Nr. 8 Erstes Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, O.Zanuar 1935 Erscheint tag Itd), außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Siebener Familienblätter Heimat im Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Hernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten- Anzeiger Sieben Postscheckkonto: Zrantfurt am Main 11686 Gießener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche UmverfitStrvuch- und Steinörutferei R. Lange in Gießen. 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Vom Willen der deutschen Saarbevölkerung aus gesehen eine Selbstverständlichkeit, ist die Tatsache, daß sich der Liquidierung des anderthalb Jahrzehnte in Kraft gewesenen Völkerbundregimes in Saarbrücken heute in Genf und sogar in Paris kein ernster Widerstand mehr in den Weg stellt, international ein Fortschritt und ein gutes Zeichen. Gewiß werden wir, wenn nach Veröfentlichung des Abstimmungsergebnisses der Völkerbundsrat gemäß dem Versailler Text „Deutschlands Wiedereinsetzung in die Regierung" verkündet, in unserer Freude über die lang ersehnte Wiedervereinigung nicht vergessen, daß vor allen anderen territorialen Revisionsmöglichkeiten des Zustandes von 1919 die Schranke noch nicht aufgeht. Noch steht Danzig in unfreiwilliger „Freiheit" abseits, noch trennt der Korridor Ostpreußen vom Reich und bedeutet ein deutsch-polnisches Problem, das nur durch den aufrichtigen Friedenswillen des Führers und Reichskanzlers aus der Konfliktslinie herausgenommen ist. Im M e m e l l a n d sind unsere Volksbrüder schwerer Willkür preisgegeben. Ja, wir waren gerade in diesen Tagen, unmittelbar vor der Saarabstimmung, Zeugen einer provisorischen Absprache zwischen Frankreich und Italien, die den von Mussolini früher leidenschaftlich vertretenen Revisionsgedanken abbiegen und besonders die „Unabhängigkeit" des deutschen Oesterreichs nach den Verboten von Versailles und St. Germain wieder einmal mit einem neuen Paragraphenzaun umgeben soll. Die Spuren des Diktats von 1919 sind nach w i e vor tief eingeprägt in die deutsche und europäische Erde! Dennoch bewegt sich die Welt; und die Wogen der Zeit haben Zinne um Zinne, Turm um Turm von den drohenden Bastionen der Versailler Zwingburg bereits abgetragen. Soeben erscheint ein sehr verdienstvoller historischer Ueberblick „Versailles nach 15 Jahren" von Legationsrat Dr. Karl Schwendemann im Zentraloerlag, Berlin. Mit Recht kann der im deutschen Auswärtigen Amt die Wehrfragen bearbeitende Verfasser sagen, dies Buch über den „Stand der Revision" sei „aus der Praxis vieljähriger Beschäftigung mit dem Versailler Diktat und aus dem Kampf gegen dasselbe erwachsen". Und schwerlich ist seine Gegenüberstellung der in fünfzehn Teile gegliederten 440 Artikel mit der praktischen Geschichte des „Friedens" in ihrer schlagenden Beweiskraft zu widerlegen. Wohl oder übel werden sich auch die wenigen, die etwa in Frankreich oder sonstwo noch an den „Vertrag" von 1919 als an eine endgültige Satzung glauben, von den Schlußfolgerungen Dr. Schwendemanns überzeugen müssen: , „Abgesehen von den Teilen I (Völkerbund) und XIII (Arbeit), die eine besondere Stellung im Rahmen des Diktats einnehmen und Deutschland nur so lange verpflichten, als es dem Völkerbund angehört, sind im wesentlichen nur die territorialen Bestimmungen der Teile II, III und IV sowie die Bestimmungen des Teiles XII über die Inter- nationalisierung der deutschen Ströme noch in Geltung. Die Teile V—XI, XIV und XV sind entweder ganz oder nur mit Ausnahme einiger weniger Artikel heute erledigt und gegenstandslos. Der Kampf um die Revision von Versailles hat also 15 Jahre nach Inkrafttreten des Diktats schon wesentliche Erfolge erzielt. Die Befreiung des Rheinlands zugleich mit der Abwehr aller Angriffe gegen die Einheit des Reiches und die Befreiung von den Kriegstributen find gelungen. Die einseitige Entwaffnung Deutschlands ist a u ß e r K r a f t, und die Wiederherstellung der militärischen Sicherheit ist im Gange." Noch ist nicht alles gewonnen, aber die FeIstel- lung der unzweifelhaften Erfolge in unserem Streit ums Recht verpflichtet. Ueberwunden ist die Zeit, wo deutsche Außenpolitik nichts anderes war und sein konnte als „Kampf gegen Versailles", Nachweis der Unerfüllbarkeit feindlicher Zumutungen unter schwersten eigenen Opfern, wie etwa in der Reparationsfrage. Heute gibt es bereits wieder eine aktive Außenpolitik des Reiches, deren Ziel mch besser bezeichnet werden kann als mit dem Wort vom „Fr > ed - n i n E h r e n", bas der Führer bei unserem Austritt aus dem Völkerbund im Herbst 1933 als Parole ausgab. Das schwerste Hemmnis für diese neue Reichsführung nach außen war der in Frankreich besonders fest eingewurzelte, aber auch in England und anderwärts noch vorhandene Verdachts jedes selbstbewußte Auftreten Deut,ch- lands bedeute den bewußten Krieg. Eine Widerlegung dieser Beschuldigung, die in der antideutschen Hetze gewisser Kreise ^rundlich ausgemünzt wurde, konnte für uns be>tlmmt nicht in einem Ausweichen nach der Seite des geringsten Widerstandes, d. h. in einer Preisgabe unseres Wehrprogramms gesucht werden. Es war aber auch unmöglich, über die Grundbedursmsfe unserer nationalen Sicherheit mit der Gegenseite zu verhandeln, solange die Feindseligkeit gegen Deutschlands Erwachen nicht grundsätzlich Eingestellt wurde. Reichspolitik und Wehrmacht stnd also im vergangenen Jahr, bereits jenseits von Versailles, mit offenen Augen durch eine Gefahrenzone gegangen, wo die völlige diplomatische Isolierung, vielleicht sogar der Schatten von Sanktion und gewaltsamer Intervention, wie- derholt am Wege gelauert hat. England drängt auf neue Rüstungsverhandlungen. Rach Meinung des britischen Kabinetts hat Frankreich jetzt ausreichende Bürgschaften für seine Sicherheit. London, 10. Ian. (DRV. - Funkspruch.) Die Vereinbarungen von Rom, die Saarabstimmung und Abrüstungserörterungen, die in der gestrigen Kabinettsfihung, die drei Stunden dauerte, Hauptgegenstände der Aussprache gebildet haben dürften, beherrschen auch die Presse. „Daily Telegraph" glaubt, daß die Regierung F l a n d i n bereit sei, die Rüstungsfrage in einem reali- st i s ch e r e n Geiste in Angriff zu nehmen als ihre Vorgängerin. Das Blatt erwartet, daß Ende dieser Woche in Genf unverbindliche Erörterungen darüber beginnen werden. Wit einer schnellen Beendigung der Verhandlungen werde allerdings in London nicht gerechnet. Mehrere Monate würden wohl erforderlich fein, doch glaube man, daß die Atmosphäre diesmal g ü n st i g e r fei als zu irgendeiner anderen Zeit in den letzten drei Jahren. „Morning Post" sagt, britifcherseits beständen „e r n st e Bedenken" gegen die Absicht, den M u s s o l i n i - P l a n vom Januar vorigen Jahres wieder vorzuholen, nach dem die Rüstungen auf ihren gegenwärtigen Stand fest gelegt werden sollen. Die britische Regierung vertrete die Ansicht, daß nach einer erfolgreichen Beendigung der Saarabstimmung Frankreich ausreichende Bürgschaften haben werde, um der deutschen Forderung nach Rüstungsgleichheit einige Zugeständnisse zu machen. Der bittere Tropfen. Pariser Besorgnisse vor der englischen Gegenrechnung. Paris, 10. Jan. (DNB. Funkspruch) In der französischen Rechtspresse macht sich eine gewisse Besorgnis vor einem englischen Druck auf Rüstungsb e s ch r ä n f u n g geltend, den man kommen sieht. Man erwartet gewissermaßen nunmehr eine englische Gegenrechnung für -Frankreich dafür, daß England Barthou beim Start zum Ostpakt beigestanden und das Zustandekommen der römischen Einigung gefördert hat. Die Feststellung des englischen Wunsches ist für die Rechtspresse natürlich mit seiner sofortigen Ablehnung verbunden. So nimmt St. Brice gegen „übereilte Absichten Englands" Stellung, die Frankreich zu einer Kontrolle, die doch nur Lug und Trug sei, und der Bekanntgabe der Rüstungen zurückfahren wollen. Die französisch-italienische Zusammenarbeit werde hoffentlich ausreichen, um der von Macdonald und Simon bekundeten Eile Widerstand zu leisten. Pertistkx schreibt im „Echo de Paris", die französische Regierung habe die Note Barthous vom 17. April fallen gelassen. Man habe die Oeffentlichkeit bisher darüber hinweggetäuscht, daß im Laufe einer am 22. Dezember stattgefundenen Unterredung zwischen Flan- din, Laval und Simon der englische Staatsmann ein Abrücken von der Note Barthous und Doumergues vom 17. April erreicht habe. Die französischen Minister hätten ihm erklärt, es sei ihnen unter bestimmten Bedingungen möglich, die deutsche Aufrüstung zu le- gotisieren und sofort kehre der in der englischen Denkschrift vom 29. Januar vorigen Jahres eingenommene Standpunkt wieder auf die Tagesordnung zurück. Laval habe alle Vernunft aufgegeben. Er stoße Frankreich in endlose Meinungsverschiedenheiten und er ft e 11 e Frankreichs militärische Rüstungen damit wieder zur Erörterung. Dieser Beschluß sei ohne Befragen des Obersten Landesverteidigungsrats gefaßt worden. Die angeblich von Italien Laval zugestandene Spanne der Ueberlegenheit (das Blatt berichtet, dem französischen Botschafter in Rom sei vor einiger Dieses Wagnis für die gute Sache darf heute schon im wesentlichen als geglückt bezeichnet werden, weil Hand in Hand mit dem Wiederaufbau unserer nationalen Verteidigungswehr eine vom Führer selbst vorgezeichnete Friedenspolitik geht, die von Worten unbedenklich auch zur Tat schreitet. DerAusgleichmitPolen wurde schon erwähnt, aber er findet sein größeres Gegenstück in unserer trotz aller Belastungsproben durch- gehaltenden Bereitschaft zur Derständi- gung mit Frankreich. Wenn der Saarbevoll- mächtigte Bürckel seine große Kundgebung vor der Weltpresse zum 13. Januar unter das Kenn- wort stellte: „Den Weg frei zur Verständigung!", so zog er damit nur die Summe der selbstlosen und vorbildlich disziplinierten Maßnahmen, mit denen wir gerade an der Saar jede Provokation zuschanden gemacht haben. Uns Deutschen ist die Rückkehr der Saar Herzenssache, doch erfüllt sie zugleich den edlen Zweck, Bresche in das lähmende deutsch-französische Mißtrauen zu legen. Wir sind keine Utopisten und Schwärmer, die ihre Rechnung ohne den Wirt machen. Es ist der deutschen Regierung genau bekannt, wie das maßgebende Frankreich heute über die Sicher- ff e i t s s r a g e denkt. Nicht nur, daß in Gesprächen französischer Frontkämpfer mit dem Führer und einem Stellvertreter Rudolf Heß der moralische Zeit vom Unterstaatssekretär Suvich zugestanden worden, daß bei Aufstellung des deutschen Rüstungsstandes dem gewaltigen Kriegspotentiel Deutschlands in jeder Weise Rechnung getragen würde) habe nur dann Wert, wenn die Kontrolle und die Sanktionen wirksam würden. (!) Das könnten aber nur Ideologen glauben. DerrömischepattinpariserLesart Paris, 10. Jan. (DNB.) Nachdem am Dienstagabend in Rom ein ausführlicher amtlicher Bericht über die italienisch-französischen Abmachungen veröffentlicht worden ist, der auch in der französischen Presse abgedruckt wurde, bringt man am Mittwoch abend amtlich in Paris eigene ausführliche Inhaltsangaben, die sich stellenweise von den italienischen unterscheiden. So werden z. B. die französischen Zugeständnisse auf kolonialem Gebiete weniger betont zum Ausdruck gebracht. Ferner finden sich in dem französischen Bericht folgende Sätze: Die beiden Regierungen stehen auf dem Standpunkt, daß eine vollständige Anpassung ihrer Interessen in Afrika in beträchtlicher Weise eine Zusammenarbeit auf allgemeinpolitischem Gebiet erleichtern würde, und sie haben daher Wert darauf gelegt, schon jetzt in einem Geist internationaler Solidarität eine Auffassungsgemeinschaft zu gewährleisten, die zur Festigung des Friedens von Bedeutung ist. Die Stelle, die sich mit der Rüstungsfrage beschäftigt, lautet in der französischen Fassung ebenfalls etwas anders, nämlich: Die beiden Regierungen sind gleichfalls darüber einig, anzuerkennen, daß kein Land auf einseitige Weise seine Verpflichtungen hinsichtlich der Rüstungen abändern kann. Sie haben Boden für das Auslöschen der Begriffe vom Sieger und vom Besiegten vorbereitet worden ist — die Regierung Flandin-Laval selbst will die Entspannung und die klärende friedliche Auseinandersetzung mit Berlin. Nur scheinen ihr, und ebenso den Engländern, vor der schicksalhaften Begegnung mit Deutschland gewisse Umwege und Rückversicherungen nötig, über deren positiven Wert sich streiten läßt. Ein solcher Umweg war z. B. die R o m r e i s e L a v a l s , die $u einem Borabkommen mit Mussolini über eine mitteleuropäische Nichteinmischungskonvention geführt hat. Gewiß lag es im französischen Interesse, sowie in dem Südslawiens und der beiden Südostententen überhaupt, die vor allem für Ungarn betriebene italienische Revisionspropaganda nach Möglichkeit einzudämmen. Das aber hat die französische Diplomatie dazu verführt, Mussolini nicht bei der ungarischen, sondern bei der ö ft erreich i s ch e n Seite zu fassen, wo er bekanntlich im letzten Jahr einen eindeutig revisions feindlichen Standpunkt eingenommen hat. Was aus den ganzen südöstlichen Paktplänen schließlich werden wird, ist ebenso unklar wie die immer noch schwebende Frage des Nardo st Paktes mit Sowjetrußland. Ob aber Mussolini heute grundsätzlich, also auch in der Frage der Sicherheit durch Gleichberechtigung, weniger Revisionist ist ebenfalls feftgeftellt, daß der Grundsatz der Gleichberechtigung, so wie er durch die Erklärungen vom 11. Dezember 1932 bestimmt worden ist, seinen vollen Wert behält. In der französischen Fassung findet sich am Schluß noch folgender Satz, der in der italienischen Mitteilung fehlt und den Völkerbund betrifft. Er lautet: Die beiden Regierungen haben erkannt, daß die D erfahrensarten der Völkerbundssatzungen die Lösungen der kürzlichen Streitigkeiten gewährleisten werden. Dagegen fehlen die in der italienischen Mitteilung enthaltenen Worte: „... die ff e r k ö m m l i ch e Freundschaft zu fördern, die die beiden Völker verbindet." Italiens Recht auf koloniale Expansion Rom, 10. Jan. (DNB.) Die kolonialen Zugeständnisse Frankreichs an Italien werden von der italienischen Presse unter Veröffentlichung von Kartenskizzen besprochen. „Giornale d'Jtalia" betont den enormen Wert der Zugeständnisse im (Somali- land, der sich hauptsächlich aus der unmittelbaren Nähe Abessiniens ergebe. Darüber hinaus sei mit den Zugeständnissen in Erytrea und Süd-Lybien das Recht Italiens auf Expansion von Frankreich nunmehr anerkannt und sanktioniert worden. Für das italienische Volk, dessen inländische Hilfsquellen heute nicht mehr ausreichend feien, fei das Expansionsrecht notwendig geworden. Mit den jetzigen Zugeständnissen verbessere sich die italienische Stellung in den Kolonien, f ü r alles weitere werde die Zukunft sorgen. als noch vor einem Jahr, das haben er und Herr Laval der Oeffentlichkeit nicht verraten. Es ist auch für den weiteren Gang der Dinge nach Erledigung der (Saarfrage keineswegs ausschlaggebend. Laval hat in Rom viel und laut vom Frieden geredet, vermutlich weil Mussolini in letzter Zeit verschiedentlich das Lob der männlichen Kriegsbereitschaft verkündet hatte. In der Tat ist jedoch das Gespräch über den europäischen Frieden mit Nutzen nur zwischen Paris und Berlin zu führen, und gerade diese beiden Partner sprechen heute im Grunde dieselbe realistische Sprache, so unglaublich das auch in der ganzen Nachkriegszeit erscheinen mochte. Frankreich will Sicherheit und fürchtet die Revision durch (9eroalt Deutschland will Sicherheit und verzichtet auf Revision durch Gewalt. Damit ist eine Plattform für die freundnachbarliche Zukunft der zwei großen Nationen im Herzen Europas gegeben, denen niemand ihre Verantwortung für den Frieden abnehmen kann. Beide wollen eine dauerhafte Ordnung der Völker, beide sind für temperamentvoll« Abenteuer zu alt und alt genug, um auf einen bewaffneten Wettlauf aus Prestigegründen wenig Wert mehr zu legen. Frankreich und Deutschland sind allein i m ft a n b e, jenseits von Versailles der Welt endlich den europäischen Frieden zu geben, und sie müssen es tun. Die Neugestaltung des Reichs. Aeichsinnenminister Or. Frick über Fragen des neuen deutschen Staatsrechts. Berlin, 10. Jan. (DNB.) Reichsminister Dr. Frick beantwortete dem Berliner Mitarbeiter der Hearst-Presse aktuelle Fragen über den Aufbau des neuen Deutschland. Aus die Frage, ob beabsichtigt sei, dem deutschen Volk eine neue Verfassung zu geben, erwiderte Dr. Frick u. a.: Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler hat nach der Machtergreifung am 30. Januar 1933 bewußt bar» auf verzichtet, feine Machtstellung sofort durch ein fertiges V e r f a ss u n g s w e r k zu befestigen, denn er selbst stand ja an der Spitze der nationalsozialistischen Revolution, die das ganze deutsche Volk erfaßt hat und die Ideen Adolf Hitlers restlos durchsetzte. Heute arbeitet die Regierung an der Verwirklichung der innerpolitischen Grundsätze des nationalsozialistischen Staatsgedankens und vollendet auf legalem Wege den Neuaufbau des Reiches. So wächst organisch mit der fortschreitenden Entwicklung Tag für Tag ein neues Stück Verfassung, und am Schluß der vom Führer beanspruchten Vierjahresfrist wird das Werk mindestens im Rohbau vollendet da stehen. Das deutsche Volk wird bann selbst Gelegenheit haben, dazu Stelluna zu nehmen. Die staatsrechtliche Stellung des Führers und Reichskanzlers ist stärker als die eines Souveräns, denn er hat die Aemter des Reichspräsidenten mit dem des Reichskanzlers in seiner Person erstmalig vereinigt. Alle Reichsminister, Reichsstatthalter, Beamten, Offiziere und Soldaten sind nur ihm verantwortlich. Die Regierungsgewalt ist in seiner Person zusammengefaßt, und er ist selbst nur der Nation verantwortlich. Der Reichstag wird auch weiterhin bestehen bleiben, weil er das Forum ist, vor dem der Führer und Reichskanzler die großen Schicksalsfragen der Nation zur Erörterung und Entscheidung stellt, so weit er sie nicht unmittelbar dem deutschen Volke unterbreitet. Es ist nicht daran gedacht, dem Reichstag ein Oberhaus zur Seite zu stellen. Das allgemeine gleiche, unmittelbare und geheime Wahlrecht zum Reichstag wird für beide Geschlechter aller deutschen Staatsbürger weiterhin in Geltung bleiben. Die Frage, ob die nicht arische Bevölkerung des Dritten Reiches das aktive Wahlrecht erhält oder nicht, hängt von der weiteren Gestaltung des Staatsbürgerrechts im Deutschen Reiche ab. Nach den Grundsätzen der NSDAP, vom Jahre 1920 sollen Staatsbürger des Deutschen Reiches nur Deutsche sein. Deutsch ist aber nur der, der deutschen Blutes ist. lieber die Frage des Mitarbeiters der Hearst- Presse nach den Grundrechten im Dritten Reich führte Dr. Frick aus: Die Grundlage des Deutschen Reichs ist die wahre Volksgemeinschaft nach dem nationalsozialistischen Grundsatz: Gemeinnutz vor Eigennutz. Der Nationalsozialismus lehnt den Klassenkampf in jeder Form ab, er sucht den Ausgleich zwischen arm und reich, Stadt und Land und fordert die nationaleSolidarität von jedem Deutschen. Dann beantwortete Dr. Frick noch die Frage nach den staats- und verwaltunqsrechtlichen Befugnissen der Leiter der künftigen 20 Reichsgaue. Den künftigen 20 Reichsgauen werden Reichsstatt- Halter als oberste Reichsbeamte mit weitgehenden Befugnissen vorstehen. Die Neugliederung des Reiches wird den S ch l u ß p u n k t unter eine tausendjährige Entwicklung setzen, und sobald wie möglich erfolgen. Prüfung der Parteimitgliedschaft. München, 9. Jan. (DNB.) Der Oberste Par- teirichter Walter Buch und der Reichsschatzmeister Schwarz veröffentlichen im „Völkischen Beobachter" eine Anordnung über die Prüfung der Mitgliedschaft. Darin wird jeder Parteigenosse, der sich über bie Gültigkeit seiner Mitglied- schäft nicht tm klaren ist, verpflichtet, im Laufe der nächsten Wochen sich danach bei der zuständigen Ortsgruppe umzutun. Wer bis zum 1. April 1935 Zweifel über seine Mitgliedschaft zur NSDAP, nicht beim Obersten Parteigericht zur Sprache gebracht hat, rann nach diesem Zeitpunkt mit diesbezügllchen Ge- suchen nicht mehr berücksichtigt werden. Die Saar eine brennende Frage Europas. Eines der aktuellsten internationalen Probleme ist ohne Zweifel das endgültige Schicksal der Saar Daher darf die Aufmerksamkeit auf eine in Gens unter dem Titel „Die Saar" — Eine brennende Frage Europas — erschienene Broschüre gelenkt werden, in welcher persönliche Eindr u ck e zweier Ausländer in dem Lande selbst darr gestellt sind, die durch eine allgemeine Studie vom historischen, wirtschaftlichen und politischen Gesichtspunkt ergänzt werden. Die Broschüre unterstreicht die verantwortungsvolle Aufgabe des Völkerbundes, der die letzte Instanz für das Schicksal dieses Gebietes nach der Abstimmung sein wird. Sich auf die wiederholten Erklärungen Hitlers stützend, daß — nachdem die Saarfrage einmal bereinigt ist — keine Schwierigkeiten territorialen Charakters mehr zwischen Deutschland und Frankreich stehen, warnt man den Völkerbund, n ich t ein neues Elsaß-Lothringen zu schassen und damit eine neue Ursache der Spannung zwischen diesen beiden großen Völkern. Diese Publikation verdient daher, besonders im Auslande zu Tausenden Verbreitung zu finden, um die Weltmei- nung von der Notwendigkeit zu überzeugen, dem Saarproblem seine endgültige natürliche Lösung, die Rückgliederung zum Reich zu geben. Die Schrift, die außer im französischen Original, auch in deutscher, englischer und spanischer Uebersetzung vorliegt, ist durch Karten, Graphiken und zahlreiche, dokumentarische Illustrationen bereichert. Sie ist in Deutschland zu beziehen durch den Jnternatio- nalen Verlag, Berlin W15, Kurfürstendamm 167. Der Saarverein benötigt dringend für die sachliche Aufklärung in Deutschland und vor allem im Ausland von dieser neutralen Veröffentlichung Tausende von Verbreitungsexemplaren in den verschiedenen Weltsprachen. Der Bund der Saarvereine bittet, ihm viele Exemplare dieser einzigartigen ausländischen Schrift für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Annahmeberechtigt finb alle Ortsgruppen bes Saaroereins, die den Empfang besonders bestätigen. Eine weitere Stimme aus der evan- gelischen Kirche zur Saarentscheidung. DNB. Berlin, 9.Jan. Die Bekenntnis- gemeinschast in der deutschen evan- gelischenKirche gibt eine Aeußeruny bekannt, in der es heißt: „Wie sehr wir uns seit unserer Väter Zeit im Gehorsam gegen Gottes Wort zum Dienst für Volk und Vaterland ver- pflichtet wissen, das dürfen unsere Brüder an der Saar nun vor aller Welt bewähren bis zum letzten Mann. Sie sind uns Bürgen für die Wahrheit, daß unser Glauben uns zum Einsatz in unserem Volk und für die Heimat f or- dert. Gott schenkt ihnen die Stunde, in der sie alle als evangelische Christen dem Deutschen Reiche ihre Treue bezeugen dürfen. Wir vertrauen, daß keiner zurückbleibt, und stehen hinter ihnen mit unserem Gebet. Gott lasse Lug und Trug zuschanden werden! Er gebe ihnen den ganzen Sieg und frohe Heimkehr und die ungehinderte Gemeinschaft in unserer deutschen evangelischen Kirche!" Bürckel rechnet mit den Separatisten ab. spricht zur presse über die Bedeutung des -13. Januar für den Frieden Europas. Oer Saarbevottmächtigte Kaiserslautern, 9. Jan. (DNB.) „Am 13. Januar: Den Weg frei zur Verständigung!" war der Leitspruch der Ausführungen des Saarbevollmächtigten des Reichskanzlers, Gauleiter Bürckel, vor der in- und ausländischen Presse. Er führte dabei u. a. aus: „Die Welt stellt am kommenden Sonntag die Frage: Wer ist Sieger? Wer ist Besieg- i e r"? Gibt man dieser Frage einen außenpolitischen Charakter, dann könnte sie, ganz gleich, wie der 13. Januar sie beantwortet, die Ursache neuer Konflikte werden. Aber nur dann, wenn man Deutschland und Frankreich als die beiden sich bekämpfenden Parteien herausstellt. Bei gewissenhafter Betrachtung des Problems, noch mehr aber bei Berücksichtigung der diesen Kampf austragenden Parteien, wird man erklären müssen, daß die Saarfrage außenpolitisch k e i n e K o n - flikts frage, sondern eine reine Liquidationsfrage darstellt. Sobald die Saarfrage aus dem Rahmen internationaler Erörterungen herausgehoben wird, ist sie eine rein deutsche Angelegenheit, weil sie nur von Deutschen u nter sich gelöst wird. Jnnerpolitisch gesehen wird bas Treuebekenntnis am 13. Januar zeigen, daß es an der Saar nur einen st a r k e n deutschen Dolkscharakter gibt, jenen deutschen Charakter, der die alleinige Kraftquelle darstellt, aus welcher die deutsche Nation ihre Lebensbehaup- tung seit je herleitet: aus der Tiefe seiner ewigen deutschen Seele. Zwischen die beiden Thesen, zwischen die französische, nach welcher eine Willenskundgebung genügt, um Glied einer anderen Nation zu werden, und zwischen die deutsche, nach welcher die innere Zugehörigkeit zum angestammten Volkstum entscheidet,'schob man aber noch eine dritte Lösung ein: das Kompromiß des Status quo! Daß eine solche Lösung weder völkisch noch kulturell, noch wirtschaftlich lebensfähig ist, war den französischen Politikern ebenso klar wie allen Saarländern. Nun aber vollzog sich in Deutschland der große lnnerpolitlsche Umbruch. Das Parteiensyslem wurde abgelöst durch ein neues nationales Lebensprinzip, das Prinzip der Volksgemeinschaft und des Treueverhältnlfses zwischen Führer und Gefolgschaft. Damit war für den Marxismus und feine Partei keine Lebensmöglichkeit mehr gegeben. 3m Saargebiet jedoch hatte diese Weltanschauung die Möglichkeit, sich weiter zu behaupten. Seine parteipolitische Opposition zu ihren politischen Gegnern in Deutschland mußte aber zu einem Kampf gegen das ganze Volk werden. Der historische Augenblick war gekommen, wo der Marxismus bekennen mußte, ob er wirklich nationalpolitische Qualitäten hat, oder ob er sich lediglich international gebunden fühlt. Die Entscheidung des offiziellen Marxismus lautet nun, Partei gegen Volk. Er hat sich demaskiert als das, wofür er vom Nationalsozialismus längst erkannt worden isi: Verräter am eigenen Volkstum! Die Vertreter Frankreichs an der Saar, insbesondere die französische Bergwerksverwaltung, verbündeten sich mit jenen, die sich gegen Charakter und Vaterland entschieden hatten. Angebliche Arbeiterführer und angebliche Sozialistenführer verbündeten sich gegen Deutschland. Die einen als „Vertreter französischer kapitalistischer Interessen", die anderen angeblich als Kämpfer der Arbeiterschaft. Sie sagten: lieber gegen Volk und Vaterland, lieber gegen Hitler und den deutschen Sozialismus, als gegen die Vertreter des französischen Kapitalismus. Der Saarbevollmächtigte widerlegte dann schlagend den Separatistenschwindel von der zweiten Abstimmung. Hätte der Völkerbundsrat eine zweite Abstimmung beschlossen, so würde ein solcher Entschluß einen glatten Bruch des im Saarstatut normierten Rechtes bedeuten. Es loll nicht bestritten werden, daß die Staatsmänner Litwinow, Benefch und Laval für ihre Perfon eine für die Saarbevölkerung wohlwollende Behandlung der Verzichtfrage zugesagt haben, aber: ein Beschluß des Dölkerbunds- rats liegt nicht vor, und er wäre auch, wenn er vorliegen würde, selbstverständlich unverbindlich und vertragswidrig. Für eine separatistische Bewegung, die aus innerpolitischen Ressentiments eine Trennung des Saargebietes von Deutschland und dann vom Saargebiet aus die innerpolitische Stellung der deutschen Regierung aufrollen möchte, ist nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages kein Raum. Die Begünstigungen einer solchen Bewegung durch eine fremde Macht muß sich als eine feindselige Haltung gegen Deutschland darstellen und deshalb empfinden wir Deutsche es schmerzlich, daß die französische Propaganda im Saargebiet auf eine Zusammenarbeit mit der regierungsfeindlichen deutschen Opposition, die in ihrer Verblendung zu jedem hoch- und Vaterlandsverral entschlossen Ist, gerichtet war. Genau wie wir Deutsche es ablehnen, eine separatistische Bewegung in Frankreich zu begünstigen genau so müssen wir dringend darum bitten, daß sich auch Franzosen einer solchen Einmischung in innerpoll- llsche deutsche Angelegenheiten enthalten. Die Emigranten und Separatisten versuchen nun in ihrer Propaganda, den Versailler Vertrag zu verfälschen, wenn sie sagen, daß das Gebiet auf Grund des Abstimmungsergebnisses geteilt werden müsse, daß also — wenn beispielsweise 20 v. H. der Abstimmungsberechtigten für den Status quo stimmen sollten, eine dieser Prozent zahl entsprechende Fläche des Territoriums abzutrennen und gleichsam a l s Freizone für d i e Separatisten und Emigranten zu erklären wäre. Don dieser Zone aus könnte dann die geistige, moralische und völkische Zersetzung der europäischen Staaten und Völker durchgeführt werden. Eine solche Lösung wäre nicht nur ein ungeheuerlicher Rechtsbruch, sondern ein noch größerer Vertrauensbruch gegenüber der deutschen Saarbevölkerung. Wie sagen doch die Separatisten — alles für Deutschland — gegen Hitler! Daß sie gegen Hitler alles tun was sie können, wissen wir. Aber prüfen wir einmal, was sie alles für Deutschland tun. Sie rufen die fremden Völker zum Krieg gegen dieses deutsche Volk auf und dabei lügen sie ihren Anhängern vor, das geschähe alles für Deutschland. Nehmen wir einmal an, diese Separatisten hätten mit ihrer Kriegshetze Erfolg, wer hätte bann alle die unsagbaren Leiden eines so heraufbeschworenen irrsinnigen Blutbades zu tragen? Doch niemand anders als die breiten Massen unseres Volkes. Wenn ein Volk sich zu dem Führer bekennt, diesen liebt und ihn verehrt, weil er selbst Volk geblieben ist, wie unser Adolf Hitler, bann finb Volk unb Führer ein Schicksal. Diesem Schicksal kann gegenübertreten wer auch mag; es wirb immer eine unlösbare Einheit fein. Darum ist Abolf Hitler D e u t s ch l a n b unb nur deshalb ist Deutschlanb Adolf Hitler. Die Bundesgenossen der „besseren Deutschen" dieser Art sind die separatistischen „besseren Christen". Die Parole „Für Christus und Deutschland" Ist noch rechtzeitig durch die Empfangsbestätigung für großzügig hinausgeworfene Gelder der französischen Bergwerksbirektion entlarvt worben. Richtig heißt nämlich biefe Parole: Im Namen Christi für Status quo. Man muß schon sagen, bie Gotteslästerungen feiern bei bieser Sevaratistengilbe gerabezu Orgien. Sie fragen mich: Ist es richtig, was Braun schreibt, daß sofort nach der Rückgliederung ein Konzentrationslager in Neunkirchen errichtet würbe. Meine Herren, diesen Gefallen werben wir den Emigranten nicht tun. Denn sie wünschten sich ein Konzentrationslager in Neunkirchen, bamit sie nach ihrem Abschub aus einem anberen Versteck wieder Grund hätten zur Fabrikation von Greuelmärchen. Ich versichere feierlich, daß wir den saarländischen Arbeiter aus den Klauen dieser Hetzer über d e n Weg einer kameradschaftlichen Verbundenheit und mit größter Sorae um sein sozia - les Wohlergehen befreien werden. Und wenn von mir, wie das in den letzten Tagen häufiger geschieht, behauptet wird, ich sei ein Freund von Konzentrationslagern, so sei ihnen gesagt, daß es in meinem Gau kein Konzentrationslager gibt. Andere fragen mich: Ist es richtig, daß nach dem 13. Januar ein Kulturkampf in Deutschland ausbricht? Der Führer der Nation hat sich vorge- nommen, eine unzerstörbare Volksgemeinschaft zu schaffen. Eine unzerstörbare Volksgemeinschaft schmiedet man nicht mit Kulturkämpfen und Konzentrationslagern. Damit zerschlägt man ein Volk. Die Zeiten des 30jährigen Krieges sind vorbei. Es leben andere Menschen, Die von der praktischen Religion nicht bie Auffassung haben, wie sie bet den Propaganden unb falschen Propheten des Kulturkampfes Üblich sind. Glaubt etwa ein anständiger Mensch, daß der Status quo eine Garantie des Friedens wäre? Wenn man den Frieden will, dann kann man nicht diese Henker des Friedens an der gefährlichen Stelle zwischen zwei Völkern sich einnisten lasten. Wer den Frieden will, muß sich entschließen, den Störenfried dorthin zu sehen, wo er den beiderseitigen Frieden nicht mehr stören kann. Immer wieder nennen die Separatisten den Arbeiter lm Zusammenhang mit ihrem unsauberen Geschäft. Es muß Verwahrung gegen den Mißbrauch mit dem Namen Arbeiter eingelegt werden. Man will offenbar die Oeffent- lichkelt glauben machen, daß der Arbeiter vorzüglich befähigt wäre, unehrenhafte Geschäfte zu besorgen. So ist es denn wahrhaftig nicht. Nicht die Arbeiter sind die Träger einer verräterischen Sache, sondern Immer dieselbe Sorte von Menschen benutzt den Arbeiter, um Ihn auszubeuten, um das eigene Handwerk von Ihm besorgen zu lassen. Sie allein, diese kleine Gruppe einer oft gerissenen, aber ebenso minderwertigen Intelligenz besudelt die Ehre des Arbeiters, indem sie Ihm ihr eigenes unsittliches Treiben zumutet. Immer wieder waren es Arbeiter, das muß einmal gesagt werden, die sich elnsehten gegen den Verrat, gegen die Unehre. Der Verrat selbst wird Inszeniert von Arbeitsscheuen. Brave Arbeiter werden mißbraucht, und Arbeiter sind es, die bann gegen die mißbrauchten Arbeiter den Kamps führen -nüssen, während die Drahtzieher selbst rechtzeitig das Kaiserslautern, 9.Jan. (DNB.) Am Mittwochabend sprach in der Fruchthalle in Anwesenheit von Tausenden von Arbeitern, darunter zahlreichen Saarkumpels, ferner in Anwesenheit einer größeren Abordnung von bisher der Einheitsfront und den status-quo-Parteien an-' gehörenden Arbeitern aus dem Saargebiet der Saarbevollmächtigte des Führers Gauleiter Bürckel, zugleich über alle deutschen Sender zum deutschen Saarvolk. Der Händedruck, den Gauleiter Bürckel im Namen von Volk und Führer symbolisch am Schlüsse der Kundgebung mit den anwesenden Vertretern der vom status-quo-Gedan- ken abgewanderten Arbeitern wechselte, galt allen Saardeutschen ohne Ausnahme, besonders auch denen, die verführt und mißleitet waren. Im ganzen Saargebiet haben Hunderttausende Anteil an dieser großen Kundgebung gehabt. Ueberall sanden sie sich zum Gemeinschaftsempfang zusammen, überall saßen sie in den Wohnungen am Lautsprecher beieinander und wurden Zeugen einer geschichtlichen Stunde. Die Rede Bürckels wurde immer wieder von Beifallsstürmen unterbrochen. Bürckel hatte immer wieder die Lacher auf seiner Seite, wenn er die verlogenen Parolen des Status quo zerpflückte und die Führer des Status quo als Zeizge gegen sie selbst ins Feld führen konnte. Er erinnerte daran, daß es gerade die Führender Mar- xi st e n waren, die im Rheinland und in der Pfalz ganz besonders scharf gegen bie Separat!- Saarbrücken, 9. Jan. (DNB.) Mittwoch gegen 11.30 Uhr drang eine Reihe von Werbern der separatistischen „Neuen Saarpo st", die die heutige Nummer der „Neuen Saarpost" zu Werbezwecken verteilten, ind en Garten des Hauses der Deutschen Front ein und bestreute die ganzen Treppen des Hauses mit Werbeexemplaren der „Neuen Saarpost". Sie versuchten auch, in das Haus selbst einzudringen. Sie wurden *on einem Büroangestellten aus dem Hause und dem Garten verwiesen. Einige Werber alarmiert en das Ueberfallkom- m a n d o, das in Stärke von 70 Mann die Landesleitung besetzte, die Telephonzentrale sperrte und begann, „polizeiliche Feststellungen" zu treffen. Ermittlungen haben ergeben, daß die Werber, die ausländische Photographen mitgebracht hatten und in den Garten eingedrungen waren in der Hoffnung, einen schweren Zwischenfall provozieren zu können, f e l b st chre Werbeexemplare vor dem Haus der Deutschen Front zerrissen und zerstreut haben und ferner unter s i ch den Anschein einer Schlägerei erweckten, die dann photographiert wurde. Unmittelbar nach dieser planmäßigen separatistischen Provokation an der ßanbesleituna der Deutschen Front begaben sich der saarländische Polizeichef H e n n e s s e y und der Kommandant der Saarbrücker Polizei L i e an Ort und Stelle, um in korrekter Weise die erforderlichen Untersuch u n g en vorzunehmen und sich besonders von den Augenzeugen der Landesleitung über die Vorfälle unterrichten zu lassen. Sieben sepa- ratistische Unruhestifter wurden zur weiteren Vernehmung vom Ueberfallwagen der blauen Polizei mitgenommen. Gelände räumen. So war es bei der Revolution 1918, so war es bei den separatistischen Putschen des Rheinlandes und so ist es auch heute. Der Arbeiter ist für uns der Ehrenmann, weil das Wort Ehre nicht zuletzt an Leistung für die Gesamtheit gebunden ist. Ehre entsteht aus erfüllter Pflicht und Treue. So ist der Arbeiter der erste Träger der Ehre, weil diese nicht geadelt ist durch Reichtum und Macht, sondern einzig und allein durch Pflicht und Treue. Das neue Reich hat deshalb fein Fundament im Herzen des Volkes, weil es der Arbeit Sinn und ihren Trägern Ehre und Recht verbürgt und verteidigt. Deutsche TUänner und Frauen! Der 13. Januar aber wird Ehre und Recht, wird dem Gesetz des Friedens praktische Anwendungsmöglichkeit geben. So soll es an diesem Tage nicht zwischen Deutschland und Frankreich im Sinne rechtlicher Auseinandersetzung Sieger und Besiegte geben. Waffenträger in diesem Kamps Ist deutsches Volkstum. Als Besiegter muh einzig und allein der Verrat am Boden liegen. Als Sieger muh ein Friede gefordert werden, der von haß erfüllt ist g e g e n d e n K r i e g, der dem Leben der Nation in Ehre verpflichtet ist und der sich das eiserne Recht zum Bundesgenossen erwählt. Eine kranke alte Mutter, die sich vorgestern in das Abstimmungslokal schleppte, gab ihre Stimme ab und sagte: „Ich bin deutsch geboren und werde deutsch sterben". Die abgegebene Stimme aber wurde, weil dieses Bekenntnis eine Demonstration für Deutschland darstellte, für ungültig erklärt. Der Ausspruch dieser Frau aber wird historisch bleiben. Diese für ungültig erklärte Stimme einer alten kranken Mutter geht nicht verloren. Der Herrgott wird sie bestimmt zählen, weil sie eine Demonstration für seinen Willen, für den Willen des Schöpfers ist! Dem Status quo aber wird es nicht gelingen, dieser deutschen Mutter, die vielleicht noch einen Sohn in fremder Erde hat, ihre letzte Ruhestätte im Vaterlande zu verweigern. Die Welt soll es wissen: Am historischen 13. Januar wird das tapfere Saarvolk der Weltgeschichte den Triumph des deutschen Charakters präsentieren. Das Saarvolk marschiert. Die Grenzpfähle stürzen. Deutschland reißt das Tor auf. Sein Führer schlägt ein: Es lebe der Friede! ft e n vorgingen. Damals hat ein Auswurf der Menschheit versucht, deutsches Land von deutschen Landen zu trennen, und damals haben auch Herr Matz Braun und der angeblich katholische Separatist Hoffmann selbst sich am schärfsten gegen diesen Separatismus erklärt. Heute aber wehren sie sich dagegen, daß die gleiche Methode als Separatismus bezeichnet wird. Es wird manchem katholischen Saararbeiter ein Licht aufgegangen sein, wenn die G o 111 o s e n p r o p a g a n d a des russischen Rundfunks und der russischen kommunistischen Presse zitiert wurde, die den Papst einen Oberpim- perüng nannten, und wenn er dann im Saargebiet sieht, wie dort seine angeblichen katholischen Führer die rote Fahne des Kommunismus mit erhobener Faust und mit Rotfront grüßen und dabei sagen: „Gott wille s." Gauleiter Bürckel schloß seine große Rede mit einem Gelöbnis Deutschlands für den Frieden mtt einem Appell an die Welt, Deutschland diesen Frie- den zu geben. „Am 13. Januar wird das tapfere deutsche Saarvolk einen Triumph des deutschen Charakters präsentieren." Und als nach der Kundgebung in den Straßen der Stadt Kaiserslautern von der abflutenden Menge das Horst-Wessel-Lied gesungen wurde, da blieb eine Zeile besonders haften, die am besten über dieser Kundgebung gestanden hätte: „Zum letzten Mal wird Sturmalarm geblasen." Es konnte genau festgestellt werden, daß die Provokation planmäßig eingeleitet worden war. So konnte man beobachten, daß kurz vor dem Zwischenfall verschiedene ausländische Pressephotographen, die vor der Regierungskommission standen, von einigen der Flugblattverteiler einen Wink bekamen. Wenige Minuten später kam es zu der Provokation, bei der die Aus - l a n d - P r e s s e v e r t r e t e r sofort anwesend waren. Außerdem wurde beobachtet, daß ein englischer und ein französischer Pressephotograph sich vormittags zwischen 10 und 11 Uhr dahin verständigten, daß in öen Mittagsstunden unter allen Umständen etwas passieren werde. Bezeichnend ist ferner die Tatsache, daß einer der roten Flugblattverteiler für die aller- christlichste „Neue Saarpost" beim Besteigens des Ueberfallroagens demonstrativ mit erhobener Faust und „Rotfront" grüßte. Frankreich dementiert Keine Truppenzusammenziehungen an der saarländisch-lothringischen Grenze. Berlin. 9. Jan. (DNB.) Von unterrlchte- ter Seite erfahren wir: Nach Mitteilungen von französischer Seife sind alle Nachrichten über angebliche französische militärische Maßnahmen an der lothringisch-saarländischen Grenze unzutreffend. Es haben keinerlei Trnppenzusammen- Ziehungen oder sonstige militärische Mahnah- men stattgefunden, vielmehr ist lediglich bx t französische Grenzpolizei verstärkt worden, um den Verkehr über die Grenze zwischen Lothringen und dem Saargebiet einer Der letzte Appell an das Saarvolk. Stürmische Beifallskundgebungen der Saararbeiter unterbrechen immer wieder die Rede des Saarbevollmächtigten. Separatistische provokastonen bei der Landes- leilmg der Sentschen Front in Saarbriilken. Hausfriedensbruch durch separatistische Werber. - Ausländische Photographen bereitgestellt und Lleberfallkommando alarmiert. Deutsche Soldaten als Gaarabstimmler Der Stimmschein für die Saarabstimmung Vereinigung mit Frankreich r:r' Vereinigung mit Deutschland Aus aller Welt 10. 11. 12. 5. 3. 4. Ordnung und Sicherheit lm Saargebiet erforderte. 2. Die Verteilung der Landfägerposten an der Grenze erfolgte lm Verhältnis zur Länge der einzelnen Grenzen. Nach der sehr eigenartigen und besorgniserregenden Umgruppierung der Landjägerposten SOCI ETF DES NATIONS • LEAGUE OF NATIONS VOLKSABSTIMMUNGSKOMMISSION DES VÖLKERBUNDES DER ABSTIMMUNGSBERECHTIGTE MACHT EIN KREUZ (X) IN DIE WEISSE KREISFLÄCHE DES SEINER WAHL ENTSPRECHENDEN FELDES Stimmzettel ungefaltet in den Um- schlag gest eckt und diesen verschlossen hast. Sprich mit niemandem mehr i m Wahllokal, wenn du deinen Stimmzettel erhalten hast; sprich auch mit niemandem, bevor du nicht das Wahllokal verlassen hast. Enthalte dich auch nach Abgabe deines Stimmzettels jeder politischen Meinungs- äuherung durch Wort oder Gruß, bevor du nicht das Wahllokal verlassen hast. Präge dir diese Vorschriften gründlich ein, befolge sie auf das Genaueste, sorge dafür, daß deine Stimme nicht ungültig wird. Auch von den Angehörigen der Wehrmacht sind eine größere Anzahl abstimmungsberechtigt. Sie werden bis zum letzten Mann ihr Stimmrecht wahrnehmen. Der Reichswehrminister hat für die Einreise Vorschriften erlassen, in denen mungslokal. . Sprich am besten kein Wort im Wahllokal. Beantworte nur die Fragen der Mitglieder des Wahlbüros. Vermeide auch hierbei jede politische Aeuherung. halte dich, bis du zum Wählen drankommst, nur in dem Teil des Abstimmungslokales auf, der ausdrücklich als Warteraum gekenn- Amtlich wird ferner milgeteilt: Der Abstimmungsberechtigte hat auf dem amtlichen Wahlzettel e i n „Kreuz" in die weihe Kreisfläche des feiner Wahl entsprechenden Feldes mit schwarzem Bleistift zu machen. Die ursprüngliche Bestimmung der Wahlordnung, dah die Zahl „1“ an dieser Stelle einzusehen ist, ist durch die Ab- sllmmungskommission aufgehoben. Für außerhalb des Saargebietes wohnhafte abstimmungsberechtigte Personen ist die Pflicht, sich innerhalb 24 Stunden polizeilich zu melden, für die Tage vom 12., 13. und 14. Januar 1935 aufgehoben. Diese Meldepflicht bestehl aber für von auherhalb des Saargebiels kommende Ab- flimmungsberechtigle, wenn sie vor dem 12. Januar 1935 in das Saargebiel einreisen oder über den 14. Januar 1935 dort verbleibe». r * ' ' * * * ' v v Beibehaltung der gegenwärtigen Rechtsordnung (Status quo) Richtlinien für den Kraftfahrzeug-Grenzverkehr ins Saargebiet während der Abstimmung. Interessant ist, daß — abgesehen von der Überschrift — der Text des Stimmscheins n u r i n deutscherSprache abgefaßt ist. Offensichtlich gibt die Abstimmungskommission damit zu, daß dieser Stimmzettel für die Bevölkerung eines rein deutschen Landes bestimmt ist. zeichnet ist. 6. F ü ge dich widerspruchslos "l 1 en An- ordn ungen des Vorsitzenden des Wayi- büros, auch wenn du sie nicht begreifst. Beginne keine Polemik. 7. Fülle deinen Stimmzettel nur in der Isolierzelle aus. 8. Zeichne dein Kreuz in den entsprechenden Kreis des Stimmzettels nur mit einem schwar z- schreibenden Dleistlfl ein. da >ed-s andere Schreibzeug, auch Tinte, Buntstift oder Kopierstift, deine Stimme ungültig macht. 0. Verlasse die Isolierzelle pi$t eher, bis du de» Achtung! Gaarabstimmungsberechtigte! Zwölf Gebote für die Laarabstimmung. 1. Jede politische Meinungsäußerung im Wahllokal führt unnachsichtlich zum S t i m m v e r l u st. 2. Auch der Deutsche G r u h , ja sogar das Erheben des rechten Armes, gilt als verbotene politische Meinungsäußerung. Trage auch keinerlei Abzeichen oder Plaketten im Abstim- Den Kommunisten in die Hand " gearbeitet. Saarbrücken, 9.Jan. (DNB.) Die Zurückziehung der Landjägerposten aus den Orten am linken Saarufer hat nunmehr dazu geführt, daß von Mltjwoch ab dieses ganze Gebiet schutzlos und die Grenze völlig offen ist. Kommunisten kommen mit Kraftwagen aus Lothringen und mit großen Mengen von Flugblättern herüber und überschwemmen die ganzen Ortschaften mit Flugblättern. Da die Separatisten und Emigranten einjehen, daß sie das Saargebiet als Asyl für sich nicht mehr lange behalten werden, hoffen sie, sich wenigstens den Teil links der Saar als ein gewisses „Indianer- Reservat" dadurch sichern zu können, daß sie hier die Bevölkerung in den letzten Tagen vor der Abti k s oder Carnet des Passages sind, können diese Papieren, für die Einreise nach dem Saargebiet benutzen. Die Regierungskommission des Saargebietes hat genehmigt, daß die zur Abstimmung berechtigten Kraftfahrer den sonst vorgeschriebenen Internationalen Führer- und internationalen Zulassungsschein nicht benötigen. Selbstverständlich muß jeder Kraftfahrer den deut, s ch e n Führerschein und den deutschen Zulassungsschein (Kraftfahrzeugschein) für das benutzte Fahr- zeug bei sich führen. In jedem Falle muß an der Rückseite des Fahrzeugs oorfchriftgemäß das deutsche Nationalitätsabzeichen „D" geführt werden. Das Nationalitätsabzeichen „D" und das polizeiliche Kennzeichen müssen bei eintretender Dunkelheit beleuchtet sein. Die Erleichterung gilt nur für die Ab- stimmungsberechtigten für die Fahrt innerhalb des Saargebietes; auf französischem Gebiet müssen Internationaler Führer- und Internationaler Zulassungsschein vorhanden sein. Nachstehend eine Uebersicht über die nach dem Saargebiet führenden sieben Hauptstraßen: Strecke 1: Kaiserslautern — Saarbrücken: Ueber- gang Bruchhof-Homburg (114). Strecke 2: Karlsruhe — Zweibrücken — Homburg: Uebergang Kaplaneihof-Einöd (115). Strecke 3: Bingen — Oberstem — Saarbrücken: Uebergang: Selbach-Tholey (120). Strecke 4: Bingen — Homburg — Saarbrücken: Uebergang: Waldmohr- Jägersburg (120a). Strecke 5: Trier — Saarburg — Saarbrücken: Uebergang: Weiten-Keuchingen (129). Strecke 6: Trier — Zerf — Saarbrücken: lieber- gang: Michelbach-Bettingen (484). Strecke 7: Kreuznach — Türkismühle — Hirstein — St. Wendel: Uebergang: Hirstein-St. Wendel (129a). Die in Klammern eingesetzten Zahlen entsprechen den Nummern der Streckenkarten, die der DDAC. den Abstimmungsberechtigten aus Wunsch kostenlos überläßt. Geschäftsstelle des Gaues 3 des DDAC. Frank- furt a. M., Goetheplatz 5, Telephon 24 516. Ge- ; schäftsstelle in Saarbrücken, Königin-Luisen- ■ Straße 23, Telephon 20738/39. genaueren ftontrolle zu unterwerfen. Eine amtliche Erklärung der üegierungs- fommiffion des Saargebietes über die Gründe für die völlige Entblößung des linken Saarufers von Gendarmerie liegt zur Stunde noch nicht vor, wenn man nicht als solche eine der saarländischen Presse zugegangene Auflagennachricht ansehen will, die sehr lakonisch und keineswegs überzeugend folgendermaßen lautet: 1. Die Verteilung der Truppen erfolgte in dem Maße, in dem sofort geetgnefeUnfer- fünfte zur Verfügung standen und wie es N' Aufrechterhaltung der öffentlich«... Die Erwärmung soll von Nordwesten her kommen. In Archangelsk ist die Temperatur im Laufe des Dienstag bereits bis auf 1 Grad Kälte gestiegen. An der Nordspitze der Halbinsel Kola lag die Temperatur sogar über dem Gefrierpunkt. In Mittelrußland dagegen ist es nach wie vor kalt, besonders in der Ukraine. In Kiew wurden 2 6 Grad Kälte festgestellt, in Charkow und Dnepro- Petrowsk 30, in Lugensk 40, in Moskau 18 Grad Kälte. Während der letzten Tage des großen Frostes sind in Moskau mehrere Fälle von Erfrieren vorgekommen; so sind eine ältere Frau und zwei betrunkene Arbeiter auf offener Straße nachts erfroren. Der sehr starke Frost in Ostpreußen wird auch in absehbarer Zeit nicht abnehmen. Die Tem- peratureen schwanken in Nord-Ostpreußen zwischen 15 und 20 Grad und in Südostpreußen zwischen 20 und 30 Grad unter Null. Den Kälterekord hat bisher Lyck mit 30 Grad erreicht. Die tiefste Temperatur in Königsberg war 23 Grad. Der Frost hat bereits ein Todesopfer gefordert. Ein Landwirt, der sich auf dem Heimweg befand, ist auf dem langen Marsch zusammengebrochen und erfroren. Viele Brände sind auf dem Lande dadurch entstanden, daß man versucht hat, die eingefrorenen Wasserleitungen mit offenem Feuer aufzutauen. In Eydtkuhnen brannte das Gemeindehaus nieder. Zur Bekämpfung des Brandes stellte der große Grenzbahnhof kochendes Wasser, das für die Lokomotiven vorgewärmt war, zur Verfügung, um die immer wieder einfrierenden Spritzen aufzutauen. SA.-Gruppenführer Heß Reichsinnungsmeister der Schuhmacher. Im Preußenhaus in Berlin fand die feierlich^ Einführung und Verpflichtung des neuen Reichsm- nungsmeisters der Schuhmacher, des SA.-Gruppenführers und Schuhmachermeifters Arthur Heß- Plauen i. V., M. d. R., durch Reichshandwerksmel- fier Schmidt statt. Der bisherige Reichsinnungsund Ehrenmeifter S t ö f f e r - Hannover hatte um Entlassung aus seinem Amte gebeten. Der feierlichen Uebergabe dieses Amtes, die sich nach altem Brauch vor der offenen Bundeslads vollzog, wohnten jaty« Die Nachricht, daß plötzlich die Landjägerposten westlich der Saar auf das rechte ©aarufer 3wrü«fr gezogen worden sind, hat im Saargebiet außerordentliche Spannung hervorgerufen Es handelt sich um Landjägerposten in folgenden Orten: Waldwiese, Biringen, Oberesch, Fuhrweiler Loidmgen lieber- Herrn Lauterbach, Carlsbrun, St. Nicolas, Naßweiler, Emmersweiler und Klein-Blittersdors. Damit ist das linke Saarufer seiner letzten dünnen Postenkette beraubt. Verbot einer Broschüre. Berlin, 9. Jan. (DNB.) Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda hat veranlaßt, daß die in dem Kulturpolitischen Verlag Berlin-Leipzig-München erschienene Broschüre von Wilhelm Gellert „Vor großen Katastrophen. Der deutsche Ausstieg und die germanische Zei t", die sich in unsinniger und dilettantischer Weise mit außenpolitischen Problemen befaßt, mit sofortiger Wirkung verboten wird, um Mißdeutungen hinsichtlich der Führung der deutschen Außenpolitik vorzubeugen. Die Kälte in Nord- und Ostdeutschland, Polen und Rußland. Seit Montagnachmittag sind in ganz Norddeutschland die Temperaturen stetig gesunken. Während am Montagnachmittag in Hamburg sich die Temperaturen noch um den Nullpunkt bewegten, sind sie am Mittwoch bereits bis auf 7 Grad unter Null gesunken. Auch in Schleswig-Holstein liegen die Temperaturen bei 6 bis 7 Grad Kälte. Etwas milderes Wetter herrscht dagegen im Wesergebiet, wo nur Temperaturen von 4 Grad Kälte zu verzeichnen sind. Man rechnet in Hamburg mit dem Anhalten der Frostwetterlage sowie einem weiteren Absinken der Temperaturen bis auf etwa 10 Grad Celsius Kälte. Die für Polen ungewöhnlich heftige Kälte hat auch am Mittwoch angehalten. Im Wilnaer Gebiet langte morgens ein Fuhrwerk an, auf dem der Besitzer und seine Tochter erfroren aufgefunden wurden. In Warschau mußten rund 700 Personen die Unfallstation wegen erfrorener Gliedmaßen in Anspruch nehmen. In der Stadt werden an Arbeitslose unentgeltlich Kohlen verteilt. Ferner wurden zwei Feldküchen in Betrieb gesetzt, die unentgeltlich warme Suppe austeilen. Schließlich sind an zahlreichen Stellen der Stadt Koksöfen aufge- stellt worden, an denen sich die Passanten wärmen können. Die sowjetrussische Presse erwartet für die Nächsten Tag« eins. Erhöhung der Lufttemperatur. B e r l i n, 3. Jan. (DNB.) Der D e u t s ch e A u ° tomobil-Club (DDAC.) stellt jedem Abstimmungsberechtigten, der mit seinem eigenen Kraftfahrzeug zur Abstimmung nach dem Saargebiet reisen will, das Triptik gebührenfrei aus. Die gesamten Unkosten sowie Rückversicherungsgebühren werden von DDAC. gemeinsam mit der „Agrippina" als Rückversicherungsgesellschaft übernommen. Nachstehende Richtlinien sind besonders zu beachten: Die Triptiks gelten nur für die Reife jur Abstimmung ins Saargebiet, keinesfalls aber für eine Einreise nach Frankreich. Abstimmungsberechtigte haben bis zum 10. Januar 1 935 Triptiks bei der Hauptgeschäftsstelle des DDAC., Abteilung Grenzverkehr, München, Königinstraße 11a, sowie bei den Gaugeschäftsstellen zu beantragen. Die Beantragung muß auf einem vom DDAC. vorgeschriebenen Formular erfolgen; außerdem muß der Nachweis erbracht werden, daß der Antragsteller abstimmungsberechtigt ist. Wo eine rechtzeitige Beantragung nicht erfolgen konnte, besteht die Möglichkeit, die Triptiks an den deutschen Grenzzollämtern durch Beamte des DDAC. ausgestellt zu erhalten. Der DDAC. wird am 11., 12. bis 14. Januar 1935 bei nachstehend bezeichneten deutschen Grenzzollämtern vertreten sein: Bruchhof — Kaplaneihof — Selbach — Waldmohr — Weiten — Michelbach — Hirstein. Der Kraftfahrer, der sich das Triptik erst an der Grenze ausstellen läßt, muß mit einigem Aufenthalt rechnen. Die Triptiks sind mit dem 2 0. Januar 1935 befristet, daher müssen die Fahrzeuge bis zu diesem Zeitpunkt nach Deutschland zurückbefördert sein. Die Triptiks sind vom franzo- I fischen Grenzzollbeamten endgültig löschen zu lassen und schnellstens dem DDAC. zurückzusenden. Diejenigen Abstimmungsberechtigten, die am 13. und 14. Januar 1935 zurückkehren, haben die Triptiks endgültig gelöscht dem Beamten des DDAC. am deutschen Grenzzollamt abzuliefern. Für Lastautos,' Lieferautos, Omnibusse, Tarameter oder sonstige Geschäftsfahrzeuge können französische Tnptiks nach dem Saargebiet grundsätzlich nicht ausgestellt werden. Mitglieder des DDAC., die bereits im Besitz eines gültigen französischen Trip- müßle sich nach dieser Mitteilung eigentlich die hat für die Einreise VoMnsten erlaßen, in Denen Gänge bet ffiren3en über Noch! geändert -- ». a. heißt: D°r Re.I-nde muß neben.dem t. <- tv■ cm tr ir# inSnnCnfizt üa iTruppenausweis und Urlaubsschein haben. Die Auflagennachncht ist jedenfalls für sich einem gewöhnlichen Reisepaß ober mit -- noch keineswegs geeignet, die menroür- einem Reisepaß, der von der örtlichen zuständigen die digen Maßnahmen zu erklären und die Beun- Paßbehörde besonders zum Zwecke der Teilnahme e n I ruhigung zu beseitigen. an der Saar-Abstimmung kostenlos ausgestellt wird, versehen sein. Der Reisende muß sich innerhalb 24 Stunden nach seiner Ankunft bei der Polizeibehörde des Ortes, in dem er Aufenthalt nimmt (in Saarbrücken bei der Reaierungskommisfion, Abteilung des Innern, Paßabteilung), anmelden, lieber die Anmeldung wird eine Bescheinigung erteilt. Die Bescheinigung berechtigt zum Aufenthalt im Saargebiet bis zur Dauer von zwei Wochen. Im Saargebiet darf keine Uniform und kein militärisches Abzeichen getragen werden. Die Mitnahme von Waffen und Munition ist verboten. Urlaub an Soldaten als Abstimmungsteilnehmer erteilen die nach der Urlaubsordnung zuständigen Vorgesetzten. Der für die Abstimmung notwendige Urlaub wird unter Fortgewährung der Gebührnisse ohne Anrechnung auf den Erholungsurlaub gewährt. Feldwebel Breid er, der ebenfalls als Saar- deutscher an der Abstimmung teilnimmt, schreibt u. a.: Arn 12. Januar 1935 haben wir abstimmungsberechtigten Saarländer der deutschen Wehrmacht „ e i n en " Urlaubsort: „Unsere treue deutsche Saarheimat!" Am 12. Januar 1935,^^,^-—. s..-- fahren wir mit vielen tausend Brüdern aus dem in Treue und Liebe zu Heimat, Volk und Vater- Reiche heim! Am 13. Januar 1935 erfüllen wir der land von niemandem übertreffen. Heimat und unserem deutschen Daterlande gegen-' -------- über unsere heiligste Pflicht. Niemals soll man uns nachsaaen, daß wir als deutsche Soldaten in einem entscheidenden Augenblick versagt hätten. Gerade wir Soldaten müssen unseren Brüdern und Schwestern in der Heimat ein leuchtendes Vorbild sein. Wir Soldaten sind uns klar darüber, um was es am 13. Januar 1935 geht. Wir saardeutschen Soldaten ließen uns nicht irre machen. Für uns gab es stets und immer nur eine „deutsche" Saarheimat, die stets und immer zum großen deutschen Vaterlande gehört. „Soldat sein, heißt treu fein!" — Der Saarländer im feldgrauen Ehrenrock blieb immer treu feiner Heimat, seinem deutschen Daterlande. Die ganze Welt soll wissen, daß der deutsche Soldat der treue st e Sohn seiner Heimat ist. Am 13. Januar 1935 werden wir zusammen mit unseren deutschen Brüdern und Schwestern in der Heimat das überkommene Vermächtnis unsrer Ahnen festhalten, um es an unsre Nachkommen weiterzugeben. In eiserner, soldatischer und verbissener Disziplin erfüllen wir am 13. Januar 1935 unsere Pflicht! Stets werden wir daran denken, dckß unsere kleine, deutsche Heimat in dem großen Weltkriege den „jüngsten" und prozentual die „meisten" Kriegsfreiwilligen aus dem ganzen deutschen Vaterlande gestellt hat. Diese Helden sind nicht u m s o n st für Heimat und Vaterland gefallen. Der feldgraue Kamerad von heute wird sich Dieser bewundernswerten und vorbildlichen Opferbereitschaft würdig zeigen. Mit den Gedanken tiefster Dankbarkeit und bewußter Treue treten wir am Befreiungstage unserer deutschen Heimat vor die Wahlurne. Der feldgraue Saarländer läßt sich ftimmung mit allen Mitteln einschüchtern. Dazu gehört auch die Zurückziehung der Polizeiposten, die Emigranten und Separatisten hier freie Hand gibt. In der Nacht zum Mittwoch sind auf dem linken Saarufer von Kommunisten Telephon- t e itungen auf Strecken von mehreren hundert Metern durchschnitten und die Isolatoren herausgerissen worden, so daß zwei Ortschaften telephonisch nicht erreichbar waren. Die Ermittlungen haben weiterhin ergeben, daß allein im Kreise Saarbrücken - Land 26 verschiedene Landjägerposten geschlossen und die Grenzwachthäufer teilweise sogar zugenagelt worden waren. Die Landjäger sind sämtlich ander deutschen Grenze eingesetzt worden, wo die Bewachung überall außerordentlich verstärkt worden ist. ’ouis -en, ^Zweibrücken 'aargernanS © Hon \eidingen 1? Saa. © \ J'/Wende* | S/7ngberf ß/ieskcfl drücken \ KlßHttersdorJ ( Vo. 'Überherw far/sbryn • JS/.Nico/as titiMerzi9 ^fuhrweiter reiche Meister bei. Mit ehrenden Worten gedachte Reichshandwerksmeister Schmidt der Tätigkeit Stössers. Er verlieh dem scheidenden Meister das Recht zum Tragen des goldenen Reichsstandsabzeichens auf Lebenszeit. Dann wandte er sich an den SA.-Gruppenführer Heß und verpflichtete ihn als neuen Führer des Schuhmacherhandwerks mit dem Titel Reichsinnungsmeister der Schuhmacher. Gruppenführer Heß verpflichtete sich mit den Worten, daß er als Reichsinnungsmeister sein Ziel darin sehe, dem Handwerk den Boden zurückzugewinnen, der ihm einst zu eigen war. Der Raubüberfall auf einen Wiesbadener Kassenboten vor Gericht. Die Große Strafkammer Wiesbaden verhandelte gegen den 20jährigen Karl Reuter wegen schweren Raubes, Diebstahls eines Motorrades und einer Schußwasfe. Reuter hatte im Oktober v. I. den Boten einer Firma, der in Begleitung eines zweiten Angestellten 7000 RM. in Silbergeld zur Bank bringen wollte, überfallen und beraubt. In der Verhandlung erklärte Reuter, daß er von seinem Freund, einem gewissen Hermann Hahn, zu der Tat angestiftet worden sei. Reuter und Hahn, die sich in einer Fürsorgeanstalt kennen gelernt hatten, mußten sich anschließend wegen schweren Diebstahls verantworten. Reuter war auf Llnstiften des Hahn bei dessen Meister eingebrochen und hatte aus einer Schublade 1500 RM. entwendet. Wegen dieses schweren Diebstahls verurteilte das Gericht Reuter unter Einbeziehung der in der Raubsache erkannten Strafe von 2Vs Jahren zu einer G e - samtgefängnis strafe von drei Jahren. Hahn wurde zu einem Jahr vier Monaten Gefängnis verurteilt. Familienvater als Massenmörder. — Acht Todesopfer in Kentucky. In Mount Vernon (Kentucky) hat sich ein grauenhaftes Verbrechen zugetragen, dem insgesamt sieben Menschen zum Opfer fielen. Im Verlaufe von Familienstreitigkeiten tötete ein Mann seine Frau, feine beiden Schwiegereltern, einen Schwager und eine Schwägerin und verwundete einen weiteren Schwager und eine Schwägerin. Sodann ergriff er die Flucht und e r- mordete ein etwa fünf Kilometer entfernt wohnendes Ehepaar. Gendarmerie und eine Abteilung Natio«algarde, die vom Gouverneur bereitgeftellt wurde, verfolgten den Massenmörder, der S e l b st - mord durch Erschießen beging, nachdem die Verfolger ihn eingekreist hatten. Schwere Erdbebenfchäden in der Türkei. Erst jetzt läßt sich übersehen, daß die Schäden des jüngsten Erdbebens viel größer waren, als nach den ersten spärlichen Nachrichten angenommen werden konnte. Die Zeitungen Istanbuls haben Berichterstatter in den mutmaßlichen Erdbeben- Mittelpunkt entsandt. Als Mittelpunkt des Bebens ist die Insel Marmara im Meere gleichen Namens festgestellt worden, die der asiatischen Küste vorgelagert ist. Von den 137 Häusern der Jnseldörfer sind 40 völlig zerstört worden, die übrigen meist schwer beschädigt. Zwei Dörfer der Insel, sowie fünf Dörfer kleinerer benachbarter Inseln sind fast völlig zerstört. Die Bevölkerung, die sehr durch die Kälte leidet, hat beschlossen, die gefährdeten Inseln zu räumen. Der „Rote Halbmond" hat eine Hilfsaktion eingeleitet. Aus der Gegend von asiatischem Küstenland werden ebenfalls größere Sachschäden aus den Dörfern gemeldet. Bisher werden zwei Tote und vier Verletzte gemeldet. Die Erdstöße dauern mit verminderter Stärke an. Explosionsunglück in Amerika. — 17 Menschen schwer verbrannt. In Hudsonville (Michigan, USA.) ereignete sich ein schweres Explosionsunglück, bei dem eine große Anzahl von Menschen zu Schaden kam. Ein Lastkraftwagen, der mit einer Farbflüssigkeit beladen war, hatte Feuer gefangen, und eine zahlreiche Menschenmenge hatte sich aus Neugierde angesammelt, um den Brand zu beobachten. Plötzlich erfolgte eine furchtbare Explosion, und ein 13. Januar. Die Ration hat eine Pflicht, sich, soweit es irgend menschenmöglich ist, dem Elend entgegenzusehen. Das Führerwort ist allen Volksgenossen Mahnung zum kommenden Eintopfsonnlag. Richts Großes wird von uns verlangt, nur eine kleine Einschränkung bedeutet das Eintopfessen. Die Grenzen des Menschenmöglichen liegen ungleich höher. Würdelos wäre es, wollte ein Volksgenosse das kleine Opfer scheuen, wo so Großes auf dem Spiele steht. Die Ehre der Ration verlangt, daß der Kampf gegen hunger und Kälte mit unverminderter Stoßkraft weiter geführt wird. Deutsche! Denkt daran am 13. Januar! L« _____________:_______________________________________________।________________________________________________________________________._______________________________________________:________________________:_____________:____________________________________________________ großer Teil der Zuschauer wurde von der brennenden Farbmasse ergriffen. Siebzehn Personen erlitten schwere Verbrennungen. Eine Anzahl von ihnen dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. Wieder ein Eisenbahnunglück in Sowjetrußland. — Sechs Tote, 23 Verwundete. In der Nähe von Rostow am Don fand ein schwerer Eisenbahn zusammen st oß statt. Aus bisher nicht geklärter Ursache fuhr ein Personenzug in das Ende, des vor ihm fahrenden Personenzuges hinein. Bei dem Unglück fanden sechs Personen den Tod, 23 wurden verwundet. Englischer Fischdampfer gesunken. — Zwölf Fischer ertrunken. Auf dem Humber unweit Hüll ereignete sich ein schweres Schiffsunglück. Der Fischdampfer „Edgar Wallace" stieß bei der Rückkehr vom Fischfang auf eine Sandbank, legte sich auf die Seite und sank. Von der Besatzung von 15 Mann konnten nur drei gerettet werden. Man befürchtet, daß die übrigen 12 ertrunken find. Blutiger Zwischenfall in Indien. — Sieben Mohammedaner erschossen. In Jtschalkaranji im Staate Kolhapur kam es zu einem blutigen Zwischenfall zwischen indischer Polizei und den mohammedanischen Einwohnern. Die Polizei hatte den Auftrag, einige Personen zu verhaften und wurde dabei von einer großen Menschenmenge angegriffen. In ihrer Bedrängnis gab sie schließlich eine Salve ab, durch die sieben Mohammedaner getötet und 20 verletzt wurden. Der Fall Hauptmann. Im weiteren Verlauf der Verhandlung gegen Bruno Hauptmann in Flemington sagte der frühere Beauftragte Lindberghs, Dr. Con - d o n aus, daß er den Angeklagten Hauptmann als die Person wiedererkenne, der er auf dem Bronxer Kirchhof die 50 000 Dollar Lösegeld für das Lindbergh-Kind übergeben hat. Englisches Windmühlenflugzeug nimmt an Hebungen italienischer Kriegsschiffe teil. „Morning Post" meldet, daß ein von dem britischen Flieger Brie geführtes Windmühlen- flugzeutz, das auf Einladung der italienischen Regierung in der Nähe von Spezia gemeinsam mit italienischen Kriegsschiffen Uebungen veranstaltete, bemerkenswerte Leistungen erzielt habe. In den letzten Tagen sei es dem Flugzeugführer gelungen, sein Windmühlenflugzeug vom Deck des Kreuzers „Fiume", der mit einer Geschwindigkeit von 24 Knoten fuhr, zu starten. Nach einem' kurzen Flug sei das Windmühlenflugzeug ebenso glatt wieder auf dem Verdeck des fahrenden Schiffes gelandet. Diese Leistung sei besonders beachtenswert, da der Kreuzer „Fiume" kein Flugzeugträger sei. Zur Erleichterung der Uebung sei lediglich auf dem Hinterschiff des Kreuzers eine Plattform von 10 Meter Durchmesser errichtet worden. Fast 102 Jahre alt geworden. Die älteste Einwohnerin der Stadt Husum in Schleswig, die Witwe Ralf, ist im Alter von f a st 10 2 Jahren gestorben. Am 15. Februar hätte sie ihren Geburtstag gefeiert. Hochschulstudium für begabte Arbeiterföhne. Um den Begabtesten der deutschen Arbeiterjugend die Möglichkeit zu geben, eine Hochschule zu besuchen, hat der Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung auf Antrag der Deutschen Studentenschaft genehmigt, daß zunächst 20 Mitglieder der Hitlerjugend und des Arbeitsdienstes ohne Reifezeugnis in die Deutsche Studentenschaft ausgenommen werden mit dem Ziel, sie gegebenenfalls nach zwei Semestern zur Immatrikulation zuzulassen. Die geistige Vorbereitung dieser Arbeitersöhne für das Hochschulstudium wird gemeinsam mit der Deutschen Studentenschaft und Dozentenschaft durchgeführt. Die Mittel für das gesamte Studium stellt das Reichs- studentenwerk zur Verfügung. Zum ersten Einsatz dieser Arbeitersöhne wurden die Universitäten Heidelberg und Königsberg in Aussicht genommen. Neues Zugpaar auf der Strecke Wehlar—Lollar. LPD. Wetzlar, 9. Jan. Auf Vorstellungen der Bezirksstelle Wetzlar der Industrie- und Handelskammer für das Rhein-Mainische Wirtschaftsgebiet hat sich die Reichsbahndirektion Frankfurt bereit erklärt, vom 15. Mai ab versuchsweise einen Per- f o n e n 3 u g zwischen Wetzlar und Lollar und zurück am Vormittag einzulegen. Das Zugpaar wird etwa folgenden Fahrplan erhalten: Lollar ab 7.45 Uhr, Wetzlar an 8.15 Uhr, Wetzlar ob 12.06 Uhr, Lollar an 12.39 Uhr. Tödlicher Unfall auf der Landstraße. LPD. Wetzlar, 9. Jan. Auf der Landstraße Wetzlar—Braunfels, in der Nähe von Albshausen, ereignete sich gestern ein tödlicher Verkehrsunfall. Der 48 Jahre alte Schachtmeister Friedrich Schütz aus Winden (Kreis Ufingen) stieß mit seinem Motorrad mit einem aus Richtung Braunfels kommenden Personenkraftwagen eines Gießener Fahrers zusammen. Schütz wurde mit großer Wucht auf das Auto geschleudert, wobei ihm der Schädel zertrümmert wurde und der Tod auf der Stelle eintrat. Der Unfall ist besonders tragisch, weil Schütz, der an der Lahnverbreiterung tätig war, in wenigen Wochen seinen Berus aufgeben und sich in seinem Heimatort, wo er gleichzeitig Gemeindeschulze war, seinem landwirtschaftlichen Betrieb widmen wollte. Polizei! chr Schließung eines Fnseurgeschästs. LPD. Mainz, 9.Jan. Auf Antrag der Mainzer Friseurinnung ist das Friseurgeschäft Hermann S ch w a l b a ch in der Heidelbergerfaßgasse polizeilich geschlossen und der Inhaber i n S ch u tz h a s t genommen worden. Das Verhalten des Betriebsführers gegenüber den Angestellten in moralischer und sozialer Beziehung sowie die Verstöße der Geschäftsführung in hygienischer wie wirtschaftlicher Art veranlaßten die Friseurinnung, da alle Mahnungen erfolglos waren, das Geschäft schließen zu lassen. IDefferoorausfage. Die Wirbeltätigkeit in Nordeuropa hat sich verstärkt und beginnt langsam auf den Kontinent überzugreifen. Damit ist für später die Zufuhr milder ozeanischer Luft zu erwarten, doch wird die Frost- Zunahme noch nicht ganz verschwinden, anfänglich sogar noch etwas zunehmen. Aussichten für Freitag: Meist wolkig und zeitweilig leichte Niederschläge (überwiegend Schnee), zunächst noch Frostzunahme, dann mit nach Westen drehenden Winden beginnende Milderung. Aussichten für Samstag: Bei west- lichen Winden zunächst weitere Milderung mit einzelnen Niederschlägen. Lufttemperaturen am 9. Januar: mittags —3,3 Grad Celsius, abends —3,7 Grad: am 10. Januar: morgens —4,3 Grad. Maximum —2,7 Grad, Minimum — 4,4 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 9. Januar: abends 0,7 Grad; am 10. Januar: morgens 0,5 Grad Celsius. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich W. Lange, für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot, für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck, verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen. Theodor Kümmel. DA. XII. 34: 12 047. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis: 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 2 vom 2. Juli 1934 gültig. Bettkolter kalte Jahreszeit: Steppdecken Fenstermäntel bei größter Auswahl in allen Preislagen Bahnhofstraße Nr. 31 Spezialgeschäft für Teppiche u. Gardinen 146 A Oie Verlobung meiner Tochter Hedda mit Herrn Helmut Großmann gebe ich bekannt Oswald Molsen Bremen Holler-Allee 73 Meine Verlobung mit Fraulein Hedda Molsen beehre ich mich anzuzeigen Helmut Großmann Gießen Hindenburgwall 16 Weihnachten 1934 0136 Sfreü& 4it dür ■unHaZiHdurOH e h Morgen Freitag: Metelsujpe im Rheingold. I Restaurant Stadt Mainz Samstag, 12. Januar Familieohonzert erster Künstler Bis 4 Uhr nachts geöffnet 137 D NASS - SCHN El DER El GIESSEN PLOCKSTR. 7 2 Herren mit guter Allgemein-Bildung xum Berkaus des weltbekannten Bor- werk-Kobold gesucht. Herren, welche an intensives und sauberes Arbeiten gewöhnt sind, finden wirkliche Dauerexistenz. Kurze Angebote unt. F. DI. 1015 an Ala An- zeigen-A.-G., Frankfurt/M. U5v verland losort Sllllie oll.6err für vornehme gemeinnützigeNeise- tätigkeit an Private gesucht. Volle Auszahl. ohne Risiko. Tagt. Ver- dienstmögl. 8 bis 10 Mk. bei sofort. Barausschüttung. Schr. Ang. unt. 143V an den Gießener Anzeiger. 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Damm: Kleinanzeigen in die Heimatzeitung, den GießenerAnzeigei SlMWlel Gießen. Freit., 11. Fan., Geschlossen. Gewinnauszug 4. Klasse 44. Preußisch-Süddeutsche (270. Preuß.) Staats-Lotterie Ohne Gewähr Nachdruck verboten Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 1. Ziehungstag 9. Januar 1935 3n der heutigen Vormittaasziehung wurden Gewinne über 300 M. gezogen 165224 280575 371475 3293 191833 235458 39698 115178 119035 171136 206024 232213 360396 2 Gewinne zu 3000 M. 4 Gewinne zu 2000 M. 6 Gewinne zu 1000 M. 26 Gewinne zu 800 M. 130099 138713 161469 249269 251305 335912 116817 118258 140823 159163 193749 199197 215459 243234 272246 301412 319934 373294 395443 141752 160092 194112 199293 221183 243447 276975 301436 350825 374561 133093 151068 171239 198219 201656 234725 263024 286828 316830 363157 387513 136651 158567 188979 198382 209986 240058 271064 291420 319680 364739 392503 124950 144117 160457 195417 200211 225801 251057 279192 309401 355476 378448 126675 148263 168777 198051 200559 232384 256162 286015 314588 358159 378958 44 Gewinne zu 500 M. 2012 70029 76801 88169 115640 117235 119381 177472 192194 194064 231359 243514 263751 284781 285642 314204 315550 319375 336779 368690 370013 370215 186 Gewinne zu 400 M. 22527 22652,25237 27666 29215 33462 33995 44130 46690 46779 54619 56174 57597 58143 76969 86938 89687 91444 91648 94446 97145 100480 100671 106855 111808 116817 118258 119724 ------ ------ ------ 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 300 M. gezogen 163761 190680 203011 231697 266991 303904 317105 347524 370163 396330 163837 194242 208415 240161 279702 306079 325451 349753 374668 396802 125312 164099 195076 211466 243941 286490 307410 328248 356927 378526 139172 169941 197729 213287 253390 290363 310166 333933 357225 379344 100482 147144 176596 200369 216533 255012 293649 312811 335399 358000 382893 118483 159711 178038 200388 219156 256558 302067 314199 340954 359753 390323 7880 26922 121713 12 Gewinne zu 1000 M. 206763 242564 313056 1p8 600 M 33990 80671 93671 146167 205855 305421 332073 342532 399871 65686 69283 88818 90373 95584 118713 120865 ------ ------ 2 Gewinne zu 50000 M. 184203 2 Gewinne zu 10000 M. 44074 2 Gewinne zu 5000 M. 104485 2 Gewinne zu 3000 M. 283576 2 Gewinne zu 2000 M. 98545 . b4 Gewinne zu 500 M. 21282 25762 26736 28904 85323 1 06668 1 06818 113091 127224 139533 139949 173200 205103 221020 2^5137 266742 296745 309494 313080 323368 355692 362115 382587 394852 160 Gewinne zu 400 M. 1805 7985 8989 21440 23062 32116 37975 46108 46670 52890 58938 . 20 Tagesprämien. Kummer sind zwei Prämien zu fe 1000 RM gefallen, und zwar fe eine auf die Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II: 347213 » 2» Ä 268737 205410 Volkstümliche Naturwissenschaft in reichbebilderten, leichtverständlich geschriebenen Werken und in verschiedenen Preislagen bieten unsere Verlaee- erzeugnisse. Sie vermitteln einen tiefen Einblick in die Geheimnisse des Naturgeschehens und damltdurch erweitertes Wissen erhöhte Freude an den vielfältigen Schönheiten der Natur. - Verlangen Sie Prospekte und auch Probehefte der Zeitschrift „Der Naturforscher*4 Hugo BermOhler Verlag - Berlln-Llchterfelde Lichtspielhaus Gießen Heute Donnerstag Premiere Ein Spitzenwerk des deutschen Films mit ■v. r™" s Renate Müller / Adolf Wohlbrück Adele Sandrock, Hilde Hildebrandt Georg Alexander, Fritz Odemar Ideale Besetzung, Tempo, Humor! Prickelnde Musik, Prächtige Ausstattung Regie: Reinhold Schflnzel 14oA Gutes Beiprogramm u. Ufa-Tonwoche Ein Wort genügt: Lachen Täglich 4, 6, 8,30, Sonntags 3, 5.30, 8.30 Vorbestellungen unter 4 077 erbeten ! IAstoria-Lichtspiele ■ Heute bis Sonntag einschließlich: H WEISS FERDL in der besten Rolle seines Lebens I Die beiden Seehunde I (Seine Hoheit der Dienstmann). Des Riesen-Erfolges wegen verlängern wir dieses Programm, was aber nur in diesem Theater möglich war, da wegen Umterminierung der Film „Englische Heirat“ schon Donnerstag im Lichtspielhaus eingesetzt werden mußte. — Täglich 4 und 8.30 Uhr. Sonntags 3, 5.30, 8.30 Uhr. U1A Nr. 8 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, lO.Zanuar 1955 Der Danziger Senalspräsident bei pilsudski Aus der Provinzialhauptstadt * Blumenkohl. Gedenket der hungernden Vögel! Schützt die Tiere vor der Kälte! Um den Weg zu kürzen, stiegen sie über bte auf dem Boden ausgebreiteten Warenlager der Hafner und Korbflechter, über Bündel von Besen, bemalte Truhen und die Blumenstände der sächsischen Bäuerinnen. Frischer Lackgeruch und die grellen Ausdünstungen von Nelken, Levkojen, Reseden und weißen Lilien schwammen in der Luft, die Sonne spie mit vollen Backen ihre Hitzestrahlen und schon kitzelte die Nase verlockend der geschwängerte Rauch von Wurststückchen und rätselhaften Fleischbissen, die für eilige Gäste unter freiem Himmel in Kohlenbecken schmorten. Kaufen Sie, Euer Gnaden, kaufen Sie! Wieder zog ein Szekler Bauer sein Pferd am Zügel durch das Gedränge und schrie aus Leibeskräften. Don dem Dach seines Wagens schwankte die Waage über grünen Frühbirnen und rückwärts am Wagen machten sich Gassenbuben zu schaffen. Deshalb pfefferte der Bauer ab und zu mit der Peitsche nach rückwärts und traf, wenn er Glück hatte, ein nacktes Bein oder die krabbelnde Hand eines aufheulenden Schmutzfinken. Georg Dietrich mußte stehen bleiben, es flimmerte ihm vor den Augen. Bor ihm drehte der Orgelmann was das Zeug hielt, und neben ihm stand eine Blinde mit einem weißen Kakadu aus Oer Gauleiter und Reichsstatthalter dankt. Zum Weihnachtsfeste und Jahreswechsel sind mir Glückwünsche in so großer Zahl zugegangen, daß es mir unmöglich ist, jedem einzelnen persönlich meinen Dank auszusprechen. Ich bitte, auf diesem Wege meinen Dank ent» gegenzunehmen. In der Treue zum Führer wollen wir gemeinsam auch im Jahre 1935 zusammenstehen. Sprenger. Mitte und aufgeklebten Liebessprüchen. Als em Fuhrmann, der in seinem offenen Wagen blaue Fogarascher Zwiebeln an Strohseilen aufgereiht zur Schau fuhr, ihnen mit seiner Peitsche die nackten Arme paprizierte, da löste sich mit Zetern und Geschimpfe der Knäuel, und hinter dem Wagen konnten jetzt wieder die städtischen Herrschaften vorwarts- kommen, zusammen mit langbärtigen Popen, die ihre Zöpfe unter schwarzen Tellerhüten versteckt hatten, orthodoxen Nonnen mit Zylinderröhren, die mit einem schwarzen Tuch auf ihrem Kopfe befestigt waren, sächsischen Dorfnotaren und Richtern, behäbig und ernst, als gelte es auch hier eine Amtshandlung, mit wendigen Spitzbuben, die beharrlich eine Fährte verfolgten, einer Zigeunerfamilie mit Kupferkesseln auf dem Rücken und nackten Bengeln zur Seite, und mit keuchenden Hausfrauen und Gevatterinnen, gefolgt von ihren reschen Szekler Mägden in buntgestreiften Röcken und dem schwarzen offenen Leibchen. Auch rumänische Bauern waren aus ihren Gebirgsdörfern heruntergestiegen und trieben mit ihrem Hirtenstab gefesselte Kalber in der Menge, andere wieder stolzierten im Sonntagsstaat mit dem reinen Hemd über den weißen Filzhosen, dem schönen, rot und grün gestickten, breiten Ledergurt und dem bebänderten Filzhütchen. Ihre Frauen aber gafften mit den erhandelten ge- mpihten Kerzen in der Hand vor den Tischchen der Geldwechsler, Armenier, Türken und anderem Heidenvolk, das seine Buden just in diesen reißenden Strudeln aufgeschlagen hatte und seine großen Goldmünzen verführerisch aufklingen ließ. In den wälzenden Strom hinter dem Zwiebelwagen hatte der rüstige Gastwirt sich mit seiner Begleitung hineingekeilt und führte sie nun als Sturmbock zu den sächsischen Gemüsefrauen, die, auf Fußschemeln gekauert, sich vor Sonnenstich und Hitzschlag mit so ungeheuerlichen Strohhüten schützten, als ob sie in Mexiko säßen. Was es da nicht alles zu sehen, zu kosten und zu kaufen gab! Herrschaften durften ohne weiteres aus dem am Boden aufgeschütteten Berg von schwarz-roten und blauen Eierfrüchten diejenigen herausbuddeln, die ihnen beliebten, durften mit ihren Fingern in den Töpfen den süßen Rahm'kosten ober ben schön geschichteten Spargel unb Karfiol* burcheinanber werfen; nur verbächtige Kunben würben mit bem langen Holzlöffel auf bie Finger geklopft unb bas strolchende Gesinbel bekam faule Krautftrunken an ben Kopf geworfen. Aus ben mit Latten verschlagenen Laben , zog bcr Fabrikherr höchst eigenhänbig bie sich sper- renberi, mörberisch quteEfenben Ferkel unb slügel- „Ordentliche" und „Unordentliche". Es gibt Menschen, bie haben bie Orbnungswut. Die hängen in wilbfremben Wohnungen bie Bilder an ben Wänden gerade, die bücken sich nach jedem Fädchen und stellen, wenn sie aufstehen, den Stuhl sorgsam wieder an seine alte Stelle. In der eigenen Umgebung werden sie zu hemmungslosen Pedanten.' Wenn sie in ihr Zimmer treten, müssen sie ein klar geordnetes Feld vor sich sehen. Auf ihrem Arbeitstisch haben , alle Gegenstände einen ganz bestimmten Platz, von dem sie Der Danziger Senatspräsident Greiser (Zweiter von rechts) hat in Begleitung des Witt- schaftssenators Huth (links) einen Staatsbesuch abgestattet, bei dem er auch von Marschall Pilsudski (Zweiter von links) im Schloß Belvedere empfangen wurde. Zwischen Pilsudski unb Geiser ber polnische Außenminister B e ck. Solange diese Unordnung nicht zum Ballast wird, mögen die „Ordentlichen" ihre Mitmenschen von der anderen Sorte nur gewähren lassen. Vielleicht ist -das Leben der „Unordentlichen" reicher als ihr eigenes. Vielleicht... Zum Trost sei aber den „Ordentlichen" gesagt, daß auch die „Unordentlichen" ab und zu einmal bie Aufräumewut bekommen unb alles herunterfegen in ben Papierkorb ober es gar sogleich verbrennen. Allerbings, lange hält biefer Eifer nicht an, benn Orbnung machen ist bekanntlich tausenbmal leichter als Orbnung halten ... Eine falsche Nase. Viele Monate lang ruhte sie in ber großen Mottenkiste, warm zugepackt, neben elf großen unb fünfundzwanzig kleinen Illusionen. Es ist ihre Art, dort von ihrer Vergangenheit zu träumen, von ben Wohltaten, bie sie ben Leuten, bie sie einmal aufsetzten, erwiesen hat. Denn sie ist eine lange Nase, unb wenn man sie einem anberen gegenüber macht, bann fühlt sich ber Besitzer gleich viel besser. Ueber- mütig, frei, losgelöst fühlt er sich, so, wie man sich eben mir in wenigen Wochen von zweiunbfünfzig fühlen kann. Wenn aber bie Faschingszeit herangekommen ist, bann geschieht es, baß sie aus ihrem Verschluß herausgeholt wirb. Sie wirb aufgeweckt, abgestaubt, von allen Seiten betrachtet, ob sie von ihrer Farbe — es ist sozusagen Ehrensache, baß sie rot ist wie eine Tomate ober ber Monb in ber heißen Sommernacht —. etwas verloren hat. Hält bie Gummi- schnur, die rückwärts an ihr herunterbaumelt, auch noch fest? Paßt sie noch auf ihr alteingesessenes Profil? Die falsche Nase reibt sich die Augen, als sie sich nach so langet Zeit zum erstenmal wieder im Spiegel sieht. Sie sitzt! Und dann kommt der große Augenblick. Dann geht sie gemeinsam mit ihrem Besitzer aus. Der führt sie an ihrer Gummi- schuur spazieren, wie man einen Hund an der Seine führt. Auf dem Rückweg mach sich diese Parallele mit dem Hund bestätigen, denn es kann vorkommen, daß der Mann mit der falschen Nase ebenso treu an jeder zweiten Laterne Haltmacht. Diese falsche Nase ist, falls sie es selbst noch nicht weiß, trotz allem ein Symbol. Man kann sie schnell aufsetzen, man kann sie noch schneller wieder abnehmen. Sie ist eben falsch — und das macht ihren eigentlichen Wert aus. Eine echte Nase ist etwas fürs Leben. Sie vermag ihren Besitzer eben deshalb nicht zu interessieren. Gerade, gebogen, rundlich, spitz, ist und bleibt sie etwas vollkommen Alltägliches. Sie verträgt sich nicht mit jenem Ausnahmezustand, der während der Karnevalszeit ausgerufen ist. Manchen Menschen ergeht es so mit ihrer festlichen Laune. Nicht alle sind in der beneidenswerten Lage, stets in Hundertprozentiber Heiterkeit ihren Pfad zu wandeln. Nicht alle sind wie die Kinder. Um so mehr müssen sie es werden — wenn auch nur auf Zeit, auf Widerruf, mit Hilfe einer Einrichtung, bie man aufsetzen unb abnehmen kann... An alle Gaststätten. Die Eintopfspenden für bie Eintopfsammlung am nächsten Sonntag sinb bis Montag, 14. Januar, auf ber Geschäftsstelle bes KEV., Weibengasse 6, abzurechnen. Fehlenbe Quittungsblocks können vorher bort in Empfang genommen werben. Kreisführung bes WHW. 7iSD., Ortsgruppe Gießeu-Tiord. Die nächste Pfundsammlung wirb am Montag, 14. Januar, durchgeführt. Wir bitten bie Hausfrauen, bie Spenden ab 9 Uhr vormittags bereitzuftellen und Inhalt, sowie Gewicht durch Aufschrift kenntlich zu machen. Jede Spende wird quittiert. Verfahrens sind schon häufig Personen, die aus Versehen aus solchen Flaschen getrunken haben, schwer erkrankt oder gestorben. Ebenso wie es Gift- Händlern verboten ist. Gifte in Trink- oder Kochgefäßen oder in solchen Flaschen oder Krügen abzuziehen, deren Form oder Bezeichnung die Gefahr einer Verwechslung des Inhalts mit Nahrungsoder Genußmitteln herbeizuführen geeignet ist, muß auch demjenigen, der giftige Flüssigkeiten im Besitz hat, um sie im Haushalt ober Gewerbe zu ver- roenben, schon im Hinblick auf feine zivil- unb strafrechtliche Verantwortlichkeit bringenb empfohlen werben, bie gleiche Vorsicht bei ihrer Aufbewahrung obwalten zu lassen. Oie Verleihung der Ehrenkreuze In ber Stabt Gießen sinb bei ber zustän- bigen Polizeibirektion Gießen runb 3000 Anträge auf Verleihung bes Ehrenkreuzes für Frontkämpfer eingegangen. Bisher würben runb 2500 dieser Ehrenkreuze an die Antragsteller verliehen, die restlichen rund 500 werden zur Ausgabe kommen, sobald die Papiere der einzelnen Antragsteller vollständig und ordnungsgemäß vorliegen bzw. bie in ben letzten Tagen noch eingereichten Anträge abgeschlossen bearbeitet sinb. Die Verleihung bes Ehrenkreuzes für Eltern unb Witwen von Frontkämpfern ist von runb 500 Per- fönen beantragt worben. Diese Ehrenkreuze sinb in ben letzten Tagen bei ber Polizeibirektion zum Teil eingetroffen, bie Ausgabe wirb voraussichtlich Enbs nächster Woche erfolgen können. Das Ehren- kreuz für Kriegsteilnehmer haben rund 1000 Personen beantragt. Diese Ehrenkreuze sind bis jetzt noch nicht eingetroffen, so baß bie Verleihung erst später erfolgen kann. Aus ben Orten bes Kreises Gießen kommen runb 7000 Personen in Betracht, bie auf bie Der- leihung bes Ehrenkreuzes für Frontkämpfer Anspruch erheben können; bie bisher für bie Orte bes Kreises Gießen beim hiesigen Kreisamt eingetroffenen 500 Ehrenkreuze für Frontkämpfer sinb bereits ausgegeben worben. Für bis Verleihung bes Ehren kreuzes für Eltern unb Witwen von Frontkämpfern kommen runb 2000 Personen in Betracht, für bie Verleihung bes Ehrenkreuzes an Kriegsteil ri e h m e r runb 1500 Personen. Bis jetzt find beim Kreisamt Gießen, bas für bie Verleihung biefer Ehrenzeichen für bas Gebiet bes Kreises Gießen zustänbig ist, runb 7000 Anträge ein« gegangen. Vortrag in der landwirtschaftlichen Fachschaft. Im Rahmen ber Fachschaftsarbeit im Winter- : femefter 1934/35 hatte bie lanbwirtschaftliche Fach- , schäft unserer Universität unter Beteiligung ber Diplomlanbwirte bes Bezirkes Gießen Pg. Dipl.- ; Lanbwirt Metz aus Wiesbaben zu einem Vortrag । über „Blutlinienforschung in bäuerlichen Familien' - verpflichtet. Der Redner gab zunächst einen geschicht- i lichen Ueberblick von bem Daseinskampf unserer ■ bäuerlichen Ahnen im Laufe ber Jahrhunberte. Er > zeigte, wie bas beutsche Freibauerntum immer mehr = seine Unabhängigkeit verlor unb Bebrückungen > mannigfacher Art zu erbulben hatte, unb wie biesg - schließlich zu ben Bauernkriegen führten. Der un- i glückliche Ausgang bieses Aufstanbes mangels eines ihrer Schulter, ber für zwei Heller jebermann mit bem Schnabel aus ben brei Fächern ihres Kästchens eine Prophezeiung zog: einen feschen Korporal mit Bilb ober ben Haupttreffer ober eine Reiss nach Amerika. Sie ließ auf ihrem Blechteller bas Kupfergelb erklingen, aber ber Fabrikherr sah über sie hinweg auf bie mit befsarabischen Teppichen ausgeschlagene Bube, in ber ein Hänbler seinen Gabentisch aufgestellt hatte: Kämme unb Spiegel« chen, feibene Tüchlein unb Heiligenbilber, Wetzsteine Taschenmesser, Glasperlen, Korallenschnüre, Kruzifixe, Briefpapier unb Hosenträger, Porzellanvasen, Manschettenknöpfe, Schnürsenkel unb noch viele anbere schöne Sachen sang er, auf seinem Stuhle stehenb, wie ein Helbentenor mitsamt ben Preisen schmetternb hinaus unb blies bann zur Abwechslung einen forschen Marsch auf feiner Mund- harmonika. Jebe Vorstellung künbigte er mit einem Schuß aus einer Krachpistole an. Georg Dietrich nickte, ber Mann verstaub sein Hanbwerk. „Wir können gehn", sagte er zu seinem Begleiter. Eine neue Sternkarte. Eine gründlich verbesserte Korte bes Universums, bie Tausende von neuen Milchstraßen-Systemen zu ben bereits verzeichneten hinzufügt, ist von bem bc» kannten amerikanischen Astronomen ber Harvard- Universität Professor Harlow Shapley der Akademie der Wissenschaften von Cleveland vorgelegt worden. Durch die Sternphotographien, die von ber Bloemfontein-Sternwarte ber Harvard-Universität ausgenommen wurden, fonnten die leeren Räume der Sternkarten durch viele „Ueber-Riesen-Sterne" ausgefüllt werden, von denen keiner weniger als bas Zwanzigtausendfache der Helligkeit unserer Sonne besitzen, die meisten von ihnen aber bas Dreißig- tausendfache Shapley teilt mit. baß eine Sternzählung, bie sich über ein Drittel des Himmelsraumes erstreckt, eine Ziffer von mehr als 125 000 Milchstraßen ergab, non denen jede ein Universum für sich wie unser Milchstraßen-Snst-'m darstellt. Jedes dieser Systeme umfaßt etwa 30 000 Millionen Sterne. Dabei zeigte sich, daß unsere Milchstraße außer- ordentlich klein ist. Gegenwärtig ist es uns nur möglich, Sterne dis zur 18. Größe zu photographieren. Wenn bas neue 200zöllige Fernrohr, das gegenwärtig für bas Kalifornische Technologische Institut hergestellt wird, vollendet ist, bann wird man in der Lage sein, Sterne bis zur 22. Größe zu photogra- phieren, und bie Grenzen der Ersorschungsmöglich- feiten werden bamit auf das Vierundsechzigfache ausgedehnt, An die Mitglieder der Deutschen Angestelltenschaft. Die DAF. teilt mit: Laut Verfügung von Dr. Ley hörte die Deutsche Angestelltenschaft am 31. Dezember 1934 als selbständige Organisation auf zu bestehen. Alle Mitglieder der ehemaligen Deutschen Angestelltenschaft sind ab 1. Januar 1935 Einzelmitglieder der Deutschen Arbeitsfront. Die Beiträge werden, soweit es sich um Betriebsgemeinschaften von mindestens zehn Mann handelt, im Betrieb durch die Lohnbüros kassiert und an die für den Betrieb zuständige Verwaltungsstelle abge- fübrt. Bei Mitgliedern der Deutschen Angestelltenschaft, bie einem derartigen Betrieb nicht angehören, mürben die Beiträge in ihren Wohnungen kassiert. Diese Mitglieder wenden sich, soweit sie im Rahmen der Umorganisation noch nicht erfaßt sind, an die zuständige DAF.-Ortsgruppe bzw. Verwaltungsstelle. Wichtig für Lungenkranke. Die Sprechstunden der Fürsorgestelle für Lungenkranke in der Medizinischen Poliklinik finden für die Besucher aus den Landgemeinden des Kreises Gießen nicht mehr Montags, sondern jeden Dienstag von 16 bis 17 Uhr statt. Lungenkranke und Krankheitsgefährdete, die in ärztlicher Behandlung sind, bedürfen einer Ueber- weifung ihres Arztes in die ßungenfürforgefteUe. Unbemittelte werden unentgeltlich beraten. Vorsicht bei der Aufbewahrung giftiger Flüssigkeiten. Die Polizeidirektion Gießen teilt uns mit: Vielfach werden sowohl im Haushalt, als im Gewerbebetrieb Gefäße, die zur Aufbewahrung von Nah- rungs- und Genußmitteln bestimmt sind, wie Wein-, Bier- und Mineralwasserflaschen, zur A u f b e w a h- r un g giftiger Flüssigkeiten benutzt, bie im Haushalt oder im Gewerbebetrieb Verwendung finden sollen (z. B. Salzsäure, Salpetersäure, Karbolsäure, Lysol, Salmiakgeist, Sublimatlosung und dergleichen), ohne daß Vorkehrungen getroffen werben, durch die der Gefahr einer Verwechslung des giftigen Inhaltes der Gefäße mit einem Nahrungsoder Genußmiftel vorgebeugt wird. Infolge dieses auf Unkenntnis und Unachtsamkeit, auf Gleich- gültigfeit oder Rücksichtslosigkeit zurückzuführenden Markttag in Kronstadt. Don Adolf Mefchendörfer. < Freitag ist der Wochenmarktstag in Kronstadt, ■ am Samstag hält man die Hochzeiten. Der Fabrikherr Dietrich rückte mit dem Gastwirt ber „Goldenen Krone" aus, um sich zu überzeugen, was für feine Gäste eingetauft werde. Drei Dienstboten und Christian folgten mit großen Körben. Rings um das altdeutsche Rathaus war über Nacht eine Zeltstadt entstanden, und schon seit dem Morgengrauen hatten Verkäufer und Käufer aus allen Dörfern der Umgebung die Straßen und Plätze überschwemmt. Bis auf den stillen Fischmarkt drang das Gesumm und Getöse der wühlenden Menschenmassen, die dies verpestete Viertel nut seinem abscheulichen Gestank abseits liegen ließen. 5n großen Bottichen schwammen da die Donaufische und der Besitzer holte ab und zu einen ber auschnellenden Burschen heraus, platschte ihn auf sein Tischchen und zerhackte dem Leblosen mit der Art Stück für Stück das Rückgrat. Kopf und Schwanzstück fielen in einen Kubel, und das weiße, fette Fleisch bot sich dem Liebhaber roie gepreßte ^Gekeilt und gestoßen wandelten die Käufer hierauf die Kornzeile entlang, vorüber an den aufrecht stehenden Säcken mit Korn und Mms Hulsenfruch- ten, Sonnenblumenkernen und Hanfsamen un hielten bei den Kartoffelsäcken, beratschlagten und wählten; denn es ist wahrlich nicht alles em i, ob man zum Braten oder Salat rosa oder gelbe, hart Kipfelerdäpfel oder mehlige Schneeflocken erhalt, die wie Kastanien schmecken. Sie bogen ab zu den Käsezelten unter dem Rathaus. Da standen hinter ihren Tischchen die mala- chischen Frauen, dick und fettig wie ihre Kas^ib^. der Brinza-Schaskäse und der fuße Orda ln mächtigen Rindsblasen, von denen sie miteinem'kleinen, drahtbespannten Bogen Stücke heruntersabelten. Sie scheuchten die Fliegen, schneuzten sich 'N lhre Schurzen und riefen die Herrschaften nicht nur an, sondern packten sie am Rockärmel und priesen ihren Kaschkaval, die in der Fichtenrinde duftenden goldgelben Stangen, die dicke Sauermilch, die glanz ' schwarzen Oliven, ihre Flaschen mit dem dickflüssigen Oel — Gott, Gott, die Menschen wissen nicht, was 0^Be! den Kuchenzelten war kein Durchkommen; Scharen von gaffenden Dienstmagden stemmten im) hier gegen den Strom und bewunderten die schmucken Kuchenhusaren zu Pferd und die gewaltigen Kuchercherzeu mit blitzenden Spiegelchen m oer sich bei strengem Befehl nicht rühren dürfen. Möglichst soll überhaupt nichts daliegen. Sie brauchen 3ur Arbeit Ruhe, Ordnung und Sammlung. Und dann gibt es die Leute, die sich von den Utensilien des Tages nicht trennen mögen, die sich durch stumme Gefährten gern an schöne Stunden erinnern lassen und darum in Handtasche und Brieftasche immer etwas Unnützes mit sich herumschlep- pen. Die auf dem Tisch und im Schubfach die herrlichste Unordnung haben und sich glücklich dabei fühlen. Die mit zärtlichem Blick einmal über alle lieb gewordenen Gegenstände Hinwegstreichen, ehe sie zu arbeiten anfangen. Ja, sie brauchen diese Umgebung, diese vollgepackten Tische, diese angefüllten Schubladen. Sie holen sich Anregung und Kraft fü’r ihr Schaffen aus dem Anblick jener beseelten toten Dinge, wenn sie auch noch so oft suchen und wühlen müssen, um etwas Wichtiges zu finden. ____________ s ein schlagenden Truthähne und befühlte ihren Bauch und Rücken, während der Gastwirt wieder zwei Körbe mit Gemüse, Eiern und gelben Butterstücken belud, die in große Krautblätter eingeschlagen waren. Jetzt konnte man weiter Vordringen zu dem Stand für Pilze und Beeren. Am hohen Sockel der Stadtpfarrkirche hockten am Boden in einer Reihe wie an der Klagemauer, die kurze Pfeife zwischen den blitzenden Zähnen, die Zigeunerinnen und winselten und beschworen: „Kauft, lieber Herr, kauft!" Alte Hexen mit verrunzelter Haut und wirren Haarsträhnen klapperten mit ihrem Sack geschnitzter Holzlöffel und junge Hexen mit brennenden Augen, bekleidet nur mit einem löcherigen Hemd und einem rotseidenen Tüchlein auf den pechschwarzen Zöpfen, ließen am Halse die Goldmünzen aller Habsburger baumeln und schichteten mit der freien Hand immer wieder die Hügelchen ihrer öligen, glatten Rechter, der Bitterschwämme, Steinpilze und Täublinge oder schüttelten ihre Holzkannen mit Himbeeren und Erdbeeren, die noch vor ein paar Stunden im feuchten Gestrüpp des Hochwaldes gestanden hatten. Die Preise schwankten wie das Schilf im Wind, und wegen zwei Hellern war die ganze Horde bereit, in Geheul und Gotteslästerungen auszubrechen. Mit ihren Gaben wurde die letzte Dienstmagd beladen und dann der Rückzug angetreten. i großen Führers zog weitere rücksichtslose Bedrückungen der beklagten Bauern nach sich. Die letzten Reste der alten Freiheit schwanden nach dem Dreißigjährigen Kriege. Erst Friedrich der Große bahnte durch seine weitgehende Gesetzgebung die Befreiung von Bauer und Scholle an. Doch erst Freiherr vom Stein konnte am Martinstag 1811 die entehrende Leibeigenschaft aufheben. Sein Nachfolger Hardenberg verfälschte den großen Gedanken, und das ganze 19. Jahrhundert brachte keine wesentlichen Fortschritte in der Befreiung der Bauern. Im zweiten Teile seines Vortrages ging der Redner auf fein eigenes Forschungsgebiet, die Blutlinienforschung in bäuerlichen Familien, näher ein. In seiner halbjährigen Tätigkeit hat er bis jetzt ungefähr hundert Bauernfamilien, hauptsächlich Oberhessens (Schlitzerland) erforscht. Den Haupt- wert seiner Arbeit legt er auf die rassische und erb» gesundheitliche Erfassung dieser Bauernsamilien. Diese Untersuchungen geben künftig die Hauptgrundlagen bei der Auslese der Siedlungsanwärter ab. Diplomlandwirt Metz führt diese Arbeit im Auftrage des hessischen Landesbauernführers Dr. Wagner durch. Sie ist vom Reichsbauernführer R. W. D a r r 6 anerkannt worden, und es steht au erwarten, daß diese Art einer planmäßigen Erforschung unserer Bauernfamilien auf breitere Basis im Reich gestellt werden wird. An Hand von hervorragendem Bildmaterial und Ahnentafeln gab der Redner einen anschaulichen Bericht über sein Arbeitsfeld. Letzter Appell der Gießener Saardeutschen vor der Abstimmung. Gestern abend versammelten sich die Mitglieder der Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine zur letzten Mitgliederversammlung vor der Saarabstimmung, vor der Reise in das Saargebiet. Der Leiter der Ortsgruppe, Polizeihauptwacht- meifter Thum, hieß die Teilnehmer willkommen und wies auf die Bedeutung der Abstimmung hin. Er führte u. a. aus: Vor zwei und drei Monaten habe die Parole für uns gelautet: „Fertigmachen!" Nun trennten uns nur noch wenige Tage von der Abstimmung. Der kommende Sonntag «sei ein historischer Tag. Wir alle freuten uns, mithelsen zu dürfen an der Gestaltung der Geschichte des Saargebiets. In feinen weiteren Ausführungen gab der Redner verschiedene technische Anweisungen. Die Pässe müßten in Ordnung sein und mit dem Stimmschein übereinstimmen. Am Samstagfrüh werde er auf dem Marktplatz noch einmal auffordern, die Papiere zu überprüfen. Mit verschiedenen Angaben über die Verpflegung während der Fahrt, über den Fahrplan und mit dem eindringlichen Hinweis, daß von der Gießener Ortsgruppe des Saarbundes niemand versagen dürfe, schloß der Redner seine Erläuterungen. Ein Merkblatt, das verteilt worden war, wurde dem genauen Studium empfohlen. Sodann erfolgte die Ausgabe der Fahrtausweise. Mit einem dreifachen „Sieg-Heil!" auf die Saarheimat, das deutsche Vaterland und den Führer Adolf Hitler wurde der Abend geschlossen. Kameradschaftlich blieb man noch einige Zeit beisammen. Gießener Wochenmarklpreise. * Gießen, 10. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (frische) 12 bis 13, (inländische Kühlhauseier) 10 bis 13, (ausländische) 10 bis 13, Wirsing, das Pfund 10, Weißkraut 8, Rotkraut 12, Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 10 bis 12, Rosenkohl 20 bis 25, Feldsalat 70, Zwiebeln 10 bis 12, Meerrettich 20 bis 40, Schwarzwurzeln 22 bis 25, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mk., Aepfel, das Pfund 10 dis 15 Pf., Honig 45 bis 50, junge Hähne 90Pf. dis 1 Mark, Suppenhühner 75 bis 85 Pf., Enten 80 bis 90, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 20 bis 50, Salat 20, Endivien 10 bls 15, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 10, Sellerie 10 big 30 Pf. Vornotizen. —Tageskalender für Donnerstag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die englische Heirat". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Die beiden Seehunde". — Reichstreubund, 20.15 Uhr, Führerratssitzung im „Hessischen Hof". — Stadttheater Gießen. WegenberVorbereitungen zu Boettischers Drama „Der König", das am Sonntag, 13. Januar, aus Anlaß des Saar-Abstimmungstages erstmals aufgeführt wird, bleibt das Theater heute geschlossen. — Ga st vorträge bei der Universität Gießen. Am heutigen Donnerstag und am morgigen Freitag finden in der Neuen Aula, bzw. im Kunstwissenschaftlichen Institut der Universität aroei Gastoorträge des Prorektors der Deutschen Universität in Prag, Professor Dr. Gerhard Gese - mann, statt. Das Thema für den Vortrag am heutigen Donnerstag lautet: „Die Kulturräume Jugoslawiens", für Den morgigen Freitag: „Was kann die europäische Epenforschung aus dem südslawischen Volksepos lernen?" Beide Vorträge dürften im Hinblick auf die jüngsten politischen Ereignisse in Südslawien besonderem Interesse begegnen. Auf die gestrige Anzeige sei nochmals hin- geroiefen. ** Ein Siebzigjähriger. Herr Wilhelm F ö r st e r, Löbershof 5, kann am heutigen Donnerstag in voller Rüstigkeit seinen 70. Geburtstag feiern. *♦ Geschäftsjubiläum. Am heutigen Tage kann das Reformhaus, Kreuzplatz 5, auf fein 25- jähriges Bestehen zurückblicken. Das Geschäft wurde am 10. Januar 1910 gegründet und konnte in den langen Jahren seines Bestehens viel Arbeit im Dienste der Volksgesundheit leisten. ** Brennholz - Versteigerungen der Stadt Gießen finden am Montag, Mittwoch und Freitag nächster Woche statt. Näheres ist aus der heutigen Bekänntmachung der Bürgermeisterei ersichtlich. ** Das Fundsachen-Verzeichnis. Von der Polizeidirektion Gießen wird uns mitgeteilt: Das Verzeichnis über die im Monat Dezember 1934 gefundenen bzw. abgelieferten Gegenstände kann an der Anschlagtafel im Flur der Polizeidirektion, Landgraf-Philipp-Platz 1, eingesehen werden. Die Empfangsberechtigten werden aufgefordert, ihre etwaigen Rechte innerhalb zwei Monaten beim Fundbüro während der Dienstftunden geltend zu machen. ** Vortragsabend des Kneippvereins Gießen. Man berichtet uns: Die vom Kneipp- verein im Saale des Bayerischen Hofes am Dienstag anberaumte Veranstaltung „Wickel und Pak- fungen" erfreute sich eines guten Besuches. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt, ein Beweis, daß auch in Gießen den Lehren des großen Dolksarztes Sebastian Kneipp die Wertschätzung entgegengebracht wird, die sie im Interesse der Volksgesundheit und Ertüchtigung auch im Sinne des nationalsozialistischen Programms verdienen. Eingangs wurde darauf aufmerksam gemacht, daß der Kneippbund kein Geschäftsunternehmen ist, sondern in völlig uneigennütziger Weise im Interesse der Volksgesundheit arbeitet. Durch die Satzungen des Bundes ist auch festgelegt, daß die Arbeit des Bundes nicht auf wirtschaftlichen Gewinn gerichtet ist. Den leicht verständlichen Ausführungen des Vortragenden wurde aufmerksam zugehört. Großer Beifall dankte dem Redner. Im zweiten Teil des Vortrages wurden praktische Anwendungen gezeigt, die gerade zur Winterszeit der Kneippsache noch viele Freunde werben dürften, da sie leicht ausführbar int) und niemals schaden können. Aus der 23er- ammlung heraus wurde der Wunsch geäußert, daß olche lehrreichen Veranstaltungen wiederholt werden möchten. Eine große Anzahl Personen erklärte ihre Mitgliedschaft zur hiesigen Ortsgruppe. Veranstaltungen in Gießen anläßlich der Saarabstimmung Freitag, 11. Januar, von 3.45 bis 3.56 Uhr (Nacht von Donnerstag auf Freitag): Aufenthalt des Saar-Sonderzuges 9 in Gießen. Auf dem Bahnsteig: Die SA.-Kapelle. zwei SA.-Ehrenstürme. die politischen Leiter der Gießener Ortsgruppen Süd und Mitte. Freitag, 11. Januar, um 20 Uhr im Gafe Leib: Abfchiedskundgebung für die 80 Abstimmungsberechtigten des Kreises Gießen. Dir bitten sämtliche Abstimmungsberechtigten, zu erscheinen. Es spricht Pg. K l o st e r m a n n. Es wirken mit die SA.-Kapelle und der Grohsche Männerchor. Die Führer sämtlicher Gliederungen der Bewegung, die Spitzen der Behörden und der Stadt bitten wir zu erscheinen. Alle Volksgenossen sind eingeladen. Die politischen Leiter der Gießener Ortsgruppen sind um 20 Uhr vor dem Lass Leib in Uniform angetreten. Mit Fahnen. Samstag, 12. Januar, von 3.00 bis 3.35 Llhr (Nacht von Freitag auf Samstag): Aufenthalt der Saar-Sonderzüge 1, 2, 3 am Bahnhof Gießen. Auf dem Bahnsteig: die SA.-Kapelle, zwei SA.-Ehrenstürme, die politischen Leiter der Ortsgruppen Ost und Nord. Die Führer der Partei und ihrer Gliederungen, die Vertreter der Behörden und der Stadt bitten wir, nach Möglichkeit zu erscheinen. Samstag, 12. Januar, 8.40 Uhr (morgens): Abfahrt der Abstimmungsberechtigten des Kreises Giehssn im Sonderzug. 7.30 Uhr Treffpunkt aller Abstimmungsberechtigten am Marktplatz. Von dort Marsch mit der SA.-Kapelle zum Bahnhof um 7.30 (punkt) durch Seltersweg, Liebigslrahe. Um 7.30 Uhr treten ferner nach Vereinbarung mit den Führern der Gliederungen die SA.- und SS.-Männer, soweit sie beruflich frei sind, (SAR.), die gesamte HI. (HI.. 3V., BDM., 3M.) an. Der Unterricht fällt nach Vereinbarung mit den örtlichen Schulleitern bis 9 Uhr aus. Die Führer der Partei, die Vertreter der Behörden und der Stadt sind ebenfalls anwesend. Die Schüler, die nicht in der H3. sind, und die auswärtigen bilden Spalier auf dem Wege zum Bahnhof. Sonntag, 13. Januar: Singen des Sängerkreises in der Stadt zum Zeichen der Verbundenheit mit den Volksgenossen an der Saar. Beginn: 17 Uhr am Sellerstor, dann am Neustadter Tor, Walltor, Stadttheaker, Kreuzplah. Dort brennt die Grubenlampe, die die Saarsänger, die im vorigen Jahr beim Sängerkreis Gießen zu Gast waren, den Gießener Sängern überreicht hatten, während des ganzen Ab- stimmungstages. Montag, 14. Januar: 23.30 Uhr: Ankunft der Abstimmungsberechtigten des Kreises Gießen im Sonderzug. Um 23 Uhr sind sämtliche Gliederungen am Bahnhofsplah angetrelen. Die SS. übernimmt den Ordnungsdienst. Zwei SA.-Stürme, die SA.-Kapelle, die Führer der Partei, die Vertreter der Behörden und der Stadt auf dem Bahnsteig 1. Schmelz, Kreispropagandaleiter. Ortsgruppe Gießen des Bundes der Saarvereine. Leiter: Polizeihauptwachtmeister Thum, Reuen Baue 4, II. Sämtliche Anfragen von Abstimmungsberechtigten sind an die Saarobleute zu richten, die zu jeder Auskunft und Unterstützung gerne bereitstehen. Saarobleute sind: 1. Oberarzt Dr. Rau h, Gießen, Universitäts- Augenklinik, 2. Verwaltungs-Oberinspektor Hentschel, ©fe- feen, Welckerstrafee 12, 3. Gerichtsreferendar Koch, Glefeen, hitlerwall 51. Geldwechselstube für Saar-Abstimmungsberechtigte. Das Reichsbahnverkehrsamt Gießen teilt uns folgendes mit: Für den Gießener Saar-Sonderzug Sab 15 richtet die Deutsche Verkehrskredit-Bank — die Bank der Reichsbahn — in einem Schalter der Fahrkartenausgabe Gießen eine Geldwech - gegen spröde Haut Was soll ich denn mit einem Auto? ROMAN VON KÄTHE METZNER. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.). 4 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Seine Augen sahen andere Frauen, lebensfroh, schön gekleidet, gepflegt. Sein Künstlerauge war entzückt. Der ewige Leidenszug um den Mund seiner Frau, die immer traurigen, fragenden Augen fingen an, ihn zu quälen, und er begann sich einzureden, daß das alles an feinen Mißerfolgen schuld sei. „Ich bin noch jung. Ich brauche noch Liebe ... ich brauche Leben. Ich muß mich anregen. Woher soll ich sonst schaffen können?" schrie er seine Frau einmal an. Da erkannte sie zum ersten Male sein wahres Gesicht. Sie sah den Menschen, wie er war, und von dieser Stunde an zerbrach in ihr auch der Glaube an sein wahres Künstlertum. Denn sie wußte mit einem Male, daß ein Mensch, der so sprach, nur Mittelmäßiges leisten könne. Und bald darauf kam es zum Bruch für immer. Waldemar Steinbrück liebte eine andere Frau. Er sah, wie Klara von Nyssen litt, wie sie ihn noch immer liebte, wie ihre Augen um eine kleine Liebkosung bettelten; aber zu sehr schon war er den Lockungen seiner Welt verfallen. Er konnte nicht mehr zurück. Dort lockte noch einmal junges Liebesglück — buntes, lachendes Leben. Bei feiner Frau hockte die Sorge, die Not, die ihn wie mit eisernen Gewichten herunterzog in den grauen Alltag. Die Frau, die er liebte, war blütenjung und reich. Nur fort! Heraus aus der Enge, in der er zu ersticken drohte! Und eines Tages kam er nicht mehr nach Hause. Aus Paris kam ein langer Brief. Unendlich viel Entschuldigungen ... viel Erklärungen. Warum? Weshalb? Ein hoher Barscheck lag bei. Er wolle immer sorgen und Geld schicken, schrieb Waldemar Steinbrück. Gerlindes Mutter zuckte plötzlich zusammen, daß das junge Mädchen sie erschreckt anftarrte. „Geld ... Geld!" schrie es in ihrem Herzen. „Geld bot er mir für meine Liebe. Und ich ... ich habe ihm alles geopfert!" Doch Gerlinde ahnte nichts von dem, was in der Mutter vorging. Plötzlich ging die Tür auf, und Gisela steckte den Kopf herein. „Na — ihr brütet ja noch immer hier?" Als jedoch Gerlinde und die Mutter erschreckt auffuhren, schaltete sie, einer jähen Eingebung folgend, das elektrische Licht ein, als wolle sie gewaltsam alles in Helligkeit tauchen und alle dunklen Schatten bannen. „Ihr beiden! Anstatt euch zu freuen, sitzt ihr hier herum mit Trauermienen. Das versteh' ich nicht." Gisela war neben die Chaiselongue getreten und zog die Schwester etwas gewaltsam empor. „Ach, Küken — nicht wahr, heute spendierst du mir mal ein paar Zigaretten zur Feier des Tages?" „Aber Gisa, du sollst dir doch das Rauchen nicht angewöhnen! Das ist doch nichts für eine Frau. Und dann, es schadet doch so sehr der Lunge!" Frau Steinbrücks Stimme war leise, und ein gelinder Vorwurf klang darin. Hell fiel das Licht auf die beiden Mädchengestalten vor ihr. Eine war so schlank und hochgewachsen wie die andere. Und auch die Gesichter schienen im ersten Moment von verblüffender Ähnlichkeit. Doch das Mutterauge sah tiefer. Es sah, wie in Giselas Augen Sehnsucht nach der Welt da draußen glühte, während Gerlindes Blicke sanft und ohne Begehren waren. „Muttchen hat zwar recht: Gisela, du sollst nicht rauchen; aber heute ..." Gerlinde nestelte an ihrer kleinen Börse und fand zwei Zehnpfennigstücke. „Ach, Herzlinde, du bist doch meine allerbeste Schwester!" Gisela umarmte Gerlinde stürmisch. Sie wußte nicht, daß in diesem Augenblick die Mutter wieder Vergleiche zog. So zärtlich und stürmisch in seinen Liebkosungen war auch Waldemar Steinbrück gewesen, wenn alles nach seinen Wünschen ging. Warum ihr nur heute alle diese quälende danken kamen? Warum fühlte sie die Berg heil heute so besonders stark? Die Kinder... Ach, wenn Gisela, die so sehr nach Glück und Reichtum strebte, gewußt hätte, daß der Großvater, Graf Nyssen, noch lebte und ein schwerreicher Mann war! Wie leicht konnten es die Mädchen haben, und wie schwer hatten sie es! Frau Klara Steinbrück erwog zum ersten Male den Gedanken, ob sie nicht doch noch einmal den Vater bitten solle. Nicht für sich ... für die beiden Kinder. Aber sie sah keinen Weg. 3. Kapitel. Die große Modenschau der führenden Berliner Modehäuser war selbst für die Hauptstadt ein Ereignis, bei dem kaum eine Dame der großen Gesellschaft fehlte. Auto auf Auto fuhr am Zentralpalast vor. Ach, die vielen bekannten Gesichter, die man hier sehen konnte, von der Leinwand her allen so wohlver- traut! Alles hatte sich zusammengefunden. Durch den prächtigen „Roten Saal" schwirrte Sprechen und Lachen. Die Stimmung war diesmal besonders gespannt. Diese Modenschau stand unter Dem Kennwort „Deutsche Kleidung". Die Modekünstler hatten nicht gewetteifert, raffinierte Höchstleistungen herauszubringen; sie wollten nicht versuchen, Pariser Geschmack nachzuahmen — nein, deutsche Kleidung aus deutschen Stoffen sollte gezeigt werden. In den Ankleideräumen hinter der Bühne fieberten die kleinen Mannequins. Friseure arbeiteten schnell und geschickt. Unzählige Perücken lagen bereit — und ... sollte so etwa die moderne deutsche Kleidung aussehen? Das waren ja Trachten aus der Ritterzeit. Nein — natürlich nicht! Es war nur geplant, einen kurzen, charakteristischen Ueberblick über die Entwicklung der Mode zu geben, um so alle Uebertriebenheiten und Geschmacksverirrungen am besten hervorzuheben und schlichter, ansprechender Kleidung gegenüberzustellen. Eine Luft zum Zerschneiden lag in den Räumen. So ein Gemisch von Wärme, Puder und Schminke, das irgendwie erregend war. „Halt, halt! Sie braucht jetzt keine Perücke!" Der Ft.seurmeister hielt die Hand seiner Gehilfin fest, die eben Gerlinde Steinbrück eine Perücke über den Blondkopf ziehen wollte. Schon war er neben Gerlinde, scheitelte ihr herrliches, silberblondes Haar und flocht es in zwei Zöpfe, die ihr lang auf die Brust fielen. „So — da ist das schönste Ritterfräulein fertig!" lachte er zufrieden. „Dieses echte Haar wirkt schöner als jede Perücke." Und wirklich: Gerlinde sah in der mattgrauen, altertümlichen Tracht aus wie aus dem Rahmen eines Bildes gestiegen. Aber es war keine Zeit zu langen Betrachtungen. Schon klangen abgerissene Akkorde der Musik herauf. Dann ertönte Das Zeichen, und die große Modenschau nahm ihren Anfang. Lange schon waren die Trachten vorbei; man befand sich schon mitten drin in den neuesten Schöpfungen Der MoDe. Für Die Mannequins gab es keine Sekunde Ruhe. An ... aus ... Frisch zurechtmachen, frisch frisieren unD Dann roieDer hinaus! EnDlich war Die erste Pause. Der Vorhang senkte sich. Jetzt konnten sich auch die Mannequins etwas Erholung gönnen. Auch für sie gab es Erfrischungen: kleine Kuchen, feine Brätchen. Die fünf Mannequins vom Modehaus Merkur und ihre jüngste Kollegin Gerlinde Steinbrück saßen in ihrer kleinen Kabine und aßen mit enormem Appetit die leckeren Sachen. Plötzlich stürmte die schwarze Lotte davon. Doch schon nach wenigen Minuten kam sie aufgeregt zurück. „Ja, Kinder, Baron Gersheim ist auch unten mit seiner fabelhaften Freundin. Ach, was sag' ich — fabelhaft? Sie sieht auch nicht viel anders aus als ich. Wenn ich mich so anziehen könnte... Aber wir dürfen ja all den Staat nur mal ein paar Minuten hin und her schleifen. Dann heißt's: ’runter damit!" „Baron Gersheim?" Die große blonde Erna verdrehte fast die Augen. „Sagt, was ihr wollt, ich finde den Mann himmlisch. Aber ... ich wittere da ein Geheimnis. Glücklich ist der mit all seinem Reichtum nicht. Ich hab' ihn ja zufällig neulich bedient, als er seiner Freundin Ria das Abendkleid aussuchen hals. Ach, half... Er guckte immer woanders hin, während er gelangweilt: >Ja, ja — entzückend, reizend!' wiederholte. Seine Augen sind so schwermütig." Die anderen stimmten bei. Nur Gerlindes große graue Kinderaugen waren weit und erstaunt. Wie konnte man für einen Mann schwärmen? Das waren .ihr alles fremde Begriffe. „Ach, Herzlinde, jetzt siehst du wieder aus, als wärest du vom Himmel eben heruntergefallen!" lachte die schwarze Lotte. „Aber du wirst schon noch dahinter kommen. Erna hat recht. Gersheim muß man lieben, ob man will oder nicht. Aber ... aus uns kleinen Mädels macht der sich nichts. Uns guckt er nicht mal an, und wenn wir wirklich hübsch sind, wo doch die größten Künstlerinnen ihn umschmeicheln." In diesem Augenblick ging die Tür auf, und Fräulein Scholz trat mit hochrotem Gesicht herein. „Ach, Kinder, Gott sei Dank, daß bis jetzt alles so gellappt hat! Sie haben übrigens fabelhaft vorgeführt, Fräulein Steinbrück! Die Chefs waren sehr zufrieden!" wandte sie sich an Gerlinde, die tief errötete. „Aber das wollte ich nicht sagen. Ihr habt eure Sache alle schön gemacht, Kinder! Nein — etwas anderes! Unten werden während der Pause Lose verkauft. Der Chef fragt, ob von euch ein paar mithelsen möchten. Die Losverteiler, die da sind, reichen nicht aus. Es ist Massenandrang. Alles zugunsten des Winterhilfswerks." „Lose verkaufen?" Die Mädchen sprangen wie elektrisiert auf. „Ja, ja ... das macht doch Spaß!" „Sie mochten nicht, Fräulein Steinbrück?" „Ich weiß nicht, wie man das macht." „Ach, sie ist goldig. Komm, mein Süßes, wir gehen zusammen! Ich werd' dir's schon zeigen." „Ihr geht in weißen Matrosenanzügen, damit man euch schnell erkennt." Bald standen sechs entzückende junge Matrosen da, von denen drei die Sammelbüchse trugen, während die anderen drei in einem Behälter die Lose verwahrten. „Ich geh' mit Gerlinde." Die schwarze Lotte schob die blonde Erna beiseite. „Geh, mein Herzchen, such Dir eine andere. Du mußt doch zugeben, blond und blond ist'nichts. Aber schwarz und blond, das wirkt. Man muß immer an die Wirkung denken." Sekundenlang stand die große blonde Erna verdutzt da; aber Lotte hatte Gerlinde schon fortgezogen. „Mal sehen, wer das Rennen macht! Wir wollen die meisten verkaufen!" Damit stürmte sie übermütig davon. (Fortsetzung folgt.) selstuße ein. Sie ist geöffnet am Freitag, dem 11. Januar, von 10 bis 13 und von 14.30 bis 19 Uhr, und am Samstag, dem 12. Januar, von 6.30 bis 8 Uhr. Nach 8 Uhr begeben sich die Angestellten der Derkehrskreditbank in den Sonderzug, um hier während der Fahrt bis Trier den zusteigenden und übrigen Reisenden, soweit sie vorher keine Gelegenheit hatten, Geld umzuwechseln. Jeder Reisende darf nur 25 RM. in deutschem Silbergeld oder 150 Franken (französisch, in Hart- oder Papiergeld) mit in das Saargebiet nehmen. Es wird dringend davor gewarnt, mehr Geld ins Saargebiet mitzunehmen, oa die Einreise dann in Frage gestellt ist. Sollten Reisende mehr Geld bei sich haben, so kann dies noch im Zug den Angestellten der Derkehrskreditbank zur Aufbewahrung übergeben werden. Die Reisenden, die Geld wechseln wollen, müssen an der Wechselstelle ihren Pah oorzeigen, in dem der mitzunehmende Betrag vermerkt wird. Achtung! Abstimmungsberechtigte! Die Fahrkarten nach dem Saargebiet sind zum größten Teil schon an die Abstimmungsberechtigten verteilt. Wo sie noch nicht verteilt sind, sind sie bereits bestellt. Falls Abstimmungsberechtigte noch keinen Antrag auf Ausstellung einer Fahrkarte gestellt haben, so muß das umgeyend durch den zustehenden Obmann geschehen. Wo der Obmann nicht bekannt ist, wende man sich an die Polizeibehörde oder an die Bürgermeisterei, die gerne Auskunft geben. Große Führertagung -es Bannes 116 -er HL. in Heuchelheim in Anwesenheit des Gebietsführers Kramer. Am kommenden Samstag und Sonntag findet in Heuchelheim eine Arbeitstagung der Führer des Bannes und Jungbannes 116 statt. An der Tagung nehmen alle Führer vom Gefolgschafts- bzw. Fähnleinführer aufwärts, sowie die Stabsmitglieder des Bannes und deren Mi t a r b e i t e r in den Gefolgschaften teil. Der Führer des Gebietes Hessen-Nassau, Walter Kramer, wird mit den wichtigsten Abteilungsleitern des Gebietsstabes aus Wiesbaden erscheinen. Am Samstagabend findet in der Turnhalle zu Heuchelheim ein großer Heimabend statt, der im Zeichen des Jungarbeiters stehen wird. Es sind eine ganze Anzahl Sondertagungen geplant. für aktive Führer getrennt nach HI. und Jungvolk, und für die einzelnen Mitarbeiter, wie Schulungsleiter, Sozialreferenten, Sportwarte, Pressereferenten und Geldverwalter. Für die gemeinsame Verpflegung bringt das Gebiet eine fahrbare Feldküche mit. Man kann immer wieder feststellen, daß die Hitlerjugend mit größter Aktivität am Werke ist, die jungen kommenden Führer Deutschlands für alle Zukunft im Sinne unseres Führers zu schulen und 311 stählen. Für unseren Kreis Gießen ist biefe großangelegte Tagung als ein Ereignis von besonderer Bedeutung anzusehen, von dem man sich mit Recht einen großen Erfolg verspricht. öJ.Jpor/ Das Gaullirnsest in Gießen. 2. bis 4. August. Der Gauführerstab des Turngaues Nordhessen hielt unter Leitung des neuen DT.-Gauführers Hermann Br u p ft (Vollmarshaufen) in Kassel eine wichtige Sitzung ab, die in erster Linie der Vorbereitung des Gaufestes des Gaues Nordhessen galt. Diese erste Großveranstaltung des Reichsbundes für Leibesübungen in unserem Heimatgau soll in den Tagen vom 2. bis 4. August 1935 in Gießen stattfinden. Der Gauführerstab übertrug der Gießener Turnerschaft endgültig die Zurüstung und Durchführung des Festes. Gauoberturnwart R. Paul (Gießen) erstattete Bericht über die bisher schon getroffenen Vorbereitungen; lebhaft begrüßt wurde die Mitteilung, daß die Stadt Gießen in jeder Hinsicht ihre Unterstützung zugesagt habe. Der Gauoberturnwart entwarf dann ein anschauliches Bild von dem Ablauf der turnerischen und sportlichen Wettkämpfe, an denen bekanntlich nach dem Willen des Reichssportführers und unseres Gaubeaustragten alle Verbände, die dem Reichsbund für Leibesübungen angehören, teilnehmen können und sollen. Der Freitag ist der Tag der Einzelkämpfe, am Samstag folgen die Mehrkämpfe (Darbietungen der Kreise, Vereinsriegen, Spiele usw.) und am Samstag schließt das Fest mit großen Massen- und Schauvorführungen (Festzug, allgemeine Freiübungen) ab. Gaudietwart Vesper (Homberg) sprach über den Einbau der völkischen Aussprache in die Wettkämpfe; sie wird in Verbindung gehracht mit den Gemeinschastsdar- bietungen der Kreise und als „völkische Stunde" würdig gestaltet werden. Für den Aufbau des Festes und die Schaffung des festlichen Rahmens wurden im Laufe einer eingehenden Besprechung noch wertvolle Anregungen gegeben. Zu Beginn der Sitzung hatte der DT.-Gauführer Brunst in anschaulicher, übersichtlicher Weise einen eingehenden Bericht über die Tagung der DT.-Gau- führer am 15. und 16. Dezember in Berlin gegeben. Ehrend gedachte der Gausührerstab des verstorbenen Turnkreisführers Albrecht (Eschwege), dessen Verdienste um die deutsche Turnsache vom DT.- Gausührer dankbar gewürdigt wurden. Halbzeit in der nordhessischen Handball- Gauliaa. Nachdem jetzt die nordhessischen Gauligavereine, bis auf drei Ausnahmen, die Vorrundenspiele beendet haben, verlohnt es sich, einmal einen Blick auf die Tabelle zu werfen und sie einer kritischen Würdigung zu unterziehen. Der derzeitige Tabellenstand ist folgender: Verein Gew. Hnentsch. Verl. Tore Pkte. Kasseler Tgde. 5 2 1 69:46 12:4 Tuspo. Bettenhausen 4 2 1 52:46 10:4 Tuspo. 86/09 5 0 3 57:45 10:6 Gießen 1900 5 0 3 47:41 10:6 Kurhessen Kassel 3 3 2 55:51 9:7 To. Kirchbauna 3 0 5 60:63 6:10 To. 1847 Wetzlar 2 0 5 40:58 4:10 To. 1861 Eschwege 2 0 6 41:59 4:12 Tura Kassel 1 1 4 28:40 3:9 Es ist nicht zu verkennen, daß die Kräfteverhältnisse ziemlich ausgeglichen sind. Wenn, auch die Kasseler Turngemeinde recht gut steht und die meisten Plustore hat, so wird man von einer klaren Tabellenführung noch nicht reden können. Wer ist nun der KT. gefährlichster Konkurrent? Der „Geheimtip" Bettenhausen, der vorjährige Stasfelsteger Tuspo 86/09 oder Gießen 1900? Was Bettenhausen und 1900 angeht, so wird man am kommenden Sonntag schon einigermaßen klar sehen, denn beide Mannschaften stehen sich an diesem Tag in einem Vormittagsspiel in Gießen gegenüber. Den Spielvereinigungsleuten ist übrigens noch öas Kompliment zu machen, daß sie die wenigsten Gegentore zugelassen haben (Tura Kassel scheidet bei dieser Betrachtung aus, da die Els nach mit zwei Spielen im Rückstand ist). Noch nicht recht klug ist man aus Kurhessen Kassel und Tv. Kirchbauna geworden. Beide find recht unberechenbar. Tv. ^47 Wetzlar, der vorjährige Gaumeister, hatte zunächst einmal einen schlechten Start, bei den spateren Spielen taten einige Spielerherausstellungen das übrige, um die Kampfkraft zu schwächen. Die Mannschaft dürfte jedoch, zumal Spielerzuwachs elngetre- ten ist, imstande sein, wieder Boden gutzumachen. Das Ende der Tabelle zieren Tv. 61 Eschwege und die Kasseller Tura. Damit soll jedoch keines- wegs gesagt sein, daß man diese beiden Vereine als Abstiegskandidaten zu betrachten hat, am allerwenigsten Tura. Stand der Fnßbaiispieie im Kreise Gießen. I. Areisklasse. Gew. Hnentsch. Verl. Tore Pkte. Heuchelheim 10 2 1 38:21 22:4 Wieseck 10 2 2 53:28 22:6 Großen-Buseck 9 2 2 55:26 20:6 ßich 3 4 7 30:35 10:18 ßoUar 8 3 4 61:38 19:11 ßeihgestern 4 1 7 29:33 9:15 Grünberg 4 1 9 20:43 9:19 1900 I I 2 3 7 18:35 7:17 VfB. II 2 3 8 19:42 7:19 Krofdorf 2 1 7 16:38 5:15 Heuchelheim kann sich auch weiter an der Spitze halten, doch in Wieseck und Großen - Buseck hat Heuchelheim zwei ernsthafte Rivalen, die alles versuchen werden, dem Tabellenführer die Vorherrschaft zu entreißen.- Ausschlaggebend wird das Spiel Großen-Buseck — Heuchelheim fein, das aber erst ziemlich am Schluß der Serie ftattfinbet. Lollar hat sich erheblich verbessert unb ist auch in ber Spitzengruppe zu finben. Erst mit großem Abstand folgen die Vereine Lich, Leihgestern, Grünberg, 1900 II unb VfB. II. Krofborf hat als Tabellenletzter aber noch Gelegenheit, seinen Tabellenstanb zu verbessern. II. Kreisklasse. Gew. Hnentsch. Verl. Tore Pkte. Allendorf (ßahn) 7 3 1 34:24 17:5 Steinberg II 6 1 3 36:27 13:7 Steinbach 6 1 3 16:19 13:7 ßollar II 4 2 5- 21:26 10:12 Wieseck II 4 1 6 28:23 9:13 Garbenteich 4 0 5 42:27 8:10 ßeihgestern II 0 0 10 6:37 0:20 Die im DFB. junge Mannschaft von Allendorf konnte sich an die Spitze der Tabelle setzen, erst mit einigem Abstand folgen Steinberg II und Steinbach, aber für die Tabellenführung kommen beide nicht mehr in Frage. Lollar hat sich gut behauptet, auch in Wieseck scheint es wieder bergauf zu gehen, während Garbenteich sich durch harte Spielweise viel verdorben hat. Leihgestern II kann gegen die starken Gegner nichts ausrichten, doch ist es erfreulich, daß die Mannschaft unverdrossen weiterkämpft. Steinbach I — Garbenteich 1 6:5 (2:3). Steinbach und Garbenteich trafen sich mit ihren Mannschaften am Sonntag zum fälligen Verbandsspiel in Steinbach. Nach dem Anpfiff des Unparteiischen^ Grote (Mainzlar), konnte Steinbach bald in Führung gehen. Garbenteich spielte zunächst mit 10 Mann, ließ sich aber nicht entmutigen und glich in der Folge aus. Die Freude dauerte aber nicht lange. Bald hieß es 2:1 für Steinbach. Der Hüter von Gartenteich hätte den Ball allerdings halten müssen. Das Halbzeit-Ergebnis lautete 2:3 für die Gäste. In der zweiten Spielhälfte konnte Steinbach das Ergebnis auf 6:5 für sich stellen, da die Hintermannschaft ber Gaste sehr zerfahren spielte. Ein torreicher, jeberzeit spannender Lokalkampf iand damit fein Ende. Garbenteich war für dieses Spiel benachteiligt, insofern, als vier Ersatzleute eingestellt werden mußten. Die drei (Hruppensieaer ermittelt Nach einem vorbildlichen Kampfe stehen nun die Gruppensieger der drei Einzelgruppen fest. Gruppe A: Spielvereinigung 1900 Gießen erste Jugend (ohne Punktverluste). Gruppe B: Spieloereinigung 1926Leihgestern. Gruppe C: Sportverein 1920 Heuchelheim. Die festgestellten drei Gruppensieger treten nun in den Kampf um die Jugendgruppen-Meisterschaft der Gruppe Gießen des Sportkreises Gießen. Es kommt nur ein Spiel zum Austrag, wer verliert, scheidet aus. Der alsdann ermittelte Sieger tritt gegen die siegreiche Jugendelf der Gruppe Wetzlar an. Wenn es der kampferprobten Jugendmannschaft der Gießener Spielvereinigung 1900, was man allgemein erwartet, gelingen sollte, Gruppenmeister zu werden, so wird diese Jugendelf mit dem Sieger der Gruppe Wetzlar Zusammentreffen. Hier ist voraussichtlicher Sieger und Gruppenmeister die erste Jugendmannschaft des Sportvereins 05 Wetzlar. Wo die erste Begegnung ftattfinbet (Gießen ober Wetzlar), steht noch nicht fest. Die Kreismeisterschaft wirb nach ben geltenden Bestimmungen im Dor- unb Rückspiel entschieben. Der Kreisjugendmeister spielt um bie Bezirksmeisterschaft in ben einzelnen Bezirken. Wie bereits früher schon mitgeteilt, so hat ber Gaujugendführer angeordnet, daß auch die Gaujugendmeister- schafi ermittelt werden soll. Vielleicht gelingt es auch einmal, eine deutsche Jugendmannschaft zu Ende zu führen, was bei ernsthaften Maßnahmen im Bereich der Möglichkeit liegt. Mit großer Befriedigung muß feftaefteüt werden, daß sich alle Mannschaften tapfer geschlagen haben, Disziplin und Unterordnung war am Platze, zu Verletzungen ist es nirgends gekommen, so daß ber von manchen Kreisen immer noch als zu hart emp- funbene Fußballsport hoch anbers aussieht, als er angesehen wirb. Wenn dieser Sport entsprechenb ben Spielregeln betrieben wirb, so gehört er immer noch zu ben begeifternben Sportarten. Städte Wettkampf im Kunstturnen. Das große turnerische Ereignis bieses Monats wirb für ben Gau Norbheffen ber Kunftturnkampf Hamburg — München — Kassel sein, ber am 27. Januar in Kassel zum Austrag kommt. Er ist als eine olympische Dorschulung hervorragender Art anzusehen. Mitteldeutsche Skimeisterschasten verlegt. Die Mitteldeutschen Skimeisterschaften (Gaue 12 unb 13), bie am Wochenende in ber Rhön ausgetragen werben sollten, finb wegen bisher mangelnber Trainingsmöglichkeiten auf ben 8., 9. unb 10. Februar verlegt worben. Dafür wirb am fommenben Sonntag in Gersfelb ein 12-km-Pairouillenlauf mit Gelänbesport-Prüfungen für Angehörige ber SA., SS., FAD., Polizei unb Wehrmacht burchgeführt. Schmeling - Hamas boxen in Hamburg Senat unb Reichsstatthalter von Hamburg haben in einer Sitzung beschlossen, bie Rothenburgsorter Halle zu einer riesigen Sporthalle ausbauen zu lassen, bie mit einem Fassungsvermögen von 25 000 Personen bie größte Sporthalle ber Welt sein wirb. Damit ist die Entscheidung über den Austragungsort des Schwergewichtskampfes Max Schmeling — Steve Hamas endgültig auf Hamburg gefallen. Zugleich mit dieser Meldung kommt aus USA. die Nachricht, daß Hamas' Manager auch ein Kampfangebot aus England erhalten hat gegen die gleiche Börse wie in Hamburg — 25 000 Dollar — in ber ersten Februar-Woche gegen ben englichen Schwergewichtsmeister Jack Petersen anzutreten. Der Betreuer bes Amerikaners hält jeboch an seinem Kontrakt mit Schmeling fest, möchte aber auch das englische Angebot annehmen. Dieser Kampf dürfte dann aber erst nach ber Schmeling-Hamas- Begegnung, bie am 10. März ftattfinbet, zustanbe- kommen. Kreis-SeMe-WellkämpseimTurnaauMdheffen Die zwölf Turnkreise bes Gaues XII Norbheffen haben an ben letzten Sonntagen ihre besten Geräte- turner in Ausscheibungsturnen ermittelt unb zu Knismannschaften zusammengefaßt. Demnächst soll bie beste Kreismannschaft feftgeftellt werben. Zu diesem Zwecke finden Dorkämpfe statt. Je drei Turn- kreise bilden eine Kreisgruppe. Die Sieger-Mann- schaften der Gruppen treten bann zum entscheibenben Endkampf an. Die Turnkreise 10: Rhein-Taunus, 11: Wetterau- Vogelsberg und 12: Main-Kinzig treffen sich bereits am nächsten Sonntag in H a n a u a. M. Die übrigen Kreisgruppen führen bie Kämpfe am 20. Januar durch, unb zwar: bie Turnkreise 1: Wilhelmshöhe- Reinharbswalb, 2: Unterwerra unb 6: Walbeck in Nieberzwehren; die Turnkreise 3: Vorder- rhön-Knüll, 4: Rhön-Vogelsberg unb 5: Fulba- Eber in Lauterbach; bie Turnkreise 7: Lahn» Ohm, 8: Lahn-Dill unb 9: Lahn-Westerwalb in Wetzlar. Zu ben Kämpfen stellt jeber Kreis eine Mannschaft von acht Turnern (dazu einen Ersatzmann), bie je eine Hebung an Reck, Barren, Querpferb, ßängs- pferb unb eine Freiübung turnen. Die Kreisriegen- wettkämpfe werben vormittags mit ber Durchführung ber Kürfreiübungen sowie ber Sprünge am Pferb beginnen. Die Hauptkämpfe an den Geräten werden nachmittags ausgetragen. Die Wertung erfolgt durch drei Kampfrichter, von denen jeder bis zu 10 Punkten auf eine Hebung geben kann. Unfer heimischer Turnkreis Lahn-Dill hat mit Sorgfalt aus 16 feiner Besten die Mann- schäft, bie am 20. Jan. zum Kampfe mit ben Kreisen Lahn-Ohm und Lahn-Westerwalb in Wetzlar antritt, in zwei Ausscheibungsturnen in Sinn unb Wetzlar ausgesucht. Sie zeigt folgenbe Aufstellung: 1. (Ersatz) Erich Schabe, Tv. Wetzlar; 2. Adolf Lenz. Tv. Sinn; 3. Hans Kreuter, Tv. Merkenbach; 4. Hch. Herbert. Tv. 1846 Gießen; 5. Karl Be11in, Tv. Wieseck; 6. Karl Schick, Tv. 1846 Gießen; Herbert Butti, Tv. Sinn; 8. Erst S ch ö f f m a n n, Tv. Wieseck; 9. Richard Seth, Tv. Großen-Linden. Es gehören der Mannschaft also eine ganze Reihe von erprobten Turnern an, die kürzlich bei dem Kunst» turn-Mannschaftskarnps im Bad-Nauheimer Kurhause in der siegreichen Mannschaft des Bezirks Gießen gestanden haben Bei dem Ausscheidungsturnen in Wetzlar am letzten Sonntag erfolgte die Wertung schon nach denselben Gesichtspunkten wie beim kommenden Wettkampf. Bei der Freiübung schnitt Schick- Gießen mit 29 Punkten am besten ab. Ihm folgten Herbert- Gießen mit 28 und S e t h-Großen-Lin- den mit 27‘A Punkten. Am Barren kamen S ch ö f f m a n n - Wieseck und Seth- Großen-Linden auf 26V- Punkten und H e r b e r t - Gießen auf 25V2 Punkte. Schöffmann - Wieseck war mit 27 Punkten auch Bester am Pferd (quer); ihm folgten Lettin- Wieseck mit 25V2 und Kreuter- Merkenbach mit 25 Punkten. Auch am R e ck schoß Schöffmann ben Vogel ab. Er hielt 28'/r P. S e t h - Großen-Linden kam hier auf 28 unb Schick- Gießen auf 27 P. Beim Pferdsprung erreichten die besten Leistungen Butti-Sinn, Schick- Gießen unb Schabe- Wetzlar. Auch in ber Mannschaft bes Turnkreises Wellerau-Vogelsberg befinben sich einige Turner, bie beim Kunsttum- kamps ber Bezirke Saar, Kassel unb Gießen in Bad-Nauheim dem Bezirk Gießen zum Sieg oer- Holsen haben. Die Mannschaft tritt nächsten Sonntag zum Kreisgruppenkampf in Hanau a. M. in folgender Aufstellung an: 1. (Ersatz): Ernst Nolt, Tgm. Friedberg; 2. Hch. Eichenauer, Tv. Dauern» beim; 3. I. Klöß, To. Vilbel; 4. G. Eichler, Tv. Dornassenheim; 5. W. Hafner, Tv. Massenheim; 6. Richard Kraft, Tschft. Büdingen; 7. W. Sinnwell, Tgm. Bad-Nauheim; 8. Hch. Dechent, Tgm. Friedberg; 9. Alfred Eckhardt, Tv. Nidda. Vor dem iS.Länberkamps Deutschland - Schweiz Historisches vom Das erste Spiel der deutschen Fußball-National-1 Mannschaft im neuen Jahre führt diese am 27. Januar in Stuttgart mit der Schweiz zusammen. Die Eidgenossen waren Deutschlands erster Fußballgegner überhaupt. Am 5. April 1908 trafen in Basel bie beiben Nationalmannschaften zum erstenmal aufeinander. Der Bundestag am 1. und 2. Februarr 1907 in Hannover hatte beschlos. fen, den internationalen Spielverkehr aufzunehmen. Deutschlands Fußballsport begann Weltgeltung zu bekommen Damit trat an den Deutschen Fußball- Bund die Frage heran, in welcher Weise er die Zusammensetzung seiner repräsentativen Mannschaft regeln wollte. Es wurde beschlossen, die Aufstellung von Fall zu Fall in der Art vorzunehmen, daß Bundesvorstand und Spielausschuß gemeinsam zu bestimmen haben sollten, welche Posten ber beut- scheu Mannschaft von ben Derbänben zu besetzen wären unb die Ernennung ber Spieler selbst ben betreffenben derbänben z u überlassen. Dieses System, das heute recht merkwürdig anmutet, erklärt sich nur aus dem Hinstand, daß die berufenen Stellen noch keine große Erfahrung im internationalen Spielverkehr hatten, bie Spieltaktik noch wenig ausgeprägt war unb im Deutschen Fußball-Bunb bie ßanbesoerbänbe zu sehr barauf eingestellt waren, ihre eigenen Interessen gewahrt zu sehen. Interessant finb auch bie Begleitumstände des ersten Länderkampfes. Auch hier hat sich in ber Reihe ber Jahre mit ber zunehmenben Entwicklung bes Sportgebanfens viel geändert. Der Bericht des damaligen Spselausschuß- Vorsitzenden, Hugo E. Kubaseck, schildert eindrücklich ben Rahmen bieses Treffens. Bis zum Abenb des Vortages waren die Spieler einzeln in Bafel eingetroffen. Am Spieltag selbst, vormittags 9 Hhr, war Kleidungsappell, wobei die „Vermessung "usw. „ganz in weiß" vorgenommen wurde. Die Spieler wurden in Autos durch die Stadt gefahren, im Zoo ein Imbiß eingenommen unh bann würben — immer wie ber getreue Chro- nifit berichtet — beim Glase Bier (!) bie Chancen erörtert 5000 Zuschauer waren zum Spiel erschienen unb nach einer Ansprache bes Spielausschuh- mitgliebes begann ber Kampf. Der Sieg ber Schweizer wirb „amtlich" als oerbient bezeichnet unb bie Leistungen ber beutschen Mannschaft werden wie folgt beurteilt: „Der Torwächter Baumgarten (Berlin) genügte. Von ben Verteibigern war Jordan (Magdeburg) sehr schlecht, während Hempel (Leipzig) der befreiende Stoß fehlte, seine Ballbehandlung aber gut ist. Mit einem Partner, ber über einen weiten Stoß verfügt, hätte er seinen Posten wohl ausgefüllt. Die Läufer (bamals sagte man noch Halves) Lubwig (Köln), Hiller (Pforzheim), Weymar (Hamburg) genügten. Alle brei waren fleißig. Die Außenläufer hätten ihre Dor- berreihe besser unterstützen können, wenn bie 93er- teibiger (bamals Backs) ihrer Aufgabe gewachsen wären. In ber Stürmerreihe, Hensel (Kassel), För- berer (Karlsruhe), Kipp (Stuttgart), Becker (Frankfurt), Baumgärtner (Düsselborf), vermißte man bis zum letzten Teil bes Spieles jegliche Kombination. Keiner vertraute bem anbern. Direkt versagt hat nur Hensel. Kipp vernachlässigte ben linken Flügel stark. I.£än6erfompf. Das Zusammenspiel zwischen Kipp unb Förberer wirkte baburch schließlich einseitig unb unzweckmäßig, ba beibe balbigft stark gebeckt würben. In solchen Fällen soll ber Flügel bie Bälle erhalten." Zum Abschluß bieser historischen Betrachtung bes ersten beutschen ßänberfampfes, ber gegen ben gleichen Gegner stattfand, gegen ben Deutschland jetzt in Stuttgart zum 19. Male antritt, seien noch die vertragsmäßig festgelegten Bedingungen der all- jährlichen Kämpfe zwischen beiden Nationen aufgezeigt, weil heute die ßänberfämpfe auch nach dieser Richtung hin auf einer wesentlich anderen Grundlage beruhen. Im ersten Absatz bes Vertrages wirb festgestellt (eine Tatsache, bie allerbings heute noch voll wirksam ist), daß ber Deutsche Fußball - Bund und der Schweizer Verband beseelt sind von dem Wunsche, die sportlichen Beziehungen zwischen beiden Ländern immer freundschaftlicher zu gestatten. Dann heißt es: „Alljährlich soll ein Spiel der beiderseitigen Nepräsentatiomannschaften ftattfinben unb zwar das in der Schweiz nördlich der durch die Städte Chaux - de - Fonds, Bern, ßuzern und Zürich gezogenen ßinie ober in einer ber vier Stäbte selbst unb bas Spiel in Deutschlanb in einem Orte süblich unb westlich ber ßinie Straßburg, Karlsruhe, Stuttgart unb Konstanz. Die Kosten für bie Reise hat immer ber Verbanb zu tragen, ber zum Reisen verpflichtet ist. Die Nichteinhaltung bes Vertrages bzw. Nichtaustragung bes jeweils zweiten Spieles bebingt eine Strafe von 1000 Frs. = 800 RM." Zur Nichteinhaltung bes Vertrages ist es niemals gekommen; immer haben ber Schweizer Fußball- unb Athketik-Verbanb unb ber Deutsche Fußball- Bunb ihre ßänberfämpfe in sportfarnerabschaftlicher Weise zum Ausdruck gebracht. Unb unter bem Zeichen ber Freunbschaft steht auch ber neue Kamps am 27. Januar 1935 auf ber Adolf-Hitler-Kampf- bahn in Stuttgart. Kurze Sporinotizen. Versammlung bes Reichsbunbes für ßeibesübungen in Gießen. D"r ß^ifer der Ortsgruppe Gießen des Reichsbunbes für ßeibesübungen Dr. Möckelmann, teilt mit, daß am kommenden Montag, 14. Januar, 20.30 Hhr, im „Hotel Hindenburg" die erste Hauptversammlung ber Ortsgruppe Gießen bes Reichsbunbes für ßeibesübungen ftattfinbet. Zu bieser Versammlung hat jeber Verein, ber bem Reichsbunb für ßeibesübungen angehört, einen Vertreter zu entfenben. Die Versammlung wirb sich mit ben Satzungen, mit ber Beitragsfestsetzung, mit ber Benennung bes engeren Ausschusses, mit ber Bildung bes erweiterten Ausschusses unb mit verschiebenen anberen Fragen zu beschäftigen hoben. Der neue beutsche Rekorb im 200-m« Rückenschwimmen bes Glabbeckers Simon würbe mit 2:38,3 Minuten vom DSV. anerkannt. Willi Bogner erzielt bet ben norwegischen Skirennen immer bessere Ergebnisse. Bei einem 8,5 km langen ßanglauf mit bester nordischer Klasse belegte er in 47:05 Minuten Öen fünften Platz. Oberheffen. 40 Jahre Freiwillige Feuerwehr Klein-Linden. CO Klein-Linden, 9. Jan. Am 5. Januar waren es 4 0 Jahre, daß in der Wirtschaft „Zum deutschen Hof" von Friedrich Rinn die Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr vorgenommen wurde. Zwanzig Männer unseres Dorfes erklärten ihren Beitritt und reichten beim Kreisamt Gießen die Satzung ein, die am 12. Januar 1895 die Genehmigung der Behörde fand. Don den Gründern sind noch drei am Leben; es find dies der langjährige Kommandant und jetzige Ehren- kommanoant Karl Jung II., der ehemalige Spritzenmeister und langjährige Dorstandsangehörige Ludwig Schaum und Heinrich Ufer, der viele Jahre lang die Rechnergeschäfte mit großem Geschick führte. Auch der damals in unserer Gemeinde tätige Lehrer E ß machte sich um die Gründung verdient. Schon nach einem Jahre kehrten elf der Gründer der Wehr den Rücken, so daß satzungsgemäß die Auflösung hatte erfolgen können. Dank der Tätigkeit des rührigen späteren Kommandanten Karl Jung II. konnten aber in kurzer Zeit in einigen Werbeversammlungen 38 neue Mitglieder ausgenommen werden, so daß der Bestand der Wehr gesichert war. Als die Geldmittel in der jungen Wehr knapp wurden, die Gemeinde ein Gesuch um Zuschuß zur Beschaffung von Ausrüstungsgegenständen aber ablehnte, erbot sich Karl Jung II., trag Geld für viele Jahre zinslos oor- zuschießen. Die beiden ersten Jahrzehnte erfreute sich dann die Wehr eines beständigen Aufstiegs, der in einer steigenden Mitgliederzahl seinen Ausdruck fand. Krieg und Inflation ließen die Wehr von ihrer Höhe herabsinken, und als in den Nachkriegsjahren zum Antreten geblasen wurde, fanden sich oft nur 8 bis 12 Mann zu den Hebungen ein. Trotz des damaligen Exerzierverbotes trafen sich in den frühesten Sonntagsstunden auf der Straße nach Dutenhofen die treusten Anhänger und übten in der Uniform, oft von Vorübergehenden mit Hohn und Spott überschüttet. Nach der Machtergreifung durch Adolf Hitler ging es unter Leitung eines neuen Kommandanten, des Rangiermeisters Fritz Müller, wieder bergauf. Zu den Hebungen traten wieder 20 Mann an, und das ehemals verpönte Exerzieren wurde mit besonderer Sorgfalt gepflegt. Die Mitgliederzahl stieg, so daß sie heute 65 beträgt. Im verflossenen Jahre war es der Wehr mit Hnterstützung durch die Gemeindeverwaltung vergönnt, ein neues Spritzenhaus mit Steigerturm und Trockenanlage für die Schläuche zu errichten. Die damals in Anwesenheit der Feuerwehrbehörde vorgenommene Besichtigung erbrachte den Beweis der Schlagfertigkeit und Diszipliniertheit unserer Freiwilligen Feuerwehr. Von einer größeren Feierlichkeit soll im Hinblick auf die Notlage vieler Volksgenossen abgesehen werden. Doch wird in einer schlichten Feier am nächsten Samstag im Gründungslokal von Friedrich Rinn der verflossenen 40jährigen Wirksamkeit gedacht werden. Die drei obenerwähnten Gründer sind bis zum heutigen Tage der Wehr treu geblieben. Sämtliche ehemalige Kommandanten der Wehr leben noch. Es sind dies: Maurermeister Heinrich Bernhardt, 1895 bis 1901, Werkmeister Adolf Brandenburger 1901 bis 1904, Maurermeister Karl Jung II. 1904 bis 1923, dieser ist heute noch als Ehrenkommandant aktiv tätig, Landwirt Philipp Klein 1923 bis 1928 und von da bis heute Rangiermeister Fritz Müller. Verfehlungen bei der Bezirkssparkaffe in Ortenberg. Eine Revision der Buchführung und der Kasse der Bezirkssparkasse in Drtenberg hat Verfehlungen zutage gebracht. Daraufhin ist der Kontrolleur der Kasse mit sofortiger Wirkung beurlaubt worden, während der langjährige Rechner seine Pensionierung beantragt hat. Seitens der zuständigen Aufsichtsorgane sind sofort alle Maßnahmen getroffen worden, die den ordnungsmäßigen Fortgang der Kassengeschäfte und der Buchhaltung gewährleisten, so daß zu Beunruhigungen kein Grund gegeben ist, wie auch bisher keinerlei Stockungen im Geschäftsverkehr der Kasse infolge der Verfehlungen eingetreten sind. Landkreis Gießen. 8. Lang-Göns, 9. Jan. Das Anwesen der Anna Ebel, früher Gastwirtschaft, wurde durch freiwillige Versteigerung von der Gemeinde für 8000 Mark erworben. Es ist beabsichtigt, durch verschiedene bauliche Aenderungen in dem Anwesen Räume für die Zuchtbullen, Zuchteber usw. zu schaffen, da die seitherigen Hnterbringungsmöglich- feiten etwas beschränkt waren und am Ende des Dorfes lagen. Für Futtervorräte usw. mußte immer schon eine besondere Scheuer gepachtet werden. Das fällt in Zukunft weg. Die neuen Räume werden ziemlich im Mittelpunkt des Dorfes liegen. 3 Obbornhofen, 9. Jan. Bei der Anfang dieser Woche im hiesigen Gemeindewald vorgenommenen Brennholzversteigerung, zu der auch zahlreiche auswärtige Käufer erschienen waren, wurden folgende Preise erzielt: Buche, Scheit, 1. Kl. 18 bis 19 RM.; Buche, Scheit, 2. Kl. 10 bis 12 RM.; Buche, Stammknüppel 14 bis 16 RM.; Buche, Astknüppel 9 bis 11 RM.; Eiche, Knüppel 8 bis 10 RM.; Buche-Reifer 1 bis 2 RM. pro Raummeter. Kreis Bübingen. x Büdingen, 9. Jan. Gestern fand hier im „Fürstenhof" eine Versammlung des N S. - L e h - rerbundes des Kreises Büdingen statt. Nach Begrüßung durch Kreisamtswalter Dr. Culmann (Nidda) gab Dr. Wehen kel (Berlin), in einem anderthalbstündigen, tiefschürfenden Vortrage über „Die Bedeutung des Auslandsdeutschtums für die reichsdeutsche Wirtschaft" der Zuhörerschaft reichliche Anregung zur Erreichung des gesteckten Zieles. Dem Vortragenden, dem auf Grund mehrjährigen Aufenthaltes im Auslande reiche Erfahrungen zur Verfügung stehen, wurde allseitig Dank gezollt. Aus Anregung von Dr. Schwarz (Büdingen) erklärte, soweit dies nicht schon früher geschehen war, eine größere Anzahl Teilnehmer ihren Beitritt zum VDA. Dr. Culmann erledigte noch einige geschäftliche Angelegenheiten. Durch die Kreisamtsleitung „Kraft durch Freude" soll in Kürze der Besuch von Schillers „Tell" im Schauspielhaus zu Frankfurt a. M. gegen geringe Kosten ermöglicht werden, wenn sich eine genügende Anzahl Teilnehmer meldet. — Am Abend fand eine Versamm- 33 Marburg, 9. Jan. Bei den Erörterungen über Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ist in interessierten Kreisen wiederum einmal die Frage einer Fortführung der Marburger Kreisbahn nach Mücke an der Bahnstrecke Gießen- Fulda aufgetaucht. Bekanntlich bestand schon vor Ausbruch des Weltkrieges der Plan, die in Drei- Hausen endende Kreisbahn über das Gebiet des Kreises Marburg hinaus nach Homberg (Ohm), oder über Roßberg, Wermertshausen, Rüddings- hausen, Höingen, Deckenbach, Schadenbach und Wei- tershain nach Mücke zu führen, ja, man dachte sogar an eine Heberkreuzung der Bahnstrecke Gießen—Fulda mit dem Endpunkt H l r i ch st e i n. Eine Rentabilität der zu bauenden Strecke versprach man sich durch bessere Abfuhrmöglichkeiten des Holzes aus den großen Waldungen im Vogelsberg, durch gesteigerten Personenverkehr und vor allem durch bessere Ausbeutemöglichkeit der Basalt- und Eisensteinvorkommen in der Gegend von Weitershain. Auch nach dem Kriege ist die Frage einer Fort- lung des Volksbundes für das Deutsch. tum im Auslande im gleichen Saale statt, in der Dr. Wehenkel wiederum über die Bedeutung des Auslandsdeutschtums für die reichsdeutsche Wirtschaft sprach. Nachdem bereits in der Lehrerversammlung 40 Mitglieder dem Volksbund bet- traten, konnten am Abend noch 17 Mitglieder für die gute Sache gewonnen werden. Die Kapelle des Arbeitsdienstes verschönte die Versammlung mit musikalischen Darbietungen. Das gemeinsam gesungene Deutschlandlied und das Horst-Wessel-Lied, sowie das dreifache „Sieg-Heil" auf den Führer beschlossen den Abend. tz. Nidda, 9. Jan. Unter zahlreicher Beteiligung von Kaufliebhabern, teilweise sogar aus der entfernteren Wetterau, wurden heute bei der vom Forstamt Eichelsdorf im Gambrinussaale dahier veranstalteten Brennholzversteigerung folgende Preise für je einen Raummeter erzielt: Buchenscheitholz 1. Klasse 8 Mark, 2. Klasse 5 Mark, Buchenknüppel 4,50 Mark, Eiche 4,50 Mark. Kreis Alsfeld. * Ruppertenrod, 9. Jan. Bei Holzfällerarbeiten in unseren Waldungen erlitt der 24 Jahre alte Karl Frank von hier gestern einen schweren Unfall. Der bedauernswerte junge Mann schlug sich bei der Arbeit an einem Baume mit der A x t in das linke Bein und verletzte sich so schwer, daß er nach Gießen in die Klinik gebracht werden mußte. führung der Kreisbahn öfters aufgerollt worden. Es fanden zu diesem Zwecke viele Jnteressentenver- fammlungen mit regen Aussprachen in Rüddings- Hausen usw. statt. Immer wieder scheiterte das Vorhaben an der Finanzierungsfrage, sowie an der Frage einer genügenden Rentabilität. Die Marburger Kreisverwaltung hat in den Jahren vor 1933, als die Dreihäuser Basaltindustrie — die Haupteinnahmequelle der Bahn — fast ganz zum Erliegen gekommen war, äußerste Sparmaßnahmen anwenden müssen, um den Betrieb der bereits vorhanden^ Strecke aufrechterhalten zu können. Bei der gegenwärtig starken Basalt- Verfrachtung ist sie allerdings dieser Sorge enthoben. Ob aber im Zeitalter der Motorfahrzeuge, die den Eisenbahnen viel, Arbeit und Einnahmen abnehmen, noch ein Weiter bau der Kreisbahn mög- lich sein wird, bedarf — so wünschenswert der Anschluß an das Bahnnetz für die genannten Orte vielleicht auch ist — doch sehr reiflicher Erwägungen. Marburger Kreisbahn bis Mücke? Wiederaufleben eines alten Bahnprojektes. MAGG|Sa^topFq Frau Johannette Bepler, geb, Peusdi nach kurzem Eheglück in die Ewigkeit abgerufen. Die trauernden Hinterbliebenen. Lollar, Wißmar, den 9. Januar 1935. Kinzenbach, den 10. Januar 1935. 142 D Architekt Heinrich. Konrad Beteiligung bittet Ruppertsburg, den 9. Januar 1935. 148 D 134V öffnet. 2326 A Heute nachmittag 3 Uhr entschlief nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden mein guter Mann und treusorgender Vater, unser guter Sohn, unser lieber Schwiegersohn, Bruder und Schwager Nach kurzer schwerer Krankheit wurde am Dienstagabend 10 Uhr im Alter von 22 Jahren meine liebe Frau, die Mutter ihres Kindes, meine gute Tochter, Schwiegertochter. Schwester. Schwägerin und Tante Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter heute mittag nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden im Alter von 51 Jahren zu sich in die Ewigkeit abzurufen. Die Beerdigung findet Samstag, den 12. Januar, nachmittags 2 Uhr, statt. der Vorstand. 138 D In tiefem Schmerz: Wilhelm Bepler und Kind Familie Ludwig Peusch, Gastwirt Familie Wilhelm Bepler Ma Anzeigen-Aktiengesellschaft Annahme von Anzeigen für alle Leitungen u. Zeitschriften Gießen / Schulstraße 1 Die Bezirkssparkasse Gießen wird zur Entschuldungsstelle ernannt. Die Gläubiger werden aufgefordert, ihre Ansprüche bis zum 15. Februar 1935 bei dem unterzeichneten Amtsgericht anzumelden und die in ihren Händen befindlichen Schuldurkunden dem Gericht einzureichen bei Meidung der in § 11 Abf. 2 des Entschuldungsgesetzes angedrohten Rechtsnachteile. Gießen, den 3. Januar 1935. Hessisches Amtsgericht. Die Beerdigung findet Freitag, den 11. Januar, nachmittags 2 Uhr vom Trauerhause, Atzbacher Straße 36, aus statt. Kriegerverein Gießen Wir betrauern das Ableben unseres Mitglieds Kamerad Heinrich Vollmöller Sehr ein er meist er. Die Beerdigung findet am Freitag, dem 11. Januar, nachmittags um 2 Uhr auf dem Neuen Friedhof statt. Um rege und zum Bauen Abermann Frau Luise Gerlach Wwe. geb. Schultze Schon für 31.1.50 monatl. - bei Abnahme einer Lieferung zu RM. 3.- aller 2 Monate — erwerben Sie das bekannte botanische Pracht- und Standardwerk: Die Pflanzenwelt derdeutschenHeimat uni) der angrenzenden Gebiete 3n Naturaufnahmen dargestellt u. beschrieben von Dr. Kurt Hueck. Drei Lände in 90 Lieferungen mit etwa 1000 eigenen Naturaufnahmen auf mehr als 400 bunten und einfarbigen Tafeln. Oer Bezug in Lieferungen ermöglicht Ihnen den Besitz dieses Prachtwerkes ohne drückende wirtschaftliche Belastung. »Das Werk bat In der pflanzenkundlichen Literatur nicht seinesgleichen und man möchte hoffen, daß es dazu beiträgt,Verständnis und Liede für die heimische pftanzenwclt in immer weitere Kreise hineinzutragen." (Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung.) Verlangen Sie das bebilderte Derbeblatt Das Werk kann durch jede Äuchhandlung bezogen werden. Hugo Vermühler Verlag Berlin-Lichterfelde im Alter von 32 Jahren. Im Namen der tieftrauemden Hinterbliebenen: Karl Konrad. SA faust laufend 186d Verwaltung der Veterinär Limit. Lw. E. 35 (a) / 34. Beschluß. Heber den landwirtschaftlichen Betrieb der 1. Adam Jäger II. Witwe Llisabethe, geb. Dem, 2. Marie Jäger, 3. des Richard Jäger zu Leihgestern wird das Entschuldungsverfahren gemäß dem Gesetz zur Regelung der landwirtschaftlichen Schuldverhältnisse vom 1. Juni 1933 heute um 10 Hhr er- Die Beerdigung findet in Lollar am Samstag, dem 12, Januar nachmittags 3 Uhr statt. _____________________________________________________________147 D Verkäufe Klein, gebraucht. Liefer- oder Personenwagen in gut. Zustand, zu kauf, gesucht. Lchr. Angeb. mit Preis unter0130 an d. Gieß. An;. Herde und Hefen zu verkauf. 0137 Walltorstr. 4 vt. Manhläoon von3 bis 20v.H. erhalten Sie bei wieder- lidvillduuv holten Veröffentlichungen einer Anzeigei Aus amtlichen Bekanntmachungen entnommen: Brennholzversteigerung in Homberg. Mittwoch, den 16. Januar, von vormittags 10 Ilhr an, werden im „Frankfurter Hof" zu Homberg aus den Forstorten Meisenbach 10c, Beuerberg 19b, 21a, Wudholz 33 und 34, Dicknet 28c und Dicknetskopf 30a der Försterei Homberg versteigert: 149D Scheiter rm; Buche 459, Hainbuche 4, Eiche 23 (hiervon 4 rm rund, 2 m lang), Kiefer 12 (rund); Knüppel rm: Buche 257, Hainbuche 68, Eiche 54, Birke 6, Kirschbaum 1, Kiefer 2; Reiserholz 3. Klasse rm: Buche 188; ferner: Schlagreisig, geschätzt zu 245 rm in 11 Losen; Stöcke rm: Buche 85, Eiche 2, Kiefer 2. Das mit dem Buchstaben L geschlagene Holz kommt nicht zum Verkauf. Brennholz-Versteigerungen der Giadt Gießen. A. Montag, 14. Januar 1935, 9% Uhr beginnend, aus den Abt. 77a, 81, 122, 125, 127 (Stabfroatb) und 1, 2, 8, 10, 13, 14, 20, 21, 28 und 31 (Fernewald), Försterei hochwart: 135C 104,0 rm Buchenscheiter 1. Kl. 25,0 „ Buchenscheiter 2. Kl. 15,0 „ Eichenscheiter 1. Kl. 7,0 „ Fichtenscheiter 1. Kl. 34,8 „ Fichtenscheiter 2. Kl. 1,0 „ Kirschbaumscheiter 2. Kl. 52,8 „ Buchenknüppel 19,2 „ Eichenknüppel 1,2 „ Birkenknüppel 11,7 „ Fichtenknüppel 13,5 „ Eichenknüppelreisig 1. Kl. 3,3 „ Kiefernknüppelreisig 1. Kl. 3,0 „ Fichtenknüppelreisig 1. Kl. 1530 Wellen Buchenreisig 3. Kl. 29,1 rm Buchenstöcke 11,5 „ Eichenstöcke 9,0 „ Fichtenstöcke. Zusammenkunft: Wannschneise — 8. Schneise. Es wird nur das Holz aus der Abt. 77a vorgezeigt. Vorherige Besichtigung des übrigen Holzes wird daher empfohlen. B. Mittwoch, 16. Januar 1935, 9% Uhr beginnend, aus der Abt. 80a des Sladlwaldes, Försterei Hochwart: 133,0 rm Buchenscheiter 1. Kl. 73,9 „ Buchenscheiter 2. Kl. 6,3 „ Eichenscheiter 1. Kl. 40,0 „ Buchenknüppel 7,0 „ Eichenknüppel 3,0 „ Eichenknüppelreisig 1. Kl. 50 Wellen Eichenreisig 4. Kl. 330 „ Buchenreisig 2. Kl. 2150 „ Buchenreisig 3. Kl. 36,5 rm Buchenstöcke 5,0 „ Eichenstöcke 1 St. Eichen-Hackklotz. Zusammenkunft: Wannschneise — 9. Schneise. C. Freitag, 18. Januar 1935, 9% Ityr beginnend, aus der Abt. 80a des Stadtwatdes, Försterei Hochwart: 159,0 rm Buchenscheiter 1. Kl. 33,0 „ Buchenscheiter 2. Kl. 1,3 „ Eichenscheiter 1. Kl. 42,0 „ Buchenknüppel 3,3 „ Eichenknüppel 2440 Wellen Buchenreisig 3. Kl. 62,7 rm Buchenstöcke 1,0 „ Eichenstöcke. Zusammenkunft: Wannschneise — 9. Schneise. Gießen, den 9. Januar 1935. Bürgermeisterei Gießen. Ritter, Oberbürgermeister. Aorstamt BranbobernborJ verkauft am Mittwoch, dem 16. Januar, 10 Uhr, in Cleeberg, „Deutsches haus", aus Försterei Cleeberg: Bombergerstein, Stroitwald, Triebachsheck, Ein- häuserfeld: 144D Ei.-wagner-Stämme: 25 Stück mit 12,54 km. Ci.-Nuhfcheit: 4 rm (2,4 lg.). FUStangen 4. kl. 820 Stück. Ci.: 10 rm Scheit, 66 rm Knüppel, 22 rm Reiser \ 34 Hundert Wellen III. Bu.: 173 rm Scheit, 103 rm Knüppel, 101 Hundert Wellen III. Nadelholz: 10 rm Scheit, 33 rm Knüppel. Der Preußische Forstmeister, Nr. 8 Drittes Blatt Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Donnerstag, 10. Zanuar 1935 Mit Kreuzer„Emden"durch -iehalbeWett Im November 1934 lief der deutsche Schulkreuzer „Emden" zu einer fiebenmonatigen Auslandsreise aus. Wir werden in zwangloser Folae Berichte über diese Fahrt veröffentlichen, die aus der Feder des Leitenden Ingenieurs des Kreuzers, Korvettenkapitän (Jng.) W e - der, stammen. I. Ausfahrt. An Bord Kreuzer „Emden", im Dezember 1934. Unerhört kühn waren die Taten der ersten „Emden"! Noch heute horchen die Völker am Indischen Ozean auf, wenn sie vernehmen, daß ein deutscher Kreuzer dieses Namens kommt. Auf der ersten Weltreise 1926 bis 1928 wurden wir in allen Häfen der Sundainseln immer wieder von einer unübersehbaren Menschenmenge begrüßt; die Achtung vor dem Namen „Emden^ ist unverrückbar dieselbe geblieben. Und so ist es auch später unserem Schiff in allen indischen Häfen ergangen. Die zweite „Emde n" hat in der Heimat während des Krieges gekämpft und sich große Verdienste um das Erringen der uneingeschränkten Seeherrschaft in der Ostsee erworben. Sie sank mit wehender Flagge in Scapa Flow. Die dritte „Emden" wurde im Jahre 1925 in Dienst gestellt, sie ist also ein Nachkriegsbau. Das Schiff ist in erster Linie a l s Schulkreuzer gefahren und hat als solcher bereits vier Auslandsreisen hinter sich. Auf diesen Reisen haben die Besatzungen ihr Bestes zur Erfüllung der ihnen gestellten Aufgaben hergegeben und manchen Erfolg zu verzeichnen gehabt. Nach der vierten Reise und nach etwa einjähriger Verwendung in der Flotte wurde der Kreuzer 1933 aus dem Dienst gezogen, um durch einen Umbau als Schiff für den Auslandsdienst geeigneter gestaltet zu werden. Am 29. September 1934 wurde die dritte „Emden" zum zweiten Male in Dienst gestellt, um wieder als Schulkreuzer Verwendung zu finden. Als solcher sind seine Aufgaben: Ausbildung des Offiziernachwuchses und der gesamten Besatzung, Herstellung der Verbindung zwischen den im Auslande lebenden Deutschen mit der Heimat und Repräsentation des Deutschen Reiches im Auslande, lieber die außerordentliche Wichtigkeit dieser Aufgaben wird noch eingehend zu berichten sein. Am 10. November 1934 trat das Schiff seine neue Auslandsreise an. Sie soll uns nach den Kanarischen Inseln, in Häfen der südafrikanischen West- und Ostküste, nach den Seychellen und Indien, ins Mittelmeer und in das Schwarze Meer führen.-- „Beide Maschinen langsame Fahrt voraus!" Der Posten Maschinentelegraph auf der Brücke wiederholt den Befehl des Kommandanten und gibt ihn an beide Maschinen weiter. Im Maschinenleitstand wird der Düsentelegraph gelegt, die Maste in den Oelkesselräumen gehen mit den Lüftern hoch, Heizöldüsen werden angeworfen. Die wachhabenden Maschinisten öffnen die Manövrierventile der Turbinen, die Schiffsschrauben nehmen die Umdrehungen für das gegebene Kommando auf und langsam läuft der Kreuzer Emden aus der Südschleuse der 3 Einfahrt von Wilhelmshaven aus Von Pier und Mole winkt eine tausendköpfige Menge. Darunter sind Kameraden, Eltern und Geschwister, unsere Frauen und, Kinder: Gott mit euch und eurem stolzen Schiff, erfolgreiche Fahrt und glückliche Heimkehr! Nach dem Verlassen der Schleuse geht der Kreuzer auf eine höhere Fahrtstufe, bald verschwinden die Türme von Wilhelmshaven Noch auf der Jade wird „Alle Mann achteraus" gepfiffen Die Besatzung tritt auf der Schanze an. Der Kommandant gibt das Telegramm des Führers zum Auslaufen bekannt: „Dem Kreuzer Emden wünsche ich für feine Auslandsreise glückliche Fahrt und erwarte von der Besatzung treueste Pflichterfüllung zur Ehre Deutschlands und seiner Flagge." Eine siebentägige Seefahrt liegt nun vor uns, die uns nach Santa Cruz de la Palma — gelegen auf der westlichsten der kanarichen Inseln — bringen soll. Am 11. November, mittags, parieren wir die Linie Dover — Calais. Deutlich sieht man den Hasen von Dover und die Kreidefelsen der Küste im Sonnenschein liegen. Mit Wochenanfang setzt in allen Teilen des Schiffes der Dienst in vollem Umfang ein. Für die ganze Reife ist ein Aus - bildungsplan aufgestellt worden, der lückenlos durchgeführt werden muß. Bereits im Februar beabsichtigt der Kommandant eine D i v i f i o ii s - Besichtigung abzunehmen, bei der Rückkehr erwartet uns eine Gefechtsbesichtigung vor dem Inspekteur des Bildungswesens der Marine, und im Anschluß daran haben die Kadetten ihre Fähnrichsprüfung bei der Marineschule in Mürwik abzulegen. Derjenige, der schon einmal in tropischen Gewässern gefahren ist, weiß, daß bei der Ein Mitglied unserer Berliner Redaktion hat an dem Skikursus des Skilehrers L u • b e r auf den Hängen der Marmolata in den Dolomiten teilgenömmen, bei dem, wie gemeldet, vier Mitglieder durch eine Lawine ums Leben kamen. Die junge Dame berichtet nachstehend über die Erlebnisse kurz vor dem verhängnisvollen Unglück. Kameraden in San pellegrino. Wir waren Kameraden, wir vom Skikurs in San Pellegrino. Als wir an jenem ersten Abend des 23. Dezember in Bozen zusammentrafen, hatte bislang kaum einer etwas vom anderen gewußt. Aus allen Gauen Deutschlands, aus dem Lärm der großen Städte, aus der ruhelosen Geschäftigkeit des Alltags führte uns unser Weg hinauf in die einsame Bergwelt der Dolomiten. In kurzer Fe-' rienzeit Erholung und Entspannung von vergangener Arbeit zu suchen, neue Kraft zu schöpfen für zukünftiges Schaffen, das war das 3jeL um desset- willen wir kamen, die Gemeinsamkeit, die uns einte. Skifahrer sind nicht sentimental Aber nicht immer sollte alles so harmonisch verlausen, wie es jeder wohl im stillen erhoffte, wie es sonst wohl unter „Zünftigen" üblich ist. Alle dreizehn empfanden es einige sprachen es aus: es fehlte der rechte Zusammenhalt jene enge freundschaftliche Verbundenheit, die das Leben auf der Skihütte so mitreißend schwungvoll gestaltet Woran es lag? Niemand wußte es. Und niemand wußte, niemand ahnte auch nur, daß das Schicksal schon sprungbereit stand Vier aus unserem Kreis hat es gepackt, hat junge, zukunftsfrohe Menschen s ä h aus dem Leben gerissen ausgeloscht mit einer einzigen übermächtigen Geste Vier aus unserem Kreis — und jeder von uns die übrigbfieben, hätte so gut wie sie an ihrer Stelle stehen, statt ihrer den weißen Tod erleiden können Wir waren dreizehn... Unvergeßlich jene nächtliche Auffahrt zur Höhe, nach Moena, der kleinen Tirolerstabt. In atemraubendem Tempo, über unerhört kühne, schier endlos sich windende Serpentinen braust der Motor bergan, mitten hinein in den Winter. Schnee? Aus dem Weg ist nicht viel zu entdecken. Aber über uns, weit in der Hohe, wissen wir ihn. uns bevorstehenden Arbeit noch mancher Schweißtropfen verloren gehen muß. Am 12. hatten wir den Leuchtturm von 2 u e s - s a n t an der Nordwestspitze Frankreichs erreicht, der wegen seines schwarzweißen Anstrichs von den Seefahrern der „Preußische Grenadier" genannt wird. Während das Wetter bisher recht gut war, setzt beim Einlaufen in hie Biskaya stärker Seegang ein, der das Absperren einzelner Teile des Oberoecks wegen Lebensgefahr zeitweilig erforderlich macht. Aber allmählich wachsen auch den jungen Männern Seebeine, so daß die Fahrt ohne jede Storung fortgesetzt werden kann. Am 13. wird bas Kap Finestere an der Nordspitze Spaniens gesichtet. Weiter passieren wir am kommenden Tage das aus der Seekriegsgeschichte bekannte Kap Vincent. Hier kämpfte 1680 die Flotte des Großen Kurfürsten gegen eine Uebermacht von zwölf spanischen Linienschiffen, und 1797 begann hier in der Schlacht zwischen den Spaniern und Engländern der ruhmreiche Aufstieg des englischen Admirals Nelson. Schließlich kommt am 16. November das Ziel unseres ersten Seetörns, die Insel L a P a l m a, in Sicht. Wir gehen in die Leeseite der Insel, um unser Schiff klar zu machen und zu säubern für das morgige Einlaufen. Dort oben ragen gespenstische Schatten, droht lauernd die himmelsMrmenbe Wucht der Dolomiten. Müde, verfroren langen wir an. Moena. Dann, in der Gaststube, sitzen wir uns gegenüber. Kritische Blicke fliegen hin und her. Namen, Herkunftsorte werden genannt: Godesberg, Jena, Berlin Sie heißen? Doris Gnodt, ganz recht, Heimat: Marienwerder. Und der dort drüben? Kommt aus Hannover Theodor Gottschalk, stud. med. in München. Irgendwer von uns wirft die Frage auf: Wieviel Leutchen sind wir denn überhaupt? Es wird gezählt Die Reihe um. Elf! Und auf dem Paß von San Pellegrino warten noch zwei. Elf und zwei? Macht dreizehn. Natürlich, die Unglückszahl. Man lacht Ein böses Omen? Ach was, im Skikursus ist man nicht abergläubisch! Und überhaupt: „Der L u b e r , der Skilehrer, zählt ja nicht mit. . San Pellegrino. Berge, Sonne und Schnee, Schnee, Schnee — — Längst sind die Bretter hervorgeholt. Es wird fleißig geübt Am Hang, im Gelände. Der Suber leitet unseren Kursus, der Luber kommandiert. Kein durchgedrücktes Knie, keine verkrampfte „Flosse" entgeht seinen Augen. Er nimmt seine Schüler scharf heran. „Das nennen Sie Hocke?! — Hocke!?! — Stemmen! Endlich mal ’runter mit der Faust!" Ja, alles, was recht ist, der Luber versteht sein Fach Pflugschar. Stemmbogen, Christiania, eines nach dem anderen — langsam wird es geschafft. Muß geschafft werden Denn Pflugschar, Stemmbogen, Christiania muß jeder können, wer Touren fahren will Touren? lieber den Uebungshängen schweift der Blick in die Ferne. Schroff strebende Felswand blinkt im Norden: d i e Marmolata grüßt, lockt, lockt Wer will mit auf die Ramona? lieber Donnerstag, Freitag geht es hinauf! Wer kommt mit auf die Marmolata? Für alle ist es zu schwer Nur die guten Läufer wählt der Luber aus Fräulein Gnodt? Selbstverständlich. „Sie auch!" der junge Gottschalk strahlt. „Und Sie. Fräulein Fritz, sind gleichfalls dabei!" Sie ist .gestern erst angenommen, aus Thüringen, ist „gute Klasse", wie man hört, kämpfte sogar schon um Meisterschaften. Im übrigen: sehr sportlich und sehr fesch Die Marmolata wird ihr bestimmt keine Schwierigkeiten machen. Aber wider Erwarten Lauernder Tod in der Marmolata. Dem Schicksal entronnen, weil der Urlaub zu Ende war. — Eine Berlinerin erzählt vom verunglückten Ekckurs. Albert Schweitzer, 60 Jahre alt. Der weltbekannte evangelische Theologe, Philo« soph, Arzt und Musiker Professor D. Dr. 211 b e r t Schweitzer begeht am 14. Januar seinen 6 0. Geburtstag. Seit vielen Jahren lebt Professor Alb. Schweitzer als Missionsarzt auf der von ihm angelegten Station ßambarene in Afrika, um für den Gedanken der Menschlichkeit und für die Erfüllung der Kulturpflicht an den Eingeborenen in praktischer Hilfstätigkeit zu wirken. scheint dem kleinen Fräulein der Vorschlag des Lehrers nicht recht zu passen: „Woher wissen Sie überhaupt, daß ich genug für eine solche Tour kann? Sie haben mich ja noch gar nicht richtig laufen gesehen." Der Luber lacht: „Doch, doch. Sie machen's schon!" und die Kleine schweigt ergeben. Später seufzt sie: „Die Marmolata? Ich hab' eigentlich gar keine Lust. Nein, nein, i ch möchte nicht mit —" Und bann geht sie doch— um nie mehr wiederzukehren. Silvesterabend Letzte Stenden des alten Jahres Hier in der klaren Bergluft ist es gut, die Brücke aus dem Vergangenen ins Zukünftige zu schlagen. Es wird geplaudert, gesungen, gescherzt, aber die rechte Stimmung will nicht kommen. Vielleicht ist drüben mehr los als hier? Drüben liegt das Hospiz; ein Skikurs italienischer Studenten ist dort untergebracht. Die temperamentvollen Burschen freuen sich wie Kinder — man tanzt, man lacht, Gläser klingen. Die kleine Fritz geht ganz aus sich heraus, sie sieht aus wie das blüyende Leben. „Kann man die Gläser eigentlich auch — zerschlagen?" — Noch ehe die Frage ganz ausgesprochen, klirren die Scherben am Boden. Scherben bringen Glück! Die hitzige junge Dame ist plötzlich ganz still, sie sieht merkwürdig nachdenklich aus. Im Dämmern des Morgens gehen wir zur Ruhe. Nur für mich lohnt es kaum mehr, sich in dieser Nacht schlafen zu legen. Vor Tagesanbruch noch wird der Schlitten ins Tal hinabgehen, mit dem d i s Heimfahrt beginnt. Vor Tagesanbruch noch gehört — für mich — die Welt von San Pellegrino der Vergangenheit an. Die anderen haben es gut. Die anderen können noch bleiben Aber i ch m u ß nach Haufe, die Arbeit ruft. Schon war die Zeit hier oben. Nur kurz, viel zu kurz Es ist nicht leicht, Abschied zu nehmen. Hände werden gedrückt: Alles Gute! Ski-Heil! Auf Wiedersehen! Und dann, ein wenig neidvvll noch: „Diel Spaß auf der Marmolata!" Viel Spaß auf der Marmolata ... Eine Zeitungsmeldung. Ein Zeitungsblatt fällt mir in die Hand. Zwei-, dreimal lesen meine Augen die Worte, ohne den Sinn zu erfassen: Skikursus von Lawine verschüttet — verunglückt im Marmolatagebiet. Vier Tote--die Namen--: Skilehrer Kampf in her Winternacht. Von S Philipp Ein grauer Winterabend. Grimmige Kälte. Krächzend schweben dunkle Krähen über die schlafende Heide. Meisen zirpen leise in den Aesten der Kiefern. Ein Buntspecht streicht im Wellenflug lachend dahin. Da raschelt's im erstarrten Fallaub der Jungbirken. Trapp, trapp, trapp: Lapuz, der Karnickelrammler, hockt auf dem Weg, regungslos wie ein Götzenbild. Unter den dichten Zweigen einer kleinen Kiefer in der Schonung bewegt sich ein roter Klumpen. Der Fuchs erhebt sich, blinzelt mit schiefen Sehern und gähnt. Macht einen Katzenbuckel, streckt die Vorderläufe und die Hinterläufe, schwingt ein paar mal die buschige Lunte und reißt noch einmal den Fang weit auf, daß die Kiefer mit der langen Reihe blitzender Zähne einer halbkreisförmigen Säge gleichen... Nun schnürt er auf seinem vertrauten Paß bis an den Rand der Schonung. Der Wind weht ihm hier eine feine Witterung zu. Drüben sitzt noch das Karnickel... Doch ehe der Fuchs eine Wendung macht, hat ihn der wachsame Rammler eräugt, und blitzschnell verschwindet seine weiße Blume wippend in der schützenden Dickung. Reineke hat sich auf einen alten Baumstubben gesetzt, in der Mitte einer B oße. Wie em kluges Hündchen hält er den Kopf schief. Er denkt nad). Sein knurrender Magen verlangt nach Fraß. Und jeden Tag gibt’s nicht frischen Hasen i n, als die Flinten krachten. Da hatte sich der r-chs schleunigst aus dem Staube gemacht, denn er wußte Bescheid Erst in tiefer Nacht fuhr er aus feinem sicheren Bau. Schnürte ins Feld, fanbbie Spu eines Hasen. Die roch nach frischem Blut! Nach einer kurzen Hatz griff er den todkranken Löffels mann. Sein gellendes Stegen scholl durch den stillen Wald. War bas ein Schmaus! Er langte für mehrere läge. Aber heute? Bei dem stemhart gefrorenen Boden? Da findet em Fuchs nicht einmal eine Alltagskost, magere Mäuse... Wie ein Schatten gleitet Reineke eilig über Die Bloße, durch die nächsten Dickungen hindurch ms an den Waldrand. Hier sichert er lange und gründlich, dann taucht er im Nebel der weiten Felder unter. Im Dorf sind alle Lichter erloschen. Hunde blaffen. Auf dem Kirchturm treiben die Käuze ihren nächtlichen Spuk — hiii hihihi! Der schrille Ruf bringt durch Mark und Bein. Der Mond hat die Wolken gesprengt. Sie jagen in Fetzen wie abenteuerliche Gestalten am Himmel vorüber. Und die Pappeln am zerfurchten Feldweg rascheln mit ihren erfrorenen Blättern. Lange Schatten werfen die hohen Bäume quer über die vereisten Fahrrinnen. Ein dunkler geschmeidiger Körper gleitet lautlos den Weg entlang. Zwei glühende Augen funkeln. Silbern glänzt das schwarze Haar im Mondlicht. Mauz, der verwilderte Kater, geht auf die Jagd. Wehe dem Kleinwild, den schlafenden Vögeln! Es ist ein traurige Geschichte um den schwarzen Kater: die Menschen sind schuld an seinem Räuberleben. Sie ließen schon seine Mutter verwahrlosen. Pferde, Kühe, Schweine, Hühner, auch den Hofhund ließ der Bauer niemals hungern — nur die Miez, die sollte fasten, denn satte Katzen fangen keine Mäuse, sagte er. Und so streifte die Katze durch das Feld," burd) den Walb unb jagte auf Mäuse unb Singvögel. Dann gebar sie eines Tages an einem verschwiegenen Ort fünf blinbe hilflose Junge. Sie säugte bie Kleinen unb verbarg sie vor ben ' Menschen.' Die Kätzchen wuchsen heran unb wimmerten hungrig nach Fraß. Da würbe aus ber harmlosen Miez eine kleine, verschlagene Bestie. Sie griff, was sie in Felb, Wald unb Wiesen erwischen konnte, vom Jungvogel bis zum frischgesetzten Rehkitz. Ihre Jungen mußten boch satt werben Im Herbst ereilte sie bas Schicksal, da würgte sie ber Hunb bes Jägers. Vier junge Kätzchen gingen nacheinander an Hunger ein. Nur Mauz, bas Katerchen, stärker und kräftiger als feine Geschwister, bas kam burd) ben Winter. Es ist ein echtes Raubtier aus ihm geworben. Das Blut seiner Vorfahren, bie einst als Wilbkatzen im Lanb häuften, ist in ihm erwacht Aus bem Sohn der Miez hat sich ein kleiner Panther mit allen Instinkten eines gefährlichen Raubtiers entwickelt. Der Kater haust in einem verlassenen Kar- nirfelhau irgendwo in ber Heibe. Nachts schleicht er auf Samtsohlen burchs Revier und überfällt, was er bewältigen kann. Wo feine nabelscharfen Krallen zupacken, ba gibt es kein Entrinnen. Wie viele Junahasen, Rebhühner, Karnickel unb Fasanen, von unzähligen Singvögeln ganz zu schweigen, hat Mauz, ber Kater, im Laufe ber Jahre gerissen. * Am Orabenranb, wo bie Kopfweiben ihre schlanken Zweige zum Himmel strecken, hockt ber Fuchs. Das ist wieder einmal schief gegangen! Die Enten hier waren auf ber Hut. Fast wäre er kopfüber ins Wasser gefallen, als er mit dem Vorderlaus nach dem flatternden Erpel schlug. Mit äußerster Vorsicht war er an die eisfreie Stelle geschlichen, 1 aber die hellhörigen Enten waren rechtzeitig bavon- gestrichen. Den Fuchs quält ber Hunger. Lautlos trabt er weiter. Da strömt ihm plötzlich eine warme Witterung entgegen. Sie kommt aus den Wiesen. Der Fuchs nimmt Wind und duckt sich platt auf den Boden. Seine Lefzen zucken, die Luser spielen, seine Rutenspitze krümmt sich. Er lauert. Die Witterung wird wärmer. Der Fuchs erstarrt. — Ganz nah vor ihm schleicht ber Kater im Monblickt vorbei. Stutzt unb brückt sich schnell an bie Erde. So stehen sich zwei Tobfeinbe gegenüber. Der Stärkere greift an. Ein Hechtsatz, unb ber Fuchs fällt über den Kater her. Doch der ist flink und kämpft um sein Leben. Fauchend schlägt er mit den Brauten nach seinem Gegner, springt wie ein Gummiball zur Seite und krümmt den Buckel. Der Fuchs umkreist ihn, versucht ben mütenb fauchenden Kater von hinten zu packen. Der dreht sich um feine eigene Achse unb läßt ben ©egnei* nicht aus ben Augen. Da macht ber behenbe Fuchs fpringenb eine halbe Wendung, ber Kater schlägt mit ben Krallen in feine Keulen, ber Fuchs schnappt zu unb beißt ihm mit einem furchtbaren Biß bas Fußgelenk burd). Der Kater wälzt sich auf bem Rücken unb wehrt sich verzweifelt, kratzenb und beißend um sich schlagend. Der Fuchs hat ihn schon an der Gurgel, ein kurzes Röcheln, und der Kampf ist entschieden. Mit bem schweren, schwarzen Kater im Fang schnürt der Fuchs zur nächsten Felbschonung. Als er satt ist, leckt er sich ben Fang unb bie Vorher- teufe, bann verscharrt er bie Ueberrefte seiner Mahlzeit in einem Karnickelloch. Reineke als Felbpolizist? Oie Kriegs-Odyffee eines Deutschamerikaners. Ein Kriegsgefangener, ber bis zum Jahre 1924 nichts vom Weltkrieg wußte, ist vor kurzem nach seinem Vaterlanb, ben Vereinigten Staaten, zurückgekehrt unb sucht sich bort ein neues Leben aufzubauen. Dieses Opfer bes Krieges ist Theobor Göbel, ein Deutschamerikaner, ber im Jahre 1914 mit seinem Vater nach Ostpreußen gekommen war, um bas nahe an ber russischen Grenze ge» legene Heimatborf seiner Eltern zu besuchen. Die Bauern sprachen zwar von einem drohenden Kriege, aber ber Knabe achtete nicht weiter darauf, bis er an einem ber ersten Tage bes August, als er mit zwei Freunben außerhalb des Dorfes spazieren ging, von Soldaten in seltsamer Uniform aufgegriffen wurde. Die Soldaten packten ihn unb stopften ihn mit anberen Dorfbewohnern in einen Waggon. Gäbel erklärte zwar immer wieder, daß er amerikanischer Bürger sei, aber die Russen, die ihn gefangengenommen hatten, verstanden kein Wort. Sieben Tage lag er mit den anderen Gefangenen in einem Güterwagen auf Stroh, und schließlich wurde er in einem Gefangenenlager ausgelaben. Es war ein Land, in dem nur drei Monate Sommer und neun Monate Winter herrschte, und mit Tausenden von Mänern verbrachte er nun in Sibirien viele lange Jahre. Niemand verstand hier Englisch und seine Beschwerden auf Deutsch wurden nicht beachtet. Gäbel schrieb viele Briefe, die aber alle von bem aufsichtführenden Offizier bes Lagers vernichtet würben. Seine Nahrung war immer bie gleiche: schwarzes Brot, Gerstensuppe, Haferbrei, Mohrrüben, Zwiebeln. Schließlich würbe er nach Moskau gebracht unb erfuhr hier, baß er zehn Jahre in Sibirien gewesen war. Man schrieb 1924, unb ba er nie etwas Genaues über bie Vorgänge in ber Außenwelt erfahren hatte, so würbe er erst jetzt darüber aufgeklärt, daß schon vor sechs Jahren der Weltkrieg, der so tief in sein Leben eingegriffen hatte, zu Ende gegangen war. Nach weiteren sieben Jahren verließ Gäbel Moskau und wanderte nach Nordwesten, wobei er sich durchschlug, so gut es ging. Im Januar bes vergangenen Jahres war er in Riga, fand hier Arbeit an Borb eines französischen Schiffes unb gelangte mit biefem in einen französischen Hafen. Hier sah er ein Gebäube, an bem eine amerikanische Fahne flatterte, bie erste, bie er erblickte, seit er bie Vereinigten Staaten verlassen hatte. Er trat in bas Gebäube unb würbe von einem mitleibigen Konsul empfangen, ber seine Geschichte zu Protokoll nahm. Ein Kabelgramm mel« bete sein Schicksal nach Washington; man stellte seine Personalien fest, fanb auch bie Eintragung über ben Paß, ben er 1914 für feine Reife nach Deutschlanb erhalten hatte. Nach Monaten bes Wartens erhielt er bie Einreiseerlaubnis und das Geld zur Ueberfahrt. In Neuyork nahm man sich bes so lange verschollenen Mitbürgers an, unb er hat jetzt einen kleinen Posten in einem Hotel zu Minceola auf Lang Jslanb. Göbels Streben geht nun bahin, feine Mutter ausfindig zu machen. Er glaubt, baß fein Vater unb seine Brüder getötet würben. Er hat bie Straße in Neuyork besucht, in der er geboren wurde unb feine Jugenb verbrachte, aber alles hat sich hier so oeränbert, baß er fein Geburtshaus nicht roieberfinben kann. Auch lebt hier niemand mehr, der sich der Familie erinnert Hochschulnachrichten. Professor Dr. Wilhelm Richter, ao. Professor für Chirurgie an der Universität Berlin, ist zum Ordinarius ernannt worben. Luber, Fräulein Gnodt, Theodor Gottschalk, Trude Fritz-- Herrgott, wann war das nur — rote lange ist denn das her —: „Hocke! Hocke!!! Stemmen!" — San Pellegrino, die Marmolata, Sonne, Schnee ...? Lachende Menschen, vor wenigen Stun- den noch blutvolle Wirklichkeit, greifbar nahe im eigenen Erleben — und nun? Schluß! Aus! Für immer. Mich fröstelt. Aber es ist kein schneidender Höhenwind mehr, der meine Hände zittern läßt. Don den Dächern tropft müder Regen. Eine Autohupe kreischt — die Weltstadt hat mich wieder. Mich. Aber die anderen? Die anderen?! Und wenn das nicht so gewesen wäre mit dem Urlaub, mit der vorzeitigen Abfahrt? Wenn — wenn — Es hat keinen Zweck, darüber nachzudenken. Es mußte wohl so kommen, wie es kam. Wir waren Kameraden. Wir vom Skikurs in San Pellegrino, wo uns das Schicksal traf. Das Schicksal über den Bergen. Helga Schettler. Große Kundgebung der Eisenbahner. Gauleiter Sprenger: ,3et>er muß sein gutes Auskommen haben". Frankfurt a. M., 9. Jan. (LPD.) Die gemeinsame Versammlung, die das Amt für Beamte, Fachschaft Reichsbahn, und die Deutsche Arbeitfront, Fachgruppe Reichsbahn, am Mittwochabend im Frankfurter Hippodrom veranstalteten, gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung. 3500 Werkstättenarbeiter und leitende Beamte marschierten Schulter an Schulter unter dem Symbol des Dritten Reichs. 60 Fahnen der Beamtenfachschaft und der NSBO. wurden den Massen vorangetragen. Die Deranstaltung war die Verkörperung des Willens, eine Brücke zu schlagen zwischen den Arbeitern der Stirn und der Faust, um in gemeinschaftlicher Arbeit den Aufgaben zu dienen, die dem größten Unternehmen des Deutschen Reichs, der Reichsbahn, auferlegt sind. In der drei Stunden dauernden Kundgebung sprachen vom Hauptamt für Beamte Reichsfach- fchaftsleiter Peppmüller, von der DAF. Reichsfachgruppenleiter Klein. Beide Redner behandelten ausführlich die durch den Nationalsozialismus geschaffene politische Einheit, Einigkeit und Volksgemeinschaft. Mit besonderem Beifall nahmen die Versammelten die Ausführungen entgegen, die sich mit dem Bestreben der Organisationen befaßten, vor allen Dingen die Verhältnisse der Eisenbahnarbeiter und der unteren Beamtenschaft zu bessern, und die die fogenannten Leistungszulagen als unhaltbaren Zustand kennzeichneten. Während der Kundgebung erschien Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger, von den Versammelten stürmisch begrüßt. In seiner Ansprache brachte er das Verlangen zum Ausdruck, daß d i e Deutsche Reichsbahn wieder dem Reich eingegliedert werde. Man könne bei der Reichsbahn auch kein amerikanisches System dulden, nämlich, daß die oberen Beamten nur deshalb hoch bezahlt würden, damit sie nach unten hin antrieben. Ziel des Nationalsozialismus sei, daß jeder sein gutes Auskommen habe, damit er feine Pflichten bis zum äußersten erfüllen könne. Das müsse auch Grundsatz bei der Reichsbahn werden. Zum Schluß sprach Landesobmann Willi Becker. Er forderte die Eisenbahner zum Vertrauen und Glauben an den Führer un£ zum Zusammenstehen in treuer Kameradschaft aUs. Wirtschaft. Oie Lage des Handwerks im letzten Viertel 1934. Den Angaben des Deutschen Handwerks- und Gewerbekammertages über die wirtschaftliche Lage des Handwerkes im vierten Vierteljahr 1934 ist u. a. zu entnehmen, daß diese grundlegend durch Saisoneinslüsse bedingt war. Für bestimmte Ge- werbe mit stark saisonmäßigem Einschlag begann eine ruhige Zeit, jedoch zeigte sich in der Bauwirt- schäft noch eine lebhafte Tätigkeit. Andere Handwerkszweige erhielten saisonbedingte Anregungen. Im allgemeinen kann daher gesagt werden, daß keine Verschlechterung eingetreten ist, was größtenteils auf die Maßnahmen der Reichsregierung zur Belebung der Handwerkswirtschaft zurückgeführt werden kann. Relativ gesehen hat sich die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse im ländlichen Handwerk schon stärker durchgesetzt, als im städtischen Handwerk. Das Baugewerbe und die Bau- nebenqcroerbe hatten seit dem Frühjahr einen hohen Beschäftigungsstand aufzuweisen. Den größten Anteil am Baumarkt nahmen nach wie vor die Bauten für öffentliche Zwecke ein. Auch das Handwerk selbst hat Maßnahmen ergriffen, um arbeitsfördernd zu wirken und in Selbsthilfeaktionen Aufträge zu erschließen. Diese Maßnahmen konnten allerdings in der Berichtszeit noch nicht zur Auswirkung kommen. Die Zahl der beschäftigten Gesellen und Lehrlinge ist im ganzen ziemlich unverändert geblieben, größere Entlassungen waren bisher nur in den betrieben der Baunebengewerbe zu beobachten. Die Kreditversorgung des Handwerks ist weiterhin schwierig. Das Jahr 1934 hat für die Wirtschaft, so heißt es u. a. zum Schluß des Berichtes, in den allerdings das Weihnachtsgeschäft noch nicht berücksichtigt ist, viele und großzügige Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung gebracht, an denen auch das Handwerk Anteil hatte und auf die es mit Zufriedenheit und Dank zurückblicken kann. In das Jahr 1935 geht das Handwerk mit Vertrauen hinein. Rhein-Mainische Mittagsbörse. Tendenz: uneinheitlich. Frankfurt a. M., 9. Jan. Die Börse wies bei Eröffnung angesichts des nur kleinen Ordereingangs sehr ruhige Haltung auf, zumal auch die Kulisse Zurückhaltung übte und hier und da kleine Glatt- stellungen vornahm. Die Kursbildung war zunächst wieder uneinheitlich, doch hielten sich die Veränderungen gegenüber der festen Abendbörse in meist engen Grenzen. Auf Grund einiger günstiger Wirtschaftsnachrichten hielt die feste Grundstimmung an, und nach den ersten Kursen machte sich wieder mehr Interesse bemerkbar. Die gestern lebhaften IG. Farben ließen heute 0,65 v. H. nach und wiesen nur kleines Geschäft auf. Deutsche Erdöl eröffneten 0,25 v. H. und Metallgesellschaft auf die Mitteilung der Verwaltung über günstigen Geschäftsgang 0,50 v. H. höher. Am Elektromarkt waren die Veränderungen wohl klein, es ergaben sich aber meist leichte Rückgänge. So verloren Bekula 0,50 v. H., Felten 1 v. H. und Licht und Kraft 0,25 v. H., während Gesfürel 0,65 v. H. gewannen. AEG. und Siemens blieben behauptet. Montanaktien lagen ruhig, Harpener büßten allerdings 1,25 v. H. ein, auch sonst ergaben sich zumeist Abschwächungen von 0,25 bis 0,50 v. H., nur Buderus und Gelsenkirchen lagen bis 0,50 v. H. freundlicher. Etwas stärker abgeschwächt waren noch Gebr. Junghans mit minus 1,50 v. H. und Kunstseide AKU. mit minus 1 v. H., ferner ließen Deutsche Linoleum 0,75 v. H., Conti-Gummi 0,50 v. H. und Zellstoff Waldhof 0,13 v. H. nach. Fester lagen Reichsbankanteile mit plus 0,65 v. H., Zement Heidelberg mit plus 0,90 v. H. ifnb Zellstoff Aschaffenburg mit plus 1 v. H. Schiffahrtspapiere konnten sich gut behaupten, ebenso Moenus-Maschinen und Hanfwerke Füssen. Am Rentenmarkt setzten Altbesitzanleihe und Reichsbahn-VA. bei lebhaften Umsätzen ihre Befestigung um 0,50 v. H. bzw. 0,65 v. H. fort. Interesse zeigte sich außerdem für späte Reichsschuldbuchforderungen (plus 0,13 v. H.), Stahlverein-Bonds (plus 0,25 v. H.) und für Reichsmark-Anleihen. Kommunal- Umschuldung und Zinsvergütungsscheine litten anfangs unter Realisationen und gaben leicht nach, später zeigte sich jedoch wieder Nachfrage bei anziehenden Kursen. Im Verlaufe blieb das Geschäft klein und die Kursgestaltung war weiter uneinheitlich, wenngleich leichte Befestigungen überwogen. Stärker erhöyt waren Conti-Gummi mit plus 1,50 v. H. IG. Farben zogen 0,75 v. H., Bekula, Metallgesellschaft, Zellstoff Aschaffenburg, Moenus - Maschinen je 0,50 v. H., Hapag und Gesfürel je 0,13 o. H. an. Kunstseide AKU. ließen weitere 0,50 v. H. nach, ferner tarnen AG. für Verkehrswesen 1,25 v. H., Daimler 0,40 v. H. und einzelne Montanwerte 0,25 bis 0,50 v. H. niedriger zur Notiz. Der Kassamarkt lag heute still. Am Rentenmarkt wurden Altbesitzanleihe (plus 0,50 v. H.) und Kommunal-Umschuldung (plus 0,25 v. H.) lebhafter gehandelt, auch bei den übrigen variablen Papieren traten Besserungen bis 0,13 v. H. ein. Pfandbriefe lagen sehr still und uneinheitlich. Stadtanleihen waren zumeist angeboten und von 0,25 bis 0,75 v. H. niedriger. Staatsanleihen lagen ruhig. Industrie-Obligationen waren vereinzelt noch gesucht und fester. Von Auslandsrenten konnten sich Ungarn gut behaupten. Abendbörse: behauptet. Die Abendbörse nahm angesichts der nur kleinen Publikumsbeteiligung einen stillen Verlauf, die feste Grundstimmung blieb aber erhalten. Die Kurse zeigten gegen den Mittagsschlußverkehr keine Veränderungen von Belang. Etwas beachtet blieben Farbenindustrie und Kunstseide Aku. Montan- und Elektroaktien lagen nicht ganz einheitlich. Am Kassamarkt notierten Voigt & Häffner sowie Eßlinger Maschinen fester. Der Rentenmarkt lag besonders still, Altbesitzanleihe bröckelten leicht ab, während im übrigen die letzten Mittagskurse behauptet blieben. Don Auslandrenten lagen Schweizer Bahnanleihen weiter schr fest. 11. a. notierten: Altbesitzanleihe 107,40 bis 107,50, 6proz. Stahlverein 94,13, 6proz. Stadt Mainz van 1926 92,50, 6proz. Franks. Hyp. Bank Gold Reihe 1 bis 15 96, 5,5 proz. do. Liquidation 96, 4proz. Schweizer Bundesbahn von 1912 160, 3,5 proz. do. 147,50, Commerzbank 73,25, Reichsbank 151,50 Gelsenkirchen 65,25, Harpener 99, Kali Salzdetfurth 150,50, Klöckner 79,13, Mannesmann 76,65, Rheinstahl 91,75, Stahlverein 43, Aku 49,50, AEG. 28,65, Bekula 137,75, Chem. Albert 85, Conti Gummi 145,25, Deutsche Erdöl 103,65, Durlacher Hof 80, Scheideanstalt 197,50, Licht & Kraft 115,75, JG.- Farben 140, Eßlinger Maschinen 64,75, Gesfürel 111,25, Lahmeyer 118,50, Ludwigshafener Aktienbrauerei 90, Schuckert 96,25, Siemens 143, Sinner Grünwinkel 91,50, Voigt & Häffner 10, Aschaffenburger Zellstoff 70 bis 70,25, Schösferhof 159,50, Reiechsbahn-VA. 117,13, Badische AG. für Rheinschiffahrt 51, Hapag 25,50, Badische Assekuranz 41. Frankfurter Getreidebörse. Frankfurt a. M., 9. Jan. Am Getreidegroßmarkt zeigte sich etwas bessere Nachfrage für Brotgetreide, insbesondere Roggen war gesuchter. Hafer und Futtergerste blieben weiterhin stark gesucht, auch ölhaltige Futtermittel und Mühlenabfälle waren stark begehrt. Am Mehlmarkt blieben die Umsätze klein, lediglich aus spätere Lieferung zeigte sich nach Weizenmehl etwas Nachfrage, Roggenmehl blieb vernachlässigt. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W IX 205, W XIII 209, WXVI 213; Roggen RIX 165, R XIII 169, RXV 173, alles Großhandelspreise der Müh« len des genannten Preisgebiets. Futtergerste OIX 167, G XI 170, G XII 172; Hafer H XIII 165, H XIV 167, alles Großhandelspreise ab Station. Bei Wasserverladung über 100 Tonnen 3 Mark mehr. Sommergerste für Brauzwecke 200; Weizenmehl WXIII und WXVI 27,15 plus 0,50 Mark Fracht- ausgleich; Roggenmehl R XIII 23,60, R XV 24 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizennachmehl 16,50; Weizenfuttermehl 12,75; Weizenkleie W XIII 10,66, WXVI 10,87; Roggenkleie R XIII 9,90, RXV 10,14, alles Mühlenfestpreise ab Mühlenstation, soweit sie in den Bereich der Landesbauernschaft Hessen-Nassau fallen. Sojaschrot mit Monopolzu- schlag 13; Palmkuchen m. M. 13,30; Erdnußkuchen m. M. 14,50, alles Fabrikpreise ab südd. Fabrikstation. Trockenschnitzel 9,50 bis 9,90; Heu 11; Weizen- und Roggenstroh (drahtgepreßt ober gebündelt) 5 bis 5,40. Frankfurter pserdemarkt. Frankfurt a. M., 9. Jan. Der erste dies- jährige Frankfurter Pferdemarkt hatte einen besonders starken Auftrieb, ebenso war der Besuch aus Kreisen der Landwirtschaft und der Fuhrwerksbesitzer zahlreich. Es standen diesmal mehrere in Qualität besonders gute Transporte zum Verkauf, vorwiegend Hunsrücker, Ermländer und norddeutsche Pferde. Die Preise für volljährige Pferde zogen an, trotz fester Tendenz entwickelte sich ein lebhaftes Geschäft. Fette Schlachtpferde wurden lebhaft gefragt und bis zu 25 bis 28 Mark je 50 Kilogramm Schlachtgewicht gezahlt. Geringe Tiere waren schlecht verkäuflich. Frankfurter Schlachtviehmarkt. F r a n f f u r t a. M., 10. Januar. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage. Vorauftrieb: 65 Rinder (3 Ochsen, 3 Bullen, 45 Kühe, 14 Färsen), 1254 Kälber, 334 Schafe, 350 Schweine. Es kosteten: Kälber 20 bis 52 Mark, Hämmel 33 bis 37, Schafe 15 bis 32, Schweine 45 bis 53 Mark. — Marktver- lauf: Kälber, Hämmel und Schafe mittelmäßig, Schweine ruhig. Die chemische Industrie am Jahresende. Südwestdeutsche Betriebe gut beschäftigt. Im Inland konnte sich das Geschäft in pharmazeutischen Spezialitäten und pharmazeutischen Chemikalien gut behaupten. Die in Laboratoriumschemikalien seit einigen Monaten zu verzeichnende Umsatzsteigerung hielt gleichfalls an. Auf dem Gebiete der technischen Chemikalien zeigte besonders das Geschäft in Lösungsmitteln eine weiterhin günstige Entwicklung, dasselbe gilt für Holzpolituren und galvanische Salze, auch in Schwerchemikalien war eine gewisse Belebung festzustellen. Das Riechstoffgeschäft litt dagegen zum Teil unter erheblichen Auslandseinfuhren. Das saisonbedingte Pflanzenschutzmittelgeschäft ruhte fast völlig. Im Auslande zeigte das Geschäft in pharmazeutischen Spezialitäten und pharmazeutischen Chemikalien ein verschiedenes Bild. Das Chemikalien- aeschäft litt stark unter der Konkurrenz der valuta- schwachen Länder. In Drogen sind im Dezember gegenüber der bisherigen Entwicklung keine wesentlichen Veränderungen eingetreten. Auch sind keine nennenswerten Preisänderungen zu verzeichnen. In Farben und Lacken ist eine ziemlich beträchtliche Abschwächung des Geschäftes festzustellen, eine Erscheinung, die in allen Jahren zu beobachten ist. Hmsichtlich der Rohstoffbeschaffung ist eine gewisse Erleichterung festzustellen. In der südwe st deutschen chemischen Industrie sind die Betriebe für Inlandsbedarf ausreichend beschäftigt. Trotz lebhafter Nachfrage aus dem Auslande nach Kupferfalzen ist der Export sehr zurückgegangen, da für die Einfuhr der hierfür erforderlichen Mengen ausländischen Kupfers nicht genügend Devisen freigegeben werden. In der Buntfarbenindustrie bewegen sich die Umsätze bei gebessertem Jnlandsgeschäst und gleichbleibend geringem Auslandsgeschäft auf Vorjahrshöhe. In der Druckfarbenindustrie sind die Absatzverhältnisse leicht rückläufig. In der Herstellung von Spezialharzen für die Lackindustrie haben sich die Verhältnisse trotz saisonmäßigen Rückganges bei gleichbleibenden Preisen weiter befriedigend entwickelt. Das Auslandsgeschäft wird zum Teil als befriedigend bezeichnet. In der Herstellung von ölfreien Anstrichmitteln ist ein saisonmäßiger Rückgang zu verzeichnen. Bei der Klebstoffherstellung sind Auftragseingang und Beschäftigungsgrad bei gedrückten Preisen weiter zufriedenstellend. Die Verhältnisse im Auslandsgeschäft haben sich nicht gebessert. In der Herstellung von technischen Deien und Fetten ist bei zum Teil erhöhter Lagerhaltung ein saisonmäßiger Rückgang eingetreten. In der Herstellung von Gerberei- und Färbereihilfsstoffen haben sich die Verhältnisse gegenüber dem Vormonat nicht wesentlich geändert. Im allgemeinen unbefriedigend ist die Lage bei der Herstellung von chemisch- pharmazeutischen Präparaten. Häufig wird über Preisdruck geklagt. Völlig unbedeutend ist das Aus« landsgefchäft. Rundfunkprogramm. Freitag, 11. Januar. 6 Uhr: Bauernfunk. 6.15: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II. 6.45: Frühmeldungen. 6.55: Morgen- svruch — Choral. 7: Frühkonzert. 8.15 bis 8.30: Gymnastik. 9: Werbekonzert. 10: Nachrichten. 10.15: Schulfunk. Auf der Winterweide. Schäfer ziehen durch unsere Gebirge. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saardienst. Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau. 16: Nachmittagskonzert. In der Pause: Kunstbericht der Woche. 18: Jugendfunk. Jungmädels, aufgepaßt — heute fingen wir Kanons! 18.15: Forschunqsreifende, die verschollen blieben. Ein Gespräch. Finnland. Ein Bild seiner Landschaft und Menschen. 18.50: Tagesspiegel. 19: Bunte Stunde. 20: Reichssendung. 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.15: Saarländer sprechen. 22.30: Unterhaltungskonzert des Rundfunkorchesters. 24: Nachtkonzert des NS.-Reichs- Symphonie-Orchesters. 1 bis 2: Nachtmusik. Samstag, 12. Januar. 6 Uhr: Bauernfunk. 6,15: Gymnastik I. 6.30: Gymnastik II. 6.45: Frühmeldungen. 6.55: Morgenspruch, Choral. 7: Frühkonzert. 8.15 bis 8.30: Gymnastik. 9: Nachrichten. 9.15: Konzert. 10: Nachrichten. 11.45: Sozialdienst. 12: Mittagskonzert I des Landesorchesters Gau Württemberg-Hohenzollern. 13: Saardienst, Nachrichten. 13.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Quer durch die Wirtschaft. Berichte und Gespräche. 15.15: Jugendfunk: Saarlouis, Hörbild. 16: „Der frohe Samstagnachmittag". 18: Stimme der Grenze. 18.20: Stegreifsendung. 18.35: Wir schalten ein: Das Mikrophon unterwegs. 18.50: Volksmusik. 19.30: Volkslieder der Saar. 20: Nachrichten. 20.10: Der Deutschlandsender spielt auf. 24 bis 2: Nachtmusik. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Zistern geben die Hohe der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. Franimri a. ■öcn... Gchluß- kurs Schluß!. Abend« börse Schluß« fürs Gchlußk. Mittag« börse Datum 8.1. 9.1. 8.1. 3-1- 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 98 98 98,1? 98,25 M% c^em.7% Dt.Retchsanl.v.1929 — — bVa% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.>Ablös.«Schuld mtl 99 99,25 99,25 99,25 Auslos.-Rechten ............. 106,75 107,5 106,13 107,65 Desgl, ohne Auslos.-Rechte...... «% ehem.8% Hess. Volksstaat 1929 (rückzahlb. 102%) ............ 6% Hess. Landesbank Darmstadt 98,4 98,4 98-4 98,4 fflolb R. 12......... 96,5 96 96,5 654% Hess. LandeS-Hypotheken- bank Darmstadt Ltgui......... 95,75 95,5 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. An- leihe Serie 1 mit Auslos.-Rechten 6% ehem. 8% Franks. Hyp.-Vank Goldpfe. 15 unkündbar bis 1935 106,75 96,25 107,75 96 107 96,75 108 96,5 <% ehem. 7% Franks. Hyp.-Ban? Goldpfe. 16 unkündbar bis 1936 96 96 96,75 654% ehem. *54% Franks. Hyp.- Bank-Ltqu.-Pfandoriefe....... 96,13 96 654% ehem. *54% Rheinische Hyp..Bank-Liqu.«Goldpfe..... <% ehem. 8% Pr. Landespfank» 96,65 96,65 96,5 97 briekanstalt, Pfandbriefe R. 19 1% eyem. 7% Pr. Landesvfand- 97,5 97,5 97,5 97,5 brtefanstalt, Pfandbriefe R. 10 97,5 97,5 97,5 tzteuergutsch. Verrechnungskurs.. 104,5 104,5 104,5 104,5 *% Oesterretchische Goldrenke.... *,20% Oesterretchische SUberrente 27,25 — 28 _ 1,05 1,1 1,15 —— *% Ungarische Goldrente....... 7,6 7,4 7,65 7,4 7,5 7,5 7,5 7,35 *% Ungarische Staatsrente v. 1010 *54% deSgl. von 1913.......... 7,4 7,25 7,5 7,1 6% abgest. Goldmexikaner von 99 12,25 12,25 12,25 11,75 *% Türkische Zollanleihe von 1911 *%rürkisch« Bagdadbaha-Auleihe Serie 1..................... 7,9 7,9 —— 3 .rrannur . ... 2/1. ■dtrun Schlußkurs Echlußt. Abendbörse Schluß- für* Gchlußk. Mittag« börse Datum 8-1. 9-1. 8-1. 9-1. 4% Desgl. Serie 11......... 7,9 4,25 4 33,5 25,5 29,5 82,75 96,25 73,5 77 78 150 28,4 137,4 103 116,4 80 110,25 105,75 97 142 118,5 88,25 103 65,5 100,5 117,65 79,5 76,9 7,9 4,4 6,4 3,95 33,4 25,5 81,5 95,75 73,25 77 78 151,5 28,65 137,75 103,5 115,75 79 111,25 96,25 143 118,5 88,5 103-65 65,25 99 119,5 79,13 5% Rumän. veretnh. Rente v. 1903 *'/,%Rumän.vereinh.Renlev.l0i3 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2y*% Anatolier ............... 4,95 6,45 4,1 33,75 25,4 23 29,25 81,9 96 73 77 78 150 28,13 137,5 102-75 116,5 79,75 110,5 106 97,25 142 118,5 88 103 65,25 100,75 83,25 149 118,5 79,65 76,9 6,3 33 25,9 23,25 29,5 81 96,25 73 77 78 151,25 28,75 138,25 103,5 115,75 79,75 111,5 107 96,5 143,25 118,5 88 103,5 65,13 99,25 83 120 79 77 Hamburg-Amerika-Paket .....0 Hamburg-Südam. Dampfschiff. 0 Hansa-Dampfschtff...........0 Norddeutscher Lloyd .........o A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 Berliner Handelsgesellschaft ... * Commerz, und Privat-Bank... 0 Deutsche Bank und Dtsconto« Gesellschaft................0 Dresdner Bank......... 0 Reichsbank .......... 12 A.G.B......................o Bekula.....................o Elektr.LieferungSgeseMchast... 6 Licht und Kraft ............6 Felten & Guilleaume.........0 Gesellsch.f.Elektr.Unternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........6 Schuckert L Co...............6 Siemens L Halske............7 Lahmeyer L Lo........... 10 Buderus ....... o Deutsche GrdSI....... * Gelsenkirchener.......... o Harpener...................o Hoesch Eisen—Kölo-Neuessea .. 0 Ilse Bergbau ...............6 Alse Bergbau Genüsse........6 Klöcknerwerke .......... v ManneSmann-Röhrea........o Franllun a.M. Serlin Schluß« fürs vchlußl. Abend« börse Schluß« für* Schluß!. Miitag- börle Datum 8-1. -.1. 8-1. 9.1. Mansseloer Bergbau .. .......0 — 86,25 86,75 86,25 Kokswerke ........... .......0 — — 98,5 98,9 Phönix Bergbau...... .......0 51,5 51,5 51,65 51,65 Rheinische Braunkohlen .....10 212 212 212 212 Rheinstahl........... .......0 91,25 91,75 91 91,5 Bereinigte Stahlwerke. .......0 43,13 43 43,25 43,13 Otavt Minen ........ .......0 12,25 12 12.25 11,75 Kaliwerke Aschersleben. .......6 — 110,5 111,5 110,5 Kaliwerke Westeregeln . .......5 111,75 110 112,25 110 Kaliwerke Salzdetfurth .....7Vi — 150-5 149 150,5 JJ. G. Farben-Jndustrie 138,5 140 138,25 139,75 Scheideanstalt........ .......9 197,5 197,5 —— —— Goldschmidt ......... .......0 90 90 90 90 Rütgerswerke........ .......0 97-75 97,75 98.25 98,75 Metallgesellschaft...... ......0 87 87,5 87,25 87,25 Pblltpp Holzmann .... .......v 80,5 80 80.75 80 Zementwerk Heidelberg Zementwerk Karlstadt.. ......o .......0 109 122 110 121,5 - = Schultheis PaHenhofer .......0 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. 0 Bemberg...................0 Zellstoff Waldbos............0 Zellstoff Aschaffenburg .......0 Dessauer GaS ...............7 Daimler Motoren............ 0 Deutsche Linoleum........... 0 Orenstein L Koppel.......... 0 Leonhard Dietz.............. 0 Ehade......................10 Aceumulatoren-Yabrik........0 Lonti-Gummt...............0 Grttzner....................O| Matnkrastwerke Höchst a.M-... 41 Süddeutscher Zucker......... 8| — — 102,65 102.9 50 49,5 50,75 49-5 116,5 — 116,5 114-75 49 49,5 49-4 49-25 68,5 70,25 68,5 69-5 —— —— 126,5 126 49,25 48,9 49 48-25 66,5 65,75 66,5 65-75 —— — 90 90 33,75 33,5 33,75 33.5 182,5 132 182,5 181 150 150-5 149 152 143,5 145-25 144 145.5 28 27.751 28 28-13 — 88 162 161,5 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. Bl. g.Januar 9-Januar Amiliche Notierung Amtliche Notierung Geld Brief Geld I Brief Buenos Atre. 0,628 0,632 0.628 0-632 Brüssel ..... 58,29 58,41 58-22 58-34 Rio de Jan. 0,194 0,196 0-194 0-196 Sofia...... 3,047 3,053 3.047 3.053 Kopenhagen. 54,34 54,44 54-41 54-51 Danzig..... 81,24 81,40 81-27 81-43 London ..... 12,17 12,20 12-185 12-215 HelsingforS.. 5,37 5,38 5-38 5.39 Paris ...... 16.42 16,46 16-42 Holland ... 168,28 168,62 168-23 168.57 Italien..... 21,30 21,34 21-30 21-34 Japan ...... 0,708 0,710 0-709 0-711 Jugoslawien 5,649 5,661 5-649 5-661 Oslo.....; 61,16 61,28 61.25 61-37 । p 48 95 49,05 Lissabon.... 11,04 11,06 11-06 11-08 Stockholm... 62,75 62,87 62-84 62.96 Schweiz .... 80,72 80,88 30-72 80-88 Lvanien.... 34,02 34,08 34-04 34-10 Prag....... 10,39 10,41 10-39 10-41 Budapest ... — —— —• Neuyork... 2,483 2,487 2-483 2-487 Banknoten. Lerlm,9-Januar Gelö Ärief '' Amerikanische 9toten.............. 2-435 58-01 54-20 12-15 16-38 167-81 21-10 61-09 62-62 80-44 33-80 2,455 58-25 54-42 12-19 16-44 168-49 21-18 61-33 62-88 80-76 33-94 Belgische Noten.................. Dänische Noten ................. Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, * 1OO Schilling Rumänische Noten............... Schwedische Note»............... Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Ungarische Note» ................