Ur. 268 Erstes Blatt 185. Jahrgang Zreitag, 15. November 1935 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimatim Bild • Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Krantfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: Brühl'sche Univerfitats Buch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. Zchristlertung und Geschäftsstelle: Zchulftrahe 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text' anzeigen von70mm Breite 50 Rpf.,Plahvorschrift nach vorh.Dereinbg.25"/g mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzei- gen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse-Staffel B Der Luftschutz sichert die deutsche Heimat. Reichslufifahrtminister Göring ruft in einer großen Kundgebung des deutschen Luftschutzes alle Volksgenossen zur Mitarbeit am Friedenswerk des Luftschutzes auf. Berlin, 14. Nov. (DNB.) Die Landesgruppe Groß-Berlin des Reichsluftschutzbundes veranstaltete im Berliner Sportpalast ihre erste große öffentliche Kundgebung, bei der in Anwesenheit des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, General Göring, die neuen Fahnen geweiht und 18000 Luft- fchutzamtsträger verpflichtet wurden. Der Präsident des Reichsluftschutzbundes, Generalleutnant a. D. Grimme, dankte im Namen der 7 Millionen Mitglieder des Reichsluftschutzbundes dem General Göring dafür, daß er den Grundstein gelegt habe zu einer der großen Säulen der Landesverteidigung, die das Gebäude der deutschen Wehrfreihelt tragen. Auch der Reichsluftschutzbund sei Görings Werk und die Tatsache, daß der Bund so erfolgreich wirken könne, sein Verdienst. General Gorina erinnerte dann an die gewaltige einzigartige Tradition, die diesen größten Saal Berlins auszeichne. Von diesem Platz aus hätten der Führer und feine Gefolgsleute stets wieder den Glauben und die Zuversicht an eine neue Zukunft verkündet. In dem Geiste dieses Kampfes sei auch der Reichsluftschutzbund geschaffen worden, der ein Glied dieser Bewegung sei und dessen Angehörige erfüllt seien von dem Glauben an Deutschlands Zukunft. Im Rahmen der neuen Wehrhastmachung sei die Luftwaffe geschaffen worden in der klaren Erkenntnis, daß trotz Heer und Marine die Wehr des Volkes ungenügend sei, solange nicht sein Luftraum geschützt werden konnte. Das Versailler Diktat habe alles vernichtet, was dem deutschen Luftraum auch nur den geringsten Schutz geboten hätte. Deshalb habe die Luftwaffe mit der allergrößten Energie, Geschwindigkeit und technischen Vollendung geschaffen werden müssen. Wenn man heute sagen könne, daß Deutschland nicht mehr schutzlos sei, so sei dies nur kraft jener einzigartigen Entschlossenheit möglich gewesen, die vom Führer und seinen Mitarbeitern ausgegangen sei. Diese deutsche Luftwaffe fei von vornherein zum klaren Zweck der Verteidigung geschaffen worden, das deutsche Volk zu schützen, damit es im friedlichen Wettbewerb seiner Arbeit nachgehen könne. Sie sei nicht ausgebaut worden, um andere Völker den Schrecken eines Luftkrieges auszusehen. Sie sei in dem Rahmen gehalten worden, der notwendig war, das eigene Volk zu schützen. „Wir wollen den Frieden, der dem deutschen Volke zukommen läßt, was ihm zukommen muh, einen Frieden der Ehre und der Gleichberechtigung." Diesen deutschen Frieden könne nur die wiedererwachte deutsche Kraft schützen, zu der die deutsche Luftwaffe gehört. Aus diesem Gesichtswinkel heraus komme dem Luftschutz eine unendlich wichtige Aufgabe zu: Er habe die Organisation zu schaffen, damit das deutsche Volk, wenn einst das Schicksal furchtbare Zeiten ohne oder gegen seinen Willen heraufbeschwö- ren sollte, vor den schrecklichen Folgen von Angriffen aus der Luft geschützt werde. Der Luftfahrtminister wies auf die drei großen Gebiete des zivilen Luftschutzes hin, auf den Sicherheits - und Hilfsdienst, auf den W e r k l u f t s ch u tz , der die lebensnotwendigen Betriebe und die wichtigen Jndustriewerke ingang zu halten habe, und auf den S e l b st s ch u tz , der dem Reichsluftschutzbund übertragen sei. Gerade dem Letzteren sei die ungeheure Aufgab" auferlegt, zu Hause in der Heimat den unerschütterlichen Glauben an die Armee aufrecht zu erhalten. Eine Armee werde nur dann mit dem höchsten Einsatz kämpfen können, wenn ihr die Heimat den Rücken stärke, und der Luft- schüher müsse dabei bedenken, dah, wenn er zur rechten Zeit eingreife, er immer ein Soldat in der Feuerlinie fei. Um diesen kommenden Gefahren trotzen zu können, habe der Luftschutz sich zu üben und sich zu stählen, und das um so mehr, als er ohne Waffe seine Pflicht zu tun habe. Der Reichsluftfahrtminister sprach dem Luftschutz für seine bisherige Arbeit Anerkennung und Dank aus. Der Reichsluftschuhbund sei ein bedeutendes Betätigungsfeld für die Frau, hier könne die Frau Freundin und Mitkämpferin des Mannes fein. Die deutsche Frau müsse die Bestrebungen des Luftschuhbundes verstehen, für sie eintreten und sie fördern. Wenn jeder einzelne Volksgenosse auf den Führer blicke, der sein ganzes Leben und seine ganze Arbeit dem deutschen Volke geweiht habe, so werde ihm ein Beispiel gegeben. Wenn jeder Einzelne für das Ganze eintrete, dann sei auch das Ganze für jeden Einzelnen der sicherste Hort. Mit einem dreifachen Sieg-Heil schloß Reichsluftfahrtministerium Göring seine mit begeistertem Beifall aufgenommene Ansprache. Landesgruppenführer Major a. D. v. Loeper nahm darauf die Verpflichtung von mehr als 18000 Amtsträgern und Amtsträgerinnen sowie die Weihe der Fahne der Landesgruppe und der 200 Fahnen der Groß-Berliner Bezirke und Ortsgruppen vor. Der Reichsluftschutzbund zählt in Groß-Berlin heute 760 000 Mitglieder. Das Ergebnis der Wahlen in England. Starke Mehrheit für die nationale Regierung London, 15. Rov. (DRV. Funkspruch.) Rach einer vorläufigen Zusammenstellung haben die Regierungsparteien bis gegen 7 Uhr morgens 4 634 529 und die Oppositionsparteien 4 342 948 Stimmen erhalten. 3m einzelnen verteilen sich die Stimmen wie folgt: konservative 4 125 176 Rationale Liberale 345 950 Rationale Arbeiterpartei 163 403 Arbeiteropposition 3 721 701 Liberale Opposition 523 562 Unabhängige Partei 22 205 Kommunisten 13 655 Unabhängige 61825 Bei Abschluß der im Laufe der Rächt vorgenommenen Zählungen um 5 Uhr früh wat der Stand der Parteien wie folgt: Regierungsparteien: konservative 167, Rationale Liberale 14, Rationale Arbeiterpartei 3, Unabhängige Rationale 0, jufammen 184. Opposition: Arbeiterpartei 78, Liberale 8, Unabhängige Liberle 0, Unabhängige Arbeiterpartei 0, Wilde 1, zusammen 87. Die Regierungsparteien haben also insgesamt 6 Gewinne und 40 Verluste, die Opposition 44 Gewinne und 10 Verluste zu verzeichnen. 3n der dritten Morgenstunde wurde in Regierungstreuen erklärt, es sei bereits deutlich, daß die nationale Regierung einen überwältigenden Sieg errungen habe. Es wurde betont, dah es der Arbeiterpartei nicht gelungen sei, auch nur die hälfte der Sitze zurückzuerobern, auf die sie gehofft und mit deren Verlust die Regierung gerechnet hatte. Da es als unwahrscheinlich gilt, dah die Marxisten in den ländlichen Wahlkreisen, deren Ergebnisse heute nachmittag bekanntgegeben werden, besser abschneiden werden als in den grohen Städten und Industriebezirken, hofft die Regierung zuversichtlich, dah die Regierungsmehrheit nicht, wie bisher erwartet, etwa 150,sondern mehr als 2 00 betragen werde. Der Führer der liberalen Opposition, Sir Herbert Samuel, ist in Lancashire von dem Konservativen Russell geschlagen worden. Rüssel! hatte 15 200 Stimmen, Sir Herbert Samuel 14 135 Stimmen. — Bei den letzten Wahlen betrug die Mehrheit für Sir Herbert Samuel über 4000 Stimmen. S j r Au st en Chamberlain ist in seinem Wahlkreis Birmingham-West wiedergewählt worden. Seine Mehrheit hat sich von 7000 auf 11000 erhöht. Der frühere Erste Lord der Admiralität, Alexander Arbeiterpartei) hat ferne* Sitz in Sheffield wiedergewonnen, indem er den konservativen Vertreter mit einer Mehrheit von 3500 Stimmen schlug. Der Arbeiterführer eignes konnte in Manchester seinen früheren Sitz, ben er bei den Wahlen von 1931 verloren hatte, wiedergewinnen. In Liverpool wurde der Sohn Winston Churchills, Randolf Churchill, von dem arbeiterparteilichen Gegenkandidaten g e - schlagen; das Stimmenverhältnis war 18 500 zu 16 400. Das Echo der presse. London, 15. Nov. (DNB. Funkspruch.) In den Spätausgaben mehrerer Morgenblätter wird bereits zu den bekanntgewordenen Wahlergebnissen Stellung genommen. Der konservative „Daily Telegraph" glaubt bestimmt, daß eine starke Mehrheit für die Regierung erreicht sei und sagt, auf jeden Fall stehe schon jetzt fest, daß es keine Umwälzung gegeben habe und daß von einer arbeiterparteilichen Mehrheit keineswegs die Rede fein könne. „Time s" beurteilt den möglichen Verlust von etwa 30 Sitzen, den die Regierungsparteien haben, in gelassenem Ton und sagt, etwas anderes sei nicht erwartet worden. Jeder gut unterrichtete Beobachter habe mit einer sehr großen Verminderung der überwältigenden Mehrheit von 1931 gerechnet. Der Verlust sei aber erheblich hinter dem erwarteten zurückgeblieben. Schon die bisher vorliegenden Teilergebnisse zeigten, daß die Wählerschaft keine Wiederherstellung einer Parteiregierung wünsche. Das Experiment mit der nationalen Regierung werde in England noch eine Weile fortgesetzt werden. Der liberale „News C h r o n i c l e" bekundet bittere Enttäuschung über die bisherigen Ergebnisse und setzt seine Hoffnung darauf, daß der heutige Tag eine nachdrückliche Verurteilung der Regierung bringen werde, der es mißlungen sei, Frieden im Auslande und Wohlfahrt im Innern zustandezubringen. Das Blatt gibt aber offen zu, daß die Regierung im kommenden Parlament über eine „wesentliche Mehrheit" verfügen werde. — Der arbeiterparteiliche „Daily H e r a l d" drückt seine Befriedigung „über den jähen Niedergang" der Regierungsstimmen aus, und spricht von einer großartigen Erholung der Arbeiterpartei von den Folgen der Katastrophe von 1931. Das Blatt sagt, wie auch das Endergebnis aussehen möge, die Hauptsache sei, daß die Arbeiterpartei sich wieder auf sich selbst besonnen habe. Grundsätze natwnaisoz aliffMer Staatspolitik. Reichsleiter Alfred Rosenberg vor der ausländischen Diplomatie und preffe Berlin, 14. Nov. (DNB.) Der Chef des Außenpolitischen Amtes der NSDAP., Reichsleiter Alfred Rosenberg, sprach vor der ausländischen Diplomatie und Presse über „Grundsätzliche Forderungen, die wir Nationalsozialisten an nationalsozialistische Staatsmänner stellen". Das Problem, das ewig bleibt, so führte Rosenberg u. a. aus, ist das Raumproblem mit seiner ihm innewohnenden Gesetzlichkeit. Weil Deutschland offen ist, muß die deutsche Lebensform und der deutsche Staattypus grundsätzlich anders aussehen als das englische, amerikanische oder japanische Lebensgefühl, also der Staaten, die Jnselvölker umschließen. Das alles in seiner Gesetzmäßigkeit zu erkennen ist notwendig für den nationalsozialistischen Staatsmann, der sich aber auch bemühe, d i e innere Gesetzlichkeit im Handeln der übrigen Volke r zu begreifen. Dächten andere Völker ebenso, so könnten sie sehr gut darauf kommen, daß alles, was in Deutschland geschieht, den Abschluß einer 400jah- riqen preußisch-deutschen Geschichte darstellt, und daß sich Deutschland nun z u seiner Lebensform durchqerungen hat. Biel Porwürfe aus dem Auslande ließen ledoch erkennen, daß di- jetzt gefestigte deutsche Lebensform von außen her noch nicht immer be- arifsen werde. So sei immer wieder behauptet worden daß doch die nationalsozialistische und die k o m m u n i st i s ch - S t a a t s f o r m eigentlich gleichlautend seien. Man sagt beide Staaten hätten keine Meinungsfreiheit ,n beiden herrsche die Diktatur und in beiden seien Religionsverfol- gungen zu verzeichnen. Wir sind der Ueberzeugung. daß es eine absolute äußere Freiheit in der Welt nicht gibt. Uni) daraus hat der Nationalsozialismus die Konsequenz gezogen, daß, wenn es schon notwendig ist, daß der Mensch Opfer an persönlicher Freiheit zu bringen hat, er besser nicht einer Privatperson, sondern stets dem Volks- gangen und dem Staat gegenüber verantwortlich gestellt wird. Der Nationalsozialismus sei aus dem Volke entstanden und nicht wie der Kommunismus die Diktatur einer kleinen Kaste. Der Nationalsozialismus erhalte die Tradition, der Kommunismus zerstöre sie. Der Nationalsozialismus bekämpfe asoziale und staats- feindliche subjektive Bestrebungen, der Kommunismus predige die Entfesselung dieser Triebe für eine einzige Klasse. Der Nationalsozialismus stelle sich auf die Grundlage eines ernsten religiösen Gefühls, während der Kommunismus für die Vernichtung jedes Religionsgefühls kämpfe. Der Nationalsozialismus betonte den Schutz nationaler Kultur, während der Kommunismus die Zersetzung aller Völker fordere. Nicht nur politisch, sondern auch geistig sei deshalb der Nationalsozialismus der schärfste Gegner des Kommunismus. Der Nationalsozialismus fei kein geistiger Weltimperialismus, sondern hoffe, daß einmal verwandte Dö 1 kersysteme geistig verbündet und deshalb bodenverwurzelt sich in organischer Zusammenarbeit gegenüberstehen. Diese Entwicklung fördere der Nationalsozialismus, und dies sei der Beitrag, den der Nationalsozialismus im Ringen um den Frieden in der Welt gebe. Stalins neue „dewegung". Von unserem Tl.-Berichierstaiier. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Moskau, November 1935. Der Name Stachanow tauchte zuerst Ende August in der Sowjetprefse auf. Meteorhaft stieg sein Träger empor aus der grauen Masse der schuftenden und darbenden Sowjetproletarier, bis dahin unbekannt und sein kärgliches Dasein mühsam fristend. Einer — wie Millionen anderer... Und heute, zwei Monate später, ist das Bild dieses Mannes den Arbeitern und Angestellten in der Sowjetunion ebenso bekannt und vertraut wie das Bild Molotows oder gar Stalins selbst. Heute blickt den Lesern der Sowjetpresse der Kopf Stachanows mit der niedrigen Stirn, den dicken Lippen und dem breiten ordinären Lachen jeden Tag aus jedem Blatt entgegen. Heute ist „Stachanow" bereits ein Begriff geworden. In den beiden Monaten, die feit der Entdeckung dieses Namens vergangen sind, ist ein unvorstellbares Trommelfeuer von Agitation und Reklamemacherei auf das Land niedergegangen. Acht Wochen lang füllten nicht mehr nur Spalten, sondern ganze Seiten der Blätter aller Formate die „Siegesberichte" der Stachanow und seiner Nachfolger. Eine „Bewegung" wurde geschaffen, die mit den zweifelhaftesten Reklametricks arbeitet. Volkskommissare und Industrie- führer treten auf den Plan, Briefe und Ergeben- heitsadressen decken das Land zu. Zusammenkünfte kleinen und größten Stils finden jeden Tag statt, von einem Industriezweig springt die „Arbeitsmethode" Stachanows auf den anderen über — kurz: das ganze riesige Land ist in einen förmlichen Stachanow-Taumel", in einen Rausch geraten, und mit jedem Tag schwillt die Flut immer mehr an. Stachanow verbesserte seine Arbeits- lei st u n g , und sein Rekord fiel in eine Zeit, als die Jnhustrieführer des bolschewistischen Staates vergeblich nach einer Möglichkeit suchten, die Produktion rentabel zu gestalten, als der Arbeiter über die Verteuerung des Lebens immer mehr und vernehmlicher murrte, als es offenbar wurde, daß die Aufhebung der Lebensmittelkarten nicht zu der erhofften Besserung auf dem Ernährungsmarkt führte, als das Grauen vor dem bevorstehend en Winter sich wieder des Sowjetrussen zu bemächtigen begann. Da wurden Volkskommissare und Jndustrieführer, Presse und Rundfunk, Ingenieure und Arbeiterverbände, Stadt und Land mobil gemacht. Der Name Stachanow flog in die Redaktionsstuben, die behördlichen Büros, die Parteiorganisationen, in die Arbeiter- Dcrfammlungen, in die Fabrikräume und in die Werkstätten. Acht Wochen lang wurde er zum Held proklamiert, als Jdealgestalt gezeichnet — und „die Bewegung" war da. Wer ist Stachanow und worin besteht seine „Arbeitsmethode", die für neif und wichtig genug erkannt wurde, um als Beispiel für ein 165 Millionenvolk hingestellt zu werden? — Es ist seltsam: man suchte wochenlang vergeblich nach einem Anhaltspunkt in den Sowjetblättern, die Stachanow über den grünen Klee lobten, wodurch er seine Arbeitserfolge errungen und was daran eigentlich beispielhaft wirken soll. Als Steiger in einer der Däne z-Kohlengruben tätig, war Stachanow „Brigadier", d. h. Anführer einer Arbeitsgruppe von 8 bis 10 Häusern. Als solcher förderte er eines Tages 102 Tonnen Kohle und überflügelte damit die feftgelegte Norm um ein Beträchtliches. In der nächsten Zeit übertraf er sich selbst und forderte 160 Tonnen in einer Arbeitsschicht. Dieser Erfolg ließ seine Kameraden nicht schlafen. Der Steiger Isotow brachte es auf 240, ein anderer sogar auf 310 Tonnen. Das Beispiel Stachanows wurde durch den Schmied Bussygin in der Maschinenindu- st r i e nachgeahmt, bei den Eisenbahnen war es der Lokomotivführer Kriwonow, der die angeordnete Kilometerzahl weit übertraf, in der T e x t i 1 i n d u st r i e hat dann die Weberin Weno- gradowa auf mechanischen Webstühlen 100, ja 150 Spindeln allein bedient und einen „Weltrekord" aufgestellt. Und so weiter... Denn seitdem geht die „Stachanow-Methode" von Industriezweig zu Industriezweig, von Werk zu Werk, ja von Behörde zu Behörde, von Büro zu Büro. Und s e l b st in der Schule wollen die Lehrer jetzt nur noch „Stachanowitsch" arbeiten, die wissenschaftliche Akademie trachtet danach, sich einzuschalten und es den Kohlentrimmern gleichzutun, in der Fliegerei, beim Stiefelbesohlen und beim Kuhmelken — überall ist nur noch von Stachanow und seinem System die Rede. Aber dieses „System"? Was hat es damit auf sich? 4— Wir zitieren das Blatt des Jndüstriekom- miffars „Sa Jndustrialisaziju": „Stachanowisch zu arbeiten heißt, seine Arbeit so zu organisieren, um aus der Technik alles Herauszupresse n , w a s sie nur hergeben kann; das ist eine Spezialisierung der Arbeit, eine Arbeitsteilung, die den Arbeiter entlastet; eine Hebung der Ergiebigkeit der Arbeit und der Maschinen. Das ist die Schaffung von Arbeitsbedingungen, unter denen es an der Maschine keine überflüssigen und also im Werk keine überschüssigen Arbeitskräfte gibt, unter denen die Maschinenzeit und das Fordsche „Mi- nut-Kost" genauestens berechnet sind... Wir müssen die Ergiebigkeit der menschlichen und der Maschinenarbeit genau berechnen und dürfen in unseren Berechnungen vor allem die Rolle des subjektiven Faktors, die Rolle des Menschen, nicht unterschätzen... Wir sind ein Land der unwahrscheinlichsten Möglichkeiten..." Mil aller nur wünschenswerten Deutlichkeit gebt aus diesen Bekenntnissen hervor, was itt Wie sieht es in -er" irtschast aus? lichkeit die Stachanowsche Arbeitsmethode ist: Es ist das amerikanische Taylor- System, die wissenschaftliche Berechnung des maschinellen und menschlichen Maximums an Arbeitsleistung! Auf Sowjetoerhältnisse übersetzt aber ist es ein schweißtreibendes Arbeitssystem, ein Ausbeutertum, wie es die vielge- schmähte Arbeitspolitik der sogenannten kapitalistischen Staaten auch nicht im entferntesten kennt! Denn was das amerikanische System bezweckt, durch wissenschaftlich exakte Messungen die Arbeitsleistungen der Maschine und des Arbeiters — dazu unter weitgehender Anpasfund an die physische und psychische Leistungsfähigkeit der Arbeiter — zu berechnen, das ist gerade in Sowjetrußland nicht möglich, weil (um im Sinne des obigen Blätterzitats zu sprechen) der „objektive Faktor", nämlich die Maschine, überhaupt keine feste Größe darstellt, weil das Land technisch zurückgeblieben ist, weil man mit der Maschine nicht umzugehen versteht. Man gSht deshalb unter der Maske der „Stachanow-Bewegung" dazu über, auf den „subjektiven Faktor", den Menschen, den Arbeiter, zu drücken und aus ihm alles herauszupressen, was er nur zu geben imstande ist. Niemand anders als Marx selbst hat einst die Akkordarbeit als „Mord arbeit" bezeichnet. Heute ist man in Sowjetrußland, dem einzigen „proletarischen Arbeiterstaat" der Welt, noch einen Schritt weiter gegangen. Es war vorauszusehen, daß auch der bolschewistische Staatskapitalismus um eine Regelung der Frage der Rentabilität nicht herurnkornrnen werde. Er will es jetzt auf dem Wege über eine noch größere Aussaugung des Arbeiters erreichen. Stalin wirft hier vielleicht den letzten und unveräußerlichten Teil seines Pakets der kommunistischen Dogmen, eine wenigstens nach außen hin sozial wirkende Arbeiterpolitik, über Bord. Wäre er's nicht, so wäre ein anderer der „Held", der der „Bewegung" seinen Namen gegeben hätte. Der Sowjetarbeiter wird in Zukunft nur noch M a- s ch i n e sein, die ihre Fronarbeit für den „Proletarier-Staat" leisten muß. Abbau und Entlassungen sind bereits jetzt überall im Gange. Und eine Verordnung, die einer progressiven Erhöhung etwa auch des Lohnes der neuen „Stachanowzy" Vorbeugen soll, ist längst erschienen. Wird der Sowjetarbeiter sich mit dem Neuen abfinden? Unzählige Prozesse sind schon jetzt gegen die „Saboteure" im Gange, zahlreiche Gegner der „neuen Methode" sind schon vertrieben, eingekerkert, verbannt. Wer nicht an den Zwangscharakter der „Bewegung" glauben will, muß mit seiner Existenz dafür bezahlen. Ein neuer sozialer Umschwung bereitet sich mit dex Schilderhebung Stachanows und seiner „Methode" vor. Die Ärbeitslosigkeit steigt, die Verelendung des Arbeiters wächst, die Spannung zwischen dem staatskapitalistischen Ausbeuter und seinen Objekten in der Fabrik wird zusehends größer — und das alles im Zeichen des mit überschwenglichen Lo- besliedern bedachten „Wunders der Stachanow- Bewegung". Wobei erst der Zukunft die Lösung der Fragen Überlassen bleiben muß, ob der staatliche Arbeitgeber auch bei der erhöhten Produktion das Rohstoffproblem zu regeln imstande sein wird, ob die neue Rekordsucht nicht die Qualität der Sowjeterzeugnisse weiter katastrophal herabmindert und ob er sich's leisten kann, der ganzen Sowjetarbeiterschaft diese Kriegserklärung ins Gesicht zu schleudern. Neue Unruhen in Kairo. BlutigeHusarnrrrenstötze zwischen Studenten und Polizei. Kairo, 14. Nov. (DNB.) Donnerstag versuchten wiederum mehrere tausend Studenten, die sich vorher in der Nähe der Universität gesammelt hatten, in die Stadt zu ziehen, um alle Studenten und Schüler, die sich dem Streik noch nicht angeschlossen hatten, aus den Schulen herauszuholen. Der Zug der Demonstranten bewegte sich auf die Abbas-Brücke zu, die über den Nil in oie Stadt führt, wobei aus der Menge andauernd Rufe wie „Hoch Aegypten!", „Es lebe die Freiheit!", „Nieder m i t ^E n g l a n d !", „Nieder mit dem Verräter Hoare!" laut wurden. Unterwegs bewaffneten sich die Demonstranten mit Stöcken und großen Steinen. An der Abbas- Brücke traf der Zug auf die Absperrung der Polizei, die unter Leitung eines e n g- lifchen Polizeioffiziers stand. Ein wildes Handgemenge entstand, die Polizei sah sich gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Die Menge strömte zurück, wobei sie ihre Toten und Verwundeten mit sich nahm. Vier Studenten sollen bei dem Zusammenstoß getötet und sechs schwer verwundet worden sein. Von der Polizei wurden der englische Offizier und ein englischer Sergeant schwer verletzt. Angesichts der gespannten politischen Lage fand eine Sondersitzung des ägyptischen Kabinetts statt. Die Regierung beschloß, die Universitäten ab Sonntag eine Woche lang zu schließen, wenn nicht alle Studenten bis Samstagmorgen das Studium wieder aufnehmen. Eine Verordnung des Königs hebt praktisch die Pressefreiheit auf und gibt der Regierung das Recht zur Beschlagnahme und befristeten Zeitungsverboten. Weitere strenge Verordnungen zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung sind in Vorbereitung. Die Beerdigung des bei den Unruhen am Mittwoch getöteten nationalistischen Kundgebers ist auf Freitag angesetzt. Man befürchtet, daß die Beisetzungsfeierlichkeiten zu weiteren Zusammen st öhen führt. Einheitliche Beantwortung der italienischen Protest-Note. London, 14. Nov. (DNB.) Wie in englischen Kreisen verlautet, ist sowohl die britische als auch die französische Regierung der Ansicht, daß der italienische Einspruch gegen die Sühnemaßnahmen eine kollektive Antwort der beteiligten Mächte erfordere. Der Wunsch der britischen Regierung, eine Konsultation zwischen den in Frage kommenden Mächten herbeizuführen, wird von der französischen Regierung geteilt. Reuter meldet, daß in der Unterredung zwischen dem Ministerpräsidenten L a» v a l und dem britischen Botschafter Sir George Clerk Einigkeit darüber geherrscht habe, daß keine Zeit für einen Zusammentritt der Sanktionsmächte in Genf zur Abfassung einer einzigen kollektiven Antwort auf die italienische Note vorhanden sei. Anderseits wurde es für wesentlich angesehen, daß die Sanktionsmächte sich auf diplomatischem Wege überden Inhalt einer Antwort einigen sollten, um dadurch ihre Soli- darität zu bekunden. Die Antworten brauchten jedoch nicht notwendigerweise den gleichen Wortlaut zu haben. Daher wird jede Macht einzeln antworten, aber auf einer Linie, „streng parallel", mit den anderen Mächten. Das Ringen der Weltmächte um die Rohstoffgebiete tritt noch stärker in den Vordergrund, seitdem an den Weltrohstoffmärkten die Aufschwungtendenzen die Oberhand behalten haben. Denn die Möglichkeit einer Rohstoffverknappung oder des Abschneidens einer großen Nation von der Versorgung mit unentbehrlichen Rohstoffen erhält in verstärktem Maße praktische Bedeutung. Allem Anschein nach geht die Weltwirtschaft wieder einer Zeit steigenden Rohstoffbedarfs entgegen. Namentlich in den Vereinigten Staaten, in England und in einer Reihe anderer dem Sterling b l o ck angehörender Länder ist eine Zunahme der Investitionstätigkeit auf Grund der Entspannung der Geld- und Kreditlage zu beobachten. Die allgemeine Konjunkturbelebung, die freilich aus sehr verschiedenartigen Quellen entspringt, hat die Roh- stosfmärkte wieder in Bewegung gesetzt und a u ch den meisten überseeischen Ländern, wie Australien und Südafrika, Indien und Südamerika eine wirtschaftliche Erholung gebracht. Nur sehr langsam vermögen dagegen die europäischen Goldblockländer die Deflationsschwierigkeiten zu überwinden. Doch machen sich auch dort neuerdings Zeichen einer Erleichterung und einer beginnenden Erholung bemerkbar. Zu ihnen gehört die soeben beschlossene abermalige Herabsetzung des Diskontsatzes der Niederländischen Bank von 4 auf 3,5 v. H. Der Goldbestand der Niederländischen Zentralbank nimmt jetzt wieder ständig zu, und es scheint, daß die Gefahren, die aus dem andauernden Goldabfluß nach den Vereinigten Staaten den europäischen Goldblockländern erwachsen, in Holland überwunden sind. Dagegen ist die Wirtschaftslage in Frankreich noch immer unübersichtlich und wenig hoffnungsvoll. Im Gegensatz zu der allgemeinen Weltwirtschaftslage steckt die französische Wirtschaft noch tief in der Krise. Die Erhöhung des Diskontsatzes der Bank von Frankreich von 3 auf 4 v. H. wird von der Pariser Presse als das klassische und erst im Sommer d. I. wieder wirksam gewesene Vorbeugungsmittel zur Bekämpfung der Spekulation geaen den Franc gewertet. Im übrigen weisen die Zeitungen mit Vertrauen auf den starken Goldbestand der Währungsbank hin. Eigentliche Währungsbedenken treten also vor den parlamentarischen Sorgen zurück. Selbst die Möglichkeit einer Gefährdung wird nur von feiten des Parlaments befürchtet, wenn der Haushaltsvoranschlag der Regierung durch die Volksvertreter in seinem Gleichgewicht gestört würde. Die radikal- sozialistische Zeitung „Repudlique" überschreibt allerdings ihren Bericht über den Goldabzug aus Frankreich: „Die Panik beginnt". * Geheimrat Klöckner hat kürzlich darauf aufmerksam gemacht, daß die Erholung und der Preisaufstieg an den Weltmärkten auch dem deutschen Export einen sehr willkommenen Auftrieb bringen werden. Die deutsche Binnenwirtschaft hat bisher ihren hohen Stand der Produkttonstätigkeit voll behaupten können. Aber ein Unterschied zwischen der außerordentlich lebhaften Erzeugung von Produktionsgütern und der Verbrauchswirtschaft, die mit diesem Aufstiege nicht Schritt gehalten hat, ist bestehen geblieben. Um so wichtiger ist jede Entlastung durch eine Erhöhung der Ausfuhr deutscher Waren. In einer Reihe von Industrien ist in letzter Zeit eine fühlbare Zunahme der Ausfuhr festzustellen. So ist z. B. der Export von Steinkohle, Papier, Eisen sowie von Kraftfahrzeugen in beachtlichem Maße gestiegen. Aber die Exportsteigerung muß noch wesentlich größer werden, wenn die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit Rohstoffen gesichert werden soll. Solange dieses Ziel nicht er reicht ist, wird die deutsche Wirtschaftspolitik ihr Augenmerk ganz besonders auf die Förderung der Erzeugnisse inländischer Rohstoffe richten müssen, die man mit Unrecht als „Ersatzstoffe" bezeichnet. Interessante Ausführungen über Möglichkeiten und bisherige Erfolge auf dem Gebiet des Baues von Anlagen für b i e Gewinnung von synthetischen Rohstoffen enthielt der Geschäftsbericht der Barna g-Meguin AG., Berlin, einer Gesellschaft, deren langjährige Betätigung im Bau von Gaserzeugungs- und chemischen Anlagen sie befähigte, Probleme zu lösen, wie man eine Reihe von wichtigen Rohstoffen auf synthetischem Wege gewinnen kann. Bemerkenswert ist, daß sich die Erfahrungen auch im Auslandgeschäft vorteilhaft verwerten ließen: Aus mehreren europäischen Ländern sowie aus Japan erhielt die Gesellschaft Aufträge für den Bau kompletter Anlagen für chemische Fabriken, teilweise gegen starke ausländische Konkurrenz. Weitere Projekte sind in Arbeit. * Ueberraschung hat die Mitteilung hervorgerufen, daß der Salzdetfurth - Kalikonzern sich mit erheblichen flüssigen Mitteln an der Mansfeld AG. für Bergbau und Hüttenbetrieb in Eisleben beteiligt hat und dadurch eine qualifizierte Minderheit des Aktienkapitals dieser Gesellschaft erworben hat. Aus der Eislebener Gesellschaft find vor einiger Zeit d i e Interessen am Kupferbergbau, der bekanntlich laufend Subventionen erforderte, ausgegliedert und in eine besondere Gesellschaft eingebracht worden. In ihrer jetzigen Gestalt uinsaßt sie Braunkohlen- und Erdölinteresfen, an denen also der Salzdetfurth-Konzern auf diese Weise teilnehmen will. Unter dem Gesichtspunkt der national- wirtschaftlichen Erwägungen, die heute für alle derartigen Transaktionen entscheidend zu sein haben, ist der Entschluß des verantwortlichen Leiters beider Unternehmen, die durch Generaldirektor Stahl seit kurzem in Personalunion gebracht sind, zu begrüßen, denn die flüssigen Mittel der Kaligruppe finden hier eine Anlage, die geeignet ist, der deutschen Volkswirtschaft aus dem Wege zu einer Verbreiterung der Rohstoffbasis vorwärts zu helfen. Neben der für die Treibstoffbilanz so wichtigen Erdölgewinnung ist es auch die Braunkohlenhydrierung, die man verstärkt in Angriff nehmen will. Zugleich ergibt sich für den Salzdetfurthkonzern als privat- wirtschaftliche Folge ein gewisser Risikoausgleich gegenüber der für die Kaliindustrie allgemein gegebenen einseitigen Abhängigkeit von der Landwirtschaft als Abnehmer. * Die deutsche Binnenwirtschaft geht in den Winter 1935/36 mit einer so geringen Zahl von Arbeitslosen, wie sie seit Jahren nicht erreicht werden konnte. Naturgemäß wird die Einstellung der Außenarbeiten auch in diesem Winter zu einem Wiederansteigen der Arbeitslosigkeit führen. Man rechnet damit, daß bann etwa 1 Million Saisonarbeitslose vorhanden sein werden. Es ist aber sehr wohl möglich, daß diese Zunahme durch einen weiteren Rückgang der konjunkturell begründeten Arbeitslosigkeit teilweise ausgeglichen werden kann. Denn die Arbeitsämter berichten, daß in zunehmendem Maße offene Arbeitsstellen nicht besetzt werden können, weil geeignete Facharbeiter fehlen. Die Zahl der aus diesem Grunde nicht zustandegekommenen Arbeitsvermittlungen hat sich gegenüber dem Stande von 1932 etwa verzehnfacht. Ein Teil dieser freien Stellen, — so z. B. die in den Berufsgruppen „häusliche Dienste" und Gastwirtsgewerbe vorhandenen — wird vielleicht mit den infolge der Einstellung der Außenarbeiten freiwerdenden Kräften besetzt werden können. * In der Bauernstadt Goslar sind die Führer des deutschen Bauerntums zusammengetreten, um Rückblick und Ausschau zu halten. Wir stehen vor dem Beginn des zweiten Kampfjahres um d i e Erhöhung der Produktion aus eigenem Boden, und die in Goslar gehaltenen Reden zeugen davon, daß sich das deutsche Bauerntum der hohen Aufgabe bewußt ist, die es im Rahmen der Arbeitsschlacht zu schlagen hat. Die scharfe Ablehnung der Lebensmittelkarten ist ein Beweis für das Vertrauen, das der Bauer auch der zweit-en Phase des Kampfes entgegenbringt. Gewiß haben sich auf ernährungspolitischem Gebiet einzelne Spannungen nicht vermeiden lassen. Die Butter ist, was eine durchaus internationale Erscheinung bedeutet, kncrpepr geworden, zumal wir die Wiederbeschäftigung der Arbeitslosen naturgemäß mit einem erhöhten Verbrauch von Butter usw. bezahlen mußten. Wir haben bereits früher darauf hingewiesen, daß diese Mehrbeschäftigung vorübergehend zu einer gewissen Knappheit an Butter und Fleisch führen werde, haben dieser Tatsache aber entgegengehalten, daß es notwendiger ist, die Erzeugungsschlacht zu schlagen, den Verbrauch also in der Landwirtschaft an industriellen Gütern zu steigern, im Maße ihrer gestiegenen Kaufkraft und daß wir dafür eine zeitweilige Verknappung ertragen müßten, bis die Gesamtlage wieder ausglichen sei. Es ist richtiger, eine Zeitlang eine gewisse Verknappung mit der Aussicht auf ihre Behebung auf sich zu nehmen, als durch ausländische Einfuhr uns zu verschulden und eine Kräftigung der deutschen Eigenerzeugung zu verhindern: Im "großen Rahmen unserer Wirtschaft wird dieses Programm auch durchgeführt. Die Erhöhung der Verkaufserlöse für die deutsche Agrarproduktion ist voll und ganz der deutschen Gesamtwirtschaft zugute gekommen. Der deutsche Bauer kann jetzt wieder Steuern zahlen und sich entschulden. Gewissen Industrien hat seine gesteigerte Kaufkraft einen Anreiz zur Mehrproduktion gegeben. So ist der Düngemittel- verbrauch allein im Wirtschaftsjahr 1934/35 um rund 65 Millionen Mark gestiegen: die Land- maschinenindustrie liegt in diesem Jahre um rund 25 v. H. über der Produktionsziffer des Vorjahres; fast dieselbe Summe ist infolge der Marktordnung der Milchwirtschaft für die Errichtung neuer Käsereien und Molkereien ausgegeben worden. Diese Summen zeigen den vorwärtsstrebenden Zug in der deutschen Bauernwirtschaft, und die kleinen Sorgen um Butter ober Schweinefleisch werden sich mit der Zeit mildern. Dafür steht aber dann die deutsche Agrarwirtschaft auf sicheren Füßen und vermag in erhöhtem Maße zu Preisen, die der Marktordnung unterliegen, zu liefern. Gegenüber diesem großen und in Angriff genommenen Ziel wiegen die augenblicklichen Sorgen leicht. * Die regelmäßige Zunahme der Haushaltungen, die durch eine planmäßige Bevölkerungs- politik noch gesteigert werden soll, erfordert nach den Feststellungen des Oberregierungsrats Dr. Fischer-Dieskau vom Reichsarbeitsministerium alljährlich die Erstellung von 3 0 0 0 0 0 bis 4 00000 Wohnungen. Die Herstellungskosten für jede neuerstellte Wohnung werden durchschnittlich 5000 bis 7000 Mark geschätzt. Es werden also jährlich 1,5 bis 2,1 Milliarden Mark verausgabt werden müssen, um den Wohnungsbedarf einigermaßen zu befriedigen. Die Bauwirtschaft darf daher noch für lange Zeit mit einem hohen Beschäftigungsstande rechnen. Um über die weiteren Maßnahmen zur Förderung des Wohnungsbaus Beschluß zu fassen, wurden in letzter Zeit in Berlin wichtige Besprechungen gepflogen, die zur Einberufung einer Reichswohnungskon- ferenz geführt haben. Die wichtige Aufgabe, die dem Wohnungsbau gestellt ist, erfordert die Zusammenfassung und planmäßige Lenkung aller verfügbaren finanziellen Kräfte. Der Wohnungsmarkt und der Arbeitsmarkt sind an der Lösung dieser Aufgabe in gleicher Weise interessiert. Oer Bluisqedanke im deutschen Bauerntum. Die Fortsetzung der ersten Hanpttagung in Goslar. Goslar, 14. Nov. (DNB.) Wieder war die Stadthalle bis auf den letzten Platz befetzt, als um 15.30 Uhr der Sprecher des Reichsbauernrates, Ministerpräsident a. D. Granzow, den zweiten Teil der ersten Haupttagung eröffnete. Stand der Vormittag im Zeichen der lebensnotwendigen Bedeutung und praktischen Durchführung der Erzeugungsschlacht, so galten die Vorträge des Nachmittags der Aufzeigung der weltanschaulich- rassischen Grundsätze. Die sittlichen und weltanschaulichen Kräfte des deutschen Bauerntums wurden als die unbedingte Voraussetzung für die neue völkische Lebensordnung des deutschen Volkes herausgestellt. Reichshauptabteilungsleiter Haidn eröffnete die Vortragsreihe mit einem Vortrag über „O d a l" a l s weltanschauliche Grundlage blutsgemäßer Lebensans chauun g". Er behandelte die Notwendigkeit für den Bauern und darüber hinaus für das ganze deutsche Volk, die Reinheit des Blutes als höchstes Gut zu hüten und die gottgewollten Gesetze des Blutes und der Vererbung zu achten. Der stürmische Beifall, mit dem die Bauern iirtmer wieder diese Forderung nach Reinerhaltung des Blutes und der Raffe begleiteten, bewies, daß sie auf diesem Gebiet ebenso der Parole des Reichsbauernführers folgen wollen wie bei der Durchführung der Erzeugungsschlacht. Stürmische Zustimmung fand auch die Feststellung des Redners, daß der bäuerliche Boden für alle Zukunft der Spekulation des Geldes entzogen sei. Als nächster Redner sprach Stabshauptabteilungs- leiter Dr., Rechenbach über „Die Erhaltung des Bluterbes". In seinen ausführlichen, durch reichhaltiges Quellenmaterial belegten Ausführungen gab der Redner eine großangelegte, geschichtliche Darstellung der Erhaltung des Bluterbes in allen Zeiten germanischer Geschichte. Er unterstrich damit äußerst wirkungsvoll die Forderung der Reinerhaltung des Blutes, das über Sein und Nichtsein jedes Volkes entscheide. Zum Abschluß des ersten Tages sprach Stabshauptabteilungsleiter Motz über „Bauernarbeit — und dazu noch Sport?". Der Appell des Redners an die deutschen Bauern, durch Leibesübungen einen Ausgleich für die schwere körperliche Landarbeit zu schaffen und den Körper als Träger des Blutes leistungsfähig zu erhalten, wurde eindrucksvoll unterstützt durch Vorführung rhythmischer Hebungen, die von Bauernjungen und -mädchen ausgeführt wurden, die selbst erst in einem soeben beendeten sechswöchigen Lehrgang zum ersten Male in ihrem Leben diese gymnastische Ausbildung erfahren haben. Aus den mit großem Beifall aufgenommenen Vorführungen ging klar hervor, daß die Leibesübungen des Bauern nicht Höchstleistungen, sondern allgemeine Ausbildung und Lockerung des Körpers bezwecken sollen. Am Freitag findet eine geschlossene Sitzung des Reichsbauernrates statt, während der Tag im übrigen sitzungsfrei ist. Zahlreiche Besichtigungen von landwirtschaftlichen Betrieben im niedersächsischen Bauernland sind vorgesehen. Ein neuer Auio-Typ. Die Firma Opel kündet einen neuen Personen- wagentyp mit 1,1-Liter-Motor, den „Opel P 4" an. Die Wagenkonstruktion ist aus dem 1,2-Liter-Typ heraus entwickelt — fein Preis von 1650 M k. ist nur durch die Herstellung ganz großer Serien — über 100 000 Stück von einem einzigen Modell — möglich. Nur der in solchen großen Auflagen hergestellte Serienwagen ist im Stande, immer weiteren Volksschichten die Motorisierung zu ermöglichen. 5250 Mark bezahlte man- vor zehn Jahren für eine 4-P8-Lirnousine unvergleichlich geringerer Leistung. Ohne diese Preisentwicklung wäre Deutschlands Motorisierung nie verwirklicht worden. Um die Gefolgschaft von 18 000 Mann auch in diesem Winter in Arbeit zu halten, werden die Preise der übrigen Personenwagen-Typen, neuartig gestaffelt, herabgesetzt. 8 v. H. weniger kostet der Wagen, der zwischen dem 15. November und 14. Dezember gekauft und zugelassen wird. Zwischen dem 15. Dezember und dem 14. Januar beträgt die Preissenkung 6 v. H., zwischen dem 15. Januar und dem 14. Februar 4 v. H. Ab 15. Februar treten die alten Preise in Kraft. Diese Preisstaffelung gilt für sämtliche .Opel-Personenwagen-Typen (Olympia, 1,3 Liter und 2 Liter 6 Zylinder) mit Ausnahme des neuen „P 4", dessen Preis konstant bleibt. Die ersteSihung des Landeskrrchenrats Nassau-Hessen. Darmstadt, 14. Nov. (LPD.) Der vom Herrn Reichsminister Kerrl neuernannte Landeskirchenrat trat, wie bereits kurz berichtet, am Dienstag, den 12. November, zu seiner er st en Sitzung zusammen. Er gab sich seine Geschäftsordnung und ,berief Herrn Oberkirchenrat Pfarrer Zentgraf tum Dorsitzenden, Herrn Oberkirchenrat Dr. M ü l- l e r zum stellvertretenden Vorsitzenden und Herrn Dekan Sch ä f e r zum Schriftführer. Etliche dringende Notstände im kirchlichen Leben wurden im Sinne der Befriedigung entschieden. Sämtliche Beschlüsse wurden einstimmig gefaßt. Die Mitglieder des Landeskirchenrats sind: Pfarrer von B e r n u s (Wiesbaden), Rechtsanwalt B u ß m a n n (Frankfurt a. M.), Landesbischof Lic. Dr. Diet - r i ch (Darmstadt), Präsident Kipper (Darmstadt), Freiherr von Krane (Wiesbaden), Pfarrer Lenz (Münzenberg, Oberh.), Oberkirchenrat Dr. Müller (Darmstadt), Dekan Schäfer (Michelstadt, Odenw.), Oberkirchenrat Pfarrer Zentgraf (Bingenheim, Oberhessen). Kunst und Wissenschaft. Oie Nobelpreise. Der Nobelpreis für Literatur wird in diesem Jahr nicht zur Verteilung gelangen. Er wird jedoch für eine etwaige Verteilung im Jahre 1936 z u r ü ck g e st e l l t. Der Nobelpreis des Jahres 1935 für Physik wurde Professor Chadwick in Cambridge verliehen. Der Nobelpreis des Jahres 1935 für Che- m i e wurde Professor Ioliot - Paris und seiner Gattin Curie-Joliot verliehen. Der Träger des Nobelpreises für Physik für das Jahr 1935, James Chadwick, war bisher Professor in Cambridge, ist aber gerade zum Professor in Liverpool ernannt worden. Er erhielt den Preis für die Entdeckung des Neutrons. Diese Entdeckung war das Ergebnis von Untersuchungen über gewisse Erscheinungen hinsichtlich der durchdringenden Ausstrahlung des Berylliums. Diese Ausstrahlung wurde in reiner Form zuerst von B o t h e und Becker festgestellt. Die Ent- deckung Chadwicks steht auch mit der Entdeckung des Ehepaares Curie und Joliot über den sogenannten Proton-Strom im Zusammenhang, der die erwähnten Ausstrahlungen hervorbringt. Chadwick ist im Jahre 1891 geboren. Wetterbeiicht des Reichswetterdienfles. Ausgabeort Frankfurt. Der von dem osteuropäischen Hochdruckgebiet bis nach Frankreich sich erstreckende Ausläufer befindet sich in raschem Abbau. Dabei setzte sich zunächst auf- hetterndes Wetter noch fort, so daß es in der Nacht zum Freitag infolge kräftiger Ausstrahlung zu stärkerer Abkühlung und vielerorts zu Nebel- oder Hochnebelbildung kam. Mit verstärkter Nebelbildung hat sich auch bei uns wieder mehr wechselhaftes Sßetter eingestellt, doch ist anderseits eine stärkere Einflußnahme der Tiefdruckausläufer auf unser Wetter vorerst unwahrscheinlich. Aussichten für Samstag: Zunächst nebelig und bewölkt mit Regenneigung, dann mehr veränderlich bewölkt mit zeitweiliger Aufheiterung bei lebhaften südlichen und südwestlichen Winden ausgeglichene Temperaturen. Lufttemperaturen am 14. November: 9,8 Grad Celsius, abends 0,6 Grad; am 15. November: morgens —,0 3 Grad. Maximum 10,5 Grad, Minimum — 2,2 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. November: abends 5,3 Grad; am 15. No- oember: morgens 3,7 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 7 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm ßange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Dlumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis NM. 2,05 einschließlich 25 PL Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehL Cinzelverkausspreis 10 Pf. und Samstags 15 Ps^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zett ist PktztSttstL Nr. 3 1-fhmi 1Q3H Wer sofort kauft - kauft am vorteilhaftesten Die Qualität der OPE L-Wagen, ihre ausgeglichene Konstruktion und ihr hoher Sach- und Gebrauchswert haben 1935 in allen Käuferschichten eine Anerkennung gefunden, wie sie noch nicht dagewesen ist. — Dieser große Erfolg und der Wille, die Gefolgschaft der 18000 den ganzen Winter über in Arbeit und Brot zu halten, geben OPEL die Möglichkeit und damit die Verpflichtung zur sofortigen Durchführung folgender umwälzenden Maßnahmen: Schaffung einesVollautomobils zu einem Preis, Einschneidende Preis-Senkung für alle an- wie er bisher in der Automobilgeschichte für ein deren 1936er OPE L - Personenwagen vom derartiges Weriobjekt noch nie erreicht wurde. 15. November 1935 bis 14. Februar 1936.* Da die Durchführung dieses großzügigen Planes gleichmäßigen Produktionsverlauf voraussetzt, sind die Wagenpreise zeitlich gestaffelt. Mit der fortschreitenden Jahreszeit werden sie dem Normalpreis angenähert, der am 15. Februar 1936 wieder in Kraft tritt. Neue Modelle - niedrigere Preise! 1936er Modelle schon jetzt! • Ein neues Vollautomobil zu beispiellos niedrigem Preis • Bei den anderen Typen einschneidende Preissenkung — aber nur für kurze Zeit ■ <6, OPEL P4 ein Vollautomobil für RM1650 EISSENKUNG für die anderen 1936er Modelle! Die Weiterentwicklung des hundertlausendfach anerkannten und bewährten 1,2 Ltr.-Typs. Ebenfalls ein 4 Zyl. 4Takt-Motor! Das praktische Leistungsvermögen bleibt das gleiche, der Verbrauch konnte trotzdem wesentlich verringert und die Wirtschaftlichkeit noch bedeutend erhöht werden. Das Äußere ist dem Zeitgeschmack angepaßt, ohne aber so wesentliche Vorzüge wie Bodenfreiheit, Geräumigkeit und Bequemlichkeit zu opfern. OPEL P4 Limousine ......RM 1650 OPEL P4 Cabriolet-Limousine RM 1880 OPEL P4 Spezial-Limousine ....... RM 1880 OPEL 1/2Tonner-Lieferwagen RM 1890 OPEL x/a Tonner-Lieferwagen-Fahrgesiell.. RM 1500 preise: BISHER Nur 30 Tage bis 14. XII. 35 Danach steiqend vom 15. XII. 35 bis 14.1. 36 vom 15.1. 36 bis 14..II. 36 »Typ Olympia« Limousine Wm 250K RM 2300 RM 2350 RM 2400 »Typ Olympia« Cabr.-Limous. 4 f RH 25f0 RM 2300 RM 2350 RM 2400 6 Zyl. 2 türige Limousisrtj ■ * a rm*o50 RM 2990 RM 3055 RM 3120 6 Zyl. 4 türige Limousine rmJ>600 RM 3312 RM 3384 RM 3456 6 Zyl. 4 siiziges Cabriolet © **• Sw RM 3680 RM 3760 RM 3840 6 Zyl. Sechssitzer Limous. Jrm 48H RM 4416 RM 4512 RM 4608 • Alle anderenTypen u.Modelle des gesamten Opel-Personenwagenprogramms, ausgenommen der OPEL P4, erfahren die entsprechende Preisermäßigung, e Maßgebend für den Preis ist der Tag der Zulassung, nicht der des Kaufes. Am 15. Februar 1936 freien die bisherigen Preise wieder in Krall. OPEL DER MVZ« adam opel a. g. «Rüsselsheim am main-preise ab werk 1, Wer mag denn frieren? Hattenrod, den 15. November 1935. 04906 N UJEDnC DRUCKSACHEN " C. ex D G Brühl, Gießen Imheuser- MANTEL 6559 A Oberhessens größte Auswahl I stadtbekannt Prüfen Sie einmal: 1955/36 Gehr Imheuser Ruf 2145/2146. Vorstellung NSKG.,Ni am Markt der 6571 A 6561 A billig 6181D Ohne Gewähr Nachdruck verboten Handschuhe 1. Ziehungstag 13. November 1935 ii ■ 0.95 5 1.65 4.90, 3.90 232476 240630 263511 2.35 0.95 1.45 'aivn s 6575 A Unterschrift» = 15 000 RM. = 16 600 RM. 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HAUSER, GIESSEN AM OSWALDSGARTEN . 272404 35109 253101 363811 113001 135616 102113 105470 176938 332556 379817 81658 110359 136192 16 Gewinne zu 164124 259656 30 Gewinne zu 800 M. 327 10394 42402 72213 76186 92470 97286 166078 195602 206633 207182 261920 279145 292891 314273 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen *'1'; < Jr und Strümpfe in unseren bekannt guten Qualitäten v u o Wöumm wi HÄüjM 0M L^olMHoudM? Wichtig ist, daß man Ihnen alle Neuerungen vorführt und genau erklärt. Wichtig ist, daß eine große Auswahl formschöner Öfen vorhanden ist. Bekanntmachung. Der gemäß § 13 Absatz 2 der Verordnung über Finanzslatistik vom 28. Februar 1931 (RGBl. 1 S.32) zu veröffentlichende Halbjahres-Ausweis über die Einnahmen und Ausgaben der Stadt Gießen für das I. Halbjahr 1935 (April bis September 1935) wird in der Zeit vom 15. bis 28. November 1935 an den für amtliche Bekanntmachungen bestimmten Anschlagtafeln zur allgemeinen Kenntnis gebracht. Gießen, den 12. November 1935. 65720 Bürgermeisterei Gießen. Ritter, Oberbürgermeister. 2 Gewinne zu 60000 M. 211769 2 Gewinne zu 25000 M. 150023 2 Gewinne zu " " 10 Gewinne zu 282708 317037 44 Gewinne zu 500 M. 3621 21867 24176 61825 66468 90842 107971 153669 156345 200963 223609 231178 267920 269896 273221 281299 283939 293720 306671 324269 349039 367776 156 Gewinne zu 300 M. 4984 12177 16118 20578 22231 22777 29801 30315 30644 36972 45677 47459 51054 62054 67041 57378 65550 68838 72836 73248 76688 80391 80823 84444 84505 88066 89999 91657 98603 101497 ---- 121877 132985 140465 ------ W «>ä borfer Straße Nr. 9, zugeschriebene Grundstück versteigert: 6279D Grundbuch für Gießen, Band VI, Blatt 287: der Walllorstrahe, Gießen, den 4. Oktober 1935. Im Auftrage des Amtsgerichts Gießen: Karle, Ortsgerichtsoorfteher. ------ 268444 305529 315339 337993 338812 383123 388198 48 Gewinne zu 600 M. 298 884 10023 11676 19006 22683 38292 44026 51313 66565 59105 78030 94879 110611 160986 202843 209025 241725 244874 292282 295191 328408 369775 373582 186 Gewinne zu 300 M. 623 6362 24948 25114 29989 33724 35499 35990 38122 39987 40135 46249 66196 66990 64745 67618 69864 74061 75529 80641 82011 86855 89740 90480 91667 Zwangsversteigerung K 39 35 Am Montag, dem 18. November 1935, vormittags 9 Uhr, wird im Amtsgerichtsgebäude in Gießen, Gutfleifchftraße Nr. 1, Zimmer Nr. 221, das den a) Benner, Heinrich II., zu %, b) Benner, Elisabeth, geb. Eisenhut, dessen Ehefrau, zu beide wohnhaft zu Gießen, Krof> Preiswerte Handschuhe elegante, warme Qualitäten Damen-II and schuhe, mit Stulpe. Wolle gestrickt 1.95 1.60 1.40 1.25 Damen-Handschuhe, mit Stulpe. 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Vor der IV. Strafkammer des Berliner Landgerichts, der Spezialkammer für Devisenstrafsachen, begann am Donnerstagvormittag der Prozeß gegen den Bischof von Meißen, Peter Legge, und seine Mitangeklagten, dessen Bruder, der 46jährige Dr. Theodor Legge, Generalsekretär der Akademischen Bomfatiusvereinigung in Paderborn, sowie der 47jährige Generaloikar Domherr Professor Dr. Wilhelm S o p p a aus Bautzen, die 25jährige Auguste Klein aus Paderborn, die aber vom Erscheinen in der Hauptoerhandlung entbunden worden ist, und der 39jährige Generalsekretär Wilhelm F r e ck m a n n vom Bonifatiusverein in Paderborn. Gegen diesen ist das Verfahren vorläufig eingestellt worden, weil er nur der Begünstigung des Dr. Th. Legge angeklagt ist und die hierfür zu erwartende Strafe kaum ins Gewicht fallen würde neben den fünf Jahren Zuchthaus, die er bereits kürzlich in dem gemeinschaftlichen Verfahren mit dem Generalvikar des Pistums Hildesheim erhalten hat. Die Ankkase Den ersten drei Angeklagten werden fortgesetzte Devisenverfehlungen in zwei Fällen, begangen in Bautzen, dem Sitz des Bistums Meißen, in Berlin, Paderborn und Münster in der Zeit vom 20. Januar bis 9. April 1934 gur Last gelegt. Die beiden anderen Angeklagten sollen sich der Begünstigung des Dr. Theodor Legge schuldig gemacht haben, indem sie bei der Durchsuchung seiner Arbeitsräume durch die Beamten der Zollfahndungsstelle belastende Sch riftstücke beseitigten. Unter dem Vorgänger des angeklagten Bischofs hatte das Bistum Meißen im Jahre 1926 in Holland eine 300000- Gulden-Anleihe ausgenommen. Hiervon waren bereits 90 000 Gulden getilgt worden. Der Kurs der Obligationen im Auslande schwankte zwischen 40 und 45 v. H. und reichte daher zur Tilgung auch mit erlaubten Mitteln, als infolge der inzwischen erlassenen einschneidenden Devisengesetze der frühere Weg nicht mehr beschritten werden konnte. Vom Jahre 1935 ab war ein Obligationsrückkauf nur noch mit Hilfe der Exportbonds möglich. Das verteuerte aber den Kurs erheblich, und daher wurde unter Mitwirkung des berüchtigten Dr. Hofius, des Leiters der Unioersumbank, ein anderer ungesetzlicher Weg gefunden. Durch Vermittlung des Dr. Theodor Legge flössen dem Bistum um die Jahreswende 1933/34 aus dem für Diasporazwecke ausgeschütteten Vermögen des Schutzengelvereins in Paderborn darlehensweise 100 000 Ma^k zu. Dieser Betrag wurde der Zweig st elle Münster der Uni- versumbank überwiesen, nachdem er zur Verschleierung seines Verwendungszweckes einen Umweg über verschiedene andere Banken und Konten genommen hatte. Die noch fehlenden 80 000 Mark wurden vom Bistum selbst aufgebracht. Es soll sich um Geschenke des Vonifatius- vereins zur Entschuldung eigener Gemeinden sowie um Beträge handeln, die vom bischöflichen Gabenkonto stimmen Don den 80 000 Mark wurde später ein Teilbetrag von 40 000 Mark bei der Universum- bank in Münster bar abgehoben. Die Quittung erteilte Dr. Theodor Legge. Die Anklage sieht aber als erwiesen an, daß der Betrag in Wirklichkeit dem D r . Hofius zugeflossen ist, der diese 40 000 Mark zusammen mit den vorerwähnten 100000 Mark nach Holland verschoben hat. Die jeweils über die Grenze geschmuggelten Beträge wurden dem Bistum Meißen unter dem Decknamen „Bistum Utrecht" bei der'Univer- fumbank in Amsterdam gutgeschrieben. Die Mitschuld des Bischofs leitet die Anklage aus einer von ihm am 27. November 1933 erlassenen Verfügung her, wonach der mit der Führung des Briefwechsels und der mündlichen Verhandlungen betraute Mitangeklagte Prof. Dr. Soppa dem Bischof persönlich alle 8 bis 10 Tage Bericht über den Stand der Anleihe-Angelegenheit erstatten sollte. Als weiterer Mitarbeiter und Berater in finanziellen Fragen stand dem Bischof ^ein Bruder Theodor zur Seite. Dec Lebenslauf des Bischofs. Der angeklagte Bischof Peter Legge wurde 1882 als Sohn des Bierbrauereimeisters Legge in Brakel (Westfalen) geboren. Nach erfolgreichem Studium wirkte er zunächst im Mansseldischen als Priester. Von 1911 bis zu seiner Berufung als Propst nach Magdeburg im Jahre 1924 war Peter Legge als Vikar und Studentenseelsorger in Halle tätig. In Magdeburg war Legae auch mit dem Kommissariat für den sächsischen Anteil der Erzdiözese Paderborn betraut. 1932 wurde er an die Spitze des Bistums Meißen berufen. Der Angeklagte war feit Jahren im Vorstand der Paderborner Diözese, die ihm mit Rat und Tat zur Seite stand. Die Vernehmung der Angeklagten. Der angeklagte Bischof erklärte bei seiner Vernehmung, daß er über die Einzelheiten der wirtschaftlichen Verhältnisse im Bistum nicht unterrichtet gewesen sei. Das sei Angelegenheit des Generalvikars Prof. Dr. Soppa gewesen. Vorsitzender: Was wollen Sie überhaupt über die Anleihe wissen? Sind nicht Verhandlungen über eine verstärkte Tilgung geführt worden? Angeklagter: Wir wollten Obligationen in Holland aufkaufen mit Hilfe von Geldern, die uns zur Verfügung gestellt wurden. Soviel mir erinnerlich ist, haben auch Verhandlungen mit der Devisenstelle in Dresden stattgefunden, nach denen wir Obligationen aufkaufen durften. Vorsitzender: Welche Rolle hat denn Ihr Bruder als Ihr Finanzberater gespielt? Angeklagter: Mein Bruder hat mir mitgeteilt, man könne die Holland-Anleihe auf einem legalen Wege ab st oßen. In Holland gebe es ein kirchliches I n st i t u t, das habe die Möglichkeit, die niedrigstehende Anleihe aufzukaufen, um so unserem armen Bistum zu helfen. Das erforderliche Geld werde bei einer Bank in Münster ein gezahlt, die mit dem holländischen Institut zusammenarbeite und das Geld als Sicherheit für das holländische Unternehmen verwalte. Ich habe mit keinem Gedanken daran gedacht, daß das Geld über d i e Grenze gehen könnte. Vielmehr rechnete man damit, daß in späterer Zeit die Devisengesetze wieder aufgehoben würden und dann sollte der Ausgleich mit Holland erfolgen. Vorsitzender: Wann ist denn der Name des Dr. Hofius gefallen? Angeklagter: Ich habe ihn erst in den Devisenprozessen gehört. Vorsitzender: Wieviel hat man in Deutschland sichergestellt, und für welchen Betrag sind Obligationen aufgekauft worden? Angeklagter: Ich weiß aus einer Sitzung, daß wir 100 000 Reichsmark oom Schutzengeluerein in Paderborn erhalten hatten. Dieser Betrag und das, was ich privatim gesammelt hatte, sollte nach Münster gehen,'damit die Bank damit arbeiten könne. Der Bischof betont, daß er sich für finanzielle Angelegenheiten überhaupt nicht interessiert habe. Auch über die Einzelheiten über die Einzahlung der Gelder für das holländische Obligationsgeschäft will er nichts wissen. Der Bruder des Bischofs, Dr. Theodor Legge, bekundet, Dr. Hofius habe ihn gefragt, ob er an der Ablösung der Holland-Anleihe des Bistums Meißen interessiert sei. Dies habe er bejaht, will aber gleichzeitig darauf hingewiesen haben, daß der Rückkauf der Obligationen mit Hilfe von Exportbonds zu unvorteilhaft sei, und ein anderer gesetzlicher Weg noch nicht in Frage komme. Darauf habe ihm Dr. Hofius erklärt, daß es noch einen anderen, durchaus legalen Weg gebe. Danach sollten die Obligationen von holländischen Klöstern aufgekauft werden, während das Bistum Meißen bei der Universum-Bank in Münster einen entsprechenden Betrag sicher stellen sollte. Nach Aufhebung der Devisengesetzgebung sollte dann die Verrechnung mit den ausländischen Ordensniederlassungen erfolgen. Mitte Dezember 1933, so erzählt der Angeklagte weiter, habe er seinen Bruder, der damals gerade sehr krank war, in Bautzen besucht. Um ihm eine Freude zu machen, habe er seinem Bruder erzählt, daß es einen Weg gebe, die Holland-Schuld zu tilgen. Sein Bruder, der in finanziellen Dingen wenig Bescheid wußte, habe darauf seine Bereitwilligkeit mit dem vorgeschlagenen Weg erklärt, wenn es sich um ein gesetzlich ftatt» Haftes Vorgehen dabei handeln würde. Aus Sammlungen feien darauf vom Bistum Meißen zunächst 40 000 Mark aufgebracht worden, die er, der Angeklagte, an Hofius weiterleitete. Später sei dann noch der Betrag von 100 000 Mark, nämlich das Darlehen des Schutzengel-Vereins in Paderborn, dazu gekommen. Der Angeklagte erklärt, er habe mitunter Argwohn gegen D r. Hofius gehabt. Hofius habe aber seine Bedenken immer zu zerstreuen verstanden. Eines Tages habe Hofius ihn darüber aufgeklärt, daß er für das Bistum Meißen ein Guldenkonto in Holland angelegt habe. Er, der Angeklagte, sei sehr empört über das eigenmächtige und ungesetzliche Vorgehen des Dr. Hofius gewesen. „Ich habe ihn angebrüllt wie ein Stier", so bekundete er. „Was sollte ich nun machen? — Die Sache war passiert. — Vor allen Dingen das war mein Gedanke, durfte mein Bruder nichts erfahren. Der Angeklagte Generalvikar Professor Dr. Soppa schilderte, wie sich die wirtschaftliche Lage des Bistums immer mehr verschlechtert habe, so daß bald aus pekuniären Gründen kaum noch an einen Rückkauf von Obligationen gedacht werden konnte. Schließlich versagte die Devisenstelle auch grundsätzlich die Genehmigung hierzu und verwies das Bistum auf den Weg, die Obligationen mit Hilfe von Exportbonds aufzukaufen. Der Angeklagte hat auch tatsächlich einige Schuldverschreibungen mit Hilfe von Exportbonds in Holland aufkaufen lassen. Durch den Sekretär eines befreundeten katholischen Vereins in Paderborn sei ihm mitgeteilt worden, daß Dr. Hofius allein hel° f e n könne. „Dr. Hofius schwebte mir", so erklärte der Angeklagte, „vor wie eine Art Wundermann, der mancherlei fertigbrachte, ohne sich dabei gegen die Gesetze zu vergehen." Im persönlichen Umgang machte er allerdings keinen besonders vertrauenerweckenden Eindruck. Der Bischof hat dem Dr. Soppa etwa im Januar 1933 mitgeteilt, sein Bruder habe einen gesetzmäßigen Weg gefunden, auf dem zu gegebener Zeit die Holland- Anleihe abgelöst werden könne. Hierzu müsse nur Geld beschafft werden. Darum habe er sich denn auch in der Folgezeit bemüht. Er begrüßte es daher besonders, daß dem Bistum vom Boni- faziusverein in Paderborn ein Darlehen von 100 000 Mark angeboten wurde. Davon, daß dieses Geld nach Holland verschoben und zum Ankauf von Obligationen benutzt wurde, will der Angeklagte damals nichts gewußt haben. In feiner Volksverratsanzeige hat er auch als einziges Vermögen des Bistums lediglich die von ihm mit Hilfe von Exportbonds aufgekauften Obligationen aufgeführt. Noch nach Erlaß des Dolksverratsgefetzes habe ihn der Bischof beruhigt mit der Erklärung, es fei alles gesetzesmäßig geschehen und überdies amnestiert. An der Wahrhaftigkeit der Erklärungen feines Bischofs zu zweifeln, habe er nie gewagt. Es wurden dann die Protokolle über die kommissarische Vernehmung der vom Erscheinen entbundenen 25jährigen Mitangeklagten Auguste Klein verlesen. Daraus ergibt sich, daß diese aus dem Verhalten des Dr. Theodor Legge in der Anleiheangelegenheit den Verdacht geschöpft hat, daß irgend etwas nicht in Ordnung fei. Als dann die Beamten der Zollfahndungsstelle die Arbeitsräume des Dr. Legae in Paderborn durchsuchten, vernichtete sie die Geschäftsbücher, in denen die Geschäfte mit der Unioersumbank verbucht waren. Auch hat sie einen Brief, den sie für belastend hielt, ungeöffnet verbrannt. Ein Rechtsanwalt Vor st mann aus Amsterdam hatte der Verteidigung erklärt, daß er wichtige Aussagen über die Obligationsgeschäste machen könne. Er bekundete als Zeuge, daß er bei der Universumbank in Amsterdam ermittelt habe, daß alle Aufträge zum Rückkauf der Obligationen b e - reits vor dem 16. Oktober 1934, dem Stichtag für die Volksverratsanzeige, erteilt worden feien. Die von Rechtsanwalt Kaltenbach für das Bistum auf Grund einer Blankovollmacht des Generalvikars Dr. Soppa erstattete Dolksverrats- anzeige sei also richtig. Die Staatsanwattschaft ist der Meinung, daß zur Zeit der Erstattung dieser Anzeige ein Teil der Effekten erst zu einem späteren Lieferungstermin angeschafft werden sollte. Beamte sammeln für das Winterhilfswerk. Reichsminister Dr. Frick zum Sammeltage der deutschen Beamtenschaft. Berlin, 14. Nov. (DNB.) Der Reichs- und Preußische Minister des Innern Dr. Frick veröffentlicht anläßlich des Sammeltages der deutschen Beamtenschaft für das WHW. am 1. Dezember folgenden Aufruf: Am 1. Dezember stellt sich die gesamte Beamtenschaft des Reiches, der Länder und Gemeinden i n b i e Front des Kampfes gegen Hunger und Kälte. An diesem Tage wird sie im ganzen Reichsgebiet eine Straßensammlung veranstalten und dadurch ihrer nationalen Solidarität mit jenen Volksgenossen Ausdruck geben, die leider noch immer ohne Arbeitoder genügendes Einkommen sind. Die deutsche Beamtenschaft beweist mit ihrem Einsatz für die notleidenden Volksgenossen, daß sie die Kameradschaft des Schützengrabens, des Einstehens des einen für den andern, aus der die Idee des Nationalsozialismus geboren wurde, begriffen hat und praktisch betätigen will. Der nationalsozialistische Staat fordert vom deutschen Beamten, daß er sich dem Volke verbunden fühle. Er darf kein sich selbst genügendes, in klassenkämpferischen Dünkel ausartendes Svnderda- sein führen, sondern muß sich offen und ehr - l i ch zur deutschen Volksgemeinschaft bekennen. Der deutsche Beamte war immer ein Muster der Staatstreue, der Ehrenhaftigkeit und der Sauberkeit. Das große Sammelwerk des Winterhilfswerks wird beweisen, daß er im praktisch betätigten Opfersinn keiner anderen Gruppe des deutschen Volks nachsteht. Der 1. Dezember, der Tag der Reichsstraßensammlung der deutschen Beamten, soll und wird ein Ruhmesblatt in der Geschichte des deutschen Beamtentums und ein Ehrentag der nationalen Solidarität werden. Deutsche Beamte an die Front. — Der Führer ruft zum Kriege gegen Hunger und Kälte. Wir folgen seinem Befehl." Wilhelm Raabe. Zum 25. Todestage des Dichters am 15. November. In seinem Zimmer in einer der schmalen Gassen an der Fnedrichsgracht steht Wilhelm Raabe am Fenster. In der Nooemberdämmerung huscht drüben eine kleine Putzmacherin vorüber. Schade, daß er so schlecht sehen kann; die Augen hat er sich durch das nächtelange Lesen gründlich verdorben. Aber er hat ein Bläschen im Fensterglas entdeckt, und dadurch sieht er nun die Welt scharf, wenn auch winzig klein: die Welt der kleinen Leute im Spreeviertel von Alt-Berlin. Auf das dünne, gelbe Papier, das er aus einer Zigarrenkiste reißt, schreibt er die ersten Zeilen an der „Chronik der Sperlingsgasse". 1857 erscheint das Buch. Die Ironie und der scharf ausgeprägte Wirklich- feitsfinn erinnern an Dickens und Thackerray, dle traumhafte Weichheit der Sprache an Andersen, mit dem ihn die gemeinsame Liebe verbindet: für Kinder, enge Gassen und arme Leute. Der Aut"r Sohn einer Familie kleiner Beamter und „treü^eißiger Schulmeister", Buchhändlerlehrling in Magdeburg und jetzt, da er als entlaufener Sekundaner nicht immatrikuliert werden kann, Hörer an der Universität Berlin, wo er in den warmen Hörsälen während der Vorlesungen an feinem Roman schrieb, der sechsundzwanzigjährige Autor, dessen Namen das Braunschweiger Wochenblatt erst einmal gebracht hatte und zwar unter den Steckbriefen, weil er versäumt hatte, sich zur Musterung zu stellen, er faßt den Entschluß, sich gänzlich der Literatur zu widmen. Für die „Chronik der Sperlingsgasse" hatte er, anstatt ein Honorar zu erhalten, noch fünfzig Taler zu den Druckkosten beitragen müssen. Der nächste Roman, nach einigen Erzähluno-'n für Westermanns Monatshefte, ist ein völliger Mißerfolg. Achtzig Exemplare werden ab- gcfetzt; den Rest muß Raabe für fünfundsiebzig Pfennige das Stück zurückkaufen. Er endet teils im Ofen, wie Gottfried Kellers „Grüner Heinrich", teils als Unterlage für den Stubenteppich. Das ist der wenig verheißungsvolle Anfang. Die in den Jahren des Stuttgarter Aufenthalts veroffntlichten Novellen spielen meist in vergangenen Jahrhunderten. Für Raabe ist die Geschichte nichts als der alte Gobelin, vor dessen verblassendem Grunde Menschenschicksale sich erfüllen. Von rotem Fackellicht übergossen schwankt die „Schwarze Galeere" der Wassergeusen auf der Schelde; verzehrende Tropensonne glüht über der westindischen Pestinsel „St. Thomas"; die Sammlung „Regenbogen" schließt mit der Elegie von der Liebe des Marwjtzschen Reiteroffiziers. 1865 beginnt mit dem „H u n g e r p a st o r" die Trilogie der Romane vom Wert und Unwert der Welt. Hans Unwirrsch, der Sohn der Wäscherin und des philosophierenden Schusters aus der Kröp- pelgasse zieht aus mit seinem Hunger nach dem Leben und endet in einer Hungerpfarre an der Ostsee unter armem Volk. Er hat eins der „wirklichen Königsreiche dieser Welt" gewonnen. Zwei Jahre danach folgt „Abu T e l f a n". Ein Mensch kommt aus langer Gefangenschaft bei den Scherl-JBildmaterndienst Negern im Tumurkieland in die philiströse Verlogenheit und Enge der deutschen Kleinstadt; in die Welt der „Herren, die sich am liebsten mit ihren Titeln nennen und Gott sei Dank alle einen besitzen." 1870 erscheint der „Schüdderum p", der zweirädrige Karren, auf dem man einst die Pestleichen zur Grube fuhr, „der schwarze Wagen, der immerfort seinen Weg durch die Geschlechter der Lebendigen fortsetzt" Raabes Spätwerke, darunter die „See- und Mordgeschichte, Stop fluchen" und die „Akten des Vogelsang s", sind kaum beachtet worden, ftür jedes Buch mußte er einen neuen Verleger suchen Zu den Vielgelesenen hat er nie gehört. Wie Blei lagen feine Romane in den Läden, vor denen die Damen Schlange standen, um die neueste „Gartenlaube" mit dem „Geheimnis der alten Mamsell" zu bekommen. Mit dem Beginn des literarischen Umschwungs, der in den achtziger Jahren emsetzte, im Svätherbst seines Lebens, ist er zu dem Ruhm gelangt, van dem er gesagt hatte, er würde ihn wohl erst dreißig Jahre nach seinem Tod erreichen, wenn er bei Reclam erscheine. Zu seinem siebzigsten Geburtstag traten die Dekane der ältesten deutschen Universitäten an, um ihm die Doktorhüte ihrer Fakultäten zu überreichen, während im Hintergrund die Ratsherrn von Braunschweig und seiner Geburtsstadt Eschershausen mit den Ehrenbürgerbriefen warteten. Als Neunundsiebzigjähriger ist er 1910 gestorben, im November, den er so geliebt hat. Raabe ist deutsch, im Fühlen und in der niedersächsischen Schwere seiner Sprache, ungeachtet ihrer barocken Verschachtelungen. „Vergesse ich dein, Deutschland, großes Vaterland: so werde meiner Rechten vergessen." Das schrieb er in seinem Erstlingswerk. Und über „Hastenbe ck", der letzten seiner Erzählungen, steht das Wort des Freiherrn vom Stein: „Ich habe nur ein Vaterland, das heißt Deutschland!" Aus der Reinheit und Tiefe dieses Nationalgefühls, das eherner hallt als das blechenere Fanfarengeschmetter der Konjunkturritter, kommt das bittere Wort über die „Gründerjahre": „Wie nach einer großen Feuersbrunst in einer Gasse ein Sirupsfaß platzt und der Pöbel und die Buben anfangen zu lecken, so war im deutschen Volke der Geldsack aufgegangen, und die Taler rollten auch in den Gassen und nur zu viele Hände griffen auch dort danach. Es hatte fast den Anschein, als sollte dies der größte Gewinn sein, den das geeinigte Vaterland aus seinem großen Erfolge in der Weltgeschichte hervorholen konnte!" Raabes Liebe galt den kleinen Leuten, dem Volk, „das mit feinen Händen zum Fortbestand der Welt hilft". Dem „Abu Telfan" war der arabische Spruch vorangestellt: „Wenn ihr wüßtet, was ich weiß, sagt Mahomed, würdet ihr viel meinen und wenig lachen". Als der „Schüdderump" erschien, glaubte man vollends, in Schopenhauer den schläfrig düstren Fuhrmann des polternden Totenkarrens zu sehen. „Das ist das Schrecknis der Welt", so endet das Buch, „schlimmer als der Tod, daß die Canaille Herr ist und Herr bleibt." Und doch ist der Dichter des „Schüdderump" nicht pessimistischer als der der „Sperlingsgasse", der seinen Schiller verkaufte, um das Honorar für den Tanzlehrer auftreiben zu können, als der, der über den „Hungerpastor" das Wort der Antigone setzte: „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da!" und der zehn Jahre später die köstliche Geschichte des entlaufenen Fürsorgezöglings „H o r a ck e r" schrieb. Sein Glaube an die Welt ist unerschüttert. „Der Mensch hat doch nichts Besseres als dieses schmerzliche Streben nach oben; ohne dieses bleibt er immerbar Erde von Erde genommen; in demselben steht er in dem engsten Kreise als Herrscher des unendlichsten Gebietes da, als Herrscher seiner selbst." Zuversichtlich sagt die „liebe Frau von der Gedulde" im „Abu Telfan": „Wir sind wenige gegen eine Million, wir verteidigen ein kleines Reich gegen eine ganze, wilde Welt, aber wir glauben an den Sieg, und mehr ist nicht nötig, um ihn zu erringen". Aber es ist ein Sieg ohne Paukenschall, ein Sieg, der „im Dunkel der Verborgenheit unter Tränen" erfochten wird. So verklingen die Werke Raabes in leiser Kadenz. Arbeit und Liebe! Das sind die Waffen des Lebens, mit denen Hans Unwirrsch sein Königreich der Seele erkämpfte. Da blickten sie auf das Meer, über dem in zerflatternden Nebeln die Sonne aufging, der Huntzerpastor und sein Weib Franziska. „Arbeit und Liebe", zitterte es durch ihre Herzen. Sie wußten, daß ihnen beides gegeben worden war. lieber den Gräbern deS armen Dorfes Grun- zenow standen Johannes und Franziska und fürchteten in der Liebe weder das Leben noch den Tod. „Gib deine Waffen weiter, Hans Unwirrsch!" Walter Schwerdtfeger. Zeitschriften. — „Berliner Monatsheft e", Zeitschrift zur Vorgeschichte und Geschichte des Weltkrieges, herausgegeben von Dr. h. c. Alfred von Wegerer. Quaderverlag, Berlin W15. Preis vierteljährlich 2,50 Mark. — Der Breslauer Privatdozent Dr. Peter Raffow gibt im Novemberheft eine lieber» sicht über den Kampf, der während des Weltkrieges gegen Deutschland mit dem Mittel der Kriegsschuldanklage geführt worden ist. Dieser Kampf, der schon in den ersten Augusttagen 1914 einsetzte, hat sich gesteigert bis zu dem Tage, wo er im Artikel 231 des Versailler Vertrages und in den ungeheuerlichen Anklagen der Note Clemenceaus vom 16. Juni 1919 feinen Niederschlag gefunden hat. „Das gefühlsmäßige ,dennoch< des besiegten deutschen Volkes" — schließt Rassow seinen Aufsatz —, „ins Bewußtsein gehoben durch die Arbeit der deutschen historischen Wissenschaft, hat schließlich doch die Wahrheit über die Schuld am Kriege siegreich ans Licht gebracht." Die Arbeit von Dr. Rassow ist besonders geeignet, der jungen Generation, die mit Bewußtsein den Krieg selbst nicht erlebt hat, klar vor Augen zu führen, welche gewalttge Rolle die moralische Diffamierung Deutschlands während des Krieges gespielt hat und wie stark ihre Wirkung beim Friedensschluß hervortrat. Hochschulnakbrichten Der Dozent Dr. Georg Rohde von der Universität Marburg hat von der türkischen Regierung einen Ruf an den Lehrstuhl für klassische Philologie an der Universität Ankara erhalten und angenommen. Jm offenen Korb in Vie Stratosphäre. Nie Höhenflüge des deutschen Ballons „Bartsch v. Sigsfeld". In den letzten Jahren sind in den verschiedenen Ländern von kühnen Pionieren der Lüfte wiederholt Vor st äße in die Stratosphäre unternommen worden und seit P i c c a r d s Start in der luftdicht verschlossenen Kugelkabine eines Freiballons ist der Begriff „Stratosphärenflug" allgemein geläufig. Wenige nur wissen, daß es zwei Deutsche waren, Berson und Süring, die vor nun etwa dreieinhalb Jahrzehnten zum ersten Mal in die Stratosphäre aufflogen. In einem Freiballon mit offenem Korb stiegen sie bis in eine Höhe von 10 8 0 0 Meter auf, und erst dreißig Jahre später konnte ihnen dieser Höhenrekord entrissen werden. Der Franzose Sadile- c o i n t e erreichte 1923 mit dem Flugzeug eine Höhe von 11145 Meter, der deutsche Pilot Neuenho- f e n überbot mit einer Junkersmaschine diesen Rekord um fast sechzehnhundert Meter, der Engländer U w i n s stieg im September 1932 bis zu 13 404 Meter in die Stratosphäre auf. Dann erst folgten P i c c a r d s Freiballonflüge bis zu Höhen von über 16 000 Meter, aber auch fein Rekord wurde bald darauf durch amerikanische und russische Stratosphärenflüge Überboten, bei denen Höhen von zwanzig Kilometern erreicht wurden. Die Amerikaner Albert Stevens und Orville Anderson konnten in diesen Tagen eine neue Weltrekordziffer verkünden: 2 2 612! Der wissenschaftliche Wert dieser Flüge ist sehr hoch einzuschätzen. Die Stratosphärenflieger haben bei ihrem Aufstieg, jeweils eine Reihe von Apparaten mitgeführt und Messungen vorgenommen, die für die Höhenforschung, vor allem für die Enträtselung der Höhenstrahlung, bedeutsame Unterlagen beschafften. Und gleichzeitig konnten sie wichtige Vorstudien für einen Höhenluft- verkehr machen, der in der Stratosphäre höchste Geschwindigkeiten und leichtere Navigation ermöglichen würde! In diese Reihe der Stratosphärenflüge sind auch die Fahrten des deutschen Höhenballons „Bartsch v. Sigsseld" einzufügen, bei denen die Piloten, mit Sauerstoffapparaten ausgerüstet, sich in offenem Korb über zehntausend Meter hochwag- t e n und wertvolles Photomaterial beschafften. Heber zwei wissenschaftliche Hochfahrten in die Stratosphäre, die mit diesem Ballon unternommen wurden, gibt fein damaliger Führer Alexander Dahl in „Westermanns Monatsheften" einen Bericht, in dem die Schwierigkeiten bei der Vorbereitung der Flüge und die bei ihrer Durchführung anschaulich vor Augen geführt werden. „Mich bewegten zwei Fragen: Schaffe ich die sichere Führung auch bei unsichtbarer Erde? Wird das Sauerstoffgerät uns nicht im Stich lassen? Wir wollen 10- bis 12 000 Meter im offenen Korbe schaffen und wissen, daß schon in 9000 Meter Höhe die bisher üblichen Sauerstoffgeräte versa g t haben, und auch, daß in Hohen über 10 000 Meter sehr starke Winde herrschen können, die keine meteorologische Station meldet Sie bergen Gefahren für uns, wenn bei unsichtbarer Erde die Fahrtrichtung aufs Meer nicht sicher bestimmt werden kann. Werden die verschiedenen Apparate auch bei zu erwartender Kälte von minus 50 Grad arbeiten? Wie können wir lebenswichtige Teile dort oben heizen?" Die größte Sorge galt dem Sauerstoffgerät, und bei dem ersten Aufstieg an einem windstillen Märztag, erwies sich, daß diese Sorge nicht unberechtigt war. In einer Höhe von 8000 Meter streikte plötzlich der Sauerstoffapparat infolge von Vereisung. Doch in wenigen Minuten war der Schaden behoben, und die Piloten konnten weiter zu einer Höhe von 10 500 Meter auffteigen. Bei dem zweiten Hochflug im Oktober wurden 11000 Meter noch überflogen und mit Jnfrarotplatten eine Reihe von Aufnahmen gemacht. Vor allem sollte der Versuch unternommen werden, aus dieser Höhe eine Aufnahme der Erdkrümmung anzufertigen. Als der Ballon die Maximalhöhe erreicht hatte, konnte ein Mitglied der Besatzung, der Meteorologe Dr. G a l b a s , nicht mehr atmen, so daß der Abstieg vorgenommen werden mußte. Doch hatten die Stratosphärenflieger die wissen- fchaftlichen Aufgaben, die sie sich gestellt hatten, bereits erfüllt, und die Ergebnisse, die sie mit in die Tiefe führten, wurden nicht beeinträchtigt. Die Aufnahmen gaben ein lückenloses Bild der Fahrtlinie über dem Rheinthal. Zum erstenmal war es gelungen, die wirklich erreichte Höhe aus einem Luftbild nachzuweifen, wenn auch die Ungenauigkeit der Höhenmesser und Barometer in diesen Höhen Abweichungen bis zu 500 Meter bedingen können. Ein Luftbild von Köln konnte bis auf 100 Meter genau mit einer Aufnahmehöhe von 11075 Meter bestimmt werden. Der Ballon „Bartsch v. Sigsfeld" ist bet einem späteren Aufstieg mit anderer Besatzung in Rußland abge stürzt und gestrandet, wobei zwei T o- desopfer zu beklagen waren. Auch in anderen Ländern endeten zwei Hochfahrten mit Absturz und Tod. „Das soll uns aber nicht abschrecken, weiterzuarbeiten. Wir haben durch praktischen Versuch an uns selbst ein wirklich brauchbares Sauer- st o f f g e r ä t zusammenstellen können. Wir wissen, daß Hochfahrten über 10 000 Meter keine Vergnügungsfahrten fein können, sondern der immer mögliche Einsatz des Lebens für ein großes wissenschaftliches Ziel: die Erforschung der Stratosphäre." C. K. Wirtschaft. Die Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunst: 1245: Merkblatt über die Art und Weise der Zahlungen für die Wareneinfuhr aus dem Gebiet der Republik Polen und der Freien Stadt Danzig. 1255: Die Bezahlung von Nebenkosten, Preisnach- lüssen usw. und die Behandlung von privaten Verrechnungsgeschäften auf Grund des deutsch-polnischen Derrechnungsabkommens. 1256: Bekanntmachung KP 60 der Heberwachungs- ftelle für unedle Metalle, betr. Kurspreife. 1257: Deutsches Ausfuhrverbot für verschiedene Waren. 1257: Uebertragung des Ausfuhrbewilligungsrechtes auf die Heberwachungsftellen. * * Spareinlagenbestand bei der Nassauischen Landesbank wieder auf Vorkriegs st and. Der Spare-inlagenbestand bei der Nassauischen Landesbank - Nassauischen Sparkasse Wiesbaden erreichte am 10. November mit 150,3 Mill. Mark wieder den Vorkriegsstand. Seit dem nationalsozialistischen Umbruch sind die Sparguthaben bei der Nassauischen Sparkasse von 120 auf jetzt 150,3 Mill. Mark gestiegen. Das bedeutet innerhalb von nicht ganz drei Jahren einen Zuwachs von 25 v. H. * Erhebliche Steigerung der Industrieproduktion. Die industrielle Warenerzeugung ist von August auf September erheblich gestiegen. Die vom Institut für Konjunkturforschung errechnete Indexziffer der industriellen Produktion (1928 = 100, ohne Nahrungs- und Genußmittel, Saisonschwankungen nicht ausgeschaltet) hat sich von 96,5 im Vormonat apf 102,8 im September 1935 erhöht. Zum ersten Male seit Beginn des Aufschwunges hat das Produktionsvolumen den Vorkrisenstand des Jahres 1928 wieder überschritten. Die Zunahme in den letzten Monaten ist überwiegend saisonmäßig bedingt. * Auslandaufträge für Henschel 8c Sohn AG., Kassel. Wie der Fwd. erfährt, hat die Henschel & Sohn AG., Kassel, in den letzten Tagen einen Auftrag auf Lieferung von 13 Dieselmotorenstraßenwalzen nach der Türkei und von zwei Dieselmotorenstraßenwalzen nach Siam hereinnehmen können. * Zunehmende Beschäftigung bei Mannesmannröhren. In einer in Berlin abgehaltenen AR.-Sitzung der Mannesmann-Werke erstattete der Vorstand Bericht über das dritte Vierteljahr 1935 und die Lage der Gesellschaft. Die Beschäftigung hat noch erheblich zugenommen. Die Rohstahlerzeugung stieg gegenüber dem Vorguartal um fast 25 v. H., der Auftragseingang in Blechen um 13 v. H. und in Rohren um 28 v. H. Am Gesamtgeschäft ist der Export nach wie vor, allerdings bei unzulänglichen Preisen, stark beteiligt. * Erfolgreiche Steinsalzbohrung in Thüringen. Die Schwarzburger Saline Oberilm AG., Stadtilm, hat die im Frühjahr dieses Jahres begonnene Tiefbohrung erfolgreich beendet. Sie ist in einer Teufe von 546 Meter auf Steinsalz fündig geworden. Nhein-Mainische Börse. rNittagsborse freundlich. Frankfurt a. M., 14. Nov. Die Börse war nach etwas unsicherem Beginn im Verlaufe weiter leicht befestigt. Anfangs lag verschiedentlich etwas Angebot vor, das nur zu ermäßigten Kursen aufgenommen wurde, später zeigte sich jedoch seitens der Kundschaft und der Kulisse Rückkaufsneigung. Die Grundstimmung war durchaus freundlich, das Geschäft vermochte sich aber noch nicht nennenswert zu beleben. Am Aktienmarkt lagen die ersten Notierungen etwas ungleichmäßig, jedoch überwiegend mäßig fester. In Weiterwirkung der Mitteilung der Mannesmann-Röhrenwerke AG. über den Stand der Beschäftigung blieben Montanpapiere bevorzugt. Mannesmann 77,40 (77), Hoesch unv. 83,50, Stahlverein 75,25—75,65 (75,50), Klöckner 81,25 (82). Rhein. Braunkohlen 206 (205). IG. Farben lagen unter Schwankungen mit 145,25—145—145,25 (145,50) nur knapp gehalten. Von Elektrowerten setzten AEG. 0,65 v. H. und Siemens ebenfalls 0,65 v. H. hoher ein, während Licht & Kraft und Gesfürel je 0,25 v. H. nachließen, Schuckert glichen mit 115,50—116 (115,75) ihren anfänglichen Rückgang aus, Elektr. Lieferungen unv. 1Ö9. Linoleum- werte lagen uneinheitlich, Deutsche Linoleum 134,50 (134), Conti Lino Zürich 128,50 (129,25). Von Zellstoffaktien gewannen Aschaffenburger 0,75 v. H. Sonst eröffneten u. a. Reichsbank mit 177,75 (177), AG. für Verkehrswesen mit 80 (79), Metallgesell- schaft mit 105,40 (104,50), Daimler mit 89 (88,25), Moenus Maschinen mit 77 (76,50) und Westdeutsche Kaufhof mit 23,90 (23,50). Schiffahrtsaktien lagen knapp gehalten. Südd. Zucker lagen schwach mit 192,50 (198), der niedrigste Kurs bestand allerdings schon am gestrigen Berliner Schluß. Der Rentenmarkt hatte bei kleinem Geschäft wenig veränderte Kurse. Altbesitz und späte Schuldbuchforderungen lagen mit 113 bzw. 97,13 v. H. unverändert. Zinsvergütungsscheine zöge n auf 90,80- (90,65) an, dagegen gingen Kommunal-Um- schuldung leicht zurück auf 80,45 (80,55). Don fremden Werten konnten sich Ungarn nur knapp behaupten, 5proz. und 4proz. Goldmexikaner lagen etwas fester. In der zweiten Börsenstunde ergaben sich überwiegend weitere Befestigungen, das Geschäft hatte aber nur kleinen Umfang. Etwas lebhafter waren nur einige Montanwerte und IG. Farben. U. a. notierten: Mannesmann 78,50 nach 77,40, Stahl- oerein 76,50 nach 75,65, Klöckner 82,25 nach 81,25, Buderus 97,50 (96,50). IG. Farben bis 146 nach 145,25, Schuckert bis 116,50 nach 116. Scheidean- ftalt lagen fest mit 210—212 (207), ferner stiegen Hanfwerke Füssen auf 80 (78), Muag auf 67,50 (65,25), Rütgerswerke auf 111 (109) und Felten auf 101 (99,50). Feinmechanik Setter kamen nach Briefstreichung mit 74,50 (1. K. 80) wieder zur Notiz. Der Rentenmarkt verzeichnete nur in Zinsvergütungsscheinen zu 90,85 etwas Geschäft, im übrigen lagen die Kurse unverändert. Pfandbriefe bei kleinem Umsatz behauptet, Stadtanleihen notierten ziemlich uneinheitlich. Industrie-Obligationen lagen fester. Tagesgeld war weiter gesucht und erhöhte sich auf 3,25 (3) v. H. Abendbörse behauptet. Bei freundlicher Grundtendenz erreichte das Geschäft kein besonderes Ausmaß. Auch kursmäßig ergaben sich nur kleine Veränderungen, zumeist lagen die festeren Mittagskurfe gut behauptet. Etwas mehr Umsatz hatten nur IG. Farben mit 145,75 bis 145,90 (145,75), dagegen lagen Montan- werte wohl unverändert, aber außerordentlich still. Leicht ermäßigt waren AKU. mit 51,75 (52,25). Für Bankaktien zeigte sich verstärktes Interesse, Commerzbank 84 (83,50), Dresdner Bank 84 (83,50), DD-Bank 83,50 (83) und Effektenbank 83,25 (82,50), Reichsbank waren zu 178,75 gesucht, aber ohne Notiz. Der Rentenmarkt wurde vernachlässigt, die Kurse lagen jedoch behauptet, so Albesitz mit ca. 113, Zinsvergütungsscheine mit 90,80, Kommunal- Umschuldung mit 88,45 und späte Reichsschuldbuch- forberungen mit 97,13. U. a. notierten: 6 v. H. Stahlverein 102.75, 6 d. H. Krupp 103, 4 v. H. Ungarn Gold 9,20, 4 v. H. Rumänen 4,80, 4 v. H. Schweizer Bundesbahn 185, Bank für Brauindustrie 112,75, Commerzbank 84. DD-Bank 83,50, Dresdner Bank 84, Effektenbant 83,25, Buderus 98, Harpener 108, Rheinftahl 102,50, Stahlverein 76,40, AKU. 51,75, Bekula 140,75, Bemberg 102,50, Conti Gummi 155,50, Scheide« anstatt 212, Deutsche Linoleum 135,25, Licht & Kraft 127,75, Eßlingen Maschinen 73,50, IG. Farben 145,75 — 145,90, Feinmechanik Jetter 75, Gesfürel 121, Holzmann 86,50, Lindes Eis 123,50, Metallgesellschaft 105,25, RWE. 121,40, Schuckert 116,25, Westdeutsche Kaufhof 24,25. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 14. Nov. Auftrieb: Rinder 55 (gegen 22 am letzten Donnerstagsmarkt) darunter 1 Ochse, 3 Bullen, 48 Kühe und 3 Färsen. Kälber 768 (655), Schafe 253 (565), Schweine 396 (300). Notiert wurden pro ein Zentner Lebendgewicht in Mark: Kälber a) 73 bis 76 (am 7. Nov. 73 bis 76), b) 66 bis 72 (67 bis 72), c) 60 bis 65 (60 bis 66), d) 48 bis 59 (50 bis 59). Lämmer und Hämmel b2) 48 (48), c) 46 bis 47 (46 bis 48), d) 42 bis 45 (43 bis 45). Schafe e) 40 bis 42 (41 bis 43), f) 34 bis 38 (35 bis 40), g) 25 bis 32 (24 bis 34). Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57), b) 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51), e) 51 (51), Sauen gl) 57 (57), g2) 57 (57). Marktverlauf: Kälber rege, ausverkauft. Hämmel und Schafe rege, ausverkauft. Schweine wurden zugeteilt. Ueberftanb: 3 Kühe. Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung des Fleischgroßmarktes: 905 Viertel Rindfleisch, 128 ganze Kälber, 46 ganze Hämmel, 1585 halbe Schweine, 11 Kleinvieh. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch b) 76 bis 80, c) 68 bis 76. Bullenfleisch b) 74 bis 78. Kuh- fleisch b) 68 bis 74, c) 58 bis 68. Färsenfleisch b) 76 bis 80, c) 68 bis 76. Kalbfleisch b) 84 bis 94, c) 74 bis 84. Hammelfleisch b) 90 bis 95. Schweinefleisch b) höchster Preis 74. Fettwaren. Speck hiesiger Schlachtung, roh unter 7 Zentimeter 77 bis 80. 'Marktoerlauf: ruhig. Schweinemarkt in Grünberg. + Grünberg, 14. Nov. Der heuttge Markt, Kleiner Gallusmarkt genannt, hatte einen Auftrieb von 502 Ferkeln und 2 Stück Rindvieh. Folgende Ferkelpreife wurden erzielt: Bis sechs Wochen alte Tiere 18 bis 20 Mark, sechs bis acht Wochen alte 20 bis 25 Mark, acht bis dreizehn Wochen alte 26 bis 30 Mark. Marktverlauf flott, es verblieb geringer Ueberftanb. Schweinemarkt in Lich. H Lich, 14. Nov. Auf dem diesjährigen L i ch e t Herb st markt waren 120 Ferkel aufgetrieben. Bei flottem Handel wurden bezahlt: für Ferkel bis zu 6 Wochen alt 13 bis 15 Mark, für 6 bis 8 Wochen alte 16 bis 18 Mark und für 8 bis 10 Wochen alte 20 bis 22 Mark. Der Auftrieb wurde fast vollständig umgefetzt. Schweinemarkt in Friedberg. Friedberg, 14. Nov. (LPD.) Auf dem heutigen F e r f e l m a r f t wurden folgende Preise gezahlt: Bis 6 Wochen alte Tiere 12 bis 15 Mark, 6 bis 8 Wochen 15 bis 20 Mark, 8 bis 12 Wochen 20 dis 30 Mark. Aufgetrieben waren 455 Jungtiere. Bei lebhaftem Geschäft verblieb kein Heber» stand. Freigas als Winterhilfsspende. LPD. Höhr-Grenzhausen (Westerwald), 14. Nov. Die Gasanstalts-Betriebsgesellschaft Berlin- Wilmersdorf mit den ihr angeschlossenen Gesellschaften beteiligt sich am Winterhilfswerk mit einer Gefarntfpende von rund 50 000 Kubikmeter Freigas und 12 0 0 Zentner Koks. Im Rahmen dieser Spende entfallen auf das Werk Hohr für fein Versorgungsgebiet 500 Kubikmeter Freigas. Oer deutsche Außenhandel nach Erdteilen und Ländern in den ersten neun Monaten 1935. Fwd. Die Gesamteinfuhr ist von Januar bis September 1935 gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres um 7,9 v. H. zurückgegangen. Die Abnahme entfiel fast ausschließlich auf den Warenverkehr mit Ueberfee. Während die Bezüge aus dieser Ländergruppe um rund ein Sechste! abnahmen, hat sich die Einfuhr aus Europa kaum verändert. Die Vermindereung der Einfuhr aus Ueberfee betraf sämtliche Hauptwarengruppen. Bei Europa stand einer Verminderung der Fertigwarenbezüge eine Zunahme der Einfuhr von Lebensmitteln und Rohstoffen gegenüber. Gestiegen ist de -halb innerhalb der europäischen Ländergruppe vor allem die Einfuhr aus den Agrar- und Rohstoffländern, und zwar in der Hauptsache des Ostens und Südostens. Die G e s a m t a u s f u h r hat sich vom Januar bis September 1935 gegenüber der gleichen Dorjahreszeit kaum verändert. Um so stärkere Verschiebungen sind im Warenverkehr mit den einzelnen Ländergruppen eingetreten. Während die Ausfuhr nach Europa um 7,5 v. H. zurückging, hat sich die Ausfuhr nach Ueberfee um 20,9 v. H. erhöht. Die Abnahme des Warenabsatzes nach der europäischen Ländergruppe war bei den Lebensrnitteln verhältnismäßig am stärksten. Absolut wurde das Ergebnis jedoch in der Hauptsache durch die Verminderung der Ausfuhr von Rohstoffen und Fertigwaren bestimmt. Nach Ueberfee hat der Absatz von Fertigwaren und Rohstoffen zugenommen. Dagegen waren Lebensrnittel niedriger als von Januar bis September 1934. Die Handelsbilanz schließt in den ersten neun Monaten 1935 mit einem Einfuhrüberschuß von 31,0 Millionen RM., gegenüber 265,3 Mill. Reichsmark in den ersten neun Monaten 1934 ab. Die Abnahme des Pafsivsaldos wurde ausschließlich im Warenverkehr mit der überseeischen Ländergruppe erzielt, der gegenüber sich der Einfuhrüberschuß von 806,9 Mill. RM. 1934 auf 399,1 Mill. Reichsmark im laufenden Jahre verringerte. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frau.,u> u. «ui. Schluß«! turs Schlußk. Abmd« börse Schluß« kurs Schlußk. Mittag- börse Oafum 13.11 | 14.11 13.11. 14.11. 6% Deutsche ReichSanlethe v. 1927 101,13 100,4 101,25 100,5 4% Deutsche ReichSanl. von 1934 97,5 97,5 97,5 97,5 5/2% Noung-Anleihe von 1930 .. 102 101,5 101,25 102,25 Deutsche Anl.-Ablös.-Echuld mit Auslos.-Rechten ............. 113 113 113 113 4’/,% Deutsche ReichSpostschatzan Weisungen von 1934, I....... 6% ehem.8% Hess. Bolküstaat 1929 100,6 100,13 100,7 100,4 (rückzahlb. 102%)............ 97,25 97,25 97 97,25 4Yz% ehem.8% Hessische Landes, bank Darmstadt Gold R. 12.... 96,25 96,25 96 96 5VZ% efjcm. 4N% Hess. Landes Hypothekenbank DarmstadtLigui 100,65 100,9 — — 4%% ehern. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R.6 91,75 92 — Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. — —— Deutsche Komm. Sammelabl. Aw leche Serie 1 mit Auslos.-Rechten 113 113 113 113 *ya% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 96,25 96,25 — 6¥i% ehem. 4-/r% Franks. Hyp.. Bank-Ligu.-Pfandbriefe....... 100,65 100,65 — 6%% ehem. 4y,% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe..... 100,75 100,9 100,65 100,9 4¥»% ehem. 8% Pr. Landespfand- brtefanstalt, Pfandbriefe R. 19 97 97 97 97 4¥t% ehem. 7% Pr. Landespfand- brtesanst., Gold Komm. £61.VI Steuergutsch.Berrechnungsk. 34-38 97 107,65 97 107,5 97 107,65 97 107,5 4% Oesterretchische Goldrente.... 29 29 29,13 29,13 4,20% Oesterreichische Silberrente 1,25 9,35 1,25 1,25 4% Ungarische Goldrente....... 9,2 9,25 9,45 9,3 4% Ungarische Staatörente v. 1910 9,4 9,25 9,13 4¥x% desgl. von 1913.......... 9,25 9,13 9,5 9,3 6% abgest. Goldmerikaner von 99 10,7 10,7 10,7 10,8 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe ■■ U eee Frankmr a. -Ui. 2)eru. Schlußkurs Schluß!. Abend- börse Schlußkurs Schlußk. Mittag« börse Datum 13 11 14.11- 13 11 14-11 4% desgl. Serie 11 ............ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4yr%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 5,8 8,75 4,75 38,75 15 16,5 79 107,4 83 82,5 82,5 177 34,5 140,9 109 126,75 99,5 120,5 122,5 120,75 115,75 163,5 120 96,5 100,5 108 83,5 150 125 82 77 11,9 5,9 8,4 4,8 39 15 16,4 80 106,75 84 83,5 84 178,75 35,65 140,75 109,5 127,75 101 121 121,4 116,25 164,13 120,25 98 101,25 108 84,5 150 125 82,25 78,75 6 8,5 4,8 39,25 14,75 28,25 16,13 78,75 106,5 82,75 82,5 82,5 177,25 34,75 141,13 108,75 126,75 99,5 120,75 124 120,75 115,5 163 119 96,5 100,5 107,75 83,4 153 125,5 81,5 76 8,3 4,75 38,75 15 28 16,25 80,13 108 83,5 83 83,5 179 35,5 140,9 110 127,25 102,25 121 126,25 121,75 116,5 163,5 120,75 98 101,65 108 84,25 151 125 81,9 76,5 Hamburg-Amerika-Paket .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz- und Privat-Ban! ... 0 Deutsche Bank und Disconto« Gesellschaft................0 Dresdner Bank..............0 Reichsbaak ................12 A.E.G......................0 Bekula.................... 10 Elektr. Lieferungsgesellschaft... 5 Licht und Kraft ........... 6 y, Felten & Guilleaume......... 4 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co...............4 Siemens L Halske............ 7 Lahmeyer L Co..............7 Buderus ...................4 Deutsche Erdöl..............4 Harpener...................0 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 3 Alse Bergbau ...............6 Alse Bergbau Genüsse........ 6 Klöcknerwerke ...............8 Mannesmann-Röhren........ 0 Frantmr .. jjl. •öen. Schlußkurs Schlußk. Abeno- börse Schluß« kurs Schlußk. Mittag« börse Datum 13.11 14-11 13-11 14-11. Marisfelder Bergbau...... 114 114 115,25 Kokswerke............... .. 6 — 111,75 112,9 Rheinische Braunkohlen ... . 12 205 206 205 206,25 Nheinstahl............... .. 4 102,13 102,5 101,65 102,5 Vereinigte Stahlwerke..... .. O 75,5 76,4 74,65 76,25 Otavi Minen ............ .. 0 18,25 18,25 18,13 18,4 Kaliwerke Aschersleben..... .. 5 125,5 125,5 126 Kaliwerke Westeregeln..... .. 5 121 121,75 120,75 122 Kaliwerke Salzdetfurth .... 7y, 177 178 177,25 179 Y. G. Farben-Industrie .... .. ? 145,5 145,75 145,4 145,75 Schetdeanstalt............ .. 9 207 212 — Goldschmidt ............. .. 5 102,5 103 102,75 103,25 Rütgerswerke ............ .. 6 109 111 109,4 111 Metallgesellschaft.......... - 4 104,5 105,25 104,4 105 Philipp Holzmann........ .. 4 83,5 86,5 86 86,5 Zementwerk Heidelberg ... Cementwerk Karlstadt...... .. 7 115,5 114,75 129 - — Schultheis Patzenhofer .... .. 4 _ — 102 101,75 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O 52 51,75 51,75 52 Bemberg................ .. 6 100 102,5 100,25 102,5 Zellstoff Waldhof ......... .. 5 108,5 108,5 108,75 109 Zellstoff Aschaffenburg .... .. O 72,25 73,13 72,13 74 Dessauer GaS ............ .. 7 — —— 124,25 125 Daimler Motoren......... .. O 88,25 89,25 87,65 89,13 Deutsche Linoleum........ .. 8 134 135,25 133,5 135,25 Orenstein & Koppel....... .. O — 73,5 75,75 Westdeutsche Kaufhof...... .. 0 23,5 24,25 23,75 24,25 Chade................... 7l/i 293 291,4 293,25 Accumulatoren-Fabrik..... . 12 — — 167,5 167,5 Conti-Gummi............. .. 8 155,25 155,5 155,25 155,75 Gritzner....................o| Mainkraftwerke Höchst a.M.... 4 Süddeutscher Zucker io| 27,65 27 87,75 - 185 1 192 ! 185 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Banknoten. 13. November 14 November Amtliche Geld Notierung »rief Amtliche Geld Dotierung Brief Buenos Atre 0,673 0,677 0,673 0,677 Brüssel..... 42,01 42,09 42,02 42,10 Rio de Jan. 0,141 0,143 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,57 54,67 54,59 54,69 Danzig..... 46,79 46,89 46,80 46,90 London ..... 12,22 12,25 12,225 12,255 Helsingfors.. 5,385 5,395 5,39 5,40 Paris ...... 16,365 16,405 16,37 16,41 Holland .... 168,69 169,03 168,71 169,05 Italien..... 20,20 20,24 20,16 20,20 Japan ...... 0,713 0,715 0,713 0,715 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 61,36 61,48 61,38 61,50 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49.05 Lissabon ... 11,09 11,11 11,09 11,11 Stockholm... 62,99 63,11 63,01 63,13 Schweiz ... 80,76 80,92 80,78 80,94 Lpanien... 33,93 33,99 33,95 34,01 Prag....... 10,265 10,285 10,265 10,285 Budapest .. — Neuyork ... 2,486 2,490 2,486 2,490 Berlin,14.November Geld 25rief Amerikanische Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,88 42,04 Dänische Noten ................. 54,38 54,60 Englische Noten ................. 12,19 12,23 Französische Noten............... 16,32 16,38 Holländische Noten............... 168,29 168,97 Italienische Noten................ 19,46 19,54 Norwegische Noten .............. 61,22 61,46 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling Rumänische Noten............... —— Schwedische Noten............... 62,84 63,10 Schweizer Noten................. 80,60 80,92 Spanische Noten................. 33,59 33,73 Ungarische Noten ................ Itt.268 Drittes Blatt Gtetzener Anzeiger iweneral-Anzeiger für Gveryesjen)Zreitag, t5. November 1935 Aus der Provinzialhaupistadi Vornan von Frank F. Braun. Nachdruck verboten! 12 Fortsetzung. Der Reichswelkbewerb „Olympia" beruft die gesamte deutsche studenti- sche Jugend zum öffentlichen Bekenntnis ihrer aus dem nationalsozialistischen Geist erstandenen zuchivollen Ideale, welche sie nicht nur auf den olympischen Kampfbahnen, sondern auch in ihrer Bereitschaft für die große Aufgabe der deutschen Volksertüchtigung unter Beweis stellen wird. Er gibt ihr Gelegenheit, ihr Können, ihre geistige Einsatzbereitschaft und ihren nationalsozialistischen Lebenswillen dem Urkeilsspruch der durch Reichsleiter Alfred Rosenberg zum Preisgericht berufenen bewährten Persönlichkeiten vorzustellen. Er erfüllt damit die Ausgabe einer geeigneten Rachwuchserziehung und Rach - w u ch s a u s l e f e für die von Bewegung und Staat betreuten kulturpolitischen Belange und beweist, dah der Student im Sinne des Dritten Reiches sich in freier und selbstgewählter Verantwortung für die Erfordernisse nationalsozialistischer Volksertüchligung tätig einzusehen gewillt ist. pischen Spiele 1936 in Deutschland zur Verfügung gestellt. Er umfaßt die Gebiete der bildenden Kunst, der Architektur, des Kunsthandwerks, der Musik, der Sprachgestaltung und des künstlerischen Schrifttums, des Rundfunks, des Films, der Photographie, Philosophie, Pädagogik und Geschichte der Leibesübungen, der Biologie der Leibesübungen, der sportärztlichen Fragen und der Rechts- und Verspeisen. Das Vogelschutzgesetz hat diesem Vogelmorden, dem auch andere Vögel zum Opfer fielen, ein Ende bereitet. Wie grausam mutet es uns heute an, wenn Berichte aus südlichen Ländern melden, daß dort immer noch das Schießen und Fangen aller Singvögel jedermann freigegeben ist und erst in neuerer Zeit sich leise Ansätze für einen Vogelschutz dort zeigen. Die Wacholderdrossel ist ein Brutvogel des nördlichen und östlichen Europas, sie brütet aber auch seit Mitte des vorigen Jahrhunderts in Nord- und Mitteldeutschland. In dem von einem langsam dahinziehenden Bächlein durchflossenen Wiesental fallen zwei graue storchartige Vögel auf, die steif wie ein Pfahl stehen und den aus der Ferne herankommenden Menschen mißtrauisch beäugen. Zwei Fischreiher haben hier Rast gemacht, sich vielleicht auch diese Gegend als Winterquartier ausgewählt. Die Reiher brüten meist gesellig in sogenannten Reiherkolonien. Wenn auch der Fischreiher an Forellengewässern durch Wegfangen und Verzehren der Forellen Schaden anrichtet, so darf nicht vergessen werden, daß er auch ein guter Mäusejäger ist. In unserer Gegend sollte man die Reiher, die hier selten und meist nur Durchzügler oder Wintergäste sind, schonen. Die B l u t f i n k e n haben den Wald, in dem sie zur Sommerszeit nisteten und ihre Brut aufzogen, verlassen und ziehen truppweise zigeunernd umher. Es gewährt einen reizenden Anblick, wenn so ein mit blutroter Brust und sammetschwarzen Köpfchen geziertes Blutfinkenmännchen — die Weibchen sind einfacher gefärbt — an einer Pflanze hängt und die feinen Samen herausklaubt. Bekanntlich werden im Vogelsberg stellenweise heute noch die „Dompfaffen", wie die Blutfinken auch genannt roerj)en, aufgezogen und lernen das eine oder andere Liedchen, das ihnen in der gleichen Tonart immer wieder vorgepfiffen wird, meisterhaft wiedergeben. Am Waldrand treiben sich oft Eichelhäher, truppweis vereint, umher und suchen, wenn sie gestört werden, unter häßlichem Kreischen den schützenden Wald zu erreichen. Im Nadelwald ertönt der Pfiff eines Kleibers, der hier einen Trupp die Bäume nach Nahrung absuchender Meisenvögel, wie Kohl-, Hauben - und Tannenmeise, sowie zweier Wintergoldhähnchen anführt. In den sonnigen Mittagsstunden läßt gar einmal ein sportärztlichen Frage waltungslehre der Leibesübungen. Raubüberfall in Frankfurt. LPD. Frankfurt a. M., 14. Noo. Heute, kurz vor 18 Uhr, erschien in dem Hause Wöhler- st r a ß e 3 ein Bettler und erbat sich von dem Diener einer dort wohnenden Familie ein abgelegtes Hemd. Der Diener war bereit, ein solches Hemd zu geben und begab sich in seine Mansarde, um das Hemd zu holen. Plötzlich erschien dort der Bettler, der dem Diener heimlich gefolgt war, und zwang diesen mit einer P i st o l e sich fesseln zu lassen und mit dem Gesicht nach unten a u f den Boden zu legen. Dann warf der Räuber Bettzeug und Matratzen auf den Gefesselten und drohte ihm mit Erschießen, falls er sich bemerkbar mache. Dann raubte der „Bettler" alles, was er ergreifen konnte und packte es in zwei Koffer ein, mit denen er spurlos verschwand. Der stark eingeschüchterte Diener wagte sich erst nach längerer Zeit von seiner Fesselung zu befreien und das Überfallkommando zu verständigen. Da inzwischen geraume Zeit verstrichen war, blieben die ersten Nachforschungen ohne Erfolg. Geraubt wurden zwei Koffer, ein schwarzer Anzug mit 13 Mark Silbergeld, ein Sportanzug, eine hellblaue Jacke, ein Wintermantel, ein Sommermantel, Hut, Mütze, Schuhe, Kragen und Krawatten und anderes mehr. Der Täter wird als ein 30jähriger Mann, zirka 1,75 bis 1,78 Meter groß, breite Figur, volles Gesicht, wahrscheinlich dunkles Haar, geschildert. Rabenkrähen an, oftmals auch hinter dem Pflug einherstolzierend. Hier und da zieht ein Bussard feine Kreise und aus den Hecken flüchten, zeternd über die Störung in ihrem Beerenschmause, Amseln. Auf einem Telesyndraht sitzend, beobachtet ein Raubwürger aufmerksam seine Umgebung. Er streicht bei unferm Näherkommen in dem bekannten charakteristischen Bogenflug ab. Mehr in der Nähe der Dörfer halten sich Flüge von Buchfinken auf, denen sich mitunter Goldammern angeschlossen haben. Von den Buchfinken bleiben bekanntlich den Winter über meist nur die Männchen bei un'5, während die Weibchen südwärts ziehn. Das weibliche Geschlecht scheint auch hier das zärtere zu sein. Vier reizende Blaumeisen betreuen ein Obstbaumstück, in dem sie von Baum zu Baum fliegend, nach Kerfen und ihren Eiern und Puppen suchen. Man hat festgestellt, daß ein Meisenpärchen mit seiner Nachkommenschaft in einem Jahre etwa eineinhalb Zentner Futter verzehrt, das sich zumeist aus Schädlingen des Obstbaues und ihren Larven und Puppen zusammensetzt. Der Wert eines besetzten Meisen-Nistkastens für eine Obstanlage kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. — Am Bach stoßen wir gleich wieder auf den hier schon mehrfach beobachteten Eisvogel, und wider Erwarten auf zwei Bergstelzen, auch gelbe Bachstelze genannt. Mit dem Eintreten kälterer Witterung ändert sich auch das Bild unters Vogellebens. Während sonst bei uns heimische Vogelarten nach Süden abziehen, rückest von Norden her andere in unsere Landschaft ein, um hier den Winter zu verbringen. Dornoinen Tageskalender für Freitag. NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Ost: 20.30 Uhr Kundgebung im Cafe Leib, es spricht Pg. Jean Bullmann. — NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.30 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum; 20 bis 21 Uhr Reiten; 21 bis 22 Uhr Ski-Trockenkursus, Reitschule Schömbs; 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.30 Uhr (nur für Frauen) Schwim- men im Volksbad. — Stadttheater: 20 bis 22 Uhr „Komödie der Irrungen". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Die Pompadour". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße^ „Künstlerliebe". Skadkheaker Gießen. Heute von 20 bis 22 Uhr Wiederholung des großen Erfolges „Komödie der Irrungen" von Shakespeare. Spielleitung: der Intendant. 7. Freitags- Abonnement. Das Frankfurter Schumann-Theater in Gießen. Am Sonntag, 17. November, 20 Uhr, gastiert das ; Frankfurter Schumann-Theater mit feinem gefam- i ten künstlerischen, großen Dariete-Programm in der [ Gießener Volkshalle. Die Bedeutung dieses ein- . maligen Gastspieles, das von der NSG. „Kraft , durch Freude" veranstaltet ist, ist um so höher zu , bewerten, da durch die Verlängerung des Rivel- [ Programms das Frankfurter Schumann-Theater : dem Gießener Publikum fein gesamtes neues . Programm zeigt, das in Frankfurt selbst erst am Montag, 18. November, zur erstmaligen Auf- : führung kommt. (Siehe gestrige Anzeige.) Tanzgastspiel Palucca im Stadttheater. Deutschlands große Tänzerin Palucca gibt am ; Montag, 18. November, auf Einladung der Jnteu- ; danz des Stadttheaters ein einmaliges Gastspiel. ■ Die Tänzerin eröffnete vor wenigen Tagen in Ber- ■ lin die Reihe der deutschen Tanzfestspiele und er- ; zielte mit ihrem abendfüllenden Programm einen > starken Erfolg bei Publikum und Presse. Nach die- i fern Erfolg setzte Palucco die Reihe ihrer Gastspiele i fort, und Gießen ist einer der ersten Orte nach Deutschlands Studenten im Reichswettbewerb „Olymp:a". Ein Ausruf des Reichsamtsleiters des RGOStB., pg. Albert Derichsweiler. Sei froh, daß du nichts weißt und nichts zu willen brauchst." Basilius winkte ab. „Tue, was ich dir sage. Dil hast eine ganz kleine Rolle in unserem Spiel bekommen und kannst zeitig nueber abtreten. Sei dankbar dafür. Was gespielt wird, brauchst du nicht zu wissen." „ „Was soll ich mit der Frau reden? „Es ist ein junges Mädchen. Du kannst mit ihr reden, was dir behagt. Es muß nur so kommen, daß sie dir vertraut., Es wird sich also empfehlen, ^„Büi^ch^einein ...", er fand das Wort nicht ^Basilius ließ chm auch nicht lange Zeit. „Was du bist, mußt du selber wissen. Uns brauchst du es nicht zu erzählen. Wir halten dich für leidlich intelligent. Du wirst begreifen, dah es besser Yl. uns den Gefallen zu tun, als uns zu Feinden zu haben. Zumal das, was wir von dir verlangen, ohne Risiko für dich ift" Es sieht so aus. Aber es wird es gewiß nicht fein" er kam noch einmal hoch: „Was soll dem Mädchen geschehen, ihr müßt es mir sagen!" „Dem Mädchen soll geschehen, daß du es eines Tages entführst." „Aber — weshalb? JL „Später, Nydegger. Du erfährst alles rechtzeitig; ich verspreche es dir auf mein Wort. „Und wenn ich mich weigere? Basilius zog die Mundwinkel hoch. „Dann sitzt du morgen wegen Wechselfälschung in Haft. Nydegger senkte den Kopf Er sprach gegen den Boden. Mit Anstrengung brachte er die Worte heraus Das ist wohl besser", sagte er, „als diese neue Scyuld auf 9‘aube nicht daß ihr dem Mädchen wohlwollt. Basilius blieb ganz sachlich.' „Du mußt es dir "Äer Cb!Xn''3umi|m'auf! er sah den Mann, der so gelassen blieb, eine ganze Weile reglos an. „Du mühtest mit ins Gejüngms, Basilius, das Eine November-Wanderung. Von O Vogt. Beinahe jeden Monat findet ein Wechsel im Naturgeschehen statt, und dem aufmerksamen Beobachter bietet sich stets Gelegenheit zu interessanten Feststellungen. Auch der November macht hiervon keine Ausnahme. Allerdings find die vielen Blumen des Sommers verschwunden und nur hier und da findet sich noch ein Blütenköpfchen des Rotklees, eine blaue Glockenblume, ein Hahnenfuß mit gelben, eine Wiesenflockenblume mit rötlichen Blüten oder die weiße Blütendolde der Schafgarbe. Doch dieses kurzrasige Wiesenstück am Trockenhang macht eine Ausnahme. Hier stehen Gänseblümchen dutzendweise in voller Blüte. Sie blühen so lange, bis ein starker Frost sie erstarren läßt oder eine Schneedecke sie unter sich begräbt. Von den Strahlen der wärmenden Frühlingssonne aufgeweckt, sind sie dann wieder die ersten Blütengrüße der Natur. Daß es eine wirkliche Ruhe in der Natur nicht gibt, ist an verschiedenen Sträuchern festzustellen. So hängen die eine Waldlichtung ausfüllenden Haselnuß- ft r ä u d) e r voller Kätzchen. Aber auch die am Waldaewässerchen stehenden Salweiden haben ihre Kätzchen unter den sie verhüllenden Schuppen so weit entwickelt, daß man annehmen könnte, der Frühling stände vor der Tür. Auch die Knospen des im nahen Steinbruchgelände stehenden Berg- Holunders sind bereits zum Aufbrechen vorbereitet. Aber der mit blauschwarzen Schlehen über und über behangene Schwarzdorn und die noch aus wenigen gelben Blättern hervorleuchtenden roten Hagebutten der Wildrofe bringen den Herbst zum Bewußtsein, der noch feine Herrschaft ausübt. Ebenso erinnert die mit dem Goldgelb ihrer Nadeln prangende Lärche daran, daß der Winter vor der Tür steht. Auch im Leben und Treiben der Vogel zeigt sich der Winter an. Durch die seitherige gelinde Witterung fehlen zwar noch die meisten der nordischen Zuzügler, die als Wintergäste bet uns Aufenthalt nehmen. Nur ab und zu kommt uns eine Wacholderdrossel zu Gesicht, deren Fang früher mit Schlingen in den sogenannten „Dohnenstiegen" betrieben wurde, um sie als „Krammetsvogel" zu ver- Buntspecht seinen schallenden Lockruf hören, . während ein Grünspecht von einem Ameisen- • Haufen, wo er den „Ameiseneiern" nachstrebte, auffliegt. Auf einem alten, am Wege stehenden Kirschbaum musizieren Stare. Diese gesangsfrohen Gesellen lassen sich nur durch die rauheste Witterung in ihrem Singen stören. Der Kirschbaum trägt eine Anzahl „Hexenbesen", besenartig gewachsene Zweigbüschel, die schon von weitem auffallen.Es ist beinahe nicht zu glauben, daß diese abnormale Zweigbildung auf Einwirkung eines Schlauchpilzes zurückzuführen ist. Auf dem Ackerland treibt sich ein Trupp Feldsperlinge herum, vom Landbewohner „Ringelspatzen" (wegen des weißen Halsringes) genannt, und ab und zu trifft man, meist paarweise, Nydegger stand auf. Er taumelte. Sein Gesicht war farblos. „Ich tue, was ihr verlangt. Wie heißt das Mädchen, wo treffe ich es?" Basilius nickte beifällig. Er war wirklich ganz ungerührt geblieben. Diesen jungen Bengel brachte er schon noch zur Räson. „Das Fräulein heißt Ines Reußmg , sagte er. Sie ist die einzige Tochter des Kriminalobennspek- t'ors Reußing. Du triffst sie, da sie hier studiert, am besten auf dem Wege zur Universität ober im (3e= bäube selbst. Wie man so etwas macht, brauche ich bir kaum anzuraten." Nybegger starrte ben Rebenden an. „Tochter eines Kriminaloberinspektors? Was hat bas zu be- beuten, Basilius? Soll ich sie aushorcheni über bas, was ber Vater jeweils gegen euch plant? Nein" antwortete Basilius, „das wirb sie dir nicht sagen können, benn barüber wirb Reußmg im Hause wohl nichts erzählen. Er zögerte, er verstaub, baß es einfacher war, Nybegger zu beruhigen. Nybegger würbe bann auch besser, unbefangener sich geben können. Er überlegte nur kurz unb sagte bann: „Da es dich so sehr beschäftigt, will ich bir eine Anbeutung qeben. Wir müssen für einen bestimmten Zweck erfreu wann ber Kriminalaberinspektor eine Reise tut Ihn zu überwachen ist nicht möglich. Es muß stmanb seine Tochter kennen unb es von ihr herausbekommen. Zufrieben. „Aber bu sagtest anfangs, ich sollte sie ent- fUf,r3™? stimmte Basilius zu, er lag mit Grazie, wenn 'der Vater verreist ist, muß auch die Tochter äu- der Stadt weg. Ihr beiden mußt dann eine Wockienendsahrt unternehmen. Von dem, was ihr oorhabt, brauche ich nichts zu'wiÜWl Lch W nichts damit zu tun? „Das ist doch von Anfang an meine Rebe gewesen, bu Narr! Du muht bir lebiglich Ines Reußing gefügig machen, baß sie ein paar Tage mit bir bie Stabt verläßt, es genügt unter Um- ftänben ein Tag. Verstauben nun eublich?" ’ Nybegger nickte erschöpft. Er machte nicht mehr fragen, klar war ihm burchaus noch nicht alles. Wollten Basilius unb bie Seinen in bie leere Wohnung bes Beamten einbrecheu? Basilius schloß: „Die Angelegenheit eilt. Du mußt biese Bekanntschaft rasch machen. Am besten noch heute." Sie trennten sich. Einzeln verließen sie bas Haus. Jabusch ging als erster; bann folgte Nybegger. Jolly sah Basilius an. „Was hast bu bem Jungen für Unsinn vorgelogeu, Basil! Nun weiß ber gar nicht mehr, woran er ist!" Basilius wehrte ab. „Laß nur", sagte er. „Nybegger muß erst mal bas Mäbcheu kennen. Alles Weitere bringe ich ihm nach unb nach bei." „Er ist recht renitent, der Junge, fandest bu nicht auch?" „Er war es", verbesserte Basilius ben Freuub, „von jetzt ab wirb er es nicht mehr sein. Man muß ihn fester an bie Kanbare nehmen. Du hast es ja gemerkt, als ich ihm brvhte, von seinem Vater anfing, gab er sofort nach." Jolly nickte. „Hoffentlich macht er feine Sache gut. Wir müssen bieseu Reußing schnellstens er- lebigen. Seit &r weiß, baß wir alle brei m Hamburg sind, schwankt ber Bobeu bei jedem Tritt. „Ihm ober uns, Jolly?" Basilius laMe leise. Dann brach er bas Gespräch einrcMf ab unb ging vorweg. Es störte ihn nicht, baß Jolly nicht nachkam, es war sogar besser, sie verschwanben C”$Jünf' Minuten später folgte ihm Jolly. Aber er holte ihn nicht ein. Er beabsichtigte bas auch nicht. Was er für bie nächste Viertelstunbe plante, durfte Basilius am allerwenigsten erfahren. 3m Hausflur, es standen dort noch die Gerüste der Maler, ein paar Leitern und Bottiche, huschte eine weibliche Gestalt an ihm vorbei. Sie mußte in einer Ecke versteckt gestanden haben. Jolly war im ersten Augenblick verdutzt. Das Haus war doch noch nicht bewohnt, wie kam eine , Frau hier herein? Er lief ihr nach auf ben Hof, bä verschwand sie gerade drüben in einen Torweg. Der Reichsamtsleiter bes NS.-Stubentenbunbes, ] Pg. Albert Derichsweiler erläßt folgenbcn i Ausruf an bie ft u b e n t i s ch e Jugenb Deutschlanbs: ! Kameraden bes NSDStB., Stubenten der ( deutschen Hoch- unb Fachschulen! Aus bem freien Willen ber nationalsozialistischen Jugenb ist nunmehr bas Bekenntnis zu einer neuen, 1 zuchtvollen Lebensform auch im beutfchen Stubern tentum stolze Wirklichkeit geworben. Der Führer hak uns auf dem Reichspar- . keikag der Freiheit den Befehl unb die Parole gegeben: Flink wie die Windhunde, zäh wie Leder und hart wie kruppflahl soll die deutsche Jugend in felbflgewählter Zucht des Leibes und des Geistes werden? Die Olympiade 1 9 3 6 in Deutschland soll nicht nur auf den Kampfbahnen, sondern auch in der einsatzbereiten Arbeit für die Aufgaben der Ration den kampffreudigen Geist der nationalsozialistischen Jugend erproben. Der NSDStB. stellt daher seinen zweiten R e i ch s w e 11 b e w e r b zur nationalen Kulturgestaltung in ben Dienst ber vorn Reichssportführer zur Ertüchtigung bes deutschen Volkes betreuten Aufgaben. Der Reichswett- ll e w e rb „Olyrnpi a" gibt den deutschen Studenten aller deutschen Hoch- und Fachschulen Gelegenheit, ihre Fähigkeiten unb ihr Verstänbnis für eine bebeutungsDoUe Aufgabe ber Nation vor bem Urteilsspruch bewährter Persönlichkeiten auf ben Gebieten ber bildenben Kunst, ber Architektur, bes Kunsthcmbwerks, ber Musik, ber Sprachgestaltung, bes künstlerischen unb wissenschaftlichen Schrifttums, bes Runbfunks unb bes Films in tätiger Arbeit unter Beweis zu stellen. Der Reichs-. Wettbewerb „Olympia" ist Aufruf ber Karne- r a b f d) a f t ber stubentischen Jugendmannschaft im Geiste ber ibealen nationalsozialistischen Lebenszucht unb Lebenshaltung. Die Teilnahme an ihm ist eine Ehrenpflicht für jeden, ber sich in bie- fern Geiste zum Kampf um eine neue, zuchtvolle Lebensform ber beutschen stubentischen Jugend befähigt und entschlossen weiß. Kameraden, nun habt ihr das Wort! An bie Arbeit! München, im November 1935. Gez.: Albert Derichsweiler, Reichsamtsleiter bes NSDStB. Aachwuchserziehung im Geiste der VMsettülMlM. Die Kulturhauptstelle bes NS.-Studentenbundes gibt zu biefem zweiten Reichswettbewerb folgende Ausführungen heraus: Der NSDStB. hat mit bem ersten Reichswettbewerb für nationalsozialistische Kulturgestaltung, der unter ber Schirmherrschaft von Reichsleiter Alfred Rosenberg stand, einen erfolgreichen Weg neuer studentischer Selbster- ziehuny auf kulturpolitischem Gebiet beschritten. In Weiterführung dieser begonnenen Planung, welche der studentischen Jugend fortlaufend Gelegenheit zur praktischen Auseinandersetzung mit den kulturpolitischen Aufgaben unb Geschehnissen unserer Zeit vermitteln soll, bringt ber NSDStB. im Wintersemester 1935/36 für bie deutschstämmigen Stubenten aller Hoch- und Fachschulen des Reiches den zweiten, wesentlich umfassenderen Reichswettbewerb unter dem Kennwort „Olympiade" zur Durchführung. Dieser kulturpolitische Wettbewerb wird vom NSDStB. in ben Dienst ber vom Reichs- sportsührer mit ber Ertüchtigung ber deutschen Jugend und des deutschen Volkes betreuten Aufgaben gestellt. Seine Ergebnisse werden dem Schirmherrn Reichssportführer von Tschammer unb Osten zur Werbung für die deutsche Leibeserziehung unb zur Propaganba anläßlich ber Olym- Auf ber anderen Straßenseite, wo sie herauskom- men mußte, waren Menschen und Verkehr. Zwecklos ihr nachzulaufen, er hätte sie nicht herausge- funben. Denn er hatte nichts von ihr gesehen als die Gestalt. Ein Mädchen, dachte er unb versuchte das Bild zu rekonstruieren, mittelgroß, schlank; wenn ich mich nicht sehr irre, bemerkte ich dunkle Haare. Er sann eine Weile nach, bann schob er bie Gebauten weg. Zufall sicherlich. Vielleicht hat sie ihr Strumpfband gerichtet. Uns galt der Besuch in diesem leeren Hause gewiß nicht. Er dachte nicht wieder an diese halbe Begegnung. Sie entfiel ihm. Als er bas Haus verlassen hatte, kehrte bas Mäbcheu in ben Neubau zurück. Es hatte im Torweg nur abgewartet, ob es verfolgt würde. Da das nicht geschah, nahm dieses Mädchen bie Spur wieder auf. Es mußte wissen, mit welchen Leuten Robert Nydegger Umgang hatte, es mußte erfahren, aus wieviel Mitgliedern bie Daube Basilius bestand. Das war vielleicht gefährlich. Aber Ilia Filimvu war klua unb mutig. Da Basilius sich schon entfernt hatte, war ber einzige Manu, ber sie — außer Robert Nybegger — hier von Angesicht kannte, nicht mehr zu fürchten. Sie stieg die Treppen hinauf. Bis ins große Hauptquartier würbe sie sich Dormagen. Aber sie fanb niemanben mehr.-- Jean Jolly war ein Manu von befonberer Vorsicht; feine Veranlagung war so; unb bann hatte fein Leben ihm bas Mißtrauen zur Pflicht ge- macht. Er war immer krumme Wege gegangen, benn bie geraben Promenabeu galten feit je als überfüllt unb reizten ihn nicht. Da mußte man achtsam vor unb Hinte? sich schauen, ob einem nicht ein Bein gestellt würbe, bas man auf solchen buuk- len Wegen gar nicht bemerkte, bevor man nicht barüber zu Fall gekommen war. Er richtete sich auch jetzt nach biejer erprobten Weisheit, in biefer Viertelstunbe, da er drauf und brau war, bem Basilius ein Bein zu stellen. Er nahm sich ein Mietauto und fuhr für mehrere Mark, nutzlos, wie es schien, durch die Stabt. Ließ hier halten und dort halten, wechselte zweimal den Wagen unb fanb sich am Ende in Hoheluft vor einem Postamt, fern bem Ausgangspunkt der Fahrt. (Fortsetzung folgtI) weißt du doch? Ich würde diese Geschichte erzählen, ™ diese und eine andere, die ich kenne..." Basilius schüttelte den Kopf. „Du irrst dich , stellte er fest, „ich würde zunächst zu deinem Vater nach Zürich fahren unb ihm schoueub beibrmgen, daß sein Sohn Robert wegen Wechselfälschung verhaftet ist. Dein Vater ist in angesehener einflußreicher Stellung. Mau muß verhiuberu, baß er sich nicht in ber ersten Verzweiflung über ben mißratenen Sohn eine Kugel burch ben Kopf jagt. Universität Gießen in Fron». Vortragsreihe für deutsche Wehrberechtigte an der Universität. Berlin. Trotz der erheblich gesteigerten Unkosten soll jeder Freund des Theaters und der Tanzkunst die Möglichkeit des Besuchs haben. Die Intendanz hat daher die außer Abonnement stattfindende Veranstaltung zu kleinen Preisen angesetzt. Dauer von 20 bis 22 Uhr. Die Zahl der vorbestellten Karten ist bereits sehr groß. Aber noch größer ist die Nachfrage. Die Theaterkasse macht darauf aufmerksam, daß die vorbestellten Karten bis spätestens Samstag mittag, 13 Uhr, abgeholt sein müssen. Andernfalls muß wegen der regen Nachfrage über nicht abgeholte Karten anderweitig verfügt werden. (Siehe heutige Anzeige.) Spendet Brot! Das Jungvolk wird heule und morgen in Stadl und kreis Gießen die angekündigte B r o t s a m m - lung für hilfsbedürftige Familien in Offenbach durchführen. Die Buben werden sich dabei wiederum mit aller Freudigkeit in den Dienst der guten Sache stellen. Sie wissen, daß dieses Werk der Nächstenliebe eine dringende Notwendigkeit ist. Wan darf hoffen, daß die gleiche Erkenntnis auch bei allen übrigen Volksgenossen, insbesondere bei unsere» Hausfrauen, vorherrscht. Daraus ergibt sich die selbstverständliche Pflicht, unter Anspannung aller Leistungsfähigkeit zu dieser Brotfpende beizusteuern. Möchten die Buben des Jungvolks in allen Häusern reiche Spenden an Brot erhalten, damit ihre Sammlung wiederum, wie im Vorjahre, einen überragenden Erfolg darstelll und den hilfsbedürftigen Familien wirksam beigestanden werden kann! 7!6>KK. im Dienste des Winterhilfswerkes. Am kommenden Sonntag veranstaltet der Vlusik- zug der NSKK.-Standarte 147 in der Stadt Gießen eine Reihe von Platzkonzerten, und zwar von: 10.30—11 JO Ahr: Bahnhofsplah 12.00—13jOO „ Stadttheater 14.30—1-5.30 „ Marktplatz 16.00—17.00 ,, An der Volkshalle 18.00—19.00 „ Selterstor. Bei dieser Gelegenheit werden die Männer des NSKK. im Dienste des WHW. eine Strahenfamm- lung durchführen. Ls stehl zu erwarten, daß dieser dankenswerte Einsatz des NSKK. auch den erhoff- ten Erfolg findet. Deutsche Arbeitsfront. An alle Ortsgruppenwalter und Ortsgruppen- kaffenwalter der DAF. Kreis Gießen. Am Samstag, 16. November, findet im Hause der Deutschen Arbeitsfront in Gießen, Schanzenstraße 18 (großer Saal), eine Besprechung aller Ortsgruppenwalter und Ortsgruppenkassenwalter des Kreises Gießen statt. Die Versammlung beginnt pünktlich um 18 Uhr. Wir haben die Versammlung so früh gelegt, daß es den weit entfernt wohnenden Kameraden möglich ist, rechtzeitig die Heimreise anzutreten. Die Versammlung wird einberufen, um viele Unklarheiten im Unterstützungswesen, in der Beitragskassierung und Mitgliedsbuchumschreibung klarzustellen. Bei Nichterscheinen muß schriftliche Entschuldigung vorliegen. Fahrtkosten werden ersetzt. Sportamt »Kraft durch Freude". heute folgende Kurse: Allgemeine Körperschule, für Frauen und Männer. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26. Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lollar, Kantine der Fa. Buderus. Ski-Trocken. Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Reiten. Von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schömbs. Schwimmen. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, für Frauen und Männer, Volksbad; von 21.30 bis 22.15'Uhr nur für Frauen. Ausfallende Kurse! Am kommenden Samstag und Sonntag müssen die Kurse für Hallentennis ausfallen. Landschastsbund Volkstum und Heimat Kreis Gießen. Belr.: Beiträge für 1935. Sämtliche Beiträge für das Jahr 1935 müssen bis zum 21. November auf Konto 198 58 Frankfurt am Main eingezahlt fein. Nur die Dezemberbeiträge der wirtschaftlich schwachen Mitglieder haben Zeit bis spätestens 10. Dezember. Die mit dem Beitrag rückständigen Ortsringleiter müssen von der Kreisleitung bis zum 23. November dem Landschaftsführer gemeldet werden. Wer im Laufe des Jahres Beiträge direkt an den Landschaftsbund (Konto 440 66) eingeschickt hat, muß dem Kreisrechner hierüber bis zum 21. November Rechnung oblegen. Die Beiträge für „Der junge Heimatfreund" (1 Pf- pro Nummer) find ebenfalls sofort auf Konto 198 58 zu überweisen. Der Kreisringleiter. Cintopfsamm>ung-ErgebniS:8r00Mk Die Eintopfgericht-Sammlung des vergangenen Sonntags erbrachte in Stadt und Kreis Gießen den Betrag von insgesamt 8200 Mark. In der Stadt Gießen wurden davon 3930 Mark gespendet. Die Oienststunden der Justizbehörden Von dem Pressereferenten des Landgerichtes Gießen wird mitgeteilt: Die Dienftftunden für das Landgericht und das Amtsgericht Gießen find nach den von dem Herrn Oberlandgerichtspräsidenten Darmstadt gegebenen Weisungen bis aus weiteres wie folgt festgesetzt worden: Montag bis Freitag von 8 bis 13 Uhr, 14.30 bis 17.45 Uhr, Samstag von 8 bis 12.45 Uhr. Die Dienststunden der Staatsanwaltschaft sind nach den von dem Herrn Generalstaatsanwalt Darmstadt gegebenen Weisungen bis auf weiteres wie folgt festgesetzt worden: Montag bis Freitag von 8 bis 12.30 Uhr, außerdem Montag und Dienstag von 14 bis 18 Uhr, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 14 bis 17.30 Uhr, Samstag von 8 bis 13 Uhr. M Die Verkaufszeit für Blumengeschäfte am Bußtag und am Totensonntag. Das Kreisamt Gießen Hot den Verkauf von Kränzen und Gärtnerei-Erzeugnissen durch Blumengeschäfte und Gärtnereien im Bezirk der Stadt Gießen am Buß- und Bettag, 20. November, und am Totensonntag, 24. November, für die Zeit von 11 bis 16 Uhr zugelasfen. Im Zuge der gesamtdeutschen nationalsozialistischen Hochschulerneuerung unternahm der Rektor der Landesunioersität Gießen, Se. Magnifizenz Prof. Dr. Pfähler, eine bahnbrechende und, soweit wir unterrichtet sind, für übrige Hochschulen im Reich wegweisende Neugestaltung des Vorlesungsplanes durch Einbau einer Vortragsreihe für deutsche Wehrberechtigte zum Wintersemester 19 3 5/36. Die Vorarbeiten zu dieser Tat währten über ein volles Jahr. Der Regimentskommandeur im Standort Gießen, Oberst V i e r o w , übernahm die Durchführung dieser Vortragsreihe und stellte sich damit in den Dienst der schweren Aufgabe einer totalen Hochschulerneuerung, die durch die jüngsten hochschulpolitischen Ereignisse in den Mittelpunkt auch des öffentlichen Interesses gerückt ist. Zugleich nahm Oberst V i e r o w hiermit eine weitere Gelegenheit wahr, dem Wehrgedanken des deutschen Volkes zu dienen. Es sind für das Wintersemester 1935/36 sechs theoretische Vorträge und sechs praktische Vorführungen vorgesehen. Die Vorträge beziehen sich aus die Themen: 1. Das Gefecht, unter besonderer Berücksichtigung des Jnsanteriegefechts — das Wesen des Angriffs und der Abwehr. 2. Marsch und Marschsicherung. 3. Rast, Unterkunft und Sicherung in der Ruhe. 4. Nachrichtendienst — Filmvortrag. 5. Das hinhaltende Gefecht — Filmvortrag. 6. Das Zusammenwirken der Waffen. Praktische Vorführungen werden folgende stattfinden: 1. Die Gruppe, der Schützenzug, die Schützenkompanie. 2. S. MG.; S. MG.-Zug; MG.-Kompanie. 3. L. MG.; L. MG.-Zug; MG.-Kompanie. 4. Infanterie-Nachrichtendienst. 5. Infanterie - Panzer-Abwehr - Komp, (mot.)-Geschütz, Zug und Kompanie. 6. Vorführung eines Angriffs - Gefechtes einer Schützen-Kompanie, unterstützt durch schwere Waffen. Die praktischen Vorführungen werden vom Infanterie-Regiment 36 unter Leitung des Obersten V i e r o w vorgenommen. Diese Vorträge und Vorführungen find für Hörer aller Fakultäten gedacht und für Studierende der vier ersten Semester obligatorisch. Wegen plötzlicher Erkrankung des Obersten Vierow verschob sich der E r ö f f n u n g s v o r t r a g um einige Tage. Am vergangenen Mittwoch konnte er in der Neuen Aula des Vorlesungsgebäudes bei vollbesetztem Hause stattfinden. Das Kameradschaftshaus des NSDStB. Gießen war zu Ehren des Obersten Vierow vor der Universität angetreten und wurde gemeldet. Oberst Vierow, in Begleitung einiger Offiziere, dankte. Sitzung des Kreisausschuffes. Am Montag, 18. November, 15 Uhr, findet im Regierungsgebärlüe zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Kreisausschusses statt. Tagesordnung: Klage des Friedrich Wilhelm K n ö ß in Lich gegen den Bescheid des Kreisamts Gießen vom 5. August 1935 wegen Entziehung des Führerscheins. Versammluna der Ostdeutsch"» Der Bund heimattreuer Schlesier (Deutscher Ostbund) hielt am gestrigen Donnerstagabend im „Pfälzer Hof" seine Novembermonatsversammlung ab Vereinsführer K o st o r z konnte hierbei wiederum einige neue Landsleute begrüßen. Er gab in gedrängter Uebersicht ein Bild der vielfältigen Aufgaben, die den ostdeutschen Heimatverbänden zur Erfüllung der Mission des Oestens aufgetragen sind. Die Heimattreuen Verbände sind berufen, den letzten deutschen Menschen für die großen friedlichen Aufgaben zu erfassen, die zur Erstarkung und zum Ausbau der Grenzprovinzen im Osten, von Memel bis nach Oberschlesien und über die bayerische Ostmark hinaus, gelöst werden müssen. Die Grenzaufgaben des deutschen Ostens sind ernster, als die der anderen Reichsgrenzen. Das Grenzgebiet wird die ihm im Rahmen des Volkstums gestellten Aufgaben nur in dem Bewußtsein erfüllen können, untrennbarer Teil eines großen Ganzen zu sein. Darum müssen alle Lauen und Müden wachgerüttelt werden für die großen Aufgaben der deutschen Ostgrenze. Der Redner wies in diesen Gedankengängen auf die Losreißung Danzigs vom Reich, auf den Kampf der Memeldeutschen und der Menschen an der Grenze hin zur Unterstreichung der Forderung, daß nicht nur jeder Ostdeutsche, sondern auch alle anderen deutschen Volksgenossen durch ihren Beitritt zu den Ostverbänden den Kampf unseres Volkes um seine Grenzen unterstützen müssen. Jeder einzelne Ostdeutsche ist berufen, Propagandist seiner neuen Heimat zu sein, um das Volk zu durchdringen mit dem Denken von der Grenze her, mit dem Bewußtsein, daß nur ein einiges großes Volk auch ein starkes sein kann. Nach Erledigung geschäftlicher und organisatorischer Fragen wurde festgestellt, daß bisher 15 Anträge auf die Abstimmungs-Ehrenzeichen, davon 14 für das oberschlesische und 1 für das ostpreußische, eingegangen sind. Die Ausgabe soll im Januar 1936 erfolgen. Die Versammlung schloß in üblicher Weise mit dem Treuebekenntnis zum Führer und Reichskanzler und mit dem Kampflied. Schlußappell des NGOKB. (Stahlhelm) Gießen. Am vorigen Sonntag war — wie uns berichtet wird — die Ortsgruppe Gießen des NSDFB. (Stahlhelm) zum Schlußappell in das Katholische Vereinshaus befohlen worden. Nach einem Vorspiel der Stahlhelm-Kapelle hielt Ortsgruppenführer Grün eine Ansprache, in der er zunächAdie Kameraden der Ortsgruppe begrüßte, dann dem^Iauführer, Major a. D. Zeltmann, dem Kreisführer, Major a. D. Wolf, und den von auswärts erschienenen Kameraden des NSDFB. den Gruß entbot, hierauf gedachte er, während sich die Versammlung erhob und die Kapelle das Lied vom guten Kameraden spielte, des am Freitag verstorbenen Frontkameraden Heinrich Muth. Der Redner wies sodann auf die Kundgebungen des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler und des Bundesführers Franz Seldte über die Auflösung des NSDFB. (Stahlhelm) hin und betonte, daß dieser Appell befohlen sei, um dem Befehl des Bundesführers Folge zu leisten. Er gedachte weiter der alten Stahlhelm-Kameraden, die sich in schwerster Zeit für die Ideale des Da die Vortragsreihe im Rahmen der Universitätsoorlesungen nicht als öffentliche Veranstaltung gelten kann, wurde von offiziellen Einladungen abgesehen. Das Eröffnungswort sprach Magnifizenz Professor Dr. Pfähler. Er zeigte kurz den Sinn dieser Neuerung auf und faßte ihn in die Worte zusammen, daß der Student nicht zeitweilig Soldat sein solle, sondern Student und Soldat zugleich. Er dankte Oberst Vierow, daß er sich in den Dienst dieses Gedankens gestellt und die Durchführung übernommen habe. Der Beifall der Studentenschaft bezeugte dem Obersten auch von dieser Seite Dank. Darauf ergriff Oberst Vierow das Wort und sagte einleitend, daß der Vorschlag der Universität, in diesem Wintersemester durch Offiziere den Studenten Vorträge militärischen Inhaltes zu halten, trotz der großen Inanspruchnahme infolge des heeresaufbaues angenommen sei und wörtlich fort- fahrend —: „weil ich einerseits der Ueberzeugung bin, daß die Kenntnis militärischer Dinge unbedingt notwendia ist, andererseits wir Soldaten durch die Verbundenheit mit der Universität Wertvolles gewinnen. Der wechselseitige Gedankenaustausch wird dazu beitragen, das große Ziel des Führers, die Volksgemeinschaft, zu verwirklichen und das Verständnis des Soldatentums zu vertiefen." Uebergehend zum eigentlichen Vortrag, der durch Lichtbild und Karten unterstützt wurde, wies er darauf hin, daß er nicht von höherer strategischer Warte aus lesen, sondern die Arbeit der Truppe zur Grundlage seiner Ausführungen machen werde. Trotzdem waren seine Ausführungen, namentlich Form und Gliederung der Einheiten betreffend, wegen ihrer Gedrängtheit selbst für Studenten von anspruchsvollem Rang. Klar kam das Wesen des Angriffs, vor allem durch die allein auf Sieg hin gegebenen Befehle während der (im Geiste vorgeführten) Gefechtsentwicklung, heraus. Die die Befehle der Führung ausführende Truppe scheint Verhaltungsmaßregeln im Hinblick auf möglichen Mißerfolg der Operation nicht zu kennen, weil es für den deutschen Soldaten im Angriff eben keinen möglichen Mißerfolg gibt. Anderseits trat die schwere Bürde der Verantwortung des Führers, notwendige Umsichtlichkeit in einem für firnen unvorstellbaren Ausmaße und große Entschlußkraft deutlich vor Augen. Das Wesen der Abwehr atmete denselben Geist selbstverständlichen Vertrauens auf die eigne Leistungsfähigkeit. Zum Abschluß hob Oberst Vierow nachdrücklich hervor, daß der Soldat, der Mensch, das kostbarste Gut im Kriege sei, ihn vor Ausfall zu bewahren, sei die oberste Pflicht der verantwortlichen Führung. Die Studentenschaft bekundete ihren Beifall zu diesem ersten Vortrag für Wehrberechtigte und sieht mit Spannung der nächsten praktischen Vorführung entgegen. Bundes eingesetzt hätten und durch ihr tatkräftiges Verhalten die Erfüllung und Gestaltung ihrer Ziele erleben durften; ferner dankte er allen Kameraden des Stahlhelm für die aus frontsoldatischem Geist geborene Kameradschaft, für ihre Arbeit und für die Treue zu ihrer Fahne. Die wiedererstandene deutsche Wehrmacht habe den bisher im Stahlhelm gepflegten Geist der Front und der treuen Kameradschaft sich zu eigen gemacht, sie sei damit nicht nur Trägerin der Waffe, sondern auch Hüterin der Tradition des alten Heeres geworden. Damit fei die Aufgabe des Stahlhelm als erfüllt zu betrachten. Gehorsam den Befehlen der Führer ziehe man in dieser Feierstunde die Fahne des Bundes ein. Man könne am Tage der Auflösung des Bundes mit besonderer Befriedigung feststellen, daß vor uns ein neues Deutschland stehe, in dem die Tradition des alten Soldatentums sich verbinde mit dem Geist der neuen Zeit. In dieser neuen Epoche werde man sich dankbar und ehrenvoll jener Frontsoldaten erinnern, die in der marxistischen Zeit im Stahlhelm im Kampfe um die soldatische Forderung nach der Wehrhoheit mit der allgemeinen Dienstpflicht in vorderster Linie gestanden hätten. Fast 300 tote und über 4000 verwundete Kameraden habe der Bund auf seinem schweren Wege zu verzeichnen gehabt. Zum Gedenken an diese Opfer erhob man sich von den Plätzen. Sodann gab der Redner den Briefwechsel zwischen dem Führer und Reichskanzler und dem bisherigen Vundesführer, Reichsminister Franz Seldte, bekannt. ö Gauführer Zeltmann verlas anschließend ein von dem Landesführer von Meyer in Kassel eingegangenes Schreiben, in dem er für die Treue der bisherigen Ortsgruppe Gießen dankt und dem Vaterlande und feinem Führer Adolf Hitler treue Gefolgschaft gelobt. Dieses Gelöbnis wurde bekräftigt mit dreimaligem Sieg-Heil auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, dem Garanten Deutschlands. Sodann traten die Kameradschaften im Hofe des Katholischen Vereinshauses an, wo in feierlicher Weife die Fahne der Ortsgruppe eingerollt wurde. Sortraa für Bausparer Die Eigenheim-Schau Gießen des Bauwirtring Bremen veranstaltete am gestrigen Donnerstagabend im Saale des Hotel Schütz einen öffentlichen Licht- bildervortrag. Organisationsleiter Fellen berg, Koblenz, sprach über das Thema „Warum können die Bauwirte bereits nach wenigen Monaten Wartezeit beantragte Baugelder auszahlen?" Einleitend erwähnte der Redner, daß den Bausparkassen teilweise noch immer Mißtrauen entgegengebracht würde. Durch Gesetz seien aber die Bausparkassen unter Aufsicht gestellt, die Zulassung von Bausparkassen werde streng geprüft. Heute bestünden in Deutschland nur noch etwa fünfzig Bausparkassen, die hundertmal durchgesiebt seien. Der Redner erläuterte dann den Zweck und die Aufgaben der Bausparkassen und betonte dabei, daß die Bausparkassen nur die Gelder auszahlen könnten, die vorhanden seien. Es sei vorteilhaft, einer Bausparkasse beizutreten, die eine wesentliche Sparerzunahme zu verzeichnen habe. Der Redner erläuterte hierauf kurz die Bedingungen des Bauwirtringes Bremen, sprach über die Finanzierung von Eigenheimen, sowie über öie Schwierigkeiten bei der Beschaffung von zweiten Hypotheken, um sich'dann eingehend mit der Gründung und der Entwicklung des Bauwirtringes und dessen Leistungen zu befassen. Er sprach noch über bie Pflichten der Bausparer, sowie über die Auswirkung von Sonderleistungen und betonte die Dor- teHe der Beschaffung eines Eigenheims auf dem Wege des Bausparvertrags. Durch eine Reihe von Lichtbildern wurden die Ausführungen des Redners veranschaulicht und auch gezeigt, wie der Bausparer zu einem schonen Eigenheim kommen farm. Anschließend gab der Redner noch einige Erlaute- ungen über die notwendige Berücksichtigung von Nebenkosten bei BauoorhÄen, machte praktische Vorschläge für Bauluftige, um sich dann noch mit den Bestimmungen über Steuervergünstigungen beim Bau von Eigenheimen zu beschäftigen. Zum Schluß sprach er noch kurz über die Auszahlungsund Baumöglichkeiten der Bausparer des Bauwirtringes im Jahre 1936. Schwerer Verkehrsunfall. Lastzug fährt gegen ein Pferdefuhrwerk. Auf der Straße Gießen—Lollar, unweit der Einmündung des Lichtenauer Weges, ereignete sich heute gegen 7 Uhr ein Verkehrsunfall, der schlimmste Folgen nach sich ziehen konnte. Ein schwerer Lastzug einer Firma aus Nordsehl, Kreis Stadthagen (Schaumburg-Lippe), der in der Richtung nach Lollar fuhr, stieß plötzlich mit dem Milchfuhrwerk des Hofgutes Heibertshaufen zusammen, das, wie jeden Tag, auch heute Milch nach Gießen bringen sollte. Der Zusammenstoß war so heftig, daß das Fuhrwerk in zwei Teile zerbrochen und mitsamt seiner Last auf das Bankett neben der Straße etwa 6 Meter weit geschleudert wurde. Das Pferd wurde aus der Deichsel gerissen und erlitt einen Beinbruch, so' daß es sofort erschossen werden mußte. Der Lenker des Pferdefuhrwerks wurde bei dem Zusammenstoß mitsamt dem Wagen zur Seite geschleudert und kam unter den Wagen zu liegen. Glücklicherweise erlitt er außer einer Fleischoer« letzung an der rechten Hand und einer Verstauchung am linken Arm sowie einer leichten Verletzung am Kinn keinerlei ernstlichen Schaden. Ihm wurde rasch erste Hilfe zuteil, so daß er sich sofort wieder zur Unfallstelle begeben konnte. Die Polizei nahm die notwendigen Ermittlungen auf. Wie der Unfall zustandegekommen ist, konnte nicht sofort geklärt werden. Der Lastzug stand auf der linken Straßenseite. Der Führer des Lastkraftwagens gab an, das Fuhrwerk erst im Augenblick des Zusammenstoßes gesehen zu haben. Das Pferdefuhrwerk wurde völlig zerstört. Fast sämtliche Milchflaschen gingen in Trümmer. Der Lastkraftwagen war an seinem linken vorderen Teil schwer beschädigt. Der Führer des Lastzuges hatte bereits gestern in Ober- Wöllstadt einen Unfall. Der Anhänger des Lastzuges schleuderte und geriet gegen eine Hauswand. ♦ ** Schulpersonalie. Uebertragen wurde dem Lehrer Otto Strauch zu Gießen die Leitung einer Schulgruppe an der Volksschule zu Gießen unter Verleihung der Amtsbezeichnung „Rektor" für die Dauer dieser Tätigkeit. ** Dienstjubiläum. Auf eine 40jährige ununterbrochene Betriebszugehöriger als Angestellter der Handels- und Gewerbebank zu Gießen kann am 19. November Herr Karl W ä h r u m zurück- blicken. Vordem hatte diese Stelle 20 Jahre lang der Vater des Jubilars inne, so daß der Posten jetzt 60 Jahre in der Familie Währum ist. Herr W ä h -. rum ist Mitbegründer des SA.-Musikzuges Reserve-Sturmbann I, jetzt Musikzug der SA.-Standarte 116. ** Straßensperre. Wegen Ausführung von Baumfällungen wird die Provinzialstraße Rodheim a. d. Horloff — Nidda von Glaubzahl bis gum Borsdorfer Kreuz vom 18. November ab für jeglichen Verkehr gesperrt. Umleitung erfolgt von Glaubzahl her über die chauffierte Waldschneise nach Nabertshäuserstraße, Ulfacher Kreuz, Borsdorfer Kreuz — Nidda und umgekehrt. ** Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Provinzialstraße Eichelhain — Lanzenhain ist van heute ab wieder aufgehoben worden. ** Verbindungsweg Liebig st raße —Wilhelm st raße gesperrt. Wegen Ausführung von Zimmerarbeiten — Ausschlagen des Dachwerkes am Hochschiff der katholischen Kirche — ist der Verbindungsweg zwischen Liebigstraße und Wilhelmstraße, längs des Grundstückes der katholischen Kirche, bis auf weiteres für den Fußgängerverkehr polizeilich gesperrt. Die aufgestellten Sperrschilder sind zu beachten. ** Eine Weihnachtsausstellung der oberhessischen Künstler in Gießen und Wetzlar. Die Reichskulturkammer für bildende Künste, Gruppe Oberhessen, veranstaltet auch in diesem Jahre wieder eine Ausstellung von Werken ihrer Mitglieder, um den kunstfreudigen Volksgenossen eine günstige Gelegenheit zum Ankauf heimischer Bilder und Gemälde in der Weihnachtszeit zu bieten. Die Ausstellung in Gießen findet Ende November im Turmhaus am Brandplatz statt. Anschließend wird die gleiche Ausstellung in Wetzlar gezeigt. Die Gruppe Oberhessen umfaßt etwa 30 Künstler Oberhefsens, des Lahngebietes und des preußischen Vogelsberges bis Schlüchtern. Die Ausstellungen bieten nicht nur eine alljährlich wiederkehrende Schau über das Kunstschaffen, sondern auch die einzige Möglichkeit für den Absatz der Werke unserer schwer um ihre Existenz ringenden heimischen Künstler. ** Wohnungsbauten in der oberen Marburger Straße. Westlich der oberen Marburger Straße, gegenüber der Karlsruhe, hat die Baufima H. W. Rinn bereits im Sommer den Bau eines Zweisamlienhauses ausgeführt. Das Haus steht auf dem vorderen, nach der Straße zu gelegenen Teile des Sandgrubengeländes und ist noch innerhalb der Gemarkung Gießen gelegen. Jetzt hat man mit dem Bau weiterer Zweifamilienhäuser begonnen, so daß in aller Kürze sechs Zweifamilienhäuser mit zwölf Wohnungen zu je drei Zimmern, Küche, Bad usw. bezugsfertig sein werden; bis zum kommenden Frühjahr werden sie sich als eine einheitliche Baugruppe präsentieren. Auch auf der Ostseite der Straße hat man mit dem Bau eines kleinen Wohnhauses begonnen, so daß der Abstand des unbebauten Geländes von der Stadtgrenze immer geringer wird. Kleine Strafkammer Gießen. Der H. H. aus Eckenheim und der H. D. aus Braunschweig hatten sich vor dem Amtsgericht Vilbel wegen Verstoßes gegen die Reichsstraßenver- kehrsordnung zu verantworten. H. hatte in Klop- penheim mit seinem Wagen die rechte Straßenseite nicht eingehalten und verursachte mit dem Mitangeklagten V., der seinerseits die zulässige Geschwindigkeit überschritten und ebenfalls die rechte Straßenseite nicht eingehalten hatte, einen Zusammenstoß. Während H. freigesprochen wurde, ver- urteilte das Gericht V. zu einer Geldstrafe von 30 Uiarf. Gegen dieses Urteil legten sowohl der Angeklagte D., als auch die Staatsanwaltschaft Berufung ein. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde die Berufung des Angeklagten verworfen und auf die Berufung der Staatsanwaltschaft das Ü^Ä^nzliche Urteil dahin aufgehoben, als H. zu 15 Mark Geldstrafe verurteilt wurde. In einer weiteren Sache nahm der Angeklagte vor Eintritt in die Hauptverhandlung die Berufung zurück. Heimat Abend des Bundes Volkstum und Heimat Ortering Gießen. Mit einem wohlgelungenen Heimatabend eröffnete der Landfchaftsbuno Volkstum und Heimat in Gießen feine diesjährigen Winterveranstaltungen In der Aula des Gymnasiums hatten sich am gestrigen Donnerstagabend zahlreiche Heimatfreunde und Gäste eingefunden, und so konnte der Leiter der Vereinigung Dr. Michel eine große Anzahl Volksgenossen begrüßen, die teils auch von auswärts gekommen waren. Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag von Professor ör. Hummel-Gießen über das Thema „Wie unsere Heimatlandschaft e n t st a n d". In allgemein verständlichen Ausführungen verstand es der Redner vorzüglich, seinen Zuhörern einen kurzen Abriß aus der geologischen Entstehungsgeschichte unserer engeren Heimat zu geben und überhaupt das Interests an dem Werden unserer schönen Landschaft zu wecken. Uns kurzlebigen Menschen würden die Serge und Täler, Bäche und Flüsse als etwas Ewiges und immer so Bleibendes erscheinen, aber in Wirklichkeit sei es nicht der Fall. All diese Gebilde fei >n geworden und würden auch wieder einmal verschwinden. Ihre Geschichte könne man nicht aus Urkunden, die wie die Geschichte der Menschheit oder eines Volkes auf Papier, Pergament ober Ziegelstein ausgezeichnet ist, entnehmen, denn die Berge und die Formen der Landschaft zeichneten die Geschichte selbst auf. Nicht jeder verstehe, diese Sprache der Natur zu lesen, man müsse sie erst erlernen. Aus der Beobachtung, wie heute die Gesteine in der Natur gebildet und wieder zerstört würden, seien Rückschlüsse auf die Vorgänge von früher möglich. Alle Versteinerungen würden uns ein Stück Entstehungsgeschichte erzählen, ebenso die mannigfaltigen Ablagerungen und Gesteinsschichtungen» Ordne man alle diese Feststellungen in der richtigen zeitlichen Reihenfolge ein, so habe man eine richtige Beschreibung des Werdens der Erdrinde und darüber hinaus unserer engeren Heimatlandschaft. Die ältesten Urkunden dieser geologischen Geschichte fänden sich in unserer Gegend westlich und südwestlich von Gießen im Westerwald oder, wie der Geologe sage im Rheinischen Schiefergebirge. Hier kämen Sandsteine, Grauwacken, Tonschiefer und in der Gegend von Wetzlar, Dillenburg und Limburg u. a. Eisenerze vor. Unser Land sei größtenteils von Meer bedeckt gewesen, dazwischen Koralleninseln (Kalksteine!) und Vulkane (Grünsteine!). Unter dem Meere wären die Schichten wagrecht gelagert gewesen, nachträglich hätten sie sich gefaltet und verformt. Das Meer sei dann verschwunden, und die Gebirge seien abgetragen und zerstört worden. Nur die unteren Teile seien geblieben und neue Schichten hätten sich darüber gelegt. Es seien Schichten, die aus einer Zeit stammten, die man das geologische Mittelalter nenne. In dieser Zeit seien die Quellen von Bad-Nauheim. Salzhausen und der Taunusbäder entstanden, ebenso die vielen Satzablagerüngen und die Kalisalze. In der Gegend von Marburg und Staufenberg treffe man aus dieser Epoche den Rotsandstein an. Das Meer habe unter Wüstenklima gestanden und sei teilweise ausgetrocknet, wo wir dann heute die Salze fänden. Immer wieder gäben uns die Schichten durch ihre Lagerung Aufschluß und deuteten auf eine Bewegung der Erdrinde hin. Aber alle diese Vorgänge hätten keinen großen Einfluß auf die heutige Form unserer Landschaft gehabt, nur ganz wenige Zeugen, meistens aus hartem Stein, der dem Wasser den nötigen Widerstand entgegensetzte, hätten sich bis in unsere Zeit erhalten. Ein Beispiel für unsere Gegend sei der Dünsberg (Kieselschiefer!). In der Tertiärzelt und in der Neuzeit der Erde hätten diese Härte- unterschiede das ihrige zu dem Aussehen des heutigen Landschaftsbildes beigetragen. In dieser Zeit sei das Meer zum letzten Male hereingekommen, aber nicht mehr als große Decke, wie früher, sondern es hätte nur einen schmalen Streifen ungefähr von Basel bis Frankfurt, dann durch die Wette r a u bis in die Gegend von Kastel überflutet. Aus Muscheln, Schnecken und anderen Ablagerungen, hauptsächlich in der Frankfurter und Mainzer Gegend» habe man dies erkannt. In der jüngeren Tertiärzeit feien in unserem Gebiet zahlreiche Vulkane gewesen deren Spuren wir heute noch überall feststellen könnten. Der Vogelsberg z B müsse ein gewaltiger Vulkan gewesen fein. Die vulkanischen Vorgänge hätten doch etwas an der heutigen Gestalt unseres Landes mitgeholfen. Hier seien Kuppen aufgeschichtet worden, dort hätten Lava- massen die ganze Oberfläche überzogen (Basalte!). Das Wasser mit seiner abtragenden Eigenschaft hätte aber nicht vermocht, die gewaltigen Aufschüttungen des Vogelsbergs maßgebend zu beeinflussen. Mit der Lavamasse eingepreßt, seien dann auch die Kohlensäurequellen größtenteils entstanden. Nach den Vulkanausbrüchen im Vogelsberg und Westerwald fei eine Zeit gekommen, die ziemlich ruhig gewesen sei. Eine Ebene hätte das Land überzogen, und die Flüsse hätten ihren Lauf herausgebildet. Dann habe sich die Erde nochmals kräftig bewegt, was eine Hebung und Senkung zur Folge gehabt hätte. Auf der geologischen Neuzeit beruhten fast alle unsere Höhenunterschiede Auch der Vogelsberg verdanke seine Höhe nicht nur der vulkanischen Aufschüttung, sondern auch einer Hebung. Ferner hänge die Eintiefung der Flüsse noch von dieser jüngsten Bodenbewegung ab. In dieser Zeit habe sich ein feiner Staub in der We11erau nidergeschlagen, den man Löß- nenne und der die Wetterau fruchtbar gemacht habe. Der jüngste Vulkanausbruch beinahe in der geologischen Jetztzeit, sei der L a a ch e r S e e. Bis in unsere Gegend von Gießen, über hundert Kilometer weit ins Land, Der Männer-Turnverein Gießen wird am kommenden Samstag und Sonntag mit einigen festlichen Veranstaltungen sein SOjähriges Bestehen feiern. Das Jubiläum läßt es angebracht erscheinen, einen Blick auf die Geschichte des Vereins zu werfen, der innerhalb unseres Gemeinwesens und im gesellschaftlichen Leben unserer Stadt eine nicht unwichtige Rolle spielt. Die Vereinsgeschichte ist interessant und aufschlußreich und läßt erkennen, daß im Männer-Turnv^rein in fünf Jahrzehnten eine Aufbauarbeit im Dienste der Leibesübung geleistet wurde, deren Bedeutung gerade in der Gegenwart nicht verkannt sein wird. Die Urheber der Gründung des Vereins waren der Gauvertreter Karl D e m u t h und der Reallehrer Emanuel Schmuck, der spätere Landesturninspektor und langjähriger Kreisoertreter des Kreises Mittelrhein der DT. Sie sammelten einen Kreis anhänglicher Turner und Freunde um sich. Am 18. November 1885 wurde der Verein im Restaurant „Steins Garten" mit 15 Rlanner- turnern gegründet Diese 15 ersten Turner des MTV. waren Adalbert Bindewald, Karl Brück, Karl Dernuth, Wilhelm Diehl,'Georg Döpfer, Louis Frech, Emil Kranz, Karl Keller, Christian Keller, Karl Loth, Carl Müller, Wilhelm Müller, Konrad Steinhäuser, Karl Stückrath und Karl Wigandt. Der neue Verein trat sehr bald wettkämpferisch auf den Plan und beteiligte sich an vielen Veranstaltungen in benackbar- ten Städten und auf dem Lande. Noch heute sprechen ältere Turner der Umgebung mit dankbarer Anerkennung von der kameradschaftlichen Förderung, die ihre jungen Landvereine von begeisterten, sachkundigen und opferfreudigen Mitgliedern der beiden Gießener Turnvereine erfuhren. Selbstverständlich trat der neue Verein dem Gau Hessen der DT. bei. Am 14 September wurde der erste Vorstand gewählt. Erster Sprecher wurde Carl Müller, zweiter Sprecher stud. theol. Hermann von der A u. Unter dem 27. Dezember versandte der junge Turnverein seine Geburtsanzeige an fast alle Vereine der Stadt. Die ersten Beziehungen nach auswärts wurden mit dem Turnverein Wetzlar angeknüpft. Am 21. Februar 1886 feierte der Mtv., der nun schon 136 Mitglieder zählte, in Steins Garten fein erstes Winterfest. 3m Jahre der Aufnahme des Vereins im Gau heffen (1886) nahmen die Rllv.er bereits er- hätte der Wind die Asche getragen und dann eine mächtige Schicht noch abgelagert. Wenn auch dadurch die ganze Pflanzendecke vernichtet worden sei, so wäre doch der Boden später viel fruchtbarer geworden. Das Ergebnis der Geschichte unseres Landes zeige deutlich, daß das Entstehen und Vergehen von den Bewegungen der Erdrinde beherrscht werde. Frage man nach den Ursachen dieser Bewegungen, so könne man keine genaue Auskunft und Erklärung dafür erhalten. Man müsse die Erde gleichsam als lebendes Wesen ansehen, bei dem man ja auch nicht das Leben ursächlich erklären könne. Bei diesen Fragen stoße man auf das Göttliche in der Natur. Professor Hummel erläuterte seinen Vortrag mit vielen Lichtbildern, zum Schluß wies er noch darauf hin, daß man sich all diese Dinge in der Natur selbst ansehen müsse. Er (der Redner) sei zur Zeit damit beschäftigt, im Geologischen Institut ein geologisches Heimatmuseum auszubauen, was er in ein bis zwei Jahren fertig zu haben gedenke. Der Heimatabend war umrahmt von Liedervor- trägen. Herr Pfarrer Steiner und Frau aus Hausen boten aus der Fülle der eigenen Dichtungen und Kompositionen eine kleine Auslese, die vor allem getragen waren von echter Heimatliebe und tiefem Naturempfinden. Ihr Schlußlied gipfelte in einem Vaterlandsliöd, aus dem der Geist des Dritten Reiches mächtig sprach. Dr. Michel schloß den ergiebigen und befriedigenden ersten Heimatabend in diesem Winter mit dem Dank an Professor Hummel und an das Ehepaar Steiner. folgreich auf dem Gauturnfest zu Alsfeld, dem hainigbergfest bei Lauterbach, dem Gauturn- fest in rNünzenberg und am Kreisturnfest in Worms teil. 3ahr um 3ahr standen die Turner im Wettkampf und errangen dank ihrer zähen Uebungs- arbeit manchen Sieg. Der Verein entfaltete sich mehr und mehr. Fachabteilungen wurde gegründet. Seit 1887 erstand die Männerabteilung, 1887 wurde eine Fechtriege, 1891 die Vorturnerschaft, um 1900 eine Spielriege und 1907 eine Frauenabteilung, gegründet. Die Schüler wurden im Jahre 1910 zu besonderen Uebungsstunden zusammengefaßt. Auch eine Militärabteilung mit etwa 150 Mann (Unteroffizieren und Mannschaften) wurde gegründet. 1924 wurde außerdem eine Schwimmabteilung ins Leben gerufen. Am Ende des ersten Vereinsjahres hatte der Verein bereits die Zahl von 200 Mitgliedern überschritten. Vom 1. April 1912 wurde dann die Zahl von 666 Mitgliedern berichtet. Nach außen hin kam die Zusammengehörigkeit im Verein unter einer Vereinsfahne zum Ausdruck, ferner trugen die Turner seit 1895 eine einheitliche Turnkleidung. Der Turnbetrieb vollzog sich anfangs in der Turnhalle des Gymnasiums, später in den städtischen Schulturnhallen. Zwar war inzwischen ein Turnhallenbauschatz gegründet worden, der im Jahre 1897 auf über 3000 Mark angewachsen war, die Bemühungen um einen geeigneten Platz für die Halle scheiterten jedoch. Im Jahre 1901 wurde dann das Wiesengelände am Schisfenberger Weg erworben und zu einem brauchbaren Turn- und Spielplatz hergerichtet. DiKch Sammlungen, Schenkungen und Stiftungen wurden eigene Geräte beschafft, die im Jahre 1892 mit über 2000 Mark zu Buch standen. Das turnbrüderliche Verhältnis der Mitglieder untereinander wurde durch zahlreiche festliche Veranstaltungen vertieft. Mit den Bruder- oereinen in Stadt und Land wie auch zu den nicht- turnerischen Vereinen der Stadt wurden herzliche Beziehungen gepflegt. Eine harte Unterbrechung im Vereinsleben brachte der Weltkrieg. 110 Turner des MTV. zogen in das Feld, an der Spitze der erste Sprecher K. Kaufmann, der bereits am 2. September 1914 den Heldentod fand. Trotz der jahrelangen Abwesenheit der Turner wurde der Turndetrieb aufrecht erhalten. 48 Kameraden blieben auf dem Felde der Ehre. Bald nach dem Kriege errichtete der Männer- Turnverein seinen gefallenen Helden als erster Verein in Gießen ein Ehrenmal. Die Leitung des Vereins lag nunmehr in den Händen des verdienten Rektors Gg. Kling. Im Jahre 1896 war die Gießener Turnerschaft gegründet worden und in gemeinsamer Arbeit erfüllten die beiden hiesigen Turnvereine ihre gemeinsamen Aufgaben. Am 30. Juni 1912 weihte die Gießener Turnerschaft als Auftakt zum ersten Gießener Gauturnfest den Jahn-Gedenkstein in der Gartenstraße. In der schweren Zeit des Weltkrieges tat die Gießener Turnerschaft dem Gau Hessen der DT. einen lebenswichtigen Dienst, indem sie 6 Jahre hintereinander einfache Gauturnen ermöglichte. 1925 führten die Gießener Turner trotz erheblicher wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Nachkriegszeit das 25. Mittelrheinische Kreisturnfest durch. Die jüngste Vergangenheit des Vereins steht mit im Zeichen der deutschen Einigung und der Zusammenfassung aller Kräfte der Leibesübung treibenden Vereine, im Reichsbund für Leibesübung. Die Feier des 50jährigen Bestehens des Männerturnvereins Gießen, am kommenden Samstag und Sonntag, wird unter den alten Turnern manche liebe Erinnerung wachrufen und Verbundenheiten aus früherer Zeit erneut vertiefen und kräftigen. Gerätemannschastskanipf in Kinzenbach. Rodheim — Krofdorf — Kinzenbach. Die Gerätemannschaften von Rodheim, Krofdorf und Kinzenbach treffen sich am Samstag, 16. November, zum zweiten Male in Kinzenbach. Der erste Kampf in dieser Zusammensetzung wurde am 10 März d. I. in der Krosdorfer Turnhalle durchgeführt und sah seinerzeit die Mannschaft des To. Krofdorf, vor Kinzenbach und Rodheim klar in Front. Der Kampf unterscheidet sich von den meisten Mannschaftskämpfen durch die Zusammenstellung der Mannschaft, die nicht ausschließlich aus aktiven Turnern besteht, sondern auch Altersturner und Jugendliche aujroeift. Es turnen hier vier aktive Turner, zwei Altersturner und zwei Jugendliche. Diese absolvieren je eine Kürübung an Barren, Reck und Pferd, während je ein Turner der einzelnen Mannschaften noch eine Freiübung bestreitet. Der Kampf dürfte einen überaus anregenden Verlauf nehmen, zumal in der stärksten Besetzung geturnt wird. In Krofdorf war die Mannschaft der Rodheimer durch zwei gute Turner, die fehlten, geschwächt und kam für einen Sieg nicht in Frage. Diesmal wird es sicher nicht so glatt gehen Eine Voraussage ist daher mehr als verfrüht. Die Entscheidung dürfte sicher erst am letzten Gerät fallen. Lippert in der Ganmannschast zum Winterhilfespiel. Für das Winterhilfsspiel Gaumannschaft gegen Stadtmannschaft Kassel in Kassel am 20. Februar ist folgende Gaumannschaft ausgestellt worden, bei- der auch Lippert (1900) vertreten ist: Sonnrein; Eufin- ger (Hanau 93), Lippert (1900 Gießen); Reinhardt, Weißenborn (Hanau 93), Strasser (Borussia Fulda); Meisel (Hermania Fulda), Röll (Fulda), Mohndorf (Hanau), Pietsch (Borussia Fulda), Bonard (Hessen Hersfeld). BfB.-lieichsbahn-Leichtathletik. Die Jugend erringt im Wannfchaflskampf in Nordheffen die erste Stelle. Einen weiteren großen Erfolg kann die Jugendabteilung des DfB.-Reichsbahn Gießen melden. Der Gau Nordhessen veröffentlicht jetzt die Ergebnisse des Gau-Jugend-Mannschaftskampfes. Die leichtathletische Jugendabteilung des VfB.-Reichsbahn nimmt dabei den ersten Platz ein. Nachstehend die genauen Wertungen. Gesamtwertung (A=, B--, C-- und v-Klasse)k 1. VfB.-Reichsbahn Gießen 16 307,86 Punkte; 2. Spvg. 1900 Gießen 16 053,15 Punkte. A - Iugend : 1. Spvg. 1900 Gießen 5473,90 Punkte; 2. VfB.-Reichsbahn Gießen 5205,22 P.; 3. Tufpo Fritzlar 5152,75 P.; 4. TV. Eschwege 1861 4863,65 P.; 5. SC. Höhr 4127 P.; 6. TG. Fulda 4105,35 P.; 7. SC. Sooden 3497,50 P. 8 - I u g e n d: 1. VfB.-Reichsbahn Gießen 4692,92 Punkte; 2. Spvg. 1900 Gießen 4456,02 P.; 3. Tuspo Fritzlar 3999 P.; 4. TG. Fulda 3817,50 P.; 5. TV. Eschwege 1861 3399,15 P. E-Jugend: 1. VfB.-Reichsbahn Gießen 3610,31 Punkte; 2. TG. Fulda 3607,50 P.; 3. SC. Höhr 3456 P.; 4. Spvg. 1900 Gießen 3213,69 P. v-Jugend: 1. Spvg. 1900 Gießen 2909,54 O.A.-’SpoTt so Jahre Mlliier-Tlirnvereill Gießen. Die Vorzüge des neuen Mundstücks ermöglichen reinen Tabak-Genuß. Die durch Hinzunahme der 33 er Ernte veredelte Mischung kommt- deshalb unverfälscht zur Geltung. KM Punkte: 2. VfB.-Reichsbahn Gießen 2799,41 P.; 3. TG. Fulda 2573,25 P. HandbailimKreisLahn-Dill(<^auXII) Schiedsrichteransehungen für den 17. November. Groß-Rechtenvach — Dorlar (Bauer, Gießen): Atzbach — Holzheim (Faber, Groß-Rechtenbach): Treis — Londorf (Schneider): 1900 Gießen — Garbenteich (Petry): Grüningen — Hausen (Ohly); Lich — Ebersgöns (Müller, Karl); Allendorf a. d. Lda. — Beuern (Hellhund): Nieder-Ohmen — Homberg (Engel, Wilhelm); Bürg-Gemünden — Romrod (Jung, Rudolf); Bernsfeld — Alsfeld (Wißner); Herbornfeelbsch — Katzenfurt (Hofmann, Berthold): Mandeln — Straßebersbach (Görzel); Nauborn — Allendorf a. d. Lahn (Weller); Wetzlar II — Dutenhofen (Jung, Eleeberg). Jugend: Tv. Wetzlar — SpV. 05 Wetzlar (Jung, Cleeberg): To. Münchholzhausen — Tv. Garbenheim (Seibert jr.); Tv. Holzheim — To. Grüningen (Faber, Lang-Göns); Tv. Garbenteich — Tv. Lich (Ruppenthal); Tv. Lützellinden — Tv. Lang-Göns II (Lindenstruth); Tv. Lang-Göns I — MTV. Gießen (Hoßbach); To. Londorf — Tv. Staufenberg (Theis, Treis); Tv. Ruttershausen — Tv. Wißmar (Rohrbach); Tv. Herborn --- To. Katzenfurt (Hofmann, Erwin). Oberheffen. Oie Deutsche Arbeitsfront. Ortsgruppe Wieseck. Am Sonntag, 17. November, nachmittags 3^ Uhr, spricht in einer Groß-Kundgebung im Saalbau Heinrich Braun der Reichsredner Pg. T r e f z, Berlin. Eintritt frei. Landkreis Gießen. * Wieseck, 14. Nov. Der'Spar - und Vorschuß-Verein hielt am Mittwochabend in seinem Geschäftszimmer bei Rechner August Schmitt eine Vorstands- und Aufsichtsratssitzung ab. Neben der Aufnahme von sechs neuen Mitgliedern brachte der Monat Oktober mit dem nationalen Spartag eine fast zehnfache Erhöhung der Spareinlagen gegenüber dem gleichen Monat im Vorjahre. Eine Reihe vorliegender Kreditgesuche wurde bewilligt. Auch eine Schulsparkasse wurde gegründet. Zur Ausgabe gelangen rote Schülersparmarken in Höhe von 10, 20 und 50 Pf., die durch die Lehrerschaft, die sich in selbstloser Weise zur Verfügung stellt, ausgegeben werden. Diese segensreiche Einrichtung sei den Eltern noch nicht sparender Kinder angelegentlich empfohlen. S Alten-Buseck, 14. Nov. Bei der Eintopfsammlung durch den BDM. wurden in der Ortsgruppe Alten-Buseck 67,10 Mark für das WHW. gespendet. Der Abzeichenverkauf am 3. Oktober erbrachte den Betrag von 48,30 Mark. Die Beträge sind ein Beweis dafür, daß die Gebe- sreudigkeit unserer Einwohner keine Einbuße erlitten hat. Bei der am Freitag durchzuführenden Brotsammlung durch das Jungvolk wird unsere Gemeinde ihre Hilfsbereitschaft ebenfalls erneut zum Ausdruck bringen. :: Lollar, 14. Nov. Die Kartoffeldämpferkolonne der Landesbauernschaft Hessen-Nassau führte hier am Dienstag ein Schaudämpfen durch, wozu eine große Anzahl von Bauern erschienen war, welche die lehrreichen Vorführungen mit großem Interesse verfolgten. Heber die zweckmäßige Einsäuerung der Silokartoffeln dürften sie manches Wissenswerte mit nach Hause genommen haben. — Die Eintopfsammlung am Sonntag gestaltete sich in unserem Orte zu einem vollen Erfolge. — Kürzlich gelangten an verschiedenen Stellen des Ortes neue Parkverbotstafeln zur Aufstellung. < Reiskirchen, 15. Nov. Arn Mittwoch feierten das Gemeinderatsmitglied Philipp Schäfer V. und Ehefrau Elisabeths, geb. Launspach, das Fest der silbernen Hochzeit. — Gestern abend gelangte durch den Landesverband der Inneren Mission der Film „Segensspuren der Liebe" in unserer Kirche zur Vorführung. An der Veranstaltung nahmen viele Volksgenossen teil. Der Film zeigte in Wort und Bild das Leben und Treiben, Schaffen und Wirken in den vom Landesverband der Inneren Mission Hessen-Nassau gebauten und gekauften Häusern zur Steuer der Not und zur Förderung der Gesundheit. — Heute findet in unserem Orte die Brotsammlung für das Winterhilfswerk statt. Bei der gestern durchgeführten Listeneintragung kam man zu dem schönen Ergebnis von 117 Broten. s. Lang-Göns, 14. Nov. Die Gesamtsumme der in diesen Tagen verladenen Kartoffeln, die für das Winterhilfswerk gespendet wurden, beträgt für die Ortsgruppe Lang-Göns 947 Zentner. Davon stellten Holzheim 451 und Ober-Hörgern 183 Zentner. Die hiesigen Schulklassen werden sich ebenfalls an der Sammlung von Bucheckern für das Winterhilfswerk beteiligen. Freilich ist gerade in diesem Jahre der Ausfall der Bucheckerernte kein besonders reicher. * Lich, 14. Nov. Seit einigen Tagen wurde in Lich allenthalben, vor allem aber in den höher gelegenen Teilen, ein erheblicher Wassermangel festgestellt, der von Tag zu Tag zunahm. Selbst über Nacht sammelte sich kein Wasser in den Speichern an. Man nahm daher an, daß irgendwo im Leitungsnetz ein schwerer Rohrbruch erfolgt sei. Alle Nachforschungen blieben aber ergebnislos. Nun wurde festgestellt, daß vor einigen Tagen mehrere Jungens im Alter von 10 bis 13 Jahren mit einem Nachschlüssel in s Wasserwerk eingedrungen waren und den großen Sperrschieber des Hauptbehälters aufgezogen hatten. Dadurch war das Trink- wasfer der Stadt nicht mehr in die Leitung, sondern in den nahen Albacher Teich gelaufen. Der Lausbubenstreich hat so der Stadt erhebliche Kosten .verursacht. Kreis Friedberg. Friedberg, 14. Nov. (LPD.) Der Gemeinderat von Nieder-Florstadt hat einen nachahmenswerten Beschluß gefaßt. Danach wird jedem Brautpaar zur Pflicht gemacht, bei der Trauung einen O b st b a u m in der Gemeinde zu pflanzen. Damit soll der Bestand an Obstbäumen in der Friedberger Gegend gefördert und eine höhere Obsternte erzielt werden. Preußen. Kreis Wetzlar. <£ Rodheim a. d. B., 14. Nov. Ein hiesiger Autofahrer, der erst kürzlich einen empfindlichen Sturzflug getan, hatte in der letzten Nacht erneutes Pech, indem er mit seinem Personenwagen in voller Wucht gegen eine Hausecke fuhr, die den Anprall besser vertragen konnte als das Fahrzeug, das mit schweren Beschädigungen abgeschleppt werden mußte. Der Fahrer selbst blieb wie durch ein Wunder unverletzt. — Vorgestern kamen auf dem hiesigen Rathause wieder Kriegsehrenkreuze zur Ausgabe. Büraer- meister P e p p l e r gedachte in einer kurzen Ansprache des Stifters des Ehrenkreuzes, des Generalfeldmarschalls von Hindenburg, der wohl durch diese Stiftung einen Teil des Dankes des Vaterlandes an feine opferbereiten Söhne bzw. deren Hinterbliebenen abtragen konnte, der es aber seinem Nachfolger im Reichspräsidentenamt, dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler überlasten mußte, die Verleihung des Ehrenzeichens vorzunehmen. Ein Gruß an den Führer und das Deutschlandlied beschlossen die kurze, eindrucksvolle Feierstunde. Gondergerichi in Gießen. In der gestrigen Sondergerichtssitzung in Gießen wurde gegen den 19jährigen Eugen Eckhardt aus Eutorf (Kreis Alsfeld) verhandelt, der seit dem 24. September 1935 in Untersuchungshaft sitzt. Dem Angeklagten wurde zur Last gelegt, im Monat September d. I. unwahre und beleidigende Bemerkungen über Regierungsmitglieder gemacht zu haben. Trotz seines Leugnens wurde Eckhardt durch die Beweisaufnahme überführt. Das Gericht erkannte gegen den Angeklagten, der schon mehrfach vorbestraft ist, auf eine ©efäng- n i 5 ft r a f e von fünf Monaten und Tragung der gesamten Kosten des Verfahrens. Die erlittene Untersuchungshaft wurde dem Angeklagten, wegen feines hartnäckigen Leugnens, dem Antrags der Staatsanwaltschaft zufolge, nicht angerechnet. ReichlichBratensotze Mit preiswerten Stoffen vom für Mahlzeiten ohne Fleisch in den Winter 1 Würfel T&lcVt