Nr. 267 Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 14. November 1935 Erscheint LSglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild • DieScholle Monats Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UnIoerfitSts vuch- und Steindruckerel R. Lauge in Stehen. 8chriftle:tung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 1 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Te^t- anzeigen von 70mm Breite 50 Npf.,Platzvorschrift nach vorh.Dereinbg.25O/„ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzei« gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Aus den Akten. In der Protestnote, welche die italienische Regierung an die Sanktionsmächte des Völkerbunds gerichtet hat, weist sie u. a. auch darauf hin, daß die grundlegende Beurteilung der abessinischen Verhältnisse durch den Völkerbund irrig sei und daß dies durch das Verhalten der abessinischen Bevölkerung und ihrer Chefs in den bis jetzt von Italien eroberten Landesteilen bewiesen werde; diese hätten fast durchweg die italienischen Truppen als Retter aus der Gewalt eines Usurpators und als Bringer der Zivilisation begrüßt und sich freiwillig der italienischen Herrschaft unterstellt. Ferner wird in der Rote Klage darüber geführt, daß der Völkerbundsrat und die von ihm eingesetzten Kommissionen sich nicht die Mühe und Zeit genommen hätten, dem umfangreichen Beweismaterial die gebührende Beachtung zu schenken, das Italien vorgelegt habe, und aus dem bei gewissenhafter Prüfung eine bessere Würdigung der italienischen Sache zu erwarten gewesen wäre. In der Tat ist namentlich das letztere richtig, denn das in vielen Kisten seinerzeit nach Genf verfrachtete Anklagematerial gegen Abessinien, gegen seine barbarischen Zustände, seine Rechtsverletzungen, gegen den fortdauernden Sklavenhandel usw. ist wohl von keinem der Genfer „Richter" auch nur eines Blickes, geschweige denn einer gründlichen Durcharbeit gewürdigt worden. Richtig ist ferner auch, daß sich der größte Teil der italienischen Meldungen über das willfährige Verhalten der Bevölkerung, namentlich in der eroberten Provinz Tigre, einiger Stammeshäuptlinge und der koptischen und mohammedanischen Geistlichkeit bewahrheitet hat. Ganz abgesehen von dem Uebergang der etwas zweifelhaften Persönlichkeit des Ras G u g \ a in das italienische Lager hat sich das gezeigt, was Kenner Abessiniens voraussagten, daß das „Kaiserreich" kein geschlossener National st aat im europäischen Sinn ist. Es fügt sich nun für die italienische Sache sehr schlecht, daß mit der Uebergabe der Note und der erwähnten Beschwerdepunkte die Meldung der italienischen Heeresleitung zusammentrifft, daß sich der Sultan P a h o, der Herrscher Über den Stamm der Aufs a,’ dem Kommandanten von Assab mit, nach einer Lesart 20 000, nach einer andern 5000 gut bewaffneten und berittenen Anhängern zur Verfügung gestellt habe und daß dies von der italienischen Presse als eine neue glänzende Rechtfertigung, eben im Sinne der Note, gefeiert wird Die von Italien so lebhaft beklagte Unkenntnis der Akten ist aber in diesem Falle nicht gegeben, denn alsbald nach der Bekanntgabe dieses neuen moralischen Triumphes der italienischen Sache werden über den übergelaufenen Sultan Dinge bekannt, die die italienische Beweisführung eher zu kompromittieren, als zu stützen geeignet find. Dieser Sultan ist der Chef eines an den Grenzen von Französisch-Somaliland nomadisierenden Stammes, der von den Kennern Abessiniens zu den räuberischsten und blutdürstigsten gerechnet wird und der in der Hauptsache von dem ehrbaren Handwerk des W a f f e n - und S k l a v e n s ch m u g g e I 5 lebt. Heber dieses allgemeine Urteil hinaus existiert aber bei den Akten des Völkerbunds eine Note, die wenige Tage vor der Aufnahme Abessiniens der damalige italienische Ministerpräsident Salandra an den Generalsekretär des Völkerbunds, den heutigen britischen Botschafter in Rom, Sir Eric Drum- m o n d, gerichtet hat und die sich eingehend mit dem Stamme der Aussa und ihrem Chef, dem Sultan Paho, beschäftigt. Es heißt in dieser Note: „Die italienische Regierung ist darüber unterrichtet worden, daß einige Sklavenhändler sich mit der Absicht tragen, 150 Sklaven auf dem Seewege zu verschleppen, und eine indirekte Route wählten, um sich die Zahlung von dreißig Talern für jeden Sklaven zu ersparen, die der Chef der Provinz Aussa fordert. Aus Veranlassung dieses Chefs, des Sultans Paho, wurde die Karawane angegriffen. 3 0 Sklaven wurden getötet oder verwundet. Die Frauen wurden verschleppt und dem Sultan Paho zugeführt. Dieser Zwischenfall beweist die Fortdauer des Sklavenhandels trotz der strengen Anordnung der abessinischen Regierung und trotz der harten Strafen, die sie verhängt." Aus diese Note geht hervor, daß der neue Freund Italiens eben einer jener berüchtigten Sklavenhändler ist, gegen den die abessinische Zentralregierung wiederholt Strafexpeditionen ausgeschickt hat und dessen Treiben seinerzeit von Italien als Bedenken gegen die Zulassung Abessiniens zum Völkerbund geltend gemacht wurde. Die von Italien in der Note gerühmte Unkenntnis der Akten ist also in diesem Falle ganz auf seiner Seite, und man könnte gegen die italienische Regierung den Vorwurf erheben, daß sie den Sultan Paho, anstatt ihn, wie es dort landesüblich ist, am nächsten Baume aufzuknüpfen, freundschaftlich ausgenommen und ihn der politischen Umwelt sogar als Paradestück der zivilisatorischen Mission Italiens vorführt. Aber auch dies wäre, wie die Ausführungen der italienischen Note, selbst, nur eine dialektische Hebung. In Wirklichkeit hat weder in Genf, noch in den diplomatischen Verhandlungen der Rechts st andpunkt oder eine Erwägung allgemeiner moralischer Natur die ausschlaggebende Rolle gespielt, sondern nur die Tatsache, daß Italien sich mit Gewalt eines Landes bemächtigen will, auf das auch andere, wenn es schon seine Selbständigkeit verlieren soll, Anspruch erheben. Immerhin ergibt sich aus diesem Falle für die Diplomatie ganz allgemein die Lehre, nur auf der genauesten Kenntnis der eigenen Akten den Vorwurf mangelnder Aktenkennt- nts gegen andere zu erheben. O. M. Volk und Kirche muffen zusammenkommen. Reichsminister Kerrl spricht vor den Berliner Studenten von den Ausgaben der Kirche an den neuen Menschen unserer Zeit. Berlin, 13. Nov. (DNB.) In der neuen Aula der Hniversität sprach am Mittwochabend auf Einladung der theologischen Fachschaft Reichsminister Kerrl vor einer öffentlichen Studentenversammlung. Minister Kerrl schilderte in längeren geistesgeschichtlichen Darlegungen die Entstehung der Situation, wie sie Europa und Deutschland bis zu Beginn des Weltkrieges beherrscht hatte. Er fuhr dann fort: Der Zusammenbruch des deutschen Volkes nach 4V2 Jahren heroischen Widerstandes sand uns innerlich unvorbereitet. Wir haderten mit unserem Gott und wir wären verzweifelt, wenn wir nicht immer wieder in uns d i e S e h n- sucht nach Freiheit und das geheime Wissen um einen Sinn des Geschehens getragen hätten. Als dann die Stimme des namenlosen und unbekannten Gefreiten ertönte, als Adolf Hitler uns predigte: „Euer Schicksal kommt nicht von außen, es liegt in eurem In - nern, ihr müßt neue Menschen werden!", da wurde in uns der Glaube wach, daß nicht das Einzelschicksal, sondern die gemeinsamen Ausgaben, die die Nation zusammengeschweißt in einem Willen, das Wunder erzwingen. „Wir predigten dem deutschen Volk den Weg der inneren Wandlung und, je mehr sie uns einsperrten und mit Dolch und Pistole bekämpften, desto mehr verstanden wir die Worte: Herr vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun, denn wenn sie uns wirklich kennten, wenn sie unsere Liebe zum Volk wüßten, würden sie nicht so handeln". Das Wunder geschah, der Glaube hat wieder einmal erwiesen, daß er im Menschen unendliche Kräfte freimachen kann. Und wie einst die Wendung in den Wissenschaften vom Glauben aus vorwärts getrieben wurde, so erlebten wir die Wendung innerhalb der Ration vom Glauben her, wie ihn Adolf Hitler uns predigte. Wir erlebten, was in Wahrheit für den Deutschen Freiheit ist, nicht Zügellosigkeit, nicht die französische Liberte, sondern Jucht und Disziplin, Bindung an das Gewissen in uns. Das war die Botschaft, die vor 1900 Zähren der Heiland verkündigte als er predigte: „Das Reich Gottes ist inwendig in euch", denn alles was der Mensch zum handeln wissen muh, liegt beschlossen in seinem Gewissen. Wenn man heute kommt und uns sagt: „Ihr seid in Wahrheit nicht fromm, ihr wollt uns den Glauben nehmen", dann kann ich nur sagen: Wer hat denn den Glauben bewahrt in der vergangenen Zeit? Wir haben 1923 erkannt und verstanden, was Jesus mit dem Glauben meint, der Berge versetzt. Wir haben im Nationalsozialismus nicht nur die Wahrheit dieses, sondern die Wahrheit vieler Worte erlebt. Unb wenn der Führer in seinem Programm den Artikel 24 ausgenommen hat, so ist das Bekenntnis zum positiven Christentum der Ausdruck einer Tatsache. Nur der kann Nationalsozialist sein, der religiös i st. Allerdings können weder Staat noch Partei sich an Bekenntnisse binden, jeder Einzelne hat das Recht, sich selbst über diese Dinge klar zu werden. Aber der Staat sieht auf die Tat. Er sieht auf die praktische Liebe des Volksgenossen zum Volksgenossen. Das ist eine Forderung, die in keiner Weise im Widerspruch zum Christentum stebt. (Beifall.) hinter uns liegen zwei Jahre schweren Zankes und Streites in der Kirche, hier muh dasselbe geschehen, was vorher im Volke geschah: die einzelnen müssen zueinander kommen, nicht länger gegeneinander stehen. Richt der Staat und nicht wir, das Schicksal selbst hat an die Tür der Deutschen Evangelischen Kirche geklopft. Sie steht h.ute vor derselben Entscheidung, wie einst das Volk in seiner Gesamtheit, sie muh mit der Tatsache rechnen, dah eine neue Zeit gekommen ist und dah dieMenschen dieser Zeit neu geworden sind. Die Kirche muh zu diesen Menschen kommen und mit ihnen marschieren, denn ihr Arbeitsgebiet liegt im deutschen Volk. Das Gros der Ration marschiert heute mit dem Führer. Die Kirche hat zu entscheiden, ob sie mitmarschieren oder eines Tages, wenn das Volk bereits am Horizont verschwindet, allein Zurückbleiben will. (Beifall.) Der Staat denkt nicht daran, in Glaubensdinge einzugreifen. Gerade der Nationalsozialismus weiß, daß der Mensch von innen her wird, er weiß, daß man nicht von außen her an solche Dinge packen kann. „Mit mir", so rief der Minister aus, „hat der Führer und hat das deutsche Volk Interesse nur an einer Kirche, die aus innerem Gesetz heraus und aus freien Stücken mit uns geht. So bin ich an meine Aufgabe herangegangen. Ich will dem deutschen Volk die Sicherheit wiedergeben, daß der Staat seinen Grundsätzen nicht untreu wird und nicht daran denkt, Christentum irgendwie anzugreifen." Der Minister ging dann auf die Entstehung und Arbeitsweise der Kirchenausschüsse ein. Sie haben sich vereint und zusammengefunden in dem Willen, den Gemeinden ein Vorbild in der tätigen Liebe und im wahren christlichen Handeln zu sein. Das Führerprinzip ist nicht für die Kirche (Beifall), es ist ein politisches Prinzip. Die Kirche aber soll mit Geist und mit Liebe durchdringen und führen. Minister Kerrl gab der festen Heberzeugung Ausdruck, daß das Werk, das jetzt in der Deutschen Evangelischen Kirche begonnen hat, gelingen wird, weil es gelingen muß. Die Studenten brachten dem Minister lebhaft Beifall und Zustimmung zum Ausdruck. OieHaupttägung desReichsbauerniags Hai begonnen Goslar, 14. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der Sprecher des 3. Reichsbauerntages, Ministerpräsident a. D. Granzvw eröffnete am Donnerstag die erste Haupttagung des 3. Reichsbauerntages und erteilte Stabsabteilungsleiter Dr. Merkel das Wort zu grundlegenden Ausführungen über „Die Reuordnung des Rechts als Voraussetzung neuer Wirtfchaftsgestaltung". Dr. Merkel ging aus von den drei großen Lebensordnungen des deutschen Mittelalters, der Marktgenossenschaft des deutschen Bauerntums, der Zunftordnung der deutschen Städte und dem deutschen Ritterorden. Er behandelte dann die Zerstörung dieser Ordnungen durch den Kapitalismus und zeigte, wie die entstandene volks- fremd gewordene Rechtsordnung durch die vom Nationalsozialismus aufgebaute neue Lebens- ordnung der Volksgemeinschaft abgelöst wurde, die durch eine neue Rechts- und Wirtschaftsordnung getragen wird. Im Reichsnährstand hat der Nationalsozialismus diese Forderungen verwirklicht und als neue Standes- ordnung eine neue Lebensgemeinschaft des deutschen Bauerntums geschaffen. Dazu gehört eine neue Bodenordnung und eine neue Marktordnung. Die neue Marktordnung bedingt eine Lenkung der a u f dem Leistungsprinzip aufgebauten Erzeugung. Diese Lenkung erfolgt durch das neue Lieferungsrecht, das neue Betriebsrecht und das neue Berufsrecht. Das neue Lieferungsrecht hat Spekulation und Börse ausgeschaltet und damit das Steuerungsmittel für die gesamte bäuerliche Erzeugung im Dienste der Dolksernährung geschaffen. Für das neue Betriebsrecht sind die Verarbeitungsbetriebe dienende Glieder des Wirtschaftskreislaufes. Sie haben die Aufgabe, sich standortsmäßig, betriebstechnisch und absatzmäßig so in den Wirtschaftskreislauf einzuschalten, daß die Verwertung der Ernte und die Versorgung der Bevölkerung s o rasch, s o gut und so billig wie mög- l i ch erfolgen kann. Das neue Berufsrecht der Marktordnung will einen gesunden ehrbaren Kaufmannsstand schaffen und erhalten. Träger der neuen Ordnung sind d i e Marktverbände als Selbstverwaltungs-Körperschaften des öffentlichen Rechts. Neben die Selbstverwaltung und die durch sie entstehende lebendige Rechtsordnung tritt die ständische Gerichtsbarkeit. Diese sichert den Wirtschaftsfrieden und den harmonischen Ausgleich. Damit ist neben die Erbhofgericbtsbarkeit und die Standesgerichtsbarkeit die Marktgerichtsbarkeit getreten. Der Reichshauptabteilungsleiter II Dr. Brumme n b a u m behandelte „Die Grundlagen der Erzeugungsschlachl". Die Wehrfreiheit des deutschen Volkes kann auf die Dauer nur dann gesichert werden, wenn darüber hinaus auch die Nahrungsfreiheit gegeben ist. Die Marktordnung kann erst dann ihren Zweck voll erfüllen, wenn die Erzeugung in ordnungsmäßigen Bahnen verläuft. Deshalb muß die Erzeugung bis zum letzen Bauernhof überseh'en und gelenkt werden. Unter allen Umständen muß in dem kommenden zweiten Abschnitt der Erzeugungsschlacht in die Breite gearbeitet werden. Steigerung und Ordnung der Erzeugung müssen Hand in Hand gehen. Unter den verschiedenen Problemen spielt die Faserversorgung eine besondere Rolle. Hier liegt der Hinderungsgrund für eine schnelle Deckung unserer Versorgungslücke hauptsächlich darin, daß die Anbau-Erfahrungen verlor en gegangen sind. Dr. Brummenbaum schloß mit der Aufforderung, daß die Bauernführer mit unbedingtem Vertrauen auf den Sieg in die diesjährige Erzeugungsschlacht gehen. Dann werden wir dem Ziel näher kommen: Die Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes! Sodann sprach der Staatsleiter der Reichshauptabteilung II Dr. Krohn über „Die Ordnung der Erzeugung " Die Voraussetzung für die Versorgung aus eigener Scholle, so führte der Vortragende u. a. aus, liegt nicht so sehr in einer bedingungslosen Erhöhung der Erzeugung auf allen Gebieten. Sehr viel wichtiger ist zunächst die Ordnung und Lenkung der Erzeugung in die volkswirtschaftlich notwendigen Bahnen. Diese Führung kann nur durch einen lebenswarmen straff aufgezogenen st ä n d i - f cf) e n Selb st Verwaltungskörper durch- qesetzt werden, der das letzte Dorf und den letzten Bauern erfaßt. Heute sind unsere drei großen Erzeugungslücken die Eiweiß-, Fett- und die Faserlücke. Uns fehlen augenblicklich rund 1 Million Tonnen Eiweiß, das zu 9 bis 10 v. H. Futtereiweiß ist, rund 1 Million Tonnen Fett, das zu rund 2/s für die menschliche Ernährung und zu V.3 für technische Zwecke benötigt wird, und Faserstoffe, bei denen wir augenblicklich noch zum überwiegenden Teil vom Ausland abhängig sind. So bedrohlich, wie diese Versorgungslage auf den ersten Blick erscheinen mag, ist sie in Wirklichkeit nicht. Die Reserven im deutschen Boden sind so groß, daß die statistisch berechnete Möglichkeit der Selbstversorgung bei richtiger Ausnutzung aller Kräfte durchaus möglich ist. Allerdings kann die Sicherung der Ernährung und Versorgungsgrundlage nicht von heute auf morgen durchgefuhrt werden, sie kann auch nicht durch Berechnungen und Anordnungen von oben allein gelingen. Die Grundlagen des Erfolges der Erzeugungsschlacht liegen im Gegenteil in einer ungeheuren Kleinarbeit bei jedem einzelnen Bauern und bei jedem Mitkämpfer in der Erzeugungsschlacht. Zum Schluß sprach der Reichshauptabteilungsleiter III Dr. Korte über: „Oie Ordnung des Marktes." Die nationalsozialistische Auffassung, daß die Wirtschaft nicht Selbstzweck, sondern Dienst am Volk und am Wohl des Volksganzen ist, gilt in ganz besonderem Maße für die Ernährungswirtschaft. Aus dieser Einstellung heraus, dürften die Maßnahmen zür Rettung des Bauerntums nicht zu einer Belastung des Verbrauchers führen. Dies konnte nur durch eine Ordnung des Marktes erreicht werden. Erste Aufgabe der Marktordnung war es, st e t i g e Märkte, und damit auch stetige, volkswirtschaftlich gerechtfertigte Preise für Erzeuger und Verbraucher zu schaffen. Deshalb war eine Ordnung der Absatzwege notwendig. Grundsätzlich soll die Ware den b e • ft e n, billig ft en und kürzesten Weg vom Erzeuger zum Verbraucher nehmen. Die übrigen Glieder des Wirtschaftskreislaufes, die Verarbeitungs- und Verteilungsbetriebe sind Diener der Bedarfsdeckung. Sie müssen daher so arbeiten, daß der Bedarf auf die bestmögliche Weise gedeckt wird. Ferner muß zwischen allen am Markt beteiligten Gruppen ein gerechter Ausgleich geschaffen werden. Kein Gewerbe, keine Wirtschaftsgruppe, die zwischen dem Erzeuger und dem Verbraucher steht, soll sich auf Kosten anderer Wirtschaftsgruppen bereichern können. Um die Tragweite der nationalsozialistischen Marktordnung aber im vollen Umfange beurteilen zu können, müssen wir auch einen Blick in das bolschewistische Rußland werfen. In diesem großen Bauernlande ist der Bauer proletarifiert, seine Lebenshaltung ist in unerträglicher Weise eingeschränkt. Sein Eigentum ist ihm genommen und der Viehbestand in außergewöhnlichem Umfange zurückgegangen. Durch die nationalsozialistische Marktordnung ist für die Privatinitative des deutschen Bauern ungeahnter Raum geschaffen worden. Ihren äußeren Ausdruck findet sie in der Er - zeugungsschlacht, die eine Erzeugungssteigerung nahezu auf allen Gebieten zur Folge hatte. Die Sicherung des Absatzes gewährleistet den deutschen Bauern bei höheren Roherträgen im wesentlichen auch höhere Reinerträge. In Deutschland vollzieht sich die Warenbewegung nach großen volks- wirtsckaftlichen Gesichtspunkten unter ständiger Führung in Form einer Selbstverwaltung der Wirtschaft. In anderen Ländern wird der Dank der Er-« nährungswirtschaft durch Börse und Spekulation oder wie in Sowjetrußland durch eine bürokratische Staatsverwaltung bestimmt. Oer Leiter der illegalen KPD. Thüringens unschädlich gemacht. Jena, 13. Nov. (DNB.) Wegen Vorbereitung zum Hochverrat hatte sich der zuletzt in Stuttgart wohnhafte Hermann Scheier vor dem 1. Strafsenat des Oberlandesgerichtes Jena zu verantworten. Nach der Anklage hat Scheier das hochverräterische Hnternehmen der illegalen KPD. in Jena, Gera, Stuttgart sowie anderwärts im Jn» und Auslande fortgesetzt unterstützt. Er galt als die Haupt stütze der kommunistischen Staatsfeinde in Thüringen. Das Urteil lautete auf 14 Jahre Zuchthaus und 15 Jahre Ehrverlust unter Zulässigkeit der Polizeiaufsicht» Englandfeindliche Ausschreitungen in Aegypten. Blutige Zusammenstöße zwischen Polizei und Volksmenge. — Oer Führer der Wafdpartei fordert die Regierung wegen ihrer Zusammenarbeit mit England zum Rücktritt aus. Kairo, 13. Noo. (DNB.) Die Wafd-Par- t e i beabsichtigt, der gegenwärtigen Regierung Nassim Pascha die bisher gewährte Unter st ützung zu versagen wegen all- 3 u großer Nachgiebigkeit gegenüber den Engländern. Mittwochmittag kam es in Kairo zu Zusammen st äßen. Ein Trupp von etwa 100 Studenten wurde von der Polizei unter Anwendung des Gummiknüppels zum Auseinandergehen aufgefordert. Die Menge griff darauf, erbittert über die Verletzung eines Studenten, die Polizei an und entwaffnete s i e. Mehrere Polizeibeamte wurden über die Straßenmauer in den etwa 6 Meter tieferliegenden Hof der Englischen Kaserne geworfen. Der Polizeioffizier, der ebenfalls schwer verletzt wurde, rief englische Soldaten um Hilfe an. Die Engländer griffen aber nicht ein. Die Studenten zerstreuten sich, bevor Polizeiverstärkungen eintrafen. Nahas Pascha, der Führer der nationalistischen Wafd-Parlei, hielt am Mittwochnachmittag vor 20000 Anhängern eine flammende p rote ff r e b e gegen England und die englische Einmischung in innere Angelegenheiten Aegyptens. Die Rede gipfelte in einer Entschließung, die das ägyptische Volk aufruft, jede Zusammenarbeit mit den Engländern einzustel- ten. Weiter wird der Rücktritt der Regierung als Protest gegen englische Einmischung gefordert. Die Wafd-Partei werde der Regierung jede Unterstützung versagen, wenn sie nicht zurücktritt. Schließlich wird jede Regierung abgelehnt, die mit den Engländern zusammenarbeitet. Rach Beendigung der Massenversammlung kam es, als Nahas Pascha sich in das Volkshaus, der Zentrale der Wafdpartei, begeben hatte, zu erneuten Zusammen ft äßen. Bei dem Eintritt Nahas Paschas in das Volkshaus brach die Wenge, die ihn begleitete, in Hochrufe auf ihn aus. Rufe wie: „Nieder mit den Engländern!" und „Es lebe die Revolution!" wurden laut. Die Polizei ging darauf mit der Waffe gegen die Wenge vor und stürmte das Volkshaus. Zahlreiche Verhaftungen wurden vorgenommen. Etwa 30 Personen wurden durch Schüsse verletzt. Einer der Kundgeber wurde getötet. Auch mehrere Polizisten erlitten Verletzungen. Im Augenblick herrscht zwar überall Ruhe, jedoch befürchtet die Regierung für Donnerstag eine Fortsetzung der Unruhen und ein lieber- greifen auf d i e Provinz. Sämtliche Gouverneure und Polizeikommandanten haben strengste Weisungen erhalten. Der Streik aller ägyptischen Hochschulen wird fortgesetzt. Nach der scharfen englandfeindlichen Rede Nahas Paschas und nach der Entschließung, die in der Massenversammlung bekanntgegeben worden war, nimmt man an,, daß d i e Regierung zurücktreten wird. Die weitere Entwicklung ist allerdings völlig ungewiß. Nachhaltige Wirkungen auf den Mittelmeerkonflikt werden aber nicht erwartet. Die Zusammenstöße zwischen den Anhängern der Nationalistenpartei und den Regierungstreuen sind ein Zeichen dafür, daß die Krise in Aegypten sich zuspitzt. Der Groll der Nationalistenpartei richtet sich vor allem gegen die Politik des Ministerpräsidenten Nassim Pascha, da dieser die. Forderung nach Wiedereinführung der Verfassung von 1923 abgelehnt hat. Nassim Pascha, der heute wegen seiner englandfreundlichen Haltung bei den Nationalisten sehr verhaßt ist, war schon einmal Ministerpräsident zu einer Zeit, als Aegypten eine schwere politische Krise durchzumachen hatte. Es war dies in den Jahren 1922/23. Als im Jahre 1930 in Aegypten durch einen Staatsstreich König Fuads die Diktatur eingeführt wurde, erschien Nassim Pascha, der im Jahre 1924 seine erste Ministerpräsidentschaft niedergelegt hatte, wieder auf der politischen Bildfläche. Er war Mitglied eines Kabinetts, das von Sidky Pascha gebildet wurde und die deutliche Tendenz hatte, die Macht und den Einfluß des Königs wesentlich zu steigern. Nassim Pascha, der mit dieser Polittk keineswegs einverstanden war, verließ zum zweiten Mal demonstratio die Regierung. Die Zustände, die damals in Aegypten herrschten, waren dem ägyptischen Volk ein Dorn im Auge. Es haßte die selbstherrliche „Palastregierung", deren Seele Sidky Pascha war. Obwohl die Opposition mit den schärfsten »Mitteln unterdrückt wurde, blieb ihm nichts anderes übrig, als seinen Platz einem anderen Mann einzuräumen. Aber auch dieser, P e h i a Pascha, verstand es nicht, sich die Sympathien des ägyptischen Volke- zu erobern und so wurde schließlich Nassim Pascha mit der Regierung beauf- tragt. Man kann nicht behaupten, daß Nassim Pascha beim Volke unbeliebt war. Sogar die Nattonalisten, die ihn heute so heftig bekämpfen, hofften, daß es ihm gelingen würde, die politische Unabhängigkeit Aegyptens wiederherzustellen. In dieser Hoffnung wurden sie allerdings grausam enttäuscht. Es gelang zwar dem neuen Ministerpräsidenten, die „Palastregierung" abzudrosseln, aber den Engländern war er nicht gewachsen. Nachdem der Einfluß des Königs Fuad zurückgedrängt und sein besonderer Günstling Zaki Ibrahim entlassen war, trat England wieder stark in den Vordergrund. Nassim Pascha hat heute einen schweren Stand. In den Augen der Nationalistenpartei ist er nichts als ein willenloser Spielball in den Händen der Engländer. In der letzten Zeit ist die Wafd-Bewe- gung (die Partei der ägyptischen Nationalisten) zu einer mächtigen Lawine angeschwollen, die, wenn nicht im letzten Augenblick eine entscheidende Wendung einsetzt, Nassim Pascha mitsamt den england- freundlichen Politikern Aegyptens hinwegzuspülen droht. Es scheint, als ob die Wafd-Partel den psychologischen Moment für gekommen hält, um alle nationalistischen Kreise Aegyptens in einer gewaltigen Organisation der absoluten Freiheit und Unabhängigkeit zusammenzuschweißen. Schon jetzt lodert an allen Ecken und Enden des Landes das Feuer der Empörung auf gegen die imperialistische Polittk Englands und jene ägyptischen Politiker, die nicht den Mut haben, sich dieser Politik entgegenzustemmen. England wird zweifellos alles versuchen, um die Wellen des ägyptischen Nationalismus mit dem so oft bewährten Oel seiner Diplomatenkunst zu glätten, ohne dabei seine Machtstellung am Suezkanal aufzugeben. Das Echo in Paris. Paris, 14. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die Pariser Presse beachtet die Ereignisse, die sich in Aegypten abspielen, mit großer Aufmerksamkeit. Man ist der Ansicht, daß sich für England in Aegypten ein schwieriges Problem ergebe.. Das englische Volk werde aus seinem Schlafe geweckt. In der Levante bezahle es jetzt das Lösegeld für seine Abrüstung zu Wasser, zu Lande und in der Luft und für seine passive Polittk. Mussolini habe England eigentlich , den größten Dienst erwiesen, als er Ende Juni in seiner Unterredung mit Eden die nunmehr berühmt gewordenen Worte über London, 14. Noo. (DNB. - Funkspruch.) Die heutigen Parlamentswahlen bilden naturgemäß beinahe ausschließlich den Inhalt der Londoner Morgenblätter. In Leitaufsätzen werden die Stimmberechtigten zum letzten Mal ermahnt, ihre Schuldigkeit zu tun. In der Hauptstadt zeigt das Straßenbild keine große Veränderung. An die Wahlen erinnern lediglich die großen Propagandaplakate der Regierung und der Opposition und die Plakate der Zeitungen, die ihre Leser zum letzten Appell aufrufen. So bringt die „Eoening News" am Kopf des Titelblattes die riesigen fettgedruckten Lettern: „Stimmt für die Nationalregierung und haltet die Sozialisten fern!" Zum letzten Mal wurden am Mittwoch die Wähler von den Kandidaten und ihren Mitarbeitern zur geschlossenen Beteiligung an den Wahlen aufgefordert. Der Rundfunk und die Versammlungshalle waren von den Wahlrednern beherrscht. Ueberall hörte man das Schlagwort dieser Wahl: „Die Politik der Gegenpartei bedeutet den Krie g", von dem sowohl die Regierung als auch die Opposition reichlich Gebrauch machte. Die Büros, in denen die Wahlwetten abgeschlossen werden, zeigten eine erhöhte Tätigkeit. Die Wetten wiesen jedoch keine großen Schwankungen mehr auf und lauteten am Mittwochabend auf eine Regierungsmehrheit von rund 175 Abgeordneten. Wahlberechtigt sind insgesamt 31,3 Millionen Personen, davon 16,5 Millionen Frauen. Im aufgelösten Parlament hatte die Nationalregierung eine Mehrheit von über 400 Abgeordneten, eine für englische Verhältnisse außerordentlich hohe Ziffer. Man erwartet, daß die Arbeiterpartei, die im letzten Parlament mit nur 57 Abgeordneten vertreten war, einen beträchtlichen Z u - wachs erhalten wird. Der Sieg der Regierungsparteien gilt dennoch als sicher. Bei der Beurteilung der Wahlen ist 3-u beachten, daß in England Rumänien unter der Auswirkung der Sanktionen. Empfindlicher Preisdruck auf dem Erdölmarkt wird erwartet. B u k a r e ft, 13. Noo. (DNB.) Rumänien hat sich trotz des Vorbehaltes Titulescus in Genf und trotz feiner bekannten Forderung nach Kompensationen voll und ganz den Sanktionsbeschlüssen des Völkerbundes angeschlossen. Obwohl kein Verkaufsverbot für Erdöl erwartet wird, so muß doch das Verbot des Kaufes italienischer Waren praktisch einen ganz bedeutenden Rückgang der rumänischen Erdölausfuhr nach Italien zur Folge haben, da im rumänisch-italienischen Clearing-Verkehr Rumänien bereits jetzt über ein Guthaben von 100 Millionen Lire verfügt, daß es ohne Einfuhr aus Italien und Fortführung der Erdölausfuhr nur weiter er» höhen kann. Daß sich aus dem Rückgang der Erdölausfuhr nach Italien erhebliche wirtschaftliche Folgen für Rumänien ergeben müssen, ist auch aus der Wirtschaftspresse zu ersehen. Vor allem wird ein beträchtlicher Rückgang der rumänischen Erdölpreise, die jetzt um 20 bis 30 v. H. über den Weltpreisen stehen, kaum zu verhindern sein. Die Forderungen Titulescus nach Kompensationen haben bis jetzt keinerlei praktische Ergebnisse gezeitigt. „Rieder mit den Sanktionen." Jtalienfreundliche Kundgebung belgischer Frontkämpfer. Brüssel, 13. Nov. (DNB.) Zu stürmischen Kundgebungen gegen die Sankttonspolitik der belgischen Regierung gegenüber Italien kam es am Dienstagabend in einer von 3000 Personen besuchten öffentlichen Versammlung, in der der schwerkriegsoerletzte Führer der italienischen Kriegsbeschädigten, Abgeordneter Carlo D e l c r o i x , über den italienisch-abessinischen Krieg sprach. Staatsminister Carton de Wiart, der Belgien in Genf vertritt, leitete den Vortrag mit einem Nachruf auf die verstorbene Königin Astrid ein, dem die Versammlung mit ehrfurchtsvollem Schweigen folgte. Als der Minister bann aber zu dem Thema des Abends mit dem Satz überleitete, daß Belgien in Genf keine andere Haltung hätte einnehmen können, erhob sich in der Versammlung großer Lärm, in dem sich feindselige Rufe gegen die Regierung oan Zeelcmd mit Sympathiekundgebungen für Italien vermischten. Carton de Wiart versuchte vergeblich, sich in dem Lärm Gehör zu verschaffen. Die Versammlung verhinderte ihn am Weitersprechen. In verhältnismäßig gemäßigten Ausführungen rechtferttgte dann der italienische Redner die Haltung seines Landes, wobei er namentlich die Politik des Völkerbundes oerur- den Niedergang der englischen Macht im Mittelmeer aussprach. „L'Ordre" weist darauf hin, daß die Wafdisten neben der Abschaffung der Sonderrechte die Z u - laffung ihres Landes in den Völkerbund anstreben. Das Durcheinander, das infolge der Völkerbundsmitgliedschaft Abessiniens entstanden fei, dürfte den Völkerbundsstaaten wohl den Geschmack daran nehmen, neue afrikanische Völker aufzunehmen. Selbst wenn England einen solchen Antrag Aegyptens befürworten wollte, wäre der Augenblick dazu gegenwärtig recht schlecht gewählt. Hoffentlich werde England bald Herr der Lage sein, damit die unter der Schutzherrschaft europäischer Mächte stehenden muselmännischen Länder nicht glauben, daß es -in Krisenzeiten möglich sei, ein großes westliches Land zum Nachgeben zu zwingen. nicht nach Li st en, sondern nach einzelnen Kandidaten gewählt wird, die die Parteien in den 615 Wahlkreisen aufstellen. Gewählt wird stets derjenige Kandidat, der die einfache Stimmenmehrheit über seine Gegner erhält. In manchen Wahlkreisen stehen sich nur 2 Kandidaten gegenüber, in anderen 3 oder 4, da hier jede der einzelnen Oppositionsparteien getrennte Vertreter aufgestellt hat. Von den 615 Mitgliedern des Unterhauses gelten 40 wegen des Fehlens eines Gegenkandidaten bereits als gewählt. In den übrigen 575 Fällen dürften 232 Ergebnisse im Laufe des Abends und der Nacht zu erwarten fein. Hierbei handelt es sich fast ausschließlich um London und die städtischen und industriellen Wahlkreise Englands, wo die Arbeiterpartei hofft, eine Anzahl Sitze zurückzugewinnen, die sie bei der Niederlage von 1931 eingebüßt hat. Die Bekanntgabe des ersten Ergebnisses wird gegen 21.30 Uhr erwartet. Zwischen 22 und 23 Uhr dürften 19 weitere Ergebnisse folgen, und der Rest der ersten Gruppe von Ergebnissen bis Frei.tag früh 4.30 Uhr. In fast allen L a nd b e z i r k e n Englands, Schottlands und Wales werden die Wahlurnen nicht vor Freitagvormittag geöffnet. Am Freitagnachmittag werden 329 weitere Wahlergebnisse erwartet. 1Ö Ergebnisse (darunter die der Universitäten von Oxford, Cambridge, London und Wales) sind er st Samstag fäl - l i g. Die Orkney- und Shetland-Inseln, die ein Mitglied in das Unterhaus senden, werden erst am 19. November berichten. Die schottischen Universitäten melden am 25. November die Namen ihrer drei Parlamentsoertreter. Die letzte kleine Lücke im Gesamtbild der neuen englischen Volksvertretung wird also erst am Montag übernächster Woche geschlossen werden. teilte. Fast jeder Satz feiner Rede wurde von der Versammlung mit Beifalls st ürmen unterbrochen. Immer wieder ertönten von den Galerien, wo Angehörige der belgischen Frontkämpferoerbände und sonstiger nationaler Vereinigungen Platz genommen hatten, die Rufe: Nieder mit den Sanktionen! Dazwischen wiederholten die anscheinend sehr zahlreich erschienenen Mitglieder der italienischen Kolonie in Sprechchören Hochrufe auf Mussolini. Starken Beifall fanden die Anspielungen des Redners auf „ein gewisses Empire", das den Völkerbund benutze, je nachdem wie es feine Belange verlangten. Die Erregung der Versammlunh hUtt bis zum Schluß an. Draußen war ein großes Aufgebot von berittener Gendarmerie aufmarschiert. Da die Anhänger der Sanktionspolitik, die sich in Belgien hauptsächlich aus Marxisten und links gerichteten Katholiken zusammensetzen, der Versammlung ferngeblieben waren, hatte die Polizei keinen Anlaß zum Einschreiten. Unter den Zuhörern bemerkte man den italienischen Botschafter, zahlreiche belgische Offiziere und die Führer der verschiedenen Kriegsteilnehmerorganisationen. ♦ Wenn auch vielleicht diese Brüsseler Veranstaltung ungewöhnlich war, weil Italiener in ihr den Ton angaben, so zeigt dock die Haltung der belgischen Versammlungsteilnehmer, daß man sich keinen Illusionen über die wirtschaftlichen Folgen für die belgische Bevölkerung hingibt, die aus der Abschnürung Belgiens vorn italienischen Markt entstehen müssen und auch entstehen werden. Die Opposition gegen die Regierungspolitik wird sich natürlich in dem Umfang steigern, in dem die Firmen, die vom italienischen Geschäft lebten, ihre Betriebe schließen und ihre Arbeiter auf die Straße setzen müssen. Zu den wirtschaftlichen Nachteilen der Genfer Sanktionspolitik für die einzelnen Staaten gesellen sich für diese also auch noch innerpolittsche Schwierigkeiten. 3ta?ien beruhigt Varis. Paris, 14. Noo. (DNB. Funkspruch.) Ministerpräsident Laval hatte mit dem italienischen Botschafter C e r u 11 i eine Unterredung. Der „Mcttin" schreibt, der italienische Botschafter habe beruhigende Versicherungen über d i e italienischen Gegenmaßnahmen geben wollen. Man habe in Rom zunächst das sofortige Einfuhrverbot französischer Waren beschlossen, habe aber davon abgesehen, nachdem der Handelssachbearbeiter der französischen Botschaft in Rom vorstellig geworden war. Auch die Haltung der italienischen Presse gegenüber Frankreich habe sich etwas besänftigt. Der römische Berichterstatter des „Mattn" beziffert übrigens die Summe der französischen Handelsguthaben in Italien auf 150 Millionen Franken. M sschechvslowaklscheAmiee Im Anschluß an verschiedene Personalveränderungen, die zur Zeit im tschechoslowakischen Heere vorgenommen werden, wird auch bekannt, daß die Tschechoslowakei .beabsichtigt, ein oder mehrere neue Armeekorps aufzustellen. Einzelheiten darüber sind noch nicht bekannt, jedoch liegt diese Maßregel im Zuge der sehr regen militärischen Vorbereitungen, die seit längerer Zeit, insbesondere nach dem Abschluß des auch militärisch offenbar sehr weitgehenden Bündnisvertrages mit Sowjetrußland getroffen werden. Der Rüstungseifer dieses Nachbars Deutschlands, mit dem zwar korrekte politische Beziehungen bestehen, der sich jedoch in dem gegen Deutschland gerichteten diplomatischen System an der Seite Frankreichs eifrig betätigt, nötigt zu einer sorgfältigeren Beachtung der militärischen Zustände und Absichten dieses Landes, als es bei einer friedlicheren europäischen Atmosphäre erforderlich wäre. Wenn man die militärische Entwicklung des jungen, erst auf den Trümmern des Weltkrieges erstandenen Staates allgemein charakterisieren will, so kann man sagen, daß er in den 17 Jahren seines Bestehens fast aus dem Nichts eine Militärmacht geschaffen hat, die über die normalen Bedürfnisse seiner Große und Bedeutung weit hinausgeht und daß er auch geistig aus den pazifistisch- demokratischen Grundlagen seiner Entstehung und des Volkscharakters heraus sich immer mehr zu einem in militaristischem Geiste erzogenen und geleiteten Mitglied der europäischen Familie entwickelt hat. Die tschechoslowakische Armee wurde auf den Laders aufgebaut, die im Weltkrieg als Legionäre an den verschiedensten (Ententefronten, besonders in Rußland gekämpft hatten, wo sie in der Hauptsache sich aus Ueberläufern der a l - t e n österreichischen Armee zusammensetzten. Ihr militärischer Wert war so gering, daß damals, am 16. November 1918, der erste tschecho- lowakische Ministerpräsident Kramar an d n päteren und heutigen Außenminister B e n e s ch chrieb: „Unsere Soldaten, die von der Front zurückgekommen sind, sind wenig wert, und ich glaube, wir täten besser, sie nach Hause zu schicken." Die langjährige stille Obstruktion, die das Tschechentum gegen die habsburgische Herrschaft geführt hatte, und die vielen gebrochenen Fahneneide waren gewiß keine sehr geeignete Grundlage für die Bildung einer neuen nationalen Armee. Wenn darin dennoch sehr bald Beträchtliches geleistet werden konnte, so war es vor allem der militärischen Aufbauhilfe zuzuschreiben, die Frankreich bereitwillig leistete. Schon in seinen Verhandlungen mit Clemenceau in Paris hatte Benesch dem Marschall F o ch nach dem Waffenstillstand auf zwei Jahre das Oberkommando über die neue tschechoslowakische Armee übertragen und die Entsendung einer französischen Militärmission nach Prag erbeten. Am 13. Februar 1919 übernahmen 45 französische Offiziere, die bald auf 146 vermehrt wurden, unter der Leitung des Generals Pell 6, der gleichzeitig zum Generalftabschef ernannt wurde, die Organisation und Ausbildung der neuen Armee. Im Jahre 1921 folgte ihm der französische General Mittelhauser, der. die tschechoslowakische Kriegsschule mit ausgezeichneten französischen Kräften einrichtete, und dem im Jahre 1926 der General Fancher folgte, der jedoch die oberste Leitung des Generalstabs an den tschechischen General Syrovy abgab und heute mit einem halben Dutzend französischer Offiziere in die Rolle eines militärischen Beraters der tschechoslowakischen Armee zurückgetreten ist. Auch in der Militärgesetzgebung hat die Tschechoslowakei einen deutlichen Weg von dem ursprünglichen Milizideal etwa nach Schweizer Muster zum straff organisierten stehenden Heere zurückgelegt. Die Angehörigen der Wehrmacht besaßen zuerst das politische Wahlrecht, das ihnen später entzogen wurde. Die Dienstzeit sollte nach den anfänglichen Absichten nur 14 Monate betragen, wurde aber auf 18 Monate und zuletzt, nach französischem Muster, auf zwei Jahre heraufgesetzt. Im Oktober 1933 wurde ebenfalls nach französischem Vorbild ein nationaler Verteidigungsrat gebildet, dem neben dem Ministerpräsidenten und einer Anzahl anderer Minister der Generalinspektor der Armee und der Generalstabschef angehören. Durch die nationale Geldsammlung wurde die Bildung der neuen Flugwaffe und die Anwerbung von tausend neuer Kriegsflieger ermöglicht. Eine besondere Militär st euer von zehn Prozent der Einkommensteuer sicherte dem Heeresbudget gesonderte laufende Mittel, das außerdem ständig durch außerordentliche Kredite für die Motorisierung für den Ausbau der Bese ft i g u n g e n , für die Flugwaffe, das militärische Transportwesen und die nach strategischen Gesichtspunkten vorgenommene Dezentralisation der Kriegsindustrie die zusätzlichen Mittel zur Verfügung stellte. Die akttve tschechoslowakische Armee setzt sich zur Zeit zusammen aus 12 Divisionen zu je 4 Infanterieregimente!:, ein Regiment leichter Artillerie und ein Regiment mittlerer Artillerie, aus 2 Brigaden Gebirgsinfanterie und 11 Bataillonen Grenztruppen. Die Artilleriereserve zählt 10 zum Teil motorisierte Regimenter, davon 4 mit schweren Geschützen ausgerüstet. Die Kavallerie besteht aus 4 Brigaden (11 Regimenter) und die Flugwaffe aus 6 Regimentern mit etwa 40 Geschwadern. Die Gesamtfriedensstärke der Armee beträgt zur Zeit 150 000 Mann: eine militärische Erfassung der gesamten männlichen Bevölkerung im Alter von 17 zu 60 Jahren würde 3 Millionen Mann zur Verfügung stellen. Die 10 000 Offiziere, die die tschechoslowakische Armee zählt, kommen ungefähr zu einem Viertel aus den alten Legionen, zu einem andern Viertel aus der alten österreichischen Armee und zur Hälfte aus den nach französischem Muster errichteten Militärakademien und Militärschulen. In kleinerer Anzahl gehören auch ehemalige russische Offiziere dem tschechoslowakischen Offizierkorp an. Die für die Armee ausgeworfenen Staatsmittel find insbesondere in den letzten Jahren ständig gestiegen und betragen gegenwärtig bei einem ordentlichen Staatshaushalt von 8 Milliarden Kronen nicht weniger als annähernd 2 Milliarden? Mit besonderem Eifer scheint in letzter Zeit der Ausbau von Befestigungen und neuer strategischer Bahn- und Wegeverbin- d u n g e n betrieben zu werden, wofür in dem diesjährigen Budget erhebliche Mittel ausgeworfen find. Die politisch-strategische Idee, nach der diese militärischen Vorbereitungen getroffen werden, scheint die zu sein, für den Fall eines vom Westen her erfolgenden Angriffs eine befestigte Linie zu halten, die von Mähren nach der Slowakei führt, bis der Einsatz verbündeter östlicher Heere eine Offensive ermöglicht. Von derselben Idee wurde die Errichtung von 25 Flugplätzen und mehrerer im Bau befindlicher F l u g h a U e n diktiert, die bei Heute Parlamentswahlen in England. Man erwartet bei den Wahlen eine sichere Mehrheit für die konservative Regierung, aber auch einen Zuwachs der Arbeiterpartei. Oie Problematik der Sanktionen. bem Abschluß des Bündnisses mit Sowjetrußland besondere Aufmerksamkeit erregte. Wenn sich die Nachricht von der Aufstellung eines oder mehrerer neuer Armeekorps bestätigt — und es ist nach der hier kurz geschilderten Militärpolitik der Tschechoslowakei kaum daran zu zweifeln — f° tritt dieser Mittelstaat immer deutlicher in die Reihe der hochgerüsteten europäischen Staaten. Sein Bündnis mit Frankreich und mit Sowjetrußland, seine führende Rolle in der Kleinen Entente, seine unbedingte Unterordnung unter die französische Diplomatie machen ihn, der nach seiner nationalen Zusammensetzung wie die Schweiz ein Kernland europäischer Befriedung sein könnte, zu einem bedrohlichen Element für eine friedliche Lösung mitteleuropäischer und europäischer Fragen. Verhandlungen mit Borchertas abgelehnt. Memel, 13. Nov. (DNB.) Der Auftrag des Gouverneurs an das Mitglied des litauischen Blocks Borchertas, zur Bildung des Direktoriums hat bei der Einheitsliste naturgemäß entschiedene Ablehnung gefunden. Die Einheitsliste wird auch mit Borchertas keinerlei Besprechungen pflegen. Sie richtete an den Gouverneur ein Schreiben, in dem zum Ausdruck gebracht wird, daß sie jede Verhandlung mit Borchertas ablehnt. * London verlautet, das einzige Interesse Englands sei die A u f r e ch t e r h a l t u n g des Memel st atuts, dessen Bürge die englische Regierung zusammen mit Frankreich und Italien sei. Die litauische Regierung habe erklärt, daß sie durchaus die Absicht habe, das Statut zu erfüllen. Die Tatsache jedoch, daß die litauische Regierung einen Präsidenten des Direktoriums ernannt habe, der nicht dieselbe politische Einst e l lung wie die Mehrheit des freigewählten Landtags habe, habe einige Zweifel und Besorgnisse in Deutschland und anderswo hervorgerufen. Im Memelstatut sei festgelegt, daß das Direktorium für den Landtag annehmbar sein müsse. Arbeitsteilung in der Veichsführung des BAGDZ. Berlin, 13. Nov. (DNB.» Da die Arbeits- gebiete der bisherigen fachwissenschaftlichen Abtei- lung bei der Reichsführung des Bundes nationalsozialistischer deutscher Juristen immer größeren Umfang annahmen, hat der Reichsjuristenführer, Reichsminister Dr. Frank, eine Aufteilung des Gesamtgebietes vorgesehen . nach den Gesichtspunkten der Zusammenfassung des Rechts des schöpferischen Menschen einerseits, nämlich des Patentrechtes, Urheberrechtes und Erfinderrechtes und der übrigen Rechts-, materie andererseits. Dr. Waldmann wurde mit der Bearbeitung der genannten personalrechtlichen Gebiete betraut und ihm die Leitung der standesrechtlichen Arbeitsgemeinschaft Rechtspflege übertragen. Er wurde ferner zum Vorsitzenden des Patentrechtsausschusses der Akademie deutsches Recht ernannt. Die Bearbeitung aller übrigen Rechtsgebiete übernimmt eine neu geschaffene wissenschaftlich-rechtspolitische Abteilung unter Leitung von Professor Dr. Carl Schmitt. Ihm ist auch die rechtspolitische Schulung in den Gauen übertragen worden. Ein Denunziant verurteilt. Karlsruhe, 13. Nov. (DNB.) Der verheiratete Martin Hauswirth in Bruchsal hatte seine bei der jüdischen Familie Otto Groß in Bruchsal angestellte ledige Nichte Maria Rehm, mit der er früher ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, des raffenschänderischen Verkehrs mit ihrem jüdischen Dienstherrn Groß und dessen beiden erwachsenen Söhnen verdächtigt. Da Hauswirth durch diese Anschuldigungen erhebliche Unruhe in die Bevölkerung getragen hatte, waren Gewalttätigkeiten gegen die Familie Groß zu befürchten. Eine von der Geheimen Staatspolizei durchgeführte Untersuchung ergab die Haltlosigkeit seiner Behauptungen. Die Staatsanwaltschaft Karlsruhe hat hierauf gegen Hauswirth wegen falscher Anschuldigung Anklage erhoben. Vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe wurde Hauswirth zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Den verleumdeten Personen wurde die Veröffentlichungsbefugnis des Urteils zuerkannt. Die Verhandlung hatte ergeben, daß Hauswirth aus krankhafter Eifersucht und aus Haß gegen die Rehm seine Behauptungen aus der Luft gegriffen hatte, wobei er von der irrigen Voraussetzung ausgegangen war, daß die Behörden seinen Anschuldigungen, da sie sich gegen Juden richteten, bereitwillig Glauben schenken würden. Hauswirth ist wegen der erwähnten Vorgänge von der Reichsbahn entlassen worden. ♦ Immer wieder wird von ausländischen Zeitungen das Greuelmärchen von der Rechtlosigkeit der Juden m Deutschland aufgewärmt. Der vorliegende Fall beweist die völlige Haltlosigkeit dieser Greuel- lugen. Die Verurteilung des Denunzianten Haus- wlrth zeigt, daß scharf durchgegrifsen wird, wenn sich die grundlose Verdächtigung eines Juden herausstellt. Der Jude genießt in Deutschland nach Maßgabe der geltenden Gesetze den gleichen Rechtsschutz wie jeder Reichsbürger. Wenn jene ausländischen Zeitungen wirklich der Wahrheit dienen wollen, wie sie immer wieder behaupten, werden sie nicht >umhin können, ihren Lesern von dieser Tatsache Kenntnis zu geben. Das Präsidium des Landeskirchenrats in Nassau-Hessen. LPD. Darmstadt, 13. Nov. Die erste Sitzung des neugebildeten Landeskirchenrats der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen fand am Dienstag in Darmstadt statt. Dabei wurde Oberkirchenrat Zentgraf zum Vorsitzenden gewählt, zu seinem Stellvertreter Oberkirchenrat Müller und zum Schriftführer Pfarrer Lenz. erwähnte Ein - 2N i n i st e r - S y st e m für Hessen eingeführt. So war Hessen das er sie Land Deutschlands, welches das frühere Staatsministerium mit feinen zuletzt vier selbständigen Ministerien bereits 1933 in eine vereinfachte Zentralregierung mit einigen Fachabteilungen umwandelte. Die Z u f a m m e n f a s f u n g der staatlichen Lokalbehörden unter den Kreisämtern, die den preußischen Landratsämtern entsprechen, ist läng st weite st gehend durchgeführt. hieraus ergibt sich, daß die für Mecklenburg erwähnten drei Grundsätze bereits vor zwei Jahren im Lande Hessen zur Durchführung gekommen sind. Hessen ist aber auch das erste Land, welches seit dem 1. März 1935 überhaupt keinen besonderen Mini st er mehr hat, da von diesem Zeitpunkt ab dem Reichs st atthak- ter in Hessen selbst die Führung der Landesregierung übertragen wurde. Die einzelnen Fachabteilungen unterstehen ihm unmittelbar. So ist Hessen das erste Land ohne Minister, das Land, das die einfach sie Verwaltungsreform hat, das an die Reichsverwallungsreform in der Spitze am weitesten herangeführt worden ist. mals den Gedanken vertreten, daß es nicht nur Aufgabe des Staates ist, Schulden und Fehlbeträge abzudecken, sondern das Haus auch wieder in einen würdigen baulichen Zustand zu versetzen. Von kurzsichtiger Seite könnte man mir vielleicht entgegenhalten, daß das Volk von diesen Dingen doch nichts hätte. Wie wenig dieser Einwand stichhaltig ist, das zeigt allein schon der h eu t i g e Abend. Es war mein besonderer Wunsch, so betonte der Minister unter lebhaftem Beifall des voll besetzten Hauses, daß am heutigen Abend gerade die Arbeiter der Stirn und der Hand, die am Umbau dieses Hauses beteiligt gewesen sind, zur ersten Vorstellung eingeladen wurden. Ich habe auch dafür gesorgt, daß sie ihre Frauen mitbringen können, die bei dieser Gelegenheit sehen sollen, was ihre Männer in den vergangenen Monaten geleistet haben. Wir sehen nun in der Pracht und Schönheit dieses Hauses, wie wunderbar es sein wird, .in diesem Raum wieder deutsche Kunst zu genießen. Ich kann nur dem herzlichen Wunsche Ausdruck geben, daß in Zukunft nicht nur die begüterten, sondern gerade auch die Arbeiter, der Mittel- stand und das Handwerk hier eine Stunde der Erholung und Erbauung finden mögen. Das ist ja gerade das Ziel der nationalsozialistischen Politik, die Kunst und Kultur nicht etwa auf eine kleine und dünne Oberschicht beschränkt bleiben zu lassen,' sondern sie wieder an die breiten Massen des Volkes heranzutragen. Begeisterter Beifall dankte dem Minister, dankte den darstellenden Künstlern und dem Orchester des Deutschen Opernhauses, das sich keine würdigere Eröffnungsvorstellung hätte wünschen können. rufen werden. An die Rede des Ministers schließt sich die von E. I o ch u m dirigierte „E r o i c a" an. Um 18 Uhr findet dann die feierliche Eröffnung des umgebauten Deutschen Opernhauses mit den „Meistersingern von Nürnberg" unter Leitung von Generalmusikdirektor Dr. Karl Böhm statt. Auch an diesem Festakt werden die Mitglieder der Reichsregierung, des Diplomatischen Korps und zahlreiche ausländische Künstler teilnehmen. Am Samstag tritt der Reichskultursenat zu seiner ersten Arbeitstagung zusammen. Reichsminister Dr. Goebbels wird eine Ansprache halten. Außerdem werden die Präsidenten der sieben Kammern über das Ergebnis der bisherigen Arbeit und über die zukünftigen Absichten sprechen. Ministerialrat Schmidt-Leonhardt hält einen Vortrag über die staatsrechtlichen Grundlagen der Reichskulturkammer. Anschließend gibt Reichsminister Dr. Goebbels im Hotel Kaiserhof für die Mitglieder des Reichskultursenats ein F r ü h st ü ck. Am Abend findet im Staatlichen Schauspielhaus die festliche Erstaufführung von „Thomas P a y n e" von Hanns I o h st statt. Danach findet im Hause der Kameradschaft der deutschen Künstler ein kameradschaftliches Beisammensein statt. ♦ Der Rundfunk überträgt am Freitag in der Zeit von 12 bis 13.50 Uhr aus der Berliner Philharmonie die Festsitzung. Der Deutschlandsender überträgt am selben Tage um 18 Uhr die Festaufführung der „Meistersinger". Aus aller Wett. Hochverräter vor Gericht. Essen, 13. Nov. (DNB.) Der V i e r t e S t r a f - senat des O b e r l a n d e s g e r i ch t s Hamm fällte in einem großen Hochverratsprozeh, der seit etwa acht Tagen im Essener Landgericht verhandelt wurde, das Urteil. Wegen Vorbereitung hochverräterischer Unternehmen erhielt der Hauptangeklagte lebenslänglich Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf Lebenszeit. Vier Angeklagte erhielten Zuchthausstrafen von je 15 Jahren. Weitere Angeklagte wurden zu Zuchthausstrafen von zwei bis acht Jahren verurteilt. Vier Angeklagte wurden freigesprochen. Berlin erhält das größte Lustfahrtmuseum der Welt. Staatskommissar Dr. Lippert, Berlin, besichtigte dieser Tage das im Entstehen begriffene Luftfahrtministerium am Lehrter Bahnhof, das 1936 der Oeffentlichkeit übergeben werden kann. Damit wird die Reichshauptstadt dank der tatkräftigen Förderung durch Reichsluftfahrtminister Hermann Göring und Staatskommissar Dr. Lippert der Welt größtes Museum dieser Art erhalten, dessen Sammlungen einen Ueberblick über die Entwicklungsgeschichte des Flugwesens vermitteln. Einzigartig ist das Schaumaterial, das der mit der Museumseinrichtung beauftragte Sachverständige, Hauptmann a. D. Krupp zusammengetragen hat, von den ersten Maschinchen bis zum Do X und anderen Neukonstruktionen. Man wird weiter neben Tausenden von Bildern und sonstigem, ungewöhnlich reichhaltigen Anschauungsmaterial etwa 400 Modelle der verschiedensten Flugzeugtypen und eine Sammlung von rund 200 Motoren sehen, die in beispielloser Vollständigkeit die gesamte Entwicklung des Flugwesens kennzeichnen. Das Mittelstück der Sammlung wird der Luftriese Do X bilden.Eine besondere Sehenswürdigkeit ist ein Modell des von dem verstorbenen Prof. Junkers konstruierten Nurflügelflugzeuges. Man sieht weiter u. a. die Flugzeuge von L i l i e n t h a l, das erste Motorflugzeug von Wright, mit dem dieser 1909 den ersten Flug über dem Tempelhofer Feld ausführte, ferner das erste rein deutsche Motorflugzeug, den Grade -Eindecker, zahlreiche bekannte Kampfflugzeuge der Kriegszeit, wie die rote Kampfmaschine Richthofens oder ein Modell des Fokker-Dreideckers, mit dem er abstürzte, die Gondel des Zeppelin-Luftschiffes L. Z. 14 aus der Skagerrak-Schlacht und zahllose andere historische Erinnerungsstücke. Weitere.Räumlichkeiteck' dienen einer Darstellung der geschichtlichen Entwicklung des Flugwesens von Dädalus bis in die heutige Zeit an Hand zahlreicher Gemälde, Stiche, Zeichnungen und Kleinmodelle. Hessen hat-ieeinfachsteVerwallungsforni Das Ziel der Vereinfachung im Verwaltungsaufbau wurde in Hessen bereits vor zwei Zähren erreicht. LpD. Frankfurt a. 2TL, 13. Nov. Das Gaupresseamt teilt mit: Die „Frankfurter Zeitung" vom 1. November be- richtet unter der Ueberschrift „verwattungsreform von unten“, daß beim Besuche des Staatssekretärs Dr. pfunbfner vom Reichsinneuminisierium bei der Regierung in Mecklenburg der Staatsminister dieses Landes drei Grundsätze für den Verwaltungsaufbau aufgestellt habe und zwar: 1. Erhaltung jeder Ortschaft als (Bern ei nb e, 2. Zusammenfassung aller siaattichenLokat- in stanzen unter dem Landrat, 3. Errichtung der Landeszentralbehörde unter einem Minister unter Angliederung der bisher selbständigen Ministerien als Fachabteilungen. Obwohl das Land Hessen in dieser Veröffentlichung als ein Land mit zentraler Regierungsform unter einheitlicher Leitung nebenbei erwähnt wurde, ist besonders auf folgendes hinzuweisen: Der Reichs st atthalter in Hessen hat nach einigen Monaten Uebergangszeil das vor- Dis Kunst dem Volke! Deutsche Arbeiter als erste Gäste im Deutschen Opernhaus. Berlin, 13. Nov. (DNB.) Bevor das Deutsche Opernhaus nach dem nun vollendeten Umbau aus Anlaß der Jahrestagung der Reichskulturkammer mit einer Festaufführung.eröffnet wird, waren am Mittwochabend bereits alle an dem Umbau beteiligt gewesenen Arbeiter der Faust und der Stirn mit ihren Angehörigen eingeladen, um einer Aufführung der „M eistersin - ger" beizuwohnen. Sie waren die ersten Gäste, die das Haus in vollem Glanze sahen. Neben dem leitenden Architekten Professor Baumgarten und' seinen Helfern sah man alle Handwerker, Maurer und Zimmerleute, Hilfsarbeiter und Lehrlinge, die bei dem Umbau mitgewirkt hatten. Vor Beginn der Vorstellung hatten sie die Freude, daß Veichminister Dr Goebbels selbst zu ihnen sprach, um ihnen Dank zu sagen für die geleistete Arbeit. Als der Nationalsozialismus, so betonte Dr. Goebbels u. a., an die Macht kam, ging man mit dem Gedanken um, dieses Haus aufzugeben. Es befand sich in einem außerordentlich schlechten baulichen Zustand. Die Schulden und der Fehlbetrag waren so angewachsen, daß Stadt und Staat nicht mehr glaubten, sie decken zu können. Indessen haben sich die Männer der nationalsozialistischen Regierung, an ihrer Spitze der Führer selbst, leidenschaftlich gegen den Gedanken der Aufgabe dieses Hauses zur Wehr gesetzt, und zwar aus der Ueberzeugung heraus, daß, je größer unsere nationale und soziale Not sei, um sonotwendiger es erscheinen müsse, dem Volk seine Voraussetzungen zu künstlerischer Betätigung zu lassen. Wir haben da- Zahrestagung der Reichskulturkammer. Berlin, 13. Nov. (DNB.) Am Freitag, 15. November, um 12 Uhr, wird in der Philharmonie die Jahrestagung der Reichskulturkammer stattfmden, bei der die Mitglieder des Reichskustur- senats durch den Präsidenten der Reichskulturkammer, Reichsminister Dr. Goebbels, berufen werden. An der Tagung werden neben der gesamten Reichsregierung das diplomatische Korps sowie alle maßgebenden Persönlichkeiten der Einzelkammern und der Parteiformationen teilnehmen. Eingeleitet wird die Kundgebung mit Fanfarenklängen. Danach wird der Staatsschauspieler Friedr. K a y ß- l e r einen von Herbert Böhme verfaßten Vorspruch sprechen. Der Präsident der Reichsmusikkammer, Professor Dr. Peter Raabe, dirigiert das Philharmonische Orchester, das zunächst ein Musikstück des jungen nationalsozialistischen Komponisten Hoyer zum Vortrag bringt. Danach spricht Reichsminister Dr. Goebbels als Präsident der Reichskulturkammer. Er beruft die Mitglieder des Reichskultursenats, in den außer den Präsidialräten der sieben Einzelkammern noch zahlreiche Persönlichkeiten des kulturellen und künstle- rischen Lebens, insgesamt etwa 105 Personen beDie falsche Anastasia kämpst weiter. Jene mysteriöse Anastasia Tschaikowsky, die sich selbst auf ihren abenteuerlichen Fahrten durch Europa und Amerika als „die einzige überlebende Tochter des Zaren" bezeichnete, hat jetzt in Neuyork zu einem „letzten entscheidenden Schlag" ausgeholt. Es ging ihr darum, ihre Identität anerkannt zu sehen und damit ihre Ansprüche auf jene großen Geldsummen durchzusetzen, die angeblich aus der Vorkriegszeit noch in amerikanischen Safes liegen sollten und Privatbesitz des russischen Zaren waren. Der Klage- anspruch, den Anastasia Tschaikowsky durchsetzen wollte, ist jetzt durch eine allerdings sehr verwickelte Entscheidung der Neuyorker Richter a b g e l e h n t l interessierten ...... U Gelegenheit zu ge » j etfmaligem . errangen, Daimler-Benz A'G' »N GCf ichen Rennwagen Gebrauchswagen l939.8bls19Uhr freigegeben smd. i8el Hovemt»er Ausstellung«61” E1/A tos^y worden. Die falsche Anastasia will jedoch ihren Kamps weiterkämpfen. Seit Anastasia Tschaikowsky, die aus Iekaterinen- burg nach Belgrad entflohen sein wollte, in Europa auftauchte, hatten sich immer wieder Russen und auch andere Europäer gefunden, die sich von Anastasia überzeugen ließen und ihr oft sehr erhebliche Geldmittel zur Verfügung stellten. Eines Tages wurde sie aus fast allen europäischen Ländern ausgewiesen. Sie kam nach Amerika und fand hier in dem Hause des Millionärs Leeds eine Zuflucht. Tausende von Dollars gingen mit ihren Klageansprüchen durch ihre Hände und in die Kassen amerikanischer Gerichte. Aber es dauerte fast zehn Jahre, ehe es zu einem entscheidenden Prozeß kommen konnte. Die Neuyorker Richter erkannten schnell die gefährliche Position, in die sie durch Anastasia Tschaikowsky hineingedrängt werden sollten. Sie vermieden es also, irgendeine Entscheidung zu fällen, die sich auf die Persönlichkeit her Anastasia oder auf ihre Klageberechtigung erstreckt hätte. In dem ablehnenden Gerichtsbeschluß heißt es vielmehr, daß man auch nach eifrigster Untersuchung und Umfrage weder in Neuyork noch in anderen amerikanischen Banken jene 5 Millionen Dollar habe ausfindig machen können, um die es bei jener Klage gehe. Wenn aber das Objekt nicht vorhanden sei, könne man die Ansprüche, die sich auf dieses Objekt erstreckten, nicht zum Gegenstand eines Gerichtsentscheides machen ... Großer Kirchendiebstahl in Westfalen. Ein verwegener, zweifellos von langer Hand vorbereiteter Einbruchsdieb st ahl wurde in der vergangenen Nacht in die Probsteikirche in Telgte bei Münster i. W. verübt. Die Täter, eine offenbar gut organisierte Berufseinbrecherkolonne, erbeuteten zahlreiche kostbare Kirchengeräte im Gesamtwert von etwa 200 000 Mark und konnten unerkannt entkommen. U. a. fielen den Dieben in die Hände: eine gotische Monstranz, drei kostbare alte Speisekelche, davon zwei Stück in feinster Filigranarbeit und mit Bildern geschmückt, zwei wertvolle Kranken-Ciborien, zwei alte hohe Goldkelche, sechs kleinere Goldkelche, ein Vortragekreuz reich mit Edelsteinen besetzt, ferner der gesamte Schmuck des Gnadenbildes, bestehend aus der mit Edelsteinen verzierten Goldkrone sowie aus zahlreichen Gold- und Silberketten und -Plaketten. Die gesamte deutsche Kriminalpolizei ist inzwischen durch Polizeifunk verständigt worden und hat die Ermittlungen ausgenommen. INüdchenmörder hingerichtel. Der 1900 geborene Martin Lasicki ist in Essen h i n g e r i ch t e t worden. Lasicki war durch Urteil des Schwurgerichts Essen wegen Mordes zum Tode verurteilt worden; er hatte am 2. April d. I. die 12jährige Schülerin Elise Meerkoetter aus Marl (Lippe) auf einem einsamen Waldweg überfallen, vergewaltigt und aus Furcht vor Entdeckung getötet. Gasrohrbruch fordert drei Todesopfer. In Bad Friedrichshall-Jagstfeld (Württemberg) fand man die Familie L e i st, und zwar den 31 Jahre alten Bergmann Rudolf Leist, seine 28jährige Ehefrau und ihr zwei Jahre altes Kind, im Bett t o t auf. In der Nacht war ein Gasrohr der an dem Haus vorbeiführenden Gasleitung gebrochen. Das Gas war durch einen Kanal in den Keller des Hauses geströmt und von dort in die darüberliegende Wohnung gedrungen. In der Wohnung selbst befand sich keine Gasleitung. Große lleberschwemmungen in Südfrankreich. Die Rhone steigt infolge der ungewöhnlich heftigen Regenfälle immer weiter. Bei Avignon hat der Strom bereits eine Breite von 20 Kilometern erreicht. Avignon selbst ist zu vier Fünfteln überschwemmt. Große Teile der tiefer gelegenen Straßenzüge mußten von den Bewohnern in Booten verlassen werden. Aus Marseille und Umgebung werden ebenfalls große Unwetterschäden gemeldet. Bei Toulon mußten infolge der starken Regenfälle mehrere Brücken gesperrt werden. Deutscher vberforstmeisler in das südirische Landwirtschafks- und Aischereiministerium berufen. Der deutsche Oberforstmeister Otto Reinhardt aus Kassel ist zum Direktor der forstwissenschaftlichen Abteilung des südirischen Landwirtschafts- und Fischereiministeriums ernannt worden. — Reinhardt, der von den deutschen Behörden für diesen Zweck für ein Jahr beurlaubt worden ist, wird dieser Tage in Dublin eintreffen und seinen Posten übernehmen. Verkehrsunfälle in Boppard. Am Bopparder Hamm ereigneten sich an der gleichen Stelle zwei schwere Verkehrsunfälle. Dem ersten Unfall fielen Professor D e l - h o u g n e, Extraordinarius für innere Medizin in Heidelberg, und seine Gattin zum Opfer. Professor Delhougne kam mit seinem Personenkraftwagen aus Richtung Bingen und wollte nach Koblenz fahren. Auf der regennassen Straße kam der Wagen ins Schleudern und stellte sich quer zur Fahrtrichtung. In diesem Augenblick kam ein anderer Personenwagen, der in voller Fahrt auf das querstehende Auto auffuhr. Das Ehepaar Delhougne wurde bei diesem Zusammenstoß schwer verletzt. Die beiden Verunglückten wurden ins Bopparder Krankenhaus gebracht. — Bei dem zweiten Unfall wurde in Boppard ein auf dem Bürgersteig beschäftigter Arbeiter von einem ins Schleudern geratenen Kraftwagen ersaßt und schwer verletzt. Rekordflug einer neuseeländischen Fliegerin über den Südatlantik. Die 25jährige neuseeländische Rekordfliegerin Joan Batten ist Mittwoch früh um 5.30 Uhr vom Thies bei Dakar in Westafrika zu einem Allein- slug über den Südatlantik gestartet und um 16.45 Uhr in Port Natal (Brasilien) gelandet. Sie hat damit den Rekord des Spaniers (Tempo für den Alleinflug über den Südatlantischen Ozean um etwa 3VA Stunden gebrochen. Die Fliegerin will nach Rio de Janeiro weitersliegen. Wetterbericht des Relchswelterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Mit der Verstärkung des Island-Wirbels und auffrischenden südwestlichen Winden wurden in der Nacht zum Donnerstag die bei uns liegenden feucht- milden Luftmassen hinweggeräumt. Bei gleichzeitigem heftigen Druckanstieg trat Aufheiterung und damit verstärkte nächtliche Abkühlung ein. Da von Westen her weitere Störungen auf das Festland wandern, ist Beständigkeit vorerst noch nicht zu erwarten. Die Witterung wird jedoch größere Lebhaftigkeit als seither zeigen und zwischen den einzelnen Störungen Aufheiterung bringen. Aussichten für Freitag: Zunächst nebelig und vorübergehend auch stärkere Bewölkung mit Regen, sonst wieder Auflockerung der Bewölkung, nachts frisch, tagsüber bei lebhaften südwestlichen Winden mild. Aussichten für Samstag: Wechselnd bewölkt mit zeitweiliger Aufheiterung und nur vereinzelten Niederschlägen. Lufttemperaturen am 13. November: mittags 10 Grad Celsius, abends 8,5 Grad; am 14. November: morgens 3,9 Grad. Maximum 10,1 Grad, Minimum 3,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 13. November: abends 7,2 Grad; am 14. November: morgens 6,3 Grad. — Sonnenscheindauer 0,1 Stunden. — Niederschläge 0,2 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. | Mietgesuche | [Stellengesuche] In tiefem Schmerz: Krofdorf, den 13. November 1935. 6549 D Die trauernden Hinterbliebenen. Heuchelheim, z. Z. Reichelsheim im Odenwald, den 14. November 1935. 6550 D Los II: Kolonialwaren. 04888 04891 Heute entschlief sanft nach schwerer, tückischer Krankheit unser heißgeliebtes treues Kind und Enkelchen, unseres Hauses Sonnenschein Die Beerdigung findet am Freitag, dem 15. November, nachmittags 3'/, Uhr statt — Von Beileidsbesuchen bitten wir dringend abzusehen. Kleine Anzeigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Darum: Kleinanzeigen in die Heimatzeitung, den BleßenerAnzeiger Christian Jaeger und Frau Selma, geb. Bechthold Philipp Bechthold und Frau Lina, geb. Will aushilfsweise auf etwa 2 Mon. gesucht. Schriftliche Angebote unter 6557 an den Gießener Anzeiger. Solides, ehrliches Mädchen nicht u. 20 Jahr., mit guten Zeug- nissensof.gesucht. Zu er fr. i. d. Geschäftsstelle des Gieß.Anzeig.°^ Zum l.Dezemb. wird f. Geschäftshaus jung, zweit. Mädchen nicht üb.18Jahre gesucht. Zu erfr. in der Geschäftsstelle d.G.A. Danksagung. Für die überaus zahlreichen und wohltuenden Beweise aufrichtiger Teilnahme bei dem Heimgang unseres lieben unvergeßlichen Entschlafenen sowie für die vielen Kranzspenden und allen denen, die unsrem lieben Entschlafenen das letzte Geleit gaben, sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Die tief trauernden Hinterbliebenen: Frau Marie Bien und Familie Bien. Gießen, den 14. November 1935. Junger Dekorateur (Reimannschüler) sucht z. 1. Febr. 1936 Stellung in einemTertilhaus ob. Konfektionshaus, ev. auch in jeder a. Branche. Schr.Angeb.unt. 6541D a. d.G.A. Für die vielen Beweise liebevoller Teilnahme sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Reu sch, dem Gesangverein »Eintracht«, der Bäcker-Innung Gießen- Land und der Spiel vereinigung 1926 für die vielen Kranz- und Blumenspenden und allen denen, die bei dem Heimgange unseres lieben, unvergeßlichen Entschlafenen ihm die letzte Ehre erwiesen haben, sagen wir hiermit unseren innigsten Dank. lrn Namen der trauernden Hinterbliebenen: Kaiharine Pech, geh. Wagner, nebst Angehörigen. Leihgestern, den 14. November 1935. Für sofort wird jUNges 65550 Mädchen zur Aushilfe bis zum 1. Dez. ges. Neustadt 59. Wolfgang Jaeger im Alter von 15 Jahren. Los III: Kartoffeln und Gemüse. Los IV: Eier, Butter, Milch und Fette. Los V: Gemüse- und Fruchtkonserven. Ferner: die Küchenabfälle. Angebote sind schriftlich bis zum 21.11. 35, vorm. 10 Uhr, der Küchenverwaltung des III./3. R. 36 durch die Post mit der Aufschrift „Küchenverdin- gung" oder „Küchenabfälle" einzusenden. Anschließend erfolgt die Eröffnung der Angebote. Bieter sind hierzu nicht zugelassen. Die Nachweisung über den voraussichtlichen Bedarf an Lebensmitteln und die Lieferungsbedingungen können gegen Zahlung einer Entschädigung von 0,50 RM. von der Küchenverwaltung des III./J.R.36 bezogen werden. Die Zuschlagserteilung erfolgt zum 25.11.35. — Das Angebot gilt als abgelehnt, wenn bis zu diesem Tage ein Auftrag nicht erteilt ist. alletästig.Haare, Leberflecken, Pickel, Sommerspross. ufa). entf. u. Gar. I. Immer Frau B. Gulden Sprechst.Freitag Gießen, Alicen- Straße 40 p. 8—7 Uhr durchgehend. Vornehm t Geschmackvoll! Persönlich! Olese drei wesentlichen Eigenschaften der gediegenen Familien- Drucksache bietet Ihnen in zahlreichen neuzeitlichen Ausführungen sowie Papieren billigst die Brühl’sche Druckerei Schulstr. 7. Ruf 2261 Verdingung der Küchenbedürfnisse des III. Bataillons Jnf.-Regts. 36, Wehlar. Die für die Zeit vom 1.12. 35 bis 30. 6.36 in der Küche benötigten Lebensmittel sind nach Losen getrennt zu vergeben, und zwar: 6552D Los I: Fleisch- und Wurstwaren. Iung.,berufstät. Ehepaar sucht für soiort od. spät. kl. Z-Zimm.-Wohnung m.Küche,el.Licht. Schr.Angeb.unt. 04890 an d.G.A. | Stellenangebote Keine Ursprungszeugnisse, ivndern nur Zeugnisabschriften dem Be werbungsichreiben beilegen! — Lichtbilder undBewerbungsunter- lagen müsfen zur Vermeidung von Verlusten auf der Rückfeite 'flamen und Anschrift des Bewerbers tragen! Kraftfahrer mit Führerschein lu.3bsuchtStell. ledig, 21 Jahre. Heinrich Merz Schotten, Obery. Vogelsberstr. 25. |VerschiedeneT Am Dienstagabend 6 Uhr verschied sanft nach kurzer, schwerer Krankheit unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Urgroßmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Elisabethe Bender Wwe., geb. Germer im fast vollendeten 71. Lebensjahr. Die Beerdigung findet Freitag, den 15. November, nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Ludwigstraße 19 aus statt K V 'N 15. November 15. November 1910 ^25Jahrej) 1935 Herren-Wäsche deutscher Wertarbeit Aus An faß meines 25jährigen Geschäfts - Jubiläums! Gültig nurvom 15. November bis 23. November 1935 Herren-Taghemden, Herren-Nachthemden Herren-Schlafanzüge Angefertigt aus meinen bekannten, guten Qualitäten und in bester Bielefelder Ausführung Gruppe 5 Hemd mit festem Kragen, kleine Karomuster, moderne Farbstellungen............... Mk. 5.90 Gruppe 5 Hemd mit losem Kragen und Reserve-Stoff für Ersatz- Manschetten. Besonders reichhalt. ausgemustert Mk. 6.30 Gruppe 6 Hemd mit losem Kragen und Reserve-Stoff für Ersatz- Manschetten. Aparte kleine Karomuster u. Streifen Mk. 7.40 Gruppe 7 Weiße Popelin-Hemden, durchgemustert, mit loser Manschette und 1 Paar Ersatz-Manschetten......... Mk. 7.90 Gruppe 8 Hemd mit losem Kragen und Reserve-Stoff für Ersatz- Manschetten. 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November 1935, 20 Uhr, in der Giefeener Volkshalle: Sro^e onderror/iellun^ des frankfurter fdrumann-ffteaters Da das Schumann-Theater das laufende Programm verlängert hat, ist es der NS.-Gemeinschaft Kraft durch Freude gelungen, das neue geschlossene Programm in Gießen vor dem ersten Auftreten in Frankfurt zu bringen. 6536D Kr.267 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fürGberheßen) . Donnerstag, (4.November(935 Die neue Zeppelinhalle bei Frankfurt. i Ä Neueste Aufnahme vom Bau der riesigen Luftschiffhalle auf dem Weltflughafen bei Frank- f u r t, von dem aus im kommenden Frühjahr der interkontinentale Luftverkehr ausgenommen wird. Gigantisch ragen die Pfeiler und Bogen in die Luft und lassen die ungeheueren Ausmaße der Halle nach ihrer Fertigstellung ahnen. Mit einer Länge von 60 Meter und einer Höhe von 55 Meter entsteht hier die größte Luftschiffhalle der Welt. (DNB.-Heimatbilderdienst, Photo: Schmidter.) Das Dors ohne Frauen. Wie die Olymp^kämpfer wohnen. Inmitten einer mit verschwenderischer Pracht gesegneten märkischen Landschaft, den Begriff „Streusandbüchse" in das Gebiet der Fabel verweisend, wächst in der Nähe Berlins auf dem Riesengelände des Döberitzer Heerlagers ein Dorf in die Höhe und seiner Vollendung entgegen: das Olympische Dorf! In diesem Dorf, dessen Grundfläche 550 000 Quadratmeter groß ist, das von lieblichen Hügeln, sanften Tälern, beschaulichen Waldeswinkeln, silberhellen Birkenalleen, rauschenden Kiefern, saftgrünen Rasenflächen, einem verträumten Märchensee durchzogen ist, werden zur Zeit der Olympiade, im August 1936, rund 3000 olympische Kämp- f e r ihren Aufenthalt nehmen. In diesem Dorfe sind wir jüngst spazieren gegangen und haben das Wundern wieder gelernt. Gewiß, man war auf vieles vorbereitet,' man hatte von dieser und jener Einrichtung bereits gehört. Aber wie verblaßt jedes Wort, jede Beschreibung vor der Wirklichkeit, vor der wir nun standen! Man weiß kaum, wovon man zuerst berichten soll. Etwa von den vielen Einzelhäusern, die durch das Grün der Bäume schimmern, und in denen die Mannschaften der 45 Nationen, die sich bisher zur Teilnahme anmeldeten untergebracht werden? Jedes dieser Häuser trägt den Namen einer Stadt. An der Stirnwand eines solchen Hauses sehen wir in farbiger, silhouettenhafter Zeichnung die Türme der Stadt Erfurt, dort die Wahrzeichen der Dichterstadt Weimar. Im Innern bergen diese eingeschossigen, mit edlem Putz geschmückten und mit leuchtenden, roten Ziegeldächern versehenen „Steinbara.cken" Helle, lichte Räume, Schlafkabinen für je zwei „Olympier", Brausebäder, Waschräume, Aufenthaltsräume, und breite terrassenartige Ausgänge in den Wald, in dessen Mitte diese Häuser verschwiegen und versponnen stehen. Oder aber drei solcher Häuser sind hufeisenförmig aneinandergebaut und umschließen so einen mit Birken und Tannen bestandenen Garten. Dann fällt unser Blick auf das mächtige, mit breitausladenden, offenen, luftigen Terrassen versehene Wirtschaftsgebäude, das die Speisesäle und die 38 Küchen in sich birgt, die berufen sind, die 3000 Kämpfer sachgemäß zu verpflegen. Jede Nation wird ihre eigenen Köche mitbringen, um die Nationalgerichte, unter denen auch die schmackhaften Schwalbennester nicht fehlen werden, in gewohnter Güte herzustellen. Jedes Weltbad wäre Stolz, ein solches „Kurhaus" sein eigen nennen zu dürfen. Doch auch sonst ist auf die nationale Eigenart der Olympiateilnehmer Bedacht genommen. Unter großen, herrlichen Laubbäumen lugt ein strohgedecktes Holzhaus hervor. Es ist die „Sauna", jenes eigenartige Dampfbad, ohne das die Finnen nicht leben können. Hier werden sie sich von heißen Dämpfen einhüllen lassen, werden sie sich mit Bir- kenreisern ihre Körper rot schlagen lassen, um sich dann sofort mit einem Kopfsprung in die kalten Fluten des Sees zu stürzen, dessen Gestade (mit drei Meter Tiefe) bis an den Fuß des Blockhauses heranreicht. Weiter geht es durch die weiten Anlagen des Dorfes. Bis in die entferntesten, äußersten Winkel stoßen wir vor, bis dorthin, wo der große N u r m i als Führer seiner Nationalmannschaft sich ungestört der Ruhe und Erholung hingeben wird. Auf die verschiedenen „Gaue" des Dorflagers werden die einzelnen Völker (wer zählt sie und wer kennt die Namen?) verteilt. Eng benachbart werden Deutsche und Franzosen beieinander wohnen. Dort haben die Engländer, da die Japaner, und da hinten die Südamerikaner ihre Wohnsitze. Eine große, in sich einige Völkerfamilie wird hier leben, und ihr einziger Ehrgeiz wird sein: der Sieg für ihr Volk, aber auch die Sportkamradschaft aller! Dieser Gedanke des Olympischen Dorfe, 1932 in Los Angeles in die Wirklichkeit übertragen, ist so überwältigend, daß von dem Erlebnis dieser Lagergemeinschaft nur Segensreiches ausströmen wird. Doch wir sind in unserem Rundgang noch nicht zu Ende. Da ist noch die große Schwimmhalle, deren eine Breitseite nur aus riesigen großen Glasscheiben besteht, die bei warmer Witterung versenkt werden, und so das Hqllenbad zu einem Freibad machen. Und dort hinten recken sich schon die stählernen Träger der gewaltigen Sporthalle in die Höhe, in der die Athleten üben werden. Nebenan aber, auf dem beneidenswerten gut ausgebauten und angelegten Stadion werden die Rasenkämpfer und Läufer trainieren. Und so stehen nebeneinander, immer aber wieder durch Baum- und Strauchkulissen von einander geschieden, neben den ruhigen Wohnhäusern die Stätten des Kampfes. Während wir von Bauwerk zu Bauwerk wandern, bewundern wir immer wieder, wie d i e Natur selbst einbezogen wurde in das Leben und Treiben dieses Dorfes. Man hat immer wieder neue, reizvolle Durchblicke und herzerfreuende Naturbilder geschaffen, Wahrlich! Wenn man auf der „Bastion" steht, unter jenem großen Pilztempel, in dessen Schatten in der Augusthitze erfrischende Getränke (aber kein Alkohol) eingenommen werden können, und wenn dann der Blick weit, weit hinüber schaut über diese Welt der Schönheit und Lieblichkeit, dann überkommt einen das Gefühl: hier ist der Frieden der Wett, hier ist das Paradies! Langsam führt uns der Weg zum Eingang in dieses olympische Idyll zurück. Aber aufmerksam schauen wir uns um und sehen, wie liebevoll man mit den Bäumen, die hier wuchsen, umging! Sie wurden nicht „abgeholzt", wenn sie hier und da im Wege standen. Nein, fein säuberlich wird hier die Dachrinne, dort die Treppe unterbrochen, um dem Wachstum keinen Einhalt zu gebieten. Ja, hier ist die Natur mit der Kunst eine Ehe eingegangen. Der Führer des Reiches, der den Bau dieses Olympischen Dorfes der deutschen Wehrmacht als der Besitzerin des Geländes übertrug, hat hier das Zeichen gegeben zur Errichtung eines Natur- und Kulturdenkmals, dessen Einwirkung auf die Völker der Erde nicht abzuschätzen ist. Breit, mit weiten Flügeln nach links und rechts, liegt nun wieder dad Empfangsgebäude mit dem Eingangstor, von dem aus wir unfern Spaziergang begannen, vor uns. Hier in diesen Räumen werden die Ehrengäste, die Gesandtschaftsattaches, die Ehrenführer der Nationalmannschaften wohnen. Auch sie wird Sorgfalt, Vornehmheit, Wohnkultur umgeben. Eine Schar lebendiger, schmucker weißgekleideter „Ehrenjungs", Schüler der Reichshauptstädtischen Unterrichtsanftalten, mannigfacher Weltsprachen mächtig, werden flinke Dienste persönlicher Art leisten. Post, Telegraph, Fernsprecher, Läden, Verkaufsräume, erleichtern den Aufenthalt in jeder Weise. Alles, alles wird vorhanden (und fertig) fein, wenn im Mai d i e ersten Mannschaften im Olympischen Dorf eintreffen. tRur eins wird es nicht geben: dieses romantische Dorf wird kein weiblicher Fuß betreten! Dieses Dorf wird ein Dorf ohne Frauen sein! Unbarmherzige Wächter werden an den Eingängen diese Ruhe- und Uebungsstätte jede Besucherin, aber auch jeden Besucher fernhalten. H. Deyben. Anrechnung von Schutzhaft als Llntersuchungshaft. Darmstadt, 13. Nov. (LPD.) Die Frage, ob die Schutz ha ft, welche seit der Verordnung zum Schutze von Volk und Staat seit Anfang 1933 häufig verhängt wurde, ebenso wie die Untersuchungshaft auf die gerichtlich erkannten Strafen angerechnet werden kann, ist, wie die Justizpressestelle Darmstadt mitteilt, von den Gerichten seither nicht immer einheitlich gelost worden. Zahlreiche Oberlandesgerichte, darunter das Ober» landesgericht Darmstadt und neuerdings auch der Volksgerichtshof, haben sich für die Anrechnung der Schutzhaft ausgesprochen, wenn diese in der abzuurteilenden Strafsache verhängt war. Nunmehr hat auch das Reichsgericht in einem Urteil vom 30. September 1935 zu der Frage Stellung genommen. Es wird darin hervorgehoben, daß klargestellt werden müsse, ob es sich bei der sog. Schutzhaft um die schon früher zulässige Polizeihaft im Sinne der Strafprozeßordnung eines nach den Bestimmungen der Straf- prozeßprdnung vorläufig Festgenommenen handelt, ober um eigentliche Schutzhaft im Sinne der eingangs erwähnten Verordnung. Im ersteren Falle ist die Anrechnung auf die Freiheitsstrafe nach §60 Strafprozeßordnung ohne weiteres zulässig; handelt es sich dagegen um eigentliche Schutzhaft, so ist die Anrechnung ebenfalls zulässig, wenn die Haft 3ur Sicherung der Strafverfolgung, ober zur Untersuchung ber Straftat ungeordnet war Denn §60 der Strafprozeßordnung versteht unter Untersuchungshaft nicht nur die Haft im Sinne der Strafprozeßordnung, sondern jede behördliche Freiheitsentziehung, die der Strafverfolgung dient. Einen solchen Charakter kann (nicht muß) aber auch die Schutzhaft haben In einer Anmerkung zu dieser Entscheidung in der „Deutschen Justiz" begrüßt Ministerialrat R i e tz s ch , daß sich nunmehr auch das Reichsgericht dieser billigenswerten Auffassung angeschlossen hat. Kirche und Schule. Evangelisch-kirchliche Personalien. (LPD.) Ernannt wurden: der Hilfsprediger Erwin Weigel zu Oberhausen (Rheinland) zum Pfarrverwalter der Pfarrei Burkhardts, Dekanat Schotten, mit Wirkung vom 16. Oktober 1935 ab; der Pfarrer Lic. Dr Hugo Grün zu Hochheim am Main zum Dekanstellvertreter des Dekanats Wiesbaden-Wallau mit Wirkung vom 16. Oktober 1935 ab; der Pfarrverwalter Ludwig Hahn zu Altheim, Dekanat Groß-Umstadt, zum' Pfarrer der Pfarrei Altheim, mit Wirkung vom 1 Oktober 1935 ab; der Pfarrer Otto Müller-Thüring zu Neuerkirch (Kreis Simmer, Rheinland) zum Pfarrer der Pfarrei Michelbach i T., Dekanat Bad Schmalbach, mit Wirkung vym 1 November 1935 ab; der Pfarrverwalter Ernst Velten zu Offenthal, Dekanat Offenbach, zum 5)iissprediger in Limburg (Lahn), Dekanat Runkel, mit Wirkung vom 16 Oktober 1935 ab; der Dekanatsstellvertreter Pfarrer Gustav Zeh- fuß zu Schlitz zum Dekan des Dekanats Lauterbach, mit Wirkung vom 1. November 1935 ab; der Pfarrer Leopold S p e r b zu Zangenberg (Zeitz-Land), Konsistorium der Provinz Sachsen, zum Pfarrer der Pfarrei Wirges, Dekanat Selters, mit Wirkung vom 1. November 1935 ab; der Pfarrer Johannes G i e b n e r aus Heidelberg zum Pfarrverwalter der Pfarrei Groß-Karben, Dekanat Friedberg, mit Wirkung vom 1. Oktober 1935 ab; der Pfarrer Lic. Hans Korn zu Braunschweig zum Pfarrer der St Jakobsgememde zu Frankfurt am Main-Bockenhetm, Dekanat Frankfurt a. M.- West, mit Wirkung vorn 1. November 1935 ab; der Missionar und Vikar Philipp Schäfer zu Bischoffen, Dekanat Gladei ; zum Pfarrverwalter der Pfarrei Obbornho : D.ckanat Hungen, mit Wirkung vom 1. November 1935 ab. Bürgermeister-Tagung in Schotten. D Schotten, 12. Nov. Im hiesigen Rathaussaal fand unter Leitung des Obmanns, Bürgermeister Menget, Schotten, eine vollzählig besuchte Tagung des Kreisverbands Schotten vom Deutschen Gemeindetag statt. Nach Eröffnung und Begrüßung des Kreisleiters K r o m m, Regierungsrats Schwan, der Inspektoren Müller und Alles vom Kreisamt Schotten wurde eine Reihe von Rundschreiben und Verfügun- aen des Deutschen Gemeindetags bekanntgegeben. (Kosten des Luftschutzes, Förderung des Jugendherbergwerkes, Stärkung des Deutschtumsfonds u. a.) Auf die Abfassung der Gemeinderatsprotokolle kam Inspektor Müller zu sprechen. Ein längerer Erlaß des Reichsinnenministers, der die Gemeinden bei Aufstellung ihrer Voranschläge an Sparsamkeit dringend mahnt, wurde verlesen. Regierungsrat Schwan ergänzte den Erlaß und besprach die Frage der Wassergelderhebung und der Steuerrückstände. Dann hielt der Direktor des Arbeitsamtes Gießen, OberregierunqSrat Or. List einen Vortrag über die Durchführung von Notftandsarbeiten. Ursprünglich wurden diese eingeführt, um das Rad einer abwärts sich bewegenden Wirtschaft aufzuhalten, dann wurden die Notftandsarbeiten produktiv gestaltet. Heute wird das Recht auf Arbeit in den Vordergrund gestellt. In Oberhessen liegt der Prozentsatz der Arbeitslosigkeit mit 10 Personen auf 1000 Einwohner weit unter dem Reichsdurchschnitt mit 26 pro Tausend. Manche Notstandsgebiete, Offenbach, Worms find ungünstiger gestellt. Es gilt daher, Personen aus den dortigen Gebieten in Oberhessen unterzubringen. Dies ist auch schon mit 680 Personen geschehen, der Plan soll noch weiter durchgeführt werden. In erster Linie sollen Personen, die im letzten Jahre weniger als V2 Jahr gearbeitet, besonders auch Jugendliche unter 25 Jahren, sowie Familienväter mit mindestens drei Zuschlags- empsängern berücksichtigt werden. Auf den großen volkswirtschaftlichen Wert der Meliorationen kam der Redner zu sprechen, der auch von den Bürgermeistern anerkannt wurde, die in den letzten Jahren Meliorationen in ihren Gemeinden durchgeführt haben. Im letzten Jahr sind bisher im Kreise Schotten Notftandsarbeiten mit 20130 Tagewerken = zirka 100 000 RM. Zuschüssen ausgeführt worden. Eine Reihe von Notstandsarbeiten läuft noch, manche sind neu beantragt. Immer ist die Frage zu prüfen, ob die Notftandsarbeiten entlastend wirken, ob sie wirtschaftlich wertvoll sind und die Gemeinde auch finanziell in der Lage ist, sie durchzuführen. Die Frage der Verwendung von landwirtschaftlichen Arbeitern wurde näher besprochen. In besondes gelagerten Fällen sollen besonders begründete Anträg' . qt werden. Der Redner sprach dann nodi i: 5er die Unterbringung der alten Kämpfer, über die L.. 5eitsvermittlung, dis nunmehr ganz in der Hand ber Arbeitsämter liegt, ferner eingehend über die Ausstellung und den Wert des Arbeitsbuches, über die Meldung der arbeitslos gewordenen Personen, über die Einstellung ber Holzhauer unb über Bekämpfung ber Schwarzarbeit unb bie Mithilfe ber Bürgermeistereien bei ber Außenkontrolle. Kreisleiter Kr 0 mm ergänzte die Frage ber Arbeitsbeschaffung unb wies auf bie besonderen Schwierigkeiten im Vogelsberg hin. pg. Karbus vvm Landesverkehrsverband Rhein - Main hielt dann einen Vortrag über die Hebung des Verkehrs im Vogelsberg. Jede, auch die kleinste Gemeinde müsse Jntere'le an dieser Hebung haben, alle hätten Vortä. Mit leichter Mühe, ohne viele Kosten, fö.Cu> noch sehr viel in unseren Vogelsberg-Dörfern 1": . die Verschönerung des Dorfes (Blumenkasten) usw. geschehen. Ein de- fonberer Prospekt für ben Vogelsberg werbe vom Verkehrsverband herausgegeben. Kreisleiter Kromm wies ergänzend auch auf die Hebungsmöglichkeiten des Fremdenverkehrs hin. Vom Kreisamt wurden noch eine Reihe von Fragen (Einzelhandelsfchutz, Haushaltsrechnung, Winterhilfswerk u. a.) vorgebracht. Kreisleiter Kromm berichtete von dem gewaltigen Erleben am 8. und 9. November in München und braute ein begeistert aufgenommenes Sieg-Heil auf den Führer aus. Die Tagung, die reiche Anregung brachte, wurde als- dann geschloffen. DNB N Vei ben Säulchen-Schnitzern im Oswald. Die Heimarbeiter in der Werkstatt. — (Ausnahmen [2]: DNB.-Heimatbilderdienst. Photos: Reeck.) LPD. Hessen - Nassau steckt voller Heimindustrien. In allen Gegenden unseres Gaues sind in engen Dorfftuben emsige Hände tätig, um ihren Sonderzweig der Heimarbeit zu pflegen und aus ihm ihr täglich Brot zu gewinnen. Nun, da die Weihnachtszeit naht, wird auch in den Spielzeugdörfern des Odenwaldes tüchtig gearbeitet, damit die „Odenwälder Gäulchen" noch rechtzeitig fertig werden, denn in einigen Wochen sollen sie in den Dörfern unb Stäbten unseres Gaues auf den Weihnachtsmärkten zum Verkauf stehen. In Rohrbach schaffte einst die ganze Familie mit Gesellen und Lehrlingen, denn rund 60 000 Gäulchen gingen aus einem einzigen Betrieb in die Wett. Da war das ganze Haus wohl eine einzige Spielzeugfabrik. Inzwischen hat Rohrbach sein altes Gewerbe so gut wie ganz aufgegeben. Als Hauptspielzeugmacherdorf kann Niedernhausen am Fuße des Schlosses Lichtenberg gelten. Hier merkt man auf Schritt und Tritt, daß Niedernhausen ein Spielzeugmacherdorf ist. Jetzt herrscht schon Weih- ncichtsbetrieb. Hunderte von Apfelschimmeln stehen schwadronenweise auf Tischen aufgebaut zum Trocknen. In zwölf Größen werden die Pferdchen her- gestellt, dazu die nötigen Karren oder Wagen. Und so wie der Großvater die Pferdchen machte, so werden sie noch heute hergestellt, wenn auch Hobelbank und Sägen elektrisch angetrieben werden. Di« Parade der hölzernen Schimmel, t ’** < z wr ______________________i. 9Jl.~fpOTt Handball-Großkampf bei 1900. urhessen Kassel. Die Kurhessen in der Wirtschaft Am kommenden Sonntag trifft die 1. Mannschaft der Spielvereinigung 1900 im Verbandsspiel auf die 1. Mannschaft von Ki ' " ~ ~ Der Stand der Spiele Handball-Gauliga Tlordhessen. „Wieder hat unser Führer und Reichskanzler Adolf Hitler in einer gewaltigen, die Herzen aufrüttelnden Kundgebung das Volk zum Winterhilfswerk 1935/36 aufgerufen. Der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen als Abbild der Volksgemeinschaft sieht eine seiner vornehmsten Aufgaben in der Unterstützung dieses Hilfwerkes mit seinen ganzen Kräften. 1934/35 hat der deutsche Sport durch seine Opfertage und weiteren großen sportlichen Veranstaltungen dem Winterhilfswerk insgesamt 783 584,50 Mark zur Verfügung stellen können. Auch in diesein Winter wieder rüsten sich alle Sportverbände zu neuen großen Anstrengungen. Am 3. November werden beim „Tag des Handballs" und am 20. November beim „Tag des Fußballs" alle Spiele in den Dienst der nationalsozialistischen Hilfe für die Aermsten der Armen gestellt. Am 24. November ist der „Opfertag der Hockeyspieler" und am 1. Dezember wer die Kegler bei ihren Veranstaltungen für das Winterhilfswerk eintreten. Alle übrigen Sportarten werden folgen, entschlossen, das Ergebnis des Vorjahres noch wesentlich zu übertreffen. Jedes einzelne Mitglied des Reichsbundes für Leibesübungen aber sieht es darüber hinaus als seine Pflicht an, persönlich und durch Werbung mit allen Mitteln dafür zu sorgen, daß auch in diesem Winter der Kampf gegen Hunger und Kälte siegreich bestanden wird. Bereits in den Vorjahren hat die deutsche Turn- und Sporbewegung auch ihre festlichen Veranstaltungen dem Winterhilfswerk gewidmet in der klaren Sportverein 1928 Garbenteich. Mendorf a. d. Lahn I — Garbenteich I 1:6 (1:4). Die erste Mannschaft des Sportvereins Garbenteich weilte am Sonntag zum Punkterückspiel in Allendorf. Bei gutem Fußballwetter bekamen die etwa 400 Zuschauer ein interessantes Spiel zu sehen, das hoch zugunsten der Gäste ausging. Gleich von Anfang legte Garbenteich mächtig los und konnte bereits in. der 20. Minute mit 3:0 die Führung übernehmen. Ein Handelfmeter brachte hierauf dem Gastgeber das einzige Tor des Tages. Bis zum Spielwechsel lautete das Resultat 4:1 für Garbenteich. Nach dem Seitenwechsel ergab sich dasselbe Bild. Garbenteich als technisch reifere Mannschaft war tonangebend und brachte wieder- bolt das Allendorfer Tor in Gefahr. Mit dem Schlußergebnis von 6:1 Toren buchte der Sportverein einen weiteren schönen Sieg. Das Spiel wurde von Schiedsrichter Niersbach (Wetzlar) einwandfrei geleitet. Einen schönen Sieg konnten Garbenteichs erste Schüler buchen, die nur mit 10 Mann spielend die gleiche von „Teutonia" Steinberg mit 2:1 Toren abfertigte. Fußball im Tv. Launsbach. Heuchelheim II — Launsbach I 1:6 (1:6). Die erste Mannschaft von Launsbach fuhr nach Heuchelheim zur spielstarken zweiten Mannschaft des Sportvereins. Heuchelheim leistete bis zum Schluffe des Spieles energischen Widerstand. Launsbach siegte verdient auf Grund des besseren technischen Spieles. Die gesamte Mannschaft zeigte ein schönes Zusammenspiel. Der Sturm hat sich um vieles gebessert. Launsbach Jgd. — VfV.-Reichsbahn 2. Igd. 5:2. Die Jugendmannschaft hatte die zweite Jugendmannschaft vom DfB.-R. zu Gast und siegte verdient mit 5:2. Fußball im Turnverein Großen-Linden Ebenso erging es der Licher Jugend, die von Krofdorf 3:1 geschlagen wurde. Kurze Sportnotizen. Gras Baillet-Latour, der Präsident des IOC., schrieb den nationalen Olympischen Komitees jetzt folgendes: „Mögen alle die, deren guter Glaube mißbraucht worden ist, ihren Irrtum erkennen und in aller Aufrichtigkeit mit uns arbeiten, um aus den Spielen von Berlin und Garmisch- Partenkirchen eine Kundgebung zum Nutzen und Wohle der Jugend der Welt zu machen." Eine Fortsetzung der Olympia- Werb e f l ü g e ist für die zweite Novemberhälfte zu erwarten. Diesmal sollen Lissabon, Madrid, Paris, Brüssel, Amsterdam und London besucht werden. Kilian-Vopel gewannen in Amerika ein weiteres Sechstage-Rennen. Nach ihren Siegen in Montreal und Pittsburg endeten sie jetzt in Chita go mit Debaets - Thomas zusammen mit der gleichen Punktzahl an der Spitze. Erkenntnis, daß Feste und Feiern in dieser Zeit nur dann Berechtigung haben, wenn sie sich unter den Gedanken des Opferns des ganzen Volkes für die notleidenden Volksgenossen unterordnen. Des Einsatzes der ganzen Turn- und Sportgemeinde für den Nationalsozialismus der Tat bin ich gewiß. gez. von Tschammer und Osten. Oer Aufruf des Gau-Fachamtsleiters. Gaufachamtsleiter Oberstudienrat Riemann richtet folgenden Aufruf an die Vereine des Gaues Nordhessen: „Ein umfangreiches Spielprogramm ist vorgesehen, um am 20. November den hessischen Fußball nach den Weisungen des Reichssportführers und unseres Reichsfachamtsleiters ganz in den Dienst des großen deutschen Winterhilfswerkes zu stellen, zu dem unser Führer aufgerufen hat. Ich erwarte von allen verantwortlichen Stellen des Fachamtes, daß sie sich mit ganzer Kraft in den Dienst dieser großen Sache stellen. Wir opfern viel für unseren Fußballsport und müssen daher auch vollzählig und mit großer Begeisterung dabei sein, wenn es sich um eine so große vaterländische Sache handelt. In enger Verbundenheit von „Stadt- und Landfußball" muß dieser Opfertag das für unseren Gau größtmöglichste Ergebnis in ideeller und finanzieller Hinsicht sein. Ein jeder von uns muß seine Ehre darein setzen, dazu nach besten Kräften beizutragen." sind als spielstarke Mannschaft bekannt und nehmen zur Zeit den zweiten Tabellenplatz hinter dem Gaumeister C. T. ein. Schottland und Irland lieferten sich vor 28 000 Zuschauern einen ausgeglichenen Fußball- Länderkampf. Die Schotten siegten mit Glück 2:1 Europameister Gustav Eder verteidigte am Montagabend im Berliner Sportpalast vor 7000 Zuschauern feinen Weltergewichtstitel erfolgreich gegen Wouters (Belgien). Der Deutsche siegte in der neuntem Runde entscheidend. — Der deutsche SchwergenHchtsmeister Hower rettete seinen Titel durch ein Unentschieden gegen Hans Schönrath. Das Pariser Sechstagerennen endete mit dem Sieg der französischen Mannschaft Archam- baud-Lapebie mit 3341 Kilometer und 755 Punkten. Drei Runden zurück folgten als Zweite die Italiener Guerra-Olmo mit 805 Punkten. — Die Deutschen Thierbach-Umbenhauer waren in der letzten Nacht aus dem Rennen genommen worden, weil sie mehr als 25 Verlustrunden auf die Spitzengruppe hatten. Die erfolgreichsten Pferde der abgelaufenen Saison sind Sturmvogel mit 105 955 Mk. Gewinnsumme, Athanasius mit 91085 Mark und Nereide mit 42 500 Mark. Dornrose und Ebro folgen mit 41185 und 31 950 Mark oor Lampadus und Janitor, die ebenfalls noch mehr als 25 000 Mark zusammengaloppierten. Zum Winterhilss-Opsertag des WbMportes Aufruf des Reichssportführers. CT. Spiele Gew. Unentsch. Verl. Pkte. 4 3 1 0 7:1 Kurheffen 4 3 0 1 6:2 Tufpo 86/09 4 3 0 1 6:2 1900 Gießen 3 2 0 1 4:2 Tufpo Bettenhausen 3 2 0 1 4:2 Spielverein 4 2 0 2 4:4 Tv. Kirchbauna 3 1 1 1 3:3 Tv. 61 Eschwege VfB. Kurhessen 4 0 0 4 0:8 Marburg 5 0 0 5 0:10 Großen-Linden I — 1900 Gießen III 10:3 (6:1). Die erste Mannschaft scheint ihre Krise überwunden zu haben. In ihrem sonntägigen Spiel gegen 1900s dritte zeigte die Mannschaft ein ganz überragendes Stürmerspiel, dem die Hintermannschaft der Gäste nicht gewachsen war. Großen-Linden Jgd. — Klein-Linden Jgd. 5:3 (2:3). Vor diesem Spiel kämpfte die Jugend gegen die gleiche des To. Klein-Linden. Es zeigte sich erneut, daß der Verein über einen guten Nachwuchs verfügt. Bieber I — Großen-Linden II 2:2 (2:1). Die zweite Mannschaft spielte am Sonntag in Bieber gegen die wiedererstandenen Platzbesitzer. Auch diese Mannschaft scheint sich wieder in aufsteigender Form zu befinden, Nach ihrem 4:3-Sieg in Vetzberg gelana ihr in Bieber trotz drei Mann Ersatz und ohne ihren Tormann ein Unentschieden. Ä. f. N. Lich. Cid) I — Gröningen I 3:2 (1:2). Auf dem Sportplatz zu Grüningen standen sich die ersten Mannschaften von Lich und Grüningen gegenüber. Die Gäste konnten sich zunächst auf dem kleinen und sehr vernachlässigten Platz nicht zurechtfinden und mußten sich zur Halbzeit mit 2:1 als geschlagen betrachten. Erst in der zweiten Halbzeit holte Lich die Führung mit 3:2 an sich, die die Einheimischen ihnen nicht mehr entreißen konnten. Schiedsrichter Rüspeler (Krofdorf) leitete das Spiel einwandfrei. Die Aufnahme der Licher Fußballer durch die Bevölkerung war sehr herzlich. Lichs zweite Mannschaft konnte gegen die sehr hart spielenden Teutonen Steinbergs nicht aufkommen und mußte sich 1:4 geschlagen bekennen. — Oie Zndustne- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1240: Errichtung der Ueberwachungsstelle für Seide, Kunstseide und Zellwolle. Die Ueberwachungsstelle für Seide, Kunst- • seide, Kleidung und verwandte Gebiete erhält die Bezeichnung: Ueberwachungsstelle für Kleidung und verwandte Gebiete. 1241: Nebenkosten des Warenverkehrs: Freigabe von Kleinstbeträgen. Neue Erleichterung für die Ausfuhrfirmen. 1242: Vor einer Verteilung der schweizerischen Kontingentsreste für die Einfuhr aus Deutschland. 1243: Die Handhabung des erweiterten Freibetrages im Reiseverkehr. 1244: Bekanntmachung KP 57 der Ueberwachungsstelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1245: Statistisches Jahrbuch für die Eisen- und Stahlindustrie 1935. 1247: Bekanntmachung KP 58 der Ueberwachungsstelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1248: Neue Warenmuster-Bestimmung der tschechischen Postverwaltung. 1249: Aenderung im französischen Einfuhrbewilligungsverfahren für lebende Pflanzen. 1250: Die Oktober-Umsatzsteuerumrechnungssätze auf Reichsmark für die nicht in Berlin notierten ausländischen Zahlungsmittel. 1251: Erlaß eines neuen Tabakgesetzes in Bulgarien. 1252: Bekanntmachung KP 59 der Ueberwachungsstelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. 1253: Einfuhr in die Schweiz: Die deutschen Kontingente für die neuerdings einfuhrbeschränkten Waren. Rhein-Mainische Börse. Alittagsbörse leicht erholt. Frankfurt a. M., 13. Nov. Da das Angebot aus dem Publikum erheblich nachgelassen hat, ergaben sich zu Beginn der heutigen Börse auf nahezu allen Marktgebieten leichte Erholungen. Das Geschäft war etwas lebhafter. Die Kulisse nahm auf dem ermäßigten Kursstand Rückkäufe vor, auch von der Kundschaft sollen bereits wieder Käufe vorgenommen worden sein. Am Aktienmarkt betrugen die durchschnittlichen Besserungen 1 v. H. Stärkere Erhöhungen wiesen Siemens mit 163,50 (160), RWE. mit 121,13 (119,65), Licht & Kraft mit 1-27,50 (126), Zellstoff Waldhof mit 108,50 (106,50) und Aschaffenburger Zellstoff mit 73 (71,65) auf. Montanpapiere erfuhren bei lebhafteren Umsätzen Erholungen von 0,50 bis 1 v. H., Klöckner gewannen 1,13 o. H. Schwach lagen aber nochmals Rhein. Braunkohlen mit 205 (208). Am Chemiemarkt eröffneten JG.-Farben mit 145 (144,25), Scheideanstalt mit 207 (206), Goldschmidt mit 102 (101,50) und Deutsche Erdöl mit unverändert 100,50. Von Elektrowerten lagen noch höher AEG. mit plus 0,65 v. H., Elektr. Lieferungen mit plus 0,65 v. H. und Felten mit plus 0,25 v. H., während Geffürel 0,75 v. H. und Schuckert 0,40 v. H. nachließen. Sonst setzten ein: Hapag 15 (14,75), Daimler 87,75 (87), Holzmann 85,75 (85), Metallgesellschaft 104 (103,50), dagegen Conti Linoleum Zürich nach Pause mit 129,25 (135) und Reichsbank mit 177 (177,50). Nach den ersten Kursen war die Haltung etwas uneinr heitlich, teilweise bröckelten die Kurse wieder etwas ab, so IG. Farben auf 144,50 nach 145. Der Rentenrnarkt lag anfangs gut behauptet, später gaben die Kurse verschiedentlich leicht nach, so Kornrnunal-Urnschuldung um 0,15 v. H., Zinsvergütungsscheine auf 90,65 (90,75) und späte Schuldbuchforderungen auf 97,13 (97,25). Niedriger lagen außerdem zertisizierte Gulden-Obligationen, Young-Gulden 85,50 (85,75). Altbefitz blieben zu 113 unverändert, 6 v. H. Stahloerein 102,90 (plus 0,25 v. H.). Der Verlauf brachte bei stark nachlasfenden Um- sätzen keine stärkeren Veränderungen. Mannes- mann und Stahlverein gaben je 1 v. H. nach., IG. Farben waren wieder 0,25 v. H. höher mit 144,75. Schwach zur Notiz kamen noch Südd. Zucker mit 198 (200) und Jul. Berger mit 110 (112). Am Kassamarkt waren Bad. Assekuranz gesucht, Taxe 44 (40). Von Renten zogen Kommunal - Umschuldung mäßig an, sonst zeigten die variablen Werte keine Aenderung. Der Pfandbriesmarkt lag zumeist behauptet, Liquidationspfandbriefe bröckelten teilweise 0,13 v. H. ab. Von Stadtanleihen gingen Darmstädter um je 0,50 v. H. zurück auf. 90,50 bzw. 92,50, die übrigen lagen behauptet. Auslandsrenten waren geschäftslos. Tagesgeld war gesucht mit 3 (2,75) v. H. Abendbörfe freundlich. Die Abendbörse brachte bei freundlicher Grund- stimmung und etwas belebterem Geschäft weitere Kurserholungen. Im Vordergrund des Interesses standen Montanwerte. Mannesmann selbst gewannen 1 v. H. auf 77, ferner stiegen Stahlverein auf 75,40 bis 75,50 (74,65), Rheinstahl auf 102,13 (101,65), Mansfelder auf 114,75 (114) und Harpener auf 108 (107,75). Ilse Genuß lagen mit 124,25 bis 125 (125,50) nicht ganz behauptet. Von Elektrowerten notierten Lahmeyer mit 120 (119). JG.- Farben zogen auf 145,50 (145,40) an. Auf den übrigen Marktgebieten ergaben sich gegen die Berliner Schlußkurse meist Erhöhungen von 0,25 bis 0,50 v. H. Der Rentenmarkt lag ruhig und kaum verändert. Von fremden Werten wurden Ungarn etwas höher bewertet. U. a. notierten: Altbesitz 113, 4,5proz. Hessen von 1929 97,25, 4,5prozentige Thüringer von 1927 96, 4,5proz. Heidelberg 89,50, 4,5proz. Mainzer von 28 92,50, 6proz. Stahlverein 102,75, 6proz. Krupp 103, JG.-Farben-Bonds 121,75, 4,5proz. Franks. Hyp.- Bank KO. II/III 93, 4proz. Ungarn von 1910 9,40, 4proz. Rumänen 4,75, 4proz. SBB. 185,50, Commerzbank 83, DD-Bank 82,50, Reichsbank 177, Buderus 96,50, Harpener 108, Ilse Genuß 124,25, ins 125, Kali Westeregeln 121, Mannesmann 77, Mansfeld 114,75, Hoesch 83,50, Rheinstahl 102,13, Stahlverein 75,40 bis 75,50, Aku 52, Bekula 140,90, Conti Gummi 155,25, Daimler 88,25, Scheideanstalt 207, Deutsche Linoleum 134, Licht & Kraft 126.75, Elektr. Lieferungen 109, JG.-Farben 145,50, Felten 99,50, Geffürel 120,50, Hanfwerke Füssen 78, Holz- mann 85,50, Lahmeyer 120, Metallgesellschaft 104,50, Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 13. Nov. Am Getreidegroßmarkt blieb das Geschäft in Brotgetreide bei ausreichendem Angebot klein. In Futtergetreide lag kein Angebot vor, soweit Gerste und Haier in Frage kommen, die Nachfrage hielt an. Am Futtermitt?l- markt blieben Kleie und Futtermeble gesucht, während Nachmehle nur schwierigen Absatz finden. Das Mehlgeschäft beschränkt sich auf die Deckung des laufenden Bedarfs, bevorzugt werden die Weizenmehl-Typen 790 und 1600 (Brotmehle). Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige ie 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W 13 W16 206, W 19 210, W 20 212. Roggen R 12 166, R 15 169, R18 173, R19 175 Großhandelspreise der Müblen der genannten Preisgebiete. Futtergerste —, Sommergerste für Brauzwecke 200 bis 210. Hafer —. Weizenmehl W13 27,95, W16 28.20, W19 28 20, W 20 28.55, Roggenmehl R12 22.45, R15 22,80, R 18 23.30, R19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizennachmehl 17,10 bis 17,25, Weizenfuttermehl 13.50. Weizenkleie W13 10,65, W16 10,80, W19 11, W 20 11,10, Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R 19 10,50 Mühlenfestvreise ab Mühlenstatiön. Soyaschrot m. M. 16,20, Palmkuchen m. M. 16,80, Erdnußkuchen m. M. 18,30, Treber —, Trockenschnitzel 8.80 Großhandelspreis ab Fabrik-Station, Heu 8 bis 8,50, Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt 3,20 bis 3,40, gebündelt 3 bis 3,20. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 14. Nov. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 55 Rinder (1 Ochse, 3 Bullen, 48 Kühe, 3 Färsen), 768 Kälber, 253 Schafe, 396 Schweine. Es kosteten: Kälber 32 bis 76 Mark, Härnrnel 43 bis 48, Schafe 25 bis 43, Schweine 51 bis 57 Mark. — Marktverlauf: Kälber, Härnrnel und Schafe mittelmäßig, Schweine wurden zugeteilt. Die hinter den Papieren Frankfurt a.M. Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börse Schluß- turS Schluß!. Mittag- börse Datum 12.11 13.11 12.11. 13-11. 6% Deutsche Rcichsanlethe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 5y2°/o Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 4*/i% Deutsche Reichspostschahaw Weisungen von 1934, 1....... 6% ehem.8% Hess. Bolksst.^ 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 4%% ehem. 8% Hessische Landes- banl Darmstadt Gold SR. 12.... 6y2% ehem. 4yt°/o Hess. Landes- Hypothekenbank DarmstadtLiauI 4%% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R. 6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4yt% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 5%% ehem. 4’/2% Franks. Hyp.^ Bank-Liqu.-Pfandbriese....... 6 yt% ehem. 4-/r% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe..... 4%% ehem. 8% Pr.Landespfandbriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4%% ehem. 7% Pr.Landespsank vriefanst., Gold Komm. Obl.VI Steuergutsch.Berrechnungsk. 34-38 4% Lesterreichische Goldrente.... 4,20% Lesterreichische Stlberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 41/z% desgl. von 1913.......... 5% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anlethe Serie 1..................... 100,5 97,5 101 113 100,6 97 96,25 100,65 91,75 113 96,25 100,75 100,9 97 97 107,65 29 1,3 9,4 9,25 9,25 10,75 101,13 97,5 102 113 100,6 97,25 96,25 100,65 91,75 113 96,25 100,65 100,75 97 97 107,65 29 1,25 9,35 9,4 9,25 10,7 100,5 97,5 102,13 113,13 100,7 113 100,65 97 97 107,65 28,5 1,25 9,3 9,3 10,7 101,25 97,5 101,25 113 100,7 97 96 113 100,65 97 97 107,65 29,13 1,25 9,45 9,25 9,5 10,7 12 Kurszettel der Berliner angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt bejch Frankfurt a. M Berlin Schlußkurs Schluß!. Abendbörse Schluß- iure Schluß!. Mittagbörse Datum 1211 13-11. 12.11 13-11 4% desgl. Sene 11 ............ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4'/r2c>Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2 ^% Anatolier .............. Hamburg-A mertla-P aket o Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........o A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz, und Privat-Bank ... o Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................o Dresdner Bank..............o Relchsbank ...... 12 A.E.G......................0 Bekula.................... 10 Elektr. Lieferungsgesellschaft... 5 Licht und Kraft ........... 6% Felten & Guilleaume......... 4 Gesellsch.f.Eleklr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co...............4 Siemens L Halske....... .... 7 Lahmeyer LEo..............7 Buderus ................. 4 Deutsche Erdöl ..............4 Harpener...................0 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen.. B Ilse Bergbau ......... 6 Ilse Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke ............... 3 Mannesmann-Röhrey........0 5,9 8,4 4,75 39 14,75 16,5 74,5 107,75 82,75 82,5 82,5 177,5 33,9 140,65 107,65 126 98,75 121,25 119,65 116 160 120,5 96 105 107 83 150 123,5 80,9 75 5,8 8,75 4,75 38,75 15 16,5 79 . 107,4 83 82,5 82,5 177 34,5 140,9 109 126,75 99,5 120,5 122,5 120,75 115,75 163,5 120 96,5 100,5 108 83,5 150 125 82 77 12 8,5 4,75 39,25 14,9 28,5 16,13 74,65 107,5 82,75 82,5 82,5 177,75 34 140,75 108,4 126 99,25 120,75 126,5 119,9 115,75 160,5 120 96,13 100,5 107,4 82,65 151 124,5 81 75,25 6 8,5 4,8 39,25 14,75 28,25 16,13 78,75 106,5 82,75 82,5 82,5 177,25 34,75 141,13 108,75 126,75 99,5 120,75 124 120,75 115,5 163 119 96,5 100,5 107,75 83,4 153 125,5 81,5 76 Frankfurter Börse. lossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Frankfurt a. M. BerNn Schlußkurs Schluß!. Abend- börse Schlußkurs Schluß!. Mlitag» börse Datum 12.11• 13.11 . 12.11 13-11. Mansfelder Bergbau....... .. 5 117 114,75 116,5 114 Kokswerke................ .. 6 112 111,75 Rheinische Braunkohlen .... 12 208 205 208 205 Rheinstahl ................ .. 4 101,5 102,13 101,25 101,65 Vereinigte Stahlwerke...... .. 0 74 75,5 74,13 74,65 Otavi Minen ............. .. 0 18,5 18,25 18,25 18,13 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 125,5 125,5 125,5 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 120,5 121 120,5 120,75 Kaliwerke Salzdetfurth..... 7 y» 176,25 177 177 177,25 3- G- Farben-Jndustrte..... .. ? 144,25 145,5 144,25 145,4 Scheideanstalt............. .. 9 206 207 Goldschmidt .............. .. 5 102 102,5 102 102,75 Rütgerswerke ............. .. 6 107,75 109 108,5 109,4 Metällgesellschaft........... 4 103,5 104,5 104 104,4 Philipp Hoizmann......... Zementwerk Heidelberg .... .. 4 85 85,5 84,5 86 .. 7 114,25 113,5 - Cementwerk Karlstadt....... - 6 129,25 - - — Schultheis Patzenhofer ..... . 4 _ _ 100,75 102 Atu (Allgemeine Kunstseide) . 0 51,9 52 51,75 51,75 Bemberg................. . 5 100,5 100 101 100,25 Zellstoff Waldhof .......... . 5 106,5 108,5 107 108,75 Zellstoff Aschaffenburg ..... . 0 71,65 72,25 72,25 72,13 Dessauer Gas ............. . 7 — — 124 124,25 Daimler Motoren.......... . 0 87 88,25 87,5 87,65 Deutsche Linoleum......... ■ 8 136 134 136 133,5 Lrenstein & Koppel ........ . 0 73 73,5 Westdeutsche Kaufhof....... . 0 23,5 23,5 23,25 23,75 Chade .................... 7'/, 292 — 292 291,4 Accumulatoren-Fabrik...... 12 168 — 168 167,5 Conti-Gummi............ . 8 154,25 155,£5 154,25 155/25 Grttzner.................. . 0 27 - 27,13 27 Mainkraftwerke Höchst a.M.. . 4 97,75 - - Süddeutscher Zucker ....... 10 200 - 200,13 192 Lombardzinsfuß 5 o. H. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2U. 12-November 13 November Amtliche Geld | Notierung Brief Amtliche Notierung Geld 1 Brief Buenos Atre. 0,673 0,677 0,673 0,677 Brüssel..... 42,01 42,09 42,01 42,09 Rio de Jan. 0,141 0,i43 0,141 0,143 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,64 54,74 54,57 54,67 Danzig..... 46,79 46,89 46,79 46,89 London ..... 12,235 12,265 12,22 12,25 Heljingfors.. 5,395 5,405 5,385 5,395 Paris ...... 16,365 16,405 16,365 16,405 Holland .... 168,75 169,09 168,69 169,03 Italien..... 20,20 20,24 20,20 20,24 Japan ...... 0,714 0,716 0,713 0,715 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 61,44 61,56 61,36 61,43 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,10 11,1 11,09 11,11 Stockholm... 63,07 63,1 62,99 63,11 Schweiz .... 80,84 81,00 80,76 80,92 Spanien.... 33,91 33,97 33,93 33,99 Prag....... Budapest ... 10,265 10,285 10,265 10,285 Neuyork ... 2,486 2,490 2,486 2,490 Banknoten. .___Berlin,! Z.November Geld Bries Amertkannchs Noten....... 2,438 Belgische Noten........... 41,88 42^04 Dänische Noten .......... 54 36 Englische Stolen ................. 12,185 12,225 Französische Noten........ 16,315 16,375 Holländische Nöten........ 168,27 168,95 Italienische Noten......... 19,46 19,54 Norwegische Noten ....... 61,20 61,44 Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling Rumänische Noten........ —- _ Schwedische Noten........ Schweizer Noten........... 80 58 80,90 Spanische Moten........... 33,57 33,71 Ungarische Noten.......... e e e e • e Der junge Baron, der sich überdies durch mangelhafte Manieren und allzu sportlich-sachliches Auftreten wenig vorteilhaft eingeführt hat, geht ab und kommt alsbald verwandelt wieder als sein eigener Papa, mit grauen Schläfen, ein Kavalier der alten Schule. Sabine ist entzückt von ihm, verliebt sich und verlobt sich Knall und Fall mit dem Vater — statt mit dem Sohn. (Es ist aber derselbe, schade, wir wissen es schon.) * Das dicke c «be kommt natürlich nach. Papa al- f»rt zusehends. Sein Schlafbedürfnis ist erschreckend. Das ist eine harmlose Abendunterhaltung im unverbindlichen Plauderton» an der sogar das äußerst wohlerzogene und mit Erfahrungen gesegnete Stubenmädchen von Zeit zu Zeit teilnehmen darf. Die Aufführung unter der Spielleitung von Herrn von S p a l l a r t war denn auch durchaus auf leichte und zwanglose Konversation gestimmt, auf diskrete Ueberraschungen, gedämpfte Späße und allerlei Kostümwechsel hüben und drüben. Das ganze spielte sich in einem von Herrn Löffler geschmackvoll und großzügig ausgestatteten Empfangsraum in Frau Biankas Hause ab. Herr von S P a l l a r t hatte sich auch die Rolle des Barons zugedacht, die seinen Gaben als Bonvivant allerlei Anregungen bietet und außerdem Gelegenheit zu gern gesehenen Spielereien und Der- Wandlungskünsten mit Kostüm und Maske gibt: er war Vater und Sohn in einer Person und wußte sie doch gebührend auseinanderzuhalten, er war unEr braucht Pulver und Tabletten, er ist ein bißchen verkalkt, er hat die Gicht im Zeh und gar keine Lust, mit seiner jungen Braut, wie die gern möchte, auf den Ball zu gehen. Das gibt den ersten Krach, und Mama in ihrer Güte ist schon so weit, sich trotz ihrer Abneigung gegen graue Schläfen „zu opfern", wie sie das nennt, und ihren Schwiegersohn selber zu heiraten, ehe noch weiteres Unheil geschieht. Paulsen als glatter, weltgewandter Graf Hohenstein traf überraschend gut den Ton des Grand- seigneurs der damaligen Zeit. Außerdem verdient erwähnt zu werden, daß der Film eine glänzende Darstellung des Prinzregenten Luitpold brachte. Gute Musik, ausgezeichnete Photographie und eine untadelige Regie (Fritz Wendhausen) erhöhten den Wert dieses Terra-Films. Das Programm brachte außerdem einen guten Kulturfilm und die Wochenschau. — Kein verlorener Abend! N. bekümmert, war liebenswürdig, war grob und galant und zuletzt stürmisch verliebt. * Fräulein Henckell gab die überraschend schnell geheilte Tochter Sabine, sah reizend aus und spielte frisch und natürlich, mit Humor und soviel Gefühl, wie die unwahrscheinliche Begebenheit eben verträgt. Aenne Markgraf spielte die noch jugendliche Mama so gepflegt und taktvoll, wie es die etwas heikle Rolle verlangt. Aus dem Justizrat machte Herr Kühne eine hübsche Charge, während Fräulein Decker sich als die gewitzte Kammerjungfer Therese appetitlich präsentierte. — Die Neuerscheinung wurde sehr freundlich entgegengenommen. nth. „Künstlerliebe." Das Lichtspielhaus zeigt gegenwärtig einen sehr ansprechenden und unterhaltsamen Film unter dem Titel „Künstlerliebe". Eine Liebesgeschichte spielte sich ab, die in ihren feinen Varianten und durch den überzeugenden Gang der Handlung zu starkem Miterleben zwingt. Eine Tänzerin der Münchener Hofoper und ein Maler lernen sich kennen und lieben, verhelfen einander indirekt zu Erfolgen, — durch die sie allerdings getrennt werden. In Rom fällt der Maler einer Circe in die Hände und findet nur mühsam in die Heimat zurück: in München bemüht sich ein Gönner des Theaters um die Tänzerin. Zwifchenträgereien tun ein übriges; nur mit Hilfe von Zufälligkeiten, wie sie das Leben ja oft genug spielen läßt, finden sich beide wieder. Der Film verlegt die Handlung in die Zeit um 1880 und gestaltet das Thema zu einer feinen Milieuschilderung, in der das ärmliche Maler- Atelier mit der gleichen Sorgfalt wiedergegeben ist wie die großen gesellschaftlichen Aufzüge im Münchener Hofopernhaus. In der Darstellung wurden lebenswahre Gestalten geschaffen. So fällt,Jnge Schmit sehr angenehm in der weiblichen Hauptrolle als Tänzerin des Hofopernballes auf. Erfreulich, daß man ihr den starken persönlichen Ausdruck und alle Einfachheit ließ. Wolfgang Liebeneiner gibt als Maler vor der Staffelei wie im Trubel des gesellschaftlichen Lebens eine gleichermaßen liebenswerte Figur. Herzlich und glaubhaft in den Szenen mit seiner Liebsten, überzeugend auch in den heftigen Auftritten zwischen ihm und der Circe. Hans Brausewetter ist sein treuer und lustiger Freund, aufgeräumt und burschikos, wie man ihn aus vielen anderen Rollen kennt. Olga Tschechowa als die reiche und verführerische Witwe zeigte eine fein abgewogene Leistung. Harald Kaum ist der Alte in den Garten gehumpelt, um dort in Muße über den so ungewöhnlichen Antrag geziemend nachzudenken, erscheint zur Abwechslung wieder der junge Baron auf der Bildfläche, der sich ebenfalls, aber sehr zu seinem Vorteil, verändert hat; seine Umgangsformen haben sich erfreulich gebessert, und er ist sofort bereit, mit Sabine, dieweil der Alte sich ordentlich ausschläft, auf den Ball zu gehen. Das tun sie auch, obwohl Mama Bedenken hat, und kommen sehr spät, sehr vergnügt und sehr verliebt nach Hause. * Nachdem dann noch auf etwas umständliche Manier das Doppelspiel aufgeklärt ist, ohne daß der Vater den Sohn und der Sohn den Vater zu erschießen brauchte, womit jeder dem andern. zum Schrecken des ganzen Theaters schon gedroht hat, ist alles im Reinen: Sabine bekommt den Baron, den einzigen, den es in diesem Stück gibt, von grauen Schläfen ist fürder nicht mehr die Rede, und für Mama bleibt noch immer der freundliche Justizrat, der zur rechten Zeit wieder aus dem Hintergrund auftaucht. Das geht so. Vier Personen: Frau Bianka und • Tochter Sabine; Baron Milanovici und der Justizrat, ein Freund und Berater des Hauses. Er macht der Mama trotz seiner sechzig Jahre einen Antrag und bekommt einen Korb, denn Mama hat eine Schwäche für jüngere Semester. Der Baron, Badebekanntschaft vom vorigen Jahr, macht danach seine Aufwartung und der Tochter einen Antrag; er bekommt ebenfalls einen Korb, denn Sabine ist mehr für Männer mit grauen Schläfen, was in manchen Romanen und Stücken als interessant und jedenfalls als ein Zeichen von Erfahrung im Leben und besonders in der Liebe gilt. Zeitschriften. — Das Novemberheft der „K u n st k a m m e r" (Propyläen-Verlag, Berlin) bringt einen reichbebilderten Aufsatz von Friedrich Schwerter über den Maler Adam Elsheimer. Es enthält weiter Beiträge zur sozialen Selbsteinordnung des bildenden Künstlers („Atelier und Werkstatt"), über das „Grabmal der Zukunft" und über Freskomaleri der Gegenwart. Weitere Bilder und Berichte zeigen Glas zur Zierde und zum Gebrauch, die Werkstatt eines Goldschmieds, Bauten am Neckar-Kanal und die Ausstellung „Wasserstraßen — Wassersport". Hochschulnacbrichten. Der Dozent der inneren Medizin Dr. med. habil. Ferdinand Claussen von der Universität München ist mit dem 1. November dieses Jahres in gleicher Eigenschaft, aber unter Ausdehnung feiner Lehrbefugnis auf das Gebiet der Erbbiologie und Rassenhygiene in die Medizinische Fakultät der Universität Frankfurt übergesiedelt. Er ist hier zugleich als Oberarzt am Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene tätig. Der Herr Reichs- und preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung in Berlin hat den Professor Dr. Kurt Go-erttler an der Universität Hamburg mit Wirkung vom 1. November dieses Jahres an die Universität Heidelberg zum ordentlichen Professor für Anatomie unter gleichzeitiger Ernennung zum Direktor des Anatomischen Instituts der Universität Heidelberg ernannt. Das neue Institut für Rohstoff- und Waren- künde der Heidelberger Universität wurde dieser Tage eröffnet, mit dessen Leitung der Direk- tor.des Physikalisch-Chemischen Instituts Professor Dr. Fischbeck beauftragt wurde. Nicht nur die Staats- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät erfährt durch das neue Institut eine Bereicherung, sondern hier ist eine Einrichtung ins Leben gerufen worden, die über den Rahmen der Universität hinaus weiten Kreisen die wertvollsten Anregungen vermitteln kann. Gießener Stadttheater. Leo Lenz: „Der Mann mit den grauen Schläfen." Wenn in einem Lustspiel zu drei Akten vier Personen auf dem Zettel stehen, zwei männlichen und zwei weiblichen Geschlechts (die Kammerjungfer Therese zählt nicht mit) —, dann kann es sich nach alter Vereinbarung zwischen Theater und Publikum nur darum handeln, daß diese vier übers Kreuz und wieder zurück so lange hin und her geschoben werden, bis sie paarweise zueinander passen, was normalerweise nicht unter zwei Stunden dauern und erst kurz vor dem dritten Vorhang zum Klappen kommen darf. * Das Schema dieses Lustspiels weicht vom üblichen insofern ab, als der zweite Herr nicht ernstlich mitspielt oder jedenfalls nur sozusagen in Reserve gehalten wird. Dafür ist der andere Herr doppelt, das heißt: er erscheint als „Vater und Sohn"; nicht auf einmal natürlich, das kommt nur in der Illustrierten vor, sondern hübsch nacheinander. Die beiden Damen merken es erst ganz zuletzt, drolligerweise; das Publikum merkt es schon etwas früher, denn es glaubt nicht an Hexerei und an Doppelgänger höchstens bei Shakespeare. Hr.267 Zweites Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Donnerstag, 14- November (935 Spendet Brot für hilfsbedürftige Familien! Deutsche Hausfrau, das geht Dich an! Aus der Provinzialhauptstadt. Die alte Lampe. Zu meinem Geburtstage haben mir meine Kinder eine neue Schreibtischlampe geschenkt. Sie meinten es gewiß gut und haben schon monatelang gespart, um dieses Glanzstück zu erwerben. Nun steht sie auf dem etwas abgewetzten Schreibtisch, die neue Lampe. Von einem massiven Sockel strebt ein schlanker Hals in schwarz poliertem Holz in die Höhe, und darauf ruht wie eine Krone der Lampenschirm aus gelbem Stoff. Jeder, der ins Zimmer kommt, sagt: Das ist aber eine schöne Lampe. Und ich sage es auch. Aber wenn ich fo ganz allein bin und in stillen Abendstunden vor meinem Schreibtisch sitze dann ist es mir doch so, als ob etwas fehlte. Die neue Lampe macht ja schön hell, fast zu hell. Ich kann den ganzen Schreibtisch bequem übersehen, aber "gend etwas ist nun doch nicht so, wie ich es wünsche. Die Lampe ist nämlich zu groß. Beim Umlegen von Plänen und Zeichnungen muß ich mich beständig zurücklehnen, auch beim Zeitungslesen. Da kam mir nun an einem der letzten Abende der Gedanke: Könntest du nicht, wenn deine Kinder im Bett liegen, wieder die alte Lampe einschalten? Auch meine Frau war schon zu Bett gegangen. Ich ging also ins Nebenzimmer und holte die kleine Schreibtischlampe mit ihrem altmodischen FuK aus Messing und dem grünlichen Porzellanschirm. Zuerst war dieser Schirm weiß gewesen, aber mein kleiner Junge hatte einmal eine wertvolle Vase vom Schrank geworfen. Dabei war sie auf den Lampenschirm gefallen. Der Ersatzschirm war nun grünlich und paßte auch nicht so recht. Diese alte Lampe — ich hatte sie schon als Junggeselle — stellte ich nun ganz heimlich wieder auf ihren Platz. Untz mit einem Male war mein Schreibtisch wieder in Ordnung. Es war mir beinahe so, als ob ich eine Reise gemacht hätte und nun wieder zu Hause säße. Vergnügt betrachtete ich die kleine Lampe und den etwas düsteren Schirm. Ganz von selbst kam ich ins Träumen, ließ Papier und Stift liegen, und längst vergangene Zeiten tauchten vor meinem Auge auf. Wir schließen Freundschaften im Leben, wir lernen liebe Menschen kennen und schätzen. Aber ganz unbewußt schließen wir auch mit unserer Umwelt Freundschaft Wir haben Gegenstände um uns, an denen unser Herz hängt. Und so ist es auch mit dieser Lampe. Das fühlte ich jetzt erst. Sie spendete mir Licht, wenn ich am Abend heimkam und noch einige Zeit in einem Buch las, sie leuchtete mir, als ich die ersten Briefe an meine liebe Freundin schrieb, die schaute mit ihrem hellen Auge in mein Tagebuch, das ich durch lange Jahre hindurch führte. Bei ihrem Scheine betrachtete ich meine Bilder, meine Zeichnungen. Und alles gefiel mir viel besser, als am Tage in der grellen Sonne. Ringsum im Zimmer herrschte Dämmerung, nur der Schreibtisch wurde von dem milden Licht der Lampe erhellt. Bis tief in die Nacht hinein habe ich da gesessen und geschrieben und gar manchmal die Feder hingelegt und den inneren Stimmen gelauscht. Da gab es Tage, an denen der Sturm in wilder Hast und Gier an den Fensterläden rüttelte und der Regen an die Scheiben schlug. Im Ofen glühten dir Kohlen, und wohlige Wärme durchzog das Zimmer. Auf dem Schreibtisch aber lag mein Lieblingsbuch. Es führte mich hinaus in die deutschen Lande, es erzählte von Sommer und Sonnenschein ... Und die alte Lampe strahlte und half mir in diesen meinen schönsten Stunden ... All das und noch viel mehr zog mir durch den Sinn, als ich nun die treue Lampe wieder an ihren alten Platz gestellt hatte. Sie war mir eine gute Freundin geworden im Laufe der Jahrzehnte. Und sie soll es bleiben. Bei Tage soll die neue auf dem Schreibtisch prangen, soll den Leuten Wir wissen, deutsche Hausfrau, daß durch deine Hände der größte Teil des gesamten Lin- kommens des deutschen Volkes läuft. Wir wissen, daß es in den meisten Fällen deiner Geschicklichkeit und auch deiner Sorge überlassen bleibt, mit dem Haushaltsgeld, das der Ernährer der Familie dir zur Verfügung stellen kann, den Deinen das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten, und daher wissen wir auch, daß fo mancher Groschen, der im Rahmen des WHW. an deiner Tür gesammelt wird, aus deiner Kasse kommt. Und darum wenden wir uns noch einmal besonders gerade an dich und bitten dich, es möglich zu machen, daß am kommenden Samstag auch bei dir der Pimpf einen Laib Vrot aus- Freude machen. Am Abend aber, wenn ich allein bin, dann werde ich wieder meine alte Lampe hervorholen und ganz heimlich werden wir uns unterhalten. G. Bornotizen. Tageskalender für Donnerstag. NSG. „Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr fröhliche Gymnastik und Spiele nur für Frauen im Lyzeum, Dammstrahe; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Landschaftsbund Volkstum und Heimat, Ortsring Gießen: 20.15 Uhr Heimatabend in der Aula des Gymnasiums. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Die Pompadour". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Künstlerliebe". — Bauwirtring, Bremen: 20 Uhr im Hotel Schütz Lichtbildervortrag. Liederabend Gustav Bley. Vom Konzertverein wird uns geschrieben: Gustav Bley, der am kommenden Sonntag den diesjährigen Liederabend des Konzertvereins bestreiten wird, ist nicht nur auf der Bühne heimisch, sondern hat auch als Konzertsänger schon seit Jahren sehr bemerkenswerte Erfolge zu verzeichnen. Davon geben die zahlreichen Liederabende Zeugnis, die Herr Bley in München, sowie in anderen großen Städten Deutschlands und der Schweiz mit zunehmenden Erfolg gegeben hat. Auch als Oratorien- fänger ist Herr Bley in beiden Ländern bestens bekannt, so daß unser Publikum von feinen Leistungen als Arien-, Lieder- und Balladensänger Außergewöhnliches erwarten darf. Die auswärtige Kritik rühmt sein mächtiges und wohllautendes Organ, sowie feine hohe Musikalität und Gestaltungs- fahigkeit. Wir erhoffen und wünschen dem ersten Bariton unseres Stadttheaters das rege Interesse der Gießener für feinen Liederabend! Die Begleitung hat Professor Dr. Temesvary übernommen. Näheres über Eintrittspreise und Vortragsfolge in der gestrigen Anzeige. Das Konzert beginnt pünktlich um 17 Uhr. Die Personalsachbearbeiter bei den Gemeindeverwaltungen. Die Landesregierung hat an die Kreisämter folgende Verfügung gerichtet: Ueber die Besetzung der Stellen der Sachbearbeiter für die Personalien bei den Gemeinden und den Gemeindeverbänden sind Klagen oorgebracht worden. Für die Durchsetzung nationalsozialistischen Gedankenguts in der Verwaltung ist auch bei den Gemeinden und Gemeindeverbänden von größter Bedeutung, wer die Sachbearbeiter (einschließlich des Büropersonals) für die Personalien der Beamtenschaft und Gefolgschaft sind. Es ist eine selbstverständliche Forderung, daß auch die Gemeinden und Gemeindeoerbände bei der Verteilung ihrer gehändigt erhält, der dann mit vielen Tausenden anderen von uns nach Offenbach gefahren wird, um dort deinen Schwestern, die der Sorge um das tägliche Brot nicht Herr werden können, die Wög- lichkttt zu geben, ihren Kindern und sich selbst einmal einige Brote mehr auf den Tisch legen zu können. Das bedenkt! Aber wir wissen, daß unser Appell an euch, deutsche Hausfrauen nicht umsonst ergeht, denn unsere Geschichte beweist, daß gerade die deutsche Frau Opfer bringen kann, und ihr nicht weniger als eure Mütter und Vorfahren. Die Kreisführung des WHW. Gießen. Geschäfte darauf bedacht nehmen, auf die hier in Betracht kommenden Arbeitsplätze grundsätzlich Mitglieder der NSDAP., jedenfalls aber solche Personen zu setzen, die rückhaltlos auf dem Boden des nationalsozialistischen Staates stehen. Die Gemeinden sind hiervon mit dem Auftrag zu verständigen, das Erforderliche, soweit noch nicht geschehen, zu veranlassen. Auch für die Kreisverwaltungen ist von ihnen das Entsprechende anzuordnen. NSDAP. Ortsgruppe Gietzeu-Ost. Freitag, 15. November, abends 8.30 Uhr, im Cafe Leib Kundgebung. Es spricht: Pg. Jean B u l l rn a n n , Kreisleiter z. b. V. Wir laden hierzu alle Volksgenossen herzlichst ein! Für Parteigenossen und Mitglieder der Gliederungen ist die Teilnahme selbstverständliche Pflicht! Eintritt frei! Deutsche Arbeitsfront. Sprechstunden der Verwaltungsstelle 19. Die Sprechstunden der DAF. Verwaltungsstelle 19 Gießen sind ab sofort wie folgt festgesetzt: Wochentags von 10 bis 13 und von 16 bis 18 Uhr Freitags von 8 bis 13 und von 15 bis 18 Uhr Freitags von 10 bis 14 Uhr. Diese Anordnung der Sprechstunden muß erfolgen, um eine ordnungsgemäße Abwicklung und Bearbeitung der in den Sprechstunden sich anhäufenden Arbeiten zu gewährleisten. An jedem Freitag finden die Unterftützungsauszahlungen statt, so daß an diesem Tage wie seither geöffnet ist. Die Unterstützungs a n t r ä g e sind aber an den anderen Tagen zu stellen. Kreisjugendwallung Gießen. Die Sprech st und en sind für Jungens: Dienstags von 19 bis 21 Uhr; Donnerstags von 15 bis 17 Uhr. Für Mädels: Montags von 20.15 bis 22 Uhr; Donnerstags von 10.15 bis 11.25 Uhr und von 18 bis 19 Uhr. Sportamt „Krast durch Freude". heute folgende Kurse: Fröhl. Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26. Reiten. Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. * Am kommenden Samstag und Sonntag müssen die Kurse für Hallentennis ausfallen! Die Stunden werden nachgeholt. Landschastsbund Volkstum und Heimat Orlsring Gießen. Heute, Donnerstag, 20.15 Uhr in der Aula des Gymnasiums: Lichtbildervortrag von Prof. Dr. Hummel: „W i e unsere Heimatlandschaft entstanden ist". Lieder der Hel» m a t, von Frau Steiner, gesungen von der Dichterin. Eintritt für Mitglieder des ÜVH., der an- geschlossenen Verbände und des Goethebundes famt Angehörigen je 10 Pf., Nichtmitglieder 30 Pf. DieWaldkaserne kann besichtisttwerden. Wie bas II. Bataillon Jnf.-Regt. 36 uns mitteilt, steht die Waldkaserne des Bataillons an der Licher Land st raße am nächsten Sonntag, 17. November, von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr zur Besichtigung für die Bevölkerung offen. Wir empfehlen unseren Lesern diesen Besuch der Kaserne, der ihnen zeigen wird, in welch' ausgezeichneter Weise unsere 36er dort untergebracht sind. Neue Bestimmungen über Hauö- schlachtungen. Der Vorsitzende der Hauptvereinigung der Deutschen Viehwirtschaft hat unter dem 5. November 1935 eine Anordnung Nr. 26 über Hausschlachtungen ergehen lassen, in der folgendes bestimmt wird: „Im Interesse der gleichmäßigen Versorgung der Bevölkerung mit Schweinefleisch ordne ich auf Grund des § 8 Abs. 3 der Satzung der Hauptvereinigung der Deutschen Viehwirtschaft vom 5. März 1935 in Verbindung mit § 8 Abs. 2 der Satzung für Schlachtviehoerwertungsverbände vom gleichen Tage folgendes an: § 1. (1) Hausschlachtungen von Schweinen bedürfen bis auf weiteres der Genehmigung durch den zuständigen Schlachtviehverwertungsverband. (2) Eine Genehmigung ist nicht erforderlich, a) wenn derjenige, der die Hausschlachtung vornehmen will, das zur Hausschlachtung vor- gesehene Schwein mindestens drei Monate selbst gehalten und gefüttert hat; b) wenn die Hausschlachtung auf Grund eines Deputat- oder Altenteiloertrages erfolgt. (3) Unberührt bleiben die auf Grund meines Rundschreibens Nr. 33 von den Schlachtviehverwertungsverbänden erlassenen Verbote des Absatzes von Fleisch aus landwirtschaftlichen Hausschlachtungen (Verbot des Auspfundens). § 2. Die Genehmigung soll grundsätzlich erteilt werden, wenn der Antragsteller den Nachweis erbringt, daß er innerhalb der letzten beiden Jahre im gleichen Umfang Hausschlachtungen vorgenommen hat. Der Nachweis soll im Regelsalle durch eine schriftliche Bescheinigung des Ortsbauernführers erbracht werden. § 3. Mitglieder von Schlachtviehoerwertungsverbänden dürfen an Personen, die keinem Schlachtviehverwertungsverband angehören, Schlachtschweine nur verkaufen, wenn der Käufer die nach § 1 erforderliche Genehmigung zur Hausschlachtung vorlegt. § 4. Zuwiderhandlungen gegen die Anordnung können mit Ordnungsstrafen bis zu 1000 RM. bestraft werden. Zur Ausübung der Strafbefugnis bestelle ich die Vorsitzenden der Schlachtviehverwertungsverbände zu Beauftragten der Hauptvereinigung der Deutschen Viehwirtschaft. § 5. Diese Anordnung tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft. NIVEA CREME Oer letzte Kameradschastsabend im Gleiberglager Das vom Bund nationalsozialistischer Deutscher Juristen veranstaltete oierzehntägige Schulungslager der Jungjuristen auf Burg Gleiberg bei Gießen fand einen frohen Abschluß durch einen Kamerad« schaitsabend. Dieser Versuch nationalsozialistischer Gemeinschaftsgestaltung, der bewußt von der Form eines Korporationskommerses abrückte, ist vollkommen gelungen. Das große, holzgetäfelte Burgzimmer war würdig ausgeschmückt. Die Fahne des Reiches zierte die Wand hinter dem Tisch, an dem der Lagerleiter, der Rektor der Universität Gießen und andere Ehrengäste Platz genommen hatten. Tannen- arün an Wänden und Säulen gab die erd- und heimatverbundene Note. Ein kunstverständiger Kamerad hatte in großen Lettern die Worte ausgeschrieben, die der Reichsjuristenführer uns bei der Lagereinweihung gesagt hatte und die das Ziel unserer Logerarbeit waren: „Denkt immer hoch, stark und frei, und laßt euer Ich einklingen in die Gemeinschaft des Volkes." Frohe Gemeinschaft, herzliche Kameradschaft wurden an diesem letzten Lagerabend praktisch vorgelebt. Begeisterte Lieder der Kampfzeit, ernste Lesung aus nationalsozialistischem Gedankengut und anfeuernde Ansprachen des Lagerleiters und des Rektors der Universität wechselten einander ab. Wird es wohl einer vergessen, als geheimnisvoll die Kerzen auf den Tischen aufflammten, und dann das schwermütig sehnsuchtsvolle Lied ertönte: „Im Feldquartier auf hartem Stein?" Der Kameradschaftsabend gab ein einheitliches Bild echter Vaterlandsliebe und nationalsozialistischer Kampfesfreude. Und welch ein Jubel, als im gemütlichen Teil Rektor und Professoren der Universität, der Direktor des Arbeitsamtes und die anderen Gäste unsere Drillichjacken anzogen und als neue Rekruten in unseren Kreis ausgenommen wurden. Mit Hallo wurde eine bayrische Truppenparade und abessinische Krieger mit Schlachtengeheul und Kriegsgesang begrüßt. Und merkwürdig, das Bier mundete bei dieser Begeisterung immer besser. Was Wunder, daß einige HeldengestaUen später ein wenig schwankten, daß der kriegerische Mut immer mehr stieg und in einem fröhlichen Kampf zwischen den zwei Stuben ein Ende fand, aus dem der eine als Sieger hervorging, der den anderen im Schlafsaal den meisten Schabernack gespielt hatte. Endlich stelUe der Lagerleiter Friede und Ruhe wieder her, und die mutigen Helden ruhten auf ihren wohlverdienten Lorbeeren aus; denn wenigstens eine Kriegstat hatte jeder aufzuweisen. Froh und kameradschaftlich war der Lagerabschluß, er war der Höhepunkt einer erfolgreichen Schulungsarbeit und lebensvollen Gemeinschaft. Gäuq'ingsschutz im Winker. Die Reichsarbeitsgemeinschaft für Mutter und Kind sagt in einem „Winter-Merkblatt zum Schutze des Säuglings" u. a.: Der Säugling ist im Winter ganz besonders gefährdet durch ansteckende Krankheiten der Luftwege, die vielfach als Erkältungskrankheiten bezeichnet werden. Es sterben mehr Kinder im Winter an Lungenentzündung, als im Sommer an Brechdurchfall. Mache dein Kind deshalb widerstandsfähig durch richtige Ernährung, gesunde Kleidung, viel Bewegung in frischer Lust. Schütze es vor Ansteckung. Vermeide die Berührung des Kindes durch Menschen, welche Husten oder Schnupfen haben. Gib noch reichlicher als im Sommer Gemüse und Obst und überfüttere es nicht mit Milch und Brei. Ziehe dein Kind nie so warm an, daß es zum Schwitzen kommt. Bringe den Säugling auch im Winter möglichst viel ins Freie. Abhärtung ist der beste Schutz! Benutze dazu die Mittagsstunden und nutze vor allem di" Sonne zu jeber Tageszeit aus. Vor scharfem Wind ist das Kind zu schützen. Sorge zu Hause durch häufiges Oelfnen der Fenster für frische Luft (bei Durchzug hänge eine saubere Windel über Körbchen oder Wagens. Stelle dein Kind auf keinen Fall neben den heißen Herd, besser ins kühle Schlafzimmer. Niemals darfst du ein und dasselbe Taschentuch für dich und dein Kind benutzen, denn auch hierdurch können Krankheitskeime übertragen wenden. Stelle dein Kind auch im Winter regelmäßig dem Hausarzt oder in der Mütterberatungsstelle vor, damit es ständig unter ärztlicher Aufsicht ist. Gießener Dochenmarktpreise * Gießen, 14. Nov. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Landbutter 1,42 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, inländische, ungezeichnete frische 10 bis 11, jugoslawische Klasse C 10%, bulgarische Kühlhauseier, Klasse B 11, Wirsing, das Pfund 6 bis 10, der Zentner 7 bis 8 Mk., Weißkraut, das Pfund 4 bis 8 Pf., der Zentner 4 bis 5 Mk., Rotkraut, das Pfund 8 bis 12 Pf., der Zentner 8 bis 10 Mk., Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 80 Pf. bis 1 Mk., To- maten 25 bis 35 Pf., Zwiebeln 7, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln, das Pfund 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mk., Aepfel, das Pfund 12 bis 30 Pf., der Zentner 12 bis 25 Mk., Birnen, das Pfund 10 bis 25 Pf., Nüsse 50 bis 60, Zwetschenhonig 40, junae Hähne 80 Pf. bis 1 Mk., Suppenhühner 70 bis 80 Pf., Gänse 80 bis 90, Blumenkohl, das Stück 10 bis 50, Salat 8 bis 10, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 12, Rettich 5 bis 10, Sellerie 5 bis 25, Radieschen, das Bund 10 Pf. ** Silberne Hochzeit. Am morgigen Freitag, 15. November, können der Filialleiter Franz Szczepaniak und Frau Karoline, geb. Pu- kallus, Bückingstraße 3 wohnhaft, dos Fest der silbernen Hochzeit feiern. Das Jubelpaar ist auch bereits seit 25 Jahren treuer Bezieher des Gießener Anzeigers. ** Geschäfts-Jubiläum. Am morgigen Freitag kann der Gründer und Inhaber der Firma ^Bielefelder Herrenwäsche, Friedrich Levermann", Seltersweg 71, Herr Friedrich Levermann, auf das 25jähnge Bestehen feines Geschäfts zurückblicken. Herr Leoermann hat seine Firma aus (leinen Anfängen heraus zu der heutigen geachteten Stellung in unserem heimischen Wirtschaftsleben entwickelt. Heber seine geschäftliche Tätigkeit hinaus ist Herr Levermann, der sich überall bester Wertschätzung erfreut, vor allem auch in den Kreisen des Nndersoortes bekannt, dem er in un"iaennützi- ger Weise seit nahezu zwei Jahrzehnten dient.- ** Der Reichsluftschutzbund, Ortsgruppe Gießen, teilt mit, daß der Reichsminister der Luftfahrt und Oberbefehlshaber der Luftwaffe, General der Flieger Hermann Göring am 14. November anläßlich einer großen öffentlichen Kundgebung der Landesgrupve Groß-Berlin des Reichsluftschutzbundes, bei der 18 000 Luftschutz- Amtsträger verpflichtet werden, sprechen wird. Diese Ansprache des Herrn Reichsministers der Luftfahrt wird von dem Deutschlandsender am heutigen Tage a b 22.15 Uhr von Wachsplatten übertragen. Die Ortsgruppe Gießen des RLB. empfiehlt allen Amtsträbern, Mitgliedern des und Volksgenossen, sich diese Sendung anzuhören. ** Lieferungsvergebung. In unserem heutigen Anzeigenteil wird die Lieferung der Küchenbedürfnisse des III. Bataillons Jnf.-Regts. 36 zur Verdingung ausgeschrieben. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen. ** Launen der N a t irr. In den letzten Tagen wurden uns verschiedentlich reife Erdbeeren gebracht, die eine Laune der Natur noch zu ungewöhnlicher Jahreszeit hervorgebracht hatte. Gestern wurde uns nun gar eine Erdbeerpflanze Übersandt, die nicht nur Früchte, sondern gleichzeitig auch Blüten trug. (Schöffengericht Effetzen. Der R. P. L. V. aus Fauerbach wurde wegen zwei Fällen der Unterschlagung und eines Falles in Tateinheit mit einem Vergehen der Untreue zu einer Gesamtgefängnis strafe von 1 Monat und 15 Tagen, sowie 50 Mark Geldstrafe verurtellt Der Angeklagte, der bereits vorbestraft ist, war bei der Ortskrankenkasse in Friedberg tätig. In dieser Eigenschaft besorgte er Bekannten aus Fauerbach öfters ihr Krankengeld. Im September und November 1934 nahm er wiederholt Krankengelder, die ihm von der Ortskrankenkasse Friedberg ausgehändigt wurden, mit nach Fauerbach. Statt den Berechtigten die Gelder sofort zuzustellen, lieferte er zunächst einen Teil ab und erst einige Wochen später den Rest. Außerdem ließ er einen Betrag von 12,50 Mark, den er aus dem Verkauf von Arztscheingebühren erlöste, in sei- Nickelsmarkt in Allendorf a i>. Lda. I Allendorf a. d Lda., 13. Nov. Der heute hier abgehaltene, weit über die Grenzen Hessens bekannte Nickelsmarkt hat auch diesmal wieder seine alte Anziehungskraft nicht allein auf die hiesigen, sondern auch auf die Bewohner der näheren und weiteren Umgebung Allendorfs ausgeübt. Im ganzen waren 154 Verkaufsstände aufgebaut worden, eine Zahl, die noch nie erreicht worden war. Wie in den Vorjahren, so hatte sich auch diesmal wieder unsere ältere Schuljugend am Bahnhof mit Handwagen $u den Frühzügen eingefunden, um die Waren der Händler abzuholen und ihren Marktgroschen zu verdienen. Don 9 Uhr ab, mit Eintreffen der Postautobusse aus Richtung Wieseck, Beuern, Dreihausen, Sichertshausen und Hachborn, trafen die auswärtigen Marktbesucher ein, und von nun ab entwickelte sich ein Verkehr, der bis gegen Mittag derartig angeschwollen war, daß die Straßen, wie hauptsächlich Marktstrahe, Adolf-Hitler-Straße, Treiser und Londorfer Straße, nur unter größter Anstrengung zu passieren waren. Der Geschäftsgang auf dem Krämermarkt war durchaus zuftie- denstellend. Besonders Anziehungskraft übte auch das Karussell, Schießbude, Zirkus und Kasperle- Theater hauptsächlich auf unsere Jugend aus. Der oon 16 Uhr einsetzende Tanz in den Wirtschaften Bergen und Ranft war sehr stark besucht. Der Viehmarkt wies folgenden Bestand auf: Es waren aufgetrieben: 7 Stück Großvieh (Rinder und Kühe), 5 Pferde, 331 Ferkel und 15 Läufer- schweine, 70 Schafs. Die Preise für Rinder bewegten sich Zwischen 180 bis 225 Mark, für träch- ttgc Kühe zwischen 245 bis 270 Mark. Ferkel kosteten 18 bis 25 Mark, Läuferschweine 26 bis 34 Mark pro Stück. Die Vreise für Mutterschafe stellten sich auf 35 bis 39 Mark, für Mutterlämmer auf 22 bis 25 Mark, je nach Qualität pro Stück. Der Handel ging flott. Es wurde fast ausoerfauft. Nur.bei den Pferden verblieb Ueberftanb. Günstiger Abschluß der Spar- und Leihkaste C^oftetvBufccf. wg Große n-B u f e cf, 14. Nov. Unsere Spar- und Leibkasse hat seit der Machtübernahme durch den Führer einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung zu verzeichnen. Die Kasse hatte allein im Jahre 1934 gegenüber dem Jahre 1933 einen Mehrumsatz von rund 1 Million Mark. Dieser Umsatz erhöhte sich im Jahre 1935, gegenüber dem Jahre 1934, wiederum um etroa IV2 Millionen Mark, so daß sich der diesjährige Umsatz auf etwa 6V2 Millionen Mark belaufen wird. Der nationale Spartag brachte jeweils einen guten Erfolg und ließ erkennen, daß sich die Bevölkerung von Großen- Buseck ihrer nationalen Pflichten bewußt ist. Während der nationale Spartag 1934 rund 5000 Mark Spareinlagen brachte, wurden zum Spartag 1935 rund 12 000 Mark zur Sparkasse getragen. Auch der neueingeführte Kleinsparverkehr erfreut sich einer großen Beliebtheit. In Anbetracht des gesteigerten Geschäftsverkehrs muß die Kasse mit Wirkung vom 1. Januar 1936 zur Maschinenbuchhaltung über» aehen. An Stelle des bisherigen Vorsitzenden des Aufsichtsrates Pa. O r t w e i n, der durch anderweitige Pflichten sehr belastet ist, wurde das Mitglied Karl B 0 n a r i u s zum Aufsichtsratsvorsitzenden berufen. Brand in einem Sägewerk bei Laubach > Laubach, 14. Nov. (Eigener Drahtbericht.) Heute gegen 5 Uhr brannte die Maschinenhalle des an der Bahnstation Laubacher Wald gelegenen Sägewerkes der Firma Gebr. Schmidt vollständig nieder. Mit der etroa 20 Meter fangen Halle fielen auch die Maschi - n e n und bie Holzvorräte in der Halle dem Brand zum Opfer. Die rasch herbeigeeilte Lau- bacher Feuerwehr brauchte bei der Brandbekämpfung nicht mehr einzugreifen und stellte ^um Schutze der anliegenden Lagerschuppen für einige Stunden eine Brandwache, lieber die Entstehung des Feuers ist bisher noch nichts befamü geworden. Reicher Fischfang in einem Doaelsbera-Teich. * Aus dem Vogelsberg, 13. Nov. Bei dem Ausfischen des großen Teiches bei Ober- Moos (Kreis Lauterbach) im Vogelsberg wurden etwa 70 Zentner Fische gefangen. Davon werden etwa 50 Zentner verkauft, der Rest, aus kleineren Fischen bestehend, ist zur Weiterzucht in bas Wasser wieder eingesetzt worden. Aehnlich umfangreich war die Ausbeute an Fischen vor einigen Tagen beim Ausfischen des Teiches von Nieder- Moos. Canöfiri» Gießen = Wieseck, 14. Nov. Der hiesige Obst- und Gartenbauvereine nahm mit feiner gestrigen Abendversammlung in der Roten Schule feine ner Schublade liegen, vermischte diesen Betrag mit seinem eigenen Geld und schloß dieses Geld in seinem eigenen Spind im Keller der Krankenkasse ein. In dieser Beziehung konnte ihm jedoch keine strafbare Handlung nadjgeroiefen werden. Es erfolgte daher bezüglich dieses Falles Freisprechung. Wegen Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug wurde der E. K. aus Hannover-Linden zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Der Angeklagte füllte drei Antragsformulare auf Alters- jürsorgeoersicherung bei der Katholischen Volkshilfe in Mainz ohne Wissen und Willen der angeblichen Antragsteller aus, unterschrieb mit deren Namen und schickte die so gefälschten Anträge an die Zentrale ein. Der Angeklagte wußte sich damit die Provision zu verschaffen. Der H. M. aus Grünberg wurde wegen fortgesetzten Betrugs und einer fortgesetzten Unterschlagung zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt, unter Anrechnung oon 2 Monaten 4 Wochen der erlittenen Untersuchungshaft. Der Angeklagte ver, einnahmte durch Vorspiegelung falscher Tatsachen in 8 Fällen Gelder für einen gemeinnützigen Zweck, ohne diese an die berechtigte Stelle abzuliefern. Unter Ausschluß der Öffentlichkeit befaßte sich das Gericht mit dem A. F. und dem F. I., beide aus Vilbel, wegen widernatürlicher Unzucht. Während F. zu 3 Monaten Gefängnis verurteil! wurde, sah man bezüglich I. von einer Strafe ab. Wegen Wilderei wurde der R. S. aus Stockheim zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt, unter Anrechnung oon 6 Wochen erlittener Untersuchungshaft. Die Stockflinte nebst Putzstock und Patronen wurden eingezogen. Der Angeklagte schoß im August während der gesetzlichen Schonzeit 2 Hasen, ohne zum Jagen berechtigt zu fein. Im September erlegte er außerdem in der Schonzeit und unter Verletzung fremden Jagdrechts in nicht weidmännischer Weise ein Reh. diesjährige Winterschulungsarbeit wieder auf. Eine stattliche Zahl Vereinsmitglieder und Freunde des Obst- und Gartenbaues hatten sich eingefunden. Nach der Begrüßung gab der Vorsitzende Bepp 1 er geschäftliche Mitteilungen bekannt. Vor allem wies er aus die Zielsetzung des heimischen Obstbaues hin, das deutsche Volk mit deutschem Obst Zu versorgen, und forderte die Grundbesitzer auf, durch Neuanlagen von Baumpflanzungen auf jungfräulichen Böden dieser Forderung gerecht zu werden. Nach den gemachten Anmeldungen kämen bis jetzt schon mehrere hundert Anpflanzungen in Betracht. Mit Rücksicht auf den starken Rückgang des Bestandes an Zwetschenbäumen sollte man diese Obstart bevorzugt anpflanzen, zumal gerade bei bie? fern Steinobst auf Jahrzehnte hinaus mit einer guten Wirtschaftlichkeit zu rechnen sei. Die Gemeindeverwaltung läßt in Würdigung dieser Verhältnisse gegenwärtig eine große Zwetschenanlage ausführen und wird auch etwa 15 Walnußbäume anpflanzen lassen. Weiterhin wurde noch der gemeinsame Bezug von Torfmull besprochen und Bestellungen von Weinstöcken, Rosen und Stachel-, Johannis- und Brombeeren entgegengenommen. Der Vorsitzende sprach dann an Hand von Lichtbildern über sachgemäße Baumpflanzung. Nachdem noch Anfragen aus der Versammlung über Späternten im Hausgalten, Vogelschutz, Hoizschädlinge, Spargelanlagen und Düngungsmaßnahmen besprochen und beantwortet worden waren, schloß der Vereinsobmann mit dem Gedenken an den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler den ersten Schulungsabend. wg. Großen-Bufeck, 13. Nov. Arn kommenden Montag, 18. November, kann der älteste E i n w 0 hn e r unserer Gemeinde, der Weichensteller i. R. Konrad Walter, in körperlicher und geistiger Frische seinen 9 0. Geburtstag feiern. — Der Landwirt und Wagnermeister Konrad Schwalb und Frau Katharine, geb. Harbach, wohnhaft Weidengasse, konnten heute das Fest der silbernen Hochzeit begehen. — Bei der am Sonntag durch den Alice-Frauenverein hier durchgeführten Eintopfgericht - Sammlung konnten der Ortsgruppe folgende Beträge überwiesen werden: Großen-Bufeck 102,25 Mk., Oppenrod 11,90 Mark, Burkhardsfelden 37,70 Mk., insgesamt also 151,85 Mark. — Dieser Tage wurden aiif unserem Bahnhof die für das Winterhilfswerk gespendeten Kartoffeln verladen. Aus Großen- Bufeck kamen 500 Zentner Kartoffeln zum Versand, nachdem listenmäßig 483 Zentner angefordert waren. Die beiden Güterwagen, in die die Spenden verladen wurden, waren mit Tannengrün und Fähnchen geschmückt. — Die hiesige Ortsgruppe der Deutschen Arbeitsfront hielt im Saal bei Gastwirt Wagner V. eine Versammlung ab. Ortsgruppenwalter Schnegelsberg eröffnete die Versammlung. Kamerad Waag (Gießen) sprach zunächst über die Beitragsleistungen und stellte dann auch die Hnterstützungsleistungen der DAF. heraus. Der Kreiswalter der DAF. Pg. Wagner sprach über Zweck und Ziel der Deutschen Arbeitsfront. Das Horst-Weffel-Lied und ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer beschlossen die Versammlung. — Die diesige Freiwillige Feuerwehr hielt am Sonntag ihre diesjährige Schlußübung ab. Anschließend sand bei Kamerad Alfred Hahn eine Versammlung statt, bei der verschiedene interne Angelegenheiten geregelt wurden. Z Reiskirchen, 13. Nov. Am Dienstagvor- mittag fand auf dem Anwesen des Ortsbauern- sührers Fritzel ein Schaudämpfen d e r Kartoffeldämpfkolonne des Reichsnährstandes statt. Zu der Veranstaltung hatten sich viele Bauern von Reiskirchen eingefunden. Die Vorfüh- rungen wurden mit regem Interesse ausgenommen. Es wurde angeregt, auch in der Ortsbauernschaft Reiskirchen einen solchen Dämpfapparat anzuschaffen, damit sich jeder seine Kartoffeln dämpfen und in einem Silo einsäuern kann. — Die zweite Ein - topffammlung überstieg die erste um 20 Mk. Es kam ein Betrag von 60 Mark zusammen. — Am Dienstagabend wurde von der Deutschen Arbeitsfront in der hiesigen Kochschule im alten Schulhaus ein Koch- und Nähkursus eröffnet. 2ln dem Unterricht nehmen etroa 10 bis 15 Mädchen teil. — Bei der Grunbstücksversteige- rung des Heinrich Becker IV. waren die Angebote für die einzelnen Grundstück wegen der bevorstehenden Feldbereinigung etwas gedrückt. Für den Quadratmeter wurden im Durchschnitt etroa 40 bis 45 Pfennig geboten. O Lollar, 13. Nov. Daß das Gesangsroesen m unserem Orte auf sehr beachtlicher Höhe steht, bewies aufs Neue das Konzert des Turn- und Gesangvereins Lollar (Chorleiter Lehrer Eberle), das am vergangenen Sonntag im Gasthaus „Zum Schwanen" veranstaltet wurde. Schon die Dortragsfolge zeugte von großem Stilgefühl und Geschmack. Die einzelnen Darbietungen , waren durchweg vorzüglich und legten beredtes Zeugnis ab von der guten Schulung der Sängerschar. Es kamen Männer-, Frauen- und gemilchte Chore mit und ohne Instrumentalbegleitung zu Gehör. Einen breiten Raum nahm mit Recht das Volkslied ein. Dieben dem einfachen, schlichten Volkslied Altmeister Silchers (In der Ferne, Abschied und Liebesscherz) hörte man solche in polyphonem Sag Walter Reins und anderer (Musketier' sein luft’ge Brüder, Soldatenliebe u. a.), ferner mit Begleitung ein oder mehrerer Instrumente (Drei Lilien, Regiment sein Straßen zieht). Besonders die Soldatenlieder, sowie die prachtvoll oorgetragenen gemischten Chöre sanden großen Beifall, so daß sich der Verein mehrfach zu Zugaben entschließen mußte. Eine uraufgeführte Komposition des Chorleiters Eberle, ein Walzer für Frauenchor, wurde außerordentlich beifällig aufgenommen, desgleichen ein als Zugabe gelungener gemischter Chor desselben Komponisten „Erinnerung". Die Scherzlieder (Lieschen, was fällt dir ein, Beim Kronenwirt, Der furchtsame Jäger) fanden eine feine humorvolle Wiedergabe. Große Anforderungen an die Sänger stellte auch der Rheinwalzer, die aber in bester Weise bewältigt wurden. Mit dem Gemeinschaftssingen brachte der Verein etwas ganz Neues. Es war interessant, zu beobachten, mit welcher Freude, ja Begeisterung unter der geschickten Leitung des Dirigenten die Zuhörer fangen und in ganz kurzer Zeit zwei Lieder, davon eins sogar zweistimmig, lernten. Hier ist ein neuer Weg, um das Volkslied wieder in das Volk zu bringen. Die Begleitung der Gesänge führte die Kapelle Lyncker aus, die den Abend auch mit Orchester- oorträgen ausschmückte. Die Mitglieder der Kavelle zeigten weiter in solistischen Darbietungen ihr Können, Herr H. Schmidt auf der Klarinette und Herr O. Lyncker auf dem Cello. Rückblickend muß sestgestellt werden, daß der Verein unter feinem bewährten Leiter beachtenswerte Fortschritte zu verzeichnen hat. Das Konzert kann er als einen großen Erfolg verbuchen. 5 Steinbach, 14. Nov. Die Witwe Marie Sophie Schneider, geb. Reuschling, konnte gestern ihren 8 7. Geburtstag feiern. Trotz ihres hohen Alters erfreut sie sich noch guter G.'sundheit und ist noch unermüdlich im Haushalte ihres Sohnes tätig. * Grünberg, 13. November. Als Kartoffelspende für das W i n t e r h l l f s w e r k wurden am hiesigen Bahnhof 382,3 Zentner Kartoffeln nach Frankfurt a. M. verladen. Die Sie token, w a*n Ktotuj,--- Körting- Radio Kartoffelspende der bäuerlichen Bevölkerung setzt sich im einzelnen wie folgt zusammen: Zelle Grün- berg 162,5 Zentner, Zelle Lauter 109L Zentner, Zelle Stockhausen 57,3 Zentner, Zelle Weickartshain 53 Zentner. :: Lich, 13. Nov. Die hiesige Volksschule mußte infolge der in den letzten Tagen wiederum zu verzeichnenden zahlreichen Diphtherieerkrankungen unter den Schulkindern erneut für kurze Zeit geschlossen werden. — Die am letzten Sonntag durchgeführte Eintopfsammlung zeitigte in unserer Stadt wiederum ein recht beachtliches Ergebnis. Es wurden 281,50 Mk. gespendet gegen 270,30 Mk. im Vormonat und 261,20 Mark des gleichen Monats im Vorjahre. I Dorf-Gill, 12. Nov Ein großer Trauerzug bewegte sich heute zum Friedhöfe. Es galt, dem Sturmmann Robert Pfannmüller vom Reiter- sturm 5 das letzte Geleit zu geben. Im Alter von kaum 26 Jahren starb er nach kurzem, schwerem Leiden in der Klinik zu Gießen. Der gesamte Rei- terfturm 5, sowie der Sturm 11, dem er früher angehörte, die hiesige Feuerwehr, deren erster Kommandant er war, sowie SA und SAR. erwiesen ihm die letzte Ehre. Kränze wurden niedergelegt vom Standartenführer der Reiterstandarte, den beiden Sturmführern, dem Kreisfeuerwehr-Jnspektor Bouffier (Gießen) usw. Alle rühmten in ehrenden Worten die edlen Charaktereigenschaften ihres verstorbenen Kameraden Der anschließende Trauer- gottesbienft in unterer Kirche konnte die große Trauergemeinde kaum fassen. > Holzheim, 13. Nov. Die Ersparnisse vom Eintopfgericht am Sonntag, die oon der NS.» Frauenschaft gesammelt wurden, ergaben für das Winterhilfswerk den Betrag von 65,50 Mark. — Die Kartoffelsammlung brachte in der Zelle Holzheim rund 450 Zenter ein. 4= Obbornhofen, 13. Nov. Die von den hiesigen Bauern und Landwirten gestifteten Kartoffeln für bas Winterhilfswerk tarnen in biefen Tagen zur Verlobung. Insgesamt wurden 232 Zentner gestiftet. Gleichzeitig wurden die von der benachbarten Gemeinde Bellersheim gespendeten Kartoffeln verfrachtet. Unter Leitung der beiden Ortsbauernführer K u l l m a n n und Weber wurden die Bahnwagen mit Fichtenreisig und Herbstblumen geschmückt, um auch äußerlich das frohe Geben und die Verbundenheit von Stabt und Land kundzutun. Die Sendung ging nach Frankfurt a. M., wo bedürftige Volksgenossen dankbare Abnehmer sein werden. kreis Schotten. □ Laubach , 13. Nov. Am Sonntagnachmittag fand im „Schützenhof" eine Versammlung des Kyffbäuserbundes statt, zu der alle Kame- radschaftsführer und Vertreter der zum Bezirk Laubach gehörenden Kameradschaften erschienen waren. Noch einleitenden Begrüßungsworten des Kreis- fuhrers D schert (Rainrod) sprach in längeren Ausführungen Bezirksleiter Pg. Klein iHirzen- Hain) über die seitherigen und zukünftigen Aufgaben und Arbeit des über 3.5 Millionen Mitglieder zählenden Kyffhäuserbundes. Anschließend wies Be- zirksschießwart Wenzel (Nidda) aüf bie Förbe- rung des Schießsportes innerhalb der einzelnen Kameradschaften hin und verteilte eine Anzahl oon Ehrenurkunden an die Preisträger der letztjährigen Schießen. Bei der folgenden allgemeinen Aussprache wurden wertvolle Anregungen für bie Arbeit innerhalb ber Kamerabschaften gegeben. Mit breifacbem eteg^eif auf Führer unb Vaterlanb schloß Kreis- fuhrer D e ch e r t die mehrstünbige Versammlung. — Die am Sonntag burchgeführte zweite Ein- topfsammlung ergab hier den Betrag oon 187,50 Mark. Kreis Bübingen. + Dlibba, 13. Noo. Um bas Verstänbnis für die Aufgaben unb Ziele bes Arbeitsbienstes zu för- b<”-n, DPrfncbt bna hiesige ArbeitsbienOl^n-r (, D r.-Otto-Böckel-Lage r"), zur Zeit in einer Ausstellung im Parteihaus einen Einblick in bie in ber Freizeit von ben Arbeitsbienstmän- nern gefertigten Arbeiten zu geben. U. a. verstehen cs bie Arbettskameraden in meisterhafter Weise, den alten Niddalauf und seine früheren Richtungs- änderungen, sowie die seit 1933 von ihnen in Angriff genommene Gradlegung in Modellen aus Holz, Sand und Farbe darzustellen. Außer großen Wandzeichnungen hierzu, die das Verständnis fördern, ist eine reichhaltige Literatur von Büchern und Zeitschriften, von den ersten Arbeitsdienstführern für den Arbeitsdienst geschrieben, ausgestellt. Kreis Alsfeio OO Deckenbach, 14. Nov. Lehrer K ö h l e r von Schadenbach und Lehrer Reinhard von hier hielten mit den Schülern ihrer Klassen einen gemeinsamen Elternabend ob, der gut besucht war. Lehrer Köhler hielt einen aufschlußreichen Vortrag über das Thema „Der deutsche Bauer in der Geschichte". Liedvorträge und Gedichte umrahmten den Vortrag. — Hier fand dieser Tage eine Versteigerung von Ackerland aus einer Erbschaft statt. Für den Hektar Land wurden bis zu 3600 Mark als Kaufpreis genannt. ss. Grebenau, 13. Roo. Da die Holzhaus r e i in sämtlichen Förstereien des Forstamts Grebenau begonnen hat, haben wieder viele Arbeiter für einige Wochen lohnende Beschäftigung gefunden. Ein Teil der älteren Arbeiter, die nicht mehr in die Holzhauerei kommen können, wird mit Kulturarbeiten beschäftigt, während der andere Teil in der Notstandsmaßnahme beschäftigt ist. — B°i der Treibjagd im Staatsjagdbezirk II, der früheren Försterei Bieben, kamen 11 Hasen und 5 Füchse zur Strecke. 3m Zuckthavs er^änai LPD. D a r m st a d t, 13. Nov. Die Justizpresse- stelle Darmstadt teilt mit: Der vor Jahren vom Schwurgericht Mainz wegen Totschlags an einem Mädchen zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilte Josef Jakob M e o n aus Bensheim hat, nachdem er wiederholt Ausbruchsversuche im Landeszuchthaus erfolglos unternommen und erst kürzlich wieder einen solchen vorbereitet hatte, jetzt seinem Leben durch Erhängen ein Ende gesetzt. Preußen. Scharfschießen bei Ebersgöns. Der Landrat des Kreises Wetzlar gibt bekannt: Am 18., 19. und 21. November täglich von 7.30 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr finden in der Nähe von Ebersgöns Schießübungen mit scharfer Munition statt. Gefährdet ist das Gelände südlich von Ebersgöns, südlich Oberkleen und ostwärts von Kleeberq. Die Straßen Ebersgöns—Kleeberg und Ebersgöns—Hausen, letztere soweit der Kreis Wetzlar in Frage kommt, werden an den obengenannten Tagen für jeglichen Verkehr polizeilich gesperrt. Das gefährdete Gelände wird durch Posten abqe- sverrt und muß eine Stunde vor Beginn bis sine Stunde nach Beendigung des Schießens von jedem Verkehr frei bleiben. Die Bevölkerung wird darauf hingewiesen, daß sie den Weisungen der Absperrposten, die die Rechte und Pflichten eines Wachtpostens haben, unbedingt Folge zu leisten hat. Eine uralte Eicke abgebrannt. LPD. Marburg, 13. Nov. Eine in der Nähe des Kreisortes Allna unter Naturschutz stehende uralte Eiche mit einem Umfang von neun Metern wurde das Opfer eines Brandes, lieber die Entstehungsursache ist noch nichts bekannt. Einwohner- bemerkten abends Rauchwolken, die aus d"m Baum zu kommen schienen. Als man der Sache nachaing, mußte man feststellen, daß der t a u s e n j ä h r i g e Baum in Hellen Flammen stand und einer riesigen Fackel glich. Alle Versuche, das Feuer zu löschen, waren umsonst. Am nächsten Morgen stürzte der Baumriese mit lautem Krach zusammen. Der Wurzelstock dieses Naturwunders hatte einen Umfang von 15 bis 20 Meter. Taifcke ^ürfanrfdürfe LPD. Herborn, 13. Nov. Wie festgestellt werden konnte, sind gelegentlich des Martinimarktes zahlreiche falsche Fünfmark st ücke in den Verkehr gebracht worden. Es gelang leider nicht, dem Verbrecher auf die Spur zu kommen. kreis tDetilor X Hörnsheim, 13. Nov. Hier hielt der technische Leiter der staatlichen Bodenschätzungskommission im Kreise Wetzlar, Diplomlandwirt Kramer, in der Gastwirtschaft von Engel einen Vortrag über den Zweck der B o d e n s ch ä tz u n g. — Dieser Tage veranstaltete die Gau-Filmstelle der SWttntotwiW Koman von Frank F. Braun. 11 Fortsetzung Nachdruck verboten! Der Konsul zuckte die Achseln. „Man weiß es nicht", gab er zur Antwort und schüttelte sich fröstelnd in dem nassen Zeug. „Es schlug ihn ein Unbekannter, der entkommen ist, auf der Straße nieder." Lena Bassenberg streckte die Arme aus. Sie suchte einen HaU. Sie ahnte, meinte zu begreifen. Zerny hatte Teile ihrer Unterredung mit Basilius gehört. Zerny war im Wege gewesen... Da riß der Gedanke jäh ab. Eine schwere dunkle Wolke kam heran oder ein großer Schleier. Sie fühlte sich aufgehoben und zugleich ausgelöscht. Das Dunkle deckte alles zu. Ihr Mann stand zunächst. Gerade noch konnte er die Zusammensinkende auffangen und vor dem Sturz bewahren. Der Regen rauschte stärker herab. Im Garten und an der Straßenfront der Villa des Konsuls huschten noch eine Weile Lichter und Laternen hin und her. Dann rief man die Polizeihunde zurück. Es war aussichtslos bei solchem Wetter eine Fährte aufnehmen zu können. Vorläufig war der Mörder entkommen. Gegen Mitternacht bekam Kriminaloberinspektor Reußing den ersten Bericht. Er saß im Stadthaus an seinem Tisch. Seine Tochter Ines, ein junges Mädchen im allerglücklichsten Alter, war gerade von einer Vergnügung gekommen — der Tennisklub Grün-Silber hatte eine Ballfestlichkeit gehabt — und wollte ihn oerabredungsgemäß abholen. Aber er schickte sie weg. „Ein Mord, Ines", sagte er, „das kann ich nicht so einfach zu den Akten legen und sagen: wir werden morgen weiter sehen." Sie verstand ihn, küßte ihn zum Abschied auf die Wange und fuhr allein nach Hause in die Eibenstraße. Er tat ihr leid. Der gute Vater würde wieder um seinen Schlaf kommen. Aber ein Zuoder Abraten half da gar nichts. Im Hause legte sie sich rasch ins Bett und schlief, mudegetanzt, so- gleich ein. Drei Glühen des zivilen Lustschuhes. Der Frontsoldat im Lustschuh. Der Frontsoldat — stets Vorbild der Nation — kann und muß auch heute noch eine große nationale Aufgabe erfüllen. Der Frontsoldat kann und muß im Reichsluftschutzbund mitarbeiten. Der Frontsoldat kann und muß als Luftschutzhauswart, als Angehöriger der Hausfeuerwehr oder als Laienhelfer feiner Familie und der Hausbewohnerschaft wertvolle Dienste leisten. Der Frontsoldat kann und muß auch im zivilen Luftschutz Erzieher sein und mit gutem Beispiel vorangehen. Der Frontsoldat kann und muß dem Reichsluftschutzbund als Mitglied und Amtsträger angehören. Oer Lustschuhhaus wart. Er muß vom Reichsluftschutzbund praktisch ausgebildet sein. Er ist maßgebend in allen Fragen des Selbstschutzes bei Luftangriffen. Er muß alle Hausbewohner im nationalsozialistischen Geist der Volksgemeinschaft von der Notwendigkeit und der Möglichkeit des Selbstschutzes überzeugen. Er ist im Hause die Seele des Abwehrwillens gegen Luftangriffe. Don seiner Willenskraft und seinen Kenntnissen hängen Wohl und Wehe der Hausbewohner ab. Als Luftschutz-Hauswart kommt daher — ob Mann oder Frau — nur eine Persönlichkeit in Frage, die bei allen Volksgenossen Achtung und Ansehen genießt. Oer Hitlerjunge im Lustschuh. Der noch nicht militärpflichtige Hitlerjunge kann im Luftschutz wertvolle Arbeit für Nation und Reich leisten. Er ist beim Selbstschutz der Hausbewohner zur Abwehr der aus der Luft drohenden Gefahren unentbehrlich. Er kann als Aiwehöriger der Hausfeuerwehr, als Melder oder als Mitglied der Luftschutzgemeinschall ein wichtiges Glied der Landesverteidigung jein. Seine in den Ausbildungskursen des Reichsluftschutzbundes erworbenen Kenntnisse befähigen ihn, Eltern, Geschwistern und Hausbewohnern ein Helfer in ernster Stunde zu sein. Schützt die Tiere! Der Winter naht heran. Jeder Tierhalter soll nun da,ür sorgen, oaß seine Pfteglinge und Heiser bei der Arbeit einen warmen Stall haben. Aber sorge auch für fleißige Lüftung! Laß dein Pferd nicht zu lange in Frost, Nässe und Wind auf dich warten. Lege ihm eine wärmende Decke über, wenn es trotzdem auf dich warten muß. Die Hufeisen müssen öfters geschärft werden, damit das Tier nicht ausrutscht. Lade bei Schnee und Eis nicht zu schwer, nimm Decken und Säcke mit und lege sie unter, wenn das Tier stürzen sollte. Erwärme das Gebiß, bevor du es deinem Pferd anziehst, sonst verletzt du leicht Lippen, Zunge und Zähne. Besonders empfindlich ist der Hund. Gib deinem Hofhund eine dichte, nicht zu kleine Hütte an geschützter Stelle mit reichlich Stroh. Hänge eine Decke oder einen Sack vor den Eingang, damit der Hund vor Wind und Schnee geschützt ist. Laß deinen Hund am Tage für einige Stunden los, damit er Nch frei bewegen kann. Füttere das Tier jetzt reichlicher als im Sommer und sorge dafür, daß das Futter und Trinkwasser immer durchgewärmt gereicht wird und reinlich ist. Und wenn jetzt die ersten Frosttage kommen ober der Boden mit Schnee bedeckt ist, dann denkt an die Not unserer gefiederten Freunde. Gebt ihnen täglich etwas von eurem Ueberfluß: getrocknetes Weißbrot (kein Schwarzbrot), Hafer, Hanfsamen, Sonnen- Wum^n^n''. Nußkerne, Talnttückch"n. o-salr-nen Speck, Mohnsamen und dergleichen. Aber sorgt dafür, daß der Futterplatz vor Katzen und Raubzeug geschützt ist. Achtet auch strena darauf, daß die Futterstelle vor ungünstigen Witterungseinflüssen gesichert ist. Schirmt sie daher mit Stroh und Reisig gut ab. Solange einigermaßen milde Witterung herrscht, finden die kerbtieroertilgenben Vögel, die bei uns überwintern, überall Nahrung. Sie holen (Eier, Vuppen, Larven aus ben Ritzen und Fugen der Baumrinben heraus. Wenn aber Glatteis eintritt "n^ Raubr-'is hi» B^"mA vnh .^weio» über’iAM, versiegt auch bie Nahrungsquelle. Eine Meise kann nur 18 Stunben hungern, bann geht sie zugrunde. Deshalb darf bie Fütterung nicht erst einsetzen, wenn Schnee fällt, fonbern sie beginnt bereits jetzt. Als Futtermittel kommen Hanfsamen unb in geringerer Menge auch Sonnenblumenkerne in Frage. Körnerfresser unter unseren gefieberten Freunben sollen nur beschränkt gefüttert werben (bei beson- bers strenger Kälte), weil sie auch im Winter meist aenüaenb Nahruna finden und untere wertvollen Kerbtiervertilger häufig vom Futterplatz verdrängen. Besonderes Augenmerk ist auf den Sperling zu richten, der durch feine massenhafte Vermehrung die Getreide-, Wein- und Obsternte alljährlich in empfindlichem Maße schädigt. Wir dürfen deshalb ben Hanfsamen nicht offen ausstreuen, fonbern müssen ein Futtergerät verwenben, bas nicht nur wetterfest, fonbern auch möglich fpatzensicher ist. Beim Ankauf eines Futtergerätes achte man sorgfältig auf bie Wettersicherheit. Diese wirb nur erreicht, wenn das Dach an allen vier Seiten ben Futtertisch soweit überragt, baß ber vorn Sturrn- roinb getriebene Regen unb Schnee nicht an bas Futter gelangen kann. Die Vögel müssen also von unten her einfliegen. Man kann sich auch Futtergeräte in einfacher Weise selbst anfertigen. Den nützlichen Meisen ist leicht zu helfen, ba sie sehr geschickt verstehen, an bas Futter zu gelangen. Eine flache Blechdose ober Schachtel, ein Holzrahmen wirb mit Fettfutter gefüllt, bas man sich leicht Herstellen kann, inbem man Rinbertalg heiß macht und mit Sämereien (Sonnenblumen, Hanf, Mohn, Holunder, Hafer, Ameisenpuppen) mischt, so baß diese zusammengehalten werden. Aus 500 Gramm butter verwende man mindestens 60 Gramm Talg. Wenn man bas Fettfutter in eine Dose oder Schachtel füllt, muß vorher ein kleiner Holzstab so be- fnftint nrrh-m, bnm’t nrnn hi» ^„"»»-schachtel nachher umgekehrt aufgehängt wird, die Vögel einen Anflug hab"n und von unten an bie Sämereien gelangen können. Um bie Vögel an bie Fütterungsgeräte zu gewöhnen, hänge man ein mit Fettfutter gefülltes Futterholz zum Anlocken daruntek. NSDAP, hier im Saalbau Engel eine Tonfilm- Vorführung, bie stark besucht war unb reichen Beifall fanb. < Fellingshausen, 13. Nov. Die am vergangenen Sonntag durchgeführte Eintopf - sammlung ergab hier 33,— RM. gegenüber 37,— RM. im Vormonat. — Zum Stellvertreter des Gemeinberechners würbe Wilhelm G e r- l a ch bestellt. T Waldgirmes, 13. Nov. Zu ben vielen Neubauten im letzten Jahre find in biefen Wochen noch zwei Häuser in Angriff genommen worben: das Haus für bie Kleinkinderfchule mit anschließenbem Heim für bie Hitler-Jugenb, sowie das Vereinshaus der Evangelischen Genossenschaft. Beide Bauten will man noch in diesem Winter gebrauchsfähig machen. — Bei ber hier abaehalte- nen Treibjagd in einem Teil unserer Gemarkung würben 48 Hasen, 4 Füchse unb 1 Schnepfe zur Strecke gebracht. T Naunheim, 13. Okt. Hier wurde bie Schule wegen Scharlach geschlossen. oo Mudersbach, 12. Nov. Der Gesangverein „Harmonie" beschloß in seiner Generalversammlung, sein 25jähriges Stiftungsfest am zweiten unb brüten Pfingstfeiertag 1936 zu feiern. Der Verein erfreut sich eines regen Gesangstunben- besuchs unter Leitung seines bewährten Dirigenten, Musiklehrer Fritz Leib- Gießen. Rundfunkvrogramm. Freilag, 15. November. 6 Uhr: Choral — Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In ber Pause, 7: Nachrichten. 8.15: Gymnastik. 9.15: Nachrichten. 10.15: Schulfunk. Im Banne der Rotationsmaschine. Funkbericht vom Entstehen einer Zeitung. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche unb Haus. 11.20: Nachrichten. 11.45: Sozialbienst. 12 bis 13.50: Jahrestag ber Reichskulturkammer. 14: Nachrichten. 14.10: Allerlei zwischen zwei unb brei. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Im Funkspiegel: Schicksale ber Zeit. Bauernköpfe aus Hessen, Baben unb ber Eifel. 16: Konzert. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Was ist Rasse? Gespräch mit bem Leiter bes rassenpolitischen Amtes bes Gaues Hessen-Nassau ber NSDAP., Dr. Kranz. 19: Wie's einmal war .., 19.50: Der Tagesspiegel bes Reichssenbers Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.15: Stunbe ber Nation. Engel Hiltensperger. Ein Hörspiel aus bem Bauernkrieg. 21.30: Unterhaltungskonzert. Paul Linke 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus bem Senbebezirk. 22.20: Das Runbfunt- schrifttum. 22.30: „Englanb unb ber olympische Gebaute". 23: Wir bitten zum Tanz. 24 dis 2: Nachtkonzert. Aus aller Wett. Der Funk lm Dienst der Polizei. Der Funkfachausschuß ber internationalen kriminalpolizeilichen Kommission entschloß sich, bie polizeilichen Erfahrungen mit bem sogenannten H e l l - schreider-Gerät in Deutschlanb bem internationalen Polizeifunk bienstbar zu machen und verabredete praktische Versuche zwischen Berlin, Wien, Bukarest und Paris. Zum polizeilichen Aufgabengebiet gehört auch die Ausschaltung von Schwarzsendern. Der Erfahrungsaustausch über das „Anpeilen" dieser Störenfriede im Aether brachte wertvolle Anregungen. Auf bem Templiner See wurden Boote der Wasserschutzpolizei mit drahtloser Telephonieeinrich- t u n g besichtigt. Die ausländischen Polizeifachleute äußerten ihre Bewunderung über die vorbildlichen technischen Anlagen der deutschen Polizei. 12 000 Fuder Palenwein verkauft. Wie sich auf Grund einer Umfrage in den Pro- duktionsgebieten des südweftdeutschen Weinbaues ergibt, wurden für die Weinwerbewoche 1 9 3 5 in den Winzerdörfern am Rhein unb an ber Mcü?l, an ber Nahe unb Ahr, an ber Saar, in Rh^.chessen unb in ber Pfalz r u n b 12 0 0 0 Fuder Patenwein aufgetauft. Diese bedeutende Menge kann als zusätzlicher Absatz für bie 1934er Ernte gewertet werden. Sie entspricht einer Zahl von rund 15 Millionen Flaschen Wein. Nach den Meldungen des Weinhandels, die bei den Landesbauernschaften im Verbrauchergebiet eingingen, ist an diesem Umsatz das Rheinland mit 3500 Fudern, Westfalen mit 1500 Fudern unb Kurmark einschließlich Groß-Berlin mit 800 Fubern beteiligt. Das zahlenmäßige unb finanzielle Ergebnis bebeutet für ben Weinbau in ben westlichen Grenzgebieten eine Erleichterung, bie kurz vor ber Weinlese bes 1935er Jahrganges befonbers beutlich fühlbar würbe. Auf ber anderen Seite ist auch im regulären Weinhandel eine sichtliche Belebung eingetreten. Hm die Schachweltmeisterschaft. Im Schachwettkampf um bie Weltmeisterschaft zwischen A l j e ch i n unb Euwe würbe in Amsterdam bie 18. Partie gespielt. Euwe hatte die weißen Steine. Die Eröffnung war unregelmäßig. Der erste Teil der Partie gestaltete sich recht interessant. Dann trat aber plötzlich eine vereinfachende Wendung ein. Es kam zum Abtausch der Damen unb ber leichten Figuren, und bie Stellung bot auf keiner Seite irgenbwelche Chancen. Man einigte sich baher schon nach dem 17. Zuge auf ein remis. Es war bie kürzeste Partie des Wettkampfes. Der Stand bes Wettkampfes ist: Aljechin 6, Euwe 5, remis 7. Die nächste Partie wird in Zeist gespielt. Acht Kinder eines amerikanischen Farmerehepaares verbrannt. Bei Alexis in Nordkarolina (USA.) brannte ein zweistöckiges Farmerhaus nieder. Alle acht Kinder des Farmerehepaares kamen in ben Flammen um. Die Kinder standen im Alter von einigen Monaten bis 22 Jahren. Der Vater hatte vergeblich versucht, bie Kinder zu retten. Er hat sich dabei schwere Brandwunden zugezogen. Die Frau des Farmers blieb unverletzt. Die Leichen der Kinder wurden später unter den Trümmern hervorgezogen. Sie waren völlig unkenntlich. Strengt Ihr Beruf Sie an ? .. auf Kaffee Hag umstellenl Kriminaloberinspektor Reußing kam in dieser Nacht nicht nach Hause. Er war auf den Namen Basilius gestoßen, kaum baß er ben Polizeibericht aufgeschlagen hatte. Jean Jolly hatte ihn also doch belogen. Basilius war in ber Stadt! Weshalb leugnete Jolly bas? Er starrte auf bas weiße beschriebene Papier. Der Name Basilius würbe immer größer; er füllte schon ben ganzen Bogen. Durch bie Zähne sprach Reußing nachbenklich, unb er wußte gar nicht, baß ber Gebaute in Worte sprang: „Wenn bieser Mord nicht trotz allem dein Werk ist, Basilius, will ich ein Stümper heißen!" Dann nahm er bas Telephon unb rief ben Er- kennungsbienst an. 6. Kapitel. Man wußte nicht recht, weshalb es geschah, aber es fand ein 24ftünbiger Proteststreik ber Bauarbeiter statt. Basilius unb seinen Komplicen im Neubau an ber Hertzstraße war bas nicht unangenehm. Sie brauchten sich auf biese Art nicht befonbers vorzusehen, wenn sie ihren Schlupfwinkel aufsuchten ober verließen. Sie waren alle in bas kaum fertige Haus gelangt, ohne baß irgendein Mansch sie beobachtet hätte. Das war immerhin nicht ganz einfach, denn heute waren sie vier Personen. „Generalversammlung", witzelte Jolly. Er war wieder beim Friseur gewesen und hatte nachfärben lassen. Sein Haar glänzte rabenschwarz. Jabusch, noch immer voll artistischer Gelenkigkeit, schwang sich auf das Fensterbrett und nahm dort Platz wie ein Türke, die Beine untergeschlagen. Basilius warf ihm einen mißbilligenden Blick zu, sagte aber nichts. An der Tür stand Robert Nydegger. Er dachte nicht an eine Flucht, an ein Davonlaufen. Diesen Männern entging man nicht. Er stand nur zufällig bei ber Tür. . „ , Basilius hatte ein ßanbparhe vor. Er lies vom Fenster zur Tür. von Jabusch zu Nybegger unb wieder zurück. Er war schlechter Laune. Solch ein Anfang gefiel ihm nicht. Ein Toter, ehe es recht losgegangen war! _ „ ri , Grollend blieb er vor Jolly stehen. „Du weißt, daß ber Sekretär tot ist?" Natürlich. Cs ist bester so." "Das bezweifle ich. Ein Denkzettel hatte genügt. Aber bu mußt gleich zuschlagen wie ein Hammerschmied. Nun interessiert sich bie Polizei für ben Fall, unb wenn sie auch nichts herausbekommt, ist sie boch aufmerksam gemacht." Jolly ärgerte sich. Er hatte auftragsgemäß gehan- belt, unb jetzt wollte Basilius ihn für mögliche Unannehmlichkeiten verantwortlich machen? „Basil", sagte er gebehnt, „ich büchte, wir wären uns ganz klar gewesen. Es war alles besprochen." „Kein Morb!" „Dein Gedächtnis weist Lücken auf. Du wirst wirklich vergeßlich. Du hast wörtlich zu mir gesagt: erledige ben Mann so, baß er ben Munb nicht wieher aufmacht. Jabusch, ich rufe bich zum Zeugen auf: was verstehst bu unter solcher Aufforderung?" Jabusch hatte keine Lust, ben Prellbock zu machen. Er wich aus. „Es ist vor allen Dingen nicht sehr geschickt, biefen Streit vor unserem jungen Freund Nybegger aufzuführen." „Du hast recht", sagte Basilius rasch. „Schweig still, Jolly, reben änbert nun sowieso nichts mehr an ben Tatsachen." Er warf Nybegger einen schnellen Blick zu. „Setz bich boch, bu bist hier nicht fremd ober zu Gast. Du gehörst bazu." Sein Lächeln war burchsichtig, er unterstrich bie Worte. Nybegger spürte ein inneres Zurückweichen, aber er rührte sich nicht von ber Stelle. Was verhanbel- ten biese entsetzlichen Menschen, war nicht sogar von einem Morb bie Rebe? Unb er gehörte bazu! Er zog ben Schemel heran und ließ sich entmutigt darauf nieder. Matt unb elend fühlte er sich. Zerbrochen war er. Nicht mehr er selbst saß hier, sein Schemen nur, bem Basilius wiberstandslos ausgeliefert unb unterworfen. Basilius blieb vor ihm stehen. Als Nybegger nicht aufsah, tippte er ihm auf bie Schulter. „Höre zu", begann er, „ich habe etwas für bich zu tun. Du hast dir wohl schon gedacht, daß ich dich nicht habe Herkommen lassen, um dich einmal wiederzusehen." Sein Lachen klang blechern. Es war aufreizend. Der Student spürte die Anwandlung, bem Peiniger an bie Kehle zu springen. Ader natürlich tat er es nicht Er war sich klar, baß solche Unüberlegtheit seine Lage nicht gebessert haben würde. Hart und abrupt stieß er hervor: „Für eine Schuftigkeit bin ich nicht zu haben!" Weshalb lachten die Kerle, was war hier komisch? Er ballte schmerzhaft die Fäuste, bie Nägel bran- gen in bas Hanbinnere, aber er zwang sich damit zur Beherrschung. Basilius beruhigte scheinbar mühsam seine Heiterkeit. „Das dachte ich mir", sagte er. „Du willst am liebsten überhaupt nichts mehr mit uns zu tun haben, nicht wahr?" „Natürlich nicht", rief Nydegger. „Es ist niederträchtig, daß ihr euch immer wieder meldet. Aber das sage ich dir, Basilius, an bem Tage, wo meine Dummheit verjährt ist —", er brach ab, aber seine Augen rebeten eine deutliche Sprache. Basilius war ganz Liebenswürbigkeit. „Was geschieht an bem Tage? Muß ich mich bann vorsehen, Robert Nydegger? Soll ich dich besser am Vortage noch einsperren lassen?" Jolly lachte hell auf. „So ein Kamel, droht ber Kerl uns hier!" „Ich brohe nicht, ich warne! Mit Drohungen arbeitet ihr!" Basilius war roieber bei bem Erregten. Er klopfte ihm freundschaftlich unb stärker jetzt bie Schulter. „Warum regen wir uns auf?" meinte er. „Die Gefälligkeit — nicht wahr, bas ist ein hübsches Wort? — bie ich von dir erwarte, wirst bu mir, also uns, erweisen können. Ja, ich glaube sicher, sie wirb bir Spaß machen. Es ist nichts Ehrenrühriges dabei. Das würde ich dir nicht zumuten. Lache nicht, Jolly! Es ist fast ein Spiel, eine angenehme Unterhaltung ..." „Was ist es, sprich es schon aus!" „Wie er darauf brennt, uns gefällig fein zu können. Sag es ihm endlich, Basil!" Jolly spöttelte unb markierte ben Eifrigen. Doch Basilius winkte mit ben Augen ab. „Du mußt eine junge Dame kennenlernen, Nybegger. Ich barf sagen: eine sehr hübsche junge Dame. Es ist also kein Opfer, was wir von dir verlangen." Nydegger sah auf. „Unb was soll diese Dame mir verraten, welches Geheimnis soll ich ihr entlocken?" „Das sind ja Kriminalromane, Nydegger. Du sollst sie kennenlernen, weiter gar nichts." „Aber bas hat doch einen tieferen Sinn! Ich muß alles wissen, wenn ich etwas unternehmen soll." (Fortsetzung folgt!) fördiegrofae Masst Vj; Neues für den Büchertisch. — Paul Ernst: Ein Credo. Aufsätze und Betrachtungen. In Leinen gebunden 8,50 Mark. Verlag Albert Langen-Georg Müller, München, 1935. — (387) — „Das letzte der Persönlichkeit ist immer ein Glauben, aus ihm fließt jede ihrer Aeußerungen" — dieses Wort Paul Ernsts steht dem neuen Buch voran; es setzt ein mit einer Reihe autobiographischer Berichte, in denen der Dichter zu verschiedenen Zeiten seines Schaffens sich über sein Leben und Werk Rechenschaft gab. Jeder dieser zum Teil noch unveröffentlichten Aufsätze, die aus den Jahren von 1909 bis 1932 stammen, liest sich wie für unsere Tage geschrieben. Dabei beschränken sich diese Betrachtungen nicht auf den Bezirk der Dichtung allein, sie greifen über auf alle Gebiete des geistigen Lebens: auf Malerei und Musik, auf Architektur und Philosophie, auch befassen sie sich nicht nur mit den Fragen der deutschen Kultur, sondern nehmen ihren Stoff aus den Kulturen vieler Völker und Zeiten. Indem Paul Ernst sein vielfältiges eigenes Schaffen ständig durch prüfende gedankliche Untersuchungen begleitete, gab er zugleich die Fundamente einer neuen Kunstanschauung. So wird das fast unbekannte Vorwort zu einem großen nationalen Epos „Das Kaiserbuch", dem für die soeben erscheinende Volksausgabe dieser Dichtung besondere Beachtung zukommt, zu einer grundlegenden Untersuchung über die Möglichkeiten des deutschen Epos. Andere Betrachtungen, die sich mit dem neuen Drama und dem kommenden Theater befassen, greisen unmittelbar ein in die Auseinandersetzungen unserer heutigen Zeit, die diesen entscheidenden Problemen ernsthaft nachgeht und sie von Grund aus zu lösen versucht. Das Kernstück des Bandes stellen indessen die Aufsätze dar, die aus innerstem Wissen heraus eine Deutung des religiösen Suchens der Gegenwart geben und eine Erneuerung des Christentums aus tragisch-heroischem Lebensgefühl heraus anstreben. — E. G. Kolbenheyer: Lebenswert und Lebenswirkung der Dichtkunst in einem Volke. Eine Rede. Kart. 80 Pfennig. Verlag Albert Langen / Georg Müller, München, 1935. — (404.) — In dieser Rede, die als Ergänzung des Vortrages „Unser Befreiungskampf und die deutsche Dichtkunst" bereits 1932/33 in vielen deutschen Städten gehalten wurde, hat es sich Kolbenheyer zur Aufgabe gemacht, den Lebensbeziehungen zwischen Volk und Dichtkunst nachzugehen und Wert und Wirkung des dichterischen Kunstwerks für das Dasein einer völkischen Gemeinschaft zu ergründen. Kolbenheyer kommt zu dem Schluß, daß die Freiheit der Schaffensbedingungen streng unterschieden werden muß von der Freiheit der Schaffenswirkung! Frei sein kann und darf immer nur die schöpferische Handlung, der eigentliche Schaffensakt, während das Geschaffene, also das fertige Kunstwerk, dem Ueberindividuellen angehört, auf dieses einen biologischen Einfluß ausübt und mithin seine Freiheit verliert. Das bedeutet im Grunde nichts anderes, als daß der Künstler niemals der Kunst, sondern immer nur der Wirkung der Kunst zuliebe schöpferisch tätig sein darf. — Gustav Renker: Dichter um Heinrich Mark. Verlag von Friedrich Reinhardt in Basel. Leinen 4,80 Mark. — (366) — Renker, der Verfasser vieler Bergromane, schlägt diesmal zartere Töne an und führt uns in die Welt der Schriftsteller. Der Verleger Heinrich Mark und seine Frau haben oberhalb Locarno ein schönes Haus gebaut, das in Gastfreundschaft allen ihren Verlagsautoren offensteht. Wir lernen eine Anzahl eigenwilliger, gut charakterisierter Menschen kennen und erleben ihre interessanten Schicksale mit. Eine Gestalt vor allem nimmt unsere ganze Anteilnahme gefangen: der Weltreisende und Abenteurer Reinhold Fäßler. Nach einer schweren Enttäuschung sorgt die mütterliche Verlegersgattin dafür, daß er liebevolle Aufnahme in der Familie eines Försters und Naturdichters findet. Die Schilderung, wie sich nun zwischen dem äußerlich rauhen, aber fein empfindenden Fäßler und der noch ganz jungen Försterstochter eine zarte Liebe anspinnt, gehört zum besten, was Renker geschrieben hat. Auch die andern Gestalten sind lebendig gesehen. — Paula (3 r o g g e r : Der Lobenstock. Erzählung. Biegsam gebunden 2,40 Mark. Verlag Albert Langen / Georg Müller, München, 1935. — (336.) — Hoch in den Bergen der Steiermark lebt Genosev, die stille und zarte Tochter aus dem Zwölfbotenwirtshaus, dem Lärm der Welt entrückt durch die verzehrende Krankheit, der sie, eines frühen Todes gewiß, von Kindheit an verfallen ist. Doch ihr widerfährt das Glück, nach vielerlei Ungemach des Leibes und der Seele den Weg ins Leben wiederzufinden, als sie eines schönen Tages die Badersippe der Lobenstocks aufsucht, die als einzige, Namen und Ruf einem wundertätigen geheimnisvollen Heilkraut verdanken. Da sinkt unversehens das streng gehütete Wissen mit dem alten Bader ins Grab. Durch den Zauber eines Traumes verlockt, gelingt es indessen Genofeo, die in heißer Liebe zu dem jungen Baderssohn entbrannt ist, in einer fast unbetretenen Einöde des Gebirges baS wirksame Kräutlein wieder zu entdecken. Ihr Glaube nun an dessen heilenden Wirkung und ihre Hoff» nung, bald für immer mit dem fernen Geliebten vereint zu sein, lassen sie alsbald zum blühenden Weibe genesen. Als aber nach Jahr und Tag ihrer in Leidenschaft und Geduld starken Liebe keine Antwort zuteil wird, macht sie sich auf den Weg, dem Geliebten das Wunderkraut zu bringen und mit ihm glücklich zu werden. Zu ihrem Schmerze findet sie ihn jedoch an der Wiege des ersten Kindes, das ihm seine inzwischen gewonnene Fran vor wenigen Tagen geschenkt hat. Schweren Herzens überwindet sich Genosev und reicht ihre Hand einem braven Manne, der schon lange um sie warb, bewährt sich als Frau und Mutter und birgt gleichwohl fortan im tiefsten Grund ihrer 'Seele die Erinnerung an die verlorene Liebe ihrer Jugend. — Maria Veronika Rubatscher: Das lutherische Jogge le. Roman aus dem Marterbuch der deutschen Seele. 190 Seiten. Gebunden 4 Mark. Eugen Salzer Verlag, Heilbronn. — (371) — Die Geschichte führt in die erbitterten Glaubenskämpfe des 16. Jahrhunderts in der deutschen Grenzmark. Den „vergessenen und verkannten Be- kennern Christi" hat Maria Vdronika Rubatscher in der sagenhaften Gestalt des „lutherischen Jakobs" ein Denkmal zu setzen sich bemüht. Dem Leser wird freilich das Eindringen in die vergangene Welt dieses Buches durch den etwas geflissentlich anmutenden Chronikstil und einen starken mundartlichen Einschlag nicht erleichtert. Eine Worterklärung am Schluß gibt die notwendigsten Hilfen. 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