Nr.M Erster Blatt 185. Zahrgang Montag,! 2. August 1935 Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugrpreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr.. „ -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernsprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zronkfurt am Main 11688 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche llniverfitäts-vuch- und Stehtörutferet R.Lange in Gießen. 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Schon am frühen Morgen herrschte in den Straßen festliches Treiben. Nachdem am Bormittag eine Tagung der politischen Leiter vorangegangen war, brachte der Mittag eine Propagandafahrt durch die von den großen Menschenmassen eingesäumten Straßen. Um 15.30 Uhr versammelten sich die politischen Leiter in dem prächtig geschmückten Rosenheimer Hofbräusaal. Mit rauschendem Jubel wurde der Führer sowie der Gauleiter des Traditionsgaues München-Oberbayern begrüßt. Der Führer begrüßte mit Handschlag persönlich jeden einzelnen der alten Rosenheimer Kämpfer. Als der Führer auf der Tribüne sichtbar wurde, ging eine Welle des Jubels über den Max-Josephs-Platz hinweg. Sofort ergriff der Führer zu einer längeren Rede das Wort, in der er immer wieder von der stürmischen Zustimmung der Massen unterbrochen wurde. Der Führer rief die Erinerung wach an die Zeit, da er vor 15Jahren zumerstenMalein dieser Stadt sprach. 15 Jahre, die heute deutsche Geschichte geworden sind in höchstem und deutschesten Sinne des Wortes, erfüllt von einem Kampf, wie er wundersamer um das Herz und die Seele des deutschen Volkes noch nie geführt worden ist. Das Schicksal dieser Ortsgruppe müsse für uns alle eine Lehre sein. Nichts habe das Schicksal der Alten Garde auch in dieser Stadt damals geschenkt. Eine kleine Schar gegen die Uebermacht der Zweifler und Spötter! „Damals stand einer gegen Zehn, und wir sind in diesem Kampf nicht müde geworden,, bis der Erfolg errungen war." Heute stehen neun des gesamten deutschen Volkes gegen einen der der kleinen Zweifler. Wenn wir damals nicht kapituliert haben, dann werden wir es heute sicherlich nicht tun. „3m Kampf haben wir einst das Deutsche Reich erobert, und im Kampf werden wir es erhalten und bewahren. Die gegen uns stehen, sollen sich in uns nicht täuschen! Den Kampf haben wir noch nie gescheut, früher nicht und heute nicht. Wenn sie ihn wollen, dann können sie ihn haben! Wir werden sie niederschmettern, daß ihnen für die nächsten 14 Jahre Gedanken an eine Fortsetzung dieses Kampfes vergehen werden!" In plastischer Weise stellte der Führer aegen- über, was unsere Gegner in 15 Jahren verwirtschaftet haben, dem, was der Nationalsozialismus in 2V2 Jahren seiner Herrschaft im deutschen Volke auf geb aut hat, und diesen Aufbau schütze nicht mehr eine feige bürgerliche Welt, sondern ein fanatisches, mannbares, junges deutsches Volk. Unter stürmischer Zustimmung rief der Führer aus: „Das darf ich denen, die glauben, daß f i e allein den Segen des Himmels gepachtet haben, wohl sagen: Vor 15 Jahren hatte ich nichts als meinen Glauben und Wil- l e n. Heute ist die Bewegung die Bewegung Deutschlands: heute hat diese Bewegung die deutsche Nation erobert und gestaltet das Reich. Wäre das möglich gewesen ohne den Segen des Allmächtigen? Oder wollen etwa die, die damals Deutschland ruinierten, behaupten, daß s i e den Segen Gottes gehabt hätten? Was wir sind, sind wir nicht gegen, sondern mit dem Willen der Vorsehung geworden. Und solange wir treu, ehrlich und kampfmutig sind, an unser großes Werk glaubend und nicht kapitulierend, werden wir auch weiterhin den Segen der Vorsehung haben. Dafür aber, daß diese Tugenden gewahrt bleiben, ist mit der Alten Garde die Junge Garde Gewähr!" Wenn diejenigen, die Deutschland in 15 Jahren ruiniert haben, heute im Hinblick auf die nationalsozialistischen Aufbauleistungen glaubten, wieder Morgenluft zu wittern, dann antworte er ihnen: „Das könnte ihnen so passen, jetzt, wo es wieder etwas zu verwirtschaften gibt!" Der Führer rief die schweren Prüfungen der Bewegung in den letzten fünfzehn Jahren wieder ins Gedächtnis zurück: „Und wenn uns auch in Zukunft das Schicksal wieder prüfen will, so sollen uns solche Hammerschläge der Vorsehung nur erst recht hart und fe st machen!' „Und auch das haben uns die Jahre feit 1918 gelehrt: Wehe dem Volk, das *nid)t bereit ist, feine Freiheit und feine Unabhängigkeit in feinen eigenen Schuh und Schirm zu nehmen! Niemand wird bezweifeln wollen, daß Deutschland feit 21/2 Jahren eine andere Stellung in der Welt einnimmt als vorher. Es gibt kein foziales Glück in einem Staat, dessen Volksgenossen untertan find einem fremden Willen! Ich bin der-Ueberzeugung, daß niemand in der Welt unser Reich mehr angreifen kann. Wir wollen den Frieden, wollen aufbauen, überall gibt es bei uns Arbeit, Arbeit und wieder Arbeit. So wie wir den Frieden wünschen, so sollten auch die anderen Völker den Frieden wollen. Wer diesen, unseren Frieden stören will, der stößt aber nicht mehr auf ein Volk von Pazifisten, sondern auf ein Volk von 2Hännern! Schon die Tatsache, daß dem so ist, wird mehr zum Frieden beitragen, als alles Reden." Der Führer umriß bann in großen Zügen den Weg des Nationalsozialismus in die Zukunft. Das Ziel fei, bas einheitliche Bilb unseres Volkes immer mehr zu vertiefen b i s z u r völligen inneren Geschlossenheit. „Wenn wir ben heiligen Willen besitzen, unser Volk für biese Einheit zu erziehen, bann wirb nach Jahrzehnten unentwegter Arbeit ber Nationalsozialismus als Weltanschauung bas große allgemeinverbinbenbe Erlebnis in unserem Volke sein. Dann wirb ein Volk bestehen, bas zutiefst innerst erfüllt ist von seiner gemeinsamen Aufgabe unb Senbung. Daran glaube ich so unerschütterlich, für bie Zukunft wie vor fünfzehn Jahren an bie heutige Zeit! Damals habe ich biese Fahne geschaffen unb gesagt, baß sie einmal über ganz Deutschland) flattern wirb. Fünfzehn Jahre finb vorbei unb über Deutschlanb wehen heute unsere Fahnen! Unb heute prophezeie ich weiter: In 500 Jahren wirb biese Fahne bas Herzblatt ber deutschen Nation geworben sein!" Der Führer schloß: „Sie in Rosenheim finb bie zweite große Ortsgruppe ber Partei, ber zweite Stützpunkt einer Jbee, bie bas beutsche Volk immer tragen unb halten wirb. Stehen Sie immer zu Ihrer Fahne, nicht nur in guten Tagen, sonbern erst recht In schlechten. Halten Sie bie Fahne be- sonbers fest, wenn ber Sturm peitscht unb Wolken am Firmament brohen. Den Blick nach vorn gerichtet nehmen Sie bie" Fahne in bie Hanb. So wie Sie 15 Jahre mit biefer Fahne marschierten, marschieren Sie weiter hinein in bie beutsche Zukunft!" Tiefbewegt unb im Innersten ergriffen von ben Worten bes Führers stimmten bie Massen bas Deutschlanb- unb bas Horst-Wessel-Lieb an. An- schließenb begab sich ber Führer in bas Flötzinger Löchl unb unterhielt sich angeregt mit ben alten Parteigenossen ber Ortsgruppe Rosenheim. Bei ber Abfahrt würben bem Führer roieber stürmische Ovationen zuteil. Den Abschluß bes Tages bilbete ein Vorbeimarsch ber Formationen. Damit hatte ber für bie Ortsgruppe Rosenheim unb ben Trabi- tionsgau benfroürbige Tag fein Enbe erreicht. Bemühungen um den Oonaupaki. Ein französisch-italienischer Entwurf.-Einschaltung des Bölkerbunds.-Wünsche Ungarns. -t. Berlin 11. Aug. (Gig. Bericht.) Etwas über- raschenb im gegenwärtigen Zeitpunkt ist in Rom ein Textentwurf zum Donaupatt ber Oeffent- lichkeit zugängig gemacht worben. Da bies nicht in einer offiziellen, sonbern mehr privaten Form geschehen ist, so erscheint vorläufig jebe Stellungnahme verfrüht. Man kann nur an Hanb bes Entwurfes, wenn man ihn als authentisch annehmen will, bie bisherige Entwicklung ber Paktbestrebungen barstellen. Zunächst ist gegenüber bem, was bisher an Vorschlägen bekannt würbe, eine interessante neue Formulierung festzustellen, aus ber ungarische Blätter, bie ja nach biefer Richtung besonbers interessiert finb, schließen wollen, baß Frankreich feberführ^nb war. Bisher hieß es immer, baß im Falle einer Verletzung bes Prinzips bes Nichtangriffs ober ber Nichteinmischung bie vertrag- schließenben Mächte zu gemeinsamer Beratung über bie zu treffenben Entscheibungen unb Maßnahmen zusammentreten sollten. Jetzt wirb für biefen Fall feftgefteüt, baß jebe am Donaupakt beteiligte Macht bas Recht haben soll, sich an ben Völkerbunbsrat zu roenben. Im übrigen stellt sich bas Bilb des neuen Paktentwurfes in feinen sechs Punkten so bar: Die Teilnehmer sollen sich verpflichten, einander nicht anzugreifen. Sie sollen auch a u f ihrem eigenen Gebiet keine aktiven Bestrebungen gegen „bie Unabhängigkeit, bas soziale unb politische R e - gime ber anbern Mächte" b u l b e n unb einen Staat nicht unterstützen, ber biese Verpflichtung verletzt. Es wirb bann, wie erwähnt, bas Recht zur Anrufung bes Völkerbunbsrats festgesetzt. Die beiben letzten Punkte werben in Rom mit Rücksichten auf bie ungarischen Wünsche begrünbet. Wenn bie aus bem Völkerbunbspakt hergeleiteten Rechte aufrechterhalten blieben, so könne Ungarn auch fernerhin seine Revisionsansprüche mit bem Artikel 19 biefes Paktes begrünben. Der Schlußartikel ist etwas unbestimmt gehalten. Nach den Forderungen, die Ungarn auf der Maikonferenz in Venedig erhoben hatte, sollten die Teilnehmer am Donaupakt keine zweiseitigen B e i ft a n b s o e r t r ä g e für ben Fall seiner Verletzung abschließen bürfen. Diese Forderung war damals so begründet worden, daß die Zulassung solcher Verträge eine Mitgliedschaft zweierlei Rechtes schaffen würde. In Nom scheint man die weitere Entwicklung optimistisch zu beurteilen. Es heißt, daß die Kleine Entente ihre Zustimmung bereits erteilt hätte. Bei den nunmehr eingeleiteten Verhandlungen mit Oe st erreich und Ungarn scheinen, nach Budapester Pressestimmen, die Hauptschwierigkeiten nach wie vor bei Ungarn zu liegen. Als grundlegende Forderung, die Ungarn in Venedig für seinen Beitritt gestellt hat, mutz das Verlangen nach volkommener Aufhebung der bisherigen Rüstungsbeschränkungen angesehen werden. Ungarn forderte damals die Berechtigung, die allgemeine Wehrpflicht wieder einzuführen. Die Bewilligung einer bloßen Heraufsetzung des bisherigen Efektivstandes, aber ohne Einführung der allgemeinen Wehrpflicht, wurde als ungenügend bezeichnet. Dieser Anspruch hat in den sechs Punkten des neuen Paktentwurfes noch keine Berücksichtigung gefunden. Wenn nun auch in Budapest anerkannt wird, daß eine wesentliche Annäherung an die in Venedig mitgeteilten Voraussetzungen erfolgt sei, so wird doch gleichzeitig energisch betont, daß d i e Bedingung der vollkommenen Gleichberechtigung unter gar fei ne n Umstän- ben preisgegeben werben könne. Italien hat schon bei ber Behanblung ber Pläne Tarbieus zur Sanierung ber Donaulänber seine Verpflichtung zur befonberen Berücksichtigung Oesterreichs unb Ungarns in ben Vorbergrunb gestellt, unb es ist bis heute nicht wesentlich von biefer Linie abgewichen. Darum ist bie Nachricht auch nicht unwahrscheinlich, baß Mussolini trotz seiner starken Inanspruchnahme burch ben Abessinienkonflikt sich persönlich in einer Besprechung mit bem jugoslawischen Gesanbten für ein Entgegenkommen Belgrabs gegenüber ben ungarischen Wünschen eingesetzt haben soll. Solange noch keine Klarheit besteht, ob eine Übereinstimmung zwischen der Kleinen Entente und den Mächten des Römer Dreierpaktes erzielt werden kann, haben wir keine Ursache zur Stellungnahme. Wir können die Dinge an uns herankommen lassen. Vorbereitung der Donaulonserenz. Fortschritte, aber noch kein fester Plan. Paris, 10. Aug. (DNB.) Der „Temp s" will bestätigen können, daß noch kein Entwurf den interessierten Mächten überreicht worden sei, daß man aber auch nicht an einem französisch-italienischen Plan arbeite, der den übrigen Mächten gewissermaßen zur Annahme ober Ablehnung unterbreitet werben würbe. Frankreich unb Italien arbeiteten zwar eng zusammen, aber nur zur biplomatischen Vorbereitung ber seinerzeit in Aussicht genommenen Konferenz, von berem balbigen Zusammentritt jeboch noch keine Rebe sein könne. Das Blatt will gewisse Fortschritte feststellen. Es spricht von einer fühlbaren Annäherung zwischen Rom unb ber Kleinen Entente, ber nicht mehr so intransigenten Haltung U n - garns und einer gewissen Bereitschaft Polens zur Teilnahme am Mitteleuropapakt, soweit feine Verpflichtungen vorgesehen werden würden, bie bem beutsch-polnischen Abkommen zu- wiberliefen. Am einfachsten wäre nach Ansicht bes „Temps" bie Formel bes gegenseitigen Beist a n b e s im Falle eines nichtprovozierten Angriffs, aber wegen ber Abneigung U n - garns, Deutfchlanbs und Polens gegen solche Verpflichtungen müsse von der Verankerung dieses Grundsatzes in einem allgemeinen Abkommen abgesehen werden. Das bedeute aber nicht, daß die Paktteilnehmer nicht nebenbei unter sich zweiseitige ober regionale Beistands- a b f o m m e n in bestimmten Fällen abschließen könnten. — Der sogenannte mitteleuropäische Pakt jedenfalls müsse sich auf folgenden drei Grundsätzen aufbauen: Nichtangriff, Nichteinmischung und Nicht- Hilfeleistung für einen Angreiferstaat. Die Schwierigkeiten, bie von Ungarn unb auch aus ber Opposition ber Kleinen Entente gegen bie Wiebereinsetzung ber Habsburger kommen könnten, dürften nicht übersehen werden. Verbote» in Oesterreich... e n . gierenden auf einen einzigartigen Gedanken: sie erfanden den „österreichischen Mens' Diese Abart des homo sapiens, von deren Dasein bis dahin nichts bekannt war, sollte nachträglich ben Beweis für bie innere Notwenbigkeit ber neuen Staatsverfafssfug liefern. Alle möglichen Anstrengungen würben unternommen, um bie Propaganba für ben österreichischen Menschen zu begrünben. Bei ber Suche nach seinen geschichtlichen Dorbilbern mußten vor allem bie trabitionellen Einrichtungen unb bie führenben Männer ber alten Monarchie bazu herhalten, bie Daseinsberechtigung bes gegenwärtigen Systems zu erhärten.. Mit bem Schlagwort „Traditionspflege" wurden besonders bie Offiziere unb Heer ührer ber alten kaiserlichen Ar- Es ist bie Tragik bes beutschen Volkes in Oesterreich, baß es heute in einem Staate zu leben gezwungen ist, ber von feiner lebenbigen, arteigenen Jbee getragen wirb, sonbern bessen Verfassung nach fremben Vorbilbern mühselig unb gewaltsam fon- ftruiert würbe. Die verschiebenartigsten Stilelemente finb zusammengetragen worben, um biefem seelenlosen Gebilbe ben Anstrich eines mobernen Staatswesens zu geben. Klerikale, stänbische, monarchistische unb faschistische Vorstellungen im roilben Durchein- anber beherrschen bas politische Leben, unb aus biefen Kreuzungen entstaub ber Bastarb „Christ» lief) er S t ä n b e st a n b", ber größte Anachronismus bes 20. Jahrhunberts. Niemanb liebte ihn, niemonb verstanb ihn — ben Staat ohne Volk. Um biefem Uebelftanb abzuhelfen, kamen bie Re- mee für bie Popu arifierung bes Regimes in Anspruch genommen. Bei offiziellen Kunbgebungen unb Aufmärschen wimmelte es geradezu von f.« und k.-Uniformen. Der hervorragendste Feldherr, den die neuere österreichische Geschichte aufzuweisen hat, und eine Persönlichkeit von großem Format war Conrad von Hötzendorf, Generalstabschef des österreichischen Heeres vor und im Weltkriege. Seine Unbestechlichkeit, seine Treue, sein eiserner Fleiß, sein Mut, seine strategische Kunst, fein politischer Weitblick erhoben ihn weit über den Durchschnitt der übrigen Militärs seines Landes. Der außerordentliche Wert der Dienste, die dieser Mann seinem Kaiser und Vaterland während des Großen Krieges geleistet hat, wird von niemanden bestritten. Man sollte daher annehmen, daß die jetzige Regierung alles Menschenmögliche tun würde, um die ungetrübte Erinnerung an das Leben und Werk Conrad von Hötzendorfs im Volke wach zu halten. Gerade zur rechten Zeit erschien nun im Verlage von Grethlein & Co. (Leipzig) ein Buch „M e i n Leben mit Conrad von Hötzendorf" (148), in dem die Gattin des verstorbenen Heerführers es unternimmt, bas geistige Vermächtnis ihres Mannes ber Nachwelt zu übermitteln. Mußte nicht bie Wiener Regierung gerabe biefes Buch mit befonberer Freube begrüßen unb feine Verbreitung in Oesterreich begünstigen? Denn wenn jemanb ein Oesterreicher von echtem Schrot unb Korn gewesen ist, bann war es Conrab von Hötzendorf. Aber welche Enttäuschung! Das Buch wurde nicht nur nicht gefördert, sondern von der Bundesregierung rundweg verboten. So wurde eine Verlagserscheinung, die sonst im Deutschen Reiche vielleicht nur ein begrenztes Interesse geweckt hätte, zur politischen Sensation. Wer das Buch liest, der muß lange suchen, ehe er die Gründe für das Verbot entdeckt zu haben glaubt. Die Schilderung der persönlichen Beziehungen zwischen Conrad von Hötzendorf und seiner späteren Frau nimmt, vor allem in den ersten Kapiteln, den größten Raum in Anspruch, und auch die folgenden Aufzeichnungen der beruflichen Entwicklung des Feldherrn und des gegen ihn einfetzenden Intrigenspiels würden noch nicht ausreichen, um das Verbot zu rechtfertigen, wenn auch hier und da schon Urteile ausgesprochen werden, die dem jetzigen Wiener Regime vielleicht nicht genehm sind. Erst ganz zum Schluß stößt man auf eine Betrachtung Conrads, die das Geheimnis des Verbotes mit einem Schlage enthüllt. Es heißt dort u. a.: „Jedes Volk muß ein große sZiel haben, dem es als Ideal entgegenstrebt, bis das Ziel erreicht ist. Für jeden Deutschen kann seit dem Weltkrieg dieses Ideal nur in dem endgültigen Zusammenschluß zu einem mächtigen Reich deutscher Zunge bestehen. Die Deutschen Oester- reichs waren sicher treue Söhne des alten Vaterlandes und haben gemeinsam mit den anderen Völkern der Monarchie zahllose Kämpfe für den Bestand des alten Reiches geführt — bis es diesen anderen Völkern gefiel, uns in der schwer- sten Krise des Weltkrieges den Rücken zuzu- drehen, sich auf Seite unserer Feinde zu stellen, um auf unsere Kosten alle möglichen Vorteile daraus zu ziehen und uns dem Elend preiszugeben. Das brachte eine völlige Aenderung ber Lage. Wer könnte uns Deutschen Oesterreichs zu- muten, mit biefen Hochverrätern erneut einen Bunb zu schließen, eine Gemeinsamkeit einzugehen? Unb so gibt es für uns nur mehr bas eine Ziel: bie Vereinigung mit allen un• seren Stammesbrüdern. Machen es die momentanen Umstände auch nicht möglich, dieses Ziel zu erreichen, so müssen wir es als Ideal im Innern tragen, bis ber Zeitpunkt kommt, ber hierin Wanbel schaffen kann. Bis bahin bleibt uns nur, mit allen Mitteln unseren beutschen Sinn zu pflegen, bie Keime biefes Jbeales in bie Herzen unserer Kinber zu legen unb mit mannhafter Energie alles von uns zu weisen, bas geeignet wäre, uns von diesem Ideal zu entfernen, selbst auch bann, wenn wir baburch wirtschaftliche Not erleiben müßten. Welcher Deutsche könnte eg über sich bringen, Verbinbungen einzu - gehen, die uns nach den Erlebnissen des Welt- krieges in die Lage bringen könnten, gegen Deutsche zu kämpfen und wieder für die Interessen jener Hochverräter zu bluten, die unser altes großes Vaterland zerrissen haben." Man versteht nun, w a r u m die österreichische Regierung die Verbreitung dieses Buches in den Bun- desländern verboten hat. Alles, was Conrad von Hötzendorf hier ausspricht, ist ein Schlag ins Gesicht der Wiener Politik. Mit ihrer Derbotsanwei- sung hat die Regierung sich selbst und ihre wahren Absichten schonungslos enthüllt, denn das Bekenntnis Conrad von Hötzendorfs besagt nichts anderes, als was auch das gesunde Denken und Fühlen des Volkes für wahr hält: daß nämlich der beste Oe st erreichet immer auch zugleich der beste Deutsche ist. Lügen Wiener Skandalblätier. Berlin, 10. Aug. (DRB.) Die Wiener Skandalpresse, insbesondere das „R euigkeitswelt- blatt" und sein Ableger, der „T e l e g r a p h", hatte vor einigen Tagen sensationelle Berichte mit wüsten Behauptungen über Vorkommnisse in Deutschland verbreitet. So wurde im einzelnen geschildert, wie der ehemalige Führer des Jungdeutschen Ordens, Artur Mah- raun, angeblich vor einigen Wochen in bestialischer Weise u m g e b r a ch t worden sein soll. Dazu ist festzustellen, daß Mahraun in Berlin einen Verlag besitzt, sich gesund und munter befindet und seinen Geschäften nachgeht. Ferner wurde die Niederlegung der Ehrenmitgliedschaft des Generalfeldmarschalls von Mackensen im Stahlhelm zum Anlaß genommen, um nun in phanasievollster Weise zu schildern, wie angeblich der Generalfeldmarschall mit vorgehaltenem Revolver zur Abgabe der Erklärung gezwungen worden sei, eine Darstellung, die schon den Stempel der Lüge an der Stirne trägt. Jeder weiß, welcher Wertschätzung und Hochachtung sich Generalfeldmarschall von Mackensen im neuen Deutschland erfreut, welche Ehrungen ihm bereitet worden sind, und weiß auch, daß ein Feldmarschall von Mackensen sich nicht erpressen läßt. Die Adjutantur des Generalfeldmarschalls von Mackensen gibt zu den Wiener Lügenmeldungen folgende Erklärung ab: „Die Nachrichten, welche in ausländischen Zeitungen über die Gründe der Niederlegung der Ehrenmitgliedschaft des Generalfeldmarschalls von Mackensen im Stahlhelm verbreitet werden, sind v 0 n A bis Z erlogen. Von den geschilderten Vorgängen ist hier nichts bekannt." Wir wissen genau, daß die jüdischen Schmierfinken einer gewissen Wiener Skandalpresse so bar jedes Ehr- und Schamgefühls sind, daß sie auch solche würdige Erklärungen nicht hindern werden, weiter ihren schmutzigen Geschäften nachzugehen. Bauer und Mittelstand als Objekte kommunistischer Propaganda. Moskau, 12. Aug. (DNB.) Auf dem Komintern-Kongreß wurde die Aussprache über den Bericht Dimitroffs abgeschlossen. In der Aussprache, die acht Tage gedauert hat, sind 7 6 Vertreter der verschiedenen Sektionen der Komintern zu Wort gekommen. Vertreter der kommunistischen Parteien Frankreichs und der Vereinigten Staaten bezeichneten eine Verstärkung der Propaganda unter den Bauern als notwendig. Der französische Kommunist erklärte freilich, die soziale Struktur des französischen Dorfes biete für eine erfolgreiche kommunistische Agitation nur wenig Voraussetzungen. Dennoch hoffe seine Partei, daß die in Frankreich hergestellte Einheitsfront der Linken eine Grundlage bilde, deren sich die Kommunisten bei ihrer Agitation unter der französischen Bauernschaft bedienen würden. — Der Amerikaner erklärte, dem amerikanischen Farmer dürfe man nicht mit dem Schlagwort „Bildung von Sowjets" kommen. Aber da der Faschismus auch in Amerika „eine Gefahr" darstelle, so glaubten die Kommunisten, daß es bet Ausnützung der in Farmerkreisen herrschenden wirtschaftlichen Not doch noch gelingen werde, die Landbevölkerung für eine Koalition gegen den Faschismus zu gewinnen. Vertreter der Sowjetrussischen Kommunistischen Partei traten für eine intensivere agitatorische Tätigkeit i n den Reihen der Intelligenz und des Mittelstandes ein. Die Auffassung, die bürgerliche Intelligenz sei ein grundsätzlicher Feind des Kommunismus, sei irrig. Man müsse diese Kreise darauf aufmerksam machen, daß das kulturelle Erbe einer großen Vergangen- h e i t „nur von den Kommunisten gerettet werden könne" (!!). Die Kopfarbeiter könnten die wertvollsten Stützen des Kommunismus werden. Hier fei jedoch eine große ideologische Arbeit zu leisten. Aber leider hätten auf diesem Gebiete fast alle Sektionen bisher versagt. Frankreichs Kampf um innere Gesundung. Reue Notverordnungen. Abbau bei der Tabakregie.—Berwaltungs- reform in Aussicht. Paris, 11. Aug. (DNB.) Im „JournalOfficiel" sind 29 weitere Notverordnungen erschienen, darunter die Erhöhung der Lehrgelder für höhere Schulen und Universitäten, ferner die Entlassung von 12 0 0 Angestell- ten der staatlichen Tabakregie. Ein großer Teil des Personals der Tabakregie sei deshalb überflüssig geworden, weil der Zigarrenoerbrauch seit einigen Jahren immer mehr zurück g e h e. Der Umsatz sei von 63 000 Kilogramm im Jahre 1931 auf 46 000 Kilogramm im Jahre 1934 zurückgegangen. Gegenwärtig verfüge der Staat über T a b a k v o r r ä t e, die die Versorgung sämtlicher Zigarrenraucher Frankreichs für drei Jahre erlaube. Laval hat den Präfekten erklärt, daß das bisherige „Fortwursteln" im Verwaltungsbetrieb mit den Erfordernissen der Stunde unvereinbar sei. Daß die Präfekten der Regierung Forderungen übermittelten, die in bisweilen beleidigenden Wendungen gehalten seien, sei unerträglich und müsse aufhören. Die Presse glaubt, daß die Regierung die Verjüngung der Staatsverwaltung in Angriff nehmen werde, die natürlich eine langwierige und vor dem Wiederzusammentritt des Parlaments kaum durchzuführende Aufgabe darstelle. DieVauern fordern befferepreise Paris, 11. Aug. (DNB.) In Amiens hatten sich am Sonntag zahlreiche Bauern aus Nordfrank- retch eingefunden, um über Maßnahmen zur Behebung der Krise in der Landwirtschaft zu beraten. Wenn die von der Bauernschaft geforderte Preisaufwertung für lano w i rtschaft l i che Erzeugnisse erfolglos bleibt, wollen die Versammlungsteilnehmer, die 510 Verbände des bäuerlichen Selbstschutzes vertreten, für eine rücksichtslose Deflationspolitik werben, die auch vor den Bezügen des Staatsoberhauptes, der Minister, der Parlamentarier und aller oberen Beamten nicht halt machen soll. Die Vertreter der örtlichen Gruppen legten außerdem den Schwur ab, alle Beziehungen zur Regierung abzubrechen, wenn ihre Forderungen a b gelehnt würden. Am Vorabend der Neuwahlen, so heißt es in einer Entschließung, würden sie ihre politischen Ansichten zurückstellen und nur denjenigen Abgeordneten und Senatoren ihre Stimme geben, die im Parlament bewiesen hätten, daß sie sich um das Bauerntum und die Landwirtschaft kümmerten. Der Staatschef fordert Einigkeit, Ruhe und Vertrauen. Gemeinsame Anstrengungen für Finanz- gesundnng und Wirtschaftsbelebung. P a r i s, 11. Aug. (DNB.) Der Präsident der Re- publik Lebrun hatte sich am Sonntag von seinem Heimatort Mercy le Haut nach M e tz begeben, um der Einweihung eines Denkmals berzuwohnen, das die Stadt Metz ihren im Felde Gefallenen errichtet hat, ohne Rücksicht darauf, auf welcher Seite sie gekämpft haben. Seine Rede klang aus in eine Mahnung an das Land zur Einigkeit. Diese Einigkeit, so erklärte er, die uns Hand in Hand zeigte, als die Freiheit und Unversehrtheit des Vaterlandes in Gefahr waren, die uns erneut zusammen- führte, als die Schäden des Krieges wieder gutgemacht werden mußten, und in der wir uns wieder zusammenfinden, um unsre Heimgegangenen Brüder zu ehren, diese Einigkeit sollte auch in der Stunde wieder aufleben, in der uns andere Gefahren bedrohen, in der wir unsere Energie und unseren Willen emporreißen müssen, um diese Gefahren überwinden zu können. Eines ist sicher, die Hebel, unter denen wir leiden, stammen aus der Krise, die über die Welt gekommen ist, und von der Frankreich nicht verschont bleibt. Man wird sie endgültig erst überwunden haben, wenn die Völker auf dem Gebiete der Wirtschaft, der Währung und des internationalen Handels z u de n gesunden Methoden zurückkehren, die lange Zeit ihren Wohlstand verbürgten. Ader bis zu diesem Umschwung, der nicht ausschließlich von uns abhängt, muh eine große mutige Anstren- gung im Lande f ü r das bringende Werk der F i n a nz g e su n d u n g und Wiederbelebung der Wirtschaft unternommen werden. Sammeln wir uns brüderlich um die Fahne der Nation. Weg mit den geballten Fäusten, bösen Blicken und gehässigen Worten. Das Glück für alles kann nur in einer Atmosphäre der Ruhe, der Ordnung, der Eintracht und des Vertrauens wiederkehren. Neue Zwischenfälle in Brest. Paris, 12. Aug. (DNB. Funkspruck.) Am Sonntagabend fanden in Brest Vorübergehende einen Soldaten bewußtlos in der Hafengegend und veranlaßten seine Ueberführung in ein Krankenhaus. Man vermutet nicht zu Unrecht, daß er e i n O p f e r der Rache der Arbeiterschaft geworden ist. Sein Zustand soll besorgniserregend sein. Ein Unteroffizier des zweiten Kolonial-Regiments, der einen Arbeiter erschossen hatte, als dieser gegen ihn und einen seiner Kameraden angeblich eine drohende Haltung eingenommen hatte, ist verhaftet worden. Der sozialistische „Populaire" fordert die Verlegung des zweiten Kolonial-Regiments von Brest in eine andere Garnison, da zu befürchten sei, daß es noch häufiger zu Zusammenstößen zwischen der Arbeiterschaft und den Soldaten kommen werde, die bei den Unruhen Befehl erhalten hatten, gegen die Arbeiter vorzugehen. Nur dadurch, daß man jeden Kontakt zwischen den Soldaten und der Bevölkerung vermeide, könne die Ruhe und Ordnung in Brest wiederhergestellt werden. Beamtenproteste gegen den Sparerlaß. Paris, 11. Aug. (DNB.) Etwa tausend Beamte hielten Sonntag vormittag inLeHavre eine Protestversammlung gegen die Sparerlasse der Regierung ab. Sie legten gleichzeitig Verwahrung gegen das Vorgehen der Polizei in Brest und Toulon ein. Die Beamten zogen vor das Rathaus, wo sie die Internationale sangen und feindselige Rufe ausstießen. Auch in anderen Städten fanden am Sonntag Protestkundgebungen statt. So haben in Lille die Beamten und Angestellten der städtischen Verkehrsmittel und Gas- und Elektrizitätswerke zum Zeichen des Protestes eine Viertelstunde lang die Arbeit ruhen lassen. Hilfe für notleidende Bergarbeiter. Feierschichten-Ausgleich durch eine Aktion der NS.-Dolkstvohlfahrt. B e r l i n, 12. Aug. (DNB.) Wie die NSK. meldet, wurde auf Befehl des Führers mit sofortiger Wirkung ein Feierschichtenausgleich für Bergarbeiter durchgeführt. Damit werden im ganzen Reich d i e Kürzungs - und Feierschichten der im Bergbau beschäftigten Volksgenossen nicht unwesentlich eingeschränkt, zum guten Teil sogar auf gehoben. Die Bestimmung, daß m o - na 11 i cf) in jedem Bergwerk mindestens 21 bis 22 Vollschichten „gefahren" werden müssen, bringt naturgemäß für den deutschen Bergbau, der bekanntlich periodisch unter Absatz- und Förderkrisen zu leiden hatte, eine wesentliche Erleichterung. Es wird damit den bedrängten Volks- aenoffen die Möglichkeit zu einer gesicherten Lebenslage gegeben. Während in allen anderen Ländern Europas schwerwiegende Auseinandersetzungen über das Bergarbeiterproblem stattfinden und für die Völker und ihre Regierungen zum Teil eine außerordentliche Belastung bilden, ist in Deutschland durch das Wort des Führers und durch feine helfende Hand nunmehr die Bergarbeiterfrage nach großen, grundsätzlichen Gesichtspunkten in Angriff genommen worden. Es sollen auch gleichzeitig die Notstände der Bergarbeiterfamilien, ihre Wohnverhältnisse und alles, was damit zusammenhängt, einer eingehenden Prüfung unterzogen werden. Dabei wird die N S. - Volkswohlfahrt neben der Ausgabe von Gutscheinen eine Reihe anderer Hilfsmaßnahmen ergreifen. Zur Ausgabe gelangen NSV. - Gutscheine in Höhe von 10 und 1 Mark. Andere Ware als Bekleidung, Wäsche und Haushaltungs- gegenftänbe dürfen gegen Zahlung mit NSV.-Gut- scheinen nicht verabreicht werden. Die NSV.-Gut- scheine sind gültigem der Zeit vom 15. August bis 30. September. Den Empfängern werden Waren im vollen Wert des Gutscheins verabreicht. Die Gutscheine können nur in Zahlung gegeben werden in Geschäften, welche für die Einlösung der Bedarfsdeckungsscheine (Ehestandsdarlehen) zugelassen sind. Die Erstattung des Gegenwertes an die Geschäfte erfolgt nach Abzug von 5 v. H. für die NSV. bis 31. Oktober. Diese Anordnung, die vorübergehend der besonderen Notlage der Bergarbeiter, die durch Feierschichten einen erheblichen Lohnausfall hatten, gerecht werden soll und abgelöst werden wird durch eine endgültige Regelung durch das Reich, beweist, daß den Bergarbeitern nach dem Willen des Führers gründlich geholfen werden soll. DenischeIngen- anf wirffchastsknndlicher Fahri. Es ist heute unsere Aufgabe, den jungen Menschen auf den Platz Hu stellen, auf dem er in seiner Arbeit seine Kräfte voll zur Entfaltung bringen kann. Die Möglichkeit dazu wird ihm aber genommen, wenn ihm ein Arbeitsgebiet zugewiesen wird, ohne ihm dabei den Einbau dieser Arbeit in die Gesamtarbeit des Betriebes klarzumachen, der Zusammenhang zwischen der Einzelleistung und der Gesamtleistung also fehlt. Durch die wirtschaftskundlichen Fahrten soll dem Jungarbeiter ein Heberblick über die großen Zusammenhänge des deutschen Wirtschaftslebens und ein Einblick in die Berufe gegeben werden, die mit dem eigenen Beruf bzw. dem Werkstück, das er bearbeitet, in Verbindung Das bedingt somit eine klare Gliederung in dem Aufbau der Fahrten nach beruflichen Gesichtspunkten und damit auch eine Begrenzung der Teilnehmer. Wenn im vorigen Jahre aus einem Gau ober einem Kreis der DAF. eine ganze Berufs- gruppe zu einer Fahrt zusammengeschlossen wurde, so werden es diesmal Fachschaftsgruppen sein, deren Berufe untereinander sehr eng verwandt finö, -wie beispielsweise der Müller mit dem Bäcker und dem Konditor oder der Maurer mit dem Zimmerer und dem Dachdecker. Zu der Anschauung soll noch ein theoretischer Hnterricht in Form oon Vorträgen durch ausgesprochene Fachleute hin- zutreten. Neben den zur Besichtigung und zum Verständnis des Betriebes notwendigen Ausführungen und dem Hinweis auf führende Werke sollen hier die Brücken geschlagen werden zu den Jndu- ttne- und Handelszweigen, die mit in die Reihe oes -Produktionsprozesses und Verarbeitungspro- zejses des Werkstoffes gehören. Wirtschafts- g e o gr ap h ie und Wirtschaftskunde werden ihm in lebendigen Bildern vor Augen geführt, und er wird erkennen, warum gerade dieser oder ie.n?r Wirtschafts- oder Industriezweig dort und nicht hier ansässig ist, warum die holzverarbeitende Industrie m waldreichen Gegenden vorzufinden ist und die eisenverarbeitende Industrie zum größten Teil ihren Sitz in den Gebieten Deutschlands hat, in der die größten Kohlenvorkommen sich finden, kurz die Standortbedingungen, das geographische Bild der deutschen Wirtschaft. Ich brauche nur auf die Verflechtungen hinzuweisen, die allem durch das Eisen bedingt sind; angefangen beim Bergwerk und bei der Verhüttung des Erzes zu den Eisengießereien, Maschinenfabriken, Dfenfabrtfen, Walzwerken, stahlerzeugenden und verarbeitenden Betrieben, Schlossern, Schmieden und darüber hinaus $u all den Industrie- und Handelszweigen, die sich wiederum hieraus ent» wickeln — Flugzeugindustrie, Schiffahrt, Eisenbahn, Elektroindustrie — ober auf bie Berufe, die sich aus der Verarbeitung ber Kohle entwickeln, bann wird uns erst deutlich werden, welche Gebiete sich dem Jungarbeiter, der auf ber wirtschaftskunblichen ’lt in großen Zügen erschließen, um in ihm bas Wirtschaftsbild abzurunben. Die- Anschauung unb bte Arbeitsweise in ben verschiebenen betrieben, Die er besucht, werden ihm die praktische Grundlage zu all diesen theoretischen Ausführungen geben. Daß hierbei der Rahmen der zu besuchenden Werkstätten nur ganz eng begrenzt sein kann und sich lediglich auf die beschränken wird, die die engste Verbindung mit der eigenen Fachschaftsgruppe haben und darüber hinaus Musterbetriebe fein werden, ist einleuchtend. Die wirtschaftskundliche Fahrt ist eine wirtschaft- u.che und berufliche Schulungswoche. Allerdings besteht hier der grundsätzliche Hnterschied, daß diesmal nicht Berge, Wälder oder schön gelegene ®een in ben Brennpunkt der Fahrt getreten sind, sondern ausschließlich die W i r t s ch a f t s k u n d e, der wirtschastsbebingte Aufbau bes eigenen Berufes unb oas Kennenlernen ber Zusammenhänge oon Be- mv 21 ®eru'' von Boden und Dodenerzeugung zur Wirtschaft. Keine Bewegung hat bis heute mehr das Prinzip ber Auslese vertreten als die unsere. Dies wollen wir auch in den wirtschaftskundlichen Fahrten beibehalten und wollen nur dem Jungarbeiter die Berechtigung zur Teilnahme geben, der durch seine besondere Leistung im Reichsbe- rufsroettfampf hervorgetreten ist. So werden an erster Stelle die Gausieger aus dem diesjährigen R B WK., eingeteilt nach Fachschaftsgruppen oder Berufen, so wie es jeweils notwendig erscheint, an den Fahrten teilnehmen. Auch Minderbemittelte oder allgemein sozial Schlechtgestellte sollen nicht ausgeschlossen werden. Durch einen besonderen Zuschuß wird ihnen Gelegenheit gegeben, teilzunehmen. Es wäre unlogisch, würden wir anders verfahren und würde das Ergebnis unseres Ausleseprinzips — den Tüchtigen zu fördern und auf den ihm auf Grund feiner Leistung zukommenden Platz zu stellen — zunichte machen. Annähernd 10 0 0 wirtschaftskundliche Fahrten werden in diesem Jahre durchgeführt werden. Das bedeutet für unsere gesamte berufliche unb sozialvolitische Schulungsarbeit einen gewaltigen Fortschritt. Annähernb zehn vom Hunbert der Teilnehmer, die durch bie zusätzliche Berufsschulung erfaßt werben, können auf ber wirtschaftskundlichen Fahrt ihre Berufskenntnisse erweitern und werden u. a. auch in bie sozialen Verhältnisse ber Wirtschaft und der Betriebe einen Einblick erhalten. L. Matthaei. Streikbewegung der amen, konischen Notstandsarbeiter. Neuyork, 11. Aug. (DNB.) Die bei den Notstandsarbeiten in Neuyork beschäftigten Arbeiter hatten Generalstreik als Protest gegen ben von ber Regierung festgesetzten Monatslohn von 93,50 Dollar angefünbigt. Bisher haben etwa 2000 Notstanbsarbeiter ber Streikparole Folge geleistet. Im Stadtgebiet von Neuyork sind 77 Notstandsprojekte in Angriff genommen, wofür 77 Millionen Dollar bereits bewilligt unb 210 Millionen in Aussicht gestellt worden sind. Der Arbeiterrat für Notstandsprojekte in Philadelphia hat gleichfalls den Streik ausgerufen. Streikposten gehen vor der Marinewerft von Philadelphia mit Plakaten auf und ab, auf denen verkündet wird, der amerikanische Arbeiter sei kein Kuli und arbeite auch nicht für Kulilöhne. Die Bundesarbeitsbeschaffungsbehörde hat den streikenden Notstandsarbeitern eine ernste Warnung zukommen lassen. Die Streikenden, die am Montag ihre Arbeit nicht wieder aufnehmen, sollen, durch andere Arbeiter ersetzt und von der Bundesunterstützungsliste gestrichen werden. Mehrere Organisationen sog. „Stehkragen- arbeite r", wie arbeitslose Büroangestellte usw., haben beschlossen, sich der Streikbewegung der Notstandsarbeiter anzuschließen. Der Landesleiter der „Workers Alliance of America", David Lasser, erklärte, 500 000 Gewerkschaftler und Nothilfearbeiter würden am 17. August in 30 Bundesstaaten gegen, die „Kulilöhne" der Regierung protestieren. Die Arbeitervereinigung von New Jersey gab bekannt, daß sie die Streikbewegung gegen die Löhne der Notstandsarbeiter unterstützen werde. Finanzhilfe für China. Sir Frederic Leith-Rotz' Mission im Fernen Osten. London, 11. Aug. (DNB.) Der Wirtschaftsbe. roter ber englischen Regierung, Sir Frederic Leith-Roß, ist nach dem Fernen Osten abgereift. Der Zweck der Reise ist die Möglichkeiten für die Gewährung einer internationalen Anleihe an China zur Ausnutzung der natürlichen Hilfsquellen dieses Landes zu untersuchen. Als die Hauptgeldgeber kämen außer England noch die Vereinigten Staaten und Frankreich, bie sich ebenfalls feit einiger Zeit mit biefer Angelegenheit befassen, in Frage. Der „Observer" bezweifelt, daß der gemeinsame Anleiheplan in ber japanischen Haupt stabt auf Verständnis stoßen werde. Japan werde es vorziehen, mit England unmittelbar zu einem Handels- und Wirtschaftsabkommen zu gelangen, daß England gewisse Handelserleichterungen im Fernen Osten und Japan als Gegenleistung hierzu die Beseitigung der Hindernisse gewähren würde, die dem japanischen Handel in den Kolonien im Wege stehen. In London wird betont, daß die Reise des Wirtschaftsberaters rein unterrichtender Natur sei und daß eine Entscheidung erst nach der Berichterstattung in London erfolgen könne. Ein japanischer General im Kriegsministerium überfallen. Tokio, 12. Aug. (DNB.-Funkspruch.) Generalmajor Nag ata, der Chef der Abteilung für all- gemeine militärische Angelegenheiten, wurde im Kriegsministerium überfallen und schwer verletzt. Man vermutet, daß der Heberfall mit den letzten Personalveränderungen in der Armee im Zusammenhang steht. Der Täter, ein aktiver Oberstleutnant, verletzte Na- gata durch einen Stich mit dem Säbel lebensgefährlich. Er konnte fest genommen wer- den. An dem Heberfall sollen mehrere Offiziere beteiligt gewesen fein. Nagata hat einen schweren Bruststich erlitten. Kleine politische Nachrichten. Der Führer und Reichskanzler hat ©einer Majestät dem König von Afghanistan anläßlich des Hnabhängigkeitstages Afghanistans te- legraphifch feine aufrichtigsten Glückwünsche übermittelt. Reichsminister Dr. Goebbels hat die Schirm- Herrschaft über die 1 2. G r o ß e D e u t s ch e R u n d - f u n f a n s ft e 11 u n g in Berlin übernommen unb roirö bie Ausstellung in ben Ausstellungshallen am Funkturm am Freitag, 16. August d. I., um 11 Hhr öffnen"^ über alle Rundfunksenber er- Der Präsident ber Reichskulturkammer Reichs- Goebbels hat das Mitglied des Prasidialrates der Reichstheaterkammer, Dr. Otto £e.lr/? seiner gesamten Aemter im Bereich der Reichstheaterkammer enthoben. Er war bereits am 4. Juni als geschäftsführender Direktor des deutschen Buhnenoereins beurlaubt worden. * rische Gesandte in Rom bei 2R u f f o l i n i vorstellig geworden, um ihn auf ?le- oula - Angelegenheit und die dabei von ver- Ichiedenen italienischen Blättern eingenommene $al- tung aufmerksam zu machen. In der Schweiz besteht der Eindruck, daß Mussolini, der über diese Angelegenheit nicht sehr genau unterrich» tet gewesen zu sein scheint, nach dem Rechten sehen werde. Englan-sMarschwute für diepariserOreierkonferenz London, 11. Aug. (DNB.) Die Dreimächtekonferenz wird mindestens eine volle Woche in Anspruch nehmen. Man ist der Ueberzeugunq, daß die Besprechungen die letzte Gelegenheit bieten, um noch in zwölfter Stunde eine Versöhnung zwischen den beiden Parteien herbeizuführen. Die britischen Vertreter auf der Pariser Konferenz, Eden und Sir Robert D a n s i t t a r t werden versuchen, die italienische Abordnung zu einer klaren Darlegung ihrer Forderungen und Ansprüche gegenüber Abessinien zu veranlassen, wobei man sich in London immer noch der Hoffnung hingibt, daß es gelingen werde, den gesamten Streitfall auf das wirtschaftliche Gebiet abzudrehen. Aus der Aufstellung der italienischen Streitkräfte in Eriträa glaubt man in London schließen zu können, daß für den Fall des Ausbruchs von Feindseligkeiten ein italienischer Vorstoß in das Gebiet des Tana -Sees eine der ersten strategischen Bewegungen der Italiener sein werde. Dieser Umstand verursachte in England Beunruhigung, da die Gefahr besteht, daß die italienischen Truppen mit der Besetzung des Gebietes der Quellwasser des Nils, die für Aegypten und den Sudan von so lebenswichtiger Bedeutung sind, eine vollendete Tatsache schaffen werde. Es wird erneut auf den englisch-italienischen Vertrag von 1925 hingewiesen, der u. a. den Zweck verfolgte, die Wasserversorgung der unteren Nilländer vom Tana-See aus sicherzustellen. ' Englands Widerstand „klar und unzweideutig" Unerbittliche Opposition gegen die Kriegspläne Italiens. Paris, 12. Aug. (DNB. Funkspruch.) Der Londoner Berichterstatter des „Echo de Paris" schreibt, die englische Opposition gegenüber Italien werde von Tag zu Tag unerbittlicher. Mussolini habe vergeblich versucht, in England Kredite zu erhalten. England sei fest entschlossen, gegebenenfalls die Schließung des Suez- r a n a l s zu fordern und habe bereits in Washington Schritte unternommen, damit man Italien auch in Amerika jeden Kredit verweigere. Aehnliche Schritte seien auch in Frankreich unternommen worden, insbesondere bei der Bank von Frankreich, aber auch bei großen Privatbanken. Auf der anderen Seite dürfe man den Abschluß eines Abkommens zwischen der abessinischen Regierung und einer schweizerischen Gesellschaft nicht außer acht lassen, das dem Bau einer großen Verkehrs st raße zwischen Addis Abeba und dem Sudan gelte. Dieser Bau habe einen ausgesprochen st rate g i s ch e n Charakter und diene einmal der V e r - sorgung Abessiniens mit Munition über den englischen Sudan, zum anderen aber auch einer möglichst raschen Besetzung der Gegend des Tanasees durch englische Truppen, falls der Vormarsch der italienischen Armee in dieser Gegend zu rasch vor sich gehen sollte. Im „Figaro" weist Wladimir d'Ormesson darauf hin, daß England es niemals einem ande- ren Lande erlauben werde, sich den Quellen des Nils und insbesondere des Blauen Nils zu nähern oder sich auf seinem Wege nach Indien festzusetzen. Man dürfe England nicht beschuldigen, seine Politik zu verheimlichen, denn die Einstellung der englischen Regierung sei klar und unzweideutig. Auf der anderen Seite lasse sich die augenblickliche englische Politik aber auch von dem Grundsatz leiten, daß ein Mitglied des Völkerbundes sich nicht dazu hinreißen lasse, ein anderes Mitglied des Völkerbundes anzugreifen. Reue strategische Stellungen Englands im Nahen Osten. R o m, 10. Aug. (DNB.) Der Lavoro Fascista berichtet aus Jerusalem über Pläne Großbritanniens, seine militärischen Stützpunkte im Mittelmeer zu verlagern. Die Besprechung der Kommissare Aegyptens und Palästinas und der britischen Gesandten im Irak und Arabien dienten in Loüdon dieser Erörterung. Danach solle die britische Hauptflottenbasis von Malta nach Haifa, der größten Hafenstadt des britischen Mandatslandes Palästina und Endpunkt der einen Oelleitung von Mossul, verlegt werden, da die italienische Bevölkerung Maltas immer englandfeindlicher werde. Aus strategischen und wirtschaftlichen Gründen verliere Malta immer mehr seine Eignung als wichtiger Flottenstützpunkt. Außerdem sei die Insel zuweitvonPalästina und Aegypten entfernt, um im äußersten Falle die Verteidigung der englischen Verkehrswege zu garantieren. Für Sicherung des Suezkanals und des Roten Meeres solle nach dem Bau einer Eisenbahnverbindung das Gebiet von Akaba an der östlichen Spitze der Sinaihalbinsel zum Operationszentrum der britischen Truppen in Palästina und Transjordanien gemacht werden, um dadurch gleichzeitig die Interessen des Britischen Weltreiches im nahen und mittleren Orient zu schützen. Außerdem beabsichtige man in Akaba eine große Flugzeugbasis fürdenNahenOsteli zu schaffen. Aegypten sei wegen seiner Nähe zum italienischen Libyen als Luftstützpunkt weniger geeignet. England fördert die monarchistischen Bestrebungen Griechenlands. Paris, 12. Aug. (DNB.-Funkspruch.) Der Londoner Berichterstatter des „Echo de Paris" meldet, daß in London die Wiedereinführung einer Monarchie in Griechenland mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln b e g ü n - st i g t würde. Das sei nicht nur auf die engen Beziehungen zurückzuführen, die der ehemalige griechische König mit dem englischen Königshaus unterhalte, sondern sei auch eine unmittelbare Folge des englisch- italienischen Gegensatzes. England wolle auf alle Fälle die italienischen Pläne im Mittelmeer durchkreuzen und verhindern, daß Italien sich eine Zugangsstraße zum Roten Meer verschaffe. Man befürchte weiter, oaß Italien sich in Griechenland sehr ergiebige Gruben sichern wolle und man wünsche nicht, daß es in zu großem Umfange über dies für die Herstellung von Kriegsmaterial wichtige Metall verfüge. England werde jedenfalls in allernächster Zeit einen offenen Vorstoß zur Wiedereinführung der griechischen Monarchie unternehmen, es sei kein Zufall, daß man gerade jetzt eine Lieferung von 70 englischen Flugzeugen an die griechische Regierung ankündige. Abessinien steht noch zum Eden-Vorschlag. Gebietsabtretung im Süden gegen einen Hafen. Paris, 11. August. (DNB.) Der Berichterstatter der Agentur Haoas in Adis Abeba hat sich an den Negus mit der Frage gewandt, ob Abessinien, um die ernsten Folgen eines bewaffneten Konfliktes mit Italien zu vermeiden, nicht geneigt sein würde, gebietsmäßige Zugeständ- nisse zu machen im Austausch für eine finanzielle Hilfe, die das Werk der Zivilisation in Abessinien beschleunigen würde. Der Negus erwiderte: „Ich betone, daß an der Unabhängigkeit unseres Landes nicht gerührt werden darf. Meine Regierung hat immer Anleihen zur Entwicklung des Landes gewünscht. Eines der Mittel, das zur Wirtschaftsförderung Abessiniens beitragen könnte, wäre die Gewinnung eines Hafens. Wenn wir diese beiden Bestrebungen verwirklichen könnten, würden wir gegen die Abtretung eines Teiles der Provinz Ogaden nichts einzuwenden haben. Gegen Gewährung einer Anleihe und Abtretung eines Hafens, wie Eden sie bereits vor geschlagen hatte, könnten wir die Abtretung eines Gebietes ins Auge fassen. Auf die weitere Frage, welche Hoffnungen er auf die Pariser Konferenz und den Zusammentritt des Völkerbundsrates am 4. September fetze, erwiderte der Negus: „Die Pariser Konferenz wird von dem Grundsatz des Vertrages von 1906 ausgehen, an dem wir nicht beteiligt sind. Aber da dieser Vertrag u. a. auch bezweckt, die U n - Die endgültigen Gesamtergebnisse über die Bautätigkeit im Jahre 1934 haben die interessante Tatsache ergeben, daß der Wohnungsbestand im Deutschen Reich auf etwa 17 Millionen Wohnungen angestiegen ist. Davon sind 3,4 Millionen oder 20 v. H. nach dem 1. Juli 1918 erbaut worden. Der Reichszugang 1934 belief sich auf insgesamt 284 000 Wohnungen und war damit um 60 v. H. höher als im Jahre 1933. Neu errichtet wurden im letzten Jahr 319 439 Wohnungen, um 117 326 oder 58 v. H. mehr als im Vorjahr. Die Differenz, die sich zwischen Neubau und absolutem Zugang ergibt, erklärt sich aus dem Wegfall von Wohnungen in Höhe von 35 444 infolge von Umbauten-, Abbrüchen und Bränden. Der weitaus größte Teil ist jedoch durch Umbauten in Wegfall gekommen. Dagegen sind durch Umbauten auch 129 182 Wohnungen neu enist a n d e n. Die Zunahme gegenüber 1933 auf diesem Gebiet der Wohnungserrichtung hat 87 v. H. betragen. Der Anteil der Neubauten an dem Gesamtzugang beträgt 190 300 Wohnungen, und damit 43 v. H. mehr als 1933. Don den Neubauwohnungen waren knapp die Hälfte Kleinwohnungen mit einem Wohnraum bis zu drei Wohnräumen, der größere Teil entfiel auf Mittelwohnungen und nur ein ganz kleiner Prozentsatz auf Wohnungen mit mehr als sieben Räumen. * Die Reichsrundfunkkammer hat amtliche Richtlinien gegen den Lautsprecherlärm herausgegeben. Schon früher ist durch die Hausgemeinschaftsordnung darauf hingewiesen worden, daß die gebotene Rücksichtnahme auf die übrigen Hausbewohner es allen Beteiligten zur Pflicht mache, zur Vermeidung störender Geräusche durch Rundfunkempfang mit belästigender Lautstärke und Ausdauer beizutragen und auch die Mieterorganisation hat darauf hingewiesen, daß beim Rundfunkempfang Türen und Fen st er geschlossen sein müssen. Die Einschränkung der Lautstärke und des Empfangs hat natürlich besondere Bedeutung abends nach 22 Uhr und in den Mittaas st unden. In den Richtlinien der Reichsrundfunkkammer wird nun mit besonders Eindringlichkeit auf diese Dinge hingewiesen und u. a. gesagt, daß in solchen Gebäuden, in henen der Schall leicht weitergetragen wird, der Lautsprecher auf Zimmer st ärke einzustellen ist. Diese Bestimmung soll aber unter allen Umständen nach 23 Uhr eintreten. Es wird besonders darauf hingewiesen, daß, wer vorsätzlich ruhestörenden Lärm verursacht, durch Polizeibeamte festgestellt und danach b e st r a f t werden kann. Hier sei weiter bemerkt, daß das Kammergericht bereits ein höchstrichterliches Urteil in einem solchen Fall gefällt hat, und daß das Urteil u. a. ausspricht, daß der Rundfunkhörer unbedingt auf die übrige Bevölkerung Rücksicht zu nehmen hat. Schließlich weisen die Richtlinien darauf hin, daß der Lautsprecherlärm eine Besitz st örung sein kann, gegen die jeder Volksgenosse im Wege der Klage oder einstweiligen Verfügung vorgehen kann. Der Mieter kann auch vom Vermieter verlangen, daß er Abhilfe schafft. (Einheitsmietvertrag.) Nur bei Gemeinschaftsempfang ist der Betrieb von Lautsprechern anders zu werten als sonst. * Nach dem Erlaß über die Standes- und Facharztordnung für das gesamte Gebiet der kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands durch den Reichsführer der kassenärztlichen Vereinigung wird nunmehr die Bereinigung der Facharzt - und Schilde r f r a g e durchgeführt. Danach sollen z. B. in Berlin alle D o p p e l b e z e i ch n u n g e n grundabhängigkeit und Unversehrtheit Abessiniens zu sichern, hoffen wir, daß die Mächte Abessinien schützen werden. Was den Zusammentritt des Völkerbundsrates am 4. September anlangt, stellen wir mit Freude fest, daß die italienisch-abessinische Frage dann von Grund a u f behandelt werden soll. Wir legen schon heute Wert auf die Feststellung, daß wir die Entscheidungen des Völkerbundes befolgen werden, wie wir dieses bisher auch getan haben. Nicht auf Kosten Portugals! Keine portugiesischen Kolonien zur Befriedigung der Ansprüche Italiens. Paris, 11. Aua. (DNB.) Dem „Echo de Paris", das aus London Gerüchte über eine etwaige Aufteilung der portugiesischen Kolonien in Afrika zur Befriedigung der italienischen Kolonisationsansprüche wiedergegeben hatte, ist von der hiesigen portugiesischen Gesandtschaft folgende Erklärung zugegangen: 1. Die portugiesischen Kolonien, die einen u n - veräußerlichen Bestandteil des nationalen Gebietes bilden, können nicht Gegenstand irgenbeiner diplomatischen Verhandlung oder einer finanziellen Transaktion fein. 2. Die finanzielle Lage Portugals, die als Musterbeispiel angeführt werden darf, macht jede Möglichkeit etwaiger finanzieller Entschädigungen hinfällig, denn Portugal h a t solche nicht nötig. 3. Gegen die portugiesischen Besitzrechte in Ueber- fee kann kein Grund geltend gemacht werden. Portugal besitzt diese Rechte auf Grund jahrhundertealter Besetzung und auf Grund einer Kolonialverwaltung, die den Vergleich mit irgendeiner anderen nicht zu scheuen braucht. 4. Es wäre zwecklos zu glauben, daß irgendein Streifen portugiesischen Gebietes zugunsten von irgendjemand „friedlich geraubt" werden könnte. Denn die Regierung und das Volk Portugals würden sich mit allen Kräften und allen Mitteln für die Verteidigung ihrer Rechte einfetzen. sätzlich in Wegfall kommen, wie z. B. „Chirurg und Frauenarzt". Es muß in Zukunft also heißen, entweder „Frauenarzt" oder „Chirurg". Reklameanpreisungen kommen auf den Schildern dementsprechend auch nicht mehr in Frage. Die Beschriftung am Hause und an der Wohnungstür muß gleich sein. Ueber Art und Größe des Schildes gilt die Bestimmung, daß es nicht größer als 35 mal 50 Zentimeter fein darf und schwarze Beschriftung aufweisen muß. Für Berlin kommen als Facharztbezeichnungen folgende in Frage: Chirurgie, Frauenkrankheiten und Geburtshilfe, Orthopädie, Augenkrankheiten, Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Erkrankungen der Harnorgane (Urologie), Nerven- und Geisteskrankheiten, Röntgen- und Lichtheilkunde, Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten (hierzu auch Approbation als Zahnarzt erforderlich), Innere Medizin, Magen-, Darm- und Stoffwechselkrankheiten, Lungenkrankheiten (Erkrankungen der Luftwege), Kinderkrankheiten. Dem Facharzt steht die Wahl zwischen Bezeichnungen gleicher Bedeutung frei, z. B.: „Frauenarzt" oder „Facharzt für Gynäkologie", oder „Facharzt für Frauenkrankheiten und Geburtshilfe"; Bezeichnungen wie „Facharzt für Kosmetik", „für Krampfaderbehandlung" „für Beinleiden" ufw. find nicht mehr statthaft. * Nach der Einführung des Einheitsmietsvertrages herrscht häufig die Ansicht vor, daß gewisse Belastungen, die dem Mieter durch den Mietsvertrag auferlegt sind, von diesem nicht mehr verlangt werden können. So hatte sich in einem Falle ein Mieter verpflichtet, für die ordnungsgemäße Erhaltung der Mieträume einzu- stehen, und zwar u. a. einschließlich der Jalousien, Badeeinrichtung, Spültische, Wasserhähne, Schlösser, Kochmaschine, Fenster, Oefen, Gas-, Wasser- und elektrische Leitungen usw. Darüber ist es zur Klage gekommen, weil die Auffassung vertreten wurde, daß die vom Mieter übernommene Verpflichtung infolge ihrer unerträglichen Härte als sittenwidrig und als nichtig anzusehen sei. Dieser Ansicht ist das Landgericht in der zweiten Instanz entgegengetreten und hat erklärt, daß diese Dinge zwar für den Mieter in einer schonenden Weise auszulegen sind, und daß Unklarheiten und Widersprüche und deren Folgen regelmäßig zu Lasten des Vermieters gehen. Dagegen muß der Mieter den natürlichen Verschleiß der Mieträume tragen. Die Jnstand- setzungspflicht des Mieters beschränkt sich auf Instandsetzungen, die nach der Verkehrsauffassung zur Instandsetzung von Wohnräumen oder gewerblichen Räumen gehören. Zu Lasten des Vermieters gehört alles, was zur Erhaltung des Hauses selbst und seines baulichen Zusammenhanges gehört. Der Vermieter hat natürlich auch alle Reparaturen auszuführen, die durch äußere Einflüsse oder Gewalt hervorgerufen werden, wie z. B. Schwamm, Rohrbruch, Einsturz usw. Wenn der Mieter Schäden verschuldet, so hat er natürlich einzutreten. Somit hat der Mieter, wenn das im Mietvertrag vorgesehen ist, den natürlichen Verschleiß zu tragen. Eine solche Verpflichtung verstößt also nicht regelmäßig gegen die guten Sitten. Es wird auch auf die Sorgfaltspflicht des Mieters hingewiesen und auf die Tatsache, daß der Verschleiß in der Regel wirtschaftlich nicht besonders belastend ist und meistens durch die Schönheitsreparaturen beseitigt werden kann. Die Verpflichtung des Mieters in der gekennzeichneten Art durch ältere Mietverträge verstößt also nach Ansicht des Landgerichts nicht gegen nationalsozialistische Rechts- auffassung. H. D. OerDanzigpolmscheAusgieich Danzig, 10. Aug. (DNB.) Gauleiter Albert F o r st e r schreibt über den Danzig-polnischen Ausgleich u. a.: Polen und Deutschland haben in Europa eine große gemeinsame Aufgabe zu erfüllen. Sie besteht darin, den im Osten Europas zur Macht gelangten Bolschewismus unter allen Umständen vom übrigen Kontinent fernzuhalten. Gerade der in diesen Tagen in Moskau stattfindende Kongreß aller führenden Kommunisten der Erde weist auf die Gefahr hin, die von dort der ganzen abendländischen Kultur droht. Solange Polen und Deutschland in der großen Politik sich gegenseitig verständigen, wird es der 3. Internationale unmöglich sein, in Mitteleuropa festen Fuß zu fassen. Eine Verständigung zwischen zwei Staaten hat auf die Dauer aber nur einen Wert, wenn sie tatsächlich von beiden innerlich gewollt ist und ehrlich betrieben wird. Die Danzig-polnische Verständigung, die vor zwei Jahren angebahnt wurde, hat l h r e e r st e Feuerprobe bestanden. Wenn die Streitfragen zwischen Danzig und Polen, die in diesen Tagen zur Debatte standen, vom Völkerbund hätten geklärt werden müssen, dann wären diese Streitfragen niemals aus der Welt geschafft worden. Zumindest wäre eine Entscheidung des Völkerbundes bestimmt nicht zur Zufriedenheit beider am Streitfall beteiligter Staaten ausgefallen. Was Danzig will, ist nichts anderes, als im Rahmen der bestehenden Verträge zu leben und deutsch zu bleiben. Polen mag davon überzeugt sein, daß es mit uns in Danzig a u f das Beste Zusammenarbeiten kann, wenn wir sehen, daß es alles tut, nicht nur die ihm in den Verträgen zustehenden Rechte für sich in Anspruch zu nehmen, sondern auch die ihm auferlegten Pflichten Danzig gegenüber zu erfüllen. Ebenso muß sich Polen aber darüber klar sein, daß wir uns, wenn man Danzig in seinem Deutschtum und in seinem Lebensnerv, d. h. seiner Wirtschaft treffen will, bis zum letzten Augenblick zur Wehr setzen. Dieser Streitfall und seine Bereinigung hat politisch gesehen immerhin etwas Gutes an sich. Alle Feinde Deutschlands und der deutschpolnischen Verständigung, die in den letzten drei Wochen in ihrer Presse gejubelt Haden und sich schon darauf freuten, daß die Verständigungspolitik zwischen Deutschland, Danzig und Polen ihre Feuerprobe nicht bestehen würde, wurden auf das bitterste enttäuscht. Außerdem mag die Welt an diesem Beispiel erkennen, daß unser Führer Adolf Hitler recht hat, wenn er den Gedanken der Verständigung zwischen zwei Staaten für nützlicher hält als kollektive Sicherheiten, so wie sie in Genf gepredigt werden. Wäre bei allen großen Völkern der ehrliche Wille zur gegenseitigen Verständigung so vorhanden wie zwischen Deutschland, Danzig und Polen, dann würden viele Konflikte, die für die Völker furchtbarste Folgen haben können, viel schneller beseitigt werden. Ein neues Gewehrmodell für die englische Armee. London, 11. Aug. (DNB.) „Sunday Dispatch" meldet, daß die englische Armee demnächst ein neues Gewehrmodell erhalten werde, das um mehrere Unzen leichter und erheblich handlicher als das jetzt im Gebrauch befindliche Gewehr fei. Das neue Modell soll angeblich die Abgabe von 50 Schuß in der Minute gestatten. In den Händen eines gut ausgebildeten Soldaten stelle es praktisch ein leichtes Maschinengewehr dar. Zur Deckung der Kosten solle ein Nachtragshaushalt in Höhe von etwa 3 000 000 Pfund eingebracht werden. Wie erinnerlich, ist kürzlich für die britische Armee auch ein neues Modell des leichten Maschinengewehrs eingeführt worden. Es handelte sich um das Modell Bren, das tschechoslowakischen Ursprungs ist. Gegen Störung durch Lautsprecher im Straßenverkehr. Der Reichs- und preußische Verkehrsminister hat Vorschriften über den Betrieb von Lautsprechern aus öffentlichen Straßen erlassen. Den neuen Vorschriften unterworfen ist auch der Betrieb eines nicht auf der Straße befindlichen Lautsprechers, der sich auf eine öffentliche Straße auswirken soll. Das Genehmigungsverfahren bezieht sich hauptsächlich auf die sogenannten Lautsprecherwagen, die zur Wirtschaftswerbung auf der Straße bestimmt sind. Zum Schutz von Bade- und Kurorten gegen Störungen durch den Betrieb von Lautsprechern auf Wagen kann in solchen Orten wie auch in Großstädten mit mehr als 300 000 Einwohnern die Genehmigung allgemein oder in bestimmten Ortsteilen versagt werden. Der Betrieb von Lautsprechern auf Wagen ist überhaupt verboten an Sonn- und Feiertagen sowie an allen Tagen in der Zeit von 13.30 und 14.30 Uhr und zwischen 20 und 8 Uhr. Im übrigen haben die Genehmigungsbehörden auch andere ausreichende Befugnisse, um Störungen zu unterbinden. Von Behörden oder der NSDAP, betriebene Lautsprecher sind von der Genehmigungspflicht (nicht von der Anzeigepflicht) befreit. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Avsgabeor» Frankfurt Die starke Erhitzung läßt über dem Festland kräftigen Luftdruckfall eintreten und die Entwicklung von Tiefdruckstörungen sich von Westen her nach Deutschland hin durchsetzen. An ihrer Rückseite stößt kühlere Meeresluft nach, die zunächst Neigung zu verbreiteten gewittrigen Niederschlägen gibt. Anschließend setzt sich das vorerst unbeständige und kühle Wetter fort. Aussichten für Dienstag: Zunächst bedeckt und gewittrige Niederschläge, dann mehr wechselnd bewölkt, bei lebhaften über Westen nach Norden drehenden Winden Abkühlung. Aussichten für Mittwoch: Veränderliches Wetter mit vereinzelten Schauern, verhältnismäßig kühl. Temperaturen am 11. August mittags: 28,0 Grad Celsius, am 11. August abends: 17,5 Grad; am 12. August morgens: 15,7 Grad. Maximum 28,8 Grad; Minimum 11,7 Grad. ■ ■ ■ ■ ■■■ - " " - - ■«■»■■■■ ■Auch Deine Zähne brauchen jeden Abend Chlorodont ! Umschau im Wohnungswesen. -IlMillionen Wohnungen in Deutsch land.-Gegen Lautsprecherlärm.-Arztschilder an der Wohnungstür und am Hause.-Wer bezahlt dieZnstandsehungSarbeiten? Aus aller Welt. Vier Todesopfer eines Autounglücks an einem Bahnübergang. Ein furchtbares Autounalück ereignete sich in der Nacht zum Sonntag am Bahnübergang St. Ilgen — Walldorf. Ein mit vier Jungen aus Walldorf und St. Ilgen besetzter Kraftwagen passierte gegen 0.30 Uhr den Bahnübergang. In demselben Augenblick raste der Schnellzug D 19 4 Heidelberg —Karlsruhe heran. Der Kraftwagen wurde von der Lokomotive erfaßt und v o l l - ständig zertrümmert. Die jungen Leute wurden auf der Stelle getötet. Personenauto mit Lastwagen zusammengestohen. Die beiden Inhaber der Firma Behncke und Zschache, Malergeschäft in Karlsruhe, unternahmen einen Ausflug ins Albtal. Auf der Rückfahrt stieß ihr Auto nachts zwischen 1 und 2 Uhr in der Gemarkung Spielberg mit einem La st wagen zusammen. Die 60 Jahre alte Frau Zschache war sofort tot, der Malermeister Behncke erlitt so schwere Verletzungen, daß er im Karlsruher Krankenhaus st a r b. Der junge Behncke wurde ebenfalls schwerverletzt, während der Malermeister Zschache mit leichteren Verletzungen daoonkam. Nicht überfahren, sondern überfallen. Vor kurzem wurde auf der Straße zwischen Wöllstein und Gaubickelheim bei Kreuznach em 22jähriger Landhelfer aus Bad Kreuznach schwer verletzt neben seinem Fahrrad aufgefunden. Er wurde in bewußtlosem Zustande ins Krankenhaus eingeliefert, wo er bald darauf D e r ft a r b. Man nahm seinerzeit einen Unglücksfall an. Die nunmehr vorgenommenen gerichtsärztlichen Untersuchungen haben jedoch ergeben, daß der Tote nicht überfahren, sondern überfallen, niedergeschlagen und seiner Papiere und Barschaft beraubt worden war. Zwei Täter sind bereits verhaftet. Autobus fährt in eine marschierende Kolonne. In einem kleinen Ort in der Nähe von Prag fand am Sonntag aus Anlaß der Enthüllung der Ge- denktafel eines russischen Legionärs ein Umzug von Legionären nach dem nahegelegenen Ort Dräne statt. An der Stelle, wo der Zug auf die Straßenseite Prag—Stechwitz einbog, kam von Dräne ein vollbesetzter Privatautobus gefahren, dessen Lenker den Zug erst im letzten Augenblick bemerkte. Die Folgen waren furchtbar. Der Autobus fuhr mitten in die marschierende Kolonne hinein und kam erst nach mehreren Metern zum Stehen. Hierbei wurden vier Personen getötet, vier schwer, und eine bisher noch nicht feststehende größere Zahl leicht verletzt. Der Fahrer wurde festgenommen. Dreizehn Todesopfer eines Eisenbahnunglücks auf Korea. In F u k u f u auf Korea ereignete sich am Freitagabend ein furchtbares Eisenbahnunglück. Ein Zug raste in voller Fahrt in eine Menge von hundert Koreanern, die in der Dunkelheit auf dem Bahndamm nach heruntergefallenen Kohlen suchten. 13 Personen wurden getötet, während 26 verletzt wurden. Die Ursachen des Absturzes des Verkehrsflugzeuges „Gaai" in den Schweizer Bergen. lieber die Ursache des vor mehreren Wochen t n den schweizerischen Alpen bei San Bernardino erfolgten Absturzes des auf der Fluglinie Mailand—Frankfurt—Amsterdam eingesetzten holländischen Verkehrsflugzeuges. „Ga-ai" ist durch die inzwischen aus den Trümmern der Maschine geborgenen Tagebuch- aufzeichnungen des Amsterdamer Journalisten van Langen mehr Licht verbreitet worden. Aus diesen ergibt sich, daß die Maschine beim Flug über die Alpen zunä chst eine Höhe von annähernd 5000 Meter erreicht hatte, daß sie dann aber plötzlich in heftigen Ge - witterregen geriet und innerhalb weniger Minuten bis auf 2100 Meter herab- gehen mußte. Nach der Niederschrift der 3lner 2100 hörten die Aufzeichnungen ganz unvermittelt auf. Es wird daher angenommen, daß Eisbildung auf den Tragflächen das Flugzeug z mi - f cf) e n die Bergwände herab gedruckt hat. Da in den Aufzeichnungen auch von -Bl 18 = schlügen gesprochen wird, hält man es nicht für ausgeschlossen, daß eine technische Storung die Katastrophe herbeigeführt hat. Brandunglück in einem badischen Dorf. In der Gemeinde Unteralpfen in Baden brach in der Nacht zum Sonntag in einer Scheune Feuer aus, das in den Heu- und Futtervorräten reiche Nahrung fand. Es griff dann auf zwei weitere Wohn- und Wirtschaftsgebäude Über und zerstörte alle drei Anwesen. Während das Vieh gerettet werden konnte, wurden die, Heu-, Futter- und Getteidevorräte, die landwirtschaftlichen Maschinen und das Mobiliar vernichtet. Auf einer der Brandstellen stürzte der an einem abgebrannten Haus stehengebliebene Kamin plötzlich ein und begrub den 14 Jah.re alten Sohn eines Gipsermeisters unter sich: ein löjähriger Junge wurde schwer verletzt. holländisches Proviantamt niedergebrannt. In Bergen op Zoom entstand im Lebensmittellager der Garnison ein Großfeuer, durch das innerhalb von zwei Stunden das gesamte Gebäude eingeäschert wurde. Obwohl Militär, Feuerwehr und Polizei aufgeboten wurden, gelang es nur, die umliegenden Gebäude und Kasernen vor einem Uebergreifen des Brandes zu bewahren. Von dem Inhalt des Lagers, in dem auch größere Bestände für den Fall einer Mobilmachung lagerten, konnte nichts gerettet werden. Der Schaden wird auf 300 000 Gulden geschätzt. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß man es mit einem Sabotageakt zu tun hat. Großfeuer in Spada. Nach einer Mitteilung des griechischen Innenministeriums ist in Sparta ein Großfeuer ausgebrochen. Ein ganzes Stadtviertel ist bereits völlig niedergebrannt. Um eine weitere Ausdehnung des Brandes nach Möglichkeit zu verhindern, wurde angeordnet, eine große Anzahl von Häusern niederzureißen. Absturz in den Oberstdorfer Bergen. Innerhalb einer Woche ereignete sich am Freitag in den Oberstdorfer Bergen der dritte Absturz. Beim Begehen des Heilbronner Weaes stürzte in d?r Großen Steinscharte eine 38 Jayre alte Frau aus Mannheim 15—20 Meter tief ab, vor den Augen ihres Mannes und ihres Quartiergebers. Bergführer, die sich vom Wolfenberger Haus aus auf dem Wege zur Trettach befanden, um die Leiche des am Mittwoch an der Trettach gestürzte^ Augsburgers zu bergen, machten auf das Notsignal hin kehrt und unternahmen die Bergung der abgestürzten Frau, die noch lebend mit schweren Kopfverletzungen geborgen wurde, aber schon nach 10 Minuten verschied. Schwere Hochwasserkatastrophe in Mtteljapan. Wolkenbruchartige Regenfälle, die 24 Stunden lang ununterbrochen anhielten, haben in Mitteljapan zu einer schweren Hochwasserkatastrophe geführt. In Osaka sind 60 000 Häuser überflutet, in Kioto 10 000. Nach den bisherigen Schätzungen haben die Fluten 2 0 Todesopfer gefordert, während 30 Personen schweren gesundheitlichen Schaden genommen haben. Taifun an der Nordküsie von Formosa. An der Nordküste von Formosa wurden 6 0 Fischerboote mit einer Besatzung von etwa 200 Mann am Freitag von einem Taifun Überrascht. Dem größten Teil der Boote gelang es, sich in Sicherheit zu bringen. 60 Fischer in 17 Booten werden jedoch noch vermißt, und es besteht wenig Hoffnung, daß sie mit dem Sebeff davongekommen sind. . Furchtbare Bluttat in einem englischen Dorf. In dem kleinen Dorfe Shutsord in der Grafschaft Oxford wurde in der Nacht zum Sonntag eine furchtbare Bluttat verübt. Ein 25jähriger namens Wilsred Gibbs feuerte aus einem Hinterhalt mehrere Gewehrschüsse aus die Insassen eines Autobusses ab und tötete seine junge Frau, von der er getrennt lebte, sowie deren Schwe st e r und einen anderen Fahrgast. Ein Bruder des Letzterwähnten wurde lebensgefährlich verletzt. Dann machte der Mörder durch einen Schuß in die Schläfe feinem Leben ein Ende. Dreister Ueberfall auf ein Zeltlager. Auf dem Namedyer Werth am Rhein Hatte eine größere Anzahl P a ddelbootfahrer fünf Zelte aufgeschlagen. Dreiste Verbrecher schlichen sich gegen Mitternacht an die Zelte heran, durchschnitten sie und stahlen, was sie oorfan- d e n. So ließen sie einige goldene Armbanduhren, Geldbeutel, Schlüssel, Taschenlampen und.Schuhe mjtgehen. Durch das Geräusch wurde ein Zeltbewohner geweckt, der sofort Alarm schlug. Trotzdem konnte die Diebesbande nicht gefaßt werden. Sprengstoffanschlag auf ein katholisches Stifi in Frankreich. In Tours meldete sich ein junger Mann. bei der Pförtnerin eines katholischen Stifts und über» gab ihr ein für die Leitung der Anstalt bestimmtes Paket. Kaum hatte er sich verabschiedet, als das Pgket unter heftigem Getöse explodierte. Die Pförtnerin hatte glücklicherweise ihre Loge verlassen, so daß der Schaden sich auf die Vernichtung der Einrichtung beschränkte. Die von der Pförtnerin gegebene Beschreibung des geheimnisvollen Boten dürfte feine Ermittlung ermöglichen. Neuer französischer Luftschifftyp. Aus dem Flughafen von Toussus-le-Noble wurde ein neuartiges halb starres Luftschiff ausprobiert, das vertikal starten und landen kann. Die Führergondel ist mit einem Zugpropeller versehen, der von einem 60-?8-Motor betrieben wird. Ein zweiter 12-?8-Motor mit Vor- und Ruck- märtsgang betreibt einen zweiten Propeller, der unter der Gondel angebracht ist. Mit Hilfe dieses Propellers kann das Luftschift senkrecht starten und landen. Die Reisegeschwindigkeit des Lusschiffes beträgt 75 Stundenkilometer. Dieder ein 10 OOO-ültt.-Oeroinn der Arbeils- befchaffungslotterie gezogen. Im Berliner Westen ist ein Gewinn von 10 000 Mark in der Arbeitsbeschaffungslotterie gezogen worden, der erste 10 000 - M a r k - G e w l n n, der nach Berlin fiel. Der glückliche Gewinner ist ein F r i f e u r, der sich fein Geschäft mit Hilfe von Derwandtendarlehen unb Reichsdarlehen gegründet hatte. Es sind noch eine ganze Anzahl Gewinne zu haben. Nur noch zwei ober drei Tagen bieten die Glücksmänner die Gelegenheit. Der Piratenkeller. In London gab es feit uralten Zeiten eine überaus merkwürdige Kneipe, die der „Türken- k o p f" benannt war und eines gruseligen Beigeschmacks nicht entbehrte. Seit vierhundert Jahren haben die Inhaber das Vorrecht gehabt, jedem zum Tobe Verurteilten ein Riesenglas Londoner Bier auszuschenken, das von b er Staatskasse bezahlt würbe. Diese Sitte hatte sich herausgebildet, weil in der Nähe der Kneipe frühem die Richtstätte laa und alle zum Tode verurteilten Piraten an der Kneipe vorbeigeführt wurden. Der erste Besitzer des Schnapskellers, ber übrigens selber Pirat war, wenn auch ein harmloser, wußte wohl, warum er ben Brauch einführte, denn er erreichte damit, daß ihn die Piraten schon bei ihren Lebzeiten mit ihrem Besuch beehrten. In neuerer Zeit waren es bann die Matrosen, die Stammgäste in ber Kneipe wurden, und schließlich kamen auch Leute aus der Gesellschaft hinzu, die sich sonst nicht gut sehen lassen konnten. Dieser letzte Umstand hat denn auch die Londoner Stadtbehörden bewogen, ben berüchtigten Keller zu schließen. Damit ver- schwindet ein Stück Londoner Tradition von ber Bildfläche. Kunst und Wifsenschast. Marburger Theologe zu Vorträgen nach Amerika berufen. Prof. D. Frick- Marburg ist von der nord- amerikanischen Universität Oberlin/Ohio eingeladen worden, in diesem Herbst die Haskell-Lec- tures, eine öffentliche Vortragsreihe, zu halten. Außer dieser religionswissenschaftlichen Facharbeit wird er die Gelegenheit benutzen, um die Verbindung mit ehemaligen Studierenden und mit amerikanischen Freunden ber Marburger Universi- töt zu pflegen. 30 Jahre deutsche Numantia-Forschung. Am 12. August 1905 setzte ber beutsche Gelehrte Adolf Schulten auf dem Hügel von Numan- t i a, ber aus den spanischen Kriegen des. alten Rom berühmten kelt-iberischen Bergfeste, ben Spaten zur Ausgrabung an. In ad)t Jahren zäher Arbeit würbe der Schauplatz des heldenmütigen Unterganges eines freiheitsliebenden Volkes in sorgfältiger topographischer Untersuchung erschlossen. Gefunden wurde nicht nur die alte Jbererstadt, die trotz Brand und römischer Plünderung noch unschätzbare Zeugnisse kelt-iberischen Lebens und eine ganze Sammlung römischer Waffen, der ältesten bisher bekannten, geliefert hat, freigelegt wurden vor allem römische Lager, bie, 200 Jahre älter finb als bie bis bahin bekannten aus augusteischer Zeit. Die EinschließuHg Nu- mantias burch bas gewaltige Blockadewerk Scipios, das sieben Lager samt den sie verbindenden Mauern umfaßte, wurde bis ins einzelne durch die Grabungen aufgedeckt. Der große Erlanger Gelehrte hat vor kurzem seinen 65. Geburtstag begehen können. In über 30 Jahren unermüblicher Arbeit hat Schulten mehr als 70 Veröffentlichungen, darunter über 20 selbständige Werke über Spaniens Altertum geschrieben und krönt seine Arbeiten jetzt mit der Herausgabe der „fontes Hispaniae antiquae“, ber elf Bänbe altspanischer Geschichtsquellen, von benen fünf bereits abgeschlossen finb. Das Internationale Schachturnier in Bad-Nauheim. In ber siebenten Runbe gewannen Stoltz (Schweben) gegen Dr. Röbl (Deutschlanb), Opocen- ski (Tschechoslowakei) gegen Anbersen (Dänemark) nnb Richter (Deutschlanb) gegen Ahues (Deutschlanb). Eliskases (Oesterreich) unb Bogoljubow (Deutschlanb) brachen ihre Partie in ausgeglichener Stellung ab, besgleichen Engels (Deutschlanb) gegen Grob (Schweiz) in besserer Stellung für ben letzteren. Die Hängepartie Richter gegen Opocenski aus ber sechsten Runde würbe kampflos remis gegeben. In ber achten Runbe verlor Dr. Röbl (Deutschlanb) gegen Eliskases (Oesterreich) burch Einstellen einer Figur, Grob (Schweiz) verlor ziemlich glatt gegen Bogoljubow (Deutschlanb) unb Anbersen (Dänemark) — roieber einmal in Zeitnot — gegen Ahues (Deutschlanb). Engels (Deutschlanb) spielte bie schönste Partie bes Turniers gegen Richter (Deutschlanb) unb wirb gewinnen. Auch bie Partie Opocenski (Tschechoslowakei) gegen Stoltz (Schweben) würbe für ersteren in Gewinnstellung abgebrochen. Hauptschriftleiter: Dr. Friebrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friebrich W. Lange, für Feuilleton i.V.: Dr.F.W.Lange, für ben übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für ben Inhalt ber Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VII. 35: 9945. Druck unb Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- unb Steindruckerei 9t. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit ber Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. unb Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Heute nachmittag um 3*/, Uhr entschlief sanft nach kurzem schweren Leiden mein innigstgeliebter Mann, unser treusorgender Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Herr Wilhelm Walther VII. Stellwerksmeister L R. im Alter von 69 Jahren. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Frau Kath. Walther, geb. Muly Wilh. Walther VIII. Emil Walther Ludwig Klingelhöfer III. und Frau, geb. Walther Daubringen, Mainzlar, den 11. August 1935. Die Beerdigung findet am Dienstag, dem 13. August nachmittags um 4 Uhr vom Sterbehaus aus statt 4607 0 Weijenmflhle sucht für Oberhessen tüchtigen - Reisenden Sehr. Ang. unt. 03315 an d. G. A. | Verkäufe Bausparvertrag von 1932 über RM.10000.-bei Zahlg. von etwa NM. 3000 - sehr günstig abzugeb. ^schr. Ang. unt. 03363 a.d.G.A. Druckschriften In gefalzten Bogen In Heftform und gebunden Mietgesuche für sofort gesucht. Mühle niQiiijiut. Werkzeugmaschinen Drehbänke, neu und gebraucht Bevolverbänke SchneUbohrmaschlnen, bis 80 mm Bohrleistung Shapingmaschinen, bis 620 mm Hub Bobeimaschine,2500X1000X1000mm Fräsmaschinen, horiz. universal 2 Stück xweispindl. Fräsmaschinen Rnndscblelf - Maschinen, Mayer & Schmidt, 500 und 750 mm Friktionsspindelpressen, 90 mm und 120 Spindeldurchmesser Ziehpressen Holsbearbeltnugsmaschinen nsw. billig ab Lager lieferbar (4530V R. Brühl, Frankfurt a.M. Frankenallee 38 Fernspr. 76370 Bei Sdilaflosigkeit Herz- und Nervenschwäche nehmen Sie * unser bekanntes, natürliches Kraftmittel: 4268D ENERGETICUM. 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PrimusTraktoren-Gesellschaftm.b.H.,Berlin-Lichtenberg Seriöser Vertreter gesucht He1 zbergstr. 68—70, Telefon-Sammel-Nr. E 5 Lichtenberg 5391. Gewinnauszug 5. Klasse 45. Preußisch-Süddeutsche (271. Preuß.) Klassen-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten 3. Ziehungstag 10. August 1935 Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 8 Gewinne zu 5000 M. 361313 108748 331974 338197 19575 172899 255177 32990 88221 133800 4673 10923 37207 49432 147528 29077 43990 56650 75602 93782 18510 40726 50425 64071 89268 26202 42266 55632 73244 92498 40668 49257 64067 87687 98191 29117 44658 60361 76397 95592 107768 124219 133858 141932 157608 177562 198498 231132 242718 264001 276909 291427 296435 305022 315143 322096 340286 351801 361082 369390 383364 393667 46295 60576 80567 97997 108322 125656 134800 146244 158369 184114 199190 233429 244822 264811 279206 291975 296794 305959 315729 323796 341056 352751 363954 369801 384228 385950 23187 41264 54204 71400 92010 103931 111565 131073 140339 152884 171946 188305 214067 235896 255836 268686 285805 295004 301588 313440 321074 332796 346517 359832 368694 375235 390197 106454 121545 132085 141019 154590 174567 191887 217194 240735 259086 274986 290943 295888 302230 315040 322046 335542 350265 361078 368777 378018 393682 1000 M. 146405 227461 344544 108979 128515 136059 146949 169577 184897 200592 235511 246118 265606 280348 292093 297510 308323 318565 325311 342662 355420 366784 370295 384438 397.114 102652 109311 131034 139288 152144 169581 187497 211986 235544 253314 268210 283027 293389 300737 309830 318717 328449 343505 358002 367182 372907 385213 149818 203202 50 Gewinne zu 76119 141589 207035 216199 334541 344166 377464 385214 275135 307624 311212 357110 358422 371347 17509 17576 38855 ----- 12 Gewinne zu 3000 M 324758 377819 396009 14 Gewinne zu 2000 M. 32991 198591 319445 377880 387179 ÖnönTÖ Z l UUO l Z I I ZOU ZZ7OOVO 206813 339567 340533 341800 375065 396967 ru 300 M. 806 6605 9227 11724 15498 itooSa 161536 162453 164822 166441 j.72244 184251 191323 194239 218751 221432 221533 234072 243263 275587 277285 298808 ___—,t 398632 70 gewinne zu 500 M. 9477 11089 12955 17815 104842 116109 116650 136527 4311 V 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 30000 M. 181634 4 Gewinne zu 10000 M. 210640 279325 4 Gewinne zu 5000 M. 128496 203005 20 Gewinne §u 2000 M. 33784 57506 163284 788125 211681 269343 273473 311067 325193 856687 38 Gewinne zu 1000 M. 49801 50483 70063 75282 79942 155312 161783 166892 173747 192354 208999 237300 307147 310089 312312 315721 350757 381491 386300 102 Gewinne zu 500 M. 10248 20640 21161 31072 32140 40752 45348 57926 62346 66999 67496 75268 75869 83680 87777 98166 126999 133922 146108 162135 165359 166990 171157 182563 190256 190384 190782 195410 209193 211584 236180 244118 263177 266125 275744 278170 283374 285572 285711 301507 311929 317812 327749 328716 338519 354724 362954 380737 389514 387894 399109 358 Gewinne zu 300 M. 130 3107 5400 6584 9393 114139 398609 10660 29074 47895 59758 69522 96651 34948 52924 59886 71598 42742 57519 66583 85604 109898 115651 126331 133892 142668 154882 175030 184867 200752 215579 241753 263306 271934 282323 293424 308603 315043 328117 345246 357054 372574 389833 117939 128033 136738 146829 157908 179777 188820 205607 225842 243465 268303 272268 286624 298893 311845 325619 337163 350555 364848 379118 394433 44643 58833 68062 93599 108708 115441 123953 133740 142637 153354 166902 183175 197274 210852 241397 252400 270783 280280 293290 305531 313903 327447 339531 355739 371177 388691 115948 126957 134482 146330 157876 175532 187072 202349 222867 241854 267452 271985 284045 296796 309030 319471 334319 345648 359381 373191 392033 42098 54242 63292 84798 114653 122864 131574 137940 151128 160275 180172 193076 207992 226342 247808 268826 275730 287419 301986 313543 325873 339191 351312 365762 379630 395310 115254 123510 132152 141208 152807 163669 181044 195140 208958 237593 247860 270548 275964 287753 303370 313843 327223 339324 354227 368836 386217 53466 53588 63203 63266 79537 79978 16941 21734 22653 23030 23419 23788 25165 35762 41299 ----- ----- ----- 97754 98540 100742 107325 107499 ■ """" 114289 ------ ------ Im Gewinnrade verblieben: 2 Gewinne zu je 1000000, 2 zu je 300000, 2 zu je 100000, 2 zu je 75000, 4 zu je 50000, 6 zu je 30000, 14 zu je 20000, 90 zu je 10000, 174 zu je 5000, 364 zu je 3000, 868 zu je 2000, 2678 zu je 1000, 4424 zu je 500, 17716 zu je 300 Mark. Nüphläcco von3bis20v*erhaltensiebeiwieder- Ildylhdbuü holten Veröffentlichungen einer Anzeigei Nr. 186 Zweiter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)Montag, 12. August 1955 „Tannenberg",größtesOsiseeschiff,dorderWerkprvbeschit 3n den Stettiner Oderwerken steht das neue Schiff „Tannenberg* des „Seedienstes Ostpreußen*' vor der Vollendung. Die erste Werkprobefahrt fmdet in den nächsten Tagen statt, und am 6. September foll die „Tannenbera" zu Ihrer ersten Fahrt auslausen. Das Schiff ist der größte Ostseedampfer und mit den modernsten Anlagen und Bequemlichkeiten für die Passagiere ausgestattet. — (Bertheyde-M.) Das Geheimnis des Heimkehrers. sie ihren Liebhaber heiraten könne — und drohte, als Pedro sich weigerte: „Dann ist mir alles gleichgültig — dann werde ich die beiden Morde und alles andere verraten!" — eine Drohung, die der Aufsichtsbeamte hörte, weil sie in der Erregung zu laut herausgestoßen wurde. Nun verhaftete man sofort auch die Frau und unterwarf sie durch Tage und Nächte den schärfsten Verhören — bis sie, nach wildem Leng- nen, endlich wenigstens einen Teil des Dramas emgestand, das der Heimkehr des „Petro Campo- niero" vorhergegangen. Den Rest erfuhr man durch bu Behörden von Maracaibo in Venezuela... Zunächst wußte die Polizei von Maracaibo nur zu berichten, daß im März 1933 laut Registereintragungen sich zwei Brüder Camponiero, seit einigen Jahren Staatsbürger Venezuelas, gleichzeitig mit einem gewissen Ma- nielo Duca und seiner Gattin abgemeldet, um sich nach Portugal einzuschiffen. Hier hakte man ein: wenn der Häftling angeblich Pedro Camponiero war, dann mußte seine angebliche Frau vermutlich die Gattin des Manielo Duca sein..., was aber aus dem jüngeren Camponiero und dem Duca selbst geworden?! Stein auf Stein trug man in monatelanger Untersuchung zusammen, fügte hinzu die Teilgeständnisse der Frau — und endlich enthüllte sich das furchtbare Geheimnis des Heimkehrers: Der Heimkehrer war nicht der Pedro Camponiero, sondern der Manielo Duca. Das Ehepaar lebte einige Jahre drüben in Maracaibo in enger Nachbarschaft und Freundschaft mit den beiden Brüdern Camponiero... bis die ersten Gerüchte von einer Erbschaft im fernen Portugal durchsickerten. Da reifte in dem Duca der grausige Plan, für den er auch seine Frau gewann: Eines Abends weilten die beiden Camponieros bei dem Ducaschen Ehepaar; und hier wurden sie von der Frau vergiftet und noch in gleicher Nacht von dem Mann in aller Heimlichkeit verscharrt — man hat jetzt ihre Leichen gefunden... Noch am nächsten Morgen meldete Duca, der sofort d i e Papiere der Ermordeten an sich genommen, die Brüder, seine Frau und sich selbst bei den Behörden Maracaibos nach Portugal ab, und hier tauchte er als Pedro Camponiero auf, der vor zwanzig Jahren die Heimat verließ und an dessen Aeußeres sich niemand mehr erinnerte. Er legte seine Papiere vor, übernahm die reiche Erbschaft und wäre wohl bis an das Ende dieser Tage unangefochten geblieben, wenn nicht durch das heiße Blut seiner jungen Frau und Komplizen endlich das furchtbare Geheimnis ans Licht gekommen wäre. Dieses in seiner Kraßheit einmalige Kriminaldrama hat in ganz Portugal eine wahre Sensation entfesselt; leidenschaftlich hat man Anteil genommen an den einzelnen Phasen und Stadien der Untersuchung. Heber zwei Monate hat es dann noch gedauert, bis man sich darüber einig wurde, was mit dem verbrecherischen Ehepaar zu geschehen habe. Jetzt endlich hat man dem Auslieferungsbegehren Venezuelas stattgegeben -- denn die Morde geschahen drüben, und sowohl die beiden Brüder Camponiero waren venezuelanische Staatsangehörige geworden, wie auch Manielo Duca und seine Frau Bürger der südamerikanischen Republik sind. Nun sind sie soeben der Gerichtsbarkeit von Caracas übergeben worden — der Strang wird diesem sensationellen Erbschleicherdrama vermutlich bald ein Ende setzen. o. c. Als Gründgens noch mitVollbartspielie.. Ernstes und Heiteres aus einer beispiellosen Karriere. Der falsche Erbe.-Mord in Uebersee.-! Manielo Duca und seine Frau sind nach langen Verhandlungen an den südamerikanischen Staat Venezuela ausgeliefert worden. Sie wurden bereits in Caracas von den Polizeiorganen Venezuelas übernommen Ein doppeltes Todesurteil dürfte nach kurzem Prozeß unzweifelhaft zu erwarten fein." Das ist der Epi'og, den die Blätter Portugals einem sensationellen Kriminaldrama widmen — seine einzelnen Phasen haben hier mehrere Monate lang die Gemüter in Atem gehalten, begreislicherweise, denn wieder einmal hat sich das Leben als ein phantasiebegabterer Autor bewiesen denn der einfallsreichste Kriminalschriftsteller. Vor zweieinhalb Jahren starb tn der Nähe von Ankra-do-Heroismo der alte Don Camponiero. Er bewohnte ein schönes Landhaus, zu dem viel Ländereien gehörten, war auch sonst mit irdischen Gütern gesegnet, dabei aber ein weit durch die Provinz verschriener Sonderling und Geizhals, bei dem es kein Mensch aushielt; selbst seine beiden Söhne hat er derart malträtiert, daß sie vor manchen Jahren schon das väterliche Haus verließen und in die Ferne wanderten. Ganz einsam ist der Greis dann verstorben. Vier Monate laa er schon unter der Erde — da kam der ältere dieser beiden Söhne, Pedro Camponiero, endlich in die Heimat zurück und trat sein Erbe an. Er brachte eine junge Frau mit und konnte von wechselvollen Schicksalen erzählen, die ihn endlich nach Maracaibo in Venezuela ?geführt hatten, wo er durch emsige Arbeit zu Wohl- tand gekommen war Er hatte dort unten mit seinem jüngeren Bruder in enger Gemeinschaft gelebt — aber dieser Bruder hatte nichts mehr von der Heimat wissen wollen und war in Südamerika geblieben. Pedro Camponiero erwies sich als das ganze Gegenteil seines Vaters, als ein freundlicher und umgänglicher Nachbar, als ein emsiger Schaf- fer, der alsbald mit seiner Frau das verlotterte das verräterische Gespräch in der Zelle. Besitztum wieder tn Ordnung brachte. Schnell wurde das Ehepaar allenthalben beliebt. Pedro, der Heimkehrer, zählte immerhin schon fünfundvierzia Jahre, während seine Frau zwanzig Jahre jünger war. Und dieser Frau rollte heißes Blut in den Adern — eines Tages verliebte sie sich glühend in einen jungen Bauernburschen aus der Nachbarschaft, und damit war es mit dem Frieden auf dem Besitztum Camponieros vorbei. Es kam zu wilden Eifersuchts- szenen, denn Pedro gedachte nimmer, sich gutwillig Hörner aufsetzen zu lassen. Eines Abends, als er beobachtete, daß sein Nebenbuhler im Begriff war, zu einem Schäferstündchen in das Gemach der Frau einzusteigen, gab er kurz entschlossen ein paar Schüsse auf Den waghalsigen Burschen ab. Sie trafen nicht — aber die Sache kam immerhin den Behörden ^u Ohren; und als Pedro am nächsten Tag auch seine Frau mit dem Tode bedrohte, verhaftete man ihn. Kaum saß Pedro hinter den schwedischen Gardinen, als der Bauernbursche, den er um ein Haar erschossen, als Märchenerzähler durch die Gegend wanderte und mit rachsüchtigem Augenzwinkern dunkle Dinge verlauten ließ. „Pedro Camponiero? —: ist gar nicht Pedro Camponiero? Sondern ein Schwindler, etn Verbrecher — durch Mord hat er sich in den Besitz des Erbes der Camponieros gesetzt! Ich weiß es genau — feine Frau hat es mir mal ins Ohr getuschelt, sie will auch weg von dem blutigen Mörder!" Dies wilde Gerücht wuchs wie eine Lawine, gelangte zur Kenntnis der Behörden, und diese beschäftigten sich nun eingehender mit dem Häftling, konnten aber nichts in Erfahrung bringen, zumal alle Papiere des Pedro Camponiero in Ordnung waren. — Bis endlich ein Gespräch in der Zelle da- furchtbare Schauerstück restlos erhellte.. . Frau Camponiero besuchte nämlich ihren Mann im Gefängnis, beschwor ihn, sie freizugeben, damit Gustaf Gründgens, der Intendant des staatlichen Schauspielhauses Berlin, glänzender Darsteller zahlloser Film- und Bühnenrollen, Tänzer, Opernregisseur, Filmregisseur, kurz einer der vielseitigsten und fähigsten deutschen Film- und Theaterleute, erzählt von seinem Werdegang. Gustaf Gründgens, der Intendant des Berliner staatlichen Schauspielhauses, ist ein vielbeschäftigter Mann. Nach vielen vergeblichen Versuchen gelingt es mir endlich, ihn zu erreichen. Wahrhaftig, die Zeit, die durch den Umbau des Schauspielhauses freigeworden ist, geht nicht ungenutzt vorbei. Und dann werde ich eines Tages im Jntendanzbüro in der Oberwallstraße empfangen. Man wird an Böttichers Stück „Der König" erinnert, wenn man diesen Raum betritt. Eine spielerisch leichte Rokoko-Einrichtung, die Farben harmonisch aufeinander abgestimmt, von einer unbeschreiblichen Eleganz, man hat wirklich das Gefühl, dieser Raum ist eben aus Sanssouci geholt worden. Und das Merkwürdigste, Gustaf Gründgens wirkt trotz seines hellen Sommeranzuges zu diesem Raum gehörig, die spielerischen und doch selbstverständlichen Gesten lassen auch im Menschen das Rokoko wiederauferstehen. Man fühlt sich in der Zeit Lessing und Voltaire versetzt, die in solchen Zimmern mit spielerischer Eleganz -scharfe geistige Kämpfe austrugen. Gustaf Gründgens erzählt von seinem ersten schauspielerischen Versuchen am Fronttheater. Wie viele feiner Kollegen hätte er nach der Revolution gleich zur Bühne gehen können. Es gab damals immer noch Menschen, die glaubten, daß zum Schauspieler keine Ausbildung gehöre. Aber dieser Mann, von ernstem künstlerischem Wollen beseelt, wußte um die handwerklichen Grundlagen jeder Kunst. Trotz aller Erfolge am Fronttheater ging er nach Düsseldorf auf d i e — Schauspiel- schule. Mit den jungen Leuten, die noch keinen Schritt auf der Bühne getan hatten, saß er zusammen und arbeitete. Von Luise Dumont, der Frau, die einer ganzen Generation von Schauspie- lern ihr geistiges Gepräge gab, die eine der stärksten Persönlichkeit des deutschen Theaters der letzten Jahrzehnte war, empfing der junge Gründgens außerordentlich starke Eindrücke, die heute noch das Wesen seiner Kunst zum großen Teil bestimmen. Mit wenigen Worten formuliert er fein künstleri- sches Glaubensbekenntnis: „Der Erfolg des Theaters kann nur ein Erfolg des gefunden Menschenverstandes sein. Ich finde, daß in der Kunst genau wie im Leben 2 mal 2 = 4 ist. Wir müssen uns an die Realitäten halten; sie auszuschöpfen ist oberste Pflicht! Was dazu kommt, was uns über uns selbst hinausführt zum wahren Künstlertum, das ist unwägbar, nicht zu erlernen, das ist Gnade!" Sein erstes Engagement hatte Gründgens. Die Nachkriegsjahre hatten eine Umwertung aller Werte gebracht, aber die neue Form war noch nicht reif. Originalität, Anderssein um jeden Preis, so waren auch die Regisseure in Halberstadt. Gründgens mußte zuschauen. Zu jung, um als einzelner den Kampf $u wagen: noch zu unbedeutend, um dem Theater feinen Stempel aufzudrücken, blieb seine Begabung damals ungenutzt. Er spielte nicht sehr viel, und was er spielte, gehörte nicht in sein Fach. „Ich mußte immer d i e Väter derjenigen Rollen spielen, die mir zukamen. Keine Rolle ohne Vollbart und Wattebauch! Sogar eine Glatze mußte ich mir machen!" Jaja, die Welt ist paradox, und die Welt des Theaters besonders. „Heute", fährt Gründgens lachend fort, „habe ich nun die Glatze und muß mir Perrücken aufsetzen, weil ich endlich die Rollen spiele, die zu mir passen." Man stelle sich den 20jährigen Gustaf Gründgens als Dankwart, Hagens älteren Bruder, vor ober gar als Pastor Manders, und man braucht sich nicht zu wundern, wenn die Presse schrieb: „Die Aufführung litt unter der verzeichneten Wiedergabe des Pastors Manders durch Herrn Gründgens". Aber daß man ihn im „Anatol" ausgerechnet vorwarf, daß er kein „Kavalier", fein „raffinierter Lebensgenießer", kein „Lebemann", nicht „elegant und fpötteliÄ-geistreich" sei, das muß uns nach Dreie, die wohl ein jeder kennt. Von Friedrich Irelsa In den Ferien möchte jeder aus seiner eigenen Haut herausschlüpfen. Das erholt! Ein Dirndlkleid, ein grünes Hüterl — und ein Mädchen fühlt sich wie neugeboren. Die Krachlederne, das graue Jackett mit grünem Kragen und Hirfchhornknöpfen — und abgefallen sind alle Plagen der Stadt, die des Mannes Geist beschweren. Aber wir kennen sie alle, die die Selbstverzauberung meit^rtreiben, die die Sehnsucht haben, aus drei, vier Wochen eine andere Existenz vorzuspiegeln, ohne Absicht, ihre Mitmenschen zu schädigen. Nein, ihre einzige Absicht ist es, an ihr eigenes Wunschbild die andern glauben zu machen, sich von Glanz, Ehrfurcht und Hochachtung umwittern zu lassen. — — — Der Erste. Der Erste war ein braungebrannter, sehniger Mann, der im großen Hotel abstieg. Neben den sehr eleganten Koffern und der Reisetasche erregte Aufsehen sein gewaltiger Rucksack, über den ein Seil mit Steigeisen gebündelt war. Der Herr selbst erschien mit einem eleganten Eispickel in der Hand, den er auch auf der Kurpromenade als Spazierstock au benutzen pflegte. Er war beim Frühstück und Abendessen von jungen Damen umgeben, denen er höchst bildhaft Bergwanderungen beschrieb. Und auf die Frage, wann er ins Gletschergebiet aufbrechen würde, erklärte er, er warte nur auf seinen Freund, und nannte den Namen eines bekannten Berghelden, der auch durch Fahrten in die Kordilleren und im Himalaja rühmlichst bekannt geworden ist. Zwei Wochen hielt der Herr das ganze Hotel in At?m, bis dann ein paar junge Leute sich an ihn heranmachten und ihn baten, doch mit ihnen einen kleinen Spaziergang zu machen auf eine Spitze der Umgegend, zu der man in wenigen Stunden mühelos hinaufgelangen könnte Der erfahrene alte Bergfahrer sagte ja, und am nächsten Morgen fuhren sie mit dem Bähnchen ein Stück weiter in die Berge hinauf, und dann begannen sie den Aufstieg Verdrießlich war den jungen Leuten nur, daß ein langbärtiger Bergbewohner mit einer Rucksacktracht, em hochwertiger „Bieber", ihnen beständig folgte und, wenn sie sich um» schauten, beifällig nickte. Hernach kamen sie zur Almhütte, in die auch der „Bieber" eintrat und seinen Rucksack niederließ. Don hier aus sollte der Ausstieg beginnen Da erklärte der erfahrene Berg- fahrer: „Ich habe mir den Fuß vertreten. Es ist ein Unsinn, mit hinaufzugehen und ihnen zur Last zu fallen. Den Abstieg von hier werde ich schon noch schaffen können. Enttäuscht machten die jungen Leute den Aufstieg allein. Als sie zur Alm zurückkamen, waren sie recht hungrig und darum sehr erfreut, als die vierzigjährige Almerische ihnen außer Käse, Milch und Enzian noch ein paar Büchsen Sardinen, ein kräftiges Stück gekochten Schinken und eine Flasche Rotwein brachte. Als sie die outen Dinge bezahlen wollten, meinte das Mädchen schlicht, es wäre schon recht (sprich das ch im Rachen!), das wäre vom Frühstück des anderen Herrn übriggeblieben. Da schauten die drei Bergkameraden einander an und nickten. „Derwischt!" — Und sie lachten über den alten, erfahrenen Bergsteiger, der schon im voraus wußte, er würde sich den Fuß vertreten, und sich darum vorsorglich den Rucksack mit dem reichen Frühstücksmahl hatte nachtragen lassen. An seinen Mahlzeitüberresten wurde er erkannt. Und als die jungen Leute abends im Hotel in der Halle die Geschichte zum besten gaben, da verschwand er, brach auf zu einem anderen Ort, zu neuen Worten, nicht zu neuen Taten! Das war der Erste, und jeder Leser, der in den Bergen war, wird wohl einen ähnlichen kennen. Der Zweite. Die Tennisplätze des Ortes sind nicht fertig geworden. Das wird von vielen bedauert. Aber droben an der Berglehne gibt es einen Privatplatz, den die sehr liebenswürdige Frau Dr. I. auch den Fremden überläßt. Hier wird eifrig Sport getrieben. Die Spieler kennen einander, schauen einander zu. Da erschien eines Tages am Platz ein Herr mit dunklem Haar und großen, wasserblauen Augen. Er kritisierte laut und mit Behagen und stellte sich vor als Ewald Fischer aus Mentone. Sie erinnern sich, Ewald Fischer ist der berühmte Rivieraspieler! Und es verdachte dem Herrn keiner, daß er nicht auf dem Platz antrat. Warum sollte er mit kleinen Patzern seinen Turnierschlag verderben? Acht Tage später kam Mister Hitshcvck an, ein Amerikaner, der sehr nett Deutsch sprach. Hitshcvck kam auf den Platz, sah Fischer, erfuhr, daß er seit acht Tagen da war, und ging aus ihn zu. Deutschamerikanisch setzte er ihm auseinander, wie erfreut er wäre, einen Spvrtskameraden zu treffen. „Mister Fischer", sagte er, „ich werde ja von Ihnen viel lernen können, aber immerhin, wir können trainieren! Ich bin der Siebente der amerikanischen Rangliste!" Wir sahen es Fischer an, er war nicht sehr erfreut, und sanden Hitshcvck aufdringlich gegenüber dem reservierten Manu. Aber Hitshcvck ließ sich nicht abbringen. „Wir machen keine Partien", sagte er, „wir schlagen nur Bälle, und ist freue mich, einmal gegen einen so berühmten Backhandspieler antreten zu können, wie Sie es sind!" Fischer sagte auf zwei Trainingsstunden am nächsten Morgen um zehn zu. Wir kamen alle auf den Platz, um dies einzigartige Schauspiel zu genießen, wie zwei internationale Tennisgrößen sich miteinander maßen. Aber Fischer kam nicht. Statt seiner brachte das Büblein des Hotelportiers einen Brief, in dem Fischer bedauerte, er wäre telegraphisch nach München abberufen worden zu einem Vierer, in dem er gegen Herrn von Gramm spielen müsse. Hitshcock las uns diesen Brief vor und sagte lächelnd: „Ich hatte das erwartet! Fischer von Mentone kenne ich persönlich, und unser Fischer hier ist ebensowenig Riviera-Crack, wie ich der Siebente in der amerikanischen Rangliste bin! Ich heiße freilich Hitshcock, bin aber aus Cincinnati, und her <*rhh> Hitshcock ist aus Chikago!" Der Dritte. Im Schwimmbad trat er auf, nannte sich schlicht Sanders und ließ durchblicken, er wäre der bekannte Schwimmer und Springer. Er ließ sich bräunen, sprang auch wohl mit einem eleganten Hechtsprung ins Wasser, und im übrigen schwamm er mit dem Munde. Zumeist stand er droben auf dem Sechsmeterturm und betrachtete das ganze Strand- und Schwimmbad wie ein Admiral von der Kommandobrücke eines Schiffes. Er war kalt und anmaßend, dabei mischte er sich in jedes Gespräch. Er tat so, als ob er der kommandierende Oberbefehlshaber des Strandbades wäre, und spielte die Polizei. Lagen einmal junge Leute ober Buben auf den Sprungbrettern, die nicht benutzt wurden, so schritt er ein. „Herrschaften", sagte er, „die Sprungbretter sind für Sportspringer bestimmt, nicht für Sonnenhäschen!" Die Jungen, diese übermütig tollende Bande, die er besonders plagte, umschlichen ihn verstohlen. Sie heckten einen teuflischen Plan gegen ihn aus. Als er wieder auf der Kommandobrücke stand und vom Turm herab alles beäugte, liefen zwei Lausbuben die Treppe hinauf, der eine jagte den andern, der vordere, ein blonder Bengel, schrie „Achtung? Platz!", sprang mit einem Kopfsprung an, traf den Admiral auf der umfangreichen Rückseite, beide stürzten ins Wasser. Alle lachten über den Streich Der Bube tauchte auf wie ein Fischotter und kraulte, so schnell er konnte, davon, um dem Strafrichter zu entgehen. Aber der dicke Admiral kam nicht so schnell herfür. Und als er schließlich das gerötete Haupt aus dem Wasser streckte, sah man es ihm an, er hatte geschluckt, und er kam nicht zu Schwimmbewegungen, er schlug um sich wie besessen, und dazu schrie er: „ßäben will ich! Läben will ich! Löben will ich!" Alles schaute erstaunt auf. Dann begannen die jungen Mädchen, die er von den Brettern vertrieben hatte, zu lachen. Der Bademeister allein begriff, daß Gefahr im Verzüge fei, sprang ins Wasser, landete den dicken Mann, legte ihn auf den Bauch und knetete ihm den Rücken. Unter Husten und Niesen kam das allzu reichlich verschlungene Wasier aus Magen und Lunge. Am nächsten Tage aber stand kein Admiral mehr auf der Kommandobrücke des Turmes. Zeitschriften. — Hans Adolf Bühler, dessen romantisches Schaffen jenseits aller Moderichtungen steht, erfährt in Der Augustfolge von Westermanns Monatsheften eine Würdigung durch Hermann Eris Buffe. Acht farbige Wiedergaben nach Gemälden von Bühler zeigen die mythische Gestaltungskraft des Thoma-Schülers. Der Segelflug, das Feld opferwilliger, einsatzbereiter deutscher Jugend, macht, aus dem Nichts geworden, den „Menschenflug", das weitgesteckte Ziel, zur Wirklichkeit. Schöne photographische Aufnahmen sprechen von der Arbeit der deutschen Segelflieger. Hans Hagemeyer, der Leiter der Reichsstelle zur Förderung des Deutschen Schrifttums, wertet das Schrifttum als wichtiges Mittel zur Durchsetzung einer Weltanschauung in breitesten Volksschichten und das Buch als wesentlichen Träger des politischen und kulturellen Willens der Natton. lieber die Herkunft des „Deutschen Michels" herrscht großes Rätselraten. Der Aufsatz von Pros. Dr. E. Borkowsky deutet die geschichtliche Gestatt des kurfürstlich-pfälzischen Generals Johann Michael von Dbentraut als das historische Vorbild. Wesen, Künstlertum und Werk Siegfried Wagners beleuchtet Johannes Reichelt in feinen Erinnerungen als menschlich warme Würdigung des Hüters der Bayreuther Tradition zu feinem fünften Todestag. Das Gemeinfchaftserlebnis der Kraft-durch- Freude-Reifen, das die Schaffenden über gemeinsame Aufgaben hinaus auch in gemeinsamer Freude und Erholung einander näherbringt, schildert Marga Garnich. Da wir an guten humoristischen Romanen keinen Ueberfluß haben, sei an den Roman „Der verliebte Windmüller" von A. Artur Kuhnert erinnert. seinem Mephisto, der elegantesten und geistigste» Wiedergabe dieser Rolle, doch wundern. Als Ergebnis dieses Jahres sagte ihm sein damaliger Intendant: „Ich glaube nicht, daß es bei Ihnen zu großen Rollen reichen wird. Vielleicht können Sie später, wenn Sie einen Bauch haben, einmal komische Chargen spielen." Man sieht, auch be- rühmte, heute noch bekannte Intendanten können irren. Es war in den Jahren der beginnenden Inflation. Gründgens hatte kein Geld, seine schauspielerische Beschäftigung war minimal, sie bot ihm keine weitere Entwicklungsmöglichkeit — da suchte sich dieser vielseitige, immer aktive Geist aus eigene Faust eine Tätigkeit, die ihn befriedigte. Bei der Dumont hatte er sich die Grundlagen rhythmischer Gymnastik angeeignet. Aus seiner starken, tänzerischen Begabung heraus veranstaltete er mit großen öaiengruppen Aufführungen am Quedlinburger Dom, die starke Beachtung sanden. Im Sommer daraus leitete er sogar als junger Anfänger das Harzer Bergtheater „Grüne Bühne" in Thale. , ; *1 ■V V H * K - * SB * ff Der Herbstverbandstag der Freiwilligen Feuerwehren des Kreises Gießen, der zur Erledigung technischer Fragen bestimmt ist, wird schon fange auch dazu benutzt, die Kameradschaft zu pflegen. So kommt es, daß er regelmäßig mit einem anderen festlichen Ereignis verbunden wird. Am gestrigen Sonntag fand auch in Klein-Linden gleichzeitig die Feier des 40jährigen Beste- hens der dortigen Wehr statt. Was diese 40 Jahre freiwillige Feuerwehr bedeuten, kann nur der ermessen, Der diese Jahre miterlebt hat. Nicht immer war es in der Jubelwehr so bestellt wie heute, und manche Enttäuschung mußten die Feuerwehrleute erleben, aber trotzdem wurde es geschafft. Drei Jubilars (Ehrenkommandant Karl Jung, langjähriger Rechner Heinrich Ufer, langjähriger Spritzenmeister Ludwig Schaum) konnten geehrt werden. Der Samstagabend war der Begrüßung der heimischen Bevölkerung und einiger geladener Gäste gedacht, bei dem auch die Ortsvereine, Sänger, Turner und Radfahrer, mitwirkten. Am Sonntagvormittag fand im Gasthaus „Zur deutschen Eiche" der Herbstverbandstag statt, der von 30 Wehren mit 53 Vertretern besucht war. Kreisverbandsführer Wenzel eröffnete den Verbandstag und stellte zunächst den Amtsnachfolger des Branddirektors Braubach, Brandinspektor Lenz- Gießen, vor. Sodann begrüßte er den Vertreter des Kreisamtes, Regierungsrat Weber, sowie den Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier, Klein-Lindener Feuerwehr an der Steigleiter \ Ä N 1 Das wandelnde Postamt WWW Die Reichspost hat eine Neuerung eingeführt, die von vielen sicherlich freudig begrüßt wird. Bei großen Massenveranstaltungen, wie sie z. B. in Kürze der Reichsparteitag in Nürnberg bringen wird, werden Beamte der Reichspost mit postrotgestrichenen Kasten umhergehen und die gangbarsten Wertzeichen verkaufen. Die Beamten nehmen auch die fertiggemachte Post gleichzeitig mit. Man sieht hier einen der „fliegenden Markenverkäufer". — (Reichspostministerium-M.) die Exerzierübung, die Geräteübung und der Brandangriff mit den wenigen Feuerwehrleuten gut klappten, ließ die Absperrung zu wünschen übrig. Besonderes Interesse bei der Hebung brachte man dem Ablassen vom Turm entgegen, jedoch dürfte dies infolge der Gefahr für die Feuerwehrleute keine Anwendung im Ernstfälle finden. Oer Jestzug. Der Nachmittag brachte den F e st z u y der über 1000 Feuerwehrleute in Uniform, ein bis jetzt nie gesehenes Bild in dem festlich geschmückten Orte. Bei der Ankunft am Gefallenendenkmal legte Kommandant Müller einen Kranz nieder, Die Kapelle der Lollarer Wehr spielte das Lied vom guten Kameraden. Oer Ausklang Auf dem Festplatz begrüßte Bürgermeister Fischer die Wehren und Gäste, während Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier die Bedeutung der Feuerwehr erwähnte, die auch durch den Führer im vergangenen Jahre anläßlich der Feuerschutzwoche voll anerkannt wurde. Mit dem Ausspruch „Einer für alle, alle für einen", „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr" schloß der Redner seine Ausführungen. Ortsgruppenleiter Dr. Crößmann sprach dann kurz über die Aufgaben der Feuerwehren im Dritten Reich. Er erwähnte dabei ferner, daß die Zeiten vorbei seien, wo die Feuerwehren nicht geachtet wurden. Mit dem <5ieg=$)eil auf den Führer und mit dem Gesang der Nationallieder fanden die Ansprachen ihren Abschluß. Beim gemütlichen Teil sah man die Feuerwehrleute noch recht lange froh beisammen. Aerztliche Tagung in Bad -Nauheim. Am 12.Oktober wird die ärztliche Gruppe der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsschutz, anschließend an die zweitägige Tagung der Gesellschaft in Frankfurt a. M. im Balneologischen Universitäts- Institut zu Bad-Nauheim ihre Tagung unter Leitung des Präsidenten be? Reichsgesundheitsamtes Professor Dr. Reiter (Berlin), mit dem Thema „Berufsarbeit und Kreislauforgane" abhalten. Es sind Referate vorgesehen von: Professor Dr. Weber (Bad-Nauheim), Ministerialrat Prof. Dr. K o e l s ch, Bayer. Landesgewerbearzt (München) und einem Vertreter des Rudolf-Heß-Kranken- hauses Dresden. Nach einer Aussprache werden die Kpr- und Badeanlagen, sowie die Wissenschaftlichen Institute besichtigt werden. Aus der Provinzialhauptstadt. Oie Zähne des Kindes. Zahnstellungsanomalien und der sogenannte „Biß" eines Menschen, d. h. die Stellung der Kiefer und Zahnreihen zueinander, zeigen in ihrer Entstehung Zusammenhänge schon mit den Lebensumständen des Säuglings und Kleinkindes. Das Neugeborene legt fein Köpfchen instinktiv etwas nach hinten über, um seine Atemwege, die noch andere anatomische Verhältnisse zeigen als im späteren Leben, möglichst freizuhalten. Später soll aber durch leichtes Hochlagern des Kopfes diese Stellung ausgeglichen werden, damit das Offenstehen des Mur. 5 abgewöhnt wird. Denn hier- durch kommt es zu einer fehlerhaften Entwicklung des Gebisses, wie man auch an den Kindern beobachten kann, die Wucherungen der Rachenmandeln haben und den Mund meist offen halten. Die natürliche Ernährung des Kindes bei der Mutter soll ebenfalls einen Einfluß auf die Bildung der Kiefer haben. Ihr Wachstum wird durch das Saugen gefördert. Trinkt das Kind aus der Flasche, so fällt dieser natürliche Einfluß fort. Es werden daher besondere Sauger für die Trinkflaschen empfohlen, die die Trinkweise entsprechend erschweren. Dos saugende Lutschen an den Fingern oder an einem Sauger kann bei angeborenen engen, schmalen Kiefern zu bleibenden Anomalien führen. Vorn zweiten Lebensjahr an sollen die Kinder regelmäßig kräftig kauen. Man gebe ihnen dazu Aepfel und festes Schwarzbrot. Das Milchgebiß des Kindes als Vorläufer des bleibenden Gebisses bedarf aufmerksamer Pflege, Brandinspektor Lenz, Bürgermeister Fischer Klein-Linden, sowie alle übrigen Bürgermeister und Kommandanten der Freiwilligen und der Pflicht- feuerwehren. Regierungsrat Weber dankte für die Einladung und teilte mit, daß er den Dezernenten beim Kreis- amt, Regierungsrat Grein, vertrete. Er ging zunächst auf das Jubiläum der Feuerwehr Klein-Linden ein und betonte hierbei besonders, daß der Grundsatz der NSDAP. „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" bei den Feuerwehren schon immer maßgebend gewesen sei. Mit einem Sieg-Heil aus den Führer schloß der Redner seine Ausführungen. Sodann fangen die Vertreter die Nationallieder. Nachdem Verbandsführer Wenzel Regierungsrat Weber für die anerkennenden Worte gedankt hatte, nahm Bürgermeister Fischer, Klein-Linden, das Wort zur Begrüßung. Ein Vertreter der Feuerwehr Klein-Linden begrüßte ebenfalls die Gäste und dankte für den Besuch. Zu Beginn der Tagesordnung verlas der stellvertretende Schriftführer Weller die Niederschrift des Frühjahrsverbandstages. Die Freiwillige Feuerwehr Londorf, die sich bereits im Frühjahr zum Verband angemeldet hat, wurde aufgenommen. Rechner Rohrbach, Lollar, bat um Zahlung der Verbandsbeiträge. Hierauf wurden die Kameraden Adolf Schäf er-Wiefeck, K ö h l e r - Hungen und Harbach- Großen-Bufeck als Rechnungsprüfer bestimmt. , , t , Ein Antrag Lich, betreffend den Herbltverbandstag 193ö, wurde als bereits erledigt bezeichnet. Das Abzeichen für löjähriae Dienstzeit wurde an folgende Wehren verliehen: Lich erhielt 5, Großen- Buseck 1, Rieder-Bessingen 1, Hungen 3, Lang-Göns 12, Allendorf a. d. Lda. 1, Gießener Freiwillige Feuerwehr 4, Freiwillige Gailsche Feuerwehr 2, Watzenborn-Steinberg 9, Grünberg 2, Lollar 6, Heuchelheim 12. Sodann überreichte der Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier dem Ehrenkommandanten Karl Jung von Klein-Linden das Ehrenkreuz für 40jährigen Dienst bei der Feuerwehr. Er dankte dem Jubilar für seine treuen Dienste bei der Feuerwehr und be- schloß die Ehrung mit einem Gut-Wehr. Hierauf teilte Kreisfeuerwehrinfpektor Bouffier noch mit, daß innerhalb der Wehren Preffewarte zu ernennen sind. Ferner ging er auf die mangelnde Wasserversorgung in einigen Gemeinden ein. Besonders erwähnt wurde hierbei der letzte Großbrand in Geiß-Nidda, bei dem der Wassermanael sehr zur Ausdehnung des Brandes verhalf. Abhilfe wird von allen Gemeinden dringend verlangt. Nachdem noch einige technische Angelegenheiten besprochen waren, teilte er weiter mit, daß für die Zukunft die Feuerwehrtage des Kreisamts mit dem Herbstverbandstag zusammen abgehalten werden, damit alle Gemeinden vertreten fein müssen. Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier forderte weiter zur Gründung freiwilliger Feuerwehren im Kreise auf, ferner bat er, bei Ernennung von Kommandanten nur auf die Befähigung zu sehen. Regierungsrat Weber verlangte auch, daß die Grünoung der freiwilligen Feuerwehren im Kreise gefördert wird, da nur die Freiwilligkeit dem Werke am besten diene. Die Gemeindevertreter wurden zur Unterstützung aufgefordert. Verbandsführer Wenzel teilte noch mit, daß Branddirektor Braubach zum Ehrenmitglied des Kreisverbandsausfchuffes ernannt wurde. Sodann begrüßte er noch Altbürgermeister Fendt, Hungen. Bürgermeister i. R. Fendt dankte für die Begrüßung, ging nochmals auf die Beseitigung der Mängel bei der Wasserversorgung in den Gemeinden ein und machte hierbei brauchbare Vorschläge. Aber auch der Schutz des Feuerwehrmanns wurde erwähnt. Hierzu machte Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier die Mitteilung, daß das Sanitätswefen in einer Anzahl Wehren bereits gefördert werde. Mit einigen geschäftlichen Mitteilungen und einem Wehr-Heil wurde die Tagung geschloffen. Oie Hebung. Nach der Tagung fand die U e b u n g der gast- gebenben Wehr mit Brandangriff statt. Während Wir sanden zueinander. Vornan von Klothilde v. Stegmann Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.) 25 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Er hatte leise und leiser gesprochen. Tiefe Bewegung schwang in seinen Worten. Karla saß wie in einer süßen Lähmung da. Sie hätte auf- stehen mögen, fortgehen und ihm sagen müssen: „Sprich nicht weiter! Ich darf es nicht hören! Ich darf nicht glauben, was ich in deinen Worten ohne." Aber der süße Bann hielt sie ganz gefangen. Zitternd duldete sie es, daß Doktor ßanggiffer ihre Hand ergriff und leise sagte: „Karla! Sie müssen es Doch gefühlt haben, schon in Wiesbaden, daß Sie mir das Teuerste auf der Welt sind." „Sprechen Sie nicht weiter!" flehte Karla. „Ich bitte Sie darum." Werner ßanggiffer ließ Karlas Hand frei: „Sie wollen nicht, daß ich Ihnen sage, was Sie mir bedeuten? Sie fühlen nichts für mich?" „Oh, mein Gott!" Karla schlug die Hände vors Gesicht und meinte fassungslos. Und zwischen ihrem Schluchzen sagte sie leise: „Das ist es ja nicht. Nein! So ist es ja nicht!" „Wie ist es denn, Fräulein Karla?" Sanft, aber unwiderstehlich zog ßanggiffer ihr die tränennaffen Hände von dem verzweifelten Antlitz: „Fräulein Karla! Könnten Sie mich ein wenig lieb haben? Oder bedeute ich Ihnen nichts?" „3d) habe Sie lieb!" flüsterte Karla. „Warum weinen Sie denn dann? Weinen Sie- weil Sie mich abweisen müssen? Oder..." „Weil ich nicht schön, nicht gesund genug für Sie... Weil ich ein Krüppel bin!" kam es tonlos zurück. Da lachte Werner ßanggiffer tief und glücklich auf. Er nahm Karla in seine Arme. Er hielt sie trotz ihres Widerstrebens fest und fester. Den Mund in ihr Haar gedrückt, sprach er: „Wie kann so ein kluges Mädchen so ein törichtes Kind fein? Wie kann ein so süßer Mund" — hierbei drückte er einen innigen Kuß auf Karlas zuckende ßippen — „so dummes Zeug reden? Karla! ßiebling! Weißt du nicht, daß ich dich vom ersten Tage an geliebt habe? Kaum daß wir uns in Wiesbaden begegneten, wußte ich: Du bist die einzige Frau, die ich lieben könnte. Ich hoffte, langsam deine ßiebe zu gewinnen. Ich habe oft gezweifelt, weil du mir fo scheu auswichst, und dennoch sagte mir eine innere Stimme: Hinter dieser Scheu steckt ein Empfinden für dich! Ich wollte sprechen, dich zwingen, dich zu bekennen — da kam der Zusammenbruch des Sanatoriums. Ich war ein Bettler. So aber konnte ich nicht vor deinen Vater treten, um dich werben. Ich mußte erst wieder festen Grund unter den Füßen haben. Jetzt ist es fo weit, Karla. Daß ihr euch hier anmeldetet, war für mich eine Bestätigung, daß das Schicksal meinen heißesten Wunsch erfüllen wollte, Karla! Du mußt dich frei machen von dem Gedanken, daß du äußerlich benachteiligt bist. Ein Arzt sieht mit anderen Augen. Ich sehe deine Seele, Karla, deine feine, liebevolle Seele. Sie ist mir mehr wert als alle Schönheit der Welt. Mit dir ist das ßeben für mich lebenswert — ohne dich ist es nichts! Nun sage mir noch einmal, daß du mich liebst, und daß wir uns nie trennen wollen!" Sanft bog er ihren Kopf rückwärts und suchte in ihren Augen die Bestätigung ihrer ßiebe. Karla aber hatte die ßiber geschlossen. Auf ihrem zarten Antlitz, das der Mond weich beschien, lag ein überirdischer Ausdruck des Glücks. „Es ist wie ein Traum!" flüsterte Karla. „Ich wage gar nicht die Augen aufzumachen, weil ich Furcht habe, er verweht." Da nahm Werner ßanggiffer Karla wieder fest und sicher in seine Arme: „Du kannst die Augen ruhig Öffnen, Karla, Das Glück ist nicht Traum, es ist Wahrheit." Endlich fanden die ßiebenben wieder zur Wirklichkeit zurück. „Mein Gott", sagte Karla erschrocken, „da haben war ja Marlen und Dietrich ganz vergessen!" „Nun, wir hatten doch aber sehr wichtiges zu tun!" meinte ßanggiffer lächelnd. „Wir mußten uns doch verloben! Aber nun wollen wir einmal ernsthaft überlegen. Erzähle mir, Karla." Karla berichtete von ihrem Gespräch mit Marlen und Dietrich, ßanggissers Gesicht wurde immer ernster. „(Sins begreife ich bei der ganzen Geschichte nicht", sagte er nachdenklich. „Warum hat Marlen dir eingestanden, daß sie Dietrich Veltheim liebt? Unb roarum hat sie ihm gesagt, baß sie nichts für ihn fühle unb nur aus äußeren Rücksichten ihn heirate? Ja, wenn Dietrich Veltheim nichts für Marlen gespürt hätte, würbe ich das noch begreifen." »Er muß sie aber gleich gern gehabt haben", fiel Karla eifrig ein. „Ich habe es aus feiner ganzen Art herausgefühlt. Und ich kenne ihn gut, vielmehr, ich glaube ihn zu kennen", schloß sie be* brurft, „benn bas, was sich jetzt alles begeben hat, qt mir rätselhaft. Es paßt in nichts zu bem Charakter von Marlen unb Dietrich." „Unb barum muß irgenb etwas Drittes dazwischen gekommen sein", überlegte Werner Lang- Mer. Karla schwieg einen Augenblick, bann sagte sie lebhaft: „Eine einzige Erklärung wäre möglich." „Unb welche?" „Dietrich war boch einmal kurze Zeit verlobt mit seiner Kusine Jutta von Bergseide, einem un» angenehmen, intriganten Mäbchen. Ob bie etwa irgenbroie bahintersteckt?" „Wie wäre bas möglich? Ist fie benn jemals mit Marlen zusammengekornmen?^ „Nein! Das heißt —" Karla sah ihren Verlobten ganz erregt an. „Herrgott, jetzt besinne ich mich ja auf eine Sache. Sollte ba bes Rätsels Lösung sein? Hör zu, Werner: Ich besinne mich jetzt ganz genau. Als ich von ber Anwesenheit Dietrichs auf Schloß Veltheim nach bem Tobe feiner Tante hörte, fuhr ich mit Marlen fnfort hin, um Dietrich ZU sehen. Ich traf ihn nicht an, wohl aber Jutta Bergfelbe. Marlen wartete im Nebenzimmer. Es kam zwischen Jutta unb mir zu einer erregten Szene. Jutta erklärte mir, baß Dietrich sie immer noch liebe, sie ihm aber ben Laufpaß gegeben habe. Als ich fortgehen wollte, traf ich Marlen nicht mehr im Nebenzimmer. Sie saß unten im Auto unb sagte mir auch, sie hätte bie ganze Zeit unten verbracht. Werner, wenn Marlen nun boch Juttas Worte mit angehört hätte, mußte sie dann nicht glauben, daß Dietrich Jutta immer noch liebte?" „3a — liebte er benn 3utta Bergfelbe bamals wirklich nicht mehr? Wozu hat biefe 3utta bir bann so etwas erzählt?" „Weil sie nicht zuaeben wollte, baß er bie Ver- lobung aufgehoben hatte. Dietrich hat es mir ja bann erzählt. Er war glücklich, 3uttas wahres Wesen erkannt zu haben. Unb barum hoffte ich auch so sehr, baß Marlen ihm ben verlorenen Glauben an bie Frauen roiebergeben würbe. Wenn Marlen aber 3uttas Worte gehört unb geglaubt hätte?" "Dann mußte sie benfen, baß Dietrich mit ber ßiebe zu einer anberen im Herzen um fie warb Dann mußte sie benfen, sie wäre nur ein Tuttel für Dietrich, um bie Testamentsbestimmung ZU erfüllen. Da hätten wir bie ßöfung bes Rätsels. Es. wuß so sein, es ist anbers gar nicht benfbar. Wir müssen barüber Klarheit bekommen. Dann haben „mir biefe beiben Menschen zueinanber gebracht. Arzt sprach ganz erregt. Ein energi- scher Wille leuchtete ihm aus ben Augen. „Aber wie werben wir bie Wahrheit heraus- befommen, Werner?" „Daburch, baß wir mit Dietrich sprechen. Komm, Karla, ich melbe jetzt noch ein bringenbes Telephongespräch nach Veltheim an." Eng umschlungen gingen die beiden ßiebenben öenm?urtren Barkweg entlang bem Sanatorium zu. "Wie schnell entschlossen bu bist, Werner!" „Ohne bas geht's nicht, ßiebling! Man muß nie zögern, wenn einem eine Sache auf bem Her- jeh brennt. Hätte ich zum Beispiel noch länger gewartet, dich zu fragen — was roare bann ae* worden?" Er küßte sie nun innig. „Noch schnell einen Kuß, Karla, bis mir wieder bei oen anderen sind. Da müssen wir wieder den vernünftigen Arzt und die brave Patientin spielen. obwohl es nur wenige Jahre gebraucht wird. Cs soll so lange wie möglich erhalten werden, auch wenn es etwas schadhaft ist. Nur wenn eitrige Prozesse an den Milchzähnen entstehen, müssen auch diese entfernt werden. Denn sie bilden in diesem Zustand einen Herd, der leicht zu weiteren Erkrankungen führen kann; auch sind sie funktionsuntüchtig und verleiten durch Unbehagen und Schmerzen zu einer Kaufaulheit, die nachteilig ist. Die Milchzahnpflege wird heute genau fo ernst genommen wie die konservierende Behandlung der bleibenden Zähne. Es müssen also auch an den Milchzähnen Plomben angefertigt werden. _ Ein Kind mit gefunden, richtig stehenden Milchzähnen hat alle Aussicht, gute bleibende Zähne zu bekommen. Auch die kieferorthopädische Kontrolle, d. h. die Beurteilung, ob die Zähne richtig stehen, kann schon bei den Milchzähnen durchgeführt werden. Gesunde Zähne können nur in einer gesunden Umgebung gedeihen, also muß die Mundhöhle und das Zahnfleisch sauber gehalten und gepflegt wer- den. Die bei Kindern häufigen eitrigen Bläschen am Zahnfleisch und an der Mundschleimhaut dürfen nicht vernachlässigt werden. Es muß nachgesehen werden, wodurch fie verursacht wurden. Manchmal ist ihr Ausgangspunkt eine scharfe Ecke an einem Zähnchen, zu der sich eine Infektion der Wunde gesellt. Die typischen Bläschen (Aphthen) bedürfen einer Behandlung durch Spülen und Pinseln mit einer vom Arzt zu verordnenden Flüssigkeit. Bei lehr hartnäckigen Formen hat sich einfacher Seifenschaum einer guten, reinen Seife zur Behandlung dieser Pusteln bewährt. Die Pflege des kindlichen Gebisses ist von ausschlaggebender Bedeutung für Gesundheit und Schönheit bes Kinbes und muß daher sorgfältig von der Mutter überwacht werden. E. G. Spitzenleistungen im „Circus der 7000". Die Hochwertigkeit deutscher Artistenkunst im Rahmen seines Unternehmens unter Beweis zu stellen, sieht der „Circus der 700 0", der vom Samstagabend bis einschl. kommenden Mittwochabend auf Oswaldsgarten gastiert, als feine besondere Aufgabe gegenüber dem Publikum an. Diese ideelle Zielsetzung teilte einer der Leiter des Unternehmens am Schluffe der Eröffnungsvorstellung am Samstagabend in einer kurzen, schlichten Ansprache mit, in der er den Gießenern feinen Dank für ihr sehr starkes Interesse an dem Auftakt des Gastspiels aussprach. Und in der Tat: der Beweis dafür, daß deutsche Zirkuskünstler nicht nur hochwertige, sondern einfach fabelhafte, in höchstem Maße bewundernswerte Leistungen auf den verschiedensten Gebieten der Zirkuskunst zu leisten vermögen, daß sie jeder ausländischen Konkurrenz die Spitze bieten können, ist in diesem „Circus der 7000" unwiderleglich sestzustellen. Bei diesem Unternehmen herrscht nicht der Grundsatz der pompösen Fassade, hinter der oft nichts an Leistungen zu finden ist, sondern hier gilt die einfache, schlichte Front nach außen, dafür aber in der Arbeit das höchste Leistungsprinzip, bei dem fein Durchschnittskönnen Platz hat, sondern einzig und allein die künstlerisch- solide fundierte Spitze der Darstellungen Gettung hat. Auf dieser vortrefflichen Grundlage wurde den Besuchern, die am Samstagabend bei der Eröffnungsvorstellung den Circus bis zum allerletzten Plätzchen füllten, eine Unterhaltung bereitet, die nach jeder Richtung hin als unübersehbar, als mustergültig für manches größere Unternehmen der Zirkuskunst bezeichnet werden muß. Die Künstler und die Leiter des Unternehmens hatten dafür die Freude, für ihre Leistungen Beifallfalven ernten zu können, wie wir fie in dieser Stärke und Ausdauer bei manchem anderen Zirkusgastspiel früher nicht wahrnehmen konnten. Zusammenfaffend ist von der Gesamtleistung dieses noch jungen Unternehmens — es wurde erst im März d.J. gegründet — zu sagen: der Weg der Leitung ist richtig, die Leistungen der Künstler sind Spitzenwerte der Aber nicht mehr lange, Karla! Morgen früh ist es das erste, daß ich mit deinem Vater spreche. Auf Wiedersehen, Liebling! Ich gehe den Seitenweg ins Haus. Man braucht nicht zu wissen, daß wir zusammen waren. Warte bann im Lesezimmer auf mich, ich berichte dir von dem Erfolg bes le- lephongejprächs." * Den ganzen einsamen Abend hatte Dietrich in finsterem Sinnen verbracht. Nun war sein Entschluß gefaßt. Er klingelte: „Meinen Handkoffer und Sachen für eine Nacht!" befahl er. ,Lch reife morgen früh für einen Tag nach Berlin." „Sehr wohl, Herr Graf!" Der Diener wollte sich gerade entfernen, da klingelte das Telephon schrill und anhaltend. „Nanu — das hört sich ja nach Ferngespräch an; nehmen Sie ab!" befahl Dietrich. „Hier Schloß Veltheim!" meldete sich der Diener. Dann reichte er Dietrich den Hörer. „Ferngespräch aus Locarno, Herr Graf!" Dietrichs Gesicht zeigte Unruhe. Karla würde doch nichts geschehen sein? „Hier Dietrich Veltheim! Wer dort?" Er stutzte. „Ah, Doktor ßanggiffer? Ja — was gibt’s denn? Nichts Schlimmes? Das freut mich. Also Gutes — ja?" Er horchte angespannt. Die Stimme ßanggissers klang so deutlich, als wäre sie nebenan. "Ich soll Ihnen schönste Grüße von Fräulein von Weckenroth bestellen, Herr Graf! Wir haben heute lange über Sie gesprochen. Heber Sie und Ihre Frau. Hören Sie mich, Herr Graf?" „Jawohl!" „Herr Graf", hörte er wieder, „ich würde Sie brennend gern sprechen. Ich glaube, wir könnten 3bnen bie ßofung bes Rätsels mitteilen, bas Ihr ßeben unb bas ßeben Frau Marlens beschattet. Horen eie mich, Herr Gras?" Dietrich atmete tief auf: ,,3d) bin in zwei Tagen bei Ihnen!" sagte er entschlossen. ' Ein frohes ßadjen scholl durch ben Apparat: „Das ist recht, Herr Graf! Karla unb ich erwarten Sie! ,Karla unb Sie?" fragte Dietrich verwundert. ™le, fall ich bas verstehen, Herr Doktor? Darf ich glauben, baß Karla unb Sie —" „garoobl!" fam es jubelnb zurück. „Unb barum, metl wir beibe so glücklich finb, möchte ich wünschen. Daß auch zwei anbere Menschen, bie Karla und mir teuer sinb, glücklich werben." Da ging ein mattes ßächeln über Dietrichs Gesicht: , bann alles Gute für Sie und Karla, fie« Laiiggiffer! Ich bin übermorgen bei 3x)nen! Genaue Zeit telegraphiere ich noch." . (Fortsetzung folgt!) Verfügung des Gauleiters über das Hissen der Flaggen der Bewegung Ich habe wiederholt feslstellen müssen, daß bei Anlässen, die rein lokalen Charakter trugen, die Fahnen der Bewegung gezeigt werden. Das Zeigen der Flaggen ist nur auf ausdrückliche Anweisung und mit Genehmigung des zuständigen Hoheitsträgers (Stützpunkt-, Ortsgruppen-, Kreis- und Gauleiter) möglich. Die Festtage, an denen die Flaggen der Bewegung gezeigt werden, sind festgelegt, und zwar: 1. Mai — Tag der Arbeit, 20. April — Führers Geburtstag, 1. Oktober — Lrntedanktag. Sonstige Veranstaltungen fallen unter die Anordnung des Führer-Stellvertreters. Sprenger. outen Zirkusqualität, die deutsche Artistenkunst wird hier in würdiger Weise vertreten. Die Spielfolge leitet das Hausorchester unter Leitung von Kapellmeister Weißenfels trefflich ein und umrahmt sie auch im weiteren Verlaufe des Abends bestens; gute Pfälzer Musik. Die Reitkünste von Milli Mark, Adolf Mark und Karl Bremer sind hervorragend und elegant in der künstlerischen Form. Stärkste Wirkung auf die Lachmus- keln bringen die Clowns Pat und Patachon und Fritzel zustande, ihre Späße sind keine abgegriffenen Plattheiten, sondern originell, witzig und von köstlicher Situationskomik. Die Dressurarbeiten von Erich B r e m e r mit den sibirischen Kamelen, Gretel Bremer mit den Ponys, E. Althoff mit den niedlichen Hunden und dem kleinen Affen bewiesen ein gewaltiges Maß von sorgfältiger und liebevoller Arbeit, die zu glänzendem Erfolg geführt hat und den Zuschauern viel Freude bereitete. Fabelhafte Virtuosität in körperlicher Gewandtheit und Leistungsstärke offenbaren der Meisterjongleur R o ■ berty und — die einzige Ausländergruppe der Artisten des Unternehmens — die Cinesen mit ihren seltsamen Begebenheiten aus dem Reich der Mitte; die gleiche hohe Bewertung gebührt den fünf Wilkes, die in der „besten Recknummer der Welt" ausgezeichnete turnerische Leistungen, auch am Hochreck, bringen; auf der gleichen hohen Leistungsstufe stehen die drei W a r e e l s mit Irmgard, dem weiblichen Springphänomen. Prächtig ist die komische Musik Ernestos und seines kleinen Partners, bei der sogar das Publikum in köstlicher Weise mit eingespannt wird. Köstliche Szenen bringt das Konkurrenz-Eselreiten, das auch für gute Dressurarbeit Zeugnis ablegt. Lobenswert sind die von Tony T o n e l l e ausgeführten Luft-Evolutionen. Glänzende Ergebnisse ihrer Arbeit zeigen Artur B u r k e t t mit seinen wunderbaren, zum Teil atemraubenden Dressuren der Elefanten, sowie Tierlehrer T h a l m a n n mit seiner großartigen Beherrschung von fünf Tigern, die mit Recht als „ein Wunder menschlichen Willens über Bestien" bezeichnet wird. Zum Schluß noch ein besonderes Wort der lobenden Anerkennung für die ausgezeichnete Tierpflege, die in der bewundernswerten körperlichen Verfassung der Vierfüßler ihren sichtbaren Ausdruck findet. Summa summarum: hier werben nicht Worte, sondern allerbeste Leistungen. Dieser Zirkuswerbung sollte sich niemand verschließen. Der Besuch dieses Unternehmens ist bestens zu empfehlen. Vornotizen. — Tageskalender für Montag. NSG. „Kraft durch Freude": 18 bis 19.15 Uhr Schwimmen in der Badeanstalt des Männerbadevereins; 19 bis 20 Uhr Tennis auf den städtischen Tennisplätzen am Schützenhaus; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Marlene Dietrich „X 27". — „Circus der 7000": 15.30 und 20.15 Uhr Vorstellungen. * ** Meteor-Niedergang bei Winnerod. Aus unserem Leserkreis wird uns mitgeteilt, daß der Meteor, der vor einigen Tagen^ von hier aus beobachtet wurde, in der Nähe von Winnerod niedergegangen sei. Unser Gewährsmann teilt mit, er habe den Vorgang aus einer Entfernung von 100 Metern gesehen und könne die fragliche Stelle heute noch zeigen. Da der Meteor von Gießen aus in Richtung Heuchelheim—Atzbach fliegend gesehen wurde, kann die Beobachtung bei Winnerod sich wohl nur auf den Meteorteil beziehen, dessen Absplitterung ein Beobachter von Ober-Bessingen aus gesehen hat. ** Beim Baden in der Lahn tödlich verunglückt. Ein tragischer Unglücksfall ereignete sich gestern nachmittag im Freibad der Lahn. Dort nahm der Arbeitsdienstmann Otto Bücher aus Dorsdorf (Kreis Nidda), der dem Arbeitsdienstlager Gießen angehörte, ein Bad, wobei er plötzlich in den Fluten versank. Es gelang bald, den Verunglückten aufzufinden und ans Ufer zu bringen. Sofort vorgenommene Wiederbelebungsversuche, bei denen sich ein hiesiger Arzt und Männer der Freiwilligen Sanitätskolonne eifrig um den bedauernswerten jungen Mann bemühten, hatten leider keinen Erfolg. Ein Herzschlag hatte dem blühenden, jungen Leven ein jähes Ende bereitet. ** Die Altersoereinigung 1882/1932 hielt am SonntaHnachmittag im Flughafencafö eine autbesuchte Familienzusammenkunft ab. Der Dereins- leiter K. Dirlamm wies in seiner Ansprache auf den Kameradschaftsgeist und die Opferwilligkeit in den Altersvereinigungen hin, die in besonderem Maße geeignet seien, wahre Volksgemeinschaft zu pflegen. Hier komme ohne Rücksicht auf Rang und Stand echte Kameradschaft zur Geltung. Der unterhaltende Teil der Veranstaltung brachte für jung und alt allerlei Ueberraschungen. **ZurRichtigstellung. Die in unserem Bericht (Gießener Anzeiger Nr. 179 vom 3. August) über die Sitzung des Amtsgerichts Gießen mitgeteilte Angelegenheit E. Sch. ist dahin richtigzustellen, daß die Anklage nicht wegen Diebstahls, sondern wegen Unterschlagung erhoben war und das Urteil nicht auf drei Monate, sondern auf drei Wochen Gefängnis lautete. Hammel-ratfest an -er Hardt. Die Vereinigung für koloniale Wiedergewinnung, die sich mit gutem Erfolg für den kolonialen Gedanken einsetzt, veranstaltete am gestrigen Sonntagnachmittag im Seinbruch an der Hardt ein Hammelbratfest, das in erster Linie geselligen' Charakter trug, aber auch geeignet war, für den kolonialen Gedanken zu werben. Auf dem geräumigen Festplatz bot sich dem Besucher ein sehr interessantes Bild. Mitten in der „Wildnis des Steinbruchs", der in bester Weise geeignet ist, afrikanisches Gelände vorzutäuschen, erinnerten aufgebaute Zelte, Uniformen il a. m. an das Leben unserer Kolonialtruppen in Afrika und die dort herrschenden Sitten und Gebräuche. Die drückende Hitze des Nachmittags trug dazu bei, im Geist in unseren ehemaligen Kolonien zu verweilen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand das Braten zweier Hümmel nach afrikanischer Art. Zwei Bratpfannen von beträchtlicher Länge und Breite, in denen die beiden Hümmel zerkleinert unterge- h.racht waren, lagerten auf Holzfeuern und verrieten schon lange vor Beginn des Essens, daß hier etwas Schmackhaftes zubereitet wurde. In einem weiteren größeren Gefäß wurde Reis gekocht. Die ersten Kostproben des von den Herren Schneider und Dittmar zubereiteten Essens (Hammelbraten mit einer delikaten Soße und Reis) erhielten der Vereinsführer und die Pressevertreter, die zusammen mit den Köchen vom Phootographen überrascht wurden. Sodann sprach Vereinsführer Tetzner von der nutzbringenden Arbeit der Vereinigung in den letzten zwei Jahren, die trotz aller Schwierigkeiten vorwärts gekommen sei. Sie sei unbeirrt ihren Weg gegangen, die Erfolge seien nicht ausgeblieben. Der koloniale Gedanke habe nicht nur in Gießen, sondern in ganz Deutschland Widerhall gesunden. Die Veranstaltung solle gesellschaftlich zusammenführen, sie habe aber auch den Zweck, werbend für den kolonialen Gedanken zu wirken. Außer dem Verein deutscher Studenten in Gießen und dem gleichen Verein in Marburg seien inzwischen auch der Sparerbund und der Kavallerieverein der Vereinigung korporativ beigetreten. Dadurch sei die Vereinigung in Gießen zahlenmäßig am größten. Die Vereinigung werde sich auch in Zukunft mit aller Kraft für den kolonialen Gedanken einsetzen. Sein Sieg-Heil galt der Arbeit für die koloniale Wiedergewinnung, dem Führer und dem deutschen Vaterland. Es folgten das Deutschland- und das Horst- Wessel-Lied. Anschließend traten die Festteilnehmer zum Essenholen an. Es gab tüchtige Portionen, die allen vortrefflich mundeten. Inzwischen nahm der Vereinsführer des Sparerbundes, Lorenz, das Wort. Er führte u. a. aus: Erfreulicherweise sei der Besuch der Mitglieder des Sparerbundes an der Veranstaltung gut, ein Beweis, welches Interesse man den Bestrebungen der Vereinigung für koloniale Wiedergewinnung entgegenbringe. Der Anschluß des Sparerbundes an die Vereinigung sei nicht schwer gewesen, denn seit zehn Jahren kämpfe der Sparerbund gegen die Erfüllungspolitik und den Versailler Schandvertrag. Der Bund sei stets für Treu und Glauben, Recht und Gerechtigkeit nach innen und außen eingetreten. Die Tributlasten seien zum größten Teil von den Sparern und Rentnern, die ihr Geld verloren hätten, getragen worden. Der Sparerbund kämpfe im Sinne des Führers weiter für deutsches Recht und nationale Freiheit. Der unterhaltende Teil des Nachmittags brachte vor allem musikalische Darbietungen, gemeinschaftliche Lieder usw. Auch ein Preisschießen fehlte nicht. Für die Kinder wurden unter Verteilung von Eiern und Brezeln Sackhüpfen und Eierlaufen durchgeführt. Es war ein schöner Nachmittag, welcher der Vereinigung wieder viele neue Freunde zugeführt haben dürfte. „Straff durch Zreui>e"-Sommerfeff in Arnsburg * Klo st er Arnsburg, 12. Aug. Wohl selten hatte unsere altehrwürdige Klosterruine einen so starken Besuch aufzuweisen, als gestern beim diesjährigen Sommerfest der NS. - Gemeinschaft „Kraft durch Freud e". Es dürfte aber auch wohl kein schönerer Festort im Kreise Gießen zu finden sein, der geeigneter wäre, einem solchen Fest der deutschen Volksgemeinschaft zu dienen, als gerade diese Stätte. Ohne Uebertreibung kann dieses Sommerfest in Arnsburg als der Höhepunkt aller Sommerfeste des Kreises Gießen angesehen werden. Zu Fuß, zu Wagen, mit dem Rad, Kraftrad und Auto waren die Gäste aus nah und fern zusammengeströmt. Auch die Reichspost hatte einige Kraftomnibusse von Gießen nach Arnsburg eingelegt, und die Zahl der Festgäste aus Gießen war recht ansehnlich. Die Gesamtzahl aller Besucher ist mit 2000 eher zu niedrig als zu hoch angenommen. Auch eine BdM.-Gruppe aus Ruppertsburg, die sich gerade auf Fahrt befand, durfte an den Freuden des Festes teilnehmen. Wirtschafts- und Wohngebäude des altes Klosters zeigten reichen Flaggenschmuck, und quer über den weiten Feftplatz prangte die Flagge mit der Inschrift „Kraft durch Freude". Mit dem Kaiser-Friedrich-Marsch leitete der in voller Stärke angetretene Musikzug der SA.-Stan- darte 116 unter Leitung von Musikzugführer Herrmann das Fest ein. Schon der Umstand, daß 35, Musiker zum Konzert aufspielten, hatte für den starken Besuch entscheidend mitgewirkt. In musikalischer Hinsicht war das Fest durch die Mitwirkung dieser Kapelle als einer der besten unserer Provinz ein Höhepunkt im musikalischen Leden der gesamten Umgegend. Von den vielen, sämtlich ganz vorzüglich vorgetragenen Konzertstücken verdienen noch eine besondere Erwähnung die Kompositionen „Ein Morgen, ein Mittag, ein Abend in Wien", von Suppe, ferner „Indischer Brautzug" von Ludwig Siedo, das herrliche Potpourri „Alle mit uns" und nicht zuletzt das Lied ,Hch sende diese Blumen dir" von Wagner, mit einem Solo für Trompete, gespielt von Herrn Schwarzlose. Zwischen den Konzertstücken war der Jugend Gelegenheit gegeben, auf zwei großen Tanzböden sich am Tanz zu erfreuen. Eine besondere Anziehung für das Fest bildete die Mitwirkung einiger Mitglieder des Stadttheaters Gießen, die im Vorhof der Klosterruine das Lustspiel „W ald fr i ed e n" von Ludwig Thoma, dem bayrischen Bauerndichter, darboten. Die Rollen waren aufs beste besetzt und wurden hervorragend gespielt. Herr Hub, der die Hauptrolle übernommen hatte, fand sich ganz vortrefflich in die Rolle des Schanderl, während Herr Dieter den derb-treuen Huber ausgezeichnet gab. Frl. Decker als Wally gefiel durch ihr munteres, frohes Spiel, Herr L i n d t als der bedienende Sepp wurde seiner Aufgabe voll und ganz gerecht. Reicher Beifall der taufendköpfigen Menge lohnte die Künstler für ihre vortrefflichen Darbietungen. Eingeleitet und geschlossen wurde das heitere Stück durch die gut angepaßte Schrammelmusik eines Teiles der Standartenkapelle. Den übrigen Teil des Nachmittags füllte ein Volksfest aus. Als Ansager wirkte Herr Herbert (Gießen) in der drollig-heiteren Figur eines Scherz-Dor Polizisten. Nach Bekanntmachung durch seine Ortsschelle ließ er die Jugend unter den Torbogen zu einem. Festzug antreten, marschierte mit ihr zur Burgruine zum fröhlichen Spiel und zum heiteren Vergnügen des Wurstschnappens. Dreihundert Würstchen warteten ihrer Empfänger, und unter allgemeiner Freude der Alten und der Jungen probierte die Jugend an den an einem Galgen aufgehängten Würstchen die Kunst des Schnappens. Zur Freude aller Anwesenden beteiligten sich auch die 16 Kinder aus dem Arnsburger Rettungshaus unter Führung ihrer Schwester an dem heiteren Kinderspiel uno gerade um Fürsorge für diese war die „Ortspolizei^ besonders bedacht. Ein Schießstand, direkt hinter dem Rettungshaus, war unablässig von den Volksgenossen belagert, die chre Kunst im Schießen übten. Die beiden Schießmeister konnten kaum die vielen Schiehlustigen bedienen. Erst die eintretenden Dunkelheit gebot dem Schießen Halt. Die Jugend erfreute sich am Tanz, andere Gäste besichtigten die Klosterruine, die an diesem Tage für jedermann zur Besichtigung freigegeben war. Den Glanzpunkt des Sommerfestes bildete indessen ein stimmungsvolles Streichkonzert der S A. - Kapelle nach einbrechender Dunkelheit in dem Hauptschiff der ehemaligen Klosterkirche. Wie einstmals unsere Urahnen, so versammelte sich kurz nach 20 Uhr in dem Inneren der Ruine bei flackerndem Fackelschein eine Schar musikbegeisterter Zuhörer, um den Darbietungen des Streichorchesters zu laulauschen. Das Programm, von Herrn Herrmann auserlesen zusammengestellt, bot in bekannter Meisterschaft der SA.-Musiker, beste Perlen deutscher Tonkunst, und die Teilnehmer, Herr D i e n e l t (1. Geige), Herr May (2. Geige), Herr Groß (Viola) und Herr Hillebrand (Cello) zeigten sich als Meister in höchster Vollendung auf ihren Instrumenten. Sie spielten ein „Streichquartett in Es-I)ur" von Schubert, ferner „Die Kaiser-Variation" und „Die Serenade für Streichquartett", beide von Haydn. Da die Abfahrzeiten der Autos, die einen Teil der Künstler nach Gießen zurückbefärderten, herangerückt war, mußten sich die Musiker eine Zugabe versagen, obwohl sie durch starken Beifall immer wieder dazu aufgefordert wurden. Soviel steht fest, daß so glänzende Musik den meisten der Zuhörer, die von den umliegenden Ortschaften stammten, bestimmt noch nicht geboten wurde, zumal der weite Raum und die wohltuende Abendruhe zur rechten Stimmung wesentlich beitrugen. Mit weiterem Tanz, gemeinsamen Volkslieder- singen und froher Unterhaltung klang das schöne Fest aus. Noch in den frühen Morgenstunden hallten Wald und Bergwände wider von dem Gesang der in die Heimatdörfer mit Dank im Herzen heimziehen- henden Burschen und Mädchen, und der Mond, mit fahlem Sicht zwischen den dahinziehenden Wolken durchlugend, leuchtete zum frohen Heimweg. Ein Tag wirklicher Freude und frohen Erlebens ist der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" zu danken! 9JL-^poit Gaugruppenspiele im Fausthall. In der Ausscheidungsrunde der Gaue Süd - w e st und Hessen in Friedberg setzten sich die Vertreter des Gaues Südwest in allen vier Klassen durch, so daß sich Lichtluftbad Frankfurt, Tv. 1860 Frankfurt, IG. Sportverein Frankfurt und Tv. 1861 Ludwigshafen die Teilnahmeberechtigung an den Endspielen um die Deutsche Meisterschaft, die am 31. August und 1. September in Hannover stattfindet, erworben haben. In der Männerklasse siegte der ehemalige Deutsche Meister Lichtluftbad Frankfurt mit 41:22 (18:15) Punkten gegen T v. 1 8 4 6 G i e ß e n. In der 1. Altersklasse war Tv. 1860 Frankfurt der Tgde. Friedberg mit 34:9 (16:4) überlegen. In der 2. Altersklasse besiegte der Deutsche Meister von 1933, Tv. 1861 Ludwigshafen die Kasseler Tgde. mit 49:26 (26:12). Die Frauen des IG. Sportvereins Frankfurt schlugen den Tv. Jahn Eschwege 30:14 (14:6). Vereinsführertagung im DFD. (Kreis Gießen). Fast alle Vereine waren dem Rufe des Kreisführers gefolgt und gaben durch ihr Erscheinen der Tagung den richtigen Rahmen. Pünktlich eröffnete der Kreisführer die Besprechung und leitete diese mit dem Vortrag: „Sport und Nationalsozialismus" ein: Nach einer kurzen Pause wurden die neuen Ord- nungen von den einzelnen DFB.-Amtswaltern vorgetragen und erläutert. Der Kreisführer selbst sprach über die Verwaltungs- und Finanzordnung. Die technische Seite des Fußballspiels wurde, gestützt auf die neue Spielordnung, von dem Fuhball-Fachwart Zitz er, Gießen, vorgetragen. Der Gruppenleiter der Bezirksklasse, Otto Michel, sprach über die Rechts- und Strafordnung. Er wies besonders darauf hin, daß, abgesehen von einzelnen Fällen, man in dieser neuen Ordnung darauf verzichtet hat, bestimmte Tatbestände mit einem festgelegten Strafrahmen zu ahnden, sondern daß der zuständige Klassenleiter die Strafe aus allgemeinen sportlichen Erwägungen zu finden hat. Ein anschauliches Bild über die bis jetzt geleistete und in Zukunft zu leistende Jugendarbeit gab der Kreis-Jugendwart Presber - Stockhausen. Der Hauptmitarbeiter für den Deutschen Hilfsfonds des RfL., Albert P i tz, Watzenborn-Steinberg, legte die Organisation des RfL. dar. Seine Ausführungen über die Verwendung der durch den Deutschen Hilfsfonds aufgebrachten Mittel waren bestimmt vielen Teilnehmern etwas Neues. An jeden fachlichen Vortrag schloß sich eine rege Aussprache an, so daß am Schluß der Tagung, die einen durchaus würdigen Verlauf nahm, jeder der Erschienenen an Erfahrung reicher die Heimreise antrat. Im Rahmen der Tagung wurde den einzelnen Siegern ihrer Gruppe als Anerkennung für ihre Leistung eine Ehren-Urkunde ausgehändigt. Die Tagung wurde mit einem dreifach „Sieg-Heil!" auf unfern Führer und Reichskanzler beendet. Van»- und Ängbannsporlfeff 1935. 2tm 2 4. und 25. August veranstalten Bann und Jungbann 116 gemeinsam in Gießen ihr diesjähriges Sportfest. Es soll Zeugnis ablegen von der umfassenden Arbeit, die auf dem Gebiete der Körperertüchtigung seitens der Hitler- Jugend geleistet wird. Cs werden hier, im Gegensatz zu den meisten anderen Sporfoeranffalhmgen, nicht nur die Leibesübungen zu ihrem Rechte kommen, sondern es werden auch Leistungen auf dem Gebiete des Kleinkaliberschießens und des Wehrsportes, sowie Hebungen aus dem Lagerleben verlangt. Die Hitler-Iugend zeigt damit zugleich, daß sie weniger Wert auf Spitzenleistungen einzelner in ihren Spezialgebieten legt, sondern daß es ihr darauf ankommt, für eine umfassende Ausbildung aller ihr unlerslelllen Jugendlichen auf breitester Grundlage zu sorgen. Die Wettkämpfe des Jungvolks. Die Veranstaltung beginnt am Samstag, 2 4. August, 8 Uhr, mit den Wettkämpfen des Jungvolks. Hier tritt der volkssportliche Charakter der Veranstaltung noch etwas in den Hintergrund, wenngleich auch Hebungen, wie das Ballweitwerfen und Ballzielwerfen, sowie ein Hin- dermslauf bereits auf die spätere Ausbildung in der Hitler-Jugend Hinweisen. Hier haben wir vor allem einen Mannschafts-Fünfkampf, der unsere Pimpfe schon vor schwere Aufgaben stellt. Mannschaften in Stärke von einem Führer und sechs Pimpfen sollen ihr Können beweisen im 60- Meter-Laus, Weitspruna, Ballweitwurf, Ballziel- wurs und Hindermslaus. Besonders beim Hindernislauf kommt es au Zusammenarbeiten aller Mannschaftsteile an, da die Mannschaft die beste ist, die geschlossen und selbstverständlich auch am schnellsten über die Bahn geht. An weiteren Wettkampfarten finden wir hier noch eine 8X50-Meter- Stassel, Handballspiele sowie Medizinballstaffeln. Außerdem gibt es noch am Sonntagnachmittag einen Schnelligkeitswettbewerb im Zeltbau. Bei den Einzelkämpfen finden wir einmal einen Dreikampf, bestehend aus 60-Meter-Lauf, Weitsprung und Ballweitwurf sowie Einzelkämpfe in 60-Meter-Lauf, Hochsprung, Ballweitwurf und Weitsprung. Damit aber auch die Wasserratten zu ihrem Recht kommen, gibt es noch ein 50-Meter- B rüst», 50-Meter-Rücken- und 50-Meter-Freistil- Schwimmen. Zu den Mannschaftskämpfen muß jedes Fähnlein mindestens eine Mannschaft stellen. Erschwerend wirkt noch, daß der Mannschafts - Fünfkampf im DJ.-Dienstanzug (nur beim 60-Meter- Lauf dürfen Turnschuhe getragen werden) aus- getragen werden muß. Der Hindernislauf sieht folgende Hindernisse vor: ein 2 Meter breiter Graben, ein 40 bis 50 Zentimeter hohes, 5 Meter langes Kriechhindernis, ein 4 Meter langer Schwebebalken, das Durchkriechen und Ueberspnn- gen zweier hintereinander gestellter Tische, sowie das ÜeberHettern einer 2,50 Meter hohen Bretterwand. Die Länge der Bahn beträgt zwischen 100 und 120 Meter. Abgeschlossen wird der Lauf durch ein Ballzielwerfen auf ein 2 Meter über dem Boden befindliches Fenster. Man sieht, daß also schon ziemlich hohe Anforderungen an unsere Jüngsten gestellt werden. Am Samstag um 16 Uhr beginnen die Schwimm- wettkämpfe der Hillerjugend und des Jungvolks. Die Hitlerjugend hat hierfür folgende Hebungen: 100-Meter-Brust-, 100-Meter-Rücken- und 100-Me- ter-Freistil-Schwimmen, Streckentauchen und eine 4X40-Meter-Staffel. Die Wettkämpfe der Hitlerjugend. Am Sonntagmorgen um 7 Hhr beginnen die Wettkämpfe der Hitlerjugend. Hier haben wir, ebenso wie beim Jungvolk, einen Manmschafts- FÜnfkamp f , der allerdings in Sportkleidung durchgeführt wird. Er fetzt sich zusammen aus: 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Kugelstoßen, Keulenweitwurf und Keulenzielwurf. Weiterhin stellt jede Gefolgschaft eine Handballmannschaft sowie eine 4-mal-100-Meter-Staffel. Beim Handballspiel treffen allerdings nur die Siegermannschaften der 4 Unterbanne aufeinander, die am Sonntagoormtttag die Vorschlußrunde und am Sonntagnachmittag die Endrunde ausspielen. Bei den Einzelkämpfen haben wir wiederum einen Dreikampf, bestehend aus: 100-Meter- Lauf, Weitsprung und Keulenweitwurf, sowie Einzelkämpfe in 100-Meter-Lauf, Weitsprung, Hochsprung, Kugelstoßen, Keulenweitwurf und 3000- Meter-Lauf. Im Mittelpunkt der Wettkämpfe der Hitlerjugend steht über der Wannschasts-hindernisgepäckmarsch. Er stellt eine Verbindung von Marsch, sportlichen schießsportlichen, geländesportlichen Hebungen, sowie Hebungen im Lagerbau und Lagerleben dar. Er soll die Krönung der Sommerarbeit der einzelnen Gefolgschaften sein. Die Länge des Marsches beträgt 15—17 Kilometer. Er ist in 5 Teilstrecken und 5 Leistungsstellen unterteilt. Der Start ist am Ludwigsplatz, Ziel am Schützenhau s. Am Start erhält der Mannschaftsführer in einem verschlossenen Briefumschlag folgenden Auftrag: „Erreiche auf dem schnellsten Wege den Kartenpunkt: Planzeiger-Rechtswert.. ./-Hochwert...!" Trifft die Mannschaft an der ßeiftungs- ft e H I an, so hat der Mannschaftsführer folgende Aufgabe durchzuführen: „Baue mit deinen Jungens unter Benutzung von viereckigen Zeltbahnen ein Dachzelt. Du hast dabei zu beachten: Untergrund, Windrichtung, Witterungseinflüsse, Tarnung gegen Sicht von Oben. Die Windrichtung gebe ich bekannt!" Nach Durchführung dieser Aufgabe erhält der Mannschaftsführer folgenden Auftrag: „Erreiche mit deiner Mannschaft unter Ausnutzung des Geländes einen etwa drei Kilometer entfernt liegenden Punkt, der durch einen Plan- zeiger Rechts- und Hochwert näher bftimmt ist. Du darfst dabei von drei Beobachtungsstationen, die durch rote Flaggen gekennzeichnet sind, nicht gesehen werden!" Auf L e i st u n g s st e l l e II ist folgende Aufgabe durchzuführen: „Gehe mit deinen Jungens unter Geländeausnutzung bis zu dem vor dir liegenden Waldrand vor — Beobachtung von vorn — und beobachte den durch vier blaue Flaggen gekennzeichnten Geländestreifen. Jeder einzelne deiner Mannschaft hat n