Dienstag, Juni 1935 185. Jahrgang Nr. 133 Erstes Blatt Gietzener Anzeiger rung i m England und der Völkerbund. Baldwin über die Ooppelbesetzung des Auswärtigen Amtes. Rom, 8. Juni. (DNB.) Bei der Besichtigung der dritten mobilisierten Division „Sabaudia" in C a - g l a r i (Sardinien), die dort zur Ausfahrt bereit liegt, hielt Mussolini folgende Ansprache: „Schwarzhemden! Ihr habt einer stolzen Kundgebung beigewohnt und gezeigt, daß Ihr stark und diszipliniert' seid, würdig der heroischen und kriegerischen sardinischen Rasse. Die Truppen von „Sabaudia" tragen in ihrem Namen das beste Losungswort. Wir haben alte und neue Fragen zu regeln und werden sie regeln. Möge man jenseits der Grenzen sagen was man wolle. Nur wir können unsere Richter sein und die Paris beordert worden sein. Laval werde vor allem zu verhindern suchen, daß die Angelegenheit vor den Völkerbund kommt. „Oeuvre" läßt durchblicken, daß Frankreich in Abessinien v o r st e l l i g werde, um es zu einer Uebereinkunft mit Italien zu bewegen, der in gebietsmäßigen und anderen Zugeständnissen an Italien bestehen könnte. Elle scheine umsomehr geboten, als die Hoffnungen auf eine Entspannung zwischen Italien und den Balkanstaaten sich nicht zu verwirk- Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm Höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Text» anzeigen von70mm Breite 60Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr Ermäßigte Grundpreise: Gustav Ruhland. Zum 75. Geburtstag des Vorkämpfers für Bauerntum und Sozialismus. Von Or. Hermann Reischie, Stabsamtsführer des Reichsnährstandes. Duce entschlossen sei, militärisch vorzugehen, sei es, um die Sicherheit der Kolonien Erythräa und Somaliland zu gewährleisten, sei es, um seinem Volke die einzige ihm verbleibende koloniale Entspannungsmöglichkeit zu verschaffen. Die Front von S t r e s a drohe, so erklärte das Blatt weiter unter Hinweis auf die englisch-italienische Verstimmung, in die Brüche zu gehen, wenn England und Frankreich Italien bei seinen abessinischen Plänen keine Genugtuung zu geben versuchten. In Rom glaube man, daß beide Mächte sich zur Revision des »Vertrages von 1906 zu Gun st en Italiens bereit finden könnten. Nach dieser Richtung werde Italien zweifellos in den kommenden Monaten diplomatisch vorgehen und gleichzeitig militärische Operationen in die Wege Paris, 10.Juni (DNB.) Nach Mussolinis Ansprache auf Sardinien ist man in Paris überzeugt, daß Italien seine wiederholten Ankündigungen wahrmachen werde. Man befürchtet vor allem, daß der abessinische Streit, falls der Völkerbund sich semer noch bemächtigen sollte, zum Austritt Italiens aus der Genfer Organisation führen konnte. Deshalb wird Laval nach Pfingsten versuchen, einen Ausweg zu finden. Der französische -öot= schaster in Rom soll zur Aussprache mit Laval nach unterzeichnen, sondern um als Gleichberechtigte bei der Abfassung einer neuen Charta europäischer Freiheit, Gleichheit und Sicherheit und bei der Schaffung eines Völkerbundes der Gleichheit und des Friedens mitzuwirken. Der Prüfstein für die Ehrlichkeit und für den guten Willen wird die Entschlossenheit fern, das Regiment des Rechts aufzurichten". Weiter empfiehlt Lord Davies die Schaffung einer internationalen Streitmacht: „Alle Versuche, einen Krieg durch regionale Pakte, Bündnisse oder Entente zu mildern oder zu lokalisieren, werden scheitern, genau so wie sie 1914 gescheitert sind. Nur ein sicher begründetes Regiment des Rechts wird genügen, um die Gefahr eines Krieges aus Europa zu verbannen." Der Verfasser führt die Worte des Führers an, daß nicht der Niedergang des Abendlandes, sondern seine A u f- erstehung in unserer Zeit erfüllt werden muffe und daß Deutschland einen unvergänglichen Beitrag zu diesem Werk liefern wolle. Lord Davies sagt: Wenn alle Führer der europäischen Staaten bereit sind, dem Problem i n d i e s e m G e i st e gegenüber zu treten, wenn sie gewillt sind, „unvergängliche Beiträge" zu liefern, dann können wir der Zukunft mit Gleichmut und mit der Versicherung entgegensehen, daß Europa endlich den Weg der Wiedererholung, der Sicherheit und des Friedens beschritten hat. Der Redner des linken Flügels der Partei Zy- romski beantrage, der Parteitag möge eine Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien ablehnen und beanstandete, daß die sozialistische Kammerfraktion die Kredite für die passive Verteidigung bewilligt habe, Leon Blum stellte richtig, daß die sozialistische Fraktion sich der Stimme enthalten habe. Wenn die Regierung erklärt hatte, daß die Kredite dazu dienen sollen, an die Bevölkerung Gasmasken und Schutzvorrichtungen kostenlos zu verteilen, dann hätte er den Antrag gestellt, tue Fraktion möge für d i es e Kr ed i t e für die passive Verteidigung stimmen. Blum bezog sich aus die Aeußerung Stalins gelegentlich des Moskauer Besuches Lavals, wonach Stalin die Landesverteidigungsmaßnahmen Frankreichs ausdrücklich anerkenne und billige. Im Falle eines Einfalles Deutschlands in Frankreich mürben- sich alle Proletarier Frankreichs gegen den Feind erheben. Jetzt seien die Kommunisten und die Sozialisten nicht mehr durch die Frage der Landesverteidigung getrennt. Jetzt liege eine gemeinsame Formel im Bereich der Möglichkeit. werden auf der Fortsetzung unserer ^er ucye ve- stehen, den Frieden zu fördern und die Abrüstung herbeizuführen, und ich glaube, daß wir schließlich erfolgreich sein werden. Ich habe beschlossen, Schritte zu tun, die dazu bestimmt sind, uns bei dieser Ausgabe zu helfen. Kein Ministerium hat heute eine größere Verantwortung als das Foreign Office. Ich habe daher höchst sorgfältig Überlegungen über die Verstärkung der Vertretung des Foreign Office im Kabinett angestellt. Das ist mein Grund, warum wir zwei M i n i st e r im Kabnett haben, die sich beide mit auswärtigen Angelegenheiten befassen, den Außenminister und einen Minister, dessen besonderes Interesse dem Völkerbund gewidmet sein wird. Ich habe dieses neue Verfahren gewählt, um die Bedeutung zu unterstreichen, die die britische Regierung der Mitgliedschaft Englands in Genf oel- mißt. Unsere Außenpolitik gründet sich auf unsere Mitgliedschaft in Genf, und es ist vorteilhaft, daß diese Tatsache klar hervorgehoben wird. Die Außenpolitik ist natürlich unteilbar., und in ihrer Führung muß Einigkeit herrschen. Es gibt mehr als genügend Arbeit für zwei Kabinettsminifter, und ohne dadurch in irgendeiner Weife die notwendige Einheitlichkeit in der Politik zp untergraben wird das Kabinett gewinnen, wenn es einen Minister m seinen Reihen hat, der in möglichst enger FühlungmitdemVolkerbunde steht. Ich glaube, daß das Ergebnis dieses wichtigen neuen Arrangements die Regierung bei der Behandlung internationaler Fragen stärken und dadurch zur Aufrechterhaltung des Weltfriedens beitragen wird die nach wie vor das wichtigste Bemühen der britischen Außenpolitik ist." Die marxistische Einheitsfront in Frankreich. Paraguay meldet Sieg von der Chaco-Front. B u e n o s A i r e s , 10. Juni. (DNB.) Der paraguayanische General Estigarribia meldet, daß es den Truppen Paraguays gelungen sei, die 6. bolivianische Division nach elftägiger Schlacht bei Jngavi vernichtend zu schlagen. Der Kommandeur und sein Stab seien gefangengenommen worden. Der Sieg gebe Paraguay ein neues Uebergewicht an der Chaco- Front und könne den Verlauf der Vermittlungsaktion zur Einstellung der Feindseligkeiten beeinflussen. Der Gesandte Paraguays in Buenos Aires erklärte, daß der bisherige Standpunkt seines Landes bei den Waffenstillstandsverhandlungen ungeachtet des großen Sieges sich nicht ändern werde. Am Schluß der Verhandlungen der Der- mittlerkonferenz teilte der argentinische Außenminister Dr. Saavedra Lamas mit, daß die Erzielung eines Abkommens jetzt Tatsache sei und das Ende des Chaco-Krieges bevorstehe. Paris, 10.Juni. (DNB.) lieber die Pfingft- feiertage fand in Mühlhausen der 32. Parteitag der französischen Marxisten statt, der sich mit der Frage befaßte, ob und wie das Zusammengehen mit der Kommunistischen Partei enger gestaltet werden könne. Generalsekretär Paul Faure erklärte, wenn sich in Paris wieder etwa Aehnliches ereigne wie am 6 Februar 1934 bei den Straßenunruhen, wenn Generäle ihren Eid auf die Verfassung vergessen und wenn sie für die faschistische Erhebung Partei ergreifen würden, so würden sie damit die französischen Soldaten von ihrer Diszi- plinverpflichtung entbinden. Dann würden wohl schon die proletarischen Kräfte von Paris und Umgebung genügen, um den faschistischen Vorstoß zu brechen. Im Falle der faschistischen Erhebung würden sich alle Elemente, die die Demokratie und die Republik retten wollten,^ den sozialistischen Losungsworten anschließen. Und eines der ersten dieser Losungsworte würde lauten: Die Ver- pslegungszüge nach Paris aufhalten und so die gegnerischen Kräfte zum Kapitulieren zu zwingen. Erscheint t&gltd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimattm Bild • Die Scholle Monats-vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. „ -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernfprechanschlüffe enter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drcchtnach. richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Zrankfurt am Main 11686 „Der Kampf wird weiiergesühri werden." Mussolini an die für Ostafrika bestimmte sardinische Division. Ein neuer Anfang. Lord Davies begrüßt die Friedenserklärung des Führers. London, 11. Juni. (DNB.-Funkspruchst In einer Zuschrift an die „Times" kommt Lord Davies auf die Reichstagsrede des Führers zurück und erklärt: „Wir begrüßen Hitlers Rede, weil sie die Möglichkeit gibt, von neuern anzu- fangen. Hitler lehnt den Krieg als Instrument der Politik ab. Er verlangt ein friedliches Verfahren für die Revision der Verträge, und er ist bereit, sich an der Schaffung eines Systems der kollektiven Zm sammenarbeit zu beteiligen. Jetzt tft es nod) nicht zu spät, den Irrtum wieder gut zu machen, der im Jahre 1919 begangen worden ist als die Alliierten Deutschland aus dem Völkerbund ausschlossen. Eine neue Konferenz muß einberufen werden, an der Deutschlands'vertret teilnehmen, nicht, um einen festgelegten Frieden zu besten Garanten unserer Zukunft, nur aus-' schließlich wir und nicht die anderen! Wir folgen in unseren Handlungen nur d e n j e n i - i qen, b'ie uns heute belehren wollen. Als sie ihr Reich aufbauten und es verteidigten, zeigten sie, daß sie auf die öffentliche Weltmeinung keine Rücksicht nahmen. Wenn die Regierung jetzt an die Schwarzhemden appelliert und das junge Italien zu den Waffen ruft, so fühlt das italienische Volk, daß es seine Pflicht tut und einer Höch st en Notwendigkeit folgt. Das ganze italienische Volk steht wie ein Mann da wenn es gilt, die Macht und den Ruhm des Vaterlandes zu verteidigen." In Sassari hielt Mussolini ebenfalls eine Ansprache, in der er der Bevölkerung und den Truppen für den Mut und die Stärke dankte, die sie in dieser Stunde zeigten. Aehnlich wie in seiner Rede vor der Division „Sabaudia" sprach Mussolini dann über die öffentliche Meinung außerhalb der Grenzen, die nur ein „lächerliches G e s pe n st" sei und von der Glut der Schwarz- Hemden verbrannt werde. Mussolini schloß „D e r Kampf wird w e i t e r g e f ü h r t werden zum Fortschritt der Nation, zum Gedeihen des Volkes und für die Ehre unserer Fahnen." * Die Rede Mussolinis wird von der gesamten italienischen Presse stark beachtet. Die „Tribuna" bezeichnet sie als die A n t w o r t a u f b i e Debatte im englischen Unterhaus und im besonderen auf die Erklärungen EdeNs. In ganzseitigen Ueberschristen werden die Worte über die Regelung alter und neuer Posten unter buchstäblicher Nachahmung jener, die Italien heute eine Lehre erteilen wollen, besonders stark hervorgeho- ben. Gleichzeitig gibt die Presse ihrem Mißvergnügen über die Ünterhausdedatte Ausdruck. In dem Kommentar des halbamtlichen „Giornale d,Italia wird betont, daß die Worte Mussolinis wie immer von ber italienischen Volksseele g e ° tragen seien. Gegen bie Kräfte, bie heute gegen Italien und morgen gegen jebes anbere Volk gerichtet sein könnten, habe Mussolini seine Stimme erhoben. Diese Kräfte mürben aber ben Gang ber Ereignisse nicht aufhalten können, bie sich in der gleichen Weise und auf dem gleichen Weg abspielen werden, mit denen andere große Weltreiche entstanden seien. Das Scho in London. London, 10. Juni. (DNB.) Ministerpräsident Baldwin kam in seiner Rundfunkansprache auf bte Gründe zu sprechen, die zu der personellen Aende- rung i m F o r e i a n O f s i c e geführt haben „Wir werden auf der Fortsetzung unserer Versuche be- Heute erscheint es uns fast unglaublich, daß es die deutsche Wissenschaft fertiggebracht hat, das Schaffen eines Mannes wie Gustav Ruhland, den die deutsche Nationalökonomie um die Jahrhundertwende als Außenseiter ablehnte, totzuschweigen, daß es weiter möglich war, baß sein Hauptwerk von einer beutschen Großbank aufgekauft würbe, um es aus bem Buchhandel verschwinden zu lassen. Obwohl der Streit um Ruhland erst um das Jahr 1910 seinen Höhepunkt erreicht hatte, ging der Haß der nationalökonomischen Wissenschaftler gegen diesen Mann aus bäuerlichem Blut, der kompromißlos wie kaum ein anderer gegen den Kapitalismus, der die Materie vergottet und den Menschen tötet, kämpfte, so weit, daß wir seinen Namen in den meisten der heute noch gebräuchlichen nationalökonomischen Nachschlagewerke und Lehrbücher in keiner Weise erwähnt finden. Die wenigen Ausnahmen, wie etwa Skaiweits Agrarpolitik, können auch nicht als einigermaßen ausreichende Würdigung der Bedeutung dieses Vorkämpfers für wahrhaften Sozialismus und eine schollengebundene Bauernpolitik angesehen werden. , Dem Reichsbauernführer R. Walther Darre ist es zu danken, daß Ruhlands Werke wieder ans Licht der Oeffentlichkeit gebracht wurden. Durch sein Eingreifen ist es nicht nur möglich gewesen, das Sy st em der politischen Oekononiie in einem wohlfeilen Neudruck neu herauszubringen, er hat Ruhlandsche Gedanken auch in bte Tat umgesetzt. Wir finben heute bie Grunbgebanken Gustav Ruhlanbs in ber nationalsozialistischen Marktordnung verwirklicht. Damit ist dem Schaffen und Wirken dieses wahrhaft deutschen Mannes nicht nur ein nachträgliches Denkmal gesetzt, Ruhlands Geist wird für immer in der nationalsozialistischen Bauernpolitik praktisch fortwirken. Am 11. Juni wäre Gustav Ruhland 75 Jahre alt geworden. Als kaum 54jähriger ucrftarb er, burch bie jahrelangen Anfeindungen und aufretben- ben Kämpfe, in betten er allein stand, an feiner Lebenskraft gebrochen, am 4.--Januar 1914. Er stammte von einem Bauernhof in H es s ent Hai im bayerischen Spessart und genoß seine Ausbildung auf der Realschule in Mainz und dem Technikum Langensalza. Später war er auf verschiedenen größeren Gütern Norddeutschlands als Verwalter tätig und kehrte kaum 20jährig, m die Heimat zurück, um nach dem frühen Tode des Vaters die Bewirtschaftung des Hofes zu übernehmen. Hier lernte er den schwierigen Lebenskampf des mitteldeutschen Kleinbauern« tums in ganzer Härte kennen. Er beschäftigte sich neben seiner schweren Arbeit auf dem Hof mit wirt- chaftlichen Fragen und kam sebr bald zu der Erkenntnis, daß die Grundsätze der kapitalisti- schen G e l d w i r tst ch a f t auf die Dauer den Tod des Bauerntums zur Folge haben müßten. Seine ersten Veröfientlichunghn in den Jahren 1882 bis 1885 beschäftigten sich mit Kredit- fraqen und Agrargeschichte. 1885 begann er mit dem Studium in München, das er dann in Tübingen fortsetzte und mit der Doktorpromo- tion beendete. In den Jahren 1887 bis 1890 unternahm er im Auftrage Bismarcks eine W e 1t ft u b i e n r e i \ e zur Erforschung ber bedeu« tenbften Agrarlänber. Die dabei gesammelten wertvollen Erkenntnisse konnten nicht in der beabsichtigten Weise verwertet werden, da Bismarck inzwischen durch Caprivi ersetzt worden war und der „neue Kurs" den Forderungen eines wahrhaften Bauernsozialismus verständnislos gegenüberstand. Da Ruhland im Rahmen der Agrarpolitik kein Arbeitsgebiet fand, erweiterte er feine praktischen Erfahrungen bei der Organisation eines Großgrundbesitzers in Tirol. 1893 wurde er dann Privat- bozent an ber Universität Zürich, 1898 Professor an ber Universität Freiburg in der Schweiz. Im Reich fanden Ruhlands wirtschaftspolitische Ideen starken Rückhalt beim Bund ber Lanb - wirte, bei bem er mehrfach beratend tätig war. Allerdings beschränkte sich die Zusammenarbeit zwischen Gustav Ruhland und bem Bund ber Landwirte überwiegend auf bie Ziele, währenb er sich mit seinen Gebauten über bie einzuschlagenden Wege gegenüber gegnerischen Strömungen nicht durchsetzen' konnte. Im besonderen Maße beschäftigte sich Ruhland mit der G e t r e i d e p o l i t i k. Seiner Ansicht, daß nicht die Ueberproduktion in Getreide an sich, sondern die Gründertätigkeit der internationalen Großbanken im Verein mit der Spekulation den Rückgang der Getreidepreife im wesentlichen verschuldet habe, stimmte nicht nur die Getreidehandelskommission des Bundes der Landwirte, sondern auch der Erste Internationale Agrarkongreß zu, der im September 1896 in Budapest stattfand. Im Herbst 1899 gründete dann Ruhland in Freiberg in der Schweiz. die „Internationale Ge- t r e i d e p r e i s w a r t e". Aus dieser gingen später die „Internationalen Mitteilungen zur Regulie- rung der Getreidepreise" hervor, die bald darauf, als'Ruhland nach Berlin übersiedelte, zur Wochen- schrift „Getreide markt" umgewandelt mürben. Sie erschienen bann als „Lanbwirtschaftliche Marktnachrichten" bis 1931 als Beilage ber „Jllu- ftrierten Lanbwirtschaftlichen Zeitung Berlin". Ruhlanbs Hauptwerk „System ber politischen Oekonomie" setzte an Stelle ber materialistischen Geschichtsauffassung bie logische Geschichtsauffassung. Hierauf hatte vor allem Fürst Bismarck mit ben Worten hingewiesen: „Die logischen Revisionen der Geschichte sinb noch genauer, als bie unserer Oberrechnungskammer." Als Nationalökonom war liehen scheinen. Der römische Berichterstatter bes „Matiist zieht aus ben Ansprachen Mussolinis auf Sarbinien den Schluß, baß bie italienische Regierung sich durch keine Pressefehde und durch kein Dazwischentreten der Mächte bei ihren ostafrikanischen Plänen be- ~ hindern lassen werde. Die Reden zeigten, daß ber leiten. London, 8. Juni. (DNB.) Die Rede Mussolinis vor den nach Ostafrika abgehenden Truppenkontingenten erregt in London erhebliches Aufsehen. In Sperrdruck wird die Stelle hervorgehoben, in der es heißt, daß Italien bet der Schaffung eines großen Reiches diejenigen nachahmen werde, die heute glaubten, Italien schulmeistern zu können. „Star" berichtet, in Rom herrsche ausgesprochen englandfeindliche Stimmung, so daß die Polizeiposten vor der britischen Botschaft verdreifacht werden mußten. „Daily Telegraph schreibt, nachdem Italien einem schiedsrichterlichen Verfahren in der abessinisch-italienischen Streitfrage zugestimmt wäre es eine vernünftige Annahme gewe- en, daß der Wunsch nach Frieden die beherrschende Rott irgend welcher öffentlichen Aeuße- rungen über diese Frage gewesen wäre. Italien könne feine Streitkräfte in Ostafrika weiter verstärken, aber die Kriegsreden müßten aufhoren. Die Behauptung, daß Italien allein das Recht habe, über feine Interessen,3" entscheiden, we?de von den Tatsachen nicht bestätigt. Eden habe bereits darauf hingewiesen, daß sich England, Italien und Frankreich durch den Vertrag von 1906 verpflichtet hatten, in allen Fragen, die sich auf Abessinien beziehen, mitetn = ander Rücksprache zu pflegen Mussolini, der durch seine Zustimmung zum Schiedsverfahren anerkannt habe, daß sein eigener Vertrag stn Abessinien gültig ist, könne den früheren Vertrag nicht mit der Behauptung abtun, daß das Stresa- Abkommen auch eine Einheitsfront zwischen Italien, Frankreich und England außerhalb Europas umfassen solle. Italien würde einen außerordentlichen Fehler begehen, wenn es sich embilde, datz es die von Mussolini ins Lächerliche gezogene öffentliche Meinung verhöhnen und die emgegang - nen Verpflichtungen mit Nichtachtung strafen murbe' Will Laval vermitteln? - - Stellen-, Vereins-, gemein- General-Anzeiger für Gberheffen WM V E 1 behördliche AnzeigenbRpf. DruÄ und Verlag: vriihl'sche Univerfitätz-Vuch- und Steindruckerei R. Lange in Gießen. Schriftleitung und S-schSstrftelle: Schulftratze 7 st.ff.iB Ruhland einer der schärfsten Gegner des Freihandels. Trotzdem kann er nicht, wie von seinen Gegnern behauptet wurde, als Schutzzöllner bezeichnet werden. Ruhland sah im Schutzzoll ein wichtiges Mittel der Agrarpolitik, hielt aber viel umfassendere Maßnahmen für erforderlich, um wirklich eine Sicherung des Bauerntums auf die Dauer zu erreichen. Diese Sicherung hat, auf Ruhland aufbauend, erst die nationalsozialistische Bauernpolitik in ihrer Marktordnung verwirklichen können. Von den Grundgedanken Ruhlands sei noch erwähnt, daß er die Mitwirkung des spekulativen Privatkapitals bei der Preisbildung ausschließen wollte. Er verlangte die öffentlich-rechtliche Organisation der Gesellschaft neben dem Staate — unter Beibehaltung des Privateigentums an den Produktionsmitteln — zur Durchführung einer Regulierung der Preise auf der mittleren Linie. Damit wollte Ruhland die Lösung der uralten Frage nach der gerechten Entlohnung der Arbeit durch die allgemeine Sicherstellung des „gerechten Preises" für alle Arbeitsprodukte wie für alle Arbeitswerkzeuge herbeiführen. Diese Gedanken finden wir heute ebenfalls im Aufbau der nationalsozialistischen Marktordnung verwirklicht, deren Grundsätze wir unter Berücksichtigung der heute anders gelagerten Voraussetzungen bereits vor der Machtübernahme im Amt für Agrarpolitik der NSDAP, erarbeiten konnten. Am heutioen Taae denken wir mit Dankbarkeit der gedanklichen Vorarbeit, die Gustav Ruhland für das deutsche Bauerntum und den Aufbau einer nationalsozialistischen Wirtschaftsverfassung geleistet hat. Wieder mehr als 200000 Arbeitslose weniger. Günstige Entwicklung des Arbeitseinsatzes im Mai. Berlin, 8.Juni. (DNB.) Die Arbeitslosigkeit ist, wie die Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung berichtet, im Mai um 213 000 gesunken. Die Notstandsarbeiten sind planmäßig weiter gedrosselt worden, und 73 000 weitere Volksgenossen in der freien Wirtschaft untergebracht. Bei den Arbeitsämtern wurden Ende Mai noch rund 2 020 000 Arbeitslose einschl. der Saararbeitslosen gezählt. Ohne die Arbeitslosen des Saarlandes wäre die 2-Millionen- Grenze der Arbeitslosigkeit bereits Ende Mai unterschritten worden. Der diesjährige Stand Ende Mai liegt bereits um über einer halben Million unter der Vor'ahrsziffer und um 4 Millionen unter dem Ausgangspunkt der Arbeitsschlacht im Frühjahr 1933. Gebietlich waren besonders die Landesarbeitsamtsbezirke großstädtischer und industrieller Struktur Träger der Entlastung. Van den überwiegend konjunkturabhängigen Berufsgruppen hoben sich die Gruppen der Eisen- und Metallindustrie und des Holz- und Schnitz- stoffgewerbes mit hohen Abaanasmblen heraus. Innerhalb der Außenberufe waren das Baugewerbe, die Baustoffindustrie und das Verkehrsgewerbe die vornehmlichen Träger der Entlastung. Nie E>A. erkält ein Erbo'ungsheim. Der in den Reichsbund Deutscher Beamten eingegliederte Reichsverband der Deutschen Post- und Telegraphenbeamten hat der SA. ein großes Erholungsheim bei Wyk auf der Insel Föhr geschenkt. Es ist ein herrliches Haus, in dem rund 120 Personen dauernd Aufenthalt finden können. Im Osten begrenzt die Insel die nordfriesische Halligwelt, im Norden Sylt und im Westen Amrum. So bieten sich den SA.- Männern zahlreiche Möglichkeiten, die Schönheiten der Nordsee in ihrer charakteristischen Art kennenzulernen. Das Heim steht allen SA. - Führern und -Männern offen, und zwar zu dem besonders günstigen Vollpensionspreis von 3 Mark pro Tag. Auch Familienangehörige können zu demselben Preis mitgebracht werden. Jede Gruppe hat außerdem das Recht, 4 Wochen laufend einen verdienten und alten SA. - Führer oder SA. - Mann in das Heim zur Erholung zu schicken, so daß das Heim im ganzen Jahr ununterbrochen mit 21 verdienten und bedürftigen SA.-Kämpfern besetzt fein wird. Das Heim auf der Insel Föhr ist eine Schenkung des Reichsoerbandes Deutscher Post- und Telegraphenbeamter, der ehemals 140 000 Beamte um- saßte und durch die Verfügung des Reichsministers Frick in den Einheitsverband der Deutschen Beamten übergeführt wurde. Der Reichsverbond Deutscher Post- und Telegraphenbeamter schenkte dieses Heim der SA. „zur Anerkennung und Würdigung der großen Verdienste der SA. um die Erneuerung des deutschen Vaterlandes". Nach Abschluß der notariellen Formalitäten wurde die Schenkungsurkunde durch die Abgeordneten des Verbandes dem Führer persönlich überreicht, der als Oberster SA.-Führer das hochherzige Geschenk für die SA. annahm und dem Stabschef zur weiteren Verfügung übergab. In einem besonderen Schreiben sprach der Führer allen Mitgliedern des Reichsverbandes Deutscher Post- und Telegraphenbeamter seinen Dank aus „für dieses Zeichen echter nationalsozialistischer Kameradschaft!" Kleine politische Nachrichten. Die deutsche Flottendelegation unter Führung von Botschafter von Ribbentrop traf in München ein. Botschafter von Ribbentrop erstattete dem Führer und Reichskanzler Bericht über den bisherigen Verlauf der Verhandlungen. Im Laufe dieser Woche wird sich die deutsche Delegation zur Weiterführung der Verhandlungen wieder nach London begeben. Dem Ministerpräsidenten General Göring ist das Großkreuz des südslawischen Weißen Ad- lerordens verliehen worden. In Nr. 281 der „Frankfurter Zeitung" vom 4. Juni 1935 gelangte die bekannte Verlautbarung des Generaloitariats Breslau, die in irreführender und unzutreffender Weise die deutsche Justiz im Zusammenhang mit den Devisenschieberaffären verdächtigte, ohne Kommentar zum Abdruck. Damit hat der für die Aufnahme dieser Notiz verantwortliche Schriftleiter Kämper sich eines schweren Vergehens schuldig gemacht. Er wurde daher auf Anordnung der Landesstelle Hessen - Nassau beurlaubt. Außerdem wird gegen ihn ein Berufsverfahren eingeleftet Wir wollen sein, ein einzig Volk von Brüdern. Reichserziehungsminister Rust auf der Königsberger Tagung des VOA. Königsberg, 8.Juni (DNB.) Im Mittelpunkt der Arbeitstagung des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland stand der große Festakt in dem Schlageterhaus, an dem 15 000 Personen teilnahmen. Der gewaltige Raum war mit grünen Lorbeer- girlanben, mit den Fahnen des Dritten Reiches und der Länder sowie den blauweißen Wimpeln des VDA. reich geschmückt. Unter den zahlreichen Ehrengästen sah man Reichsminister Rust, den Wehrkreisbefehlshaber von Königsberg, Generalleutnant von Brauchitsch, hohe Führer der SA. und SS. und als Vertreter des Oberpräsidenten den stellv. Gauleiter Großherr. Besonders bemerkt wurden auch viele Offiziere und Mannschaften des K r e u z e r s „ K ö n i g s b e r g ", der anläßlich der VDA.-Pfingsttagung zu Besuch in seiner Patenstadt weilte. Nach der Rienzi-Ouvertüre eröffnete Bundesleiter Dr. Steinacher den Festakt mit einer Begrüßungsansprache. Unmittelbar danach nahm Reichsminister Rust stürmisch begrüßt, das Wort zu einer packenden Ansprache, lieber 50 Jahre, so führte der Minister u. a. aus, war der Gedanke des deutschen Volkstums in Pflege gegeben an eine kleine Minderheit, die auf eigenen Auftrag sich berief. Ueber 50 Jahre richteten sich sehnsüchtig die Blicke der verschiedenen Deutschen über die Grenzen, die Deutschen, die-nicht hinausgezoaen sind, um fremde Volkstümer zu vernichten, sondern die hinausgingen, weil der deutsche Lebensraum ihnen keinen Platz bot für ihr tägliches Brot, und sie sind Segensbringer gewesen. Ihre Heimat aber, aus der sie auswanderten, das Reich, war kein völkischer Staat, und so blieb die Aufgabe des Vereins, des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland, ein Sonderauftrag. Nun ist es anders geworden. Ich kann Ihnen, den Hütern des Gedankens damit, und allen jenen treuen Volksgenossen jenseits der Grenze heute d i e Grüße des Reiches bringen und auch d i e Grüße des Führers. (Stürmischer Beifall!) Ich bringe einen Gruß auch noch in besonderem Auftrage des treuesten Verbünd e t e n, der heute in alter Tradition an Preußens Spitze steht: Hermann Göring. Als das deutsche Volk sich ermannte, als es den Schutz seiner Freiheit und Ehre mit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht in eigene Hände nahm, da erhob sich die bange Frage nach dem letzten i e I dieses nationalsozialistischen Staates, und mir finden es durchaus nicht ungewöhnlich, daß das Auferstehen des deutschen Volkstumsgedaükens in aller Welt eine neue Frage laut werden läßt: Werden diese Deutschen nicht zur Gefahr für jene Staaten, in deren Verbände sie heute beheimatet und als Staatsbürger vereinigt sind? Auf die Frage nach der ersten Gefahr hat der Führer nicht einmal, sondern häufig, am überzeugendsten und deutlichsten aber in seiner letzten großen Reichstagsrede Antwort gegeben: Der nationalsozialistische Staat ift nicht Itn- perlatistisch, weit Imperialismus dem Volksdeutschen Denken nicht harmonisch einhüftigen ist. Lin Staat, der feine Aufgabe in der Entwickelung eigenen Volkstumes sieht, begeht nicht jene Wahnsinnstat, seine beste Auslese als deutsche Soldaten zu IHiüio- nen auf Schlachtfeldern verbluten zu taffen, um dann wenige Untertanen feinem Reiche einzuverleiben. Volksdeutsche und imperialistische Staatspolitik sind nicht auf einen Renne r zu bringen. Aber wir tnüffen unser eigenes Volk auf dieser Erde stark und groß machen. (Beifall.) Voraussetzung ist immer wieder die Geschlossenheit und darum rief der Führer den Staatsführungen der Erde noch einmal zu: Wir wollen den Frieden zwischen den Staaten, allerdings einen Frieden der Ehre und des Rechts. Es wird gefragt, ob nicht das Deutschtum an unseren Grenzen es wert wäre, vorausgesetzt, daß wir die Macht besäßen, es mit Schwertgewalt In den Ring der Heimat zur tick - z u f ü h r e n. Wir wollen auch darüber ein ganz deutliches Zeugnis ablegen. Wir können uns nicht mehr den Fall denken, daß das Millionenopfer bester deutscher Jugend auf den Schlachtfeldern auch nur im entfernte ft en ausgewogen werden würde im Falle eines totalen Sieges. Die Erkenntnis, die uns aus unserer Weltanschauung folgerichtig erwachsen ist, legt es den verantwortlichen Männern der deutschen Reichsregierung nahe, von hier aus die Minderheitenpolitik auf deutschem Reichsboden neu auszurichten. Wir glauben nicht, daß uns damit gedient ist, wenn wir fremde Minderheiten mit den überlegenen Mitteln des Staates vergewaltigen. Wir glauben, daß Haß und Tränen die Ernte solchen Tuns sein werden und wir sind der Ueberzeugung, daß ein neuer Weg beschritten werden muß, gleich dem unseren ausgerichtet. So werden Wunden geheilt werden, die bisher als unheilbar angesehen wurden. (Zustimmung.) Die deutsche Dolkstums- beroegung ist nicht durchgeführt im Auftrage des Staates. Sie hat ihre Grenzen an den Grenzen des Reiches. Sie wird von jenen, die sich für sie einsetzten, im eigenen Auftrag durchgeführt. Wie wäre es nun, deutsche Volksgenossen und volksgenosiinnen, wie wäre es, Ihr Volkstumskämpfer Europas, wenn ähnlich offen und freimütig unter Verabscheuung von Lügen auch hier die Vertreter der Volkstümer zufam- m e n t r e t e n würden, nicht klein und heimtückisch, um Vorteile herauszuholen, sondern in ehrlichem Kampfe unter gegenseitiger Achtung, hier liegt ein neuer Weg der Ehrlichkeit und Verständigung. Es ist bezeichnend, daß unter den Volkern Europas zuerst die alten Frontsoldaten sich die Hande gereicht haben, weil sie sich gradlinig miteinander ausgesprochen haben auf der Baffe gegenseitiger Achtung. Der Führer hat den Wut gehabt, gegenüber dem scheinbar geschichtlich unabwendbaren Zerwürfnis zweier großer Rachbarvölker — polen und Deutschland — einen neuen Deg zu gehen. And wir sind der felsenfesten Aeberzeugung, daß das neue Leben, das aus dieser Auffassung sich entwickelt, diesen Weg nicht beenden, sondern zum Ziele führen wird. Wie wäre es nun, wenn auch d i e Kämpfer des Volkstums ebenso ehrlich und offen im freien Spiel der Kräfte sich treffen würden? Wögen es nicht nur die deutschen Volksgenossen, drinnen und draußen, mögen es nicht nur die Kämpfer für das deutsche Volkstum begreifen, sondern die ehrlichen Kämpfer auch für das Volkstum der anderen Völker Europas, daß der Versailler Vertrag nicht nur Staatsvölker ungleichen Rechtes geschaffen hatte, sondern daß dieser Vertrag auch dem Volkstumsgedan- ken in aller Welt einen Stoß verseht hat. (Beifall.) Ist es nicht das erstemal in der deutschen Geschichte, daß es einem Mann gelungen ist, nicht nur der Führer eines deutschen Regimes, nicht nur das Oberhaupt des Reiches, sondern auch die Verkörperung feines Dol- k e s zu werden und damit hinauszuwachsen über heule unsere Parole heraus an die Völker und sagen: Es werde nicht nur Friede zwischen den Staaten, es werde Friede zwischen den Völkern. (Brausender Beifall.) Folgt nach, und eine wahrhaft neue Dell der Wahrheit wird Heraufziehen. Sie wird besser halten als das, was hinter uns liegt. Auge in Auge schauen wir uns an und reichen uns die Hand im Glauben an das deutsche Volk. Unterdessen hat ein unbekannter Frontsoldat, und zwar mit sieben Mann, das Riesenwerk eines neuen Volkes und Staates innerhalb der Grenzen aufgebaut. Dieser Glaube ist nicht allein im Herzen der Reichsdeutschen, er lebt bei euch allen, und so stellen wir an den Schluß dieses unseres Erinnerns, dieser unserer neuen Losung, dieser unserer neuen Entschlüsse, den Gedanken, daß diese unsere deutsche Volkstumsarbeit gegründet sein muß, genau wie das Werk Hitlers, auf einer nie zu erfchüttern- i.v ..i F , "-x. jL '"MM JAL IM EM Unser Bild zeigt einen Blick auf die fahnengeschmückte Ehrentribüne. Im Vordergrund sieht man die Ehrenabordnung des Kreuzers „Königsberg", der aus Anlaß der Tagung im Königsberger Hafen feft- gernacht hatte. — (Weltbild-M.) die Grenzen, überall dort Boden zu finden und Glauben zu erwecken, wo Angehörige des deutschen Volkes in der Welt leben? Adolf Hitler hat nicht nur über 60 Millionen Herzen, Hände und Stirnen wieder zueinandergeführt, um ein deutsches Staatsvo 1 k zu bilden und auf ihm den neuen nationalsozialistischen Staat zu errichten; Adolf Hitler hat mehr vermocht: nicht 65 Millionen Herzen, nicht 65 Millionen Hirne hat er zusammengefügt — hundert Millionen Herzen schlagen bei seinem Namen lauter, hundert Millionen haben in seinem Namen wieder das deutsche Gesicht gefunden. (Stürmischer Beifall.) So lenken wir den Blick auf das Ende einer Politik der Unterdrückung des Volkstums und auf das Ergebnis einer neuen Auffassung. Ihr werdet Adolf Hitler diesen hundert Millionen niemals aus den Herzen reißen. (Stürmischer Beifall.) Verliert sie nicht, die treuen, fleißigen deutschen Männer und Frauen, die treue Staatsbürger Eurer Länder sein wallen. Stoßt sie nicht von Euch in die Nacht des Hasses! Laßt sie in Euren Staaten als fleißige Mitarbeiter leben und verbittert sie nicht, wie wir es nicht tun werden bei denen, die, fremdem Volkstum zugehörig, in Deutschland Gastrecht und Heimatrecht genießen! (Beifall.) Es wird die Stunde kommen, da wächst eine neue Generation heran. Sie will schon heute nichts mehr wissen von jenem ewigen haß, sie will eine neue ID e U, hie auf Wahrheit und Ehre, aber auch auf Treue gegen das eigene Wesen aufgebaut ist. Darum geben wir den Volksgemeinschaft, begründet aber auch auf dem Glauben, daß das deutsche Volt nicht allein auf dieser Erde lebt und diese Erde nicht allein in der Welt steht. Wir glauben, daß alles eingeordnet ist in e i n großes Werk der Ordnung, das einen großen Ordner zum Herrn, Schöpfer und Meister hat. Wir drücken uns die Hände, erheben sie zur ewigen Vorsehung und sprechen noch einmal in dieser Stunde das Glaubensgelöbnis. das- Schiller einst auf dem Rütli sprechen ließ: Wir wollen sein ein einzig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr. Wir wollen glauben an den höchsten Gott und uns nicht fürchten vor der Macht der Menschen. Ergriffen und begeistert sprachen die Tausende diesen Schwur mit. Dann setzte nicht endenwollender Beifall ein. Ein Marsch leitete dann über zu der Volksdeutschen Umschau Dr. Steinachers. Er gab darin ein umfassendes Bild der volkspolitischen gegenwärtigen Lage und eröffnete durch die vielgestaltigen Einzelfragen die Schau auf die wesenhaften Züge dieser Entwicklung. U. a. führte der Bundesleiter aus, das deutsche Volkstum fände sich im Sinne eines erlauchten Geistes der ostpreußischen Erde mit Johann Gottfried Herder zusammen. Seine Gedanken über Volkssprache und Literatur, über den nationalen Geist, wie über die arteigene Würde jeden Volkstums, seien uns heutzutage vertraut. Ein Chor sang anschließend M a • ria Kahles Worte „Ausländsdeutsche". Dann schilderte Maria Kahle ihre Eindrücke von der Südamerikafahrt. Volksdeutsche Gestunden. Die Pfingsttagung des VDA. wurde am Pfingstsonntag nach Gottesdiensten in den Kirchen der alten Krönungsstadt mit einer Feierstunde auf dem Erich-Koch-Platz fortgesetzt. Bei strahlendem Sonnenschein hatten sich Zehntausende von Jugendlichen aus allen Gauen unseres Vaterlandes und Ausländsdeutsche aus 20 verschiedenen Staaten versammelt. Weithin grüßte das Wahrzeichen des VDA., eine riesige Kornblume, flankiert von den Fahnen des Dritten Reiches. Vor der festlich ge- schmückten Tribüne standen Offiziere und Mannschaften des Kreuzers .Königsberg" in Reih und Glied. Der Leiter des Außenamtes der evangelischen Kirche, Bischof Heckel- Berlin, sprach zu Herzen gehende Worte volksdeutschen Bekennens und gedachte der Märtyrer des deutschen Volkstums in der Welt. Für die katholische Kirche sprach Äonfi« ftorialrat Dr. Scherer, der die Besiedlung des deutschen Ostens als kirchliche und deutsche Tat feierte. Seine Rede klang aus in einem Treueschwur zum Führer. Der stellvertretende Gauleiter Großherr überbrachte die herzlichsten Grüße des Oberpräsidenten und der ganzen Provinz Ostpreußen. Er gedachte der Memelländer und der Sud e- tendeutschen und dankte zugleich allen, die auf dem weiten Erdenrund den Gefahren der Welt trotzten und ihr Deutschtum mit freier Stirn bekennen. Nachmittags wurden die sportlichen Wettkämpfe ausgetragen. Nach dem Aufmarsch der Wettkampfteilnehmer und der Abordnungen der Königsberger Vereine überbrachte der Vertreter des Reichssportführers Breitmeyer dessen Grüße. Die Olympischen Spiele im kommenden Jahre seien die beste Gelegenheit, das deutsche Turn- und sportliche Friedenswerk vor der ganzen Welt zu bekunden. Den Abschluß des Pfingstsonntags bildete die Stunde Volksdeutschen Gedenkens auf dem Erich-Koch-Platz. Wieder war die gesamte deutsche DDA.-Jugend zur Stelle. Bundesleiter Dr. Steinacher gedachte der Opfer des Kampfes, die für die Gemeinschaft gelebt, gestritten und ihr Leben gelassen haben. Es war eine lange Auszählung ergreifender und erschütternder Schicksale, die unsere Brüder und Schwestern um ihres Deutschtums willen in aller Welt erlitten und erduldet haben. Der Bundesleiter gedachte der Toten bei Weltkrieges, die hier in Der heiligen Erde Ostpreußens ruhen, und für alle diese Opfer senkten sich die Banner und Wimpel, gedachten Zehntaufende schweigend der Toten. Im Gedenken an die Opfer sind wir stark und glauben wir an die Zukunft Deutschlands, glauben wir an den Führer Adolf Hitler, glauben wir an das ganze deutsche Volk, glauben wir, daß die Grenzen uns nicht trennen können, glauben wir an die Kraft dieser Stunde, daß wir niemals schlapp werden mögen. In der Verpflichtung dieser Stunde grüßen wir den Führer. Wir grüßen ihn und das ganze Deutschland mit dem Gruß, den die Ausländsdeutschen da draußen gebrauchen, wenn sie an das Ganze denken: Der Führer Adolf Hitler und das ganze deutsche Volk: Volk-heil! Der Montag brachte die Stunde der Jugend im Königsberger Schloßhof. Fanfaren des Jungvolks eröffneten um sieben Uhr vorn Schloßturm herab die Feier. Ein auslandsdeutscher Jugendführer brachte nach einem Alt-Meraner Fahnenschwingen als „Sprecher von draußen" zum Ausdruck, wie sehr in der volksdeutschen Erneuerungsbewegung die Einheit des gesamten deutschen Volkstums auch jenseits der Grenzen vorwärtsschreite. Als „Stimme des Mutterlandes" antwortete ein Sprechchor des Königsberger Arbeitsdienstes. Hierauf dankte im Namen des Landesverbandes Ostpreußen Prof. Dr. Oberländer (Königsberg) allen Jungen und Mädel für das Bekenntnis zum. Osten, das sie durch ihre Fahrt nach Königsberg abgelegt hätten. — Schließlich sprach der Bundesleiter Dr. Steinacher Worte der Anerkennung für seine jugendlichen Mitkämpfer. Ein Vorbeimarsch sämtlicher Fahnen und Wimpel beendete die stimmungsvolle Morgenfeier. Der Mug, ein Symbol der VDA.-Arbeii. Nicht schöner und eindrucksvoller konnte das Bekenntnis aller deutschen Stämme und Gruppen der 26 Landesverbände des DDA. jum aemein- samen Aoltstum, zur Einheit oon Blut, Art und Muttersprache zum Ausdruck kommen als durch den dreistündigen riesigen F e st z u g, den der DDA. am Pfingstmontag veranstaltete. Ein blauer Himmel wölbte sich über der. Stadt. Alle Straßen, durch die sich der Festzug bewegte, waren schon lange vor dem Anmarsch oon Menschenmassen dicht besetzt, die mit freudiger Erwartung dem Nahen des Festzuges entgrgensahen. Als der Zug dann endlich kam, wurde er. wo er vorbeizog, mit stürmischen Heilk-Rufen und Tücherschwenken begrüßt. Im Mittelpunkt der Stadt, auf dem Münzplatz, stand die Ehrentribüne, von der aus Reichsminister Rust und der Bundesleiter Dr. Steinacher mit den Ehrengästen den Fest- zug begrüßten. Es ist fast unmöglich, die Einzelheiten di^es Festzuges zu schildern. Vielfältig wie die Stämme des deutsche Volkes waren die einzelnen Trachtengruppen, die Darstellung ein- n wie der volksdeutsche Gedanke des VDA., ille, ein Volk darzustellen in der Bunt- Helt seiner Verzweigung, aber doch in der Einheit seiner Art. An der Spitze Des Zuges ritten neun VDA.-Herolde. Fahnenschwinger gingen den einzelnen Landesverbänden voran, zahlreiche Musikkapellen spielten auf. Deutsche Volkstrachten, deutsche Leistungen auf kulturellem und wirtschaftlichem Gebiet, Statistiken des Volkstums in sinnfälliger Verkörperung, Verbände aller Art zeigten, was der Bruder für den Bruder leistet, was in der Einheit das Werk aller wird. Stadtwappen, besondere Wahrzeichen, hervorragende Errungenschaften, historische Ereignisse aus der Der- gangenheit und der Gegenwart hatten greifbare bildliche Gestalt in den Gruppen des Zuges. Ein Modell der Münchener Feldherrnhalle zeigte die Hauptstadt Bayerns als Geburtsort der deutschen Erneuerunqsbewegung, sauerländische Bauern schritten hinter den elf Schillschen Offizieren, und Krefelder Seide folgte dem Bielefelder Leinen. Wie Stamm zu Stamm steht, das zu zeigen war wieder einmal Aufgabe der Ostlandtagung des DDA., und so stand am Ende dieser Tagung mit dem schönsten Ausklang zugleich auch das stärkste Bild, das leuchtend in die Zukunft weist. In der Städtischen Oper gelangte am Abend „Die Schlacht von Rudnau", eine Szenenfolge von Agnes Miegel, ßur Aufführung. In 22 Sälen feierten die verschiedenen Landesverbände ihren Abschied von Königsberg. Erziehung zum Volksgenoffen. Eine Entschließung der Lehrertagung des BDA. Auf der Lehrertagung des VDA. wurde eine Entschließung angenommen, in der es u. a. heißt: Die in Königsberg Pfingsten 1935 zur VDA.- Tagung versammelten Deutschen Erzieher Des In- und Auslandes bekennen sich zum deutschen Volkstumsgedanken als zur Grundlage allen deutschen Lebens. Aus der besonderen Lage unseres Volkes, von dessen Gesamtheit nur Zwei Drittel im Deutschen Reich zusammengefaßt sind, ergibt sich, daß die Erziehung zum Volksgenossen sich nicht überall mit der Er- ziehung zum Staatsbürger deckt. Mil- Honen deutscher Volksgenossen sind Staatsbürger fremder Staaten. Für ihre Kinder ist daher Die Erziehung zum Staatsbürger und zum Volksgenossen zweierlei. Als loyale Bürger ihres Staates sollen sie zur Achtung des fremden Volkstums und zur Beachtung der Gesetze erzogen werden; als Angehörige Des Deutschen Volkes aber im Sinne Der Blut- unD Artgemetnschaft müssen ihnen Muttersprache unb volksDeutsche Geschichte wie alle Güter Deutschen Volkstums vertraut wer- Den. Wir foDern daher, daß in allen Staaten die Möglichkeit geschaffen wird, neben die Erziehung zum Staatsbürger die Bildung des Volksgenossen zu setzen. Das kann nur in der Muttersprache und nur durch Angehörige des gleichen Volkstums erfolgen. Wir fordern, daß alle Beschränkungen und Hemmungen, die diesem Ziel in manchen Staaten entgegenstehen, beseitigt werden. Wir fordern von der deutschen Erziehungswissenschaft, daß die Formeln Volksdeutscher Erziehung auch für solche Volksgruppen entwickelt werden, die keine Möglichkeit zu eigenen Schulen haben. Gegen die Vernichtung deutschen Volkstums in der Sowjetunion. Eine Kundgebung des Verbandes der Rußlanddeutschen in Königsberg. Anläßlich Der Ostlandtagung Des VDA. In Königsberg fand eine außerorDentlich eindrucksvolle Kundgebung Des Verbandes Der Deutschen aus RußlanD statt. Die ganz unter Dem Eindruck Der nieDerfchmetternDen Nachrichten von Den neuerlich an RußlanDDeutfchen vollstreckten loDesurteilen stanD. VerbanDsleiter ADolf F r a ch gedachte Der neuen Deutschen Blutopfer Des Bolschewismus unD verwies mit RachDruck auf Die Tatsache, Daß sich Der Vernlchtungskampf gegen Die nationalen Volksgruppen in Der Sowjetunion neuerlich außerorDentlich verschärft habe, namentlich gegen Die Deutsche Volksgruppe. Die Bluturteite entspringen Der weltanschaulichen Einstellung Des Bolschewismus Dem Volkstum gegenüber, seinem Vernichtungswillen und entbehren jeglicher RechtsgrunDlage. Die KunDgebung für Die jüngsten Märtyrer Der RußlanDDeutfchen schloß mit einem einDringlichen Appell an Das Deutsche Volk, Die RußlanDDeutfchen in Der Mett unD Darüber hinaus an alle Kuttur- nationen. 3n Der sich anschliehenDen Arbeitstagung konnten wertvolle Berichte über Die geleistete Arbeit unD Das allgemein vorhandene Interesse für Das Deutschtum in Der Sowjetunion von Den entfanDten Vertretern entgegengenommen werden. Veralungsjiellen für Erb- und Raffenpflege. Erbbiologische Bestandsaufnahme des deutschen Volkes. Vertretern der Presse wurde am Donnerstag Kenntnis gegeben von einer neuen Verordnung des Reichs- und preußischen Ministers des Innern, die für die bevölkerungspolitische Entwicklung von grundsätzlicher Bedeutung ist. Diese Verordnung sieht Die Einrichtung von Beratungsstellen für Erb- und Rassenpflege bei sämtlichen Gesundheitsämtern des Reiches vor. Diese Beratungsstellen haben in erster Linie die Aufgaben, neben dem augenblicklichen Gesundheitszustand der zu Beratenden, auch seine E r b - beschaffenheit zu beurteilen. Zu diesem Zweck werden über die in der Sippe etwa vorhandenen Erbkrankheiten einerseits und das Auftreten besonders wertvoller Eigenschaften andererseits genaueste Nachforschungen angestellt und dann auf besonderen Sippentafeln und in Karteien festgelegt. Die Inanspruchnahme der Beratungsstellen wird zunächst nur f ü r alle Ehestandsdarlehenserwerber Zwang sein, im übrigen aber auf Freiwilligkeit beruhen. Erst einer späteren Zeit wird es vorbehalten bleiben, diese freiwillige Inanspruchnahme, die für jeden Volksgenossen eine Ehrenpflicht sein sollte, gegebenenfalls zu einer gesetzlich veranker- t e n selbstverständlichen Notwendigkeit werden zu lassen. Die Beratungsstellen für Erb- und Rassenpflege werden ein- bis zweimal wöchentlich Sprechstunden abhalten, in denen die erbbiologischen und sonstigen medizinischen Angaben sowie die Personalangaben des zu Beratenden in einer Sippentafel zusammengestellt werden. In dieser sind die vier Großeltern und ihre sämtlichen Nachfahren aufzuführen, soweit sie biszu einemAchtelmit den Ratsuchenden blutsverwandt sind. Man wird sich aber dabei nicht allein auf diese Angaben verlassen, sondern versuchen, sie durch objektive Unterlagen und sonstige Ermittlungen mit Unterstützung von Behörden, Familienforschern usw. zu untermauern. Die durch diese Untersuchungen bekanntgewordenen Tatsachen werden in einer erbbiologischen Kartei gesammelt, die dann allmählich dadurch ergänzt wird, daß nach Möglichkeit für jede Person, über die auch im Gesundheitsamt hinsichtlich der Erbgesundheit etwas bekannt geworden ist, eine Karte ausgestellt und der Kartei einverleibt werden soll. ____ Wenn so im Laufe der Arbeit Rückfragen bei Jugendämtern, Gerichten und Wohlfahrtsämtern nach asozialen, kriminellen und wegen Erbkrankheiten der Fürsorge zur Last fallende Personen gehalten werden, muß es auf diese Weise gelingen, die Kartei nach und nach zu einem lückenlosen Nachschlagewerk über die im Bereich Des Gesundheitsamtes wohnenden erb kranken Sippen auszugestalten. Aufgabe der folgenden Zeit wird es dann sein, diese Kartei auch besonders auf die wertvollen Sippen und die gesunden E r b l i n i e n zu vervollständigen. Eine weitere Aufgabe der Beratungsstellen ist es, solchen Eltern, die nicht krank sind, denen aber ein schwer erbkrankes Kind bereits geboren ist, von der Erzeugung weiterer Kinder aozuraten. Es wird stets vornehmste Pflicht des beratenden Arztes fein, sich zum Beschützer der erbgefunben Familie zu machen. Er wird oon einer Eheschließung immer dann abzuraten haben, wenn einer Der Ehebewerber nichtarischer Abstarn- m u n g ist oder vererbliche Leiden oder Gebrechen, Die seine Verheiratung als nicht im Interesse Der Volksgemeinschaft liegend erscheinen lassen oder Infektionskrankheiten oder sonstige Das Leben bedrohende Krankheiten hat. EinbolschewistischerGroßwürdenträger nach Ostsibirien verbannt. Moskau, 8.. Juni. (DNB.) Das Bundeskommissariat des Innern (OGPU.) hat den ehemaligen Vorsitzenden des Vollzugsausschusses der Kaukasischen Republiken und früheren Generalsekretär des Präsidiums Des Vollzugsausschusses Der Sowjet- Union, Ienukidse, zur Verbannung nach Der ost sibirischen Stadt Boidibo ohnd Angabe des Zeitraumes verurteilt. Nach der Bundesverfassung Der Sowjetunion kann die OGPU. Verbannung von fünf bis zehn Jahren verhängen. Das' Privatarchiv Jenukidses und bei ihm Borge- funbene Parteidokumente wurden b e - schlagnahmt. Außerdem hat die Parteileitung angeordnet, daß sämtliche Bilder von Jenu- tidse binnen 24 Stunden entfernt wer- d e n. Der Hauptausschuß der Kommunistischen Par- tei hat beschlossen, Ienukidse wegen politischer Zersetzung aus der Partei auszustoßen. Ueberbies würben Maßnahmen der Kontrollorgane zur Säuberung des gesamten dienstlichen Apparates des Sekretariats des Hauptvollzugsausschusses der Sowjetunion getroffen. Entspannung in Nordchma? Japanische Kriegsschiffe in chinesischen Häfen. Tokio, 11. Juni. (DNB.) Auf Veranlassung des japanischen Marineministeriums sind zwei Minenboote aus Dairen nach Tientsin ausgelaufen. Außerdem werden weitere japanische Kriegsschiffe nach Tschifu und nach anderen chinesischen Häfen entsandt, um dort den Schutz der japanischen Interessen zu verstärken. Die japanischen Forderungen zur Rege- hing der Lage in Nordchina beziehen sich auf folgende Punkte: 1. Unterdrückung der an ti japanischen Bewegung in ganz China, besonders der koreanischen Gruppen und Auflösung der sog. Blauhemden; 2. Einrichtung eines Funk- und Flugverkehrs; 3. Aufhebung der zehnprozentigen Z o l l - erhöhung auf japanische Einfuhrwaren. Nach den aus Peiping vorliegenden Nachrichten ist eine wesentliche Entspannung der Lage in Nordchina eingetreten. Man glaubt, daß sowohl Nanking als auch Peiping d i e japanischen Forderungen anerkennen und durchführen werden. Die Nanking-Regierung soll bereits Die Entfernung aller Kuomintang-Parteiorganisationen angeordnet und den der Zentralregierung direkt unterstehenden Truppenteilen den Befehl zum Rückzug aus dem umstrittenen Gebiet erteilt haben. Auch in Peiping wird bestätigt, daß eine japanisch-chinesische Einigung durchaus möglich erfcheint. Krieasminister Hoyinacin erklärte dem Vertreter des „Osaka Mainichi", daß alle japanischen Forderungen von einem aufrichtigen Geiste der Verständigung erfüllt seien. Allem Anschein nach hat man mit viel weitergehenden Forderungen gerechnet. Einige Beunruhigung scheint die Nachricht ausgelöst zu haben, daß das japanische Militär nunmehr auch die Absetzung bestimmter Beamter der Schantung-Provinz verlangt. Ueberraschun- gen können sich auch aus der Haltung des Gouverneurs von Tschachar ergeben, der anscheinend nicht gewillt ist, die Politik des Friedens um jeden Preis mitzumachen. Kampf um die Gtaaisform in Griechenland. Athen im Wahlkampf. Von unserem ständigen ($.. JR -Berichterstatter. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! Athen, 3. Juni 1935. Herrliches Wetter! Blauer Sommerhimmel. Sonnenschein und Lachen! In den Fluten des saroni- schen Meerbusens suchen die Athener Erfrischung. Oder sie lassen sich, am Strande liegend, von der Sonne bräunen. Fernab ziehen die Dampfer an der schönen Insel Agina vorüoer, und in der Nähe durchfurchen lautlos weiße Segler die schäumenden Wogen. Und während sozusagen der scheidende Frühling seine zartesten Saiten zu einer erhebenden Abschiedssymphonie spannt, kocht und quirrtt es im Innern des Griechen ... Am 9. Juni Wahlen! Wahlkampf, — ein politisches und zugleich ein häßliches Wort. Sonst waren es die beiden großen Lager, die sich feit mehr als zwanzig Jahren in ununterbrochener Fehde haßerfüllt gegenüberlagen. Heute aber ist es sozusagen die eigene, die Dolkspartei, die sich gespalten hat und deren zwei Gruppen sich be. feinden. Die Liberalen, ober besser gesagt Die Veniselisten üben Wahlenthaltung. Sie wußten, was ihnen nach bem verunglückten Putsch vom 1. März devorstanb: eine gänzliche, durchschlagende Wahlnieberlage. Unb mit ben Veniselisten bleiben alle ihnen verbünbeten kleineren Parteien fern, bie Kaphanbaristen, Pangalisten usw. Diesmal stehen sich nur zwei Hauptgruppen gegenüber: bie Tsaldaristen unb bie Anhänger Des Generals Metaxas. Beibe Parteiführer saßen noch in ben stürmischen ersten Märztagen gemein- s a m am Ministertische, um ben Aufstand mit vereinten Kräften niederzuzwingen. Heute aber spricht Metaxas oon Tsalbaris als bem „verhängnisvollen, unfähigen" Minifterpräfibenten, wobei noch zu bebenden ist, baß General Metaxas jetzt für sofortige Einsetzung ber Monarchie kämpft, währenb gerabe er es war, ber vor Jahren als erster ber royalistischen Parteiführer bie Republik anerkannte unb bamit ber royalistischen Sache einen schweren Schlag versetzte ... Trotzdem ist ber Kampf heftig. Er entwickelt sick zwar nicht, wie es vor bem Kriege in Griechenland üblich war, auf den Straßen, speziell auf dem „Omoniaplatze" in Athen, sondern ist vom Bürgersteig ins Theater verlegt worden. Tsai- daris sprach im Theater „Kentrikon", Metaxas im Theater „Kotopuli". Um so mehr aber wütet bie schriftliche Wahlpropaganda. Wie bie vollgeklebten Seiten eines großen Briefmarkenalbums schauen bie Straßen Athens an. Man sucht jedoch vergeblich nach Wahlprogrammen ber Parteien. Die gibt es nicht und hat es auch früher nicht gegeben, obgleich die Parteien sich stolz „liberale , „freisinnige", „Volks"-, „Arbeiter"- ober „fortschrittliche" usw. Partei nennen. Statt Wahlprogrammen sieht man — Photographien, Silber ber Parteichefs unb ber Abgeordneten, von ben Mauern ber Häuser unb ben Straßenecken prangen. Der Parteiname ist nur ein Aushängeschild; ben meisten Wählern ist nicht einmal ber Sinn unb Zweck ber Partei bekannt. Für ihn gilt nur bie Person, die sie führt. Daher „Tsaldaristen", „Veniselisten", „Kaphandaristen", „Metaxisten" . . . Und da jeder Kandidat einen möglichst guten „propagandistischen" Eindruck machen will, hat er sich recht vorteilhaft photoara- phieren unb biese Bilder zu Tausenden an den Häusern befestigen lassen. Geht man in diesen Tagen durch die Straßen Athens, so könnte man meinen, daß sich die griechischen Wähler ihre Abgeordneten nach deren Schönheit aussuchen sollen. Man sieht fast nur energische Gestalten, aus deren Augen Napoleonblicke blitzten. Die nächste griechische Kammer muß ein Sammelort männlicher Schönheit werden! Auch Wahlversammlungen unterscheiden sich von denen im übrigen „Europa", in England, Frankreich usw. In Griechenland gibt es keine Diskussionen über bas Wahlprogramm, bie Parteiführer unb ihre Abgeordneten halten Monologe. Sie sprechen ohne jebe Wiberrebe zu bem Publikum unb entwickeln ihre rednerischen Künste, je schöner unb überzeugenber ber Kandidat svricht, um so sicherer ist er ber Begeisterung und der Zustimmung der Menge. Aber Metaxas ist klug; er tritt in einem für den monarchischen Gedanken psychologisch recht günstigen Moment in den Kampf für bie Wiebereinsetzung bes Königtums in Griechenlanb: ber Putsch vom 1. März hat nämlich ber republikanischen Staatsformibee großen Abbruch getan. Auch Ministerpräsibent Tsalbaris, ber für sich unb seine Partei bie Republik anerkannt hatte, mußte zum minbeften eine Volksabstimmung über bje (Staatsformfrage in Aussicht stellen. Sowohl Tsalbaris, wie seine Minister unb feine Parteiangehörigen — mit Ausnahme bes Kriegsministers Ko ndylis —, finb selbst „R o y a 1 i st e n". Beibe, Tsalbaris unb Metaxas, kämpfen also eigentlid) für biefelbe Sache, unb ber einzige unterschieb ist nur bie Behanblung ber Frage einer Rückkehr bes früheren griechischen Königs. Metaxas will biese s o - fort unb ohne vieles Feberlesen erzwingen. Tsalbaris aber schlägt eine Volksabstimmung vor, um baburch bie zukünftige Staatsform nicht als eine Partei-, fonbern als eine Volksan. gelegenheit erscheinen zu lassen, unb um ber zukünftigen Monarchie einen festen Untergrunb zu schaffen. Die Zeitungen, mit Ausnahme ber ruhigen unb seriösen Blätter, überbieten sich an gegenseitigen Beschimpfungen. General Konbylis hat wohl schon vier Klagen wegen Beleibigungen eingereicht. Zwar hat bie Regierung Tsalbaris einen Riegel vorgeschoben, inoem sie jeben Angriff auf bie zur Zeit bestehende Staatsform, also bie Republik, verbot. Auch ist ben Zeitungen untersagt, bie unglückliche Vergangenheit aufzuwühlen; sie bürfen keine Königs- bilder, aber auch keine Bilder von Veniselos und den von den Kriegsgerichten verurteilten Personen veröffentlichen. Dafür aber ist die Kritik am Regierung s w e r k freigegeben. Und das wird weidlich ausgenutzt! Was Ministerpräsident Tsai- daris und feine Mitarbeiter alles zu hören bekommen, läßt sich gar nicht wiedergeben. Der Wahltag selbst wird in Griechenland — wie man hoffen Darf — in Ruhe vorübergehen. Unter bem blauen Himmel unb ber schon recht heißen Sonne werben sich bie Wähler wohl still unb ohne Lärmen in ihre Wahllokale begeben. Unb wenn in ber Presse oon fommenben „Abrechnungen" bie Rebe ist, bann stehen biese Drohungen wohl nur auf bem Papier. Das griechische Volk ist burchaus nicht blutbürftig, es ist eher üoer alle Maßen gutmütig unb läßt sich sogar oft noch gefallen, was selbst bie weniger heißblütigen Völker bes Norbens sich recht energisch verbitten würben. Gefährlicher — nach ber praktischen Erfahrung der letzten Jahre wenigstens — ist berTag nach ben Wahlen, wenn bas Ergebnis bes Wahlkampfes bekannt wirb. Der Wahltag bes 5. März 1933 verlief burchaus ruhig, ber folgenbe Montag aber brachte ben Putschversuch bes Generals P l a st i r a s. Doch ben umsichtigen Maßnahmen ber Regierung Tsalbaris bürste es bies- mal wohl gelingen, berartige unerfreuliche lieber- raschungen von Griechenlanb fernzuhalten. Wer wirb siegen? Wahrscheinlich Tsalbaris, vorausgesetzt, baß er nicht von bem stürmischen unb tollkühnen General Metaxas überrannt wirb. Beibe Haupt- gegner finb zuversichtlich. Wir unparteiischen Zuschauer biefes inneren griechischen Kampfes können nur hoffen und wünschen, daß zum Besten des schönen Landes der innere Friede auf lange Dauer einziehen möchte, daß die Zeit der Putsche, Militär- revolten und der Willkür mit dem kommenden Wahltag begraben werde, um so den Weg für den weiteren Aufstieg Griechenlands zu ebnen. Die Wahlen in Griechenland. 70 v. H. der Stimmen für die Regierung. Athen, 10. Juni (DNB.) Arn Sonntag fanden in Griechenland die Wahlen zur Nationalversammlung statt, an denen sich eine Million Wähler beteiligten. Allein auf die Regierung entfielen 70 v. H. aller abgegebenen Stimmen. Die monarchistische Gruppe erhielt 100 000 Stimmen, die Kommuni st en 60 000 Stimmen. Die Nationalversammlung ist zum 1. Juli einberufen worden. Die Volksabstimmung über bie Frage ber künftigen ©taatsform wird voraussichtlich im September stattfinden. Don 300 Sitzen entfallen 287 auf die Regierungspartei. Die Liste des Generals Metaxas konnte nur sieben Mandate erlangen; außerdem wurden sechs unabhängige Kandidaten gewählt. gewinnen burdj 5ufa$ einiger Tropfen MAGGI5 VJürjeganj befonDersnn Wol]lgefd]mad£. Verlangen 5ie aber ausHrüdibdj MAGGI5 Würfel pfingsttagung -er Deutschen Burschenschaft. Die Pfingsttagung der Deutschen Burschenschaft in Eisenach wurde auch in diesem Jahre durch ein politisches Schulungslager eingeleitet, an dem etwa 150 Sprecher der Burschenschaften teilnahmen. Auch einige Vertreter der jungen Generation anderer Völker nahmen an der Tagung als Gäste teil. Mit besonderer Begeisterung wurde von den jungen Burschenschaftlern der Frankenführer, Gauleiter Julius Streicher, begrüßt, der in fast dreistündigem Vortrag eindringlich die nationalsozialistische Auffassung von Blut und Rasse klarlegte und die Burschenschaften aufrief, weiterhin gegen die in weiten Kreisen des Akademiker- tums herrschende „Geistigkeit" anzukämpfen, die den Durchbruch eines gesunden, instinkthaften und bodenverwurzelten Denkens behindert. Streicher brachte zum Ausdruck, daß es gegenüber den in einzelnen studentischen Gemeinschaften noch vorhandenen Schwebezustand in der völkischen Frage darauf ankomme, mit dem Bewußtsein höchster Verantwortung der akademischen Jugend voranzugehen. Weitere Vorträge wurden von dem deutschen Sachverständigen im Berner Judenprozeß, Oberstleutnant a. D. Fleischhauer, von Professor Ernst K r i e ck (Heidelberg) und Prof. L a c r o i x gehalten. An dar Schulungslager schlossen sich Sitzungen der Sprecher und der Bundesleiter der einzelnen Burschenschaften an. Am Pfingstsamstag trat der außerordentliche Burschentag zusammen, der die vom Bundesführer oorgelegte neue Hauptsatzung einstimmig annahm. Durch zahlreiche Abgesandte der Auslandsgliederungen der deutschen Burschenschaften aus den verschiedenen mitteleuropäischen Staaten wurden Berichte erstattet, die die enge Verbundenheit der Deutschen Burschenschaft mit dem Grenz- und Auslandsdeutschtum und die Fruchtbarkeit der volkspolitischen Arbeit zeigten. Der Burschentag nahm einmütig eine Entschließung an, in der er sich erneut zu dem völkischen Weg der Burschenschaft bekannte und die Erwartung aussprach, daß auf diesem Boden sich alle zusammensinden, die den Willen haben, die Erfüllung burschenschaftlicher Geschichte in tätigem Einsatz zu verwirklichen. Nach Beendigung der Tagung in Eisenach, in deren Rahmen auch eine nächtliche Weihestunde am Ehrenmal der Deutschen Burschenschaft und eine Feier im Wartburghof stattfand, fuhren am Pfingstsonntag die Teilnehmer in einem Sonderzug nach Jena zur 120-Jahr- feier der Deutschen Burschenschaft. Ein langer F e st z u g führte durch die Straßen der Geburtsstadt des Bundes über die Gründungsstätte, das Gasthaus „Zur Tanne" am Saale-Ufer, zum Burschenschafter-Denkmal auf dem Eichplatz, wo sich eine Kranzniederlegung und eine politische Kundgebung anschlossen. Staatssekretär Dr. Lammers hat als Führer der Gemeinschaft studentischer Verbände der Deutschen Burschenschaft zu ihrer Jubiläumsfeier telegraphisch seine Gluckwun- s ch e zum Ausdruck gebracht. Aus aller Welt. Schwere Unwetter in Frankreich, England und Polen. Während der Pfingstfeiertage wurde Frankreich von einer Hitzewelle heimgesucht, die stellenweise schwere Gewitter mit zum Teil wolkenbruchartigem Regen auslöste. In Dünkirchen wurden durch den Regen viele Keller unter Wasser gesetzt. Im Departement Seine et Oise gingen nachts große Regenmassen mit Hagelschauer nieder, die schweren Schaden anrichteten. Bei Oran in Algerien wurden eine Truppe von Arbeitern vom Blitzschlag getroffen. Ein Mäher war auf der Stelle tot, zwei andere trugen schwere Brandwunden davon. Die außerordentliche Hitze hat in den französischen Alpen hier und da eine S ch n e e - schmelze zur Folge gehabt, die für das Dörfchen Dalsires bedrohliche Folgen hatte. Gewaltige Schneemassen brachten einen kleinen, durch den Ort fließenden Bach zum Ueberfluten, so daß binnen weniger Minuten die meisten Häuser unter Wasser standen. Gleichzeitig lösten sich Erd- und Gesteinsmassen, die das Vernichtungswerk vollendeten. Viele Häuser wurden verschüttet* oder fortgerissen. Die englische Hauptstadt und weitere Teile Südenglands wurden am Pfingstmontag durch schwere Gewitterstürme und Hagelwetter heimgesucht. In den Straßen der Hafenstadt Deal in der Grafschaft Kent stand das Wasser über einen halben Meter hoch, so daß der Verkehr nur noch mit Wasserfahrzeugen durchgeführt werden konnte. In vielen Häusern richtete das Wasser großen Schaden an. Auch in der Hafenstadt Folkestone waren viele Häuser und Straßen überschwemmt. Aus Hampshire werden schwere Ernteschäden durch Hagelschlag gemeldet. In einzelnen Gebieten Ostpolens, insbesondere in den Kreisen Przemysl, Lemberg, Luck und Rowno, sind am Pfingstmontag schwere Gewitter, verbunden mit schweren Hagelschlägen und vereinzelt mit Wolkenbrüchen nieder- gegangen, die sehr erheblichen Schaden an den Feldfrüchten angerichtet haben. Viele Dächer von Bauernhäusern wurden vom Hagel durchschlagen. Infolge von Blitzschlägen sind an verschiedenen Stellen Gehöfte niedergebrannt. In einem Dorfe des Kreises Luck wurden ein Bauer und ein Kind vom Blitz getötet. Erster Deutscher Gehörlosen-Tag in Frankfurt a. 7N. Der Reichsverband der Gehörlosen Deutschlands hielt während der Pfingstfeiertage in Frankfurt den 1. Deutschen G e h ö r l o s e n t a g ab. zu dem sich aus allen Teilen des Reiches über 1000 Teilnehmer eingefunden hatten. Die Tagung, die gleichzeitig die 4. ordentliche Hauptversammlung des Reichsverbandes der Gehörlosen bildete, fand ihren Auftakt mit einer Arbeitstagung, in der alle, die Gehörlosen berührenden Fragen zur Sprache kamen. Den Höhepunkt bildete der Hauptfestakt auf dem Messegelände, der sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung der Gehörlosen für das neue Deutsche Reich gestaltete. Nach einer Begrüßungsansprache des Gaubundesleiter-West Pg. Schäfer sprach der Reichsbundesleiter Pa. A l b r e g h s- Berlin über das Thema „Unser Kulturwille". Er betonte, daß mit dem Leitmotiv „Vertrauen, Liebe und Geduld" die Gehörlosen alles das zu erreichen versuchen wollten, was ihnen gebühre. Von den gleichen Gedankengängen getragen waren die Ausführungen des Reichsfachschaftsleiters V Sonderschulen im NS-Lehrerbund Pg. R u ck a u - Berlin, der es begrüßte, daß die Gehörlosen sich jetzt zu einer Einheitsfront zusammengefunden haben, und des Sachberaters für Gehörlosenfragen bei der Reichsleitung des Hauptamtes für Dolkswohlfahrt Pa Matz, der den Kampf um die Emrechung der Gehörlosen in die Reihen vollwertiger Volksgenossen eingehend schilderte. Eine ganze Familie vergiftet. — (Ein Todesopfer. Von einem schweren Unglücksfall mürbe die Familie Dülfers in Kassel betroffen. In der Nacht erkrankte plötzlich die aus vier Personen bestehende Familie nach dem Genuß eines verdorbenen Gerichtes unter heftigen Dergiftungs- er schein un gen. Die Sanitätswache sorgte für die sofortige Ueberführung der Vergifteten in das Landeskrankenhaus. Obwohl die Aerzte dort alle möglichen Maßnahmen ergriffen, verschied die 60 Jahre alte Großmutter bereits eine Stunde nach ihrer Einlieferung. Die übrigen drei Personen, Vater, Mutter und ein siebenjähriges Töchterchen, liegen schwer erkrankt darnieder. keine Blumen in den Blund nehmen. Die Unsitte, Blumen in den Mund zu nehmen, forderte in Nierstein ein Todesopfer. Ein Kind des Winzers S a n d n e r hatte die Stiele eines Sträußchens Stiefmütterchen in den Mund genommen. Nach wenigen Stunden stellten sich Vergiftungserscheinungen ein; obwohl sofort Gegenmaßnahmen ergriffen wurden, trat alsbald der Tod ein. Blutiges Familiendrama in Bukarest. — Der ehemalige rumänische Finanzminister schwer verletzt. Der frühere rumänische Finanzminister und erste Vizepräsident der Nationalen Bauernpartei Michael P o p o o i c i wurde in seiner Villa in Kronstadt von seinem Bruder Stephan Popovici nach einer heftigen Auseinandersetzung a n g e s ch o s s e n und schwer verletzt. Stephan Popovici verbarrikadierte sich dann in einer Dachkammer, wo er in der Ueberzeugung, seinen Bruder getötet zu haben, Selb st mord verübte. Michael Popovici wurde in eine Klinik übergeführt, wo er nunmehr außer Gefahr liegt. Dieses Familiendrama hat in allen Bukarester Kreisen, wo Popovici als eine prominente Persönlichkeit des öffentlichen Lebens bekannt ist, einen starken Eindruck gemacht. Vier französische Kolonialbeamte in der Wüste verdurstet. Vier junge französische Kolonialbeamte aus Dakar (Senegambien) sind in den Wüsten des Sudan verdurstet. Aus dem letzten Schreiben eines der Beamten geht hervor, daß die Verunglückten, die einen achtmonatigen Heimatsurlaub erhalten hatten, mit einem Raupenwagen den schwarzen Kontingent durchqueren und bis zum Nil vorstoßen wollten, um von Aegypten aus die Heimreise zu Schiff fortzusetzen. Nach den bisher aus englischer Quelle vorliegenden Nachrichten haben die vier jungen Leute, als ihr Kraftwagen infolge einer Motorpanne steckenblieb, zu Fuß den Nil zu erreichen versucht, sind aber unterwegs von Hitze und Durst überwältigt ums Leben gekommen. Zwei dänische Segelboote gekentert. — Fünf Menschen ertrunken. Zwei schwere Unglücksfälle, die fünf Menschenleben forderten, haben sich auf dem Oeresund ereignet. Sechs Mitglieder eines Kopenhagener Segelklubs hatten mit einem Segelboot die Fahrt nach der im Oeresund Gelegenen schwedischen Insel Hven angetreten. Als das Boot sich etwa sechs Seemeilen südlich von Hven befand, kam ein starker Wind auf, und die Wellen gingen so hoch, daß das Boot voll schlug und kenterte. Als ein anderes Segelboot die Unfallstelle erreichte, konnten nur noch zwei Personen gerettet werden, während von den übrigen vier keine Spur mehr zu entdecken war. — Das zweite Unglück ereignete sich vor Skodsborg an der dänischen Riviera. Ein mit zwei Brüdern besetztes Segelboot, das sich auf der Fahrt nach Helfingör befand, kenterte. Einer der beiden Brüder konnte von einem zur Hilfe herbeigeeilten Boot gerettet werden, während der andere ertrank. Achtzehn Todesopfer eines Bergsturmes im Hochlande von Pamir. Bei den großen Stürmen, die vor kurzem in Tadschekistan herrschten, ist eine Gruppe von Alpinisten beim Aufstieg auf einen Berg im Hochlande von Pamir durch einen Sturm überrascht worden, der 18 Mann wahrscheinlich das Leben ge° kostet hat. Bisher konnten zehn der Verunglückten als Leichen geborgen werden. ftunft und Wissenschaft. Mittelrheinischer Aerztelag in Bad-Vauheim. Der Mittelrheinische Aerztetag firtöet am 16. Juni in Bad-Nauheim statt. Bei dieser ärztlich-wissenschaftlichen Veranstaltung werden folgende Vorträge gehalten werden: Professor G ä n ß- len (Frankfurt): Moderne Behandlung der Blutarmut. Professor R e i n w e i n (Gießen): Erkennung und Behandlung des Komadiabetikum. Professor Martini (Bonn): Kreislauftherapie bei akut fieberhaften Erkrankungen. Professor S ch e l» long (Heidelberg): Behandlung des akuten kardialen Lungenödems. Professor Kirschner (Heidelberg): Neuere Bestrebungen in der Schmerzbekämpfung. Professor A. W. Fischer (Gießen): lieber Nieren- und Blasentuberkulose. Professor von Jaschke (Gießen): Stillschwierigkeiten und ihre Bekämpfung in der Praxis. — Der wissenschaftliche Teil der Tagung wird von gesellschaftlichen Veranstaltungen umrahmt. Anmeldungen nimmt das Hessische Staatsbad, das die Vorbereitungen für die Tagung übernommen hat, entgegen. j Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die Pfingstfeiertage brachten allgemein in Mitteleuropa starke Erwärmung (vielfach über 30 Grad im Schatten) und damit auch verbreiterten Druckfall. Da sich über England ein neuer Wirbel entwickelt hat, ist wieder der Eintritt kühlerer Meeresluftmassen besonders begünstigt, so daß es noch im Laufe des Dienstag zu verbreiteter Gewittertätigkeit kommen wird. Die Witterung wird wieder etwas unbeständig, ober nicht ausgesprochen unbeständig werden. Aussichten für Mittwoch: Unter lebhafter Gewittertätigkeit (im wesentlichen am Dienstag) wechselnd bewölkt, im einzelnen teilweise gewittrige Schauer bei lebhaften westlichen Winden, etwas frischer. Aussichten für Donnerstag: Zeitweilig heiter und wieder wärmer, Gewitterneigung. Lufttemperaturen am 10. Juni: mittags 29,3 Grad Celsius, abends 20,1 Grad; am 11. Juni: morgens 19,1 Grad. Maximum 30,1 Grad, Minimum 14 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 10. Juni: abends 23,1 Grad; am 11. Juni: morgens 19,4 Grad. — Sonnenscheindauer 13,7 Stunden. — Niederschläge 0,8 mm. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für Den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. V. 35: 10151. Druck und Verlag: Bruhl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben." Offbg. 14,13 ,*• das einzig- im Alter von 27 Jahren zu sich zu nehmen Gießen (Dammstraße 22), derr 9. Juni 1935. Die tieftrauernden Hinterbliebenen: 3482 D Watzenborn-Steinberg, den 11. Juni 1935 Statt Karten! 34»5 v Die trauernden Hinterbliebenen. Todesanzeige Gießen, den 11. Juni 1935. 3484 D Otto Haas im blühenden Alter von 11 Jahren Die trauernd Hinterbliebenen: Steinbach, den 11. Juni 1935 Die Beerdigung findet am Donnerstag, 13. Juni, nachmitt 3 Uhr statt 3491 D Frau Marie Brückel Wwe. und 3 Geschwister Fam. Georg Sommer VI. und alle Angehörigen Ludwig Haas VI. und Frau Balthasar Münch Gestern entschlief sanft nach 4 tägiger schwerer Krankheit in der Chirurgischen Klinik zu Gießen unser innigstgeliebter, hoffnungsvoller einziger Sohn, Enkelkind und Pate Am Pfingstsamstag entschlief nach langem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im Alter von 65 Jahren meine liebe Gattin, Mutter, Schwiegermutter und Großmutter Für den Vertrieb von ganz neuart. Suvvenextrakt., darunt. auch 10-;- Packg.,suchen wir tücht. an tatkräst. Arbeit, gewöhnte Alleinvertreter Großverbrauchsware.Hob er Verdienst. Für'Lager 50-100 Mk. erf. Näheres durch Postfach Nr. 16, Nenwied-Bh.3497D Die Beerdigung findet Mittwoch, den 12. Juni, 2 Uhr nachmittags, auf dem Neuen Friedhof statt. Die Beerdigung findet am Mittwoch, dem 12. Juni, nachmittags um 3 Uhr, vom Trauerhause, Ludwigstraße Nr. 34, aus statt Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, meinen lieben Mann, unseren lieben Vater, Großvater, Urgroßvater, Bruder, Schwager und Onkel Philipp W eller I., Bahnarbeiter L R. im 77. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Marie Weller, geb. Schmidt. Klein-Linden, den 10. Juni 1935. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 12. Juni, IfF/g Uhr, vom Sterbehause Lützellindener Straße 12 aus statt. 3489 D Keine Ursprungszeugnisse, fonbem nur Zeugnis, abschriften dem Bewerbungsschreiben beilegen I — Lichtbilder undBewerbungsunter- lagen müssen zur Ber- meidung von Verlusten aus der Rückseite Na- men und Anschrift des Bewerbers tragen i Für die vielen Beweise liebevoller Anteilnahme, sowie für die Fülle schöner Kranzspenden beim Hinscheiden unserer teuren Entschlafenen Frau Elfriede Hansen, geb. Blaeser sprechen ihren wärmsten Dank aus Nachlässe von 3 bis 20 v. H. erhalten Sie bei wiederholten Veröffentlichungen einer Anzeige I nur artige, wirksame Präparat zur völligen Beseitigung. RM 3. - , 3 50. Probetube 1.60. Gegen Pickel. Mitesser Venu» Stärke A. — Ärztlich empfohlen. Drogerie Win terhoff, Kreuzpl. 9/10 Frau Marie Frees, geb.Momberger In tiefem Schmerz: Konrad Frees Hugo Frees und Familie. Nach kurzem schweren, geduldig ertragenem Leiden hat es dem Herrn über Leben und Tod gefallen, am 9. Juni, in der Frühe des 1. Pfingst- feiertages, meine liebe teure Tochter, unsere herzensgute unvergeßliche Schwester, Schwägerin, Nichte und Kusine, die Hebe treue Gehilfin im Hause ihres Onkels Emma Brückel liihneraugen Hornhaut, Schwiden u-Warzen beseitigt r S ää Kukird Ärztlich empfohlen ! Millionenfach bewährt? Schachtel 75 Pfa.tn Awthekenu.Drc*»erien ertüihkft. helseM für Mlo-Mor für sofort gesucht Mädels, welche selbst vbotogr., an Photoarbeit. 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Ein Bericht aus dem Trierer Tempelbezirk. Von Dr. MI Göbbel. von Merkur (Wotan), Mars (Ziu) und Herkules (Donar), die im Tempelbezirk bei Trier gefunden wurden, deuten die Versinnbildlichung an, die man den nordischen Gottheiten unter Anlehnung an die römischen Vorstellungen zuteil werden ließ. Daneben tauchen germanisch-keltische Muttergottheiten, Wald- und Pferdegöttinnen auf, die hier ebenso Verehrung genossen wie die von Die älteste Stadt auf deutschem Boden, Trier an der Mosel, bietet unter ihren oielzähligen Baudenkmälern und Ruinen aus der Zeit der Römerherrschaft im Rheinland eine Besonderheit, die das stärkste Interesse erheischt, den Tempelbezirk der Treuerer im Altbachtal, der vor nunmehr zehn Jahren entdeckt und seither zu einem großen Teil ausgegraben wurde. Im Jahre 1924 kam Professor Dr. Siegfried L o e s ch k e, Abteilungsdirektor am Landesmuseum zu Trier, bei der Bearbeitung von Fundstücken aus der Stadt Trier, die vor Jahrzehnten ausgegraben worden waren, auf den Gedanken, daß in der Nähe des Fundortes dieser Statuenreste usw. ein „heiliger Bezirk" vermutet werden müsse, von dem man eine Ecke beim Bahnbau Trier—Saarbrücken am Ende des vergangenen Jahrhunderts angeschnitten hatte. Kaum hatte der Forscher den Spaten angesetzt, da bot sich ihm eine derartige Fülle von Mauerresten, Fund- stücken, Münzen und Keramik, daß man sich entschloß, das Grabungsfeld zu einem weiten Bereich archäologischer Forschung auszudehnen. Die Trier-Kommission. Der „Kommission zur Erforschung der spätrömischen Kaiserresidenz und frühchristlichen Bischofsstadt Trier", kurz Trier-Kommission genannt, wurde die Erforschung der großräumigen Kultstätte — als eine solche erroies sie sich bei den ersten Grabungen bereits — übertragen. In den Jahren 1924 bis 1930 wurde der Tempelbezirk im Altbachtal bei Trier teilweise freigelegt. Der gewaltige Kostenaufwand wurde durch die Ergebnisse der Spatenforschung reich belohnt. Ein weiter Bereich archäologischer Schau in die vorgeschichtliche, römische und frübdeutsche Zeit des Landes im rheinischen Westen tat sich auf. Aus dem Boden der ältesten Stadt Deutschlands erstanden im Altbach-Tempelbezirk die Formen der Götterverehrung des Volkes, auf das die Römer bei ihrem Eindringen in das linksrheinische Germanien stießen. Sie besetzten dieses Gebiet militärisch und dehnten ihre Verwaltungsmacht bis über die Rheingrenze aus, machten sich die Kräfte des einheimischen, bodenständigen Volkes dienstbar und herrschten ein halbes Jahrtausend in den Landen des von unseren germanischen Vorfahren besiedelten Westens. Nicht aber gelang es den machthungrigen Eroberern aus dem Süden, die Grundlagen des völkischen Seins dieser eingesessenen Bevölkerung, die sich als Treverer rühmten, germanischer Abstammung zu sein, völlig zu vernichten oder gänzlich anzugleichen. Der römische Firnis überdeckte manche volkliche Eigenart; immer wieder aber drang das Bodenständige, das aus dem blutsmäßigen Erbe Gewachsene durch. Den Beweis für diese Selbstbehauptung, vor allem in kultischen Dingen, geben die Ergebnisse der Ausgrabungen im Tempelbezirk der Treverer. Fünfzehn Fundschichien übereinander Als unwiderlegbare Tatsache ergibt sich aus der wissenschaftlichen Wertung des Grabungsbefunds, daß das Altbachtal bei feinem Auftritt ins Moleltal bei Trier uralter Siedlungsboden ist und von der Vorzeit bis ins frühe Mittelalter immer besiedelt war. FünszehnFundschichten übereinander wurden an einzelnen Stellen durchforscht. Es fanden sich, übereinander und nebeneinander gelagert, Reste von Bauten religiöser Art, Tempel, Kapellen, Priesterwohnungen, Tempeltheater für kultische Weihespiele, Siedlungsbauten aus vorrömischer, Wohnhäuser aus spätrömischer' und fränkischer Zeit. Tempelaltäre, Götterbilder und Weihegaben, Münzen und Keramikreste in fast unübersehbarer Menge. Der Treverer Tempelbezirk bei Trier wurde im Verlauf der Ausgrabungen zu einer Fundstätte wie etwa Delphi im alten Griechenland, nur mit dem Unterschied daß dieser Tempelplatz auf deutschem Boden mit seiner bisher bekannten Fläche zwei- bis dreimal so groß war wie der weltberühmte Delphi-Bezirk und etwa doppelt so groß wie das Kultplateau der Akropolis. Bis zu Anfang des vierten Jahrhunderts, ehe K o n ft a n t i n der Gro ße im Jahre 337 n. Ehr. die christliche Religion im Römerreich zur Staatsreligion machte, verehrte man im Altbachbezirk heimische, teilweise dem nordisch-germanischen Kultkreis angehörende Gottheiten, denen man nach römischer Sitte Steinbilder setzte, deren Tempel aus Stein aber auf bodenständige Formen ganz unmittelbar zurückgehen und, wie L o e s ch k e jagt, nur eine Versteinerung alteinheimischer, in Holz errichteter Kultbauten darstellen. Unter den Mauerresten der Tempel aus der Zeit der Römerherrschaft finden sich latenezeitliche Pfostenlöcher, und diejer oder jene Tempel zeigt deutlich dieselbe Form, wie sie im Grundriß der früheren Holzbauten gegeben war. Nie heidnische Tempe stadt. So erstand auf den Spuren vorgeschichtlicher Vergangenheit, die sich zurückverfolgen läßt bis in die jüngere Steinzeit (etwa 2500 Jahre v. Ehr.), in der Römerzeit jene bedeutende Tempelstadt bei Trier. Nicht allein uralter Siedlungsboden lud hier ein, sondern heiliger Boden barg an dieser Stelle schon Kultstätten, ehe die Römer ins Land einfielen und die Augusta Treverorum, das heutige Trier gründeten. Damit ift auch die Auffassung von der augusteischen Gründung Triers auf jungfräulichem Boden widerlegt. Im Moseltal bei Trier saßen die Treverer, jenes Reitervolk, das die Römer zum Hilfstruppendienst zwangen. Ihren „heiligen Bezirk" am Altbach, wo vorher vielleicht die hohen Bäume eines Hains über hölzernen Götterhäusern rauschten, behielten sie bei und hier verehrten sie ihre Gottheiten. Bärtige Statuetten den Römern und Treverern aufgezwungenen ca- pitolinischen Gottheiten. Die große Ausdehnung des „heiligen Bezirks", die Vielfalt der Götter und die Vielzahl der Tempel, auch in einer Zeitepoche, lassen der Vermutung nachgehen, daß an dieser Stelle im Moseltal ein Wallfahrtsbezirk der Treverer lag, die sich durch keine Zerstörung von diesem Götterbezirk abdrängen ließen. Wissenschaft und Altertum. Dieses kulturhistorisch für die ganze deutsche Westmarkt bedeutungsvolle Grabungsfeld soll nunmehr als eine Sehenswürdigkeit er ft en Ranges für Trier in die „via archaeologica treviren- sis", den Schauzug der geschichtlichen Baudenkmäler dieser alten Stadt an der Mosel eingegliedert werden. Geplant ist die r e st l o s e Freilegung und spätere gartenbauliche A u s- g e st a l t u n g des großen Ausgrabungsgeländes. Die sofortige Inangriffnahme dieses Planes verbietet sich, weil der Tempelbezirk zu Nachgrabungen für die im Gang befindliche wissenschaftliche Publikation der bisherigen archäologischen Ergebnisse noch etwa vier Jahre unberührt liegenbleiben muß. Nach Abschluß der Publikation im Jahre 1938 soll der Tempelbezirk restlos freigelegt und nach der wissenschaftlichen Ausbeute der neuerlichen Grabungen für Besichtigungszwecke freigegeben werden. Um den Besuchern dieses „deutschen Delphi" dann einen möglichst imposanten Eindruck zu vermitteln, werden die Grundrisse der wichtigsten Kultbauten in Grünflächen feftge- halten unb" eine Reihe der für die einheimisch- bodenständige Bauweise typischen Tempel wird in natürlicher Größe rekonstruiert werden. Auf diese Weise wird von dem Beschauer, der die „via archaeologica trevirensis" durchwandert hat und nun vor dem Treverer-Tempelbezirk steht, ein Vergleich der einheimischen Bauweise mit den Staatsbanken der Römerzeit gefordert. Mttelrbein - Nordhessen 2:2 (1:0). Nur 3000 Zuschauer waren bei drückender Sonnenhitze am Pfingstsonntag ins Kölner Stadion gekommen, die ein richtiges „Sommerspiel" erlebten. Das Treffen endete 2:2 (1:0), doch hätten die Mit- telrheiner einen knappen Sieg verdient gehabt. Aber ihr schwacher Tormann Bertram ließ zwei an sich haltbare Treffer durch. Ihre technische Ueberlegenheit konnten die Einheimischen nicht auswerten, zumal noch ihr ohne Euler spielender Jnnensturm alle noch so guten Torchancen vergab. Die besten Leute bei den Gästen waren Tormann S o n n r e i n und der Gießener Verteidiger Lippert. In der 20/ Minute erzielte der Mittelrhein-Halblinke Schlawitzki den ersten Treffer für feine Elf, der auch bis zum Seitenwechsel der einzige blieb. Gute Chancen wurden von beiden Mannschaften kläglich ausgelassen. Nach der Pause schoß K l e i m für die Nordhessen den Ausgleich, aber schon 10 Minuten später konnte Franz Elb er n die 2-1-Führung für Mittelrhein erreichen. Der Trierer Verteidiger Pütz wurde bei einem Zusammenprall mit dem Gegner verletzt; für ihn trat Nebinger ein. Der Ausgleich für Nordhessen fiel kurz vor Schluß durch Kammer!, der einen unhaltbaren Schuß von 20 Meter anbringen konnte. Nordhessen in Kreuznach besiegt. Mttelrhein siegt 2:1 (2:0). Nach dem unentschiedenen Spiel in Köln standen sich die Mannschaften der Fußballgaue Mittelrhein und Nordhessen am Pfingstmontag in Bad Kreuznach gegenüber. Der Besuch war mit nur tausend Zuschauern recht schwach ausgefallen. Die Leistungen waren recht gut auf beiden Seiten. In der ersten Halbzeit waren die Nordhessen überlegen, zumal Mittelrhein mit nur drei Stürmern spielte und zwei Mann in die Deckung zurückzog. Auf diese Weise kamen aber auch die Mittelrheiner selbst gegen die starke Abwehr des Gegners zu keinem Erfolg. In der zweiten Halbzeit ging Mittelrhein zum Angriff über. Die Nordhessen wurden überrumpelt und in der 6. und 11. Minute sielen zwei Treffer der Gastgeber. Bühner (Eintracht, Kreuznach) schoß in der 6. Minute den ersten Treffer. Er um- jpielte geschickt den nordhessischen Verteidiger Lippert und schoß aus 30 Meter für Weyandt (Kassel) unhaltbar ein. In der 11. Minute lenkte Schlawitzki (Kölner CfR.) auf Zuspiel des Rechtsaußen E l b e r n den Ball aus 16 Meter Entfernung zum zweiten Male ins Netz. Das Spiel wurde dann wieder ausgeglichen, und eine Viertelstunde vor Schluß kamen die Nordhessen durch den Halblinken Meise! (Fulda), der bei einem Eckball einen Kopfstoß anbrachte, zum Ehrentreffer. Schiedsrichter Bremser (Wiesbaden) leitete den Kampf einwandfrei. Aufstiegspiele im Gau Südwest. FV. Saarbrücken wieder an der Spitze. Im Gau Südwest kamen an den Pfingsttagen zwei Aufstiegspiele zum Austrag. Der F V. Saarbrücken siegte am Sonntag in D a r m st a d t mit 3:1 (0:1) und setzte sich wieder an die Spitze der Tabelle. Wenn er auch noch nicht endgültig als neuer Gauligist feststeht, so ist doch nicht mehr daran zu zweifeln, daß sich die Conen-Mannschaft in ihren ausstehenden drei Spielen die beiden Punkte sichert, die ihr zum endgültigen Aufstieg noch fehlen. — Germania Bieber hat ihre Aussichten wohl verspielt, denn die Germanen wurden am Montag in Ludwigshafen von 04 mit dem glatten Ergebnis von 4:0 (2:0) geschlagen. Fast 1OOOO Vunkle Großartige Ergebnisse beim Stuttgarter Klubkampf. Der Leichtathletik-Klubkampf, den sich die Stuttgarter Kickers, der ASV. Köln und München 18 6 0 am Pfingstsamstag und am ersten Feiertag in Stuttgart lieferten, zeitigte ein ebenso Überraschendes, wie erfreuliches Ergebnis. Alle drei Vereine konnten die bisherige diesjährige Bestleistung des Deutschen SC. Berlin von 9546 Punkten beträchtlich verbessern. Die Stuttgarter Kickers kamen sogar dicht an die erstrebten 10 000 Punkte heran, erreichten sie doch das fabelhafte Ergebnis von 9899,76 Punkten vor München 1860 mit 9762,13 und ASV. Köln mit 9628,27 Punkten. Ergebnisse. 200 Meter: 1 Borchmeyer- Stuttgart 21,4 Sek.; 2. Vent-Köln 21,8. 8 0 0 M e - ter: 1. Dessecker-Stuttgart 1:54,8 Min.; 2. Fink- Stuttgart 1:54,9; 3. Paul-Stuttgart 1:55,2; 4. Dil- ger - Köln 1:56,2. Kugel st aßen: 1. Konrad- München 14,17 Meter. Weitsprung: 1. Wein- kötz-Köln 6,98 Meter. Hochsprung: 1. Wein- kötz-Köln 1,95 Meter. 110-Meter-Hürden: 1. Huber-Stuttgart 15 Sek. 1500 Meter: 1. Dompert - Stuttgart 3:57,8 Min.; 2. Dessecker- Stuttgart 3:58,2 Min.; 3. Fink-Stuttgart 3:58,4. 400 Meter: 1. Borchmeyer-Stuttgart 49,1 Sek. Leichtathletik-Vierkampf in Kassel. Beim Leichtathletik-Vierkampf in Kassel wurden am Sonntag die ersten Kämpfe abgewickelt. Nach den Wettbewerben des Sonntags führt in dem für die Deutsche Vereinsmeisterschaft zählenden Kampf VfL. Hejsen-Preußen Kassel mit 4614,22 Punkten vor Allianz Berlin, DSC. Düsseldorf und JGSV. Frankfurt. — Beachtlich war die 200-m-Zeit des Berliners Hamann (22,1) sowie die 5000 m von Schinge (Kassel) mit 15:49 Minuten, lieber 800 m kam Helmle (Frankfurt) in 1:58,4 Minuten ein. Deutscher Davis-pokal-Sieg gegen Italien. Deutschlands Davis-Pokal-Mannschaft hat während der Pfingsttage mit 4:1 Punkten über Italien triumphiert und trifft nun in dieser Woche von Freitag bis Sonntag wieder auf dem Platze des Rot- Weiß-Klubs in Berlin auf Australien, das in Paris Frankreich besiegte. Die beiden letzten Einzelspiele gegen Italien endeten am Pfingstmontag wie folgt: Henckel — Mangold (Italien) 6:1, 6:8, 6:3; von Cramm — de Stefani (Italien) 6:3, 6:4, 3:7, 6:1. Steinkohl, Rüsselsheim, mittelrheinischer Schachmeister. Infolge der straffen Organisation konnten die Ausscheidungskämpfe des Mittelrheinischen Schachbundes in Wiesbaden trotz der großen Teilnehmerzahl bis Montagabend durchgeführt werden. Großes Interesse sanden die Spiele der Meisterklasse. In der 6. Runde sicherte sich Walter mit einem Sieg über Schilfgen die Spitze gleichzeitig mit Steinkohl, der endlich Dr. Thomas überwinden konnte. L e u b e siegte durch eine kombinationsreiche Partie gegen Stein, doch in der 7. Runde brachte Steinkohl seinen Rivalen Walter zur Strecke. Durch einen Sieg Dr. Thomaes über ßeube wurde Steinkohl schon früh als Wir haben diesen amerikanischen Film der Paramount vor einiger Zeit bereits in einer Nachtvorstellung zu sehen Gelegenheit gehabt; mittlerweile ist er in ganz Deutschland — und unseres Wissens mit großem Erfolge — gelaufen. Das Drehbuch wurde geschrieben nach einem Roman von Francis Deats-Brown; ohne diesen Vermerk im Programmheft könnte man auf den Gedanken kommen, es handele sich um eine Vorlage von Rudyard Kipling. Der Film spielt in Indien, und man erlebt Indien hier auf eine ganz andere Art als es gelegentlich in der Wochenschau oder in einem Kulturfilm geschieht: es ist hier alles von der englischen Seite aus und mit englischen Augen gesehen, und es ist auch für uns in Deutschland lehrreich, einmal diesen ziemlich unromantischen Blickpunkt einzunehmen, weil es manches erklärt, weil es Verständnis weckt für die Größe des britischen Weltreichs wie für die Gefahren, die ihm aus seinem riesigen Kolonialbesitz erwachsen können, in Indien zumal, an der gefährlichen Nordwestecke, wo die englische Herrschaft dauernd gegen die Aufstandsgelüste kriegerischer Bergstämme verteidigt werden muß. Der Krieg, der da an der Grenze geführt wird, ist em typischer Kolonialkrieg sowohl in bezug auf die beiderseitigen Stärkeverhättnisse als auch auf die Taktik und die Methoden des Kampfes. In Deutschland weiß und erfährt man nicht viel davon, nur selten einmal lieft man eine kurze Meldung „Aus aller Welt , ohne sich eine rechte Vorstellung davon zu machen. Der Film „Bengali" führt nun mitten hinein in das brodelnde, gefährliche und geheimnisvolle Land und in das Leben, das etwa die Offiziere eines englischen Reiterregimentes auf diesem vorgeschobenen Posten zu fuhren haben. Das geschieht im flirten, find dennoch immer im Dienst, immer in Alarmbereitschaft; der Gegner ist nicht zu unterschätzen, er kämpft mit allen Mitteln gegen die weiße Herrschaft, und am Ende ist offener Krieg zwischen beiden Lagern. Ein junger englischer Osfi- Douglas Dum drille (Mohammed Khan) und, als einzige Frau unter lauter Männern, unter lauter Soldaten, Kathleen Burke, die der ihr zugeteilten zier wird mit List gefangen genommen, zwei feiner Kameraden, die ihn zu befreien versuchen, geraten selbst in Gefangenschaft, doch gelingt es ihnen zuletzt, als die Schlacht um einen befestigten Stützpunkt der Aufständischen und um den Besitz eines riesigen Munitionstransport auf dem Höhepunkt angelangt ist und für die angreifenden englischen Reiter keineswegs unbedenklich steht, sich zu befreien und den Kampf für die Ihren zu entscheiden. Dies wäre an sich nur eine fesselnde Schilderung aus dem englischen Kolonialkrieg; was den Filrn so interessant und sympathisch macht, ist der echte, ganz menschliche Konflikt, der die Handlung bewegt, und das Ethos der Vaterlandsliebe, des unerschütterlichen Pflichtbegriffes und der männlichen Kameradschaft, das in dem oft stürmischen Ablauf der Ereignisse immer wieder sehr eindringlich und überzeugend spürbar wird. Es ist dem amerikanischen Regisseur Henry Hathaway hoch anzurechnen, daß er das klar und so unfentimental, wie es für amerikanische Begriffe nur möglich war, herausgebracht hat. Darüber hinaus bot der Stoff Schwierigkeiten in Fülle — vor allem äußerer und technischer Art — die mit einer anerkennenswerten Energie und Sicherheit bewältigt worden sind. Prachtvoll sind die Gestalten der drei jungen Offiziere herausgearbeitet, die im Mittelpunkt der Handlung stehen, und die bei aller individuellen Verschiedenheit etwas von dem Ton und der Haltung an sich haben, die wir vor längerer Zeit in dem englischen Kriegsstück „Die andere Seite" kennen lernten. Ihre Darsteller heißen Gary Cooper, Franchot Tone, Richard Cromwell; die Namen werden dem deutschen Besucher kaum etwas bedeuten. Uns genügt es, daß hier drei Offiziere gezeigt werden, von denen man sich vorstellen kann, daß sie in Wirklichkeit nicht anders aussehen: mit trockenem Humor begabt, zäh, sportlich und im entscheidenden Augenblick nur von dem einen Gedanken beherrscht: alles Der $ilm „Bengali". Lichtspielhaus Rolle vollkommen entspricht. Der Film sollte aud/" bei uns ein aufmerksames Publikum finden. — Im Vorprogramm sieht man einen Bildbericht vom Bau der Reichsautobahnen, einen Kulturfilm „Buenos Aires", die neue Wochenschau und einen Vorspann zu dem Lustspiel „Frischer Wind aus Kanada". —r— nen Posten zu fuhren haben. Das geschieht im (gng[anb! Bon den übrigen: Sir Guy (Stan- Rahmen eines Spielfilmes, und er mußte nicht K . n &Q5 „a[te Rauhbein", der Fanatiker der fol- in Amerika gedreht fein, wenn nicht in der Tat, wie 2'gn Pflichterfüllung, C. A. S m i t h (Hamilton), es im Untertitel heißt, eine „abenteuerliche Ge- - - - ' " ---- rh m id t — Unser Bild zeigt den Festakt auf dem Marktplatz von Koburg. Man steht das Bund^sbanner und rechts Oberbürgermeister Dr. Schmidt während feiner Ansprache. (Schirner-M.) Ser 6. Reichs-Modell-Segelflug-Wettbewerb an den Pfingstfeiertagen auf der Wasserkuppe in der Rhön war begünstigt von glänzenden Witterungs- verhältnissen. Sie Veranstaltung bot den 30 000 Zuschauern und 400 Wettbewerbsteilnehmern eine Fülle von unvergeßlichen Eindrücken. Ser Aufenthalt der 3000 Angehörigen der HJ.-Jungflieger- charen, der Jungflieger des SLV. und des Jungvolks im Rhöngebirge auf der klassischen Stätte des deutschen Segelflugs wurde für sie alle zu einem eindrucksvollen Erlebnis. Dank der vortrefflichen Organifatton wickelte sich der gesamte Wettbewerb in vier Klassen und an vier Startplätzen mustergültig upd reibungslosab. Oberst Lörzer, der Präsident des DLV., Vertreter des Reichsluftfahrt- und des Reichskultusministeriums sowie der Reichsjugendführung wohnten als Ehrengäste der Veranstaltung bei. Unabsehbare Ketten von Automobilen und Radfahrern strebten schon während des Samstags der Wasserkuppe zu, um dort im Feldlager oder in Gersfeld in Massenquartieren Unterkunft zu finden. 423 Modellbauer aus allen deutschen Gauen hatten sich in Ausscheidungswettbewerben in den einzelnen Landesgruppen für den Wettbewerb qualifiziert und waren nahezu vollzählig am Start erschienen. Fliegerkapitän Röhre (Berlin), der Leiter des deutschen Segelflugwesens im DLV., begrüßte im Rahmen der feierlichen Flaggenhissung vor dem Ursinushaus die Wettbewerbsteilnehmer und Gaste und schloß mit einem Treuegelöbnis für den Förderer des deutschen Flugwesens und Führer der Natton. Nach der Bauprüfung aller am Wettbewerb teilnehmenden Modelle in der Hermann- Göring-Halle begannen die Kunstflüge von Motor- und Segelfliegern, welche die ständig zunehmende Schar von Zuschauern und Jungfliegern begeisterten. Die Bauprüfungskom- mission konnte erstaunliche Fortschritte im Modellbau, besonders in der Metallbauweise, feststellen. Besondere Anerkennung fanden Stahlrohr-Modelle von Gerlach (Frankfurt a. M.) und Müller (Schmalkalden) und Modelle, die nach der Stahlbauweise von Adenaw (Berlin) erbaut sind. Dr. Geest, der bekannte Vorkriegskonstrukteur, hatte ein Nur-Flügel-Modell konstruiert, wie besonders viele schwanzlose Modelle zu sehen waren. Alle Modelle waren den Wettbewerbsvorschriften gemäß ausschließlich aus deutschen Werkstoffen hergeftellt. Gegen 11 Uhr am Pfingstsonntag wurde der Start eröffnet, und bald schwirrten die kleinen nerschaft nach den erhebenden Stunden in Stuttgart 1933 ein weiterer Markstein in ihrer Entwicklung sein. Ich wünsche, daß die Deutsche Turnerschaft ihre hohe geschichtliche Mission im Rahmen des Reichsbundes für Leibesübungen auch weiterhin erfülle." Am Samstagnachmittag fanden sich dann die über 300 Abgeordneten der Turngaue, die Fachwarte zusammen mit dem Führerrat im Landestheater ein, wo die eigentliche Arbeitstagung des 22. Deutschen Turntages stattfand. Nach den einleitenden Worten des stellvertretenden Führers der DT. S t e d i n g, ergriff der Reichssportführer das Wort zu einer großen programmatischen Rede, in der er die Maßnahmen zur Vollendung des Neuaufbaues des deutschen Sports verkündete. Die Rede wurde wiederholt von stärkstem Beifall unterbrochen. Die entsprechenden Satzungsänderungen wurden einstimmig angenommen. Unter großem Beifall erfolgte dann auf Vorschlag von Oberturnmart der Di., Steding, die Wiederwahl des Relchssportsührer zum Führer der DT. Der Reichssportführer dankte und brachte ein Gut Heil auf die Deutsche Turnerschaft aus. Nach dem gemeinsamen Gesang eines Liedes erklärte der Reichssportführer den 22. Turntag für geschlossen. Am Pfingstsonntag wurden die Feierlichkeiten zum Abschluß gebracht. Äm frühen Morgen begannen die volkstümlichen Mehrkämpfe, bei denen auch eine völkische Prüfung zu erfüllen war. Im Hoftheater wurde eine Morgenfeier abgehalten, und nach zweistündiger Mittagspause formierte sich der F e st z u g, der in vier Abteilungen nach dem Marktplaß marschierte. Nach mehreren Ansprachen ergriff Reichssportführer von Tscharn- mer und Osten das Wort. Anschließend fand auf dem Anger ein großes Schauturnen statt, an dem sich auch die Deutschland-Riege beteiligte. Die Siegerehrung und ein Volksfest auf dem Anger bildeten den endgülttgen Ausklang des Festes. Die Mehrkämpfe brachten folgende Ergebnisse: Mannschaftskampf der Jugendtur- nerinnen: 1. TV. 61 Hof 241 Punkte; Drei- kampf der Turnerinnen: 1. Lydia Eber- hard-Eisleben 85 Punkte; Dierkampf Kl. I: 1. A. Widmann-Ruberg 82 Punkte; 2. G. Bckde- Aschaffenburg; V i erkämpf Kl. II: 1. A. Bor- tune- Haßloch 87 Punkte; Vi erkämpf Kl. III: 1 1. Laubscher-Ludwigshafen 89 Punkte; Drei» • kampf Kl. IV: 1. A Löhrmann-Frankfurt a. M. > 64 Punkte. Seit Freitag stand Koburg Im Zeichen der Tur- i ner. Tausende waren aus allen Teilen des Reiches . und auch von jenseits der deutschen Landesgren^en herboigeeilt, um die 75-Jahrfeier der Deutschen Turnerschast feierlich zu begehen. Die Stadt prangte im Festschmuck. Künstlerhände waren am Werke und hatten einen Rahmen geschaffen, der nichts zu wünschen übrig liefe. Der Anger, der historische . Festplatz von 1860, war auch diesmal wieder Fest- i platz. Durch Errichtung von Tribünen hatte man \ einen stadionähnlichen Bau geschaffen, der viele Festbesucher aufnehmen konnte. Mit der Einholung des Bun des b an« ' n e r 5 nahmen die Jubiläumsfeierlichkeiten ihren Anfang. Eine Abordnung Stuttgarter Turner übergab auf dem Platz vor dem Rathause das Festbanner an die Stadt Koburg. Im Namen der Ko- burger Turner begrüßte Studienrat G ü n tz e l die auswärtigen Gäste. Am Samstagvormittag fand im Landestheater die feierliche Eröffnung des Jubiläumsfestes statt. Das Haus war bis auf den letzten Platz besetzt. Nach einleitenden Musik- und Gesangsvorträgen ergriff Reichssportführer von Tscham - mer und Osten das Wort zur Begrüßung der Gäste und Festteilnehmer. Der Koburger Oberbürgermeister Dr. Schmidt entbot den Gästen ein herzliches Willkommen Koburgs und feiner Bürger. Zum Schluß der Feier hielt Oberturnwart Steding eine mit Begeisterung aufgenommene Rede mit dem Thema „75 Jahre Deutsche Turnerschaft", in der er tiefgründig die Entwicklung der DT. schilderte. Nach der Eröffnungsfeier fand in der ehemaligen großherzoglichen Reithalle, in der vor 75 Jahren der erste Deutsche Turntag abgehalten wurde, eine kurze Erinnerungsfeier statt. An den Führer und Reichskanzler wurde folgendes Telegramm gesandt: „Der Deutsche Turntag, "die berufene Vertretung von 1,6 Millionen Turnern der hier in Koburg vereinten Deutschen Turnerschaft, entbietet dem Führer und Reichskanzler ehrfürchtige Grüße. Versammelt an der Stätte, wo vor 75 Jahren deutsche Turner den Willen zur Einheit von Volk und Reich bekundet haben, geloben wir unverbrüchliche Treue und stärksten Einsatz für den nationalsozialistischen Staat." Aus dieses Huldigungstelegramm antwortete der Führer: „Der Deutschen Turnerschaft danke ich für die Grüße und das Treuegelöbnis aus Koburg. Möge der Koburger Turnertag 1935 für die Deutsche Tur» 1 r „i. r- ■ * - v CM Dienstag. U. Zum 1935 Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Nr.lZ3 Drittes Blatt Md n 'M lierbei fer- > oor- i, wie ewirt- istoer- fenim !rbam väh' idjge* dar- dufer erben rück- nban lalsau i tun, igung >, da- Mi. igefor- en 'M ; die' ,en b'S istsoer' ah^ i oo" *5 ;S xs ren SO"'' fwii Ä y# ^20 Lahre Corps Hassia in Gießen als Gäste die Vertreter der Universität, des Heeres, 50Lahre Landsmannschaft Merovingia der Hauptansprache. — (Aufnahme: Photo-Pfaff, Gießen.) A. H. Kreisdirektor Koch (Offenbach) bei und der die Treue Die Trauerkundgebung der Merovingia während der Gedenkrede. — (Aufnahme: Phoro-Pfasf, Gießen.) damals ins A. H. Kreisdirektor Koch, Offenbach, hielt dann die Hauptansprache des Kommerses. Zunächst dankte er der Aktivitas namens der Alten Herren für das Bekenntnis des Erstchargierten. Hierauf betonte er den Stolz, mit dem die Alten Herren allezeit das schwarzweißrote Band getragen haben und auch weiter tragen werden bis zum Grabe. Er wies weiter auf die alle Korpsbruder stark verpflichtende Tradition der Hassia hin, die von jedem einzelnen doppelte Anstrengungen zur Pflichterfüllung verlange. Die Gründung der Korps vor etwa 120 Jahren sei eine Gegenbewegung gegen die damaligen Orden gewesen, die eine freimaurerische Wurzel und Entstehungsursache hatten. Zu den als Gegenbewequng gegründeten Korps im echten Merovinger-Geist verlebten. Nach einem urkräftig donnernden Salamander auf die Gäste und dem Gesang des Liedes „Burschen heraus" erhob sich A.H.Dr.phil.Dr.technHeinzDcihlmann zum Segen des deutschen Volkes gestaltet wurde. Adolf Hitler habe den deutschen Frontsoldaten wieder zu Ehren gebracht, indem er das neue Reich bewußt auf dem Fundament des Frontsozialismus und der Frontkameradschaft aufbaute. Im Mittelpunkt dieser Aufbauarbeit stehe der heroische deutsche Mensch mit Opferwilligkeit, Mannesmut und Einsatzbereitschaft. Die Hassia sei stolz darauf, daß auch aus ihren Reihen schon frühzeitig begeisterte Anhänger Adolf Hitler zuströmten und ihm treue Gefolgschaft leisteten. Sodann wies der Redner auf die bisherigen gewaltigen Leistungen der nationalsozialistischen Aufbauarbeit hin, begrüßte mit warmer Dankbarkeit insbesondere die vorbildliche Volksgemeinschaft, die Rückkehr der deutschen Saar zum Reich, die vertrauensvolle Gefolgschaft des deutschen Volkes hinter den Fahnen Adolf Hitlers und schließlich die allgemeine, dabei auch von der Hassia mit aufrichtigster Freude begrüßte Wiedereinführung der deutschen Wehrpflicht und die damit verbundene Wiedererlangung der deutschen Wehrfreiheit. Der Redner schloß seine packenden Worte mit einem starken Bekenntnis und Treuegelöbnis zum Führer Adolf Hitler und seinem Werk: das neue Deutschland. Mit begeisterten, von der Versammlung freudig aufgenommenen Sieg-Heil- Rufen auf das große und ewige Deutschland und seinen uns von Gott gesandten Führer Adolf Hit - l e r schloß der Redner seine Ansprache. Mit dem gemeinsamen Gesang der ersten Verse des Deutschlandliedes und des Horst-Wesscl-Liedes wurde die Feier beendet. Standarte 116, Standartenführer Lutter, herzliche Grüße und Glückwünsche zu überbringen. Das zurückliegende halbe Jahrhundert sei nicht nur für den feiernden Bund, sondern für das ganze deutsche Volk eine Zeit wechselvollen Schicksals gewesen. Schon in der Blütezeit dieser Vergangenheit sei der Keim des Zusammenbruches gelegt worden. Heute hoffen wir, den Tiefpunkt der Schicksalsturve überschritten zu haben und wieder einer glücklicheren Zukunft entgegenzugehen: ob wir der Aufgabe gerecht werden, die uns gestellt ist, hänge davon ab, daß jeder Einzelne und das ganze Volk immer seine Pflicht tut; der Weg der studentischen Bünde sei dabei nicht ohne Bedeutung; sie seien entstanden im Jahrhundert der Blütezeit des Liberalismus und von ihm nicht unbeeinflußt geblieben. Aber gerade in jener Zeit setzten auch in den Bünden die Gegenströmungen ein, und ein großer Teil von Bundesangehörigen sei am Umbruch stark beteiligt gewesen. Die studentischen Bünde würden nach wie vor gebraucht, da ihnen, die auf freiwilliger Kamerad- schäft beruhen, eine wichtige Erziehungsarbeit in kleinen Gruppen zufalle. Es seien heute nur solche Bünde zu brauchen, in denen der Geist des Nationalsozialismus und der Volksgemeinschaft herrscht. Die Merovinger werden solchen Anforderungen gezählte auch Hassia. Die Korps wollten den in ihren Reihen zusammengefaßten jungen Studenten Lebenswerte für das ganze Dasein mitgeben, sie zur Ge- gaben, dann insbesondere zu den 33 Corpsbrüdern der Hassia, die ihr Leben im Kampfe für das Vaterland opferten, und schließlich zu dem großen deutschen Toten, dem auf dem Schlachtfeld von Tannenberg ruhenden Generalfeldmarschall von Hindenburg. Sodann würdigte er mit packenden Worten insbesondere den Heldentod der 33 jungen und alten Hessen, die im Leben, wie im mannhaften Sterben dem hohen Wahlspruch des Corps „Einer für alle, alle für einen" unverbrüchlich bis zum letzten in opferfreudiger Hingabe Ehre gemacht und dadurch für alle Zeiten in der Geschichte des Corps ruhmvoll fortleben. An ihren Gräbern stehe die Hassia nicht nur trauernd, sondern sie sei sich bewußt, daß dieses Opfer der Gefallenen verpflichte über die Gegenwart hinaus, daß es höchste Pflicht des Corps fei, das Vermächtnis der Toten allezeit zu wahren. In diesem Sinne pflanze die Hassia an den Gräbern ihrer Gefallenen die Fahne der Hoffnung auf und grüße das Morgenrot einer neuen Zukunft. Sie setze sich ein für ein Deutschland der Ehre, der Kraft, der sozialen Gerechtigkeit, für deutsche Macht und Freiheit, damit Deutschland lebe! Anschließend verlas der Redner, während die Versammlung sich von den Plätzen erhob und die Fahnen gesenkt wurden, die Namen der 33 Gefallenen der „Hassia" zugleich erklang gedämpftes Orgelspiel „Ich hatt' einen Kameraden". Hierauf betonte der Redner, daß das Opfer der Gefallenen nicht umsonst gewesen sei, sondern durch den Führer und Frontkameraden Adolf Hitler zu seiner Festrede, in der er u. a. folgendes ausführte: Das 50jährige Stiftungsfest ist ein Ereignis besonderer Art. Ueberblickt man das halbe Jahrhundert der Geschichte unseres Bundes, der ursprünglich als eine fachliche Vereinigung, als mathematisch-naturwissenschaftlicher Verein, gegründet worden ist, so war die Entwicklung zur Landsmannschaft nicht vorauszusehen. Die wichtigsten Ereignisse in der Entwicklung waren der Eintritt in den Verband der mathematisch-naturwissenschaftlichen Vereine an deutschen Hochschulen, die Annahme des neuen Wahlspruches: „Ernst in der Wissenschaft, treu in der Freundschaft", der Eintritt in den Deutschen Wissenschaftler-Verein; heute besitze der Bund eine große Anzahl von Alten Herren, die am Gedeihen und aufsteigenden Werdegang der Korporation hervorragenden Anteil haben. Einen einschneidenden Wendepunkt in der Geschichte des Bunde« brachte der Krieg; 88 Merovinger sind Feld gezogen, 19 von ihnen sind für Ser Hassia mit der Universität, der Stadt Garnison Gießen hin, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diese guten Beziehungen für alle Zeiten bestehen bleiben möchten. Den Gästen wünschte er einige frohe Stunden inmitten des Corps Hassia. Im Anschluß an den gemeinsamen Gesang eines weiteren Liedes sprach Das 120jährkge Bestehen des Corps Hassia in Gießen wurde am Samstagabend mit einem feierlichen Stistungssest-Kommers im Saale des Casä Leib begangen. In dem mit den Fahnen des Dritten Reiches, der schwarzweißroten Fahne des Corps und den Fahnen der befreundeten Korporationen reich geschmückten Saale hatten sich neben den Alten Herren und der Aktivitas auch eine Anzahl Ehrengäste eingefunden; der Saal war vollbesetzt. Nach schneidigen musikalischen Darbietungen der Kapelle Krengel und dem ersten gemeinsamen Gesang des Liedes „Der Gott, der Eisen wachsen lieh" begrüßte der Erstchargierte cand. med. Böhmig Deutschland gefallen; ihrer solle morgen in einer Feierstunde gedacht werden. Nach dem Kriegsende trat ein Umschwung auch in der Bundesgeschichte ein; Band und Mütze wurden eingeführt, Schlägermensuren kamen auf. Gerade die aus dem großen Kriege Heimaekehrten verfolgten den Gedanken der schlagenden, farbentragenden Korporation. 1921 erfolgte der Austritt aus dem Deutschen Wissenschaft- ler-Verbande, 1922 wurden auf der Wellersburg die ersten Bestimmungsmensuren geschlagen, 1923 erfolgte die endgültige Aufnahme in die Deutsche Landsmannschaft zu Koburg. In den Jahren des deutschen Aufbruches arbeiteten sich auch die Merovinger in den neuen Volksstaat ein. Heute ist Merovingia eine waffenstudentische, deutschstäm- mige Korporation reinsten Fahrwassers, die ihrem Wahlspruch „Ehre, Freundschaft, Vaterland" stets treu blieb. Auch die Deutsche Landsmannschaft ist heute ein Glied der großen völkischen Gemeinschaft, lieber allem steht das Vaterland. Adolf Hitlers genialer Führung ist es zu verdanken, daß heute die Gesetze der Rasse und der nationalsozialistischen Kultur herrschen; Standesdünkel und Privilegien gelten nicht mehr; Student und Arbeiter gehören zusammen im Nationalsozialismus der Tat. Mit einem Gedenken an die gewaltigen Leistungen des Nationalsozialismus, insbesondere auch an die Rückkehr der deutschen Saar und die Verkündung der deutschen Wehrhoheit schloß der Redner mit einem begeistert aufgenommenen dreifachen Sieg- Heil auf Führer und Vaterland. Anschließend wurden das Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied gesungen. Nachdem der Erstchargierte cand. theol. Ehr- Hardt eine Reihe von Glückwunschtelegrammen verlesen und den Vertretern der befreundeten Verbindungen Salia, Chattia und Darmstadtia je ein Exemplar der Festschrift überreicht hatte, erhob sich Professor Dr. Hummel um der Merovingia im Namen des Rektors, Professor Dr. Pfähler, und des Führers der SA.- Bürgermeister Dr. Hamm überbrachte die herzlichen ©lütoünfäe? bes Ober- bürgerrneisters, der sehr bedauere nicht zugegen fein' zu können, zumal er viele Angehörige der Haisia zu Freunden habe, ferner sprach er bie Glückwünsche der Gießener Einwohnerschaft aus. Er erwähnte dann die allezeit guten Beziehungen zwischen der Hassia und der Gießener Bevölkerung, Sei er hervorhob, daß Gießen allezeit bestrebt roar und auch weiterhin bemüht bleiben werde, den Studenten eine zweite Heimat zu fein, in der auch die jungen Angehörigen der Hassia ebenso eme zweite Heimat finden sollen, wie tm Corps selbs. Hauptmann Kübler brachte als Vertreter des Standortältesten und der Wehrmacht in Gießen deren beste Wunsche zum Ausdruck^ Das 120. Stiftungsfest der ^>affiQ aUe m eine aroße Zeit. „Wir haben soeben em Lied ge- funaeiT Die Knechtschaft hat ein Ende. ®as ift Jo, eU9roir bie allgemeine Wehrpflicht wieder hadern (Starke Zustimmung.) . Studentische Jugend und Wehrmacht gab von jeher ewen guten Klangs (ßebhafter Beifall.) Ich bin überzeugt, daß es fo bleibt. Möge die allgemeine Wehrpflicht dazu bep tragen, das Verhältnis zwischen der Wehrmach und der Studentenschaft noch inniger als bisher zu ge- profeffor Dr. Hoffmann als Vertreter des Rektors und der Universität. Er übermittelte dem Corps beider Glückwünsche und lenkür sodann die Aufmerksamkeit auf die Zeit um 1800, in der nach den Regesten der Universität allerlei französische Einflüsse in Gießen m der Universität und der Studentenschaft wirksam waren, die dann aber 1813 durch das starke Bekenntnis der Studenten zu dem damals m Gießen weilenden General Blücher gründlich beseitigt wurden. Sodann wies er auf die Zeit der Gründung der Hassta hin und betonte in diesem Zusammenhänge, daß die Hassia auf eine ehrenvolle Geschichte zuruck- blickenkönne Der Wahlspruch der Hassia , Alle ur einen, einer für alle" bedeute unverbrüchliche Treue und Einsatzbereitschaft, wer sich diesem Wahlspruch verschreibe, könne nicht untergehen. Dem Corps Hassia wünsche er weiteres kräftiges Wachsen, Blühen und Gedeihen, daß es dem Corps vergönnt fein möchte, getreu feiner großen Tradition und feinem Wahlspruch an dem großen Aufbauwerk unseres Vaterlandes erfolgreich rmtzuarbeiten, und daß auch die bisherigen guten Beziehungen zur Universität in Zukunft bestehen bleiben mochten. gegen alle Volksgenossen und die Volksgernemjcyasl. * Nach diesen Grundsätzen habe Hassia allezeit ihre Erziehungsarbeit geleistet, so solle es auch für alle , Zeiten bleiben. Die Angehörigen der Hassia hatten ■ ihre Korpsstudententurn immer im Herzen, nicht auf den Lippen getragen und es stets an geeigneter Stelle durch die Tat bekundet. Dieser Hesten-Geist habe sich auch auf den Schlachtfeldern des Weltkrieges bewährt. Nach dem Kriege fei sich das Korpsstudententurn, auch Hassia, immer bewußt gewesen, daß es galt, den nationalen Gedanken unbedingt aufrechtzuerhalten. Wie damals die Reichswehr aufgebaut habe in der Hoffnung auf eine bessere Zeit, so habe auch das Korpsstudenten- tum gewirkt in der Hoffnung auf eine bessere Zelt im nationalen Sinne. Die Angehörigen der Korps gehörten mit zu denen, die durch ihre Taten der nationalsozialistischen Revolution den Weg bereiteten, und mit aufrichtiger Freude hätten die Korps das Erwachen des Vaterlandes durch die nationalsozialistische Revolution begrüßt. Die Korps hatten allezeit ihre Pflicht getan, und der Führer habe auch anerkannt, was es bedeutet, daß die akademische Jugend nach den waffenstudentischen Grundsätzen erzogen wird. „Wir haben das durch die national- sozialistische Revolution herbeigefubrte Ende der deutschen Schmach leidenschaftlich begrüßt; bas tragen mir im Herzen, barübcr brauchen wir nicht zu reben." Der Rebner gebuchte fobann mit embrucks- vollen Worten bes Führers unb Reichskanzlers Adolf Hitler, der die bolschewistische Welle auf- gehalten, das deutsche Vaterland gerettet und ihm einen neuen Aufstieg gegeben habe. Diesem Manne könne das deutsche Volk nie dankbar genug sem. Eine Persönlichkeit von der Bedeutung Adolf Hitlers werde nur alle paar Jahrhunderte einmal geboren. Das deutsche Volk lebe jetzt wieder in einer historischen, entscheidungsvollen Zeit, m der es nicht nur erwacht fein, sondern die Bedeutung der Stunde auch noch erkennen müsse. Der Redner ermahnte insbesondere die Aktivitas, weltanschaulich dem Nationalsozialismus zu folgen; bas hege auf Der gleichen Linie wie bas Streben bes Korpsstubenten- tums. Stark unb mannhaft muffe bem Führer Gefolgschaft geleistet werben, bamit bie nationalsozialistische Weltanschauung immer breiter um sich greife. Das begeisterte Dreimalige „Sieg-Heil! Des Rebners aalt bem ewigen beutschen Vaterlanbe unb feinem Führer Adolf Hitler. Freudig stimmte bie große Korona in bie Rufe em unb fang bann gemeinsam, stehenb, bie ersten Verse bes Deutsch- lcmb- unb bes Horst-Wessel-Liebes. Weitere Slückwunschonsprachen eröffnete ben Kommers in üblicher Weise unb erhob sich nach bem ersten gemeinsamen Liebe „Sind mir vereint zur guten Stunbe" zu einer herzlichen Begrüßungsansprache: Man habe in bie- sem Jahre einen besonderen Anlaß zur Feier; mit Stolz unb Freube blicke bie Merovingia auf eine so stattliche Anzahl von Festteilnehmern, unter denen er besonders Herrn Professor Hummel als Vertreter Seiner Magnifizenz des Rektors und des Standartenführers der SA.-Standarte 116, eine Reihe roeiterer Angehörigen des Lehrkörpers, ferner die Vertreter des Offizierskorps und des Unteroffizierkorps, der befreundeten Bünde, der Gießener Rudergesellschaft und nicht zuletzt die Presse begrüße. In ihrer 50jährigen Vergangenheit habe sich Merovingia einen guten Rus in der Deutschen Landsmannschaft, an der Ludoviciana und in der Bevölkerung Gießens ermorden. Sie bekenne sich im Geiste Der neuen Zeit zu einer echten Volksverbundenheit; es sei die Aufgabe gerade der Waf- fenftubenten, ein altes und schädliches Zerrbild der deutschen Korporationen zu zerreißen unb einzugehen in bas deutsche Volk; im Arbeitsdienst, in SA. und SS. habe man den Anschluß gefunden, sei Kamerad, Freund und Blutsgenosse gemorden. Rach kurzem Rückblick auf die 50jährige Vergangenheit des Bundes schloß der Erstchargierte mit dem Wunsche, die Gäste möchten einige frohe Stunden Die Landsmannschaft in der D. L. Merovin - g i a Gießen, veranstaltete am Pfingstsamstag in würdiger und feierlicher Form ihren so. Stiftungsfest-Kommers. Der große Saal des Gesellschaftsoereins war mit den Farben des Dritten Reiches und den Farben der festgebenden Korporation reich geschmückt; an langen Tafeln hatten neben den Alten Herren und der Aktivitas zahlreiche Ehrengäste Platz genommen. Die Veranstaltung begann mit bem feierlichen Einzug der Chargen unter ben schneidigen Klängen der Reichswehr-Kapelle. 9er Crstchargierte cand. theol.Ehrhardt als (Wate Die izsertreicr oer uruuei uui, urs »**••□*■ ■ • ,o------ " her Partei der Behörden des Staates und der meinschaft und Freundschaft erziehen Daher waren Stadt sowie die Presse. Er wies bann kurz auf bie Korps als Erziehungsgemeinschaften aufgebaut bie altüberlieferte kamerabschaftliche Verbunbenheit auf ben Begriffen ber Ehre unb ber Treue; bie statten." Der Erstchargierte cand. med. Böhmig begrüßte bann im Namen ber Aktivitas bie Allen Herren bes Corps noch befonbers und dankte h , daß sie in so großer Anzahl zu dem 120. Stiftungsfest kamen. Er betonte die feste Kameradschaft, alle Träger des schwarz-weiß-roten Randes s das ganze Leben vereinige und sie zu einer starre Gemeinschaft mache, die sich dem großen deutschen Vaterlande widme, die Männer mit unbedingtem Verantwortungsbewußtsein erziehe. Die jungen Hessen forderte er auf, stets die Treue zu halten, wie die Alten Herren es getan, und damit Corps- ftubenten der Tat zu werden. Dann werde Das Eorps weiter blühen und seine Aufgabe für -üoit unb Vaterlanb erfüllen, wie unser Führer es erwartet. Die Aktivitas trank auf bas Wohl ber Alten Herren. Ehre nicht nur für bie eigene Person, sondern auch aufgebaut in ber Achtung ber Ehre bes andern; 1 ■ * gegen sich selbst, gegen bie Korpsbruber, Volksgenossen unb bie Volksgemeinschaft. würben im Verlaufe bes Abenbs noch von mehreren Vertretern befreunbeter Korporationen gehalten, Die allesamt ber großen Wertschätzung der Hassta und Dem Stolz auf bie Gemeinsamkeit ber Freunbschast unb Kamerabschaft Ausbruck gaben. Der Kommers fanb seinen Abschluß mit bem feierlichen Lanbesvater, danach blieb mani aber nod) weiter in herzlicher Verbunbenheit frohgestnnmt bei- fammen Die Totenehrung am Pfingstsonntagmittag in ber Neuen Aula der Universität vereinigte wiederum ble Angehörigen des Corps Hassia und zahlreiche Gaste die Aula war nahezu völlig besetzt. Nach feierlichem Org spiel hielt A H.provinzialdireko Nun war es geschehen. Nun war er endlich zu einem Entschluß gekommen. ... . Es ging so nicht weiter. Er verzehrte sich tn dieser aussichtslosen Liebe zu Barbara. Selbst wenn er mit dieser Leidenschaft fertig geworden wäre — dieses hochmütige, verletzenoe Benehmen ihm gegenüber roar unerträglich für den Stolz eines Mannes. Gerade hatte er den Brief in ben Umschlag gesteckt unb wollte sich schlafen legen, als vom Wirtfchaftshof her ein hastiges Laufen unb Klappern, wie von Holzpantoffeln, ertönte. Eckehard horchte auf. Wer lief denn da so spät noch über den Hof? , Er nahm seinen Hut unb eilte aus bem Jnsper- torhaus heraus. Als er gerabe bie brei Steinstufen vom Hausflur auf ben Wirtschaftshof hinaustrat, Mackenroth eilte in bie Jnfpektorwohnung zurück. Er konnte ben Tierarzt jetzt telephonisch doch nicht mehr erreichen. Er würbe den kleinen Selbstfahrer nehmen müssen unb den Mann selber holen. Auf Emil Perschke konnte er vertrauen. Der Junge liebte bie Pferde, als wären es feine eigenen. Er würde nichts unversucht lasten, um das schone Tier zu retten. Einen Augenblick überlegte Eckehard, ob er bem Oberinspektor Rockesch von ber Erkrankung bes Tieres Mitteilung machen sollte. Eigentlich war er dazu verpflichtet. Aber Trotz hielt ihn baoon ab, ihn herüberzuholen. Mochte Rockesck bei bem Fest bleiben. Mehr als den Tierarzt holen konnte man ja im Augenblick-micht. Es war hoch merkwürdig: in ber letzten Zeit war es immer öfter passiert, baß irgendein Tier rätselhaft erkrankte. Dor ein paar Tagen ber junge Zuchtstier in ber Herbe; bas beste Tier, bas sie eben frisch importiert hatten. Mittag roar er noch gesund unb stark auf her Weibe herumgesprungen. Abenbs lag er plötzlich wie in Krämpfen unb roar trotz aller Bemühungen bes Tierarztes eingegangen. Dann roar die Mutterkuh plötzlich zufammengebro- chen. Sie roar auf rätselhafte Weise in eine Sense getreten. Es roar nicht zu ermitteln gewesen, wieso diese Sense in ben Kuhstall gekommen war. Keiner ber Knechte konnte als Schuldiger festgestellt werden. Man hatte alles versucht, um bie Wunbe zu heilen. Aber es roar von Anfang an eine böse Infektion bazugekommen — unb man mußte bas Tier vom Tierarzt töten lassen, um ihm «in qualvolleres Ende zu ersparen. Schon bei bem Zuchtstier hatte Mackenroth angeregt, man sollte bas Tier sezieren, um festzustellen, woran es eigentlich gestorben wäre. Aber Oberinspektor Rockesch hatte wibersprochen. „Wenn es Ihr Gelb wäre, Herr Inspektor von Mackenroth", hatte er scharf gesagt, „dann wurde ich gar nichts dagegen haben, baß Sie es zum Fenster hinauswerfen. Da es aber das Gelb unserer Herrin ist, widerspreche ich. Warum müssen wir dem Tierarzt bie Kosten Dafür bezahlen? Der Stier ist tot. Daran ist nichts mehr zu änbern. Wer weiß, was er gefressen hat. Auf ber Weibe passiert so etwas eben." Eckeharb roar über die schroffe, überhebliche Art seines Vorgesetzten sehr empört gewesen. Am liebsten hätte er sich bei Barbara darüber beschwert. Aber er mochte sie nicht zum Schiedsrichter über Streitigkeiten zwischen sich und Rockesch haben. Er roar selbst Mann genug und mußte mit Rockesch, der ihm in tieffter Seele antipathisch roar, fertig werden. Freilich, hätte er geahnt, daß sobald nach dem Tode bes Zuchtstieres ein zweiter unb ein dritter Unglücksfall in bem Viehbestand bes Gutes Scheblowitz eintreten würde, hätte er vielleicht doch auf einer Sektion bes Stieres bestanden. Er konnte sich nicht helfen — dieses Zusammentreffen der Er- Kreisgemeinden Lehrbach, Erbenhausen,I Maulbach und Wahlen öffentlich zur Vergebung ausgeschrieben. Es handelt sich um Bachregulierungen, Herstellung von Gräben usw. in einem Gesamtumfana von rund 100 000 Kubikmeter Bodenbewegungen, ferner um die Lieferung von Zementrohrmaterialien in größerem Ausmaße. Durch diese Arbeiten dürften wieder zahlreiche Volksgenossen auf längere Zeit Arbeit und Brot erhalten. Landkreis Gießen. £ Wieseck, 11. Juni. Am zweiten Pfingsttag feierte der Gesangverein „Eintracht" das Fest seines 40jährlgenBe stehens. Am Nachmittag bewegte sich der Festzug durch den Ort. Der Vereinsvorsitzende Karl Werner hielt die Ansprache. Er gedachte der noch lebenden Gründer; Karl Kreiling wurde für 40jährige aktive Sängerschaft die silberne Nadel des Deutschen Sängerbundes überreicht, Ludwig Balser und Philipp R o s i g n o l erhielten die Vereinsnadel für 25jährige aktive Sängerschaft. Für 25jährige Mitgliedschaft erhielten folgende Mitglieder ein Gedenkblatt: Ludwig '' Die lleutfche Rrbertefront Werner, Otto Jung, August Balser, Karl Rodenhausen, Heinrich Weller XV., Adolf Müller, Heinrich Weller XVII., Wilhelm Rausch, Heinrich Kreiling XII., Ferdinand Seibert, Ludwig Balser, Otto Seibert, Ludwig Deibel IX., Heinrich Römer, Heinrich D e ch, Heinrich Schnabel, Otto Reuter, Wilhelm O ß w a l d , Georg Keller und Friedrich Lotz. Nachdem die Gastvereine und der festgebende Verein noch einige gut gesungene Chöre zu Gehör gebracht hatten, setzte frohes Festtreiben ein. Mit Tanz wurde das Fest, das in kleinem Rahmen gefeiert wurde, beschlossen. ex) Eberstadt, 11. Juni. Am gestrigen 10. Juni wirkte unser Bürgermeister G ö r l a ch feit zwölf Jahren in unserem Bürger- m e i st e r a m t. In dieser langen Zeit hat er sich stets in vorbildlicher und erfolgreicher Weise für das Wohl der Gemeinde eingesetzt. Bei der Bevölkerung erfreut er sich daher überall größter Beliebtheit. — Am heutigen 11. Juni kann Frau Marie Bender Wwe., geb. Görlach, eine der ältesten Einwohnerinnen unseres Dorfes, im Kreise ihrer Familie ihren 8 2. Geburtstag begehen. Leider läßt der Gesundheitszustand der Greisin mancherlei zu wünschen übrig. Kreis Bübingen. * Nieder-Mock stabt, 10. Juni. Die in den siebziger Jahren stehende Witwe Margarete Kranz von hier stürzte so unglücklich, daß sie einen schweren Oberschenkelbruch davontrug und nach Gießen in die Klinik gebracht werden mußte. Kreis Alsfeld. * Alsfeld, 10. Juni. In dem Kreisort S t o r n d o r f wurde heute der Postschaffner i. R. Martin Stehr von einem Postomnibus angefahren und eine Strecke weit mitgeschleift, bevor der Wagen zum Stehen kam. Der Mann wurde so erheblich verletzt, daß er nach Gießen in die Klinik gebracht werden mußte. Preußen. Scharfschießen bei Erda. In der Zeit vom 17. bis 18. Juni finden täglich von 7—17 Uhr auf der Schußbahn bei Erda Schießübungen mit scharfer Munition statt. Gefährdet ist das Gelände im Raume Erda, Frankenbach, Krumbach, Fellingshausen, Oberförsterei Strupbach, Königsberg und Hohensolms. Das gefährdete Gelände ist durch Posten abgesperrt und muß eine Stunde vor Beginn des Schießens bis eine Stunde nachher von jedem Verkehr freibleiben. Das Betreten des abgesperrten Geländes, sowie der durchführenden öffentlichen und privaten Wege wird für die Dauer der Absperrung wegen Lebensgefahr polizeilich verboten. Den Anordnungen der Absperrposten ist unbedingt Folge zu leisten. Die Absperrposten haben die Rechte und Pflichten eines Wachtpostens. Kreis Biedenkopf. LPD. G l a d e n b a ch , 10. Juni. Beim Rangieren auf der Eisengießerei Aurorahütte bei Erdhausen wurden, wie gemeldet, dem Arbeiter Debus beide Beine abgequetscht. Der Schwerverletzte ist nunmehr im Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen. Sommerspiele. Obwohl sich heute die zeitlichen Grenzen zwischen Sommerspielen und Winterspielen stark verschoben haben und diese Bezeichnungen nicht mehr die Spielarten genügend kennzeichnen, sei doch dieser Ausdruck als Sammelbegriff für Schlagball, Faustball, Schleuderball und Tennis beibehalten. Außer der zeitlichen Beschränkung auf die wärmere Jahreszeit unterscheiden sie sich noch von den Winterspielen dadurch, daß bei ihnen der körperliche Kampf Mann gegen Mann mit seinen unvermeidlichen Auswüchsen fehlt. Und trotzdem liegt auch in ihnen die Möglichkeit zum harten Kampf um den Sieg unter ganzem Einsatz aller Kräfte. Als erstes taucht da aus der Schulzeit in der Erinnerung das Schlagballspiel auf. Wegen der eingeworfenen Fensterscheiben bei Schülern und Direktoren ungleich beliebt. Ein Spiel, das vielseitige Veranlagung erfordert, muß doch der Spieler ein guter Läufer, ein guter Fänger und Werfer und ein guter Schläger sein. Wir wissen, daß diese Eigenschaften selten alle miteinander in jedem der 12 Spieler vereint sind. Nur langjährige Uebung kann hier eine gute Mannschaft bilden. In den Vereinen unserer Gegend ist es daher in der Nachkriegszeit nicht mehr betrieben worden, und leider ist es heute in ganz Deutschland nicht besser, so daß man es zu den aussterbenden Spielen rechnen muß. Die in kürzerer Zeit zu einem befriedigenden Ergebnis führenden Kampfspiele Fußball und Handball haben ihm den Todesstoß versetzt. Da helfen auch alle Versuche, die in den letzten Jahren zu seiner Belebung unternommen werden, nichts mehr. Wenige Spitzenmannschaften thronen einsam auf schwer erreichbarer Leistungshöhe, mit denen wohl auch dieses urdeutsche Spiel verschwinden wird. Man wundert sich daher, daß Faust ball im Gegensatz hierzu ständig an begeisterten Anhängern gewinnt. Es mag daran liegen, daß man selbst in den kleinsten Landvereinen heute von Anbeginn die richtige Schlagart erlernt, die schnell zu einem sicheren Beherrschen führt. Ein Spiel für die Schule ist es nämlich wegen seiner geringen Teilnehmerzahl von 10 für zwei Mannschaften nicht. Ihm hat seit nunmehr einem Jahrzehnt die Pionierarbeit des langjährigen deutschen Meisters Licht - Luft - Bad Frankfurt und seines Lehrmeisters A. Rübenhagen eine ungeheure Kampfkraft verschafft. Einwandfreies Schlagen — man schlägt nämlich heute nicht mehr der Bezeichnung Faustball gemäß mit der Faust, sondern mit der Innenseite des Unterarms — und systemvolles Spiel haben sich durchgesetzt und damit das Spiel für Spieler und Zuschauer in gleicher Weise spannend werden lassen, wie man es sonst nur von den großen Kampfspielen kennt. Auch die körperliche Leistung, insbesondere Gewandtheit und blitzschnelles Denken, ist nicht minder groß, man darf vielleicht sogar behaupten, eher größer, da ein Faustballer an einem Tag oft fünf- sechs und mehr Spiele durchstehen muß. Den großen Vorzug aber hat es vor allen anderen Spielen, daß es von Klein auf bis ins hohe Alter von Männern und Frauen gespielt werden kann. Auch sind die zehn Spieler für die zwei Mannschaften meist zur Stelle, so daß jede Uebungsstunde zu einem Wettspiel ausgebaut werden kann. So hat sich im Gegensatz zum Schlagball das Faustballspiel in Gießen und seiner weiteren Umgebung eine große Schar begeisterter Anhänger gewinnen können, die auch leistungsmäßig einen Ruf hat. Die Turnerinnen des Mto. und die 1846er Turner find im vergangenen Jahre Gaumeister gewesen und haben auch sonst schon auf einer Reihe von großen Turnieren gegen die beste deutsche Klasse sehr gute Erfolge erzielt. Völlig unbekannt ist leider in unserer Gegend das Schleuderballspiel. Hervorgegangen aus dem Hin- und Hertreiben beim Uebungswurf hat sich ein hartes Kampfspiel entwickelt, härter als Fußball und Handball, denn es gehört schon ein ganzer Kerl dazu einen 50 bis 60 Meter weit geschleuderten Ball an der Brust zu fangen oder den hart geschockten Ball abzustoppen. Es ist auch ein Spiel für die Zuschauer, da man, ähnlich dem Torerfolgt, den Sieg einer Partei an dem Ueberwerfen der 100 Meter auseinanderliegenden Hintergrenzen erkennen kann. Ganz vorzüglich aber ist dieses Spiel für Landvereine geeignet, die über keine ebenen und genügend großen Plätze für die anderen Spielarten verfügen. Schleuderball kann man auf einem Stoppelacker spielen, da der Ball nicht zu springen braucht. Vielleicht wirbt man mal im Ersatz für Schlagball lieber für dieses deutsches Spiel, als daß man etwa das fremde Baseball einführt. Und nun zuletzt zum Tennis, das man zu Unrecht lange als das Spiel der besser gestellten Volkskreis« bezeichnet hat. Glücklicherweise ist mit diesem Vorurteil, das weniger von feiten seiner jahrelangen Anhänger als von den überwundenen klassenkämpferischen Gedankengängen früherer Jahre errichtet wurde, heute gebrochen worden. Seit wenigen Jahren hat sich, auch Dank der Mitarbeit der Deutschen Turnerschaft, die Anhängerschaft ungeheuer vervielfacht und damit automatisch erreicht, daß die Preise für Spielgeräte und Plätze gesenkt wurden. So konnten immer weitere Kreise dem weißen Sport zugeführt werden, die nach Jahren auch zu einer Steigerung der Spitzenleistung führen werden. Nach Jahren, denn dieses Spiel setzt wie kein zweites zähes lieben voraus, bis man die ersten achtbaren Erfolge verbuchen kann. Man vergleiche ja nicht das sportliche Tennis mit dem der Tanzstundenzeit. Dem Könner aber gibt es eine große Befriedigung, wenn er auf sich allein gestellt mit dem Einsatz aller körperlichen und geistigen Fähigkeiten den Sieg erringen will. Damit sind die zu den Kampfspielen zu rechnenden Sommerspiele besprochen. Es gibt zwar noch eine ganze Reihe von Unterhaltungsspielen, die man heute sogar in Wettkampfjahren betreibt. Sie werden aber immer hinter den ersteren zurückstehen müssen, da diese ganz andere Leistungen körperlicher Art verlangen und die daher mit Vorrang zu den besten deutschen Leibesübungen gezählt werden müssen. Wiloh. Aus aller Wett. Die pfingstfeierlage in Berlin. Die beiden P f i n g st f e i e r t a g e standen in Berlin völlig.im Zeichen des schönen Wetters und der sommerlichen Hitze. Hunderttausende waren schon am Pfingstsamstag der Steinwuste entronnen, um die Feiertage an der See, im Walde oder llN Gebirge zu verbringen. Die Reichsbahn hatte nicht weniger als 250 Sonderzüge eingesetzt, in denen kaum ein freier Platz zu finden war. Am ersten Feiertag setzte dann der Hauptstrom der Ausflügler nach den Ausflugsorten in der Umgebung Berlins ein. Starken Zuspruch wiesen auch die Pfingstfrühkonzerte auf. Ebenso hatten die Freibäder an beiden Feiertagen einen Rekordbesuch zu verzeichnen und auf den Seen und Flüssen in der Umgebung der Reichshauptstadt waren Zehntausende mit ihren Wasserfahrzeugen unterwegs, um Luft und Sonne voll zu genießen. Auch auf den Landstraßen in der näheren und weiteren Umgebung Berlins war ein Riesenverkehr zu beobachten. Als am Abend des zweiten Feiertages die Berliner ausgeruht und braungebrannt wieder ihren Wohnungen zustrebten, mußten alle verfügbaren Kräfte und Fahrzeuge der Verkehrslinien herangezogen werden, um den Riesenandrang zu bewältigen. Am Dienstag geht das arbeitende Berlin wieder mit neuen Kräften ans Werk. Trauerfeier für Generaloberst von Linsingen. Unter starker Beteiligung der Bevölkerung und Garnison Hannover wurde Generalober st Alexander von Linsingen zur letzten Ruhe getragen. Blumenschmuck füllte den Altarraum wo der Sarg des Verewigten, umgeben von den Fahnen des Infanterieregiments 74, aufgestellt war. Vier Offiziere hielten die Totenwache. Im Mittelschiff der Kirche sah man neben den Familienmitgliedern und den Vertretern der Behörden die Vertreter des Heeres und der alten Generalität, darunter Generalleutnant D o l l m a n n , der mit der Vertretung des Oberbefehlshabers des Heeres, General d. Art. Frhr. v. Fritsch, beauftragt war, ferner Ministerpräsident Klagges und Staatsminister Alpers. Divisionspfarrer Otto gedachte der erfolgreichen Lebensarbeit des Entschlafenen. Nach dem gemeinsamen Gesang eines Chorals trat der Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos II, General der Artillerie Ritter von Leeb, an den Sarg, um im Auftrage des Obersten Befehlshabers der Wehrmacht, des Führers und Reichskanzlers, des Reichskriegsministers und des Gruppenkommandos II Kränze am Sarge des Entschlafenen niederzulegen. In einer kurzen Ansprache hob er die Verdienste des vorbildlichen Heerführer hervor. Ferner ließ der Oberbefehlshaber der Luftmacht, General Göring, einen Kranz niederlegen. Im Namen der SA. und der Provinz Hannover legte Stabschef Lutze einen Kranz nieder. Nach weiteren Kranzniederlegungen wurde der Sarg unter Glockengeläut durch sechs Unteroffiziere herausgetragen, um nach dem neuen St.-Nikolai-Friedhof'übergeführt zu werden, wo unter militärischen Ehren die Beisetzung erfolgte. Fünf lote, 22 Verletzte bei einem Autobusunglück. In Neuenburg bei Malvilliers im Val de Ruz (Neuenburger Jura) fuhr ein Autobus aus Burg- darf (Kanton Bern) in einer Kurve über den Straßenrand hinaus und stürzte die Böschung hinunter. Fünf Personen wurden getötet und 22 verletzt, davon acht schwer. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 11. Juni. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb 576 Rinder (75 Ochsen, 35 Bullen, 302 Kühe, 161 Färsen), 510 Kälber, 3672 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 36 bis 42 Mark, Bullen 34 bis 42, Kühe 26 bis 42, Färsen (Kalbinnen) 34 bis 42, Kälber 34 bis 63, Schweine 38 bis 52 Mark. — Marktverlauf: Rinder lebhaft, Kälber und Schweine langsam. PREISE; 1.80 u. 3.35 ’/a Liter 5.40 Tägv.chSEBALDS HAARTINKTUR sie schafft volles Haar .PREISE: 1,80 b. 3.35 Liter 5.40, Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlichen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damit durcherweitertesWissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag Berlin-Lichterfelde Bergschenke Heilte ab 17 Uhr grobes 3^3 Militärkonzert ausgeführt von der gesamten Regimentskapelle Inf.-Reg. Gießen unter persönlicher Leitung des Herrn Obermusikmeisters Ernst Krauße. — Eintritt RM. 0.30 Statt Karten! 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Die Eltern waren die Eheleute Strafanstaltsaufseher GustavProy u.Luise geb.Götz. Etwaige Erb. woll. sich mit mir in Verbind, setz Rendsburg, Bismarkstraße 1, den 4. Juni 1935.« Johannes Hagge, Nachlaßpfleger. 3420 D AwansSvevfteisevung TienStag, den 11. Juni, 14 Uhr, fallen tm Löwen, hier, Neuenweg 28, bzw. an Ort und Stelle (Bckanntg. erfolgt in ob. Lokal) Zwangsweise gegen Barzahlung versteigert werden; 3479d Haus-, Laden- und Büromöbel aller Art, Anzugstoffe, Nähmaschinen, Laden- und Registrierkassen, 1 Gaskamin, 1 Nivellierinstrument, 1 Kassen- und Ausstellungsschrank, 10 Einschlagluven, Radros, zwei Motore, Eisschränke, Oefen, ein Grammophon, 1 Klavier, 8 Pelzmützen, 1 Fern- und Opernglas, 1 Diwan, Teppiche, m. Svangen- u.Ueberschuhe, 1 Violine, Schreib-, Bohr- und Bandschleifmafchine. Bestimmt: Mehr.Flurgarderoben. Scharmann, Gerichtsvollz.,Gießen Wernerwall 33 Telefon 3108. 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