Nr.I58 Erstes Blatt 185. Zahrgang Mittwoch, 10. Zull 1955 Erschemt tügNch, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblatter Heimat tm Bild • Die Scholle Monatz-Vezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr.. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zernfprechanfchlüsse nnter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach» richten: Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Frankfurt am Main 11686 Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen OruL und Verlag: vrühl'sche Universttätsvuch- und Zteindruckerei R. Lange in Gießen. 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Obwohl die Verlautbarung die Möglichkeit einer späteren Wiederaufnahme des Schlichtungsverfahrens offen läßt, kann die Vertagung in Anbetracht der Umstände, unter denen sie erfolgt ist, doch nur so gedeutet werden, daß der Ausschuß die Unmöglichkeit erkannt hat, den ihm erteilten Auftrag durch- z u f ü h r e n. Das Schlichtungsverfahren muß demnach als gescheitert angesehen werden, so daß die Angelegenheit höchstwahrscheinlich an den Völkerbund zurückverwiesen werden wird. Das Plädoyer des Vertreters der abessinischen Regierung, Prof. Jeze (Paris), mußte deshalb abgebrochen werden, weil die Italiener dagegen Verwahrung einlegten, daß Professor Jeze von der Voraussetzung ausging, daß Ual-Ual abessinisches Gebiet sei. Die italienischen Regierungsvertreter setzten sich zur Klärung des Zwischenfalls mit ihr er Regierung in Verbindung und erhielten darauf die entschiedene Weisung, keinesfalls eine Aussprache über Grenzfragen, namentlich über Ual-Ual, uz ul assen, da diese Fragen nach italienischer Auffassung nicht der Zuständigkeit der Schlichtungskommission unterlägen. Angesichts dieser Haltung der italienischen Regierung kam es innerhalb des Schlichtungsausschusses zu ernsten Meinungsverschiedenheiten, da die beiden italienischen Mitglieder sich völlig der Ansicht ihrer Regierung anschlossen, während die beiden von Abessinien ernannten Mitglieder, der französische Jurist Professor de la Pradelle - Paris und und der Amerikaner Professor Potter, die Auffassung vertraten, daß man auf diese Weise die Anwälte der Parteien in der Vertretung ihres Rechtsstandpunktes zu starken Beschränkungen ausfetze. Zum mindesten müsse dem Anwalt Abessiniens Gelegenheit gegeben werden, die These seiner Regierung zu entwickeln. Die beiden letztgenannten Ausschußmitglieder betonten ferner, daß der ttalienische Standpunkt auch im Widerspruch zu den Grundsätzen des internationalen Rechtes und zur Praxis der Schiedsverfahren stehe. Da über diese Punkte keine Einigung zu erzielen war, wünschten die beiden von der abessinischen Regierung ernannten Ausschußmitglieder von der in Genf vorgesehenen Möglichkeit der Heranziehung eines fünften neutralen Beisitzers Gebrauch zu machen. Allerdings war diese Möglichkeit erst für den Fall in Aussicht genommen, daß der Ausschuß bis zum 25. Juli nicht zu einem Einvernehmen gelangen könne. Auf letztere Bestimmung beriefen sich die beiden italienischen Mitglieder, sie legten dar, daß im fetzigen Zeitpunkt kein Grund zur Heranziehung eines fünften Schlichters bestehe. Unter diesen Umständen blieb nur der ergebnislose Abbruch der Verhandlungen übrig. Besorgnisse in London. London, 10.Juli. (DRB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" glaubt zu wissen, daß die italienischen Befehlshaber in Afrika Mussolini mitgeteilt hätten, sie könnten einen erfolgreichen Angriff nicht mit weniger als 400 000 Mann durchführen. Mussolini habe dieser Schätzung zugestimmt. Die gegenwärtige Stärke der Streitkräfte in Erythräa und Jtalienisch-Somaliland betrage sicher nicht mehr als dieHälfte dieser Zahl. Daher könnten Meldungen von einer baldigen italienischen Offensive als unbegründet bezeichnet werden. Mussolini wolle eine militärische Oberherrschaft in Abessinien nach dem Vorbild der französischen in Marokko errichten. Frankreich sei wahrscheinlich besorgter als Großbritannien wegen der Folgen dieses Planes. Der Generalsekretär des Völkerbundes Ave not habe den Wunsch geäußert, daß die Großmächte alles tun sollten, um ein Einvernehmen zu erzielen, bevor die Frage vor den Völ- k e r b u n d komme. Er sei sich der Gefahr einer Zerstörung des ganzen Völkerbundssystems durch eine unbesonnene oder übereilte Handlung durchaus bewußt. In London werde erklärt, aufdenZusammenbruchderSchlich- tungsverhandlungen in Scheveningen ollte nicht zu viel Gewicht gelegt werden. Zunächst ei beabsichtigt gewesen, den Völkerbund für ) e n 2 7. I u l i e i n z u b e r u f e n, um ein Schiedsgericht zu ernennen. Die ursprünglichen Zwischenfälle hätten aber viel von ihrer Wichtigkeit verloren, denn die jetzige Streitfrage reiche viel weiter. Spätestens würde der Dölkerbunds- rat allerdings am 25. August zusammenzutreten haben, falls keine Vereinbarung erreicht sei. Reuter meldet aus Rom: Es bestehe in gewissen italienischen Kreisen der Wunsch, die Operationen noch vor dem 2 5. August zu beginnen, d. h. bevor der italienisch-abessinische Streit vor den Völkerbund kommt, so daß der Völkerbund vor eine vollendete Tatsache gestellt würde. Jedoch seien zwei weitere Armee-Divisionen und zwei Divisionen von Schwarzhemden noch nicht nach Abessinien in Marsch gesetzt worden, und es sei unwahrscheinlich, daß Italien den Feldzug gegen das annähernd eine Million Mann starke abessinische Heer eröffnen werde, ohne mindestens 250000 in seinen Kolonien zu haben. Voraussichtlich werde Italien mindestens bis Ende August warten, falls es nicht durch eine drohende Stellungnahme des Völkerbundes schon vorher zum Vorgehen gezwungen werde. Frankreich betont erneut seine Neutralität Paris, 10. Juli. (DRV. Funkspruch.) Mit der Verschärfung des italienisch-abessinischen Streitfalles, wie sie sich seit der Unterbrechung der Haager Schiedsverhandlungen ergibt, geht in der französischen Presse ein Steigen derNeutralitäts- tendenz Hand in Hand. Man bedauert die erhöhte Spannung und gibt zu, daß die Regelung des Streitfalles in immer weitere Ferne rückte, vermeidet es aber sorgfältig, zu sehr auf das Mittel des Völkerbundes hinzuweisen, weil man befürchtet, daß es sich als untauglich Herausstellen werde, und daß Frankreich dann in eine unangenehme moralische Lage kommen könnte Der „Matin" schreibt, die abessinische Regierung dürfte jetzt eine neue Eingabe an den Völkerbundsrat machen. Aber wenn sich Italien weigere, vor dem Völkerbundsrat zu erscheinen, dann stehe das Schicksal des Völkerbundes s e l b st auf dem Spiel. Frankreich könne jetzt nicht mehr viel unternehmen. Es sei nahezu sicher, daß Frankreich in dieser Angelegenheit künftig eine streng neutrale Haltung einnehmen werde. „Excelsior" spricht von einer bedauerlichen aber nicht unvorhergesehenen Entscheidung. Im vorliegenden Falle handele es sich um eine verfehlte Prozedur. Es fei zu befürchten, daß die Fortsetzung der Verhandlungen den Streitfall noch" verschärfen und dabei London, Paris und Rom — von Genf gar nicht zu reden — immer mehr in Verlegenheit bringen würde. Die unnachgiebige Haltung der abessinischen Regierung, die die rechtlichen Grundsätze der Völkerbundssatzung, die auf den kolonialen Gedanken unanwendbar sei, bis zum letzten ausnutzen wolle, erlaube kaum Hoffnungen auf vernünftige und durchführbare Vergleichslösungen. Es sei zu bezweifeln, ob es klug fei, den Streitfall vor eine außerordentliche Völkerbundsratssitzung zu bringen, zu der eine der beiden Mächte vielleicht gar nicht erscheinen würde. Italien will Die Regenzeit abwarten. Hom wünscht Verständigung mit England. Rom, 9. Juli. (DNB.) Gerüchte über eine in allernächster Zeit bevorstehende Eröffnung der militärischen Maßnahmen Italiens in Ostafrika werden von maßgebender Seite entschieden in Abrede gestellt. Die Behandlung des italienisch-abessinischen Streitfalles zeige keine neuen Anzeichen, die plötzliche Entscheidungen solcher Art erwarten lassen, gan^ abgesehen davon, daß die Regenzeit nicht vor September zu Ende gehe und Italien daran liege, die in Gang befindlichen Vorbereitungen für ein etwa notwendig werdendes militärisches Vorgehen weiter auszubauen. „Giornale d'Jtalia" meint, keine europäische Regierung könne ernstlich anerkennen, daß im Interesse eines Abessinien, das die politischen und moralischen Grundsätze des Paktes verletze und Sklaverei treibe, das Leben des Völkerbundes aufs Spiel gesetzt werden dürfe. Alle hätten begriffen, daß der Völkerbund in gar keinem direkten Zusammenhang mit dem Streitfall stehe, sondern nur die Verteidigung und Entwicklung ausschließlich englischer Interessen maskieren soll. Italien stehe in der abessinischen Frage nicht Völkerbundsgrundsätzen, sondern einem heftigen Ausbruch des englischen Imperialismus gegenüber. England besitze bereits die halbe Welt. Es müsse jetzt endlich anerkennen, daß auch Italien mit feiner arbeitsamen und zivilisierten Bevölkerung einen Platz an der Sonne brauche. Die Frage des T s a n a s e e s brauche keinen Zankapfel zwischen England und Italien zu bilden, da Italien gar keinen Anspruch auf diese Gewässer erhebe und auch nicht im geringsten an ihre Ausnützung für Eritrea denke. In Afrika müsse die Zusammenarbeit der Großmächte gesucht und verwirklicht werden. Wenn in Europa eine Einheitsfront gesucht werde, so müsse sie auch für Afrika gebildet werden. England dürfe nicht die in Strefe erreichte Einmütigkeit zerstören und den Zusammenbruch der europäischen Solidarität herbeiführen. „Giornale d'Jtalia" sucht sogar die Erinnerung an die Kriegsge- meinschaft zwischen Italien und England wachzurufen, und warnt die Engländer vor der Möglichkeit, sich durch die Verletzung der Lebensrechte anderer Völker Freundschaften zu verscherzen. Die Probleme Englands seien so groß, daß es zu ihrer Lösung die freundschaftliche Neutralität oder die Unterstützung anderer Länder stets notwendig haben könnte Viele sremoe Staatsangehörige verlassen Abessinien. London, 10. Juli. (DNB. Funkspruch.) Der Korrespondent des „Daily Expreß" in Addis Abeba meldet: Am Dienstagnachmittag fuhr ein mit britischen, amerikanischen und italienischen Männern, Frauen und Kindern dicht besetzter Eisenbahnzug von der Hauptstadt ab. Sie verlassen das Land wegen der drohenden Kriegsgefahr. In drei Wagen befanden sich kleine Mädchen, die.italienische Väter und abessinische Mütter haben; sie standen unter der Obhut römisch-katholischer Nonnen. Sie kommen aus einem Stift in Addis Abeba. Die Zweigstellen der Schule im Innern des Landes find angewiesen worden, die Zöglinge nach Addis Abeba zu schicken, wo sie unter den Schutz d e r italienischen Gesandtschaft gestellt werden. Auf die Frage, warum Italien der Sicherheit dieser Kinder gemischten Blutes soviel Wichtigkeit beimesse, erwiderte ein italienischer Beamter: Sie sind die künftigen Mütter einer neuen und edleren Generation, die das bisherige Abessinien bewohnen Ferner berichtet der Korrespondent: Die meisten ausländischenFirmenin Addis Abeba geben keinen Kredit mehr und infolgedessen ist das G e s ch ä f t s l e b e n vollkommen lahmgelegt. Ein abessinischer Beamter erklärte, man erwarte jeden Augenblick einen italienischen Angriff. Abessinien werde lieber bis zum letzten Mann kämpfen, als sich ergeben. Abessinien sei gezwungen, die starken italienischen Truppenzusammenziehungen an den Grenzen mit eigenen Truppenzusammenziehungen zu beantworten. Eine Mussolini-Rede vom Feldgeschütz. w Der italienische Ministerpräsident Mussolini hielt, auf einem Feldgeschütz stehend, zu den nach Ostafrika abgehenden italienischen Schwarzhemden in Neapel eine Rede, die feine Entschlossenheit betonte, die Pläne in Ostafrika bis zum Ende durchzuführen. (Weltbild-M.) Italien fordert Äölkerbundsauftrag für Ostafrika. Mailand, 10. Juli. (DNB. Funkspruch.) Die norditalienischen Blätter schieben die Schuld für die Einstellung der Arbeiten des italienisch abessinischen Schlichtungsausschusses ausschließlich den Vertretern Abessiniens zu, die ihren Aufgabenkreis überschritten hätten, da sich der Ausschuß lediglich mit der Prüfung des Ueberfalls von Ual-Ual zu befaßen gehabt habe. Durch die Behauptung des abessinischen Vertreters, daß Ual-Ual auf abessinischem Gebiet liege, habe Abessinien eine Obstruktion betrieben, die das Weiterarbeiten des Ausschusses verhindere. „Stampa" meint, die Schwierigkeiten, die der Ausschuß gefunden habe, müßten als Richtschnur für den Völkerbund dienen. Man müsse Italien unter Anwendung des Artikels 19 über die Revision der Verträge die Mission anoertrauen, dorthin Zivilisation und Ordnung zu bringen, wo noch Barbarei und Sklaverei herrschten. 21 Tote beim Untergang eines italienischen Dampfers. Aus unbekannten Gründen sank der italienische Getreidedampfer „Atilio" innerhalb von dreieinhalb Minuten, sechs Seemeilen von der nordafrikanischen Küste entfernt. An Bord befanden sich 16 Mann Besatzung und 14 Passagiere. Man beklagt 21 Ertrunkene. Unsere Flotte und die anderen. Es war oorauszusehen, daß die französische Presse die Verkündung des deutschen Flottenbauprogramms für 1935 zum Anlaß nehmen würde, um einerseits die deutschen Absichten zu verdächtigen und andererseits für die französische Marinepolitik völlig freie Hand zu einer neuen riesigen Flottenvermehrung fordern würde. Gegenüber diesen aufgeregten Ausführungen ist es nützlich, ganz ruhig und objektiv die Einzelheiten des deutschen Bauprogramms zu würdigen und sie in Vergleich zu bringen mit der quantitativen und qualitativen Flottenstärke der übrigen Seemächte. Man wird dann leicht sehen, daß für die anderen Staaten auch nicht der gering st e Grund zur Beunruhigung vorhanden ist. Der Aufbau unserer Flotte ist so bemessen, daß er den Erfordernissen des Schutzes unserer Küsten und unserer Handelsschiffe ganz und gar gerecht wird, aber darüber hinaus wird keine einzige Tonne gebaut, die etwa die berechtigten Interessen fremder Nationen beeinträchtigen oder das vorhandene Gleichgewicht auf den Meeren zerstören könnte. Im Gegenteil, die Ausfüllung des rüstungspolitischen Leerraumes in der Ostsee und Nordsee, der für mögliche imperialistische Absichten anderer Mächte stets ein Anreiz zur kriegerischen Unternehmung gegen die schwache deutsche Küste sein mußte, ist eine der hervorragendsten Beiträge zum Frieden, die das nationalsozialistische Deutschland bisher geliefert hat. Es handelt sich bei der deutschen Flottenrüstung nicht um eine B e - drohung des Gleichgewichtes, sondern um seine Herstellung, nicht um eine Verletzung irgendwelcher Vertragsrechte, sondern um die Verwirklichung des Rechtes, das uns selbst der Versailler Vertrag mit seiner AbEstungsverpflich- tung für die Siegermächte indirekt zugesprochen hat. Die neue deutsche Flotte wird also ihre defensive Ackfgabe vollkommen erfüllen, sie wird einem etwaigen Angreifer von vornherein die Lust nehmen, in die deutsche Sphäre einzudringen, und somit eine beachtliche Wirkung vorbeugender Friedenssicherung ausüben. Eine offensive Aufgabe aber ist der deutschen Kriegsflotte nicht zugedacht. Alle dahingehenden Unterstellungen gehören in das Reich der Fabel. Der reine Verteidigungscharakter unserer Flotte geht einerseits aus der quantitativen Beschränkung ihres Umfanges auf 35 v. H. der britischen Flotte hervor, andererseits aus dem Tempo ihres Aufbaues und der Tonnage- Beschränkung in den einzelnen Schiffsgattungen. Die Aufstellung und Durchführung des deutschen Flottenaufbaues läßt damit alle Möglichkeiten zur Erzielung eines internationalen Rüstungs-Begren- zungsabkommens zur See offen. Es ist bekannt, daß die Engländer bei den Lon- donner Flottenverhandlungen den deutschen Vertretern gegenüber ihren Wunsch auf eine weitestgehende Begrenzung der einzelnen Schiffsgrößen ausgedrückt haben und daß die Deutschen dieser Absicht grundsätzlich z u st i m m - t e n. Allerdings haben die deutschen Delegierten gleichzeitig darauf hingewiefen, daß für die künftige Größe der deutschen Kriegsschiffe nicht allein dieser gemeinsame deutsch-englische Wunsch maßgebend sein könne, sondern daß auch die Schiffs- stärke anderer Nationen, etwa Frankreichs, für die Gestaltung des deutschen Bauprogramms in Betracht gezogen werden müsse. Aus dieser Berechnung erklärt sich Tempo und Ausmaß der deutschen Flottenrüstung sowie die Stärke und Größe der einzelnen Schiffskategorien. Ein Blick auf die deutschen Zahlen zeigt sofort, daß Deutschland nicht daran denkt, eine „Angriffsflotte" zu bauen, sondern daß sich die Zahlen sämtlich unterhalb der Maximalgrenzen halten. Während beispielsweise die neu vorgesehenen deutschen Panzerschiffe 26 000 Tonnen Wasserverdrängung mit 28-Zentimeter-Geschützen haben werden, hat das größte englische Schiff 46 200 Tonnen und 38-Zentimeter-Geschütze. Das französische Schlachtschiff „Dunquerque" ist immer noch um 500 Tonnen größer als die geplanten deutschen Neubauten, verfügt aber über erheblich schwerere Artillerie, nämlich über 33-Zentimeter- Geschütze. Um einen Anhalt für den Gefechtswert dieses französischen Schiffes zu geben, sei hier nur darauf hingewiesen, daß es insgesamt über 64.Geschütze und 6 Torpedorohre verfügt, also so etwas wie eine schwimmende Festung darstellt. Auch die vier großen Linienschiffe Italiens verfügen über schwerere Artillerie als es die in dem neuen Bauplan genannten deutschen Schiffe haben werden; diese Italiener führen als schwerste Waffe 30-Zentimeter-Geschütze. Ebenso erreichen die vorgesehenen deutschen Kreuzer von 10 000 Tonnen mit ihren 20-Zen- timeter-Geschützen nicht ganz die Maximalgrenze von 20,3 Zentimeter, die im Jahre 1930 in London festgesetzt wurde. Von Schiffen dieser letzteren Art stehen zurzeit im ganzen 59 bei den Seemächten im Dienst, darunter in England 18, in Frankreich und Italien je 7 Kreuzer, und haben neben dem Aufklärungszweck vor allem dieAufgabe desH andels- schütz es. Deutschland verfügte bisher nur über 5 kleine Kreuzer; ein sechster ist im Bau. Wenn man bedenkt, welche wichtige Aufgabe gerade die Kreuzer in Friedenszeiten haben, die die Flagge des Reiches überall im Auslande zu zeigen und die Verbindung der Ausländsdeutschen mit dem Vaterland aufrecht zu erhalten haben, so wird die Verstärkung unseres Kreuzerbestandes auch unter diesem Gesichtspunkt aufs wärmste begrüßt. Auch die Torpedowaffe war bisher für Deutschland völlig unzureichend verfügbar. Wir besaßen bisher nur acht Zerstörer von je 800 Tonnen; dazu kam noch eine geringe Anzahl kleinerer Tor- pedoboote, die jedoch samt und sonders völlig veraltet waren und gleichwohl immer noch Dienst tuen mußten. Auch für diese Waffen vorgesehene Neubauten gilt das gleiche wie für die Panzerschiffe und Kreuzer; die neuen 16 deutschen Zerstörer mit je 1625 Tonnen werden die vertragliche Höchstgrenze von 1850 Tonnen nicht erreichen, auch die 12,7-Zen- timeter-Geschütze bleiben hinter der 13-Zentimeter. Höchstgrenze ein wenig zurück. Zum Vergleich verweisen wir nur auf die schon Kreuzergröße fast erreichenden neuesten französischen Bauten, die „Contre torpilleurs", die nicht weniger als 2600 Tonnen bei 40 Seemeilen Geschwindigkeit haben. (Eine Seemeile = 1852 Meter.) Die für die deutschen U-Boote in der amtlichen Mitteilung genannten Zahlen sind eine besonders deutliche Illustration für den Grundgedanken der deutschen Flottenpolitik, die lediglich auf den zur Seeoerteidigung notwendigen Schutz ausgeht. Sie bleiben durchschnittlich am weitesten hinter den Grenzen zurück, die andere Staaten einhalten. Beispielsweise verfügt Frankreich in seiner Gesamttonnage von über 80 000 Tonnen für U-Boote über Unterseekreuzer bis zu 2880 Tonnen, und die mittleren Größen der bei den Seemächten im Dienst stehenden U-Boote betragen 800 bis 1500 Tonnen. Das soeben verkündete deutsche Flottenprogramm umfaßt eine Gesamttonnage von 120100 Tonnen. Rechnet man die gegenwärttge deutsche Flotte mit 127 000 Tonnen hinzu, so ergibt sich im Vergleich mit der im Londoner Flottenoertrag vom 18. Juli vereinbarten Tonnageziffer von 420 000 Tonnen ein noch nicht ausgefüllter Spielraum von weiteren 172 000 Tonnen, der nach Maßgabe der fremden Seerüstungen und nach dem Grundsatz unserer qualitattven Gleichberechtigung in den nächsten Jahren ausgefüllt werden soll. Es ist in diesem Zusammenhangs zweckmäßig, wenn einmal die Bauprogramme der übrigen großen Flotten zum Vergleich herangezogen werden, dabei muß vor allem berücksichtigt werden, daß die übrigen Flotten ja eigentlich nur Ergänzungsbauten vornehmen müssen, während wir dabei sind, n a ch z u- tz o l e n, was wir allzulange versäumen mußten. Der Bauabschnitt der britischen Flotte für 1934/35 umfaßt folgende Schiffe: drei leichte Kreuzer zu je 9000 Tonnen, ein leichter Kreuzer zu 5200 Tonnen, ein Flugzeugträger zu 15—20 000 Tonnen, ein Flottillenführer zu 1475 Tonnen, acht Zerstörer zu je 1375 Tonnen, ein U.-Boot zu 1500 Tonnen, zwei U.-Boote zu je 640 Tonnen und sechs Kanonenboote für verschiedene Zwecke. Von den Schiffen des neuen Bauabschnittes wurden bis zum November 1934 die Zerstörerflottille an Privatwerften vergeben. Mit der Kiellegung der Boote ist aber erst im Mai 1935 begonnen worden. Im Bau und bewilligt sind aus früheren Bauabschnitten: ein Flugzeugträger, 13 leichte Kreuzer, drei Flottillenführer, 24 Zerstörer und zwölf U.-Boote. Sieben der im Bau befindlichen leichten Kreuzer kommen im Laufe des Kalenderjahres 1935 in Dienst und fünf der U.-Boote, die gegenwärtig gebaut werden, stelstn unmittelbar vor der Vollendung. Dabei muß berücksichtigt werden, daß Kanonenboote und Hilfsschiffe in dieser. Aufstellung nicht enthalten sind. In den Vereinigten Staaten waren im Oktober 1933 aus älteren Baugesetzen fünf und nach dem Arbeitsbeschaffungsgesetz 32 Einheiten in Auftrag gegeben worden, so daß sich am 1. Januar 1934 unter Einschluß der bereits auf Stapel liegenden Schiffe 54 Einheiten im Bau befanden. Nach Fertigstellung dieser Schiffe würde jedoch den Vereinigten Staaten an der durch Verträge zugestandenen Stärke- an nicht überalterter Tonnage Ende 1936 noch fehlen: 1 Flugzeugträger 15 200 Tonnen, 1 schwerer Kreuzer 10 000 Tonnen (darf nach den Verträgen erst 1935 auf Stapel gelegt und 1938 fertig ^werden), leichte Kreuzer 47100 Tonnen, Zerstörer 99 200 Tonnen, U.-Boote 20 410 Tonnen; zusammen 191910 Tonnen. Durch das Vinson-Gesetz vom 27. März 1934 wurde der Präsident ermächtigt, die Jnbaugabe obiger Tonnage vor dem 31. Dezember 1936 zu verfügen. Wenn nun auch die „Ermächtigung" vom „gegenwärtigen" Kongreß erteilt ist, so müssen doch die „Mittel" von den „zukünftigen" Kongressen bewilligt werden. Insgesamt befinden sich in den Vereinigten Staaten im Bau: 2 Flugzeugträger, 3 schwere Kreuzer, 7 leichte Kreuzer, 10 große Zerstörer, 34 kleine Zerstörer, 10 U.-Boote und 2 Kanonenboote. Diese 68 Schiffe umfassen die Gesamttonnage von 226 520 Tonnen. In Japan waren mit dem ersten Ergänzungsbauplan des Jahres 1930 33 Schiffe in Bau gegeben. In Erweiterung dieses ersten und eines zweiten Ergänzungsbauplanes sieht der „zweite erweiterte Ergänzungsbauplan 1933" den Bau von weiteren 42 Einheiten vor, durch die die Flotte mit einem Kostenaufwand von etwa 660 Millionen Yen innerhalb von 3 bis 4 Jahren auf die durch die Verträge festgelegte Stärke gebracht werden soll. Der französische Bauplan von 1934 um- faßt: 1 Linienschiff, ein Flotillenführer, ein U-Boot 1 Klasse, ein U-Boot 2. Klasse sowie einen Minensucher. Hierbei muß aber auch besonders die gegen- wärtige Bautätigkeit berücksichtigt werden. Im Bau und bewilligt sind: 2 Schlachtschiffe, 6 leichte Kreuze«, acht Flotillenführer, 1 Zerstörer und 15 U-Boote, das sind zusammen 32 Schiffe mit einer Gesamttonnaae von 137 175 Tonnen. Das ist also mehr als die Verstärkung der deutschen Flotte nach dem Bauprogramm für 1935 beträgt. Bei den Italienern ist es nicht anders. Hier sind L8 Sch i ffsein h e iten im Bau mit einer Gesamttonnage von 134 813 Tonnen. Die im vorigen Sommer von der italienischen. Regierung angekün- digte Absicht, noch im Laufe des Kalenderjahres zwei 35 000-Tonnen-Schlachtschiffe auf Stapel zu legen, ist im Herbst verwirklicht worden. Die beiden Schiffe werden in Genua und in Triest gebaut und erhalten die Namen „Vittorio-Veneto" und „Littorio". Zwölf der neu gebauten italienischen U-Boote stehen unmittelbar vor der Indienststellung. Meine politische Nachrichten. Der Führer und Reichskanzler besuchte auf der Durchfahrt Nürnberg und besichtigte am Dienstagvormittag die Neuanlagen auf dem Reichsparteitagsgelände. ♦ Das vom Reichskabinett verabschiedete Gesetz über die Ueberführung der Angehörigen der Landesp olizei in die Wehr- macht regelt den personellen Teil der bereits unter dem 21. März 1935 ungeordneten Ueberführung. Die in der entmilitarisierten Zone stationierten Einheiten der Landespolizei werden jedoch nicht mitübergeführt und behalten ihren Charakter als P o l i z e i formattonen. ■ w 31 Oer Führer besichtigt motorisierte Truppenteile in der Oberpfalz. Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler wohnte bei Grafenwöhr in der Oberpfalz K°r oft- wagen -Transport- Übungen bei, die von dem kommandierenden General des 4. Armeekorps, Generalleutnant List, geleitet wurden. Man sieht hier ein Flakgeschütz beim Passieren der Landstraße. Ganz links der Führer und Reichskanzler, neben ihm Reichskriegsminister Generaloberst von Blomberg und der Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Frhr. von Fritsch. (Presse-Jllustr. Hoffmann-M.) Es brennt an der Grenze! französischer Lleberfallplan auf wehrloses Grenzland.-Oie Armee von Stahl und Eisen. Deutscher Abwehrwille macht das Grenzland stark. Bon Or. Hans Pfaff. „Sicherheit" und immer wieder „Sicherheit"! Das ist die Parole unserer westlichen Nachbarn. Dabei verfügen gerade die Franzosen über eine Armee, mit deren Stärke und Aktionsfähigkeit sich fein Hser der Welt messen kann. Von Dünkirchen und Calais bis hinunter zum Mittelmeer ist ein WallvonEisenundBeton errichtet, Festung reiht sich an Festung, Panzerturm an Panzerturm. Jedes einzelne Fleckchen französischer Erde im Westen steht unter doppelter, dreifacher und zehnfacher Sicherung! Diese einseitige Beanspruchung aller Garantien einer nationalen Sicherheit militärischer Art hat im Laufe der Zeit eineRiesenaefahrfürganz Europa, insbesondere aber für Deutschland, heraufbeschworen. Ein Jnvasionsplan ist kein Hirngespinst mehr oder ein schlecht erdachtes Schreckmittel eines schwachen Regimes, sondern eine Tatsache, die besonders vor der dringend notwendigen Einführung der allgemeinen Wehrpflicht zu größten Bedenken und Befürchtungen Anlaß gab. Der Beweis hierfür wird schwarz auf weiß durch einen sorgfältig ausgeklügelten französischen lieber» fallplan angetreten, der von höchst offizieller Seite, nämlich von dem Kabinettschef des französischen Kriegsministeriums, dem Obersten Gaulle, ausgekocht wurde. Kein geringerer als Marschall P e t a i n selbst gab den Auftrag zu seiner Ausarbeitung und in der Militärzeitschrift „France militaire“ war erst vor kurzem ein ausführliches Eingeständnis dieses merkwürdigen Planes zur „Sicherung des Friedens" zu lesen. Oie eiserne Dampfwalze p^tains. Der Plan Gaulles sieht die Aufstellung von sieben Panzerdivisionen vor, die vollkommen und bis ins kleinste motorisiert sind und gleichzeittg eine in der Kriegsgeschichte bisher noch nie erlebte Schlagkraft und Schnelligkeit entwickeln. Wenn man hört, daß diese Armee eine drei» mal so große Feuer st ärke wie sämtliche im Jahre 1914 mobilisierten französischen Truppen entwickeln soll, dann kann man sich erst die rechte Vorstellung von ihrer Gefährlichkeit machen. Die weitgehende Verwendung stärkster Panzerwagen und von Berufssoldaten ferner die Tatsache, daß die französische Armee selbst über eine ganze Reihe motorisierter Verbindungskolonnen verfugt, sagt alles übrige. Einzelheiten sollen die Gefährlichkeit dieser eisernen Armee noch illustrieren. Jede einzelne der sieben Divisionen umfaßt: 1. eine Panzerbrigade mit zwei Regimentern leichter und schwerer und einem Bataillon allerschwerster Kampfwagen, die insgesamt die Zahl 500 erreichen. Daneben stehen Nachrichtenabteilungen, Beobachtungsformattonen und Pionierkolonnen. 2. eine Jnfanteriebrigade von zwei Regimentern und ein Jägerbataillon auf besonders konstruierten und in jedem Gelände verwendbaren Kraftwagen. Flugzeugabwehrkanonen, Begleitgeschütze, leichte und schwere Maschinengewehre werden mitgeführt. 3. eine Brigade Artillerie mit einem Regiment mit leichten Geschützen, einem zweiten Regiment mit Haubitzen und einer Kolonne von Tankabwehr- und Flakkanonen. 4. ein G e n i e b a t a i l l o n, ein Nachrichtenbataillon, ein Minenbataillon, eine Aufklärungsabteilung und eine Tarnungskolonne.. Dazu ein Flugzeuggeschwader von etwa 60 Flugzeugen und selbstverständlich der notwendige Verpflegungs- und Nachschubapparat. 5. eine „Allgemeine Reserve", bestehend aus einer Brigade allerschwerster Tanks, die mit großkalibrigen Geschützen imstande sind, selbst gegen die modernsten Panzerforts aufzukommen und einer weiteren Brigade schwerster Artillerie. Oer französische Ourchbruchplan. Der französische Oberst Gaulle stellt diese Divi- sionen vor eine schwere Aufgabe. Die feindliche deutsche Armee soll durch sie überrascht und im Verlause weniger Stunden niedergewalzt un o ^eJnid)tßt werden. In einer Frontbreite von 8 Kilometern müssen sie durch die Schlachtlinie brechen und nach einer Flügelschwenkung das ganze feindliche Heer nach links und rechts aufrollen Nach diesem Durchbruch beginnt sofort die große französische Offensive. Mit weit- gehendster Unterstützung kampferprobter und bis aufs kleinste ausgerüsteter Fliegergeschwader und Bombenflugzeuge joll die französische Armee bereits innerhalb 24 Stunden den Höhenzug des Schwarzwaldes überschritten haben und 100 Kilometer innerhalb des deutschen Binnenlandes stehen. Demnach müßten also bereits am ersten Tage die bedeutenderen süddeutschen Städte auf der Linie zwischen Stuttgart und Mainz erreicht fein. Bei vollständigem Gelingen des Planes befindet sich am zweiten Tag die Stadt Ulm in der Hand der Franzosen. Der erste Angriff geht demnach nach Süddeutschland, was übrigens für die heute noch herrschende französische Mentalität recht bezeichnend ist. Oer Stotz ins deutsche Herz. Weit wichtiger als die Kampfhandlung im Süden wird franzöfischerseits der zweifache Angriff auf Nord - und Mitteldeutschland eingeschätzt, von denen der erste mit ungeheurer Wucht über den Mittelrhein in das lebenswichtige Ruhrgebiet oorgetragen werden soll. Der zweite richtet sich längs der Mainlinie über Frankfurt, Würzburg, Bamberg und bezweckt eine möglichst schnelle Verbindung mit der tschechischen Ar- m e e, die der französischen Spitze über die vom Czerkov gedeckte Fürther Senke resp. über das Fichtelgebirge entgegenmarschiert, woraus ersichtlich ist, daß das aktive Eingreifen der Tschechen französischerseits als gegebene Tatsache betrachtet wird. Die ganze Aktion kann nach dem Gaulleschen Kriegsplan schon in einer Woche bee.nbet sein. Deutschland soll also überrumpelt werden, ohne überhaupt Zeit zu haben, sich zu einer Verteidigung aufzuraffen. Um aber diese Ausschaltung einer Gegenwehr zur völligen Wehrlosigkeit zu machen, erwägt man auf französischer Sette ganz offen den Gedanken eines Krieges ohne jede vorausgehende Kriegserklärung. Oer deutsche Avwehrwille. Es ist jedenfalls gut, daß uns dieser Plan durch die Unvorsichtigkeit französischer Journalisten und Generalstäbler, die ganz offen in Zeitungen und Fachschriften davon sprachen, zur Kenntnis kam. Er war wohl einer der vielen Beweggründe, die die Reichsregieruna bestimmten, zur rechten Zeit die rechte Antwort durch die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht zu geben, die es hoffentlich zuwege bringt, daß aus den täglich zu gewinnenden hundert Kilometer deutschen Landes nichts wird und daß infolgedessen auch der Oberst Gaulle und der Marschall Pätain ihre Absichten aufgeben. Der geschlossene Widerstandswille von 60 Millionen Deutschen muß auch einer mit allen raffinierten Mitteln gewappneten modernen Kriegstechnik genügenden Widerstand bieten, mehr noch, als es Geschütze, Tanks, Flugzeuge, Bomben und Maschinengewehre tun können. Die Kriege sind ja nicht ausschließlich mit brutaler Waffengewalt gewonnen worden, sondern in erster Linie durch den Gei st, der das ganze Volk und seine Armeen beherrschte. Wenn der Franzose einen Angriffskrieg führt, der schon infolge der dünnen Be- völkerung und der starken Bewaffnung Frankreichs auch nicht die geringste morale Begründung für sich beanspruchen könnte, dann müßte er jedenfalls a u f denhartendeutschenWillen stoßen, der noch gestählt wird durch das Bewußtsein des guten Rechts auf Dasein und Verteidigung. Was können wir dagegen tun? Mr hoffen, daß Frankreich heute nicht mehr daran denkt, die aberwitzigen und verderblichen Pläne feiner Generalstäbler zu unterstützen. Das waffenlose Vakuum in Mitteleuropa ist durch die Wiederbewaffnung Deutschlands aufgefüllt und wird kaum mehr in dem gleichen Maße wie früher den Keim künftiger Kriege in sich bergen und Anziehungspunkt aller hochgerüsteten Nationen sein. Nun aber sind wir immer noch nicht stark genug! Wir haben uns selbst nur das Mindestmaß jeder Rüstung, das zu einer Selbstverteidigung notwendig ist, zugebilligt. Noch besteht auch die entmilitarisierte Zone im Rheinland, ein lebendiger Beweis dafür, daß das neue Deutschland keinerlei Angriffsabsichten hegt und alles tut, um unter Hintansetzung seiner eigenen Sicherheit auch den Schein der Kriegslüsternheit zu vermeiden. Ist aber nun das Grenzland zwischen dem Rhein und der luxemburgisch-französischen Grenze wirk- lich wehrlos dem Feinde preisgegeben? Wir müssen bei genauer Abwägung des Für und Wider „Ja" sagen, wenn wir des Glaubens sind, daß im Kampf nur hie Waffen allein entscheiden. Aber verneinen müssen wir, wenn wir die Ueberzeugung in uns tragen, daß auch der Geist der Bevölkerung ein entsprechendes Gegengewicht schafft. Wir sind froh, sagen zu können, daß wir doch nicht ganz schutzlos der Willkür ausgeliefert find, weil die deutsche Westmark entschlossen ist, eine Grenzbevölkerung zu schaffen, deren Entschlaf- senheit dem Feinde jede Lust zum Angriff nehmen kann und nehmen wird, sich an Deutschland zu vergreifen. Wie aber können wir uns schützen? Dadurch freilich nicht, daß wir, wie die System- regierung vor uns, die ganzen Kräfte des Reiches nach der Mitte ziehen und die Bevölkerung an den gefährdetften Punkten der Grenze im Stiche lassen, sie bestenfalls trösten mit einer feigen Entschuldigung und im übrigen tun, was uns bequem und zweckdienlicher scheint. Vielmehr gibt es für uns nur einen Wahlspruch, der immer wiederholt, jedem einzelnen deutschen Volksgenossen geläufig werden muß: „Macht das Grenzland stark!" Wenn schon die wünschenswerten militärischen Möglichkeiten einer Sicherung des Reiches durch Festungen, Garnisonen und Truppen nicht erfüllt werden können, dann gilt es wenigstens, d i e geistiae, moralische, politische, körperliche und wirtschaftliche Aufrüstung zu betreiben. Der neue Staat hat alle Vorausetzungen erfüllt, um dieser Forderung gerecht zu werden. Nur die wirtschaftliche Lage ist keinesfalls so, wie fie fein sollte und müßte. Das ist nicht die Schuld des neuen Regimes, sondern das Erbe der vergangenen Epoche, die den Begriff der Notstandsgebiete gar nicht kannte und den im Grunde liberalistifchen Leitsatz: „Jeder nach seiner Fasson" auf alle Gebiete, auch auf das der Bevölkerungspolitik anwandte, ohne dabei zu bedenken, daß fie ihre eigenen angeblich nationalen Grundregeln sabotierte. Das furchtbare Erbe eines verlorenen Krieges, einer verlotterten Wirtschaft und eines bolschewistisch verseuchten Volkes erforderte einen Zugriff mit taufend Händen. Deshalb find wir zufrieden, mag die Entwicklung auch nicht im Sturmschritt vor sich gehen. Hauptsache ist der gute Wille, der noch den Weg zu einer gesunden Grenzlandpolitik finden wird und finden muß. Mit Rücksicht auf die von Westen drohenden großen Gefahren ist die E r st a r k u n g des Grenzgebiets nicht nur die Sache eines Gaues und einer Provinz, sondern d i e Angelegenheit des ganzen deutschen Volkes. Nur der Zusammengriff aller wird eine dauernde Festigung des Grenzlandwillens und -wollens erreichen. Die stärksten Festungen eines Landes waren nie Festungen nach landläufigem Begriff, sondern der entschlossene Wille zum Reich und das Bewußtsein der Grenz- devölkerung, Vortrupp einer unwiderstehlichen und großen Armee zu sein, die im gegebenen Moment bereit und fähig ist, schützend einzugreifen. Oie Verhütung erbkranken Nachwuchses. Ein Erlaß des Reichsinnenministers gegen Sabotage der Gesetzgebung. Berlin, 9. Juli. (DNB.) In letzter Zeit war wiederholt festzustellen, daß der Widerstand, den einzelne Kreise gewissen auf nationalsozialistischer Weltanschauung beruhenden Gesetzen bewußt entgegensetzen, systematisch organisiert wor- den ist. Eine solche Hetze, roie 3. S. gegen das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses, entspringt nicht so sehr einer Ablehnung des Grundgedankens, der bekanntlich in zahlreichen anderen Ländern bereits Zustimmung und Nachahmung gefunden hat, als vielmehr oft lediglich dem Wunsche, mit dem Widerstand gegen das Gesetz auch d i e n a t i 0 - nalsozialistische Bewegung zu treffen und bas erwachende Rasseb ewußtsein des Volkes zu unterdrücken. Der Reichs- und Preußische Minister des Inneren hat, um diesem Treiben Einhalt zu gebieten, in einem Erlaß an die zuständigen Be- Hörden darauf hingewiesen, daß einer Hetze gegen das Gesetz energisch entgegenzutreten und in den bekanntwerdenden Fällen Strafanzeige wegen Verstoßes gegen Paragraph 110 des Reichsstrafgesetzbuches oder gegen das Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniform vom 20.DezemhsU Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil i. V.: H. L. Neuner. Anzeigenletter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. VI. 35: 10150. Druck und Verlag: Brühl'fche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzeloerkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. Die Möglichkeiten für eine europäische Klottenvereinbarung. MrdFrankreichzuVerhandlungenbereitsein.-Erörterungenderenglischenpreffe 1934 (Reichsgesetzblatt I S. 1269) zu erstatten ist. In dem Erlaß wird besonders heroorgehoben, daß auch die Aufforderung, die unter das Gesetz fallenden Personen sollten den gesetzlichen Geboten im Verfahren auf Unfruchtbarmachung nicht freiwillig nachkommen, vielmehr nur dem unmittelbaren polizeilichen Zwange weichen, als eine Hetze gegen das Gesetz anzusehen ist. In diesem Zusammenhang weist der Reichs- und Preußische Minister des Inneren darauf hin, daß das für alle geltende Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses auch nach den Bestimmungen des Konkordats von jedem deutschen Katholiken zu beachten ist. llnglaubliche Verleumdung der SA. Recklinghausen, 9.Juli (DNB.) Am Diens- taa, 6. Juni, fanden Kirchenbesucher in der Pfarrkirche zu Borken i. W. in der Kreuzkapelle einen Beicht st uhl und einen Altar brennend vor. Man alarmierte sofort den an der Kirche wohnenden Küster, dem es gelang, den Brand im Keime zu ersticken. Bei näherer Besichtigung fand man außerdem, daß ein Altar und die Oelbergkapelle in nicht wiederzugebender Weise beschmutzt worden waren. Unmittelbar nach der Tat faßte in der Bevölkerung das Gerücht Fuß, daß als Täter nur A n - gehörige der SA. - Schule Vehlen in Frage kommen könnten. Es meldeten sich sogar Zeugen, die gesehen haben wollen, daß SA.-Männer um die Tatzeit die Kirche besucht hätten. Es wurde aber bald festgestellt, daß diese unbegründeten und verleumderischen Gerüchte bewegungsfeindlichen Kreisen entsprangen. Nach weiteren eingehenden Ermittlungen der Staatspolizeistelle gelang es, als Täter den 37jährigen Mensing aus Borken-Stadt zu er- Mitteln und fest zunehmen. Mensing, der zu den häufigsten Kirchenbesuchern gehört und Mit- alied des Cäcilien-Vereins ist, also deshalb unauffällig die Kirche besuchen konnte, hat am Sonntag, 7. Juli, nach anfänglichem hartnäckigen Leugnen eingeftanben, die Brandstiftung und Beschmutzung begangen zu haben. Die ruchlose Tat, die in weiten Kreisen des Münsterlandes berechtigtes Aufsehen und Empörung hervorgerufen hatte, hat somit ihre Aufklärung gefunden. Interessant und bemerkenswert erscheint noch die Tatsache, daß der Täter sich von einer befreundeten Familie ein Alibi besorgt hatte, das jedoch dem Ermittlungsergebnis nicht standhielt. Der Täter befindet sich im Polizeigefängnis Recklinghausen. Er wird dem zuständigen. Amtsgericht zum Erlaß eines Haftbefehls vorgeführt. Gymnasialdirektor in Schutzhast genommen. Opladen, 9. Juli (DNB.) In einer Massenkundgebung am Montagabend gab der Redner, Pfarrer a. D. Münchrneyer, u. a. Kenntnis von einem Schreiben des Direktors des Erzbischöflichen Gymnasiums des Opladener Aloysianums, wonach auf Anordnung des erzbischöf- lichen Generalvikariats in Köln den Zöglingen des Aloysianums, die zum großen Teil der HI. angehören, es nicht g e ft a t t e t roetbe, an der Münchmeyer-Kundgebung teilzunehmen. Diese Mitteilung löste bei den Versammlungs- befucbern größte Empörung aus. Im Anschluß an die Kundgebung zogen über 1000 Versammlungsteilnehmer z u nt Ä l o y s i a n u m. Zum eigenen Schutz wurde Direktor Dr. Neuenhäuser durch die Ortspolizei in S ch u tz h a f t genommen. Reichsschultagung der deutschen Erziehungsakademie. München, 9. Juli (DNB.) Die Deutsche Erziehungsakademie in München hat die Lehrer aller Schulgattungen aus dem ganzen Reich zu einer Schultagung in München vom 19. bi s 26. Juli aufgerufen. Die Tagung wird ausschließlich der gründlichen Erörterung eines der wichtigsten Probleme im neuen Reich gewidmet sein: der Neuformung des deutschen Bildung s g u t e s. In der Erkenntnis, daß Nationalsozialismus nicht allein Wissen und auch nicht allein Gefühl und Wille ist, sondern die körperlich-seelische Haltung eines ganzen Volkes, bildet die „n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e Haltung" den Ausgangspunkt. Es folgt dann die Anwendung der grundlegenden Erkenntnisse auf alle wesentlichen Erziehungsgebiete. Die Tagung gewinnt ihre besondere Bedeutung durch die Gewinnung der bedeutendsten Persönlichkeiten des deutschen Erziehungswesens als Vortragende. An die Hauptoor- träge wird sich eine planmäßige Aussprache anschließen. Deutscher Gruß auch bei fremden Nationalhymnen. Berlin, 9. Juli. (DNB.) Amtlich wird mit- aeteilt: Ißenp bei öffentlichen Veranstaltungen im Anschluß an das Deutschlandlied und das Horst- Wessel-Lied eine fremde Nationalhymne gespielt wird, so sollen deutsche Reichsangehörige ebenso wie dem Deutschlandlied und dem Horst- Wessel-Lied auch der fremden Nationalhymne den deutschen Gruß erweisen, und zwar die nichtuniformierten Teilnehmer unter Abnehmen der Kopfbedeckung. Die Kriegsmarine dankt dem NGDIB. (Stahlhelm). Berlin, 8. Juli. (Fkp.) Der Oberbefehlshaber der Kriegsmarine übersandte dem NS. Deutschen Frontkämpfer-Bund (Stahlhelm) 11 Flaggen als Ersatz für die der Kriegsmarine zurückgege- benen geschichtlich wertvollen Kriegsflaggen, die im Stahlhelm als Ortsgruppenfahnen durch die Zeiten deutscher Schmach hindurch gerettet und in Ehren gehalten worden waren. Diese Ersatzflaggen werden den Ortsgruppen, die die historisch wertvollen Kriegsflaggen zurückgegeben haben, -zusammen mit einer vom Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Admiral Dr. h. c. Raeder, ausgestellten Urkunde zugestellt, in der es heißt: „Der Nationalsozialistische Deutsche Frontkämpfer- Bund (Stahlhelm), Ortsgruppe.......... hat die Kriegsflage ......... in den Jahren der Schmach des deutschen Volkes ehrenvoll bewahrt und sie der Kriegsmarine wieder zur Verfügung gestellt. Diese Flagge ist am 31. Mai 1935, dem Jahrestag der Seeschlacht vor hem Skagerrak, in Kiel m i t dem Eyrenkreuz f ü r ' F r o n t k ä m p f e r geschmückt worden. Als Ersatz für die Kriegsflagge überreiche ich der Ortsgruppe ........ des Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpfer- Bundes (Stahlhelm) die beiliegende Flagge" London, 10. Juli. (DNB. Funkspruch.) Das neue deutsche Flottenbauprogramm wird in der Presse angelegentlich erörtert. Der Marinemitarbeiter des „Daily Telegraph" sagt, in britischen Marinekreisen glaube man, daß d i e beiden neuen deutschen Schlachtschiffe den britischen Schlachtkreuzern „Renown" und „Re- pulse" gewachsen sein würden, die zwar mehrere tausend Tonnen größer seien, aber an Altersschwäche litten. Man vermute, daß die 26 000 Tonnen Panzerschiffe im Herbst 1937 fertig sein würden. Großbritannien könne auf Grund der bestehenden Verträge vor Januar 1937 keine neuen Großkampfschiffe auf Stapel legen. Allerdings würde es die Möglichkeit haben, die sogenannte Gleitklausel des Londoner Vertrages zur Anwendung zu bringen. Das in Frankreich erhobene Geschrei sei ungerechtfertigt. Frankreich werde auch nach Durchführung des deutschen Programms eine ungeheure Ueberlegen- heit zur See haben. „M a n ch e st e r Guardian" erklärt, die große Zahl von Unterseebooten sei nicht so ernst, wie es im ersten Augenblick scheine. Sie seien klein und 3ur Küstenverteidigung bestimmt. Tatsächlich belaufe sich das deutsche Programm in Unterseebooten auf insgesamt nur 9 000 Tonnen, während Frankreich gegenwärtig e-ine zehnmal so große Gesamttonnage habe. „Time s" schreibt, daß die Veröffentlichung des deutschen Flottenbauprogramms für 1935 in England und Frankreich einige der Bedenken neu belebt habe, mit denen das englisch-deutsche Flottenabkommen ausgenommen worden sei. Die wahre Lehre des deutsch-englischen Abkommens sei jedoch die, daß es der deutschen Bautätigkeit eine f e ft e, bauernbeunb maßvolle Grenze gesetzt habe. Es wäre ben Deutschen möglich gewesen, insgeheim weiter zu bauen, bis sie eine Flotte geschaffen hätten, bie gewaltiger gewesen wäre, als bie Flotte, bie es jetzt jemals besitzen könne. In britischen Augen sei eines der größten Verdienste des Vertrages sein Wert als Ausgangspunkt für weitere ähnliche Abmachungen. Das Verhältnissystem der Flottenverträge fei zusammengebrochen. Das englisch - deutsche Abkommen liefere eine Grundlage für die Bekanntgabe von Bauprogrammen für eine Reihe von Jahren. Ber- London, 9. Juli. Die Arbeiteropposition brachte im Unterhaus folgenden Mißtrauensantrag gegen die Regierung Baldwin ein: „Das Unterhaus bedauert, daß es der Regierung nicht gelungen ist, einen durch gearbeiteten Plan zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit hervorzubringen und das Problem der notleidenden Gebiete erfolgreich anzupacken." Der Abgeordnete Greenwood, der den Mißtrauensantrag begründete, schilderte die Lage der englischen Arbeitslosen in den schwärzesten Farben, die Zahl von 2 Millionen Arbeitslosen in England sei immer noch viel zu hoch. Die Zahl der unter das Armengesetz fallenden Personen habe sich sogar während der Amtszeit der Nationalregierung von 950 000 auf 1 620 000 erhöht. Ministerpräsident Baldwin erwiderte, daß Greenwood die Lage völlig einseitig dargestellt habe. Die Arbeitslosigkeit sei seit dem Amtsantritt der Nationalregierung um 1 Million fjcr» untergegangen; seit dem letzten Mißtrauensantrag seien 308 000 Menschen mehr beschäftigt. Die ungefestigte Lage in allen Ländern fei auf internationale Ursachen zurückzuführen, auf Währungsfragen und hundert andere Ursachen. Große Ausgaben für öffentliche Arbeiten seien nach Ansicht der englischen Regierung nur gerechtfertigt. Berlin, 8. Juli. (DNB.) Die Zeitschrift des Reichsverbandes der Ortskrankenkassen e. V. „Die Ortskrankenkasse" bringt einen Artikel des Reichskommissars für Preisüberwachung Dr. Goerde - l e r, in dem es u. a. heißt: Eine der wesentlichsten Aufgaben der Preisüberwachung ist, dafür zu sorgen, daß sich das Verhältnis zwischen Einkommen und Preisen nicht zum Nachteil des Kaufenden verschiebt. Es handelt sich nicht mehr nur um den Schutz des Verbrauchers gegen Steigerung der Kosten der Lebenshaltung, sondern es handelt sich darum, in der ganzen deutschen Wirtschaft das Verhältnis der Preise zur Gegenleistung sich nicht weiter in der Richtung verschieben zu lassen, daß die Gegenleistung immer höher wird. Daß die Krankenkassenbeiträge über den Stand vom Jahre 1933 hinaus erhöht werden, kommt überhaupt nicht in Betracht. Denn diese Erhöhung würde zu zwei Dritteln von den Mitgliedern, zu einem Drittel von den Arbeitgebern (Betrieben) getragen werden. Dem Arbeiter entzieht die Erhöhung der Beiträge einen Teil seiner für andere Lebensbedürfnisse bestimmten und bisher verwandten Kaufkraft. Diese Verringerung der Kaufkraft wäre unerträglich und schädlich, weil im allgemeinen die Löhne zu schmal sind. Sie würde nicht nur den Einzelnen schwer belasten, sondern ie würde auch ganz außerordentliche Verschiebungen zur Folge haben. Bei den Riesensummen der versicherungspflichtigen Gehälter und Löhne, die mit ungefähr 20 Milliarden Mark für das Deutsche Reich anzunehmen sind, bedeutet 0,5 v. H. schon 100 Millionen Mark, so daß auf feiten der Arbeitnehmer 66,67 Millionen Mark dem sonstigen Verbrauch entzogen werden. Die Beitragserhöhung, die den Betriebsführer unmittelbar in seinem Drittel belastet, kann ebenfalls volkswirtschaftlich jetzt nicht geduldet werden. Auf den Betrieben ruhen gerade jetzt, wo es notwendig ist, den Export zu steigern, erhöhte Lasten. Diese Lasten zwingen die Betriebe bereits, daran zu denken, die Verzinsung des in Handlungen zwischen Großbritannien und Deut sch la nd würden jehl eröffnet, um Bauprogrammeim voraus für die nächsten sechs oder sieben Jahre herzustellen. Um dieses gute Werk der Allgemeinheit sichtbar zu machen, sei es natürlich unbedingt notwendig, daß andere Ländereineähnliche Bereitschaftzeig- t e n, ihre Programme im voraus zu erklären. Die britische Regierung habe deshalb d 1 e französische Regierung sondiert'. Das deutsche Bauprogramm 1934/35 sei allen Signatarmächten des Washingtoner Flottenvertrages mitgeteitt worden. Das darauffolgende Programm habe aber die deutsche Admiralität nur der britischen Regierung bekanntgegeben, die ihr eigenes vorläufiges Programm Deutschland ebenfalls mitgeteitt habe. Rach dem in London zwischen Herrn von Ribbentrop und den britischen Unterhändlern erreichten Einvernehmen werde der Austausch künftiger Programme nur auf der Grundlage der Gegenseitigkeit erfolgen. Es stehe Frankreich daher vollkommen frei, die deutschen Baupläne bis 1942 kennenzulernen, wenn es zu Mitteilungen seiner eigenen Absichten bereit sei. Bisher scheine die französische Regierung hierzu leider nicht bereit zu sein, daher würden Besprechungen mit der französischen Regierung keinen Zweck haben. Es fei dringend zu hoffen, daß die französische Regierung den Vorteil erkennen werde, den eine freimütige und ausführliche Erklärung der fünf» tigen Flottenstärken für Frankreich selbst und für Europa haben würde. Die jetzige Lage gebe Frankreich eine Ueberlegenheit von 43 v. H. über die deutsche Flotte. Dieses Verhältnis könne Frankreich natürlich zeitweilig umstoßen, aber es sei schwer zu sehen, wie ein besseres Einvernehmen gefunden werden könne. Auf jeden Fall sei es wünschenswert, daß allerseits der äußerste Freimut bewiesen werde, und daß die Seemächte Europas eine entgegenkommende Geistesverfassung zeigten, im Sinne eines vereinbarten Bauens und nicht eines Gegeneinanderbauens. wenn sie der Industrie einen genügenden Antrieb geben, um das Land entsprechend zu entlasten, und wenn das entsprechende Arbeitsoolumen auch nach Einstellung der Ausgaben erhalten bleibt. Die Regierung hoffe, durch den Londoner Elektrifizierungsplan und durch die Aufrüstung der englischen Luftflotte auch für Arbeitslose dieser Gebiete Beschäftigung zu finden. Der Mißtrauensantrag der Arbeiterpartei wurde mit 450 gegen 76 Stimmen abgelehnt. Dies ist eine der größten Mehrheiten, die die Regierung je erzielt hat. Gemeinsam mit den Samuel-Liberalen stimmte auch Lloyd George. Er hatte während der Sitzung an Baldwin einen Brief geschrieben, in dem er sagt, er fasse die Rede des Ministerpräsidenten als eine Verwerfung seines (Lloyd George) wirtschaftlichen und finanziellen Reformplanes auf, und ersuche dayer um Entbindung von seinem Versprechen, die Vorschläge nicht bekanntzugeben, bevor die Kritik der Regierung darüber zur Veröffentlichung fertig sei. Baldwin versprach Lloyd George, die Angelegenheit heute dem Kabinett vorzulegen. Falls das Kabinett einverstanden ist, will Lloyd George seinen Plan Ende dieser Woche der Oeffentlichkeit vorlegen. ihnen arbeitenden Kapitals zu verringern. Geschieht das, so wird dieses Kapital selbstverständlich vorübergehend entwertet. Jeder, der solches Kapital besitzt, erleidet Verlust, aber nicht nur er, sondern d i e Gesamtheit. Denn die Steuern sinken entsprechend und mit der Verringerung der Zinsen werden wieder Verbrauchs- und damit Absatz- und Arbeitsmöglichkeiten verengt. Wenn eine Krankenkasse ihre bisherigen Ausgaben nicht deckt, so muß sie d ie Ausgaben verringern, genau so, wie die öffentliche Verwaltung jetzt nicht etwa die Steuern erhöhen kann, sondern ihre Ausgaben einstellen muß, wenn sie ihren Haushalt nicht im Gleichgewicht hat. Dem ist zuerst Rechnung zu tragen durch Verringerung der Verwaltungskosten. Zur Verfügung steht ferner die Möglichkeit einer Verringerung v an Leistungen, Und wenn alle diese Maßnahmen allein nichts nützen, dann werden auch die Vertragspartner der Krankenkassen einer solchen Lage Rechnung tragen müssen. Die Preisüberwachung wird alles tun, um die Krankenkassen vor einer Steigerung der Ausgaben, herrührend aus Preiserhöhung, zu bewahren. Das kann die Preisüberwachung insbesondere dadurch, daß sie die Krankenkassen vor Erhöhung ihrer sachlichen Derwaltungskosten und vor Erhöhung von Preisen der Arznei- und Heilmittel sowie der Krankenhauspflege schützt. Umfangreiche Fahrzeugbauten der Reichsbahn. Berlin, 9. Juli. (DNB.) Das' vom Verwaltungsrat der Reichsbahn genehmigte Fahrzeugbauprogramm für das erste Halbjahr 1936 sieht die Beschaffung von 2200 Fahrzeugen aller Art vor. 86 Dampflokomotiven für Schnellzugs- und Nebenbahndienste, 27 elektrische Lokomotiven für das umfangreich gewordene elektrifizierte Netz und 48 Kleinlokomotiven für den Verschiebe- dienst auf kleinen Bahnhöfen sollen den Lo k o - motivbestand ergänzen. Von den 53 Trieb- und Beiwagen für elektrifizierte Strecken sind 48 Wagen als Vermehrung für die Berliner 5-Bahn bestimmt. Zum weiteren Ausbau des Trieb« wagendienstes werden 106 Triebwagen und Bei« wagen mit eigener Kraftquelle der ver. schiedensten Bauart beschafft. Der Personen- wagenpark soll durch 268 V-Zugwagen und 142 sonstige Personenwagen, der Güterwagenpark durch 849 Güterwagen verschiedener Gattungen er- gänzt werden. Ferner werden 60 Gepäckwagen für O-Züge und 9 Bahndienstwagen in Auftrag gegeben. Der Bestand an Straßenkraft- sahrzeugen soll sowohl durch Personenwagen für den Verkehr auf den Reichsautobahnen wie durch Lastkraftwagen mit Anhängern, ferner durch Straßenfahrzeuge zur Güterwagenbeförderung nebst 10 Schleppern vermehrt werden. Aus aller Wett. Ein Ehrenmeister des deutschen Handwerks gestorben. In Köln-Kalk starb im Alter von 87 Jahren der Ehrenmeister des deutschen Handwerks Ferdinand L a m e r tz, der über 20 Jahre den deutschen Fleischerverband geleitet hat. Vor zwei Jahren hatte ihn der deutsche Handwerks- und Gewerbekammertag zum Ehrenmeister des deutschen Handwerks ernannt. Diese Würde war bis dahin außer dem Reichspräsidenten Generalfeldmarschall von Hindenburg nur drei Handwerksführern zuteil geworden. „Graf Zeppelin" wieder in der Heimat. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" kehrte am Dienstag von seiner 7. diesjährigen Südamerikafahrt mit 23 Fahrgästen an Bord nach Friedrichshafen zurück. Durch die Zusammenarbeit zwischen Luftschiff und Flugzeug ist die Reisezeit zwischen Europa und Südamerika wieder verkürzt worden, und zwar derart, daß die Fahrgäste des Luftschiffes fast mit der gleichen Geschwindigkeit reisen wie ein durch den deutschen Luftpostdienst zwischen Europa und Südamerika beförderter Brief. Die Grohglocknerspihe zum Raturschuhgebiet erklärt. Auf Grund einer Verordnung der Kärtner Landesregierung wurde der Grundbesitz des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins am Großglockner, die Großglocknerspitze, den größten Ostalpengletscker, die Pasterze und die sog. Dampfgrube umfassend, zum Naturschutzgebiet erklärt. Die Pläne, die im Anschluß an die Fertigstellung der Großglocknerstraße gefaßt wurden, eine Seilbahn auf den Großglocknergipfel zu errichten, dürften durch dieses Gesetz erledigt sein. Zwei Bergsteiger in den Berchtesgadener Bergen vermißt. Nach einer Mitteilung der Alpinen Rettungsstelle Berchtesgaden sind seit Dem 2. Juli zwei Bergsteiger im Gebiet des Hochkalter abgängig. Bis jetzt sind die Suchmannschaften erfolglos zurückgekehrt. Soweit festgestellt werden konnte, handelt es sich bei einem der Vermißten um den 20 Jahre alten Tischler Friedrich Goldhammer aus Dresden. Der Name feines Begleiters ist noch nicht ermittelt. Die beiden sind von der Blaueishütte, wo sie einen Rucksack hinterlassen haben, zu einer Tour über das Blaueis weggegangen und nicht mehr zurück- gekehrt. An der Randkluft des Blaueis-Gletschers wurde außerdem ein Rucksack und ein Eispickel gefunden. Lin Ehepaar in den Bergen tödlich verunglückt. Das seit dem 30. Juni vermißte Ehepaar Kurt und Maria Ruprecht aus Chemnitz ist jetzt tot aufgefunden worden. Ein Reichenhaller Bergsteiger, der die Goell-Westwand durchklettern wollte, fand die Leichen der beiden in der Nähe des Goell» Trichters. Wie das Ehepaar ums Laben gekommen ist, konnte noch nicht ermittelt werden, fest steht nur, daß es am 30. Juni über das Alpetal zum Goell-Gipfel aufgestiegen ist und diesen auch erreicht hat. Den Schwiegersohn niedergeschossen. — Selbstmord des Täters. Auf dem Grundstück der Baumschule ßorberg in Biesenthal (Brandenburg) ereignete sich eine schwere Bluttat. Der 62jährige Adolf Steffen schoß auf seinen 31jährigen Schwiegersohn Heinz Lor, berg, den Mitinhaber der Baumschule. Steffen brachte sich dann einen Kopfschuß bei, an dessen Folgen er bald darauf v erstarb, ßorberg hat einen schweren Halsschuß erhalten. Der Grund zur Tat dürfte in oermögensrechtlichen Auseinandersetzungen zu suchen sein. Hinrichtung eines Mörders. In Osnabrück wurde der 1912 geborene Adolf ß o o f e hingerichtet, der am 22. März 1935 vom Schwurgericht in Osnabrück wegen Mordes und Notzucht zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt worden war. ßoose hat am 4. Februar 1935 die neunjährige Tochter seines Arbeitgebers, die er seit längerer Zeit fortgesetzt mißbraucht und schon einmal zu töten versucht hatte, auf dem Schulwege überfallen, gewürgt, die Bewußtlose genotzüchtigt und dann erdrosselt. • Festnahme eines Mörders. Durch die Polizeiverwaltung Göttingen wurde jetzt der Mörder des Schlossers Ranft, Paul D i t t r i ch, festgenommen. Dittrich hatte am 1. Juli in Halle Ranft, seinen eigenen Schwager, auf offener Straße niedergeschossen. Kreuzer „Dubrownik" gegen Haifische eingesetzt. Im Hafen von Fiume sind auf südslawischem Gebiet zwei junge Männer verschwunden, die mit einem Faltboot auf das Meer hinausgefahren waren. Sie hatten die Absicht, nur eine Stunde auszubleiben, sind aber nicht mehr zurückgekehrt. Man befürchtet, daß sie den Haifischen zum Opfer gefallen sind, die schon seit einiger Zeit die dortigen Gewässer unsicher machen und erst vor kurzem ein Mädchen beim Baden angegriffen und getötet haben. Die südslawischen Behörden haben Maßnahmen getroffen, um die Untiere -unschädlich zu machen. Hieran wird sich der Kreuzer „Dubrownik" beteiligen. Englands Kamps gegen die Arbeitslosigkeit. Große Mehrheit für Baldwins Politik. — Ooyd Georges Reformplan wird veröffentlicht. Preisüberwachung und Krankenkassen. Em Aufsatz des Reichskommiffars Or. Goerdeler. Man bezeichnet häufig Die Fischerei als G e - werbe. Aber das ist ein Ausdruck, der die Eigenart der Fischerzeugung durchaus nicht trifft. Denn der Fischfang ist grundverschieden von der nur durch den Absatz bestimmten gewerblichen Produktion. Könnte die Fischerei wie ein Gewerbe arbeiten, so würde sie den Verbrauchern das ganze Jahr über gleichmäßig die benötigten Fische anbieten. Das ist jedoch durchaus nicht der Fall, im Gegenteil ist die Fischerei von dem geheimnisvollen Walten der Kräfte der Natur abhängig und sie steht daher der Landwirtschaft in ihrem Wesen viel näher. Die Jahreszeiten geben hierfür zahlreiche Beispiele und Beweise. Während im Frühsommer das Angebot an Heringen knapp war, hat jetzt im Juli ein großer Fang eingesetzt. Der Fischer spricht von der neuen „Schleppnetz- Herings-Saiso n". Und auch der Verbraucher spürt, daß auf einmal das Meer wieder gebefreudig geworden ist und im reichen Maße seine Schätze spendet. Denn in allen Fischgeschäften und Feinkosthandlungen werden jetzt wieder frische Heringe und Bückinge reichlich und preiswert angeboten. Da liegt die Frage auf der Hand, wo kommen nun diese Heringe so plötzlich her, und wie werden sie von unseren Fischdampfern gefangen? — Wenn der Hering seine Laichreife erlangt hat, beginnt er im Sommer sich zu großen Schwärmen zu- s a m m e n z u z i e h e n, die in der Nordsee von Norden nach Süden wandern, um in einer monatelangen Wanderung die Laichplätze a u f 3 u = suchen. Die mit dem Grundschleppnetz fischenden Fischdampfer hatten schon immer gelegentlich Zufallsfänge an Heringen gemacht, wenn das Netz beim Aufziehen in einen Heringsschwarm geriet. Ebenso hatte die Wissenschaft in jahrelanger Arbeit die Rätsel der Lebensweise des Herings gelöst. Aber man hatte früher keine Möglichkeit, den Hering planmäßig in größeren Mengen zu fangen. Man hatte festgestellt, daß im Gegensatz zu den anderen Seefischen sich der Hering nicht am Meeresgrund aufhält, sondern in höheren Masse r s ch i ch t e n lebt. Damit war die Aufgabe gestellt, ein Schleppnetz zu konstruieren, mit dem man mit Sicherheit diese Heringsschwärme fassen konnte. Nach verschiedenen zum Teil vergeblichen Versuchen gelang es nach dem Kriege einem Kapitän, eine brauchbare Konstruktion zu schaffen. Die Hochseefischerei erkannte schnell die Vorteile dieses neuen Netzes, und nach seiner allgemeinen Einführung nahm der Heringsfang durch die Fischdampfer einen enormen Aufschwung. Es wurden solche Mengen erbeutet, daß trotz des niedrigen Preises je Pfund die Ergebnisse der Fangreisen den Fischdampfern eine gute Rentabilität sicherten. Heute liegen die Dinge so, daß während der Schleppnetzheringssaison weitaus die meisten Dampfer auf Heringe fischen und nur so viel Dampfer zum Fang von frischen Seefischen auslaufen, um den im Sommer verringerten Bedarf an Konsumseefischen gerade noch zu decken. Die Fanggründe der Schleppnetz-Herings-Fische- rei — und das ist auch ein Vorteil — sind bei weitem räumlich nicht so ausgedehnt wie die Fanggründe für Konsumseefische. Außerdem liegen die Fanggründe für den Hering noch wesentlich günstiger zu den deutschen Fischereihafenplätzen, so daß die Reisedauer erheblich kürzer ist. Der Fang beginnt im Juni und Juli auf dem Fladengrund und wird hier im August und zuweilen noch bis in den September und Oktober hinein fortgesetzt. Im September werden zumeist die Gründe südlich vom Fladengrund, das Gat und der nördliche und westliche Dogger aufgesucht. Hier bleibt in normalen Jahren die Flotte im Oktober und November. Die Fangergebnisse sind oft so gewaltig, daß der normale Bedarf an Bückingen bei . weitem nicht ausreicht, um den frischen Hering zu verwerten. Dayer gehen auch erhebliche Mengen ins Binnenland zum Frischverbrauch, ein weiterer großer Teil wird zu Salzhering verarbeitet und schließlich werden gewaltige Mengen zu den bekannten Marinaden, jo sogar auch zu st e - rilen Dauerkonserven in Oel verarbeitet. Dieser Massenfang an Heringen vom Juli bis November hat auch eine nicht zu unterschätzende allgemeine wirtschaftliche Bedeutung. Denn in dieser Zeit kann die Versorgung des deutschen Volkes mit Heringen vollständig aus deutschem Aus Den preußisch« Jahresversammlung Der Historischen Kommission für Hessen und Waldeck. Lpd. Marburg, 9. Juli. Die Historische Kommission für Hessen und Waldeck hielt ihre 38. Jahresversammlung im Senatssaal der Universität Marburg ab. Der Vorsitzende, Universitätsprofessor Dr. Stengel, erstattete den Jahresbericht. Aus der Arbeit der Historischen Kommission ist folgendes hervorzuheben: Im vergangenen Jahr wurde ein Werk veröffentlicht. In Vorbereitung sind das Hersfelder Urkundenbuch, das Wetzlarer Urkundenbuch, Quellen zur Vorgeschichte der Reformation, Quellen zur kurmainzischen Verwaltungsgeschichte in Hessen, weitere Teile des geschichtlichen Atlas von Hessen und Nassau, geschichtliche Fluraufnahme, das hessische Münzwerk, die hessischen Biographien, hessisches Dorf- und Höfebuch. Universitätsprofefsor Dr. Merhart von Bernegg hielt einen Vortrag über das Steinkistengrab von Altendorf. MotorraDfahrer von einem Fernlastzug schwer verletzt. Lpd. Dillenburg, 9. Juli. Als am Dienstagnachmittag der 30 Jahre alte Motorradfahrer Alex Preis aus Niederscheld die Unterführung bei Niederscheld passiert hatte und in die Schelder Land- traße einbiegen wollte, wurde er von einem Fernastzug erfaßt und zu Boden geschleudert. Er zog ich schwere Verletzungen zu, die seine Ueberführung ins Krankenhaus notwendig machten. Der Fahrer des Fernlastzuges wollte den Unfall im letzten Augenblick vermeiden und stieß hierbei an einen Telegraphenmast, wodurch besonders der Anhänger des Lastzuges stark beschädigt wurde. Auch ein Teil der aus Herden bestehenden Ladung wurde erheblich beschädigt. Kreis Dehlar. CD Krofdorf-Gleiberg, 9. Juli. Dieser Tage hielt die Ortsgruppe Krofdorf des N S. - Deutschen Frontkämpferbundes bei Gastwirt Weil in Krofdorf einen Kameradschaftsappell und Schulungsabend ab. Kam. B i n d e w a l d sprach sehr eingehend über Fang sichergestellt werden, so daß die Einfuhr so gut wie entbehrlich und dadurch in erheblichem Maße Devisen gespart werden. Allerdings begrenzt die Gebundenheit der Fischerei an die natürlichen Voraussetzungen auch hier die Dauer der Selbstversorgung, denn vom November ab sind die Heringsschwärme unseren Fischdampfern nicht mehr zugänglich. Dann muß der Bedarf wieder fast ausschließlich durch ausländische Heringe gedeckt werden. Aber im ganzen sind wir doch schon so weit, daß jeder zweite Hering von deutschen Fischdampfern gefangen ist. Der Wert des Herings sowohl frisch wie als Bücking und marinierter Hering als ein leichtbekömm- liches, gesundheitförderndes, preiswertes und wohlschmeckendes Lebensmittel ist heute allgemein erkannt. Aber der Verbrauch sollte noch weiter steigen, besonders in einer Zeit, in der jeder Bedarf aus deutschen Fängen ohne Beanspruchung von Devisen gedeckt werden kann. Denn wie viele tausend Arbeiterinnen die Fischindustrie einstellen kann, hängt nicht vom Hering ab, denn der ist genügend vorhanden, sondern einzig und allein vom Verbraucher! den Versailler Vertrag und seine vielfältig unser Volk schädigenden Einflüsse. In einer Fülle der Beispiele, an Hand eines umfangreichen Zahlenmaterials, geschöpft aus genauer Kenntnis des Vertrages, gab der Redner ein Bild von jenem Diktat, das Deutschland restlos in das Verderben stürzen sollte. In feinen weiteren Ausführungen wies der Redner darauf hin, daß der Führer in feiner letzten Reichstagsrede in rückhaltloser Offenheit gezeigt habe, wie sich die Dinge bis auf den heutigen Tag entwickelten. Das neue Deutschland werde unbeirrt feinen Weg gehen: Abkehr von Versailles! Ein Stein sei aus dem Band der Zwingburg des Versailler Vertrages gebrochen: Adolf Hitler gab feinem Volke die allgemeine Wehrpflicht und damit feine Ehre wieder. Der höchste Besitz eines Volkes fei feine Ehre. Diese Ehre stehe und falle mit der Wehrmacht der Nation. Nur Wille und Kraft zur Verteidigung erhielten den Frieden. Deutschland sei nicht mehr bereit, sich resigniert dem vermeintlichen Untergang des Abendlandes zu fügen. Deutschland wolle sein Teil dazu beitragen, die Auferstehung des alten Kontinents vorzubereiten. An den andern Völkern Europas fei es nun, ZU beweisen, daß auch sie sich nicht ausschließen wollten. Mit begeistert aufgenommenem Dank an den Führer und mit dem Gesang des Deutschland- unb des Horst-Wessel-Liedes schloß der anregend verlaufene Abend. * Mudersbach, 9. Juli. Wie schon stets in den vergangenen Jahren, so unternahm die Belegschaft der Zigarrensabrik Mudersbach (Firma I. B. Noll) dieser Tage ihren Ausflug. Die Fahrt führte in Kraftwagen über den Westerwald an den Rhein. Eingehend wurden die Feste Ehrenbreitstein, dann Koblenz und das Deutsche Eck besichtigt. Die Fahrt wurde dann rheinaufwärts bis Bingerbrück fortgesetzt, in Rüdesheim Aufenthalt genommen und dann dem Niederwalddenkmal ein Besuch abgestattet. Nach kurzer Einkehr in der Drosselgaß und im Felsenkeller wurde in bester Stimmung die Heimreise angetreten. Auf der Heimfahrt wurde in Wiesbaden, am Kochbrunnen, noch kurze Rast gemacht, lieber Limburg, Herborn kam man schließlich wieder in Mudersbach an. Für die Belegschaft war die Teilnahme an dem diesjährigen Ausflug um so leichter, als die Firma die Hälfte Der Fahrtkosten auf ihre Kasse übernommen hatte. SO.MitglieDerversammlungDesDereins Deutscher Rosenfreunde in Mainz. Mainz, 7. Juli. (LPD.> Im historischen Aka< Demiefaal des Kurfürstlichen Schlosses fand die 50. Mitgliederversammlung des Vereins Deutscher Rvsenfreunde in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste statt. Der Präsident des Vereins Deutscher Rosenfreunde, Hans Eckert (Würzburg) begrüßte die Gäste und fand besonders herzliche Worte für die Vertreter aus dem nunmehr wieder befreiten Saarland. Professor Dr. Ebert (Berlin) überbrachte die Grüße des Sonderbeauftragten für das Gartenbauwesen und Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Gartenkultur, Johann Boe11ner. Gleichzeitig überreichte er dem Präsidenten des Vereins als persönliche Stiftung für die Zentralstelle für Rosenforschung in Sangerhausen ein dreibändiges Lexikon Der einzelnen Rosensorten. Nach Dankesworten gab der Präsident unter dem Beifall der Anwesenden bekannt, daß der Verein den Präsidenten Boettner und Professor Ebert wegen ihrer Verdienste um das Gartenwesen und insbesondere um Die Rose, sowie Den Oberbürgermeister Der Stadt Mainz zu Ehren- mitgüeDern ernannt habe. Ein LichtbilDervortrag über Die Gestaltung von Rosengärten sowie zwei Fachreferate beschlossen Die MitglieDerversammlung. Mainzer Schlachtviehmarkt. Mainz, 9. Juli. Auftrieb: 5 Ochsen (zum Schlachthof Direkt 1), 12 (2) Bullen, 242 (9) Kühe, 66 (6) Färsen, 220 (34) Kälber, 738 (21) Schweine. Notiert rourDen pro 50 kg Lebendgewicht in RM.: Ochsen a) 42, b) 40 bis 41. Bullen a) 42, b) 40 bis 41. Kühe a) 42, b) 36 bis 41, c) 29 bis 35, d) 21 bis 28. Färsen a) 42, b) 40 bis 41, c) 38 bis 39. Kälber b) 50 bis 56, c) 41 bis 49, d) 31 bis 40. Schweine al) 51 bis 52, a2) 50 bis 52, b) 49 bis 51, c) 46 bis 50. Marktverlauf: Rinder und Schweine lebhaft, ausverkauft. Kälber belebt, geräumt Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt Der Abbau Des noch gestern über Der Nordsee liegenden Hochdruckgebietes hat zur Ausbildung eines flachen Hochdruckrückens geführt. Der sich von Skandinavien südwärts bis nach Italien erstreckt Unter Dem Einfluß des Hochdruckgebietes hält bei uns das heitere Wetter zunächst noch an. Doch kommt es später mit Dem Vordringen etwas kühlerer Meeresluft vom Westen her unter Bewölkungszunahme zum Auftreten gewittriger Störungen. Aussichten für Donnerstag: Noch meist heiter bei schwachen wechselnden Winden, Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad Celsius, schwül und besonders im Süden gewittrige Störungen. Aussichten für Freitag: Im ganzen Fortdauer des warmen und zeitweise etwas wolkigen und zu gewittrigen Störungen neigenden Detters. Temperaturen am 9. Juli, mittags 26,5 Grad Celsius, am 9. Juli, abends 17,3 Grad, am 10. Juli, morgens 16,3 Grad; Maximum 27,2 Grad, Mini- mum 11,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Juli, abends 24,3 Grad, am 10. Juli, morgens 19,7 Grad; Sonnenscheindauer 14,5 Stunden. uns sofort mitzuteilen <894 D Juli 1935. 4034 D [Vermietungen 11 Mietgesuche | 02935 Garage [Wohnungstausch | I su tauschen ges. Marburg (Universitätsstr. 27), Gießen (Schillerstr. 26), den 8. Die trauernden Hinterbliebenen; Elisabeth Müller, geb. 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E- sch 9e| Ult 3u tkg her jja I Nr. 158 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Mittwoch, lÜ.Zuli 1955 Aus der Provinzialhauptstadt dienstpflicht der Reichszeitung „Deutscher Arbeits- I dienst" (Verlag Deutscher Arbeitsdienst, Berlin SW Der Reichsorganisationsleiter der NSDAP, und Reichsleiter der Deutschen Arbeitsfront Dr. Robert Ley veröffentlicht in der Sondernummer Arbeits- Ein ganzes Schaffensjahr hat Felix Lützken- darf seinem Drama „A l p e n z u g" geopfert; er nennt es im Untertitel „Ein Schauspiel vom Untergang der Kaiser und von der heiligen Ewigkeit des Reichs". — In einigen Monaten wird I. Wies- s a l l a sein Lustspiel „Ohne Gesicht" abgeschlossen haben, während das neue Lustspiel von Bruno Wellenkamp unter dem Titel „Ein Geschenk des Himmels" bereits vorliegt. Alfred Möller arbeitet gleichzeitig an zwei neuen Werken — gemeinsam mit Hans Lorenz an einem Gesellschaftslustspiel, das im Herbst bereits zur Uraufführung gelangen soll, und an einer großen Operette, zu der Horst P l a t e n die Musik schreibt. Von dem mecklenburgischen Dichter Friedrich Griese werden wir laut eigener Aussage in der kommenden Spielzeit kein neues Werk erleben, während Siegmund Graff, seit Jahren schon einer der erfolgreichsten deutschen Bühnendichter, erst im Herbst einen dramatischen Stoff anzugreifen und auszuführen gedenkt, der ein ernstes Thema behandelt. H. W. C. as gibt es Aeues in der kommenden Spielzeit? Arbeiten und pfäne der deutschen Dramatiker. Wege, deren Richtung allein der über allem Planen und Geschehen stehende Grundsatz „Gemeinnutz vor Eigennutz" wies. Das Reichserbhofgesetz riß das Bauerntum aus den verderblichen Klauen des Kapitalismus. Das Reichsnährstandsaesetz hat mit seiner Marktordnung die wichtigsten Gebiete der Ernährung erfaßt und geordnet zum Segen und Nutzen für Bauer und Städter. Die Mehrerlöse der Landwirtschaft — die Einnahmen stiegen im Jahre 1933/34 von 6,5 Milliarden Mark auf 7,2 Milliarden Mark und im Jahre 1934/35 sogar auf 8,2 Milliarden Mark — sind im wirtschaftlichen Kreislauf starke Antriebe für die Arbeitsbeschaffung geworden, wie auch die Erhaltung der Kaufkraft der Verbraucher arbeitserhaltend und arbeitsbeschaffend gewirkt hat. So hat die nationalsozialistische Agrarpolitik das Ihre getan, auf dem Weg zur Rettung des deutschen Bauerntums im gleichen Schritt und Schritt mit der Beseitigung der Arbeitslosigkeit vorwärts zu kommen. So wollen wir als Städter, wenn wir im Urlaub aufs Land kommen, das unsere dazu beitragen, das Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Schicksalsverbundenheit von Stadt und Land zu stärken und zu vertiefen. Deutsche Arbeitsfront. Verwaltungsstelle 19, Gießen. Wir weisen unsere Mitglieder nochmals darauf hin, daß der Einzug der Mitgliedsbücher zwecks Umschreibung bevorsteht. Sämtliche Rückstände müssen bis zum Einzug der Bücher entrichtet sein. Mitgliedsbücher, welche größere Rückstände aufweisen, werden wertlos. Wir bitten unsere Mitglieder, ihre Mitgliedsbücher auf den Rückstand zu prüfen und evtl. Rückstände bei den Ortsgruppen durch Nachzahlung aufzuholen. Die Gießener Ortsgruppen der DAF. haben wie folgt Sprechstunden: Gieß en-Mitte: Goethestraße 29: Montag, Donnerstag, Freitag von 17 bis 21 Uhr. Gießen - Nord, Ederstraße (Wirtschaft Nohl): Montag und Freitag von 17 bis 21 Uhr. Gießen-Süd, Frankfurter Straße 23: Montag, Mittwoch, Freitag von 17 bis 21 Uhr: Gießen - Ost: Licher Straße 17: Freitag von 19 bis 21 Uhr. Arbeitsdienst-Oas Gesicht der Nation. Besinnlichkeit im Urlaub. VA. Besinnlichkeit — dieses Wort liegt uns ebenso fern wie Postkutschenzeit und Tagebuchschreiben und will ebensowenig in unsere Zeit passen wie diese. Und trotzdem ist nichts dienlicher und förderlicher für uns selbst, als von Zeit zu Zeit etwas Besinnlichkeit zu üben. Keine Zeit ist wohl besser dazu angetan als der Urlaub, den wir uns in einem arbeitsreichen Jahre verdient haben. Schon mit dieser Feststellung besinnen wir uns, wenn auch nur auf uns und unseren Wirkungskreis. Wir stehen aber nicht allein in Deutschland, wir arbeiten auch nicht um unserer selbst willen, sondern Unsere Arbeit, ja überhaupt unser Dasein haben nur Zweck und Inhalt, wenn wir sie als Teile eines großen Ganzen, unseres Volkes nämlich, auffassen. So darf auch unsere Besinnung nicht ^bei unserem engeren Wirkungskreis stehen bleiben, sondern muß sich weiter erstrecken auf unseren gesamten städtischen Lebensraum und darüber hinaus auf den anderen großen Lebensraum unseres Volkes, das Land. Stadt und Land, diese beiden großen Lebens- und Schaffensräume in Deutschland und ihr Verhältnis zueinander bestimmen das Schicksal unseres Volkes. Keiner ist ohne den anderen denkbar; denn wir wollen ja das Rad wirtschaftlicher und kultureller Entwickluna nicht zurückdrehen, — keiner kann ohne den anoeren leben. Auch hier gibt uns der Urlaub die beste Veranlassung, uns auf das zu besinnen, was uns das Land und das Bauerntum bedeuten, denn wohin wir auch fahren, immer wird uns unsere Reise durch Felder und Fluren führen, wo wir den Bauer bei seiner schwersten und auch schönsten Arbeit, dem Einbringen der Ernte, sehen. Vor zweieinhalb Jahren war es, als der Führer das bis dahin durch Mißverständnisse und bewußte Hetze völlig zerstörte Verhältnis zwischen Stadt und Land auf die naturgegebene Schicksalsverbundenheit zurückführte, indem er die Beseitigung der Arbeitslosigkeit und die Rettung des deutschen Bauerntums als zusammen zu lösende, vordringlichste Aufgaben des jungen Staates herausstellte. Mit dieser, im Sinne des Aufbaus einer wahren Volksgemeinschaft unentbehrlichen Verkoppelung der Interessen von Stadt und Land war auch eine völlig neue Methode der Lösung beider Aufgaben notwendig. Mit den bisherigen agrapolitischen Methoden der Preiserhöhung, des Zollschutzes oder Kontingentierung hätte man wohl für den Augenblick der Landwirtschaft schneller und leichter helfen können, aber nur auf Kosten der städtischen Verbraucher und ihrer Kaufkraft, auf die Dauer also auch zum Schaden der Landwirtschaft. Deshalb ging die nationalsozialistische Agrarpolitik grundsätzlich neue I feit". „Irrfahr t", ein dramatisches Gleichnis in vierzehn Szenen, nennt Paul Beyer fein in der nächsten Spielzeit herauskommendes Bühnenwerk. Jochen Huth wird sein neuestes Stück vermutlich „Der siebente Tag" taufen. Hier bemüht sich der Dichter, den Typ des Angestellten zu zeichnen und gleichzeitig auch anzugreifen, der sein alltägliches Leben einem Traum vom Leben opfert, für den er ein Jahr lang spart, um dann im Urlaub nur diesem Phantom zu leben. Seit Greta Garbo die schwedische Königin Christine im Film verkörperte, beschäftigt die seltsame Gestalt die Dichter, auch die Dramatiker wieder: Sie wird nun auch die Hauptfigur und Heldin des neuen Stücks von Roland Schacht fein, das den Konflikt zwischen Staatsmann und Individuum in moderner Prosa zu gestalten bemüht ist. Noch hallen in der deutschen Kulturwelt die grundlegenden Ausführungen des Reichsminifters Dr. Goebbels nach, die er anläßlich der zweiten Reichstheaterwoche in Hamburg der Oeffent- lichksit unterbreitete —: hier ward neben grundlegender Kritik Richtunggebendes und Zukunftweisendes dem seit Beginn des Dritten Reiches in ebenso ernster wie notwendiger Umschichtung befindlichen deutschen Theater so gut wie den deutschen Dramatikern dargeboten — ähnlich, wie es Minister Goebbels in seiner Ansprache an die in seinem Ministerium versammelten Vertreter der preisgekrönten Abteilungen des Arbeitsdienstes tat, die sich an dem Wettbewerb „Die Lagerbücherei" beteiligt hatten —: „Wir müssen auch jene Manuskriptschreiber und Dichter haben, huf die die Nation niemals verzichten kann, wenn sie nicht überhaupt auf den Rang eines Kulturvolkes verzichten will!" — und ähnlich, wie es der Präsident der Reichsschrifttumskammer Hans Friedrich B l u n ck im Namen der von Deutschland zur Dreihundert- Jahrfeier der „Academie fran^aise“ nach Paris entsandten Vertreter eindrucksvoll verkündete. Anläßlich dieser mehrfachen Darlegungen und Forderungen von berufenster Seite scheint es doppelt interessant, sich mit den derzeitigen Plänen der deutschen Dramatiker für die kom- menbe Spielzeit zu befassen, von denen man aufschlußreiche Einzelheiten durch „Die Deutsche Bühne", das amtliche Organ des Deutschen Bühnenvereins erfährt. Der Präsident der Reichsschrifttumskammer, Hans Friedrich Blunck selbst, ist mit feiner Arbeit für die kommende Wintersaison 1935/36 der deutschen Bühnen bereits fertig —: es handelt sich um eine Neugestaltung feines im Jahre 1920 entstandenen Schauspiels „D i e Frau im Tal", dem sich damals die in verzweifelter Richtungslofigkeit umher- tastenden deutschen Theater versagten. Wilhelm v. Scholz ist dabei, ein Drama des großen Spaniers Calderon einer Nachdichtung zu unterziehen. Mit einer umfangreichen Produktion wartet Friedrich B e t h g e, der Dramaturg der Städtischen Bühnen in Frankfurt, auf —: fertig zur Uraufführung ist das Drama „Pfarrer Pede r", das in Anlehnung an eine Novelle Strindbergs die Zerstörung einer harmonischen Pfarrerehe durch die Einführung des Zölibats schildert; gleichzeitig wird die Komödie „Die Blutprobe" den Bühnen angeboten, die an angebliche Kindervertauschungen in einem Krankenhaus anknüpft. In einer Neufassung wird man ferner fein starkes Schauspiel „Der Hungermarsch der Veteranen" erleben, und zwar entweder unter dem Titel „Ritter vom Georgskreuz" ober „Solbatenrecht", welche Titel von ben interessierten Bühnen in Vorschlag gebracht würben. Dies Drama wirb noch im kom- menben Monat auch als Buch im Verlag Albert Langen / Georg Müller herauskommen. Cäsar v. A r x, ber auf beutschen Bühnen längst heimische schweizer Dichter, arbeitet an einem historischen Schauspiel „Der heilige Helb" unb gleichzeitig an einer Komöbie „Vogel, friß ober st i r b !", bie in ber Zeit vor bem russischen Felbzug Napoleons spielt. Der preisgekrönte Dramatiker Hans Christoph Kaergel, innig verwachsen in seinem Schaffen mit seiner schlesischen Heimaterbe unb ihren Dolks- unb Blutkräften, wirb zunächst bas soeben fertig« gestellte Märchenspiel „Rübezahl" veröffentlichen, bas namentlich als ein Heimatgebunbenes Naturspiel für bie Weihnachtszeit gebucht ist. Daran soll sich noch ein zweites Spiel aus ber schlesischen Heimat schließen. Ebenfalls zwei neue Werke werben bei Beginn der neuen Spielzeit von Hans Fritz v. Z w e h l vorliegen, unb zwar bas Drama „Zwischen den Reichen" und das Versdrama „Unsterblich- 11, Dessauer Straße 38) folgende Stellungnahme Zum Arbeitsdienstpflichtgesetz: „Der Arbeitsdienst ist bas Gesicht bes nationalsozialistischen Deutschlanbs. Die roiebererftanbene Nation nahm freiwillig dieses Opfer spontan zu ihrer höchsten Pflicht. Noch nie ist ein Gesetz so wahrhaftig ein tief empfundenes Volksgesetz gewesen, wie das Gesetz über die Arbeitsbienstpflicht." 3n bem gleichen Heft nimmt ber Adjutant bes Reichsarbeitsführers H i e r l zur Arbeitsbienstpflicht wie folgt Stellung: „Die Krönung unserer bisherigen Arbeit haben wir am 26. Juni dieses Jahres erlebt. Der Sieg sei uns Ansporn unb Verpflichtung. Während bisher staatliche Institutionen vom Nationalsozialismus durchdrungen wurden, stellt der Arbeitsdienst die erste rein nationalsoziali- stische Einrichtung bar, die als Ganzes in unfern Staat eingebaut wird. In dieser Haltung wird der Reichsarbeitsdienst seine weiteren Aufgaben anfassen. Klein unb bescheiden hat ber Freiwillige Arbeitsbienst angefangen, groß unb bescheiden soll ber Reicksarbeitsbienst fein." Auch Oie Wehrmacht nimmt in diesem Heft aus berufenem Munde zur Frage Arbeitsdienst und Wehrmacht Stellung. Charakteristisch sind folgende Ausführungen: „Das Wehrgesetz unb bas Arbeitsdienstgesetz gehören beide in engster Gemeinsamkeit zu den Grundsätzen bes nationalsozialistischen Staates. In der Einheit von Arbeitsbienst und Wehrmacht ist das innerste Wesen bes neuen nationalsozialistischen Deutschlanbs am kennzeichnendsten ausgebrücft. Der Sozialismus bes Arbeitsdienstes findet im Sozialismus bes Solbatentums seine Vollenbung. Die Erkenntnis dieser gegenseitigen Verbundenheit muß das kameradschaftliche Verhältnis zwischen den Angehörigen des Arbeits- dienstes und der Wehrmacht bestimmen." In den Worten: „Für den deutschen Bauern gibt es keinen getreueren Mitkämpfer um die Verwirklichung bes Gebankens von Blut und Boden als den nationalsozialistischen Arbeitsmann", die in dem gleichen Heft in einem Aufsatz „Bauerntum und Arbeitsdienst" von einem der engsten Mitarbeiter des Reichsbauernführers Darre geschrieben wurden, liegt auch die enge Verbundenheit des Bauerntums mit dem Reichsarbeitsdienst. So gibt gerade dieses Heft, das eine Woche nach der Verkündung der Arbeitsdienstpflicht erscheint, einen tiefen und umfassenden Einblick in die harmonische Zusammenarbeit und die zwischen Arbeiter, Bauer und Soldat geschlossene deutsche Volksgemeinschaft, auf deren Schultern in Zukunft Deutschland sicher ruht. Oie Entscheidung im Rundfunk« sprecherwettbewerb. Sm Sendebezirk des Reichssenders Frankfurt am Main hatten sich rund 700 Personen zur Teilnahme am Rundfunksprecherwettbewerb gemeldet. Die einzelnen Kreise meldeten ihre besten Sprecher zum Bezirksausscheidungswettkampf nach Frankfurt am Main. Hier wurden unter 52 Sprechern die 10 Besten ausgesucht. Die gesamte Hörerschaft wird aufgefordert, von diesen 10 Sprechern ben Besten auszusuchen. Im Rahmen bes Bunten Abends, den der Reichssender Frankfurt am 13. Juli in Bad Homburg abhält, werden alle Hörer in der Zeit Zwischen 21 Uhr und 21.30 Uhr den Funkbericht dieser Sprecher am Lautsprecher hören können. Alle Rundfunkteilnehmer werden gebeten, bem Reichssender Frankfurt a. M. bis zum Dienstag, ben 16. Juli, mitzuteilen, wen sie für den besten Sprecher halten. Billige Sonberzüge nach Berlin. Anläßlich ber Großen Funkausstellung verkehren zu den großen Funktagungen verschiedene Sonberzüge aus bem Gau Hessen-Nassau nach Berlin. Es wirb ben Volksgenossen Gelegenheit geboten, am Samstag, ben 17. August, zu einem dreitägigen Aufenthalt nach Berlin unb am Sonntag, ben 18. August, zu einem fechstägigen Aufenthalt nach Berlin zu fahren. Die Fahrpreisermäßigung beträgt 75 v. H., die Teilnehmer zahlen also nur ben vierten Teil des normalen Fahrpreises. Anmeldun- H'mbeervstücker im Hochwald on Peter Bauer Hinter unferm Dorf locken die herrlichen Rand- roälber des Gebirges. Es ist eine Luft, auf ihren verschlungenen Pfaden höhenwärts zu klimmen unb dabei in vollen Zügen ben herben Ruch von Laub unb Erbe zu atmen. Ein Trauermantelpärchen faltert in tänbelnbem Liebesspiel, einander haschend und fliehend, ben verschütteten Weg vor mir her, ben zuweilen spärlich einfaüenbe Sonnenstrahlen golben durchgittern. Der gelbe Saum der schwarzbraunen Schmetterlingsflügel blitzt auf und verschwindet wieder. Beiderseits des Weges wuchert der Wildwuchs üppigster Kräuter und Sträucher, die Kühle und Feuchtigkeit lieben: Zwischen riesigen Sträußen von Farnwedel, bie weithin einen Walb für sich bilben, schießen, übermannshoch, bie scharfgerippten Schäfte bes Kälberkropfs hoch, unb Einbeere unb Tollkirsche heben bie Hexenbecher ihrer bunkel- Dioletten unb grünen Blüten, in denen sich verruchtes Gift kredenzt. Nesseln und Klebkraut lauern ebenfalls, wenn auch weniger tückisch und gefährlich, auf einen Eindringling, und ber widerhakige Hopfen, ber jeben Stengel umroinbet, ben er greifen kann, webt oft unburcAringliche Dickichte. Plötzlich riecht hinter einer Wegbiegung der Wind nach Himbeeren. Der köstliche Duft weht aus einer Lichtung, bie sich breit bis zu einem Fahrweg hinunter über ben Hang Bahn bricht. An ber schrägen Wanb klettern Männer, Frauen unb Kinder in einer Wirrnis von borstigen Hecken herum, deren grtne Ruten sich zu Girlanden und Bögen verschlingen, unter denen sie sich kaum zu bücken brauchen. Ihre Hände schimmern rot, als bluteten sie. Denn manche von den prallen Beeren sind überreif, so daß selbst bei behutsamem Lösen ber Frucht von bem weißen kegelförmigen Zäpfchen der Saft die samtzarte Haut sprengt. Während an den grünen Schößlingen die Beeren wie rote Lippen lachen, tragen bie braunen unb verholzten Stecken nur kleine Früchte mit milchigem Belag. Es war nicht genug Saft mehr ba, sie größer schwellen zu lassen, weshalb auch bie Blätter eingeschrumpft unb vergilbt finb. Aber bie weißen Eimer füllen sich bennoch rasch, unb zwei Knaben, bie sie holpernb unb ftolpernb zu einem Hanbwägelchen auf ben Fahrweg hinabtragen, bringen anbere zum weiteren Sammeln mit herauf. Ein Wolke von Duft zerfließt über bem Hang und weckt Gelüste nach wundersamen Erfrischungen aus Himbeermark und -saft. Oh, das herbsüße Aroma des Himbeereises und der Himbeer-Essenz, die einem Pudding oder einer Kreme erst den letzten Wohlgeschmack verleiht ober mit einer Sprubelmischung als lieblich munbenbes Getränk erquickt! Ich banke es heimlich bem Pfab, baß er sich schlangenhaft hinanwinbet unb im Gegenzug roieber» holt ben Blick zu ben Himbeerpflückern in ber Tiefe freigibt. Wie weiße Tauben nicken unb roenben sich die Kopftücher der Frauen bei ihrer emsigen Arbeit. Auch das Klirren der zurückfallenden Bügel, wenn die Eimer von da nach dort gestellt werden, klingt durch die Stille zu mir herauf. Und nun habe ich selbst ein Gebüsch mit prangenden Beeren entdeckt. Ich winke rufend hinab und zeige den belustigten Lachern, daß ich auch sammle — von der Hand in ben Munb. Goethe führt Regie. Aus neuen Urkunden über seine Spielte terta'tigkeit. Wenn bie Schauspieler es sich auch zur Ehre anrechneten unter ber Leitung bes Geheimrat Goethe spielen zu bürfen, so haben sie boch auch manch liebes Mal über ihren gestrengen Spielleiter geseufzt. Goethe beschränkte seine Kritik nämlich keineswegs auf bas geistige Erfassen einer Rolle unb bie Art bes Zusammenspiels, sondern er achtete auch auf die kleinste Aeußerlichkeit, um eine vorbildliche Gesamtwirkung der Aufführung zu erreichen. Ein beredtes Zeugnis für diese Genauigkeit sind die Theaterakten, in bie „Das Inselschrf f" bes Jnselverlags zu Leipzig einen Einblick gewährt. Währenb ber Proben unb bes Spiels zu „Don Juan" zeichnete ber Spielleiter Goethe unter an« berem auf: „Im zweiten Akt, wo es im Zimmer Nacht ist, muß genau angegeben werben, wenn bie Bebienten mit Fackeln hereintreten unb wie lange sie bleiben müssen; gestern wurden einige Szenen ganz unschicklich im Dunkeln gespielt." Unb später vermerkt er: „Auch finb bie Ketten roieber einmal anzustreichen unb babei zu beobachten, daß Leim genug unter die Farbe genommen werde, weil sonst die Menninge nicht hält." Auch mit den Gabeln der Hexen in einer Aufführung des von Schiller bearbeiteten „Macbeth" ist er unzufrieden. Zunächst wünscht er eine realistischere Darstellung in den Mordszenen. „In den Mordszenen würde es doch rötlich fein, daß Macbeth die Hände und die Dolche blutig hätte, ferner, daß man etwas Blutfarbe an den Händen der Lady sähe, wenn sie wieder aus dem Gemach kommt." Dann wendet er feine Kritik den Hexen zu: „Die an ber Seite ftehenben Hexen haben bie Gabeln nicht hoch genug in bie Höhe gehoben, wenn sie bas Mengen im Kessel vorstellen wollten." Dann macht er einen Vorschlag zur wirksameren Bemalung ber Gabeln: „Die Gabeln könnte man vergilben und roieber hie unb ba mit Grün anfärben, daß sie wie Bronze ausfehen." Nicht weniger Kummer macht ihm ber Umgang ber Spieler mit ihren Waffen. „Die Schwerter in ber Tragöbie und ber heroischen Oper sollten nicht auf der rechten Seite getragen werben," merkt er bei „Titus" von Mozart an, „benn bie Alten trugen ihre Schwerter so gut auf ber linken wie wir, unb bas Tragen berfelben auf der rechten ist von Kupferstichen genommen, die umgekehrt abgedruckt sind. Doch ist dieses gleichgültig. Allein ein anderes wünschte ich abgeschafft. Man trägt die Schwerter nämlich nur an Schnüren, so daß sie bei jeder Bewegung wie ein Perpendikel bammeln. Diesem könnte abgeholfen werden auf mehr als eine Weise; welches man weiterer Ueberlegung anheimgibt." Bei einer Aufführung der „Jungfrau von Orleans" erhebt Goethe bie Forderung: „Die Hanb nie auf ben Degengriff, sonst steht ber Degen hinten in bie Höhe wie eine Hanswursten-Pritsche." Auch' bei ben Kostümen ber Schauspieler erspäht Goethe bie kleinsten Fehler. So lesen wir in ben Aufzeichnungen zur „Zauberflöte" ben labet: „Dem Ma- ticzeck wird ersucht, ein ganz weißes Schnupftuch zu nehmen, sie hatte eins mit einer roten Kante." Um bie Verwanblung ber Szene nicht burch einen Koftümwechfel lange aufzuhalten, rät Goethe zu einem kleinen Trick. „Könnte Mab. Voß (Papa- gena) bas Tuch um ben Kopf etwa auf bie Weife an ber Kutte festnähen, baß es zugeknöpft aussähe, jeboch nicht wäre, bamit sie es vor der Verwandlung nicht aufzuknüpfen braucht." Bei einem anderen Schauspieler gefällt Goethe nicht bie Art, wie mit einem Mantel umgegangen wirb. „Herrn Unzelmanns Mantelspiel war nicht glücklich. Er zog ben Zipfel immer zu sehr mit ber einen Hanb aus, woburch ein unangenehmer Effekt entstaub." Unb ganz in Ungnabe fällt bei biefer Kritik bas Gewand bes Titus. „Das Unterkleid des Titus", merkt Goethe mißbilligenb an, „sollte nicht fleischfarben fein und bie Bordüre um dasselbe bedeutender. Jetzt sieht er gar zu nackt aus und, wenn er im gelblichen Mantel kommt, gar zu gespenfterhaft." Auch der Schreckenspforte in der „Zauberflöte" schenkt der Spielleiter feine Aufmerksamkeit. Er rät: „Mit der Schreckenspforte wollen wir's künftig so halten: daß Tamino und Pamina und an beiden Seiten ein Gewappneter auf die Pforte losgehen, dann zieht sich die Dekoration aus. einander, es kann in der Mitte eine schöne Gruppe geben, indem das Paar sich entsetzt einander in bie Anne fällt, bie Geharnischten sie burch gebietenbe Gebärde an ihre Pflicht erinnern, worauf denn jene rechts, diese links abgehen. Es wird nur über alles dieses eine kleine Verabredung mit dem Souffleur und dem H. Konzertmeister nötig fein." Zeitschriften. Das Juliheft der „Zeitwende" (Michern- Verlag, Berlin-Spandau) bringt eine Auseinander- fe|jung mit ber Lebensphilofophie von ßubroig Klages, in ber eine heute weit um sich greifenbe Stimmung ihre tiefste geistige Formulierung gefun« ben hat. Der zerfetzenbe unb vernichtenbe Geist einer mechanisierten, rationalisierten, zweckhaftbewußten Zivilisation, ben Klages leibenschaftlich bekämpft, weil er Raubbau am Leben unb Frevel an seinen Wunbern unb Geheimnissen begeht, ist ber Geist bes in vermessener Selbstherrlichkeit von Gott abgefallenen Menschen, nicht aber, wie Klages in einem grunblegenben Mißverstänbnis meint, ber Geist bes Christentums. Gerabe im christlichen Glauben ist ber von Klages konstruierte Gegensatz zwischen Leben unb Geist aufgehoben, benn der heilige, Geist Gottes ist „zugleich erfüüenbes, volles Leben" unb „bejaht bie Schöpfung in ihrer leiblichen unb seelischen Gestaltenfülle." Mitten in bas lebenbigste geistige Ringen ber Reformations- Zeit führt uns ein vollenbeter Essay von Rubo^k Thiel über Philipp Melanchthon, den Freund Luthers. Auch die feine, die tiefsten Fragen ber ehelichen Gemeinschaft zwischen Mann unb Frau be- rührenbe Erzählung „Der verschlossene Brief" bes fränkischen Dichters Gustav Sonbermann wirb be- berrscht von ber Gottesfrcme; nicht minber Heinrich Grimms Bauernroman „Der Preßreiter", der in diesem Heft seinen Abschluß findet. Sochschulnachrichten. Professor Dr. Erwin Schrödinger, Ordi- narius der theoretischen Physik an ber Universität Berlin, würbe auf seinen Antrag von ben amtlichen Verpflichtungen entbunben. Prof. Schröbinger stammt aus Wien unb wirkte seit 1927 als Nachfolger von Max Planck in Berlin. An ber Universität Bonn würben von ben amtlichen Verpflichtungen entbunben ber ordentliche Professor für Augenheilkunbe, Geh. Mebizinal- rat Dr. Paul Römer unb ber ordentliche Professor für technische Chemie unb Nahrungsmittelchemie Dr. Karl Kippenberger. gen zu diesen Zügen nehmen die Kreisrundfunkstellenleiter der NSDAP, und die Rundfunkbera- tungsstellen des Reichsverbandes Deutscher Rundfunkteilnehmer entgegen, die auch alle weiteren Auskünfte erteilen. ^OOalteSol-atenausdemKreisGießen erleben Ven Neichsknegertag Gastspiel des Schumann-Theaters im Stadttheater. _ vlb deutfche Rrbcit6front WiK.=6cmcinfchaft „Kraft durch kreüde Am Donnerstag, 11. Juli, gastiert das von seiner letzten Tournee in bester Erinnerung stehende Schumanntheater aus Frankfurt a. M mit vollkommen neuem und großem Varietsprogramm im Gießener Stadttheater. Die Preise der Plätze sind sehr niedrig gehalten, so daß es jedem Volksgenossen möglich sein wird, diese Vorstellung zu besuchen. Preise der Plätze sind: 0,60. 1,— 1,30 und 1,50 Reichsmark Karten sind u. a. zu haben im Vorverkauf im Musikhaus C h a l l i e r, Schokoladenhaus 5) u n t e m a n n , auf der Kreisdienststelle, Schanzenstraße 18, bet Ortswart Pg. Fritz Richter, Feuerbachstraße 10, und bei sämtlichen Betriebswarten der NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude" kdI.-Sonderzüge aus Kassel zum Gauturnfest in Gießen. Die NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", Gau Kurhessen, hat die Absicht, zu dem vom 2. bis 4. August stattfindenden Gauturnfest einen oder zwei Sonderzüge mit je 800 Teilnehmern , nach Gießen zu fahren. Da diese 800 bis 1600 Teilnehmer nicht alle in Gasthäusern untergebracht werden kör-nen, rechnet man stark mit der Gastfreundlichkeit unserer Gießener Mitbürger, besonders Lerer, die schon an KdF.-Fahrten teilgenommen haben. Wir bitten deshalb darum, die in nächsten Tagen wegen der Quartiere vorsprechenden Volksgenossen nicht abzuweisen und für das große Sportfest das gastliche Haus zu öffnen. Die Abführung der Gozialversicherunqsbeiträge. Das Gaupresseamt der Deutschen Arbeitsfront teilt mit: Es muß immer wieder festgestellt werden, daß Arbeitgeber ihre Pflichten auf dem Gebiete der Sozialversicherung nicht ernst genug nehmen. Verschiedentlich lassen sie die nötige Sorgfalt beim Abzug der Beitragsteile vom Lohn oder Gehalt vermissen oder lassen sich, besonders wenn sie mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben, vielfach verleiten, die Beiträge nicht oder nicht rechtzeitig abzuführen. Solche Arbeitgeber machen sich strafbar, und es werden neuerdings recht empfindliche Strafen verhängt. Wie aus den letzten Mitteilungen der Reichsversicherungsanstalt für Angestellte zu entnehmen ist, sind von den zuständigen Gerichten unter Auferlegung der Verfahrenskosten nach § 338 des Angestelltenversicherungsgesetzes ein Arbeitgeber zu 100 RM. Geldstrafe oder 25 Tagen Gefängnis und zwei Arbeitgeber zu insgesamt 90 Tagen Gefängnis rechtskräftig verurteilt worden, weil die Beitragsteile, die den Angestellten vom Gehalt abgezogen wurden, nicht entrichtet haben. Ferner wurde ein Arbeitgeber nach § 337 des Angestelltenversicherungsgesetzes zu 60 RM. Geldstrafe rechtskräftig verurteilt, weil er seinen Beschäftigten vorsätzlich höhere Beitragsteile abgezogen hat, als das Angestelltenversicherungsgesetz zuläßt. Dies möge als Warnung dienen. । ' ................. । r—■an Nach umfangreichen Vorarbeiten, Verhandlungen mit der Reichsbahn nach der Meldung der Teilnehmer des Kreisverbandes Gießen, die sich auf rund 1100 Kameraden belief, Verteilung der Festabzeichen, der Eßkarten und der Quartierkarten, lag fest, daß der Antransport durch zwei Sonderzuge, die für den Kreis Friedberg und Gießen beantragt waren, erfolgen sollte. Mit erstaunlicher Pünktlichkeit, trotz der alle fünf Minuten ankommenden Sonderzüge, lief der erste sogar zwei Minuten vor der Zeitangabe in Kassel- Wilhelmshöhe ein, mit 350 Kameraden und einigen Frauen aus unserem Kreise. Von Kreisführer Kamerad Bonhard begrüßt und geführt durch einen Amtswalter der Partei, wurde sofort zum Standquartier des Landesverbandes in der Adolf- Hitler-Schule marschiert. Leider lauteten die Quartierkarten fast alle auf Massenquartier, obwohl Bürgerquartier bestellt und bezahlt war. Die Kasseler Bevölkerung zeigte bald, daß sie sich mit den alten Soldaten volksverbunden fühlte und viele gaben nicht nur teerstehende Betten gerne her, sondern sie gaben ihr eigenes, ja sie boten sich noch nachts um 12 Uhr an und fragten im Zelt auf dem Ständeplah, das als Treffpunkt für den Abend bestimmt war, ob ein Kamerad noch da sei, der noch kein Quartier habe. So war es möglich, daß fast alle ein Bett fanden. Bei der frohen kameradschaftlichen Stimmung waren aber eine ganze Reihe von Kameraden da, die auf ein Quartier verzichteten. So herrschte auch in den Nachtstunden in Kassel reges Leben und Treiben. Unterdessen rollte Sonderzug auf Sonderzug an und so kam auch unser zweiter Zug mit 650 Kameraden pünktlich in Wilhelmshöhe an. Kreisführer Kamerad Bonhard war wieder zur Stelle und hatte im Parkschlößchen Kaffee bestellt und für seine schon seit seit teilweise 12 Uhr fahrenden Kameraden gesorgt. Frisch gestärkt ging es zum Antreteplatz in der Kölnischen Straße. Inzwischen waren auch die 88 Kameraden der Kameradschaft Gießen, die mit dem Auto nach Kassel kamen, in zwei großen Postomnibussen im verabredeten Standquartier bei Wei- dich, einem altbekannten Gießener Wirt, eingetroffen. Immer mehr Kameraden rückten an, um zum großen Aufmarsch der Karlswiese zuzustreben. Bald gewann das Bild feste Formen. Es bildeten sich die einzelnen Marschblocks. Jeder Kreisverband marschierte zunächst für sich. Vorneweg der Kreis- sührer, gefolgt von den Kameraden. In 12er-Reihen ging es der Karlswiese zu. Die Organisation war glänzend. Die Kameraden selbst staunten darüber und man merkte: hier war ganze Vorarbeit geleistet! Genau so war der Abmarsch. Der Landesverband Hessen war der erste, der das Feld verließ, so hatte auch unser Kreisoerband die Freude, bald an die Reihe zu kommen, er war der letzte des Landesverbandes, der mit tadelloser Richtung und strammem Exzerzierschritt am Bunüesführer vorbei- marschierte. Prachtvolle Bilder konnte man sehen. Rund 20 000 Fahnen flatterten im Winde, darunter allein aus Berlin und Brandenburg 5000, unser Landesverband war mit 3000 und der Kreisverband mit 65 erschienen. Am Adolf - Hitler - Platz trennte sich dann der Kreisverband, die einen marschierten nach dem Park Schönfeld, etwa 300 Kameraden, um sich an dem reichlichen und sehr guten Essen des Hilfzuges „Bayern" zu stärken, die anderen zogen es vor, sich selbst in den reichlich zur Verfügung stehenden Gaststätten und Zelten zu verpflegen. Die Kriegerkameradschaft Gießen hatte bei Weid ich für ihre 110 Kameraden Essen bestellt. Trotz Enge und Fülle vollzog sich alles recht rasch. Nachher strebte der eine zum Quartierwirt, der andere zog es vor, der Wilhelmshöhe und dem Herkules einen Besuch abzustatten. Andere wieder eilten zur Karlswiese, um den Vorführungen der Wehrmacht beizuwohnen. So war der Nachmittag für jeden nach eigenem Wunsch ausgefüllt. Abends traf man sich im Park Schönfeld zum Feuerwerk. Der erste Sonderzug am Sonntag ging schon wieder um 22.30 Uhr ab, der andere stand am Montag um 4.30 Uhr bereit. Die Kameradschaft Gießen fuhr mit ihren Autos um 1 Uhr wieder zurück, so daß am Montagmorgen alles wieder zu Hause war, mit Ausnahme derjenigen, die sich mehr vorgenommen hatten und am Montag noch nach dem Kyffhäuser und nach Bad Wildungen mit- fuhren. Jedem aber, der an diesen Tagen des Reichs- kriegertages teilnehmen durfte, wird der riesige Aufmarsch der 300 000 Kameraden im ganzen Leben in Erinnerung bleiben und mit Dankbarkeit an die schöne gastfreundliche Stadt Kassel und ihre Einwohner denken. TextilorbeiterjugenderhältmehrUrlaub Die Gaujugendwaltung Hessen-Nassau der DAF. teilt mit: Auch in der Textilindustrie wächst das Verständnis für die Notwendigkeit eines ausreichenden Erholungsurlaubs für Unsere schaffende Jugend. Eine Reihe von Betrieben hat in den letzten Wochen Urlaubsregelungen getroffen, die einen höheren Urlaub für ihre junge Gefolgschaft vorsehen. So gewährt nunmehr die Färberei I. A. Andrs G. m. b. H. in Hirschhorn am Neckar ihren Jugendlichen bis zum 17. Lebensjahr 12 Tage, die Verbandstofffabrik Anzag in Frankfurt 18 Tage Urlaub. Die Urlaubsregelung der Tuchfabrik Kumpf AG. in Erbach , im Odenwald sieht folgende Urlaubszeiten vor: bis zum 15. Lebensjahr 18 Tage, bis zum 17. Lebensjahr 15 Tage und bis zum 18. Lebensjahr 12 Tage. Die Seidenstoffweberei Kampf & Spindler in Nastätten bewilligt Jugendlichen vom 14. bis 15. Lebensjahr 12 Tage, vom 15. bis 16. Lebensjahr 10 Tage und vom 16. bis 17. Lebensjahr 8 Tage Diesen anerkennenswerten Beweisen sozialer Gesinnung steht jedoch die Tatsache gegenüber, daß über 75 v. H. der Textilbetriebe im Gau Hessen- Nassau ihren Jungarbeitern immer nur noch zwei bis sechs Tage Urlaub zubilligen. Es ist zu hoffen, daß auch diese Betriebe in Kürze dem Ruf der Jugend nach genügender Freizeit Folge leisten werden. Daten für den II.Julk. 1535: Kurfürst Joachim I. von Brandenburg in Stendal gestorben (1484 geboren): — 1657: König Friedrich I. von Preußen in Königsberg geboren (1715 gestorben): — 1920: Abstimmung in den ost- und westpreußischen Landschaften Masuren, Ma- rienwerden und Marienburg, Der weitaus größte Teil der Bevölkerung bekennt sich zu Deutschland. Vornotizen — Tageskalender für Mittwoch r NSG. „Kraft durch Freude : 20 bis 21 Uhr, 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Dolksbad: 20 bis 21 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Lichtspiel- haus, Bahnhofstraße: „Die scharlachrote Blume . — 16 Uhr Kindervorstellung im Caf6 Leib des Zaubermeisters Bellachini: 20.30 Uhr Vorstellung des Zaubermeisters Bellachini im Cafs Leib. _ Der Zaubermeister Bellachini gibt am heutigen Mittwochnachmittag (für Kinder) und am Abend Gastspiele in unserer Stadt. Eine weitere und letzte Vorstellung findet am morgigen Donnerstag statt. Auf die heutige Anzeige, sei besonders aufmerksam gemacht. * ** Frei- und Dien st marken für Markensammler. Die Deutsche Reichspost verkauft durch die Dersandstelle für Sammlermarken gültige Frei- und Dienstmarken an Markensammler. Auf Wunsch vermittelt die Dersandstelle auch die Beschaffung von E r ft a b st e m p e l u n g e n für Neuausgaben von Postwertzeichen und für Sonderstempel, die bei einer Postanstalt des Reiches aus besonderem Anlaß geführt werden. ** Erhaltet den deutschen W a l d ! Lei- der werden alljährlich Millionen deutschen Dolks- vermögens durch Waldbrände zerstört Es kann daher nicht genügend gewarnt und auf die gesetzlichen Bestimmungen hingewiesen werden. Denn der größte Teil dieser Brände entsteht durch Fahrlässigkeit. Immer wieder muß festgestellt werden, daß ein großer Teil unserer Volksgenossen achtlos und leichtsinnig mit offenem Feuer, z. B. Zigaretten, Streichhölzern, Tabakpfeifen und sonstigen Zündsachen umgeht. Sogar die an jedem öffentlichen Waldweg angebrachten Warnungstafeln werden meist nicht beachtet. Es muß daher mit Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß das Betreten von Wald mit unverwahrtem Feuer oder Licht, sowie von Moor- und Heideflächen, verboten ist. ferner ist das Rauchen vom 1. März bis zum 31. Oktober im Walde und in gefährlicher Nähe von Wäldern untersagt. Dieses Verbot erstreckt sich auch auf alle öffentlichen Wege und die zur Errichtung von Zelten und sonstigen Lagerstätten freigegebenen Flächen. Die Unsitte, brennende Streichhölzer, Zigarren- oder Zigarettenstummel leichtsinnig fortzuwerfen, kann nicht genug bestraft werden. Denn das find die Hauptentstehungsursachen aller Wald- und Heidebrände. Weiter müssen auch alle Jugend- und Wanderoerbände darauf aufmerksam gemacht werden, daß das Abkochen und Anzünden von Feuern untersagt ist. Auch die Eltern und Erzieher sollten daher ganz besonders ihre Schützlinge warnen, keinerlei Feuerzeug mit in den Wald zu nehmen. Durch Kinderhand wurden oft genug schon aus Dummheit große Brände entfacht. Es muß daher höchste Pflicht eines jeden Volksgenossen sein, sich genau nach den gesetzlichen Bestimmungen zu richten, um dadurch an der Erhaltung unserer Wälder beizutragen. oer Htevattion. 11.30 bis 12.30 Uhr, 16 bis 17 Uhr. Samslagnach- mittag geschlossen. Warum verkeimst du mich, Varbara? Roman von Liane Sanden. Urheberrechtschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 31 Fortieyunq Nachdruck Derbofen! Ein tiefes Aufatmen der Erlösung ging durch sie. Sie hatte hier den lebendigen Beweis dafür, daß Josef Bannosch die Unwahrheit gesagt. Lächelnd ging sie auf den jungen Mann, zu, der sich nun errötend von Magdalenas Händen löste und sich verbeugte. „Ich nehme an, Herr Vikar Baumert, der Freund des Hauses Gerwig. Seien Sie mir von Herzen willkommen!" Der junge Vikar beugte sich Über Barbaras Hand. Magdalena legte ihre heiße Wange an die Barbaras. „Begreifst du nun, Barbara?" flüsterte sie. Und Barbara streichelte zärtlich den weichen Scheitel Magdalenas. Dann meinte sie heiter: „Ich nehme an, Magdalena, du wirst Herrn Bällmert nach vielem aus der Heimat zu fragen haben. Laß nur, Kind! Ich kann gut allein hinaufgehen. Ja, wirklich, ich fühle mich plötzlich sehr frisch, ganz gesund. Ich werde der Mamsell Bescheid geben lassen, daß man Herrn Vikar Baumert das SüÄzimmer gibt. Und wenn ihr Lust habt, trinken wir heute abend eine schöne Erdbeerbowle zur Feier meiner Genesung — und vielleicht ..." Sie lächelte Magdalena übermütig zu: „Vielleicht haben wir noch eine andere Feiert Sie ging die Treppe hinauf, während Magdalena und Günter Baumert noch unten staräen. Leise sagte Günter Baumert: „Fräulein Magdalena, was meinte Frau von Stechow? Sollte sie vielleicht mit der Feier meinen, daß ..." Er streckte-die Arme aus, Magdalena sank hinein. In einem zärtlichen Kuß sagten sie sich alles, was sie sich bisher noch nicht anvertraut hatten. Der alte Diener Franz wollte gerade mit den Briefschaften für Barbara durch die Halle kommen. Da prallte er erschrocken zurück und schlich ganz behutsam davon. Er hätte jetzt sicherlich da unten in der Halle erheblich gestört. Barbara saß oben in ihrem Zimmer. Tiefes Glück strömte durch ryr Herz. Sie sah auf die Uhr. Es war elf Uhr. Noch wenige Stunden — dann würde Eckehard mit der Arbeit fertig fein. Dann würde er zu ihr kommen — dann würde alles gut fein. Sie klingelte zweimal. Das war das Zeichen für den Diener Franz. Bald erschien er auch. „Franz, sagen Sie der Mamsell, daß mir einen Gast haben. Das Südzimmer möchte zurechtgemacht werden. Die Mamsell möchte von den Erdbeeren zwei Pfund von den allerschönsten zurückhalten. Es gibt heute abend eine Bowle!" „Das habe ich .mir gedacht, gnädigste Frau!" sagte er. Und dann wurde er rot Es schickte sich nicht für einen geschulten Diener, etwas zu wissen, ehe die Herrschaft es ihm gesagt hatte. 35. Kapitel. Eckehard von Mackenroth war mitten in der Ve- aufsichtigungsarbeit draußen auf den Feldern. Da kam auf einem Gaul Emil Perschke herangaloppiert. „Na, Emil, wo brennt's denn?" fragte Eckehard gutgelaunt. Aber Emil, der sonst zu jedem Spaß aufgelegt war, hatte ein sorgenvolles Gesicht: „Herr Inspektor, Sie möchten mal gleich auf den Hof zurückkommen. Man hat mich geschickt, Ihnen das zu sagen." „Jetzt mitten aus der Arbeit heraus? Wer hat denn die Anweisung gegeben?" Emil sah sich scheu um: „Es ist nicht ganz geheuer, Herr. Aus der Stadt sind ein paar Herren gekommen. Ich kenne den einen. Es ist der Polizeidirektor — und der Gendarm, der neulich hier war und uns alle vernommen hat, der ist auch dabei. Ick) weiß nicht, ich habe so ein unheimliches Gefühl." „Dummer Junge, warum denn unheimlich?" Wahrscheinlich hat man auch ohne unser Zutun nun endlich etwas Näheres über die verfluchten Kerle erfahren, die uns das beste Vieh kaputtmachen. Na, dann wollen wir mal! Aufseher!" rief er einen hochgewachsenen, braungebrannten Mann heran, der eine Kolonne von zehn Knechten beaufsichtigte, „Sie übernehmen die Aufsicht hier über die ganze Geschichte. Ich muß zurück aufs Gut. Ich denke, ich bin in einer Stunde wieder da. Morgen, Leute — fleißig weitermachen!" Er legte die Hand an die Mütze und ritt, von Emil gefolgt, dem Gute zu. Schon von weitem sah er am Gutstor etwas aufblitzen. Näherreitend, erkannte er die Helmfpitze des Gendarmen. „Morgen, Herr Gendarm", sagte Eckehard. Der legte knapp salutierend die Hand an den Helm: „Sie möchten bitte in das Rentmeisterzimmer kommen, Herr von Mackenroth. Sie werden dort erwartet." Mackenroth ritt in den Hof hinein und sprang ab. „Na, na, dann nimm man den Gaul gleich mit, Emil. R^ib ihn ordentlich ab!" Mackenroth ging über den Hof zu dem Rent- meifterzimmer. Schön kühl war es hier in dem Korridor mit den Steinfußböden. Er klopfte an und trat ins Zimmer: „Guten Tag, meine Herren!" sagte er unbefangen und blickte auf die Versammlung, die er hier vorfand. Es war der Polizeidirektor mit einem Kommissar und einem Schreiber. Sie saßen an dem großen Tisch der Rentmeisterei: Aktenbogen, Schreibzeug war vor ihnen ausgebreitet. An der anderen Wand saßen ein paar von den Angestellten. Dor ihnen saß Oberinspektor Rockesch. Ein eisiges Schweigen war im Zimmer, als Eckehard jetzt mit unbefangenem Gruß hereingetreten war. Er stutzte. Was waren denn das für Mienen? Wie sah man ihn denn an? In den grauen Augen des Polizeidirektors lag etwas Lauerndes. Sofort straffte sich alles in Eckehard. Er fühlle die Feindlichkeit der Atmosphäre um sich herum. Sofort wachte der eisige Hochmut in ihm auf. „Bitte, warum hat man mich hergerufen, Herr Polizeidirektor?" fragte er knapp und stellte sich steif vor den Beamten hin. Der ließ feine Augen nicht von Eckehard. Sehr langsam, betont, sagte er: „Herr von Mackenroth, können Sie mir eine Erklärung dafür geben, wieso gerade heute nacht in die Rentamtskasse eingebrochen worden ist?" „Was wollen Sie mit diesen Worten sagen? Ich weih von keinem Einbruch." „Also Sie wissen nicht. Merkwürdig — sehr merkwürdig!" Eckehard ballte die Faust: „Wollen Sie damit behaupten, daß dieser Einbruch, von dem ich soeben erst höre, irgendwie etwas mit meiner Person zu tun hat?" Der Polizeidirektor lächelte höhnisch: „Allerdings will ich das behaupten." Ein gurgelnder Laut kam von Eckehards Lippen. Sinnlose Wut brannte in ihm auf. Mit geballten Fäusten warf er sich dem Polizeidirektor entgegen. Aber schon waren von hinten zwei Gendarmen zugesprungen, hatten ihn rückwärts gerissen. Ehe er noch so recht begriff, was geschah, fühlte er etwas Kaltes um seine Hände. Ein leises Schnappen klang durch die atemlose Stille. Er war gefesselt. „Was bedeutet das?" fragte er heiser. Die Stimme gehorchte ihm nicht mehr. „Das bedeutet, daß wir Sie in dringendem Verdacht haben, den Diebstahl in der Kasse begangen zu haben, Herr Inspektor von Mackenroth." Eckehard stöhnte auf wie ein verwundetes Tier. „Das ist eine Lüge — eine niederträchtige Lüge!" Er zitterte am ganzen Körper. Schweißtropfen perlen ihm auf der Stirn. „Das können Sie niemals beweisen." „Das werden wir ja sehen!" Wieder kam die messerscharfe Stimme des Beamten. „Wir stellen zunächst nur das eine fest: es find heute nacht in der Kaffe fünfzigtausend Kronen gestohlen worden. Sie sind heute nacht spät noch auf dem Hofe gewesen. Herr Oberinspektor Rockesch hat zu Protokoll gegeben, daß er heute den Knecht Emil frühmorgens getroffen hätte, der mit einem Wertbrief von Ihnen zur Post unterwegs war. Der Wertbrief ist beschlagnahmt worden. Man hat fünfzigtausend Kronen darin gefunden. Weiter weiß man, daß Sie erhebliche Schulden hatten. Der Verdacht liegt also nahe." Eckehard taumelte. Der Gendarm schob ihm einen Stuhl hin. Er fiel auf den Sitz wie gefällt. „Das ist alles nicht wahr", sagte er heiser. „Ich kann es sehr leicht beweisen. Das Geld habe ich in der Lotterie gewonnen. Man muß den Lotteriekollekteur aus der Kreisstadt herbeirufen. Der wird es bezeugen." Der Protokollführer machte eine Notiz. Der Pouzeidirektor sagte: „Schön, man wird es nachprüfen. Aber nun zu etwas anderem. Es wird weiter behauptet, daß Sie ein Interesse daran hatten, den Viehbestand des Gutes nchedlowitz zu Dezimieren. Was haben Sie dazu zu sagen?" Jetzt lachte Eckehard auf — es war ein gellendes Lachen der Verzweiflung. „Wozu sollte ich das tun? Vielleicht auch, um meine Schulden zu bezahlen, Herr Polizeidirektor?" Der sah ihn böse an: „Ich würde den Hohn an Ihrer Stelle jetzt lassen, Herr von Mackenroiy. Es rann ja noch andere Gründe geben, aus denen man auf einem solchen Gute Unruhe stiften will. Vielleicht wollten Sie der Gutsherrin damit beweisen, daß es hohe Zeit wäre, das Gut hier jemand anderem anzuvertrauen. Haben Sie nicht Absichten auf die Hand der Gutsherrin hier gehabt?" Eckehard wurde dunkelrot. Dann ganz bleich. Das war zuviel. Diese infame Frage war eine Unverschämtheit. Sollte er hier seine Liebe zu Barbara bekennen? Vor diesen Menschen? „Auf Ihre Frage verweigere ich die Antwort, Herr Polizewirektor." Der Protokollführer diktierte. Die Stimme des Polizeidirektors verlor nicht ihre hämische Feindseligkeit: „Weil Sie nichts darauf zu erwidern wissen, Herr von Mackenroth. Wie kommt es denn, daß Sie die Interessen Ihrer Gutsherrin so wenig gewahrt haben? Warum haben Sie denn bei der Vernehmung hier durch den Kommissar nichts erwähnt von dem Fund, den Sie im Pferdestall gemacht haben wollen — von der Tüte mit dem Gilt? Hier hilft Ihnen kein Leugnen, Herr von Mackenroth. Ich habe mit eigenen Ohren gehört, wie der Tierarzt Doktor Wenczliczek Sie befragte. Herr Doktor Wenczliczek ist bereits in der Stadt amtlich vernommen worden. (Er hat unter Eid ausgesagt, daß er diese Tüte bei Ihnen gesehen hätte. Sie hätten behauptet, sie im Pferdestall gefunden zu haben. Das war doch das Wichtigste, was Sie hätten zu Protokoll geben müssen, Herr von Mackenroth. Aber Sie haben es nicht getan. Und warum? Weil Sie gar nicht wünschten, daß die Untersuchung nach dem wahren Täter so eingehend geführt würde. Das hätte Ihnen nämlich verdammt unangenehm werden können. Wollen Sie nun an« geben, wo Sie diese Tüte mit .dem Gift haben. Ich möchte sie sehen." Eckehard schwieg einen Augenblick. Eine hoffnungslose Müdigkeit überkam ihn. Dies alles hier war ein so "raffiniert angelegtes Netz, daß er nicht wußte, wie er sich daraus befreien sollte. Er konnte doch diesen Leuten hier nicht erzählen, auf wen er einen Verdacht und warum er über diesen wichtigen Fund geschwiegen hatte. Dumpf sagte er: „Die Tüte ist aus meinem Schreibtisch gestohlen worden." Der Polizeidirektor lachte auf: „Aha, gestohlen! Und von wem? Vermutlich von dem großen Unbekannten, den alle Verbrecher bemühen, um ihre Unschuld zu beweisen." „Ich verbitte mir diese Bezeichnung, Herr Polizeidirektor. Ich werde zwar verhört, aber ich bin noch nicht überführt." „Das wird noch kommen, Herr von Mackenroth! Wir werden jetzt in Ihrer Gegenwart den Knecht Emil vernehmen und dann eine Besprechung mit Frau von Stechow haben." Eckehard schloß die Augen. Das war zuviel. Barbara hineingezogen in diese Sache? Er vor Barbara in diesem schrecklichen Verdacht? Hätte er nur die Hände frei. Hätte er nur entfliehen können. Zu Hause im Schreibtisch lag der Revolver. Alles war besser: Ein Ende zu machen, als vor Barbara entehrt dazustehen. (Schluß folgt.) Obecheffen Kastrationen durch Laien unter Um- Absingen der Nationalhymnen wurde die Tagung gehuna des Tierschutzgeietzes strafbar. len. Wie die Hessische Ti e r ä rtz t e k a m m e r mit- dieser Gesetze auszugsweise bekanntzugeben: schloß sich ein Dorfrundgam Die Leiterin an. teilt, gehen ihr aus allen Teilen des Landes Nachrichten darüber $u, daß fast alle Hengste und Eber von Laien kastriert werden. Diese Verstöße gegen die Tierschutzgesetze geben Veranlassung, nochmals die wichtigsten Bestimmungen und Strafandrohungen der Lauterer NS.-Frauenschaft, Frau Zimmer, dankte der Gastgeberin für den herzlichen Empfang. — Nach zwanzigjähriger Pause sah man wieder zum erstenmal gemusterte Rekruten in unserem Dorf einziehen. Die hiesigen Musterungspflichtigen wurden sämtlich für tauglich erklärt. + Ettingshausen, 10. Juli. Am morgigen Mittwoch begeht Johannes O p p e r V. in körperlicher und geistiger Frische seinen 8 0. Geburtstag. Opper ist weit über die Grenzen seines Dorfes hinaus bekannt. Besonders beliebt und geschätzt ist er in Sängerkreisen. Im Jahre 1882 gründete er in seiner Heimat den ersten Gesangverein; 48 Jahre hat er ihn als Vorsitzender geleitet. Im Jahre 1905 sammelte er die Vereine zwischen Grünberg, Lich und Hungen im Sängerbünde „Chattia". Auch hier versah er das Amt des Vorsitzenden in unermüdlicher Pflichttreue 25 Jahre lang, und unter seiner Führung trat der Chattiabund dem 1924 gegründeten Hessischen Sängerbünde bei. An den Veranstaltungen der Sänger, insbesondere am 100jähri- gen Stiftungsfeste des Männerchores Grünberg im vorigen Jahre und am Wertungssinaen des Kreises Chattia Wettertal dieses Jahres in Wetterfeld war der Jubilar selbstverständlich anwesend. Bis auf den heutigen Tag kommt er ab und zu in die Singstunden seines Vereins, wenngleich er auch nicht mehr mitsingen kann. Als Dank und Aner- kennung ist ihm vom Deutschen Sängerbund der Ehrenbrief für 50jährige Sanges- tätig k e it und vom Hessischen Sängerbund die Gemäß §2 Absatz 9 des Tierschutzgesetzes vom 24 11. 33 ist u. a. verboten, an einem Tier in unsachgemäßer Weise oder ohne Betäubung einen schmerzhaften Eingriff oorzunehmen (z. B. Kastra- tion bei Pferden, über drei Monate alten Rindern und Schweinen, bei geschlechtsreifen Schaf- und Ziegenböcken). Vorsätzliche und fahrlässige Zuwiderhandlungen gegen das Verbot des §2 werden mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mir Haft bestraft. Die erste Reichsverordnung zur Ausführung des Tierschutzgesetzes vom 20. 6. 1934 schreibt im § 2 vor: „Betäubungen zur Vornahme schmerzhafter Emgriffe im Sinne des §2 des Tierschutzgesetzes dürfen nur von einem approbierten Tierarzt aus- geführt werden." Nichttierärzte (Kaftrierer und Laienbehandler) dürfen demnach lediglich bei Rindern und Schweinen bis zum Alter von 3 Monaten und bei nicht geschlechtsreifen Schaf- und Ziegen- böcken Kastration ausführen. Alle Fälle von Zuwiderhandlungen werden unnachsichtlich zur Anzeige gelangen und zu erheblichen Bestrafungen der Täter führen. Lehrausflug der Bäuerlichen Werkschule Grünberq nach Thüringen. + Grünberg, 9. Juli. Dieser Tage unternahm die Grünberger Bäuerliche Werkschule unter Leitung von Landwirtschaftsrat Dr. Dienst (Grünberg) einen Lehrausflug in das Kalibergwerk an der Werra (Thüringen). Die schöne Fahrt mit einem Gießener Postomnibus begann zu früher Morgenstunde. Bei herrlichem Wetter und guter Sicht fuhr man von Grünberg über Mücke, Ulrichstein und Lauterbach nach Schlitz. Das schöne Städtchen wurde eingehend besichtigt. Die Fahrt ging dann weiter nach Buttlar. Nach einer Frühstückspause begaben sich die Teilnehmer der Fahrt in das Kalibergwerk an der Werra. In dem Betriebsgebäude erhielten die Schüler der Werkschule nach kurzen Erklärungen über die Gewinnung des Kalisalzes einen weißen, langen Kittel, eine kleine Bergwerkslampe und eine weiße Mütze. Ein kleiner Fahrstuhl, in dem zehn Mann Platz hatten, brachte die Besucher in das Bergwerk. In rascher Fahrt gelangte man zu der in 730 Meter Tiefe gelegenen Suhle. Der Fahrstuhl fiel in der Sekunde 9 Meter. Nach langem Marsch im Stoller: gelangte man dann- zur Arbeitsstätte. Die Temperatur betrug 25 bis 35 Grad. Das Brechen des Kalisalzes geschah mit elektrischen Bohrmaschinen, die etwa 5 Meter tief eindrangen. Sprengpatronen taten ein übriges. Mit großem Interesse und sehr eingehend besichtigten die Schüler der bäuerlichen Werkschule Grünberg den hochinteressanten Bergwerkbetrieb in allen Einzelheiten. Kalimühlen, die Versackung und die Verladung wurden ebenfalls zur Kenntnis genommen. Die Führung durch den Betrieb nahm geraume Zeit in Anspruch. Nach der Mittagspause wurde die Fahrt im Omnibus über Vacha nach Eisenach fortgesetzt. Dort angekommen, begab man sich auf die Wartburg. Zu Nacht blieb man in der Jugendherberge. Am anderen Morgen wurde die Fahrt nach Frankenroda unternommen und dort eine große Obstbaumanlage von nicht weniger denn 300 Morgen Land besichtigt. 15 000 Obstbäume standen auf dieser Fläche. Eine weitere Besichtigung galt dem Hauptgut Neu-Friedrichswerder. Ein Besuch im dortigen Pflanzenlaboratorium gab viel Aufklärung über Standsorten der Zurckerrüben. Mit großem Interesse wurde auch von der auf hoher Stufe stehenden Schweinezucht Kenntnis genommen. Ein Rundgang durch die gut gepflegten Saatfelder beschloß die Besichtigung. Nach der Mittagspause wurde die Rückreise anaetreten, in Gersfeld noch einmal kurzer Aufenthalt genommen und dann wurde die Fahrt ununterbrochen nach Grünberg fortgesetzt. Allen Teilnehmern, die diese Exkursion mitmachen konnten, wird sie lange in Erinnerung bleiben. Tagung des Kreisfeuerwehrverbandes des Kreises Lauterbach 80 Jahre Freiwillige Feuerwehr Lauterbach. Lauterbach, 9. Juli. Zum ersten Male seit Bestehen des nationalsozialistischen Deutschland wurde in Lauterbach der Kreisseuerwehrtag abgehalten. Gleichzeitig war die Jubiläumsfeier zum 80jährigen Bestehen der Lauterbacher Wehr damit verbunden. Die ganze Bevölkerung Lauterbachs nahm Anteil. Zu der Abgeordnetentaaung des Kreisoerbandes, die im Saalbau zum Johannisberg stattfand, waren von sämtlichen Wehren des Kreises Kommandanten und Vertreter erschienen. Regierungsrat Kessel als Dezernent für das Feuerlöschwesen im Kreise Lauterbach eröffnete die Tagung. Den verstorbenen Kameraden wurde hierauf ein stilles Gedenken gewidmet. In seinen weiteren Ausführungen zeichnete der Redner die Entwicklung und'den Aufgabenkreis der Feuerwehren auf. Der Kreisfeuerwehrverband, der in vier Bezirke untergeteilt ist, Lauterbach, Schlitz, Herbstein und Grebenhain, zählte,'so führte er u. a. aus, am Ende des Jahres 1934 insgesamt 2860 Feuerwehrleute. Er schloß seine Ausführungen mit einem Appell an alle, sich stets ihrer hohen Aufgaben bewußt zu sein und zu handeln im Sinne unseres Führers. Dann sprach Kreisdirektor Pg. Zürtz. Er wies auf die Zeit des schwarz-roten Systems hin, wo man mit allen möglichen Mitteln den soldatischen Geist der Wehren zu bannen suchte, und führte dazu ein typisches Beispiel aus seiner Praxis als ehemaliger Stadtverordneter an. Der Feuerwehrmann ist und bleibe Soldat im Dienste gegen Naturgewalten, denn Soldat sein heißt sich einsetzen in der Stunde der Gefahr. Kreisfeuerwehrinspektor S t ö p l e r machte dann noch weitere Ausführungen über die neuesten technischen Einrichtungen und gab zum Schluß bekannt, daß Re- aierungsrat Kessel in Anbetracht seiner überaus segensreichen Arbeit als Referent des Feuerlöschwesens zum Ehrenmitglied des Kreisverbandes ernannt wurde. Nachdem der Kreiswalter der NSV., Abteilung für Schadenverhütung, noch über die Fahrlässigkeit als Brandursache gesprochen hatte, sprach Regierungsrat Kessel seinen Dank über die unerwartete Ehrung aus. Seine Schlußworte galten den Führern und Bürgermeistern, daß auch fie mithelfen sollen am Aufbau unseres Daterlan- oes. Mit dem Treuegelöbnis zum Führer und dem hausen und Wallenrod und der Führer der Ortsgruppe des Reichsluftschutzbundes, sie alle übermittelten der Lauterbacher Wehr zu ihrem 80jäh- rigen Jubiläum herzliche kameradschaftliche Grüße und Wünsche und überreichten in treuer kamerad- chaftlicher Verbundenheit Fahnennägel mit ent- prechenden Inschriften. Der Lauterbacher Wehrührer Hardt dankte allen für ihr freundliches Gedenken. Zwei verdienstvollen Angehörigen der Wehr, dem jetzigen Feuerwehrinspektor Stöpler und dem Brandmeister Braun, überreichte er Ehrendiplome für 25jährige und 30jährige Mitgliedschaft. Braun wurde zum Ehrenbrandmeister und Stöpler zum Ehrenkommandanten ernannt. Ein Weckruf am Sonntagoormittaa rief die Feuerwehrkameraden zu einem Feldgottesdienst im Stadtpark zusammen. Von allen Orten und Richtungen kamen dann die Wehren angerückt, um das 80jährige Bestehen der Lauterbacher Wehr mitzufeiern. Sämtliche Wehren aus dem Kreis nahmen Aufstellung auf dem Marktplatz; rund 2000 Feuerwehrleute waren angetreten. Nachdem Kreisdirektor Pg. Zürtz die Front abaeschrit- ten war, sprach er von den schöpferischen Kräften, der soldatischen Treue und dem immer zur Einheit strebenden Willen im Volke. Das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied beendeten die Kundgebung. Anschließend fand ein Vorbeimarsch auf dem Adolf-Hitler-Platz statt. In der Lindenstraße auf dem früheren Viehmarktplatz wurde dann durch die Lauterbacher Wehr Fuß- und Geräteexerzieren vorgeführt. Im Anschluß an das Exerzieren wurde unter Einsatz des Luftschutzes, der Sanitätskolonne und bec Feuerwehr ein Grohbrandangriff auf das Hohhaus gezeigt, lieber diese planmäßig aufgebaute und folgerichtig durchgeführte Hebung sprach der die Kritik übende Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Gießen „W e n z e l" seine volle Anerkennung aus. Die Stadt Lauterbach, so sagte er, sein Urteil zusammenfassend, könne mit Stolz auf eine solche schlagfertige Wehr blicken. Ein langer F e st z u g, in dem mehrere Kapellen vertreten waren, bewegte sich Nachmittags durch die reich mit Flaggen geschmückten Straßen der Stadt zum Festplatz bei der Turnhalle. Die geräumigen Zelte und die Turnhalle vermochten den Menschenstrom nicht zu fassen. Feststimmung herrschte überall. Landkreis Gießen. + Großen-Linden, 9. Juli. Am Montag fand die Musterung der hiesigen Militärpflichtigen in Gießen statt. Bis 1894 mußten die Gestellungspflichtigen aus Großen-Linden nach Lich zur Musterung. Mit geschmückten Wagen wurde damals morgens gegen 5 Uhr die Fahrt nach Lich angetreten. In Garbenteich wurde regelmäßig das Frühstück verzehrt und in Lich im Gasthaus ,Lum Adler" das Mittagessen eingenommen. 1895 mußten dann die Militärpflichtigen nach Gießen aur Musterung. Seit dieser Zeit bis 1918 fuhren Die jungen Leute mit der Bahn nach Gießen. Diesmal fuhren die jungen Leute wieder mit geschmückten Wagen nach dem Musterungsort. cf Allendorf (Lumda), 9. Juli. Bei dem zu Steinbach stattgefundenen K r e i s s ch i e ßen des Kreises Gießen-Nord im Reichsverband der Kleinkaliber - Schützenoereine, an dem 18 Mannschaften teilnahmen, ging die 1. Mannschaft des hiesigen Schützenoereins wiederum und nun zum drittenmal, diesmal mit 387 Ringen, als Sieger hervor. Hierdurch ist der Verein zur Teilnahme am demnächftigen Bezirksschießen in Friedberg berechtigt. Die 2. und 3. hiesige Mannschaft konnten sich mit je 367 Ringen an die vierte und sechste Stelle setzen. Auch die drei besten Einzelschüßen gingen aus dem hiesigen Verein hervor, und zwar Formhals mit 91 Ringen, Heiberts- hausen und Damm mit je 87 Ringen. Die Jung- schützen-Mannschast, die erst seit etwa einem Monat im Schießen unterrichtet wird, konnte den 2. Platz belegen. = Göbelnrod, 9. Juli. Am Sonntag stattete die Lauterer N S. - F r a u e n s ch a f t der hiesigen ihren Gegenbesuch ab. Im schön geschmückten Saale des Pg. Wilhelm Schultheiß hieß die hiesige NS.-Frauenschaftsleiterin, Frau Velten, die Gäste herzlich willkommen. Anschließend wurde dann wieder die gute alte Spinnstube aufgeführt, die reichen Beifall fand. Bei gemeinsam aefungenen Liedern bei Kaffee und Kuchen verbrachte man einige unterhaltsame Stunden. Abends ibenb marschierten bie entsandten Vertreter zusammen mit der Lauterbacher Wehr und ber Sanitätskolonne Lauterbach hinauf zum Gefallenen- denkmal, um auch derjenigen zu gedenken, bie für ben Bestanb des Reiches ihr Bestes gaben. ,, v, ____v______ Zu Ehren ber auswärtigen Gäste unb aus An- Strafanbrohungen ; laß bes 80jährigen Bestehens ber Lauterbacher ' ' Wehr fand abends in Der Turnhalle ein Fest- hmmers statt. Nach einigen einleitenden Musikstücken begrüßte Oberbrandmeister Hardt die Festoersammlung und gab einen geschichtlichen Heberblick von der Gründung der Wehr bis zur Jetztzeit. Er gedachte auch der verdienstvollen Männer, die in zäher Aufbauarbeit die Wehr auf ihren heutigen Stand gebracht haben. Bezirksführer Becker (Schlitz), die Kommandanten von Landen- Goldene Ehrennadel und die Ehrennadel für 25jährige Vorstandstätig, feit mit ber Inschrift: „Für Verdienste" verliehen worden. Im Jahre 1877 war er Mitbegründer des Kriegervereins Ettingshausen, dem er nun 58 Jahre angehört. — Möge es dem Sangesfreund vergönnt sein, noch recht viele Jahre im Kreise feiner Angehörigen und seiner Sangesfreunde zu verleben. — Die Gattin Oppers wird am 13. September auch ihren 80. Geburtstag feiern können. § Eberstadt, 9. Juli. Am Sonntag fand hier die Besichtigung der Freiwilligen und der Pflicht- feuerwehr durch Kreisfeuerwehrinspektor Bouffier (Gießen) statt. Zunächst gab es eine Uebungs- besichtiguna im Fußexerzieren und am Gerät, Die sehr befrieoigenb verlief. Dann folgte ein Brand- angriff auf eine Scheune in Der Kirchgasse. Das Wasser hierzu wurde zum Teil auö den Hydranten der Wasserleitung unb zum Teil mit ber Spritze aus einem unter einem Nachbarhause liegenben Brunnen entnommen. Das sehr gut arbeitenbe Gerät mußte bas Wasser aus 12 Meter Tiefe ansaugen. Innerhalb kürzester Zeit konnte Wasser gegeben werben. Die Wehr zeigte einbrucksvoll ihre Schlagfertigkeit. Zum Schlüsse sprach ber Kreisfeuerwehrinspektor ber Mannschaft seine Anerkennung aus unb erwähnte, baß sie mit zu ben ersten im Kreise Gießen zu zählen sei. < Aus ber nörblichen W e tter au, 10. Juli. Die Heuernte ist beenbet. Der Ertrag ist zufriebenstellenb. Das Heu würbe gut eingebracht. Der Saatenstanb ist als sehr gut zu bezeichnen, nur hier unb ba hat sich bas Korn unb ber allzu fette Wehen etwas gelegt. Wenn kein Unwetter Scha- ben anrichtet, kann mit einer* guten Ernte gerechnet werben. Kartoffeln unb Dickwurz lassen teilweise zu wünschen übrig. Bei ben Kartoffeln scheint bas Saatgut bie Hauptschulb baran zu tragen. Man sieht auch sehr gute unb kräftig entwickelte Kartoffeln, bie mit einer Höchsternte rechnen lassen. Auch das Futter steht so gut, daß mit dem zweiten Schnitt bald begonnen werden kann. Kreis Alsfeld. ?? Homberg, 7.Juli. In einer kleinen würdigen Feier wurde am Freitagnachmittag die Grundsteinlegung zum Neubau der Bezirkssparkasse Alsfeld, Zweigstelle Homberg, vorgenommen. Von Alsfeld waren Direktor Trips und noch zwei Herren von der Sparkasse erschienen, und von Homberg wohnten die Angestellten der hiesigen Kasse, Bürgermeister Schweiker, Architekt Essel, nach dessen Plänen der Neubau errichtet wird, sowie sämtliche an der Baustelle beschäftigten Arbeiter dem feierlichen Akte bei. Nachdem einer von den Arbeitern Direktor Trips einen mit Blumen geschmückten Hammer überreicht hatte, ergriff dieser das Wort. Er führte aus, daß es leider erst jetzt möglich fei, die Feier der Grundsteinlegung vorzunehmen, nachdem die Maurerarbeiten am Neubau schon beträchtliche Fortschritte gemacht hätten. Er freue sich sehr, diese Tatsache feststellen zu können, ganz besonders freue er sich aber darüber, daß die Arbeiter fleißig und fröhlichen Angesichts an die schwierige zlrbeil herangetreten seien. Schon im Jahre 1931 habe der Vorstand den Neubau für die Sparkasse in Hom» berg beschlossen, mußte aber aus finanziellen Gründen von der Ausführung Abstand nehmen. Nach einem Gedenken an ben Führer unb Reichskanzler schloß ber Rebner seine Ansprache. Anschließend wurde eine mit Urfunöen versehene, zugelötete Büchse eingemauert. Auf Einladung des Direktors begaben sich darnach alle Beteiligten zu einem Glas Bier in die Wirtschaft Schweiker, in der man in gemütlichem Kreise einige frohe Stunden verbrachte. Kreis Schotten. ch Groß-Eichen, 8. Juli. Gelegentlich der NS. - V. - Mitgliederwerbung konnten in unserem Ort 11 neue Mitglieder gewonnen werden. Bedauerlich ist nur, daß noch so mancher Volksgenosse abseits steht, obwohl er bazu in ber Lage wäre, burch seinen Beitrag bie Arbeit ber NS.-V. zu unterstüßen. — Zur Zeit wirb burch bas hiesige weibliche Arbeitslager ein Erntekin - bergarten eingerichtet. Bis jetzt liegen 16 An- melbungen vor. Es wäre zu wünschen, baß recht viele Familien von dieser segensreichen Einrichtung Gebrauch machen. Die Kinder werden von eine!! Kindergärtnerin betreut. Kreis Lauterbach. Lauterbach, 9. Juli. In einem Anfall von Schwermut hat sich heute vormittag zwischen 4 und 5 Uhr der Förster H. G. in seiner Scheune- in Frischborn erschossen. Seit längerer Zeit ist das Allgemeinbefinden des überaus tüchtigen Forstbeamten nicht das beste gewesen. Große Strafkammer Gießen. Der 38jährige K. D. von Lollar fuhr am 19. Juli 1934 mit seinem Personenwagen auf der Landstraße Angenrod—Ober-Gleen und wich einem ihm entgegenkommenden Motorradfahrer nicht genügend aus. Infolge des heftigen Zusammenstoßes wurde der R. Sch. aus Alsfeld getötet. Der Angeklagte wurde vom hiesigen Schöffengericht wegen fahrlässiger Tötung zu einer Gefängnisstrafe von 4 Monaten verurteilt. Die bagegen eingelegte Berufung bes Angeklagten würbe gestern kostenfällig verworfen. In einer weiteren Sache nahm der Angeklagte vor Eintritt in die gestrige Hauptoerhandlung seine Berufung zurück. Amtsgericht Gießen. Der jüdische Händler Alfred Bauer aus Lorbach trieb auf dem Ausladeplatz beim Gießener Vieh- markt Vieh ab, obwohl dasselbe noch nicht tierärztlich untersucht war. Durch Strafbefehl wurde der Angeklagte mit 25 RM. belegt. Dagegen legte er Einspruch ein und wurde nun zu 40 RM. evtl. 5 Tagen Haft verurteilt. Große Erfolge der Schützen der Kriegerkameradschafi4 874 Gießen. Anläßlich bes 5. Deutschen Reichskriegertages in Kassel fanb ein großes Preisschieben, an bem sich Die besten Schützen Des ganzen Reiches beteiligten, statt. Die KriegerkameraDschaft Gießen hatte je eine Mannschaft im Wehrmann unD Kleinkaliber ge- melbet. Die Wehrmannschaft errang Den 4. unD die Kleinkalibermannschaft Den 6. Preis. In Der Einzelwertung errang Heinrich Appel Den 7. Preis mit 120 Ringen, Wilhelm Hainbach Den 19. Preis mit 103 Ringen, Willi Georg Den 22. Preis mit 102 Ringen, Georg Schilling Den 28. Preis mit 94 Ringen. Kleinkaliber: Kurt Strack Den 6. Preis mit 97 Ringen, RuDolf Reiber Den 14. Preis mit 90 Ringen, Karl Mootz Den 27. Preis mit 84 Ringen, Otto Schönau Den 73. Preis mit 72 Ringen. Kreisschießen derKieinkaliber-Gchützen- vereine Kreis Gießen-Nord. Die Kleinkaliber-Schützenvereine Des KreisesGießen - NorD hielten am Sonntag in Steinbach ihr Diesjähriges Kreisschießen ab. An Dem Schießen haben sämtliche Dem Kreis angehörenden zehn Vereine mit insgesamt 97 Schützen teilgenommen. Es wurden bei den Mannschaften sowie auch bei den Einzelschützen recht gute Schießleistungen gezeigt. Die diesjährige K r e i s m e i st e r s ch a f t in der Wettkampfklasse II (Altschützen) errang Der Schützenverein Leihgestern mit 386 Ringen. Dem vorjährigen Kreismeister AllenDorf (LumDa), Der auch in Diesem Jahre Die höhere Ringzahl (387 Ringe) erschoß, mußte nach Den geltenDen Bestimmungen, ein Zehntel Der Ringzahl-Differenz zwischen Der geschossenen Ringzahl unD Der möglichen Ringzahl (540 Ringe) abgezogen roerDen, so Daß Leihgestern Den ersten Platz belegen konnte. An Dem Bezirksschießen roirD jeDoch Der Allenborfer Verein auch teilnehmen. Es folgen dann nach ihren Leistungen bie Vereine Steinbach mit 369 Ringen, Allenborf 2. Mannschaft, mit 367, Allenborf, 3. Mannschaft, mit 367, Postsportverein Gießen mit 367, Rübbingshausen mit 362, Lauter mit 350 unb Wetterfelb mit 345 Ringen. Die Einzelmeisterschaft in biefer Klaffe konnte sich Hch. F o r m h a l s (Allenborf) mit 91 Ringen erschießen. Ferner hatten in biefer Klaffe noch gute Leistungen aufzuweifen: Johs. Damm (Allenborf) 87 R., Heibertshausen (Allenborf) 87, Willi Flach (Gießen) 86 unb Theo Schlosser (Lauter) 85 Ringe. Die Kreismeisterfchaft in Der Wett- kampfklasse I (Jungschützen) erzielte Rüd - D i n g s h a u s e n mit 319 Ringen. Es folgte Dann Die Jungmannschaft Allenborf mit 239 Ringen an zweiter Stelle. Die Einzelmeister- schäft in der Klasse der Jungschützen errang Kurt Strack vom Postsportv. Gießen mit 87 Ringen. An dem Bezirksschießen, das Ende August anfangs September in Friedberg stattfindet, werden die erwähnten ersten Mannschaften, Einzel- meister und die übrigen guten Schützen teilnehmen. Kreisschwimmfest des Turnkreises Wetterau-Vogelsberg in Bad-Nauheim. Mit dem Kreisturnfest des Turnkreises Wetterau- Vogelsberg, über das wir schon berichtet haben, waren auch Wettkämpfe im Schwimmen verbunden, die unter Leitung von Kreisschwimmwart Balzer (Friedberg) im Bad-Nauheimer Sommerbad reibungslos Durchgeführt roerDen konnten. Wir geben nachstehend einen Auszug aus der Siegerlisie. 100-Meter-Brust, Turner: 1. Adolf Lupp, Tv. Nidda, 1:39,2 Min.; 2. Walter Högy, Tarn. Laubach, 1:46 Min.; 3. Walter BechtolD, Tv. Nidda, 1:47,6 Min. 50-Meter-Brust, Turnerjugend 1918 bis 1919: 1. Wolfgang Martin, Tgm. Bad- Nauheim, 44 Sek.; 3. Hans Stein, Tarn. Laubach, 45 Sek.; 4. Herbert Schwöbel, To. Nidda, 46,3 Sek. 50-Meter-Brust, Turnerjugend 1920 bis 1921: 1. Otto Schmidt, Tgm. Laubach, 46,2 Sek. TO - Meter - Brust, Turner-Altersklasse: 1. Kurt Gerth, Tgm. Bad-Nauheim, 42 Sek. 100-Meter-Brust (offen), Turnerinnen: 1. Henny Fisch, Tgm. Bad-Nauheim, 1:41 Min.; 2. Elisabeth Renning, Tv. Nidda, 1:58 Min. 50-Meter-Brust, Turnerinnenjugend 1918/20:1. Gretel Bechtold, Tv. NiDda, 48 Sek.; 2. G. Kloos, To. NidDa, 49 Sek.; 4. Anni Löscher, Tv. Nidda, 58,8 Sek. 100-Meter-Rücken (offen), Turner: 1 Wolfgang Martin, Tgm. Bad-Nauheim, 1:36,5 Minuten. 100-Meter-Kraul (offen) Turner: 1. F. W. Fertsch, Tgm. Friedberg, 1:26,3 Min. Springen, Turner: 1. Kurt Grögor, Tgm. Bad-Nauheim, 51,75 Punkte. Springen, lurnerinnenjugenö: 1. Erna Grögor, Tgm. Bad-Nauheim, 32,8 Punkte. Mehrkampf, Turner-Mittel st ufe: 1. Adolf Riddel, Tv. Nidda, 54,70 Punkte. Mehrkampf, Turnerinnen-Mittel- st u f e: 1. Elli Lüdke, Tgm. Friedberg, 48,10 P.; 2. Luise Müller, To. Nidda, 39,20 Punkte. Staffeln. 4X50-Meter-Brust für Turner: 1. Tgm. Friedberg 2:53,9 Min.; 2. Tv. Nidda 2:57,1 Minuten. 4 X 1 0 0 - Meter - Brust für SA.: 1. Ma- rine-SA.-Sturm 16 Bad - Nauheim 6:54,2 Min.; 2. Hitlerjugend Bad-Nauheim 7:12,1 Min. 3X50-Meter-Brust für Turnerinnen: 1. Tv. Nidda 2:32 Min.; 2. Tgm. Friedberg 2:36 Min. Drittes Bahnrennen des Radfahrer« Vereins 1885 Gießen. Am kommenden Sonntag findet auf der Aschenbahn des Sportplatzes der Spieloereinigung 1900 das dritte diesjährige Bahnrennen des Gießener Radfahroereins von 1885 statt. Auch dieses Rennen wird Den beiben vorhergegangenen Bahnrennen roürbig zur Seite stehen. Obwohl ein großer Teil ber Bahnamateure gesperrt ist, hat ber Veranstalter boch gute Fahrer verpflichtet. Das Programm setzt sich aus einem Fliegerrennen, einem Vorgabefahren unb einem Zwei-Stunben-Mannschastsrennen nach 6-Tage-Art zusammen. Oie Eambridge-Mannschast in Frankfurt. Am fommenben Samstag und Sonntag findet bekannllich auf der Rennstrecke bei Griesheim dis 44. Frankfurter Ruderregatta statt, zu ber Melduw» gen aus zahlreichen deutschen Städten vorliegen. Ganz besonderes Interesse wird das Rennen aber in diesem Jahr durch die Teilnahme der Mannschaft des Cambridge University Boat Clubs haben, die bekanntlich in diesem Jahre als Sieger im Ox- ford-Cambridge-Achter hervorging. Die Engländer trafen bereits am Dienstagnach» mittag mit dem Flugzeug tn Frankfurt a. Ä. ein und wurden auf dem Flugplatz von Vertretern der Stadt und den Führern des Frankfurter Rudersports empfangen. Gleich nach ihrer Ankunft begaben sie sich ins Klubhaus der Frankfurter Germania und nahmen noch am selben Abend ihr Training auf. 2500 Vereine des M. zum Sausest eingelaben Rüstig schreiten die Arbeiten für das in den ersten Augusttagen hier zur Durchführung kommende erste Gaufest des RfL. fort und schon jetzt ist erkennbar, daß es eine Veranstaltung von außergewöhnlichen Ausmaßen werden wird. In der Geschäftsstelle im Hause des Turnvereins von 1846 in der Steinstraße sind fleißige Hände dabei, die Werbeplakate, Meldebogen und alle sonstigen Ausschreibungen zum Versand an die Vereine herzurichten. An nicht weniger als 2500 Vereine des Reichsbundes für Leibesübungen im Gau XII (Hessen) sind in den letzten Tagen schon diese Drucksachen zur Post gegeben worden. Weitere große Sendungen verlassen noch in dieser Woche die Geschäftsstelle. Noch ist nicht abzusehen, zu welchem Zeitpunkt alles Melde- und Propagandamaterial versandt sein wird und schon laufen die Meldungen der Vereine in großer Zahl in der Geschäftsstelle ein. Aus dem Turngau Hessen, der etwa 1000 Vereine umfaßt, liegen heute schon Meldungen von 120 Vereinen mit über 1500 Teilnehmern vor. Groß ist dabei die Zahl der Turnerinnen und Turner, die sich zur Teilnahme an den Wettkämpfen und den Freiübungen gemeldet haben. Wenn nun in den nächsten Tagen auch noch die Meldungen der übrigen Fachämter einlaufen, und die Beteiligung wird so groß, wie man an verschiedenen Stellen bereits vernehmen konnte, so dürfte die Geschäftsstelle vor eine große Aufgabe gestellt sein. Die verschiedenen Ausschüße werden alles aufbieten müssen, um den an sie gestellten Ansprüchen gerecht zu werden. Noch im Laufe dieser Woche dürften die Arbeiten zur Herrichtung des Festplahgeländes auf dem Trieb in Angriff genommen werden und es wird bald zu erkennen fein, in welcher Aufmachung das Festplahgelände sich mit feiner Einfriedigung und den verschiedenen Baulichkeiten dem Auge des Beschauers ausnimmt. Die Werber zur Feststellung von Bürger-Unter- künften sind fleißig an der Arbeit. Viele Volksgenossen stellten bereits Unterkünste zur Verfügung, doch reicht ihre Zahl noch keineswegs aus, um allen den Turnern und Sportlern einen angenehmen Aufenthalt in Gießen bereiten zu können. Es darf deshalb erwartet werden, daß es dem Wohnungsausschuß gelingt, auch noch alle diejenigen zur Bereitstellung von Unterkünften zu bewegen, die dieser Aufforderung bisher noch nicht nachgekommen sind. Oie Schwimmer beim Gaufest in Giehen An alle Gauvereine! Der RfL. hält vom 2. bis 4. August sein erstes offizielles Gaufest in Gießen ab. Es ist unbedingte Pflicht aller Gauoereine, sich an dieser großen Gemeinschaftsveranstaltung stärkstens zu beteiligen. Der Herr Gaubeauftragte des Reichssportführers hat eine Anfrage" an das Fachamt gerichtet, die sofort zu beantworten ist. Ich aebe diese Anfrage hiermit weiter und ersuche alle Gauvereine mir umgehend folgende Fragen zu beantworten: 1. Wieviel Teilnehmer stellt der Verein zu den turnerischen und sportlichen Veranstaltungen in Gießen? 2. Wieviel Vereinsmitglieder beteiligen sich bestimmt am großen Festzug? 3. Gesamtzahl der Vereinsmitglieder, die in Gießen am ersten großen Gaufest des Reichsbundes für Leibesübungen teilnehmen. Da die Zeit sehr drängt, ersuche ich um schnellste Meldung. Mit deutschem Schwimmergruß und Heil Hitler! Erich L o e w e , Kassel, Wilhelmshöher Allee 183. Lastkraftwagen, Eisenbahn und Wafferftraße im Lahngebiet. Von Dr. H. Danner, Gießen. Im Verkehrswesen besteht schon jahrzehntelang ein scharfer Wettbewerb zwischen Eisenbahn und Binnenschiffahrt. In dem letzten Jahrzehnt erstand nun der Eisenbahn ein viel gefährlicherer Gegner im Kraftwagen. Durch ein in diesen Tagen verkündetes neues Gesetz, das am 1. April 1936 in Kraft tritt, wird der Güterverkehr mit Kraftfahrzeugen geregelt. Berührt von diesem Gesetz wird aber nur der Fernverkehr mit Lastkraftwagen von 50 Kilometer ab, und zwar nur soweit er gewerbsmäßig betrieben wird. Frei von jeder gesetzlichen Regelung und von der Eisenbahn unbestrittenes Betätigungsgebiet des Lastkraftwagens ist der vom Verfrachter mit eigenen Lastkraftwagen betriebene Werkverkehr für jede Entfernung und der gewerbliche Nahverkehr bis zu 50 Kilometer. Das weitaus größte Betätigungsgebiet des Lastkraftwagens liegt in der Nahzone bis zu 50 Kilometer und im Werkverkehr. Die in steiler Kurve aufwärtsgehende Entwicklung des Lastkraftwagens zeigt, welch ernsten Wettbewerb mit der Eisenbahn dieses neue Verkehrsmittel darstellt und welche Bedeutung und Entwicklungsmöglichkeit dasselbe für die gesamte deutsche Volkswirtschaft und damit auch für das Lahngebiet hat. Die Entwicklung steht erst am Anfang, und schon heute zeigt sich die Tendenz der künftigen Entwicklung in groben Zügen. Jedenfalls liegt die Zukunst des Lastkraftwagens im Nahverkehr und Werkverkehr. Der Lastkraftwagen hat eine umstürzende Bedeutung für das ganze Verkehrswesen und wird auch im Lahngebiet eine große Umlagerung des Verkehrs mit sich bringen. Die künftige Bedeutung des Lastkraftwagens für das Lahngebiet wird erst recht verständlich im Hinblick auf die durch den 1920 eingeführten Staffeltarif der Eisenbahn außerordentlich verschlechterte Verkehrslage des Gebietes im ganzen. Ab- Öen vom Selbstkostenvergleich ist die überlegene urrenzfähigkeit des Lastkraftwagens gerade im Nahverkehr begründet im Aufbau des Eisenbahntarifsystems. Nach diesem sind die Güter eingeteilt in die Klassen: Stückgut, A — G und Ausnahmetarife, wobei die Frachtsätze verschieden sind, je nachdem die einzelnen Güterarten höhere oder niedere Frachten tragen können (horizontale Staffelung). Außerdem sind die Einheitsstreckensätze bei zunehmender Entfernung ganz wesentlich ssrmäßigt, die Tarife unter 237 Kilometer stark über die Selbstkosten erhöht, über 237 Kilometer stark unter die Selbstkosten ermäßigt (vertikale Staffelung). Der überwiegende Teil Oer Güterklassen E — G (Massengüter) liegen für die Eisenbahn einnahmemäßig unter der Selbstkostenlinie. Überschüsse bringen lediglich die weit über den Selbstkosten tarifierten Güter der Klassen: Stückgut und A — D (hochwertige Güter, Fertigwaren und Halbfabrikate). Diese Ueberschüsse müssen zunächst die Selbstkostenlücke bei den Güterklassen E — G ausfüllen, der Rest ist Gewinn der Eisenbahn. Ebenso wird der Ausfall aus den verbilligten weiten Entfernungen durch eine stark erhöhte Frachtbelastung der nahen Entfernungen ausgeglichen. 1931 waren von 283 Millionen Tonnen beförderter Güter nur 37 Millionen Tonnen Fertigwaren und Halbfabrikate, welche andererseits gerade den Hauptgegenstand des gewerblichen Lastkraftwagen-Fernverkehrs bilden. Denn der größte Optimist wird nicht behaupten, daß auch nur die entfernteste Möglichkeit besteht, Massengüter wie Kohle, Zement, Sand auf weite Entfernungen mit Lastkraftwagen zu befördern. Um den Fernverkehr von Stückgut in den Klassen A — D handelt es sich bei dem neuen Gesetz, denn mit diesen 37 Millionen Tonnen Fertigwaren und Halbfabrikaten steht und fällt die Rentabilität der Eisenbahn. Hier liegt das eigentliche Problem der neuen gesetzlichen Regelung. Die Spanne zwischen den Selbstkosten und den Tarifen bei den Klassen A — D ist so groß, daß die Frachten beinahe zehnmal höher sind als die Selbstkosten, so daß der Lastkraftwagen, soweit nicht mehr kostenmäßig, immer noch tarifmäßig weit überlegen ist. Ebenso liegen die Eisenbahntarife bei den nahen Entfernungen weit über den Selbstkosten, so daß die Eisenbahn im Nahverkehr nur unter den größten Opfern durch Tarifherab- setzuna den Wettbewerb mit dem Lastkraftwagen aufnehmen könnte, und bei der neuen gesetzlichen Regelung erschien es der Eisenbahn nicht mehr lohnend, auf Entfernungen von weniger als 50 Kilometer mit dem Lastkraftwagen in Wettbewerb zu treten. Im Nahverkehr reicht die rein tarifmäßige Überlegenheit des Lastkraftwaaens bis zu den Güterklassen E — G, also den Massengütern. Gerade die Massengüter, die im Lahngebiet so reich vorhandenen Rohstoffe und Bodenschätze bilden hier den Hauptgegenstand der Produktion und des Verkehrs. Und daß für den Massengüterverkehr die Wasserstraße das billigste aller Verkehrsmittel ist, ist allmählich allgemeine Ueberzeugung geworden. Der Lastkraftwagen, dessen größte Leistungsfähigkeit gerade im Nahverkehr liegt, wird mehr und mehr Zubringer zur Wasserstraße und wird im Lahngebiet das Einzugsgebiet der zu kanalisierenden Lahn ganz wesentlich erweitern. Das Lahngebiet ist auf Grund seiner geographischen Verhältnisse auf diesen Zubringerdienst des Lastkraftwagens geradezu angewiesen. Durch den Westerwald, Vogelsberg und Taunus ist das Lahngebiet ein nach außen abgeschlossenes und für sich einheitliches Gebiet. Hochflächen und Täler sind die beiden auffallendsten Landschaftsund Wirtschaftselemente. Im Tal herrscht reges Wirtschaftsleben und auf den Hochflächen wohnt eine arme Landwirtschaftsbevölkerung, sind große Wälder und reiche Bodenschätze. Das Schwergewicht der Wirtschaft und des Verkehrs liegt im Lahntal. Betrachtet man die Linien der Eisenbahnen und Landstraßen, so sieht man deutlich, wie sehr sich der Schwerpunkt dieser Linien nach dem Lahntal zuneigt, und Hinterland und Hochland liegen in verhältnismäßig nahen Entfernungen von diesem. Das Rückgrat des Eisenbahnnetzes sind die Hauptlinien Gießen—Deutz, welche durch die industrie- reiche Dillmulde führt (Eigenverkehr in Kohle, Erz und Eisenwaren), die Lahnbahn, an welcher die Hauptindustrien liegen, und die Main-Weserbahn. Von diesen Hauptlinien führen in die Seitentäler und in das Hinterland der Lahn Neben- und Stichbahnen mit reinem Lokalverkehr. Das unmittelbare Hinterland der Lahn ist die Lahnmulde, die wegen ihrer Bodenschätze geologisch, wirtschaftlich und verkehrspolitisch am wichtigsten ist. Abgesehen von den viel zu hohen Eisenbahntarifen bei den hier meist in Frage kommenden nahen Entfernungen ist die bisherige Erschließung des Lahngebiets durch Eisenbahnlinien noch unzureichend. Ein voll befriedigender Ausbau des Eisenbahnnetzes ist nun in Gebirgsgegenden, wie wir sie hier vor uns haben, praktisch undurchführbar. Manche Gebiete im Vogelsberg und. im Westerwald können durch Eisenbahnen kaum erreicht werden und sind nur durch Landstraßen wirksam zu erschließen. Ferner müssen die Eisenbahnlinien mit Rücksicht auf die Geländeverhältnisse, den Tälern folgend, vielfach große Umwege machen, während Landstraße und Lastkraftwagen den kürzeren Weg über das Gebirge wählen kann. Einer der größten Vorteile des Lastkraftwagens liegt in dieser Anpassungsfähigkeit an die Terrainschwierigkeiten, wobei Steigungen bis zu 25 Grad bewältigt werden können. Die Eisenbahnen sind insbesondere nicht in der Lage, die Güter am Ort der Produktion zu erfassen. Nun liegen aber die wenigsten Basaltbrüche z. B. im Westerwald so günstig, daß sie unmittelbar in die Eisenbahn verladen können. Eine Ausnahme bilden Betriebe mit Gleisanschlüssen. Der Bau der Anschlüsse aber bedeutet zumeist eine starke finanzielle Belastung. Es müssen also die Güter durch ein anderes Verkehrsmittel zur Eisenbahn geschafft werden. Schon lange fehlte das hierfür leistungsfähige Verkehrsmittel, denn das Pferdefuhrwerk ist zu teuer. Der Lastkraftwagen schafft hier die ideale Lösung. Das Lahngebiet hat eine Binnenlage im Herzen West-Deutschlands. Vorteilhaft ist, daß es im Osten und Westen über gute Zugänge verfügt. Das Gebiet selbst hat ein reges Wirtschaftsleben, und größere Wirtschaftsgebiete besonders am Ober-, Mittel- und Niederrhein bieten in nicht zu großer Entfernung gute Absatzmöglichkeiten für seine Produkte« Zwischen Mainz und Köln ist das Lahntal außerdem die einzige Querverbindung zwischen dem östlichen Mitteldeutschland und dem Rhein. Es verfügt also über einen starken Durchgangsverkehr« Bei diesem handelt es sich zumeist um den tariflich schlecht gestellen Nahverkehr unter 237 km. Da nun die Hauptabsatzgebiete der Lahnwirtschaft ebenfalls in der Regel unter 237 Kilometer Entfernung liegen, unterfallen die aus dem Lahngebiet kommenden Güter auch dem überteuerten Nahtarif. Dadurch wird das zentral gelegene Lahn- gebiet anderen Wirtschaftsgebieten mit ähnlichen Produkttonsverhältnissen gegenüber außerordentlich benachteiligt, denn aus den tariflichen Erleichterungen für weite (Entfernungen kann es keinen Vorteil ziehen. Im Gegenteil. Die weiten Entfernungen find gleichsam verkürzt und damit die entfernteren Konkurrenzindustrien näher herangerückt. Gleiche Produktionskosten vorausgesetzt, müßten die Grenzlinien in der Mitte zwischen den Konkurrenzgebieten liegen. In Wirklichkeit sind diese Linien durch den Staffeltarif zu Ungunsten des Lahngebiets verschoben. Das Lahngebiet ist dadurch zum Notstandsgebiet geworden. Abhilfe und Verbesserung der Absatzbedingungen können nur in der Senkung der Transportkosten gefunden werden. Von feiten der — durch die immer schärfer werdende Konkurrenz des Lastkraftwagens bedrängten — Eisenbahn kann eine tarifliche Erleichterung nicht erwartet werden. Nun hat das Lahngebiet die bedeutendste Wasserstraße Deutschlands, den Rhein, unmittelbar vor der Tür, kann aber dennoch keinen Nutzen aus dieser günstigen Lage ziehen, weil die teure Eisenbahn- srächt bis zum Rhein eine Verbilligung durch Inanspruchnahme der Wasserstraße für den Rest des Weges bereits illusorisch macht. Wirklich helfen kann dem Lahngebiet nur ein Anschluß an den Rhein und damit an das deutsche Wasserstraßennetz durch eine Wasserstraße, durch die kanalisierte Lahn. I.Gaufest des Reichsbundes förleibesübungen Gau XII (Hessen) Tausende von bls 4- "Ugus, in I 11 Turnern und Sportlern werden erwartet, stellt Unterkünfte zur Verfügung ■ WIM W 4031 D Gerhard Bötz und Frau Else, geb. Stinn Vermählte Gießen (Liebigstraße 64), den 10. Juli 1935 02929 Statt Karten Max Shaefer Herta Shaefer, geb. Raab Vermählte Frankfurt am Main — Trais-Horloff, den 10. Juli 1935 4029 D Schweizer Belladiini-Schaü Das Tagesgespräch von Giefaen! Alles staunt und lacht sich gesund Im Ca!6 Leib. Nur noch heute und morgen! Heute nachm.4 Uhr Familien-n.Kindervorstellung. Vorverkauf für die Abend-Vorstellung im Zigarrenhaus Wilhelm Moeser, Seltersweg 38, und im Caf6 Leib. n2928 Parole: Auf zum lustigen Zauberer! Mercedes Mk. 182.- schonf.montl. M.7.90 FranzVofiUCo.. Gießen Seltersweg 44 3913A Letzte Aufforderung! Wir fordern hiermit alle Personen, die gegen Entgelt Wasche zum Waschen und Platten oder nur Platten annehmen auf, sich innerhalb von 14Tagen, vom Tage dieser Veröffentlichung an, bei d. Wäscherund Plattermnung für die Provnz Oberhessen, Sitz Gießen, Schutzenstratze 24,pflichtgemäß anzumelden. 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Am Oswaldsgarten 4041 a Gießen - Ruf Nr.2145/2146 Vermählungs-Anzeigen liefert BrÜhl’sche Druckerei gr.158 drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhefsen)Mittwochs«. Juli 1935 Aus der Wett des Films. Besuch bei Luis Trenker. Bon Hanns Arens. Es ist nicht so ganz einfach, Luis T r e n k e r in seiner Wohnung anzutreffen; meistens ist er unterwegs: auf Reifen oder bei einem neuen Film. Und wer zudem noch weiß, wie sehr Trenker von Besuchern heim^esucht wird, versteht es auch, wenn Trenker oorgibt, nicht anwesend zu sein. Er freut sich über den Besuch, aber es kann zu viel werden. Hat aber em Gast sein Vertrauen, so kann man ,e nach Arbeit und Zeit, oft bei Luis Trenker sein; dann hat man die Freude ihm zuhören zu dürfen' wenn er erzählt. Trenker kann erzählen wie wenige! Für Trenker selbst bedeuten dann diese Stunden mit Freunden und guten Kameraden in seinem Heim die Ruhepunkte innerhalb vieler Arbeit. Er ist einer der fleißigsten Künstler, die ich je gesehen habe. Seit Trenker dem freien Leben in seinen Tiroler Bergen entsagt hat, seit er in die große Stadt zog und sein Leben voller Arbeit, Hast und Unruhe ch, wächst von Jahr zu Jahr das Heimweh nach seiner Heimat. Darum hat Luis Trenker versucht, sich Anklänge an das Leben in seiner Tiroler Heimat zu schaffen. Denn es ist nicht leicht für einen Menschen wie ihn, der in der Weite, im Frieden und in der Schönheit seiner Heimatberglandschaft aufgewachsen ist, durch den Beruf in die steinerne Enge, in die Ruhlosigkeit der Großstadt Angespannt zu sein. So merkt man dem Innern seines Hauses sofort die Sehnsucht eines Menschen nach seiner Heimat an. Immer wieder ist der Besucher überrascht, wenn er in die Wohnunb Trenkers kommt; jedestnal zeigt er voller Freude irgendeine neue Liebhaberei. Auf Sockeln und Podesten stehen hohe Heiligenfiguren, an den Wänden, die meist glatt und weiß sind, hängen Heiligenbilder, jahrzehntealte Bauernmöbel stehen in den Zimmern. Doch all diese Figuren, Bilder, Tische und Möbel sind eingefügt in das Ganze einer großstädtischen Wohnungseinrichtung. Die Stühle, Hocker und Sessel hat sich Trenker zum Teil selber zurecht gezimmert. So ist das Innere seines Heims eine Mischung alter Bauernmöbel, neuzeitlicher Wohnungskultur und eigener Bauarbeit. Doch wiederum ist alles vereinheitlicht zu dem ganz persönlichen Stil eines naturnahen, künstlerischen Menschen. Vergeblich sucht man hier nach Manieriertheiten oder Protzereien. Es würde dem Wesen dieses Menschen auch nicht entsprechen, denn Trenker selbst, ausgebildeter Architekt, der in Tirol einige Bauten schuf, hat die Einrichtung seines Hauses entworfen. So einfach, aeradeweg und eigenwillig wie Trenker selbst ist sein Heim. Darum auch fühlen sich feine Gäste vom ersten Augenblick an wohl und „wie zu Hause", vorausgesetzt, daß der Besucher ein schlichter Kerl ist, ein Kerl, wie ihn Trenker liebt: ohne Falsch und Getue! Wenn Trenker freie Zeit hat (was allerdings selten vorkommt), dann sitzt er, seine unentbehrliche Pfeife im Mund, am Fenster und schnitzt an den Heiligenfiguren, kratzt die von den Bauern aufgetünchte grellbunte Farbe ab, um das echte Holz wieder zum Vorschein zu bringen; eine mühselige Arbeit, die Geduld und vor allem viel intuitives Verständnis erfordert. Gern tollt er mit seinen beiden kleinen Kindern Florian und Luis Ferdinand herum, im Garten oder Zimmer. Wer nach dem Geheimnis der Trenker-Filme und -Bücher fragt, muß einmal Trenker selber gesprochen haben, um zu wissen, daß das „Geheimnis" lediglich im Menschen Trenker liegt, in seinem Wesen, in seiner Persönlichkeit, die eigenwillig, orginell und — ganz einfach ist. Es ist wohl auch Der Weg zum Film. Bon Or. Fischer, Gießen. Als die nationalsozialistische Regierung die politische Führung im Filmwesen übernahm und diesem seine besondere kulturpolitische Aufgabe übertrug, galt es unter anderem vor allem, das Starunwesen auszuschalten, das der gesunden Entwicklung der verhältnismäßig jungen Filmindustrie oft die größten Schwierigkeiten machte, und überdies keinen Platz mehr in der nationalsozialistischen Aus- sassung vom Filmschaffen beanspruchen konnte. Es war notwendig geworden, in anderer Weise als bisher die R a ch w u ch s f r a g e zu lösen. Heute führt der Weg zum Film für den jungen Schauspieler einzig und allein über den Filmnachweis, der berufenen Kräften alle denkbare Gelegenheit gibt, ihre Filmfähigkeiten unter Beweis stellen zu können. Aussicht auf Erfolg können selbstverständlich nur wirkliche Talente haben, denn hier geht es nicht darum, einmal einen Versuch zu machen, bei dessen Mißlingen kein allzu bedeutender Schaden entstehen kann. Der Film ist in seiner Vielheit als Geistesprodukt, das zur Erbauung, Erziehung und Unterhaltung dient, vor allem Kunstwerk, doch daneben in nicht zu unterschätzendem Maße auch Jndustrie- produkt und Handelsware, die gewaltige Kapitalien in Bewegung setzt. Bei der Filmherstellung wird der Produzent stets ein großes Risiko tragen müssen. Der Erfolg muß irgendwie gesichert sein, sei es durch die Bearbeitung einer vielversprechenden Filmvorlage oder durch günstige Besetzung der Rollen mit bereits anerkannten Filmlieblingen. Der Film muß gewöhnlich das Dreifache seines Herstellungswertes an Gewinn bringen. Schon ein mittlerer Spielfilm kostet rund 2 0 0 000 Mark, von denen für die Stargagen ein starker Prozentsatz in Anrechnung gestellt werden muß. Für zweifelhafte Experimente kann die Filmindustrie begreiflicherweise weniger denn je Kapttal aufs Spiel setzen, und es können daher nur wirklich filmgeeignete Kräfte zum Zuge kommen und beim Filmnachweis Berücksichtigung finden. Heute schon kann man feststellen, daß die Filmproduzenten sich dieser Neuerung auf dem Gebiete der Rollenbesetzung gut angepaßt haben und in fast allen Fragen, die den Nachwuchs betreffen, die Vermittlung des Filmnachweises in Anspruch nehmen. Gerade in letzter Zeit sind so zwei junge, bisher unbekannte Schauspielerinnen, Inge Schmidt und Erika D a n n h o f f, für den Film „entdeckt" worden, die sich in den beiden Filmen „Stradivari" und „Liebesträume", die in Vorbereitung sind, zum ersten Male dem Kinopublikum vorstellen werden. Aber es gibt immer noch genügend filmromantisch veranlagte Naturen r— ein Blick in den Briefkasten die immer wieder anziehende Echtheit und Unverfälschtheit Trenkers, die gerade und unbekümmerte Art seines Lebens, die auch sehr stark in seinen Büchern sichtbar wird. Er ist immer der Kamerad, der Freund, der die Menschen um ihrer selbst willen liebt. Er ist so einfach, wie nur ein Mensch sein kann; temperamentvoll und voller Anteilnahme für alle Dinge des Lebens. Hilfsbereit und voller Zutrauen, wenn man ihm Vertrauen entgegenbringt. Wer sich mit Trenker „überwirft", wird immer erst bei sich selber anfragen müssen! Er ist nie nur der Künstler, der. uns interessiert, vielmehr der freie Mensch Trenker, der in seiner Frische und Urwüchsigkeit besonders die Jugend auf seiner Seite hat. Und die Jugend, vor allem natürlich die sportlich interessierte, ist es, die seine Filme sieht, seine Bücher liest, weil sie in ihnen ihr eigenes Leben gespiegelt sehen, so wie es ist oder wie es sein könnte: männlich und energisch, mutig und tapfer! So kommt es, daß Hunoert- tausende seine Filmwerke sahen und Hunderttausende seine Bücher lesen. Es hieße Trenker falsch verstehen, wollte man von ihm sagen, er sei ein „Dichter"! Nein, er selber weiß es und möchte nicht, daß man ihm diesen Titel gibt. Gute Bücher will er schreiben, die der Jugend Antrieb und Mut geben, gute Filme will er machen, in denen „Einfachheit und Wahrheit die Grundsätze bilden müssen", wenn er zum Volke sprechen soll. Seine letzten großen Filme „Der Rebell", „Berge in Flam- m e n" und „Der verlorene Sohn" haben gezeigt, daß Trenker auf dem richtigen Wege ist. Hier soll noch von seinem letzten Roman „Der verlorene Sohn gesprochen werden, der wiederum von vielen Tausenden gelesen wurde. Dieser Roman schildert, wie der Film, den Kontrast zwischen Pflicht und Sehnsucht, zwischen der majestätischen Schönheit des Landes und der erdrückenden Größe und Wucht der Großstadt. Dieses Thema eines jungen Bauernburschen, den es in die Ferne, in die große Weltstadt lockt, dort ein ihm wesensfremdes Leben lebt und später wieder in sein kleines Gebirgsdorf zurückkehrt, hat Trenker mit einer Idee verbunden die ihm schoi* Jahre oor- schwebte. Das ist das Thema der Rauhnacht, wie es Richard B i ll i n g e r in seinem Theaterstück gestaltet hat. Das sind die gespenstischen, erregenden, märchenhaften Gebräuche der Bauern zur Zeit der Rauhnacht, in der tolle Allotria, ein geistervoller Mummenschanz, ein aus der nächtlichen Düsterheit der Landschaft emporsteigendes, unirdisches Treiben herrschen. Der Bauernbursche Tonio Feuersinger, der sich durch den mörderischen Betrieb Neuyorks geschlagen hat, es vor Heimweh und Sehnsucht nicht länger aushielt, kommt gerade zur Zeit der Rauhnacht in das Gebirgsdorf zurück und wird durch dieses naturverbundene, seinem eigentlichen Wesen so nahe Treiben und Leben wieder vollends gefangengenommen. „Wer nie fortkommt, kommt nie heim', dieses weise Wort des Dorflehrers hat Tonio in feiner ganzen Schwere erfahren müssen. Es war ein großer Stofs, an den Trenker sich wagte, im Film wie im Roman. Das uralte Thema vom verlorenen Sohn der Bibel und doch auch wieder das neue, zeitgemäße vom Bann der ewigen Heimatscholle. Nun wird Trenker bald für lange Zeit wieder aus Berlin verschwunden sein, und der Besucher wird vergeblich fragen, ob er zu sprechen sei. Nem! Trenker geht nach Mexiko, um dort seinen neuen großen Film „Der Kaiser von Kalifornien" zu drehen. Berliner Filmbrief. „Wunder des Fliegens." Zum Anfang bleibt einem der Atem aus, aber dann aewöynt man sich daran: Ernst U d e t führt seine Kunststücke mit der selbstverständlichsten Ruhe und Überlegenheit aus, daß man die Gefahren, die ihm eigentlich in jeder Minute drohen, vollständig vergißt und sich der reinen Freude des Fliegens hingibt. Die Fabel des Films ist gana einfach und nur eben nötig, um dem Ganzen so etwas wie ein Gerüst zu geben. Ein Junge will Flieger werden, und die Mutter erlaubt es nicht, weil der Vater als Kampfflieger fein Leben hergab. Dann kommt aber Meister Udet und räumt — zusammen mit der Begeisterung des Jungen — die Bedenken hinweg. Der Wunsch des Jungen geht in Erfüllung. Und dann fliegt Udet, dann fliegen sie beide zusammen. Der Akrobat in den Wolken schraubt seine Maschine bis auf 4500 Meter hoch und läßt sie dann heruntertrudeln, bis er sie in einem sanften Gleitflug auffängt. Er landet auf einem Schneefeld im Jungfraugebiet, und das bringt er ebenso geschickt und verblüffend leicht fertig wie. den Flug unter einer Brücke hindurch. Er stellt seine Maschine zum Zeitvertreib auf den Kopf, macht die tollsten Kapriolen und zeigt sich ganz als Herr der Lüfte. Dabei ist nicht die Sensation die Hauptsache, sondern das wundervolle schwebende Gefühl des Fliegens, das auf den Zuschauer übertragen wird. Udet läßt uns hinreißeno miterleben, was er beim Fliegen empfindet Diese sympathische Ehrlichkeit, dieses so gar nicht Schauspielerhafte ist es, was uns mit dem Menschen Udet so herzlich verbindet. Er spielt sich selbst und gibt sich so natürlich und humorvoll und dann wieder so ernst und willensstark, wie er eben in Wirklichkeit auch ist. Ihm zur Seite der einstmalige „Hitlerjunge Ouex", Jürgen Ohlsen, und die besorgte Mama Käthe Haack, die beide ihre Sache sehr brav machen. Die herrliche Photographie stammt von Schneeberger und Jaworski. „Mein Herz der Königin". Es ist die hohe Zeit der Kostüm-Filme. Man dreht fast durchweg historische Stoffe. Die amerikanischen und die englischen Produzenten vor allem grafen die Geschichte ab. Nach den königlichen Liebhaberinnen Katharina und Christine kommt jetzt der „Fall" Caroline von Dänemark — Dr. Struensee an die Reihe. Der Hamburger Medikus wird am Hose des geisteskranken Königs Christian ein mächtiger Mann, gewinnt das Herz der jungen Königin und muß diese Kühnheit — hinzu kommt seine allzu freundliche Haltung dem Volke gegenüber — mit dem Tode büßen. Eine ungewöhnliche Laufbahn, ein prachtvolles Milieu, ein Thema, das immer zieht: Politik und Liebe — und doch wird dies alles nicht in solcher Ursprünglichkeit gebracht wie bei den Vorgängern des Films. Hier haben wir schon die zweite Garnitur. Der Regisseur Victor Saville hält sich hauptsächlich an das Kostüm- liche, die Pracht des Kopenhagener Hofes und an die scharfe Gegenüberstellung der Charaktere. Er holt feine Wirkung aus einer ziemlich primitiven Schwarzweiß-Zeichnung der Menschen, obwohl er über gute Schauspieler verfügt. Der Struensee- Darsteller, Clive Brook, hat Haltung und Eleganz und erreicht im Spiel mit Madeleine Carroll, der Königin, beachtliche Höhepunkte. Eine interessante Leistung ist die Darstellung des Vereines Filmmagazins beweist dies sattsam —, die sich den Weg zum Film denkbar einfach und unbeschwerlich vorstellen. Vielfach genügt schon die schmeichelhafte Feststellung einer Garbo-, Marlene- oder Willi-Fritsch-Aehnlichkeit, um in einem jungen Menschenherzen einen falschen Ehrgeiz nach Filmruhm zu erwecken. Wie oft schon versanken Mädchen und Jünglinge auf der Schulbank, hinter der Ladentheke, der Schreibmaschine und überall sonst, wo in harter Arbeit einer alltäglichen Beschäftigung nachgeganaen wird, in Träume, sich einst als Filmstar auf der Leinwand bewundert zu sehen. Sie alle, die sich durch ihre äußere gute Erscheinung vor den anderen auszeichnen, hoffen eines Tages durch einen „Filmonkel" entdeckt zu werden, um ein kleines Leben voller Sorgen und eintöniger Arbeit mit den unerschöpflichen Freuden eines Filmhelden zu vertauschen. Aber gerade der Weg zum Film, der doch anscheinend so leicht zu beschreiten ist, denn ein gutes Photographiergesicht muß doch schon genügen, hat leider bereits zu vielen Enttäuschungen geführt, ja vielleicht schon so stark abgeschreckt, daß der hoffnungslose Filmanwärter gerne wieder zu seiner altgewohnten Tätigkeit zurückkehrt und niemals wieder das Verlangen hat, als Stern am Filmhimmel glänzen zu wollen. Jeder, der einen alltäglichen Beruf erwählt hat, kann auf Grund seiner Fähigkeiten und der Erfahrung anderer seine Chancen annähernd selbst abschätzen. Man hat Einsicht in einen Betrieb gehabt, und man weiß ungefähr, wie sich die zukünftige Tätigkeit abspielen wird. Anders ist die Sache beim Film, den man in den meisten Fällen nur aus der Perspektive des Theaterbesuchers kennen lernte, weil durch die Konzentration der Filmindustrie an nur wenigen Plätzen für den gewöhnlichen Sterblichen zu wenig Gelegenheit besteht, einen Einblick in das Filmschaffen zu erhalten. Deshalb ist die Hauptursache aller Filmenttäuschungen in der mangelnden Vorstellung vom Werdegang eines Filmes zu suchen. Wer jemals einer Filmaufnahme im modernen Tonfilmatelier als Gast ober Mitarbeiter beigewohnt hat, wird erkennen müssen, daß der vermeintliche „Filmzauber" in Wirklichkeit sachlichste Arbeit ist, die den gesamten Einsatz an geistigen und körperlichen Kräften eines jeden Filmschaffenden völlig beansprucht. Aber es gibt trotzdem noch einige Unentwegte, die immer wieder die Büros der Filmgesellschaften mit ihren Wünschen, Filmstar werden zu wollen, überlaufen und an ihrem Entschluß festhalten, bis sich einmal ein Aufnahmeleiter entschließt, einen Probestreifen von dem Betreffenden anzufertigen. Doch was erwartet den Kandidaten, der vielleicht als Held einer Liebhaberbühne schon häufig Lorbeeren ernten konnte, und der sich lampenfieberfrei glaubt? Allein die ganze ungewohnte Atmosphäre des Tonfilmateliers, wo es wie in einem Bienenhaus schwärmt und schwirrt, benimmt ihm etwas den Atem und macht ihn leicht nervös. Er merkt sofort, daß man hier wenig Spaß versteht. Dort versuchen Regieassistenten in eine Volksmasse Bewegung zu bekommen, während hier der Regieführer den Trägern der Hauptrollen nochmals in eindringlichem Gespräch Spielanweifungen gibt, Kulissen werden oorbeigeschleppt, ein Gewirr von Kabeln ist auf dem Boden ausgebreitet, irgendwo ertönen Hupensignale. Die Luft ist durch die stark strahlenden Scheinwerfer überhitzt und mit einem betäubenden Puder- und Schminkeduft erfüllt. Also, Fräulein Schulze oder Herr Lehmann: bitte zur Aufnahme. Ein Raum ist als Zimmer hergerichtet. Verschüchtert betritt der Neuling den Schauplatz, während sich auf lautlosen Rädern ein Ungeheuer an ihn heranschleicht und fein starres, gewaltiges Auge drohend auf ihn richtet. Kommandos, Hupensignale; rote Lichter flammen im Atelier und vor den Türen auf: Ruhe! T o n f i l m a u f n a h m e ! Jetzt ist der Novize soweit, daß er den Rest feiner Nerven zu verlieren beginnt. Aber plötzlich ist er in eine solche Flut von grellem Scheinwerferlicht getaucht, daß er sich bis in fein Innerstes völlig entblößt fühlt. Ein Mann mit einer Holzklappe, auf der mystische Zeichen stehen, springt nun geduckt vor, und das Geschehen nimmt seinen Anfang. Doch wo sind dem Filmhelden Bewegung und Sprache geblieben? Nur mit Mühe hält er seine Augen gegen das blendende Lichtmeer offen, die einfachste Bewegung nach vorne bedeutet für ihn einen folgenschweren Entschluß, und was er aus dem Stegreif sprechen soll, ist eitel Gepiepse und Gekrächze. Unerbittlich rollen die Bänder in Bild- und Tonapparatur, und minutiös wird der Vorgang registriert. Wieder ertönen Signale durch das Atelier und im nächsten Augenblick ist der Raum wieder von Lärm erfüllt. Während alles seinen gewohnten Gang geht, wird die Probeaufnahme zur Aufführung rasch vorbereitet. Das Richterkollegium und das Opfer feiner Eitelkeit betreten den kleinen Vorführungsraum, der sich gleich darauf verdunkelt. Auf der Leinwand erscheint nun ein Wesen, das mehr einer Ausstellfigur eines Konfektionsgeschäfts als einem Menschen von Fleisch und Blut ähnelt. So sind auch die Bewegungen: hölzern, steif, wie an Drähten gezogen. Zunächst scheint dieses Wesen vollkommen stumm zu sein, dann kommen aber nach einigem Würgen in der Kehle Laute, die nicht zu definieren sind und an die Sprachversuche eines Taubstummen erinnern. Da verließen sie ihn, nämlich die Filmsachverständigen, die bis jetzt nur mit Mühe ihre Heiterkeit unterdrücken konnten. Draußen dann schal- lelndes Gelächter. „Den sind wir endgültig los geworden!" — und sehr verbindlich zu Fräulein Schulze oder Herrn Lehrmann: „Es war zwar sehr trottelten Königs von Emlyn Williams. Eine intrigierende Königin-Mutter ist Helen H a y e. „Der Graf von Monte Christo-. Man hat mit Spannung auf diesen Film gewartet. Schon viermal ist der Roman von Dumas verfilmt worden, noch zur Zeit des stummen Films. Dieses unerhört svannende Buch hat immer wieder Zur Verfilmung gelockt. Von diesem neuen Film hotte man viel erwartet, zumindest eine wirklich fesselnde Wiedergabe der Rvmanhandlung. Aber der amerikanische Regisseur Rowland V. Lee hat nichts von der Spannung des Romans in den Film zu übernehmen verstanden. Manches in der Art der Darstellung und Auffassung wirkt überaus naiv, und das Publikum hatte Grund, zuweilen recht herzhaft zu lachen. Robert D o n a t als Graf von Monte Christa ist zwar ein schöner und vornehmer Mann, aber in seiner Rolle keineswegs überzeuaend. Seine Partnerin Mercedes — von Elissa Q a n b i dargestellt — zeigte manche guten Ansätze. Alles in allem aber ist es jammerschade um Zeit, Mühe und Geld, die man für diesen Film aufwandte. Die deutsche Bearbeitung hatte Curt Wesse übernommen. Hier zeigt sich mal wieder, daß die Synchronisierung noch immer ziemliche Schwierigkeiten bereitet. „Endstation." Der sommerliche Film marschiert. Man macht die Erfahrung, daß er durchaus ohne jede Lustspiel- blodelei sein kann. Auch ein leichtes Sommerspiel soll nämlich ernsthaft und gründlich durchgearbeitet sein. Wenn Paul Hörbiger die Regie in die Hand nimmt, dann kann man sich daraus verlassen, daß nichts geschludert wird. In dem Film „End- ftation", der uns die Geschichte eines Straßenbahnschaffners erzählt, ist jede Szene durchgefeilt und von echtem Humor getragen. Natürlich kommt uns Hörbiger wienerisch, und zum Unterschied von vielen „Wiener" Filmen trifft man hier echte, schwingende Atmosphäre an. Gut ist der volksstückhafte Ton getroffen, und auch die Dialoge sind recht ordentlich. Paul Hörbiger spielt selbst die Hauptrolle, und er bewährt sich auch hier aufs beste. Neben ihm ist Hans Moser die stärkste Stütze des Spiels. Wenn er oder Hörbiger auf der Leinwand erscheinen, dann erhebt sich das leichte Lustspiel zu den Höhen der großen Komödie. Maria Ander- g a ft ist anmutig und innig die Partnerin Hörbigers. Ausgezeichnet spielen ferner Josephine Dora, Etta Klingenberg, Oskar S a b o , Hubert von Meyerinck, Oskar Sima. „Ehestreik". Das Bühnenstück von I. P o h l ist uns im Film wiedererstanden. Fast könnte man sagen, besser als zwischen den Kulissen läßt sich dieses Volksstück auf der weiten Naturbühne der verschneiten Alpenlandschaft inszenieren. Derb und kräftig der Humor — wahre Lachsalven unterbrachen die wirklich gelungenen Dialoge. Wie aus einer Moralpredigerin eine Männerwütige wird, wie der Ehestreik der Frauen buchstäblich in den Schnee fällt, das haben die Manuskriptschreiber A. I. L i p p l und Walter F o r st e r gut herausgearbeitet. Georg Jacoby hat alles in eine schmissige Form gefügt. Trude Marlen spielt die Kellnerin, die das ganze Dorf durcheinanderbringt und zum Schluß glücklich an den Mann gebracht wird: an Paul Richter. Die Moralpredigerin ist Erika von Thell- mann, ihr Partner, der zum Schluß daran glauben muß, frisch und urwüchsig. Oskar Sima. Gleich gut sind Hermann Erh ard t, Heli Finke n z e l l e r, Theodor Sanegger und Elise Aulinger. interessant, und Sie sehen wirklich sehr gut aus, aber für den Film — na, Sie haben sich ja selbst überzeugen können." Der Traum ist aus. In vielen Nächten wird das Fiasko noch als zentnerschwerer Alb auf der Brust des Filmruhmsücht'^en sitzen; er kehrt überglücklich in seinen gewohnten Wirkungskreis zurück und ist ein für allemal von feinem falschen Ehrgeiz geheilt. Oer Film widerlegt falsche Alibis. Schon verschiedentlich ist der Film in den Dienst der Aufhellung und Verfolgung von Verbrechen gestellt worden, und seit langem wird in mehreren Ländern der Plan erwogen, dem Steckbrief durch Vorführung in allen Kinos eine größere Verbreitung und Wirksamkeit zu verschaffen. Nun ist vor dem Gericht von Chesterfield in England zum erstenmal in der Geschichte des Jnselreichs von der Polizei ein Film zur Beweisführung herangezogen worden, der von einem Beamten in aller Heimlichkeit mit einem besonders dafür geeigneten Apparat gedreht worden ist und der eine Länge von rund hundert Metern besitzt. Es handelte sich um einen Prozeß gegen die Beteiligten an gesetzlich verbotenen Wetten und gegen illegale Buchmacher. Der Polizei von Chesterfield war das Treiben auf dem Marktplatz der Stadt bereits seit einigen Monaten verdächtig erschienen, und es fiel auf, daß sich erwerbsmäßige Buchmacher, die sich wegen unerlaubter Geschäfte schon mehrfach vor den Gerichten zu verantworten hatten, häufig zu bestimmten Stunden an dem Platz aufhielten, daß sie ihre Anwesenheit aber immer leugneten, wenn diese Tatsache als Beweis für ihre Schuld herangezogen werden sollte. Die 39 Personen, die jetzt in 50 Fällen wegen Übertretung der Gesetze gegen das Wett- und Buchmacher-Unwesen angeklagt sind, haben das zweifelhafte Vergnügen, die ersten Opfer des Kurbelattentats eines Beamten zu sein, dem die Beibringung der falschen Alibis seitens der Beschuldigten schon immer großen Verdruß bereitet hatten. Die Angeklagten waren jedenfalls äufeer# verblüfft, als der Saal plötzlich verdunkelt wurde und eine regelrechte Filmvorführung ihren Anfang nahm. Zuerst ließ man den Streifen in normaler Schnelligkeit ablaufen, bann aber wurde das Tempo beim zweitenmal an den entscheidenden Stellen so verlangsamt, daß alle Einzelheiten genau zu verfolgen waren. Die Bilder auf der Leinwand wurden von dem Beamten mit entsprechenden Erklärungen begleitet. — Die Anwendung dieses neuen Mittels im Dienste der Kriminalistik hat in der Oeffentlichkeit eine grundsätzliche Auseinandersetzung ausgelöst; jedenfalls dürfte dem Film in Zukunft auch auf diesem Gebiete eine noch stärker« Bedeutung als bisher zufallen. Wirtschaft konzert. Freitag. 12. Juli. 160, Daimler 97,90, Deutsche Erdöl 113,40 bis Sportschau der Woche. 23: Die Polizei. Funkbericht 6 Uhr: Choral — Morgenspruch. Gymnastik. 6.15: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 9.15: Musik am Morgen. 10.50: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mrttagskonzert I. 13: Nachrichten; anschließend Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtschaftsbericht. 14.45: Sendepause. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau. 16: Klaviermusik. 16.30: Der Himmel im Juli — Wie beeinflußt unsere Sonne die Planeten und Kometen? Vortrag von Prof. E. Sittig, Frankfurt a. M. 16.45: Japan, der Staat im Osten (II). Großindustrie auf schmaler Rohstoffbasis. 17: Bunte Musik am Nachmittag. 18.30: Jugendfunk. 18.45: Das Leben.spricht! 19: Unterhaltungskonzert. 19.40: „Rundfunkhörer und Rundfunkstörer." Zwiegespräch zwischen Dr.-Jng. Dominik und Dr. Dennhardt. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der Nation. 20.55: Die Landschaft spricht: Das Nassauer Land. 21.30: Unterhaltungskonzert. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk und Sportbericht. 22.20: Das offizielle Rundfunkschrifttum. 22.30: in Angriff genommen. Im. Juni wurden im ganzen 690 Meter gebohrt, wobei wieder an verschiedenen Stellen Eisenerzlager nachgewiesen wurden. * ** Hessische L a n d e s h y p o t h e k e n b a n k A. G. in D ar m st ad t. Das Institut konnte in 1934 das Neugeschäft noch nicht aufnehmen, es beschränkte sich demgemäß hauptsächlich auf die Abwicklung des Aufwertungsgeschäftes. Für das abgelaufene Geschäftsjahr ergibt sich nach Abschreibungen von 224 132 (289 783) RM. einschl. 47 224 (46 500) RM. Vortrag ein Reingewinn von 184 566 (197131) RM. Daraus sollen wieder 5 v. H. Dividende auf 1,68 Mill. RM. Aktienkapital ausgeschüttet werden, 20 000 RM. fließen dem gesetzlichen Reservefonds zu, 30 000 RM. erhält der Pensionsund Unterstützungsfonds. 50 566 RM. verbleiben zum Vortrag auf neue Rechnung. Nach der Er- folgrechnung erbrachten u. a. Zinsen 1,24 (1,28), außerordentliche Erträge 139 627 (114 327) RM., sonstige Erträge 96124 (221 143) RM. Anderer- eits erforderten Personalaufwendunqen 146 777 (150170) RM., Zinsen 830 474 (875 884) RM. * 56630 Genossenschaften in Deutschland. Die Bestandsentwicklung der deutschen Genossenschaften hat eine weitere Zunahme erfahren. Durch einen Reinzuwachs von 46 Genossenschaften steigerte sich der Gesamtbestand aller deutschen Genossenschaften am 1. Juni 1935 auf 56 630. Erwähnenswert ist die stärkere Entwicklung der Lieferungsgenossenschaften. Auch im Mai wurden wieder 26 Genossenschaften, meist Landeslieferungs- genossenschaften der verschiedenen Handwerksarten, errichtet. * Großer Exporterfolg der Adam- Opel - A G. Im verflossenen Monat Juni erreichte der Opel-Export seinen bisherigen Höchststand. — Nicht weniger als 1411 Wagen haben in diesem einen Monat das Rüsselsheimer Werk nach den europäischen und Ueberseemärkten verlassen. — Im ersten Halbjahr 1935 wurden insgesamt 6587 Opelwagen exportiert. Das bedeutet eine Zunahme von 28 v. H. gegenüber dem ersten Halbjahr 1934 und von 63,7 v. H. gegenüber dem gleichen Zeitraum 1933. Diese ständige Steigerung ist nicht allein für die Stärkung der deutschen Handelsbilanz bedeutungsvoll, sondern in hohem Maße auch für die Erhaltung und Mehrung der Beschäftigung der deutschen Industrie. Wenn von 7978 Wagen, die im Juni ab Rüsselsheim versandt wurden, 1411 = 17,7 v. H. ins Ausland gingen, so ist das eine außer- Weizenmehl bleibt im August 1935 unverändert. Die Anordnung ist im Hinblick auf die Verossent- lichuna im Verkündigungsblatt des Reichsnährstandes vom 13. Juli 1935 mit Wirkung vom 2. Juli 1935 in Kraft getreten. Mein-Mainische Börse. Tendenz behauptet. Frankfurt a. M., 9. Juli. Die Börse wies heute nur sehr kleines Geschäft auf, da der Auftragseingang gegenüber den Portagen eine merkliche Verringerung erfahren hat. Die Grundstimmung blieb indes freundlich, etwas Anregung bot die günstige Entwicklung der Reichssteuereinnahmen. 15. Juli 1935 bei dem zuständigen Amtsgericht gestellt werden. Er ist unzulässig, wenn die frühere Entscheidung ausschließlich auf einem der im § d Abs. 1 Nr. 1, 3 bis 6 des Gesetzes genannten Ablehnungsgründe beruht. Danach ist eine Wiederaus- nahmemöglichkeit nicht gegeben, wenn die Eröffnung des Verfahrens aus nachstehenden Gründen abgelehnt wurde: 1. Ueber das Vermögen des Betriebsinhabers ist das Konkursverfahren eröffnet. 2. Der Betriebsinhaber hat Schulden im Hinblick auf die beabsichtigte Inanspruchnahme des Entschuldungsverfahrens ausgenommen. 3. Persönlichkeit und Wirtschaftsweise des Betriebsinhabers bieten nicht die Gewähr für eine erfolgreiche Durchführung des Verfahrens. 4. Der Betriebsinhaber hat auf Entschuldung ver- zichtet. Ist ein Entschuldungsoerfahren aus Gründen vorstehender Art nicht eröffnet oder aufgehoben worden, so besteht keine Wiederaufnahmemöglichkeit. In allen anderen Fällen ist die Wiederaufnahmemöglichkeit gegeben. Es wird insbesondere darauf hingewiesen, daß Anträge nur bis zum Ablauf des 15. Juli bei dem zuständigen Amtsgericht gestellt werden können. Rundsunkprogramm. Donnerstag, 11.3ulL 6 Uhr: Choral — Morgenspruch. Gymnastrk. 6.15: Morgenmusik. In der Pause: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 9.15: Musik am Morgen. 10.15: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.30: Sozialdienst. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtschaftsbericht. 14.45: Sendepause. 15: Nachrichten der Gauleitung. 15.15: Kinderfunk. 16: Kleines Konzert. 16.30: Kunst und Glaube. Briefe für künstlerische Menschen. 16.45: Die Kulturhöhe unserer germanischen Vorfahren als Wurzel eines starken Nationalbewußtseins (I). Von Carl Duisberg. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Kunstbericht der Woche. 18.35: „Herr Petereit stellt sich vor." Eine heitere Satire auf den deutschen Spießer. Von Felix Riemkasten. 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Fischzug im Aethermeer. Eine verzwickte musikalische Sendefolge. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk und Sportbericht. 22.20: Unterhaltungskonzert. 22.45: Aus neueren deutschen Opern. 24 bis 2: Nacht- Jetter 88,50, Feldmühle 123,50, Felten 109, Goldschmidt 111,25, Holzmann 95,50, Metallgesellschaft 115 50, RWE. 135, Schuckert 125,50, Siemens 18C50, Schöfferhof 178, Schantung Handels AG- 82, Hapag 35,50. Rindermarkt in Gießen. Gießen, 10. Juli. Auf dem gestrigen Nutzvieh- und Rindermarkt in Gießen waren 788 Stück Großvieh 272 Stück Fresser und 178 Stück Kälber auf- getrieben. Es kosteten: Milchkühe oder hochtragende Kühe 1. Qual. 400 bis 520 Mk., 2. Qual. 280 bis 360 Mk., 3. Qual. 170 bis 220 Mk.; Rinder, Vi—'A1 jährig, 110 bis 170 Mk., 2jährig 160 bis 240 Mk., tragend 220 bis 450 Mk.; Kälber bis zu zwei Wochen 26 Mk., bis zu vier Wochen 40 Mk., bis zu sechs Wochen 52 Mk. Der Marktverlauf war mittelmäßig. Es wurde ausverkauft. Frankfurter Obff- und Gemüfemarkt. Frankfurt a. M., 9. Juli. Gemüse: Zufuhren von Blumenkohl, Bohnen, Gurken, Karotten, Frühkartoffeln und Tomaten gut, von Erbsen, Kohlrabi, Kopfsalat, Weißkraut und Wirsing ausreichend, von Rotkraut und Spinat gering. Geschäftsgang zufriedenstellend. Preise für Bohnen nachgebend, für Sälat und Spinat höher, sonst kaum verändert. U. a. notierten Blumenkohl I 20—50, II 10—15, Bohnen Treibh. 28—30, dto. Freiland 25—28, Erbsen 8—12, Gelbe Rüben 25 bis 40, Salat-Gurken 15—45, dto. holl. 18—30, Einmach-Gurken 100 Stück 2,50—3,50, Karotten 1 Pfd. 7—S, Kohlrabi 4—7, Kartoffeln Erstlinge 8,50—8,75, ital., 10—11, Kopfsalat 5—10, Rettich 5—15, Römischkohl 5—6, Rotkraut 15—18, Spinat 12—20, Tomaten I 30-40, II 20—25, Weißkraut 6,5—8, Wirsing 9—12, Zwiebeln 8—9, 8,5—9 ital. Obstmarkt: Erdbeerenangebot nachlassend, aber ausreichend. Gute Zufuhren von Heideldee- ren, Himbeeren, Johannisbeeren und Kirschen, Stachelbeeren genügend, von Aprikosen und Pfirsichen gering. Bei durchweg höheren Preisen verlief das Geschäft lebhaft. U. a. notierten: Apri- kosen 40—50, 35 ital., Erdbeeren I 35—40, II 25 bis 32, III 20—22, Walderdbeeren 70—75, Heidel- beeren 26—28, Himbeeren 30—35, Johannisbeeren 14—17, Kirschen I 28—38, II 22—25, Sauerkirschen 25—35, Pfirsiche 38—50, 30—45 ital., Stachelbeeren 15—25. \ Bei der Durchführung des Gesetzes zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldverhaltmsse hat sich gezeigt, daß in vielen Fällen die Eröffnung beantragter Entschuldungsverfahren abgelehnt wurde iber auch eröffnete Verfahren wieder aufgehoben wurden aus Gründen, die mit den aeltenden Bestimmungen und dem Grundgedanken des SchMden- regelungsgesetzes nicht vereinbar waren. Dor Erlaß der 7 Durchführungsverordnung bestand keine Möglichkeit, den betroffenen Betriebsinhabern eine Schuldenregelung nach den Vorschriften des Gesetzes zu ermöglichen. Dieser Tatbestand mußte von den Betroffenen als ungerecht empfunden werden. Die 7. Durchführungsverordnung zum Schuldenregelungsgesetz hat die erforderlichen gesetzlichen Besinn- mutigen zur Wiederausnahme zu Unrecht abgelehn- ter Entschuldungsverfahren gebracht. Im Artikel 43 ist folgendes bestimmt: 3ft vor Inkrafttreten diesex Verordnung em Antrag auf Eröffnung des Entschuldungsversahrens oder ein Selbstentschuldungsantrag abgelehnt oder ein eröffnetes Schuldenregelungsverfahren aufgehoben worden, so kann das Entschuldungsamt auf Antrag des Betriebsinhabers die ergangene Entscheidung abändern, wenn sie den geltenden Bestimmungen nicht entspricht." Der Antrag kann nur bis zum Ablauf des Die Wiederaufnahmemöglichkeiten a-gelehnter Entschuldungsverfahren Antragsfrist: 15. Juli. 11,35 (11,25). Tagesgeld blieb zu 3 v. H. unverändert. Abendbörse knapp behaupfef. Die Abendbörse nahm auf allen Marktgebieten einen sehr stillen Verlauf. Aufträge lagen kaum vor, was die Kulisse zu weiteren kleinen Realisationen veranlaßte. Infolgedessen konnten sich die schon ermäßigten Mittagsschlußkurse in den meisten Fällen nur knapp behaupten, die Rückgänae hielten sich im Rahmen von 0,25 bis 0,50 v. H. Niedriger lagen in der Hauptsache die in den letzten Tagen stark gestiegenen Montanaktien. Am Einheitsmarkt zogen Schantung Handel AG. auf 82 (80) an. Der Rentenmarkt lag nahezu geschäftslos, und kursmäßige Veränderungen traten nicht ein. U. a. notierten: Altbesitz 112,40, Reichsbahn-VorzugsAktien 123,65, 6 v. H. Krupp 104, Farben-Bonds 127,50, 4,5 v. H. Rhein. Hyp. Gold R 18/25 96,25, 4,5 v. H. Franks. Hyp. Bank K —O 93,75, 4 v. H. Oesterr. Gold 32,25, 4 v.H. Ungarn Gold 11, 4 v. H. Rumänen 6,13, 4 v. H. SBV. 194, 3,5 v. H. SBV. 180, Commerzbank 92,50, Dresdner Bank 93,75, Reichsbank 192, Buderus 108,75, Harpener 114, Klöckner 103,40, Mannesmann 92,50, Hoesch Eisen 108, Rheinstahl 114,75, Stahlverein 88,90 bis 88,75, AKU. 67, AEG. 47,13, BMW. 127,50, Conti Gummi Am Aktienmarkt war die Kursbildung uneinheitlich. Infolge der nur geringen Publikumsbeteiligung erfolgten seitens der Kulisse einige Realisationen. Im allgemeinen bewegten sich die Veränderungen im Rahmen von 0,25 bis 1 v. H. Besonders ruhig verkehrte der Montanmarkt, die .Kurse lagen aber noch mäßig höher. Rheinstahl, Stahlverein und Buderus zogen bis 0,50 v. H an, Laurahütte gewannen 0,75 v. H., während Harpener 0,50 v. H. und Mannesmann 0,25 v. H. nach- lreßen. Don chemischen Werten waren Farbenmdu- strie angesichts der europäischen Sttckstoffeinigung etwas beachtet und 0,75 v. H. höher, auch Goldschmidt lagen 0,50 v. H. freundlicher, Rütgerswerke gaben 0,50 v. H. nach. Am Elektromarkt lagen einige Spezialwerte fest, wie Siemens mit plus 1,13 v. H. und Lechwerke Augsburg mit plus 1,25 v. H., Be- kula zogen 0,65 v. H. an, andererseits gingen Elektr. Lieferungen um 0,65 v. H., Schuckert 0,50 v. H. und AEG. 0,25 v. H. zurück. Motorenwerte erhöhten sich bis 0,40 v. H. Maschinenwerte lagen uneinheitlich; Muag minus 1 v. H., Moenus plus 0,50 v. H., Eßlingen unverändert. Schiffahrtswerte lagen bis 0,40 v. H. höher, ebenso gewannen Aku 0,50 v. H., Holzmann 0,50 v. H., Reichsbank 0,25 v. H. Niedriger setzten Deutsche Linoleum (minus 1 v. H.), Hanfwerke Füssen (minus 0,50 v. H.), Metallgesellschaft (minus 0,50 v. H.) und Zellstoffwerte (minus 0,50 v. H.) ein. Fest tendierten Gebr. Jung- hans (plus 2 v. H). Renten lagen ebenfalls sehr ruhig. Altbesitz bröckelten 0,25 v. H. ab, die übrigen variablen Werte lagen unverändert. Zertif. Dollar-Preußen blieben zu 66,50 gut gehalten. Etwas Nachfrage zeigte sich für Industrie-Obligationen, 6 o. H. Krupp plus 1 d. H., 6 v. H. Mittelstahl plus 0,40 v. H. Fremde Renten lagen sehr still. Der Verlauf war weiterhin sehr ruhig und infolge der Geschäftsstille bröckelten die Mehrzahl der Kurse um Bruchteile eines Prozentes ab, so u. a. Montanwerte, IG. Farben, Elektroaktien, Schiff- fahrts- und Zellstoffpapiere. Fest lagen aber andererseits Reichsbank mit 192,25 nach 191,25 und Goldschmidt mit 111,25 nach 110. Ferner tarnen Feinmechanik Setter nach Geldstreichung mit 88,50 (1. K. 83,25) wieder zur Notiz. Die erst später notierten Werte lagen ebenfalls uneinheitlich bei geringen Abweichungen. Kali Aschersleben lagen 1,25 v. H. fester. r Am Rentenmarkt waren Altbesitz mäßig hoher, auch Kommunal-Umschuldung und Zinsvergütungsscheine zogen leicht an. Der Pfandbriefmarkt verkehrte bei unveränderten Kursen in sehr stiller Hal- tung. Stadtanleihen lagen uneinheitlich und meist etwas niedriger, so Heidelberger minus 0,65 v. H., Hanau minus 0,50 v. H., Mainzer minus 0,25 v. H., dagegen Frankfurter plus 0,50 v. H. Don Auslandsrenten erhöhten sich 4 v. H. Rumänen auf 6,22'/- (plus 0,13 v. H.), 4 v. H. Ungarn Gold auf Oie Fndustrie- unb Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 962: Betriebsanmeldepflicht für Erze und Ferrolegierungen. Anordnung 11 der Ueber- wachungsstelle für Eisen und Stahl. 963: Herabsetzung der dänischen Umrechnungskurse für die Einfuhr. ©er Reichsbankousweis für die erste Fuliwoche. Der Reichsbankausweis vorn 6. Juli 1935 weist eine recht starke Entlastung auf, die die günstige Entwicklung nach dem Halbjahresultimo kennzeichnet. Die gesamte Anlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Wertpapieren hat sich um 307,6 auf 4374,6 Millionen Mark verringert, womit 52,3 Prozent der Ultimo-Juni-Beanspruchung bereits wieder zurückgeflossen sind gegen 25,4 Prozent zum entsprechenden Zeitpunkt des Vormonats und nur 38,2 Prozent zum gleichen Vorjahrestermin. Im einzelnen haben die Bestände an Handelswechseln und Schecks um 209,6 auf 3669,1 Millionen Mark, an Lombardforderungen um 44,4 auf 45,1 Millionen Mark, an deckungsfähigen Wertpapieren um 0,9 auf 335,7 Millionen Mark und an Reichsschatzwechseln um 52,8 auf 0,2 Millionen Mark abgenommen. Der gesamte Zahlungsmittelumlauf betrug am Stichtag 5795 Millionen Mark gegen 5820 Millionen Mark zum entsprechenden Zeitpunkt des Vormonats und 5582 Millionen Mark zur gleichen Dorjahreszeit. Die fremden Gelder zeigen mit 717,8 Millionen Mark eine Abnahme um 101,2 Millionen Mark, die ausschließlich auf die privaten Giroguthaben entfällt, während bei den öffentlichen Konten eine kleine Zunahme zu verzeichnen ist. Der Bestand an sonstigen Aktiven ist um 27,3 auf 676,2 Millionen Mark gestiegen, der an sonstigen Passiven um 3,9 auf 213,2 Millionen Mark zurückgegangen. Die Bestände an Gold und deckungsfähigen Devisen haben sich durch Auslandkäufe von Gold um 0,2 auf 89,8 Millionen Mark erhöht. ©er Eisensteinbergbau an Lahn, ©ill und in Oberheffen im Juni 1935. Nach dem Bericht der Bezirksgruppe Wetzlar der Fachgruppe Eisenerzbergbau zeigt arbeitstäglich auch der Monat Juni mit 65 297 Tonnen eine weitere Steigerung der Förderung (65 713 Tonnen im Monat Mai). Der Versand zeigte eine Abnahme auf 66 874 Tonnen gegen 74 443 Tonnen im Vormonat, die jedoch lediglich zu Lasten der manganhaltigen Erze ging. Trotzdem überstieg der Versand im Juni noch die Förderung um rund 1500 To. Die Vorräte sind damit auf rund 71500 Tonnen zurückgegangen. Die Belegschaft war bis Ende Juni auf 2800 Mann angestiegen. Im Laufe des Juni wurden von den in Gang befindlichen 13 Bohrungen 6 beendigt und 3 neu ordentlich hohe Exportquote. * Festsetzung der Mehlgroßhandelspreise. Der Vorsitzende des Getreidewirtschaftsverbandes Hessen und Nassau teilt mit: Die in der Anordnung Nr. 24 vorn 10. Mai 1935 angegebenen Preise, an deren Einhaltung die Mühlen beim Verkauf von Mehl, Grieß und Backschrot gebunden sind, werden für den Monat August 1935 wie folgt festgesetzt: Roggenmehl: Kaufverträge über die Lieferung von Roggenmehl nach dem 1. August 1935 sind zu dem noch festzusetzenden, für die Lieferungszeit maßgebenden Preise abzuschließen. Weizenmehl: Der im Juli 1935 gültige Preis für 113,13, Scheideanstalt 239, Deutsche Linoleum aus ihrem Leben und aus ihrem Dienst. 23.30: 166,75, Licht und Kraft 135,25, Eßlingen Maschinen Frauenschicksal einst und jetzt: Das alte Fräulein. 85,25, IG. Farben 155 bis 154,75, Feinmechanik 24 bis 2: Nachtkonzert. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v.H., Lombardzinsfuß 5 v.H. Frankfurt a.M. Berlin Schluß- kurs Echlußk. Abendbörse Schluß. kurS Schluß!. Mittag- börse Datum 8-7 9.7. 8.7. 9.7. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 100,25 100,25 100,25 100,5 4% Deutsche Reichsanl. von 1934 97,5 97,5 97,25 97,5 &Vi% Doung-Anleihe von 1930 .. 104 103,25 103 104 Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mü Auslos.-Rechten ............. 112,75 112,4 112,75 112,4 4*/•% Deutsche Reichspostschatzan- Weisungen von 1934, I....... 6% ehem.8% Hess. Volksstaat 1929 100,13 100,3 100,4 100,5 (rückzahlb. 102°/.)............ 4)4% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 97,5 97,5 97,4 97,5 96,25 96,25 —- 96,13 6Vi% ehem. Hess. Landes-Hypo- thekenbank Darmstadt Liout ... 101,13 d— —— —— 4H% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R.6 92,5 92,5 — Oberhessen Provinz-Anleihe mit AuSlos.-Rechten ............. 127 127 _— —— Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 116,25 116 116,25 116,5 4K,% ehem.8% Franks. Hyp.-Banl Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 96,25 96,25 W- — 6%% ehem. 4*4% Franks. Hhp.- Bank-Liqu^Pfandvriefe....... 101,25 101,4 _ _ 5y>% ehem. 4yt% Rheinische Hyp.-Banl-Ltqu.-Goldpfe..... 101,25 101,5 101,25 100,75 4%% ehem. 8% Pr. Landespfand. vriefanstall, Pfandbriefe R. 19 97 97 97 4%% ehem. 7% Pr. Landespfand, vriefanst., Gold Komm. Obl.VI 97 _ 97 97 Steuergutfch.BerrechnungSk. 85-39 107,25 107,2 107,25 107,2 4% Oesterretchtfche Goldrente... 32,5 32,25 32,5 32,5 4,20% ©österreichische Stlberrente 1,8 1,75 1,75 4% Ungarische Goldrente....... 4% Ungarische StaatSrente v. 1910 11,25 11,13 11 11.13 11,4 11,13 11 10,75 4y>% deSgl. von 1913.......... 11,5 •11,4 11,3 10,9 6% abgest. Goldmsxikaner von 98 12,65 12,5 12,25 12,5 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie l..................... — * i 12,75 Frankfurt a. M Berlin Schlußkurs Schluß!. Abend- börse Schluß- lurS Echlußk. Mittag- bclrse Datum 8-7. 9.7. 8-7. 97. 4% desgl. Serie 11 ............. 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4^,%RumSn.vereinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2V«% Anatolier ............... Hamburg-Amerika-Paket .....o Hamburg.Südam. Dampfschiff. 0 Rorddeutjcher Lloyd .........o A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 Commerz, und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................o Dresdner Bank..............o Reichsbank ................12 A.E.G................ O Betula.................... 10 Elektr. Lieferungsgesellschaft.., 5 Licht und Kraft ........... 6*4 Felten L Guilleaume.........0 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........5 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co............... 4 Siemens L Halske............. LahmeyerLLo..............7 Buderus ...... 0 Deutsche Erdöl . ........ .. 4 8 10,65 6,1 39,6 36 39,4 87,75 118,25 92,75 94 94 191 48 141 121,25 135,75 109 131 142,25 135,75 127 181,5 136,5 109,25 113,25 7,8 10,4 6,13 40 35,5 39,65 88 118,25 92,5 93,75 93,75 192 47,13 141,4 120,25 135,25 109 130 141 135 125,5 180,5 135,75 108,75 113,13 7,6 10,4 6,1 39,75 36,25 34 39,65 88,25 118 93 94 94 191 47,75 140,9 120,4 136 108,75 130,25 141 135,25 126,5 180,75 136,5 109,4 113 7,9 10,25 6,1 40 35,9 34,75 39,65 88 117 92,5 93,75 93,75 192 47,25 141,4 119,75 135,75 109,75 130 142 135,25 125,25 180 136 108,65 113,5 Gelsenkirchener........ö Harpener.................... Hoesch Eisen—Köln-Neueste» .. 0 Ilse Bergbau ...............e Ilse Bergbau Genüsse........ Klöcknerwerke .............gy Mannesmann-Röhr« ........ C 115 108,25 160 131,4 103 93,75 114 108 161 132,75 103,4 92,5 115,5 107,65 161 131,75 103,25 83,65 114,75 108 160 132 103,5 92,8 Frankfurt a. M. Berlin Schluß- kurS Echlußk. Abendbörse Schluß- kurS Echlußk. Mittagbörse Datum 8.7 9-7 8.7- 9.7. Mansselder Bergbau .. .......8 120 119,5 120 118,9 Kokswerke........... .......6 — —— 124,25 123,5 Phönix Bergbau...... .......O — —— — — Rheinische Braunkohlen .....12 228 227,5 227,25 227,5 Rheinstahl........... .....»'/, 115,25 114,75 115,9 115,25 Vereinigte Stahlwerke. .......O 89,5 88,75 89,65 89,25 Otavt Minen ........ .......O 18 18,25 18,13 18 Kaliwerke AscherSIeben. .......5 128,25 129,5 129 129,75 Kaliwerke Westeregeln. .......5 127,5 127,5 126,5 127 Kaliwerke Salzdetfurth ..... 194 — 194,5 200 9. G. Farben-Industrt» .......7 155 154,75 155 155 Scheideanstalt........ .......9 240 239 —— —- Goldschmidt ......... ....... 0 109,5 111,25 109,4 111,25 .......4 123,5 123 122,75 121,75 Metallgesellschaft...... ....... 4 117,5 115,5 117,5 116 Philipp Holzmann ........... 01 95,5 I 95 I 95,5 I 95,5 Zementwerk Heidelberg ...... 6 120 120 1 — — Cementwerk Karlstadt.........41 — I — I — I — Schultheis Patzenhofer .......4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg...................0 Zellstoff Waldhof............0 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer Gas . ......... 7 Daimler Motoren............ 0 Deutsche Linoleum........... 6 Orenstetn L Koppel .......... 0 Westdeutsche Kaufhof......... 0 Chade......................0 Accumulatoren-Fabrik....... IS Lonti-Gummt...............8 Grihner....................01 Mainkraftwerke Höchst cuM.... 4 Süddeutscher Zucker .....^.. # — — 113 114,25 67,75 67 67,9 66,9 122 120,5 121 121 124,5 123,75 123,75 123 92,5 92 92,75 92,5 —— 144,5 144 98,5 97,9 98 97,9 168 166,75 168,5 166,5 — *— 91,25 91 36 35,4 35,4 35,13 294 -w~ 294 291,5 177,5 177,5 178 178 160 160 160,75 160 40,5 - 40,25 40,5 95,75 95,75 - 192 182,5 l 182 180,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. 211. 8. Zull 9. Full Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Buenos Atre- 0,658 0,662 0,658 41,885 0,662 Brüssel..... 41,885 41,965 41,965 Rio de Ian. . 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,84 94,94 51,88 54,98 Danzig..... 46,905 47,005 46,91 12,29 47,01 London ..... 12,28 12,31 12,32 Heliingfors.. 5,415 5,425 . 5,42 5,43 Parts ...... 16,405 16,445 16,41 16,45 Holland .... 168,78 169,12 168,74 169,08 Italien..... ■ 20,50 20,54 20,50 20,54 Japan ...... 0,721 0,723 0,722 0,724 Jugoslawien. 5,649 5,661 5,649 5,661 Oslo.....: 61,72 61,84 61,77 61,89 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,14 11,16 111,55 11,175 Stockholm... 63,32 63,44 63,37 63,49 Schweiz .... 81,13 81,29 81,17 81,33 Spanien.... 34,00 34,06 34,00 34,i)6 Prag....... 10,34 10,36 10,35 10,37 Budapest ... — —— Neuqork.... 2,476 2,480 Bantnoten 2,474 2,478 Berlins Full Gelb »rief' - 2,426 41,72 54,82 12,255 16,36 168,32 19,86 61,56 2,446 41,88 55,04 12,295 16,42 169,00 19,94 61,80 Belgische Noten.................. Dänische Noten ............. Englische Noten ................. Französische Noten............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, i 1OO Schilling Rumänische Noten............... Schweizer Noten................. 63,15 80,94 33,64 63,41 81,26 33,78 Spanische Noten................. Ungarische Rot« ................ ftM Rlia« Steve Heimo Olo gjiit 4 Ohne 3»l‘el 2lud) von dtfolg guter SlnsA riiW L Par Mtwo- oal en lungs an der Polizeip von Pai ns, der «re leit 3m „ betör b' die am als ben glaubt n gleichen len, der „Wir bei Linkst deshalb i linbifi Air woll vorsehen, Wunder | tet hat, 8. Sept Nation feiern." Ä f Das 2er frü von der f