Nr. 89 Erstes Blatt 185. Jahrgang Montag. 15. April 1935 Erschemt täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat Im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11688 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruL und Verlag: vrühl'sche Untverfitätrvuch- und Steindruckerei «.Lange in Siehrn. 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Für den Abschluß der Konferenz von Stresa gilt dasselbe, was wir schon für das Stadium der Vorbereitung und den Ablauf sagten: wie, abgesehen von den dankenswerten englischen Bemühungen, Deutschland der einzige Staat gewesen ist, der durch seine Haltung bei den Berliner Besprechungen einen positiven, um nicht zu sagen ausschlaggebenden Beitrag zu den Verhandlungen von Stresa lieferte, so ermöglichte es auch durch seine im einzig richtigen Augenblick gegebene Erklärung zur Ostpaktfrage, sowie durch den nachfolgenden Kommentar der Reichsregierung d i e Schaffung der Grundlagen für ein tatsächlich nützliches Ergebnis von Stresa. Es ist notwendig, das um so mehr festzustellen, als die Drei-Mächte-Besprechungen ohne die dreifachen deutschen Aeußerungen in der langen Kette von 128 Nachkriegskonferenzen zu der erdrückenden Mehrzahl der ergebnislosen Zusammenkünfte gehört hätten Es ist nicht weniger notwendig, auf diese geradezu ausschlaggebende Rolle Deutschlands deshalb hinzuweisen, weil es dort in Stresa in keiner Form vertret en war, wenn auch „Hitler vom ersten Augenblick an unsichtbar mit am Tisch saß", wie es ein Mitglied der englischen Delegation benannte. Der Abschluß der Konferenz ist zwingender Anlaß zu einer dritten Feststellung. Die von Frankreich seit Jahren betriebene Politik der militärischen Bündnissysteme bedingt einerseits die Aufrüstung aller angeschlossenen Länder ohne jede Rücksicht auf deren wirtschaftliche Leistungsfähigkeit; sie bedingt andererseits in ihren Schlußfolgerungen zwingend den Krieg aller gegen alle beim Ausbruch eines-ernsten Konfliktes irgendwo in Europa. Demgegenüber steht als entscheidender Unterschied die deutsche Politik, die allgemeine Verpflichtungen zum Nichtangriff als Grundlage hat. Dort also die Politik der Gewalt, die vertraglich gesicherte Durchsetzung des militärisch bedingten Imperialismus — hier eine völlig entgegengesetzt gerichtete politische Mentalität mit dem Ziel der friedlichen Auseinandersetzung, der gegenseitigen Achtung, des Friedens schlechthin. Dort der alles beherrschende Gedanke der militärischen Unterbauung der Vorherrschaft über einen ganzen Erdteil — hier eine auf ganz lange Sicht arbeitende Erkenntnis von der Notwendigkeit der Liquidierung einer 20jährigen Zerstörungspolitik und ihres Ersatzes durch friedliche Zusammenarbeit. Man kann sich nicht vorstellen, daß die ständige praktische Gegenüberstellung dieser beiden politischen Richtungen auf die Dauer ohne Eindruck nicht nur auf die Völker, sondern auch auf deren führende Staatsmänner bleiben sollte. Es ist nicht unsere Sorge, wie Frankreichs Bundesgenossen im Laufe der Zeit mit der bisher von Paris noch diktierten Politik der ständigen Bereitschaft zum Angriff, zum international organisierten Ueberfall zahlen werden; aber vielleicht kömmt auch ihnen allmählich die Erkenntnis, daß „Frankreich von allen Bundesgenossen der bedenklich sie ist, wie es Bismarck einmal ausgesprochen hat. Stresa war gedacht als Abschluß der Voruntersuchung gegen den Angeklagten Deutschland, der dann in der Genfer Hauptverhandlung in absentia zu verurteilen gewesen wäre. Dieser Plan, von zwei Mächten noch bis in den vorletzten Tag der Konferenz hinein mit peinlichem Eifer betrieben scheiterte an der unwiderleglichen, planvoll durchdachten Friedenspolitik Deutschlands und an der glatten Ablehnung der Beteiligung an einer weiteren Katastrophenpolitik durch England. Schon am zweiten Tage der Konferenz von Stresa wurde bekannt, daß die in Genf einzureichende Denkschrift Frankreichs gegen Deutschland unter dem Druck jener beiden Tatsachen die Tür zu weiteren Verhandlungen mit Deutschland nicht zuschlagen würde; man geht nicht zu weit 'n der Annahme, daß die Aeußerungen der englischen Vertreter in Stresa auch auf die letzte Redlglerung des Wortlautes der französischen Denkschrift von Einfluß gewesen sind. Wenn in Genf gleichwohl unter Hinweis auf Deutschland von einseitiger Vertragsverletzung die Rede sein wird, so ist das nur geeignet, die Aufklärung der Welt über die Frage zu unterstützen, wer dort in Genf auf der Anklaae- bank sitzen wird. Im übrigen drehen sich ja die wichtigsten Stresaer Besprechungen auch gar nicht um die Frage der ursprünglich als Anklagegegenstand vorgesehenen deutschen Wehrvorlage, sondern um etwaige Vertragsverletzungen „in Zutunst". Mit anderen Worten: Die volle praktische Gleichberechtigung Deutschlands auch auf dem Gebiet der Wehrfrage ist in Stresa von den drei Mächten stillschweigend anerkannt worden, eine freilich sehr stark verspätete Realisierung der Fünf-Mächte-Er- klärung vom Dezember 1932. Im übrigen sind diese ganzen Erörterungen um etwaige zukünftige Vertragsverletzungen notwendig schon deshalb bloße Theorie, weil der fragliche „Vertrag", das Versau- 1 (er Diktat, infolge seiner gar nicht mehr aufzählbaren Verletzungen und Durchbrechungen durch die großen Militärmächte im allgemeinen und durch Frankreich im besonderen rechtsgültig nicht mehr bindend sein kann, als Vertrag im Sinne einer freiwilligen Abmachung, also nicht mehr existiert. Damit ist logischerweise auch die Völkerbundssatzung hinfällig, die überdies gerade durch die französische Politik der militärischen Bündnis- und Einkreisungssysteme in ihrer entscheidenden Bestimmung illusorisch gemacht ist. Die kommende Genfer Episode, zum Teil eine entgegenkommende Geste für Frankreichs Prestige-Bedürfnis, zum Teil schon ftanzösisches Rückzugsgefecht, trotz Herrn Litwinow, wird praktisch keine entscheidende Bedeutung im Sinne Frankreichs haben. Sie wird im Vergleich zu Stresa kaum die Bedeutung eines retardierenden Momentes haben. Die Fortsetzung von Stresa wird direkt oder indirekt auf der Maikonferenz in R o m erfolgen. Der Ausgang der Konferenz. Wir haben für den Frieden gearbeitet." Stresa, 14. April. (DNB.) Die Dreimächtekonferenz von Stresa ist am heutigen Sonntag um 12.30 Uhr abgeschlossen worden. Der französische Ministerpräsident Flandin hat heute mittag zu Ehren des italienischen Regierungschefs Mussolini im Hotel Borromeo ein F r ü h st u ck gegeben, an dem zahlreiche Mitglieder der drei Delegationen teilnahmen. Nach dem Frühstück wurden überall eilige Vorkehrungen zum Aufbruch getroffen. Laval fand nicht einmal Zeit, die üblichen Empfänge der französischen Presse vorzu- nehmen, sondern mußte sie auf Genf vertrösten, da er schon um 16 Uhr abreisen wolle. Er hielt lediglich in geschlossenem Raum eine Rundfunkrede für den französischen Rundfunk, in der er u. a. erklärte: „Die Stresaer Konferenz ist beendet. Unsere Besprechungen waren offen, herzlich und direkt. Sie hatte nur ein Ziel: die Aufrecht- erhaltung des Friedens. Mit Flandin habe ich die Genugtuung, in Stresa die enge Solidarität der d r e i Regierungen bestätigt gesehen zu haben. Wir werden das Gespenst des Krieges zurückdrängen, wenn Frankreich stark bleibt, wenn die Moral unserer Volksgenossen gut bleibt und wenn die Einigung aller Franzosen weiter besteht. Unsere internationale Politik, die wir soeben mit unseren englischen und italienischen Freunden verwirklicht haben, ist gegen kein Land gerichtet. Wir fordern die Sicherheit für alle. Wir wollen die Versöhnung aller Völker. Bevor ich Stresa verlasse, möchte ich meinem Wunsche Ausdruck geben, den Frieden recht bald als lebendige Wirklichkeit zu sehen." Flandin machte etwa folgende Ausführungen: „Wir find nur mit dem einen Ziel nach Stresa gekommen: Den Frieden zu verteidigen. Ist dieses Ziel erreicht? Die Zukunft wird es lehren. Wenn Großbritannien, Italien und Frankreich sich vereint und entschlossen fühlen, stellen sie eine materielle Macht dar, hinter der die Welt sich gesichert fühlen kann. Ihre moralische Kraft besteht darin, den Frieden zu wollen, aber keinen faulen Frieden, sondern einen a u f b a u e n= den Frieden. Unsere Solidarität ist nicht nur in der Definierung, sondern auch in der Handlung bestätigt worden. Es ist möglich, daß in Europa neue Schwierigkeiten auftauchen. Sie werden durch die enge Zusammenarbeit überwunden werden, die in Stresa zwischen den Regierungen dreier Völker zutage getreten ist." Umringt von Journalisten sprach Macdonald gleichfalls einige Worte ins Mikrophon. „Ich bin sehr froh, daß die Konferenz vorüber ist, und besonders darüber, daß sie ein so erfolgreiches Ende nahm. Wir haben einen B e - weis unserer Solidarität in den Absichten und der gemeinsamen Entschiedenheit gegeben. Der Zweck unserer Konferenz war, den Frieden zu sichern. Ich glaube, daß die Konferenz ■ üüA Stresa l/ierzu einen wertvollen und dauernden Beitrag geliefert hat." Als Mussolini das Hotel Borromeo verließ, wurde er mit Beifall begrüßt. Ebenso wurden die englischen und französischen Minister mit Beifallskundgebungen bedacht. Macdonald kehrte am Sonntagabend nach London zurück. Auch F l an d i n begab sich sofort nach Paris zurück und überläßt die Genfer Verhandlungen seinem Außenminister. Der englische Außenmini- st e r hatte sich im Auto nach A l a s s i o an der italienischen Riviera begeben, um dort mit seinem Sohn zusammenzutreffen, der nach vierjähriger Abwesenheit aus Indien mit seiner Familie zurückgekehrt ist. Sir John Simon will vor allem dort seinen kleinen Enkel sehen, der in Ceylon geboren wurde. Er begibt sich sodann heute Nacht von Genua nach Genf. Der Wortlaut des Schlußtommuniquss Das Schluß-Kommunique der Konferenz von Stresa trägt die Ueberschrift: Gemeinsame Entschließung der Konferenz von Stresa. Der Wortlaut ist folgender: Die Vertreter der Regierungen Italiens, Frankreichs und Englands haben in Stresa d i e allgemeine europäische Lage geprüft im Lichte der Ergebnisse des Meinungsaustausches, der in den letzten Wochen stattgefunden hat, sowie der Entscheidung, die am 16. März von der deutschen Regierung gefällt wurde, und schließlich auf Grund der Auskünfte, die von den britischen Ministern während ihrer kürzlich stattgefundenen Besuche in verschiedenen Hauptstädten Europas erlangt wurden. Nachdem der Einfluß dieser Lage auf die Politik in Betracht gezogen war, wie sie in den Abkommen von Rom und London bestimmt worden ist, fanden sie sich in voller Uebereinstirn- mung über die verschiedenen Fragen, die besprochen wurden 1. Sie einigten sich auf eine gemeinsame Linie, die verfolgt werden soll, wenn der f r a n- zösische Antrag an b e n Völkerbunds- r a t zur Sprache kommt. 2. Die Auskünfte, die sie erhalten haben, haben sie in der Ansicht bestärkt, daß die Verhandlungen fortgesetzt werden sollen hinsichtlich der Entwicklung, welche bezüglich der Sicherheit in Osteuropa erstrebt wird. Oesterreich 3. Die Vertreter der drei Regierungen prüften von neuem die österreichische Lage. Sie bestätigten die englisch-französisch-italienischen Erklärungen pom 17. Februar und 27. September 1934, durch die die drei Regierungen anerkannten, daß die Notwendigkeit, die Unabhängigkeit und Unversehrtheit Oesterreichs aufrechtzuerhalten, auch in Zukunft ihre gemeinsame Politik leiten werde. Hinsichtlich des französisch-italienischen Protokolls vom 7. Januar 1935 und der englisch-französischen Erklärungen vom 3. Februar 1935, in welcher der Beschluß bekräftigt wurde sich gemeinsam zu beraten, im Hinblick auf Maßnahmen, die im Falle der Bedrohung der Unversehrtheit und Unabhängigkeit Oesterreichs ergriffen werden müssen, kamen sie überein, vorzuschlagen, daß Vertreter aller der Regie- rungen, die im Protokoll von Rom aufgezählt sind, zu einem möglichst frühen Zeitpunkt zusammentreten sollen, mit dem Ziel, die zentraleuropäischen Vereinbarungen abzuschließen Der Lustpatt. 4. Was den ins Auge gefaßten Luftpakt für Westeuropa betrifft, so bekräftigen die Vertreter der drei Staaten die Grundsätze des Verfahrens, das eingeschlagen werden soll, wie es im Londoner Comrnuniqus vom 3. Februar vorgesehen ist, und beschlossen, das Studium dieser Frage aktiv fortzusetzen, in der Absicht, einen Pakt zwischen den fünf Mächten abzuschließen, die im Londoner Communiquö erwähnt werden, sowie von allen zweiseitigen Vereinbarungen, welche ihn begleiten können. Die Büstungsfrage. 5. Als sie zur R ü st u n g s f r a g e gelangten, haben die Vertreter der drei Mächte ins Gedächtnis gerufen, daß das Londoner Communiquö ein Abkommen vorfah, das frei mit Deutschland ausgehandelt werden sollte, um an die Stelle der entsprechenden Klauseln des Teiles V des Vertrages von Versailles zu treten. Sie unterzogen weiter die Handlungen der deutschen Regierung und den Bericht Sir John Simons über feine Unterhaltungen mit dem deutschen Reichskanzler über diesen Gegenstand einer sorgfältigen und besorgten Besprechung. Mit Bedauern stellten sie fest, daß d i e Methode der einseitigen Aufkündigung, die von der deutschen Regierung in einem Augenblick angewandt wurde, als gerade Schritte ergriffen waren, ein in freier Weise ausgehandeltes Abkommen über die Rüftungsfrage zu erreichen, das öffentliche Vertrauen in die Sicherheit einer friedlichen Ordnung unterminiert hat. Darüber hinaus hat das große Ausmaß des veröffentlichten Programms der deutschen Aufrüstung, das schon mitten in der Ausführung begriffen ist, die zahlenmäßigen Schätzungen entwertet, auf die die Anstrengungen für eine Abrüstung bisher gegründet waren und die Hoffnungen erschüttert durch die jene Anstrengungen inspiriert waren. Die Vertreter der drei Mächte bekräftigten nichtsdestoweniger ihren ernsten Wunsch, den Frieden zu erhalten durch Herstellung eines Gefühls der Sicherheit und erklären für sich selbst, daß sie ernstlich bestrebt bleiben, sich an jeder praktischen Anstrengung zu beteiligen, durch die die internationale 23 e r ■ ftänöigung durch Begrenzung der Rüstungen gefördert werden kann. Revision der Entwaffnungs- bestimmungen für Oesterreich, Ungarn und Bulgarien. 6. Die Vertreter der drei Mächte zogen weiter den Wunsch in Betracht, der von den Staaten begründet worden ist, deren Rüstungsstand durch die Friedensverträge von St. Germain und Trianon und Neuilly festgesetzt worden ist, die Revision dieses Standes zu erreichen. Sie beschlossen, daß die anderen hierdurch berührten Staaten auf diplomatischem Wege von diesem Wunsch unterrichtet werden sollen. Sie kamen überein, diesen anderen in Betracht kommenden Staaten die Prüfung dieser Fragen zu empfehlen mit dem Zieh sie durch gegenseitige Verständigung innerhalb des Rahmenwerkes allgemeiner und regionaler Sicherheitsgarantien zu regeln. Bekräftigung des Locarno-Vertrages. Hieran schloß sich eine englisch-italienische Erklärung folgenden Wortlauts: „Folgende gemeinsame Erklärung ist von den Vertretern Italiens und Englands in Beziehung auf den Vertrag von Locarno abgegeben worden: Die Vertreter Italiens und Englands als Mächte, die an dem Vertrag von Locarno nur in der Eigenschaft als Garantiemächte b e - t e i l i g t sind, bekräftigen in formeller Weise alle ihr ^Verpflichtungen, die aus diesem Vertrag hervorgehen, und erklären ihre Absicht, diese gefreulid) zu erfüllen, falls dies nötiö werden sollte. Soweit diese beiden Mächte diese Verpflichtungen auf sich genommen haben in Beziehung zu allen anderen Teilnehmern des Vertrages von Locarno wird diese gemeinsame Erklärung, die auf der Stresakonferenz, an der Frankreich teilnahm, abgegeben wurde, auch den Regierungen Deutschlands und Belgiens förmlich übermittelt werden." Zum Schluß enthält das abschließende Kommunique folgende Schlußerklärung: Die drei Mächte, deren politisches Ziel die gemeinsame Aufrechterhaltung des Friedens innerhalb des Rahmens des Völkerbundes ist, befinden sich in vollständiger Uebereinstimmung, wenn sie sich mit allen praktischen Mitteln jeder einseitigen Aufkündigung von Verträgen widersetzen, durch die der Friede Europas in Gefahr kommen kann, und sie werden daher zu diesem Zweck in enger und freundschaftlicher Zusammenarbeit handeln. Englands Mittlerrolle. Fortsetzung einer allgemeinen Zusammenarbeit. Stresa, 14. April (DNB.) Von zuständiger englischer Seite wird folgende britische Auffassung über das Ergebnis von Stresa bekanntgegeben: England habe keine neuen Verpflichtungen auf sich genommen und seine bisherigen Verpflichtungen auch nicht erweitert. Die Konferenz habe vor allem das Ziel gehabt, dem Frieden zu dienen. Die Vorbedingungen für den Frieden wechselten sehr häufig. So habe die deutsche Erklärung vom 16. März eine neue Lage geschaffen, die es notwendig gemacht habe, den Glauben an den Frieden, dessen Grundlage das Vertrauen sei, wieder herzu st eilen. Man müsse es ganz klar Herausstellen, daß man die einseitige Aufkündigung von Verträgen, die einen grundlegenden Charakter trügen, nicht zulassen könne. Gegen solche Auf- Eünöigungen müsse Protest eingelegt werden. Dieser Schritt sei besonders gefährlich gewesen in dem Augenblick, als man mitten in der Z u - fammenarbeit gewesen sei. Die Zusammenarbeit habe dadurch eine Unterbrechung erfahren. Trotzdem bleibe England bemüht, die unterbrochene Arbeit wieder aufzunehmen und einen Geisteszustand herzustellen, der eine allgemeine Zusammenarbeit möglich mache. England bleibe seinen Freunden treu. Gleichzeitig wünsche es aber, den Kreis seiner Freunde zu erweitern. Auf der Donaukonferenz in Rom werde England erscheinen, falls es gewünscht werde, aber nur als Beobachter. Zur Abrüstungs- frage wurde erklärt, die drei Mächte blieben bemüht, bas heute noch Mögliche für eine Beschränkung der Rüstungen zu tun; man werde weiter daran arbeiten, die Sicherheit auf der Grundlage der Rüstungsbegrenzung zu erreichen. Zur Frage des O st p a k t e s sagte die gleiche englische Stelle: „War haben eine sehr befriedigende Erklärung von Deutschland erhalten. Wir sehen jetzt zwei Gruppen, von denen die eine Deutschland und Polen umfaßt, die andere sich um Frankreich gruppiert. Die Standpunkte der Gruppen würden sich gegenseitig nicht stören. Das englische Bemühen geht dahin, über alle diese Fragen mit Deutschland auf diplomatischem Wege in Fühlung zu bleiben. Oie französische Denkschrift für den Völkerbund. Genf, 14. April. (DNB.) Die französische Denkschrift an den Völkerbundsrat hat folgenden Wortlaut: 1. Am 16. März hat der deutsche Reichskanzler die Berliner Botschafter der europäischen Mächte zu sich gerufen, um ihnen vom Wortlaut eines Gesetzes Kenntnis zu geben, daß in Deutschland die allgemeine Wehrpflicht wieder - h erstellt und das eine neue Einteilung der Armee in 12 Armeekorps und in 36 Divisionen vorsieht. Am gleichen Tage trat das Gesetz in Kraft. Dieser Maßnahme war schon am 9. März die offizielle Ankündigung der Wiedererrichtung einer deutschen Militärluftfahrt vorausgegangen. In zwei ihrer wichtigsten Bestimmungen sind somit die Klauseln des Friedensvertrages formellzurückgestoßen (r£pudiö) worden. Es ist dies die Krönung (consecration) langer und methodisch im Geheimen verfolgter Anstrengungen; es ist dies der Beweis der Bedeutung der in Deutschland bereits vollbrachten Aufrüstung, ganz abaesehen von dem Plan, dessen Vollbringung weiterverfolgt wird; es ist dies nicht nur die Verkündigung einer Politik; diese ist schonzur Tatsache geworden. Vor £!Tiem Jahre hat das Anwachsen des durch das Reich für das Jahr 1934/35 vorgesehenen Militärbudgets Europa bewegt, und die französische Regierung hatte in diesen voraussichtlichen Angaben (die übrigens später weit überschritten worden sind) eine Andeutung gesehen für den Entschluß der deutschen Regierung, ihre Aufrüstung in Grenzen zu verfolgen, deren Richter sie selbst sein wollte. Die Behörden des Reiches erhoben Protest gegen eine solche Auslegung. In einer Rote, die der Außenminister des Reiches dem englischen Gesandten in Berlin am 11. April übermittelt hat, wird das Anwachsen der Ausgaben durch die Notwendigkeit gerechtfertigt, die Vorbereitungen für die Umwandlung in eine Milizarmee mit kurzer Di e n st - zeit weiter zu verfolgen, und es wurde Einspruch dagegen erhoben, daß der Haushalt des Luftfahrtministeriums als Rüstungshaushalt angesehen werden könne. Einige Tage später, am 27. April, sprach dieser sein Erstaunen darüber aus, daß man sich ernstlich über den Luftfahrthaushalt beunruhigen könne, dessen Ausgaben nur dazu dienen sollten, die Bevölkerung gegen d i e Luftangriffe zu schützen und die Zivilluftfahrt zu reorganisieren. Noch am 20. Dezember bestritt der Luftfahrtminister, daß das Reich mehr als einige Versuchsapparate besitze. Drei Monate sind seither verstrichen, und der Reichskanzler Hitler ist in der Lage, den britischen Staatssekretär davon zu unterrichten, daß das Reich auf dem Gebiete der Luftfahrt bereits die Gleichheit mit England erreicht habe. Es wird erlaubt sein festzustellen, daß, um zu einem solchen Ergebnis zu gelangen, eine Anstrengung von einigen Wochen, ja sogar von einigen Monaten nicht genügt hätte. Die Dementis und Erklärungen enthalten daher ihren wahren Wert, und die Bestrebungen, die sie enthüllen, ihre wahre Bedeutung. 2. Die Initiativen, an die hier erinnert worden ist, sind ein formeller Bruch der hauptsächlich st en Klauseln des Teiles V des Versailler Vertrages und der später über ihre Anwendung zwischen der deutschen Regierung und den Regierungen der hauptsächlichsten alliierten Mächte auf der Botschafterkonferenz abgeschlossenen Abkommen. An dem systematischen Uebertreten dieser Vertragsartikel war schon lange kein Zweifel mehr erlaubt; aber diese Ueberschrei- tungen waren, so gut wie möglich, verborgen. Heute ist die Verletzung offensichtlich, sie wird nicht bestritten. Der Völkerbund hat die Aufgabe, sich damit zu befassen. Der Völkerbund, der auf Achtung der internationalen Verpflichtungen gegründet und Wächter eines Paktes ist, dessen Präambel anerkennt, daß die Staaten, die „die Zusammenarbeit zwischen den Nationen entwickeln wollen" und „iynen den Frieden und die Sicherheit garantieren wollen", „gewissenhaft alle Verpflichtungen der Verträge in den gegenseitigen Beziehungen zwischen den organisierten Völkern anerkennen" müsse: kann nicht gleichgültig bleiben bei der Behauptung einer politischen Methode, die direkt den Grundsätzen, auf welchen er beruht, und dem Zweck, den er sich gestellt, zuwiderläuft. 3. Bei der Aufnahme Deutschlands in d e n V ö l k e r b u n d hat sich die Versammlung ausdrücklich auf Teil V des Vertrages berufen, um das Militär-, Marine- und Luftfahrt- ftatut festzufetzen, dem das Reich entsprechen müßte; sie hat von einer Erklärung Kenntnis genommen, nach welcher Deutschland „tatsächliche Garantien seiner aufrichtigen Absicht, die Verpflichtungen, die aus den Verträgen und feinen Anhängen hervorgehen, innnezuhalten", gab. Indem die deutsche Regierung diese Bestimmungen, die das MilitärstL-ut regelt, für null und nichtig erklärt, hat sie mit Ueberlegung einen der Faktoren zerstört, auf denen ihre Mitarbeit an der Genfer Einrichtung begründet ist. 4. Indem sie das tut, hat die Regierung des Reiches den Erfolg der internationalen Verhandlungen über d i e Beschränkung der Rüstungen, die unter den Auspizien des Völkerbundes, begründet auf Artikel 8 des Völkerbungspaktes, vor sich gehen, ernstlich gefährdet, obschon die Mächte viele Beweise ihres Willens, den Bestimmungen dieses Artikels zu entsprechen, gegeben hatten. Die französische Regierung muß daran erinnern, daß sie von 1921 bis 1928 die Dienstzeit in Frankreich von drei Jahren auf ein Jahr herabgesetzt habe; daß die für die Verteidigung der Metropole sofort verwendbaren Streitkräfte sich infolgedessen je nach der in Betracht gezogenen Lage um 42 oder um 60 vom Hundert vermindert haben; daß die Ueberfeearmee ihrerseits ebenfalls bedeutende Verminderungen erfahren habe, daß die Ausführung des Luftbauprogramms in ganz schwachem Maße fortgeschritten fei. Ohne Zweifel hatten fick die Schwierigkeiten, die sich einem Erfolg der Genfer Konferenz entgegensetzten, angehäuft. Aber das hat die deutsche Regierung nicht von ihren Verpflick)- tungen befreit. Auch wenn, was die französische Regierung formell bestreitet, die Präambel von Teil V den Charakter und die Tragweite hätte, die man ihr manchmal geben wolle, bleibe nichtsdestoweniger eine wichtige Tatsache bestehen: Welches auch die Schwierigkeiten in der Erfüllung einer Aufgabe seien, die die Maßnahmen der deutschen Aufrüstung noch heikler machen, so haben während der Zeit, wo die Konferenz ihre Verhandlungen weiter verfolgt habe, die Mächte es nicht aufgegeben, die Grundlage für eine internationale Einigung zu suchen. Die französische Regierung ist es sich schuldig, an d i e Vorschläge zu erinnern, die sie schon am 5. Februar 1932 für die Begrenzung der Bombenflugzeuge und ihre Zurverfügungstellung an den Völkerbund und für die Schaffung einer internationalen Macht im Zusammenhang mit der besten Organisation der Sicherheit gemacht hat. Sie erinnert weiter an die Vorschläge, die sie am 14. November desselben Jahres im Hinblick auf die Herstellung eines europäischen Systems der Rüstungs- Verminderung und der internationalen Zusammenarbeit gemacht hat. Sie erinnert an die Erklärung vom 11. Dezember 1932, die die Ge w a h - rung der Gleichberechtigung unlösbar an die Herstellung eines Sicherheits- f t) ft e m 6 bindet. Sie erinnert schließlich daran, daß im Oktober 1933, in einer Stunde, wo die internationale Lage sich bereits zu verdunkeln begann, aus Gründen, für die Frankreich keinerlei Verantwortung trägt, die französische Regierung mit mehreren anderen Regierungen dahin übereingekommen war, ein Arbeitsprogramm vorzuschlagen, das es der Genfer Konferenz erlaubt hätte, nützliche und wirksame Arbeit zu leisten. Es ist wahr, daß nach Kenntnisnahme dieses Programms die Reichsregierung sich für verpflichtet sah, Genf zu verlassen und ihren Austritt aus dem Völkerbund anzukündigen. Es handelt sich um eine brutale Geste, die durch nichts gerechtfertigt war, wie dies der Präsident der Konferenz selbst festgestellt hat. Aber auch nach dieser Geste ist die Arbeit nicht aufgegeben worden. Am 3. Februar dieses Jahres wurde auf die Initiative der französischen und der englischen Regierung hin ein Programm a u f g e ft e 111, das von allen den Frieden dienenden Mächten mit Genugtuung aufgenommen wurde. Dieses Programm hatte s e l b st die Reichsregierung angenommen. Ihre Beschlüsse vom 16. März haben es indessen entschieden gefährdet. Es wäre nutzlos, wollte sie sich auf d i e Maßnahmen berufen, die andere Regierungen sich gezwungen sahen, in ihrem eigenen Lande zu ergreifen, denn diese Maßnahmen würden durch die Entwicklung der deutschen Rüstungen gerechtfertigt. Es wäre nutzlos, wollte sie sich besonders auf die Maßnahmen der französischen Negierung berufen, die, um den aus dem Krieg hervorgegangenen Schwierigkeiten der Rekrutierung zu begegnen, diese Maßnahme hinsichtlich der Dauer der Militärdienstzeit ergreifen mußte, die schon vor fünf Jahren durch die vorbereitende Abrüstungskonferenz als berechtigt anerkannt wurde. Deutschland hat einem internationalen Problem eine einseitige Lösung geben wollen. Die Verhandlungsmethode hat es durch b i e Methode d e r vollendeten Tatsachen ersetzt. Seine Beschlüsse, die mit dem ganzen System der Rüstungsbeschränkung unvereinbar sind, haben für ganz Europa die Frage der allgemeinen Auf- Deutsche Randbemerkungen Die französische Denkschrift an den Völkerbundsrat ist nach ihrem ersten Eindruck, wenn auch in Form einer Anklageschrift, mehr das geschickte Plädoyer für den tatsächlich Beschuldigten. Zu Punkt 1: In ihrer Grundtendenz geht die Denkschrift völlig darüber hinweg, daß sich Deutschland in einer Zwangslage befand und ihm fein Vergehen durch das Verhalten der anderen vorgefchrieben wurde. Auf der einen Seite war es laut Aeußerung französischer Minister seit Jahren klar, daß Frankreich nicht daran dachte, die versprochene Abrüstungsverpflichtung ernstlich durchzuführen. Auf der anderen Seite wurde Deutschland durch ein <5 p i e l mit wechselnden Vorschlägen künstlich hingehalten, um daran verhindert zu werden, an die primitivsten Sicherheitsmaßnahmen für fein Territorium zu denken. In dieser jahrelangen Periode unaufrichtiger Verschleppungen gab es für Deutschland nur eine Möglichkeit und nur eine selb st verständliche Pflicht: notgedrungen alle Vorkehrungen und Vorbereitungen für eine angemessene W e h r so weit zu treiben, daß in dem Augenblick, in dem die letzte Hoffnung schwand, den Versailler Vertrag durch die anderen erfüllt zu sehen, die angesichts Deutschlands Lage unentbehrlichen Rüstungsmaßnah- men schlagartig einsetzen konnten. Diesem offenkundigen Tatbestand wurde in Punkt 1 der Denkschrift direkt Gewalt angetan. Zu Punkt 2: Wenn in der Denkschrift d i e Präambel des Völkerbunds st atuts zitiert wird, die ihren Mitgliedern Frieden und Sicherheit garantiere, dann hat Deutschland seit 1926, dem Beginn der Arbeiten jenes „vorbereitenden Abrüstungsausschusses" bis zum Jahre 1934, also 9 Jahre lang, unermüdlich und vergeblich darum gekämpft, diesen Satz der Präambel auch für f i ch angewend et zu sehen. Wenn also der Völkerbund als „Wärter" Der Verträge Deutschland gegenüber in jahrelangen schweren Verzug geriet, so lag das Daran, daß er untätig zusah, wie die anderen Mächte sich um die eigene Abrüstung drückten und Darüber hinaus ihre Rüstungen überstürzten, ohne ihren jeweiligen Rustungsstand entsprechend dem Völkerbundsstatut anzumelden. Diese Rüstungen wurden vielmehr in aller Heimlichkeit durchgeführt. Zu Punkt 3: wenn sich Deutschland bei Eintritt in den Völkerbund auf das künftige 211111- tärstatut des Völkerbunds verpflichtete, fo hat sich Deutschland fo lange an diefe Zusage gehalten, solange noch der Schimmer einer Hoffnung bestand, daß die anderen Mächte noch daran denken würden, zur loyalen Herstellung eines solchen Statutes zu schreiten. Erst die Ueberzeugung, daß dies im Sinne der Sicherheit für alle nie geschehen würde, gab Deutschland seine r ü ft u n g in ihrer ganzen Schwere aufgeworfen. Der Völkerbundsrat hat die Pflicht, sich über die Verantwor11 ich keit der so geschaffenen Lage und über die Folgen, die sie nach sich zieht, auszusprechen. Er muß auch die Schlußfolgerungen bekanntgeben, die die Regierungen für ihre Abkommenspolitik daraus zu ziehen haben, die den Willen haben, die europäische Sicherheit aufrechtzuerhalten und zu vermitteln. 5. Eine noch bedeutendere Frage muß gestellt werden. In einem Europa, in dem sich die Methode der einseitigen Kündigung internationaler Verpflichtungen verallgemeinern würde, würde es bald nur noch Platz für eine Machtpolitik neben. Keine Verhandlung ist möglich, wenn im Laufe dieser Verhandlungen einer der Teilnehmer das willkürlich an sich reißt, was Gegenstand der Verhandlung ist. Keine Verhandlung ist außerdem nützlich, wenn die Ergebnisse, ganz gleich welcher Art, durch den Willen einer der beteiligten Parteien zerstört werden können. Man sollte dann bei den internationalen Beziehungen von vornherein den Begriff eines Vertrages oder einer Verpflichtung ausschalten. Die Anstrengungen der friedlichen Nationen gehen darauf hinaus, durch die Angriffs-, gegenseitigen Erleichterungs- und Beistandsverpflichtungen zwischen den Staaten ein weites Sy st em der kollektiven Sicherheit zu schaffen. 'Ist es der Mühe wert, diese Anstrengungen sort- zusetzen, wenn zugegeben wird, daß der Verstoß gegen eine übernommene Verpflichtung, fo feierlich sie auch fei, keine anderen Folgen nach sich zieht, als eine moralische Ablehnung, und wenn man keinerlei Risiko eingeht, in dem man sich von seinen Verpflichtungen befreit und der verletzende Staat in der Unbestraftheit eine Ermutigung zu neuen Verletzungen findet? Der Völkerbundsrat kann einer solchen Bedrohung gegen die internationale Ordnung nicht gleichgültig gegenüberstehen, ohne seiner Aufgabe nicht gerecht zu werden. Er hat die Pflicht, ihr entgegen- zutreten, indem er die geeigneten Maßnahmen ergreift, um der heute geschaffenen Lage abzuhelfen und eine Wiederholung zu verhindern. Das sind die Betrachtungen, auf die die französische Regierung die Aufmerksamkeit des Völkerbundsrates lenken möchte. Ueberzeugt davon, daß die Achtung vor übernommenen 23er- pflichtungen jeder friedlichen Nation eine Pflicht ist, ist sie sich der Verpflichtungen bewußt, die die verschiedenen Artikel des Paktes den Mitgliedern des Völkerbundes a u f erleg e n. Sie wünscht das Vertrauen unter den Völkern wiederhergestellt zu sehen und erklärt sich mit allen Regierungen solidarisch, denen an der Festigung des Friedens gelegen ist. Die französische Regierung wartet vertrauensvoll darauf, daß sich der Völkerbundsrat über die ihm unterbreitete ernste Lage ausspricht, daß er über die Gegenwart beschließt und die Zukunft sichert. Die Denkschrift ist von einer Note Lavals vom 9. April an den Generalsekretär des Völkerbundes begleitet, in welcher er sich auf sein Telegramm vom 20. März, durch das er die Einberufung des Völkerbundsrates verlangt hat, beruft. i der französischen Denkschrift. Handlungsfreiheit unbestreitbar und zwangsläufig wieder. Zu Punkt 4: Die Abrüstungsbeteuerungen Frankreichs wirken gerade für Deutschlands Ohren nicht aufrichtig. Während Deutschland auf ein langdienendes Berufsheer von 100 000 Mann feslgelegt war. schuf sich Frankreich eine Armee von viel en Millionen ausgebildeter Reserven. Die Rüstungsmaschinerie arbeitete weiter unter Vervollkommnung aller Waffengattungen, namentlich der für Deutschland verbotenen, und ein unkontrollierbares potentiel de guerre wurde vertragswidrig geschaffen. Wenn sich dem Erfolg der Genfer Konferenz Schwierigkeiten entgegensetzten, so ist die Frage kaum schwer zu beantworten, wer diese Schwierigkeiten schuf. Deutschland hat immer wieder durch neue Entgegenkommen versucht, sie auszuräumen. Dem immer wiederholten Auftürmen neuer Schwierigkeiten stand es schließlich machtlos gegenüber. Peinlich wirkt namentlich die Erinnerung der Denkschrift an den französischen Vorschlag vom 5. Februar 1932, Bombenflugzeuge dem Völkerbund zur Verfügung zu stellen, zumal dies an das Angebot Frankreichs, französische Truppen als Besatzung zur Abstimmung an die Saar zu schicken, gemahnt. Wenn die Denkschrift in diesem Zusammenhang an die bekannte Erklärung vom 11. Dezember 1932 erinnert, so ist durch diese keine Aende- rung der Methoden und Ziele entstanden, denn gerade die willkürliche und einseitige Auslegung des Begriffes „Sicherheit" verhinderte systematisch ein Weitertreiben des Abrüstungsproblems. Zu Punkt 5: Wenn der Grundsatz aufgestellt wird: keine Verhandlung ist möglich, wenn einer der Teilnehmer das an sich reiht, was Gegenstand der Verhandlungen ist, so sprechen alle französischen Aufrüstungs- mahnahmen — zuletzt die Einführung der zweijährigen Dienstzeit — Frankreich das Recht ab, als Anwalt diese These zu vertreten. Wenn Frankreich glaubt, Deutschland an die „Feierlichkeit" feiner in Versailles aufgezwungenen Verpflichtungen erinnern zu sollen, so sei hier nur an die im Schluhprotokoll von Locarno seitens Frankreich ebenso feierlich wie freiwillig übernommene Verpflichtung erinnert, unverzüglich zur Abrüstung zu schreiten. Frankreichs Denkschrift eine Vombe aus den Völkerbund. Scharfe Kritik des „Daily Herald". London, 15. April. (DNB. Funkspruch.) Das Arbeiterblatt „Daily Herald" schreibt: Frankreich habe mit der Veröffentlichung seiner Denkschrift eine Bombe auf den Völkerbund gS- warfen. Gegen jede Entschließung, die auf der französischen Note aufbaue, werde wohl im Völ- kerbundsrat energischer Widerstand erfolgen. Der Völkerbund sei geschaffen worden, um für den Frieden zu sorgen, und nicht, um die Durchführung von Verträgen zu erzwingen. Die Völkerbundsfatzung sehe Strafmaßnahmen nur für ein Verbrechen vor, und zwar, unter Verletzung von Vertragen K r i e g z u f ü h r e n. Die Mächte feien sich etwas spät darüber klar geworden, daß Deutschland sich von den verbleibenden Versailler Einschränkungen befreien könne, ohne sich eine „Strafe" zuzuziehen. Deshalb wollten sie jetzt das Gesetz ändern. Aber der Völkerbund könne Deutschland oder die Friedensverträge keiner Sonderbehandlung unterwerfen. Er müßte sich dann mit allen Vertragsverletzungen befassen. Dies würde eine umfassende Veränderung des ganzen Völkerrechts bedeuten. Außerdem würde aber, falls Vertragsbrüche bestraft werden sollten, ein wirksamer Apparat für die Revision ungerechter oder veralteter Abmachungen geschaffen werden müssen. Wollte man sich darauf beschränken, den Völkerbund zu einem Wächter und Erhalter des Versailler Vertrages zu machen, dann werde man den Völkerbund und das ganze Kollektivsystem torpedieren. Ein„Msterbeisp!eIphmWscher Selbstüberhebung". Lloyd George über die französische Denkschrift an den Völkerbund. N e u y o r k, 15. April. (DNB. Funkspruch.) Im „Neuyork American" jpricht Lloyd George von dem Mißtrauen und der Beklemmung des englischen Volkes über das Versprechen einer moralischen Unterstützung durch die englische Regierung für Frankreich, Italien und der Tschechoslowakei in der österreichischen Frage, falls der von diesen Mächten beherrschte Völkerbund Deutschland der Vertragsverletzung schuldig sprechen sollte. Das englische Volk wolle sich nach den Erfahrungen von 1914 nicht wieder d i e Finger verbrennen. Das französische Dokument, das Deutschland Verletzung der Abrüstungsklauseln des Versailler Vertrages vorwirft, ist ein Glanz- stück arroganter Verstellung. Eine Verletzung dieser Klausel muß man im Gegenteil Frankreich und den Alliierten, der Tschechoslowakei und anderen Nationen einschließlich Italien zum Vorwurf machen, die sich entgegen ihrer Verpflichtungen weigerten, die Rüstungen herabzusetzen, sobald Deutschland abgerüstet habe. Diese Nationen haben ihre eingegangenen Verpflichtungen mit zynischer Geringschätzung behandelt und sich geweigert, irgendwie auf die Appelle deutscher Staatsmänner zu hören. Im Gegenteil erhöhten sie ihre Rüstungen; ihr gegenwärtiger Unwille über Deutschland, weil es sich weigert, die Vertragsklauseln, die von ihren Urhebern gebrochen worden sind, länger als bindend anzusehen, ist eins der Musterbeispiele pharisäischer Selb st Überhebung. Ich verstehe nicht, schloß Lloyd George, wie die britische Delegation solchem Humbug zustimmen konnte. „Anregungen" für Gens? Ein zweites vertrauliches Dokument? Genf, 14. April. (DRB.) Das „Journal des Nations" glaubt zu wissen, daß neben der französischen Denkschrift noch ein zweites vertrauliches Dokument bestehe, daß die Anregungen enthalten soll, die die drei in Stresa anwesenden Mächte zu Händen der Rats- mitglleder und des Berichterstatters im Hinblick auf einen Entfchließungsentwurf des Völkerbundsrates ausgearbeitet hätten. Diese Anregungen seien folgende: 1. Der Rat solle die Unmöglichkeit bekräftigen, rechtlich und tatsächlich den Vertragsbruch in der internationalen Politik anzuerkennen. 2. Der Rat solle sein Bedauern über den Beschluß der deutschen Regierung vom 16. März aussprechen. 3. Der Rat solle die Schaffung eines 3u- ristenausfchusses beschließen, der das Problem des Vertragsbruches prüfen und Vorschläge über die Maßnahmen machen solle, die in Z u- kunftaufverlragsbrüchefolgen müssen. 4. Der Rat solle die Entwicklung der Organisation der Sicherheit durch regionale Pakte auf der Grundlage der gegenseitigen Hilfeleistung Vorschlägen. Heber diese vier Punkte bestehe, so behauptet das Blatt, zwischen den Vertretern Frankreichs, Englands und Italiens Einigkeit. Das alles beziehe sich nicht auf Deutschland, sondern sei allgemein gehalten. England habe seine Zustimmung nicht nur für die automatische Einberufung des Rates, sondern auch für Sanktionen finanzieller und wirtschaftlicher Art für zukünftige Vertragsbrüche gegeben. Heute Beginn der Ratstagung in Genf. Genf, 14. April. (DNB.) Die außerordentliche Tagung des Dölkerbundsrates wird am Montag um 11 Uhr mit einer geheimen Sitzung beginnen, in der die Tagesordnung festgelegt werden soll. Eine 'öffentliche Sitzung wird sich anfchließen. Die zu der Tagung erwarteten Vertreter sind hier eingetroffen, abgesehen von den Abordnungen der aus Stresa in der Nacht zum Montag hier eintreffenden Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens. Unter den Delegierten hat am Sonntag eine Reihe von Besprechungen stattgefunden, die sich insbesondere auf die Ergebnisse der Konferenz von Stresa und auf die Ratstagung bezog. Besonders B e n e s ch und T i t u l e s c u haben eine große Tätigkeit entfaltet. Die französische Denkschrift an den Völkerbund hat in Völkerbundskreisen starken Eindruck hinterlassen. Während man französischerseits seiner Befriedigung darüber Ausdruck gibt, daß die Note sozusagen unverändert geblieben sei, gibt man in neutralen und auch in englischen Kreisen sein Erstaunen kund über b i e Schärfe, mit der gewisse Stellen abgefaßt sind. Man hatte erwartet, daß besonders der englische Einfluß in Stresa die französische Regierung veranlaßt hätte, sich etwas versöhnlicher auszudrücken. Es wird anderseits in diesen Kreisen hervorgehoben, daß die Not keine Vor- schlage enthält und somit dem Völkerbundsrat in dieser Beziehung freie Hand läßt. Die Donaukonferenz. Die Kleine Entente gegen eine Revision der Entwaffnungsbestimmungen. London, 15. April. (DNB.-Funkspruch.) Der Sonderberichterstatter der „Times" in Stresa meldet über die bevorstehende Konferenz in Rom, Großbritannien sei nicht zur Teilnahme verpflichtet; falls es sich aber vertreten lasse, werde es dies nicht als eventueller Suterzeichner, sondern als eine Macht tun, die der Konferenz Erfolg wünsche. Der Vorschlag, Oesterreich, Ungarn und Bulgarien Erlaubnis zur Erhöhung ihrer Rüstungen zu erteilen, stoße noch auf energischen Widerstand der Kleinen Entente. Es heiße, daß Titulescu stundenlang von Montreux nach Stresa telefoniert habe, um einen Druck auf die französische Delegation auszuüben. Mussolini sei mit Festigkeit für die Ansprüche der drei Länder eingetfreten, er scheine dabei nachdrücklich von den britischen Vertretern unterstützt worden zu sein. Der WunschUngarnsnachterritorialerRe- vision bleibe das Haupthindernis, aber der Eindruck sei, daß unter dem vereinbarten Druck von Frankreich und Italien auf ihre besonderen Freunde die Kleine Entente schließlich überredet werden könne, nachzugeben. Ein zweiseitiger französisch-italienischer Lustpakt? London, 15. April. (DNB.-Funkspruch.) Der französische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet aus Stresa, es bestehe Grund zu der Annahme, daß gegenwärtig zwischen Frankreich und Italien über einen zweiseitigen Luftvertrag verhandelt werde und daß mit seiner U n t e r z e i ch - ,n u n g im nächsten Monat auf der Donaukonferenz in Rom zu rechnen sei. Dieser Vertrag könne wahrscheinlich als Vorläufer eines ausgedehnteren französisch- italienischen Abkommens angesehen werden, das sich auf die aktive Verteidigung des Friedens im Donaugebiet beziehen würde. Druifchland hat feinen Willen zur internationalen Zusammenarbeit unter Beweis gestellt. London, 15. April. (DNB. Funkspruch.) Die „Time s" betont, daß in Stresa die Zusammen- arbett zwischen Großbritannien, Frankreich und Italien nicht nur aufrechterhalten, sondern sogar noch enger gestaltet worden sei. Zugleich sei aber die Fühlung der Konferenzmächte mit der wichtig st en abwesenden Nation erneuert worden. Eine gewisse Zweideutigkeit der britischen Politik sei auf diese Weile mehr als wieder gutgemacht worden, denn durch britische Vermittlung habe man die deut- s ch e Zustimmung zu einer abgeänder- ten Form eines östlichen Sicherheitspaktes gewonnen. Das Vertrauen in Europa könne nur langsam wiederhergestellt werden, nach der Erschütterung, die es im vorigen Monat durch die deutsche Ankündigung der Wiederaufrüstung erlitten habe. Großbritannien müsse als Vermittler die deutschen Rechtfertigungsgründe den anderen Mächten gegenüber bei vollem Verständnis für die natürlichen Besorgnisse bis zu einem gewissen Grade vertreten. Das Ergebnis von Stresa sollten die vielen Leute, die Deutschland für einen eingefleischten Gegner jedes Kollektivsystems hielten, beruhigen. Deutschland fei bereits volles Mitglied des Locarnosystems, des b e ft e n Vertrages kollektiver Sicherheit, der bisher erdacht worden sei. Deutschland wünsche ihn auch auf die Luft auszudehnen und sei bereit, an einem vielseitigen Nichtangriffspakt inOsteuropa teilzunehmen. An seiner Ost- wie an seiner West- grenze fei Deutschland auf eine Politik internationaler Zusammenarbeit f e st g e l e g t. Daß dieses Ergebnis ohne jede Schwächung der englifch-französifch-italienifchen Beziehungen erreicht worden fei, fei höchst befriedigend und ermutigend. Zu den Aeußerungen des Kommuniques über „einseitige Vertragsverletzung" bemerkt die „Times", wenn mit Deutschland eine Vereinbarung z u einem früheren Zeitpunkt erreicht worden wäre, dann würde das Niveau der Begrenzung niedriger gewesen sein als jetzt möglich sei. Es bestehe daher um so bessere Aussicht auf ein wertvolles Rüstungsabkommen, je eher es abgeschlossen werde. Jedermann werde den Standpunkt der französischen Regierung teilen, daß amtliche deutsche Erklärungen in den letzten Monaten sich als vorsätzlich irreführend herausgestellt hätten, aber die Begleitumstände änder - t e n zweifellos einen Rechtsfall und jeder Gerechtdenkende müsse anerkennen, daß die Verletzung eines diktierten Vertrages etwas anderes sei als die Verletzung eines in Freiheit abgeschlossenen Abkommens. Neberdies sei Deutschland, abgesehen von dem indirekten Versprechen der ehemaligen Alliierten, ihre Rüstungen zu vermindern, im Jahre 1932 Gleichberechtigung versprochen worden. Wenn die Geheimhaltung der Aufrüstung durch die deutsche Regierung auch zu tadeln sei, so müsse man doch fragen, welche andere Methode in der Praxis für ein entwaffnetes Land möglich sei, dem man die Gleichberechtigung versprochen habe. Oesterreichs, .Ungarns und Bulgariens Wünsche hinsichtlich einer Vertragsrevision haben bei ihrem Bekanntwerden sofort eine lebhafte Tätigkeit Titu- lescus veranlaßt, was dann zu einem Aufschub der Frage führte. Tatsächlich hätten die Winke Titu- lescus die drei Konferenzmächte eingeschüchtert. Wenn sogar die bloße Aeußerung von Wünschen nicht geduldet werde, dann dürfen sich die Leute in ihrer Auffassung bekräftigt fühlen, die der Meinung sein, daß man Gerechtigkeit nur durch Gewaltanwendung erreichen könne. Der Sinbraä in Paris. llsber die „Bekräftigung der englifch-französisch-italienischen Solidarität" ist die französische presse befriedigt. Paris, 15. April. (DNB. Funkspruch.) In großen Schlagzeilen verzeichnet die Pariser Montagspresse als Hauptergebnis der Konferenz von Stresa die „Bekräftigung der englisch-französisch-italienischen Solidaritä t". Alle Blätter geben ihrer Genugtuung über den Ausgang der Besprechungen Ausdruck, obwohl in der Beurteilung der möglichen Auswirkungen der überschwengliche Optimismus, mit dem namentlich der „Petit Parisien" seine Leser überschüttet, bei einigen Blättern, wie dem „Echo de Paris", einer kritischeren Auffassung Platz macht. Die Solidarität der Westmächte wiro jetzt nach Ansicht der Presse eine er ft e Feuerprobe in Genf zu bestehen haben. Mit besonderer Genugtuung unterstreichen sämtliche Blätter die englisch-italienische Erklärung, die einer neuen Bekräftigung der Locarnobestimmungen über die Entmilitarisierung der Rheinzone gleichkomme. Die Verlautbarung über den Abschluß zweiseitiger Luftabkommen veranlassen einige Sonderberichterstatter zu der Feststellung, daß zwischen Frankreich und Italien über einen solchen Pakt, der vielleicht sogar einen größeren Umfang annehmen könnte, schon verhandelt werde. Mit Zufriedenheit wird auch verzeichnet, daß England der f r a nzö s i sch - so w j e tr u s° fischen Politik keine Hindemissse !n den Weg lege. Der „Petit Parisien", der sich erdreistet, in Fettdruck die Stellungnahme des DNB. gegen die französische Denkschrift als ein Gewebe „wahrheitswidriger Behauptungen" zu bezeichnen, schreibt, aus den Beschlüssen von Stresa und den für die Festigung des Friedens sich ergebenden Aussichten gewinne man den Eindruck einer ruhigen Starke, die für die Gegenwart und hoffentlich auch für die Zukunft die Einschüchterungsgesten lähmen werde. Die Vertreter Frankreichs, Italiens und Englands feien nicht nach Stresa gekommen, um eine etwaige Trennung von Deutschland vorzunehmen, sondern um einen Schutzwall gegen Deutschlands „macchiavellistische Umtriebe^ zu errichten. Die Tür bleibe also halb offen, aber der Schutzwall sei so stark und so hoch, daß jeder, der ihn überschreiten wolle, sich verletzen werde. „Oeuvre" schreibt u. a.: In Stresa ist die französisch-italienische Entente besiegelt worden. Deutschland hat die Front der drei Mächte nicht zerschlagen. Es ist diesen indeß gelungen, d i e Tür für etwaige spätere Verhandlungen mit Deutschland offen- zuhalten. Das war das Hauptstreben Englands. Simon und Macdonald sind aber nicht von ihrem Wunsch abgegangen, in Stresa nicht die geringste Verpflichtung zu übernehmen. Das „Echo de Paris" urteilt, England nehme noch nicht aktiv an der Verteidigung gegen Deutschland teil, lege jedoch den gegenseitigen Beistandspakten nichts in den Weg. Auf die energische Opposition Frankreichs und Italiens sei es zurückzuführen, daß England schließlich seine Forderung habe fallen lassen müssen, man möge mit Deutschland nicht zu scharf ins Gericht gehen, um dis Möglichkeit für spätere Verständigung mit Berlin nicht auszuschalten. Man kann aber höchstens sagen, datz die französische Regierung, wenn sie ihre Sache auch nicht gewonnen hat, doch noch nicht verloren hat. Das aber ist herzlich wenig. „E x z e f i o r" schreibt, die Pakte von Stresa kommen nahe an Allianzen heran oder sind Allianzen unter einem anderen Namen. Die große Neuerung liege darin, daß England sie stillschwei-. gend zuläßt. Man soll jedoch die Ergebnisse nicht überschätzen, der moralische Wert ist vielleicht größer als der politische. „F i g a r o" erklärt: Wer ein Wunder von Stresa erwartet habe, werde vielleicht enttäuscht sein. Aber in der Politik gebe es keine Wunder. Wer jedoch gehofft habe, daß die Konferenz in einem für Europa ernsten Augenblick die französifch-englisch-italienische Solidarität wieder Herstellen würde, werde zufrieden fein. Deutschland und der Ostpakt. Oie Reichsregierung erläutert ihre Stellungnahme. Berlin, 13. Aprll. (DNB.) Irreführende Auslegungen in verschiedenen Pressekommentaren haben die Reichsregierung veranlaßt, ihren Standpunkt in der Frage des O st p a k t e s wie folgt zu präzisieren: I. In den Berliner Besprechungen hat der Führer und Reichskanzler der britischen Delegation mitgeteilt, daß die deutsche Regierung zu ihrem Bedauern nicht in der Lage sei, zum Ostpakt in der vorgeschlagenen Form ihren Beitritt zu erklären. Die deutsche Reichsregierung sei demgegenüber aber bereit, einem solchen kollektiven Sicherheitspakt ihre Zustimmung zu geben dann, wenn er 1. sich aufbaue auf gegenseitigen und allgemeinen Nichtangrisfsverpflichtungen und Schiedsgerichtsverfahren; 2. im Falle einer Friedensstörung ein konsultatives Verfahren vorsehe; 3. sei die deutsche Reichsregierung bereit — unter Betonung der Schwierigkeiten der einwandfreien Feststellung eines Angreifers — sich allgemeinen Maßnahmen der N i ch t u n - terstützung eines solchen anzuschliehen. Zu diesem Angebot steht die deutsche Reichsregierung auch heute. II. Der Führer und Reichskanzler hat in dieser Besprechung weiter mitgeteilt, daß die deutsche Regierung nicht in der Lage sei, einem Paktvorschlag zuzustimmen, der, sei es für alle oder für einzelne, mehr oder weniger automatische militärischeBeistandsverpflich- tungen enthalte. Diese sähe darin nicht ein Element der Friedenserhaltung, sondern eher noch e i n Element der Friedensbedrohung. Die deutsche Reichsregierung bekennt sich auch heute zu dieser Auffassung und zu der sich daraus ergebenden Haltung. III. Die Reichsregierung hat sofort nach lieber» nähme der Macht ihren Wunsch ausgedrückt, m i t den umliegenden Staaten Nichtangriffspakte abzuschließen. Sie machte diesen Vorschlag ohne eine eingehende Kennt- n i s bestehender zwei- oder mehrseitiger militärischer Abmachungen einzelner Staaten zu besitzen und ohne jede Bezugnahme auf sie. Da sie selbst keine aggressiven Absichten hegt, fühlt sie sich von wirklichen D e f e n s i v a b k o m m e n auch nicht betraf» f e n. Auch zu dieser Auffassung bekennt fick die deutsche Regierung heute noch. So wenig sie daher in der Lage ist, einem Pakt beizutreten, der solche militärischen Verpflichtungen als ein wesentliches Element seines Inhaltes und damit feiner Existenz enthält, fo wenig können solche außerhalb dieses Paktes liegenden Vereinbarungen die deutsche Reichsregierung behindern, ihrerseits Nichtangriffspakte auf der oben fixierten Basis abzu- fchließen. Dies ist der Sinn der Antwort der deutschen Reichsregierung auf die Frage des könig- lich britischen Botschafters, ob Deutschland bereit sei, einen Ostpakt auf der von i h m selb st angedeuteten Grundlage abzuschließen, auch für den Fall, daß andere Staaten untersichnochbesondereAbmachungen getroffen hätten ober treffen würden. Die deutsche Reichsregierung will aber an dieser Stelle die folgenden Bemerkungen nicht unterdrücken: Die von verschiedenen Regierungen als nötig erachtete Ergänzung von Richtangriffs- und Gewaltausschließungspakten durch militärische Beistandsverpflichtun- gen beruht auf einem Widerspruch in sich. Entweder man glaubt an freiwillig übernommene Verpflichtungen oder man glaubt an sie nicht. Glaubt man an sie, dann ist die Rotwendigkeit solcher militärischen , Abmachungen nicht einzusehen. Zweifelt man aber an der aufrichtigen Einhaltung einer übernommenen Richtangriffsverpflichtung, dann ist dieser Zweifel genau so berechtigt gegenüber der sinngemäßen Einhaltung der ergänzenden militärischen Verpflichtungen solcher Frie- denspakte. Wenn es möglich ist, daß aus Richtangriffspakten Kriege entstehen, ist es ebenso möglich, daß aus defensiven Beistandspakten offensive Angriffs- Handlungen kommen. Rur scheint der deutschen Reichsregierung der Weg vom Ge- waltablehnungs- und Ausscheidungspakt zum gewalttätigen Ariedensbruch ein weiterer zu sein, als der Weg von militärischen Ver- , pflichtungen defensiver Ratur zu einer militäri- ' schen Haltung offensiver Art. Die deutsche Reichsregierung sieht aber nach wie vor in dieser Entwicklung militärischer Bündnisse in Europa kein Element einer kollektiven friedlichen Entwicklung oder gar einer Garantie des Friedens. Sie ist daher auch nicht in der Lage, Pakte zu unterzeichnen, in denen solche Verpflichtungen ein integrierender Bestandteil sind, gleichgültig ob für alle oder für einzelne Teilnehmer. Der vorstehende Standpunkt ist dem britischen Staatssekretär des Aeußeren durch Vermittlung der hiesigen Botschaft amtlich mitgeteilt worden. eine Rauchkenner wissen HENZE-Dfr HANNOVtl Aber was helfen Phrasen und Redensarten Tatsachen müssen sprechen: Steigerung des Monats-Umsatzes innerhalb Halbjahresfrist auf das Fünffache! Damit bewies Lande die Qualität seiner Zigaretten! Neu! Mokri Superb in eleganten 12 Stück-Packungen mit größeren StickereienI Zigaretten gibls viele - aber nur em_ ZEISS-PERI Fuß3 L j L l n Ein rumänisches Städtchen in Flammen. Das rumänische Städtchen Pascain steht Schwere Bluttat in Fronhausen. Ein Toter, ein Schwerverletzter. x Fronhausen (Lah n), 15. April. In der vergangenen Rächt spielte sich hier ein blutiges Eifersuchtsdrama ab. Der 23 Jahre alte Ludwig Felde aus Staufenberg drang mit Gewalt in die Wohnung feiner hier wohnenden Braut ein. Den Schwager des Mädchens, der sich ihm entgegenstellte, verwundete er durch einen Revolverschuh schwer, hierauf erfchohsichder Täter. Das Motiv der Tat ist darin zu erblicken, dah das Mädchen die Verlobung rückgängig machen wollte. Pyrenäenexpreß bei Bordeaux entgleist. Drei Tote, zehn Schwerverletzte. Lin folgenschweres Eisenbahnunglück, das drei Tote und zehn zum Teil schwer Verletzte gefordert hat, ereignete sich in der Rächt zum Sonntag auf der internationalen Strecke hen- daye—Paris. Der sog. Pyrenäenexpreß, der kurz vor 2 Uhr in Bordeaux eintreffen follte, ist etwa 30 Kilometer vorher bei der Durchfahrt durch den Bahnhof Marcheprime entgleist. Von den 13 Wagen sprangen sieben aus den Schienen und wurden umgeworfen oder ineinandergeschoben. Der Zug hatte im Augenblick der Entgleisung eine G e - schwindigkeit von 108 Stundenkilometer. Es ist nur dem Umstand zu verdanken, dah er sich aus modernen Stahlwagen zusammensetzte, dah die Ausmahe des Unglücks nicht noch größer sind. Immerhin wurde ein Wagen erster Klasse gegen einen schweren Granitpfeiler geschleudert und so stark zusammengedrückt, dah es zunächst überhaupt nicht möglich war, den darin befindlichen Schwerverletzten Hilfe zu bringen. Fünf Stunden lang war man bemüht, einen Angestellten der Lisenbahn- gesellschast, dem beide Beine abgequetscht waren, und den man immer wieder durch Spritzen und Lognak stärkte, aus den Trümmern zu ziehen. Als dies endlich gelungen war, konnte man nur noch Ergebnis der Abstimmung unverzüglich späte- stens innerhalb einer Woche nach Feststellung der zuständigen Kreiswaltung der Deutschen Arbeitsfront mitzuteilen. Dabei ist die Zahl der im Betriebe abstimmungsberechtigten Gefolgschaftsmitglieder und die Zahl der Stimmen, die auf die einzelnen als Vertrauensmänner oder Stellvertreter vorgeschlagenen Personen entfallen sind, anzugeben. Die Mitteilung hat auch zu erfolgen, wenn die Abstimmung erfolglos verlaufen ist. Ist inzwischen dem Führer des Betriebes und dem Obmann der NSBO. oder dem Betriebs- walter der Deutschen Arbeitsfront ein Einverneh- men über die vorzuschlagenden Personen nicht erzielt worden oder aus einem sonstigen Grunde ein Dertrauensrat nicht zustandegekommen Die Leiterin Eiehen, Frä oergongenen von Nieder-! leistung, inbt und 26 Mini am Samstas wurde der 1 Weltbestleistt FA1 ihre A wendig Aus aller Welt. so ist auch dies binnen einer Woche nach dem für die allgemeine Abstimmung festgesetzten Zeitpunkt, also binnen einer Woche nach dem 13. April 1935, der Kreiswaltung der Deutschen Arbeitsfront an- z uz ei gen. Oer Führer im Ruhrgebiet. Essen, 14. April, (DNB.) Der F ü h r e r stattete heute dem 88jährigen Parteigenossen und bekannten Wirtschaftsführer Geheimrat Emil Kirdorf auf dem Streithof bei Mülheim (Ruhr) einen Besuch ab und besuchte gelegentlich dieser Anwesenheit im Industriegebiet auch verschiedene Jndustrieunternehmungen in Bochum und Essen. ring gehören sollte, folgte jetzt eine neue Tartar e n n a ch r i ch t, in der von einer schweren Havarie des Luftschiffes gesprochen wird. Tatsache ist, daß das Luftschiff bei unsichtigem Wetter in Recife eine etwas harte Landung gemad)t hat, wobei die als Sicherheitselemente eingeschalteten Puffer der Hinteren Motorengondel beschädigt mürben. Das Auswechseln der Puffer war mit Bordmitteln in einigen Stunden erledigt. Das Luftschiff hat planmäßig seine Rückfahrt angetreten. Am Sonntag um 20 Uhr MEZ. hat das Luftschiff die afrikanische Küste bei Kap Barbas erreicht. Rauchgasvergiftung in einer englischen Garnisonstadl. Ein schweres Unglück ereignete sich in der englischen Garnisonstadt Aldershot. Dort waren auf Veranlassung der städtischen Behörden vier Häuser mit Rauchgasen desinfiziert worden. Allem Anschein nach ist denBewohnern die Rückkehr in die Häuser gestattet worden, bevor die giftigen Gase völlig abgezogen waren. Das Ergebnis dieser Unbedenklichkeit war verheerend. Wenig später waren zwei Kinder t o t und zehn weitere Personen mußten ins Krankenhaus gebracht werden, wo sie in bedenklichem Zustande darniederliegen. Vor den fraglichen Häusern spielten sich bei dem Abtransport der Gasvergifteten herzzerreißende Szenen ab. Die für die Desinfizierung verantwortliche Firm «behauptet, daß Tags zuvor alles in Ordnung und nur noch ein schwacher Geruch wahrzunehmen gewesen wäre. Sie beruft sich darauf, bereits Tausende derartige Vergasungen ohne jeden Zwischenfall vorgenommen zu haben. Wetterbericht des Reid)5n>etterbienfte5 Ausgabeort Frankfurt. An der am Samstag eingedrungenen Kaltluft kam am Sonntag subtropische Warmluft zum Aufgleiten und gab dabei Anlaß zu verbreiteten, recht ergiebigen landregenartigen Niederschlägen, die im Gebirge aus Schnee bestanden. Durch verbreiteten Luftdruckanstiea hat die Wetterlage, im ganzen genommen, eine Besserung erfahren, wenn auch durchaus beständiges Wetter vorerst noch nicht wahrscheinlich ist. Aussichten für Dienstag: Veränderlich mit zeitweiliger Aufheiterung, aber auch einzelnen Regenfällen, tagsüber wieder etwas warm, südwestliche Winde. Lufttemperaturen am 14. April: mittags 6,4 Grad Celsius, abends 3,8 Grad; am 15. April: morgens 1,2 Grad. Maximum 6,5 Grad, Minimum —0,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 14. April: abends 6,5 Grad; am 15. April: morgens 4,6 Grad Celsius. — Niederschläge 3,5 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. . Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Langst für Feuilleton: Dr. Hans Thyviot. für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 35: 11229. Druck und Verlag-: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pft Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr« Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. Flammen. Die vorhandenen Löschmittel genügten nicht, um das Feuer einzudämmen. Der Brand breitete sich über ganze Straßenteile aus. Ueber fünfzig Häuser sind zu Asche geworden. Da auch die Tele- phonleitungen zerstört sind, fehlen noch Angaben über die weiteren Ausmahe der Katastrophe und über Opfer an Menschenleben. In der Nächst Haden sich in Pascain Svenen der Verzweiflung und des Grauens abgespielt. Sämtliche Feuerwehren aus der Umgebung wurden nach Pascain entsandt, ferner Gendarmerie zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Ausländische Märchen über eine angebliche Havarie des „Graf Zeppelin". Der bereits bei der Ueberfahrt des Luftschiffes „Graf Zeppelin" von einem ausländischen Nachrichtenbüro verbreiteten Zeitungsente über einen angeblichen Absturz des Luftschiffes, zu dessen Passagieren auch Ministerpräsident G ö - Verpflichtende Tradition. Zwei Fliegergeschwadern die Namen Bölcke und Jmmelmann verliehen. Berlin, 13. April. (DNB.) Das R e i ch s l u f t- fahrtministerium gibt bekannt: Der Führer und Reichskanzler hat auf Vorschlag des Reichsministers der Luftfahrt General der Flieger Göring, dem Fliegergeschwader in Mecklenburg die Bezeichnung „G eschwader Jmmelmann" und dem Fliegergeschwader in Niedersachsen die Bezeichnung „Geschwader Bölcke" verliehen, um neben dem unvergeßlichen größten Jagdflieger Deutschlands, Freiherr von Richthof e n, auch die gleich ruhmvollen Namen seiner beiden Kameraden in der neu erstandenen Reichsluftwaffe fortleben zu lassen. Der Führer hat den Erlaß vollzogen in der Gewißheit, daß die Geschwader Jmmelmann und Bölcke, durchdrungen von der hohen Bedeutung der ihnen übertragenen Ueberlieferung, sich in G e i st und Leistung der damit verbundenen besonderen Verpflichtung stets gewachsen zeigen. Die Mitteilung von dem Erlaß ist inzwischen durch eigenhändiges Schreiben des Reichsministers der Luftfahrt an die Mutter Jmmelmanns und die Eltern Bölckes gegangen, wobei General Göring seiner besonderen Freude darüber Ausdruck gab, der Uebermittler dieses auch für die Hinterbliebenen ehrenden Erlasses fein können. Gutes Ergebnis der Vertrauensratswahlen. Berlin, 15. April (DNB.) Wie der Reichswahlleiter für die Vertrauensratswahlen 1935, Hauptamtsleiter Claus Seltner, dem „Völkischen Beobachter" über das Ergebnis der Vertrauensratswahlen mitteilte, kann schon jetzt gesagt werden, daß die aus allen Teilen des Reiches vorliegenden Meldungen Ergebnisse aufweisen, welche verglichen mit den Ergebnissen des Vorjahres den Schluß zulassen, daß das Gesamtergebnis für die Vertrauensratswahlen 1935 ein um vieles höheres ist, als es dasjenige im Jahre 1934 war. Das Gelöbnis der Vertrauensmänner. Berlin, 13. April (DNB.) In einer 13. Durchführungsverordnung zum Gesetz zur Ordnung der Nationalen Arbeit wird festgestellt, daß die Ablegung des Gelöbnisses der Vertrauensmänner a m 1. Mai im Betriebe selbst zu erfolgen hat. Das Gelöbnis kann an dem letzten vor dem 1. Mai liegenden Werktag oder an einem der beiden auf den 1. Mai folgenden Werktage abgelegt werden, wenn infolge besonderer betrieblicher Verhält n'i s s e, insbesondere infolge räumlicher Entfernung des Betriebes von dem Ort der allgemeinen Feier des 1. Mai, durch eine vorhergehende Betriebsversammlung die Teilnahme der Betriebsangehörigen an der gemeinsamen Feier der Bevölkerung wesentlich e r - schwert werden würde. Einer besonderen Genehmigung des Treuhänders der Arbeit bedarf es nicht. Die Verordnung sieht weiter eine Verpflichtung der Abstimmungsleiter vor, das den inzwischen eingetretenen Tod feststetten. Die Ursache des Unglücks sott angeblich darin zu suchen sein, daß ein Rad des vierten Wagens sich von der Achse löste. Heimfahrt der deutschen Azorenfahrer. Die deutschen Azorenfahrer haben nach glücklichen Tagen in Ponta Delgada und besonders Horta auf Fayal die Heimreise angetreten. Die deutsche Musterkolonie in horta hatte alles aufgeboten, um den Landsleuten ein unvergeßliches Erlebnis zu verschaffen. Ein deutscher Abend an Bard in beiden Landungsorten mit Vizegouverneur, Polizeipräsident, deutschem Dizekonsul, vielen portugiesischen Ehrengästen und echt deutschem Volkskunstprogramm, sowie andere Veranstaltungen waren Höhepunkte, von denen die Zeitungen spaltenlang und sehr deutschfreundlich berichteten. Das Wetter ist leider trübe und die See bewegt. Die Heimreise führte an der Westküste von Sao Georges vorüber, so daß die Azorenfahrer sieben von den neun Inseln gesehen haben. Dann nahm das Schiff Nordostkurs zum Kanal direkt auf Hamburg zu. Dort wird die Ankunft voraussichtlich am 21. April, mittags, erfolgen, falls der Kanal nebelfrei ist. Schuhhaus fäemfiaxdt 2254D Gießen, Schulstraße 10 Wie nach Maß T umschließt der anatomisch genau konstruierte Siß&l — Schuh HL und Fußgelenk. Der Spezialist für Perivist ist Optiker Magnus Gießen, Seltersweg 33 2243 A Harmonika von Musik-Challier Neuenweg 10 eine liebevolle Hand umfängt die Gelenk-^ stütze den stützbedürf- tigen Fuß. 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Im letzten Jahre und in der letzten Zeit find in den Straßenbahnwagen mehrere Gegenstände wie: Herren- und Damenschirme, Handtaschen, Aktenmappen, Einkaufsnetze, Geldbörsen, Handschuhe, hüte, Stöcke usw. gefunden worden. 2257V Diese Gegenstände bitten wir spätestens bis zum 1.2Nai d. 3. abzuholen, andernfalls dieselben an die minderbemittelte Bevölkerung verteilt werden. Die Gegenstände können während der Bürozeit auf der Verwaltung, hammstraße 35, Zimmer Nr. 2, in Empfang genommen werden. Direktion der Städtischen Straßenbahn Gießen. | Verkäufe | Einige Waggon erstkmssiges Wiesenheu abzugeben. oiWe Hrch. Mittler jr., Mieder-Breidenbach bei Alsfeld. Schmerzen? Jucken? Stechen? Brennen? Dann gebrauchen Sie die seit Jahrzehnten vorzüglich bewährte schmerzsttllende Heilsalbe ßoniarin“ Erhältlich in den „oeniann ■ Apotheken. msV Einspaltige Kleinanzeigen werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Mllllmeterzelle veröffentlicht Statt Karten! 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Segelfluß-Bestleistung in Ikieder-Ofleiben (Aufnahmen: Photo-Pfaff) Die Leiterin des Turnseminars der Aliceschule in Gießen, Fräulein Martha Mendel, erzielte am vergangenen Donnerstag auf dem Segelfluggelände von Nieder-Ofleiden eine ausgezeichnete Segelflugleistung, indem sie nicht weniger denn 11 Stunden und 26 Minuten in der Luft blieb. Wir berichteten am Samstag bereits eingehend darüber. Der Flug wurde der Deutschen Luftsportkommission als eine Weltbestleistung gemeldet, die zweifellos durch die FAI ihre Anerkennung finden dürfte, da die notwendigen Voraussetzungen erfüllt waren. Das Handball-Turnier in derGießenerVolkshalle Bild :•??«: 47 Mannschaften traten zu dem gestern von der Gießener Turnerschaft veranstalteten Hallen-Handball-Turnier an. Ein Blick in die Volks. Halle während der Eröffnungsfeier am Nachmittag. Unten links: Die beiden Gießener Mann- schäften, die im Lokalkampf das Endspiel der Gruppe I bestritten. Stehend die Mannschaft der Spielvereinigung 1900, kniend die Vertretung des VfB.-Reichsbahn Gießen. Die Mannschaft der Spielvereinigung 1900 Gießen stellte nach einem hart- näckigen Kampf den Sieger Unten rechts: Die Siegermannschaft der Gruppe II, die Mannschaft des Turnvereins Hörnsheim. \ 2 M Z v / 8 Bezirks-Radrennen Gießen—Marburg—Gießen. A V;'- i. ■ Ti 1 i V - A W UW i I f - 7 Links oben: Die Klaffe der aktiven Fahrer unmittelbar nach dem Start auf der Grünberger Straße. Rechts oben: Die Fahrer auf der Strecke in der „Tiefenbach". Die Spitzengruppe (im Vordergrund) hat sich bereits einen erheblichen Vorsprung gesichert. Links unten: Während der Siegerehrung. Der Bezirks-Straßen- fahrwart August Deibel, Gießen (im Bilde rechts), hält eine kurze Ansprache. Rechts unten: Der Sieger des Rennens, der Dortmunder Neumann, der mit knappem Vorsprung die Strecke von 50 km in 1:45,40 Stunden bewältigte. (Aufnahmen: Neuner, Gießener Anzeiger.) ii Ktmffwrnkampf der Gau« Südwest, Mittelrhein und Nordheffen. Am gestrigen Sonntag wurde der Kunstturnkampf der Gaue Südwest, Mittelrhein und Nordhessen in Koblenz ausgetragen. Es gab sehr knappe Resultate. Südwest siegte mit 992 Punkten vor Mittelrhein mit 976 Punkten und Nordhessen mit 971 Punkten. Bei Nordhessen mußte Wedekind ersetzt werden. Wir berichten noch eingehend über diese Veranstaltung. Das Ergebnis der Ostpreutzenfahrt. 152 von 454 Fahrern bestehen die Prüfung. Nur noch 36 Fahrzeuge blieben nach der zweiten Tagesschleife der Ostpreußenfahrt strafpunktfrei. Insgesamt sind bisher 283 Teilnehmer ausgeschieden. In der Klasse für Seitenwagenmaschinen bis 600 Kubikzentimeter (Lizenzfahrer) und in der Klasse der Personenwagen bis 1200 Kubikzentimeter (Lizenzfahrer) sind überhaupt keine Fahrer mehr im Wettbewerb. 15 Fahrer standen die Ostpreußenfahrt für Auto und Motorräder ohne Strafpunkte durch. Sie erhielten für ihre großartigen Leistungen die Goldene Medaille. 99 Einzelfahrer wurden mit der Silbernen Medaille und 14 mit der Bronzenen Medaille ausgezeichnet. Insgesamt beendeten nur 152 Teilnehmer von 454 gestarteten die Fahrt. !lm den deutschen Handball-Pokal. Jlorbmarf gewinnt. Handball-Pokalmeister wurde der Gau Nordmark, der die Mannschaft des Gaues Brandenburg in Magdeburg vor 5000 Zuschauern sicher mit 10:6 (5:1) besiegte. Es ist damit das erste Mal, daß eine norddeutsche Auswahlmannschaft den Deutschen Handball-Pokal erringen konnte Radfernfahrt Berlin -Cottbus- Berlin Das erste große Straßenrennen Deutschlands in der neuen Saison, die Radfernfahrt Berlin—Cottbus —Berlin über 260 Kilometer, wurde bei den Berufsfahrern von Ku t sch b ach (Berlin) in 7:30,50 Std. von S t ö p e l (Berlin), Stach (Berlin) und W a u tz (Berlin) gewonnen. Bei den Amateuren kam Wendel (Schweinfurt) in 7:16,00 Std. vor Scheller (Bielefeld), Blankenburg (Berlin), Schultenjohann (Dortmund) und Weiß (Berlin) als Erster ein. Rund 250 000 Zuschauer ' umsäumten die Rennstrecke. Oer letzte aus Goethes Geschlecht. 3u Walther von Goethes 50. Todestage am 15. April. Von Wilhelm Kunze. Am lö. April sind fünfzig Jahre vergangen, seit Goethes Geschleckt erlosch. Der älteste Enkel Goethes starb im Alter von siebenundsechzig Jahren zu Leipzig in einem bescheidenen Hotel. Zwei Jahre vorher war, ebenfalls in Leivzig, sein jüngerer Bruder Wolfaang, dreiundsechziy- jährig, verstorben. Sie waren die Söhne der Ottilie von Goethe gewesen, der Gattin Augusts, sie hatten eine Schwester Alma 1844 durch den Typhus verloren und überlebten ihre Mutter um mehr als zehn Jahre. Beide blieben unverheiratet und verbrachten ihr Leben in einer merkwürdigen Zurückgezogenheit. Wenn je davon gesprochen werden kann, daß ein Genie denen, die ihm nachfolgen, die größten Schwierigkeiten bereite, so müssen die Enkel Goethes dafür als Zeugen auftreten. Es lag nahe, daß die Brüder in Versuchung geraten würden, den Namen durch eigene künstlerische Leistungen in Glanz setzen zu wollen. Der jüngere Wolfaung versuchte sich als Dichter und brachte bei dem Verleger seines Großvaters einige Dichtungen heraus; später wandte er sich wissenschaftlicher Arbeit zu und schrieb u. a. eine Arbeit über das Florentiner Konzil. Er starb als Legationsrat a. D. Sein Bruder Walther betätigte sich auf musikalischem Gebiet als Komponist, er schrieo Lieder und Opern, etwa zweiundzwanzig Nummern umfassen seine „Opera". Aber beiden blieb der Erfolg, den sie erhofft haben mochten, versagt. Sie hatten die Anwartschaft auf eine exponierte Stellung im künstlerischen und kulturellen Leben ihrer Zeit, man schaute mit besonderen Augen auf sie — aber sie waren den Ansprüchen, die man an sie zu stellen hatte, nicht gewachsen. Vielleicht war das Bewußtsein ihrer Unfähigkeit, einem Erbe gewachsen zu sein, das so große Ansprüche stellte, der Grund ihrer Zurückgezogenheit. Sie werden als menschenscheu, als verängstigt geschildert, und Walter von Goethe war es noch mehr als sein Bruder. Er habe schon in seinem Wesen und in seinem Gehaben den Eindruck eines Menschen gemacht, heißt es von seinen letzten Lebensjahren, der mit anderen nichts zu tun haben wolle. Einer seiner Zeitgenossen schiwert ihn als gesellig und geistreich, aber stets habe ihn eine gewisse Aengstlichkeit beherrscht. Diese Aengstlichkeit bezog sich freilich auch auf die ihm und seinem Bruder anvertraute Hinterlassenschaft seines Großvaters, die in wichtigen Familienpapieren und in dem Haus am Frauenplan zu Weimar bestand, in dem er die oberen Dachstuben bewohnte. Die Brüder haben zeitlebens von den ihnen zugefallenen Schätzen, die der Goetheforschung so wichtig gewesen wären, nichts auch nur leihweise hergegeben! Aber sie haben das Vorhandene sorgsam beisammengehalten, sie haben es bewahrt und bewacht mit einer ans Religiöse grenzenden Pietät. Als Gründe für die Zurückhaltung des ganzen familiären und ihren Großvater persönlich betreffenden Materials wird Verschiedenes angegeben: Einmal: Die Brüder sollen anfänglich, da sie freigebiger waren, manches verloren haben. Zum anderen: Walther von Goethe soll befürchtet haben, es würden die persönlichsten Dinge aufgewühlt werden, und davor hatte er die größte Abneigung. Walther hatte zu Leipzig Musik studiert, war dann, wie sein Bruder, Kammerherr zu Weimar geworden und hatte sich der Pflege der klassischen Musik gewidmet. 1839 wurde in Weimar eine Oper von ihm aufgeführt, er berichtete darüber selbst in einem Brief an seinen Lehrer Carl L o e w e : „Die Musik hat allgemein gefallen, und mein Debüt ist ein vollkommen gelungenes zu nennen... Ich bin voll Mut und werde mich nun an eine große Oper in drei Akten machen, denn ich fühle nun einmal hauptsächlich Beruf, für die Bühne zu schreiben." Das klinat hoffnungsfreudig, und man merkt es dem Tonfall an, daß Walther von Goethe damals erst — einundzwanzig Jahre zählte! Er ahnte noch nichts von dem Schicksal, das ihn und seinen Bruder mit den Jahren vereinsamen lieh. Die Baronin Jenny von G u st e d t, die in persönlichen Beziehungen zum Hause Goethe gestanden hat, hatte 1883 nochmals Weimar besucht: „Auch den letzten Lebenden, den er (Goethe) hinterließ, besuchte ich noch einmal", schreibt sie und spricht davon, mit welchem Eifer sich die Goetheforschung um die Aufhellung von Kleinigkeiten aus Goethes Leben bemühe. „Die Welt forscht und sucht nach Goethe- worten und behauptet, sie würden noch nach Jahrhunderten dieselbe Bedeutung haben wie zu seinen Lebzeiten. Aber das lebende Vermächtnis Goethes, seine beiden Enkel, vergaß man." Daß dieses Vergessen nicht ohne Schuld der Brüder möglich geworden war, wird uns deutlich, wenn man einen Mann wie Herman Grimm, der einer der ersten Goetheforscher und Goetheverehrer seiner Zeit gewesen ist, über die Sache sprechen hört: „Man gab auf, Einfluß auf sie haben zu wollen. Sie fielen der Vereinsamung anheim, aus der sie der Tod erst spät erlöste." Mit dem Tod Walther von Goethes und mit dem Erlöschen des Geschlechts trat für die Goetheforschung ein bedeutsamer Wendepunkt ein. Durch Walthers Testament war plötzlich alles hinfällig geworden, was man bislang an Klagen und Vorwürfen vorgebracht hatte. Denn dieses Testament setzte als die Erbin des bisher streng verschlossenen literarischen Nachlasses Goethes die Großherzogin Sophie von Sachsen ein, die sofort eine neue Ausgabe von Goethes Werken vorbereiten ließ („Sophien - Ausgabe"). Sie schuf auch das Goethe-Schiller-Archiv. Goethes Haus am Frauen- vlan hatte der Enkel dem Staate vermacht und dabei eine bedeutende Summe zur dauernden Instandhaltung verfügt. Zu diesem Haus gehörten auch Goethes Sammlungen und die nahezu unberührten Wohnräume. Der Großherzog Karl Alexander erbte das Gartenhaus Goethes im Park mit dem dazugehörigen Garten, der jedoch in seiner Eigenart erhalten bleiben und mit dem Park selbst nie vereinigt werden sollte. So kann man behaupten, daß der Todestag Walther von Goethes der Tag ist, mit dem die Goetheforschung begann und mit dem Goethe erst dem deutschen Volke zugänglich gemacht werden konnte. Eröffnung einer neuen reichshauptstädtischen Ausstellung durch Neichsminister Darrs. Die Deutsche Frühjahrsblumenschau Berlin 19 35 wurde am Samstagmittag in der Ausstellungshalle 1 am Kaiserdamm durch Reichsminister Darrs eröffnet. Die einzigartige Schau soll dem deutschen Menschen Mittler sein zu dem unerschöpflichen Reichtum und Lebenswillen, der in der Pflanze und in ihrem Lebensraum überzeugend zum Ausdruck kommt. Die Eröffnungsfeier fand in Anwesenheit zahlreicher in- und ausländischer Ehrengäste statt. So sah man viele Mitglieder des Diplomatischen Korps. Unter den deutschen Ehrengästen sah man Reichsminister K e r r l, den Reichsführer SS Himmler, die Staatssekretäre Dr. S t u ck a r t vom Reichsinnenministerium und Backe vom Reichsernährungsministerium, den Staatskommissar Dr. Lippert, Oberbürgermeister Dr. S a h m und den Reichskommissar der Freiwilligen Krankenpflege, Gruppenführer Herzog von Coburg. Der Veranstaltung wohnte ferner u. a. auch der Präsident des Danziger Senats Greiser bei. Nachdem die Ouvertüre zur Oper „Oberon" verklungen war, nahm Stadtrat Pfeil, der Dezernent der Reichshauptstadt für Gartenbau, das Wort zur Begrüßungsansprache. Er wies auf die enge Verbindung des Menschen zur Natur hin und auf die Bemühungen, gerade den Großstädtern recht viel Möglichkeiten zur Freude und Erholung an den lieblichen Geschöpfen, den Blumen, zu verschaffen. Diesem Bemühen diene auch die Reichshauptstadt mit ganzem Wollen und ganzer Hingabe. Als besonderen Wunsch der Stadt Berlin für die Ausstellung bezeichnet es der Redner, daß die schönen Beispiele gärtnerischer Blumenkunst eine besondere Anregung und Förderung sein möchten für die Bestrebungen, die Arbeitsstätten für die großstädtischen Arbeiter, Angestellten und Beamten zu verschönen, wie es sich das Amt für Schönheit der Arbeit in der Deutschen Arbeitsfront als besondere Aufgabe und Ziel gesteckt hat. Werde dieser Zweck neben der anderen Aufgabe dieser Aufstellung, der Förderung des deutschen Erwerbsgartenbaues, erreicht, so werde damit der Erfolg der Ausstellung gesichert sein. Es folgte die Eröffnungsansprache des Reichsministers und Reichsbauernführers R. Walter Darrs. Der Minister bezeichnete es einleitend als einen glücklichen Gedanken der Deutschen Gesell- Wirischast. Wochenbericht vom Frankfurter Produktenmarkt. An den Frankfurter Getreidemärkten war in der letzten Woche die Absatzentwikklung etwas zurückhaltend. Seitens der Landwirtschaft ist angesichts der starken Inanspruchnahme für die Feldarbeiten die Beschickung der Getreidemärkte wesentlich geringer, doch stand durch Genossenschaften und Handel in ausreichendem Maße Brotgetreide zum Verkauf. Die Mühlen sind immer noch wenig aufnahmefähig, da hier nach wie vor beträchtliche Vorräte liegen. So hat sich am Brotgetreidemarkt die Nachfrage für Weizen zu Mahlzwecken kaum belebt, schwerere Qualitäten waren aber immerhin unterzubringen. Das Weizenangebot Wetterauer Herkunft war in der letzten Woche ziemlich klein, natürlich blieb anderer Weizen im Großbezuge angeboten. Das Geschäft in Roggen kam nur recht zögernd in Gang, hier ist das Angebot größer. Für Roggen in Waggonware bestand übrigens etwas mehr Aufnahmeneigung, was vielleicht mit den geringe- fchaft für Gartenkultur und des Berliner Aus- stellungs- und Messeamtes, mit der großen Ausstellung „Vom Wunder des Lebens" eine Frühjahrsblumenschau zu verbinden. Es bestehe aller Anlaß, in Stadt und Land das yarten- kulturliche Leben als ein wertvolles Teilstück unserer deutschen Kultur überhaupt zu pflegen. In glücklichster Weise könnte der Gartenbau Bindeglied zwischen Stadt und Land sein. Die Grundlage nationalsozialistischer Bauernpolitik sei das Streben, den Blutquell unseres Volkes rein und gesung zu erhalten. Das Versickern dieses Blutstromes in den Städten nach Möglichkeit aufzuhalten, könne nur geschehen, wenn in den Städten gesündere Lebensverhältnisse geschaffen würden. Zur Durchführung aller dieser Ziele und Aufgaben sei ein starker Gartenbau unentbehrlich. So sei es selbstverständlich gewesen, den Gartenbau in den Reichsnährstand hineinzunehmen. Im Rahmen der Erwerbs^weige nehme der Gartenbau eine besondere Stelle ein. Besonders wertvoll mache ihn die Tatsache, daß die Arbeitsintensität fast ausschließlich auf menschlicher Arbeitskraft beruhe. Der Gartenbau könne schon auf klein st en Flächen Familien erhalten und dazu noch fremden Arbeitskräften Lohn und Brot geben. Wenn man sich entschlossen habe, auch dem Gartenbau im Hinblick auf die Bedeutung seiner Aufgaben und auf seine besonders starke Abhängigkeit vom Marktgeschehen die Möglichkeiten zur Marktordnung zu geben, so werde gewartet, daß diese Marktordnung eindeutig unter dem Gesichtspunkt der Bedarfsdeckungswirtschaft erfolae. Im wei- teren Verlauf seiner Ausführungen begrüßte es Reichsminister Darrs besonders, daß die Deutsche Gesellschaft für Gartenkultur nun auch in gemeinsamer Arbeit mit der Deutschen Arbeitsfront durch deren Amt für Schönheit am Arbeitsplatz dem deutschen Gartenbau ein besonders dankbar zu- emvfindendes Arbeitsfeld zu erschließen beginne, dessen Bedeutung für die geistige Einstellung unserer werktätigen Volksgenossen noch nicht zu übersehen sei. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied bildeten den Ausklang der Feier. Nach einem Rund- gang unter sachkundiger Führung öffneten sich die Pforten der Ausstellung für das Publikum. ren Lagermöglichkeiten zusammen hängt. In Futtergetreide hat sich die Lage kaum ver- ändert, die Nachfrage nach Futtermitteln blieb ziemlich groß. Im allgemeinen waren Hafer und Fauttergerste im Austausch gegen Oelkuchen und Soyaschrot erhältlich. Sie waren nur spärlich am Markte. In ausreichenden Mengen waren Weizen und Roggen zu Futterzwecken und Eosinware an- geboten. Das Mehlgeschäft war wie in der Vorwoche recht ruhig, es waren nur geringe Geschäfte zu tätigen. Weizenbrotmehl fand immer noch guten Absatz, dagegen herrschte für Roggenmehl Zurückhaltung. Wochenbericht vom Frankfurter Gchlachtviehmarkt. Mit zunehmender Nachfrage in den Metzgerläden war auch in dieser Woche die Kaufneiaung an den Diehmärkten gut. Der Auftrieb war mit 1036 Rindern gegen 1150 etwas geringer, der ganze Bestand war aber diesmal ausverkauft. Vom Großrindermarkt waren sowohl Bullen als auch Ochsen wesentlich weniger beschickt. Dies wirkte sich in einer leichten Preisverbesserung aus, die jeweils etwa 1 RM. bei der amtlichen Notierung pro Zentner Lebendgewicht ausmachte. Besonders gute Qualitäten erzielten wieder gute Preise. Dabei war trotz Ausverkaufs des Auftriebes das Geschäft nicht recht Stott, da bei der vorherrschenden Preistendenz dis Metzger nur zögernd mit ihren Zuschlägen folgten. Der Auftrieb in Kälbern war gegen die Vorwoche mit 1833 gegen 1368 erhöht. Trotzdem blieb das Geschäft ziemlich lebhaft, und die Preise lagen nochmals 3 bis 4 RM. über der Steigerung in der letzten Woche. Der Kälbermarkt war jedesmal aus- verkaust. Der Markt für Hämmel und Schafe hatte guten Absatz, aber etwas Ueberstand. Beste Sorten erzielten nochmals erhöhte Preise, die mittleren Sorten waren unverändert. Schweine verzeichneten ruhiges Geschäft, die Nachfrage war mittel bis ruhig, doch wurde die gesamte Beschickung bei ab-- flauendem Markkschlusse noch ausverkauft. * Frankfurter Maschinenbau A G. vorm. Pokorny & Wittekind, Frankfurt am Main. In der Bilanzsitzung am Samstag wurde beschlossen, die 35. ordentliche Hauptversammlung auf Den 8. Mai 1935, um 11 Uhr, in die Räume der Deutschen Bank und Diskontogesellschaft Filiale Frankfurt a. M. einzuberufen. Noch 258 418,61 Mark Abschreibungen schließt das Geschäftsjahr 1934 mit einem Gewinn von 131 267,81 Mark ab. Es wird vorgeschlagen, daraus eine Dividende von 6 v. H. (—) zur Verteilung zu bringen. * Ilse Bergbau A G. in Grube Ilse N. L. Die Generalversammlung genehmiate den Abschluß. — Der Brikettabsatz in Den drei ersten Monaten des laufenden Geschäftsjahres habe sich auf 512 000 Tonnen gegen 452 000 Tonnen in Der entsprechenden Vorjahreszeit und die Briketterzeu- gung auf 563 862 gegen 543 073 Tonnen belaufen. Mein-Mainische Mittagsbörse. • Freundlicher. Frankfurt a. M., 13. April. Zum Wochenschluß setzten sich die Kursbefestigungen trotz einiger Glattstellungen auch am Aktienmärkte fort Verschiedene Dividendenerhöhungen, ober auch Neuaufnahmen von Ausschüttungen regten an. Auf der anderen Seite blieb das Tempo der Aufwärtsbewegungen doch hinter den Erwartungen zurück, da erneut die Frage der Exportförderung und der Exportbelastung erörtert wurde. Dies verursachte bereits vielfach Tauschoperationen von Aktien in Renten. Renten lagen an sich weiterhin stimmungsmäßig fest und yatten auch leichte Kurssteigerungen. Altbesitz gewannen 0,50, Kommunal-Umschuldung wieder 10 Df., Späte Schuldbücher 0,25 v. H., Zinsvergütungsscheine behauptet. Von Auslandsrenten blieben Mexikaner beachtet, Goldmexikaner 0,25, Silbermexikaner 0,13 v. H. fester. Auch für Pfandbriefe bestand bei teilweiser Erhöhung von 0,13 bis 0,25 v. H. Nachfrage. Liquidationspfandbriefe sehr gut gehalten. Am Aktienmarkt IG. Farben in Ausnahme zu den übrigen Marktgebieten auf 147,75 nach 148,50 abgeschwächt, Goldschmidt zogen 0,40, Me« tallgesellschckst 0,75, Erdöl 0,13 v. H. an. Am Elektromarkte Schuckert um 1,25, Gesfürel auf Grund der erhöhten Dividende 1,50, Lechwerke auf den Abschluß 0,50 und AEG. 0,25 v. H. an. Von Zell- stoffwerten Aschaffenburger auf den Gewinnabschluß hin 0,90 v. H. höher, aber Waldhof ruhig und nur knapp gehalten. Schiffahrtswerte wieder lebhafter. Hapag und Nordd. Lloyd je 0,50 fester. Montan- werte vereinzelt lebhafter. Harpener durch eine zuversichtlichere Dividendenbeurteilung um 1 v. H. erholt, sonst Stahlverein 1,25, Mannesmann 0,75, Buderus 0,65 v. H. fester. Angeregt durch die Auto- Union-Dividende waren auch Daimler 1 v. H. höher gesucht, sonst gewannen AKU. 1, Cement Heidelberg 0,50, Reichsbank 0,50 v. H. Im Freiverkehr waren Badisch-Elsäsiische Wolle bei 32, also 2 v. H. höher gesucht. Der Wochenschluß war fest. Das Interesse für Schiffahrtswerte war größer, Nordd. Lloyd um weitere 0,65 gebessert. Daimler noch 0,25 höher. Bei Verkehrswesen blieb Angebot überwiegend, der Kurs war 81 B. Renten behaupteten ihre Festigkeit, Schweizer Renten unverändert. Silbermexikaner um nochmals 0,13 höher. Tagesgeld wieder 2,5 v. H. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 15. April. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 1266 Rinder (337 Ochsen, 101 Bullen, 514 Kühe, 314 Färsen), 1204 Kälber, 101 Schafe, 7790 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 28 bis 40 Mark, Bullen 25 bis 38, Kühe 16 bis 39, Färsen 28 bis 40, Kälber 34 bis 60, Hämmel 34 bis 38, Schafe 25 bis 34, Schweine 38 bis 52 Mark. — Marktverlauf: Rinder mittelmäßig, Kälber lebhaft, Hämmel, Schafe und Schweine langsam. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samstagnachmittag geschlossen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o.H., Lombardzinsfuß 5 v.H. Frankfurt 0.2JL Berlin Frankfurt a. M Berlin Frankfurt a. M. Berkin Schluß« kurs Echlußt. Abendbörse Schluß« kurs Echlußt. Mittag« börle Gchluß- kurs Schluß». Abendbörse Schluß« kurs Echlußt. Mittag- börse Schlußkurs Schlußk. Abend- böste Schluß« kurs Schlußk. Mittag« börse Datum 12.4. 13-4. 12-4 13.4. Datum 12.4. 13.4 12-4 13.4. Datum 12-4- 13.4 12-4. 13.4. 6% Deutsche Netchsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 6¥i% Doung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Echuld mit AuSlos.-Rechten ....... 100,13 97,6 102 112,25 100 97,5 96 100,1 92,5 115,25 96,25 100,4 101 96 96 105,9 25,75 1,13 7,35 6,5 6,65 12,25 8,5 100,13 97,75 102,25 112,75 100 97,75 96,13 100 92,5 115,25 96,25 100,65 101 96 96 105,9 26 1,13 7,13 6,5 6,65 8,5 100,25 97,6 102,4 112,13 100 97,25 115,65 101,2 96 96 105,9 26,25 1,13 7,1 6,35 6,5 12,4 100,? 97,7^ 102,2 5 112,7 100 97,5 115,5 101,5 96 96 105,9 26,5 1,13 7,13 6,3 6,75 12,5 4% deSgl. Serie 11 ............. 5% Rumün. vereinh. Rente v. 1903 4^r°/s»Rumän.vereinh.Rentev.lS13 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2 y4% Anatolier ............... 8,5 4,5 6,65 4 33,5 32 33,4 81,5 107,25 86,75 89,75 89,75 159,5 36,65 136 109,25 124,75 88 121 105,65 150 122,5 136,25 107,25 104 124,25 91,5 78 8,5 4,4 6,65 4,1 33,5 32,5 34 81 107,25 88 90 90 160 36,9 136 108,5 123,75 89 122 106,5 122,25 95 107,13 105,4 125,75 92 78,5 8,7 4,5 6,5 4,05 33,25 32,25 33,5 81,13 107,75 86,5 89,75 89,75 159,5 36,75 136,13 108,75 124,75 87,5 121,25 122,5 105,75 149,9 122,75 94,5 107 104,13 93,75 154 124,5 91,25 78» 25 4,5 6,5 4,1 33,4 32,75 27,5 34,75 81 107,75 88 90 90 159,75 37,25 136,25 108,75 125,5 88,75 122,5 122,25 106,5 150,25 123 95,4 107,13 105,9 95,9 153,5 126 92,75 78,75 ManSfelder Bergbau.........8 Kokswerke........... 5 Phönix Bergbau.......... O Rheinische Braunkohlen .....12 Rheinstahl................ 8% Vereinigte Stahlwerke........O Otavt Minen ......... O 100 211,65 107,25 79,75 15,13 112 113,25 157 148,5 213 105,25 110 96 91 120 52,25 115,5 112,75 81,65 93,5 153,5 34,75 ■5 36 93,25 169 107,75 80,5 112,5 113,75 148 214 105,65 109,5 96,9 91,5 120,5 53,4 112 82,5 93,9 152,5 34,75 148,5 35,75 93,5 169 100 107,5 212 107,25 79,75 15,25 112,5 113,75 157,5 148,65 105 109,9 96,13 91 107,5 52,5 115,5 112,4 81,9 128,65 93,5 154 87,13 35 244 162 147,5 3^ 100,5 108,5 217 108,4 81 15,4 112,5 114 158 147,9 105,5 109,13 96,75 91,4 107,75 53,25 116 112,25 82,25 128 94,25 152,5 88 35,25 242,5 161,5 148,5 35,75 168 4x/i% Deutsche Retchspostschahan- Weisungen von 1934, 1....... Hamburg-Amertta-Paket .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz- und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................0 Dresdner Bank..............0 Reichsbank ................ 12 A.E.G......................0 Bekula.................... 10 Elektr.Lieferungsgesellschaft... 5 Licht und Kraft ........... 6 y2 Felten & Guilleaume.........0 Gelellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........5 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co........... 4 Siemens L Halske............7 Lahmeyer L Co.............. 7 Buderus ....... 0 Deutsche Erd«..............4 Gelsenkirchener....... 0 Harpener...................0 Hoesch Eisen—Köln-Neuesie« .. 0 Ilse Bergbau ...............- Ilse Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke .............fü ManneSmann-Röhre«...... 0 6% efjem.8% Hess. Bottsstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ Kaliwerke Aschersleben........ 6 Kaliwerke Westeregeln........6 Kaliwerke Salzdetfurth.....7% I. G. Farben-Jndustrie.......7 Scheideanstalt............ 9 4%% ehern. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 5’/±% ehern. Hess. LandcS-Hypo- thekenbanl Darmstadt Liaui ... 4%% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverichr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten .......... Rütgerswerke...............4 Metallgesellschast.............4 Philipp Holzmann....... O Zementwerk Heidelberg ......6 Zementwerk Karlstadt ... ... 4 Schultheis Patzenhofer .......4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O Bemberg...................O Zellstoff Waldhof............O Zellstoff Aschaffenburg .......O Dessauer Gas ........ 7 Daimler Motoren ............ O Deutsche Linoleum...........6 Orenstetn L Koppel...... O Westdeutsche Kaufhof.........O Ehade.............. O Aecumulatoren-Fabrik.......12 Conti-Gumnn...............8 Gritzner....................O Mainkraftwerke Höchst 4 Süddeutscher Zucker........ t Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten *y2% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 5Yz% ehem. 4’/2% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriefe....... 5%% ehem. ”4*4% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe..... 4 y2% ehem. 8% Pr. Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 *y2% ehem. 7% Pr. Landespfand- briefanst., Gold Komm. Obl.VI Steuergutsch.Berrechnungsk. 35-89 4% Oesterreichische Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4l/2% desgl. von 1913.......... 5% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadchahn-Anleihe Serie 1..................... Banknoten. Devisenmarkt Berlin — j rankfurt a.2!L 12. April 13. April Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Buenos Atrec 0,658 0,662 0,658 0,662 Brüssel..... 41,98 42,06 41,98 42,06 Rio de Jan. . 0,201 0,203 0,201 0,203 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 53,65 53,75 53,59 53,69 Danzig..... 81,10 81,26 81,10 81,26 London ..... 12,015 12,045 12,00 12,03 HelsingforS.. 5,305 5,315 5,305 5,315 Paris ...... 16,38 16,42 16,38 16,42 Holland .... 167,89 168,23 167,53 167,87 Italien..... 20,68 20,72 20,68 20,72 Japan ...... 0,702 0,704 0,702 0,704 Jugoslawien. 5,649 5,661 5,649 5,661 Oslo.....: 60,38 60,50 60,32 60,44 Wien....... 48,95 49,05 Lissabon.... 10,90 10,92 10,90 10'92 Stockholm... 61,96 62,08 61,89 62,01 Schweiz .... 80,72 80,88 80,72 80,88 Spanien.... 33,92 33,98 33,93 33,99 Prag....... 10,365 10,385 10,37 10,39 Budapest ... — — Neuyork... 2,482 2,486 2,476 2,480 Berlin, l3.Äpril Geld —M Amerikanische Noten.............. 2,428 2,448 Belgische Noten.................. 41,82 41,98 Dänische Noten ................. 53,38 53,60 Englische Noten ................. 11,965 12,005 Französische Noten ............... Holländische Noten............... 16,32 167,12 16,38 167,78 Italienische Noten................ 20,76 2(b84 Norwegische Noten .............. 60,11 60,35 Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten............... — — Schwedische Noten............... 61,68 61,92 Schweizer Noten................. 80 24 80,56 Spanische Noten................. 33'46 33,60 Ungarische Noten Nr. 89 Drittes Blatt GiehenerAnzefger (General-Anzeiger für Oberhessen) Montag. 15. April 1935 Aus der Provinzialhauptstadt. Adebar. Seit uralter Zeit wurzelt der Storch — in Niedersachsen „Adebar", das ist „Seelenträaer" oder „Glücksbringer", in der Magdeburger Börde „Au- der", in der Lüneburger Heide „Heinoder" genannt — tiefer im deutschen Volkstum, als ein anderer Vogel. Der Storch ist ein fast mythologisches Tier, em Frühlingsbote, ein Schützer der ehelichen Treue. Er bewahrt Haus und Hof, auf dem er nistet, vor Brand und Blitzgefahr und bringt Kindersegen-, wer ihn tötet, dem verdorrt die Hand. Wenn einst der Turmwächter des fränkischen Weinstädtchens Kitzingen vom Luginsland des Falterturms das Nahen des ersten Storchs durch einen Hornruf und das melodische „Kinds- liedl" ankündete, stand ihm ein Krug „Herrenwein" zu; die Jugend von Obernburg am Main aber umtanzte in Ringelreihen den ' roten „Almosen- turen", auf dem seit Jahrhunderten ein Storchennest steht, und begrüßte den glücklich heimgekehrten Freund mit dem Gesang alter „Storchenlieder". Es ist der einzige Botel, der zur Paarungs- und Brutzeit die menschliche Gemeinschaft sucht, die er sonst, wie alle freilebenden Tiere, flieht. Die Ursachen dieser ungewöhnlichen Erscheinung kennen wir nicht. Aber es liegt ohne Zweifel etwas Besonderes und Geheimnisvolles in diesem Verhältnis von Storch zu Mensch. Brehm berichtet, daß er bei seinen Reisen in Mittelafrika den kleinen schwarzen Abdimsstorch in der gleichen, engen Verbundenheit mit den Bewohnern des Landes angetroffen habe, wie sie bei seinem größeren Artgenossen unter uns in Erscheinung tritt; jener nistete auf den Dächern der niedrigen Kugelhütten und in den Wipfeln des Affenbrotbaumes der Dorfstraße. Erst im Lauf von Jahrtausenden ist der weiße Storch, wie der Hausstorch zur Unterscheidung von dem schwazen Waldstorch genannt wird, vom Baumbrüter zum Dachbrüter geworden; im But- jadinger Land in Oldenburg, wo Strohdächer fehlen, nistet er auch heute noch auf den Bäumen, die bei genügender Kronenstärke auch wohl mehrere Nester tragen. Auch in manchen anderen Landschaften ist die Zahl der Baumnester beträchtlich, von 15 445 im Jahre 1905 in Ostpreußen, dem eigentlichen deutschen Storchenland, gezählten Nestern standen 1063 auf Bäumen. Das frischgebaute Nest hat einen Durchmesser von etwa einem Meter, wächst aber, da es alljährlich neu ausgebaut und ergänzt wird, von Jahr zu Jahr; man kennt hundertjährige Nester in Deutschland von mehr als zwei Meter Breite und fast drei Meter Höhe. Das Gelege- besteht meist aus vier Eiern, die Bebrütung währt dreißig Tage. Schon am ersten Tage wirft der flaumige Jungstorch den Kopf auf den Rücken zurück und versucht zu klappern — noch ohne Erfolg, da die Weichheit des Schnabels keinen vernehmbaren Laut hergibt, erst am sechsten Tage wird er hörbar. Bei vier Jungen haben die Alten täglich etwa 3,5 Kilo Nahrung herbeizuschaffen. Tagesgericht: braune und grüne Frösche, als Zukost Blindschleichen, Eidechsen, Mäuse, Maulwürfe, zuweilen auch ein Fisch, ein Junghäschen, ein Kaninchen oder Eier und Junge von Bodenbrütern. Am siebzigsten Tage sind die sorgsam behüteten Jungstörche flugbar, dann ist aber auch der Fortzug nach dem Süden nicht mehr fern: „St. Gertraud heißet uns Willkomm, Mit St. Jakob fliegen wir davon!" Ende Juli sammeln sich die Störche in Scharen auf Wiesen oder Niederungen, sie halten Generalappell und tägliche Flugübungen im Geschwaderverband ab, doch gehört das „Storchengericht", das man in diesen Ansammlungen erkennen will, in das Gebiet der Fabel. Die wehrhaften Störche treiben Individuen, die Zeichen der Entartung zeigen, mit Schnabelhieben aus ihrem Kreis, wobei es zu tödlichen Verletzungen kommen mag. Bleibt dann ein Toter zurück, so ist der Mensch, der auch im Tierleben gern menschliche Züge sucht, Oie Deutsche Arbeitsfront. Ortsgruppe Gießen-Ost. In der Zeit vom 16. bis einsckl. 24. April 1935 füllen die Sprech- und Zahlstunoen auf dem Geschäftszimmer der Ortsgruppe aus. Die Zellenwal- ter haben dafür zu sorgen, daß ihre Blocks bis zum 25. d. M. restlos abrechnen. In Fällen, wo dies nicht geschieht, wird der Zellenwalter persönlich zur Verantwortung gezogen. Die Blockwalter können am Montag, 15. April 1935, etwa noch fehlende Marken in Empfang nehmen. Die DAF.-Mitglieder der Ortsgruppe Gießen-Ost werden darauf aufmerksam gemacht, daß Beitragsrückstände bis zum 25. April restlos bezahlt werden müssen, da sonst die Mitgliedschaft erlischt. Sollte der Beitrag in den nächsten Tagen nicht erhoben werden, dann kann derselbe am 2 5. April 19 3 5 (Donnerstag), ab 17 Uhr, auf dem Geschäftszimmer der Ortsgruppe, Licher Straße 17, bezahlt werden. NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude". Großer Andrang zu den Ferien- führten von „Kraft durch Freud e". Wie schon öfter darauf hingewiesen, ist die Teilnehmerzahl an den Ferienfahrten von „Kraft durch Freude" in diesem Jahre wesentlich größer als im Jahre 1934. Es ist damit zu rechnen, daß bis Mitte, spätestens Ende Mai sämtliche Fahrten über den ganzen Sommer hinaus durch die Voranmeldungen ausverkauft fein werden. Nochmalige ausdrückliche Bitte an alle diejenigen, die eine Fahrt mitmachen wollen: schon jetzt Ferien einteilen und auf unserer Geschäftsstelle, Schanzenstraße 18, Zimmer 10, voranmelden. Voranmeldungen je Person 3 Mark, welche dem Gesamtfahrpreis angerechnet werden. Die Ferienzüge nach dem Allgäu vom 20. bis 28. Juni und vom 19. bis 26. Juli sind bereits überfüllt und gesperrt. Es werden also zu diesen beiden Urlaubszügen keine Voranmeldungen mehr entgegengenommen. * A n unsere Kameraden in allen Betrieben! , Am Freitag, 2 6. April, also Freitag nach Ostern, hält Professor Temesvary im großen Hörsaal der Universität einen Einführungsoortrag über die „Neunte Sinfonie" von Beethoven. Der Eintritt ist für jedermann frei. Anschließend findet eine Chorprobe statt, der auch jeder zuhören kann. Die „Neunte Sinfonie" ist wohl das volkstümlichste Werk Beethovens. Wenn Herr Professor Temesvary trotzdem einen Einführungsvortrag hält, so nur deshalb, um auf besondere Feinheiten des Werkes aufmerksam zu machen. Wir verweisen schon jetzt auf diesen Vortrag, damit unsere Ortswarte alle Volksgenossen auf die einzigartige Aufführung am 30. April aufmerksam machen können. heidelbergfahrt. Wir bitten alle Teilnehmer der Heidelbergfahrt, den Betrag von 5 Mark pro Person (für Kinder 3 Mark) auf das Konto NSG. „Kraft durch Freude" Nr. 5085 bei der Bezirkssparkasse Gießen bis spätestens 20. April einzuzahlen. Die Beträge können natürlich auch von den Ortswarten und Betriebswarten gesammelt direkt eingezahlt werden. Für die auf der Bezirkssparkasse erhaltene Quittung können alle Teilnehmer die Fahrkarten auf unserer Geschäftsstelle, Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 10, ab Mittwoch, 24. April, gesammelt oder einzeln abholen. Wir machen alle auswärtigen Fahrtteilnehmer darauf aufmerksam, daß der Fahrpreis von 5 Mark nur von Gießen aus gerechnet ist. Wir teilen aber heute schon mit, daß die Reichsbahn um 75 v. H. verbilligte Karten zur Anfahrt ausgibt. geneigt, jenen als Opfer eines „Strafgerichts" anzusehen, wodurch die Sage vom „Storchgericht" entstanden ist. Wohl aber sind wiederholt und einwandfrei Fälle festgestellt worden, in denen Storchweibchen, die von ruchloser Hand untergelegte Enten- oder Gänseeier ausgebrütet hatten, vom eigenen Gatten und anderen Störchen getötet worden sind. Dank der planmäßigen Beringung zahlreicher Jungstörche durch die Vogelwarten Helgoland und Rossitten kennen wir die Reisewege unserer Störche nach dem Süden Afrikas leidlich genau: über Spanien, Gibraltar, Marokko im Westen,, über den Balkan, Kleinasien, Aegypten im Osten; sie vermeiden also die Hochalpen und die Weite der offenen See und weichen dem Mittelmeer zu beiden Seiten aus. Eines Morgens erheben sich die Scharen, die nicht selten mehr als 1000 Köpfe zählen, in buntem Gewimmel hoch in die Luft, in gewaltigen Zügen und herrlichen Flugbildern umkreisen die Auswanderer noch einmal die Aufenthaltsstätte, dann ordnet sich das Geschwader zum Abflug; in prächtigen Spiralen schrauben sie sich höher und höher, bald sind sie am Horizont entschwunden — dem neuen Frühling entgegen! Stempelabgabe für Automaten, Musikwerke und Radioapparate. Die Polizeidirektion Gießen macht darauf aufmerksam, daß alle Personen, die in Bahnhöfen, öffentlichen Wirtschaften, oder anderen öffentlichen Orten und Plätzen Verkaufs- oder Wieg-Automaten, Kraftmesser und sonstige Automaten, die zur Unterhaltung des Publikums dienen, aufstellen wollen, dies zuvor dem Kreisamt Gießen anzumelden und die vorgeschriebene Stempelgebühr zu entrichten haben. Diese Regelung erstreckt sich auch auf die in Gaststätten usw. aufgestellten Radioapparate, Klaviere und Musikwerke. Klaviere, die ausschließlich zu Vereinszwecken benutzt werden, sind stempelfrei. Sie müssen jedoch durch Aufschrift, oder durch einen an gut sichtbarer Stelle angebrachten Hinweis „Benutzung nur dem Verein.........zu Vereinszwecken gestattet" versehen sein. Die Polizeibeamten sind angewiesen, auf Beachtung dieser Vorschriften genauestens zu achten Eieraufkauf nur mit Genehmigung. Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit: Händler und sonstige Gewerbetreibende, wie Bäckereien, Kolonialwarengeschäfte usw. dürfen Eier vom Erzeuger nur dann kaufen, wenn sie im Besitze eines Uebernahmescheines für Eier sind. Diese werden ausgestellt vom Eierverwertungsverband Hessen, Frankfurt a. M., Bockenheimer Landstraße 55, Fernsprecher 72 357, der auch jede Auskunft über den Verkehr mit Eiern erteilt. Der Uebernahme- schein ist beim Aufkauf stets mitzufuhren. Gewerbebetriebe, die ohne Uebernahmeschein Eier vom Erzeuger kaufen, machen sich nach § 11 des Gesetzes vom 20. Dezember 1933 strafbar. Es wird dringend davor gewarnt, gegen dieses Gesetz zu verstoßen, da in jedem Falle Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erfolgt. Auch die Gendarmerie- und Ortspolizeibehörden kontrollieren die Einerhändler, wie auch dauernd aus Märkten, Bahnhöfen und in Geschäften Stichproben vorgenommen werden. Bestrafungen wegen unerlaubten Handels mit Eiern führen unter Umständen dazu, daß den Betroffenen der Handel mit Eiern für dauernd verboten wird. Vornotizen. — Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Reichsparteitagfilm „Triumph des Willens". — Gesellschaft Liebig- museum: 18 Uhr im Hörsaal des Liebigmuseums Mitglieder-Versammlung. — Klavierabend Georg Kuhlmann. Zugunsten des Gießener Studentenwerks gibt am morgigen Dienstagabend im Studentenhaus der Frankfurter Pianist Georg Kuhlmann einen Klavierabend. Die Vortragsfolge bringt klassische und romantische Meisterwerke von Bach, Mozart Chopin und Schumann. (Siehe Anzeige vom Samstag.) Oer Turmbau der katholischen Kirche im Gange. (Aufnahme: Neuner. Gießener Anzeiger» Der Bau der katholischen Kirche an der Liebigstraße wird gegenwärtige stark gefördert. Nachdem die Arbeiten am Untergrund und in den Grundmauern erledigt sind, konnte nun der Turmbau in Angriff genommen werden. Der Turm wächst nun allmählich empor und hebt sich schon deutlich heraus. — Unser Bild zeigt den Neubau der katholischen Kirche in seinem gegenwärtigen Stand. Ein vermißtes Mädchen unter mysteriösen Umständen aufgefunden. Im Gießener Anzeiger vom 10. April berichteten wir, daß die 15 Jahre alte Marie Hengst aus Kinzenbach seit Donnerstag, 4. Avril, vermißt werde, nachdem sie zum letzten Male an jenem Tage gegen 18 Uhr auf der Gießener Messe auf Oswaldsgarten gesehen worden war. Das Mädchen ist nunmehr am vorgestrigen Samstagnachmittag kurz nach 16 Uhr in dem Wagenschuppen der Viebertalbahn auf einer seit etwa 2 Jahren außer Betrieb gesetzten und im hintersten Teile der Halle stehenden Lokomotive aufgefunden worden. Wie das Mädchen dorthin gekommen ist und welche Begleitmomente dabei eine Rolle spielen, unterliegt der polizeilichen Nachforschung. Wie wir von Augenzeugen bei der Auffindung des Mädchens hörten, vernahmen die in der Wagenhalle beschäftigten Arbeiter bereits am Freitagnachmittag ein leises Wimmern, das sie sich aber nicht erklären konnten. Am Samstagnachmittag kurz vor Arbeitsschluß hörten sie dieses Wimmern wiederum, und diesmal deutlicher als am Tage vorher. Sie gingen nun den Klagetönen nach und stellten dabei fest, daß das Jammern aus dem Führerstand der abgestellten alten Lokomotive kam. Die beiden Seitenfenster des Führerstandes waren mit Brettern vernagelt, die rückwärtige Seite des Standes befand sich dicht an der Hallenwand, und auch hier sollen die Fenster des Führerstandes geschlossen gewesen sein. Die sofort benachrichtigte Polizei war rasch zur Stelle und brach die Bretterverschalung an dem verschlossenen Führerstand auf. Konzert des Bauerfchen Gesangvereins. Die Zeitverhältnisse meinen es mit unseren Männergesangvereinen nicht besonders gut. Aus den verschiedensten Gegenden kommen Klagen über Mit- aliederschwund, schlechten Probenbesuch, Austritte unterstützender Mitglieder und dergleichen mehr. Kaum, daß es den Vereinen möglich ist, ihren verschiedenen Pflichten gegenüber der Allgemeinheit nachzukommen, geschweige denn, daß sie em Konzert abhalten können. Das ist tief bedauerlich. Wer glaubt, daß es für das Vereinsstreben genügt, wenn der Chor an einer öffentlichen Veranstaltung teiL- nimmt, der ist im Irrtum. Auch die Werwngs- fingen können das Konzert mcht voll ersetzen. ©ejDif) haben sie einen hohen, besonders erzlehenschen Wert. Die Vereine erproben dabei gegenseitig ihre Kräfte, und ihre Leistungen werden fachmännisch bewertet. Von größter Bedeutung ist dabei die Pflicht, nur einwandfreies Liedgut zu bringen Das Gemeinschaftsgefühl wird gefördert und findet fernen fmn= fälligen Ausdruck in den Maffenchoren. Und doch kann es das Konzert nicht ersetzen, und zwar aus folgenden Gründen: Beim Konzert steht der veranstaltende Verein allein im Mittelpunkt des Geschehens. Jeder Sanger ist sich seiner Verantwortung bewußt. Don ihren Leistungen hängt das Gelingen ab. Das Durchstehen durch die ganze Folge ist nur dann gewährleistet, wenn treue und aufopfernde Arbeit von selten der Sänger und des Leiters vorausgegangen ist. Kem Verein, der nicht technisch und musikalisch ourch- gebildet ist, kann es wagen, ein Konzert erfolgreich zu bestreiten. Wer die vorausgehende fleißige Arbeit etwa als Drill bezeichnet, der hat noch nie am eigenen Leibe eine arbeite« und schaffensfrohe Chorstunde miterlebt. Ohne Fleiß kein Erfolg. Sanger und Leiter sind sich bewußt, daß sie das dem Werk und seinem Schöpfer schuldig sind. So bedeutet das Konzert die Krönung ehrlichen Schaffens und will zugleich Vorbild fein dem schwächeren Bruder, der sich hier gern Anregung zu eigenem erfolgreichen Schaffen holt. Der Bauersche Gesangverein ist einer der wenigen Vereine, die, einer guten Ueberliefe- rung treubleibend, Jahr für Jahr ein Konzert ab- halten. Zwar ist die Zeit auch an ihm nicht spurlos vorübergegangen. Die Reihen des auch letzt noch stattlichen Chores haben sich etwas gelichtet, das ist aber nicht seine Schuld. Auch heute noch stellt der Verein einen Klangkörper vor, der sich hören lassen kann. Besonders klangschön sind die prachtvollen Bässe, die im wahren Sinn des Wortes das Fundament des Vereins bilden. Gegen sie treten die Tenöre zurück, hie und da ist der zweite Tenor etwas matt, der erste Tenor zeigt stellenweise Neigung zum Sinken. („Auf, bleibet treu", „Vesper".) Es mag dies an der wechselvollen Witterung liegen, der ja erfahrungsgemäß unsere Tenöre besonders ausgesetzt sind. Aber abgesehen von diesen wohl zufälligen Erscheinungen zeigte sich der Chor als ein besonders dynamisch sehr biegsames und tonlich spannfähiges Instrument, das eine so anspruchsvolle Fplge wohl meistern kann. Es wurde auch deutlich und lautrein gesprochen. Dem Volkslied in den verschiedensten Bearbeitungen war mit Recht ein großer Raum Vorbehalten, denn aus ihm ziehen ja unsere Sänger in der Hauptsache ihre musikalische Nahrung. Hier soll besonders auf das ganz meisterhaft bearbeitete Volkslied von Ludwig „Schönster Abendstern" hingewiesen werden. Die kanonische Durcharbeitung des Mittelteils ist einzigartig. Leider sind die harmonischen Schwierigkeiten so groß, daß sich nur wenige Chöre an das Lied heranwagen können. In Auffassung und Dynamik wurde es sehr aut wiedergegeben. Neben den Volksliedern sang Der Verein, noch eine Reihe guter älterer und neuerer Chöre. Unter ihnen ragt hervor der „Sommermorgen" von Rein. Es ist dies einer von den Chören, die gesungen noch viel mehr darstellen als an dem Klavier. Das einprägsame Schreitmotiv beherrscht fast das ganze Stück. Seine Verbreiterung gegen den Schluß hm wirkt sehr eindringlich. Alle Stimmen haben etwas zu sagen und was besonders erfreulich ist, warme Herzenstöne sind vernehmbar. Hier bot der Chor eine geschlossene Leistung nach jeder Seite hin. Die Darstellung durch den Leiter war vorzüglich. Gleiche Höhe erreichte vielleicht noch „Innsbruck, ich muß dich lassen". „Pilger auf Erden" und „Vesper", zwei bearbeitete Jnstrumen- talstücke, hätten wohl besser am Anfang gestanden. Sehr schön war die dynamische Gestaltung. Leider waren die Tenöre nicht mehr ganz auf der Höhe. Den Beschluß machten ein frisch gesungener Kanon von Mozart und ein nach außen hin sehr wirkungsvoller Chor von Finken „Verschütt", der wiederholt werden mußte. Den größten Anteil an dem guten Gelingen der Veranstaltung hat ohne Zweifel der temperamentvolle Leiter des Chores, Herr Professor Temesvary, der mit sicherer Hand seine Sänger um all die Klippen zu dem Erfolg führte, der seine Bestätigung in dem reichen Beifall der Zuhörer fand. In dem von ihm geschriebenen Chor: „Auf, bleibet treu zeigt er sich als empfindsamer Musiker, der eine nicht gewöhnliche Sprache spricht. Fräulein Gehrig (Sopran) aus Frankfurt fang Lieder und Arien von Schubert, Brahms, Mozart und Lortzing. Sie verfügt über eine zwar nicht sehr große, aber besonders in den hohen Lagen wohlgebildete Stimme. Störend wirkte das am Anfang zu starke Tremolo. Es ist der Reinheit nicht günstig, steht auch dem schlichten „Heidenröslein" nicht zu Gesicht. Sehr gut war die Gestaltung der einzelnen Stücke, ebenso die recht gepflegte Sprache. Der herzliche Beifall zwang zu einer Zugabe. Es war erfreulich, daß man wieder einmal einen Bläser als Solisten hörte. Herr (Brau vom Stadttheaterorchester spielte eines der herrlichen Werke für Klarinette von C. M. v. Weber mit schönem Ton und guter Technik. Die Solisten wurden am Flügel von Prof. Temesvary zuverlässig begleitet. — a — ,/Der Kaiser und der Löwe/' Am Frankfurter Schauspielhaus wurde Walter Erich Schäfers Schauspiel „Der Kaiser und der Löwe" uraufgeführt. Der Kaiser ist Friedrich Barbarossa, der Löwe Herzog Heinrich von Sachsen und Bayern, zwei Repräsentanten echten deutschen Fürstengescklechts, aber doch ungemein verschieden in ihren Auffassungen von den wahren Interessen der deutschen Nation. Friedrichs Blick ist nach dem Süden gerichtet, nach der Cäsarenkrone, Heinrich dagegen spielt mit dem Gedanken eines nordischen Reiches, und die Geschichte bat ihm Recht gegeben, denn nach zähestem Ringen um Italien ist Barbarossa schließlich so weit wie am Anfang, während Heinrich bis nach Pommern vorgedrungen ist und sich ein mächtiges Reich geschaffen hat. Allerdings muß er es ständig und immer wieder verteidigen, darf feine Lande nicht verlassen, wenn er seine Grenzen unversehrt erhalten will. Darum verweigert er auch dem Kaiser die Gefolgschaft nach Italien, als sich die lombardischen Städte erheben, und wird dafür in die Acht erklärt. Die Folge ist ein verzweifelter Bruderkampf, der mit der Verwüstung Westfalens endet, denn der Löwe gab nicht nach. Wir stehen erschüttert vor dieser schicksalsschweren Zeit der Bruderkämpfe und mißgeleiteter deutscher Männerkraft. Die Darstellung war ausgezeichnet. Robert Taube als Barbarossa und Ernst Sattler als Heinrich der Löwe stellten Gestalten mannhafter deutscher Fürsten auf die Bühne. Auch Walter K i e s l e r als Erzbischof von Köln und Joachim Gottschalk als Erzbischof von Magdeburg machten ihre Sache ausgezeichnet. Erwin Th au er als Hans Jordan und Hermann Schömberg als aufbrausender Markgraf von Brandenburg verdienen ebenfalls lobende Erwähnung. Die einzige weibliche Rolle der Kaiserin Beatrix' lag bei Hanni Hößrich in guten Händen. Das Stück fand starken Beifall und wird feinen Weg über die deutschen Bühnen machen. L. Zeitschriften. — Das Goethewort „Wir müssen alle schlechte Arbeit hassen lernen wie die Sünde", ist das Motto zum Frühlingsheft des „I n f e l s ch i f f s". Aus dem reichen Inhalt feien zunächst die Beiträge genannt, die aus einem aktuellen Anlaß hervorgingen: der berühmte Pianist Edwin Fischer spricht über Bach, Adolf von Grolman über Bachs Lebensgeschichte von Charles Sanford Terry, die der Insel- Verlag in neuer Auflage herausbringt; Händels Wesen und Werk in Aussprüchen seiner Zeitgenossen; Bettina in ihren Briefen. Aus dem neuen Geschichten - Bande von Timmermans finden wir die merkwürdige Anekdote vom Trommler Karle- mann, vom König Leopold und vom Friedhof der Elefanten. Weiterhin etliche Proben aus unveröffentlichten Rilke-Briefen. „Die Geschichte von der Weiberlist, die über die Männerlist siegte" aus dem demnächst erscheinenden „Arabischen Märchen". Ein Auffatz über Hanseatentum im kaiserlichen Deutschland aus einer Monographie der Stadt Bremen von Georg Bestell. Dazu Gedichte von Rudolf Alexander Schröder, Friedrich Schnack, Otto Freiherrn von Taube und Erika Mitterer. Hochschurnochrjchien Professor Dr. Robert Fricke, Ordinarius für organische Chemie an der Universität Greifswald, ist in gleicher Eigenschaft an die Technische Hochschule in Stuttgart versetzt worden. Professor Dr. R. Stucken, Ordinarius für Sozialwissenschaft an der Universität Jena, bat den an ihn ergangenen Ruf an die Universität Leipzig abgelehnt. Professor Dr. Adolf Hammer st ein, Ertra- ordinarius für Mathematif an der Universität Berlin, ist zum ordentlichen Professor an her Universität Kiel ernannt worden. Die ordentlichen Professoren 3nh. Sohotta (Anatomie), O. v. Franguö (Frauenheilkunde), H. Göppert (Industrie- und Handessrecht - A. Pflüger (theoretische Physik), F Hausd r'f (Mathematik) und A. B o >'a e r t (Zoologie) sämtlich an der Universität Bonn, sind entpflichtct worden. Oberheffen. 3m Streit mit der Mistgabel erstochen. LPD. Friedberg, 14. April. Auf dem im Kreisort Büdesheim gelegenen Hofgut gerieten zwei Melker in Streit, in dessen Verlauf der sine namens Angermund seinem Kameraden Rothen mit einer Mistgabel einen Stich in den Hals und in den Kops versetzte. Die Verletzung war so schwer, daß Rothen kurz nach seiner Einlieferung ins Hanauer Krankenhaus starb. Er hinterläßt eine Witwe mit zwei Kindern. Die Staatsanwaltschaft Gießen hat Angermund verhaftet. Landkreis Gießen. Z Steinbach, 14. April. Rach der Neuordnung der Konfirmationstermine fand am Sonntag Judica die Vorstellung und Prüfung der diesjähri- rigen Konfirmanden statt. Hier sind es dieses Jahr 19 Konfirmanden gegen 28 im vorigen Jahre, 9 Knaben (15) und 10 Mädchen (13). Am heutigen Sonntage Palmarum fand die Konfirmation unter starker Beteiligung der Gemeinde statt. Der Pfarrer sprach in seiner Konfirmationsansprache über Psalm 43, 3 im Anschluß an das Bild des Konfirmandenscheins, das eine Bibel mit brennender Kerze zeigt. Die Konfirmanden sangen unter Leitung ihres Lehrers Klücker bei der Feier droi Chöre. In Albach fand am Palmsonntag die Prüfung und Vorstellung der Konfirmanden statt, die Konfirmation ist dort am 2. Osterfesttage. + Grünberg, 14. April. Am heutigen Palmsonntag fand in der Stadtkirche die Konfirmation statt. Die Konfirmationshandlung wurde von Pfarrer Matthäus geleitet, der als Text feiner Predigt Jefaias 30, 21 gewählt hatte. Zur Einsegnung kamen 57 Konfirmanden — gegenüber 71 im Vorjahre —, und zwar 28 Knaben und 29 Mädchen. Davon entfielen 21 Knaben und 16 Mädchen auf Grünberg. Von den Filialgemeinden waren aus Lehnheim 3 Knaben und 5 Mädchen, aus Lumda 2 Knaben und 8 Mädchen und aus Stangenrod 2 Knaben und 2 Mädchen. Der Musikverein und der Männerchor wirkten bei der Feier mit. * Dorf-Gill, 13. April. Bei der Eier- sammlung in unserem Orte zum Besten der NSV. wurden von den Sammlerinnen vom BdM. insgesamt 345 Stück gesammelt. Kreis Hriedberg. LPD. Friedberg, 14. April. Der seitherige Leiter der hiesigen Aufbauschule, Oberstudiendirektor Dr. K n i e r i e m, hat vom Reichs- und Preußischen Minister für Wissenschaft und Erziehung einen Ruf als P r o f e s s o r auf den Lehrstuhl für Geographie an der Hochschule für Lehrerbildung in Frankfurt a. d. Oder erhalten. Er hat den Ruf angenommen. LPD. Bad-Nauheim, 13. April. Das Hessische Staatsbad hat den Plan, die hessische Volkstracht bei den Brunnenmäochen wieder einzuführen und damit ein altes schönes Brauchtum neu zu beleben. Eine derartige Einführung wird den vielen in- und ausländischen Kurgästen einen Einblick in eine unserer schönen deutschen Sitten und Gebräuche geben. Kreis Lauterbach. * Angersbach, 14. April. Vor etwa 4 Wochen verunglückte die 7 Jahre alte Schülerin Marie Schad, die Tochter eines hiesigen Landwirts, beim Spielen in der Schulpause dadurch schwer, daß das Kind mit dem Kopf gegen eine Mauer stürzte und eine Blutung ins Gehirn davontrug. Nunmehr ist die bedauernswerte Kleine in der Nacht zum Sonntag in der Klinik zu Gießen an der schweren Verletzung verstorben. so daß man nunmehr in das Innere des Standes gelangen konnte. Hier wurde das vermißte Mädchen zusammengekauert auf dem eisernen Boden des Führerstandes liegend stark entkräftet und über und über mit Kohlenschmutz und Staub bedeckt aufgefunden. Neben der Eigenart des Aufenthaltsortes ist noch besonders auffällig die Tatsache, daß das Mädchen nur mit ihrem Ueberkleid bekleidet war, während es alle übrigen Kleidungsstücke in einer Aktentasche verstaut, die sie bei ihren Gängen zur Arbeit mit sich führte, neuen sich liegen hatte. Das Mädchen wurde von der schleunigst benachrichtigten Sanitätskolonne nach der Klinik übergeführt und zunächst in der Nervenklinik untergebracht. Nach Aussagen der Vermißten will sie zuletzt mit vier jungen Leuten zusammengewesen sein; ob und inwieweit diese Aussage zutreffend ist, wird erst die Untersuchung aufzuklären haben. Ferner will das Mädchen schon feit mehreren Tagen in diesem merkwürdigen Schlupfwinkel geweilt haben, es soll sich aber auch bereits ergeben haben, daß die Vermißte noch am letzten Mittwoch Bier zu sich genommen habe. Die Polizei ist gegenwärtig bemüht, durch umfangreiche Ermittlungen Licht in die reichlich dunkle Angelegenheit zu bringen. Jahreshauptversammlung der Gießener Freiwilligen Feuerwehr. Die Gießener Freiwillige Feuerwehr hielt am Samstag ihre Jahres-Hauptversammlung ab. Die Wehr besteht aus zwei Löschzügen mit 142 tätigen Wehrleuten, außerdem aus 54 unterstützenden Mitgliedern. Durch den Tod verlor die Wehr drei Kameraden, den Ehrenkommandanten L. Faber und die Wehrleute W. Lenz und Ph. Wild, deren Andenken durch Erheben geehrt wurde. Im vergangenen Jahr wurden sieben Hauptübungen, sowie eine Anzahl Einzelgeräte- und Lehrübungen abgehalten. Die Wehr wurde zweimal zu Großfeuern alarmiert. Am 11. November brannte die Seifenfabrik von P. I. M ö b s und am 15. März die Maschinenhalle des Sägewerks von I. W e l l h ö f e r. Beide Brände wurden durch schnellen Einsatz auf ihren Herd beschränkt. Auch im Winterhalbjahr wurden Monatsversammlungen abgehalten, wobei über Feuer- und Luftschutz belehrende Vorträge gehalten wurden. Zum Besuch eines Lehrgangs der Hessischen Feuerwehrfachschule in Mainz wurden vier Wehrleute beordert. Die Wehr führte das für die Feuerschutz- wPhe vom 7. bis 13. September oorgeschriebene Programm pünktlich und unter stärkster Teilnahme der Kameraden durch. Erinnert sei an den Brandangriff auf die Gebäude der Marktlauben, an den Feldgottesdienst am 116er-Denkmal, an den Werbeumzug durch die Stadt und Bekämpfung eines Waldbrandes auf dem Hinteren Trieb, wobei der Arbeitsdienst helfend mitwirkte. Die Wehr war weiter bei Gießener Veranstaltungen vertreten, bei dem Aufmarsch am 1. Mai, dem Rote-Kreuz-Tag, der Einweihung des Arbeitsdienstlagers am Philosophenwald, der Reichsschwimmwoche, dem 116er- Tag sowie bei den beiden Saarkundgebungen im Januar und im März. Weiter nahm die Wehr teil an dem Verbandstage der Freiwilligen Feuerwehren der Provinz Oberhessen am 24. August in Bad- Nauheim sowie an dem Kreisverbandstag des Kreises Gießen in Leihgestern. Der Rechner I. H e i h l e r erstattet den Kassenbericht. Die Rechnung wurde geprüft und für richtig befunden. Auf Antrag der Vrüfungskom- missiön wurde dem Rechner, unter Ausdruck des Dankes für seine Mühewaltung, Entlastung erteilt. Der Voranschlag für das Geschäftsjahr 1935/36 wurde vorgetragen und genehmigt. Er vergleicht sich in Einnahme und Ausgabe mit 1390 RM. Für zehnjährige Mitgliedschaft erhielten Dienstschnüre die Wehrleute E. H e i ß l e r , Ad. Hauffmann, Fr. Kramer und W. O ck e l. Für 15jährige Dienstzeit erhielten die Mitglieder H. König und W. Heimes das von der Die Zfflandstöchter und ihre Freier. Vornan von 3- Gchneider-Ioerfll Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. Schluß. Nachdruck verboten. „Vielleicht ist er in der Bar?" „Er ist auch dort nicht. Ebenso nicht in den übrigen Gesellschaftsräumen. Ich dachte, er habe Ihnen vielleicht gesagt, wo er hingeht." Sie bedauerte, daß dies nicht der Fall sei. „Vielleicht ist er bei Bob? Haben Sie dort schon angefragt?" Das hatte er nicht. Sie ging hinter Gottfried her und nahm, als sei es das Selbstverständlichste der Welt, am Apparat den zweiten Hörer an das Ohr. Die Charite meldete sich. Herr Pöttmes wäre nicht da. Nein. Habe auch nicht telephoniert. „Man kann nichts tun, als warten," meinte Klaudine und rieb sich die kaltgewordenen Hände. „Das hat er doch sonst nie gemacht." „Nein", versicherte Gottfried. „Wenigstens hat er immer Oskar ober mich verständigt, wo er hingeht ober wo er abgeholt zu werben wünscht. Der Hotelbirektor sagt, er habe Herrn Pöttmes die Treppe heraufkommen sehen, bann habe dieser plötzlich kehrtgemacht und sei wieder fortgegangen." Klaudine hatte recht. Man konnte nichts tun, als warten. Gegen vier Uhr klopfte sie an Gottfrieds Zimmer. Sie sahen sich beide aus übermüdeten Augen an. „Ist es nicht möglich, daß Oskar den Wagen vorfährt? Ich bin so sehr in Sorge." Gottfried gab Bescheid, daß der Chauffeur schon seit einer halben Stunde unterwegs wäre. Eine Minute später härten sie unten das bekannte Hupensignal. Klaudine stand unbeweglich mit hängenden Armen. Sie hätte jetzt keinen Schritt zu gehen vermocht. Die Schläfen hämmerten ihr zum Zerspringen, und vor den Augen tanzten rote Lichter. Sie rührte sich auch nicht von der Stelle, als Pöttmes, den Zylinder abnehmend, in den Raum trat und verwundert nach ihr hinsah. Er hatte sie damals auf der Karrer-Hütte angeschrien. „Das ist rücksichtslos! —" Sie jedoch fand kein Wort, fühlte nur, daß ihr Körper versagte und drängte mit Gewalt das Schluckzen zurück, das sich als Entspannung nach der durchrittenen Angst loszulösen versuchte. „Gute Nacht!" murmelte sie. Und dann — sie wußte selbst nicht, wie sie dazu kam — „Sie haben kein Gefühl, sonst hätten Sie das nicht gemacht." „Seit wann bin ich Ihnen denn Reckenschaft schuldig, wann ich nach Hause fomme?'' Ihre Hand griff zuerst nach den Schläfen, dann nach Stadt Gießen gestiftete Diplon. Die Kameraden A. Betz, O. Faber, O. Fiedler, H. Gebauer, I. Graeser, K. Kalbfleisch, L. K r e u t e r, Ph. Leyerer, W. Melchior, G. Müller, I. Völsing und H. Wagner erhielten für 25jährige freiwillige Dienstzeit das Ehrenzeichen des hessischen Staates, und von der Wehr zum Andenken je eine Uhr mit Widmung. In der Wehr sind jetzt 39 Kameraden, welche das 25jährige und 14 Kameraden, die das 49jährige Ehrenabzeichen besitzen. Brandmeister R. R ö d i g e r, der bereits 45 Jahre der Wehr angehört, legt aus Gesundheitsrücksichten fein Amt als Brandmeister nieder. Er versichert, daß er der Wehr auch weiterhin die Treue hält. Ein dreifaches „Gut Wehr!" wurde dem scheidenden Brandmeister dargebracht. Vom Wehrführer Fr. Wenzel wurde daraufhin zum Brandmeister des ersten Löschzuges der seitherige Führer des Rettungswagens, Emil Koch bestimmt. In diesem Jahr kann die Gießener Freiwillige Feuerwehr auf ein Bestehen von 80 Jahren zurückblicken, das in einfacher, schlichter Weise gefeiert werden soll. Es muß diesen Sommer fleißig nach dem neuen Löschhandbuch geübt werden, damit die Wehr allezeit bereit und schlagfertig ist, um unseren Mitbürgern in Not und Gefahr beizustehen, zum Schutze von Gut, Eigentum und Volksvermögen. Branddirektor Braubach brachte zum Schluß ein dreifaches „Wehr Heil!" auf unseren Führer Adolf Hitler aus, dem begeistert zugestimmt wurde. Mit dem Gesang des Horst-Wesiel-Liedes und des Deutschlandliedes wurde die Hauptversammlung geschlossen. KameradschastSabend im Arbeitsdank. Man berichtet uns: Nachdem die Bezirksobmann- schaft 2/22 (Oberhessen) mit ihrem Sitz in Gießen, Löberstraße 9, am 1. April eingesetzt wurde, fand dem Halse. Suchte hierauf nach der Klinke der Tür und vermochte sie nicht gleich zu finden. „Was haben Sie beim?" fragte Pöttmes schroff. „Warum sind Sie überhaupt so aufgeregt? Weil ich spät nach Hause kam?" Klaudine sah ihn an, bann an ihm vorüber, lieh ben Arm herabfallen, unb hörte, wie Niels den Riegel vorschob. „Lassen Sie mich gehen", bat sie tonlos. „Haben Sie mir nicht etwas zu sagen, Klaudine?" Sie schüttelte den Kopf. „Nichts?" fragte er ungläubig. „Nein." „Dann, bitte." Der Riegel glitt zurück. Als sie schon auf der Schwelle stand, wartete Pöttmes noch immer, ob sie nicht umkehren würde. Er schloß die Tür erst, als Klaudine an ihrem Zimmer angelangt war. Gottfried wollte seinem Herrn beim Auskleiden behilflich sein, bekam aber den Befehl, ins Bett zu gehen. „Schlaf' aber auch!" sagte Niels, halb lachend, halb ärgerlich. „Wie kann man nur so unvernünftiges Zeug machen? Schickst mir den Oskar nach, als ob ich ein Junge wäre, der sich nicht mehr nach Hause findet. Was hast du dir denn gedacht?" „Daß Sie verunglückt feien, Herr Pöttmes." „Na, und dann?" Darauf bekam Niels keine Antwort. Aber als Gottfried das Zimmer verlassen wollte, drehte er ihn mit einem raschen Griff wieder herum und sah in ein blasses, erregtes Gesicht, in dem zwei schlaf- müde Augen brannten. Pöttmes sagte voll Güte: „Du mußt das nicht so tragisch nehmen, mein Alter. Wenn ich wieder fortgehe, sage ich dir's erst. Das verspreche ich dir. Du sollst nicht so schnell wieder um deine Nachtruhe kommen. — Und morgen holen wir Bob aus der Klinik. Ich möchte ihn noch ein paar Tage hier im Hotel behalten. Ich will ihn in deinen Händen wissen. — Dann erst bin ich ganz beruhigt." Gottfrieds Antwort bestand in einem raschen Hinwegwischen über die Augen, bann zog er sich mit einer Verbeugung zurück. Noch herrschte lautlose Stille auf den Korridoren, über deren Läufer das gelbe Licht der Deckenbeleuchtung fiel. In einem Zimmer des zweiten Stockes wurde ein Stuhl gerückt. Eine Schranktür knarrte. Vorsichtig drehte sich ein Schlüssel, machte aber trotz der großen Behutsamkeit, mit der dies getan wurde, ein gewisses Geräusch. Dann öffnete sich eine Tür, und ein Frauenkopf spähte vorsichtig den Gang hinunter. Er war leer. Die Frau trat von der Schwelle sofort auf den Läufer und schritt diesen entlang der Treppe zu, vermochte aber nur die erste Stufe zu gewinnen, denn die gegenüberliegende Tür wurde plötzlich geöffnet, so daß sich ein breiter, greller Lichtkegel über sie ergoß. am vergangenen Freitagabend in den mit den Symbolen der Bewegung reichgeschmückten Saale des CafL Ebel die erste Zusammenkunft aller ehemaligen Arbeitsmänner unb Arbeitsmäbel von Gießen unb Umgegend statt. Zu diesem Abend waren etwa 150 Kameraden und Kameradinnen erschienen. Allein schon die starke Beteiligung und das pünktliche Erscheinen jedes einzelnen legte Zeugnis davon ab, wie gerne die ehemaligen Arbeitsdienstler zu diesem Abend zusammengekommen waren. Der Bezirksobmann 2/22, Feldmeister H a n ß, Gießen, begrüßte die Kameraden unb Kameradinnen aufs herzlichste und dankte ihnen für ihr zahlreiches unb pünktliches Erscheinen. Als Motto für biefen Abenb galten die Worte: „Du schrittest mir zur Seite, Kamerad im deutschen Arbeitsdienst als Werksoldat, der deutschen Arbeit schwurest du den Eid, wie ich. Wir standen beide Seit an Seit, im Kampf um deutschen Boden, deutsches Blut, der deutschen Volksgenossenschast zugut." In seiner Ansprache an die Versammelten wies der Bezirksobmann auf die Bedeutung des Arbeitsdankes hin, der bereits im November 1933 unter dem Ehrenvorsitz des Reichsarbeitsführers gegründet wurde. Die Volksgemeinschaft und die berufliche Fürsorge find ebenso wie materielle Unterstützungen die Hauptaufgaben des Arbeitsdankes. In ihm soll aber auch der Weg zum Land offengehalten und das Siedlungsproblem gefordert werden. Jeder ehemalige Arbeitsmann, der sich dazu berufen fühlt, soll, wie er das im Arbeitsdienst bereits getan hat, ben Dienst am beutschen Boben weiter ausüben. Zwischen bem beutschen Sparkassen- und Girover- banb und bem Arbeitsdank ist ein Abkommen getroffen worden, wonach es jeoem ehemaligen Arbeitsmann ober Arbeitsmäbel möglich ist, ein Spar- 11 nb aus diesem Lichtkegel fragte Niels Pöttmes' gleichmütige Stimme: „Auch diesmal ohne Abschied, Klaudine?" Den kleinen Koffer krampfhaft in der Hand haltend, versuchte sie sich mit geblendeten Augen zu orientieren. Sie hob hilflos den Arm unb fühlte sich nach bem Koribor zurückgeschoben und von oort durch die offene Tür gedrängt. Als diese einschnappte, sagte Niels: „Ich kann mich jetzt nicht darum kümmern, daß es nicht statthaft ist, eine Dame des Nachts in fein Zimmer zu führen. Sie tragen selbst die Verantwortung dafür. — Wohin sollte denn diesmal die Reise gehen?" „Nach Hause." Sie hatte plötzlich keine Furcht mehr vor ihm und sah ihn ruhig an. Das Lächeln, das um seinen Mund spielte, falsch deutend, ließ sie die Beherrschung verlieren. „Sie brauchen keine Detektive hinter mir herzuschicken! Ich will Ihnen selber alles sagen: Ich bin Klaudine Jff- lanb." ,,©oo", meinte er, noch immer das gleiche Lächeln auf den Lippen. „Weshalb erfahren ich das eigentlich jetzt erst? Ehrlich gesagt, habe ich Sie schon lange in Verdacht, daß Sie mich belügen. Sie erlauben dock, daß ich ein paar Fragen stelle, die mich interessieren: Warum haben Sie sich denn hinter ein Pseudonym gesteckt? — Möchten Sie mir darauf nicht Antwort geben, Klaudine?" mahnte er, als sie nur die Schultern hob. „Um meinen Charakter zu ergründen? Wie?" „Nein. Deswegen nicht. Bob schrieb damals, daß Sie krank auf der Karrer-Hütte lägen. Henriette hatte Grippe, auch sollte ja niemand wissen von uns Jfflands, daß Sie Unglück gehabt hätten." „Ah", meinte er lachend, wurde aber gleich wieder ernst und verhörte sie weiter. „Weshalb sind Sie denn seinerzeit auf der Karrer-Hütte ausge- fniffen?" „Um meine Spur zu verwischen." „Eins noch: Warum schrieben Sie damals „Niels" in den Schnee? Darf ich auch das wissen, Klaudine?" Sie hob nur die Achseln. „Bekomme ich darauf ebenfalls keine Antwort, weshalb Sie ben Blechlöffel mit sich nahmen? Sie mußten boch Grünbe bafür gehabt haben." Unb ba sie nichts ermiberte, lächelte er roieber jenes eigentümliche Lächeln, bas sie so sehr in Verwirrung brachte. „Sonst pflegen Frauen bie Moral bes Mannes zu heben", meinte er einbringlich. „Sie aber haben die meine herabgedrückt, denn ich bin Ihretwegen zum Dieb geworden." Sie sah ihn mit maßlos erschrockenen Augen an. Da fügte er hinzu: ,Lch war in der Zwischenzeit in Haslbach." ^,Sie waren in Haslbach?!" entfuhr es ihr. — „Bei Henriette und Luzie, ja. Ich mußte doch einmal erfahren, welche Bewandtnis es mit Bobs Fieberträumen hatte. Und dort in Haslbach fand konto mit besonders günstigen Bedingungen anzu- legen, um so ben Grunbstock für eine spätere Exi- stenzgrünbung zu schaffen. Im Arbeitsbank soll ber Arbeitsdienstgebanke weiter gefordert werden und der alte Wahlspruch „freiwilliger Dienst für das Volk" für immer gelten. Um jeden einzelnen Kameraden organisatorisch zu erfassen und seine Belange vertreten zu können, sollen überall im ganzen Bezirk Mitgliedschaften gegründet werden, die von einem Mitgliedschaftsobmann zu führen sind. Die Worte: „Wohin du nun auch gehst, in beinern Schritt, klingt immer fort, Karnerab, mein Schreiten mit. In Deiner Arbeit Hammerschlag erklingt der Schlag, ber mir unb bir im Blute schwingt, ertönet fort bis an ben jüngsten Tag, ber beutschen Arbeit starker Hammerschlag." gab der Bezirksobmann den Kameraden und Kameradinnen mit der Bitte auf den Weg mit, dem Arbeitsdank weiterhin treu zu bleiben und jeden notleidenden Kameraden mit Rat und Tat unterstützen zu helfen. Nachdem der geschäftliche Teil beendet war, folgte ein kurzes kameradschaftliches Beisammensein. Verbandsjugendsuche des „Hubertus" Gießen (im RDH). Der „Hubertus" Gießen (im RDH.) hielt am Samstag in Gemeinschaft ber Fachschaft Deutsch- Drahthaar, Landesgruppe Hessen (im RDH.), seine übliche Verbanbsjugenbprüfung ab. Diese Prüfung will bie natürliche Anlage der Junghunde prüfen, die später einmal als „Gebrauchshunde" die vollwertigen Weidgesellen des Jägers werden sollen, wie sie das Gesetz jetzt endlich verlangt. Alle Hunds müssen nach dem 1. Januar 1934 gewolst sein, um in diesem Jahre an einer solchen Prüfung teilnehmen zu dürfen. Es stellten sich den Richtern 19 Hunde, zum größten Teil aus einheimischen Zwingern stammend. Sämtliche Hunde bestanden die Prüfung, unb zwar erfüllten 17 bie Anforderungen zum ersten Preis, einer zum zweiten und einer zum dritten, ein Zeichen für den Hochstand der seit Jahren hier betriebenen Leistungszucht. Es war vertreten Deutsch-Drahthaar durch 18 (16 erste, ein zweiter unb ein britter) unb Deutsch-Langhaar burch einen (erster Preis). Die Bedeutung dieser Prüfungen für bie Erfüllung ber Aufgaben bes Reicysjagbgesetzes würbe burch bie Anwesenheit bes Gaujägermeisters für bie Provinz Oberhessen und der Kreisjägermeister für die Kreise Gießen und Alsfeld betont. • * ** Fundgegenftände bei der Straßenbahn. Die Direktion der städtischen Straßenbahn macht in einer Bekanntmachung im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß die bei ihr lagernden Fundgegenstände bis spätestens zum 1. Mai abgeholt werden müssen. Die Verlierer von Gegcuständen seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. ** Sine gemeine Tat. In der vergangenen Nacht wurde an der Provinzialstraße Gießen— Lollar eine Reihe junger ein- bzw. zweijähriger Obst- bäumchen, 22 an der Zahl, schwer beschädigt. Zum Teil wurden die Kronen abgerissen sowie Zweige und Stämmchen gebrochen, so daß der Schaden, der hier der Allgemeinheit durch frevelhafte Hände erwuchs, erheblich ist. Die Ermittlungen sind im Gange. Sachdienliche Mitteilungen nehmen die Gendarmeriestativnen Gießen und Lollar entgegen. ** Freie Lehrer stellen. Erledigt sind: eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Stockhausen, Kreis Lauterbach, und eine Lehrerstelle für einen evangelischen Lehrer an der Volksschule in Mörstadt, Kreis Worms. Hier ist die Dienstwohnung frei. Bewerber müssen seit mindestens acht Jahren die Prüfung abgelegt und eine Anwärterdienstzeit von mindestens fünf Jahren zurückgelegt haben. ich in bem Zimmer, in bem ich schlief, meinen Blechlöffel in einer Vitrine versperrt." „Der Schlüssel war aber — —" „Abgezogen, jawohl! Ick mußte Gewalt anwenden unb die Scheibe einschlagen. Man will boch roieber zu seinem Eigentum kommen, nicht? Bleibt nur noch bie eine Frage offen: Warum haben Sie benn dieses Stück Blech — es ist nicht mehr — an sich genommen? Wenn Sie mir darauf Antwort geben könnten, Klaudine, würde ich vielleicht vergessen, daß Sie mich solange hinters Lickt geführt haben. Dann verlange ich auch nicht meyr zu wissen, weshalb Sie damals „Niels" in ben Schnee schrieben. — — Geschah beibes aus ein unb bemselben Grunb?" half er ihrer schrecklichen Verwirrung nach, bie sie immer mehr erröten ließ. Ja Klaubine?" „Ja!" „Dann hatte Barthelmes doch reckt, als er damals sagte: „Jetzt wissen's —!" Hatte er recht, Klaudine?--Diese Antwort kann ich dir nun nicht ersparen", sagte er, breitete die Arme nach ihr aus, umschlang die schmale Gestalt, die sich an iyn schmiegte unb bas Gesicht an seiner Schulter barg, unb küßte das Haar, bas seine Wange umschmeichelte. Klaubine vermochte nur seinen Namen zu stammeln. Als sie sich etwas beruhigt hatte, zog er einen Stuhl herbei unb drückte sie sanft darauf nieder. „Was wird Henriette sagen, wenn sie erfährt, wie es um uns beide steht? Ihr Jffland- tochter seid gefährliche Frauen! Erst hat Luzie mir den Bob genommen, unb bu hast nun mich zu Fall gebracht. Unb ich habe weiß Gott nichts dergleichen im Sinn gehabt, als bu nach der Karrer-Hütte kamst." Von ber Straße herauf drang der erste Lärm erwachenden Lebens. Sie traten zusammen ans Fenster und sahen in den heraufsteigenden Morgen. Pöttmes hatte den Arm um Klaudines Schultern gelegt und lächelte ihr in die tränenverfchleierten Augen. „Nicht meinen jetzt. Wann wollen wir Hochzeit machen? Gegen wir zum Abschluß noch für vierzehn Tage nach der Karrer-Hütte? Willst du?" „Hern!" „Unb schlafen wieder in der Kammer, in der ich damals lag?" „Ja, Niels!" „Diesmal bringen wir auch den Barthelmes nicht mehr in solche Klemme. Er war damals doch arg in Nöten." Pöttmes lachte über Klaudines glutübergossenes Gesicht, riß sie mit einem Hellen Ruf an sich und küßte sie. Henriette bekam, als man auf Haslbach gerade bei Tisch saß, ein Telegramm, das nur ein paar Worte enthielt: „wir haben uns verlobt, klaudine und niete* Nun hatte also auch ihke älteste Stieftochter den Mann gefunden, der ihr vom Schicksal beftimmt war. Unb dieser Mann hieß noch dazu: Niels Pöttmes. W Arobit DR. A1BERSHEIM- FRANKFURT A.M. GEGR. 1892 i schlief, meinen tL" der vergangenen lraße Gießen- roeijähriger Obst« beschädigt. Zum i sowie Zweige )er Schaden, der haste Hände er» migen sind im i nehmen die War entgegen, ebigt [inb: eine Lehrer an der ns ßauterbaä), zachen Lehrer , Kreis Worms, werter müssen der Stra« iädtischen Stra- achung im Heu« rtsam. daß die e bis spätestens fien. Die Ser« if die Bekannt- irüsung abyel^ mindestens R i Gewalt anwen- Man will doch men, nicht? e offen: Warum ch - es ist nicht irm 9e «* h‘' mdme, würd' i folange W® rige ** Mi- ” toll) b-lde- „ Ujrer to* wer mehr r h ffttli &S.6 ^prüfen, ln^ die voll« werden sollen Alle Hunds wMsein, um Prusuno teil. 1 den Richtern 5 einheimischen bestanden 7 die Anforde- 11 Zweiten und den Hochstand 'wngszucht. Es 'ch 18 (16 erfte, eutsch-Lanahaar ebeutung dieser Ausaaben des Anwesenheit des Oberhessen und le Gießen und *^>i=nz lnA b* b fr». 5 iS?* < S *** rneri