Dienstag, 13. August 1935 Nr.187 Erster Blatt 185. Jahrgang Gießener Anzeiger 3 -S 3 l» iS Z 3 5 T s § 2 V L L 3 - 3 Ä» DS 2 Ä S 3- a ® ?? schlagen und nicht von Angeboten gesprochen werden, da Italien es nicht nötig habe, sich etwas von Dritten schenken zu lassen, was es sich mit eigenen Mitteln sehr wohl selbst verschaffen könne. Wenn man heute wirklich noch eine bewaffnete Lösung vermeiden wolle, müsse man den von Italien geforderten Preis zahlen, sonst würden die Kanonen sprechen. Besonders wird hervorgehoben, daß Frankreich und England heute nicht mehr mit dem Italien zusammensäßen, das 1906 mit ihnen einen Vertrag über Abessinien geschlossen habe. Heute habe die Tatsache alle Italiener überzeugt, daß es nur eine Sicherheit gebe, die durch die bewaffnet en Kräfte des Staates errungen werden könne. Kein Recht könne ohne diese Macht bestehen, keine gegenwärtige und zukünftige Kräftebasis könne ohne den festen Block der moralischen und materiellen Hilfsquellen existieren. Den melancholischen Leuten, die im Ausland den verblichenen Erinnerungen des liberalistischen Italiens des vorigen Jahrhunderts nachtrauern, ruft das Blatt zu, daß man nicht mehr die erbarmungswürdige Komödie der Demütigungen und Verzichte erleben würde, die zu oft die vorfaschistische Außenpolitik gekennzeichnet hätten. ogenten zugelassen, und die Waren werden dem Oberstuart mit einer Leiter zugestellt. Vielleicht um die Verbreitung von Neuigkeiten und die Absendung von Briefen nach Hause zu verhindern. Es wird dann im Bericht noch erwähnt, daß eingeborene Truppen aus Somali-Land und Eritrea nach Tripolis und tripolitanische Truppen nach Eritrea befördert werden. Keine englischen Kohlenlieferungen mehr an Italien. London, 13. Aug. (DNB.-Funkspruch.) „Daily Telegraph" berichtet, daß sich so gut wie alle Kohlenausfuhrhäuser am Tyne geweigert haben, weitere italienische Kohlenbestellungen anzunehmen, da ihnen von italienischer Seite schon eine halbe Million Pfund Sterling geschuldet werde. Diese Lage habe zu einer Arbeitseinschränkung in einer Anzahl von Bergwerken der Grafschaft Durham geführt. Auch der Kohlenhandel von Süd w ale s leide-schwer unter der Langsamkeit der italienischen Zahlungen. #9 ~"O -Z Reger Verkehr durch den Suezkanal. Oie italienischen Truppen- und Provianttransporte nach Eritrea hotten an. Edens Abreise zur pariser Dreierkonferenz. Ein konstruktiver plan Englands zur Befriedigung der wirtschastlichen Bedürfnisse Italiens in Abessinien. könne, erwiderte der Italiener: Selbstverständlich! Das Wort „K r i e g" könne überhaupt nur für europäische Verhältnisse angewandt werden. Wenn man nach zwei oder drei Zusammenkünften im September mit einem Abkommen nach Genf gehe, das für alle und auch für den Völkerbund einen Erfolg darstelle, so werde es sich dann nur noch um eine „koloniale Operation" handeln, oder um eine „Polizei- m a ß n a h m e", also etwas, was sich England für koloniale Gebiete vorbehalten habe, als es dem Kelloggpakt seine Zustimmung gegeben habe. Für Abessinien würde eine solche Maßnahme allerdings militärischen Charakter behalten, denn die Zivilisierung dieses Volkes lasse sich anders nicht durchführen. England habe einen großen Einfluß in Addis Abeba und könne den Kaiser von der Notwendigkeit überzeugen, sich damit abzufinden. Auf die Frage, ob England bereit sei, so weit zu gehen, lautete die Antwort: „Das ist das große Geheimnis der Pariser Konferenz". Das römische Blatt „Otto b re" schreibt: Heute müsse es sich endlich zeigen, ob England weiter darauf beharre, eine Lösung durch lächer« liche und haltlose Vorschläge unmöglich zu machen. Heute könne nur von Dor- Nom—Ostafrika in 12 Stunden Von unserem römischen (^.-Korrespondenten. London, 13. August. (DNB. Funkspruch.) Die : heutige Abreise des britischen Völker- : bundsminister Eden zur Pariser Drei- । Mächtekonferenz hat den italienisch-abessinischen Streit wieder in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Im „Daily Telegraph" heißt es: Die Besprechungen dürften zehn bis zwölf Tage dauern. Die Konferenz soll feststellen, ob Jta- i lien in dieser späten Stunde doch noch bereit ist, eine friedliche Regelung zu suchen. Die britischen Vertreter unter der Führung von Eden werden einen konstruktiven Plan vorlegen, . der dazu bestimmt ist, die wirtschaftliche Entwicklung Abessiniens zu erleichtern. Dieser Plan enthält keine Andeutung einer Ausdehnung der britischen Einflußzone. In ähnlicher Weife hat Frankreich angekündigt, daß es keine rein franzüsiischen Interessen hinsichtlich einer Erweiterung seiner Einflußzone habe. Die Konferenz roirb daher umfassende Vorschläge erwägen, die die Bewilligung ausgedehnter und wesentlicher wirtschaftlicher Zugeständnisse an Italien durch Abessinien vorsehen. Wenn es sich herausstellt, daß Mussolini bereit ist, einen unblutigen Sieg in Erwägung zu ziehen, dann muß die Konferenz feststellen, welches Italiens tatsächliche Forderungen sind, und ob sie erstens vernünftig, und zweitens für Abessinien annehmbar sind. Es wäre zwecklos, zu verhehlen, daß man die schwer st en Zweifel hinsichtlich beider Punkte hegt. Die britische Politik bleibt einer Gewaltanwendung durch Italien unbedingt entgegengesetzt. Die Wirksamkeit dieses Widerstandes muß im hohen Maße von der endgültigen Stellung Frankreichs abhängen. „Morning Post" erwähnt Gerüchte, daß Eden vielleicht sogar bereit sein werde, eine Revision kolonialen Besitz st andes zu erörtern, falls Italien sich verpflichte, nicht zum Kriege zu schreiten. Auf jeden Fall werde die britische Regierung eine Gewaltanstrengung machen, um die italienischen Wünsche zu befriedigen. Die Aussichten würden besser sein, wenn nicht militä- rische Operationen, sei es auch nur in beschränktem Ausmaß, jetzt geradezu eine Notwendigkeit für Italien geworden wären, wenn es sein Ansehen im Auslande aufrechterhalten und seine militärischen Vorbereitungen im Innern rechtfertigen wolle. Abessiniens Vorschlag für Frankreich nicht diskutabel. Keine Konkurrenz für Dschibuti. Paris, 13. Aug. (DNB. Funkspruch). Die französische Presse erklärt, daß die Zugeständ- nisse, zu denen sich der abessinische Kaiser in seinem Gespräch mit dem Havas-Korrespon- denten unter gewissen Bedingungen bereit erklärt habe, keine Verhandlungsgrundlage böten und zwar aus zweierlei Gründen: Einmal habe Mussolini ä h n l i ch e D o r s ch l ä g e, die seiner Zeit von englischer Seite gemacht worden seien, a b g e l e h n t und zum anderen könne die französische Regierung dem Ausbau eines abessinischen Hafens an der Seite des französischen Hafens D s ch i b u t i n i ch t z u st i m m e n, weil Frankreich dadurch seine eigenen In- teressen schädigen würde. Das „Echo de Paris" weist daraufhin, daß der Hafen von Z e i l a, um den es sich ausschließlich handelt, n u r w e n i g e Kilometer von der französischen Eisenbahn Addis Abeba—Dschibuti entfernt fei. Diese Eisenbahn sei aber im Vertrage von 1906 gegen jede englische und italienische Konkurrenz geschützt. Selbst wenn es daher auf dieser Grundlage zu einer Einigung kommen sollte, müßte Abessinien gegenüber Frankreich die gleiche Verpflichtung eingehen und würde praktisch über einen Hafen verfügen, ohne die Möglichkeit zu haben, ihn richtig auszu- nützen. Die Erklärungen des Kaisers von Abessinien hätten deshalb nur psychologischen Charakter. In Wirklichkeit habe sich aus den bisherigen Vorbesprechungen noch nichts Greifbares herausgeschält. Trotzdem sei die ganze Angelegenheit nicht unlösbar. Das Blatt denkt dabei an die Möglichkeit, Abessinien in drei verschiedene Einflußzonen, nämlich eine italienifche, eine englische und eine französische, a u f z u t e i l e n. Da der Kaiser von Abessinien aber jeglichen italienischen Einfluß ablehne, sei eine Lösung dieser Frage unwahrscheinlich. Die Auffassung in Rom. Eine „koloniale Operation" aber kein Krieg. Paris, 13. Aug. (DNB.-Funkspruch.) Eine hochstehende italienische Persönlichkeit erklärte dem römischen Berichterstatter des „Jour" auf die Frage, ob der Vertrag von 1906 der augenblicklichen Lage noch gerecht werde: Gegenüber Abessinien nicht, deshalb lenke Italien auch die Aufmerksamkeit der anderen Unterzeichner dieses Vertrages auf die Notwendigkeit einer Abänderung. Wenn Italien sich hinsichtlich dieser Forderung bisher größte Zurückhaltung auferlegt habe, so nur deshalb, weil es nicht im voraus eine unnachgiebige Haltung einnehmen wolle. Au den Einwurf des Berichterstatters, ob dann ein Krieg noch vermieden werden Rom, im August. Zwischen Rom und Abessinien liegt ein Fünftel des Erdumfangs. Das Mittelmeer, Aegypten, der Sudan. 8000 Kilometer. Was es heißt, über solche Entfernungen Krieg zu führen, dafür bietet der Weltkrieg manches beredte Beispiel. Einmal machte ein Luftschiff diesen Weg, aber es war das Mächtigste, was sich damals denken ließ: ein Zeppelin, und man sprach davon wie von einem Wunder. Heute: Der Hafen von Masfaua am Roten Meer, der heißeste der Erde, ist verstopft mit Kriegsmaterial. Es kommen bedenkliche Berichte nach Rom. Zwei Tage nur kann es ein Europäer dort aushalten, die kühlste Nachttemperatur ist 36 Grad. Andere Meldungen besagen, daß die Ausschiffungsschwierigkeiten zu beheben sind, daß die Truppen sofort ins Hochland befördert werden. Nun, Mussolini will wissen, wie er daran ist, jeden Tag. Er leitet den Feldzug von Rom aus. Und so setzt sich der Unter st aatssekretär für die Luftwaffe, General Äalle, nach einer gründlichen Inspektion der Armee morgens ins Flugzeug, ein Savoia Marchetti 79, und erstattet am Nachmittag dem Duce in Rom Bericht. Reine Flugdauer 11V« Stunden, Aufenthalt in Kairo. Fluggeschwindigkeit zwischen 300 und 400 Kilometer, Höhe zwischen 4000 und 5000 Meter. Einen Tag später wiederholt der Minister für öffentliche Arbeiten den Flug in umgekehrter Richtung, stürzt nach der Mittagslandung in Kairo ab. Acht Tote. Mussolini salutiert, Krieg ist Krieg, morgen geht ein anderes Kommandoflugzeug. So zeichnet sich schon am wetterleuchtenden Horizont der'Feldzug ab, wie er sein wird. Der erste ganz moderne Krieg, wenn auch nur auf der einen Seite als solcher geführt. Unabsehbar ist die Entwicklung, doch das steht fest: der nächste europäische Zusammenstoß wird ein Adlerkrieg sein. Es gibt keine Grenzen mehr, auch keine Grenzen der Entfernung. Fraglich, ob Kriegsschiffe noch wegoerlegende Wirkung haben werden. Tag und Nacht schuften und schanzen die Engländer auf Malta, rs I! London, 13. Aug. (DNB. Funkspruch.) Wie die „Times" aus Alexandria berichtet, nehmen die italienischen Truppentransporte durch den Suez-Kanal nach Eritrea ihren Fortgang. Tag für Tag passieren die Dampfer Port Said. Am Montag durchfuhr das Schiff „.California" den Kanal. Zwischen Schiff und Küste wurde kein Verkehr erlaubt. Eine große Ladung Bier an Bord eines dänischen Dampfers, der nach Masfaua bestimmt war, wird mit der Tatsache erklärt, daß Wein sich als zu er- hitzend für die Soldaten herausgestellt hat. Auf griechischen Schiffen kommen weiter fortgesetzt Maulbeeren, Ford-Autos und Schleppboote durch. Die meisten Fahrten erfolgen bei Nacht. Die Schiffe gehen weit entfernt von der Stadt vor Anker, besonders die Fahrzeuge, die mit Kranken nach Italien zurückfahren. Die heimkehrenden Hospitalschiffe haben schätzungsweise 5000 Mann an Bord gehabt, die an Malaria, Diphterie und in einigen Fällen an T y - p h u s erkrankt waren. Außer den großen Schissen, von denen jedes ungefähr 2500 Soldaten an Bord hat, sind auch eine Anzahl Lastdampfer mit Mechanikern und Munition durchgekommen. Beim Antreffen der ersten Transportschiffe erhielten örtliche faschistische Kaufleute die Erlaubnis an Bord zu gehen, und Boote mit Händlern legten an den Bordwänden an. Jetzt werden nur noch die Schiffs- 9er Umweg über Afrika. Von Or. Hans von Malottki. Die Neubelebung der mitteleuropäischen Debatte angesichts der ostafrikanischen Auseinandersetzung muß überraschen. Verlangt das bevorstehende Ringen der Diplomatie der Westmächte nicht ein Höchstmaß gesammelter Aufmerk- amkeit? Wenn die internationale Politik durch Be- eitigung gefährlicher Spannungen und akuter Kon- liktsmöglichkeiten den Frieden gewährleisten soll, muß dann nicht folgerichtig jede weitere Komplizierung einer bedrohlichen Situation vermieden werden? Zumal wenn mit der mitteleurpäischen Problematik eine Frage aufaerollt wird, deren bisherige Erörterung weniger Aussichten für eine befriedigende und fortschrittliche Klärung, als vielmehr unüberbrückbare Gegensätze zutage gefördert hat? Warum also den Finger auf die wundeste Stelle Europas legen, wenn in Afrika die Waffen klirren? Die Antwort ist einer besonderen Betrachtung wert, denn sie läßt den Geist offenbar werden, der seit den Pariser Vorortverträgen Europa beherrscht. Jenen Geist, der unter der Flagge des „unteilbaren Friedens" eine unnatürliche politische Methodik zum europäischen Gesetz erhob und durch die Herstellung künstlicher und komplizierter Abhängigkeitsverhältnisse zwischen heterogenen Problemen lediglich eine negative Zielsetzung unter Beweis stellte. Ins Praktische übertragen: die französische Einkreisungspolitik war nach dem Abschluß des Militärbündnisses mit Moskau und der Einbeziehung der bolschewistischen Macht in die Front von Versailles an einen toten Punkt gelangt. Dem weiteren Ausbau der Sicherungen gegen die „deutsche Gefahr", im südo st europäischen Raum, war durch den italienisch-französischen Gegensatz und die vielfachen Spannungen zwischen den Nachfolgestaaten eine Grenze gesetzt. Die Vorstellung, diese Rivalitäten könnten einmal offen zum Ausbruch gelangen, verursachte in Paris Unbehagen und erleichterte Herrn Laval die Fahrt nach Rom. Heber die Januarbegegnung mit dem Duce ist seinerzeit viel orakelt worden. Wie geschickt die französische Politik damals operierte, wurde aber erst völlig klar, als die ganze Tragweite des französisch - italienischen Protokolls vom 7. Januar zu übersehen war: das Geschäft auf Gegenseitigkeit. Frankreich hatte seine nachträgliche Zustimmung zum englisch-italienischen Abkommen von 1925 gegeben. Als Preis für die so gewährte „freie Hand" in Abessinien brachte Laval die Zustimmung Italiens zu der französischen Paktkonzeption über den Donauraum nach Hause. Was bisher nicht gelungen war: die Beseitigung der italienisch-französischen Rivalität im Südosten, — gelang a u f dem Umweg über Afrika. Das „Journal" formulierte diesen Zusammenhang dieser Tage so: „Italien, das vor einem Krieg mit Jugoslawien gestanden habe, wende seinen Blick nunmehr nach Afrika. Frankreich brauche sich über diese Entwicklung nicht zu beklagen (!), denn Jahre hindurch sei Frankreich durch die italienisch-jugoslawische Rivalität in die grausamste Verlegenheit gebracht worden." Diese Darstellung ist allzu bescheiden. Sie verschweigt, daß die französische Politik dem italienischen Blick nach Afrika nachgeholfen hat, ja daß sie das afrikanische Abenteuer bewußt inszenierte, um den gefährlichen Gegenspieler im Südostraum in die eigene Front einzureihen. Wer bei diesem Arrangement der eigentliche Gewinner ist, — diese Frage bleibt vorläufig offen. Das aber läßt sich ohne weiteres sagen: den Schaden dieser erstaunlichen, mit den Lebensinteressen anderer Staaten nicht gerade rücksichtsvoll verfahrenden Manipulation hat Europa i n s g e s a m t zu tragen, während für Italien im Augenblick die Aussicht auf die „Rückendeckung" am Brenner alle anderen Fragen verdrängt zu haben scheint. Daß die mitteleuropäische Frage seit dem Januar in einer ganz bestimmten Fassung immer wieder auftauchte, war zwar kein Fortschritt für Europa, entsprach aber den Absichten ihrer Urheber. So erschien sie im Londoner Fe- bruarpotokoll, in der Schlußverlautbarung der Stresaer Konferenz ebenso wie auf der Konferenz von Venedig, die die Staatsmänner Italiens, Oesterreichs und Ungarns zur Beratung der neuen Lage zusammenführte, also die Staatengruppe des römischen Protokolls vom März 1934, die gemäß ihrem Statut zur Konsultation verpflichtet ist. Auf der anderen Seite mußten auch die südöstlichen Bundesgenossen Frankreichs, in erster Linie die Staaten der Kleinen Entente, zu der veränderten Lage Stellung nehmen, die für sie, die ebenfalls gewohnt waren, im italienisch-französischen Gegensatz einen sicheren Maßstab ihrer außenpolitischen Kalkulation zu besitzen, schwierige, ja zum Teil recht unerwünschte Problemstellungen aufwarf. Alle Versicherungen, der neue Pakt werde eine erhöhte Friedenssicherung zur Folge haben, also einen Zustand herbeiführen, dem beizupflichten im eigenen Interesse geboten sei, konnten zunächst nicht die Befürchtungen der kleinen Staaten — der nach Rom und der nach Paris orientierten — aus der Welt schaffen, daß ein Ausgleich der beiden Großmächte nur zu leicht mit der Außerachtlassung ihret eigenen Interessen zu bezahlen sein würde. 'Was aber hatte man Positives von der „Organi- sieruna des Friedens" im Donauraum zu sagen? Bestätigung der Unabhängigkeit Oesterreichs, Nichteinmischung, Nichtangriff, Konsultation — das ist offenbar alles. Weder ist die Rede von der so ost angekündigten großzügigen Organi- um die gestern noch uneinnehmbare Felsenfestung durch Luftabwehrbatterien zu schützen. Wenn aber auch nur ein einziges großes Lufttorpedo in den Naturhafen fallen würde, spritzen die schwimmenden Festungen darin auseinander wie eine Pulverfabrik. Addis Abeba rechnet damit, nicht bombardiert zu werden, es ist ja auch nicht viel zu zerstören dort. Wenn aber ein launenhafter Cäsar in Rom säße, brauchte er nur zu winken und noch gleichen Tages ginge ein Feuerregen herab wie über Sodom und Gomorrha. Die italienischen Bomber machen auch ihre 500 Kilometer, wenn es sein muß, ein kleiner Feldwebel am Gardasee hält den Weltschnelligkeitsrekord mit über 700 Kilometern in der Stunde. Das ist das neue Italien, gegossen, geschmiedet und gestählt von einem Manne. Wie weit liegt jenes Adua schwächlicher Regierungen und keifender Oppositionen zurück! Die Schlacht von Tannenberg konnte noch nicht vorn kaiserlichen Hauptquartier aus geleitet werden, ein Hindenburg mußte sich auf die Bahn setzen, um zum Feldherrn- hügel zu gelangen. Heute kann Mussolini den afrikanischen Krieg von Rom aus leiten. Er braucht sich nicht auf Depeschen oder Meldereiter zu verlassen — übrigens gab es im letzten großen Krieg noch nicht einmal den Funkspruch, wie er unser tägliches Brot ist. Kürzlich hörten wir aus dem Kasten den Vesuv rumoren, warum soll ein smarter Reporter nicht auf den Gedanken kommen, uns die brüllende Schlacht zum Fünfuhrtee zu liefern? Mussolini erfährt jedoch unmittelbar aus dem Munde seiner Boten, wie es „dort drunten" steht. Er lenkt über Tausende von Kilometern hinweg. Und hätte er nicht einen Getreuen mehr — da sind seine beiden Söhne, Flieger in Ostafrika. Der eine kommt, der andere geht, wenn es sein muß. Unter dem Donner der Geschütze keimt vielleicht eine Führerdynastie. Alles ist anders geworden, seit Cäsars Legionen den schwarzen Erdteil unterwarfen. Und doch, wer denkt heute nicht an das alte Rom und seinen stahlharten Willen? Erscheint täglich, außer M Ä Annahme von Anzeigen Sonntags und Feiertags ™ für die Mittagsnummer Beilagen: -Die 3üu[trierte e Ä k A A A. A A H M ▲ ▲ ▲ A A A. AA bis 8>/,Uhr des Vormittags MU (hlChCilCf 211KCU1CI MM von einzelnen Nummern Wf Ermäßigte Grundpreise: infolge höherer Gewall w < < Stellen-, Vereins-, gemein- (hetiernLllhtefrter für (hherheiieti »äs» voftfcheckkonto: behördliche Anzeigen 6Rpf. grantfurt am Main llßse Druck uttb Verlag: vrühl'fche UnioerfitStsvuch- und Steindruckerei «.Lange in Stehen. Schriftleitung und SeschSftsftelle: Schnlftrahe 7 M-ngenabichlüff-Staffel» fation Mitteleuropas, von einer Losung der Ru- stungsfrage für Ungarn, Oesterreich und Bulgarien, von den großen wirtschaftlichen Problemen, noch von einer klaren Begriffsbestimmung der Nichteinmischung. Kein Ansatz zu produktiver Gestaltung, nicht einmal die berühmte „assistence mutuelle“, die Verpflichtung zu gegenseitigem Beistand, ist verschwunden, wenn auch nicht ausdrücklich von ihr die Rede ist. Man will nur den umgekehrten Weg einschlagen wie beim O st p a k t. Dort begann man mit zweiseitigen Beistandspakten und bemühte sich dann — vergeblich — um eine Heber- dachung durch einen allgemeinen Nichtangriffsund Konsultatiopakt. Jetzt soll mit dem D a ch - vertrag begonnen werden, um dann nachträglich die zweiseitiaen Hilfsverträge einzuführen, zu deren Abschluß es ja keiner allgemeinen Konferenz bedarf. Inzwischen zeigen die Pläne über die Zusammenarbeit der französischen und italienischen Armeen, wie weit die Dinge gediehen sind, und beseitigen den letzten Zweifel über den Sinn des Paktplanes. Allerdings: in einem wesentlichen Punkt sind sich die „Hüter der europäischen Ordnung" noch nicht einig. Frankreich verlangt von Italien — bevor die Militärabmachungen spielen können — die Bereinigung des italienisch-jugoslawischen Verhältnisses. Sehr aufschlußreich ist, was kürzlich Madame Tabouis im „Oeuvre" über die Zusammenhänge zu sagen wußte: „Solange Rom nicht gegenüber Jugoslawien eine gewisse Geste machte, eine Geste, die Italien Frankreich schulde (!), beständen Schwierigkeiten. Don den Verhandlungen zwischen Rom und Belgrad sei für Frankreich die Unterzeichnung gewisser zwischen Frankreich und Italien abzuschließender materieller Abkommen abhängig (!), über die die Verhandlungen jetzt beendet seien. Diese Abkommen würden für die beiden Länder die Ausführungsgarantie des Donaupaktes darstellen, gleichzeitig aber einen wesentlichen Beitrag zur europäischen Sicherheit (!), eine gegenseitige und im einzelnen festgelegte Garantie, die sich auf den Brenner sowohl wie auf den Rhein beziehe." Daß von Paris gleichzeitig ein gewisser Druck auch auf Jugoslawien ausgeübt wird, läßt sich auf dem Tagungsprogramm der demnächst in Bled zusammentretenden Konferenz der Kleinen Entente entnehmen, das deutlich auf die geplante Neugruppierung im Donauraum zugeschnitten ist. Diese Konferenz verspricht in der Tat sehr interessant zu werden. Was die Habsburger Frage betrifft, so scheint die Kleine Entente die Hoffnung zu hegen, daß dieses Problem durch den Donaupakt endgültig negativ entschieden werden würde, was wiederum auf die Fassung der österreichischen Unabhängigkeit ein bezeichnendes Licht werfen müßte. Neben der Frage der R ü st u n g s - gleichberechtigung für Ungarn und B u l g a r i en — Oesterreich nimmt bekanntlich in dieser Frage eine innerpolitisch bedingte Sonderstellung ein — stehen als wichtigste Probleme die Beziehungen zu Italien und das Verhältnis zu S. wjetrußland zur Debatte. lieber beide Fragen ist bisher keine Derftändi- aung erzielt worden; auch die vielbesprochene Zusammenkunft zwischen König Karol und dem Prinzregenten Paul hatte die Dinge in der Schwebe lassen müssen. Sicher ist, daß die Kleine Entente den Weg nach Rom nur mit äußer st er Vorsicht und unter Ausbau der russischen Rückversicherung gehen wird. Es zeugt jedenfalls nicht gerade von einem Ueberrnaß von Vertrauen, wenn im Hinblick auf die nach der Konferenz von Bled geplante Rornreise des jugoslawischen Ministerpräsidenten, die den italienisch-jugoslawischen Kontakt Herstellen soll, zunächst Sicherheitsvorkehrunben in Gestalt einer engen Zusammenarbeit Sowietruß- lands und der Kleinen Entente getroffen werden sollen. Wie kann Sicherheit und vertrauensvolle Zusammenarbeit aus einem Werk entspringen, das in Wirklichkeit durch die gewaltsame Abdrosselung aller natürlichen Ausaleichstendenzen, durch die starre Festlegung auf Den Statusquo nicht nur die von Siegerwahn diktierten Ungerechtigkeiten und Geschichtswidrigkeiten in Permanenz erklären, sondern geradezu jeden Versuch zur Beseitigung dieses gefährlichen Zustandes als Verbrechen gegen das Völkerrecht hinstellen möchte? Auf dem Boden eines erzwungenen Statusquo kann nie eine wirkliche Sicherheit organisiert werden! Die Verständigung der Völker verlangt ein Mindestmah von tatsächlichen Grundlagen. Hier handelt es sich aber nicht um eine Organisierung des zwischenstaatlichen Lebens in positiver Hinsicht, auf der Grundlage gegenseitiger gerechter Gleichbehandlung der Beteiligten, sondern um eine negative Ausrichtung auf Sanktionen, auf den Fall der „Störung". Mit einem Wort: der Paktplan geht nicht von der Frage der Berechtigung des gegebenen Zustandes aus, er prüft ihn nicht darauf, ob er gesund ober schädlich, nützlich ober gefährlich ist, — er will, in Verkennung ber positiven Funktion ber Revision im Leben ber Völker, einfach jeben Willen, bem Gesetz ber ewigen Entwicklung Raum zu schaffen, zum Verbrechen, zumBruchbes „Friedens" stempeln! — Auf biefem Wege würde nicht der Friede Europas, sondern würde seine Vernichtung organisiert werden. Ernste Rückwirkungen auf ganz Afrika. General Smuts warnt Italien. London, 12. Aug. (DNB.) Der südafrikanische stellvertretende Ministerpräsident General Smuts gab seiner Befürchtung Ausdruck, daß eine sehr ernjte Lage in Europa entstehen könnte, falls Italien sich auf einen Kampf mit Abessinien einlasse. Ein großer Konflikt in Afrika an den Grenzen britischen Gebietes muß ernste Rückwirkungen auf die britischen Gebiete wie den Sudan und Aegypten haben. Ein Einmarsch Italiens in Abessinien wird eine b e - forgniserregenbe Stimmung in ganz Afrika zwischen Weiß unb Schwarz Hervorrufen. Der Afrikaner sieht in bem Europäer feinen Feind, aber bie gegenwärtigen Schwierigkeiten könnten unter Umftänben eine beträchtliche Rassenke i n b s ch a s t heraufbeschwören, bie sich in ganz Afrika ausbreiten wirb. Man wird feststellen können, daß jeder Afrikaner mit Abessinien sympathisiert. Das abessinische Abenteuer Italiens wird das ganze System ber Zivilisation in seinen Grunbfesten erschüttern, falls ber Völkerbunb in biefem kritischen Augenblick versagen würbe. Sind England und Frankreich stark gegenüber Italien, jo kann Rom zu einer gemäßigten Auffassung überredet werden. Aber es sieht vielmehr nach Meinungsverschiedenheiten aus, auf die Italien baut. Wirtschaftliche Sanktionen könnten nicht Englische Fühlungnahme in Ostasien. In Italien kann man jetzt immer roteber JBcrr» würfe gegenüber England hören, daß die britische Politik die Grundsätze des Völkerbundes nur dazu benutze, um ihre höchst eigensüchtigen Interessen in Abessinien wirkungsvoller gegen Italien verteidigen zu können. Zum Beweise erinnern die italienischen Blätter daran, daß Großbritannien den Völkerbund auch nicht zum Einschreiten gezwungen hätte, als es sich darum handelte, den Krieg im Gran C h a c o zu beenden ober bas Vorbringen Japans in China zu verhinbern. In Englanb hat man biefe unb ähnliche Angriffe ber faschistischen Presse mit ziemlicher Gebulb angehört. Denn man wußte wohl, daß die antienglische Mobilmachung ber öffentlichen Meinung in Italien vor allem auch einem innerpolitischen Bebürfnis der römischen Regierung entsprach. Der Vorwurf insbesondere, daß die englische Döl- kerbundspolitik die Eroberung der Mandschurei nicht hätte verhindern können, ist nur polemischer Natur, denn auch in Rom weiß man ganz genau, daß der Völkerbund für irgendwelche Eingriffe im Fernen Osten zu schwach war unb baß auch Englanb nicht baran denken konnte, durch einen ostasiatischen Krieg die Existenz seines Wellreiches aufs Spiel zu setzen. England ist zu klug, um unhaltbar gewordene Positionen zu verteidigen, wenn nur die wichtigen Stützpunkte des Empire unter britischem Einfluß bleiben. Die Methode, „to make the best of it", das Beste aus einer Sache zu machen, muß heute mehr denn je befolgt roeroen, wenn Großbritannien seine weltbeherrschende Stellung aufrechterhatten will. Die Reise des Wirtschaftsberaters sämtlicher englischer Regierungen, Sir Frederic Leith - Roß , nach Ostasien zeigt, daß man in London auch nach Errichtung des mandschurischen Kaiserreiches unb nach ber Unterwerfung Norbchinas burch Japan nicht alles verloren gibt, sondern daß die Industrie- und Handelsinteressen Englands in China gerettet werden sollen, selbst wenn das nur a u f bem Umwege einer englisch-japanischen Vereinbarung erreicht werben kann. Die politische Kunst, nicht ben Ereignissen nachzutrauern, sonbern sich ihnen anzupassen, bewährt sich hier aufs neue. Bezeichnenberweise fährt ber englische Finanzmann nicht' zuerst nach Nanking, zum Sitz ber chinesischen Zentralregierung, sonbern nach Tokio. Das ist ein sehr be- beutsames Zeichen ber machtpolitischen Wanblung, die sich im letzten Jahrzehnt in Ostasien vollzogen hat. Die gegebenen Tatsachen verbieten es England heute, aus eigener Machtvollkommenheit einen finanziellen Hilfsvertrag mit China abzuschließen, da seine Durchführung von japanischer Seite jederzeit unterbunden werden kann. Großbritannien hat sich im pazifischen Raume militärisch auf die Verteidigungslinie Hongkong — Singapur — Australien zu- rückgezogen. Was über diese Linie hinaus an wirtschaftlichen Stellungen gehalten werden soll, muß im Einvernehmen mit dem japanischen Kaiserreich gehalten werden. Die Zeit ist vorbei, da die Sicherung des europäischen Handels und Kapitals in China durch Waffengewalt erzwungen werden könnte. Die natürlichen Grenzen der japanischen Machtentfaltung aber gestatten es anderseits, auf dem friedlichen Wege der Verhandlung noch heute beim Aufbau Chinas eine internationale Zusammenarbeit zustande zu bringen, bei der die finanziellen und technischen Kräfte der weihen Großmächte nicht entbehrt werden können. Ob es Sir Frederic gelingen wird, von Japan die Zustimmung zu einer internationalen Anleihe für China zu erlangen, das wird mitentscheidend sein für Englands künftige Stellung am Pazifik. Deutsche Filmkunst in Venedig Wettbewerb um den Preis Mussolinis. Im Rahmen der großen internationalen Film- schau, die gegenroärtia in Venedig veranstaltet wird, laufen auch einige hervorragenoe deutsche Filme, die für den Stil und die Eigenart des gesamten deutschen Filmschaffens der letzten Zeit van vorbildlicher und wegweisender Bedeutung sind. Aus ber Fülle ber beutschen Filmprobuktion ist nach strengen künstlerischen Gesichtspunkten eine kleine Auswahl van Filmen getroffen worben, bie alle vom Geist einer ethisch wertvollen unb aufbauen« ben Lebensauffassung erfüllt finb. Drei Filme „Triumph b e 5 Willens", „Der alte unb ber junge König" unb „Hermine unb bie sieben Aufrechten", bie in allen beutschen Lichtspielhäusern mit aufrichtiger Begeisterung ausgenommen würben, bewerben sich um ben Preis Mussolinis. Diese brei Filme verkörpern bas Kunstethos ber nationalsozialistischen Weltanschauung in überzeugenber Weise unb sind nicht nur vom Inhaltlichen, sondern auch vom Künstlerischen und Formalen her wahre Kunstwerke der flimmernden Leinwand. Man hätte keine bessere Auswahl treffen können, denn die drei großen deutschen Filme, bie in Ve- nebig vor einem internationalen Forum von Film- spezialisten unb verwöhnten Kennern gezeigt werden, symbolisieren den neuen deutschen Kunstwillen, das seelische und gefühlsmäßige Erlebnis eines ganzen Volkes. Jeder von diesen Filmen gestaltet, ohne die agitierende Form des rein Tendenziösen, mit ausschließlich künstlerischen Stilmitteln, nationale und lebenswichtige Probleme: die drei großen Grundbegriffe: Volk (Triumph des Willens), Pflicht (Der alte und ber junge König) unb Kamerabschaft (Hermine unb Die sieben Aufrechten). Die Reportage vom „Triumph bes Wil- l e n s", bie in einer granbiojen Steigerung unb heroischen Ballung bas Zeit- unb Gefühlserlebnis eines Volkes formt, gehört zu ben größten Dokumenten ber beutschen Filmprobuktion. Das Künstlerische liegt hier, wo es sich um keinen ^genannten „Spielfilm" hanbett, im Rhythmus der Bewegung, in der symphonischen Formung eines sich stets verändernden und bewegten Massengeschehens. Zum erstenmal ist hier ber jilmgeschichtlich bedeutsame Versuch gemacht, ein hinreißendes Massenerlebnis nicht aus dem Kern einer geschlossenen Handlung zu entwickeln, sondern aus der dröhnenden und brausenden Fülle ewig wechselnder Bildvisionen. Anders unb dennoch nicht minder eindrucksvoll die beiden anderen Filme, von denen jeder auf eine eigene und besondere Art vom herkömmlichen Schema der liberalistischen Filmtradition abweicht. Während beim „Alten und Jungen Köni g", bie Jbee ber preußischen Pflichterfüllung im Rahmen eines blutvoll-menschlichen unb psychologisch vertieften Geschehens in überzeugenber Weise künstlerisch bilbhaft wirb, weht in bem Film „Hermine unb bie sieben Aufrechten" eine ausgesprochen volksliedhafte Luft. Aus Heroismus bort — unb humorvoll unpathetischer Haltung hier ersteht so eine Wett ber Kamerabschaft und Pflichterfüllung, deren Pole die ganze Spannweite des neuen deutschen Kunstempfindens umfassen. Oie Eröffnung der Internationalen Filmkunstausstellung. Venedig, 12. Aua. (DNB.) In Anwesenheit des Ministers für Presse und Propaganda, Graf C i a n o , wurde die Internationale Filmkunstaus- fteüung eröffnet. Der Präsident Senator Graf V o l p i teilte in seiner Eröffnungsansprache mit, daß infolge der großen Zahl der eingereichten Filme täglich drei Vorstellungen, vor- mittags, nachmittags und abends stattfinden würden. Der Präsident der Reichsfilmkammer Scheuermann hob die wachsende Bedeutung dieser internationalen Veranstaltung sowie des Kongresses der internationalen Filmkammer hervor. Minister Graf C i a n o betonte, daß sich der Film innerhalb kurzer Zeit von einem Unterhaltungsmit- t e I zur charakteristischen Kunst ber Epoche entwickelt habe unb baher Gegen- ftanb besonberer Aufmerksamkeit der faschistischen Regierung bilde. angewendet werden, solange die Großmächte nicht einmütig seien. Voraussetzung dafür wäre, daß sich auch die außerhalb des Völkerbundes stehenden Staaten, wie Deutschland und Amerika, beteiligen. Die englifch-ilalienischen Vereinbarungen von 1925. Paris, 12. Aug. (DNB.) Eine ausländische Zeitung hatte vom Bestehen eines Geheimver- träges gesprochen, der 1925 zwischen England uno Italien abgeschlossen sei und Abessinien betreffen sollte. In gut unterrichteten Pariser Kreisen wird dazu bemerkt, daß es sich nicht um einen „Vertrag", sondern um den Austausch oon Briefen handele, der im Dezember 1925 zwischen der britischen und der italienischen'Regierung vorgenommen wurde. Die Dokumente seien auch nicht geheim, sondern seien 1926 in den britischen Parlamentsberichten veröffentlicht worden. In den Briesen hat Italien sich eine Vergrößerung seiner wirtschaftlichen Einflußzons in Abessinien über ben Vertrag von 1906 hinaus anerfen- nen lassen. Englanb hingegen bekam Z u s i ch e- rungen über seine Interessen im B e - zirk bes Tsana-Sees unb hinsichtlich bes Blauen Nils, ber ben ägyptischen Suban bewässert. Die französische Regierung habe seinerzeit in Lonbon unb Rom Erklärung en gefordert. Die Antworten hätten bie französische Regierung befriebigt. Die abessinische Regie- rung habe Protest erhoben, ben sie auch in Gens vorgebracht, aber nicht weiter oerfolgt habe. Ein englischer Oberst in die abessinische Verwaltung berufen. London, 13. Aug. (DNB. Funkspruch). „Daily Telegraph" meldet aus Addis Abeba: ein englischer Staatsangehöriger, Oberst Sandford, hat einen Posten in der abessinischen Verwaltung erhalten. Er ist zum Berater einer abessinischen Provinz ernannt worden, die nördlich des Rudolf-Sees an der Stelle liegt, wo Kenja und der englische Sudan aneinander grenzen. Es wird erklärt, daß die Ernennung auf die Absicht der ades- sinischen Regierung zurückzuführen sei, verbesserte Methoden bei der Verwaltung der Pro- Dingen herbeizuführen. Bei den Deutschen Güdslawiens. Gauleiter Bürckel bei einer Pfälzischen Gemeinde in der Batschka. Belgrad, 12. Aug. (DNB.) Die deutsch-pfäl- zische Gemeinde N e u ro e r b a s in der Batschka feierte den 150. Jahrestag ihrer Gründung. Zur Feier hatten sich mehrere 10000 deutscher Volksgenossen aus Südslawien unb ungefähr 100 Pfälzer aus dem Reich eingefunden. Unter ihnen befand sich auch ber R e i ch s k o m > mi f f ar Gauleiter Bürckel, ber als Privatmann an der Reise teilnahm. Auf der Fahrt nach Werbas, die durch mehrere deutschen Gemeinden führte, wurde Bürckel herzlich begrüßt. Im Mittel- punkt der Feierlichkeiten in Werbas standen am Sonntag ein Dankgottesdienst und eine große Fe st Versammlung. Dabei hielt der deutsche Abgeordnete Dr. Kraft die Festrede, in der er einen geschichtlichen Ueberblick über den Werdegang der Siedlung gab und den politischen Grundsatz Der deutschen Volksgruppe in Südslawien „ftaatstreu und volkstreu" behandelte. Gauleiter Bürckel gab der Versammlung ein Bild des neuen friedlich schaffenden Deutschlands und seiner Bereitschaft zur freundschaftlichen Zusammenarbeit mit allen Völkern. Er wies auch auf die unbedingte Treue und Ergebenheit der deutschen Volksgruppe in Südslawien gegenüber ihrem Staate hin, die mit der gefühlsmäßigen Verbundenheit mit dem Mutterlande Hand in Hand gehe. Gowjetrussischer Mil-tSrbesuch in Prag Prag, 12. August. (DNB.) Fünf sowjetrussische Offiziere, von dem Kommandanten der Moskauer Kriegsschule geführt, treffen am Dienstag in Prag em. Die sowjetrussischen Offiziere werden als Gäste an den Hauptmanöver n ber tschecho - 1 rr? arischen Armee teilnehmen. Die sowjet- russischen Gäste werben auf bem Bahnhof von einer Ehrentt>mpanie und Vertretern ber tschechoslowakischen Generalität begrüßt werden. In den nächsten Tagen kommen auch führende jugoslawische und rumänische Offiziere zur Teilnahme an den Manovern nach Prag. Die ausländischen Offi- ziere werden auch die Fabriken ber tschechoslowakischen Rüstungsindustrie besichtigen. Ein Volk von Männern! Nach längerer Zeit, feit feiner großen außenpolitischen Reichstagsrebe im Mar zum ersten Male, hat der Führer und Reichskanzler am Sonntag wieder öffentlich das Wort genommen. Es galt, im Stammland der Bewegung Bayern die 15jährige Gründungsfeier einer ihrer ältesten Ortsgruppen in Rosenheim bei München zu begehen, wo ber unbekannte Solbat Abolf Hitler hoffnungsfreudig die ersten Wirkungen seiner Persönlichkeit, seines Glaubens und feines deutschen Willens auf die Öffentlichkeit erleben durfte. Aber wie immer, wenn er spricht, gehen feine Worte über ben engen Kreis seiner Zuhörer hinaus unb finden ihren Widerhall im ganzen deutschen Volk, in dem das tiefe Bewußtsein einer Zeitwende lebt, und im Ausland, das diesem deutschen Schicksal fassungslos und meist auch verständnislos gegenübersteht. Auf beide, auf Deutschland wie auf das Ausland, wird bie Rosenheimer Rebe wirken in ihrer alten Kraft, in bem unbeirrten Glauben an die deutsche Sendung ber Bewegung unb ihres Führers unb in bem ungebrochenen Willen, Frieden zu schließen und zu hatten, wo es möglich ist, den Kampf aber fortzusetzen, wo er von innern ober äußern Gegnern bes neuen Deutschlands aufgedrungen wirb. Die inneren Probleme, welche bie Staatsführung unb die Bewegung zur Zeit beschäftigen, hat der Führer in seiner Rede nur gestreift. In wenigen Wochen wird der Reichsparteitag in Nürnberg, bei dem alle in der Bewegung an verantwortlicher Stelle stehenden Männer anwesend sind und alle die Bewegung bildenden Organisationen aufmarschieren werden, stattfinden, und van dieser Demonstration der Geschlossenheit der Partei und ihrer Einheit mit dem Staat werden zweifellos die Parolen ausgehen für die neuen Aufgaben, bie dem Nationalsozialismus durch gewisse Entwicklungen der letzten Zeit gestellt wurden, werden ausgehen auch die Impulse für die Arbeit, dis der kommende Winter erfordert. Wenn der Führer aus einem berechtigten Stolze darüber, was er und feine Bewegung in den letzten 15 Jahren für Deutschland geleistet haben, immer wieder die Kraft und den Glauben schöpft, daß auch die schwierigen Probleme der Gegenwart und Zukunft mit einem im Kampf gestählten Volke zu bewältigen finb, so wird ihm in diesem Glauben und Vertrauen kein guter Deutscher nachstehen. Es genügt, einen Blick zu werfen auf die sozialen und politischen Erschütterungen, von denen fast olle Länder erfüllt sind, einen Blick zu werfen auf dis kritischen Erscheinungen, die sich in den internationalen Beziehungen auch eng befreundeter Staaten ergeben haben unb sie vor bie Entscheibung über Krieg ober Frieben stellen, um zu ermessen, welchen Weg bes Aufstiegs das neue Deutschland in der kurzen Seit feit der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus zurückgelegt hat. „Niemand wird bezweifeln wollen, daß Deutschland feit zweieinhalb Jahren eine andere Stellung in Der Welt einnimmt, als vorher. Ich bin der Überzeugung, daß niemand in der Wett unser Reich mehr angreifen kann." Diese stolzen Sätze bestimmen die heutige Stellung des Deutschen Reichs in der europäischen und internationalen Politik. Es wäre nicht möglich gewesen, diese Leistung durch einfache Staatsakte zu vollbringen, wenn ihnen nicht vorher das Werk nationaler Erziehung durch die Bewegung und ihren Führer vorausae- gangen wäre. Erst sie hat in den müden Massen des Volkes das Verständnis dafür wieder geweckt, daß nicht nur bie Freiheit unb Unabhän - gigfett, Jonbern auch bas soziale Glück eines Volkes von feiner Fähigkeit abhängt, feinen Bestaub mit eigenen Kräften unb mit feinem eigenen Mannesmut zu Derlei- bigen. Die Fortführung biefer Erziehung zu einem Bolk von Männern ist beswegen bas große Problem ber beutschen Staatsführung, unter bas sich alle anbern Aufgaben einschließen unb unter- orbnen. Gerabe an biefem Punkte versagen bis Verstänbnislosigkeit ober Böswilligkeit bes Auslandes am meisten. Ein belgischer Senator hat biefer Tage im auswärtigen Ausschuß bes Senats bie Frage, ob unb roanp bas neue Deutschlanb feine Nachbarn mit Krieg überziehen werbe, davon abhängig sein lassen, ob es ihm gelingt, das nötige Geld für diesen Krieg aufzutreiben. Welch eine armselige und spießbürgerliche Beurteilung des deutschen Aufstiegs und welche Verkennung des verantwortlichen Führers, der feine Berufung aus den tiefsten ethischen Quellen schöpft und sein Siel nur in der Sicherheit und der friedlichen Wohlfahrt des deutschen Volkes sieht. Freilich, wer so urteilt, der wird es auch nie ganz begreifen können, daß man ein Volk von Männern auch schmieden kann um ganz anderer, weit in di« Zukunft reichender Ziele willen. „Parteitag der Freiheit." Berlin, 13. Aug. (DNB.) Die Rationalsozia« Wische partei-korrespondenz teilt mit: -Gab der Führer dem Reichsparteitag im Jahr« 1934 das Geleitwort: „Triumph des DHI« lens“, so laufet das diesjährige Geleitworte „Parteitag der Freiheit“. Am 16. März 1935 gab der Führer Adolf Hitler dem deutschen Volke seine Mehrfreiheil wieder. Dieses große Geschehen bringt Professor klein (München) in der diesjährigen p tatet t< des Reichsparteitages zum Ausdruck, indem et unter dem Hoheitszeichen der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei den Führer mit feit nen Soldaten zeigt. Stolz und trotzig stehen sie ihm zur Seite, als die beiden starken Säulen des nationalsozialistischen Deutschlands. Die par- tei als Träger der politischen Macht und der Soldat im Stahlhelm als Waffen- träger der Ration. So bringt die Plakette jum Ausdruck, daß Adolf Hitler Deutschland ist und Deutschland Adolf Hitler.“ Reichminister Getdie beim Führer. Um die Zukunft des „Stahlhelms". Berlin, 12.Aug. (DRV.) Der Führer und Reichskanzler empfing heule den Bundes« ührer des „Stahlhelms“, Reichsminister Seldte, zu einer Besprechung über bi« Zukunft des „Stahlhelms“. Der Bauer belebt die Wirtschaft Aus aller Welt Ausgleich der Zamilienlasten. ie Schuld an der hat, das von und Diese Kundgebung ist bis auf weiteres allsonntäglich in allen Gottesdiensten im Anschluß an die Predigt von der Kanzel und bei jeder sich sonst bietenden Gelegenheit zu verlesen. Darmstadt, den 25. Juli 1935. Der Landesbischof: Lic. Dr. Dietrich. bildet, die sich vermutlich früher einmal mit Mittellinie des Naheflusses gedeckt zur Zeit aber wiederholt von einem Ufer auf andere wechselt, so daß kleinere Gebietsteile Preußen auf dem rechten (östlichen) Naheufer Entlastung für kinderreiche Städte? Nach den Ermittlungen des Statistischen Jahrbuches deutscher Gemeinden sind die drei großen Städte des Ruhrgebietes Duisburg, Essen, Dortmund die kinderreichsten Städte Deutschlands, während Berlin unter den 15 großen Städten mit mehr als 400000 Einwohnern der Kinderzahl an letzter Stelle steht. Es zählt auf 1000 Einwohner 134 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren, die entsprechende Zahl für Duisburg ist dagegen 256. Für die Entwicklung der deutschen Bevölkerung sind diese Städte zweifellos von besonderer Bedeutung, aber sie haben dafür auch größere La st en zu tragen als Städte mit verhältnismäßig wenig Kindern, allein die Ausgaben für Schulen, Kindergärten, Jugendpflege, Wohlfahrt usw. sind sehr viel höher, dazu kommt noch eine geringere Steuereinnahme. Der von Ministerialdirektor Dr. Gütt, Staatsrat Conti, Professor Astel in Schriften und der kinderreichen lfahrtspflege, Ju- Jn einer Versammlung kinderreicher Kreis - und Ortsgruppenwarte wies der Reichspresseleiter des RDK. Dr. Brüggemann darauf hin, daß ein gesetzlicher Ausgleich der Familienlasten für Kinderreiche wie für Kinderarme eine bittere Notwendigkeit darstelle, dadurch hervorgerufen, daß der Kinderreiche zu einer geringen Minderheit unter den deutschen Familien zusammenschrumpft, in keinem Stande mit der Lebenshaltung der kinderarmen Majorität auch nur entfernt Schritt halten könne. Dor einem halben Jahrhundert sei ein solcher Familienlastenaus- aleich unnötig gewesen, da in jener Zeit die Majo- sie werde Männer um sich scharen, wie Lavak, Lamoureux und andere, ohne deshalb als Faschisten gezeichnet zu werden. Zum Nachfolger des ermordeten Generals Na- gata wurde der Personalchef des Kriegsministeriums Generalleutnant Hunai ernannt, der ebenso wie Nagata früher einige Zeit Militärattache in Deutschland war. Schweizerischer Mlitärgerichisprozeß. Wegen Verleumdung des Oberstkorpskommandanten Wille vor Gericht. Basel, 12. August. (DNB.) Dor dem Militärgericht der 4. Division in Luzern begann der Prozeß gegen Oberleutnant H. Hagenbuch. Am 14. Oktober 1934 war in der sozialdemokratischen „Basler Arbeiterzeitung" von ihm ein erdichteter „Brief eines schweizerischen General st absoffiziers an einen befreundeten Parlamentarier" veröffentlicht worden. Der Brief enthält abfällige Kritiken und Ehrabschneidungen gegen den Oberstkorpskommandanten Ullrich Wille wegen seiner angeblichen Beziehungen zu Persönlichkeiten der deutschen Politik. Der Prozeß geht dahin, Hagenbuch auf Grund von Artikel 16 der Militärorganisation weg en einer der Zu- aehörigkeit zur Armee unwürdigen Lebensführung aus dem Heere a u s zu- st o ß e n. Zum Beweis für den leichtsinnigen, ein starkes Geltungsbedürfnis verratenden Charakter des Angeklagten führt die Anklageschrift eine ganze Reihe von Personen an, bei denen Hagenbuch während der letzten zehn Jahre größere und kleinere Summen geborgt hat. Unter den Gläubigern sind Vorgesetzte, Gastwirte, Kellner, Barmädchen, Zeitungsverkäuferinnen, Zigarettenhändler. Seine Schulden bezahlte Hagenbuch nur, wenn mit dem Gericht gedroht wurde. Noch heute hat der Angeklagte etwa 12 000 Franken Schulden. Oberleutnant Hagenbuch sagte bei der Vernehmung aus, daß bei der Abfassung seines gefälschten Briefes ausländische Einflüsse nicht im Spiel gewesen seien. Beziehungen zu Linkskreisen habe er nie gehabt, auch sei er von niemandem angestiftet worben. Im Gespräch mit verschiedenen Offizieren habe er den Eindruck gewonnen, daß auch höhere Militärs, z. B. Oberstdivisionär Bircher, mit Wille nicht in allen Punkten einer Ansicht gewesen seien. Bircher habe auch die Besuche Willes bei militärischen oder politischen Spitzen Deutsch- lands als unpassend angesehen und sich einmal geäußert, Wille sei eben kein rechter Schweizer. Er, Bircher, habe solche Einladungen und Zusammentreffen vermieden, das habe ihn zur Aktion gedrängt. Keinesfalls komme jedoch Oberstdioisio- när Bircher als Anstifter oder auch nur Veranlasser dieses Briefes in Frage. Die Andeutung, General Wille habe zur Unterstützung der Bestrebungen Adolf Hitlers in den Jahren 1923 bis 1925 und 1926 Schweizer Gelder vermittelt, wollte Hagenbuch einzig und allein „auf Gerüchte h i n" erhoben haben. Er gab zu, auf der „Kieler W o ch e", an der Wille neben anderen als eingeladener Besucher teilnahm, eine „Flottenparade" gemacht zu haben, um auch dieser Angelegenheit eine militärpolitische Note zu geben. Seine ganze Aktion habe den Zweck gehabt, den Beziehungen Willes mit Deutschland einen Riegel vorzuschieben. Auf dessen Kaltstellung sei er nicht ausgeggngen. kleinere Gebietsteile von Hessen guf dem linken (westlichen) Naheufer liegen. Wegen der sich hieraus ergebenden Schwierigkeiten soll die Landesgrenze so verlegt werden, daß die Mittellinie der Nahe künftighin die Landesgrenze bildet. Sie ist demnach beweglich: jedoch soll sie nicht jeder Aenderung des Nahebettes folgen, sondern nur den allmählichen natürlichen Verschiebungen. Preußen tritt somit an Hessen 19 Gebietsteile von etwa 30,67 Hektar ab. Hessen tritt dagegen an Preußen 25 Gebietsteile von etwa 21,87 Hektar ab. Durch die Abtretung wird an den privatrechtlichen Verhältnissen nichts geändert. Vorträgen angekündigte Ausgleich bet F a - milienlasten, der das Einkommen kinderreicher Familien erhöhen soll, bringt diesen Städten zweifellos eine Entlastung, da ede Erhöhung des Einkommens der km' Familien die Kosten für die Wohlfahrtspflege, gendpflege, Fürsorgeerziehung, Kindererholung vermindert, abgesehen von der indirekten Entlastung durch Erhöhung des Umsatzes der Derbrauchsgüter. Die P r e s s e st e l l e der Landeskirche Nassau- Hessen bittet uns um Veröffentlichung folgender im Gesetz- und Verordnungsblatt der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen Nr. 23 erschienenen Kundgebung d e s Ü a n d e s b i s ch o f s: Um falschen Gerüchten entgegenzutreten, die immer noch im Gebiet unserer Landeskirche im Umlauf sind, erkläre ich folgendes: 1. Unsere Landeskirche steht auf dem Boden der Heiligen Schrift, wie sie Dr. Martin Luther uns neu geschenkt hat. 2. Unsere Landeskirche bewahrt die Reinheit und Unverfälschtheit des evangelischen Glaubens und lehnt nichtchristliche Bestrebungen auf das schärfste ab. 3. Unsere Landeskirche stellt Predigt und Seelsorge in den Vordergrund der pfarramtlichen Tätigkeit; Predigt und Seelsorge sind wichtiger und not« wendiger als Kirchenpolitik. 4. Unsere Landeskirche tritt auf das nachdrücklichste ein für die christliche Erziehung der Jugend im Religions- und Konfirmandenunterricht und in der Christenlehre, wie es seit alters in unserer Kirche Brauch ist. 5. Unsere Landeskirche besteht auf der Heilighaltung der Sonn- und Feiertage und der christlichen Feste. Sie wacht über die herkömmliche Gottesdienstordnung und über die rechte Verwaltung der Sakramente. 6. Unsere Landeskirche steht in unbeirrbarer Treue zum Führer und Reichskanzler und setzt sich daher ein für eine wahre Volksgemeinschaft im Dritten Reich. 7. Unsere Landeskirche verwirft sektiererische Engstirnigkeit und volksfremde Schriftgelehrsamkeit: sie tritt ein für die große Deutsche Evangelische Kirche unter der Losung: Durch Jesus Christus zur evangelischen Einheit. Darmstadt, den 25. Juli 1935. Der Landesbischof: Lic. Dr. Dietrich. Kein Streik der Aotstandsarbeiter in USA. Neuyork, 13. Aug. (DNB. Funkspr.) Die für Montag erwartete Ausdehnung des Streiks der Notstandsarbeiter ist a u s g e b l i e b e n. Vielmehr hat die große Mehrzahl der Streikenden gestern die Arbeit wieder ausgenommen. Der Dollzugsrat des amerikanischen Gewerkschaftsverbandes hat empfohlen, daß alle Baupläne auf Grund des Arbeitsbeschaffungsprogrammes dem Bundesamt für öffentliche Arbeiten übertragen werden möchten, um einen Streik der Notstandsarbeiter in anderen Landesteilen zu ver- hindern. Das Bundesamt für öffentliche Arbeiten zahlt die ortsüblichen Löhne. Kundgebung des Landesbischoss. Aenderung der preußisch-hessischen Landesgrenze. LPD. Frankfurt a. M., 12. Aug. Im Reichsgesetzblatt wird eine von Ministerpräsident G ö - ring und dem Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung — Sprenger unterzeichnete Vereinbarung über die Aenderung preußisch-hessischer Landesgrenzen veröffentlicht. Die Landesgrenze Mischen den preußischen Gemeinden Bretzenheim, Langenlonsheim, Laubenheim, Münster-Sarmsheim, Weiler und den hessischen Gemeinden Bosenheim, Planig, Jppersheim, Gensingen, Grolsheim, Sponsheim, Dietersheim, Büdesheim und Bingen wird durch eine Linie ge- Unruhe in der Radikalsozialistischen Partei. Paris, 13. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die Radikalsozialisten, die sich immer mehr der G e - fahr bewußt werden, die ihnen von der mar« ristisch-kommunistischen Einheitsfront drohen, trennen s i ch mehr und mehr von dem linken Flügel der Bewegung, die unter der Führung Daladiers auf ein Zusammengehen mit den Sozialisten und Kommunisten beharrt. Ein großer Teil des rechten Flügels hat beschlossen, eine sogenannte „Radikale Front" zu bilden, in die aber nur solche Mitglieder der Radikalsozialistischen Partei ausgenommen werden, die von einem besonderen Aufnahmeausschuß als für die neue Bewegung geeignet betrachtet werden. Ziel und Zweck dieser Bewegung ist die Verteidigung und Vertiefung der radikal- sozialistischen Lehrmeinung. Das „Journal" bezeichnet die Bewegung als recht bemerkenswert. Sie verdiene aufmerksam verfolgt zu werden, denn gleich unnötig gewesen, da in jener Zc rität der Familien kinderreich war. Di der Notwendigkeit eines Lastenausgleiches, der unvermeidlich den Kinderarmen und Kinderlosen belastet, um den Kinderreichen zu entlasten, tragen also die, die ihrem Volke den Nachwuchs verweigert haben. Die Erfüllung der Nachwuchspflicht sei nicht weniger wichtig als die der Wehrpflicht. Als im Jahre 1933 die Regierung jxcuc agrar» politische Maßnahmen in Angriff nahm und ein Jahr später die Landwirtschaft zur E r z e u - gungsschlacht aufrief, ahnten nur wenige die Auswirkungen für die gesamte Volkswirtschaft. Dieser friedliche Kampf der Landwirtschaft um die Nahrungsfreiheit des deutschen Volkes gab dem gesamten Wirtschaftsleben neuen Auftrieb. Hatte 1932 der Wert der landwirtschaftlichen Erzeugung nur noch 8,7 Milliarden Mark betragen, so stieg er im Wirtschaftsjahr 1934/35 bereits auf 11,1 Milliarden Mark. Das bedeutet gegenüber dem Jahr 1932/33 eine Steigerung um 2,4 Milliarden M k. oder um 2 7 v. H. Zu beachten ist, daß diese Steigerung nicht allein auf die durch Festpreissystem und Marktreglung gebesserten Preise, sondern vor allem auch auf die seit dem Jahr 1932/33 gestiegene Erzeugung zurückzuführen ist. Diese Steigerung des Wertes der landwirtschaft- lichen Erzeugung beeinflußte das gewerbliche und industrielle Wirtschaftsleben ganz erheblich. Das beweisen z. B. die Zahlen über den Absatz der Landmaschinenindustrie während der letzten Jahre, der 1932/33 einen Wert von 140 Millionen Mark und 1933/34 einen Wert von 195 Millionen Mark hatte. Im letzten Jahre betrug die Steigerung also 40 v. H. Wichtig sind babet die Feststellungen der Landmaschinenbank, daß an diesem verstärkten Umsatz vorwiegend der m I t t • lere und kleinbäuerliche Besik beteiligt ist. Ebenso wie die Landmaschinenindustrie hatte auch die Düngerindustrie einen erhöhten Absatz zu verzeichnen. Im Jahre 1934/35 war der Verbrauch an Kali gegenüber dem Vorjahr um 14 v. H. in der Landwirtschaft gestiegen, bei Stickstoff um 9 v. H. Auch zur Belebung des Arbeitsmarktes hat die Landwirtschaft wesentlich beigetragen. Im Jahre 1933/34 war Die Landwirtschaft am stärksten von allen Berufsgruppen an der Abnahme der Arbeitslosigkeit beteiligt. Die Verminderung ihrer eigenen Arbeitslosigkeit in diesem Jahr betrug 77 v. H. Eine weitere Einstellung von Arbeitskräften erfolgte auch im Jahre 1934/35. Im April dieses Jahres trat eine neue Verminderung um rund 50 v. H. ein, Ende Mai betrug der Rückgang 10 v. H. und Ende Juni rund 5 v. H. Dabei ist zu berücksichtigen, daß noch heute ein starker Mangel an geschulten Landarbeitern besteht. Mit Recht kann man also sagen, daß die agrarpolitischen Maßnahmen der Reichsregierung sich in jeder Weise günstig auswirkten und mit dazu beigetragen haben, dem gesamten Wirtschaftsleben neuen Auftrieb zu geben. IüdischerMädchenschänderin Schutzhast Konstanz, 13. August. (DNB.) Der hiesige jüdische Arzt Dr. Martin Hagelberg wurde auf Weisung des Geheimen Staatspolizeiamtes i n das Konzentrationslager Kislau übergeführt. Als Fürsorgearzt verging er sich in zahlreichen Fällen in den Räumen seiner Praxis an seinen Patientinnen, meist unter Anwendung von Gewalt und List. Besonders Frauen aus der Schweiz zählten zu seinen Opfern. Er forderte auch unbarmherzig die höchsten Gebühren von seinen ärmsten Patienten, deren Notlag» ihm bekannt war, oder er berechnete Leistungen, die er überhaupt nicht ausgeführt hatte. Er dehnte Behandlungen übermäßig lange aus, um auf diese Weise hohe Rechnungen entstehen zu lassen. Als treibende Kraft der Gottlosenbewegung in Konstanz trat er als Redner auf und verteilte Flugblätter der Gottlosenbewegung an Kirchenbesucher, beim Verlassen des katholischen Gottesdienstes sogar an den Stufen des Münsters. Da er selbst seine eigenen Anhänger der Gottlosenbewegung übervorteilte, geriet er mit ihnen in Streit und kehrte wieder zum mosaischen Glauben zurück, um die Unterstützung seiner Rassegenossen von neuem zu gewinnen. Die politische Einstellung Hagelbergs ging über die SPD., als deren Funktionär er mehrere Jahre zersetzend tätig war, zur KPD. Die Verbringung nach Kislau ist daher das folgerichtige und verdiente Ende dieser ebenso gemeinge- fährlichen wie abscheulichen Laufbahn dieses jüdischen Intellektuellen. Degen Verweigerung der Beerdigung in Schuhhaft. Der Dechant der katholischen Gemeinde Hunstig e r (Kreis Nordhausen) hatte für einen katholischen SA.-Mann die christliche Beerdigung verweigert. Großer Teile der Bevölkerung bemächtigte sich eine starke Beunruhigung über die unerhörte Herausforderung, zumal derselbe katholische Geistliche im Februar d. I. einem gemeinen Mörder, der in Nordhausen hingerichtet wurde, die christliche Beerdigung gewährt hatte. Es kam am Montagabend vor dem katholischen Pfarramt zu einer Kundgebung, die zur Jnschutz- Haftnahme des Dechanten und eines Angestellten des Pfarramtes führte. Volksschädlinge in Hamburg entlarvt. Der Zollfahndungs stelle Hamburg ist es gelungen, dem volksschädlichen Treiben einer jüdischen Wechselstube am Hafen ein Ende zu bereiten. Es handelt sich um die Wechselstube Bauer & Co., deren Inhaber Manfred und Hermann Bauer wegen Devisenschiebung fest genommen wurden. Im Zusammenhang hiermit wurde der Jude Oskar Fischer, der Prokurist einer Hamburger Bank ist, ebenfalls festgenommen, da er gemeinsam mit den beiden anderen Juden Devisenschiebungen begangen hatte. 20 000 Mark, die zum Abtransport bereitlagen, konnten beschlagnahmt werden. Man nimmt jedoch an, daß die weiteren Ermittlungen noch einen weit höheren Betrag ergeben werden. Die Wechselstube wurde geschlossen. Todesstrafe für einen Raubmörder. Das Duisburger Schwurgericht verurteilte den 21jährigen Johann Hoffmeister wegen Mordes zum Tode und zur Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte. Hoffmeister hatte den 23jährigen Karl Krause in der Düsseldorfer Straße mit der eigenen Krawatte e rd r o s s e l t, da er bei ihm große Bar- mtttel vermutete. Nach der Tat fand er jedoch nur 2,50 Mark. Oie Krisis in der japanischen Armee. General Nagata den Folgen des Attentats erlegen. Tokio, 12. Aug. (DNB.) Generalmajor N a - aata, der, wie wir gestern gemeldet haben, im Kriegsministerium von einem aktiven Oberstleutnant überfallen und durch einen Stich mit dem Säbel schwer verletzt wurde, ist am Nachmittag verstorben. Der Kaiser beförderte den Toten zum Generalleutnant. General Nagata hat sich in den Jahren 1913 und 1914 zweimal in Deutschland aufgehalten. Bis zum Jahre 1921 lebte er dann in Dänemark, von wo er sich später nach der Schweiz begab. Sein Amt im japanischen Kriegsministerium als Leiter der Abteilung für allgemeine militärische Angelegenheiten hatte General Nagata seit drei Jahren inne. Nagata ist 52 Jahre alt geworden. Die Frage, ob Kriegsminister Hayaschi z u - rücktreten wird, steht im Mittelpunkt der Erörterungen. Die Ansicht des Kabinetts und des Kriegsministeriums geht dahin, daß Hayaschi in diesem Augenblick unter keinen Umständen zurücktreten und vor unruhigen Elementen kapitulieren dürfe. Gerade das Attentat zeige Gefahren auf, denen nur Hayaschi mit dem Einsatz seiner entschlossenen Autorität begegnen könne. Hayaschi sei der Mann, der einzig den einheitlichen Geist in der Armee wiederherstellen könne. Hayaschi hatte eine Unterredung mit dem Ministerpräsidenten Okada. Am Dienstag ist er zum Vortrag beim Kaiser bestellt. Man nimmt an, daß er bei dieser Gelegenheit sein Ministeramt zur Verfügung stellen wird, aber auf kaiserlichen Befehl in feinem Amte verbleiben wird. Ein Raubmörder hingerichtet. In Magdeburg ist der vom Schwurgericht zum Tode verurteilte, am 21. August 1906 geborene Walter Lindenberg hingerichtet worden. Er hatte am 31. Januar 1935 zusammen mit einem noch jugendlichen Mittäter einen Raubüberfall auf die Molkerei Neuhaidensleben ausgeführt und die Ehefrau des Molkereiverwalters Steenbock durch mehrere Schüsse ermordet und den Ehemann Steenbock zu ermorden versucht. Einige Zeit zuvor hatte er in einem Waffengeschäft in Neuhaldensleben einen Einbruchsdiebstahl verübt. wegen Mordes an einem zwölfjährigen Mädchen zum Tode verurteilt. Das Schwurgericht verurteilte den 35jährigen Martin Lasicki aus Marl bei Recklinghausen wegen Mordes zum Tode und zum dauernden Ehrverlust sowie wegen Notzuchtverbrechens zu zehn Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust. Der 23er- urteilte hatte die zwölfjährige Elisabeth Meerkoetter auf einem Weldwege vergewaltigt und gewürgt und bann so lange mit einem Schusterhammer auf das Kind eingeschlagen, dis es tot liegen blieb. Dann hatte er die Leiche in eine Schonung geschleift. Vier Tage nach der Tat wurde der Mörder in der Nähe des Tatortes verhaftet. Raubmord an einer Erbhofbäuerin. Die 40 Jahre alte Erbhofbäuerin Maria H a d k e wurde in der Backkammer auf ihrem mitten im Dorf Linde, Kreis Greifenhagen (Pommern), gelegenen Gehöft erwürgt aufgefunden. Als Mörder kommt vermutlich der 20 Jahre alte Mathias Spengler aus Linde in Frage. Dieser hat erst zwei Tage vorher seine Stelle bei Habke angetreten. In der Wohnung waren sämtliche Behältnisse durchwühlt. Dem Täter fiel jedoch lediglich ein Betrag von 15 Mark in die Hände. Spengler ergriff nach dem Raubmord auf einem gestohlenen Fahrrad die Flucht. Entmenschtes Ehepaar verhaftet. Der Polizei in Bad Kreuznach ist es gelungen, ein unglaublich entmenschtes Ehepaar hinter Schloß und Riegel zu bringen. Die Eltern waren ausgegangen und hatten ihre beiden im Alter von 1 und 3 Jahren stehenden Kinder allein in der Wohnung zurückgelas- s e n. Durch das andauernde Schreien der kleinen Kinder wurde man auf sie aufmerksam und benachrichtigte die Polizei, die gewaltsam die Wohnung öffnete. Hier bot sich den Polizeibeamten ein grauenhaftes Bild. Die Kleinen waren vollkommen verwahrlost und halb verhungert; sie wurden sofort einem Waisenhaus übergeben. Als das Ehevaar sich wieder einfand, wurde es sofort verhaftet und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Der gesamte Kirchenschah geraubt. Der gesamte Kirchenschatz der» Kathedrale von Pamplona in Nordostspanien ist gestoh- l e n worden. Die Verbrecher drangen durch ein Fenster in das Innere der Kirche ein, nachdem sie das Eisengitter durchsägt hatten. Es fielen ihnen zahlreiche goldene und mit Diamanten besetzte Gegenstände in die Hände. Man vermutet, daß sich unter den Tätern eine Person befindet, die in der Kathedrale genau Bescheid wußte. Die Polizeibehörde hat sofort eine verschärfte Grenzkontrolle angeordnet. Man befürchtet jedoch, daß das Diebesgut bereits über die nur V« Stunde entfernte Grenze ins Ausland geschaffen worden ist. Waldbrand in Thüringen. Am Nordhang des Thüringer Waldes an der sog. Abiswand bei Ohrdruf entstand ein verheerender Waldbrand. Das Feuer, das zuerst von Arbeitern entdeckt und mit Hilfe von Spaziergängern bekämpft wurde, breitete sich infolge des Windes rasch aus. Es vernichtete ttvtz des Einsatzes von Arbeitsdienstabteilungen, einiger Kompanien des Reichsheeres, von SA. und SS.-Abteilungen, der Arbeiterschaft eines nahegelegenen Werkes und der Zivilbevölkerung 15 bis 20 Hekta r d reinig- jährigen Hochwald. Am Spätnachmittag schlug der Wind plötzlich um, so daß das Feuer talwärts niederbrannte. Schweres Grubenunglück in der Rähe von Rom. Ein schweres Unglück, dem 14 Menschen zum Opfer fielen, hat sich in der Braunkohlengrube Ribollo der Gesellschaft Montecatini in der Nähe dow Rom ereignet. Nach der Feiertagsruhe am Sonntag wurde die Arbeit in der Grube um Mitternacht wieder ausgenommen. Gegen 2 Uhr nachts brach plötzlich eine Jsolierdecke im Innern der Grube ein, große Wassermengen Gurkenfalat wird [djmadiijofter und behömmlidjer duafj wenige tropfen MAGGP lüürje Deutsche Flak-Geschütze auf -em Marsch. >;. " //' XkA><-a ^x, - > 'J U: W -' . x^,. -* •”» - • r,/X ** . Die Flak-Abtellung Döberitz auf dem württembergifchen Truppenübungsplatz Münsingen. — Unser Bild zeigt ein Flugzeug-Abwehrgeschütz auf der Landstraße. — (Scherl-Bilderdienst-M.) tionslager freigelegt, in dem sich noch 250 10,7-Zentimeter-Granaten befanden. Die Munition wurde unter Beobachtung der notwendigen Vorsichtsmaßnahmen in Sicherheit gebracht. Begleitung zweier Beamter aus dem australischen Handelsministerium und der Zollverwaltung in Berlin eingetroffen. Sein Aufenthalt hat den Zweck, die Möglichkeiten eines deutsch-australischen Handelsvertrages zu besprechen quollen hervor und überraschten 1^ Arbeite r, die in diesem Teil der Grube beschäftigt waren. Da sie die Gefahr erst im letzten Augenblick bemerkten, konnten sie sich nicht mehr retten und ertranken. Die Bergungsarbeiten gestalten sich sehr schwierig, da man sich zu dem völlig überschwemmten Teil der Grube nur schwer Zutritt verschaffen kann. Seidenfchmuggel auf dem Luftwege. An Bord eines französischen Flugzeuges, das bei Draganesti (Rumänien) gelandet war, wurden von der Polizei 85 Kilogramm Seide entdeckt. Das Flugzeug wurde von dem Eigentümer einer Lyoner Seidenfabrik und Vorsitzenden der französischen Luftfahrtgesellschaft namens de Brouton geführt. Die Polizei verhaftete de Brouton und einen rumänischen Journalisten namens Vlad Cocea, der in die Schmuggelangelegenheit verwickelt ist. Feuer in einem Proviantmagazin der Hapag. 9m Proviantmagazin der Hapag am Reiherdamm in Hamburg brach ein Feuer aus. Der Dachboden des Gebäudes wurde zerstört. Den Bemühungen der Feuerwehr gelangt es, ein Ueber- ?reifen des Feuers auf ein benachbartes Film- ager, das stark bedroht war, zu verhindern. Die Feuerwehr mußte zwei Männer, die in einem Fahrstuhl des Brandgebäudes abgescknitten waren, aus ihrer lebensgefährlichen Lage befreien. Kraftwagen stürzt auf ein Segelboot. EinvonKairo nachAlexandrien fahrender Lastkraftwagen fuhr an einer abschüssigen Stelle in einen Kanal und stürzte mit solcher Gewalt auf ein Segelboot, daß das Fahrzeug kenterte und feine acht Insassen ins Wasser fielen, lieber zwanzig Personen ertranken; viele wurden verletzt. Zwei Frauen und ein Mann, die an der Böschung des Kanals saßen, wurden von dem Lastkraftwagen mitgerissen und getötet. Auch der Lenker des Wagens kam ums Leben. Verschütteter rettet sich selbst nach VA Monaten. Ein Opfer der furchtbaren Erdbebenkata- stro p h e, die Anfang Juni in Britisch° Be lutsch i st a n Zehntausende von Opfern forderte, konnte sich nach der unwahrscheinlich langen Frist von 47 Tagen wohlbehalten retten. Der Mann, ein kleiner Hindu-Ladenbesitzer, schlief in der Nacht des Erdbebens in seinem Laden in Ouetta, als er durch die einstürzenden Häuser vollständig begraben wurde. Glücklicherweise hatte er Platz genug, um sich bewegen zu können, und vermochte sich durch seinen Ladenvorrat an indischen Süßigkeiten sowie durch einen großenTon- krugvoll Wasser am Leben zu erhalten. Nachdem sich der Mann von seinem Schrecken erholt hatte, fing er an, sich mit Schöpflöffeln aus seinem Laden einenWegdurchdieSchuttmassen zu graben. Mehr als anderthalb Monate benötigte er, bis es ihm endlich gelang, ans Tageslicht zu kommen. Beglückt berichtete er von seinem abenteuerlichen Schicksal, doch mußte er die unangenehme Erfahrung machen, daß man seiner Erzählung keinen Glauben schenkte und ihn umgehend als einen Eindringling in die mit Stacheldrahtverhau umgebene Stadt verhaftete, da man vermutete, daß er dort plündern wolle. Erst als er darauf bestand, wieder an die Ruinen seines Ladens zurückgeführt zu werden und er dort den von ihm gegrabenen Ausweg zeigen konnte, glaubte man ihm und setzte ihn auf freien Fuß. Wiederaufnahme der Segelschiffahrt Deutschland—Chile. Die vor einigen Jahren eingestellte Segelschiffahrt zwischen Hamburg und Valparaiso wird jetzt wieder ausgenommen. Als erstes wird das deutsche Segelschiff „Privat" mit 3000 Tonnen Stückgut von Hamburg nach Chile fahren und auf der Rückreise Salpeter mitnehmen. Die chilenischen Zeitungen widmen der Wiederaufnahme der Segelschiffahrt freundliche Artikel, in welchen sie auch auf die ast schon verschwundene Romantik der Segelschiffahrt zu sprechen kommen. (Ein altes englisches Munitionslager in Arras entdeckt. Bei Ausbesserungsarbeiten an einer Gleisanlage Unmittelbar neben dem Bahnhof von Arras wurde ein ehemaliges englisches Muni- Kunst und Wissenschaft. Vogoljubow Sieger im Internationalen Schachturnier in Vad-Vauheim. In der Schlußrunde des Internationalen Schachturniers in Bad-Nauheim gab es am Montag nochmals spannende und erbitterte Kämpfe. Manche Voraussagen und Erwartungen wurden nicht erfüllt. Richter vermochte trotz genialstem Opferspiel gegen Grobs Caro-Kann-Verteidigung nicht durchzudringen, und mußte sich mit remis begnügen. Bogoljubow hatte Mühe, in einem Damengambit gegen Dr. R ö d l remis zu halten. Er wurde damit Sieger, da sein Hauptkonkurrent Engels verlor. In einer königsindischen Verteidigung hatte Engels den steten Druck Andersons auszuhalten, dem er schließlich erlag. Stoltz gelang es, durch einen Sturmsieg über Ahues noch zur Teilung des 5. und 6. Preises mit Ahues zu kommen. E l i s k a s e s hatte gegen Opo- c i e n s k i in einem Damengambit hart um das Remis zu kämpfen. Die Hängepartien wurden am Nachmittag zu Ende gespielt. Engels verlor wie erwartet gegen Grob (7. Runde) und siegte gegen Richter (8. Runde). Opocienski gab in Zeitnot den sicheren Gewinn aus der Hand und mußte sich mit Remis und als Folge davon mit dem 4. Preis begnügen. Der S ch l u ß st a n d des Internationalen Schachturniers ist folgender: 1. Preis B o g o l j u b o w (Deutschland) 6 Punkte (höchst erreichbare Zahl 9 Punkte); 2. und 3. Preis Elis- k a s e s (Oesterreich) und Engels (Deutschland) je 5V2 Punkte; 4. Preis Opocienski (Tschechoslowakei) 5 Punkte; 5. und 6. Preis Ahues (Deutschland) und Stoltz (Schweden) je 4A Punkte; ferner: Richter 4 Punkte; Anderson und Dr. R ö d l je 3A Punkte und Grob 3 Punkte. Kleine politische Nachrichten. Die diesjährige Btschofskonferenz, an der wiederum sämtliche deutschen Bischöfe unter dem Vorsitz des Kardinals, Fürsterzbischof Dr. Bertram (Breslau), teilnehmen, findet in der Zeit vom 19. bis 23. August in Fulda statt. * Sir Henry Gullet , Minister ohne Portefeuille im australischen Kabinett und mit der Führung von Handelsvertragsverhandlungen, ist in Der Vorsitzende des siamesischen Regentschaftsrates, Prinz Anuvatana, ein Vetter des abgedankten Königs Prajadhipok, ist gestorben. Sein Tod fällt gerade in eine Zeit, in der Gerüchte über umstürzlerische Bestrebungen in Siam verbreitet werden, die jedoch in neueren Meldungen aus Bangkok als unzutreffend bezeichnet werden. ♦ Die finnländischeRegierunghat nach der Abreise des polnischen Außenministers eine amtliche Mitteilung über die Besprechungen mit Oberst Beck veröffentlicht, in der die völlige Ueberein st immun g zwischen Finnland und Polen in allen beide Länder angehenden Fragen sestgestellt wird. Büchertisch. — Die Ausdehnung der verschiedenen zur Fliegerei gehörenden Wissenszweige macht eine Zusammenfassung des gesamten flugtechnischen Lehrstoffes in einem übersichtlichen Schulungs- und Nachschlagebuch notwendig. Unter dem Titel „Handbuch des Motor- und Segelfliegens" erscheint bei der Akademischen Verlagsgesellschaft Athenaion m. b. H. in Potsdam ein mit 900 Abbildungen, Schnitt- und Konstruktionszeichnungen versehenes Werk, das alle Fachgebiete der Luftfahrt in gemeinverständlicher Darstellung behandelt und allen Flugschülern, Berufsfliegern und dem Bodenpersonal bei der Ausbildung behilflich ist. Mitarbeiter sind: Dr. Heinz v. O r l o v i u s, Pressereferent im Luftfahrtministerium, Fritz Stamer, Leiter der Segelfliegerschulen Wasserkuppe und Griesheim des 2)223., Dr. Heinrich Wörner, Lehrer für Wetterkunde bei den Flugzeugführer-Oberklassen Königsberg (Pr.), Dr. E. Ewald, Oberregierungsrat im Reichsamt für Flugsicherung, Dr. Helmuth Schmidt-Reps, den Flugzeugführern Wolfgang Leander und Torsten Summe. — Im Theaterverlag Eduard Bloch, Berlin C2, erschienen in der Reihe „Das Jahr entlang — Deutsche Feiern" (Preis je 60 Pf.): Heft 10: Erich Bockemühl, „M u t t e r t a g", Feierstunde in Dichtung und Sprechchor. Heft 11: Franz Bauer, „Weihnachtsmann komm herein!" Ein Büchlein vom heiligen Nikolaus, vom Pelzmartel und vom Knecht Ruprecht im deutschen Brauchtum, in Sprüchen, Gedichten und kleinen Spielen. Heft 12: Erich Scharff, „Grüß Gott, Frau Musi ka", Gedichte, Ratschläge und Nachweise für Volkslied- und Hausmusikfeiern. Heft 13: Walther Jansen, „Laßt w e i t ö i e Fahnen wehen!" Worte vom Sinn der Fahne. — Don den „L i e - derheften" für Gesang, zwei Geigen, Cello und Klavier, gesammelt und bearbeitet von Georg Blumensaat, liegen uns vor: Heft 5: „Lieder am Feuer zu singen." Heft 6: „Lieder um den Erntekranz." Heft 8/9: „Lieder von Zunft und Ge- feilen." Heft 10: „Lieder für die Mutter." Heft 11: „Lieder im Advent zu singen." Heft 12: „Alle singen mit." — Sprechchöre: Heft 9: Walther Jansen, „Glocken läuten den Erntedank". Heft 11: Alfred Thieme, „Gesang der sieben Tage". Heft 12: Alfred Thieme, „Trauermesse". Heft 13: Josef Hugenberg, „Werkvolk". Heft 14: Walther Jansen, „Das Wunder der Hohen Nacht". Heft 15: Walther Jansen, „Opfer ist Pflicht". — Auf dem Gebiete der „Laienspiele" erschienen: Erich Colberg, „S e e r ä u b e r", eine chorische Spielszene für die neue Jugend. Lothar Wichmann, „Glück ab!" ein Spiel von Segelflug und deutschen Jungen. Erich Krüger, „Heilige Scholle", ein chorisches Erntedankspiel. Erich Krüger, „Wir hämmern die Zeit", ein Spiel für Sprech- und Bewegungschöre. Walcher Jansen und L. Streckenbach, „F o x i macht Fliegeralarm", eine tolle Sache. Albert Gloy, „Die Nacht der Landsknechte", ein Weihnachtsspiel. L. Streckenbach, „Dafür habe ich gekämpft!" ein Spiel von Heimweh und Wiederkehr. Karl Weise, „Erlöste Erde", Ein Spiel vom deutschen Arbeitsdienst. Arthur Vertun, „Der Ueberfall im Erlen- grün d", ein lustiges Spiel mit Gesang und Tanz für Mädel. Arthur Berkun, „Deutsche Mädel". - (215) - Wetterbericht des Reichswetterdlenstes. Ausgabeorl Frankfurt. Entsprechend dem in den letzten Tagen aufkommenden vermehrten, zum Kontinent gerichteten Druckgefälle begann feit Montag kühle Meeresluft auch nach Deutschland einzudringen. Während bei der Verdrängung der warmen Luft es vornehmlich in Südfranrreich und in der Schweiz zu gewittrigen Niederschlägen kam, setzten bei uns auffallenderweise verbreitete und mehr landregenartige Niederschläge ein. Die Abkühlung wird am Diens- tag unter Regenfall weiter fortschreiten, und es wird sich zunächst wieder einmal leichte Beruhigung durchsetzen. Der Gesamtcharakter oer Witterung bleibt jedoch vorerst unbeständig. Aussichten für Mittwoch: Wieder zeitweilig aufgeheitert, doch noch Auftreten einzelner Schauer, auf Westen zurückgehende Winde, verhältnismäßig kühl. Aussichten für Donnerstag: Unbeständig und Niederschlagsneigung voraussichtlich wieder zunehmend. Lufttemperaturen am 12. August: mittags 30,5 Grad Celsius, abends 18,9 Grad; am 13. August: morgens 17,2 Grad. Maximum 30,7 Grad, Minimum 11,7 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. August: abends 22,7 Grad; am 13. August: morgens 20,1 Grad. — Niederschläge 4,9 mm. — Sonnenscheindauer 9,2 Stunden. Sprechstunden der Redaktion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samslagnach- mittag geschlossen. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton 123.: Dr.F.W. Lange, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 35: 9945. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugsprets RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Plötzlich und unerwartet starb unsere liebe gute Mutter, Großmutter, Schwester und Tante Wilhelmine Pasbach Wwe. geb. König infolge eines Herzschlages im Alter von 61 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, Marburg, Worms a. Rh., den 12. August 1935. Die Trauerfeier findet Mittwoch, den 14. August, nachmittags 14 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt '622 D Gießen, am 13. August 1935. 4621 D Prof. Dr. Sommer Geh. Med.-Rat i. R. Herzlichen Dank für alle freundlichen Worte und Schreiben, sowie die schönen Kranz- und Blumenspenden und die Teilnahme an der Trauerfeier für meine liebe Frau. Bei Sdilailosigkeii Herz- und Nervenschwäche nehmen Sie unser bekanntes, natürliches Kraftmittel: «68D ENERGETICUM. Allein echt im Reformhaus, Kreuzplatz 5 llllllllllllllllllllllllllllll 3we«Srtdtnptung0tt Schwarzarbeit tonnen Arbeit« Ange» bote von Handwerkern nor mit Tlamensaen. nnna u. unter Vorlage besSewerbenachweisee ausgenommen werben. Verlag »e« A, D. derselbe prompt: „Wenn die Frau katholisch ist, kann ich ihr vielleicht helfen." Trotzdem ich dem Herrn sagte, daß er unter dieser Voraussetzung sich nicht um die Frau zu bemühen brauchte, trat dieser Herr noch näher und fragte die stöhnend am Boden Liegende selbst, ob sie katholisch sei. Dann könnte er ihr vielleicht helfen. Er zog sich aber sofort zurück, als er merkte, daß sich die Umstehenden über dieses Verhalten heftig empörten. Inzwischen wurde die Verletzte durch einen Berliner Personenwagen ins Krankenhaus nach Frankfurt a.M. abtrans- portiert. Der vorgenannte katholische Herr, welcher ebenfalls per Motorrad mit einer Dame unterwegs war, gab trotz höflicher Anfrage seine Adresse nicht an. Er verweigerte die Angaben derselben, und auf Vorstellungen über sein Verhalten einer so schwerverletzten Volksgenossin gegenüber antwortete er, „daß ich das nicht verstehe und er mir auch hierüber keine Aufklärung geben könne." Wir möchten hier einmal an das Schriftwort erinnern, das uns von dem barmherzigen Samariter berichtet, der einen Zerschlagenen am Wegesrand findet und sich sofort seiner annimmt, ohne nach seinem Glaubensbekenntnis zu fragen. Wenn auch dieser katholische Herr das Fronterlebnis der kameradschaftlichen Hilfsbereitschaft vom Weltkrieg her nicht kennt, was wir auch zu seiner Entschuldigung annehmen wollen, dann sollte man eigentlich meinen, daß er seit dem Tage der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus gesehen haben müßte, mit welch heißer Hingabe für Volk und Vaterland von den Männern und Frauen der Bewegung gearbeitet wird, wie z. B. die NSV. ihr großes Opferwerk jedem Volksgenossen zugänglich macht, unabhängig zu welcher Konfession er sich bekennt, ob er katholisch oder evangelisch sei. Das Fahrzeug des katholischen Herrn, welches noch mit einer Dame auf dem Soziussitz besetzt war, trug die polizeiliche Kennummer II E 0 308, so daß wir in der glücklichen Lage sind, trotz der Aus- kunfsverweigerung den Namen des Besitzers festzustellen in der Person des katholischen Hilfsgeistlichen, Kooperator, Hans Maier, Burglengenfeld bei Regensburg." Wirtschaft. Die Zndustne- und Handelskammer Gießen gib« Auskunft: 1038: Die Umsatzsteuer-Umrechnungssätze auf Reichsmark für die nicht in Berlin notierten ausländischen Zahlungsmittel für Monat Juli 1935. 1039: Bekanntmachung KP 7 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle. 10-L: Einfuhrkontingentierung für Toiletten- und Waschseife in Niederländisch-Jndien. Nhein-Mainische Börse. IMttagsbörse fest. Frankfurt a. M., 12. Aug. Bei recht kleinen Umsätzen lag die Börse auch zum Wochenanfang überwiegend fest. Für Spezialwerte lagen einige Aufträge vor, was auch aus die übrigen Marktgebiete des Aktienmarktes abfärbte. Der vor- zeitige Schluß auf die Neuzeichnung der 4,5jährigen Reichsbahn-Schatzanweisungen gab der Gesamtbörse etwas Anregung, da sich in dem großen Zeichnungserfolg eine Besserung des deutschen Kapitalmarktes in den letzten Jahren widerspiegelt. Deutsche Renten wurden zunächst infolge der Geschäftsstille kaum beeinflußt und wiesen nur minimale Kursveränderungen auf. Zinsoergütungsscheine bröckelten leicht ab auf 90,90 (90,95), dagegen blieben späte Reichsschuldbuchforderungen weiter gefragt zu unv. 97,40. Kommunal-Umschuldung lagen unverändert. An den Aktienmärkten ergaben sich durchschnittliche Gewinne von 0,50 bis 1 v. H. Stark befestigt waren Conti Gummi auf die Ausfuhrerfolge im ersten Halbjahr 1935 mit 161,25 (158). Linoleum- werte wurden von der Dividendenerklärung im Linoleum-Konzern beeinflußt und gewannen bis 1,75 v. H. Fest lagen außerdem ohne besondere Ursache Gebr. Junghans mit 89,75 (87,50). Am Elek- iromarkt waren AEG. stärker erhöht auf 42,25 (40,75), ebenso Siemens auf 187,65 (185,50), im übrigen zogen hier die Kurse bis 1 v. H. an, insbesondere Tarifwerte. IG. Farben gewannen bei etwas größeren Umsätzen 0,40 v. H. auf 159,90. Montanwerte wurden stark vernachlässigt und lagen größtenteils nur knapp gehalten, nur Mansfelder Bergbau waren gesucht und etwa 1,75 v. H. höher, andererseits büßten Klöckner 0,75 v. H. und Hoesch 0,25 v. H. ein. Von sonstigen Werten eröffneten Reichsbank fest mit 189,40 (188), Deutscher Eisenhandel mit 110 (108,50), ferner lagen Hapag 0,40 v. H., Daimler 0,50 v. H., AKU. 0,13 v. H. und Deutsche Erdöl 0,25 v. H. fester. Etwas niedriger setzten Aschaffenburger Zellstoff (— 0,90 o. H.), Eßlingen Maschinen (— 0,13 v. H.), Bank für Brauindustrie (—0,25 v. H.) ein. — Don Auslandsrenten waren Ungarn weiter fest, 4prozentige Goldrente 10,85 (10,50), 1913er und 1914er gewannen etwa 0,25 vom Hundert. Im Verlaufe bewegte sich das Geschäft auf allen Marktgebieten in denkbar engsten Grenzen und angesichts der starken Geschäftsstille bröckelten die Kurse meist leicht ab. Die später zur Notiz gekommenen Papiere lagen etwas uneinheitlich. Fester lagen Holzmann mit 95,50 (94,65), Feldmühle mit 122,50 (122), Goldschmidt mit 112 (111) und Thür. Liefe- rungen mit 124,50 (124), dagegen gaben Berger auf 121 (122), Muag auf 74 (74,75) und Moenus auf 88,90 (89,25) nach. AEG bröckelten auf 41,75 (42.25) und IG. Farben auf 159,75 nach 160 ab. Der Rentenmarkt lag auch späterhin fast geschäftslos und kursmäßig ohne Aenderung. Höher lagen einige Umtausch-Obligationen, wie 1951er Stahlverein mit 95,50 (95) und 4,5prozentige Stahlverein mit 94,13 (94), 6 v. H. RM.-Stahlverein gaben auf 102,13 (102,25) nach. Am Kassamarkt waren kurz- und mittelftistige Papiere etwas gesucht und fester. Der Pfandbrief markt lag ruhig und zumeist unverändert, Stadtanleihen notierten uneinheitlich und eher etwas niedriger. Von fremden Werten Anatolier I und II 40,35 (40,25). Von unnotierten Werten stiegen Verein. Deutsche Metallwerke auf 130,50 (129), Wayß und Freytag auf 95 (94), Kleyer auf 105,50 (104,50). Tagesgeld wieder leichter mit 2,75 (3) v. H. Abendbörfe behauptet. Die Abendbörse nahm angesichts des herrschenden Auftragsmangels einen ruhigen Verlauf. Die feste Grundtendenz blieb aber bestehen und auch die Kurse lagen im allgemeinen behauptet. Nur hier und da ergaben sich Veränderungen um Bruchteile eines Prozentes nach beiden Seiten. Etwas Nachfrage verzeichneten noch Autowerte, Daimler 100,25 (100,50), Adlerwerke Kleyer 106 (105,50). Ferner erhöhten sich Deutsche Linoleum auf 160 (159,50). Elektraaktien bröckelten mit Ausnahme von AEG. (42) durchweg um 0,13 bis 0,25 v. H. ab, RWE. gaben 0,40 v. H. nach auf 138 und Schuckert 0,65 v. H. auf 129,50. Siemens waren dagegen mit 187 (186,75) etwas höher. Südd. Zucker stiegen auf 203 (202). Montanpapiere lagen knapp gehalten, ferner gingen IG. Farben nach behauptetem Beginn (159,90) auf 159,75 zurück. Großbankaktien notierten je 0,13 v. H. freundlicher, Commerzbank 90,75, DD.- und Dresdner Bank je 90,40. Im übrigen lagen Kassawerte geschäftslos. Der Rentenmarkt verzeichnete nur wenig Kursnotierungen, Altbesitz bröckelten gegen den Berliner Schluß 0,13 v. H. ab auf 111,65. Etwas höher lagen IG. Farben-Bonds mit 132 (131,65). Von Auslandsrenten gingen Ungar. Goldanlerhe auf 10,50 (10,75) zurück. 3,50 v. H. Schweizer Bundesbahn blieben mit 172 unverändert. U. a. notierten: Altbesitz 111,65, IG. Farben- Bonds 132, 5,50 v. H. Rhein. Hyp. Liquid. 101,50, 4 v. H. Ungarn Gold 10,50, 4 v. H. Rumänen 5,13, 3,50 v. H. SBB. 172, Commerzbank 90,75, DD.-Bank 90,40, Buderus 107,90, Harpener 117,50, Klöckner 101,50, Mannesmann 93,50, Rheinstahl 116,50, Stahlverein 87, AKU. 63,40, AEG. 42, BMW. 128, Bekula 141,50, Conti Gummi 160,75, Daimler 100,25, Deutsche Erdöl 114,65, Scheideanstalt 240, Deutsche Linoleum 160, Deutsche Steinzeug 120,50, Licht & Kraft 137,75, IG. Farben 159,90 bis 159,75, Geftürel 131,75, Goldschmidt. 112, Holzmann 95, Junghans 90, Lindes Eismaschinen 131, Metallgesellschaft 114,25, Moenus 89, Rheag 145, RWE. 138, Schuckert 129,50, Siemens 187, Waldhof 120, Südd. Zucker 203, Reichsbahn-VA. 123,75, AG. für Verkehrswesen 87,75, Norddeutscher Lloyd 18. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 12. Aug. Am Großmarkt für Getreide und Futtermittel blieben Futtermittel aller Art stark gefragt, insbesondere hochwertige Mischfutter. Boll- und Nachmehle zogen im Preise an. Kleie war wegen des schwachen Mehlgeschäfts kaum angeboten. Von Futtergetreide fehlte Futter- gerfte vollkommen, während sehr starke Nachfrage bestand. Neuer Hafer war noch ohne Geschäft, alter Hafer liegt wegen des hohen Preises gegenüber dem bald zu erwartenden neuen Hafer vernachlässigt. Industriegerste war stärker an geboten. Braugerste hatte bis jetzt nur kleines Geschäft. Am Brotgetreidemarkt wird Kontingents-Weizen für Lieferung ab 16. August bis Ende September von den Mühlen verhältnismäßig gut ausgenommen, dagegen findet das stärkere Roggenangebot kaum Interesse. Mehle liegen weiter still, es wird zu Tagespreisen nur der dringendste Bedarf gedeckt. Auch Raggenmehle waren kaum gefragt, obwohl jetzt die ab 15. August gültigen Preise bekanntgeworden sind; man wartet allgemein ab. 5, je 96, davon 16 Ochsen, 3 Bullen, 59 Kühe und 18 Färsen. Schafe 8. v E._ _ Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung des Fleischgroßmarktes: 544 Viertel Rindfleisch, 84 ganze Kälber, 11 ganze Hämmel, 349 halbe Schweine. Preise pro 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch b) 76—80, c) 66—74, Bullenfleisch b) 70—78. Kuhfleisch b) 60—68, c) oO bis 60. Färsenfleisch b) 76—80, c) 66—74. Kalbfleisch b) 74—84, c) 68—72. Hammelfleisch b) 75 bis 78. Schweinefleisch b) 75—80. Fettwaren. Speck hiesiger Schlachtung, roh unter 7 Zentimeter 75—80, Flomen 80—83. Geschäftsgang: nut Ausnahme von Schweinefleisch ruhig. Ankauf volljähriger hessischer Pferde für den Truppendienst. LPD. Zum Ankauf von warmblütigen volljährigen Reit- und Zugpferden sollen, wie amtlich mitgeteilt wird, im Freistaat Hessen die nachstehenden öffentlichen Märkte abgehalten werden: am 16. August, 11 Uhr, in Alzey, „ 17. Oktober, 9 Uhr, in Darmstadt, „ 24. „ 11 Utjr, in Staufenberg, „ 25. „ 9 Uhr, in Alsfeld. Beim Ankauf werden die Anforderungen zugrunde- gelegt, die für den Remonteankauf maßgebend sind. Da die Pferde für den sofortigen Truppengebrauch erforderlich sind, wird allgemein ein scharfer Maßstab angelegt werden. Schimmel und tragende Stuten sind vom Ankauf ausgeschlossen. Die angekauften Pferde werden sofort abgenommen und den Truppenteilen unmittelbar überwiesen. Die Bezahlung erfolgt gegen Quittung mittels Scheck. Der Verkäufer ist verpflichtet, jedem verkauften Pferd eine neue, starke rindlederne Trense mit glattem, starkem, einfach gebrochenem Gebiß mit zwei mindestens zwei Meter langen Stricken unentgeltlich mitzugeben. Die Verkäufer werden ersucht, die Schweife der Pferde nicht übermäßig zu beschneiden und die Schwanzrübe nicht zu verkürzen. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M„ 12. August. Auftrieb: Rinder 1092 (gegen 760 am letzten Montagsmarkt), darunter 163 Ochsen, 91 Bullen, 479 Kühe, 359 Färsen. Zum Schlachthof direkt: 1 Ochse, 3 Bullen, 7 Kühe, 5 Färsen. Kälber 437 (348), Schafe 33 (33), Schweine 2812 (3666). Notiert wurden vro 1 Ztr. Lebendgewicht in Mark: Ochsen a) 42 (am 5. August 42), b) 41-42 (42), c) 37—40 (39-41), d) 33—36 (32—38). Bullen a) 42 (42), b) 41—42 (42), c) 39—40 (41—42), d) 35—38 (38—40). Kühe a) 40—42 (42), b) 34—39 (36—41), c) 27—33 (28—35), d) 20—26 (22—27). Färsen a) 42 (42), b) 40 bis 42 (41—42), c) 36—39 (40—41), d) 31—35 (36—39). Kälber Sonderklasse —, andere a) 65—67 (65—67), b) 58—64 (57—64), c) 50—57 (50—56), d) 42—49 (40—48). Lämmer und Hämmel b2) Weidemast 38—40 (39—40). Schafe nicht notiert. Schweine al) 54 (54), a2) 54 (54), b) 54 (54), c) 54 (54), d) 54 (53—54) 3/4) — (50—54). Sauen 0) 54 (54), §2) — (50—53). Marktverlauf: Rinder mittelmäßig, Ueberftanb. Kälber rege, ausverkauft. Hämmel und Schafe ruhig, Ueberftanb. Schweine sehr flott, ausverkauft. Ueberftanb: Rinber Es notierten: Weizen W 9 210, W13 214, W16 218; Roggen R12 160, R15 163, R18 167, R19 169, Großhanbelspreise der Mühlen des genannten Preisgebiets; Hafer H 13 170, H 14 172 ab Station. Bei Wafferverladung über 100 Tonnen 3 Mark mehr; Weizenmehl W13 27,70, W 16 28,15; Rog- aenmehl Type 997 R 13 23,80, Type 815 R 13 24,30, Type 997 R15 24,20, Type 815 R15 24,70, plus 50 Pf. Frachtausgleich; Weizennachmehl 17,25, Weizenfuttermehl 13,50, Weizenkleie W13 10,92, W 16 11,13, Raggenkleie R 13 10,20, R 15 10,44, Mühlenpreise ab Station. Trockenschnitzel 10,25, Weizen- unb Roggenstroh, brahtgepreßt ober gebünbelt, 2,40 bis 2,50. Kartoffeln: gelbfleischige lange c runbe 4,60, weißfleischige, rot- unb blauschalige 4,20, alles hiesiger Gegenb. Tenbenz stetig. Der deutsche Außenhandel nach Erdteilen und Ländern im ersten Halbjahr 1935. Fwd. Die Gesamteinfuhr war im ersten Halbjahr 1935 um 7,5 v. H. niedriger, als in der gleichen Dorjahreszeit. An der Abnahme waren fast ausschließlich überseeische Länder beteiligt. Während der Warenverkehr aus Ueberfee um 28,8 v. H. zu- rückging, nahm er aus Europa um 7,7 v. H. zu. Die Steigerung der Einfuhr aus Europa entfällt allein auf das erste Vierteljahr, im zweiten Vierteljahr ist gegenüber dem gleichen Vorjahresabschnitt auch bei der europäischen Ländergruppe eine Abnahme der Einfuhr (minus 5,6 v. H.) zu verzeichnen. Umgekehrt hat sich der Rückgang der Einfuhr aus Ueberfee im zweiten Vierteljahr verlangsamt. An der Steigerung der Einfuhr aus Europa vom ersten Halbjahr 1934 bis zum ersten Halbjahr 1935 war die Mehrzahl der Länder beteiligt. Zugenommen hat im Zusammenhang mit dem Ausfall der Futtermittelernte des Vorjahres die Einfuhr aus Sowjetrußland, Dänemark, Norwegen unb Jugoslawien. Beträchtlich höher jeboch war der Warenbezug aus Schweben, Rumänien, Frankreich, Italien unb der Schweiz, aus denen hauptsächlich mehr Rohstoffe eingeführt wurden. Außer den vorgenannten Ländern, mit denen fast durchweg Verrechnungsabkommen bestehen, hat die Einfuhr auch aus Großbritannien und Spanien zugenommen. Gesunken ist in der Hauptsache nur die Einfuhr aus den Niederlanden, Belgien-Luxemburg, der Tschechoslowakei, Litauen und Griechenland. Im Warenverkehr mit Ueberfee war der Einfuhrrückgang gegenüber den USA. mit 135,4 Millionen Mark weitaus am größten. Gestiegen ist die Einfuhr nur aus wenigen Ländern, und zwar in erster Linie aus Brasilien und der Türkei. Die Ausfuhr war im ersten Halbjahr 1935 um rund 6 v. H. geringer als im Vorjahre. Der Abnahme im Warenverkehr mit Europa um 11,6 v. H. tanb dabei eine Zunahme der Ausfuhr nach Heben ee um 13,2 v. H. gegenüber. Der Anteil von Heber» ec am reinen Warenverkehr erhöhte sich dadurch von 22,8 v. H. im ersten Halbjahr 1934 auf 27,5 v. H. im ersten Halbjahr 1935. Innerhalb Europas ist die Ausfuhr verhältnismäßig am stärksten nach Sowjetrußland zurückgegangen (minus 54,4 v. H.). Absolut waren die Abnahmen jeboch im Verkehr mit den Golbblockländern (Nieberlanbe minus 61,8, Frankreich minus 31,4, Schweiz minus 28,8 Mill. Mark) am größten. Diese Abnahmen traten überwiegend im ersten Vierteljahr 1935 ein. Von April bis Juni sind die Rückgänge durchweg geringer, teilweise lag die Ausfuhr im zweiten Vierteljahr über dem Stand des gleiechen Vorjahresabschnittes. Zugenommen hat der Warenabsatz insbesondere nach den ost- und südosteuropäischen Ländern. Im Warenverkehr mit Ueberfee hat die Ausfuhr nach der Mehrzahl der asiatischen Länder zugenommen. Gestiegen ist insbesondere der Absatz nach der Türkei (plus 30,5 v. H.), China (plus 26,1 v. H.)und Bri» tifch-Jndien (plus 8,9 ,v. H.). Auf dem amerikanischen Kontinent hat die Ausfuhr nur nach süd- unb mittelamerikanischen Ländern zugenommen. Besonders erhöht war der Absatz nach Brasilien unb Chile. Rückläufig waren die Bezüge Argentiniens, Uruguays und in Nordamerika der USA und Kanadas. Die Handelsbilanz schließt im ersten Halbjahr 1935 mit einem Einfuhrüberschuß von 164,6 Millionen Mark gegen 214,2 Millionen Mark im ersten Halbjahr 1934 ab. Die Aktivierung (Abnahme des Passiosaldos) wurde im Warenverkehr mit Ueberfee erzielt. Während die Handelsbilanz mit dieser Ländergruppe im ersten Halbjahr 1934 mit 635,5 Millionen Mark passiv war, betrug der Einfuhrüberschuß von Januar bis Juni 1935 nur 308,1 Millionen Mark. Im Warenverkehr mit Europa hat sich der Ausfuhrüberschuß erheblich verringert, der im ersten Vierteljahr vorhandene Passivsaldo ist jedoch verschwunden. Von einer Windhose in den Vhein geschlendert und ertrunken. Worms, 12. Aug. (LPD.) Wie der Polizeibericht meldet, forderte eine Windhose im Anschluß an ein schweres Gewitter, bei dem u. a. in Roxheim einstöckige Notwohnungen zerstört und gefährdete Wohnungen wegen Einsturzgefahr geräumt werden mußten, auch ein Opfer auf dem Rhein. Mit ihren Eltern weilte die siebenjährige Veronika Keßler aus Neckargemünd auf einem zu Berg fahrenden R h e i n k a h n. Sie wurde bei dem Unwetter aus dem Kreise der Freunde mit dem Dach der Schifferhütte emporgeriffen und in den Rhein g e • schleudert. Obwohl ein Schiffer trotz der Gewalt des Wetters dem Kinde nachsprang, konnte dieses den Fluten nicht entrissen werden. Seine Leiche wird noch gesucht. Bei der gleichen Windhose wurden im Ried viele Fenster eingedrückt, Bäume entwurzelt und Lichtleitungen zerstört. Bei Bürstadt ist bas Obst fast restlos abgeschüttelt worben. Wasser auf Obst führt zum Tod. LPD. P f u n g ft a b t, 12. August. Der Schü- ler Walter Steinmetz hatte Pflaumen ge- g e f f e n unb bei dem heißen Wetter kurz darauf Wasser getrunken. Schnell stellten sich starke Schmerzen ein, der Junge wurde sofort nach Darm- stabt ins Krankenhaus transportiert, wo er jedoch trotz aller ärztlicher Kunst unter großen Schmerzen starb. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt bejch lossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a.M. Berlin Jronffurt a. M Berlin Schluß- furd Schluß!. Abend» bärfe Schluß« kurs Schluß». Mittag« hörte Schluß« furd Gchlußk. Abend« börse Schlußkurs Gchlußk. Mittag« Oatum 10.8. 128 10-8 12.8. Datum 10 8 12.8. 10-8 12.8. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1984 6Vi% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablos.-Schuld mit AuSlos.«Rechten ............. 97,5 103 ■11.75 100,4 98 96,5 101 93 128 115,5 96,65 101,25 101,65 97 97 107,3 29 1,45 10,5 10,5 10,5 11,9 97,75 103,25 111.65 100,4 97,75 96,5 101 93 128,5 115,65 96,65 101,13 101,5 97 97 107,3 30 1,45 10,5 10,5 10,65 11,9 101,13 98 111,75 100,4 97,5 । 115,5 101,9 97 97 107,3 30,5 1,5 10,7 10,6 10,7 11,75 101,25 98,13 104 111,75 115,5 101,9 97 97 107,3 31,5 1,7 10,75 10,6 10,8 4% desgl. Serie II ............ 11,75 6,13 8,65 5,2 40,25 16,5 17,75 87,65 119,5 90,5 90 90,25 188 40,75 142,25 119 137 109,25 130,65 142,75 137,65 129,5 185,5 137,5 107,25 114,5 117,5 105,5 175 133,25 102 93,5 11,75 6,25 8,65 5,13 40,5 16,9 18 87,75 119 90,75 90,4 90,4 189,4 42 141,5 119,25 137,75 109 131,75 145 138 129,5 187 137,75 107,9 114,65 117,5 105 175 132,5 101,5 93,5 6,4 8,5 5,2 40,25 16,65 28,25 17,9 87,5 119 90,5 90 90,25 188,25 40,9 141,13 118,9 137 109,25 130,5 144 137,75 129,65 185,75 136,75 107,5 114,75 117,4 105,5 170 133,25 101,75 93,65 6,2 8,7 5,2 40,6 16,65 27,5 18,25 87,5 119,5 90,75 90,25 90,25 189 42 141,65 119 138 109,5 132 145,5 138,4 130,13 186,75 137,75 108 114,5 117,75 105 133 101,5 93,75 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4y,%Rumän.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2^4% Anatolier 41/l% Deutsche Reichspostschatzan. Weisungen von 1934, 1....... Hamburg-Amerika-Paket .....o Hamburg-Südam. Dampfschiff. O Norddeutscher Lloyd .........o A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz, und Privat-Bonk ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................o Dresdner Bank...... o Reichshank ....... n? A.E.G......................o Bekula.................... io Elektr. LieferungSgekellschaft... 6 Licht und Kraft ........... gy, Felten & Guilleaume......... 0 Gesellsch.s.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........ 5 Rhein. Wests. Elektr..........6 SchuckertLCo.......... 4 Siemens & Halske............7 LahmeyerLCo........... 7 6% ehem.8% Hess. BolkSstaat 1929 lrückzahlb. 102%) ............ 4K% ehern. Hessische LandeSbank Darmstadt Gold R. 12....... bVi% ehern. Hess. Landes-Hypo« thekenbank Darmstadt Lioui ... 4ki% ehem. 8% Darmsi. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten *¥t% ehe m.8% Fraists.Hhp.«Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 ifc% ehem. 4y,% Franks. Hyp^ Bank»Ligu.»Pfandbriefe....... 6¥i% ehem. 4y,% Rheinische Hyv.-Bank-Liau.-Goldpfe..... 4y;% ehern. 8% Pr. Landespfand, briefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4H% ehern. 7% Pr. LandeSpfand- vriefanst., Gold Komm. Chi.VI Steuergutich.Berrechnungsk. 85-89 4% Oesterretchtsche Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische ©olbrente ....... Buderus .......... O Deutsche Erd«............... Gelsenkirchener........... 0 Harpener .................. O Hoesch Eisen—Köln-Neueste« .. O Ilse Bergbau ............... 6 Ilse Bergbau Genüsse........8 Klöcknerwerke ............. 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4y,% desgl. von 1918.......... 6% äbgest. Goldmerikaner von 99 4% Türkische Bagdbahn.Anleihe Serie l..................... • Frankfurt a. M. Bersin Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Schlußkurs Gchlußk. Abendbörse Schluß« kurs Schluß!. Mittag» börse 10.August 12. August Amiliche Notierung Geld | Brief Datum 10.8. 12.8 10.8. 12 8- Geld »rief Mansfelder Bergbau......... 8 Kokswerke .............. 6 Phönix Bergbau............. O Rheinische Braunkohlen .....12 Rhetnstahl ................ 8y, Bereinigte Stahlwerke........ 0 Ctavt Minen ...............O Kaliwerke Aschersleben........ 5 Kaliwerke Westeregeln........ 5 Kaliwerke Salzdetfurth..... 7% 3. G. Färben-Industrie ....... 7 Scheideanstalt...............9 Goldschmidt ................O Rütgerswerke ............... 4 MetaUgeiellschaft............. 4 Philipp Holzmann ...........O Zementwerk Heidelberg ......5 Cementwerk Karlstadt......... 4 Schultheis Pa-enhoser ....... 4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O Bemberg...................O Zellstoff Waldhos ............O Zellstoff Aschaffenburg .......O Dessauer Gas ......... 7 Daimler Motoren....... O Deutsche Linoleum ......... 6 Orenstein L Koppel ..........O Westdeutsche Kaufhof.........O Chade................. 0 Accu mu I atoren-Fabrik....... 12 Conti-Gummi .............. 8 Griyner....................q Mm.Urastwerke Höchst 4 Süddeutscher Zuck« ......... fl 117,25 225,25 116,65 87,25 17,9 159,5 240 111 120,5 115 94,65 123 133 63,65 118,25 119,5 90 98,5 157,25 29,5 Ä I 36i! 1 198 118,5 225 116,5 87 18 135,5 159,75 240 112 114,25 133 63,4 118 120 89,5 100,25 160 30,13 286 185 160,75 36,25 101,5 203 117,9 122,4 224,75 116,4 87,13 18 135,13 130,5 199,75 159,5 111 120,75 113,65 ■ 112 63,5 118,25 119,25 90 135,75 98,25 157 88,65 30,13 286,75 160 2 188 118 122,75 225 116,75 87 18 136 130,5 200,25 159,9 112 120,9 114,5 95 112,65 63,25 119,9 89,5 136,75 100,5 159,5 89,13 30,4 286 175,25 160 37,4 20 Buenos Sitte- Brüssel .... Rio de Ian. Sofia..... Kopenhagen Danzig .... London.... HelsingforS. Paris ..... Holland ... Italien .... Japan ..... Ingoilawten Oslo..... Wien...... Lissabon ... Stockholm.. Schweiz ... Spanien... Prag...... Budapest .. Neuyork ... 0,663 41,89 0,139 3,047 54,96 46,93 12,31 5,425 16,415 167,58 20,33 0,724 5,684 61,87 48,95 11,16 63,46 81,12 34,03 10,29 2,479 0,667 41,97 0,141 3,053 55,08 47,03 12,34 5,435 16,455 167,92 20,37 0,726 5,696 61,99 49,05 11,18 63,58 81,28 34,09 10,31 2,'83 Banfnoten. 0,663 41,87 0,139 3,047 54,96 46,93 12,31 5,425 16,415 167,58 20,33 0,724 5,684 61,87 48,95 11,16 63,46 81,14 34,01 10,29 2,478 0,667 41,95 0,141 3,053 55,08 47,03 12,34 5,435 16,455 167,92 20,37 0,726 5,696 61,99 49,05 11,18 63,58 81,30 34,07 10,31 2,482 Berlin,12.August Geld Sriej ~ Amerikanische Noten.............. Belgische Noten.................. Dänische Noten ............... Englische Noten ......... ....... Französische Noten............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, 4 IOC Schilling Rumänische Noten......... ..... Schwedische Noten............... Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Ungarische Rete* ................ 2,43 41,72 54,91 12,275 16,365 167,16 19,46 61,66 63,24 80,91 33,65 2,45 41,88 55,13 12,315 16,425 167,84 19,54 61,90 63,50 81,23 33,79 ltr.187 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Dienstag, (3. August (935 Aus der Provinzialhauptstadt. Himmelblaues Wunder. Als der ältere Herr aus der Tür trat, merkte er zunächst noch gar nichts. Er ging mit gleichgültigen Schritten auf sein Auto zu, wie jemand, der keines, falls mit irgendwelchen Ueberrafchungen rechnet. Sein Auto stand noch genau fo da, wie er es verlassen hatte, die Sonne spiegelte sich im Chrom des Kühlers und lag prall auf den kordbespannten Sitzen des offenen Kabrioletts. Ein gediegenes Kabriolett übrigens, dunkelblau und nicht weniger seriös als fein Begleiter. Der ältere Herr öffnete die Wagentür mit dem gleichmütigsten Gesicht der Welt, er zog ruhig den Zündschlüssel aus der Westentasche und ließ das rote Lämpchen am Armaturenbrett aufglimmen. Und gerade näherte sich sein Zeigefinger dem An- lasferknopf — da fiel sein Blick zur Seite und er sah neben sich auf dem Polster... Wäre dies ein Roman, so stünden jetzt hier die Worte: „Fortsetzung folgt". Denn die Spannung hat einen Höhepunkt erreicht und der Leser fiebert einer sofortigen Lösung entgegen. Wir wollen deshalb von Glück reden, daß es sich hier um eine wahre Kurzgeschichte handelt. Und daher soll denn auch die Fortsetzung aus der Stelle gegeben werden: Der Herr sah eine Puppe neben sich. Eine Puppe, mittelgroß, mit einem himmelblauen Kleid und blondem Lockenhaar, eine Puppe, die vorher ganz bestimmt noch nicht dort gesessen hatte. Der ältere Herr stierte verblüfft. Er zog den Finger vom Anlasser zurück und ließ bann die Hände in den Schoß sinken. Schließlich das Einzige, was ihm in dieser Situation zunächst zu tun übrig blieb. Die Puppe ließ sich durch das Erstaunen des Herrn nicht beeindrucken. Sie starrte geradeaus durch die Windschutzscheibe, als sei ihr Dasein eine ganz selbstverständliche Sache. Ihr Nachbar aber saß da wie vom Donner aerührt und wußte nicht, wieso gerade ihm dieses himmelblaue Wunder zu Teil geworden war. Er konnte beschwören, ganz gewiß niemals den Wunsch geäußert zu haben, man möge ihm eine Kleinmädchenpuppe mit blonden Locken schenken. Er wäre mit einem Autodieb in seinem Wagen fertig geworden oder mit einer Höllenmaschine — aber die richtige Behandlung von blauäugigen Puppen hatte er nie gelernt. So also saß der Herr neben dem lockigen Spielzeug, und beide schwiegen vor sich hin. Wir wollen zugeben, daß die Sachlage eine einzigartige war. Man kann, wenn man zu einem auf der Straße gelassenen Wagen zurückkehrt, allenfalls erwarten, daß irgendjemand irgendetwas, aus dem Auto herausgenommen hat. Aber Der umgekehrte Fall ist eine krasse Außergewöhnlichkeit. Es wäre auch noch angegangen, wenn man dem älteren Herrn eine Kiste Zigarren neben den Schalthebel gestellt hätte ober eine Flasche Rotspon. Was aber sollte ber Seriöse ausgerechnet mit einem Spielzeug anfangen? Ein viersitziges Kabriolett ist boch kein Puppenwagen. Unb boch ließe sich für bie rätselhafte Gabe schließlich ein Beweggrunb finben. Vielleicht ist ihr Spenber ein Philosoph gewesen, ber einmal einen tiefgrünbigen Satz auf feine praktische Brauchbarkeit hin prüfen wollte. Dieser Satz heißt: „3m echten Manne ist ein Kinb versteckt, bas will spielen". Die Puppe auf bem Autositz erscheint bem« nach als ein reizvolles, wenn auch ungewöhnliches Experiment. Jeboch bas Experiment, wenn es überhaupt geplant gewesen sein sollte, mißlang im vorliegenben Fall. Der altere Herr legte anscheinenb in biefem Augenblick keinen Wert barauf, ein echter Mann im Nietzeschen Sinne zu sein. Er faßte vielmehr mit spitzen Fingern bie blaublonbe Puppe unb setzte sie auf den Borbstein. Dann aber gab er energisch Gas unb ecktzog sich allen Weiterungen burch eine hastige Flucht. Vornotizen. _TageskalenberfürDienstag. NSG. „Kraft burch Freube": 19 bis 21 Uhr allgemeine Körperschule auf bem Unioersitätssportplatz, Am Kugelberg; von 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „X 27". — Circus ber 7000: 15.30 unb 20.15 Uhr Vorstellung.___________________________________ Hammelbraten in Gießen. i ! % 2.W %' ■' '//'?-/%?'. - L'', jmoi™ Die Ortsgruppe Gießen ber Vereinigung für koloniale Wiebergewinnung veranstaltete — wie wir gestern berichteten — am Sonntag in bem Steinbruch an ber Harbt ein stark besuchtes Hammelbraten nach afrikanischer Art. Zu ben saftigen Fleischstücken gab es einen tüchtigen Schlag Reis. Unser Bilb zeigt einige alte Afrikaner beim Braten bes Fleisches unb bei ber Kostprobe. (Aufnahme: Bürck, Gießen). Oeutschlandbildheste „Oberheffen — Vogelsbergs und „Das obere Lahntal". Von ber Bürgermeisterei Gießen (Verkehrsamt) wirb uns geschrieben: Der Bunb Deutscher Derkehrsverbänbe hat zwei weitere Deutschlanbbilbhefte für unseren engeren Heimatbezirk (Heft Nr. 116 Oberhessen — Vogelsberg" unb Heft Nr. 149 „Das obere Lahntal"), burch bie Universum-Verlagsanftalt in Berlin herausgegeben. Die 48 Seiten starken Hefte, bie bie Schönheiten unserer Heimat veranschaulichen, gehören nicht nur in bie Sammlung eines {eben Hei- matliebenben, fonbern geben auch Ausflüglern unb Erholungsuchenben manchen schönen Wink. Die Bilbheste, bie für bie Stabt Gießen von bem ftäb- tischen Verkehrsamt, Bergstraße 20 (Zimmer 29), vertrieben werben, finb in ben hiesigen Buchhanb- lungen, sowie im Reisebüro am Selterstor zum Preise von 0,20 Mark erhältlich. Zweites Gastspiel von Otto Gebühr im Gtadttheater Gießen Aus dem Stabtthectterbüro wirb uns geschrieben: Nachbem Anfang Juli ber bekannte unb beliebte Bühnen- unb Filmkünstler Otto Gebühr erstmalig in Gießen zu Gast war unb in ber Rolle bes „Alten Fritz" in bem Schauspiel „Zwischen Abend unb Morgen" von Zbenko von Kraft einen großen Erfolg hatte, sieht ber Sommerspielplan bes Stadt- theaters für Samstag, 17. August, eine Wieder- holung bes Gastspiels von Otto Gebühr in bem gleichen Schauspiel: „Zwischen Abenb unb Morgen" vor. Die Intendanz kommt mit biefem abermaligen Gastspiel vielfach geäußerten Wünschen ber Theaterbesucher entgegen, bie seinerzeit infolge bes ausverkauften Hauses keine Karten mehr erhalten konnten bzw. verreist waren. Mit seinem Berliner Ensemble roifb ber geschätzte Gast abermals bie Besucher mit einem herrlichen Abenb schönen Erlebens beglücken unb bie Episvbe bes großen Königs lebensvoll gestalten, bie ber Dichter Zdenko von Kraft einer reizvollen Novelle entnommen bühnengerecht und mit prächtigem Humor zu gestalten wußte. Dauer bes Gastspiels von 20 bis 22.15 Uhr. Die deutle Rrbeitofront n.5.=6emcinf(haft „Kraft durch freube" Achtung! Hausgehilfinnen! Da bie Versammlungssperre auch für ben Monat August verlängert worben ist, müssen bie Heim- abenbe auch in biefem Monat noch ausfallen. Der nächste Heimabenb kann baher erst am Dienstag, 3. September ftattfinben. Der Zirkus der 7000 hat uns für Mitglieber der Deutschen Arbeitsfront Karten mit 50 v. H. Ermäßigung zur Verfügung gestellt. 1. Platz statt 1,90 nur 1 Mark.; 2. Platz statt 1,50 nur 0,75 Mark. Schlußvorstellung: Mittwoch, 14. August. Omnibusfahrten am Sonntag, 18. August. 1. Fahrt nach Königstein im Taunus (Fahrpreis mit Mittagessen 4 Mark). 2. Fahrt durch Oberhessen (Fahrpreis mit Mittagessen 4,50 Mark). 3. Fahrt ins Lahntal (Fahrpreis mit Mittagessen 4,50 Mark). Meldeschluß für obige Fahrten: Mittwoch, 14. August. Die heidelbergfahrt am 25. August muß wegen zu geringer Beteiligung ausfallen. Betriebswanderwarte Gießen, Heuchelheim, Wlefeck, Lollar. Arn Sonntag, 18. August, wird eine R ad - Wanderung durchgeführt. Wir fahren zunächst nach Grünberg, dort Besichtigung der Stadt unb bes Schwimmbades, Badegelegenheit, dann Rückfahrt durch das Lumdatal nach Climbach, dort ebenfalls Badegelegenheit in dem neuerbauten Schwimmbad. Abfahrt ab Gießen 6.30 Uhr ab Schützenhaus. Rucksackverpflegung. Die Wanderwarte melden bis Donnerstag, 15. dieses Monats, die Anzahl ber Teilnehmer. Es wirb erwartet, baß die Teilnehmerzahl fo groß ist, daß in mehreren Gruppen gefahren werden kann. Schwimmbäder melden. Sämtliche Ortswarte, in deren Bereich Schwimmbäder sind, melden diese umgehend. Gleichzeitig sind mit den Badeverwaltungen die Preise auszumachen, die unseren KdF.-Wandergruppen bei Benutzung eingeräumt werden. Wir bitten um umgehende Meldung an die Geschäftsstelle „Kraft durch Freude", Gießen, Schanzenstrahe 18. willyReicherl-Abend. Heiterkeit triumphiert bei dem großen Bunten Abend mit Willy Reichert und seinen Künstlern am Samstag, 24. August, in Gießen. Sei es für die Theaterfreunde, sei es für den Freund des Kabaretts, für alle werden köstlichste und heitere Gaben gespendet werden. Das Programm ist so gestaltet, oaß alle auf ihre Rechnung kommen werden, ernste Kunst wird mit heiterer abwechseln. Aber allen voran steht der König des Humors Willy Reichert mit seinem köstlichen Humor, der auch das ganze Programm ansagt. Sie werden alle wetteifern, das Publikum in froheste, heiterste Laune zu versetzen, beschwingte, lustige Stunden au schaffen, an die die Besucher noch lange in glückhafter Erinnerung zurückdenken sollen. Rheinfahrt am 14. September. An diesem Tage veranstalten wir unsere zweite diesjährige Rheinfahrt. Die Fahrt geht mit bem Zuge bis Mainz-Kastel, von bort mit bem Schiff nach Rübesheim, in Rübesheim ein längerer Aufenthalt, von Rübesheim mit bem Schiff nach Koblenz, von Koblenz mit ber Bahn nach Gießen. — Fahrpreis einschließlich Mittagessen: 5,50 Mark. Schlußtermin: 1. September. Gießener Wochenmarktpreije. * Gießen, 13. Aug. Auf bem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, bas Psunb 1,50 bis 1,55 Mark, ßanbbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, bas Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 11 bis 12, Wirsing, das Pfund 12 bis 20, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 18 bis 20, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 18 bis 20, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 25 bis 30, (gelb) 25 bis 30, Erbsen 25 bis 30, Tomaten 25 bis 30, Zwiebeln 15 bis 18, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln (neue) 7 Pf., der Zentner 5,50 bis 6 Mark, Frühäpfel, das Pfund 30 bis 40 Pf., Falläpfel 8 bis 12, Pfirsiche 45 bis 55, Brombeeren 45 bis 50, Birnen 15 bis 50, Stachelbeeren 20 bis 35, Pflaumen 20 bis 25, Zwetschen 25 bis 30, Mirabellen 30 bis 35, Reineclauden 30, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 70 bis 80, Blumenkohl, das Stück 10 bis 80, Salat 5 bis 12, Salatgurken 10 bis 20, Einmachgurken 1 bis 5, Endivien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 5 bis 20, Suppengrün 5 bis 8, Radieschen, das Bündel 8 bis 15 $f. * ** Kein Einbahn-Derkehr mehr. Die Provinzialdirektion Oberhessen (Tiefbau) gibt bekannt, daß der Einbahn-Verkehr auf der Provinzial- straßenstrecke Bad-Nauheim—Friedberg wieder auf- gehoben worden ist. ** Eine Gießener Künstlerin an das L a n d e s t h e a t e r Schneidemühl verpflichtet. Man schreibt uns: Frl. Gretl Sael- z e r, die zuletzt mit großem Erfolg am Neuen Schauspielhaus in Wilhelmshaven tätig war, wurde für die kommende Spielzeit 1935/36 für das Fach der 1. Operettensängerin an das Landestheater in Schneidemühl (Grenzmark) verpflichtet. Die junge Künstlerin ist aus der Heermann-Schule in Gießen heroorgegangen. ** Ein guter Landregen fetzte im Laufe der verflossenen Nacht ein und dauerte ununterbrochen bis heute vormittag gegen 9 Uhr an. Nach der wochenlangen starken Hitze brachte dieser ausgiebige Regenfall den Kulturen in Feld und Garten eine vortreffliche Förderung ihres Wachstums, daneben aber .auch eine begrüßenswerte Abkühlung der Temperatur, auf die Mensch und Tier schon seit Wochen mit Sehnsucht gewartet hatten. Hoffentlich werden diesem Regenfall noch einige ausgiebige Niederschläge folgen, damit die Hackfrüchte auf den Aeckern und das Gemüse in den Gärten weitere wachtumsfördernde Feuchtigkeit erhalten. Reisen einst und jetzt. Von Or. Paul Harms. Für manche ist das Plänemachen das Aller- schönste. Sie fangen, wenn die eine Sommerreise noch nicht beendet ist, am liebsten schon an, die nächste in Aussicht zu nehmen. Und für die wird das Pläne- schmieden schwerer Ernst, wenn die gute Jahreszeit kalendermäßig angefangen hat. Dabei ist uns das Reisen doch so leicht gemacht! Tausend Kilometer — eine Tagereise. Und ehedem? Hundert Kilometer Entfernung — das bedeutete zwei Welten, die selten genug miteinander in Berührung tarnen. Als im September 1808 die Mutter des wei- marischen Staatsministers und geheimbten Rats Wolfgang von Goethe starb, da hatte der Sohn sie vor elf Jahren zum letzten Male gesehen. Die Mutter hat ihn während der 33 Jahre, die er bei ihrem Tode in weimarischen Diensten stand, dort überhaupt nicht besucht. Der Sohn die Mutter ein paarmal auf der Durchreise. Dabei standen Mutter und Sohn nicht nur sehr herzlich miteinander, sie lebten auch in guten Verhältnissen. Wenn sie sich gleichwohl so selten gesehen haben, daß uns das auffällt, so muß doch gesagt werden, daß die Zeitgenossen dabei nichts auffälliges fanden. Das Reifen, auch auf Entfernungen, die wir kurz nennen, war eben damals keine Kleinigkeit, und den Zeitgenossen war es durchaus natürlich, daß, wer es nicht nötig hatte, lieber zu Hause blieb. Auch Schiller hat seine schwäbische Heimat in den 25 Jahren, die er nach feiner Flucht vor der landesväterlichen Tyrannei noch gelebt hat, nur ein einziges Mal wiedergesehen! Das Reisen an sich war eben in voreisenbahn- lidjer Zeit alles andere als ein Vergnügen. Wer heute tageslanges Autofahren „anstrengend" findet, der hätte das Reifen mit den Verkehrsmitteln des 18. Jahrhunderts auch lieber bleiben lassen. Die Wagen taugten nicht viel, die Landstraßen noch weniger, dafür aber waren die Ä oft en gesalzen. Schläger — der Großvater des Diplomaten Kurt von Schlözer, der unter Bismarck preußischer Gesandter beim Vatikan war —, berechnete für die Meile einen Dukaten, ein Preis, für den man heute wahrscheinlich bequem von Königsberg nach Konstanz reifen könnte. Natürlich konnte man auch einfacher reifen, als Schlözer, der immerhin „ein Mann von Stande" war. Was aber für jedermann gleich schwer ins Gewicht fiel, war die Unsicherheit ber Landstraßen. Unsicherheit im doppelten Sinne. Wenn die reisende Schauspielergesellschaft im Wilhelm Meister von Räubern überfallen wird, so erscheint uns das als „romantisch". Die Zeitgenossen fanden diese Romantik vermutlich sehr alltäglich, leider! Dazu kam dann die andere Unsicherheit, die ihre Ursache im mangelhaften Zustande der Straßen hatte. Umgeworfen zu werden, war auch etwas alltägliches. Das ist sogar dem Alten Fritzen zugestoßen, der ja nicht zum Vergnügen, sondern in Erfüllung seines Königsberufes viel im Land umherfuhr. Als der an einem heißen Sommertage von seinem Leibkutscher Pfund aus verträumten Betrachtungen heraus in den märkischen Sand geschmissen wurde, hat er nicht schlecht ge» schimpft. Der Kutscher aber, ber sich schon aller« Hand herausnehmen bürste — unb mitunter mehr als gut war — hat patzig erroibert: „Haben Euer Majestät etwa nie eine Schlacht verloren?" Damit war der Fall erledigt, der für die Zeitung von heute eine Sensation ersten Ranges abgegeben hätte. Größere Reisen ohne das zweifelhafte Vergnügen des Umwerfens waren nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Sehr genau sind wir über die Reise unterrichtet, durch die sich Goethes Sohn der Weimarer Stickluft entzog, um in Italien das letzte, aber auch das glücklichste Halbjahr seines kurzen Lebens zu verbringen. Am 1. Mai 1830 sollte die Reise beginnen, das Reisefieber trieb den Kammerherrn August von Goethe aber schon am 22. April, %6 Uhr früh, aus dem Hause. Bis 8 Uhr wartete er bei seinem Begleiter Eckermann auf die Schnellpost. Schon am zweiten Nachmittag daraus waren die Reisenden in Frankfurt. Das hatte vordem doppelt so lange gedauert. Das Wetter war scheußlich, die hastigen Mahlzeiten beim Pferdewechsel widerwärtig, dazu hatte sich August beim Einsteigen in ben Wagen ben Fuß verletzt. So kam er krank in Frankfurt an unb brauchte vier Tage, bevor bie Reise weiter gehen konnte. Der zweite Abschnitt, über Karlsruhe unb Offenburg n-a ch Basel, war bafür um so angenehmer. Das Mittagessen im babischen Lanbstädtchen Bühl kostete 15 Groschen 8 Pfennig für bie Person, unb bafür gab es — ja, es verlohnt sich schon, ben Speisezettel wieberzugeben! — erstens Suppe, bann Rindfleisch mit Senf unb Kresse, banach Spinat mit Eiern, bemnächst Koteletts mit weißen Rüben, hierauf Spargel mit Tunke unb Wurst, nunmehr eine Omelette soufflöe, nachfolgend jungen Hasen, weiter Forellen, endlich Kalbsbraten mit Salat. Der Schluß war aber auch das noch nicht. Es wird uns noch weiter aufgezählt: Mandeln, Bisguit unb Konfekt, Butter unb Käse, Kaffee, ben guten, babischen Tischwein nicht zu vergessen. Man sieht, bas Reisen hatte für unsere Vorfahren boch auch seine angenehmen Seiten. Die Reise von Frankfurt am Main nach Mai - l a n b — im Schnellzug eine Angelegenheit von nicht viel mehr als 14 Stunben — bauerte 14 Tage. Von bort wurde ein Abstecher nach V e - n e b i g gemacht, bann begaben sich bie Reisenben nach Genua. Hier hatte ber etwas miesepetrige Eckermann genug von Italien, er kehrte nach Deutschland) zurück. August Goethe reifte weiter nach Süden; er wollte zunächst über Land nach Spezia, das liegt in der Luftlinie 80 Kilometer von Genua entfernt. Am dritten Tage der Reise fuhr er, der Kühle wegen, nachts um 2 Uhr ab, denn der Sommer war ungewöhnlich heiß unb trocken. August schlief im Wagen, ber Kutscher schlief auf bem Bock. Unb es kam, wie es kommen mußte: ber Wagen warf um, unb August brach bas linke Schlüsselbein. Mit bieser Verletzung hatte er noch ein hübsches Stück zu fahren, ehe er in Spezia einen Arzt zu Rate ziehen konnte. Bis er ganz wieber her- gestellt war, dauerte es gut einen Monat, den er erst in Spezia, dann in Florenz verbrachte. Reifende von damals fanden sich mit derartigen programmmäßigen Zwischenfällen wie mit etwas Selbstverständlichem ab. Und mir9 Wenn der fahrplanmäßige Schnellzug eine halbe Stunde Verspätung hat, fangen wir an zu toben! Zumal, wenn uns dabei ein Anschluß verloren geht und wir irgendwo übernachten müssen, wo das nicht vorgesehen war. Vor hundert Jahren waren die Menschen doch noch geduldiger, unb ber junge Goethe war mit ber erzwungenen Verlangsamung seiner Reise gar nicht einmal so unzufrieden. In bem Brief, worin er dem Vater seinen Unfall meldet, heißt es: „Sie werden aus meinen Blättern ersehen haben, daß ich alles mit frohem Mute betrachtet und in mich ausgenommen habe. Aber zuletzt fühlte ich eine Üeberfättigung. Hierbei erinnerte ich mich eines Wortes von Ihnen; nämlich Sie sagten einmal, als wir von der Reise sprachen: ber Mensch habe nur einen gewissen Grad von Aufnahmevermögen; wenn bieser erfüllt sei, so höre jebes Interesse auf. Wie wahr finb biefe Worte, wenn man reell reift unb nicht, um zu sagen: ich bin auch ba gewesen ... Der Vater hatte bem Sohn bamals Ratschläge gegeben, bie man auch jebem Vergnügungsreisenden von heute mit in den Koffer packen sollte. Reisen, nur um sagen zu können, ich bin hier unb ba und dort gewesen — wie sehr ist das durch die Verkehrsmittel von heute erleichtert worden! Um wieviel ist doch die Gefahr, daß einer am Ende feiner Reife nichts erschaut hat, weil er zuviel sehen wollte, heute gestiegen! Es ist schon wahr: unsere Altvorderen waren viel, viel unbeweglicher als wir es sind. Aber wenn sie sich zu einer Reise entschlossen, bann war bas ein Erlebnis, unb sie hatten etwas bavon. Ihnen war das natürlich, für uns ist das schon eine eigene Kunst geworden: fo zu reifen, daß die Reise zum Erlebnis wird — auch wenn sie nicht gleich rund um den Erdball, ober an ben Norbpol, ober quer burch bie Sahara geht. — „Man muß in ihn verliebt fein", sagt Merian Tornius, ber Verfasser bes Artikels „Sommertage am Chiemsee", und man wird seine Liebe verstehen, wenn man die prächtigen Bilder Hans Scheibes zu diesem Aussatz im neuen Heft der „I l l u st r i r t e n Zeitung Leipzig" sieht. — Ein Bildbericht ..Lappenkinder auf ber Schulbank" von Dr. H. A. Bernatzik bringt entzückenbe Ausnahmen von einer Lappenschule unb ihren kleinen Besuchern, bie neben Lesen, Schreiben unb Rechnen auch alles für ihr späteres Nomadenleben Erforderliche lernen. — „Karger Lohn vom eblen Golb" heißt ein Artikel, in bem an Hand von Bilb unb Text bas Leben manbschurische Golbgräber geschilbert wird. — Der aktuelle Teil, Moden- und Literaturbeilage, schöne Bilder, interessante Texte, beweisen auch für dieses Heft wieder die bekannte Qualität unb Vielseitigkeit der „Jllustrirten Zeitung". "Wohnung sbaiikenimSchiffenber- gertal. Die Baufirma Obermann hat im Schiffenbergertal, am Erdkauterweg beginnend und in östlicher Richtung weiterführend, mit der Errich- tung weiterer Wohnungsbauten begonnen. Es kommen hier ein dreigeschossiges Doppelhaus mit je fünf Zimmern und Zubehör und ein gleiches Wohnhaus mit je vier Zimmern zur Ausführung. ** Beseitigt d i e Scheuklappen. Der Landschaftsbund Volkstum und Heimat teilt mit: Scheuklappen find nur bei wirklich nervösen Pferden und beim Fahren mit mehreren Pferden ver- jchiedenen Eifers von einigem Nutzen, aber auch nur, wenn sie richtig passen, also nicht das Auge fast verdecken, oder vor den Augen hin und her schlottern. (Dadurch wird das Pferd beständig zum Schielen gezwungen und seine Aengstlichkeit nur noch vermehrt.) Scheuklappen wären fast vollkommen überflüssig, wenn alle jungen Pferde von Anfang an ohne Scheuklappen eingefahren würden. Ein Pferd scheut viel schwerer, wenn es einen Gegenstand ganz zu Gesicht bekommt, als wenn es durch eine Klappe am Sehen behindert ist. Außerdem fängt sich in den Scheuledern Staub, Schnee und Wind und dadurch können leicht Augenentzün- düngen, ja sogar Erblindungen entstehen. Daher fort mit den Scheuklappen! ** Gießener Fünfziger auf dem Ho° herodskopf. Am vorigen Sonntag hatte sich die 50er Vereinigung Jahrgang 1878 von Gießen den Hoherodskopf zum Ziel gewählt. Mit zwei Kraftwagen fuhren die 75 Teilnehmer bis Breungeshain, erkletterten den Berg, machten im Klub- Hause Rast; dann ging nach Besteigung des Tauf- steinturmes mit seinem prächtigen Ausblick auf den Vogelsberg und feine Umgebung die Fahrt weiter. v ** D i e August Wanderung des D HC. Gießen führte am Sonntag in den nordöstlichen Teil unserer weiteren Umgebung. Marburg, dessen malerische Lage stets das Entzücken des Wanderfreundes bildet, war der Ausgangspunkt. Durch einen Teil der Stadt und über den am Berghang liegenden Friedhof stieg man hinauf auf allerdings recht sonnigen Feldwegen zur uralten Weinstraße. Prächtige Fernblicke auf Frauenberg, Spiegelslustturm und die im Lahntal liegende Musenstadt, sowie später auf das kuppenreiche Hinterland mit dem turmbekrönten Rimberg belohnten den etwas mühsamen Aufstieg. Nach geraumer Zeit wurde die idyllisch gelegene Dammühle erreicht, wo gerastet wurde. Der Weitermarsch führte über schattige Waldpfade auf einen aussichtsreichen Höhenweg, auf dem eine frische Brise die schier tropische Hitze einigermaßen erträglich machte. So kam man durch die verträumten Dörfchen Hermershausen mit vielen Fachwerkbauten und Allna mit interessanter alter Kirche an der wohl tausendjährigen Eiche vorüber, deren Schatten zu kurzer Rast einlud. Nach einer Kaffeepause in Allna ging es weiter durch Feld und Wald über den Kirchberg, von dessen vor zwei Jahren neu errichtetem Adolf-Hitler-Turm man eine prachtvolle Rundschau genoß, hinunter nach dem schmucken Städtchen Gladenbach, von wo nach einer Schluhrast die Heimfahrt erfolgte. ** Unfall. Der hiesige 76 Jahre alte Schreinermeister Christian Reitz, Asterweg 59, erlitt durch einen unglücklichen Sturz einen Oberschenkelbruch und mußte zur Behandlung in die Klinik gebracht werden. "Sonderfahrten derKöln — Düsseldorfer sind auch für die nächste Zeit wieder vorgesehen, so eine besonders billige Ferienfahrt am Mittwoch, 14. d. M., von Mainz nach den hauptsächlichsten Ausflugsorten bis St. Goar, St. Goarshausen, sowie am Samstagnachmittag eine „Blau- fahpt", bei der ein etwa zweistündiger Aufenthalt in einem bekannten Winzerort vorgesehen ist. In dieser Woche finden noch Mittwochs und Samstags Abendfahrten nach Bingen und zurück statt. Nach Königswinter werden an jedem Montag und Donnerstag 7.45 Uhr ab Mainz preiswerte Zweitage- Fahrten ausgeführt. Man beachte die heutige Anzeige. 1. September: Sporttag des VDR. Bald werden Plakate und Broschüren überall für den Sporttag des BdM. am 1. September werben, denn an diesem Tag wollen wir Mädel zeigen, daß uns unsere Aufgabe und Arbeit in der Jugend des Führers ernst lst und wir fett dem ersten Reichssporttag im September des vorigen Jahres gearbeitet haben. Immer wieder hat uns der Führer das Ziel gezeigt: „Alles, was wir vom Deutschland der Zukunft verlangen, das Mädel und Jungen verlangen wir von Euch! , wir wissen, daß dieses Deutschland der Zukunft einst frei und stolz und groß sein soll, und sein Volk gesund und stark und stolz. Line Generation der Stubenhocker und Leseratten wird nie der Träger eines gesunden, kraftvollen Volkstum werden. 3n unserer Jugend müssen wir Körper und Geist erziehen und kräftigen; stark und fest muß unser Wille werden, widerstände sind dazu da. daß man sie überwindet, nicht vor ihnen kapituliert. In jedem gesunden wenschen liegt soviel Kraft brach, weil sie nicht ausgenüht. nicht geschult und gefördert wird, wir wollen diese Kräfte in unseren wädeln wecken, fördern und stärken. Der wöchentliche Sporttag lockert die Glieder und spannt die Muskeln an, gibt den Mädeln die Freude an der Bewegung; Laufen und Springen und Körperschule in frischer Luft gibt den Mädeln, die zum größten Teil im Berufsleben stehen, den nötigen Ausgleich zu ihrer Arbeit in Büro und Fabrik und lockert die Glieder, die durch schwere Feld- und Landarbeit nur einseitig in Anspruch genommen sind. Hindernislauf und Sport im Gelände läßt die Mädel Schwierigkeiten wie im Spiel überwinden, stärkt ihren Mut und ihre Erfindungsaufgabe, und wer draußen vor einem breiten Graben nicht zurückschreckt, der wird auch im Alltag nicht gleich vor Schwierigkeiten, die sich auftürmen, die Segel streichen. Lustige Staffeln und ernste Wettkämpfe stärken den Gemeinschaftssinn und schließen die Mädel fest zusammen. Lins steht immer im Mittelpunkt unserer Sportarbeit: nicht das ist das Ziel, einzelne Mädel zu Höchstleistungen zu bringen, sondern alle Mädel, eine ganze Mädelgeneration zu erfassen, körperlich zu ertüchtigen. frisch und aufnahmebereit für die geistige Schulung zu machen, die erst erfolgreich einsehen kann, wenn der Körper gesund und kräftig ist. Nicht dem Einzelnen soll unser Sport dienen, wir alle sind nur Glieder in .einer Kelte. Im Volk arbeiten und schaffen wir für das Volk; daß es gesund und stark und stolz werde, ist Aufgabe und Ziel. Wir arbeiten und schaffen. Der I. September soll ein Teil dieser Arbeit zeigen. bekam Lehre? L R. Heinrich Dambmantt, Schotten, an etwa 20 Mitglieder wurde das silberne Abzeichen für 25jährige Mitgliedschaft verliehen. Reichswanderführer Dr. Werner nahm persönlich die Überreichung der Auszeichnungen vor • und hielt wiederum eine mit größtem Beifall aufgenont- mene Rede. Lehrer i. R. Dambmann dankte humorvoll namens der Dekorierten. Launige An« sprachen und Heimatlieder wechselten bei echter herzlicher VHC.-Stimmung miteinander ab. Eine würdige, schöne Feier, die den Reichswanderführer wie auch den Zweigverein Schotten ehrte. Schottener Sommermarkt. y. Schotten, 12. Aug. Wie immer, hatte auch in diesem Jahre der Schottener Sommermarkt seine alte Anziehungskraft bewahrt, wenn auch der Viehauftrieb gegen die Vorkriegsjahre wesentlich zurückgegangen ist. Der Zustrom an Markt- besuchern war außerordentlich stark. Es waren auf dem heutigen Pferde- und Rindviehmarkt aufgetrieben: etwa 25 Stück Jungvieh, 75 Stück Großvieh, darunter viel schönes Vogelsberger Vieh, 50 Pferde und 40 Fohlen. Die Preise waren je nach Qualität sehr verschieden, im allgemeinen wurde das Vieh gut bezahlt. Für Fohlen wurden Preise von 300 bis 400 Mark gezahlt. Der Handel war gut, das Vieh wurde abgesetzt. Sehr groß war auf dem Krämermarkt die Zahl der Stände und Buden, die in der Schloß- und Marktstraße rasch aufgebaut waren und ihre Waren anboten. Mehrer wahre Jakobs fehlten nicht, auch Zigeuner mit Pferdematerial waren vertreten. Schönstes warmes Wetter herrschte. Morgen findet Schweinemarkt, am Mittwoch der übliche große Krämermarkt und das Volksfest statt. Obecheffen. Einweihung einer Kerdinand-Werner-Eiche. CO Schotten, 11. Aua. Im nahen, herrlichen Gierbachtälchen befindet sich die Marienruhe, vom VHC.-Zweigverein Schotten geschaffene schöne Anlage, dicht an den weiten Wäldern; Ruhebänke, überschattet von einer mächtigen Buche. An diesem idyllischen, abseits von allem Verkehr gelegenen Platz befindet sich auch das Ehrenmal, eine Bronceplakette an mächtigen Basaltfelsen angeschmiedet, das der VHC. seinen im Weltkrieg gefallenen DHC.-Brüdern geweiht hat. Eine Eiche hat sich an diesem traulichen Platze von selbst an- gepflanzt und sich schon zu einem starken Stamm entwickelt. Diesen jungen Baum hat der B H C. - Z w e i g - verein Schotten dem Reichswanderführer und VHC.-Bruder Professor Dr. Ferdinand Werner gewidmet und gestern in einer außerordentlich stimmungsvollen Feier geweiht. Diele Wanderbrü- der und -schwestern hatten sich von Nah und Fern zu der schlichten, schönen Feier eingefunden, u. a. der Vorsitzende des Gesamt - VHC. Dr. Bruch- Häuser (Ulrichstein), Ludwig D e r n (Offenbach), Apotheker Donath (Goddelau), Fritz G e i b e (Friedberg), Apotheker Deesenmeyer (Gedern). Etwa hundert Teilnehmer hatten sich nach einem gemeinsamen Marsch über die Warte, wo man das neue Ehrenmal, das Gefallenen-Denkmal der Stadt bewunderte, zur Feier begeben. Der Vorsitzende des Zweigvereins Schotten, Apotheker S c r i b a, begrüßte alle Erschienenen, insbesondere den Reichs- wanderführer Professor Dr. Ferdinand Werner. Er erinnerte an die reiche Arbeit, die Dr. Werner von jeher im Kampf für deutsches Volkstum und für die Erneuerung des Reiches auch oben im Vogelsberg geleistet habe. Aus Dankbarkeit habe der VHC. Schotten an diesem landschaftlich schönen Platze diese Eiche seinem treuen Freund und Förderer gewidmet. Einst habe an dieser Stelle ein uraltes Dorf gestanden, das im 16. Jahrhundert ausgestorben und untergegangen sei. Die Werner • Eiche solle dem kommenden Geschlecht künden von der Arbeit unseres lieben Reichswanderführers. Die Ansprache klang aus in ein freudig aufgenommenes Sieg- Heil auf den Führer, auf Volk und Reichswander- führer. Das Deutschlandlied und das Horst-Wessel- Lied wurden begeistert gesungen. Apotheker S c r i • b a übergab die Werner-Eiche in den Schutz der Stadt Schotten, auf deren Boden sie stehe. Bürgermeister Menge! entbot Professor Dr. Werner, dem Ehrenbürger der Stadt Schotten, den Willkommgruß und nahm die Eiche in die Obhut und Pflege der Stadt. Er regte bei dem VHC. die Schaffung eines neuen Wanderpfades an, der rund um Schotten an alle herrlichen Plätze und landschaftlich so schönen Punkte, auch an die Marienruhe und Werner-Eiche, führe. Reichswanderführer Prof. Dr. Werner sprach dann in tiefinnerlichen, zu Herzen gehenden Worten seinen aufrichtigen Dank für diese finnige Ehrung aus. An die politische Kampfzeit, an all die schönen Stunden, die Wanderfahrten in den Vogelsberg, besonders auf unseren Hoherodskopf, an die viele, aufrichtige Freundschaft, die er im Vogelsberg gefunden habe, werde er bei dieser Feier wieder erinnert. Wenn keiner von uns allen mehr unter den Lebenden weile, in 100 Jahren werde der Bau noch künden von der Arbeit, die die Wandervereine für Heimat und Volkstum geleistet haben. Die Linde == der Baum des deutschen Gemüts, die Buche = der Baum des deutschen Glaubens, die Eiche ™ der Baum des deutschen Willens, sie alle würden davon Kunde geben. Der deutschen Heimat galt das herzliche „Frisch Auf". Begeistert über die schöne, inhaltsreiche Rede Dr. Werners dankten die Zuhörer. Man lagerte sich dann an dem schönen Platze und nahm einen kleinen Imbiß ein. Schöne, alte Heimatlieder erklangen in das abendliche Tal. Bei Einbruch der Dunkelheit zog man nach Schotten zurück und versammelte sich im „Hessischen Haus" zu einem gemütlichen Beisammensein. Hier wurde die Ehrung der alten Mitglieder des Zweigvereins Schotten vorgenommen. Das goldene Abzeichen für 50jährige Mitgliedschaft Jtege Bautätigkeit in Alsfeld. I Alsfeld, 12. August. Während in diesem Jahre in den Landorten des Kreises Alsfeld dis Bautätigkeit im allgemeinen nicht sehr stark ist, ist in der Stadt Alsfeld eine rege Bautätigkeit festzustellen. Die Alsfelder Baugenossenschaft, die im vorigen Jahre erstmalig 6 Wohnhäuser erbaute, errichtet im Baujahr 1935 auf dem von ihr erworbenen Gelände in der Hochstraße 10 Wohnhäuser mit 20 Wohnungen. Die im Rohbau vollendeten stattlichen Häuser bilden in ihrer städtebaulich sehr gut wirkenden Anordnung als geschlossene Kolonie eine wertvolle Bereicherung des Stadtbildes. Von privaten Bauherren werden in diesem Jahre 7 Einfamilienhäuser errichtet. Die Provinz Oberhessen beginnt in den nächsten Tagen mit der Erbauung eines neuen Schalthauses für das Ueberlandwerk Oberheffen, das an der Schwa- benröderstraße erstellt wird. Ferner wurde kürzlich die neue katholische Kapelle in der Schellengafse fertiggestellt, sowie der Erweiterungsbau der bäuerlichen Werkschule. Die in diesem Jahre weiter vorgesehene Errichtung von 10 Siedlungshäusern durch die Gewobag (Gemeinnützige Eigenheim, Spar- und Wohnungsbau-Aktiengesellschaft in Frankfurt a. M.) im Anschluß an die Alfred Klostermann-Siedlung in der Rambach mußte für dieses Jahr infolge Verzögerungen bet Erledigung der Vorarbeiten zurückgestellt werden. Mit der Durchführung des Wohnungsbauprogramms im Jahr 1935, das vom Standpunkt der Arbeitsbeschaffung sehr begrüßenswert ist und das deshalb auch von der Stadtverwaltung tatkräftig gefördert wurde, dürfte die starke Nachfrage nach Wohnungen in der Stadt Alsfeld, die durch die verschiedenen neuerrichteten Aemter hervorgerufen worden war, zum größten Teil behoben fein. Brand durch Blitzschlag. * Wahlen (Kreis Alsfeld), 12. Aug. Bei einem Gewitter, das unserer Gegend den langersehnten Regen brachte, schlug derBlitzindieScheune des Landwirts August Dietz von hier ein und zündete. Dem rasch um sich greifenden Feuer fielen die Scheune und die Stallungen, ferner mehrere Wagen mit Getreide und wertvolle landwirtschaftliche Maschinen zum Wir sanden zueinander. Vornan von Klothilde v. Gtegmann Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Derlag Halle (S.) 26 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Nachdenklich legte Dietrich den Hörer hin. Die Nachricht über Karla und Langgisser war eine warme Freude für ihn. Er hatte es schon lange zu spüren geglaubt, daß Karla für Langgisser etwas übrig hatte. Aber er hatte nie an diese Dinge zu rühren gewagt. Er wußte ja, wie Karla sich ob ihrer kleinen Entstellung minderwertig und von ieber Liebe ausgeschlossen fühlte. Gott sei Dank, daß es Doktor Langgisser, diesem feinen, charaktervollen Manne, gelungen war, sie von dieser krankhaften Idee zu erlösen! Die beiden würden zueinander passen; sie würden glücklich sein — ja, sie waren es schon. Er aber? Für ihn gab es kein Glück! Die Freunde konnten sagen und tun, was sie wollten; sie konnten ja Marlens Charakter nicht umändern. Eine Frau, die um äußeren Glanzes willen einen Mann heiratete, konnte er nicht lieben. Dennoch wollte er hören, was ihm Karla und Langgisser zu sagen hatten, das verlangte die Gerechtigkeit. Aber eine leise Stimme in ihm sprach: Täusche dich nicht, du selbst wünschest ja, daß Marlen entsüynt vor dir steht! Du selbst fieberst ja mit allen Sinnen danach, sie lieben zu dürfen! Der Diener war sehr erstaunt, als Veltheim seine Anordnungen wieder änderte. Er befahl, außer dem kleinen Koffer, den er für Berlin brauchte, den großen Schrankkoffer herauszuholen, da er eine längere Reise beabsichtigte. Dietrich verbrachte eine schlaflose Nacht — es war noch sehr viel zu tun und zu ordnen, ehe er an die Abreise denken konnte. Bis ftühmorgens um drei Uhr brannte die Lampe auf feinem Schreibtisch. Dann hatte er die nötigsten Dinge erledigt. Für ein paar Stunden legte er sich hin, stellte aber den Wecker auf sieben Uhr. Bereits um acht Uhr hatte er seine Beamten zu einer Be- sprechung zusammengebeten. Endlich, mittags um zwölf Uhr, saß er müde, abgespannt, im Zuge nach Dresden, um von dort den Anschluß nach Berlin zu erreichen. Würde er Marlen finden? Er hatte ja nie mehr mit ihr direkt korrespondiert, sondern nur durch feinen Sachwalter, Herrn Justizrat Niemann. 20. Kapitel. Der Lokalzug von Station Veltheim kam zwei Stunden vor der Abfahrt des D-Zuges Dresden— Berlin an. Dietrich schlenderte in der Mittagsstunde ein wenig durch die heitere, elegante Stadt, um sich dann zum Mittagessen aus der Brühlschen Terrasse niederzulassen. Als er nach dem Essen dem Bahnhof zuwanderte, kaufte er in ein paar Geschäften noch ein paar Kleinigkeiten. Gerade wie er aus einem Laden trat, stand er plötzlich seiner Kusine und ehemaligen Braut Jutta von Bergfelde gegenüber. Er konnte ihr nicht mehr ausweichen. Sie hatte ihn bereits gesehen. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als den Hut zu ziehen und auf sie zuzugehen. Jutta von Bergeide reichte ihm, scheinbar völlig unbefangen, bte Hand zur Begrüßung. „Ah, guten Tag, lieber Detter! Man hat ja überhaupt nichts mehr von dir gehört seit deiner Heirat. Noch nachträglich meinen herzlichsten Glückwunsch." „Vielen Dank!" sagte er steif. „Darf ich mich nach dem Befinden deiner Mutter erkundigen?" „O danke, es geht ihr ganz gut! Wir sind im Begriff, zu Verwandten aufs Gut zu reifen. Du kannst mir auch gratulieren. Ich habe mich mit Direktor Mellenthin verlobt. Du weißt, Direktor Mellenthin von den Vereinigten Cra-Werken, Dresden." „Direktor Mellenthin?" Dietrich dachte nach. Ach, das war doch dieser reiche, aber ältliche Großindustrielle, den er einmal bei Juttas Mutter kennengelernt hatte, ein unangenehmer, lärmender Emporkömmling, aber, wie man sagte, Millionär. Und der war fein Nachfolger? Nun, gottlob, daß er selbst Jutta zur rechten Zeit erkannt hatte. Eine Ehe mit Jutta wäre vielleicht noch schlimmer gewesen als diese Formehe mit Marlen. „Nun, dann wünsche ich dir alles Gute, Jutta! Du hast also dein Ziel erreicht: einen Mann, der dir alle Schätze zu Füßen legen kann. Hoffentlich wirst du in dieser Ehe recht glücklich!" Jutta spürte den Spott in Dietrichs Worten wohl. Das liebenswürdige Lächeln um ihren Mund wurde krampfhaft. In ihren Augen glitzerte es: „Ich danke dir für deine guten Wünsche, lieber Vetter! Sicher werde ich mit meinem Zukünftigen sehr glücklich sein. Darf ich übrigens fragen, was deine Gattin macht?" „Ich danke! Es geht ihr gut!" antwortete Dietrich steif. Jutta lächelte noch boshafter: „Sie ist wohl auf Schloß Veltheim?" „Nein!" Es kam hart. In Juttas Augen glitzerte Bosheit und Rachsucht: „Glaube ich freilich, daß es ihr gut geht. Ich habe sie nämlich vor einiger Zeit gesehen. Unter uns gesagt, lieber Vetter, ich würde an deiner Stelle deine Frau nicht so allein in der Weltge- schichte herumreisen lassen. Es gibt vielleicht Män- ner, mit denen sie sich tröstet." Dietrich wurde bleich. „Was willst du damit sagen?" fragte er. Jutta zuckte die Schultemr „Ach, lieber Gott, nichts Besonderes. Es ist ja jetzt modern, daß jeder Mensch das tut, was ihm paßt, und nicht viel Rücksichten nimmt. Aber daß eine Frau, die deinen Namen trägt, mit einem fremden Herrn in einem Hotel zusammen Woh- nung nimmt, das ist ja nun ein bißchen reichlich." * „Jutta!" Dietrich faßte Jutta hart am Hand- gelenk. Blitzschnell entwand sie sich ihm: „Willst du hier auf offener Straße eine Szene machen? Dann such dir bitte einen anderen aus, vielleicht deine Frau, wenn du Lust hast, deinen Zorn an jemanden ausaulaffen. Aber schließlich, was geht's mich an? Vielleicht hat deine Frau ganz recht, daß sie tut, was i h r gefällt! Wenn sich ein Mann nicht um einen kümmert, dann darf er sich nicht wundern, wenn man feine eigenen Wege geht." Dietrich zwang sich eifern zur Ruhe. Wenn das alles kein leeres Geschwätz von Jutta war, bann mußte er wissen, wo und wann sie Marlen gesehen hatte. „Wenn du nicht willst, daß ich dich für eine erbärmliche Lügnerin halte, bann wirst bu mir jetzt Zeit, Stunde und Ort deiner angeblichen Begegnung mit Marlen nennen." Jutta lächelte höhnisch. Sie hatte Dietrich getroffen: „Du brauchst gar nicht so große Worte zu reden; ich will es dir gern sagen. Ich besinne mich ganz genau. Ich war an dem Tage nämlich mit einer efreurtbeten Familie in Berlin. Es war, warte mal, der achtzehnte August." „An diesem Tage willst bu Marlen mit einem fremden Herrn in Berlin gesehen haben?" „Jawohl, lieber Detter!^ „Du willst gesehen haben, daß sie mit einem fremden Herrn in ein Hotel hineinaing?" „Nicht nur hineinging, ich habe deutlich gehört, wie der junge Mann am Auto zu ihr sagte: Ich will nur hereingehen und für uns Zimmer bestellen. Frag doch einmal im Hotel Mesthosi nach — man mutz ja bas Fremdenbuch noch haben." Eine tiefe Falte stand auf Dietrichs Stirn. „Ich werde nachfragen. Und wehe dir, wenn du Marlen schuldlos verdächtigt hast!" Da lachte Jutta auf: „Warum erregst bu dich so? Ich benfe, das war nur eine Formehe zwischen euch beiden? Oder bist du vielleicht in deine sogenannte Frau verliebt? Nun, ich glaube, lieber Detter, da kommst du zu spät." Sie wandte sich um und ging. Noch einmal sah er ihren braunen Mantel und das kleine, braune Hütchen in der Menge austauchen. Dann war sie seinen Blicken entschwunden. Die Reise von Dresden nach Berlin verbrachte Dietrich wie in einem dumpfen Traum. Er sah nichts von dem oorüberfliegenben Lande. Er hörte nicyt dis Gespräche der Mitreisenden. Die Stationen gingen ohne Bewußtsein an ihm vorüber. In seinem Hirn war nur das eine: Marlen betrog ihn. Marlen liebte einen anderen und schämte sich nicht, sich öffentlich zu ihm zu bekennen. Aber nun war es genug — übergenug. Das Testament Tante Albertas hatte ihn nur zwingen können, sich zu verheiraten. Es konnte ihm aber nicht verbieten, sich von Marlen scheiden zu lassen. Warum hatte er daran nicht schon längst gedacht? Ja, er wollte ein Ende machen. Solange Marlen seinen Namen führte, war er nicht sicher, was aus diesem Namen werden würde. In Berlin angelangt, rief Dietrich sofort Justizrat Niemann an. Aber der konnte ihm auch nichts weiter sagen, als daß er sämtliche Briefe an Marlen postlagernd gesandt hätte. Er riet Dietrich, auf dem Einwohnermeldeamt nach Marlens Aufenthalt zu fragen, dort müßte sie ja an- ober abgemeldet sein. Dietrich sah ein, es würde ihm nichts anderes übrigbleiben, obwohl es ihm aufs heftigste widerstand. Was sollten die Beamten denken, wenn er sich nach dem Aufenthalt seiner eigenen Frau erkundigte? Und ein viel schlimmerer Weg war ja noch zu gehen — in bas Hotel, in dem nach Juttas Aussage Marlen mit jenem Unbekannten abgestiegen war. Am liebsten wäre Dietrich umgekehrt, als er nun vor dem großen Hotel stand. Aber er mußte Gewißheit haben. Wenn Marlen ihr Versprechen brach und auf feinen Namen keine Rücksicht nahm, dann blieb nur die Scheidung. Der Portter hinter der Hotelschranke verbeugte sich höflich, als der hochgewachsene vornehme Herr auf ihn zukam. ,,©raf Veltheim!" sagte Dietrich. „Ach bitte, ich möchte wissen, ob am achtzehnten August eine Verwandte von mir, Gräfin Marlen Veltheim, bei Ihnen abgestiegen ist? Es handelt sich um eine geschäftliche Angelegenheit, im Interesse der Dame." Der Portter schlug in seinem Fremdenbuch nach. „Am Achtzehnten? Nein, Herr Gras, eine Gräfin Marien Veltheim hatten wir nicht unter unseren Gästen!" Er sah nochmals die Spalten durch. „Hier steht zwar der Vorname Marlen; aber es handelt sich um ein Fräulein Marlen Korda. Sie war hier mit einem Herrn —" „Dante!" Es kam sehr schroff. Der Portter sah ganz erstaunt aus, als Dietrich Veltheim jetzt ohne ein weiteres Wort bas Hotel verließ. Was hatte benn nur der Herr? Er hatte ja plötzlich so zornig ausgesehen? War vielleicht etwas mir diesem Fräulein Marlen Korda und ihrem Bruder nicht in Ordnung? Aber das war doch ganz unmöglich — man war doch durch den jahrelangen Beruf Menschenkenner geworden. Das Fräulein Korda und ihr Bruder, das waren tadellose Leute, daran war nicht zu zweifeln. (Fortsetzung folgtt) Opfer. Wegen Wassermangels konnten die Feuerwehren die Bekämpfung des Brandes nicht so wirksam durchführen, wie sie es gern getan hätten. Der Brandschaden ist groß. Ein weiteres Brandunglück. V Burg-Gemünden (Kr. Alsfeld), 12.Aug. Heute mittag gegen 11 Uhr brach in dem Anwesen des Bürgermeisters und Landwirts Heinrich Hermann Feuer aus, das sich infolge der großen Trockenheit mit rasender Schnelligkeit ausbreitete. Trotzdem die Feuerwehr rasch zur Stelle war, brannten die Scheune und der anschließende Stall bis auf die Grundmauern nieder. Nur dem tatkräftigen Zugreisen der Feuerwehr Burg- Gemünden, der Freiwilligen Feuerwehr Nieder- Gemünden, die mittels ihrer gut funktionierenden Motorspritze rasch zur Stelle war, und der Feuer- wehr Bleidenrod gelang es, das Wohnhaus, sowie das in höchster Gefahr stehende Wohnhaus des Wagnermeister Sann zu retten. Beide Gebäude haben aber durch die Löscharbeiten stark gelit- t e n. Die gesamte Heuernte, sowie die Frucht- ernte, die nicht gedroschen war, wurden vernichtet. Auch ein großer Teil totes Inventar wurde ein Raub der Flammen. Das Vieh konnte gerettet werden. Neber die Brandursache herrscht zur Zeit noch vollkommen Unklarheit. Besonders lobenswert war auch die Hilfe der Arbeitsdienstabteilung Burg-Gemünden, die rasch zur Stelle war und überall, wo es galt, wacker zugriff. Die Brandgeschädigten sind versichert. Landkreis Gießen. * Heuchelheim, 13. Aug. Frau Helene Rinn, geb Siegfried, Heuchelheim, Brauhausstraße, kann am morgigen Mittwoch, 14. August, in voller geistiger und körperlicher Frische ihren 8 3. Geburtstag begehen. Mit regem Interesse liest sie noch jeden Tage den „Gießener Anzeiger". § Mainzlar, 12. Aug. Die hiesige evangelische Frauenhilfe unternahm bei zahlreicher Beteiligung am Sonntag unter Führung von Pfarrer G u ß m a n n einen Ausflug nach Darmstadt und Nieder-Ramstadt. Bei herrlichem Wetter ging die Fahrt im Omnibus über Gießen — Butzbach — Bad-Nauheim — Frankfurt, von dort aus auf der Reichsautobahn, die die Bewunderung aller Fahrtteilnehmer auslöste, bis Darmstadt. Dort wurde zunächst das Diakonissenhaus Elisabethenstift aufgesucht, dann unter sachkundiger Führung verschiedene Sehenswürdigkeiten Darmstadts, wie die russische Kapelle, der Hochzeitsturm, der Große Woog u. a. besichtigt. Sodann wurde noch das neue Krankenhaus des Elisabethenstifts angesehen und dann die Weiterfahrt nach Nieder-Ramstadt angetreten. Das Ziel war das Frauenerholungsheim bei Nieder- Ramstadt. Die Rückfahrt erfolgte gegen Abend, wobei in Darmstadt noch der Gartenbauausstellung ein Besuch abgestattet wurde. wg. Großen-Buseck, 12. Aug. Das Ehepaar Apotheker Karl Manns und Frau Margarethe, wohnhaft Kaiserstraße, konnte dieser Tage das Fest der Silbernen Hochzeit feiern. — An der hiesigen Fahrkartenausgabe wurde dieser Tage eine Brieftasche mit einem ansehnlichen Geldbetrag gefunden. Ein Fahrgast, der mit seiner Frau am Freitagabend nach Hamburg fuhr und am anderen Tage nach Rostock reisen wollte, hatte die Tasche beim Lösen der Fahrkarte am Schalter liegen lassen. Der Fund wurde am anderen Morgen von Beamten des hiesigen Bahnhofs nachgeschickt. * Beuern, 12. Aug. Die Witwe Katherina B e l l o f von hier, die sich kürzlich eine F u ß - Verletzung zuzog, mußte nunmehr in die Klinik nach Gießen gebracht werden, da sich eine schlimme Infektion eingestellt hatte. Der Zustand der bedauernswerten Frau ist nicht unbedenklich. ■ Hausen bei Gießen, 12. Aug. Der vergangene Sonntag gestaltete sich für die Gemeinde Hausen zu einem rechten Festtag. Besuchten doch 50 Mitglieder der Gemeinde Ehringshausen (Kreis Alsfeld) ihren einstigen Seelsorger Pfarrer Steiner (Hausen), der von 1915 vis 1927 Pfarrer in Ehringshausen war. Zugleich war dieser Besuch ein Gegenbesuch, der dem hiesigen Frauenchor abgestattet wurde. Der Frauenchor Hausen hatte vor zwei Jahren in Ehringshausen herzlichste Gastaufnahme finden dürfen, seitdem war der Gegenbesuch geplant. Am Morgen kamen die Gäste und wurden im Wald am Dorfeingang vom Frauenchor mit dem Liede „Gott grüße dich" be- willkommt. Hierauf besuchten die Gäste den Gottesdienst, um dann zum Mittagessen in die einzelnen Häuser zu gehen. Um 13.30 Uhr war gemeinsamer Gang auf den Schiffenberg zum gemütlichen Beisammensein an diesem schönen Orte der Heimat. Pfarrer Steiner begrüßte die Gäste und dankte im besonderen Lehrer Häuser von Ehringshausen für die Bemühungen, die er sich um das Zustandekommen des Besuches gemacht batte. Der Chor erfreute aus dem reichen Schatz seines Könnens mit den verschiedensten Liedern. Untyr der musikkundigen Leitung seines Dirigenten Karl Sommer gab der Chor wieder sein Bestes. Das Zusammensein gestaltete sich so herzlich und schön, daß unter beiherseitiger freudiger Zustimmung beschlossen wurde, daß die Gäste statt bereits um 17 Uhr, wie ursprüngli chvoraesehen war, erst am Abend heimfahren sollten. Gegen Schluß des Zusammenseins auf dem Schiffenberg ergriff Heinrich Pfeifer (Hausen) noch das Wort, um allen Beteiligten herzlichen Dank auszusprechen. Zum Kaffee und Vesperbrot waren die Gäste dann wieder bei ihren Gastgebern in den einzelnen Häusern. Am Bahnhof Schiffenberg vereinigte man sich zur Abfahrt des Zuges. Lehrer Häuser (Ehringshausen) Übermittelte in einer herzlichen Ansprache den Dank der Gäste an ihre Gastgeber, der Chor sang noch ein Abschiedslied, und als der Zug abfuhr, da sagte das Abschiedswinken herüber und hinüber, daß die freundschaftlichen Beziehungen, die sich zwischen den beiden Dörfern Ehringshausen und Hausen angebahnt haben, auch weiter fortbestehen möchten. (X) Eberstadt, 12. Aug. Am Sonntag unternahm der hiesige Turnverein mit seinen Schülern eine Wanderung, die unter der Leitung von Ph. Herbert stand. Die Wanderung führte zunächst durch den Klosterwald. Hier fand die Jugend Gelegenheit zu einem schönen Geländespiel. Nach einer Rast, während der auch abgekocht wurde, wanderte man bei frohem Gesang weiter nach Kloster Arnsburg, um dort an der Veranstaltung der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" teilzunehmen. Die Turnerjugend verlebte auf dieser Wanderung einige sehr unterhaltsame Stunden. D Li ch, 12. Aug. Auf Einladung des Vereins für Rasenspiele Li ch gab ein Zug der Arbeitsdienst- Abtei lung3/223Burg- Gemünden am Samstagabend in Steins Saalbau einen Kameradschaftsabend, zu dem sich die Einwohner unserer Stadt recht zahlreich eingefunden hatten. Schneidig vorgetragene Märsche der Musikkapelle Schmidt leiteten den Abend ein. Unterfeldmeister Birken stock vom Arbeitsdienst- laoer Burg-Gemünden hieß die vielen Gäste herzlich willkommen und sprach seinen Dank aus an alle, die den Abend ermöglicht und sich zur Mitwirkung bereiterklärt hatten. Er dankte auch im besonderen den Quartiergebern für ihre Gastfreundschaft und sprach dann über die beiden Hauptaufgaben des deutschen Arbeitsdienstes, daran mitzuarbeiten, daß unser Vaterland auf dem Gebiet der Ernährung unabhängig vom Ausland wird und die jungen Arbeitsdienstleute zu tüchttgen Gliedern der wahren Volksgemeinschaft au erziehen. In sei- nen Vorführungen zeigte der Arbeitsdienst sodann, auf welche Weise Körper und Geist in dem Arbeitsdienstlager ausgebildet werden. Die dargebotenen Uebungen legten Zeugnis davon ab, welch gründliche Arbeit an den jungen Menschen geleistet wird. Neben der körperlichen Ausbildung wird auch der geistigen Schulung genügend Zeit gewidmet. Dies bewiesen die mustergültig vorgetragenen Gedichte. Die Sängervereinigung „Cäcilia" trug unter Leitung von Chormeister Ernst I l g e in trefflicher Weise als ersten Chor „Deutschland, heilger Name" von Baußnern vor und sang im Laufe des Abends noch einige schöne Volks- und Soldatenlieder, Kompositionen von Gellert, Isenmann und Sttlz. Un- ermüdlich spielte zwischendurch die Kapelle Schmidt gute Konzertstücke. Für den Verein für Rasenspiele sprach dessen zweiter Vereinsführer Karl Kurz allen Mitwirkenden und den auswärttgen Gästen herzlichen Dank aus und warb für den Gehanken des deutschen Sportes. Bei Tanz und Gesang blieben die Teilnehmer am Kameradschastsaoend noch lange beisammen. Am Sonntagnachmittag trafen sich die Mitglieder des Vereins für Rasenspiele mit den Kameraden vom Arbeitsdienst auf dem Sportplatz zu einem Freundschafts-Trainingsspiel. * Langsdorf, 13. Aug. Der hiesige Metzgermeister Philipp Bender III., ein gebürtiger Langsdorfer, kann am Donnerstag, 15. Aug., auf das 25jährige Bestehen seiner Metz- gerei am Bahnhof zurückblicken. Phil. Bender III. erlernte in Laubach das Metzgerhandwerk, war dann in Bad-Nauheim und in Wiesbaden tätig, arbeitete ferner fünf Jahre als Gehilfe in der Wurstfabrik Meister in Gießen und gründete im Jahre 1910 hier sein eigenes Ge chäft. Er erfreut sich allen Vertrauens seiner Kund chast. Herr Bender ist seit 25 Jahren treuer Le er des Gießener Anzeigers. > Queckborn, 12. Aug. Ende her vergangenen Woche wurde hier mit der G r u m m e t e r n t e begonnen. Das Gras steht verhältnismäßig dünn. Nur auf feuchten Wiesen ist der Ertrag etwas besser. — Ein hiesiger Landwirt kam beim Dreschen in seiner Scheuer der Strohpresse etwas zu nahe und zog sich dabei eine erhebliche Kopfwunde zu. Der Verunglückte mußte sich nach erster Hilfeleistung in ärztliche Behandlung begeben. 3n5 Stunden von Frankfurt nach Berlin. Probefahrt des »Fliegenden Frankfurter". LPD. Frankfurt a. M., 12. August. Zu den bisherigen Schnelltriebwagen, die die wichtigsten Handels- und Industriestädte Deutschlands mit der Reichshauptstadt verbinden, dem „Fliegenden Hamburger" und dem „Fliegenden Kölner" tritt als Dritter am 15. August der „Fliegende Frankfurter" hinzu, der FDt. 571/572, wie er bahn- technisch bezeichnet wird. Der neue, aus zwei Zugeinheilen bestehende Schnellkriebwagen trat am Montag früh 6.40 Uhr vom Frankfurter Hauptbahnhof aus feine erste Probefahrt nach Berlin an, wo er um 11.46 Uhr eintraf. Auf Einladung der Deutschen Reichsbahnhauptverwaltung nahmen an dieser Fahrt Vertreter der deutschen und der ausländischen Presse teil. In dem hügligen und kurvenreichen Gelände zwiscken Frankfurt a. M. und Erfurt mußte Der Wagen noch mit verhaltener Kraft bis zu 130 Kilometer fahren. Erst nach Erfurt konnte er die Geschwindigkeit auf 160 Kilometer und kurz hinter Bitterfeld vorübergehend sogar auf 170 Kilometer steigern. Im Zuge wird diese ungeheure Schnelligkeit kaum wahrgenommen; um so mehr aber wirkt sie auf diejenigen, die den Zug an sich vorüberfahren lassen. 160 Kilometer Slundengeschwindigkeit bedeuten, daß der 44 Meter lange Zug in genau einer Sekunde an dem Beobachter vorbeirast. Für die Sicherung der Strecke sind selbstverständlich besondere Vorsichtsmaßnahmen notwendig geworden, u. a. mußten die Signalvorschriften geändert werden. Neben der üblichen Luftdruckbremse besitzt der Zug eine Magnet-Schienenbremse, die mit einer Kraft von 10 000 Kilogramm wirkt. Die Inneneinrichtung des Zuges, der für 7 7 Fahrgäste Platz bietet, hat gegenüber den bisherigen Schnelltriebwagen noch einige Verbesserungen erfahren. Die Fahrtdauer zwischen Frankfurt a. M. und Berlin ist gegenüber den günstigen FD- Zügen noch um etwa ein Fünftel verbessert worden. Während die D-Aüge für die Strecke bisher rund 8 Stunden, der beste FD-Zug 6 Stunden 22 Minuten brauchte, benötigte der ADt. nur 5 Stunden 6 Minuten. Die Rückfahrt von Berlin erfolgt 18.24 Uhr, die Ankunft in Frankfurt a. M. um 23.29 Uhr. Der Fahrpreis ist der gleiche wie im FD-Zug 2. Klaffe. Der nächste Schnelltriebwagen wird in Kürze auf der Strecke Frankfurt am Main —Nürnberg eingesetzt. Im Winterfahrplan folgt dann die wichtige Strecke München—Berlin, die eine Schnellverbindung zwischen der Hauptstadt der Bewegung und der Hauptstadt des Reiches schafft. 700»3