. 2. Flaktruppe. 3. Luftnachrichtentruppe. D. Unmittelbar unterstellte Außenstellen der z iv i- l e n Reichsluftfahrtverwaltung: 1. Reichsamt für Wetterdienst. 2. Die 15 Luftämter. 3. Reichsschule für Lustaussicht. Ordentliche Gerichte und Parteigerichte. derung als Ganzes und fügt hinzu, es fei erstaunlich, im dritten Jahre des nationalsozialistischen Staates feststellen zu müssen, daß dies nach der in Rechtslehre und Rechtsprechung immer noch herrschenden Ansicht nicht der Fall sei. Die Rechtsprechung würde aber weiter die Frage zu entscheiden haben, wie weit anderen kollektiven Personeneinheiten, die von Staat und Partei als wertvoll anerkannt werden, passive Beleidigungsfähigkeit und damit strafrechtlicher Ehrenschutz zuzuerkennen sei. Es sei dabei zu berücksichtigen, daß das Zeitalter des Individualismus vorbei fei und nach nationalsozialistischer Weltanschauung die Gemeinschaften das Wichtige und Entscheidende seien. nämlich: Eisenerze, Mangan, Chrom, Tungstein, Molybdän, Paladium, Zinn, Wolfram, Kadmium und alle Eisenamalgamate. Die zweite Gruppe der Liste sind Erzeugnisse, die entweder von Italien, wenn auch nicht in der erforderlichen Menge, ober von Nichtmitgliedern des Völkerbundes erzeugt werden, dabei aber nach Auffassung des Völkerbundes eine gewisse Kontrollmöglichkeit lassen. Es handelt sich um Aluminium, Stahl, Zink, Nickel. Zu der dritten, nicht besonders gekennzeichneten Gruppe gehören Kautschuk, Salpetersäure und Nitrate. Die Liste mit dieser dritten Rohstoffgruppe soll die Grundlage weiterer statistischer Feststellungen und Sachverständigengutachten geben. Es wurde vorgeschlagen, die Versorgung Italiens mit 23 er- kehrsmitteln, wie z. B. Schiffen, Kraftwagen, Feldeifenbahnen, Zug- und Tragtieren sowie mit Werzeugmaschinen zu unterbinden. Ein Beschluß war aber wegen des Widerspruches einiger Staaten, z. B. der Schweiz, nicht möglich, sie machten geltend, daß es sich hierbei zum Teil um Fertigfabrikate handele, lieber die für die Kriegführung wichtigsten Rohstoffe wie Erdöl, Kohle und Kupfer wurde nicht gesprochen. Eine Liste, die diese und andere Rohstoffe umfaßt, soll demnächst den Mitgliedern des Völkerbundes zur Stellungnahme unterbreitet werden. Der Ausschuß wird " ' Mittwochvormittag mit den Vorschlägen für Nichtabnahme italienischer Waren schäftigen. Abessinien. Addis Abeba, 15. Okt. (DNB.) Auch Abessi- men meldet von der Nordfront auf sämtlichen Ab- schnitten eine erhöhte italienische Flie - aertätigfeit. Ein Beobachtungsflugzeug soll bis zur Eisenbahnlinie Addis Abeba—Dschibuti vor- gedrungen und zwischen den Bahnstationen En er und Gotta gesichtet worden fein. Das Flugzeug soll ledoch keine Bomben abgeworfen haben. Südlich von Makalle sind zwei italienische Flugzeuge gesichtet worden. Die Flugzeuge sollen über Amba Alaje — fast 200 Kilometer tief in abessinischem Gebiet — Bomben abgeworfen haben, ohne Schaden anzurichten. Bei Makalle soll ein italienisches Flugzeug zwei Bomben auf eine Abteilung Abessi- nier abgeworfen haben, ohne Schaden zu verursachen. Sämtliche Vorbereitungen für einen abessinischen Gegenangriff bzw. eine Offensive sind getroffen. Der abessinische Angriff wird wahrschein- lich zu Beginn der nächsten Woche erfolgen. Dec „ ausweichend geantwortet und sich Bedenkzeit erbeten. Es tehe außer Zweifel, so schreibt das „Echo de Paris", daß die Haltung der französischen Regierung in keiner Weife den englischen Erwartungen entspreche, es wäre falsch, wollte man ich die Tatsache verheimlichen, daß die französisch- englischen Gegensätze von heute sich in sehr ernster {form in der 3 u fu-n ft ausroir- Pen könnten. — „Oeuvre" spricht von einer sehr gespannten Atmosphäre in Genf. — In der „Victoire" fordert Hervö die französische Oeffent- lichkeit auf, den Machtfaktor England nicht zu unter» chätzen. Es gebe in Frankreich Patrioten, die sich einbildeten, Laval solle England einfach den Rücken kehren oder ihm Unwahrhastigkeit DormerjTn, wenn es behaupte, daß es ausschließlich im Interesse des Völkerbundspaktes handele. Es wäre ein Unglück für Frankreich, wenn es ihm nicht gelinge, seine italienische Schwester verteidigen, ohne England zu kränken. Rom, 15. Okt. (DNB.) Don der Somali- front soll die Nachricht eingetroffen sein, der Cas- -.aiac Afeuros habe dem Negus mitgeteilt, daß hen italienischen Bombardierungen nicht länger siandhalten könne und die bis jetzt behauptete Zonie räumen müsse. Südlich von A d u a ferner Ras Kassa mit beträchtlichen abessini- ichen Truppen von den Italienern eingekreist. Weiter glaube man an einen Aufruhr mb er Provinz Goggiam. Die Besetzung von A k s u m durch die italienischen Truppen wird durch den soeben veröffentlichten Heeresbericht be- ftatigt. Flieger haben Erkundungsflüge in der Ge- genö von Makalle ausgeführt und dabei Bewaff- uete, die gegen Norden marschierten, zerstreut und ein Zeltlager mit etwa 300 Zelten an den nörd- litfjen Abhängen des Amba Alagi sowie ein Mu- nutwnsdepot tn Bel Mariam bombardiert. Letzteres ist in die Luft gegangen. In der westlichen Tiefebene unterwerfen sich weiter zahlreiche Eingeborene. Der Santtionsansfchuß berät die Rohflofffperre. Was sind für Italien kriegswichtige Rohstoffe? Genf, 15. Okt. (DNB.) Der Ausschuß der Sank- tlonskonferenz für wirtschaftliche Maßnahmen beriet eine Liste der für Italien kriegswichtigen Rohstoffe. Die erste Gruppe dieser Liste bildeten die Rohstoffe, die von Völker- bundsmitgliedern erzeugt urtb deshalb ohne weiteres für Italien gesperrt werden können, Kann nun die SA. oder SS., können die Gliederungen der NSDAP, beleidigt werden? Nicht tn dem Sinne, daß ein Teil ober alle ihre Angehörigen beleibigt werden, sondern die Gliederung selbst als Ganzes, als Gesamtheit? Diese Frage wird ausführlich behandelt und bejaht mit dem Hinweis, es gebe eine Ehre der Gesamtheil, die nicht gleich- oedeutend sei mit der Ehre der einzelnen Angehörigen, und diese Ehre sei schutzwürdig und schutzbedürftig. Treffend ist das gebrachte Beispiel: Jeder Hitlerjunge, der im Bewußtsein seiner Jugendstreiche sich die Bezeichnung „Lausbub" ruhig gefallen läßt und vielleicht sogar, sie als rauhe Anerkennung seiner jugendlichen Lebendigkeit betrach- teilungsblatt des Reichsministers der Justiz, wird in Beziehung auf die nachfolgende Frage das Verhältnis der Partei gerichtsbarkeit zur ordentlichen Gerichtsbarkeit erörtert. Auf Grund des Gesetzes zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat vom 1. Dezember 1933 könne sich der Fall ergeben, daß ein Amtsgericht in einem parteigerichtlichen Verfahren ersucht wird, einen Juden als Zeugen e i d li ch z u vernehmen. Gegen ein derartiges Ersuchen sei in einem praktischen Fall das Bedenken geltend gemacht worden, es hätten die öffentlichen Behörden im Rahmen ihrer Zuständigkeit den Parteigerichten zwar Amts- und Rechtshilfe zu leisten, doch komme Rechtshilfe nur in Betracht, soweit die Handlung, um deren Vornahme ersucht wird, zur sachlichen Zuständigkeit der ersuchenden Stelle gehöre. Es könne nicht angenommen werden, daß das Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat den Begriff der Rechtshilfe weiter gefaßt habe. Den Parteigerichten feien nur Parteigenossen unterworfen. Mithin müsse sich die Rechtshilfe der ordentlichen Gerichte auf die 23er- ni'hmunfl von Parteigenossen beschränken. Es könne nicht als zulässig erachtet werden, daß die Parteigerichte durch Anrufung der ordentlichen Gerichte um Rechtshilfe ihre Befugnisse erweiterten. Eine Vernehmung unter E i d könne auch deshalb nicht erfolgen, weil die Parteigerichte selbst keine eidliche Vernehmung vornehmen könnten. Unter Ablehnung dieser Auffassung wird in der „Deutschen Justiz" ausgeführt, es bedeute eine Verkennung der gesetzlich festgelegten Einheit von Partei und Staat, wenn man bei der Auslegung des § 6 des Gesetzes vom 1. Dezember 1933 von dem überkommenen Begriff der Rechtshilfe aus ängstlich prüfe, ob die Rechtshilfe zu einer „Erweiterung der Befugnisse der Parteigerichte" führen konnte, während klar zutage liege, daß der Gesetzgeber den Parteigerichten bei der Wahrheits- ersorschung die staatliche Unterstützung in möglichst weitem Umfange zur Verfügung habe st"ll-m wollen. Dos Amtsaericbt behnbe sich nr-aen- über einem Ersuchen her in Rebe stehenben Art in einer ähnlichen Lage wie gegenüber bem Ersuchen der Staatsanwaltschaft, die ebenfalls von dem zuständigen Amtsgericht die Vornahme richter- kicher Untersuchungshandlungen verlangen könne, zu denen sie selbst nicht befugt sei. Zu Zeiten des Umbruch« müsse der Richter den Mut aufbrinacn. sich von überkommenen Begriffen frei zu machen und neue 233 e a e zu beschreiten, wenn er anders nicht zu Entscheidungen gelangen vermöge, die den Grundanschauungen des neuen Staates entsprechen. Können Gliederungen der NSDAP. a>s Gesamtheit beleidigt werden? Die I u st i z p r e s s e st e ll e Darmstadt teilt mit: Regelmäßige Ueberfälle politischer Gegner auf SA.° und SS.-Männer haben aufgehört, seitdem es sich herumgesprochen hat, daß sie im nationalsozialistischen Staat für die Täter nicht mehr ratsam sind, so führt Dr. Krug, Landgerichtsrat im Reichsjustizministerium, in der „Deutschen I u st i z" aus. Mündliche und schriftliche Angriffe auf die Gliederungen der NSDAP, aber kommen noch häufig vor und werden Vorkommen, solange es Nörgler, Kritikaster und Staatsfeinde geben wird. Zur Bekämpfung dieser Angriffe reichen die zunächst zur Verfügung stehenden Bestimmungen des Gesetzes gegen heimtückische Angriffe und des § 134b StGB, nicht aus. Mit ihnen lassen sich nur bie schwersten Angriffe erfassen. Uebrig bleiben alle ansehensschädigenden Behauptungen, Behauptungen tatsächlicher Art, soweit sie nicht den Charakter einer schweren Schädigung im Sinne des Heimtückegesetzes in sich tragen, wie auch andere Angriffe, welche zum Teil unter allen Umständen Strafe verdienen. Der Verfasser erklärt, diese Lücke sei vom Gesetzgeber be- wußt gelassen worden, weil die Vorschriften des Strafgesetzbuches über die Belei- bigungen bei richtiger Anwendung voll genügen würden, um sie zu schließen. tenb, sie mit vergnügtem Schmunzeln quittiert, wird es als schwerste Beleidigung — nicht seiner Person, sondern seiner Organisation — empfinden, wenn jemand etwa die HI. als Lausbubenbande bezeichnen wollte. Sein natürliches Empfinden zeigt, daß HI. und ebenso die übrigen Gliederungen der NSDAP, eine von der Ehre des einzelnen Angehörigen verschiedene Ehre der Gemeinschaft haben. Nach der herrschenden Lehre der Rechtsprechung würde eine Bestrafung einer solchen Ehrenminderung nur unter dem Gesichtspunkt der Beleidigung einzelner Angehöriger der Gemeinschaft gebilligt. Der Verfasser fordert demgegenüber auch die Bestrafung wegen Beleidigung einer Glie - Englische Anmerkungen. London, 16. Okt. (DNB. Funkspruch.) „Mor- ning Post" berichtet aus Kairo, ei n italienisch e s Flugzeug, das angeblich über den Sudan photographische Aufnahmen gemacht habe, sei von britischen Flugzeugen zur Landung gezwungen worden. Der Flugzeugführer und fern Gehilfe befänden sich jetzt im Gefängnis. Mit der Anmerkung „Aus Italien, Briefe mit dieser Marke treffen in England ein" veröffentlicht „Times" die Wiedergabe einer Marke, die einen Adler mit ausgebreiteten Schwingen und die Ueberfchrift „Italia" zeigt, während quer über der Mitte in englischer Sprache folgender Satz zu lesen ist: „Italien ist allright, bekümmert euch nicht um das, was feine Feinde und Nebenbuhler sagen". ll r C T l 1 l r 3 3 S l I ( T r i k i 2 ti 1) I 5 t t ( k 9 m, Ki ai Öl de tn. ( < t l t u 2 d I 3 N bi gl. mi !pi bei öc bei Ci Uo Io Uebertritt des Ras Gugsa zu den Italienern wird bestätigt. Ras Gugsa verlieh seine Stellung nachts, nur begleitet von seiner Leibaarde in Stärke von etwa 200 Mann. Der Makalle-Abschmtt wurde sofort vom Ras S e y u m übernommen. Die Erbitterung unter den Matalle-Truppen über den Abfall Gugsas soll groß sein. Ras Guasa sei eine militärisch unbedeutende Persönlichkeit. Zn der Umgebung von Addis Abeba sind etwa 50 000 Mann in Zeltlagern als zweite Reserve untergebracht worden. Der Kriegsminister wird in dieser Woche an die Front abreisen. Die englischen Interessen am Tanasee, dem Blauen Nil und seinen Nebenflüssen würden von Italien geachtet werden. Die italienischen Grenzen in Ostafrika würden Hunderte von Kilometer vom Blauen Nil und von der Linie Kairo— Südafrika entfernt bleiben, und auch für Aegypten sei in Libyen keine Gefahr vorhanden. Die Behauptung, dah das britische Weltreich in Gefahr sei, weil italienische Kolonnen im abessinischen Bergland oürgingen, sei nicht aufrechtzuerhalten. Stalien verstärkt sein Heer in Libyen. London, 16. Oft (DAV. Funkspruch.) Line Reuter-Meldung aus Rom besagt, man glaubt, dah die Rletauro-Division des italienischen Heeres, die kürzlich von Neapel scheinbar nach Ostafrika abbefördert wurde, in Wirklichkeit nach Libyen gesandt worden ist. Die Abbeförderung war möglichst unauffällig und in groher Eile erfolgt. Viele Soldaten hatten nicht einmal die Zeit, sich mit ihrer Tropenausrüstung zu versehen. Es steht sest, dah die Division nicht durch den Suez-Kanal gekommen ist. Die italienischen Streitkräfte in Libyen sollen seht vier Divisionen umfassen. Gerüchtweise verlautet, dah der Generalgouverneur von Libyen, Marschall V a l b o, verseht werden soll. wurde. Die Bleivorräte haben sich infolgedesien stark vermindert. Je länger ober der Krieg andauert, desto höher wird anderseits der Bleiverbrauch der Munitionsfabriken anwachsen. — In wesentlich geringerem Maße sind die Zinkmärkte durch die Hausse in Bewegung gesetzt worden. Doch haben die belebenden Anregungen, die von den übrigen Metallmärkten ausgehen, auch auf die Zinkmärkte zurückgewirkt. Dem Mehrverbrauch für Rüstungszwecke (erhöhter Messingbedarf!) standen zwar bisher noch große Vorräte der Erzeuger gegenüber. Trotzdem haben auch die Zinkpreise in den letzten Monaten eine fühlbare Erhöhung erfahren. — Der Z i n n m a r k t führte infolge der Manipulierung durch den Zinnpool ein Eigenleben, wird aber gleichfalls durch den erhöhten Bedarf für Kriegs- und Rüstungszwecke sichtbar beeinflußt. Die Produktion versucht natürlich, sich dem steigenden Bedarf nach Metallen anzupassen. So haben beispielsweise mehrere große amerikanische Kupfergesellschaften, wie z. B. die U. S. Smelting, Refining & Mining Corp. und die kanadische Norand Copper Corp., schon eine Ausdehnung ihrer Kupfererzeugung angekündigt. Die Durchführung dieser Pläne wird freilich davon abhängen, wie sich der Verbrauch von Kupfer und die Nachfrage weiter entwickeln werden. Da zweifellos eine umfangreiche Dorversorgung von den verbrauchenden Industrien vorgenommen worden ist, muß mit Rückschlägen der Nachfrage immer gerechnet werden. Vor allem aber werden Erörterungen darüber gepflogen, wie sich die in Genf beschlossenen Sanktionen gegen Italien im internationalen Rüstungsgeschäft und damit auch auf den Metallmärkten auswirken werden. Diejenigen Länder, die bisher an Italien Waffen und Rüstungsmaterial aller Art geliefert haben und nun diese Lieferungen ein» stellen, werden natürlich künftig wieder einen geringeren Metallbedarf haben. Es läßt sich aber nicht übersehen, ob etwa andere Länder dafür ihre Lieferungen verstärken werden, oder ob Italien selbst seine Rüstungsindustrien ausbauen und den dadurch hervorgerufenen Mehrbedarf an Metallen durch eine erhöhte Metalleinfuhr decken wird. Das alles wird natürlich wieder davon abhängen, wie weit die finanziellen KräfteItaliens reichen, wie das italienisch-abessinische Ringen weiter verläuft, und welche Komplikationen sich in seiner weiteren Entwicklung noch einstellen. Dor allem aber muß die Tatsache beachtet werden, daß es ja durchaus nicht die Kriegsvorbereitungen der beiden kriegführenden Mächte allein sind, die die Metallhause verursacht haben. Gerüstet wurde und wird im Zusammenhänge mit diesem kriegerischen Zusammenstoß und seinen befürchteten Weiterungen in g a n z E u - r o p a und darüber hinaus. Namentlich muß auf die zu erwartenden großen Rüstungen Englands zur See und zur Luft hingewiesen werden, deren Folge ja jedenfalls eine starke Zunahme des Metallbedarfs fein muß. es in diesem Zusammenhang ganz besonders, daß so zahlreiche Vertreter der Rechtswissenschaften fremder Länder Interesse an der Akademie bekunden. Wir deutschen Rechtswahrer sind durchaus der Meinung, daß aus der gegenseitigen Erfassung der Rechtslagen der Völker fruchtbare Erkenntnisse erwachsen können. Die Aufgaben der Akademie sind: Beratung des Gesetzgebers, Förderung der Rechts- forschung, Entwicklung der Rechtslehre und Steigerung der Rechtskultur. Die Akademie dient diesem Ziel nicht im Kampfe der Meinungen gegeneinander, sondern in gemeinsamer Arbeit auf der Grundlage der vorher geklärten politischen und allgemeinen Weltanschauung. So haben wir uns in der Akademie ein stolzes Instrument des freien Meinungsausgleiches zur Durchsetzung des nationalsozialistischen Programms ge- schaffen. Der freie Bürger im freien Reich unter dem freien Führer — das ist der letzte Zielpunkt unseres Rechtswollens. Aus aller Welt. Nachwuchs des Roten Kreuzes aus der Hitler-Jugend. Wie der Reichs-Jugend-Pressedienst bekanntgibt, ist zwischen der Neichsiugendführung und dem Deutschen Roten Kreuz eine Vereinbarung getroffen worden, daß in Zukunft der gesamte jugendliche Nachwuchs des Deutschen Roten Kreuzes ausschließlich durch die HI. ichergestellt wird. Damit erübrigt sich die Weiterührung eigener Jugendgruppen des Deutschen Roten Kreuzes. Die in den Jugendgruppen des Deutschen Roten Kreuzes befindlichen Jugendlichen unter 18 Jahren, die noch nicht der HI. angehören, werden bei Eignung bis zum 30. Juni 1936 in die HI. übergeführt. Das Deutsche Rote Kreuz stellt auf Anforderung Lehrkräfte für die feldschermäßige Einzelausbildung der HI. Zur Ergänzung seines Nachwuchses fordert das Deutsche Rote Kreuz alljährlich bis zum 30. Juni seinen Bedarf an Nachwuchs bei der Reichsjugendführung an. Die Reichs- ' jugendführung verpflichtet sich, zum 9. November jeden Jahres die Anforderungen zu erfüllen. Als weibliche Hilfskräfte des Deutschen Roten Kreuzes dürfen im Alter von 18 bis zu 21 Jahren, unbeschadet ihrer weiteren Zugehörigkeit zum BDM., in Zukunft nur noch Mitglieder des B D M. ausgebildet und verpflichtet werden. — Notwendige Sonderregelungen erfolgen nur durch Vereinbarung zwischen der Reichsjugendführung und dem Deutschen Raten Kreuz, Hauptverwaltung. Eine erfundene Geschichte. Paris, 15. Okt. (DNB.) Die Aussagen des aus Cayenne entflohenen französischen Kraftdroschken- ahrers Le Gall über die Entführung des weiß- gardistischen Generals K u t i e p o w werden durch den Bericht des Polizeikommissars von Malo-les- Bains nicht b e st ä t i g t. Im Mai d. I. hatte die Pariser Staatsanwaltschaft die Polizei beauftragt, sorgfältige Untersuchungen über die fragliche Villa in Malo-les°Bains anzustellen, in die Kutiepow angeblich verschlenpt gewesen sein sollte und in der sich, nach den Angaben Le Galls, verdächtige Elemente aufgehalten haben sollten. Die Untersuchung ist jedoch völlig ergebnislos verlaufen. Man nimmt an, daß Le Gall feine Entführungsgeschichte rein erfunden hat. Der „Prophet" Weißenberg erneut vor Gericht. In den nächsten Tagen hat sich der 79jährige frühere Sektenführer Joseph Weißenberg aus Berlin erneut vor Gericht zu verantworten. Er war am 18. August dieses Jahres von der Zweiten Großen Strafkammer des Berliner Landgerichtes wegen Sittlichkeitsoerbrechens und Beleidigung zu IV, Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Diesmal wird ihm und zehn feiner Anhänger die illegale Fortführung der durch Verfügung vom 17. Januar dieses Jahres verbotenen und aufgelösten Weißenberg-Sekte zur Last gelegt. Die Angeklagten haben nach diesem Zeitpunkt noch Versammlungen abgehalten und Gelder gesammelt, um die verbotenen Ziele ihrer ungesetzlichen Vereinigung weiter zu fördern. Am schwersten belastet erscheint neben Weißenberg der frühere Schriftleiter der Zeitung „Der weiße Berg", Franz K u r s o w s k y. Rasfenschändung an einem 15jährigen Wädchen. Die Polizeipresfestelle Hamburg teilt mit: Wegen Rasfenschändung und Verführung einer Minderjährigen wurde in Hamburg der 30jährige Jude Siegmund Biedermann feftgenommen. Er hatte in feiner Wohnung ein 15jähriges Mädchen Der- aewaltigt. Außerdem wurde in feinem Besitz ein Abzeichen der NSDAP, gefunden, das er nachweislich getragen hat. Jugendlicher Raubmörder stellt sich der Polizei. Der Mannheimer Polizei stellte sich der 19 Jahre alte Gotthilf H a f f i s , der am 11. Oktober in Schwieberdingen an der 65 Jahre alten ledigen Wilhelmine Rotacker einen Raubmord begangen hatte. Hierbei waren ihm 1,42 Mark in die Hände gefallen. Hassis hatte sich abends in das Haus der Rotacker eingeschlichen und die Frau gewürgt. Dann flüchtete er nach Mannheim, nachdem er sich zuvor von einem Bekannten 70 Mark erschwindelt hatte. In Gesellschaft von Frauen brachte er dieses Geld durch und stellte sich schließlich, als er gerade noch 5 Pfennige besaß, der Polizei. Eine wildwestliche Entführungsgefchichte in Dien. Eine abenteuerliche Entführungsgefchichte ereignete sich in Mödling bei Wien. Der amerikanische Fabrikant John Gruberth aus Brooklyn, der in Mödling eine Villa besitzt, hatte vor einiger Zeit in der Steiermark ein 18- jähriges Mädchen kennengelernt, das er nach der Scheidung von seiner Gattin heiraten wollte. Als feine Gattin Mary Hiervon erfuhr, wollte sie nach Art der amerikanischen Gangster den Plan ihres Mannes vereiteln. Sie gewann durch Geldzuwendungen zwei junge Leute, die das junge Mädchen aus dem Hause ihrer Eltern im Kraftwagen au den Semmering entführten, wo sie es mit oorgehaltenen Pistolen zwangen, einen A b - schiedsbrief an John Gruberth zu schreiben. Gleichzeitig zwangen sie das Mädchen, sich in einer höchst verfänglichen Situation photographieren zu lassen. Das Bild sollte als Beweis der Untreue die Liebe des Amerikaners abkühlen. Schließlich schleppten sie das Mädchen nach Mödling in die Villa der Frau Mary und setzten es dort gefangen. Nun erwogen sie noch den Plan, John Gruberth mit Hilfe von Milzbrandbazillen, die sie aus der Möd- ünger Bundeslehranstalt für Tierseuchenbekämpfung stehlen wollten, zu ermorden. Inzwischen war aber die Polizei von den Eltern der Entführten verständigt worden, und dieser gelang es nun, die dunklen Pläne zu durchkreuzen. Frau Gruberth und ihre beiden Mithelfer wurden verhaftet. „FrischerWindaiManada" Dor einiger Zeit schrieb die „Times" über das wechselnde Geschick der kanadischen Regierungsparteien: „Die Liberalen wurden vor fünf Jahren vom Lande bestraft, weil sie die Weltdepression nicht verhinderten. Die Konservativen ollen jetzt bestraft werden, weil sie die Weltdepres- ion nicht überwinden konnten." Was das Londoner Blatt prophezeite, ist inzwischen in Er- üllung gegangen. Die liberale Opposition unter ihrem Führer Mackenzie King hat am 13. Oktober bei den Wahlen zum kanadischen Bundesparlament einen geradezu überwältigenden Sieg über die konservative Regierungspartei Bennetts errungen. Sie soll nunmehr ihrerseits zeigen, ob sie imstande ist, die Krise zu überwinden und die wirtschasllichen und sozialen Reformpläne durchzuführen, nach denen die kanadische Bevölkerung verlangt. Man hört sagen, daß dieser Regierungswechsel wie auch die ganzen Probleme der kanadischen Innenpolitik uns ziemlich gleichgültig lassen könnten, aber die Frage, um die es bei dem Wettstreit der beiden Parteien ging, ist vor allem auch eine Frage der modernen Wirt- chaftsführung überhaupt und im besonderen der Handelsbeziehungen mit dem A u s l a u d e. Sie berührt im stärksten Maße auch die künftige Entwicklung des internationalen Wirt- chaftsverkehrs und ist daher von allgemeinem Interesse. Das englische Dominion Kanada, dessen Re- sterung wie fast in sämtlichen angelsächsischen Ländern nach den Spielregeln des Zwei-Partei-Systems gebildet wird — die Splitterparteien spielen taum eine Rolle im Bundesparlament —, ist infolge seiner geographischen und geopolitischen Lage immer ein Spiegelbild der benachbarten. USA. gewesen. Heber viele Hunderte von Kilometer ist die Grenze nach den Vereinigten Staaten offen, und die landschaftliche und wirtschaftliche Struktur des kanadischen Landes bildet nur eine natürliche Fortsetzung der Verhältnisse in der Union. Der Handel mit Den Vereinigten Staaten ist doppelt s o groß wie der mit dem englischen Mutterland, und es waren vor allem Einwanderer aus den USA., die den agrarischen Mittelwesten Kanadas erschlossen und kolonisierten. Hand in Hand damit ging allerdings eine starke finanzielle Ucberfrembung durch den amerikanischen Kapitalismus. Die Prosperitätsperiode in den Staaten machte Kanada getreulich mit und ebenso anhänglich folgte es dem großen Nachbarn in die Tiefe des Zusammenbruchs. Wie in der Union verlangen in Kanada Millionen Arbeitslose in den östlichen Jndustriegegenden und Millionen notleidende Farmer auf dem Lande nach der Hilfe des Staates. Wie Roosevelt, so versuchte es auch der kanadische Ministerpräsident Bennett mit einem „New Deal“, aber das Experiment führte hier wie dort bisher nicht zu durchschlagenden Erfolgen. In beiden Fällen war das Haupthindernis einer planmäßigen sozialen und wirtschaftlichen Neuordnung der Individualismus der einzelnen Provinzen, die ihre Sonderrechte eifersüchtig verteidigen und die sich eine „Diktatur" der Bundesregierung keineswegs gc- fallen lassen wollen. So wie die 48 Staaten der Union mit Hilfe des Obersten Bundesgerichts in Washington die „Nira" zu Fall brachten, so opponierten auch die neun Provinzen Kanadas gegen eine Beschränkung ihrer Befugnisse durch die Regierung in Ottawa. Als Bennett im Jahre 1930 zur Herrschaft gelangte, verfolgte er zunächst die Absicht, durch Erhöhung der Zollmauern und durch Abschluß von zweiseitigen Handelsverträgen mit dem nicht-britischen Ausland der heimischen Industrie zu einem neuen Aufschwung zu verhelfen. Diese Bemühungen schlugen im wesentlichen fehl, vor allem gelang es nicht, einen Vertrag mit den Vereinigten Staaten zustande zu bringen, und auch die bekannten Ottawa -Verträge, die das britische Empire In wirtschaftlicher Hinsicht näher zusammenschlossen, brachten nur eine geringe Belebung der heimischen Produktion. Als Bennett Anfang dieses Jahres die Aussichtslosigkeit einsah, mit handelspolitischen Mitteln die Krise zu überroin- den, begann er, um seine Wahlversprechungen wenigstens zum Teil einzulösen, mit der Einführung innerwirtschaftlicher Reformen. In Verfolg des „neuen Spiels" wurden vom Parlament in Ottawa verschiedene Gesetze verabschiedet: c i n Gesetz ü b e rA r b-e i t s z e i t undLohnhöhe, Ansätze einer Arbeitslosen- und Sozialversicherung, ein Gesetz über die Untersuchung großer Konzerne, ein Marktgesetz für N a ° t uralprodukte usw. Es ist offenbar, nach dem Resultat der Oktoberwahlen zu urteilen, daß alle diese Gesetze keine Wirkung auf die Bevölkerung hatten und das Schicksal der konservativen Regierung nicht mehr abwenden konnten. Nun sollen die Liberalen zeigen, was sie können. Sie sind klug genug gewesen, ihren Wäh-, lern keine allzu hohen Versprechungen zu machen. Vielmehr haben sie sich darauf beschränkt, in einigen Punkten die künftige Richtung ihrer Politik anzudeuten. Nach dem Plan der Liberalen soll vor allem die Handelspolitik grundlegend geändert werden. Die Zollsätze sowohl gegenüber England als auch gegenüber den nicht-britischen Staaten sollen erheblich gesenkt werden, so daß trotzdem Großbritannien die vereinbarte Vorzugsbehandlung in der Zollpolitik erfährt. Daneben will die liberale Regierung das inner politische Reformprogramm ihrer Vorgängerin mit einigen Verbesserungen fortführen. Es ist ein großer Plan öffentlicher Arbeiten in Aussicht genommen, um die Arbeitslosen von der Straße zu bringen. Es soll eint neue Art von Arbeitslosenversicherung eingerichtet werden, und es soll die vor kurzem gegründete Zentralbank in eine „Nationalbank" umgewandelt werden, umdasWährungs-und Kreditwesen in Ordnung zu bringen. Im übrigen aber wird man abwarten müssen, ob der frische Wind, den die Wahlen vom vergangenen Sonntag angekündigt haben, stark genug ist, um die stickige Krisenatmo- sphäre in Kanada zu reinigen, ober ob er wieder abflaut, sobald die ersten Widerstände der liberal- kapitalistischen Wirtschaftsform sich ernstlich bemerkbar machen. Die Wahlen zum kanadischen Bundesparlament zeigten am Dienstag um 11 Uhr bei neun noch ausstehenden Ergebnissen folgenden Stand: Liberale 165 (93 tm letzten Parlament), Konservative 41 (133), Unabhängige Konservative 1, Sozialkredit-Partei 13, Genossenschaftspartei 7, Wiederaufbaupartei 1, Unabhängige Liberale 4, andere Gruppen 4. Insgesamt haben nunmehr 12 konservative M l n i ft e r der bisherigen Regierung Bennet ihre Wahlfitze verloren. Der iialiemsche Presseseidzug gegen England. Mailand, 16. Okt. (DNB.-Funkspruch.) „Ga- zetta del Popolo" bringt wieder einen scharfen Artikel gegen England, das als Drahtzieher eines Krieges gegen Italien bezeichnet wird. Niemand könne leugnen, daß die Entscheidungen des Völker- bundes vo.n England gewollt und auf- gedrängt worden feien. Wenn sie nicht schärfer ausgefallen feien, fo einfach deshalb, weil Frankreich die Vorschläge Edens nicht gebilligt habe. England scheine es zum Krieg mit Italien kommen lassen zu wollen. Die Gründe dafür seien die Sprunakraft des faschistischen Italiens, das die britische Vorherrschaft in Europa stören könne, ferner das afrikanische Unternehmen, das den ruhigen Besitz Aegyptens, des Sudans und der im letzten Krieg Deutschland roeggenommenen Kolonien gefährden könne. England habe sich vorbereitet, um Italien anzugreifen. Jetzt habe es den Angriff durch den Völkerbund ausführen lassen. Man könne England beim Völkerbund und bei den Unterzeichnerrnächten des Kelloggpaktes als den Staat anzeigen, der den Angriff gegen Italien vorbereite. Auch „Popolo d'Jtalia" betont, daß das Schlagwort von einer „Bedrohung des britischen Weltreiches", das als Berechtigungsgrundlage für die Gewaltpolitik der Sühnemaßnahmen angewandt werde, keinen realen geschichtlichen Hintergrund habe. Italien bedrohe nicht das britische Weltreich, und dieses sei auch nicht im geringsten in Gefahr. Steigende Preise an den Weltmetallmärkten. Die Entwicklung der Preise an ben internationalen Metallmärkten ist für die deutsche Wirtschaft von erheblicher Bedeutung, solange diese einen Teil ihres großen Metallbedarfs durch Einfuhr ausländischer Metalle decken muß. Denn die internationale Marktlage bestimmt auch die Menge der Devisen, die zur Deckung des deutschen Metallbedarfs aufgewendet werden müssen. Die unter diesem Gesichtspunkt für die deutsche Wirtschaft nicht unbeachtliche Aufwärtsbewegung der internationalen Metallpreise hat zweifellos ihren Ausgang von dem italienisch-abessinischen Krieg und den ihm vorausgegangenen Rüstungen der beiden kriegführenden Länder genommen. Kriegsrüstungen verursachen stets einen stark erhöhten Metallverbrauch, denn zur Herstellung von Gewehren und Kanonen, von Munition und Drahtverhau, von Kraftwagen und Tanks, Kriegsschiffen und Flugzeugen usw. braucht man Metall in großen Mengen, und zwar nicht nur Eisen, sondern auch Nichteisenmetalle. In erster Linie ist der Kupferverbrauch durch die Kriegsrüstungen stark vermehrt worden. Infolgedessen sind seit dem Frühjahr dieses Jahres die internationalen Kupferpreise um 25 bis 30 v. H. gestiegen. Diese Aufwärtsbewcgung der Kupferpreise ist noch keineswegs beendet. In der letzten Woche haben z. B. die amerikanischen Kupferproduzenten ihren Kartellpreis abermals um 25 Cts. je Pfund heraufgesetzt. Bei der auch heute noch nicht zu unterschätzenden Bedeutung der amerikanischen Kupfergewinnung für den Weltmarkt müssen die übrigen Kupfermärkte der von Amerika ausgehenden Hausse folgen. Italien hat seinen Kupferbedarf aus naheliegenden Gründen hauptsächlich in Amerika und nicht bei den von England beherrschten südafrikanischen Kupferproduzenten gedeckt. Daher hat sich die Kupferhausse am amerikani- scheu Markt zunächst am stärksten ausgewirkt. Dieser Auftrieb dauert unverändert an. Italien will bis zum nächsten Frühjahr noch weitere 60 000 bis 100 000 Tonnen Kupfer aus den Vereinigten Staaten beziehen. Die Bezahlung soll in amerikanischen Wertpapieren, die sich in italienischem Besitz befinden, geleistet werden. Die Aussicht auf einen steigenden Verbrauch und steigende Preise veranlaßte naturgemäß auch die übrigen Verbraucher zu Eindeckungs- und Vorrats- fäufen. AmLondonerKupfermarkt machte sich ferner neben dem Druck der amerikanischen Preiserhöhungen auch die lebhafte Nachfrage der festländischen Rüstungsindustrie fühlbar. Auch hier haben sich daher beträchtliche Erhöhungen der Kupferpreise leicht>durchgesetzt. Die Blei - und Zinkmärkte sind der Auf- wartsbewegung am Kupfermarkt willig gefolgt. Der Kriegsbedarf an Blei rief eine erhöhte Nachfrage auch nach diesem Metall hervor, die noch verstärkt wurde, weil gleichzeitig die Bleierzeugung infolge des mexikanischen Streiks und auf Grund von Abmachungen der dortigen Bleiproduzenten eingeengt Dem deutschen Volk das deutsche Recht? Feierliche Einweihung des Berliner Hauses der Akademie für Deutsches Recht. Berlin, 15. Okt. (DNB.) Zur Einweihung des Berliner Hauses der Akademie für Deutsches Recht am Leipziger Platz hatte deren Präsident Reichsminister Dr. Frank die Mitglieder der Akademie zu einer Feierstunde zusammengerufen, an der Vertreter des Staates und der Partei, der Wehrmacht und der Wirtschaft teilnahmen. Auch der polnische Botschafter Lipski war erschienen. Die schlichte Feier, die in dem kleinen Festsaal des neuen Hauses statt- fanb, war von Darbietungen eines Quartetts des Deutschlandsenders umrahmt. Zunächst ergriff der Präsident der Akademie bas Wort zu einer kurzen Begrüßung. Reichsjustizminister Dr. G ü r t n e r gab bann dem Wunsche Ausbruck, bah bie Akademie so, wie sie bisher schon erfolgreichen Anteil an der Neugestaltung des deutschen Rechtes auf allen Gebieten genommen habe, auch in Zukunft mit der gleichen Hingabe und dem gleichen Erfolg arbeiten möge. Hniversitätsprofessor Dr. Hedem ann sprach namens der Mitglieder, der Mitarbeiter und der Freunde der Akademie dem Präsidenten feinen wärmsten Dank aus für die bisherige Arbeit. Als besonders wichtige Aufgabe nannte der Redner die Erfüllung des Rechtes mit der deutschen Seele. Reichsminister Dr. Frank stellte dann Sinn und Ziel der Akademie dar. „Es ist kein Wunder, jo führte ec u. a. aus, „daß aus der kämpferischen Generation des Nationalsozialismus der elementare Aufbruch gekommen ist, dem deutschen Volk und Staat für seine Erhaltung nach Außen und nach Innen eine Rechtslehre und eine Rechtsgesetzgebung zu vermitteln, die in ihrer Verbundenheit mit dem Leben des deutschen Namens würdig sind. Das Ziel ist: „Dem deutschen Volk das deutsche Recht!" Wir haben durch unser historisches Wir- ken den Denkergebnissen früherer juristischer Forschung eine Wichtigkeit verliehen, für bie nicht wir, fonbern die weltfremden früheren Epochen deutschen juristischen Lebens verantwortlich sind. Das Recht ist nicht nur ein Machtinstrument, sondern vor allem eine Einrichtung zur Beglückung der Gemeinschaft. Das deutsche Recht war verschüt- tet; wir waren, nicht zuletzt infolge völlig ungenügenden Widerstandswillens, von den Denkergebnissen anderer Völker abhängig geworden. Es ist für uns heute gar nicht mehr vorstellbar, daß deutsche Männer der Ansicht sein konnten, bas Heil liege in ben Gesetzen eines römischen Weltreiches. Unsere Akabemie bient bewußt dem deutschen, dem rassedezoaenen Recht. Da aber bas Reckt bem Volke vor allem nützlich unb vorteilhaft fein soll, lehnen wir es auch nicht ab, wertvolle Erkenntnisse anberer Völker auf rechts- politischem Gebiet zu übernehmen, und wir begrüßen Ein Koffer, ein Korb, einmal Zwillinge. Don zwei-, vier- und sechsbeinigen Fluggästen. Der bekannte Berliner Flughafen Tempelhof stand vor kurzem im Zeichen einer reizenden Senjation: unter den Fluggästen, die in Berlin landeten, befand sich ein fünf Wochen altes Zwillings- pärchen. Die Zwillinge lagen friedlich schlummernd in einem als Wiege hergerichteten Waschkorb, betreut von ihrer Mutter. Die Zwillinge werden sich später wundern, wenn man ihnen erzählen wird, daß sie schon im zartesten Kindesalter, ohne es selbst zu wissen, das Vergnügen hatten, in einem „richtiggehenden Flugzeug" von München nach Berlin zu fliegen. Ihre Mutter wird es nicht versäumen, ihnen ausführlich zu schildern, welch freundlicher und rührender Empfang ihnen zuteil wurde. Die beiden kleinen Herrschaften nahmen genau so wie die Erwachsenen hoch oben in der Luft ihr Frühstück zu sich — allerdings in der primitiven Form eines Milchfläschchens. Sie haben, wie man hört, die ungewöhnliche Reise ausgezeichnet überstanden und wurden von ihrem freudestrahlenden Herrn Papa liebevoll an die Brust gedrückt. * Die Flugzeuge der Deutschen Lufthansa und die deutschen Zeppeline haben in der letzten Zeit schon oft die seltsamsten Passagiere befördert, angefangen von den kleinsten und unbeholfensten Babys bis zu weißen Mäusen und Raubtieren. So wurden vor etwa zwei Jahren nicht weniger als zweihundert weiße Mäuse, eine ganze Mäusearmee, auf dem Luftwege von Deutschland nach Rio de Janeiro geschickt. Diese niedlichen Tiere, vor denen die Damenwelt eine unbegreifliche Angst hat, fuhren zunächst von Marburg an der Lahn bis nach Frankfurt am Main höchst gesittet mik der Eisenbahn. Dann lösten sie eine Umsteigkarte auf das Flugzeug der Deutschen Lufthansa und setzten ihre Reise nach Friedrichshafen fort. In Friedrichshafen brachte man sie an Bord des „Grafen Zeppelin". Es war wohl das erste Mal in der Geschichte der Luftfahrt, daß 200 weiße Mäuse über den Ozean flogen, um in Rio de Janeiro, ihrem Bestimmungsort, wieder an Land zu gehen. ♦ Es ist durchaus keine Seltenheit, daß kleinere Haustiere, wie Katzen, kleine Hunde, Kaninchen, Enten und Hühner, mit Flugzeugen befördert werden. Wie verhalten sich nun diese vierbeinigen Fluggäste? Das ist sehr verschieden. Im allgemeinen kann man wohl sagen, daß sich die meisten Tiere mit dieser ungewöhnlichen Situation abfinden und keinerlei bemerkenswerte Veränderung zeigen. Ab und zu mag es auch vorkommen, daß ein sehr empfindsames und zartbesaitetes Tier solche romantische Luftreisen nicht verträgt und noch vor der Landung das Zeitliche segnet. Uebel ist es zum Beispiel einmal einem kleinen Hund ergangen, der nach der Landung an den Folgen der Luftreise starb. Es muß wohl em sehr verwöhnter und nervöser Hund gewesen sein, denn die Affen zum Beispiel, die sich aus Grund ihrer kräftigen körperlichen Verfassung nicht so leicht aus dem Konzept bringen lassen, werden auch durch eine Luftfahrt nicht aus ihrem seelischen Gleichgewicht geworfen. So beherbergte ein Flugzeug als besonders seltene und interessante Gäste zwei kleine Gorillas, denen die Höhenluft in keiner Weise schadete. Auf einer seiner planmäßigen Südamerikafahrten hatte das Luftschiff „Graf Zeppelin" nicht weniger als 18 Königinnen an Bord. Es waren allerdings nicht zweibeinige Königinnen, sondern Bienenköniginnen, die an der Spitze ihrer Schwärme nach Santos reisten. Sie hatten ein Sonderflugzeug der Deutschen Lufthansa benutzt, daß sie zunächst nach Friedrichshafen brachte, von wo sie mit dem Zeppelin nach Rio de Janeiro befördert wurden. Wenn mich nicht alles täuscht, sind auch des öfteren Raubtiere, wie Löwen, Eisbären und Tiger im Luftexpreß von einem Zoologischen Garten zum andern gereist. Während das Fliegen für die meisten vierbeinigen Individuen immerhin eine Sensation bedeutet, ist es für die zweibeinigen Lebewesen schon längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Heute bringen selbst die ältesten Großmütter und Urgroßmütter den Mut auf, in ein Flugzeug zu klettern, um sich auf schwebenden Schwingen hoch über die Erde tragen zu lassen. Man braucht da nur an die 74jährige Dame aus Chikago zu erinnern, die heimlich und ohne Wissen ihrer Verwandten, von einem jugendlichen Unternehmungsgeist erfüllt, mit dem „Graf Zeppelin" von Akron nach Friedrichshafen flog und frisch und munter landete, obwohl das Luftschiff auf seiner Fahrt in einen schweren Wirbelsturm geriet. Fliegende Urgroßmütter — fliegende Zwillingsbabys — ein hübsches Zeichen unserer fortgeschrittenen Zeit! f. d. Aus aller Welt. Feststellung von Urkundenfälschungen auf chemischem Wege. Die Ju st izpresse stelle Darmstadt teilt mit: In einer vor dem Schwurgericht der Provinz Starkenburg verhandelten Sache wurde dem Angeklagten außer einem Verbrechen des Meineids auch eine Blankettfälschung zur Last gelegt, er wurde beschuldigt, eine Blankounterschrift seiner Mutter nach deren Tode zur Anfertigung einer Bescheinigung mißbraucht zu haben, die er i n einem Erbschaftsstreit mit seinen Geschwistern vor dem Landgericht Darmstadt vorlegen ließ. Der Angeklagte hatte mit Entschiedenheit bestritten, sich der Blankettfälschung schuldig gemacht zu haben. In der Verhandlung vor dem Schwurgericht wurde über die Frage des Alters der Schriftzüge sowohl der Mutter des Angeklagten als. auch des Angeklagten selbst Regierungsrat Dr.-Jng. H e e ß von der Chemischen Landesanstalt in Stuttgart als Sachverständiger gehört. Auf Grund einer chemischen Prüfung der Tinten stellte dieser zunächst fest, daß die Unterschrift der Mutter des Angeklagten mit einer anderen Tinte geschrieben war, als der Text der Bescheinigung. Darüber hinaus stellte er aber auch durch einen Vergleich der Sulfatbilder der Schriftzüge fest, daß der von dem Angeklagten geschriebene Text der Urkunde höchstens halb so a l t war, wie die Unterschrift seiner Mutter, wenn sich auch das absolute Alter der Schriftzüge nicht ermitteln ließ. Rach Angabe des Sachverständigen ist die bei dieser Prüfung von ihm angewandte chemische Untersuchungsmethode an über 300 verschiedenen inländischen und ausländischen Tinten erprobt und auch von gerichtschemischen Autoritäten anerkannt worden. Unter Zugrundelegung dieses Gutachtens in Verbindung mit einer Reihe anderer Momente, die für die Schuld des Angeklagten sprachen, gelangte das Schwurgericht zu dessen Verurteilung. Dieser Fall beweist, wie mit Hilfe der fortschreitenden Wissenschaft insbesondere auf dem Gebiete der Chemie, sich eine zuverlässige und restlose Aufklärung von Straftaten und eine immer tatkräftigere Verbrechensbekämpfung ermöglicht wird. Heber 100 Todesopfer bei dem Erdbeben in Tadschikistan. Wie erst jetzt amtlich bekanntgegeben wird, hat die R a t u r k a t a st r o p h e , die sich, wie gemeldet, am 8. dieses Monats in der Mittelasiatischen Republik Tadschikistan an der afghanischen Grenze ereignet hat, eine weit größere Zahl von Todesopfern gefordert, als ursprünglich vermutet wurde. Die „Taß" meldet aus Stalinabad, der Hauptstadt von Tadschikistan, daß das erste Flugzeug, das von der Regierung in das Erdbebengebiet von Towil-Dorinsk entsandt wurde, nunmehr zurückgekehrt ist. Rach den ersten amtlichen Berichten, die auf diesem Wege nach Stalinabad gelangt sind, hat sich infolge des Erdbebens ein riesiger Bergrutsch ereignet, der verheerende Folgen hatte. Rach amtlichen Feststellungen wurden 107 Todesopfer des Erdbebens gezählt. 360 Personen sind zum Teil schwer verletzt worden. Die Bevölkerung muß in Zelten wohnen. Da sämtliche Wege verschüttet und die Drahtverbindungen noch immer gestört sind, wird die Verbindung mit dem Erdbebengebiet durch Flugzeuge aufrechterhalten. Todessturz vom Gerüst. Bei den Umbauarbeiten am Siegener Gerichtsgefängnis ereignete sich ein U n g l ü ck s f a l l, dem ein junges Menschenleben zum Opfer fiel. Der 20- jährige Erich Weber aus Weidenau wollte vom Gerüst absteigen; anstatt aber die in der Nähe stehende Leiter zu benutzen, ließ er sich an einem Strick herunter, der plötzlich riß. Aus etwa sieben Meter Höhe stürzte der junge Mann in die Tiefe und zog sich so schwere Verletzungen zu, daß er bald nach feiner Einlieferung ins Krankenhaus starb. Reue Hochwasserkatastrophe in fiiangfu. Neue große, vom Gelben Fluß südostwärts durch Schantung strömende Wassermengen vergrößern ständig das Ueberschwemmungsgebiet in Nordkiangsu. In den letzten Tagen wurden über 100 Dörfer westlich von Haitschou von den durch einen Sturm aufgepeitschten Fluten überschwemmt. Die Bewohner sind in die Berge geflüchtet. Die Behörden versuchen, das Flutwasser durch Anlegen neuer Kanäle und durch Erweiterung der Flüsse, woran mehr als 70 000 Leute arbeiten, nach dem Gelben Meer abzuleiten. Die amtliche Ziffer der Flüchtlinge aus Nordkiangsu ist im Oktober auf annähernd 2 000 000 gestiegen. Eine Amerikanerin in Nanking ermordet. Großes Aufsehen unter den Ausländern erregte in Nanking die Ermordung der Amerikanerin Susan W a d d e l, die durch ihre Lehrtätigkeit an der Zentraluniverfität und dem Landeskrankenpflegeinstitut weithin bekannt war. Der Mord ereignete sich in der Nähe der Universität am hellen Tage. Die Behörden haben sofort eine Untersuchung eingeleitet. Die Ermordete war mit einem chinesischen Arzt beim Landesgesundheitsamt verheiratet. Mexikanische Banditen verschleppen Neuyorker Bankiers. Ein toller Banditen st reich hat sich in der mexikanischen Provinz Sonora ereignet. Die Opfer sind einige sehr bekannte Neuyorker Bankiers. Fünf Bankiers aus Neuyork, darunter der Vizepräsident der National City Bank I. H. D u r e l l und James Bruce von der Chaso National Bank, die im östlichen Teil der Provinz Sonora mit einem ortskundigen Führer jagten, wurden von einer mexikanischen Räuberbande überfallen, entwaffnet und in die Berge verschleppt. Nur der Neuyorker Verleger A. D. N e r c r o ß , der sich in Gesellschaft der Bankiers befand, konnte ent- kommen. Man hegt um das Schicksal der Verschleppten die größte Besorgnis, da die Banditen kurz zuvor in Stärke von 80 Mann die Stadt Santa Ana überfallen und den dortigen Polizeichef sowie mehrere Beamte erschossen haben. Dis amerikanische Polizei in den Grenzorten Arizonas ist alarmiert worden. Kunst und Wissenschaft. Afrika-Ausslellung Leo Frobenius' in Berlin. In Berlin wurde die Ausstellung „Zeitlose Kunst afrikanischer Kulturen" in der Wandelhalle des Reichstages eröffnet. Die Ausstellung, die unter der Schirmherrschaft des Reichskultusministers Dr. R u st steht, zeigt die Ergebnisse der 12. Expedition des Afrikaforschers Geheimrat Leo Frobenius. Sie ist ergänzt durch die Funds früherer Forschungsreisen, die im Forschungsinstitut für Kulturmorphologie in Frankfurt aus der 30jährigen Forschungsarbeit Frobenius' zusammen- getragen sind. Die Eröffnungsansprache hielt der Kurator der Frankfurter Universität, W i s s e r. Das große Interesse, das man dem Werke und der Person des Forschers Frobenius entgegenbringe, sei gerechtfertigt. Auch Frobenius fei einst, als er zum ersten Male nach Afrika ging-, als Abenteurer bezeichnet worden, aber mit Energie habe er alle Schwierigkeiten überwunden. Das in der Ausstellung Zusammengetragene stehe heute als fein Lebenswerk vor uns. Kurator Ziffer schloß mit Glückwünschen an den Forscher für die geleistete Kulturarbeit. Geheimrat Frobenius erläuterte feine Forschungen und wies darauf hin, daß die junge Generation bereits großen Anteil an dem umfangreichen Werk habe. In der Ausstellung könne kaum ein Achtel von dem gezeigt werden, was in den Speichern des Forschungsinstituts liege. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Jranffurt Mit der Verstärkung der vom Atlantik ausgehenden und über Nordeuropa hinwegführenden Wirbeltätigkeit hat eine Westströmung über dem europäischen Festland südwärts Raum gewonnen. «Sie führte feuchtere Luft heran und hat auch uns verstärkte Nebel- und Wolkenbildung gebracht. Da sich aber der über dem Kontinent west-ostwärts er» streckende Hochdruckrücken gehalten und sogar noch verstärkt hat, ist irgendwie nennenswerte Niederschlagstätigkeit bei uns nicht zu erwarten. Aussichten für Donnerstag: Vielfach nebelig und wolkig, doch nur ganz vereinzelt auch etwas Regen, ausgeglichene und ziemlich milde Temperaturen, südliche bis westliche Winde. Aussichten für Freitag: Fortdauer des Hochdruckwetters. Hauptfchriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. IX. 35: 9929. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Stein- druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Fett, Ö( und Schmutz, sie müssen weichen, denn © säubert ohnegleichen! MWilS 3X3-Z.-Wohng. mit Scheuer und Stall.,ev.a.getr. erbteilh. f. günst. zuverk. Näheres Büro Kirchner, Seltersw.8. la Birnen zum Einmachen' sowie 04436 lattrbn verkauft C.Rübsamen Fernspr. 3659. Kompotts Erde gesiebt, vorzügl. Tür Gartenrasen, gibt in großer Menge ab 04431 Gärtn. TöngeS, Marb. Str. 67. Kaufgesuche Wohnhaus in guter Lage zu kauf, gesucht. Anzahl. bis 1600chef Dis mos Me der -stet. M 1 der Leo Jnbe lchi. der wen. Ku. Das Per. wge. s er !ur?r allg »fiel. Le. mit Weit änts } bit dem 'onnt 15 in urt ehen. irbet. eure. ■ Cis । Der« a sich 5 er« noch ieber« ^elsach : auch lern« ige. lhelm c den .eiter: r An« Druck Stein« n. i$f. nehr. ^Vr jültig. ift rg Nr. 242 Zweiter Blatt Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Mittwoch, 16. Oktober |935 40 Zahre im öffentlichen Dienst Der beim Finanzamt Gießen beschäftigte Steuerinspektor Adam A m e n d kann am heutigen Mittwoch auf eine 40jährige Dienstzeit zurückblicken. Aus diesem Anlaß wurden ihm oom Vorsteher des Finanzamts im Auftrage des Führers und Reichskanzlers die besten Wünsche sowie Dank und Anerkennung für die geleisteten Dienste ausgesprochen. Ebenso wurden ihm die besten Wünsche des Reichs- miniskers der Finanzen und des Präsidenten des Landesfinanzamts übermittelt. Am heutigen Mittwoch begeht der Verwaltungs- Oberinspektor Ferdinand Steffen aus Gießen fein 40jähriges Dienstjubiläum beim Versorgungsamt Gießen. Aus Anlaß dieses Tages wurde dem Jubilar in würdiger Weise von dem Amtsleiter ein vom Führer und Reichskanzler gefertigtes Glückwunschschreiben überreicht. Dabei wurde ihm der Dank für seine dem Reiche treu geleisteten Dienste und die besten Wünsche der Reichsregierung und der vorgesetzten Dienststellen sowie sämtlicher Beamten, Angestellten und Arbeiter des Versorgungsamtes Gießen ausgesprochen. Der Gendarmerie - Hauptwachtmeister Michael K o 1 b* in Gießen, geboren zu Babenhausen, kann am heutigen 16. Oktober auf eine 40jährige Dienstzeit zurückblicken. Herr Kolb kam am 1. April 1908 zur Gendarmerie in Gießen. Am 5. August 1914 wurde er zur Feldgendarmerie des XVIII. Armeekorps einberufen, wo er bis zum 28. Juni 1917 als Feldgendarm Dienst tat. Dann kehrte er wieder in den Gendarmeriedienst nach Gießen zurück, wo er seitdem ununterbrochen wirkt. Dem Jubilar wurde von dem Reichsstatthalter in Hessen, Gauleiter Sprenger, ein ehrenvolles Anerkennungsschreiben geschickt, in dem der Reichsstatthalter dem Jubilar volle Anerkennung für seine langjährige treue Dienstführung ausspricht. Ober- regierungsrat Dr. S ch ö n h a l s vom Kreisamt Gießen brachte dem Jubilar in Gegenwart der übrigen Gendarmeriebeamten die herzlichen Glückwünsche und die volle Anerkennung des Kreisamtes für feine allezeit dienstfreudige und hingebungsvolle Tätigkeit zum Ausdruck. Deutsche Arbeitsfront. Achtung Wanderwarte! Am Sonntag, 20. Oktober, veranstalten wir eine Fußwanderung nach Krofdorf, Forsthaus Waldhaus, HiBiformen für Forstbeamie und Deutsche Jägerschaft in feinster Maßarbeit. Erste Spezialkräfte, Garantie für tadellosen Sitz. Herren-Bekleidungshaus GmbH. Gießen, Marktplatz 5920A Aus der Provinzialhauptstadt. I Wein und Honig in Oberhessen. Ja, wir haben beides: Wein von unseren Aepfeln und Honig aus Zwetschen und Birnen. Es gibt wohl Volksgenossen im Rheinland, die den Kopf schütteln, wenn wir unfern Hohenastheimer loben. Sie wollen nichts vom Apfelwein wissen. Er ist ihnen zu sauer. Wir in Oberhessen aber schätzen ihn und freuen uns, wenn zu einem kräftigen Frühstück ein Glas des goldklaren Apfelweins erscheint. Liegt das *an unterer Natur, oder an dem Klima? Die Feldarbeiten find ziemlich erledigt, und jetzt wird einmal der Vorrat, den uns die Aepfelbäume gaben, nachgefehen. Allzuviel ift es Heuer nicht. Aber schließlich kommt doch ein ganz schönes Häufchen zusammen, darunter leider auch — durch die Stürme verursacht — recht viel Fallobst. Ebenso sind wieder zahlreiche Früchte schorfig, trotz des Spritzens. Die guten Aepfel kommen in den Obst- schrank. Alle andern, recht gut gemischt, werden gewaschen, ausgeschnitten und in einer besonderen Mühle zerquetscht. Die Kelter steht bereit, und nach kurzer Zeit rinnt der süße Most aus den Früchten. Das sind Arbeiten an Tagen, wenn es regnet und man im Felde doch nichts machen kann. Der Most kommt in die Fässer, oder in Korbflaschen, und schon nach einigen Tagen fängt er zu gören an. Der ganze Keller riecht danach. Einige Weinflaschen stehen aber schon bereit, damit wir süßen Most einfachen können. Er ist ein Lieblingsgetränk für unsere Kinder. Er wird einige Zeit erhitzt, dann setzen wir Gummihauben auf die Flaschen oder tauchen die Köpfe in einen besonderen Lack. Fertig ist der „Süße". Auch die Birnen fangen an und werden weich. Viel sind es ja auch nicht, aber sie reichen doch zum Einschälen in den Honig. Das ist freilich kein Bienenhonig, sondern ganz einfaches Obstmus. Die letzten Zwetschen werden von den Bäumen geschüttelt, entkernt und kommen mit den geschälten Birnen in den Kessel. An das Keltern von Birnen können wir nicht denken, es sind zu wenige. Da helfen uns in diesem Jahre die Zuckerrüben, oder auch die Dickwurz. Sie geben einen ganz guten Saft. Es gibt freilich Feinschmecker, die von einem solchen Mus nichts wissen wollen. Es schmeckt ihnen zu „streng". So strömt uns denn in diesen Tagen aus vielen Häusern der süße Honiggeruch in die Nase. Am Abend vorher wurden die Birnen geschält und die Zwetschen entsteint. Das ist eine mühselige Arbeit, ober Nachbarn und Verwandte helfen gern dabei. Man sitzt im Kreis in der Küche, und während die Messer ihre Schuldigkeit tun, gehen die munteren Gespräche flott von statten. Der letzte Zwetschenkuchen und ein guter Kaffee halten die fleißigen Frauen oft bis nach Mitternacht zusammen. Und zum Schluß streuen die Mädchen die bekannten „Gängelchen" von einem Haus zum andern, um anzudeuten, daß da ein besonderes „Verhältnis" besteht. An Scherzen und Neckereien fehlt es hierbei natürlich auch nicht. Der Vater aber steht indessen in der Küche und rührt eifrig den neuen Honig, schürt das Feuer ordentlich und gibt den Kindern Unterweisung, wie der Honig gekocht wird. P. Tageskalender für Mittwoch. NSG. „Kraft durch Freude": 16.30 bis 17.30 Uhr Fröhliche Gymnastik und Spiele, Kantinengebäude der Firma Bänninger; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad; 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr „Cosi fan tutte". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Das leuchtende Ziel". — Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: 20 Uhr im Zoologischen Institut, Bahnhofstraße 84, Vortrag „Die Nordseefahrt und das Ferienlager Gießener Biologen" — Oberh. Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 16 bis 17 Uhr Ausstellung friesischer Maler der Gegenwart, Kleintierplastik von Lily König Stadttheater Gießen. Heute, 19.30 Uhr, als dritte Vorstellung im Mittwoch-Abonnement, die komische Oper „Cosi fan GießenerJungvolk im Herbst-Geländespiel. Dichte Nebel lagen über Straßen und Gassen, hingen zäh in Bäumen und Sträuchern, über Wiesen unb Feld, als sich gestern morgen das Gießener Jungvolk an verschiedenen Plätzen des östlichen Stadtrandes einfand, um mit allen Mannen und vielen Wagen zum diesjährigen Herbst-Geländespiel auszuziehen. Die Jungen, schwer bepackt mit dem Tornister, störte das naßkalte Wetter nicht. Frohgemut sahen sie den kommenden drei Tagen entgegen, die ihnen draußen in Wald und Flur allerlei Erlebnis bringen sollten. Wußten die Pimpfe doch, daß es Geländespiel gab, harmlosen Krieg, Einquartierung bei den Bauern, Morgen- und Abenfeiern in den Dörfern und manches andere mehr. Jedes Fähnlein hatte auch diesmal.wieder einige Bagagewagen mitzuführen, die mit aller Raffinesse doch unter der Verwendung der einfachsten Mittel hergerichtet waren. Selbstverständlich fehlte auch die Sanitätsabteilung nicht. Neben den Mannschaften zu Fuß "zogen auch die raschen Radfahrer aus. Die Spielmannszüge nahmen in voller Stärke teil. Den eigentlichen Kampfplatz wird das Buseckertal 1 darstellen und zwar der Raum zwischen Trohe und Reiskirchen. Die Pimpfe, die sich in eine „rote" und in eine „weiße" Partei geteilt haben, werden vor- aussichtlich am morgigen Donnerstag unmittelbar am Lauf der Wieseck aufeinandertreffen. Der gestrige Dienstag brachte nun zunächst ledig-1 lieh den Anmarsch in das Kampfgebiet. Mit Gesang und Trommelklang zogen die Pimpfe hinaus in die Dörfer und gingen zum Teil bereits in das Quartier, das sie diesmal bei den Bauern bezogen. In den einzelnen Standorten entwickelte sich ein reges Leben. Befehle wurden ausgegeben, die Quartierscheine verteilt, die Anordnungen für die in den! Dörfern abzuhaltenden Feiern getroffen und die; Kommandos verteilt. Im allmählichen Dorrücken werden nun, zunächst in kleinen Geplänkeln, die Parteien aufeinander- stoßen. Alle Vorbereitungen werden getroffen für das Hauptspiel am Donnerstag. Wer wird Sieger fein? „Rot" oder „Weiß"? Der Freitag wird eine gemeinsame große Schlußfeier bringen. Telephon wird ausprobiert. (Aufnahmen [3J: Neuner, Gießener Anzeiger.) Auf dem Anmarsch in das Kampfgelände. Jedes Fähnlein führt Bagagewagen mit. tutte" von W. A. Mozart. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Paul Wrede. Ende 22.30 Uhr. E-muc? n neue a? Am morgigen Donnerstag, 17. Oktober, 11.30 Uhr, | wird das II. Bataillon Jnf.-Regts. 36, das bisher mit Teilen in der Pestalozzischule und in der Kaserne des I. Bataillons untergebracht war, feine neue, soeben fertiggestellte Kaserne an der Licher Landstraße beziehen. Aus diesem Anlaß findet nach Eintreffen der Kompanien auf dem Kasernenhof die feierliche Uebergabe der Gebäude seitens des Verstandes des Heeresbauamts, Regierungsbaurat Geißler, an den Bataillonskommandeur, Oberstleutnant Schmidt, statt. An der Feier nehmen teil: die Vorgesetzten des Bataillons, die Vertreter der hier im Standort befindlichen Truppenteile, der Oberbürgermeister der Stadt, die Spitzen der am Ort befindlichen Behörden, die Dienststellen der Partei und ihrer Gliederung, sowie die Betriebsführer und etwa 100 Arbeiter und 20 Angestellte, die am Bau mitgearbeitet haben. Im Anschluß an die Feier erfolgt ein Rundgang durch die Kasernen. Ein einfaches Essen beschließt die Feier. Während dieser Zeit spielt die Regimentsmusik auf dem Ka- sernenhof. ite :ür ■er ir- ire ler se v Ä ptaM , M isdi52PL ablSOPL afi-Markt L Reitbahn nicksaM nje” tter schlie* ten ftskarten Schulstr-' 111. vul n t sw„cP w*.. AS nburs* iS—- ins -'S Zagdretten. Bon Oberstleutnant a D. Benary Als ich 5 Jahre alt war, schenkte mir mein Vater einen Pony, so groß wie einen starken Hund, schnallte ihm eine Decke auf, setzte mich ohne Bügel darauf und lieh mich Jagd reiten. Er führte damals die schnellsten Hunde in ganz Mecklenburg. Mein Pony lief wie ein Fohlen hinter seiner kleinen Fuchsstute her. Er sprang grundsätzlich fein Hindernis, lief einfach durch jeden Graben durch und um jeden Hochsprung herum. Gefahr bestand also für mich nicht. So bekam ich Passion. Seitdem packt mich, sobald der Wind über die Stoppeln geht, das Jagdfieber und hat mir noch in jedem Herbst zu einer Reihe guter Galopps über Gräben und Koppelricks in den verschiedensten Gegenden verhalfen: Hinter den Hasenhunden in Mecklenburg und Pommern, hinter der Schleppmeute in Hannover und Trakehnen, hinter den Schnitzelstreuern in der Prignitz und in Masuren. Selbst der Krieg konnte die Passion nicht brechen. In jedem Herbst sand sich ein Ruhetag oder wenigstens ein paar freie Stunden, wo man die durch langes Hocken im Unterstand steif gewordenen Knochen wieder einmal durch einen frisch-fröhlichen Galopp geschmeidig machen konnte. Im Reichsheer führte mich das Schicksal in Standorte, die weit und breit über das beste Jagdgelände verfügten, und feit ich den Sattel mit dem Schreibtisch vertauscht habe, weiß ich, daß man mit ein wenig Lust und Liebe zum „Sport in Rot" in jedem Gelände eine gute Jagd anlegen und reiten kann. Renn- und Turnierreiten wird immer nur die Domäne weniger Auserlesener bleiben. Im Herbst aber, im Jagd seid den Hunden oder dem Jagdherrn folgen kann jeder Reiter, wenn er Passion und das Herz auf dem rechten Fleck hat. Und durch keinen Zweig der reiterlichen Ausbildung werden die seelischen und körperlichen Eigenschaften von Reiter und Pferd so geschult wie durch Jagdreiten. Da bleibt dem Reiter nicht Zeit zu fürsorglichen Erwägungen in schwierigen Lagen. Nur schneller Entschluß ermöglicht es ihm, seinen Platz im Jagdfeld zu halten. Ein englischer Schriftsteller pflegte daher die Menschheit einzuteilen: „In men who hunt and men who don’t“, d. h. in Männer, die jagdreiten unb Männer, die es nicht tun. England ift das klassische Land des Jagdreitens. Jagdreiten war und ist noch immer in England nicht lediglich der Sport der Oberen Zehntausend, sondern der Sport der breiten Masse, der Landbevölkerung', der kleinen Farmer, und selbst der ehrsame Dorfgeistliche soll es nicht verschmähen in den Sattel zu steigen. Der Engländer jagt in der Regel den Fuchs, und wehe dem Bauern, der „Freund Reineke" eine schimpfliche Kugel in den Leib schießt, wenn' er ih» beim Hühnerdiebstahl überrascht, anstatt zu warten, bis die Hunde ihn ehrlich zu Tode hetzen. 172 Fuchsmeuten jagten nach Keudell vor dem Kriege in England, dazu eine beträchtliche Anzahl von Hirsch- und Hasenmeuten. Jede englische Grafschaft hat ihren eigenen Charakter. Ist die eine stolz auf ihre Hecken und Wälle, ist es die andere auf ihre Gräben und Koppelricks. Das englische Jagdpferd, der H u n t e r , ist weltberühmt. Der englische Fuchshund sieht auf eine fast noch ehrwürdigere Vergangenheit zurück als das englische Vollblutpferd. Er kann ohne Ausnahme seinen Stammbaum über 200 Jahre auf drei Stammväter zurückführen. Durch weises Kreuzen der erprobten Hunde ist eine Rasse entstanden, die an Leistungsfähigkeit nicht so leicht zu überbieten ist: starke, muskulöse, nicht allzu große Hunde mit schmalen Hälsen und edlen Köpfen. Die Hasenhunde — Harriers — sind leichter und schneller, aber weniger ausdauernd, die Hirschhunde größer und stärker. Fuchs- und Hasenhunde zeigen meist viel Weiß mit braunen und schwarzen Flecken. In Frankreich wurde in früherer Zeit mit Vorliebe der Hirsch gejagt. Jetzt gehören Hirschmeuten auch zu den Seltenheiten. In Italien haben die Schlepp- und Fuchsjagden in der Campagna einen guten Ruf. In Deutschland hat das Jagdreiten erst im Verlaufe des 19. Jahrhunderts Boden gewonnen. Vor dem Kriege jagten in Deutschland auf freier Wildbahn nur wenige Meuten Ich nenne die Hasenmeuten des Neubrandenburger und Pasewalker Parforce-Jagdvereins und die Brooker und Stargardter Meute. Eine viel größere Anzahl von Meuten jagte auf künstlicher Fährte und meist im Anschluß an die Schleppe auf ausgesetzte Keiler oder Bachen, allem voran die Kaiserliche Meute (ursprünglich im Grünewald, später in Döberitz), die Meute des Militär-Reitinstituts, die Trakehner Meute, und die Meuten zahlreicher Regimenter, Standorte und ziviler Parforce-Jagdreitervereine. Die einzige in Deutschland jagende Fuchsmeute, die Lissaer Meute des Grafen Mielczynski, ist schon eine geraume Weile vor dem Kriege eingegangen. Die in Deutschland jagenden Hunde gingen und gehen noch heute auf englische Stammeltern zurück. Das deutsche Iagdpferd kann sich mit dem englischen in jeder Weise messen. Es ist schwer zu sagen, welcher Zucht man die Palme reichen soll. Ostpreußen, Hannoveraner, Mecklenburger, Brandenburger haben mich mit dem gleichen Schwung über die schwersten Sprünge getragen. Wenn ich einem den Vorzug geben soll, ist es aber doch der Vollblüter. Die Jagd auf freier Wildbahn, die zweifellos die größten Reize bietet und an den Reiter die größten Anforderungen stellt, ist bei dem hochentwickelten Stand der deutschen Landwirtschaft aus Flurschadengründen nicht mehr möglich. Die Jagd hinter den Hunden auf künstlicher Fährte, die wenigstens die Illusion einer Jagd aufrechterhält, ist bei ihrer Kostspieligkeit in unseren Tagen auch nur unter besonders günstigen Verhältnissen (in Hannover, Trakehnen und in einigen anderen größeren Städten und Standorten) möglich. Im allgemeinen muß man sich mit Schnitzel jagden begnügen, d. h. mit Jagden, bei denen die Fährte durch Papierschnitzel dargestellt wird, denen das Jagdfeld unter Führung zweier Reiter „als Hunde" und des Jagdherrn folgt. Schlepp- und Schnitzeljagd haben den Vorteil, daß sie unter allen Umständen zu einem guten Galopp über eine Reihe dem Springvermögen der Pferde angepaßter Sprünge führen, während bei Jagd in freier Wildbahn es Vorkommen kann, daß der Jagdhase oder der Keiler das Feld in ein Gelände führt, wo es kaum etwas zu springen oder Hindernisse gibt, die beim besten Willen nicht zu überwinden sind Träger und Erhalter des Jagdreitens ist nach dem Kriege in erster Linie das R e i ch h e e r gewesen, bei dem das Jagdreiten ein wichtiger, gar nicht zu entbehrender Dienstzweig ist. Aber mit der Zeit haben sich im steigenden Maße neben einzelnen Reitern und Reiterinnen aus dem Zivilstande die ländlichen Reit- und Fahrvereine, die heutigen Reiterstürme der SA., daran beteiligt, und heute schließen sich nur wenige von ihnen von diesem schönen Sport aus. Wie verhält sich nun der junge Reiter im Jagdfeld? Vor dem Abreiten prüfe er Sattel- und Zaumzeug. Das Handwerkszeug muß in Ordnung fein. Die' Bügel schnalle er praktischerweife ein bis zwei Loch kürzer als in der Reitbahn. Durch einen weichen geschmeidigen Sitz mit abwärtsstrebendem Knie bei langen aber anstehenden Zügeln gestatte er dem Pferde die volle Entfaltung seiner Fähigkeit. Den tiefen Sitz im Sattel muß er besonders in schwierigem Gelände unter allen Umständen erhalten, dabei stets bereit sein den Schwerpunkt bei Rumplern rechtzeitig zu verlegen. Den einmal im Jagdfeld gewählten Platz halte er inne. Am besten reite er in der Nähe des JagdHerrn. Da wird er nicht durch fallende und aus- brechende Pferde gehindert. Nie refte er auf Vordermann. Er hüte sich, fein Pferd im Anfang zu sehr zu treiben, lasse es langsam seine Fahrt finden. Temperamentlose Pferde reite er im Feld, heftige Pferde auf den Flügeln, wo er die Möglichkeit hat, im Notfall eine Volte nach außen zu reiten. Gegen Sprünge reite er fein Pferd gerade an, werfe zuerst das eigene Herz hinüber nach dem Grundsatz: Diesseits liegt ewige Schande und jenseits sicherer Tod! Im Sprunge störe er das Pferd so wenig wie möglich, halte es vor allem nicht fest, sondern gebe ihm so viel Luft, daß es den Hals lang machen kann Fällt sein Pferd, so rolle er sich vom Pferd weg, damit er nicht unter seiner Last begraben wird. Er halte aber die Zügel fest, sonst läuft fein Pferd ihm fort, stört das Jagdfeld, während er selbst mit hängender Zunge hinter dem Jagdfelde herkeucht. Bricht das Pferd aus, oder, refüsiert, so nehme er beim erneuten Anreiten darauf Bedacht, daß er die hinter ihm Reitenden nicht stört. Ist die Jagd zu Ende, sitze er sofort ab, lockere dis Gurte und führe sein Pferd an einer windgeschützten Stelle auf und ab. Nach Rückkehr in den Stall sorge er dafür, daß das Pferd* ordentlich abgewartet wird und karge nicht mit einer Belohnung (ein Stück Brot oder Zucker). Handelt der junge Jagdreiter so, wird er Freude an unserem schönen Sport haben. Aber nun sind der Worte genug gewechselt: „Wenn die Jagdhörner rufen, soll man die Tintenfässer schließen!" HoAsM^notbrickten. Professor Dr. Karl K ü p s m ü 11 e r, Ordinarius für Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Danzig, ist zum ordentlichen Professor in der Fakultät für Maschinenwesen an der Technischen Hochschule Berlin-Charlottenburg ernannt worden. Professor Dr. S. Krüger, der Leiter des ersten Zoologischen und tierphysiologischen Instituts der Universität Wien, hat zum 1. November einen Ruf an die Universität Heidelberg erhalten. Prof. Dr. Karl K ö t s ch a u, Extraordinarius für biologische Medizin an der Universität Jena, ist zum ordentlichen Professor in Jena ernannt worden. Professor Dr. Peter Kranz, Extraordinarius für Zahnheilkunde an der Universität München, ist zum ordentlichen Professor in München ernannt worden. Professor Dr. Kurt Fischbeck, Extraordinarius für Chemie an der Universität Tübingen, ist zum ordentlichen Professor an der Universität Heidelberg ernannt worden. Schmelz, Salzbödetal, Odenhausen, Ruttershausen, Lollar. Abmarsch 8 Uhr an der Lahnbrücke. Rucksackoerpflegung. Wir erwarten recht viele Arbeits- kameraden, die die Wanderung durch den herrlichen Herbstwald mitmachen. — Führung: Wanderwart K. Leber. Sportamt „Kraft durch Freude". Reue kdF.-Sporlkurse! In W i e s e ck : Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Mittwochs, von 20.30 bis 21.30 Uhr, Gasthaus Braun. In Großen-Buseck: Allgemeine Körperschule, für Frauen und Männer. Mittwochs, von 19.45 bis 20.45, Gasthaus Wagner. In Gießen: Allgemeine Körperschule, für Frauen und Männer. Mittwochs, von 20.30 bis 21.30, Lyzeum (Dammstraße 26). Für die Kurse: Reiten, Kleinkaliberschießen, Hallentennis, Skigymnastik, Ski-Trockenkursus ist schriftliche oder persönliche Anmeldung auf dem Sportamt, Schanzenstraße 18, erforderlich. heute folgende Kurse: Allgemeine Körperschule, für Frauen und Männer: Von 20.30 bis 21.30 Uhr,Lyzeum (Dammstraße 26); von 19.45 bis 20.45 Uhr, Großen- Buseck, Gasthaus Wagner. Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen: Don 20.30 bis 21.30 Uhr, Wieseck, Gasthaus Braun. Reiten: Don 20 bis 21 Uhr und von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Jeder Deutsche kann an Kd F.-Sportkursen teilnehmen! Wehrdienst nimmt Rücksicht auf die Berufsausbildung. Auf eine Anfrage des Reichsstandes des deutschen Handwerks wegen der Abkürzung der Lehrzeit durch die Einberufung zum Wehrdienst hat der Reichs- kriegsminifter mitgeteilt, daß für die Heranziehung zum Wehrdienst das Einverständnis des gesetzlichen Vertreters, oder bei Lehrlingen auch des Lehrherrn nicht erforderlich ist. Dienstpflichtige, die sich in der Vorbereitung für einen "Lebensberuf oder der Erlernung einer Kunst oder eines Gewerbes befinden, können jedoch für die Dauer der Berufsausbildung und zwar bis zu sechs Jahren, zurückgeftellt werden, wenn sie durch die Einziehung zum Wehrdienst bedeutenden Nachteil erleiden würden. Der begründete Zurückstellungsantrag ist von den Dienstpflichtigen spätestens am Tage der Musterung der Kreispolizeibehörde vorzulegen. Treten später Zurückstellungs- gründe ein, so ist nachträgliche Stellung des Antrages gestattet. Bezüglich der Einstellung von Freiwilligen erklärt der Minister, daß das Ablegen der Gesellenprüfung vor Dienstantritt nach wie vor erwünscht sei. . Beist nicht ohne Geld ins Ausland! In der letzten Zeit mehren sich die Fälle, in denen deutsche Einzelpersonen oder Reisegruppen sich ohne ausreichende Devisenbeträge in Länder begeben, mit denen Reiseabkommen nicht bestehen. Sie wenden ich dann dort an deutsche Vertretungen oder an onstige Organisationen, um eine geldliche Unter- tützung zu erhalten. Eine solche Unterstützung kann in keinem Falle gewährt werden. Volksgenossen, die derart leichtfertig eine Reise antreten, können nicht erwarten, daß sie in irgendeiner Form amtliche Unterstützung finden. Tausend Jahre Schlesien! Lichlbildervorlrag im Gießener Ostbund. Der Bund heimattreuer Schlesier, als die Vereinigung aller Ostdeutschen in Gießen, veranstaltete im Studentenheim einen Werbeabend, für den der hier schon bekannte Lichtbildner Hans-Ulrich (Sieger! aus Hirschberg gewonnen war. Der Vereinsführer H. K o st o r z hielt eine kurze Begrüßungsansprache, in der er die wertvollen Kräfte der Heimatliebe und ihre Tiefe schilderte. In einem zweistündigen Vortrag sprach dann der Lichtbildner Hans-Ulrich (Sieger! (Hirschberg) zu einer Fülle schönster Aufnahmen über das tau« sendjährige Schlesien. In einer kuliurge- schichilichen Aneinanderreihung führ!e er den jayr- hunderielangen Kampf der Schlesier um ihre germanisch-deutsche Eigenart gegen die vielfachen fremden Einflüsse an und stellte an Hand wertvoller Lichtbilder die vorherrschende deutsche Art namentlich in der Baukunst unter Beweis. Wohin der Fremde sich wendet, so führte der Redner u. a. aus, auf allen Lebensgebieten tritt ihm echte deutsche Eigenart entgegen, deutsches Kunstschaffen, deutscher Handwerkerfleiß, deutsche Bauernart. Darum wußte auch der große Preußenkönig, warum er für Schlesien kämpfte; denn mit dem Land erhielt er einen Menschenschlag wieder, der gehärtet und gestählt im Grenzlandkampf charakterfest und ergeben war. Eine reiche Papier- und Textilindustrie, die Glasfabrikation, Töpferwaren und erfolgreicher Ackerbau waren befruchtet von den oberschlesischen Erzen und Kohlen. Die Reise kreuz und quer durch das Schlesierland, die der Zuschauer miterleben konnte, führte ihn durch älteste deutsche Städte und ihre architektonischen Schöpfungen. Wie wunderschön zahlreiche gotische und barocke Bauwerke erhalten sind, bewiesen die Lichtbilder. So lernte man in Wort und Bild Hirschberg, die Stadt des Barocks, Kloster Grüfsau, das unter Denkmalschutz stehende Städtchen Schömberg, Neiße, die Musikstadt Görlitz, Liegnitz, die alte Hansestadt Breslau, Kloster Leubus, Schweidnitz, Brieg u. v. a. mehr kennen. Zum Schluß zeigte Siegert wunderschöne Aufnahmen seiner engeren Hirschberger Heimat, mit denen er die Einladung zu dem im nächsten Jahre stattfindenden Trachtenfest der Deutschen diesseits und jenseits der Staatsgrenzen verband. Reicher Beifall belohnte den Redner. ** Ehrung von Hausangestellten. Der Alice-Frauenverein vom Deutschen Roten Kreuz fordert in unserem heutigen Anzeigenteil auf, Anmeldungen zur Ehrung von Hausangestellten bis aum 1. November einzureichen. Näheres in der Anzeige. ** Aufgehobene Straßensperren. Seit gestern ist die Sperre auf der Landstraße Gießen— Alsfeld (Abteilung Mücke—Ruppertenrod—Ermenrod, Abzweig Ilsdorf—Abzweig Elpenrod) wieder aufgehoben. Ebenso ist die Sperre auf der Landstraße Grünberg—Marburg (Abzweig Lumda— Geilshausen) jetzt wieder aufgehoben worden. Dom morgigen Donnerstag ab wird die halbseitige Straßensperre auf der Landstraße Butzbach—Gambach aufgehoben. * D i e deutschen Heilanstaltenin der Schweiz. Der Reichs- und Preußische Ar- beitsminifter weist darauf hin, daß nach dem vor kurzem abgeschlossenen Hwischenabkommen mit der Schweiz für den Kurbesuch des deutschen Kriegerkurhauses Davos-Dorf und der übrigen deutschen Heilstätten in der Schweiz keine Devisenhemmnisse mehr bestehen. Jeder Hilst dem Winierhilfswerk! Iungmadel! Ihr alle habt sicher am Radio die Eröffnung des großen Winlerhilfswerkes durch den Führer mllerlebt. Ihr habt gehört, wie ernst der Führer noch einmal alle deutschen Volksgenossen aufgerufen hat, zu helfen, einer dem andern, damit keiner in Deutschland in diesem langen Winter, der vor uns liegt, zu hungern und zu frieren braucht. Iungmädel, wenn der Führer ruft, dann wollen wir an er st er Stelle ft e - hen mit unserem Einsatz. Wir sind stolz, daß er auch uns schon braucht, daß auch wir schon helfen können. Am Sonntag sollt ihr beweisen, wie ernst euer Wille dazu ist. DirJungmädelinhessen-Rassau dürfen in unserem Gau das Winterhilfswerk eröffnen mit einer großen Sammlung. Arn Sonntag ziehen wir von Haus zu Haus und sammeln für die klein st en Wäsche und Kleider und warme Iäckchen, damit sie im langen Winter nicht zu frieren brauchen. Dir freuen uns alle sehr auf den Sonntag und sind stolz, daß wir sammeln dürfen. Wir.hoffen, daß alle Volksgenossen, zu denen wir am Sonntag in Stadt und Land kommen, weit Kisten und Schränke aufgemacht und Kleidung für die Kleinsten im Volke herausgekramt haben. Denn jeder muh helfen an seinem platze. Wiesbaden, 14. Oktober 1935. heil Hitler! Die Führerin des Obergaues 13 Else Riese. Die Jungmädelführerin des Obergaues 13 Erika D ef ch. Oie Gießener Spende am ersten Eintopfsonntag. Am vorigen Sonntag, der die erste Eintopfsamm- lung für das Winterhilfswerk 1935/36 brachte, wurden in der Stadt Gießen insgesamt 3599,10 Mark für den edlen Zweck gespendet. Davon entfallen auf die Ortsgruppe Gießen-Nord 882,70 Mark, Gießen-Süd 881,90 Mark, Gießen- Ost 749,90 Mark, Gießen-Mitte 1084,60 Mark. Die Spender dürfen das schöne Bewußtsein haben, mit ihrer Gabe zur Linderung der Not von hilfsbedürftigen Volksgenossen beigefteuert zu haben. Ortsgruppe Gießen-Süd. Am Donnerstag, 17. Oktober, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd eine Kleiderfamm- I u n g statt. Die Bevölkerung wird gebeten, die in Aussicht genommenen ftleifcerfpenben möglichst schon vorher zurechtzulegen, so daß sie beim Ertönen der Hornsignale sofort in Empfang genommen werden können. Diese Kleidersammlung erstreckt sich nur auf Kleider und Wäsche für Erwachsene. Einzahlungen für dasWmter- hiisswerk 1935/36 sind auf das Konto 2938 bei der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft, Zweigstelle Gießen, oder auf unser Postscheckkonto Frankfurt a. M. 16114 zu tätigen. Kreisamtsleitung Gießen der RSV. Deutsche Arbeitsfront. Ein Merkblatt der DAF. Oer Beitrag zur DAF. 1. Der Beitrag zur DAF. ist nach dem jeweiligen Brutto-Einkommen zu bezahlen. Eine Tabelle über die Beitragshöhe ist unten angefügt. 2. Wird der Beitrag unter dem Brutto- Einkommen bezahlt, ist jeder Unterftüt - zungsantrag erloschen; bei wissentlich niedrigerer Beitragszahlung erfolgt Ausschluß aus der DAF., da ein solches Verhalten als Schädigung der Allgemeinheit betrachtet werden muß. 3. Mitglieder mit 1 bis 3 Kindern bis zum vollendeten 21. Lebensjahr bezahlen den Beitrag um eine Klasse, mit mehr als 3 Kindern um zwei Klassen niedriger. Diese Beitragsermäßigung kann nur in Anspruch genommen werden auf Grund der Eintragung in der Steuerkarte des betr. Mitgliedes. Auch muß sich das Mitglied die Kinderzahl unter Vorlage der Steuerkarte im Mitgliedsausweis bescheinigen lassen. Diese Kinderbescheinigung erfolgt für die Mitglieder in Betriebsgemeinschaften durch die Verwaltungsstelle der DAF., Gießen, Schanzenstraße 18, für die übrigen Mitglieder dagegen bei ihrer Drtsgruppenmaltung der DAF. 4. Mitglieder der NSKOV. leisten den DAF.-Beitrag ebenfalls eine Klasse niedriger, wenn sie sich ihre Mitgliedschaft zu dieser ersteren Organisation auf Grund ihres Mitgliedsausweises im Mitgliedsbuch der DAF. bescheinigen lassen. Bescheinigung erfolgt wie vorher (Ziffer 3). 5. Selbständige Handwerker un.d Gewerbetreibende bezahlen den Beitrag ihrem Einkommen entsprechend, mindestens aber nach Klasse 8. Sollte die monatliche Entnahme weniger als 100 Mark betragen, so ist der Beitrag nach Klasse 5 zu entrichten. 6. Die Beitragserheber können für die Beitragseinstufung der Mitglieder nicht verantwortlich gemacht werden; jedes Mitglied muß sich der nachstehenden Tabelle gemäß ordnungsmäßig und selbst eingruppieren. Die Beitragszahlung ist eine Bringschuld. Unterstützungen. 7. Die Deutsche Arbeitsfront hat folgende Unterstützungseinrichtungen: a) üranfenunterftügung, b) Arbeitslosenunterstützung, c) Heiratsbeihilfe, d) Invaliden- und Altersunterstützung, e) Sterbegeldunterstützung, f) Notfallunterftützung. 8. Für die Antragstellung sind die in den Richtlinien festgelegten Bestimmungen zu beachten. Die Richtlinien sind zum Preise von 10 Pf. bei jeder Ortsgruppe erhältlich. 9. Anträge auf Arbeitslosenunterstützung müssen innerhalb sieben Tagen nach Beginn der Erwerbslosigkeit gestellt werden, andernfalls beginnt die'Unterstützung mit dem Tage der An- tragstellung. 10. Mitglieder der DAF. in den Betriebsgemeinschaften stellen Anträge auf Unterstützung bei der Verwaltungsstelle der DAF. Gießen, Schan- zenstraße 18, alle übrigen Mitglieder jedoch immer bei ihrer DAF.-Ortsgruppenwaltung. 11. Während voller Monate Kranken- oder Ar- beitslosen-Unterstützungs-Zeit zahlen die DAF.- Mitglieder den Beitrag mindestens nach Klasse 4. 12. Kann das DAF.-Mitglied im Krankheitsfälle Antrag auf Unterstützung nicht selbst stellen, dann muß es einen anderen schriftlich dazu bevollmächtigen. 13. Kann das DAF.-Mitglied im Krankheitsfälle seine Krankenunterstützung nicht selbst abholen, dann muß es einen anderen, mit schriftlicher Vollmacht versehen, mit der Abholung der Unterstützung beauftragen. Auch bei Eheleuten ist die Vollmacht in schriftlicher Form erforderlich. Bei Arbeitslosigkeit ist eine Bevollmächtigung unzulässig. Der Arbeitslose muß die mit der Unterstützung verbundenen Obliegenheiten selbst ausführen. 14. Krankenunterstützung wird nur beantragt und ausgezahlt gegen Vorlage des Mitgliedsbuches und des Krankenscheines bzw. der Krankheitsbescheinigung der Krankenkasse; Arbeitslosenunterstützung dagegen nur gegen Vorlage des Mitgliedsbuches und der Stempelkarte des Arbeitsamtes. 15. Beachten Sie die bestehenden Anordnungen genauestens und wenden Sie sich bei Unklarheiten an Ihre Ortsgruppe oder an die Verwaltungsstelle 19 Gießen, Schanzenstraße 18. Dieses Merkblatt ist an der Tafel "für Bekanntmachungen eines jeden Betriebes anzuheften; ferner haben es sämtliche Ortsgruppen- und Stützpunkt- waltungen auszuhängen. Gießen, 10. Oktober 1935. Ehr. Schmidt Gez. Wagner Verwaltungsftellenleiter. Kreismalter der DAF. Beitragssätze zur Deutschen Arbeitsfront. Die Beiträge betragen: Brutto-Einkommen Beitrag wöchentlich monatlich bis 10 bis 40 0,60 über 10 „ 15 über ■ 2o 60 0,80 „ 15 „ 20 60 80 1,20 „ 20 „ 25 80 100 1,40 „ 25 „ 30 100 120 1,80 „ 30 „ 40 120 160 2,20 „ 40 „ 45 160 180 2,80 „ 45 „ 55 180 220 3,40 „ 55 „ 65 220 260 3,80 „ 65 „ 75 260 300 4,40 „ 75 „ 90 300 360 5,40 „ 90 „ 105 360 420 6 — „ 105 „ 130 420 520 7,60 „ 130 „ 150 520 600 9,— „ 150 „ 165 ■ e 600 660 10,— „ 165 „ 185 660 740 11,— „ 185 II 740 12,— Freiwillige Beiträge bei höherem Einkommen von 15 RM. ab gestuft von 5 zu 5 RM. Laut Anordnung des Reichslellers der DAF. Pg. Dr. Ley kommen ab 1.11.1935 die verwallungs- gebühren in Wegfall. Sämtliche Mitglieder müffen den Beitrag ihrem Einkommen entsprechend entrichten. Vier Wochen Polizeiarbeit in Gießen. Eine aufschlußreiche Llebersicht vom September. Vielen Volksgenossen ist die Arbeit der Polizei aus unmittelbarer Berührung wenig ober überhaupt nicht bekannt. Sie sehen wohl den Schutzmann bei seinem Dienst in den Straßen, damit aber ist für sie das Aufgabengebiet der Polizei eigentlich schon abgeschlossen. Daß jedoch „hinter den Kulissen" der öffentlichen Buckmöglichkeit, d. h. im Polizeiamtsgebäude und in den Revieren selbst, ein gewaltiges Maß von Arbeit im Dienste der Volksgesamtheit geleistet wird, wissen nur die wenigsten Männer und Frauen, weil sich diese Arbeit eben innerhalb der Amtsstuben abwickelt und dabei auch nur die jeweils in Betracht kommende Angelegenheit in Erscheinung tritt. Wenn wir selbst bei unseren Erkundigungen beim Polizeiamt nach den Vorfällen des Tages die Antwort erhalten, es fei nichts los, so wissen wir allerdings auch, daß diese Auskunft nicht etwa bedeutet, in den Amtsstuben der Polizei säße man untätig beieinander; es ist uns vielmehr bekannt, daß tagtäglich bei den verschiedensten Polizeistellen unserer Stadt immer Betrieb herrscht, vielfach sogar recht viel los ist, die Beamten dabei zum Teil schon vom frühesten Morgen ab bis zum späten Abend in Tätigkeit sind, auch wenn nach außen hin eben alles ruhig erscheint. Heute bietet nun die Polizeidirektion Gießen einmal die Möglichkeit, unsere Volksgenossen einen Blick in das weitschichtige Arbeitsgebiet der Gießener Polizei im Verlaufe eines Monats tun und dabei erkennen zu lasten, daß die Polizei im Dienste der Allgemeinheit sehr viel zu tun hat. Die hauptsächlichsten Tätigkeitsgebiete unserer Gießener Polizei im Verlaufe des Monats September machten folgende Amtshandlungen der Polizeibeamten erforderlich: Gewerbe- und Nahrungsmittel-Polizei: Sieben Kontrollen des Brotgewichts, bei denen wegen Mindergewichts des Brotes in einem Fall- Anzeige erhoben werden mußte; 27 Milchkontrollen mittels Lactodenfiemeter; 8 Kohlengewichtskontrol- len; 15 Erhebungen von Lebensmittelproben in verschiedenen Betrieben; je 30. Kontrollen in der Frühe in den Bäckereibetrieben hinsichtlich des Arbeitsbeginns und hinsichtlich des Austragens von Backwaren, ferner bei den Milchhändlern in bezug auf Reinlichkeit der Milchkannen und Gefäße; laufende Kontrolle der Kartoffelpreise nach der neuen Anordnung, ebenso laufende Kontrolle der Zwiebelpreise; 16 Kontrollen zur Durchführung der Maß- und Gewichtsrevifion bei den restlichen Gewerbetreibenden; 7 Kontrollen der Metzgereibetriebe; 6 Kontrollen nach der Wildhandelsordnung; 12 Kon- trollen der KugelsteckMpparate; laufende lieber- wachung der Fleisch- und Wurstpreise, sowie der Mietpreisbildung, ferner laufende Butterkontrollen nach der Butteroerordnung (Preisbildung, Beschilderung); 65 Unfallanzeigen; 28 Unfallunterfuchun- gen; 35 Revisionen der Betriebe mit 20 Arbeitern und mehr auf- Grund der Arbeitszeitordnung; weiter wurden die Filmvorführungen wöchentlich einmal überwacht, 5 Strafanzeigen in gewerbepolizeilicher Hinsicht erhoben und die Preisbildung und Beschilderung der Waren auf dem Wochenmarkt einer strengen Ueberwachung unterworfen. Die Paß- und Stempelstelle wurde bei der Behandlung der Anliegen von Ausländern und der übrigen Genehmigungen wie folgt in Anspruch genommen: 13 Anmeldungen von Ausländern, 17 Abmeldungen von Ausländern, 5 Ummeldungen von Ausländern, bei 26 Ausländern Paßkontrollen, bei 13 Ausländern Kontrollen der Arbeitspapiere. Genehmigungen wurden erteilt: 12 ’erbe- riebe; ■$on. lieber. >e der Men seschil, Jd)un. '«item ' wei. h ein. wlizei. 8 unb Warft WWWMW. Roman von Anny von panhuys Urheberrechtsschutz Aufwärts-Berlag G. m. b. H., Berlin SW 68. Am Abend des Konzertes hatte er es sich daheim bequem gemacht. Er lag auf dem Sofa und las Fachschriften. Er bewohnte zwei Zimmer m ferner Pension im stillen Gärtnerweg. Aber er mar: beute richt so bei der Sache wie sonst. Seme Gedanken irrten immer wieder von dem Artikel der sich mtt einem neuen Autotyp befaßte, ab und suchten sich rorzustellen, wie Bettina Hochwald vor das Publi- hm treten würde. Er konnte es sich nicht recht vor- Canöfreis Gießen £ Großen-Linden, 14. Okt. Im oollbesetz- tca Saale des Gastwirts Schaum sprach in einer Lecsammlung der Einwohnerschaft Bürgermeister Michel zur Gemeinde. Zu Beginn machte er bekannt, daß die Sammlung des ersten Emtopfsonn- tat5 den ansehnlichen Betrag von 177 Mark er- neben habe. Weiter gab er bekannt, daß der Landwirt und Ortsbauernführer Wilhelm Wenzel zun zweiten Beigeordneten ernannt worden sei. Mr Hauptgrund zu seinen Ausführungen war nun nach achtmonatiger Tätigkeit einmal Rechenschaft obzuleqen über die Arbeit innerhalb der Gemeinde unb seine Erfahrungen, die er bis jetzt gesammelt har. Insbesondere setzte er sich auch mit Nörglern und Kritikern auseinander. Die schon seit Jahren bei trockener Witterung in den Sommermonaten^ Der Stand der Spiele in der Bezirks klasse, Gruppe Gießen. die Menschen und zogen in endlosem Zuge vorüber an den vielen Schaufenstern, darin Waren aller Art fo geschmackvoll und ins Auge fallend wie irgend- möglich ausgestellt waren, um zum Kaufe anzu- locken. Dort, wo die Leipziger Straße in den Potsdamer Platz mündet, standen Blumenverkäuser in Massen. Ein Farbenrausch von bunten Blumen ergab sich und Bettina Hochwald meinte lächelnd zu ihrem Begleiter, Konrad Wilderling: „Ich sehe Berlin in Wirklichkeit ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe. Es war in meiner Vorstellung immer etwas Großes, aber sehr Graues, etwas, was einem den Atem nimmt vor Maschinenmäßigkeit. Aber das ist anders. Es ist auch Fröhlichkeit in der Eile. Ich höre manchmal so frohes Lachen wie bei uns und die vielen vielen Blumen stecken als Strauß am Herzen Berlins und geben ihm Freude und Heiterkeit. Alles ist so sauber und der Herbsthimmet ist heute zum Beispiel so wunderschön blau, wie daheim bei uns. Was ich bis jetzt von Berlin gesehen, gefällt mir — und ich habe keine Angst mehr, vor den Berlinern zu singen." Sie gestand: „Vor den Berlinern habe ich mich nämlich ziemlich gefürchtet." Er schüttelte fast heftig den Kopf. Sie brauchen sich vor keinem Publikum der Welt zu fürchten, Bettina, Ihre Art, meine Lieder zu fingen," ist dazu viel zu eigen." Sig gingen nebeneinander her, dem Strudel des Potsdamer Platzes entgegen. Beide waren zum ersten Male in Berlin und machten am Tage ihrer Ankunft einen kleinen Spaziergang. Erst für den nächsten Abend war das Konzert angekündigt. Bettina machte vor einer Litfaßsäule halt und fand ihren Namen darauf. Sie lächelte ihren Begleiter an. „Komisch ist das! Mir erscheint es ganz fantastisch, daß mein Name hier mitten im lautesten Berlin gedruckt steht, wo sich so viele berühmte Namen zusammengefunden haben. So viele Theater- und Filmberühmtheiten." Bettina ahnte nicht, daß sich die Gräfin Jutta von Syden mit Gretel seit zwei Tagen in Berlin befanden, daß beide viel von ihr sprachen unb sich schon Karten für das Konzert besorgt hatten. Siö ahnte nicht, daß auch Dr. Diendorf sehr viel an sie dachte und das Konzert besuchen wollte. Aber sie fühlte Bangen, als ihre Programmnummer an dell Reihe war und fand es mit einem Male ganz unbe« greiflich, daß sie es wagen wollte, in Berlin ztt singen. „ _ (Fortsetzung folgt!) ,weg»7 pb. Butzbach, 14. Okt. Die NS.-Kultur- gemeinde, Ortsverband Butzbach, veranstaltete im kleinen Saal des „Hessischen Hofes" einen V o r - tragsabend unter dem Motto: „Fanfaren des Dritten Reiches". Der Vortragende, Dr. Leonhard Blaß (Berlin), verstand es von vornherein, die Hörer durch seine vollendete Vortragskunst zu fesseln. Den Vortragsabend hatte er in zwei Teile zerlegt: den ersten Teil benannte er „Kampf der Gedanken", den zweiten „Bekenntnis zum Führer . Den ersten Teil begann er mit dem aufruttehiben Gedicht von Dietrich Eckhardt „Deutschland erwache", ihm folgten bann Dichtungen von Iahst, Brook, Menzel, Chamberlain, Holzapfel, Anacker, Rosenberg, Böhme. Im zweiten Teil brachte er Stellen aus den Werken von Göring, dem Roman „Hitlerjunge Quex" von Peter Hagen, Dr. Goebbels, Nierens und Schirach. Lebhafter Beifall dankte Dr. Blaß für seine formvollendete Vortragsweise, dem auftretende Wasserknappheit soll durch Graben eines weiteren Brunnens behoben werden. Im Verlaufe der weiteren Ausführungen streifte der Redner die Judenfrage und ging noch kurz auf die außenpolitischen Ereignisse ein. Nach dem „Sieg-Heil!" auf den Führer und dem Horst-Wessel-Lied zeigte Lehrer Reinheimer einen von ihm gedrehten Film, der die Großen-Lindener Bevölkerung bei der Arbeit auf dem Felde, bei der Obstversteigerung, bei der Erntearbeit und beim diesjährigen Ernte- Jubel dankte. Wilderling hatte sich langst an die ihm anfangs so schwer scheinenden Dankesverbeugungen gewöhnt und Bettina lächelte unb fing alle Herzen ein mit ihrem sonnigen klaren Lächeln. Das ist ein Mädel! In die konnte ich altes Haus mich verlieben!" flüsterte Ernst Burger dem neben ihm Sitzenden begeistert zu. Als Bettina das Podium verlassen, und der berühmte Violinist wieder da oben stand und wilde Kadenzen aus seiner Geige lockte, rote das Lachen von Teufeln und Sirenen, hätte sich Hans Syden am liebsten die Ohren zugehalten, damit sie nicht den Nachhall der rheinischen Lieder übertonen soll- ten der in ihm geblieben. Er wartete etwas nervös auf das zweite und letzte Auftreten Bettinas. Was die Zeit bis dahin ausfüllte schien ihm ode. Die Lieder, die Lieder und Bettina! Schon paßten treten Bettinas. Er ärgerte sich fast darüber, wie gespannt er war. Ganz deutlich glaubte er sie schon vor sich। zu sehen. Ein wenig zu hell, ein wenig zu farblos. Daß sie gut sang, gut vortrug, das wußte er längst, aber __Viele Aber hatte er bereit. Und dann war Bettina plötzlich da, neben dem alten Wilderling, dem die silbergrauen Locken um den großen Kopf strudelten. Da war sie plötzlich und er wußte, sie war es, weil er sie genau kannte, und doch schien sie ihm verwandelt. Schien schlanker, vornehmer, und von eigenartiger Schönheit. Das mattgrüne Samtkleid zeigte, wie schön gewachsen Bettina war und um das Haar, das matte Bernsteinhaar, konnte jeder Bettina beneiden. Hans Syden ahnte nicht, daß Bettinas Gedanken jetzt bei ihm wären, obwohl sie ihn nicht sah, obwohl sie nicht wußte, ob er wirklich im Saale unter den Zuhörern saß. Sie wußte nur, sie befand sich in Frankfurt am Main, wo er lebte unb sie dachte und wünschte, er sollte da sein. Sollte sie hören, sollte miterleben, wie man sie feierte. Denn man jubelte ihr überall zu, also würde es hier nicht anders sein. Sie hatte es sich immer ausgemalt, daß sie schön sein wollte, wenn er sie so wiedersehen würde und alle erzählten ihr wieder und wieder, sie wäre wunderschön. Sie hoffte, er säße da unten und dachte — Ach, was er denken sollte — sie wußte es selbst nicht genau. Verworren war das alles, aber ihr war es, als brannten ihre Lippen wie Flammen, die Lippen, die er geküßt. Sie sang das erste Lied, sie fang das zweite Lied und fang das dritte. Jubel antwortete jedesmal. mannschaft geblieben. Einen ausgesprochen schlechten Start hatten in diesem Jahre die 1900er. Die Mannschaft kann bestimmt mehr, als sie bis jetzt zeigte und wird, wenn es ihr möglich ist, ihre alten bewährten Kräfte wieder zu stellen, sich nicht aus dem engeren Wettbewerb um die Spitze ausschalten lassen. Es ist zu berücksichtigen, daß sie bisher ein Spiel weniger ausgetragen haben. Für Dillenburg war es höchste Zeit, daß es am Sonntag die ersten beiden Punkte auf eigenem Gelände erkämpfte. Die Mannschaft ist unbeständig. Die Watzenborn-Stein- berger, noch im vergangenen Spieljahre die gefürch- tetste Heimatmannschaft, befinden sich in einer Krise. Zur Gesamtbeurteilung der Spielstärke ist zu sagen, daß die Ausgeglichenheit mehrerer Mannschaften bestimmt es mit sich bringen wird, daß innerhalb der Spitzengruppe des öfteren Veränderungen eintreten werden. Ergebnisse der Kreisklassen. Oberbiel — Sportfreunde Wetzlar 3:4; 1900 II gegen Großen-Buseck 1:2; Leihgestern — Rodheim 4:0; Heuchelheim — VfB.-R. II 5:2; Albshausen gegen Steindorf 2:2; Philippstein — Stockhausen 1:0; Leun — Bissenberg 4:1; Holzhausen — Ulm 1:2; Ehringshausen — Werdorf 3:2; Garbenteich gegen Steinberg 2:0 abgebr.; Steinbach — Großen- Linden 11:4; 1900 III — Lich II 9:0; Allendorf gegen Grüningen 5:1; Lich — VfB.-R. III 5:0; Rod- Heim II — Vetzberg; Alten-Buseck — Tv. 1846 Gießen 2:2; Launsbach — Fellingshausen 2:3; Krofdorf — Lollar II 3:1; Großen-Buseck II — Rüb- dingshausen 4:5; Londorf — Daubringen 5:1; Geils- danksest behandelte. Außerdem konnten sich die Eltern der Schulkinder einen Eindruck von dem Lager der hiesigen Volksschule im vergangenen Sommer im Vogelsberg verschaffen, von dem ebenfalls Aufnahmen gezeigt wurden. wg. Großen-Buseck, 15. Okt. Der hiesige Geflugelzuchtverein hielt nach einer längeren Pause in seinem Vereinslokal bei Gastwirt Hahn eine außerordentliche Versammlung ab, in der nach der Eröffnung durch den ersten Vorsitzenden, Lehrer Jung zunächst der Vorstand bestimmt wurde. Der Vorstand setzt sich aus folgenden Herren zusammen: 1. Vorsitzender Lehrer Ludwig Jung, stellv. Vorsitzender Schlossermeister Heinrich Zecher, Schriftführer Heinrich Münch III., Beisitzer Heinrich M e- I i o r, Rechner Wilhelm Weiß L, Kassierer Wilhelm Weiß II., Zeugwart Karl Wilhelm Wagner. Im Verlauf der Versammlung wurde ein- stimmig beschlossen, eine totale Geflügelschau abzuhalten, die am 10. November in der Gastwirtschaft „Zum Busecker Tal" (Mitglied Ludwig G a n s) stattfinden soll. Es wurden sofort zahlreiche Meldungen abgegeben. Zum Ausstellungs- leiter ist der bekannte Plymouth-Rocks-Züchter Heinrich Pfeiffer bestimmt worden. Mit den Vorbereitungsarbeiten für diese Schau wird sofort begonnen. Nach dem Austausch von Erfahrungen in der Aufzucht und in " “ ------ ustausch von Erfahrungen m uen. -uur uuUCt , her ftütteruna fand die Der- bracht wurde, war allem das Werk der Juden, fammlung ihren Abschluß. — Im Saale der Gast- Juden hatten aus Deutschland, der Ordnungszelle wirtschaft „Zur Germania" zeigte die Gausilmstelle Europas, mit dem ^Etotz vom 9. Novembe . der NSDAP, den Tonfilm „Schwarzer Rger I°- em und d^n chg^Ml erbund^d h auch derHter'der Ortsgruppe, Oberstüdiendirektor W hem äSb ^Gans, in seinem Schlußwort Ausdruck gab. folgt. f Treis a.d. Lumda, 15. Oktober. Mit dem heutigen Tage verläßt der seitherige Bahnhofsvorsteher Hölscher unsere Gemeinde, um seine neue Stelle als Reichsbahnbetriebsassistent in Großen- Buseck anzutreten, die er schon seit einiger Zeit kommissarisch verwaltet. Wir verlieren in ihm einen tüchtigen Beamten, der es verstand, stets dem Publikum gegenüber den rechten Ton zu finden. Sein Nachfolger ist Willi Schmu Ibach, der schon seit einiger Zeit die Stelle hier versieht. — Unser drittes, mitten im Dorf gelegenes Gemeindebackhaus ist unbrauchbar gewesen und soll, da sein Rauch die Nachbarschaft, besonders auch die Schule sehr belästigte, an einer anderen Stelle neu errichtet werden, man weiß nur noch nicht recht wo, da ein wirklich geeigneter Platz, der von allen Beteiligten so bequem zu erreichen ist, wie seither, schwer zu finden ist. ]) Lich, 14. Okt. Am Sonntagnachmittab fand die diesjährige Hauptübung der Freiwilligen Feuerwehr Lich und der Pflicht- feuerwehr statt, mit der eine Besichtigung beider Wehren verbunden war. Hierzu waren Kreis- seuerwehrinspektor Bouffier (Gießen) und der Kommandant der Gießener Gailschen Freiwilligen Feuerwehr Münch (Gießen) erschienen. Beide Wehren, die in einer Gesamtstärke von 178 Mann angetreten waren, marschierten mit der Kapelle der Freiwilligen Wehr zum Uebungsplatz, wo unter dem Kommando von Oberbrandmeister Zimmer (Lich) Fußexerzieren und Geräteübungen durchgeführt wurden. Im Anschluß an das Exerzieren wurde unter Einsatz der Feuerwehr und der Sanitätskolonne vom Roten Kreuz ein Großbrandangriff auf die Gastwirtschaft „Zum Storchen" gezeigt. Nach der Uebung erfolgte der Rückmarsch zum Ge- rätehaus. Hier sprach Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier über die planmäßig aufgebaute und folgerichtig durchaeführte Uebung beim Brandangriff seine volle Anerkennung aus. Ebenso lobend . I äußerte er sich über den Zustand und die Reichhaltigkeit der Feuerlöschgeräte. Die Stadt Lich könne I mit Stolz auf eine solche schlagfertige Wehr blicken. und Kameradschaftsabend der Freiwilligen Wehr statt. Nach der Begrüßung der außerordentlich zahlreichen Besucher durch den Führer der Licker Wehr, Oberbrandmeister Zimmer, in der für das große Interesse und die Verbundenheit sowie die Anteilnahme der Licher Bevölkerung gedankt wurde, sprach Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier (Gießen) in längeren Ausführungen mit werbenden Worten über Zweck, Ziel und Aufgaben der Freiwilligen Feuerwehren im Dritten Reich und überreichte dann fünf Mitgliedern der Licher Wehr Christian A l b o h n IL, Fritz A r n o I d , Fritz Kächler, Ludwig Menges I. und Geora Christian U h r h a n , das Ehrenzeichen des Landesverbandes Hessischer Freiwilliger Feuerwehren für 15- jährige ununterbrochene Dienstzeit in der Freuncl- ligen Feuerwehr. Bürgermeister Geil sprach sich anerkennend über die am Nachmittag gezeigten Leistungen aus und versprach als Vertreter der Stadt, der Wehr stets seine Unterstützung angedeihen zu lassen. Kameradschaftliches Beisammensein mit Tanz beschloß den Abend. I Lich, 15. Okt. Dem Vorsitzenden des Volks- bilbungsoereins, Lehrer Hild, war es gelungen, für den Montagabend Pg. Prof. Dreyer (Friedberg) als Redner zu gewinnen, der seit bald zwei Jahrzehnten im Kampf gegen öte Kriegsschuldlüge tätig ist. Der Dereinsfuhrer, Lehrer Hild, begrüßte die Versammlung, dann sprach Professor Dreher über das Thema „Alljudas Schuld am, im und nach dem Kriege". Der Redner gab ein Bild des Judentums aus der ältesten Vergangenheit bis zur Gegenwart. Er lieh die Zu- Hörer Blicke tun hinter die Kulissen des Weltkrieges und zeigte an vielen Beispielen, mit welchen Waffen die Juden für ihre Weltherrschaft kämpften. Mit seinen Bundesgenossen, Freimaurertum und Marxismus, reichte'sich Alljuda über die Grenzen Deutschlands hinaus die Hände, um zur Weltmacht zu wer- den. Daß dabei Deutschland an den Abgrund ge- [ampf bestehen können." Beobachtungen an den Albacher Teichen. J Lich, 16. Okt. Wer jetzt gegen Abend den Albacher Teichen einen Besuch abstattet, kann Raturbeobachtungen seltener Art machen. Der größte der Teiche, der in der vorigen Woche abge- laflen wurde und jetzt nur ganz geringen Wasser- itanö zeigt, wird von seinen allabendlich in der hq-bstzeit sich einstellenden Besuchern, den Tausende und aber Tausenden von Staren aus nächster unb weitester Umgegend, gemieden. In der Luft Schwirren sie schreiend in großen Scharen herum uii) suchen vergeblich nach ihren seitherigen Ruhe- pl tzen im Schilf, das, zertreten und zum Teil ab- ae iäht, ihnen keinen Ruheplatz mehr gewahrt, sine ständigen Bewohner, Bläßhühner und Wilder len, haben den Teich ebenfalls verlassen; sie l)ö en vorübergehend ihr Standquartier aufgegeben im sind nach dem nächstgrößeren Teich nur we- ni c Minuten talaufwärts, abgewandert. Hier wim- iriit es gegenwärtig von diesen Wasserbewohnern; n seilen kann man auf kleiner Wasserfläche bis zu hijidert Bläßhühner zählen, und wenn man die n iqe Ruhe und Ausdauer im Warten bewahrt, utt man ein halbes hundert Wildenten. Bemerken dl'e aber den Menschen, so steigen sie in großer Z hl plötzlich auf, um in Scharen von 2 bis 5, al r auch in Mengen zu 15 und 20, in großen B gen die Teiche zu umkreisen und dann nach lä geren Flügen ins Wasser zurückzukehren. Doch n r noch wenige Stunden dürfen sich die Tiere iher zweiten Heimat erfreuen, denn seit 0^™ sind die Schleusen geöffnet, um auch diesen Teich zil entleeren. Etwa vierzig Stunden lauft das Lasser ab, so daß am Donnerstag auch Fischzug ir zweiten Teich gehalten werden kann, wozu sich si erlich wieder viele Zuschauer einfinden werden. Bs zum Füllen der Teiche verlaufen im allge- nwinen bei normalem Wetter etwa 20 Tage. Der Tabellenführer Naunheim hat in diesem Jahre tatsächlich eine Mannschaft zur Stelle, die in ihrer augenblicklichen Form als erster Anwärter für die Meisterschaft in Frage käme. Die schwersten Spiele dürfte die Mannschaft bereits in Wetzlar und Bissenberg und gegen VfB.-R. Gießen hinter sich haben, so daß nicht zu erwarten ist, daß die Naunheimer aus der Spitzengruppe verdrängt werden. Die Bissenberger, im vergangenen Spieljahr schon ein gefürchteter Gegner, sind auch in diesem Jahr wieder in guter Form. Die Frohnhausener sind in diesem Jahre in technischer Hinsicht bedeutend reifer geworden. Sie haben bis jetzt annehmbare Leistungen gezeigt. Der vorjährige Meister hat bis jetzt enttäuscht und scheint in seiner Spielstärke zurückgegangen zu sein. Seine Niederlage auf eigenem Platz gegen den Tabellenführer bedeutete eine Sensation. Aber man weiß, daß die Wetzlarer, dann, wenn es darauf ankommt, zur Stelle sind. Der Neuling Sinn hat sich sehr gut in der Gruppe zurecht- gefunden und zeigte ausgeglichene Durchschnittsleistungen. Die Niedergirmeser sind die alte Kampf- der Kampf angesagt und das Ende ihrer Herrschaft in Deutschland herbeigeführt. Drtegruppenleiter Kuhn dankte unter dem Beiefall der Versammlung dem Redner für seine Ausführungen und forderte zur tatkräftigen Unterstützung der Arbeit unseres Führers auf. Die Versammlung wurde dann m der üblichen Weise geschlossen. D Lich, 15. Okt. Auf Einladung der NS-Ge- meinschaft ^Kraft durch Freude" und der NS.- Kulturgemeinde weilte am Samstagabend das Gießener Stadttheater in unserer Stadt, um unter Spielleitung von Wolfgang Kühne in der Turnhalle das reizende Lustspiel „Hilde und 4 PS' zur Aufführung zu bringen. Das Stück wurde vorzüglich bargeboten. Stärkster Beifall lohnte die guten Darbietungen der Schauspieler. Der Besuch des Abends litt leider darunter, doch gerade am Samstag und Sonntag verschiedene Veranstaltungen stattfanden. Mancher, der das Stück gern gesehen hätte, ist dadurch um einen selten gebotenen Kunstgenuß gekommen. Hoffen wir, daß beim zweiten Theaterabend — im ganzen sind vier Gastspiele geplant — ar in zur M lich feste bummeln, und Karten fürs Konzert waren a,rtJLq alch nicht mehr zu haben gewesen. Pauli zieht, aber rW,1 kg e3 heißt, das Wort „ausverkauft" wäre auf Rech- erV hen ninq des rheinischen Komponisten Wilderling zu Ä«-" von dessen Existenz die meisten Leute bis jcht feine Ahnung gehabt. Ich übrigens auch mcht. fl|, Die Sängerin seiner Lieder soll großartig fein." Er ließ sich auf dem nächsten Stuhl nieder. „Nun durch habe ich eine Einlaßkarte frei und dachte: Fahr mal irqDm)flrt taich zu Graf Syden, der kommt melletcht mit. folgte Hans Syden mußte die Einladung annehmen er ü wußte keine Ausrede unb beleibigen wollte er ben immer entqegenfommenben Chef, der ihn rote einen jüngeren Freund behandelte, auf feinen Fall So warf er sich denn auch in Dreß und aß bann ar ber Seite Burgers auf einem sehr guten Par- irSÄr ^i™a®sr6®benrh”rk di^z^mmen? Imm-r ho.te es noch wie -in Druck hum9, was er spielte, er wartete nur auf bas Auf- auf thrn gelegen das dose Erleben, unb letzt war es [tir gerichtet: „In biefen Tagen hat bie junge ®arbe bes Führers, bie HI., erneut in ber Öffentlichkeit ben Beweis bafür angetreten, baß es Ehrenpflicht aller Later unb Mütter in Deutfchlanb fein mutz, ihre Lohne unb Töchter ber HI- ober Dem 8dM zuzuführen. Die beutfche Jugenb ist )a wertvollste Gut ber Nation unb gehört somit Je i Führer. Die Jungen unb Mabel bie bie welt- auchauliche unb kamerabschaftliche Schulung bes Ji igoolfs, ber HI. unb bes BbM in sich au neh- n haben einzig unb allem bie Anwartschaft bdrauf, in bie Meisterlehre bes Hanb- Dh r k s ausgenommen zu werben. Von Euch, nanbroerfsmeifter, erwarte ich, baß Ihr nur m die Lehrlinge unb Lehrmäbchen m £ire Werkstätten aufnehmt, bie ben Organisationen ber Jugenb bes Führers an- g hören. Die vornehmste Aufgabe bes Hanb- wirfs muß es sein, aus biefen Hitler-Jungen unb 8 M.-Mäbel Menschen zu formen, bie im Lebens- Spiele gern. verl. un- entsch. Pkte. Tore Naunheim 4 4 0 0 8 14:5 VfB.-R. Gießen 4 3 1 0 6 12:6 Bissenberg 4 2 1 1 5 10:8 Frohnhausen 4 2 1 1 5 10:8 Wetzlar 3 2 1 0 4 8:7 Sinn 4 1 2 1 3 10:8 Niebergirmes 4 1 2 1 3 4:8 1900 Gießen 3 0 1 2 2 5:6 Dillenburg 4 1 3 0 2 8:13 W.-Steinberg 4 0 4 0 0 6:18 Hausen — Flensungen 10:1; Burgsolms H gegen Naunheim II; Waldgirmes — Aßlar II 1:3; Oberndorf — Sportfreunde Wetzlar II 4:1. Sportverein 1920 Heuchelheim. Heuchelheim I — VfV.-Reichsbahn Gießen II 5:2. Die 1. Jugendmannschaft von Heuchelheim kam pm Sonntag mit einem schönen 4:1-Sieg nach Hause. Ihr Sieg über die 1. Jugend der Spog. Leihgestern war verdient. Die 1. Mannschaft hatte die Zweite vom VfB.-R. Gießen zu Gast und blieb mit 5:2 verdienter Sieger. Leider verloren die Gäste schon wenige Minuten nach Beginn einen ihrer Stürmer. Trotzdem gingen die Gäste durch einen überraschenden Schuß des Rechtsaußen in Führung, und es dauerte einige Zeit bis der Linksaußen der Gastgeber ausgleichen konnte. Bei einem Gedränge vor dem Tore schoß er den Ball scharf neben den Pfosten. Bis zur Pause konnte Heuchelheim noch zwei Tore, darunter ein Elfmetertor, erzielen. Kurz nach der Pause konnte Heuchelheim durch einen Schnitzer des Gästehüters ein viertes Tor erzielen. Aber schon im Gegenstoß kamen die Gäste zu ihrem zweiten Tor. Der Linksaußen umspielte die zu weit aufgerückte Verteidigung der Gastgeber und schoß aus vollem Lauf unhaltbar unter die Latte. Heuchelheim wurde nun stark überlegen und konnte wenige Minuten vor Schluß durch den Halblinken, der aus etwa 20 Meter Entfernung einen Ball flach neben den Pfosten setzte, das Endresultat herstellen. Die Gäste hatten ihren besten Teil in der Verteidigung und der Läuferreihe, während der Sturm, allerdings nur mit vier Mann, sehr oft schon in der Läuferreihe der Heuchelheimer hängen blieb. Der Tormann der Gäste war zeitweise sehr unsicher. Bei Heuchelheim war die Hintermannschaft gut. Auch die Läuferreihe arbeitete zufriedenstellend. Im Sturm, der erstmalig in dieser Aufstellung spielte, fehlte der Zusammenhang. Nach einer gegen Ende .des Spieles vorgenommenen Umstellung ging es dann etwas besser. F.-Sp.-D. 1926 Steinbach. Steinbach I — Grohen-Linden I 12:4 (6:4). Ein torreiches Treffen gab es am Sonntag in Steinbach. In der ersten Halbzeit leisteten die Gäste noch einigerrüaßen Widerstand. Steinbach spielte während dieser ersten Halbzeit gegen die Sonne. Die einheimische Hintermannschaft mußte sich dabei viermal geschlagen bekennen. In der zweiten Spielhälfte waren die Gastgeber eindeutig überlegen, spielten sehr gut zusammen und erzielten Tor auf Tor. Der Sieg war verdient. Steinbach 3gb. — Großen-Linden 3gb. 3:3 (1:1). Einen schönen Erfolg errang die Jugend, die gegen die starke Jugend der Gäste einen Punkt zu retten vermochte. D. f. 2R. Lich. Lich I — VfB.-R. Gießen II 5:0 (4:0). Lichs erste Mannschaft bestritt am Sonntag das fällige Verbandsspiel gegen die Zweite des VfB.-R. Gießen. Die Gastgeber, in guter Verfassung, hatten Anstoß und bedrängten heftig das Tor der Gäste, ohne jedoch zunächst zu Erfolgen zu kommen. In der neunten Minute fiel daß erste Tor für Lich gus einer schön vorgelagerten Kombination, die vom Rechtsaußen geschickt beschlossen wurde. Bis zur Pause erzielten die Gastgeber drei weitere Tore. Nach Halbzeit stellten die Gießener um, spielten nun ihrerseits druckvoller, ohne jedoch erfolgreich zu sein, während die Licher auf 5:0 erhöhen konnten. VfR. Lich 3gb. — Tv. Klem-Linden 3gb. 0:3 (0:3). Klein-Linden stellte eine körperlich weit überlegene Mannschaft, während die Gastgeber das technisch bessere Spiel zeigten. Sportverein 1928 Garbenteich. Garbenteich I — Watzenborn-Steinberg II 2:0 (1:0) Garbenteich und Watzenborn-Steinberg trafen sich in Garbenteich zum Derbandsspiel. Etwa 200 Zuschauer säumten das Spielfeld. Der Kampf gestaltete sich ziemlich hart. Garbenteich konnte sich dabei nicht recht entfalten. Der Gastgeber verlor außerdem kurz nach Beginn seinen Mittelstürmer und mußte so den Lokalkampf mit zehn Mann bestreiten. Nach zehn Minuten Spielzeit gelang es dem Halbrechten der Blauweihen, zum ersten Tor für Garbenteich einzusenden. Bis zur Halbzeit änderte sich an diesem Ergebnis nichts mehr. Nach der Pause war Garbenteich, den Wind im Rücken, tonangebend. Nachdem der Halblinke von Garbenteich plötzlich gelegt worden war und zu gleicher Zeit der Mittelläufer der Gastgeber aus dem Hinterhalt ein Tor schießen konnte, protestierten die Gäste, so daß es in der Folge zum Spielabbruch kam. Garbenteich führt nunmehr nach dem fünften Derbandsspiel mit 10:0 Punkten die Tabelle an. Die Jugendmannschaft gewann auf eigenem Gelände gegen die gleiche von Daubringen mit 4:3 Toren. Tußboll im Tv. Allendorf Beide Mannschaften trafen sich in Allendorf. Grüningen schuf zunächst manche gefährliche Situation vor dem Tor des Gastgebers, die einheimische Verteidigung war aber sehr auf dem Posten, so daß den Gasten Erfolge versagt blieben. Allendorf kam dann mit einem schönen 16-Meter-Schuß des Mittelstürmers zur Führung, bald darauf schoß derselbe Spieler auch das zweite Tor. Grüningen gab sich aber nicht geschlagen, sondern kämpfte unentmutigt und gefährlich weiter. Kurz vor der Pause konnte der Allendörfer Linksaußen auf 3:0 erhöhen. Nach der Pause ging der Kampf unverändert heftig weiter. Die Gäste waren weiter sehr angriffslustig, und tatsächlich gelang ihnen auch das verdiente Ehrentor. Erst kurz vor Schluß erhöhten die Platzbesitzer aus einem schön hereingegebenen Eckball auf 5:1. VfB. Krofdorf-Gleiberg. Ein hartnäckiger Kampf! Erst in der letzten Viertelstunde fiel die Entscheidung um den Sieg! Krofdorf-Gleiberg lag meist im Angriff, ein blitzschneller Durchbruch brachte aber doch die Gäste Front. Die Platzbesitzer verloren dann einen Spie ler durch Herausstellung; Lollar verteidigte bei Vorsprung mit großer Energie. Man glaubte scho, an einen'Sieg der Gäste. In der zweiten Halbzes kämpften die Gastgeber verbissen weiter und e gelang dann auch, den Ausgleich zu erzielen. De Linksaußen schuf dann mit einem Tor die Führun für Krofdorf-Gleiberg, während der Rechtsauße, gar auf 3:1 erhöhen konnte. Ausgezeichnet wo, der Tormann der Gäste, der die gefährlichsten Bäll hielt. Wanderpreiskegeln in Wieseck. Am Sonntag fand auf der Kegelbahn des Kegi| kranz- „Vorwärts" bei Gastwirt Richard Welle in Wieseck der dritte Kampf um den Wanderprej für das Jahr 1935/36 statt. Kegelkranz „Vorwärts' dem es gelungen war, die zwei ersten Kämpfe fj sich zu entscheiden, gelang es auch diesmal, be Kampf zu gewinnen. Wenn auch die erreichte Hol zahl nicht an die beiden ersten Kämpfe heranreict so kann man unter Berücksichtigung der Bah (Schere) das Resultat noch als gut bezeichnen. Di Zehner-Mannschaft von „Vorwärts" erreichte 137 Holz, die Mannschaft von „Alle Neun" 1336 Hof Ein schöner Kampf ist damit unter großem Inte, esse von schaulustigen Kegelbrüdern, die dem Kamx beiwohnten, zu Ende gegangen. In der Einzel bewertung erreichten die Kegler August K l i n („Vorwärts") mit 150 Holz, Heinrich Ihm („Vor wärts") mit 149 Holz und W. Strack („All Neun") mit 146 Holz die Bestleistung. In den drei ausgetragenen Kämpfen erreichte, Kegelkranz „Vorwärts" 4393 Holz, „Alle Neun 4253 Holz und „Gut Holz" 3924 Holz. Der Vor sitzende des Kegleroereins Lahn-Buseckertal, Will, Schäfer, überreichte mit einer vorausgehendei kurzen Ansprache dem Kegelkranz „Vorwärts" be schönen Wanderpreis. Dis zum 1. Dezember solle, die neuen Bundesbahnen (zwei Asphalt und ein Schere) in Wieseck fertiggestellt sein. Preiswerte Winter p. m M. Chevron-Boucle, 145 cm br., in verschiedenen richtigen Farben p. m M. Sport-Mantelstoff, 148 cm br., ca. 80% Wolle, in aparter Ausmusterung p. m M. 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Don Heinz Wohlgemuih Hausfrau findet sich damit ab und vergißt, daß sie durch gute Beleuchtung viel Zeit sparen und manche Arbeit besser machen kann. Am Schreibtisch, überhaupt in den Büros, steht es manchmal noch schlimmer. In wievielen Büroräumen müssen Menschen sich tagtäglich stundenlang mit künstlichem Licht behelfen, dessen Helligkeit noch nicht Eindreißigstel der des Tageslichtes beträgt! Es gibt einen einfachen Maßstab für richtige Beleuchtung am Schreibtisch, überhaupt im Zimmer: man nehme sich den Börsenteil seiner Zeitung vor und stelle fest, ob man ohne Anstrengung und Ermüdung der Augen jede noch so kleine Zahl des Kurszettels lesen kann. Verhängnisvoller noch als im Büro können Die Folgen schlechter Beleuchtung in den W e r k st ä t- t e n des Handwerks und der Industrie sein. Es ist ein Verbrechen, die Gesundheit der Gefolgschaft durch schlechte Beleuchtung zu schädigen: es ist aber auch eine Dummheit-, denn der Betriebsleiter setzt fahrlässig die Leistungsfähigkeit seines eigenen Betriebes herab, verursacht Arbeitsfehler und damit Kosten und Mißstimmung. In der Werkstatt ist es noch wichtiger als im Haushalt, nicht nur Licht zu haben, sondern g u t e s L i ch t. Für jeden einzelnen Arbeitsplatz muß genau überlegt werden, ob er mit der Allgemeinbeleuchtung des Raumes auskommt oder ob 'eine Einzelplatz-Beleuchtung erforderlich ist. Jede Werkstatt ist anders, in jeder Werkstatt gibt es andere Maschinen, anderes Arbeitsgut und eine andere Anordnung der Arbeits-Vorgänge. Noch immer gibt es Werkstätten, in denen blendende Hängelampen unzureichendes Licht spenden oder behelfsmäßig aufgehängte Handlampen die wichtigsten Teile einer Arbeitsmaschine derart bestrahlen, daß sie unübersichtlich sind, blendende Reflexe auf den Metallteilen erzeugen und sogar die Gefahr von Kurzschlüssen und Unfällen mit sich bringen. Bei vielen Maschinen, z.B. in Druckerei- oder Textilbetrieben, aber auch in vielen Werkstätten ber metallverarbei- tenben Jnbustrien, muß heute Die Beleuchtung ge- rabezu als Maschinenteil angesehen werben, ber von vornherein mitentworfen unb unter Umstänben sogar miteingebaut sein muß, unb manche feine Arbeit etwa in ber Montage ober ber Prüferei oder beim Uhrmacher oder Goldschmied, ist sogar in erster Linie abhängig von der Güte und Zweckmäßigkeit des künstlichen Lichtes Die wirtschaftliche Betrachtungsweise der Llcht- fraqe kann man aber auch nach einer anderen Seite hin erweitern: Vom Elektrizitätswerk fordert jeder Abnehmer naturgemäß, daß es ihm den Strom so billig wie möglich liefert. Je mehr Abnehmer das Werk aber hat und je besser sich die Stromabnahme beim Werk über den ganzen Tag verteilt um so billiger kann das Werk Strom liefern und um so mehr Sondertarife kann es für ! bestimmte Zwecke gewähren, liebet die Hälfte der Wattstunde stellt. Diese Treiboffe bieten noch reiche technische Entfaltungsmöglichkeiten, und es ist zu hoffen, daß wir uns mit ihrer Hilfe von dem Zwang zur Einfuhr der Mineralöle, mit denen wir im Gegensatz zu anderen großen Ländern nur recht spärlich ausgestattet sind, dank der Schöpferkraft unserer Chemiker und Techniker mehr und mehr unabhängig zu machen vermögen. Notizbuch der kleinen Erfindungen. Ein neuer Wäscheleinespanner, aus einer stark verzinnten Rolle und einem Eisen- oder Holzgewinde bestehend, vereinfacht das Leinenspannen. Um die Rolle gelegt, wird die Leine bis zur notwendigen Spannung angezogen. Sie bleibt dann vollkommen straff. Eine kleine Aufrollvorrichtung, die jetzt für billiges Geld geschaffen wurde, hält von Zuleitungen elektrischer Bügeleisen und von Telephonschnüren unnötigen Verschleiß fern. Auch Störungen durch Kurzschluß werden vermieden. März nächsten Jahres seine Probefahrten unternehmen. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Die amerikanische Industrie bestellte, wie bereits „aus aller Welt" gemeldet wurde, bei einem deutschen Luftschiffwerk in Speyer zehn halbstarre Luftschiff e. Es handelt sich um dem System des damaligen Militär-Luftschiffes M 4" das nach Entwürfen des Konstrukteurs Bas en ach gebaut wurde. Die Luftschiffe werden 110 m lang, 23 m breit und 20 m hoch sein und vor allem für die Nachtreklame in Amerika verwendet werden. Zu diesem Zweck werden Beleuchtungsanlagen mit 15 000 Lampen an den Außenseiten des Scheuertücher Hand ausgewrungen zu werden. Eine kleine, aus zwei Metallringen und einer Gummihülse bestehende Zusatzvorrichtung zum Eimer vereinfacht das Aus- wringen außerordentlich. Splitter, Nägel usw., dis Gutes Licht! Neuzeitliche Beleuchtungstechnik. Für kriminalistische und ähnliche Zwecke hat ein Pariser Optiker eine überaus winzige und dennoch haarscharf arbeitende Kamera in den Steg einer Ein Druck auf den rechten GasundSttomalsAutottasistoff. Bon Dr. Lener, Berlin. Als gasförmige Treibstoffe kommen sowohl Hochdruckgase wie Leuchtgas und Methan als auch Flüssiggase wie Ruhrgaso'l, Butan, Propan in Betracht. Das Leuchtgas oder Stadtgas wird durch Trockendeftillation von Steinkohle und neuerdings auch aus roher und brikettierter Braunkohle gewonnen. Es hat gegenüber den anderen Gasarten den Vorteil, daß es in unbegrenzter Menge herge- ftellt werden kann. Sein Heizwert ist aber bedeutend geringer, deshalb muß es stark zusammengepreßt in drucksesten Flaschen mitgeführt werden, die ein ziemlich hohes Gewicht aufweisen. Durch diese B e - l a st u n g des Kraftwagens find dem Anwendungsbereich des Leuchtgases bestimmte Grenzen gezogen, die bei einem Eigengewicht des Fahrzeuges von zwei Tonnen liegen; somit kommen hierfür nur Lastwagen und Kraftomnibusse in Frage. Der Inhalt der einzelnen Flasche beträgt etwa 10 bis 12 Kubikmeter und reicht für eine Strecke von 100 bis 120 Kilometer. Zwei Kubik- meter Gas ersetzen ein Liter Benzin und kosten ungefähr 20 bis 24 Pfennig. Die Umstellung des Fahrzeuges auf Gasantrieb ist verhältnismäßig einfach: die Kosten betragen etwa 600 bis 800 Mark einschließlich des Kaufpreises von vier bis fünf Gas- dehältern. Wenn der mitgeführte Gasvorrat nicht ausreicht, besteht die Möglichkeit, mit flüssigem Treibstoff weiter zu fahren. In Frankreich und England ist Lebchtgas für den Motorantrieb schon seit längerer Zeit nutzbar gemacht. In Deutschland sollen neuerdings in verschiedenen Städten Versuchstank st eilen eingerichtet und Typen von Versuchswagen in Betrieb genommen werden, um auf Grund größerer Erfahrungen diesen Treibstoff auf möglichst breiter und wirtschaftlicher Grund- läge in den deutschen Kraftverkehr einzuschalten. Um zu prüfen, wie sich der Leuchtgasantrieb im Fernverkehr bewährt, hat vor kurzem die Ruhrgas- AG. eine Probefahrt von Essen nach Königsberg unternommen. Der Betriebsstoff wurde in zwölf Flaschen mit je 10 Kubikmeter Leuchtgas mit- geführt. Das Gas wurde in Hannover, der zur Zeit einzigen.Leuchtgastankstelle in Deutschland, getankt. Die Gesamtstrecke von 1185 Kilometer wurde mit einer durchschnittlichen Stundengeschwindigkeit von rund 43 Kilometer zurückgelegt, wobei der gesamte Gasverbrauch 575 Kubikmeter, also 48,5 Kubikmeter je 100 Kilometer betrug. In neuester Zeit wird auch das Elektrofahrzeug wieder stärker beachtet. In den städtischen Fuhrparken findet es schon seit langer Zeit Verwendung. Durch das Gewicht der Akkumulatoren sind seine Anwendungsmöglichkeiten im Fernverkehr allerdings begrenzt, im Stadtverkehr je- doch mit seinen nur kurzen Wegstrecken, den ungleichmäßigen Geschwindigkeiten, dem öfteren Anhalten und Anfahren ist seine Verwendung sehr angebracht. Dor allem ist es gut brauchbar für Straßenreinigung, Müllabfuhr, Transportgewerbe und Kohlenhandel. Die Benutzung des billigen Nachtstromes zum Aufladen der Akkumulatoren gestaltet den Elektroantrieb billig und trägt außerdem zur wirtschaftlicheren Ausnutzung der Elektrizitätswerke bei. An Stelle von einem Liter Benzin braucht man 2V2 Kilowattstunden Strom, der sich z. B. in Berlin auf nur 4 Pf. für eine Kilo- Nachdem uns die Alliierten 140 bis 160 arben Goldmark Tribute und Kriegsentschädigungen Das Amt „Schönheit der Arbeit" in der Deut- , schen Arbeitsfront führt einen großen Werbefeldzug für gute und zweckmäßige Bel euch t u n g durch, mit den Leitsprüchen „Gutes Licht schont die Augen" und „Gutes Licht — gute Arbeit eine Werbung, die unterstützt wird von der Deutschen Lichttechnischen Gesellschaft von der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung der Elektrowirtschaft von der Gewerbeaufsicht und den Elektrogemeinschaften. Man muß sich eigentlich wundern, daß eine Werbung für etwas so Grundlegendes, wie 8ute Beleuchtung, überhaupt noch erforderlich ist, und daß nicht jedermann für seinen Wirkungskreis, sein Arbeitsgebiet den Wert des guten Lichtes von vornherein anerkennt Um so mehr, als das deutsche Volk, wenigstens in seinem häuslichen Leben, verhältnismäßig anfprud)5D0 1l in biefer Beziehung ist,. wah° rend z B. der Amerikaner in seinen Wohnraumen .gemütliche" Schummerbeleuchtung, d. h. niedrige, fast vollkommen verdeckte, kleine Stehlampen womöglich noch mit farbigen Schirmen, gerne sieht. Gutes Licht bringt Leben ins Heim und erhöht den Genuß des abendlichen Zusammenseins. Das wissen wir alle, aber die wenigsten wissen, welche lichttechnischen Einzelheiten von Bedeutung sein können, um die Behaglichkeit im Eß- oder Wohnzimmer zu steigern, um die Augen z u sch 0 n e n und Die Sauberhaltung zu erleichtern, Gesichtspunkte, die auch im Schlafraum und erst recht im Kinder- zimmer von größter Bedeutung sind. In tmemel Millionen Räumen in Deutschlund mag wohl Die Beleuchtung nicht ausreichend sein, weil die Hausfrau sparen will! — sparen am falschen Platz. Denn das Auge ist unser wichtigstes Organ; ganz abgesehen von sonstigen verhängnisvollen Auswirkungen schlechter Beleuchtung: eine Vase, die vom Tisch gestoßen wird, eine verdorbene Mehlspeise, in die an Stelle von Zucker versehentlich Salz gekommen ist, eine Blutvergiftung, entstanden durch einen Schnitt in den Finger beim Kartoffelschälen im Halbdunkel, jeder dieser Unfälle mag leicht mehr kosten, als man im ganzen Jahr an Beleuchtung sparen kann. In wievielen Räumen blen- d e t die Beleuchtung, weil das Licht der nackten, nickit mattierten oder nicht mit einer Uebersang- Kugel umkleideten Glühbirne das Auge trifft! Man fühlt sich unbehaglich, verdirbt sich die Augen, gehöhnt sich nie an die falsche Beleuchtung und ist hnfh au gleichgültig, um sie mit verhältnismäßig geringen Kosten zu verbessern Auf wieviel Arbeit-- ütähe9 in der Küche, im Waschraum ober m ber W.Ecke fallen l ä st i g e S ch a 11 e n, Folge eines ungeschickt ungeordneten Beleuchtungskörpers! Dis Einnahmen ber Elektrizitätswerke stammen aber aus den Stromverkäufen für Beleuchtungszwecke. Diese Einnahmen finb ziemlich „krisenfest"; benn es hat sich gezeigt, baß auch in der Zeit der schwersten Wirtschaftskrise ber Stromverbrauch für Beleuchtung, durchaus im Gegensatz zum sonstigen Stromabsatz, so gut wie gar nicht zurückgegangen ist. Was das bedeutet, kann man ermessen, wenn man sich vor Augen hält, daß in Europa (außer Rußland) etwa drei Viertel der Bevölkerung in Orten mit Lichtnetzen wohnt, und daß in den meisten europäischen Ländern der Anteil der Bevölkerung, der elektrische Beleuchtung verwendet, ebenso groß ist. Ein großer Teil dieses hohen Lichtstrom-Absatzes fällt auf die städtische Straßenbeleuchtung Unb bies ist vielleicht bas Gebiet, auf bem ber Laie am ehesten bemerkt, baß, wie in jeher anberen Wissenschaft, auch in ber Beleuchtungswissenschaft weitergearheitet wirb. Hier unb ba kommt ber Kraftfahrer plötzlich in Straßen mit anbersfarbigem, unb zwar einfarbigem, etwa gelblichem ober bläulichem Licht. Im ersten Augenblick ist bas Auge betroffen, aber es gewöhnt sich schnell an bie Einfarbigkeit ber Natrum- ober Quecksilberbampflampen, unb bie Erfahrung hat gezeigt, baß bas einfarbige Licht bem weißen auf ber Straße in mancher Beziehung stark überlegen ist. Das gilt vor allem bann, wenn man auf bas Erkennen sämtlicher Farben, selbstverstänb- lich mit Ausnahme ber roten Verkehrszeichen, verzichten kann, wie auf allen Fernverkehrsstraßen. Die Formen-Empfinblichkeit bes Auges ist beim farbigen Licht, wie zahlreiche Versuche gezeigt haben, großer als bei weißem Licht, unb befonbers vorteilhaft ist bas einfarbige Licht bei bunftigem ober nebligem Wetter. Selbstverstänblich ist mit ber Verwenbung biefer neuzeitlichen Leuchten ein bestimmter Zweck oerbunben. In erster Linie eine Erhöhung ber Verkehrssicherheit, bie außerorbentlich von ber zweckmäßigen Beleuchtung abhängig ist. In ben Vereinigten Staaten hat man festgestellt, baß bie Zahl ber nächtlichen Unfälle etwa 40 v.H. höher ist als bie ber am Tage oorfommenben. Mit einer Verbesserung ber Beleuchtungsanlagen in amerikanischen Versuchsstraßen trat augenblicklich em Rückgang ber Unfallzahl ein. Die Unfallziffer stieg anberseits, sobalb bie Wirtschaftskrise zur Einschränkung ber Ausgaben für Beleuchtung zwang. Ging man mit biesen Ausgaben auf ein Drittel herunter, dann trat fast eine Verboppelung ber nächtlichen Unfälle ein. Voraussetzung für bie weitgehenbe Einführung farbiger Leuchtröhren ist natürlich beren Wirt- schaftlichkeit. In biefer Beziehung finb bie bisher gemachten Erfahrungen günstig, um so mehr als ber Wirkungsgrab ber gewöhnlichen Metallbraht- lampen verhältnismäßig klein ist, unb sie ihre Energie viel mehr in Wärme als in Licht umsetzen, 1 während die Gasentladung, auf der das einfarbige Licht beruht, im allgemeinen bei ziemlich niedriger Temperatur vor sich geht. Die Quecksilber-Hochdruck- . Dampflampe hat etwa die doppelte Lichtausbeute wie die Glühlampe. Eine wesentliche Verbesserung ist in letzter Zeit durch die Doppelwendel-Glühlampen erzielt worden, die bei gleichem Stromverbrauch eine bis zu 20 v. H. höhere Lichtausbeute haben. Wir stehen also heute vielleicht am Beginn einer bedeutsamen Weiterentwicklung der Lichttechnik, um so mehr, als man auch in manchen Werkstätten, z. B. in Glaswerken und auch für bestimmte Zwecke in der Metallindustrie, zum Erkennen von feinen Rissen ober Farbllnterschieben zweckmäßig farbiges Licht verwenbet. Im allgemeinen verlangt natürlich bas Auge weißes, bem Tageslicht möglichst gut angepaßtes Licht, um bie Umwelt in ben natürlichen Farben erkennen zu können, unb bie neuesten Versuche gehen bahin, weißes Licht mit hohem Wir» kungsgrab zu schaffen burch eine Verbinbung ber Gasentlabung unb ber Selbstleuchtefähigkeit bestimmter chemischer Verbinbungen, ber sog. Phos- phore. — Die Werbung für gutes, zweckmäßiges Licht tritt also nicht nur für bereits Vorhanbenes ein, fonbern weist in ihren Auswirkungen burchaus Wenn hier nun im folgenben vom weißen Golb gesprochen wirb, so hcmbelt es sich um einen Rohstoff, ben ber beutsche Bauer in hinreichenber Menge ohne Zutun bes Auslanbes ber verarbeitenden Industrie liefert. Zuckerrübe und Z u k- k e r, unser weißes Gold, sind Träger eines Rohstoffes, ber in unserer Wirtschaft einen vielfältigen Arbeitsvorgang auslöft. Man kann schon beshalb dieses für unsere Volkswirtschaft so wichtige (Erzeugnis mit weißem Golb bezeichnen, weil es wirkliche Werte schafft. Der Wert bes weißen Golbes, das Jahr für Jahr auf deutscher Scholle gewonnen wird beträgt bei Zugrundelegen einer Anbaufläche von etwa 300 000 ha ungefähr 350 Mill 1 - onen Mark. Damit ist aber erst ber Rohstoff gewonnen. Bei ber folgenben Verarbeitung unb ben häufigen Umschlägen bes aus ber Rübe gewonnenen Zuckers werben Kapitalkräfte in Bewegung gesetzt, bie sehr beachtlich finb. Allein 350 Millionen Mark weißes Golb ringt ber Bauer bem heimatlichen Boben alljährlich ab. Wieviel Mühe unb Arbeit kostet es aber, ehe biefer Schatz gehoben ist! Wir wissen, baß ber Zuckerrübenanbau größte Sorgfalt erforbert unb einen erheblichen Arbeitsaufwand im landwirtschaftlichen Betrieb voraussetzt. Tadellose Bestellung des Bodens, reichliche Versorgung mit den benötigten Nährstoffen und sorgfältigste Pflege bringen erst den erwarteten Erfolg Es gibt z.B. kaum eine Kulturpflanze, die an den Nahrstoff- oehalt des Bodens so viel Ansprüche stellt wie gerade die Zuckerrübe. Daher kommt es daß der Rohzuckerfabriken, Zuckerraffinerien, Weißzuckerfabriken, Melasse - Entzuckerungsanstalten, um ben gewonnenen Rohzucker in beste Derbraucherformen überzuführen. Von ben Zuckerfabriken werben bie verschiebenen Zuckerarten bem Groß- hanbel zugeführt unb von hier aus fließen sie burch bie mannigfaltigsten Kanäle zum Verbraucher. Als Großverbraucher kommen besonbers Bäckereien, Konditoreien, Schokoladen-Zuckerwaren- unb Keksfabriken, Marmelaben- unb Konserveninbustrie, Obst- unb Beerenweinkellereien, Kaffee- unb Speise- Häuser in Betracht. Der weitaus größere Teil des Zuckers geht aber in die Hände ber Hausfrau. In ber Küche unb am Familientisch finben zwei Drittel bes Gesamtverbrauches Verwertung. Die Hausfrau braucht bas „weiße Golb" zum Kochen, Backen, Einmachen von Früchten unb Säften, wie überhaupt bei ber Obstverwertung. Die Erzeugung bes „weißen Golbes" übersteigt ben Verbrauch in Deutschlanb. Deshalb müssen Wege gefunben werben, um be-ihes miteinander in Einklang zu bringen. Auf der letzten „Grünen Woche" in Berlin war es ein glücklicher Gedanke, eine sogenannte Zuckersparkasse zu empfehlen. Sie soll bewirken, daß die Hausfrau ihren Vorrat an Zucker vergrößert, und zwar dadurch, daß das Einmacheglas, in dem Marmelade ober Früchte aufbewahrt würben, nicht leer stehen bleibt, sondern zur Hälfte mit Zucker gefüllt wird, der für bie nächste Einmachzeit bereitstehen soll. Der Zucker verbirbt nicht, sondern bietet der Hausfrau eine gewisse Nahrungsreserve, die insofern angenehm empfunden wird, als dann zur Einmachezeit ber Eommenben Ernte bie Anforberungen ber Hausfrau an ben Gelbbeutel nicht so stark sinb wie im anbern Falle. Zur Obsternte muß in erster Linie Obst gekauft werben. Der benötigte Zucker liegt bereit in ber Sparkasse mit bem „weißen Golb". Hanbelsbünger - Verbrauch auf ber Zuckerrübenanbaufläche außerorbentlich hoch ist, ein Umftanb, welcher ber Düngerinbustrie unb zum Teil bem Bergbau zugutekommt. Nach Professor Remy beträgt ber Nährftoffbebarf ber Zuckerrübe bei einer Ernte von etwa 400 dz Blatt je ha 160 kg Stickstoff, 72 kg Phosphorsäure unb 150 kg Kali. Wichtig ist bei ihrer Düngung, schnell wirkenbe Düngemittel anzuwenben, b. h. Salpeter-Stickstoff, 4O prozentiges Kali, Superphosphat ober Thomasmehl. Zahlreiche Versuche haben bewiesen, baß Thomasmehl ein guter Phosphorsäurebünger ist, ber sich auf allen Bäben gleichmäßig gut verwenben läßt unb auch im Zuckerrübenanbau in fteigenbem Maße an- gemenbet wirb. Auch mit Rücksicht auf bie große Thomasmehlerzeugung unserer Saarinbustrie ist eine stärkere Verwendung von Thomasmehl burchaus angebracht. Die Saar allein erzeugt jährlich runb 300 000 Tonnen von biesem wichtigen Nährstoff. Im Hinblick auf unsere Devisenknappheit, bie ben Bezug von Rohphosphaten aus bem Aus- lanbe erschwert, ist eine stärkere Heranziehung von Thomasmehl als Phosphorsäurebünger wünschenswert. Wir bienen bamit unserem Lanbe unb unseren Brübern an ber Saar. Ist der Zuckerrübensamen ber Erbe anvertraut, bann beginnt erst bie große Arbeit, um bie Rübe zur Entwicklung zu bringen. Hacken, Verziehen, Pflege usw. erforbert einen Arbeitsaufwanb, der kaum bei einer anderen Kultur angewandt wird. Daher kommt es, daß die Erzeugungskosten der Zuckerrübe im Durchschnitt etwa 700 Mark je ha betragen. Mit bem Abernten ber Zuckerrübe nimmt bie fabrikmäßige Verarbeitung, unb bamit eigentlich bie Gewinnung bes „weißen Golbes", seinen Anfang. Nach ber Gewinnung bes Rohzuckers läuft bas „weiße Golb" viele Wege, ehe es in bie Hänbe bes Verbrauchers gelangt. Da arbeiten abgenommen haben unb wir seit 1914 ungeheuerliche Opfer an materiellem Gut haben bringen müssen, ist es nicht weiter erstaunlich, baß unsere Golb- unb Devisenoorräte so stark zusammengeschrumpft finb. Wir müssen beshalb mit ben vor- hanbenen Golb- unb Devisendestänben sparsam wirtschaften unb unsere Einfuhr auf ein Minbestmaß einschränken. Diese Maßnahmen genügen aber nicht; ba wir nicht in ber glücklichen Lage sinb, Golb burch unserer Hänbe Arbeit unmittelbar zu gewinnen, ist es notmenbig, unserer Volkswirtschaft anbere Werte zuzuführen, bamit wir leben können. Dies erreichen wir burch eine Steigerung ber bergbaulichen unb landwirtschaftlichen Urerzeugung. Bergbau, Industrie und Landwirtschaft machen daher die größten Anstrengungen, bie Urerzeugung zu steigern, einmal, um neue Werte zu schaffen, außerdem aber, um bie heimische Rohstoffgrunblage zu erweitern. Daß bei ber Lösung biefer Aufgabe unsre Lanbwirtschaft eine bebeutsame Rolle zu übernehmen hat, ist selbstverstänblich. Mit einer Erzeugungssteigerung in ber Lanbwirtschaft wirb auch bie landwirtschaftliche Probuktionsmittel - Jnbustrie belebt. Soll bie Erzeugungsschlacht ber Lanbwirtschaft zum Erfolg führen, so ist ein erhöhter Aufwand an landwirtschaftlichen Betriebsmitteln, die Industrie und Bergbau liefern, Voraussetzung für ein Gelingen bi'efes Planes. Damit wird der Beschäftigungsgrad der die Landwirtschaft beliefernden Industrie erhöht, neue Arbeitsplätze werden geschaffen. Aber nicht nur dies. Weitere Arbeitsplätze werden geschaffen in den Industrien, welche die von der Landwirtschaft erzeugten Rohstoffe weiterverarbeiten. Denken wir in diesem Zusammenhänge an unsere heimischen Rohstoffe wie Delfaaten, Tierfette, Getreide, Kartoffeln, Hopfen usw., alle diese Rohstoffe werden in den verschiedenen Industrien weiterverarbeitet: in Getreidemühlen und Bäckereien, in Oelmühlen und Margarinefabriken, tii Brennereien und Brauereien. Die Eröffnung des Gallusmarkles in Grünberg Lisiung der Marktfahne. Rathauses bk Marktfahne kn 55n Farben der Stadt — blau-wetß-rot — entfaltet.) — Immer aber, wenn wir Anlaß haben, frohgestimmt zu fein, immer, wenn wir eine feierliche Handlung vornehmen, wollen wir uns besinnen. + Grünberg, 15. Oft Schon am Sonntagnachmittag herrschte auf der „Käswiese", dem Platz für den Gallusmarkt, reges Leben. Karussell und Schießbuden erfreuten sich regen Zuspruchs. Die Schaugeschäfte dagegen waren noch im Aufbau begriffen. — Am Dienstagnachmittag waltete Marktmeister Frank seines'schwierigen Amtes; er nahm die Verlosung der Verkaufsstände vor, eine Arbeit, die viel Geduld erfordert, denn jeder Händler beansprucht den besten Platz für sich. Insgesamt wurden heute schon 400 Meter verlost, je 3 Meter als einfachen Stand gerechnet. Damit ist die Zahl der vorjährigen Stände schon um ein Drittel übertroffen. Eine weitere Erhöhung wird sie noch durch die am Mittwochmorgen eintreffenden Nachzügler erfahren. In der Stadt wurden in den Geschäftshäusern eifrig die letzten Vorbereitungen getroffen, ebenso waren fleißige Hände dabei, auf dem Marktplatz und in den Hauptstraßen den Wimpelschmuck anzubringen. Am Abend fand dann die offizielle Eröffnungsfeier aus dem Mrkiplatz statt. Dom Rathaus wehte die Hakenkreuzfahne, im Rathaussaale hatten sich Stadtverwaltung und Marktausschuß versammelt, während auf dem Marktplatze eine große Zahl Zuschauer anwesend war. Nach einem Marsch des Musikoereins hielt Bürgermeister Wagner die Eröffnungsansprache. Er führte folgendes aus: Deutsche Männer und Frauen! Es ist beste deutsche Ueberlieferung, was uns überall die großen Märkte in unserem Vaterlande lieb und wert macht. Jeder dieser Märkte, sei es ein Oktoberfest in München, eine rheinische Kirmes oder schließlich unser heimischer Gallusmarkt, trägt sein ganz besonderes Gepräge, je nach der Wesensart des betreffenden Menschenschlages, aber auch nach der Art des Aufbaues des Marktes selbst. Der recht glückliche Aufbau bei unserem Gallusmarkt wird wohl ein Hauptgrund sein, daß er sich seit vielen Jahren in weitem Umkreis so großer Beliebtheit erfreut. Wenn er auch heute in seiner Bedeutung gegenüber früheren Jahrhunderten zurückgegangen ist, so liegt das nicht an örtlichen Verhältnissen, sondern daran, daß die Zeiten der sogenannten Marktwirtschaft längst vorbei sind und daß wir heute, infolge der Entwicklung unserer Verkehrstechnik, in einem Zeitalter engverflochtener Volks- und - Weltwirtschaft leben. Trotzdem blieb bei dem Gallusmarkt als wichtiger Kern der Viehhandel erhalten, weil dafür immer ein Bedürfnis vorhanden war. Um diesen Kern herum gruppieren sich alle diejenigen Unternehmen, die in irgendeiner Form für oie Unterhaltung der Einwohnerschaft und der fremden Marktbesucher sorgen wollen: Schausteller und Fahrgeschäfte. Der Kleinhandel der vielen Krämerstände leitet dann über von den Vergnügungsstätten zu den Geschäften aller Art, und so haben auch — nicht zuletzt in der Stadt selbst — die Kaufleute von einem guten Markt zwar viel Arbeit, aber auch einen schönen Verdienst zu erwarten, voran die Bäcker, Metzger und Gastwirte. Sie alle miteinander aber sind abhängig von der wichtigsten Person auf jedem Markte, dem M a r k t b e f u ch e r, der nicht nur kommen soll, um zu schauen, sondern vor allem, um zu kaufen. Mögen sie recht zahlreich in diesen Tagen zu uns kommen. Wir heißen sie alle herzlich willkommen, weil wir uns ehrlich über ihren Besuch freuen: die Einwohnerschaft im ganzen, deshalb, weil zu einem richtigen Gallusmarkt eben auch der nötige „Betrieb" gehört, eine Menge frohgestimmter Volksaenossen, die Geschäftsleute aber haben ein gutes Recht darauf, fich über den zahlreichen Besuch auswärtiger Gäste zu freuen, weil ihnen wenigstens in diesen Tagen einmal ein großer Verdienst winkt, während oft in der übrigen Zeit des Jahres die Einnahmen nur sehr bescheiden sind. So wünsche ich denn allen Grünbergern und auch den von auswärts gekommenen Geschäftsleuten einen Markt, der ihre Erwartungen bestens erfüllt. Bei aller Hoffnung auf einen schönen wirtschaftlichen Erfolg des diesjährigen Gallusmarktes wollen wir aber nicht am Materiellen haften bleiben, sondern uns auch freuen an dem festlich gestimmten Bild unserer Heimatstadt; ebenso wollen wir uns freuen an dem Geist echter Volksgemeinschaft,' wie er in dem frohbewegten Markttreiben und vor allem auch bei Musik und Tanz allenthalben zum Ausdruck kommen wird. Volksgemeinschaft war auch — wenn in der Wirksamkeit nur auf die Heimatstadt beschränkt — die Arbeit, die der Marktaus- schuß bisher geleistet hat, und so sei bei dieser Gelegenheit allen denen, die zur Vorbereitung des Marktes in uneigennütziger Weise ihr Teil beigetragen haben, herzlich gedankt. Diese Arbeit zum Besten der Stadt Grünbera entsprang dem echten Bürgersinn, wie er alter deutscher Art entspricht und wie ihn auch die neue deutsche Gemeindeordnung wieder erwecken und großziehen will. So wollen wir denn nach feierlichem Herkommen den Markt eröffnen. Wir hissen die Marktfahne zum äußeren Zeichen dessen, daß Grünberg während der Markttage unter Marktrecht steht. (Bei diesen Worten wurde aus dem oberen Stock des daß wir mit all unserem Denken und Tun nicht nur uns allein verantwortlich sind, sondern daß wir immer hineingestellt bleiben in unser deutsches Volk. Dieses Bewußtsein darf uns nie und nirgendwo mehr verlassen, und wir danken dem, der uns zu dieses Selbstbesinnung zurückgeführt hat, unserm Führer Adolf Hitler! Sieg-Heil! Die Zuhörer stimmten begeistert in den Ruf ein. Mit weiteren Vorträgen des Musikvereins schloß die Eröffnungsfeier ab. In den einzelnen Lokalen der Stadt, besonders in den am Marktplatz gelegenen, in denen während der Markttage meist besondere Stimmungskapellen konzertieren, begann dann das Anfeiern des Marktes. Wirtschaft. * Erstmalige Notiz für die neuen Reichsbahn - Schatzanweisungen am Donnerstag. Laut Vorankündigung des Berliner Börsenoorstandes gelangten die neuen 4,5pro- zentigen Reichsbahn-Schatzanweisungen am Donnerstag, 17. Oktober erstmals in Berlin zur Notiz. *35 v. H. Exportsteigerung bei Opel. Die Adam-Opel-AG. in Rüsselsheim hat, wie sie dem Fwd. mitteilt, in neuneinhalb Monaten ihren 10 000. Exportwagen in diesem Jahre verschickt. Gegenüber der Zeit vom 1. Januar bis 12. Oktober, an welchem der 10 000. Wagen die Fabrik verlieh, liegt gegen das Vorjahr eine Exportsteigerung um 35 v. H. bzw. 58 und 73 v. H. gegen die beiden Dorangegangenen Jahre vor. In den letzten vier Jahren hat das Rüsselsheimer Werk in der Zeit vom 1. Januar bis 12. Oktober an Personen-, Last- und Lieferwagen im Ausfuhrgeschäft abgesetzt: 1932: 5768, 1933: 6326, 1934: 7408, 1935: 10 000. * Neues Umschuldungsangebot der Stadt Frankfurt a. M. Das frühere Umschuldungsangebot für die 6 (8) v. H. Schatzanweisungen der Stadt Frankfurt a. M. von 1929 in 4 v. H. Schuldverschreibungen des Umschuldungsoerbandes deutscher Gemeinden war von 897 300 Mark abgelehnt worden, bei den 6 (7) v. H. Schatzanweisungen lehnten 111200 Mark ab. Jetzt wird diesen Schatzanweisungen ein nochmaliges Umschuldungsangebot gemacht. Die Umwandlung erfolgt in der Weise, daß die Inhaber von je 100 Mark Schatzanweisungen nominell 100 Mark 4 v. H. Schuldverschreibungen des Umschuldungsoerbandes erhalten. Die Tilgung der neuen Schuldverschreibungen erfolgt vom 1. Oktober 1936 ab mit 3 v. H. jährlich zuzüglich ersparter Zinsen durch Auslosung zum Nennwert. Verstärkte Tilgung ist zulässig. Die Einreichung hat in der Zeit vom 15. Oktober bis längstens 15. November 1935 bei der Preußischen Staatsbank (Seehandlung) zu erfolgen. Mit der Einreichung der Schatzanweisungen zum Zwecke des Umtausches gilt das Angebot der Stadt Frankfurt a. M. als angenommen. Wird das Angebot abgelehnt, so gilt die Forderung aus den Schatzanweisungen einschließlich der rückständigen und der während der Stundungsfrist auflaufenden Zinsen unter Aufrechterhaltung der bisherigen Stundungsfrist mit der Maßgabe als gestundet, daß der Zinssatz von der Veröffentlichung dieser Bekanntmachung ab höchstens 4,5 v. H. beträgt. * Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg A G. Bei der Gesellschaft setzte sich in 1934/35 die schon im Vorjahre fühlbar gewordene Besserung fort. Es verblieb ein Gewinn von 1,316 gegen 0,154 im Vorjahre. Der aus dem Vorjahre übernommene Berlustvortrag von 0,603 ist nunmehr ganz verschwunden, dafür erscheint ein Gewinn von 0,712. Nach der schon gemeldeten Dioidendenver- gütung von 4 o. H., Zahlung von 3,5 v. H. Zinsen auf nominell 0,917 Obligationsgenußrechte und Aufwendungen von 0,03 für die gesetzliche Tilgung von Obligationsgenuhrechten wird ein Betrag von 0,03 vorgetragen. Im neuen Geschäftsjahre, das am 1. Juli begann, liegt ein Auftragsbestand vor, der 50 v. H. höher ist als zu Beginn des Berichtsjahres. Zlhein-Mainifche Börse. Vlillagsbörse uneinheitlich. Frankfurt a. M., 15. Oft. Die Börse setzte am Aktienmarkt bei wieder nur sehr kleinen Umsätzen in uneinheitlicher Haltung ein, doch war die Grundstimmung nach den gestrigen Abschwächungen eher etwas freundlicher. Abgaben größeren Umfanges wurden nicht mehr vorgenommen, anderseits blieb auch die Kaufneigung sehr gering. Die in den letzten Tagen zu beobachtende Zurückhaltung ist noch nicht gewichen. Die Börse erhielt indes von einigen günstigen Nachrichten aus der Wirtschaft etwas Anregung. Interesse zeigte sich für IG. Farben mit 149,50 bis 150,25 (149,25). Außerdem traten Montanpapiere, insbesondere nach den ersten Kursen, stärker hervor; mit Interesse erwartet man das Ergebnis der Aufsichtsratssitzung bei Klöckner, aus der man mindestens 3 (i. D. 2,50) v. H. Dividende erhofft. Mannesmann, Stahlverein und Klöckner gewannen bis 1 v. H., Rheinstahl 0,50 v. H., Hoesch waren zu unverändert 91 gesucht. Elektrowerte lagen sehr still und wenig verändert. Etwas fester setzten noch AKU., Daimler ein, andererseits bröckelten Reichsbank, Zellstoff Waldhof, Westdeutsche Kaufhof, AG. für Verkehrswesen und Deutsche Linoleum bis zu 1 v. H. ab. Don Schifs- sahrtswerten blieben Havag zu unverändert 16 o. H. gefragt, Norddeutscher Lloyd lagen mit 17,75 (18) nicht ganz behauptet. Nach den ersten Notierungen blieb das Geschäft geringfügig und, abgesehen von einigen Montanpapieren und der IG.-Farben-Aktie, lagen die Kurse unverändert. Der Rentenmarkt hatte bei kleinem Geschäft freundliche Tendenz. Etwas befestigt waren Altbesitz mit 111,25 bis 111,40 (111,25), im übrigen lagen die Kurse unverändert. Don Auslandsrenten fanden Ungarn bei leicht anziehenden Kursen Beachtung. Im Verlaufe schrumpfte das an und für sich schon kleine Geschäft stark zusammen und die Folge davon war ein leichtes Abbröckeln der Kurse am Montanmarkt sowie für IG. Farben. Die später notierten Papiere lagen zumeist von 0,50 bis 1 v. H. fester, matt notierten aber Hanfwerke Füssen mit 85,50 (87,25). Don Auslandswerten waren Chade- Aktien fest bzw. erholt, Lit. A bis C 288 (283,50), Lit. D 278 (273), auch Schweizer Bundesbahn- Obligationen wurden höher bewertet. Abendbörse behauptet. Die Abendbörse lag still und behauptet. Da Aufträge nicht vorlagen, vermochte sich kein Geschäft zu entwickeln. Die Kurse wiesen gegen den Mittagsschluß kaum Deränderungen auf. Etwas niedriger lagen Conti-Gummi mit 150,50 (151,75), auch Hapag lagen mit 16 gegen den erhöhten Berliner Schlußkurs von 16,40 nur knapp gehalten. JG.- Farben zogen auf 149,90 (149,65) an. Die 3- (2,5-) prozentige Dividendenerklärung bei Klöckner bildete keine Ueberraschung und gab daher keine Anregung. Der Rentenmarkt lag ebenfalls still und unverändert. Don Auslandswerten waren Schweiz. Anleihen weiter gesucht und wesentlich hoher. U. a. notierten: Altbesitz 111,40, 7proz. 2tahl- verein 101,75, JG.-Farben-Bonds 123,25, 4proz. Rumänen 4,75, 4proz. Schweiz. Bundesbahn 191,50, 3,5proz. do. 181,50, 3,5proz. Gotthard 170, 3,5proz. Jura-Simplon 166,50, 3proz. Schwaz. Eisenbahn- Rente 148, Commerzbank 86,50, DD-Bank 87, Dresdner Bank 87, Harpener 110,25, Klöckner 89,50, Mannesmann 83,75, Stahlverein 80,90, Aku 51,25, Bekula 142, Bemberg 102 Conti-Gupimi 150,50, Scheideanstalt 237, Di. Linoleum 144, Licht und Straft 130,40, JG.-Farben 149,90, Gesfürel 123,75, Junghans 82, Metallgesellschaft 105,50, RWE. 123,25 Frankfurter Obst- und Gemüsemackt. Frankfurt a. M., 15. Oft. Die starken Zufuhren am Gemüsemarkt hielten an. Die Nachfrage war im Ganzen schwach, nur besonders schöner Blumenkohl, Wirsing und Tomaten fanden besseren Absatz. Preise für Tomaten etwas höher, für Spinat leicht nachgebend, im übrigen unverändert. U. a. notierten: Blumenkohl 10 bis 40, Eskarol 4 bis 8, Feldsalat 30 bis 35, Gewürzel, gr. Bdl. 25 bis 40, Karotten 4 bis 5, gelbe Kartoffeln 3.30 bis 3.50, Erdkohlraben 5 bis 6, Kopfsalat 4 bis 10, Meerrettich 35 bis 40, Pfifferlinge 40 bis 45, Steinpilze 30, Römischkohl 5, Rote Rüben 4 bis 5, Rotkraut 3,5 bis 6, Sellerie je nach Größe 5 bis 30, Spinat 4 bis 8, Schwarzwurzel 15 bis 20, Tomaten I 12 bis 15, II 7 bis 10, Haus-Tomaten 18 bis 20, Weißkraut 2,25 bis 4, Filterkraut 4 bis 4,50, Wirsing 3 bis 6, Gärtner-Zwiebeln 5 bis 6. Am vbftmarkt bestand ziemlich starkes Angö- bot von Aepfeln und Birnen, dagegen wurden Oult- ten schwach zugeführt, im übrigen waren die Zufuh- ren ausreichend. Für Quitten zogen die Preise an, sonst blieben sie unverändert. Beste Auslesen von Aepfeln und Birnen über Notiz. U. a. notierten: Aepsel I 18 bis 25, II 12 bis 16, Wirtschaftsäpfel 8 bis 14, Goldparmänen I 20 bis 25, II 15 bis 18, Tiroler 20 bis 30, Harberts Renette I 18 bis 20, Lebel 12 bis 18, Schafsnase 10 bis 14. Birnen I 18 bis 25, II 12 bis 16, Kochbirnen 7 bis 12, Dr. Diehl 12 bis 20, Mollebusch I 18 bis 22, II 12 bis 15, Kastanien 15 bis 20, Preiselbeeren 35 bis 38, Quitten 25 bis 28, Trauben 15, holl. 42 bis 45, ital. 17 bis 20, span. 21 bis 24, bulgar. 18 bis 24, Ungar. 17 bis 20, Walnüsse 30 bis 35, Paranüsse 40 bis 45, Zitronen 5 bis 6 das Stück. 2Rint>ernuirff in Gießen. Auf dem gestrigen Rinder- (Nutzvieh-) Markt in Gießen standen 456 Stück Großvieh, 143 Fresser und 128 Kälber zum Berkaus. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 390 bis 510 RM., 2. Qualität 290 bis 380, 3. Qualität 170 bis 280; Rinder, %= bis 5^jährig 100 bis 160, X- bis zweijährig 160 bis 250, tragend 240 bis 450; Kälber bis zwei Wochen 38, bis vier Wochen 54, bis sechs Wochen 70 RM. Ausgesuchte Tiere über Notiz. — Marktverlauf: Kälber flott, sonstiger Bestand schleppend. — Nächster Markt: 29, Oktober. Wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt. LPD. Darmstadt, 15. Oft. Zehn Männer und zwei Frauen aus Bensheim und Umgebung hatten sich vor dem Strafsenat des Oberlandesgerichts wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu verantworten. Sie hatten verbotene Zeitungen empfangen und weitergegeben, zum Teil auch Geld für eine Sammlung gegeben. Zu Zuchthausstrafen wurden verurteilt: der 40jährige Jakob Aßmus III. aus Bickenbach und der 36jährige Wilhelm G e h b a u e r aus Reichenbach zu je dreieinhalb Jahren, der 34jährige Philipp Obern- d ö r f e r aus Beedenkirchen und der 25jährige Jakob Kindinger aus Reichenbach zu je drei Jahren, der 41jährige Wilhelm Essinger aus Reichenbach und der 36jährige Georg Peter Menges aus Bensheim zu je zweieinhalb Jahren. Gesang- n i s ft r a f e n erhielten: der 33jährige Ludw. G ö r • Unger aus Bensheim zwei Jahre, der 36jährige Johann Kindinger IV. aus Reichenbach eineinhalb Jahre, der 30jährige Heinrich F i n n aus Bensheim 15 Monate, der 66jährige Karl Jäckel aus Bensheim 12 Monate, die 32jährige Frau Mathilde Menges aus Bensheim wegen Beihilfe sechs Monate. Eine 46jährige Frau aus Bickenbach wurde mangels Beweises freigesprochen. Bei den zu Zuchthaus Verurteilten erkannte der Strafsenat außerdem auf je fünf Jahre Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaufsicht. Rundfunkprogramm. Donnerstag, 17. Oktober. 6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik.10.15: Schulfunk. Volksliedsingen. Chor: RJF.-Rundfunkspielschar. 11: Werbekonzert. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen zwei und drei. 15: Nachrichten der Gauleitung. 15.15: Kinderfunk. Märchen, die ihr alle kennt. 16: Lieder und Klavierstücke von Eugen d'Albert. 16.30: Malta: ein seltsames Jnselland zwischen Europa und Afrika. 16.45: Bücherfunk. 17: Bunte Musik am Nachmittag. 18.30: Das aktuelle Buch. 18.45: Launiger Leitfaden für Sprachfreunde (III). 19: Heimat im Westen. Bunte Grenzlandstunde des Reichssenders Saarbrücken. 19.50: Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20.10: Konzert des Landessymphonieorchesters für Pfalz und Saar. 20.40: Haus Limpurg. Eine Wiege deutschen Schicksals zu Frankfurt a. M. 21.10: Orchesterkonzert. Werke von Franz Liszt. 22:: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Zusammenarbeit in der Rundfunkwirtschaft. Von Dr. Otte. 22.30: Spätabendmusik. 24 bis 2: Konzert des Schlesischen Sängerbundes. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Haftpflicht. Die Gegenseite ist verpflichtet, die gesamten Kosten zu tragen, die zur Wiederherstellung der Treppe in ihren ursprünglichen Zustand erforderlich'sind. Sie können auf Zahlung des angegebenen Betrages bestehen, falls dieser tatsächlich zu der betreffenden Wiederherstellung benötigt wird, und brauchen sich mit dem Abfindungsvorschlag nicht einverstanden zu erklären. Im Falle einer Weigerung der Gegenseite müßten Sie vor dem Amtsgericht Gießen Schadensersatzklage erheben. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schlußr. Mittag- börse 'Odium 14-10. 15.10- 14.10- 15-10. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 100 100,4 100,13 100,13 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 97,65 97,65 97,65 97,65 by?% Dvung-Anlethe von 1930 .. 103 102,5 — — Deutsche Anl..AblöI.-Schuld mit Auslos.-Rechlen ............. 111,25 111,4 111,4 111,65 4‘/,% Deutsche Retchspostschatzan- Weisungen von 1934, I....... 100,1 100,15 100,2 100,13 6% ehem.8% Hess. Bolksstaat 1929 lrückzahlb. 102%) ............ 96 96 — 96,5 Felten & Guilleaume......... 0 Gesellsch.f.EIektr.Unlernehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........ 5 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co............... * Siemens L Halske............. 7 Lahmeher L Co.............. 7 Buderus ...................0 Deutsche Erdöl ..............4 Gelsenkirchener..............O Harpener...................0 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 0 Ilse Bergbau ...............6 Ilse Bergbau Genüsse ........ 6 Klöcknerwerke ..... IW Mannesmann-Röhre» ........ 0, 37 37,25 36,9 37,25 142 142 142,25 142,13 109,5 109,75 108,5 109,5 129,25 130,4 129 130,5 103,75 103 103 102,5 123 123,75 123.4 123,75 129,5 129 127,5 123 123,25 '22,5 123,25 118,25 119,5 119 119,5 168 168 168 169 129 129 129 129,25 99 99 98,5 99,5 '03,75 103,75 103,5 104,5 110 110,25 110,65 110,25 91 91,13 90,5 91.5 —— 159,5 157 125 124,5 125,25 125 88,65 89,5 88,65 89,25 83,5 83,75 83,4 83,75 Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Echlußk. Abendbörse Schluß- turs Echlußk. Mittagbörse Datum 14-10- 15-10- 14-10. 15-10. Mansfeld er Bergbau .. ..... .. 8 116,25 116 117 116,75 Kokswerke.......... . . . . . .. 6 —— — 114,9 114,5 Phönix Bergbau...... .. O — 21515 — —— Rheinische Braunkohlen 12 214,25 214 215,75 Rheinstahl ........... 8'/, 105,5 106,5 105,5 106 Bereinigte Stahlwerke. .. O 79,75 80,9 80,4 80.9 Otavi Minen ........ .. O 19,5 19,75 19 19,5 Kaliwerke Aschersleben. .. 6 131,5 131,25 131,5 131,5 Kaliwerke Westeregeln . .. 5 125 —— 125,5 125 Kaliwerke Salzdetfurth ?y2 - 183 183,25 183 I. G. Farben-Jndustrte .. 7 149,25 149,9 149,75 149,65 Scheideanstalt........ .. 0 236 237 — — Goldschmidt ......... .. O 103,75 103 104 103 Rütgerswerle........ .. 4 113-5 113 113 113 Metallgesellschaft...... - 4 106 105,5 105,5 105,13 Philipp Holzmann .... 88,5 89,5 89 Zementwerk Heidelberg 116,75 116,5 - — Zementwerk Karlstadt.. ..... .. 4i 130 130 - Schultheis Patzenhoser .. 4 — — 103 102,5 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 51,25 51,25 50,9 51,5 Bemberg............ .. 0 103 102 101 101,75 Zellstoff Waldhof ..... .. 0 108,75 108,5 108,25 108 Zellstoff Aschaffenburg e » ä « « .. 0 79 79 79,25 79 Dessauer GaZ ........ .. 7 — — 125 125,25 Daimler Motoren..... .. 0 94 94,4 93,5 94 Deutsche Linoleum .... .. 6 145 144 145,5 144 Lrenstein & Koppel .. .. O — 80 79,5 Westdeutsche Kaufhof. .. 0 22,75 22,5 23 22,5 Chade ............... .. O 283,5 290 282,5 287 Aecumulatorrn-Fabrst . 12 — 172 170,5 Conti-Gumml ....... .. 8 153 150,5 152,5 151,75 Gritzner............. .. O 1 - 1 30 1 29,5 29,5 Mamkraftwerke Höchst a.UL. .. 4 90,5 — — Süddeutscher Zucker .. .. • 1 210 1 211 210 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2R. 14-Oktober 15-Oktober Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Bries Geld 1 Brief Buenos Airei 0,678 0,682 0,678 0,682 Brüssel..... 41,84 41,92 41,82 41,90 Rio de Jan. . 0,144 0,146 0,144 0,146 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,41 54,51 54,40 54,50 Danzig..... 46,81 46,91 46,81 46,91 London ..... 12,185 12,215 12,185 12,215 HelitngfocS.. 5,375 5,385 5,37 5,38 Paris ...... 16,375 16,415 16,375 16,415 Holland .... 168,45 168,79 168,42 168,76 Italien..... 20,24 20,28 20,24 20,28 0,711 0,713 0 711 0 713 Jugoslawien. 5,674 5,686 5,674 5,686 Oslo..... : 61,18 61 .30 61,17 61,29 Wien....... 48 95 48 95 Lissabon.... 11,05 11,07 11,05 1L07 Stockholm... 62,82 62,94 62,81 62,93 Schweiz .... 80,95 81,11 80,86 81,12 Spanien.... 33,93 33,99 33,94 34.00 Prag....... Budapest ... _ _ Reu York ... 2,486 2,490 2,486 2,490 Banknoten- Berlin, 15.Oktober Geld Brie! ' Amerikanische Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten........... ... 41,68 41,84 Dänische Noten ................. 54,19 54,41 Englische Noten ................. 12,15 12,19 Französische Noten ............ 16,325 16,385 168,00 168,68 Italienische Noten. ........... 19,46 19,54 Norwegische Noten .............. 61,01 61,25 Deutsch Lesterreich. t 1OO Schilling — — Rumänische Noten............... —- — Schwedische Noten............... 62,64 62,90 Schweizer Noten................. 80,78 81,10 Spanische Noten................. 33,58 33,72 Ungarische Noten................ —— ——