185. Jahrgang Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberheffen Rr. 85 Erster Blatt 185. Jahrgang Mittwoch, / y - . * Ä X ** — ■ * Scherl-Bildmatemdienst In der Mitte General Cubenborff, rechts Generaloberst von Blomberg und links General der Artillerie Freiherr von Fritsch auf dem Wege zum Vorbeimarsch der Ehrenkompanie. loser militärischer Ausrichtung dem General eine Ehrung. Das letzte der Flugzeuge warf einen Rosenstrauß mit einer Huldigungsadresse für den General ab. Kurz nach 11.15 Uhr betrat General Ludendorff, geleitet von Generaloberst von Blomberg und General der Artillerie von Fritsch den Platz. Er wurde mit brausenden Zurufen empfangen. General Ludendorff begrüßte die Versammelten und schritt bann bie Front ber Ehrenkompanie ab. Ergriffen grüßte er bie Fahnen seines alten Regiments. Den Sol- baten entbot er ein kraftvolles „Heil, Kameraben." Ludendorffs Daul. Nach bem Abschreiten ber Front unterhielt sich ber General längere Zeit mit ben Führern bes Reichsheeres unb begab sich hieraus zum Platz gegenüber seinem Haus, wo er an ber Seite bes Generalobersten von Blomberg ben Vorbei- marfch ber Truppe abnahm. Auch Angehörige seiner Familie wohnten bieser Ehrung bei. Mit sichtlicher Freube folgte General Cubenborff bem Vorbeimarsch unb trat bann auf bie Terrasse seines Hauses, von wo er sich für bie Ehrungen bebanfte. Er erhärte, baß er mit großer Freube bas alte Solbatenkleio wie - ber angelegt habe, um in ihm ber toten Helben unb Verwunbeten zu gebenfen, bie für Deutschlanb ihr Blut oeraoffen haben. General Cubenborff gebuchte bann Des alten Heeres, seiner Hingabe, seiner Tapferkeit unb feines Heldengeistes. Diese Hingabe habe jenes Fronterlebnis geschaffen, aus bem heraus ber Drang nach Freiheit, Raffe unb Wehrhaftigkeit entstauben fei, bie heute bie Grunbpfeiler eines machtvollen beutfchen Staates bilbeten. General Ludenborff wandte sich bann noch an bie junge Wehrmacht unb erklärte, bie alten Fahnen, bie von jungen Solbaten getragen würben, zeigten bie enge Verbunbenheit zwischen ber alten unb ber neuen Wehrmacht. Die Einführung ber allgemeinen Wehrpflicht habe bas wahrhafte Sein bes beutfchen Volkes begrünbet. — Mit bem Lieb „Ich hab' mich ergeben" unb bem Deutfchlanb- lieb schloß bie Kunbgebung vor bem Hause bes Generals. Weitere Glückwünsche. Reichsminister ber Luftfahrt, General ber Flieger, Hermann Göring, hat folgenbes Glückwunschtelegramm gesandt: „Zum 70. Geburtstag wollen Ew. Exzellenz meine und der deutschen Luftfahrt herzlichste und aufrichtigste Glückwünsche entgegennehmen. Das Beispiel Ew. Exzellenz als pflichttreuer und energischer Soldat, als Meister weitblickender Feldherrnkunst im Kriege, wird der jungen Reichsluftwaffe stets leuchtendes Vorbild sein und bleiben. Die Luftstreitkräfte neigen sich in Ehrfurcht vor der einstigen Größe des genialen und unbesiegbaren Feldherrn." Die Bundesleitung des NS. Deutschen Frontkämpfer - Bundes (Stahlhelm) hat dem General Ludendorfs folgendes Telegramm gesandt: „Die im NS. Deutschen Frontkämpfer- Bund (Stahlhelm) zusammengeschlossenen Frontsoldaten entbieten dem Feldherrn des deutschen Frontheeres ehrerbietigste Wünsche". Der Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Robert Ley sandte General Ludendorff folgendes Telegramm: „Dem Generalquartiermeister des Weltkrieges senden die deutschen Arbeiter und Arbeiterinnen herzliche Grüße. 2lrbeiter und Soldaten gehören zusammen." Gauleiter unb Oberpräsibent Koch hat an General Cubenborff folgenbes Glückwunschtelegramm ge« sanbt: „Die Provinz O st Preußen gebenkt in Dankbarkeit des großen Soldaten und Feldherrn Cubenborff an seinem 70. Geburtstag. Ohne Cubenborff kein Tannenberg, ohne Cubenborff keine Winterschlacht in Masuren, ohne biefen Sieg keine Rettung unserer Heimat. Der Name Cubenborff wirb gerade in Ostpreußen stets unvergeßlich bleiben. Wenn ich heute den genialen Feldherrn und dem mutigen Bekenner der siegreichen völkischen Weltanschauung die herzlichen Glückwünsche übermittle, entspreche ich damit einem heißen Wunsch aller Ostpreußen." Am Vortage der Vermählung General Görings. Alle Teile der Bevölkerung nehmen herzlichen Anteil. Die Hochzeitsgabe der deutschen Vauern. Dem Ministerpräsidenten General Göring wurde am Vortage seiner Trauung vom Reichsnähr- st a n d eine besondere Ehrung zuteil. Der Reichs- bauernführer überreichte ihm im Festsaal des Preußenhauses in Anwesenheit seines Stabes und aller Candesbauernführer als Hochzeits- g e f ch e n k des Reichsnährstandes ein kostbares silbernes Kaffeegedeck, ein Meisterstück deutscher Handwerkskunst, und brachte in einer kurzen Ansprache die herzlichsten Glückwünsche des deutschen Bauerntums zu seiner Vermählung zum Ausdruck. Auch die Candesbauernführer überreichten dem Ministerpräsidenten die Geschenke ihrer Heimatgaue. General Göring und Frau Emmi Sonnemann dankten für die außergewöhnliche Ehrung und besichtigten hocherfreut und immer von neuem ihrem herzlichen Dank Ausdruck gebend die prachtvollen Gaben. Auch die heimatlichen Trachten der Bauern und Bäuerinnen erregten stets von neuem wieder ihr Entzücken. Aus der Mark waren Spreewälder in ihrer Tracht erschienen, die dem Hochzeitspaar landwirtschaftliche Gaben überreichten. Die Mecklenburger Übergaben in plattdeutscher Sprache drei handfeste selbstgeschnitzte Eichenstühle; die Oldenburger warteten mit einem gewaltigen Schinken unb anderen Erzeugnissen ihrer Candwirtschast auf. Die Pommern hatten ein Bauernpaar aus Rügenwalde entsandt in Erinnerung daran, daß ein Ahnherr des Ministerpräsidenten einstmals im 17. Jahrhundert Amtman in Rügenwalde war. lieber diese Aufmerksamkeit war ber Ministerpräsident ganz befonbers erfreut Die Rheinlän - - ' N tz Das beutsche Handwerk überreichte General Göring zu seiner Vermählung einen Ceuchter. Diese Arbeit, ein Meisterwerk deutscher Schmiedekunst mit ben Symbolen des deutschen Handwerks, wurde von dem Berliner Kunstschmiedemeister Heinz Waltz geschaffen. der präsentierten — wie könnte es anders fein! — echt rheinischen Wein und uralten rheinischen Bauernkorn! Und so ging es weiter. Pfefferkuchen aus Sachsen, Bernstein und zwei in Holz geschnitzte Trakehner Pferde aus Ostpreußen, Schafkäse und Schinken von ber Insel Föhr, Hanbstickereien aus Schlesien, Neckarwein unb Obst aus Schwaben, Schinken aus Westfalen, Sonneberger Spielzeug unb Altenburger Spielkarten, eine handgedruckts W leb- Skizze über die so ungemein wirkungsvollen und erfolgreichen Propagandamethoden, die Dr. Goebbels zum ersten Male in den politischen Kampf eingeführt hat, folgende interessante Ausführungen: „Massenversammlung und Straßendemonstration, auf diese beiden Propagandamittel konzentriert sich die Goebbelssche Arbeit. Unermüdlich Berlin, 9.April. (DRB.) Die deutsch-russischen Wirtschaftsverhandlungen, die feit einer Reihe von Wochen geführt werden mit dem beiderseitigen Wunsche, die deutsch-rufsischen Handelsbeziehungen zu vertiefen, sind heute durch eine Vereinbarung abgeschlossen worden, die im Reichswirtschaftsministerium von dem Reichswirt- fchaftsminister Dr. Schacht und dem Handelsvertreter der UDSSR., Herrn Kandell kl, unterzeichnet worden ist. Durch diese Vereinbarung werden die laufenden handelsbeziehnngen zwischen den beiden Ländern neu geordnet. Reben der Regelung der laufenden Warenbezüge ist vorgesehen, daß außerhalb des regulären Bedarfes neue Bestellungen seitens der Sowjetregierung in Deutschland vergeben werden, die einen Gesamtbetrag von 200 Millionen Mark ausmachen. Für diese Bestellungen erhält die Handelsvertretung der UDSSR, von einem deutschen Bankenkonsortium unter Führung der Deutschen Bank und Diskonts-Gesellschaft und der Dresdener Bank e i n en Kredit, der eine durchschnittliche Laufzeit von fünf Jahren hat und eine Verzinsung von 2 v. h. über Reichsbankdiskont vorsieht. Diese Kreditvereinbarung wird die Handelsvertretung der UDSSR, in den Stand sehen, abweichend von den früheren Zahlungsmethoden, ihre Bestellungen bei den deutschen Firmen bar zu begleichen. Was den laufenden Handelsverkehr anlangt, so enthält der Vertrag alle erforderlichen Vereinbarungen über die Abdeckung der laufenden Zahlungsverpflichtungen sowie über die Art und Menge der gegenseitigen Warenbezüge. Danach wird die Ausfuhr der Sowjetunion nach Deutschland im laufenden Jahre den Betrag von 150 Millionen Mark übersteigen. Deutsch-russische Wirffchastsvereiubarung unterzeichnet Der NGDIB. (Stahlhelm) in Dortmund vor seinem Dundesführer gepflanztem Bajonett. Nach Beendigung der Festaufführung erschien auf der großen Freitreppe des Opernhauses über dem Haupteingang Ministerpräsident General Göring mit seiner künftigen Gattin, seinem engeren Stabe und seinen Gästen. Sofort setzten die Kapellen unter Leitung des Kapellmeisters der Leibstandarte Müller-John mit dem Marsch „Preußens Gloria" ein. Ein überaus buntes Bild bot sich den Beschauern dar. Im Viereck standen die Kapellen, in der Mitte der Paukenschläger, ihm zur Rechten und Linken je drei Fanfarenbläser. Mattes Fackellicht beleuchtete das festliche Bild. Anschließend spielten die Kapellen den Großen Zapfenstreich, der mit den Nationalhymnen seinen Abschluß fand. Der Offizier vom Dienst meldete dem Ministerpräsidenten den Großen Zapfenstreich, für den General Göring seinen Dank aussprach. Unter den Klängen des Zapfenstreich-Marsches marschierten die angetretenen Formationen wieder ab. Bei der Abfahrt des Ministerpräsidenten brachten die Operngäste und die geduldig wartende Menschenmenge hafte Ovationen dar. Ausstattungsversicherung von 500 R M. gewährt wird. Im Anschluß an die Stiftung haben die Anstalten die allgemeine Einführ u n g einer Patenschaftsversiche- r u n g für erbgesunde deutsche Kinder beschlossen. Der Verband hofft, daß von dieser Einrichtung namentlich im Interesse der erbgesunden und kinderreichen Familien, die zu den ärmeren Volksgenossen zählen, Gebrauch gemacht wird. Es ist vorgesehen. Dortmund, 9. April (Fkp.) Westfalens grofc Industriestadt stand am vergangenen Sonntag im Zeichen des NS. Deutschen Frontkämpfer-Bundes (Stahlhelm). Ueber 40 000 Kameraden aus Westfalen und aus den Nachbar - Landesverbänden Niederrhein und Nordsee traten auf dem Gautreffen des Gaues III (Dortmund) des NSDFB. (Stahlhelm) vor ihren Bundesführer, Reichsarbeitsminister S e l d t e , an. Der Tag begann mit Gottesdiensten beider Konfessionen. Danach wurde auf verschiedenen Plätzen zu dem Vorb ei marsch angetreten, den der Bundesführer vor dem Stadttheater abnahm. Auf die Dortmunder, die zahlreich die Durchmarschstraßen säumten, machte dieser Marsch zehntausender alter Frontsoldaten den stärksten Eindruck. Vom Vorbeimarsch ging es hinaus in die Kampfbahn „Rote Erde" neben der Westfalenhalle. Ueber 40 000 Frontsoldaten in ihrem grauen Rock füllten den riesigen Raum, als der Bundesführer mit den Ehrengästen, darunter dem Oberprässdenten Freiherrn von Lüninck, dem Regierungspräsidenten von Stockhausen, dem Luftkreiskommandeur Generalleutnant Halm und einer großen Anzahl von Landesführern eintraf. Seldte dankte herzlich für diese Begrüßung und fuhr dann fort: „Als der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, im Jahre 1918 seine damals verlachten Forderungen nach innerer und äußerer Befreiung, nach der Wehrhoheit als Voraussetzung eines starken, geachteten Staates, nach einer auf der allgemeinen Dienstpflicht beruhenden Armee aufstellte, erhob er zugleich die schwarz-weiß-rote Fahne aus dem Schmutz. Aber weil das Vaterland in Banden lag und seine Ehre geschändet war, trugen wir an unseren Fahnen Trauerflor zur steten Erinnerung an die uns angetane Schmach. Am Heldengedenktage war die Schmach der Unfreiheit von uns genommen, und aus der Trauer des Heldengedenktages stieg sieghaft das Morgenrot des neuen Reiches. Unsere Ehre und Freiheit ist wiederhergestellt, und darum habe ich befohlen, daß die bisher an unseren Fahnen getragenen Trauerflore fallen solle n." Der Bundesführer gab darauf den Trägern der 1000 Fahnen den Befehl zum Entfernen der Trauerflore. Brausender Jubel begleitete die symbolische Handlung. Anschließend weihte Seldte eine Anzahl neuer Fahnen mit dem alten Kampfspruch des Bundes: „Nur auf den Opfern und auf den Waffen beruht der Sieg!" Dann fuhr der Bundesführer fort: Wir'wollen wieder eine deutsche Armee — nicht für die Zwecke des Angriffs sondern um selbst die Verteidigung unseres Heimatbodens gewährleisten zu können, vor allem aber als stärkstes Mittel einer sittlichen Erziehung der ganzen Na- t i o n. Zwei Eigenschaften sind das tragende Fundament des deutschen Menschen: er ist Arbeiter, und er ist Soldat. Heute sehen wir den deutschen Menschen wieder arbeiten und den deutschen Mann wieder Soldat werden. Stolz und Freude dürfen das Herz der alten Frontsoldaten erfüllen, denn ihr Opfer und Einsatz in den schweren Kriegsjahren, in den fast schwereren Nachkriegskämpfen sind nicht umsonst gewesen. Durch ihre Treue und das Genie ihres Führers und Kameraden Adolf Hitler ist die November - Schmach getilgt, ein Triumph des Willens erreicht. Euch allen, meine Kameraden, danke ich heute für alle Treue und Leistung, die ihr im Kampfe um das große Ziel bewiesen habt. Vieles ist erreicht. Aber die geistige Aufgabe bleibt, so lange wir leben. Die Tradition des Frontsoldatentums ist einer neuen Generation z u übermitteln, und damit muß die praktische Fürsorge für die Angehörigen der alten Armee verbunden sein. Was wir als Käme- radschaft erlebt haben, muß als Idee der Volksgemeinschaft immer neu zum Gefamtgut der Nation werden. Der Führer hat uns ein positives, vorwärtswei- fendes Ziel gesteckt, und dafür setzen wir mit Freuden unsere ganze Kraft ein, um unsere Erfahrungen an die Jugend weiterzugeben. Denn wir fühlen uns noch kräftig zur Tat am Neubau des Reiches, wir gehören nicht zum alten Eisen, sondern zur Kernmannschaft der Nation, und darum hoffen und vertrauen wir auch, daß der Führer uns an unserem Frontabschnitt eine Aufgabe zuweisen wird, — er, dem wir uns ohne Rücksicht auf Konjunkturen mit aller Leistung und allem Leistungswillen auf Tod und Leben verschworen haben!" baut er die Versammlungen aus. Er erfindet ein ganzes Zeremoniell. Welch eine Kräfteverschwen- düng, daß der Redner erst eine halbe Stunde sprechen soll, bis er den Kontakt mit seinen Zuhörern hat! Welch Wahnsinn, eine agitatorische Rede — und alle nationalsozialistische Reden sind Agitation — auf unvorbereitete Gemüter loszulassen. Man redet doch nicht um zu reden, sondern um zu wir- ken. Eben diese Wirkung aber muß so stark gemacht werden wie nur irgend möglich. Goebbels führt die Rednerwache ein, er „erfindet" den feier» licfjen Einzug der Fahnen. Es ist oft nicht leicht, durch die Menschenmassen sich zum Rednerpodium durchzuzwängen. Also muß dem Redner repräsentativ Bahn geschaffen werden. Es entstehen feste Regeln der Begrüßung. Die Versammlung wickelt ich nach einem Ritual ab. Dies Ritual beruht chon auf der nationalsozialistischen Grundhaltung: der freiwillig disziplinierten Masse. Mit diesem Ritual, diesem feierlichen Zeremoniell hat Goebbels jede andere Versammlung der Gegner über den Haufen gerannt. Er gab mehr als eine Rede. Er gab ihr von vornherein einen Rahmen und eine selbstverständliche Resonanz. Es ist ein Genuß, oem Redner Goebbels zuzubören. Seine wundervoll aufgebauten Sätze sind oft wahre Kunstwerke der Rhetorik. Die warme und volle, bis an die Grenze beherrschte und überraschend modulationsfähige Stimme hat einen eigenen Zauber, der die Masse sofort in den Bann zieht. Die tonloseste Verachtung steht ihm rednerisch ebenso zur Verfügung wie der alle Schranken zerfetzende Aufschrei der Wut. Er kann eine seltene Wärme in seine Stimme legen und sie im selben Augenblick schneidend machen wie Stahl. Wehe dem, den er mit halblauter Ironie hinrichtet. Ein so behandelter Gegner steht sobald nicht wieder auf den Füßen." — So weiß der Gau Hessen-Nassau, daß morgen einer der glänzendsten und fesselndsten Redner in Frankfurt zu ihm sprechen wird. Oer Propagandist der denischen Idee. Reichsminister Or. Goebbels spricht morgen abend 20 Lthr in der Frankfurter Festhalte bei Söhnen die Versicherungssumme nach Erreichung der Volljährigkeit oder nach Erfüllung der aktiven Militärdienstpflicht oder als Beitrag zur beruflichen Selbständigmachung sowie als Beihilfe zur Gründung eines Haushaltes und bei Töchtern gelegentlich ihrer Verheiratung, spätestens ttn Alter von 25 Jahren auszuzahlen. Empfang im Hanfe des Ministerpräsidenten. Nach dem Empfang der Bauernabordnung hatte sich im Haus des Ministerpräsidenten am Leipziger Platz eine große Zahl von Gästen eingefunden, um Geschenke zu überreichen. Man sah zahlreiche bekannte Führer der nationalsozialistischen Bewegung, Staatsbeamte, Offiziere und Angehörige der Wehrmacht, der Polizei, Abordnungen der Jägerschaft, bekannte Künstler, ferner Verwandte und persönliche Bekannte des Brautpaares. In mehreren Räumen war eine Fülle von Hochzeitsgeschenken aufgestellt, Geschenke, die aus allen Kreisen der Bevölkerung gekommen sind. Vom selbstgestrickten Strumpf, vom kleinen Veilchensträußchen und der von Kinderhand bemalten Streichholzschachtel angefangen bis zu herrlichen Bildern und Bronzen konnte man hier die mannigfaltigsten Gaben sehen, die auch nur auszugsweise aufzuzählen unmöglich wäre. Die Offiziere der Wehrmacht haben dem preußischen Ministerpräsidenten General Göring einen lebensgroßen Bronzeabguß des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. geschenkt. Die Stadt Hamburg, die Heimatstadt Frau Sonnemanns, schickte eine große silberne Kogge. Die deutschen Länder, die Städte, zahlreiche Organisationen und Einzelpersonen sind unter den Schenkenden zu finden. Besonders fällt ein herrlicher geschnitzter Schrein auf, eine Gabe der Stadt der Reichsparteitage Nürnberg und des Gaues Franken der NSDAP, an den ersten Führer der SA. Da steht man ferner u. a. — vom Komponisten Richard Strauß überreicht — die Handfchrift zur Oper „A r a b e l l a", einen großen Werkzeugkasten der Stadt Remscheid, einen großen getriebenen Leuchter als Gabe des Handwerks, einen Granatsplitter aus der Skagerrakschlacht aus dem Besitz des Berliner Polizeipräsidenten Admiral L e v e tz o w und anderes mehr. Die SA. beglückwünscht ihren ersten Führer. Gegen 17 Uhr erschien Stabschef Lutze mit einer Abordnung der S A., aus jeder Gruppe einer der dienstältesten SA.-Männer. Stabschef Lutze überreichte dem SA.-Obergruppenführer Hermann Göring einen kunstvoll aus Holz hergestellten, mit Schweinsleder überzogenen Schild mit der Inschrift: „Dem er st en Schildträger des Führers zum 10. April 1935. Die SA." Der Schild zeigt rechts oben künstlerisch angebracht das Reichswappen, auf der linken Seite das Hauswappen Görings, während in der Mitte symbolhaft der Drachentöter dargestellt ist. Ministerpräsident Göring dankte dem Stabschef für die Ehrung und erklärte, daß er sich als erster und ältester Führer der SA. mit dieser besonders verbunden fühle. Er werde nicht nur als Luftfahrtminister seinen Schild über Deutschland halten, sondern auch über die SA., deren Schild immer rein geblieben sei. Festvorstellung in der Staatsoper Kurz nach 19 Uhr marschierte die gesamte Lande s p o l i z e i g r u p p e General Göring auf, um ihrem Gründer militärische Ehren zu erweisen. Kurz vor 20 Uhr fuhr General Göring mit seiner zukünftigen Gattin im Kraftwagen in langsamer Fahrt die Front der Polizeigruppe ab, von der Menschenmenge mit begeisterten Heilrufen begrüßt. Ministerpräsident Göring und Frau Sonnemann fuhren dann zur Staatsoper. Aus Anlaß der Vermählung fand in der Staatsoper eine Festvorstellung statt. Es wurde „Die ägyptische Helena" von Richard Strauß unter der musikalischen Leitung von Clemens Krauß gegeben. Das Theater war gefüllt mit Gästen aus allen Bevölkerungsschichten. Man sah viele Offiziere und Soldaten der Wehrmacht, viele Uniformen der Polizei und der Luftwaffe, führende Männer des Staates und der Bewegung. In der Pause empfing das Brautpaar feine Gäste im großen Saal und mahm die Glückwünsche entgegen. Großer Zapfenstreich. Vor der Staatsoper marschierten mit klingendem Spiel die Kapellen und Spielmannszüge der Leibstandarte Adolf Hitler und des Regiments „Genera! Göring" auf, flankiert von Fackelträgern der Leibstandarte. Zu beiden Seiten standen zwei Züge des Regiments „General Göring" mit auf» Reichspropagandaminister Dr. Goebbels hat lange nicht mehr im Gau Hessen-Nassau zu einem größeren Kreise der Bevölkerung gesprochen. Um so mehr begrüßen es die Hessen, daß der Reichspropagandaminister gerade in diesen Tagen größter außenpolitischer Aktivität nach Frankfurt kommen wird, um zu aktuellen Tagessragen das Wort zu ergreifen. Dr. Goebbels als Schöpfer einer ganz neuartigen politischen Propaganda ist allen seinen Volksgenossen bekannt. Sein Lebensweg führte ihn bald aus seiner niederrheinischen Heimat über das Studium an verschiedenen deutschen Universitäten in die nationalsozialistische Bewegung Adolf Hitlers. Im Ruhrgebiet beginnt seine politische Arbeit. In seiner Heimatstadt Rheydt gründet er die erste Zelle der nationalsozialistischen Bewegung. General Ludendorff weiht ihm die erste durch die Sperre der französischen Besatzung geschmuggelte Fahne. 1924 wird er Schriftleiter der „Völkischen Freiheit" in Elberfeld. Dort ist der Ausgangspunkt des schweren und blutigen Kampfes um die Gewinnung des Ruhrgebietes für den nationalsozialistischen Gedanken. Hier lernt Dr. Goebbels die Eroberung der Masse. Im Oktober 1926 erreicht den damals 29jährigen der Auftrag Adolf Hitlers, die (Bauleitung ber NSDAP, in Berlin zu übernehmen. Was er hier in der Befreiung der Reichshauptstadt von der Marxistenherrschaft getan hat, ist noch in aller Erinnerung. Nach der Eroberung der Macht durch den Nationalsozialismus geht er sofort daran, die politische Propaganda für den Neubau für Volk und Reich einzusetzen. Er gründet das Reichspropagandamini sterium, in dem alles zusammengefaßt wird, worauf die Kulturpolitik des neuen Reiches Einfluß nehmen will: Presse, Film, Rundfunk, Theater, Musik, bildende Kunst, Schrifttum. Aber neben diesen neuen organisatorischen Aufgaben vergißt Dr. Goebbels nicht seine alte Berufung als er st er Propagandist der deutschen Idee. Ein alter Mitarbeiter des Ministers, Wilfried Bade, macht in seiner biographischen Die Trauung am heutigen Mittwoch. Übertragung der kirchlichenFeier um14Uhr auf den Deutschlandsender. Die standesamtliche Trauung des Ministerpräsidenten General Göring mit Frau Staatsschauspielerin Emmi Sonnemann fand am Mittwochmittag um 12 Uhr im Rathaus statt. Auf der Straße Reichskanzlei—Rathaus kreiste ein Ehrengeschwader der Jagdstaffel Richthofen. Die kirchliche Feier im Dom beginnt um 14 Uhr und wird durch Rundfunk (Deutschlandsender) übertragen. Im Anschluß an die kirchliche Trauung fährt der Hochzeitszug durch die Straße Unter den Linden und die Wilhelmstraße zum Hotel Kaiserhof. Auf dem ganzen Weg bilden Abordnungen aller Formationen der NSDAP. Spalier. Wie wir weiter hören, wird Frau Staatsschauspielerin Emmi Sonnemann nach ihrer Hochzeit nur noch einmal die Bühne des Staatlichen Schauspielhauses betreten, und zwar zu Ehren des Führers'an feinem Geburtstag, den 20. April, in ihrer letzten Rolle als Königin Luise in dem Schauspiel von Hans Schwarz „Prinz von Preußen". Frau Sonnemann scheidet damit genau zwei Jahre nach dem Tage von der Bühne, an dem sie in Haans Johsts „Schlageter" zum erstenmal in Berlin aufgetreten war. Hessens Hochzeitsgabe Der Führer der Hessischen Landesregierung Reichsstatthalter Sprenger ließ als Gauleiter ür das Rhein-Main-Gebiet zur Vermählung durch Ministerialrat von Zengen zwei Körbe mit auserlesenen Gewächsen der hes- ischen Weinbaudomänen als Hochzeitsgabe überreichen. — Das Hochzeitsgeschenk der Stadt Frankfurt a. M. ist eine Plakette und ein in Kunstschrift gehaltenes GlÜckwu n sch- ch r e t b e n in einer eigens dafür gefertigten Zedermappe in den Frankfurter Farben. Die Plakette besteht aus Gold und zeigt in Maleremaille die Vorderseite des Römers. Sie liegt in einer silbernen Kassette, die auf der Vorderseite mit einem prachtvollen roten Emailleschmelz und Goldader versehen und mit dem Frankfurter Adler geschmückt ist. Die Arbeit ist von den Gebrüdern Warnecke ausgeführt. Die Kassette liegt in einem kunstvoll gearbeiteten Behälter aus blauem Wildleder. Eine sinnreiche Stiftung Der öffentlichen Lebensversicherungsanstalten. Berlin, 9. April (DNB.) Anläßlich der Vermählung des Ministerpräsidenten General Göring hat der unter Führung des Oberpräsidenten, Gauleiters und Staatsrats Schwede stehende Verband öffentlicher Lebensversicherungsanstalten in Deutschland als einen Beitrag zur Unterstützung der bevölkerungspolitischen Bestrebungen der Reichsregierung eine Stiftung errichtet, durch die 50 neugeborenen Töchtern aus erbgesunden und kinderreichen Familien in den Fällen, in denen der Herr Ministerpräsident ober seine Frau die Patenschaft übernimmt, je eine beitragsfreie Tischdecke und ein Heidschnuckenfell aus der Lüneburger Heide, ein kurhessischer Webstuhl, selbstgewebtes Leinen aus Rheinhessen, braunschweigische Riesenwurst, Edelweiß aus Bayern und Boxbeutel- wein aus Franken, Kirschwäfserle aus Baden — es ist schier unmöglich, all die Gaben aufzuzäh- len, mit denen das deutsche Bauerntum den Ministerpräsidenten zu seiner Hochzeit bedachte. Das besondere Interesse des Hochzeitspaares erregte die bunte Tracht der Altenburger Brautjungfern aus dem Jahre 1780, die von allen Anwesenden aufrichtig bewundert wurden, und ganz still wurde es im Festsaal, als eine Danziger Bäuerin in schlichten Worten das Bekenntnis unwandelbarer Treue ihrer Heimat zum Reiche aussprach. Nach der Besichtigung richtete General Göring an die Bauern und Bäuerinnen, an die Landesbauernführer und darüber hinaus an das ganze große deutsche Bauernvolk Worte des herzlichen Dankes für die unerwartete außergewöhnliche Ehrung. Er betonte, daß bei der Wiedererringung der deutschen Ehre und Freiheit stets die Erkenntnis grundlegend gewesen sei, daß für sie ein gesunder deutscher Bauernstand eine unbedingt notwendige Voraussetzung bilde. „Die Sorgen und Nöte der Bauern haben wir zu unseren eige- n en gemacht. Wir haben erkannt, daß gerade die Zähigkeit, mit der der deutsche Bauer seine Scholle hält, und mit der er die schweren Jahre des Verfalls und des Niederganges überwunden hat, uns zu der Hoffnung berechtigt, daß der deutsche Ausstieg von Dauer sein wird." Der Minlsterpräsident sprach die Hoffnung aus, daß die enge Verbundenheit des Bauerntums mit dem ganzen deutschen Volke auch in Zukunft stets erhalten bleibe. Seine Gedanken würden immer darauf gerichtet fein, den deutschen Bauernstand zu fordern. Er und feine künftige Frau schätzten sich glücklich, im Herzen der deutschen Bauern zu wohnen, und sie möchten am liebsten nichts anderes fein, als so fest verwachsen und fest verwurzelt mit der deutschen Scholle zu leben wie der deutsche Bauernstand. Der Reichsbauernführer brachte darauf auf den Ministerpräsidenten und Frau Sonnemann ein dreifaches Sieg-Heil aus, in das die Bauern begeistert einstimmten. Italien in Sfresa. Don unserem römischen E.-Korrespondenien. Rom, im April. An einem der friedlichsten Gestade dieser Erde kommen Männer und Mächte zusammen, um über den Unfrieden, um nicht zu sagen über den Krieg zu beraten, der angeblich vor 16 oder 17 Jahren aufhörte. 13 Jahre sind bereits seit der ersten großen internationalen Konferenz, auf der die gesiegten mit gleichen Rechten erscheinen sollten, der Konferenz von Genua, vergangen. Auf die leuchtenden Frühlingswochen am blauen Golf fiel nur allzubald der tödliche Reif, die großen Wortführer B a r t h o u und R a t h e n a u starben eines gewaltsamen Todes, die lauteste politische Firma des damaligen Deutschland, die sich allein befähigt hielt, die Geschäfte zu führen, Bernhard Wolff, hat Bankrott gemacht, und Lloyd George, the man who wun the war, ist reuig vom Versailler Vertrag abaerückt. Wo Nitti stand, regiert heute Mussolini, uno der Führer Deutschlands heißt auch nicht mehr Wirth. Die Welt hat sich sichtbar gedreht. Das einzige Ergebnis der Konferenz, der deutsch-russische Vertrag von Rapallo, steht nicht recht sicher auf seinen Beinen. Wer sich das alles vor Augen hält, wird die Skepsis verstehen, die unsere alte Journalistengarde von Genua beschleicht, wsnn wir nun hören, daß in Stre s a die Welt endgültig verteilt werden soll. Wir haben so das Gefühl, als ob in abermals 13 Jahren die Bühne Europas wieder ganz anders aussehen werde. Nur eines hat sich seither nicht geändert, ein Gei st ist derselbe geblieben: der Gei st Frankreichs, der von sich behauptet, mit dem Geist von Versailles und der Entente identisch zu sein. Es kommt nun alles darauf an, ob sich diese Behauptung in Stresa als stichhaltig erweist, ob die Besiegten tatsächlich noch einmal eingekreist und ständig unter Druck gehalten werden sollen, oder ob man ihnen die schon in Genua versprochenen Menschenrechte gewähren wird. Wobei niemand mehr im Zweifel darüber sein kann, daß das wehrlose Deutschland von Weimar der Geschichte angehört. Auf der anderen Seite hat Frankreich einen ungeahnten Machtzuwachs erhalten: die acht oder 10 Millionen Bajonette Mussolinis. Dazu unter Umständen die Riesenheere Rußlands. Sich neben der Freundschaft Englands diese gewaltigen Kraftreserven zu sichern, das ist das einzige Ziel der französischen Politik in Stresa. Heber Rußland hat man in Rom seine eigenen Ansichten, die sich nicht ganz mit den Hoffnungen der lateinischen Schwester decken, hingegen scheint die italienisch-französische Freundschaft heute ebenso gesichert äu sein, wie sie damals in Genua brüchig war. Sie Tag für Tag zu vertiefen, unterlassen die beiden nichts, der italienische Frontwechsel hat an Schärfe und Plötzlichkeit selbst in unseren veränderlichen Zeiten kaum ein Beispiel. Ist es doch bereits so weit, daß die Pariser Zeitungen offen schreiben können: Ihr wollt Abessinien haben? Bitte, nehmt es euch! Und das, bevor nur Italien ein solches Begehren deutlich gezeigt hätte. Und weiter: geflissentlich wird aus Paris die Behauptung vertrieben, Deutschland unterstütze Abessinien, liefere Waffen, Hunderte von Tanks, es stehe hinter dem König der Könige wie es hinter Abd el Krim gestanden habe ufw. Die italienischen Zeitungen nehmen alles auf, das Volk denkt natürlich nicht weiter nach und so braucht es wirklich nicht viel, um nötigenfalls einen Ausbruch von Deutschfeindlichkeit zu erreichen, wie im vergangenen Sommer. Die große Frage aber ist, o b u n d w i e weit Mussolini das Spiel mitmacht. Schon jetzt läßt sich sagen, daß das Treffen von Stresa mehr politischen als militärischen Charakter haben wird, das heißt, die deutsche Wehrpflicht, um die es anfangs gehen sollte, rückt in den Hintergrund. Mussolini müßte fld) ja selber verleugnen, wenn er nun abschwören wollte, was er gestern schon gebilligt hat. Sein ist das Wort von dem Volke, das nur dann geachtet werden kann, wenn es stark ist, wenn es wehrfähig ist. Ehr und Wehr, das ist für ihn ein Begriff, Seiten könnte man mit solchen Mussolinizitaten füllen. Es ist auch nicht wahr, daß er mit Deutschland gebrochen hätte, weil er sich in Venedig — wie es jetzt die deutschfeindliche Propaganda behauptet — kriegerischen Gewaltplänen Hitlers gegenübergesehen hätte. Muß man daran erinnern, daß es nach feiner Unterredung mit dem Führer war, als er auf dem Markusplatz ausrief: „Wir sind nicht zusammengekommen, um die Landkarte Europas zu verändern!"? Nun verbreiten die Einkreisungspolitiker freilich, er habe seinen Standpunkt a e ä n b e r t, und es ist einigermaßen drollig, ernsthafte Leute frohlocken zu sehen: „Mussolini ist der einzige, vor dem sich Deutschland fürchtet". Bitte, so steht das in großen französischen Zeitungen. Man droht Hitler mit dem schwarzen Mann, vergißt dabei aber, daß ein bewaffnetes 67-Millionen-Volk sozusagen zu den Erwachsenen gehört. Mussolini weiß sehr wohl, welche Macht ein geeinigtes Volk darstellen kann. Er glaubt nach wie vor, daß ein Dauerfriede in Europa nicht gegen, sondern nur mit Deutschland zu erreichen ist, und daher hat auch Italien den französischen Anklageschritt in Genf nicht mitgemacht. Wenn nicht alle Zeichen trügen, wird Italien oder, wenn er tatsächlich selbst kommen sollte, Mussolini in Stresa die Meinung vertreten, man solle den formellen Tadel wegen des Formalverstoßes gegen die Paragraphen des Versailler Vertrages ruhig dem Völkerbund überlassen, im übrigen aber sich mit dem längst bekannten Zustand der Dinge a b f i nbe n und versuchen, auf her Grundlage dek Gleichberechtigung mit Deutschland zu verhandeln. Allerdings ist Mussolini, wie so viele Kraftnaturen, gegen persönliche Beeinflussung nicht kugelfest, auch bei ihm gilt zuweilen der Grundsatz, daß Recht immer der Anwesende hat. Und bei seinem impulsiven Temperament folgt die Tat oft der (augenblicklichen) Ueberzeugung auf dem Fuße. Man denke nur an die Beschießung Korfus, an die Verdammung Oesterreichs vor einigen Jahren, an die Truppenaufgebote im vorigen Sommer, an den Konflikt mit Abessinien, an die Einberufung einer Jahres- klasfe. Wir halten Reden, schreibt dazu bewundernd die französische Presse, Mussolini aber handelt. Wenn andere so handeln, dies nur nebenbei, ringt die gleiche Presse aber die Hände. Ein Irrtum schwerster Art, man könne in Stresa oder Genf über eine Großmacht zu Gericht sitzen, ohne den Rattenkönig aller übrigen Probleme zu wecken. Immer wird Mussolini zu dem von ihm selbst aufgestellten Grundsatz zurückkehren müssen: Ohne Deutschland geht es nicht! Französische Kundgebungen gegen die DienstzeitverSängerung. Paris, 9. April. (DNB.) Die kommunistische „H u m a n i t e" will von heftigen Kundgebungen berichten können, die sich beim 126. Infanterie-Regiment in Brive abgespielt haben sollen. Gleich nach Bekanntwerden der Dienstzeitverlängerung des zur Entlassung kommenden Kontingents habe eine Kompanie gerufen: „Nieder mit der zweijährigen Dienstzeit! Nieder mit dem Krieg!" und die Internationale gesungen. Abends sei es zu einer zweiten Kundgebung gekommen, an der sich das g a nj e Regiment beteiligt habe. Gendarmerie und Mobilgarde seien nach Brive beordert worden. Zahlreiche Soldaten seien verhaftet. Am Sonntag habe der Regimentskommandeur die Soldaten feldmarschmäßig unter Musik an sich vorbei marschieren lassen. Aus aller Wett. „Graf Zeppelin" über dem Aequator. Das Luftschiff „Graf Zeppelin" hat am Dienstag gegen 5.30 Uhr früh den Aequator bei 31 Grad westlicher Länge überflogen. Es befindet sich nur noch 465 Kilometer von der südamerika- nifchen Insel Fernando do Noronha entfernt. Bei nördlichen Winden meldet das Luftschiff wolkiges Wetter und 24 Grad Celsius. Seine Stundengeschwindigkeit beträgt 135 Kilometer. Berliner Bootshaus in Flammen. — 42 Boote vernichtet. Das Bootshaus der Segelvereinigung Tegel (bei Berlin) wurde von einer verheerenden Feuersbrunst heimgesucht. Das Feuer wurde von Spaziergängern entdeckt, die sofort die Feuerwehr benachrichtigten. Bei Eintreffen der Wehr stand das Haus jedoch schon in hellen Flammen, so daß alle Bemühungen, das Gebäude und die darin befindlichen Boote zu retten, vergeblich waren. Das gesamte aus Holz erbaute Bootshaus sowie 42 Ruder-, Segel- und Motorboote wurden ein Raub der Flammen. Der Schaden beträgt etwa 80 000 Mark. Eröffnung des Militärhistorischen Museums in Koblenz. In Koblenz wurde die feierliche Eröffnung des Militärhistorifchen Museums im zHten Kaufhaus am Florinsmarkt durch Oberbürgermeister Wittgen vorgenommen, der in feiner Ansprache auf die Bedeutung dieser einzigartigen Schau hinwies. In sechs Abteilungen werden die bunten Friedensuniformen der Infanterie, Feldartillerie, der Kavallerieregimenter, der Pioniere und des Train neben dem feldgrauen Ehrenkleid des Weltkrieges gezeigt; Ordensfammlungen, eine große Säbel- und Seitengewehrfchau, Gewehre aus der Zeit von 1560 bis >zur Jetztzeit, Bilder und Uniformen der Marine und der ehemaligen deutschen Schutztruppe vervollständigen diese militärhistorische Schau. Außerdem sieht man die Uniformen der Franzosen, Engländer, Belgier, Italiener, Amerikaner und Russen. Besonders zu erwähnen ist die Ausstellungsgruppe „Reserve hat Ruh", die einen Einblick in die Zeit der Entlassung in Friedenszeiten gibt. Das Urteil gegen Brigitte Helm rechtskräftig. Der Zweite Strafsenat des Reichsgerichts hat die von der Angeklagten Brigitte Weisbach ge. Schittenhelm gegen das Urteil des Berliner Landgerichtes vom 26. November 1934 eingelegte Revision als offensichtlich unbegründet verworfen. Damit ist die unter dem Künstlernamen Brigitte Helm bekannte Filmschauspielerin wegen fahrlässiger Körperverletzung rechtskräftig zu zwei Monaten G e f ä n g- n i s verurteilt. Sie hat, wie erinnerlich, in der Nacht zum 27. August v. I. in Charlottenburg eine Frau angefahren und verletzt. Die Angeklagte hatte vor längerer Zeit bereits mit ihrem Wagen einen Radfahrer angefahren und war mit 600 Mark Geldstrafe bestraft worden. Werksdirektor in Sowjetrußland seht auf eigene Faust Notgeld in Umlauf. Der Direktor eines der größten Werke in Pensa (Sowjetrußland) ist verhaftet und dem Gericht übergeben worden. Da er wegen finanzieller Schwierigkeiten den Produktionsplan der Regierung nicht durchführen, aber auch keine Regierungshilfe erhalten konnte, war er dazu übergegangen, auf eigene Verantwortung Notgeld drucken zu lassen, das er in Umlauf setzte. Die Scheine hatten bereits eine weitere Verbreitung erhalten, als die Behörden eingegriffen und den Direktor wegen Schädigung der Sowjetfinanzen dem Gericht übergaben. Schwerer Sturm an der nordamerikanischen Atlantik-Küste. An der Atlantischen Küste von Nordamerika wütet ein ungewöhnlich schwerer Sturm, der große Schäden anrichtet und die Schiffahrt sehr behindert. Verschiedentlich wurden 15 Meter hohe Wellen beobachtet, die Strandorte überfluteten. Der Küstendampfer „Fairfax" fünfte, daß er 30 Meilen südöstlich vom Kap Hinlopen (Delaware) treibende S ch i f f s t e i l e gesichtet habe. Der SOS gebende Dampfer „Badagry" hat eine Besatzung von etwa 48 Mann an Bord. Schweres Eisenbahnunglück in Kalifornien. — 14 Eisenbahnarbeiter getötet, viele Schwerverletzte. Nördlich der Station Roseville (Kalifornien) ereignete sich ein schweres Eisenbahnunglück. Ein Triebwagen mit Bahnarbeitern, die die durch die Ueberschwemmungen der letzten Tage verursachten Beschädigungen am Bahndamm ausbessern sollten, stieß mit einem Schnellzug der Southern Pacifioßinie zusammen. Dabei wurde der Triebwagen völlig zerstört, 14 Bahnarbeiter waren sofort t o t. Eine ganze Reihe weiterer Arbeiter wurde mehr oder weniger schwer verletzt. Doppeltes Elisabeth-Jubiläum in Marburg. Marburg begeht in diesem Jahre ein doppeltes Elisabeth-Jubiläum: Am 1. Juni die 700- jährige Wiederkehr der Heiligsprechung der Landgräfin Elisabeth durch Papst Gregor IX. und am 14. August die 700-Jahrfeier der auch kunstgeschichtlich hochberühmten Elisabeth-Kirche, deren Grundstein im Jahre der Heiligsprechung gelegt worden 'ist. An beiden Gedenktagen sind in den Marburger Kirchen Festgottesdienste vorgesehen. Die Elisabeth- Kircye, die bei der Erneuerung im Vorjahre im Innern ihren ursprünglichen Farbanstrich wiedererhalten hat, der berühmte Elisabeth-Schrein und das Mausoleum der Heiligen werden aus Anlaß des Jubiläums zur Besichtigung freigegeben. Ehrung eines verdienten deutschen Wirtschaftsführers. Aus Anlaß des 88. Geburtstages des Geheimrats Emil Kirdorf hat Oberbürgermeister M a e r z den um die deutsche Wirtschaft hervorragend verdienstvollen Mitbürger das Ehrenbürgerrecht der Stadt Mülheim verliehen und ihm diese Verleihung mit den besten Glückwünschen der Stadt zum Ausdruck gebracht. Hauptschristleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. DA. III. 35: 11229. Druck und Verlag: Bruhl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. WEINE von H. EWes der Inbegriff von Preiswürdigkeit und Qualität! Rheinwein von 70 Pf. per Flasche an Moselwein von 80 Pf. per Flasche an Verlangen Sie bitte Preisliste I Zur Einsegnung und zu Ostern Elgesweine! 2106 A Weingroßhandlung H.Elges Seltersweg 68a Ruf 3458 Vermietungen Möbl. Zimmer mit lod. 2 Betten zu vermieten. Schr.Angeb.unt. 01579 and.G.A. Mietgesuche MUNW in jeder Größe sucht ständig 2 v7v Büro Kirchner Seltersweg 8. 3-6-Zimm.-WohDg. ob. kleines Haus zu miet, gesucht. Schr. Ang. unter 01551 a.d.G.A. Akustisch unbelastet. gut möbl. Zimmer v. Herrn gesucht. Schr.Prersange- bote unter 01575 an den Gietz.Anz. Laden fcnb Am« gesucht. Schriftliche Angeb. unt. 2105V an ben Gießener Anzeiger erbet. 1-2 Räume ca.40-50qm,bell heizb., mögt, mit Kraftanschlutz, in Stadtmitte zu mieten gesucht. Schr.Angeb.unt. 2092VGietz.Anz. Stellenangebote Keine Ursprungszeugnisse, sondern nur Zeugnisabschriften dem Bewerbungsschreiben beilegen! — Lichtbilder undBewerbungsunter» lagen müssen zur Vermeidung von Verlusten auf der Rückseite Namen und Anschrift des Bewerbers wagen! Gesucht z. 15. 4. einehrl. sauberes Mädchen von 7 bis 3 Uhr nachmittags. Vorzustellen zw. 4u.5Uhrnachm. FrauM.Frölich, Hindenburg- mall 13III. 01673 Jung. Mädchen bis 17 3abre, das zu Hause schlaf, kann, für leichte Arbeiten sofort gesucht. 2003D Vorzustellen Wartesaal 3. Kl. Kleine Anzeig en im Gießener Anzeiger werden von Tausenden beachtet imb gelesen. | Verkäufe Klein. Haus 4Zimmer,Küche, Waschküche und große Werkstatt, geräumiger Hof in gut Lage der Innenstadt zu verkaufen. Schr. Anfragen unter 2100Oa.d.Gieß. Anzeiger erbet. MBPS Opel offen, prima Zustand, billig zu verkaufen. Schr. Anfragen unter 01571 and.G.A. ilölenöflflen (steuerfrei)-.verkaufen. 2107D Faber, Müblstraße 22. Sehr günstig stehender Bausparvertrag der D.B.S. Darmstadt zu verkauf. Schr.Angeb.unt. 01572 and.G.A. Zu verkaufen: 1 echt. Steinweg-Flügel fast wie neu, prachtvolle Tonfülle, weit unter Neupreis abzu- geb. (Gelegenh.) Eilanfrag.wegen Besichtig, siviv Jürgens Pianohaus, Fulda. Auch das Frühjahrswetter hat seine Tücken Was dann, wenn das Wetter so schlecht wie in diesem Jahr ist. Man geht gerne wieder leichter gekleidet und hinterher ist die Erkältung oder die Grippe da. Beugen Sie vor, nehmen Sie einen Beutel WinterhoHs extrastarke Eucal.- Menthol-Bonbons.. Beutel 0.45 Drowe-Hnstenkonlekt... Dose 0.90 Brusttee-Bonbons.....Beutel 0.35 oder eine Schachtel Wybert, Rheila-Perlen, Sodener oder Emser Pastillen. GeeigneteVorbeugungsmittel verkauft Ihnen gerne Drogerie Kreuzpfiatz 10 Donnerstag, 11.Avril, nachm. 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg 28 dahier, bzw. an Ort ».Stelle (Bekanntgabe erfolgt im Persteigerungslokal) zwangsweise gegen Barzahlung: 1. 1 Registrierkasse, 7 Schreibtische, 1 Radioanlage, 2 Kassenschränke, 1 Personenwagen, 3 Chaiselongues, 2 Kühlschränke, 2 Klaviere, 3 Teppiche, 4 Sofas, 1 Cautsch, 1 Grammophon, 1 Korb- garnitur, 1 Speisezimmer, 1 Bild, 1 Spiegelschrank, 1 Damenarmbanduhr, 1 Vertiko, 1 Trumeau- spiegel, 2 Büfetts, 2 Warenschränke, 1 Schreibmaschine, 1 Waschtisch, 1 Schreibtischsessel, 1 Ladentyeke, 10 Kaffeekessel, 10 Kartoffelauetschen, 30 Gardinenleisten, 5 Löffelgarnituren, 25 Fleischhackmaschinen. 2. Bestimmt im Versteiyerungs- lokal im Löwen: 1 Schreibtisch, 1 Schreibmaschine, verschied. Zinkwannen und Zinkeimer, 1 Ofen, versch. emaillierte Schüsseln. 2109D KwA _ Gerichtsvollzieher in Gießen, Telephon 3239, Ludwigstraße 33. 3s21Ba-Uliren bei 2096d Karl Brück, Kreuzplatz 8 Oi J B H ft lywwv«- 1 .-"-"T»- l Sie können Sie darum, \ binden DW ^pflöcber ■ Ihrer ^d.DanüUt l Umzäunung mehr, X auch keiu smd alle 4enndl<,fl die verrosteten . locker und diev zenan l DrabtmaschenP wleder anderen SW gehen auf. Vie Hen dutcb, eben doch t dazu wenn Sie ^en^ich mal . entschließen, heruin- einen neuen i zulegen. »Ät, und mal DrabtScRAPO-Vier; zwar den « ^oppeltstarh pck“, er ist ,aen der Stadt Von Lotte Matschoß. In diesem Jahre sollen wieder mehrere holungsbedürftige Stadtkinder der NSV. aufs Land geschickt werden. Jedes Haupt' Preislagen’ gebung in einen völlig neuen Lebenskreis. Alles ist anders. Im Grunde imponiert ihm dies neue Leben auf dem Hofe außerordentlich — das Vieh, das Heu, Stall und Scheune, alles ist voller Anziehungskraft. Aber das Kind steht diesem Reichtum ganz allein gegenüber. Sein städtisches Zuhause erscheint ihm nun vielleicht arm ^'">rf-! „pserdekräste" der Hausfrau. Eine interessante Statistik. Es gibt wohl kaum einen Ehemann, der nicht ein bißchen spöttisch lächelt, wenn die Hausfrau von ihrer Arbeit spricht. „Das bißchen Kochen und Aufräumen, das ist doch wirklich nicht so schlimm! , sagen sie und meinen, sie würden das alles neben«, bei erledigen. Aber es erledigt sich nichts auf der Welt nur fo nebenbei, und gerade die Hausarbeit beansprucht mehr Kräfte, als die meisten Männer sich träumen lassen. Auch die Hausfrau würde sich nicht mehr wundern, weshalb ihr abends die Füße weh tun und die Arme so schwer sind, wenn sie genau wüßte, wieviel Pferdekräfte sie im Lauf des Tages verbraucht. Im Institut für industrielle Psychotechnik hat man sich einmal die Mühe gemacht, genau den Kraftaufwand zu messen, den eine Hausfrau bei ihren tag* lichen Arbeiten verbracht. Man ist da zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen. Schon morgens früh fängt es an: die Hausfrau möchte gerne einen guten Kaffee machen. Schnell wird ein Viertelpfund in der Maschine durchgemahlen! Das ist doch gar keine Arbeit — denkt man. Man staune: Ein Viertelpfund Kaffee durch die Maschine mahlen bei 140 Umdrehungen pro Minute dauert 2% Minuten. Die Leistung, die die Frau hierbei vollbringt, in PS (Pferdekräfte) umgerechnet, beträgt ein Fünfzig* stel PS. Diese ein Fünfzigstel PS wird aber auch ge* braucht, um einen halben Zentner auf die Höhe von 10 Metern zu heben oder z. B. 50 Preßkohlen (Briketts) drei Stockwerke hoch zu tragen! Wer hätte das gedacht! Das Abwaschen ist nicht ohne Grund bei der Hausfrau verhaßt, denn abgesehen davon, daß es eine häßliche und unappetitliche Sache ist, verbraucht es auch eine Menge Energien. Besonders dann, wenn der Abwaschtisch, was meist der Fall ist, z u niedrig angebracht ist, so daß die Arbeit im Bücken bewerkstelligt werden muß. Allein das Bücken beansprucht 60 v. H. mehr Kraft als das Sitzen, das Stehen 25 v. H. mehr! Deshalb ist es sehr wichtig, wenn man die meiste Hausarbeit im Sitzen verrichtet, aber davor scheuen sich noch viels Hausfrauen. Wenn die Hausfrau schwer bepackt vom Markt heimkommt, dann sagt sie wohl pustend: „Heute habe ich aber 20 Pfund mit nach Hause geschleppt!" Im Lauf des Tages, bei den einzelnen Arbeiten schleppt tue Frau aber viel mehr — wenn man ihrs Arbeitsleistungen in Gewichtsbelastungen umrechnet. Das Psychotechnische Institut hat auch hierfür Berechnungen aufgestellt — und keine Frau wird sich mehr wundern, daß sie trotz ihrer Zweizimmerwohnung, des abends müde ist. Sitzt die Hausfrau an der Nähmaschine, fo ist ihre Arbeit an Kraftaufwendung gleichbedeutend, als würde ihr Körper während dieser Zeit mit einem Gewicht oon 6 Kilogramm belastet. Beim Rühren von Kuchenteig sind es sogar 24 Kilogramm, beim Kaffeemahlen 18 Kilogramm, beim Bügeln 26 Kilogramm und beim Waschen der großen Wäschs 30 Kilogramm. Wer also den Waschtag hinter sich hat, der hat die gleiche Arbeit geleistet, als habe er den ganzen Tag über ein Gewicht von 30 Kilogramm mit sich herumgeschleppt. Rationelles Arbeiten ist auch im Haushalt nötig, denn wenn man unnütz Kräfte vergeudet, können keine Werte geschaffen werden! Deshalb sind Arbeitserleichterungen auch keine Zeichen oon Faul* zeit, sondern nur Zeichen von praktischem Denken. Daß man den Stiel vom Besen lang genug macht, um im Stehen auffegen zu können, müßte für jede Frau selbstverständlich sein, die modernen Küchen* geräte sind ja auch meistens so eingerichtet, daß das Bücken mit seiner großen Kraftvergeudung umgangen wird. Haussrauenarbeit ist Schwerarbeit, alles muß darauf hinzielen, möglichst wenig PS zu verbrauchen! Ernähi-unqsumstellung im Frühling. kommt auf einen Bauernhof, der ihm für 4 bis 6 Wochen Heimat sein soll. Die Mutter dieser Heimat ist die Bäuerin. Sie ist es, der das Kind an- vertraut wird; sie soll ihm in den kurzen Wochen Erholung und Freude geben, es in den Schoß der Familie aufnehmen und ihm das Land- und Bauernleben lieb machen. Wahrlich eine große und schöne Aufgabe! Viele Bäuerinnen sind auch begeistert von der Idee und melden sich, Landkinder aufzunehmen. Sie nehmen die Kinder k o st e n l o s zu sich — als kleinen Dank für die großen Opfer, die Regierung und Volk bringen, um den Bauernstand zu dem gesicherten Grundpfeiler unseres Staates zu machen — und als persönliches Opfer für ihre Schwestern in der Stadt, die ein bedrängteres, nicht so wurzelfestes Leben führen wie sie selbst. Am besten aber gedeihen die „Landkinder" dort, wo es die Bäuerin aus mütterlicher Liebe — auch für das fremde Kind — tut. Trotz der Schönheit und Größe des Gedankens, und trotz dem guten Willen ist die praktische Aufgabe das Landkind in der Familie zu haben nicht immer ganz leicht. Die Bäuerin ist oft unglücklich darüber, weil sie nicht recht weiß, woran es liegt, wenn nicht alles so glatt geht wie sie dachte, denn sie hat ja alles getan, um es für das Kind schön zu machen! Nun — meistens liegt es an Kleinigkeiten, die leicht zu überwinden sind, wenn man sie nur klar erkennt. Z. B. hört man die Bäuerin oft klagen: die Stadtkinder sind fo „frech"! Hier muß man sich einmal mit der seelischen Einstellung des Landkindes befassen — und man wird gleich an die Wurzel vieler kleiner Hebel stoßen: Das Kind kommt von seiner städtischen Um» Die Hausfrau, die es mit der Erfüllung ihres Pflichten ernst nimmt, wird im Frühling unbedingt zu einer Umstellung in der Ernährung greifen. Oft möchten die Küchenleiterinnen diese Umstellung schon zum Beginn des Lenzes in die Tat umfetzen, doch fürchten sie die Kosten, und dann haben sie auch Angst, daß die andere Nahrungszusammenstellung nicht ganz so gut schmecken mirbw Aber — bitte keine überflüssigen Sorgenfalten! Dick Umstellung kann ohne Mehrkosten bewerkstelligt werden, auch wird sie nach kurzer Gewohnheit — Sorgfalt in der Bereitung vorausgesetzt — gut gewunden. Die Ernährungslehre hat ergeben, daß Vitamine und Mineralstoffe zur Gesunderhaltung notwendig sind, ja zuweilen sogar anstelle von Medikamenten treten können. Sie finden sich in Obst, Milch, in Käse, Gemüsen, Salaten und sind bann am zuträglichsten, wenn sie nicht durch falsche Koch* prozesse zerstört worden sind. Einen Hinweis auf eine gute und im Frühling gesunde Ernährung stellt der Gebrauch von weißem Käse dar, der vermischt mit Butter und grünen Kräutern angemacht, ehr wohlschmeckend und preiswert ist. Er macht jeden anderen Brotaufstrich überflüssig. Als Getränk findet die vorzügliche Buttermilch leider noch nicht die genügende Würdigung. Sie hat eine für den Darm anregende und die Verdauung fördernde Wirkung, schmeckt gut und ist sehe nachhaltig, da sie auch dem Hungergefühl in gesunder Weise entgegenarbeitet. Beim Mittagessen wird die Gemüsesuppe dicke Suppen oder Kraftbrühen ersetzen. Man kann alle Gemüsearten dazu verwenden, von jeder Sorte eine Kleinigkeit. Junge Gemüse und Kohlarten vertragen sich vorzüglich miteinander. Sonst braucht Gemüsesuppe sehr wenig Zutaten. Ihr Wohlgeschmack wird durch geriebenen Käse erhöht, der zuletzt an die Suppe kommt. Nicht zu vergessen ist die Zusammenstellung von Gemüse und Kartoffeln, die beide im Dämpfer bereitet werden. Durch Dämpfen gehen weder Vitamine noch Salze verloren, mithin erübrigt sich oft sogar das Würzen der Speisen. H a f e r f l o cke n find ein sehr gesundes und gutschmeckendes Erzeugnis der Landwirtschaft, die sich auch im ungekochten Zustande verwenden lassen. Sie werden vorgeweicht, mit Milch, Zitronensaft, je nach Geschmack mit Zucker und geriebenen Aepfeln vermischt zum Mittagessen oder Frühstück Verwendung finden. Rohkost kann in Salatform angerichtet werden und findet viel Beifall, ganz abgesehen davon, daß sie her Ernährung gerade bei dem Umstellung im Früyling sehr viel Vorteile bietet Schü. itb ’i'rungsS ’Ä le LnudU iQl ’ttor ° Das Vormittagskleid aus genoppter, zartgelber Wolle zeigt den neuartigen, kleinen hochstehenden Kragen, der an den halblangen Raglanärmel angeschnitten ist. Die Nähte sind breit abgesteppt, der Gürtel und die viereckigen Knöpfe sind dunkelbraunes Wildleder. Der Hut ist braunes, stumpfes Stroh. Zur Vervollständigung des Anzuges rann ein armlanges Cape getragen werden, am besten in der gleichen Stoffart, in dem gleichen Gelb ober bem paffenben Braun. Das Nachmittagskleib ist aus silber- grauem C l o q u £, fein breiter, gezogener Gürtel aus königsblauem Samt. Die am Ausschnitt zu- l'kiisie. ....S'o&e Ä di. »fr Äüften. n le" «’knhe 19 °°" «taa iornien, _ "«vcileyl. Wien) er. Unglück. )le die durch 9e verursach! ! «usbessern er Southern ? der Trieb- r waren so, rer Arbeite, "letzt. Harburg. ■’n doppeltes Juni die 700. Ver Land. ’X. und am kunstgeschicht, eren Grund- elegt worden n Marburger Elisabeth. Vorjahre im ttich wieder- Schrein und Anlatz des nicht von ber Pinzette abgleiten können. Von Frernbkörpern im Ohr soll der Laie auch bann bie Finger lassen, wenn der eingedrungene Gegenstand gut sichtbar ist. Hier kann man durch Instrumente unheilbaren Schaden anrichten, indem man durch Abgleiten der Instrumente den Gehör- gang verletzt, Ertaubuna ober oerlaufenbe Eiterungen hervorruft. Der Arzt bebient sich ber Ausspritzung, die fast immer zu bem gewünschten Erfolg führt. Ohne richtige Beleuchtung burch ben Ohrenspiegel läuft man immer Gefahr, Unheil anzurichten. Die Möglichkeit, bas Trommelfell zu verletzen unb Zerstörungen am inneren Gehörgang hervorzurufen, liegt zu nahe, als baß man in solchen Fällen an bem Kinbe herumexperimentieren barf. Bisweilen wirb sogar ber Arzt erklären müssen, baß er augenblicklich nichts unternehmen könne unb eine oorbereitenbe Behanblung einleiten müsse. Ein berartiges Eingeständnis ist aber durchaus nicht auf mangelnde Tüchtigkeit des Arztes zurückzuführen, sondern ist nur ein Zeichen feiner Vorsicht, der die Eltern nicht widersprechen sollten. Wenn sich Fieber, Erbrechen und starke Kopfschmerzen einstellen, wird die Lage bedenklich; bann ist bereits bie Paukenhöhle in Mitleibenschaft ge- zogen, unb man muß sofort zur Operation schreiten. Vor allem soll man keine kostbare Zeit vertröbeln, inbem man bas Kinb immer wieber auf ben Kopf stellt unb schüttelt. Mit solchen „volkstümlichen" Methoben erreicht man fast nie etwas. Höchstens wird dadurch der richtige Zeitpunkt versäumt, in bem man noch ohne tiefere Eingriffe leicht Hilfe bringen kann Dr. W. und natur M «■* * gant«« besten « täten bringen wir in ganz großer Auswahl - bekannte solide Paßform- richt Weiten f. starkeFiguren ehn Lange. ch W. Lange, den übrigen : Hans Beck, gen: Theodor unb Verlag: Dteinöruderei ’fien. \li& 25 U Pf. mehr. ags 15 i)T. 1954 gültig. Vorbereitungen für das Osterfest. Oie Hausfrau sorgt für gutes Gelingen Ostern steht vor der Tür, und obwohl es in diesem Jahr recht spät fällt, kann sich der Frühling immer noch nicht so recht entschließen, seinen Einzug zu halten. Und doch soll das Osterfest ein rechtes Frühlingsfest werden! Die Nähmaschine surrt, damit die Festkleider nur ja fertig werden, und man glaubt so fest an Sonnenschein, daß der April mit seinen Launen einen nicht stören kann. Von der Hausfrau und Mutter hängt das gute Gelingen der Festtage ab, denn wenn bie Hausfrau mühe unb gehetzt ist, bann überträgt sich bie nervöse Stimmung auch auf bie übrigen Familienmit- glieber, unb'ber Festtag ist gestört. Vorsorgen ist bas beste Mittel, um solche Stimmung nicht aufkommen zu lassen! Der Frühjahrshausputz liegt schon hinter einem; bie ganze Wohnung hat ein frisches Gesicht bekommen, unb auch bie, bie zum 1. April umgezogen finb, haben sich im neuen Heim eingewöhnt. Ein boppel- ter Grunb, bas Osterfest froh zu feiern. O st e r e i e r gehören nun einmal zum Osterfest, unb niemanb fühle sich bafür zu alt. Wenn wir Erwachsenen auch nicht mehr Ostereier suchen, so finben wir es hoch selbstverstänblich, baß am Oster- tag auf bem Frühstückstisch ber Korb mit ben bunten Eiern thront Die Eier finb nun billiger geworden, sehr zur Freude der Hausfrau. Man färbt sie hübsch bunt mit ben Farben, bie man in der Drogerie kaufen kann, das ist viel praktischer, als wenn man selbst mit Spinatgrün ober Zwiebelschalen herumexperimentiert. Will man auf bas Osterei den Namen schreiben, so schneibet man bie Buchstaben sorgfältig aus Pergamentpapier aus unb klebt btes vor bem Färben auf. Die fertigen gefärbten Eidr werben mit Speckschwarte abgerieben, bannt sie schön glänzen. Auch ber O st e r k u ch e n wirb in Form eines Eies gebacken. Man macht einen Sandkuchenteig und bäckt ihn in einer Melonenform. Dann wird der fertige Kuchen dick mit Mokkacreme bestrichen unb mit Pistazienschnitzel bestreut. Als Nachspeise kann man ebenfalls ein Eiergericht reichen unb zwar „Falsche Spiegel- e i e r". Man nimmt eine Scheibe Büchsenananas unb bestreicht sie dick mit Schlagsahne. Dann legt man eine halbe Aprikose, mit der Kernseite nach unten, auf diese bestrichene Ananasscheibe — und schon ist das falsche Spiegelei fertig! Es geht ganz schnell und schmeckt immer ausgezeichnet Es erfordert für die. Hausfrau immer Nachdenken, für zwei Festtage vorzusorgen, denn schließlich will sie nicht die ganze Zeit in der Küche stehen. Deshalb sollte sie es immer so einrichten, daß am zweiten Feiertag nur kalt gegessen wird Es gibt eine Menge Rezepte, die vorzüglich sind, und schon ein paar Tage vorher können diese Speisen bereitet werden Dazu gehört z. B. „saures Sein« fleis ch", ein Spezialgericht, das besonders bei Herren sehr beliebt ist. Man kocht gutes schieres Rindfleisch so, daß es saftig bleibt, man legt das Fleisch also in das kochende Wasser. Ist es weich, nimmt man es heraus und legt es ein pnar Tage in eine Marinade, die aus feinstem Weinessig, Wasser Pfefferkörnern, Lorbeerblatt unb ganz fein gewiegten Kräutern besteht. Perlzwiebelchen unb fein geschnittene Gurken werben hinzugefügt, unb vor bem Servieren wirb feingehacktes Ei über bas Fleisch gestreut Dazu reicht man grünen unb Kartoffelsalat. Die Marinabe wirb mit zu Tisch gegeben als Sauce Abenbs ist eine Fischsülze sehr beliebt, ober man reicht allerlei kleine Delikatessen aus Dosen. Das macht auch keine Arbeit unb ist nicht teuer, wenn man bie Delikatessen richtig auswählt. Blumen gehören auch zur österlichen Wohnung. Ein paar grüne Zweige mit kleinen Blättern finb ganz billig unb geben eine entzückenbe Dekoration. Will man sie sich selbst ziehen, so stelle man die Zweige in warmes Wasser. Osterglocken, Veilchen unb Himmelsschlüsselchen gehören auf ben Tisch. Hier darf man nicht sparen, wenn man die richtige Feiertagsstimmung schaffen will! Ostern ist ja ein Wie die Kinder des Hauses soll es ab und zu mit» helfen. Aber es muh helfen dürfen, nicht helfen müssen. Kein normales Kind ist an sich „faul". Jedes hat den starken Drang nach viel Beschäftigung, den es auszunützen gilt. „Weißt du was — heut darfst du einmal ..", wieviel verlockender ist diese Einleitung zu einer Arbeit als: „Jetzt mach schnell unb hol ..."! In solchen kleinen Unterschieden liegt oft bas ganze Geheimnis ber richtigen Behanblung. Im übrigen braucht bas Kinb keinesfalls wie ein rohes Ei behanbelt zu werben. Daß bies nicht geschieht, bafür sorgen sicher bie Kinber ber Bäuerin am besten Kinber erziehen sich unteretnanber erstaunlich gut. Ueberhaupt kommt ein Kinb auf einen Hof mit vielen Kinbern immer am schnellsten zurecht unb wirb als Freunb ber Kinber am engsten in ben Familienkreis aufgenommen. Unb barauf kommt alles an. Das Kinb soll sich in bie bäuerliche Familie einleben, es soll mit Brauch unb Sitte, Arbeit unb Feiertag bes Hauses vertraut werben. Nicht als frember Gast, fonbern als ©Heb ber Familie soll es baran teilnehmen. Es hat ein Recht bazu, benn es gehört ber gleichen großen Volksfamilie an. Nur aus bem Geiste biefer Ver- bunbenheit heraus kann es ben Wert ber bäuerlichen Lebensgemeinschaft fühlen unb später auch verstehen. Diese Erkenntnis aber wirb bestimmend fein für das ganze künftige Leben. „Baby Hai sich einen Knops ins Ohr gesteckt.. Wie oft kommt es vor, daß Mütter zum Kinderarzt in die Sprechstunde laufen und ängstlich jagen: „Mein Baby hat sich gestern einen kleinen Knopf ins Ohr gesteckt, mir bekommen ihn nicht mehr heraus, obwohl wir schon alles Mögliche versucht haben!" — Nun, der Schaden kann schnell behoben werden, aber nur vom Arzt, jedes Hantieren eines Laien, und sei es noch fo gut gemeint, macht den Schaden nur größer. Kinder haben oft die Angewohnheit, aus Spieltrieb allerlei kleine Gegenstände in den Mund zu nehmen oder in die Nase und in die Ohren zu stecken. Selten wird sich aus solchen Unfällen unmittelbare Lebensgefahr ergeben, außer, wenn etwa ein größerer Fremdkörper in den Kehlkopf gerät, aber immerhin können spätere Folgen bedenkliche Gesundheitsschädigungen Hervorrufen. Vor allem sind falsche Methoden, den Störenfried zu entfernen, geeignet, schwere Verletzungen zu erzeugen. Besonders bei Fremdkörpern im Kehl- ko p j ist sofort der Halsspezialift zu Rate zu ziehen. Fremdkörper, die sich in der Nase festgejetzt haben, werden durch Herumhantieren mit der Pinzette meist noch tiefer hineinpraktiziert. Die Entfernung der Fremdkörper aus der Nase besorgt der Arzt nicht nur durch die Pinzette, sondern durch "'ne nnfrümmf" Sondc Die V'niett'' lammengerafften Vorderbahnen sind ben Rückenteilen so angeschnitten, baß jich ein kleiner spitzer Rückenausschnitt ergibt. Der untere Ranb bes großen königsblauen Exoten st rohhutes ist mit silbergrauem Mattkrepp abgefüttert. Hutgarnitur: königblaues Samt- banb. Das Abendkleid, für kleinere abendliche Zwecke bestimmt, ist aus schwerem, pfirsichfarbenem Ma11crepe. Der gezogene, angesetzte, jehr weite und lange Schluppenärmel, der hoch am Halse geraffte Ausschnitt und der geraffte Gürtel bringen bas Material bestens zur Wirkung. Die Gürtelschnalle unb bas kleine Diabem finb aus Bergkristall. H. AB£NP$ NACH MITTAGS Erster Gentleman seines Landes. Von unserem Koe.-Berichterstaiier. Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten! London, März 1935. Am 6. Mai begehen England und das britische Weltreich einen großen Festtag. Ueberall, wo die britische Flagge weht, auf den eisigen Shetland- Inseln und der glühenden Sonne Indiens, in den unendlichen Räumen Kanadas, am Kap Horn und im jüngsten Erdteil Australien wird das eine große Ereignis gefeiert: Die fünfundzwanzig sie Wiederkehr des Tages, an dem König Georg V., „von Gottes Gnaden König Großbritanniens, Irlands und der britischen Dominien jenseits der Meere, Verteidiger des Glaubens, Kaiser von Indien", den Thron bestiegen hat. Fünfundzwanzig Jahre Weltgeschichte rollen ab, fünfundzwanzig Jahre, in denen die Grundfesten der Erde erschüttert wurden. Große Reiche sind zerschmettert, glänzende Throne sind verschwunden. Inmitten der ungeheuren Brandung aber steht der englische Thron im englischen Weltreich. Alle Blicke werden sich dieses Jahr nach der kleinen, zerklüfteten Insel im Nordwesten Eurasiens richten, von der einst nordische Abenteurer auszogen, um eine noch unerschlossene Welt zu erobern. Dreihundert Jahre schon steht das Reich, in dem die Sonne nie untergeht. Kann auch seine Zukunft nach Jahrhunderten bemessen werden? Wann wird sich das bittere Gesetz der Vergänglichkeit alles Irdischen auch an dieser gewaltigen Schöpfung erweisen? Diese Frage kann niemand beantworten. Heute kann nur festgestellt werden, daß das „Imperium" trotz der Weltkatastrophe von 1914 bis 1918 und trotz der Umwandlung aller Werte feine Gestalt bewahrt hat. Und dennoch ist vieles anders geworden. Die Umrisse sind zwar geblieben. Aber Licht und Schatten, Perspektive und Hintergrund haben sich verschoben. Schon lange hat sich die aufsteigende Linie in eine horizontale verwandelt. Die Zersetzung der alten Werte und der Aufstieg neuer Weltanschauungen, die Emanzipation der Rassen und die Dekadenz des europäischen Herrenmenschentums haben das gewaltige Staatengefüge gelockert, seinen politischen und ethischen Zusammenhalt erschüttert. Heute kann England nicht mehr mit selbstherrlicher, in sich ruhender Vollmacht die Weltpolitik diktieren. Heute muß es in erster Linie bemüht sein, seinen eigenen weitläufigen Bau so lange als möglich gegen die tausend Stürme und Strömungen der neuen Zeit zu verteidigen. Englands Politik heißt daher aus ureigenstem Interesse heraus: Frieden. Jeder neue Stoß kann dem Gebäude einen Riß versetzen, der vielleicht nicht mehr auszubessern ist. Inmitten dieser Stürme und Strömungen geht der englische Thron als Hort der Ueberlieferung, als Spitze und Sammelpunkt des Reiches und als ruhender Pol im Wandel der Ereignisse. Darin, in der symbolhaften Bedeutung des englischen König- und Kaisertums liegt vielleicht seine größte Kraft. Der englische König ist die einzige und o b e r ft e Instanz, in der sich die gewaltige Einheit des englischen Weltreiches verkörpert; er ist das strahlende Oberhaupt der „großen Familie", wie König Georg selbst in feiner Neujahrsansprache feine Völker bezeichnete. Die verbrieften Rechte, die dem König im Rahmen der typisch englischen Regierungsform der parlamentarischen oder ministeriellen Monarchie zustehen und den Fürsten manchmal als bloße Repräsentationsfigur erscheinen lassen, mögen eng umgrenzt sein. Der englische König ist zwar ein konstitutioneller Monarch, der durch seine Minister regiert, aber innerhalb dieser Begrenzung ist fein Einfluß unbeträchtlich. Die verfassungsmäßigen Privilegien des Königs sind „das Recht, um Rat gefragt zu werden, das Recht zu ermutigen und das Recht zu warnen." Wie alles in England, ist auch der Königsgedanke elastisch und von der Person des Trägers abhängig. Eine überragende Persönlichkeit an der Spitze des Landes — wie Königin Victoria oder Eduard VII. — kann die englische Politik maßgebend beeinflussen. Von König Georg ist bekannt, daß er ein „ge- Gießener Gtadtiheater. Hjalmar Bergman: „Der Nobelpreis". Aus dem Programmheft wird der Besucher, vermutlich mit Staunen, ersehen haben, daß der vor einigen Jahren verstorbene Verfasser dieses Stückes, der in feiner schwedischen Heimat bereits einen sehr angesehenen Namen hat, in Deutschland aber bis vor kurzem ziemlich unbekannt war, ein außerordentlich umfangreiches literarisches Werk hinterlassen hat. In Mainz wurde vor kurzem „Der Nobelpreis" uraufgeführt, in Berlin spielt man jetzt „Seiner Gnaden Testament". Damit ist Bergman bei uns eingeführt worden; aber das ist nur ein verschwindend kleiner Teil seiner dramatischen Produktion, und von seinen 24 großen Romanen und über hundert Novellen dürften nur die wenigsten bekannt sein. Man hat Bergman übrigens unter anderm als den bedeutendsten skandinavischen Komödienschreiber seit Holberg bezeichnet, und nach der Probe, die wir gestern zu hören bekamen, scheint eine derartige Erinnerung an die klassische Lustspieltradition nicht einmal übertrieben. * Das Thema der Komödie „Der Nobelpreis" mag dem Schweden Bergman schon landschaftlich nahe gelegen haben, aber auch unter seinen Landsleuten würde kaum jemand darauf verfallen sein, es von dieser Seite zu betrachten: von der materiellen Seite nämlich, von der geschäftlichen, die ja neben der Ehre und dem Weltruhm, die mit der Verleihung verbunden sind, auch noch eine Rolle spielt. Daß, mit nüchternen Worten, das Geld welches der Preisträger erhält, schließlich wichtiger wird als der Ruhm — weil es die Familie des Empfängers vor einer bürgerlichen und moralischen Katastrophe bewahrt —: das ist die freilich etwas bitter schmeckende Quintessenz einer Komödie, die gegen Ende hin bedenklich ins Gegenteil umzuschlagen droht. * Es fängt damit an, daß man zum Frühstück in der Zeitung lesen kann, der Ingenieur und Erfinder Rolf Swedenhjelm werde den Nobelpreis höchstwahrscheinlich nicht erhalten — während die ganze Familie, besonders seine drei erwachsenen Kinder, noch inbrünstiger darauf gehofft Haden als der Alte selbst. Natürlich hat er iyn verdient, aber vor allen Dingen haben sie mit dem Geld gerechnet: Rolf Swedenhjelm, ebenfalls Ingenieur und bester Mitarbeiter seines Vaters; Bo, der jüngste, schneidiger, aber armer Leutnant; und Julia, die Schauspielerin. Die Söhne haben beide Schulden, schickter Beobachter der auswärtigen Politik" ist und daß er seine Rolle als ausgleichender und über den Dingen stehender Faktor in den politischen Strömungen und Kämpfen des Tages mit einzigartigem Takt ausübt. König Georg ist nicht nur der Monarch, er ist auch der „erste G e n t l e - m a n" feines Landes, der „princeps inter pares", den noch heute theoretisch nach altem Recht jeder Engländer zum Zweikampf mit dem Schwert herausfordern kann. Die Beliebtheit König Georgs V. beim englischen Volk ist nicht zum geringsten Teil in seiner „good sportmanship", seiner einfachen Lebensweise und seinem taktvollen Auftreten begründet. Jedermann weiß, daß das Familienleben des Königs ein sehr glückliches ist. Vierzehn Jahre seiner Jugend verbrachte er als Seeoffizier und zuletzt als Kommandant eines Kreuzers der englischen Flotte, und noch heute kann er seine frühere Laufbahn nicht verleugnen. Der Segelsport ist immer noch seine Lieblingsbeschäftigung und seine Vorliebe für alles Militärische im allgemeinen ist sprichwörtlich. Im übrigen dürfte es nicht allgemein bekannt fein, daß Georg V. eine der umfassendsten und kostbarsten Markensammlungen in der Welt besitzt. Zum ersten Male lenkte Georg V., damals noch Prinz von Wales, im Jahre 1901 die Augen der Öffentlichkeit auf feine Person, als er nach einer großen Rundreise durch die britischen Besitzungen in der Londoner Gildenhalle das Schlagwort prägte „England, erwache!" und erklärte: „Das alte Land muß aufwachen, wenn es feine Vorherrschaft im kolonialen Handel aufrechterhalten will." Neun Jahre später, im Alter von 45 Jahren, hatte Prinz Georg die Nachfolge seines Vaters, Eduards VII. anzutreten. Es war kein leichtes Erbe. Der kommende Weltbrand warf feine Schatten voraus. Englands politische Linie war schon — und dafür war Eduard VII. weitgehend verantwortlich — so gut wie endgültig in Richtung auf Frankreich hin f e st g e l e g t. Die „splendid Isolation" bestand schon damals nicht mehr. Die Sonne des englischen Weltreiches hatte gerade den Mittag überschritten. Im Innern hat der alte Parteienkampf zwischen Liberalen und Unionisten einen Höhepunkt erreicht. Der Streit um die Kompetenzen des Oberhauses führt im Herbst 1910 zur Auflösung des Parlamentes, das erst im Frühjahr neu gebildet worden war. Schließlich gelingt es, das absolute Veto der Lords in ein aufschiebendes Veto zu verwandeln und die gesamte Finanzgesetzgebung dem Machtbereich des Oberhauses zu entziehen. Das vor dem Abschluß stehende Home-Rule Gesetz für Irland wird auf unbestimmte Zeit aufgeschoben, als der Weltkrieg ausbricht. 1914: König Georg und Königin Mary, beide deutscher Abstammung — der König aus dem Hause Sachsen-Koburg, die Königin aus dem württembergischen Fürstenhause Teck — sehen sich an der Spitze des Volkes, das Deutschland den Krieg erklärt. Sie sind schon lange hundertprozentige Briten. König Georg legt seine sämtlichen ausländischen Titel ab und tauft feine Dynastie „Haus Windsor". Nach dem Weltkrieg erhält das gelockerte Gefüge des Weltreichs sogar neuen Zuwachs: Die früheren deutschen Kolonien werden als Völkerbundsmandat der englischen Oberherrschaft unterstellt. Irland, das sich im Weltkriege erhob und blutig niedergeschlagen wurde, erhält eine freistaatliche Verfassung. Ende 1928 erkrankt König Georg ernstlich. Die ganze Nation steht zwei Monate lang in Angst und Besorgnis: England beweist der Welt, daß seine politische Macht und wirtsckaftliche Wohlfahrt zwar geschmälert, aber nicht verschwunden sind. Die Krise im Jahre 1931 läßt den König seine Ferien in Schottland plötzlich abbrechen und sofort nach der Hauptstadt zurück- kehren. Die Krise wird siegreich überwunden. England marschiert wieder. Ein besonderer Kabinettsausschuß hat das Programm für die ausgedehnten Feierlichkeiten des Jubiläums ausgearbeitet. Das Schatzamt hat 50 000 Pfund, die Stadt London hat 5000 Pfund zur Verfügung gestellt. Alles ist vorbereitet, um das Jubiläum mit grösster Pracht zu begehen. Der 6. Mai ist zum nationalen Feiertag erklärt worden. Ganz London wird mit Blumen und Lichtern geschmückt, ganze Straßenzüge und die größten Gebäude werden wochenlang im Scheinwerserlicht stehen. Die erste große Feierlichkeit ist der Dank- die Schauspielerin braucht Toiletten, und keiner macht sich Gedanken darum, wo Tante Martha, die den Haushalt führt, überhaupt das Geld dazu hernimmt. Zu allem Ueberfluß ist noch der letzte des Monats und Großreinemachen im Haufe. * Welch ein Glück, als sich wenig später herausstellt, daß die pessimistischen Pressestimmen im Unrecht waren: das Telephon klingelt, und es ist fein Gläubiger und kein Wucherer vor der Tür, sondern Rolf der Aeltere hat tatsächlich den Preis bekommen. Die Nachricht wirft den Alten fast um, aber nun ist doch alles in Ordnung, das vorausgegangene kleine Sektfrühstück im Galgenhumor braucht keinen Katzenjammer zu hinterlassen, und der Leutnant Bo braucht seine Verlobung mit der reichen Astrid nicht aus männlichem Ehrgefühl zu lösen, wozu Astrid ohnehin keine Lust hat. * Aber das Stück hat nicht zwei Akte, sondern vier. Und jetzt kommt es, und nun sieht man erst, wie nahe Bergman seinen großen skandinavischen Landsleuten Ibsen und Strindberg verwandt ist: als erster Gratulant erscheint ein Milchbruder und Jugendfreund des alten Herrn, Bankier Eriksson, den hätte sich Ibsen auch nicht besser ausdenken können. Nachdem die beiden verschollene Schulgeschichten und später etliche minder heitere Erinnerungen ausgegraben haben, zieht Eriksson zum Abschied ein Bündel Papiere aus der Tasche: das sind die von ihm gekauften Wechsel der Söhne Rolf und Bo, die der Alte ja jetzt bezahlen kann und auch gern bezahlen will. Aber leider sind neben den klaren auch ein paar „unklare" Wechsel zum Vorschein gekommen — von Bo, dem jungen Leutnant. * Nun denkt man schon, bas gibt dem Alten den Rest, und es ist eine mehr als peinliche Szene, wenn die drei Kinder, festlich gekleidet, auf den Alten warten, um ihn zur Preisverteilung zu begleiten. Man fürchtet schon, der Alte habe sich was angetan, und als er endlich erscheint und der Leutnant auf seine Frage glatt zugibt, er habe die Wechsel gefälscht, da scheint wahrhaftig alles aus und verloren zu fein — bis sich dann im wirklich allerletzten Augenblick herausstellt, daß Bo gelogen hat, weil er seinerseits den älteren Bruder im Verdacht hatte. Aber es war auch nicht Rolf der Jüngere, sondern die gute alte Tante Martha, der es wirklich niemand zugetraut hat (obwohl sie sich alle gewundert haben, wo eigentlich das Geld für den Haushalt immer herkam) und die die fatale gottesdienst in der St. Pauls-Kathedrale am 6. Mai, dem alle Mitglieder der königlichen Familie beiwohnen. Am selben Tage hält König Georg eine Rundfunkansprache an seine Völker über den Weltreichssender. Am Abend findet ein großes Staatsbankett im Buckingham-Palast statt. An einem großen Aufmarsch der britischen Armee auf dem Truppenübungsplatz Aldershot werden sich etwa 20 000 Mann beteiligen. 1700 Knaben der „Boys Brigade" werden einen bereits vor Ostern beginnenden Stafettenlauf veranstalten, um dem Könia aus den entferntesten Teilen Englands Glückwunfchadreffen zu überbringen. Ueberall draußen im Weltreich wird das Jubiläum festlich und in ähnlicher Weife wie in England begangen. Die Dominien senden ihre hervorragendsten Vertreter nach London. Auch Politik und Wirtschaft werden zu ihrem Recht kommen. Das englische Kabinett beschäftigt sich schon jetzt mit einem großen „Jubiläums-Programm" für die engere wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den Staaten des Weltreichs — ein Programm, das aleichzeitig im Zeichen der Propaganda für d i e nächsten Neuwahlen stehen wird. Das Jubiläum soll dem Weltreichsgedanken einen neuen Auftrieb verleihen: In König Georg wird das Symbolder Einheitdes britischen Weltreichs verehrt. Rundfunkproqramm Donnerstag, 11. April. * 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15 und 6.30: Gymnastik. 6.55: Morgenspruch, Choral. 7: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 9.15: Musik am Morgen. 10: Nachrichten. 10.45 Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11: Werbekonzert. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten 14.30: Wirtschasts- bericht. 15: Nachrichten der Bauleitung. 15.15: Kinderfunk. 16: Kleines Konzert. 16.30: Gorodok, die Stadt der Kriegsgefangenen. Von Dr. Bruno Wolfgang. 16.45: Bücherfunk. 17: Von München: Nachmittagskonzert. 18.30: Kunstbcricht der Woche. 18.35: Deutsche Gespräche. 19: Reichssendung: Der Vizepräsident der Reichsfilmkammer, Oberregierungs- rat Raether, und Reichssendeleiter Hadamowsky sprechen über Fernsehen. 19.20: Unterhaltungskonzert. 20: Nachrichten. Anschließend: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20.15: Polenblut. Operette in drei Bildern. 22: Nachrichten. Freitag. 12. April. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15 und 6.30: Gymnastik. 6.55: Morgenspruch, Choral. 7: Frühkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 9: Werbekonzert und Nachrichten. 10: Nachrichten. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau. 15.45: Elli Beinhorn zurück aus Zentralamerika Zwiegespräch zwischen Elli Beinhorn und Dr. Paul Laven. 16: Klaviermusik. 16.30: Frühjahrsblumen im (Barten. Eine naturkundliche Plauderei von Fritz Wolfart (Frankfurt a. M.). 16.45: Eine Begegnung mit dem Hakenkreuz im hohen Norden. Ein Reisebericht mit Schallplatten. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Jugendfunk. Von Werwölfen und Bärenhäutern. Von G. P. Gath. 18.45: Das Leben spricht! 19: Unterhaltungskonzert. 20: Nachrichten. Anschließend: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20.15: Stunde her Nation. Zwischen Himmel und Erde. Hörspiel. 21: Konzert. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.30: Die Sportschau der Woche. 23: Die Geschichte vom zweimal gehenkten Roßkamm Edeling. 24 bis 2: Nachtmusik. Ursula und Anneliese lernen „Artist". Oie große Schule des Willens und der Selbstbeherrschung. Von Paul Eipper. Artistik kann man lernen; aber man muß früh beginnen und darf niemals damit aufhören. Ob es sich um Reckturner, Seiltänzer, Schulreiter, Parterre-Akrobaten, um Taschenspieler ober Jongleure hanbelt: immer heißt es üben, probieren, hinzulernen. Ich begegnete viele Jahre hinburch R a st e l l i hinter ber Bühne, im Hotelzimmer, in der Garberobe; nie sah ich ihn, ohne baß er übenb jonglierte, selbst noch in ber letzten Minute vor seinem Auftritt. Artistenkinber fangen meist schon im fünften Lebensjahr mit „Lernen" an; es gilt, jebe Muskel und jede Sehne geschmeidig zu machen, weich, wie es in der Zunftsprache heißt. Kräftig muß ein Artist fein; er soll harte Muskeln haben; aber nichts ist so gefürchtet, wie die Verkrampfung. Jede Minute, jeder Ort, jedes Gerät und jeder Gedanke dient dem „Weichmachen" des ganzen Körpers. Noch etwas eint alle Artisten, die Erwachsenen und die Kinder: Beherrschung nach außen. Ich habe tausendmal den Proben zugesehen und den Vorstellungen in aller Welt; ein jedes Artistengesicht lächelt immerzu. Lachen; auch wenn es recht weh tut, wenn has Herz stürmisch klopft und die Muskeln zitter "''a lernt z. B. Ursula den Salto. Alle Vorübung am Boden sind gut durchgestanden; nun wird ein breiter Ledergurt um die Hüfte geschnallt; der „Chef" greift ins Seil, und das Kind wird von der Longe hochgehoben, schwebt in der Luft. Mag sein, man ist em roenia ängstlich, doch nur in den ersten Sekunden. Der Lehrmeister gibt die richtigen Hilfen durch ein aufmunternbes Wort und burch fachmännische, entschlossene Griffe. Schon wirbelt man um sich selbst, begreift, wie man’s machen muß, fühlt, baß bie Hilfe von außen ben eigenen Schwung unterstützt. Nur immer üben, probieren, nicht mübe werben. Schon ber jüngste Zögling begreift, wie sehr es auf jeben Tag ankommt. Die zukünftigen Artisten haben einen brennenden Ehrgeiz. Die Fortschritte der Kameraden stacheln mächtig an, verleiten jedoch nie zu Mißgunst ober Eifersucht; im Gegenteil, die Artistenkinber helfen unb unterstützen sich wechselseitig, verraten einander sogar ihre kleinen Kniffe. Es muß ja so viel gelernt werben, bis man bie Grunb- lage erworben hat, auf der allein man sich zu seiner Spezialität entscheiben kann. Die „Brücke", bas „Herz", Salto und Spakat gehören zur Ausbildung jedes guten Artisten; aber wieviele Darin» tionen gibt es dabei: einfacher Spakat, Spakat aus dem Sprung, vom Stuhl herab, vom Tisch, von einer Leiter, Salto vorwärts, Salto rückwärts, doppelter Salto, ber Wunschtraum bes breifachen — ob man nicht gar einen vierfachen bezwingen könnte? Dann wäre man mit einem Schlag bie „Große Numme r"! Davon träumt jebes Artistenkinb, vom bonnern- ben Applaus im Scheinwerferlicht der internatro» nalen Varietebühne. Diesem Ziel zuliebe wird immer wieder geübt, wird Schmerz und Unfall, Mißgeschick und auch mancherlei Entbehrung „lächelnd" überwunden. Es entsteht eine eiferne Disziplin des Körpers und der Seele, eine Zielstrebigkeit, die mich stets verblüfft bat, wenn ich mit Artistenkindern sprach. Sie wissen um den Ernst des Lebens, und das macht sie vielleicht gerade so bescheiden und hilfsbereit. . Auch in der bürgerlichen Schule sind für gewöhnlich die Artistenkinder sehr beliebt, weil sie freigebig ihrerseits den Klassenkameraden Unterricht erteilen, natürlich nicht in Rechnen und Schreiben, sondern in Turnen, Handstandmachen, Fußspitzenlaufen und dergleichen. Aus der Artistenschülerin Anneliese wird bann plötzlich ein Lehrer; solch ein junges Menschenkind kann gar nicht anders; es muß sich in seiner Welt betätigen. Daher werden auch häusig Probevorführungen im Familienkreis veranstaltet, Zwischenstationen auf dem Weg zum Ruhm, der gerade für ben Artisten durchaus dornenreich ist. Nur durch bie Kraft bes Willens wird aus aber tausend Hebungen der endgültige Sieg. Geschichte zum Glück mittlerweile schon ins Reine gebracht hat. Na, nun scheint die Sonne endgültig, die ganze Familie kann ins Auw steigen, und Seine Majestät ber König braucht nicht auf ben Preisträger zu warten, ber aus seiner Hanb bie hohe Auszeichnung in Empfang nehmen soll. — * Ein gefährlicher, ein wetterleuchtenber unb etwas pessimistischer Humor ist bas m dieser Komöbie; man muß sich erst baran gewöhnen. Der Spielleiter Herr Kühne war nach Kräften bemüht, den Leuten bie Schwedenplatte so munbgerecht wie möglich zu servieren unb ihnen bie Uebergänge von reiner Situationskomik zu einer Hintergrünbigkeit zu vermitteln, bie über ben Charakter bes bloß unterhaltenben Lustspiels hinausreicht. Eine ganz reale Spannung, bie sich in ber Mitte etwas lockert, gegen Ende aber wieder heftig ansteigt, ja fast übersteigert wirb, kommt ber Regie babei sehr zu Hilfe. Herrn Löfflers Innendekoration erwies sich als recht angemessen, im Stadium bes Großreinemachens sogar als hochaktuell. ♦ Für ben Komöbiencharakter des Stückes zeugten wenn nicht aste, so doch einige Gestalten bes Stückes; bie Hauptperson des alten Swedenhjelm vornehmlich: ihn spielte Herr L ü p t e mit einer glaubhaften Mischung aus Heiterkeit, Leichtsinn, (Benietum unb Ehrenhaftigkeit, bie an ben brama- tischen Höhepunkten von unmittelbarer Wirkung war. Recht geschickt waren bie beiben jüngeren Herren ber Familie gegeneinanbergestellt: Herr Löser als Rolf nervös, peinlich berührt, nicht ohne Verlegenheit, auch nicht ohne Selbstbewußt- fein; Herr D i e t e n als Leutnant schlicht, knapp unb von nüchternem Humor. Fräulein Decker (Julia) machte sich unb uns bas Vergnügen, bie wahrhaft komödiantische Rolle einer Schauspielerin zu spielen. Frau Stirl gab ruhig und einleuchtend, zuletzt mit ganz menschlich-ungeschminkten Tönen, die Tante Marta, Fräulein Pflug eine heitere unb verliebte junge Braut. Herr Neuhaus spielte ben fatalen Gratulanten Eriksson genau, als wenn er irgenbroo bei Ibsen vorkäme; Herr Göbel bemühte sich mit jugenblicher Herzlichkeit um ben Journalisten Pebersen, ber keineswegs bei Ibsen vorkommt, sondern eine etwas verunglückte Schwankrolle barstellt. — ♦ Den starken Beifall zum Schluß konnte der Spielleiter gemeinsam mit dem Ensemble entgegennehmen. hth. Zeitschriften. — „Das innere R e i ch." Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leven. Herausgeber: Paul A l v e r b e s unb K. B. o. Mechow. Jebes Heft 1,80 Mark. Verlag Albert Langen-Georg Müller, München. — Die Herausgeber lassen ben neuen (2.) Jahrgang mit einem Wort Goethes beginnen, in bem er von bem stillen Bewußtsein spricht, einem großen, starken, geachteten unb gefürchteten Volke anzugehören. Alverdes schaut in feinem klugen „Brief an einen Ausgewanberten" noch einmal auf ben Beginn ber Arbeit an biefer Zeitschrift vor einem Jahr zurück. Aus den dichterischen Beiträgen des Heftes heben wir hervor Ernst Wiecherts Schauspiel „Der verlorene Sohn", mit bem ber Dichter zum erstenmal aus bem ihm bisher nur gegebenen Raum bes Erzählers heraustritt. Mit stillen unb geheimnisvollen Erzählungen finb Joachim von ber Goltz unb Julius Zerzer vertreten. Gebichte von Paul Appel, Abolf Beiß und Hans Branbenburg. In ber Folge ber Lanbschafts- barftellungen, bie das „Innere Reich" bringt, nimmt Agnes Miegels „Ostpreußische Heimat" ohne Zweifel einen Sonberrang ein: solch ein innerstes Verwurzeltsein im mütterlichen ©oben ber Heimat finben wir heute nur selten. An betrachtenden Beiträgen sind noch zu verzeichnen: Paul Wegwitz' Gedanken über Bluncks „Große Fahrt", Johannes Pfeiffers Vortrag über Andreas Gryphius als Lyriker und schließlich ein reich bebilderter Aufsatz von Alfred Zacharias: „Lob des Holzschneidens". — Die Außenpolitik der Tschechoslowakei unterzieht Werner Wächter im Märzheft 1935 der Politischen Monatshefte „Volk und Reich" (Berlin: Volk und Reich Verlag, Einzelpreis 1,50 Mk.) einer zufammenfaffenden Darstellung, die durch eine lehrreiche graphische Uebersicht über das komplizierte Paktsystem unterstützt wurde. Anschließend behandelte Johann von Seers bie große Wunbe der Tschechoslowakei, „bas Problem ber Slowaken". Ludwig Weichsel stellt die Geschichte der polnisch-französischen Beziehungen dar, Karl Krüger berichtet über die Gestaltung ber neuen türkischen Staatlichkeit und ihrer außenpolitischen Bedingtheiten. Der Hauptabteilungsleiter im Stabsamt des Reichsbauernführers, Hans Erich Winter, zeigt die Auswirkung der europäischen Bauernidee auf die Ueberseeländer. Walter Anreiner stellt Litauens Rechtsbrüche in Memel zu einer vernichtenden Anklage zusammen. In einem politisch betonten Bildteil wird hierzu der Schauplatz des zweiten großen Konfliktes Litauens, Wilna, in prachtvollen Aufnahmen gezeigt. Nr. 85 Drittes Blatt «'ebener Anzeiger «Zeneral-Anzeiger für erhe«en>Mittwoch,!«. April 1955 Das Hochwasser der Lahn. Die Lahn ist zu einem raschfließenden breiten Strom geworden. Der Wasserstand der Lahn hat sich im Laufe des gestrigen Nachmittags noch wesentlich erhöht. Der Fluß trat an zahlreichen Stellen über die Ufer. Der Wasserstand von heute morgen lag noch gut einen halben Meter über dem des gestrigen Mittags. Hochwasserschäden konnten unter diesen Umständen nicht ausbleiben. Ganz besonders hatten die Badeanstalten unter der steigenden Flut zu leiden. Die festen Laufstege der Müller- schen Badeanstalt, wie auch die des Männerbadevereins setzten dem steigenden Wasser erheblichen Widerstand entgegen. Das Wasser staute sich an den Brücken. Dem immer stärker werdenden Wasserdruck war die Stärke der Laufstege schließlich nicht mehr gewachsen, so daß sie zerstört und fortgerissen wurden. Auch die beiden Brücken, die in den Badeanstalten in hohem Bogen vom linken zum rechten Lahnufer führten und auf der einen Seite an den Laufstegen befestigt waren, fielen dem Wasser zum Opfer. Ein Teil der Brücke der Müllerschen Badeanstalt trieb etwas unterhalb der Badeanstalten ans Ufer und konnte mit großer Mühe geborgen werden, die Stege des Männerbadevereins wurden abgetrieben. (Aufnahmen: Neuner, Gießener Anzeiger) Zahlreiche Bäume an der Bleiche stehen tief im Wasser. AG G V & ** ■ w ■ . l W M Aus der Provinzialhauptsiadt. Gutes Borbild ist alles! Die eigenen Fehler an den Kindern zu gewahren, Ist wohl die bitterste der Strafen, die wir je erfahren. Welche Mutter, die mit Sorgfalt ihre Kinder erzieht, fragt sich nicht bei einer wiederholt auftretenden Unart eines ihrer Kleinen: Wie kann ich verhüten, daß dieser Fehler Wurzel faßt im Herzen oder Charakter meines Kindes? / Um einen Fehler zu bessern, um das „Uebel mit der Wurzel" ausreißen zu können, müssen wir aber vor allen Dingen nach der Entstehungsursache forschen. Jeder Erziehende soll daher bei einem Fehler Des Kindes sich fragen: „Woher kommt er?" und Zuerst sich selbst zur Rechenschaft ziehen. Häufig werden wir uns dann eingestehen müssen: „Wir haben dieses oder jenes Unziemliche vor dem Kinde gesprochen oder getan und in ihm den Keim zur Unart, zum Bösen gelegt." Am verhängnisvollsten ist das böse Beispiel! Man sagt nicht mit Unrecht, Kinder würden die Erzieher ihrer Eltern. Was wir von unserem Kinde nicht leiden, dürfen wir vor allen Dingen selbst nicht tun. Kinder beobachten sehr scharf; sie entdecken die Fehler ihrer Erzieher und ahmen sie nach, und wenn wir nicht streng auf uns selbst achten, so werden wir leicht zum bösen Beispiel für die Kinder. In Gegenwart von Kindern soll nie die Unwahrheit gesagt werden, selbst die sogenannten Notlügen sind zu vermeiden. Ein Kind soll durchaus nicht darüber nachdenken: ist hier eine Lüge erlaubt oder nicht? Die Lüge muß ihm in jeder Gestalt verwerflich erscheinen. Merkt ein Kind erst, daß wir, wenn auch nur in kleinen Dingen, nicht immer der Wahrheit die Ehre geben, so haben wir es schon in seiner Wahrheitsliebe wankend gemacht. Aehnlich geht es mit anderen Dingen. Verlangt die Mutter, daß das Kind pünktlich aufsteht, angezogen, gewaschen ist, zum Essen rechtzeitig erscheint usw., so muß sie vor allen Dingen selbst ihre Zeit genau einteilen. Sieht das Kind, daß die Mutter ihre Sachen nicht immer an die rechte Stelle legt, daß im Haushalt Unordnung vorkommt, so wird kein Tadel und keine Strafe das Kind zur Ordnung zwingen, solange das böse Beispiel herrscht. Werden in einem Hause die Hilfskräfte unfreundlich behandelt oder die Armen mit harten Worten von der Schwelle gewiesen, so wird sich beim Kinde bald ein befehlshaberisches und unartiges Benehmen gegen die Untergebenen und Hartherzigkeit und Gefühllosigkeit beim Anblick fremden Elends heranbilden. Eine gar böse Saat im Kinde geht auf, wenn es sieht, wie die Erwachsenen die Tiere quälen und roh und streitsüchtig zueinander sind. Das Kind meint zuletzt, das alles müsse so sein; es wird roh, gewalttätig, respektlos und unlenkbar, Eigenschaften, die leider gar manches brave Elternpaar noch in feinem wohlverdienten Lebensabend zu verspüren bekommt! Aber auch eine unrechte Behandlungsweise eines hervortretenden Fehlers kann diesen, statt ihn auszumerzen, noch verstärken. Dahin gehört vor allen Dingen das viele Androhen von Strafen, die unausführbar sind, ober an deren Ausführung in Wirklichkeit niemand denkt; z. B.: „Warte, ich werde dich in den dunklen Keller bringen oder in die kalte Kammer sperren!" Das Kind wird damit anfänglich wohl eingefchüchtert, es sieht aber bald ein, daß es nicht ernst gemeint sei, und die häufige Wiederholung der Drohung schadet immer mehr. Überhaupt soll man einem Kinde nicht fortwährend drohen, vielmehr soll es wissen, daß im Wiederholungsfall die Drohung unbedingt wahr gemacht wird. Ein Drittes haben wir uns oft noch als eigene Schuld einzugestehen, und das ist das Aufschieben. Eine kleine Unart wird nicht geachtet, höchstens flüchtig getadelt; sie wiederholt sich und wird bald zum eingewurzelten Uebel. Manche Eltern treiben bas Aufschieben so weit, daß sie sich in den ersten Lebensjahren der Kinder vorreden, das Kind fei immer noch zu klein, es verstehe das noch nicht, dis Unart fei immer noch abzugewöhnen, wenn es größer ist. Solche Eltern bedenken nicht, daß mit dem Kinde auch der Fehler größer wird und daß das, was erst ein leicht auszurottender Keim war, zu einer Pflanze mit kräftigen Wurzel heranwächst. Sie werden zu spät einsphen, daß man nicht früh genug anfangen kann, ein Kind zu erziehen. So laßt uns denn stets uns selbst zuerst zur Rechenschaft ziehen und so von Grund auf gegen die Fehler ankämpfen; — dann wird der Erfolg nicht ausbleiben. F. M. Pflichtmäßige Leibesübungen in den Berufs- und Gewerbeschulen. Der Reichsstatthalter in Hessen — Landesregierung Abteilung II — hat an die Kreis- und Stadtfchul- ämter folgende Verfügung gerichtet: „In größeren Betrieben wird die tägliche Arbeit der Lehrlinge mit einem fog. Frühsport begonnen, der mancherorts zur Morgenfeier erweitert ist. Bei meinen Besuchen konnte festgestellt werden, daß hier zeitlich und inhaltlich jeden Tag in einem solchen Umfang dem körperlichen Bedürfnis der jungen Menschen entsprochen wird, daß für die Lehrlinge solcher Betriebe, die zu sog. Jndustrieklassen zusammengefaßt sind, zunächst in ihrer Berufsschulzeit keine besonderen Unterrichtszeiten für Leibesübungen eingesetzt werden brauchen. Ich gebe den zuständigen Kreis- und Stadtschulräten sowie den betreffenden Schulleitern auf, durch gelegentliche Besuche in den Betrieben sich Kenntnis zu verschaffen über die täglichen Werk-Leibesübungen und mit Anregungen und Beratung sich zur Verfügung zu stellen. Im übrigen verbleibt es bezüglich der Einführung der pflichtmäßigen Leibesübungen an den Berufsund Gewerbeschulen bei der Verfügung vom 20. Dezember 1934. In diesem Zusammenhang wird erneut betont, daß bei der Vielgestaltigkeit der Berufsschulverhältnisse eine örtliche Regelung gefunden werden muß. Nicht das äußere Gesicht des Einbaues der einen Stunde Leibesübung ist entscheidend, sondern das andere, daß im Rahmen des Berufsschulunterrichts dem körperlichen Bedürfnis des jungen Menschen Rechnung getragen wird. 3. 21.: Ringshausen." Pfarrer Knodt an die Matthäusgemeinde. Der mit der einstweiligen Verwaltung der Matthäusgemeinde beauftragte Pfarrer Knodt veröffentlicht in dem Gemeindeblatt der Matthäusgemeinde (April-Ausgabe) das nachstehende Grußwort an die Gemeindeglieder: An meine liebe TNatihäusgemeinde! So darf ich wohl sagen, obgleich ich zunächst nur die Verwaltung der Gemeinde übernommen habe und noch nicht endgültig ihr Pfarrer bin. Aber Ihr seid mir jetzt anoertraut, liebe Gemeindeglieder, und ich grüße Euch von Herzen! Ich bitte um Euer volles Vertrauen! Zwanzig Jahre hat Euer seitheriger Gemeindepfarrer unter Euch wirken dürfen mit seinen reichen Gaben. Wie seid Ihr an ihn gewöhnt und an seine Art, und wie schwer wird es vielen von Euch werden, sich an neue Art zu gewöhnen! Aber bedenkt, auch von mir gilt das gleiche! Wir werden einander lieb gewinnen, wenn wir es ernstlich wollen. Dazu gehört vor allem, daß wir von vornherein bereit, mit Dielen Freuden bereit sind, eines die Art des anderen auch da in Kauf zu nehmen, wo sie ihm fremd und deshalb zunächst nicht lieb ist. Es ist wie in einer guten Ehe, wo auch alles beruht auf dem festen Srahms, Dvorak, Tschaikowsky. 3um IV. Symphonie-Konzert des Gießener Konzertvereins. Nach der Akademischen Fest-Ouvertüre (op. 80), dem Dank in Tönen für die Verleihung der Doktorwürde durch die Universität Breslau, regt sich bei Johannes Brahms der Gestaltungswille einer gegensätzlichen Gefühlswelt, dem er in der Tragischen Ouvertüre (op. 81) Formung gibt. Seinem Verleger Fritz Simrock berichtet er darüber: „Bei dieser Gelegenheit konnte ich meinem melancholischen Gemüt die Genugtuung nicht versagen — auch eine Trauerspielouvertüre zu schreiben." Den Kontrast zwischen diesen beiden Ouvertüren bezeichnet er Earl Reinecke gegenüber: „Die eine weint, die andere lacht." Das Werk war geschaffen; nur seine endgültige Benennung fehlte noch. Da sollte der Freundeskreis von Johannes Brahms bei der Titelgebung mithelfen; anderseits spricht er in einem Briefe an Bernhard Scholz von einer dramatischen, tragischen oder Trauerspiel-Ouvertüre. Diese Tatsache gibt am deutlichsten darüber Aufschluß, daß Brahms bei der Abfassung des Werkes kein bestimmtes Trauerspiel, noch irgendeine tragische Persönlichkeit vorgeschwebt hat; er hat das auch selber bestätigt. Damit erübrigen sich die mannigfachen Deutungsversuche, die doch nie zu völligem Einklang mit dem Werk hin- zuführen vermochten. Selbst, wenn man in Erwägung zieht, daß der Direktor des Wiener Burgtheaters, Dingelstedt, mit Brahms in Verbindung getreten war wegen einer Musik für die Neuinszenierung des ganzen „Faust" (Pläne, die sich aber bald zerschlugen), so wird man zugeben, daß die intensive Beschäftigung mit Goethes „Faust" wohl mehr nur einen allgemein - musikalischen Untergrund ohne jede gestalt- liche Beziehung wachwerden ließ, aus dem die „Tragische" erwachsen konnte. Die bewußt tragische Einstellung Brahmsens in der Ouvertüre gab dieser etwas ungemein Strenges, Herbes. Ein Ahnen unheimlichen Waltens der Schicksalsmächte bestimmt den Grundton des wie eine düstere nordische Ballade anmutenden Werkes, das beherrscht wird vom unerbittlichen Moll. Scharfe rhythmische Ausgeprägtheit zwingt das Melodische mit harter Hand. Dem unentrinnbaren niederschmetternden Wuchten der Gewalten stehen in dem Verlaufe der Ouvertüre jene Momente gegenüber, die in ihrer scheinbaren Ruhe, ihrem Einhalten, einem unheimlichen Drohen, tiefen Erschauern Raum geben; so zu Beginn der Durchführung, wo das Hauptthema in den Streichern unisono absinkt zu todesblassen langangehaltenen Bläserstimmen; oder beim Tempo primo, wo nach dem Abklingen trauermarschartiger Rhythmen das Thema in unheimlicher Verhaltenheit die Wiederkehr erzwingen will, oder in jenen bannenden Augenblicken vor Eintritt des Schlusses. Wohl selten hat ein Brahmssches Werk so auf feine Anerkennung harren müssen wie dieses; zuerst sehr kühl vom Publikum aufgenommen, hat es sich erst allmählich durch seine innere Größe durchgesetzt. Die beiden anderen Zeitgenossen von Johannes Brahms, die auf dem Programm des kommenden Konzerts vertreten sind, sind durch ihre Stellung zu Johannes Brahms gekennzeichnet: Anton Dvorak, obwohl slawischen Blutes, dem Meister durch den Geist der Werkrichtung verbunden, Peter Tschaikowsky, durch Rasse und Musikanschauung zu ihm im schärfsten Gegensatz stehend. Als Mitglied der Kommission des österreichischen Unterrichtsministeriyms, die an mittellose, aber begabte Künstler Stipendien zu vergeben hatte, war Johannes Brahms auf Dvoraks originelle Schaffensart aufmerksam geworden und bemühte sich nun mit allen Mitteln, diesem in dürftigen Verhältnissen lebenden Prager Musiker zu helfen und ihm jed- mögliche Förderung zuteil werden zu lassen. Er führte ihn feinem Verleger Simrock zu, der dann im Laufe der Jahre fast ausschließlich Dvoraks gesamtes Werk übernimmt; zur Existenzgründung in Wien bietet er ihm sein ganzes Vermögen an; bei der Drucklegung von Dvoraks Werken übernimmt er sogar das Korrekturlesen. Denn er hat bei Dvorak einen unerschöpflich sprudelnden Erfindungsquell erkannt? „Ich möchte vor Neid aus der Haut fahren über das, was deni Menschen so ganz nebenbei einfällt." Und Dvorak war dieser Gunst würdig. Seine Entwicklung als national-böhmischer Musiker, die ihren Schwerpunkt in der Symphonie und in der Kammermusik findet, läßt ihn maßgebende Richtlinien bei den Klassikern suchen, und so erfährt die absolute Musik durch die Verbindung mit der Bedingtheit durch die Rasse eine Neuformung, Erfüllung mit neuen Inhalten; im Gegensatz zu seinem Landsmann Smetana, der Lißtschen Anregungen folgt. Dvoraks ursprüngliche Gabe zur Musik, die ihn vom Metzgerhandwerk her allen Hindernissen zum Trotz den Weg doch finden ließ, das unverfälschte, elementar-naturhaste Empfinden von Reinheit und Unbefangenheit gründen sich auf einer kraftvollen musikantischen Vitalität, die tief im Volkstum verankert ist. Unaffektiert ist seine melodische Erfindung wie auch seine Formung. Angeborener Klangsinn gibt seinen Orchesterfarben bei einer herzhaften Frische doch auch die Möglichkeit zu unverbrauchten Feinheiten; genau so, wie seine Rhythmik nie das Erdgeborene verleugnet. Und doch begegnen wir bei ihm wiederum Stellen, die in geistige Höhen vorstoßen, die, weil bei ihm unerwartet, überraschen. In seine reifste Zeit fällt sein Cellokonzert (op. 104), vielleicht eines der beliebtesten und am meisten gespielten Werke dieser Gattung. Brahms räumte ihm im Schaffen Dvoraks eine bevorzugte Stellung ein; und das mit Recht; denn fein hoher musikalischer, symphonischer Wert gibt dem Musiker vor dem Virtuosen den Vorrang. Ja, Dvorak wehrte sich gegen jede virtuose Verfälschung dieses Konzertes; so u. a. auch gegen das Einlegen einer Kadenz im letzten Satz durch den Cellisten im Böhmischen Streichquartett Wiyan, dem das Konzert gewidmet ist. So wie er „es gefühlt und gedacht" hatte, in der Gestalt wollte er fein Werk gewahrt wissen. Entgegen dem allgemeinen Konzertgebrauch verzichtete er im letzten Satz auf die übliche grandiose Koda und findet hier gerade verklärte, fast jenseitige Töne; er selber sagt dazu: „Das Finale schließt allmählich diminuendo — wie ein Hauch — mit Reminiszenzen aus dem 1. und 2. Satz; das Solo klingt aus bis zum pp., bann ein Anschwellen — und die letzten Takte übernimmt das Orchester und schließt im stürmischen Tone" Führten enge Bindungen zwischen Schaffen und Persönlichkeit Brahms und Dvorak zusammen, so bestand zwischen Brahms und Tschaikowsky keiner Möglichkeit, einander näherzukommen; abgrundtief sind ihre Welten von einander geschieden. Hier deutsches Fühlen und Schaffen, dort russisches Volkstum, gebunden mit westlichem Geist (Tschaikowskys Mutter war Französin). Das zeigt sich am deutlichsten auch in ihrer Einstellung zu den Meistern des Hochbarock: Bach und Händel. Für Brahms sind sie das Fundament; Tschaikowsky steht ihnen fremd, ja, verständnislos gegenüber; Bachs Kantaten waren für ihn eine „wahrhaft klassische Quälerei". Solche scharfen Kontraste ließen sich nicht überbrücken, auch nicht durch ein wohlwollendes Vermitteln, das Hans von Bülow bei Tschaikowsky versuchte. Für uns ist Tschaikowsky zum Mittler für die Bindung russischen Volkswesens in der Musik geworden, indem er in seinem instrumentalen Schaffen Anschluß an die übernommenen symphonischen Formen sucht und in dieser Weitung des Nationalen uns eher eingängüd) erscheint als etwa die radikalen Vertreter der russisch-nationalen Richtung. Wenn auch damit manches spezifisch Russische eine gehörige Glättung erfahren hat, so verleugnet er doch andererseits keinesfalls gänzlich die russische Eigenart. In seinem Schaffen erweist er sich als eine äußerst sensible Natur, die sich ebenso tief aufgewühlt erregbar gibt, wie sie in Feinnervigkeit sich kundtut: dazu tritt ein Einschlag zum Melancholischen. So findet sich in seiner Musik eine, durch die reizsame Persönlichkeit bewirkte Ueberbetonung der dem russischen Temperament eigentümlichen starken Kontraste, vom gefühlsweichen Sichverlieren bis zu elementaren, klanglich übersteigerten Kraftausbrüchen. Zum andern aber zeigt sich, vielleicht infolge des französischen Bluteinschlages, ein Zug zum Vornehmen, Weltmännisch-Eleganten, ja Salonhaften, begründet in einem ausgesprochen sinnlichen Schönheitsempfinden. Der Erfolg von Tschaikowskys sechster Symphonie, der „Pathetischen", die ja kurz vor seinem Tode zur Aufführung gelangte, hatte die musikalische Welt angeregt, sich auch seiner früheren symphonischen Arbeiten anzunehmen und zumal die Fünfte Symphonie in L-Moll hat ihre Stellung auf dem Konzertprogramm gehalten; ja, für viele Meister des Taktstocks ist sie ein besonderer Liebling geworden. Das einleitende Andante-Thema mit seiner Moll- schwermut und Ernsthaftigkeit wird zum Motto für das ganze Werk. In allen vier Sätzen kehrt es wieder. Meist erscheint es da, wo der geistige Gehalt des Satzes zu einer besonderen Entwicklung drängt, und mit seiner entschlossenen Haltung stellte es immer wieder die Beziehung zur Grundidee des Werkes her. Typisch russisch geben sich in ihren Auffteigerun- gen die Ecksätze der Symphonie; der Eingangssatz mit seinem Abklingen im tiefsten Pianissimo, gleichsam ein Vorahnen des Schlusses der Pathetischen, das Finale mit seinen triumphalen Klängen des Schicksalsthemas. Das schwärmerische Andante erblüht mit schönen und druckesstarken Kantilenen, zumal in den Bläsern. An Stelle des Scherzos setzt Tschaikowsky einen Walzer mit graziöser Rhythmik. Dr. H. Hochschulnachnchten. Professor Dr. H ä m e l, Extraordinarius an der Universität Würzburg, hat einen Ruf auf den ordentlichen Lehrstuhl für Haut- und Geschlechtskrankheiten und als Direktor der Universitätshautklinik in Greifswald als Nachfolger des nach Heidelberg berufenen Professors Dr. Schönfeld erhalten. Willen, einander zu verstehen. Mr haben so das Große, daß wir auf gemeinsamem Grund stehen, „der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist, auf welchem der ganze Bau ineinander-- gefügt wächst zu einem heiligen Tempel im Herrn, auf welchem auch Ihr mit erbauet werdet zu einer Behausung Gottes im Geist". So wollen wir es freudig miteinander versuchen auf der Grundlage vollen Vertrauens. Wer etwas auf dem Herzen hat, den bitte ich, es immer geradeswegs bei mir selber auszusprechen, nicht auf Umwegen durch andere. Ich verspreche, daß ich ein gleiches tun will. So wird es uns Gott gelingen lassen. Ich grüße alle Glieder, Helfer und Gruppen unserer Gemeinde und bitte: Laßt uns täglich dankbar sein dafür, daß wir evangelisch-lutherische Christen sein dürfen! Gottbefohlen! Euer Pfarrer Knodt. Gemelndenachrichl. Wenn mir die Stelle übertragen wird, werde ich bald in das Gemeindepfarrhaus, Kirchstraße 1, übersiedeln. Vorerst aber müssen mich die Gemeindeglieder noch in meiner Wohnung, Hindenburgwall 13, aufsuchen und treffen mich am besten von 11 bis 12.30 Uhr täglich außer Samstags. Den Samstag bitte ich mir, wenn nicht ganz dringende Fälle vorliegen, zur Vorbereitung auf den Sonntag völlig freizulassen. Es kommt der Gemeinde zu- gut. Oekanatskonferenz des Evangelischen Dekanats Gießen. Im Markussaal in Gießen tagte gestern die Dekanatskonferenz des Evangelischen Dekanats Gießen unter dem Vorsitz von Dekan Sattler, Wieseck, der die Konferenz mit Losung des Tags, Schriftlesung (Joh. 13, 31 bis 35) und Gebet eröffnete. Er widmete einen Nachruf den verstorbenen Pfarrern S t a u b a ch, Watzenborn und Pfarrer i. R. Wagner, Butzbach, von 1910 bis 1929 Pfarrer in Beuern. Ihr Andenken wurde durch Erheben von den Sitzen geehrt. Der Vorsitzende begrüßte den Herrn Propst Trommershausen, Frankfurt a. M., der über die Lage der Kirche sprach. Eine sehr rege Aussprache schloß sich an. Bei dem geschäftlichen Teil sagte Propst Trommershausen die Festpredigt beim Kirchengesangvereinsfest Burkhardsfelden und Dekan Sattler die Festpredigt in Beuern zu. Zum Dekanats-Obmann für die Aeußere Mission, welchen Posten jahrelang Pfarrer G u ß m a n n (Kirchberg) bekleidete, wurde Pfarrer R e u s ch (Leihgestern) bestimmt. Die Kirchensteuer. In den vom Wirtschaftsprüfer Hermann Will zu Gießen herausgegebenen „Aktuellen Steuerfragen" (Rundschreiben Nr. 4) lesen wir folgendes: 1. Senkung. Infolge der allgemeinen Steigerung des Einkommensteueraufkommens in den vergangenen zwei Jahren hat auch die Kirchensteuer, die als Zuschlagsteuer zu Einkommensteuer erhoben wird, den Kirchenoerwaltungen erheblich höhere Einnahmen gebracht als in den Vorjahren. Ferner würde bei der Aenderung des Einkommensteuertarifs ab 1. Januar 1935 eine erheblich höhere Heranziehung zur Kirchensteuer erfolgen, wenn die bisherigen Zuschläge aufrechterhalten werden. Um eine übermäßige und ungerechtfertigte Belastung durch Kirchensteuer zu vermeiden, hat der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zusammen mit dem Preußischen Finanzminister im Wege eines Erlasses die Regierungspräsidenten und Oberpräsidenten angewiesen, bei Genehmigung der Steuerbeschlüsse für das Rechnungsjahr 1935 dafür Sorge zu tragen, daß der Kirchensteuersatz 20 v. H. niedriger zu liegen habe als im Vorjahr. Ausnahmen sollen nur in dringenden Fällen zugelassen werden, insbesondere dann, wenn es sich um unaufschiebbare Bauvorhaben handelt, die der Förderung der Arbeitsbeschaffung dienen. 2. Verjährung. In diesem Zusammenhang sei auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts vom 9. Oktober 1934 (VIII C. 8/34) hingewiesen, das sich mit der Verjährung der Kirchensteuer beschäftigt. In dieser Entscheidung wird festgestellt, daß die §§ 83ff. KomAbG. trotz ihrer Aushebung durch das Gesetz vom 26. August 1921 auf Grund des Kirchensteuergesetzes vom 26. Mai 1905 für die Kirchensteuer sinngemäß auch weiterhin anzuwenden sind. Demgemäß muß auch § 85 des Staatseinkommensteuergesetzes vom 19. Juni 1906 noch entsprechend angewandt werden, auf beg im § 85 KomAbG. verwiesen wird. Diese Bestimmung sieht eine dreijährige Verjährungsfrist vor. Es liegt also insoweit eine Abweichung von der Einkommensteuer vor, von der die Kirchensteuer abgeleitet ist. Die Verjährungsfrist für die Einkommensteuer beträgt bekanntlich fünf Jahre (§ 144 RAO.). Deutsche Arbeitsfront. RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude". S p o r t a m t. Für Frauen und Männer finden ab Mittwoch, 10. April, jetzt regelmäßig geschlossene Schwimm- k u r s e statt. Die Kosten pro Stunde betragen für DAF.-Mitglieder 0,30 RM. Die Dauer des Kurses für Anfänger von 8 bis 9 Uhr, für Fortgeschrittene von 9 bis 10 Uhr. Anmeldungen werden auf der Kreisdienststelle KdF. Gießen, Schanzenstraße 18, Zimmer 10, und am Mittwochabend im Schwimmbad entgegengenommen. * Urlaubszug an d i e Nordsee (Südengland) vom 6. bis 14. Mai. Kosten 59,— Reichsmark. Schlußtermin für die Anmeldung: 13. April. Um dem ersten Andrang der Hochseefahrten gerecht zu werden, folgt gleich eine zweite Fahrt auf dem Dampfer der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrtsgesellschaft ' „Oce- ana". 640 Teilnehmer werden auf diesem Schiff von Hamburg aus, vorbei an Cuxhafen, vorbei an den Inseln die Nordsee kreuzen. Nachdem sie am 6. Mai abends die Heimat verlassen haben und in Hamburg Gelegenheit hatten, Hafenrundfahrt und Stadtrundfahrt zu machen und das Leben und Treiben dieses wichtigsten deutschen Umschlagshafens kennen zu lernen, ist für viele überhaupt die erstmalige Fahrt auf diesen großen Seeschiffen ein besonderes Erlebnis. Auch wird sie die Einrichtung eines großen Dampfers besonders interessieren. Es ist ein kleines Gemeinwesen für sich mit allen Einrichtungen, die für den täglichen Lebensbedarf notwendig sind. Reichsbund Volkstum und Heimat. Orlsring Gießen. Der Bauersche Gesangverein lädt uns ein zu seinem Chorkonzert, das am Samstag, 13. April, 20 Uhr, in der Aula der Universität stattfindet. Der Besuch des Konzerts kann allen Mitgliedern mit ihren Angehörigen bestens empfohlen werden. Ein isjähnges Mädchen vermißt. Seit Donnerstag, 4. April, wird die 15jährige Marie Hengst aus Kinzenbach vermißt. Das Mädchen wurde zum letzten Male an jenem Donnerstag gegen 18 Uhr auf der Gießener Messe auf Oswaldsgarten gesehen. Seitdem ist es verschwunden. Die Vermißte trug ein grünes Kleid mit weißer, schwarzer und rötlicher Streifenkarierung, ferner eine graue Stoffjacke, sie ist 1,55 Meter groß, hat frische Gesichtsfarbe, graublaue Augen und rotblondes, gelocktes Haar im Bubikopfschnitt. Außerdem trägt das Mädchen ein buntes Perlenkettchen. Die Eltern sind in großer Sorae um das Kind. Zweckdienliche Mitteilungen sind an die nächste Behörde zu richten. vornothea. — Tageskalender für Mittwoch. Kreis- waltung der DAF.: 20 Uhr, im Cafö Leib, Kundgebung anläßlich der Vertrauensratswahlen. — Stadttheater: 19.30 bis 21.30 Uhr „Der Nobelpreis". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Gastspiel von Wilhelm Bendow in „Eine tolle Kiste" und Film- Lustspiel „Betragen ungenügend". — BO. Gießen: 20.30 Uhr, im Hotel Hindenburg, BO.-Abend. — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: II. Ausstellung aus Gießener Privatbesitz, von 16 bis 17 Uhr. — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Artisten". — Stadttheater Gießen: Heute abend Wiederholung der Komödie „Der Nobelpreis" von Hjalmar Bergman; Spielleitung hat Wolfgang Kühne. Besetzung wie bei der Erstaufführung. * ** Schützenspende für das Winterhilfswerk. Das vom Schützenverein Gießen vor einiger Zeit auf seinen Ständen veranstaltete Winterhilfopserschießen hat, wie die endgültige Abrechnung ergab, den sehr ansehnlichen Betrag von 241,04 Mark als Spende für das Winterhilsswerk gebracht. ** Kameradschaftsabend im NSDFB. Die zweite Kameradschaft des NSDFB. (Stahlhelm), Ortsgruppe Gießen, hielt am Samstag einen Kameradschaftsabend mit Frauen im Stahlhelmheim ab. Hatte man bisher solche Abende mit musikalischen und gesanglichen Darbietungen ausgefüllt, so sollte die Unterhaltung diesmal auf ganz anderem Gebiete liegen. Kamerad Max Büttner, der sich um den schönen und erfolgreichen Verlauf des Abends besonders verdient gemacht hat, verstand Mit seinen verblüffenden Zauberdarbietungen alle Erwartungen zu übertreffen und drei Stunden lang glänzend zu unterhalten. An Hand vieler Versuche demonstrierte er, was Geschicklichkeit, Fingerfertigkeit und Geschwindigkeit alles vermögen. Die vornehme Art seiner Vorführungen und seines humorvollen Vortrags fand ungeteilten Beifall und Bewunderung. Älte deutsche Lieder und Sologesänge des Kameraden Jacobi umrahmten den Abend. Es sprachen noch Kamerad W e g e l i über den großen erfolgreichen Feldherrn im Weltkrieg, General L u d e n d o r f f, der am 9. April seinen 70. Geburtstag feierte und Kameradschaftsführer Z i m- mer über die hohe und verpflichtende Idee des Bundes. Er gedachte des großen Führers und Volkskanzlers. Es war ein Abend, getragen von echtem Kameradschaftsgeist und dem Geiste wahrer Gemeinschaft. ** Durch ein Glasdach gestürzt. Der 13jährige Emil Funke von hier, Rodheimer Straße, erlitt gestern einen nickt alltäglichen Unfall. Er stürzte durch ein Glasdach und zog sich dabei erhebliche Scknittwunden an den Oberschenkeln zu. Der bedauernswerte Junge wurde von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz nach der Klinik gebracht. Entrümpelt die Keller! Schafft Notbeleuchtung! Jede Lustfchutzübung bringt neue Erfahrungen, die darauf zu untersuchen sind, wieweit sie einen rein örtlichen Charakter besitzen und wieweit sie geeignet sind, die Schutzmaßnahmen ganz allgemein zu verbessern. Wenn bisher einer der wichtigsten Leitsätze der war, die Böden zu entrümpeln, also dort alles zu beseitigen, was Brandbomben unnötig Nahrung geben kann, so werden wir unser Augenmerk jetzt'auch den Kellern zuzuwenden haben. Sollte uns einmal das Unglück treffen, uns vor angreifenden Bomdenfliegern verbergen zu müssen, dann wird selbstverständlich bei jedem das Bestreben vorherrschen, im Keller Zuflucht zu fügten. So war es während bes Krieges in den umkämpften Gebieten und in den Städten an der Grenze, so wird es auch künftig jein. Bombensichere Keller mit allen neuzeitlichen Schutzvorrichtungen werden sich erst im Laufe von Jahren in genügender Anzahl schaffen lassen. Infolgedessen ist es nötig, sich mit dem Vorhandenen zu begnügen und es so herzurichten, daß es jederzeit Schuh gewähren kann. Wenn man sich aber die Kellerräume in vielen Häusern ansieht, dann sträuben sich einem die Haare. Die Zugänge sind eng und winkelig, die Treppen sind schlecht, steht man unten, bann umgibt einen völlige Finsternis, man weiß nicht, wohin man tritt, man weiß nicht, ob man nicht im nächsten Augenblick mit «dem Kopf gegen einen Mauervorsprung rennt. Notbeleuchtung ist also das erste Gebot, das es zu erfüllen gilt. Was nützt der schönste Keller, wenn im Augenblick höchster Gefahr völlige Finsternis herrscht und niemand in der Aufregung daran gedacht hat, eine Kerze oder Lampe mitzunehmen! Ueberhaupt gehören in derartige Räume Kerzen und offene Lampen nicht hinein. Sie verzehren unnötig Sauerstoff, sie machen den Aufenthalt unerträglich, und sie bilden eine ständi-ae Gefahrenquelle. Denn wie leicht können beim Zusammenströmen der Hausbewohner in den Kellerräumen Petroleumlampen Umstürzen und die Kleider der Anwesenden in Brand setzen. Elektrisches Licht, das aus den allgemeinen Quellen gespeist wird, empfiehlt sich natürlich auch nicht. Es muh ein sicheres und unabhängiges Licht vorhanden sein, also eine Notbeleuchtung, die rasch eingeschaltet werden kann und genügend Licht verbreitet. Was aber, wenn die Hausbewohner nach dem Einschalten des Lichtes zu ihrem Entsetzen feststellen müssen, daß sie beinahe über einen alten Kinderwagen, der gleich hinter der Eingangstür steht, gestürzt wären und baß in ihren Kellerverschlägen alles mögliche Gerümpel herumstcht, so daß 'fie kaum ein Plätzchen finden, wo sie stehen können? Also: Rechtzeitiges (Entrümpeln der Kellerräume! Nun wird dieser oder jener aufstöhnen. Aber ruhig stöhnen lassen. Denn die Besichtigung der Bodenräume hat überall ergeben, daß der Mensch mit seltenem Eifer das hütet, was absolut wertlos ist und längst auf den Müllhaufen gehörte. Beim Entrümpeln der Böden hoben viele ihren Kram, von dem sie sich nicht trennen wollen, einfach in den Keller geschleppt. Was soll aber dort ein Schrank, der beinahe zerfällt, oder eine Feldbettstelle, deren Federn völlig durchgerostet sind? Was sollen dort alte Flaschen in großer Zahl, Blumentöpfe mit Pflanzen, die schon vor Jahr und Tag verdorrt sind, was soll ein zerbrochener Spiegel, was sollen ein halbes Dutzend Pappkartons, die teilweise sogar zerrissen sind? Man gehe nur einmal durch die Keller. Es ist erschütternd, welcher überflüssige Krempel aufbewahrt wird, wieviel aber auch noch an brauchbaren Möbeln herumsteht, die manches junge Ehepaar gut gebrauchen könnte. Nun muß natürlich jeder einen Raum haben, wo er verschiedene Sachen unterstellen kann, wo Holz und Kohlen zu stapeln sind. Aber jeder wird zugeben müssen, daß in den Kellern genau so Ordnung und Uebevsichtlichkeit herrschen kann, wie man das von jeder Wohnung verlangen wird, und daß auch aus den Kellern ebenso wie von den Boden jedes Gerümpel zu verschwinden hat. Ein Keller, der nur das Notigste enthält, kann wesentlich mehr Personen aufnehmen als ein Raum, in den man vor altem und unbrauchbaren Gerät kaum einen Schritt weit hineingelangen kann. Also: (Entrümpelt die Keller, macht aus ihnen Räume, in denen man sich zur Rot einige Zeit aufhalten kann, sorgt aber auch für Notbeleuchtung! Das eine ist so wichtig wie das andere. Daß nichts Unbilliges verlangt wird, können wohl am besten diejenigen bestätigen, die während des Krieges in Saarbrücken, Frankfurt, Trier, Köln und Aachen nachts immer wieder durch die Alarmsirenen aufgescheucht wurden und in die Keller flüchten mußten. Kein Zunge ohne HZ.ckeistungsahzeichen! Was ist das HI.-Leistungsabzeichen? - Wer hat das Recht zum Erwerb? „Ziel der gesamten körperlichen Ertüchtigung der Hitlerjugend ist die Erringung des HJ.-Leistungsabzeichens. Mit der Erfüllung der Leistungsprüfung ist die Verleihung des Leistungsabzeichens der Hitlerjugend verbunden; es wird vom Reichsjugendführer verliehen." So lautet sinngemäß die Einleitung zu den im HI.-Leistungsbuch festgelegten Prüfungsbestimmungen. Die Leistungsprüfung verlangt Kenntnisse und körperliche Fähigkeiten auf dem Gebiete der Leibesübungen, des Kleinkaliberschießens und des Geländesports, doch sind die Anforderungen jeweils dem Alter, angepaßt. In drei Stufen, A, B und C, sind die Leistungen gestaffelt. Die Stufe A erfaßt die 15jährigen mit Verleihung des eisernen Abzeichens, Stufe B die 16jährigen mit Verleihung des bratenen Abzeichens und Stufe C die 17jährigen und darüber mit der Verleihung des silbernen Abzeichens. Während die Verleihung des SA.-Sportabzeichens nicht an die Zugehörigkeit zur SA. gebunden ist, kann das HJ.-Leisiungsabzeichen nur von Angehörigen der Hitlerjugend erworben werden und fetzt voraus innere Anteilnahme an der weltanschaulichen Schulung und regelmäßige Teilnahme an dem festgesetzten HJ.-Dienst. Nicht allein die bei der Leistungsprüfung gezeigten Fähigkeiten werden in das Leistungsbuch eingetragen, sondern auch alle die Ereignisse, die für den Jungen von Bedeutung sind, so z. B. Teilnahme an Führerlehrgängen, Zeltlagern, Sonderlehrgängen, Wettkämpfen, Aufmärschen und berg!. Das Leistungsbuch stellt somit für das ganze Leben einen wertvollen Ausweis bar unb gibt Aufschluß über bie in ber Jugenbzeit abgelegten Leistungen unb über Diensterfüllung in ber HI. Um zu vermelden, daß mit irgendwelchen körperlichen Schwachen behinderte Jungen sich bei den Prüfungen überanstrengen, muh sich jeder vorher zuerst vom zuständigen HJ.-Arzt gründlich untersuchen lassen. Die Ergebnisse ber ärztlichen Untersuchung werben in bie Dafür vorgesehenen Untersuchungsbogen bes Leiftungsbuches eingetragen unb vor Abnahme ber Prüfung von bem Abnahmeberechtigten genau beachtet. Das Recht zur Abnahme von Prüfungen erhalten nur Mitglieber ber HI. Es wirb gesondert in Leibesübungen, Geländesport oder Kleinkaliberschießen erteilt, und zwar müssen bie Antragsteller eine erfolgreiche Ausbilbung unb abgelegte Prüfung auf einem ber genannten Gebiete nachweisen können. Bei genügenbem Ausbilbungsnachweis hänbigt bie Abteilung E (Ertüchtigung) ber Reichsjuaenb- führung bem Prüfungsberechtigten einen mit Licht- bilb versehenen Ausweis aus, ber mit ber Abnahmeberechtigung für Leibesübungen, Gelänbe- fport ober Kleinkaliberschießen verbunben ist. Selbst- verstänblich besteht bie Möglichkeit, baß ein Antragsteller gleichzeitig für zwei ober drei Uebungs- zweige Abnahmeberechtigung erhält. Die Abnahme ber Prüfung liegt in Händen ber Abteilung E ber Banne. Die Abnahme in Leibesübungen kann geschehen in Verbindung mit den in diesem Sommer stattfindenden sportlichen Wettkämpfen, die Prüfung in Geländesport und Kleinkaliberschießen in Führerschulen, Zeltlagern und in den einzelnen Bannen jeweils bei einer entsprechenden Anzahl von Teilnehmern. Die Zahl ber im Gebiet 13 verliehenen Lei- stungsabzeichen ist bis jetzt noch gering, es ist aber zu erwarten, baß in zwei bis drei Monaten ein Massenanbrang zu ben Prüfungen einsetzt. Die Vorarbeiten werben bereits jetzt von ben verantwortlichen Stellen in Angriff genommen. Jebe Schar unb Gefolgschaft, jeher Bann will am Enbe des Jahres eine möglichst große Zahl von Be- Oie Deutsche Arbeitsfront. Kreiswaltung Gietzen. Am Mittwoch, 10. April, abends 8 Uhr, findet im (Eafö Leib eine Kundgebung anläßlich der Vertrauensralswahlen statt, bei der der (Sau- schulungswalter Pg. Demmer, Frankfurt a. M. sprechen wird. Wir bitten, daß die Betriebsgemeinschaften einschließlich der Wirtschaftsführer, in denen Vertrauensräte gebildet werden, sich an dieser Kundgebung beteiligen. Kreiswaltung der DAF. sitzem des HJ-Leistungsabzei.chens nachweisen unb somit Zeugnis ablegen von ber im Laufe bes Jahres geleisteten Ertüchtigungsarbeit. Um den Gedanken des HJ.-Leistnngsabzeichens in der gesamten Jugend zu wecken, findet am 5. und 12. 2Uai im Gebiet Hessen-Rassau einheitlich für alle Hitlerjungen und Führer über 14 Jahre die Abnahme des 3000-Weter-Laufs und des Gepäckmarsches statt. Jeder gesunde Junge muß fein Ziel in ber Erringung bes HJ.-Leistungsabzeichens sehen! Es verlangt zwar gewissenhaftes unb fleißiges lieben, gibt aber auch bem Träger bas Recht zu sagen: „Ich bin ein Hitlerjunge, bem in Anerkennung ber gezeigten Fähigkeiten als äußeres Zeichen vom Reichsjugenbführer bas HJ.-Leistungsabzeichen verliehen würbe." Wer weiß da Bescheid? Der Artikel „Ein altes Bauern- unb Müllergeschlecht" im „Gießener Anzeiger" vom 1. Februar 1935 gibt Veranlassung zu folgenben Ausführungen: Anfangs bes vorigen Jahres (Januar 1934) würbe laut Bekanntmachung des Forstamts Grünberg im „Gießener Anzeiger" bie Fischerei in bem Aeschersbach unb ber Joßholler in ben Ge- marfungen Ettingshausen unb Hattenrob verpachtet. Diese Joßholler ist ein unscheinbarer Wasserlauf, ber hier gewiß nicht einer Besprechung unter« Zogen würbe, wenn er nicht ganz eigenartige Verhältnisse barböte. Zunächst fällt ber merkwürbige Name auf. Was hat er zu bedeuten? Wie hat das Bächelchen eigentlich geheißen? Wie ist es zu diesem Namen gekommen? Auf diese Fragen können uns vielleicht Sprachaelehrte Aufschluß geben. Es wäre eine Dankbare Aufgabe für sie. Den Bewohnern der anliegenden Dörfer, aber auch anderen Interessenten damit Aufklärung über manche Dunkelheit zu verschaffen. — Der Bach trägt in feinem Oberlauf auch den Namen Z a i n b a ch, nahe seiner Mündung bei ber Kolbenmühle in ben von Queckborn - Grünberg herkommenben Eschersbach aber bie Bezeichnung (Schatzgraben ober) Schutz- graben. Seit ber vor einigen Jahren fertiggestellten Felbbereinigung in ben Dörfern (Ettings- Hausen-Hattenrob bilbet er auf eine gewisse Strecke bie Grenze zwischen ben beiben Gemarkungen. Sein ganzer Lauf beträgt in ber Luftlinie kaum etwas über 5 km; in gut einer Stunbe kann man also von ber Quelle bis an bie Münbung gehen. Wo aber ist eigentlich bie Quelle bes Baches? Auf bem Meßtischblatt „Laubach" reicht bie Zeichnung bes Laufes bis an bie westliche Randlinie zwischen „Pfingst- weibe" unb „Strauchacker" unb ist wie abgeschnitten, auf bem anschließenben Blatt „Gießen"' aber fehlt bie Fortsetzung, unb in dem Bezirk „Mönchs- wiese", beiderseits ber Straße Burkharbsfelben- Reiskirchen, unmittelbar vor bereu Gabelung, fin« ben wir ein fabenbünnes Gräbchen, bas von beiben Seiten her aus ber sumpfigen Wiese nach ber Straße hinfließt. In nassen Jahren stellt bas westlich ber genannten Straße ziehenbe Gräbchen wohl eine Verbinbung bar mit bem aus bem „Erlesborn" fommenben unb burch bie „Erleswiesen" zur Wieseck fließenben „Flachsbach", ber roieber burch ben von Dppenrob herkommenben „Mönchswiesen- graben" gespeist wirb. Diesem eben beschriebenen Gräbchen unb ber „Mönchswiese" kommt in wasserreichen Zeiten eine befortbere Bebeutung zu. Die letztere stellt ein Sammelbecken bar, aus bem bas Wasser nicht bloß in bie Joßholler, sondern auch durch ben Flachsbach in bie Wieseck gelangt, so baß burch das Gräbchen eine Verbindung zwischen Eschersbach— Wetter — Nidda — Main einerseits unb Wieseck— Lahn anbrerseits hergestellt wirb: eine Art Bifurkation, wenn auch nicht zwischen zwei Stromsystemen (wie in Sübamerika zwischen Orinoko und Amazonenstrom), so doch zwischen zwei größeren Nebenflüssen des Rheins, eine Tatsache, bie im heimatlichen Anschauungsunterricht immerhin von Bebeutung ist, um Verstänbnisgrunblage zu werben für bas, was ber Schüler nicht mit eignen Augen sehen, fonbern auf Grunb gewonnener heimatlicher Einsicht nur mit ber Phantasie erarbeiten kann. Somit könnte bie obengenannte Mönchswiese als eine Art Wasserscheibe zwischen Main und Lahn angesehen werben, von ber bie gesammelten Nieber- schläge nach beiben Seiten hin abfließen. Eine im trockenen Sommer 1934 vorgenommene Ortsbesichtigung ergab: Links ber Straße Burk- Harbsfelben-Reiskirchen, etwa 500 Meter von ihr entfernt, befinbet sich ein großes Zementrohr von etwa 50 bis 60 lichter Weite senkrecht in ber sumpfigen Wiese eingegraben, bas in ber trockenen Jahreszeit nur teilweise mit Wasser gefüllt war. Der Wiesgrunb, Erleswiesen benannt, weil Erlen- büsche auf bem feuchten Boben gut gebeihen, ist nach Narben (Reiskirchen) unb Silben (Vurkharbs- felben) von sanft anfteigenben Höhen begrenzt (264 bzw. 335,4 Meter); in ihm sammelt sich bas von beiben Seiten absickernbe Wasser, bas in bem oben bezeichneten (Erlesborn (209,7 Meter) gefaßt ist. Im trockenen Sommer fließt bie Quelle nicht über, zur Regenzeit bagegen steigt bas Wasser aus bem Rohr unb roenbet sich nach Westen an ber Höhe A 207,6 Meter vorbei in ben Mönchswiesengraben, ber von Dppenrob herkommt, gleichzeitig aber auch nach Osten unter einem Durchlaß ber obengenannten Straße hinburch nach Hattenrob-Kolbenmühle zum Eschersbach, unb biejer Wasserlauf führt ben Namen Joßholler. Die Wiesen am Erlesborn sind mit saurem Riebgras, untermengt mit viel Schachtelhalm, bewachsen unb febern beim Betreten in trockener Jahreszeit wie ein Sofa. Bei nasser Witterung sinb sie wohl überhaupt nicht zu betreten, noch viel weniger können sie befahren werben. Der Boben ist moorig unb schimmert schwarz zwischen bem Gras burch. Dieses ist schlechtes Futteraras unb bient wohl meist als Streu, aus ber sich die Tiere aussuchen, was irqenbmie noch genießbar ist. Oberhessen. Beisetzung von Kammerrat Clemm. * Winnerod, 8. April. Auf dem kleinen Friedhof unserer Gemeinde hatte sich am Montag mit der Familie eine große Zahl von Leidtragenden eingefunden, um den im Alter von 68 Jahren entschlafenen ehemaligen Besitzer des Hofguts, Kammerrat Ludwig Clemm, der nach längerer Krankheit doch überraschend für seine Angehörigen und Freunde in seinem Ruhesitz Frankfurt a. M. verstorben war, in heimatlicher Erde unter den windzerzausten hohen alten Bäumen im Schatten des kleinen Dorfkirchleins zur letzten Ruhe zu betten. Pfarrer Schmidt, Beuern sprach am Grabe über den Lebensweg dieses aufrechten deutschen Mannes und frommen Christen, der ein Licher Kind, später auch als Kammerrat des Fürsten zu Solms- Hohensolms-Lich und als Besitzer des Hofgutes Winnerod immer aufs engste mit der heimatlichen Scholle verbunden, Vaterland und Heimat sein Bestes gegeben und auch im Kriege als Artillerie- Hauptmann seine ganze Kraft in den Dienst seines Volkes gestellt habe. Und wie er für Beruf und Gemeinwohl mit seiner ganzen Persönlichkeit ein- trat; so war er seiner großen Familie ein liebevoller und treusorgender Gatte und Vater, den auch Sorgen und Schicksalsschläge nicht niederzubeugen vermochten, weil ein inniges Gottvertrauen ihn stützte. Nach Gebet und Segen des Geistlichen legte Sanitätsrat Dr. S ch l i e p h a k e, Gießen, für die Altherrenschaft der Verbindung „Kloster" der Ludo- viciana mit Worten treuen Gedenkens für den Bundesbruder einen Kranz am Grabe nieder, ebenso stud. jur. Lommel für die Aktivitas des gleichen Bundes. Worte inniger Verbundenheit widmete dann Oberstleutnant Bauer dem dahinge- aangenen Freunde und Jugendgenossen, dessen Treue, wie die Klammer in seinem Wappenschild, alle umfaßt habe, Familie und Freunde, Volk und Vaterland, das Solmssche Fürstenhaus und sein altes hessisches Regiment. Nun ruhe er aus in der Erde der von ihm über alles geliebten Heimat, zu der er nach so kurzen Jahren des Fernseins so bald schon wieder zurückgekehrt sei. Gemeinderai in Grünberg. + Grünberg, 10. April. Vor Eintritt in die Tagesordnung wies Bürgermeister Wagner darauf hin, daß dies die erste Sitzung sei, die im Zeichen der neuen Gemeindeordnung stehe. In einer früheren Sitzung hatte man zur Dicht- machung des unteren Triebwasserteiches die Errichtung einer Mauer vorgesehen, die einen Kostenaufwand von etwa 13 000 Mark erfordert hätte. Das Kulturbauamt Gießen hat verschiedene Bedenken gegen diesen Plan vorgebracht und empfohlen, die Abdichtung des Teiches durch eine Lettjchicht mit zwei eisernen Spundwänden vorzunehmen. Hierdurch sei auch eine Dichtung auf mehrere Jahrzehnte gewährleistet, außerdem würden sich die Kosten bedeutend niedriger stellen und jedenfalls unter dem früher genannten Betrag von 8000 Mark bleiben. Das Kulturbauamt will einen genauen Kostenvoranschlag darüber vorlegen. Die Straßenreinigung der städtischen Plätze und Straßen wird Karl Frank V., der sie bisher zur Zufriedenheit ausgeübt hat, auf fein Gesuch hin für weitere zwei Jahre zu den seitherigen Bedingungen übertragen. Da das Mobiliar des Wasserwerkes nur mit 6000 Mark versichert, sein Wert aber laut Voranschlag bedeutend höher ist, hält man eine Heraufsetzung der Versicherungssumme für angebracht. Der Hilfsnachtwächter Ernst Stock bittet um Verlängerung der Wasserleitung in der Färbgrabengasse bis zu seinem geplanten Neubau. Da er die nötigen Erdarbeiten selbst ausführen will, so daß die Stadt nur die Rohre zu stellen braucht, soll seinem Gesuch entsprochen werden. Die beiden landwirtschaftlichen Vertreter werden beauftragt, auf dem Lauterbacher Zuchtviehmarkt einen Eber anzukaufen, da der alte wegen Inzucht abgeschafft werden muß. Oer Gaatkartoffelbau in Lang-Göns. * Lang-Göns, 10. April. Anschließend an den Bericht vom letzten Samstag über den A n - bau von Saarkartoffeln in unserer Gemarkung möchten wir ergänzend mitteilen, daß in diesen Tagen mit dem Versand von Saatkartoffeln Schluß gemacht worden ist. Zur Zeit wird kaum noch was zu haben sein. Der Anbau von Saatkartoffeln ist für unser Dorf in den letzten Jahren von größter Bedeutung geworden, und es ist angebracht, über die Entwicklung dieser Betriebe einiges zu sagen. Bekanntlich war während des Krieges das Saatgut überall ziemlich knapp. Bei Feldbesichtigungen, die durch die Landwirtschaftskammer vorgenommen wurden, ergab sich, daß die Kartoffeln im Lang-Gönser Feld sehr gut waren. Da machte das damalige Mitglied der Landwirtschaftskammer Wilhelm Weil aus Lang-Göns, der inzwischen verstorben ist, den Vorschlag, zum Notbehelf diese Lang-Gönser Kartoffeln als Saatgut zu verwenden. Sie bewährten sich auch sehr gut. Deshalb schritt man nach dem Kriege zur Errichtung von Saatgutbau st ellen, nicht nur hier in Lang-Göns, sondern auch im benachbarten Kirch-Göns. Man sagte sich, daß sogenannte mittlere Betriebe, mit etwa 25 bis 40 Morgen, sorgfältiger arbeiten könnten als große Güter. Zunächst waren es in Lang-Göns vier Betriebe, bann sechs. Durch Erbteilung, die Söhne führten die Betriebe weiter, gab es dann zwölf. Heute sind es über 25, und es liegen noch verschiedene Anträge von Landwirten vor. Die Landesbauernschaft setzt auch alle Hebel in Bewegung, immer noch mehr Saatstellen zu errichten. In der Hauptsache werden in Lang-Göns gezüchtet: Frükartoffeln Allerfrüheste Gold, Deutsche Erstlinge, Paulsens Juliniere, Odenwälder Blaue usw., an mittelspäten und späten vor allem Industrie, Erdgold, Edeltraut, Ackersegen, Raddatz Voran, Goldwährung u. a. neuere Züchtungen. Der Versand erstreckt sich in der Hauptsache auf das Ried, zugleich über ganz Starkenburg und Rheinhessen, aber auch die oberhessischen und angrenzenden preußischen Gebiete beziehen Saatgut aus Lang-Göns. Da sich unsere Saatkartoffeln überall, auf leichten wie auf schweren Böden, aufs beste bewährt haben, ist die Nachfrage immer eine gute, und so kommt es, daß zur Zeit alles ausverkauft ist. Die Originalsaat beziehen die hiesigen Züchter meistens waggonweise aus Ostpreußen, ober anbern nörblichen Provinzen Daß bie einzelnen Felbstücke, biß bamit bepflanzt werben, unb ber Ertrag unter ber Kontrolle ber Lanbesbauernschaft stehen, versteht sich von selbst. Die Arbeit bes Kartoffelzüchters erfor- bert nicht nur große Liebe unb Ausbauer zur Sache, fonbern nimmt auch viel Zeit in Anspruch. Die Ernte, bie Lagerung, bie Sortierung, der Versand usw., alles bas rechtfertigt den erhöhten Preis, Schutz den Tieren! Bon Oberveterinärrat Dr. Heinrich Küthe, Darmstadt. Das Verhältnis bes Menschen zum Tier, seine naturwissenschaftliche Stellung innerhalb ' dieses Tierreiches, die inneren Zusammenhänge bzw. Gegensätzlichkeiten zwischen beiden Gruppen, waren von jeher Gegenstand wissenschaftlicher, philosophischer und kirchlicher Erwägungen und Forschungen, ohne daß bis heute endgültige vernunftmäßige Klarheit geschaffen werden konnte. Wenn auch, rem biologisch betrachtet, eine organische Aufwärtsentwicklung vom einfachen Lebewesen unserer Erde zu immer höherer Vervollkommnung, an deren Spitze der Mensch steht, kaum noch zu bestreiten sein dürste, so trennt doch das Seelenleben, insbesondere das Bewußtsein eines,gewußten Seins" den Menschen in tiefgehender breiter Kluft von den Tieren. Trotzdem wäre es falsch, den Tieren jegliches Innenleben absprechen zu wollen. Man rede nicht immer nur von „Instinkten", d. h. triebhaftem Handeln; wer die Tierwelt aufmerksam beobachtet, muß zu der lleberzeugung kommen, daß auch dort viele Lebensauherungen bewußten lleberkgun- gen entspringen, das ferner ein Gefühlsleben, sogar die Liebe, wenn auch in engbegrenztem Rahmen, vorhanden sind und Entschlüsse beeinflussen. Würde man solches ab» streiten, wahrlich es bedürfe dann nicht eines Tierschutzes, so wie wir ihn verstanden wissen wollen! Schopenhauer nennt als die drei Grund- triebfedem der menschlichen Handlungen: 1. den Egoismus, welcher das Mene Wohl will, 2. die Bosheit, die das fremde Weh will, 3. das Mitleid, welches das fremde Wohl will. Die drei Charakterzüge bestimmen wesentlich das Verhältnis der Menschen untereinander. Undenkbar wäre eine menschliche Gemeinschaft, wenn nicht das „Mitleid" in unsere Herzen gepflanzt wäre. Es ist die ganz unmittelbare, von allen persönlichen Rücksichten unabhängige Teilnahme an dem Wohlergehen eines anderen Menschen. Dessen Wohl und Wehe liegt uns dann in derselben Art und in dem- 'selben Grade am Herzen, als wäre es unser eigenes Wohl und Wehe. Und die Stellung des Einzelnen zu den Tieren? Wird sie nicht auch von diesen Triebfedern maßgeblich beeinflußt? Selbstsucht unb Bosheit werden sich hier stets auswirken zum Schaden der Tiere, werden leicht dazu führen, sie „unnötig zu quälen oder roh zu mißhandeln". Jtur wer fähig ist, Mitleid zu empfinden, wird auch dem Tier als einem vollwertigen Glied in der Kelte der rätselhaften wunderbaren Lebenserfcheimmgen die erforderliche Achtung, Rücksicht und Zuneigung nicht versagen. Das ist der wahre, selbstlose Tierschutz, der dem Mitleid entspringt! Allerdings müssen hier Grenzen gezogen sein; einem übertriebenen Mitleid ohne Berücksichtigung realer Erfordernisse kann nicht das Dort geredet werden. Dank seiner Technik ist der Mensch zum Herrn der Tiere geworden, ob sie in freier Wildbahn leben aber als treue Hausgenoffen von ihm gepflegt, gezüchtet und in Anspruch genommen werden Es ist deshalb auch feine heilige Pflicht, sie zu schützen vor Qualen. Mißhandlungen und Ausrottung. Und es iit die Aufgabe ber Regierung, diesen Schutz durch Gesetzesvorschriften in geregelte Bahnen zu leiten unb zu gewährleisten. Nur im Schutze ber Gesetze blühet auch auf biesem Gebiet die Freiheit. Gesetze allein werden jedoch niemals sich restlos erfüllen lassen, wenn nicht die Menschen aus freien Stücken unb aus innerem Drang heraus sie lebenbig werden lassen. Welches sind nun die Aufgaben, die ber Volksgemeinschaft, ben Vereinigungen, die sich solchen Schutz zum Ziele gesetzt haben, sowie dem Einzelnen erwachsen? Sie sollen hier nur in großen Zügen ausgezeichnet werden: Beseitigung von Mißbräuchen beim Fang, beim Transport, beim Töten und Schlachten, bei ber Jagd, dem Sport und öffentlichen Schaustellungen; Verhütung von Quälereien bei der berechtigten Benutzung der Haustiere unb bei den wissenschaftlichen Versuchen an lebenden Tieren. Belehrungen über ben Nutzen unb die Behanb- lung ber in freier Wildbahn lebenden, ber gefangenen unb ber Haustiere; Warnung vor dem Töten nützlicher Tiere, Vogelfütterung im Winter, Anlegen von Nistkästen, Vogelschutzgehölzen unb Naturschutzgebieten, Schonung cmssterbender Tiere usw. Als Belohnung und Anreiz zur guten Tat, Auszeichnungen an würdige Angestellte, Fuhrleute, Polizei unb Forstbearnte, Hineintraaen des Tierschutzgedankens in die breite Masse ber Volksgenossen, insbesondere der Jugend durch Tat, Wort unb Schrift, Elternhaus und Schule. Schon seit hundert Jahren werden diese Bestrebungen in Deutschland gepflegt, tierliebende Menschen schlossen sich zusammen in „Tierschutzvereinen". Aber ein voller Erfolg mußte ausbleiben, solange als Rechtsgrundlage der §360 bes Reichsstrafgesetzbuches maßgebend mar, der durch die Tatbestandsmerkmale der „Öffentlichkeit" und des „Aergernis- erregens" mehr ber Schonung der menschlichen Gefühle diente, als daß das Tier um feiner selbst willen geschützt werden sollte. Die hohen sittlichen Werte, die durch den Tier- fchutzgedanken hineingetragen werden in die Volksgemeinschaft, wie Gerechtigkeit und Dankbarkeit, Mitgefühl und Mitleid, wurden erst von der nationalen Regierung in ihrer großen Bedeutung klar erkannt; sie hat untertn 24.11. 1933 ein Reichstierschuhgeseh erlassen, das allen Forderungen Rechnung trägt und als vorbildlich bezeichnet werden muß. Je höher bie kulturelle Entwickelung eines Volkes, desto mehr wird auch dem Tiere Gerechtigkeit widerfahren. Pflege unb Vertiefung des Tierschutzgedankens sind demnach ein Gradmesser für völkische Kultur. Gauvarteiiaa am 1. und 2.3uni in Darmstadt. LPD. Darmstadt, 9. April. Wie aus einem Aufruf des Kreisleiters und Oberbürgermeisters W a m b o l d t hervorgeht, hat ber Gauleiter ent- schieben, baß ber Gauparteitag bes Gaues Hessen-Nassau ber NSDAP, am 1. unb 2. Juni in Darmstabt ftattfinbet. Der Gauparteitag wirb bas bebeutenbfte Darmstäbter Ereignis in biesem Jahre werben. Führenbe Persönlichkeiten bes Reiches unb ber Partei werben erwartet. Es ist mit einer Teilnehmerzahl von weit mehr als 100 000 Personen zu rechnen. ber zur Zeit für Saatkartoffeln be$af)tt wirb. Der Zentner kostet 5 Mark. Generalversammlung der Laubacher Bank. □ Laubach, 9. April. Die Laub ach er Bank hielt im Saale bes „Solmser Hof" ihre diesjährige Generalversammlung ab. Zum ersten Male konnte bie im Jahre 1933 neugegrünbete Kasse auf ein ganzes Geschäftsjahr zurückblicken, in bem bie Aufbauarbeit ein wesentliches Stück vorangeschritten ist. Im Geschäftsjahr 1934 hat bie Genossenschaft 14 Zugänge unb zwei Abgänge an Mitgliebern zu verzeichnen, so baß sie Enbe bes Jahre 75 Mitglieder zählte. Die Genossenschaft war gezwungen, am 7. Oktober v.J. eine außerordent- liche Generalversammlung abzuhalten, in ber an Stelle bes burch Wegzug ausscheidenden Vorstands- mitgliebes Otto Braun Schneibermeister Georg Lamm unb an Stelle bes verstorbenen Aufsichts- ratsmitgliebes Konrab Lebermann unb bes ausgeschiebenen Justizinspektors Wilhelm Elbe Direktor a. D. H a r i g unb Glasermeister Heinrich Hertel einstimmig burch Zuruf gewählt würben. Krebite würben nur an Mitglieber gegeben, bie bei ber Aufnahme einer genauen Prüfung über ihre Krebitwürbigkeit burch Vorstand unb Aufsichtsrat unterzogen würben. Es würbe hierbei immer nach dem Leitwort bes Führers gehanbelt „Gemeinnutz geht vor Eigennutz", b. h. kleinere Mittel an mehrere Mitglieber geben unb nicht alle Mittel in einigen größeren Krebiten festlegen, was für bie ßiquibität ber Bank von größter Wichtigkeit ist. Der Geschäftsgang hat sich, entfprechenb ben Mitteln bes Krebitinstituts, gut entwickelt. Nach Abschluß bes letzten Geschäftsjahres konnte ein Gewinn von 2352,35 Mark erzielt werben, ber lt. Beschluß ber Generalversammlung, auf Vorschlag bes Vorstanbes, mit 650 Mark auf ben Reservefonbs, 650 Mark auf Betriebsrücklage, 980 Mark für bie 49 alten Mitglieber bes Vorschußvereins, bie zur Laubacher Bank übergetreten finb, unb mit 72,35 Mark als Dioibenbe für bie 26 Mitglieber ber Laubacher Bank verteilt würbe. Aus bem Bericht bes Aufsichtsrats ging hervor, baß nach Prüfung ber Bilanz bie Bücher ordnungsgemäß geführt finb unb bie Geschäftsführung sich in sehr guten Händen befinbet. Dem Vorstcmb unb Aufsichtsrat würbe von ber Versammlung Entlastung erteilt. Der laut Statut ausscheibenbe Direktor L. Hohmann sen., sowie bie Äufsichtsratsmitglieber Otto Müller (Ruppertsburg) unb Friebrich Döll (Laubach) würben einstimmig wiedergewählt. Weiterhin wurde beschlossen, von neueintretenben Mitgliebern ein Eintrittsgelb von fünf Mark zu erheben. Nach ber Erledigung ber Tagesordnung würben noch allgemeine Fragen über Zinssenkung unb Sparerwerbung behanbelt. Landkreis Gießen. * Klein-Linden, 9. April. Der 52 Jahre alte Rangiermeister Heinrich Müller von hier erlitt im Dienst einen Unfall. Er zog sich einen Bruch des linken Oberarmes zu unb mußte ärztliche Behanblung in Anspruch nehmen. X Wieseck, 9. April. Die hiesige Ortsgruppe ber Deutschen Stenographen schaft konnte für brei ihrer Mitglieber bei bem kürzlich veranstalteten Leistungsschreiben 1 9 3 5, bas an allen höheren und Handelsschulen abgehalten wurde, schöne Erfolge erzielen, die bei ben Teilnehmern zu schönen Hoffnungen berechtigen. Vor allem gilt dies für ben Schüler Albert O ß - w a l b, ber bie beste Note „Hervorragend" für 160 Silben, für „Schön unb Richtig" und für Maschinenschreiben erhielt. Auch Marie Luise B i e r a u erhielt in 80 Silben unb „Schön unb Richtig" ein „Hervorragenb", in Maschinenschreiben ein „Gut". Ebenso in 80 Silben Hans Rupp „Sehr aut" unb in „Schön unb Richtig" ein „Hervorragend". Öl Lollar, 8. April. Im hiesigen Lichtspielhaus wurde gestern und vorgestern ber Film ber Reichspropagandaleitung „I ch für dich unb b u für m i ch!" gezeiat. Sämtliche Organisationen besuchten an ben beiben Tagen bie Vorstellung. Der Film hinterließ bei allen Besuchern sichtlich den tiefsten Eindruck. Als Beiprogramm lief ein Film „Danzi g", ber alle Schönheiten biefer echt deutschen Stadt in zum Teil herrlichen Bildern vor unseren Augen erstehen ließ. Auch bie ebenfalls gezeigte „Ufa-Tonwoche" fanb starkes Interesse, be- [onbers burch bie Silber von ber Heimkehr ber deutschen Saar. > Lollar, 9. April. Die M ä b e l - unb Jungmäbelschar bes BbM. veranstaltete einen Sportwerbeabenb im Saalbau „«Germania". Mit bem Lieb „Wer jetzig Zeiten leben will" wurde ber Abenb eingeleitet. Es folgte ber Sprechchor „Wir finb die Jugenb, wir erben bas Lanb". Nach Worten von Schemm hielt bie Sport- wartin eine Ansprache, in ber sie bie Bebeutung bes Sportes für bie heranwachsenbe Generation würdigte unb den Zweck ber Veranstaltung erläuterte. Dann folgten turnerische Darbietungen, bie schön ausgeführt würben unb ein Bilb gaben von ber Art, wie im BbM. bas Turnen unb ber Sport gepflegt werben. Zwischenburch mürben in zackiger Weise Lieber gesungen. Sämtliche Darbietungen fanben verdienten Beifall. Der Abenb bürste seinen Zweck, für bie Sache bes Sportes unb Turnens im BbM. zu werben, gut erfüllt haben. 58? Saubringen, 9. April. In ber hiesigen Schule waren bie Hanbarbeiten ber Volks- unb Fortbilbungsschülerinnen ausgestellt. Die technische Lehrerin Frl. Weimar (Lollar) hatte ben Eltern unb allen Interessenten Gelegenheit gegeben, burch bie Auslage sämtlicher Klassenarbeiten Einblick in ben Werbegang ber vielen Hanbfertigkeiten zu gewinnen. Von den ersten Schneide- unb Faltübungen, wodurch Buchzeichen, Kästchen, Hakenkreuzfahnen und bergt, entstauben waren, bis hinauf zu ben felbftgefertigten, nach eigenem Empfinben verzierten Wäsche- unb Kleidungsstücken zeugten die Arbeiten von Sorgfalt, Gründlichkeit unb geschmackvoller Ausführung. So entstanden in Anwenbung ber einzelnen Techniken bie verschiedensten Gebrauchsgegenstände, wie Taschentuchbehälter, Topfanfasser, Deckchen, Mützen, Leibchen, Bettschuhe, Taschen, Socken, Strümpfe, Hemden, Blusen, Kleider unb anberes mehr. Be- sonbere Beachtung verbienten bie vielseitigen, gut ausgeführten Ausbesserungsarbeiten an Wäsche unb Stricksachen. Daran anfnüpfenb als Fortsetzung hatte bie technische Lehrerin Frl. Pfnorr schöne Wäschestücke aus ben Fortbilbungsschulklassen gezeigt. Auch bie Koch» unb Backkunst kam zu ihrem Recht und wirkte in ben Proben verschiedener Art recht ansprechend unb appetitreizenb. Alles in allem barf bie Veranstaltung als wohlgelungen bezeichnet werben. Der rege Besuch legte Zeugnis bavon ab, baß man auch in Daubringen ben Wert all biefer weiblichen Fähigkeiten entsprechen!) zu schätzen weiß. ■ Beuern, 9. April. Unter starker Beteiligung ihrer Mitglieber hielt bie Spar- und Dorsch u ß k a ss e, nach ber im vergangenen Jahre erfolgten Verschmelzung ber beiden hiesigen Sparkassen, bei Gastwirt Sommerlab ihre erste Generalversammlung ab. Der Aufsichtsrats-Vor- sitzende Albert Ranft gebachte zunächst ber im Laufe bes Jahres verstorbenen Mitglieber, insbe- fonbere bes Kreisbauernführers Dörrschuck. Direktor Linbenstruth erstattete sodann den Geschäftsbericht, dem zu entnehmen war, daß sich die Kasse seit der Verschmelzung gut entwickelt hat. Die Kasse zählt 351 Mitglieder. Der Umsatz betrug im verflossenen Geschäftsjahr 1314 255 Mark. Die Spareinlagen beliefen sich auf 356 389 Mark. An Darlehen wurden 291 209 Mark gegeben, an neuen Sparbüchern wurden 325 ausgegeben. Die der Kasse angegliederte Schulsparkasse hat sich gut entwickelt. Im Anschluß an diesen Bericht gab Rechner Stein die Gewinn- und Verlustrechnung bekannt. Dann wurde über die Verwendung des Reingewinns beschlossen. Für jeden Geschäftsanteil sollen 6 Mark ausbezahlt werden; je 50 Mark werden dem Winterhilfswerk und dem Wehrdank überwiesen. Der Rest soll dem Reservefonds zugeschrieben werden. Diese Vorschläge wurden gutgeheißen. Vorstand unb mtsrat würben entlastet. In der üblichen Weise ie Versammlung ihren Abschluß. * Ettingshausen, 9. April. Im „(Siebener Anzeiger" war vor einigen Tagen auch der Name des Pfarrer von Bodelschwingh erwähnt, der durch die Gründung der Anstalt Bethel bei Bielefeld in aller Welt bekannt ist. Wie hierbei gesagt wurde, war von Bodelschwingh um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Pfarrer in Varis, wo er eine deutsch-evangelische Gemeinde sammelte. Auch aus unserer Gegend hatte sich damals eine große Anzahl Hessen in Paris ansässig gemacht, wo sie ihrem Erwerb als Straßenkehrer nachgingen. Sie waren bei den ärmlichen Einkommensverhältnissen damals zur Auswanderung gezwungen. So waren auch aus den heute blühenden Gemeinden Ettingshausen und Hattenrod etwa ein Dutzend Einwohner mit ihren Familien nach Paris gezogen. Ihre Häuser standen unbewohnt im Heimatdorf, meistens waren sogar die Fenster mit Brettern vernagelt. Kehrten die Auswanderer später mit ihren Ersparnissen zurück, so vergrößerten sie ihren Grundbesitz unb hatten bessere Lebensmöglichkeiten. Die Chronik der Pfarrei erzählt, wie von Bobelfchwingh nach seiner Rückkehr nach Deutschland auch seine früheren Pfarrkinder in unserer Gemeinde besucht hat, gewiß ein rührendes Zeugnis für bie Treue bes großen Bahnbrechers ber Inneren Mission. Kreis Friedberg. Z Münzenberg, 9. April. In unseren beiben (Bemeinben (Münzenberg unb Trais-Münzenberg) lief in ben beiben Kirchen ber Film der Inneren Mission in Nassau-Hessen: Segen s s p u r e n der Liebe", der mit den erklärenden Worten des Diakons Hagebölling- Darmstadt einen tiefen, lebendigen Einblick in die Liebestätigkeit der Inneren Mission gab, die getragen wird von den lebendigen evangelischen Gemeinden und Christen in Nassau-Hessen. Im besonderen interessierte die schauende Gemeinde das Werk christlicher Liebestätigkeit in dem Gebiet unseres engeren Hessenlandes, z. B. Rettungshaus Arnsburg, Glauberg, in Nieder-Erlenbach, die Häuser in Bad-Nauheim unb Gießen unb vor allem bas große, auch von unseren Gaben mitgetragene Dia- konissenhaus Elisabethenstist in Darrnstabt unb bie Nieber - Rarnstäbter Anstalten. Immer wieber konnte man bekannte Persönlichkeiten im Werke ber christlichen Liebestätigkeit auf ber Leinwanb mitten in ihrer Arbeit, so wie sie stehen unb gehen, erblicken. In beiben (Bemeinben sprach ber Orts- Pfarrer ein grunbsätzliches Wort, von ber Bibel ausgehenb, unb fangen die Versammelten die die einzelnen Teile des Filmes verbindenden Lieder. Der Besuch in Trais-Münzenberg betrug 125 Personen, das ist beinahe die Hälfte der ganzen Gemeinde, in Münzenberg 133 Personen, das ist ein Siebtel der ganzen Gemeinde. Der Ertrag war in Münzenberg 28, in Trais-Münzenberg 27 Mark, zusammen 55 Mark. Kreis Schotten. y Schotten, 9. Apris. Die NS.-Gemeinschast „Kraft durch Freude" bereitete am Samstag der Bevölkerung von Schotten und Umgebung einen besonderen Genuß durch die Veranstaltung eines Militärkonzerts, das unter ber Leitung von Obermusikmeister K r a u ß e von ber Gießener Militärkapelle in ber hiesigen Turnhalle gegeben würbe. Wie sehr biese Veranstaltung bas Interesse in Stabt unb Land geweckt hatte, geht daraus hervor, daß die große Turnhalle dicht besetzt war. Im ersten Teil des Konzerts wurde gute Streichmusik geboten, der zweite Teil der abwechslungsreichen Vortragsfolge brachte Blasmusik. Besonders begeisterte Aufnahme fanden die Märsche für Fanfaren unb Kesselpauken, ferner bie historischen Märsche vom Mittelalter bis zur Neuzeit. Aber auch bie hervorragenbe klassische Musik fanb bei ben Zuhörern eine sehr bankbare Aufnahme. Das Gießener Musikkorps unb sein Leiter, Obermusikmeister, Krauße, wie auch bie Veranstalter können ben prächtigen Konzertabenb als einen vollen Erfolg verbuchen. □ Laubach, 9. April. Die Schüler unb Schülerinnen ber Realschule versammelten sich mit i^ren Eltern unb Lehrern, sowie einigen Freunden der Schule in der Aula, um durch eine Feier das zurückgelegte Schuljahr würdig zu beschließen. Ein Schulchor eröffnete ben Abenb mit bem Gesang: „Deutschlanb, o heiliger Nanze". Der Leiter ber Realschule, Studienrat Hainz, begrüßte die Besucher mit herzlichen Worten unb sprach bann über die zeitgemäße Entwicklung unb Bebeutung ber Schule. Er führte u. a. aus, auch bie Realschule sei heute Volksschule. Ihre wichtigste Aufgabe sei die Erziehung der deutschen Jugend im nationalsozialistischen Sinne zu charaktervollen deutschen Männern und Frauen, wobei auf bie körperliche Ertüchtigung besonberer Wert gelegt werde. Um dieses hohe Ziel zu erreichen, sei bie verstänbnisvolle Zusammenarbeit von Schule, Elternhaus unb Hitlerjugenb in ber Schulgemeinde erforberlich. Die aufmerksamen Zuhörer spendeten bem Rebner lebhaften Beifall. In einer Zusam- Vottsiag -er Inneren Mission 1935. Sciö Täter Des Worts c o e Z E d c Die Innere Mission darf erwarten, daß sich am Polkstaae die evangelische Christenheit zu ihr bekennt. Das geschieht nicht allein durch die äußere Gabe, sondern auch dadurch, daß sich die Gemeinden durch den Volkstag daran erinnern lassen, daß es ihre Sache ist, um die es in der Inneren Mission geht. mensetzung von Gedichten, Sprechchören und Liedern gelobte die Jugend, danach streben zu wollen, ihren Körper, ihren Geist zu bilden, in Reinheit zu starken, geraden Männern, gesunden Frauen auszuwachsen, zu lieben und zu ehren, was deutsch heißt, freudig und mit ganzer Kraft zu dienen: Alles für ein großes und starkes Deutschland! Rach Verteilung einer Anzahl Urkunden für besondere Sportleistungen spielten Schüler der Sexta und Quinta ein Märchenspiel: „Die Heinzelmännchen" und ernteten reichen Beifall für die wohlgelungene, muntere und aufheiternde Darbietung. Vier Obertertianer wurden mit den besten Wünschen für ihr ferneres Leben entlassen. Mit den Klängen des Deutschland- und des Horst-Wessel- Liedes schloß die eindrucksvolle Feier. -+- Ober-Schmitten, 9. April. Die Belegschaft der W. u. I. Moufangschen Papierfabrik veranstaltete im Döllschen Saale einen Kameradschaftsabend, der vom schönsten Gemeinschaftsgeist und dem Gefühl der Zusammengehörigkeit getragen war. Als Ehrengäste waren Kreisleiter K r o m m und Kreiswalter der DAF. Schneidmüller, Schotten, erschienen. Mit Grußworten eröffnete der Betriebsleiter Dipl.-Jng. Fritz M o u f a n g den Abend. Er sprach dann über den Begriff der Kameradschaft und betonte unter Hinweis auf die zahlreich vertretenen Ar- beitsjubilare des Betriebes, daß es das Verdienst des derzeitigen Besitzers gewesen sei, schon immer das herzlichste und kameradschaftlichste Verhältnis zwischen Betriebsleitung, Angestellten- und Arbeiterschaft unterhalten zu haben. Die ernsten und heiteren Darbietungen des Abends, die von Angehörigen der Belegschaft durchgeführt wurden, waren größtenteils auf das Leitmotiv „P a p i e r" abgestimmt. In bunter Folge wechselten Prologe, Duette, Theateraufführungen mit Spinnstubenliedern, Musikvorträgen der Standartenkapelle und gemeinsam gesungenen Liedern. Der Madeirafahrer Hch. B ö ch e r , Ulfa, wußte anschaulich von seiner großen Fahrt zu erzählen, von all dem Schönen, Eigenartigen und Erhebenden, was ihm eine fremde Welt gezeigt hat. So verliefen die Abendstunden in Heiterkeit und bester Kameradschaftlichkeit; anschließender Tanz hielt alt und jung noch lange beisammen. kreis Alsfeld. N. Flensungen, 9. April. Dieser Tage hielt die hiesige Milchabsatzgenossenschaft bei Gastwirt Hermann Reitz ihre erste Jahreshauptversammlung ab. Der Aufsichtsrats-Vorsitzende Bürgermeister Erb begrüßte die Genossen und erstattete den Bericht über das erste Geschäftsjahr, aus dem heroorging, daß die 54 Mitglieder der Genossenschaft im Jahre 1934 insgesamt 158 905 Liter Milch ab Hof und an die Molkerei Weickartshain geliefert haben. Als Gegenwert wurden rund 17 800 Mark an die Genossen ausbezahlt. Hierauf prüften Otto Hahn und Hch. Theiß V. die Kasse, die mit einem Bestand von 50,35 Mark für richtig befunden wurde. Dem Rechner Konrad H o r st wurde Entlastung erteilt. Bei der Neuwahl des Vorstandes und Aufsichtsrates schied turnusmäßig nach der Satzung je ein Vorstands- bzw. Aufsichtsratsmitglied aus, die einstimmig wiedergewählt wurden. Ortsbauernführer Otto Grün sprach hierauf über den Bau von Grünfutter- und Kartoffel- Silos, sowie über den Anschluß an eine Diehver- wertungsgenossenschaft. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Bürgermeister Erb, schloß dann in üblicher Weise die Versammlung. ♦ Ober-Ohmen, 9. April. Durch einen unglücklichen Sturz zog sich der hiesige 52jährige Landwirt Karl O t t e r b e i n II. einen Bruch des linken Ellenbogens zu und mußte sich zur ärztlichen Behandlung nach Gießen begeben. <£ Nieder-Ohrnen, 9. April. Am Samstagabend hielt die hiesige Volksschule im Ziegen- hainschen Saale einen Familienabend ab. Außer Gedicht- und Liedervorträgen spielten die Kinder zwei Theaterstücke, die von den Besuchern mit starkem Beifall ausgenommen wurden. Mit dem Lied „Ade zur guten Nacht" fand die wohlgelungene Feier ihren Abschluß. = Deckenbach, 9. April. Die hiesige Schule veranstaltete unter Leitung ihres Lehrers Reinhard im Saale von Friedrich Haupt einen Elternabend, der sehr gut besucht war. Von den Schülern wurden Märchenspiele aufgeführt, die von Volksliedern umrahmt wurden. Die Konfirmanden sagten schöne Gedichte auf, dann schilderten die Schüler den Leidensweg des deutschen Volkes vom Versailler Diktat bis zum Zeitpunkt der Machtübernahme durch den Führer. Der Lehrer hielt anschließend einen kurzen Vortrag über die Schule als Heimatschule. Den Konfirmanden wurden gute Lehren auf den Weg gegeben. Pfarrer Wolf gab seiner Freude über die Schüler Ausdruck. Mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer und mit dem gemeinsamen Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes wurde die Veranstaltung geschlossen. st. Kirtorf, 9. April. Im hiesigen M ä n n e r- gesangverein „Liederkranz" fand im Auftrage des Hessischen Sängerbundes eine Sängerehrung statt. Den Vereinsmitgliedern Ludwig Sattler und Johannes Kasper wurde für 40jährige Mitgliedschaft als aktive Sänger die Ehrennadel des Sängerbundes verliehen, der Chorleiter, Lehrer Erdmann, erhielt für 25jährige Tätigkeit als Dirigent die Ehrennadel und wurde gleichzeitig zum Ehrenchormeister des Hessischen Sängerbundes ernannt. Die Auszeichnungen wurden von dem Vereinsleiter Wilhelm Lather im Namen des Gau- und Kreisvorstandes des Hessischen Sängerbundes mit einer Ansprache überreicht. Die Auszeichnungen wurden von den verdienstvollen Dienern des deutschen Liedes mit herzlichem Dank entgegengenommen. Preußen. Kreis Wehlar. (D Krofdorf-Gleiberg, 9. April. Unsere Schule hatte zu einer Ausstellung von Handarbeiten der Schülerinnen vom 3. bis 8. Schuljahr im Schulgebäude an der Glei- berger Straße eingeladen. Die übersichtlich geordnete Schau der im Laufe eines Jahres gestrickten, genähten und gehäkelten Distge, von dem einfachen Strumpf bis zur schwierigsten Handarbeit an Kissen und Decken, ließ Sorgfalt und Sauberkeit der Ausführung erkennen. Das Gestalten und Schmücken nach eigenen Gedanken und eigenem Geschmack gab der Ausstelluna eine Vielfältigkeit, die lobende Anerkennung fand. Die Gesamtschau hinterließ den Eindruck, daß unter der bewährten Leitung der Handarbeitslehrerin Frau Kuhl in bester Weise den Mädchen das Rüstzeug für ihren späteren Beruf als Hausfrau und Mutter vermittelt wird. (D Gleiberg, 9. April. Im Kaisersaal unserer Burg fand am Sonntag ein schöner Volksmusik-Abend statt, der dem Gedächtnis des 250. Geburtstages von Georg Friedrich Händel und Johann Sebastian Bach gewidmet war. In uneigennütziger Weise hatte sich das Orchester der Gleiberger Musikkapelle unter Leitung von Musiklehrer Leib- Launsbach in den Dienst der guten Sache gestellt, und es fand mit seinen Darbietungen ein aufmerksames und dankbares Publikum. Da die Veranstaltung im Rahmen der N S. - K u l- turgemeinde abgehalten wurde, gab Lehrer Praß einleitend Aufschluß über die Bestrebungen dieser Gemeinschaft, die durch Musik, Lied, Film, Vortragswesen, Theater usw. den Volksgenossen die Werte deutschen Kulturgutes vermitteln will. Ausgehend von einem Ueberblick über die Entwicklung menschlichen Geistesfluges von den Urbewohnern unserer Heimat an bis zur Gegenwart gipfelten die Ausführungen in der Erkenntnis, daß gerade das deutsche Volk auf allen Gebieten große Männer hervorgebracht hat, deren Werke und Leistungen uns Anstoß geben können, unserem Leben einen höheren Wert zu verleihen. Werke der verschiedensten Formen von Händel und Bach, dazu Lieder von Letzterem, von Frau Mia Gerlach - Krofdorf in bester Weise gesungen, gaben Zeugnis von dem vielfältigen Schaffen dieser Meister. Eine dankbare Abrundung und Bereicherung des Abends bildeten die von Lehrer Praß gegebenen Lebensbilder beider großer Musiker. -Lützellinden, 9. April. Der Gemeinde- r a t beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Beratung des Haushaltsplanes für das Rechnungsjahr 1935. Gemeindeschulze Engel erläuterte den Plan, der in Einnahme und Ausgabe auf 72 298 Mark festgestellt wurde. Die Sätze für die Gemeindesteuern wurden wie folgt festgesetzt: Grundvermögenssteuer I und II 250 Prozent, Gewerbeertrags- und Gewerbekapitalsteuer 250 Prozent. An Bürgeresteuer sollen 100 Prozent des Reichssatzes zur Erhebung kommen. An größeren Arbeiten sind im neuen Rechnungsjahr folgende vorgesehen: Instandsetzung des Schulhofes, sowie die Umdeckung des Pfarrhausdaches. Für sämtliche Arbeiten sind Mittel in den Etat eingestellt worden. Die Zahl der Wohlfahrtserwerbslosen ist durch die allgemeine Wirtschaftsbelebung erfreulicherweise zurückgegangen, so daß ein bedeutend niedrigerer Betrag als im Vorjahre in den Etat eingestellt werden konnte. Nachdem noch verschiedene Fragen ihre Erledigung fanden, schloß Gemeindeschulze Engel mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer die Sitzung. — Bei der durch den BdM. vorgenommenen Eiersammlung wurden 266 Eier gegeben. Die Reichssammlung durch die Gemeindevertretung erbrachte 68 Mark. Die Sammlung en für das Winterhilfswerk 1934/35 ergaben hier insgesamt 296 Zentner Kartoffeln, 33 Zentner Roggen, 110 Pfund Mehl, 130 Brote, 266 Eier, sowie den Betrag von 1067,50 Mark. Kreis Viedenkops. § Gladenbach, 9. April. In eine hiesige G e • flügelfarm drang in einem unbewachten Augenblick ein seinem Besitzer entlaufener Hund ein und tötete 20 Hühner, die der Landwirtschaftskammer Wiesbaden gehörten und zu Versuchs» zwecken dienten. Der mordlustige Köter konnte eingefangen werden. Kunst und Wissenschaft. „Deutsches ThÄiler Hinterm Stacheldraht." — Eine interessante Theaterausstellung in Darmstadt. In der Festwoche des Hessischen Landestheaters Darmstadt wird eine Ausstellung von besonderer Bedeutung eröffnet werden. Generalintendant Eoerth hat den Leiter des „Zentralarchivs für Kriegstheater", den Kölner Theaterwissenschaftler Universitäts-Professor Dr. Carl Nießen, dazu gewonnen, zum erstenmal seine reichen Bestände zum Theater der deutschen Kriegsgefangenen der Oeffentlichkeit zu zeigen. Die seltenen Dokumente, die über den Kriegsschluß hinweg von der Tätigkeit Kriegsgefangenenlager-Bühnen in die Heimat gerettet werden konnten, wurden von dem Kölner 'Zentralarchiv gesammelt. Es ist von Dr. Hermann P ö r z g e n - Frankfurt begründet, der selbst am Ausbau der ersten großen Ausstellung seines Materials in Darmstadt teilnehmen wird. Die Ausstellung dürfte nicht nur theatergeschichtlich, sondern ganz allgemein Interesse erregen und besonders die alten Soldaten und die ehemaligen Kriegsgefangenen anziehen. Furtwängler bei Rosenberg. Der Beauftragte des Führers für die gesamte geistige Erziehung der Bewegung, Reichsleiter Alfred Rosenberg, empfing am Dienstag Staatsrat Dr. Dr. Furtwängler und besprach mit ihm Fragen der deutschen Kunst und Kultur. Wetterbericht des Reichswetterdienstes Ausgabeort Frankfurt. Bei England hat sich ein mächtiger Sturm entwickelt, der zunächst die Zufuhr feuchtwarmer Tropikluft nach Deutschland verstärkt hat. Dabei kam es am Dienstag wieder zu recht ergiebigen Niederschlägen, doch hat sich in der Nacht zum Mittwoch mit absteigender Luftbewegung stärkere Aufheiterung durchgesetzt. Voraussichtlich wird ein Einbruch etwas kältere Ozeanluft noch im Laufe des Mittwoch Verschlechterung mit teilweise gewit- terhaften Niederschlägen bringen, doch ist anzunehmen, daß die Entwicklung dieses Sturmwirbels. den Abschluß der Schlechtwetterperiode bedeutet. Aussichten für Donnerstag: Teilweise gewitterhaste Niederschläge, erneute Witterungsbesserung, bei lebhaften südwestlichen bis westlichen Winden etwas besser. Aussichten für Freitag: Im ganzen freundlich und tagsüber warm, wenn auch nicht durchaus beständiges Wetter. Lufttemperaturen am 9. April: mittags 16,2 Grad Celsius, abends 14,1 Grad; am 10. April: morgens 13 Grad. Maximum 16,8 Grad, Minimum 5 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. April: abends 8,9 Grad; am 10. April: morgens 8,6 Grad. — Niederschläge 5,2 mm. — Sonnenscheindauer 0,8 Stunden. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinden. Mittwoch, den 10. April. Gießen. Stadlkirche. 18 Uhr: 6. Passionsandacht; Pfr. Becker. Donnerstag, den 11. April. Gießen. Kapelle des Alten Friedhofs. 20.15 Uhr: Passionsandacht; Pfr. Anthes. Freitag, den 12. April. Gießen. Petruskapelle. 20 Uhr: Passionsandacht; Pfr. Ausfeld. Ein neuer Teppich — z u Ostern verleiht Ihrem Heim neue Behaglichkeit und gibt Ihnen doppelte Festesfreude. - Sie finden größte Auswahl und sorgfältigste Bedienung bei 2098 A Zur Frühjahrsaussaat empfehle preiswert in bekannter, zuverlässiger Qualität: Ackerbohnen, norddeutsche / Saaterbsen Saatwicken / Saathafer / Saatgerste; Rotklee, inländischer und Siebenbürger; Luzerne, deutsche und provencer; Gelb-, Weih- und Schwedenklee; , Incarnatklee zur Zwischensaat; Grassamen in Sorten und Mischungen für Zier- und Nutzzwecke; Runkelrüben, bewährte Sorten in Hochzucht und Originalsaat; Ferner: Alle Blumen- und Gemüsesamen; Dahlien verschiedener Klassen; Knollen-Begonien; Gladiolen usw.; Saat-Kartoffeln, frühe und späte Sorten in Hochzucht und anerkannter Saat; Gartenbedarfsartikel aller Art Samenhaus Heinrich Hahn Bahnhofstrabe ✓ Ecke Wolkengasse Telephon 3403 2029A GIESSEN SELTERSWEG 81 JNHABER: CARL HEINZ SCHLi / len l0^eaus%^em ^en.. M Flotter 7.9o ZJ 8™T,mier' , Mantel ir/ iedefO' hmir Rra <0.7 ® CJ o-en, diseben^0’ 50 ■ SBsr.*'* Geschmackvoll Vornehm Persönlich Dleee 3 wesentlichen Eigenschaften der guten Familien-Drucksache bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Aue- fUhrungearten schnell und zu mäßigen Preisen Brührsche Druckerei, Schulstraße 7, Anruf 2251 .If das einzig. nur ^LZC-nMS artige,wirk, same Präparat zur völligen Beseitigung. RM 3.- ,3 50. Probetube I.6O. Gegen Pickel, Mitesser Venus Stärke A — Ärztlich empfohlen. Drogeri eWinterhoff, Kreuzpl. 9/10 llllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllll Hergesol- Parkettwunder reinigt ohne Mühe schnell und gründlich Parkett, Linoleumböden, Treppen usw. — bleicht Srau gewordene Böden und gibt em Holz seine Naturfarbe wieder. Hergesol spart Zeit und Geld. Große Flasche Mk. —.70. In Kannen Mk. —.85 das Liter. Med.-Drogerie HERMANN ELGES Seltersweg 68a. 2103A lllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllillllllll Vogtsche Privat-Handelsschulen Gießen / Herborn Einjährige Höhere Handelsschule für Schöler mit Obersekunda- und Prima-Reife, Schulgeld RM 19.— keine Nebengebühren. Zweijährige Handelsschule für Schulentlassene m. 8|ähr. Schulbildung. Ziel: Mittlere Reife (früher Einjähr.-Exam. genannt). Für Mädchen auch Kochen und Nähen. Schulgeld RM 17.—, keine Neben- gebühren. Ein- u. halbjährige Handelsfachschule Schulgeld RM19.-, keine Nebengebühren. Abendkurse für Berufstätige i.Masdtinenschreiben.Steno- praphie und allen Handelsfächern. Anmeldungen für das neue Schuljahr und Auskünfte in Gießen jederzeit im .Schul- Bebäude Goethestr. 32, in erborn v. 8-13 Uhr im Schulgebäude Schlageterstr. 11. Gardinenstoffe wie Stores am Stück, Voll- Voiles, Schwedenstreifen, Spannstoffe, Landhaus- Gardinen usw. führen wir in einer sehr großen Auswahl und verkaufen auch diese Artikel zu unsren bekannt niedrigen Preisen Stoffspezialhaus Bernard&Sohn Gießen, Plockstraße 14-16 Tanz- unterricht in Kursen u. Einzelstunden erteilt zu jed. Tageszeit [1991D Tanzschule Bäulke Wolfstraße 31 Telephon 3835. TORPEDO nur RM. 188. — schon für 489a 7.90 monntlich Alleinverkauf Niederhausen & Co. Bahnhofstraße 6e6enöb.Hotel Schütz Nachlässe von 3 bis 20 v. s. erhalten Sie bei wiederholien Auf« nahmen einer Anzeige Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlagserzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damit durch erweitertes Wissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. - Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher“ Hugo Bermühler Verlag - Berlin-Lichterfelde IAstoria-Lichtspiele | Heute Mittwoch, zum letztenmal B der herrliche Harry ■ Piel - Film; B Artisten! I Ab Donnerstag bis Sonntag I Gustav Fröhlich, Camilla Horn I in dem Europa-Film Rund um eine Million Ein Film, dessen bunter Wirbel und rasendes Tempo, dessen Humor Sie niemals zu Atem und aus dem Lachen kommen läßt. 2iosA Ferner: Beiprogramm und Ufa-Ton-Woche! Rr.85 viertes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefjen)Mittwoch, (0. April (935 S.Ä.-’SpOTt Keine Karten mehr für Deutschland —Spanien! Die zuständige Stelle des Deutschen Fußball- Bundes in Köln gibt bekannt, daß jede weitere Anforderung von Karten, gleich welcher Art, nutzlos ist und mit Rücksicht auf die zu bewältigenden Arbeiten unterbleiben muß. Auch ist es zwecklos, telephonisch oder telegraphisch oder durch persönlichen Besuch zu glauben, noch eine Karte bekommen zu können. Rückfragen von Vereinen oder sonstigen Bestellern, ob sie bedient würden und wann, sind ebenfalls zwecklos und wirken nur störend. Die Stadionver- waltung ist seit zwei Tagen damit beschäftigt, alle vorbestellten Karten, soweit die Vorbestellungen erfüllbar waren, zu versenden. Die Anforderungen von Reisegesellschaften aller Art konnten ebenfalls nicht erfüllt werden, weil die Anforderungen der Vundesvereine das Fassungsvermögen bei weitem überschritten. Spielvereinigung 1900 Gießen. 1900 I besiegt nach schwerem Kampf Watzenborn- Steinberg I 2:0 (2:0). Im Ernst hätte ja niemand daran gedacht, daß bei diesem Wetter und diesen Platzoerhaltnissen das Pokalspiel der Zwischenrunde zum Austrag kommen würde. Ein Fußballspiel konnte man diese Begegnung deshalb auch gar nicht nennen. An eine Beherrschung des Leders und an eine Ballkontrolle war nicht zu denken. Die Spieler hatten ihre liebe Mühe und Not, ihren eigenen Körper in der Gewalt zu behalten, und es dürfte wohl jeder froh gewesen sein, als das Treffen zu Ende war. Steinbergs Teutonen, nicht in stärkster Aufstellung, legten gleich frisch los, denn für ihre Spielweise waren die Bodenverhältnisse immer noch nicht so hemmend. Die Blauweißen dagegen kamen nur sehr schwer ins Spiel, da sich das flache Ballführen, verbunden mit zu langem Ballhalten, und immer wieder dem Versuch zu umspielen, nur sehr nachteilig auswirkten. Kombinationsmannschaften müssen sich bei solchen Platzverhältnissen einfach umstellen, und das können die Gießener anscheinend nicht. An diesem Problem scheiterte auch der so sichere Gewinn der Meisterschaft. 1900 Gießen war mit Schmidt; Zeiler, Lippert; Mank, Heilmann, Heinbach; Wilhelmi, Langsdorf, Schmelz, Hammer und Kaps nach Steinberg gefahren und hatte damit begründete Hoffnungen auf einen Sieg. Er trat auch ein, aber nicht in der Weife, wie man sich diesen erhoffte, denn er kam einzig und allein auf das Konto der ganz überragenden Hintermanschaft. Die Blauweißen waren in der ersten Spielhälfte groß überlegen. Der unbeholfene Angriff wertete diese Ueberlegenheit aber nicht in genügend Treffern aus, wozu beste Gelegenheit vorhanden war. Mit einem Nachschuß erhielte Heilmann die Führung für 1900. Kaps ließ dann endlich Nr. 2 folgen. Ein weiteres sicheres Tor verhinderte einer der Gastgeber durch Handabwehr. Den scharf geschossenen Elfmeter jagte Mank an den Pfosten, wodurch diese Chance vergeben wurde. Und da weiterhin nichts mehr erzielt wurde, ging man mit 2:0 für Gießen in die Pause. Nach Wiederbeginn hatte der Gießener Angriff das bessere Spielfeld, während es jetzt die Abwehr außerordentlich schwer hatte, denn in ihrem Bereich war der Boden grundlos geworden. Der Sturm der Blauweißen hatte auch jetzt noch eine ganze Anzahl günstige Gelegenheiten, man gewann aber immer mehr den Eindruck, daß es hier mit dem Durchhalten der Kräfte nicht mehr so ganz stimmte, und daß auch nicht immer der nötige Energieaufwand gemacht wurde, um mit Entschlossenheit die Chance wahrzunehmen. Anders dagegen der Gastgeber. Er spielte unbekümmert weiter, gestaltete zeitweise durch seine wuchtigen Bergab-Angriffe, mächtig unterstützt durch das Publikum, das Spiel überlegen, ohne es bei der glänzenden Gießener Hintermannschaft zu Erfolgen bringen zu können. Einmal stand auch den Gießenern das Glück bei, als nach einigen verschuldeten Ecken eine derselben von Freund und Feind verfehlt mitten vor das 19OOer-Tor kam. Ein schneller Torschuß prallte aber vom Posten zurück und die Gefahr wurde von Heinbach endgültig beseitigt. Einige Minuten später war der Kampf aus, nachdem auch Schmelz auf der anderen Seite die Latte getroffen, Kaps nur um Zentimeter knapp daneben und Mank, der infolge einer erlittenen Verletzung in den Sturm gewechselt war, dreimal in aussichtsreicher Stellung darüber geschossen hatte. Die Gießener waren besser besetzt, so daß der Sieg in der erzielten Höhe nicht unverdient ist. Die besten Leute waren Lippert, Heinbach und Zeiler. Schmidt im Tor war sehr aufmerksam. In der Steinberger Elf war ein überragender Mann, der Mittelläufer Lang. In Aufbau und Abwehr gleich gut. Er war überall wo Gefahr drohte. Gut gefallen konnte auch der Torhüter, der für das knappe Resultat in erster Linie verantwortlich zeichnete. Für den verhinderten Schiedsrichter D e i ß (Nauborn) pfiff Schiedsrichter Miller (Wetzlar) zwar nicht fehlerfrei, trotzdem konnte man mit Nachdem nun auch die Landemeldung von „Ballon Köln (Führer Geusgen), der bei Wloowaleck in der Nähe von Warschau gelandet ist und die des Ballons „Nürnberg" (Führer Frank), dessen Landung bei Posen-Zabno erfolgte, vorliegt, wird seiner Leistung zufrieden sein. Das Spiel verlief recht fair. Der Besuch war sehr schlecht. Das vor dem Ligaspiel vorgesehene Jugendspiel zwischen beiden Vereinen kam wegen den Witte- rungs- und Bodenverhältnissen nicht zum Austrag. Kußballabteilung des Tv. LaunSbach. Am Sonntag trafen sich auf dem Sportplatz in Launsbach die 1. Mannschaft von Launsbach (II. Kreisklaffe) und die 1. von Krofdorf (I. Kreisklasse). Das Spiel endete mit einem knappen 5:4° Sieg der Platzbesitzer. Im Spielverlauf kamen die Gäste zunächst durch mehrere grobe Schnitzer des Launsbacher Tormannes zu vier Erfolgen, durch die sich die Launsbacher jedoch nicht entmutigen ließen. In der Folge konnten die Gastgeber den Kampf sogar überlegen für sich gestalten. Beim Stande von 4:2 für Krofdorf wurden die Seiten gewechselt. In der zweiten Halbzeit bestimmte Launsbach auch weiterhin die Kampshandlung und konnte sich einen verdienten Sieg sichern. Empfang der Adler-Rekordfahrer im Adler-Werk. Die Fahrer des Adler-Trumpf-Junior-Wagens, der auf der Avus dreizehn internationale Klassenrekorde aufgestellt hat, Haase und Schweder, wurden am Dienstagnachmittag bei ihrer Rückkehr nach Frankfurt von der gesamten Belegschaft der Adler- Werke in feierlicher Weise empfangen. Im Anschluß an einen Betriebsappell zur Vertrauensratswahl ehrte Ritter von Georg von den Adler-Werken die beiden Fahrer und die gesamte Belegschaft, von der ein jeder das Seine zum Gelingen der Rekordfahrt beigetragen habe. Reichsstatthalter Gauleiter an die Festellung des Siegers der Deutschen Freiballon - Meisterschaft gegangen. Wahrscheinlich wird dies „Chemnitz 8" (Führer Bertram) mit 1034 Km. vor „Wilhelm Opel" (Führer D e k u-Darmstadt) mit etwa 1000 Km. sein. M Scherl-Bildmaterndlenst Nachdem der erste geplante Start der Wettbewerbs-Ballone um die Deutsche Meisterschaft am 17. Februar infolge eines nächtlichen Orkans unmöglich geworden war, ging jetzt am vergangenen Sonntag der Start in Darmstadt reibungslos vor sich. Im Namen des Reichsluftfahrtministeriums gflb Reichsstatthalter Sprenget das Startkommanoo. — Auf unserem Bilde sieht man eine Anzahl der Ballone, die an der Wettfahrt teilnahmen. Ballon „Chemnitz 8" voraussichtlich Sieger. Sprenger, zahlreiche Vertreter der Behörden, der SA. und SS. sowie die Presse wohnten der Feier bei. Oer Sieger im Hindenburg-Gepäckmarsch. ^Wl Sä AW g Scherl-Bildmaterndienst Zum drittenmal führte der SC. Komet in Berlin deni Hindenburg-Gepäckmarsch durch, der über 35 Kilometer ging, und an dem bei starker Beteiligung aus dem Reiche falt 1000 Mann teilnahmen. Sieger wurde Stack (Reichsbahn Berlin), der mit 4:05,09 Stunden das Ziel erreichte und den Ehrenpreis des Führers und Reichskanzlers erhielt. Kurze Sportnotizen. Dr. Bäumens (Köln) und der italienische Schiedsrichter Barlassina stehen als Spielleiter für das am Sonntag in Prag stattfindende Länderspiel Tschechoslowakei — Oesterreich in engerer Wahl. Der Polnische Ruderverband hat eine Beteiligung an den Regatten in Breslau (23. Juni), Königsberg (1. Juli) und an den Ruder-Europa-Meisterschaften in Berlin beschlossen. Bayerns Fußballmeister, die Spielvg. Fürth, ist von der Prager Slavia zu einem Freundschaftsspiele in der tschechischen Hauptstadt eingeladen worden. Die Fürther werden der Einladung Folge leisten. Die Uebungsfolge für den am 28. April in Budapest statfindenden Kunstturn-Länderkampf zwischen Deutschland und Ungarn wurde jetzt festgelegt. Geturnt wird an Barren, Querpferd, Längspferd, am Reck und an den Ringen und dazu kommt eine Freiübung. Die Wertung erfolgt als Einzel- und Mannschaftskampf. 60 Jahre besteht in diesem Jahre der Deutsche Turnverein in Mexiko. Reichssportführer und DT.-Führer von Tschammer und Osten und der Leiter des Volksbundes für das Deutschtum im Ausland haben Glückwunschschreiben gesandt. wer Sen deutschen Lustsport fördert, een HInürndurg Hilst Deutschland! Werde Mttglteü tw Deutschea Luftsport.Verbandk Die Zfflandstöchter und ihre Freier. ZRoman von J. Echneider-Foerstl. Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa. 27 Fortsetzung Nachdruck verboten! Klaudine hatte inzwischen Zeit gehabt, sich zu sammeln. „Sie selbst haben keinerlei Fühlung mit den Verwandten?" „Nein." Das hatte so abweisend geklungen, daß sie jede weitere Frage unterließ. Erst nach einer Weile meinte sie, mit einem bitteren Lächeln um den Mund: „Vielleicht ändert sich das noch einmal?" ,Laum", gab er zur Antwort. „Es ist ja möglich, daß ich einmal nach diesem Haslbach fahre und mir das Mädchen ansehe, das sich zwischen mich und meinen Bruder gedrängt hat. An einem näheren Verkehr habe ich kein Interesse.--Warum sehen Sie mich denn so erschrocken an?" Und als Klaudine nichts erwiderte, strich er flüchtig über ihre Hand. „Sie müssen mich begreifen. Wenn man so viele Jahre ein Einzelgänger gewesen ist, findet man den Anschluß nicht mehr so recht. Will ihn schließlich auch gar nicht mehr finden. Ich habe Bob gehabt und war zufrieden. Und nun soll ich, dieser Familie Jffland zuliebe, wieder zurück in die Gemeinschaft. Ich werde eine Schwägerin bekommen, und diese Schwägerin hat wiederum Geschwister." „Vielleicht sind diese Jfflands besser, als Sie denken, Herr Pöttmes." Der Ton, der in ihrer Stimme mitschwang, ließ ihn verwundert aufsehen. „Ich hoffe es fogar", sagte er mit einem Anflug von Spott. „Vielleicht kommen Sie mit nach Haslbach Klaudine, dann können Sie gleich selber sehen." In diesem Augenblick rief Bob flehentlich: „Ich weiß ja nicht, was jetzt werden soll! Ich muß zu studieren aufhören. Begreif' mich doch, Luzie, ich kann doch nicht zu Niels kommen und ihn bitten, daß er mich ourchhält!" Klaudine beobachtete Niels' Gesicht, wie jeder Nerv darin angespannt war, um nichts zu überhören. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen. Wenn Bob ihren Namen nur einmal erwähnte, war sie entlarvt. Aber dessen Mund schwieg schon wieder. Sie stand auf und tupfte dem Fiebernden die Schweißtropfen von der Stirn, neigte sich herab und küßte ihn auf die Lider. „Vielleicht lassen Sie das Mädchen doch kommen, Herr Pöttmes; er tut mir jo unendlich leid." Ohne etwas zu erwidern, erhob sich Niels. Die Schwester trat ein und richtete Verschiedenes für die Nacht zurecht. Gegen ein Uhr pflegte der Chefarzt noch einmal die Runde bei den Schwerkranken zu machen. Niels strich abschiednehmend über Bobs unruhige Hände. Klaudine legte ihre Finger für eine Sekunde auf dessen heiße Wange und konnte trotz aller Selbstbeherrschung nicht verhindern, daß ihr wieder die Tränen kamen. Als sie auf den Korridor traten, ergriff Niels ihren Arm und neigte sich an ihr Ohr: „Ist das nicht eigentümlich? Sie selbst haben niemand, der Ihnen nahesteht, und nun legt Ihnen das Schicksal gleich zwei fremde Menschen ans Herz, damit Sie der eigentlichen Bestimmung des Weibes nicht entgehen: Liebe zu geben und Leid tragen zu helfen. — Bereuen Sie?" fragte er zögernd. „Nein!" „Ich danke Ihnen, Klaudine." Mit großer Behutsamkeit half er ihr in den Wagen, der sie unten am Portal erwartete. Es war Niels nicht möglich, einzuschlafen. Immer wieder mußte er Bobs Fieberworten nachgrübeln. „Ich kann doch nicht zu Niels kommen und ihn bitten, daß er mich durchhält?" Je länger er darüber nachdachte, desto klarer wurde es ihm, daß hier der eigentliche Grund zu Bobs Handeln lag; sowohl bei Aufgabe seiner Wohnung in der Nähe der Sorbonne, als auch bei diesem Selbstmordversuch. Zweifellos, es drehte sich um Geld. Entweder hielt ihn Henriette so knapp, oder — für dieses „Oder" fand er allerdings keine Erklärung mehr. Blieb nur noch die Möglichkeit, sich Gewißheit zu holen. Und diese Gewißyeit vermochte er sich nur bei Henriette zu verschaffen. — Bobs Befinden war in den kommenden Tagen ziemlich zufriedenstellend. Klaudines Anwesenheit schien sich äußerst günstig auf seinen Zustand auszuwirken. Auf Niels Frage an den Chefarzt, ob er es wagen könne, für ein paar Tage zu verreisen, antwortete dieser mit einem überzeugten „Ja". Auch Bob hatte nichts dagegen, als er ihm davon Mitteilung machte, daß er für ein paar Tage nach England fahren werde. Er begriff, daß der Bruder nicht immer an feinem Bette fitzen konnte. Und er war ja nicht allein. Er hatte ja Klaudine. Sie lächelte tröstend, als Niels ihr die Sorge um den Bruder übertrug. „Sie können ganz beruhigt sein", sagte sie gütig. „Bei der geringsten Veränderung seines Befindens depeschiere ich Ihnen. Sie brauchen mir nur anzugeben, wohin." „Wohin — hm, das ist es eben", meinte er ein wenig verlegen. >,Jch ^nn mich nämlich nicht lange an ein und demselben Ort aufhalten. Da besteht die Möglichkeit, daß mich eine Depesche Überhaupt nicht erreicht. Ich hoffe aber, daß eine solche Nachricht gar nicht nötig werden wird. Oder sind Sie anderer Meinung?" „Durchaus nicht!" beruhigte Klaudine ihn. „Ich finde Bob schon viel, viel besser, als in all den Tagen vorher. Reisen Sie also ganz unbesorgt." * Und Niels reiste.--Aber nicht nach England, wie er vorgegeben hatte, sondern — nach Hasl- bach. — Man hatte mitten im Januar im Park von Haslbach Primeln gepflückt. Dafür schneite es jetzt, da es dem Winterende zuging, ohne Unterlaß. Zweimal täglich mußte der große Schneepflug verkehren, um die Wege freizumachen. Die Luft war erfüllt von dem leisen Klingen des Frostes, der den großen Weiher mit einer dicken Eisdecke umpanzert hatte. Lawinenartig donnerten die Schneemassen von den Dächern herab und schufen Mauern und Hindernisse, daß man nicht Hände genug fand, sie wieder zu beseitigen. Henriette hatte sich ein wenig erkältet und wurde von Luzie mit Fliedertee und Eukalyptus- tropfen kuriert. Sie waren beide sehr ärgerlich auf Bob gewesen, weil er so lange nichts mehr von sich hatte hören lassen. Nun, da Klaudine geschrieben, daß er sich bei einem Sprung den rechten Arm gebrochen hatte, wußte man wenigstens, was los war. Da konnte der Aermste freilich nicht schreiben! Dafür schrieb Henriette und wunderte sich über sich selbst, wie man zehn Seiten, fertigbringen konnte, wo sich doch nichts, aber auch gar nichts auf Haslbach ereignete, was des Erwähnens wert gewesen wäre. Für den Vormittag hatte man den Arzt erwartet, weil der Husten sich trotz aller Tees und Tropfen nicht bessern wollte. Unten fuhr eben der Schlitten vor die Rampe. Zugleich schrillte das Telephon, und als Luzie hinzusprang, meldet sich der Sanitätsrat, der ihr mitteilte, daß er seinen Vertreter geschickt habe. Er wäre selbst erkrankt und bitte die gnädige Frau, sich dem Kollegen anvertrauen zu wollen. Er wäre äußerst zuverlässig und gewissenhaft. Luzie hatte kaum den Hörer eingehängt, als das Zimmermädchen auch schon die Tür zum Empfangsraum öffnete. Eine hochgewachsene Gestalt mit einem etwas abweisenden Gesicht, das von der Kälte gerötet war, verneigte sich vor ihr. Sie verspürte ein zwiespältiges Gefühl, das halb für, halb gegen diesen Mediziner sprach. Zugänglich war der sicher nicht. Und ob es sich mit ihm so gut plaudern ließ, wie mit dem alten Sanitätsrat, war mehr als fraglich. Versuchen konnte man's ja, und so sagte Luzie, ehe er noch zu Wort tarn, daß es ihr leid tue, ihn bei diesem Wetter nach Haslbach bemüht zu haben. „Aber Mamas Husten ist wirklich böse," erklärte sie. „Wir haben's schon mit allem möglichen versucht. Aber es hilft nichts. — Wollen Sie nicht zuerst eine Taffe Fleischbrühe haben, Herr Doktor? Oder einen Glühwein? Sie fint) sicher ganz durchfroren." „Das ist sehr liebenswürdig, gnädiges Fräulein." Die grauen Augen gingen dabei forschend über sis hin. „Ich muß Sie aber leider über einen Irrtum aufklären: Ich bin nicht Arzt." „Nicht — —?!" Luzies Mäulchen stand halb aufgesperrt. Nicht Arzt war er. Und der Sanitätsrat hatte doch eben telephoniert, daß er feinen Vertreter geschickt habe. „Ja — wer sind Sie denn sonst?" entfuhr es ihr. „Niels Pöttmes." So, wie Luzie jetzt, mochte weiland Loths Frau gestanden haben, als Gott sie zur Strafe in eine Salzsäule verwandelt hatte. Wortlos, starr, die Augen unverwandt auf Niels' Gesicht gerichtet, rang Luzie nach Fassung. „Bob--?" war das erste, das sie hervorzubringen vermochte. Niels erriet sofort. „Nein", sagte er beruhigend, „er befindet sich ziemlich wohl. Ich soll vielmals von ihm grüßen. — — Warum meinen Sie denn?" fragte er, ihre Hand in die feine nehmend. „Es ist doch alles gut. Er liegt in der Charit6 und hat außer einer Menge Kapazitäten und einer Schwester auch noch eine junge Dame um sich, die mich seinerzeit aufs treulichste gepflegt hat." Luzie war noch nicht ganz beruhigt. „Wie hat Bob denn das überhaupt gemacht?" stammelte sie. „Ich meine, daß er sich den Arm brechen konnte. Ich glaube es eigentlich nicht recht, daß es nur der Arm ist. In der letzten Nacht habe ich so fürchterlich geträumt: Er wollte sich aus dem Fenster stürzen . . ." „Genau so hatte es sich auch zugetragen", bestätigte Niels überrascht. „Und ehe ich ihn noch halten konnte--fiel er schon." „Es ist also wirklich so gewesen?" schrie sie auf. „Wirklich, leider ja, Fräulein Luzie. Bob hat sich aus dem Fenster seiner Wohnung gestürzt." Er drückte das Mädchen rasch in einen der Lederstühle und legte seine Hand beschwichtigend auf die bebende Schulter. Der junge Körper zitterte, als wäre er von einem Schüttelfrost befallen. „Warum erregen Sie sich denn so fürchterlich," bat er, „ich habe Ihnen doch gesagt, daß es ihm ordentlich geht. Der Professor gibt' alle Hoffnung. Es wird zwar noch eine Weile dauern, bis er wieder auf den Beinen ist, aber was ist das im Vergleich zu der Möglichkeit, daß er gerade so gut auch tot hätte fein können." (Fortsetzung folgt!) & arum Eierwerbewoche. Anpassung des Verbrauchs an die Schwankungen der Erzeugung. Verbrauch im Jahre 1934 nur 115 Stück je Kopf und Jahr. Noch im Jahre 1930 hatte auch der deutsche Verbrauch 136 Stück je Kopf betragen. Es muß also verhältnismäßig leicht sein, den gegenwärtigen Eierverbrauch im Inland um 10 vis 20 v. S). z u steigern. Dadurch aber würde das Ueberangebot in den Frühjahrsmonaten schon wesentlich verringert und der Markt entlastet werden. Das Hauptziel der Aufklärung muß freilich eine möglichst weitgehende Anpassung des Verbrauchs an die Schwankungen der Erzeugung und der Marktversorgung sein. Die Verbraucher sollen in Wirtschaft. Rhein-Mainische Mitiagsbörse. Befestigt. Frankfurt a. M., 9. April. Die Börse lag auf allen Gebieten freundlicher, die Glattstellungen der Spekulation scheinen beendet und durch Neuanlagen abgelöst zu sein. Publikumsaufträge sind noch gering. Immerhin regten die zahlreichen günstigen Jndustrieabschlüsse, vor allem auch der nun vorliegende IG. Farben - Bericht, für eine etwas freundlichere Haltung an. Farbenindustrie zunächst 1 v. H. erholt, später nochmals um 0,40 v. H. auf 147 befestigt, Scheideanstalt behauptet, Erdöl 0,50, Metallgesellschnft 0,25 v. H. fester. Montanwerte teilweise belebter, so Stahlverein, die 0,75 v. H. gewannen, daneben Mannesmann und Rheinstahl je 0,25, Buderus um 0,65 v. H. höher. Am Elektromarkt überwogen die Kurserholungen, es gewannen Siemens 1,75 v. H., Schuckert 0,65, Gesfürel 0,25, AEG. 0,25 v. H. Etwas lebhafter lagen heute vor allem die Nebenwerte, hier gewannen Daimler 0,50, Zement Heidelberg 1, Walohof 0,40, Westdeutsche Kaufhof 0,50, Junghans, Eßlinger-Maschinen und Deutsche Line je 0,25 v. H. Auch Schiffahrtswerte auf das Anhalten der bekannten süddeutschen Käufe wieder belebt und bis 0,50 o. H. fester. Schwächer waren noch Reichsbankanteile um 1,75, am Kunstseidemarkt AKU. auf dem gestern ermäßigten Kursstand auf 52,75 gehalten. Renten wieder ruhig und ohne wesentliche Veränderungen, Mexikaner nach der gestrigen Abschwächung wieder um 0,25 v. H. freundlicher, Schweizer Bundesbahnen in Anlehnung an die höheren Schweizer Kurse bis 7 v. H. höher taxiert. Im Freiverkehr Frankfurter Hof erneut um einige Prozent fester bis 53, Adlerwerke bei 92 gesucht, Growag 80. Im Verlaufe wurde das Geschäft sehr ruhig. Aufträge lagen nicht mehr vor, die Kulisse betätigte sich ebenfalls kaum mehr. Infolgedessen traten vereinzelte leichte Abschwächungen ein, so bei IG. Farben von 147 auf 146,65. Die freundliche Grundstimmung blieb an sich behauptet. Tagesgeld unverändert 2,50 v. H. Abendbörse gut behauptet. Die Abendbörse war zu den Berliner Schluß- kursen recht gut behauptet. Die Nichtkündigung des deutsch-schweizerischen Derrechnungsabkommens wurde günstig ausgenommen. Auch einzelne Marktgebiete waren mehr beachtet, wenn auch ohne wesentliche Kursveränderungen. Waldhof trotz der günstigen Ausführungen in der GV. wieder 116, Aschaffenburger Zellstoff 80,75. Die IG.-Farbemndiistne im Zähre 1934. ber Eterwsrbewoche dazu angeregt werden, vor allem in den Monaten, in denen das Eieranae- bot überreichlich und der Eierpreis niedrig ist, bedeutend mehr Eier zu verbrauchen, dagegen in der eierarmen Zeit den Konsum wieder einzuschränken. Eine solche vernunftgemäße Lenkung des Konsums wird die Schaffung geregelter und stabiler Eiermärkte sehr erleichtern. Die deutsche Landwirtschaft braucht stetige, aufnahmefähige Eiermärkte und möglichst stabile Eierpreise, um ihre Leistungsfähigkeit und auch ihre eigene Kaufkraft auf den Höchststand entwickeln zu können. Die Eierwoche dient also der Förderung der Nationalwirtschaft und dem Allgemeinwohl. Darum ist es nötig, daß der Appell, der durch sie an die gemeinnützige Wirtschaftsgesinnung der Verbraucher gerichtet wird, überall Verständnis und starken Widerhall findet IG.-Farben auf das eindrucksvolle Ziffernwerk etwas höher bei 147. Sonst Lahmeyer bei 122 gesucht, auch Daimler in Erwartung der baldigen Dividendenentscheidung bei 93,75 etwas lebhafter. Am Rentenmarkt waren Mexikaner in sich fest, Gold-Mexikaner 12,25, Silber-Mexikaner 5,25. Deutsche Renten gut gehalten. Im Verlauf traten keine wesentlichen Veränderungen mehr ein, lediglich Lahmeyer notierten 1 v. H. niedriger und anderseits Süddeutsche Zucker mit 168 Geld 3 v. H. höher gefragt. U. a. notierten: Altbesitzanloihe 112,05, Harpener 106, Klöckner 91,40, Mannesmann 79,75, Rhein- brau 209,50, Rheinstahl 107, Stahlverein 79,40, AKU. 52,25, Betula 136,50, Cement Heidelberg 120,25, Daimler 93,50, JG.-Farben 147, Lahmeyer 121,75, Südd. Zucker 168. Frankfurter Obst- und Gemüsemarkt. Frankfurt, 9. April. Am Gemüsemarkt war das Angebot ausreichend. Die Nachfrage war nur nach Spinat und Salat gut, sonst wenig befriedigend. Die Preise gestalteten sich für Feldsalat und Spinat etwas höher, sonst kaum unverändert. Aus dem Ausland war Kopfsalat und Blumenkohl genügend am Markt. Bei ziemlich lebhaftem Verkauf waren die Preise gegenüber der Vorwoche nicht geändert. U. a. notierten: Blumenkohl, Steige 12 bis 18 Stück, 450 bis 500 ital., Feldsalat 35 bis 45, Gewürze! gr. Bündel 30 bis 35, Karotten 6 bis 7, gelbe Kartoffeln 330 bis 350, Unterkohlrabi 3 bis 4, Kopfsalat (Mistbeet) 18 bis 24, Meerrettich 30 bis 35, Radieschen 8 bis 10, Spinat 14 bis 16, Wirsing 6 bis 8 holl., Winterkohl 8, Weiße Rüben 3 bis 4, Zwiebeln (Gärtner) 12 bis 14, dto. holl. 11 bis 12, do. ital. 11 bis 12, Rotkraut 20 holl. Obst: Tafeläpfel I 32 bis 40, do. II 28 bis 30, Roter Eifer 28 bis 35, Bohnapfel 30 bis 35, amerikanische Aepfel 40 Pfund rot 1700 bis 1750, do. gelb 1700 bis 2000, Apfelsinen blond 2100 bis 2500 span., do. Blut 1800 bis 2400, Bananen 25 Pfund 9 Mark Jam., do. 8,50 Mark brasil., Zitronen Korb zirka 280 Stück 8,50 Mk. ital. Am Obst- und Südfrüchtemarkt war die Zufuhr von deutschen Aepfeln knapper, dagegen waren amerik. Aepfel genügend am Markt. Die Preise für deutsche Aepfel lagen bei guter Nachfrage unverändert. Amerikanische Aepfel hatten steigende Preise und langsamen Verkauf zu verzeichnen. Bei nicht besonders lebhafter Nachfrage und reichlicher Zufuhr lagen die Preise für blonde Apfelsinen spanischer Herkunft etwas höher, sonst unverändert. Bananen waren wieder sehr knapp angeboten und deswegen die Preise etwas erhöht. Die Ei e r p r o d u k t i o n der Hühner, die den deutschen Markt mit Eiern versorgen, ist in den verschiedenen Jahreszeiten sehr verschieden hoch. In den Frühjahrsmonaten legen die Hühner die vielfache Eierzahl wie in den Herbst- und Wintermonaten. Man hat berechnet, daß nicht weniger als zwei Drittel der gesamten jährlichen Eierproduktion auf die Monate März, April und Mai entfallen, während die Erzeugung im Monat November ihren Tiefpunkt erreicht. Die gesteigerte Eierproduktion im Frühjahr belastet naturgemäß die Märkte, drückt die Preise herab und hat schließlich zur Folge, daß ein Teil des Eiersegens nicht dem Konsum zugeführt werden kann, weil dessen Aufnahmefähigkeit nicht in so hohem Maße und nicht so plötzlich gesteigert werden kann, wie sich im Frühjahr die Legefähigkeit der Hühner und damit das Eierangebot Der Landwirtschaft erhöht. Die ebenso wichtige wie schwierige Aufgabe einer Eiermarktregelung besteht darin, den Verbrauch an Eiern den Schwankungen der Erzeugung an« jupaffen, da es ja nicht möglich ist, etwa die Verschiedenheit der Erzeugungsmengen, die auf natürlichen Ursprung beruht, aus Der Welt zu schaffen. Die Aufgabe, die gelöst werden muß, ist die Erziehung der Verbraucher zu einer möglichst elastischen Anpassung ihres Eierkonsums an die Schwankungen der Eierproduktion. Es gibt freilich auch einige Mittel, um die lieber« Produktion des Frühjahrs zu strecken und so aus die anderen Jahreszeiten zu verteilen. Schon seit langem haben die Verbraucher selbst, also die Hausfrauen, die billigen Frühjahrseier eingelegt und aufbewahrt, um sie in den eierarmen Wintermonaten zu verbrauchen. Die moderne Technik hat geeignete Wege gewiesen, dieses Strecken der Eiervorräte im Großen und gemeinwirtschaftlich zu organisieren. In den Kühlhäusern pflegte der Großhandel im Frühjahr große Eier- mengen einzulagern und dann in den Wintermonaten, in denen das Frischei knapp und teuer ist, an die Verbraucher abzugeben. Die „Reichs- Kelle f ü r Eier" hat diese Methode übernommen und ihre Anwendung in dem Maße erweitert, daß im vorigen Jahre schon 3 0 0 bis 4 0 0 Millionen Eier im Frühjahr in d i e Kühlhäuser wanderten, und so zunächst dem Markte entzogen wurden. Man veranschlagt die auf diese Weise erreichte Verminderuna des Eierangebots auf ein Viertel der Frühjahrserzeugung. Andererseits konnten dadurch in den eier - armen Wintermonaten große Mengen billigerer Kühlhauseier an den Markt gebracht werden. Ein anderes Mittel 3um Ausgleich des Eierangebots ist die richtige Verteilung der Eierimporte auf die verschiedenen Jahreszeiten. Deutschland ist aus handelspolitischen und anderen Gründen gezwungen, bedeutende Mengen aus dem Auslande einzuführen. Obgleich Diese Eiereinfuhr schon wesentlich eingeschränkt worden ist, hat Deutschland im Jahre 1934 noch immer mehr als 1,31 Milliarden Stück Eier importiert Das sind etwa 17 v. H. des gesamten deutschen Eierverbrauchs. Dank der Erneuerung der nationalwirt- schastlichen Agrarpolitik ist der Anteil der Jnlands- erzeugung an der Deckung des deutschen Eierverbrauchs von 65 auf 83 v. H. gestiegen. Trotzdem find die Eierimporte aus Dänemark, Holland und anderen Ländern noch sehr hoch, und sie werden, soweit die Einfuhrländer entsprechende Mengen deutscher Jndustrieerzeugnisse aufnehmen, wohl auch nicht weiter gesenkt werden können. Es ist möglich, diese Eiereinfuhr so zu organisieren, daß sie hauptsächlich in den eierarmen Herbstund Wintermonaten oorgenommen, bzw. zur Deckung des Bedarfs in denjenigen Monaten, in denen die inländische Frischeierzeugung ohnehin niedrig ist, herangezogen wird. Die jetzt durchgeführte Eiermarktregelung ermöglicht ja genaue Feststellungen der Eier-Fehlbedarfsgebiete, in denen der Einsatz von Auslandseiern in Den Herbst- und Wintermonaten einen Ausgleich schaffen und dadurch die Herstellung des Gleichgewichts zwischen Angebot und Nachfrage erleichtern kann. Aber alle diese Hilfsmittel reichen nicht aus, um die jahreszeitlichen Schwankungen der Eiererzeu- aung auszugleichen. Eine direkte Beeinflussung des Konsums durch Werbung bei den Verbrauchern ist daher unbedinat notwendig. Eine solche Werbung wird um so leichter mit Erfolg durchzuführen sein, als sie in erster Linie auf eine allgemeine Steigerung des Eierverbrauchs gerichtet sein kann. Denn der deutsche Eierverbrauch ist zur Zeit überhaupt noch steigerungsfähig. Während in den Niederlanden 200, in England 143 Stück Eier je Kopf der Bevölkerung und Jahr verbraucht werden, betrug der deutsche Die im Jahre 1934 bei der I G. Farben- i n d u st r i e erzielte R o h e i n n a h m e hat sich auf (alles in Millionen RM.) 565,07 (493,34) erhöht. Dazu kommen Erträgnisse aus Beteiligungen von 7,49 (7,54), Zinsen und sonstige Kapitalerträge von 11,38 (6,89), sowie ao. Erträge von 2,11 (8,28). Anderseits erforderten Löhne und Gehälter 197,67 (175,31), gesetzliche Sozialabgaben 11,92 (10,37), Abschreibungen auf Anlagen 80,10 (57,15), andere Abschreibungen 3,64 (6,96), Zinsen auf Teilschuldoerschreibungen 9,74 (10,64), Steuern 41,40 (38,40), alle übrigen Aufwendungen 190,60 (166,08). Es verbleibt demnach ein Reingewinn von 50,98 (49,14), der sich um den Vortrag aus 1933 von 2,08 (1,22) auf 53,06 (50,36) erhöht. Hieraus gelangen wieder 7 v. H. Dividende auf das Stammaktienkapital von 680 Millionen RM. zur Verteilung. Die satzungsgemäße Tantieme beträgt wieder 0,68. Der Rest von 4,78 (2,08) wird vorgetragen. Nach dem Bericht wirkte sich die Belebung der deutschen Volkswirtschaft auch in den Werken des Konzerns mit ihrer vielseitigen Produktion in einer Steigerung des Jnlandabfahes aus. Insbesondere zeigte sich das auf den neuen Arbeitsgebieten, die eine Stärkung der einheimischen Rohstoffversorgung zum Ziele haben. Hier erwuchsen neue Aufgaben, denen die jahrelang geleisteten Vorarbeiten jetzt zugute kommen. Das neue Produktionsprogramm konnte verhältnismäßig schnell in Angriff genommen und durchgeführt werden. Besondere Sorge galt dem a l t- eingeführten Ausfuhrgeschäft, das, soweit es nötig war, unter erhöhten Preisopfern verteidigt wurde. Um die Verkaufserlöse aus de- visensckwachen Ländern ohne wesentliche Verzögerung yereinzubrinaen, wurden teilweise auf lange Sicht vorbereitete Kompensationsgeschäfte erfolgreich durchgeführt. Mit Rücksicht auf die allgemeine Devisenlage war man bemüht, die Rohstoffeinfuhr tunlichst durch Aufnahme von Krediten im Auslande zu finanzieren, so daß in der zweiten Hälfte des Berichtsjahres die Deviseneingänge fast ohne Kürzung der für die Einfuhr notwendigen Beträge der Reichsbank zur Verfügung gestellt werden konnten. Die Gesamlgefolgschast des Unternehmens unter Einschluß der Grubenbetriebe und der anderen befreundeten Unternehmungen belief sich Ende 1934 auf 134 677 (Ende 1933 112 571). Diese Steigerung der Gefolgschaftsziffer um 18 v. h. gegenüber dem Vorjahre und rund 45 v. H. gegenüber dem Tiefstand im Oktober 1932 wurde durch die Fünftagewoche im Konzern gefördert. Diese Zunahme bedeutet jedoch nur einen Teil der auf Maßnahmen der IG. Farbenindustrie zurückzuführenden Entlastung des Arbeitsmarktes, lieber 1000 Gefolgschaftmitglieder wurden nach dem vom Reichsheimstättenamt aufgestellten Richtlinien zur ländlichen Ansiedlung gebracht. Den Angestell- ten-Pensionskassen wurde der Bestand der Unter« stützungskasse für pensionierte Angestellte übertragen und weitere 3,4 Millionen als Sonderzuwendung aus eigenen Mitteln zugeführt. Im Interesse der Gefolgschaft ist der Betrag der jährlich auszu- schüttenden Prämie von 4,9 auf 9,2 Millionen erhöht worden, die Erhöhung in den Prämiensätzen kommt ausschließlich Gefolgschaftsmitgliedern mit einem Jahreseinkommen bis zu 3600 Mark zugute. Neber die einzelnen Arbeitsgebiete der Gesellschaft wird mitgeteilt: Auf dem Gebiet der Farbstoffe und Färbereihilfsprodukte konnte im Berichtsjahr mengen- und wertmäßig eine Absatzsteigerung erzielt werden. Das Exportgeschäft war im ganzen leicht rückläufig. Nach den europäischen Ländern verlief das Exportgeschäft aber stabil. In Chemikalien setzte sich die Steigerung der Umsätze in verstärktem Umfange fort. Das Riechstoffgeschäft zeigte bei zum Teil nachlassenden Preisen eine gute Absatzentwicklung. In photographischen Produkten war die Geschäftslage befriedigend. Die schon Ende des Vorjahres einsetzende Belebung im Jnlande bei den verschiedenen Kunstseidearten und Kunstspinnfasern setzte sich bei Nachlassen der Einfuhr von Rohstoffen fort. In Vicose und Acetat-Seide entwickelte sich der Umsatz befriedigend. In Vistrafaser trat im zweiten Halbjahr eine besonders rege Nachfrage auf. Die Produktion und der Absatz vom Stickstoffprodukten blieb ungefähr auf Vorjahreshöhe. An Stickstoffdüngemitteln ist der Jnlandsabsatz gestiegen, dagegen setzte sich der Rückgang im Auslandsgeschäft fort. Aus dem Ostgebiet wurden auch 1934 weitere technische Fortschritte erzielt. Im Ausbau der Hydrieranlagen in Leuna wurde die für das Ende 1934 vorgesehene Produktionshöhe erreicht. Amtsgericht Gießen. Am 19. September entwendete die Ehefrau eines Arbeitslosen aus Gießen mit ihrem elfjährigen Kinde im Neustadter Feld in Gießen von einem Acker drei Weißkraut, zwei Blumenkohl und zwei Runkelrüben. Durch Strafbefehl wurde sie zu einer Geldstrafe von 12 Mark und Erstattung eines Schadenersatzbetrages von 1,80 Mark verurteilt. In der auf ihren Einspruch hin gestern Dorgenommenen Verhandlung ergab sich, daß die Angeklagte aus Not gehandelt hat. Auch mit Rücksicht auf die große Familie wurde die Strafe auf 3 Mark, hilfsweise ein Tag Hast, ermäßigt. Bei dem im Strafbefehl erkannten Schadenersatz in Höhe von 1,80 Mark mußte es Dagegen verbleiben. Ein gewisser H. aus Klein-Steinheim hatte gegen Den Bürgermeister von Langenbergheim Anzeige wegen Unterschlagung erstattet. In Dem Daraufhin anhängig gewesenen Verfahren stellte sich heraus, Daß nichts Wahres an Der behaupteten Unterschlagung ist. Wegen falscher AnschulDigung erhielt Der Angeklagte Durch Strafbefehl eine GelDstrafe von 50 Mark, hilfsweise 10 Tage Gefängnis. In Der auf seinen Einspruch hin gestern geführten Hauptver- hanDlung ergab sich die Haltlosigkeit der vom Angeklagten erstatteten Anzeige. Es verblieb daher bei der im Strafbefehl gegen ihn ausgesprochenen Strafe. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) Ein alter Leser. 1. Bei dem gegenwärtigen Wohnungsmangel wird die Aufnahme eines Familienmitgliedes, zum Beispiel Der Schwiegertochter, ohne besonDere Erlaubnis Des Vermieters als zulässig zu erachten sein. — 2. Es steht Ihnen frei, die Den Mietern für WassergelD in Ansatz gebrachten 3 v. H. Der Friedensmiete vom Mietpreis nachzulassen und statt dessen das Wassergeld anteilsmäßig auf die Mieter zu verteilen. Die Mieter sind verpflichtet, das Wassergeld zu bezahlen. Nötigenfalls können Sie im Klageweg gegen sie vorgehen. — 3. Eine Herabsetzung der Miete kann vom Mieter nicht verlangt werden, wenn Die Sondersteuer erniedrigt oder ermäßigt wird. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 v. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Frankfurt a.2H. Berlin Frankfurt a. M Äerlln Schluß» kurs Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schluß!. Mittag- börse Gchluß- kurs Schlußl. Abendbörse Gchluß- lurs Schluß!. Mittagbörse Oatum | 8.4. 9.4. 8-4 9.4. Datum 8.4 9.4 8.4 9.4. 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Neichsanl. von 1934 6*/z% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablöi.-Schuld mit Auslos.-Rechten ............. 4l/»% Deutsche Reichspostschatzan- Weisungen von 1934, I....... 6% ehem.8% Hess. Bolksstaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 4J4% ehem. Hessische Landesbank Darmstadt Gold R. 12........ 6*/2% ehem. Hess. Landes-Hypothekenbank Darmstadt Liaut ... 4%% ehem. 8% Darmst. Komm. Landesb.Goldschuldverschr. R.6 Oberhessen Provinz-Anlethe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 4>/2% ehe m.8% Franks. Hyp.-Aank Golvpse. 15 unkündbar bis 1935 6yz% ehem. 4'/r% Franks. Hyp.- Bank-Liqu.-Pfandbriefe....... 6’/2% ehem. 4y2% Rheinische kchV.-Bank-Ltqu.-Goldpse..... 4*4% ehem. 8% Pr. Landespfand- vriesanstalt, Pfandbriefe R. 19 4%% ehem. 7% Pr. Landespfand- briesanst., Gold Komm. Lbk.VI Steuergutsch.Verrechnungsk. 35-39 4% Oesterretchtsche Goldrente.... 4,20% Oesterreicyische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....., 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 4y2% desgl. von 1913.......... 5% abgesi. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie 1..................... 100 96,25 101,5 111,9 99,7 97,25 96 100,45 114,* 100,5 101,25 96 96 105,8 25,5 1,1 7,25 6,55 6,5 12,25 8,5 100,13 96,5 101,5 112,05 99,6 97,25 96 100,25 114,75 100,5 101,25 96 96 105,9 25,9 1J 6,5 6,5 12,13 8,5 100,13 96,25 112,65 99,75 97 115 100,1 96 96 105,8 25,75 1,13 7,25 6,55 12 100,13 96,5 112 99,9 97 114,75 101,2 96 96 105,9 26,25 1,2 7,2 6,55 12,4 4% veögl. Serie II ............. 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4*/2%Rumän.vereinh.Rentev.lS13 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2 y4% Anatolier .............. Hamburg-Amerika-Paket .....o Hamburg-Südam. Dampfschiff . 0 Norddeutscher Lloyd ......... 0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgssellschaft ... 5 Commerz- und Prioat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................o Dresdner Bank..............o Reichsbank ................ 12 A.E.G......................0 Bekula.................... io Elektr. Lteferungsgesellschaft... 5 Licht und Kraft ........... 6y, Felten & Guilleaume......... 0 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........5 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co............... 4 Siemens L Halske............7 Lahmeyer L Co.............. 7 Buderus ......... o Deutsche Erdöl ..............* Gelsenkirchener..............0 Harpener...................o Hoesch Eisen—Köln-Neuessea .. 0 Ilse Bergbau ...............g Ilse Bergbau Genüsse........ 6 Klöcknerwerke ............. Mannesmann-Röhren........ 0 8,5 4,4 4,1 33,25 32,25 33,65 82,5 107,5 85,25 89 89 158,75 35,5 137 108,75 124,75 87,5 121 122 104 150,25 121 94,13 106,5 105,5 128 91,5 79,5 8,5 4,4 6,75 4,13 33,75 32,5 82,5 108 85,65 88,75 88,75 158,25 35,75 136,5 107,75 124 87 121 105 151,75 121,75 94,75 107,5 106 127 91,4 79,75 4,4 6,5 4,15 33,25 32 26,25 33,25 82,4 108 85,25 89,5 89,5 159,25 35,4 137 108,25 124,75 87 121,13 122,5 104 150,25 121,25 94,25 107 106,5 95 153,5 129 91,13 79,75 4,4 6,13 4,13 33,75 32,4 27,75 33,65 81,75 107,5 85,25 88,75 88,75 158 36,25 136,75 108,25 124,13 87 121 106,65 105,25 151,5 122,75 94,75 107,75 106 94,75 127 91,4 80,13 Frankfurt a. M. Berlin Schluß» kurS Schluß!. Abendbörse Schlußkurs Schluß!. Mittag- börse Datum 8 4 9 4 8.4. 9.4. Mansselder Bergbau....... .. 8 100,13 99,13 99,25 99,65 Koköwerke................ .. 6 — — 108,25 108 Phönix Bergbau........... .. 0 — — Rheinische Braunkohlen .... 12 209 209,5 209 209,5 Rheinstahl ................ 3'/- 106,5 107 106,75 106,65 Vereinigte Stahlwerke...... .. 0 78,5 79,4 78,65 79,4 Olavi Minen ............. .. 0 Kaliwerke Aschersleben...... .. 5 Kaliwerke Westeregeln...... .. 6 112'75 112125 "?13 1112?5 Kaliwerke Salzdetfurth..... ?y2 156 155 156 155,5 I. G. Farben-Jnbustrie..... 147 145,65 146,5 Scheideanstalt............. .. 9 213,5 213 Goldschmidt .............. .. 0 103 103 65 101 5 Rütgerswerke ............. .. 4 110 109’75 108,75 109^25* Metallgesellschaft........... .. 4 96 96,25 96,5 96,9 Philipp Holzmann......... .. 0 90 89,25 89,5 89,25 Zementwerk Heidelberg .... Cementwerk Karlstadt....... .. 6 .. 4 119,9 — 120,25 — Schultheis Patzenhoser ..... .. 4 _ _ 106,5 107,25 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 52,75 52,25 53,4 52,75 Bemberg................. .. 0 116,25 116 117,5 116,5 Zellstoff Waldhof .......... .. 0 115,5 116 11 5 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 81 80,75 81 'Sb25 Dessauer Gas ............. .. 7 — — 128,75 128,5 Daimler Motoren.......... .. 0 92 93,5 91,75 93,65 Deutsche Linoleum......... .. 6 155 155 155 155,25 Lrenstein L Koppel ........ .. 0 88 88,5 Westdeutsche Kaufhof....... .. 0 33,5 35,5 33,5 35,25 Chade .................... .. 0 — 231 238 240 Accumulatoren-Fabrik...... . 12 — 162,75 163,5 163 Conti-Gummi............. .. 8 150 149 150 150,5 Grttzner.................. .. 0 36 36 36 35,25 Matnkraftwerke Höchst a.M.. .. 4 93,25 93,75 Süddeutscher Zucker ....... 168 167 165 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M. Banknoten. 8.April 9. April Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld Brief Buenos Aire. 0,658 0,662 0,658 0,662 Brüssel .... 41,98 42,06 41,98 42,06 Rio de Jan. 0,201 0,203 0,201 0,203 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3 053 Kopenhagen. 53,41 53,51 53,63 53,73 Danzig..... 81,13 81,29 81,09 81,25 London ..... 11,96 11,99 12,01 12,04 Helsingfors.. 5,285 5,295 5,305 5,315 Paris ...... 16,39 16,43 16 38 Holland .... 167,43 167,77 167,53 167'87 Italien..... 20,58 20,62 20,58 20,62 0,699 0,701 Jugoslawien 5,649 5,661 5'649 5 / 661 Oslo..... : 60,12 60,24 60,37 60,49 Wien....... 48,95 49 05 Lissabon .... 10,86 10*88 10,90 10,92 Stockholm... 61,69 61,88 61,94 62,06 Schweiz .... 80,72 80,88 80,72 80,88 Spanien.... 33,93 33,99 33,92 33,98 Prag....... 10,38 10,40 10,375 10,395 Budapest ... — Neuyork... 2,482 2,486 2,486 2,490 Berlin, g.April Gelb Briet _ Amerikanische Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,82 41,98 Dänische Noten ................. 53.49 53,64 Englische Noten ................. 11,98 12,02 Französische Noten............... 16,32 16,38 Holländische Noten............... 167 12 167,78 Italienische Noten.....f.......... 20,66 20,74 Norwegische Noten .............. 60,16 60,40 Deutsch Oesterreich, ä IOO Schilling — Rumänische Noten............... — Schwedische Note»............... 61,73 61,97 Schweizer Noten................. 80,24 80,56 Spanische Noten................. 33,45 33,59 Ungarische Noten................