ltr.160 Erster Matt 185. Zahrgang §rettag,12.ZLli 1955 Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Dietzener Familienblätter Heintat tm Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte e 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zjernsprechanschlüffe enter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Stehen Postscheckkonto: Krantfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen vruL und Verlag: vrühl'sche UnivrrstlätsSuch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. 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Seitdem gibt jedoch den führenden Kreisen Schanghais, des „chinesischen London", das fast die Hälfte des Ausfuhrhandels vermittelt, eine eigentümliche Wandlung in den Bedingungen ihres Wohlergehens viel zu denkest. Nach wie vor strömt aus dem Innern flüchtendes Kapital herein. Mehr und mehr aber beginnen für den vermehrten Kapitalzustrom die geschäftlichen Möglichkeiten zu fehlen, die er befruchten könnte. Mit anderen Worten: der fremde Handel hört auf einmal auf, von dem Verfall alter Kultur zu leben; er muß, um nicht.immer mehr zusammenzuschrumpfen, anfangen, neue Kultur aufbauen zu helfen. Japan hatte das viel früher als seine abendländischen Konkurrenten begriffen; seine militärischen Erfolge allein hätten es nicht zuwegbringen können, daß sich sein Einfluß auch außerhalb Manschukuos in Nordchina unaufhaltsam ausbreitete. In gewiß nicht zufälliger Uebereinstimmung mit dem Gesinnungswandel Schanghaier Geschäftsleute kam seit etwa einem Jahre in Nanking und Nan- tschang, dem Sitze des Hauptquartiers Tschiang- Kaischeks, die Erkenntnis zum Durchbruch, daß nur die Entwicklung produktiver Kräfte, die Weckung „neuen Lebens" und nicht bloße Unterdrückung die Ruhe und Ordnung in aufrührerischen Landesteilen für dauernd wiederherzustellen vermag. Man senkte Steuern, hob wucherische Pachtverträge auf, brachte hartherzigen Gläubigern Geduld und Nachsicht bei, verteilte Saatgut, baute Straßen und gründete landwirtschaftliche Genossenschaften. Man trieb mit einem Wort: modernen „W iederaufba u". Das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn nicht die Schanghaier Banken dafür weitherzige Kredite zur Verfügung gestellt hätten. Das Stromgebiet des Jangtse, dessen Ausfalltor ja Schanghei ist, verbindet fast die Hälfte der Bevölkerung ganz Chinas. Solange man aus deren Verelendung durch Anziehung der Wucherschraube nur Vorteil zog, wähnte man, es genüge, die Rüstungen Tschiang- Kaischeks zur Niederwerfung kommunistischer Aufstände zu finanzieren. Jetzt entwickelte man Verständnis dafür, daß die Siege über „Rote Arnieen" nur durch moralische Eroberungen dauernd fruchtbar gestaltet werden können. Nun erst machten die Anstrengungen zur Befriedung der innern Provinzen rasche Fortschritte. Die rote Flut, die zeitweise bereits die Küste erreicht hatte, ebbte unaufhaltsam ab. Tschiang-Kaischek, der die Zeichen der Zeit noch immer für sich richtig zu deuten wußte, verstand es auch, für die neue Reformbewegung eine angemessene weltanschauliche Grundlage zu schaffen. Das ist der Sinn seiner Regeln für die Bewegung „Neues Lebe n", die, sehr zum Unwillen der Japaner, seit etwa einem Jahre in allen Teilen Chinas in Massenversammlungen dem Volk als Heilslehre verkündet werden. Worum es sich vor allem handelt, ist die Wiedererweckung uralter konfutsianischer Lebensregeln in neuer Gestalt aus einer Erstarrung, in die sie die Überrumpelung durch massenhaft eingedrungene Kräfte fremder Kultur versinken ließ. . . Vor fast zweieinhalb Jahrtausenden, in einer Zeit staatlicher Zersplitterung und sittlichen Verfalls, lebte Konfutse seinen Landsleuten das Ideal eines musterhaften Einheits-Chinesen vor. Er sah für sein mitten in eine überallhin offene Ebene innerhalb des größten Kontinents verschlagenes Volk kein Heil, als in strenger Unterordnung des einzelnen unter die Gemeinschaft der Familie und der Sippe. Erst sollte es sich zur zahlreichsten und rassisch wie kulturell einheitlichsten Bevölke- rungsmasse Asiens auswachsen, bevor sich im Durchschnittsmenschen die Persönlichkeit vom Gattungszusammenhang mit Verwandten loslösen könnte. In der Tat erwiesen sich konsutsianische Satzungen, die tägliches Leben im Geiste alter Überlieferung bis ins kleinste regelten, als so nachhaltig wirksam, daß sich noch um die letzte Jahrhundertwende chinesisches Leben seit Jahrtausenden kaum verändert hatte, nur daß die Zahl derer, dessen Schicksal dadurch bestimmt wurde, auf etwa 480 Millionen Köpfe angeschwollen war. Wie in grauer Vorzeit trieben Väter und Söhne im aHaemeinen mit gartenbaumäßiger Gründlichkeit Landwirtschaft, während Mütter, Töchter und Schwiegertöchter im gemeinsamen Haushalt einer Großfamilie nicht nur das Essen zu Hause bereiteten, sondern auch, vom Spinnen und Weben an, alle Kleidungsbedürfnisse befriedigten. Zur Ergänzung der Selbstgenügsamkeit innerhalb der Familien, wie sie in solcher Vollständigkeit beispiellos war, reichte meist die gelegentliche Beanspruchung von Dorfmärkten aus, aber auch die wenigen Handwerker und Kaufleute, die dadurch Aerdienstmöglichkeiten fanden, blieben in der Regel von eigenem Ackerbau abhänmg. Unglaublich klein war im Verhältnis zur Veoölke- rungsmasse die Zahl der Beamten, die die Beziehungen der sich fast gänzlich selbst verwaltenden Familien und Sippen zum Staatswesen regelten. Jahrtausende hindurch wurden die Chinesen in ihrer sozialen Ordnung nur durch kriegerische No- Das Unterhaus billigt die Außenpolitik des Kabinetts Valdwin. 3m englischen Unterhaus wurde nach ZRcöen Sir Samuel Hoares und Edens zu später Nachtstunde ein Antrag der Arbeiteropposition, der sich gegen die Außenpolitik der Regierung richtete, mit 236 gegen 40 Stimmen abgelehnt. Zahlreiche Abgeordnete hatten bereits vor der Abstimmung das Haus verlassen. London, 11. Juli. (DNB.) Der englische Außenminister Sir Samuel Hoare eröffnete am Donnerstagnachmittag die große außenpolitische Aussprache im Unterhaus In der Diplomatenloge sah man die Botschafter Deutschlands, Frankreichs, Italiens, Sowjetrußlands. Auch der britische Botschafter in Berlin, Sir Eric Phipps, war anwesend. Sir Samuel Hoare erklärte, der Krieg habe eine verarmte, aufgeregte und mißtrauische Welt zurückgelassen. Der Krieg habe auch die meisten Leute überzeugt, daß der Friede ein Ganzes ist, und diese Auffassung habe die Länder der Wett zur Schaffung des Völkerbundes veranlaßt. Viele Leute schienen ein tiefes Vergnügen an Aufregungen und Abenteuern zu finden. Er wolle das englische Volk und die anderen Länder auffordern, etwas mehr Gutmütigkeit, gesunden Menschenver- stand und freundliche Toleranz in die Lebenshaltung und die außenpolitischen Erwägungen hereinzubringen. In diesem Geiste wolle er auch an die vorliegenden Schwierigkeiten herantreten. Das Flottenabkommen. Der Außenminister betonte, daß das Flotten- a b k o m m e n keineswegs selbstsüchtig sei. England hätte kein solches Abkommen Unterzeichnet, das nicht auch zum Vorteil der anderen Seemächte gewesen sei. Jedes Abkommen mit Deutschland hätte derart sein müssen, daß es die Aussichten- eines allgemeinen Flottenoertrages nicht ungünstig beeinflusse. Es habe überragende Grüstde gegeben, warum England im Interesse des Friedens die sich ihm bietende Gelegenheit hätte ergreifen müssen. Zu viele Gelegenheiten zur Herbeiführung einer Abrüstung seien in den letzten Jahren entgangen. Hier habe jedoch ein Fall vorgelegen', in dem die Marinesachverständigen auf Grund marinetechnischer Gründe der Ansicht waren, daß ein Abkommen geschlossen werden mußte. Hier habe sich eine vielleicht nie wiederkehrende Gelegenheit geboten, um eine der Hauptursachen für die Verschlechterung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern vor dem Krieg zu beseitigen, nämlich einen R ü - stungswettbewerb zur See. Weiter habe das Abkommen zur Beseitigung des unbeschränkten U-Bootkrieges geführt. Die englische Regierung brauche sich nicht zu entschuldigen, wenn sie einen praktischen Beitrag zum Frieden liefere. Wenn man die Dinge ohne Leidenschaft ansehe, werde man sagen, daß die britische Regierung den einzigen praktischen Weg beschritten habe, der für sie offen gewesen sei. Der Lusipatt. Die Regierung strebe nach wie vor einen Luftpakt an, der von einer Begrenzung der Luftrüstungen begleitet sein müsse. Die Schwierigkeit bestehe jedoch hier darin, die verschiedenen Ansichten auf einen Nenner zu bringen, wie man die Verhandlungen darüber führen solle. Die' fünf Locarnomächte wollten den Luftpakt nicht von anderen Bedingungen trennen. Es sei befürchtet worden, daß England das tun rooüe. 2)emgegen= über betone er, daß der Friede eine Einheit sei. Der Ost- und Donaupatt. Das führe ihn direkt zur Frage des O ft p a k t e s. Wenn auch England keine weiteren Verpflichtungen übernehmen wolle, so schließe das nicht ein In t e r e s s e an der Regelung der Ostfragen aus. Ein Krieg in Mittel- oder Osteuropa könne zu einem allgemeine Konflikt führen. Das fei der Grund, warum die britische Regierung den Abschluß eines östlichen und Donaupaktes sobald wie möglich wünsche. Der deutsche Reichskanzler habe einen beftimmten Vorschlag zur Ostpakkfrage gemacht. Die Franzosen hätten diesen Vorschlag als Verhandlungsgrundlage angenommen, auch der Donaupatt könne nach diesem Muster behandelt werden. Es stehe jetzt i n b e r Macht b e 5 beutschen Kanzlers, einen wirklichen Beitrag zur Sache des Friedens zu leisten, und zwar leicht zu leisten — einen Beitrag, der bei manchen Regierungen nicht nur in Mittel- und Osteuropa, sondern auch in Westeuropa eine Ursache der Besorgnis beseitigen würde. Hoare erklärte wörtlich: „Ich möchte mir erlauben, ihn dringend zu bitten, diesen Beitrag zu leisten. Ich glaube in der Tat, daß er feiner eigenen Sache dienen wird, wenn er ihn leistet. Sr selbst sprach sehr offen in feiner Rede vom 21.2Uai und ich weih, dah er es nicht unfreundlich aufnehmen wird, wenn ich ebenso offen spreche. Wir in England Der Eindruck in Paris. Sie französische presse ist mit der Erklärung Sir Samuel Hoares von der Unteilbarkeit des Friedens einverstanden. P a r i s, 12. Juli. (DNB. Funkspruch.) In Paris begrüßt man die Rede des englischen Außenministers und erwartet in naher Zukunft Verhandlungen über den Luftpakt. Die Erklärung des Außenministers, das zukünftige Luftabkommen müsse von fünf Mächten abgeschlossen werde, legt man hier dahin aus, daß nunmehr die Möglichkeit eines zweiseitigen Abkommens und direkter Verhandlungen nicht mehr bestehe. Der nationalistische „Matin" schreibt, Sir Samuel habe formell anerkannt, daß der Friede ein unteilbares Ganzes fei. Seine Aufforderung an Deutschland, den Donau- und den Ostpakt zu unterzeichnen, stimme völlig mit den Ansichten der französischen Regierung überein. Wenn Laval auch Anhänger einer Einigung mit Deutschland d?eibe, so hänge doch diese Einigung von einer allgemeinen Regelung aller schwebenden Fragen ab. Die zukünftigen Verhandlungen über den Luftpakt müßten mit denen über den Ost- und Donaupakt Hand in Hand gehen. Man könne es nur begrüßen, daß die großen Richtlinien Frankreichs und Englands zusammen- f allen. — Der offiziöse „Petit Pari sie n" betont vor allem, der Gesamteindruck der Rede sei von der Tatsache beherrscht, daß England wieder in die Linie der Londoner Erklärung vom 3. Februar und der Stresa-Konferenz zurückkehre. Dieser Umstand sei ermutigend. Der regierungsfreundliche „E x c e l s i o r" schreibt: Wenn die Rede Ausdruck eines dauerhaften Aktionswillens zugunsten einer kollektiven Organisierung des europäischen Friedens bedeute, scheint sie die Mißverstände zu zerstreuen, die seit dem Abschluß des deutsch-englischen Abkommens die guten Beziehungen zwischen London, Rom und Paris beschatteten. Sir Samuel forderte Deutschland auf, seinen Beitrag zum Frieden zu bringen. Diesen Wunsch teilt Laval vorbehaltlos und mit ihm das darin einmütige französische Volk. Für Frankreich hängt aber diese so notwendige Politik der deutsch-französischen Annäherung davon ab, daß Deutschland bereit ist, Verpflichtungen kollektiver Sicherheit zu übernehmen. Die radikalsozialistische „R e p u b l i q u e" meint, Frankreichs öffentliche Meinung werde zwar nicht allen Vorschlägen des Außenministers zustimmen, aber die Bedeutung der Rede liege in der sehr deutlichen Stellungnahme zu den großen internationalen Verhandlungen. Frankreich müsse jetzt die ihm von England dargebotene Gelegenheit benutzen, um eine aufbauende Politik des Friedens und der Begrenzungen der Rüstungen einzuleiten. — Die linksradikale „E r e Nouoelle" bemerkt, England biete Frankreich schöne Worte, die mit den Taten der letzten Zeit nicht in Einklang gestanden hätten. Die nahe Zukunft werde beweisen, ob sich in der englischen Politik tatsächlich eine Aenderung vollzogen habe. — Zwiespältiges Echo in Italien. Mailand, 12. Juli. '(DNB. Funkspruch.) „Po- polo d'Jtalia" schreibt, Sir Samuel Hoare habe nicht viel gesagt, was nicht schon von anderen wiederholt ausgedrückt worden sei. N e u sei jedoch der Ton der ganzen Rede. Die Erwähnung der freundschaftlichen Tradition, die England mit Italien verbinde, werde in Italien ein gutes Echo auslösen, ebenso auch der Hinweis, daß England nicht daran denke, kollektive Sanktionen gegen Italien vorzuschlagen. Das Unterhaus habe aber vergeblich darauf gewartet, daß der britische Außenminister sich klar über die Absichten der Regierung ausspreche. „Stampa" meint, man könne wahrlich nicht finden, daß die Rede eine Klärung der Lage gebracht habe. Die Haltung Englands im italienischabessinischen Streit sei keineswegs klarge- stellt worden. Die Zeitung fährt fort: „Die Rede klingt nach Eindämmung der Polemik und etwus, was wie Anerkennung des Rechtes Italiens auf Ausdehnung aussieht! Aber soll dieses Recht hinter den Wolken bleiben, soll Italien vielleicht auf einem anderen Planeten Ausdehnung suchen? So bleibt nur die negative Bestätigung, daß man in London nicht an Zwangsmaßnahmen gedacht hat. Dies ist aber wirklich sehr wenig. Die englische Regierung wird das Ziel von gestern, das dahin ging, Abessinien unter seinem Schutz zu halten, mit weniger Dreistigkeit und vorsichtigeren Methoden weiter verfolgen. Der Negus hätte schwerlich bei den Arbeiten der Kommission zur Schlichtung des Zwischenfalls von Ual-Ual eine derartige Unverschämtheit gezeigt, wenn er nicht die Hoffnung ober gar die Gewißheit gehabt hätte, England für eine Wiederaufrollung dieser Frage im Völkerbund auf seiner Seite zu haben. Dies ist ein sehr gefährliches Spiel, zu dem sich Italien nicht hergibt. Die Freundschaft Italiens ist ein so kostbares Gut in Europa und in Afrika, daß keine Regierung, die guten Willens ist, diese leichten Herzens gegen die Zuneigung eines Haufens von Negerstämmen opfern wird." mabenftämme, die aus den Steppen und Wüsten im Nordwesten und Norden vorbrachen, gestört. Von diesen wieder und wieder überrannt und unterworfen, konnte die größere Masse der Besiegten in dem riesigen Lande doch äußerem Druck leicht ausweichen. Die Sieger wurden von den Besiegten jedesmal verhältnismäßig rasch aufgezogen. Das „himmlische Reich" glich nach einem Sprichwort dem „Ozean, der alle Flüsse salzt". Ganz allmählich aber hatte Rußland seine Stellungen durch Sibirien bis zum nördlichen Stillen Ozean vorgeschoben, während w e st e u r o - p ä i.s ch e Kolonialmächte auf dem Seewege an den asiatischen Gestaden des Indischen und des Stillen Ozean festen Fuß faßten. Aus einmal war es vorbei mit der glücklichen Abgeschlossenheit des Reiches der Mitte. Aus einer Linie verläßlichster Sicherheit hatte sich die chinesische Küste in eine solche leichtester Verletzlichkeit gewandelt. Die Einöden und Steppen Jnnerasiens, das Weltwunder der Großen Mauer und die Eiswüften Sibiriens verloren ihre alte Bedeutung als Schutzgürtel. Die Handelswege durch Mittelasien verödeten; um so leichter konnte die erzwungene Deffnung chinesischer Häfen Handel und Wandel aus herkömmlichen, binnenwirtschaftlich bestimmten Bahnen locken und fremder Seeherrschaft botmäßig machen. Mit den westlichen Kolonialmächten wetteiferten bald die Vereinigten Staaten und das modernisierte fernöstliche Jnselreich Japan darin, chinesische Ordnung zu stören und aufzulösen. Noch bedeutet das der Nankinger Regierung unterworfene Gebiet erst die weitaus größte unter einer Anzahl Ordnungsinseln, die aus dem aufgewühlten Meer chinesischer Menschheit heroorragen. Machtpolitisch allein läßt sich der Anspruch der führenden Männer der „Zentralregierung", den Kristallisationspunkt für die Entstehung eines neuen großen und mächtigen chinesischen Reiches geschaffen zu haben, gegenüber inneren und äußeren Widersachern nicht durchsetzen. Auch die Lehren Sun- Jatsens erwiesen sich als unzulänglich, eine ähnliche sozialmoralische Kraft auszustrahlen, wie einst die Lehren Konfutses und feiner Nachfolger. Die alten Formeln aber verloren unter völlig veränderten äußeren Verhältnissen jede praktische Bedeutung. Wie aber, wenn man kvnfustiünische Moralde- griffe gleichsam in die Sprache eines durch moderne Technik umgewandelten Alltaglebens Übersetzte? Wenn man den Motor überlieferter Familienmoral, entsprechend umgebaut, für das komplizierte Getriebe eines modernen Staatswesens nutzbar machte? Würde dann nicht dieselbe Selbstzucht, die das Chinesentum seit Jahrtausenden im Rahmen patriarchalischer Gesellschaftsformen bewährte, die Zuchtlosigkeit überwinden, die man überall um sich greifen sah, wo moderne Kultur die alten familiären Bande lockerte ober auf löste? Aus solcher Erwägung entstand im Kopfe Tschiang- Kaischeks die Idee einer Massenbewegung für ein „neues", aber aus den Urgünben konfutsianischer Weisheit sich organisch herausentwickelnbes soziales Leben. Es war daher eine wohlüberlegte Maßnahme, als die Nankinger Regierung am 27. August vorigen Jahres den Geburtstag des Nationalheiligen Konfutse zum erstenmal seit Jahrzehnten wieder in ihrem Machtbereiche allgemein öffentlich feiern ließ. Es sind die fünf Kardinaltugenden der konfutsia- nischen Lehre: Scham, Ehrgefühl, unbestechliche Lauterkeit, pflichtmäßiges Handeln und anständiges Benehmen, die nun, rote einst für das soziale Leben verwandtschaftlicher Gruppen, für die Organe eines modernen Staatswesens praktische Bedeutung gewinnen sollen. Die in diesem Sinne aufgestellten Lebensregeln umfassen eine lange Liste von Ge- boten und Verboten. Man erzielt dadurch, über die moralischen Wirkungen eines streng geregelten Alltagslebens hinaus, eine besondere für die einheimische Textilindustrie wichtige Normalisierung allgemeiner Gebrauchsg egen - stände. Es darf sich niemand in fremde Stoffe kleiden und für die Machart der Kleidungsstücke für beide Geschlechter bestehen einheitliche Vorschriften. Frauen ist die Verwendung von Lippenstiften, das Färben der Fingernägel und anderer Modebrauch verboten. Auf offener Straße darf sich niemand in Pantoffeln oder im Badeanzug, noch mit brennender Zigarre oder Zigarette im Munde zeigen, lieber alles das wacht die Polizei. Übertretungen werden bestraft, am strengsten, wenn es sich um chinesische Beamte handelt, deren Neigung zur Bestechlichkeit durch besonders scharfe Vorschriften ausgerottet werden soll. — und in der Tat die ganze Veit — sind nicht nur durch das deutsche Diederaufrüstungsprogramm, sondern auch durch gewisse andere Erscheinungen im heutigen Deutschland beunruhigt worden. Nichtsdestoweniger haben wir den Kanzler bei seinem Dort genommen und erst in den letzten Wochen haben wir einen praktischen Beweis dafür geliefert, indem wir mit ihm das Alotten- abkommen abgeschlossen haben. Wir haben dadurch, wie wir hoffen, einen Schritt vorwärts auf dem Wege zur Versöhnung gemacht. Aber Versöhnung ist wie der Friede eine Einheit und Vielheit zugleich, und alle Straften führen nach manchen Hauptstädten. Caftf ihn daher den nach st en notwendigen Schritt vorwärts tun und der Aushandlung der Ost- und Donaupakte vorwärtshelfen, wodurch er dem Abschluß eines Luftpaktes, den er, wie ich weift, wünscht, einen groften Antrieb erteilen würde." Unter Beifall erklärte der Außenminister dann, daß er besonders auch die Frage der österreichischen Unabhängigkeit und Unversehrtheit erwähnen wolle. „Immer wieder haben wir unsere überlegte Ansicht ausgesprochen, daß Oesterreich strategisch und wirtschaftlich eine Schlüsselstellung in Europa einnimmt, und daß eine Aenderung in seinem Statut die Grundlagen des europäischen Friedens erschüttern würde. Wir werden weiterhin die mutigen Bemühungen, bie* die österreichische Regierung und das Volk zur Aufrechterhaltung und Stärkung ihres unabhängigen Bestehens machen, mit engstem und mitfühlendstem Interesse verfolgen. Das ist einer der Gründe, warum die britische Regierung gern sehen möchte, daß ein Donaupakt des Richtangri f f es und der Nichteinmischung für Mitteleuropa ohne weiteren Aufschub abgeschlossen wird. England und der Abessinienkonslitt. Der Schlüssel der kollektiven Sicherheit sei der Völkerbund. Solange ein wirksamer Völkerbund und ein wirksames System der kollektiven Sicherheit besteht, sei England bereit und willens, Anteil an der kollektiven Verant- wortung zu übernehmen. (Beifall.) Aus diesen Gründen nehme England einen so ernsten Anteil an dem italienisch - abessinischen Streit. Aus diesem Grunde sei es auch, selbst auf die Gefahr einer Kritik hin, bereit gewesen, einen konstruktiven Vorschlag zu machen, u m einen Krieg zu verhüten, der, wie er auch enden möge, eine ernste Rückwirkung auf das ganze Völkerbundssystem haben würde (Beifall). Er brauche nicht im einzelnen die völlige Widerlegung zu wiederholen, die die englische Regierung den wilden Erklärungen über die Motive und Handlungen Englands in gewissen Teilen der italienischen Presse zuteil werden ließ. (Beifall.) Wir haben keine Hintergedanken, sondern nur den Gedanken einer friedlichen Regelung. Die Erklärungen, daß wir an unsere eigenen Kolonialinteressen denken und daß wir in den benachbarten britischen Kolonien Truppen anhäufen, entbehren jeglicher Grundlage. Ich hoffe, daß meine Widerlegung in allen italienischen Zeitungen, die für diese unbegründeten Beschuldigungen verantwortlich sein mögen, vollste Veröffentlichung finden wird. Dir haben den italienischen Wunsch nach Aebersee-Expansionen stets verstanden und werden ihn verstehen. Wir gaben die Notwendigkeit einer italienischen Expansion zu, und wir geben erneut die Berechtigung einiger Kritik zu, die gegen die abessinische Regierung geäußert wurde. Aber sind die Tatsachen der italienischen Ausdehnungsbedürfnisse und der Klage gegen Vie abessinische Regierung ein ausreichender Grund, um sich in einen Krieg zu stürzen? Ich hoffe, daß es möglich sein wird, dieses Unglück zu verhindern, sei es durch Anwendung des Vertrages von 1906 oder durch die Hilfe des Völkerbundes. Der Außenminister behandelte dann Englands Verhältnis zu Frankreich. Frankreich und England sind diejenigen Mächte Westeuropas, die in erster Linie verantwort- lich für die Regelung von 1919 sind. Wir sind daher zusammen besonders an den Aen- derungen an dieser Regelung interessiert, die jetzt auf die gebieterische Forderung der Zeit hin gemacht werden. Wir haben d-icht zusammengestanden, wir haben viele Jahre zusammengearbeitet, und wir werden fort- fahren, zusammenzugehen und in der Zukunft zusammenzuarbeiten. Es ist nicht britische Art, alte Freundschaften zu opfern um neuer willen. Wenn wir neue Freundschaften suchen, werden wir das in einer Weise tun, daß wir unsere alten Freundschaften nicht gefährden. Auch mit Italien verbinde England eine alte und wertvolle Freundschaft. Er habe keinen wärmeren und aufrichtigeren Wunsch, als daß sie sich fortsetzte. Zu Sowjetrußland seien die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen besser als jemals. lieber unsere Beziehungen zu Deutschland habe ich mich im einzelnen bereits vorher geäußert Ich brauche hier nur den Grund- t o n des Ganzen zu wiederholen: daß untere Haltung ein praktischer und verstehender Realismus ist. England lege besonderen Wert auf freundliche Beziehungen zu Japan. Er nehme sich jedoch die Freiheit, den japanischen Freunden zu sagen, daß man in England besorgt sei wegen gewisser Ereignisse in No.rdchina. Er glaube jedoch, daß dieses Kapitel der Besorgnis vor dem Abschluß stehe und daß der englische Wunsch nach möglichst freundlichen Beziehungen in Zukunft sich mehr verwirklichen werde. England habe durch die Ernennung eines Botschafters gezeigt, welchen Wert es auf die Beziehungen Zu China lege. Die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten seien ausgezeichnet. England beabsichtige, seine Verpflichtungen i n n e z u h a l t e n, die sich aus den Verträgen und aus den Völkerbundssatzungen ergeben und es sei bereit, mit Europa a u f b e r Grundlage einer kollektiven Sicherheit zusammenzuarbeiten. Die Meinung der Parteien. Rededuell zwischen Lloyd George und Austen Chamberlain. Sir Herbert Samuel erklärte, das deutsch-englische Flottenabkommen habe bei einigen Leuten Besorgnis erregt, weil es ohne Zutun des Völkerbundes und ohne Befragung anderer Mächte abgeschlossen worden sei. Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn es in einer mehr provisorischen Form abgeschlossen worden wäre, jedoch sei die Regierung zu loben, daß sie sich die Gelegenheit nicht habe entgehen lassen. Es sei an der Zeit, zu erkennen, daß die Rüstungsbe- stimmungen des Versailler Vertrages t o t sind und daß die Tatsache, daß sie nicht begraben sind, die Luft Europas vergifte. Nach einer unfreundlichen Bemerkung über Deutschland erklärte der Redner, man sehe in England ebensogut wie in Frankreich die Gefahren, die sich aus den ständigen Erklärungen des Kanzlers gegen Sowjetrußland ergeben. In der abessinischen Frage beunruhige ihn die Methode, die Italien anwende. Man dürfe Italien nicht im Zweifel darüber lassen, was für einen Eindruck fein Vorgehen in weiten Kreisen Englands mache. Winston Churchill übte scharfe Kritik an der englischen Außenpolitik. Sie habe den Völkerbund geschwächt, die kollektive Sicherheit verschlechtert, Deutschlands Vertragsverletzung verziehen (!) und Stresa erschüttert. Er gebe zu, daß das Flottenabkommen nicht notwendigerweise gegen den Vorteil und die Sicherheit anderer verstoße. Aber beklagenswerterweise sei es ein völlig getrenntes Vorgehen gewesen. Das Vertrauen zwischen England und Frankreich sei erschüttert worden, das heute infolge der bedauerlichen Unterlegenheit der britischen Luftflotte gegenüber der deutschen notwendiger als je fei. Lloyd George bedauerte, daß England anscheinend nicht feine Verpflichtungen auf Grund des Völkerbundes gegenüber Italien anwenden wolle. Die Genfer Entschließungen vom April, in der wirtschaftliche und finanzielle Sanktionen gegen einen Vertragsbruch vorgesehen wurden, sei zwar gegen Deutschland gerichtet gewesen, aber „man kann nicht einen Maßstab für Deutschland anwenden und einen für Italien". Abessinien sei der erste Fall, auf den die Genfer Entschließung anwendbar wäre. Er hoffe, daß England an seine Freunde und Verbündeten herantreten werde, um eine wirkungsvolle Intervention herbeizuführen. Wenn es dem Völkerbund nicht gelinge, die abessinische Frage zu regeln, dann werde die letzte Spur seines Ansehens verschwinden. Der Versailler Vertrag sei unter beispielloser (Erbitterung geschrieben worden. Das Beste, was man habe tun können, sei die Einfügung von Maßnahmen für eine zukünftige R e - vision gewesen. Schon damals eine Revision zu versuchen, wäre Wahnsinn gewesen. In sehr kurzer Zeit würden die militärischen Streitkräfte Deutschlands die größten in der Welt fein. In Stresa habe man die „einseitige Vertragsverletzung" Deutschlands scharf zurückgewiesen, aber habe man etwa gehandelt? Auf die Entschließung von Stresa und Genf habe Hitler U-Boote gebaut- Wo seien die Sanktionen? Ministerpräsident und Außenminister hätten den „großen Vertragsbrecher" herzlich eingeladen, einige weitere „Vertragsbrüche" zu erörtern. Deutschland pfeife auf den Völkerbund. Italien tue dasselbe. Kurz gesagt, der Völkerbund fei nur noch ein Schutthaufen. Sir Au-en Chamberlain erklärte, er stimme darin überein, daß die Atmosphäre in Europa schlechter sei als vor einigen Monaten. Aber glaube Lloyd George wirklich, daß er seinen Absichten diene, inbem er allen anderen Nationen die Leviten lese und fremde Staatsoberhäupter beleidige. Man könne nicht Frieden machen, indem man strafe. Er habe durchaus Recht, wenn er sage, daß er mehr als irgendein anderer für den Versailler Vertrag verantwortlich sei. Aber wenn er sage, daß nur die härtesten Bedingungen auf- reckterhalten worden feien, so habe er vielleicht geschlafen oder sei zu sehr durch seine literarischen Arbeiten beansprucht gewesen. Die Reparationen, eine der schärfsten Bestimmungen, seien geschwunden. Die Rheinlandbes^tzung habe fünf Jahre vor der Zeit aufgehört. Chamberlain wandte sich gegen die Feststellung Lloyd Georges, daß die Regierung die Einführung der Wehrpflicht in Deutschland, diesen „Vertragsbruch", habe hingehen lassen. Was würde erdenn getan haben? Würde er, nachdem festgestellt worden fei, daß Deutschland sich wieder bewaffne, vorgeschlagen haben, daß Frankreich sich bewaffnen und in Deutschland e i n m a r s ch i e r e n solle? (Stürmische Rufe.) Er fei der Ansicht, daß Hoares heutige Erklärung in den fremden Hauptstädten einen größeren Eindruck machen würde, als man das im Hause anzunehmen scheine. Er stimme voll und ganz mit der Linie überein, die Hoare eingeschlagen habe. Ein Intermezzo. Das Licht erlöscht.—Unterhausdebatte bei Kerzenschein. Als sich der Arbeiterabgeordnete Jones erhob, ging plötzlich im ganzen Unterhaus das Licht aus. Minister und Abgeordnete waren in tiefes Dunkel gehüllt und Jones sagte: „Ich habe noch nie den Sprecher dringender um Licht g e b e t e n". Er versuchte, seine Rede an die unsichtbare Zuhörerschaft fortzusetzen, als ein Unterbausbeamter eine Kerze brachte, um die Ministerbank zu erleuchten. Nach und nach wurden etwa ein Dutzend Kerzen aufgestellt, und die Aussprache wurde im Halbdunkel fortgesetzt. Das elektrische Licht flammte 12 Minuten vor 10 Uhr unter dem lauten Beifall des ganzen Hauses wieder auf. Völkerbundsminister Eden erklärte: Die britische Regierung gibt nicht zu, daß der Abschluß des Flottenabkommens im Widerspruch zu dem Grundsatz der Zusammenarbeit steht, der in dem Londoner Protokoll vom 3. Februar und in der Stresaer Entschließung, an denen die englische Regierung energisch festhält, verkörpert ist. Der Zweck sei gewesen, durch ein Abkommen mit Deutschland die letzten Folgen eines „einseitigen Entschlusses" zu beschränken, mit dessen Verwirklichung Deutschland bereits begonnen hätte. Wenn andere Mächte ähnliche Abmachungen über Land- und Luftrüstungen mit Deutschland abschließen würden, würden wir gegen solche beschränkten Abkommen nicht nur keinen Widerspruch erheben, sondern sie als einen wichtigen Schritt zur Befriedung betrachten, vorausgesetzt, daß unsere eigene Handlungsfreiheit unbeeinträchtigt bliebe, genau so, wie bie Handlungsfreiheit anderer Mächte durch das deutsch-englische Flottenabkommen in keiner Weise beeinträchtig wird. Deutschland sei im Februar letzten Jahres bereit gewesen, einer Zehnjahresabmachung zuzustimmen sowie einer Luftflotte, die 50 v. H. der französischen während dieser Zeit nicht überschreiten würde, und einer Armee, die mit 300 000 Mann der französischen gleich sein würde. Die französische Regierung habe diese Angebot abgelehnt. Sei dies nicht eine Grundlage, auf der wir uns heute so gern einigen würden. Jetzt kennt jede Flottenmacht die Grenze der deutschen Flottenrüstung und kann ihr Programm danach einrichten. Eden kam dann auf den italienisch-abessinischen Streit au sprechen, und sagte u. a.: Wenn der englische Vermittlungsvorschlag angenommen worden wäre, hätte man ihn den Franzosen als Mitunterzeichner des Vertrages von 1906 vorgelegt, und zwar, bevor man sie Abessinien und dem englischen Unterhaus mitgeteilt hätte. Eden erwähnte dann die wirtschaftlichen und gebietsmäßigen Z u g e ft ä n b n i f f e , bie Abessinien im Rahmen bes englischen Vorschlages machen wollte. Italien habe gegenwärtig keinen einzigen wirtschaftlichen Berater auf einem wichtigen abessinischen Posten. Es wäre möglich gewesen, biese Lage zu bessern. Man könne sich auch benken, baß Abessinien bereit gewesen wäre, eine Sieblung auslän- bischer Einwohner in einigen Teilen seines Gebietes zuzulassen. Man würbe sehr falsche Schlüsse ziehen, wollte man glauben, baß dieser besondere Fall, in dem England einen territorialen Beitrag zur Sicherung des Friedens vorschlug, in irgendeiner Weise einen Präzedenzfall darstellt. Die vom Völkerbund eingesetzte Aussöhnungsmaschinerie sei zusammengebrochen. Die englische Regierung fei mit der französischen Regierung über die weitergehenden Gesichtspunkte des Streitfalles in einem Meinungsaustausch. England habe seinen Beitrag geleistet, jetzt fei esnnFran k- reich, den seinigen zu leisten. Die englische presse zur Llnierhausdebaiie. London, 12. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der liberale „N e w s C h r o n i c l e" bezeichnet die Rede Hoares als äußerst taktvoll und als beinahe auffällig diplomatifch. In einer Beziehung könne sie als ziemlich geschickter Versuch betrachtet werden, die Stresasront mit einer etwas veränderten Front wieder herzustellen. Einerseits werde Frankreich durch die Erklärung über die Unteilbarkeit des Friedens und die Notwendigkeit einer östlichen ebenso wie einer westlichen Regelung beruhigt. Anderseits versuche Hoare durch freundliche Mahnungen Deutschland zu überzeugen, daß die Stresasront nichts deutschfeindliches habe und daß Hitler, wenn er einen Luftpakt wünsche, dafür durch Teilnahme am Ost- und Donaupakt „bezahlen" sollte. Die Erklärung zum Abessinien-Streit dagegen sei enttäuschend in ihrer vorsätzlichen Undeutlichkeit. Die unabhängige konservative „Daily Mail" warnt die Regierung, sich ihre Politik vom Völkerbund diktieren zu lassen. Das Blatt hofft, daß das Kabinett sein Bestes tun werde, den Kaiser von Abessinien zur Erfüllung der italienischen Forderungen zu Überreden. — Times sagt zu den Ausführungen des Staatssekretärs über den Völkerbund: England wird schwerlich zur Uebernahme weiterer Verpflichtungen ober zur genauen Defini- tion seiner jetzigen Verbindlichkeiten veranlaßt werden durch das Beispiel anderer Länder, die nachdrücklich die strenge Anwendung der Völker- bundssatzung befürworten und sie dann völlig auf die Seite schieben, wenn ihr eigenes Prioatinteresse die Anwendung unan- genehm macht. Hoare habe etwas hartnäckig die Unteilbarkeit des Friedens betont", den er ein „einziges Ganzes" nannte. Die von Litwinow verbreitete Theorie werde durch die feit 1919 ausgefochtenen Kriege nicht bestätigt und es fei noch immer ein unanfechtbarer Lehrsatz, daß kein Land geneigt fein werde, in den Krieg zu ziehen, wenn es nicht durch sein eigenes Interesse dazu gezwungen werde. In der Frage des Ostpaktes werde die öffentliche Meinung von Herzen die Einladung des Staatssekretärs an Hitler begrüßen, daß er durch Förderung des Abschlusses dieses östlichen Abkommens unter dem von ihm gebilligten und von der französischen Regierung als Derhandlungs- grundlage angenommenen Bedingungen einen wirklichen Beitrag zur Sache des Fried.ens leisten möge. Das Blatt warnt Frankreich vor übertriebener Reizbarkeit und Kleinigkeitskrämerei und sagt, es fei nicht das geringste Verdienst der Rede Hoares, daß sie deutlich eine oder zwei gleichgestimmte Richtungen gezeichnet habe, in denen jetzt ein praktischer Fortschritt in Richtung auf die Ideale der Stabilität der Gerechtigkeit und des Friedens möglich fei. „Daily Telegraph" meint, die französische Öffentlichkeit sollte sich durch die freimütige Annahme des französischen Standpunktes, daß Westpakt, Ostpakt und Donaupakt gleichzeitig behandelt werden müßten, beruhigt fühlen. England habe nicht den Wunsch, ein zweiseitiges Luftabkommen nach dem Vorbild des Flottenabkommens mit Deutschland abzuschließen. Wenn der Aufruf an Hitler bei Verhandlungen über Ost- und Donaupakte mitzuhelfen, um dadurch dem Luftpakt den von ihm yewünschten Antrieb zu geben, von Berlin bereitwillig angenommen werden würde, so würden sie in ganz Europa begrüßt werden. — „M o r n i n g P o st" findet die Verteidigung des Flottenabkommens mit Deutschland weniger glücklich. Tatsache bleibe nach dieser Unterhaus-Debatte kaum der Anschein dafür übrig, daß das „System der kollektiven Sicherheit" oder der Völkerbund bestehen bleibe. Mit allen Pakten, Abrüstungsverträgen und Kollektivsystemen sei es zu Ende. Man dürfe nur hoffen, daß mit der Zerstörung dieser Trugbilder in England ein Gefühl für die Wirklichkeit entstehen werde. Wenn es nicht länger einen „Friedensapparat" und ein „kollektives Friedenssystem" gebe, dann sei dies ein um so wichtigerer Grund für Großbritannien, die bestehenden Freundschaften zu pflegen und nur der eigenen Kraft zu vertrauen. Das deutsche Wunder. Ein amerikanischer Geistlicher nennt das heutige Deutschland — ein überwältigendes Erlebnis.. N e u y o r k, 12. Juli (DNB. Funkfpruch). Der bekannte Neuyorker Prediger Pastor Haynes Holmes, der soeben von einer Studienreise nach Deutschland zurückkehrte, erklärte Pressevertretern, er fei der Ueberzeugung, daß die Bedeutung der Führerschaft Hitlers kaum über- trieben werden könne. Der Anblick, den das Deutschland von heute biete, fei ein überwältigendes Erlebnis. 15 Jahre nach einem Kriege, durch den die Alliierten Deutschland zu zerstören gedachten, habe sich dieses Land wieder emporgerichtet. Im Vergleich mit feinen letzten Deutschland-Reisen in den Jahren 1922 und 1931 'bezeichnete Holmes die Wandlung der Dinge als ein Wunder. Das deutsche Volk habe fein Selbstgefühl wieder gewonnen und fei von Vertrauen, Begeisterung und Mut beseelt, während es noch im Jahre 1931 der Auflösung nahe gewesen sei. Hitler habe in steigendem Maße die breiten Volksschichten gewonnen. Er, Holmes, habe sich früher hierüber ein völlig falsches Bild gemacht. Er fei aber durch persönliche Unterredungen bei allen möglichen Gelegenheiten zu einer besseren Ansicht gekommen. Die Erkenntnis, daß Deutschland unter der Führung Hitlers zu einem einigen und tief begeisterten Volk geworden ist, fei für Amerika von großer Bedeutung. England und Irland. Eine Warnung an de Balera. London, 11. Juli. (DNB.) Dominienminister Thomas erklärte im Unterhaus über bie englisch-irischen Beziehungen: „Wir werden es nicht zulassen, daß Südirland aus dem britischen Staatsoerband austritt, und wir werden alle in unserer Macht stehenden Schritte tun, um das zu verhindern." De V a» l e r a hatte vor einiger Zeit gefordert, daß e i n aus Ausländern zusammengesetztes Schiedsgericht über die Beziehungen Irlands zum Britischen Weltreich entscheiden solle. Thomas erklärte, es sei unrichtig, daß es innerhalb des Britischen Reiches keine Männer gebe, die einen unparteiischen Schiedsspruch fällen konnten. Das Statut von Westminster habe fest- gelegt, daß die britischen Staaten „einig sind in Der gemeinsamen Untertanenpflicht gegenüber der englischen Kron e". Der Irische Freistaat könne nicht nur bie Vorteile genießen, fonbern müsse auch bie Verpflichtungen übernehmen, bie sich aus ber Zugehörigkeit zum britischen Staatsverbanb ergeben. De Dalera habe ihm gesagt, daß ber Freistaat eine Republik werben müsse, baß er aber i n außenpolitischer Hinsicht bereit sei, den englischen König anzuerkennen. „Ich glaube jedoch nicht", erklärte Thomas, „daß irgendeine britische Regierung sich dem englischen Volk gegenüber rechtfertigen könnte, wenn sie erlauben würde, daß der Irische Freistaat feine Verfassung nach Belieben für den einen o b er anderen Zweck benutzt. Ich zweifle daher auch, daß der Freistaat bereit ist, d i e Folgen auf sich zu nehmen, die die Ausrufung der Republik mit sich bringen würde. Viele Tausende von irischen Aerzten und Beamten und über eine Viertelmillion irischer Arbeiter, die in England leben, würden dadurch Ausländer werden und ihre Stellungen nur mit besonderer Genehmigung behalten können." Amerika warnt Italien. Keine Preisgabe des Kelloggpakts. Washington, 11. Juli. (DNB.) Staatssekretär Hüll legte dem italienischen Botschafter zum ersten Male seit dem Appell des abessinischen Kaisers an Amerika bie amerikanischen Bedenken gegen Italiens starre Haltung gegenüber den Bemühungen des Völkerbundes um die Schlichtung des Streites dar. Amerika bedauert, daß die an den abessinischen Kaiser gesandte Note in Rom als Unterstützung des italienischen Vorgehens und als völlige Uninteressiertheit Amerikas am Schicksal Abessiniens ausgefaßt worden fei. Deshalb betonte Hüll, daß Amerika über die Taktik Italiens ft a r k besorgt fei. Die Note an Abessinien fei ein deutlicher Beweis darauf, daß Amerika eine Verletzung bes Kellogg- Paktes als Bruch bes barin abgegebenen feierlichen Versprechens betrachten würbe. Solange bie gegenwärtige Krise weiter bestehe, mochte bas Staatsdepartement auf feine neutralen Rechte, Kriegsmaterial an Kriegführende zu senden, nicht verzichten, da ein derartiger Verzicht angesichts der starken Bewaffnung Italiens als ein weiteres Preisgeben der schutzlosen abessinischen Regierung gebeutet werden konnte. Kein englisches Ausfuhrverbot für Waffenlieferung nach Abessinien? London, 12.3ult. (DNB. Funkspruch.) Eine Reutermeldung, daß die britische Regierung die Waffenausfuhr von England nach Abessinien freiwillig gesperrt habe, wird von mehreren Morgenblättern für unrich - t i g erklärt. Es wird gemeldet, daß nach mehr als zwölfmonatiger Pause vor einigen Tagen Anträge auf Einfuhr von Waffen von der abessinischen Regierung eingegangen feien, und diese würden in der üblichen Weise und ohne ungewöhnliche Verzögerung erledigt werden. „Daily Telegraph" erklärt, es bestehe kein Grund für die Annahme, daß die (Erlaubnis verweigert werden würde. Die Spaltung der Ieuerkreuzler. Paris, 11. Juli. (DNB.) Die Spaltung in der Bewegung der Feuerkreuzler, von der schon gestern die Rede war, scheint sich zu bestätigen. „Paris Midi" meldet, daß sich fünf führende Persönlichkeiten des Verbandes „Nationale Freiwillige" mit ihren Anhängern von Oberst de la Rocque getrennt haben. Die jungen Führer ber „Nationalen Freiwilligen" (Nicht- Frontkämpfer) werfen Oberst de la Rocque vor, daß er nicht genügend scharf gegen bie Regierung DOrftofte- Die „Nationalen Freiwilligen" wünschen den Versuch einer weitgehenden Annäherung der jungen Anhänger aller Parteien zu machen. Oberst de la Rocque schlug ihnen vor, chrs wirtschaftlichen Gedankengänge in einer Schrift niederzulegen. Die „Nationalen Freiwilligen" arbeiteten Darauf einen Plan aus. Oberst de la Rocque weigerte sich jedoch, diesen Plan in dem Blatt der Bewegung zu veröffentlichen. Daraufhin haben fünf der Führer der „Nationalen Frerwilli- aen" eine weitere Zusammenarbeit mit Oberst de la Rocque abgelehnt. Oberst de la Rocque erklärte, sie gehörten nicht dem Direktorium der Bewegung der Feuerkreuzler an. Es handele sich um einen Zwischenfall, der keine Rückwirkungen aus das Fortschreiten der Bewegung der Feuerkreuzler habe. Korporationen und RS.-Gtudentenbund. Der „Angriff" veröffentlicht eine Meldung aus Köln, in der es heißt: „Wie der Gauamtsleiter des NS.-Studentenbundes Köln-Aachen mitteilt, haben sich an den Hochschulen des Gaues Köln-Aachen in Köln, Aachen und Bonn von Insgesamt 105 Korporationen nur 25 zur positiven Mitarbeit im nationalsozialistischen Staat bereitgestellt. Rur sie wollen sich der politischen Schulung durch den RS.-Studentenbund unterziehen. In Köln sind von 38 Korporationen 12, in Bonn von 49 Korporationen ebenfalls 12, in Aachen in der dortigen Technischen Hochschule von 19 Korporationen eine an den RS.-Studentenbund herangetreten. Bereit erklärt haben sich in Bonn und Köln geschlossen die Burschenschaftler, außerdem in Köln zum Teil die katholischen Unitarier. Ausgeschlossen haben sich die CVer, der größte katholische Studentenbund, die Korps und die Landsmannschaften. Die Gemeinschaft studentischer Verbände hat an die ange- schlossenen Korporationen ein Rundschreiben ergehen lassen, das ihre Mitglieder auffordert, sich nicht im bejahenden Sinne zur Aufforderung des Reichsamtsleiters, des RS.-Studentenbundes, Pg. Derichsweiler, zu äußern. Es ist klar, daß die Mit- glieder des RS.-Studentenbundes, die bisher noch Den Korporationen angehört haben, die nicht zur Mitarbeit im nationalsozialistischen Staat bereit sind, aus diesem austreten müssen." Oer Führer besucht alte Parteigenossin zum 28. Geburtstag. München, 11. Juli. (DRB.) Am Donnerstag besuchte der Führer in Solln die Parteigenossin Frau H o f m a n n, um ihr zu ihrem 78. Geburtstag persönlich seine Glückwünsche zu überbringen. Diese EhrAng wurde einer Parteigenossin zuteil, die seit 19 2 0 in den Reihen der Bewegung steht und ihr seitdem in unerschütterlicher, aufopferungsvoller Treue verbunden blieb. Hitlerjugend Hilst Waldbrände verhüten. Das Presse- und Propagandaamt der RIF. teilt mit: Die Reichsleitung der NSDAP., Hauptamt für Volkswohlfahrt, Abteilung Schadenverhütung, führt während der Sommermonate eine Propaganda-Aktion für die Verhütung von Waldbränden durch. Diese Maßnahme wird von der Hitler-Jugend außerordentlich begrüßt. Es geht kein Hitler-Junge auf Fahrt oder ins Zelt- lager, der nicht weiß, welche Gefahr Waldbrände für das Dolksvermögen bedeuten und wie leicht durch undiszipliniertes oder leichtsinniges Verhalten solche Waldbrände entstehen können. Die Hitler-Jugend wird darum mit der NSV. aufs engste zusammenarbeiten,, um der Oeffentlichkeit klarzumachen, daß jeder verpflichtet ist, beim Be- treten von Waldbeständen während der Sommermonate jede Unachtsamkeit zu vermeiden, die einen Waldbrand zur Folge haben könnte. Unermeßliche Werte fallen alljährlich den Waldbränden zum Opfer. In den meisten Fällen sind Unbekümmertheit oder Leichtsinn die Ursache. Sehr häufig hat man zu Unrecht Gruppen der Hitler-Jugend, die im Bereich eines Waldbestandes gezeltet haben oder sich auf Fahrt befanden, die Schuld an Waldbränden gegeben. Die Gruppen, die sich auf Fahrt befinden, wissen, wie sie sich im Walde zu verhalten haben. Häufiger als durch Abkochen in Waldnähe ist eine fortgeworfene Zigarette, oder eine brennende Tabakspfeife die Ursache eines Waldbrandes gewesen. Die Hitler-Jugend ruft die Bevölkerung auf, auch in dieser Frage mit ihr zusammenzuarbeiten und die NSV. dahingehend zu unterstützen, daß der Schadenverhütungs-Aktion ein voller Erfolg be- schieden ist. Helft mit uns, Waldbrände verhüten! Einstellung der Hilfstätigkeit nach Gowjetrußland. Berlin, 11. Juli. (DNB.) Die in den letzten Wochen veröffentlichten Todesurteile gegen deutsche Pfarrer und Bauern in Sowjetrußland zeigen, daß der Empfang von Sendungen oder Geld für unsere evangelischen Glaubensgenossen zu einer Gefahr geworden ist. Aus diesem Grunde ist die für den Torgsin-Ver- kehr bisher bestehende Vergünstigung aufge- hoben worden, und die Sendungen unterliegen den gleichen Devisenbestimmungen wie nach dem übrigen Ausland. Aus dem gleichen Grunde haben alle großen Hilfsorganisationen beider Konfessionen die Verantwortung für den Empfang der Sendungen a b l e h n e n und jede Sammeltätigkeit als mit ihrem Gewissen nicht vereinbar e i n st e l l e n müssen. Es muß daher dringend gebeten werden, von Spenden an Rußland-Hilfsorganisationen, ganz gleich welcher Art, absehen zu wollen, bis von verantwortlicher Stelle die Hilfeleistung wieder als mqglich erklärt wird. Deutscher Protest in Kotvno. Berlin, 11. Juli. (DNB.) Auf Grund seines Beschlusses vom 31. Mai d. I. hatte der Appel- lationsgerichtshofinKowno am 14. Ium auf eine Reihe Forderungen der Kreditgesellschaft „Agraria" und des „K r e d i t v e r b a n d e s memelländischer Grundbesitzer" Arrest gelegt und deren Schuldnern gestattet, Einzahlungen auf die Konten der „Agraria" und des Kreditverbandes bei der Landschaftsbank in Memel zu leisten. Da durch diese Maßnahme die Interessen reichsdeutscher Gläubiger erheblich beeinträchtigt werden, hat die deutsche Regierung bei der litauischen Regierung gegen die Anordnung des Appellationsgerichtshofes nachdrücklich Einspruch erhoben und verlangt, daß die Rechte der reichsdeutschen Interessenten wieder- h e r g e st e l l t werden. Griechische Fühlungnahme in Rom. Rom, 10. Juli. (DNB.) Der griechische Kriegsminister Kondylis ist von Mussolini empfangen worden. Der Besuch des griechischen Generals ist mit zahlreichen rnilitäri s ch e n Besichtigungen und Besprechungen politischen und mitttärischen Charakters angefüöt Die Wiedereinführung der Monarchie dürfte in den Besprechungen eine gewisse Rolle gespielt haben, doch wird in politischen Kreisen in diesem Punkte offiziell die gleiche Reserve geübt wie in der Frage einer Wiedereinsetzung der Habsburger Monarchie. Kleine politische Nachrichten In Erwiderung des Kommandos eines deutschen Offiziers zur Generalstabsausbildung in der Armee der Vereinigten Staaten wird am 1. Oktober 1935 ein amerikanischer Offizier in Deutschland an einem Lehrgang der Kriegsakademie teilnehmen. * Der neue mexikanische Innenminister Silvano Barba Gonzales soll strikten Befehl erteilt haben, diejenigen katholischen Kirchen wieder für den Gottesdienst zur Verfügung zu stellen, die vor längerer Zeit geschlossen worden sind, ohne daß hierfür eine Anweisung der Bundesregierung vorlag. Es heißt, daß es ein erster Schritt oer Bundesregierung sei, um auf diesem Gebiet wieder die Ordnung herzustellen. Der südslawische Prinzregent Paul reifte nach Bukarest, um König Carol zu besuchen. Die Reise hängt in erster Linie mit der Habsburger Frage zusammen. die nach dem letzten, für den Monat Mai vorliegenden Bericht, weiter um 35 auf nunmehr insgesamt 13153 Millio nen Mark gediegen sind. Allerdings lag der Einzahlungs- Überschuß im Mai um rund 28 Millionen unter dem des Vormonats, doch war die Entwicklung wiederum besser als in den Vorjahren; denn im Jahre 1933 hatte der Einzahlungsüberschuß nur 4,2 Millionen betragen und 1934 waren sogar die Auszahlungen um 6 Millionen größer als die Einzahlungen. Immerhin hat der Einlagenzuwachs im Mai nicht ganz ausgereicht, um mit ihm allein den dritten Teilbetrag der von den Sparkassen ae» zeichneten 500-Millionen-Anleihe des Reiches oe- zahlen zu können, der Mitte Mai in Höhe von 75 Millionen Mark abzunehmen war, so daß von den Sparkassen ein entsprechender Rückgriff auf ihre eigenen Bankguthaben notwendig wurde. * Die Bewegung der Aktienkurse an den deutschen Börsen ist seit längerer Zeit Gegenstand lebhafter Erörterungen in der interessierten Oeffentlichkeit gewesen. Alle Warnungen und Hinweise auf das Mißverhältnis zwischen den jetzigen Kursen und der nach oernünftiger Berechnung zu erwartenden Rendite, auf die Möglichkeiten einer Beschneidung der industriellen Gewinne aus der Arbeitsbeschaffungskonjunktur haben nicht die Befestigung der Kurse verhindern können, die allerdings durch die außerordentliche Enge der Märkte besonders begünstigt wurde. Der aus Publikumskreisen austretenden Nachfrage stand durchweg nur sehr geringes Angebot gegenüber. Die Organe der Berliner Börse haben sich aus dieser Lage heraus nun veranlaßt gesehen, in einer öffentlichen Erklärung die Warnungen noch einmal sehr prägnant und deutlich auszusprechen. Das Ergebnis war, wie nicht anders zu erwarten, eine rückläufige Bewegung der Aktienkurse, deren weiteren Verlauf man allerdings abwarten müssen wird. Der R e n t e n m a r 11, der natürlich den Nachteil von der Bewegung an den Aktienmärkten seit Wochen zu spüren bekommen hat, wird, wie zuversichtlich zu hoffen ist, in der Zukunft von den als Anleger in Frage kommenden Kreisen wieder mehr beachtet werden, zumal er nach wie vor eine gute und sichere Verzinsung liefert. Der Absatz des Rheinisch - Westfälischen Kohlensyndikats betrug im Monat Juni arbeitstäglich 219 000 Tonnen. Das bedeutet gegenüber dem Vormonat eine Zunahme um 7000 Tonnen. Die Absatzsteigerung entfällt hauptsächlich auf das umstrittene Gebiet. Die Lagerbestände der Ruhrzechen haben sich weiter verringert. Der Dier- teljahrsausweis der Vereinigten Stahlwerke weist zwar für das Quartal April-Juni einen Rückgang der Kohlenförderung um etwa 200000 Tonnen auf. Dieser ist aber saison- mäßig begründet. Ebenso beruht die Verminderung der Roheisenproduktion des Konzerns um etwa 37 000 Tonnen auf besonderen Betriebs- Verhältnissen. Dagegen hat sich trotz der stilleren Sommersaison die Kokserzeugung weiter von 1,50 auf 1,53 und die Rohstahlerzeugung von 1,24 auf 1,27 Millionen Tonnen gehoben. Diese Mehrerzeugung ist lediglich der guten Beschäftigung der inländischen Abnehmerindustrien zu verdanken, da sich die inzwischen erreichte Verständigung der kontinentalen Eisenindustrien mit der englischen bisher im Exportgeschäft noch nicht auswirken konnte, lieber eine Belebung des Ausland- g e f ch ä f t e s berichtete die Werkzeugmaschine n i n d u str i e , die trotz der Währungsschwierigkeiten ihren Absatz in Japan, Rußland, England, Italien und Frankreich steigern konnte. Die T e l e f u n k e n - Gesellschaft hat aus Peru den Auftrag auf Bau eines Rundfunksenders in Lima sowie auch einen gleichen Auftrag für Norwegen erhalten. ♦ Die Bestrebungen der Reichsregierung für eine (Erweiterung der heimischen Spinnst offerzeugung sind von Erfolg gewesen. So wurde bekannt, daß die Flachsanbaufläche von 4500 Hektar im Jahre 1932 auf 20 600 Hektar im Jahre 1934 angewachsen ist, und daß mit der für diese Saison zu erwartenden (Ernte von 750 000 Doppelzentner etwa d i e Hälfte des deutschen Bedarfs an diesem Textilrohstoff, der in den letzten Jahren vom Verbrauch wieder erheblich stärker bevorzugt wird, durch die heimische Erzeugung wird gedeckt werden können. 1932 waren es nur 10 Prozent, die auf eigenem Boden wuchsen, und die Devisenmenge, die wir durch die planmäßige Vermehrung des Flachsanbaues sparen, wird von sachverständiger Seite auf 12 Millionen Mark beziffert. Auch die zur Veredlung des Rohflachses notwendigen Flachsrösten sind vermehrt worden und verfügen jetzt über eine Gesamtkapizität von 900 000 Doppelzentner, so daß also noch Spielraum für eine weitere Vermehrung der (Ernte vorhanden ist. Trotzdem erwägt man bereits jetzt den weiteren Ausbau der Flachsrösten, um die heimische Rohstoffbasis der deutschen Seinen« industrie planmäßig immer mehr zu verbreitern. Für Hanf lauten die Meldungen ebenfalls günstig: Die Anbaufläche wuchs hier von 210 Hektar im Jahr 1932 auf 2700 Hektar im laufenden Jahr. Daß auch die Bemühungen um einen allmählichen Wiederaufbau der deutschen Schafzucht in qualitativer und quantitativer Beziehung erfolgreich sind, geht aus den Versteigerungsergebnissen hervor, die von befriedigender Beschaffenheit des Angebots aus deutschen Schafzuchten berichten. Das Bild rundet sich durch die Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft über den deutschen Seidenbau. Wenn die bisherigen Versuche, erfolgreich in Deutschland Seidenbau zu betreiben, bisher stets gescheitert sind, so lag das zu einem wesentlichen Teil an der mangelnden Zusammenarbeit und dem Fehlen einer straffen Überwachung der Kokonzucht und der nachfolgenden Produktionsstufen. Diesem Mangel soll durch die Verordnung Abhilfe geschaffen werden, die den Reichsnährstand ermächtigt, die nötigen Maßnahmen zur Regelung der Gewinnung, fort: Verwertung und des Absatzes von deutschen Seidenkokons zu treffen. * Nach den auf Grund der amtlichen Saaten- standsberichte vorgenommenen Schätzungen des Statistischen Reichsamtes läßt die diesjährige Getreideernte beträchtlich höhere (Erträge als die vorjährige erwarten. (Eine Ausnahme bildet nur d i e a fer ernte, die infolge Verminderung der Anbaufläche geringer ausfallen wird. Die B r o t - getreiöeernte wird auf 13 Millionen Tonnen veranschlagt, während die Vorjahresernte nur 12,3 Millionen Tonnen betrug. An den internationalen Märkten ist es augenblicklich wieder einmal das Silber, das die Gemüter in Aufregung versetzt. Am Londoner Silbermarkt ergaben sich große Schwierigkeiten, Deutsch-französische Aussprache auf dem Londoner Tlationalistenkongreß Professor Grimm spricht über Adolf Hitlers europäische Sendung. London, 11. Juli. (DNB.) Jin zweiten Teil der Vortragsreihe auf dem Kongreß der Internationalen Arbeitsgemeinschaft der Nationalisten wurde nach einem Vortrag des belgischen Schriftstellers Dr. I. W. S e r r u y s das Referat „Nationale und Uebernationale Gemeinschaften" des an der Teilnahme verhinderten Professors Hans Eibl (Wien) verlesen. Eibl vertritt auch in diesem Referat seinen feit vielen Jahren verfochtenen Standpunkt, daß die sämtlichen Pariser Vorortsverträge von 1919 moralisch und völkerrechtlich null und nichtig seien. Die Morgensitzung des zweiten Kongreßtages stand im Zeichen einer d e u t s ch - f r a n z ö s i - schen Aussprache. Für das Niveau dieser Auseinandersetzung, an der ein großer Kreis interessierter Persönlichkeiten teilnahm, zeugte die Auswahl der beiden Hauptredner, von französischer Sette Nr. Louis Bertrand, der Präsident der Acad Linie Franca i s e, und von deutscher Seite der bekannte Professor für internationales Recht an der Universität Münster, Dr. Friedrich Grimm aus Essen. Mit schneidender Schärfe und unerbittlicher Logik richtete Louis Bertrand den Internationalismus nicht nur in, feinen Organisationsformen, sondern ganz wesentlich als gedankliches System und geistige Haltung. Die Internationale führe zu Krieg und Anarchie, zur Zerstörung völkischer Werte, der Charaktereigenheiten der Nationen. Demgegenüber forderte Bertrand, daß die Nationen stark fein sollten, um sich und ihr wertvolles Eigenleben behaupten zu können. Er schloß mit einer Berufung auf Nietzsche, daß die beste Art ein guter Deutscher — oder ein guter Franzose oder Engländer — zu fein, die sei, die Eigenschaften zu erwerben, die dem eigenen Volk mangelten. Friedrich Grimm sprach dann in seiner bekannten schlichten und geraden Art über das Thema „Hitler und Europa". Einleitend begrüßte er es als ein günstiges Vorzeichen verständnisvoller Zusammenarbeit, daß hier auf englischem Boden ein Franwse in seiner Muttersprache und er selbst in deutscher Sprache, vor einem so aufnahmefreudigen Publikum zu vielen Nationen sprechen könnten. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschten die Zuhörer Prof. Grimm, als er die Problemstellung feines Vortrages damit begründete, daß einerseits Adolf Hitler heute allgemein in der Welt, bei Freunden und Gegnern, als eine für das Schicksal Europas entscheidende Persönlichkeit empfunden werde, daß anderseits das Problem Deutschland und Europa sich auf die Formel Hitler und Europa konzentrieren lasse, daß Hitler Deutschland sei. In kurzen und markanten Ausführungen gab Grimm einen geschichtlichen Ueberblick über die 15jährigen Leiden des deutschen Volkes seit Versailles. Er zeigte seinen ausländischen Hörern, wie auf Grund der verächtlichen Treibereien sog. deutscher Pazifisten der Begriff Pazifismus in deutschen Augen habe gleichbedeutend mit Landesverrat werden müssen. Alsdann zeigte Grimm an Hand eines Ueberblickes über die Außenpolitik der nationalsozialistischen Regierung mit besonderem Eingehen auf die Führung Adolf Hitlers i n b e r Rüstungsfrage, daß die Bemühungen des Führers um den Frieden den wertvoll st enBei- t r a g der Nachkriegszeit für d i e Herstellung eines gesünderen und glücklichen Europas oarstellten. Anknüpfend an die große Rede des Führers vom 21. Mai schloß Professor Grimm sein eindrucksvolles Referat mit der Feststellung, daß Hitler mit feinen 13 Punkten da wieder angeknüpft hat, w o W i l f o n mit feinen 14 Punkten kläglich gescheitert ist. Damit wachse die Mission des Führers über seine Aufgabe im Reich hinaus und werde . zu einem europäifchenSchickfalsfaktor. Hitler helfe, jenen Frieden der Gerechtigkeit zu schaffen, der in Versailles nicht erreicht worden fei. Reicher Beifall dankte dem deutschen Redner. MILL. 6 5 3 2 Ä! :o 19 5 5 1934 19 3 5 ac Q MILL. 6 S 3 o o Die Abnahme 6er ^rcheibslosigkeU o "C o o o Q <3 Z OJ O o o E CXJ Unser Schaubild gibt einen Ueberblick über die Entwicklung der Erwerbslosigkeit seit dem Beginn der nationalsozialistischen Erhebung. Man sieht, daß immer wieder durch die Saison bedingte Rückschläge .erfolgten; aber zielbewußt wurde ständig daran gearbeitet, eine immer größere Zahl von Erwerbslosen zu Lohn und Brot zu bringen. (Scherl-M.) Wie sieht es in der' irtschast aus? Die wichtigste Mitteilung aus dem wirtschaftlichen Leben war in der vergangenen Woche ohne Zweifel der Bericht über die Entwicklung des Arbeitseinsatzes im Juni. Durch einen abermaligen Rückgang der Arbeitslosenzahl um nicht weniger als 142 000 ist diese nunmehr weit unter d i e Zwei - Millionen - Grenze auf 1877 000 gesunken. Dieser Rückgang muß als außerordentlich groß bezeichnet werden, da normalerweise im Juni die Entlastung des Arbeitsmarktes schon schwächer zu werden pflegt, weil bann schon nicht mehr so starke Saisoneinflüsse wirksam werden wie in den Frühjahrsmonaten. Der dennoch starke Rückgang der Arbettslosenzahl im Juni ist daher im wesentlichen eine Folge der sich stetig bessernden Konjunktur, und diese Tatsache ist zweifellos noch bedeutsamer als das an sich natürlich im höchsten Grade erfreuliche starke Absinken der Zahl der Arbeitslosen; denn der Umstand, daß für Den erneuten Rückgang der Arbeitslosigkeit in viel geringerem Umfange Saisoneinflüsfe als die grundsätzliche Besserung der Wirtschaftslage den Ausschlag gegeben haben, darf zu der Hoffnung berechtigen, daß das in diesem Frühjahr und Sommer in der Arbeitsschlacht bereits gewonnene und noch zu gewinnende Gelände durch den jahreszeitlichen Winterrückschlag nur zu einem wieder geringer werdenden Teile verlorengeht. Zu dieser Hoffnung berechtigt auch die andere Tatsache, daß der Einsatz von Arbeitskräften für Notstandsarbeiten eine weitere Minderung zu Gunsten des regulären Arbeitseinsatzes in den Außenberufen erfahren konnte. * Das fortschreitend günstiger werdende Bild der Wirtschaftslage spiegett sich auch bereits deutlich in der Entwicklung der Reichsfinanzen; denn das um 1200 Millionen Mark erhöhte Steueraufkommen des Rechnungsjahres 1934/35 läßt schon klar die Wirkung der finanz- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen der letzten Jahre erkennen. Eigentlich betrug das Mehraufkommen an Reichssteuern und Zolleinnahmen im Rechnungsjahr 1934/35 sogar fast 1400 Millionen Mark, doch muß bei einem Vergleich mit dem Vorjahre der (Ertrag der damals noch nicht als Reichssteuer erhobenen Schlachtsteuer unberücksichtigt bleiben. • Dieses Mehraufkommen an Reichseinnahmen ist allerdings in vollem Umfange durch die Etctt- Dorbelaftungen aus dem Vorjahre und durch die Neubelastung aus der Finanzierung der Arbeitsschlacht absorbiert worden, so daß es noch nicht zu einer weiteren Defizit-Tilgung, geschweige denn zu Steuerermäßigungen benutzt werden. konnte. Das Defizit im Reichshaushalt des Jahres 1932/33, das nach Ausschaltung der Länderüberweisungen noch 610 Millionen Mark betragen hatte, und 1933/34 sich nur noch auf 330 Millionen gestellt hatte, ist zwar im Rechnungsjahr 1934/35 wieder etwas großer geworden und betrug in diesem 354 Millionen Mark. Nichtsdestoweniger ist aber der Beginn des Gesundungsprozesses bei den Reichsfinanzen bereits feit dem Vorjahre deutlich erkennbar. Sein Merkmal besteht darin, daß die Einnahmen in den letzten beiden Jahren relativ stärker gestiegen sind als die Au.s gaben, daß also in zunehmendem Maße bereits eine planmäßige Tilgung der für den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit aufgewendeten erheblichen Mittel durch erhöhte Steuern- und Zolleinnahmen erfolgen kann. Die anhaltende Besserung der Wirtschaftslage läßt daher auch das nochmalige Entstehen und sogar leichte Anwachsen eines Fehlbetrages im letzten Rechnungsjahre in keiner Weise beängstigend erscheinen, weil diese Konjunkturbesserung schon jetzt die (Erwartung weiter steigender Reichseinnahmen rechtfertigt, die zur Tilgung der erhöhten Aufwendungen für die Wirtschaftsbelebung verwendet werden können. ♦ Die stetige Besserung der wirtschaftlichen Sage und im Zusammenhang damit der durchschnittlichen Einkommenoerhältnisse kommt auch zum Ausdruck in der Entwicklung der Spareinlagen, weil von indischer und chinesischer Seite so umfang« reiches Angebot vorlag, daß ein Preissturz von beträchtlichem Ausmaß unvermeidlich schien. Die Organe des Londoner Metallmarktes vermieden eine Katastrophe nur dadurch, daß sie die Festsetzung des Silberpreifes um mehrere Stunden aussetzten und diese Frist benutzten, um mit Amerika Verbindung aufzunehmen. Die Regierung in Washington erklärte sich bereit, das Angebot abzunehmen, und der Preisrückgang fiel dementsprechend nur mäßig aus. Inzwischen hat Präsident Roosevelt, dem traditionellen Druck der Silber- !»artet im Senat nachgebend, erklärt, die USA. eien fest entschlossen, ihre Stützungspolitik weiter »urchzuführen. Die Unsicherheit über eben diese Entschlossenheit war es in erster Linie, die die Baisse am Silbermarkt und die Abgaben aus dem Fernen Osten veranlaßt hatte. Kunst und Wissenschaft. In Heidelberg beginnen die Reichsfestspiele. Am nächsten Sonntag beginnen in Heidelberg die R e i ch s f e st s p i e l e. Sie dauern bis 18. August und bringen in täglicher Folge abwechselnd Kleists „Käthchen von Heilbronn", Goethes „G ö tz von Berlichinge n", „M inna von Barnhelm" von Lessing, „W a s ihr wollt" von Shakespeare und das neue, eigens für die Heidelberger Thingstätte geschriebene Thingspiel: „Der Weg ins Reich" von Kurt H e y n i ck e. Stätten der Spiele sind der Heidelberger Schloßhof, der Königssaal des Schlosses und die am 22. Juni eingeweihte Thingstätte auf dem Heiligen Berge. Als Darsteller sind hervorragende künstlerische Kräfte am Werke, wie Käthe Dorsch, Angela Salloker, Heinrich George, Gustav Gründgens, Walter Süßenguth und Walter Kottenkamp. Als Regisseure sind tätig Richard Weichert, Albert F l o r a t h, Lothar Müthel und Heinrich George. Bei der Eröffnung am 14. Juli wird „Käthchen von Heilbronn" gegeben. Das Käthchen spielt Angela Salloker, den Grafen Wetter vom Strahl Paul Wagner. Die Reichsfestspiele stehen unter der Schirmherrschaft des Reichsministers Dr. Goebbels, der nach dem Erfolg des Vorjahres wiederum die Stadt als Festspielort bestimmte. In mehrfacher Hinsicht erfüllt Heidelberg die Voraussetzung für die Veranstaltung von Reichsfestspielen, die als Ausdruck des neuen deutschen kulturellen Wollens zu werten sind. Einmal ist Heidelberg eine bevorzugte Fremdenstadt. Zum anderen hat es eine alte kulturelle Tradition, die sogar in den Ruinen des Heiligen Berges an Jahrtausende gemahnt und im Stadtbild selbst mannigfaltige Erinnerungen an die bedeutendsten Führer des geistigen und künstlerischen Lebens aus der Zeit der Klassik und Romantik aufweist. Schließlich gibt die Lage Heidelbergs, der wundersame Zusammenklang von Bergland, Flußtal und Ebene den idealen landschaftlichen Rahmen ab. „Käthchen" und „Götz" sind dazu geschichtlich eng verbunden mit der Heidelberger Gegend, ist doch das Neckartal historische Stätte dieser Geschehen: Heilbronn ist die Heimat Käthchens und Burg Hornberg war der Rittersitz Götzens von Berlichingen. Aus aller Auslandsjugend besucht Deutschland. Mit dem Hapag-Motorschiff „Orinoco" trafen etwa 160 Jungen und Mädel aus Spanien, Mexiko und Kuba im Hamburger Hafen ein. Die jungen Gäste sind auf Einladung der Reichsjugendführung zu einem längeren Aufenthalt nach Deutschland gekommen, um das Dritte Reich aus eigener Anschauung kennenzulernen. Es handelt sich um 80 reichsdeutsche Jungen aus Spanien, 25 mexikanische und 6 kubanische Gäste. An Bord des Schiffes befand sich ebenfalls ein Transport von 40 Jungen und Mädel, die durch Vermittlung der NSV. zum Erholungsaufenthalt hierher gekommen find. Im Auftrage der Reichsjugendführung wurden die Jungen und Mädel von Oberbannführer O e r tz e n begrüßt. Anschließend' hieß Pg". Z e b e r e r in Vertretung des Gauleiters Bohle die Auslandgäste auf deutschem Boden herzlich willkommen. Mit dem Gesang der nationalen Lieder fand die Begrüßungsfeier ihren Abschluß. Zugzusammensioß bei Melsungen. Am Donnerstagmorgen stießen auf der wegen Brückenbau eingleisig betriebenen Strecke zwischen Melsungen und Beiseförth ein Güterzug und ein Eilzug zusammen. Nach dem amtlichen Bericht der Reichsbahn hatte der Güterzug das Halt zeigende Signal überfahren. Etwa 20 Reisende des Eilzuges wurden, meist leicht, verletzt. Die Verletzten wurden an der Unfallstelle von Aerzten verbunden oder in das Krankenhaus Melsungen übergeführt. Die Hilfszüge von Kassel und Bebra, die sofort eintrafen, befinden sich an der Unfallstelle. Dom Güterzug sind einige Wagen entgleist und beschädigt. Welkreise eines holländischen U-Bootes. Das holländische Unterseeboot K18 ist telegraphischen Meldungen aus Batavia zufolge nach einer etwa neunmonatigen Rundreise durch fast alle Weltmeere in der niederländischen Marinebasis von Soerabaja eingetroffen. Die K 18, ein 850-Tonnen-Schiff, hat eine Besatzung von 35 Offizieren und Mannschaften. Die Weltreise der K18 wurde gleichzeitig wissenschaftlichen Zwecken, insbesondere Tiefseeuntersuchungen, dienstbar gemacht, wozu sich der Utrechter Professor Dr. Nening M e i n e ß an Bord begeben hatte. Erdbeben in Japan fordert 23 Todesopfer. Der Schisuoka-Bezirk, der 100 Meilen südwestlich von Tokio liegt, wurde von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Viele Gebäude sind eingestürzt. In der Stadt Schisuoka brach ein Brand aus, der jedoch sofort eingedämmt werden konnte. Auch in Tokio wurde ein leichtes Erdbeben verspürt, das keinen größeren Schaden anrichtete. Nach den bisher vorliegenden Meldungen hat das Erdbeben 23 Todesopfer gefordert. 53 Personen wurden verletzt. Rund 50 Häuser sind eingestürzt. In dein benachbarten Ort Schimisu wurde eine Person getötet. Die Zahl der Verletzten beträgt dort 55. Die Stadt Schisuoka, die 140 000 Einwohner fyat, ist ohne Licht, desgleichen der benachbarte Ort Schimisu. Ein starkes Polizeiaufgebot sowie ein Zerstörer sind unterwegs. Der Kaiser ordnete die Einleitung einer Hilfsaktion an. Die Einwohnerschaft einer ganzen Stadt im Hochwasser umgekommen. Den gewaltigen Ueberschwemmungen in der chinesischen Provinz Honan ist die Bevölkerung einer ganzen Stadt zum Opfer gefallen. Das Wasser durchbrach in der Nacht die Mauern der niedriggelegenen Stadt Penchi und überraschte die Bewohner im Schlaf. Innerhalb kurzer Zeit war das ganze Stadtgebiet überflutet. Nur die Türme der Stadtmauer und einige Telegraphenpfähle ragen zur Zeit aus dem Wasser hervor. Bis auf wenige hundert Personen ist die gesamte Einwohnerschaft in der Hochflut um gekommen. Die Verluste an Menschenleben im Flußgebiet des Panktse lassen sich zur Zeit noch nicht abschätzen. Man befurchtet, daß das Hochwasser allein in der Umgebung von Jtschang 500 Todesopfer gefordert hat. Verhaftung nannt worden. Der Angeklagte und seine Hinte» mannet wetteten jedoch auf dieses Pferd und vertauschten einige Tage vor dem Rennen mit Hilfe ausgeklügelter Mittel das schwache Pferd mit einem weit besseren. Die Rennleitung kam dem versuchten Betrug auf die Spur und. veranlaßte die Sicherstellung des betrügerisch untergeschobenen Rennpferdes. Auf diese Weise wurde die Gewinnabsicht der Betrüger vereitelt und eine Schädigung des wettenden Publikums vermieden. Der Angeklagte, der früher Jockey und in den letzten Jahren Trainer war, wurde bereits im Jahre 1932 wegen eines gemeingefährlichen Heiratsschwindlers. Nach eingehenden Ermittlungen konnte in Berlin ein Heiratsschwindler festgenommen werden, der seit dem Jahre *1925 durch Betrugsmanöoer zahllose Frauen um viele Tausende von Mark geschädigt hat. Es handelt sich um den 56jährigen Edwin Rosenberg, der sich unter dem Namen Neruda auch als Musikkritiker zu betätigen versucht hat. Die von ihm im Laufe der Zeit erschwindelten Beträge werden von dem Gauner selbst auf etwa eine halbe Million Mark geschätzt. Es ist aber anzunehmen, daß diese Summe noch weit höher sein dürfte. Oft gelang es ihm durch sein geschicktes Auftreten, schon am ersten Tage seine Opfer zur Hergabe größerer Geldbeträge zu bewegen, indem er vortäuschte, mit diesem Gelde durch sichere Börsenspekulationen Gewinne bis zu 50 v. H. erzielen zu können. Rosenberg führte ein Schlemmerleben und gab das Geld mit vollen Händen aus. Durch seine Ueberredungskunst verhinderte er sogar, daß die von ihm geschädigten Frauen Anzeige erstatteten. Er scheute sich auch nicht, kleineren Angestellten die letzten Sparpfennige, selbst wenn es nur 50 bis 100 Mark waren, aus der Tasche zu ziehen. Kurz vor seiner Festnahme hatte er bei einem Konzert im Westen Berlins eine Frau kennengelernt, der er schon am nächsten Tage mehrere tausend Mark entlockte. löjähriges Wädchen entführt. Wie die Amberger Volkszeitung aus Bruck in der Oberpfalz berichtet, ereignete sich zwischen den Ortschaften Bodenwöhr und Bruck eine Entführung. Als die 16jährige Margarete Wiendl mit ihrer Mutter zu der ihnen gehörenden Wiese ging, um Gras zu holen, hielt auf dem Wege vor ihnen plötzlich ein aus Bruck kommendes Auto, und ehe sich die erschreckte Mutter versah, rasten die Insassen des Autos mit ihrer Tochter wieder davon. Von den Entführern fehlt bisher jede Spur. Invalide von betrunkenen Zigeunern erschlagen. In einer der letzten Nächte wurde ein 60jähriger Invalide in Sterkrade- Buschhausen (Rheinprovinz) mit schweren Kopfverletzungen besinnungslos aufgefunden, denen er bald darauf erlag. Die Mordkommjssion stellte fest, daß der Invalide auf dem Heimweg von drei betrunkenen Zigeunerfrauen mit Stöcken niedergeschlagen worden ist. Die Zigeunerinnen ergriffen die Flucht, doch konnten sie noch in derselben Nacht aus ihren Wohnwagen heraus von der Polizei festgenommen werden. Ob der Tod des Invaliden infolge der durch die Stockschläge herbeiHeführten Verletzungen eingetreten ist, oder ob sonstige Einwirkungen den Tod herbeigeführt haben, steht noch nicht einwandfrei fest. Das vertauschte Rennpferd. — Ein ungewöhnlicher Vetrugsfall. Dor dem Berliner Landgericht begann ein Prozeß, in dem ein ungewöhnlicher Betrugs- fall zur Verhandlung steht. Angeklagt ist ein 39- jähriger Heinrich Ditsch, dem ein raffinier- ter Rennpferdtausch zur Last gelegt wird. Im vergangenen Jahre war für ein Rennen in Mülheim-Duisburg u. a. ein schwaches Pferd ge7Nit festem Griff warf der Führer das Steuer der Wirtschaft herum. Arbeit und Brot für Alle! Aufstieg heißt der Kurs. Dankt dem Führer durch Eintritt in die NSV. des Verdachts betrügerischer Handlungen von allen Rennen ausgeschlossen und von allen Rennbahnen verwiesen. Dabei wurde als erwiesen angesehen, daß Ditsch in mindestens drei Fällen Pferde vertauscht hatte. Erdstöße in Mittelchina. Heftige Erdstöße erschütterten den Bezirk Jue« anling in der Provinz Honan (Mittelchina) und verursachten einen Bergrutsch. 15 Menschen wurden von den Erdmassen begraben. Sämtliche Häuser eines Dorfes wurden vollkommen zerstört. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die zurzeit herrschende Wetterlage zeigt großS Beständigkeit. So stiegen am gestrigen Donnerstag die Temperaturen wieder allgemein über 30 Grad Celsius. Gleichzeitig kam es aber auch schon im Norden unseres Bezirkes stellenweise zu leichten Gewitterstörungen. Dann macht sich jetzt eine Aenderung der Wetterlage bemerkbar, indem sich das Hochdruckgebiet weiter ostwärts verlagert. Dabei wird zunächst das warme und schwüle Wetter andauern, aber auch gleichzeitig die Neigung zu Gewitterbildungen auftreten. Aussichten für Samstag: Zeitweise etwas wolkig, sehr warm bei schwacher Luftbewegung, weiterhin schwül, zunehmende Neigung zu Gewitter- bildung. Aussichten für Sonntag: Im ganzen Fortdauer des warmen und schwülen Wetters, verstärkte Gewittertätigkeit. Temperaturen am 11. Juli: mittags 31,1 Grad Celsius Grad, am 11. Juli: abends 22 Grad; am 12. Juli: morgens 19 Grad. Maximum 31,8 Grad, Minimum 15,7 Grad. — Erdtemperaturen am 11 Juli: abends 26,9 Grad, am 12. Juli: morgens 22,3 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 13*/- Stunden. — Niederschläge keine. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil i. 23.: H. L. Neuner. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 35: 10150. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. Ohne Gewähr Nachdruck verboten 4056 a 2. Ziehungstag 11. Juli 1935 4052 D [Verschiedenes | Empfehlungen*] o fA WeiBe Leinen-Kleidung, Lüster, Waschseide | Klasse der 45. 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Aber ruhig und rasch werden die kleinen farbigen Karten ausgegeben, aus denen Zuaark und Klasse, Abfahrtsort und Reiseziel mit Entfernung in Kilometern und Fahrpreis vermerkt ist. Das Fahrgeld ist nicht „ab- gezahlt bereitgehalten?" — 5, 7, 9, 10 Mark! „Der Nächste bitte!" * In den Jugendtagen der Eisenbahn, an die wir uns gerade in diesem Jahre besonders gern erinnern, da vor hundert Jahren die erste deutsche Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth eröffnet wurde, ging das alles nicht so einfach. Wenn heute die Bahnverwaltung streng genommen berechtigt ist, die Ausgabe von Karten für einen bestimmten Zug fünf Minuten vor seiner Abfahrt zu schließen, so mußte man sich in den ersten Jahrzehnten der Bahn Berlin—Potsdam und vieler anderer Strecken seine Fahrscheine sogar schon am Tage zuvor bestellen, damit sich das Ausfüllen, das Verbuchen des Fahrgeldes uff. sorgfältig und mit der nötigen Ruhe vollziehen konnte. Aehn- lich wie man's von der Postkutsche gewöhnt war, wurde ein ziemlich umständliches Schreiben auf- aesetzt, in welchem handschriftlich Abfahrt- und Zielstation, Wagenklasse und Fahrpreis, ja nicht selten der Name des Reisenden eingetragen wurde. Vielfach waren außerdem, vorgedruckt, die Beförderungsbedingungen in diesem „Frachtbrief" verzeichnet. Man war sich eben auf der Seite der Privatgesellschaften, welche die Bahn betrieb, wie auf her der Reisenden weit stärker als heute bewußt, daß hier ein wichtiger Vertrag abgeschlossen wurde, dessen einzelne Bedingungen möglichst klar festgelegt sein mußten. Heute sind die Bahnen Staatsoahnen und haben als solche ein Beförderungsmonopol; sie sind deshalb auch verpflichtet, jeden zu befördern, der eine Fahrkarte kauft, sofern er nicht eine ansteckende Krankheit hat, geistig umnachtet oder so schwer betrunken ist, daß eine Belästigung oder Gefährdung der Mitreisenden befürchtet werden muß. Der Charakter des Fahrkartenverkaufs als eines freien Vertrages kommt daher nicht mehr so zum Ausdruck. Dabei verpflichtet sich die Bahn mit Entgegennahme des Fahrgeldes, den Karteninhaber an das auf der Karte vermerkte Reiseziel zu bringen, soweit nicht höhere Gewalt, z. B. Naturkatastrophen dies verhindern; in diesem Fall ist aber die Bahn gehalten, den Fahrpreis für den nicht zurückgelegten Teil der Strecke zurückzu« zahlen. Und während die Bahn keine Gewähr für Anschlüsse gibt, da eine Zugverspätung immer im Bereich der Möglichkeit liegt, muß sie doch einen Reisenden kostenlos zurückbefördern, wenn dieser bei Derpassung eines Anschlusses durch Schuld der Bahn die ganze Reise für zwecklos hält und ohne Fahrtunterbrechung mit dem nächsten günstigen Zug zur Ausgangsstation zurückkehrt. Schadenersatz dagegen, z.B. für entgangenen Gewinn, den ein Kaufmann durch Zugverspätung oder aus Ausfallen eines Zuges einbüßt, braucht sie nicht zu leisten. Diese und viele andre Bedingungen, die sich aus den Beförderungsbestimmungen bzw. aus der Rechtsprechung ergeben, sind alle in dem kleinen Handelsakt einbegriffen, wenn der Herr Schmidt an den Schalter geht: „Bitte eine Karte Dritter nach Breslau!" Und er selbst verpflichtet sich zugleich, die Verkehrsvorschriften der Bahn genau zu halten, — auch wenn er sie leichtsinnigerweise am Bahnhofsaushang nicht durchgelesen hat, — und „den Weisungen des Fahr- Personals Folge zu leisten". Freilich auf den Fahrkarten steht davon heute nur selten etwas. Seit Edmonson in den sechziger Jahren an Stelle der weitläufigen und zeitraubenden Fahrscheine die „Papptäfelchen" mit ihrem knappen Wort- und Zahlenaufdruck einführte, betrachtet sie der Fahrgast meist nur noch als Ausweis für seine Fahrberechtigung, höchstens als eine Art Gutschein. ♦ Edmonsons Erfindung der Fahrkarte ermöglichte es zunächst, selbst bei der wechselnden Zahl der möglichen Zielstationen eine so große Menge fertiger Fahrtanweisungen vorrätig zu halten, daß die verschiedensten Wünsche auch bei starkem Andrang rasch befriedigt werden konnten. Aus dem Fahrkartenschrank mit unzähligen Stapelfächern zog der Schalterbeamte einfach das Gewünschte heraus. Für sehr kompliziert zusammengesetzte Strecken behalf man sich freilich noch lange mit den ausgeschriebenen Scheinen und für Rundreisen u. ä. kauft man beim Reisebüro auch jetzt noch meist ein „F a h r s ch e i n h e s t". Dem laufenden Betrieb ist aber bekanntlich der Kartenschrank schon lange nicht mehr gewachsen. Wenn an „Großkampftagen" alle Schalter geöffnet sein müssen, um in der Stunde je bis zu 4 0 0 Fahrkarten — neben Auskunftserteilung und sorgfältiger Geldabrechnung — auszugeben, kann der Beamte nicht lange im Kartenschrank Herumsuchen. Beim sogenannten „Stoßverkehr" oder auf der Berliner Stadt- und Ringbahn werden oft sogar an 600 pro Stunde bewältigt; in einem Jahr wurden hier allein 230 Millionen Fahrkarten verbraucht. Da Hilst nur der Fahrkartendrucker! Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die ältesten Arzeneistoffe die Pflanzen gewesen sind. Der kranke Naturmensch suchte nach Heilmitteln und fand diese ob durch Zufall oder den Naturtrieb der Tiere nachahmend bei gewissen Kräutern. Mit der zunehmenden Zahl der Krankheiten wuchs in weit stärkerem Maße der Glaube an die Kräuterheilkraft, so daß es bald dahin kam, daß fast jede auffällige Pflanze als heilkräftig angesehen wurde. In dicken „Kräuterbüchern" aus dem 16. und 17. Jahrhundert finden wir diese Pflanzen und ihre Verwendung als Heilmittel eingehend beschrieben. Diese Kräuterheilkunde erreichte ihren Höhepunkt nach der Entdeckung Amerikas, wodurch zahlreiche neue Heilpflanzen eingeführt wurden. Wenn man auch heute weiß, daß der Aberglaube fast tausend von ihnen wunderbare Kräfte andichtet, so steht doch fest, daß gewisse Kräutersäfte bei manchen Krankheiten einen sichtbaren Erfolg herbeiführen. Ein Teil der heilsamen Stoffe, die man früher nur aus Pflanzen gewann, werden heule auf chemischem Dege erzeugt. Immerhin werden im „Arzneibuch für das Deutsche Reich" noch etwa hundert Kräuter als gebräuchlich aufgezählt. Dazu gehören auch die meisten einheimischen Giftpflanzen, die nur in der Hand des Arztes wichtige Heilmittel sind. i Hier sollen uns vornehmlich die Arzneipflanzen ! beschäftigen, die noch überall als Hausmittel Verwendung finden. Es gibt wohl keine ländliche Wer neugierig durch das Schalterfenster blickt, während der Beamte die gewünschte Fahrkarte holt, sieht einen langen, schmalen Tisch, auf dem sich eine sechseckige „Trommel" dreht, auf der bis zu 2 5 0 0 Zielstationen verzeichnet sind. Der Beamte rückt einen Zeiger auf den gewünschten Ort, drückt auf einen Knopf und eine frisch bedruckte Fahrkarte fällt aus dem Apparat, die alle notwendigen Angaben enthält. Es ist freilich ein recht komplizierter Mechanismus, der das leistet, eine vollständige kleine Druckerei. In dem Tisch verborgen ruhen 2500 Druckstöcke. Schiebt der Beamte nun den Zeiger und dreht die Trommel mit den Bahnhofsnamen, so wird das betreffende Metallplättchen durch Zahnräder hinaufbefördert in den „Druckschlitten", dem von einer anderen Seite automatisch ein Pappband zugeführt wird. Während die Karte gedruckt und abgeschnitten wird, druckt ein anderer Teil der Druckplatte noch genaue Angaben auf einen zweiten Streifen, der als Kontrolle für den Beamten dient und zugleich eine wichtige Unterlage für Verrechnung mit fremden Bahnverwaltungen ist, für deren Beförderungsmittel der Reisende schon auf der Heimatstation das Nutzungsrecht erwirbt. Außerdem werden automatisch die Preise addiert, um die zeitraubende Arbeit des Nachrechnens zu ersparen. Mit dem Auswerfen der Karte wird dann auch die Druckplatte wieder an ihren Platz zurückbefördert. Neben diesen Fahrkartendruckern gibt es noch Kleindrucker, wie sie jeder auf Stadt- und Untergrundbahnen sehen kann. Hier ist nur eine Druckwalze nötig; denn das Verkehrssystem ist so vereinfacht, daß man mit zwei oder höchstens drei Kartentypen für das ganze Verkehrsnetz auskammt. Immerhin sind auch sie noch komplizierte Apparate, da nicht -selten z. B. die Abfahrt-Stunden automatisch wechselnd verzeichnet werden müssen. — Eine Kurbeldrehung, ein Hebeldruck — Fahrkarte um Fahrkarte wandert über den Schaltertisch, um für Minuten oder für wenige Stunden die Rolle eines wichtigen Wert- papieres zu spielen. Sind sie nach Beendigung der Fahrt an der Sperre abgegeben und nochmals gebucht worden, dann haben diese kleine Karten ihren Wert verloren, die doch Beförderungsverträge waren, „öffentliche Urkunden" im Sinne des Gesetzes — freilich heute Urkunden am laufenden Band. Hausfrau, die nicht alljährlich „Tee" sammelt, sowohl für die Lieben der Familie, als auch für die Haustiere. Leider muß festgestellt werden, daß die Jungen dieser Fürsorge des öfteren achselzuckend gegenüberstehen und oft noch ein Stück Aberglauben darin erblicken. Viel zu wenig ist auch bekannt, daß unfern Heilkräutern eine vorbeugende Heilkraft innewohnt. Dabei sei an die von Kneipp empfohlene Frühlingskräuterkur erinnert, die darin besteht, daß man dem Körper den Saft gewisser Frühlingskräuter zuführt. Mir sind heute noch ländliche Haushaltungen bekannt, die jahrein, jahraus selbstgesammelten Tee trinken und dabei über mangelnde Gesundheit nicht zu klagen haben. Zu den bekanntesten Heilpflanzen zählt die echte Kamille. Tee, aus den getrockneten Blütenköpfen hergestellt, wirkt schweißtreibend und beruhigend und findet bei Erkältungen, Leibschmerzen und Blutandrang nach dem Kopfe vielfach Verwendung. Vielfach wird der Fehler begangen, den Tee äu kochen anstatt nur zu überbrühen. Erwärmte Blüten in Kissen — landläufig Kamillesäckchen genannt — auf Geschwüre und Entzündungen aufgelegt, wirken zerteilend und erweichend. Sie leisten auch vorzügliche Dienste gegen Zahnschmerzen. Die Linde liefert in der gelblichen Doldentraube den köstlichsten und gewürzhaft schmeckendsten Tee. Er hat schweißtreibende, krampfstillende Wirkung und man Jetzt einheimische Heil- und Teekräuter sammeln! Unsterblichkeit auf Packpapier Von Erich Grisar Von allen Künsten ist keine so wenig vorn Material abhängig wie die Dichtkunst. Der Bildhauer braucht, um seine Ideen Wirklichkeit werden zu lassen, nicht nur Stein und Ton, er braucht auch besondere Werkzeuge, um fein Material zu bearbeiten. Der Maler braucht Leinwand und Farbe, der Tonkünstler braucht zumindest ein Instrument, um seine Kompositionen durchzuspielen und der Architekt, der auf die Nachwelt kommen will, muß die Möglichkeit haben, eine halbe Stadt oder doch eine Anzahl ihrer größten Gebäude neu zu errichten. Der Dichter braucht nichts von alledem. Ein Stück Papier und ein Bleistift genügen ihm, um unvergängliche Werte zu schaffen. Nicht einmal auf die Qualität seines Schreibgerätes kommt es an. So soll Goethe das unvergleichlich schöne Gedicht „lieber allen Gipfeln ist Ruh'" mit dem Diamant seines Fingerringes in die Fensterscheibe des Jagdhauses auf dem Kickeihahn eingekratzt haben. Mag diese Art, ein Gedicht niederzuschreiben, bei Goethe eine Ausnahme gewesen sein, es gibt genug Beispiele dafür, daß andere Dichter dem Material, das sie für die Niederschrift ihrer Werke benutzten, wenig Wert beigemessen haben. So hat Peter Hille viele seiner Gedichte und Aphorismen auf den Rand alter Zeitungen geschrieben. Und selbst, wenn er richtiges Schreibpapier nahm, schrieb er so oft kreuz und quer über dasselbe Blatt, daß es schwer ist, sich in seinen hinterlassenen Handschriften zurechtzufinden. Wilhelm Raabe hat seinen berühmten Roman „Die Chronik der Sperlingsgasse" auf dem gelben Papier, mit dem die Zigarrenkisten ausgelegt werden, begonnen. In neuerer Zeit hat ein Pariser Schriftsteller, der einen Roman über die Obdachlosen unter den Seinekais schrieb, ganze Teile dieses Romans an Ort und Stelle auf feine Manschetten geschrieben, ein Beweis, wie wenig der Schriftsteller von dem Material, das ihm aur Niederschrift lei ne r Gedanken zur Verfügung steht, abhängig ist. Allein der Geist des Dichters, sein Sprachgefühl ist es, das aus einem unbeachteten Stück Papier ein Manuskript von hohem Werte macht. Aber das hindert die Menschen nicht, in den Manuskripten des Dichters sehr oft nichts als wertloses Papier zu sehen, das sich im besten Falle zum Einwickeln von Käse benutzen läßt. Das ift fein Scherz, obwohl er von den Witzblättern oft gemacht wird; denn es ist oft genug passiert, daß wertvolle Manuskripte verkannt und als Packpapier benutzt worden sind. So ist es mit den Handschriften und Briefen Balzacs geschehen. Als die stark verschuldete Witwe des berühmten Romandichters starb, stürmten die Gläubiger das Haus der Verstorbenen, um sich alles, was ihnen wertvoll erschien, anzueignen. Die voroefundenen Handschriften und Briefe jedoch warfen sie durchs Fenster auf die Straße, van wo benachbarte Krämer sie auflasen und später als Einwickelpapier benutzten. Ein bekannter Autographensammler fand Reste dieses Nachlasses später in der ganzen Nachbarschaft verstreut. Es ist jedoch auch schon einmal geschehen, daß ein Manuskript gerade dadurch der Nachwelt erhalten wurde, weil es zum Einwickeln benutzt wurde. So ist es dem Dichter Eichendorff passiert, der untröstlich war, als ihm der Wind eines Tages ein Stück Papier, auf das er soeben das später unsterblich gewordene Gedicht „In einem kühlen Grunde" niedergeschrieben hatte, durch das Fenster entführte. Das Gedicht war für das Blatt feines Freundes Justinus Kerner bestimmt. Und eben zu diesem Freunde kommt am nächsten Tage ein Händler, der ihm ein Bündel Tabak verkaufte, das mit einem Blatt Papier umwickelt war, das sich beim Oeffnen des Paketes als die verlorene Niederschrift des Gedichtes „In einem kühlen Grunde" herausftellte, das auf diese Weise gerettet worden ist. Eine Geschichte, die Victor Hugo passiert ist, mag diesen Kranz von Geschichten um berühmte Manuskripte beschließen. Victor Hugo ließ sich eines Tages wie gewöhnlich rasieren. Der Friseur wollte den Dichter soeben einseifen, als Hugo sagte: Einen Augenblick. Er nahm einen Bleistift aus der Tasche und ergriff einen Bogen, der vor ihm auf dem Tische lag. Auf diesen Bogen schrieb er mit flüchtiger Hand ein paar Verse, die ihm soeben eingefallen waren. Der Friseur wurde ungeduldig und mahnte schließlich: Entschuldigen Sie, ich habe es heute sehr eilig. Ich auch, erwiderte Hugo und oer- schwand, ohne sich rasieren zu lassen. Als der Dichter fort war, vermißte der Friseur das Verzeichnis der Damen, die er an diesem Tage in der Wohnung frisieren sollte. Hugo hatte es mitgenommen. Da dem Friseur von den dreißig Namen, die auf diesem Blatte standen, nur etwa fünfzehn wieder einfielen, verlor er durch diesen Vorfall, der die Weltliteratur um ein Gedicht bereicherte, die Hälfte seiner Kunden. i „Liebe dumme Mama " lieber dieses Lustspiel der Bavaria wären an sich nicht mehr Worte zu verlieren als über zahlreiche andere sommerliche Lustspiele. Das Motiv ist nicht neu und wird auch kaum auf originellere Weise serviert, als man das früher in ähnlichen Fällen getan hat. Bemerkenswert ift dagegen die überdurchschnittlich gute Besetzung der beiden weiblichen Hauptrollen. Die Mama, lieb und dumm und heiratslustig und eigentlich schon ein bißchen zu alt für bas unbekümmerte Witwenleben, das sie führt — das ist die Konstantin. Wir hatten neulich schon Gelegenheit, es festzustellen und möchten es heute wiederholen: sie ist die scharmanteste Salondame, die wir eben in Deutschland haben, und wenn sie, wie hier, ins mütterliche Fach hinüberwechselt, dann geschieht das auf eine überaus liebenswürdige Weise. Die entscheidende Szene der Aussprache zwischen Mutter und Tochter ist ein schauspielerisches Kabinettstück und der Gewinn dieses Films. Die Tochter ist Luise Ullrich. Sie ist in der jungen Generation der deutschen Schauspielerinnen zweifellos eine der allerbegabteften, und ihre große Leistung in der „Regine" ist uns noch unvergeßlich. Zwar kann sie sich hier nicht so entfalten wie damals, aber ihre natürliche Anmut, ihre jugendliche Frische und ihr gesunder Sinn für Humor geben dieser Lustspielfigur eine menschliche Folie, für die man dankbar fein muß. Außerdem zeigt der Film zwei unserer besten Bonvivants: Waldau von der alten Garde und Thimig von den Jüngeren; und zwei der populärsten Komiker: Lingen und abermals Thimig. Von den übrigen Henckels und Wernicke, die aber beide fast nichts zu spielen haben. — Der Film läuft feit gestern im Lichtspielhaus; im Beiprogramm: ein Schwank, ein Kulturfilm, die Wochenschau und ein Vorspann zu „Freut Euch des Lebens." —r— Alles für den Fußball. Bei jedem Fußballspiel in Wimbledon in England war der kleine Thomas Bedford unter den sachverständigen Zuschauern. Dazu brauchte er keine Eintrittskarte; er kannte die Umzäunung des Spielplatzes ganz genau und fand immer ein Schlupfloch, durch das er sich hineinschmuggeln konnte. Als er größer wurde, gab es dabei allerdings Schwierigkeiten, aber Thomas wußte sich zu helfen. Er übernahm das Amt eines Schokoladenverkäufers auf dem Spielplatz und konnte nunmehr sogar vor den Reihen der bestzahlenden Zuschauer auf und ab erzielt bei Schnupfen, Husten und Verschleimung der Lungen mit ihm immer eine sichtbare Erleichterung. Durch Zusatz von Schafgarbe oder Kamille wird die Heilkraft verstärkt, und Versüßen mit echtem deutschem Bienenhonig erhöht die schleimlösende Wirkung. Sowohl die kleinblättrige Winter- wie auch die großblättrige Sommerlinde waren unseren heidnischen Vorfahren heilig. Ein allgemein bekannter, aber noch mehr verkannter Strauch ist der Holunder. Ueberall ist er im Wege, und Junge und Alte schneiden und zerschneiden ihn. Wohl nirgends hat er Anspruch auf Pflege und Wartung. Dabei ist dieser Allerweltsstrauch Wildstrauch und Heilpflanze zugleich. Kenner sammeln seine duftigen Blüten und bereiten daraus einen Tee (ein Teelöffel auf eine Tasse), der blutreinigend, schweißtreibend und gelinde abführend wirkt. Aus den dunkelschwarz glänzenden Beeren, die uns im Herbst alljährlich in reichem Segen aus dem saftiggrünen Laub entgegenleuchten, läßt sich Saft, Gelee und Mus bereiten. Auch dient der dunkle Saft zum Färben des wafferhellen Birnweins. Nicht genügend gewürdigt wird die Schafgarbe. Wohl sammelt sie der Bauersmann zum Heiltrank fürs Rindvieh. Gute Dienste aber leistet sie auch im Haushalt. Ein Tee aus Kraut und Blüten, mit Johanniskraut gemischt, löst den verstocktesten Schnupfen und erzielt bei Grippe immer Besserung. Daß sie so wenig als Arzneipflanze eingeführt ist, mag daran liegen, daß der Tee herb und bitter schmeckt. Reichlicher Zusatz von echtem deutschen Bienenhonig erhöht nicht nur die Heilkraft, sondern macht den Tee auch mundgerechter. Der Baldrian wächst überall an Gräben, Ufern, in Gebüsch und blüht von Mai bis August in rötlichen Trugdolden. Die Wurzel wird nach der Blüte gesammelt. Aus ihr bereitet man in getrocknetem Zustande einen krampf- und schmerzstillenden Tee. Badriantropfen, vier bis fünf jedesmal auf Zucker genommen, find bei nervöser Magenverstimmung und Magenkrampf von guter Wirkung. Wir haben bis jetzt eine Auswahl der wichtigsten Heilpflanzen getroffen. Es sollen nun solche folgen, die sich der Gartenfreund selbst anbauen kann, und die in vielen Gärten bereits als Gewürzkräuter anzutreffen sind. Jedermann bekannt ist die Anispflanze, aus deren Blüten heute noch stillenden Müttern Tee bereitet wird zur Förderung vermehrter Milchabsonderung. Der Garlensalbei, ein Lippenblütler, hat in seinen Blättern und jungen Trieben Säfte, die heilend bei Durchfall wirken, und in Wein gekocht heilsam bei Leber- und Nierenleiden sind. Weiterhin sind noch Majoran, Thymian, Rosmarin und Ringelblume zu nennen, die alle als Hausmittel Verwendung finden. Wer Gartenpflanzen zu heilkräftigem Tee verwenden will, dünge möglichst wenig mit Pfuhl, aber reichlich mit Kalk und Phosphorsäure. Nun noch ein Wort über das Sammeln und Trocknen. Gewiß kann man alle Teekräuter käuflich haben, aber es empfiehlt sich, diese selbst zu sammeln. Man hat dann die Gewißheit, frische Ware zu haben und kann immerhin auch ein schönes Stück Geld sparen. Man wähle nur gesunde Pflanzen aus und schneide sie ab, um den Wurzelstock zu schonen. Das Trocknen der Pflanzen soll sachgemäß erfolgen, damit die Güte der Kräuter keinen Schaden erleidet. Niemals setze man sie den Sonnenstrahlen dabei unmittelbar aus, weil sonst die heilkräftigen Stoffe zum Teil flüchtig gehen. Man breite die Heilpflanzen an einem schattigen, der Zugluft zu- gängigen Orte aus und wende sie mehrmals. Je langsamer sie trocknen, um so gewürzreicher bleiben sie. Die Aufbewahrung erfolgt am besten in gut schließenden Schachteln ober Blechbüchsen. B. W. gehen, wobei er seine Aufmerksamkeit mit größtem Geschick zwischen den kauflustigen Kunden und den Spielern auf dem Feld teilte. Er kannte jede Fuß- ballgröhe, ihre Fähigkeiten und Eigenarten und begleitete jeden feiner Lieblinge auf dem Spielfeld mit besorgten Blicken. Wenn die Mannschaft Spiele auf einem anderen Feld austrug, mußte Thomas allerdings wieder zu den Liften und Tücken feiner Knabenjahre zurückkehren, aber er scheute keine Mühe und rühmte^sich stolz, bei jedem Spiel der Mannschaft im Verlauf der letzten fünf Jahre — er war inzwischen siebzehn geworden — zugegen gewesen zu fein. Durfte diese lebendige Chronik der Wimbledon-Mannschaft beim Schlußkampf um einen Ehrenpokal fehlen, der in Middlesbrough ausgetragen werden sollte? Thomas war sich sofort klar, daß er auch diesmal wachsamen Auges seine Spieler begleiten müsse. Mit der Schokoladenkiste ging dies allerdings nicht, und ehe er sich ein Schlupfloch im Zaun suchen konnte, mußte er erst den Weg nach Middlesbrough zurückgelegt haben, und das waren nach der Karte gute vierhundert Kilometer. Aber Thomas wußte sich zu helfen. Er schlich sich in die Garage eines Klubmitgliedes, von dem er wußte, daß es andern Tags zu dem Spiel fahren werde, und als die Autofahrt begann, log Thomas unter einer Gepäckdecke auf dem Doch versteckt. Aber die Nacht war regnerisch und kühl, und noch zweieinhalb Stunden mußte Thomas aufgeben. Er beugte sich vor und klopfte zaghaft an die Scheiben des Wagens, was die Insassen in nicht geringen Schrecken versetzte. Sie hielten an und erbarmten sich des armen Burschen. Im Wagen fuhr er nun schlafend dem großen Ereignis entgegen. Aber bei der Ankunft stellte er fest, daß der Spielplatz viel besser gegen Schwarzzuschauer gesichert war als der heimatliche und daß es nicht einmal einem winzigen Bübchen gelungen wäre, sich hier einzuschmuggeln. So mußte Thomas auf andere Mittel sinnen. Wenn er fo treu zu feiner Mannschaft hielt, konnte diese auch einmal etwas für ihn tun! Er ermittelte das Hotel feiner Landsleute, rief dort an und schilderte ihnen seine Lage. Die Wimbledoner waren hoch erfreut, den Schokol.aden- Verkäufer am Spielort zu wissen; sie kannten ihn olle und hotten schon manchesmal über ihn gelächelt. Sie begrüßten ihn, bewirteten ihn auf- beste, und dann erhielt er eine Freikarte auf der Ehrentribüne. So stolz war Thomas Bedford noch nie gewesen, und es war nicht verwunderlich, datz an diesem Tage „seine" Mannschaft einen glänzenden Sieg im Schlußspiel dovontrug. Bei der Rückfahrt, zu der ihn seine Heimatmannschaft einlud, durfte Thomas sogar die Siegestrophäe tragen. Wirtschaft eroff- Daten für den 13. Juli. 1816: mit 192,75 (191). Der Rentenmarkt Mein-Mainische Börse. Tendenz: uneinheitlich. stellen waren. Am A k t i e n m a r k t eröffneten IG. Farben mit 153,90 (152,75), Scheideanstalt und Deutsche Erdöl blieben behauptet, dagegen kamen Goldschmidt gegen den gestrigen Mittagskurs um 3,25 p. S). niedriger zur Notiz. Elektroaktien notierten überwiegend noch schwächer, so büßten Licht und Kraft erneut 2 v. H., Elektr. Lieferungen und Siemens je 1,50 v. H. ein. AEG. und Schuckert lagen auf dem ermäßigten Stand gut gehalten. Montanwerte lagen sehr ruhig. Harpener waren um 1 v. H., Hoesch und Stahlverein um je 0,25 v. 5). erholt, dagegen gingen Mannesmann noch 0,75 v. H., Buderus 0,25 v. H. und Rheinstahl 0,13 v. S). zurück. Angebot bestand aber noch in Schiffahrtsaktien, von denen Nordd. Lloyd 1 v. H. und Hapag 0,40 v. H. verloren, auch AG. für Verkehrswesen ließen 0,75 v. H. nach. Schwächer tendierten außerdem Zellstoff Waldhof mit 121,25 (123), AKU. mit 65,75 (66,75), Daimler mit 96,65 (97,65). Fester lagen Reichsbank manns auf Bismarck in Kissingen; — 1889: Der österreichische Dichter Robert Hamerling in Graz qest. (geb. 1830); — 1896: Der Chemiker Friedrich August Kekul6 v. Stradonitz in Bonn gest. (geb. 1829); — 1915: (bis 26. August) Die Narew-Bobr- Schlacht. blieb verhältnismäßig Preußen. Tödlich verlaufener Derkehrsunfall. Lpd. Marburg, 11. Juli. Am Stadteingang nach Kirchhain wollte am Donnerstagvormittag ein Autofahrer aus Westfalen, der aus Richtung Marburg kam, einem aus einer Seitenstraße hervorkommenden Fuhrwerk ausweichen. Infolge des starken Bremsens überschlug sich das Auto und wurde zertrümmert. Der Autofahrer trug so schwere. B e r l e tz u n g e n davon, daß er kurz nach seiner Einlieferung in die Marburger Klinik v e rst arb. ^»16 Verkehrsunfälle in einem Monat. 6 Todesopfer. Lpd. Frankfurt a. M., 11. Juli. Im Monat Juni ereigneten sich in Frankfurt a. M. 216 Verkehrsunfälle. Beteiligt waren 204 Kraftwagen, 60 Krafträder, 96 Fahrräder, 26 Fußgänger. Verletzt wurden 150, getötet 6 Personen. Sachschaden entstand in 116 Fällen. Kreis Wetzlar * Wetzlar, 11. Juli. Auf vielfachen Wunsch verlängerte der Landrat die Sommerferien und verkürzte die Herbstferien um je eine Woche für die Volksschulen in den Landgemeinden des Kreises Wetzlar. Ferien sind also wie folgt: Letzter Schultag vor den Sommerferien: 20. Juli 1935; erster Schultag nach den Sommerferien: 19. August 1935. _____ Der Schriftsteller Gustav Freytag in Schlesien geb. (1889 gest.); — 1825: Der Kunsthistoriker Anton Springer in Prag geb. (gest. 1891); — 1870: Unterredung König Wilhelms I. mit Benedetti in Ems; — 1874: Attentat Kul- nehmer Tagung ist für Lehrer und Lehrerinnen offen. Die vorige Tagung zeigte, daß viele Teilnehmer ihre Instrumente nicht mitbrachten, weil sie ihre Fertigkeit für unzulänglich hielten. Es wird deshalb gebeten, etwa vorhandene Streich- und Blasinstrumente unbedingt mitzubringen. Die Fertigkeit zum einfachen Volksliedspiel genügt vollkom- men, um Mitarbeiten zu können. Die Kosten für die drei Tage (Anreise Mittwochabend) werden je Teilnehmer 4 Mark betragen. Anmeldungen sind zu richten bis 18. September an Landschafts - bund „Volkstum und Heimat", Darmstadt, Neckarstraße 3. An die zugelassenen Teil- ergeht rechtzeitige Benachrichtigung. Die 42 (9), Schweine 450 (325). Notiert vmrtzen pro ein Zentner Lebendgewicht in Mark: Kälber a) 59 bis 62 (am 4. Juli 57 bis 60), b) 53 bis 58 (50 bis 56), c) 44 bis 52 (40 bis 49), d) 32 bis 43 (30 bis 39). Lämmer und Härnrnel b2) Weidemast 36 bis 38 (am 8. Juli 36 bis 38), c) mittlere Mastlammer 32 bis 34 (—). Schafe e) beste 32 bis 35 (am 27. Juni 32 bis 35), t) mittlere 26 bis 30 (28 bis 31). Schweine al) 52 bis 53 (am 4. Juli 48 bis 50), a2) 52 bis 53 (48 bis 50), b) 52 bis 53 (48 bis 51), c) 51 bis 53 (47 bis 51), d) 50 bis 53 (44 bis 50). Sauen gl) 49 bis 52 (45 bis 47). Marktverlauf: Kälber rege, ausverkauft. Härnrnel und Schafe mittelmäßig, ausverkauft. Schweine lebhaft, ausverkauft. * Der Reben st and im Juni 1935. Infolge des vorwiegend warmen Juniwetters haben sich die Rebstöcke recht günstig entwickelt. Im Vergleich zum Vormonat ist in allen deutschen Weinbaugebieten teilweise eine recht erhebliche Aufbesserung der Begutachtungsziffern zu erkennen. * Güterwagen st ellung bei der Reichsbahn. In der Woche vom 23. Juni bis 29. Juni (58/io Arbeitstage) sind 743 032 Güterwagen gestellt worden. Nicht rechtzeitig gestellt wurden 615 Güterwagen. * D i e Roheisengewinnung im Deutschen Reich betrug im Juni 1935 (30 Arbeitstage) 979 386 Tonnen gegen 1 001 308 Tonnen im Mai 1935 (31 Arbeitstage). Arbeitstäglich wurden im Juni 1935 durchschnittlich 32 646 Tonnen er- blasen gegen 32 300 Tonnen im Mai 1935. ♦ Nassauische Landesbank, Wiesbaden. Das Institut berichtet für 1934 über einen Aufstieg in fast allen Abteilungen. Dies kommt besonders bei der Entwicklung des Spargeschäftes zum Ausdruck, die Spareinlagen stiegen von 116,13 Mill. Mark Ende 1933 auf 143,40 Mill. Mark. Der tatsächliche Einlagenzuwachs betrug 15,7 (9,8) Mill. Mark, wozu noch die i. V. besonders aufgeführten aufgewerteten Spareinlagen kommen. 1,34 (1,31) Mill. Mark sind inzwischen an die Aufwertungsgläubiger ausbezahlt worden, so daß die Aufwertungsguthaben auf 11,61 (12,55) Mill. Mark zurückgingen. 1934 war der Rückfluß der ausgeliehenen Kredite wieder stärker als die Neuausleihungen, so daß der gesamte Einlagenzuwachs einer Verbesserung der Liquidität zugutekam. Wenn auch die Rentabilität erhalten werden konnte, so hätten doch eine Reihe von Umständen die Erreichung dieses Zieles erschwert. Das Klein- kreditgeschäft "wirke sich in wachsendem Maße belastend aus. Auch die Hereinholung der Außenstände belaste die Abschlußrechnung. Im Hypothekengeschäft könne man erfreulicherweise feststellen, daß bei neueren Hypotheken kaum Rückstände aufgelaufen seien, die Zinszahlung für die alten Hypotheken habe sich dagegen noch nicht wesentlich gebessert. Für das Hypothekenneugeschäft wurden über 5,53 Mill. Mark in 2475 Darlehensfällen zur Verfügung gestellt. Die Ertragsrechnung ist diesmal im Gegensatz zum Vorjahre aufgegliedert. 1933 erschien auf der einen Seite der Zinsen- und Provisionsüberschuß mit 4,12 Mill. Mark, auf der anderen Seite in einem Posten Abschreibungen, Derwaltungskosten und Wertberichtigungen mit 4,11 Mill. Mark. Diesmal werden 7,38 Mill. Mark Zinseinnahmen aus Obligationen und Darlehen der Bank ausgewiesen, denen 6,36 Mill. Mark Zinsausgaben gegenüberstehen. Es verbleibt für 1934 ein kleiner Ueberschuß von 1931 (4828) Mark, der sich um den Vortrag auf 33 495 (31 563) Mark erhöht. Zweite Echulmusiktagung für Lehrer im Sau Hessen-Nassau. Der NS. - Lehrerbund Gau Hessen- Nassau teilt mit: Nachdem die erste Schulmusiktagung, die der Landschaftsbund „Volkstum und Heimat" in Der- bindung mit dem NS.-Lehrerbund auf der Zitadelle in Mainz durchführte, gezeigt hat, daß in der Lehrerschaft starkes Bedürfnis nach Anregungen für den Gesang- und Musikunterricht besteht, soll in der Zeit vom 26. bis 28. September 1935 einschließlich eine zweite derartige Tagung durchgeführt werden. Die Arbeit wird auch diesmal unter dem Thema „Kindesgemähe Wege in die Musik" stehen und besonders auch einfache Schulverhältnisse berücksichtigen. Es sei ausdrücklich darauf hingewie- sen, daß es sich nicht um eine Veranstaltung Han- bett, die sich nur an musikalisch besonders Geschulte wendet. Vielmehr sind gerade auch die musikalisch nicht sehr weit geschulten Lehrkräfte zur Teilnahme aufgefor- d e r t. Kindesgemähe Wege in die Musik muß jeder kennen, der Singstunden erteilt. Der erste Lehrgang bewies, daß das Suchen nach solchen Wegen in singender Gemeinschaft zu einem außerordentlich freudvollen und fruchtbaren Erlebnis wird. Folgender Arbeitsplan ist vorgesehen: Klärung und Erfassung des Tonraumes, musikalisches Lesen- und Schreibenlernen, das Instrument in der Schulmusik, Melodielehre, chorische Stimmbildung, Liedgestaltung. Oie Lndustne- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 966: Zahlungsverkehr mit den Niederlanden (Lohn- Veredelungsverkehr, Nebenkosten, ASKI). 967: Die Bezahlung von Gefchäftsreifekosten über Verrechnungsabkommen. 968: Reichsgesetzliche Regelung der Sonderveran- ftaltungen im Einzelhandel. Oie Bewertung des Vermögens von Genossenschaften nach dem Stand vom 1. Januar. Der Reichsminister der Finanzen hat am 5. Juli 1935 folgende Verordnung über bre Bewertung des Vermögens von Genossenschaften nach dem Stand vom 1. Januar 1935 erlassen, die im Reichsgesetzblatt I Nr. 74 vom 10. Juli 1935 veröffentlicht ist: Auf Grund des § 12 der Reichsabgabenordnung in der Fassung des Steueranpassungsgesetzes vom 16. Oktober 1934 wird hierdurch verordnet: § 1: Zur Ermittlung des Einheitswertes des gewerblichen Betriebes sind vom Rohvermögen außer den im § 62 Absatz 1 des Reichsbewertungsgesetzes bezeichneten Schulden abzuziehen: 1. bei Erwerbsund Wirtschaftsaenossenschaften die Geschästsgut- haben der Genossen, 2. bei den in ihrer Hauptbestimmung als Zentrale der Genossenschaften wirkenden Gesellschaften mit beschränkter Haftung das Stammkapital, 3. bei den Revisions- und ähnlichen Hauptverbänden das Verbandsoermögen. § 2: Die Bestimmung im § 1 gilt für die Haupt- feststellung der Einheitswerte nach Stand vorn 1. Januar 1935 und für Neufeststellungen und Nach- feststellungen, die bis zum nächsten Hauptfeststel- lungszeitpunkt vorzunehmen sind. Briefkasten der Mdaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) K100. In Ihrer Nachbarangelegenheit wenden Sie sich am zweckmäßigsten an das Landratsamt, Abteilung Hochbau, in Wetzlar. £. 23. 100. In Beantwortung Ihrer Anfrage teilen wir Ihnen folgende Adesfen mit: Großdeutsche Feuerbestattung, Gießen, Dammstr. 30; „Flamma , Bezirksverein Gießen, Maigasse 11; Dolkswohlbund Gießen, Horst-Wessel-Wall 27. 3. Dl. in G. Wenden Sie sich an das Schlageter- Gedächtnismuseum in Berlin W. 65, Ferdinand- str-aße. Zwei Jahre Zuchthaus für einen verbrecherischen Zugenderzieher LPD. D a r m st a d t, 11. Juli. Dor der Großen Strafkammer hatte sich der 33jährige Lehrer Anton Hübner wegen sittlicher Verfehlungen an der ihm anoertrauten Jugend, darunter an sechs Mädchen unter 14 Jahren, zu verantworten. Hübner hat sein Treiben monatelang in der schäm- losesten Weise betrieben und nicht einmal in Anwesenheit mehrerer Mädchen von seinem Treiben Abstand genommen. Er wurde, da auch der medizinische Sachverständige das Dorlieaen eines geisti- gen Defektes verneinte, zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt. Mildernde Umstände konnten nicht in Betracht gezogen werden. Fortführung der Riedmeliorationen. LPD. Darmstadt, 11. Juli. Zur Durchfüh- rung des dritten Arbeitsabschnittes des Meliora- tions-, Arbeits- und Siedlungsprogramms im hessischen Ried sollen in den Gemarkungen Berkach, Büttelborn, Dornheim und Wdlfskehlen mehrere Entwässerungsgräben, sechs Betonbrücke n und ein D ü ck e r unter dem Landgraben vergeben werden. Die Arbeit umfaßt rund 70 000 Kubikmeter Bodenbewegung und die sonstigen Nebenarbeiten. 1,133 Mill. Mark Darlehen der OBS. für Arbeitsbeschaffung. LPD. Darmstadt, 11. Juli. Zur weiteren Baumarktbelebung und zur verstärk- ten A u f t r a g s v e r g e b u n g an das Bau- Handwerk hat die Bausparkasse Deutsche Bau- und Siedlungs-Gemeinschaft (DBS.) in Darmstadt schon nach Ablauf eines Monats wieder mit einer Darlehnsvergebung herauskommen können. Es ist die vierte in diesem Jahr und sie stellt wieder 1,133 Mill. Mark zur Erstellung und Entschuldung von 112 Eigenheimen zur Verfügung. Die Gesamtsumme der Darlehensvergebuna steigt damit auf rund 64 Mill. Mark zur Erstellung von 5611 Eigenheimen. Vollstreckung eines Todesurteils. Lpd. Mainz, 11. Juli. Der am 15. November 1901 geborene Franz Decker ist heute in Mainz hingerichtet worden. Becker war von dem Schwurgericht in Mainz wegen Raubmordes, begangen an der 68jährigen Händlerin Katharina Grau, zum Tode und zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden. Letzter Schultag von den Herbstferien: 20. September 1935; erster Schultag nach den Herbstferien: 10. Oktober 1935. Die besondere Regelung die für einzelne Gemeinden des Kreises getroffen ist, bleibt von der vorstehenden Anordnung unberührt. * Rodheim a. d. Bieber, 11. Juli. Wie in den Vorjahren, so veranstaltet auch in biefem Jahre die Kameradschaft Rodheim des Kyifhau- s e r - B u n b e s auf seinem am Waldesrand gelegenen herrlichen Scheibenstande ein Preisschie- ß e n. Man rechnet mit einer lebhaften Beteiligung ber Freunde des Schießsportes, auch besonders von außerhalb. Das Schießen erstreckt sich über drei Sonntage und beginnt am kommenden Sonntag zur gewohnten Zeit. Geschossen wird nach den üblichen Bedingungen. Alalngau. LPD. Frankfurt a. M., 11. Juli. Ein seltener Unfall spielte sich in einem Niddabad ab. Hier kam ein elfjähriges Mädchen einem Schwan zu nahe, der auf das Kind losging und es derart mit Schnabelhieben und durch Flügelschläge verletzte, daß es durch die Rettungswache in ärztliche Behandlung gebracht werden muhte. ruhig, die erhöhten Kurse der Abendbörse blieben voll behauptet. Nachfrage erhielt sich für Kom- munal-Umschuldung und für späte Reichsschuldbuchforderungen. Von Industrie-Obligationen gingen Hoesch um 0,40 v. H. auf auf 102,75 zurück. Im Verlaufe herrschte am Aktienmarkt Geschäftsstille, da Kundschaft und Kulisse Zurückhaltung übten, um die weitere Entwickluna abzuwarten. IG. Farben waren nach dem ersten Kurs 65 v. H. fester, gingen später aber wieder leicht zurück. Auch Reichsbank gaben 75 v. H. nach, ebenso Stahlverein auf 87,65 "nach 87,50 bis 88. Schiffahrtswerte bröckelten nochmals 0,25 v. H. ab. Auch die erst später zur Notiz gekommenen Papiere lagen schwächer, insbesondere im Vergleich zur gestrigen Mittagsbörse. Am Kassamarkt waren IG. Chemie volleinbez. Stücke gesucht, Taxe 178 (173,50). Trotz sehr kleiner Umsätze war die Haltung des Rentenmarktes in sich etwas fester. Nachfrage erhielt sich weiterhin für Kommunal-Umschuldung, außerdem waren Liquidationspfandbriefe beachtet und bis 0,25 v. H. fester, während im übrigen der Rentenmarkt kaum Veränderungen gegenüber gestern aufwies. Stadtanleihen bröckelten eher etwas ab. Von fremden Werten gingen 4'/2proz. Mexikaner Irrigation auf 8,30 (8,50), 4proz. Goldmexikaner auf 8,40 (8,50) und 4proz. Ungarn Gold auf 10,65—10,75 (11) zurück. Der Geldmarkt war etwas leichter und Tagesgeld wurde auf 2,75 v. H. (3 v. H.) ermäßigt. Abendbörse: behauptet. An der Abendbörse waren die Kurse nicht mehr schwächer, vielmehr zeigte sich seitens der Kulisse Deckungsbegehr und von der Kundschaft auf dem ermäßigten Stand etwas Rückkaufsneigung. Die Umsatztätigkeit war aber außerordentlich klein, auch die Kursveränderunaen hielten sich im Vergleich zum Berliner Schluß in engsten Grenzen. An den Rentenmärkten herrschte Geschäftsstille bei unveränderten Kursen. Leicht abbröckelnd waren Altbesitz mit 112,65 (112,75) und Reichsbahn-VA. mit 123,50 (123,65). Von fremden Werten machte sich vorübergehend etwas Nachfrage nach Silbermexikanern bemerkbar. U. a. notierten: Altbesitzanleihe 112,65, 6 v. H. Krupp 104, IG. Farben-Bonds 127, 5 v. H. Silbermexikaner 6, Bank für Brauindustrie 125,75, Commerzbank 92,25, OO-Bank 93,50, Pfälzische Hypotheken-Bank 86,50, Harpener 112,75, Rheinstahl 113,50, Stahlverein 88, AKU. 65,75, AEG. 45,75, Bemberg 119,75, IG. Chemie (volle) 177,75, Conti Gummi 158, Deutscher Eisenhandel 102,25, Deutsche Erdöl 111,50, Scheideanstalt 236, Deutsche Linoleum 166,75, Licht und Kraft 132,65, IG. Farben 154, Gesfürel 128,50, Goldschmidt 109,40. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 11. Juli. Auftrieb: Rinder 51 (gegen 39 am letzten Donnerstagsmarkt), darunter 7 'Ochsen, 5 Bullen, 5 Kühe und 34 Färsen, außerdem wurden dem Schlachthof 1 Bulle und 5 Kühe direkt zugeführt. Kälber 776 (786), Schafe Frankfurt a.M., 11.Juli. .Die Börse nete nach den starken Abschwächungen des gestrigen Tages in uneinheitlicher Haltung. Das Geschäft war auf allen Marktgebieten sehr klein, da die Kulisse eine abwartende Stellung einnahm und auch die Kundschaft Zurückhaltung zeigte. Die Erklärung des Berliner Borsenvorstandes zur Kursbewegung an den Aktienmärkten beeinflußte den heutiaen Der- kehr nur noch wenig. Anderseits bot die Meldung über den weiteren Rückgang der Arbeitslosigkeit im Juni ber Haltung heute eine gute Stütze. Von der Kundschaft lag nur in wenigen Werten noch An- gebot vor. Auf der ermäßigten Basis bestand vielfach Rückkaufsneigung, so daß gegen die schwachen Abendbörsenkurse teilweise gute Erholungen festzu- Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter Öen Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Frankfurt a. JJL Berlin Frankfurt a. M Berlin Frankfurt a. M. Berlin Schluß« kurs Schluß!. Abend- börsr Schlußkurs Schluß!, mittag« börse Schluß- kurS Schluß!. Abend- börse Schlußkurs Scdlußk. Mittag- börse Schluß« furd Schluß!. Abend- börie Schluß- kurS Schluß!, mittag» börse Oafum 10 7 11.7 10 7 11.1 Datum 10 7 11.7 10 7. 11 7 Datum ) 10.7 117 10 7 11.7 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichscml. von 1934 &y2% Doung-Anlethe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 4x/i% Deutsche Reichspostschatz an- Weisungen von 1934, 1....... 6% ebem.8% Hess. SoIHftaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 4Yi% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 67i% ehem. Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Liaui ... 47i% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldoerschr. R.6 Obo*hessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Cammelabi. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 47i% ehem.8% Franks. Hyp.-Bcmk Goldpfe. 16 unkündbar bis 1935 6y,% ehem. 47i% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriese....... 67i% ehem. 4*4% Rheinische Hyp.-Bank-Liqu.-Goldpfe..... 47>% ehem. 8% Pr. Landespsand- briesanstall, Pfandbriefe R. 19 47i% ehem. 7% Pr. Landespfand. briescmst., Gold Komm. 061.V kteuergutich.Berrechnungsk. 85-89 4% Oefterretchische Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente ....... 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 47i% desgl. von 1913.......... 6% abgesl. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-AiUeihe Serie l.................... 100,25 97,4 103,5 112,75 100,4 97,5 96,25 100,75 92,4 127 116,25 96,25 101 101,13 97 97 107,3 32,13 1,75 11 10,75 10,9 12,5 100,65 97,5 103,5 112,65 100,25 97,25 96,25 100,75 92,25 126,5 116,25 96,25 101,4 101,13 97 97 107,3 32,25 1,8 10,75 10,5 10,75 12,5 100,25 97,6 103 112,65 100,25 97,5 96,25 116,4 101,4 97 97 107,3 32,25 1,7 11 10,6 10,65 12,5 100,25 97,5 103 112,7 100,4 97,25 116,25 101,5 97 97 107,3 32 1,8 10,7 10,25 10,5 12,6 4% desgl. Serie 11 ............. 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4y»%Rumän.vereinh.Reniev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 27i% Anatolier ............... Hamburg-Amertka-Paker .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Norddeutscher Lloyd .........0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz- und Prlvat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Stisconto- Gesellschaft................0 Dresdner Bank..............0 Reichsbank ................12 A.E.G.................... o Bckula.................... io Elektr. Lieferungsgesellschaft... 6 Licht und Kraft ........... ßyt Felten & Guilleaume.........0 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........ 5 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co............... 4 Siemens L Halske............7 Lahmeyer L Co.............. 7 Buderus ...................0 Deutsche Erdbk.......... i Gelsenkirchener..............1 Harpener...................t Hoesch Eisen—Köln-Neueste» .. C Ilse Bergbau ............... 1 Ilse Bergbau Genüsse........ Klöcknerwerke ........ •> Mannesman n-Röhrea........ 7,9 10,4 6 39,75 34,9 39 88 117,5 92,25 93,75 93,75 191 45,75 142,5 120 134 111 129,25 141 132,5 124,5 182 134,5 107 112 — 111,5 107,75 160 133 101,75 91,25 7,9 6 40 34,25 37,75 86,75 92,25 93,5 93,5 191 45,75 142 118,5 132,65 108 128,5 132,5 124,5 180 132,5 106,75 111,5 112,75 107,5 160 131,5 101,75 90,5 10,4 6 39,9 35,65 33,5 39,25 88 116 92,5 93,75 93,75 194,5 46,75 142 117,25 135 110,25 130,65 140,75 133,4 126 182,25 135 108,9 113,25 114,5 108,75 158 133,5 102,75 92,5 7,9 10,4 6 40 34,25 33,5 37,75 88,9 117,5 92,5 93,5 93,5 191 45,5 141,13 120 132,5 108 128,5 139 132,5 124,75 179,75 133 106,75 111,65 113 107,25 162 131,25 101 90,75 ManSfelder Bergbau.........8 Kolswerke............. 6 Phönix Bergbau.............O Rheinische Braunkohlen .....12 Rheinstahl ................ 8% Vereinigte Stahlwerke........0 Otaoi Minen ...............O Kaliwerke Aschersleben........ 5 Kaliwerke Westeregeln........5 Kaliwerke Salzdetfurth.....17t I. G. Farben-Jnbustrte.......7 Scheideanstall............ 9 Goldschmidt ................O Rütgerswerke ...... 4 Metallgesellschaft............. 4 Philipp Holzmann...... O Zementwerk Heidelberg ......6 Cementwerk Karlstadt.........4 Schultheis Pa-enhoser ....... 4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg...................0 Zellstoff Waldhof ............0 Zellstoff Aschaffenburg ....... 0 Dessauer Gas ........ 7 Daimler Motoren........ C Deutsche Linoleum...........6 Orenstein L Koppel .......... 0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade................. O Accumulatoren-Fabcik.......12 Conti-Gummi...............8 Grttzner....................0 Mainlraftwerke Höchst O.8Ä-... 4 Süddeutscher Zucker......... t 118,75 227,5 113,75 87,25 18,25 129,5 152,75 237 112,25 122,25 115,5 95,5 119 66,75 122 123 90,5 97,65 167 35,75 176,5 158 I 40,5 95,13 1 193 117 226 113,5 88 17,9 126,4 195 154 236 109,4 121,75 115,5 92,5 119 65,75 119,75 121,25 89 96,4 166,75 35,25 287,5 174,75 158 1 39,65 95,13 I 192,75 118,25 124 227 115,5 89 18,13 128 126,25 197,5 154,25 112,75 123 117,25 95^5 115,25 66,25 119,75 122 91,5 143 96,75 168,75 92 35,25 290 176,5 158,5 I 40Jj 1 192,5 116,5 123 226,75 113,25 87,65 17,9 126,5 124,5 195 154,13 109 121,13 92J) 113,75 65,65 120 120,5 89 143,25 95,9 166,5 90,4 35,25 287,5 175 158 I 39,4 193 Lombardzinsfuß 5 v. H. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. Zll. 63,43 81,30 33,79 2,45 41,88 55,07 12,30 16,43 169,09 19,94 61,83 10. Zull 11.3ml Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Buenos Ufte-. 0,658 0,662 0,658 0,662 Brüssel..... 41,885 41,965 41,885 41,965 Rio de Jan. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,82 54,92 54,91 55,01 Danzig..... 46,91 47,01 46,925 47,025 London ..... 12,275 12,305 12,295 12,325 HclsingforS.. Paris ...... 5,415 16,41 5,425 16,45 5,42 16,415 5,43 16,455 Holland .... 168,74 169,08 168,83 169,17 Italien..... Japan...... 20,50 20,54 20,50 20,54 0,721 0,723 0,722 0,724 Jugoslawien 5,649 5,661 5,674 5,686 Oslo.....; 61,70 61,82 61,80 61,92 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,14 11,16 11,16 11,18 Stockholm... 63,29 63,41 63,39 63,51 Schwerz .... 81,17 81,33 81,21 81,37 Spanien.... 34,02 34,08 34,01 34,07 Prag....... 10,35 10,37 10,34 10,36 Budapest ... — — — Neu York ... 2,476 2,480 2,478 2,482 Banknoten. Berlin, 11. Juli Geld Amerikanische Noten.............. 2,43 Belgische Noten.................. 41,72 Dänische Noten ................. 54,85 Englische Noten ................. 12,26 Französische Noten............... 16,37 Holländische Noten............... 168,41 Italienische Noten................ 19,86 Norwegische Noten .............. 61,59 Deutsch Oesterreich, 4 100 Schilling — Rumänische Noten............... T —— Schwedische Noten............... 63,17 Schweizer Noten................. 80,98 Spanische Noten................. 33,55 Ungarische Rote»...... Nr. 160 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) 5reitag,12.)uli 1955 Seidenraupenzucht in Gießen. Der Züchter mit dem Lattengestell, an dem sich zahlreiche Raupen festgesponnen haben. (Aufnahmen [4] Neuner, Gießener Anzeiger.) r f Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat — wir berichteten gestern bereits darüber — eine Verordnung über den deutschen Seidenbau erlassen, die dem Reichsnährstand zur Regelung der Gewinnung, der Verwertung und des Absatzes von deutschen Seidenkokons eine Reihe von Ermächtigungen erteilt, um im Rahmen der Erzeugungsschlacht auch den deutschen Seidenbau und die Seidenkokon-Erzeugung zu steigern. In diesem Zusammenhang ist es sicherlich interessant, zu hören, daß sich in unserer Stadt ein Mann schon feit einer Reihe von Jahren mit der Seidenraupenzucht beschäftigt. Der Postassistent Karl Gümbel, der übrigens ein begeisterter Entomologe ist und über eine ausgezeichnete, reichhaltige Schmetterlingssammlung verfügt, züchtet schon seit sechs Jahren mit gutem Erfolg Seidenraupen. Er hat sich in seinem Gartenhaus an der Lahn die notwendigen Einrichtungen geschaffen und züchtet aus Eiern, die er von einer berufenen Stelle bezieht, Seidenraupen heran, die sich unter seiner sorgfältigen Pflege gut entwickeln und einwandfreie Kokons liefern. Die Aufzucht der Seidenraupe ist, wie er selbst erzählt, nicht leicht. Zunächst gilt es, Maulbeerbäume zu beschaffen, deren Blätter den Raupen zur Nahrung dienen. Andere Nahrung nimmt die Seidenraupe nicht an. Der Züchter hat etwa 20 Maulbeerbäumchen stehen. Die Raupen bedürfen einer sorgfältigen Pflege, vor allem aber einer regelmäßigen Fütterung. Interessant ist die Entwicklung der Seidenraupe. Aus den Eiern entwickeln sich kleine Räupchen, die zu stattlicher Größe anwachsen und sehr gefräßig sind. In einem bestimmten Stadium des Wachstums beginnen sie sich zu verpuppen, und zwar geschieht das so, daß sie sich zunächst in einen Rahmen einspinnen, den ihnen der Züchter gebaut hat, dann das Netz immer enger spinnen, bis es eine länglichrunde Form annimmt. Die Raupe verschließt sich völlig in diesen so entstehenden Kokon, büßt dabei, da sie den Stoff, der hie Seide bildet, abgibt, erheblich an Körpermasse ein und wird im Verlauf ihrer weiteren Entwicklung zur Puppe. Wenn es der Züchter soweit kommen läßt, beißt sich das entwickelte Insekt durch den Kokon und verläßt als Schmetterling die schützende Hülle. Da jedoch der Kokon nur dann wertvoll ist, wenn er unverletzt bleibt, muß das Ausschlüpfen verhindert werden. Von diesem Kokon, der von Seidenspinnereien abgesponnen wird, wird die reine Seide gewonnen, die je nach der Art der Raupen vom reinsten Weiß bis zum kräftigsten Goldgelb erglänzt. Angesichts der zu erwartenden Regelung der Seidenraupenzucht durch den Reichsnährstand ist zu erwarten, daß die Seidenraupenzucht, die bisher da und dort nur als Liebhaberei betrieben wurde, an Bedeutung gewinnt. Links: Die Seidenraupe auf Blättern des Maul beerbaumes. R e ch ts: Der weibliche (oben) und der männliche (unten) Schme tterling der Seidenraupe. Mt Die wertvollen Kokons der Seidenraupe. Aus Der provmzialhauptstadt. Oer Juli in den Wettersprüchen. Viel Regen im Juli (Heumond) ist nicht gern gesehen: das wird jeder verstehen, der weiß, daß das, was im Herbst geraten soll, im Juli braten muß. „Juliregen nimmt Erntesegen", oder: „Juli kühl und naß, leere Scheune, leer' Faß". Es müßte im Juli, idealerweise doch so sein, daß nach jeder halben Woche Sonne eine Nacht Regen folgt; denn: Auf drei Tag' Sonne 12 Stunden Regen, das ist Berg und Tal zum Segen". Das würde auch den Städtern gefallen, die man des Sommers für ein paar Tage aus ihrer Arbeit in sonnenarmen, oft düsteren Räumen entläßt, damit sie ihre Ausflüge hinaus aufs sonnige Land machen. Schicksalsschwere Wetterterminstage sind besonders der 2. Juli (Mariä Heimsuchung) und der 10. Juli (Siebenbrüdertag). Vom ersteren heißt es: „Geht Mariä über den Berg naß, regnet's sechs Wochen ohn' Unterlaß", und von den Siebenbrüdern sagt man: „Wie das Wetter am Siebenbrüdertag, so bleibt es sieben Wochen danach". Wenn es am Magdalenentag (22. Juli) regnet, wollen wir darob nicht unmutig sein, denn: „Magdalena weint um ihren Herrn, drum regnet's an ihrem Tag so gern". Beim Jakobus (25. Juli) ist es aber schon wieder ganz anders. Da heißt es dann abermals aufgepaßt. Wieviel Holz, Torf oder Kohlen meine Oefen bis Weihnachten fressen werden, ob ich ohne dicke Winterunterhose, ohne Fausthandschuhe, ohne rote Nase usw. durch die Monate Oktober, November und Dezember komme, oder nicht, das alles kündet mir der Jakobustag, bei dem man aber nicht recht weiß, was man an ihm wünschen und verwünschen soll. „Ist es hell auf Jakobustag, viel Früchte man sich versprechen mag." Gut! also soll es hell und warm sein. „Ist Jakobi hell und warm, friert man bis Weihnachten in ’n Darm." Hollah, Jakob, das ist wieder etwas anderes, was bist denn du für ein doppelzüngiger Prophet! Was nützt es denn, wenn an Weihnachten der arme Städter feine Kartoffelsuppe am kalten Ofen einnehmen muß, weil das ihm spärlich zugemessene Heizmaterial schon aufgebraucht ist? Wie schimpft man doch so gern über die Hundstage (24. Juli bis 24. August), wenn infolge der Sonnenglut die dauernde Gefahr besteht, daß einem im Geldbeutel das Silber schmilzt und die Hundertmarkscheine „verkohlen". Und wie wertvoll ist solch' eine Hundshitze! „Hundstage heiß und klar, deuten auf ein gutes Jahr", oder „Hundstage heiß, lohnt Müh' und Schweiß", oder „Was die Hundstage gießen, muß die Traube büßen". Nach alledem beibt zu wünschen, daß der Juli vorwiegend trocken verlaufen möge, denn „nur in der Juliglut werden Korn, Obst und Wein gut". Einige nahrhafte Gewitterregen nehmen wir als wohltuende Duschen gerne hin, meinetwegen mit Donner und Blitzen, aber nicht mit Wolkenbrüchen, Hagelschlag und Blitzschlägen, die wir ganz und gar nicht brauchen können, die aber auch dem kein Glück bringen, der — weil er gut versichert ist — sie weniger fürchten zu müssen glaubt. Unser neuer Vornan. Nachdem wir in der gestrigen Nummer des Gießener Anzeigers den Roman „Warum verkennst du mich, Barbara?" von Liane Sanden zum Abschluß gebracht haben, beginnen wir heute mit der Veröffentlichung eines neuen großen Romanwerkes und erteilen damit wiederum einer unserer beliebte st en Autorinnen das Wort, die sich in den letzten Jahren beim gesamten deutschen Lesepublikum einen ausgezeichneten Namen zu schaffen verstanden hat. Unser neuer Roman heißt: „Wir sanden zueinander" von Klothilde von Stegmann. ein Werk, das sich ohne Zweifel den früher bet uns erschienenen Romanen der Frau von Stegmann — wir nennen etwa „Deiner Hände Werk", „Weißt du, was Liebe ist?", „Was mein einst war" und „B 518. Yvonnes Geheimnis" — würdig an die Seite stellt. In dieser mit Zartheit und außerordentlicher Spannung zugleich geschilderten Liebes- und Schicksalsgeschichte beweist die geschätzte Autorin wiederum, wie überaus fesselnd und lebenswarm sie zu erzählen und wie sie vor allem den Geschmack und die brennende Anteilnahme der weiblichen Leserschaft unwiderstehlich zu gewinnen versteht. Hier haben wir also einen Roman nach dem Herzen der Leser, einen Zeitungsroman aus einem Guß, wie er sein soll. Wir freuen uns, mit ihm allen unseren Leserinnen und Lesern in Stadt und Land eine wirklich genußreiche, von Tag zu Tag mit größter Spannung erwartete Lektüre bieten zu können. Wieder hitzefrei in den hessischen Schulen. Durch eine Verfügung der Schulbehörde in Hessen wird in teilweiser Abänderung der bestehenden Bestimmungen angeordnet, daß der nach 12 Uhr beginnende Unterricht ausfällt, wenn das Thermometer um 10.30 Uhr im Schatten mindestens 25 Grad zeigt. Ausgrabungen nur mit Einwilligung des Oenkmalpflegers. Jrn Interesse einer einheitlichen gewissenhaften Forschung unter Anwendung der durch Erfahrungen entwickelten Arbeitsmethoden dürfen, wie aus Darmstadt gemeldet wird, ohne Einwilligung und Mitarbeit des Denkmalpflegers für die Bodenaltertümer Grabungen zvr Erforschung der Werke der Menschen aus früheren Kulturepochen nicht vorgenommen werden. Wir sanden zueinander. Vornan von Klothilde v. Sfegmann Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag Halle (S.) Nachdruck verboten. 1. Kapitel. Jutta von Berafelde ging nervös im Wohnzimmer auf Schloß Veltheim auf und ab. Hin und wieder blieb sie stehen. Ihr zartes, helles Gesicht nahm den Ausdruck gespannten Lauschens an. Wie ewig lange dauerte doch die Unterredung zwischen Dietrich und Justizrat Niemann, dem Testamentsvollstrecker Tante Albertas! Die Uhr vom Schloßturm schlug Viertelstunde um Viertelstunde — aber immer noch hörte Jutta nichts wie ein gedämpftes Mürmeln aus dem entfernten Arbeitszimmer Tante Albertas. Doch jetzt erhob sich eine Stimme. „Niemals!" klang es aus dem Arbeitszimmer drüben. Und noch einmal: „Niemals!" Dazu ein Laut, wie wenn eine Faust auf Holz schmetterte Juttas Gesicht verzerrte sich. Was bedeutete Dietrichs hartes „Niemals!"? Konnte es möglich fein, Laß Dietrich die entscheidende Testamentsbestimmung ablehnte? Ach Unsinn Sie sah Gespenster! Dietrich würde zu ihr zuruck- kehren. Solch ein Narr, die Erbschaft wegen der einzigen daran geknüpften Bedingung auszuschlagen, würde er niemals im Leben sein. Sie war überreizt. Kein Wunder, wenn man wochenlang Krankenpflegerin gespielt. Aber es hatte fein müssen. Nur so hatte sie Tante Alberta dazu bekommen, ihr Testament zu ändern. Sie mußte sich zur Ruhe zwingen. Dietrich mußte ja jeden Augenblick kommen, um sich mit ihr auszusprechen. Sie setzte sich in den tiefen Sessel dicht vor dem Kamin, in dem ein Helles Feuer brannte. Dann zog sie die Stehlampe dichter heran. Ein schneller Blick in den Spiegel gegenüber überzeugte sie, daß sie sich so sehr vorteilhaft machte. Gegen das dunkle Trauerkleid hob sich ihr blonder Kops mit der Lockenfülle wirkungsvoll ab. Die Nachtwachen hatten das rosige Leuchten der Wangen ein wenig weggenommen — unter den blauen strahlenden Augen, die fo kindlich blicken konnten, lagen zarte Schatten. Ihr Gesicht erhielt dadurch einen wehen, schmerzlichen Ausdruck. Jutta war sich dieser Wandlung durchaus bewußt. Sie hatte ja auch bei der Beerdigung der Tante gehört, wie die Freunde und Bekannten darüber sprachen. „Der Tod der Tante scheint ihr sehr zu Herzen au gehen!" hatte sie diesen und jenen raunen hören. Andere hatten gemeint, daß vielleicht Die Trennung von dem Verlobten Jutta von Berg- selde so verändert hätte. Und Jutta selbst war mit dem Eindruck, den sie gemacht, zufrieden. Mochten die Leute glauben, sie trauere Tante Alberta so tief nach. Mochte auch Dietrich, wenn er sie nun wiedersehen würde, annehmen, daß sie seelisch tief litte. Das konnte nur .vorteilhaft sein. Sie versuchte, sich in ihr Buch zu vertiefen. Schließlich wurde sie durch die spannende Handlung des Romans doch so gefesselt, daß ihr die Zeit verging und sie ihre Gedanken von dem Geschehen dort in dem Arbeitszimmer loszulösen imstande war. — „Nein!" sagte- eben Dietrich von Veltheim noch einmal. Es kam gedämpfter als vorhin, wo dies empörte „Nein!" bis hinüber zu Jutta gedrungen war. Aber trotzdem er leise sprach, war im Ton seiner Stimme eine unerbittliche Kälte. Seine blauen Augen funkelten zornig den alten Justizrat an. Der zuckte mit den Achseln: „Davon, daß Sie immerfort mir Ihr Nein ins Gesicht schleudern, wird es auch nicht besser, lieber Graf. Ihre Tante hat nun eben so und nicht anders testiert." Dietrich von Veltheim beugte sich über den Schreibtisch. Gebieterisch schaute er den älten Herrn an: „Und wo waren Sie, Herr Justizrat? Sie sind doch der Ratgeber meiner Tante gewesen. Konnten Sie die alte Dame nicht von dem himmelschreienden Unsinn abbringen? Warum haben Sie Ihren Einfluß nicht geltend gemacht?" Justizrat Niemann lächelte halb wehmütig, halb humoristisch: „Vielen Dank für Ihre gute Meinung, Graf. Aber wenn Sie mir einen Einfluß auf Ihre hochselige Frau Tante zutrauen, dann sind Sie falsch berichtet. Frau Alberta von Veltheim pflegte zeit ihres Lebens nur nach ihrem eigenen Kopf zu handeln." „Warum haben Sie dann die Aufnahme -des Testaments nicht angefochten?" Der alte Juftizrat fah Veltheim ganz erschrocken an: „Warum um Himmels willen sollte ich das getan haben, Herr Graf? Ich hatte nicht das ge- ringfte Recht dazu. Die Erblasserin war in vollem Besitz ihrer geistigen Kräfte, als sie das Testament zu Protokoll gab." „Bestreite ich!" Schneidend kam es. „Sonst hätte sie nicht die Bedingung meiner baldigen Verlobung und Verheiratung an den Antritt der Erbschaft'durch mich geknüpft. Tante Alberto wußte doch genau, daß ich mich eben entlobt hatte." „Nun, und Ihre Tante war wohl eben der Meinung, daß Sie sich möglichst schnell wieder verloben sollen. Daher die Bestimmung des Testaments, daß Gut und Herrschaft Veltheim erst nach Ihrer Verheiratung rechtskräftig an Sie übergehen sollen." , . „Und falls ich auf diese Bestimmung nicht em- gehe?" „Dann fallen Schloß und Herrschaft Veltheim an die Seitenlinie Rombert." Dietrichs Gesicht flammte in Zorn und Empörung: „Wissen Sie auch, was das heißt? Dann wird der alte Veltheimifche Besitz parzelliert werden. Die Romberts haben keinen Funken mehr von der Blutverbundenheit ihres Stammgeschlechts mit dem überkommenen Boden. Für die ist der Boden nur ein Handelsobjekt. Ich sehe schon, wie der schöne, alte Besitz zerstückelt wird, der Wald abgeholzt, die Gemarkung Schöneiche nach Braunkohlen durchforscht — bis nichts mehr bleibt von der herrlichen Stille der Gottesnatur hier." „Diese Gefahr können Sie ja mit einem Schlage abwenden. Seien Sie doch kein solcher Eisenkopf, Graf! Ihre Tante wollte nur Ihr Bestes. Sie wollte Sie zu Ihrem Glück zwingen." Dietrich lachte herb auf: „Was wußte Tante Alberta von meinem Glück oder Unglück?" „Nun, darüber Dürfte sie einigermaßen unterrichtet gewesen fein. Fräulein Jutta von Bergfelde war ja die letzten Monate bei Ihrer Frau Tante zu Besuch" „Was sagen Sie da? Fräulein von Bergfelde zu Besuch bei meiner Tante? Aber die Eltern Fräulein von Bergfeldes und Tante Alberta standen doch wie Hund und Katze miteinander." „Das hat sich rasch gewandelt. Ich habe auch immer angenommen, Fräulein Jutta wäre in diesem Sinne von ihren Eltern beeinflußt. Aber da scheinen wir uns geirrt zu haben. Sie erfuhr durch Zufall von der Erkrankung Ihrer Tante und erschien plötzlich hier. Frau Alberta war ganz gerührt über die verwandtschaftliche Anteilnahme ihrer Nichte. Das Zusammenleben hier soll äußerst harmonisch gewesen sein. Ich selbst war ja total perplex, als ich Fräulein Jutta hier fand und feststellen mußte, daß Frau Alberta und sie ein Herz und eine Seele wären." Dietrich ging stumm im Zimmer auf und ab. Diese Mitteilung über Jutta und Tante Alberta war ihm etwas vollständig Neues. Er begriff die ganze Geschichte nicht. Keiner von ihnen hatte jemals etwas für Tante Alberta übrig gehabt. Sie war eine herrische, eigenbrötlerische Frau, hatte nach Aussagen der Verwandten ihren Mann tüchtig unter dem Pantoffel gehabt und anerkannte kein anderes Gesetz als ihren eigenen Willen. Deshalb war es auch zwischen ihr und Dietrich vor ein paar Jahren zum Bruch gekommen. Tante Alberta hatte sich an den Erziehungskosten für den jung Verwaisten beteiligt Dafür aber hatte sie geglaubt, ihm in all und jedes hineinreden zu können. Deutlich stand die Szene vor zwei Jahren vor ihm. Er war gerade mit dem Studium fertig geworden und hatte den Doktor der Naturwissenschaften gemacht Mühsam genug hatte er sich die Erlaubnis zu diesem „brotlosen Studium", wie Tante Alberta es verächtlich genannt, vom Familienrat erkämpft! Aber sein ganzes Herz hatte daran gehangen. Onkel Hubertus Heidkemper, der alte General, hatte schließlich den Ausschlag gegeben. Von ihm hatte es Dietrich am wenigsten erwartet. Der alte Herr kannte außer seiner Militärwissenschaft nichts auf der Welt Als Dietrich ihn ganz fassungslos an* fah, weil er im Familienrat ihm die Stange hielt, meinte der alte Herr mit feiner knarrenden Offiziersstimme: „Ja, ja! Brauchst mich gar nicht so erstaunt anzusehen, mein Junge! Naturwissenschaft und Kriegshandwerk sind zwar etwas sehr Verschiedenes. Ich für meine Person kann es nicht begreifen, daß es einen interessiert, wieviel Beine ein Käfer hat, und ob eine Pflanze Knollenwurzeln hat oder nicht. Aber jedes Tierchen hat fein Pläsierchen! -Gerade wer einem Beruf fo ganz ergeben ist, wie ich dem meinen, kann kapieren, wie man von einer Arbeit besessen sein kann. Wenn du glaubst, daß du bei deinen Käfern und Kaulquappen etwas Ordentliches wirst, bann in Gottes Namen! Können ja schließlich nicht alle Menschen Soldaten sein." Onkel Hubertus war es auch gewesen, der Tante Alberta derb über den Mund gefahren war, als sie empört erklärte, sie dächte nicht daran, auch nur noch einen roten Heller für solche Sinnlosigkeiten auszugeben! Wer kein Geld zum Studium hätte, der müßte sehen, auf andere Weise zu verdienen. Ihr seliger Mann hätte vielleicht auch lieber studiert, als seinen Kohl zu bauen; aber er hätte sich eben nach den Verhältnissen gerichtet. Da wurde Onkel Hubertus Heidkemper grob: „Vermutlich wäre deinem seligen Jochen wohler gewesen, er hätte nicht seinen Kohl gebaut und sich von dir nicht kujonieren lassen, meine Beste. Es gibt noch Männer, die ihren Willen haben und ihr Leben auf ein bestimmtes Ziel richten. Dietrich sieht mir ganz danach aus, als ob er zu den Menschen gehörte — und darum pfuschen wir ihm nicht in seinen Lebensplan hinein. Obzwar es mir gegen den Strich geht, daß heute ein junger Mensch mit gesunden Gliedern und gesundem Kopf ausgerechnet ins Ausland gehen muß. Erklär mir bloß, mein Junge — was willst du denn dann mit deinen Kenntnissen machen? Denn egalweg durchs Mikroskop gucken und Schmetterlinge aufspießen — damit kann es doch nicht genug fein." Dietrich hatte mühsam ein Lächeln verbeißen müssen, lieber Schmetterlingssammlungen ging das Verständnis Onkel Hubertus' in bezug auf die Naturwissenschaft nicht hinaus. Und dann hatte er versucht, Onkel Hubertus und den anderen vom Familienrat feine Ziele zu erklären. (Fortsetzung folgt!) Das 1. Gaufest des RfL. in Gießen. Zn der Woche vom 14. bis 20. Zuli müssen sich die Vereine über ihre Teilnahme entscheiden. Hessen frei von Maul- und Klauenseuche Nach der amtlichen Nachweisung über den Stand der Maul- und Klauenseuche in Hessen waren am Stichtag des I.Juli sämtliche Kreise seuchenfrei. Ernennung zum Beauftragten des Treuhänders. Der Reichs- und Preußische Arbeitsminister hat den bei der Dienststelle des Treuhänders der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen in Frankfurt tätigen wissenschaftlichen Hilfsarbeiter Dr. Gerhard Kohl zum Beauftragten des Treuhänders der Arbeit für das Wirtschaftsgebiet Hessen ernannt. LlrlaubSregelung für Jungarbeiter und Lehrlinge bei den Behörden. Die Gaupressewaltung der DAF. teilt mit: Der Regierungspräsident des Regierungsbezirks Wiesbaden hat in einer Verfügung an die Oberbürgermeister, Landräte und Bürgermeister der kreisangehörigen Städte den Urlaub der Lehrlinge und Jungarbeiter bei den Gemeinden und Gemeindever- banden seines Regierungsbezirkes neu geregelt. Nach dieser Verfügung erhalten alle gemeindlichen Jungarbeiter und Jungangestellten bis zu dem vollendeten 18. Lebensjahr sowie alle Lehrlinge, die ihren Erholungsurlaub in einem Sommerlager verbringen wollen, einen zusätzlichen bezahlten Urlaub, falls der ihnen zustehende tarifliche Urlaub unter 14 Tagen zurückbleibt. Diese begrüßenswerte Verfügung regelt somit die Urlaubsverhältnisse der Jugendlichen bei den Behörden und Gemeinden im Regierungsbezirk Wiesbaden in der gleichen Weise wie in Hessen, wo dies bereits im April dieses Jahres durch eine Anordnung des Reichsftatt- halters und Gauleiters Sprenger geschah. ßx Die öculfdie Arbeitsfront on.9.=6emcinf(haft „Kraft durch freute-' Fahrt zum Nürburgring. Alle KdF.-Warte werden hiermit noch einmal aufgefordert, die Meldung zu dem Nürburgring zu beschleunigen, damit wir spätestens Mitte nächster Woche abschließen können. Wer nach Mitte der nächsten Woche sich anmeldet, hat wenig Aussicht, mitgenommen zu werden. Die Meldungen gingen bereits zahlreich ein. Sonderzug zum Motorradrennen nach Schotten fällt aus. Da die Meldungen zum Schotten - Rennen zu spärlich eingegangen sind, haben wir uns entschlossen, die Fahrt abzublasen. Diejenigen, die sich bis jetzt gemeldet haben, wollen sich nach Möglichkeit an der Fahrt nach dem Nürburgring beteiligen. Preis der Fahrt einschließlich Eintrittspreis 5 Mark. r „Arbeiter, Bauer. Soldat". Am Samstag, dem 13. Juli, 20 Uhr, findet im Caf6 Leib, Gießen, ein Kameradschaftsabend für Reichsheer und Arbeitsdienst, unterMitwirkung unseres Heimatdichters Georg Heß, Leihgestern, und Paul Nieren vom Stadttheater, des Arbeitsdienstes und der Reichswehrkapelle Gießen, statt; ferner wirkt der Arbeitsdank mit. Vortragsfolge : Königgrätzer Marsch, Armeemarsch Nr. II, 195; „Kamerad das war ein heißer Tag"; „Heiliges Feuer", Weihelied des Arbeitsdienstes; Musik: „Volk ans Gewehr!"; Sprechchor des Arbeitsdienstes: „Wir wollen die Heimat erhalten"; Gemeinsames Lied: „Es pfeift von allen Dächern"; Theaterstück „Einer will zum Arbeitsdienst." Zeitstück aus dem Jahre 1933 von Kamerad Bierau. — Georg Heß „Aus eigenen Dichtungen". — Radetzkymarsch, Armeemarsch II, 145; Zwei Soldatenchöre; Alte Landsknechte: „Im Himmel doben, in einer Ecken ..."; Soldatenlieben — Sol- datenlebeN; Gemeinsame Lieder; Zwischenspiel: „Wir reisen mit der „K.d.F."; Schlußmarsch. Konzert und Tanz bis 2 Uhr. Eintrittspreis 50 Pf., Soldaten und Arbeitdienstkameraden 30 Pf., Tanzbändchen 30 Pf. für mitwirkende Kameraden aus dem Reichsheer und dem Arbeitsdienst ist der Eintritt frei. Tanzbändchen jedoch 30 Pfennig. Noch drei Wochen! Und Gießen, die alte hessische Universitäts- und Garnisonstadt, wird Nordhessens Turner und Sportler zum 1. hessischen Gaufest des VfL. aufnehmen. In der Feststadt, die es versteht, Feste zu gestalten, schreiten die Vorarbeiten rüstig voran, und schon jetzt ist erkennbar, daß das erste Gaufest der Hessen eine Veranstaltung von außergewöhnlichen Ausmaßen werden wird. Die Ausschreibungen zu den Wettkämpfen beim Gaufeste sind durch die Gaufachämter hinausgegangen an die Vereine. Turner, Leichtathleten, Schwimmer, Tennisspieler, Radfahrer, Boxer, Schützen haben zu edlem Wettstreite aufgerufen. Das Fachamt Fußball hat ein Werbespiel — Bezirk Kassel gegen Bezirk Gießen —, wie es in dieser Art noch nie zur Durchführung kam, zu dem großen Fest der Gemeinschaft angemeldet. Der von Gießen und den Gaufachämtern erlassene Ruf geht an alle Vereine des RfL. in unserem Variets-Kunst im Etadttheater. Eine große Veranstaltung der NSG. „Kraft durch Freude". Das gestrige Gastspiel des Groß-Variet^s aus dem Frankfurter „Schumann-Theater" im hiesigen Stadttheater, das die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" des Gaues Hessen-Nassau den Gießener Volksgenossen bot, war sehr gut besucht. Das zu solchen Abenden aufgelockerte Wesen der Zuschauer wußte der bekannte Ansager Bobby Hausmann auf „kölsche" Art auf eine heitere Note zu stimmen. Die Hauskapelle sorgte für schwungvolle Musik. Grace Horsey und Lady brachten zunächst mit einem ,^)riginal-Cowboy-Act" zirzensische Künste. Durch den für solche Darbietungen knappen Bühnenraum warf er sein Lasso durch die Luft, fesselte mit kunstgerechten Würfen seine Partnerin und sprang schließlich mit ihr durch die eigenen Lassoschlingen. Das Messer- und Beilwerfen nach der Partnerin auf die bekannte Jndianerart brachte die Zuschauer in heftige Spannung. Die ausgezeichnete Treffsicherheit dieses Deutsch-Kanadiers im ein- und beidarmigen Schießen mit Gewehr und Pistole und beiden Waffen zugleich löste anhaltenden Beifall aus. Das Dubarry-Ballett gefiel mit einigen schönen Tanzeinlagen. Mit ausgezeichneten sportlichen Leistungen am Rhönrad begeisterten Steffi und Rolando Bernet. Mit großer Geschicklichkeit handhabte Rolando Bernet das Rhönrad, das er sogar im Fallen wie einen Springball über die Bühne hüpfen ließ. Frau Steffi Bernet lieh die Muskelkraft der Beine spielen, durch die sie freischwebend im Rad die Bühne überquerte. Ferner rief das Künstlerpaar mit dem Boxball eine wahre Sportbegeisterung hervor. Ein hervorragender Programmpunkt war Meister Rekas tönende Revue alter Musikinstrumente. Kaum gesehene Instrumente vergangener Jahrhunderte kamen zum Vorschein und ihre Handhabung ließ mit den Weisen längst vergangener Zeiten eindringlicher als Bücherweisheit und Museumssammlungen den Geist jener Tage anklingen. Zugleich erwies sich Meister Reka als genialer Beherrscher dieser erlesenen Jnstrumentensammlung aus der Ordensritterzeit bis in die Gegenwart. Diesen anregenden und lehrreichen Darbietungen folgte eine „Perche-Sensation" der 4 Mislays. Diese Balanceakte auf lebendem Fundament, die hohe Schule der Akrobatik, bildete den Schluß des ersten Teiles des Abends. Nach kurzer.Pause kam die leichtgeschürzte Muse in „Thora Malmström & Co. mit einer lebenden Nordlandschau zu ihrem Recht. Die Tanzgirls führten schwedische, isländische und dänische Tänze vor und brachten das Haus mit einer „Lachtauben- Serenade" in Stimmung. Bobby Hausmann trat mit eigenen Dichtungen hervor und die 2 Leytons „Humsti — Bumsti sorgten auf ihre Art für die Erheiterung. Gau. Bei dem neuen Geist, der heute die im Reichsbund geeinte deutsche Leibesübung erfüllt, darf man erwarten, daß der Ruf überall gehört und ernstgenommen wird. Jeder Verein wird in der an iyn ergangenen Einladung eine Verpflichtung sehen, die Verpflichtung, durch Beteiligung am 1. Gaufest, das nicht die Veranstaltung eines Verbandes ist, den Reichsbundgedanken mit allen Kräften nach innen und außen zu fördern. Die Woche vom 14. bis 20. Juli ist für die Vereine von besonderer Bedeutung. Es gilt, sich zu entscheiden für Teilnahme an den Wettkämpfen, d. h. auf Grund der von den Fachämtern ergangenen Ausschreibungen die Meldungen sofort abzugeben. Nur wenn die Meldebogen rechtzeitig vorliegen, können von der Festleitung die umfangreichen Vorarbeiten für das Fest planmäßig durch- geführt werden. Landschastsbund Volkstum undHeimat. Ortsrlng Gießen. Im Rahmen des Gaufestes des RVL. findet am 3. August ein Volkstums-Abend in der Volkshalle statt, bei dem verschiedene Trachtengruppen unseres Gaues Mitwirken Für rund 70 Trachtenträgerfinnen) muß für die Nacht 3./4. August Unterkunft geschaffen werden. Unsere Mitglieder werden gebeten, Freiquartiere zu diesem Zweck zur Verfügung zu stellen. Meldungen nimmt die Orts- ringleitung, Weserstraße 4, entgegen. Eine Musiker-Velmittlungsstelle in Gießen. Die Ortsmusikerschaft Gießen in der Reicks- musikkammer und das Arbeitsamt Gießen weisen im heutigen Anzeigenteil darauf hin, daß mit Wirkung vom I.Juli im hiesigen Arbeitsamt, Bahnhofstraße 90, eine Vermittlungsstelle für Musiker eingerichtet worden ist. In der erwähnten Anzeige werden alle Musikveranstalter dazu aufgefordert, ihren Bedarf an Musikern dieser Vermittlungsstelle zu melden. Berufsmusiker und Musiker im Nebenberuf'haben sich dort ebenfalls zu melden. Auf die Anzeige sei besonders aufmerksam gemacht. Das Waldfest der SOer-Vereinigungen Waldparke zum Ludwigsbrunnen. Wie bereits bekanntgegeben wurde, findet die Waldpartie aller Fünfziger-Vereinigungen zum Ludwigsbrunnen am kommenden Sonntag, 14. Juli, statt. Die Veranstaltung, die im Geiste echter Kameradschaft und Volksgemeinschaft durchgeführt werden soll, dürfte, nach den Vorbereitungen zu urteilen, glänzend verlaufen. Das Programm ist bekannt. Es setzt sich aus einer Begrüßung am schönen Ludwigsbrunnen, Konzert, Vorträgen heimatlicher Art durch Georg Heß, Kinderpölonaise mit Brezelverteilung und dergleichen zusammen. Für Fahrgelegenheit hin und zurück sowie für Sitzplätze im Wald, besonders für ältere Leute, ist ge- sorA. Die Postautos müssen zu anderen Fahrten rechtzeitig wieder zurück sein. Wer also mit dem Omnibus hinausfahren will, muß pünktlich spätestens um 14.30 Uhr an der Gnauthstraße am Fuldaer Babnübergang sein. Rückfahrtgelegenheit ab 19.30 Uhr mit je dreißig Minuten Abstand bis 20.30 Uhr. Es nehmen fast alle Fünfziger- Vereinigungen an der Feier teil. Um aber auch den Mitgliedern derjenigen Jahrgänge, deren Vorstände abgelehnt haben, die Möglichkeit zu geben, mitzumachen, hat der Ausschuß beschlossen, alle Fünfziger einzuladen. Es kann also jeder teilnehmen. Dieses gilt auch für sämtliche Damen-Altersvereinigungen. Zum Anmarsch kann man auch den alten Schis- fenberger Weg bis zur ersten Schneise rechts hinter der großen Kurve an der Fahrstraße vorn Schiffenberg benützen. Privatautos müssen um den Forstgarten herum, also zunächst rechts desselben fahren und parken am besten dann auf dem Weg östlich des Forstgartens mit Richtung Gießen. Sollte wider Erwarten schlechtes Wetter herrschen, so treffen sich die Fünfziger mit ihren Angehörigen auf der „Liebigshühe" (die auf jeden Fall reserviert bleibt) um 16 Uhr. Das in Aussicht genommene Programm wird dann dort durchgeführt. (Näheres siehe heutige Anzeige.) Oie tödlichen Unfälle in Hessen. LPD. Aus der jetzt vorliegenden Statistik der Todesfälle und Todesursachen im Jahre 1933 sind durch äußere Einwirkungen 765 Menschen, und zwar 560 Männer und 205 Frauen, gestorben. Die Zahl der Selbstmorde beträgt 346, also nahezu die Hälfte der gewaltsam ums Leben Gekommenen. Bei den Selbstmördern überwiegen mit 240 weitaus die Männer. Die am meisten gewählte Todesart ist bei ihnen das Erhängen, während bei Selbstmörderinnen das Vergiften durch Gas, das Ertränken ober das Abstürzen häufig find. An Morden registrierte im Jahre 1933 die hessische Statistik 28 und 3 Kindesmorde. Unter den tödlichen Unglücksfällen stehen natürlich die Verkehrsunfälle an der Spitze. Sie betragen 151 und wurden verursacht: 77 durch Kraftwagen, 38 durch Krafträder, 12 durch Fahrräder, 10 durch die Eisenbahn, 6 durch die Sttaßenbahn und 8 durch sonstige Landfahrzeuge. Auf andere Weife kamen ums Leben 48 durch Ertrinken, 13 im Bergbau, 11 durch Brand. Hoch ist die Zahl der Menschen, die an einfachen Stürzen starben; sie beträgt 54. Vom Blitz tödlich getroffen wurden 4 Personen, in Luftfahrzeugen sind 3 ums Leben gekommen. Daten für den 12. Juli. 1694: Eröffnung der Universität Halle. — 1806: Errichtung des Rheinbundes. — 1868: der Dichter Stefan George in Rüdesheim geboren (gestorben 1933). — 1874: der Dichter Fritz Reuter in Eisenach gestorben (geboren 1810). — 1919: Aufhebung der Hungerblockade gegen Deutschland. — 1933: Verkündung der neuen evangelischen Kirchenverfassung. Vornotizen. — Ta g e s k al e n d e r für Freitag: NSG. ,Lraft durch Freude": 20 bis 21.15 Uhr Allgemeine Körperschule für Frauen und Männer in Jeder Betriebssichrer, jeder Gefolgsmann. Einzelmikglled der NSV. Jedes Unternehmen — ob Fabrik, Großhandlung, Handwerksbetrieb oder Ladengeschäft — Firmenmitglied der NSV. der Schillerschule. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebe dumme Mama." — Reichsbund der Salti« kumkämpfer, Ortsgruppe Gießen: 20.30 Uhr Versammlung in der Restauration „Stadt Mainz". ** Aus der Sän gerb ewegung. Für den langjährigen, freiwillig aus feinem Amte geschiedenen, seitherigen Kreiswalter Emil Koch, Gießen, wurde von dem Bundesvorstand in Darmstadt, Sangesbruder Karl Müller vom Bauer'schen Gesangverein Gießen bestimmt, ** Arbeits - und ß i e f er u n g s d e r g e • bung. Das Reichsbahn - Betriebsamt Gießen II vergibt die Lieferung von 155 Tonnen Bafaltklein- Pflastersteinen und 180- lfd. Meter Bordsteine, ferner die Ausführung von Pflasterarbeiten auf dem Bahnhof Wölfersheim-Södel. Angebote werden vom Reichsbahnbetriebsamt I vergeben. ** D i e NS. - Kulturgemeinde, Ortsverband Gießen e. 23., schreibt uns: Um Irrtümern entgegenzutreten, fei betont, daß unser Vorstellungsring Deutsche Bühne auch in der kommenden Spielzeit 1935/36 unter der neuen Intendanz ihre Vorstellungen im Gießener Stadttheater bei günstigen Bedingungen bringen wird. Jedem Mitglied gehen innerhalb eines Monats die neuen Besuchsbedingungen zu. ** Verkehrsunfall. In der Frankfurter Straße ereignete sich gestern vormittag ein Verkehrsunfall. Ein hiesiger Motorradfahrer stieß mit einer Radfahrerin zusammen. Der Kraftradfahrer kam schwer zu Fall, erlitt Verletzungen im Gesicht und an den Hüften und mußte in ärztliche Behänd- hing gebracht werden. Em deutscher Gommergarien. Von Hans Franke. Ich trete früh aus meinem Zimmer, und der herbe würzige Geruch von Nelken schlägt mir entgegen. Im Hofe begrüßen mich die Hunde des Freundes: die schlanke hochbeinige Diana, ein rostbrauner Setter, und Rubo, der rauhhaarige Dackel, ein eigensinniger seltsamer Herr voll unvermuteter Einfälle, aber ein würdiger Charakter, der das Leben planvoll lebt, während die nervöse Diana sich von jeder Regung ihres zarten Herzens bestimmen läßt. Wenige Schritte hinter der Gartenpforte stehe ich auf dem Wege, der als Achse quer durch den Garten läuft, jenen Garten, den ich sehr liebe und von dem ich erzählen möchte. Es ist em deutscher blühender üppiger Sommergarten, ein ländlicher Garten, in dem nicht die kunstvollen und kunstgewerblichen Einfälle des Gartenbauarchitekten gewirkt haben, sondern' der von den Menschen hier, die Blumen über alles lieben, geplant und erdacht wurde. Eine hohe dichte Fichtenhecke umhegt ihn; die kalkige Giebelwand der Scheune stößt vom Hofe her hell und weiß in ihn hinein, dort wo der hohe Nußbaum steht. Die mit Steinplatten belegte Mittelachse, die wohl siebzig Meter lang ist, läuft von Bank zu Bank: die eine, die jetzt hinter mir ist, steht unter den Hollunder- und Fliederbüschen, die andere oben in der weißen Laube unter dem Gerank dunkelroter Rosen und blauer grohblütiger Klematis. Und auf diese Bank schreite ich langsam zu. Den Weg dorthin säumen Beete blauer dichter Glockenblumen, die werden von gelbem einfarbigen Goldlack begleitet. Die Glockenblumen stehen steil und hoch aufgerichtet. Die Schwertlilien, die an den Ecken der Rabatte stehen, sind teilweise schon verblüht, nur eine feingüebrige schlankblättrige Art hat noch hohe Zeit und grüßt mit den spitzen, ein wenig exotischen Blüten; bei den anderen prangen schon die Fruchtschoten, dicke aufgedunsene Kapseln. Die Pfingstrosen aber prangen in vielerlei Farben, rot, weiß und rosa, füllig und satt sind sie. Doch da habe ich schon einen -Blick in die Seitenwege geworfen, in denen die Vielfalt verlockend ist. Buschrosen sehe ich da, diese treuen wetterfesten Freunde des Gärtners; fremd und abweisend wiegt sich die Akelei, die hat ein zurückhaltendes eigenbrötlerisches Gehaben, und die Finger der Natur haben besonders lange und besonders innig an ihr geformt, solch seltsame Blütensporne hat kaum eine andere; auch der Rittersporn kann neben ihrer Eigenheit nichts ausrichten, aber er spendet unermüdlich sein sattes Blau in das Orchester der Farben; er wächst hier üppig und dicht, in gesunder Fülle; wie ein blutiges Mal dazwischen der rote Mohn; Brennende Liebe glüht nicht minder stark und weiße Lilien schwanken im Frühwind, der leise sich hebt aus der Niederung dort hinter den Pappeln, die hoch und rauschend den Garten umstehen. An anderer Stelle — zu kleinen Rabatten gesiedelt oder einzeln verstreut in diesem Meere des Wuchses, Inseln gleichsam im Grün — steht der gefällige handfeste Phlox, dankbar jeder Pflege, der sich auftut in immer neuen Überraschungen; daneben die Nelken, in breiten Polstern bilden sie Familien; weiß sind sie oder dunkelrot, rosa auch mit blutroten Kernen, von himmlischen Fingern gezeichnet und bemalt. Obwohl man schon viele Sträuße schnitt und ins Haus trug, wuchert es fort: es ist ein Nelkensommer heuer, die Luft trägt den Dust weichin, er strömt durchs Haus, überall ist er. Goldrute sehe ich noch und Hangendes Herz, Stauden von Astern und Dahlien, die noch im Blattgrün stehen: wenn die erblüht sind, dann ist es nahe am Herbst... Fetzt bin ich an der dicken Brombeerhecke angelangt; ihre dichten stachlichen Ranken sind aufgebunden an den Holzlatten, die Blüten liegen verstreut im Grase, wie bald und die Kinder werden sich hier rote Mäuler und Risse in den Kleidern holen. Hier ist auch die Parade des Goldlacks und der Glockenblumen zu Ende. Reserviert und unnahbar stehen einige Fingerhüte da, hochaufgerichtete Flügelleute gleichsam und zu Gast unter bescheideneren Brüdern. Dicht an der Hecke die anderen Beerensträucher, dann dehnt sich die kleine Rasenflache, in der die Obstbäume stehen. Und am Wege, ehe man die Laube erreicht, lockt der Steingarten. Der Steingarten ist der Stolz jedes Gärtners. Hier springt er in zwei rechtwinkligen Dreiecken rechts und links vom Wea ab in den Rasen; die kleinen Polster, die allmählich aufsteigen, täuschen Gebirge vor, Plateaus, Bergwiesen und kalkige Matten, aber sie sind nicht mit kühnen Gemsen besiedelt: ein Goldkäfer nur und Spinnen kriechen über sie hinweg. Der bunte Flor ist schon ein wenig entfärbt, schnell vergeht das Wunder... wir wissen es alle... Was hier blühte und blüht, das hat fremdländische Namen, es sind seltene Abarten gewöhnlicher Stämme, weither kommen sie oft, um auf diesem kleinen Gebirge zu siedeln. Kleine Stiefmütterchen findest du oder Bergveilchen, Nelken und Akelei, aber auch Hauswurz und das niedliche Porzellanblümchen, ein gelbes niederes Pfeffer- traut, die blaue schmucke Aubriette, eine fremde Minze, zierlich und zart, die gelben Blüten des Nachtschattens und gar manches andere mit dem Beinamen „montana", das soviel heißen soll, als' daß die Familie einst in hohen Berglagen unter dem Sturm der Föhne zuhause war. Vieles, das hier blüht, ist pelzig und grau, fett und absonderlich — welche Überraschung: ein Edelweiß blüht inmitten! Nun sitze ich in der Laube. Der Weg, den ich kam, liegt vor mir. Die kleinen Terrassen zur Laube tragen gelben niederen Mohn, der ist sehr zart und frühe am Mittag schon schließen sich diese Blüten, rollen sich zusammen und scheinen sehr traurig. Neben ihnen stehen Buschrosen aus feineren Arten, stolz neben den wetterfesten Bauern, mit klingenden Namen wie Mrs. John Lying ober Souvenir de Claudius Pernet. Und als absonderlichster Gast, geduldet und keck sich aufrichtend, eine Königskerze. Noch aber gibt es Ecken mit Himbeerstauden; bei dem hohen Nußbaum wachsen die Erdbeeren und Tomaten, anderswo ist eine Ecke mit feuchtem Unkraut, und ich kenne einen Strauch Jasmin, der ein großes weißes Blütenauge aufschlägt und den Duft eines Traumes entläßt, märchenhaft schön. Das ist der Sommergarten! Ein deutscher Garten. Die Stätte des» Werdens und Atmens. Hierher werden die Freunde, die in das gastliche Haus des Freundes eintreten, zuerst geführt, hier geht man auf und ab, hier sitzt man um den Tisch mit den großen bunten Tassen beim Kaffee. Ich liege nun in einem der Liegestühle und luge in den Nutzgarten, der sich bescheiden hinter den Beerensträuchern verbirgt. Hier schaltet die Großmutter, kämpft gegen die Schädlinge und das Unkraut, oft bückt sich ihr vom Alter gebeugter Rücken. Im Garten aber geht nun die Hausfrau hin und wider, die dunkle Frau, die Herrin der Blumen und Stöcke, der Bäume und Stauden, die wohl einen Winter lang nachsann, wie sie die Beete noch prangender, den Steingarten noch bunter, die Rabatten noch schöner machen könnte, sie späht allenthalben nach seltenen Arten, und liebevoll und fröhlich ist ihr Herz, wenn sie neue Freunde in die heimatliche Erde senken darf... Nun rauscht der Storch über den Garten hin mit lässigem Flügelschlage, er fliegt zum Bache, über die Pappeln hinweg, die noch immer leise schauern im frühen Wind. Vieles im Leben habe ich gesehen, und manche Länder rollten ihre Schönheiten vor mir auf; aber ich liebe nichts mehr als den Sommergarten in Deutschland, den bunten Garten, den die Liebe zu Blüten und Blumen hegt und umsorgt. Berühmte deutsche Herbergen. Die alten einfachen gemütlichen Trinkstuben und Herbergen kommen jetzt allerorts wieder zu Ehren, nachdem sie eine Zeitlang im Wettbewerb mit den großen modernen Gaststätten fast in Vergessenheit geraten waren. Manche alte Trinkstube hat aller« dings inzwischen schon einem Neubau Platz machen müssen, aber nichts bereitet dem Wanderer eine größere Freude, als wenn er in einem abgelegenen Städtchen eine solche Herberge entdeckt, die eine jahrhundertealte Geschichte hat. Daneben haben einige altberühmte historische Gasthöfe ihr großes Ansehen zu erhalten gewußt, und wer die Sehenswürdigkeiten einer Stadt besichtigt, der versäumt es nicht, sich diese Herbergen nicht nur von außen, sondern auch von innen zu besehen. Manche von ihnen blicken auf eine vier- bis fünfhundertjährige Lebensdauer zurück. So haben im ehrwürdigen „Stachel" zu Würzburg vor fast vierhundert Jahren der treffliche Bürgermeister und berühmte Holz- fchnitzer Tilman Riemenschneider und die Führer der aufständischen Bauern gekneipt. In „Auerbachs Keller" zu Leipzig hielt Dr. Martin Luther Einkehr, obwohl der Weltruhm dieses Lokals erst durch den Aufenthalt des jungen Stu- deuten Goethe und durch feine Darstellung im „Faust" begründet wurde. In den mächtigen Kellergewölben des Königsberger Ordensschlosses bewahrt die uralte Weinstube „Zum Blutgericht" ihr hohes Ansehen. Allbekannt ist in Frankfurt am Main der Gasthof „Zum Krokodil". In der „Hohen Lilie" zu Erfurt wohnte Gustav Adolf von Schweden, als er im Dreißigjährigen Kriege in der Stadt Aufenthalt nahm, und in die gleiche Zeit reicht die „Gosenschenke" zu Eutritzsch bei Leipzig zurück. Wer nach Heidelberg kommt, wird sicher auch den „Ritter" an der alten Heiliggeistkirche besuchen. Eine andere alte Trinkstätte, die bis heute noch nichts von ihrem Ruf verloren hat, ist der „Schweidnitzer Keller" in Breslau, der sich im Untergeschoß des herrlichen Rathauses befindet. Die Stadtchromk erzählt schon aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts von diesem Keller, der damals wohl nur ein Holzbau wär, und mit Wehmut hören wir, daß damals dort ein sehr guter Wein, das Quart zu 28 Heller, das sind 15 Pfennig, verabfolgt wurde. Vom Schimmer der Geschichte und der Poesie verklärt ist der Bremer Ratskeller, auf beffen alte Weine Hauff sein märchenhaftes Lob« lied fang, und nicht minder alt und ehrwürdig ist der Ratskeller von Lübeck. Oberhessen. Gemeinderat in Schotten. Rundgang durch die Stabt O 6 tf) n 11 e n, 11. Juli. Der Gemeinderat machte gestern nachmittag einen Rundgang Lurch die Stadt, um zu verschiedenen Projekten Stellung nehmen zu können. Der alte Kirchenbrunnen ist dringend reparaturbedürftig, eine Wiederherstellung ist mit erheblichen Kosten verbunden, die sich nicht lohnen. Der Brunnen selbst mit seinem gußeisernen Kranz hat keinen künstlerischen Wert, weshalb sich auch die Denkmalspflege mit der Entfernung einverstanden erklärt hat. Nach der Beseitigung des Brunnens müßte der ganze Platz und die Straße mit Kleinpflaster versehen werden. Damit wird ein schöner großer freier Platz gewonnen und auch das Gesamtbild der Kirche wesentlich verschönt. Sobald die Geldmittel verfügbar sind, wird dem Projekt näher getreten. Es wird dabei Vorsorge getroffen, daß die Quelle des Kirchenbrunnens erhalten und für Notfälle benutzbar bleibt. Das Hintere Kirchen- gäßchen wird jetzt gepflastert. Dem Rathaus tut em Anstrich Not. Das Hochbauamt stellt einen Voranschlag auf. In gleicher Weise ist dies schon für das alte Schulgebäude geschehen, für dessen Renovierung ein Betrag von etwa. 2600 Mark erforderlich wird. Nack Lösung der Geldbeschaffungsfrage wird auch dieses Gebäude endlich ein schöneres Gesicht bekommen. Für die Zentralheizung der Realschule ist ein anderer Kessel erforderlich, eine sachverständige Nachprüfung erfolgt. Es wurde darauf die neue Vogelsberastraße besichtigt, die für das Rennen neu hergestellt wurde. Auf der rechten Seite wird den dort befindlichen Häusern entlang ein Bürgersteig angelegt. Das eine städtische Mietshaus in der Dogelsbergstraße wird besonders für die städtischen Mieter reserviert, die schon lange mit der Zahlung ihrer Miete im Rückstand geblieben sind. Der Gemeinderat besichtiate alsdann die ebenfalls neuhergestellte Laubacher Straße. Man hat schon mehrfach Anstoß daran genommen, daß an dieser schönen Straße alte Holzhaufen, Bretterbuden und dergleichen errichtet wurden, die das Landschaftsbild stören. Auf Entfernung dieser unschönen Gegenstände, Reklametafeln usw. wird mit allen Mitteln hingearbeitet. Die Bergstraße und einige andere Straßen der Stadt werden neu eingedeckt und für das Rennen hergerichtet. Am Schießhorst wird der rechts der Straße entlang ziehende Graben zugelegt und an die Kanalisation angeschlossen. Der Gemeinderat begab sich alsdann auf die Warte, um die Bau arbeiten am Ehrenmal zu besichtigen. Baurat Gilbert, der den Rundgang mitmachte, gab einen Ueberblick über die weitere Ausgestaltung des Denkmals. An den drei Hinteren Seiten des Jnnenraumes sollen drei Tafeln angebracht werden, die die Namen der Gefallenen mit Angabe des Ortes und Sterbetages enthalten sollen. Die Treppe nach oben ist bereits Wohnhäusern, die im Rohbau fertig sind, kommt nun ein drittes. Außerdem werden zahlreiche Stallungen und Scheunen teils neu gebaut, teils geändert und vergrößert. Die Ziegelei an der Holzheimer Straße, die seit dem Frühjahr wieder im Betrieb ist, beschäftigt zahlreiche Arbeiter und hat augenblicklich sehr guten Absatz. — Nächsten Sonntag und Montag wird hier bei der Turnhalle — wie alljährlich — die Lang-Gönser Kirmes gefeiert. An diesem Volksfest wird die gesamte Gemeinde teilnehmen. ! Aus dem südlichen Kreise Gießen, 11. Juli. Durch das anhaltende warme Wetter rückt der Beginn der Hauptgetreideernte rasch näher. Roggen- und Gerstefelder sind schon gelb. Die W i n i e r g e r st e ist überall geschnitten und bereits eingefahren. Mit Beginn der nächsten Woche fängt der Schnitt der Sommerger st e an. Das Korn wird bald folgen. Die Frucht steht bis jetzt noch sehr schön, und wenn kein schwerer Regen kommt, dann können in diesem Jahre die Maschinen überall in volle Tätigkeit treten und rasche Arbeit leisten. Bei den Hackfrüchten wird es leider einige Ausfälle geben. Die Kartoffeln sind zum Teil — wohl infolge des kalten Mai und auch zum Teil durch falsches Saatgut — recht schlecht vorangegangen. Ein guter Regen würde hier nichts schaden. Bei der Dickwurz macht die Bekämpfung des Unkrautes große Arbeit. Besonders zahlreich treten die Ackerwinden, die sich im vorigen trockenen Sommer gut ausbreiten konnten, auf. Kreis Friedberg. 4- Nieder-Weisel, 11. Juli. Wie erst kürzlich berichtet, erhält der Turm unserer Kirche eine neue Beschieferung. Die Arbeiten haben einen befriedigenden Fortgang genommen, so daß gestern wieder die neuhergestellte vergoldete Wetterfahne, die die Jahreszahl 1655 trägt, auf die Spitze des Turmes gebracht werden könnte. Zu diesem Akt hatten sich eine größere Anzahl Einwohner einge- fundeu, um der in großen Zeitabständen sich wiederholende Arbeit zuzusehen. Gleichzeitig mit dem Aufsetzen der Wetterfahne wurde in den Turmknopf zu den bereits vorhandenen Urkunden neue Berichte aus der Kriegs- und Nachkriegszeit beigefügt, um sie der Nachwelt auf diese Weise zu überliefern. Der Ortspfarrer und Bürgermeister Hildebrand hielten bei der schlichten Feier entsprechende Ansprachen. — Bis auf einige Kleinigkeiten ist endlich die Verbindungsstraße nach O st heim fertiggestellt und stellt ein Muster des Straßenbaues dar. Um der gesteigerten Belastung des Verkehrs gerecht zu werden, wurde die alte Straße um mindestens einen Meter verbreitert, die dadurch bedingten Einfahrten mußten verlegt, der Straßengraben verschoben und die Kanaleinläufe eine Veränderung erfahren. Außerdem wurde der bereits vorhandene Bürgersteig abgerissen und erhiell nach einer seitlichen Verlegung neue betonmäßige Befestigung. Die im Ortseingang von Ostheim beträchtlich ansteigende Straße wurde abgetragen und an der tiefsten Stelle aufgefüllt, so daß die Steigung jetzt kaum>merklich ist. Neues Packlager, Aufschotterung und eine Teerdecke erhielt dann die vorgerichtete Straße, so daß sie heute dem Verkehr in jeder Beziehung gerecht wird. Kreis Alsfeld. st Kirtorf, 11. Juli. In ihrer jüngsten öffentlichen Sitzung hatte sich die Gemeindevertretung mit verschiedenen Vorlagen zu beschäftigen. Zunächst wurde über die Neuanschaffung eines Bullen Beschluß gefaßt. Weiter stand die Erwerbung des Freiherr!. Schenckschen Schwimmbades in Gemeindeeigentum zur Beratung. Der Gemeinderat genehmigte die durch den Bürgermeister in dieser Richtung bereits unternommenen Schritte, wonach das Bad im Austauschverfahren durch Landabgabe an den seitherigen Besitzer in den Besitz der Gemeinde überführt wird. Diese Maßnahme ist mit Freude begrüßt worden und wird insbesondere von der badelustigen Jugend dankbar empfunden.. Die Badeanlage wird nunmehr in neuem ordnungsmäßigen Zustand wieder erstehen. Abschließend wurden noch verschiedene kleinere Punkte behandelt. — Bekanntlich wurde hier vor einigen Wochen ein W ä h l e r a m t im Gebäude der Postagentur errichtet, das nunmehr seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Diese von der Postbehörde eingerichtete Anlage, hat bei den Teilnehmern des Fernsprechverkehrs großen Anklang gefunden. Dem Selbstanschlußamt Kirtorf sind folgende Orte angeschlossen: Kirtorf, Lehrbach, Erbenhausen, Ohmes, Ober-Gleen, Heimertshausen und Bernsburg. # Aus dem oberen Ohkntal, 11. Juli. Die Kurvenbestückungsarbeiten an der Ohmstraße sind von Ruppertenrod über Ober-Ohmen bis Unter- Seibertenrod beendet. Auch von unterhalb Ulrichstein bis zum Abzweig nach Schotten und Lauterbach schreiten die Arbeiten rüstig vorwärts. Der Ausbau der Straße erfordert sehr große Mengen Gesteinmaterial, das während der Arbeiten zusätzlich angefahren werden muß. Viele Volksgenossen, auch in der Basaltindustrie haben dadurch Arbeitsmöglichkeit. # Ober-Ohmen, 11. Juli. Unser Schwimmbad oberhalb des Dorfes ist bei der gegenwärtig heißen Witterung wieder ein beliebter Aufenthaltsort unserer Jugend, die unter Führung von Lehrer Jung sich mit dem Erlernen des Schwimmsports befaßt. * Arnshain, 11. Juli. Der hiesige 25 Jahre alte Arbeiter Ernst D ö l s i n g zog sich eine schwere Verletzung am rechten Fuß zu und mußte in die Klinik nach Gießen gebracht werden. Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen in Lich verlegt, mit dem Einschalen für die Eisenbetonüecke ist begonnen. Rund um das Denkmal wird eine schöne Anlage mit Weißdornhecke und Ruhebänken geschaffen werden. Immer wieder wird die herrliche Lage des Denkmals mit dem umfassenden Rundblick auf die Höhen unseres Gebirges bewundert. Ende September soll voraussichtlich die Einweihung stattfinden. Landkreis Gießen. y Watzenborn-Steinberg, 11. Juli. Am Mittwoch um 23.30 Uhr wurde Feueralarm in unserer Gemeinde gemeldet. Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier hatte Nachtalarm angesetzt. Als Brandobjekt wurde das außerhalb gelegene Sägewerk von Jakob Rühl ((Barben- teicher Straße) betrachtet. Innerhalb von 10 Minuten waren bereits die zwei Spritzen mit den dazugehörigen Hilfsgeräten an Ort und Stelle und hätten in Tätigkeit treten können. Feuerwebr- mannschaften in Stärke von 100 Mann, dazu SA., Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz und eine große Anzahl Einwohner hatten sich sofort eingefunden. Regierungsrat Grein (Gießen) erläuterte in kurzen Zügen einen solchen Nachtalarm und betonte, daß neben dem Fußexerzieren doch auch ipi Falle eines Brandes bei Nacht die Wehr an ihren Geräten ihr Können unter Beweis stellen müsse. Sodann dankte er allen Kameraden der Freiwilligen und der Plichtfeuerwehr, der SA. und der Samtätskolonne für ihr schnelles Eintreffen. Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier sprach der Wehr seine volle Anerkennung aus über die mustergültige Durchführung des markierten Brandangriff?. Gegen 0.30 Uhr rückte die Wehr wieder ein. + (Brünberg, 11. Juli. Am Mittwoch fand die Musterung der Militärpflichtigen von Grünberg und einiger Nachbarorte in Gießen statt. Die Gestellungspflichtigen der beiden Orte Queckborn und Weickartshain sichren mit schön geschmückten Wagen am Margen zum hiesigen Bahnhof. Am Nachmittag wurden die heimkehrenden Rekruten vom Spielsmannszug des Jungvolks vom Bahnhof abgeholt und im Zuge auf den Marktplatz geleitet. Dort entwickelte sich dann bald das Leben und Treiben, wie man es bei den Musterungen vor dem Kriege gewohnt war. Damals fand nämlich für den hiesigen Bezirk die Musterung in Grünberg statt. Den bändergeschmückten Rekruten folgte stets auf ihrem Zuge durch die Stadt und die einzelnen Wirtschaften ein Schwarm Jugend nach, der mit dem bekannten Ruf „Weck herausl" dieselben aufforderte, Eierwecke unter sie zu werfen, was dann auch ausgiebig geschah und eine tolle Balgerei der Jugend um die von der Straße aufgelesenen Brötchen nach sich zog. Der alte Brauch wurde auch diesmal wieder geübt. -Lauter, 11.Juli. Nachdem an einigen Kreisorten schon die Ehrenkreuze für Frontkämpfer, Kriegsteilnehmer und Hinterbliebene zur Ausgabe gelangt sind, wurden sie nunmehr auch hier überreicht. — Dieser Tage wurde unsere Freiwillige Feuerwehr, die etwa vor Jahresfrist gegründet wurde, eingekleidet. — Am Sonntagnachmittag stattete die hiesige NS.-Frauenschaft der Frauenschaft von Göbelnrod, die im Mai die hiesige besucht hatte, ihren Gegenbesuch ab. — In Gießen fand gestern die Musterung der Jahrgänge 1914 und 1915 statt. Am Nachmittag wurden sie auf einem festlich geschmückten Wagen in Grünberg abgeholt. Anschließend ging es dann in das Dorf. Es wurden Eier und Speck gesammelt, die bei einigen Stunden fröhlichen Zusammenseins verzehrt wurden. s Lang-Göns, 11. Juli. Der heutige Ferkel- und Krammarkt war nur schwach beschickt. Der Auftrieb von 38 Ferkeln war bald abgesetzt. Die Preise waren etwas niedriger als beim vorigen Markt. Für Ferkel wurden je Alter und Größe 23 bis 28 RM. bezahlt. — Die B a u - tätigt eit in unserer Gemeinde ist in diesem Jahre wieder sehr rege. Zu den zwei neuen * Lich, 11. Juli. Der Bautätigkeit in dem laufenden Jahr ist es in erster Linie zuzuschreiben, daß fast alle seither °*noch nicht beschäftigten Volksgenossen unserer Stadt an einer Arbeitsstätte Verwendung und damit Verdienst finden konnten. Von privater Seite werden in der Hungener Straße drei Einfamilienhäuser errichtet, von denen eines in den nächsten Wochen bezogen werden kann. Weiter wurden durch Private eine Reihe von Anbauten, Aufstockungs- und Gebäude- unterhaltungsarbeiten vorgenommen. Die Land- maschinenfavrik Georg Schiefer st ein hat auf ihrem Gelände in der verlängerten Bahnhofstraße neben ihrer im vorigen Jahr errichteten Schreinerei ein weiteres sehr geräumiges Fabrikgebäude errichtet, das, wie man hört, als Taucherei und Lackiererei Verwendung finden soll. Die Firma Schieferstein, die neben der Brauerei Jhring-Mel- chior zu den größten privaten Unternehmen unserer Stadt zählt, beschäftigt heute rund 150 Volksgenossen und spielt somit im wirtschaftlichen Leben unserer Stadt eine nicht unerhebliche Rolle. Ist es doch namentlich dieser Firma zu verdanken, daß so viele Erwerbslose der Arbeit wieder zugeführt werden konnten. Neben einheimischen Volksgenossen finden auch viele Leute aus den umliegenden Dörfern bei dieser Fabrik Arbeit und Brot. Auch die Straftenbauüerroaltung hat sich an der Beschaffung von Arbeit nicht unwesentlich beteiligt und läßt gegenwärtig die Hungener Strafte mit Basaltsplttt unter Zusah von leer neu einebnen. Dieselbe Arbeit soll auch noch an der Garbenteicher Strafte vorgenommen werden. Daß natürlich unsere Stadt bei der Arbeitsbeschaffung als Arbeitgeberin an erster Stelle steht, ist verständlich. Der Ausbau der verlängerten Bahn- hofltraße auf eine Länge von 220 Meter erwies sich als unbedingt notwendig, um eine Zufuhrstraße zu der Schiefersteinschen Fabrik zu schaffen. Noch im vorigen Jahr wurde der Ausbau der Straße begonnen und Kanal und Wasserleitung gelegt. Jetzt wurden noch Gossenpflasterung und Fußgängeranlage geschaffen und die Straßendecke fertiggestellt. Die Arbeiten, die von der Baufirma Stengler von hier erledigt werden, gehen in Kürze ihrem Ende entgegen. Ferner wird, ebenfalls als Notstandsarbeit, die Instandsetzung der Derbindungs- ftrafte zwischen der Wallstraße und dem Turmgäßchen gegenwärtig durchgeführt. Wegen ihres starken Gefälles macht die Herstellung einige Schwierigkeit. Von den Anwohnern in der Wallstrafte und den Landwirten in dem Stadtzentrum wird dieser Straftenbau mit grofter Freude begrüftt; wird es doch jetzt erst möglich, den neuen Verbindungsweg als Fuhrwerksweg zu benutzen, um auf kürzestem Wege von der Stadt zu den Gärten und Aeckern nördlich der Stadt zu gelangen. Weiter sind schon seit Wochen und Monaten die SJlxfport AusttagungderGaumeistelschastenimSchwimmen Am Sonntag in der Müllerschen Badeanstalt. Gleichsam als Auftakt für das vom 2. bis 4. August d. I. in Gießen stattfindende Gaufest des Gaues XII des Reichsbundes für Leibesübungen werden am kommenden Sonntag auf der bewährten Kampfstätte des Gießener Schwimmsports in der Müllerschen Badeanstalt die Schwimm-Meisterschaf- ten des Gaues ausgetragen. Mit der Ausrichtung der Wettkämpfe ist der Gießener Schwimmverein beauftragt. Abgesehen davon, daß nach längerer Pause eine größere schwimmsportliche Veranstaltung in Gießen ohnedies lebhaft zu begrüßen ist, erhalten die Wettkämpfe dadurch ihre besondere Note, daß die Gau- meisterschaften erstmalig im Rahmen der großen Sammlung aller Sportarten unter Einschluß des Turnens im Reichsbund für Leibesübungen durchgeführt werden. Es beteiligen sich dahtzr an den Wettkämpfen sowohl die Angehörigen der Deutschen Turnerschaft, wie auch die des Deutschen Schwimmoerbandes. Aucsi andere, nicht in erster Linie schwimmsporttreibende Gemein- chaften beschicken die Wettkämpfe. Daß hierbei auch die örtlche Festlegung der neuen Gaugrenzen in Erscheinung tritt, ist ebenfalls von Bedeutung. Jedenfalls bedeutet die Veranstaltung für Gießen ein sportliches Ereignis und wird bei der ständig wachsenden Anhängerschaft des Schwimmsports in unserer oberhessischen hei- amt zweifellos Anklang finden. Die Gewähr hierfür bietet einmal die Tatsache, daß insgesamt 15 verschiedene Vereine und Organisationen zu den Meisterschaften gemeldet haben. Zum anderen sind auch die orgamsa- torischen Vorbereitungen für eine erfolgreiche Durchführung der Veranstaltung so eingehend betrieben worden, daß an dem Gelingen nicht zu zweifeln ist. Die Austragung der Wettkämpfe beginnt am Sonntagvormittag. Es ist als gutes Vorzeichen zu nehmen, daß bereits der erste Wettkampf 1500 Meter Kraul für Männer, insbesondere in der Gauklasse 1, eines der interessantesten Rennen des Tages bieten wird. Aichinger, Kurhessen-Kassel, wird hier auf Arnold Zimmer vom Gießener Schwimmoerein treffen und es ist anzu- nehmen, daß sich der in bester Form befindliche Gießener gegen den bekannten Kasseler Langstreckenschwimmer ernsthaft zur Wehr setzen wird. Ebenfalls am Sonntagvormittag wird das Kunstspringen für Männer und Frauen abgewickelt, ein Wettkampf, der bekanntlich stets eine besondere Anziehungskraft ausübt. Bei den Männern wird Max Schüler, Gießener Schwimmverein, mit Heinz Kr amm vom Kasseler Schwimmoerein und drei weiteren Bewerbern aus Kassel in Konkurrenz treten. Schüler, der ein eifriges Training hinter sich hat, sollte insbesondere auf den ihm vertrauten Brett als Sieger anzusprechen sein. Auch das Kunstspringen der Frauen wird interessante Darbietungen bringen. Am Sonntagnachmittag werden die Wettkampfe fortgesetzt. Sie nehmen ihren Anfang mit dem Rückenschwimmen für Frauen 100 Meter, ein Rennen, das zahlenmäßig eine nicht allzu starke Besetzung aufweist. Der dritte Wettkampf, 100 Meter Kraulschwimmen für Männer, wird, wie immer, besonderes Interesse für sich in Anspruch nehmen. Die darauf folgenden 100 MeterKraul für männliche Jugend wei- Arbeiten im Gange, die der Wasserbeschaf. fung für unsere Stadt dienen. Die Wasserfrage, die unsere Stadtväter schon bald vier Jahr« zehnte beschäftigt, soll endlich eine Lösung finden. Als man um die Jahrhundertwende unter einem außerordentlich starken Wassermangel litt, wurden unter dem damaligen Bürgermeister Heller neue Wege gesucht, den Wassermangel zu beheben. Die Wasserleitung von der Wingerte genügte nicht, die Stadt vollständig zu versorgen. Damals wurde zum erstenmal in Erwägung gezogen, mit der Gemeinde Albach wegen der Quellen in den Albacher Wiesen zu verhandeln. Unter Bürgermeister D ö r- mer wurde dann weiter gearbeitet, bis schließlich die Wasserfrage mit dem Bau der Leitung vom Albacher Quellgebiet her i^re Lösung fand. Doch dachte damals niemand daran, daß infolge des Ausbaues größerer wirtschaftlicher Unternehmen in unserer Stadt, so u. a. der Brauerei Jhring« Melchior und der größeren Metzgereien, die heute zu den größten unserer Heimatprovinz gehören, und des Wachsens der Einwohnerzahl der Wasserbedarf unserer Stadt sich auf täglich etwa 800 Kubikmeter steigern würde, so daß bald wieder Wassermangel eintrat. Es war auch nicht möglich, durch neugegrabene Brunnen am Breuberg den Wassermangel ganz zu beheben. In den letzten Jahren klagten namentlich die Anwohner der Butzbacher und Garbenteicher Straße über Wassermangel und schwachen Wasserdruck. Um beide Straßen vorerst genügend mit Wasser zu versorgen, sollen sie in Zukunft an den Hauptstrang an- geschlossen werden. Diese Arbeiten wurden inzwischen begonnen. Weil größere Arbeiten, die der Wasserbeschaf- fung unserer Stadt dienen, werden in den Quellgebieten in der Lehmkaute, ferner an den Abhängen der Wingerte, gegenüber dem alten Wasserreservoir, und hinter der Jahn- strafte ausgenommen. Auf Anraten von Sachverständigen wurden diese Bohrungen vorgenommen und brachten auch einen bedeutenden Erfolg. Der Brunnen in nächster Nähe der Stadt, etwa 12 Meter tief, liefert täglich etwa 175 Kubikmeter Wasser. Der Brunnen, ungefähr 200 Meter nördlich von diesem in der alten Lehmkaute, der etwa 18 Meter lief ist, bringt 100 Kubikmeter Wasser täglich hervor, und die Quelle, nur 100 Meter westlich dieses Brunnens, liefert täglich auch etwa 100 Kubikmeter. In diesem Brunnen tritt bei einer Tiefe von 12 Meter unter dem Gestein bestes Quellwasser hervor. Dieses Wasser wird gegenwärtig durch eine ununterbrochen laufende Motorpumpe dem alten städtischen Wasserhochbehälter, der kaum 60 Meter entfernt liegt, zugepumpt und damit der Stadt zugeführt. In Zukunft soll aber diese Quelle direkt der Brauerei Jhring-Melchior zugeführt werden. Die neue Leitung dafür ist schon gelegt worden. Sie führt dem Dietertweg her, überquert die Garbenteicher Straße, führt weiter an einem Verbindungsweg her zur Butzbacher Straße, überquert diese beim Eifenbahnviadukt, läuft dann parallel zum Eisenbahndamm und endigt im Wasserbehälter, den die Firma Jhring-Melchior im ehemaligen Kratzschen Garten gegenwärtig errichten läßt. Die Leitung ist weit länger als ein Kilometer. Im Quellgebiet dieser neuen Wasserleitung werden gegenwärtig noch Ausschachtungsarbeiten größeren Stiles ausgeführt, in denen der Anschluß der neuen Leitung an die ergiebige Quelle vorgenommen wird. Die Arbeiten, die dem Baugeschäft Christian Fey übertragen sind, nehmen noch einige Wochen Zeit in Anspruch. Man hofft, daft, wenn die beiden noch nicht angeschlossenen Brunnen In der Lehmkaute und der Jahnstrafte ausgebaut und der städtischen Wasserleitung zugeführt sind, der Wassermangel für alle Zukunft behoben fein wird; flehen doch dann der Stabt täglich etwa lausend Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Mit diesen Arbeiten sind aber die Möglichkeiten der Arbeitsbeschaffung für unsere Stadt noch nicht alle erschöpft. Es könnte noch die Jahnstraße in ihrem Ende ausgebaut werden, ferner wäre die Erneuerung der Holzbrücke über die Wetter am Hinteren Ausgang des Schloßgartens, die zusarn- rnengebrochen ist und ttotz Sperrung von Jugendlichen noch benutzt wird, dringend vonnöten. Es ist zu erwarten, daß die Stadtverwaltung auch für die Zukunft alle Gelegenheit wahrnehmen wird, soweit es in ihren Kräften steht, im Sinne unseres Führers zu arbeiten und mitzuhelfen am großen Aufbauwerk unseres Vaterlands. fen, was ganz besonders erfreulich ist, eine große Anzahl von Teilnehmern auf. Wenn nicht alles trügt, werden die Jugendschwimmer unter Beweis stellen, daß die intensive Förderung, die gerade dem Jugendschwimmen zuteil wird, gute Früchte zeigt. Es sollte nicht überraschen, wenn die Ergebnisse dieses Rennens den Wettkampfzeiten nach neben den Ergebnissen der 100 Meter Kraul für Männer in Ehren bestehen können oder sie gar übertreffen. Das nächste Rennen, 2 0 0 Meter Brustschwimmen für Frauen, sieht die Olympia- Anwärterin Helga von Düring vom Gießener Schwimmoerein am Start. Sie vertritt als einzige die Gauklasse I, während sieben weitere Teilnehmerinnen von Hanau, Kassel und Bad-Nauheim in der zweiten Klasse starten. Im darauffolgenden Wettkampf, 2 0 0 Meter Bru st schwimmen für Männer ist Me - oes, Gießener Schwimm-Verein, zum ersten Male in der Klasse 1 vertreten. Bei den vorjährigen Gaumeisterschaften erreichte er die beste Zeit aller Teilnehmer an diesem Wettkampf, obwohl er damals noch «in der 2. Klasse startete. Da bas~ Rennen eine große Besetzung aufweist, läßt sich über das Ergebnis kaum etwas voraussagen. Das 100 - Meter - Brustschwimmen für weibliche Jugend wird ebenfalls interessante Aufschlüsse über die Fortschritte des Nachwuchses geben. Die Teilnehmerzahl ist nicht ganz so groß, wie bei dem später ausgetragenen 100-Meter- Bru st schwimmen für männliche I u - g e n d. Das Ergebnis in beiden Wettkämpfen ist vollkommen offen. Zwischen diesen beiden Rennen werden drei Staffeln, die 4 X 100 ° Meter . Kraul - Staffel für Männer, 4 0 0 - Meter - Lagenstaffel für Männer und 4 X 100 - Meter-Brust« Raffel für Frauen gestartet. Die letztere Staffel verdient deshalb besondere Beachtung, weil hier die Mannschaften des Gießener Turnvereins von 1846 und des Gießener Schwimmvereins mit der des Kasseler Schwimmvereines in Wettbewerb treten. Nach dem 100-Meter-Rückenschwim« menfürManner.in dem Opfer, Marburger RWWWW 2 '-M 1 DieleichWIeWenWettbewerbebeiml.Gaiisest 4 Meter-Staffel (Frauen), Entscheidung; (Dreikampf): 75- Weitsprung, 2,70 kg), 3,60 bis 9,60 Mädchen. Jahrgang 1919 und jünger Meter-Lauf, 14,4 bis 10,4 Sek.; bis 4,70 Meter; Kugelstoßen (4 Meter. Bei den holländischen Tennis-Meisterschaften kam im Fraueneinzel Marieluise Horn durch einen 6:0, 6:2-Sieg über die Belgierin Sols leicht eine Runde weiter. Klasse 1 treffen wiederum Eichinger, Kurhessen Kassel, und Zimmer, Gießener Schwimmverein, aufeinander. Den Abschluß aller Wettkämpfe bildet die Austragung des Wasserballspiels, an dem Kurhessen Kassel und die Mannschaft des Gießener Schwimvereins beteiligt sind. Das Spiel verspricht einen interessanten Verlauf zu nehmen. Schwimmverein, als Sieger zu erwarten ist, und dem 100 • Meter • Kraulschwimmen für Frauen werden die Schwimmwettkämpfe beschlossen durch das 400 • Meter • Kraulschwimmen für Männer. Dieses Rennen wird noch tzinmal ungeteilte Aufmerksamkeit für sich in Anspruch nehmen, da sowohl in der 1. wie auch in der 2. Klasse spannende Kämpfe zu erwarten sind. In Die Deutschen Gewichtheber-Mei- st e r s ch a f t e n begannen am Donnerstag in der Berliner „Neuen Welt". Neben den Titelkämpfen der Alters- und Aeltesten-Klassen wurde auch der Meister der Bantamgewichtsklasse ermittelt. Schuster-München sicherte sich erneut den Titel mit einer Leistung von 530 Pfund im Olympischen Dreikampf vor Koch-Hörde mit 505 Pfund. ner), jeweils Entscheidung. Die Ausschreibung der Leichtathleten für das 1. Gaufest des VfL. sieht folgende Wettbewerbe vor: Männer. Jahrgang 1916 und früher: 100 - Meter - Lauf, Mindestleistung 12,4 Sek.; 400-Meter-Lau.f, 56,5 Sek.; 800-Meter-Lauf, 2,12 Min.; 5000-Meter-Lauf, 17,20 Min.; Stabhochsprung 2,80 Meter; Kugelstoßen (7% kg), 11,30 Meter; Diskuswerfen, 31,00 Meter; Speerwerfen, 41,00 Meter; 4 mal 100-Meter- Staffel, 49,4 Sekunden; 4 mal 400-Meter-Staffel (Gaumeisterschaftswettbewerb); 4 mal 1500-Meter- Staffel (Gaumeisterschaftswettbewerb); 10 mal %= Rundenstaffel der Kreise. Frauen. Jahrgang 1918 und früher: 100-Meter-Lauf, Mindestleistung 14,5 Sek.; Hochsprung, 1,25 Meter; Speerwerfen, 23,00 Meter; 4 mal 100-Mete'r-Staffel, 59,0 Sekunden. Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger stiftete für die Frankfurter Ruder-Regatta einen Ehrenpreis, der vom Sieger des großen Ächter-Rennens (Jubiläums-Preis) gewonnen wird. mungen und unter Aufsicht des Fachamtes für Leichtathletik durchgeführt. Gelaufen wird auf etwa 400 Meter langen Bahnen. Jeder Wettkämpfer muß im Besitz des vom Fachamt 3 vorgeschriebenen Passes sein. Die Meldungen sind zu richten bis 15. Juli 1935 an Gau-Volksturnwart Max Engelbrecht, Kassel, Jhringshäuser Straße 69. Sie haben nur Gülttgkeit, wenn der Nachweis erbracht ist, daß für jeden Wettkämpfer eine Festkarte (2,50 Mark) gelöst ist. Die Reihenfolge der Wettkämpfe. Samstag (ab 14 Uhr: Waldsportplatz): 100-Meter- Vorlauf, Männer; 100-Meter-Vorlauf, Frauen; 75 Meter, Mädchen, Dreikampf; Stabhochsprung, Vorkampf und Entscheidung; 400-Meter-Vorlauf; Kugelstoßen, Vorkampf und Entscheidung (Männer), und Weitsprung Mädchen, Dreikampf; Speerwerfen, Vorkampf und Entscheidung (Frauen); 800-Meter- Lauf (Vorlauf); 100-Meter-Zwischenlauf (Männer); 100-Meter-Zwischenlauf (Frauen); 400-Meter-Zwi- schenlauf; Diskuswerfen, Vorkamps und Entscheidung; 5000-Meter-Lauf; Hochsprung, Vorkampf und Entscheidung (Frauen); Speerwerfen, Vorkampf (Männer); Kugelstoßen (Mädchen, Dreikampf); 400- Meter-Lauf (Entscheidung); 4 mal 100-Meter-Staf- fel (Männer, Vorlauf); 4 mal 100-Meter-Staffel (Frauen, Vorlauf); 4 mal 1500-Meter-Staffel (Gau- meisterschaftswettbewerb>. Sonntag (nachmittags: 1900 - Sportplatz): 800- Meter-Lauf (Männer), 100-Meter-Lauf (Frauen), Speerwerfen (Männer), 100-Meter-Lauf (Män- Die Bestimmungen. Die leichtathletischen Wettbewerbe finden am Samstag, den 3. August, ab 14 Uhr auf dem Waldsportplatz des VfB.-Reichsbahn Gießen und Sonntag, 4. Äugust, nachmittags, auf dem Platz der Spielvereinigung 1900 Gießen statt. Sie sind offen für alle dem Reichsbund für Leibesübungen angeschlossenen Vereine und werden nach den Bestim- Stürze und Ausfälle bei der „Sour*. Die siebente Etappe der Tour de France, die von Aix les Bains über 229 Kilometer nach Grenoble führte, brachte zahlreiche Stürze und Ausfälle. So mußte auch der Vorjahressieger A. M a g n e beim Anstieg zum Ga- libier die Waffen strecken. Etappensieger wurde in 7:33,13 Stunden der Italiener Camusso vor Mo- relli und Ruozzi. Bester Deutscher war Umben- hauer, der auf dem 13. Platz einkam. Im Gesamtklassement führt R. Maes weiter vor Bergamaschi, Morelli und Camusso. Als erster Deutscher hält hier Thierbach den 13. Platz. Kurze Sportnotizen. Die Military von Döberitz wurde mit der Dressurprüfung in Angriff genommen. Beste Pferde waren zwei Ostpreußen und zwar Nurmi (Hptm. Stubbendorff) mit 90 Punkten und Fasan (Rittm. v. Pletz) mit 92,5 Punkten. Auf dem dritten und vierten Platz folgten zwei Holländer, auf dem fünften und sechsten Rang zwei Ungarn. 503* Gießener Msahrerverein von 1885 Großer Radballpreis.—Bahnrennen. mal 100- : 4 mal Der Gießener Radfahrerverein von 1885 begeht am Samstag und Sonntag, 13. und 14. Juli, die Feier seines 50jährigen Bestehens. Der Verein, der älteste des Gaues Nordhessen, wurde im Jahre 1885 gegründet. Fünf Jahrzehnte war der Gießener Radfahrerverein ein Vorkämpfer für den edlen Radsport. Im Kunst- und Reigensahren, im Radballspiel, im Straßen- und Wanderfahren hat sich der Verein stets hervorgetan. Die interne Feier fand bereits am Gründungstage im April statt. Am kommenden Samstag, wird nun ein Sommernachtsfest die Mitglieder mit ihren Angehörigen auf der „Karlsruhe" zusammenführen. Selbstverständlich sind auch die Freunde des Radsports hierzu herzlichst eingeladen. Den Hauptanziehungspunkt bildet die Austragung des Großen Jubiläumspreifes im 2er-Radball. Zahlreiche Meldungen sind eingegangen. Weltmeister Schreiber (Frankfurt a. M.) ist zusammen mit dem Nachwuchsspieler Hofmann am Start. Außerdem startet die bekannte Wanderlust-Mannschaft Möser - von Paris. Mit Leicher-Jakobi vom Radfahrerverein Kriftel i. Taunus geht ebenfalls eine starke Mannschaft an den Start. Wie bei dieser starken Konkurrenz die Mannschaften unseres Bezirkes, und zwar E. und W. Bender (Krofdorf), Baum - Von Eiff und Deibel - Wißner vom fest- gebenden Verein abschneiden werden, ist völlig offen. Am Sonntagnachmittag findet dann auf der Aschenbahn der Spielvereinigung 1900 das Dritte diesjährige Bahnrennen statt. Auch dieses Rennen wird den beiden vorhergehenden würdig zur Seite stehen. Obwohl die bekannten Fahrer Tertilde - Schmidt, Gebr. Schorn, Kerp und viele andere vom Verband aus gesperrt sind, ist das Meldeergebnis für gut zu bezeichnen. Das Programm besteht aus einem Fliegerrennen, einem Vorgabefahren und dem 2-Stunden°Mannschaftsrennen (Sechs- Tage-Art) um den großen Jubiläumspreis. Die vier Vorläufe des Fliegerrennen setzen sich wie folgt zusammen: 1. Vorlauf: Gassenmeyer (Offenbach), Thomas (Neuwied), Prinz (Köln), Drumm (Kassel), Neumann (Gießen). 2. V o r l a u f: Geyer (Offenbach), Gelpke (Neuwied), Klinkenberg (Köln), Augurski (Mainz), Göbel (Wetzlar). 3. Vorlauf: Schümm (Frankfurt a. M.), Zacharias (Koblenz), Wollenschläger (Köln), Schwarz (Kassel), Schlösser (Köln). 4. V o r l a u f: Voland (Frankfurt a. M.), Müller (Koblenz), Muhl, Karl (Gießen), Black (Mainz), Kingma (Köln). Da die Fahrer fast gleichwertig sind, wird die bessere Tagesform ausschlaggebend sein. Doch sollte Wollenschläger den Sieger sollen. Das Vorgabefahren, ebenfalls ein interessantes Rennen, sieht 20 Fahrer am Start. Je nach der Placierung im Fliegerrennen erhält jeder Fahrer, mit Ausnahme des Siegers im Fliegerrennen, eine Vorgabe. Der jeweilige Fahrer, welcher nach 20 Runden a l s Erster das Zielband passiert, ist Sieger dieses spannenden Rennens. Den Höhepunkt wird, wie immer, das 2-Skunden-Mannschaflsrennen um den großen Jubiläumspreis bilden. Zehn durchweg gleichwertige Mannschaften gehen an den Start. Folgende Mannschaften sind verpflichtet: Gassenmeyer-Geyer (Offenbach), Schümm-Voland (Frankfurt a. M.), Drumm - Schwartz (Kassel), Augurski - Black (Mainz), Zacharias - Müller (Koblenz), Thomas - Gelpke (Neuwied), Wollenschläger - Muhl, Karl (Köln-Gießen), Göbel - Neumann (Wetzlar-Gießen), Prinz-Klinkenberg (Köln) und Schlösser -Kingma (Köln). Der bekannte Dortmunder Straßenfayrer Erich B a u tz wird den Startschuß abgeben. Teilweise sind es alte Bekannte der Gießener Bahn, die man auch nicht gerne missen möchte. Eine starke Mannschaft geht mit Augurski - Black an den Start. Die beiden Mainzer haben bei ihren letzten Rennen gute Erfolge erzielt. Für den Fliegerkampf als auch im Mannschaftsrennen, zusammen mit Karl Muhl (Gießen) wird der bekannte Kölner Wollenschläger seinen Mann zu stel- sen wissen. Eine recht gute Paarung ist durch die beiden Fahrer Göbel (Wetzlar) und Neumann (Gießen) erzielt worden, die bestimmt im Vordertreffen erscheinen. Auch Zacharias ist wieder zu seiner besten Form aufgelaufen, und wird diesmal wieder ein Wort mitzureden haben. Den beiden Kölner Paaren geht ebenfalls ein guter Ruf voraus. 100. Meter - Staffel (Männer), Entscheidung; 4 mal 400 - Meter - Staffel (Gaumeisterschaftswett- bewerb); 10 mal ^-Runden-Staffel der Kreise. Die beste europäische Leistung des Zabre« Bei den Wettkämpfen der Heeressportschule gegen den Gau Brandenburg in Wünsdorf — wir berichteten bereits darüber — erzielte Wöllke beim Kugelstoßen einen Wurf von 16,04 Meter- Das ist die beste europäische Leistung des Jahres. (Schirner-M.) Eportkurse des Sportamts Gießen „Kraft durch Freude". Das neue Sportprogramm für das Vierteljahr Juli — September ist eingetroffen und kann unentgeltlich auf dem Sportamt, Schanzenstraße 18, abgeholt werden. Aus den neuen Programmen ist alles Wissenswerte über die KdF.-Sportkurse zu ersehen. KdF.-Sportkurse erhöhen die Lebensfreude und machen stark und widerstandsfähig. Der Stützpunkt Gießen hat bisher folgende Kurse eingerichtet: Allgemeine Körperschule. Für Frauen und Männer gemeinsam. Eintritt jederzeit. Dienstags von 19 bis 21 Uhr, Donnerstags von 16 bis 18 Uhr, Universitätssportplatz, Freitags von 20 bis 21.15 Uhr, Lyzeum, Dammstraße. Fröhliche Gymnastik und Spiele. Nur für Frauen. Eintritt jederzeit. Donnerstags von 20 bis 21 Uhr für Jüngere, von 21 bis 22 Uhr für Aeltere im Lyzeum. Der Kursus in Lollar wird verlegt; die genaue Uebungszeit wird noch bekanntgegeben. Reiten. Für Frauen und Männer gemeinsam. Montags von 21 bis 22, Dienstags von 21 bis 22, Mittwochs von 20 bis 21, Freitags von 20 bis 21, Freitags von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs, Brandplatz. Für die Reitkurse Montags und Freitags von 21 bis 22 Uhr können noch Anmeldungen schriftlich mit Angabe der gewünschten Uebungszeiten auf dem Sportamt abgegeben werden. Fernruf 2919. Waldpartie -er „Fünfziger" mit Familien am Sonntag, 14. Zuli, zum Ludwigsbrunnen Abmarsch mit Musik um 14UW Uhr vom Fuldaer Bahnübergang am Schifsenberger Weg. Daselbst stehen zur gleichen Zeit Postautobusse bereit, die um für andere Fahrten rechtzeitig zurück zu sein, Punkt 14.30 Uhr abfahren müssen. Rückfahrt dieser Postautos abends ab 19.30 Uhr. Fahrpreis 25 Pf. Fünfziger (Gießens werden hierdurch nochmals eingeladen, auch diejenigen, deren Vorstände eine offizielle Beteiligung abgelehnt haben, desgl. alle Fünfziger-Tamen-Vereinigungen. Es soll ein Tag echter K ameradschaft und wahrer Volksgemeinschaft werden. Näh. im redaktionell. Teil des Blattes. Bei ungünstiger Witterung ab 16 llhr »Liebigshöhe". —--40AI D An alle Musilrveranstalter! (Korporationen, Vereine, Gastwirte usw.) W l.Iuli ist am hiesigen Arbeitsamt, Bahnhofstraße 90 (Haus Schwarz), Fernsprecher 2647, eine Vermittlungsstelle für Musiker eingerichtet worden. Gemäß Aeichskulturkammergesetz werden alle Musikveranstalter hiermit aufgefordert, ihren Bedarf an Musikern auf der Vermittlungsstelle anzumelden. Derufsmusiker und Musiker im Nebenberuf haben sich ebenfalls dort zu melden. Tagesausweise für Nebenberufler werden Freitag und Samstag vormittags ausgestellt. Geschäftszeit allgemein vormittags von 8 — 11 Ahr. Arbeitsamt Gießen OrtSmustkerschast Gießen , 4057 d in der Reichsmusikkammer Samstag, den 13. Juli 1935, abends 8,/2 Uhr, in sämtlichen Räumen des Restaurants „Karlsruh“ Sommernachts-Fest Austragung des Großen Jubiläums-Preises im 2er-Radball. Anschi. TANZ auf 2 Böden. Sonntag, den 14. Juli 1935, nachmittags 3Va Uhr, auf dem Sportplatz 1900 Bahn-Radrennen! Gießener Radfahrer-Verein v. 1885 e.V. 4058 D 3tir neuer Ieumchvon fldnnth I I Jtodiftfittct i v Häm brand Billige Angebote • ein leiehler Somnierwäsche Dämon-Hemdchen, Seidentrik. o. Seidenkrepp 1.-, -.80 dazu die passend. Schlüpfer 1.-, -.80 Damen-Nachthemden aus bess. Wäschestoff 1.70,1.60,1.50 Herren-Nachthemden aus fest. Crettonne mit hübschen Besätzen 3.50, 3.30, 2.80 Polo-Jacken u. Binsen für Damen, Herren und Kinder 1.65, 1.50, 1.30, -.90 Bade-Artikel große Auswahl M. Grode Frankfurter Straße 4065 A iS Jetzt ist er dringend notwendig. Ein Eisschrank schützt Ihre Speisen vor dem Verderben. Er hält die Vorräte frisch und kühl. Außer diesem Modell hier gibt es noch viele andere, die alle preiswert sind bei J. B. Häuser Am Oswaldsgarten 4041 a Gießen - Ruf Nr.2145/2146 Auf zurr Montes Ultch 02953 Großen-Linden im „Rebstock" am 14. und 15. Juli 1935. Bayerische Kapelle! 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Wenn man dagegen Burnus ins Einweichwasser tut, lösen sie sich und mit ihnen der Schmutz voll- kommen auf. Man spart Feuerung, Waschmittel und Seife. Burnus, schmutz- und schweißlösend, große Dose 49 Psg., überall zu haben. 4054 V