185. Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Nr. 88 Erstes Blaff 185. Jahrgang Samstag, 15. April 1955 Sonntags* und ‘Feiertag! W W • Unn-gm- von Anzeigen Ä AU AU lluAAAAAU EÄÄKä Heimat im Bild. Die Scholle ■ B MM. «7 MM M B MW MM ylWW i W Iwgr Srundprei!- ,vr,mmhSl>« Monats Bezugspreis: DR ML Ms R R Ryr R ^F |R R R R^r R R R fl X R für Anzeigen von mm Mit 4 Beilagen RM.1.95 RR H R ■ R RR R R R / H ■ H RR H| I R< R Breite 7 Rpf., für Text- Ohne Illustrierte 1.80 ^Rr jy R .. R R| R R Rk. Rhk. yÄÄ R R R Rk R R anzeigen von 70mm Breite Zustellgebühr .. „ ▼ R R R W ■ W R WM «L 60 Rpf.,Platzvorschrift oder Auch bei Nichterscheinen ■ |R ™ ^R f ^F ^F schwieriger Satz 25°/„ mehr knsolg«^höh«-r^^aU 1X^ WF Gtmäfiigte Srundpreilr: MZM General-Anzeiger für Oberhessen MW Postscheckkonto: V ’ gen, Bäder-, Unterrichts- u. Zjranlsuri am »Iain 11688 vruck und Verlag: vrühl'sche Univ«rfitS1;Y«ch- und Steindruckerei «.Lange in Siehe«. Schristleitnng «ad SeschSftrftelle: Schulftratze 7 Mengenabschlüsse Staffel B Ein erstes Ergebnis der Konferenz von Giresa. Auf englische Rückfrage in Berlin erklärt sich Deutschland zur Teilnahme an einem Nichtangriffspakt für den Osten bereit. Das Kommunique des 2. Tages. Stresa, 12.April. (DRV.) Heber den Verlauf des heutigen zweiten Verhandlungstages von Stresa wird von italienischer Seite folgendes Kommunique ausgegeben: Unter dem Vorsitz des italienischen Regierungschefs haben sich heule morgen um 9.30 Uhr die Ver- kreter Frankreichs, Englands und Italiens versammelt. Die Besprechung, die bis 13 Uhr dauerte, war der Fortsetzung der Aussprache über den Schritt Frankreichs an den Völkerbund gewidmet. Die Delegationen versammelten sich erneut um 13.30 Uhr und schlossen die Besprechung über den französischen Schritt an den Völkerbund ab. Die Verhandlungen befaßten sich sodann mit der Lage in Oesterreich, hierüber machte der italienische Regierungschef längere Ausführungen. Anschließend behandelte man die Frage des O st p a k t e s. Schließlich wurden die Verhandlungen über den L u f t p a k t eigeleitet. Um 19 Uhr wurden die Verhandlungen unterbrochen und auf morgen früh 9.30 Uhr vertagt. Im Laufe des Rachmittags hat Sir John Simon ergänzende Einzelheiten seines gestrigen Berichtes über die Haltung Deutschlands, fo wie er sie bei seinem Besuch kennengelernt habe, gegeben. Er hat hmzugefügt, daß ihm heute neue 3 n - for mationen zugegangen seien. Freiherr von Reurath habe den englischen Botschafter in Berlin unterrichtet, daß Deutschland bereit sei, einemRichtangriffspaktdesOstens beizutreten, selbst wenn einige andere Unterzeichner dieses Paktes unter f i d) Sonderobmachungen über Abkommen zur gegenseitigen Veistandsleistung treffen ßollten. Dieser offiziellen Verlautbarung wurde von italienischer Seife hinzugefügt, daß man, ohne Wunder vorauszusehen und Hoffnungen erwecken zu wollen, die Lage mit größtem Optimismus betrachten könne. Die englische Mitteilung. Stresa, 12. April. (DNB.) Bon z u st ä n d i - ,ger englischer Seite wurde Freitag abend l über den Verlauf und das Ergebnis der heutigen Verhandlungen folgendes mitgeteilt: Wie schon bekannt, hat heute vormittag ein eingehender Gedankenaustausch über alle Fragen stattgefunden, die mit dem französischen Schritt in den Völkerbund Zusammenhängen. Man i»at sich vor allem darüber unterhalten, was in dieser Hinsicht getan werden könne. Dabei hat sich eine weitgehende Uebereinstimmung fr er Ansichten darüber gezeigt, wie diese besondere Frage in Genf behandelt werden solle. Man müsse hierbei unterscheiden zwischen: 1. dem französischen tippelt an den Völkerbund, 2. dem M e - moranbum, in dem die Gründe für diesen Uppsll festgelegt werden und 3. der Entschließung, die der Völkerbundsrat in Genf fassen soll. Selbstverständlich könnten hier in Stresa keine Entscheidungen über diese Entschließung gefaßt werden. Man hat sich aber tcnnoch in Stresa schon darüber unterhalten, wer °ls Berichter st atter geeignet sein könnte. Dabei tauchte der Name des Spaniers M a darin g a auf. Sir John Simon machte dagegen 'keine Einwendungen. Aber natürlich konnte auch hierüber bine Entscheidung gefällt werden, da diese nur dem Lölkerbundsrat zusteht. lieber die Frage der Angelegenheit Deutschlands hinaus wurde vollkommen davon getrennt die (frage behandelt, was getan werden müßte, wenn in der Zukunft wieder ein Vertrag einseitig aufgekündigt werden sollte. Auch biefe Frage wurde sehr eingehend erörtert, hier würbe ebenfalls in ben allgemeinen Richt- Inien eine 11 e b e r e i n fti mm u n g erzielt. Aber auch hier können Entscheib ungen nur in Genf erzielt werben, benn auch hierfür ist nach Ansicht Macbonalbs ber Völkerbunb bas geeignete Instrument. Hebet ben 0 ff p a ft wurde weiter von zuständiger englischer Seite gesagt, Sir John Simon habe Deutschlands Haltung hierzu gestern den Konferenzmitgtiedern dargelegt. Lr sei dann gefragt worden, welches die Haltung Deutschlands fein werde, wenn andere Mächte als Deutschland als Teilnehmer dieser Pakte unter s i ch noch besondere Beist andsabkommen schließen sollten. Aus diesem Grunde wurde in Berlin eine I^tegraphische Erkundigung eingezogen. Als ihr Ergebnis habe der deutsche Außenminister dem britischen Botschafter mitgefeilt, daß Deutschland eine derartige Möglichkeit immer noch als gefährlich an- sehe, daß es aber gleichwohl bereit fei, an einem Vertrag feit zunehmen, auch wenn andere Staaten unter sich darüber hinausgehende Abkommen schließen sollten. Deutschland würde aber Werk darauf legen, daß feine eigene Mitteilung und die dieser anderen Staaten in zwei verschiedenen Schriftstücken niedergelegf würde. Auch über die österreichische Frage wurde, wie von englischer Seite weiter mitgeteilt wurde, am Freitag gesprochen. England habe dabei seine bisherige Haltung, wie sie im Februar 1933, im Dezember 1933 und im Januar 1934 festgelegt wurde, bestätigt. Reichskanzler Hitler habe betont, daß es schwer sei, den Begriff der Nichteinmischung festzulegen. Er sei aber dennoch bereit, diesen Pakt ernsthaft zu prüfen, wenn diese Frage befriedigend gelöst werde. Die Frage wurde daraufhin von der Tagesordnung der Konferenz zunächst a b g e s e tz t. London, 13. April. (DNB. Funkspruch.) Die Mitteilung des englischen Außenministers Sir John Simon in Stresa, daß Deutschland zur Unterzeichnung eines Nichtangriffspaktes für den Osten bereit sei, wird von der ganzen englischen Presse in größter Aufmachung veröffentlicht. Die Mehrzahl der Blätter bezeichnet die deutsche Erklärung als eine außerordentlich wichtige Entwicklung und als einen bedeutenden Beitrag zur Verbesserung der Atmosphäre. Die deutsche Antwort auf Simons Anfrage, so berichtet der Sonderkorrespondent der „Daily Mai 1", Ward Price, aus Stresa ist das w i ch t i g st e Ergebnis, das die Konferenz bis jetzt gezeitigt hat. Sie wird in Stresa als ein Zeichen dafür angesehen, baß die deutsche Regierung bereit sein würde, an einer größeren internationalen Konferenz teilzunehmen, sobald der Anwurf Frankreichs gegen den „Vertragsbruch" Deutschlands in Genf aus dem Wege geräumt sei. Die britischen Vertreter in Stresa haben ihr Bestes getan, die französische Anschuldigung zu mildern, damit der Stolz Deutschlands nicht derart verwundet werde, daß es die Erwägung seiner Rückkehr zum Völkerbund ablehnen würde. „Daily Heralb" erklärt: Deutschlands Mitteilung ist ein großer Fortschritt. Sie scheint erneut bie Tür z u einer allgemeinen Regelung auf ber Grunblage bes Lonboner Kommuniques vom 3. Februar z u öffnen. Deutfchlanb wirb zur freien unb gleichberechtigten Teilnahme an dem Werk, ein undurchdringliches Paris, 13. April. (DNB. Funkspruch.) Die Samstag-Morgenpresse erklärt, mit dem Verlauf der Konferenz von Stresa weiter zufrieden zu sein; sie spricht von einer französisch-italienisch-englischen Solidarität, die in Stresa ihre „wuchtige Bestätigung" finde. Als Hauptpunkte, die am Freitag ihre Regelung gefunden hätten, werden genannt: 1. die Annahme der französischen Beschwerdeschrift in Sachen „Vertragsverletzung" für den Völkerbund. 2. Der Plan einer Konferenz ber öfter- reichischen Nachbarlänber zum Abschluß eines Nichteinmischungspaktes. 3. Die beutfdje Bereitschaftserklärung für einen östlichen Nichtangriffspakt ohne deutsche Beistandsverpflichtung. Der Havas-Berichterstatter meldet aus Stresa, die Aussprache zu Punkt 1 habe sechs Stunden gedauert. Der französischerseits vorgeschlagene Wortlaut, den Italien und England in Genf unterstützen würden, sehe die Schaffung eines Ratausschusses von drei Mitgliedern einschließlich des Berichterstatters vor, der die geeigneten Methoden zur künftigen Verhinderung neuer „einseitiger Aufkündigungen von Verträgen" durch Einsetzung „wirtschaftlicher und finanzieller Strafmaßnahmen" zu studieren hätte. Auf diese Weise würde die Anwendung von Strafmaßnahmen, die nach Artikel 16 der Völkerbundssatzungen bisher nur für den Kriegsfall vorgesehen gewesen seien, auch auf Vertragsverletzungen an sich ausgedehnt werden. Das dem Generalstab nahestehende „Echo de Paris" schreibt, die neue französische Beschwerdeschrift werde keinen Wert haben. Im Absatz 1 werde zwar ber „Verstoß", ben Deütschlanb gegen ben Versailler Vertrag unternehme, ziemlich energisch angeführt, aber im zweiten Absatz werbe von ber Schaffung 'ines Abschusses zur Prüfung eines Abkommens gesprochen, bas in Zukunft bie Gewähr bieten solle, baß berartige „internationale Verbrechen" bestraft würben. Dieser zweite Absatz mache bie Wirkung bes ersten Absatzes roieber hinfällig. Im übrigen sei bie ganze Beschwerbe infolge Zeitverlustes wirkungslos. Zur österreichischen Frage berichtet havas weiter, Mussolini habe ausführlich über die Gefahr, der Oesterreich ausgesetzt sei, Vortrag Schließlich wurde die Frage des Luft- Locarno bzw. des Luftpaktes besprochen. Es habe sich gezeigt, daß es sehr schwierig ist, diesen Pakt schon tatsächlich auszuarbeiten. Es bestehen Schwierigkeiten praktischer Art, die zum Teil auch von Sachverständigen geprüft werden müssen. Der Punkt wurde daher heute nur ganz allgemein durchgesprochen. Zum Schluß wurde von englischer Seite nochmals betont und klargestellt, daß man den „Fall Deutschland", wie er auf Grund des französischen Schrittes in Genf nunmehr behandelt werde, völlig auseinanderhalten müsse von der allgemeinen Frage, was in Zukunft im Falle einer Vertragsverletzung geschehen solle. Diese Fragen seien völlig getrennt behandelt worden. Ans dem Wege zm Einigung. In der Frühlingspracht der herrlichen Gärten des borrorneischen Schlosses auf der Jsola Bella, dem köstlichsten Juwel des an landschaftlichen Reizen so reichen Lago Maggiore weilen die Regierungschefs Englands, Frankreichs und Italiens mit einem gewaltigen diplomatischen Gefolge zu schwierigen Beratungen. Mussolini als Hausherr hat alle Register gezogen, um seinen Gästen einen Eindruck von der Pracht zu geben, mit der Natur und Kunst seine oberitalienische Heimat so verschwenderisch überschüttet hat, aber auch von der Macht unb ber Volksverbunbenheit bes faschistischen Regimes, bofumentiert burch ausgesuchte Truppenteile ber faschistischen Miliz unb fpalierbilbenbe Balilla, bie den zum Grade des Marschalls Cadorna pilgernden fremden Staatsmännern die Wehrkraft und Kampfbereitschaft des italienischen Volkes in seiner jüngsten Jugend demonstrieren sollte. Aber die auf wenige Tage berechnete Konferenz erlaubt nicht oft solche Unterbrechung ernster Arbeit und gewiß noch seltener die Fülle materieller Genüsse, wie sie zum unvermeidlichen Drum und Dran früherer Dauerkvnferenzen zu gehören schien. Man ist vielmehr auf der Jsola Bella schon am Donnerstag- früh, wenige Stunden nach der Ankunft der britischen Delegation ohne weitere Förmlichkeiten in medias res gegangen. Das war gewiß das Beste, um zu vermeiden, daß die Beratungen nicht schon bei den Vorfragen stecken bleiben. Denn man war sich ja im Grunde genommen zu Beginn der Konferenz nicht einmal über den Zweck der Zusammenkunft einig. Die Engländer beharren darauf, daß die Konferenz von Stresa die Reihe der Erkundungen adschließe, die man auf Grund der Londoner Erklärung vom 3. Februar begonnen habe. Es handle sich also um nichts anderes, als.um die Mitteilung des in Berlin, Moskau, Warschau und Prag Erfahrenen an die beiden anderen Teilnehmer des Pariser Gesprächs am Vorabend der Rundreise Simons und Edens und um einen gegenseitigen Meinungsaustausch über das Gehörte. Frankreich qnb Italien haben über ben Zweck ber Konferenz eine erheblich anbere Ansicht. Ein Artikel Mussolinis zu Beginn ber Zusammenkunft von Stresa spricht zwar bavon, baß man von ber Konferenz nur ein Kommunique erwarten könne, baß allgemeiner unb beratenber Art sein könne unb ben kleinsten gemeinsamen Nenner barstellen werbe, auf ben bie Auffassungen ber brei beteiligten Mächte gebracht werden könnten. Mussolinis Artikel weist mit besonderer Betonung darauf hin, daß ja die meisten in Stresa zur Erörterung stehenden Fragen zumindest drei Nationen angehen, die auf ber Konferenz nicht vertreten seien, nämlich Deütschlanb, Polen unb Sowjetrußlanb. Mit biefer Bemerkung, bie ben oorbereitenben Charakter der Konferenz unterstreicht, schlecht zu vereinbaren ist aber das doch straff einheitlich dirigierte Konzert der italienischen Presse, die genau so wie die öffentliche Meinung Frankreichs von Stresa eine „E n t- scheidun g" fordert. Aus den weiteren Ausführungen geht hervor, daß man sich in Paris und Rom diese „Entscheidung" in der Form eines Beschlusses vorstellte, die die drei Mächte als Antwort auf die Verkündung der deutschen Wehrfreiheit fassen sollen. Die weitere Ausdeutung der Londoner Erklärung über die Schaffung eines Paktsystems zur Sicherung des Friedens trat in dem Wunschbild, das sich die öffentliche Meinung Frankreichs und Italiens, soweit sie von der Presse repräsentiert wird, von der Konferenz von Stresa macht, erheblich zurück gegenüber der Idee, einseitige Sicherungen gegen eine Störung des Friedens durch Deutschland — andere Friedensbrecher stehen ja selbstverständlich außer jeder Diskussion — durch so handgreifliche Mittel wie gegenseitige Beistandspakte oder Militärbündnisse zu schaffen. Mussolini sagte in feinem schon erwähnten Zeitungsartikel ganz freimütig, daß Italiens Sicherheitsplan für Stresa die Aufrechterhaltung einer ständigen, auf das modernste ausgerüsteten Streitmacht von 600 000 Mann sei. Unb Frankreichs wehrpolitische Maßnahmen der letzten Wochen zeigten auch ganz eindeutig das Bestreben, militärisch so stark wie möglich in die kommenden Verhandlungen einzutreten. Bestanden also schon über den Zweck der Konferenz unter den drei Partnern beträchtliche Moi- nungsverfchiedenheiten, so gingen die Auffassungen über die Methode zur Erreichung des gemeinsamen Ziels der Friedenssicherung natürlich noch viel weiter auseinander. Für England war der Wunsch maßgebend, einen „kollektiven" Sicherheitspakt zu schaffen, der selbstverständlich alle Sonder- oerträge, zweiseitige Beistandspakte oder gar Militärbündnisse als seinem Charakter eines alle Nationen als gleichberechtigte Partner umfassenden Systems widersprechend ausschließen möchte. Die englische Politik läßt sich demnach von dem Bestreben leiten, Deutschland für die Teilnahme an einem solchen kollektiven Paktsystem zu gewinnen und es zur Rückkehr in den Völkerbund zu bewegen, der nach englischer Meinnung der Rahmen und die Grundlage dieser verstärkten Friedenssicherung sein soll. Es läge natürlich nicht im Sinne einer solchen auf die Mitwirkung Deutschlands rechnenden Politik, durch eine groß aufgebauschte Aktion gegen die Verkündung der deutschen Wehrfreiheit, wie es Frankreich mit seiner Anzeige in Genf und der für den Völkerbund bestimmten Denkschrift anscheinend plant, einmal den Völkerbund, dessen notorische Verlegenheit in allen internationalen Streifällen feinem Rufe bereits fo schwer geschadet hat, erneut ernstlich zu kompromittieren, und zum andern Deutschland in dem Augenblick durch eine „Verurteilung in contumaciam" zu brüskieren, wo man es auffordern mochte, feine ablehnende Haltung gegenüber einem bisher einseitig und parteiisch zu^ London stellt einen großen Fortschritt fest. 3n französischem Licht. System der Verteidigung zu schaffen, eingeladen werden. Wir beglückwünschen die englischen Vertreter zu der Rolle, die sie bei der Herbeiführung dieser Entscheidung gespielt haben. „Daily Telegraph" ist als einziges Blatt der Ansicht, daß die deutsche Antwort keinerlei positiven Fortschritt bedeute. Die greifbare Wirkung sei insofern nicht groß, als die in Berlin bargelegten Nichtangriffspaktvorschläge hinter ben Maßnahmen ber Artikel bes Völkerbunbs- ftatuts zurückblieben. Deutschlanbs Stellungnahme bebeute jeboch anberseits, baß Deutsch- lanb ben zwischen Frankreich, Sowjetrußlanb unb ber Tschechoslowakei in Vorbereitung definblichen Ostpakt ber gegenseitigen Unterstützung nicht als ein Hinbernis für feine Mitarbeit bei anderen Problemen ber europäischen Friebens- Organisation betrachte. Das Ziel Englanbs sei es jebenfalls, Deütschlanb nach Genf zurück- z u b r i n g e n , unb biefer wichtige Punkt bleibe zur Erörterung am heutigen Samstag übrig. Ein anberer fei bie jetzt aüerbings entfernt erfcheinenbe Möglichkeit, eine Begrenzung ber Rüstungsstärken zu erzielen. Reuter melbet, bie neue Entwicklung werbe wahrscheinlich zu einer Reihe weiterer B e - sprechungen zwischen Berlin unb Lon- b o n führen. Simons Erklärung fei ein Beweis dafür, daß England weitere Erörterungen mit Deutschland wünsche, bevor es irgendwelche Beschlüsse fasse. Die Gerüchte, daß eine größere Konferenz unter Einschluß Deutschlands in London stattfinden werde, nähmen dauernd an Stärke und Umfang zu. gehalten. Die Vertreter Englands, Frankreichs und Italiens feien einmütig der Ansicht gewesen, daß es angebracht fei, die Verhandlungen zwischen allen Nachbarländern (also Italien, Deutschland, Ungarn, die Tschechoslowakei und Südslawien) unter Einschluß von Oe st erreich selbst fortzusetzen, um zu einem Nichteinmischungspakt zu gelangen, der unter der Schirmherrschaft Frankreichs und Italiens stehen würde. Wahrscheinlich werde binnen kurzem eine Konferenz der betreffenden Länder ftättfinben. Zu ber Nachricht von ber beutschen Bereitschaft z u einem Nichtangriffspakt für ben O st e n ohne beutsche Beistanbsverpflichtung melbet Havas: Die Aenberung ber Haltung Deutschlanbs habe in den Konferenzkreisen wirkliche Sensation hervorgerufen. Gewisse Kreise wollten in dem deutschen Schritt den Beweis weniger unnachiebiger Absichten und des deutschen Wunsches, aufs neue mit den anderen europäischen Mächten zusammenzuarbeiten, erblicken. Die meisten ständen dagegen auf dem Standpunkt, daß die „deutsche Geste" keinen wirklichen Wert habe, da die Unterzeichnung eines Nichtangriffspaktes nur die früheren Verpflichtungen Deutschlands, namentlich die nach dem Kellogg- Pakt, erneuern würden. Lediglich ein gegenseitiges Beistandsabkommen, dem gegenüber sich Deutschland aber weiterhin ablehnend verhalte, würde eine praktische Bedeutung haben. Die britische Regierung werde sich in Berlin über diese Absichten Deutschlands zu unterrichten haben; der französische Außenmini st er werde sich aber, ohne das Ergebnis dieser neuen Befragung abzuwarten, zum vorgesehenen Zeitpunkt nach Moskau begeben, um dort vor Ende des Monats das f r a n z ö s i s ch - s o w j e t r u f s i s ch e Abkommen zu unterzeichnen, dessen Grundlagen nächste Woche in- Genf zwischen Laval und Litwinow endgültig festgelegt werden würden. Während das „Journal" und mehrere andere Blätter in der deutschen Stellungnahme zum Ostpakt nur ein „neues Manöver" sehen wollen, da Deutschland den Gedanken eines Nichtangriffspaktes an sich stets zugelassen habe, spricht „Figaro" von einer merklichen Klärung der Lage in Osteuropa. Die neue deutsche Haltung könne bie kollektive Organisierung ber Sicherheit in Europa erleichtern. „L'Ordre" erklärt schließlich, bie beut« s ch e Jnitiati ve sichere den Erfolg der Konferenz von Stresa. gunsten einer einzigen Mächtegruppe angewandten Instruments des Völkerrechts einer Ueberprüfung zu unterziehen. England zog es also vor, statt sich über angebliche „Versehlungen" der Vergangenheit zu alterieren und dadurch die politische Atmosphäre noch weiter zu vergiften, den Blick auf die Zukunft 3U richten. England wollte alle Möglichkeiten prüfen, die sich für eine Mitwirkung Deutschlands an dem Aufbau eines kollektiven Sicherheitssystems ergeben. Und es wollte vor Abschluß dieser Prüfung unter keinen Umständen irgendwelche Bindungen eingehen, die über die bestehenden vertraglichen Verpflichtungen (Völkerbundsvertrag, Locarnoabkommen, Kelloggpakt) irgendwie hinausgehen. Das war eine sehr erfreuliche Klarstellung, die in Stresa das Terrain bereinigte und von vornherein die Grenzen absteckte, innerhalb derer die englische Mitwirkung sich halten wird. Wie notwendig eine solche Klarstellung war, wurde ersichtlich aus dem bunten Strauß an Wünschen, Hoffnungen, Forderungen, die man den französischen Staatsmännern nach Stresa mit auf den Weg gegeben hat. Da hörte man wieder Worte, da wurden wieder Begriffe lebendig, die an die schlimmsten Zeiten ärgster französischer Willkürherrschaft in deutschen Landen erinnern. Und damit alle Welt darüber im klaren ist, daß es sich dabei nicht um theoretische Schwelaereien in leeren Phrasen handelt, wurde am Vorabend von Stresa bekanntgegeben, daß Frankreich sich mit Sow- j e t r u ß l a n d über die Auslegung und Erweiterung, der auf den Beistand gegen einen Angreifer beziehenden Artikel des Völker- bundsvertrags geeinigt haben. Um nichts anderes handelt es sich bei dem unter der diplomatischen Fachbezeichnung „Gentlemen's agree= ment" — unformelle Vereinbarung unter Ehrenmännern — segelnden französisch - sowjetrussischen Abkommen, als um einen Sondervertrag, der für den allgemeinen Frieden und ein von England gewünschtes kollektives Sicherheitssystem nicht minder gefährlich erscheint, als die Ostpaktpläne Barthous und Litwinows. Russen und Franzosen wollen nun der etwas schwammig gewordenen Figur des Völkerbundes dadurch neue Korsettstangen einziehen, daß vor allem d i e Satzungen schärfer gefaßt werden, die den politischen Status quo zu verteidigen geeignet sind. Das ist z. B. der Artikel 10, der die territoriale Unversehrtheit und politische Unabhängigkeit aller Bundesmitglieder garantiert und den Völkerbundsrat verpflichtet, im Falle eines Angriffes auf die Mittel zur Durchführung dieser Garantieverpflichtung Bedacht zu nehmen. Artikel 16 verpflichtet alle Völkerbundsmitglieder zu einem Mitgliedsstaat, der zum Kriege schreitet, alle Handels- und Finanzbeziehungen abzubrechen und den vom Rat beschlossenen militärischen Sanktionsmaßnahmen jede Unterstützung zu leisten. Der Artikel 17 ordnet das Verfahren gegen einen Angreifer, der nicht Mitglied des Völkerbundes ist. Der springende Punkt in den Abmachungen zwischen Paris und Moskau, denen sich die Tschechoslowakei als getreuer Gefolgsmann der Franzosen anschließen wird, liegt in dem Artikel 15, der das Verfahren regelt, nach dem der Völkerbund die Schlichtung einer Streitfrage zwischen Bundesmitgliedern suchen soll. Da heißt es: „Findet der Bericht des Rats (über die Vorschläge zur Kriegsverhütung) nicht die Zustimmung aller seiner Mitglieder, die nicht Vertreter der Parteien sind, so behalten sich die Bundesmitglieder das Recht vor, so zu handeln, wie sie es zur Aufrechterhaltung von Recht und Gerechtigkeit für notwendig erachten." Hier hakt das französisch-sowjetrustifche Gentlemen’s agreement ein, indem es für den Fall, daß über die Beilegung eines Streitfalles im Völkerbundsrat keine Einigung erzielt wird, schon jetzt die Maßnahmen festlegt, die Frankreich und Sowjetrußland dann gemeinsam ergreifen werden. Also keine freie unbefangene und unbeeinflußte Teilnahme an auf Kriegsverhütung und Ausgleich gerichteten Beratungen, sondern von vornherein die Drohung: Falls Ihr nicht mit uns einig werdet, sind wir entschlossen, nach bereits getroffenen Vereinbarungen selbst zu handeln. Das ist eine schlechte Methode, die zwangsläufig zu machtpolitischen Gruppenbildüngen führen muß. Deutschland hat nach den aesttigen Erklärungen Simons in Stresa in seiner Antwort auf die englische Rückfrage auch fein Hehl daraus gemacht, daß es Sonderabmachungen von Mächtegruppen, mögen sie nun offen als Militärallianz einherkommen oder sich als Beistandspakte, Gentlemen’s agreement oder sonstwie tarnen, als gefährlich für den Gedanken einer allgemeinen Friedensgarantie betrachte, die alle Nationen gleichermaßen schützen und verpflichten soll. Für das Ergebnis von Stresa war es von besonderer Bedeutung, ob es den Engländern gelingen würde, bei ihren französischen und italienischen Kollegen Verständnis für die fundamentalen Voraussetzungen einer aufrichtigen Zusammenarbeit der großen europäischen Nationen zu wecken. Das scheint nach den letzten Berichten aus Stresa bis zu einem gewissen Grade der Fall gewesen au sein. Es ist den Engländern anscheinend geglückt, Der von den Franzosen für Genf geplanten Feststellung einer deutschen „Vertragsverletzung" die Schärfen zu nehmen, mit denen man von Paris aus diese Aktion betreiben wollte. Der sofortigen Formulieruna eines gemeinsamen Vorschlags Der drei Mächte für die Entschließung des Völkerbundsrats haben sich die Engländer offenbar mit Erfolg widersetzt und statt dessen durchgedrückt, daß der Fall einer einseitigen Kündigung von Verträgen ganz allgemein ohne besondere Bezugnahme auf Deutschland auf der Tagesordnung des Rats erscheinen wird. Einen unerwarteten Fortschritt hat schließlich die Frage eines O st p a k t e s gemacht. Der deutsche Außenminister hat auf Rückfrage aus Stresa Staatssekretär Simon mitgeteilt, daß Deutschland zum Abschluß eines Nicht- angrrffspakts bereit fei, auch wenn andere Teilnehmer des Paktes unter sich weitergehende Abmachungen treffen würden. Diese liegen ja zwischen Paris, Moskau und Prag im Entwurf bereits vor. Wie oben schon ausgeführt, halt Deutschland an der Auffassung fest, daß solche Sonderabmachun- aen den Wert eines allgemeinen Sicherheitssystems beeinträchtigen müssen. Deutschland hält auch nach wie vor an seiner Ablehnung eines Beistandspaktes fest, wie ihn die ursprünglichen Pläne Barthous und Litwinows vorgesehen hatten. Aber es will sich in dem ihm möglichen Rahmen nicht der Mitwirkung an dem Aufbau eines umfassenden Friedenspaktsystems versagen. So hat es sich auch trotz mancher Bedenken über die Möglichkeit einer klaren Definition des Begriffs der „Nichteinmischung" bereit erklärt, den ihm vor- aeschlagenen Donaupakt sorgfältig zu prüfen. Aus seiner grundsätzlich ablehnenden Einstellung gegenüber Beistandspakten, die die Gefahr einer Verwicklung in Streitigkeiten Dritter mit sich bringen, hat Deutschland aber darauf beftanoen, daß Der östliche Nichtangriffspakt, zu dessen Unterzeichnung es sich bereiterklärt hat, und die weitergehen- Ohne DenWand als gleichberechiigier parlner kein wahrer Friede. „Times" fordett Verständnis für Deutschlands Wunsche. London, 13. April. (DNB. Funkspruch.) „Times" begrüßt den von Simon in Stresa mitgeteilten „Berliner Beitrag" und schreibt u. a.: Auf dieser Linie sollte es wirklich möglich sein, eine neue Regelung in Europa herbeizufüh- ren. Es besteht keine Aussicht auf einen wahren Frieden, wenn nicht Deutschland als gleichberechtigter Partner daran teilnimmt. Der gegenwärtige ungeordnete Zustand kommt in erster Üinie von der Tatsache her, daß Deutschland niemals den Friedensvertrag in feiner Ganzheit wirklich angenommen hat. Der Friedensvertrag rouroe Deutschland mit der Spitze des Bajonetts aufgezwungen und versetzte Deutschland in eine zweitklassige Stellung. Solange die Beziehungen zwischen Deutschland und den anderen Ländern nicht auf eine normale Grundlage gestellt sind, ist es unmöglich ein Friedenssystem mit irgendeiner Aussicht auf Dauer zu errichten. Das Wichtigste im gegenwärtigen Augenblick ist der Versuch, die natürlichen Gefühle Deutschlands zu verstehen. Jetzt gibt es nur noch einen oder zwei Punkte — wie z. B. das Recht, als Mandatsmacht betrachtet zu werden — die Deutschland verlangt, bevor es sich in jeder Hinsicht als gleichberechtigt betrachtet. Vielleicht besteht im gegenwärtigen Augenblick die beste Aussicht, ein allgemeines Sicherheitssystem mit einer bestimmten R ü - stungsbegrenzung zu schaffen. Die wirkliche Prüfung der deutschen Absichten steht noch immer bevor. Worauf es ankommt ist: was wird Deutschland tun, wenn es feine Gleichberechtigung erzielt hat, und nicht: was müßte Deutschland tun, um die Gleichberechtigung zu erzielen? „Times" fährt fort, es sei sehr zu hoffen, daß man nächste Woche in Genf nicht z u viel Zeit damit verdrinae,tadelnde Entschließungen zu fassen. Es sei richtig, daß man einen Protest gegen irgendeine einseitige Verletzung eines mehrseitigen Vertrages niederlege, aber es sei viel wichtiger, eine bessere Z u - tauft vorzu bereiten, als Beschuldigungen über eine verwirrte Vergangenheit vorzubringen. Die beiden wirklich ausschlaggebenden Fragen, die jetzt beantwortet werden müßten, seien: 1. ob die Bedingungen Deutschlands für seine Rückkehr in den Bund der Nationen vernünftig seien — darüber müsse sicherlich eine weitere Rücksprache mit Deutschland gepflogen werden — 2. wie am besten ein allgemeines Sicherheitssystem errichtet werden könne, um zu erreichen, daß gegen Angreifer übermächtige Umstände gegenüber« stehen. Eine englische Verichiignng. Wiederum „nichtautorisierte Erklärungen'' über die britische Außenpolitik. London, 12. April. (DNB.) Die übereinstimmenden und aus London datierten Auslassungen der englischen Presse von Freitagvormittag sind von einem Mitglied der britischen Abordnung in Stresa als eine „nichtautorisierte Erklärung über die britische Außenpolitik" bezeichnet worden; denn die Wortführer der brittschen Außenpolitik befänden sich zur Zeit in Stresa. In den Londoner Auslassungen, die teilweise auf Berichten des Reuterbüros und der Preß Association fußten, war die Solidarität Englands mit den übrigen auf der Konferenz von Stresa oertretenen Mächten erneut betont, aber zugleich erklärt worden, die genauen Ziele und Absichten der deutschen Politik könnten sehr wohl geprüft werden, bevor England Verpflichtungen erwäge, die weit über alles bisher Geplante hinausgehen würden. Die Preß Association teilt am Freitagnachmittag auf Grund einer Anfrage in amtlichen Londoner Kreisen nunmehr ebenfalls mit, daß die „in gewißen Zeitungen über die britische Politik in Europa erschienenen Berichte nicht als die Darlegung neuer amtlicher Verlautbarungen angesehen werden" dürften. Seit der Abreise der britischen Abordnung nach Stresa seien weder neue Entscheidungen getroffen, noch neue amtliche Mitteilungen herausgegeben worden. Die Tatsache, daß die von der Freitagpresse veröffentlichte „autorisierte Erklärung" über die Richtlinien der englischen Politik von einem Mitglied der englischen Abordnung in Sttesa a b g e l e h n t worden ist, wird von den Blättern am Samstag ausführlich behandelt. Einige Blätter, wie die liberale „News Chronicle", glauben, daß in den höchsten Regierungskreisen Meinungsverschiedenheiten über den Kurs der Außenpolitik bestünden. Es sei bekannt, daß einige Kabinettsmitglieder überzeugt feien, England müsse feine fe st ländischen Verpflichtungen auf ein Mindestmaß beschränken und sich von den europäischen Verwicklungen genügend fernhalten, um als unparteiischer Vermittler zwischen Deutschland und den anderen Mächten wirken zu können. „Morning Post" meldet, bei den in London anwesenden Ministern habe man die von dem englischen Abordnungsmitglied in Sttesa abgegebenen Erklärung, daß sie die Wortführer der englischen Regierung in Stresa befinden, als lächerlich empfunden. Vielmehr habe man in London erneut erklärt, daß die gestern veröffentlichte „autorisierte" Mitteilung die Grenze darstelle, bis zu der die englischen Vertreter in Stresa gehen könnten. „Daily Expreß" und „Daily Herold" sind der Ansicht, daß es sich nicht um grundlegende Meinungsverschiedenheiten handele, sondern um eine Meinungsverschiedenheit in der „Betonung" oder sogar nur um ein Mißverständnis. Kolonialminister Sir Philipp Cunliffe-Lister habe in einer Wahlrede in Cambridge am Freitagabend sehr eindeutig gegen weitere englische Verpflichtungen Stellung genommen. den Sonderabmachungen anderer Staaten in getrennten Vertragsinstrumenten niedergelegt werden. Deutschland hat nun erneut seinen ehrlichen Friedenswillen und seine Bereitschaft zu internationaler Zusammenarbeit im Sinne einer Sicherung des Friedens und der Wohlfahrt aller Völker unter Beweis gestellt. Mögen die Staatsmänner der andern Nationen im gleichen Geiste sich um das gemeinsame Werk mühen, Europa den Frieden zu erhalten. Kein gemeinsames Verttagsmsttumenl. London, 12. April. (DRV.) Heber die englischen Erklärungen nach Abschluß der heutigen Beratungen in Sttesa berichtet der „Ofstcial British Wireleß": Sir John Simon teilte mit, daß nach der gestrigen Zusammenkunft er sich mit Berlin in Verbindung gesetzt habe. Er habe die Zusicherung erhalten, daß die deutsche Regierung bereit sei, an einem Nichtangriffspakt für den Osten teilzunehmen, auch wenn andere Vertragspartner unter sich gesonderte und einen Ergänzungscharakter tragende Pakte gegenseitigen Beistan- d e s schließen sollten. Die Bedingung, die Deutschland stellt, ist, daß die beiden Pakte v o l l- ständig getrennte Schriftstücke darslel- ien sollen und daß sie nicht in ein einziges Dokument mit eingefchlossen werden dürfen. Starter Eindruck in Rom. Rom, 13. April. (DNB. Funkspr.) Die deutsche Bereitschaft des Beitritts zu einem Nichtangriffspakt für den Osten hat in Rom den stärksten Eindruck gemacht. Mit dieser Mitteilung sei, so schreibt „Messagero" eine neue Tatsache geschaffen worden, deren großer Bedeutung niemand entgehen könne. Die Frage des Ostpaktes habe bis jetzt mehr als andere das Hindernis gebildet, das aud)e schon eine Borverständigung fast unmöglich machte. Dieses Hindernis sei zwar noch nicht überwunden, erscheine aber jetzt überwindlich. Die deutsche Bereitschaft werde im Rahmen der Abmachungen geprüft und bewertet werden, die für die Garantie des Friedens und den ganzen europäischen Kontinent vorgeschlagen werden. „Popolo di Roma" spricht davon, daß man zur genauen Beurteilung der deutschen Stellungnahme vor allen Dingen doch nähere Angaben über d i e Beweggründe werde kennen müssen, die Deutschland zu dieser Haltung veranlaßt hätten. Auch werde viel darauf ankommen, wie Polen sich jetzt verhalten werde. polens Stellung. Warschau, 13. April. (DNB. - Funkspruch.) Das in Stresa am Freitag veröffentlichte Kommunique über die bisherigen Beratungen wttd von der polnischen Telegraphenagentur mit folgendem Zusatz in der polnischen Presse verbreitet: „Wie man aus den Nachrichten ersieht, ist der sowjet - russische Ostpakt als begraben anzu - s e h e n. Es eröffnen sich die Möglichkeiten eines neuen Abkommens für Osteuropa, das sich auf den Grundsatz des Nichtangriffes stützt. Das bedeutet, daß die Großmächte nach Prüfung der tatsächlichen Möglichkeiten zu der Ueberzeugung gelangt sind, daß das System von Nichtangriffspakten erfolgreicher die Erhaltung des Friedens sichert, als es der sowjet- russische Pakt gegenseitiger Hilfeleistung getan hätte, den man in Moskau als Ostpakt bezeichnete. Aus Grund der europäischen Lage wurde dieses System in Sttesa als unreif erkannt." Festessen in Sttesa. Stresa, 12. April. (DNB.) Mussolini gab heute abend im Grand Hotel Borromeo zu Ehren der englischen und französischen Abordnung ein großes Essen. Schon eine Stunde vor Beginn des Essens waren große Absperrungen getroffen und ein dichtes Spalier von Militär und Carabinieri aufgestellt worden. Um 8.30 Uhr brauste dasMotorboot des Duce in pfeilschneller Fahrt von der Isola Bella zum Ufer von Stresa. Der Duce wählte jedoch nicht den Weg, der ihn durch die Absperrungen freigemacht worden war, sondern fuhr mit seinem Gefolge vor dem hinteren Eingang des Hotels Borromeo vor, der nur von einer kleinen Anzahl Absperrungsmannschaften und von wenigen Schaulustigen umlagert war. Neben den fremden Gästen waren zahlreiche politische Persönlichkeiten Italiens, die Spitzen der Faschistischen Partei und die hohe Aristokratie der Umgegend geladen. Die Gesellschaftsräume des Hotels Borromeo boten ein äußerst elegantes Bild. Die Herren waren im Frack oder Uniform erschienen. Im festlichen Rahmen nahm die glänzende gesellschaftliche Veranstaltung ihren Verlauf. Die Große Sibirische Heerstraße wird wieder hergestellt. Moskau, 12. April. (DNB.) Wie aus Nowosibirsk gemeldet wird, wird in diesem Jahre mit der Wiederherstellung der Großen Sibirischen Post- und Heerstraße, die eine nicht zu verkennende strategische Bedeutung besitzt und zur Entlastung der sibirischen Eisenbahn dient, begonnen werden. Im Distrikt Nowosibirsk soll eine Strecke von 1400 Kilometern neu hergerichtet werden, wozu 2 Millionen Rubel bewilligt wurden. Die Große Sibirische Post- und Heersttaße, die frühere Wladimir-Heerstraße, wurde seinerzeit von nach Sibirien verbannten Sträflingen gebaut und stellte damals den einzigen Verbindungsweg zwischen dem Zentrum des europäischen Rußland und dem weiten Sibirien dar. Nach dem Bau der sibirischen Eisenbahn hatte diese große Heerstraße zunächst ihre ursprüngliche Bedeutung verloren. Das Führerkorps der Partei in München. Berlin, 12. April. (DNB.) Die NSK. meldet aus München: München stand am Freitag im Zeichen einer bedeutsamen Zusammenkunft des Führerkorps der Partei. Am Vormittag versammelten sich die R e i ch s l e i t e r, die @a ul et ter mit ihren Stellvertretern, sowie die Amtsleiter der Retchsleitung im großen Sitzungssaal des Münchener Rathauses zu einer umfassenden politischen Aussprache unter dem Vorsitz des Stellvertreters des Führers, Rudolf H e h. Die Tagung wurde eingebettet mit einem feierlichen Gedenken an den Verlust, den das Führerkorps der Partei seit seiner letzten Zusammenkunft durch den Tod des Gauleiters Hans S ch e m m erlitten hat. In Anwesenheit insbesondere auch aller derjenigen Reichsleiter, die als R e i ch s m i n i st e r der Reichsregierung angehöre y, wurden die aktuellen innerpolitischen Fragen behandelt. Die mehrstündige außerordentlich fruchtbare Aussprache stand ganz im Zeichen der engen Zusammenarbeit zwischen Partei und Staat gerade in dem geschlossenen Kreis der alten führenden Vorkämpfer der nationalsozialistischen Bewegung, jener Zusammenarbeit zwischen den Männern, die an der Seite des Führers in den Zentralen des Reiches und der Partei arbeiten und denen, die draußen als seine Stellvertreter die Träger der politischen Entwicklung des deutschen Volkes sind. Die Tagung bewies erneut, daß dieses Führerkorps der Partei heute ebenso der entscheidende Faktor der innerpolitischen Entwicklung des Reiches ist, wie es einst die Kraftzentrale des nationalsozialistischen Kampfes um die Macht war. Am Nachmittag versammelten sich im „Braunen Haus" die Reichsleiter zu einer Tagung, in der die politischen Ergebnisse der großen Vormittagstagung erörtert und zusammengefaßt wurden. Der Abend vereinigte das gesamte Führerkorps der Partei zu einem geselligen Beisammensein mit dem Stellvertreter des Führers. Göring dankt Berlin, 12. April. (DNB.) Ministerpräsident General der Flieger, Göring, teilt mit: Anläßlich unserer Vermählung sind meiner Frau und mir so zahlreiche Beweise herzlicher Freundschaft und getreuer Gesinnung zugegangen, daß es uns vorerst nur möglich ist, auf die Tausende von Briefen und Telegrammen allen, die unserer in nationalsozialistischer Verbundenheit gedachten, a u f diesem Wege unseren aufrichtigen Dank zu sagen. Die uns aus allen Volkskreisen des Reiches und insbesondere von den Berliner Volksgenossen entgegengebrachte liebevolle Anteilnahme, die uns mit stolzer Freude erfüllt hat, haben wir als die Krönung aller Freundschaftsbeweise empfunden, die uns an unserem Hochzeitstage widerfahren sind. Allen Kameraden der Ehrenformationen wie des Ehrenspaliers schüttle ich dankbar herzlich die Hand. Auch für die finnigen, herzlichen und kostbaren Gaben, die in so außerordentlicher Fülle und Reichhaltigkeit uns übermittelt wurden, vermag ich auch im Namen meiner Frau zunächst nur auf diesem Wege zu danken. Eine Mitteilung der Bundesführung des Kyffhäuserbundes. Berlin, 12. April. (DNB.) Zu der in öffentlichen Aeußerungen behandelten Frage eines e i n- zigen deutschen Soldatenbundes teilt der Bundesführer des Kyfthäuserbundes mit, daß keinerlei Veranlassung zu irgend- welchen Befürchtungen um ihren Best a n d ' für die Kameradschaften des Kyfshäuser- bundes vorliege. Die Interessenvertretung aller Kameradschaften des Kyffhäuserbundes liege bei diesen Einigungsbestrebungen allein bei der Bundesführung. Die Plädoyers im Kairoer Ludenprozeß. Alexandrien, 12. April. (DNB.) Die Plädoyers der Verteidiger in der Berufungsverhandlung des Kairoer Iudenprozefses wurden am Donnerstag beendet. Wider Erwarten sprach der gegnerische Anwalt nur eine Stunde, so daß auch Prof. Grimm- Essen, der Verteidiger des Deut« schen Vereins — Kairo, noch plädieren fomjte. Der Sitzungssaal im großen Gebäude des germsch- ten Berufungsgerichts Alexandrien war bereits eine Stunde vor Beginn der Verhandlung gefüllt. Bei Beginn stand alles dicht gedrängt, in der Mehrzahl Alexandriner Juden, darunter viele jüdische Anwälte. Die wenigen deutschen Zuhörer verschwanden unter der jüdischen Menge. Der Anwalt des jüdischen Klägers, der jüdische Rechtsanwalt Castro, versuchte in seiner Rede unter Hintansetzung juristischen Beweismaterials das Gericht zu schrecken, indem er erklärte, daß bei einer Unzulässigkeitserklärung der Klage die jüdischen Minderheiten aller Länder vogelfrei und Beleidigungen ausgesetzt seien, daß insbesondere die Gefahr einer Ueberschwemmung Aegyptens mit ähnlichen Broschüren wie der infriminierten drohe. Rechtsanwalt Kamel Sedky, Vizepräsident der Anwaltskammer der ägyptischen Gerichte Kairos, bewies an Hand juristischer Unterlagen, daß die Entscheidung des Gerichts erster Instanz über die Unzulässigkeit der Klage auch bei dem französischen Kassationsgerichtshof und bei der Rechtsprechung der gemischten Gerichte Aegyptens geläufig sei. Prof. Grimm hielt dann eine meisterhaft vorgetragene, ausgezeichnet und selbst auf die anwesenden jüdischen Anwälte ihre Wirkung nicht verfehlende Verteidigungsrede, in der er unter Anführung zahlreicher Vorentscheidungen die Unzulässig' Feit der Klage bewies. Er betonte insbesondere, daß es unmö glich sei, daß ein einzelnes Mitglied einer 15 Millionen Menschen umfassenden Gemeinschaft wie der des Weltjudentums das Recht auf eine Einzelklage wegen Jnteresfenfchädigung in dem vorliegenden angeblichen Beleidigungsfall haben könnte. Er gebrauchte dabei den vom ägyptischen Staatsvertreter in erster Instanz verwendeten Ausdruck, daß die Zulassung derartiger Klagen ein juristisches Chaos herbeiführen müßte. Der jüdische Kläger beanspruche mit dieser Klage ein Privileg, das kein Gerickt der ganzen Welt in der Rechtsprechung von Jahrhunderten jemals einem Klager zuaebilligt hatte oder zubilligen konnte. Eine berartige Klage könne nur als Mißbrauch des Rechts bezeichnet werden. Die nächste Sitzung ist zur Entgegennahme des Plädoyers des ägyptischen Staatsvertteters aus kommenden Donnerstag angesetzt. Das Urteil ist kaum vor Monatsende zu erwarten» Geschichten aus aller Welt. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Ein sonderbarer Heiliger. (ht) Charbtn. 5u wohltätigen Zwecken wurden, wie erinnerlich, während des Weltkrieges in Deutschland „Erinnerungsnägel" eingeschlagen: in Wappenschilder, Standbilder aus Holz oder in allegorischen Figuren. 3n der Mandschurei aber ist die Sache gerade umgekehrt: dort werden zu wohltätigen Zwecken Nägel herausgezogen. Wenigstens ist auf diesen eigenartigen Gedanken ein alter chinesischer Pilger . oder Bettelmönch gekommen, der sich zugunsten seiner abgebrannten oder überschwemmten Heimatgemeinde mit einer Sammelbüchse auf den Weg nach Norden gemacht hat. Und zwar führt der sonderbare Heilige eine Art Kiste, ungefähr in der Form eines hölzernen Schilderhauses'mit sich herum, in das von außen Tausende von Nägeln aller Größen und Formate eingeschlagen sind, deren Spitzen alle nach innen reichen! Diesen Marterkasten, der in seiner Konstruktion an die „Eiserne Jungfrau" von Nürnberg erinnert, baut der Pilger an den belebten Straßenecken auf und läßt sich zwölf Stunden und länger darin einsperren. Vie Füße des Alten stehen auf Nägeln, auf einer Nagelbank sitzt er, und der Nägel an den Seiten» und Rückenwänden wegen kann er sich nicht anlehnen Ein erbarmungswürdiger Anblick, der natürlich viele Menschen anhält, die „Stellung" oder „Lage" dieses armen Dulders zu erleichtern! Das kann oder muß durch Ausziehen eines Nagels geschehen, wobei die Tarife gestaffelt sind: die unangenehmsten Nägel, also die ganz dicken, ganz spitzen und ganz langen kosten einen Dollar- Gobi, kleine „Blauköppe" sind schon für ein paar Cents „zu haben", und wer ganz arm ist, darf auch durch Entfernung einer Zwecke den Wohnsitz des Alten gemütlicher gestalten. Das ganze Geld kommt in die Sammelbüchse und ist für die not- leidende Gemeinde bestimmt. Hoffentlich! Denn in der Mandschurei ziehen nicht nur viele sonderbare, sondern beinahe noch mehr zweifelhafte Heilige umher . . . Das „Schlangenkonzert' (by) Johannesburg. Während die Mitglieder eines Blasinstrumenten- Orchesters in Worcester, einem kleinen Kurort im Kaplande, eine Probe abhielten, schlich sich eine gelbe Kobra zur Tür herein, kroch langsam über die Füße der erschrockenen Trompetenbläser hinweg und stellte sich vor dem Dirigenten auf, sich im Rhythmus der Musik hin- und herwiegend. Das Spiel des Orchesters erhielt dadurch eine immerhin amüsante südafrikanische Note. Dirigent und Musiker zogen_ sich langsam und vorsichtig auf ihre Stühle zurück und spielten in ihrer Angst, von der Schlange gebissen zu werden, stundenlang das schönste Potpourri, das in diesem Orte jemals gehört worden sein dürfte. Vor diesem überaus großen musikalischen Genuß kapitulierte schließlich auch die Schlange: sie zog sich wieder zurück und wurde nicht mehr gesehen. > Ein ttciter Gangsterkniff (th) Neuyork. Die amerikanischen Gangsters kennen viele Methoden, um die Geldbeutel ihrer Mitmenschen zu erleichtern. Aber dieses Verfahren dürfte neuartig fein: Sie sind nämlich dazu übergegangen, statt Menschen — Hunde zu entführen. Allerdings handelt es sich dabei um ganz besondere Hunde, um d»e Lieblingstiere von Millionären und Milliardären, die — nach den Erfahrungen der Gangsters — meist lieber eine ordentliche Summe bezahlen als ihre vierbeinigen Freunde einem cmge- drohten qualvollen Tode auszusetzen. Diese reichen Leute hängen gewöhnlich um so mehr an den Tieren, als sie ihnen die uneigennützigste Freundschaft zu bezeigen pflegen, denn einen Hund kümmert es ja bekanntlich nicht, wie reich sein Herr ist. Er liebt ihn nicht um materieller Werte, sondern um feiner selbst willen. Und die Herrchen und Frauchen lassen sich diese uneigennützige Liebe etwas kosten! So hatte die verstorbene Tochter des alten Rockefeller in dem Park ihres Schlosses eine „Villa" erbaut, in der sich ihre Hunde aufhielten. Besondere Dienerschaft sorgte dafür, daß die Hunde richtig gepflegt wurden. War einer von ihnen nur leicht erkältet, so wurde telegraphisch der beste Tierarzt des Landes hinbeordert. Was Wunder, daß die Gangsters diese Millionärslaunen in ihre Spekulation einbezogen Und sie haben sich wahrlich nicht verrechnet: es sind schon recht hohe Lösegelder für entführte Hunde bezahlt worden! In den Katakomben von Syrakus. _ (ha) Syrakus. Im Laufe der letzten 15 Jahre hatten sich in den alten griechischen Katakomben auf Syrakus Leute niedergelassen, denen die Haus- und Zimmermieten zu teuer waren und die außerdem zu der Ueber- zeugung gelangten, daß diese schönen kühlen Keller sich vorzüglich zu Wohnzwecken eigneten. Die italienische Regierung machte gute Miene 3um bösen Spiel und erhob keinen Einspruch gegen diese seltsamen Grabbewohner. Nur als man daran ging, in einigen noch nicht bewohnten Katakomben d,e Toten beizusetzen, verwies man auf die Landesgesetze, die die Erdbestattung anbefehlen. Heute ist es also so, daß die Grabbewohner von Syrakus ihr Grab verlassen, wenn sie sterben. Das kostbare Fliegenbein. D. London. Eine Briefmarke, der ein paar Zacken am Rande fehlen, verliert gleich einen Teil ihres Wertes, mag sie noch so selten fein. Ein Insekt, dem ein Bein abhanden gekommen ist, könnte sich wahrscheinlich, lebte es noch, ohne sonderliche Behinderung hüpfend, fliegend oder kriechend weiterbewegen — einen Sammler stört die mangelnde Vollständigkeit der Gliedmaßen bei einem seltenen Exemplar erheblich mehr. Der Naturforscher und Jnsektensammler Else- light in Birmingham besaß ein solch kostbares Insekt. Es war eine Fliege von der Insel Sumatra, sehr schon und — vor allen Dingen — sehr selten. Noch nie hat sich ein Sammler rühmen können, ein derartiges Exemplar in seiner Sammlung zu besitzen, und Herr Elselight war nicht wenig stolz auf dieses Kleinod. Freilich, es war nicht weise, seinem Freund Singer dieses Exemplar vorzuführen. Singer war Jnsektensammler gleich ihm, und je länger er die Fliege aus Sumatra betrachtete, desto stärker wurde fein Herz von Neid ergriffen. So kam es, daß, als sich Elfelight einem anderen Kasten voll Infekten zuwandte, Singer heimlich eine Pinzette ergriff und dem seltenen Tier ein Bein abzwackte. Das war gewiß kein edles Beginnen, und als Elselight den Verlust des Beines bemerkte, schrie er auf, als habe er selber am eigenen Leibe Schaden erlitten, und hätte um ein Haar den Kasten mit der Fliege fallen lassen, wodurch ein noch größeres Unheil heraufbeschworen worden wäre. Singer konnte, zur Rede gestellt, nicht gut leugnen, und so endete jäh eine jahrelange Freundschaft. Vor dem Richter verlangte der tief gekränkte Sammler für das Fliegenbein 1200 Pfund. Da der Richter leise Zweifel an dieser Schätzung hegte, müssen nun eine Anzahl Sachverständige das heimtückisch abgezwackte Fliegenbein begutachten und seinen tatsächlichen Wert bestimmen. Der Unwiderstehliche. Da. Wien. Tenöre sind nun einmal unwiderstehlich und es ist gleichgültig, ob sie wie Apollo aussehen oder einen ansehnlichen Bauch haben. Der Tenor Br. konnte sich zwar keiner bezaubernden Leiblichkeit, nicht einmal einer besonders schönen Stimme erfreuen, aber dennoch umkleidete er sich mit dem Ruhm eines Herzensbrechers und erzählte gern und mit einem gewissen väterlichen Mitleid von den vielen Erwartungen, die er unerfüllt lassen müsse. Von diesem eingebildeten Don Juan geht ein Anekdötchen um, das besonders gern unter seinen Kollegen erzählt wird. Br. teilte einmal seine Garderobe mit zwei anderen Sängern, von denen der eine eines Tages recht unangenehm berührt bemerkte, daß er soeben aus Versehen einen Brief gelesen hatte, der nicht an ihn, sondern an Br. adressiert war. Vermutlich hatte sich der Portier geirrt und den Brief in das falsche Fach gesteckt. Es handelte sich übrigens um eine Schneiderrechnung, bie allerdings in sehr dringlichem Tone gehalten war. Nur gut, daß der Bries vorher so ungeschickt geschlossen war, daß man ihn leicht öffnen und jetzt wieder gut schließen konnte. Der Sänger legte also i)ie Rechnung, nachdem er sich mit dem dritten Bewohner der Garderobe darüber verständigt hatte, in das Fach von Br. Der erscheint bald daraus, nimmt den Bries heraus und lieft ihn. Heimlich beobachten ihn die Kollegen. Zu ihrem Erstaunen wird Br. gar nicht ärgerlich, im Gegenteil, feine Miene hellt sich auf, gütig und wohlwollend blickt er in das Schreiben hinein, zerreißt es dann mit betonter Pofe und murmelt lächelnd und kopfschüttelnd: „Wann werden die kleinen Mädchen endlich merken, daß ich nicht für jede da sein kann?" ... Aus aller Well. Lastwagen-Anhänger vom Zug ersaht. In der Nähe des Bahnhofes Ebfcheid (Hunsrück) versuchte der Führer eines aus Stuttgart stammenden Lastkraftwagens mit Anhängern, Die Gleise vor einem die Strecke Boppard—Simmern fahrenden herannahenden Personenzug zu überqueren. Der Anhänger des Lastwagens wurde aber noch von der Lokomotive erfaßt und von dem Triebwagen abgerissen. Die auf dem Anhänger ausge- stapelten mit Rohöl gefüllten Fässer gingen zum jum größten Teil in Trümmer. Das Oel ergoß sich in den Graben. Die im Führerstand des Lastwagens sitzenden Personen blieben wie durch ein Wunder unverletzt. katholischer Pfarrer zu V/s Jahren Gefängnis verurteilt. Das in Rostock tagende Schweriner Sondergericht verurteilte nach vier Tagen Verhandlung den Pfarrer der Rostocker katholischen Kirche, Prälaten L e f f e r s wegen eines Vergehens nach § 1 des Gesetzes betreffend den Schutz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und mm Schutze der Parteiuniform entsprechend dem Anträge des Generalstaatsanwalts z u lx/2 Jahren Gefängnis und zur Tragung der Kosten des Verfahrens. Prälat Lessers hatte gegenüber drei Studierenden, die ihn ausgesucht und ihn in eine Unterhaltung über Rosenbergs Buch „Der Mythos des 20. Jahrhunderts" verwickelt hatten, in der Annahme, ihnen seelsorgerische Beratung leisten zu müssen, Steuerungen getan, die unter das erwähnte Gesetz fallen. Lin Hafer gräbt feinen toten Sohn aus der Laivine. Nunmehr ist auch das neunte Opfer des großen Lawinenunglücks bei Schlad- m i n g, das sich am 11. März ereignete, geborgen worden. Der Vater des Vermißten Alois K r e n n aus Wien hatte sich trotz feines hohen Alters auf die Suche nach feinem Sohn gemacht. Er durchwühlte mit einigen Helfern die Schneemaffen. In ungefähr drei Meter Tiefe stteß ein Helfer auf eine Leiche. Er rief sofort den Vater des Krenn, der nun selbst seinen toten Sohn ausgrub Französisches Mililärflugzeüg abgestürzt. — Drei Tote, zwei Schwerverletzte. In der Nähe von Bordeaux stürzte, wahrscheinlich infolge der heftigen Weststürme, ein französisches Militärflugzeug ab*. Drei von den fünf Insassen wurden auf der Stelle getötet, die beiden anderen wurden in schwerverletztem Zustande in ein Krankenhaus übergeführt. Das Flugzeug selbst ging vollkommen in Trümmer. Wetterbericht des Reichswetterdienstes Ausgabeort Frankfurt. Der gestern über Frankreich gelegene Teilwirbel ist nordostwärts weitergezogen. Er brachte unserem Gebiet Schauertätigkeit und in der Nacht zum Samstag einen Einbruch kälterer polar-maritimer Luft, wobei es auch in unseren Mittelaebirgen wieder zu Frost und Schneefall kam. Zunächst befindet fick die Kaltluft im Zusammensinken und bedingt Aufheiterung und wieder ansteigende Tagestemperaturen. Die Witterung bleibt auch weiterhin nicht störungsfrei, doch wird verhältnismäßig freundlicher Witterungscharakter überwiegen. Aussichten für Sonntag: Zunächst Bewölkung und Regenneigung, bann neue Aufheiterung, im ganzen milder, um Süd schwankende Winde. Lufttemperaturen am 12. April: mittags 8,3 Grad Celsius, abends 7,9 Grad: am 13. April: morgens 4,9 Grad. Maximum 10,3 Grad, Minimum 3,3 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 12. April: abends 8,2 Grob; am 13. April: morgens 6,4 Grad Celsius. — Sonnenscheinbauer 0,4 Stunden. — Niederschläge 2,4 mm. Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Langem für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 35: 11229. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.°G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. HEUERBÜRO, M an 0. Gietz. Anz. I Ev. Landwirt, 30 I. alt, sucht tücht.Landwirts- tochter zwecks Heirat kennen zu lernen. Schr. Ang. mit Bild unt. 01617 a. d. Gietz. Anz. Küche,Balk.usw. mon. 46 RM. 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Sonnt., 21.Avr., 19 b. 22.15 Uhr: Der Zigeuner- mH UauiwiktMty. l&MWLeickw du Wa rta- V&tks - Ccum Tube 25 J Wa rta-tMks -Seile 15 254 Vogtsche Privat-Handelsschulen Gießen / Herborn Selters ►weg 33 STRASSENREHLAME Persil"-*Persil GENERALVERTRETUNG nr.F8 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Samstag, (3. April (935 3——MU m M Gl Aus der Wett des Films. Berliner Kilmbrief. „Baboona." Dies ist ein Film von Martin und Osa John- f o n. Die Johnsons, ein amerikanisches Forscherehepaar, seit Jahren schon dem Zauber Afrikas verfallen, der sie zu immer neuen Expeditionen lockt, sind diesmal mit Flugzeug und Kamera auf Großwildjagd ausgezogen, und es ist eine phantastische Beute, die sie gemacht haben. Sie erjagen das Wild im Fluge, und ebendies Ueberrafchungs- moment ihres plötzlichen Auftauchens liefert ihrer Kamera Bilder von einer nie gesehenen und überwältigenden Großartigkeit. Der Osten Afrikas, das Land zwischen Abessinien, Belgisch Kongo und Tanganyika ist ihr Jagdgebiet. Es ist der Hoheitsbereich der Tiere, das sie unbeschränkt besitzen, die Flugzeuge gleiten nur wie ein Schatten darüber hin, der rasch verweht. Da ziehen sich die Flamingoschwärme wie eine riesige Arabeske an den Ufern der Flüsse entlang, die Zebras fliehen vor dem Surren der Propeller, gereckten Halses ziehen die Giraffen vorüber, die Elefantenherden stampfen über die Steppe, und da schnellen sich die Löwen in wundervoll weichen Sprüngen durch das Gebüsch. Gnus, Antilopen, Hyänen, Krokodile, das hat man auch anderswo schon gesehen, aber niemals zuvor aus dieser Perspektive und in so unvorstellbarer Anzahl. Der spannendste Moment des Films ist ein Kampf mit Nashörnern; ihr langsames Näherrücken hat schon etwas Atemberaubendes. Baboona ist das Land der Paviane. Dort hausen sie in großen Herden, dort lieben, lausen und vermehren sie sich, beaufsichtigt und tyrannisiert von dem Leitpavian, der ein furchtgebietender Herrscher ist. Flucht vor den Todfeinden, den Leoparden, das ist ein Gehetz und ein Gejage und ein Geschrei, ein Gleiten und Schleudern und schließlich ein Wettspringen von tausend Tierkörpern über einen Fluß, Bilder von hinreißendem Tempo und Schwung. Und als gleichsam moralische Schlußapothese: diese großmächtigen und großmäuligen Affen mit all ihrer Gescheitheit und Beobachtungsgabe, die sich vor dem großen Feind nicht fürchten —: vor einer Meute kleiner bissiger Meerkatzen ergreifen sie die Flucht, um sich einem ruhigeren und ungestörteren Lagerplatz zuzuwenden. Dieser Film ist erlebte Nähe der Landschaft und der Tiere, Urwald, Wildnis und Steppe, ein kleiner Blick in die große Freiheit, und deshalb ist er schön. Einzig der erläuternde deutsche Text in seiner allzu großen Selbstgefälligkeit beeinträchtigt ihn ein bißchen. „Blutsbrüder " Wer im Film nicht nur einen Zeitvertreib, eine abendliche Zerstreuung sieht, wird es immer wieder dankbar begrüßen, wenn er durch eine Spielhandlung in eine ihm fremde Welt versetzt wird und eigenartige Landstriche und Volkssitten kennenlernt. Der Film „Blutsbrüder" führt uns nach Bosnien, in dieses einst zu Oesterreich, heute zu Jugoslawien gehörende gebirgige Land an der Adria, das durch den Mord in Serajewo eine traurige Berühmtheit erlangt hat. Zu den Besonderheiten dieses Gebietes gehört es, daß es drei Religionen birgt, die griechisch-katholische Kirche, den römisch - katholischen Glauben und den Islam. Daneben aber wuchern alte Volkssitten, denen die Blutsverbundenheit harte Gesetze geschmiedet hat, und in dem Film ist von zwei Blutsbrüdern die Rede, die einen Kampf auf Tod und Leben um eine Frau führen. Der eine Blutsbruder küßt aus Uebermut im Vorbeireiten eine schöne Frau mit sanfter Gewalt, ohne zu wissen, daß sie die Braut des anderen Blutsbruders ist und sich gerade zur Hochzeit schmückt. Die immer sprungbereite bösartige Klatschsucht bringt diese schlimme Kunde dem Hochzeiter zu Gehör in einer Stunde, als er in einem rauschenden Fest sein junges Weib in sein Haus geführt hat. Jäh bricht das Fest der Freude ab, die Leidenschaft des Genusses verwandelt sich in einen Taumel des Hasses, bis schließlich die von den beiden Männern geliebte Frau die beiden Rivalen zur Versöhnung bringt. Der Film ist mit viel Liebe gearbeitet und macht einen starken Eindruck. Der Gang zur Kirche, das Hochzeitsfest mit all den seltsamen Sitten und Gebräuchen nehmen den Zuschauer im Tiefsten gefangen. Bekannte deutsche Schauspieler — Attila Hörbiger, Willy Eichberger, Willi Schur, Brigitte Horney^— spielen mit. Der Film gehört zu den Erlebnissen, die man nicht so bald wieder vergißt. * „Die Katz' im Sack." Richard Eichberg ist nach seinem Aufenthalt in Paris wieder bei uns aufgetaucht und hat den NDLS.-Film „Die Katz im Sack" gedreht. Man muß ihm das Zeugnis ausstellen, daß er seiner Art treu geblieben ist. Er sieht alle Dinge nur auf ihre äußere Wirkung, aber diese beherrscht er bis ins Kleinste. Er versteht es, Schmiß und Tempo hineinzubringen, seine Schauspieler mit seiner derbgesunden Art zu einer frohen Spiellaune hinzureißen und dem Ganzen viele Lichter aufzusetzen. Das Publikum hat einen Mordsspaß an dem Geschehen. Kaum sind hundert Meter gelaufen, da prasselt schon der Beifall in die offene Szene und wiederholt sich oft, bis zum Schluß ein großer Jubel losbricht. Die Handlung ist nicht gerade neu, aber Eichberg hat diesem alten Stück so viel Chic gegeben, daß man schwören möchte: ein garantiert neues Modell 1935! Um den Film mit schönen Bildern zu würzen, zieht man Paris und die Riviera heran: elegante Bars, Ballsäle und Palmen. Magda Schneider ist ein nettes Mädchen mit mittlerer Begabung, sie macht ihre Sache unter dem Einfluß Eichbergs besser als sonst. Retti sieht für die Begriffe junger Leute von heute gut aus. Tina Eilers ist ein reizend eifersüchtiges Fräulein, und Wohlgemerkt: Es mag irgendwo auf der Welt Filmsyndikate geben, die über einen zahlenmäßig größeren Filmbestand verfügen als ihn das neugegründete Reichsfilmarchio besitzt. Aber es dürfte sich dabei ausschließlich um mehr oder minder ausschlachtbare Spielfilme handeln, die ihren Bilanzwert haben, und die sich deshalb der sorgsamsten Pflege erfreuen werden. Das F i l m m u s e u m in Berlin aber, dessen Gründung das verdienstvolle Werk des Regierungsrates Dr. B ö t t - g e r ift, befaßt sich ausschließlich mit der Sammlung von Filmberichten, die st a a t s p o l i t i s ch und künstlerisch besonders wertvoll sind unb daher geeignet erscheinen, der Nachwelt bedeutsame Aufschlüsse über die Entwicklung und das Wesen der Gegenwart zu vermitteln. Es hat bisher eine Zentralstelle dieser Art im Reich nicht gegeben. Lediglich einige Privatleute und Herstellerfirmen haben bisher innerhalb ihres Wirkungsbereichs die Bedeutung eines.Filmarchivs erkannt und für ihre Zwecke eine Sammlung von Filmen angelegt. So der deutsche Filmpionier Oskar M e ß t e r , die Ufa und ein Privatsammler namens Kunde in Düsseldorf. Das vom Reichspropagandaministerium genehmigte Statut des Reichsfilmarchivs bestimmt schlicht und einfach, daß alle Filme, die für staatspolitisch oder künstlerisch wertvoll erklärt werden, in einer Kopie von der Herstellungsfirma kostenlos zur Verfügung gestellt werden müssen. Der Grundstock wurde durch etwa 1200 Filme aus zufällig in Privathand befindlichen Beständen gebildet, die bereitwilligst 3ur Verfügung gestellt wurden; dazu kommen nun laufend alle jene irgendwie bemerkenswerten Z e i t - dokumente und Spielfilme, die in deutschen Produktionsstätten neu hergestellt werden. Der große ideelle und materielle Wert dieser jetzt schon einzigartigen Sammlung wird klar, wenn man die Museumsräume im Harnackhaus des Kaiser-Wilhelm-Jnstitutes zu Berlin-Dahlem besucht, Julie <5erba eine Mutter, wie bieser Film sie braucht. M e y e r i n ck gibt eine seiner fein durchgearbeiteten Typen zum Besten. „Punks kommt aus Amerika." Die Geschichte ist so: Ein junger Mann, der seinerzeit als Taugenichts nach Amerika auswanderte, dort zu Geld und Gut gekommen ist, nachdem er alle üblichen Stufen vom Tellerwäscher und Stiefelputzer bis zum Farmer durchgemacht hat, setzt es sich in den Äopf, ohne einen Pfennig Geld nach Deutschland zurückzukommen. Hier will er erproben, daß man mit Mut, Frechheit und Geschicklichkeit auch in dem alten Europa noch das Unmögliche möglich machen kann. Dieser Tausendsassa Punks ist Attila Hörbiger. Eine bezwingende Gestalt! Herrlich, wenn er seinen breiten Brustkasten herausstreckt, die Hände in die Hosentaschen steckt und mit wiegenden Schritten daher kommt! Herrlich, dieses breite bäuerlich kraftvolle Gesicht. Karl Heinz Martin führt Regie. Er bleibt nicht immer auf der anfangs beschrittenen Linie, aber man muß bekennen, daß das Abirren vom Lustspiel in die Groteske zum mindesten anregend auf die Lachmuskeln wirkt. Die Spieler um Hörbiger herum sind Ralph Arthur Roberts, Sybille Schmitz, Lien D y e r s und Lorenzen. Roberts hat in der Rolle als Punks' Onkel, der ein Antiquitätengeschäft betreibt und von einer rührenden Weltfremdheit ist, Gelegenheit, alle Register seiner erprobten Komik zu ziehen. Sybille Schmitz zeigt ihr schönes Gesicht, ihre Ausdrucksfähigkeit und ihre Damenhaftigkeit. Lien Dyers bleibt eine blaffe Erscheinung, die nie so recht überzeugen kann, wenn mehr verlangt wird, als lieblich auszuschauen. die allen Filmschaffenden zum Quellen st udium zur Verfügung stehen, und wo alle technischen Errungenschaften der Film - Vorführung vorhanden find, um das reiche Material für Regisseure, Produktionsleiter, Musiker und ... Politiker auswerten zu können. 1200 Filme werden hier aufbewahrt; Dokumente von zum Teil einzigartigem Wert. Mit der Einweihung des Völkerschlachtdenkmals in Leipzig hebt die Historie an; auf die glanzvollen Paraden und Staatsvisiten der Vorkriegszeit folgen die erschütternden Filmberichte vom Mord zu Serajewo; großartige und oft erschreckende Bildstreifen aus dem Weltkrieg, aus den Tagen des Niederbruches, des Verrates. Max Hölz mit feinen Mordbrennern geistert über die Leinwand, die Unruhen und Revolten aus den ersten Nachkriegsjahren — Berlin, Mitteldeutschland, Ruhrgebiet! — erstehen aufs neue; die längst verbotenen Zersetzungsprodukte sowjetrussischer Filmkunst sind hier aufbewahrt. Daneben werden wir aber auch heraufgeführt aus den Uranfängen der Filmdarstellung um die Jahrhundertwende bis zu den letzten Kunstwerken moderner Filmkultur. Von Giampietros „Don Juan" bis zu Luis Trenkers „Verlorenem Sohn", vom Jahre 1900 also bis 1935 sind großartige Denkmäler einer neuen Kunstgattung aufbewahrt, die einmal dem Kunstwissenschaftler nicht geringeres Interesse abverlangen werden als dje Filmreportagen dieser letzten „Dreißig Jahre Weltgeschehen", deren Ausschnitte vor nicht allzulanger Zeit in einem abendfüllenden Filmwerk durch die meisten deutschen Filmtheater gelaufen fein dürften. Das Reichsfilmarchio ist eine Errungenschaft von heute. Hier haben wir wohl zum ersten Male in der Weltgeschichte die originelle Selbstbiographie eines neuen, umgestaltenden Zweiges der Technik und der Kunst, dem eine große Zukunft und eine unübersehbare Entwicklung beschieden zu sein scheint. Gefilmte Historie in historisHen Filmen. . Die größte Filmsammlung der Welt im Reichsfilmarchiv. „Triumph des Wittens." Ein Dokument des Nürnberger Neichsparteitages 1934. In würdiger Form, im Rahmen einer Festvorstellung im Lichtspielhaus, fand gestern abend die Gießener Erstausführung des Reichsparteitagsfilms der NSDAP, statt. Nachdem der Jungbannfanfarenzug einen schneidigen Fanfarenmarsch zum Vortrag gebracht hatte, betrat der Kreisleiter Pg. Kloster mann die mit den Fahnen des Dritten Reiches geschmückte Bühne zu einer Ansprache, in der er etwa folgendes ausführte: e Wenn jetzt in ganz Deutschland der Film vom Reichsparteitag 1934 abrollt, bann müssen wir uns des'tieferen Sinnes dieses Erlebnisses bewußt werden. Die beiden Parteitage, die wir seit der Ueber- nahme der Macht in Nürnberg gefeiert haben, sind Inhalt und symbolhafte Auslegung des Kampfes der NSDAP. Wenn heute Millionen von deutschen Menschen dem Führer huldigen, dann müssen wir uns überlegen, daß es Zeiten gab, wo es anders war. Der Parteitag von 1934 war der vierte; 1927 war der erste. Es werden damals vielleicht nur ein Dutzend deutscher Männer gewesen sein im ganzen Gau Hessen, die Adolf Hitlers Fahnen trugen. Und wenn sie nach Nürnberg fuhren, bann war es, um sich dort die Kraft und den Willen zu holen, ihren Kampf um Deutschland zu bestehen. Damals rollten noch keine Sonderzüge, damals gab es noch nicht die Millionen von Menschen, die uns zujubelten. Mit bangen Gefühlen sind wir nach Nürnberg gefahren; das System hatte dem Führer das Reden verboten. Aber in feinen leuchtenden Augen war die Zukunft. Damals waren es in Nürnberg 30 000. Wir fühlten uns damals in dieser Stadt, als wäre schon ganz Deutschland nationalsozialistisch geworden; das bot uns die Gewähr für die Zukunft. 1929 waren es schon 100 000. Dann ruhten die Parteitage bis nach der Machtübernahme durch den Führer. 1933 war der Parteitag des Sieges, und der Film, der davon Kunde gab, hieß nicht umsonst „Der Sieg des Glaubens". Die anderen hatten das Parlament, hatten die Presse, hatten das Geld — wir hatten nur den Glauben an die Kraft des Blutes unb an bie politische Idee. So ist der Name allein schon Symbol, u:V) nrnn her Reichsparteitagsilm 1934 „Triumph des Willens" heißt, dann überlegen Sie: als wir j an der Macht waren, da waren noch nicht alle auf unserer Seite, und im Ausland sah es noch ärger aus. Der Führer hatte dem nichts entgegenzusetzen als eine Nation, die vom fanatischen Willen beseelt war, sich zu behaupten. Nach einem gewaltigen Siegeszug im Innern hatte er die zähe Beharrlichkeit, die Programmpunkte durchzusetzen, die durchführbar waren. Die wirtschaftliche Not konnte nur aebannt werden, wenn auch der letzte Mann das Letzte hergab und sich in fanatischem Willen zum Führer bekannte. So sind die beiden letzten Parteitage Symbol geworden für unseren Willen und unseren Glauben an die Zukunft Deutschlands. Wenn wir versuchen, unserm Volk einen neuen Willen und eine neue Gestalt zu geben, so wissen wir, daß das nur geht, wenn wir ihm einen neuen Mythus geben auch nach außen hin. So erleben wir heute auf der Leinwand die Zeichen, daß wir auch in den kommenden Jahren dasselbe erleben werden. SA., PO. und die deutsche Jugend verpflichten sich dem Führer immer aufs neue. Der Parteitag fand in Nürnberg die Stadt, wo im Mittelalter der deutsche Reichstag war. Es ist der Wille des Führers, in Nürnberg Parteitag und Reichstag abzuhalten — wie heute so in fünf, in zehn, in hundert und in fünfhundert Jahren und das Volk immer wieder aufs neue zu den Grundsätzen der Nation zurückzuführen. Wir müssen wissen, daß Deutschland nur leben kann, wenn der letzte Deutsche nichts anderes mehr kennt auf dieser Welt als Deutschland und nur Deutschland. (Stürmischer Beifall.) — Nach einem weiteren Musikvortrag des Jungbannfanfarenzuges begann die Aufführung. ♦ Wer den Film „Triumph des Willens", ein Dokument des Nürnberger Reichsparteitages von 1934, der im Auftrage des Führers hergestellt und von Leni R i e f e n st a h l gestaltet wurde, auf sich wirken läßt, wird schwerlich seine Eindrücke anders zusammenfassen können als unter dem Begriff der Monumentalität. Und zwar nicht nur etwa, wenn er sich mit einem Blick ins Programmheft vergegenwärtigt, welche eine vielgliedrige Arbeitsgemeinschaft von künstlerischen und technischen Helfern an der Vollendung des Werkes beteiligt war. (Allein 18 der bewährtesten deutschen Kameraleute, unter ihnen Allgeter, Wittenberger, Liebe- renz und R i m I, gaben in hervorragenden 2luf- nabrnm ihr bestes Können für die groß? Sache her. Und es würde viel zu w^it führen, wollte man alle V die Assistenten, die Architekten, die Tonschnittmeister, die Beleuchter, die Flieger, die Organisatoren und Propagandisten mit Namen nennen.) Der Film ist auch nicht nur eine monumentale Leistung um seiner äußeren Ausmaße willen — es ist bei früheren Gelegenheiten wiederholt und ausführlich davon im einzelnen die Rede gewesen — und nicht nur wegen der ungeheuren Massen von Menschen, die hjer organisatorisch, räumlich und filmkünstlerisch zu übersehen, zu ordnen und bildhaft zu gestalten waren — sondern weil der Film viel mehr wurde als etwa ein großzügiger Bericht vom Parteitag: weil er ein Dokument ift, weil er ein Stück gegenwärtiger deutscher Geschichte aufzeichnet und ein unvergeßliches Erlebnis wurde für die Millionen von Deutschen, die nur mit dem Herzen, nicht aber körperlich und gegenwärtig an diesen Tagen teilhaben konnten, an denen die nationalsozialistische Bewegung mit unerhörter Eindringlichkeit Triumph und Bekenntnis ihrer Macht, ihres Willens und ihres Glaubens an Deutschland zusammenfaßte. ♦ Gewiß ist schon das äußere Bild für sich allein imponierend, überzeugend und begeisternd genua: der herrliche Schauplatz der alten und unvergleichlich schönen Stadt, der Wald der Fahnen und Standarten, das Spalier der tausendfach zum Gruß erhobenen Hände, die endlosen und unübersehbaren Massen von Menschen in ihrer Disziplin und ihrem Jubel, die immer aufs neue anfchwellenden Chöre der Heilrufe, Gesang und Musik, Aufmärsche und Vorbeimärsche der riesigen Kolonnen — das alles ift ein großes und schönes Bild, auch künstlerisch und filmisch mit einer bestechenden Sicherheit gesehen und herausgeschnitten. Aber mehr bedeutet doch das innere Bild, bedeutet die Tatsache, daß hier das Erlebnis von Hunderttausenden unmittelbar und zündend auf die Millionen der anderen übertragen wird, die damals nicht dabei waren, und die es nun auch — eindringlicher als durch Zeitungsberichte, Bilder oder Rundfunk — erleben können, als wenn sie mitten darunter stünden. ♦ Das ist wohl die höchste Anerkennung, die der künstlerischen Leistung von Leni R i e f e n st a h l zuerkannt werden kann. Vielleicht das überzeugendste Beispiel für die ihr eigene Art, wie sie filmisch > zu sehen unb gestalten vermag, ist die bild')",:: i l wciktigung der damals in Nürnberg oersaiÄMclten | Schnitt und Blende. -Oon Jörg Alert. Der „Schnitt" im Film, zunächst ein notwendiges technisches Hilfsmittel, ist längst zu einer Kunstausübung nach eigenen Gesetzen und Stilerfordernissen geworden, zu der besondere Begabung notwendig ist. Wieviel Bedeutung heute der bereits so hoch entwickelten Schnitt-Technik zukommt, kann nur der ermessen, der einmal den ungeheuren Unterschied zwischen der lose aneinandergereihten Bilderfolge eines soeben fertig gedrehten Films und dem fertigen Werk festgeftellt hat. Man müßte annehmen, daß ein Film, der mit minutiöser Genauigkeit einem sorgfältigen Drehbuch nachgedreht worden ist, nur zusammengesetzt zu werden braucht, um ein einheitliches, stilsicheres Kunstwerk zu ergeben. Dies ist jedoch in den meisten Fällen nicht so. Das Buch, und wenn es auch von einem noch so filmerfahrenen Autor geschrieben wurde, ist befangen in den dramaturgischen und wortstilistischen Bestrebungen des Stoffes. Das fertige Bild läßt ungeahnte Unstimmigkeiten und Unmöglichkeiten erkennen und verlangt nach einer neuen, ganz andersartigen Formung und Glättung. Wieviele Szenen, im Atelier „verdreht", mußten durch den Schnitt gerettet werden. Wieviele Bildfolgen, die man im Buch und auch im Atelier nicht lang genug kriegen konnte, verlangen eine unerhörte Kürzung und Zufammenraffung, wenn man sie im Rahmen des Ganzen betrachtet. Und dann die „Uebergänge"! Gewiß hat man sie im Buch nach Möglichkeit vorausberechnet. Aber beim fertigen Bild traut man feinen Augen nicht mehr, da sieht plötzlich alles ganz anders aus. Wie oft erweist es sich als notwendig, einen ganzen Handlungskomplex aus der Folge, in die er durch das Buch hineingesetzt wurde, herauszunehmen und •n einer ganz anderen Stelle einzufügen, weil er aus irgendwelchen Gründen an der ihm anfangs Angewiesenen Stelle jede Wirkung einbüßt. Ein Beispiel: der Held des Films verläßt irgendeinen Raum nach einem hochdramatischen Auftritt. Cs folgt jetzt in der Handlung ein Zeitzwischen- raum von drei bis vier Jahren. Da sehen wir ihn wieder, wie er die Hand auf eine Türklinke legt unb einen Raum betritt. Da man ihn kurz vorher eine Tür schließen sah, hat man nun durch die Bildfolge zwangsläufig den Eindruck, daß zwischen beiden Auftritten nur wenige Sekunden liegen, daß der Held also beispielsweise nach dem Verlassen des ersten Raumes nur eben mal über den Korridor in ein anderes Zimmer gegangen ist. In solchen — hier ein wenig kraß beschriebenen — Fällen heißt es: das muß im Schnitt herausgeholt werden. Der Schnitt bedeutet aber nicht nur eine Zu- sammensügung und Zubereitung der Bilderfolgen, sondern sehr oft auch eine Unterstreichung, eine eigene Wirkung, eine Pointe sogar. Das beste Beispiel hierfür ist der sog. harte Schnitt, der durch seinen blitzschnellen Bildwechsel einen starken Akkord, eine Schreckwirkung, einen Posaunenstoß bedeutet. An solcher Stelle folgt unmittelbar, gleich einer Ueberrumpelung, ein völlig gegensätzliches, andersartiges Bild, das durch den erschütternden Kontrast eine starke Bewegung im Zuschauer auslöst. Es folgt z. B. auf eine elegische Szene mit einem traumhaft weichen Dialog zwischen zwei einsamen Menschen urplötzlich das Bild eines strahlen- den Festes, eine vielköpfige, geschmückte Menge in blendendem Lichterglanz, die nach einer dröhnenden, brillierenden Musik tanzt. Das K u n st m i t t e l des Schnitts muß aber anderseits bereits bei der Abfassung des Drehbuches angewandt werden. Die Szenenschlüsse und -anfänge müssen bereits auf Schnittwirkung und optischen Uebergang bedacht werden. Eine andere Anwendung des Schnittprinzips ist der Zwischenschnitt. Er bedeutet, daß zwei nebeneinander herlaufende Handlungen, die zur Vereinigung hindrängen, in der Szenenfolge miteinander abgewechselt werden. Hierdurch wird mehrerlei bezweckt. Eine Auflockerung und Bunt- gewaltigen Menschenmassen: daß eben die Masse m diesem Film nicht nur Masse blieb, sondern immer wieder aufgelöst und gesteigert wird zu dem lebendigen und adligen Begriff Volk, das ist, für unser Empfinden, einer der stärksten Eindrücke des ganzen Werkes. Das geschieht am eindringlichsten vielleicht in dem großen Appell des Arbeitsdienstes, in dessen Reihen sich ein Sprechchor der jungen Generation aus allen Teilen des Deutschen Reiches formt, um sein Bekenntnis abzulegen zum Führer und zu der älteren Generation derer, die für Deutschland im Kriege gekämpft haben und gefallen sind. Aber auch sonst immer wieder heben sich aus der unabsehbaren und namenlosen Menge einzelne Gestalten, Köpfe und Gesichter heraus, im Trachten- Zug, unter den Zuschauern, im Lager des Jungvolks, bei den Fahnenträgern, und aus allen diesen Gesichtern blickt uns unser Volk lebendig und gläubig und unvergänglich entgegen. Neben den namenlosen und unbekannten Gesichtern, jungen und alten, erscheinen die tausendfach bekannten Gesichter der Führer des Staates und der Bewegung: Heß, Goebbels, Göring, Ley, Streicher, Hier!, Schirach, Lutze und manche andere noch. Heber allen aber, zu Anfang und zu Ende, im Blickpunkt und Mittelpunkt: der Führer, umbranbet vom Jubel, als Künder und Vollstrecker des Willens der Nation. Seine Gestalt erhebt sich immer aufs neue über die Menge hinaus, er ist die Mitte dieser riesigen Kundgebung, sein Blick und seine Stimme beherrschen jeden der vielen Höhepunkte des Parteitages, die der Film mit einer erstaunlichen Konzentration auf das Wesentliche eingefangen und festgehalten hat: wir erleben die Eröffnung in der Kongreßhalle, den Appell des Arbeitsdienstes, den Trachtenzug der Bauern, die Vorführungen der Reichswehr, die Kundgebung der Jugend, den Fackelzug der Amtswalter, die ergreifende Heldenehrung im Luitpoldhain, die Weihe der Standarten mit der Blutfahne, die zündenden großen Vorbeimärsche vor dem Führer und endlich den Ausklang: als das Leitmotiv dieses Films erscheint immer wieder die Gestalt des Führers, und als das Leitmotiv aller seiner Reden und Ansprachen erklingt immer wieder das Evangelium, das hier einer ganzen Nation unvergeßlich verkündet und vor die Seele gestellt wird: Deutschland! — —r— färbung des Handlungsablaufs, das Hineinarbeiten von neuen Wirkungen durch die besondere Gleichartigkeit oder auch Gegensätzlichkeit der beiden zusammengeschnittenen Handlungsfolgen und die Betonung ihrer Gleichzeitigkeit. Ein primitives Beispiel dafür ist das Abwechseln der Bilder einer wartenden Frau und ihres Geliebten, der ihr ent- gegenreist. Das andere technische Mittel des Films ist die Blende: Das Bild der Szene erlischt allmählich. Es wird meistens als Bindemittel zweier Szenen, die zeitlich oder örtlich getrennt liegen, verwendet und heißt dann Ueberblendung. Das Beispiel einer außerordentlich geschickten und wirksamen Ueberblendung ist in dem Trenker-Film „Der verlorene Sohn" enthalten. Es ist die Stelle, an der der Held des Films in den Anblick einer schneebedeckten Berggruppe versunken ist und seiner Sehnsucht in die weite Welt nachträumt. Plötzlich werden die Berggipfel unscharf, verschwimmen und allmählich tritt mit immer schärferer Deutlichkeit das Bild eines Wolkenkratzer-Massivs von Neuyork hervor. (Wir haben seinerzeit bei der Besprechung der Gießener Aufführung auf diese Gegenüberstellung der beiden wichtigsten Motive nachdrücklich hingewiesen.) Mussolini und seine Gäste in Gtresa. Kohle durch das des Oels. Schon im Weltkrieg hat die Oelpolitik eine viel größere Rolle gespielt, als die meisten Menschen ahnten. Der berüchtigte Vertrag von San Remo wie das vorangegangene Verenger - Abkommen, der Sykes-Pikot-Vertrag und die Mossul-Komödie waren äußere Marksteine eines erbitterten Kampfes der Welt-Oelinteressenten, der sich bis hinter die Kulissen des ehrenwerten Völkerbundes fortsetzte und auf dem Rücken des ohnmächtigen Deutschland aus- getragen wurde. England ist nach einem Wort Lord Curzons auf einer Oelwelle zum Siege getragen worden. Und diese Oelwelle ergießt sich heute aus der Leitung Mossul—Haifa direkt in die Bunker der britischen Mittelmeerdivision. Dadurch hat sich aber der Schwerpunkt der englischen Interessen im Mittelmeer noch mehr nach Osten verschoben, der schon immer weniger bei den Säulen des Herakles, als beim Isthmus von Suez lag. Hier im östlichen Teil des Mittelmeeres gibt es auch keine maritimen Anrainer, die der englischen Flotte die Herrschaft streitig machen könnten. Zumal, wenn das strategische Dreieck Aegypten-Palästina-Cypern noch durch entsprechende Maßnahmen — a l s Gegenpol von Singapur — zum westlichen Angelpunkt des britischen Imperiums ausgebaut würde. An Stelle von Cypern wird als Variante auch Kephalonia, die am Eingana des Golfs von Patras gelegene größte der jonischen Inseln, genannt, die von Griechenland im Tausch gegen Cypern erworben werden könnte. Unter dieser Voraussetzung einer absolut unangreifbaren Stellung am Suezkanal und am Roten Meer könnte England nach Meinung des Commander Kenworthy a u f Malta und Gibraltar verzichten. Der Seeweg aus dem Mittelmeer nach Indien wäre sicherer als je in seiner Hand. Der Reichsluftweg und die Radiostationen sorgen für die Verbindung -mit der Heimat. Die militärischen Luft-Zentren in Kairo bzw. Jerusalem würden im Fall eines Konfliktes im Mittelmeer ihre Gefechtskraft im Angriff wie in der Verteidigung vervielfachen und können, wenn notwendig, aus Bagdad wie aus London verstärkt werden. Bleibt noch die Sicher st ellung der Oel- transporte nach England, die in kriegerischen Zeiten nicht mehr durch die Straße von Gibraltar geleitet werden können. Sie sollen durch den Suezkanal auf dem alten Weg um das Cap der Guten Hoffnung geschehen Dieser Weg ist von Haifa nach London nicht weiter, als von Basra aus, und bis vor kurzem war die dortige „Anglo Persian Oil Company" die hauptsächlichste Quelle, die sowohl die britische Flotte als die Motorindustrie in England zu versorgen hatte. Der weite Weg würde also keine Verschlechterung gegenüber früher darstellen, anderseits aber die Möglichkeit leichterer Sicherung und größerer Regelmäßigkeit bieten. Alles in allem kann man dem Vorschlag die Originalität nicht abstreiten. Er eröffnet Perspektiven, die eine vollkommene Umwälzung der Lage im ganzen Mittelmeer nach sich ziehen würden. Die moralische Wirkung einer Rückgabe der bisherigen Stützpunkte würde nach unserer Ansicht aber nur Spanien ganz befriedigen. Die plötzliche Festsetzung Englands vor der Straße von Otranto wäre wahrscheinlich für Italien unerträglicher als der jetzige Zustand. Auch f ü r Griechenland wäre ein „Helgoland" vor seiner Küste ein hoher Preis für die Rückkehr von Cypern unter die griechische Souveränität. Und Frankreich sähe durch ein italienisches Malta seinen Seeweg nach der Levante im Kriegsfälle vollkommen angeschnitten. Aber auch noch andere Bedenken drängen sich bei näherer Ueberlegung auf: wie wird sich die öffentliche Meinung in England mit dem Plane abfinden? Wie die englischen Steuerzahler? Was werden die ägyptischen Nationalisten zu der Vereinigung ihres Vasallenverhältnisses sagen? Und endlich, gesetzt den Fall, daß England wirklich mit Frankreich, Italien und Spanien in Konflikt käme: würde die neue Basis im östlichen Mittelmeer den vereinten Angriffen derselben bei gleichzeitiger ägyptischer Erhebung wirklich Widerstand leisten können? Wir glauben daher, daß viel Wasser durch die Säulen des Herkules fliehen wird, bevor über Gibraltar wieder die spanische Flagge flattert. Am Grabe Cadornas. . Scherl-Büdmaterndienst Mussolini holt Macdonald zu den Verhandlungen ab. Englischer Stellungswechsel im Mittelmeer? Von Major a. D. Welsch. Gibraltar nicht mehr englisch? Wer hätte geglaubt, daß einmal ein hundertprozentiaer Engländer selbst diese Frage anschneiden würde? Aber das Unglaubliche ist zur Tat geworden. Lord Stra- bolgi — alias Commander Kenworthy — beschäftigte sich kürzlich in der Zeitschrift „Rineteenth Century" allen Ernstes mit diesem Problem. Und wenn man das rein Gefühlsmäßige, das allerdings dabei eine große Rolle spielen wird, beiseite läßt, so muß man sagen, daß er mit seinen Ausführungen eine ebenso scharfsinnige, als schwer zu widerlegende Analyse der gegenwärtigen Lage Englands im Mittelmeer gibt. Wie war diese bisher? Und was ist geschehen, das eine solche Revision der englischen Strategie im Mittelmeer rechtfertigen könnte? Im 19. Jahrhundert überzogen die britischen Staatsmänner den Globus mit Kohlen st atio- n e n zur Förderung ihrer Handelswege auf den Ozeanen, aus denen mit der Zeit militärische Stützpunkte mit sowohl defensivem als offensivem Charakter hervorgingen. Dazu gehörten Gibraltar und Malta im Mittelländischen Meer, die Inseln P e r i m und Aden im Roten Meer. Rach dem Bau des Suezkanals schloß sich die Besetzung von Cypern und Aegypten an. Damit war eine maritime Verbindung nach Indien und dem Fernen Osten geschaffen, die unter dem Schutze der mächtigsten Flotte der Welt unangreifbar war. Aber seit dem Aufkommen der Tauchboote und der Luftwaffe, und zuletzt der w e i t - t r a g e nden Geschütze, mit denen Deutschland die Welt während des großen Krieges überraschte, haben sich die Verhältnisse von Grund aus verändert. Dies trifft namentlich für die westliche Hälfte des Mittelmeeres zu, wo Gibraltar und Malta von den drei Uferstaaten Spanien, Frankreich und Italien vollkommen eingekreist werden. Gibraltar ist heute nicht mehr die uneinnehmbare Felsenfestung, als die sie zwei Jahrhunderte lang galt. Sie kann von dem gegenüberliegenden Ceuta, oder auch aus der Lust, in kurzer Zeit in Trümmer gelegt werden. Und Die freie Passage britischer Schiffe durch diese Gewässer ist theoretisch nur noch bei guten Beziehungen Englands zu den genannten Staaten gewährleistet. In bezug auf Malta liegen die Verhältnisse angesichts der mächtigen und seeerprobten italienischen Flugboote nicht anders, und sie werden auch nicht durch die Tatsache gebessert, daß England nach der Zerstörung der deutschen Flotte wieder seine Hauptkräfte im Mittelmeer konzentriert hat. Denn diese brauchen eine gesicherte Basis als Rückhalt und zu ihrer Versorgung, und eine solche ist im westlichen Becken des Mittelmeeres nicht mehr vorhanden. Hinzu kommt die Ablösung des Zeitalters der Scherl-Bildmaterndienst M » >1 w K 1 1 |; L K t Am Rachmittag des ersten Verhandlungstaaes der Konferenz in Stresa begaben sich Macdonald mit Sir John Simon, Flandin und Laval zu dem Mausoleum des Generals Cadorna, der die Italiener während der Jsonzo-Schlachten kommandierte, um dort Kränze niederzulegen. Rätsel. Von Wilhelm von Scholz. Wie viele Leser kenne ich, die als Erstes in ihrer Zeitung oder in den illustrierten Wochenzeitschriften die Rätsel aufschlagen, sich sofort ernst und mit gefurchten Stirnen in die kleinen Denk- und Wortsuche-Aufgaben vertiefen, die da gestellt sind. Die reinen Rätselzeitschriften sollen sich an Zahl gegen früher vervielfacht haben. Das Rätsel hat eine solche Wichtigkeit erlangt, daß die Mitarbeiter eines billigen Taschenkonversationslexikons über Auslassen oder Aufnehmen eines Wortes, wie sie mir erzählten, als letzte Entscheidung sich die Frage vorlegten: pflegt es in Silben- und Kreuzworträtseln vorzukommen? War das der Fall, dann wurde das Wort unbedingt ausgenommen, auch wenn es sonst nebensächlich war. „Was ist das Geheimnis dieser Rätselfreude offenbar sehr großer Leserscharen? Warum suchen viele Menschen nicht zuerst nach dem Roman oder einem belehrenden Aufsatz, sondern beantworten statt dessen lieber mit fleißigem Bleistift wie Schüler die Aufgaben — Buchstabenverwechselungen, Zusammenstellungen, Sprachexempel — die ihnen der Rätselonkel vorlegt? Ist es wirklich wahr, daß es die Sorgen sind, die gegen die Zeit vor dem Kriege so sehr vermehrten Sorgen sind, die daran Schuld tragen? Weil man sie über den nicht wie Geschichten aufregenden, uns an nichts aus dem eigenen Leben erinnernden, ruhig und nur mit gleichmütigem Verstände zu lösenden pleinen Nachdenkefragen fünf Minuten lang vergißt? Es scheint so. Darin liegt der nicht unbeträchtliche Wert des Rätsels für uns. Und doch hatte das Rätsel einmal eine größere Zeit als heute, wo es nur noch Spiel, Unterhalt tung und ein billiger Sorgenbrecher ist — billiger sicher als der gerühmte Sorgenbrecher der Reben und niemals unbekömmlich. Wir haben kein unmittelbares Gefühl mehr dafür, was das Rätsel unseren Vorvätern bedeutete. Es ist ohne Zweifel: sehr viel mehr als uns! Das Rätsel mit seiner Spannung und befreienden Lösung, mit dieser urtümlichen Dramatik, mit der noch heute der einfache Mensch, der nicht leicht sprechende, wortkarge Mensch, der Bauer, der Jäger, der Fischer, der versonnene Handwerker, am liebsten reden — indem sie schon mit der Art ihres Erzählens Spannung und Rätsel aufgeben und die Teilnahme der Zuhörenden erzwingen, bis sie endlich erfahren lassen. auf was sie hinaus wollen — ist eine Urform des menschlichen Gesprächs und wurde um so lieber angewandt, je ernster, wichtiger, bedeutungsvoller der Inhalt eines Gespräches war. Das spiegelt sich deutlich in den alten Sagen und Märchen fast aller Völker. Da werden oft gerade die größten Entscheidungen in einen Rätselkampf verlegt. Der Ratestreit erscheint in der Sage als gleichwertig dem Wettkampf in körperlicher Kraft und Geschicklichkeit, ja dem Waffenkreuzen; nicht selten wird für das Nichtratenkönnen, wie für das Besiegtwerden des Rätfelaufgebers, dem einen oder anderen als Strafe der Tod gefetzt. Ein Gaugraf hat dem Könige die Schatzung vorenthalten. Der König beruft ihn vors Gericht: er solle sich dem Urteil von zwölf Richtern unterwerfen oder sich durch unlösbare Rätsel Frieden erkaufen. Schlag auf Schlag geht nun der Wettkampf vor sich. Odin, der in Gestalt des Gaugrafen vor Gericht zog, stellt die Rätsel, und ohne Besinnen fast — das ist im Rhythmus des alten Gedichts der Hervarar-Sage deutlich ausgeprägt — schleudert der König dem Gegner die Lösung zu. Und es ist für den Ernst dieses Streites bezeichnend, daß zuletzt ein entblößtes Schwert in ihm aufleuchtet. Es find viele Beispiele dieser Art zu finden: die Fragen der Sphinx; die bedeutsame Rätselgeste, mit welcher der vom Nachbarherrscher um Rat angegangene Tyrann schweigend die höchsten Mohnköpfe abschlägt, um damit anzudeuten, daß der Fra- aenoe die gefährlichen Großen seines Reiches töten lassen soll; Die schwerwiegenden Rätsel der Turandot und andere. Sie alle zeigen die Stellung des Rätsels in alter Zeit. Wenn das Rätsel, das uns heute eine Viertelstunde angenehm ablenkenden Kopfzerbrechens macht, damals oft genug mit wirklichem Kopfzerbrechen zusammenhing, mit Lebenslagen, in denen es um Sein oder Nichtsein ging, so ist es auch verständlich, daß die alten Rätsel alle nur von großen Dingen handelten, an die man in solchen Augenblicken der Entscheidung allenfalls denkt; nicht von einem anderen Ausdruck für „feiten" ober einer Stadt in Sachsen, sondern von Sonne, Wind, Regen, Eis, Feuer, Erde, Schnee, Blitz, Donner, die den Menschen der frühen Zeit die wichtigsten Lebensmächte waren. Das find die Lösungen vieler schöner alter Rätsel. Naturgewalten, die, wenn er sie bedachte, im Urmenschen Schauer von Furcht und Ehrfurcht erweckten und ihm daher recht geeignet erscheinen mochten, wenn es galt, dem Gegner bedeutsame schwer lösbare Fragen an den Kopf ZU werfen, bei denen er gleich den großen Ernst merken mußte. Man sieht solche starken heldenhaften Vorzeitmänner, die nicht viel reden und lieber das Schwert schwingen, als Worte machen, vor sich, wenn man die kurzen knappen Rätselfragen hört, mit denen sie sich herausforderten. Da ist der „Vogel federlos", der sich auf den „Baum blattlos" setzt und den die „Frau mundlos" auffrißt: der Schnee, der vor der Sonne schmilzt. Da heißt es: wer rührt sich nicht von der Stelle und läuft doch durch das ganze Land? Das ist der Weg. Da geht eine Brücke, die in einer Nacht gebaut ist, über den Fluß: das Eis. Dann kommen zweie, die die Brücke brechen, von denen man den einen sieht und nicht hört, den anderen hört aber nicht sieht: die Sonne und der Wind! Einer fragt: was ist das, Gott hat es nicht, der König feiten und der gemeine Mann täglich? Die Antwort lautet: seinesgleichen! Natürlich fehlen auch die schalkhaften und närrischen Rätsel nicht. Was geht in den Wald und sieht hinter sich? Antwort: das Beil auf des Bauern Schultern. Oder: wo fliegen die Gänse her? Von da her, wo sie die Schwänze hinkehren. Aber die spaßhaften Rätsel sind die Ausnahme. Ich bin selbst Rätselrater, nicht leidenschaftlich — eher so wie ein Mann, der keineswegs ein Trinker ist, aber an einem nett aussehenden Wirthaus schwer vorbeikommt. Die weißen Felder eines Kreuzwort-, die punktierten Linien eines Silbenrätsels haben eine verführerische Gewalt über mich, mir den Stift in die Hand zu zwingen, daß ich sie ausfülle. Und ick habe wahrlich genug sonst zu tun, daß ich es als Beschäftigung nicht gerade brauchte! Aber ich spüre die wohltuende Ablenkung, ich kehre frischer zur Arbeit zurück, wenn ich mich ein paar Minuten t)abe von einem Rätsel gefangen nehmen lassen. Ich glaube wirklich: aus großen Schicksalsfragen find die Rätsel kleine Sorgenbrecher geworden; und da auch dies nichts Unwichtiges ist, sind die unbekannten im Hintergründe bleibenden Rätselmacher, die auf ihrem quadrierten Papier immer die Worte durcheinander schreiben und probieren, bis es eine hübsche Figur ergibt, ober die Silben auseinander nehmen und harmlos nach dem Alphabet aufreihen, daß man ihnen nicht mehr ansehen kann, wie sie zusammengehören, heute wichtige Leute. Wenn man aber der aufmerksamen Freude und Spannung zusieht, mit der Kinder Rätsel raten, mit der sie ihr ganzes kleines Wissen von der Welt und ihrem Stückchen Leben rasch an ihrem geistigen Auge vorüberziehen lassen, um darin den Schlüssel zu den gereimten ober ungereimten Fragen mit ihren bunflen, oft absichtlich irreführenben Angaben zu finben, so hat man fast etwas wie ein winziges Sinnbild der großen Menschheit, welche die Probleme der Welt und des Lebens auflösen will und sich, wie die ratenden Kinder, seit Jahrtausenden mit Worten bescheidet, die ungefähr auf die gestellten Fragen passen. Da nennt man es bann bie Welträtsel. — e Alte Tabakspoesie.7 Dem Tabak ist schon häufig die Ehre widerfahren, von Dichtern gefeiert zu werben. Bemerkenswert ist schon der Titel einer solchen Lobeshymne aus dem Jahre 1684: „Ascani d'Oliva, Lustige Invention Oder Beschreibung, wo das Tabak-Trinken oder Stänkern herkomme und seinen Anfang genommen. Derne dann auch bei)gefügt des Tabaks Lob-Gesang aus Jacobi Balde Büchlein, genannt: Truckene Trunkenheit, Darbey noch ein schon Lied, Von einem versoffenen Mann, und seinem bösen Weibe etc." Ein anderes Tabaksgedicht beginnt folgendermaßen: „An den Nicot, des Vulcanus Erben. Wer ist es, der zuerst die Pfeiffen sähe fallen / Vom hohen Himmels-Saal? / Biftu es nicht Nicot?" Der Tabak wurde zur Zeit des dreißigjährigen Krie- ges in Deutschland allgemeiner bekannt und die Dichter bemächtigten sich schnell des Stoffes, der ihre Einbildungskraft anreget. Zu den frühesten Tabaksdichtern, die sick über das Schnappen des Rauches äußerten, gegärte ßogau, der in feinen Sinngedichten erklärt: „Tabak und Titel-Brauch sind beyderley nur Rauch." Aehnlich heißt es in einem anderen Sinngedicht: „Wer Hose-Gunst ge- neust und nimmt Tabak in Brauch, / Dem bleibt Zum meisten Asch, und was er neust, ist Rauch." In einem anderen lesen wir: „Wie viel hat ein Loth Tabac Rauch? Die Asche kannstu wiegen, / Was Dir mangelt, ist gewiß an dem Rauche roeggeftie- gen." Auf die Scherzfrage, was ein Raucher oer- paffen soll, wird geantwortet, der Rauch müsse so viel wiegen, wie das ursprüngliche Tabaksgewicht, ohne die übrigbleibende Asche. Denn Stoff zu diesem Sinngedicht lieferte eine Anekdote, die Weber auch in feinem „Demokritos" erzählt: „Der französische Gesandte Nicot lernte die Pflanze zu Lissabon kennen und schickte solche nach Paris; Admiral Raleigh führte sie in England ein, er, der so gerne rauchte, daß er einst mit Elisabeth im Scherz wettete, daß er sogar das Gewicht seines Rauches bestimmen könne; er wog nämlich den Tabak, dann die Asche, das Fehlende war das Gewicht des Rauches, und die Königin zahlte mit den Worten: „Andere lassen ihr Geld in Rauch aufgehen, Ihr wißt den Rauch sogar zu Geld zu machen." Wie sieht es in der Wirtschaft aus? zu buntzusammengewürfelte Schar aus allen Eine an ;en wir um einen be- esellenhaus. Das Ge- LIEFERUNG NUR DURCH HÄNDLER Verständigung ist nicht minder dringend ols der einer Verständigung über Politik und Rüstung. die die ein Auf der Walze durch Italien Deutsche Handwerksgesellen auf Berufswanderschaff. unmöglicher Stimme Schlager gröhlten." Ich wollte selbstverständlich wissen, worin Unterschiede zwischen beiden bestehen. Nun war Bildmatemdienst h Macdonald , Tadoma, der die »erzulegen. Reihe am Senior: „Der Unterschied ist zunächst geistiger. Jene treibt die Abenteuerlust, hervorgerufen vielleicht durch lange Arbeitslosigkeit. Uns Geschichte hinweist. Wie oft wären wir achtlos ungeahnten Schönheiten und Werken deutscher Kunst vorübergelaufen, wenn nicht überall diese treue Sorge über uns gewaltet hätte. Im Grenzlanddeutschtum ist die Lage bedeutend schwieriger. Als ich nach Italien zog — der alten deutschen Sehnsucht folgend — gab es in Bozen und Meran, überall in Südtirol, noch unsere Gesellen- vereine. Jetzt hat man sie aufgelöst, weil sie deutsches Volkstum nicht preisgeben wollten. Wieder anders ist die Lage im Ausland s e l b st. In Italien mußten wir uns in Männerheimen, Herbergen und dergleichen Unterkunft suchen. Jtalienwanderer sitzen in unserer Mitte. Photos machen die Runde, deren Schönheit und Blick- sicherheit Bewunderung erregen. Ist es Wandertrieb, ist es Abenteuerlust, die diese jungen Menschen in die Ferne treibt? Keineswegs! „Selbstverständlich halten wir die Augen offen, um uns nichts von den Schönheiten und landschaftlichen Reizen der durchwanderten Gegenden und Länder entgehen zu lassen. Selbstverständlich ist es ein seltsam erregender Augenblick, wenn wir von Hause fort in unbekannte Fernen ziehn. Aber im letzten ist es nicht Die Sucht nach Abenteuern, die uns hinaus in die Welt treibt, sondern der Wille, uns in unserem Beruf, in unserem Handwerk zu vervollkommnen. Unser Wandern ist auch kein ruhelos-endloses, denn einmal ist der Tag da, an dem wir unsere Prüfung ablegen und uns als ehrbarer Meister irgendwo seßhaft mache n." Aber das mit der Abenteurerlust wollte mir noch nicht aus dem Sinn. Ich dachte an so manche abgerissene Tippel und Fechtbrüder, denen ich irgendwo in Deutschland und — was für Deutschland oft nicht sehr ehrenvoll war — im Ausland begegnet war. Ich verhehlte also meine Gedanken nicht. „Was glauben Sie", fiel mir da ein flotter, sauber gekleideter etwa Fünfundzwanzigjähriqer ins Wort, für den Deutschland nur wenige Straßen hatte, die er nicht kannte, „wir sind Gesellen, w i r sind Handwerksburschen, wir gehen auf die Walze, wir sitzen nicht fest an irgendeinem Ort, Hausen nicht in fester Wohnung, sind mal hier, sind mal dort, aber wir sind keine Landstreicher. Leider verwechselt man uns nur zu oft mit diesen fragwürdigen Gestalten, weil sie in der schwersten Krisenzeit der Arbeitslosigkeit tatsächlich die Straßen zu beherrschen schienen, die Herbergen bevölkerten und den Leuten durch allerhand dumme Scherze zur Last fielen." Einer der „Italiener" unterbrach den Sprecher: „Ein solches Auftreten im Ausland ist natürlich für unseren deutschen Ruf viel schädlicher! Auf den Straßen Italiens fanden wir sie zuhauf, ihre paar Klamotten in ein gewisses Etwas zusammengebündelt, oft wahre Schreckensgespenster, wenn sie hungernd und dürstend das Volk anbettelten oder um ein paar Centesimi mit „Konnten Sie denn in Italien Ihr eigentliches Ziel, die Fortsetzung Ihrer Berufsausbildung, wirklich verfolgen?" — „Das ist nicht so einfach gesagt. Der italienische Handwerksmeister kennt die Wanderschaft als Mittel der Berufsausbildung nicht. Das erschwerte uns unsere Aufgabe ungeheuer. Oft waren wir für ihn eben nichts anderes als eine bessere Sorte Landstreicher. Ich erinnere mich an die drolligsten Zwischenfälle, die wir erleben mußten, um endlich ein paar Teppiche zum Klopfen zu bekommen. So gründlich mißverstand man mitunter unsere hochfliegenden „Berufsausbildungspläne" Aber selbstverständlich schlugen wir keine Arbeit aus. Die Hauptsache war uns, daß beim Abschied aus mißtrauischen schließlich doch fröhliche Gesichter geworden waren. Und glauben Sie, es war für uns deutsche Wandergesellen, die ganz neuen Erkenntnissen entgegengingen, reizvoll und überwältigend, auf einem Hof arbeiten zu dürfen, über dem ein Stückchen blauer Himmel lachte, in dessen winkeligem Gemäuer gesunde, schwarzäugige Kinder lärmten, auf einem Hof, vor dessen Fenstern die Wäsche fröhlich im Winde flatterte und in dessen Ecken zwar bestaubte Palmen, aber doch immerhin Palmen standen." „Wenn Sie nun von Haus zu Haus zogen und um Arbeit baten, wie sind Sie da mit Den hohen Behörden zurechtgekommen?" — „Obwohl es Vorurteile in Mengen gab, ich sprach ja schon davon: — ganz erstaunlich gut! Sehen Sie sich nur dieses Bild an, im Hintergrund die Engelsburg zu Rom, vorne wir vier Gesellen mit unseren Fahrrädern am Tiberstrand, sonnengebräunt, vom Straßenstaub nicht unverschont und daneben den flohen und doch lächelnden Carabiniere! Ist es nicht wahrlich ein Bild süßen Friedens, holder Eintracht? Und wir dürfen sagen, daß es fast immer so war." Gleichsam zur Bekräftigung zeigte uns ein anderer sein Fahrtenbuch, in dem er mit peinlichster Genauigkeit Dorf für Dorf, Stadt für Stadt der Reihe nach, die Stempel und Unterschriften aller zuständigen Gewaltigen, aller Podesta gesammelt hatte, deren er habhaft werden konnte, ein wahres Museum von Stempeln, Marken und Autogrammen. „Nun aber zu Ihrem Beruf! Schließlich wollten Sie ja nicht nur nach Neapel wandern, wollten nicht nur über den Petersplatz ziehen!" — „Auch darin hatten wir mitunter Erfolg. Sehen Sie sich auf diesen Bildern die Gesellen, bte Kolpingsbrüder an, in der Werkstatt beim Holzschnitzer, beim Steinmetz, beim Malermeister. Ueberall öffneten sich uns schließlich d i e Türen. Kurz, wenn es nicht gerade in Südtirol war, stand uns doch sonst ganz Italien offen. Diese edle Gastfreundschaft suchten wir durch Anspannung aller Kräfte zu vergelten. Eine Hoffnung, ein Ziel aber spornte uns immer wieder zu besonderen Höchstleistungen an: das Ziel nämlich, durch unsere deutsche Handwerksarbeit dem deutschen Namen in der Welt Ehre zu machen, Kunde von deutschem Friedens- und Aufbauwillen zu geben und so mit unseren bescheidenen Kräften zur Verständigung der Völker beizutragen. Rudolf Junges. ns d„ . 'n tri.; Oer. ' °°» turn «/et "eiter, 2*« iff Hnr di, ? °°n ' tauph/r'l'Se j-S Sherer die ßrj, «a 5 UZs re? n°? a"i>ere ^reinigumj Und -mit Frankreich würde die r öen vereinten * "Wischer en können? Dir Ml die Säulen . über Gibraltar \ Lebens auflösen Kinder, seit 3#' die ungefähr aus iennt man es dann Außenwirtschaftlich stand die Woche noch immer im Zeichen des heftigen Kampfes um den holländischen Gulden, aus dem die Niederländische Bank aber vermutlich endgültig als Sieger hervorgehen dürfte. Trotz der am Beginn der Berichtswoche eingetretenen Beruhigung hat sich zwar die Niederländische Bank am Dienstag zu einer n o ch rn aligen Diskonterhöhung auf nunmehr 4,5 v. H. veranlaßt gesehen, doch wird man in dieser Maßnahme lediglich ein Dorbeugungsmittel gegen etwaige neue Angriffe gegen den Gulden zu erblicken brauchen. Seit der Belga-Ab- wertung beziffern sich die holländischen Goldoerluste zwar auf rund 140 Millionen Gulden, dennoch sind die umlaufenden Noten noch immer rund 70 v. H. durch Gold gedeckt. Die 28prozentige Abwertung des Belga wird zweifellos den Weltmarkt noch eine Zeitlang beunruhigen. Immerhin hat das Reichswirtschaftsministerium die Sperre im Abrechnungsverkehr mit Belgien wieder aufgehoben und Präsident Roosevelt den 1. Mai als Tag für das Inkrafttreten des neuen Wirtschaftsabkommens mit Belgien beibehalten. Der amerikanisch-belgische Vertrag hat übrigens zu einer Aktion Anlaß gegeben, die wie eine Abkehr der amerikanischen Regierung von der seit Juli vorigen Jahres befolgten Außenwirtschaftspolitik anmutet. Staatssekretär Hüll hatte seinen Landsleuten offen erklärt, sie könnten nicht auf prompten Eingang von Zinsen und Tilgungsraten rechnen, wenn sie ihren Schuldnern keine Gelegenheit zum Geldoerdienen gäben. Im vorigen Herbst hat die Regierung der Vereinigten Staaten mit Kuba einen Vertrag abgeschlossen, der aber in wesentlichen Punkten nicht zwingt unsere Berufsauffassung zum Wandern. Wie der Gesellenvater Kolping es ausdrückte, soll die berufliche Wanderschaft die eigentliche Bildungszeit fürs Gewerk und fürs Leben sein. Gleichzeitig wollen wir unsere Kenntnisse von Land und Leuten, von deutschem und fremdem Volkstum vertiefen, um so inniger unsere Heimat zu lieben. Dann kam ein Jtalienwanderer zu Wort: „In den Ländern deutscher Zunge ist das Wandern verhältnismäßig einfach. Wir haben an allen Städten unsere Gesellenhäuser, die Obdach und Unterkunft gewähren, unsere Vereine helfen uns auch sonst auf der Wanderschaft. Wir haben bestimmte Ausrüstungsvorschriften zu beachten, ein in jedem Heim vorzulegendes Wanderbuch ist nötig, und ständig müssen wir im Besitze eines gewissen Geldbetrages sein. Viel wichtiger aber ist, daß wir abends vom Hausmeister oder einem Altgesellen zusammengerufen werden, der uns auf die Sehenswürdigkeiten der Stadt und ihre Der Mainzer Sprengstoff-Prozeß Zweiter Verhandlungstag. LPD. Mainz, 12. April. Im Mainzer Sprengstoff-Prozeß vor dem Volksgerichtshof wurde am heutigen Freitag die Vernehmung der Angeklagten fortgesetzt. Der 31jährige August Barth aus Mainz, der Bombenfabrikant des ehemaligen „Rotfrontkämpferbundes", suchte sich als besonders harmloser Zeitgenosse hinzustellen. Er hat durch K a st e l l o ein „Paketchen" von den Finthener Kommunisten abholen lassen, das ihm durch Seibert überbracht wurde. In dem Paket war der aus dem Gonsen- heimer Diebstahl stammende Sprengstoff. Die Taktik auch dieses Angeklagte» geht dahin, seine verbrecherischen Handlungen als die Taten eines einzelnen hinzustellen, nur um die KPD. nicht zu belasten. „Ich habe niemals", so betonte er, „auf Befehl eines Kommunisten oder irgendeines RFB.-Mannes das Sprengstoffmaterial angeschafft oder an- gesammelt." Die Unverschämtheit dieses Angeklag- i n erreicht den Gipfelpunkt, als er erklärt, er habe lediglich aus Freude am Basteln mit Hilfe einer von dem 36jährigen Eduard Gasser geliehenen Bohrmaschine fünf Bomben hergestellt. Den hierzu verwandten Sprengstoff will er für vollkommen unbrauchbar gehalten haben. Mit Gasser und dem 41jährigen Josef Pfeiffer hatte er vorher bereits in seiner Wohnung vier Sprengkörper hergestellt, für die das Material von Gasser mitgebracht worden sein soll. Der illegale RFB., dem er als Organisationsleiter angehört yat, ist für Barth nichts anderes als eine Gruppe „Wahlhelfer", die für die KPD. aus Anlaß der Reichspräsidentenwahl und der hessischen Wahlen Propaganda gemacht hat mit legalen Flugblättern und Zeitungen der KPD. Als Barth eine Haussuchung befürchtete, brachte er etwa Anfang März 1933 das in seiner Wohnung angesammelte Sprengstoffmaterial einschließlich der selbst hergestellten Bomben zu dem 25jährigen Karl Schlesinger, der es seinerseits an den 28jährigen Johann H e l - b a ch weitergab, bei dem es bann zum größten Teil am 8. September 1933 von der Polizei beschlagnahmt werden konnte. Sechs bis acht Wochen lang hat Barth auch ein Paket Schießbaumwolle in seiner Wohnung aufbewahrt. Er hatte es von dem 35jährigen Heinrich Stange abgeholt. Interessant ist die politische Vergangenheit des 32iährigen Otto W y z o l n i e r s k y. Dieser Angeklagte ist, wie er behauptet, durch Esperantostudien mit russischen Kommunisten in Briefwechsel gekommen. Er will von einem „Genossen" Reitmann zu einem Besuch in Sowjetrußland einge- laden worden sein. Er ist dann über Moskau, wo er die Maifeiern mitgemacht hat, nach Kriwoj- Rog in der Ukraine gefahren und hat dort Vorträge über das Thema „Esperanto und Arbeiterbewegung" gehalten. Er gibt selbst zu, bei einer Gelegenheit in Rußland geschossen zu haben, bestreitet aber, dort geschult worden zu sein. Wyzolniersky wurde dann krank und ist nach seiner Wiederherstellung über Leningrad nach einem Dreimonatigen Aufenthalt in Sowjetrußland mit dem Schiff nach Stettin zurückgekehrt. Durch seine Reiseeindrücke will er bestimmt worden sein, im August 1931 der KPD. beizutreten. Der Betrieb habe ihn aber dort so enttäuscht, daß er im Frühjahr 1932 wieder ausgetreten sei. Er bestritt entschiedeen, an der Bombenanfertigung bei Barth beteiligt gewesen zu sein und will sich auch keine Waffen gekauft haben. Auffallender Weise widerruft jetzt auch Barth feine früheren Aussagen. Einen breiten Raum nahm die Erörterung der Herstellung von Sprengkörpern in der Küche des Barth ein. Der Angeklagte Gasser war mit daran beteiligt, während der 41jährige Josef Pfeiffer lediglich dabei gestanden haben will, ohne mitzutun. Es wurden damals Stahlrohren mit Schwarzpulver und Eisenstücken gefüllt und schließlich mit Zündkerzen und Zündschnuren versehen. Pfeiffer hat außerdem von dem bereits abgeurteilten S t e i g n e r eine Blechschachtel mit 100 Sprengkapseln erhalten. Er gehörte der Leitung des RFB. an, wie auch G a s s e r, der als Kassierer den Auftrag erhalten hat, die angekauften Waffen zu bezahlen. Gasser hat auch für den RFB. ein Waffenlager unterhalten, das in einem von der Küche nach Dem Dach führenden Lichtschacht versteckt war. Dieses Lager — es waren drei Gewehre, fünf Seitengewehre, 267 Schuß Munition und die vorerwähnten vier Sprengkörper — wurde schließlich zu dem mitangeklagten Fischer geschafft, der es vor dem Gartenhaus seines Paters in der Laube versteckte. Es wechselte dann unter Mitwirkung des Angeklagten Noll nochmals sein Versteck und konnte schließlich am 6. September 1933 von der Polizei im Keller der ehemaligen Dragonerkaserne in Mainz beschlagnahmt werden. Noll war offen- in Mainz beschlagnahmt werden. Zur Sprache kamen ferner mehrere Fahrten zur Bezirksleitung des RFB. in Frankfurt a. M. Hier sollen sich eine Anzahl vertrauenswürdiger Funktionäre, darunter auch einige der Angeklagten, eingefunden haben, um Anweisungen über die Aufstellung kommunistischer Hundertschaften in den Betrieben, die Anschaffung von Waffen und militärische Ausbildung der RFB.-RUt- glieder zu erhalten. Im Oktober 1932 wurde ein Ausmarsch des RFB., der sich damals „Roter Massenselbst- schutz" nannte, nach Königsstätten mit militärischer Marschsicherung unternommen. Auch hieran haben sich einige Angeklagten beteiligt. Die Verhandlung geht am Samstagvormittag weiter. unter die Meistbegünstigungsklausel fallen, d. h. nicht auch den anderen Ländern zugutekommen sollte. Der amerikanisch-belgische Vertrag ist das erste Abkommen, für das die Meistbegünstigung gilt. Washington hat eini- aen europäischen Staaten, Darunter auch Deutsch- la n D, angeDroht, ihnen Die Vorteile Des belgischen Vertrages zu entziehen, wenn sie fortfahren sollten, auf Den Gebieten der Zollsätze, Der Devisenzuteilung, Der Kontingentsgewährung oDer Der HanD- habuntz von Staatsmonopolen amerikanische Waren zu „d l f f e r e n z i e r e n". Gegenüber Deutschland lautet Der Vorwurf insbefonDere dahin, daß Deutschland die amerikanischen Exporteure bei Der Devisenzuteilung schlechter behandele, als die Exporteure anderer Länder. Man kann diese ernste Frage nur mit dem Dichterwort kennzeichnen: „Ihr laßt den Armen schuldig werden und überläßt ihn dann der Pein". — Deutschland und andere devisenarme und transferbehinderte Länder werden von Denjenigen Gläubigerstaaten, die mehr abnehmen als sie liefern und daher eine passive Handelsbilanz haben, gezwungen, einen erheblichen Teil ihres Außenhandelsüberschusses für Schuldenzahlung zur Verfügung zu stellen. Dadurch schmilzt der freiverfügbare Devisenvorrat stark zusammen. Das zwingt das betreffende Schuldnerland zu sparsamster Zuteilung von Jrn- portdevisen und zur Bevorzugung solcher Geschäfte, die ihnen Rohstoffbezüge auf dem „Kompensationswege" gestatten. Verlöre Deutschland auf dem amerikanischen Markt die Meistbegünstigung und damit die Gleichberechtigung mit andern ßänoern, so würde das Weltgeschäft noch mehr einschrumpfen und die Krise noch schwerer werden. Der Zwang zu einer internationalen Wirtschafts- esie. Ehre widerfahren» n Bemerkenswert Lobeshymne -m )Q Lustige Innen ’ s Tabat-Trmken ,ch em ML be,arLf e", d" 6“ Hi elt« S-^Jpen » 16 ter in l,b1 un>«1 »An * j|t w- neust' n . Ath je viel 11! W [tu ggest'-' Bauche vevv (V »•W nett* L ff MW SW OM aMfl ,ache" In Der zur Zeit besonDers Dichten Reihe Der Geschäftsabschlüsse befand sich in der vergangenen Woche auch die IG. F a r b e n i n d u st r i e, Deren Bericht angesichts Der Größe des Unternehmens und seiner Bedeutung für die gesamte deutsche Volkswirtschaft ein über das Aktionärinteresse hin- ausgehendes allgemeines Interesse beanspruchen kann. Auch in diesem Bericht wird die anhaltende starke Jnlandsbelebung feftgeftetlt, die besonders auf den Arbeitsgebieten zum Ausdruck gekommen ist, die Die Stärkung Der heimischen Rohstoffversorgung zum Ziele Haden. So war Die Belebung bei Den Kunstseidearten und Kunstspinnfasern entsprechend den verringerten Einfuhrmöglichkeiten besonders groß, und auch im Ausbau der Hydrieranlagen in Leuna konnte die für Ende 1934 vorgesehene Benzinproduktionsmenge erreicht werden. Auf der anderen Seite war der Auslandsabsatz wohl mengenmäßig einigermaßen gehalten, allerdings nur durch erhebliche Spesen- und Preisopfer. Besonders interessant ist die Mitteilung in dem Geschäftsbericht, daß Die Einfuhr zu einem erheblichen Teil Durch neue KreDitaufnahme im AuslanDe erfolgt ist, wodurch es dem Unternehmen möglich war, feine eigenen Exporterlöse in entsprechend höherem Ausmaß der Reichsbank zur Verfügung zu stellen. Dies kommt in Der Bilanz in einer Zunahme Der neu im Auslände aufgenommenen Kredite auf 28,5 Mill. Mark zum Ausdruck. (Im Vorjahr erreichte dieser Betrag nur eine Höhe von etwas mehr als 4 Mill. Mark.) Im übrigen ist die Bilanz der IG. Farben wiederum sehr flüssig, wenn auch nicht ganz so liquide wie im Vorjahre. Dies beruht weniger auf einem Rückgang Der flüssigen Mittel als vielmehr auf einer Zunahme der Verbindlichkeiten. In Der neuen Bilanz stehen Den Verbindlichkeiten in Höhe von 162 Mill. Mark flüssige Mittel im Betrage von 175 Millionen gegenüber, Das Verhältnis im vorangegangenen Jahre war 146 zu 180 Mill. Mark. Auf Die befonDere Bedeutung des Außenhandels ging auch Dr. Mosler in Der Generalversammlung Der Deutschen Bank und Disconto-Gesellschaft ausführlicher ein. Nach feinen Ausführungen haben wir im Exportgeschäft leider derart an Boden verloren, daß heute der lebensnotwendige Einfuhrbedarf nicht mehr aus Den Ausfuhrerlösen bezahlt werben könne. Dabei sei der Einfuhrbedars glücklicherweise auf rund ein Drittel dessen heruntergegangen, was wir noch vor sechs Jahren vom Auslände bezogen. Das Existenzminimum an Einfuhr, das auf Basis heutiger Preise etwa bei 400 Mill. Mark monatlich liegen dürste, müsse unter allen Umständen durch eine ausreichend große Ausfuhr sichergestellt werden. Gerade in diesem Zusammenhänge kann das soeben abgeschlossene deutsch-russische Kredit- und Lieferungsabkommen ein besonderes Interesse beanspruchen. Durch dieses dürfte eine erhebliche Neubelebung unseres Russengeschäftes gewährleistet sein, das besonders im vergangenen Jahre einen starken Rückschlag erfahren hatte. Ländern deutscher Zunge sitze bäbigen runden Tisch im @i sprach ist lebhaft, ein alter Afrikaforscher, ein paar Die vergangene Woche brachte wiederum eine Reihe weiterer Anzeichen für den stetigen A n - stieg der Konjunktur, der ja in den Wintermonaten nur eine saisonmäßige, aber keine grundsätzliche Abschwächung erfahren hatte. Der sicherste und zugleich überzeugendste Beweis dafür ist die Entwicklung der A r b e i t s m a r f 11 a g e. Der verstärkte Arbeitseinsatz im März hatte zur Folge, daß die Zahl der bei den Arbeitsämtern eingetragenen Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um 415 000 auf zur Zeit nur noch 2,4 Millionen zurückging. Hierbei muß noch besonders berücksichtigt werden, daß erstmals rund 53 000 Arbeitslose im Saargebiet mit erfaßt worden sind. Der starke Beschäftigungsanstieg beruht in Der Hauptsache auf aefteiaerten Arbeitsmöglichkeiten in den Außenberufen. Daß er aber auch nicht nur saisonbedingt ist, geht weiter Daraus hervor, Daß nicht weniger als runD 170 000 Der erneut in Lohn und Arbeit gebrachten Volksgenossen in solchen Berufsgruppen unternommen konnten, in Denen Die Mehrbeschäftigung im März nicht saisonbeDingt gewesen ist. Die Vereinige Stahlwerke AG. konnte in dem letzten Vierteljahrsausweis wieder über ein Ansteigen von Kohlenförderung und Kokserzeugung berichten. Die Eisen- und Stahlproduktion verharrte auch hier auf dem erreichten höheren Niveau. In der deutsch-oberschlesischen Eisen- industrie hat sich die Beschäftigungslage gleichfalls befriedigend gestaltet. Insbesondere konnten die weiterverarbeitenden Betriebe genügend Aufträge hereinnehmen und dadurch ihrer Arbeiterschaft für absehbare Zeit gleichmäßige Beschäftigung sichern. In der W e r k z e u g m a s ch i n e n i n d u- strie des Westens hat sich das Ausfuhrgeschäft in letzter Zeit in bemerkenswerter Weise gehoben. Deutsche Qualitätswerkzeuge sind an den internationalen Märkten stark gefragt. Das deutsch-russische Abkommen wird wiederum in erster Lime den Werkzeugmaschinenfabriken erhöhten Absatz schaffen. Die Neuzulassung von Kraftfahr- zeugen hat im Monat März um 69 v. H. zugenommen. Ebensogroß war die Steigerung gegenüber den im März 1934 erreichten Ziffern. Personenwagen und Krafträder finden offenbar stark vermehrten Absatz. - Die Zellstoff-Fabrik W a l d h o s, die in diesem Jahre mit einer funsprozentigen Ausschüttung die Dividendenoertellung wieder aufnahm, vermochte im letzten Jahre wieder 25 v. H. ihrer Erzeugung zu exportieren. Dqs Aus- landsgefchäft weist auch bei dieser Gesellschaft eine leichte Steigerung auf. ■ gi MS de Von ^°r einiger als GeLn ame Liebe zu - en{ ein sehr k"°1 sich d°i Mschung, Hei H*e Drüse, fc"ge iljres a SS-,-* te* A ^nein0^ KQn6rbe'Qnp epSit *»nbe i®". >1 es i*l en Iran Ü;isüb und Ä mi Obiger i Ä Mel für"J. m Wn^'h m'l de» 1ei11 $s fj-^'irgo Men, SM |le °°n 1“' «nm °>°rd,n um Met\M 3; :8ti% LZ.-.» L $er E «*•£ S3 und d°""^ &ö K'i* Sä b°hn *5 ihn jener Tioi oom Margeng und oergram Menschenfische' als dieser Sn Galiläas sonn Härung mit ' ' Gattes herrlici Stunde, als i den viele oer so fester schlos wohin sollen r Lebens!" Dar Petrus geabel Nun sollte । wie fest er in Nachtstunde i feine Ehrenstu seiner tiefsten manne ging Warum? We Er hatte dei wollen. Er t Hand gelöst, Macht, wie !s Leid und Tod Jesus und wc in der Entsche er vor Jesu 1 gewesen war: Aber Petru- mehr loskomn leugnet so tie weinend hinat zu jenem Ostl beanadigt uni ausgenommen Am morgic Menschen vor treten sie in und wollen n stratze ziehen, im Gedächtnis aus der Seel „Bei dir, Jest das Leben m fahren. Sann Seele, in bem Herrn verleugn gegangenen jur merken möchtei brauche nicht ii ich darf mich bi wie Petrus! 1 Trauer die St ich verloren ho mich aufmache Jefu begeben! Wo dieser C sich die Nach! eines neuen bringt dann glauben Hindi: 01606 vormittags. 2169C Gießen, den 8. April 1935. 2170C Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Dr. Hamm. Möbel. Tttfrger Verkaufstelle Frankfurt a. M. Große Friedbergerstraße 33 von vor- Ge- Sind Qualitätsmöbel für Sie zu teuer? 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Ausführen jeglicher Arbeiten an Entwässerungsanlagen ist nur durch Installateure oder Unternehmer aestattet, welche den erforderlichen Zulassungsschein besitzen. II. Das Ausgießen oder Einleiten von Schmutzwasser in die Straßenrinnen ist verboten. III. Von Grundstücken, die an die Straßenkanäle angeschlossen sind, darf kein Niederschlagswasser über den Bürgersteig abfließen, auch nicht, wenn die Hof- oder Regenrohrsinkkasten verstopft sind. Die Sinkkasten sind regelmäßig zu reinigen. 21680 Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen und die Unterlassung der Reinigung der Sinkkasten unterliegen den Rechtsfolgen des § 42 der Polizei- Verordnung, die Entwässerung von Grundstücken im Anschluß an die städtische Kanalisation in der Stadt Gießen betreffend vom 1. August 1904. Gießen, den 8. April 1935. Bürgermeisterei Gießen. I. 23.: Dr. Hamm. Bekanntmachung. Die nächsten Viehmärkte in Gießen finden statt: Dienstag, den 16. April 1935: Rindvieh- (Nutzvieh-) Markt. Auftriebszeit von bis %9 Uhr Ein Füllhalter mit dem eingravierten Namen des Konfirmanden ist ein wunderschönes Geschenk. Reiche Auswahl in allen Preislagen bei Niederhausen & Co. Bahnhofstr., gegenüber „Hotel Schütz“ -- ________________________________1993A Bekanntmachung. I. Jede Neuherstellung oder Veränderung Grundstücksentwässerungen ist nur nach heriger Einholung der baupolizeilichen Bekanntmachung. Betr.: Die Abgabe von organischem Dünger „Biohum". Es wird hiermit bekanntgegeben, daß an der Kläranlage der Stadt Gießen von jetzt ab bis auf weiteres der Pflanzendünger „Biobum" abgegeben wird. Nähere Auskunft kann daselbst eingeholt werden. Wir erfüllen hiermit die traurige Pflicht, von dem Ableben unseres lieben Kriegskameraden Wilhelm Wagner Kenntnis zu geben. Die Beerdigung findet Montag, den 15. April, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt — Ich bitte die Kameraden, sich recht zahlreich zu beteiligen. Vereinigung der 105.1. D. von Maekensen. Der Vereinsführer. _________________________________________2202D Crapo“ ist der Draht allerDrähte äh:®» CRÄPÖ bezieht man von olooloi Die bevorzugte Einkaufsbuelle auch für Spanndrä-hte, Stacheldraht und Krampen Ausführliche Druckschrift aufWunsch. Wiederverkauf er für alle aus w. Plätze werden nachge wiesen] ................................. doppelt so dick wie bei gewöhnlichen Drähten und auch viel dichter und inniger mit dem Drahtkern verbünd. | n Uöneav Am Oswaldsgarten ------ • • Ja Da Hauser, Dienen TelefonNr.2145,2146 1545 A im 61. Lebensjahre. 222a D Staufenberg und Lollar, den 13. April 1935. In tiefer Trauer: Adam Lotz. Gießen, den 13. April 1935. 21 1 D Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, unseren treusorgenden Vater, Großvater und Bruder Mary Braun, geb Geißler Familie Schlapp und Weinrich Ruttershausen, den 12. April 1935. Die Beerdigung findet Montag, den 15. April, nachmittags 2 Uhr, in Ruttershausen statt Die trauernden Hinterbliebenen: Mathilde Becker, geb. Geißler Mathilde Geißler Adolf Becker Thea Becker. Die Beerdigung findet am Montag, 15. April, nachmittags 3 Uhr, statt _______________________________________________________________________________2237 D Danksagung. Für die zahlreichen, wohltuenden Beweise herzlicher Teilnahme anläßlich des Heimgangs meiner innigstgeliebten, unvergeßlichen Frau Herr Ludwig Braun II. im 74. Lebensjahr zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Auguste Lotz, geb. Schulze sage ich auf diesem Wege allen herzlichen Dank. Nach kurzer Krankheit entschlief heute morgen im Ev. Schwesternhaus in Gießen unser lieber, guter Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder und Schwager Ludwig Geißler III. Land- und Gastwirt Das gute Malins Bohnerwachs u.9eize zu haben bei: Ludwig Reif, Polsterer und Tapezierer, Lollar, Hauptstr. 4-11. Innnen- $ ArnuMch abtugeb Benell, erb. wir v Poitk. Damplsägewerk Lollar B.NuhnA.G.,Lollar. Oster-Artikel für Wiederverkäufer in großer Auswahl EmstMuth, Ludwigstr.42 4l.KaessVkuM- Kreuzplatz 15 Kreuzplatz 15 292A A Liebigstraße 83 Tel. 2122. Geschmackvolle Frühjahrsmäntel finden Sie bei uns in einer riesenhaften Auswahl I Einer ist schöner als deranderel Unsere Hauptpreislagen: 18.50, 22.-, 24.-, 25.25, 30.-, 34.50, 36.75 und höher F.Belilz BELITZ Maler- Anslreicher- Weißbinderarbeiten Firmenschilder Gießen (Seltersweg 79), den 13. April 1935. Statt Karten. Gießen, den 13. April 1935. 01600 MMtaHt Klassenlolterie 1992 D RM 44 770 268 383 312 46 076163 Passiva Zeit nicht Gewinn-undVerlustrechnungam 31. Dez. 1934 IIWERBEESE III 6465 616 147 966 472 1 490 204 713 209 377 231 144 952 981 54 897 633 10079 629 55539 000 30 546 575 85 719 260 48 738 913 24 679 016 25 546 330 585 432 546 291 624 73 249 15 989 055 529 690 21 061 465 Nach kurzer schwerer Krankheit entschlief sanft mein lieber guter Mann, mein lieber Vater Die Ziehung der 1. Klasse 45. (271.) Lotterie beginnt am 26. April. - Wir machen besonders auf die wesentliche Vermehrung fler Mittelgewinne aufmerksam. Lose zuhaben bei Elise Kümmel Wwe. Elli Kümmel Buchacker Neuen Bäue 11 Fernruf 3182 RM 87 582 798 7 732 815 511 999,— 459 236,94 Danksagung. Für die in so überaus reichem Maße erwiesene Teilnahme anläßlich des Heimganges unseres teuren Entschlafenen sagen herzlichen Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frieda Wagner und Kind. Flimm Legler Walltorstraße 63 Hindenburgwall 5 F ernruf 3186 Fernruf 3882 Wilhelm Wagner im Alter von 39 Jahren. Die Beerdigung findet am Montag, dem 15. April, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt 01616 DEUTSCHE BANK UND DISCONTO-GESELLSCHAFT Bilanz am 31. Dezember 1934 Aktienkapital Reservefonds Siemens-Hansemann-Pensionsrücklage .. Gläubiger Spareinlagen Akzepte 6o/o Dollar-Darlehn : Auf unserem Grundbesitz ruhende, zur ablösbare Hypotheken ünerhobene Dividenden Wohlfahrtsfonds Vermögensbestand davon in Wertpapieren angelegt.. ■ Übergangsposten der eigenen Stellen untereinander Posten, die der Rechnungsabgrenzung dienen Gewinn-Vortrag ................ 129 932 659 642 909 1 435 229 132 895 824 62 664 451,09 75 968 208,06 138 632 659,15 Aktiva Kassenbestand (deutsche und ausländische Zahlungsmittel, Gold)..................................... Guthaben auf Reichsbankgiro- und Postscheckkonto Fällige Zins- und Dividendenscheine............... Schecks............................................ Wechsel........................................... Schatzwechsel und unverzinsliche Schalz- anWeisungen des Reichs und der Länder sowie Steuergutscheine................ ............. Eigene Wertpapiere................................ Konsortialbeteiligungen............................ Kurzfällige Forderungen unzweifelhafter Bonität und Liquidität gegen Kreditinstitute.................. Forderungen aus Reportgeschäften gegen börsengängige Wertpapiere............................. Forderungen aus Lombardgeschäften gegen börsengängige Wertpapiere............................. Vorschüsse auf verfrachtete oder eingelagerte Waren Schuldner ........................... Dauernde Beteiligungen bei anderen Banken und Bankfirmen ..................................... Dauernde Beteiligungen bei sonstigen Unternehmungen .................................... Bankgebäude ...................................... Sonstiger Grundbesitz............................. Mobilien.................................. Posten, die der Rechnungsabgrenzung dienen..... RM Soll Handlungsunkosten................................ Steuern und Abgaben............................. Wohlfahrtseinrichtungen, Pensionen und Versicherungsbeiträge ........................... Abschreibung auf Mobilien Betriebsgewinn................................ davon RM 20153 238,55 zu Abschreibungen und Rückstellungen verwendet, RM 908 226.68 auf neue Rechnung vor- getragen. 132 895 824 RM 885 026 Haben Vortrag aus 1933 ............. Zinsen und Wechsel Gebühren .................... 52 762 471 781 1 598 821 908 226 2 962 755 695 abzüglich vorweg zurückgestellte Zinsen und Provisionen 8 700 000,— Sorten und Zinsscheine ............ Dauernde Beteiligungen . . ............... 1379 998 2 962 755 695 RM 130 000000 25 200 000 15 000 000 2 330 469 426 204 921 923 229 327 754 24 442 126 Gdi Zusehen ist ein Glück, das sich jeder Fehlsichtige durch eine gut angepaßte Brille verschaffenkann Gehen Sie zu Optiker Magnus Seltersweg 33 der beratet Sie richtig. r INH: WILHELM, H ORN UND SOHN Heimweh. Von Loses Friedrich perkonig. Vor einiger Zeit, versuchte mir, da wir von der Erde als Geburtsstätte sprachen und dabei die seltsame Liebe zu dem Orte unseres Ursprungs bedachten, ein sehr kluger Mensch einzureden, und er berief sich dabei auf allerjüngste lebenskundliche Forschung, Heimweh wäre eine Krankheit der geheimste Drüsen, insofern nämlich, als Art und Menge ihres abgesonderten Saftes und seine Verwandtschaft zum Blute, in das er ja schließlich träufelte, von dem Boden abhingen, auf dem der betreffende Mensch eben lebte, von der Luft und dem Wasser, die in sein Leben eingingen. Es genüge nicht etwa ein zufälliger Aufenthalt, und zähle er nach Jah»n, obwohl auch in diesem Falle Mensch llch an Erde anpaßte, er müßte zu einer dauernden Uebereinstimmung ihr vielmehr von Anbeginn zugeboren sein. Aendere sich nun infolge des Wechsels der Umwelt der zauberhafte Zusammenhang zwischen Drüse und Blut auch nur um Haargrade, dann wäre eben die Ursache für jene merkwürdige Krankheit gegeben, die wir Heimweh zu nennen gewohnt sind, ein Herzweh, an dem man auch sterben kann. Die Tatsache dieses Heimwehs läßt sich nicht fort» leugnen; wir haben lächerliche, rührende, erschütternde Zeugnisse dafür, oft genug sind sie unseren dichterischen Träumen die Vorbilder gewesen, und es scheint, als übte manche Landschaft ihre gefährliche Lockung mit besonderer Kraft, wie Gebirge und Meer. Ich weiß um Menschen, die, von unruhiger Sehnsucht gehetzt, vom anderen Ende der Welt gereist kamen, ich kannte einen Soldaten, noch ist sein Leib im Grabe nicht zerfallen, der, ein Rätsel für die Aerzte, vor Heimweh nicht sterben konnte und erst einschlief, als man ihn unter großen Mühen in sein kleines Vaterhaus auf dem Berge, mit den Pelargonien in den Fenstern, heimbrachte. Es sind nicht alle Menschen gleich anfällig, aber manche wirklich so sehr, daß sie nicht daran denken dürfen, für immer von dort fortzuwandern, wohin sie von einer unerforschlichen Bestimmung gepflanzt worden sind. Ich zähle gewiß zu jenen, die mit ioldjer entsetzlichen und doch wieder beglückenden Trägheit des Herzens begabt sind, ich habe darunter gelitten, und ich habe mich ihrer gefreut. Immer iber hahe ich mich bemüht, den verborgenen Urgründen s>M)es Gefühles auf die Spur zu kommen, vergeblich natürlich. Denn wqrum sollte meine Vermessenheit höher belohnt sein als andere; doch eine !!eise, freilich wortlose Ahnung ward mir immerhin geschenkt. Daß die edle Kastanie in kühler Lust nicht dauern Imin und die Birke in glühender ebensowenig, er- M. 88 Drittes Blatt Aus der pnwinziulhauPistaOI. Palmsonntag. Don Propst Borrmann. Der Passionsweg des Herrn ist reich an bitteren Stunden, die dem Heiland durch Menschen bereitet wurden. Daß ein Judas ihn verriet, war schwer, daß die Volksmenge am Palmsonntag Hosianna! und dann wenige Tage später Kreuzige! rief, mochte ihn hart treffen; daß alle Jünger im Garten von Gethsemane ihn verließen und flohen, war für ihn schmerzlich. Aber die bitterste dieser Enttäuschungen ist wohl die Verleugnung des Petrus gewesen. Daß der Jünger, den Jesus den Fels genannt hatte, in der Stunde der Versuchung wankte und fiel mußte den Herrn ins Herz treffen. Wie ist es doch zu dieser Verleugnung Jesu durch Petrus gekommen? Dieser Jünger war doch in der Nachfolge Jesu von Stufe zu Stufe die Glaubensbahn emporgestiegen. Welch große Stunde war für ihn jener Morgen am See Genezareth, umleuchtet vom Morgenglanz der Ewigkeit, als er, der müde und vergrämte Fischer Simon, von Jesus zum Menschenfischer berufen wurde! Welch große Stunde, als dieser Simon nach seliger Wanderung durch Galiläas sonnige Fluren auf dem Berg der Verklärung mit Jesus von Nazareth, umrauscht von Gottes Herrlichkeit, weilen durfte! Und welch große Stunde, als um den einsam gewordenen Meister, den viele verließen, der Kreis der Zwölf sich um so fester schloß mit dem Petrusbekenntnis: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!" Damals wurde Simon zum Felsenmann Petrus geadelt. Nun sollte er sich als Fels erweisen, sollte zeigen, wie fest er in der Nachfolge Jesu geworden war. Jene Nachtstunde im Palasthof des Hohenpriesters sollte seine Ehrenstunde werden und wurde doch zur Stunde seiner tiefsten Schande. Der Glaube des Felsenmanns ging unter in der Nacht der Verleugnung. Warum? Weil Petrus stärker schien, als er war. Er hatte den Leidensweg Jesu nicht mitmachen wollen. Er hatte seine Hand langsam aus Jesu Hand gelöst, als Jesu Weg nicht zur Ehre und Macht, wie Petrus sie erträumt hatte, sondern in Leid und Tod führen wollte. Da löste er sich von Jesus und war, nun auf die eigene Kraft gestellt, in der Entscheidungsstunde nichts anderes, als was er vor Jesu Eintritt und Eingriff in sein Leben gewesen war: Ein schwacher Mensch. Aber Petrus sollte merken, daß er von Jesu nicht mehr loskommen konnte. Jesu Blick traf den Verleugner so tief ins Herz, daß der unselige Jünger weinend hinausging. Jesu Gnade ging ihm nach bis zu jenem Ostermorgen, als der Verleugner wieder begnadigt und aufs neue in die Nachfolge Jesu ausgenommen wurde. Am morgigen Palmsonntag treten viele junge Menschen vor Gottes Altar zur Einsegnung. Damit treten sie in die Nachfolge Jesu ein. Sie sollen und wollen mit Jesus von Nazareth ihre Lebensstraße ziehen. Ihre Seelsorger bitten sie: „Haltet im Gedächtnis Jesus Christ!" Und freudig kommt aus der Seele vieler Konfirmanden das Gelübde: „Bei dir, Jesu, will ich bleiben!" Aber dann kommt das Leben mit all seinen Versuchungen und Gefahren. Dann kommen die Nachtstunden für die Seele, in denen auch mancher Konfirmand den Herrn verleugnet. Daß dann solche in die Irre gegangenen jungen Christen es dach wie Petrus merken möchten: Auch mir geht Jesus nach! Ich brauche nicht in Verzweiflung zu enden wie Judas, ich darf mich der göttlichen Barmherzigkeit getrosten wie Petrus! Dann wird alle Verzagtheit und alle Trauer die Stimme der Sehnsucht übertönen: Was ich verloren habe, darf nicht verloren sein! Ich will mich aufmachen und mich wieder in die Nachfolge Jesu begeben! Wo dieser Entschluß im Herzen reift, da wandelt sich die Nacht der Verleugnung in den Morgen eines neuen Glaubens. Solch ein junger Christ dringt dann vom Kinderglauben zum Mannesglauben hindurch, zu jenem aus den Stürmen der Giehenec Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)Samstag, 13. April 1935 Oeffentliche Fahrradstände in Gießen. Mit dem Wiederbeginn der schönen Jahreszeit wird auch das Fahrrad als beliebtes Verkehrsmittel erneut stärker im Straßenbild in Erscheinung treten. Erfreulicherweise hat dieses „Automobil des kleinen Mannes" in steigendem Maße in allen Be- völkerungsschichten Verwendung gefunden, so daß man jetzt wesentlich mehr Fahrräoer als vor etwa einigen Jahren im Gebrauch bemerken kann. Für die Fahrradfabriken und deren Vertriebsgeschäfte ist diese Aufwärtsentwicklung erfreulich, auch vom Standpunkt der Gesamtwirtschaft aus kann man sich mit dieser Entwicklung gerne einverstanden erklären. Auf der anderen Seite sind aber auch einige Schattenseiten nicht zu verkennen, die namentlich den Hausbesitzern, ferner im Fußgängerverkehr oft recht bemerkbar werden. Aus den Kreisen der Hausbesitzer kann man Klagen darüber hören, daß durch das Abstellen von Fahrrädern an neuhergerichteten Hauswänden oder in renovierten Hausfluren Schaden angerichtet wird, der bei der Berührung der Fahrradlenkstangen oder Pedale mit den Hauswänden eintritt und bei häufiger Wiederholung recht empfindlich ist. Die Fußgänger führen mancherlei Klage darüber, daß durch abgestellte Fahrräder am Rande der Bürgersteige bzw. an den Häusern die Bewegungsfreiheit im 'Fußgängerverkehr beeinträchtigt, in stark benutzten Straßen sogar wesentlich erschwert wird. Man wird zugeben müssen, daß alle diese Klagen in vielen Fällen nicht unberechtigt sind. Diese Erkenntnis darf aber nicht dazu führen, die an sich sehr erfreuliche Ausbreitung des Fahrrads zu hemmen, sondern es müssen Möglichkeiten geschaffen werden, die Abhilfe bringen und für alle Teile annehmbar sind. Ein wirksames Mittel der Abhilfe scheint uns die Schaffung von öffentlichen Fahrrad st änden zu sein, die den Radfahrern die Abstellung ihrer Räder ermöglichen, ohne dabei die Hauswände oder Bordsteine in Anspruch nehmen zu müssen. Dann würde es auch nicht mehr vorkommen, daß die Straßenbahnwagen in den Straßenzügen, in denen die Schienen dicht am Bürgersteig entlangführen, oft zwischen den Haltestellen auf der Strecke die Fahrt unterbrechen müssen, weil irgendein Radfahrer seine Maschine an den Bordstein gestellt hat und dadurch den Straßenbahnverkehr behindert, solange der Radler in einem Hause zu tun hat oder er sich vielleicht mit liebevollem Interesse ein Schaufenster ansieht. Oeffentliche Abstellplätze für Fahrräder könnten wohl ohne allzu große Geldaufwendungen geschaffen werden. Einfache Holzrahmen oder kleine Eifenpfähle als Stützen der Räder würden ihren Zweck schon in genügendem Maße erfüllen. Nebenbei bemerkt wäre dadurch nicht nur eine Verbesserung der Verkehrsverhältnisse zu erreichen, sondern auch auf dem Gebiete der Arbeitsbeschaffung ein Beitrag zu leisten. Die Plätze für derartige Abstelleinrichtungen müßten natürlich möglichst zahlreich über das Stadtgebiet verteilt sein. Wir denken hier z. B. an folgende Möglichkeiten: Auf dem Bahnhofsplatz in dem verhältnismäßig wenig befahrenen Winkel vor dem sog. Fürstenpaoillon; am Hauptpostamt vielleicht unter Inanspruchnahme eines schmalen Streifens der jetzigen Gartenanlage, dieser Platz würde auch für die zahlreichen Besucher des Arbeitsamtes mit in Betracht kommen; vor der Alten Klinik ein Streifen des großen Vorplatzgeländes, zugleich konnte hier auch den Fahrradbesuchern des Hauptzollamtes, des Polizeireviers und des Reichsbahngebäudes gedient sein; am Selterstor der Geländeftreifen hinter dem Torhaus in Richtung Bahnhofstraße, auf der anderen Seite des Horft-Weffel-Walls an der Ecke Bahnhofstraße der jetzige tote Winkel in der Nähe des Zugangswegs zum Volksbad; vor dem Dolksbad ein Streifen des seitlichen Geländes, soweit es sich nicht um Besucher des Volksbades selbst handelt, für die ja eine Fahrradhalle bereits vorhanden ist; am Kreuzplatz der spitze Winkel zwischen Mäusburg und Sonnenstraße; für Marktplatz, Schulstraße usw. der freie Raum zwischen dem Hause der Sanitätskolonne und dem Alten Schloß; für die öffentlichen Gebäude auf dem Landgraf-Philipp-Platz ein Streifen vielleicht am östlichen Ende des Anlagestückes; vor den Gerichtsgebäuden ist Platz genug auf den Grundstücken selbst vorhanden; vor dem Stadthaus Gar- tenstraße und dem Verwaltungsgebäude der städtischen Betriebe (Gaswerk) auf dem freien Geländestück zwischen dem Stadthaus und der Wieseck; vor dem Stadthaus Bergstraße rechts des Hauptein- aanges von der Bergstraße her neben den gärtnerischen Anlagen; vor dem Finanzamt und vor dem Versorgungsamt ist gleichfalls genug Platzmöglichkeit vorhanden; am Universitätsgebäude käme vielleicht das Seitengelände am Eingang von der Goetheftrahe her in Betracht; an der Stadtpost die Geländespitze zwischen Neuen Bäue und Neuenweg. Neben diesen nur als Beispiel erwähnten Möglichkeiten dürften zweifellos noch zahlreiche weitere Gelegenheiten zur Schaffung solcher Abstellplätze vorhanden sein. Daneben darf man wohl auch erwarten, daß überall da, wo Privatunternehmungen mit starkem Radfahrverkehr zu rechnen haben und auf eigenem Grund und Boden genügende Platzmöglichkeit besitzen, Raum zum Abstellen von Fahrrädern auf eigenem Gelände geschaffen wird, um die Straße freizumachen von stehenden oder umgefallenen Fahrrädern. Die Verwirklichung dieser Gedanken wird in manchen Fällen für Radfahrer eine gewisse Unbequemlichkeit zur Folge haben, die darin besteht, daß das abgestellte Fahrrad einige Schritte weit vom Aufenthaltsort des Radlers unterzubringen ist. Aber diese kleine Unbequemlichkeit sollte kein Hindernis sein bei der Schaffung einer Einrichtung, die für zahlreiche Volksgenossen (Hausbesitzer) Schäden verhütet und auf der anderen Seite Behinderungen des Verkehrs auf das größtmöglichste Maß beschränken hilft. Verleugnung durch des Heilands Gnade erwachsenden und die Stürme des Lebens besiegenden Vertrauen: Ich bin mit Jesus auf dem Weg zu seinem und meinem Vater! Daten für den 13 April 1598: Heinrich IV. von Frankreich gewährt im Edikt von Nantes den Protestanten Religionsfreiheit; — 1784: der preußische Generalfeldmarschall Friedrich Graf von Wrangel in Stettin geboren (gestorben 1877); — 1932: Verbot der SA. und SS. im ganzen Reich. Daten für den 14. April. 1759: der Komponist Georg Friedrich Händel in London gestorben (geboren 1685); — 1865: der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Abraham Lincoln, in Washington ermordet (geklärt noch nichts, hier sind ureinfachste, selbstverständliche Lebensgesetze im Spiele. Daß Geschöpfe zum Beispiel auf Kalkboden andere Gestalt annehmen als ihre Brüder auf Urstein, und daß sie zu verkümmern beginnen, wenn sie ihre Heimat wechseln müssen, erklärt etwas mehr. Es scheint, als wolle es auf feine Weife jene nüchterne Behauptung vom Heimweh bestätigen. Selbst wenn ich mich dazu bekennen würde — klare, natürliche Deutungen haben wie die lautere Wahrheit immer etwas Bestrickendes an sich — ein letzter Rest von undurchsichtigem Zauber und göttlichem Zutun bliebe dann noch immer übrig, jenes allerletzte Tausendstel, das den gläubig sein Wollenden auch in dieser ausgeräuberten Welt noch erschauern läßt. Dann wäre also dieses Heimweh, um das wir Dichter uns dauernd bemühen, ob wir es nun bei seinem ersten wahren Namen nennen, ob es uns in girier seiner unzähligen Gestalten bewegt, denn alles und jedes ist für uns Unvollendete ja Heimweh nach irgend etwas, dann wäre also dieses Heimweh zwar wirklich die sichtbar gewordene Storung eines körperlichen Vorganges, vermehrt um ein Teilchen ungreifbares Jenseits. Und doch wieder: es kann nicht fein. Solches Heimweh würde einige Dauer des Bestandes, aus dem es entspringt, voraussetzen. Ich aber habe es, und mir war dabei nicht minder zum Sterben schwer ums Herz, gespürt in einer einzigen Stunde, die mich buchstäblich aus dem heiteren Himmel überfiel, und sie wog reichlich auf das gesammelte schmerzliche Gefühl von Jahren. So schnell kann sich keine Drüse regen, so bald kann kein Blut vergiftet fein. Das war damals an dem bitteren Himmelfahrtstage des Jahres 1919. Ein halbes Jahr lang hatten wir Kärntner den Südslawen, die unsere Heimat unbedingt zerstückeln wollten, standgehalten, w.r hatte., sie Anfang Mai nach einigen regelrechten Schlachten sogar aus dem Lande verjagt, wir hatten furchtbar geblutet und hofften nun auf einige Ruhe. Aber da überfiel uns, die wir keine zweitausend Feuergewehre zählten, eine grauenhafte Uebermacht von zehn Regimentern und eine ungeheuer starke Artillerie, wir hatten, soweit wir überhaupt noch lebten oder frei waren, kaum Zeit, unser nacktes Leben zu retten. Und da irrte ich denn, ehe ich mich zu den übrigen Versprengten sammeln ließ, auf den Hohen über der Drau hin, von wo ich in meine verlorene Heimat, das Rosen- tal, noch schquen konnte, und die Tränen sandte nicht nur der ohnmächtige Zorn in meine Augen, sondern schon das Heimweh. Da lag die geliebte Landschaft zu meinen todmüden Füßen ausgebreitet, bis in die letzten Falten wohlbekannt, Aecker und Flußau, Wald und Hügel, und die Dörfer, jedes einzelne meiner Kindheit verschwistert. Doch während boren 1809); — 1931: Spanien wird Republik, Abdankung des Königs Alfons XIII. Achtung! Handwerkskarte! Von der Hessischen Handwerkskammer Darmstadt wird uns mitgeteilt: Bei der Hess. Handwerkskammer und den Kreishandwerkerschaften laufen noch immer zahlreiche Anträge und Anfragen wegen Aushändigung der Handwerkskarte ein. Es wird daher auch auf diesem Wege allgemein zur Kenntnis gebracht, daß die Ausgabe der Handwerkskarte erst im Laufe der Sommermonate erfolgen kann, da die Nachprüfung der Fragebogen, auf Grund deren die Handwerkskarte ausgestellt wird, noch geraume Zeit in Anspruch nimmt. Die Ausfertigung und Ausgabe von nahezu 43 000 Handwerkskarten durch die Hand- ich so auf der Hohe faß und meinen schweren Kopf gerne auf die Erde hingelegt hätte, die ja mit jener entrungenen dort in der Tiefe des Tales noch verbunden war, gewann neben dem klaren, bekannten Bilde der Landschaft ein Anderes, Geheimes allmählich Gewalt. War es der Schmerz, war es ein geheimnisvoll Schöpferisches, plötzlich entbunden, das aus irgendeinem Grunde das helle Bildnis der Heimat vor mir zu umkleiden begann, über die Hügel schritten meine Ahnen als Schatten, Vater, der Graveur, Großvater, der Messerschmied, Urväter als Bauern, Schmiede, Müller, ich horte den Strom meines Geschlechtes rauschen, sah mich als Kind, sah die Mutter, sah die Geschwister, so füllte sich die Schale der verlorenen Heimat bis zum Rande, und irgend etwas Geheimnisvolles in mir hielt nicht inne, mir selbst Dinge, die mir gleichgültg gewesen waren und auch wrklich gering fein mochten, teurer und teurer zu machen. Heute noch spüre ich jenes unheimlich Belebte und Drängende in mir, das mich vor einem stets natürlich scheinenden, durchaus gewöhnlichen Bilde plötzlich zum Sterben bereit machte; vor Heimweh. Was immer es sein mag: beschlossen ruht in jener Bereitschaft, die wir Heimweh zu nennen pflegen, was so kostbar ist, daß wir dafür tausend und einen Tod sterben konnten, nicht jenen zwar, der uns als Staub verwehen läßt, obwohl von einfacheren Naturen auch dieser Tod gestorben wird, fondern jene wunderbare Verwandlung des Dichters durch ein sinnbildliches Grab hindurch zur Auferstehung in immer sich erneuerndes Licht. Und es offenbart sich daran, wenn wir Entstehung und Sinn zu enträtseln suchen, gleichsam an einem Schulbeispiel das Amt des Dichters: Das Geheimnis zu jenem geringen irdischen Teil, in den es sich eben noch oerstofflichen läßt, zu verdeutlichen; das Stoffliche aber wieder in ein Geheimnis umzudeuten. Es darf dann ruhig in Form eines Irrtums geschehen; Dichter irren, wenn sie ihre Berufung nicht für ein Spiel nehmen, wenn sie ihnen heilig ist, ja immer schon und verzeihlich. Tod den Forstschädlingen! Noch 1923 war die deutsche Forstwirtschaft gegen die damals erfolgende Massenvermehrung der gefürchteten Forleule, des größten Feindes unserer Kiefernbestände, ziemlich machtlos. Der im Staats-, Privat- und Kommunalreich angerichtete Schaden wurde auf ungefähr 625 Millionen Mark geschätzt. Im nächsten Jahrzehnt setzte nun eine so gründliche Bekämpfungsarbeit ein, daß es mit den inzwischen erprobten neuen Mitteln, durch Flugzeug- und Mv- torzerstäuber, möglich war, der Mafsenvermehrung werkskammer wird sich naturgemäß über einen längeren Zeitraum erstrecken. Alle Handwerker, die bereits vor Inkrafttreten der 3. Handwerksverordnung, d. h. vor dem 24. L 1935 in die Handwerksrvlle eingetragen waren und ihr Gewerbe bei der zuständigen Ortsbehvrde ordnungsgemäß gemeldet hatten, werden dringend ersucht, alle die Handwerkskarte betreffenden Anfragen und Anträge au unterlassen, um in Anbetracht der Überlastung Der Handwerkskammer mit laufenden Arbeiten eine unnötige Erschwerung des Geschäftsganges zu vermeiden. Die Heimkehr Philipps des Großmütigen aus der Gefangenschaft. Jrn „Gießener Anzeiger" Nr. 82 vorn 6. April 1935 veröffentlichten wir auf Wunsch eines Hei- rnatgeschichtsforschers die nachstehende öffentliche Anfrage: ** Wer kann in dieser Sache Auskunft geben? Ein Leser unseres Blattes übermittelt uns folgende öffentliche Anfrage: Wer kennt die Erzählung (Sage?), daß Philipp der Großmütige nach feiner Rückkehr aus der fünfjährigen Gefangenschaft zu Mecheln im Jahre 1552 an der Grenze feines Landes (bei Bromskirchen-Somplar) unter einer dicken Eiche niederkniete und Gott für feine Befreiung dankte? Wo stand (oder steht) die Eiche? Antwort an die Schriftleitung des „Gießener Anzeigers" in Gießen erbeten. Aus unserem Leserkreise gingen uns daraufhin mehrere Briefe zu, von denen wir nachstehend die Mitteilung mit den präzisesten Angaben wieder» geben: „Die Sache mit Philipp dem Großmütigen ist keine Sage, sondern folgendes ist Geschichte: Durch den Passauer Vertrag 1552 erhielt Landgraf Philipp feine Freiheit wieder. Am 4. September 1552 wurde er nach über fünfjähriger harter Gefangenschaft in Mecheln (Holland) in feierlicher Weise frei- gegeben und nahm seinen Weg, begleitet von 300 spanischen und flandrischen Edelleuten, über Köln— Jülich—Siegen—Marburg. In der Nacht vom 9. auf den 10. September blieb er in Siegen. Am 10. September bewegte sich der Zug auf der alten Heeresstraße Siegen—Marburg dahin. Bei dem Dorfe Simmersbach in der Nähe des Dietzhölztales auf *ber mit Heidekraut und Wacholder bewachsenen Höhe, „Staffelböhl" genannt, stößt diese jetzt einsame Straße auf die alte hessische Grenze. Heller Jubel erschallte, als der Landesherr sich der Grenze nahte. Hier standen hundert Hessenreiter als Ehrenwache. Eine tiefe Bewegung ging durch die Reihen der aus der ganzen Gegend zusammengeströmten Landeskinder, als der Hessenfürst, der durch die Gefangenschaft sehr gealtert und ergraut war, bei dem ersten Schritt auf den Boden seines Heimatlandes niederkniete und von feinen vier Söhnen und Räten umarmt wurde. Zur (Erinnerung an diesen denkwürdigen Tag haben damals die Simmersbacher oben auf der Bergeshöhe neben der alten Heeresstraße eine Buche gepflanzt, heute im Volksmund die „Philippsbuche" genannt, in Simmersbach heißt sie noch das „Büchelche". Da der Zahn der Zeit an dem alten Baume sehr genagt hatte, unternahmen es im Jahre 1909 der Zimmer- meister Gail aus Simmersbach und der Unterzeichnete, damals erster Lehrer in dem benachbarten Lixfeld, Geschichtsfreunde auf diese Tatsache und den Zustand der Buche aufmerksam zu machen. Es kam ein Gedenkstein aus Grünstein (Syenit) zustande, der am Sonntag, 11. September 1910, unter Zum Osterfest Klipp’s Kaffee Bremer Qualitäts-Kaffee stets frisch zu haben in den Fachgeschäften des Einzelhandels der Forleule in den Jahren 1932 und 1933 Einhalt zu gebieten. Die bis 1931 verwendeten Giftstoffe waren, wie Forstasfessor G. V e h r n d t vom Kai- fer-Wilhelm-Jnstitut Müncheberg in der bei Hugo Bermühler erscheinenden Zeitschrift „Der Naturforscher" ausführt, ausschließlich arsenhaltig. Ihre Verwendung hatte jedoch manche Nachteile, die u. a. auch darauf zurückzuführen find, daß der in Gebrauch befindliche Motorzerstäuber sich gegenüber den großen Aufgaben der Forftschädlingsbe- tampfung als unzulänglich erwies. Man ging deshalb zur Verwendung des Flugzeuges über, für das von der Firma Junkers bald eine einwandfreie Beftäubungsvorrichtung herausgebracht wurde. Die Junkerswerke arbeiteten in engstem Einver- nehmen mit der bekannten Firma E. Merck in Darmstadt, die ein Gift im Großversuch erprobte, das „die nackten Raupen unserer Forstschädlinge allein durch die Berührung abtötet." Zum erstenmal wurde damit bei der Bekämpfung der Forleule im Nürnberger Reichswald im Jahre 1931 ein nahezu hundertprozentiger Erfolg erzielt. 1933 wurden auf dieser Grundlage zusammen 28 260 Hektar begiftet, von denen 9 894 Hektar mit Motorzerstäuber und der Rest mit Flugzeug behandelt wurden. Während man den Motorzerstäuber alten Stiles nur zur Bearbeitung kleinerer Flächen für geeignet hielt, hat die Erfahrung inzwischen gezeigt, daß er bei dem erreichten hohen Grad technischer Vollkommenheit jetzt den stärksten Anforderungen durchaus gewachsen ist. Diese Tatsache und der Umstand, daß die Kosten der Motorbestäubung niedriger sind als die Aufwendungen für die Flugzeugbestäubung lassen die Annahme zu, daß der Motorverstäuber dem Flugzeug immer mehr den Rang ablaufen wird. Hochschulnachrichteii Zum Direktor des Instituts für Physikalische Therapie der Universität Frankfurt, das bisher zusammen mit der Medizinischen Poliklinik von dem verstorbenen Professor Dr. Strasburger geleitet wurde, ist der ordentliche Professor für Balneologie, Klimatologie und Bäderlehre Dr. Heinrich Lampert ernannt worden. Dadurch sind die beiden organisch zusammenhängenden Fachgebiete in einer Hand vereinigt worden. Professor Dr. Labes von der Universität Bonn ist kommissarisch auf den Bonner Lehrstuhl für Pharmakologie als Nachfolger von Professor Dr. Kränke berufen worden. Professor Dr. Anton Arland von der Universität Leipzig hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für Pflanzen-, Gemüse- und Obstbau an der Deutschen Technischen Hochschule in Prag (Abteilung für Landwirtschaft) angenommen. der Buche eingeweiht wurde. Außer der Inschrift trägt er das Relief eines hessischen Bauern mit dem Vers: „Wenn einstmal in der weiten Welt Die Treu der Klugheit räumt das Feld, Sonst nirgend eine Ruhestatt hätte, Das Hessenland bleibt ihre Stätte." Bei der Einweihung hielten Festreden: der Volks- fchriftsterller Naumann aus Nanzhausen (Kreis Marburg) und ein Regierungsrat aus Kassel, dessen Name mir entfallen ist. Da die Witterung die Inschrift auf dem Stein sehr verwischt hat, ist im letzten Herbst durch Stiftung des Hüttendirektors Jung von Neuhütte bei Straßebersbach eine eiserne Platte mit derselben Inschrift angebracht und die Buche gleichzeitig unter Naturschutz gestellt worden. Heil Hitler! Schrupp, Lehrer in Waldgirmes (Krs. Wetzlar)." In den übrigen Briefen wird die vorstehende Schilderung bestätigt. In einem Schreiben wird die Vermutung hinsichtlich des Ortes Bromskirchen- Somplar ausdrücklich als unzutreffend bezeichnet und ebenfalls auf den vorstehend geschilderten Sachverhalt als einzig zutreffende Begebenheit verwiesen. Deutsche Arbeitsfront. Ortsgruppe Gießen-Ost. In der Zeit vom 16. bis einschl. 24. April 1935 fallen die Sprech- und Zahlstunden auf dem Geschäftszimmer der Ortsgruppe aus. Die Zellenwal- ter haben dafür zu sorgen, daß ihre Blocks bis zum 25. d. M. restlos abrechnen. In Fällen, wo dies nicht geschieht, wird der Zellenwalter persönlich zur Verantwortung gezogen. Die Blockwalter können am Montag, 15. April 1935, etwa noch fehlende Marken in Empfang nehmen. Die DAF.-Mitglieder der Ortsgruppe Gießen-Ost werden darauf aufmerksam gemacht, daß Beitragsrückstände bis zum 25. April restlos bezahlt werden müssen, da sonst die Mitgliedschaft erlischt. Sollte der Beitrag in den nächsten Tagen nicht erhoben werden, dann kann derselbe am 2 5. April 1935 (Donnerstag), ab 17 Uhr, auf dem Geschäftszimmer der Ortsgruppe, Licher Straße 17, bezahlt werden. NS.Gemeiuschaft „Kraft durch Freude". Danderwarte-Arbeitstagung Kloster Arnsburg. Die Teilnehmer an der Arbeitstagung der Wanderwarte in Gießen fahren am Samstag mit dem Zuge 13.38 Uhr ab Gießen nach Lich (Sonntagskarte). Beginn der Tagung um 17 Uhr. Meldung im Saal der Mühle Kloster Arnsburg. Uebernach- tung in Muschenheim. Am Sonntagfrüy eintref- fende Teilnehmer melden sich ebenfalls in der Mühle. Heidelbergfahrt. Wir bitten alle Teilnehmer der Hekdelbergfahrt, den Betrag von 5 Mark pro Person (für Kinder 3 Mark) auf das Konto NSG. „Kraft durch Freude" Nr. 5085 bei der Bezirkssparkasse Gießen bis spätestens 20. April einzuzahlen. Die Beträge können natürlich auch von den Ortswarten und Betriebswarten gesammelt direkt eingezahlt werden. Für die auf der Bezirkssparkasse erhaltene Quittung können alle Teilnehmer die Fahrkarten auf unserer Geschäftsstelle, Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 10, ab Mittwoch, 24. April, gesammelt oder einzeln abholen. Wir machen alle auswärtigen Fahrtteilnehmer darauf aufmerksam, daß der Fahrpreis von 5 Mark nur von Gießen aus gerechnet ist. Wir teilen aber heute schon mit, daß die Reichsbahn um 75 v. H. verbilligte Karten zur Anfahrt ausgibt. Männergesangverein Friedrichsthal/Gaar 1867 kommt wieder nach Gießen. Am Ostersamstag, dem Geburtstag des Führers, findet in der Volkshalle zu Gießen eine große Kundgebung aller Gliederungen der Partei statt, bei der Kreisleiter Pg. Klo ft ermann sprechen wird. Anschließend an die Kundgebung gibt der Männe r g e s a n g v e re i n 1867 Fr i edrichstbal an der Saar ein großes Konzert. Wer im Vorjahr am Pfingftsamstag unsere Saarsänger gehört hat, dem wird diese Veranstaltung noch in der denkbar besten Erinnerung sein. Der Eintrittspreis beträgt im Vorverkauf 40 Pf., an der Abendkasse 50 Pf. auf allen Plätzen. In der Volkshalle stehen Tische und Stühle. Für preiswerte Bewirtschaftung wird gesorgt. Wir machen darauf aufmerksam, daß der Kartenvorverkauf schon heute beginnt, und zwar sind die Karten au haben bei sämtlichen Amtswarten der Organisation „Kraft durch Freude", im Musikhaus Challier, auf dem Geschäftszimmer der Gießener Studentenschaft und auf der Kreisdienststelle K. d. F., Schanzenstraße 18 II. Gießener Wochenmarktpreife. * Gießen, 13. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 8V2 bis 9, Wirsing, das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 25 bis 30, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 18 bis 20, Unterkohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 15, Feldsalat 70 bis 80, Tomaten 50, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 30 bis 50, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,40 bis 3,50 Mark, Aepfel, das Pfund 25 bis 40 Pf., Honig 40 Pf. bis 1,10 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Vf., Enten 80, Tauben, das Stück 60, Blumenkoyl 40 bis 60, Salat 25, Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 40, Rettich, Bündel 30, Radieschen 10 bis 15 Pf. Vornotizen. — Tageskalender für Samstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Reichsparteitagfilm „Triumph des Willens". — Stadttheater: Deutsche Bühne 20 bis 22.45 Uhr „Der Vetter aus Dingsda". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Artisten^. — Vauerscher Gesangverein: 20 Uhr in der Neuen Aula der Universität Konzert. — Tageskalender für Sonntag: Sonderausführung des Films „Triumph des Willens" für die Hitler-Jugend; Treffpunkt 10 Uhr auf dem Oswaldsgarten. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Reichsparteitayfilm „Triumph des Willens". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Artisten". — Stadttheater, 19.30 bis 22.15 Uhr: „Der Detter aus Dingsda". — Kurzschrift-Prüfung der Industrie- und Handelskammer um 9 Uhr in der Öffentlichen Handelslehranstalt. — Oberhessischer Gebirgsverein: Wanderung. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 11 bis 13 Uhr, II. Ausstellung aus Gießener Privatbesitz. — 4. Hallenhandball- Turnier der Gießener Turnerschaft in der Ortsgruppe Gießen des RfL. um 8 und 14 Uhr in der Volkshalle. — 50-Kilometer-Straßenrennen Gießen- Marburg; Start 8 Uhr Schützenhaus. — Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Sonntag, 14. April, von 19.30 bis 22.15 Uhr Wiederholung der Schlageroperette: „Der Vetter aus Dingsda" von Künneke. — Dienstag, 16. April, Erstaufführung des alten Märchens: „Die armseligen Besenbinder" von Carl Hauptmann; Spielleitung hat Anton Neuhaus. Spieldauer von 20 bis 22.30 Uhr. — Mittwoch, 17. April, von 19.30 bis 22 Uhr Wiederholung der Spielplanneuheit: „Die armseligen Besenbinder". — Freitag, 19. April, bleibt das Theater geschlossen. — Sonntag, 21. April, 19 Uhr, auf vielseitigen Wunsch nochmalige Wiederholung Der Meisteroperette von Strauß: „Der Zigeunerbaron" in der Besetzung der Erstaufführung. * ** Ernennung. Der seit dem Jahre 1920 bei der Stadt Gießen als Bürogehilfe beschäftigte Schwerkriegsbeschädigte Karl Zimmer wurde mit Wirkung vom 1. Juli 1934 zum Verwaltungs-Ober- Assistenten ernannt. ** Die nächsten Viehmärkte in Gießen finden in der kommenden Woche am Dienstag (Rindvieh-Markt) und am Mittwoch (Schweinemarkt) statt. Näheres in der heutigen Bekanntmachung. ** Die Abgabe von organischem Dünger „B i 0 h u m" aus der st ä d t i s ch e n Kläranlage betrifft eine Bekanntmachung der Bürgermeisterei in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir besonders aufmerksam machen. ** Die Entwässerung von Grundstücken macht die Bürgermeisterei zum Gegenstand einer wichtigen Bekanntmachung in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir die Grundstückseigentümer besonders aufmerksam machen. ♦* Neubauten am Klebergäßchen. Nachdem in den letzten Jahren zwischen dem Kleber- yäßchen und dem alten Friedhof schon drei Einfamilienhäuser errichtet wurden, ist man jetzt dabei, zwei weitere Einfamilienhäuser im Zug des Klebergäßchens zu erstellen. Hierbei wird gleichzeitig das Gäßchen auf 10 Meter Straßenbreite mit entsprechenden Vorgärten erweitert, so daß es später als Verlängerung der Bergstraße anzusehen ist. Mit diesen und den noch im Laufe dieses Sommers beabsichtigten Bauausführungen erfolgt eine weitere Erschließung des Baugeländes am Nahrungsberg, das mit zu den schönsten Wohnlagen der Stadt gehört. ** Krieyerkameradschaft Gießen. Infolge Anordnung der Führung des Kyff- häuserbundes führt der Kriegerverein Gießen ab 11. April 1935 die Bezeichnung Krieger-Kameradschaft Gießen. Die April-Monats- versammlung hielt — wie man uns berichtet — die Kameradschaft am Donnerstagabend im Vereinslokal CafS Ebel ab. Da der erste Vereinsführer, Kamerad Landgerichtsrat T r ü m p e r t, wegen Kankheit leider nicht erscheinen konnte, wurde die Versammlung vom 2. Vereinsführer Kamerad Pg. B 0 n h a r d geleitet. Kamerad Bon- Hard gedachte in feiner Begrüßungsansprache eines verstorbenen Kameraden und wies in markigen Worten auf das große Ereignis vom 16. März 1935 — Wiedereinführung der Wehrpflicht in Deutschland — hin, die vom deutschen Volke und insbesondere von den Frontsoldaten freudig begrüßt worden fei. In das dreifache Siea-Heil auf Führer und Vaterland stimmte die Versammlung freudig ein, worauf stehend je der erste Vers des Horst- Wessel-Liedes und des Deutschlandliedes gesungen wurde. Kamerad B 0 n h a r b hielt sodann einen Vortrag über die Kyffhäuser-Wohlfahrtspflege, aus dem u. a. zu entnehmen war, daß der Reichskriegerbund Kyffhäufer sechs Kriegerwaisenhäuser und 16 Kritzgererholungsheime unterhält, an Unterstützungen werden monatlich ca. 60 bis 80 000 Mark, im Dezember 1934 allein 220 000 Mark und seit Beendigug der Inflation vierundeinhalbe Million Mark ausgezahlt. Pg. B 0 n h a r d warb für die Sammlung von Altmaterial für diesen Zweck. Ferner teilte Kamerad Bonhard mit, daß der Reichs- kriegertag in Kassel im Juli 1935 stattfindet, wobei der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler und General von Blomberg erscheinen würden. Die Reise von Gießen nach Kassel wird in Postautos erfolgen, zahlreiche Anmeldungen liegen bereits vor. Wer sich noch daran beteiligen will, kann dies bei Kamerad Hartmann, Ludwigsplatz, melden. Musikalische Darbietungen und einige gesungene Soldatenlieder verschönten den Abend. ** VHC. Gießen. Man berichtet uns: Die Aprilwanderung am vorigen Sonntag, an der trotz des Regens und des Schneetreibens über 30 Unentwegte teilnahmen, begann nach Bahnfahrt in Mainzlar. Wir gingen zuerst an der Chamottefabrik vorbei östlich zur hochgelegenen Treifer Heide, von wo sich bei klarem Wetter eine schöne Aussicht bietet. Leider lag alles in eintönigem ©rau. Nur die Umrisse der oberen Burg Staufenberg und die Häuser von Treis konnte man erkennen, Denn immer dichter fielen die Schneeflocken. In dem schützenden Wald, unweit vom Aspenkippel, frühstückten wir und kamen bann nach Climbach und von da, meist durch verschneite Waldschneisen, in denen der frische Schnee fast 20 Zentimeter hoch lag, nach Allertshausen. Nach längerer Mittagsrast wanderten wir auf der Straße, die durch schöne Fichtenwälder an dem jetzt wasserreichen Krebsbach entlangführt, nach Beuern. Inzwischen hatte sich das Wetter gebessert, die Sonne strahlte wieder, und so blieb es, bis wir nach Reiskirchen kamen, von wo wir mit dem Zug zurückfuhren. Stärkt das Deutschtum im Osten! Der $ uni) heimattreuer Schlesier (Deutscher Ostbund) hielt im Vereinslokal „Hotel Köhler" seine April-Monatsversammlung ab. Der Vereinsführer Pg. K 0 st 0 r z konnte u. a. einige neue Mitglieder begrüßen. In einer gedrängten Uebersicht über die Front des kämpfenden deutschen Volkstums in und außer den Staatsgrenzen gedachte er u. a. des Sieges des Nationalsozialismus im deutschen Danzig, an dem auch einige Danziger aus Gießen beteiligt waren. Er würdigte anläßlich des 70. Geburtstages die Verdienste des großen Feldherrn Ludendorff. Der Redner ermunterte zu weiterem festen Zusammenstehen aller Ostdeutschen. Anläßlich der Jahresfeier der Ortsgruppe im Juli soll vorerst an die ehern. Abstimm- ler in Oberschlesien das neue Ehrenzeichen überreicht werden. Die Vorbereitungen hierfür sind im Gange. Anschließend sprach der in Gießen zum Oster- urlaub weilende, frühere stellvertr. Vereinsführer Pforrer und Dozent Gucker aus Lauenburg über den „Kampf des deutschen Volkstums an der Ost grenze". Nach einer Schilderung der Aufgaben der dortigen Lehrerakademie in ihrer Bedeutung für die Ausbildung der Lehrer in den grenzdeutfchen Dörfern und Städten hob er die Verantwortung der zukünftigen Lehrer als Führer, Beschützer und Wächter des deutschen Volkstums hervor. In Hinterpommern finden diese Junglehrer ein geeignetes Feld zur Schulung für ihre Aufgabe. Durch Volkslieder, Sagen, Märchen und Krippenspielen versuchen die Junglehrer in den gefährdeten Gebieten die deutschen Menschen in ihrem Kampfe um ihr Volkstum zu unterstützen und zu stärken. In Hinterpommern ist um jeden fußbreit Boden gekämpft worden, um das polnische Vordringen auf Grund der Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages aufzuhalten. Polen erhielt außer westpreußischen Gebietsteilen nur ein einziges pommerfches Dorf. Die alten, ehemals preußischen Gebietsteile im jetzigen Polen sind dichter von Polen besiedelt, als die deutschen Teile unserer Ostgrenzen. Polens Geburtenüberschuß ist sehr stark und der Wall an unserer Ostgrenze wird immer dichter. Deshalb ist es ein dringendes Gebot zur Erhaltung des deutschen Ostens, daß dort zahlreich gesiedelt wird. Das deutsche Land im Osten ist leer. In schöner, bildhafter Anschaulichkeit zeigte der Redner die Unterschiede der Lande und Menschen im Süden und Osten des Reiches. Für die Erhaltung des deutschen Volkes ist es von großer Bedeutung, daß die preußische Haltung nicht geschwächt, sondern gestärkt wird. General Göring hat von dem Ethos des Preußen gesprochen, der die Aufgabe hat, der ruhigen, behaglichen Art des deutschen Menschen das harte Dennoch der Pflicht und des steten Kampfes zuzurufen. Diese Aufgabe des Preußentums wird niemals aufhören Dürfen. Wenn wir hier im Westen auch nur eine kleine Gemeinde sind, fo haben wir doch die Verpflichtung, immer wach zu fein und allen klarzumachen, daß der Kampf um das Volkstum uns niemals in Ruhe läßt, sondern unser ganzes Leben beansprucht. Wir wissen, daß der Nationalsozialismus uns davor bewahrt hat, unser Volkstum durch die liberalistische und marxistische Minierarbeit zu verlieren. Nun müssen wir uns gegenseitig aufrichten und unser Volk immer wieder aufrufen zum Kampf um Volkstum und Leben. Der Redner erinnerte an den Philosophen des Preuhengeistes, den Königsberger Immanuel Kant, und rief alle Ostdeutschen in pak- kenden Worten auf zum Bekennermut und zur Entscheidung auf die Frage, die unser Volk an jeden einzelnen Volksgenossen richtet, auch die richtige Antwort zu geben, d. h. mit seinem eigenen Leben verantworten können, ob er seine Pflicht gegenüber Heimat und Volk und Führer erfüllt hat. Wenn er bann freudig „Ja" sagen kann, wird er als echter und treuer Mensch Der Grenzlande bestehen können. Reicher Beifall dankte dem Landsmann für seine ausgezeichneten Darlegungen, die zugleich die Abschiedsworte des jetzt endgültig von Gießen scheidenden Pfarrers waren. Vereinsführer Kostorz schloß hierauf die Versammlung mit Dreimaligem „Sieg-Heil!" auf den Führer. Die Ausgabe der Bauernführer. Kreisbauernführer Ott, Usingen, vor den Ortsbauernführern. In einer Versammlung der Ortsbauern- füfjrer des Bezirks Gießen am gestrigen Freitagnachmittag im Hotel Hopfeld, die vom Bezirksbauernführer Metzger (Röthges) mit einem stillen Gedenken an den auf tragische Weise ums Leben gekommenen Kreisbauernführer A. Dörr- f cf) u d eingeleitet wurde, hielt der neue Kreisbauernführer Wilhelm Ott, Usingen der Krejsbauernfchaft Oberhefsen- W e st eine richtunggebende Ansprache. Er führte u. a. aus: Unser lieber Kamerad und Kreisbauern- führer Adam D ö r r s ch u ck ist von uns gegangen. An seine Stelle hat der Landesbauernführer mich berufen. Ich bin Bauer wie ihr, bleibe Bauer und fühle mich wohl als Bauer, wie ihr. Als echte deutsche Bauern wollen wir zusammenstehen für unser Bauerntum, für Bolk, Führer und Vaterland. Das ist unser Beruf und unsere Aufgabe. (Beifall.) Unsere Arbeit ist schwer, aber wir kommen darüber hinweg, wenn wir uns leiten lassen von dem Ideal: Nichts für unseren Eigennutz, sondern alles für den Bauernstand und für bas Volk. In diesem Sinne wollen wir zusammenarbeiten und uns frohen Mutes zum Bauerntum bekennen. Wir wissen um Freud und Leid des Bauern, wir verstehen ihn, und werden darum zum Ziel kommen. Wir wollen dienen und helfen, den neuen Staat zu schaffen. Der Staat ist ein Bauernstaat, aber wir sind nicht der wichtigste Stand im Staate, sondern ein Pfeiler neben den anderen Pfeilern. Wir müssen wissen, daß uns die große, heilige Pflicht aufgegeben ist, neben den anderen Ständen dem Volke zu dienen und als Reichsnährstand das Volk aus eigener Scholle zu ernähren. Wir wissen, daß der Führer das Vertrauen in uns gefetzt hat, daß uns diese Aufgabe gelingt. heute ist der Staat auf uns aufgebaut, der Führer braucht uns, und er hat unferen Namen wieder zu einem Ehrennamen im ganzen Volke erhoben. Das sollen wir nie vergessen. Darum sind wir gewillt, unabänderlich der Pflicht gegenüber dem Staat und Führer nachzukommen. Der ist der beste Bauernführer, der sich durchsetzt, ohne viel Aufhebens zu machen, aber auch bann hart ist, wenn er für bie rechte Sache eintritt. Aber der Ortsbauernführer steht nie allein. Der Bezirksund der Kreisbauernführer stehen ihm zur Seiten Von euch fordern mir, daß ihr den vorgeschriebe- nen Weg geht, dann ist euer Tun richtig. Nehmt richtig Stellung zu den Dingen, wie es sich für einen ehrbaren Bauern gehört, dann kommt das Vertrauen. Wenn ihr nach Reckt und Ehrbar- Feit handelt, wird euere Arbeit leicht fein. Euer Arbeit sei untereinander, füreinander; Dann wird die Kreisbauernschaft Oberhessen-West, die einen guten Ruf beim Landesbauernführer hat, eine vorbildliche Bauernschaft fein. So wie der Einzelne in feinem Heimatdorf wirkt, fo wird das Gesicht seiner Arbeit sein. Venn wir für ein ehrliches, zufriedenes Bauerntums kämpfen, dann kämpfen wir für ein zufriedenes Volk. Alles was wir tun und anordnen, diene der großen Volksgemeinschaft! Wenn wir über manche wirtschaftliche Frage noch Zweifel haben, so denken wir daran, daß nicht nur wir Bauern, sondern auch die anderen Stände erst im Aufbau sind. Darum müssen wir Verständnis zeigen. Das Höchste ist, daß der Bauernstand wieder eine Zukunft fjat, ewig fein kann und ein ehrbarer ist. Es erfüllt uns mit Stolz, einen Reichsbauern- führer zu haben, der ganz für uns eintritt. Darum müssen wir treu und ehrlich mitarbeiten, daß des Führers Wort, daß Deutschland ein Bauern- staat wird oder untergehen muß, verwirklicht wird. Wir sind stolz, deutsche Bauern zu sein, die über ihre Angelegenheiten selbst beraten. In diesem stolzen Gefühl marschieren wir geschlossen hinter unserem Führer, und unsere Abeit wird leicht und der Weg richtig sein. Anhaltender Beifall dankte dem Kreisbauernfuhrer für seine Worte. Stabsleiter Or. Krämer, Friedberg sprach bann über das Entschuldungsverfahren, das im Interesse des Schuldners und des Glau» b i g e r s durchgeführt wird. Darum muß des Schuldner schon im Anfangsstadium nachweisen, daß er in der Lage ist, seinen laufenden Verpflichtungen nachzukommen, und er muß sich ein« schränken. Das Verfahren kann auf Antrag auf» gehoben werden, dann ist der Bauer vor der Zwangsversteigerung nicht mehr zu bewahren. Bei Pachtbetrieben, auch wo nur teilweise Pachtland vorhanden ist, kann Antrag auf Entschuldung noch bis zum 31. Mai 1935 gestellt werden. Sodann behandelte der Stabsleiter die Fragen des Wildschadens auf Grund des neuen Reichsjagdgesetzes. Das Gesetz ist nur für die nach dem 1-. April d. I. neu abgeschlossenen Verträge zuständig. Es sei empfehlenswert, daß möglichst der Stellvertreter des Bürgermeisters Jagdvorsteher wird, damit der Bürgermeister als örtliche Polizei- behörde unabhängig bleibt. Der Ortsbauernführer hat den Wildfchadenfchätzer und einen Stellvertreter zu bestimmen. Es wurde ferner darauf hingewiefen, daß dis Auszeichnungen für treue Dienste der landwirtschaftlichen Gefolgschaftsmitglieder durch den Betriebsführer rechtzeitig beim Ortsbauernführer beantragt werden, damit sie am Jubiläumstage überreicht, werden können. Auszeichnungen für mehr als 50- jährige Dienstzeit hat sich der Führer selbst Vorbehalten. Es ist Pflicht des Betriebsführers, die Anträge einzureichen. Bürgermeister Wenzel, Lang Göns forderte die Bauernführer zu zahlreichem Besuch des iubenfreien Marktes auf, bei bem der Reichs- ftatthalter und Gauleiter Sprenger sprechen soll. Der Losvertrieb für die Marktlotterie hat schon eingesetzt. Lang-Göns erwartet zahlreichen Auftrieb und guten Besuch. Mit Dankesworten an die Redner und die Besucher schloß Bezirksbauernführer Metzger die Versammlung mit dem Treugelöbnis zum Reichsbauernführer R. W. D ar r 6 und zum Führer und Reichskanzler. Erweiterung und Modernisierung von Molkereibetrieben. Wie wir von zuständiger Seite hören, werden voraussichtlich noch im Laufe dieses Frühjahrs, ebenso wie in Wetterfeld (wir berichteten am Donnerstag darüber) auch in verschiedenen anderen oberhessischen Molkereien Umbauten, Erweiterungen bzw. Modernisierungen durchgeführt. Bisher find vorgesehen Erweiterungen der Molkereien in Selters, in Düdelsheim und in Holz- Hausen bei Marburg. Diese Erweiterungen werden durchgeführt, weil man mit einem größeren Milchanfall rechnen muß, nachdem durch die Milchwirtschaftsordnung feftgefegt wurde, daß die Bauern Milch nur noch für ihren eigenen Bedarf verbuttern dürfen. Die Arbeiten sollen sobald als möglich in Angriff genommen werden. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, daß am morgigen Sonntag in Schuppach und in Lohnberg neu erbaute Molkereien eingeweiht werden, die das Milchaufkommen aus den Orten in der Umgebung von Weilburg verarbeiten sollen. Ein weiterer Molkereibetrieb wird im Sch äffe n g ru n d (Kreis Wetzlar) für die Ortschaften um Braunfels und Brandobemdorf geschaffen werden, der für die tägliche Verarbeitung von 20 000 Litern Milch eingerichtet werden soll. Die Arbeiten für diese Molkerei sollen ebenfalls in diesem Frühjahr begonnen werden, fo daß mit der Inbetriebnahme für den Herbst des Jahres gerechnet werden kann. Schwerer Autounfall in Darmstadt. Ein Mann gelötet, vier Pollzeibeamke verletzt. Darmstadt, 12. April. (LPD.) Heute mittag ereignete sich hier ein schwerer Autounfall. An der Ecke Frankfurter und Kahlertstraße wollte der Eifenbahninspektor i. R. Philipp Ahlbach bie Straße überqueren. Dabei wurde der auf beiden Augen am grauen Star leidende Mann von einem Personenkraftwagen aus Stuttgart angefahren und so schwer verletzt, baß er im Krankenhaus seinen Verletzungen alsbalb erlag. Mitten auf ber Straßenkreuzung Rheinstraße-Peter- Gemeinber-Straße würbe, wie ber Polizeibericht meßet, der nach der Unfallstelle entsandte Polizei-Notrufwagen von einem Rettungswagen der Freiwilligen Sanitätskolonne, ber ebenfalls zur Unfallstelle gerufen war, am linken Hinterrad angefahren. Dadurch geriet der Notrufwagen ins Schleudern und überschlug sich. Die vier Insassen des Polizeiwagens wurden habet so erheblich verletzt, baß sie bem Krankenhaus zugeführt werden mußten. Auch schwere Kost wird leicht verdaut mit BuHrtch-Salz ’&’op'a OJLtfpont Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 I — Dußbadj I. In den Butzbachern stellt sich eine Mannschaft vor, die man keinesfalls in ihrer Stärke unterschätzen soll. Es ist nicht mehr die Butzbacher Elf, die man in Gießen mit Leichtigkeit überspielte. In unserem südlichen Nachbarstädtchen hat sich im Turn- und Sportleben viel geändert. Die dortigen Vereine haben Kräftezufuhr erhalten. Gestützt auch auf in eigenen Reihen (Jugend) heranqezogenem Nachwuchs, sind die Leistungen im VfR. immer besser geworden, so daß die Rasenspieler am Ende der diesjährigen Meisterspielsaison einen guten Mittelplatz in der benachbarten Bezirksklasse Gruppe Oberhessen (Meister Bad-Nauheim) einnehmen. Durch den erst in den letzten Tagen vorgenommenen Zusammenschluß zwischen dem Turn- und Sport- verein 1846 Butzbach und dem Verein für Rasenspiele 1910 Butzbach hat die neue Vereinigung noch mehr an Kampfkraft gewonnen. Sie wird deshalb die Hiesigen im bevorstehenden Treffen auf eine harte Probe stellen. Butzbach war immer zäh, schnell und verstand vor allen Dingen bis zum Schlußpsiff zu kämpfen. Die Blauweißen haben dieses Mal: Schmidt; Zei- ler, Lippert; Mank Heilmann, Heinbach; Wilhelmi, Schmelz, Birkenbihl, Horz, Kaps, mit ihrer Vertretung beauftragt, eine Elf die eigentlich Gewähr für ein erfolgreiches Abschneiden geben sollte, da ihr be- kanntlich der heimische große Platz besonders gut liegt. Leicht werden die Gäste, in deren Reihen auch einige Soldaten mitwirken, den Sieg nicht an die Gießener vergeben, besonders, wenn sich der Angriff der Platzbesitzer abermals in Torschuß so undisponiert zeigen sollte. Man setzt aber beim Gastgeber viel auf die geschickte Angriffsführung durch Birkenbihl. F.-Sp.-V. 1926 Steinbach. Steinbach I — Fellingshausen I. Am morgigen Sonntag empfängt Steinbachs 1. Elf die gleiche des Sportvereins Fellingshausen. Die Gäste spielen in der Klasse wie Steinbach und halten einen guten Platz in der Tabelle ein. Die Einheimischen treten mit der Mannschaft an wie gegen Lich. Man rechnet mit einem fairen Spiel. Der Ausgang des Kampfes ist nicht oorherzusagen. Handball im Gau XII (Nordheffen). Die Spiele der Gauklasse sind bis auf zwei erledigt, die in Kürze noch nachgeholt werden. Beide haben noch Einfluß auf den Stand der Tabelle, so daß also der endgültige Stand noch nicht gegeben werden kann. Die Runde der Staffelsieaer der Bezirksklasse im Bezirk I kann, wenn Kesselstadt das morgige Spiel gegen Kurhessen Marburg auf eigenem Platze gewinnt, beendet fein. Die Tabelle zeigt zur Zeit folgendes Aussehen: Spiele Tore Pkte. VfB. Kurhessen Marburg 3 24:20 5:1 Tv. Kesselstadt 3 26:24 4:2 To. Pohlgöns 4 26:32 1:7 Für Kesselstadt steht danach viel auf dem Spiel, während Marburg nur einen Punkt zur Meisterschaft benötigt. In der II. Kr/Üsklasse (Aufstiegsviele) steigt nur Tv. Herborn — Tv. Garbenheim. Der Ausgang dieses Treffens muß als offen bezeichnet werden, beide Mannschaften sind sich nämlich ziemlich gleichwertig. Der Freundschaftsspielbetrieb ruht durch das große Hallenturnier, oei dem fast alle Vereine ohne Ausnahme vertreten sind, vollkommen. Kameradschaftshaus der Akademischen Turnverbindung „Kurhessen" einen Lehrgang unter Leitung von Gaudietwart Vesper- Homberg ab. Die Arbeitstagung befaßt sich mit organisatorischen Fra- §en, der Vorbereitung Der völkischen leier stunde beim ersten Gaufest des Reichsbundes für Leibesübungen vom 2. bis 4. August in Gießen und vor allem mit der Ge- staltung der Dietarbeit in den Vereinen des VfL. Nach dem Abkommen des Reichssportführers von Tfchammer und Osten mit dem Reichsschulungsleiter der Partei, Pg. Dr. Max Frauendörffer, sind nunmehr auch die politischen Voraussetzungen für die Dietarbeit insofern gegeben, daß die Gau-, Bezirks- und Kreisdietwarte zukünftige Beauftragte der Partei sind für die weltanschauliche und völkisch-politische Erziehung in den Vereinen des Reichsbundes für Leibesübungen. 1. Tag her Ostpreußen-Fahrt 1935. Von 454 in Königsberg gestarteten Teilnehmern konnten nach dem ersten Tag nur 141 strafpunktfrei bleiben, und zwar 79 Wagen und 62 Krafträder. Am ersten Tage sind bereits 131 Fahrzeuge endgültig ausgeschieden. Die Ausfälle waren natürlich besonders bei den Ausweisfahrern sehr groß. Auch die zweite Etappe wurde morgens um 4 Uhr in Königsberg gestartet, und führte von da am Frischen Haff entlang nach Elbing, durch das Oberland, Ermland und Seengebiet Über Allen- stein nach Königsberg zurück. Bei Follendorf am Frischen Haff blieben fast alle Fahrzeuge im Sand stecken und konnten zum großen Teil nur durch Pferdevorspann wieder flott gemacht werden. Kurze Sportnotizen. Deutschlands Ringerstaffel für die an Ostern in Kopenhagen stattfindenden Europameisterschaften wurde wie folgt aufgestellt: Möchel- Köln, Hering-München, Ehrl-München, Schäfer- Schifferstadt, Paar-Reichenhall, Böhmer-Reichenhall, Hornfischer-Nürnberg. 1900 1. Jugend — Hanau 93 Jungliga. . Vor den ersten Mannschaften hat sich die Jugend die Junioren hes Gaumeisters von Nordhessen verschrieben. Die Gießener werden als Jugendgruppenmeister bestrebt sein, dem Gegner ein ebenbürtiges Spiel zu liefern, wenn auch die Gäste in technischer Beziehung vieles voraus haben sollten. 1900*5 Nach- wuchs ist aber bekantlich bei solchen Treffen immer mit ganzem Herzen bei der Sache. Reichsbund für Leibesübungen. Die Kreisdieiwarte des Gaues XII Nordhessen in Marburg. Die Kreisdietwarte des Gaues XII Nordhessen halten am morgigen Sonntag in Marburg im Jack Medica, augenblicklich Amerikas bester Kraulschwimmer und eine der größten Olympia- Hoffnungen der USA., stellte in Chikago wieder einen neuen Weltrekord auf. Diesmal schwamm Medica die 300 Dards in 3:04,4 Minuten. Bartha Mendels beste Segelflugleistnng. VfB.-Reichsbahn Gießen. Die Ligamannfchafi in Fauerbach. Am Sonntag folgt die Ligamannschaft einer Einladung des Sportvereins „Olympia" Fauerbach. Die Gastgeber spielen in der Bezirksklasse der Gruppe Friedberg und stehen am Schlüsse der Tabelle. Trotzdem kann aus dieser Tatsache nicht ein Rückschluß auf die Spielstarke der Fauerbacher gezogen werden, da diese während der Verbandsserie durch Verletzungen und Sperre von Spielern sehr stark beeinträchtigt wurden. Nach Beendigung der Serie haben die Gastgeber, die durch den bekannten Spieler Schn i e rle von Friedberg verstärkt sind, wieder ihre komplette Mannschaft zur Stelle. Unter diesen Umständen werden die Gießener von Spielbeginn an zu kämpfen haben, wenn sie erfolgreich abschneiden wollen. Die Hiesigen fahren in der Aufstellung des Vorsonntages. Die zweite Mannschaft empfängt Nauborns erste Elf und sollte damit einen gleichwertigen Gegner vor sich haben. Die spielstarke Dritte hat Großen- Linden zum Gegner. Man ist gespannt wie sich die Gäste halten werden. Die erste Jugend hat Wiß- mars Jugend zu Gast und wird dem Gegner eine Niederlage kaum ersparen. Die zweite Jugend muß gegen die körperlich überlegene erste Jugend von Alten-Buseck mit einer Niederlage rechnen. Kreisklaffenspiele des Sonntags. Aufstiegspiel: Heuchelheim — Tgde. Wetzlar-Niedergirmes (Post, Wieseck). Gesellschaftsspiele: Lollar — Steinberg; Lollar II — Steinberg II; Leihgestern — Hungen; Wißmar — Vetzberg; Launsbach — Allendorf; Alten-Buseck — Großen-Linden; Steinbach — Fellingshausen; VfB. III — Großen-Linden II; Lang- Göns — Butzbach II; Großen-Buseck — Daubringen. Steinberg fahrt mit zwei Mannschaften zum Freundschaftsrückspiel nach Lollar. Wenn Steinberg mit kompletter Mannschaft antreten kann, sollte ein Sieg der Gäste sicher sein. Bei dem Spiel der zweiten Mannschaften wird der Gastgeber sich den Sieg nicht nehmen lassen. Hungen weilt in Leihgestern. Die Partner sind gleichstark, so daß mit einem Remis zu rechnen ist. Wißmar gegen Vetzberg heißt die nächste Begegnung: der Platzbesitzer kann das Spiel gewinnen. Launsbach konnte am Sonntag Krofdorf schlagen und dürfte auch mit Allendorf fertig werden. Großen-Linden fährt nach Alten- Buseck und hat eine harte Nuß zu knacken. Das Spiel Steinbach gegen Fellingshausen ist offen; beide Gegner kennen sich nicht. VfB. III hat Großen- Linden II zu Gast und wird das Spiel hoch gewinnen. Lang-Göns hat eine Fußballmannschaft gegründet und spielt gegen Butzbach II. Der Gast dürste auf Grund größerer Spielerfahrung zu einem sicheren Siege kommen. Daubringen fahrt zum Rückspiel nach Großen-Buseck und hat keinerlei Chancen auf Sieg. Sportverein 1920 Heuchelheim. 3. Aufstiegspiel: Heuchelheim — Niedergirmes. Arn kommenden Sonntag wird die erste Ntann- schaft von der Turn- und Sportgememde Wetzlar- Niedergirmes in Heuchelheim zum Aufstiegsplel erwartet. Für die Einheimischen gilt es, die Niederlage vom Vorspiel wieder wettzumachen. Dies durste keine leichte Ausgabe bedeuten, da die Gaste bekanntlich eine sehr spielstarke Mannschaft stellen. Die Hauptstütze dieser Elf ist der gute Mittelläufer. Die Einheimischen werden auch diesmal wieder mit Ersatz antreten müssen, trotzdem sieht man dem Spielausgang mit Zuversicht entgegen. Die erste Jugendmannschaft spielt vorher gegen die gleiche von Niedergirmes. Auch bei diesem Treffen ist eine Scharte auszuwetzen, da das Vorspiel hoch verloren wurde. Die zweite Jugendelf tritt in Allendorf a. d. L. an. Ein großer Tag für das Segelflieger-Lager Nieher-Ofleihen. 11 Stunden und 26 Minuten in der Lust. Die Leiterin des Turnseminars der Aticeschule in unserer Stadt, Fräulein Martha Mendel, hat bisher durch ihre segelfliegerische Leistungen schon verschiedentlich von sich reden gemacht. Am Donnerstag gelang es ihr nun, auf dem Rhönadler „Dr. Elisabeth Lippert" (einer Hochleistungsmaschine mit 18 Meter Spannweite) eine deutsche und damit wohl auch eine Weltbestleistung im Dauersegelflug zu erreichen. Sie startete um 6.42 Ahr am Hang des Nieder-Ofleidener Segelfluggeländes und landete am Abend um 18.08 Ahr, blieb also insgesamt 11.26 Stunden in der Luft. * Fräulein Martha Mendel, im Fliegerlager von den Kameraden manchmal „Mendeline" genannt, kam 1930 zum Segelflug. Mit großer Zähigkeit flog sie ihre Prüfungen und gelangte zu immer sichereren Leistungen. Im vorigen Jahre, und zwar im Juni, wartete sie mit einem Dauerflug von Über 6 Stunden auf (wir berichteten damals darüber) und machte schon damals sehr auf sich, aber auch auf das Nieder-Ofleidener Segelslug- gelänbe aufmerksam. Inzwischen landete fie Dauerflüge, bei deren einem sie über 8 Stunden erzielte. Diese Leistung bestärkte sie in dem Vorsah, dem von Hanna Reitsch gehaltenen Dauersegelslug-Delt- rekord von 10 Stunden und 14 Minuten näher- z »treten. Am Donnerstag erschien die Gelegenheit zu einem weiteren Dauerflug günstig. Die Segelfliegerin hatte zwar, als sie sich in den Röhnadler setzte, nicht die unbedingte Absicht, eine Bestleistung im Segelflug aufzustellen — aber — na, woll'n mal sehen ...I So ungefähr! Sie hatte nur zwei Butterbrote eingesteckt. Der Start vollzog sich unter hilfsbereiter Assistenz der Kameraden im Lager in der üblichen Weise und ohne Zwischenfall. Das Wetter war, wie sich erwies, nicht ungünstig. Zwar war es sehr böitz und die Fliegerin wurde manchmal heftig geschaukelt, zum Hangaufwind kam aber noch ein ziemlich stetiger thermischer Aufwind, so daß die Voraussetzungen für eine besondere Leistung durchaus gegeben waren. Die Windrichtung verwies die Fliegerin auf den Südwesthang, der nur wenige hundert Meter lang ist. Da galt es denn, unzählige Male zu kurven, ja fast aus einer Kurve in die andere zu gehen. Während das Flugzeug immer den Hang auf- und abschwebte (verschiedentlich wurden Höhen bis zu 450 Meter erreicht), wurde es von unten aus ständig beobachtet, insbesondere von zwei Sportzeugen, einem Fluglehrer und dem Leiter der Arbeitsdienstabteilung Nieder-Ofleiden. Diese ständige Beobachtung des Fluges ist neben anderen Voraussetzungen nötig, wenn die segelfliegerische Leistung die amtliche Anerkennung als Bestleistung finden soll. Stunde um Stunde verging. Mit zäher Willenskraft kurvte Frl. Mendel ein um das andere Mal. Obwohl die Fliegerin eine Uhr mit sich führte, legten die Kameraden am Lager Steine auf die Wiesenfläche, an deren Anzahl die Fliegerin immer wieder im Vorbeifliegen erkennen konnte, wie viele Stunden sie jeweils in der Luft war. Als die 11. Stunde überschritten war, fand der Flug ein — allerdings noch nicht beabsichtigtes — Ende. Einer der Zuschauer rief der Fliegerin etwas zu und wollte wissen, wo sie landen werde. Anscheinend wollte der Betreffende eine photogra- phische Aufnahme von der Landung machen und zu diesem Zweck „in Stellung" gehen. Frl. Mendel mißverstand jedoch und glaubte, zum Landen aufgefordert worden ni fein. Den Flug hätte sie, wie sie versichert, noch fortsetzen können. Immerhin war die Zufriedenheit allgemein, insbesondere auch bei den „Rekordstartern" und dem „Rekord-Schwanzhalter". Die Fliegerin wurde, kaum daß sie den Führersitz des Rhön-Adlers verlassen hatte, mit Glückwünschen überschüttet. Hanna Reitschs Leistung war erheblich übertroffen und damit dem Ruf der deutschen Segelfliegerei ein neues Ruhmesblatt hinzugefügt worden. Frl. M. Mendel hat allen Anlaß, auf diese ihre Leistung stolz zu sein, denn nur sehr wenigen Segelfliegerinnen ist es möglich, derartige Flüge durchzustehen. Eine garu besondere Freude bedeutet diese segel- fliegerische Leistung auch für die dortige Ortsgruppe des Luftsportoerbandes, denn das Fluggelände Nieder-Ofleiden, das von manchem Segelflieger etwas über die Schulter angesehen wurde, hat sich mit diesem jüngsten Flug als sehr geeignet für Dauerflüge erwiesen. Ein weiterer Aufschwung des Segelflugsportes in diesem landschaftlich so prächtigen Stückchen oberhessischer Heimat wird nicht ausbleiben. Frl. Mendel hat, nach ihren weiteren Plänen befragt, vor, auch einmal, im Sommer möglichst, bei günstigen thermischen Aufwinden, darzutun, daß man auf dem Nieder-Ofleidener Gelände auch zu Höhenflügen starten kann. Auch ein Streckenflug steht im Programm der Fliegerin. In diesem Zusammenhang sei nicht vergessen, zu erwähnen, daß Segelfliegerlager und Arbeitsdienstlager Nieder-Ofleiden in herzlichster Kameradschaft verbunden sind. Die Arbeitsmänner helfen den Segelfliegern mit großer Begeisterung und keine Arbeit ist ihnen zu viel, wenn es gilt, mitanzupacken. Das Gemeinschaftserlebnis ist daher ein einzigartiges und starkes und für alle in diesem Kreise unvergeßlich. Oberhessen. Landkreis Gießen. * Wieseck, 13. April. Am kommenden Montag kann die Witwe von Ludwig Kreiling I., Frau Margarete Kreiling, geborene Dech, Turnstraße, ihren 8 0. Geburtstag begehen. * Rödgen, 13. April. Pflastermeister t. R. Hch. 23 a l f e r VI. feiert morgen in geistiger und körperlicher Frische feinen 8 6. Geburtstag. O Reiskirchen, 12. April. Nach Abschluß des Winterhilfswerkes liegt folgendes Ergebnis aus unserer Gemeinde vor: In der Zeit von Oktober 1934 bis 7. April 1935 wurden für das WHW., Saarhilfswerk bzw. NSV. „Mutter und Kind" gespendet: A. Barspenden: Plakettenverkauf 134,52 Mark, Eintvpfsammlung 288,43, Sammlung am Tag der nationalen Solidarität 106,65, Sonderspenden (Vereine) 45,—, zwei Reichsgeldsammlungen 100,16, Opferbuch 49,50, WHW.- Briefmarken 22,—, Saarhilfe und NSV. „Mutter und Kind" 20,30, insgesamt 766,56 Mark. B. Lebensrnittel: Kartoffeln 180 Zentner, Getreide (Weizen) 36 Zentner, Pfundsammlungen etwa 250 Pfund. Außerdem konnten bei den Sammlungen des VDA. beträchtliche Summen abgesührt werden. Im allgemeinen war die Beteiligung der Einwohnerschaft an dem WHW. ausgezeichnet. Abgesehen von einigen ewigen Außenseitern beteiligte sich jeder Volksgenosse je nach seiner wirtschaftlichen Lage. Ihnen und allen Helfern und Sammlern gebührt aufrichtiger Dank. s Lang-Göns, 12. April. Wie in vielen anderen Gemeinden war nach der Inflation auch hier die Bautätigkeit ungemein rege. In den Jahren 1924/29 entstand fast ein kleines, neues Dorf an der Holzheimer Straße, auf der Ostseite der Bahnlinie. Etwa 30 Wohngebäude, zum Teil mit Scheuern, wurden errichtet, und heute wohnen in diesem Dorfteil, „die Fauerbach" genannt, nahezu 200 Menschen. Die Verbindung mit dem Hauptdorf führt durch den Eisenbahndamm mit einem sehr schmalen Durchgang. Da einige Meter vorher auch noch zwei Straßen auf die Holzheimer Straße stoßen (Straße von Leihgestern und der Rottweg von Gambach), ist hier immer ein starker Verkehr, besonders in den Zeiten, in denen die Landwirte ins Feld fahren. Es ist ein Wunder, daß hier noch kein größeres Unglück entstand. Wenn ein Fuhrwerk die Durchfahrt passiert, müssen die andern so lange warten. Es würde daher auf das wärmste begrüßt werden, wenn die Reichsbahnverwaltung diese Durchfahrt erweitern und fo den Verkehr erleichtern würde. Es gibt ganz wenig Durchfahrten, die so eng und schmal sind. Nachdem dann die Bautätigkeit in den letzten Jahren fast ganz geruht hatte, nur e i n Wohnhaus wurde 1934 erbaut, beginnt nun wieder eine regere Geschäftigkeit. Zur Zeit werden in der Bismarckstraße für Wilhelm Lang und Louis Rühl zwei Wohnhäuser errichtet. Außerdem wurde die vor Jahren stillgelegte Dampfmolkerei durch bauliche Umänderungen so umgestaltet, daß drei neue Wohnungen entstanden, im unteren Teil zwei Wohnungen mit je 2 Zimmern und Küche und im oberen Stockwerk eine Drei-Zimmerwohnung. Ebenso erfreulich ist auch die Wiederaufnahme der Arbeiten in der Ziegelei „Fauerbach", die dicht bei diesem Dorfteil liegt. Sie war vor Jahren in den Händen der Firma Fischer (Wiesbaden) und mußte dann ihre Arbeit einstellen. Sie ging nun in den Besitz des hiesigen Baumaterialienhändlers Karl Müller über. Die Ziegelei besitzt einen Ringofen. Zur Zeit sind schon 18 Arbeiter mit dem Formen von Ziegelsteinen beschäftigt, und im Laufe des Sommers kann bann der Ringofen in Tätigkeit treten. T Trais-Horloff, 13. April. Am heutigen Tage feiert hier der Schneidermeister Heinrich Georg Bley seinen sünfunoachtziasten Geburtstag. Der alte Herr erfreut sich nicht nur einer ausgezeichneten Gesundheit, sondern auch einer hervorragenden Rüstigkeit und Frische, die es ihm erlaubt, nicht nur vergnügt sein Pfeifchen rauchend über Feld zu gehen, sondern sogar trotz seines hohen Alters noch in feinem Geschäft zu arbeiten. Wie wir hören, hat er jetzt sogar noch einen Konfirmandenanzug gemacht. Seit 1927 ist er Witwer, nachdem er zwei Jahre vorher das Fest der goldenen Hochzeit hat feiern dürfen, und genießt im Hause eines seiner Söhne einen friedlichen Lebensabend. Auch ist er langjähriges Mitglied des Kriegervereins, zu dessen Gründern er gehört. Kreis Friedberg. Friedberg, 12. April. (LPD.) Im Nachbarort Ilbenstadt siel das zweijährige Söhnchen des Nachtwächters Reinhardt in die hoch- gehende Nidda. Glücklicherweise bemerkte der Lehrer Karl A h l b a ch das bereits 400 Meter abwärts treibende Kind; kurz entschlossen sprang er in die Fluten und rettete es vor dem Tode des Ertrinkens. + Butzbach, 12.April. Der Obst- undGar- tenbauverein veranstaltete gestern abend im Saale des „Deutschen Hauses" einen Vortragsabend. Es sprach Weinbauinspektor G l e s i u s aus Edenkoben über „Schädlingsbekämpfung mit Kupferkalk-Wacker für die Sommerspritzung . Die interessanten Ausführungen des Redners wurden durch Lichtbilder wirksam unterstützt. Der Vereinsvorsitzende sprach den Dank der Versammlung aus. Es schloß sich noch eine rege Aussprache über verschiedene Fragen an. Kreis Schotten. )—( Ruppertsburg, 12. April. Die Sammlungen für das Winterhilfswerk hatten in unserer kleinen Ortsgruppe in den beiden letzten Monaten wieder ein gutes Ergebnis. Die Straßen- fammlungen brachten 147,65 RM., die (Eintopf» fammlungen 90,05 RM. ein. Außerdem wurden 657 Stück Eier gesammelt. Ab 1. April besteht in Ruppertsburg auch ein Opserring, der 64 Mitglieder zählt. — Im letzten Schulungsabend sprach Pg. Lehrer E u ck e n über „Preußentum und Nationalsozialismus". Er ging von dem Film „Der Choral von Äeuthen" aus und zeigte, wie der Nationalsozialismus heute nichts anderes fein will als die Verwirklichung des Geistes Friedrichs des Großen, des Geistes von Pots- oam, in unserer Zeit. ch Groß-Eichen, 12. April. Heute feierten Zollsekretär i. R. Johann August Hofmann und seine Ehefrau Elisabeth, geb. Dörr, in großer Rüstigkeit das Fest der goldenen Hochzeit. Beide Ehegatten sind Kinder unseres Dorfes. Lange Jahre wirkte der Jubilar im Elsaß als Zollbeamter. Nach dem Kriege wurde er von den Franzosen ausgewiesen und kehrte dann wieder in seinen Geburtsort zurück. Hier gehörte er von 1922 bis 1928 der Kirchengemeindevertretung an, seit 1928 ist er Kirchenvvrsteher. Am heutigen Nachmittag begab sich das Jubelpaar zur Kirche, um sich hier an derselben Stelle, wo sie vor 50 Jahren den Ehebund geschlossen haben, einsegnen zu lassen. Der Ortsgeistliche legte seiner Ansprache das von dem Jubelpaare selbst gewählte Schriftwort Psalm 126, Vers 3, zugrunde Anschließend überreichte er im Auftrage des komm. Propstes von Oberhessen, Trom- mersHausen, ein Gedenkblatt und ein Gesangbuch Die Kirchengemeinde überreichte einen gerahmten Gedenkspruch. Der Führer und Reichskanzler hatte ebenfalls ein Glückwunschschreiben übersandt. Preußen. Kreis Wetzlar. (D Krofdorf, 13. April. Am heutigen Tage begeht unser Mitbürger Johann Georg Wagner seinen 8 0. Geburtstag. Der Hochbetagte, der Landwirt und im Nebenberuf langjähriger Jagdaufseher in der hiesigen Gemeindejagd war, erfreut sich noch bester Gesundheit und guter Geisteskraft. Bis vor wenigen Jahren übte er mit Passion die Jagd aus; jetzt unternimmt er noch regelmäßige Spaziergänge in seine früheren Jagdgründe, wobei ihm feine Jagdpfeife vortrefflich schmeckt. £Äunlop3! ,So Nachdruck verboten! 30 ftortlefcunfl Margot machte ihre Sache gut. Der Erfolg ge- auf, den — Ist sie's, wird Wenn nicht, dann Schluß!" „Wenn Margot Oie Zfflandstöchter und ihre Kreier. Vornan von 3- Schneider Zoerfil Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau t. Sa. lich sei. „Aber das ist doch lachhaft!" erregte sich Margot in ihrer temperamentvollen Art. „Warum sagst du's ihm denn nicht? Du hast wohl Angst vor ihm? Aussehen tut er danach: Rühr mich nicht an, oder ich beiß' dich. Das glaube ich gern, daß sich der mit Henriette nicht verträgt." Und Klaudine erzählte, sah plötzlich die Uhr und zuckte zusammen. „Können wir uns morgen Wiedersehen?" „Aber natürlich, Klaudine! Welche Zimmernummer hast du denn? Zweiter Stock, hundertsechsund- vierzig? So. Wir fahren selbstverständlich auch zu Bob. — Bring' doch bitte die Klaudine nach ihrem Zimmer, James! Ich möchte noch gern bleiben und ein Glas Selters trinken. Ich habe solchen Durst bekommen auf all' die Neuigkeiten." Klaudine bat den Schwager, sich nicht zu bemühen. Er ließ es sich aber nicht nehmen, sie wenigstens bis zur Treppe zu begleiten. Als er sich verabschiedend über ihre Hand neigte, fühlte er, daß sie zitterte und hielt sie tröstend fest. „Machen Sie's wie wir. Man muß sich sein Glück nehmen, wann und wo sich die Gelegenheit dazu ergibt. Margot und ich haben es bis heute noch nicht bereut, es so getan zu haben." Sie sah ihn mit verschleierten Augen an, nickte und stieg langsam die Treppe hinauf. ♦ Aus Niels Zimmer kam noch Licht. Klaudine blieb stehen und lehnte das Gesicht einen Augenblick gegen die Füllung. „Niels!" Er wird mich sie sofort darauf reagieren, ist sie's eben nicht gewesen. „Schluß" sagte, war nichts James Pick mußte sich wohl „Tue ich auch gar nicht," entgegnete Margot. „Ich gehe einfach an dem Tisch vorüber und sage so beiläufig: „Ach, Klaudine, du bist auch da?" mehr zu ändern. _______ r , oder übel dareinfinden, seine Frau gehen zu lassen. „Ja, gewiß. Furchtbar nett ist das von ihm." Das Weinglas hebend, wartete Pöttmes, bis sie ihm Bescheid tat. Ihre Hand zitterte, als ihr Kelch gegen den seinen klang. Morgen wollte sie sofort an Barthelmes schreiben, ob alles stimmte, was Niels behauptete. Sie hatte schon wieder Zweifel. Es ergab sich aber durchaus kein Zusammenhang, so sehr sie sich auch bemühte, einen solchen zu finden, denn wie wäre wohl der Blechlöffel aus ihrer Vitrine hierher in das Lederfutteral gekommen? D^nn fiel ihr plötzlich ein, daß Niels einmals aus Langeweile das Datum hineingekratzt hatte. „Darf ich noch einmal?" fragte sie, errötete und ärgerte sich, daß sie sich so ungeschickt benahm. Wenn sie sich nicht besser beherrschte, mußte er unbedingt Verdacht schöpfen. Pöttmes hatte ihr das Etui bereits wieder zugeschoben und ließ keinen Blick von ihr. Sie fühlte es und wurde noch unsicherer. Aber sie mußte es wissen. Sich etwas vorneigend, suchte sie den Löffel ab und entdeckte jetzt ganz deutlich eingekratzt: 16. 12. 19 . . . Mit einem leichten Heben der Schultern und einem verlegenen Lächeln sah sie Niels an. „Der Löffel ist immerhin ein liebes Andenken." „Sicher! — Wollen wir jetzt noch für eine Stunde in die Halle gehen? Es ist sehr hübsch unten, wir haben nette Musik und sehen interessante Leute. Darf Gottfried Ihnen einen Umhang aus Ihrem Zimmer holen?" Klaudine hatte ihren Schal bereits mitgebracht. Unter der Tür stehend, beauftragte Pöttmes feinen Diener, den Löffel wieder in das Geheimfach des Sekretärs zu versperren. „Ich möchte nicht, daß er mir gestohlen wird," sagte er mit Nachdruck. Merkwürdigerweise lag dabei nicht' der leiseste Schimmer eines Lächelns auf feinem Gesicht. Klaudine aber war heftig zusammengezuckt. ♦ In der.Halle erregten Niels und Klaudine Aufsehen. Sie waren noch nie zusammen dort gewar auch dementsprechend. Klaudine erschrak über alle Maßen. „Du!" Da hatte sie schon einen zweiten Kuß auf Mund und Wangen. „Du! Wie kommst du denn nach Paris, Klaudine? Warum erschrickst du denn so sehr? Was macht die wesen. Man kannte nur Niels Pöttmes' hohe, gestraffte Gestalt. Klaudine war man höchstens einmal auf der Treppe begegnet. Niels hatte für Klaudine einen Sessel zurecht- gerückt, der ihr den Blick über die ganze Halle erlaubte. „Worüber denken Sie denn so angestrengt nach?" scherzte er, als sie auf seine Frage: „Tee, Wein oder Sekt"? gar keine Antwort gab. Erst als er wiederholte, schrak sie auf. „Bitte Tee." In einer unauffälligen Nische aber legte sich plötzlich eine Frauenhand auf den Arm ihres Begleiters, und ein zuckender Mund sagte: „Sieh doch, James! Ist das nicht Klaudine?!" Der Mann wandte das Gesicht nach der angegebenen Richtung und wurde ebenfalls aufmerksam. „Die Aehnlichkeit ist jedenfalls verblüffend. Aber wie käme deine Schwester hierher nach Paris, mein Liebling?" „Ich weiß es nicht," sagte Margot. „Würdest du mir den Gefallen tun und fragen, James? — Ach bitte!" drängte sie, als er zögerte. „Vielleicht den Ober. Er kennt doch sicher die Gäste des Hotels auch ihren Namen nach." James Pick überwand sich und sagte, als der Kellner wieder in die Nähe kam: „Einen Augenblick!" — Können Sie mir sagen, wer die junge Dame in Schwarz ist, die dort mit dem großen Herrn in der Ecke sitzt?" Der Ober wandte den Kopf und gab Bescheid. „Siehst du," meinte James lächelnd, „es ist nicht Klaudine, wenn sie auch sonst, was ihre Aehnlichkeit betrifft, sehr gut deine Schwester sein könnte." Margot spielte nervös mit ihrem Smaragdarmband. Und sie ist es doch!" „Aber Liebes!" „Ich laß' mir's nun einmal nicht nehmen, daß sie's ist. Soll ich's dir beweisen?" Sie hatte sich schon erhoben, und sah den Gatten belustigt, halb verärgert an, als er sie am Gürtel ihres Kleides zurückhielt. „Was willst du denn machen, mein Kind! Du kannst doch nicht eine dir völlig fremde Dame fragen, wer sie ist." hören, dachte sie, zusammenzuckend. Ich kann nicht! Ich bin nicht Margot! „Am verachtenswertesten sind mir Menschen, die lügen." — Ihr Gesicht lag ganz fest an das Holz gepreßt. „Niels! Ich habe lich belogen: Ein-, zwei-, drei-, ein dutzendmal belogen. Nein, tausendmal. Seit Monaten begehe ich täglich einen Betrug an dir! Deshalb kann ich dick auch nie besitzen, und leben ohne dich kann ich auch nicht mehr. Niels!--Vergib mir, Niels! ©ott, wenn er sie gehört hatte. Erschrocken zog Klaudine die Hand, die sie unversehens auf Die Klinke gedrückt hatte, zurück, atmete auf, als sich drinnen nichts regte, und schlich davon. — In ihrem Zimmer war heute alles anders als sonst. Die Lampe brannte düster. Die Tapeten zeigten groteske Schnörkel und taten in ihrem Gelb den Augen weh. Was wollte sie denn noch? Morgen war alles zu Ende. Margots Dazwischentreten hatte sie entlarvt. Sie mußte Niels Rede und Antwort stehen und ihm endlich sagen, wer sie war. Die Möglichkeit, die sie auf der Karrer-Hütte gehabt hatte, einfach zu verschwinden, war ihr diesmal genommen. Wozu auch? Pöttmes wußte ja nun doch um alles. Wenn nicht heute, dann morgen. Sie sah fein Gesicht vor sich: Verschlossen, abweisend, seine charakteristische Handbeweguna, wenn etwas für ihn erledigt war. „Komödiantin!" würde er sagen. „Ich finde nichts verachtenswerter, als Menschen, die lügen..." Was sollte sie denn tun? Es gab feinen Ausweg, als den einen, zu ihm zu gehen und ihm ihre Beichte abzulegen. , „Nein!" sagte sie fest und nochmals „Nein! trat ans Fenster und sah auf den Asphalt hinunter. Die tausend und aber tausend Räderpaare, die tagsüber darüber hinweggerollt waren, hatten ihn blankgeschliffen. — „Was ist denn?" fragte sie mit einem raschen Sprung nach der Tür. Gottfried hatte sie bereits geöffnet und blickte Klaudine abbittend an. „Entschuldigen Sie! Ich wollte mir nur die Frage erlauben, ob Herr Pöttmes noch in der Halle ist. Es geht nämlich schon auf zwei Uhr." „Er ist doch schon kurz vor zwölf Uhr wegge- gangen", erklärte Klaudine und verspürte zugleich ein Frösteln. „Ist er denn nicht auf seinem Zimmer?" . „ „Nein, Fräulein Klaudine. „Auch nicht heraufgekvmmen?" „Nein. Ich bin nicht aus meinem Zimmer gegangen, seit Sie mit Herrn Pöttmes weg sind. Er ist nicht mehr zurückgekehrt." (Schluß folgt.) Mama?" Mit grenzenlosem Erstaunen sah Margot, wie der Begleiter ihrer Schwester sich erhob, verneigte und nach dem Ausgang der Halle zuschritt. „Wer ist denn bas?y' fragte sie belustigt, ein Simpel! Stellt sich nicht einmal vor!" Klaudine hatte sich schon wieder halbwegs saßt und brachte sogar etwas wie Freude Margot nach so langer Zeit und nach all Zwischenfällen und Abenteuern, die hinter ihr lagen, wiederzusehen. Sie vergaß für den Augenblick, wie beleidigend es eigentlich gewesen war, daß Niels sich so ohne jede Erklärung verabschiedet hatte. — Margot holte ihren Mann. Es gab einen langen Gedankenaustausch über alles, was sich inzwischen ereignet hatte. Klaudine sprach auch darüber, daß Pöttmes nicht wüßte, wer sie eigent- 3rnhlin& und Cftern sind für jede Dame und jeden Herrn ein willkommener Anlaß, sich mit der neuen Moderichtung vertraut zu machen. Ich bitte daher um unverbindlichen Besuch meiner reichsortierten Läger in: Statt Karten Toni Hardt Wilhelm Reinhard Verlobte Gießen, Freiligrathstraße 75 Mainz, Zitadelle 14 Oster 1935 2187 D Paul Bachmann Gertrud Bachmann, geb. Hirsch geben ihre Vermählung bekannt Gießen, den 13. April 1935 Trauung in der Stadtkirche 15 Uhr 2186 D Statt Karten! Für die in so reichem Maße erwiesenen Aufmerk' samkeiten und Glückwünsche zu unserm Doppel- Jubiläum sagen wir allen auf diesem Wege unfern herzlichsten Dank Eduard Sack und Frau GießensWalltorstraße 1/3), den 13.April 1935 01595 Fugenlose TRAURINGE moderne Formen in jeder Preislage KARLBRÜCK Juwelier / Kreuzplatz 8 2024 D Modestube Körner feschen Kleider-Complets Rock-Complets Slipons Mäntel Kostümen Kleider Blusen Soliden Herren-Anzügen modern gestreift und gemustert Gediegene Sport-Anzüge mit langer Hose oder Knickerbocker Gabardine-Übergangsmäntel in den beliebten Slipon- u. Raglanformen Mod. Neuheiten in HeiTeiiartikelll aller Art TEXTILHAUSj Für die Dame: Strümpfe, Handschuhe Modewaren! Gießen, Marktstraße 4-8 2171 A Statt Karten? Oie Verlobung unserer Tochter ZI s e mit Herrn Med.-Praktikant Wilhelm Brüning geben wir bekannt Regierungs-Baurat Adolf Mangold und Frau dem Sendebezirk. 22.20: Der Zeitfunk bringt den Sportspiegel des Sonntags. 22.45: Unterhaltungs- und Tanzmusik. 24 bis 2: Internationale Opernerfolge (III). Montag, 15. April. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15 und 6.30: Gymnastik. 6,55: Morgenspruch. — Choral. 7: Frühkonzert. 8.15: Gymnastik. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienft. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Anschließend Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15.15: Kinderfunk. 15.30: Jugendfunk. 16: Lied und Volkstanz der Auslanddeutfchen. Eine Sendereihe. 16.30: Bücherfunk. 16.50: Einmaleins für Gartenfreunde. Nützliche Betrachtungen eines Dichters. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Jugendfunk. 18.45: Das Leben spricht! 19: Ein Meister der Unterhaltung. Barnabas von Geczy und sein Orchester spielen. 20: Nachrichten. Anschließend: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20.15: Brücke und Zinne. Ewiges Los des deutschen Westens. 21: Vom Menuett zum Foxtrott. Eine bunte Folge von Tanzstücken. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk und Sportbericht. 22.20: Lieder und Klaviermusik von Aelexander Friedrich von Hessen. 23: Fröhlicher Klang zur nächtlichen Stund. 24 bis 2: Nachtmusik. EttroölHa«H S8»eg68a;L tz-dr; * »lbpg s- 'Möt derTra ^in in 3 Stoc =in6 reich, "Werner ^10F, bl Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg...................0 Zellstoff Waldhof ............0 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas ......... 7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum...........6 Lrenstein & Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade................... Ol Accumulatoren-Fabrik.......12 Contt-Gummr...............8| Grihner....................Oi Mainkraftwerke Höchst a.M..,. 4 Süddeutscher Zucker.........9| in der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge um über 17 000, die der anerkannten Wohlfahrtserwerbslosen um über 5000 zurück. Die Besserung der Beschäftigungslage erklärt sich in der Hauptsache aus einer starken Arbeitsaufnahme in den Auhenberufen und dem gleichzeitig verstärkten Einsatz von Notstandsarbeitern, deren Zahl Ende März rund 31 000 betrug. Die Abnahme im Baugewerbe beträgt allein über 10 000. Zugleich hat in allen konjunkturell beeinflußten Berufsgruppen eine starke Abnahme der Arbeitslosigkeit eingesetzt. In der Berufsgruppe Eisen- und Metallerzeugung und -Verarbeitung wurde ein Rückgang von rund 2000 Arbeitslosen erzielt, in der Gruppe Leder- erzeugung und -Verarbeitung beträgt der Rückgang rund 900, im Holz- und Schnitzstoffgewerbe 1300 und im Bekleidungsgewerbe 300 Arbeitslose. Die Zahl der arbeitslosen Angestellten nahm um über 1200 ab. I Schlickert 105,65, Siemens 150, Aschaffenburger Zellstoff 81,65, südd. Zucker 169, Deutsche Reichs- bahn-DA. 122,13, Hapag 32, Nordd. Lloyd 33,40. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt, 12. April. Am Frankfurter Eier- grohhandelsmarkt waren vom Reich die rotgestempelten deutschen Eier bereits ausverkauft. Am Markt sind nur noch kleine Mengen zu etwas billigeren Preisen. Ausländer, außer Holland, waren kaum am Markt. Der Verkauf war besser als bisher, aber doch nicht ostermäßig. Größtenteils waren deutsche Eier am Markt. Es notierten in Pf. pro Stuck frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise an den Kleinhandel): Deutsche Handelsklasseneier S 9,5 bis 9,75, A 9 bis 9,50, B 8,50 bis 8,75, C 8 bis 8,25, D 7,50 bis 7,75. Holländer Klasse S 9,25 bis 9,50, Klasse A 9 bis 9,25, Klasse B 8,50 bis 8,75, Bulgaren und Jugoslawen waren keine am Markt. Frankfurter Buttermarkt. i Frankfurt, 12. April. Am Frankfurter But- : termarkt waren die Zufuhren aus dem Auslande , gering, auch die Zufuhren in deutscher Butter : waren weiterhin knapp. Die Eingänge wurden , flott geräumt. Es notierten in Mark pro 50 kg - frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise - an den Kleinhandel): Deutsche Markenbutter 143 > bis 145, deutsche feine Molkereibutter 142 bis 145, - deutsche Molkereibutter keine am Markt, Land- , butter 120 bis 126, Kochbutter 115 bis 120 Gießen. Stadtkirche. 14 Uhr: Propst Knodt; Beichte für die Konfirmanden der Matthäus- gemeinde und deren Angehörigen. — Johanneskirche. 14: Pfr. Bechtolshoimer; Beichte für die Konfirmanden der Lukasaemeinde und deren Angehörigen. — Kapelle des Alten Friedhofs. 15: Pfr. Anthes; Beichte für die Konfirmanden (Knaben) der Luther- aemeinde und deren Angehörigen. — Wiefeck. 15.30: Beichte zum Konfirmationsabendmahl. — Treis an der Lumda. 16: Beichte. — Lich. 14: Beichtgottesdienst; Dechant Kahn. — hnngen. 13: Beachte für das Konfirmationsabendmahl. Sonntag, den 14. April. Palmarum. Gießen. Stadttirche. 9.30 Uhr: Propst Knodt; Konfirmation der Kinder der Matthäusgemeinde; Feier des heiligen Abendmahls; 14: Pfr. Becker; Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden der Markusgemeinde; 18: Studienrat Dr. Unverzagt. — Johanneskirche. 9.30: Pfr. Bechtolsheimer; Konfirmation der Kinder der Lukasgemeinde; Feier des hl. Abendmahls; 18: Pfr. Ausfeld; 20: Bibelbesprechung im Johannessaal; Missionar Walther. — Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Anthes; Konfirmation der Knaben der Luthergemeinde; Feier des heiligen Abendmahls; Kinderkirche fällt aus. — Petruskapelle. 9.30: Pfr. Trapp; 15: Pfr. Trapp; Vorstellung und Prüfung der Konfirmanden der Petrusgemeinde. — Wiefeck. 9.30: Konfirmationsfeier; im Anschluß Feier des heiligen Abendmahls; Kollekte. — Alten-Vuseck. 9.30: Konfir- rnatton; Feier des heiligen Abendmahls; Kollekte; 20: Passionsandacht. — Großen-Buseck. 10: Konfirmation und Feier des heiligen Abendmahls; Kollekte für Innere Mission. — Oppenrod. 8.30: Gottesdienst; Kollekte für Innere Mission. — Albach. 12.30: Vorstellung der Konfirmanden; Kollekte; 19.30: Passionsandacht. — Steinbach. 9.15: Beichte; 9.30: Konfirmationsgottesdienst mit anschließen- Pfandbriefmarkt bestand Nachfrage für Goldpfandbriefe, die überwiegend 0,13 bis 0,25 v. H. anzogen. Tagesgeld wieder 2,50 v. H. Abendbörse still. Bei geringen Umsätzen waren die MittaHsschluß- kurse behauptet. Harpener bei Dividendenerörterungen wieder eine Kleinigkeit niedriger. Farbenindustrie zunächst 148,25, dann 148,50, also etwa auf Mittagsschluß gehalten. Renten sehr ruhig, Altbesitz 112,25, auch sonst waren deutsche Anleihen kaum verändert. Mexikaner wieder freundlich, Gold- Mexikaner 12,40, Silber-Mexikaner bei 5,25 v. H. gesucht. Schweizer Bundesbahn unverändert. Bis Schluß der Börse traten keine nennenswerten Der- Ver. Stahlbonds 100,40, 4proz. Rumänen 4, Adca 75,75, Commerzbank 86,75, DD-Bank 89,75, Dresdener 98,75, Reichsbank 159,50, Harpener 104, Mannesmann 78, Rheinstahl 107,25, Laurahütte 21,50, Stahlverein 79,75, Aku 52,25, Bekula 136, Bemberg 115,50 Zement Heidelberg 120, Scheideanstalt 153,50, Licht und Kraft 124,75, Farbenindustrie 148,25 bis 148,50, IG. - Farben - Bonds 123,65, Gesfürel 121, Goldschmidt 105,25, Holzmann 91, Junghans 90 Brief, Metallgesellschaft 96, Vaptisten-Gemeinde (Garlenstraße 13). Sonntag, den 14. April. 11 Uhr: Kindergottesdienst; 20.30: Prediger Falk. Die Heilsarmee, Gießen, Grabenstrahe 11. 20 Uhr: Heilsversammlung; 14: Kindergottesdienst. Mittwoch, 17. April. 15 Uhr: Kindergottesdienst und Liebesbund; 20: Heiligungsversammlung. katholische Gemeinden. Samstag, den 13. April. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, den 14. April. Palmsonntag. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Messe; Kommunion der Jungftauen und Hausangestellten; 8: Militär- aottesdienst; 9: Hochamt; vor dem Hochamt Weihe der Palmen; 11: Messe mit Predigt; 16.30: Versammlung. der Jungfrauenkongregation; 20: Pre- digt und Jubiläumsandacht. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — Hungen. 9.30: Messe mit Predigt und Christenlehre. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt. — Lollar. 8.45: Messe mit Predigt; um 7.45 ist Beichgelegenheit. — Nidda. 8.30: Hochamt mit Predigt. Montag, den 15. Apvil. Laubach. 7.30 Uhr: Messe. Mittwoch, 17. April. Hungen. 7.15 Uhr: Messe. Oeffentlicher Sanntagsdienfi. Polizei: Telefon 2751, nur in dringende« Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Zeit» fort 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabhoier 1 bis 13 Uhr. Sanitütskolonne: Telefon 2500. Aerzte : Dr. W.Klein; Dr.Schäffer. Zahnarzt: Dr. Haubach. Apotheke: Engel-Apotheke. änderungen mehr ein. ~ ' >ch folgende Notterungen: 7vroz. 100,40, 4proz. Rumänen 4, Adca Art dem Abendmahl; Kollekte. — Heuchelheim. 10: Konfirmation unter Mitwirkung des Konfirmandenchors; Kollekte; anschließend Beichte und hl. Abendmahl; 13: Kindergottesdienst, 1. Abteilung. — Kirchberg. 10: Konfirmation; Kollekte; 11: hl. Abendmahl. — Treis a.d. Lda. 10: Konfirmation und hl. Abendmahl; Kollekte. — Vahenborn-Sieinberg. 10: Gottesdienst; 11.15: Kindergottesdienst. — Garben- teich. 10.30: Konfirmation. — Hausen. 8: Konfirmation. — Lich. 9: Beichte im Gemeindesaal für auswärtige Gäste; 9.30: Konfirmation, hl. Abendmahl, Kollekte; Dechant Kahn. — Nieder-Vesfingen. 20: Kandidat Uhrhan. — Hungen. 9.30: Beichte für die Auswärtigen, im Chor; 9.45: Konfirmationsgottesdienst; anschließend Feier des hl. Abendmahls. — Langd. 11: Gottesdienst. — Langsdorf. 10.30: Konfirmationsfeier; Kollekte für Krüppelheim. — Bettenhausen. 9: Konfirmationsfeier; Kol; lekte für Krüppelheim. — TNünzenberg. 11: Haupt- aottesdienst mit Kollekte für die Innere Mission; Volkstag der Inneren Mission; nachmittags Hauskollekte für die Innere Mission; 20: Passionsabendgottesdienst mit Kollekte für die Innere Mission. — Trais-Rlünzenberg. 13.30: Gottesdienst mit Kollekte für die Innere Mission; Volkstag der Inneren Mission mit Hauskollekte am Nachmittag. — Ober- Gleen. 9: Kindergottesdienst; 10: Prüfung der Konfirmanden; 18: Abendgottesdienst zum Volkstag der Inneren Mission. — Kirtorf. 13: Hauptgottesdienst; 14: Kindergottesdienst; 20: Abendgottesdienst zum Volkstag der Inneren Mission. — Wirberg. 9.30: Konfirmation und Feier des hl. Abendmahls; Kollekte. — Klein-Linden. 9: Konfirmation und hl. Abendmahl; 11.30: Kindergottesdienst. Evangelische Stadtmission, Löberstrahe 14. 13.30 Uhr: Sonntagsschule; 20.15: Passionsfeier. Mittwoch, 17. April. 20.30 Uhr: Bibelstunde. Reuapostotische Gemeinden, Händelstraße 1, Ederstraße 13. 9.30 Uhr: Händelstraße 1, Konfirmation; 16: Got- desdienste in beiden Gemeinden. Schluß! Mittag- börse 12-4. 100,25 97,6 102,4 112,13 100 97,25 hinausgeschoben worden. 648: Umfangreiche Maßnahmen zur Förderung der Holzgaserzeugung. ' ♦ ♦ Gesellschaft für Elektrische Unter- nehmungen Ludw. Loewe 6r Co. AG-, ' Berlin. Der Hauptversammlung wird die Verteilung einer Dividende von 6 (5) o. H. auf das Aktienkapital von 80 Mill. Mk. vorgeschlagen. ♦ 8 (6) v.H. Dividende bei den Wanderer-Werken. Das Geschäftsjahr 1934 schließt bei der Gesellschaft einschl. Vortrag mit einem Reingewinn von 1 412 060 (866 146) Mark ab. Der HB. am 24. 5. wird vorgeschlagen, hieraus eine Dividende von 6 (6) v. H. auf die StA. und von 6 v. H. auf die VA. zu verteilen; 306 907 Mk. sollen vorgettagen werden. Im Laufe des Jahres 1934 konnte die Gefolgschaft erhöht werden. Der bedeutende Auftragsbestand in Schreib-, Werkzeug- und Addiermaschinen sichere eine ausreichende Beschäftigung auf Monate. '♦ AG. für Zellstoff- und Papier- fabrikation in Aschaffenburg. In der Aufsichtsratssitzung wurde die Bilanz für 1934 vorgelegt. Die Erfolgsrechnung schließt nach 2,1 (1,9) Mill. Mk. Anlageabschreibungen mit einem Gewinn von 3,144 Mill. Mk. ab. Der Hauptoersamm- lung am 28. Mai wird vorgeschlagen, zunächst den noch bestehenden Verlust von 2 968 974 Mk. zu decken, 100 000 Mk. dem gesetzlichen Reservefonds zu überweisen und den verbleibenen Rest von 75130 Mark auf neue Rechnung vorzutragen, lieber das laufende Geschäftsjahr, von dem erst drei Monate verfloßen sind, laße sich bei der Unübersichtlichkeit des Auslandsmarktes nichts Genaues sagen. Rhein-Mainische Mittagsbörse. Etwas lebhafter. Frankfurt a. M., 12 April. Die Börse lag in sich fest; von der Zurückhaltung in den letzten Tagen ausgehend, waren Eindeckungen der Kulisse notwendig, zumal wieder etwas mehr Anlage-Käufe vom Publikum zu erledigen waren. Das Geschäft betraf im wesentlichen den deutschen Rentenmarkt und einige Spezialgebiete in Aktien. Der Geschäftsbericht der IG. Farben zeigt besonders in Publikumsanlagen seine Nachwirkung, auch die übrigen Nachrichten aus der Wirtschaft regten an. IG. Farben setzten 1 v. H., Scheideanstalt 2, Goldschmidt 0,13, Metallgesellschast bei größeren Umsätzen 1 v. H., Rütgers 0,50 v. H. höher ein. Auch Montanwerte unter Bevorzugung von Stahlverein und Mannesmann, die 0,75 v. H. gewannen, zumeist leicht befestigt. Nur Harpener 1,75 v. H. schwächer. Am Elektromarkt Siemens behauptet, Schuckert 0,50, Gesfürel 0,25, Mainkraft 0,25 höher, im übrigen waren Elektrowerte vernachlässigt. Sonst holten Waldhof den Dividendenabschlag um weitere 0,65 v. H. ein, Reichsbank bei 160 gut gehalten, ebenso Deutsche Linoleum, Zement Heidelberg und Hanfwerke Füssen. Für Schiffahrtswerte bestand weiter von einer süddeutschen Gruppe ausaehend Interesse, Norddeutscher Lloyd 0,40, Hapag 0,13 v. H. höher. Reichsbahn-VA. plus 0,13, AKU. 0,50 v. H. schwächer, Daimler knapp gehalten. Lebhafter lagen Renten, Kommunal-Umschuldung wieder 15 Pf., späte Schuldbücher 0,25 v. H. fester, behauptet waren Altbesitz und Zinsveraütungs- scheine, letztere 89,65. Etwas Geschäft bestand in zertifizierten Dollarbonds, die durchweg 0,50 v. H. höher lagen. Im Freiverkehr Beck und Henkel bei 53,50, Pokorny bei 107 gesucht. J^i Verlauf fetzten sich verfchiedentlich leichte Kursrückgänge durch. So gaben Harpener auf Dividendenerörterungen weitere 0,65 v. H. nach, aber Rheinbraun 1,90 höher, Conti Gummi um 1,13 schwächer. IG. Farben gaben ihren Anfangsgewinn von 1 v. H. wieder her. Renten blieben behauptet, Mexikaner sogar 0,13 bis 0,25 v. H. höher. Am Oie Zndusirie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 642: Verlängerung von im Monat März erteilten Devisenbescheinigungen für die Einfuhr aus Belgien. 643: Neue Richtpreisanordnung für unedle Metalle. 644: Abschaffung der Abgaben auf Baumwolle in Aegypten. 645: Befreiungen von der ftanzösischen Einfuhrumsatzsteuer bei der Einfuhr im Zollvor- merkversahren. 646: Der Termin für die Verzollung von Einfuhrwaren nach Italien, die bis zum 19. 2. 35 angekommen bzw. unterweas gewesen sind, ist auf Anordnung des Finanzministeriums vom 31. 3. bis zum 15. 4. 1935 Schluß« furd 11-4 100,25 97,4 102 112,25 99,9 Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt besch lossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. . Mtrag eine" aS- Sn» 5 gung' Der Lraiudon SeK B*. ?ie ! t» fine tief' fiLrbtiter 1 «ft WIM WUW III ■ IV.£ WM MW inderOrtsgnw am Sonntag, d in der 1 Be Bormittags 8 U Eintritt: 50 P Weir INaaf's I ' Walltorstraße c empfiehlt tagen un prima nat Mosel, R von 70 Pi Oatum i 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 ö’/2% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Wlös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 4XI,% Deutsche Reichspostschatz an- Weisungen von 1934, I....... 6% efcm.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%)............ 4/z% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ t>y2% ehem. Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Ltoui ... 4%% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 454% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpse. 15 unkündbar bis 1935 614% ehem. 4%% Franks. Hyp^ Bank-Liqu.-Pfandottefe....... 5yz% ehem. 4y2% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpse..... 4%% ehem. 8% Pr. Landespfand- oriesanstalt, Pfandbriefe R. 19 4y.% ehem.-7% Pr.Landespsand- bttesanst., Gold Komm. Lbl.VI Steuergutsch.Verrechnungsk. 35-39 Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Gchlußk. Abend- börse Schluß« kurs Schluß! Mittagbörse m 114 12-4 11-4. 12-4. . 8 99,5 100 100 100 . 5 — — 107,75 107,5 . 0 — —— — — 12, 209,75 211,65 211,5 212 8% 107,75 107,25 107,65 107,25 . 0 79,75 79,75 79,9 79,75 . 0 14,9 15,13 15,13 15,25 .. 5 111,75 112 112 112,5 .. 5 112,25 113,25 113,25 113,75 ?y2 156,5 157 157,5 157,5 .. ? 148 148,5 148,5 148,65 .. s 212 213 — —— .. 0 104,75 105,25 104,9 105 .. 4 109,5 110 110,13 109,9 .. 4 j 96 96 95,5 96,13 .. 0 91 91 91,25 91 t 120 120 - - .. 4 - I — - Frankfurt a. M Lettin Gchluß- turs Schlußk. Abendbörse Schluß- turs Schlußk. Mittagbörse Datum 11.4 12.4 11.4 12-4. 4% desgl. Serie 11 ............. 8,5 8,5 — 8,7 5% Rumän. veretnh. Rente v. 1903 4,5 4,5 — 4,5 4y,%Rumän.vereinh.Rentev.l913 6,75 6,65 6,5 6,5 4% Rumänische vereinh. Rente 4,1 4 4,1 4,05 2%% Anatolier ............ 33,4 33,5 33,25 33,25 Hamburg-Amertka-Paket .... . 0 32,5 32 32,4 32,25 Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 —— — — — Norddeutscher Lloyd ........ . 0 33,25 33,4 33,4 33,5 A.G. für Verkehrswesen Akt. . . 0 81,5 81,5 81,5 81,13 Berliner Handelsgesellschaft .. . 5 107,5 107,25 107,25 107,75 Commerz, und Privat-Bank .. . 0 86 86,75 85,75 86,5 Deutsche Bank und DiSconto- Gesellschaft............... . 0 89,75 89,75 89,25 89,75 Dresdner Bank............. . 0 89,75 89,75 89,25 89,75 Reichsbank ................ 12 159,9 159,5 159,25 159,5 A.E.G..................... . 0 36,75 36,65 36,9 36,75 Bekula.................... 10 136,25 136 136,25 136,13 Elektr. Lieferungsgesellschaft.. . 6 108,75 109,25 109,25 108,75 Licht und Kraft ........... ey, 124,65 124,75 125 124,75 Felten & Guilleaume........ . 0 87,5 . 88 87,75 87,5 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 121 3121 121,5 121,25 Rheinische Elektrizität ....... . 5 122,25 — 122,5 122,5 Rhein. Wests. Elektr......... . 6 — — —— — Schuckert & Go.............. . 4 105,5 105,65 105,75 105,75 Siemens & Halske........... . 7 150,5 150 151 149,9 Lahmeyer L Eo............. . 7 122,25 122,5 122,5 122,75 Buderus................. . 0 94,5 136,25 94,5 94,5 Deutsche Erdöl ...•••••••••< . 4 107,5 107,25 107.65 107 Gelsenkirchener............ . ( — —— Harpener ................ . 0 105,75 104 105,9 104,13 Hoesch Eisen—Köln-Neuesten . 0 94,75 93,75 Ilse Bergbau ............. . ( — — 154 Ilse Bergbau Genüsse...... . 6 125,75 124,25 126,5 124,5 Klöcknerwerke ............. eVi 91,75 91,5 92 91,25 Mannesmann-Röhren...... .. 0 I 77,75 78 78 78,25 11 «April 12.April Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief _ Buenos Atre. 0,658 0,662 0,658 0,662 Brüssel..... 41,98 42,06 41,98 42,06 Rio de Jan. 0,201 0,203 0,201 0,203 Softa ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 53,42 53,82 53,65 53,75 Danzig..... 81,10 81,26 81,10 81,26 London ..... 12,03 12,06 12,015 12,045 HelsingforS.. 5,315 5,325 5,305 5,315 Patts ...... 16,38 16,42 16,38 16,42 Holland .... 167,48 167,82 167,89 168,23 Italien..... 20,68 20,72 20,68 20,72 Japan ...... 0,703 0,705 0,702 0,704 Jugoslawien 5,649 5,661 5,649 5,661 Oslo..... : 60,46 60,58 60,38 60,50 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon .... 10,92 10,94 10,90 10-92 Stockholm... 62,04 62,16 61,96 62,08 Schweiz .... 80,72 80,88 80,72 80,88 Spanien.... 33,89 33,95 33,92 33.98 in 395 10 365 10,385 Budapest ... _ Neuyork ... 2,485 2,489 2,482 2,486 Banknoten. Berlin, 12.April Geld Brie' Amettkantsche Noten...... 2,434 2,454 Belgische Noten.......... 41,82 41,98 Dänische Noten ......... 53,44 53,66 Englische Noten ......... 11,98 . 12,02 Französische Noten....... 16,32 16,38 Holländische Noten....... 167,47 168,15 20,76 20,84 Norwegische Noten ...... 60,17 60,41 Deutsch Oesterreich, ä 100 Schilling — — Rumänische Noten....... — — Schwedische Noten....... 61,75 61,99 Schweizer Noten......... 80,24 80,56 Spanische Noten......... 33,45 33,59 Ungarische Noten........ — — — 108,5 107,5 52,5 52,25 52,4 52,5 116,25 115,5 115,13 115,5 112,13 112,75 112,4 112,4 80,75 81,65 81,25 81,9 — —— 128,75 128,65 93,5 93,5 93,75 93,5 154,5 153,5 154,5 154 —— — 87,5 87,13 35 34,75 35,25 35 240 — 238 244 161 — 163 162 148 148 148 147,5 36 36 36 35,4 93 93,25 - 168,5 169 168 - Kührerschulungslager der Juristen W 13). 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Das Konzert findet zugunsten des Studentenwerk Gießen e. V. statt NORA-Troubadour 6 Kreii Superhet AöE mit Röhren •M X <>□«** für Weduebtroro Näh- und Binderiemen Hermann Röhrig, Lederhandlung, Gießen,Neustadt43 0,°j gl o,j 53- 8lj Ein neuer Teppich — z u Ostern verleiht Ihrem Heim neue Behaglichkeit und gibt Ihnen doppelte Festesfreude. - Sie finden größte Auswahl und sorgfältigste Bedienung bei NORA-Undine Einkreis 2 Röhren-Empfänget RM 137.- U. RM 162 ■so mit Röhren für Wechselstrom Weingroßhandlung H.Elges Seltersweg 68a Ruf 3458 pater habe sich aus der Fertigkeit und natür- ‘‘chen Veranlagung des Einzelnen eine Ar- beltsteilung vollzogen, die zur Entstehung bestimm- ter -oerufe beführt habe. Der Germane habe in der Arbeit eine Hohe sittliche Verpflichtung gesehen, nämlich die der Erhaltung und Sorge für die Familie und damit der Gemeinschaft. Er habe nicht um des Geldverdienens willen gearbeitet, ^u- fammenraffen irdischer Güter sei ihm fremd gewesen. Diese gesunde Auffassung von der Arbeit habe sich durch das ganze Mittelalter hindurch rein erhalten. Das Bestreben und die Leistungen der Zünfte zeugten davon. Schon den Lehrling habe man in der Auffassung der Arbeitsleistung sv erzogen, daß er später ein würdiges Mitglied in der Gefolgsgemeinschaft fein konnte. Dem Volke gegenüber habe der Meister die Verantwortung für Lehrling und Geselle getragen. Die Arbeit' habe daher damals ein doppeltes Treueverhältnis bedeutet. Entehrende Arbeiten, wie sie im alten Römerreich von den Sklaven verrichtet wurden, habe man bei uns nicht gekannt. Man sehe daraus, daß in Deutschland der Begriff „Arbeit" eine hohe sittliche Pflicht des Einzelnen der Gesamtheit gegenüber bedeutet habe. Durch die französische Revolution, die die Gleichheit aller Menschen und damit auch ihrer Arbeit predigte, sei dann die gesunde Auffassung von der Arbeit verwässert und schließlich von Kapitalismus und Liberalismus völlig verdorben worden. Das 'S Ä A H- AS ä! o-g it s $ V* II-! s-j - s -j Jjl In’s Lotze Spezial-Ausschank der Actien- brauerei zum Löwenbräu, München Samstag, den 13. April Märzenbier-Abend Großes Glas 40 Pf. • Schrammel-Musik 2193 D TeT 41-9 0,201 3.04 53,65 81,10 12,015 5,305 16-g 167-g 20,g 0,702 5,649 60-38 95 10-$ 61-96 80,72 S-92 10 365 1,407 JX^IESSEt^^B R AN D - P LAT Z Ruf 2208 / Am alten Schloß 2210 a gung, als der „S t e l l u n g" des Vaters, der „Tradition" der Familie entsprach. Man habe eine eigene Arbeit in den Vordergrund gestellt, ür die Arbeit anderer Berufsgrüppc..____"_o tändnis gezeigt und vor allen Dingen nicht die nötige Achtung vor der Arbeit des andern gehabt Welche furchtbaren Folgen sich hieraus entwickelten, habe die Vergangenheit uns deutlich aufgezeigt. Eine tiefe Kluft sei zwischen Hand- und Geistesarbeiter entstanden, zum Schaden des gesamten deutschen Volkes. Boxen Jagdhütten, Lager- und Geräteschuppen Wellblechbauten fürjeden Verwendungszweck. Fahrradständer Eisenwerk Siegen 6. m. b. H. Marienborn-Siegen, Postf. 95 Vertreter gesucht! i690y ramm ' il Gymnastik. 8.45: torgenfeier. 9.45: in Heinrich Schich i0.30: Chorgesang, ie Erzählung von ch des Todestag« üauerhymne dob itanbmufit aus ds r erzählt aus fei- rt 14: Kinderfnnl ijachmittagskonzeri. entutivsplels Lüd> 1730: Vtopiür 18.30: 6s fingt fyr Miß erwacht! Sportbericht. 20: . 22: Mchrichtcn. endebezirk. 22.20: piegd des Sonn- Tanzmusik. 24 bis (IQ). nl t> 630: GymM 1. 7: FruhkoG il 10.45: ProtO 11.45: Sozialdies Wen. InW irt 13.15: W 14.30: Wirtf-hH 10: Jugendfunks landdeutschen, 16.50: Emm» Settachtungen dj rt 18.30: 19: Ein Meisters ’ti Ä ribericht- anb« Fn-dM? I «Schtl'ch-n 6tü ^Gottesdienst, ^ebesbunb-, 20; L il Ite. nisonntag Ws ÄS* *&£ Jj. mit hochcnnt um L 8130: Hochamt il 1 Nervös-Erschöpfte 1 Spezialkuranstalt Hofheim i. Taunus 3 bei Frankfurt a. M. i877v Tel. 214 - Mäßige Preise - Prospekte durch: I Dr. M.Schulze-Kahleyss, Nervenarzt I Zu Ostern verreisen! 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Der Redner zeichnete zunächst .in trefflicher Weife auf, wie in den letzten Jahrzehnten aus einer falschen Weltanschauung heraus häufig junge Menschen zu einer Berufswahl gezwungen wurden, die weniger ihrer Veranla- Elnspaltige | werden zum ermäßigten IfloinanTainan Grundpreis von 5 Pf. für die Kleinanzeigen Millimeterzeile veröffentlicht 1 2096q Karl Brück, Kreuzplatz 8 Gießen, Bahnhofstraße L—4 Dee deutsche Fachgeschäft Ittr Bekleidung e.Ansstettnng WEINE von H. Eines der Inbegriff von Preiswürdigkeit und Qualität! Rheinwein von 70 Pf. per Flasche an Moselwein von 80 Pf. per Flasche an Verlangen Sie bitte Preisliste I Zur Einsegnung und zu Ostern rnaterialistische-kapitakistische Wirtschastsdeckken dieser Zeit habe die sittliche Verpflichtung des Einzelnen gegenüber seiner Volksgemeinschaft gelöst und dadurch dem Kapitalismus freie Bahn zu feiner eigennützigen Entwicklung geschaffen. Die Auffassung von der Arbeit sei in der Folge sittlich gesunken. Der Einzelne habe von seiner Arbeit viel Gewinn erhofft und in dem Erraffen möglichst viel irdischer Güter seine „Arbeitserfüllung" gesehen. Der Jude, der aus einem zwischen den Völkern stehenden Element stamme, habe diese Auffassung von Arbeit und Wirtschaft nach Kräften gefördert, dadurch ein ungesundes Verhältnis zwischen Arbeitgeber und -nehmer geschaffen und diese Lage weidlich zu seinen Gunsten ausgenutzt. Für uns Nationalsozialisten sei die Arbeit ein hoher sittlicher Begriff dem ganzen Volke gegenüber. Arbeit und Wirtschaft dürfe nicht Selbstzweck sein, sondern müsse der Volksgemeinschaft dienen. Genau so wie der Magen mit den Verdauungsorganen die Aufgabe habe, den menschlichen Körper am Leben zu erhalten, so habe die Wirtschaft, als ein Teil des Ganzen, der Erhaltung und Gesundung des Volkes zu dienen. Jeder müsse daher auf dem Posten, auf den ihn das Leben gestellt habe, seine Pflicht restlos zum Wohle der Gemeinschaft erfüllen. Der Redner führte in packenden Worten aus, daß diese Erkenntnis die Frontgeneration geboren habe. In Hinblick auf das große Ziel, dem Feinde das Eindringen in unsere deutsche Heimat zu verwehren, habe damals jeder bis zum letzten seine Pflicht erfüllt. Von derselben Pflichterfüllung und Kameradschaft, die im Schützengraben geherrscht habe, müsse auch die Arbeit in der Wirtschaft getragen sein. Nur so würden wir dem Begriff der Arbeit im Sinne der nationalsozialistischen Weltanschauung gerecht werden. Hundfunkprogranim. Dienstag, 16. April. 6 Uhr: Bauernsunk. 6.15 und 6.45: Gymnastik. 6.55: Morgenspruch — Choral. 7: Frühkonzert. 9.15: Unterhaltungskonzert. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11: Werbekonzert. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Die deutsche Frau. 16: Klaviermusik. 16.30: Geschenk- bücher für Ostern und zur Schulentlassung. Anregungen mm Otto Metzker, Frankfurt a. M. 16.45: Aus der Geschichte unserer Gebäckformen. Eine Plauderei. 17: Nachmittagskonzert. In der Pause: Kunstbericht der Woche. 18.30: Gustav Nachtigal. Zum 50. Todestag des großen Afrikaforschers am 20. April. 18.45: Aberglaube und altgermanische Naturreligion. Eine kulturgeschichtliche Betrachtung. 19: Unterhaltungskonzert. 20: Nachrichten. Anschließend: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20.15: Frühlingsparade. 20.50: Der Zeitfunk bringt: Auf dem Heimweg. Arbeitergespräche. 21.15: Musikalische Kurzgeschichten. 22: Nachrichten. 22.20: Frühling auf den Bergen. Funkbild aus dem Schwarzwald von Franz Hirtler. 23: Nachtmusik Eröffnung I yit der Kapelle STEIN Gesund zu Fub ohne Htthnerangen durch »LEBEWOHL* Blechd. 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