Ur. 210 Erstes Blatt 185. Jahrgang Montag, 9. September 1935 Erschein! täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis: Mit 4 Beilagen RM. 1.95 Ohne Illustrierte . 1.80 Zustellgebühr .. „ - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Sernsprechanschliiffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach. richten Anzeiger Gießen Postscheckkonto: Sranffurt am Main 11686 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Vru» uni» Verlag: vrühl'sche UiUorrfitälr-vuch- uni» Stdnöruderd «.Lange in Sietzen. 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Wieder leuchtet in den schattigen Gassen das flammende Rot, die Banner der neuen Zeit wehen vor den grauen Fassaden jener Straßenzeilen, die wie eine Versteinerung deutschen Gemeinschaftslebens noch das zuckende, pulsierende Leben einer vergangenen Epoche erahnen lassen. Rote Teppiche hängen aus den Fenstern der Häuser, wie einst, wenn ein deutscher Kaiser in feierlichem Krönungszuge durch die Straßen schritt; wo damals die Sinnbilder deutscher Reichsgewalt von den Teppichen und Bannern grüßten, leuchten heute die goldenen und silbernen Hoheitszeichen des wiedererstandenen und wiedererstarkten Deutschen Reichs. St. Lorenz und die spitzen Fialen des schönen Brunnens, die gotischen Giebel des ehrwürdigen Rathauses und die Zinnen der Kaiserburg sehen wieder auf den Marschtritt wehrhafter Männer herab, die Stunde um Stunde in endlosem Zuge an ihrem Führer grüßend vor- überziehen. Parteitag! Das ist keine Sitzung von Fraktionen, Abgeordneten und Vorständen mehr. Hier braucht kein „Parteivorsitzender" mehr seine Taktik im Parlament und Regierung vor den Ausschüssen und Wählern zu verteidigen, in aufreibenden Redekämpfen mit den eigenen Gesinnungsgenossen um Billigung zu betteln oder sich von einer „Mehrheit" nichtverantwortlicher Funktionäre Vorschriften und Richtlinien geben zu lassen. Hier sind keine Menschen, die mit Anklagen kommen und kleinliche Rechenschaft über Schritt und Tritt ihrer Führer in einem abgelaufenen Jahre verlangen. Diese Parteitage der deutschen Erneuerungsbewegung haben damit nichts zu tun. Trifft dieses Wort „Partei" noch den Inhalt, den es heute umschließt? Partei und Staat sind eins geworden „Alle Deutschen — Nationalsozialisten, die besten Nationalsozialisten — Parteigenossen", so sprach der Führer in der großen Schlußrede auf dem vorjährigen Parteikongreß. „Nicht der Staat befiehlt uns, wir befehlen dem Staat." Gesetze haben die Partei unverrückbar in das Gefüge des Staatslebens eingebaut. Darf dann noch von Partei und Parteitagen gesprochen werden? Ja! Die Partei ist unentbehrlich, ihre Aufgabe ist übergroß. Sie ist und bleibt die auserlesene, tn Kämpfen erprobte Minderheit, die als Quell politischer Willensbildung über die Reinheit der Idee wacht und das staatliche Leben, die gesamte Volksgemeinschaft immer von neuem mit den Kräften ihrer Weltanschauung, ihres Kampfesmutes und dem unerbittlichen Willen zum Siege durchstromt. Die Partei war das Instrument, um das geistige Gesamtbild von den Zukunftsaufgaben unseres Volkes gegen die herrschenden Gewalten durchzusetzen. Damals war sie Partei im alten Sinne des Wortes. Das war notwendig, war Taktik und organisatorisches Kampfmittel. Heute ist die Opposition verschwunden, ist sie unter die Erde getrieben. Die Bewegung wurde Partei in einem verwandelten Sinne. Als Ein-Partei ist sie heute der magnetische Pol im Kraftfeld einer von weiten und weiteren Ringen umlagerten Volksgemeinschaft. Sie wurde ein Orden, eine Führerschule, die das frische Blut, das ihr von unten immer wieder zuströmt, durch gesteigerte Ansprüche, durch harte Exerzitien bildet, um' es an das eine Ganze abzugeben, dem allein sie dient, dessen besten Kern sie darsteM. So ist der Parteitag im Dritten Reich die Selbstdarstellung der geballten Willenskraft eines ganzen Volkes. Hier erteilt der Führer die Parole für das kommende Jahr, hier empfangen Amtswatter und Parteigenossen die Befehle für ihre Arbeit. Die Tagungen sämtlicher Parteigliederungen dienen der Vertiefung fachlicher Sonderausgaben. Die Trager des nationalsozialistischen Aufbaues bezeugen in Massenaufmärschen die gesammelte Kraft ihrer Organisationen: SA. und SS., Arbeitsdienst und politische Leiter, Hitlerjugend und — Wehrmacht! Die deutschen Soldaten waren schon im vorigen Jahre vertreten. Ein Tag des Programms war ihren Leistungen gewidmet. Diesmal aber wird der ganze Parteitag sein Gepräge durch das Heer erhalten. „Parteitag der Freiheit" — eines der höchsten Ziele der NSDAP, ist erreicht, die deutsche Wehrhoheit ist wiedergewonnen worden. Es ist eine Ehrenpflicht der Armee, an der größten Kundgebung jener politischen Organisation teilzunehmen, die ihr das Selbstbestimmungsrecht, die Gröhe und freie Entfaltung wiedereroberte. Die riesige Zahl der Männer im grauen Waffenrock und die hervorragende Rolle, die ihnen in diesem Jahr in Nürnberg zugefallen ist, wirkt wie ein Sinnbild. Hier feiert nicht ein abgekapseltes Sonderwesen sein Fest, das ganze Volk, einig in feinen Stämmen und geschützt von der Waffe des Soldaten, ist auf dem Parteitag zugegen. Und trotz allem bleibt er ein Wunder. Was treibt die Menschen immer von neuem nach Nürnberg? Warum geben Volksgenossen mit geringem Lohne ihre Ersparnisse und Urlaubstage für eine Reise, die ihnen ja keine körper'iche Erholung, keine Ruhe bietet, sondern harte Anstrengungen, enges Lagerleben und stundenlange Märsche in glühender Die Riesentribüne aut der Zeppelinwiese in Nürnberg. — (Weltbild-M.) NM * 6 MM * Sonne verlangt? SA.-Männer marschieren zu Fuß quer durch das Reich von Ostpreußen nach dem Frankenland, Hitlerjugend aus Berlin trägt ihre Fahnen über die Landstraßen bis vor den Führer ins Nürnberger Stadion. Und was tauschen sie ein für wochenlange Mühsal? Einige Minuten werden sie den Führer sehen, wenn sie strammen Schritts an ihm vorbeimarschieren, eine halbe oder eine Stunde hören sie seine Stimme, während seine Gestalt für viele als winziger Strich in weiter Entfernung bleibt... Tausendmal haben sie doch feine Züge auf Bildern oder seine mitreißenden Bewegungen im Film gesehen. Dennoch marschieren sie, marschieren aus einem Geheimnis, das Menschen in Bewegung setzt. Nüchterner Fragestellung ist es unzugänglich, aber seine Wirkungen sind schöpferisch. Vielleicht kommt das manchem ahnungsvoll zum Bewußtsein, wenn er als winziger Punkt unter den Tausenden steht, die zur Totenehrung im Luipold- hain angetreten sind Durch eine lange weiße Gasse, umstanden von lebendigen Mauern in Schwarz und Braun, schreitet der Führer mit zwei feiner Getreuen, dem Stabschef der SA. und dem Reichsführer der SS., den Weg zum Ehrenmal der Gefallenen. Einer für alle! Zahllose Augen heften sich an seiner schreitenden Gestalt. Alle Herzen stehen still, wenn er den Arm zum stummen Gruß erhebt vor einer Tafel, die nichts enthält als die schlichten Worte: „Den Toten!" Opferpfannen senden schwelende Rauchschwaden gen Himmel. Dann steht unsichtbar über dem riesigen Feld das Heer der Gefallenen. In mystischer Vereinigung von erfülltem Opfertod und sehnsüchtigem Tattrieb birgt solcher Augenblick Schmerz und Schwur. Für wenige Minuten wird der Vorhang vor dem Geheimnis des Parteitags zur Seite gerafft und der Sinn des Ganzen leuchtet hervor. Nur Mythos umgibt das gewaltige Geschehen. Wer nur nach greifbaren Zwecken und kalten Tatsachen verlangt, wird feiner nie gewahr. Aber für die Verschworenen des Führers, in denen bedingungslose Gefolgschaft die Kräfte echten Glaubens entbanden, ist der jährliche Parteitag die Feier eines großen Kults, die festliche Offenbarung der Volksgemeinschaft. Männlich schlicht, soldatisch knapp sind die Formen — aber groß ist der Sinn. feierliche Einholung der Blutfahne in Nürnberg. Nürnberg, 8. Sept. (DNB.) Die Blut- sahne, die sonst in München im Hause der Reichsführung der SS. aufbewahrt wird, ist am Sonntag nach Nürnberg gebracht worden. In Begleitung des Sturmbannes i der Münchener SS.-Verfügungstruppe traf sie in einem Sonderzug auf dem Nürnberger Hauptbahnhof ein. Vor dem Gebäude hatte sich eine große Menschenmenge eingefunden. Unter Dorantritt des Musikzuges, dessen Schellenbaum von dem größten SS. - Mann Deutschlands getragen wird, marschierte die SS. zum Marinetor-Schulhaus, wo die Feldzeichen der SS. Ausstellung genommen hatten. Die Blutfahne wurde vom Sturmführer Grimminger getragen. SS.-Standartenführer B r a ß n a ck machte dem Führer des Aufmarschstabes, SS.-Oberführer Mack. Meldung Sodann marschierte die Truvve zum Schulhaus am • Frauentorgraben, wo ein Ehrensturm der SS. die Blutfahne zu bewachen hat. Während der Musikzug den Präsentiermarsch spielte, wurde die Blutfahne in das Schulhaus getragen. Der Marsch der SS. durch die Stadt hatte eine große Menschenmenge angelockt, die mit erhobener Rechten die Fahne und die Feldzeichen der SS. grüßten. Ausländische Diplomaten beim Reichsparteitag. Berlin, 7. Sept. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat auch in diesem Jahre die Chefs der ausländischen Missionen in Berlin als seine persönlichen Gäste zur Teilnahme am Reicksparteitag in Nürnberg eingeladen. Ihr Erscheinen haben zugesagt: der polnische Botschafter, der spanische Botschafter, der Kgl. italienische Botschafter, ferner die Gesandten von Venezuela, Bolivien, Peru, Uruguay, China, Haiti, Bulgarien, Iran, Dominica, Guatemala, Panama, der Kaiserlich japanische Geschäftsträger, die Geschäftsträger von Afghanistan, Nikaragua, Ecuador, Südafrika, Ungarn und Chile. Den Diplomaten wird ein Schlafwaaen-Sonderzug zur Verfügung gestellt. In Nürnberg sind verschiedene Ausflüge vorgesehen, u. a. nach dem Bodensee mit Besichtigung der Zeppelinwerft. Auf der Reise werden die Diplomaten von dem stellvertretenden Chef des Protokolls Gesandtschaftsrat von Le - o e tz o w und Legationsrat von Strempel sowie von einer aus sprachkundigen SS-Männern bestehenden Mannschaft begleitet werden. Zum Kommandanten des Sonderzuges ist der SS.-Oberführer General: mjor a. D. von Massow bestimmt worden, dem SA.-Sturmhauptführer von Ihne von der Kanzlei des Führers zugeteilt worden ist. Deutscher Wald ist deutsches Volkstum. Veichsforstmeister General Göring zur Tagung des Deutschen Foistvereins. Berlin, 8. Sept. (DNB.) In einem Nachwort zur Tagung des Deutschen For st Vereins in Würzburg schreibt der Reicksforstmeister Hermann Göring über die deutsche Forstwirtschaft in Vergangenheit und Zukunft u. a.: „Die deutsche Forstwirtschaft und Forstwissenschaft hat — das muß in gerechter Würdigung ihrer Leistungen anerkannt werden — eine große Vergangenheit, aber sie soll — das ist mein Wille wie der wohl aller deutschen Forstleute — eine größere Zukunft haben. In Deutschland hat die Wiege wissenschaftlicher Waldbewirtschaftung gestanden. Deutsche Forstwirtschaft und Forstwissenschaft hat der Welt drei Ideen von weittragender Wirkung geschenkt, deren furlturelle und wirtschaftliche Bedeutung nicht hock genug eingeschätzt werden kann: die Idee der Verbundenheit von Wald und Volksgemeinschaft, den Gedanken der Nachhaltigkeit und die organische Auffassung des Waldwesens. Die Idee der Verbundenheit des Waldes mit der Volksgemeinschaft ist im deutschen Volke von alters« her tief verwurzelt. Aus der Gemeinschaftsidee des Waldes war inzwischen schon frühzeitig der zweite große Gedanke, der Grundsatz der Nachhaltigkeit der Forstwirtschaft, entsprungen. In Deutschland entwickelte sich aus jenem Gedanken an Stelle der rüheren Abbauwirtschaft eine Anbauwirt- chaft, eine systematische forstliche Nackhaltewirt- chaft. Freilich ging auch hier die Entwicklung nickt ohne Irrwege vor sich. Aus der Erkenntnis der Fehler entsprang der dritte Gedanke; der Dauerwaldgedanke entstand. Alle diese großen Gedanken der deutschen Forstwirtschaft und Forstwissenschaft tragen, wenn sie auch von vergangener Zeit stammen, viel von dem Geist des Nationalsozialismus in sich. Die Gemeinschaftsidee erstrahlt wieder in voller Reinheit. Sie wächst zu dem Gedanken: Deutscher Wald ist deutsches Volkstum. Vertiefung der Erkenntnis vom Leben des Waldes läßt aus der Idee her Nachhaltigkeit und aus her nrnanifdi 'n Auffassung des Waldwesens den Gedankeck vom ewigen Walde entstehen. Ewiger Wald und ewiges Volk gehören zusammen. Der Nationalsozialismus hat die Ideen der deutschen Waldwirtschaft nicht nur vertieft und erweitert, er hat auch ihre Durchführung gefördert und in tieferem Sinne auch erst ermöglicht. In den größeren Ländern wurden selbständige For st Verwaltungen gebildet, im Reich als oberste forstliche Behörde das R e i ch s f o r st a m t errichtet. Die Bereiche, die in engster Beziehung zum Walde und zur Forstwirtschaft stehen, wurden zusammengeschlossen Hierzu gehört der Naturschutz. Vor allem galt es, die Holzwirtschaft in engste Beziehung mit der Forstwirtschaft zu bringen. Die organische Auffassung vom Walde hat auf dem Gebiete der Waldwirtschaft zu neuen Wegen geführt. Die Holznutzung ist von der Fläche zum Einzelstamm gewandert. Damit die Erfüllung aller Aufgaben auf dem Gebiete der Forstwirtschaft vorangebracht werde, scheint es mir notwendig, daß die Tätigkeit der Forstoerwaltungs» behörden mit dem Reichsforstamt an her Spitze eine berstende Unterstützung aus den führenden Kreisen der For st wirtschaft erfährt Ich beabsichtige daher in Kürze einen besonderen Beirat einzuberufen, den ick aus den besten Sachkennern der Forstwissen- scyaft und -Praxis und aus Angehörigen aller Besitzformen zusammensetzen werde Auch der Deutsche F o r st v e r e l n hat an seinem Teil bei der Erfüllung jener Aufgaben mitzuwirken. Dabei scheint mir die glückliche Zusammensetzung der Mitgliedschaft des Deutschen Forstoereins eine besonders geeignete Grundlage zur Erreichung der gesteckten Ziele zu fein Ich bin überzeugt, daß der Deutsche Forstverein es als seine hervorragendste Aufgabe betrachten wird, an der Aufbauarbeit des Führers und damit an der Festigung unseres nationalsozialistischen Staates rückhaltlos und mit dem Einsatz aller Kräfte mit- »umir*'n " I 1 Deutschland fordert Genugtuung zu sprechen hatte. Die Gangster scheinen bei deutschen Flagge das Urteil destruktiven Methoden der Herrn Brodsky in irgendeiner Form Eingang gefunden zu haben, denn er scheut sich nicht, 21 n - griffe von Kommuni st enhorden auf ein deutsches Schiff und auf die deutsche Flagge z u decken, diese 2lngreifer freizusprechen unter unglaublicher Beschmutzung des deutschen Ansehens und deutschen Rufes. Um noch einmal den damaligen unliebsamen Vorfall zu rekapitulieren, so hatten Kommunisten, ohne daß die amerikanische Polizei rechtzeitig und wirksam eingegriffen hätte, die „Bremen" gestürmt, die Flagge abgerissen und ins Wasser geworfen. Dem sofortigen Eingreifen der deutschen Mannschaft ist es gelungen, die Eindringlinge von Bord zu jagen und weiteres Unheil zu verhindern. Der Fall ist also klar und eindeutig. Und dennoch findet sich ein amerikanischer Richter, der diese Tat nicht nur mit einem Freispruch billigt, sondern darüber hinaus den Pöbel der Straße zu weiteren Ausschreitungen geradezu ermuntert. Die amerikanischen Gangsters werden aus richterlichem Munde derartige Aeußerungen gern zur Kenntnis digllch aus religiösen oder ethnologischen Gründen, Entwürdigung der gelernten Berufe — kurz gefaßt, wenn ich einen biologischen Begriff gebrauchen darf — einen atavistischen Rückschritt in mittelalterliche, wenn nicht gar barbarische soziale und politische Verhältnisse." Das Urteil wird von der gesamten Morgenpresse in großer Aufmachung debracht. In weitesten Kreisen der Deutsch-Amerikaner hat es tiefgehendste Entrüstung hervorgerufen. Es wird auf dem am 6. Oktober im Madison Square Garden stattfindenden Deutschen Tag die gebührende Antwort erhalten. Außerdem haben die größeren deutsch - amerikanischen Verbände die Absicht, beim Staatsdepartement in Washington V o r st e l l u n g e n gegen das Schandurteil zu erheben. Deutscher Protest in Washington. Washington, 7. Sept (DRV.) Der deutsche Botschafter Dr. Luther übermittelte am Samstag dem Staatssekretär hüll im Staatsdepartement den formellen Protest der Reichsregierung gegen die Ausführungen des Reuyorker Amtsrichters Brodsky bei der Urteilsbegründung im Prozeß wegen des Heberfalles auf die „Bremen". Staatssekretär hüll erklärte, daß er einen amtlichen Bericht vom Staatsgouverneur von Reuyork, 7. Sept. (DRV.) 3n dem Prozeß wegen des kommuni ft ischen Heber- fallsaufdemLloyddampfer „Bremen" im Hafen von Reuyork hat der Amtsrichter Louis Brodsky am Freitag ein Urteil gefällt, das vor allem durch feine Begründung eine unerhörte Beleidigung Deutschlands darstellt. Sämtliche Angeklagten wurden von der Anklage der „gesetzwidrigen Zusammenrottung freigesprochen". Lediglich ein Angeklagter wurde wegen Waffenbesitzes in haft behalten. 3n seiner Urteilsbegründung lieh sich der Amtsrichter dazu hinreihen, die nationalso- zialistische deutsche Regierung und die Hakenkreuzflagge in der wüstesten Weise zu beschimpfen und den Lloyddampfer „Bremen" als „P i r a t e n f ch i f f" zu bezeichnen. Die Urteilsbegründung begann mit einer Darlegung der Ereignisse an Bord des Lloyddampfers „Bremen". Dann fuhr Amtsrichter Brodsky wörtlich fort: „Ich bin mir durchaus der Tatsache bewußt, daß das offene Führen der Naziflagge für diese Angeklagten berechtigter- oder unberechtigterweise die Vorstellung von einem Piratenschiff hervorgerufen hat, das herausfordernder Weise in den Hafen einer Nation einfährt, von der es kurz' vorher ein Schiff in den Grund gebohrt hatte, (eine Anspielung auf die „Sufi- tania"? — Die Schriftltg.) mit der schwarzen Piratenflagge stolz an seinem Mast. In der weiteren Urteilsbegründung erklärte Amtsrichter Brodsky u. a., daß die Anwesenheit der vier Angeklagten Arthur Blair, William Bailey, William Howe und George Blackwell auf der „Bremen" keine gesetzwidrige Zusammenrottung dargestellt habe. Bezüglich des Angeklagten Vincent Mc Cormack beständen Widersprüche in der Zeugenaussage, daß er angeblich den amerikanischen Detektiv Matthew Solomon niedergeschlagen haben soll. Bezüglich der erstgenannten vier Angeklagten lägen keinerlei Beweise für eine Gesetzesverletzung vor (!). Sie hätten sich nur unter der Menschenmenge befunden, die sich durchaus gesetzlich am Pier eingefunden habe, um gegen die deutsche Hakenkreuzflagge zu protestieren, wozu sie so lange berechtigt gewesen sei, als sie nicht den Frieden störte. Unabhängig hiervor stelle die weitere Frage, ob sich die Angeklagten individuelle Handgreiflichkeiten haben zuschulden kommen lassen, ein ganz anderes Problem dar. Unter der Vorgabe einer gesetzlichen Ansammlung dürften von Einzelpersonen keine Gewalttätigkeiten verübt wer- den, und der Urteilsspruch dürfe keineswegs so aus- gelegt werden, als ob derartige Ausschreitungen gebilligt würden. „Es kann jedoch wohl fein, dah das Zeigen der Hakenkreuzflagge im Reuyorker Hafen berechtigter- oder unberechtigterweife von den Angeklagten oder anderen Teilen unserer Bürgerschaft als unerwünschtes hissen eines Zeichens betrachtet wurde, das alles das versinnbildlicht, was den amerikanischen 3dealen von den Gott gegebenen und unverrück- baren Rechten aller Völker sowie von Leben, Freiheit und dem Streben nach Glück Z u - widertäuft. Rach Ansicht der Versammelten bedeutet dieses Zeichen bet Raziregierung Krieg her Religion, Vernichtung von Witbürgern te- Die Manöver in der Lüneburger Heide beendet Kritik, Vorbeimarsch und Großer Zapfenstreich in Gegenwart des Führers. Unerhörte Beleidigung Deutschlands durch einen Reuyorker Richter. Freispruch im Prozeß wegen des kommunistischen Lleberfatts auf die „Bremen" Errüedanktag *1935. Sonderzitge am 5. Oktober z«m Bückeberg. Auch In diesem 3af)te werden ans dem fflau Hessen-Na,«an mehrere Sonder,üge ,n dem seierlichen Slaalsaki ans dem ^-bcrg <8. 0kl-ber) sohren. Für diese Sondcrzuge ist die beispiei- lofe Fahrpreisermäßigung von 7 5 t).9. gewährt worden, so dah Z- B. die Fahrt 5ran - furt a. 2H. — Bückeberg und zuruck nur 7 Mark kosten wird. Die Sonderzüge werden voraussichtlich am 5. Oktober abfahren und am 7. Oktober wieder im Heimatort eintreffen. 3hre Abfahrtszeit wird so gelegt, dah sie von allen anderen Stationen gut erreicht werden können. Auch für die Zubringerstrecke gilt die 75prozentige Fahrprelser- mähigung, wenn die Fahrtteilnehmer im Besitz der Sonderzugfahrkarte find. Es ist zu erwarten, dah sehr viele Volksgenossen die Gelegenheit wahrnehmen, an dem (Erntebanr- fest auf dem Bückeberg teilnehmen zu können. Alle Volksgenossen, die sich an der Fahrt beteiligen wollen, müssen sich daher umgehend, späte- stens jedoch bis zum 10. September, beidenzuftändigenOrtsbauernführern melden. Für die Städte Wetzlar, Friedberg, Alsfeld nehmen die Dienststellen der dort ansässigen kreisbauernschaften die Meldungen entgegen. Ls wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dah nur diejenigen Volksgenossen die Sonderzüge benutzen können, die ihre Anmeldung rechtzeitig, also bis zum 10. September, abgegeben haben. Vei> spätete Anmeldungen werden nicht berücksichtigt. Volksgenossen, die sich bereits bei anderen Dienststellen angemeldet haben, müssen ihre Anmeldung ebenfalls bis zum 10. September bei den oben erwähnten Dienststellen der Bauernschaft wiederholen. Rähere Einzelheiten betreffend Abfahrt der Son- derzüge usw. werden rechtzeitig durch Rundfunk und Presse bekanntgegeben. heil Hitler! [ Gez. Müller- Scheid, 1 Gaupropagandaleiter und Leiter der Landes- ' stelle Hefseu-Rassau des Reichsministeriums für i Volksaufklärung und Propaganda. In einem Lande, das mit dem Gangfter-Un- wesen genug zu tun hat, sollte man annehmen müssen, daß die Justiz und ihre Träger den größten Wert darauf legen, an Würde und Anstand zu retten, was nur zu retten ist. In Neuyork scheint ma'n jedoch darüber anders zu denken. Nachdem bereits der Oberbürgermeister ßaguarDia sich die denkbar größte Mühe gegeben hat, den Ruf der Stadt in Amerika und vor dem Auslande herabzusetzen, wetteifert nun mit ihm auf diesem Gebiete auch der Amtsrichter Brodsky, der über die Angreifer auf die „Bremen" und über die Schändung der liegt die große, mehr als 3000 Personen sasiende Trtbüne, auf der auch nicht ein freies Plätzchen zu entdecken ist. Der Führer und Generaloberst von Blomberg begrüßten bei ihrem Eintreffen besonders herzlich den greifen General Litz m a n n, der es sich nicht hatte nehmen lassen, an dem ersten großen Manöver der jungen deutschen Wehrmacht teilzunehmen. Gegen 11 Uhr erklangen die Kommandos, wurden die Trommeln gerührt, setzte die Musik ein, und dann ziehen von der Hausmannshöhe her in nordwestlicher Richtung auf den Kronsberg zu ole feldgrauen Kolonnen vorüber. Der Oberbefehlshaber des Heeres General der Artillerie F r e i h e r r v o n Fritsch hatte sich selbst an die Spitze der vorbei- marschierenden Truppen gesetzt. Ihm folgten mit kurzem Abstand der Befehlshaber des Gruppenkommandos II General der Artillerie Ritter von L e e b und der Kommandierende General des VI. Armeekorps Generalleutnant von K luge, der das ihm unterstellte Korps vorbeiführte. Den Vorbeimarsch eröffnete die blaue Partei, der sich die rote anschloß, erst Fußtruppen mit aufgepfianstem Seitengewehr, dann berittene und motorisierte Verbände und zuletzt in der Luft die beteiligten Fliegerformationen. Die Infanterie marschierte m Bataillonskolonnen, die Reiter schwadronsweife in Linie und im Trab, die Artillerie in geschlossener Batterie im Trab, die motorisierten Truppen in geschlossener Kompanie. Mehr als zwei Stunden dauerte der Vorbeimarsch. Großer Zapfenstreich in der Heide. Celle, 7. Sept. (DNB.) Mit einem Kampfbild von packender Vielgestalt und größter Eindringlichkeit schloß der letzte Tag der großen Herbstübungen des VI. Armeekorps. Die blaue Partei hatte am Nachmittag und Abend des Freitag den Kronsberg nicht nehmen können, dagegen nach erbittertem Ringen das wichtige Höhengelände nordöstlich Suroide erobern können, das eine gute Artilleriebeobachtung für die Fortführung des Angriffs möglich machte. Auf Grund dieses gegnerischen Ekfolges bezog Rot in der Nacht zum Samstag eine rückwärtige Verteidigungsstellung und ließ nur schwache Teile seiner Truppe am Feinde zurück. Da es den Angriff von Blau am Samstagfrüh gegen feinen Westflügel besonders gegen die Hausmannshöhe erwartete, gruppierte Rot seine Kräfte in der Nacht entsprechend um. Blau verlegte den Schwerpunkt feines Angriffes für den 7. September in Ausnutzung feines bisherigen Erfolges nun ausgesprochen auf den Westflügel zur Wegnahme der Hausmannshöhe und stellte sich in der Nacht hierzu bereit. Schlagartig zur festgesetzten Zeit um 7 Uhr am Samstag brach der 21 n g r i f f von Blau unter Einsatz von Fliegerkampfkräften und mit Unterstützung der gesamten Artillerie, von der Teile die feindlichen Artilleriebeobachtungen auf der Hausmannshöhe durch starken Nebeleinsatz ausschalteten, gegen d i e rote Verteidigungsstellung vor. Die am Feinde gebliebenen schwachen Kräfte der roten Partei wurden schnell überrannt. Rot versuchte unter Einsetzung aller seiner Wachen den blauen Angriff gegen die Hausmannshöhe abzuwehren. Als gegen 8 Uhr die vordersten Teile von Blau sich der Verteidigungsstellung von Rot näherten, wurde die Hebung a b g e b I a f e n.. „Das Ganze — halt!" schmetterten die Hornisten. Der Offiziersruf holt alle Offiziere zur Kritik auf die Hausmannshöhe. Unweit des Bunkers Föhrenbach ist, durch einen Markierungsballon gekennzeichnet, ein gewaltiger Kreis durch Mannschaften mit Gewehr bei Fuß gebildet. Neben einer weithin sichtbaren Generalstabskarte in den respektablen Ausmaßen von 5 mal 5 Metern, auf der die Ausgangsstellung der letzten Hebung farbig angelegt ist, steht die Korps- f I a g ge des Kommandierenden Generals des VI. Armeekorps, des Befehlshabers im Wehrkreis VI, Generalleutnant von Kluge, der die Manöver geleitet hat. Auf dem Feldherrnhügel entwickelt sich ein Bild, wie es wohl feit Kriegsschluß nicht mehr dagewesen Reuyork Lehmann zwecks Prüfung und Erwägung anfordern werde. * „New York Times" bezeichnet das Urteil als unglücklich. Offenbar habe der Richter vergessen, daß sein Amt ihn hätte abhalten sollen, sich in die- fer Weise über die Hakenkreuzflagge zu äußern. Zu dem Protest des deutschen Botschafters erinnert das Blatt daran, daß der Bundesregierung ebensowenig Einfluß auf die Handlungen städtischer Polizeirichter zustehe, wie auf Bürgermeister. Falls aber Bürgermeister ßaguarbia dem Richter Brodsky einen scharfen Verweis wegen seiner anstößigen Aeußerungen erteile, würde er innerhalb feiner Befugnisse und in Ueberein« ftimmung mit den Wünschen „Dieter unserer besten Bürger" handeln. — „New York Herald Tribüne" schreibt u. a.: Wir verlieren die Achtung für unsere Farben im Aus- lande, wenn Beamte in unserem eigenen Land ungestraft ihren Richtersitz als „Seifenkiste" (das in Amerika übliche Podium für Straßenredner) benutzen dürfen, von wo sie aufreizende Verachtung für Flaggen von Nationen äußern können, mit denen wir im Frieden zu leben bestrebt sind. Sollte Brodskys Fehlurteil das amerikanische Volk der demütigenden Verpflichtung unterwerfen, als Gebot internationaler Schicklichkeit eine weitere Entschuldigung abzugeben, so wird sich dieser Polizeirichter unserer Nation gegenüber i n seiner schweren Schuld befinden. Der Führer stattete am Abend dem Offizierskorps des VI. Armeekorps im Offiziersheim des Munster-Lagers einen Besuch ab. Gegen 21 Hhr fuhr der Führer dann durch ein Fackelspalier der Soldaten zum ebenfalls fackelumsäumten Sportplatz, wo die Musikkorps des VI. Armeekorps zum großen Zapfenstreich angetreten waren. Eine wunderbare Stimmung lag über der Heide. Schwarzblauer, fternenbefäter Himmel, hinter uns zwischen schmalen, dunklen Wolkenbänken, die seltsame Schatten werfen, zwischen riesigen Tannen der Mond. All die Männer im Stahlhelm stehen wie in Erz gegossen. Als alle Lichter verlöschen und nur der Fackeln feuriger Schein den Platz erhellt, klingen Trommeln und Flöten, Fanfaren tönen darein: der große Zapfenstreich hat begonnen. Offiziere und Soldaten grüßen noch einmal den Führer. Dann verabschiedet sich der Führer und geht durch das Spalier der Fackeln zu seinem Zuge. Rechtsprechung keineswegs einverstanden ist. Da, wo man, gewissermaßen als Selbstverteidigung, 3ur Lynchjustiz greifen muß, stimmt etwas in der Rechtsprechung nicht. Das amerikanische Volk als solches ist viel zu nüchtern und zu ruhig, als daß es zu so verzweifelten Methoden Zuflucht nähme, wenn es in Amerika eine Rechtsprechung gäbe, Die dem Dolksempfinden gerecht würde. Wenn die deutschen Proteste sich also auch nicht gegen die ame- rikanische Regierung und das Volk richten, sondern gegen eine Justiz, Die die Sache der Gangsters zu ihrer eigenen macht, dann erwartet man doch, daß Volk und Regierung in den Vereinigten Staaten offen zu erkennen geben, daß sie einen solchen richterlichen Verstoß gegen internationale Gepflogenheiten ablehnen und verurteilen. Wenn es Herrn Brodskys Privatmeinung ist, daß das Deutschland von heute nicht der Jdealzustand wäre, so interessiert uns das wenig. Wir legen aber Wert Darauf, mit Amerika und dem amerikanischen Volk auf einem Fuße zu ver- kehren, wie er zwischen Völkern des zwanzigsten Jahrhunderts üblich ist. Daß wir es nicht hin- nehmen können, daß unsere Flagge der der Piraten gleichgesetzt wird, darüber kann kein Zweifel bestehen. Am wenigsten in Amerika. Wir warten auf die Antwort von jenseits des Ozeans. Protest der Aeichssührung des AS.-Iuristenbundes. Berlin, 8. Sept. (DNB.) Wie der „Völkische Beobachter" berichtet, hat der Reichsjuristenführer, Reichsleiter und Reichsminister Dr. Hans Frank, Präsident der Akademie für deutsches Recht, unmittelbar nach Erhalt der Meldung über die ungeheure Herabwürdigung der nationalsozialistischen Reichsflagge und des Deutschen Reiches durch den Richter Brodsky in Neuyork eine Sitzung der Gesamtjuristenführung in das Haus der deutschen Rechtsfront zusammenberufen. Es waren die Vertreter der deutschen Richter und Staatsanwälte, Rechtsanwälte, Notare, Rechtspfleger, Jungjuristen, Wirtschaftsrechtler und Rechtspro- fefforen, demnach b i e obersten ständischen Führer des deutschen Rechtslebens, erschienen. In dieser Versammlung führte Reichsleiter Dr. Frank aus: „Richter Brodsky ist Jude, Juden können weder unsere Flagge noch unser nationalspzialistisches Deutschland irgendwie beleidigen. Daß ein Jude das Ehrenkleid eines Richters in den kulturell so überaus hochstehenden Vereinigten Staaten von Nordamerika mißbrauchen kann, um den ganzen ohnmächtigen Haß seiner Rasse gegenüber dem wiedererstehenden nationalsozialistischen deutschen Volk auszulassen, ist allerdings ein em« ft e r und h o ch st bedauerlicher Vorgang. Aber weder das ehrenvolle Volk der Vereinigten Staaten von Nordamerika noch auch die nut Recht so angesehene I u st i z der Vereinigten (Staaten haben etwas mit diesem Exzeß zu tun. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß diese bodenlos niederträchtige Gemeinheit eines Juden unter dem Schutze eines amerikanischen Staatsamtes geschehen konnte. Im Namen des gesamten deutschen Rechtslebens, im Namen der deutschen Justiz und aller deutschen Rechtswahrer erhebe ich gegen diese unerhörte Verunglimpfung P r o t e ft, indem ich an das Oe- rechttgkeitsempfinden des edlen amerikanischen Volkes appelliere, das — es ist meine feste Erwartung — es nicht als angemessen empfinde, datz irgendein einem Ghetto entlaufener Bursche unter dem Mißbrauch der liberalen Gesetzgebung der Vereinigten Staaten von Nordamerika sich als Rich- ter aufführen und Schänder der- deutschen Flagge freisprechen darf. Die geeigneten Schritte werden durch die Reichs- und Parteistellen unternommen werden." Die Gesamtführung der deutschen Juristen bt» grüßte die Erklärung des Reichsfuristenführers mit lebhaftem Beifall und gab ihrem Empfinden durch ein Sieg-Heil auf den Führer treffenden Ausdruck- ist. Das Rot der Generalität leuchtet, dann sammeln sich in großen Gruppen die Offiziere der roten und blauen Partei, die Schiedsrichter mit den weißen Mützenrändern, der Manoverstab mit Den gelben Armbinden, daneben leuchtet das Helle Grün der Landespolizei. Als Gäste mit dem Stabschef an der Spitze eine Fülle von SA.-Fuhrern, daneben SS.-Führer. Dann kommt in weißen Sommermützen die Marine und schließlich Die Flieger. In einem weiten Karree nimmt das Offizierskorps Aufstellung. Generalleutnant von Kluge meldet dem Führer die Offiziere Dann beginnt die Kritik. Nach Generalleutnant Kluge spricht Der Kommandeur der Heeresgruppe II, General der Artillerie Ritter von Leeb, dann bringt der Oberbefehlshaber des Heeres, General der Artillerie Freiherr v o n F r i t s ch , seinen Dank zum Ausdruck für alles, was er in diesen Tagen sehen konnte. Zum Schluß tritt Reichskriegsminister, General- oberft von Blomberg, an das Pult und gibt der Bedeutung der Ereignisse und der Leistungen des ganzen Jahres Ausdruck. Die Wehrmacht marschiere unerschütterlich hinter der Fahne, die der Führer über Deutschland aufgezogen habe. Der Aufmarsch der Wehrmacht auf dem Reichspartei, tag 1935 sei das Zeichen innerer Verbundenheit des deutschen Soldaten mit der nationalsozialistischen Weltanschauung. Von der Hohe bietet sich dem Auge ein prachtvolles Panorama. Die Heidelandschaft ist durchsetzt mit verstreutem Wachholder, silberweißen Birken uni) roten Ebereschensträuchen. Tiefdunkel liegen in einer Talsenkung das Meinholzer Moor, in der Ferne in hellem Sonnenlicht die strohbedeckten Bauerndörfer der Heidjer. Wie schmale helle Bänder ziehen sich die Wege durch das Bild, auf denen alle an der Hebung beteiligten Truppenteile zur Bereitstellung für den Parademarsch auf einem südlich der Höhe gelegenen Felde marschieren. Parade vor dem Führer. Die Ehrengäste aus Regierung, Bewegung, Wehrmacht, Behörden, Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft haben die mit frischem Grün verkleideten Gasttribünen befliegen, unter ihnen der englische General Fuller, der während und nach dem Kriege die englische Tankwaffe befehligte und der ganzen Hebung beigewohnt hatte. Dor der Ehrentribüne ist ein kleiner Aufbau errichtet, von dem der Oberste Befehlshaber Adolf Hitler den Parademarsch ab nimmt. Auf der Gegenseite nehmen, und es ist keine Frage, daß. damit jedes ausländische Schiff in amerikanischem Hafen befürchten muß, aus irgendeinem Grund angegriffen oder belästigt zu roeroen. Wieweit das amerikanischen Interessen dient, diese Frage zu stellen, erübrigt sich. Auf der anderen Seite sollte man sich einmal vorstellen, daß im Hamburger Hafen die amerikanische Flagge von einem Schiff heruntergerissen worden wäre. Ein Proteststurm aus den Vereinigten Staaten wäre die selbstverständliche Folge gewesen. Unb selbstverständlich hätte Deutschland auch alles, was in seinen Kräften steht, getan, um dem amerikanischen Staat Genugtuung zu verschaffen. Denn bisher ist es im internationalen Verkehr ja doch immer noch so, daß mit der Flagge das Land repräsentiert wird und daß eine Flaggenfrage als Ehrenfrage angesehen wird. Es ist in Deutschland kein Zweifel Darüber, daß auch d i e Regierung der Vereinigten Staaten auf diesem Standpunkt steht, wie sie ja damals auch das Vorgehen des Oberbürgermeisters von Neunork verurteilt hat. Wenn selbstverständlich die deutsche Regierung auf dieses Urteil hin in Wasying- ton einen Protest überreichen ließ, so erwartet sie und mit ihr das deutsche Volk, daß die amerikanische Regierung die notwendigen Schritte tun wird, um Deutschland vor aller Welt und in aller Öffentlichkeit Genugtuung zu geben. Wir gehen nicht soweit, mit dem Urteil eines einzelnen Richters, der dazu noch den „gut amerikanischen" Namen Brodsky trägt, das amerita- nifcfje Volt identifizieren zu wollen. Das um fo weniger, als sich aus der jüngsten Vergangenheit genügend Beispiele dafür erbringen lassen, daß Das amerikanische Volk mit der Art der Versuchsballons in Genf Ministerpräsident Göring auf einer Srenzlandkundgebung in Ostpreußen. London, 9. Sept (DAV. Funkspruch.) Reuter । der Staatsuniversität von Louisiana herbelzuschaf- eldet aus Reuyork, huey Cong, der vielfach als fen. Am Montag früh entschlossen sich die Aerzte meldet aus Reuyork, huey Lang, der vielfach als dionen von ich glaube, auf den und auf n i s für der Völk ein gegenseitiges Verständ- die 'Lebensnotwendigkeiten „Diktator" bezeichnete Gouverneur von Louisiana und Roosevelts erbitterter Kritiker wurde am Sonntagabend in einem Gang des Parlamentsgebäudes des Staates von einem unbekannten Mann durch einen Schuh in den Magen lebensgefährlich verwundet. Der Angreifer wurde von Conga privater Leibwache, die aus zwei bewaffneten Männern bestand, durch einen Kugelhagel aus Schnellfeuerpistolen tot zu Boden gestreckt. Der erschof- jene Angreifer des Senators Long ist ein junger Arzt aus Baton Rouge. Er soll Spezialist für Kehlkopfleiden sein und 2L C. Weih jun. heißen. 3n einer jüngst im Senat gehaltenen Rede hatte Lang gesagt: Er wisse von einer Verschwörung gegen fein Leben, doch war diese Aeuherung nicht ernst genommen worden. Das Attentat und die Tötung des Angreifers vollzogen sich in einem Korridor zwischen den Sitzungssälen des Senats und des Repräsentantenhauses des Staates Louisiana in einem Wolkenkratzer von 33 Stockwerken höhe. Congs Zustand wird als sehr ernst bezeichnet. Mehr als hundert Anhänger Congs haben sich für eine Bluttransfusion zur Verfügung gestellt. Gin Flugzeug wurde gemietet, um einen Wundarzt aus glaublichen Methoden Deutsche knechtet, wir mischen uns nicht in die Angelegenheiten fremder Staaten. Durch das Memelsiatut aber ist den Deutschen im Memellande feierlich das Recht der Autonomie, der Selbstbestimmung, zugebilligt worden, wir haben bis heute die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dah trotz der schweren Enttäuschung, die wir erleiden muhten, die Siegermächte sich endlich davon überzeugen, dah die unerhörten Zustände im Memellande einen Bruch des Statuts darstellen, und dah es deshalb ihre Pflicht ist, sofort gegen die dauernden Vertragsbrüche einzuschreiten." „Wenn heute die deutschen Volksgenossen jen» seits der Grenzen wieder vertrauensvoll in heißer Liebe nach Deutschland schauen, so tun sie es deshalb, weil der Führer unserem Vaterland Freiheit undEhre zurückerobert hat. Ohne den Führer, den größten deutschen Sohn, gab und gibt es kein neues Deutschland, getragen von der nationalsozialistischen Bewegung, hinter die das deutsche Volk geschlossen getreten ist. Wenn heute kleine Menschen hergehen, herumschwätzen und ihre Alltagssorgen und sonst weiter nichts sehen, dann kann jeder einzelne deutsche Volksgenosse ihnen die gigantischen Lei st ungen entgegenhalten, die unter Einsatz aller Kräfte in den zweieinhalb Jahren nationalsozialistischer Regierung geschaffen worden sind. Gewiß, es ist nicht alles so, wie das unserem Idealbild entspricht, und es ist noch harte Arbeit notwendig, um das große Ziel zu erreichen und zu erhalten. Wir wollen es niemals vergessen: Ohne das Hakenkreuz, ohne den entsagungsvollen Kampf der braunen Bataillone wäre kein einziges unserer neuen Regimenter, kein Flugzeug und keine Flotte entstanden. Wir verlangen deshalb für unsere Feldzeichen nicht nur die schuldige Achtung, sondern auch Liebe. Der Sieg des Hakenkreuzes war die Auferstehung Deutschlands." Eine französische Konzession bringt sich inLrinnerung Oie Gesellschaft meldet ihre Rechte auf Ausbeutung der Bodenschätze an. ir sind eins mit den Brüdern im Memelland. nehme ich Ihren Ausführungen, daß Sie Ihre Auf* gäbe darin sehen, mit allen Kräften dahin zu wirken, die Beziehungen zwischen Deutschland und Italien immer weiter zu festigen und aus- zu gestalten; denn ich bin mit Ihnen der Ueberzeugung, daß diese Beziehungen für die tuntige politische Entwicklung und für eine fruchtbringende friedliche Zusammenarbeit zwischen den Ra- größter Bedeutung sein werden. Auch daß eine solche Zusammenarbeit jiur Gedanken d e r Gerechtigkeit Saarfahrt des Leiters der Deutschen Arbeitsfront. Dr. Ley im Schacht einer Saargrube. Neunkirchen, 7. Sept. (DNB.) Samstagmorgen traf Dr. Ley auf seiner Besichtigungsfahrt auf Grube Frankenholz ein. Nach Begrüßung durch den Generaldirektor der Saargruben, Dr. Wächter, ließ er sich von der Grubenverwaltung über die technischen Verhältnisse auf der Grube Frankenholz berichten. Dabei konnte nicht verschwiegen werden, daß gerade diese Grube in technischer Hinsicht ganz besonders rück - ständig von den Franzosen hinterlassen worden ist. Es wird einige Zeit dauern, bis die Grube technisch und wirtschaftlich modernen Ansprüchen genügen kann. — Dr. Ley zog dann Grubenkleidung an und fuhr mit ein. Er ging auch durch einen Stollen, der von der 600-Meter- Sohle auf die tieffte, 720 Meter betragende Sohle heruntergetrieben worden ist. Dieser Weg mußte anfangs gebückt und dann in der Hauptsache auf dem Rücken oder dem Bauche kriechend zurückgelegt werden. Dr. Ley benutzte auch diesen Besuch wieder, um sich mit den Arbeitern im Schacht zu unterhalten. Nach Beendigung der mehr als zweistündigen Grubenbesichtigung fand auf dem Grubenhof ein Betriebsappell statt. Nach Begrüßungsworten des Grubendirektors von Velsen sprach Dr. Ley zunächst über die Eindrücke auf seiner Saarlandfahrt. Er habe sich so ungeheuer gefreut, daß er mit den deutschen Menschen in den Hütten und Fabriken habe reden dürfen. Durch seine Besuche an den Arbeitsstätten werde er davor bewahrt, in den Fehler früherer Regierungen zu verfallen, die gar keine Vorstellung von der Schwere derArbeit eines Bergmannes hatten. Er vertrete den Standpunkt, daß Deutschland am meisten denen gehöre, die die schwerste Arbeit zu leisten hätten. Dritte Reichstagung der Deutschen Arbeitsfront auf dem Reichsparteitag. Berlin, 7. Sept. (DNB.) Am 14. September, 11.30 Uhr, findet in Nürnberg in der Kongreßhalle im Luitpoldhain die dritte Reichstagung der Deutschen Arbeitsfront und Einsetzung des Reichsparteitg,G NIAsNJ setzung des Reichsarbeits - und Wirtschaf t s r a t e s statt. Vor der Kongreßhalle wird eine Werkschar mit Musikzug zur Begrüßung des Führers Aufstellung nehmen. Die musikalische Umrahmung wird durch ein Werkschar-Orchester ausgeführt, das sich aus 120 Werkschar-Musikern zusammensetzt. Nach dem Fahneneinmarsch der Deutschen Arbeitsfront kommt der Führer. Ein Sprechchor von 200 Werkfchar-Männern trägt einen Gruß an den Führer vor Dann erfolgt die Eröffnung der Tagung durch Pg. Staatsrat Schmeer. Anschließend spricht Pg. Dr. Ley. Daraus hält der Reichsbankpräsident und Reichswirtschaftsminister Dr. Hjalmar Schacht eine Rede. Ein Sprechchor der Werkscharen „Ob wir auf Feldern werken" und Gesang und Musik „Wir sind des Werktags Soldaten" schließen sich an. Einstellung von Freiwilligen in den Reichsarbeitsdienst. Berlin, 7. Sept. (DNB.) Die Reichslei - tungdes Arbeitsdienstes teilt mit: Außer den zur Einziehung gelangenden Angehörigen des Jahrganges 1915 können am 1. Oktober noch eingestellt wer-en: Freiwillig länger Dienende, die am 1. Oktober 1935 das 17. Lebensjahr vollendet und das 25. L^ensjahr noch nicht überschritten haben. Es kommen in Betracht: 1. Ehemalige Angehörige des Freiwilligen Arbeitsdienstes, wenn sie mindestens sechs Monate mit guter Führung im Freiwilligen Arbeitsdienst gestanden haben. Diese Bewerber können bei Eignung als Vormau» Der Vorsitzende des Fünfer-Ausschusses, Spaniens Botschafter Madariaga. (Scherl-Bilderdienst-M.) Meldung, daß Italien eine Dreimüchte - Konferenz vielleicht i n S t r e s a, begünstigen würde, stamme aus italienischer Quelle. Offiziell sei ein solcher Vorschlag nicht gemacht worden, und es sei nicht anzunehmen, daß Frankreich und England nach ihrer in Paris gemachten Erfahrung Neigung verspüren würden, noch einmal die Sache aus der Hand des Völkerbundsrates xu nehmen. Eine dritte Nachricht, daß der Fünfer-Ausschuß am Samstag die Möglichkeit einer Abtretung der fr an» xöfifchen Eisenbahn Dschibuti — A d - bis Abeba an Italien erörtert habe, ent- Revolveranschlag auf Huey Long. Der „Diktator^ von Louisiana lebensgefährlich verletzt.-Oer Attentäter getötet. Nemonien, 8. September. (DNB.) Auf einer Grenzlandkundgebung des Kreises L a b i a u der NSDAP, sprach Ministerpräsident General Göring, von der Bevölkerung aufs herzlichste begrüßt. Er gab feiner besonderen Freude Ausdruck, einmal in der östlichsten Ecke der Grenz- prooinz zu Volksgenossen sprechen zu können, die von Tilsit und vom Haff herbeigeeilt seien. Er habe in diesen Tagen an Ort und, Stelle festgestellt, welche Maßnahmen für die einzelnen Gebiete notwendig seien. Diese sollen, soweit es in dieser harten Zeit möglich ist, in kürze st er Zeit durchgeführt werden. Auf vorgeschobenem Posten sei das Grenzland Ostpreußen ein rocher de bronce, an dem nicht gerüttelt werden dürfe als einem Teil des Vaterlandes, der ganz besonders mit dem Reich verbunden sei. „Wenn wir hier im Grenzland zusammenkommen", so fuhr Ministerpräsident Göring fort, „dann dürfen wir nicht auseinandergehen, ohne unserer Volksgenossen im Memelland zu gedenken, die allein auf sich gestellt einen schweren Kampf um die ihnen durch internationale Verträge feierlichst verbrieften Rechte führen. Wenn ihr herniederblickt ins Memelland und b o r|t den Terror seht, bann könnt ihr erkennen, was es heißt, unter einer fremben Herrschaft zu stehen. Dann vermag man es zu ermessen, welch großes Glück einem Volk gegeben ist, bas zur engsten Gemeinschaft zusammenge- s ch m i e b e t einen Führer besitzt, bem Freiheit unb Ehre bas höchste Gut ist. Dann verstehen wir auch, in welcher Art ein Volk schmachtet, das biese Freiheit nicht besitzt. Dir fühlen uns eins mit den Brüdern im IHemellanb, und niemand in der Welt kann von uns verlangen, daß wir die Stimme des Blutes ersticken, die empört auffchreit, wenn wir von dem Terror hören, dem deutsche Brüder und Schwestern schutzlos preisgegeben sind. Es ist unerträglich, daß ein kleiner Staat mit ungehören, da den Arabern aus eigener Erfahrung die Wirkungen einer Fremdherrschaft bekannt seien. Sollte aus diesem Konflikt ein Weltkrieg entstehen, so würden die Araber nicht wieder wie im letzten Kriege durch Sentiments und leere Versprechungen ihre Haltung bestimmen lassen. Die arabischen Stämme würden unabhängig von allen Sentimentalitäten sich jener Seite anschließen, die ihrem nationalen Befreiungskampf den größten Nutzen zu bieten vermöge. gelegenheit gesteckt worden seien, habe man angesichts der allgemeinen Weltkrise d i e Arbeiten unterbrechen müssen. Die abessinische Regierung habe aber bis zum Jahre 1924 regelmäßig den ihr zustehenden Betrag erhalten, und der Vertrag bestehe heute noch zu Recht. Der Kaiser behaupte zwar das Gegenteil, aber die französische Gesellschaft seit stets ihren Verpflichtungen nachgekommen, während der Negus den Arbeiten nicht den im Vertrag vorgesehenen Schutz habe angedeihen lassen. Die Gesellschaft sei auch entschlossen, ihre Rechte geltend zu machen; sie habe bereits den französischen Außenminister ebenso wie Mussolini davon unterrichtet. Rickett läßt sich nicht ausfragen. London, 9. Sept. (Reuter. Funkspruch.) Der Finanzagent Rickett, dessen abessinische Konzession so gewaltiges Aufsehen erregt hat, traf am Sonntagabend an Bord des französischen Dampfers „Por- thos" aus Dschibuti in Suez ein, wo er sofort von zahlreichen Presseberichterstattern mit Fragen bestürmt wurde. Die Frage, ob er eine Unterredung mit Mussolini gehabt habe, bevor er nach Abessinien ging, scheint Rickett überrascht zu haben. Nach einigem Zögern erwiderte er: „Ich kann Ihnen auf diese Frage nicht antworten." Die Beantwortung weiterer Fragen habe er ab» gelehnt, dagegen versprochen, bei feiner Ankunft in London, ungefähr am 15. d. M., eine sehr aus» ührliche Erklärung abzugeben. ___ ____er gegründet sein kann. Zugleich vertraue ich darauf, daß die Gemeinsamkeit vieler Ideale, die das faschistische Italien und das natio- nalsozialistische Deutschland verbindet, sich mehr und mehr zum Besten unserer Länder auswirken wird und daß die daraus erwachsenden Vorteils auch der übrigen Welt zugutekommen werden. Nach dem Empfang schritt der Führer die im Ehrenhof aufgestellte Ehrenwache ab. Er wurde hierbei und auf der Fahrt durch die Wilhelmstraße nach der Reichskanzlei von der Bevölkerung, die sich zahlreich angesammelt hatte, begeistert begrüßt. London, 9. Sept. (DNB. Funkspruch.) Reuter meldet aus Genf: Der Staatssekretär des Aeußern, Sir Samuel Hoare, der gestern auf dem Luftwege in Genf eingetroffen ist, brachte eine Botschaft für den Völkerbundsminister Eden mit, in der dieser der vollen Unterstützung Baldwins und des Kabinetts in dem von ihm in der abessinischen Frage befolgten Kurs versichert wird. „Times" spricht von Versuchsballons, die meist in Rom ober Paris losgelassen worden seien. Eine Meldung, daß Mussolini jich verpflichtet habe, während der Versöhnungsbemühungen keine Feindseligkeiten zu eröffnen, werde in amtlichen Kreisen in Abrede gestellt. Die willigenkorps zur Verfügung gestellt. Ihr Anführer erklärte, gemeinsam mit den kovtischen Christen für den Kaiser und die Freiheit Abessiniens kämpfen zu wollen. In Addis Abeba ist die erste japanische Medikamentensammlung im Werte von 20 000 Pen eingetroffen. Eine weitere, für das Rote Kreuz be- ftimmte Sendung ist unterwegs. Der Führer der arabischen Partei der nationalen Verteidigung in Palästina Ragheb Bey Nashashibi erklärte, es sei selbstverständlich, daß die Sympathie aller arabischen Stämme Abessinien Italiens neuer Botschafter. Berlin, 8. Sept. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler empfing heute mittag den neu ernannten Königlich Italienischen Botschafter, Herrn Bernardo A t t o l i c o, um sein Beglaubigungs- schreibten und das Abberufungsschreiben seines Vorgängers, des Botschafters Vittorio Cerruti, entgegenzunehmen. Der Botschafter wurde nach dem üblichen Zeremoniell zum „Haus des Reichspräsidenten" geleitet. Im Vorhof des Reichspräsidentenhauses erwies eine Ehrenwache des Heeres dem Botschafter die vorgeschriebenen militärischen Ehrenbezeugungen. Der Botschafter überreichte die königlichen Handschriften dem Führer und Reichskanzler und führte dabei u. a. folgendes aus: Italien, das gegenwärtig in einem Werk hoher Bekräftigung der Macht und der nationalen Würde begriffen ist, fordert von allen vor allen Dingen Derständis für feine begründeten Interessen, ein Verständnis gleich dem, das es für die begründeten Interessen anderer hat und haben wird. Für dieses Werk des gegenseitigen Verständnisses zwischen unseren beiden Ländern werde ich ein treuer Kämpfer und überzeugter Befürworter sein, denn ich bin dessen sicher, daß aus der guten Freundschaft und der aufrichtigen und freiwilligen Zusammenarbeit unserer beiden Länder — die Heide von jenem Gedanken der Gerechtigkeit geleitet werden, ohne den nichts in der Welt wirklich fest und dauerhaft sein kann — nur Vorteile für alle erwachsen können. Der Führer und Reichskanzler antwortete u. a.: Mit lebhafter Genugtuung ent- Paris, 9. Sept. (DNB. Funkspruch.) Im Zusammenhang mit der Petroleumkonzession, die Der Negus einer amerikanischen Gesellschaft zugestanden hat, hatte man in Frankreich auch viel von einem Vertrag aesprochen, der 1919 zwischen einer französischen Gesellschaft und bem damaligen Ras Safari, d. h. bem jetzigen Kaiser von Abessinien, abgeschlossen worden sei. Der Leiter dieser französischen Gesellschaft, ein Großindustrieller namens Bayard, hat dem „Journal de Roubaix" nähere Einzelheiten abgegeben. Die Verhandlungen hätten als Ausgangspunkt das Versprechen gehabt, der Gesellschaft d i e Ausbeute des gesamten abessinischen Bodens zu übertragen. Der abessinische Staat sollte dafür eine Million Goldfranken, einen Taler je Hektar und 30 v. H. des Reinverdienstes erhalten. Nach eingehender Prüfung des Bodens durch einen Studienausschuß habe man festgestellt, daß Abessinien sehr reich an Gold, Platin, Nickel und Diamanten sei, während man nur geringe Mengen von Petroleum gefunden habe. Auf Grund dieser Feststellungen sei dann am 6. Mai der Vertrag endgültig zustande- getommen und auf 75 Jahre festgesetzt. Dieser Vertrag sei auch ordnungsgemäß vor dem französischen Gesandten in Addis Abeba unterzeichnet und dem Quai d'Orsay zur Kenntnisnahme übersandt worden. Nachdem sechs Millionen Goldfranken in die An- behre der Grundlage. Laval soll die Frage des Schicksals der Eisenbahn Dschibuti — Addis Abeba im Falle des Kriegsausbruches aufgeworfen haben. Da diese Eisenbahn die einzige Verbindung Abessiniens mit der übrigen Welt darstellt und im Falle der Unterbrechung des Verkehrs Abessinien sich jeder Möglichkeit beraubt sähe, sich Medikamente und andere lebenswichtige Produkte xu verschaffen, soll Laval die Möglichkeit erörtert haben, die Eisenbahn unter die Aufsicht des Roten Kreuzes zu stellen. Die Mitglieder des Fünfer-Ausschusses sowie der abessinische Abgeordnete sollen diesen Vorschlag günstig ausgenommen haben, während der italienische Vertreter seine Stellungnahme vorbehalten habe. Italiens Ansmarschplan. Vermutungen des englischenReuterbureaus. London, 8. Sept. (DNB.) Reuter gibt aus Addis Abeba Einzelheiten über die angeblichen Operationspläne der Italiener wieder. Danach sollen die Italiener die Absicht haben, zuerst im Norden bei Adua anzugreifen, um zunächst die Schmach ihrer Niederlage von 1896 auszulöschen Der Angriff würde hier mit allen modernen Hilfsmitteln, Tanks, Panzerwagen, Gas und Flugzeugen geführt werden. Auch Großflugzeuge, die als Truppentransporter eingesetzt werden sollen, würden verwendet werden. Von Adua aus würde der Angriff weiter nach Aksum geführt werden, wo sich die Abessinier versammelten. Das Kommando auf italienischer Seite führe der General de Bono, auf abessinischer Seite Ras S e y u m. 35 000 Abessiniern würden die Italiener 100000 Mann weiße Truppen gegenüberjtellen. Erst wenn die Operationen im Norden durchgeführt seien, würde ein Vorstoß im Süden erfolgen, wo General Graziani das Kommando führe. Graziani werde nur langsam vorgehen, er erwarte, daß er e r ft bei H a r- rar auf größeren Widerstand der Abessinier stoßen werde. „Abessinien soll unser sein!" 20000 Avantgardisten in Parade vor dem Duce. Rom, 8. Sept. (DNB.) 20 000 Awcmtgardisten marschierten am Sonntagnachmittag vor Mussolini auf der Dia dell' Jmpero vorbei. Große Menschenmassen säumten die Straße, als Mussolini, begleitet von den Spitzen des faschistischen Staates, eintraf und vom Präsidenten der Opera Balilla begrüßt wurde. 6000 Offizieren der Opera Balilla, denen die Ausbildung und Schulung der Avantgardisten anvertraut ist, folgten 100 Feldgeistliche. Motorrad- und Fahrradabteilungen schlossen sich an, denen 24 Legionen der Campo Dux, zusammen 20000 Mann, folgten. Mit sichtlicher Freude und Zufriedenheit sah der Duce dem Vorbeimarsch der faschistischen Jugend zu. Die Menge brach verschiedentlich in laute Beifallsrufe aus, die gleichzeitig dem Duce und den Avantgardisten galten. Die Begeisterung kannte keine Grenzen, als aus der Menge Rufe laut wurden: „Abessinien soll unser sein!" Den Abschluß des Vorbeimarsches bildeten zwei Legionen Marine-Avantgardisten, Die kriegsmäßig ausgerüstet waren und sogar Maschinengewehre mit sich führten. Deutsche Frauen und Kinder vertaffen Abessinien. Addis Abeba, 7. Sept. (DNB.) Am 15. September reifen mit dem Dampfer „Adolf Woermann" zwölf deutsche Frauen und Kinder aus Dschibuti ab, die Abessinien verlassen haben. Weitere neun Anmeldungen zur Abreise liegen vor. Von der Gesamtzahl fino 18 Frauen und Kinder und drei Männer. Sämtliche Abreisen erfolgen auf eigenen Wunsch. Die Meldung, wonach die deutsche Gesandtschaft einen Sonderdampfer zum Abtransport der gesamten deutschen Kolonie angefordert habe, ist unrichtig. Sympathien für Abessinien. Addis Abeba, 7. Sept. (DNB.) 26000 berittene muselmanische Guragis haben sich am Samstag dem Kaiser in Addis Abeba als Frei- zu einer Bluttransfusion, von der sie sich eine Besserung für das Befinden Congs versprechen. Die Untersuchungen haben ergeben, daß die kugel den Wagen durchbohrt hat Große Besorgnis besteht, da man mit der Möglichkeit rechnen muß, daß die kugel vergiftet war und so zu einer inneren Blutvergiftung führen wird. Long war ursprünglich Anhänger Roosevelts und seiner neuen Wirtschaftspolitik, später wurde er ein erbitterter Kritiker. Durch geschickte politische Manöver und reichliche Gewährung von Protektionen hatte er sich in der Stellung als Gouverneur von Louisiana den Platz eines ungekrönten Königs verschafft. Der jetzige Gouverneur Allen ist sein naher Freund, und die gesetzgebende Versammlung des Staates befindet sich vollständig in seiner Hand. Die Oppositionspresse ist so gut wie ganz zum Schweigen gebracht und die Verteilung von Staatsämtern an seine Anhänger hat ihm die Kontrolle über die Verwaltung des Staates gegeben. Er war auf dem Felde der nationalen Politik als Führer der Bewegung erschienen, die für „Verteilung des Wohlstandes" eintrat. Alle Vermögen von mehr als 3 ober 4 Millionen Dollars sollten liquidiert werden, jeder Familie sollte ein bestimmtes Einkommen gesichert werden, und außerdem sollte jede Familie einen Kraftwagen und einen Rundfunkapparat erhalten. Kleine politische Nachrichten. Das Schweizer Volk lehnte in der Abstim- mung zum Volksbegehren auf eine Totalrevi- sion der Bundesverfassung diese mit rund 510 000 gegen 193 000 Stimmen ab, 19 Kantone haben das Begehren verworfen und nur 3 haben es oder Obervormann eingestellt werden und müssen sich auf mindestens sechs Monate verpflichten. Neben freier Verpflegung, Unterkunft, Bekleidung und Heilbehandlung erhält der Dormann eine Löhnung von 0,50 Mark, der Obervormann von 0,75 Mark täglich. 2. Bewerber, die noch nicht im Arbeitsdienst waren, müssen sich aus mindestens zwölf Monate verpflichten. Die auf zwölf Monate verpflichteten Bewerber werden nach sechs Monaten bei Eignung zum Vormann befördert. Die Meldung hat bei den Arbeitsgauleitungen oder Gruppen bis spätestens zum 20. September 1935 persönlich zu erfolgen. Schriftliche Anfragen werden nicht beantwortet. angenommen. Für das Volksbegehren ent» schieden sich die Katholisch-Konservativen, ein Teil der Bauernpartei, die Westschweizerischen Fördera- listen, sowie eine Anzahl Erneuerungsbewegungen, darunter die Nationale Front. D a g e g e n stimmten die Radikaldemokraten der Deutschen Schweiz, die Sozialdemokraten und ein großer Teil der Bauernpartei. Ausfallend st a r k ablehnende Resultate waren in den Grenzkantonen Basel, Zürich, Schaffhausen, Aargau St. Gallen zu Der» zeichnen. Eine französische Militärabordnung unter der Führung des Generals Loiseau hat sich gemäß den seinerzeitigen militärischen Abmachungen nach Sowjetrußland begeben, um „den taktischen Hebungen von Teilen der Roten Armee" beizuwohnen. Aus aller Welt. der kommunksttschen Liga gegen Krieg und Faschismus kamen, mit Tinte besudelt wurde. Beide Frauen behaupteten, daß sie das Tintenfaß nicht geworfen, sondern daß es im Laufe einer erregten Auseinandersetzung über die Afrika- Politik Italiens umgeworfen wurde. Vor Gericht wurde jedoch erklärt, daß eine der Verhafteten, die Nichte eines methodistischen Bischofs, das Tintenfaß dem Dizekonsul ins Gesicht zu schleudern versuchte. Sie wurde in Haft behalten. triebenen umfangreichen Eisenbahnnetzen in Bayern, Württemberg und in Mitteldeutschland. Die Elektrisierung der Strecke Nürnberg—Halle—Leiv» zig wird Arbeit schaffen im Werte von etwa 114 Millionen Mark. Rund 68 Millionen Mark ent» fallen hiervon auf den Bau ortsfester Anlagen und rund 46 Millionen Mark auf die Beschaffung neuer elektrischer Lokomotiven und Triebwagen. Diese großen Beträge bieten 11000 Arbeitern auf rund vier Fahre Arbeit und Brot. Zahlreiche Wirtschaftsgruppen der Industrie, des Handwerks und des Kleingewerbes erhalten so zusätzliche Beschäftigung. Hamburger Motorsegler im Sturm gekentert. Der Hamburger Motorsegler „Flottbeck", der der Reederei Tiedjen in Altona gehört, geriet auf der Fahrt von Danzig nach Riga vor Hela in einen Sturm und kenterte und sank sehr bald. Die Rettungsboote hatten sich von dem Schiff gelöst, und es gelang einem Teil der Besatzung, sich in das eine Boot zu retten. Der Kapitän schwamm auf das zweite Rettungsboot zu, das kieloben neben der Unglücksstelle trieb. An dieses Boot hatten sich zwei Mann der Besatzung geklammert. Plötzlich hörte der Kapitän von dem anderen Boot her Hilferufe, die dann aber bald verstummten. Auf mehrmaligen Anruf erhielt er keine Antwort mehr, so daß er annehmen muß, daß das andere Rettungsboot gesunken ist und die Insassen ertrunken sind. Den Schiffbrüchigen gelang es nach stundenlanger Arbeit, das gekenterte Boot umzudrehen und leer zu schöpfen. Sturm und Wellen trieben das Boot der Samländischen Küste zu. Erst am nächsten Tag landeten die Schiffbrüchigen mehr tot als lebendig in der Gegend von Palmnicken. Der Schoner hatte 13 Mann Besatzung. Da nur drei von ihnen gerettet sind, muß man damit rechnen, daß die übrigen zehn in den Fluten umgekommen sind. Tagung der Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes. In Breslau wurde eine Tagung der Schwesternschaft des Deutschen Roten Kreuzes, die die Angehörigen aller Mutterhäuser des Deutschen Reiches sowie die Vorsitzenden der Frauenvereine vom Roten Kreuz zusammenführte, von Professor Dr. Stahl (Berlin) eröffnet. Der Sinn der Tagung, so erklärte er, sei die Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und die Ausbildung und Fortbildung der Schwestern. Die Schwesternschaft habe eine neue Dienstordnung erhalten, doch soll jede Gleichmacherei vermieden werden. Entscheidend sei immer die Leistung und die Gewinnung echten nationalsozialistischen Gedankengutes. Den Geschäftsbericht erstattete Generaloberin von Oertzen, die als bedeutendstes Ereignis des vergangenen Geschäftsjahres die Uebernahme der Schirmherrschaft durch den Führer hervorhob. Ministerialrat Ruppert wies auf die Verfügung des Stellvertreters des Führers hin, nach der das Deutsche Rote Kreuz als Träger der völkerrechtlichen Aufgaben auf Grund der Genfer Konvention als em notwendiger Bestandteil des nationalsozialistischen Staates zu gelten hat. Weiterhin betonte der Redner die gute freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen dem Deutschen Roten Kreuz und allen Parteistellen, insbesondere dem Hauptamt für Volkswohlsah^. Landesoberverwaltungsrat Dr. T h o n k e (Berlin) sprach über den „Gemeinschaftsgedanken" in der deutschen Gesetzgebung". Don der Bedeutung des Frontsoldatengeistes ausgehend zeigte der Redner, wie der Nationalsozialismus den Opfersinn, der sich an der Front bis zum Tode bewährt habe, in unsere Zeit hinübergerettet hat. Prof. Dr. S t o l t e (Breslau) sprach über „Moderne Säuglingspflege und Ernährung . Ferner wurden aus den Kreisen der Schwestern Berichte der verschiedenen Arbeitsgebiete gegeben. Frau Oberin Port (Berlin)^sprach über „Das Mutterhaus vom Roten Kreuz", das der Schwester die Sorge des Existenzkampfes und die Angst vor Vereinsamung im Alter nehme. Anschließend berichteten Schwestern aus dem Reich über Einzelgebiete ihrer Arbeit. Aus ihren Vorträgen ging hervor, daß die Schwestern in Krieg und Frieden, im Krankenhaus, im Entbindunas- und Säuglingsheim, in der offenen und geschlosse- nen Fürsorge wichtige Helferinnen im Dienst der Allgemeinheit sind. TTlafienoerbrennung der Opfer der amerikanischen Orkankalaslrophe. Auf Anweisung des Staatsgouverneurs von Florida wurde mit der Verbrennung der Opfer der letzttägigen Orkankatastrophe auf der Inselkette der Florida-Keys begonnen, nachdem vorher Geistliche der verschiedenen Glaubensbekenntnisse die Einsegnung vorgenommen hatten. Die Verbrennung der Mehrzahl der Todesopfer erfolgte entgegen der Anweisung von Präsident Roosevelt, die umgekommenen Kriegsteilnehmer zu beerdigen, da infolge des tropischen Klimas die rasch in Verwesung übergegangenen Leichen eine schwere Gesundheits. gefaxt darstellten und andererseits die Korallenfelsen der Insel keine Beerdigungsmöglichkeit bieten. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Die Nacht zum Montag brachte einem großen Teil unseres Gebietes bei heiterem Himmel kräftige Ausstrahlung, so daß die Temperaturen auch in den Niederungen vielfach bis zu plus drei Grad zurückgingen und starke Nebelbildung aufkam. Inzwischen hat sich uns sowohl von Norden, als auch von Südwesten her ein Schlechtwettergebiet genähert, das sich im Lause des Montags durch Schauerneigung bemerkbar machen wird. Die Wetterlage wird mit dieser Entwicklung wieder etwas unbeständiger werden, doch ist eine durchgreifende und nachhaltige Verschlechterung der Wetterlage unwahrscheinlich. Aussichten für Dienstag: Wolkig bis heiter, doch leicht unbeständig, nach Norden und Osten hin Schauerneigung, für die Jahreszeit zu kühl, um Norden schwankende Winde. Lufttemperaturen am 9. September: mittags 15,5 Grad Celsius, abends 7,4 Grad; am 9. September: morgens 5,9 Grad. Maximum 16,9 Grad, Minimum 2,9 Grad. Erdtemperaturen in 10 Zentimeter Tiefe: am 8. September: abends 14,2 Grad, am 9. September: morgens 11,5 Grad Celsius. — Son« nenfcheindauer 31 /2 Stunden. — Niederschläge keine. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VIII. 35: 9838. Druck und Verlag: Brühl'sche Hniversitäts-Buch- und Stein- druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Deutsche Segelflug-Expedilwn nach Japan. Am 17. d. M. begibt sich eine deutsche Segelflieger-Expedition von Berlin aus nach Japan, um dort Schulungskurse für Motor- und Segelflieger abzuhalten. An Material ist die Expedition u. a. mit einer Klemm-Maschine, mit zwei Hochleistungs-Segelflugzeugen und mit den dazu gehörigen Transportwagen ausgerüstet. Die Schulungskurse, die auf japanische Einladung erfolgen, führt einer unserer besten Segelflieger, der Leiter der Reichs-Segelfliegerschule auf dem Homberg, Segelfliegerkapitän Wolf Hirth. Unterstützt wird Hirth von dem Segelfluglehrer Karl Baur von der flugtechnischen Fachgruppe Stuttgart und von dem Segelflieger und Monteur Hans Stolz von der Reichssegelfliegerschule Homberg. Durch diese Schulungskurse, die in der Nähe von Tokio stattfinden werden, sollen japanische Motorflieger und fortgeschrittene Segelflieger weitergebildet werden. Der Erreger der epidemischen Schlafkrankheit festgestellt. / Dem jahrelangen Studium des deutschen Arztes Professor Dr. Grauert in Yokohama soll es gelungen sein, den Erreger der epidemischen Schlafkrankheit zu entdecken. Die epidemische Schlafkrankheit, die in Japan jährlich eine große Zahl von Todesopfern forderte, beschäftigte schon immer japanische und ausländische Gelehrte, ohne daß es bisher gelang, ihren Erreger festzustellen. Zu ihrer Bekämpfung wurde größtenteils das deutsche Präparat „Germanin" verwandt. Sollte die Meldung über die Entdeckung Dr. Grauerts, mit der sich die wissenschaftlichen Institute bereits beschäftigen, zutreffen, dürfte ein neues Stadium für die Bekämpfung dieser Geißel der Menschheit eingetreten sein. Verhaftungen wegen Höchstpreisüberschreitung. Auf Grund der Verordnung des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft vom 27. Februar 1935 über die Regelung des Verkehrs mit Schlachtvieh sind in Leipzig zehn Großschlächter des Schlachthofes in Haft genommen worden. Ihnen wird Höchstpreisüberschreitung bis zu elf Mark pro Zentner zur Last gelegt. Reichsbahn elektrisiert die Strecke Nürnberg—halle—Leipzig. Im Nahmen der Elektrisierungsarbeiten an der großen Verbindung Berlin—München- Kufstein beginnt die Deutsche Reichsbahn in den nächsten Tagen mit der Bauausführung im Streckenabschnitt Nürnberg — Halle — Leipzig. Dieser für die Bedienung des durchgehenden Nord- Süd-Verkehrs besonders wichtige Streckenteil hat eine Länge van 350 Kilometer. Ihm kommt besondere Bedeutung zu, da gerade in diesem Abschnitt die großen Höhen des Thüringer Waldes überwunden werden müssen. Außerdem ist er das verbindende Glied zwischen den bereits jetzt elektrisch be- Die Gejmwahlen in polen. Noch kein Ueberblick über die Wahlbeteiligung. Warschau, 9. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die gestrigen Sejmwahlen sind im allgemeinen ruhig verlaufen. Zu größeren Zwischenfällen kam es in einigen Ortschaften der Provinzen Warschau und Posen, wo nationalistische oppositionelle Elemente die Wahllokale zu Demolieren versuchten. In zwei Fällen mußte die Polizei von der Schußwaffe Gebrauch machen. Drei Verwundete starben an den Verletzungen. In drei Dörfern des Kreises Mirfitz wurden die Wahlakten und Wahlurnen vernichtet. Vielerorts war die Polizei gezwungen, Agitatoren zu verhaften, die Flugblätter mit Boykottaufrufen verteilten. Heber die Wahlbeteiligung läßt sich vor Bekanntgabe der amtlichen Zählung nichts sagen. Die Schätzungen der Oppvsitionspresse, daß sie nur etwa 30 v. H. betragen habe, dürften erheblich zu niedrig gegriffen sein. Ein genaues Bild läßt sich noch nicht gewinnen, da Kreise vorliegen, mit 70 v. H. Wahlbeteiligung und andere mit 20 v. H. und da von einem großen Teil der Kreise überhaupt noch alle Ziffern fehlen. — Die Wahlbeteiligung hat zweifellos, abgesehen von der Agitation der Oppositionsparteien, stark gelitten unter dem U n ro e 11 e r, das den Wahltag in ganz Polen auszeichnete. Schließung deutscher Minderheiten- fchulen in Posen rückgängig gemacht. Bromberg, 7. Sept (DNB.) Auf Anordnung der polnischen Schulbehörden waren mit Beginn des neuen Schuljahres mehrere deutsche INinderheitenfchuten in den Kreisen Drom- berg, Hohensatza und Wongrowih geschlossen worden, obwohl in den meisten Fällen die erforderliche Zahl von deutschen Schulkindern vorhanden ist. Aus den Einspruch der deutschen Vertreter haben die polnischen Behörden nunmehr veranlaßt, daß die Schließung der deutschen INinderheitenschulen entweder verschoben oder rückgängig gemacht wird. So sind in drei Fällen die geschlossenen deutschen Schulen wieder geöffnet worden, in zwei weiteren Fällen, und zwar im Kreise Bromberg und im Kreise Wongrowih, liegt die Zusage der polnischen Behörden vor, daß eine Auslösung der Schulen bis auf weiteres, d. h. bis ein ministerieller Entscheid vorliegt, aufgeschoben wird. Ausschreitungen gegen den italienischen Dizekonsul in Neuyork. N e u x) o r f, 9. Sept. (DNB. Funkspruch.) Als jüngstes Beispiel von Ausschreitungen gegen Angehörige fremder Nationen seitens amerikanischer Bürger meldet „New York Times", daß der italienische Vizekonsul Prinz Colonna, am Samstag von zwei Amerikanerinnen, die ihn vorgeblich um Auskunft ersuchen wollten, tatsächlich aber im Auftrag im Alter von 72 Jahren. (geübte 5042O 5110 D aeinebt. Schulstraße 7. Die trauernd hinterbliebenen Kinder. Birklar, den 9. September 1935. Die Beerdigung findet Dienstag, den 10. September, nachmittags 3 Uhr, in Birklar statt 5113 D 5107D Kaffeebehälter. Werbe-Drucksachen bei Brühl, Schulstr. 7 P Einspaltige | Kleinanzeigen Vuchblndever- ArlfsavbeNevw Die trauernden Hinterbliebenen Frau Emilie Trinkaus Familie Gustav Trinkaus Familie Gustav Braun. Qphapmann Gerichtsvollz., Gießen, ObUdl Uldllllj Wernerw.33, Tel.3108. Tanzen lehrt in Einzel- stund. u. Kursen Tanzschule Bäulke Wolfstraße bl Ruf 3835. 3915D Bürobedarfshaus Franz Vogt & Co Gießen , Seltersweg 44 Ruf: 2464 od. nur Schreiblisch mit Sessel und Bücherschrank, eventuell auch Wohnzimmer zu kaufen. Schr. Ang. unt. 03767 a.d.G.A. iiiiiiiiniiiHriiiiiiiiiiiiii Zur Beratung erfrischender Brant-Limonade, •uch gegen Sodbrennen. Magentiure. Macht die Spattan laicht rerdaulleh. Darf In hatnar Köche fahlen. Verlangen Sie auedröchllch dar echte Ka iser-Netron M grüner Original-Packung, niemalt lote. In den meinten Oetchi/ten. Rezepte grelle. Arnold Holde Wwe. Biete leid. (3). Swangsvevsteigerung Dienstag, den 10. Sevt. 1935, 14 Uhr, sollen im „Löwen" hier, Neuenweg 28, bezw. an Ort und Stelle (Bekanntgabe in obigem Lokal) zwangsweise gegen Barzahlung versteigert werden: Haus», Laden» und Büromöbel all. Art, Schreibmasch., Mörtelmaschine,1 Klavier, 2 Eisschränke, 1 Ladenkasse, 2Oefen, 2 Kassen- schränke, 1 Schnellwaage, ein Grammophon, 2 Gasautomaten, 1 Badeofen, 4 Einschlaglupen, 1 Mikroskop. Bestimmt: Mehrere Flurgarderoben, 1 Schrankgrammovhon, ein Fernglas, 1 Oelgemälde, einen Gießen (Seltersweg 50). 8. September 1935. Die Beerdigung findet Dienstag, 10. Sept.nacbm. 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. — Von Beileidbesuchen bitten wir höflichst abzusehen. Am 2. September entschlief nach kurzem Leiden meine liebe Frau Anna Margarethe Nuhn, geb.Hopp Die trauernden Hinterbliebenen: Friedrich Nuhn. Obstversteigerung. Am Freitag, dem 13. September 1935, findet die Obstversteigerung der hiesigen Gemeinde statt. Zusammenkunft am Ortseingang Gießener Straße. Beginn 8.30 Uhr. Anschließend 3.30 Uhr wird das Obst der Gemeind« Bergheim versteigert. Grüningen, den 7. September 1935. Bürgermeisterei. Heute entschlief sanft nach kurzem Leiden unser innigstgeliebter Vater, Schwiegervater und Großvater, der pensionierte Gräfliche Gärtner von Solms-Laubach zu Kloster Arnsburg Christof Koch. ßosch DIENST Manhläooo von3 bis 20v.H. erhalten Sie bei wieder- NdulllduuU holten Veröffentlichungen einer Anzeigei findet am Dienstag, dem 10. September, nachmittags 2 Uhr, auf dem Neuen Friedhof statt. — Um zahlreiche Beteiligung bittet die Führerschaft. _________________________ 5116 d Am 7. September entschlief sanft nach schweren, mit grober Geduld ertragenen Leiden mein guter Mann, unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel Gustav Trinkaus Die Beerdigung unseres lie- den Kameraden Gustav Trinkaus Kriegerkameiadsdialt 1874 Gießen Als Ergänzung des Vortrages findet eine Kochkunst-Vorführung kalt. - Heimatliche Nahrungsmittel: Ge- muie, Obst, Getreide, Milch. 6056d Reichlich Kostproben! Unkostenbeitrag: 30 Bf. Wir laden hierzu jedermann, Herren und Damen llstd auch die Jugend ein; wir bitten Taste, kl. Teller, Gießen, den 9. September 1935. Die Beerdigung land in der Stille statt, ____________________________________________________________________________5114 D Lede geW NW! Vollkommene Gesundheit ist die Grnnd« läge für größte Leistungen bis ins hohe Alter und alle Höherentwicklung. Oeffentlicher Vortrag über das Themar Zerrüttete Nerven und ihr Neuaufbau! Nervenleiden kommen nicht wie ein Blitz aus heit. Himmel. Was macht uns krank? Was heißt „krank sein?" Können wir dem vorbeugen? Neue Wege zu bess.Gesundheit Montag, v.Sevt. 1935,20 Uhr, im Hotel Bayr.Hof, II Bückinge P sund 30 Pf. II Feliherinfie 4 Stück 25 Pf. II Matjesheringe Stück 10 Ps. II RoilfflODS Stück 10 Pf. frisch eingetroffen bei 03793 Georg Wallenfels an derEnQelapotheke Gebraucht, weiß. Herd zu verkauf. Preis 20 Mk. 03794 Am Steg 1 vart. WeiObinderhebel Tomatenpfähle gibt in groß. Anzahl btU. ab 03786 Heinrich Arnold Marktplatz 18. | Kaufgesuche | Bauplatz Cd. 500 qm, zu kaufen gesucht. Schristl. Angeb. (m. Preis u. Lage Bedingung) unt. 03788 an den Gießen. Anzeig. iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Suchegebraucht. 18-203., a.15.9. ges. Borzustellen ab 15 Uhr. Wo? sagt d. Geschäftsstelle d. Gießener Anzeigers. 03734 Verkäufe : Mqrsteller.__ werden zum ermäßigten Grundpreis von 5 Pf. für die Mllllmeterzelle veröffentlicht! Wissenschafti. Werke Sondergebiet der Briihl’schen Druckerei [Stellenangebote) Tüchtiges iWSlMUN aus gut. 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Sie erhöhte sich stetig, bis dann Kraft- waaen und Flugzeug ihre neuen Schrittmacher i wurden. Welche großen technischen Leistungen aller I Art zu vollbringen waren, bis an die Einführung । der neuzeitlichen Geschwindigkeiten gedacht werden ! konnte, wird dabei oft übersehen, weil es im Ver- ; lauf weniger Jahre geschah. In Verbindung , mit dem politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklungsgrade eines Landes sind als bedeutungsvoll dafür z. B. zu nennen: genügende Dichte des Verkehrsnetzes und Länge der Strecken, die Zughäufigkeit und Güte des Oberbaus und der Brückenbauten, die Gleiszahl, die Zuggewichte, die Stärke der Antriebskraft und deren Art, der Kur- venhalbmesser, die Stärke der Steigungen und die Bremsfähigkeit der Züge, die Ausbildung des Sicherheitsdienstes, die Aufenthaltsdauer und die Betriebsmittelausstattung, die Regelmäßigkeit und Pünktlichkeit des ganzen Betriebes und nicht zuletzt die Durchbildung und Zuverlässigkeit des Personals. Jedes dieser wahllos aneinander gereihten Stichworte enthält ein Programm für sich, in dem eine Unsumme von Arbeit und langjährigen Versuchen, von Erfahrung und Erziehung beschlossen liegt. Geschwindigkeiten über 12 0 km/st sind zur Zeit auf der Erde nur in USA. und in Deutschland regelmäßig eingeführt. Sie haben also die schnellsten Züge. Die mit der Stromlinien-Dampf- lokomotive in Probefahrten bei uns erzielte Höchstgeschwindigkeit von 175 km/st muß hier vorläufig außer Ansatz bleiben, dagegen nicht die regelmäßig gefahrene von 160 km/st des „Fliegenden Hamburger s". Die Reichsbahn legt weniger Gewicht auf einzelne Höchstleistungen in ihrem Betriebe, als auf eine allgemeine Beschleunigung aller Zugarten, also der Schnell-, Personen- und Güterzüge. Wenn sie am 15. Mai v. I. einige wichtige Schnellzugstrecken mit 120 km/st ausgebaut hat, so traten an demselben Tage dieses Jahres 14 neue Verbindungen mit hoher Geschwindigkeit in Kraft, unter denen einige als kD-Züge geltende Schnelltriebwagen sich auszeichnen, die z. B. auf der Strecke Berlin-Zoo—Hannover 132,5 km/st, auf der Strecke Leipzig—Berlin (Anhalter Bahnhof) 129,8 km/st Reisegeschwindigkeit haben. Bei dem verhältnismäßig kleinräumigen Deutschland haben solche Geschwindigkeiten natürlich eine viel einschneidendere Bedeutung als in weiträumigen Ländern mit sehr langen Eisenbahnstrecken. Wenn auch in den Vereinigten Staaten in einem Falle eine Höchstgeschwindigkeit von 192 km/st erreicht und eine stromlinienförmige Schnell- zuglokomotioe mit Leistungen bis zu 180 km/st entwickelt worden ist, so liegen die Durchschnittsge- schwindigkeiten im allgemeinen doch bisher nicht sehr weit über 100 km/st." bleuere Probefahrten ergeben allerdings schon weit höhere Zahlen. Ein Dreiwagenschnellzug leistete 145 km/st und die schnellsten Eilgüterzüge haben wie in Deutschland 80 bis 90 km st. Das sind Geschwindigkeiten, die in den meisten anderen Ländern nur selten erreicht werden. Der Schnellzug Moskau—Wladiwostok durchmißt die etwa 9300 km lange Strecke in r u nd neun Tagen mit einem Durchschnit do n 42 km/st. Man sieht hier einen gewaltigen, nicht von ungefähr herrührenden Abstand gegen die vorgenannten Zahlen, und man wird an der Entwicklung des russischen Eisenbahnwesens deutlich immer den Stand seiner Gesamtentwicklung feststellen können! Lehrreich ist auch der Vergleich des Simplon-Orient- Expreßzuges mit dem Taürusexpreß. Denn während jener europäische Schnellzug die 3000 Kilometer betragende Strecke Paris—Istanbul in 49 Stunden 45 'Minuten, also mit 50 Kilometer in der Stunde zurücklegt, braucht der Taurusexpreß jenseits des Bosporus von Haidar-Pascha bis Teheran auf der Internationale EisenbahngeschwinWeiten Deutschlands Leistungen sind bahnbrechend und vorbildlich. gewirkt und wird nach Ausführung der weitere» für die Geschwindigkeitssteigerung auf der Schiene bestehenden Pläne im Zusammenhang mit dem Aus» bau der Reichsautabahnen das erste Lane der Erde sein, dessen Gesamtverkehrsnetz auch tu dieser Hinsicht die einheitlichste und sicherste Durch« bildung aufweist, wenn es sich auch nicht zu bemühen braucht, einzelne Spitzenleistungen zu erzielen, wie sie für weiträumige Länder auf den Langstrecken eine unabweisbare Notwendigkeit werden dürften. Sm. digkeiten vorzunehmen. Erwähnenswert ist hier des Beispiels halber, daß in Französisch-Aequatorial- Afrika, das auch unser altes Kamerun umfaßt, neben dem Eisenbahnbau ein Kraftwagen-Straßennetz von 12 000 Kilometer Länge ausgebaut ist mit dem Zweck des Zubringerdienftes an die Bahnlinien. Es ist für solche in der Entwicklung begriffenen Neuländer eine sehr wirksame und verhältnismäßig billige Art der aufschließenden Durchdringung. Deutschland hat bei der Einführung der Neuzeit- lichen hohen Geschwindigkeiten bahnbrechend Herr I ö ck e l, sprach dann allen Mitwirkenden herzlichen Dank aus und gedachte dabei des Mannes, der durch sein selbstloses Wirken für das ganze deutsche Volk auch diese schöne Feier erst ermöglicht habe, des Führers und Reichskanzlers Adolf Hit- l e r. Dem Führer galten die dreimaligen, freudigen Sieg-Heil-Rufe, denen der Gesang des Horst-Wessel- Liedes folgte. Mit gemeinsamem Choralgesang und nochmaligem Spiel des Posaunenchors fand der Familientag seinen Abschluß. Zeitschristen. — „D a s I n n e r e Reich." Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deutsches Leben. Preis pro Heft 1,80 Mk., vierteljhrlich 4,80 Mk. Verlag Albert Lan- aen/Georg Müller. — Dem Septemberheft der von P. Alverdes und K. B. von Mechow betreuten Zeitschrift kommt deshalb besondere Bedeutung zu, weil es eine stattliche Anzahl wertvoller Beiträge enthält, in denen erneut der schöpferische Reichtum der gesamtdeutschen Dichtung sich kundtut. Ein bis auf den heutigen Tag fortwirkendes Beispiel dafür ist Adalbert Stifters Aufsatz „lieber Stand und $ßürDe des Schriftstellers", der als eines der schönsten Zeugnisse unseres geistigen Erbes lebendigen Anteil hat an der Erneuerung unseres deutschen Geisteslebens. In diesem Zusammenhang ver- dient auch Albrecht Fabris „Brief über Adalbert Stifters Nachsommer" lobende Erwähnung. Etwas von dem unvergänglichen Geiste Stifters lebt auch in dem jungen Oesterreicher Franz Turnier, der zum ersten Male mit einer größeren Prosa-Arbeit hervortritt. Seine Erzählung „Das Tal von Lausa und Duron" — von ßebeflt und Tod eines jungen Menschenkindes handelnd — verrät eine ungewöhn- liche Reife. K. B. von Mechow hat in einem eigenen Aufsatz auf das Werk dieses fast noch unbe- kannten Dichters hingewiesen. Unter den übrigen Beiträgen sei vor allem aufmerksam gemacht auf die Erzählung „Die Heimat in Böhmen" von Bruno Brehm und „Herr, bist Du's?" von Joachim von der Goltz, auf die sorgfältige Auswahl fein empfundener Gedichte von Ludwig Friedrich Bar- thel, Kilian Kerst, Rudolf Kreutzer, Horst Lang« und Georg von der Dring, des weiteren auf den prächtigen Aufsatz Oberst Kraffts über „Gottlieb Graf von Haeseler" und endlich auf den durch vor» züglich gelungene Bildwiedergaben illustrierten Aufsatz „Das Gesicht einer Landschaft" von dem Innviertler Maler Josef Karl Nerud. Nach der kritischen Seite hin erfährt das Heft eine ergänzend« Abrundung durch die von Paul Alverdes und Han§ Weigert angestellten Betrachtungen über einige grundlegende tunst- und sprachwissenschaftliche Werk« unserer Zeit. Die Angehörigen der Matthäusgemeinde waren auf den gestrigen Sonntagnachmittag zu dem alljährlichen Gemeindetag, veranstaltet von der Männer- und Frauenvereinigung der Matthäusgemeinde, auf den Schiffenberg eingeladen. In überaus großer Zahl waren die Männer und Frauen fowie die Kinder der Gemeinde dem Rufe ihres Gemeindepfarrers und des Führers der Männer- und Frauenvereini- gung gefolgt. Zu Fuß, mit mehreren Autobussen der Reichspost, mit der Bahn und mit Sommerwagen strebten die Besucher dem Schiffenberg zu, wo sich auf dem weiten Platze vor der ehemaligen Kapelle eine, sehr stattliche Gemeinde versammelte. Der Posaunenchor von Lang-Göns unter Leitung von Herrn Boller eröffnete den Familientag mit feierlicher Musik, der ein gemeinsamer Ge- sang der Gemeinde im Wechsel mit dem Frauenchor unter Leitung des Stadtorganisten Simon folgte. Hierauf entbot der Gemeindepfarrer Propst Knodt seinen und des Führers der Männer- und Frauenvereinigung herzlichen Gruß, ferner sprach er allen Helfern bei der Vorbereitung und der Durchführung des Gemeindetages aufrichtigen Dank aus. Er wies weiter darauf hin, daß man zum ersten Male den Gemeindetag auf dem Schiffenberg veranstalte und damit ein gewisses Wagnis übernommen habe, aber der starke Besuch und die ausgezeichnete Stimmung zeugten dafür, daß dieses Wagnis in vollem Ausmaß geglückt sei. Sodann stellte Propst Knodt den Sinn des Gemeindetages in Beziehung zu der altehrwürdigen Stätte des Schiffenbergs, um dann noch seiner besonderen Freude darüber Ausdruck zu geben, daß es ihm bei dieser Veranstaltung möglich sei, als neuer Pfarrer der Matthäusgemeinde zum ersten Male einem großen Kreise der Gemeinde bekannt zu werden. Im Anschluß an einen Choralgesana des Frauenchors hielt Studienrat Reinhardt eine Ansprache, in der er an Hand eines Wortes aus dem 26. Psalm und eines Wortes aus dem 2. Korintherbrief die Frage „Warum haben wir unsere Kirche lieb?" beantwortete. Genau so wie jeder wahre deutsche Mann und jede deutsche Frau unser deut- sches Vaterland von ganzem Herzen lieb haben, genau so liebe jeder evangelische Mann und jede evangelische Frau die evangelische Kirche. Sie lieben die Kirche als die Kirche des Glaubens, als die Kirche des Wortes Jesu Christi, als die Kirche des. Kampfes für dieses Wort, als die Kirche des Friedens und als die Kirche unseres deutschen Volkes. Das evangelische Volk bete, rede und arbeite für feine evangelische Kirche, um ihrer Herrlichkeit willen, erfüllt von der Zuversicht des evangelischen Glaubens. Gemeindegesang und ein Chor des Lang-Gönser Posaunenchors bildeten den Abschluß des ersten Teils der Veranstaltung. Im zweiten Teile des Nachmittags erfreute der Posaunenchor Lang-Göns wiederum durch vortreffliche Darbietungen, ebenso der Frauenchor mit seinen schönen Gesängen. Kinder aus der Kinderkirche bereiteten mit Reigentänzen usw. viel Freude, ferner wurden gemeinsam schöne alte Volkslieder gesungen. Der Schisfenberg-Wirt L y n ck e r hatte für guten Kaffee und Kuchen gesorgt und auch andere Erfrischungen zur Verfügung der Gäste gestellt. Die Kinder der Gemeinde wurden, wie immer bei dem Gememdetag, durch die Verteilung von Brezeln erfreut und ihnen damit der Höhepunkt des Festes bereitet. Der Führer der Männer- und Frauenvereinigung, deren Linien. Infolge einer in Frankreich bestehenden Vorschrift dürfen hier die Züge aller Bahnen nicht mit einer größeren Geschwindigkeit fahren als 120 km/st, so daß die neuerdings erzielten Leistungen sich im allgemeinen um 100 Stundenkilometer bewegen, wenn auch eine Reihe von Strecken mit Schnelltriebwagen und Dampflokomotiven darüber hinausraat und einige wenige bis 114 km/st erreichen. Die Fahrt Berlin—Paris zeigt eine Reifegeschwindigkeit von 83 km/st, Paris—Warschau 73 km/st, dagegen haben die Strecken Paris—Rom und Paris—Bukarest eine Reisegeschwindigkeit zwischen 60 bis 70 km/st. Jedoch sind auch in Frankreich Versuchsfahrten mit weit höheren Schnelligkeiten, in einem Fall bis zu 190 km/st, erreicht worden, so daß auch hier mit einer Umstellung gerechnet werden dürfte. In England, Oesterreich, Italien, Schweden, Norwegen, Belgien und den Niederlanden sind besonders durch Triebwagen und Anlage elektrischer Bahnen ebenfalls die Bahnschnelligkeiten allgemein wesentlich gesteigert worden. Hier kommen allerdings meistens ja kürzere Strecken und nur wenige lange in Betracht. Der japanische „Asia-Expreh" der südmandschurischen Eisenbahn befährt die 700 Kilometer lange Strecke Dairen—Hsinking mit einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/st und einer Reisegeschwindigkeit von 83 km/st. Er gibt also, als einziger Zug seiner Art in den nicht zu Nordamerika und Europa gehörenden Festländern den deutlichen Beweis für den hohen Entwicklungsstand Japans, weil allein durch die Tatsache seines Bestehens die Erfüllung aller der vorher erwähnten Voraussetzungen ange- zeigt wird. Bei ihm ist bemerkenswert, daß nicht nur die Lokomotive, sondern auch die Wagen Stromlinienform erhalten haben. (Nebenbei bemerkt, kostet die Fahrt für die 700 Kilometer erster Klasse etwa 26, dritter Klasse etwa 12 Mark, auch ein Beweis für die billige Arbeit der japanischen Industrie!) In Japan selbst wird die Strecke Tokio—Kobe (rund 600 Kilometer) mit 67 km/st Reisegeschwindigkeit durchmessen: die Stromlinienform dürste aber bald auch hier höhere Leistungen gestatten. Auf Java erreicht der schnellste Zug 75 km/st Durchschnittsfahrt, während in Südafrika die neuen Reisegeschwindigkeiten sich zwischen 35 und 57 km/st bewegen. Der früher größere Unterschied zwischen Berg- und Talfahrt ist stark vermindert. Neuseelands schnellster Zug hat eine Reisegeschwindigkeit von 47 km/st. In Marokko fährt ein elektrisch betriebener Zug 70 km/st und in Argentinien entwickelt der schnellste 56 km/st. Die wenigen Stichproben geben eine ungefähre Vorstellung auf gedrängtem Raum von dem augenblicklichen Stand der internationalen Eisenbahngeschwindigkeiten, die vor dem Kriege in Deutschland bis 90, in England und Frankreich bis 99 und in USA. bis 111 km/st im Höchstmaße erreichten, während fast alle anderen Staaten erst in weitem Abstand folgten. Es ist wohl nur ein Augenblicksbild, das wir festhielten, denn nirgendwo ruht der uralte Drang nach Schnelligkeitserhöhung der Beför- berung von Menschen und Gütern, und schon regt Beispiel und Erfahrung der alten Eifenbahnländer auch die anderen Länder an, soweit Bedürfnis, , Geldmittel und die andern Voraussetzungen aus- • reichen, eine Umstellung ihrer Eisenbahngeschw'm- nur wer selbst ergriffen ist, vermag zu ergreifen! Diderot aber hat in seinem berühmten „Parador über die Schauspieler" jeden „fühlenden Mimen' für einen Stümper erklärt. Wo liegt angesichts dieser verschiedenartigen Erklärungen die richtige Deutung? Sicherlich allein im Wesen jedes einzelnen Schauspielers. Während bei dem einen Darsteller eine gedankliche Erfassung der Rolle vorwiegt, gibt es Spieler, die sich über ihrer Rolle ganz vergessen, und es ist» müßig, die eine Art der Auffassung und Darstellung über die andere zu erheben. Beide haben auf den weltbedeutenden Brettern schon große Siege über Geist und Herz der Zuschauer davongetragen. Eine Reihe von Beobachtungen und Aeußerungen zeigt uns, daß es in der Geschichte der Bühnentunst Darsteller gegeben hat, die sich schon viele Stunden vor der Aufführung in ihre Rolle hineinlebten. Wandelte der Schauspieler Fleck am Morgen eines Tages, an dem er abends den Lear oder Macbeth zu spielen hatte, durch die Straßen von Berlin, lag etwas so Königliches in seiner Haltung, daß sich die Leute zuflüsterten: „Der Fleck ist schon Monarch vom Kopf bis zur Zehe!" Nach Beendigung der Vorstellung war der sonst so sanfte und gutmütige Mann oft noch so in Raserei, daß er sich zu Gewalttätigkeiten hinreißen ließ. Don D e v r i e n t wird erzählt, daß er manchmal den König Lear nicht zu Ende spielen konnte, weil ihm der Schmerz, der ihn dabei erfüllte, fast das Herz zu zerreißen drohte. Einmal fiel er beim Todeskampf auf der Bühne in Ohnmacht, und als er wieder zu Bewußtsein kam, sagte er verwundert zu den Umstehenden: „Ich dachte, ich sei gestorben". Die D u s e sprach von einem nachtwandlerischen Gefühl, das sie auf der Bühne ergreife. Andere große Schauspieler leugnen dagegen jedes Gefühl beim Spiel und sehen in ihm das Zeichen des Dilettantentums. So meinte Coquelin, als Anfänger fei er einmal vor Rührung ohnmächtig geworden, aber das sei eine „Jugendeselei" gewesen, und jetzt würde er sich schämen, wenn ihm so etwas geschehe. Und S a l v i n e behauptete, er könne jeden Augenblick jede Szene spielen, ohne das geringste zu empfinden. „Ich habe ja alles früher einmal durch- lebt, als ich die Rolle studierte; damals vollkommen, bis zum körperlichen Schmerz. Aber seitdem ich sie beherrsche, kümmere ich mich darum„ nicht mehr, seitdem habe ich alles am Schnürchen." Hier wurde also der Vorgang des Einswerdens mit den Gestalten der Dichtung in die Zeit des Rollenstudiums vorverlegt, und es ist anzunehmen, daß auch die anderen Leugner jeder Mitempfindung mit den dargestellten Menschen eine geistige Mus- gefangen nimmt, so zweifeln wir nicht daran, daß der Schauspieler die Leidenschaften des Wesens, das er verkörpert, in ihrer ganzen Tiefe empfindet. Demgegenüber aber steht Die Meinung etwa eines Riccoboni, zu der sich auch Lessing bekannte, es sei ein Unding, daß der Komödiant, der genau wisse, baß alles nur Schein sei, wirkliche Empfindungen haben solle. Muß er, der mit Sicherheit und Disziplin die Gestalten des Dichters darstellen soll, nicht gelassen über der Dichtung stehen? Ebenso bestimmt aber fordern andere Betrachter der Schauspielkunst, wie Sainte Albine, daß eine „glückliche Raserei" eine unerläßliche Bedingung der Schauspielkunst sei; nur wer selbst gerührt ist, vermag zu rühren, Gendarm und vertrieb sie. Aber sie kehrten bald mit vollen Flaschen zurück. Eine Bank aber ließen sie immer frei, und zwar für das Kirschenfräulein, das mit blauen Lippen hinter seinen Körben saß und auf Käufer wartete. Sie trug einen breiten Sonnenhut, strickte und aß Kirschen. Am Sonntag kamen die Bremer Segelboote, und bann gab es eine Regatta. Der Sommer war so lang wie eine halbe Ewigkeit, und vielleicht war sogar die Sonne damals stärker und mächtiger. Rechts vom Telegraphen aber — du siehst die helleren Bäume, es sind Kastanien — liegt Wilkens Garten. Dort habe ich mit drei Jahren meinen ersten Rausch bekommen. Ein Freund meines Vaters, der mit uns am Tisch saß, spendierte für mich ein kleines Glas Bier. Ich soll mein Bett in schlechter Haltung erreicht haben, erzählt meine Mutter. Sodann erschien eines Tages in diesem Garten jener Kapitän aus Köln, der auf langen Röhren übers Wasser laufen konnte und der Stadt seine Kunst zeigte. Unser Kapellmeister Drohle, des ihm gleichtun wollte und sich die Röhren unter die Füße schnallen ließ, fiel mit seinem schwarzem Gehrock ins Wasser und wurde pudelnaß herausgezogen. Das ist meine geliebte Kaje. Links vom Telegraphen liegt eine Rasenfläche. Dort auf der grünen Fläche kannst du einen grauen Fleck erkennen. Es ist das Denkmal für die Gefallenen unserer Stadt. An ihm wirst du die vielen Namen junger Menschen lesen, die ich als Knabe gekannt habe, als sie Kinder waren. nur 200 Kilometer längeren Strecke 129 Stunden 45 Minuten, wobei allerdings zu berücksichtigen ist, daß die kurze Schlußstrecke bis Teheran mit Kraftwagen zurückgelegt werden muß. Immerhin wird auch hier die we st europäische Ueber- legenheit sehr deutlich. Allgemein wird bei langen Strecken schon infolge der meist häufigen Aufenthalte die Reisegeschwindigkeit im Verhältnis zur Höchstgeschwindigkeit viel geringer als auf kür- Oie Heimat hinter dem Schilf. Von Georg von der Dring. Das Weserufer ist schön Ueberall wächst Schilf. Ein schmaler Damm führt hindurch. Man geht wie durch einen Wald mit glasharten Blättern, die im Wind rascheln. Dann endet der Schilfwald, und sogleich erblickst du meine Heimat. Auch der Fluß, der breit und spiegelblank vorüberstreicht, gehört zu ihr, zu dieser Stadt, die hinter ihm am Ufer liegt. Die schöne Sommersonne bescheint sie wie in meiner Jugendzeit. Die Sonne hat sich nicht verändert, aber meine Stadt und ich, wir sind in manchem anders geworden. Ueberschau das ganze Ufer! Die Stadt ist Hein, aber sie dehnt sich weit nach links und nach ^rechts aus. Die vielen dunklen Bäume, die du stehst, sind Ulmen. Am linken Ende der Stadt liegt unter den Ulmen ein weißes Haus, das Helgenhaus Dort bauten meine Vorfahren ihre Briggs und Barken für deutsche und für nordische Rechnung. Der Helgen ist zerfallen. . Genau in der Mitte ragt der Backsteinturm der Kirche über den Ulmen auf. Mein Großonkel hat ihn gebaut. Der Turm hat eine dicke graue Krone. Manchmal denke ich, wie diese Krone dem Onkel in den Kopf gekommen sein mag. Weiter rechts liegt der Hafen mit der Schleuse und dem Pier. Dort werden die Getreidedampfer gelöscht. Als Knabe stieg ich auf die Dampfer und versuchte mit den Seeleuten englisch zu sprechen. Sie schenkten mir Hartbrot und rieten mir, es vor den Zollbeamten gut zu verstecken. Manchmal waren alle meine Taschen voll Hartbrot, auch im Futter steckte etwas. Damals gab es Ueberfluß an Brot, sogar auf Schiffen. Schau! Jetzt gleitet der weiße Dampfer, der von Bremen kommt, heran. Er wird anlegen. Schon schlagen seine Schaufelräder rückwärts. Jetzt liegt er fest. Die Reisenden steigen aus, gehen über die Brücke und betreten die Kaje. Unsere Kaje ist wohl 200 Meter lang. An ihrem rechten Ufer erhebt sich ein roter Turm, das ist der Telegraph". Napoleon hat ihn erbauen lassen. Jetzt"ist er unser Gefängnis. Vor dem Telegraphen gibt es eine Stelle, wo man mit dem Rundnetz fischen fann; meist fängt man Breetzem Mitten im Kundnetz hängt -in Fl->schball-n als Koder. fiter auf der Safe stehen die höchsten Ulmen. Darunter gibt es Ruhebänke. In meiner Jugend waren sie immer von Bummlern besetzt, die dort ihren Rausch ausschliefen. Manchmal erschien der Vorbereitungen der Gesangvereine zu den Erntedankfeiern. SDK. Wie in den Vorjahren, so werden auch bei der kommenden Erntedankfeier die deutschen Gesangvereine in weitgehendem Maße mitwirken. Don eigenen Feiern wird im allgemeinen abgesehen, doch werden sich Die Vereine überall in Stadt uii) Land den Behörden und der Partei für die große Gemeinfchaftsveranstaltung zur Verfügung stellen. Die Literatur für das chorische Singen beim Erntedankfest hat im Laufe der letzten Zeit eine wesentliche Bereicherung erfahren, so daß den Chören Erntelieder in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Die Führung des Deutschen Sängerbundes hat außerdem vor wenigen Tagen in Gemeinschaft mit Dem Reichsverband der Gemischten Chöre ein neues Liedblatt Der Reihe „Singendes Volk" herausgegeben. Das sich „Bauer und Ernte" betitelt. Es enthält sieben Lieber und Kanons, Die alle auf Die Arbeit des Bauern Bezug haben und zum Erntedankfest vorzüglich geeignet find. Es handelt sich hier nicht um Chore, Die „vorgetragen" werden, sondern um Lieder, Die gemeinsam mit Den Hörern erarbeitet werden. Gerade das Erntedankfest ist so recht zum Singen geeignet; es ist Die Zeit, ein fegen- und freudebringendes Lieb anzustimmen. Dabei sollen auch unsere Gesangvereine nicht zurückstehen. Sie sollen zeigen, daß sie ihrer Aufgabe gewachsen find, Keimzellen eines Volksliedes zu fein, das dem Gemeinsamkeitserlebnis unseres erntefeiernben Volkes einen echten und seiner würdigen Klang gibt. Das ßieDblatt enthält in Der Hauptsache neue wenig bekannte Lieder von zeitgenössischen Komponisten, die den Volkston besonders gut treffen. Wir nennen: „Du starke Deutsche Bauernschaft" von Gerhard Schwarz, „Zur guten Nacht" von Hans Sang, „Erntesegen" von Hans Dietrich, „Wir sind die Männer vom Bauernstand" von K. v. Hertzberg, „Neues Brot" von Edgar Rabsch und „Erde, die uns Dies gebracht" von H. Fr. Micheelsen. Als Lied aus früherer Zeit ist Die volkstümliche Weise von Joh. Abr. P. Schulz „Wenn kühl der Morgen atmet" ausgenommen. Im vorigen Jahr hat der DSV. ebenfalls ein Erntelied blatt „Erntedank" herausgegeben, das eine große Verbreitung gefunden hat. Es ist zu erwarten, daß auch in Diesem Jahre die Lieder des neuen Blattes zahlreich zur Verwendung kommen. Die Blätter, Die zur Verteilung an das Publikum zum Mitsinaen sind, können durch Die Geschäftsstelle Des Deutschen Sängerbundes, Berlin W 35, bezogen werden. l Umsatz teils gehalten, teils ist eine Belebung festzu- ftpffon. Sim Sluslandabiak sind vereinzelt Steiaerun- Obecheffen Schweine 50 bis 54 Mark. — Marktoerlauf: Rinder H-chüht. Sonst^zogen AG Verkehrs-! lebhaft. Kälber rege, Schweine wurden zugeteilt, ie ÄviLendenmöalichkeit 0,50 v. H. an, | ner 0,65 o. wesen auf die DiviLendemnöglichkeit 0,50 Festigun Wirtschaft Zwingende Notwendigkeit ist der Selbstschutz aller Deutschen. Der Relchs- tuftschuhbund sorgt für Aufklärung und Ausbildung! Der Arbeitseinsatz der Angestellten im August gefestigt. Oie Zndustrie- und Handelskammer Gießen gibt Auskunft: 1103: Stellung von Einfuhranträgen für landwirt- schaftliche Maschinen in Italien. 1105: Erläuterungen zu den Bestimmungen über den Transithanbel. 1106: In Holland nur noch 75 v. H. in Register- mark auf Reiseschecks für Deutschland. 1107: Behandlung der Rechnungen bei der Maschineneinsuhr in Griechenland. Oie rhein-mainische Wirtschaft im August. Fwd. Die Berichte aus der chemischen Industrie über tue Lage im August sind durchaus günstig. Die geschäftliche Lage hat in allen Zweigen eine Belebung durch Vermehrung von Auftragseingängen erfahren. Auch das Auslandgeschäft ist zufriedenstellend. Die Automobilindustrie berichtet über eine nicht ganz einheitliche Lage. Während auf der einen Seite über den Eintritt des erwarteten saisonmäßigen Rückganges, der sich jedoch infolge vorliegender Aufträge aus den Vormonaten noch nicht voll auswirken kann, gemeldet wird, berichtet die andere Seite von einem voll befriedigenden Auftragseingang. Die Diamantindustrie im Rhein-Main - Bezirk war zufriedenstellend beschäftigt. In der S ch e i d e i n d u st r i e mußten die Abgaben in Gold in der Berichtszeit eine weitere, wenn auch nicht bedeutende Einschränkung erfahren. Das Silbergeschäft liegt weiter ruhig. In der Beschäftigung der Scheidereibetriebe ergab sich gegenüber dem Vormonat keine Veränderung. Im Eisensteinbergbau hielt sich die Förderung in der bisherigen Höhe. In der B a s a l t i n d u st r i e war die Lage nicht ganz einheitlich, während die Marmorindu- st r i e in der Berichtszeit lebhaft beschäftigt war. Insbesondere trug hierzu ein Auftrag für das Reichsluftfahrtminifterium bei, der inzwischen zur Ablieferung gelangt ist. Die saisonmäßige und konjunkturelle Belebung in der Landmaschinen industrie hielt auch im Berichtsmonat an. Im Auslandgeschäft wiesen die Umsätze eine kleine Erhöhung auf. Der Auftragseingang in der elektrotechnischen Industrie liegt, soweit sich bis jetzt übersehen läßt, auf der gleichen Höhe wie im besonders günstigen Monat Juli. Ebenso hielt sich der Auftragseingang im allgemeinen Maschinenbau auf Vormonatshöhe. Die Geschäftslage in der Lederwarenindu- strie kann durchschnittlich als zufriedenstellend bezeichnet werden. Im deutschen Geschäft wurde der IG. Farben zunächst 155,50 (155,75), dann bis 156,25 gesucht. Die meisten Werte verzeichneten Steigerungen über die festen Notierungen der Abenbbörse, Metallgesellschaft 1, Goldschmidt 1 v. H. höher. Am Elektromarkt AEG. 0,40, Schuckert 0,25, Gessürel 0,50 v. H. unter gestern abend, aber Licht & Kraft, Lechwerke je 0,50 o. H. höher. Anregung bestand für Zellstoff und Kunstseide, Aschaffenburger 2, Waldhof 0,75, Aku 1, Bemberg 1,13 v. H. gebessert. Auch Montanwerte freundlich, Hoesch 0,25, Buderus 2, Harpener 1,75, Rheinstahl 0,50, Klöck- Ängestellten melden. Der Ausgang der Rundfunkausstellung bewirkte eine rege Nachfrage nach Fachkräften aus der Radio-Industrie. Trotz des durch den Kündigungstermin im August bedingten erhöhten Zuganges an neuen Bewerbern ist der Bewerberbestand weiter zurückgeaangen. Die Zahl der Besetzungsaufträge entspricht dem Ergebnis des Vormonats. Das Vermittlungsergebnis ging dagegen, wie alljährlich infolge der Urlaubszelt, etwas zurück. Die Auslands-Stellenvermittlung vermittelte einige erfahrene Export-Kaufleute mit guten Sprachkenntnissen nach Afrika und Brasilien. Die Vorbereitungen für die Unterbringung der demnächst ausscheidenden Arbeitsdienstkameraden werden wei° Sonntag, wurden auch an den letzten Tagen am Hang vor dem Stadtwald Homberg zahlreiche Schulungsflüge erfolgreich ausgeführt. Das Flugzeug wurde zuerst von dem Fluglehrer Dipl.- Ing. Köhler (Gießen) eingeflogen. Die Flüge hatten stets eine große Menschenmenge angelockt. Preußen. kreis Dehlar. T Waldgirmes, 7. Sept. Bei der Gemeindegrummetarasversteigerung kam die Parzelle, etwa 15 Ar, 0,60 bis 2 Mark. — Anschließend sand die erste Ob st Versteigerung statt. Es kamen Frühäpfel im Zentner an 10 Mark, Zwetschen 3 bis 4 Mark. — Der Raiffeeisenoerein von hier und Naunheim verschickte gestern und heute drei Waggon zu 7 Mark pro Zentner im Dorfe. Einführung von Weihnachtsschulzeugnissen auch in Hessen. LPD. Wie im Anzeiger der Hessischen Landesregierung mitgeteilt wird, hat der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung angeordnet, daß, wie in Preußen, in Zukunft auch in Hessen Zeugnisse zu Beginn der Herbstferien, der Weihnachtsferien und der Osterferien erteilt werden. Diese Regelung gilt mit Wirkung vorn lausenden Schuljahr an für sämtliche höyeren Schulen. Die Stellenvermittlung der Deutschen Arbeitsfront kann auch im Monat August eine weitere ~ ' ' gung des Arbeitseinsatzes der stellten melden. Der Ausgang der Rund- Landkreis Gießen. ♦ Wiefeck, 9. Sept. Am gestrigen Sonntag stürzte ein hiesiger Einwohner in feiner Scheune so unglücklich vom G e r ü ft ab, daß er mit einem Rippe'nbruch von der Gießener Sanitätskolonne nach der Chirurgischen Klinik verbracht werden mußte. I Lollar, 7. Sept. Auf eine 25jährige Tätigkeit bei der Main-Weser-Hütte Lollar kann das Gefolgschaftsmitglied Karl Krombach zurückblicken. Als Anerkennung erhielt der Jubilar von der Firma Buderus und aus der Ju- biläumskasfe Geldgeschenke, außerdem von der Firma ein Diplom. A Lollar, 7. Sept. Heute feierte Heinrich B i e r a u, langjähriger früherer Bote und Angestellter der Firma Buderus, zur Zeit der älteste Einwohner der Gemeinde, feinen 8 9. G e - b u r t s t a g. Obwohl er zahlreiche Kinder hat, die ihn gerne zu sich nehmen würden, lebt er freiwillig für sich allein und verrichtet alle Arbeiten selbständig. Wir wünschen dem in Anbetracht seines hohen Alters noch recht rüstigen Greis alles Gute. * Lollar, 9. Sept. In der letzten Nacht ereignete sich auf der Landstraße Lollar—Marburg an der Straßenkreuzung von Staufenberg her in Rich-, tung Odenhausen ein Verkehrsunfall. Dort stieß der Motorradfahrer Wilhelm Henkel aus Salzböden mit dem Pferdefuhrwerk des Wilhelm Moos aus Wißmar, das aus dem Feldweg von Staufenberg her in die Landstraße einbog, zusammen. Der Motorradler und das Pferd wurden leicht verletzt, Im übrigen entstand zum Glück kein weiterer Schaden. * Geilshausen, 8. Sept. Bei Arbeiten an der Dreschmaschine kam hier der Arbeiter Wilhelm S ch a u b e r mit der Hand in bas betriebe. Der bedauernswerte Mann verlor dabei drei Finger der linken Hand. 4- Grünberg, 8. Sept. In einer nichtöffentlichen Gemeinderatssttzung, die dieser Tage stattfand, teilte Bürgermeister Wagner zunächst mit, daß er Architekt Balser mit der Auf- sicht über alle städtischen Hoch- und Tiefbauten beauftragt habe. Der Auftrag gelte zunächst bis 15. Oktober d. I. Weiterhin teilte er mit, daß er ab 1. September Feldschluß von einer Stunde nach Sonnenuntergang bis eine Stunde vor Sonnenaufgang angeordnet habe. Als wichtigster Punkt stand die Frage der Herstellung o er Fußsteige in der Gießener und der Alsfelder Straße zur Behandlung. In dieser Angelegenheit hatte kürzlich schon eine Besprechung mit den An- Hegern ftattgefunben. Der Bürgermeister konnte damals drei Angebote vorlegen: Herstellung mit Kleinpflaster pro Quadratmeter 5,50 Mark, in Gußasphalt pro Quadratmeter 5 Mark und in Teerasphaltbeton pro Quadratmeter 3,20 Mark. Der Wunsch der Anlieger ging dahin, die Herstellung in Teerasphaltbeton vorzunehmen. Die Ansicht der Gemeinderäte war verschieden, einer wünschte nur eine vorläufige Herstellung, . ein anderer schlug Kleinpflaster vor, von dritter Seite wurde noch eine verstärkte Packunterlage gewünscht, um etwaiger ter gefördert. In der K a u s m a n n s g e h i l f e n - D e r m i 11- l u n g wurden besonders angeforoert: Kontoristen, Buchhalter, Deutsche Korrespondenten, Expedienten und Verkäufer. Die Nachfrage nach Reisenden war etwas lebhafter als in den Vormonaten. An guten Verkäufern und Dekorateuren, besonders für Lebensmittel, Textil und Drogen, ist laufend starker Bedarf. Leider steht das gebotene Gehalt oft in keinem Verhältnis zu den geforderten Leistungen. Aufnahmefähig waren: Eisenindustrie, Baugewerbe und damit verbundene Zweige (Straßenbau, Autobahn), Maschinenbau, Werften, Papier- und papier- verarbeitende Industrie, Kraftwagen- und Karosse- riebau-Industrie, chemische Industrie. Die Behörden st ellenve r mi tt lung hatte, besonders am Platz Berlin, Aufträge der Sozialoersicherungsträger vorliegen. Aufnahmefähig waren Gemeindeverwaltungen, Sparkassen, die Partei und ihre Untergliederungen. In der Land-, Forst- und Milchwirtschaft herrschte bei sehr starkem Mangel an jüngeren ledigen Molkerei-, Gärtnerei-, Rechnungsund Melkergehilfen und Milchkontrollangestellten nur wenig Nachfrage nach älteren und verheirateten Kräften. Die Arbeitseinsatzmöglichkeit für Jäger und Förster hat sich etwas gebessert. Verheiratete Gutsangestellte waren nach wie vor schwer unter- zubringen. Mangel besteht dagegen an gut ausgebildeten Geflügelzüchtern, Schäfer- und Schweinemeistern. In der Techniker-Vermittluna wurden tüchtige Konstrukteure von Maschinen-, Äutomobil- und Arbeitsmaschinen-Jndustrie, als auch für Apparate, Instrumente und Vorrichtungen angefordert. Die Nachfrage nach Betriebstechnikern war lebhaft. Der Mangel an geeigneten Fachkräften im Schiffsund Schiffsmaschinenbau besteht fort. Gesucht sind nach wie vor Vermessungstechniker aller Kategorien. Gute Einsatzmöglichkeiten bestanden im Hoch- und Tiefbau, insbesondere für Wasserbautechniker, tüchtige Bauleiter mit Erfahrung im neuzeitlichen Straßenbau, sowie Diplom-Ingenieure für Kanal- und Brückenbau. Günstige Einsatzmöglichkeiten bestanden für Elektro-Inaenieure. Erheblicher Bedarf lag an tüchtigen technischen Zeichnern vor. Bei den Werkmeistern bestanden Einsatz- cmch Reichsbcmk 0,25, Zement Heidelberg OM Daimler 0,25 v. H. befestigt. Don Schisfahrtswer- ten Hapag 0,40 v. H. gebessert. Renten waren ebenfalls etwas freundlicher■ utto etwas lebhafter. Altbesitz um 0,13 fester, auch Korn- rnunal-Umschuldung leicht anziehend. Auslands- renten folgten der allgemeinen Bewegung, Ungarn Gold um 0,25, Goldmexikaner 0,13 v. H. freund- lieber. Für Dollarbonds hielt sich zu leicht gefteiger- ten Kursen das seit Tagen bestehende Interesse. Im weiteren Verlaufe wurden die Hauvtwerte durchweg noch um 0,25 bis 0,50 v. H. gesteigert, so Reichsbank, Daimler, Mannesmann, Metallgesellschaft, Stahlverein. AEG. und Gesfurel glichen ihren Anfangsverlust wieder aus. Am iRentenmarn waren besonders Auslandsrenten fester, Mexikaner 0,13 bis 0,25 v. H., Talon-Serben 8,75, also 1, Warschau-Wiener 11,40, ebenfalls 1 v. H. Börse schloß freundlich. Tagesgeld wiederum leichter und 3 nach 3,25 v. H. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 9. Sept. (Dorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb: 842 Rinder (160 Ochsen, 113 Bullen, 390 Kühe, 179 Färsen), 393 Kälber, 54 Schafe, 1019 Schweine. Es kosteten: Rinder: Ochsen 34 bis 42 Mark, Bullen 35 bis 42, Kühe 20 bis 42, Färsen (Kalbinnen) 33 bis 42; Kälber 42 bis 70; Hämmel 37 bis 41; stellen. Im Auslandabsatz sind vereinzelt Steigerungen zu verzeichnen. Die Schuhindustrie kann von zufriedenstellenden Ergebnissen der Saison- schlußverkäufe berichten. In der Lederindustrie ist die Lage nahezu unverändert. Briefkasten der Redaktion. (Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.) 2t. £)„ G. Bei Ihrer Anfrage scheinen Sie an eine Bestimmung des Reichsversorgungsgesetzes zu denken, wonach rentenbezuasberechtigt nur ein deutscher Reichsangehöriger ist, hiervon aber bann eine Ausnahme gemacht werden darf, wenn es sich um einen Ausländer handelt, der in der deutschen' Wehrmacht Dienst geleistet hat. Eine Bestimmung, nach der solche Ausländer auch von den Rentenkürzungen befreit fein sollen, ist in den betr. Notverordnungen nicht enthalten. Frostgefahr zu begegnen. Der Bürgermeister entschied, daß die Fußsteige in Teerasphaltbeton her- gestellt werden, außerdem soll die Packunterlage tn größerer Stärke vorgesehen werden. Neben einigen kleineren Sachen wurde noch der Wirtschaftsplan über die Waldungen der Gemeinde besprochen; Einwendungen wurden nicht erhoben. * Leihgestern, 8. Sept. Hier stürzte das 2 Jahre alte Kind eines Einwohners in einem unbewachten Augenblick so unglücklich v o n d e r Haustreppe hinab, daß es schwere Verletzungen dcwontrug, an denen es nach einiger Zeit leider verstorben ist. kreis Schotten. * Groß - Eich>en , 8. Sept. Unser Gemeinderat hat den Beschluß gefaßt, vom 1. Januar 1936 ab allen jungen Ehepaaren, die in unserer Gemeinde den Bund fürs Leben schließen, das Buch des Führers „M ein Kampf" als. H o ch - zei tsge schenk der Gemeinde zu überreichen. Kreis Alsfeld. }) Alsfeld, 7. Sept. In der Segelfliegergruppe Alsfeld, deren Flugzeug am vergangenen Samstag die Taufe erhielt, herrscht bereits reger Flugbetrieb. Wie am vergangenen möglichkeiten für tüchtige Kalkulatoren im Apparatebau und Vorrichtungsbau sowie in der Blech- bearbeitung. Aufnahmefähig für Spezialkräfte war die chemische und Glasindustrie, die Hütten» und Maschinen-Jnduftrie sowie teilweise auch die Textil- Industrie. Im Bauwesen wurden Maurerpoliere und Schachtmeister, die auf Großbaustellen im Wasserbau gearbeitet haben, sowie Beton- und Hochbau-Poliere angefordert. Bedarf lag auch für Werkmeister für Revisionen vor. Mangel bestand an Steinmetzwerkmeistern für Granit sowie Werkmeistern für schwere Hämmer. Bei den weiblichen kaufmännischen Angestellten hielt im ganzen Reich einheitlich der Bedarf an guten Stenotypistinnen — teilweise mit Sprachkenntnissen — an. Ebenso wurden Schuh- und Putzverkäuferinnen, auch Direktricen aus der Wäschebranche verlangt. Die Nachfrage nach Wirtinnen, Haushaltspflegerinnen und Ge- flügelzüchterinnen konnte nicht befriedigt werden. Für die Kindergärtnerinnen, auch ältere Kräfte, war die Vermittlungstätigkeit gut. Staatliche Gesundheitsämter verlangten Dolkspflegerinnen (Gesundheitsfürsorgerinnen). Ttundfunkprogramm. Dienstag, 10. September. 6 bis 11 Uhr: Sendestille. 11.45: Bauernfunk. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert II. 14: Nachrichten. 14.10: Mitten im Werktag. Sozial- und Wirtschaftsdienst in bunter Folge. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau! 16: Kleines Konzert. Neue Klaviermusik. 16.30: Der Himmel im September. Welche Gedanken erweckt der Anblick des Saturn? Von Prof. E. Sittig, Frankfurt a. M. 16.45: „Lockende Ferne". Zwei deutsche Kolonialunternehmungen im 17. Jahrhundert. 17: Nach- mittagskonzert. 18: Zum Reichsparteitag in Nürnberg: Reichssendung: Empfgng und Begrüßung des Führers durch Staat und Partei im Rathaussaal. 18.45 bis 19.25: Heldische Musik. 19.30: Zum Reichsparteitag in Nürnberg: Reichssendung: Festauffüh- rung im Opernhaus: „Die Meistersinger von Nürnberg". Oper in 3 Aufzügen von Richard Wagner. In der zweiten Pause (aus Nürnberg): Nachrichten. 0.30 bis 2: Nachtkonzert, Robert Schumann. Rhein-Mainische Börse. Weiler freundlich. Frankfurt a. M., 7. Sept. Der Wochenschluß hatte eine feste Börse. Rückkäufe der Bankenkundschaft und eine etwas stärkere Betätigung des berufsmäßigen Börsenhandels bei immer noch ziemlich leeren Märkten führte zu weiteren Kurserholungen. Zeigt sich auch die Genfer Situation als noch recht unklar, so lagen aus der deutschen Wirtschaft mehrfache Anregungen vor, wie der flotte Zeichnungsoerlauf auf die neue Anleihe und verschiedene Dividendenankündigungen. Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt besch lossenen Dividende an. — Reichsbankdiskont 4 o. H., Lombardzinsfuß 5 v. H. ftranffurt a.M. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt 27^5 131 127,25 176 134,5 103 110,13 183,25 40,75 143,5 115,25 135,5 108 127,5 143 131 127 179 134,25 105 110,5 181,4 40,4 143,9 113,5 133,5 106,5 126,5 130,4 126,65 178,5 133,75 104 109,75 111,75 97 91CE re .....................o Philipp Holz mann........... O 97 Bekula....................10 Elektr. Lieferungsgesellschaft... 5 Licht und Kraft ........... 6% Felten & Guilleaume.........O Gesellsch.s.Elektr.Unternehmung. 5 Rheinische Elektrizität ........5 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Co...... 4 Siemen« L Halske............ 7 LahmeyerLCo. ............. 7 Buderus ....... .. .... O Deutsche Erd« ..............4 Zementwerk Heidelberg ...... 6 Cementwerk Karlstadt......... 4 119,75 120,25 - Z Schultheis Patzenhofer .......4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O Bemberg...................O Zellstoff Waldhof............O Zellstoff Aschaffenburg ..... O Dessauer Gas ...............7 Daimler Motoren........ O Deutsche Linoleum ........... 6 Orenstetn & Koppel ...... o Westdeutsche Kaufhof.........O Cbade......................o 58,75 113,5 115 82,25 100 162 28,5 284 59,75 114,75 116,25 85 100,5 162 29,5 286 109,5 59,25 114 114,25 82,25 130,5 99,5 162 86 28,75 283 110.5 59,75 115 115,75 84,75 133 100,25 162,5 86,65 29,25 286 Harpener...................C Hoesch Eisen—Kbln-Neuesse» .. O Alse Bergbau ...............4 Ilse Bergbau Genüsse........ 8 Klöcknerwerke ............. Mannesman n-Röhrrn........ 0 110,75 96,25 128 93,5 89,5 112,5 97,25 129 94,75 90,25 110 95,75 128,75 93,25 88,9 111,9 96,9 161 130 94,9 90 Acrumulatoren-Fabrik....... u Eonti^Sumnu...............8 154,25 1 34 97,5 1 203 158 34 98 ! 202,75 175 154,25 1 33,75 1 202,75 176 157,75 I 203 Gritzner..................... Mainkraftwerke Höchst a_M—.. 4 Süddeutscher Zuck«...... 1 8 September 7. September Amtliche Notierung Amtliche Geld Notierung Brief Geld I Brief Buenos Atre- 0,668 0,672 0,668 0,672 Brüssel..... 41,80 41,88 41,80 41,88 Rio de Jan. . 0,139 0,141 0,139 0,141 Sosta ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,82 54,92 54,73 54,83 Danzig..... 46,85 46,95 46,84 46,94 London ..... 12,275 12,305 12,255 12,285 HelsingforS.. 5,41 5,42 5,405 5,415 Paris ...... 16,385 16,425 16,38 16,42 Holland .... 168,03 168,37 167,98 20,36 168,32 Italien..... 20,36 20,40 20,40 Javan ...... 0,722 0,724 0,720 0,722 Jugoslawien. 5,684 5,696 5,684 5,696 OSlo..... : 61,65 61,77 61,55 61,67 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon.... 11,13 11,15 11,105 11,115 Stockholm... 63,30 63,42 63,20 63,32 Schweiz .... 80,87 81,13 80,84 81,00 Spanien.... 33,97 34,03 33,94 34,00 Prag....... Budapest ... 10,27 10,29 10,265 10,285 Neu york ... 2,488 2,492 2,487 2,491 Berlins September Geld Brie'' - Amerikanische Roten.............. 2,439 2,59 Belgische Noten.................. 41,72 41,89 Dänische Noten ................. 54,52 54,74 Englische Noten ................. 12,22 12,26 Französische Noten............... 16,33 16,39 Holländische Noten ............... 167,56 168,24 Italienische Noten................ 19'46 19,54 Norwegische Noten .............. 61,34 61,51 Deutsch cesterreich, 4 1OO Schilling Rumänische Noten............... _ _ Schwedische Noten............... 62,98 63.24 Schweizer Noten................. 80,61 80,93 Spanische Noten................. 33,58 Nr. 2,0 Drittes Blatt Eichener Anzeiger (Generai-Anzelger rur Gveryeüen» Montag, <). September 1955 Aegimentsseier des ehem Res.-Zni -Regis. 224 Zum zweiten Male feit dem Weltkriege fanden sich die Ängehörigen des früheren Reserve-J n- fanterie-Regiments 224 am Samstag und Sonntag zu einer Wiederfehensfeier in Gießen zusammen. Am Samstagnachmittag trafen aus allen Gauen des Reiches bereits etwa 600 Kameraden ein, deren Zahl sich am Sonntag noch wesentlich vermehrte. Der Vegrüßungsabend am Samstag, der im Schützenhaus abgehalten werden sollte, mußte, da sich diese Räume für die vielen Besucher als viel zu klein erwiesen, in den Saal des Cafe Leib verlegt werden, der bis auf den letzten Platz besetzt war. Die gegenseitigen Begrüßungen der alten Kameraden, die sich teilweise seit dem Kriege nicht mehr gesehen hatten, war außerordentlich herzlich und zeugte von echter Kameradschaft. Rach einigen flotten Märschen, zunächst im Schützenhaus, dann im Cafe Leib, sowie dem Einzug der Fahne, begrüßte Kamerad Hofmann (Offenbach a. M.) die zahlreich erschienenen Kameraden, insbesondere den Oberführer beim Obersten Stab der SA., Kamerad Schütze, München, Marinepfarrer Haupt (Kiel), ehemaliger Dwisions- pfarrer der 48 RD., sowie die Vertreter des hiesigen Soldatenbundes, der 222er, der 118er und des Bundes der 88er Herborn. Hierauf sprach EA.-Oberführer Kam. Schütze, München, Er sagte u. a.: Jeder ehemalige 224er habe es als Pflicht, aber auch als Freude empfunden, an dieser zweiten Wiedersehensfeier teilzunehmen. Bei dem ersten Treffen sei die Begeisterung nicht so groß gewesen, weil damals die Zeiten sehr trüb gewesen seien. Der Redner gedachte dann der Gefallenen des Weltkrieges (die Musik spielte das Lied vom guten Kameraden) und betonte, daß echte Kameradschaft ewig wach bleibe. Es sei Pflicht jedes einzelnen Kameraden, den Mitmenschen echte Kameradschaft vorzuleben. Der Frontsoldat erinnere sich in besonderem Maße all der Erlebnisse, die Begeisterung in seinem Herzen entflammt hätten. Man solle nur das Gute und Schöne aus all diesem Erleben im Gedächtnis behalten. Daß wir heute mit Zuversicht in die Zukunft schauen könnten, verdankten wir unserem Führer. Der Frontsoldat müsse das Letzte hergeben für Führer, Volk und Vaterland. Der hierauf von Kamerad Gg. Schubert, Frankfurt a. M., zu Gehör gebrachte, selbst verfaßte Vorspruch: „Ein Sturmwind brauste über unter Vaterland" verfehlte seine Wirkung nicht. Rach einem weiteren Musikvortrag hielt Marinepfarrer Haupt, Kiel, der vor einigen Jahren in Gießen für den Evangelischen Bund wirkte, die Hauptrede. Er führte u. a. folgendes aus: Wer fern von seiner Heimat sei, den treibe schließlich doch die Heimatsehnsucht nach Hause. Hier angekommen, merke man, daß vieles fremd geworden sei. Man habe das Gefühl des Fremdgewordenseins, des Verlassenseins. Und doch sei die Heimat noch da. Das Leben sei sehr wechselvoll, das hätten auch die alten Soldaten erleben müssen, die sehr wechselvolle Bilder im Weltkrieg und auch in der Nachkriegszeit gesehen hätten. Der Redner sprach dann von der Zusammenstellung der 224er, von den furchtbaren Kämpfen und Verlusten des Regiments in Frankreich, besonders aber in Rußland. Er erzählte von dem Erleben da draußen, von den ernsten und von den frohen Stunden. Er kam dann auf die Nachkriegszeit zu sprechen, erwähnte die Besetzung des Rheins und die langen Jahre der Schmach, m denen der Ruf ertönte: „Deutschland wach auf". Dann sei ein Wunder geschehen. Der Ewige habe uns den Mann gegeben, der uns wieder auf die Beine geholfen habe. Die Welt wechsele, die Menschenseele nicht. Das zeige sich auch bei dem diesjährigen Kameradschaftstreffen. Die alte Kameradschaft bleibe, der alte Kamerad von 224 lebe. Was die Kameraden im Weltkrieg erlebt hätten, müsse bei ihnen lebendig bleiben. Der Führer sei im Weltkrieg geboren, der unbekannte Soldat. Deutschland müsse leben, denn der Führer sei Deutschland. Das begeistert aufgenommene Sieg-Heil des Red- 'A . - * , -w ' V' J * X. M Ä Gefallenen-Ehrung am 116er-Denkmal. Der Vorbeimarsch. — (Aufnahmen |2]: Photo-Pfaff, Gießen.) ■w SS i I ■•V . • 4'-* ners galt dem Führer. Es folgten das Horst- Weffel-Lied und das Deutschlandlied. Ö?r wettere Verlauf des Abends. Anschließend übermittelte Kamerad Schlierbach, Jena, von der dortigen Ortsgruppe die Grüße und Glückwünsche zur Wiedersehensfeier und überreichte eine Fahnenschleife. Kamerad Schirmer, Erfurt, berichtete über die Gründung der 1. Vereinigung der 224er in Erfurt, sowie über das dort errichtete Ehrenmal ehemaliger 224er. Er bedauerte, daß in Hessen, wo der Haupttrupp der 224er liege, so spät eine Organisation habe durchgeführt werden können, brachte aber seine Freude über den jetzigen günstigen Ausbau der Vereinigung in Hessen zum Ausdruck. Der Vertreter der Vereinigung ehemaliger 222er, Kamerad Wagner, übermittelte deren Grüße und Glückwünsche und überreichte ein Bild aus Deutschlands größter Zeit „Hindenburg und Hitler" Kamerad Dr. Krüger dankte für die Ehrungen und betonte, Frontkameradschaft, Frontgeist und Frontgesinnung dürften niemals untergehen. Hierauf fand ein interessanter Lichtbildervortrag von Kamerad Hch. Götte, Frankfurt a. M., ehern. MGO. beim Stabe, statt. Die Bilder, die das Fronterlebnis, sowie Land und Leute in bester Weise veranschaulichten, riefen bei den alten Frontsoldaten manche schmerzliche, aber auch manche schöne Erinnerung wach. Im Laufe des Abends sprach noch Kamerad Müller, als Vertreter des Gießener Soldatenbundes. Er lobte die treue Kameradschaft der hiesigen 224er innerhalb des Soldatenbundes und betonte, daß der Geist der 224er vorbildlich fei. Die Gefallenen-Ehrung am Sonntag Am Sontagvormittag traten die ehemaligen 224er bataillonsweise auf Oswaldsgarten an und marschierten dann mit Musik durch den Horst-Wessel- Wall, Hindenburgwall, Hitlerwall. Senckenbergstraße nach dem Landgraf-Philipp-Patz, wo am Ge- sallenen-Denkmal der 116er eine Ehrung der toten Kamerad en stattfand Die Feier wurde eingeleitet mit dem Choral „Ein feste Burg ist unser Gott". Hierauf hielt Kamerad ’ Pfarrer Trapp, Gießen (ehemals 3.Z224), die Gedächtnisrede. Er führte u. a. folgendes aus: Die Vormittagsstunde gelte einer ernsten Gedenkfeier, sie gelte den für das Vaterland Gefallenen. Die Wiedersehensfeier der Kameraden von 224 gebe Gelegenheit, sich wieder zu finden; sie fänden ein Stück Heimat, das alle umschließe. Die ganze Zeit des Weltkrieges werde heute wieder lebendig, aber auch die schwere Zeit nach dem Kriege. Bei der ersten Wiedersehensfeier seien die Verhältnisse sehr trübe gewesen. Damals habe das Bestreben bestanden, aus der Schmach herauszukommen. In hieser Feierstunde müsse vor allem des Mannes gedacht werden, der uns aus Schmach und Not wieder herausgehoben habe. Man dürfe aber auch die Kraft des Glaubens nicht vergessen, die uns im Weltkrieg geschenkt worden sei. Der Kampf gehe nicht um irdische, sondern um große, heilige Güter. Gott habe uns im Weltkrieg die Kraft gegeben. Der Redner gedachte dann der Gefallenen des Weltkrieges, sowie des verstorbenen Generalfeldmarschalls von Hindenburg, der durch seinen Glauben eine Welt überwunden habe. Er betonte dann die Verbundenheit mit den toten Kameraden. Sie seien gestorben, damit Deutschland leben könne. Die Musik spielte das Lied vom guten Kameraden Anschließend legte Kamerad Pauli (Steinbach i.T.) namens der ehemaligen 224er einen Kranz am Denkmal nieder. Er gedachte dabei der gefallenen Kameraden und der Opfer der nationalsozialistischen Bewegung, die ihr Leben hingegeben haben für ein geeintes Deutschland. Namens der SA.-Standarte 224 und der SA.-Reserve 224 legte Obersturmbannführer M ü n k e r, Adjutant der SA.-Standarte 116, Gießen, ebenfalls einen Kranz nieder. Mit dem Choral „Ich bete an die Macht der Liebe" schloß die erhebende Feier. Der AuEang. Die Teilnehmer marschierten bann zum Oswaldsgarten, wo ein Vorbeimarsch der alten Frontsoldaten stattfand. Am Nachmittag trafen sich die Festteilnehmer im Saale des Cafe Leib zu einem kameradschaftlichen Beisammensein. Neben musikalischen.Darbietungen, gemeinsamen Liedern und Vorträgen eines 'Gesangquartetts, erfreuten Kl. Wenner und Kl. Sommerlad durch Tänze und Dialektvorträge. Abends fand noch ein Familienabend in gleichem Saale statt. Oer große Kardinal. Zu Richelieus 350 Geburtstage. Von Dr. Karl Heidemann. Große Staatsmänner sind in unserem engen europäischen Raum immer auch Schicksalsträger des ganzen Erdteils gewesen. Dreihundertfünfzig Jahre sind am 9. September vergangen, seit jener Mann geboren wurde, der für Frankreich, fast mehr noch für das Deutsche Reich zum Schicksal wurde. Sein Schatten lag auf uns, bis Bismarck das für Deutschland außenpolitisch tat, was der große Kardinal für Frankreich vollbracht hatte. So stark war seine geistige Bedeutung für Frankreich, daß seine Innen- und Außenpolitik, ihrem Wesen nach noch jetzt von den besten Köpfen Frankreichs getreulich als Erbe verwaltet wird, wenn sich auch die Kraftlinien verlagert haben. Richelieu stammte aus einem nicht sehr reichen Adelsgeschlecht, dessen Besitzungen in Poitou lagen. Durch Familienverbindungen stand die Familie aber dem Thron sehr nahe, und sie hatte außerdem das nicht sehr reiche Bistum von Lucon als Familienlehen. Ein brennender Ehrgeiz lag in dieser Familie, und ihr größter Sproß, der stüh zum geistlichen Stande — eben als Verwalter des Bistums Lucon — bestimmt wurde, sollte diesen Ehrgeiz in fruchtbarer aber auch schmerzlicher Weise erfüllt sehen. Ein Staatsmann, mit der reichsten Begabung zum Politiker, ausgerüstet mit dem sublimsten Rüstzeug der Diplomatie jener Tage, besessen von seiner Aufgabe, aber immer hart am Rande des Abgrundes, des tiefften Sturzes, unter einem unbedeutenden König, mit einem schwächlichen Körper, der oft von Fieberanfällen heimgesucht wurde, doch ein Kriegsmann und Kämpfer — das war der Kardinal von Richelieu. Zur Zeit seines Wirkens, als Deutschland sich an der Wunde des dreißigjährigen Krieges verblutete, war er der Herauf bringe r einer neuen Zeit, der Zerstörer der mittelalterlichen Formen und Schöpfer des Absolutismus. Ludwig XIV. steht auf feinen Schultern, die Zeit des Sonnenkönigs in ihrer geistigen Blüte und Ausbildung des typisch französischen Geistes hat in ihm den Vorläufer und zugleich genialsten Vertreter. Richelieus Jugendzeit steht noch unter dem Glanz jenes freien, großen, heiteren Königs, Heinrichs IV., in dem sich das ritterliche Frankreich noch einmal verkörperte. Mit dem Tode Heinrichs durch Mörderhand brach die Entwicklung ab, stürzte Frankreich wieder in die Wirren des Bürgerkrieges, den es im 16. Jahrhundert bis zur Neige ausgefoftet hatte. Die Gattin Heinrichs IV., Maria von Medici, die so stolz war auf ihr habsburgisches Blut, steuerte wieder in spanisch-habsburgisches Fahrwasser. Hoffnungslos lag das geschwächte Frankreich zwischen diesen Gewalten. Die. Hugenotten bildeten einen Staat im Staate, hatten die festesten Plätze inne, die Großen fronbierten gegen die Krone, der Staatsschatz wurde vergeudet. Der Thronerbe, Ludwig XIII., war ein Kind und in seinen Anlagen seinem großen Vater so unähnlich. Auf nicht immer geradem Wege stieg der junge Bischof von Lucon von Stufe zu Stufe hoher, wurde durch die Mediceerin emporgehoben, ging in die Verbannung und verzehrte sich im Warten, bis seine Stunde kam. Als er aber dann unter dem jungen König das Staatsruder in die Hand nahm, faßte er zugleich zwei Probleme an, die jedes für sich fast übermenschlicher Klugheit und höchster Schicksalsbegünstigung zu ihrer Lösung bedurften. Er brach die Hugenottenfeste La Rochelle am Atlantischen Ozean im Kriege gegen den inneren Feind und England zugleich und griff gleich darauf das habsburgische Weltreich in Italien, an dem Punkte, wo Oesterreich und Spanien zusammenwirkten, an. Er beseitigte die Glaubensspaltung um der politischen Einheit willen und gab dem Könige alle Macht, führte die katholische Gegenreformation durch und stützte zu gleicher Zeit die protestantischen Gegenspieler der Habsburger in Deutschland und den Niederlanden. König Gustav Adolf von Schweden, Bernhard von Weimar, der Dränier waren seine Verbündeten, und ihre Glaubensgenossen ließ er in Frankreich hinrichten. Doch hatte er das Gefühl des großen Staatsmannes für die Grenze, bis zu der man den Bogen spannen durfte, und die Maßlosigkeit, an der Ludwig XIV., Napoleon, Clemenceau scheitern sollte, widersprach seinem innersten Wesen. Darum wurde sein Wirken so verhängnisvoll für Deutschland. Richelieu zerstörte von Grund auf die Ansätze für ein straffes Staatswesen, die noch in Deutschland vorhanden waren, indem er zugleich Frankreich jenen ungeheuren Vorsprung verschaffte, den wir erst 1871 einholen konnten. Richelieu zielte nach dem Rhein und auf Straßburg. Richelieu nahm wieder machtvoll die alte Ueberlieferung Frankreichs von „Charlemagne", dem französisch verfälschten Karl dem Großen auf. In seiner gro» ßen Denkschrift aus dem Jahre 1629 an Ludwig XIII. erhebt er den französischen König „zum mächtigsten Monarchen und angesehensten Fürsten der Welt" oder — in einer Denkschrift aus dem Jahre 1632 — zum „Oberhaupt aller katholischen Fürsten der Christenheit und dadurch zum mächtigsten Herrscher der Welt". Aber der König solle „sanft" und „verdeckt" verfahren. In diesem Punkte war Ludwigs XIV. Politik falsch und verhängnisvoll für Richelieus Ziele. Es war eine neue Zeit, die der Kardinal für Frankreich und Europa heraufführte. In Frankreich wurden die mittelalterlichen Formen gewaltsam terftört und das Königtum zu jener Institution erhoben, die bis in die letzte Bauernhütte unumschränkt wirkte. Zugleich wurde aber damals schon der Keim zur französischen Revolution gelegt, die der Übersteigerung der Königsgewalt notwendig folgen mußte. In Europa wurde die spanisch-österreichische Vorherrschaft endgültig gebrochen und Frankreich an die erste Stelle im Rat der Völker gebracht. Niemand besaß so jenen Spürsinn für kommende Dinge wie der Kardinal, der in den leisesten Erschütterungen mit seherischem Blick die großen Ereignisse vorausahnte. Nietnand hat so das Handwerk der Diplomatie mit Meisterschaft beherrscht. Niemand ging so zwischen dem Henkerbeil und königlicher Gunst wie Richelieu. Er mußte Bluturteile herbeiführen, er riß den König von seiner Mutter und schickte die Mediceerin, die ihm zur Macht verhalfen hatte, in die Verbannung, als sie Frankreichs Wohlfahrt im Wege stand. Er war hart und ohne Rücksicht, ohne Dankbarkeit und Milde, aber er konnte sein Werk vollenden. Er selbst bestimmte noch feinen Nachfolger Mazarin, als er 1642, verhältnismäßig jung, nach elf Jahren unbe» schwerten Wirkens sich zum Sterben hinlegte. Aber die kurze Spanne hatte ihm genügt, Frankreich bis dicht vor das Ziel der höchsten Wünsche zu führen. Große Männer sind stets der höchste Ausdruck eines Volkes, das sie zur Zeit seiner Reise hervorbringt und durch sie in der Welt wirkt. Richelieu war der größte Staatsmann Frankreichs, und sein Erbe ist jetzt noch nicht erschöpft. Holz im Kraftwagen. Von Dr. Liener, Berlin. Unterstützt durch bedeutsame Maßnahmen der Reichsregierung wie Steuererleichterungen, Verbesserung des Straßennetzes und Schaffung der Reichsautobahnen find Erzeugung und Absatz von Kraftwagen in den letzten zwei Jahren sprunghaft gestiegen. Die Neuzukassungen haben sich gegenüber 1932 mehr als verdreifacht. 1932 wurden an Personenkraftwagen, Lastkraftwagen und Kraftomnibussen 48 148, 1934 dagegen 154 520 neu zugelassen. Die Zahlen haben sich im laufenden Jahre weiter beträchtlich erhöht. Mit dieser zunehmenden Motorisierung Deutschlands gewinnt die Frage der T r e i b st o f f verso r g u n g immer größere Bedeutung. Bisher mußten wir zwei Drittel unseres Verbrauchs an flüssigen Treibstoffen aus dem Ausland beziehen. Im Jahre 1934 wurden für die Einfuhr an Benzin und Benzol 73 bis 78 Millionen Reichsmark aus- gegeben, wovon 63 Millionen Reichsmark allein auf Benzin entfallen. Um uns nun unabhängig vom Auslande zu machen, gibt es zwei Wege: einmal durch Herstellung und Gewinnung der aus dem Ausland bezogenen Treibstoffe im Jnlande. Das würde z. B. Ausbau der eigenen Erdölindustrie, Förderung der Herstellung von künstlichem Benzin bedeuten, wie es in allerneuester Zeit durch Senkung der Mineralölsteuer von 3,80 RM. auf 1 RM. je Doppelzentner geschehen ist. Daß auf diesen Gebieten schon Fortschritte erzielt worden sind, geht aus der Gegenüberstellung des Verbrauchs an leichten Treibstoffen in den Jahren 1933 und 1934 hervor, wonach die verbrauchte Gesamtmenge 1934 um 15 v. H. größer mar als 1933, der Verbrauch an inländischen Erzeugnissen aber um 25 d. H. gestiegen ist. Eine weitere Möglichkeit der Versorgung mit Treibstoff liegt in der Verwendung von nichtflüssigen Treib st offen, für die eine ausreichende einheimische Rohstoffgrundlage vorhanden ist. Die wichtigsten dieser Treibstoffe sind: Holz, Gas, Elektrizität und Wasserdampf. Der Rohstoff für die Wagen mit Holzgas- a n t r i e b besteht aus Abfallholz jeder Art, am besten find jedoch Harthölzer, wie Buchenholz, geeignet. Das Holz wird im Wagen selbst in einem eigens dafür hergestellten Generator verarbeitet. Seine weiteren Vorzüge bestehen in der leichten Vergasbarkeit, da es wenig Asche und keinen Schwefel enthält, vor allem aber in der Billigkeit. Einem Verbrauch von 2 bis 2,5 Kilogramm Holz entspricht der Verbrauch von einem Liter Benzin, wobei dem Holzpreis von 5 Pf. ein Bsnzin- prei? von 35 Pf. gegenübersteht. Die U m b au- ko st e n für Lastwagen, für die Holzgasantrieb in erster Linie in Frage kommt, betragen bei einer Motorenstärke von mehr als 5 PS etwa 1400 bis 1600 RM. je nach der Größe des Generators, für schwächere Motoren stellt sich der Preis auf ungefähr 600 bis 800 RM. Die Holzmenge, die im Generator mitgeführt werden kann, reicht für eine Wegstrecke von etwa 150 Kilometer. Zur Zeit laufen in Deutschland bereits etwa 1300 Wagen mit Holzgasantrieb. Der Verwendung von Holz als Antriebsmittel wird durch staatliche Maßnahmen wesentlicher Anreiz gegeben. In Preußen können Privatpersonen und gemeindliche Stellen auf Antrag wesentliche finanzielle Beihilfen für Neuanschaffung von Wagen mit Holzgasantrieb bekommen; auch für den Umbau alter Fahrzeuge, die bisher mit flüssigem Treibstoff gespeist wurden, können Zuschüsse gewährt werden. Weiterhin wird die Errichtung von Holzgastank st eilen gefordert. Unternehmer, die solche Tankstellen errichten wollen, erhalten von der Forstverwaltung größere 5) oh« menaen zum halben Marktpreis zugewiesen. Die Tankstelleninhaber müssen sich demgegenüber Der* pflichten, eine Mindestmenge generatorgerechtes lufttrockenes Holz vorrätig zu halten, das zu dem Preis von zur Zeit 3 Pf. je Kilo abzugeben ist. Die günstigen volkswirtschaftlichen Auswirkungen dieser Maßnahmen liegen auf der Hand Aus der Provinzialhauptsiadt. Ausbildung der Zungjäger. Die Pressestelle des Kreisjägermeisters für den Kreis Gießen teilt uns mit: Auf die Aufforderung zur Meldung zu einem Aus- bikdungskurs für Jungjäger haben sich genügend Interessenten gemeldet. Die Ausbildung theoretischer und praktischer Art wird in Kürze beginnen. Etwa noch ausstehende Meldungen müssen bis zum 15. September an den Kreisjägermeister, Stephan- straße 4, eingereicht sein. Die nächste Jägerprüfung findet im Frühjahr statt. Autoschau auf Oswaldsgarten. Auf der Fahrt von Rüsselsheim nach Dillenburg machte am Samstagnachmittag eine Auto-Kolonne der Opel-Werke für einige Stunden Station auf Oswaldsgarten in Gießen, um hier sehen zu lassen, welche Vielseitigkeit im Autobau der Opelwerke herrscht. Es waren 11 Fahrzeuge zur Schau gestellt; man sah dabei ein Transportauto für Metzgereizwecke, ferner Kastenwagen, Transportautos mit Ausladevorrichtung, Pritschenwagen, Kippwagen, ein Lastauto für Stabeisentransporte, Personenoutobusse für acht und für 28 Personen und einen mit allen technischen Errungenschaften der Neuzeit ausgestatteten Krankentransportwagen, der aus- schwenkbare und mechanich bewegbare Krankentransportbahren, Wascheinrichtung, Heizung, Frisch- luftzufuhr und andere moderne Einrichtungen der verschiedensten Art aufweist. Die Personenautobusse zeigten gleichfalls alle Einrichtungen des modernen Autobaues und berichteten von dem Bestreben, den Fahrgästen den Aufenthalt in diesem Wagen so angenehm wie nur möglich zu machen. Die interessante Schau fand die rege Aufmerksamkeit zahlreicher Volksgenossen, die sich eingehend mit der Besichtigung aller Fahrzeuge beschäftigten. Als Ganzes gesehen gewann man den Eindruck, daß bei dieser Schau der deutsche Automobilbau in überzeugender Weise seine hohe Leistungsfähigkeit auf allen Gebieten des Faches unter Beweis stellte. Abschlußprüfung an der Heeresfach- fchule für Verwaltung und Wirtschaft. Vom 3. bis 5. September fand in der Alten Klinik die diesjährige Abschlußprüfung I unter dem Vorsitz des Truppenunterrichtsleiters, Fachstudiendirektor B o u ch h o l tz , und am 6. September die Abschlußprüfung II unter dem Vorsitz des Wehr- kreisunterrichtsleiters, Oberfachschulrat Dr. M a d e e aus Kassel, statt. Dem Prüfungsausschuß gehörten an: der Wehrkreisunterrichtsleiter (oder dessen Stellvertreter) als Vorsitzender, der Leiter der Schule, die an der Prüfung beteiligten Fachlehrer, ein vom Standortältesten bestimmter Truppenoffizier und die Vertreter der Anstellungsbehörden. Nachstehende Behörden waren vertreten: Reichsfinanzverwaltung Darmstadt; Reichsbahndirektion Frankfurt a. M.; Reichspostdirektion, Abtlg. Darmstadt, Frankfurt a. M.; Hessische Landesregierung Darmstadt (für die Staatsbehörden); Oberste Schulbehörde Darmstadt (für alle Kommunalbehörden). Als Gast war ein Ortsgruppenvorstand des Reichstreubundes Gießen zugegen. Der Abschlußprüfung I (Berechtigung zum Eintritt in den einfachen mittleren Bürodienst) unter- zogen sich 31 Unteroffiziere im 12. Dienstjahr und ein Versorgungsanwärter. Von den 32 Prüflingen bestanden 31. Der Abschlußprüfung II (Berechtigung zum Eintritt in den gehobenen mittleren Beamtendienst) unterzogen sich 6 Prüflinge, die alle bestanden. Die Abschlußprüfung I bestanden: Feldw. Bechtel, Feldw. Edmund Zecker, Feldw. Erich Becher, Feldw. Bohn, Untffz. Friedrich, Untffz. Fuchs, Untffz. Hardt, Feldw. Heid, Feldw. Heuser, Feldw. H o r n i v i u s , Feldw. Keller, Feldw. Klein, Feldw. Krämer, Untffz. K u n e r t, Feldw. Leis, Feldw. Lott, Untffz. Lücke, Feldw. Lützenkirchen, Feldw. Maciejewicz, Feldw. Möbs, Oberfeldw. N e t t e l m a n n, Feldw. Rettig, Untffz. R t e • menfchneider, Feldw. Rottländ e r, F^ldw. Wilhelm Schmidt, Feldw. Seitz, Feldw. S o l - I er, Feldw. Stieler, Feldw. Uhl, Feldw. Weniger, Dersorgungsanwärter Schort. Die Abschlußprüfung II bestanden: Feldw. Boden st ein, Oberfeldw. G ö l z, Untffz. Koch, Feldw. Rumpf, Feldw. Schirm, Untffz. Weihe. Froher Samstagabend der Stenographen. Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Steno- graphenschaft veranstaltete — wie man uns berichtet — am Samstag einen frohen Abend auf der Karlsruh, um bei dieser Gelegenheit die Sieger des Reichsleistungsschreibens anläßlich des Deutschen Stenographentages in Frankfurt a. M. zu ehren. Ortsgruppenführer Graf gab in feiner Be- grüßungsansprache seiner Freude darüber Ausdruck, daß eine große Anzahl Mitglieder und Freunde der Einladung Folge geleistet haben. Weit über 200 Personen waren erschienen. Ein besonderer Willkommengruß galt den Mitgliedern der Ortsgruppe Wieseck. In seinen weiteren Ausführungen sagte er, daß in der Ortsgruppe neben ernstem Schaffen Geselligkeit und gute Unterhaltung gepflegt werden, um dadurch Geist und Gemüt zu erfrischen. Große Anstrengungen erforderte die Tagung in Frankfurt. Es war ein Erlebnis für alle, die daran teilnahmen. „Noch stehen wir unter dem gewaltigen Eindruck dieser Tagung. Sie hat der deutschen Oeffentlichkeit, ja man kann sagen der ganzen Welt in eindrucksvoller Weise Kenntnis verschafft von den Leistungen, die die deutschen Stenographen zu vollbringen imstande sind. Auch die Teilnehmer der Ortsgruppe Gießen haben Hervorragendes geleistet." Der Ortsgruppenführer beglückwünschte alle Preisträger zu ihrem Erfolg und dankte den Wettschreibern für ihre unermüdliche Arbeit, die allein zum Ziele führte. Mit dreifachem Schrift-Heil fand die Siegerehrung ihren würdigen Abschluß. Die übermittelten Grüße und Glückwünsche des Kreisgebietsführers K. H. Kuhl wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Der Ortsgrupvenführer richtete dann den Appell an alle Mitglieder, sich nicht damit zu begnügen, daß vor aller Oeffentlichkeit Breiten- und Spitzenleistungen gezeigt wurden, sondern die weitere Arbeit in den Vordergrund zu stellen: Vorwärts immer, rückwärts nimmer! Gelegenheit zur Aus- und Weiterbildung in Kurzschrift und Maschinenschreiben sei in den jetzt begonnenen Kursen geboten. Die freudigen Ereignisse auf stenographischem Gebiete ließen gleich zu Anfang eine gute Stimmung aufkommen, Die in einen frohen Samstagabend überleitete. Unser „Fritz" sorgte für tadellose Verbindung zwischen den Besuchern und den Mitwirkenden, die alle ihr bestes hergaben, um die Stimmung noch zu heben. Die Kapelle D a u - bertshäuser sorgte unermüdlich für gute Unter- Haltungs- und Tanzmusik. Herr F e u s e r brachte sehr gut Wiener und Rheinlieder zu Gehör. Die gesanglichen und musikalischen Darbietungen fanden reichen Beifall. Echte rheinische Stimmung, Tanz und heitere Vorträge ließen erst spät unb ungern an den Heimweg denken. Vornotizen. — Tageskalender für Montag: NSG. „Kraft durch Freude", 18 bis 20 Uhr, Tennis auf den städtischen Tennisplätzen am Sckützenhaus, 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Lockspitzel Asew". — 20 Uhr im Hotel Bayrischer Hof, Bahnhofstraße, Vortrag von Rich. Züchter „Zerrüttete Nerven und ihr 2lufbau" mit Kochkunst-Vorführung. * ** Vom Bezirk Oberheffen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft. Herrn Hugo Baumann, (Retzen, Seltersweg 87, wurde nach erfolgreich abgelegter Prüfung die goldene Nadel mit Urkunde für den Lehrfchem von der Hauptgeschäftsstelle der DLRG. Berlin überreicht. ** D i e Hilfskasfenbeiträae der SA., SS., NSKK. und Marine-SA. im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Ost für das letzte Vier- teljahr 1935 müssen am heutigen Montag und am morgigen Dienstag jeweils von 20 bis 22 Uhr in der „Germania", Kaiserallee, bezahlt werden. ** Die Förderung des Seidenbaues ist eine der Maßnahmen, die der Reichsnährstand im Rahmen der Erzeugungsschlacht durchführt. Da Seidenbau ein Familienbetrieb ist, sind es in erster Linie Siedler und sonstige Landeigentümer, die ihn betreiben, oder jetzt dazu aufgefordert werden. Die Voraussetzung ist das Vorhandensein von Maulbeeren, die als Hecke, in welcher Form sie wenig Fläche beanspruchen, und in Plantagenform angelegt werden. 500 bis 1000 Maulbeeren werden für den wirtschaftlich betriebenen Seidenbau als Grundlage benötigt. Bei Dollertrag der Maul- beeken etwa 8 Jahr« ttäch der Anvstanzung, fft ttfl Reinertrag von 150 bis 200 Mark zu erzielen. In der Zwischenzeit werden kleinere Zuchten durchge- führt unb das Land durch Zwischenkulturen genutzt. Die Reichsorganisation, die Reichsfachgruppe Sei- denbauer, Celle, Im Französischen Garten, erte.lt den Interessenten Auskunft. Kennwort Gießen tft bdber We °nzug°b°n Sieh- heutige Anzeige. ** Verkehrsunfall. Am gestrigen Sonntaa- mittag prallte an der Ecke RodheimerStraße-Schut- zenftraße ein Radfahrer von hier mit einem In Richtung Heuchelheim fahrenden Auto zusammen. Der Radfahrer erlitt dabei Kopfverletzungen und mußte von der Sanitätskolonne der Klinik zugefuhrt werden. , ., „ . „ , . ** Unfall bei der Arbeit. Bel Sauarbeiten in unserer Stadt stürzte am Samstag em 20 Jahre alter Hilfsarbeiter aus Dauernheim so unglücklich ab, daß er mit Kopfverletzungen und inneren Verletzungen in die Klinik gebracht werden mußte. Die Herbstübungen des Ins.-Regis. Gießen. Oie llebung am 6. September. Das Infanterie-Regiment Gießen Hütt seine diesjährigen Herbstübungen vom 6. bis 10. September m der Gegend von Braunschweig ab. lieber die Hebung am 6. September wird uns folgendes berichtet: Rot verteidigt die Aller zwischen Belsdorf und Weferlingen. Blau greift von Osten an. Hinter dem Südflügel von Blau steht hinter dem Wiesengelände westlich Hakenstedt das I. R. 36 zur Sicherung der Südflanke und als Divisions-Reserve. 8.30 Uhr erhält das Regiment den Befehl, über Ummendorf den Heid-Berg und Hoch-Berg (südwestlich Sommerschenburg) anzugreifen. Ein Gelingen des Angriffs mußte die gesamte rote Verteidigung an der Aller zu Fall bringen. Rot hatte auf die Nachricht von Ansammlungen bei Hakenstedt das bei Twölfte-Mühle (2,5 Kilometer ostwärts Harbke) als Reserve eintreffende III./J. R. 115 zum Schutze der Südflanke nach Hoch- Berg und Heid-Berg vorgezogen. Um beide Berge muß also der Kampf entbrennen. I. R. 36 ist dargestellt durch I., II. und -V./J. R. Gießen. Das Regiment ist verstärkt durch eine Abteilung Artillerie Fulda. Heute wird I. R. 36 geführt von Oberstleutnant Schmidt (Kommandeur II./J. R. Gießen). Rot (III./ I. R. 115) wird dargestellt durch III./J. R. Gießen unter Führung von Major Kuhn. Die Kompanien haben bis zur Einnahme der Ausgangslage einen Marsch von mehreren Stunden zurücklegen müssen. Das bedeutet zum Teil Abrücken um 4 Uhr. Das fällt dem Soldaten besonders schwer, wenn er es so gut gehabt hat wie in Druxberge, Niederdodeleben, Eichenbarleben, Dra- kenstedt, Bornstedt, Groß-Rodensleben, Dreileben, Nordgermersleben, Uhrsleben, Hakenstedt, Ochtmersleben und Wellen, wo das Regiment vom 4. September ab im Quartier gelegen hat. Trotz der frühen Stunde ließ sich ein großer Teil der Bevölkerung es nicht nehmen, ihren Soldaten, sei es nun Einquartierung oder Tänzer vom Manöverball, zum Antreten zu bringen. Der Gefechtsauftrag des I. R. 36 bedingte zunächst eine Verschiebung der Truppe aus dem wegelosen und brückenlosen Seelschen-Zruch in die Gegend um Ummendorf. Hierbei mußte das deckungslose Höhengelände des Weinberg so überquert werden, daß die roten Maschinengewehre und die rote Artillerie dem Regiment möglichst wenig Schaden zufügen konnten. Gleichzeitig setzte Gefechtsaufklärung ein und suchte die genaue Aufstellung von Rot festzustellen. 13.30 Uhr konnte endlich der Angriff aus der Linie Waldstücke ostwärts Heideberg—Nordrand— Badeleben gegen Hoch- und Heideberg losbrechen. Dem ungleichen Kampf zwischen den drei Bataillonen des I. R. 36 auf der einen Seite und dem einen Bataillon (III./J. R. 115) auf der anderen Seite wurde gegen 14.30 Uhr durch „Das Ganze Halt" ein Ende gefetzt. Nach der Krittk und der anschließenden Schieds- richterbefprechung für die Hebung am 7. September versammelte sich das Offiziers-Korps am Denkmal des Marschalls Grafen Neidhardt von Gneifenau zu einer kurzen Gedenkfeier für den großen Soldaten des Befreiungskrieges. Der Kommandeur des I. R. Gießen wies in kurzer Ansprache auf die Bedeutung des Feldmarfchalls hin und legte unter den Klängen des Pariser Einzugsmarsches einen Kranz am Denkmal nieder. Oie Gedenkrede am Grade Gneisenans. Die Rede des Kommandeurs des Infanterie- Regiments Gießen am Grabe des FeUnnarfchalls Graf von Gneisenau bei der Gedenkfeier am 6. September lautete wie folgt: „In Gneisenau, in keinem anderen, hat Napoleon seinen liebermirtber gefunden." So lautet das Urteil des Grafen Schliess en. Und so steht er allezeit vor uns als der Befreier Preußen-Deutschlands, der durch die Gewalt seiner Persönlichkeit, seinen unerschütterlichen, unbeugsamen Mut selbst im größten Unglück und in tiefster Schmach durch sein geniales Feldherrntum Taten vollbrachte, wie sie einzig in der Geschichte eines Volkes dastehen. Ein wahrer Feldherr, wenn er auch nicht den Feld- herrnstab führen durfte. Ein ganzer Mann, der voller Selbstverleugnung und Pflicktgefühl hinter seinem „Fürsten" zurücktrat, obwohl er sich seines Wertes voll bewußt war. Nach dem Zusammenbruch 1806 ging er mit einzigartigem Idealismus an feine neue Aufgabe, die Befreiung Preußens, heran. Die glänzende Verteidigung Kolbergs machte seinen Namen berühmt. In der Reorganisattonskommission war er durch seinen freien Gedankenreichtum und feine scharfe Krittk der beste Gehilfe Scharnhorsts. Wirk- am arbeitete er an den Stein-Harden berg- chen Reformen mit. Endlich schlug die Befreiungstunde, 1813 als Korpschef Blüchers nahm er ruhmreichen Anteil an der Schlacht von Bautzen. Als Gouverneur von Schlesien organisierte er die Schlesische Landwehr. Der erfolgreiche Feldzug in Schlesien und die Schlacht an der Katzbach als Generalstabschef Blüchers zeigten feine Führereigenschaften im hellsten Lichte. Meisterhaft gelang ihm nach dem Gefecht bei Wartenburg die Vereinigung der Armeen westlich Leipzig im Rücken Napoleons. Zu jedem komm! einmal das Glück. vornan von Ellen Kulm. Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.) 15 Fortsetzung. Nachdruck verboten! Es war ihm gestern abend wohl ober übel die Aufgabe zugefallen, Shirley Preston Gesellschaft au leisten. Und er hatte nicht eben große Lust dazu gehabt. Aber er mußte sich gestehen, daß sie eine recht unterhaltende und scharmante Gesellschafterin war. In der letzten Zeit hatte sie recht ernst gewirkt. Aber an dem Abend, da sie mit ihm allein war, war sie plötzlich wieder ganz die Alte, übermütig, sprudelnd, voll unsinniger, aber amüsanter Einfälle. Er hatte mit ihr getanzt, und als er auf die Uhr sah, hatte er mit Befremden festgestellt, daß es schon nach Mitternacht war. Shirley Preston wollte gern noch bleiben. Aber er war aufgebrochen und yatte sich höflich und bestimmt von ihr verabschiedet. Er wußte, daß diese Frau leicht zu erobern war für ihn, daß er nur zuzugreifen brauchte. Gerade deswegen brach er das Zusammensein ab. Als junger Student wäre er ihren Lockungen bestimmt erlegen. Damals konnte er noch nicht fein heißes Blut zügeln. Aber der Freitod eines feiner Kollegen, der im Zusammenhang zu den Beziehungen zu einer leichtsinnigen Frau der Gesellschaft stand, öffnete ihm die Augen. Von diesem Tage an wurde er ein anderer Mensch. Und nun hatte er ja auch noch Pflichten gegen Monika! Wenn er auch noch nicht offiziell ihr Jawort hatte. Es konnte doch nicht mehr lange dauern, daß er sich erklärte. Er stand lange nachdenklich in seinem Zimmer am Fenster und dachte darüber nach, warum er cs eigentlich nicht schon längst getan hatte. Monika war ein so lieber, entzückender Mensch, und eine andere Frau würde er ja doch niemals wählen. Es hatte keinen Sinn, noch länger damit zu zögern. Gleich morgen würde er Gelegenheit nehmen, mit ihr zu sprechen. Dieses ganz unbegründete Zögern, das doch sonst eigentlich seiner energischen Natur fremd war, mußte ein Ende nehmen. Während er die Zigarette ausdrückte, glitt ein Lächeln über sein Gesicht. Nun ia, er war fünfunddreißig Jahre alt. Da hatte der Mensch wohl schon etwas vom Junggesellen an sich. Und wenn er noch so fest entschlossen war, seine Freiheit auf» Augeben, es war doch ganz hübsch, noch ein paar Tage damit zu warten. Jetzt aber Schluß damit! Während er nun Monika gegenübersaß, überlegte er, wie er den Nachmittag mit ihr allein verbringen konnte. Draußen war ein schöner, fast sommerlich warmer Tag. Er wandte sich Monika zu, ohne Shirley weiter zu beachten. „Sie wollten doch gern noch einmal nach Tutzing hinaus, Fräulein von Jnnemann? Wie wäre es heute nachmittag? Frau Klinke gibt Ihnen be- timmt Urlaub, wenn wir beide darum bitten." Shirley schmollte. „Ach, wie schade, daß Sie nur einen Zweisitzer haben, Herr von Gerling. Ich kenne den Starnberger See noch gar nicht. Aber konnten wir denn nicht mit dem Auto der Klinkes fahren? Alle zu- ammen? Das wäre doch viel luftiger?" „Ich kann leider nicht über das Auto von Frau Klinke verfügen, Frau Preston. Vielleicht können Sie sie auch zu einem Ausflug veranlassen. Wir könnten ja dann später irgendwo Zusammentreffen." Shirley biß sich hastig auf die Lippen. Das war eine deutliche Absage. Sie stand ihm also doch nahe, diese Monika! Und dabei hatte Shirley Preston bestimmt gedacht, daß sie Herrn von Gerling au einem Flirt erobern könnte nach dem gestrigen Abend. Doch da mischte sich Monika in das Gespräch: „Wir müssen den Ausflug verschieben, Herr von Gerling. Ich habe heute eine Freundin — eine Bekannte von mir — zu mir eingeladen. Für den Nachmittag. Und ich habe mir gedacht, daß auch Sie und Johnie Klinke uns Gesellschaft leisten. Sie hat so wenig vom Leben, das arme Ding! Und sie tanzt so gern, Herr von Gerling." „Ich wußte gar nicht, daß Sie Bekannte in München haben, Fräulein von Jnnemann?" Shirley Preston hatte Monikas leichte Befangenheit wohl bemerkt. Monika errötete. „Ach, es ist eigentlich ein merkwürdiger Zufall! Ich wußte es selbst nicht, Frau Preston. Aber bitte, Sie werden doch wohl auch bei uns bleiben. Es ist so ein furchtbar nettes, liebes Ding..." Monika konnte ihr Herzklopfen kaum verbergen. Sollte Sie sich nicht doch Frau Klinke anoertrauen? Aber sie wußte, daß Frau Klinke auf Evi von Tanner schlecht zu sprechen war. Und doch war Mo- nika überzeugt, daß man Evi von Tanner unrecht tat. Sie war bestimmt kein berechnender Mensch! Und außerdem ließ Frau Klinke die Jugend jetzt, besonders am Nachmittag, fast immer allein. Es war also mehr als wahrscheinlich, daß sie auch heute nicht kommen würde. ♦ Evi von Tanner erwachte mit dem Gefühl, daß ihr der heutige Tag etwas Besonderes bringen müßte. Als Kind hatte sie das öfter gehabt, an ihrem Geburtstag oder am Weihnachtstag. Aber heute war keiner dieser Tage, und Evi hatte auch schon langst in dem grauen Alltagsleben verlernt, von irgendeinem Tage etwas Besonderes zu erwarten. Sie mußte sich erst ordentlich besinnen, was es war. Ach ja, sie war eingeladen, zu dem lieben, jungen Mädchen, das ihr so gut gefiel! Das mußte sie doch gleich einmal Muttchen erzählen! Aber als sie sich zu dem Lager der Mutter wandte, erkannte sie sofort, daß es der Mutter nicht besser ging. „Ach, Muttchen, wieder Schmerzen?" „Leider, Evchen! Das Pulver hat mir wohl Schlaf gebracht, aber die Schmerzen im Kopf sind nicht besser geworden. Du muht die Vorhänge herunterlassen. Jeder Lichtstrahl und jedes Wort tun mir so weh." „Ach, Muttchen, da werde ich doch einen Arzt holen. — Nein, das mußt du mir erlauben. Ich hätte sonst keinen Augenblick Ruhe am Abend." Im Nachbarhaus wohnte ein junger Arzt. Als Evi bei ihm anläutete, erfuhr sie jedoch, daß er am Vormittag in einer Klinik arbeitete. So ließ Evi ihre Adresse da und bat, der Herr Doktor möchte nach seiner Rückkehr zu ihnen kommen. Es sei ja nur im Nachbarhaus! Den Vormittag über ging Evi nicht vom Bett der Mutter. Sie war immer gleich so verängstigt, wenn Frau von Tanner krank war. Sie hatte ja auch nichts auf der Welt als ihre Mutter. Und ihr liebebedürftiges Herz krampfte sich zusammen, wenn sie daran dachte, daß sie einmal ganz allein in der weiten, grausamen, kalten Welt Zurückbleiben müßte. Nein, da würde sie lieber auch sterben! Gleich am frühen Nachmittag kam der Arzt. Er untersuchte Frau von Tanner gründlich und machte ein beruhigtes Gesicht. „Es ist eine kleine Grippe. Da die Patientin zart ist, so muß sie sehr geschont werden. Absolute Ruhe und Stille und keine Aufregung; aber sonst ist es ganz unbedenklich, kleines Fräulein. Sie können sich Darauf verlassen. Sie geben jetzt Ihrer Mutter ein Schlafpulver, und dann soll sie den ganzen Nachmittag ruhig schlafen. Das wird sie auch. Und Sie gehen ein bißchen spazieren. Sie sind ja ganz blaß." Evi schüttelte mit dem Kopfe. „Aber ich muß doch bei Muttchen bleiben!" Doch da kam die Hauswirtin, die den Doktor kannte, aus ihrer Küche. Sie hatte das Gespräch mit angehört. Sie war eine gutmütige Frau, die ihre beiden stillen, bescheidenen Mieterinnen gern hatte. „Gehen Sie nur ruhig, Fräulein Evi!" sagte sie. „Ich gebe schon auf die Frau Mutter acht. Ich werde heute den ganzen Nachmittag plätten, da lasse ich die Tür angelehnt und höre sofort, wenn Frau von Tanner etwas braucht. Sie müsien doch auch an die ßuft gehen, wo Sie doch am Abend frisch sein müssen. Denken Sie nur, wenn Sie ganz miesepetrig hinkommen, jo werden Sie am Ende noch gekündigt." Evi zuckte zusammen. Die Frau hatte rechk. Wenn sie den ganzen Tag im verdunkelten Zimmer saß, dann war sie am Abend so trübe gestimmt, daß sie wohl kaum ihre Schlager fing?n konnte Und wenn ihr gekündigt wurde, so lagen sie und Muttchen auf der Straße, denn jetzt war gerade die schlechteste Zeit für neues Engagement- suchen. Und außerdem hatte sie doch ihre neue Freundin eingeladen. So konnte sie doch auf eine Stunde hingehen. Allerdings, bevor sie auf trat, mußte si» unbedingt noch einmal nach Muttchen jcyauen. „Gut! Ich werde gehen, Herr Doktor! Aber tft es denn auch ganz bestimmt nicht gefährlich?" „Nein! Für diesmal nicht! Und die schweren Kopfschmerzen, an denen Ihre Frau Mutter so häufig leidet, sind ja wohl auch mehr nervöser Natur. Aber es wäre ~ut für Ihre Mutter, wenn sie nicht in der Stadt leben müßte. Mit so angegriffenen Nerven sollte man in vollständiger Ruhs auf dem Lande leben." lieber Evis Gesicht zog ein schwerer Schatten. „Ick weiß es, Herr Doktor! Mein Muttchen haßt Die Stadt. Ihr einziger Wunsch ist es, draußen leben zu können. Dort würde ich noch einmal gefunden können, sagt sie immer." Evis Lippen zuckten schmerzlich. „Aber es geht doch nicht, Herr Doktor! Ich muß doch verdienen, damit wir leben können." „Nun, kommt Zeit, kommt Rat, kleines Fräulein! — Immer den Kopf oben behalten! Vorläufig handelt es sich bei Ihrer Frau Mutter um keine ernste Gefahr. Und nun folgen Sie brav und gehen Sie selbst fleißig an die frische Luft, damit Sie uns nicht auch krank werden!" 10. Kapitel. Monika faß vor vier Uhr schon in der Halle und wartete auf ihren Gast. Nur Gerlino war bei ihr. Frau Shirley Preston pflegte nie vor fünf Uhr zu erscheinen, und Johnie Klinke war noch in einer Vorlesung, hatte aber versprochen, spätestens um halb sechs Uhr zurück zu sein. Er war ganz ahnungslos, und Monika hatte ein schlechtes Gewissen. Wenigstens etwas wollte sie es sich erleichtern! Gerling fragte ein wenig verdrießlich: „Haben Sie denn Ihre Bekannte so gern, daß Sie ihr diesen schönen Tag lieber opfern, statt mit mir an den See zu fahren?" Monika antwortete, ihrem Vorsatz getreu: „Ich kenne sie noch gar nicht lange; aber sie ist so ein armes Ding, und sie hat sich so über die Einladung gefreut. Und außerdem habe ich noch einen kleinen Plan, den ich aber noch für mich behalten will." „Nun, in Ihre Geheimnisse will ich mich nickt drängen, Fräulein von Jnnemann! Aber 6tt konnten mir doch etwas über die Dame, die wir erwarten, sagen!" (Fortsetzung folgt!) HW W"! Wz ÄS'./ "^ ./,#: XV*Ä^ z*^* •• X z • (-* ' , ..z^** / Z j> z,-’ •<•> ' ',X <^7? ^zz «K? &» '/, z» Mw <• z^ ' ’.X'.J''-, /' z ■•'# X/ ■ X£; •> X'-''*' X'y'X ' . / * -•&'•. '••'< CvCFAvftKX > " «.-D, . v ■ XSifÄÄ le 'hr d! ;s- er en. die in als len- ihm unfl >ns. (Spv. 1920 Heuchelheim) in der Das Feld der Rennfahrer am Daubringer Paß. — (Aufnahme: Neuner, Gießen.) Die ersten In der A-Klasse (1917/18) brachte Helmut Möll (DfB.'Reichsbahn) die beiden Sprintstrecken an sich, und zwar 100 Meter in 12,1 und 400 Meter in 57 Sek. Ein feines Rennen waren die 1500 Meter, die der hochveranlagte Walter Rinn den etwas zurück. In der Schwedenstaffel (400, 300, 200, 100) dominierten die 1900er. Die Klasse B (Jahrgang 1919/20) hatte in Kley (DfB.-Reichsbahn) wohl nicht nur ihren besten Mann, sondern auch den erfolgreichsten Athleten auf dem Platz. Die von ihm erzielten 11,7 Sek. über 100 Meter, 13,05 Meter im Kugelstoßen und 5,92 Meter im Weitsprung sind als überragend zu bezeichnen. Neben Kley zeigte auch Goß (1900) gutes Können. Die Staffel (4X100 Meter) in dieser Klasse fiel ebenfalls an die Spielvereinigung 1900. Was Kley für die B-Jugend bedeutete, war E. Rinn (Tv. Heuchelheim) in der E-Jugend (Jahrgang 1921/22) Erwähnung verdient auch der 800-Meter-Sieger dieser Klasse. G e m m e r (Mtv. Gießen). In der 4 X 100-Meter-Staffel behielt der DfB.-Reichsbahn die Oberhand. In der Klasse D (Jahrgang 1923 und jünger) gab es auch schon harte Kämpfe Läuferisch war der Mtv. Gießen am besten gerüstet, der auch die 4X50-Meter°Staffel gewann, allerdings nur mit Handbreite vor den Kleinsten von 1900. — Die Ergebnisse folgen. natürlich nicht zu denken. Etancelins Maserati wurde aus der Kurve geschleudert und dabei so schwer beschädigt, daß der Franzose die Weiterfahrt einstellen muhte. Aus der Bahn getragen wurde auch Marinonis Alfa Romeo. Nach 30 Sekunden konnte dieser Fahrer den Kampf wieder aufnehmen. Weniger Glück hatte Fagioli auf Mercedes-Benz. Ein Bremsdefekt zwang ihn, die Waffen zu strecken. Auch Bernd Rosemeyer mußte wegen eines Getriebeschadens seinen Auto-Union- Wagen an die Box steuern. Er nahm auf dem Wagen von Pietsch aber sofort das Rennen wieder auf. In der 30. Runde gab es einen Zusammen- stoß Taruffis mit einer der vier „Schikanen". Carrgcciola wurde in Mitleidenschaft gezogen und mußte vorübergehend abstoppen. Das nutzte Nuvo° lari zu einem Angriff aus: der Deutsche fiel zurück. Caracciola und Brauchitsch kamen wenig später, aber nicht mehr an den Tribünen vorbei. Borne hatte Nuvolari einen gelungenen Angriff auf Hans Stuck durchgeführt und den Deutschen auf den 2. Platz verwiesen. Der Italiener hatte schwer gegen Stuck zu kämpfen. Schließlich war seine Maschine aber doch erledigt, er wechselte mit Dreyfus den Platz und fuhr auf dessen Wagen weiter. Das war etwa in der 50. Runde. Hans Stuck war auf dem Posten und ging jetzt endgültig an die Spitze. In gleichmäßiger, durch nichts mehr aus dem Konzept zu bringender Fahrt hielt der Deutsche Bergmeister dann die Spitze sicher bis ins Ziel. Nuvolari fuhr an zweiter Stelle, aber noch in der gleichen Runde wie Stuck weiter. Rosemeyer war inzwischen endgültig auf den dritten Platz vorgekommen, doch lag er bereits mehrere Runden zurück. Fast alle übrigen Fahrer hatten mittlerweile das Rennen aufstecken müssen. Nach 3:40:09 Stunden Fahrzeit brauste Stuck als Erster über das Zielband. Sein Durchschnitt war mit 137,080 Kilometer ganz hervorragend. Die deutsche Flagge ging am Siegesmast hoch, das Deutschlandlied klyng auf. Stucks Sieg wurde von den Zuschauermassen stürmisch gefeiert; man erkannte seine großartige Leistung an. Radfernfahrt Basel—Meve. Radfernfahrt Basel—Cleve brachte auf der Etappe Basel—Rüsselsheim am Samstag -rügen durch ihre umsichtige Leitung mit ein Teil zu der glatten Abwicklung bei. Fußball Berbandsspiele der Gauliga-Mannscbasten über 350,6 Kilometer einen deutschen Sieg. In 10:18,15 Stunden siegte der Schweinfurter Wen- del vor Heller und Wierz. Soerensen-Dänemark als Vierter war der beste Ausländer, die ersten Schweizer waren Ott (7.) und Nievergelt (10.) — In der Länderwertung lag Deutschland an der Spitze vor Schweiz und Dänemark. Mit der zweiten Etappe wurde am Sonntag von Rüsselsheim nach Cleve über 303,5 Kilometer fortgesetzt und beendet. Etappensieger wurde der Hans Stulk - Sieger von Monza. Auto-Union gewinnt Großen Preis von Italien. - 50000 Zuschauer. 11 von 16 Fahrern schieden aus. (Spv. 1920 Heuchelheim) in der guten Zeit von 4:28,8 Sek. gewann. Auch in den Sprüngen wurden schöne Leistungen gezeigt. So sicherte sich Hußke (Mtv. Gießen) den Hochsprung mit 1,60 Meter, während Volk (1900) im Weitsprung mit 5,73 Meter die Spitze hielt. Die Wurfleistungen stan- neutralisiert. Dann zogen die Mannschaften in scharfem Tempo los. Weitere 10 Minuten nach dem Start der A= und B-Fahrer begab sich die E-Klasse auf den Weg. Die Fahrer gingen in das Rennen unter aller Ausnützung ihrer Erfahrungen. Sauber gestaffelt fuhr einer hinter dem anderen, um möglichst wenig Kraft zu verlieren, um dem geringsten Luftwiderstand zu begegnen. Dem Zuschauer bot sich ein prächtiges Bild sportlicher Disziplin. In scharfer Fahrt ging es zunächst hinauf zur Karlsruhe, an der Wellersburg vorbei, hinunter nach Lollar und in unvermindert rascher Fahrt nach dem Dorfe Staufenberg zu. Lanae Zeit und während der ganzen ersten Runde blieben die Felder dicht geschlossen. Während die B-Klasse bemüht war, den zugestandenen Vorsvrung zu halten, strengten sich die Fahrer der A-Klasse an, diesen Vorsprung zu verkürzen. Die Zeitwertung wurde ja ohne Berüsichtigung des der B-Klasse gegebenen Vorsprungs durchgeführt. Während der ersten Runde vermochte die A-Klasse bereits eine Minute aufzuholen. Von Rund zu Runde wurde der Vorsprung geringer. Bereits in der vierten Runde waren die B-Fahrer eingeholt. Aus beiden Klassen hatte es inzwischen schon einige Ausfälle gegeben, sei es durch Reifenschaden auf schlechter Straße oder durch Maschinendefekte. Einige Fahrer mußten deshalb aufgeben. Andere bemühten sich immer wieder um den Anschluß an die Spitzengruppe. Die alten Kämpen der Landstraße, die in der vierten Runde mit neun Mann die Spitzengruppe bildeten, fuhren die Strecke mit unerhörter Zähigkeit und kaum auf der Strecke zum Daubringer Paß empor zog sich das Feld etwas auseinander. über Kaiserallee, Moltkestraße, Adolf-Hitler-Wall, Marburger Straße nach Lollar, durch Staufenberg und an Daubringen vorbei, von dort aus auf der lange ansteigenden Straße hinauf auf den Daubringer Paß, hinunter nach Alten-Buseck, nach Großen-Buseck und wiederum hinauf, diesmal zur Ganseburg und dann zum Schützenhaus. Das Schützenhaus war der Start- und Zielplatz, der ständig von einer großen Menschenmenge umlagert war. Zur Mittagszeit, da mit der Ankunft der Fahrer zu rechnen war, harrten etwa 1000 Zuschauer der Rennfahrer und wollten Zeugen rassiger Spurts sein. Der gestrige Sonntag brachte den Radsport dem Verständnis vieler Polksgenossen .näher. Dor allem wurde erneut und eindrucksvoll vor Äugen geführt, welcher Leistung der Willensstärke Mensch fähig ist. Die 210 Kilometer wurden ohne Pause von den meisten Fahrern der A= und S-Klasse in 6:26 bis 6:50 Stunden zurückgelegt. Die Leistungen verdienen deshalb besondere Beachtung, weil die Fahrer zum Teil schlechte Straßenstrecken zu überwinden hatten. Auf einigen Teilen der Strecke gab es auch einigen Gegenwind. Ganz zu schweigen von den großen Höhenunterschieden, die zu überwinden waren. Oer Nennverlauf gestaltete sich recht anregend. Pünktlich um 7.15 Uhr wurde die B-Klasse auf die Reise geschickt. Sechs Minuten später startete die A-Klasse. Bis zur Ecke Kaiserallee und Moltkestraße war das Rennen Gau Nordhessen: Germania Fulda — Kassel 03 3:1; Kurhessen Kassel — VfB. 04 Fried- ioera 1:1; Kurhessen Marburg — Spielv. Kassel 2:1; H. FC. Hanau 93 — Hessen Hersfeld 3:5; Spv. Bad- Nauheim — Borussia Fulda 0:5. Gau SÜdwest: Eintracht Frankfurt — Bo- -ussia Neunkirchen 3:1; Opel Rüsselsheim — FSV. Frankfurt 2:2; Kickers Offenbach — Phönix Ludwigshafen 1:2; FV. Saarbrücken — Wormatia Worms 1:4; FK. Pirmasens — Union Niederrad 1:2. Iugeudleichtathletik-Meisterschafleu des Kreises Gießen. Die gestern auf dem Waldsportplatz des DfB.- Neichsbahn durchgeführten Jugendleichtathletlk-Mel- ckerschaften des Kreises Gießen standen sowohl be- •jeiligungs» als auch leistungsmäßig auf beachtlichem Niveau. Sie legten Zeugnis davon ab, daß die Fugendleichtathletik marschiert und daß in den Ver- ! inen erfolgbringende Arbeit geleistet wird. der" griff Blücher in den Abwehrkampf Wellingtons ein. Und nach dieser unerhörten Leistung setzte am Abend die klassischste Verfolgung der Kriegsgeschichte ein bis zum letzten Hauch von Mann und Pferd. So erreichte Gneisenau das lang erträumte Ziel: die Ueberwindung Napoleons. Wir aber wollen uns an diesem klassischen Beispiel der Macht einer Persönlichkeit der Tugenden erinnern, die jeden Feldherrn und jedes Heer unüberwindlich machen. Es sei uns Leitstern bei unserer Arbeit der Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht, die Gneisenau einst begründete mit dem Satz: „Alle Bewohner des Staates sind geborene Verteidiger desselben." Um den Großen Fubiläumspreis von Gießen. Straßenrennen über 210 Kilometer. Abschluß der Jubiläums-Veranstaltungen des Gießener Radfahrervereins 1885 Vor 50 000 Zuschauern feierte am Sonntag die deutsche Automobilindustrie in Monza einen weiteren großen Triumph. Das über 502,970 Kilometer führende Rennen um den Großen Breis von Italien wurde auf der 73mal zu durchfahrenden 6890 Meter langen Rundstrecke von Hans Stuck auf Auto-Union in 3:40:09 Stunden = 137,080 Stundenkilometer nach hartem Kampf vor N u volar i - Italien auf Alfa-Romeo und Bernd Rosemeyer auf Auto-Union gewonnen. Nur Nuvolari wurde dabei nicht überrundet. Für die Schwierigkeiten dieses noch durch sogenannte „Schikanen" er« schwerten Kurses spricht allein die Tatsache, daß von 16 gestarteten Wagen nicht weniger als 11 vorzeitig das Rennen aufftecken mußten. Der Dritte, Rosemeyer, verlor drei Runden gegen Stuck, M a - rinoni (Alfa-Romeo), der Vierte, büßte fünf Runden ein und der Fünfte, Taruffi auf Bugatti, mußte gar 14mal die beiden Erftplacierten an sich vorbeiziehen lassen. Alle übrigen Fahrer, unter ihnen auch die drei Mercedes-Leute, kamen nicht ins Ziel. Hans Stucks großer Sieg. Nur 16 von den zuletzt noch „stehengebliebenen" 18 Fahrern nahmen das Rennen auf. Die Deutschen wollten unter allen Umständen ihre zweijährige Siegesserie auch gegen den neuen Alfa fortsetzen, gerade hier auf der gefürchteten und berüchtigten Monza-Bahn, die gegen das Vorjahr länger und noch erheblich schwieriger gemacht worden war. Zunächst führte Caracciola! Caracciola auf Mercedes-Benz hatte mit Startnummer 6 seinen Platz in der ersten Reihe. Vom Start weg nahm er die Spitze. Nach fünf Runden schon war das Bild an der Spitze völlig umgewandelt. Zwei Auto-Union, von Stuck und Achills Darzi gesteuert, hielten die beiden ersten Plätze vor Caracciolas Mercedes-Wagen. Hinten schaffte sich Nuvolari vor, auch Rosemeyer kam stärker auf. Stuck und Darzi lieferten sich heftige Kämpfe um die Führung, bis in der 14. Runde der Wagen des Italieners Feuer fing. An ein Weiterfahren war 1900 zeigte wohl die ausgeglichenste Mannschafts- iciftung. Besonders der Sturm erfreute die Anhänger der Dlauweißen, indem er sich erfolgreich ein» usetzen vermochte. Frohnhausen und Nieder-Girmes geigten ebenfalls achtbare Leistungen, wenn auch nicht technisch, so doch großen Eifer und Hingabe. Wetzlar enttäuschte. Es konnte gestern keine über» I i.eugenbe Leistung bieten. Die beiden Schiedsrichter Gebrüder R ü s p e l e r ' ..... ~ ' gut Dortmunder Diedrichs in 9:47,22 Stunden vor seinen ihm dichtauf folgenden Landsleuten Wierz- Kleinauheim, Ruhland-Köln und Hauswald-Chem- nitz. In der Gesamtwertung fiel der Sieg für die Fahrt Basel—Cleve an den Kleinauhelmer Wierz, der den Sieger von Warschau—Berlin, Hauswald, auf den zweiten Platz verwies. In der Gesamtländerwertung konnte Deutschland den ersten Platz vor der Schweiz und Dänemark erringen. Beifall nach den Spielen. Unter Aufsicht des Kreisführers Henkel wickel- ten sich die Spiele in nachstehender Reihenfolge ab: 1900 — Oranten Frohnhausen 1:1 (1:1). Frohnhausen ging durch seinen Mittelstürmer : iberraschend in Führung. Schmidt traf hieran keine 1 Schuld, da ihm die Sicht versperrt war. Bei einem Beoränge norm gegnerischen Tor gelang der Aus- ,leich. Kurz vor Schluß hatte Wilhelms Gelegenheit, den Sieg herauszuholen. Sein Schuß holte ich aber der Tormann aus der Ecke. Der Nach- chuß war jedoch zu schwach, so daß der Verteidiger Belegenheit hatte, die Gefahr abzuwenden. Spv. Wetzlar — TUeder-Girmes 0:0 (0:0). Die Wetzlarer Vorstädter lieferten hier ihrem Rivalen einen gleichwertigen Kampf. Besonders ihr großer Eifer verhalf ihnen zu dem unentschiedenen Resultat. Man sah aber auch verschiedene gute tech- »ische Leistungen, während Wetzlar keinen richtigen Zusammenhang in das Spiel brachte. Nieder-Girmes — Oranten Frohnhausen 2:0 (2:0). Hier hatte man einen Sieg von Frohnhausen er» wartet. Aber Fortuna war mit den Oirmefern. Ein k urz nach Beginn verwandelter Eckball gab ihnen 11 b»en nötigen Rückhalt. Ein wunderbarer Schrägschuß ihres Rechtsaußen ergab das zweite Tor. 1900 — Sportverein Wetzlar 1:0 (1:0). Dieses Spiel beanspruchte wohl das meiste Jnter- I esse der Zuschauer. Eine Niederlage, das wußten I beibe Mannschaften, bedeutete das Ausscheiden. Deshalb wurde gleich mächtig aufgedreht. Eine Flanke ton Heilmann wollte der Wetzlarer Hüter abwehren. Sein linker Vordermann jedoch behinderte ihn hierbei und prompt nutzte Schmelz die Gelegenheit nus. Wetzlar, zuerst etwas deprimiert, versuchte nun eine Wendung herbeizuführen, aber durch den Trfolg gestärkt, hielten die Blauweißen allen Angriffen stand. Spv. Wetzlar — Oranten Frohnhausen 1:3 (0:2). Dies war wohl die größte Überraschung. Frohn- paufen zeigte hier ein äußerst eifriges und mit oer- ,chiebenen guten Kombinationszügen durchwirktes Spiel. Zwei schöne Tore ihrer Flügelstürmer verbal en ihnen zu dem Halbzeitergebnis. Nach der Lause drückte Wetzlar stark und es gelang ihnen iuch durch ihren Halbrechten ein Tor aufzuholen. 3m Gegenangriff jedoch stellte Frohnhausens Rechts- nußen die alte Differenz wieder her. 1900 Gießen — Nieder-Girmes 3:0 (3:0). Hier zeigten die Blauweißen endlich einmal ihr wahres Können. Besonders der Sturm offenbarte rich in guter Schußlaune. Auf einen Schuß von Heilmann aus 20 Meter fiel das erste Tor. Das । weite resultierte aus einer hohen Vorlage von Jager. Schmelz erwischte sie und unter Assistenz von Wil- >elmi vollendete er die Aktion. Schmelz war auch der Schütze des dritten Tores. Einen Schrägschuß von Wilhelmi hielt der Nieder-Girmeser Torwächter im Fallen. Der Ball entwischte seinen Händen und Schmelz, der energisch nachgesetzt war, traf wiederum ins Schwarze. Nach der Pause war 1900 meist Überlegen, aber zu Erfolgen kam es nicht mehr. Kritik der Mannschaften: Fußball-polaltmnier der Spielvereinigung 1900. Während draußen auf der Grünberger Straße )ie Matadoren der Landstraße ihre Fahrt um den zroßen Jubiläumspreis beendeten, begannen auf !>em Sportplatz der Spielvereinigung 1900 die Spiele um den Jubiläumspokal der ehemaligen hessischen Üeib-Dragoner. Die Veranstaltung schien nicht das nötige Interesse erweckt zu haben, denn nur ca. 500 Zuschauer waren gekommen. Es mag sein, daß mancher lieber ein Spiel zweier Mannschaften von A ns Z sehen will, aber was Abwechslung anbetrifft, »aben auch Pokalspiele ihre ganz besonderen Reize. Besonders die Austragungsart war sehr glücklich gewählt, denn das Spiel jede gegen jede Mann- chaft war sehr interessant. Aber auch propagandistischen Wert haben Pokalspiele. Daß dies gestern in so guter Art und Weise gelang, ist in erster Linie den beteiligten Mannschaften zuzuschreiben. Faire ritterliche Kämpfe, frei von allen Unsportlichkeiten, onden ein dankbares Publikum. Das bewies der Der Gießener Radfahrerverein, der sich in den letzten Jahren um die Hebung des Radsportes in unserer Stadt außerordentlich verdient gemacht hat, brachte im Zusammenhang mit seinem in oiefem Jahre gefeierten Jubiläum des 50jährigen Bestehens eine Reihe von sportlichen Veranstaltungen zur Durchführung, die ihren Höhepunkt und ihren Abschluß mit dem gestern ausgetragenen „Großen Jubiläumspreis von Gießen" fand. Der Porstand des Vereins hatte keine Mühe gescheut, um gerade dieser Veranstaltung zu einem großen sportlichen Erfolg zu verhelfen. Das Rennen fand denn auch in weiten Kreisen stärkstes Interesse. Die Bedeutung, die man diesem Rennen beimaß, ging allein schon daraus hervor, daß viele bekannte Fahrer ihre Meldung abgaben und am Start erschienen. Aus vielen Städten West- und Südwestdeutschlands kamen die Freunde dieses kernigen Sportes und schufen auf der Rennstrecke jene starke Atmosphäre, Die immer von außerordentlichen Ereignissen ausgeht. Fahrer aus Dortmund, aus Bielefeld, Hagen, Sterk- rade, Köln, Worms, Kassel, Aschaffenburg, Frankfurt, Wiesbaden, Bad Homburg, Offenbach, Gießen, Fulda usw. nahmen teil. In der Startliste fand man viele Namen, mit denen Erinnerungen an Meisterschaftsrennen verbunden sind. Leider konnten die erwarteten Fahrer aus Schweinfurt nicht teilnehmen. Der Ausfall wurde allgemein bedauert, bedeutete aber für dos sportliche Niveau des Rennens keinen Abbruch. Die Rennfahrer waren in drei Klassen genannt: A-, B- und E-Klasse. In der A- und B-Klasse waren die Fahrer vereinigt, die schon in vielen Kämpfen und oftmals siegreich in Rennen lagen, die E-Klasse sah Fahrer am Start, die noch keine besonderen Erfolge zu erringen vermochten. A- und B-Slasse-Fahrer hatten insgesamt sieben Runden auf der 30 Kilometer langen Runb- strecke zurückzulegen. Die B-Klasse erhielt dabei einen effektiven Vorsprung von sechs Minuten. Die E-Klasse fuhr auf der gleichen Strecke sechs Runden. Die Strecke selbst führte vom Schützenhaus aus 3n das entscheidende Stadium trat das Rennen, als in der sechsten Runde die Steigung zum Daubringer Paß in einem wahrhaft mörderischen Tempo in Angriff genommen wurde und das feit der fünften Runde vereinigte starke Feld von etwa 18 Fahrern der höhe zustrebte. Leider fielen dabei die beiden Gießener Fahrer Willy Reumann (1885 Gießen) und Heini Preiß (Germania Gießen) heftig ab und verloren sehr rasch viel Terrain. In der 6. und 7. Runde zog sich das Feld mehr und mehr in die Länge. Die Abstände zwischen den einzelnen Fahrern wurden immer größer. Sicher und unangefochten schob sich der Sterkrader Klin - aels, ein technisch und taktisch hervorragender Fahrer, in den Vordergrund. Er zog in scharfem Tempo dem Feld davon und erhöhte seinen Vorsprung auf etliche Minuten. Als einzelner Fahrer ging er mit drei Minuten Vorsprung vor dem Frankfurter G ä n s l e r durch das Ziel. An dritter Stelle folgte der Frankfurter Willy Spahn, der mit knappem Abstand hinter Gänsler das Ziel passierte. In mehr oder weniger großen Abständen folgten die übrigen Fahrer, die sich zum Teil noch heftige Kämpfe um die Plätze lieferten. Die vielen Zuschauer am Schützenhaus und an der Grünberger Straße erlebten rassige Spurts, in denen die Fahrer nach dieser langen strapaziösen Tour noch ein erstaunliches Maß an Willenskraft bewiesen. Der Gießener Heini Preiß mußte sich mit dem 16. Platz zufrieden geben. In der E-Klasse gab es insofern eine Ueberraschung, als nicht weniger denn fünf Fahrer in einem heftigen Spurt dicht beeinanber bie Ziellinie passierten und mit je 6 Stunben Sein kühnes Wagen trug wesentlich zur Entscheidung bei Leipzig bei. Am 1. Januar 1814, leider zu spät, ging die Blüchersche Armee über den Rh em bei Cauo. Durch kühnes Vordringen riß sie die Hauptarmee vorwärts. Trotz der Rückschläge stieß die Blüchersche Armee kräftig vor. Paris in Händen der Verbündeten. Gneisenau hatte sein großes Ziel erreicht. _ ,, _. , . n. Im Feldzuge 1815 nach der Schlacht bei Llgny befahl Gneisenau, Blücher war nicht zu fmben, den Rückzug nach Norden zur Schlacht bet Waterloo. Moltke urteilt darüber: „Er hat mehr geleistet als ich, er hat ein Heer nach der Niederlage zum Siege geführt." Mit seinem „Vorwärts Km» an der e r ausge- Olympiawerblmg, Elädieachler, Wassersportfest mit Lei- M., M., am wertvoller Preise ausgesetzt, die in einer würdigen Siegerehrung am Nachmittag im „Schützenhaus" den Siegern übergeben wurden. Die gesamte Veranstaltung, die unter der Oberleitung des Bezirksstratzenfahrwarts August Deibel und unter der Mitwirkung zahlreicher bewährter Helfer durchgeführt wurde, bedeutet zweifellos für den Verein einen großen moralischen und sportlichen Erfolg. Glücklicherweise konnte das Rennen ohne jeden ernsteren Zufall durchgeführt werden. Im übrigen war für eine eventuell notwendige erste Hilfeleistung beste Vorsorge getroffen. Ueber die E - K l a s s e: 1. W. Ritter - Frankfurt a. Bayer - Hütschenhausen, Denkner - Frankfurt a. Lehmler-Wiesbaden und Frischmann-Frankfurt Main sämtlich in 6:26 Stunden. 26 Minuten die 180-Kilometer-Strecke zurück- gelegt hatten. Pferd sah man immer wieder Flanken, Kehren, Scheren, Mander- und Kreiskehren in harmonischer Verbindung. Es wurden dabei von Frey, Stangl, Winter, Sandrock Hebungen gezeigt, deren Ausführung man kaum für möglich hält. Trotzdem war auch hier wieder festzustellen, daß das Pferd das Gerät ist, an dem die meisten Versager und Haltungsfehler Vorkommen. Auch am Pferd wurde die olympische Pflichtübung geturnt, und zwar von Frey, der sie ohne Tadel ausführte. Vor dem Turnen an den Ringen gab der Männerturnwart eine kurze Erläuterung zu dieser Uebungsart. Die olympische Pflichtübung turnte B e ck e r t, der sie bis auf den Abgang sehr gut beherrscht. Auch im Kürturnen Die DeuWandriege in Vad-Aauheim. 1700 Zuschauer erlebten begeistert ein großes turnerisches Ereignis. Der Gießener Ruderklub „Hassia" hat in Erkenntnis der großen Bedeutung der Olympiade die Austragung des Städte-Achters Gießen — Wetzlar zu einer Olympia-Werbeoeranstaltung erweitert. Diese Olympia-Werbung in unserer Stadt begann mit einem Umzug der dem Reichsbund für Leibesübungen angeschlossenen Vereine, an dem überwiegend die Wassersportler beteiligt waren. Auf dem mit Wimpeln und Fahnen geschmückten Bootsplatz des Gießener Ruderklubs „Hassia" begann dann das Wassersportfest, das einen guten Besuch aufwies und einen ausgezeichneten Verlauf Felge unter den Holmen zur Ellenhangkippe Kreuzgriff war eine feine, nicht alltägliche stung. Die olympische Pflichtübuyg wurde von Schwarzmann gezeigt. Am Strecke standen. Sie Liste der Sieger: A« und 8 -Klasse. 1. A. Klingels, Sterkrade, 6:25,0 Stunden, 2. K. Gänsler, Frankfurt a. M., 6:28,0, 3. W. Spahn, Frankfurt a. M., 6:28,1, 4. W. Haack, Bielefeld, 6:29, 5. Mang, Frankfurt a. M., 6:29,1, 6. P. Tabat, Köln, 6:29,2, 7. W. Buth, Oldentrup, 6:29,3, 8. W. Schultenjohann, Dortmund, 6:31, 9 A Köller, Wuppertal-Barmen, 6:32, 10 K Müsch, Frankfurt a. M., 6:38 Stunden. ganze Strecke waren Sanitäter verteilt, die stets einsatzbereit waren und opferbereit stundenlang Der Endkampf im Städte-Achter. — (Aufnahme: Photo-Pfaff.) Mit dem Blumenstrauß und der Sieaerschleife wurde in dieser Klasse der Fahrer Willy Ritt zeichnet. Im Bewußtsein hart erkämpfter Siege fuhren die Sieger Ehrenrunden vor den vielen Zuschauern und erhielten starken Beifall. Der Gießener Radfahreroerein hat für das Jubiläumsrennen wiederum eine stattliche Anzahl Das hessische Staatsbad Bad-Nauheim bot aus Anlaß seiner Jahrhundertfeier eine Reihe hochwertiger sportlicher Veranstaltungen, unter denen das Gastturnen der Deutschlandriege am Samstagabend einen kaum zu übertreffenden Höhepunkt bildete. Der vornehme Rahmen im großen Bühnensaal des Kurhauses, die begeisterte Schar der 1700 Festgäste, darunter viel hessisches Turnervo k und viele ausländische Kurgäste, der reibungslose Ablauf der Darbietungen und nicht zuletzt die gewinnende Art der Leitung und Ansage, Martin Schneider- Leipzig, schufen eine Feststimmung, die den unübertrefflichen Leistungen der Riege eine begeisterte Aufnahme sicherte. Feierlich war der Auftakt, den die Turngememde Bad-Nauheim unter Mitwirkung des staatlichen Kurorchesters mit einer chorischen Festgestaltung bot. Die Wiedergabe war von ausgezeichneter klanglicher Wirkung. Dann stellte DT.-Männerturnwart Martin Schneider die aus zwölf Turnern bestehende Riege vor. Martin Schneider entbot zunächst dem hessischen Staatsbad zu seiner Hundertjahrfeier die Heilgrüße der DT. und sprach dann in feinen Gedankengängen vom tiefen Sinn deutschen Turnerlums und von der hohen politischen Mission, die Turner und Sportler beim Olympia 1936 zu erfüllen haben. Ein kleines Stück der großen Arbeit, die für die olympischen Spiele noch zu leisten sei, haben auch die auf der Bühne angetre- tretenen Turner zu leisten. Schneider schloß seine Ansprache mit den Worten: Der Führer hat die Durchführung der Olympiade befohlen, wir haben die Pflicht, für Deutschland zu siegen, denn „wo Deutschland kämpft und ringt, auch unsere Fahne steht." In bester Auslese hatte die Deutschlandriege für das Bad-Nauheimer Turnen eine Aufstellung gesunden, wie sie besser kaum hätte sein können. Auch zwei Spitzenturner des heimischen Gaues Hessen, Adolf Fink (Marburg) und Richard Seth (Großen-Linden) konnten sich neben den Olympia- 2(nroärtern ganz gut sehen lassen und in Ehren bestehen. Martin Schneider stellte außer ihnen noch zehn Gastturner vor: den Reckweltmeister Ernst Winter (Frankfurt a. M), den deutschen Gerätemeister Alfred Schwarzmann vom Infanterie- Regiment Nürnberg, den Studenten - Weltmeister Heinz S a n d r o ck (Immigrath), ferner den Gerätemeister von 1933, Konrad Frey (Bad Kreuznach), Franz P e ck e r t (Neustadt, Schwarzwald), Jnnocenz Stangl (München), Georg Go ebig (Mainz- Mombach), Gustav S ch m e l ch e r (München), Ludwig Herrmann (Frankfurt a. M.), Alb. Zelle- f e n 5 (Frankfurt a. M ). Am ersten Gerät, dem Barren, sah man dann Leistungen, die restlos begeisterten. Als Bester erwies sich wie seit Jahren Frey durch feine bestechende Haltung und seinen fein durchdachten Uebungeaufbau. Die schwierigsten Hebungen turnte Stangl. Fast alle Turner hatten sehr schwierige Hebungsteile. So sieht man wohl selten Schmelchers Felge unter den Holmen mit halber Drehung m den Oberarmhang, und auch Finks zeigte Beckert die schwierigste Hebung, während Winter wohl die fertigste Hebung hinlegte. Bei der Kunstfreiübung müssen heute — wie Martin Schneider ausführte und an der vorzüglichen Körperschulungsübung Finks nachher auch erläuterte — drei Bedingungen unbedingt erfüllt sein, soll das Turnen, bei dem der Boden das Gerät darstellt, in seiner Ganzheit wirken. Gefordert werden die For- mun g (allgemeine Körperschulung), die Leistung (Schwierigkeit der Hebung) und die Schönheit. Als Bester darf wohl Schwel- ch e r genannt werden, der durch besonders schöne lockere Körperschulung gefiel. Sehr gut waren auch Sandrocks und Finks Hebungen. Arn Reck wurden von jedem Turner zwei Hebungen gezeigt. Man kam bei den Darbietungen der Mannschaft aus dem Staunen nicht mehr heraus. Am bestechendsten und begeistertsten turnte, wenn auch nicht am besten, Stangl. Schwierigkeit und Ausbau seiner Hebungen waren über alles Lob erhaben. Sehr feine Hebungsteile zeigten auch Beckert, Schwarzmann und Fink, während S a n d - rock nicht ganz aus sich herausging. Winter gefiel wieder durch feine bestechende Haltung und mit feinem doppelten Salto als Abgang. Auch Seht turnte seine schwierige Hebung mit guter Haltung und bewährte sich als anerkannt guter Reckturner. Allgemein soll zu dem in Bad-Nauheim Gebotenen, das immer wieder den stürmischen Beifall des Hauses fand, gesagt werden: Selten hat die Deutschlandriege in so ausgezeichneter Besetzung bei einem Gastturnen geturnt. In bezug auf die Schwierigkeiten ist das höchste Maß bereits erreicht, wenn nicht schon überschritten. Man sollte mit jeder weiteren Hebersteigerung Schluß machen, um alle Zeit und Kraft nun ganz auf die Verbesserung der Haltung und des Hebungsaufbaues verwenden zu können. Die Darbietungen der Deutschlandriege waren umrahmt von sehr ansprechenden freudebetonten Darbietungen der Turngemeinde Bad-Nauheim. So wurde das Bad-Nauheimer Kurhausturnen zu einem ganz großen Erlebnis, für das zum Schluß Bürgermeister und Ortsgruppenleiter Götz den herzlichsten Dank aller Gäste und Besucher vermittelte. Sein „Sieg-Heil!" auf den Führer fand begeisterten Widerhall. nahm. Die Deranstaltuna war reichhaltig ausge- stattet Den Höhepunkt bildete die Austragung des Städte-Achters. Der Ruderklub „Hassia" ließ ewige Dereinsrennen austragen. Mit Konzert und Tanz klana das Volksfest aus. Mit der Austragung der Klubmeisterschaft im Einer, nahm das Fest den Auftakt Willi Müller gewann mit großem Vorsprung. Beim Schüler-Vierer gab es einen spannenden Kampf bis zum Schluß. Am Damen-Dterer beteiligten sich der Wetzlarer Ruderclub und die Hassia" Auch hierbei gab es einen harten Kamps. Mit 17 Sekunden Vorsprung errangen die Gieße- ner Damen den Sieg. Da infolge der kalten Witterung die vorgesehenen Staffelschwimmen, Medizin- Ball und Sandsackvorführungen durch das Sportamt „Kraft durch Freude" und das Rettungsschwim- men ausfallen mußten, wurden einige Kinderbeluftigungen eingeschoben, an denen groß und klem gleiche Freude hatten. m . Zum Städte-Achter um den Wanderpreis der Städte Wetzlar und Gießen starteten drei Boote: der Wetzlarer Ruderclub 1880, die Gießener Ruder- gesellschaft und der Gießener Ruderklub „Hassia . Dom Start ab war die GRG. in Führung gegangen, hart gefolgt vom Achter der „Hassia", der aber das Tempo nicht durchhalten konnte und dem Wetzlarer Ruderclub den Vorrang lassen mußte. Den Vorsprung der GRG. konnte Wetzlar nicht mehr einholen. Unter freudigen Zurufen ging der Achter der GRG. durch das Ziel. Gleich im Anschluß daran wurde die Ehrung des Siegers vorgenommen. Der Dereinsführer Schüß 1 er von der „Hassia" begrüßte die so zahlreich Erschienenen, besonders die Vertreter der Städte Wetzlar, Beigeordneter Lünzmann, und Gießen, Bürgermeister Dr. Hamm, und Sturmbannführer M ü n k e r als Vertreter der SA.-Standarte. Er begrüßte die Mannschaften der drei Vereine. Beigeordneter Lünzmann, als Vertreter der in diesem Jahre den Vorsitz führenden Stadt Wetzlar, sagte, daß es für die Stadtverwaltung Wetzlar eine angenehme Pflicht sei, den Sieger auszuzeichnen, auch wenn dieser nicht aus ihrem Bereich stamme. Er würdigte den 1926 gefaßten Beschluß der baden Städte Gießen- Wetzlar, der zur Stiftung des Wanderpreises führte und beglückwünschte die siegreiche Mannschaft. Den unterlegenen Mannschaften aber rufe ich zu, den Kampf nicht aufzugeben und in der Hebung nicht müde zu werden, damit auch ihnen einmal der Sieg beschicken fein möge. Beigeordneter Lünzmann und. Bürgermeister Dr. Hamm beglückwünschten durch Handschlag die Sieger. Anschließend sprach dann der Werbewart für die Olympiade Erwin horeyseck, der in begeisternden Worten auf den hohen Sinn und die große Bedeutung der Olympiade besonders für unser Vaterland und darüber hinaus für die ganze Welt sprach. Die Ansprache klang aus in dem „Sieg-Heil!" auf den Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, den Reichssportführer und den deutschen Sport. Zum Abschluß wurde bas Kampflied der Bewegung gesungen. Eine Büttenwettfahrt und bas Schiffe r st e ch e n, bas bie Pabbler-Gilbe Gießen vorführte, brachte eine heitere Note in bie Veranstaltung. Den Sieg im I u n g m a n n - V i e r e r fuhr im scharfen Rennen bie „Hassia" mit ßuftfaftenlänge vor Wetzlar heraus. Im Gast-Vierer holte sich Wetzlar ben ersten Sieg b‘es Tages. Im Kampfe Bott an Bott blieben sie führenb vor ber GRG. unb blieben auch im Enbspurt trotz größter Anstrengungen ber Gießener Mannschaft Sieger. Beim Einer- Rennen kenterte bas Boot ber GRG., so daß ber Wetzlarer Ruberklub als einziger Ruberer ben Sieg baoontrug. Den Abschluß bilbete ber gemischte Achter, bei bem Mannschaften aus allen brei Vereinen in einem Boot gegeneinanber kämpften. In vorgerückter Stunbe nahm bann Dereinsführer Schüßler die Preisverieilung vor, wobei er nochmals allen, befonbers auch ben Wetzlarer Besuchern für bie rege Anteilnahme dankte. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß alle beteiligten Wassersportvereine in gemeinsamem Zusammenwirken ben schönen Wassersport auf ben heimischen Gewässern zu einem befonberen Erfolg verhalfen haben. Bei ber Preisoerteilung vergab er in feiner humorvollen Art bie roertbeftän- bigen Geschenke. ■ LichtspielhausGießen I Ab heute Montag 5104A I der mit Spannung erwartete Spionagefilm Täglich 4 Uhr, 6 Uhr und 8.30 Uhr. 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September 1935 145187 251380 286910 115087 337384 340159 300 M. 3880 4702 00747 102336 107751 133718 222825 299753 347708 195520 296825 325738 367424 160924 252423 309514 326963 386338 9377 21309 35150 51761 66402 82398 93665 177611 295766 325733 356627 29143 40782 58717 66590 85697 97420 $ 113190 128486 146690 161537 169169 176743 189290 196177 208965 217452 231138 239713 250397 264532 279594 298733 306965 319479 327558 341635 352093 361602 370472 383492 393959 134855 207732 305382 326915 376816 162321 264870 318107 346884 165616 279588 323104 356576 84075 97345 129946 219748 282080 347384 399021 14949 24666 40364 57838 66528 83512 94215 109936 127297 142983 158074 168512 176654 186624 195959 204616 217237 230130 239181 250141 263516 274562 291526 305573 318876 325943 340703 350569 359792 368352 380388 393292 29855 47000 58896 69261 90452 98725 100582 155088 265331 312218 354210 109943 155931 263118 316829 382320 118988 165459 275943 322591 392310 20643 32535 61685 62987 78464 92989 123394 140468 167146 166776 175373 185700 194687 203401 216831 230006 237806 249120 261059 273867 290610 306235 318355 325078 337888 347727 358917 363952 379271 390558 116409 129884 147319 162635 170225 179968 192313 196462 210591 217462 235610 242964 251353 266555 279602 299893 310145 319705 328696 345393 354325 361772 370646 3PR297 396917 117712 138008 147651 4 63023 171584 184083 193563 197418 211172 224331 237035 243298 252079 271152 283709 301788 310233 321055 333028 346646 354355 361982 376828 387916 18897 30821 48387 61590 77440 91705 123374 219165 282079 338961 397980 18246 30008 48150 59077 69475 91638 99890 1 121988 140015 156932 164170 171617 184966 194592 198311 215361 228477 237752 247671 258401 273264 284941 304398 311356 322670 337351 346701 357550 363627 379144 389583 50044 58642 67525 90274 270664 286547 367859 11117 32440 48335 65772 64 Gewinne zu 1000 M. 69139 130838 ------ 398 Gewinne zu 16502 17871 * 5. Klasse 45. Preußisch-Süddeutsche (271. Preuß.) Klassen-Lotterie 8 Gewinne zu 5000 M. 363603 12 Gewinne zu 3000 M. 345135 381831 388644 20 Gewinne zu 2000 M. 93881 139553 261704 98 Gewinne zu 500 M. 32 4016 4683 5835 17657 18666 20910 43326 45293 61187 67638 84662 85499 88245 95018 96445 96047 99801 ------ ------ ------ ------ 3n der heutigen Vormittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen Auf jede gezogene Nummer sind zwei gleich hohe Gewinne gefallen, und zwar je einer auf bie Lose gleicher Nummer in den beiden Abteilungen I und II 3n der heutigen Nachmittagsziehung wurden Gewinne über 150 M. gezogen 2 Gewinne zu 5000 M. 64279 2 Gewinne zu 3000 M. 123913 42 Gewinne zu 2000 M. 1696 21949 57753 72678 73368 81092 91919 93921 108108 135169 136749 221612 228088 230325 300342 306292 308900 348094 349300 361419 379843 36 Gewinne zu 1000 M. 3189 13105 26076 73879 94412 130526 190401 202893 204178 231052 240834 262129 288781 313262 348366 372883 390325 390480 68 Gewinne zu 500 M. 17969 20734 33033 37630 77833 84873 104728 109666 129424 134317 164202 195359 206450 235088 243269 246015 255008 257600 276724 280597 282752 287533 293805 298481 311474 334745 341333 349977 357508 362410 365553 366036 391904 396331 300 Gewinne zu 300 M. 1527 1745 3420 3491 5689 9758 12414 14487 15834 21078 24174 25247 26078 30069 32739 35485 40604 40627 41690 48935 49958 50271 50413 50554 53669 53853 55758 59140 59236 63646 69394 75434 75447 76549 80684 81608 83920 87765 89139 89923 89OR0 90591 93566 96128 96642 96976 100058 100257 106906 107599 109522 109866 111203 114371 119982 124068 127178 127445 128174 140731 142826 144572 147918 150592 151390 156788 159168 163876 165963 166856 172673 174569 177194 177805 178628 180584 182977 187473 191081 191195 191992 194000 200990 201920 203176 206872 220420 222608 223142 227178 227317 231681 238666 251156 257311 258845 266642 273153 274228 275003 277397 278499 279115 288083 292637 293310 295420 295450 303786 306910 311667 314201 319388 319621 323766 326390 330176 330910 332757 334097 338148 340893 340904 341046 344208 344678 346781 349412 349484 349485 354130 355129 361883 364216 364853 366072 366537 368248 370233 374380 374592 378567 379888 382618 383266 385455 387024 387304 388249 394006 und Flechten verschwinden durch meöhinol Herba-Seife St. 58 Pfg., verstärkt 90 Pfg, Zur Nachbehandlung Herba« Creme. 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