Hr. 266 Erstes Blatt 185. Jahrgang Mittwoch, 15. November 1955 Ä Annahme °°n Anzeigen ®Ä: WÄ M AA A AA AA A AA A A AA bi-8^d°°V°rm.Egs Heimat im Bild - Die Scholle ÄS BW B B / M W BH HTm B wk Wi^ Grundpreise für 1 mm höhe Monats-Bezugspreis: WR |B IM B ELjf ® H B W B B B B B B B für Anzeigen von 22 mm Mit 4 Beilagen RM.1.95 ■ W B B BT B ■ BT B B BT B B B B wBr B B B Br B Breite 7 Rpf., für Text- Ohne Illustrierte 1.80 ■ B wk . W H B M B A B B »H Bk, B A B Bk B anzeigen von70mm Breite Zustellgebühr .. „ W B WBr B W W B B' B W wA 1B< 50-ipf.,Platzvorschrift nach Auch bei Nichterscheinen ~ _ W> vorh.Dereinbg.25"/„ mehr. °n7°.g-"Ä7-r-?G-7°ll WZ * V -rmatzigi. «runöpreife: MM General-Anzeiger für Oberhessen WM ^ronHurt am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitatsvuch- und Stcinöruderei R. Lange in Gießen. Zchriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulftratze 7 Mengenabschlüsse Staffel B Krankreich im Schatten -er Wahlen. Oie Linksfront ist zur Uebernahme -er Verantwortung vor -en Wahlen noch nicht bereit. Paris, 11. November. Die Wahlen werfen in Frankreich ihre Schatten weit voraus. Zu Beginn des Herbstes wurden sie deutlick sichtbar. Heute verdunkeln sie die Lage bereits so weit, daß es äußerst schwierig ist, zwischen vorübergehenden Erscheinungen der Wahlkrankheit die tatsächliche Entwicklung des Kräftespiels wahrzunehmen. Die Parteipolitik bemächtigt sich immer mehr der Außen-, Innen-, Wirtschafts- und Finanzpolitik. Die gegenseitigen Angriffe werden schärfer, die Meinungsverschiedenheiten spitzen sich zu. Die einzelnen Gruppen tasten ihre Stellung wechselseitig ob, um dann plötzlich gegen vermeintliche Lücken der gegnerischen Front vorzustoßen, oder ihren Angriff gegen den stärksten Punkt des Widerstandes zu richten. Die Fronten sind vorerst nur in Umrissen zu erkennen. Verhältnismäßig geschlossen, aber dennoch nach verschiedenen Gesichtspunkten unterteilt, tritt die in der „V o l k s f r o n t" zusammengefaßte Linke auf. Auffallend stark, nach der bisherigen Entwicklung jedoch nicht unerwartet, ist die Zusammenarbeit zwischen Kommuni st en und Radikalsozialisten. Sie treten nebeneinander häufiger in Erscheinung als etwa mit den S o z i a l i st e n. Das Interesse der Jünger Moskaus an einer Vertiefung der sowjet- russisch-französischen Politik, deren nächstes Ziel die Ratifizierung des sowjetrussisch-französischen Paktes ist, bleibt dafür maßgebend, da die Kommunisten mit den Sozialisten allein dieses Ziel nicht erreichen können, wohl aber mit den Radikalsozia listen. Herriot hat sich in öffentlichen Kundgebungen sehr weit in dieser Richtung festgelegt. Diesem Spiel ordnen die Kommunisten ihre bisherigen innerpolitischen Forderungen — den Radikalsozialisten zuliebe — in höherem Maße unter, als es ihren sozialistischen Nachbarn genehm ist. Die im Zuge der Zusammenlegung der sozialistischen und kommunistischen Gewerkschaftsverbände, EGT. und CGTU., angebahnten Verhandlungen Über eine Bereinigung der sozialistischen und kommunistischen Partei schreiten zunächst nur sehr langsam fort. Auf alle Fälle arbeiten die Kommunisten an einer Straffung der Volksfront. Ihr Wunsch, daß die „front populaire“ sich künftig nicht nur als Gesinnungsgemeinschaft gegen den Faschismus, sondern als politisch-parlamentarische und letzten Endes als Regierungsgemeinschaft durchsetzen möge, ist von der Landestagung der Radikalsozialisten grundsätzlich bejaht worden, aber die radikalsozialistischen Führer haben die Selbständigkeit ihrer Partei gleichzeitig mit ihrer Einheit gewahrt, weil sie ihre Wahl- karten nicht zu früh ausspielen wollen. Innerhalb der Volksfront bilden die Sozialisten der II. Internationale (SFJO.) und die Radikalsozialisten nach wie vor je einen Block mit rund 100 bzw. rund 160 Abgeordneten für sich. Die zwischen ihnen stehenden drei kleineren sozialistischen Parteien, die zusammen über etwa 60 Sitze in der Kammer verfügen — die Sozialistische Partei Frankreichs (wegen ihrer Absplitterung von den Altsozialisten gewöhnlich „N e u s o z i a l i st e n" genannt), die Partei der Französischen S o z i a l i st e n und die Partei der Republikanischen Sozialisten — haben sich inzwischen zu einer Arbeitsgemeinschaft, der „Union Socialiste Republicaine", zusammengeschlossen. Sie bilden also innerhalb der Volksfront einen weiteren Block, der dem Vorsitzenden Paul-Boncour einen perlamentari- schen Rückhalt bietet. Diese Parteien der gemäßigten Sozialisten haben früher nie eine weltanschauliche Rolle gespielt: ihre Bedeutung lag vielmehr in der Bewegungsfreiheit, die sie gewissen Linkspolitikern gewahrten, die sich weder auf die II. Internationale noch auf den Radikalsozialismus festlegen wollten, wie etwa der Ministerpräsident des Jahres 1914 Diviani, wie Painleve, Briand und jetzt Paul- Boncour. Die sogenannten Neusozialisten sind, da sie sich vor zwei Jahren erst von der orthodoxen Partei Leon Blums lossagten, die Jüngsten im Bunde. Durch ihr nachdrückliches Eintreten für die Begriffe Ordnung, Autorität und Nation haben sie aber keinen geringen Einfluß auf die Richtung, die die neue sozialistisch-republikanische Union einschlagen wird. Paul-Boncour unterstrich in der Taufrebe dieser Arbeitsgemeinschaft ihren nationalen und sozialen Charakter und fügte hinzu, daß sie sich nationalsozialistisch nennen könnte, wenn damit nicht bestimmte Gedankenverbindungen gegeben wären. Die Sozialistisch-Republikanische Union hat sich auch auf den Boden der Volksfront gestellt, aber gleichzeitig bedeutet ihre Bildung die stärkere Betonung einer selbständigen Gruppe. Als mit den verstärkten Widerständen gegen die Politik Lavals die Frage auftauchte, ob die Linke gewillt fei, die gegenwärtige Regierung zu stürzen, erwies es sich, daß sie zur Uebernahme der Erbschaft Lavals noch nicht bereit fei. Das vielbesprochene Programm für eine gemeinsame Linkspolitik ist noch nicht ausgearbeitet worden. Sein politischer Teil soll angeblich bereits vorliegen, sein wirtschaftlicher — und das ist unter den gegebenen Umständen der schwierigere — wird noch bearbeitet. Eingeweihte behaupten, daß die Abneigung, schon jetzt, d. h. fünf Monate vor den Wahlen, die Regierung zu übernehmen, die Linksparteien von einer beschleunigten Fertigstellung ihres Pro- Von unserem pariser v.G.-Korrespondenien. gramms abgehälten habe. Tatsache ist, daß im Falle einer Regierungskrise wahrscheinlich die Radi k a l s o z i a l i st e n allein das Heft in die Hand nehmen müßten, um — von den übrigen Linksparteien mehr oder weniger unterstützt — die Wahlen vorzubereiten. Die Nachkriegsgeschichte Frankreichs lehrt, daß eine plötzliche Machtübernahme durch ein Linkskartell zu einer finanziellen Panik führen kann. Dieser Gefahr wollen sich die in Frage kommenden Parteiführer sicherlich nicht aussetzen. Hinzu kommt, daß ihnen gegebenenfalls die Lösung des heiklen Streites um die Bünde und die Verantwortung für das Schicksal des Haushaltes und der französischen Währung und für die Folgen der Sühnemaßnahmen gegen Italien zufallen würde. Parteipolitisch gesehen ist es nicht falsch, wenn gewisse Leute heute behaupten, daß Laval ein viel größeres Interesse daran haben könnte, jetzt gleich die Zügel den Rabikalsozia- listen zu übergeben, als seine wenig volkstümliche Notstandspolitik bis zu den Wahlen fortzuführen. Zunächst scheint jedoch bei allen Beteiligten keine Lust zu einer Regierungskrise zu bestehen. Allerdings kann sie ja unter dem Einfluß der zunehmenden Spannung auch gegen den Willen der Parteiführer innerhalb des Kabinetts eintreten ... Paris, 12. Nov. (DNB.) Ministerpräsident Laval gab vor dem Finanzausschuß der Kammer einen Lagebericht. Er erinnert zunächst an die wirtschaftliche und finanzielle Lage bei der Uebernahme der Regierung. Die bisherigen Maßnahmen hätten eine günstigere Lage geschaffen, die noch besser ausgefallen wäre, wenn bei italienisch-abessinische Streitfall nicht bie Öffentlichkeit beeinflußt hätte. Der Ministerpräsibent Farn* bann auf bie letzten Beschlüsse des Ausschusses zu sprechen unb erklärte, baß er nicht» bie Absicht habe, eine unnachgiebige Haltung einzunehmen. Die Beschlüsse bes Ausschusses mürben ein Loch von über 2,5 Milli a r b e n Francs in den Haushaltsplan reißen. Welche Vorschläge könne der Ausschuß machen, um den notwendigen Ausgleich zu schaffen? Eine Erhöhung der Steuern komme nicht in Frage, da die Steuereingänge ohnehin einen starken Rückgang aufzuweisen hätten. Laval wies dann erneut darauf hin, daß sich die Wirkungen der Notverordnungen erst 1937 fühlbar machen würden, und warnte den Ausschuß vor den Folgen seiner letzten Abstimmung. Sie würde lediglich eine neue Goldausfuhr aus der Bank von ^Frankreich unb eine Renten- b a i f f e auslösen. Er beschwor ben Ausschuß, ber Berlin, 12. Nov. (DNB.) Im „Reichsanzeiger" vom 12. November 1935 ist eine Verorbnung ber Reichsregierung veröffentlicht worben, burch bie bie Ausfuhr gewisser wichtiger Lebensmittel unb inbustrieller Rohstoffe verboten wirb. Bei ben Lebensmitteln hanbelt es sich um alle Speisefette unb -öle, sowie um Kartoffeln; bei ben inbuftriel- len Rohstoffen in ber Hauptsache um bie Rohstoffe für bie Textilinbustrie unb für bie Kaut- schukinbustrir, sowie um Häute, Felle unb Oele aller Art. Nicht in ber Verorbnung aufgeführt finb Kohle unb Kupfer, für bie schon seit langem eine Ausfuhrkontrolle besteht. Die neuen Ausfuhrverbote haben ausschließlich ben Zweck, innerwirtschaftliche Notwen- b i g t e i t e n Deutschlanbs Rechnung zu tragen. In ben letzten Wochen hat sich nämlich zunehmenb bie Tenbenz bemerkbar gemacht, baß von ben um Deutschlanb liegenden Ländern die genannten Lebensmittel und Rohstoffe aus Deutschland aus geführt werden. U. a. ist Margarine aufgetauft und ausgeführt worden. Bei Kartoffeln veranlaßt die Tatsache zur Vorsicht, daß Deutschland in diesem Jahr nicht die gewohnte reichliche Ernte hat. Für die genannten industriellen Rohstoffe (mit Ausnahme von Eisen) ist Deutschland niemals Ausfuhrland sondern im Gegenteil Einfuhrland gewesen Es ist daher ganz wirtschaftswidrig, wenn jetzt plötzlich diese Rohstoffe aus Deutschland ausgeführt werden. Dazu kommt, daß die Weltmarktpreise für die meisten der genannten Erzeugnisse eine steigende Richtung haben. Einen Ersatz für etwa ausgeführte Rohstoffe könnte Deutschland daher wahrscheinlich nur zu höheren Preisen unb unter erhöhten Devisen- aufroenbungen beschaffen. Bei ber gegenwärtigen Rohstoff- unb Devifenlage Deutschlanbs ist es klar, baß solche Ausfuhren mit bem wirtschaftlichen Allgemeininteresse im Wiberspruch stehen. Anberseits In ber Tat hat bie Gegnerschaft zwischen ber in sich freilich burchaus nicht geschlossenen Rechten unb ber Linken in ber letzten Zeit wesentlich zugenommen. Herriot bilbet bie Zielscheibe außerorbent- lich heftiger Angriffe wegen seiner kommunisten- freunblichen Haltung. Laval hat versucht, vermit- telnb einzugreifen, aber ber Kampf gegen Herriot geht weiter. In biefer Atmosphäre bereitet sich ber Wieberzusammentritt ber Kammer vor. Innerhalb bes Finanzausschusses ber Kammer machen sich ernste W.iberstänbe gegen bie Finanz- unb Wirtschaftspolitik Lavals geltenb; aus ber Wirtschaft werben Proteste wegen ber Folgen ber Beteiligung Frankreichs an ben Sanktionen gegen Italien laut, in politischen Kreisen herrscht Enttäuschung über ben Zusammenbruch ber Stresa- front, kurz: überall ein Bilb bes Durcheinanbers von Meinungen, Wünschen unb Zielen. Allzuleicht kann unter biefen Umftänben bie Regierung einer Belastungsprobe ausgesetzt werben, ber sie plötzlich nicht zu wiberstehen vermag. Frankreich ist wähl krank! Sein Gesicht ist baher verzerrt! Das muß bei bem Einbruck ber allgemeinen Verwirrung berücksichtigt werben. Unb boch bleibt in ben fommenben Wochen das Beharrungsvermögen ber französischen Politik einer ftänbigen Gefahr ausgesetzt. Kammer einen ausgeglichenen Haushaltsplan vorzulegen. Laval betonte zum Schluß, baß er sich einer Frankenentwertung entschieben wibersetzen werbe. Der Finanzausschuß beschloß barauf, zwei seiner Mitglieber zu beauftragen, mit ben Direktoren bes Finanzministeriums bie von Laval genannte Ziffer von 2,5 Milliarben nachzuprüfen. Die Tatsache, baß sich in ber Umgebung bes Staatsministers Herriot unb in ben rabikalsozialistischen Reihen ber Kammer ber Wille geltenb macht, bie Ereignisse nicht auf bie Spitze zu treiben unb keine übereilten Beschlüsse herbeizuführen, läßt erkennen, baß ber Ausschuß zu einem gewissen Entgegenkommen bereit sein bürste. Man hofft vor allem auf bie Stimmen ber Rabikalfozialisten unb weiterer Abgeorbneten ber Rechten, bie kürzlich für bie einfdjneibenben Beschlüsse bes Ausschusses gestimmt hatten — sprachen sich boch von ben 40 Mitgliebern bes Ausschusses nur 5 bis 7 gegen bie Beschlüsse aus. Die Vertreter ber Sozialisten, ber Kommunisten unb einige rabikalsozialistische Abgeorbnete bürsten bei ben Beschlüssen ber ersten Lesung bleiben. In Paris herrscht jeboch ber Einbruck vor, baß es Laval gelingen wirb, eine Kabinettskrise zu oermeiben. konnten sie mangels gesetzlicher Vorschriften von ben Verwaltungsvehörben bisher nicht oerhinbert werben. Daher ist es notroenbig, bie zur Verhin- berung ober zur Konterolle solcher Ausfuhren er- forberliche rechtliche Grunblage zu schaffen. Dies soll burch bie neue Verorbnung geschehen. Aus Vorstehenbem ergibt sich zugleich, baß bie Ausfuhrüberwachung für bie genannten Waren nicht als Dauermaßnahme ber beutschen Hanbelspolitik gebacht ist, fonbern nur solange gelten soll, als bie befonberen Umftänbe anbauern, bie zu ber Maßnahme Anlaß gegeben haben. Einen befonberen Zweck verfolgt bas Ausfuhrverbot für Eisenhalbzeug unb Walzwerk- er Zeugnisse, bas bazu bienen soll, bie Durchführung ber internationalen Inbuftrie-Ver- einbarungen ber Privatwirtschaft zu sichern. Der Deutsche Siedlerbund e. D. vom Reichsarbeitsminister anerkannt. Berlin, 12. Nov. (DNB.) Nach ber Anerkennung burch ben Sieblungsbeauftragten im Stabe bes Stellvertreters bes Führers hat nunmehr auch ber Reichs- unb Preußische Arbeitsminister ben Deutschen Sieblerbunb e D. als einzige Organisation ber beutschen Kleinsiebler anerkannt unb ihn mit ber Betreuung unb Wirtschaftsberatung ber Kleinsiebler beauftragt. Zu ihm gehören auch bie» jenigen Eigenheimsiebler, bie mit bem Erwerb ihres Grunbstück's nicht nur ein Wohnbebürfnis befriebi« gen, fonbern auch an ber gartenbaumäßigen Nutzung bes Laubes interessiert finb. Die Beauftragung bes Reichsbunbes ber Kleingärtner unb Kleinsiebler Deutschlanbs e. V. für bas Kleinsieblungs- roefen hat ber Reichsarbeitsminister zurückgenommen. Die bem Reichsbunb noch angeschlossenen Kleinsiebler werben in ben Deutschen Sieblerbunb übergesührt, währenb bie Betreuung ber Kleingärtner auch weiterhin dem Reichsbunb obliegt. tim den Ausgleich des Siaaishaushaits. Laval warnt den Finanzausschuß der Kammer. Deutsches Ausfuhrverbot für wichtige Lebensmittel und Rohstoffe. Sicherung innerwirtschaftlicher Notwendigkeiten. Italiens Protest. Rom, 12. Nov. (DNB.) Die italienische Regie« rung hat an bie Sanktionsstaaten eine Protestnote gerichtet, in ber „ft ärtfter unb entschLebe n st e r Protest gegen bie Schwere unb bie Ungerechtigkeit" ber Sühnemaßnahmen erhoben wirb. Die italienische Regierung roenbet ein, baß 1. bie Grünbe ber italienischen Denkschrift keiner entsprechenben Prüfung unterzogen würben unb 2. baß ber Völkerbunbspakt nicht in feinen ber gegenwärtigen Lage entsprechenben Bestimmungen angeroenbet worben ist. Die nach ber letzten Völker- bunbsversammlung eingetretene Lage, fährt bie Note fort, habe ben italienischen Grünben unb ben Protesten Italiens bebeutungsooUe Bestäti - gung gebracht. Die Bevölkerung Abessiniens sei zahlreich gekommen, um sich unter ben Schutz Italiens zu stellen. Die italie- niscbe Regierung habe bie Sklaverei in ben besetzten Gebieten aufgehoben unb 16 000 Sklaven bie Freiheit gegeben, bie sie von ber Regierung in Abbis Abeba ' vergeblich erwartet hatten. Die befreite Bevölkerung sehe in Italien bie Macht, bie bas Recht unb bie Fähigkeit habe, jenen hohen Schutz zu entfalten, ben ber Völkerbunbspakt in Artikel 22 als eine Mission ber Zivilisation anerkenne. Solchen seit ben Genfer Entscheibungen eingetretenen Ereignissen mühte ber Völkerbunb Rechnung tragen. Die Note bestreitet bann bie Zustänbig- feit bes Schlichtungsausschusses, ber bie Sanktionen beschlossen habe, unb roenbet sich mit aller Schärfe gegen bas Sßaffenaus» fuhrverbot nach Italien unb bie Aufhebung bes gleichen Verbots zugunsten Abessiniens. Eine solche Maßnahme sei weit bavon entfernt, bie Beendigung des Konflikts zu erleichtern, die wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen würden zum er st en Male gegen Italien angeroenbet werben unter Umftänben, bie bie italienische Regierung unb bas italienische Volk als ungerecht unb willkürlich empfinbe. Die Unterbinbung bes ganzen italienischen Exportes ist mehr als eine wirtschaftliche Maßnahme, sie ist ein wahrer Akt ber Feinbschaft, ber bie unvermeidlichen Gegenmaßnahmen Italiens voll rechtfertigt. Die Sanktionen unb Gegensanktionen würben schließlich bie schwersten moralischen unb psychologischen Folgen nach sich ziehen, inbem sie eine Verwirrung ber Geister beschwören, bie viel länger bauern könne, als bie Folgen ber Sanktionen selbst. Italien hat sich bisher von ber Genfer Institution nicht lösen wollen, benn es wünscht zu oermeiben, baß biefer Konflikt noch zu schwierigeren Komplikationen führt. Die italienische Regierung hat aber alle Dispositionen getroffen, um zu verhinbern, baß sich aus ber gegenwärtigen Lage noch neue Gefahren entwickeln. Die italienische Regierung wirb sich freuen, zu wissen, in welcher Weise jebe Regierung in freier unb souveräner Jöi'llensb Übung bie Absicht hat, Jid) gegenüber ben Zwangsmaßnahmen zu verhal - t e n, bie gegen Italien vorgeschlagen würben. ♦ Am selben Tage, ba in ben ßänbern ber Weltkriegs-Alliierten ber „S i e g" über bie Mittelmächte zum 27. Mal gefeiert würbe, ließ bie italienische Regierung in Lonbon, Paris unb ben anberen Hauptstäbten ber Sanktionsmächte eine Protestnote überreichen, bie in scharfen Worten ben italienischen Stanbpunkt in Genf oerteibigt unb bie insbesondre bie wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen als einen „wahren A k t ber Feindschaft" bezeichnet. Mit ber Wahl bes SßaffenftiUftanbstages, als bem Zeitpunkt biefes Protestschrittes hat Mussolini symbolisch bargetan, baß bie einstige Front ber Verbünbe- ten zerbrochen ist ober wenigstens in bem Augenblick zerbrechen wirb, in bem bie in Gens beschlossenen Druckmaßnahmen gegen Italien von ben einzelnen ßänbern in Kraft gesetzt werben. Die italienische Note enthält nicht nur einen Protest, fonbern auch eine Drohung. In ber Tat hat ja Rom feine Reserven noch nicht verausgabt, roeber auf finanziellem, wirtschaftlichem unb militärischem Gebiet, noch auf biplomatischem Felbe. Es kann bie Hanbelsverträge mit ben Sanktions- länbern tünbigen, es kann feinen Austritt aus bem Völkerbunb erklären unb es kann schließlich auch in Abessinien noch weit energischer Vorgehen als bisher. Heber bie Stichhaltigkeit ber Grünbe, bie ber Duce gegenüber bem Rechtsstanbpunkt seiner Gegner im Völkerbunb im einzelnen anführt, zu urteilen, steht uns nicht zu. Deutschlanb ist in biefern Streit gänzlich neutral, unb es hat als Nichtmit- glieb bes Völkerbunbes auch gar keine Veranlassung, an einer Debatte über bie völkerrechtlichen Begriffe unb Verpflichtungen ber Genfer Satzung in biefem Fall teilzunehmen. Trvtzbem wirb man auch als objektiver Beobachter zugeben müssen, baß bie Beweisführung ber italienischen Note nicht ungeschickt ist. Inbem Rom erneut betont unb burch Tatsachen beweisen kann, baß es in ben eroberten Gebieten bes nichtamharischen Abessiniens eine zivilisatorische Senbung zu erfüllen versucht, liefert es ein starkes Argument gegen bie von ber Mehrheit bes Genfer Staatenoereins gebilligte Auslegung bes Völkerbunbspaktes, wonach Italien ber Angreiferstaat sei. Inbem Rom ferner bie Zwei- schneibigkeit unb Gefährlichkeit ber Sanftions- waffe herausstellt unb gleichzeitig baran erinnert, baß 5er Schlichtungsausschuß gar kein Organ bes Völkerbunbes unb baher auch nicht berechtigt ist, ben einzelnen Staaten Zwangsmaßnahmen vorzuschreiben, stärkt es ben wankelmütigen Regierungen ben Rücken unb macht ihnen ben Uebertritt in bas ßager ber Sanktionsfeinbe schmackhaft. Wieweit es ben italienischen ßoefungen unb Drohungen gelingt, bie an sich schon lückenhafte Front ber Gen- ser Sanktionsstaaten noch weiter auseinander zu reißen, das kann allerdings erst die Zukunft lehren. Mussolini läßt das scharfe Schwert der Gegensanktionen in seiner Faust blitzen, aber in der anderen Hand hält er noch einmal seinen Gegnern den Palmwedel des Friedens entgegen. Die italienische Note weist darauf hin, daß Italien ein Gründermitglied des Völkerbundes war, daß es im Kriege geblutet hat, um diesen Genfer Bund schaffen zu können, und daß es auch jetzt eine weitere Komplikation des Konfliktes zu vermeiden wünsche. 06 dies versteckte Friedensangebot bei den englischen und französischen Adressaten Gehör findet, wird sich vor den britischen Unterhauswahlen sicher nicht entscheiden. Es muß aber zweifelhaft fein, ob die britische Regierung das Risiko einer endgültigen Entfremdung mit Italien auf sich nehmen wird. Die französische Regierung wird ein übriges tun, um eine Entspannung zwischen den befreundeten Großmächten herbeizuführen und sie wird dabei nicht versäumen, die Gedankengänge der italienischen Note als dankenswerte Verhandlungsstütze gegenüber London zu gebrauchen. Es ist bezeichnend, daß es ein nationalistische- französisches Blatt ist, dem der italienische Unteii'taarssekretär S u v i ch das folgenschwere Versprechen gegeben hat, Italien werde nach S t r e s a zurückgehen und in den Kreis der konservativen Mächte Frankreich und England zurückkehren, wenn man es nur sechs Monate ungestört in Abessinien handeln lasse. Ist es nicht eine Ironie der Geschichte, daß gerade die Staaten, die einst unter der scheinheiligen Parole „Verteidigt die Demokratie!" den Weltkrieg entfesselten, die Versailler Zwangsordnung begründeten und sie mit der Genfer Institution verkleideten, heute von einem der Ihren auf den Weg der Revision des bestehenden Zustandes gezwungen werden? Es scheint eine ausgleichende Gerechtigkeit zu geben, die dafür sorgt, daß kein Mißbrauch getrieben wird mit den höchsten Idealen der Menschheit. Es ging den Weltkrieg-Alliierten nicht um Demokratie und Frieden, sondern ganz einfach um die Vergrößerung ihres materiellen Besitzstandes. Es ging auch den Dölkerbundsmächten nicht um Recht und Gesetz, sondern um die Sicherung der Kriegsbeute. Es geht auch heute um nichts anderes. Der gegenwärtige Konflikt ist nur deshalb so bedeutungsvoll, weil sich an ihm zeigt, wie schnell jede menschliche Ordnung vergehen muß, die nicht den natürlichen Entwicklungsgesetzen der Völker entspricht. Dieser Erkenntnis werden sich auch England und Frankreich beugen müssen. Das Schicksal ihres einstigen Waffengefährten zwingt sie dazu. Der Eindruck in London. London, 13. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die italienische Protestnote an die Sanktionsstaaten wird, soweit ihre Argumente in Betracht kommen, in der Londoner Presse nicht ernst genommen. Die „Times" erklärt, die italienischen Ansprüche könnten keinen Einfluß auf Beschlüsse haben, die nach langer und sorgfältiger Prüfung gefaßt worden seien. Die Behauptung, daß Italien seine Völkerbundsverpflichtungen nicht verletzt habe, brauche nicht ausführlich beantwortet zu werden, denn die Völkerbundssatzung sei allzu klar. Ebenso sei die Kritik bedeutungslos, daß der Völkerbundsausschuß keine Zuständigkeit habe. 52 Negierungen hätten einstimmige Entscheidungen getroffen und die moralische Wirkung dieser Einstimmigkeit werde durch die geringe Zahl besonderer Vorbehalte kaum geschwächt. Solange Italien nicht dazu gebracht werden könne, dem Streit ein Ende zu machen, müßten die anderen Mächte auf der Durchführung ihrer Aufgaben, die ihr von Italien aufgenötigt worden seien, beharren. In einer Meldung des römischen Berichterstatters des „Daily Telegraph" heißt es, in amtlichen Kreisen sei erklärt worden, der Schlüssel zu Italiens Protestnote sei an der Stelle zu finden, wo verlangt werde, daß jeder Sanktionsstaat di? eigene Verantwortlichkeit für die beschlossenen Sühnemaßnahmen übernehmen solle. Indem Mussolini die kollektive Verantwortlichkeit des Völkerbundes leugne, entziehe er sich der folgerichtigen Handlung eines völligen Bruches mit Genf. Das italienische Außenministerium sei sich durchaus darüber klar, daß die einzig mögliche Regelung des abessinischen Streites durch Genf erfolgen müsse. Aus wirtschaftlichen Gründen werde ein schneller Frieden dringend gewünscht, nachdem jetzt die militärische Ehre Italiens befriedigt, und gewisse Streckengebiete erobert worden seien. Eine Schließung der Genfer Tür würde Verhandlungen verzögern. Man glaubt, in der italienischen Note noch den in letzter Minute unternommenen Versuch wahrzunehmen, die Sanktionsfront zu durchbrechen. Indern der Duce ihnen sagt, sie könnten sich nicht hinter der kollektiven Verantwortlichkeit des Völkerbundes verstecken, hofft er, einige kleinere Staaten so weit einzu- schüchtern, daß sie die geplanten Sühnemaßnahmen a u f s ch i e b e n oder ganz aufgeben. polen gegen die Politik „hinter den Kulissen". Warschau, 13. Nov. (DNB. Funkspr.) In den letzten Tagen haben bereits mehrere polnische Blätter eine lebhafte Beunruhigung über die Möglichkeit gezeigt, daß sich aus der französisch-englischitalienischen Fühlungnahme das Entstehen eines neuen „Konzertes der Großmacht e" andeute, oder vielleicht gar ein W i e d e r- aufleben des Vierer-Paktes. Unter der Überschrift „Hinter den Kulissen" weist das Militärblatt „P o l s k a Z b r o j n a" auf die Tatsache hin, daß dauernd Verhandlungen zwischen London, Paris und Rom und insbesondere zwischen Rom und London stattfänden, während doch die kriegführenden Seiten Rom und Addis Abeba und die offiziell interessierten Seiten der Völkerbund, Italien und Abessinien wären. Die Verhandlungen, die die Großmächte außerhalb des Völkerbundes führten, feien ein Ausdruck der Sonderinteressen der Großmächte. Man müsse daran erinnern, daß solche Verhandlungen „hinter den Kulissen" Polen seinerzeit veranlaßt hätten, sich von allen Unternehmungen fernzuhalten, die darauf ausgingen, die europäischen Probleme durch eine Gruppe von Staaten regeln zu lassen, während sie ausschließlich zur Zuständigkeit der internationalen Einrichtungen gehörten. Italien lehnt Büchereinfuhr aus Frankreich ab. Rom, 11. Nov. (DNB.) Der faschistische Buchhändlerverband hat den auf einen französischen Antrag zurückgehenden Beschluß des Genfer Sanktionskomitees, wonach Bücher, Zeitschriften, Zeitungen u. a. von dem gegen italienische War^n erlassenen Einfuhroerbt ausgelassen Litauen greift zu neuen Willkürmaßnahmen. Neuer Bruch des Memelstatuts.—Direktorium gegen die Landtagsmehrheit.—Was gedenken Gignatarmächte und Völkerbund zu tun? Es hat sich allmählich in der Welt herumgesprochen, daß das litauische Gefasel über das Memelland nichts anderes war, als ein plumper Versuch, allen denen Sand in die Augen zu streuen, die wohl über die Memelfrage debattierten, ohne aber mit den Segnungen positiven Wissens um die bestehenden Verhältnisse ausgestattet zu sein. Leider muß festgestellt werden, daß selbst in der Presse der Signatarmächte des Memelstatutes eine geradezu erschreckende Unkennt- n i s über staatspolitische, geographische, wirtschaftliche und rassische Zustände in dem umstrittenen Gebiet zu verzeichnen war bzw. ist, so daß mit irgendwelchen objektiven Vorkenntnissen nicht gerechnet werden darf. Diesen Leuten haben die jüngsten Wahlen die Augen geöffnet. Außerdem waren zahlreiche ausländische Berichterstatter Augenzeugen des friedlichen Kampfes mit dem Stimmzettel, der zu einem so überwältigenden Bekenntnis zum Deutschtum geführt hat. So konnte es kommen, daß auch professionell deutschfeindliche Blätter in Westeuropa der Hoffnung Ausdruck gegeben haben, nunmehr werde wohl die Memelfrage bald und endgültig bereinigt werden können. Litauens Position ist dadurch nicht rosiger geworden. Nachdem wenigstens offiziell und zu einem Teil die Konsequenzen aus dem bisherigen Verhalten, aus den Terrorakten und den Vergewaltigungsmaß- nahmen gezogen werden mußten, ist aber alles unterblieben, was auch nur entfernt nach einer versöhnlichen Geste hätte aussehen können. Einige Reden allerdings find seither gehalten worden, aber dabei ist es geblieben. Vielleicht war es auch nur der große Schreck über die derbe Quittung des 29. September, der die verantwortlichen Manager in Kowno dazu veranlaßt hat, einige Zeit lang die Luft anzuhalten. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, scheint man sich jetzt, gestützt auf den sowjetrussischen „Verbündeten" und auf die Ermutigung, die immer wieder aus dem Westen hinübergeblasen wird, zu neuen ruhmvollen Taten aufgerafft und den letzten „Dreh" gefunden zu haben. Als erstes Anzeichen vermerkten wir den Plan zur Schaffung einer Staatspolizei aus Großlitauen, der dem Artikel I des Anhangs zur Memelkonvention strikt zuwiderläuft. Denn hier wird bestimmt, daß die Landes- und Ortspolize i v e r w altung der autonomen Verwaltung des Memelgebiets obliegt, also Litauen nichts hineinzureden oder gar anzuordnen hat. Hier liegt also ein neuer eklatanter Rechtsbruch der litauischen Machthaber vor. Ein zweiter noch schlimmerer Rechtsbruch wäre die Verwirklichung der Absicht, die Verhandlungen um die Regierungsbildung abzubrechen und ein Direktorium aufzurichten, an dessen Spitze ein Abgeordneter der litauischen Minderheit — Endrius Borchertas — stehen soll; ein Mann also, der von vornherein des Mißtrauens der überwältigenden Mehrheit des Landtages sicher sein kann. Es mag schon jetzt darauf hingewiesen werden, daß eine solche Brüskierung des memelländischen Volks- willens nicht ohne werteres hingenommen werden darf. Wenn das Memelstatut entgegen dem völlig eindeutigen Ergebnis der Landtagswahl noch einmal zum Spielball litauischer Willkür gemacht werden wird, wenn die Machthaber in Kowno entgegen den feierlich abgegebenen Versicherungen erneut eine Diktatur brutal st er Gewalt aüfrichten sollten, dann werden die Memelsignatare endlich ein Machtwort zu sprechen haben, das den ganzen Spuk auffliegen lassen wird. Bereits vor Wochen wurde davon gesprochep, daß nur ein vorübergehendes Völkerbunds - regime wie das im'Saargebiet und eine darauf folgende unparteiisch geleitete Volksabstimmung als befriedigender Ausweg aus der Misere bezeichnet werden darf. Zn der Tat scheint die lln» fähigkeit und Instinktlosigkeit des litauischen Zwergstaates sich erst in ihrer ganzen Größe darbieten zu sollen, bis entscheidende Schritte getan werden. .Deutschland erhebt", so sagte der Führer in Nürnberg, „keinerlei unbillige Forderung, wenn es verlangt, daß Litauen zur Einhaltung der unterzeichneten Verträge mit tauglichen Mitt ein angehalten wird. Am Ende aber hat eine 65- Millionen-Nation das Recht zu verlangen, daß Jte wenigstens nicht minder respektiert wird als die Willkür eines Zwei-Millionen-Volkes. Es wäre eine lobenswerte Aufgabe des Völkerbundes, fein Interesse der Respektierung der Autonomie des Memelgebietes zuzuwenden und es praktisch wirksam werden zu lassen, ehe auch hier die Ereignisse Formen annehmen, die eines Tages^nur von allen Seiten bedauert werden könnten.. Der Litauer Borchertas mit der Bildung des neuen Direktoriums beauftragt. Memel, 12.Nov. (DNB.) Der Gouverneur des Memelgebietes hat einen der fünf litauischen Abgeordneten des Memelländischen Landtages, den früheren hafendirektor Borchertas, mit der Bildung des Direktoriums beauftragt. lieber den Auftrag veröffentlicht die Litauische Telegraphenagentur folgende Meldung: Schon bei der Vorstellung des Präsidiums beim Gouverneur wurde die Frage der Bildung des Direktoriums berührt. Darauf hat der Gouverneur das Mitglied des Landtages Borchertas beauftragt, mit den Fraktionen wegen der Bildung eines Direktoriums Verhandlungen aufzunehmen. Borchertas hat feine Fühlungnahme bereits ausgenommen. • * Maßgebend für die Ernennung des Präsidenten des Direktoriums ist nach dem Statut nichts anderes als das Wahlergebnis. Die fünf litauischen Abgeordneten, also auch der litauische Abgeordnete Borchertas, sind nur auf den Krücken der aus Großlitauen zum größten Teil widerrechtlich eingebürgerten Elemente in den Landtag hineingekommen. Ihnen gegenüber steht die geschlossene Einheitsliste mit 24 Abgeordneten. Es ist sonderbar, daß der litauische Gouverneur in dieser unvergleichlich größeren Anzahl keinen Präsidenten finden will. Die Beauftragung eines Vertreters der kleinen litauischen Minderheit ist wiederum eine Herausforderung der gesamten Bevölkerung des Memelgebietes und steht im krassesten Gegensatz zu den Bestimmungen des Statuts, zum Haager Urteil vom 11. August 1932 und vor allem den in jüngster Zeit wiederholt abgegebenen feierlichen Versprechungen der litauischen Regierung gegenüber den Signatarmächten und sogar vor dem Völkerbund. Ebensogut wie Borchertas hätte man auch den zurückgetretenen Bruwelaitis wieder beauftragen können. Man hat den Signatarmächten der Memel- konvention selbst schriftlich versprochen, ein Direktorium nach öen Bestimmungen des S t a- tuts zu bilden, d. h. also ein solches Direktorium, das d a sV e rt rauen des Landtages erhält. Borchertas, der früher Borchert hieß, gehört feit jeher z u den extremsten und fanatischsten Vertretern der litauischen Parteien im Memelgebiet und hat stets in einem unüberbrückbaren Gegensatz zu der autonomietreuen großen Mehrheit der memel- ländischen Bevölkerung gestanden. Er war bereits Mitglied des ersten litauischen Direktoriums G a i- l i u s, das nach dem litauischen Einfall ins Memelgebiet gebildet wurde. Später wurde er Präsident des Direktoriums und erhielt am 23. November 1925 vom ersten memelländischen Landtag das Mißtrauensvotum. Ende 1926 wurde er jedoch wieder Mitglied des litauischen Direktoriums Falk, das ebenfalls das Mißtrauen des Landtages erhielt. Borchertas gehörte auch dem darauffolgenden litauischen Direktorium S ch w e l l n u s an, das im Januar 1927 den Landtag ftatutmiörig auflöfte und ihn neun Monate ausschaltete, um schon damals nach dem Willen der kleinen litauischen Minderheit gegen die große Mehrheit der Bevölkerung regieren zu können. Borchertas gehörte ferner den meisten Landtagen des Memelgebietes als Führer des litauischen Blocks an. werden sollen, ignoriert und beläßt es seinerseits bei seiner grundsätzlichen Ablehnung aller Druckereierzeugnisse aus den Sank- tionsstaaten. — Der Wunsch Frankreichs, das jährlich für sechs Millionen Franken Bücher, Zeitungen usw. in Italien absetzte, fei zwar begreiflich, ganz besonders, wenn an die damit verbundene Kultur- und politische Propaganda Frankreichs gedacht werde. Wer aber glaube, Italien lasse in Zeiten des Sanktionskrieges U n - terscheid ungen zwischen Erzeugnis und Erzeugnis zu, täusche sich. Wer Italien das Eisen für seine Geschütze und für seine landwirtschaftlichen Maschinen verweigere, könne nicht gleichzeitig Riesenbeträge für Urheberrechte, Bücher, Zeitungen usw. aus Italien herausholen. Der italienische Vormarsch an der Somalifront. Der unverändert rasche Vormarsch der Italiener besonders an der Südfront hat auf dem abessinischen Kriegsschauplatz eine völlig neue Lage geschaffen. Obwohl das Gelände im Südosten Abessiniens für geländegängige Motorfahrzeuge im allgemeinen geeignet ist, hatten die Abessinier gleichwohl große Hoffnungen darauf gesetzt, daß d i e Wasserarmut der dortigen ausgedehnten Wüstengebiete die Nachschubschwierigkeiten der Italiener aufs äußerste steigern würde. Diese Hoffnungen haben sich ebensowenig erfüllt wie diejenigen, die man auf den Kleinkrieg setzte, wobei man um jede Wasserstelle in der Wüste zu kärnp- • UalUaL • fyrtogubi rQorakai .. \ e Schill«wc - fen und sie im äußersten Fall unbrauchbar zu machen gedachte. Die enorme Geschwindigkeit des Vormarsches der Italiener hat alle diese Spekulationen über den Haufen geworfen. Sie haben an der Südfront, wo sie noch vor acht Tagen auf der Linie Burdodi—Gerlobubi—Ual-Ual standen, in einer Woche weit über 300 Kilometer zurückgelegt, haben die Hälfte des Wages nach der angeblichen Hauptwiderftandslinie der Abessinier im Osten, Harrar—Djidjiga bereits hinter sich und haben die besten Aussichten, infolge des dort verhältnismäßig günstigen Geländes ihre Tanks und Panzerwagenabteilungen schon in wenigen Tagen bis zu der genannten abessinischen Linie vorzu- treiben. Daß der Gegner diese Stellung, die so gut wie gleichbedeutend mit dem Besitz der nördlich davon verlaufenden einzigen Bahn ist, mit allen Kräften verteidigen will, ist feit dem 3. Oktober von abes- sinischer Seite oft genug zu hören gewesen. Setzen die Abessinier hier an diesem entscheidenden Punkt der Ostfront den Italienern nicht mit allen verfügbaren Mitteln äußersten Widerstand entgegen, so wird mit einem Fall der Linie Harrar—Djidjiga die Abschnürung des ganzen östlichen Viertels von Abessinien Tatsache. Welchen Einfluß das u. a. auf die Existenz und den Betrieb der Eisenbahn haben wird, die in französischem Besitz ist, wurde bisher weder von italienischer noch von französischer Seite geklärt. Man darf wohl annehmen, daß die Italiener dann in jedem Fall in westlicher Richtung nach Innerabessinien vorstoßen, die Hauptstadt Addis Abeba nehmen und dann die Verbindung mit der südwärts dringenden Nordarmtze suchen werden — falls nicht unerwartete Ereignisse dazwischentreten. Der Aufmarsch der abessinischen Truppen. Addis Abeba, 13. Nov. (DNB. Funkspruch.) Die Bestrebungen der Italiener, die Bahn Addis Abeba — Dschibuti zu erreichen, werden immer mehr erkennbar. Die Abessinier treffen ihre Gegenvorkehrungen. Etwa 40 000 Mann haben nördlich der Bahn Stellung bezogen, während eine andere Gruppe in Stärke von 35 000 Mann, unter Deöjasmatfd) Abeba Datowz, die südlich der Bahn liegenden Höhenzüge besetzt hält. Der italienischen Vormarschbewegung in der D a n a k i l - W ü st e hat die abessinische Heeresleitung Sultan Mohammed Jajou mit etwa 30 000 Mann entgegengestellt. Diese Truppen werden gemeinsam mit den Truppen des Ras K a - bade, der über 40 000 Mann verfügt, und mit Unterstützung der 50 000 Mann umfassenden A r - mee des Kronprinzen die endgültige Barriere für den italienischen Vormarsch bilden. Dem ersten Angriff dürfte Sultan JajouinderPro- o i n z A u s s a ausgesetzt sein, die die italienischen Truppen noch nicht betreten haben sollen. Internationale polizei-Znnktagnng in Berlin. Am Dienstag trat in Berlin der Funk-Fachausschuß der „I n t e r n a t i o n a I e n kriminalpole i z e i l i ch e n Kommission zu einer Arbeitstagung zusammen, zu der Frankreich, Litauen, Polen, Ungarn, Tschechoslowakei, Holland, Rumänien, Oesterreich, Spanien und die Schweiz Polizei-Funk- fachmänner abgeordnet haben. Nach einer Begrüßungsansprache des Generalsekretärs der Kommission, Hofrat Dr. Dreszler, Wien, eröffnete der Befehlshaber der deutschen Polizei, Generalleutnant D a I u e g e die Tagung. Von Deutschland ging die Anregung zstr Schaffung des Internationalen Polizeifunknetzes aus. Als es geschaffen wurde, übernahm die Polizei-Hauptfunk- stelle des Deutschen Reiches in Berlin die Aufgaben der „Internationalen Polizeifunkstelle", die sie nunmehr seit sechs Jahren inne hat. Ein großer Teil der europäischen Staaten sei heute bereits an dieses internationale Polizeifunknetz angeschlossen. Viele ständen jedoch noch abseits und andere sind nur als Empfänger ange^chlossen. Ein Gesetz, das noch offene Maschen ausweise, könne jedoch seinen Zweck nicht voll erfüllen. General Daluege gab daher der Hoffnung Ausdruck, daß auch die übrigen Länder für den Anschluß an das internationale Polizeifunknetz gewonnen würden. — Die Arbeitstagung hatte bereits den Erfolg, daß zwei Staaten, Spanien und die Schweiz, die bisher dem internationalen Funknetz nicht angefchlosfen waren, sich bereit erklärt haben, an der internationalen Zusammenarbeit teilzunehmen. Erhöhter Flottenhaushalt in Frankreich. Der Finanzausschuß wird Mittwoch den Flottenhaushalt für 1936 prüfen. Man ist von der früheren Einteilung der Ausgaben für laufende Kosten und der Ausgaben für Neubauten abgekommen. Im Flottenhaushalt 1936 werden nur noch d i e Ausgaben für laufende Kosten auf« geführt werden. Die Ausgaben für die anderen Rüstungs-, Ausrüstung- und Bauarbeiten werden auf einer besonderen Seite geführt werden. Um Bauoerzögerungen und ungenügende Rüstungen aufzuholen, wird der Flottenhaushalt 1936 höher sein, als der von 1935. Die Gesamtausgaben liegen mit 3429 Millionen Franks rechnerisch 526 Millionen höher als im Vorjahr. Allerdings soll die tatsächliche Erhöhung sich auf 115 Millionen beschränken. Die Erhöhung des Marinemann- schaftsbestandes beläuft sich auf 4650 Mann, mit deren Einstellung bereits begonnen ist. Die Ausgaben für den Unterhalt des Personals sind von 1228 Millionen auf 1144 Millionen Franks 1936 gesunken, die Ausgaben für Material und laufende Kosten von 347,5 Millionen auf 373 Millionen h e«r a u f g e s e tz t worden. Für die Anlegung von Brennstoffoorratslagern, Hafenwerk- ftätten, Küstenobwehr, das Aufstapeln von Vorräten an Lebensrnitteln, Bekleidungsstücken und Arzneimitteln find 332 Millionen Franks vorgesehen (vorher 509 Millionen). Die Ausgaben für Flottenneubauten stiegen von 1233 auf 1547 Millionen Franks für das schwimmende Material, die für Marineluft st reitkräste von 287 auf 307 Millionen Franks. Man erklärt, daß die Krediterhöhungen die unmittelbare Folge der Entwicklung der internationalen Lage der letzten zehn Monate seien. • Photo 4630 D Seltersweg 67 Telephon 3170 Der Arbeitseinsatz für die zweite Erzeugungsschlacht. Bevölkerungspotttische Probleme auf dem Goslarer Reichsbauerntag. Von unserem IM.-Sonderberichterstatter. Der 3. Reichsbauerntag steht ganz unter dem Zeichen der zweiten Erzeugungsschlacht. Auch die zahlreichen weltanschaulichen Sondersitzungen dienen der Herausstellung des Zusammenhangs mit der vordringlichsten Aufgabe, die der Reichsnährstand zunächst zu lösen hat. Besonders deutlich tritt das bei den Sondertagungen der Reichshauptabteilung I in Erscheinung, die innerhalb des Reichsnährstandes den Menschen betreut und der Sachwalter der weltanschaulichen Ausrichtung ist. Man braucht nur an das Problem der Landflucht zu erinnern, dessen endgültige Lösung noch nicht erzielt worden ist. Es handelt sich dabei auch darum, für die Durchführung der Erzeugungsschlacht die notwendigen landwirtschaftlichen Arbeitskräfte zur Verfügung zu haben. Gerade hier ift ein Punkt des Zusammenklangs von Weltanschauung und Wirtschaftspolitik gegeben. Früher wurde die Landflucht von marxistischer Seite lediglich als ein Lohnproblem betrachtet; man wollte den Landarbeiter dem Industriearbeiter gleichstellen, also die ganz anderen städtischen Verhältnisse aufs Land übertragen. Eine derartige Problemstellung kommt heute sowieso nicht mehr in Betracht. Die Frage der Landflucht ist aber zweifellos eines der schwerwiegendsten Probleme unserer Zeit. Mit Zwangsmaßnahmen läßt sich eine Lösung von dauerhafter Wirkung nicht erzielen, so wohltuend ein gewisser Zwang auch zeitweise ist, um die in Betracht kommenden Kreise überhaupt ernsthaft an die Aufgaben heranzubringen. Die Frage der Landflucht ist aber gleichzeitig e i n Kernpunkt der Bevölkerungspolitik. Es kommt darauf an, die Verstädterung des deutschen Volkes, die mit einer Vergreifung parallel gelaufen ist, zu beenden und dafür eine Bewegung zur Verbauermig auszulösen. Damit wird gleichzeitig dem Aussterben des Volkes in den Großstädten ein Ende gemacht. Man kann sich vorstellen, was es bedeutet, daß in einzelnen Städten bis 1933 mehr Fehlaeburten gezählt worden sind als Lebendgeburten. Sind solche Entartungserscheinungen dem Land auch noch ferngeblieben, so hatte der Geburtenrückgang doch auch schon das Land erreicht. Betrachtet man den Zusammenhang der Kinderzahl mit der sozialen Stellung, so ergibt sich, daß in Familien mit Grundbesitz — auch wenn er nur bescheiden ist — mehr Kinder vorhanden sind als in Familien, die keinerlei Bindung an den Boden haben. Bei den Bauern sind am kinderreichsten wiederum die mittelbäuerlichen Wirtschaften, die noch ganz selbständig, ohne fremde Arbeitskräfte auskommen. Bei dieser Sachlage leuchtet es ein, daß Geburtenrückgang und Landflucht aufs engste miteinander verbunden sind. Wenn heute unter wirtschaftlichem Gesichtspunkt die Frage der Bereitstellung der nötigen Arbeitskräfte zur Erzeugungsschlacht erörtert wird, so ergibt sich daraus die Ueberlegung, daß damit gleichzeitig das wichtigste bevölkerungspolitische Problem der Nation angepackt wird. Patentlösungen für so schwerwiegende Fragen kann es nicht geben. Die wichtigste Voraussetzung ist die weltanschauliche Einstellung. Es handelt sich also auch um eine Erziehungsaufgabe Damit leuchtet es ein, daß z. B. die Landlehrer ganz besonders gute Kräfte sein müssen. Aus derartigen Gründen bleibt es selbstverständlich, daß bei der Neubildung deutschen Bauerntums nicht so sehr das Kapital den Ausschlag geben darf, sondern vor allem die Leistung und der Charakter der Bewerber. Das Reichserbhofgesetz hat dafür gesorgt, daß der vorhandene bäuerliche Besitz künftig nicht angetastet werden kann und damit auch die Landarbeiter ihre sichere Heimstätte in der gleichberechtigten Arbeitsgemeinschaft mit den Bauern gefunden haben. Zu den vielen Einzelmaßnahmen, die hier einen allmählichen Fortschritt versprechen, gehört u. a der Frauenarbeitsbien st, der sich als besonders erfolgreich bewährt hat. Vor allem die Neusiedler betrachten die Arbeitsdienst- mädels als ihre guten Freunde, die nach kurzer Zeit des Einlebens wirklich zupacken und oft genug für ihr künftiges Leben die Liebe zum Lande entdecken. Aehnlich hat sich die Zusammen- stellung von Landdien st gruppen der H I. bewährt, um in einem gewissen Umfang Ersatz für Wanderarbeiter zu schaffen. Es wäre nur wünschenswert, wenn derartige Maßnahmen eine Ausweitung erfahren könnten. Soweit die Wanderarbeiterfrage in Betracht kommt, wird man allerdings davon ausgehen, daß diese Art der Landarbeit Überhaupt allmählich verschwindet und im Laufe der Zeit ständige Arbeitskräfte an die Stelle der Wanderarbeiter treten. Es ist klar, daß derart grundlegende bevölkerungspolitische Fragen nicht in aller Kürze gelöst werden können. Hier liegen Aufgaben vor, deren Erfüllung Jahre und Jahrzehnte in Anspruch nehmen wird, bis wirklich in der geistigen Haltung des ganzen deutschen Volkes aus der Verstädterung die Verbauerung geworden ist. Die Sonderlagungen des Reichsbauerntages. Goslar, 12. Nov. (DNB.) Die geschlossenen Sondertagungen des 3. Reichsbauerntages in Goslar haben am Dienstag ihren Fortgang mit Fachbesprechungen gefunden, die vorwiegend agrartechnischen Fragen galten. In einer Sondertagung für Geräte- und Maschinenwesen wurde die Organisation der Maschinenprüfung und Beratung erörtert. Eine weitere Besprechung über Grundlagen der Betriebsführung behandelte zunächst die Bedeutung und Durchführung der B o d e n s ch ä t - z u n g unter rechtlichen und technischen Gesichtspunkten und dann die gegenwärtig gegebenen Wege der landwirtschaftlichen Selbstfinanzierung. Zeitgemäße Markt fragen wurden in den Tagungen der „Hauptvereinigung der deutschen Getreidewirtschaft" und der „Hauptvereinigung der deutschen Kartoffelwirtschaft" klargestellt. Die Juristen des Reichsnährstandes zusammen mit den Hauptstabsleitern und den Verwaltungsabteilungsleitern klärten die schwebenden Fragen der Verwaltung im Reichsnährstand. Auch die weltanschaulichen Erörterungen der Reichshauptabteilung I sanden ihre Fortsetzung mit Vorträgen von Stabsleiter Ries über den „Sippenge- danken im Bauerntum", von Stabsleiter Dr. Senf über die „Aufgaben des bäuerlichen Sippenbuch e/" und von Stabsabtei- lungsoorstand Dr. Wünsch über „Bauerntum und Wappenführun g". Der Reichsnährstand hat die Betreuung aller seiner Glieder übernommen, also auch der Landarbeiter und der gesamten Hofgesellschaft. Bei Behandlung der Richtlinien für die W inte rar beit auf diesem Gebiete wurde insbesondere die Frage des Neubaues und der Verbesserung von Landarbeiterwohnungen erörtert. Vor allem muß der Landarbeiter die Möglichkeit des Aufstieges haben. — Eine neue einheitliche Bestandsaufnahme des Bodens bietet die Grundlage für die Planung und Steuerung der Erzeugung. Ebenso ist sie von entscheidender Bedeutung für die Besteuerung der Landwirtschaft. Auch hierüber wurde beraten. Die Auswirkungen der Steuergesetzgebung muß der Reichsnährstand bis zum letzten Steuerpflichtigen beobachten können. Bei der organischen Regelung der landwirtschaftlichen Geld- und Kreditverhältnisse ist das Ziel des Reichsnährstandes die Selbstfinanzierung, die in erster Linie für kurz- u n b mittelfristige Betriebskredite herbeizuführen ist. In weiteren Fachtagungen wurden Einzelergebnisse der Erzeugungsschlacht und der Marktordnung behandelt. Bei der Hauptoereinigung der deutschen Garten- und Weinbauwirtschaft wurde insbesondere auf den Erfolg der Weinabsatzwerbung hingewiesen. Ebenso hat der Kennzeichnungszwang für die Garten- und Weinbauerzeugnisse seine Vorteile gebracht. Auf einer Sondertagung der Hauptvereinigung der deutschen Eierwirtschaft wurde hervorgehoben, daß eine wesentlich erhöhte und verbesserte Eiererzeugung festgestellt werden kann. Vor allem ist auch das Auf und Nieder der Börsennotierung abgestellt. Die gerechte Preisentwicklung gewährleistet eine stetige Hühnerhaltung. Ebenso bedeutungsvoll ist die Ordnung der Warengüte. Auch hier kann der Erfolg der vom Reichsnährstand durchgeführten Maßnahmen festgestellt werden. Weitere Sondertagungen beschäftigten sich mit der Fischwirtschaft, Der Bauberatung und den wissenschaftlichen Fragen, die vom Forschungsdienst und vom Verband der deutschen landwirtschaftlichen Untersuchungsanstalten bearbeitet worden sind. Aus aller Well. Oer Untergang des Dampfers „Inebolu". Ueber den bereits gemeldeten Schiffsuntergang vor Smyrna werden nunmehr weitere Einzelheiten bekannt. Der Dampfer „Jnebolu", ein altes Schiff von 1080 Tonnen, befand sich mit 190 Köpfen an Passagieren und Besatzung auf seiner üblichen Fahrt von Istanbul nach Smyrna, als er in dem engen, tief eingerittenen Golf von Smyrna in einen heftigen Nordo st sturm geriet. Dabei wurde ein Kohlenbunker weggeschlagen, und das Wasser strömte mit großer Schnelligkeit in den Schiffsraum ein. Unter verzweifelten Anstrengungen ging man daran, das Leck zu dichten. Alle Bemühungen waren aber umsonst, der Dampfer verlor sein Gleichgewicht und sank eine Viertelstunde nachdem er das Leck erhalten hatte. Zum Glück befanden sich in der Nähe der Unglücksstelle der englische Frachtdampfer „Polo" und der türkische Dampfer ,^Jstikeal", denen es gelang, 111 Menschen zu retten. Motorboote aus Smyrna konnten weitere 14 Menschen retten. Die Zahl der Todesopfer beträgt demnach 66. Fast alle Geretteten mußten sofort in die Krankenhäuser von Smyrna gebracht werden, da sie sich zumeist in schwerverletztem Zustand befinden. Sie hatten ihre Verletzungen während des Unterganges und der damit verbundenen Panik erlitten und auch während des Kampfes in den Wellen durch treibende Schiffstrümmer. Viele von ihnen konnten nur bewußtlos aus dem Wasser gezogen werden. Nach einer anderen Darstellung aus Smyrna soll der Dampfer stark mit Baumwolle geladen gewesen sein, die Ladung soll durch den schweren Seegang Nässe gezogen und dadurch ein Uebergewicht erhalten haben. Regenflulen in Algier. In Algier und Umgebung haben starke Regenfälle, die feit mehreren Tagen ununterbrochen anhalten, ungeheuren Schaden angerichtet. Der Verkehr in der Stadt Algier mußte auf mehrere Stunden eingestellt werden, da die Kanalisationsanlagen nicht in der Lage waren, die Wassermassen aufzunehmen. Mehrere Hauptverkehrsadern der Stadt waren in kurzer Zeit in wahre Flüsse verwandelt, und das Wasser drang in Keller und Wohnungen. Straßenbahnen und Autobusse sind buchstäblich im Schlamm stecken geblieben und konnten erst mit Hilfe der Feuerwehr wieder frei gemacht werden. In einigen Stadtteilen wurden die Straßenbahnschienen und die Pflastersteine fortgeschwemmt; in anderen sind Erdrutsche zu verzeichnen. Ein Wohnhaus, das von den Fluten unterspült worden war, stürzte ein, vier Einwohner wurden mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus übergeführt. Schwere Gewitter in der Mailänder Gegend. Ueber Mailand ging ein außerordentlich schweres Gewitter nieder, das einige Unfälle durch Blitzschläge mit sich brachte. In einem Hause gerieten durch einen Blitzschlag Tapeten und Bilder in Brand, so daß die Feuerwehr zur Hilfe gerufen werden mußte. In einem anderen Gebäude fuhr ein Blitz in ein Zimmer, wo gerade eine Familie mit ihren Gästen zusammensaß. Glücklicherweise kamen die Anwesenden mit dem Schrecken davon. Auch aus anderen Städten Norditaliens werden schwere Gewitter gemeldet. In Brescia wurden durch einen Wolkenbruch verschiedene Stadtteile überschwemmt. Der TNont-Cenis-Paß eingeschneit. Auf dem Mont-Cenis-Paß an der italienisch- französischen Grenze sind, vor allem auf französischer Seite, starke Schneefälle niedergegangen, so daß Automobile, auch wenn sie mit Schneereifen versehen sind, den Paß nicht überqueren können. Bis zum kommenden Frühjahr wird der Mont Cenis für Kraftwagen unbenutzbar bleiben. Auch auf den Höhen des bekannten italienischen Ski- Gebietes von Seftriere liegt bereits Schnee. Mord in einem Reuyorker Wolkenkratzer-Hotel. Der 40jährige Doktor Fritz Gebhardt, der angeblich in Karlsruhe geboren fein soll und vor etwa einem Monat aus Deutschland nach Newyork zurückgekehrt war, wurde unter geheimnisvollen Umständen in einem eleganten Wolkenkratzerhotel der Neuyorker Ostseite von seiner Verlobten, Vera Stretz, erschossen. Das Hotelpersonal hörte die Schüsse und rief die Polizei herbei, die Gebhardt mit einem Schlafanzug bekleidet und von vier Kugeln durchbohrt, tot auf dem Fußboden feiner im 21. Stockwerk liegenden Wohnung auffand. Die Mörderin, die nach der Tat versucht hatte, über die Feuernotleiter zu flüchten, jedoch von der Polizei ergriffen werden konnte, gestand den Mord sofort ein. In ihrer Tasche fand man einen Revolver und einige leere Patronenhülsen, lieber die Gründe der Tat befragt, verweigerte Vera Stretz jede Auskunft. Sie wurde bann dem Polizeigericht zur Vernehmung vorgeführt. Vera Stretz verweigerte auch weiterhin jede Auskunft. Es stellte sich jedoch im Laufe der Vernehmung heraus, daß ihre Behauptung, sie sei mit Gebhardt verlobt, nicht zutrifft. Sie war vielmehr als Hilfssekretärin in einer der Firmen Gebhardt gelegentlich beschäftigt. Vera Stretz ist die Tochter eines in Neuyorker deutschen Kreisen wohlbekannten Musikdirigenten, Zuchthaus für einen Devisenschieber. . Vor dem Hamburger Schnellschöffengericht hatte sich der 56jährige Max de Schepper aus Hamburg wegen fortgesetzten Verstoßes gegen bie Devisenbestimmungen zu verantworten. Der Angeklagte hatte in ben Jahren 1933 bis 1935 in Holland deutsche Wertpapiere im Nennwerte von 84 000 Mark ohne Genehmigung von einem Ausländer aufgekauft und zu diesem Zwecke etwa 46 000 Mark ohne Genehmigung ins Ausland gebracht. Der Angeklagte, der im wesentlichen geständig ist, bezifferte seinen Reinverdienst auf rund 20 000 Mark. Das Gericht verurteilte de Schepper zu zwei Jahren Zuchthaus und 50 000 Mark Geldstrafe, im Nichtbeitreibungsfalle zu weiteren zwei Monaten Zuchthaus. Zwei Regerjungen gelyncht. Etwa 700 Personen darunter viele Frauen, überfielen auf der Brücke überdenColorado- s l u ß in Columbus (Texas) einen Gefangenentransport und entrissen der Begleitmannschaft zwei 16jährige Negerjungen, bie bes Morbes an einem weißen Mäbchen angeklagt waren. Die Menge zog vor bas Haus bes Vaters ber Ermorbeten, lynchten bie Neger unb knüpften sie an einen Baum auf. In ihrer Todesangst beschuldigten die Negerjungen einen dritten Neger bes Morbes. Die Menge zog baraufhin aus, um ihn zu suchen. Hauptschriftleiter: Dr. Friebrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friebrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theobor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- unb Stein- bruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf^ mit ber Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Durch Verwendung der besonders gut ousgef dienen Ernte 33 wurde die ALVA-Mischung noch wesentlich verbessert. Das neue Mundstück mit geschlagenem Blattgold-verbürgt lippenfest und broncefarbenfrei — sichert unverfälschten Genuß! __ v Oie Volksbiwungsstä'ite Gießen eröffnet ihre Winterarbeit. Die Nolksbildungsstätte Gießen, die unter der Leitung von Schulrat N e b e l i n g jetzt wieder ihre Arbeit aufnimmt, eröffnete am gestrigen Dienstagabend vor zahlreichen Teilnehmern ihre Winterarbeit 1935/36. Den stimmungsvollen Auftakt des Abends bildeten gute Hausmusik-Darbietungen der Gruppe „Volkstümliches Singen und Musizieren", die unter der Initiative von Lehrer Siegler zunächst eine Gavotte für drei Blockflöten und das Andante aus der 1. Sonate für Geige und Cembalo von Bach zu Gehör brachte. Schulrat Aebeling hielt eine kurze Begrüßungsansprache und betonte, daß die Arbeit getan wird um des Volkes willen. Die Arbeit soll darauf eingestellt sein, alles was uns angeht, zu vertiefen und zu verinnerlichen. Dann hielt Professor Dr. Nuken den Einführungsoortrag. Es ist nicht leicht, so sagte er u. a., jetzt eine Schule aufzurichten. Es kommt darauf an, weite Kreise zu erfassen. Aus allen Schichten der Bevölkerung soll sich die Hörerschaft zusammensetzen. In kleinen Arbeitsgemeinschaften sollen Fragen von verschiedenen Seiten her aufgebrochen werden. Bildung soll nicht bestimmten Schichten eignen, nachdem wir beobachteten, daß der Viel-Wissende auf Höhen wandelte, einsam, unerreichbar vielen seiner Mitmenschen. Der „deutsche Idealismus" war etwas völlig Unsoziales. Der Krieg schlug eine Bresche in diese Situation. Viele dieser „Gebildeten" zogen hinaus und mußten nun erleben, wie der einfache Mann völlig selbstverständlich richtig handelte und häufig diese „Oberschicht" beschämte. In der besonderen Leistung zeichnete er sich aus. Klüfte, die die „Bildung" geschaffen hatten, taten sich hier offensichtlich auf. Der gebildete und der einfache Mann hatten keine gemeinsame Sprache mehr. Es kam daher, weil jeder seinem eigenen Ideal lebte. Heimat — sie verlangt gleichen Klang im Wort und gleichen Sinn. Die weitgehende Privatisierung des Einzelnen ließ den gleichen Sinn im Worte verloren gehen. Noch stehen wir in diesen Dingen. Aber der Weg zur Gemeinschaf ist uns gezeigt. Deshalb brauchen wir in kleinem Kreis den Austausch. Verbunden sein mit der Heimat in allen ihren Erscheinungen ist notwendig. Wichtig ist, daß man die Heimat im Herzen sucht. Heimat ist auch das Wissen darum, was wir zu tun haben und — daß wir uns auszurichten haben auf unser Volk, vor dem wir auch Verantwortung zu tragen haben. Im Kriege lagen die Verantwortlichkeiten völlig klar. Die Forderung lautete da: Einsatz des einen für den anderen! Ohne diese gegenseitigen Verantwortlichkeiten können wir uns als Volk nicht halten. Die geistige Privatisierung muß überwunden werden. Wir müssen unser Volk als Schicksal erkennen, müssen uns gebunden fühlen in der Sitte. Sitte ist lebendig und sagt uns, roa$ sich gehört. Im Bauerndorf kennt man noch die Sitte. In der Stadt nicht mehr. Da will keiner mit den fordernden und fragenden Augen des anderen etwas zu tun haben. Wir dürfen aber unsere Neservate nicht behalten wollen. Wir sind aufgerufen! Der Führer will alles! Wer nicht gibt, bricht aus! Das Verlangen geht dahin, Heimat zu geben. Diese Forderung müssen wir alle erfüllen, denn alles Leben haben wir aus der Heimat. Geisteskraft ist uns anvertraut, um den anderen damit zu dienen. Verstand ist nichts eigenes, sondern Lehensgut von Gott. Mit Gott haben wir auch nicht privat zu tun, sondern in der Wirklichkeit des Alltags und durch unser Volk. Wer dienend im Leben steht, steht in echtem Glauben. Wirkliche Gemeinschaft ist nur da möglich, wo man sich gegenseitig verpflichtet fühlt. Den Wea zueinander zu finden, dazu soll die Volksbildungsstätte da sein. Wir müssen völkisch leben lernen und gleichen Rhythmus haben aus der Forderung unseres Blutes. Die Schranken, die uns abhalten, Volksgemeinschaft zu werden, müssen fallen. Nach zwei weiteren musikalischen Darbietungen hielt Schulrat Nebeling die Schlußansprache, in der er herausstellte, daß wir auch in unserem täglichen Leben überall an der Font stehen und es auf unsere innere Haltung ankommt. Mit dankbarem Gedenken des Führers, der uns den Weg zur Volksgemeinschaft wies, fand der Abend feinen Ab- Muß. Gauleiter Sprenger auf der Olympia-Ausstellung. LPD. Frankfurt a. M., 12. Nov. (Bauleiter und Reichsstatthalter Sprenger besichtigte am Dienstag zusammen mit dem Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt, Staatsrat Dr. Krebs, und dem Leiter der Landesstelle für Volksaufklärung und Propaganda, Müller-Scheid, die Olympia- Ausstellung und sprach sich anerkennend über den Aufbau und die Ausgestaltung dieser Schau aus. Ganz besonderes Interesse zeigte der (Bauleiter für die beiden Tonfilme, die sich die Besucher der Ausstellung bekanntlich kostenlos ansehen können. Preußen. Kreis Wetzlar. <£ Rodheim a. d. Bieber, 12. Nov. Die Wanderkantorei R. Münch aus Arolsen veranstaltete am Sonntagabend in der hiesigen Kirche ein Konzert, das zugleich die Wiederinbetriebnahme der überholten Orgel brachte. Erfreulicherweise wies die Kirche einen sehr guten Besuch auf. In dem Pfarrer Münch (Orgel und Gesang), sowie Fräulein Fenghänel (Violine) traten Künstler von Rang auf, die gute Kostproben aus den Meisterwerken deutscher Kirchenmusik verabreichten. Zu Gehör kamen Werke von Händel, Schütz, Buxtehude, Bach, Telemann usw., sowie auch eine Eigenkomposition für Orgel und Gesang von R. Münch. Andächtig lauschte die Gemeinde und« spürte die tiefgehende Wirkung der musica sacra, die, wie Pfarrer V ö m e I eingangs ausführte, so recht zum Lobe Gottes bestimmt und geeignet fei. Nach einem Dankeswort an die Künstler und dem Segensspruch des Geistlichen verließ die Gemeinde tief beeindruckt das Gotteshaus. Der Eintritt zu der Veranstaltung war frei. Weltrekord im Stratosphtirenflug. W M M:; ■ W MA »z, Die beiden amerikanischen Hauptleute Albert W. Stevens und Drott Andersen unternahmen, wie gestern bereits gemeldet, von Rapid - City (Dakota, USA.) aus mit dem größten Stratosphärenballon der Welt einen Flug in die Stratosphäre. Während ihrer 7%ftünbigen Fahrt erreichten sie eine Höhe von 22 570 Meter, Überboten also alle bisher bestehenden Weltrekorde. — Unser Bild zeigt Stevens (links) und Andersen in der Gondel ihres Stratosphärenballons. — (Weltbild-M.) (Scherl-Bilderdienst-M.) Kunst und Wissenschaft. Die Beisetzung von Frau Förster-Nietzsche. Frau Elisabeth Förster-Nietzsche, die Schwester des großen Philosophen, wurde in ihrem Geburtsort, dem Dorf Röcken bei Lützen, zur letzten Ruhe bestattet. Diele führende Persönlichkeiten der Partei und des Staates waren zur Beisetzung erschienen. An der offenen Gruft der Familie Nietzsche hielt Superintendent För - st e r - Zeitz, ein Neffe der Verstorbenen, die Grabrede, der er die Stelle aus dem Markus-Evangelium „Sie hat getan, was sie konnte", Worte Christi an Maria in Bethanien, zugrunde legte. Feierlich erklang der Pilgerchor aus „Tannhäuser", der von Mitgliedern des Weimarer Opernchores vorgetragen wurde. Für die Nietzsche-Stiftung und als persönlicher Freund der Verstorbenen sprach Professor Dr. Iesinghaus der Toten warnt empfundene Abschiedsworte ins Grab nach. Im Ringen um letzte Erkenntnisse habe sie ihre Kräfte erschöpft. Indem sie uns die Flamme erhielt, die ihr großer Bruder dem deutschen Volke schenkte, habe sie mit beigetragen zu dem gewaltigen geisti- gen Umbruch, in dem das deutsche Volk auch heute noch stehe. Unter Glockengeläut wurde der Sarg nach der Einsegnung durch Pfarrer Thörel in die Gruft am schlichten Dorfkirchlein gesenkt, wo die Tote an der Seite der Eltern und ihres großen Bruders, ihrem Wunsche entsprechend, ihre letzte Ruhe gesunden hat. 125 - Jahrfeier der Universität Vertin. Professoren und Studenten der Universität Berlin begingen gemeinsam mit den Vertretern von Staat und Partei den 12 5. Jahrestag der Gründung der Friedrich-Wilhelms-Universität. Die Feiern wurden eingeleitet durch eine schlichte Totenehrung vor dem Ehrenmal im (Barten der Universität. Der Rektor legte gemeinsam mit Vertretern der Gefolgschaft und der Studentenschaft Kränze nieder. Dann hielt Gauarbeitsführer Dr. Decker, der Angehöriger des Lehrkörpers ist, die Traueransprache. Er erinnerte an den Tag von Lange- marck, der mit diesem Ehrentag der Universität zusammentreffe. Den Höhepunkt der Feierlichkeiten bildete der Festakt in der neuen Aula. Der Rektor Professor Dr. Krüger, begrüßte die Gäste und gab einen Ueberblick über die Geschichte der Universität. Die Festansprache hielt Prof. Dr. Hoppe. Er gab eine historische Darstellung der „Universitas Litterarum" und der Bedeutung der Universität im geistigen Leben der Jahrhunderte. Die Glückwünsche aller deutschen Hochschulen überbrachte der Rektor der Technischen Hochschule Berlin, Pros. Dr. von Arnim. Ministerialdirektor Kunisch sprach der Universität in Vertretung des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Rust, herzliche Glückwünsche aus. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeork Frankfurt. Während der roeftaus größte Teil Deutschlands heute noch verhältnismäßig freundliches Wetter zeigt und am Dienstag Schlesien Temperaturen bis zu 20 Grad Celsius hatte, lag vornehmlich dis rhein-mainische Tiefebene im Bereich sehr feuchter Luftmassen. Fast ununterbrochen fiel Regen, der sich nur gelegentlich und besonders an den Gebirgsrändern verstärkte. Bei Island hgt sich ein kräftiger Sturmwindwirbel entwickelt, der etwas größere Lebhaftigkeit in die Witterungsvorgänge bringen wird. Doch bleibt der Gesamtcharakter noch recht unbeständig. Aussichten für Donnerstag: Teilweise nebelig, sonst veränderliches, aber überwiegend bewölktes Wetter mit einzelnen Regenfällen, bei südlichen und südwestlichen Winden mild. Aussichten für Freitag: Veränderliche Bewölkung und zeitweilig auch Regen, ziemlich mild. Lufttemperaturen am 12. November: mittags 9,6 Grad Celsius, abends 9 Grad; am 13. November: morgens 6,6 Grad. Maximum 9,9 Grad, Minimum 4,5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. November: abends 7,4 Grad; am 13. November: morgens 6,2 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 6,7 Stunden. Die Hitze gegen Gicht und Rheumatismus. Sie wissen kein sicheres Mittel gegen diese Plagegeister? Einreibungen, Packungen, Bäder, Salben usw. lindern meistens nur für einige Zeit die Schmerzen, aber sie packen nicht immer das Hebel an der Wurzel. Ich empfehle Ihnen ein wirklich erprobtes Mittel, und Sie sollen es selbst versuchen, ohne daß es Sie etwas kostet; aber ehe ich Ihnen mehr sage, lesen Sie die folgenden Briefe: Röntgenthal, den 5. Februar 1935. Nachdem ich nun 4 Schachteln Gichtosint-Tabketten eingenommen habe, bin ich im Stande, ein Urteil abzugeben. Dieses Urteil lautet: „Was Sie versprochen haben, haben Sie gehalten! Ich laufe wieder tadellos, auch die Ellenbogengelenke sind wieder geschmeidig. Mein linkes Bein war saft völlig steif, und das Knöchclgelenk am rechten Bein dick geschwollen und nur unter Schmerzen zu bewegen. Heute kann ich, ohne Hindernis, stundenlang gehen im Geschwindschritt- Tempo, es ist eine wahre Freude. Nehmen Sie für Rat und Hilfe meinen ergebensten Dank. Allen Gichtikern und Rheumatikern möchte ich empfehlen: Nehmt Gichtosint!" Walter Hartwich, Pens. Werkmeister Röntgenthal, Kr. Nieder-Barnim, Birkenallee 14. Wackersberg b. Bad Tölz, Oberbag., den 17. Mai 1935. Es ist erfreulich, daß ich Ihnen mitteilen kann, daß ich von meinem Ischiasleiden befreit bin. Ich war ganz erstaunt über die Wirkung, denn nach der zweiten Gichtosint-Kur war ich von meinem Leiden ganz befreit, das ich schon 15 Jahre getragen habe. Ich kann, ja ich muß jedem, der von dieser so schmerzhaften Krankheit geplagt ist, dieses Mittel empfehlen. Meinen besten Dank. Sebastian Burger, Bauer. Solche Briese besitze ich über 16 000 (notariell beglaubigt), und nun hören Sie weiter: Gicht und Rheumatismus können von innen heraus wirklich kuriert werden durch Entgiftung des Blutes. Dieses ist verunreinigt durch zurückgebliebene harnsaure Salze, und diese müssen heraus, sonst nutzt alles Einreiben und Warmhalten nichts. Zur Beseitigung der Harnsäure dient das Gichtosint. Sie können kostenlos und portofrei eine Probe Gichtosint mit weiteren Aufklärungen und genauer Gebrauchsanweisung erhalten, wenn Sie Ihre Adresse senden an: Gichtosint-Kontor, Berlin SW 235, Friedrichstraße 19. Zu haben in allen Apotheken. 6521V Frische Fische Statt Karten! Danksagung. Für die überaus vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Familie Johannes Haas. Gießen, den 12. November 1935. 04880 ren werden. 6531D Der Vorstand der Ällersvereinigung 1875-1925 [Verschiedenes | Werbe-Drucksachen bei Brllhl, Schulstr.7 Geschäftsm.sucht 1 bis 2000 Mk. auf 4-6 Monate. Sicherh. u. gute Zinsen. Schr.Au- geboteunt.04886 an d. Gieß. Arn MWartlel steuerfrei, i. best. Zustand, vreisw. zu verkauf, ow? K. Faber. Gießen. DItthlst.22Tel.3096 Iminen- ? MWlWtz abzugeb. Bestell, erb. wir v.Postk. DampisägewerkLollar B.NuhnA.6.,Lollar. Verloren wurde auf %er Hauptstraße zwischen Gießen und Marburg aus einem Kraftwagen (Lastzug) ein neues Jakett. Der Finder wird gebet., f. Adresse unt. 6540D in d. Geschäftsstelle d. Gieß.Anzeig.abgeben zu wollen. Goldbarsch Pfd. 30 Pf. Kabeljau Pfd. 35 Pf. Filets Ptd. 50 Pf. Rich.Grun?wald Gießen, ““d Dame,Hess.,ev., 37 I.,germ.Tyv,a. g.Fam.herzenSg. Häusl.,Lvzeums- bild.,nicht unvermögend,wünscht charaktervollen ßtitiametflöen in gut. Position. Witwr.nicht aus- geschl.Geldinter. nicht erw. Ber- schwiegh. zuges. Ausf.schr.Ang.u. 04879 n. d.G.A Kohlen Koks Briketts Holz 3508 D in nur besten Qualitäten H Trechsler Steinstr.73, Tel. 3581 die vielen Kranzspenden beim Heimgang unseres unvergeßlichen Sohnes sagen wir auf diesem Wege unseren herzlichsten Dank. Nachruf, Am 9. November verstarb unser all- verehrter, lieber Alterskollege Herr August Mohr. Wir verlieren in dem Dahingeschiedenen einen lieben und treuen Freund, dem wir ein stetes Gedenken bewah- ffitt Buch für Sommertage u. 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Harnes & (So. in Liquidation, Wiefeck, über deren Vermögen das Vergleichsverfahren zur Abwendung des Konkurses zu eröffnen, wird abgelehnt, weil die Antragsteller Mängel des Eröffnungsantrags binnen gesetzter Frist nicht behoben haben. 6526D Zugleich wird gemäß § 19 der Vergleichsordnung heute am 5. November 1935, 16.15 Uhr, der Anschlußkonkurs über das Vermögen der offenen Han- delsaefellschaft Fr. harries & Lo. in Liquidation, Wieseck, eröffnet. Der Rechtsanwalt Koehler, Gießen, plockflrahe, wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 26. Hovembet 1935 bei dem Gericht anzumelden. Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten ober die Wahl eines anderen Verwalters sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretendenfalls über die im 8 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Dienstag, den 3. Dezember 1935 vormittags 8% Uhr oor dem unten bezeichneten Gericht, Zimmer 107, Termin anberaumt. Allen Personen, die eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitz der Sache und von den Forderungen, für die sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 26. November 1935 Anzeige zu machen. Gießen, den 5. November 1935. Das Amtsgericht. fit. 266 Drittes Blatt Gtehener Anzeiger (General-Anzeiger für Merhessen) Mittwoch, 13. November (635 Jugend und Hochschule. Schüler und Schule. von Heinrich Hübner Es ist nur natürlich, daß eine Bewegung, die, wie die nationalsozialistische, ein ganzes Volk verkörpert und Staat geworden ist, an die Schule ganz besondere Anforderungen stellt. Die Hauptaufgabe einer jeden deutschen Schule, gleich welcher Art, ist heute: den deutschen Menschen zu bilden lind nicht, wie in vergangenen Jahren, den Gelehrten oder Beamten. Hand in Hand mit der Vermittlung des Wissens in der Schule hat heute die körperliche Ertüchtigung und die charakterliche Festigung der Schulpflichtigen zu gehen. Damit hat sich auch der Aufgabenkreis des Lehrers erweitert. Der Staat will keinen Lehrer mehr, der seine Stundenzahl ableistet, den Schülern mehr oder weniger totes Wissen einpaukt und für diese „Arbeit" sein Gehalt einstreicht. Die nationalsozialistische Schule braucht Erzieher statt Lehrer. Erziehen aber kann man nicht mit auswendig gelernter Bücherweisheit, sondern nur wenn man selber mitten im Leben der Gegenwart steht. Erziehen aber kann man auch wiederum nicht nach einem Schema, das man in einem Seminar oder sonstwo erlernen könnte. Wehe dem Er.zreher, der in der ihm anvertrauten Jugend nur ein Erziehungsobjekt sieht und nicht junge Menschen aus Fleisch und Blut, und zwar junge Menschen mit all ihren Fehlern und Schwächen, aber auch all ihren guten Anlagen charakterlicher Art. Und gerade das soll seine Aufgabe sein: diese guten Seiten des Schülers zu erkennen und zu fördern. Unerläßliche Bedingung für die Erreichung dieses Zieles ist aber eines: das blinde Vertrauen. Der Schüler wird sein Vertrauen grundsätzlich gern einem jeden Lehrer schenken, von dem er glaubt annehmen zu dürfen, daß er Verständnis für seine, des Schülers, Umwelt mit all ihren kleinen Freuden und Nöten hat. Der Junge will unbewußt lernen, er erwartet von dem Lehrer, daß er ihm die Schule zur Freude mache und nicht zum Kerker, in dem er Tag für Tag jeden Morgen feine Jugend „abfitzt" und versauert. Er verlangt von dem Unterricht, daß er ihn fesselt, daß der Lehrer über dem Stoff steht und nicht von feinem Fachwissen oder sonstigen Steckenpferden befangen ist. Das aber setzt voraus, daß der Lehrer selbst nicht nur Lehrender, sondern auch zugleich Lernender ist. Wehe ihm, wenn er auf seinem „Wissen" von ehedem stehen geblieben ist. Denn das „Wissen" ändert sich von Tag zu Tag fortschreitend. Und feine Aufgabe als Lehrer besteht eben darin, dieses stets neue „Wissen" nach dem jeweiligen Stande der „Wissenschaft" seinen Schülern in ihrer Sprache, die den jeweiligen Altersstufen angepaßt fein muß, zu vermitteln. Merkwürdig, daß gerade diejenigen Lehrer, die dieses Vertrauen ihrer Schüler nicht in dem erforderlichen Maße besitzen, am lautesten nach der „Autorität" des Lehrers rufen. Respekt zwar vermag sich ein Lehrer auch ohne Vertrauen zu verschaffen. wenn er in feinem Wesen energisch ist. Echte Autorität aber wächst stets nur von innen heraus. Vielfach gilt auch die Autorität, die ein Lehrer genießt, gar nicht ihm persönlich, sondern — seinem N o t e n b u ch. Es erhebt sich hier die Frage: soll man Noten geben oder nicht? Man kann das Notengeben zwar verteidigen, aber immer nur in der Absicht, einen Anhaltspunkt über die Leistungen des Schülers zu bekommen. Und nie und nimmer darf es soweit kommen, daß man durch Addition und Division papierener Noten die Jahresleistungen „errechnen" will. Sieht man beispielsweise einem „Dreier" im Notenbuch an, wie er zustande gekommen ist? War man sich bei der Notengebung bewußt all der Tragik, die eine schlechte Note im Dichter und Jugend. Von Ernst Wiechert Die folgenden Ausführungen sind einer Rede an junge Menschen entnommen. Die Dichter sind Sie Bewahrer des Unvergänglichen und die stillen Mahner in einer lauten Welt. In allem Wandel der Zeiten und Meinungen ruht in ihrer Hand das Unwandelbare. In allem Verwirrten und Angstvollen der Welt lösen und binden sie die Fäden der großen Ordnung, machen das Trübe klar, das Verwirrte einfach, das Schmerzliche heilig. Unter ihren Händen hört der Mensch auf, ein Spielball dunkler Gewalten zu sein. Das Unreäst der Erde wird vergänglich, der Tod verliert seinen Stachel, das Schicksal nimmt uns ruhig bei der Hand. Schön ist es, Schlachten zu gewinnen und Reiche zu gründen, aber nicht leichter wird vor dem letzten Urteil der gewogen werden, dessen Hand die Verse geschrieben hat: „Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen am Himmel hell und klar ..." Meine lieben Freunde, Sie werden sagen: „Alles dieses war einmal." Und in den Zeiten des Friedens dürfe es so sein, daß die Dichter an den großen Strömen sitzen und die Dinge der Ewigkeit zwischen ihren formenden Händen bewegen. Aber in den Zeiten des Kampfes sei niemandem ein Platz an den stillen Ufern vergönnt, und die Jugend, die das Schwert trage, werde nur auf die Stimme dessen hören, der ein Schwert von Feuer trage. Meine Freunde, Sie müßten alt geworden sein vor der Zeit, wenn Sie nicht so dächten, und doch lassen Sie mich sagen, daß es ein Gedanke des Irrtums ist. Denn wenn es ein Gedanke der Wahrheit wäre, so würden die Literaten der eben versunkenen Zeit recht gehabt haben mit ihrer These, daß nur die Zeitkunst das Recht habe, eine Kunst genannt zu werden, und Wilhelm Raabe würde unrecht gehabt haben, als er die Verse schrieb: „Das Ewige ist stille, laut die Vergänglichkeit. Schweigend geht Gottes Wille über den Erden- ftreit ..." * Seid demütig, meine Freunde, nicht vor den Menschen, aber vor Gott, denn wem die Macht verliehen wird, hat nicht zu beugen, sondern aufzurichten, was gebeugt wurde, und Dankbarkeit gehört zu den Dingen, die keinem Wandel der Zeiten unterworfen fein dürfen. Und seid nicht nur demütig, sondern kehrt auch ein wenig zurück aus dem Elternhaus auszulösen vermag, kannte man die Aengste, unter denen eine Klassenarbeit angefertigt wurde, weil der Vater gesagt hatte: „Wenn du mir wieder mit einer schlechten Note kommst, dann ..."?! Gar nicht erst zu reden von der Möglichkeit, den Lehrer unbemerkt zu täuschen. Ist eine solche Note dann wirklich ein getreues Abbild der Leistungen, als welche man sie doch werten möchte?! Ist es da nicht angebrachter, ich mache mir in meinem Notizbuch eine entsprechende Bemerkung, etwa so: „Schüler M. hat für heute seine Aufgabe nicht erledigt". Habe ich bei dem gleichen Schüler mehrere Bemerkungen dieser Art, so komme ich, wenn ich den Gründen nachzugehen versuche, vielleicht zu dem Ergebnis: Der Schüler M. ist faul, oder: er ist durch dies oder jenes vom Arbeiten abgehalten. Dann werde ich als Erzieher diesen Dingen nachgehen und mich bemühen, sie abzustellen. Solche Noten und solche Bemerkungen können gewiß gute Anhaltspunkte sein für die Beurteilung, aber der verdient nicht den Namen eines Erziehers, der nicht fähig ist, nachdem er ein halbes Jahr vor feiner Klaffe gestanden, einen jeden einzelnen zu beurteilen bei den Zeugnisbesprechungen, auch ohne zu diesem Zweck im Notenbuch Nachschau zu halten. Es gibt Lehrer, die sehr selten ft r a f e n , und es gibt solche, die bei den geringsten Vergehen strafend einschreiten. Eine Strafe aber hat nur dann Wert, wenn die ganze Klaffe ihre Berechtigung einsicht. Meist indes wird das Erkennen des durch den dummen Streich in einer übermütigen Sauro? des Augenblicks tatsächlich Angerichteten, das fast nie gewollt war, dem Jungen Strafe genug fein. Hat der Erzieher aber einmal eine Strafe verhängt, so Seubilbung des VerWedens. Aufgaben und Ziele der jungen Führung. Von Dr. Er:ch Zaensch, o. ö. Professor der Philosophie an der Universiiäi Marburg. Es ist überflüssig, zu bemerken, daß der Lehrer den Geist der inneren Jugendlichkeit braucht, und daß es Hauptaufgabe der Schulen fein wird, sich von ihm immer mehr erfüllen zu lassen. Aber auch alle Zweige der Verwaltung und des Beamtentums können eine Verjüngung im Geiste vertragen. Denn Verknöcherung und Bürokratismus, die man ihnen vielfach vorwirft, find geistige Alterserscheinungen. Dem Kaufmann, dem Beamten, dem Juristen, dem Theologen wird es nützlich sein, wenn er als Jugendführer gelernt hat, daß er nicht nur für 'Waren, Paragraphen ober Schriftworte da ist, sondern für lebendige Menschen. Der Arzt, der einmal Jugendführer war, bringt das beste Verständnis mit für die neuen Aufgaben seines Berufes. Denn je stärker wir heute den Körper betonen neben dem Geist, um fo mehr wird der Arzt in ähnlicher Weife wie der Lehrer verantwortlich für den Nachwuchs und das Volk. Je lebendiger, d. h. jugendlicher die Presse ist, um so besser wird sie ihrer Aufgabe dienen, aufzuklären und für das Richtige zu werben. . Der wirkliche Jugend sührer wird fo gut wie jeden Beruf, in den er hineinkommt, im Sinne des Jugendgeistes umstellen und damit dem Aufbau der neuen deutschen Kultur bienen. Vielleicht barf ich ba aus meinem eigenen Leden etwas ausplaubern. Mir hat in meiner Jugend immer bunkel vorgeschwebt, baß so etwas Aehnliches, wie es heute in unseren Jugenborganisationen Wirklichkeit «geworben ist, kommen müßte. Aber wie stark bas Verlangen damals fein mochte, Jugcnbführer zu werden, es war eben doch unausführbar. Da ich es in meiner Jugend nicht verwirklichen konnte, habe ich es dann als Professor versucht. Nach den heute verbreiteten Anschauungen ist ja der Beruf eines Professors der Philosophie von dem eines Jugendführers recht weit entfernt. Ich habe dann eben mein Fach Philosophie und Psychologie innerhalb meines Arbeitskreises in der Weise umgefteUt, daß ich Professor dieses Faches sein konnte und Jugenoführer zugleich. Auch glaube ich, es hat meinem Fache nichts geschadet. Wir haben zeitweilig mit der ganzen Marburger Jugend kameradschaftlich zusammen gearbeitet; wir bildeten gewissermaßen eine feste Kameradschaft zur Höherführung unseres Volkes, soweit es von unserem Gebiet aus möglich ist. Wir haben eine Philosophie und Psychologie der Jugend aufgebaut, und, wie ich glaube, damals sogar eine gewisse pädagogische Bewegung hervorgerufen und noch einiges andere getan im Sinne einer Erneuerung von Philosophie und psychologischer Anthropologie. Kürzlich besuchte uns eine alte Fachautorität aus dem Fernen Osten. Dieser alte Japaner sagte mir: „Wir Aelteren haben gegen das, was Sie machen, noch manche Bedenken; aber unsere jungen Leute lesen vor allem Sie und meinen, es fei der Weg der Zukunft." — Das ist in kurzen Zügen meine Laufbahn als Jugendführer. Ich will damit nur sagen, daß man in alle, und selbst sehr berüchtigte Berufe I u g e n b g e i ft hineintragen unb sich Sarin als Jugenbführer erprqben kann. Gelingt bas schon, wenn man in ber eigenen Jugenb nur bem instinktiven Verlangen nach, aber nicht in Wirklichkeit, Jugenbführer gewesen ist, wieviel besser werben bas bie wirklichen Jugenbführer können! Aber mir benötigen bie ehemaligen Jugenbführer nicht nur für bie einzelnen Berufe, fonbern vor allem für bas deutsche Leben als Ganzes, für die deutsche Volkwerdung. Wir brauchen dafür in erster Linie ihren Kameradschaftsgeist, wir brauchen aber auch ihren frischen, unbeschwerten Wagemut, ihre Tapferkeit, sogar ihr jugendliches Ungestüm, das sie besitzen müssen, wenn sie ihren Jungen ein richtiges Vorbild gewesen sind. Wir brauchen das für alle Lebensgebiete unb selbst für bie scheinbar bavon entferntesten. Es ist nicht wahr, baß bas Erkennen nur eine Sache bes beschaulichen theoretischen Denkens sei; es ist ebenso eine Angelegenheit bes frischen unb selbst kecken Wagemutes, ja sogar ber ritterlichen unb sportlichen Angriffssreube. Ein Mann, ber hier seine Sache grunbsätzlich vorwärts bringt, was immer nur in langen unb heftigen Kämpfen geschehen kann, fühlt sich bem Solbaien näher Dcrronnbt als seinen eigenen Fachgenossen mit bloßem blutlosen Intellekt. — Es ist nicht wahr, baß Religion nur bem Schwachen und dem Feigling ansteht. Wir brauchen in ihr harte Kämpfer für das Gute und für den heiligen Willen Gottes, und was wir Kameradschaft nennen, gehört zugleich in den Bereich der Brüderlichkeit, die uns auch unser religiöser »Glaube gebietet. Es soll gar nicht abgeleugnet werden, daß uns ber Gebcmke ber jugenblichen Führung im einzelnen vor manche Schwierigkeiten stellt. Aber diese werden sich beheben lassen, wenn nur ber Grunbgebanke zutrifft. Der Gebaute ber jugenblichen Führung ist richtig, weil er ben Gesetzen bes L e- b e n 5 gemäß ist. Danken wir unserem Führer dafür, daß er uns die Jugendorganisationen geschenkt hat und mit ihnen auch den gesunden Grundsatz der jungen Führung! Lärm der Welt in die stillen Wälder, die aller Jugend zugehören. Es ist wohl nötig, daß gejätet und verbrannt werde, nachdem das Unkraut geblüht hat für lange Zeit, aber es ist auch nötig, daß gepflügt unb gesät werbe, unb immer war bas Schweigen ber Erbe um biese heiligen Dinge. „Gebt benen, bie hungern", sagt eines Dichters Wort, „von eurem Reis. Gebt benen, bie leiben, von eurem Herzen!" Ich habe einmal in einem Brief an einen jungen Menschen von ber Berufung bes Dichters gesprochen unb von ihm gesagt, baß ihm gebühre, still im Lande zu wohnen, wie der Knecht in seiner Kammer wohnt, und indes im Haus des Herrn die Lichter glänzen, wacht er über dem Schlaf der Tiere und der Felder, und alles, was ihm beschert werden kann, ist, daß am Morgen seine Seele vom Tau ber Gnabe bebeckt ist, gleich bem Vliese Gi- beons, bas biefer an bie Tür seines Zeltes schlug. Es ist basselbe, was ich Ihnen, nun ich am Enbe bin, zu sagen habe, weil beide zu dem Gleichen berufen sind, der Dichter wie die Jugend: das Stille zu bewahren, das Müde zu erneuern, das Große zu verehren, das Leidende zu lieben. ArbettsgemeinfM,,Modellbau" Ein Primaner berichtet von einem beliebten (Schn'.sach. Der Primaner ber beutschen höheren Schule sieht sich alljährlich vor ein lieberangebot von Arbeitsgemeinschaften gestellt, von benen schwer zu sagen ist, welche ben Vorrang oerbient. Am Ranbe des Hauptfeldes — Germanistik, Fremdsprachen und Naturwissenschaften — laufen einige Fächer mit freiwilligen Nachmittagsstunden, die zumeist als „Außenseiter" geringere Beachtung und Bewertung finden. Zu Unrecht! Zu Unrecht hinkt auch hinterher — der Modellbau. Aber wir Schüler besitzen ein ziemlich sicheres Fingerspitzengefühl für die Schmackhaftigkeit dieses oder jenes Faches. Es gibt „trockene" und sog. „fabelhafte" Stunden. Wertmaßstäbe sind dabei die Möglichkeit zur Mitarbeit und zur nützlichen Auswertung. Beide Vorteile, rege Mitarbeit zu verlangen und einleuchtende Nützlichkeit zu besitzen, hat für jeden Teilnehmer ber Mobellbau: eine Arbeitsgemeinschaft, die für Logik, handwerkliche Arbeit unb künstlerifche Form Aufmerksamkeit fordert. Jeder Mensch, auch ber junge, hat bas Bebürf- nis, ben Erfolg feiner Arbeit zu sehen. Nicht nur ben Erfolg, auch schon allein Wachsen, Steigerung, Vollendung. So wie wir uns freuen, Zug auf Zug eine Mathematikaufgabe zum richtigen Schluß zu bringen, so freuen wir uns um so mehr, wenn sowohl Geist als auch Auge Befriedigung beim Anblick einer selbstgeschaffenen, errichteten Arbeit empfinden. Das alles bietet ber Modellbau. Und was schaffen wir beim Modellbau? Wir wollen nicht materialistisch denken und als Arbeitsziel aus einem nachgebildeten Bauernhaus von einem Museum 300 Mark schlagen. Wir bedenken den Wert, den wi/ der Nachwelt liefern, wenn wir in der Nachbildung Baudenkmäler unserer Heimat erhalten, aus denen Kulturhöhe und Kulturentwicklung hervorgehen. Aber nicht am Klischee soll ber Mobellbau hängen! Tankstellen, Flugzeughallen, Autogaragen, Großstadtstraßen bietet bie Wirklichkeit in immer weiter steigender Vollendung! Technik triumphiert unb fordert Bewunderung. Und währenddessen fällt Volksgut, wertvollstes Besitztum, zusammen. Da stehen wir eines Tages vor dem alten Speicher, der alten Mühle, dem Drei- und dem Vierständerhaus, und beginnen unsere Arbeitsgemeinschaft. Gemeinschaft! Wir hocken nicht einzeln über Bücher, sondern helfen einander in gemeinsamer Arbeit. Der eine zeichnet, der mißt, der fragt — alles ergänzt sich: Die Vorarbeiten, das Vermessen, ist schnell erledigt — die Werkzeichnungen entstehen! Ein reges Hand-in-Hand-Greifen, bei dem nicht schulmeisterhafte Strenge die Aufsicht führt, sondern freies Handeln, das Zeit läßt zu mancher Zwischenfratze, Erläuterung, auch zu manchem Besser-Wissen und guten oder schlechten Einfällen. Wir stellen gegenüber die von uns nachgebildete echte Speicherform von 1600 und die heutige, verschandelte (Wellblechwände, unpassende Fenster, Plakate von Zigarettenfabriken u. a.). Ein Blick genügt, um zu erkennen, wie sehr die alte Baukunst leidet — und wie geholfen werden muß, wo andere Arbeitsgemeinschaften einspringen können. Das Modellieren wird zur Volkskunde: Wie wir Balken an Balken fügen und die Fertigkeit und die Kunst vergangener Geschlechter bewundern. Es ist verwirklichte Volkskunde, wenn wir zerbrechendes Volkstum wieder aufrichten, nicht zum Zeitvertreib, sondern weil wir Geschichte lernen wollen, bauen, arbeiten, schnitzen, leimen, kneten, schmieren und streichen. Selbständig und gern, auf ein Ziel zu, das immer schöner werden soll: das fertige Modell. Joachim Günther. liegt es an «hm, bem „Sträfling" so gegenüberzutreten, baß eine Verletzung seines besonbers in ben Entwicklungsjahren ungemein starken Ehrgefühls gerabe bei feinen Karneraben verhindert wirb. Die Interessen eines jungen Menschen finb sehr vielseitig. Das Leben aber läßt sich nun einmal nicht in Stunbenpläncn erfassen. Es muß bem Jungen über bas Maß ber Schule hinaus Gelegen- heit gegeben werben, an freiwilligen Arbeitsgemeinschaften teilzunehmen, in benen solche Fragen außer anberen besprochen werben können, auf bie ihm her HJ.-Führer wegen ber Gleichaltrigkeit keine Antwort weiß und bie mit bem Elternhaus zu besprechen er sich scheut Nichts barf in biegen Arbeitsgemeinschaften irgenbwie an Schule erinnern; selbstverstänblich ist bas Notenbuch hier völlig verfehlt, unb auch sonstige Schulstrafen haben hier, wenn es irgenb geht, unb es muß gehen, auszuscheiben. Hier ist ber Lehrer in erster Linie Kamerab unter Karneraben. Aus ben angeführten Voraussetzungen aber geht hervor, baß nicht jeher Beliebige ber Leiter einer solchen Arbeitsgemeinschaft sein kann, fonbern hierin nur Lehrer gehören, bie bie nötige Fühlung unb Ka- merabschast mit ben Jungen bes ten. Gerabe in biefen Arbeitsgemeinschaften können sich Schule unb HI. sehr eng berühren. Es taucht hier überhaupt die Frage auf: soll der Lehrer der Hitlerjugend angehören oder nicht? Beides hat seine Vorteile, beides sein Schattenseiten. Vorteile: Lehrer und Schüler stehen sich nicht immer nur in den engen vier Wänden eines Schulzimmers gegenüber, sondern erwandern sich auf Fahrt unb Lager bie beutsche Heimat. Der Lehrer kann so als, wenn auch älterer, boch als Kamerab, zum Beispiel bei einem Heimabenb zu ben Jungen reben. Nachteile: Lehrer unb mehr noch Schüler geraten in Zwiespalt, wie sie sich nun im Schulgebäube begegnen sollen. Sollen sie sich hier weiterhin buzen, wie sie bas von ber HI. her gewohnt finb? Man sage nicht: Nebensächlichkeit! Das finb Fragen, unter benen bie Schulzucht leiben, unb bie Spannungen im Lehrkörper selbst zur Folge haben kann. Dieses Problem wirb auch einst gelöst werben, aber erst in einer Zeit, ba ber größere Teil ber Erzieherschaft aus solchen Männern besteht, bie sämtlich burch bie Schule ber HI. gegangen finb. Daß bie Aufgaben von Schule unb Hitlerjugenb sich etwa überfdjneiben könnten, ist irrig. Mängel, bie in ber Uebergangszeit zutage getreten finb, können nicht als Norm gewertet werben. Die Trennungslinie ist klar: innerhalb ber Schule ist ber Lehrer bie höchste Autorität, außerhalb berfelbcn der HJ.-Führer. Bei gutem Zusammenarbeiten von Lehrerschaft und Hitlerju- genführung wird cs nie zu Reibereien zu kommen brauchen. Schwieriger schon ist ber notroenbige Einfluß des Lehrers auf das Elternhaus. Wenn er nur Lehrer sein will, ist diese Verbindung nicht nötig, der Erzieher aber muß bis in die kleinste Einzelheit über den ihm anvertrauten Jungen Bescheid wissen. Darum sind Elternbesuche von Zeit zu Zeit unerläßlich. Der Erzieher wird vieles an dem Jungen verstehen lernen, worüber er bislang den Kopf schütteln mußte, wenn er mit den Eltern in Fühlung getreten i& Umgekehrt vermag gerade der Lehrer bem Elternhaus manchen wertvollen Wink für bie Erziehung zu geben. Wichtig ist babei bas Eine: Elternhaus, Schule uniB Hitlerjugenb wirken nicht in verschobenen, säubern in einer einzigen Rchtung auf ben Jungen ein. So kann eine Generation heranwachsen, bie einmal in ber Tat Nationalsozialisten werben mag, weil sie von frühester Jugenb auf in nationalsozialistischer Weltanschauung erzogen würbe. Studentin nut Mistgabel. Von Magdaliet Bräuning. Zwei Studenten unb eine Stubentin sitzen wir nun seit brei Wochen in unserem Dorf in Ostpommern, IV2 Kilometer von der polnischen Grenze. Drei Wochen haben wir kaum jemand anders gesehen als unsere Bauernfamilie, bei der wir wohnen und arbeiten. Wir haben nichts wieder gehört von den Kameraden, die mit uns hergekommen sind. Und Freuden und Nöte haben wir eine Menge. Freude ist die tüchtige Arbeit mit Forke und Stalleimer und abends das Gefühl, etwas Rechtes geschafft zu haben; und Freude ist das allmähliche Vertrauterwerden mit der Bäuerin und das Toben mit den Kindern. Aber man hat auch feine Nöte, — wenn das Feuer morgens durchaus nicht anbrennen will, oder wenn die Kälber die Hälfte Futter verplauschen, weil man mit dem Eimer von der falschen Seite gekommen ist, — und die Nichte aus Polen kommt vorbei und lächelt überlegen. Aber langsam sind mir hineingewachsen in unsere Arbeit. Wir haben jetzt gelernt, eine Garbe so zu binden, daß sie sich nicht gleich wieder in ihre Bestandteile auflöst, wenn man mit der Gabel dazwischenfährt, mir haben allmählich die richtige Mischung für das Schmeinefutter herausgekriegt, und mir brauchen, um eine einzige Kuh auszumelken, nicht mehr ganz so viel Zeit, roie die Bäuerin für die übrigen sechs Aber dabei sind mir unversehens doch irgendwie zugehörig geworden zur Dorfgemein fdjaft. Und als mir uns eines Abends zu einem Ging* und Spielabend zusammentun, HI. und BDM., da ist fast das ganze Dorf dabei, und nicht nur aus Neugierde. Der Abend war improvisiert, denn zu großen Vorbereitungen war nicht Zeit. Aber unser Stegreifspiel vom Fischer un fine Fru wurde mit Jubel ausgenommen; und schließlich tanzten wir alle bis spät in die Nacht Walzer und Volkstänze. Am nächsten ^Morgen pünktlich um 5 Uhr erhob der kleine Erwin, das Wecksignal für die ganze Familie, seine Stimme. Und pünktlich, wie ‘{eben anderen Tag, ist der Landdirnst bereit, unb roie jeben anberen Tag geht bie Arbeit heute unb bie ganze Woche, roie jede Woche vorher. Und wenn ich die kleinen Jungen auf dem Schulhof „Butje, Butie in de See" spielen hören, dann glaube ich, daß sich hier Bindungen knüpfen vom Reich nach dem Osten, unb daß eine Gemeinschaft entsteht, die immer fester werden wird. Und daran ändert auch die Tatsache nichts, daß der Bauer heute furchtbar gewettert hat, weil mir bie Kühe in die Wracken gelaufen sind. Hoffnungsgrün i Ein Streifzug durch Zwar wird auch heute noch zuweilen die Frage erhoben: „Was trägt man für Farben diesen Winter?" und in jeder Jahreszeit gilt die eine oder andere Farbe als besonders „modisch". Im allgemeinen kann aber heute jede Frau die Farbe tragen, die ihr am besten steht. Wenn man nun in der deutschen Kostümgeschichte zurückblättert, so wird man feststellen, daß in der Vergangenheit weit strengere Grundsätze für die Wahl der Farbe herrschten als heute. Zugleich aber zeigt sich, daß einem farbenfreudigen Zeitalter stets eine Epoche folgt, in der man sich auf wenige, gedämpfte Farben beschränkt. Unsere Vorfahren liebten wohl reine Farben, aber sie vermieden jede schreiende Buntheit. Die Priesterinnen erschienen in weißen Kleidern, wie überhaupt das Weiß als die feierliche und heilige Farbe galt, während schwarz das Sinnbild dunkler Mächte war und Trauer symbolisierte. Die Frauen besetzten ihre einfarbigen leinenen Kleider mit Streifen von Purpur. Erst in der Ritterzeit wählte man eine prunkvollere Farbenpracht. So erblickten König Gunther und seine Genossen Brunhilde zuerst im schneeweißen Kleid, eine Erinnerung an die altgermanische Feiertracht; dann aber erschien sie vor ihnen in einem bunten Gewand. Die Fa^ benwirkung wurde im mittelalterlichen Kleid durch die Menge der verschiedenen Gewänder erzielt. Jeder Stoff und jedes Kleidungsstück hatte nur eine Farbe. Aber da Männer wie Frauen mehrere Kleider trugen, so sorgte man dafür, daß auch die Farbtöne der Untergewänder zu sehen waren. Das Oberkleid und der Mantel waren mit andersfarbi- oem Stoff gefüttert; dazu kamen der Pelz und der goldene Schmuck, so daß oft sechs Farben an dem Gewand der Frau sichtbar vereinigt waren. Mantel und Oberkleid wurden mit der Hand in die Höhe genommen, so daß auch die Farbe des Unterfutters und des Unterkleides zur Wirkung gelangten. Die von den Vornehmen bevorzugten Farben waren lebhafte und reine Farben. Alle gebrochenen Töne, wie Braun, Grau, Violett, blieben dem niederen Stande vorbehalten; in solchen Mischfarben sind die Bauern auf bunten Darstellungen der Zeit fast durchweg gekleidet. Nur Grau wurde auch von den höheren Ständen getragen. Die symbolische Bedeutung der Farben wurde immer ausgesprochener. Die Farben drückten die Zugehörigkeit zu bestimmten Ständen oder bestimmte Gefühle aus. Rot vielfach als Auszeichnung der höchsten Stände, so war es die Farbe der Richter; weiß war die Farbe der Reinheit und der Heiligkeit. Gelb ist die Farbe der Weltlichkeit, weshalb die Prediger gegen sie zu Felde ziehen An den Meßgewändern bedeutet Weiß Unschuld und Freude, Rot Liebe und Opfer, Grün die Hoffnung, Blau Demut und Buße, Schwarz Tod und Trauer. Daneben mußten die Farben in dieser Zeit der Minnesinger auch die verschiedenen Formen der Liebe widerspiegeln. In der Dichtung der Zeit treten uns diese ,,M i n n e f a r b e n" allenthalben entgegen. Grün ist der Liebe Anfang, Weiß die Farbe des glücklichen, aber reinen Liebhabers. Rot ist die brennende Liebe: „Rot außen, das heißt innen ein brünstig Herze haben". Der unglücklich Liebende kleidete sich in Grau oder Schwarz. Blau bezeichnete die treue Liebe. Diese einzelnen Farben wurden sinngemäß miteinander verbunden. In Grün und Blau kleidete sich der treue und bescheidene Verehrer, in Grün und Schwarz der Liebende, der nicht-erhört wird. Schwarz und Rot ist immer der Mord der schönsten Liebe, im Gegensatz dazu Blau und Rot die heiße treue Liebe glückseliger Minneleute. Bunt gemengt in verschiedenen Farben bedeutete Falschheit und Unbeständigkeit. Aus diesen farbigen Spielereien in der Tracht des späteü Mittelalters entwickelte sich dann in der Renaissance eine üppige Farbenphantastik. Der allegorische Wert der Färb'wurde aufgegeben, es herrschte nur noch die Freude an bunter Pracht und an dem tollen Gemisch der verschiedensten Töne. Schon im 14. Jahrhundert werden Klagen laut über d i e „geteilte" und gestreifte Kleidung, und in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts kommen immer mehr die buntesten Regenbogenfarben an ein und demselben Kleidungsstück auf. Die Frauenkleidung behielt in den einzelnen Gewandstücken reine Farben bei und wirkte nur durch die Zusammenstellung verschiedener Stoffe. Die Herren aber hüllten sich von Kopf bis zu Fuß in grellfarbige Stücke, Streifen, Quadraten, Dreiecke ein; sie verteilten die Farben in die Quere, hatten oben eine gelbe Hälfte, die mit der unteren rechten übereinstimmte und ebenso wurde die linke Hälfte der Tracht oben und unten gleich. Man sieht auf Bildern Männer, die ein Beinkleid haben, dessen eine Hälfte gelb und die andere blau ist; am anderen Beinkleid laufen weiße, rosa, grüne, gelbe, und Sterbeblau. die Kostümgeschichte. zinnoberrote Streifen nebeneinander her. Das Wams ist in lauter buntfarbige Quadrate und Dreiecke zerlegt. Diese „Farbenteilung" wird dann von der geschlitzten und gepufften Tracht der Landsknechtszeit noch überboten. Diese tollen Ge eilen, denen sich bald die Stutzer aller Stände anschlossen, schlitzten Hose, Wams und Aer- mel an den verschiedensten Stellen auf, so daß das andersfarbige Futter hervorleuchtete und herausgezogen wird. Man verbindet solche bunten Schlitze zu grellfarbigen Kreuzen und Sternen, auf Brust und Rücken werden gelbe Sonnen mit blutroten Strahlen dargestelll, die von einer geschlitzten Rosette ausgehen. Tausende von bunten Läppchen sind in Gestalt von Blumen und Kreuzen aufgenäht. Dieser tolle Farbenfasching der Mode verlöschte unter dem düsteren Schatten der Gegenreformation, und an die Stelle der bunten Farbenphantastik trat im spanischen Kleid eine dunkle Eintönigkeit. Die Männer trugen nun schwarzes Wams und Beinkleid, schwarze Schuhe und schwarzen Hut, und auch die Damen mußten sich zu einem einfarbigen dunklen Oberkleid bequemen. Die Puritaner nahmen diese Farbenaskese in der Kleidung auf; sie lebte noch fort bis ins 17. Jahrhundert und klingt in den auf Schwarz und Weiß gestimmten Porträts der Holländer nach. An Festtagen liebte man allerdings eine • 1 Der Arbeitseinsatz im Oktober im Bezirk des Landesarbeitsamts Hessen. LPD. Von den Arbeitsämtern im Bezirk des Landesarbeitsamts Hessen wurden am 31. Oktober 1935 127 436 Arbeitslose gezählt, davon waren 14 571 oder 11,4 o. H. Frauen. Die Zahl der Arbeitslosen ist somit gegenüber dem Stand von Ende September um 8530 gestiegen. Gegenüber dem Stand von Ende Oktober des Vorjahres liegt die Zahl der Arbeitslosen gegenwärtig um rund 21 700 niedriger. Der Rückgang des Arbeitseinsatzes in den Saisonaußenberufen (Landwirtschaft, Industrie der Steine und Erde, Baugewerbe, Verkehrsgewerbe) und in den von der Saison abhängigen Berufsgruppen, wie z. B. im Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe, war in Anbetracht der vorgeschrittenen Jahreszeit vorauszusehen. In der Forstwirtschaft setzte mit Beginn des Holzeinschlages eine lebhafte Nachfrage nach Holzhauern ein; von verschiedenen Arbeitsämtern konnte hierzu eine größere Anzahl arbeitsloser Volksgenossen vermittelt werden. In den konjunkturell beeinflußten Berufsgruppen, insbesondere in der Metallindustrie, war der Beschäftigungsstand auch weiterhin gut, trotz der leichten Zunahme der Zahl der Arbeitslosen, die — was allgemein für sämtliche Berufsgruppen gilt — zum Teil auf Entlassungen aus dem Heeres- und Arbeitsdienst zurückzuführen ist, da viele Entlassene sich erst gegen Monatsende arbeitslos meldeten und daher noch nicht in Arbeit vermittelt werden konnten. In den Verbrauchsgüterindustrien. u. a. in der Ledererzeugung und -Verarbeitung und im Bekleidungsgewerbe, konnte der Arbeitseinsatz verstärkt werden. Dagegen stieg die . Zahl der Arbeitslosen in den Angestelltenberufen leicht an. In der Arbeitslosenversicherung und in der Krisenfürsorge wurden am 31. Oktober 1935 insgesamt 72 584 Hauptunterstützungsempfünger gezählt. Anerkannte Wohlfahrtserwerbslose waren am gleichen Stichtag 25 802 (darunter 3349 Frauen) bei den Arbeitsämtern gemeldet. Die Gesamtzahl der Unterstützten ist demnach gegenüber, dem Stand von Ende September d. I. um 5207 gestiegen, und zwar hat die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Arbeitslosenversicherung und Krisensürsorge um 6261 zu-, die der anerkannten Wohlfahrtserwerbslosen um 1054 abgenommen. Die Gesamtzunahme der Zahl der Unterstützten war also gegenüber "der Zunahme der Zahl der Arbeitslosen (8530) wesentlich geringer. In der werteschaffenden Arbeitslosenhilfe ist die Zahl der beschäftigten Notstandsarbeiter nur um 217 auf 10 459 gestiegen. Beim Bau der Reichsautobahn waren Ende Oktober 5125 Volksgenossen (ohne Stammarbeiter) beschäftigt. Ausgleich beim ^oggeumeblpreis Fwd. Die Pressestelle der Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit: Am 1. November 1935 sind die Roggenmehlpreise auf den Stand vom August d. I. zurückgesetzt worden. Dadurch ist eine Preisdifferenz in Höhe von 2 Mark je Tonne entstanden. Wiederverkäufer, die das Mehl im Großhandel absetzen können, können auf Antrag den Differenzbetrag für die am 31. Oktober 1935 vorhandenen Kleidung in glänzender Pracht. In den Bildern eines Rubens und in den Werken des Hochbarocks blühen starke Farben empor, und zwar find es die leuchtenden vollen Farben, die man liebt, ein feuriges Dunkelrot, ein gesättigtes Blau, ein brennendes Gelb und warmes Grün. Je kräftiger und satter die Farbe, desto besser, und in den schweren Samt- und Seidenmassen der Zeit Ludwigs XIV. offenbart sich ein Uebermaß des Farbenprunks, gegen das im 18. Jahrhundert die Gegenströmung einsetzt. Im Rokoko herrscht die silbrig graue Farbenskala vor. Nun finden wir wieder gebrochene zarte Töne, kalte Farben: ein feines Blaßrosa, ein mattes „Sterbeblau" sind die Farben der schönen Seelen, und mit dem Verblühen der Rokokoschönheit verblassen die Farben immer mehr, um in der Zeit der französischen Revolution zu dunklen Farben zu werden, wie einem Flaschengrün oder einem dunklen Grau, das nur selten durch eine helle Weste aufgehellt wurde. Der Klassizismus bringt dann mit der Bevorzugung antiker Wirkungen das Weiß als die edle Marmorfarbe griechischer Plastik, und in der Dekoration lehnt man sich an die Malereien von Herkulanum und Pompeji an, in denen ein dunkles Braunrot vorherrschte. Die Scheu vor der Farbe hatte so zu Anfang des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht. In der Kongreß zeit wagten sich dann in den Schuhen, Handschuhen, Hüten und Hauben wieder gelbe, grüne und braune Farben hervor. Aber von der Farblosigkeit der Biedermeierzeit kam man nur zögernd frei, während in der Frauen- und Kinderkleidung wieder lebhaftere Farben aufkamen. Lagerbestände vergütet erhalten, soweit es sich um Roggenmehl handelt, das im Laufe des Monats Oktober zum Oktoberfestpreis bezogen worden ist. Für den Antrag ist eine besondere Form vorge- schrieben, die in der Fachpresse veröffentlicht wurde. Die Anträge müssen an den Vorsitzenden der Hauptvereinigung der Deutschen Getreidewirtschaft gerichtet werden. Die Stellung der Anträge ist bis zum 15. November 1935 befristet. Bindermarkt in Gießen. Aus dem gestrigen Rinder-Nutzvieh- Markt in Gießen standen 605 Stück Großvieh, 165 Fresser und 115 Kälber zum Verkauf. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qualität 390—510 Mark, 2. Qualität 290—380, 3. Qualität 170—280; Rinder, bis ^jährig 100—175, %= bis zweijährig 170—260, tragend 240—260; Kälber bis zu zwei Wochen 40, bis zu vier Wochen 60, bis zu sechs Wochen 78 Mark. — Marktverkauf etwas lebhafter, geringer Ueberftanb. — Nächster Markt am 26. November. Bhein-Mainische Börse. Blittagsbörfe: Aktien weiter schwach. Frankfurt a. M., 12. Nov. Die Börse erfuhr am Aktienmarkt eine weitere Abschwächung, mqbei die Durchschnittsoerluste 1 v. H. betrugen. Auf allen Marktgebieten lag Angebot vor, das bei der starken Zurückhaltung kaum Aufnahme fand, zumal wirtschaftliche Anregungen fehlten. Die Feststellung des Konjunkturinstituts, daß sich in Deutschland die Produktion weiterhin auf hohem Stand bewegt, blieb ohne Eindruck. Stärkerer Kursdruck bestand wiederum für Bergwerkspapiere, wobei Hoefch 2,13 v. H., Stahlverein 1,65 v. H., Klöckner 1,40 v. H. und Mannesmann 0,90 o. H. einbüßten. Ferner waren einige Elektrowerte ziemlich matt, insbesondere Felten mit 97,75 (100,50), Siemens mit 159 (161), Licht & Kraft mit 125,25 (127) und AEG. mit 33,90—34 (35). IG. Farben notierten mit 145—144,75 (145,50), schwach lagen Scheideanstalt mit minus 1,50 v. H. und Äütgerswerke mit 107,75 (110,25). Zellstoffaktien lagen ebenfalls niedriger, Aschaffenburger 71,65 (73), Waldhof 106,50 (107,50). Außerdem fetzten sich die Rückgänge in Maschinen- und Motorenwerte fort, Daimler, BMW. und Moenus verloren je 1 v. H., Muag 1,75 v. H. Etwas schwächer lagen noch Holzmann mit 85 (86), Aku mit 52,25 (52,75); Reichsbank und Schiffahrtswerte sowie Metallgesellschaft und Schuckert waren die einzigen Werte, die sich behaupten konnten. Nach den ersten Notierungen zeigten sich teilweise geringfügige Erholungen, doch gaben die Kurse im Verlaufe wieder nach. Der Rentenmarkt wurde do?1 der Schwäche am Aktienmarkt beeinflußt und brachte bei kleinem Geschäft nur knapp gehaltene Kurse. Kommunal- Umschuldung verloren 0,25 v. H., Zinsvergütungsscheine 0,10 v. H. und späte Schuldbuchforderungen 0,13 v. H., während Altbesitz mit 113 behauptet blieben. Fester lagen zertif. Gulden-Obligationen, Pounganleihe 86 (85,50), Eschweiler 88 (87,75). In der zweiten Börsenstunde ließ das Angebot nach, die Kurse vermochten sich auf der ermäßigten Basis größtenteils zu behaupten, vereinzelt ergaben sich Eryolungen von etwa 0,13 bis 0,25 v. H. Scheldeanstalt erhöhten sich um 1 v. H. auf 206, mann auf 75,50 nach 75,13, Stahlverein auf 74 25 nach 73,65 und IG. Farben auf 145 nach 144,75. Niedriger lagen nochmals Aku mit 52 nach 52,25, Moenus Maschinen mit 77 nach 77,50. Schwach lagen Rhein. Braunkohlen mit 208 (212) und Sudd. Zucker mit 200 (203), ferner ermäßigten sich Ehlingen Maschinen auf ca. 74 (1. K. 79) und Feinmechanik Setter auf ca. 77 Brief (1. K. 80). Konvertierte Harpener wurden heute erstmals mit 107,50 notiert. Arn Rentenmarkt blieben die Kurse im Verlauf behauptet, das Geschäft war klein Kom- munal-Umschuldung 88,60 nach 88,55. Liquidationspfandbriefe etwas gefragt und 0,13—0,25 v. H. höher, Stadtanleihen und Goldpfandbriefe lagen un- verändert. Von fremden Werten bröckelten Mexikaner etwas ab, Ungarn lagen behauptet. Tagesgeld war etwas gefragt zu 2,75 (2,50) v. H. Abendbörfe ruhig. An der Abendbörfe erfuhren die Kurse bei sehr stillem Geschäft im Vergleich zum Berliner Schluß nur geringfügige Veränderungen, eine Erholung nach den Abschwächungen von heute mittag trat nirgends ein. Mannesmann bröckelten noch etwas ab auf 75 (75,50), ferner Daimler auf 87 (87,50), Bemberg auf 100,50 (101) und Elektr. Lieferungen auf 107,65 (108,40). IG. Farben blieben mit 144,25 behauptet. Stahlverein notierten mit 73,90 bis 74 (74,13), Hoefch waren mäßig höher mit 83 (82,65). Am Rentenmarkt konnten sich die Mittagskurse behaupten, nur zertifizierte Gulden-Obligationen neigten nach unten, so u. a. Young-Gulden mit 85,50 bis 85,75 (86). U. a. notierten: Altbesitz 113, JG.Farben-Bonds 122, Reichsbahn-Vorzugsaktien 122,50, 4 v. H. Rumänen 4,75, 4 v. H. SBB. 185,50, Adca 69,50, Eommerzbank 82,75, DD.-Bank 82,50, Dresdner Bank 82,50, Reichsbank 177,50, Harpener 107, Kali Westeregeln 120,50, Mannesmann 75, Hoefch 83, Rheinstahl 101,50, Stahlverein 73,90 bis 74, AKU. 51,90, AEG. 33,90, Bekula 140,65, Bemberg 100,50, Daimler 87, Scheideanstalt 206, Deutsche Linoleum 136, Licht & Kraft 126, Elektr. Lieferungen 107,65, IG. Farben 144,25, Junqhans 76, Metallgesellschaft 103,50, RWE. 119.65, Schuckert 116, Siemens 160, Thür. Lieferung 123, Hapag 14,75. Frankfurter Obff- und Gemüsernackt. Frankfurt a. M., 12. Nov. Die Zufuhren von allen Gemüse arten waren sehr stark, dagegen sind Zwiebeln sehr knapp angeboten. Hierfür war die Nachfrage sehr groß, im übrigen nahm das Geschäft einen schleppenden Verlauf. Der vorgeschrittenen Zeit entsprechend bewegen sich die Preise in sehr niedrigen Grenzen. U. a. notierten: Blumenkohl 15 bis 40, Eskarol 3 bis 8, Feldsalat 25 bis 30, Karotten 3 bis 5, gelbe Kartoffeln 3,30 bis 3,50, Kopfsalat 4 bis 8, Kohlrabi, ober 3 bis 4, do. unter 3 bis 5, Meerrettich 35 bis 45, Rosenkohl 15 bis 20, Rotkraut 4 bis 6, Sellerie je nach Größe 5 bis 24, Spinat 3 bis 6, Schwarzwurzel 16 bis 22, Haus-Tomaten 25 bis 28, Freiland-Tomaten I 15 bis 20, II 6 bis 12, Weißkraut 3 bis 4, Wirsing 3 bis 5, Zwiebeln 6,5 bis 7,5. Obst- und Südfrüchte: Aepfelangebot reichlich, besonders aus Süddeutschland, Birnen weniger stark angeboten. Gutes Obst fand gute Nachfrage, bei einzelnen Sorten zogen 'die Preise etwas an. Ausl. Trauben, Nüsse und Kastanien gute zugeführt, Mandarinen erstmals in geringen Mengen am Markt. Für Trauben liegen die Preise etwas höher, sonst lagen sie bei schleppendem Geschäft unverändert. U. a. notierten: Aefel I 25 bis 30, II 18 bis 22, Wirtschaftsäpfel 12 bis 18. Goldparmänen I 25 bis 30, II 20 bis 24. Boskop I 25 bis 30, Anhalter 15 bis 20. Apfelsinen, Kiste 176, 226 Stück 20 bis 22 Bras. Birnen I 22 bis 30, II 16 bis 22, Kochbirnen 10 bis 15. Mollebusch I 22 bis 27, II 16 bis 20. Bananen, Kiste 25 Pfd. I 6,50 bis 7 Kamerun, II 5 bis 6 Kam. Erdnüsse 56, Haselnüsse 34 bis 45 ital. Mandarinen 27 bis 30 ital. Kastanien 12 bis 18 do. ital. 18 bis 22. Trauben 40 bis 44 holl., 28 bis 32 ital., 30 bis 35 span., 32 bis 37 bulgar. Walnüsse 33 bis 45 ital. Paranüsse 40 bis 45. Zitronen 4 bis 5. Warnung vor lleberschreitung der Höchstpreise. LPD. Frankfurt a. M., 12 Nov. Wie der Polizeipräsident mitteilt, sind hier verschiedene Händler wegen ungerechtfertigter Erhöhung der Preise für Kartoffeln bzw. wegen Nichteinhal- tung der vorgeschiebenen Verbraucherhöchst preise angezeigt worden. Gegen die Beschuldigten wurden bei der zuständigen Preisüberwachungsstelle Ordnungsstrafen beantragt. Ein Lebensmittelhändler, der 10 Pfund gelbe Kartoffeln zu 45 Pf. verkauft hat, erhielt 50 Mark Ordnungsstrafe. Der Polizeipräsident warnt daher nochmals vor Ueberschreitung der Höchstpreise. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 211. Banknoten Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe Der zuletzt bejchlosjenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a.M. | Berlin Frankfurt a. M Derlin Schluß« turs Schlußk. Abendbörse Schluß« turs Schlußk. Mittag« börse Schluß« turs Schlußk. Abendbörse Schluß« lurs Schlußk. Mittagbörse Datum 11.11 | 12.11 11.11. 12-11. Datum 11.11 12-11 - 11.11 1211 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche ReichSanl. von 1934 6'/z% Young Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit 100,4 97,5 101,75 113 100,75 97 96,25 100,65 91,75 113,13 96,25 100,65 100,75 97 97 107,65 29,5 1,3 9,4 9,25 9,4 10,5 100,5 97,5 101 113 100,6 97 96,25 100,65 91,75 113 96,25 100,75 100,9 97 97 107,65 29 1,3 9,4 9,25 9,25 10,75 100,5 97,5 102 113 100,7 96,8 113,5 100,9 97 97 107,65 29 1,25 9,5 9,25 10,9 12,1 100,5 97,5 102,13 113,13 100,7 113 100,65 97 97 107,65 28,5 1,25 9,3 9,3 10,7 4% vesgl. Serie 11 ............ 5% Nu man. vereinh. Rente v. 1903 4)4%Rumän.vereinh.Nentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2)4% Anatolier............. Hamburg-Amerika-Paket O Hamburg-Südam. Dampfschiff . O Norddeutscher Lloyd .........O A.G. für Berkehrswesen Akt. .. O Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz- und Privat-Bank ... O Deutsche Bank und Disconto» Gesellschaft................o Dresdner Bank..............0 Reichsbank ................ 1L A.E.G......................u Bekula.................... io Elektr. Lieferungsgesellschaft... 6 Licht und Kraft ........... 8)4 Felten & Guilleaume......... 4 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elekrrizität ........ 6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co...............4 Siemens L Halske............7 LahmeyerLCo. ............7 Buderus ................... 4 Deutsche Erdöl ..............4 Harpener...................0 Hoefch Eisen—Köln-Neuessen .. 8 Ilse Bergbau ............... 6 Ilse Bergbau Genüsse........ 6 Klöcknerwerke ............... 3 Mannesmann-Röhren........0 11,25 5,9 8,5 4,8 39 15 16,5 , 75 1 Oll,25 83,25 82,5 82,5 177,5 35 141,5 107,75 127 100,5 120 128 120 116 161 121 97 101,25 105,65 85 152,5 125 82 76 5,9 8,4 4,75 39 14,75 16,5 74,5 107,75 82,75 82,5 82,5 177,5 33,9 140,65 107,65 126 98,75 121,25 119,65 116 160 120,5 96 105 107 83 150 123,5 80,9 75 8,5 4,8 39,25 15 28 16,4 75 108 83,25 82,5 82,5 177,4 34,65 141,4 108 127 100,25 120,75 127 120 116,25 159,9 121,75 96,5 100,5 107,75 84,25 150,5 125 82 76 12 8,5 4,75 39,25 14,9 28,5 16,13 74,65 107,5 82,75 82,5 82,5 177,75 34 140,75 108,4 126 99,25 120,75 126,5 119.9 115,75 160,5 120 96,13 100,5 107,4 82,65 151 124,5 81 75,25 4*/*% Deutsche Reichspostschahan- weisungen von 1934, 1....... 6% ef)em.8% Hess. Volk'sstaat 1929 (rückzcchlb. 102%)............ 4-4% ehern. 8% Hessische Landes' ban! Darmstadt Gold N. 12.... 5)4% ehe in. 4^4% Hess. Landes Hypothekenbank DarmstadtLiaui 4)4% ehem. 8% Darmsk. Stumm. Landesb.Goldschuldverichr. 91.6 Oberhcssen Provinz-Anleihe mil Ausloi.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. Am leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4)4% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 5)4% ehem. 4*4% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriese....... 6)4% ehem. 4)4% Rheinische Hyp-Bank-Ligu.-Goldpfe. ... 4)4% ehem. 8% Pr. Landespfand- briesanstall, Pfandbriefe R. 19 4)4% ehem. 7% Pr. Landespfand briesanst., Gold Komm. Obl.Vl Steuergutich.Berrechnungsk. 34-38 4% Oesterrelchische Goldrente.... 4,20% Ocsterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 5% abgesn Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1......... ........... Frankfurt a. M. DerNn Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlüß- kurs Schlußk. Mittagbörse Datum ls.11 12-11 - 11-11 12.11 Marisfelder Bergbau....... .. 5 117,5 117 117,75 116,5 Kokswerke................ .. 6 — 112,4 112 Rheinische Braunkohlen .... . 12 212 208 210 208 Rheinstahl ................ .. 4 102 101,5 102,25 101,25 Bereinigte Stahlwerke...... .. O 75,25 74 75,13 74,13 Ltavi Minen ............. .. O 18,5 18,5 18,5 18,25 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 125,5 126,5 125,5 Kaliwerke Westeregeln...... .. 5 - 120,5 121,25 120,5 Kaliwerke Salzdetfurth..... — 176,25 178 177 I. G. Farben-Jndustrie..... .. 7 145,5 144,25 145,5 144,25 Scheideanstalt............. .. 9 206,5 206 Goldschmidt .............. .. 5 102,5 102 102,5 102 Rütgerswerle ............. .. 6 110,13 107,75 109,5 108,5 Metällgesellschaft........... 4 103,5 103,5 104 104 Philipp Holzmann......... .. 4 86 85 85,25 84,5 Zementwerk Heidelberg .... .. 7 115,5 114,25 Cementwerk Karlstadt....... 6 130 129,25 — Schultheis Pahenhofer ..... .. 4 — — 100,5 100,75 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O 52,75 51,9 52,9 51,75 Bemberg............. .. 5 103 100,5 101,25 101 Zellstoff Waldhof .......... .. 5 107,5 106,5 108 107 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. O 73 71,65 73,25 72,25 Dessauer Gas ............. .. 7 — — 124 124 Daimler Motoren.......... .. O 88 . 87 88,13 87,5 Deutsche Linoleum......... .. 8 136,25 136 136 136 Orenstein & Koppel ........ .. O 74 73 Westdeutsche Kaufhof....... .. O 23,65 23,5 23,25 23,25 Chade .................... 7*/. 294,5 292 295,25 292 Accu mulatoren-Fabrik...... . 12 168,5 168 168,9 168 Conti-Gummi............. .. 8 155 154,25 155 154,25 Gritzner................ .. O 27 27 27/5 27,13 Mainkraftwerke Höchst a.M.. .. 4 87,75 87,75 - Süddeutscher Zucker ....... . 10 203 200 203 200,13 11 .November 12 November Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Dries Geld Dries Buenos Aires 0,673 0,677 0,673 0,677 Brüssel..... 42,03 42,11 42,01 42,09 Rio de Jan. . 0,141 0,143 0,141 0,143 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,66 54,76 54,64 54,74 Danzig..... 46,80 46,90 46,79 x 46,89 London ..... 12,24 12,27 12,235 12,265 Heljingsors.. 5,395 5,405 5,395 5,405 Paris ...... 16,365 16,405 16,365 16.405 Holland .... 168,69 169,03 168,75 169,09 Italien..... 20,20 20,24 20,20 20,24 Japan ...... 0,715 0,717 0,714 0,716 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 61,46 61,58 61,44 61,56 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,10 11,12 11,10 11,12 Stockholm... 63,09 63,21 63,07 63,19 Schweiz .... 80,84 81,00 80,84 81,00 Spanien.... 33,94 34,00 33,91 33,97 Prag....... Budapest ... 10,265 10,285 10,265 10,285 Neuyork ... 2,486 2,490 2,486 2,490 Derlin,12.November Geld Dries Amerikanische Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,88 42,04 Dänische Noten ................. 54,43 54,65 Englische Noten ................. 12,20 12,24 Französtsche Noten............... 16,315 16,375 Holländische Noten............... 168,33 169,01 Italienische Noten................ 19,46 19,54 Norwegische Noten .............. 61,28 61,52 Deutsch Lesterreich, ä 1OO Schilling Rumänische Noten.............. — —- Schwedische Noten............... 62,90 63,16 Schweizer Noten................. 80,66 80,98 Spanische Noten................. 33,55 33,69 Ungarische Noten................ Nr. 266 Zweites Blatt Mehener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Mittwoch, (Z. November (935 - «*w DK WZ d Ld Eröffnung des Gloria-Palastes in Gießen Der Musikzug der Standarte bringt hierauf schneidig den Festmarsch Schröder Gebär und kann damit wieder Blick von Ser Empore über den Saal zur Bühne. (Ausnahme: Neuner, „Gießener Anzeiger".) aus den Weg. Vorräumen zeigt wie geschmackvoll neuen Heim des ffich bereits, wie großzügig und in der Ausgestaltung bei diesem Films gearbeitet worden ist. Dienstag gegen 16 Uhr. Wir betreten noch einmal, wenige Stunden vor der Eröffnung, die Räume des neuen Glorie-Palastes. Ueberall wird noch in emsigster Weise geschafft. Da werden Teppiche gelegt, dort die letzten Türbeschläge angebracht, hier noch Beleuchtungseffekte einer abschließenden Prüfung unterzogen, an einer anderen Stelle einiges am Gestühl gearbeitet, kurzum: mit stärkstem Hochdruck wird überall die letzte Hand zum Gelingen des Werkes angelegt. Und dazwischen ist bereits die Schar der Putzfrauen bei der Arbeit, um überall dort, wo der Handwerksmeister das Feld endgültig geräumt hat, schleunigst alle Spuren seiner Arbeit zu verwischen. Und so geht es in emsigster Weise, wie die Bienen, weiter in der Arbeit voran — am Abend ist alles fix und fertig, blitzeblank und wunderbar hergerichtet zum Empfang der ersten Besucher bereit. über ihre Vollendung; hier sei eine Stätte der Kultur geschaffen, so herrlich und meisterhaft, wie es nur die deutsche Arbeit fertigbringe. Der Oberbürgermeister erinnert dann kurz an d i e Zeit, in der das deutsche Kino noch in den Kinderschuhen stak, so etwa um 1900 herum, er streift kurz die Jahre des künstlerischen und moralischen Verfalls der Filmkunst in der Zeit des überwundenen politischen Systems und stellt demgegenüber die gewaltige, aufbauende Wandlung heraus, die der deutsche Film nach der Machtübernahme Adolf Hitlers durch den Einzug eines neuen Geistes und durch die Einordnung in den aufbauenden Dienst für Volk und Vaterland erfahren hat. Mit Recht betont er, daß durch diese Neugestaltung der deutschen Filmkunst auch die innere Verbundenheit zwischen Film und Volk wiederhergestellt ist zum Segen und zum Nutzen der Gesamtheit. Der Oberbürgermeister tritt weiter der in der Gießener Bevölkerung hier und da geäußerten Meinung, durch das neue Lichtspieltheater werde dem Stadttheater Abbruch getan, entgegen und hebt klar hervor, daß diese Ansicht irrig ist, das Lichtspieltheater vielmehr eine ganz andere Aufgabe zu erfüllen habe, als das Stadttheater und beide sehr wohl nebeneinander zum Nutzen der Bevölkerung arbeiten können. Mit dem Wunsche, daß auch dieses Lichtspieltheater fruchtbar und segensreich für unsere Stadtgemeinschaft und darüber hinaus für die engere Heimat und das ganze Volk wirken möge, daß es in gedeihlicher Weise mitarbeite an dem Neuaufbau Deutschlands nach dem Willen und den Plänen des Führers und damit dem großen Erneuerungswerk des Dritten Reiches zum vollen Erfolg verhelfe, sowie mit dem Gedenken an den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler schließt der Oberbürgermeister seine wirkungsvolle Ansprache. Der gemeinsame Gesang der ersten Verse des Horst-Wessel- und des Deutschlandliedes folgen. Wagner. Ebenso wie der Musikzug mit starkem Veisall begrüßt wird, findet sein prächtiges Spiel am Schlüsse wiederum den wohlverdienten stürmischen, dankbaren Beifall der Hörer Nunmehr erfährt der Gloria-Palast die besondere Auszeichnung, daß der Leiter unserer Stadtverwaltung, Oberbürgermeister Ritter, dem neuen Haus das Geleitwort für feinen Weg in die Zukunft gibt. Der Oberbürgermeister betont in seiner Ansprache, daß man hier zur Eröffnung einer neuen Kulturstätte der Stadt Gießen zusammengekommen sei und daß sich auch in diesem Werke der Aufschwung und das Vorwärtsschreiten unserer Stadt im Rhythmus und im Tempo des neuen Deutschland offenbare. Die Stadtverwaltung begrüße diese neue Stätte herzlich und freue sich .Deutschlands Ruhm" von Eine Fülle von Licht und viele Blumen begrüßen die Gäste der Eröffnungsvorstellung schon beim Betreten der Dorräume des neuen, prächtigen Licht- spiel-Theaters. In der Halle, die mit einem schönen Bilde des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler geschmückt ist und reiche Blumenspenden aufweist, empfängt der Besitzer des Gloria-Palastes A. Henrich in Gemeinschaft mit seiner Frau und mit seinem Direktor G e ye r die Gäste mit frohem Lächeln, das die Freude Über das gelungene Werkj widerspiegelt. Zahlreiche herzlich Glückwünsche für f i)Q5 neue Lichtspiel-Theater und das dadurch erwei- • ierte Unternehmen kann Herr Henrich von seinen wielen Gießener Freunden und Bekannten in Emp- lang nehmen. Ununterbrochen fließt der starke «Strom der Besucher herbei, die sich bei der Weiträumigkeit des Kassenvorraumes und der Empfangshalle, sowie den bequemen Zugängen zum Saale rasch verteilen. Ueberall in den ~ Und dann erlebt der Besucher eine sehr angenehme Uebcrraschung beim Betreten des Saales. Rund 1100 Sitzplätze sind in diesem weiten Raume Vorhanden. Wohin man blickt, überall gewahrt das Auge em Bild der Schönheit und des Frohsinns, zum Ausdruck gebracht in der wunderbaren Ueber- einftimmung der prächtigen Beleuchtungsanlagen mit der stimmungsvollen Symphonie der Farben, n die auch das Bild des Gestühls, der Läufer usw. mit einbezogen ist. Das schöne Bild erfährt -eine strahlendste Gestalt, wenn alltz Beleuchtungs- -ffekte eingeschaltet sind, und es offenbart einen sehr ttimmungsvollen Reiz, wenn der Saal in künstliches Dämmerlicht versetzt ist, der große Bühnenraum iber durch die indirekte Beleuchtung rund um die Fassade der Bühne im hellsten Lichte erstrahlt. Da- u kommt die feine Abtönung durch die passenden Farben der Bühnenvorhänge. Im übrigen zeigt ich im Verlaufe der Eröffnungsvorstellung, daß vor inigen Tagen, als wir über den letzten Abschnitt •"er Bauarbeiten im Gloria-Palast berichteten, von ans nicht zu viel gesagt wurde mit der Behauptung, • er Bühnenraum werde bequem Platz bieten für iin großes Orchester und ebenso für Darbietungen, - ie nur auf breiter Fläche möglich sind. * Das Parterre und die Empore des Saales sind i»ei Beginn der Eröffnungsvorstellung voll besetzt. !Vas Haus mit der großen, erwartungsvoll gestimm- Menschenmenge bietet ein festliches Bild. Der Musikzug der SA.-Standarte 116 unter Leitung !rs Musikzugführers Herrmann eröffnet von leer Bühne aus die Darbietungen mit dem feinen Spiel der Feftouvertüre „Rienzi" von Richard starken Beifall erringen. Sodann übermittelt als Vertreter des Reichsverbandes der deutschen Lichtspieltheaterbesitzer Assessor Schmidt-Halin Herrn Henrich und Frau die herzlichsten Glückwünsche des Reichsverbandes, wobei er Herrn Henrichs unermüdliches Streben nach besten Leistungen in der Filmkunst und ihrer ebenso guten Wiedergabe hervorhebt, dabei auch der ausgezeichneten Mitarbeit seines Direktors Geyer und der übrigen Gefolgschaft gedenkt, ferner der Baufirma Aber- mann und ihrem Geschäftsführer Lepper für das prächtig gelungene Bauwerk dieses neuen Theaters vollste Anerkennung ausspricht. Er rühmt weiter die verständnisvolle Förderung des für die Arbeitsbeschaffung in unserer Stadt sehr bedeutsamen Unternehmens durch die Behörden und die Handels- und Gewerbebank, spricht kurz von den großen Aufgaben, die in dem neuen Hause im Dienste für Volk und Vaterland durch das Mittel des Films zu erfüllen sind, und gibt am Schluffe dem neuen Unternehmen die herzlichsten Wünsche des Reichsverbandes der Deutschen Lichtspieltheaterbesitzer mit Der Besitzer des Gloria-Palastes und des Licht- spielhauses in der Bahnhofstraße, A. Henrich, bringt in kurzen Worten seinen herzlichsten Dank für die vielen freundlichen Wünsche zur Vollendung dieses Werkes zum Ausdruck. Er betont, daß er es sich immer angelegen sein lassen werde, in diesem Hause nur Gutes zu bieten, und er erbittet sich zur Erfüllung dieses Vorsatzes die Unterstützung der gesamten Gießener Bevölkerung. Weiter betont er besonders, daß durch die neue Gießener Stätte des Films das Lichtspielhaus in der Bahnhofstraße in keiner Weife vernachlässigt werden solle, vielmehr auch dort der gute Film nach wie vor seine Pflegestätte haben werde. Ein Festspruch, der von Robert Matter in Frankfurt a. M verfaßt ist und von Frl. Margot Gilbert (Gießen) vorgetragen wird, bringt noch einmal in herzlichen Worten aufrichtige Wünsche für das neue Unternehmen. * Nunmehr tritt die Kunst in Erscheinung. Mit akrobatischen Tanzleistungen der „3 R e n a n s", dis einen modernen akrobatischen Walzer und, nach einem Solo-Walzer der Tänzerin Lila Zollinger, einen weiteren akrobatischen Tanz bringen, wird den Besuchern eine große Freude bereitet. Es ist eine unbestrittene fabelhafte Tanzleistung, die von diesem Künstlertrio gezeigt wird und die wohl kaum zu übertreffen sein dürfte. Jedenfalls wird mit dieser Darbietung gezeigt, daß auch die unmittelbar darstellende Kunst auf der Bühne des Gloria-Palastes eine gute Stätte haben dürfte. * Nach einigen Bildern der Wochenschau, die die wichtigsten Zeitbegebenheiten bringen, folgt als Abschluß der festlichen Veranstaltung der Spitzenfilm der Terra „Die Pompabour". Man sieht hier in dem Milieu des Versailles von damals einen Ausschnitt aus dem Leben der in ihrer Zeit vielgeschmähten Geliebten des französischen Königs Ludwigs XV., der Marquise von Pompadour, einen Ausschnitt, der diese ungekrönte Herrscherin über Frankreich und seinen König einmal in einem ganz und gar menschlichen und weiblichen Erleben darstellt: in der leidenschaftlich entflammten und dann doch am Schluffe, um höherer Ziele willen, entsagungsbereiten Liebe zu einem jungen, unbekannten Maler vom Montmartre. Diese Liebesaffäre, die ihren Anfang am Hofe Ludwigs XV. in den Gärten der Pompadour nimmt, dann durch das Malerstübchen in Montmartre führt, um schließlich wieder am Königshofe auszuklingen, erfährt durch den Einsatz bester Künstlerkräfte des Films und reicher technischer Mittel eine sehr wirkungsvolle Wiedergabe. Zur Kennzeichnung der hohen künstlerischen Qualität dieses Films dürfte es schon genügen, darauf hinzuweisen, daß Käthe v. Nagy mit ihrer gereiften schauspielerischen Kunst die Pompadour darstellt und Leo S l e z a k mit feiner ebenfalls überragenden Künstlerschaft die Rolle des Gastwirts Barbanelle spielt. Neben diesen Großen der Filmkunst stehen mit glänzenden Leistungen Willy E i ch b e r g e r als der unbekannte Maler Boucher, dem die Pompadour in der Maske des kleinen Mädchens aus dem Volke ihre ganze hingehende Liebe schenkt, und Anton E d t h o f e r , der in feiner Gestaltung den König Ludwig XV. verkörpert Die Vorführung dieses mit Recht als Spitzenfilm bezeichneten Werkes der Filmkunst war Uniformen für Forstbeamte und Deutsche Jägerschaft in feinster Maßarbeit. Erste Spezialkräfte, Garantie tür tadellosen Sitz. Herren=Bekleidungshaus Gießen, G.m.b.H., Marktplatz. 5ti2llA Gießener Stadttheater. Henrik Ibsen: „Peer Gynt". 1928, zur Feier von Ibsens 100. Geburtstage, tat das Stadttheater zum letzten Male den „Peer GSpnt" gegeben. Vor sieben Jahren also, das ist '•ine lange Zeit, aber seit Ibsens Tode sind doch chon fast drei Jahrzehnte vergangen, und wenn rian jetzt hin und wieder von neuen Inszenierungen Jbjenscher Stücke liest, — in Berlin spielt pgenroärtig z. B. Agnes Straub in ihrem Theater i e „Gespenster" — so findet man nicht selten, anläßlich eines solchen Einzelfalles, Betrachtungen tarüber, was Ibsen uns heute noch zu sagen und m geben habe, und ob nicht überhaupt viele seiner Gestalten und Probleme, die uns etwa um die ?lllhrhundertwende bewegten, erschütterten, zu Dis- lissionen und grundsätzlichen Entscheidungen auf- riefen, mittlerweile eine feine Staubschicht bekom- n en haben. Das kann in diesem Zusammenhang rrilürlid) nicht untersucht werden; wir finden auch hmte noch keinen Anlaß, zu vergessen, was Ibsen ir it seinen (damals so „modernen" und revolutionär (mmutenben) Stücken für uns einmal bedeutet hat, fi r die Prägung und Anwendung neuer Formen imb neuer Gedankengänge, für die Zertrümmerung alter, morsch gewordener Götzenbilder und für die 2>iufrichtung junger Gesetzestafeln, — aber es scheint ins doch, daß'man mit dem „Peer Gynt" eine fiüdlidjere Wahl getroffen habe als mit den „Gc- f;i entfern", um ein Beispiel zu nennen, das ebenso gut auch einen anderen Namen tragen könnte. Denn „Peer Gynt" ist nicht nur das jugendlichste, das skandinavischste und das romantischste lierE des Kausmannssohnes und ehemaligen Apo- ÜLkers aus Skien, — sondern auch sein zeitlosestes Llück, dessen Problematik in den dreißig Jahren [i:t seinem Tode kaum etwas von ihrer Frische Dirtoren hat. Daß es ursprünglich als Epos ge- punt war, merkt man ihm heute noch an, und daß b: s Theater noch mit der technischen Bewältigung jener szenischen Probleme gekämpft hat, als die fimf ausladenden Akte längst in die Weltliteratur e^gegangen waren, ist gewiß. Und es zeugt sicher icht nur von äußeren Schwierigkeiten im szeni- ic en Raum (die wir inzwischen auch zu bewältigen gßernt haben) —, sondern nicht minder von der giggenroärtigen Lebendigkeit, ja Aktualität der Fabel, tü»nn die jüngste Kunst des Jahrhunderts, der Film, üite Neuformung des Werkes nach eigenen Gesetzen Dtir gar nicht langer Zeit erst unternommen hat. Welch eine Fülle der Gestalten, der Gesichte, der Diotioe; welch eine romanhaft epische Breite des ölbensausschnittes, die allenthalben den ohnehin jwäumig und großzügig bemessenen Szenenraum >i durchstoßen und zu sprengen droht; welches Zu- iDmmenfpW -nh Wirkl-ßt c ruck ld ji lolz t dc te sie. us fei] uses. !iefeen( !r* itzl ^IU1( 'e. 5oi 'n bi en. D 'ONG lekain te für Lena, ann.6i innte. inden Er bl )■ 6»' ger UD.83.- Ny )e ool rief' njei"' tü* Rechnungen Briefblätter Briefumschläge Postkarten Geschäftskarten i Geschäfts-Drucksachen ibei Brühl. Schulstraße 7 Die fahrende natgrknndlkhe Monatsschrift! „Der Naiursorscher" Schilderte Monatsschrift für das gesamte Gebiet der Naturwissenschaften und ihre Anwendung in Naturschutz, Unterricht, D.rischaft und Technik. Herausgeg. von Oderstudicnrat Or. X Nein u. Prof. Or. W. Schoenichen. ,Dar Naturforscher^ unterrichtet fortlaufend in Ä.ld und Dort über die Ergebnisse der neuesten Seodachtungen und Forschungen aus allen Ge- tieten der Naturwissenschaften und Technik. 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Keßler (Friedberg); Kreis 4 (Lahn-Westerwald): K. Hillebrand (Limburg). Im Anschluß daran erfolgte noch die Ernennung der Vorsitzenden des Wettfahrausschusses für Bahn und Straße sowie für Saalsport. Außerdem wurden die Abnehmer für sämtliche Sportabzeichen bestimmt. Der seitherige Bezirksführer S t o m m e l (Gießen) dankte noch all seinen Mitarbeitern, die ihm in den zwei Jahren zur Seite standen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Bezirk Gießen unter seiner neuen Führung weiter blühen möge. Gauführer Eggert (Kassel) gab seiner Freude Ausdruck über den kameradschaftlichen Geist, der den heutigen Bezirkstag beseelte. Er hielt einen kurzen Vortrag über das Dietwesen und bat sämtliche Vereinsführer, soweit es noch nicht geschehen, Diet- warte zu bestimmen und ihm umgehend Mitteilung davon zu machen. Nachdem noch unter Punkt Verschiedenes einige Anfragen erledigt worden waren, schloß Bezirksführer Bittendorf in der üblichen Weise die Tagung. HandballimKreisLabn-Dill(ÄauXII) Io. Lang-Göns 1. Jgd. — Io. 1846 Gießen Jgd. ' 12:3 (6:0). Die Gießener Turner hatten eine kampfkräftige und auch technisch gute Mannschaft nach Lang-Göns geschickt, doch konnte sie einen Sieg der Gastgeber, die ein ausgezeichnetes Spiel lieferten, nicht verhindern. Bis zur Halbzeit hatten sich die Einheimischen einen Vorsprung gesichert. Auch als ein Spieler der Gäste kurz vorher verletzt ausscheiden mußte, erzwangen dieselben stets ein pffenes Spiel, das jederzeit fair durchgeführt wurde. Ergebnisse der Kreisklaffenspiele 1. Kreisklasse: Heuchelheim — Fleißbach 7:4; Lollar — Leihgestern 5:0; Grünberg — 1900 II 2:6; Großen-Buseck — VfB.-R. II 3:0; Wetzlar II — Ehringshausen 4:2; Werdorf — Nauborn 3:3. 2. Kreisklasse: Allendors — Garbenteich 1:6; Grüningen — Lich 2:3; Steinberg II — Lich II 4:1; Großen-Linden — 1900 III 10:3; To. 1846 Gießen — Fellingshausen 1:1; Wißmar — Vetzberg 11:0; Lollar II — Rodheim II 6:1; Heuchelheim ll — Launsbach 1:6; Treis — Londorf 1:1; Rüd- dingshaufen — Flensungen 3:0; Lollar III — Staufenberg 2:2; Grünberg II — Laubach II 7:0; Sportfreunde Wetzlar II — Waldgirmes 4:0. Kurze Gportnotizen. Amerikas beste Leichtathleten haben jetzt Erklärungen abgegeben, in denen sie klar und eindeutig die Teilnahme der Vereinigten Staaten an den Olympischen Spielen 1936 befürworten. Eine Nichtbeteiligung bringe den USA. mehr Schaden als Vorteile. Obecheffen. Landkreis Gießen. X W i e s e ck, 12. Nov. Der Landesverein für Innere Mission ließ durch seinen Diakon Hage- b ö l l i n g gestern in einer Film-Feier st unde „Segensspuren der Liebe" die Gemeinde diese Spuren in den mannigfachen Anstalten der Inneren Mission im Bereich der Landeskirche Nassau- Hessen verfolgen. Gemeindegesang umrahmte die vier Teile, die zeigten, daß hier viel selbstlose Liebe im Kampf gegen Elend und Not am Werke ist. Die verschiedenen Gebiete der Liebestätigkeit sind auch in kleinen Schriften behandelt, die gerne gekauft wurden. * Lollar, 13. Nov. Wie die N S G. „Kraft durch Freude" mitteilt, ist es ihr gelungen, für den heiteren Abend „Lache mit uny" am Samstag, 16. November, in der „Linde", hervorragende Künstler zu verpflichten. Bei der Ausgestaltung des Abends wirken mit: der Ansager und Humorist Joe I a k o b y, die Tänzerin Lilo Zollinger, Pepi und Emilio, der Zauberer Humm, der lustige Landsknecht Hermann Hauth, der Akrobat Eduard Planke!. Anschließend Tanz. Beginn: 20.30 Uhr. Eintritt 50 Pf., <5 Lollar, 12. Nov.' Den Schlageter- schild erhielt dieser Tage der Maschinen-Schlosser- meister Hans Hahn von hier verliehen. Hans Hahn, der jetzt bei der Reichsbahn als Werkmeister- Anwärter im Dienste steht, verdiente sich diese Auszeichnung durch seine Teilnahme an den Kämpfen gegen Spartakus im Jahre 1919 im Freikorps Riek- ho'ff in Berlin. Dadurch stieß er in früher Zeit zu der Bewegung des Führers, er ist der älteste Nationalsozialist im Orte und Gründer der Ortsgruppe Lollar der NSDAP. Von 1930 bis 1932 führte er den Ortsgruppenverband Lollar. § Mainzlar, 12. Nov. Das Ergebnis der in unserem Orte von der NSV. durchgeführten B r o t s a m m l u n g ist als recht gut zu bezeichnen. — Anfangs dieser Woche wurde in den hiesigen Gemeindewäldern mit den Holzfällerarbeiten begonnen. * Annerod, 13. Nov. Die Gemeindeverwaltung hat beschlossen, in Zukunft nur noch Aufträge an diejenigen Betriebe zu vergeben, deren Betriebsführer und Gefolgschaft geschlossen in der Arbeitsfront stehen. 5 Steinbach, 13. Nov. Am heutigen Mittwoch feiern das Fest der silbernen Hochzeit der Landwirt Balthasar Jakob Haas und seine Frau Lina Katharina, geb. Steller. Am 15. November feiern die Eheleute Ludwig Krämer II., Zimmermann, und seine Frau Katharina Margaretha, geb. Roth, das Fest der goldenen Hochzeit in feiten körperlicher und geistiger Frische. * Steinbach, 13. Nov. Am Sonntag, 17. November, veranstaltet die NSG. „Kraft durch Freude" im Gasthaus „Zum Einhorn" einen heiteren Abend unter dem Motto „Lache mit ühs". Das Programm wird ausschließlich von Frankfurter Künstlern bestritten; es wirken u. a. mit: Joe Ja- koby, Ansager und Humorist, Lilo Zollinger, Tänzerin, Pepi und Emilio, Humm, Zauberer, Hermann Hauth, der lustige Landsknecht, Eduard Plankel, Akrobat. Anschließend Tanz. Beginn 20.30 Uhr. Eintritt 50 Pf. (D Grüningen, 12. Nov. Die Sammlung der Konfirmanden für die Baseler Mission erbrachte den Betrag von 13,35 Mark. — In unserer Gemeinde macht man von dem Zuschuß des Reichsnährstandes für Neuanpflanzungen von Ob st bäumen auch in diesem Jahre wieder regen Gebrauch. Es werden dieses Jahr weit über 1000 Zwetschenbäume angepflanzt, gegenüber 500 Stück im vergangenen Jahre. csd Bettenhausen, 11. Nov. Unter Leitung des Hochbauamtes Gießen ist seit September unsere Kirche in ihrem Inneren einer gründlichen Erneuerung unterzogen worden. Seit 40 Jahren war nichts an ihr geschehen; eine verfehlte Heizungsanlage hatte sie verräuchert, so daß sie ihres kultischen Zweckes fast unwürdig geworden war. Wind und Wetter hatten an den Fenstern viel Zerstörung angerichtet. Nun ist besonders unter der künstlerischen Hand des Kirchenmalers Kienzle ein wahres Kleinod dorfkirchlicher Baukunst aus ihr geworden. (Wir behalten uns vor, in der „Heimat im Bild" eine Würdigung der Kirche zu bringen.) Im Chorraum wurde, einem lange gehegten Wunsch der Gemeinde entsprechend, ein Ehrenmal für die Toten des Weltkrieges geschaffen, nachdem ein gleich nach Kriegsende aus freiwilligen Gaben erstandenes Kapital der Inflation zum Opfer gefallen war. Eine zeitgemäße Ofenanlage wird fortan die Kirche nicht wieder verräuchern. Die Weißbinderarbeiten wurden von Otto Fritz und Otto Braun ausgeführt, die Schreinerarbeiten von Otto Straß- heim, Karl Köhler lieferte den Ofen, die Beleuchtungsanlagen wurden von Helmut Fabian (Langsdorf) durchgeführt. Am kommenden Sonntag soll das schmucke Gotteshaus seiner Bestimmung wieder zugeführt und dabei die Ehrentafel für die Gefallenen geweiht werden. Kreis Schotten. * Laubach, 12. Nov. Gestern gegen 14 Uhr ereignete sich an der Vahnübergangsstelle „Laubacher Wald" der Nebenbahn Laubach—Mücke—Hungen ein Unfall. Ein Lastkraftwagen, der gegen 14 Uhr den Schienenweg überqueren wollte, wurde von dem Zuge, der aus Richtung Mücke kam, erfaßt und zertrümmert. Der Fahrer wurde bei dem Zusammenstoß aus dem Wagen heraus auf die Böschung geschleudert und erlitt glücklicherweise nur leichtere Verletzungen. — Heute ereignete sich nun im Bahnhof Laubach ein weiterer Unfall. Einem Arbeiter, der mit Ausbesserungsarbeiten an einer Maschine beschäftigt war, fiel heute gegen 11 Uhr ein Stück Eisen auf den Kopf, so daß der bedauernswerte Mann sowohl äußere, wie auch innere Verletzungen erlitt. Der Verunglückte wurde sofort in das hiesige Krankenhaus gebracht. O L a u b a ch , 12. Nov. Zu einer Volksdeutschen Feier im „Solmser Hof" hatte am Sonntag die hiesige Ortsgruppe des VDA. eüv geladen. Am Nachmittag fand die Feier der Schu- len statt, in welcher Lieder, Gedichte, Sprechchöre, sowie ein volksdeutsches Spiel zum Vortrag ge« bracht wurden, umrahmt von musikalischen Darbietungen der Schülerkapelle der Realschule Laubach, unter besonderer Mitwirkung des Herrn Häh- ner. Die Leistungen zeugten von großem Fleiß und erstaunlichem Können unserer jugendlichen Künstler und ernteten reichen Beifall. Am Abend fand die außerordentlich stark besuchte öffentliche Kundgebung statt. Musikvorträge der Schülerkapelle der Realschule leiteten die Veranstaltung ein. Der Gruppenleiter, Studienassessor Dr. Kammer, eröffnete die Kundgebung, sodann sprach der Vertreter des Kreisleiters, Ortsgruppenleiter Henze. Dieser gab seiner Freude über den glänzenden Besuch der Veranstaltung Ausdruck, sowie dem Wunsche, daß durch diesen Abend der volksdeutsche Gedanke in Laubach stark an Boden gewinnen möchte. Alsdann sprach der Hauptredner des Abends, Pg. Paul Erich P e tz o l d (München), einer der Mitkämpfer des Führers am 9. November 1923 an der Feldherrnhalle. Er ließ in erschütternden Bildern vor den Zuhörern die Not, aber auch das Heldentum, der in den abgetrennten Gebieten lebenden Deutschen erstehen. Zum Schluß rief der Redner auf, durch tätige Mitarbeit den VDA. in der Erfüllung seiner volksdeutschen Aufgabe zu unterstützen, wie auch durch eifrige Spenden an das Winterhilfswerk die ungeheure wirtschaftliche Not lindern zu helfen, die unter den unter fremder Herrschaft lebenden deutschen Volksgenossen herrscht. Die sichtlich ergriffene Zuhörerschaft dankte dem Redner durch stürmischen Beifall für seine zu den Herzen sprechenden Worte und sang stehend das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied. Kreis Alsfeld # Ober-Ohmen, 12. Nov. Bei der Treibjagd im Distrikt Scharnholz kamen 17 Hasen, ein Reh und ein Fuchs zur Strecke. Im Vergleich zu früheren Treibjagden ist diese Jagdbeute als gering anzusprechen. — Gestern haben die hiesigen freiherrlich Riedeselschen Holzhauer den Holzeinschlag aufgenommen. st. Kirtorf, 12. Nov. Die von der SA. durchgeführte Sammlung für das Winterhilfswerk hatte im Ortsgruppenbereich Kirtorf der NSV. ein Gesamtergebnis von 67,17 Mark. Davon entfallen auf Kirtorf 41,17 Mk., Lehrbach 19,20 Mark, Erbenhausen 6,50 Mark. — In den letzten Tagen wurden die von der hiesigen Ortsbauernschaft gespendeten Kartoffeln von über 120 Zentner nach dem Bahnhof Ehringshausen gebracht und verladen, um den notleidenden Volksgenossen in der Stadt zugeführt zu werden. — Dieser Tage veranstaltete der Pächter der Jagdreviere in den staat- lichen Waldungen des Forstamtes Kirtorf eine Treibjagd, bei der 37 Hafen, 1 Fuchs uni) 1 Schnepfe erlegt wurden. Kreis Lauterbach. Lauterbach, 12. Nov. Bei der Eintopfsammlung in unserer Stadt am vorigen Sonntag gingen 517,35 RM ein, gegen 508,50 RM. im Oktober. 6520 A Gas-Gemeinschaft Gießen €r ist sparsam im jBetrieb und ein Schmuckför jeden Raum, r, x , Heizgas-Tarif Rat und Auskunft: Zur Bekämpfung des Frostspanners jetzt Leimringe anlegen! 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