Ur. 265 Erstes vlatt 185. Jahrgang Dienstag, 12. November 1955 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illusttierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen DruÄ und Verlag: vrvhl'sche Unlverfitätr-Vuch- und Steindruckerel R. Lange In Gießen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftratze 7 Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8V,Uhr des Vormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 50Rpf.,Platzvorschrift nach vorh.Vereinbg.25"/„ mehr. Ermäßigte Grundpreise: Stellen-, Vereins-, gemeinnützige Anzeigen sowie einspaltige Gelegenheitsanzeigen 5 Rpf., Familienanzeigen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B Aegypten als Angelpunkt der britischen Mtelmeerpolitik. England für alle Kalle gerüstet. — Verstärkung des britischen Einflusses in Aegypten. Kairo, 11. Nov. (DNB.) Die wachsende Spannung im Mittelmeer wird von der ägyptischen Oeffentlichkeit mit steigender Anteilnahme verfolgt, wobei die verschiedensten Kombinationen, vor allem auch in Zusammenhang mit der Stellung Aegyptens in diesem Konflikt laut werden. In ägyptischen Kreisen wird vielfach die Ueber- zeugung geäußert, daß in dem Vorgehen Italiens England eine Bedrohung Aegyptens sieht. Mit seinen starken militärischen Vorbereitungen verfolgt England, so meint man, zunächst die unbedingte Sicher st ellung Aegyptens vor jedem Angriff von außen, was nach Ansicht von Sachverständigen bereits gewährleistet ist. In diesen Vorbereitungen komme aber auch die unbedingte Entschlossenheit Großbritanniens zum Ausdruck, für alle Fälle g erüstet zu sein, falls die friedlichen Versuche des Völkerbundes, den Abessinienkonflikt zu beenden, scheitern sollten. In einflußreichen Kreisen Aegyptens hört man die Ansicht, daß die Bildung eines unter italienischem Einfluß stehenden Blockes in Ostafrika mit der natürlichen Festung des Hochlandes von Abessinien als Mittelpunkt von England für untragbar empfunden werden könnte. Man ist der Meinung, daß Mussolini niemals nach Addis Abeba kommen wird. Wenn sich jedoch der Widerstand der Abessinier bei der Verteidigung ihres Landes als zu schwach erweisen und auch die Sühne- maßnahmen des Völkerbundes den italienischen Vormarsch nicht aufhalten sollten, würde sich London innerhalb des nächsten Vierteljahres vor schwerwiegende Entscheidungen gestellt sehen. Inzwischen nehmen die militärischen Vorkehrungen im Lande, die überall starke Beachtung finden, ihren Fortgang. So soll erst kürzlich für die beschleunigte Anlage einer neuen Vü ft en ft raße von Kairo nach Alexandrien von der ägyptischen Regierung ein Betrag von 100 000 ägyptischen Vfund zur Verfügung gestellt worden sein. Diese Straße soll hauptsächlich militärischen Zwecken dienen. Der Zugverkehr nach dem Sudan zur Beförderung militärischer Ausrüstungsgegenstände hat derartig zugenommen, daß z. V. in Alexandrien reinleerer Eisenbahnwagen mehr zu finden ist. Von englischer Seile soll der Regierung aus freien Stücken die volle Entschädigung für alle Schäden zugestanden worden sein, die aus den militärischen Vorbereitungen dem Lande erwachsen sollten. In diesem Zusammenhang beschäftigt sich die ägypttsche Presse auch mit den Auswirkungen auf die innerpolitische Lage. Verschiedene Aeußerungen lassen den Schluß zu, daß sich zwischen den sich bekämpfenden politischen Gruppen eine Verständigung anzubahnen scheint, die eine gemeinsame Haltung England gegenüber bei künftigen Kabinettsbildungen zum Gegenstand hat. Man denkt dabei daran, von England die Erfüllung der bekannten Forderungen nach Wiedereinführung der Verfassung und nach Abschluß eines neuen englisch-ägyptischen Vertrages als Voraussetzung für eine Zusammenarbeit zu verlangen. Bei aller Mißstimmung, die die ablehnende Haltung Englands diesen von Aegypten dringend gewünschten Forderungen gegenüber hervorgerufen hat, ist man sich doch darüber im klaren, daß es für jede ägyptische Regierung unmöglich sei, sich dem englischen Einfluß zu entziehen. Aegyptische Kreise halten eine Verstärkung der englischen Machtstellung im Lande für nicht unwahrscheinlich. Eine stärkere Anlehnung Aegyptens an England würde unter Umständen Hand in Hand mit einer Aufhebung der den Sühnemaßnahmen im Wege stehenden Kapitulationen, mit der sich die einheimische Presse bereits sehr stark beschäftigt, gehen. Wenn auch die Richtung der künftigen Entwicklung noch nicht klar in allen Einzelheiten zu erkennen ist, steht doch fest, daß sie zu grundlegenden Aenderungen der gegenwärtigen Lage führen wird. Der ttalienifche Heeresbericht. Rom, 11. Nov. (DNB.) Vom italienischen Propagandaministerium wird folgender Heeresbericht veröffentlicht: Unsere Truppen haben sämtliche Höhenzüge südlich von Makalle besetzt und beherrschen damit den Talkessel von S ch e l i c o t. Die Truppen des 2. Armeekorps setzen ihre Kontrollaktion in den Gebieten zwischen Aksum und dem Takazze-Fluß fort. An der Somali-Front ist von Truppen des Generals Graziani die Verfolgungs- und Säuberungsaktton nördlich von Gorrahei weiter im Gange. Eine leichte motorisierte Kolonne hat beim Vormarsch im Flußtal des Faf dem Gegner schwere Verluste beigebracht und zwei weitere Geschütze, ferner Gewehre, Munition, Lebensmittel und verschiedenes Material weggenommen. Der Häuptling Abd el Kerim Mohammed, Sohn des ver- storbenen Mullah, der den wichtigen Volksstamm der Ogaden-Bagheri befehligt, hat mit seinen Kriegern die Unterwerfung vollzogen. Starke abessinische Streitkräfte bei Harrar zusammengezogen. Asmara, 12. Nov. (Funkspruch des Kriegsberichterstatters des DNB.). Starke abessinische Streitkräfte, die in hiesigen militärischen Kreisen auf 200 000 geschätzt werden, haben die Höhen in der Gegend von Harrar besetzt. Den Oberbefehl über die abessinischen Truppen führt Ras N a s i b u. In Harrar selbst soll es, wie in hiesigen italienischen Kreisen verlautet, zu italienfreundlichen Kundgebungen gekommen sein. Südlich von Antala wurde eine große abessinische Karawane von den Italienern gefangen genommen. „Nur sechs Mnaie handeln." Dann Rückkehr in die Stresa-Front. Paris, 12. Nov. (DNB. Funkspr.) Das „Journal" veröffentlicht eine Erklärung des italienischen Staatssekretärs S u v i ch, in der es u. a. heißt: Wenn wir diese Prüfung überstanden haben, wird man nach Stresa zurückkehren und versuchen müssen, den englisch-französisch- italienischen Pakt wieder zustande zu bringen. Da wir viel Geduld haben, scheint es, daß die Sühnemaßnahmen oh ne große Ergebnisse bleiben werden. Ich glaube an unseren Sieg. Dieser Feldzug war notwendig. Mussolini hat seinem Volke Brot versprochen. Sein Volk hat Vertrauen. Man möge Italien nicht etwa Vorhalten, daß es sich an den Völkerbund hätte wenden können. Als Sieger, die durch den Frieden jedoch erniedrigt wurden, haben wir eine Politik der Besiegten betrieben. Jetzt möge man uns nur sechs Monate handeln lassen. Wir werden in Abessinien d i e Zivilisation einführen. Wir werden in dieses Land Ordnung bringen. Wir können dort leben und man wird erleben, wie dieses junge revolutionäre Italien sich an die Seite Frankreichs und Englands, also an die Seite der konservativen Völker, stellt. Mens Kamps um das Preisniveau. Römischer Kriegsdrief. Von unserem römischen E.-Korrespondenien. Rom, im November. Es wird Ernst. Da hat nun der König das neueste Straßenwunder, dieLa st wagenbahn, dem Verkehr übergeben, eine Autostraße, die den Schiffsbauch unmittelbar mit den Industriestädten der Po-Ebene verbindet; eine Straße, die Mailand sozusagen zur Hafenstadt macht und Genua ins Herz des Landes rückt; eine Straße, die der Eisenbahn übergeordnet sein sollte — und acht Tage später geht den Lastwagen das Benzin aus. Das heißt, noch wäre es zu haben, aber zu einem Preis, der die Güterverkehrserleichterung schon wieder problematisch macht. Unser modernes Leben,, das wie auf Kugellagern dahinzurollen scheint, beruht offenbar auf Voraussetzungen, die sich über Nacht als unrichtig erweisen können. Wir haben immer wieder über die mehr oder minder nahe Erschöpfung der Kohlenlager gestritten und mit komisch gerunzelter Stirne gefragt, wie es dann werden würde. Daß einem Vierzig- millionenvolk, einer Großmacht, das Benzin mangeln könne, kam keinem in den Sinn. Nun ist es noch nicht einmal sicher, daß man Italien die Einfuhr sperren wird, noch hat sich die schwerfällige Sanktionsmaschine nicht in Bewegung gesetzt, und schon schnellt der Benzinpreis auf 3,50 Lire hinauf! Es gibt zwar Pedanten, die behaupten, das sei nicht eine Folge der Sanktionen, sondern der V a l u t a s ch w a n k u n g , für den Verbraucher bleibt es jedoch gehupft wie gesprungen. Der Wein, bester goldener Frascati, kostet nur die Hälfte — was muß das für ein edler Tropfen sein, den die Autos trinken. Ach, sagen Sie ruhig saufen! meint der Sechszylinderbesitzer bekümmert. Kein Mensch kauft ihm mehr einen solchen Trunkenbold ab. Alles ist verrückt geworden, die Jahressteuer macht jetzt mehr aus, als ein großer, guter Wagen kostet, dagegen zahlt man für die gebrauchten Kleinwagen Phantasiepreise. Neue DZagen will niemand mehr, denn wer kann wissen, ob es morgen überhaupt noch Benzin gibt? Und Oel? Unheimlich, wie weit das Benzin schon Besitz von unserem Leben ergriffen hat. Die Schadenfreude der Nichtfahrer war verfrüht, sie merken nun, daß sie trotzdem Benzinluft atmen. Alle guten Vorsätze, die Preise zu halten, wurden durch ihre Verteuerung über den Haufen geworfen, denn schon der Bauer fordert für seine Erzeugnisse mehr als gestern, weil er selber höhere Transportkosten hat. Wie könnte eine Mietsdroschke noch zum alten Tarif fahren? Der eilige Geschäftsmann muß den Unterschied natürlich seinerseits auf die Ware schlagen. Man mag kaufen, was man will, jede Entrüstung über die plötzliche Preiserhöhung wird mit der lakonischen Frage abgeschnitten: E la benzina?! Kam im Sommer die Wagenfahrt' noch billiger zu stehen als die Bahn, so kostet nun ein flüchtiaer Abstecher an den Lido oder in die Castelli an die 50 Lire, die Bahn Höchens — zwei Personen gerechnet — die Hälfte. Und dann immer dieses lähmende: Und morgen? Wird es nicht besser sein, den Wagen einzustellen mit Jahresende, statt die neue Steuer zu berappen? Steigen infolgedessen die Garagenpreise. Steigen die Preise für Pferde und Muli und Heu und Hafer. Die Fuhrwerksbesitzer, die man schon füu ausgestorben hielt, machen sich rar. Der Kohlenmann, wenn er nicht schon von weitem abwinkt, stellt die „selbstverständliche" Bedingung, daß man die kostbaren schwarzen Diamanten bei ihm abholt; wie, das geht ihn nichts an. Es gibt kaum ein Gewerbe, das nicht in Mitleidenschaft gezogen würde. Keinen Haushalt, der nicht Schmalhans als Küchen- und Kellermeister kennen lernen würde. Dazu geht es in den Winter hinein, es kann einen schon frösteln. Aber die nationale Forderung hat natürlich den Vorrang und wenn es heißt, daß der Heeresbedarf an Benzin nur für ein Jahr gesichert sei, so ist Sparsamkeit in der Heimat erste Bürgerpflicht. Gehen wir eben zu Fuß, heißt es, und schnallen den Gurt wieder um ein Loch enger! Erlaubniszwang für Einfuhr nach Italien. Rom, 11. Nov. (DNB.) Nach einer italienischen Verfügung werden fast sämtliche zur Einfuhr nach Italien bestimmten Waren angabepflichtig und bedürfen einer besonders einzuholenden Erlaubnis, um eingeführt zu werden. Auf der Lifte sind u. a. Schweinefleisch, Butter, Kaffee, Kakao, verschiedene Luxuswaren, Leder, Seide und zahlreiche Metalle aufgeführt. Aalienischer Protest gegen die Sanktionen. Paris rechnet mit Gegenmaßnahmen. Paris, 11. Nov. Die italienische Regierung hat an ihre diplomatischen Vertretungen in sämtlichen Sankttonsstaaten eine Protestnote gegen b i e Sühnemaßnahmen gerichtet, lieber den Inhalt der Note, die Botschafter Cerrutti am Montag Laval zur Kenntnis gebracht hat, teilt der „Petit Parisien" mit, daß sie zunächst gegen die finanziellen und wirtschaftlichen Sühnemaßnahmen, die als schwere Ungerechtigkeit bezeichnet werden, Einspruch erhebt. Dann folgen rechtliche Gründe, die die italienische Regierung gegen die Völkerbundssühnemaßnahmen vorbringt. Das Blatt bemerkt hierzu, daß die ziemlich scharf gefaße italienische Mitteilung schon an sich die schwüle internationale Stimmung nicht bessere. Man müsse hoffen, daß Italien bei feinen Gegenmaßnahmen nicht z u weit gehe, damit diese nicht wieder andere schärfere Sühnemaßnahmen auslösen. Auch der „Matin" glaubt, daß die Note in entschiedenen Wendungen gehalten sei. Sie beziehe sich auf gewisse Ausfuhrverbote und lasse die Kündigung von Handelsverträgen mit Sanktionsstaaten durchblicken. Sie enthalte möglicherweise sogar italienische Vorbeugungsmaßnahmen, die noch vor dem 18. November durchgeführt werden könnten. Der Entschluß der italienischen Regierung werde in Europa ein gewisses Unbehagen Hervorrufen. Hoffentlich werde der italienisch-abessinische Streit bald geregelt, damit durch eine Rückkehr zu den normalen Z u st ä n d e n der für das Wirtschaftsleben der Mächte notwendige Warenaustausch wieder ausgenommen werden könne. Das „Echo de Paris" fragt, ob die Gegenmaßnahmen Italiens nicht viel weiter gingen, als lediglich die wahrscheinliche Kündigung der Handelsverträge. Werde die Wacht des italienischen Heeres am Brenner, die schon durch die Absendung von Rahmenverbänden, von Material und Vorräten nach Ostafrika geschwächt fei, noch weiter vermindert werden? Sei Italien entschlossen, mit dem Völkerbund zu brechen? — Das „Oeuvre" deutet die Möglichkeit an, daß Italien sich vielleicht vom Völkerbund zurückziehen könnte, wenigstens während der Zeit der Anwendung der Sühnemaßnahmen. Im übrigen weist es auf die für England ungünstige Verhandlungslage hin, wenn die italienischen Truppen erst das Harrar-Gebiet besetzt haben, also den Landstreifen zwischen der englischen Somaliküste und Jnnerabessi- n i e n. Die Engländer könnten kaum zulassen, daß italienische Truppen auf einer strategisch so wich- tigen Stellung bleiben. Oer korrekte Benesch. Don unserem sudeiendeuischen ff.-Äerichierstatter. Vor einigen Monaten hat die Tschechoslowakei mit Sowjetrußland einen Bei st and s- vertrag unterschrieben, dessen Spitze sich gegen Polen und das Deutsche Reich richtet. Es ist die Sache jedes Staates, seine Außenpolitik nach seinen eigenen Grundsätzen und Wünschen zu leiten. Die Tschechoslowakei hat nach dem Wörterbuch der Genfer Akteure den Vertrag als Beitrag zur Sicherung des Friedens erklärt, während man aus Sowjetrußland ganz andere Töne vernehmen konnte. Besonders der Kongreß der 3. Internationale hat deutlich erkennen lassen, wohin man in Sowjetrußland steuern möchte und w e l« ch e m Zweck das Waffenbündnis Tschechoslowakei- Rußland dienen soll. Die Sowjetkommunisten waren offener und ehrlicher. Sie reden nicht viel von „korrekten" Beziehungen, sondern arbeiten offen an der Aufrüstung und der Vorbereitung des nächsten — „Friedensoertrages". Ganz anders die Tschechoslowakei. Außenminister Dr. Benesch hat vor wenigen Tagen im Prager Abgeordnetenhause ein außenpolitisches Expos- gehalten, das im Zusammenhänge mit seiner kurz vorher in Brüx gehaltenen Rede steht. Dr. Benesch unterstrich, daß er auf gute Beziehungen auch zum Deutschen Reiche großen Wert lege und er sagte in seiner Prager Rede, daß das Verhältnis der Tschechoslowakei zum Deutschen Reiche so „korrekt und normal" sei, wie er dies auch schon in früheren Kundgebungen festgestellt habe. Er erklärte ferner, daß die Tschechoslowakei sehr gerne mit dem Reiche einen Pakt abgeschlossen hätte, denn die Tschechoslowakei habe mit dem Reiche „keine direkten Differenzen und werde sie auch, wie er hoffe, in Zukunft nicht haben." Und er sagte mit besonderer Betonung weiter: „Von uns aus werden auch niemals Anlässe oder Differenzen mit Deutschland entstehen." Diese Feststellungen Dr. Beneschs sind überaus erfreulich. Es muß aber leider festgestellt werden, daß die „korrekten" Beziehungen doch nur recht einseitige sein können, da es leider immer wieder fest- gestellt werden muß, daß das Verhalten der tschechischen staatlichen Organe eine ganze Reihe von Anlässen bietet, die in Staaten, die normale und korrekte Beziehung zueinander haben, nicht vor» kommen dürsten. Es muß doch nun auch in Prag endlich bekanntgeworden sein, daß das Deutsche Reich ein nationalsozialistischer Staat ist, daß dieser Staat gesetzlich festlegte, daß Partei und Staat eins sind und daß dies nicht nur durch eine Reihe von Staatsakten staatsrechtlich festgelegt ist, sondern auch neuerdings dadurch zum Ausdruck gebracht wurde, daß die Fahne der Partei in dis Symbole der Staatshoheit ausgenommen worden ist. Und darüber hinaus: Das Oberhaupt des Deutschen Reiches, Adolf Hitler, ist zugleich der Führer der NSDAP. Der Führer und Reichskanzler hat wiederholt in feinen Reden die unbedingte Friedensbereitschaft des Reiches betont, er hat nicht nur in feiner großen Rede vom 17. Mai 1933 die Friedenspolitik des Reiches eindeutig unterstrichen und den Nachbarstaaten die Freundeshand hingestreckt, er hat vielmehr durch die absolute Friedenspolitik des Reiches bewiesen, daß es ihm mit der Friedenspolitik des Reiches ernst ist, und daß das Reich in keiner Weise daran denkt, irgendeinen anderen Staat anzugreifen oder sich in seine innerpolitischen Verhältnisse einzumengen. Wie aber sind diese autoritativen Kundgebungen des Führers gerade in der Tschechoslowakei aufgenommen worden? Die Tschechoslowakei hat die Deutsche Nationalsozialistische Arbeiterpartei in den Sudetenländern aufgelöst. Sie hat diese Auslösung ebenso wie die Anklage ihrer Führer und die Urteile des Obersten Verwaltungsgerichtes damit begründen lassen, daß die sudetendeutschen Nationalsozialisten Beziehungen zur NSDAP, gehabt hätten und daß die NSDAP, in Verbindung mit der SA., SS. und der Reichswehr einen Angriff gegen d i e Tschechoslowakei vorbereitet, der die' Loslösung der s u d e t e n d e u t s cy e n Grenzgebiete zum Ziele habe. Dieser Angriff werde als ein militärischer Angriff, also mit Gewalt vorbereitet. Erst jüngst erklärte der Hauptverteidiger im Brünner Nationalsozialisten-Prozeß: „Bei der Argumentation für die Staatsgefährlichkeit der Nationalsozialisten spielt immer wieder die reichs- deutsche Partei eine ausschlaggebende Rolle. Wenn behauptet wird, daß die Forderung der NSDAP, nach Vereinigung aller Deutschen in einem Staate einerseits und die Ablehnung einer solchen Politik durch die Tschechoslowakische Republik anderseits den klaren Beweis liefere, daß dis NSDAP, und somit auch der offizielle Staat des Deutschen Reiches, der mit der Partei eins ist, das Bestreben verfolge, gewaltsam das Ziel des Parteiprogramms herbeizuführen, dann liegen dieser Ansicht offenkundige gedankliche Fehler zugrunde. Gerade auch die Tschechoslowakei und ihr Außenminister bekennen sich mit Eifer und Nachdruck zu jeneit Einrichtungen, die einer friedlichen Rege« lung internationaler Konfliktsstoffe dienen sollen« Wenn nun berücksichtigt wird, daß der maßgebende Vertreter der NSDAP., ihr Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, immer wieder difriedlichen Abfichten betont und anderseits keine Anzeichen vorhanden sind, daß eine Gewaltanwendung gegen die Tschechoslowakei erfolgen könnte, bann ist es nicht verständlich, warum Deutsche deshalb zu schweres Kerkerstrafen verurteilt werden, weil fie Sympathien Luc NSDAP, hatten -- denen matt aber nicht einmal direkte Beziehungen zur NSDAP nachweisen kann." Trotz dieser Ausführungen wurden die Angeklagten verurteilt und zwar nur deshalb, weil es das Gericht für erwiesen hielt, daß die sudetendeutsche DNSAP. mit der reichsdeutschen NSDAP. Beziehungen aulrechterhalten hätte. Dasselbe ist in zahlreichen anoeren Urteilen behauptet worden, und immer wieder haben die Gerichte nicht etwa bestimmte Taten der Nationalsozialisten, sondern ausschließlich deren angebliche Beziehungen zur NSDAP als den strafbaren Tatbestand hervorgehoben, da diese und ihre Organisation die „gewaltsame Abtrennung der deutschen Gebiete von der Tschechoslowakischen Republik" zum Ziele hätten. Sehr richtig hat auf Grund dieser Urteile der bekannte Staatsrechtslehrer Geheimer Justizrat Unioersit'ätsprofessor Dr. August Finger (Halle) in einem Rechtsgutachten erklärt, daß auf Grund des tschechoslowakischen Schutzgesetzes, nach dessen § 38 „a u ch ein Ausländer bestraft werden kann, der sich im Auslande einer in den Para- araphen 1 bis 9 und im § 17 angeführten strafbaren Handlungen schuldig gemacht hat", und gemäß den Ausführungen der tschechoslowakischen Gerichte, die der NSDAP. Deutschlands das Ziel der gewaltsamen Lostrennung der sudetendeutschen Gebiete unterstellen, sich jedes Mitglied der NSDAP, im Deutschen Reiche, allein durch seine Zugehörigkeit zur Partei, der strafbaren Handlung nach den zitierten Paragraphen des tschechoslowakischen Schutzgesetzes schuldig gemacht habe. Professor Finger erklärt weiter: „Darnach sind Millionen Reichsdeutscher als Angehörige der NSDAP., als Mitglieder des Sudetendeutschen Heimatbundes, als Mitglieder des DDA. usw. der Gefahr der Verfolgung wegen eines mit schweren Kerkerstrafen bedrohten Verbrechens ausgesetzt, wenn sie z. B. als Ausflügler, als Reisende, zur Erledigung beruflicher Geschäfte oder etwa als Teilnehmer am sudetendeutschen Juristentag die Tschechoslowakei betreten oder auch nur durch dieses Gebiet reisen. Sie können als „Hochverräter" aus dem Zuge heraus verhaftet werden." Und Prof. Finger erklärt am Schlüsse: „Die Erfahrung lehrt, daß es sich hier nicht nur um theoretische Möglichkeiten handelt." Und diese Urteile sind von den höchsten Instanzen, vom Obersten Gericht und vom Obersten Der- waltungsgericht der Tschechoslowakei bekräftigt worden. Täglich werden neue Verurteilungen vorgenommen, obgleich das Deutsche Reich in eindeutigster Weise erklärte, daß es an einen gewaltsamen Angriff gegen die Tschechoslowakei nicht denke. Aber der Herr Außenminister der tschechoslowakischen Republik tut so, als ob er das alles nicht wüßte. Er läßt es zu, daß nach wie vor die Erklärungen des Führers und Reichskanzlers und dessen Politik von den Gerichten seines Staates verdächtigt und daß sie als unglaubwürdig und für die Prozeßführung als belanglos erklärt werden. Und das nennt Dr. Benesch „korrekt und normal". Man kann dafür auch andere Bezeichnungen unschwer finden. Aber es wäre außerordentlich begrüßenswert. wenn die Prager Regierung dafür Sorge tragen wollte, daß auch die Gerichte dazu beitragen, die Beziehungen zwischen dem Deutschen Reich und der Tschechoslowakei „korrekt und normal" zu gestalten. Neue Verletzung des Memelstatuts. Litauische Polizei in Memel. Memel, 11. Nov. (DNB.) Die litauische Regierung hat beschlossen, in Memel eine neue Potizeitruppe in einer Stärke von 62 Mann nach dem Vorbild der sogenannten Kownoer „Reservepolizei für außergewöhnliche Zwecke" einzusetzen. Diese Polizei, die auch eine Abteilung berittene Polizisten enthalten soll, wird in Memel nicht wie in Kowno der ordentlichen Polizei, sondern der Staatspolizei angegliedert. Zum Leiter ist bereits ein höherer Beamter der Kownoer Reservepolizei ernannt worden. Die Pferdestation wird in einer Kaserne der Memeler Garnison untergebracht. Nach dem Memelstatut ist das gesamte Polizeiwesen Sache der autonomen Organe. Artikel 20 des Statuts bestimmt, daß die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung im Memelgebiet durch die öffentliche Polizei gesichert wird, die den Behörden des Memelgebietes untersteht. Im Notfall kann diese die litauische Regierung um Beistand ersuchen. Dieser Fall ist nicht eingetreten. Nach dem Artikel 20 des Memelstatuts darf die litauische Regierung im Memelgebiet nur Grenz-, Zoll- und Eisenbahnpolizei unterhalten. Es kann also nicht angenommen werden, daß die litauische Regierung ihre Maßnahme auf Grund des Art. 20 des Statuts getroffen hat. Vielmehr stellt die Einführung dieser litauischen Polizeitruppe im Memelgebiet eine neue Verletzung des Statuts dar. Oer Arbeitsplan -er Erzeugungsschlacht Oie Fett- und Fleischversorgung wird auf dem 3. Zieichsbauerntag erörtert. Goslar, 11. Nov. (DNB.) Nachdem, wie bereits ausführlich gemeldet wurde, der 3. Reichsbauerntag am Sonntagabend feierlich eröffnet worden war, begannen am Montag früh die S o n - dertagungen der verschiedenen Abteilungen des Reichsnährstandes. Den Anfang machte eine Sondertagung der Reichshauptabteilung II unter Leitung des Reichshauptabteilungsleiters Dr. Brummenbaum, der sich mit den Hauptgesichtspunkten des zweiten Abschnittes der E r z e u g u n g s s ch l a ch t beschäftigte. Es komme darauf an, dis in die letzten Ortsbauernschaften hinein selbständige Träger der Erzeugunasschlacht zu haben, die auch nach den Ortsverhältnissen für die richtige. Zielsetzung der Erzeugungssteigerung sorgen. Aus der Tatsache, daß die Wiesen und Weiden rund 22 v. H. der landwirtschaftlichen Nutzfläche einnehmen, aber nur 10 v. H. des Gesamtertrages der Markterzeugung liefern, müßten Schlußfolgerungen gezogen werden. Staatsrat M e i n b e r g benutzte die Gelegenheit, besondere Gesichtspunkte für die künftige planvolle Lenkung der Erzeugung herauszustellen. Beim Eingehen auf die Frage der Fettwirtschaft betonte er ausdrücklich, daß die Derlegen- heitslösung der Einführung von Lebensmittelkarten unter keinen Umständen in Betracht käme. Es handele sich auch hier angesichts der Lage, die bei der Machtübernahme vorgefunden wurde, um eine Rohstoff-Frage, die ihr besonderes Gesicht dadurch bekommen habe, daß die Einschaltung von 5 Millionen Arbeitslosen in den Arbeitsprozeß einen natürlichen Zuwachs des Ernährunas- bedarfs gebracht habe, der sich stark auf dem Gebiete der Fett- und Fleischoersorgung bemerkbar mache. Gerade deshalb komme es darauf an, die Gestaltung der Erzeugung so zu lenken, daß das nun wieder in vollem Umfange in der Arbeit stehende deutsche Volk auch die angemessene Ernährung finde. So erscheine gegenwärtig die Erzeugungsschlacht als die vordringlichste der vielseitigen Aufgaben des Reichsnährstandes. Dabei werde darauf Rücksicht zu nehmen sein, daß die Lei stungs steige- rung auf bodenständiger Grundlage erfolge. So solle die Viehzucht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt der vollwertigen Ausnutzung des Eigenfutters ausgebaut werden. Auch die Frage der Stickstoffpreise kam zur Sprache. Staatsrat M e i n b e r g stellte zur Leistungssteigerung der noch unter dem Durchschnitt liegenden Höfe gesetzliche Regelungen auf dem Gebiete der Tierzucht und Milcherzeugung in Aussicht. In der Sitzung der Hauptvereinigung der Deutschen Milchwirtschaft wurde zur Lösung des Fettproblems die Notwendigkeit hervorgehoben, im Sommer in Zeiten der Milchschwemme die Verarbeitung auf Butter vorzunehmen, die als nationale But- terreferoe f ü r den Winter eingelagert wird. Bei der Hauptvereinigung der deutschen Dieh- wirtschaft wurden die Maßnahmen behandelt, die während der vorübergehenden Mangelperiode eine angemessene und gleichmäßige Verteilung der Schlachtschweine sicherstellen. Eine weitere grundsätzliche Maßnahme ist in der Bindung d o n Käufern an die Märkte zu sehen. Ferner ist eine Genehmigungspflicht für Hausschlachtungen eingeführt worden, um den Versuchen gewisser Bevölkerungskreise zu begegnen, sich der Festsetzung der Kontingente zu entziehen. In einer anderen Fachtagung wurde die Nutzbarmachung der Statistik für die Erzeugungsschlacht behandelt. Eine zuverlässige und umfassende Statistik schafft die Unterlagen für die Planung der Erzeugung und für die Marktordnung. Reichsabteilungsleiter Dr. Fenfch behandelte besonders die statistischen Arbeiten auf dem Bauernhof und betonte die Notwendigkeit einer einheitlichen Auswertung der amtlichen Agrarstatistik und sonstiger Erhebungsergebnisse bis hinunter in die Kreisbauernschaften. Dabei kommt es für den Erfolg der wirtschaftlichen Tätigkeit des Reichsnährstandes auf den regelmäßigen Austausch der von den verschiedenen Stellen gefundenen Ergebnisse an. Amerikanischer Ballon 22570 m hoch! Neuer Vorstoß in -ie Stratosphäre. — Weltrekord bei minus 60 Grad. „Der größte je konstruierte Ballon." Neuyork, 11. Nov. (DNV.) Mt einem Stratosphärenballon sind am IHontag- früh die amerikanischen Hauptleute Albert W. $. Stevens und Orville Anderson in Rapid City (Dakota, USA.) gestartet. Die Wetterverhält- nisse sind ungewöhnlich günstig. Organisiert wird das Unternehmen von der Nationalen Geographischen Gesellschaft zusammen mit der Luftschifferabteilung der Armee. Es stellt den dritten V e r - s u ch Stevens.dar, in die Stratosphäre vorzudringen. Bei dem ersten Versuch im Juli 1934 r i h die B allo nhü lle beim Erreichen der oberen Luftschichten. Die Besatzung muhte mit dem Fallschirm abspringen. Auch diesmal gab es einen Zwischenfall. Als der Ballon feine Füllung mit Heliumgas erhielt, riß die hülle an der Seite sieben Meter weit auf. Der Schaden wurde jedoch von Angestellten der Good- year-Zeppelin - Werke aus Akrop, die den Ballon gebaut haben, schnell beseitigt. Der Ballon trägt den Namen „Explorer". Er ist der größte je kon - struierte Freiballon und faßt 3700000 Kubikfuß. Die Gondel mißt drei INeter im Durchmesser. Stevens plant eine höhe von 28 000 Meter zu erreichen. Der Flug wurde unter weitgehender Unterstützung durch die Spezialindustrien und die Wissenschaft von langer Hand vorbereitet. Der Stratosphärenballon erreichte um 6 Uhr 28 MEZ. eine höhe von 18 300 Meter und um 7.21 Uhr eine höhe von 22 57 0 Meter. Damit wäre bereits ein neuer Weltrekord ausgestellt. Die Insassen teilten durch Radiotelephon mit, daß der Ballon sehr rasch steige. Das Thermometer zeige 60 Grad Celsius unter Null. Als Standort wurde Gordon (Nebraska) angegeben. Die Fahrt gehe in östlicher Richtung. In später Nachtstunde des Montag wurde in Neuyork bekannt, daß Hauptmann Stevens, als er sich mit seinem Stratosphärenballon in einer Höhe von 9300 Meter befand, durch Funkspruch auch mit London gesprochen hatte. Das Funkgespräch solle eine Dauer von drei Minuten gehabt haben. Außerdem soll, wie man weiter hört, Hauptmann Stevens mit einem Großflugzeug Funksprüche gewechselt haben. Dieses Großflugzeug habe sich, als der Stratosphärenballon über 9000 Meter hoch stand, auf einer Höhe von 950 Meter befunden. Es handelt sich um ein Flugzeug, das von Los Angeles kommend auf dem Flug nach San Franzisko war. Glatte Landung. Der Stratosphärenballon „Explorer" teilte um 21.47 Uhr MEZ. sunktelegraphisch mit, daß er a u f 12 200 Meter gefallen sei. Die Insassen waren mit photographischen Aufnahmen beschäftigt und befanden sich wohl. Flieger, die in der am Missouri gelegenen Stadt Pierre (Süddakota) landeten, berichteten, daß der Ballon etwa 120 Kilometer südöstlich von Pierre klar sichtbar war. Man nimmt an, daß der Abstieg etwa drei Stunden dauern wird. Der Stratospärenballon „Explorer" ist, wie die Begleitflugzeuge des Ballons berichten, um 23.13 Uhr MEZ. in der Nähe von White Lake (Süd- Dakota) glatt und wohlbehalten gelandet. Kapitärr Stevens berichtete gleichzeitig, daß die Außentemperatur in der höchsten erreichten Höhe minus 55 Grad Celsius betragen habe und daß gleichzeitig das Thermometer in der versiegelten Metallgondel minus 10 Grad Celsius angezeigt habe. Der Himmel unterhalb des Ballons bilde eine große weiße Fläche mit bläulicher Schattierung, lieber dem Ballon sei der Himmel eine einzig schwarze Fläche, die nach der Sonne hin noch schwärzer erscheine. Als der Ballon bei seinem Abstieg bis auf eine Höhe von 6900 Meter heruntergekommen war, haben die Insassen Ballast abgeworfen und die Geräte in der Gondel durch Fallschirme zur Erde gehen lassen. Sie wollten damit einen allzu raschen Abstieg des Ballons verhüten. Als der Ballon dann schließlich nur noch auf einer Höhe von 300 Meter war, kletterten die Insassen auf das Dach der Gondel und überflogen langsam White Lake. Waffenstillstandstag in Paris. Zusammenstöße zwischen Frontkämpferverbänden. Paris, 11. Nov. (DNB.) Der 17. Jahrestag des 11. November wurde in ganz Frankreich in der herkömmlichen Weise begangen. Hauptstätte des Gedenkens war das Grab des Unbekannten Soldaten unter dem Triumphbogen. Unübersehbare Menschenmassen füllten die Straßen um den Etoile. Kurz vor 11 Uhr traf der Präsident der Republik am Triumphbogen ein. Kanonenschüsse zeigten die Minute des Schweigens an. Der Vorbeimarsch der Truppen beendete die Feier. Um die Mittagsstunde zogen die r e ch t s st e h e n- den Frontkämpferoerbände am Grabe vorüber. Ihnen folgten zwei Stunden später die politisch links st ehenden Frontkämpfer. Obgleich alle Aufmarschstraßen von einem starken Polizeiaufgebot überwacht wurden, kam es zu Schlägereien zwischen Anhängern der Linksund Rechtsverbände. So sah sich der Vorsitzende der sog. „Französischen Solidarität", einer auf dem äußersten rechten Flügel stehenden Organisation, mit 20 feiner Mitglieder plötzlich von einer starken Gruppe von Anhängern der Volksfront umzingelt, die sofort mit Stöcken und anderen Schlaggegen- ständen auf ihn einhieben. Die Mitglieder der Solidarität flüchteten in eins der großen Kaffeehäuser der Champs Elyfee, dessen Fensterscheiben von den Marxisten und Kommunisten zer- trü mm e r t wurden. Auf den großen Zugangsstraßen zum Triumphbogen standen Tausende dicht gedrängt, um den Vorbeimarsch der Organisationen mitzuerleben. Es herrschte eine ziemlich gespannte Stimmung, immer wieder mußte die Polizei eingreifen, um Zwischenfälle zu verhindern. Oer Weltflughafen Frankfurt a. M. Ein Zentrum des europäischen und atlantischen Reiseverkehrs. In der dämmerigen Frühe des 1. Januar 1934 führte Gauleiter Sprenger den ersten Axthieb zu einem Werk, das jetzt seiner Vollendung entgegenreift und nach seiner Fertigstellung nicht allein für Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet, sondern für die Weltluftfahrt von größter Bedeutung sein wird. Es ist der neue zentrale Zeppelin- und Flugzeughafen, der an dem Schnittpunkt der Reichsautobahnen Nord-Süd- (Frankfurt—Darmstadt—Mannheim) und Ost-West (Würzburg—Mainz) entsteht. Eingebettet in die geschützte rhein-mainische Senke zwischen Odenwald und Taunus erstreckt sich die riesenhafte Fläche von 280 Hektar. Wenn man bedenkt, daß außer den Straßen Adolf Hitlers auch die alten bedeutsamen Verkehrslinien Paris — Frankfurt — Ber- l i n und Nordsee — Rhein — Main — Donau den Weltflughafen berühren, so ergibt sich schon aus dieser flüchtigen Andeutung die günstige Sage des neuen Verkehrszentrums. Von diesem Flughafen, der mitten im Frankfurter Stadtwald eine einzigartige Lage hat, werden vom nächsten Jahre ab nicht nur die Flugzeuge des erroeiferten Flugverkehrs ausschwärmen, sondern auch der neue Zeppelin seine Amerikafahrten antreten. Damit wird der Frankfurter Zentralflughafen zugleich auch europäischer Luftschiffhafen für den Ozeanverkehr. Wunder der modernen Technik. Nach der Rodung des Riesenquadrats, bei der 30 000 Festmeter Holz gewonnen wurden, wurde zunächst das Rollfeld für die Flugzeuge eiuge- ebnet, das heute bereits eine frische Grasnarbe trägt. Um diese Grasnarbe auch im heißesten Sommer frisch zu erhalten, wurde eine k ü n st l i ch e Negenanlage geschaffen. Längs des Rollfeldes ist eine Wasserleitung gelegt, die in Abständen von 70 Meter durch Beregner unterbrochen ist. Von diesen Beregnern wird das Wasser 11 Meter hoch und 70 Meter weit geschleudert, so daß es möglich ist, innerhalb einer Woche das Rollfeld mit einem Nie- schlag von 20 Millimeter zu bedecken. An das Rollfeld schließt sich in einer Breite bis zu 120 Meter der Startplatz an, der betoniert und mit Platten belegt wird. Unter den Platten ist ein kompliziertes Röhrensystem gelegt für d i e Zufuhr von Del, Benzin und Wasser. Auf diefe Weise wird es möglich sein, die Flugzeuge am Startplatz mit Brennstoff und Wasser zu versorgen. Auch hier wird die Wasserzufuhr wie bei der Berieselungsanlage aus eigenen Brunnen gespeist, die bis in eine Tiefe von 35 Meter vor- getrieben wurden. Unmittelbar anschließend an das Rollfeld erhebt sich das Verwaltungsgebäude, das bereits unter Dach und Fach ist. In diesem 120 Meter langen Bau wird Post, Zoll, Deutsche Lufthansa, Flughafenleitung, Luftaufsicht, die Dienststellen des Luftamtes, Flughafenverwaltung, Flugpolizei und Gaststätte untergebracht. In einem großen Abfertigungsraum werden alle Dienststellen nebeneinander liegen, so daß der Fluggast leicht und bequem seine Geschäfte abwickeln kann. Die Gaststätte wird an der Seite des Verwaltungsgebäudes un- mittelbar am Waldrand einen großen Wirtjchafts- garten erhalten, der den Fluggästen und den vielen Flughafenbesuchern angenehmsten Aufenthalt bietet. Auf der anderen Seite des Verwaltungsgebäudes ist ein T u r m im Bau, der sich über fünf Stockwerke zu einer Höhe von 20 Metern erheben wird. In diesem Turm wird der Wetter- dien st, der Funk - und Nachrichtendien st untergebracht. Die Nebengebäude, Garagen und Pumpstellen werden hinter der Verwaltungshalle Platz finden. Seitlich des Turmes werden die Fundamente ausgeschachtet für die große Flugzeugh all e, die mit einer Länge von 60 Meter und einer Tiefe von 30 Meter 2000 Quadratmeter Raum umfassen wird und 25 Flugzeugen Platz bietet. An der Herstellung des Rollfeldes waren 1500 Arbeiter beschäftigt, die in 200 000 Tagewerken die Arbeck durchführten. Besondere Beachtung verdient auch die technisch vollkommene Beleuchtungsanlage. Umgrenzt ist das Rollfeld von einer Umrandungsbeleuchtung, die aus Neonleuchten besteht. Die Neonleuchten sind winklig angeordnet, wobei die Spitze des Winkels wie ein Pfeil zum Rollfeld hinzeigt, so daß der Flieger ohne Mühe über die Lage des Rollfeldes orientiert ist. Der Wald und die Gebäude werden mit Hindernisbeleuchtung versehen, der Turm erhält eine 21 n ft e u e » rungsbeleuchtung und auf dem Platz werden drei Landebahnleuchten verteilt. Der Startplatz wird durch Scheinwerfer erhellt. Die größte Lustschiffhalle der Welt. Wo das frische Gras des Rollfeldes endigt, be* ginnt der eigentliche Luftschiffhafen für den neuen Zeppelin. Hier und da ragen Baumwurzeln in die Luft, die noch nicht abgefahren sind. Die letzten Planierungsarbeiten werden in Kürze beendet sein. In der Nähe des Waldrandes ragen die 56 Meter hohen Binder des Stahlgerippes für die neue Luftschiffhalle in den herbstlichen Himmel. Ein ohrenbetäubender Lärm erfüllt die Luft. Schwer stampfen die Maschinen für die mit Preßluft betriebenen Niethämmer. Zu hohen Bergen aufgeschichtet, nach Art und Gattung geordnet, liegen Taufende und Abertausende von einzelnen Stahlteilen auf dem Platz, die hier von fachkundigen Arbeitskräften montiert werden. UeberaU wird genietet, gehämmert und geschraubt. In gefährlicher Höhe unterscheidet man zwischen dem verwirrenden Stahlgestänge des Gerüsts die Arbeiter, die hier eine schwere und verantwortungsvolle Arbeit zu leisten haben. 750000 Nieten müssen gehämmert werden, bis die Halle fertig ist, 2500 Tonnen Stahl werden insgesamt verwandt. Mit einer Länge von 275 Meter, einer Breite von 50 Meter und einer Höhe von 56 Meter wird die Frankfurter Halle die größte Luftschiffhalle der Welt sein. Die modernsten technischen Einrichtungen werden zum Teil erstmalig ausgeführt. So wird vor dem Tor der Halle in weitem Halbkreis ein Schienenkreis gelegt, auf dem die sogenannten Heckwagen fahren werden. An diesen Heckwagen wird das Luftschiff am Heck befestigt und mit dem Bug a n einemfahrbar en Ankermast verankert, so daß bei jeder Windrichtung eine Landung leicht möglich ist. In der gleichen Weise wird das Luftschiss auch aus der Halle gefahren und gestartet. Ein 60 Meter hohes fahrbares Montagegestell mit hohen Kranen mußte aufgebaut werden, um die gewaltigen Eisenträger der Halle aufzurichten. Das Stahlgestänge wird in den unteren Teilen mit Mauerwerk, in den oberen mit Eternit ausgefüllt, die Decke wird aus Bimsbeton hergestellt. Bis zum Januar 1936 soll die Halle im Rohbau beendet fein. Wie Zwerge stehen neben der Luftschiffhalle, schon fast beendet, ein Bürogebäude, ein Werkstättengebäude und, erst in den Anfängen ein Kompressorhaus. Die Errichtung einer Gasanstalt wie in Friedrichshafen erübrigt sich, da das zur Füllung des Luftschiffes erforderliche Wasserstoffgas in einer 8,5 Kilometer langen Rohrleitung von den Werken der IG. F a r • beninbuftrie in Höchst bis auf den Flugplatz geleitet wird. 340 große Stahlflafchen werden im Kompressorhaus den Wasserstoff aufspeichern. Zwei Kompressoren sind aufgestellt, die das Gas verdichten und direkt in das Luftschiff befördern. Längs der Reichsautobahn wird eine breite 23 er» bindungsstraße vom Flughafen zum Luftschiffhafen führen. Daneben sind bereits die Arbeiten in Angriff genommen für zwei weitere Zufahrtstraßen. Von besonderer Bedeutung aber ist es, daß der Weltflughafen eine besondere Zufahrt zur Reichsautobahn erhalten wird, die so angelegt ist, daß sie ohne Kreuzung nach beiden Seiten direkt in die Reichsautobahn einmündet. Die ganze Anlage soll im kommenden Jahre in Betrieb genommen werden. Wirtschaftshochschule Berlin. Berlin, 11. Nov (DNB.) Gemäß Beschluß des Preußischen Staatsministeriums wird die bisherige Handelshochschule Berlin zu einer Wirtschaftshochschule erweitert. Die Handelshochschule wird damit zum Kern der gesamten wirtfchaftswissenschastlichen Ausbildung in der Reichshauptstadt gemacht. Diese Tatsache soll eine Gewähr für die enge Verbindung von Forschung und Lehre mit der Praxis bieten. Die Verbindung der Wirtschaftswissenschaft mit der Gefamtwisienschaft wird dadurch weiter gewährleistet, daß die Volkswirtschaftslehre an der Wirt- schaftshochschule ausschließlich von der wirtschafts- wissenschaftlichen Abteilung der neu zu bildenden Rechts- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät an der Unioerfität Berlin wayrgenommen wird. Eine wesentliche Verstärkung b-r hauptamtlichen Lehrstuhle für Volkswirtschaftslehre unb Betriebs- wirtschcrftslehre, sowie eine sorgsame Heranziehung oon Praktikern burch Lehraufträge ist dazu bestimmt, allen Anforderungen sowohl ber wirtschaftspolitischen wie ber kaufmännischen Ausbilbung Rechnung zu tragen. Hanb in Hanb bannt wirb eine Neugestaltung unb ein Ausbau ber Forschung unter einheitlicher Leitung vor sich gehen. Die Stubierenben ber Volkswirtschaftslehre wer- ben wie bisher ausschließlich an ber Universität, die Stubierenben ber kaufmännischen Disziplinen ausschließlich an ber Wirtschaftshochschule immafrifu- hert. Die Immatrikulation berechtigt bazu, an bei ben Hochschulen Vorlesungen zu belegen. Für die Prüfung ber Diplom-Voftswirte ber Diplom-Kaufleute unb ber Diplom-Hanbelslehrer wirb ein einheitliches Prüfungsamt errichtet. Es ist ferner beabsichtigt, bie Wirtschaftshochschule in weitem Umfang ber wirtschaftswissenschaftlichen Weiterbilbung anberer Berufe (Referenbare, Assessoren, Beamte der Verwaltung u. cl) dienstbar zu machen. Zum Gemesterbeginn. Reichsminister Rust fordert zur allgemeinen Teilnahme am studentischen Leistungskampf auf. Berlin, 11. Nov. (DNB.) Reichsminister Rust hat an die deutschen Studenten folgenden Aufruf gerichtet: „Zu Beginn des neuen Semesters richte ich an alle Studenten den dringenden Appell, den in diesem Semester zum ersten Male stattfindenden Reichsleistungskampf der Deutschen Stu- dentenfchaft durch freudige und rege Teilnahme zu einem vollen Erfolg zu führen. Die deutsche Jugend beweist durch ihre Teilnahme an dem Reichsberufswettkampf, daß sie bereit ist, gemeinsam mit dem deutschen Arbeiter der Faust im Kampfe um Deutschlands Aufstieg Höchst- leistungen zu vollbringen. Es ist eine Ehrenpflicht für die akademische Jugend, die ihr gestellten Aufgaben zu meistern. Jeder Student beweist durch Teilnahme am Reichsleistungskampf seinen Willen zur Mitarbeit am Aufstieg des nationalsozialistischen Staates." Das erste Kameradschastshaus der HI. Göttingen, 11. Roo. (DRB.) Hier wurde das erste Kameradschaftshaus der HI., das nach Auflösung der Korporationen entstanden ist, ge- wecht. Bannführer Heintz mann eröffnete die Wechestunde mit dem Hinweis darauf, daß die HI. mit der Errichtung dieses Mannschaftshauses für das Streben nach wahrer Volksgemeinschaft ein leuchtendes Vorbild gebe. Der Führer der Studenten, Bieckelmann, dem das Heim bisher unterstand, zeichnete in seinen Worten den Lebensstil, mit dem die junge studierende Mannschaft gegenüber den veralteten Korporationsidealen die Hochschule für sich erobern wolle und der in diesem Heim seine vollkommene Verwirklichung finden solle. Gebietsführer B l o m q u i st übernahm das Heim sodann für die HI. mit dem Hinweis darauf, daß noch viel Arbeit zu leisten sei, ehe das große Ziel erreicht sei, auf der Hochschule die wirklichen Führer des Volkes heranbilden zu können. Deshalb müsse das Kameradschaftsheim eine lebendige Zelle sein, in der die studierenden HJ.-Kameraden mit den jungen Arbeitern der HI. politisch und weltanschaulich ausgerichtet würden. Prozeßbeginn gegen den Bischof von Meißen. Berlin, 11. Roo. (DRB.) Am kommenden Donnerstag, dem 14. dieses Monats, beginnt vor der IV. Großen Strafkammer des Berliner Landgerichts der Prozeß gegen den 53jährigen Bischof von Meißen, Peter Legge, wegen Devisenver- gehens. Zusammen mit dem Bischof hat sich sein Bruder, der 46jährige Generalsekretär Dr. Theodor Legge aus Paderborn sowie der 47jährige Generalvikar Domherr Prof. Dr. Wilh. S o p p a zu verantworten. Wegen Begünstigung des Angeklagten Dr. Theodor Legge stehen ferner die 25 Jahre ölte Auguste Klein aus Paderborn und der 39- jährige Generalsekretär Wilhelm Freckmann aus Paderborn unter Anklage. Meine politische Nachrichten. Für die Kaiserlich Japanische Botschaft legte in München der stellvertretende Botschafter, Geschäftsträger Dr. I n o u 6, an einem der beiden Ehrentempel am Königsplatz einen Lorbeerkranz mit Widmung der Botschaft nieder. Der Sicherheitsdirektor von Steiermark, ein Oberst tschechischer Abstammung namens Zelburg (er hieß früher Sivni), hat alle 17 Jugend gruppen des Deutschen Schulvereins Südmark a u f g e l ö st und verboten, da bei der im Mai in Graz durchgeführten Spendensammlung für den Deutschen Schulverein nicht alle Sammler das hierfür behördlich vorgeschriebene Abzeichen der Vaterländischen Front getragen hätten. In Anwesenheit des Prinzregenten Paul, des gesamten Kabinetts und zahlreicher Mitglieder des Diplomatischen Korps, darunter des deutschen Ge- sondten von Heeren wurde die noch auf Reparationskonto erbaute g r o ß.e Donaubrücke in Belgrad dem Verkehr übergeben. Kunst und Wissenschaft. Oer Führer bei der Trauerfeier für Frau Förster-Nietzsche. Der Führer und Reichskanzler nahm mit seiner Begleitung im Nietzsche-Archiv zu Weimar an der Trauer feier für die im 90. Lebensjahr verstorbene Schwester des Philosophen Friedrich Nietzsche, Frau Dr. h. c. Förster-Nietzsche, teil. Unter den Trauergästen bemerkte man auch den Reichsjugendführer Baldur von Schirach und Frau Winifred Wagner. Die Reihe der Gedächtnisreden eröffnete Staatsminister a. D. Dr. Leutheußer, der als Vorsitzender der Stiftung „Nietzsche-Archiv" die Ver- oienste der Verstorbenen um die Wahrung des Geisteserbes ihres großen Bruders hervorhob. Dann sprach im Namen der Angehörigen Professor Dr. Adalbert Oehler, der u. a. den Führer bat, das Nietzsche-Archiv, das seine Gründerin verloren habe, unter seinen besonderen Schutz zu nehmen. Der Rektor der Universität Jena, Professor Meyer- Erlach, gedachte der wissenschaftlichen Verdienste von Frau Förster-Nietzsche, die Ehrendoktorin der Philosophischen Fakultät Jenas war. Im Namen der Reichsregierung und der Bewegung sprach Reichsstatthalter und Gauleiter ©nudel Mit tiefster Verehrung und Bewunderung habe der Führer immer wieder von dieser einzigartigen, edlen und großen deutschen Frau gesprochen. Das nationalsozialistische Deutschland werde das gewaltige geistige Erbe des großen Philosophen für alle Zeiten schützen und sich zu ihm bekennen. Nach Beendigung der Trauerfeier legte der Führe r persönlich einen wundervollen Lorbeerkranz mit Chrysanthemen am Sarge der Entschlafenen nieder. Weitere Kränze wurden von Reichsstatthalter S a u ck e l und im Namen der deutschen Juaend von Reichsjugendführer Baldur von ^chirach niedergelegt. Landesstellenleiter Brüsten uderbrachte eine Kranzspende im Namen von Reichsminister Dr. Goebbels, ferner wurden Kränze im Namen von Reichsminister Dr. Frick sowie von der thüringischen Staatsregierung und den Staatsministerien niedergelegt. Studentisches Schulungslager auf der Dachenburg. Auf der Wachenburg bei Weinheim wird ein Schulungslager eingerichtet werden, wo in den Oster- und Sommerferien Schulungskurse des Nationalsozialistischen Studentenbundes stattfinden. Nach der Auflösung des Weinheimer SC. und der Liquidation des Weinheimer AH.-Verbandes geht die Burg auf Grund eines im Jahre 1912 abgeschlossenen Vertrages in den Besitz der Stadt Weinheim über. Es fand eine Besprechung des Hochschulreferenten der NSDAP., Reichsärzteführer Wagner, und des Reichsstudentenführers D e - r i ch s w e i l e r mit Oberbürgermeister Hügel statt. Danach wird im Fucbsenkeller eine Sporthalle eingerichtet. Ein Unterkunstshaus in der Nähe der Burg für die Kursteilnehmer läßt der sich auflösende Weinheimer AH.-Verband erstellen. Die Wachenburg, deren baulicher Zustand keine Veränderung erfahren wird, bleibt das ganze Jahr über der Oeffentlichkeit zugänglich. Um die Schachwelkmeisierschafl. Im Schachwettkampf um die Weltmeisterschaft zwischen Aljechin und Euwe endete die 17. Partie mit Remis. Der Stand des Wettkampfes ist: Aljechin 6, Euwe 5, remis 6. Postflugzeug Marseille—Barcelona abgestürzk. Das französische Postflugzeug Marseille—Barce» lona ist in der Nähe von Jstres abgestürzt. Dis dreiköpfige Besatzung wurde getötet. Die Maschine ist völlig zertrümmert. Zwei Todesopfer eines Autounglücks. Auf der Chaussee Schneidemühl—Großwittenberg ereignete sich ein schweres Kraftwagenunglück, bei dem zwei Personen getötet und eine Frau schwer verletzt wurden. Dor einem aus Richtung Schneidemühl kommenden Personenkraftwagen fuhr ein Radfahrer, der, ohne ein Zeichen zu geben, nach links in einen Feldweg einbiegen wollte. Trotz starken Bremsens konnte der Kraftwagenführer einen Zusammenstoß nicht vermeiden. Der Radfahrer wurde auf die Straße geschleudert und war auf der Stelle tot. Der Kraftwagen kam von der Fahrstraße ab und prallte mit Wucht gegen einen Baum. Der Fahrer, ein Architekt aus Schneidemühl, wurde sofort getötet, seine Ehefrau, die neben ihm saß, wurde mit einem schweren Schädelbruch in hoffnungslosem Zustand in das Schneidemühler Krankenhaus eingeliefert. Der Tote im Auto. Der König und die Monarchisten. Schwierigkeiten der innerpolitischen Lage Griechenlands. Von unserem ständigen C.R.-Äerichterstatier. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Athen, 7. November 1935. König Georg II. von Griechenland, der durch eine fast einmütige Aeußerung des griechischen Volkes wieder aus seinen Thron zurückkehrt, den er auf Grund eines gefälschten Volksentscheides vom 13. April 1924 verlassen mußte, findet bei seiner Ankunft in Athen sicherlich keine leichte innerpolitische Lage vor. Zwar sind die republikanischen und veniselistischen Politiker jetzt von der Innenpolitik a u s g e s ch a l - tet; es besteht eine zum größten Prozentsatz aus fanatischen R o y a l i st e n bestehende Nationalversammlung, und die drei politischen Hauptchefs, die jetzt für die Uebernahme der Regierung in Frage kommen, sind alles eifrige Mitarbeiter an der Wiederherstellung des Königstumes gewesen. Aber darin liegt eben auch gerade die Schwierigkeit. In der Hauptsache wird die nächste Zukunft wohl ein heftiges Duell zwischen Ts al- d a r i s und Kondylis bringen. Tsaldaris verfügt über die parlamentarische, Kondylis über die wirkliche Macht. Und, wie die Dinge heute stehen, hat Kondylis alle Wahrscheinlichkeiten auf seiner Seite, aus diesem Duell als Sieger hervorzugehen. Tsaldaris, ein äußerst liebenswürdiger und mit glänzenden Eigenschaften begabter Staatsmann, aufrichtig, ehrlich und in jeder Beziehung ernst zu nehmen, steht für heutige Zeiten viel zu tief mit seinen Gedanken und Ideen in der parlamentarischen Regierungsform, die heute auch für Griechenland als längst veraltet bezeichnet werden kann, zumindestens in der Form, wie sie noch im Augenblicke besteht. Tsaldaris ist die klassische und wohl auch die geeignetste Persönlichkeit für den Parlamentarismus. Aber ihm fehlen Entschlußkraft und eiserne Energie. Er liebt es, den Dingen freien Lauf zu lassen in der Hoffnung, daß sich die Angelegenheiten „von allein" regeln. Das Gegenteil hiervon ist der Regent und jetzige Ministerpräsident Kondylis. Ein echter „Wallensteiner", an die Führung der Waffe gewöhnt, der das Gehorchen und Befehlen gelernt hat, und dem langer Redeschwall und Zeitverluste für politische Auseinandersetzungen zuwider sind. Er kümmert sich wenig um seine Gegner. Sind sie ihm für feine Zwecke im Wege, dann weiß er sich ihrer zu entledigen. Tsaldaris möchte die bestehende Nationalversammlung beibehalten und appelliert an den König und die Verfassung, wonach der König bei seiner Rückkehr demjenigen Parteichef, der das Vertrauen der Kammer genießt, mit der Regierungsbildung betrauen müsse. General Kondylis ist dagegen für sofortige Auflösung der National-Versammlung und hofft, vom König mit der Weiterführung der Regierungsgeschäfte betraut zu werden. Beide Wünsche sind erklärlich. Kondylis verfügt nur über wenige Abgeordnete, Tsaldaris dagegen beinahe über alle. Dagegen wendet Kondylis ein, daß sich die Auffassung des Volkes Aus alli geändert habe und daß er heute das Vertrauen des Volkes, wie sich das bei Volksversammlungen und beim Äolksentscheid gezeigt habe, besitze. Jedenfalls stelle die Nationalversammlung heute nur noch eine sehr einseitige und überholte Vertretung des Volkes dar. Das seien Gründe genug, vom Könige die Auflösung und schnellste Neuwahlen, die schon im Dezember stattfinden sollen, zu verlangen. Kondylis will die Stimmung, die durch den Volksentscheid im Volke zu seinen Gunsten sich gewendet hat, noch schnell ausnutzen, bevor sie verraucht oder durch andere für andere Zwecke ausgebeutet wird. General Metaxas, der dritte im Bunde der Monarchisten und der Urheber der Staats- f o r m f r a g e, der somit eigentlich der wirkliche Wegbereiter der Wiedereinsetzung der Monarchie ist, hält sich im Hintergründe und dürfte eher zu einer Verständigung mit Tsaldaris als mit Kondylis bereit fein. Die parlamentarischen Kreise würden eine Koalitionsregierung begrüßen, doch stößt die Verwirklichung dieser Idee auf große Schwierigkeiten, da in diesem Falle ein „neutraler" Ministerpräsident ernannt werden müßte. Selbst wenn sich dieser finden ließe, so ist kaum anzunehmen, daß General Kondylis, der ja heute die gesamte Macht in feinen Händen hat, sich diese so ohne ro eiter es wird entwinden lassen. So findet sich der König vor einer wenig beneidenswerten Lage. Tsaldaris steht wegen des Verhaltens des Generals am 10. Oktober, dem Tage des Sturzes der Regierung, in scharfer Opposition zu Kondylis und pocht auf die Verfassung, nach der er der rechtmäßige griechische Ministerpräsident zu fein hätte. Kondylis behauptet, daß die Verfassung dem Könige das volle Recht einräume, die „einseitige" Nationalversammlung aufzulösen. Dieser Auffassung tritt auch General Metaxas bei, der auch kein großes Interesse an der Nationalversammlung hat, in der er mit nur fünf Abgeordneten vertreten ist, ohne daß er deswegen aber zu Kondylis hält. Nach den heutigen Voraussetzungen dürfte die Auffassung des Herrn Kondylis obsiegen und die von ihm gewünschte Auflösung vollzogen werden. Damit würde bei den Neuwahlen Kondylis mit einer neuen Partei, der „ Nationalen Vereinigung", vor das Volk treten und wahrscheinlich auf Kosten der Volkspartei des Herrn Tsaldaris Geschäfte machen. Jedenfalls kann die Volkspartei nicht mehr auf einen solchen Erfolg wie einst rechnen. Die republikanischen Führer werden voraussichtlich, und solange die nach ihrer Auffassung bestehenden „Unfreiheiten" vorhanden sind, die Politik nur als Zuschauer mitmachen. Die alten Gegensätze zwischen Veniselisten und Monarchisten sind für diesen Augenblick ausgeschaltet. Dagegen tauchen als neue auf diejenigen zwischen Kondylis und Tsaldaris, und es ist interessant zu verfolgen, wie der König diese Gegensätze überbrücken wird. ?r Welt. Schwarzwild im Schiffenberger Wald Bei einer gestern vom Forstamt Schiffenberg im Schiffenberger Wald abgehaltenen Treibjagd wurde eine offenbar auf der Durchreise befindliche Rotte von sieben Stück Schwarzwild angetroffen. Zwei davon kamen zur Strecke, eines durch Herrn Dberforftmeifter Lipp (Gießen), eines durch Herrn Wilhelm W a l d f ch m i d t (Leihgestern). Ein neues Klein-Flugzeug geschaffen. Aus dem Mannheimer Flugplatz führte der schon vor dem Kriege bekannte Pionier der Luftfahrt, Dr. Hübner (Mosbach), ein neues Klein-Flugzeug vor, das durch feine Flugeigenschaften geeignet erscheint, den jungen Segelfliegern den lieber« gang zur Motorfliegerei zu erleichtern. Abgesehen von den hohen Kosten einer Motorflugschulung, die bei dem neuen Klein-Flugzeug ganz gering sind, gewinnt in der leichten Maschine, die ja alle Eigenschaften einer Segelmaschine hat, der junge Flieger viel leichter das Vertrauen in die Motormaschine. Der Motorsegler von Dr. Hübner ist als Doppeldecker gebaut und besitzt eine Spannweite von nur zehn Meter. Zum Antrieb dient ein 16-?8-Zweitakt- motor, welcher der Maschine eine Fluggeschwindigkeit von 50 bis 70 Stundenkilometer verleiht. Der Brennstoffverbrauch pro Flugstunde beträgt nur sieben Liter. Der 16jährige als Segelflieger ausgebildete Sohn Dr. Hübners flog die Maschine auf dem Mannheimer Flugplatz vor und zeigte hierbei deren hervorragende Flugeigenschaften. Britischer Frachtdampfer bei den Philippinen gescheitert. Der britische Frachtdampfer „Silverhazel" (3091 Tonnen) strandete auf der Fahrt von San Franzisko nach Manila an einem Felsen der be- rüchtigten San Bernardino-Straße an der Süd- Küste der Insel Luzon und brach auseinander. Die Heckhälfte ist bereits gesunken. An Bord befanden sich 45 Mann und 5 Fahrgäste. Sie retteten sich auf einen kleinen Felsen. Mehrere Dampfer sind zur Hilfeleistung eingetroffen. Die Uebernahme der Gestrandeten war jedoch wegen der Gewalt der Strömung bis her unmöglich. Aus Manila wurde ein amerikanischer Zerstörer abgesandt. Eine unmittelbare Gefahr für die Schiffbrüchigen soll nicht bestehen. Türkischer Küstendampfer gesunken. 79 Menschen ertrunken. Aus Smyrna wird gemeldet, daß der türkische Dampfer „3nebohT beim Einlaufen in den Hafen von Smyrna gesunken ist. Von 190 Personen sollen nur 111 gerettet worden sein. 79 Personell sind ertrunken oder werden zur Stunde noch vermißt. Die „3nebolu“ ist ein kleines altes Schiff von etwa 1000 Tonnen, das dem türkischen Küstenverkehr dient. Das Schiff gehört der staatlichen türkischen Schiffahrtsgesellschaft. Rach noch unbestätigten Nachrichten soll sich das Anglück ereig- not haben, als der Dampfer bei schwerem Seegang die enge Einfahrt zum Hafen gewinnen wollte. Vom Hafendienst und von den im Hafen liegenden Schiffen wurde sofortige Hilfe gesandt. 3edoch vollzog sich die Katastrophe mit großer Schnelligkeit. Auf dem vollbesetzten Schiss brach eine Panik aus. Die Reisenden hatten sich bereits zur Ankunft in Smyrna gerüstet und drängten sich auf Deck und in den Gängen mit ihrem zahlreichen Gepäck zusammen. Weitere Einzelheiten liegen in 3stanbul noch nicht vor. In Kassel fuhr dieser Tage vor dem Karlshospital ein Personenkraftwagen vor, dessen vier Insassen dem Aufsichtsbeamten erklärten, sie wollten einen Betrunkenen einliefern. Im Haus stellte sich dann aber heraus, daß der angeblich Betrunkene keinerlei Lebenszeichen mehr von sich gab. Durch den Arzt konnte nur noch der Tod festgestellt werden. Die vier Männer, die aus Helsen in Waldeck stammen und • n Kassel einen vergnügten Abend verbringen wollten, gaben an, den Eingelieferten auf der Straße zwischen Obervellmar und Niedervellmar aufgefunden zu haben. Der Tote trug keinerlei Papiere bei sich. Von der Kriminalpolizei wurden die Ermittlungen sofort ausgenommen. 2Uif dem Auto gegen einen Baum. — Zwei Tote, drei Schwerverletzte. Im Mannheimer Stadtteil Feudenheim fuhr ein Personenkraftwagen aus noch nicht geklärter Ursache gegen einen Baum der Feudenheimer Allee. Der Fahrer, ein 18 Jahre alter Autoschlosser aus Mannheim, wurde herausgeschleudert und blieb t o t liegen. Ein neben ihm sitzender junger Mann wurde bei dem Anprall am Kopf so schwer verletzt, daß der T o d alsbald eintrat. Drei hinten im Wagen sitzende Mädchen erlitten schwere Verletzungen und mußten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die gerichtliche Untersuchung ist eingeleitet. Schwerer Betriebsunfall in Osnabrück. In den Osnabrücker Kloeckner-Werken ereignete sich ein schwerer Betriebsunfall, dem zwei Menschenleben zum Opfer fielen. Zwei Maler waren mit dem Anstreichen einer Krananlage beschäftigt. Dabei haben die beiden wahrscheinlich einen herannahenden Kran nicht bemerkt und wurden von diesem ü b e r f a h r e n. Die Verletzungen der Arbeiter waren so schwer, daß sie kurze Zeit nach dem Unfall starben. Das Holzscheit mit der Pulverladung. Ein älterer Einwohner aus dem Eifeldorf Huntheim hatte aus Groll darüber, daß feine Nachbarn in einer Gerichtsverhandlung belastende Aussagen gegen ihn gemacht hatten, zwei Stücke Buchenscheitholz angebohrt, in jedes Bohrloch 50 Gramm Schwarzpulver geschüttet und das Holz dann auf den Holzstoß der Nachbarsfamilie gelegt. Die mit Pulver geladenen Stücke Brennholz tarnen dann später in dem Küchenherd zur Explosion, wobei jedoch glücklicherweise niemand ernstlich verletzt wurde. Nunmehr hatte sich der Uebeltäter wegen Verbrechens gegen das Sprengstoffgesetz zu verantworten. Während der Staatsanwalt auf drei Jahre Zuchthaus und zwei Jahre Ehrverlust plädierte, beurteilte das Gericht den Fall etwas milder und verhängte gegen den Angeklagten eine Strafe von IVs Jahre Zuchthaus. Immer wieder Devisenschiebungen in Briesen. Die Postüberwachungsstelle in Frankfurt a. M. hat in den letzten Tagen wiederum eine ganze Reihe von Briefen, in denen unerlaubter Weise Geld nach dem Ausland verschoben werden sollte, angehalten und beschlagnahmt. Es ist bezeichnend für diese Volksschädlinge, daß sie trotz aller Warnungen stets von neuem versuchen, auf diese Weise dem deutschen Volke Geld zu entziehen und sich zu bereichern. Die Namen der in Paris, London, Amsterdam, Brüssel, Barcelona, Lissabon, Wien, Lima, Prag, Mailand, Eindhoven (Holland) und Marokko sitzenden Empfänger lassen keinen Zweifel über die Rassezugehörigkeit der Absender. Insgesamt wurden in 14 Briefen und in einer Drucksache in den letzten Tagen 590 Mark in deutschem Gelde in Scheinen von 20 bis 100 Mark — in der Drucksache befanden sich 100 Mark —, 300 tschechische Kronen und 1 Pfund Sterling gefunden und zu Gunsten des Reiches für verfallen erklärt. Soweit eine Feststellung der Absender möglich ist, erfolgt natürlich außerdem noch ihre Bestrafung wegen Vergehens gegen die Devisengesetzgebung. Zuchthausstrafen für bulgarische Registermark-Schieberinnen. Das Berliner Schnellschöffengericht verurteilte zwei Registermarkschieberinnen, die bulgarische Staatsangehörige Michailowa zu 3 Jahren Zuchthaus und 9000 Mk. Geldstrafe und ihre Tochter Dimitrova M a t o v a zu 2V2 Jahren Zuchthaus und 6000 Mark Geldstrafe. In fünf Monaten haben die beiden mit Hilfe gefälschter Pässe 17 000 Mark auf Registermarkfchecks abgehoben. Zweifellos ist der größte Teil dieser Summe durch mehrere Hintermänner über die Grenze ins Ausland verschoben worden. Ein Helfershelfer, ein Bulgare, der mit der Angeklagten Michailowa in wilder Ehe lebte, konnte ins Ausland flüchten. Vor Gericht kamen die beiden angeklagten Frauen mit den für Registermarkschieber üblichen Ausreden. Während die Mutter angeblich deutsche Aerzte in Anspruch nehmen wollte, begründete die Tochter ihre Uebersiedlung nach Berlin mit der Ausflucht, daß sie hier studieren — und ihren Stil als Schwimmerin verbessern wollte. 69 Es ist ja heute so leicht gemacht. Die Osram-^-Lampen geben, je nach Größt bis 20% mehr Licht. Erhältlich in den Elektro - Fachgeschäften besseresv X Deutsche wagen auf der Mailänder Automobilausstellung. In Anwesenheit des italienischen Derkehrsmini- sters Benni und der Vertreter der Behörden wurde in Mailand die 8. Italienische A u t o - mobilausstelluna feierlich eröffnet. Die Schau zeigt u. a. auch Wagen der deutschen Firmen Auto-Union und Mercedes-Benz. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer am 1. November. Die Gesamtzahl der Rundfunkteilnehmer im Deutschen Reich betrug am 1. November 6 816 5 0 9 gegenüber 6 651 924 am 1. Oktober. Im Laufe des Monats Oktober ist mithin eine Zunahme von 164 585 Teilnehmern (2,47 v. Sy) eingetreten. Unter der Gesamtzahl vom 1. November befanden sich 472163 gebührenfreie Anlagen. Drei Arbeiter vom Zuge überfahren und getötet. Zwischen den Bahnhöfen Roßla-Berga-Kelbra hat sich ein bedauerlicher Unglücksfall zugetragen. Drei Arbeiter aus Rohla, die im Auftrage einer Roßlaer Baugesellschaft Arbeiten auf dem Bahnkörper ausführten, wurden von einem durchfahrenden Güterzug überfahren und getötet. Es herrschte starker Nebel. Die Untersuchung ist einge- leitet. Neues für dei — Altes und Neues zur Geschichte der hessischen Landgängerei. Zusammengestellt von Georg B i n g e l. Sonderdruck aus dem Oberhessischen Anzeiger, Friedberg. Druck und Verlag von Earl Bindernagel, Friedberg (Hessen). — (376) — Die 60 Seiten umfassende, kleine Schrift behandelt ein ebenso merkwürdiges wie trauriges Kapitel der hessischen Kultur- und Sozialgeschichte; die sogenannte Landgängerei und der Fliegenwedelhandel hat besonders in den Dörfern der Wetterau eine nicht unbeträchtliche Rolle gespielt. Bingel gibt in seiner Zusammenstellung eine lesenswerte lieber» sicht über die Quellen und führt, was besonders aufschlußreich ist, auch zeitgenössische Darsteller und Beurteiler an. Ein Nachtrag befaßt sich u. a. mit dem Einschreiten der hessischen Behörden gegen die Landgängerei. Wer sich eingehender mit dem Stoff zu befassen wünscht, findet am Schluß die notwendiger: Literaturangaben. — Konrad Schünemann: Oesterreichs B e v ö l k e r u n g s p o l i t i k unter Maria Theresia. Erschienen in den Veröffentlichungen des Instituts für Erforschung des deutschen Volkstums im Süden und Südosten in München und des Instituts für ostbayerische Heimatforschung in Passau. Herausgegeben von Professor Karl Alexander v. Müller und Professor Dr. Heuwieser. 379 Seiten. Kartoniert 5 Mark. Verlag Deutsche Rundschau G. m. b. H., Berlin. — (412) — Das vorliegende Werk des Professors an der Berliner Universität Dr. Konrad Schünemann bearbeitet die deutsche Bevölkerungsgeschichte des 18. Jahrhunderts in einem ihrer wesentlichsten Abschnitte auf der Grundlage eines umfangreichen Archivmaterials. Die österreichische Beo'ölkerungspolitik dieser Zeit hat fast den ganzen Volksboden des Mutterlandes auch außerhalb der Monarchie in ihren Bereich gezogen und darüber hinaus die Grundlagen der Volkstumsverteilung im außerdeutschen Südosten geschaffen. Die sichtbare Frucht dieser Bevölkerungspolitik sind die deutschen Sprachinseln in den heutigen Staaten Rumänien, Jugoslawien und Ungarn. Soweit in diesen Staaten Maßnahmen, die gegen die Rechte der deutschen Minderheiten verstoßen, historisch begründet werden sollen, pflegt man sich daraus zu berufen, daß die Deutschen als Gäste auf Kosten des Wirtsoolks zu ihrem Besitz gekommen seien und darum keine historischen Rechte dem Staatsoolk gegenüber in Anspruch nehmen dürften. Demgegenüber ergibt sich quellenmäßig aus dem Charakter der Ansiedlungen, daß die Kolonisten überwiegend auf bisher nicht oder kaum genutztem Neuland angefetzt wurden und in ihren Dörfern das Recht der Priorität beanspruchen kön- Aünf Frauen bei einem nächtlichen Vrand ums Leben gekommen. In dem Wohnhaus des Arztes Franklin in London brach nachts ein Feuer aus, das erst bemerkt wurde, als bereits das ganze Haus in Flammen stand. Die Feuerwehr konnte die fünf weiblichen Bewohner des Hauses nur noch als Leichen bergen. Es handelt sich um die Ehefrau und die Nichte des Arztes sowie um drei weibliche Dienstboten. Dr. Franklin selbst weilte zum Wochenende außerhalb der Stadt. Schwere Gasexplosion in einer englischen Stadl. Eine schwere unterirdische Gasexplosion erschütterte das englische Städtchen Oldham (Lonca- shire). Die Hauptstraße wurde auf eine Länge von 200 Meter aufgerissen. Schwere Kanaldeckel und Steinplatten flogen in die Luft und zertrümmerten im Fluge über 50 Schaufenster. Diele Passanten, die sich in der Hauptstraße befanden, wurden durch die Gewalt der Explosion zu Boden geschleudert. Elf Personen wurden schwer, und vierzig leicht verletzt. Lin Mörder hingerichtet. Wilhelm N e u b a u e r, der vor einigen Tagen in Graz eine alte Frau ermordet hatte und bald darauf verhaftet werden konnte, wurde von einem Standgericht in Graz zum Tode verurteilt und drei Stunden später durch den Strang hinge r i ch t e t. i Bücheriisch. nen. Vor allem aber wurde die deutsche Kolonisation mit Menschen durchgeführt, die der Absolutismus aus untervölkerten Gebieten herausholte, die sich mangels einer machtvollen staatlichen Organisation nicht dagegen wehren konnten. Das Archivmaterial erlaubt es, die Maßnahmen des there- stanischen Regimes von ihren ersten Quellen durch alle Stadien ihres Werdedangs bis zur Durchführung zu verfolgen. Es fällt vielfach neues Licht auf viele Einzelheiten der gesamteuropäischen Geschichte. Die deutsche Sozialgeschichte, besonders die Lage des Bauerntums, die Wirtschafts- und Derkehrsgefchichte werden durch zahlreiche bisher unbekannte Einzelheiten bereichert. — Prof. D r. Jens Jessen. „Volk und W i r t f ch a f t". (Sammlung: Grundzüge der Rechtsund Wirtschaftswiffenschaft.) Preis kart. 4,50 Mk., Leinen 5,50 Mark. Hansecnifche Verlagsanstalt, Hamburg. — (375.) — Mit dem vorliegenden Werk beginnt der Verlag die Herausgabe einer Sammlung „Grundzüge der Rechts- und Wirtschaftswissenschaft", die an die Themen der neuen Studienordnung anschließen wird. Das Werk von Jessen stellt eine Einführung in das völkische und wirtschaftliche Leben der Gegenwart dar. Im ersten Abschnitt behandelt der Verfasser Kirche und Lebensordnung im Mittelalter. Im zweiten Abschnitt behandelt er Mensch und Wirtschaft bis zum Aufgang des Liberalismus, um sich im dritten Abschnitt dann der Stellung der völkischen Wirtschaft innerhalb des Nationalsozialismus zuzuwenden. Der vierte Abschnitt ist den Einzelfragen gewidmet. Hier werden Landwirtschaft, Handwerk und Gewerbe, Arbeit und Außenwirtschaft behandelt. Der Grundriß wird abgeschlossen mit zwei weiteren Kapiteln; in einem wird die Staatswissenschaft betrachtet und in dem letzten der italienische Faschismus mit feiner Wirtschaftsform aufgezeigt. Zahlreiche Schaubilder vervollständigen die Ausführungen des Verfassers. Unser Wirtschaftsleben erfährt hier vom nationalsozialistischen Standpunkt aus eine tiefgreifende und umfassende Darstellung. — Hans Richter: Reeder Badong. Roman. Geh. 2,70 Mark, Ganzleinen 4 Mark. 255 Seiten. Verlag Scherl, Berlin SW 68, 1935. — (429) — Dieser Roman atmet die Atmosphäre der Nordseestädte. Die Geschichte der alten angesehenen Reederfamilie Badong und die ihrer Schiffe ist eng miteinander verknüpft. Von Emden aus gehen die Schiffe in die weite Welt — seit Generationen tragen sie die Namen der Reederfrauen. Die „Ba- dongschen Weiberschiffe", wie sie überall genannt werden, hatten schon immer ihren guten Ruf. Der Frachkdampfer „Anna Badong" ist der letzte Neubau. Die Frau des jetzigen Reeders, die diesem Schiff den Namen gab, ist lange tot — Reemt Badong steht allein in der Welt, Unruhe steckt ihm im Blut, aber er tut seine Pflicht, er weiß, welche Aufgabe das Schicksal ihm, dem Träger eines alten Namens, gestellt hat. Die „Anna Badong" geht auf Borkum-Riff unter, und während das neue Schiff gebaut wird, entscheidet sich auch das Schicksal des Reeders zugleich mit der Frage, welchen Frauennamen der Neubau tragen wird. — Heroische Jugend, Kampf und Abenteuer. Mit zahlreichen Federzeichnungen. Ganzleinen 3,80 RM. Verlag von Richard Bong, Berlin W 57. — (407) — Das Buch enthält die Le- bensläufe und Schicksale jugendlicher Helden, die schon früh allen Hindernissen einen unbeugsamen Willen entgegenstellten, Lebenshärten und Gefahren gering achteten und selbst den Tod nicht scheuten. Vergangenheit und Gegenwart bieten leuchtende Beispiele in den Jugenderlebnissen von Derfflinger, Seydlitz, Yorck, von der Marwitz, Nettelbeck, Graf Luckner, Herbert Norkus, Kurt Faber, Richard Arndt, Peter Thießen. — Ern st Behrends: Beata. Roman. 159 Seiten. Geb. 3,60 RM. Verlag Eugen Salzer, Heilbronn 1935. — (431) — Dieser Roman wurde angeregt vom Schicksal auslanddeutscher Flüchtlinge, die Behrends in einem norddeutschen Sammellager kennenlernte. Das Zusammentreffen von Kriegsgefangenen mit deutschstämmigen Mennoniten und die Not der Bauern unter der Knute des Bolschewismus ergaben wesentliche Motive der Fabel, deren Schauplätze zwischen Rußland und Deutschland wechseln. Im Mittelpunkt der schlicht erzählten Geschichte steht die deutsch-russische Bäuerin Beata in der sich die edelsten weiblichen Tugenden und Kräfte vereinigen. — Naturärztliche Frauenfibel von Dr. med. Hans Graaz, mit vielen Abb. RM. 1,80, Falken-Verlag, Berlin-Schildow. — (432) — Welche Frau hat nicht eins von den tausend Leiden — Migräne, Verdauungsbeschwerden, Kreuzschmerz, Leioschmerz, chronisch kalte Füße usw. — die ihr die Freude am Leben nehmen? Es brauchte nicht zu sein, ein Leben der, Gesundheit und Freude, damit vollen Lebensglückes könnte jede Frau führen, wenn sie sich über die wichtigsten Funktionen ihres Körpers unterrichtete, über die Gründe ihres Versagens und die naturgemäßen Mittel sicherer Verhütung und Heilung. Dinge, die alle Frauen unbedingt wissen sollten, behandelt der bekannte Naturheilarzt in leicht verständlicher Weise, so u. a.: Psychologie der Frau — der Backfisch — Mutterschaft — Fettsucht — Entfettungskur — Schönheitspflege — Gymnastik — Darmbeschwerden — Frühes Altern — Wechseljahre — Hoher Blutdruck — Der Krebs — Die Frau als Hausärztin — Die Witwe — Wichtige Naturheil- und Hausmittel. Ein inhaltsreiches und wertvolles Buch. — Vater und Sohn. 50 lustige Streiche und Abenteuer, gezeichnet von W. O. Plauen. Kart. 2 Mark. Verlag Ullstein, Berlin, 1935. — (450) — Aus der Berliner Jllustrirten sind die beiden lustigen Gestalten „Vater und Sohn" zahllosen Lesern gute Bekannte geworden: Väter entdecken hier ihre eigenen zärtlichen Gefühle, Frauen erkennen ihre Männer, von der Freude und Zustimmung der Kinder zu schweigen. Nun widmen Vater und Sohu ihren zahllosen Freunden ein Buch, das 50 ihrer schönsten Erlebnisse enthält. Stillvergnügt und frohgemut spielen Vater und Sohn vor sich hin, ohne sich darum zu kümmern, daß Tausende ihrem Spiel zusehen und davon erheitert und gerührt werden. Die beiden verstehen sich aufs Zusammenspiel, sie verstehen sich mit jeder Faser ihres unschuldigen Herzens, halten wie Pech und Schwefel zusammen und sie scheinen uns auf weitläufige Weise mit dem berühmten Adamson verwandt zu sein. — Josef Maria Heinen: Weihnacht der Hirtenmädchen. Ein Spiel kleiner Mädchen zur heiligen Nacht. Beliebig viel Mädchen als Darsteller. Aufführungsdauer 20 Minuten. Ein Buch 90 Pf., neun Rollen je 65 Pf. Theaterverlag Albert Langen/Georg Müller, Berlin. — (394) — Der Aufbau und die echte Kindlichkeit der Sprache, die anspruchlose Art, wie hier die Spielanforderungen gestellt werden, machen die „Weihnacht der Hirtenmädchen" außergewöhnlich geeignet, auch von Kindern im vorschulpflichtigen Alter, dargestellt zu werden. Vor allem aber ist es die echt kindliche unü religiöse Grundhaltung, die hier Hemen so ge- statten ließ, daß alle spielerischen und pädagogische« Anforderungen erfüllt sind. Der Spielvorgang ist mit Feingefühl und Verständnis für die Kinderseeke gefügt. — Walter Hottiger: Die vom Hubel» Hof. Erzählung. Verlag Friedrich Reinhardt in Basel. In elegantem Leinenband 4,40 Mark. —• (364) — Hottiger ist selbst Bauernsohn und deshalb kann er uns Den stattlichen Hof im Bernbiet und das Schicksal seiner Bewohner mit innerer Wahrs Hastigkeit schildern. Der Hubelhofbauer ist ein ehrenwerter, wenn auch etwas selbstherrlicher Mann. Sein und der Bäuerin Fleiß haben den Hubelhof zu einem der stattlichsten Anwesen weit und breit gemacht. Die Bäuerin freilich hat dabei alle Kräfte des Selbes verbraucht und muß sich allmählich zur Erkenntnis durchringen, daß es für sie einen frühen Feierabend geben roirti. Neben dem erlöschenden Leben das aufblühende in Käthi, der Tochter, deren Bild der Verfasser mit spürbarer Liebe gestaltet hat. Auch der Leser freut sich, daß schließlich seines Herzens Wunsch in Efüllung geht, der dem lungert Knecht gilt und nicht, wie der Vater es gern ge» sehen, einem reichen Bauernsohn. Einen Freier der letztem Art, den jungen Halteneggbauern, schildert der Verfasser mit köstlichem Humor. Neben diesen fröhlichen Tönen werden ernste und tiefe angeschlagen, die genau so natürlich erklingen und darum den Leser gefangennehmen. — Das Schauspiel „M arsch d er Vetera» n e n" von Friedrich B e t h g e erschien als sechster Band (1,80 Mark) in der „Billigen Dramenreihe" des Theaterverlags Albert Langen-Georg Müller, Berlin. — (383) — Dieses Drama der soldatischen Gesinnung ist auch als Buch von starker Wirkung: auch hier folgen wir erschüttert dem spannungsgeladenen Geschehen, in dessen Mittelpunkt die prachtvolle Soldatengestalt des Hauptmann Kopejkin steht. Wie dieser einarmige, einbeinige Veteran für Ehrlichkeit und Gerechtigkeit unbeirrbar kämpft und noch im Tod über Undank und Krämergeist siegt, das ist zwingend gestaltet. — „Marsch der Veteranen" ging bereits über zahlreiche Bühnen. So wird Die Buchausgabe überall Freunde finden, und Den Kreis Dieser Freunde Dürfte Die geplante Verfilmung Des Dramas ‘über ganz Deutschland erweitern. Wetterbericht des Reichswelterdienstes. Ausgabeort ^ranffurt Die vom Atlantik ausgehende Wirbeltätigkeit hat sich plötzlich verstärkt. Die heute früh von Schottland über Frankreich bis Biskaya sich erstreckende Regenfront wird unseren Bezirk voraussichtlich in der Nacht zum Mittwoch passieren. Danach wird sich zwar wieder zeitweilig aufheiterndes Wetter durchsetzen, doch bleibt Der Gesamtcharakter Der Witterung wesentlich unbeftänDiger als in Der letzten Zeit. Aussichten für Mittwoch: Nach verbreiteter Regentätigkeit, Die voraussichtlich in Der Nacht zum Mittwoch einsetzt, roieDer mehr veränDerlich bewölkt mit einzelnen NieDerschlägen, bei lebhaften süDwestlichen WinDen frischer. Aussichten für Donnerstag: VeränDer- liche, aber auch unbeftänDige Witterung mit zeitweiligen NieDerschlägen, für Die Jahreszeit mild. Lufttemperaturen am 11. November: mittags 10 GraD Celsius, abenDs 6,9 Grad; am 12. November: morgens 5,7 GraD. Maximum 10,2 GraD, Minimum 1,4 GraD. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 11. November: abends 6,7 Grad; am 12. November: morgens 6,4 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 4 Stunden. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt Der Anzeigen: TheoDor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Mvnatsbezugspreis NM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Gießen (Gnauthstraße 22), Watzenborn-Steinberg, den 12. Nov. 1935. Gießen. 6506 D Die Beerdigung findet Mittwoch, den 13. November, nachmittags 2y2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. 6507 D EiMcnbahn-Fahrbeamten-Verein 6510 V 04874 Großen-Linden (Bahnhofstraße), Gießen, den 12. November 1935. Die Beerdigung findet Mittwoch, 13. Nov., nachm. 3% Uhr statt Die trauernden Hinterbliebenen: Karl Höckel und Kinder nebst allen Angehörigen. Meine Praxis wird bis zu meiner völligen Wiederherstellung von Mittwoch, den 13. November ab durch einen Vertreter in meiner W ohnung verwaltet, woselbst auch die Hausbesuche bestellt und die Sprechstunden wie früher abgehalten werden Unser Vereinsmitglied Zugführer i. R. August Mohr ist gestorben. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 13. d. M., nachm. 3 Uhr, in Londorf statt. Alle dienstfreien Kameraden werden gebeten, sich in Uniform u. mit Vereinsabzeichen z. beteilig. Hinfahrtl3.23 Uhr. Der Führerrat. In tiefer Trauer: Philipp Luh, Obsthändler Familie Wilhelm Magnus Familie Wilhelm Luh. 4 große Räume zu Büro- evtl, auch Wohnzwecken 1-2-Zimni-lohog. mit Küche zum 1. Dezemb. 1935 gesucht. Schrift!. Angeb. u. 04870 an d. Gieß. Anz. Am vergangenen Freitag verschied nach kurzem, schwerem Leiden unser Obermaschinenmeister Herr Heinrich Muth im 52. Lebensjahre. Wir alle, die wir mit dem so früh Entschlafenen in den Universitäts-Kliniken und Instituten gearbeitet haben, stehen in tiefer Trauer an der Bahre dieses wertvollen Mannes, der uns als Mensch und als Arbeitskamerad unvergeßlich bleiben wird. Am Sonntagmittag um 11% Uhr entschlief sanft nach schwerem, mit großer Geduld getragenem Leiden meine innigstgeliebte Frau, unsere herzensgute, treusorgende Mutter, unsere liebe Tochter, Schwiegertochter. Schwester, Schwägerin, Gote und Tante Christine Möckel, geb. Heß im Alter von 51 Jahren. Gestern entschlief sanft nach kurzem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegermutter, Großmutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Christine Luh, geb.Väth im 60. Lebensjahr. | Stellenangebote| Bäckerlehrling gesucht. 04867 K.Trauturann Wieseck. Tüchtig. 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Meine Hunde sind doch keine Dienstboten!" * Der Förster Konrad war arg stolz auf seinen Hühnerhund. „Hühnern steht er stundenlang vor und rührt sich nicht vom Fleck", erzählt er dem Freund. „Das ist auch nicht das Richtige." „Wieso nicht?" „Zur gegebenen Zeit muß ein Hund einspringen." „Niemals!" „Doch", nickte der Freunds „ich ging vor Jahren einmal mit meinem Hund auf die Hühnersuche und plötzlich war der Hund verschwunden. Ich pfeife und rufe. Nichts rührt sich. Nach Stunden gehe ich ärgerlich heim und warte auf den Hund. Es mar vergeblich. Der Hund kam nie zurück. Im nächsten Winter fand ich ihn. Tot. Als Skelett noch stand er vor den Hühnern, die ebenfalls längst tot und nur noch Skelett waren. Keiner hatte sich zu rühren getraut. Sehen Sie also, daß auch ein Hühnerhund nicht zu lange vorstehen darf?" ♦ Geisenschreck geht auf die Virsch. Mit seinem neuen Jagdhund. Rechts läuft ein Hase, links läuft ein Hase. Geisenschreck schient rechts und links. Die Hasen laufen weiter. Rechts fliegt ein Fasan auf, links fliegt ein Fasan auf. Der Jäger schießt rechts und links. Die Fasanen fliegen weiter. So geht das viele Stunden. Verwundert schaut der Hund dem Treiben zu. Endlich wird es ihm zu dumm. Und als wieder ein Hase auftauchte, springt er auf ihn zu, beutelt ihn ab und wirft ihn Geisenschreck vor die Füße. Der kühne Jäger ist hocherfreut. „Schön, mein Hündchen! Brav, mein Hündchen!" Das aber ist dem weidgerechten Hund nun doch zu viel! „Wenn du das noch brav nennst, habe ich hier nichts mehr zu suchen!", schimpfte der Hund, verschwand im Gebüsch und ward nicht mehr gesehen. O doch, es gibt noch verrückte Hunde auf der Welt! Zeitschriften. — „D e r Naturforscher", vereint mit „Natur und Technik". Preis vierteljährlich 2,50 Mark, Einzelheft 1 Mark. Hugo Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde N. Das Novemberheft dieser hervorragenden deutschen Zeitschrift für Naturkunde fällt wiederum durch die reiche Mannigfaltigkeit der Abhandlungen und ihre ausgezeichnete Bebilderung auf. Es ist ein Genuß, die schönen und seltenen Natururkunden auf sich wirken zu lassen, und es bringt wissenschaftlichen Gewinn, sich in den Inhalt der bei aller wissenschaftlichen Gründlichkeit allgemein verständlich gehaltenen Aufsätze zu vertiefen. Der Geologe Dr. Hans Bode hat zu vorzüglichen Naturaufnahmen einen Aufsatz über „Felsen und Klippen" geschrieben. Dr. K. Kuhn berichtet über „Physiologie der menschlichen Eierstöcke". Auf dem Titelbild und in weiteren bemerkenswerten Aufnahmen stellt sich ein seltener Vogel, der einzige in Gefangenschaft gehaltene Abu 'Markub oder „Schuhschnabel" aus dem Berliner Zoo vor, über dessen Lebensgewohnheiten Dr. H. Steinmetz sehr anschaulich erzählt. Wie man jetzt nach einem neuen Verfahren Blindehunde abrichtet, das führt Dr. Sarris, Hamburg, vor Augen. Prof. Eddelbüttel erinnert daran, daß wir in vielen schönen und eigenartigen Zimmerpflanzen kostbares altes Kulturgut besitzen. Wie bei manchen Fischarten die Neigung zu Erbänderungen von der Züchtung erfolgreich ausgenutzt wird, um einen Formenreichtum von Spielarten heranzuzüchten, zeigt Dr. Schmidt. Der Astronom Prof. Dr. Plaßmann berichtet über die neuesten Untersuchungen an Nebelflecken. Einige Aufnahmen aus der Mappe des verstorbenen Schriftleiters Dr. Prochnow zeigen, wie schöne Muster von Flächenkunst in der Natur durch Erstarrungen und Quellungen entstehen. Sie werden manchen Liebhaber der Lichtbildkunst zu Versuchen anregen. Eine für Deutschland sehr einschneidende Frage berührte der Geologe R. Hundt in seinem Bericht über die erdölhöffigen Gebiete Deutschlands. Kleine Beiträge und Forschungsergebnisse aus allen Gebieten, eine Bücherschau und die immer gern gesehene Preisaufgabe schließen neben den Anregungen zur Naturbeobachtung das vielseitige und anregende Heft. — Mit dem Oktober-Novemberheft eröffnet die „Deutsche Zeitschrift" (Callwey, München) ihren 49. Jahrgang. Vielseitigkeit verbindet sich mit Gründlichkeit, Zeitlebendigkeit mit besinnungsvoller, neue Kräfte weckender rückschauender Betrachtung, universale Weite mit selbstverständlicher deutschbewußter Haltung. Das vorliegende Doppelheft beginnt ein Aufsatz „Volkswissen" von Wilhelm Flit- ner, der klar die Aufgabe sieht: daß es vor allem gilt, das Volk wissend zu machen, indem alle, die es angeht, dafür sorgen, daß die Urquellen des Lebens- und Volkswissens strömen und zugänglich bleiben. Ein erkenntnistiefes „Gespräch in Peking" von Carl I. Mrckhardt gibt einen Begriff von dem ungeheuren, niemals zu überbrückenden Unterschied zwischen chinesischer und europäischer Vorstellungs- welt. Michael Freund steuert einen Aufsatz über Thomas Morus und seine „Utopia" bei. Ganz köst- lich und beachtlich vor allem in seinem volkspsychologischen Ergebnis ist Wilhelm Pinders Beitrag „Topographie des Humors". Eine gründliche kri- tische Untersuchung über „Die Gestalt Stefan Georges in unserer Zeit", die Georges Leistung und Grenzen klar aufzeigt, nimmt Eugen Gottlob Wink- ler vor. Vom verstorbenen Josef Hofmiller wurden ein Märchen nach dem Dänischen „Der verlorene Schatten" und geistvolle Aphorismen über dichterisches Schaffen ausgenommen. Hans Böhm berichtet über „Neue Lyrik", Erich Weniger über „Wehrwissenschast und Heereserziehung", Petzet über Abschluß und Neubeginn im Film". Verschie- dene Bilder nach Hans Burgkmair und Werken deutscher Barockplastik, die Ulrich Christoffel und der Herausgeber interpretieren, schmücken das abwechslungsreiche und gewichtige Heft. Hochschulnachn'chien. Professor Dr. Ernst Theodor Nauck, Ordinarius für Anatomie an der Universität Marburg, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Freiburg berufen. Professor Dr. Friedrich Metz, Ordinarius für Erdkunde an der Universität Erlangen, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Frei«! bürg berufen. Professor Dr. Josef Hömel, Ordinarius für Haut- und Geschlechtskrankheiten an der Universität Greifswald, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Jena berufen. Professor Dr. Hans Uebersberger, Ordina- narius für osteuropäische Geschichte an der Universität Breslau, wurde in gleicher Eigenschaft an die Universität Berlin berufen. Professor Dr. Cajus F a b r i c i u s , Ordinarius für Religions- und Kulturphilosophie, Konfessionskunde, Dogmatik und Ethik an der Universität Berlin, hat einen Ruf an die Evangelisch-theologische Fakultät der Universität Breslau erhalten. Professor Dr. Ernst F r a e n k e l, Ordinarius für vergleichende Sprachwissenschaft an der Universität Kiel, ist im Hinblick auf die Durchführung Reichsbürgergesetzes beurlaubt worden. Der Kerne Osten und Abessinien. Don unserem H.T.-Äerichterstatter. gessen, daß dieses Feuer auch jederzeit in unserem eigenen Hause ausbrechen kann. Ehe wir also Mitleid mit Abessinien haben, müssen wir uns endlich darüber klar werden, daß unsere jetzige politische Lage schlimmer und bedauernswerter als (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) H s i n k i n g , Mitte Oktober 1935. Neulich traf ich einen klugen alten Chinefen-Typ des zeitlosen Gelehrten —, mit dem ich mich bei feiner Tasse herben grünen Blättertees über die weltpolitische Lage im allgemeinen und über das Problem Abessinien im Besonderen unterhielt. Der weise Chinese prägte bei dieser Gelegenheit den immerhin nachdenklich stimmenden Satz: Ein Krieg in Abessinien wäre vor 20 Jahren eine lokale Kolonialangelegenheit gewesen, — mittlerweile aber haben Technik, Verkehr und Wirtschaft die Menschen unseres Planeten zu einem einzigen „Körper" zusammengeschweißt. Schneidet man diesem Körper heute irgendwo einen Finger oder eine Zehe ab, dann spürt der ganze Organismus den Schmerz und reagiert in seiner Gesamtheit in irgendeiner Form auf diese Operation. Daß dem tatsächlich so zu sein scheint, lehrt ein Blick in den Blätterwald des Fernen Ostens ... zieht man den Querschnitt durch die japanisch-chinesische Tagespresse, so läßt sich der ganze Abessinien- Komplex in den triumphierenden oder besorgten Rus: „Nostra res agiturl“ (Es handelt sich um unsere Angelegenheit!) zusammenfassen. Ganz erstaunlich, mit welchen Hoffnungen und mit welcher Sorge Japan und China die Weiterentwicklung der Dinge im Fernen Westen verfolgen! Dabei find beide Länder an dem abessinifch-italienifchen Konflikt direkt kaum oder überhaupt nicht interessiert, indirekt wird und muß aber der Krieg in Afrika auch auf die Weiterentwicklung der Dinge in Fern- Ost einen entscheidenden Einfluß ausüben, sofern es eben nicht gelingt, den afrikanischen Steppenbrand zu lokalisieren. Zur Zeit jedenfalls läßt sich die Einstellung der Länder Japan und China zu diesem Zeitproblem auf eine sehr einfache Formel bringen: „Japan erhofft im Stillen ein Weite r f r e s s e n des Präriebrandes und ein U e b ergreifen auf das europäische Festland; China hat hingegen das allergrößte Interesse daran, daß der Brand auf seinen Herd beschränkt bleibt und Europa-Amerika nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Pläne Japans in Fernost sind bekannt: eben ist es der außerordentlich geschickt operierenden japanischen Diplomatie gelungen, Nord-China in aller Stille aus dem „Befehlsbereich" Nankings — chinesische Zentralregierung — herauszulösen uni) es der Mandschurei gleichzuschalten. Um seine neue „Interessensphäre" in aller Ruhe ausbauen zu können, kann Japan keine Zuschauer und vor allen Dingen keine „Polizisten" in Gestalt der europäischen Mächte gebrauchen, die in ruhigen Zeiten sicherlich ihr Veto in irgendeiner Form eingelegt haben würden. Nimmt der italie- nisch-abessinische Konflikt größere Ausmaße an und wird Europa in irgendeiner Form in den Konflikt mit hineingerisfen, dann hat Japan in jeder Hinsicht d i e Hände frei und kann in aller Ruhe die bereits gepflückten nordchinesischen Aepfel verspeisen, um sich auf eine unvermeidlich erscheinende Auseinandersetzung mit Rußland wei- ter vorzubereiten. Dabei nährt man in Tokio die Hoffnung, daß der abessinische Krieg zunächst im Donau-Raum die Spannungen verschärfen werde und daß bei einem Uebergreifen auf das Festland die R u s - s e n „ihre Stunde" erkennen und gen W e st e n marschieren würden. Das wäre dann der von Japan erhoffte Zeitpunkt, in Fernost mit Rußland „abzurechnen", — eine Absicht, die um so leichter durchzuführen wäre, als sich Japan in Nordchina bereits Rückenfreiheit auf unblutigem Wege geschaffen hat und Rußland gleichzeitig dann gegen zwei Fronten zu operieren hätte. Daß es sich hier nicht etwa um „phantastische Gedankengänge", sondern um sehr nüchterne japanische Ueberlegungen handelt, kann nicht oft genug betont werden. Ebenso nachdrücklich muß aber immer wieder darauf verwiesen werden, daß man an einer Schwächung Rußlands in Fernost aller weltanschaulichen Abneigung zum Trotz kein Interesse haben kann. Denn: wie nach der Niederlage im russisch-japanischen Kriege Rußland sein aggressives Gesicht nach dem Westen wandte, um dort einen „Ersatz" für das im Osten Verlorene zu finden, genau so würde eine neue russische Niederlage im Osten den Druck nach Westen verstär- ken, ohne daß Europa von einem japanischen Siege überhaupt irgendwelche Vorteile zu erwarten hätten. Die gleichen Gedankengänge findet man bei der Beurteilung des Abessinienkonfliktes übrigens auch in der gesamten chinesischen Presse. Dort kann man Sätze wie die folgenden lesen: „... England und Frankreich mögen ihr Bestes tun, den Krieg in Afrika einzugrenzen, dauert dieser Krieg aber erst einmal länger als sechs Monate, bann werden sich auch diese beiden Staaten nicht aus ihm heraushalten können, und der Schwerpunkt der Ereignisse ist dann plötzlich von Afrika nach Europa verlegt, wo ein Funken genügt, um das europäische Pulverfaß in Brand zu fetzen. Ist aber erst einmal die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf Europa gerichtet, dann haben unsere „lieben Nachbarn" — sprich I a - P an — freie Hand, in China zu tun und zu lassen, was ihnen beliebt. Denken wir daran" — so fährt dieses als eins von vielen anderen Blättern fort — „daß Japan feine berüchtigten 21 Forderungen an China im Weltkriege gestellt hat. Wer kann fatzen, ob die Japaner nicht die erste beste Gelegenheit benutzen, um China wiederum ein Ultima t u m in Form dieser 21 Forderungen zu stellen? Wenn wir also heute geruhsam dem Feuer jenseits des Flusses zuschauen würden, dürfen wir nicht ver- die Abessiniens ist ..." Von ihrem Standpunkt aus hat die chinesische Presse sicher recht, und die chinesische Angst vor Japan ist begründet. Es hieße aber das Wesen der japanischen Politik — oder der „Politik an sich" — völlig verkennen, wollte man sich dem Glauben oder der Hoffnung hingeben. Japan würde aus irgendwelchen sentimentalen Erwägungen heraus die ungeheure Gunst der Stunde nicht nutzen. Denn es hat nun einmal „das Glück" — wie eine chinesische Zeitung kürzlich schrieb — „das riesige, aber schwache China zum Nachbarn zu haben"; und da heute „nur der Starke allein regiert", wird sich automatisch jede Verschärfung der 'Lage in Afrika ober Europa zugunsten Japans auswirken und dementsprechend seine Außenpolitik maßgebend beeinflussen. Gewiß: Japan hat in Abessinien allerlei wirtschaftliche Pläne und Interessen, ober sie sind gewesten an den großen Problemen, die der Krieg in Afrika in Fern -Ost in den Vordergrund gerückt hat, nur von untergeordneter Bedeutung. Und wenn wir auch nicht so schwarz malen wollen, wie es die berufsmäßigen Pessimisten tun: eins darf man — von Fernost aus gesehen auf keinen Fall außer Acht lassen: „Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte". Im Abessinienkonflikt gibt es nicht nur „einen", sondern mindestens zwei „D r i 11 e", die sich darob „freuen" und davon — jeder in feiner Art — zu profitieren gedenken. Der eine ist Rußland und der andere Japan, und mit der Möglichkeit, daß aus einem kleinen Kolonialfeldzug nicht ein Welt-, wohl aber ein Erdkrieg entsteht, muß man wohl immerhin rechnen. Denn der Planet ist kleiner geworden in den letzten 20 Jahren, so klein, daß man das Gewehrknatter in Abessinien ganz deutlich auch am Stillen Ozean hört, wo eine Atmosphäre geschaffen worden ist, die man vielleicht am treffendsten mit „stiller Alarmbereitschaft" bezeichnet. Jeder nennt sie — keiner kennt sie. Männer, denen die Sprache ein Denkmal setzte. Im Bestreben, Fremdwörter durch sinnreiche deutsche Bezeichnungen zu setzen, stoßen wir zuweilen auf Ausdrücke, über deren Herkunft wir uns zunächst nicht im Klaren sind. Handelt es sich um Wörter, die aus einer fremden Sprache entlehnt und bei uns eingebürgert wurden, oder sind es überhaupt keine Fremdwörter, so seltsam sie auch klingen? Woher hat zum Beispiel die Litfaßsäule ihren Namen? Wenn wir ein Nachschlagewerk zur Hand nehmen, so erfahren wir zu unserer Verwunderung, daß sie nach dem Berliner „Säulenheiligen", dem Buchdrucker Ernst Litfaß, benannt wurde, der sie „erfunden" hat. Er kam nämlich im April 1854 auf den Gedanken, die Anschläge und Bekanntmachungen, die bisher an Mauern und Zäunen ein oft nur geduldetes, zuweilen aber auch scharf bekämpftes Dafein führten, auf schönen runden Holzfäulen anzubringen. Zudem konnte man die Säulen dann ja aych als Brunnen verwenden! Der Gedanke war vortrefflich, und die Litfaßsäule hat sich schnell die ganze Welt erobert; aber die wenigsten, Die von ihr sprachen, wußten, woher ihr Name stammt. Des öfteren spricht man auch von einer Sten- torftimme, ohne zu wissen, daß damit Stentor, der gewaltige Ruser im Streit gerühmt wird, der im fünften Buch der Ilias von Homer angeführt wird. Die Göttin Hera, so wird dort berichtet, habe eine so laute Stimme wie „der großherzige Stentor, der so laut schreien konnte wie fünfzig andere." Neben ihn läßt sich der Mentor stellen, der Begleiter und Berater des Telemach in der Odyssee, nach dem man heute noch einen älteren Berater und Freund nennt, dem man sich zu Dank verpflichtet weiß. Wenn mit der Pferdedroschke auch das heute seltener verwendete Wort Fiaker verschwindet, dann wird sich kaum jemand mehr des heiligen Fiacre erinnern, dessen Bild das Wahrzeichen jenes Hauses in Varis bildete, in dem zuerst Wagen vermietet wurden. So verknüpfte sich der Name des Heiligen mit den Wagen, und sie trugen ihn noch, als das Haus längst abgeriffen worden war. Auch der Kremser führt feinen Namen nicht etwa auf ein aus einer anderen Sprache eingebürgertes Wort zurück, sondern ist nach seinem Erfinder benannt. Der preußische Kriegskommissar Kremser war es nämlich, der im Jahre 1825 die Genehmigung einholte, vom Brandenburger Tor in Berlin nach Char- lottenburg Wagen fahren zu lassen, die mit Federung versehen und auch sonst behaglicher ausge» stattet waren als die bis dahin für solche „lieber» landreisen" verwendeten Leiterwagen. Hier handelte es sich um eine wirkliche Verbesserung des Verkehrswesens und nicht um ein „Verschlimmbessern" ober „Verballhornen", wie man für eine Verschlechterung burch vermeintliche Verbesserung zu sagen pflegte. Damit finb wir wie- berum an ein Wort geraten, bas eines Mannes gedenkt, ohne daß man allzu viel von ihm wüßte. Es handelt sich um den um das Jahr 1531 in Lübeck tätigen Buchdrucker Johann Ballhorn, von dem zuerst Balthasar Schupp (geb. 1610 in Gießen, 1635 Professor der Geschichte und Beredsamkeit in Marburg) berichtet, er habe „das ABC vermehrt und verbessert". Ballhorn soll nämlich — so wird, zu Recht ober Unrecht, von ihm erzählt — bem Hahn in ber Fibel ein paar Eier untergelegt haben. Wie bem auch sei, Ballhorn wird für alle berarti- gen „Verschlimmbesserungen" mit seinem Namen haftbar gemacht. Von den Erfindern seien auch die Gobelins genannt. Sie gehörten zu einer französischen Fa« chilie von Färbern, die im 16. Jahrhundert zuerst die nach ihnen genannten Wandbekleidungen herstellten. In dem Wort Talmi, das heute eine so allgemeine Bedeutung angenommen hat, lebt bet Dtame des Pariser Fabrikanten Tallois fort, bet zuerst ein mit Gold überzogenes Messing zu Schmucksachen verarbeitete und mit diesem „Talmigold" glänzende Geschäfte machte. Das heute aus ber Mode gekommene Vertikow verdankt feinen Namen dem Berliner Tischler Vertikow, der zuerst diese zierlichen Stücke verfertigte. Die Schrapnells heißen nach dem englischen Obersten Shrapnel, der 1803 diese Geschosse erfand. Dagegen hat man, wie neuerdings feftgeftettt wurde, Öen französischen Arzt Guillotin zu Unrecht als den Erfinder der Guillotine benannt Die Taten des französischen Finanzministers Etienne des Silhouette sind in Vergessenheit geraten, aber die nach ihm benannten Schattenrisse, die der sparsame Finanzmann anstelle der teuren Gemälde und Miniaturen einführte, heißen noch heute Silhouetten. Ebenso heißen noch heute manche Reitunterrichts- ftätten Tattersall, aber niemand denkt mehr' an den englischen Trainer Tattersall, der 1777 das erste derartige Unternehmen ins Leben rief. Mit dem Wort Boykott ist die Sprache durch einen irischen Gutsbesitzer namens James Bovkott beschenkt worden, über den die irische Lanoliga 1880 den Bann verhängte. Schließlich sei noch des Engländers John Montague, des vierten Earls von Sandwich gedacht. Zwar weiß man kaum mehr etwas von seinen geistvollen Reden und seinen Reisewerken, aber daß er einmal auf den Gedanken kam, ein Stück kaltes Fleisch zwischen zwei Brotschnitten zu legen und so zu verzehren, hat ihn zum Vater des „Sandwiches" gemacht. Aber „belegte Brote", wie wir im Deutschen sagen, hat es sicher auch schon vor jener Zeit gegeben! MrdigeFeiemzums.Aovember In allen Städten und Dörfern unserer engeren Heimat wurden, wie überall im Vaterlande, Feiern abgehalten, die dem Andenken der Gefallenen des Dritten Reiches am 9. November 1923 gewidmet waren. Viele Berichte über diese Feiern liegen uns vor. Bei der Gleichartigkeit aller dieser Feiern und auch aus räumlichen Gründen ist es nicht möglich, die Berichte im einzelnen zu veröffentlichen. Zum Teil fanden die Feiern im Freien statt, meist an den Ehrenmalen der Gefallenen des Weltkrieges, derer auch herzlich gedacht wurde. Die Säle der Städte und Orte, in denen die Feiern abgehalten wurden, waren dem Charakter der Feierstunde entsprechend würdig ausgeschmückt. Verschiedentlich schuf man Ehrenmale, an denen Angehörige ber Gliederungen der Partei, meist die SÄ., Wache hielten. Die Beteiligung an den Feiern war überall sehr rege. Sämtliche Gliederungen ber Partei nahmen teil, die Ortsvereine beteiligten sich in geschlossenen Gruppen, und die Einwohnerschaft der Städte und Dörfer gab ihrer Verbundenheit mit den Gefallenen ber Bewegung burch starken Besuch Ausdruck. Neben Gedichtvorträgen gaben Sprechchöre der HI., des BDM., Lieder aus der Kampfzeit, musikalische Darbietungen und gemeinsam gesungene Lieder den Vleue. Iwtuhciit Körting-Kadi ö Huude-Latein. Von So Hanns Msler. Häberle kaust sich einen Hund. Häberle geht zum Hundehändler. Der Hundehändler zeigt ihm, was er hat. „Was kostet die Dogge?" „Zwanzig Mark." „Viel zu teuer! Drei Mark gebe ich!" Man einigte sich auf sechs Mark. „Noch eine Frage zuvor — ist ber Hunb auch treu?" „Wie Golb." „Unb zimmerrein?" „Bestimmt." „Unb wachsam?" „Selbstverstänblich." „Unb lammfromm?" „Gewiß." „Unb gefunb? Urtb kinderlieb? Und folgsam?" Da aber riß dem Hundehändler die Geduld. „Ja", schrie er, „und Französisch sprechen kann er aud) für fefne sechs Mark!" ♦ Korn und Kimme sitzen auf einer Bank. Vor der Bank sitzt der Hund von Kimme. „Was ist denn das für eine Rasse?", fragt Korn. Kimme tut, als hort er nicht. „Was ist denn das für eine Raffe?" „Wie geht es daheim?", antwortete Kimme. „Gut. Aber ich frage nach dem Hund." „Und deiner Frau?" „Ausgezeichnet. Aber —" „Und deinen Kindern?" „Auch gut! Aber ich will jetzt endlich wissen, was dein Hund da für eine Rasse ist!" „Das freut mich, daß es deinen Leuten gut geht", redet Kimme schnell und laut weiter, „und wie geht es deiner Großmutter?" Korn springt böse auf. „Willst du mich veralbern? Ich will wissen, was dein dreckiger Köter für eine wüste Promenadenmischung ist!" In diesem Augenblick beginnt der Hund laut zu heulen. „Siehste, da hastesl", meint Kimme ganz betrübt, „jetzt hast du ihn gekränkt. Ich habe schon deine Fragen gehört. Ich konnte dir nur nicht antworten, solange der Hund zuhörte. Er glaubt nämlich, er sei ein rasseechter Bernhardiner." * Firstimkopf hat sich zwei Hunde gekauft. Zwei hochvornehme Hunde. Wie Firstimkopf selber. „Dressiert?" " ' Feiern den Auftakt und den Rahmen. Führende Männer der örtlichen Parteiorganisation hielten Ansprachen, in denen sie die Ereignisse des 9. November 1923, die heroische Aufopferung der Helden des Dritten Reiches und ihr edles Wollen in die Erinnerung zurückriesen. Unter Tro-mmelwirbeln und den Klängen des Liedes vom guten Kameraden wurden die Namen der 16 Gefallenen der Feldherrnhalle und die Namen der Gefallenen der Bewegung im Gau Hessen- Nassau verlesen. Mit dieser Verlesung bei gesenkten Fahnen fanden die Feiern ihren Höhepunkt. In einer Reihe von Orten war mit dieser Gedächtnisstunde auch die Ueberführung von Kameraden der Hitler-Jugend in die aktiven Gliederungen der Partei verbunden. Führer der Hitler-Jugend wiesen in ihren Ansprachen auf die Bedeutung und die Verpflichtungen hin, die den Kameraden der HI. im Dienste der Bewegung erwachsen. Das erneuerte Treugelöbnis zum Führer, zu Volk und Reich, das Lied „In München sind viele gefallen", das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied beschlossen die Feiern. Wirtschaft. Oer Arbeitseinsatz im Oktober. Die Entwicklung des Arbeitseinsatzes im Oktober war hauptsächlich durch die vorgeschrittene Jahreszeit bedingt. Das unbeständige und niederschlagsreiche Wetter während des Berichtsmonats hat in manchen Gebieten die Außenarbeiten vorzeitig erheblich beeinträchtigt, so daß dort Arbeitskräfte in größerem Umfange zur Entlassung kamen. Die Zahl der bei den Arbeitsämtern eingetragenen Arbeitslosen stieg im Oktober um 114 000 auf 1828 000. Dieser Stand liegt um 440 000 unter dem Stand von Ende Oktober des Vorjahres. Neben der Landwirtschaft setzten das Baugewerbe und die Baustoffindustrie, die im Sommer einen besonders günstigen Beschäftigungsstand erreicht hatten, nach Beendigung einer Reihe größerer Bauvorhaben Arbeitskräfte frei. Trotzdem blieb die Beschäftigung im Baugewerbe noch recht gut. Die Beendigung der Kur- und Reisezeit brachte im Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe und im Verkehrsgewerbe den jahreszeitlich üblichen Rückgang im Arbeitseinsatz. Unter den konjunkturabhängigen Berufsgruppen erfreuten sich der Bergbau, zum Teil infolge des gesteigerten Bedarfs an Hausbrandkohle, ferner die Eisenerzeugung und die meisten Zweige der M^talloerarbeitungs- und Maschinenindustrie eines anhaltend guten Beschäftigungsgrades. Im Spinnstoffgewerbe war die Lage im allgemeinen unverändert, während das Bekleidungsgewerbe eine Verschlechterung erfahren hat. In den Arbeitseinsatz kam im Berichtsmonat durch die planmäßigen Entlassungen aus dem Heeres- und Arbeitsdienst zusätzlich eine starke Bewegung. Infolge der Vorbereitungsmaßnahmen gelang es, den überwiegenden Teil der Entlassenen alsbald in Arbeit zu bringen. Dagegen war es in der kurzen Spanne Zeit, die seit der Entlassung bis zum Ende des Monats Oktober verstrichen ist, und bei dem jahreszeitlich verminderten Bedarf an Arbeitskräften noch nicht möglich, die Entlassenen restlos in Arbeit unterzubringen. Ein Teil der Gesamtzunahme in der Zihl der Arbeitslosen ist daher auf diese Erscheinung zurückzuführen. Da die Entlassenen den verschiedensten Berufen anaehören, gilt dies für fast alle Berufsgruppen im entsprechenden Ausmaß. Von der Zunahme der Arbeitslosen wurden durch die Unterstützungseinrichtungen der Reichsanstalt 76 000 Personen aufgefangen. Dagegen hat sich die Zahl der anerkannten Wohlfahrtserwerbslosen im Oktober noch um 8000 Arbeitslose vermindert. In der Arbeitslosenversicherung und Krisenfürsorge wurden Ende Oktober 951 000 Unterstützungsempfänger, in der Wohlfahrtshilfe 336 000 Arbeitslose gezählt. Unreifes Vieh darf nicht geschlachtet werden. ZdR. Gleichzeitig mit der Festsetzung der Schlachtungen und Fleischumsätze in sämtlichen Schweine schlachtenden und Schweinefleisch umsetzenden Betrieben auf wöchentlich höchstens 60 v. H. der wöchentlichen Schweineschlachtunqen und Schweinefleischumsätze nach dem Durchschnitt des Monats Oktober 1934 hat die Hauptvereinigung der Deutschen Diehwirtschaft unter dem 7. November 1935 mit Anordnung Nr. 28 ein Schlachtverbot für unreifes Rindvieh und leichte Schweine erlassen. Danach dürfen gewerbliche Schlachtungen von eindeutig unreifen Jungrindern nicht mehr stattfinden. Ebenso wird das gewerbliche Schlachten von Schweinen im Gewicht unter 180 Pfund in Städten mit Großmärkten und im Gewicht unter 190 Pfund außerhalb der Städte mit Großmärkten verboten. Ausnahmesälle sind nur zulässig, wenn die Notwendigkeit der Schlachtung von der zuständigen Kreisbauernschaft, oder dem Marktbeauftrag- len bescheinigt wird, oder wenn es sich um tierärztlich beglaubigte Notschlachtungen handelt. Mit dieser neuen Anordnung ist ein weiterer Schritt in der Marktordnung für Vieh getan worden. Darüber hinaus aber erlangt die Anordnung besondere Bedeutung für die Sicherung bzw. die Wiederauffüllung der Lücken in unseren Viehbeständen, die durch die -Dürre des Jahres 1934 bzw. die sich daraus ergebende Futterknappheit im letzten Wirtschaftsjahre gerissen worden sind. Die Staffelung der Schweinepreise bei der Festpreisfestsetzung vom 14. Oktober 1935 hatte bereits viel von dem Anreiz, Schweine unter 200 Pfund an die Märkte zu liefern, genommen. Nunmehr wird durch das Verbot von gewerblichen Schlachtungen von Schweinen bis zum Gewicht von 180 bzw. 190 Pfund dafür gesorgt, daß der nach den Schweinezählungen in der nächsten Zeit noch zu erwartende geringere Anfall an schlachtreifen Schweinen in gut ausgemästetem Zustande an den Märkten erscheinen muß, damit hierdurch ein gewisser Ausgleich geschaffen werden kann. Hat nun das Schlachtverbot für leichte Schweine in erster Linie bei dem an sich schnellen Umschlag in der Schweinehaltung für die nächsten Monate besondere Bedeutung, so geht die Auswirkung des Schlachtverbots für unreifes Rindvieh auf eine wesentlich längere Zeitspanne. Rindvieh wird erst nach längerer Zeit schlachtreif, so daß sich infolgedessen hier Eingriffe in die Erzeugung durch Ablieferung von unreifen Jungrindern an den Märkten nur in längeren Zeiträumen ausgleichen lassen würden. * *Guter Geschäftsgang der Ofenindustrie im Dillenburger Bezirk. Wie aus dem Gebiet des Handelskammerbezirks Dillenburg berichtet wird, konnte die Fabrikation von Oefen, vor allem der Eisenofenindustrie, bereits im vergangenen Jcthre eine Umsatzsteigerung verzeichnen. Die Nachfrage hat sich auch jetzt bereits so gestaltet, daß man wieder mit guten Erfolgen rechnen kann. Zu der winterlichen Absatzsteigerung gesellt sich eine ebenfalls nicht geringe Erhöhung der Sommernachfrage, die auf dem Wachsen der Wochenendbewegung (Zeltöfen, Laubenbeheizungsanlagen usw.) beruht. Der Absatz ist also nicht mehr wie früher saisonmäßig gebunden. * Superphosphat-Preise f ü r Frühjahr 1936 unverändert. Laut Mitteilung der Deutschen Superphosphat-Jndustrie GmbH, gelten die bisherigen Superphosphat-Preise für die Versandzeit Frühjahr 1936, d. h. bis zum 31. 5. n. I., unverändert weiter. Die Preise für stickstoffhaltige Mischungen richten sich, wie üblich, nach den Stickstoffpreisen. Auch in diesem Jahre werden für Lieferungen im November-Dezember 1935 und Januar 1936 Frühbezugsoergünstigungen gewährt. Nhein-Mainische Börse. INillagsbörse meist schwächer. Frankfurt a. M., 11. Nov. Die Börse brachte am Wochenbeginn bei weiterhin fast völliger Geschäftsstille am Aktienmarkt überwiegend schwächere Kurse. Die Unternehmungslust blieb mangels jeglicher Anregung sehr gering, während anderseits das anhaltende Angebot in Montanpapieren verstimmte. Es verloren Hoesch 1,25 v. H., Mannesmann 1,50 v. H., Stahlverein 1,13 v. H., Klöckner 0,75 o. H. und Rheinstahl 0,50 o. H. Stahlverein waren später um 0,25 v. H. erholt. Von chemischen Werten setzten IG. Farben mit 145,75 (146,50) ein, erholten sich später geringfügig auf 146, Scheideanstalt lagen mit 207 behauptet. Elektroaktien tendierten unregelmäßig, aber überwiegend behauptet. Schwach lagen nur Licht & Kraft mit 126,50 (128,75), Felten, Siemens und Lechwerke Augsburg bröckelten 0,25—0,50 v. H. ab. Ziemlich schwach lagen Zellstoff Aschaffenburg mit 73 (76), obwohl das Angebot klein war. Anderseits fielen Reichsbankanteile durch feste Haltung auf mit 177,25 bis 177,50 (175,75). Niedriger lagen noch Feinmechanik Jetter mit 79 Brief (80). Metallgesellschaft und Südd. Zucker eröffneten unverändert. Der Rentenmarkt hatte etwas lebhafteres Geschäft in Kommunal-Umschuldung mit plus 0,25 v. H., ferner gewannen Altbesitz 0,20 v. H. und späte Reichsschuldbuchforderungen 0,13 v. H., während Zinsvergütungsscheine unverändert lagen. Ausländsanleihen lagen sehr ruhig. Im Verlaufe stagnierte das Geschäft fast vollkommen, und die Kurse bröckelten am Aktienmarkt überwiegend ab. So u. a. IG. Farben auf 145,75 nach 146,25, AEG. auf 35 nach 35,50, Stahlverein auf 76 nach 76,50 usw. Schwächer lagen ferner Holzmann mit minus 1,50 v. $)., Cement Heidelberg minus 1 v. H., Jul. Berger minus 0,50 v. H. Reichsbankanteile lagen mit 177,50 behauptet. Auch das Rentengeschäft ließ bei allerdings gut behaupteten Kursen erheblich nach, höher lagen nochmals späte Reichsschuldbuchforderungen mit 97,50 nach 97,40 (97,25). Pfandbriefe und Stadtanleihen notierten bei stärkster Geschäftsstille nahezu unverändert. Auslandsrenten lagen weiterhin sehr still. Tagesgeld unverändert 2,50 v. H. Abendbörse still, behauptet. An der Abendbörse herrschte nach den z. T. empfindlichen Abschwächungen im Mittagsschlußverkehr starke Zurückhaltung und Geschäfts stille, zumal jede Anregung fehlte. Die Haltung war nicht mehr schwächer, anderseits trat aber auch keine Erholung ein. Die Kurse konnten sich im Vergleich zum Berliner Schluß ziemlich behaupten. Niedriger lagen Gesfürel mit 120 (120,75), Metallgesellschaft mit 103,50 (104), auch Scheideanstalt bröckelten leicht ab auf 206,50 (207). IG.-Farben und Stahlverein, die beide zunächst etwas schwächer eingesetzt hatten (145,40 bzw. 75), waren gegen Schluß wieder mäßig höher mit 145,50 (145,50) und 775,25 (775.13). Der Kassamarkt war ohne Bewegung und Veränderung. Am Rentenmarkt blieb die Haltung freundlich, etwas Interesse erhielt sich für Kommunal-Umschuldung und Zinsvergütungsscheine. Von fremden Werten wurden im Freiverkehr Tür- ken-Bagdad auf Basis des Berliner Schlusses zu 12 v. H. etwas beachtet. U. a. notierten: Altbesitz 113, 6proz. Stahlverein 102,65, IG.-Farben-Bonds 122,50, 4^proz. Franks. Hyp. Bank Gold K 1 bis 4 96,25, Schutzgebietsanleihen v. 1911 bis 1913 10,40, 4pro3. Rumänen 4,80, Adca 70,50, Commerzbank 83,25, DD-Bank 82,50, Dresdner Bank 82,50, Harpener 105,65, Mannesmann 76, Rheinstahl 102, Laurahütte 20, Stahlverein 75 bis 75,25, AM. 52,75, Bekula 141,50, Conti Gummi 155, Scheideanftalt 206,50, Deutsche Linoleum 136,25, Licht und Kraft 127, IG.-Farben 145,40 bis 145,50, Gesfürel 120, Jung- Hans 77,75, Metallgesellschaft 103,50, RWE. 120, Schlickert 116, Südd. Zucker 203, Reichsbahn-VA. 122,50, Hapag 15. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt 0. M., 11. Nov. Der Getreidegrvß- markt nahm auf allen Gebieten einen sehr ruhigen Verlauf. Die einzelnen Märkte zeigten gegen die letzten Markttage keine Veränderung. Schwere Futtermittel aller Art blieben gesucht. Das Mehlgeschäft hat nur Abschlüsse für den laufenden Bedarf zu verzeichnen. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilo) in RM.: Weizen W13 203, W'16 206, W 19 210, W 20 212. Roggen R 12 166, R 15 169, R 18 173, R 19 175; Großhandelspreise der Mühlen des genannten Preisgebiets. Sommergerste für Brauzwecke 200 bis 210. Weizenmehl 13 27,95, W 16 28,20, W 19 28,20, W 20 28,55 Roggenmehl R 12 22,45, R 15 22,80, R 18 23,30, R 19 23,50 plus 0,50 Reichsmark Frachtausgleich. Weizennachmehl 17,10 bis 17,25, Weizenfuttermehl 13,50. Weizenkleie W 13 10A5, W 16 10,80, W 19 11,00, W 20 11,10. Roggenkleie R 12 9,95, R 15 10,15, R 18 10,40, R19 10,50; Mühlenfeftpreise ab Mühlenstation. Sojaschrot mit Monopolzuschlag 16,20, Palmkuchen m. M. 16,80, Erdnußkuchen m. M. 18,30, Trockenschnitzel 8,80; Großhandelspreise ab Fabrikstation. Heu 8,00 bis 8,50, Weizen- und Roggenstroh, drahtgepreßt, 3,20 bis 3,40, dasselbe gebündelt, 3,00 bis 3,20 RM. Kartoffeln: Industrie 2,90 bis 2,95, gelbfleischige 2,80 bis 2,85, weiß-, rot- und blaufchalige 2,60 RM. per 50 Kilo bei Waggonbezug. Die Sorten beziehen sich alle für hiesige Gegend. Tendenz: ruhig. Frankfurter Schlachtvlehmarkt. Frankfurt a. M., 11. Nov. Auftrieb: Rinder 941 (gegen 818 am letzten Montagsmarkt), darunter 155 Ochsen, 54 Bullen, 636 Kühe und 96 Färsen. Kälber 326 (352), Schafe 85 (64), Schweine 1626 (1466). Notiert wurden pro ein Zentner Lebendgewicht in Mark: Ochsen a 42 (am 4. Nov. 42), b) 42 (42), c) 42 (42), d) 38 bis 41 (41 bis 42). Bullen a) 42 (42), b) 42 (42), c) 42 (42), d) 41 bis 42 (41 bis 42). Kühe a) 42 (42), b) 41 bis 42 (39 bis 42), c) 33 bis 40 (32 bis 38), d) 25 bis 32 (25 bis 31). Färsen a) 42 (42), b) 42 (42), c) 42 (42), d) 41 bis 42 (41 bis 42). Kälber a) 74 bis 76 (71 bis 75), b) 67 bis 73 (64 bis 70), c) 61 bis 66 (56 bis 63), d) 53 bis 60 (48 bis 55). Stimmer und Htirnrnel b2) 48 (48), c) 46 bis 47 (48), d) 40 bis 45 (45 bis 46). Schafe nicht notiert. Schweine al) 57 (57), a2) 57 (57), b) 55 (55), c) 53 (53), d) 51 (51), e) 51 (51), f) — (—), Sauen gl) 57 (57), g2) 57 (57). Marktverlauf: Rinder sehr lebhaft, ausverkauft. Ktilber rege, ausverkauft. Htirnrnel und Schafe mittelmäßig, ausverkauft. Schweine wurden zugeteilt. Ueberstackd: 13 Kühe, 3 Schafe. Großhandelspreise für Fleisch und für Fettwaren. Beschickung des Fleischgroßmarktes: 778 Viertel Rindfleisch, 45 ganze Kälber, 72 ganze Hümmel, 4 halbe Schweine, 13 Kleinvieh. Notiert wurden pro 50 Kilogramm in Mark: Ochsenfleisch b) 76 bis 80, c) 68 bis 76. Bullenfleisch b) 74 bis 78. Kuhfleisch b) 68 bis 74, c) 58 bis 68. Färfenfteisch b) 76 bis 80, c) 68 bis 76. Kalbfleisch b) 84 bis 91, c) 74 bis 84. Hammelfleisch b) 90 bis 95. Schweinefleisch nicht notiert Fettwaren: Speck aus hiesiger Schlachtung, roh unter 7 Zentimeter 77 bis 80. Marktverlauf: rege. Schweinemarkt in Alsfeld. A Alsfeld, 11. November. Bei dem heutigen Schweinemarkt war ein Auftrieb von 291 Ferkeln, darunter 98 HänSlerfchweinen, vorhanden. Es kosteten sechs bis acht Wochen alte Tiere 16 bis 20 Mark, acht bis zehn Wochen alte Ferkel 20 bis 24 Mark. Der Handel war schleppend, es verblieb ein Ueberftanb von 95 Stück. Dos Sos förRrtroUsWcimfiunfl- das kMdslos das DcutTdumüoltoS HHI-16OO OOOfcwinne „Mein Kampf" für Neuvermählte. LPD. Bensheim, 11. Nvv. Auf Veranlassung des Kreisleiters der NSDAP, wird in sämtlichen Gemeinden des. Kreises Bensheim von nun an den Eheschließenden bei der Trauung das Buch des Führers „M e i n Kampf" als Geschenk überreicht. Solokantaten für Gesang, Violine und Orgel von Buxtehude und Georg Philipp Telemann standen auf der reichhaltigen Vortragsfolge, die durch das hingebungsvolle Musizieren aller Mitwirkenden den sehr zahlreichen Besuchern eine erhebende Feierstunde vermittelten. n. Mücke, 11. Nov. Gestern hielt die Orts- fachschaftsgruppe Imker im Saale des Gastwirts Baift ihre Monatsversammlung ab. Imker Erb erstattete Bericht über die Standschau bet Fink in Hartenrod. Im weiteren Verlaufe der Versammlung wurde die gefährliche Faulbrut bei Bienen eingehend besprochen. Der Seuchensachverständige Ramge aus Kirtorf berichtete über feine jüngsten Erfahrungen und gab manchen praktischen Wink. Im Laufe dieses Jahres wurden sämtliche Bienenstände der Ortsfachgruppe einer eingehenden Revision unterzogen. Von welch' hoher Bedeutung diese Maßnahme war, zeigte sich dadurch, daß in drei Ortschaften des Bezirks Faulbruter- scheinungen feftgestellt und noch rechtzeitig auf ihren Herd beschränkt werden konnten. Für die Winterhilfe wurde im vorigen Jahre 2 v. H. des Honigertrages gestiftet. In Anbetracht der diesjährigen Mißernte hat sich die Jmkerfchaft entschlossen, eine Geldspende an die Winterhilfe abzuführen. Zum Schlüsse ermahnte der Obmann die Mitglieder trotz der geringen Ernte ihre Pflichten den Immen gegenüber nicht zu versäumen. Kreis Lauterbach. A Lauterbach, 11. Nov. Auf dem Fluggelände bei Maar konnte am vergangenen Sonntag der Lauterbacher Fliegersturm ein neues Segelflugzeug, einen „Zögling" von 12 Meter Spannweite, seiner Bestimmung übergeben. Das Flugzeug war von den Kameraden des Sturmes unter der Initiative von Gewerberat Köhler in 2000 Arbeitsstunden aus eigener Kraft geschaffen worden. Graf Solms, als Vertreter der Landesgruppe 11, weihte bas Flugzeug auf den Namen „Biel", auf den Namen jenes Geländes, auf dem der Fliegersturm Lauterbach feine fliegerische Tätigkeit begann. Preußen. Kreis Wetzlar. R 0 d h e i m a. b. 23 i e b e r, 11. Nov. Mit dem Schlageterschild wurde der Schreiner Friedrich Schneider von hier ausgezeichnet. Oberhessen. Kreis Alsfeld. ]) Alsfeld, 11. Nov. In der hiesigen Walpurgiskirche fand ein Kirchenkonzert statt, das von der Wanderkantorei Münch ausgeführt wurde. Orgelwerke des großen nordischen Orgelmeisters Dietrich Buxtehude und des Lüneburgers Georg Böhm, die beide für den jungen Johann Sebastian Bach zu wichttgen Lehrmeistern wurden, zwei Sätze aus Violinsonaten Georg Friedrich Händels und Srieffaflett der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung) TB. Sch. in R. Wenn der Käufer sich weigert, statt der vereinbarten 64 kg nur 58' kg zu zahlen, so kann der Verkäufer den Käufer vor dem Amtsgericht Gießen auf den Unterschiedsbettag verklagen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter Öen Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt besch lossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 0. H. Frankfurt a.M. Berlin Gchluß- kurs Schlußk. Abend- börse Schlußkurs Schluß!. Mittag- börse Datum 9.11 11.11 9.11. 11.11. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 100,9 '00,4 100,5 100,5 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 97,65 97,5 97,65 102 97,5 5)4% Doung-Anleihe von 1930 .. 'öS 101,75 102 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 113 113 113,13 113 4x/»% Deutsche Reichspostschatz an- Weisungen von 1934, I....... 6% e^em.8% Hess. Bolksstaat 1929 100,6 100,75 100,9 100,7 (rückzahlb. 102%)............ 97 97 96,6 96,8 4Yi% ehe in. 8% Hessische Landes- baut Darmstadt Gold 91.12.... 96,13 96,25 — 5Yi% ehern. 4)4% Hess. Landes- Hypothekenbank DarmstadtLtgui 100,65 100,65 — 4Yi% ehern. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R.6 91,75 91,75 — — Oberhesjen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten ............. — — Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 113,3 113,13 113,25 113,5 4Ya% ehern.8% Franks. Hyp.-Bank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 96,25 96,25 — 5)4% ehem. 4)4% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Psandbriefe....... 100,5 100,65 _ 5)4% ehem. 4)4% Rheinische Hhp.-Bank-Ligu.-Goldpse..... 100,75 100,75 100,9 100,9 4)4% ehem. 8% Pr. Landespfand- brtefanstalt, Pfandbriefe R. 19 97 97 97 97 4)4% ehern. 7% Pr. Landerpfand. briesanst., Gold Komm. Obl.VI 97 97 97,5 97 Steuergutsch.Berrechnungsk. 34-38 107,65 1 107,65 107,65 107,65 4% Oesterreichische Goldrente.... 29,5 29,5 30 29 4,20% Oesterreichische Silberrente —— 1,3 1,4 1,25 4% Ungarische Goldrente....... 9,6 9,4 9,5 9,5 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 9,5 9,25 9,3 9,25 ♦Yi% desgl. von 1913.......... 9,5 9,4 — — 6% abgest. Goldmexikaner von 99 10,7 10,5 10,9 10,9 4^Türktsche Bagdadbahn-Anlethe SettiS1..................— H»5 12,1 Frankfurt a. M Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schluß« kurs Schlußk. Mittagbörse Datum 9.11. 11.11. 9.11 11.11 4% vesgl. Serie 11 ............. _ 11,25 11,5 5% Rurnän. vereinh. Rente v. 1903 5,9 5,9 — 4)4%Rumän.vereinh.Nentev.l913 8,5 8,5 8,5 8,5 4% Rumänische vereinh. Rente 4,75 4,8 4,75 4,8 .39 5 39 39 39,25 Hamburg-Amerika-Paket ..... 0 15 15 15,13 15 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 —— — — 28 Norddeutscher Lloyd ......... 0 16,75 16,5 16,5 16,4 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 76,5 75 76 75 Berliner Handelsgesellschaft ... 6 108,25 108,25 108,5 108 Commerz- und Privat-Bank ... 0 83,25- 83,25 83,25 83,25 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................ 0 82,5 82,5 82,5 82,5 Dresdner Bank.............. 0 83 82,5 83 82,5 Reichsbaak ................ 12 175,75 177,5 176,75 177,4 A.E.G...................... 0 35,5 35 35,75 34,65 Bekula.................... 10 141,4 141,5 141,25 141,4 Elektr. Lieferungsgesellschaft... 5 107,5 107,75 108,65 108 Licht und Kraft ........... 6)4 128,75 127 128,25 127 Felten & Guilleaume......... 4 101 100,5 101,13 100,25 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung 6 121,13 120 122 120,75 Rheinische Elektrizität ........ 6 128 128 127,5 127 Rbein. Wests. Elektr.......... 6 120,25 120 120,5 120 Schuckert & So............... 4 117 116 116,75 116,25 Siemens L Halske............ 7 161,25 161 161 159,9 Lahmeyer LEo.............. 7 121,25 121 121,5 121,75 4 97,75 96 5 Harpener................... 0 106'13 105^65 107'75 lO?^ Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 3 86,25 85 86,25 84,25 Ilse Bergbau ............... 6 — 152,5 150,5 Ilse Bergbau Genüsse........ 6 125 125 125,13 125 Klöcknerwerke ............... 3 83,75 82 83,75 82 Mannes mann-Röhren...... 0 78,75 76 78.65 76 - Frankfurt a. M. Berlin Schlußkurs Schlußk. Abendbörse Schlußkurs Schlußk. Mittag- börse Datum 9.11. 11-11. 9.11 11.11. ManSfelder Bergbau....... . 5 118 117,5 118 117,75 Kokswerke................ . 6 — 113 112,4 Rheinische Braunkohlen .... 12 213 212 212 210 Rheinstahl ................ . 4 103,5 102 104 102,25 Bereinigte Stahlwerke...... . 0 77,25 75,25 77,13 75,13 Otavi Minen ............. . 0 18,5 18,5 18,5 18,5 Kaliwerke Aschersleben...... . 5 126,5 125,25 126,5 Kaliwerke Westeregeln...... . 5 120 — 120 121,25 Kaliwerke Salzdetfurth..... iya — 177,5 178 g. G. Farben-Jndustrie..... • ? 146,5 145,5 146,5 145,5 Scheideanstalt............. . 9 207 206,5 —— Goldschmidt .............. . 5 104 102,5 103,5 102,5 Rütgerswerke ............. . 6 109,75 110,13 111 109,5 Metällgesellschaft........... - 4 103,5 103,5 104 104 Philipp Holzmann......... . 4 88 86 87,5 85,25 Zementwerk Heidelberg .... . 7 116,25 115,5 Cementwerk Karlstadt....... . 6 130 130 Schultheis Patzenhofer ..... . 4 _ — 101,25 100,5 Aku (Allgemeine Kunstseide) . 0 52,75 52,75 52,75 52,9 Bemberg................. . 5 103 103 103,13 101,25 Zellstoff Waldhof .......... . 6 108,5 107,5 109 108 Zellstoff Aschaffenburg ..... . 0 76 73 75 73,25 Dessauer Gas ............. . 7 — —— 125 124 Daimler Motoren.......... . 0 90 88 90,5 88,13 Deutsche Linoleum......... . 8 137,5 136,25 137,13 136 Orenstcin L Koppel........ . 0 — — 76 74 Westdeutsche Kaufhof....... . 0 23,9 23,65 24 23,25 Chade.................... 71 /. 293,5 294,5 294 295,25 Accumulatoren-Fabrtk...... 12 168,75 168,5 169,4 168,9 Eonti-Gummi............. . 8 156 155 155,5 155 Grttzner................... . 0 27 27 27 27,5 Mainkraftwerke Höchst a.M.. . A 87,75 87,75 - Süddeutscher Zucker .MM.M 10 203 203 I 203,25 203 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 2H. Banknoten. 9. November 11 November Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld I Brief Buenos Sitte: 0,673 0,677 0,673 0,677 Brüssel..... 42,03 42,11 42,03 42,11 Rio oe Ian. 0,141 0,143 0,141 0,143 Sofia...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,66 54,76 54,66 54,76 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,24 12,27 12,24 12,27 Heljingfors.. 5,395 5,405 5,395 5,405 Paris ...... 16,37 16,41 16,365 16,405 Holland .... 168,81 169,15 168,69 169,03 Italien..... 20,20 20,24 20,20 20,24 Japan ...... 0,715 0,717 0,715 0,717 Jugoslawien 5,654 5,666 5,654 5,666 Oslo..... : 61,46 61,58 61,46 61,58 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon... 11,10 11,12 11,10 11,12 Stockholm... 63,09 63,21 63,09 63,21 Schweiz .... 80,84 81,00 80,84 81,00 Spanien.... 33,94 34,00 33,94 34,00 Prag....... Budapest ... 10,265 10,285 10,265 10,285 Neuyork... 2,486 2,490 2,486 2,490 Berlin,) 1 .November Geld Briei Amerikanische Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,88 42,04 Dänische Noten ................. 54,45 54,67 Englische Noten ................. 12,205 12,245 Französische Noten............... 16,315 16,375 Holländische Noten............... 168,27 168,95 Italienische Noten................ 19,46 19,54 Norwegische Noten .............. 61,30 61,54 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling — Rumänische Noten............... - Schwedische Noten............... 62,92 63,18 Schweizer Noten.................. 80,66 80,98 Spanische Noten................. 33,58 33,72 Ungarische Notea ................ Nr. 265 Drittes Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen) Dienstag, (2. November (935 Verufserziehiing der Deutschen Arbeitsfront. Don Diplom-Kaufmann Wilhelm Viertes. diese zu kaufen. Aber auch in Notzeiten darf die durch systematische Schulung erreichte Leistung nicht unterschätzt werden, sind wir doch unter voller Ausnutzung der genialen Erfindungskräfte der Technik und des wirtschaftlichen Lebens hierdurch in der Vom Führer wurde der Deutschen Arbeitsfront die Sorge für die Berufserziehung übertragen. Wenn die Deutsche Arbeitsfront im Zuge der Ausführung dieser Anordnung nun in allen Kreisen des ganzen Reiches Arbeitspläne aufstellt, die jedem Volksgenossen die Möglichkeit geben sollen, sich in seinem Berufe weiter auszubilden, so hat sie gleichzeitig hiermit die Aufgabe zu erfüllen, durch die Be- rufserziehungsarbeit die eigenen Kräfte der Volksgenossen innerhalb des Arbeitslebens zu entfalten, zu richten und in den Dienst aller schaffenden Deutschen zu stellen. Die Erfüllung dieser Aufgabe geschieht durch Neben und Anwenden. Die Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung der DAF. bat zusammen mit den Reichsbetriebsgemeinschaften die Aufgabe, Uebungs- und Studienmöglichkeiten für einen möglichst breiten Teil aller schaffenden Volksgenossen oorzubereiten und aufzubauen. Es ist klar, daß der Nationalsozialismus als Weltanschauung mit ganz bestimmten politischen, sozialen und ethischen Begriffen und Werten eine andere Erziehung und Bildung des deutschen Menschen vor- aussetzt, als der von ihm endgültig abgelöste Liberalismus aller Schattierungen. Wenn der Marxismus und Liberalismus in der Bildung und besonders in der Berufsbildung nur ein Werkzeug sah, dessen sich der einzelne nach seinem Belieben bedienen konnte, so sahen sich die Gewerkschaften und Verbände verpflichtet, ihren Mitgliedern Möglichkeiten der Entwicklung ihres Berufswissens und -könnens zu bieten, damit der einzelne daraus für sich Nutzen ziehe. „Freie Bahn dem Tüchtigen" hieß dann nichts anderes als „Triumph des Strebertums und der stärkeren Ellenbogen." Der- Nationalsozialismus hat an die Stelle des Individuums die Gemeinschaft des Volkes, die Nation gesetzt und diese in den Mittelpunkt des Denkens gerückt. Wenn wir heute Erziehung und Berufserziehung treiben, dann nicht deshalb, um dem Strebertum des Einzelnen damit Vorschub zu leisten; Erziehung ist für uns eine Forderung aus Ren Gründen, zur Steigerung der Leistung samtnation. und des Einzelnen für die Nation. Es ist nicht mehr in das Belieben des Einzelnen gestellt, ob und aus welchen Gründen er sich einer Berufserziehung unterziehen will, um hieraus seinen entsprechenden Nutzen schlagen zu können, sondern die Nation hat den unbedingten Anspruch darauf, daß jeder, dem sie Arbeit und Brot gibt im Interesse der Gemeinschaft, feine Berufsleistung bedingungslos entsprechend der in ihm wohnenden Kräfte in den Dienst der Volksgemeinschaft stellt. Es ist Pflicht jedes arbeitenden deutschen Menschen, nach besten Kräften an der Verbesserung seiner beruflichen Leistung zu arbeiten, um auch auf diesem Wege einen Teil seiner Dankesschuld der Nation, die ihm Arbeit und Brot gibt, gegenüber abzutragen. Wenn der Marxismus und Liberalismus in der vergangenen, arbeitslosen, „paradiesischen" Zeit versuchte, die tägliche Berufsarbeit dem deutschen Arbeiter als einen Fluch, eine Strafe oder eine Ausbeutung vor Augen zu führen, so konnte dieser jüdischen Vorstellung von feiten des deutsch empfindenden Arbeiters kein Verständnis entgegengebracht werden. Der deutsche Arbeiter hat die Arbeit noch nie lediglich als ein Mittel zum Leben aufgefaßt, sondern für ihn war Arbeit ein Bedürfnis und zugleich Entfaltung und Erfüllung des persönlichen Lebens. Letztlich betrachtete er die Arbeit als Dienst an der ihn übergeordneten Gemeinschaft der Nation. Sehen wir so unsere Berufserziehung als politische Aufgabe an, so ist es notwendig, daß wir ihr voranstellen den alten, nordisch-deutschen Ar- beitsbegriff und die Begriffe von Arbeitsstolz und Arbeitsehre. Wenn sich der Nationalsozialismus und in feiner Organisation die Deutsche Arbeitsfront der Berufserziehung widmet, fo ist die gestellte Aufgabe nicht dadurch erfüllt, daß an der Beseitigung der Arbeitslosigkeit oder der Behebung des gegenwärtigen Facharbeitermangels gearbeitet wird, sondern die Berufserziehung hat über diese Tagesaufgaben hinaus, wie bereits gesagt, noch einen politischen Sinn. Würde die Berufserziehung bei der Erfüllung der gestellten Tagesaufgaben stehen bleiben, so mußten diese Maßnahmen nur als Gelegenheit- oder Verlegenheitsmaßnahmen angesehen werden. In alle Gebiete des politischen Lebens muß die nationalsozialistische Berufserziehung eingreifen und so ein Instrument der Menschenführung werden. Hat die kapitalistische Welt zusammen mit dem Bolschewismus gegen Deutschland einen Arbeits- und Wirtschaftskrieg heraufbeschworen, so ergibt sich für die Berufserziehung, die uns als Mittel zur Leistungssteigerung dient, eine wehrpolitische Aufgabe. Durch die Leistungssteigerung ist dafür zu sorgen, daß die deutsche Ware in der ganzen Welt als die beste anerkannt werden muß und so die Welt gezwungen wird auf Grund der Qualität der deutschen Ware Lage, in Deutschland aus dem ihm gegebenen Raum solange es eben sein muß zu leben. Wenn wir die Steigerung der deutschen Arbeitsleistung durch Berufserziehung als Steigerung der Lebenskraft der Nation erkannt haben, so muß der Stolz des schaffenden Deutschen auf seine Nation und ihre Leistung auch wachsen. Es wächst weiter im arbeitenden deutschen Menschen die Freude am Dasein und der Wille zur Zukunft. Die Kreiswaltung der Deutschen Arbeitsfront in Gießen hat in den letzten Tagen ihren Arbeitsplan den Betriebsführern und Gefolgfchaftsmitglie- dem zugeleitet. Die einzelnen Betriebsgemeinschaften sehen die Durchführung einer Reihe von Lehrgängen, Vortragsreihen und Arbeitsgemeinschaften vor, die allen die Möglichkeit bieten, im Kreise beruflich gleich ausgerichteter Arbeitskameraden die berufliche Leistung zu steigern. Wenn wir diese Leistungssteigerung von jedem einzelnen fordern und die Möglichkeit hierzu bieten, so erwartet die Arbeitsschule der DAF. Anmeldungen aus allen Kreisen. Aus der Provinzialhauptstadt. Gemeindefeier der Markusgemeinde. Wie alljährlich hielt die Markusgemeinde am Sonntag ihre Gemeindefeier in der Turnhalle ab, die aus allen Kreisen der Gemeinde stark besucht war. Zu unserer großen Freude konnten wir auch Gäste aus den Frauenhilfen unserer übrigen Gießener Gemeinden sowie von Klein-Linden und Wieseck begrüßen. Der 10. November als Geburtstag Luthers gab der Feier ihren Inhalt. Sprechchöre der Gemeindejugend wiesen auf Luther und feine Tat am 31. Oktober 1517 hin. Lieder der Choraloereinigung der Stadtkirche unter Leitung von Organist Lehrer Simon zeigten etwas von dem kostbaren Schatz unserer alten Choräle und ließen den ernsten Weckruf der Reformationszeit erschallen, wobei besonders auch die neu hinzugekommenen Männerstimmen gut zur Geltung kamen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine Ansprache von Pfarrer R e u s ch (Leihgestern): „Der deutsche Luther". In packenden Worten wußte der Redner das echt deutsche Wesen des Reformators aus feinen Worten und Taten in mannigfacher Hinsicht überaus anschaulich Larzustellen und zeigte zugleich, wie Luthers deutsche Art ihre Kraft und Zielrichtung in seinem Christusglauben hat, der sich auf das Wort Gottes in der Bibel gründet. Dem Hörer kam dabei immer wieder die große Gegenwartsbedeutung des Reformators zum Bewußtsein. So fesselten die Ausführungen die große Versammlung vom ersten bis zum letzten Wort. Ein Stück aus dem bekannten Herrigschen Lutherspiel (Luther und die Bilderstürmer) wurde von der männlichen Gemeindejugend ausgezeichnet dargeboten, besonders war die feste, ihre Widersacher bezwingende Gestalt des Junker-Jörg-Luther vorzüglich dargestellt, aber auch in andere Einzelrollen hatten sich die Spieler gut eingefühlt, fo daß das Spiel die Erwachsenen und Kinder in gleicher Weise packte. Musikalische Darbietungen eines guten Orchesters erfreuten und liehen keinen Leerlauf entstehen. Gemeinsam gesungene Lutherchoräle ließen immer wieder alle des großen Erbes unserer evangelischen Kirche bewußt werden und riefen aus zur Treue am Vermächtnis unserer Väter. Tiefen Eindruck machte als etwas Besonderes die tiefgegründete Ansprache eines Mitglieds der Frauenhilfe, die auf die zentrale Art aller Gemeindearbeit, religiöse Stärkung und Bereicherung hinwies und zur ernsthaften Beteiligung aller Gemeindeglieder im Dienst unserer Markusgemeinde und damit unseres Volkes aufrief. Wie in den früheren Jahren hatte auch diesmal wieder die Frauenhilfe der Markusgemeinde die Feier gerüstet und für Kaffee und Kuchen gesorgt. Die weißgedeckten Tische mit ihrem Blumenschmuck gaben auch äußerlich der ganzen Veranstaltung den Charakter einer großen Familienfeier. Und nichts anderes sollte sie ja auch sein als eine Feierstunde der großen Familie der Markusgemeinde. Allen Gemeindegliedern, die durch freundliche Spenden von Kuchen und sonstigen Gaben zu dieser Feier beigetragen haben, insbesondere den vielen Mitgliedern der Markussrauenhilfe, die in der Vorbereitung und am Tag selbst freudig im Dienst der Gemeinde standen, möge auch hier noch der herzliche Dank ausgesprochen sein. Es war ein Festtag! Möge die Gemeinde immer mehr zu einer Gemeinschaft werden, die auch im Alltag sich zusammengehörig weiß durch gemeinsamen Besitz großer Güter und ernste Verpflichtung aller füreinander im brüderlichen Dienst. Dann leistet sie an ihrem Teil ernsthafte Aufbauarbeit im Dienste unseres geliebten deutschen Volkes, wozu wir alle uns aufgerufen wissen. Vornoiüen. Tageskalender für Dienstag. NSG. „Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.30 Uhr, ftöhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen, in der alten Pestalozzischule; 20.30 bis 21.30 Uhr, Ski- Gymnastik und allgemeine Körperschule in der Schillerschule: 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr, Schwimmen im Volksbad; 21 bis 22 Uhr, Reiten, Reitschule Schömbs. — Stadttheater: 20 bis 23 Uhr, „Peer Gynt". — Volksbildungsstätte (Volkshochschule): 20.15 Uhr, im Studentenhaus, Eröffnungsabend. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Mutter der Kompanie". — Gloria-Palast, Seltersweg: 20 Uhr, Eröffnungs- und Festoorstellung „Die Pompadour". Die palucca tanzt! Aus dem Büro des Gießener Stadttheaters wird uns geschrieben: Unter diesem Motto steht das Gastspiel der großen Tanzkünstlerin Palucca, die auf Einladung der Intendanz im Stadttheater Gießen am Montag, 18. November, ein einmaliges Tanzgastspiel gibt. Dieses Gastspiel dürfte gerade für Gießen von um so größerer Bedeutung fein, als diese Tänzerin kurz nach ihren sensationellen Erfolgen bei den deutschen Tanzfestspielen in Berlin Rundstücke. Cine Kindheitserinnerung von Hermann Claudius. Peter Arp trug frühmorgens für den Bäcker Tel- schopp die Rundstücke aus. Ich hatte das nicht nötig. So wenig mein alter Vater durch mühselige Botengänge verdienen mochte, niemals war das Wort gefallen, daß der älteste Junge hinzuverdie- nen sollte. Und ich war auch sogar etwas stolz darauf. Aber Peter Arp wußte soviel Wunderbares von seinen Morgengängen zu erzählen! Wir saßen im Abendschummern hinter der hohen Holzplanke am Ende unserer Terrasse in jenem Grenzgraben, der dort vom Katersteg hier in krausen Windungen Hamburg und Preußen voneinander schied. Und Peter Arp verteilte. Er sah uns dabei nicht an, sondern hielt den Kopf weit in den Nacken gelegt und blinzelte in die Ferne, als ob feine Geschichten dort anspaziert kämen. Wir vier, fünf Jungs aber ließen fein Auge von ihm. Wir hockten eng beisammen. Und wenn die Geschichte am gruseligsten wurde, durchschauerte es uns alle miteinander. Genug — mich packte die unbändige Lust, auch zu erleben. Und eines guten Morgens wischte ich vor Tau und Tag aus der Tür und schloß mich Peter Arp zum Brotaustragen an. Es mag gegen Ende September gewesen sein. Der Himmel lag grau über den grauen Häusern. Alle Fenster waren noch blind. Nur hier und dort ein seltenes Licht, das geheimnisvoll leuchtete. Die Terrasse widerhallte von unseren kurzen Schritten. Beim Haus Nr. 3 war das Licht heller. Die Tür- glocke gellte hart in die Morgenstille. Wir standen vor der Tonbank in dem engen Brotladen. Es duftete nach frischem Brot, daß mir das Wasser im Munde zusammenrann. Bäcker Telschopp trat durch die Hintertür. Groß und breit stand er da. Sein mächtiger Oberkörper war nackt. Die blaue Hose hielt er mit einem Lederriemen um die Hüften geschnürt. Einen Augenblick glaste er uns aus Srauen müden Augen an, dann brummte er etwas Unverständliches in feinen überhängenden Bart und zählte mit plumpen Würfen die Rundstücke in einen leeren Korb, den Peter Arp inzwischen vom Bord genommen und auf die Tonbank gestellt hatte. Ich sah, wie Peter Arp eifrig mitzählte. Und richtig: am Ende war es ein Rundstück zu wenig — sagte Peter Arp wenigstens und ließ nicht locker, bis Vater Telschopp ihm knurrend noch ein Überzähliges Rundstück in den Korb nachwarf. Draußen auf dem Flur brach Peter Arp es sofort auseinander und reichte mir grinfend die Hälfte. Ich kam mir leibhaftig wie ein Verbrecher vor. Aber der Duft stieg mir fo lieblich in die Nase, daß ich hineinbiß. „Das ist doch Betrug" — sagte ich draußen. „Zu Hause krieg ich keins", antwortete Peter Arp und war schon halb über das Pflaster nach Haus Nr. 8. Die Tür fiel schnell hinter ihm zu. Ich blieb draußen zurück. Der Himmel über den Dächern war jetzt bunt geworden. Eine langgestreckte Wolke sah aus wie ein Ungeheuer mit rotem Bauch und schwarzem Rücken. Jetzt öffnete es das Maul, als wollte es die aufgehende Sonne gleich wieder verschlingen. Da war Peter Arp wieder da, und ich hakte hurtig meinen linken Arm in seinen Korb und half mit tragen. So kam ich hausein, hausaus, treppauf, treppab. Gespenstisch leuchteten die weißen Brotbeutel. Hier und dort mußte Peter Arp wecken. Er trommelte so lange gegen die Tür, bis jemand von drinnen Antwort gab. Es war immer eine ärgerliche Antwort. „Macht nix", sagte Peter Arp, „die am meisten schimpfen, geben das beste Trinkgeld." Als wir aus dem Haus Nr. 9 herauskamen, rorkelte ein großer, ungeschlachter Kerl die Fliesenreihe daher. Der eingebeulte Hut saß ihm schief auf dem Kopf. Die rechte Schulter und der rechte Aermel hatten irgendwo eine weiße Kalkwand gestreift. „Der dune Dullbart", sagte Peter Arp und lief mit feinem Korb hart gegen ihn an. Dullbart, der immer betrunkene Tischlermeister von Haus Nr. 11 — er war es wirklich — blieb stehen, wollte sich nach dem Anrempler umsehen, schwankte und sackte wie ein Kloß in den Rinnstein. Peter Arp nahm den weggetrudelten Hut auf und wippte ihn lachend auf den eisernen Stiefel, der vor Haus Nr. 5 die Schusterei von Ian Jessen anzeigte. Nun mußten wir über die Eimsbütteler Chaussee nach der Millionenterrasse. Die Häuserreihe war nicht lang, aber vier Stockwerke hoch und alles Kunden. Als lütter Junge war ich hier einmal von einem großen Köter gebissen worden. Seitdem hatte die Millionenterrasse etwas Schreckhaftes für mich. Jedenfalls blieb ich unten norm Hauseinang stehen, drei Stufen hoch, und fah durch das hohe Eisengitter in den Park hinunter. Hier waren die Eichen und Rüstern noch schön grün, während die Straßenlinden schon gelb zu werden anfingen. Und hinter den Eichen und Rüstern und bunten Ahornbäumen war unser Obstgarten. Die Leute waren meistens verreist. Und der alte Kutscher nicht wachsam genug Oder er dachte: laß sie man! Also kletterten wir abends heimlich über und stopften uns schnell die Taschen voll Fallobst. Daß genug Fallobst da war, dafür sorgten wir höchsteigenhändig selbst. Ich hatte das Manöver bisher nur einmal mitgemacht und hatte auch nur einen Apfel ergattert. Und als ich hineinbiß, war er sauer gewesen. Das Eisengitter kam mir wie ein Gefängnisgitter vor. Als ich Peter Arp das einmal sagte, sah er mich mit ernsten Augen an und meinte: „11 n - s e r Gefängnis; darum müssen wir auch überklettern". Hinter mir klappte die Tür. Peter Arp war wieder da. Und nun half es nichts, ich mußte mit- laufcn, die letzten Kunden zu bedienen. Als wir wieder über die Chaussee zurückwvllten, kam vom Heußhvf her ein lautes Lärmen mit vielem Ha! und Ho! Und ehe wir's uns noch recht versahen, staken wir mit unserem großen Brotkorb mit in einer Ochsenherde, die von Ochsentreibern nach der Rinderhalle auf dem Heiligengeistfeld getrieben wurde. Die Tiere waren aufgeregt und schnoben. Mich ergriff eine große Angst. Aber Peter Arp zog mich heil hindurch. Im allerletzten Augenblick nur rannte ein großer Ochse gegen unfern Korb, daß die letzten Rundstücke herausflogen und im Dreck lagen. Das waren gerade die Rundstücke für die Spätaufsteher in unserer Terrasse. Was nun? Wir zogen zu Bäcker Telschopp zurück. Und ehe ich wußte, was los war, hörte ich Peter Arp dem Bäckermeister ein lang und zwei breit eine vollkommene Geschichte von einem Brotdieb erzählen, der uns von Haus zu Haus heimlich nachgestellt habe, dem wir aber immer entwischt wären, bis er zuallerletzt uns doch den Korb von hinten weggerissen hätte. Aber Rundstücke hätte er trotzdem nicht bekommen. Denn er, Peter Arp, habe den Korb schnell umgekehrt. Und alle Rundstücke seien in den Matsch gerollt. Bäcker Telschopp stand groß hinter seiner Tonbank, den mächtigen nackten Oberkörper zurückgelehnt gegen die Bordwand. Der Lederriemen schnürte wieder die blaue Hose. Mit seinen großen grauen Augen sah er meinen Freund an. Als ich aber meinte, er würde den Lügner entlarven und ihm eine herunterhauen — denn er zog seine Arme langsam gegen die Hüften — da geschah es, daß Bäcker Telschopp sich vorbeugte und laut zu lachen anfing, derart zu lachen und zu prüften, daß ihm der Robbenbart stoßweise hochwippte und ihm die Feiste seines Wanstes über den Lederriemen quoll Ich stand sprachlos. Aber Peter Arp lachte mit, lachte noch lauter als der Bäcker selber. Und keiner von beiden merkte, daß ich ohne Lachen dabeistand. Danach warf Bäcker Telschopp die Rundstücke, die sein tapferer Austräger verlangte, ohne ein weiteres Wort in den Korb. Es war wieder eins übrig. Aber diesmal steckte es Peter Arp allein in die Tafche. in Gießen einen ihrer ersten Tanzabende gibt. Es gibt wohl kaum ein Theater von Rang und Be» Deutung, das die Tänzerin Palucca nicht zu einem Gastabend verpflichtet hätte. Auch bei dem Pro« gramm des Tanzabends in unserem Theater entfaltet diese geborene Tänzerin den ganzen Reichtum ihrer Anmut. Wenn man den Weg dieser Frau verfolgt, so kann man sich dem einstimmigen Urteil der deutschen und internationalen Presse nicht verschließen, daß die Tanzabende der Palucca einen Siegeszug durch Deutschland und die gesamte Welt bedeuten. Wenn die Tanzkunst als solche durch Können und Künstlertum dieser Frau solche (Erfolge zeitigt, dann müssen wir stolz darauf fein, diese Künstlerin zu den Unfern zählen zu können. Wer könnte besser unsere Kraft für den Alltagskampf steigern und stärken als Palucca mit ihren Tänzen, daraus rein und leuchtend die Freude an Dasein und Welt bricht. Palucca tanzen zu sehen, wird vielen ein Erlebnis sein. Um allen den Besuch dieses Abends zu ermöglichen, hat die Intendanz trotz der vielfachen Mühen beim Zustandekommen dieses Gastspiels denkbar kleine Preise angesetzt. Das Gastspiel ist außer Abonnement und dauert von 20 bis 22 Uhr. Stadttheater Gießen. Heute, von 20 bis 23 Uhr, zum erstenmal dis Neueinstudierung „Peer Gynt", dramatisches Gedicht von Henrik Ibsen. Musik von Edward Grieg. Die Uebersetzung von Dietrich Eckart hat Hans von Spallart feiner Bearbeitung und Inszenierung zugrundegelegt. Musikalische Leitung Ernst Bräuer. 7. Dienstag-Abonnement. NSDAP. Ortsgruppe Gieheu-Ost. Freitag, 15. November, abends 8.30 Uhr, im Cafe Leib Kundgebung. Es spricht: Pg. Jean B u 11 m a n n , Kreisleiter z. b. 23. Wir laben hierzu alle Volksgenossen herzlichst ein! Für Parteigenossen und Mitglieder der Gliederungen ist die Teilnahme selbstverständliche Pflicht! Eintritt frei! Lebensmittel-pfundpäckchen-Samm- lung in der Ortsgruppe Gießen-Ost. Die Sammlung für November wird Dienstag, 12. und Mittwoch, 13. November von der NS.- Frauenschaft durchgeführt. Es wird gebeten, die Pfundpäckchen bereit zu halten und den Inhalt der Päckchen außen sichtbar anzugeben. NSV., Ortsgruppe Mitte. Vetr. pfunbfammlung. Am Mittwoch, 13. November, werden die Spenden (Pfundfammlung) dur die NS-Frauenschaft eingefammelt. Die Hausfrauen werden gebeten, den Inhalt der Päckchen auf der Umhüllung kenntlich zu machen und die Mitgliedskarten zur Quittungsein- Zeichnung bereitzuhalten. Die Pfundsammlung erstreckt sich während der Dauer des WHW. wieder auf alle Volksgenossen. NSV., Ortsgruppe Gießeu-Nord. Vetr.: Lebensmittelopferring. Mittwoch, 13. d. M., findet die Einziehung des Lebensmittelopferringes für den Monat November statt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Spenden bereitzuhalten und den Inhalt auf die Umhüllungen zu schreiben. 1*3/1 ausgiebig ^und Zahnpflegen^ nachhaltig erfrischend Blücher. Cin deutsches Soldatenbildnis von Wilhelm Schäfer. Als die Erhebung des preußischen Volkes Blücher ins Feld rief, war der Feldmarfchall schon ein Greis, aber fein Name warf Mut in die Menge. Blücher allein hatte nach Jena und Auerstädt den Säbel in der Faust behalten; aus flüchtigem Volk raffte er noch ein Heer mit dem Rest feiner Reiter, sich über See mit englischen Schiffen nach Danzig zu schlagen. Er kämpfte sich durch bis nach Lübeck, er brachte die Wut der Franzosen und unermeßliches Leid über die Reichsstadt und wurde trotzdem gefangen; aber der tollkühne Ritt hob feinen Ruhm aus der Schande. Wo eine Hoffnung war, je aus der Knechtschaft zu kommen, wurde sein Name genannt; als sein weißer Schnauzbart in Breslau erkannt war, hatte der kommende Krieg seinen Meister gefunden. Den Marschall Vorwärts hießen die Russen zuerst den fröhlichen Alten, der nie ein bänglicher Zauderer war, der jeglichen Stier bei den Hörnern packte und für den schwankenden Mut der Verbündeten den zornigen Treiber oorstellte. Denn es ging nicht so rasch in den Feldzug, wie die preußischen Herzen erhofften; immer noch war der Korse Meister im Feld, immer noch wußte der Kaiser neue Heere zu raffen. Bei Lützen und Bautzen wurde die preußische Landwehr zweimal geschlagen, und Scharnhorst, iyr Schöpfer, sank in die blutige Mahd: schon fingen die Federn ihr Kritzelwerk an, schon schien den Schwachen der Feldzug verloren. Aber der Waffenstillstand wurde fein Friede, und als der Kampf im Sommer neu brannte, war die Habsburger Hofburg dem Bund beigetreten. Da endlich gelang es dem zornigen Marschall, das Wasser auf feine Mühlen zu bringen; an der Katz- bach schlug er die erste siegreiche Schlacht über dis stolzen Franzosen, und nun blieb das Glück seiner Landwehr günstig bis sie bei Möckern Sieger wurde. Der Marschall Blücher blieb der zornige Treiber, und eher ruhte sein Ungestüm nicht, bis die Fürsten und Federn seinem Säbel den Weg nach Frankreich freigaben. Er war kein Meister der langen Berechnung, und er liebte die hohe Strategie nicht; ein Haudegen nur — von Gneisenau, seinem Feldherrn, mit Umsicht geleitet — ritt tollkühn ins Feld: aber den fröhlichen Schnauzbart liebten die Jungen und Alten, weil er aus uraltem Holz germanischer Reiter- und Kriegslust geschnitzt war. Geldspenden bis 4. November 1935. 31.10. RM. 29.10. 2.11. 30.10. 13690,68 Gesamtsumme 30.10. DieZungvolkpimpfe sammeln Brot! lipp trat nai ♦n Reichskanzlers sowie der Reichsbahn überreicht. 1239: Dicke Linsensuppe nach Hausfrauenart. Für 4 Personen. 2Tene, 28.10. 29.10. das der 31.10. 2.11. 4.11. 100,— 200,— 74,10 5 — 6,60 14,75 6,75 9,90 Am 26.10. € si 19,— 12,35 17,50 50,10 8,05 39,46 191,48 8,40 14,90 16,40 6,80 9,70 61,35 34,— 8,65 29,60 24,80 36,55 17,85 9,40 38,15 13,49 285,15 un- für 1935 1694,58 11996,10 82,— 20,50 15 — 8,90 20,— 5,— 11,— 20,— 10,— 18,15 20,— 5,— 25,— 25,— 38,80 land ernähren. Daher sei die Wiedergewinnung serer heute unter Mandat stehenden Kolonien das deutsche Volk durchaus wünschenswert. Die Ausführungen Prof. K lut es fanden vollste Interesse der Zuhörer, was am Schluß lebhafte Beifall bewies. Biebertalbahn, Gießen Adolf Geiße, Gießen Verein Union, Gießen I. Barnaß, Gießen Pelikan-Apotheke, Gießen Abgeschlossen am 4. November Vorheriges Gesamtergebnis Erna Sack und Herbert Ernst Groh, Veranstaltung in Heuchelheim Nordd. Hefe und Sprit, Gießen Reichsbund Deutscher Offiziere, Og. Gießen Schützenverein Gießen Altersvereinigung 1884,_ Gießen Wilhelm Friedrich, Gießen Prinz Solms-Hohensolms-Lich Professor Börstel, Gießen Frhr. v. Lemmers, Gießen W. Geora i. Fa. Reinig, Gießen Ludwig Rühl, Gießen Dr. Gail, Gießen Professor Dr. August Messer, Gießen Dr. Emil Vogt Wwe., Gießen August Schunk, Gießen Burschenschaft Einigkeit, Heuchelheim Stab I. Abt. Art.-Regt. 9, Gießen Gesolgschasts- und Betriebsspenden. Arbeitsamt Gießen Sack & Iughardt, Gießen Mannesmannröhren, Gießen Max Hertel, Kesselbach Oberer Hardthof Gießen Oeffentl. Handelslehranstalt, Gießen Angestellten der Bezirkssparkasse, Gießen Beamten der Bezirkssparkasse, Gießen I. B. Noll, Gießen Allgemeine Ortskrankenkasse Gießen Arbeitsamt Gießen Kaufhaus Kerber, Gießen Schuhhaus Darr6, Gießen Eierteigwarenfabrik, Gießen Karzentra, Gießen Nachdem vor vier Wochen die Jungmädel im BDRl. mit dem ganzen fanatischen Eifer, den die Jugend aufbringen kann, kinderwösche und Kleidung für das diesjährige WhW. mit überraschend großem Erfolg in der Bevölkerung von Stadt und Kreis Gießen gesammelt haben, rüsten sich nunmehr die Jüngsten aus der Hitlerjugend, um, wie in den Vorjahren, sich wiederum in den Dienst der großen Sache zu stellen. Es ist bewunderungswert, welch' soziales Mitgefühl gerade die Kinder aufbringen, die innerhalb ihrer Jungvolk- organisalion zu wahrer sozialer Kameradschaft erzogen werden, und die im Herzen das leuchtende Vorbild unseres Führers am hellsten tragen. Dazu kommt ein Schuß Ehrgeiz der einzelnen Fähnlein, sich im Ergebnis ihrer Sammlung zu überbieten. So ist auch in diesem Jahre für die am kommenden Samstag durchzuführende V r o t - sammlung für das WHW. von dieser Seite aus alles bestens gerüstet. Daß der Erfolg wieder der Gleiche wird, oder sogar den vorjährigen noch übertrifft, hängt nunmehr allein von der Opferfreudigkeit aller Vevölkerungsschichten in Stadt und Land ab. Wenn jeder bedenkt, daß das hier gesammelte Vrot in eines der größten Notstandsgebiete unseres Gaues, nach Offenbach geht, in dem durch die Notlage des Lederhandwerkes heute noch große Bevölkerungsteile nicht wieder in den Arbeitskampf eingeschaltet werden konnten, so wird sich jeder verpflichtet fühlen, im Rahmen dieser Sammelaktion sein Scherflein beizusteuern. Ls darf nicht sein, daß ein Volksgenosse, der zu 4.11. Fr. Teipel, Gießen Buderus, Lollar Genossenschaft für Häute- und Fett- verwertung Franz Bette, Gießen W. & G. Schuchhard, Gießen Rinn & Cloos, Gießen-Heuchelheim Kaeß Nachfolger, Gießen Theodor Köhler, Gießen Bänninger G. m. b. H., Gießen Milärgenchisbatteit und Mlitärstrasrecht Vortrag von Kriegsgerichtsrat Echiffler vor den Lungjuristen. Regt. 116, in , ..... _ später Reichswehr-Schützen-Regiment 22, ein. ** Vierzig Jahre im Dienste der Reichsbahn. Gestern konnte der Reichsbahn- Zugführer Martin Schneider von hier, Glaub- rechtftraße 14, das Jubiläum feiner 40jährigen Dienstzeit bei der Reichsbahn begehen. Aus diesem Anlaß wurden ihm von dem Vorstand des Reichsbahn-Betriebsamtes Gießen, .Oberbaurat Wilke, Dank- und Glückwunschschreiben des Führers und geben in der Lage ist, sich ausschliehen will mit der Begründung, daß die Sammlungen und Spenden zu häufig kämen, daß er am 1. des Monats schon einen Gehaltsabzug hingenommen, am Sonntag darauf die erste Plakette des WHW. gekauft habe, daß er am letzten Sonntag erst für die Eintops- spende gab —, nein, das alles ist, gemessen an der Not, die wir im WhW. lindern wollen, ja so wenig. So lange ein gesichertes heim und feste Arbeit dem Einzelnen erlaubt, sich rechtschaffen, wenn vielleicht auch nur bescheiden, durchzuschlagen, muß er fernen für die ärmffen Brüder Opfer zu bringen. Und Opfer bringen heißt Verzicht leisten, nicht, wie früher im Rahmen der üblichen Dohlfahrtsveran- staltungen, Almosen geben mit Vergnügen verbunden. So erwartet am kommenden Samstag die kreis- führung des WHW., daß unsere Pimpfe an keiner Tür vergeblich schellen. Wir alle wollen beweisen, daß Stadt und kreis Gießen den Appell unseres großen Führers anläßlich der Eröffnung des WHW. verstanden haben und danach handeln. Die Kreisführung des WHW. Gießen. An atteLastkrastwagenbefiher. Wir bringen unseren Aufruf in (Erinnerung, in dem wir baten, uns für Samstag nachmittag, 16. November, und Sonntag, 17. November, ihre Lastfahrzeuge zur Verfügung zu stellen. Meldung nimmt jederzeit entgegen die Kreisführung des WHW. Gießen, Abteilung Organisation, Fernruf: 2297. Oie Industrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: Die vorn Werberat der deutschen Wirtschaft in Zusammenarbeit mit dem Leipziger Messeamt herausgegebene Broschüre „Ergebnis der Leipziger Herbstmesse 1935" liegt der Kammer vor und steht zur Einsichtnahme zur Verfügung. Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Don 20.30 bis 21.30 Uhr, Alte Pestalozzischule, Wernerwall. Schwimmen für Frauen und Männer. Von 20 bis 21 und von 21 bis 22 Uhr, Volksbad. Reiten. Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Gießener Dochenmarktpreise. * Gießen, 12. Nov. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (bulgarische Kühlhaus) 11, (jugoslawische) Klasse C 103/«, (inländische frische) Klasse A 123/i, Wirsing, das Pfund 6 bis 10 Pf., der Zentner 7 bis 8 Mark, Weißkraut, das Pfund 4 bis 8 Pf., der Zentner 4 bis 8 Mark, Rotkraut, das Pfund 8 bis 12 Pf., der Zentner 8 bis 10 Mark, Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 5 bis 8, Grünkohl 15 bis 20, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 80 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 25 bis 35 Pf., Zwiebeln 7, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Aepfel, das Pfund 12 bis 30 Pf., der Zentner 12 bis 25 Mark, Birnen, das Pfund 10 bis 25 Pf., Nüsse 50 bis 60, Zwetschenhonig 40, junge Hähne 80 Pf. bis 1 Mark, Gänse 80 bis 90 Pf., Blumenkohl, das Stück 10 bis 50, Salat 8 bis 10, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 12, Sellerie 5 bis 25, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bund 10 Pf. * Ausgehend von den Grundlagen der Militärgerichtsbarkeit und des Militärftrafrechts, dem RMStGB., RStGB., der Disziplinarstrafordnung und der Militärstrafgerichtsordnung, gab der Redner in feinem Vortrag im Jungjuristen-Schulungs- lager auf dem Gleiberg zunächst einen kurzen Ueberblick über die geschichtliche Entwicklung. Nachdem 1920 die Militärgerichtsbarkeit abgeschafft worden war, wurden die von Soldaten begangenen Straftaten von den ordentlichen Gerichten abgeurteilt. Dies war jedoch auf die Dauer, insbesondere im Hinblick auf die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, nicht mehr tragbar, da die besonderen Belange der Militärbehörden durch die Verurteilung Heeresangehöriger seitens der ordentlichen Gerichte nicht genügend gewahrt wurden. Es wurde daher ein neues MStGB. geschaffen, das am 1. 1. 1934 in Kraft trat. An Hand von Zahlen legte der Redner den Umfang der Tätigkeit der Kriegsgerichte dar. Jeder Soldat, jeder Angehörige der Kriegsmarine und der Kriegsschiffe, im Kriege außerdem auch noch Gefangene und ausländische Offiziere, die im Heere dienen und in gewissen Fällen auch Zivilpersonen fallen wegen sämtlicher strafbaren Handlungen unter die Militärgerichtsbarkeit. Ebenso unterliegen ihr Wehrpflichtige des Be- urlaubtenstandes für die bei Wehrversammlungen und Reserveübungen begangenen Verstöße. Was das Verfahren anbelangt, sind drei Instanzen zu unterscheiden. Erste Instanz ist das K r i e g s- gericht, das sich bei jeder Division befindet. Als zweite Instanz ist bei jedem Korps ein Korps- oder Oberkriegsgericht gebildet. Ein besonderer Senat beim Reichsgericht stellt die dritte Instanz, die Revisionsin stanz, dar. Das Kriegsgericht setzt sich zusammen aus einem Kriegsgerichtsrat und zwei Beisitzern. Der Kriegsgerichts- rat, der außer seiner normalen juristischen Ausbil- düng noch seiner Wehrpflicht genügt haben muß, hat gegenüber den ordentlichen Richtern insofern eine eigenartige Stellung, als er Richter und Staatsanwalt in einer Person, allerdings nicht in ein und derselben Sache ist. Jeder Divisionsbezirk ist in drei Teile eingeteilt. Diese einzelnen Teile werden den drei Kriegsgerichtsräten, die sich bei der Division befinden, derart zugewiesen, daß sie für die in einem Bezirk begangenen strafbaren Handlungen MAGGI8 Linsensuppe wird aus feinstem Linsenmehl hergestellt Deshalb ist sie so leicht verdaulich und wohlbekömmlich. Tausende von Hausfrauen wissen das schon. — MAGGI3 Linsensuppe bildet eine vorzügliche Grundlage für eine dicke Suppe. Versuchen Sie es maL MAGGI5 SUPPEN -dü. ** Der Schlageter-Schild wurde verliehen an W. Philipp, Gießen, Friedensftraße 27, auf Grund seiner Zugehörigkeit zum Hessischen Freikorps, Kompanie Hauptmann Damm. Herr Phi- ck Auflösung seines Reaiments, Jnf.- oas neuaufgestellte Hessische Freikorps, Winterhilfswerk 4935/36 Ortsgruppe Gießen-Süd. Am Montag, 11., Dienstag, 12. und Mittwoch, 13. November findet durch die NS.-Frauenschaft im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd die Pfundsammlung für den Monat November 1935 statt. Es wird gebeten, die Pfundpakete zur Abholung bereit zu halten. Deutsche Arbeitsfront. Ortsgruppe Gießen-Ost. Am Mittwoch, 13. November, abends 8 Uhr pünktlich, findet in der „Germania", Kaiserallee, ein Appell sämtlicher DAF.-Walter der Ortsgruppe Gießen-Ost statt. Mit sofortiger Wirkung beginnt die Mitgliedsbuch-Umschreibung und damit die Einziehung der Mitgliedsbücher. Bei dem Appell werden die genauen Richtlinien über den Einzug der Bücher bekanntgegeben. U. a. werden -auch die Türplaketten ausgegeben. Es ist dringend erforderlich, daß jeder DA F. - Walter an diesem Abend erscheint. Eine Beurlaubung für diesen Appell kommt nicht in Frage. Dauer des Appells zirka 40 Minuten. Volksbildungswerk Gießen Dienstag, den 12. November, 20% Uhr, findet im Studentenhaus der Eröffnungsabend der Volksbildungsstätte Gießen hatt. Es spricht Professor Dr. D u k e n ; die musikalische Umrahmung übernimmt der Leiter der 2Irbeitsgemein= schäft für Singen und Musizieren, Lehrer Siegler. Die Kurse beginnen Mittwoch, 13. November, in der Universität. Alles Nähere ist dem Arbeitsplan zu entnehmen, der kostenlos in allen Buchhandlungen und auf der Geschäftsstelle, Wolfstraße 20, erhältlich ist. Deutsche Arbeitsfront. NS.-Gemelnschafl „Kraft durch Freude-. Das Programm für die Winterfahrten 1935/36 mit „Kraft durch Freude" ist erschienen und auf der Geschäftsstelle, Gießen, Schanzenstraße 18, für 10 Pfg. erhältlich. Sportkurse des Sportamts Gießen Heute folgende Kurse: Allgemeine Körperschule. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Schillerschule, Schillerstraße. dagewesen, und man habe an Hand von Funden festgestellt, daß die afrikanische Steppe im feuchten Diluvium schon bewohnt war. Auch Menschen, wie bei uns der Neandertaler, hätten in der Zeit des Diluviums dort gewohnt. Die Einwohner, die ihrer Sage nach alle von Osten oingewandert sein wollen, zerfallen in Ackerbau treibende und viehzüchtende Stämme. Der letztgenannte sei natürlich viel kriegerischer, als die ackerbautreibenden Bewohner. Charakteristische Waffen seien Lanze, Schild und Schwert. Obwohl der Urwald fruchtbarer sei, sei doch die Steppe dichter besiedelt und je weiter man in der Steppe vordringe, um so größer würden die Dörfer und Städte. Vorratswirtschaft betrieben die Steppenvölker, denn sie hätten sich für ihr Hirsekorn Getreidespeicher errichtet, wo sie bei Bedarf sich einen Teil ihrer Nahrung holen könnten. Die Kleidung bestehe zum größten Teil aus Leder. Ihre Tänze seien zum größten Teil unästhetische Bewegungen nach einer monotonen. Musik. Um das Land für sich nutzbar zu machen, habe der Europäer, nachdem das Elfenbein bald ausgebeutet war und der Sklavenhandel sein Ende gefunden habe, durch intensive Bebauung des Landes und Anlegung von Plantagen die Ernten der Kakaobohnen, des Kaffees und der Oelpalmen stark gesteigert. In den Gebieten, wo noch etwas Ackerbau möglich war, habe man Erdnüsse und Sisal- Hans angepflanzt. In trockeneren Gebieten seien die Baumwollfelder entstanden. Eine andere Möglichkeit der Wirtschaft seien die Viehzucht mit ihren großen Farmen und Herden, sowie die Diamantfunde. Durch die Europäer sei das Land auch mit Eisenbahnen erschlossen, ferner Häfen angelegt worden, und durch die wirtschaftliche Erschließung des Landes durch die Europäer sei die Eigenproduktion der Eingeborenen gewaKsen. Der Europäer in den afrikanischen Kolonien sei auf die Arbeit der Schwarzen angewiesen. Um rentabel zu wirtschaften, könnten die Weißen nicht auf die billige Arbeitskraft der Schwarzen verzichten. Obwohl Afrika sehr dünn besiedelt sei, so sei es doch nicht möglich, eine größere Zahl von Europäern dort anzusiedeln, im Interesse der Verhütung eines weißen Proletariats in diesem Land. Der relativ geringe Geldwert aus Ein- und Ausfuhr einer Kolonie dürfe nicht enttäuschen, denn wenn ein Land Kolonien besäße, könne der Staat die dortigen Erzeugnisse besser kaufen, und bevölkerungspolitisch gesehen habe eine Kolonie für ihr Mutterland noch einen großen Zukunftswert. Wenn auch die Zahl der Volksgenossen, die in den Kolonien sich ansiedeln, ziemlich klein sei. so bleibe doch der bevölkerungspolitische Wert bestehen, denn durch billige Einfuhr der Ware ins Land könne man auch einen Teil, ohne daß er auswandere, im Heimat- ^?a99> 8 Linsen-Suppe, 2 Eßlöffel feine Graupen ..<,•« (Gerste), 11/4 Liter Wasser, geröstete (SemmefoürfeL Die Graupen In 1 Liter Wasser halb weichkochen. — Inzwischen die Linsen-Suppenwürsel mit knapp 1/4 Liter kaltem Wasser glatt- rühren, zu den Graupen geben unb nach her einfachen Dorschrist auf den gelb-roten Würfeln garkochen. Die fertige Suppe an heißer Stelle ziehen lassen unb geröstete Semmelwürfel barübergeben. Brüh- Würstchen ober einige Scheiben Blutwurst vervollständigen die MadlzeiL Die im vergangenen Semester der Universität begonnene Vortragsreihe „W issenschaft im Dienst am Vol k", hervorgegangen aus der Zusammenarbeit der Universität mit der NS.-Gemein- schaft „Kraft durch Freude", wurde mit Beginn des Wintersemesters fortgesetzt. Für dieses Halbjahr ist als Vortragsraum das Kunstwissenschaftliche Institut in der Ludwigstraße genommen worden. Dort batte sich am gestrigen Montagabend eine stattliche Anzahl Volksgenossen eingefunden. Professor Dr. Dietz, der vom Rektorat mit der Leitung dieser Vorträge beauftragt wurde, eröffnete den ersten Abend, dankte dem Direktor des Kunstwissenschaftlichen Instituts für die Bereitstellung des Hörsaals und kam nochmals kurz auf den Sinn dieser Vortragsabende zu sprechen, die jetzt in die Abteilung Volksbildungswerk der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" eingegliedert seien. Ziel sei ein Feierabendwerk zu gestalten. Die Universität als Hüterin der Wissenschaften wolle jedem Volksgenossen einen Einblick gewähren in das Schaffen der Wissenschaftler, um so die Errungenschaften der wissen- scyaftlichen Arbeit und Forschung zum Besitz des ganzen deutschen Volkes zu machen. Daher seien diese Vorträge unter dem Namen zusammengefaßt „Wissenschaft im Dienst am Volk". Der Direktor des Geographischen Institutes unserer Landesuniversität Professor Dr. Klute gab mit feinem, mit zahlreichen guten Lichtbildern durchsetzten Vortrag über „W irt schaftswert afrikanischer Landschaften" einen Einblick in die Arbeit der geographischen Wissenschaft. Afrika, eine Fläche von der dreifachen Größe Europas, wurde in diesem Vortrag nach vier Gesichtspunkten hin näher untersucht. Zuerst galt es, die Zuhörer mit dem Bild der Landschaft vertraut zu machen, die in vier großen Typen sich uns vorstellt, nämlich Urwald, Savanne, Steppe und Wüste. Ein Sechstel von Afrika bedecke der Urwald, der aber auch nicht wertlos fei, denn er berge in seinem Bestand u. a. ganz gesuchte Holzarten. Nur sei das Heranschaffen dieser meist vereinzelt stehenden Bäume mit großer Arbeit und viel Schwierigkeiten verbunden. Das Wandern im afrikanischen Urwald sei kein Genuß, denn die feuchtwarme Lust mache in kurzer Zeit die ganze Tropenkleidung durch und durch naß. Anders die Savanne mit ihrer Trockenheit. Hier könne man Wildherden von 200 bis 300 Stück Wild leicht sehen. Wenn auch durch die Jagd diese Herden schon stark gelichtet seien, so sei der Wildreichtum heute immerhin noch sehr groß. Auch in der Steppe treffe man noch die verschiedensten Arten von Wild an, und aucy noch sehr zahlreich, so Herden von Gazellen und großen und kleinen Antilopen. Typische Zeichen für die Steppe feien der Dornbusch und das Steppengras, das in der Trockenheit, weil es auf dem Halm zu Heu werde, den Tieren als Nahrung ausreiche. Rücke man, z. B. in Südwestafrika, von der Wüste aus weiter ins Land herein, so komme man ins Gebirge, wo die Vegetation wieder zunehme. Hier weideten Tausende von Ziegen und verschiedene Rindertypen, meistens Vieh, das mit europäischen Tieren aufgekreuzt worden sei. In dem Landschaftsbild der Berge fehlten auch nicht heute teilweise noch tätige Vulkane und große Seen. Die höchsten Berge seien sogar unter dem Aequator vergletschert und ihre Kuppen seien mit einer Eishaube überzogen. Eine weitere typische Art für Afrika fei fein Reichtum an großen Seen. Im Diluvium seien noch mehr Seen Weitere Geldspenden für das WHW Eine neue Liste der Kreisführung Gießen des Winterhilfswerks. Wissenschaft im Dienst am Volk. Professor Dr. Klute über „Wirtschastswert afrikanischer Landschaften" als Richter, für die im anderen Bezirk begangenen als Staatsanwalt und Untersuchungsrichter zuständig sind. Eine weitere Besonderheit ist es, daß es neben dem Kriegsgerichtsrat auch noch einen 0e« richtsherrn gibt, bei der Division den Divisionskommandeur. Dieser kann dem Kriegsgerichtsrat Vorschriften machen, ist somit gewissermaßen General- und Oberstaatsanwalt. Da das Gerichtsverfahren einen Eingriff in die Truppe bedeutet, muß der Gerichtsherr gefragt werden, wenn ein Verfahren eröffnet werden soll. Beispielsweise sind Haftbefehle von einem Kriegsgerichtsrat unb dem Gerichtsherrn zu unterschreiben. Bei Meinungsverschiedenheiten zwischen Kriegsgerichtsrat unb Gerichtsherrn hat erster dem Korpskommandeur Bericht zu erstatten. Dieser kann seinerseits wieder Anweisungen an den Divisionskommandeur erlassen. Teilt er jedoch die Ansicht des Divisionskommandeurs, so ist weiterer Bericht an den Kriegsminister zulässig. Oberkriegsgericht und Senat beim Reichsgericht sind lediglich Berufungs- bzw. Revisions- instanz. Bei der Verhandlung selbst ist Vorsitzender ein Kriegsgerichtsrat, der nicht Untersuchungsrichter war. Als Beisitzer sind vorhanden ein Stabsoffizier im Range eines Majors und ein Heeresange- höriger im Range des Angeklagten. Bei schwereren Straftaten fetzt sich das Gericht aus zwei Kriegsgerichtsräten, von denen der dienstälteste den Vorsitz führt, einem Stabsoffizier und zwei Personen im Range des Angeklagten zusammen. Der Untersuchungsrichter vertritt die Anklage, wobei er frei und an Aufträge nicht gebunden ist. Im übrigen erfolgt die Verhandlung wie bei den ordentlichen Gerichten. Ein Unterschied ist jedoch insofern vorhanden, als den Angeklagten keine Kosten entstehen dürfen. In materieller Hinsicht ist zu unterscheiden zwischen Disziplinär- und gewöhnlichem Strafrecht. Mit letzterem haben sich die Militärgerichte zu befassen, während die Disziplinarstrafgewalt dem Kompaniechef usw. zusteht. Verstöße gegen dos Strafgesetz können nur von den Militärgerichten abgeurteilt werden, fallen somit nicht unter die Disziplinarstrafgewalt. Letztere ist nach dem Range des Ausübenden gestuft. Hinsichtlich der Strafen ist beachtlich^ daß das MStGB. die Arreststrafe vorsieht. Sie wird jedoch nur bis zur Höhe von 6 Wochen verhängt und ist, was den verschärften Arrest an- betrifft, der Gefängnisstrafe gleichzusetzen. Vollstreckt wird der Arrest bei Wasser, Brot und hartem Laaer. Der Nedner aab zu, daß in den 2higen von Laien die Militärgerichte als außerordentlich streng und hart angesehen werden müßten. Dies sei aber im Interesse der Disziplin und Zucht der Truppe unbedingt erforderlich, und dies Interesse bestimme auch in erster Line die Höhe der Strafe. Besonders schwere Strafen würden verhängt bei Kame- radenoiebstahl und bei tätlichem Angriff auf Vorgesetzte. Das Soldatenleben verlange unbedingtes Vertrauen und strengen Gehorsam. Milde sei daher bei Verstößen dagegen unter keinen Umständen angebracht. Anderseits sei der Soldat geschützt gegen tätliche Angriffe von Vorgesetzten und Zivilpersonen. Insbesondere gegen letztere sei eine energischere Abwehr von Angriffen zulässig als allgemein. Mit dem Hinweis darauf, daß auch Straftaten, die vor Eintritt in das Heer begangen wurden, mit dem Eintritt in das Heer unter die Zuständigkeit der Militärgerichte fallen, schloß der Redner seine Ausführungen. Oberheffen. Aufträge nur an Mitglieder der DAF. Die Kreiswaltung Gießen der Deutschen Arbeitsfront teilt uns mit: Die Deutsche Arbeitsfront ist die Gemenschaft aller schaffenden deutschen Volksgenossen. Jeder Volksgenosse, der ihr angehört, bringt zum Ausdruck, daß er gewillt ist, am Aufbau unseres deutschen Vaterlandes mitzuarbeiten. Deshalb haben die Gemeinden Allendori a. d. L d a. und A l l e n d o r f (Lahn) beschlossen, in Zukunft Aufträge nur noch an diejenigen Betriebe zu vergeben, deren Betriebsführer und Gefolgschaft geschlossen in der Deutschen Arbeitsfront stehen. Landkreis Gießen. 5 Reiskirchen, 11. Nov. Dieser Tage wurden die gespendeten Kartoffeln für das Winterhilfswerk von Reiskirchen und Umgegend am hiesigen Bahnhof eingeladen. * Reiskirchen, 11. Roo. Am Sonntag wurde hier unter großer Anteilnahme der Bevölkerung der in der Klinik zu Gießen an den Folgen einer Blutvergiftung verstorbene Oberpostschaffner Heinrich Damm zu Grabe getragen. Der Turnverein, der Gesangverein „Harmonie", die Briefträger des Postamtes Gießen und viele Einwohner unseres Ortes gaben dem Entschlafenen das letzte Geleit. Der Ortsgeistliche hielt eine eindrucksvolle Grabrede. Vertreter der Vereinigungen, denen der Ver- torbene angehörte, legten Kränze nieder. Der Ge- angverein vertiefte die Trauerfeier durch zwei Vierer. — Wie uns von einem Angehörigen des Ver- torbenen, entgegen einer früheren Meldung, mit» »teilt wird, hatte sich der Entschlafene, der am Freitag voriger Woche die Wunde bemerkte, sofort in ärztliche Behandlung begeben. Leider konnte er trotz aller Bemühungen nicht mehr gerettet werden. J) Großen-Linden, 11. Nov. Am gestrigen Sonntag fand im Saale des Gastwirts Ludwig Schaum eine Lokalschau des Geflügel- zuchtvereins statt. Als Preisrichter war Herr L. Mögt (Echzell) verpflichtet worden. Das Ergebnis war folgendes: Hühner: Orpington, gelb: Frau Spruck, 1., 2. Pr. und einmal gut; Wyan- dottes, Silber: Alfred Jung, Zuschlags-Ehrenpreis (ZE.), 1., 2., 3. Pr., zweimal sehr gut, zweimal gut; Ewald Faber, einmal gut. Leghorn, weiß: Altbürgermeister Leun, ZE.; Willi Zahrt, einmal gut; Ewald Faber, 1., 2. Pr., einmal gut. Rheinländer, schwarz: Ludw. Hantel, ZE., 1. Pr., einmal sehr gut, einmal gut; Karl Heß IV., 1., 2., 3. Preis. Hamburger Schwarzlack: W. Sommerlad, 1. Pr., einmal gut. Leghorn: 1,2 Stamm: W. Sommerlad, einmal gut. Zwerge: Langshan, schwarz: Wilh. Walter, ZE., zweimal sehr gut, zweimal gut; Karl Theiß, 1., 2. Preis. Rhodeländer, rot: PH. Zimmermann, einmal gut, Wyandottes, schwarz: Willi Zahrt, 1. Pr. Wyandottes, dunkel: Alb. Junker, ZE., dreimal 1. Pr., einmal gut. Wyandottes, rebhuhnfarb.: Alb. Junker, 1. Pr., einmal sehr gut. Wyandottes, gold: Johannes Dietz, ZE., 1., 2., 3. Pr., einmal gut. Antwerpener Bartzwerge, schwarz: Ludw. Weigand, ZE., dreimal 1. Pr., einmal gut; Hans George, einmal gut Tauben: Brünner Kröpfer, schwarze: Hans George, ZE., 1. Pr., einmal gut. Schönheitsbrieftauben, mit gelben Binden: Ph. Zimmermann, zweimal gut, 1. Pr. Schönheitsbrieftauben, rotgehämmert: Willi Zahrt, zweimal gut. Weiter wurde eine SWaMNMßWt Vornan von Frank $. Braun. S Fortsetzung Nachdruck verboten! Er nickte herzlich. „Ich lasse Ihnen die Unterlagen zugehen. Gleich morgen früh, mein lieber Herr Zerny." Dann ging er hinaus. Lena Bassenberg sah, wie er in den Garten trat. Die Loggiatür blieb offen. Sie folgte ihm auf die Veranda. „Um Gottes willen", flüsterte sie, „mit was für Summen rechnest du! Es ist ganz ausgeschlossen, daß Bernhard solche Beträge flüssig machen kann!" „Krämervolk!" zischte Basilius. „Es bleibt bei der Zahl. Deine Sache, wie du ihn überzeugst." „Aber ich vermag das nicht! Habe doch Mitleid, Basil. Was soll ich meinem Mann sagen?" „Die Wahrheit, wenn du es vorziehst!" Sein kalter Hohn warf sie um. Sie hielt sich an der Tür fest. „Basil!", hauchte sie, „du treibst m.ch zum Aeußersten!" „Psst!", machte er. Aber es war ungewiß, ob die Warnung noch rechtzeitig gekommen war. „Hab Erbarmen ..bat sie und brach ab. Eine fremde Stimme sagte: „Ich darf Sie hier wegführen, gnädige Frau; die Gartentüren sind geöffnet, und es ist kühl draußen." Zerny war da. Er bot ihr mit ruhiger Entschlossenheit den Arm. Den Mann in der Dunkelheit übersah er. Aber es war klar, daß er einen Teil des Gesprächs, vielleicht alles gehört hatte. Einen Moment stand Basilius unschlüssig. Sein Gesicht verzerrte sich. „Der Narr", grollte er, „der grüne, dumme Narr ..." Dann gab er sich einen Ruck und sprang in den Garten. „So geht das nicht", knirschte er und lief zur Straße. Am Gitter stieß er einen dünnen, hellen Pfiff aus. Sofort löste sich aus dem Schatten eines Torbogens eine Gestalt. Jean Jolly kam über den Fahrdamm. Sie sprachen zwei Minuten miteinander; dann zog sich Jolly wieder in den Schatten der anderen Straßenseite zurück. Basilius wandte sich eilig zum Haus zurück. Die Türen waren geöffnet wie vorher. Als er wartete. Das Winterhalbjahr der Volksbildungsstätte Gießen. Mit einem Eröffnungsabend am heutigen Dienstag, 20,15 Uhr, im Studentenheim wird die Dolks- bildungsstätte (Volkshochschule) Gießen im Dolks- bilüungswerk der NSDAP, wieder ihre Tätigkeit aufnehmen. Schon sind die Arbeitspläne überall veröffentlicht. Die Lehrgänge mit Angaben von Zeit und Ort sind bekanntgegeben. So soll hier noch ein Wort über die Aufgabe und Bedeutung dieser Arbeit gesagt werden. Volksbildungsstätte, das Wort sagt, was wir wollen: Bildung vermitteln, Bildung wachsen lassen, die völkisch, oolksgebunden ist, die Volk schaffen, Volk bilden soll. Wir müssen Volk werden. Das ist wohl die vordinglichste Aufgabe, die uns gestellt ist. Das ist die Forderung unserer Zeit, an die deutschen Menschen. Diese Aufgabe lösen heißt für uns, das Schicksal meistern. Versagen bedeutet Fortsetzen oder gar Beschleunigen des Niedergangs. Wir müssen dem Begriff Bildung einen neuen Inhalt geben. Bildung ist niemals abhängig allein von dem Grad des Wissens, das ein Mensch besitzt, noch weniger von der Zahl der abgelegten Prüfungen, oder gar von einem Titel, einer Gehaltsstufe oder dem Vermögen. Wir können nur dort im völkischen Sinne von Bildung reden, wo Wissen und Können von allen eigensüchtigen Zielen befreit eingesetzt werden zum Wohle anderer Menschen, zum Wohl unseres Volkes. Der besitzt Bildung nach nationalsozialistischer Auffassung, der mit den ihm eigenen Gaben des Körpers, des Geistes und der Seele seinen Mitmenschen dient, der, dem Bildung die Triebfeder zu sozialer Lebenshaltung geworden ist. Gemeinschaft baut sich nicht auf Nehmen und Fordern auf, sondern stets durch Hingabe, Selbstaufgabe, Opfer. Wir haben in der Volksbildungsstätte den Ort geschaffen, wo wir unseren Volksgenossen aller Stände und Berufe Wissen, Erkenntnisse, Fertigkeiten vermitteln wollen, damit sie in solchem Sinne gebildete Menschen werden: Menschen, die vorwärtsstreben, um andere nachzuziehen, Menschen die Kräfte sammeln um andere zu stützen, Menschen die ihren Blick weiten, um andere schauen zu lassen, es gibt heute so viele, die feststellen, daß eine neue Zeit neue Erkenntnisse gebracht hat, die zu neuen Forderungen nötigen. Sie sollen kommen und sich die Vorttäge über unsere Geschichtsbetrachtung anhören. Es gibt so viele, die über die Herkunft des deutschen Menschen, über die Besiedlung des deutschen Raumes in der vorgeschichtlichen Zeit etwas hören möchten; einer unserer Lehrgänge wird ihm Gelegenheit geben. Zeitungen und Zeitschriften bringen oft Berichte über neuere Dichter; in zusammenhängenden Vorträgen kann man sich einführen lassen in ihre Werke, man wird von den Beweggründen und Kräften hören, die sie entstehen ließen. Auf Reisen, Wanderungen und Fahrten, beim Gang durch unsere schönen deutschen Städte grüßt uns manch stolzes Bauwerk aus einer längst entschwundenen Zeit. Sie sind steingewordene Gedanken großer Männer. Von ihrem Denken und Schaffen, von ihren Werken hören wir in dem Lehrgang über deutsche Baukunst. Ein Lehrgang wird besonders die volksdeutsche Frage behandeln, er wird berichten von deutschem Volkstum, das die Staatsgrenzen überschritt, oder das durch solche vom Volkskörper losgerissen, wurde. Die Bedeutung dieses volksdeutschen Denkens wird hier herausgestellt und als Schicksalsfrage des gesamten deutschen Volkes zu erkennen sein. Der Staat erläßt Gesetze zur Erhaltung und Gesundung unseres Volkes. Der NS.-Aerztebund bringt in einer Vortragsreihe die erforderlicbe Aufklärung und Begründung. Gerade dieser Lehrgang darf wohl besonders empfohlen werden, da die in ihm zu behandelnden Fragen heute brennender sind denn je. Die Zeitungen melden von Kämpfen in Abessinien. Das nordöstliche Afrika, Aegypten, der Sudan, Arabien rücken in unseren Blickpunkt. Einer, der Land und Leute, Sitten, Sprache und Volkstum jener Menschen und Völker auf Forschungsreisen in mehrjährigem Aufenthalt kennen lernte, wird wohl in der Lage fein, in seinen Lehrgängen lebendige Berichte und wertvolle Erkenntnisse zu geben. Manch einer hat Sprachen gelernt in feiner Jugend. Jetzt ist so vieles vergessen. Die Sprachkurse der Volksbildungsstätte wollen helfen. Französisch und Englisch sind vorgesehen. Besteht wirklich Bedarf, dann können andere Lehrgänge folgen. Und zum Schluß noch die schöne Musika: fingen und musizieren zur eigenen Freud. In der Volksbildungsstätte geht es nicht um Virtuosentum. Wir wollen weder Konzertkünstler heranbilden, noch solchen irgendwie den Rang ablaufen. Hier soll fingen wem Singen Freude macht, und musizieren, wer die Gaben und ein fröhlich Wollen mitbringt. So soll gearbeitet werden in der Volksbildungsstätte. Auch diese Arbeit ist und will nichts sein als ein ganz bescheidener Dienst am Volke, und dazu sollte doch manch einer wirklich Lust und Liebe haben und auch ein wenig Zeit. Und eines möchten wir noch bemerken: die Volksbildungsstätte ist heute eine Einrichtung der Partei, die dem Gauschulungsamt unterstellt und in das Volksbildungswerk eingegliedert ist. Und wir hoffen und erwarten, daß die Partei und ihre Gliederungen lebhaft für diese Einrichtungen werben. Wer noch mehr hören will, den laden wir herzlichst ein zum Besuche unseres Eröffnungsabends, der am heutigen Dienstag, 20.15 Uhr, im Studentenheim ftdttfin'bet und der neben musikalischen Darbietungen einen Vortrag von Prof. D u k e n bringt. Die Kurse beginnen am Mittwoch, 13. November, in der Universität. Der Arbeitsplan ist in allen Buchhandlungen kostenlos erhältlich. (Siehe gestrige Anzeige.) Voliere gezeigt, besetzt mit 1,2 Goldfasanen von Heinrich Krahl. "Y Watzenborn-Steinberg, 11. Nov. Am Samstag und Sonntag veranstaltete der hiesige Geflügelzuchtverein im Saale „Zum goldenen Stern" eine gut beschickte Lokalausstellung. Der Ausstellungsleitung (Karl Burger, Otto Häuser und Otto Weiß) war es gelungen, durch eifrige Werbetätigkeit eine schöne und gutbestellte Schau auszurichten. Als Preisrichter amtierte Herr Jäger (Ober-Hörgern). Nachstehend ein Auszug aus dem Ergebnis (Note fg = sehr gut, g = gut, b = befriedigend. E = Ehrenpreis): Hühner: Wyandottes, schwarz: Karl Philipp IV 2 fg, 1 g, 1 E. Rhodeländer: Heinrich Sommer 2 fg, 2 g, 1 E. Barnevelder, schwarz: Heinrich Lauber 4 g. Italiener, rebhuhns. rosenk.: Karl Dem 1 fg, 2 g, 1 E; gestreift: Ludwig Heß 2 fg, 2 g, 2 E; gelbe: Otto Weiß 2 fg, 2 g, 1 E; Schwarze: Ludwig Dem II. 2 fg, 2 g, 2 E. Rheinländer, schwarz: Wilhelm Peußer 2 fg, 1 E; Wilhelm Schwindt 1 fg, 1 E; Karl Andermann 2 g. Langshan, schwarz: Heinrich Lauber 1 fg, 4 g, 1 E. Wyandottes, gold: Otto Häuser 5 g. Rhodeländer: Heinrich Haas III. 1 fg, 2 g, 1 E. Holländische Weißhauben: Georg Jammer 3 sg, 1 g, 2 E. Deutsche Zwerge, goldf.: Otto Weiß 3 sg, 1 g 1 E. Neuenglische Zwergkämpfer, birken- farbig: Karl Philipp IV. 8 sg, 2 g; silberrücken, silber- halsig und weizenfarbig: Heinrich Pfeiffer 6 sg, 2 g, 1 b, 1E. Altmod. Zwergkämpfer, Porzellans.: Otto Häuser 2 sg, 1 g 1 E. Rotscheck-Zwergkämpfer: Heinrich Ruhl 3 sg, 1 g, 2 E. Silber-Sebright: Karl Burger 4 sg, 6 g, 2 E. Wassergeflügel: Khaki-Campell: Ludwig Heß 2 sg, 2 g, 1 E. Indische Laufenten, weiß: Karl Philipp IV. 2 sg, 1 g, 1 E. Tauben: Straßer, blau: Karl Philipp IV. 2 fg, 1 g, 1 E. Altdeutsche Kröpfer: Karl Weiß IV. 3 fg, 3 g; Karl May 2 sg, 1 b, 1 E. Starenhälse: Ludwig Heß 1 fg, 1 g, 1 E. Französische Badetten: Heinrich Ruhl 3 sg, 1 g 2 E. Jugendgruppe: Hühner Langshan: Otto Schmandt 2 SLA, 1 LA, porzellanfarbige, federfüßige: Karl Pitz LA. Tauben: Altdeutsche Kröpfer: Karl Pitz SLA; Karl Weiß LA. Brieftauben: Otto Häuser LA. — (SLA = sehr lobende Anerkennung, LA = Lobende Anerkennung. —d— Grüningen, 12. Nov. Der langjährige Untererheber und Kirchenrechner Wilhelm Heinrich L e i d i ch , dahier, feiert am 15. November seinen 8 3. Geburtstag. Möge er diesen Taa in seither gewohnter Frische Des Geistes und des Körpers im Kreise seiner Familie mit seinen noch fünf Geschwistern feiern. An Silvester d. I. haben diese fechs Geschwister 463 Lebensjahre zurückgelegt. öd Eberstadt, 11. Nov. Bei den ersten Winterhilfesammlung 1935/36 wurde in unserem Dorfe 26,50 Mark aufgebracht. Auch der Verkauf von Wohlfahrts - Postkarten und -Briefmarken brachte ejnen guten Erlös. — Die neue G e - meindeverwaltung, die aus dem Bürger- eine Gelegenheit abpaffen wollte, unauffällig wieder einzutreten, rief ihn Lena an. Sie war dem Sekretär wieder davongelaufen und hatte auf Basilius gewartet. Sie packte seinen Arm. Plötzlich war sie seine Verbündete. „Zerny ahnt etwas", rief sie halblaut. „Was soll ich tun, wenn er mich fragt?" Basilius nahm ihre Hand von feinem Arm. „Vertröste ihn auf morgen", sagte er. „Aber Zerny kann noch heute nacht zu meinem Mann gehen und ihm sagen, was er erfahren hat, als er lauschte. Dann ist alles verloren!" „Nein!", sagte Basilius. „Wenn Zerny wirklich etwas gehört hat, wird er es nicht Deinem Mann sagen." „Sondern?" Sie stand vorgebeugt. Seine Sicherheit verblüffte sie. Er kannte doch den Sekretär kaum. Basilius setzte sich schon in Bewegung und ging in das anstoßende Zimmer. „Sondern Zerny wird sein Wissen bei sich behalten und es mit ins Grab nehmen", beendete er ihren Satz ganz unbewegt. Sie folgte ihm. Der Mann hatte die Gefahr nicht begriffen, oder er unterschätzte sie. Sie war ratlos, ohne Hoffnung beinahe. Ihr allererster Entschluß fiel ihr wieder ein: sich Farrenkorn anvertrauen. Farrenkom war der einzige Mensch, der hier raten konnte. Er war auch der einzige Mann, der unbedingt schweigen würde, wenn sie es von ihm forderte. Farrenkorn liebte Lena Bassenberg. Sie wußte, Liebe ist ein Wort, bas hundert Schattierungen bezeichnen muß. Farrenkorns Liebe zu ihr war besonderer Art. Es war eine abgeklärte Liebe, eine Liebe ohne Wünsche für die eigene Person. Nie hatte es ein Wort zwischen ihnen gegeben, das nicht Bernhard, ihr Mann, hätte hören dürfen, keine Gebärde, die versteckt werden mußte. Aber im Empfinden war vollkommene Klarheit zwischen ihnen. Sie wußte, es gab einen Menschen auf der Welt, auf den sie sich bedingungslos verlassen konnte. Farrenkorn setzte ihre Person höher als die eigene. Solches Wissen verpflichtet. Nie hatte sie ein Spiel gewagt, eine Probe gewünscht. Wenn sie jetzt zu ihm ging, sich ihm näher anvertraute als dem eigenen Mann, würbe er zum erstenmal den äußeren Beweis empfangen, baß sie ihn nicht verkannt hatte. Würbe er ihr helfen können, konnte überhaupt ein Mensch hier helfen? Sie überlegte. Farrenkorn war nicht mehr jung, so alt wie ihr Mann. Aber er war krank. Sein Herz wollte nicht mehr. Sie bachte an ihn, als sie zögerte. Soll ich meine Last auch ihm noch auf- bürben? Geteiltes Leib ist nicht halbes, fonbern boppeltes Leib unter Menschen, bie sich nahestehen. Aber sie entschloß sich. Allein ertrug sie es nicht länger. Als sie Farrenkorn ohne Zeugen im Zimmer traf, flüsterte sie ihm zu: „Ich muß dich schnellstens allein sprechen, Franz. Sage niemandem etwas. Geh in den Wintergarten." Er sah ihr verstörtes Gesicht und nickte sofort. Er wollte sich unauffällig absondern, da brachen gerade die anderen Gäste auf, und er mußte noch bleiben. Der Konsul und Zerny geleiteten Pagel, Basilius und den kleinen Bankier durch den Garten. Die Straße lag dunkel. Bilsa hatte seinen Wagen da, er stieg ein. Pagel hatte sich für die Heimfahrt bei ihm eingeladen, wahrscheinlich versuchte er dem gemeinsamen Nachhauseweg mit Basilius auf solche Art zu entgehen. Er stieg zu Bilsa. Der Konsul stand am Schlag. Ein paar Worte flogen noch hin und her. Basilius war mit dem Sekretär ein wenig zurückgeblieben. Sie standen ganz im Schatten. Basilius lüftete als erster feinen Hut. „Auf Wiedersehen, Herr Zerny", sagte er, „ich lasse Ihnen schon morgen einmal bie Pläne ber Ziegelei unb Rentabilitätsberechnungen zugehen." Zerny sah über bie Hanb hinweg, bie ihm entgegengestreckt würbe. „Sie sind ein Erpresser", sagte er und beugte sich vor. „Ich habe Ihre Unterredung mit Frau Konsul Bassenberg mit angehört." „Haben Sie gelauscht?" Basilius mußte Zeit gewinnen. Was Der Mann eben gestand, hatte er schon lange gewußt. Die Gegenmine war bereits gelegt. Er sah in die Dunkelheit, sah sich um — niemand beobachtete sie. Gedämpft zischte der Sekretär: „Ich weiß noch nicht, um was es sich handelt; aber ich werde es erfahren unb bann ..." „Nein", sagte Basilius. Er hatte kein Zeichen meister G ö r l a ch, ben beiben Beigeorbneten Karl Rühl unb Hermann Eich, sowie ben vier Ge- meinberäten Ortsbauernführer Paul Görlach, Heinrich Müller, Ph. Weisel II. unb Richard Görlach besteht, wurde dieser Tage verpflichtet. In einer ersten Sitzung wurde bie Durchführung einer größeren Notstanbsarbeit beschlossen. — Bei ber am gestrigen Sonntag burch bie NS.-Frauenschaft burcygeführten Eintopf- gerichtsammlung wurden 27,65 Mark aufgebracht. * Bellersheim, 12. Nov. Am morgigen Mittwoch, 13. November, können der Dreschmaschinenbesitzer Ernst Bopp unb Frau Marta, geb. Rumpf, das Fest ber silbernen Hochzeit feiern. I Lich, 11. Nov. Unter großer Beteiligung ber Einwohnerschaft wurde am gestrigen Sonntag der Postmeister i. R. Rau, der ein Alter von 73 Jahren erreicht hatte, zu Grabe getragen. Die Trauerfeier auf dem Friedhof wurde mit Spiel des Posaunenchors, zu dessen fördernden Mitgliedern der Verstorbene seit der Gründung des Chores gehört hatte, eingeleitet. Stiftsdechant Kahn schilderte in seiner Ansprache die Treue des Verstorbenen in seiner Familie unb in seinem Beruf, ganz besonders auch seine Verbundenheit mit der oberhessischen Heimat, für bie er als Freund des Wanderns und des Obstbaues allezeit in Wort und Schrift warb. Auch als Forscher in der Geschichte seiner Heimat gebühren ihm besondere Verdienste. Der Verewigte war ein treues Glied der evangelischen Kirche unb förberunge namentlich bie Bestrebungen bes Posaunenchors. Der Zweigverein Lich bes Vogelsberger Höhenklubs, besten Dorsitzenber Postmeister R a u viele Jahre lang war, hatte bem Verstorbenen einen prachtvollen Kranz gewidmet. Für den Verkehrsund Verschönerungsverein würdigte Lehrer H i l b als Vorsitzender die Verdienste des Verblichenen um feine Heimatstadt. Der Verstorbene wirkte als Postoerwalter in Laubach unb in Lollar, bie 22 letzten Jahre seiner Dienstzeit als Leiter bes Postamts in Lich, seiner Heimatstabt. - L i ch, 11. Nov. Das biesjährige H a u p t f ch i e - ße n ber Schützengesellschaft L i ch kam an ben letzten Sonntagen zur Durchführung. Die Beteiligung war recht rege. Es wurden durchweg beachtliche Resultate erzielt. Am geftrigen Sonntagabend wurde die Preisverteilung im „Löwen" vor- genommen, bei der eine stattliche Anzahl schöner Preise zur Verteilung gelangte. Die Würde des Schützenkönigs errang Wilhelm Krauß, bie bes 1. Ritters Heinr. Textor, bie bes 2. Ritters Dr. Hermann Otto Erbprinz zu Solms-Hohen- s o l m s - L i ch. Den Wanberpokal errang in bie» fern Jahre Hch. Textor. Beim Schießen auf die Fest- scheibe wurde 1. Sieger Willy Hahn mit 79 Ringen, 2. Dr. Hermann Otto Erbprinz zu Solms-Hohen- solms-Lich (77), 3. Wilh. Krauß (77), 4. Hch. Textor (74 Ringe). Beim Stand auf 100 Meter erzielte den 1. Preis Hch. Textor, den 2. Jul. Jhring, 3. Willy Hahn. Im Kleinkaliberschießen wurde 1. Preisträger Willy Hahn mit 35 Ringen, 2. Herrn. Alles (35 R.), 3. bis 6. Chr. Rau, Dr. Hermann Otto Erbprinz zu Solms-Hohensolms-Lich, Jul. Jhring, Hch. Textor (mit je 34 Ringen), 7. bis 9. Karl Nickel, Hermann Uhrhan, Friedel Schmidt (mit je 33 R.), 10. unb 11. Kurt Alles, Kurt Peter (je 32 Ringe). Beim Kleinkaliberschießen der Hitlerjugend wurde 1. Sieger Wilh. Stark, 2. Walter Schmidt, 3. Fritz Rupp, 4. Karl Hofmann, 5. Wilh. Lerch, 6. K. Alfen, 7. Karl Roth, 8. Karlheinz Schieferstein, 9. Otto Karl Kahn, 10. Theodor Rinker. * Muschenheim, 11.Nov. Die hiesige Ortsgruppe der NSDAP, veranstaltete in der Turnhalle eine Kundgebung, in der Gauschulungsleiter Pg. E i s e n t r a u t sprach. Die Versammlung dankte dem Redner mit starkem Beifall. — Heute wurden die Winterhilfskartoffeln verladen, es konnten zirka 250 Zentner verschickt werden. ch Lauter, 11. Nov. Bei der gestrigen Ein» topf-Haussammlung kam hier ein Betrag von 20,85 RM. zusammen. # Göbelnrod, 11. Nov. Bei der diesjährigen Kartoffelablieferung für das Winter- hilfswerk wurde in unserem kleinen Dorfe die ansehnliche Menge von 95 Zentner an die Ortsgruppe Saasen abgeliefert. — Bei der gestrigen Eintopfsammlung konnte hier ber Betrag von 15,60 Mark erzielt werben. Viel ruhiger werden 1 .. auf Kaffee Häg umstellen! gegeben; er hatte einfach verabrebungsgemäß ben Sekretär isoliert unb bann abgewartet. Er war nicht überrascht, als spukhaft hinter Zernn bie dunkle Gestalt auftauchte, als sich die Faust hob und wuchtig herabfiel auf des Sekretärs Hinterkopf. Es gab einen dumpfen Ton, dann geschah ein Fall. Zerny war zu Boden gestürzt. Die dunkle Gestalt verschwand augenblicks wieder; geschluckt von der Nacht. Zwei, drei Sekunden wartete Basilius, dem Freunde Vorsprung zu geben, dann schrie er auf, schrie so grell, daß der Konsul entsetzt herumfuhr. Da sahen sie es alle, der Konsul und die beiden im Wagen. Basilius stand gegen das Gitter gelehnt er hielt die Hände vor sein Gesicht, man erkannte, er war taumelnd zurückgeprallt. Vor seinen Füßen lag ber reglose Sekretär. Sie hoben ihn auf. Stammelnb berichtete Basilius. Inzwischen verging kostbare Zeit. Der Mürber entkam. Als sie ben Sekretär in bas Auto hoben unb zur nächsten Unfallstation brachten, spürten sie schon, baß sie einen Toten fuhren. Sie sahen sich an; alle leichenbleich. Der Revierarzt stellte ben Tob fest. Hervorgerufen durch einen wuchtigen Schlag mit einem stumpfen Gegenstand — einem Stein vermutlich — auf den Hinterkopf. Die Schädeldecke war zertrümmert. Die sofort eingesetzte Polizeistreife fand weder die Mordwaffe noch eine Spur des Täters. Bald darauf setzte zum Unglück noch ein Regen ein unb verwischte bie letzten Möglichkeiten. „Polizeihunde hin!" befahl der Revierwachtmeister, „das ist bie letzte Möglichkeit." Dann roanbte er sich ben Herren roieber zu. Basilius erbat sich polizeiliche Begleitung in fein Hotel. Seine Zähne klapperten. Er rogr immer ein guter Komöbiant gewesen. „Es hätte mir so gut geschehen können wie Ihrem Sekretär, Herr Konsul", sagte er. „Wir stauben nebeneinanber. Ich sah ben Mörber nicht, ich sah einen Schatten unb —" er schüttelte sich. Der Revierwachtmeister hatte Verstänbnis mit bem Verstörten unb gab ihm einen Beamten zum Geleit mit. Dann beckte er ben Toten mit einer Zeitpläne zu. Zwei Leute trugen bie Bahre hinaus. Ihre Hantierungen waren Selbstverstänblichkeiten — unb blieben boch unfaßlich. (Fortsetzung folgtI) Deutschland stellt vier Europameister. Abschluß der Gewichtheber-Kämpfe in Paris. Erst in den späten Abendstunden des Sonntags mürbe im Pariser Gymnase Voltaire mit den Entscheidungen im Halbschwergewicht begonnen. Wenn es auch keinen deutschen Sieg gab, so belegte Ernst Deutsch den zweiten Platz. Der Sieg fiel an den französischen Olympia-Sieger von Los Angeles, Louis Hestin. Die Reihe der deutschen Siege beschloß im Schwergewicht der Freisinger Josef Manger. Seinen 395 Kilogramm hatte keiner der übrigen Mitbewerber Gleiches entgegenzusetzen. Der Engländer Wolter kam mit 382,5 Kilogramm auf den zweiten Platz vor dem Titelverteidiger P s e n i ck a - Tschechoslowakei und dem zweiten Deutschen Wahl, die beide auch 382,5 Kilogramm geschafft hatten. Deutschlands Triumph war damit vollständig geworden. Von fünf Europatiteln, die zu vergeben waren, haben die deutschen Gewichtheber nicht weniger als vier an sich gebracht. Im Wettbewerb um den Preis der Nation kam Deutschland durch diese Erfolge mit großem Vorsprung auf den ersten Platz. Deutschland hat mehr Punkte, als alle übrigen Ländermannschaften zusammen, 18:12! Finnischer Sieg im Kunstturnländerkampf gegen Deutschland. Deutschlands Kunstturn-Ländermannschaft mußte beim Länderkampf gegen Finnland in Helsingfors vor 6000 Zuschauern eine knappe Niederlage hinnehmen. Die Finnen siegten mit 346,8 gegen 344,15 Punkten und stellten in Uosikkinen, Noroma und Pakkarinen auch die drei besten Einzelturner. Beste Deutsche waren Frey (Kreuznach) und Stangl (München). Handball im Kreis VIII (Lahn-DM. Eschwege-4900 Gießen 7:13. Die 1. Mannschaft der Spielvereinigung 1900 hat am vergangenen Sonntag in Eschwege einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen. Sie überbot in der Spielweise ihre vergangenen Leistungen, indem alle Mannschaftsteile erstklassig zusammenarbeiteten. Es mußten zwei Mann ersetzt werden, die sich aber gut in die Mannschaft einfügten. 1900 trat mit folgender Mannschaft an: Enders; Funke, Cremers; Hofmann, Knob, Koch; Betz, Gurt, Hamann, Krüger, Schüler. Das Spiel wurde von Anfang bis zu Ende in scharfem Tempo durchgeführt. In der ersten Viertelstunde konnten die Platzbesitzer dem Tempo noch standhalten, und sogar mit 3:2 die Führung übernehmen. Nachdem die Hiesigen aber den Ausgleich erzielt hatten, ließen sie nicht mehr locker und übernahmen das Kommando. Bis Halbzeit wurde eine 7:3-Führung erzielt. Nach der Pause wurde der Gastgeber zeitweise in seine Spielhälfte zurückgedrängt. Verteidiaung und Läuferreihe der Spielvereinigung beteiligten sich am Toreschießen. In kurzen Abständen fielen noch 6 Tore, während Eschwege noch viermal erfolgreich war. Zur Mannschaft ist zu sagen: Das Schlußdreieck arbeitete mit großer Sicherheit. Lediglich das Verständnis zwischen Verteidigung und Torwart bei Strafwürfen muß noch besser werden. Die Läuferreihe unterstützte den Sturm immer wieder mit brauchbaren Vorlagen, so daß bei der ausgezeichneten Verfassung des Sturmes Torerfolge nicht ausbleiben konnten. Die 2. Mannschaft mußte in Lich eine knappe 5:6- Niederlage hinnehmen. Am Sonntag herrschte in allen Klössen Hochbetrieb. Kein Wunder, daß unter diesen Umständen auch einige Ueberraschungen zustandekamen, die die Schlußkämpfe noch interessanter gestalten werden. Vezirksklasfe. Tv. Münchholzhausen — To. Wetzlar 6:13 (3:8). Das Ergebnis gibt eigentlich die Stärke beider Mannschaften nicht richtig wieder. Münchholzhausen war nämlich nicht so schlecht, als daß der Sieg der Gäste so klar hätte ausfallen können. Die Platzbesitzer hatten nur das Pech, mit neun Mann beginnen zu müssen. Diesen Mangel nutzte Wetzlar natürlich aus und ging schon gleich mit 4:0 in Führung, die denn im weiteren Spielverlauf von Münchholzhausen nicht mehr aufgeholt werden konnte. Tv. Lützellinden — VfB.-R. Gießen 14:7 (5:2). Obwohl die Gießener mit einer verhältnismäßig spielstarken Mannschaft antraten, mußten fie die Üeberlegenheit der Einheimischen kosten. Lützellinden spielte, besonders in der zweiten Halbzeit sehr schön zusammen, so daß auch der Sieg vollkommen verdient war. Nicht unerwähnt soll aber auch die Leistung der Gießener Mannschaft bleiben, die am Anfang zweimal in Führung gehen konnte, sich aber jedesmal den Ausgleich gefallen lassen mußte, bis dann schließlich doch die Widerstandskraft brach. Mtv. Gießen — Tv. Roth. Die Spieler aus Roth traten nicht an und überließen so den Männerturnern kampflos die Punkte. I. Kreisklasse. To. Holzheim — Tv. Wetzlar-Niedergirmes 5:6 (3:3). Es war klar, daß sich in diesem Spiel zwei Mannschaften von ungefähr gleicher Stärke gegenüberstehen würden. Niemand hatte aber geglaubt, daß sich Holzheim — dazu noch auf eigenem Platz — schlagen lassen würde. Allerdings ist das Ergebnis kein Unterschied. Das Spiel war so ausgeglichen, daß mit genau demselben Ergebnis auch Holzheim hätte gewinnen können. Tv. A tz b a ch — Tv. Groß-Rechtenbach 13:11 (4:8). Das Endergebnis gibt den Spielverlauf nicht richtig wieder. Die Gäste waren drei Viertel der Spielzeit überlegen, führten sogar eine Zeitlang mit 9:4. Kurz vor Schluß raffte sich Atzbach auf und konnte, weil die gegnerische Hintermannschaft zu dieser Zeit vollkommen versagte, nicht nur den Ausgleich erzwingen, sondern auch einen knappen Sieg erringen. T v. Garbenheim — T v. Dorlar 3:3. Das Lokaltreffen in Garbenheim nahm den gerechten Ausgang. Beide Mannschaften waren sich gleichwertig, Zeigten allerdings in einem harten Kampf eine wenig schöne Spielweise. Trotzdem bewegte sich das Treffen stets im Rahmen des Erlaubten. II. Kreisklasse. Tv. A l l e n d o r f (Lumda) — Tv. Wißmar 9:7 (5:4). Allendorf kann von Glück sprechen, daß es dieses Spiel gewonnen hat. Die Gäste waren zumindestens ebensogut. Ein Unentschieden wäre der gerechte Ausgang gewesen. Tv. Beuern — To. Londorf 3:1 (1:1). Es ist verwunderlich, daß der gute Sturm von Beuern so wenig Tore schoß, es ist aber zu verstehen, wenn man weiß, daß die gegnerische Hintermannschaft recht gut auf der Scheibe war. Der Sieg war auf alle Fälle verdient. To. Ebersgöns — Tv. Grüningen 7:11 (5:5). Bis zur Halbzeit konnte Ebersgöns den Angriffen der etwas besseren Gäste noch standhalten, hatte sich aber denn doch zuviel verausgabt, so daß Grüningen einen sicheren Sieg erringen konnte. To. Garbenteich — To. Hausen 10:5 (5:3). Die Platzbesitzer konnten den Lokalkampf sicherer als erwartet für sich entscheiden. Bei den Gästen vermißte man das nötige Zusammenspiel der einzelnen Mannschaftsteile, während das bei Garbenteich wieder einmal sehr gut klappte. Unter diesen Umständen ist der Sieg, auch in dieser Hohe, vollkommen verdient. Tv. Alsfeld — Tv. Burg-Gemünden 9:2 (4:3). Burg-Gemünden ist durch Spielerabgange zur Zeit sehr geschwächt, während Alsfeld ausgezeichnet in Form ist. Seinem schönen und vor allem zweckmäßigen Spiel konnten die Gäste nur eine gute Portion Eifer entgegensetzen, die aber nicht ausreichte. Tv. Homberg — To. Bernsfeld 13:3 (7:2). Die Neulinge hatten natürlich gegen die weit fpielerfahreneren Platzbesitzer nichts auszurichten und kamen für den Sieg nie in Frage. To. Erda I — To. Heuchelheim II 4:4 (3:3). Die Heuchelheimer haben sich recht gut gehalten und mit diesem Unentschieden den letzten Punkt für die Staffelmeisterschaft geholt. Jugend: TV. Dutenhofen — TV. Münchholzhausen 6:10 (4:5); SpD. 05 Wetzlar — TV. Garbenheim 7:0 (4:0); TD. Wetzlar — TV. W.-Niedergirmes 11:6 (4:4); TV. Garbenteich — TV. Lützellinden 2:10 (2:10); Mtv. Gießen — SpDgg. 1900 Gießen 11:6 (5:5); To. Krofdorf — To. Ruttershausen 4:17 (3:7); Tv. Staufenberg — Tv. Wißmar (Wißmar nicht angetreten). Es hat den Anschein, als ob Münchholzhausen ungeschlagen die Spitze halten wollte, denn auch die starke Mannschaft von Dutenhofen hat es nicht fertig gebracht, wenigstens einen Punkt zu erringen. — Trotzdem das Vorspiel in Garbenheim unentschieden endete, konnten die jungen Sportler einen sehr sicheren Sieg erringen. — Niedergirmes wird zusehends schlechter. Das beweist aufs neue das gestrige Spiel. — Der Tv. Lützellinden hat sehr guten Nachwuchs, der vielleicht auch noch ein Wort mitspricht. Denn die sicher nicht schlechten Garben- teicher auf eigenem Platz so sicher zu schlagen, will verstanden sein. — Man hätte einen stärkeren Widerstand der 1900er erwartet, zumal man sie schon recht schön spielen sahen. — Auch Ruttershausen scheint ungeschlagen die Spitze behalten zu wollen. Das gestrige Spiel jedenfalls beweist das aufs neue. , FL.Teutonia^ Wahenborn-Gteinberg Wetzlar-Niedergirmes I — Teutonia Dahenborn- Steinberg I 3:2 (2:2). Mit drei Mann Ersatz mußte die erste Mannschaft des FC. Teutonia Watzenborn-Steinberg die Reise zum vorletzten Verbandsspiel der Vorrunde nach Wetzlar-Niedergirmes antreten. In Anbetracht dieser Umstände waren die Aussichten daher von vornherein nicht die denkbar besten. Zu Anfang des Spieles enttäuschte die Mannschaft nach der angenehmen Seite hin und bald hatte sie sich eine l:0-Führung erkämpft. Bald aber kam Niedergirmes durch ungeheuren Körpereinsatz, unterstützt vom Publikum besser auf und konnte in der Folge zwei Tore für sich buchen. Kurz vor Halbzeit stellte jedoch der Halblinke der Gäste den Gleichstand wieder her. Mit 2:2 wurden die Seiten gewechselt. Die zweite Halbzeit sah die beiden Mannschaften verzweifelt um den Sieg kämpfen und hier blieben wohl die Platzbefitzer die glücklichere Mannschaft. Der Schiedsrichter hatte einen einen schweren Stand. Watzenborn Steinberg II — VsR. Lich II 4:1 (1:1). Die zwefte Mannschaft der Teutonen konnte auf eigenem Platz die gleiche des VfR. Lich mit 4:1 Toren sicher schlagen. Die Platzmannschaft, technisch dem Gegner weit überlegen, konnte jedoch infolge der überaus massiven Abwehr — die Mannschaft kam kaum mehr über die Mittellinie — die große Üeberlegenheit nicht durch Tore zum Ausdruck bringen. Für den ausgebliebenen Schiedsrichter sprang Schiri Buß ein, der seine übernommene Ausgabe gut erledigte. Watzenborn-Steinberg 3gb. — Spielvereinigung 1900 Gießen 3gb. 3:1 (1:0). Vor diesem Spiel standen sich die Jugendmannschaft von Watzenborn-Steinberg und Spielvereinigung 1900 Gießen im letzten Spiel der Vorrunde gegenüber. Die Platzmannschaft war hier die bessere und siegte verdient mit 3:1 Toren. Durch diesen Sieg steht die Jugendmannschaft des FC. Teutonia Watzenborn-Steinberg punktgleich mit der Jugendmannschaft des FC. Teutonia Watzenborn-Steinberg punktgleich mit der Jugend des VfB.-R. Gießen an der Spitze der Tabelle. Garbenteich Schuler — Watzenborn-Steinberg Schüler 2:1 (1:0). Am Sonntagvormittag spielte die Schülermannschaft gegen die Schüler des Sportvereins Garbenteich und verlor mit 2:1 Toren. Sportverein 1920 Heuchelheim. Heuchelheim — Fleisbach 7:4 (3:0). Arn Sonntag hatte sich der SV. 1920 Heuchelheim einen Gegner aus dem Dillkreis, den SV. Fleisbach, verpflichtet, der sich wider Erwarten als sehr stark erwies. In dem torreichen und spannenden Treffen blieb der Gastgeber verdient 7:4 (Halbzeit 3:0) Sieger. Diesmal konnte bei den Einheimischen der Sturm einigermaßen befriedigen, während die Läuferreihe nicht ganz fehlerfrei spielte. Die Hintermannschaft tat ihr Möglichstes. Die Gegner erwiesen sich als äußerst schnell und waren körperlich den Heuchelheimern stark überlegen. Heuchelheim ging schon wenige Minuten nach Beginn durch ein Selbsttor eines Gästeverteidigers in Führung, und konnte bis zur Pause durch den Halblinken und Mittelstürmer noch zwei Tore erzielen. Nach Wiederbeginn verursachte der Mittelläufer der Heuchelheimer an der Außenlinie einen Strafstoß, der hoch in den Strafraum gebracht, von dem Mittelläufer der Gäste sicher mit dem Kopf ver- wandelt wurde. Durch den Halblinken und den Halbrechten ging Heuchelheim mit 5:2 in Führung. Ein verwandelter Elfmeter brachte die Gäste auf 5:3 heran, doch kurz darauf konnte der Rechtsaußen der Platzbefitzer die alte Tordifferenz wieder herstellen. Kurz vor Schluß kamen beide Mannschaften noch zu je einem Tor. Der Kampf verlief sehr fair und stand unter guter Leitung. Heuchelheim 2. 3ugenb — Tv. Kinzenbach 3ugenb 1:6 (0:4). Das fällige Verbandsspiel in Heuchelheim brachte der Jugend von Kinzenbach den erwarteten sicheren Sieg, der weit höher ausfiel als man zunächst annahm. Der Kampf stand fast ausschließlich im Zeichen einer leichten Üeberlegenheit der (Säfte- mannschaft. Sportverein 1920 Lollar. Bei herrlichem Fußballwetter standen am Sonntag wiederum vier Mannschaften des SV. 1920 im Kampfe. Lollar I — Leihgestern I 5:0. Die 1. Mannschaft siegte auf eigenem Platze wieder klar und eindeutig mit 5:0 Toren. Der Gegner leistete nicht den erwarteten Widerstand. So kam es, daß Lollar stets drückend überlegen war und fast während der gesamten Spieldauer das gegnerische Tor belagerte. Das Spiel wurde dadurch, weil es stets einseitig war, uninteressant. Selbst die Lol- larer Spieler verloren die sonst bei ihnen zu findende Schneid. Lollar II — Rodheim II 6:1. Die zweite Elf errang ebenfalls einen klaren 6:1- Sieg. Der Gast, Rodheim II, konnte nur in der ersten Halbzeit das Spiel durch ungeheueren Eifer offen halten, fiel aber dann in der zweiten Hälfte dem reiferen Spiele der Lollarer zum Opfer. Lollar III — Staufenberg I 2:2. Die 1. Mannschaft von Staufenberg errang gegen die auf eigenem Gelände spielende Lollarer dritte Elf einen Achtungserfolg. Allerdings ist zu berücksichtigen, daß Lollar während der gesamten ersten Hälfte nur mit neun Mann spielte. VfB.-R. Gießen Schüler — Lollar Schüler 0:2. Die Schüler errangen den schönsten Sieg des Tages, denn es gelang ihnen, in einem flotten Spiele die Schüler des VfB.-R. Gießen in Gießen verdient mit 2:0 zu schlagen. Sie führen damit ungeschlagen die Tabelle der Gruppe an. Preiswerte IMM-IlMWll Damen-Schlüpfer,Flausch m.K'seidendecke,Gr.42 1.45 Damen-Schlüpfer, K’Seide plattiert......Gr. 42 1.55 Damen-Schlüpfer, Wolle mit Kunstseide, Gr. 42 1.95 Damen-Röcke, K’Seide mit Flauschfutter .Gr. 42 2.50 Damen-Röcke, Wolle m. K’Seide plattiert, Gr. 42 4.00 Unterziehschlüpfer, echt ägyptisch Mako .Gr. 42 0.75 Unterziehschlüpfer, Juvena, feinfäd. Qual., Gr. 42 1.20 Damen-Hemden. 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