185. Jahrgang 5» Das Echo des Ralsbeschluffes -a c verletzt habe. v ’s i? g 5 S* BJ g -8 s 93 •3J Da sich kein anderer Delegierter mehr zum Wort meldete, erfolgte namentliche Abstimmung in alphabetischer Reihenfolge, wobei die beiden Parteien, deren Votum für die Annahme des Berichtes auf Grund der Satzung nicht in Betracht kommt, am Schluh stimmten. Sämtliche Ratsmitglieder, einfchl. des Vertreters Abessiniens, stimmten mit I a, nur der i t a t i e n l sch e Delegierte stimmte mit Rein. Damit ist der Bericht einstimmig angenommen. Der Ratspräsident erklärte, daß der Rat sich vorbehalte, weitere Empfehlungen über die in dem Bericht enthaltenen hinaus ergehen zu lassen. Unter Bezugnahme auf die Empfehlung des Berichtes, die Feindseligkeiten einzustellen, erklärte er, daß jedem Paktbruch so schnell wie möglich Wandlungen. Don Or. Hans von Malottki. Der historische Marschbefehl des Duce hat eine Sturzflut von Ereignissen ausgelöst. Seit jenem 4 Oktober marschieren nicht nur seine Truppen in Afrika, seit jenem Tage marschiert Europa. Zu welchen Zielen? — Äst der mit Einsatz aller modernen Waffen in der abessinischen Steppe geführte Krieg weniger real, weil er nicht erklärt wurde, oder weil der Völkerbund, vor vollendete Tatsachen gestellt, mit den Ereignissen nicht mitgekommen war? Der unverbildete Sinn der Völker kennt nicht die feinen Unterschiede; er fragt nicht, ob Kolonialexpedition oder anerkannter Krieg mit allen im geltenden Recht vorgesehenen Folgen, und auch das Spiel um den Begriff der Provokation ist ihm nicht das Entscheidende. Er sieht „nur" das Faktum Krieg, die Wirklichkeit, so wie sie ist, und ihr gegenüber, schemenhaft verblassend, jene Welt der Pakte und Verträge, jenes Gebäude der „kollektiven Sicherheit", das die Siegermächte als die größte Errungenschaft nach dem Weltkrieg ausgegeben hatten. Diese kollektive Sicherheit war der Fetisch der Versailler Welt. Nie wieder sollte der Frieden gestört, sollten Sicherheit und Ordnung beeinträchtigt werden können. Man „organisierte" den Frieden, man schuf „zusätzliche Sicherheit" in Gestalt von Bündnissen und Pakten. Der Völkerbund, so sagte man, sei zu elastisch, er lasse dem Angriffslustigen zu viel Spielraum. Automatisch müsse die Friedensmaschinerie wirken, sonst nütze sie nichts; und es entstand jenes Netz von Beistandsverpflichtungen, das im Falle der Gefahr blindlings und bedingungslos spielen sollte. Europa wurde gegen den Kriegorganisiert. Daß es dabei d e n F r i e - den verlor — wer hörte darauf? ein Ende gemacht werden sollte, denn die Weltmeinung würde es nicht verstehen, wenn einem solchen Appell in dieser ernsten Stunde kein Gehör geschenkt würde. Auch nach Ausbruch eines Krieges müsse der Rat Maßnahmen zur Einstellung der Feindseligkeiten treffen. Der Völkerbundsrat stehe daher den Parteien zur Verfügung, um die Bedingungen hierfür festsetzen zu helfen. Der Völkerbundsrat wandle sich dann dem Verichlüberdie Schuldfrage zu. Die Abstimmung ergab wiederum die e i n st i m - mige Annahme des Berichtes durch die am Konflikt nicht beteiligten Ratsmitglieder, sowie die Zustimmung des Vertreters Abessiniens. Der italienische Ver- lreler erklärte, daß er hinsichtlich des Verfah- ' ft Kl a* » 3 sa .3 Oer Völkerbund bezeichnetItalien als den Angreifer. Oie Völkerbundsverfammlung wird am Mittwoch einen Ausschuß beauftragen, den plan der Gühnemaßnahmen auszuarbeiten. ■tpfl 1 5*51 Zz |! 'S Hi 2-U» jy 2.5? Os «W IH * Cf legung (!) seiner wichtigsten Bestimmungen" mit sich bringen. Kein Geschäft, sondern eine überzeugende, sau- bere Politik? Es ist mehr als ein Geschäft; in diesen Tagen gibt die zwischenstaatliche Politik der West- Mächte den Blick frei auf den absoluten moralischen Bankrott des von ihnen gesetzten Rechtes. Weil diese Rechtsordnung kein schöpferisches Instrument für die gedeihliche Fortentwicklung der Völker war, sondern ein Instrument zur Niederhaltung Deutsch- lands, deshalb 'funktionierte sie nur in der Stoßrichtung gegen Deutschland. In diesem Falle arbeitete der Apparat tadellos Er mußte versagen m dem Augenblick, wo es einmal anders kam, wo Interessen der Sieqermächte in Widerstreit gerieten, denn dieser Fall stand nicht im Programm. Nun empfindet man als Belastung, was man zur Be- Handlung deutscher Interessen als vorbildlich bezeich- nete, spürt man die Unvollkommenheit des eigenen Werkes. Diese Situation trug in sich sowohl die Chance der Entscheidung zum Fortschritt, wie aber auch zu neuem, noch tieferen Absturz. Entweder wurde das Prinzip der Anerkennung der Lebensnotwendigkeiten aller, der Grundsatz gleichen, nicht zweierlei Rechtes, die loyale Zusammenarbeit eines gestuften Gefüges der europäischen Nationen an Stelle des mechanischen Genfer Universalismus als das Grundgesetz einer wirklichen zwischenstaatlichen Ordnung erkannt, oder man verstrickte sich immer mehr in der alten unfruchtbaren Methodik. Indem man den zweiten Weg aing, verlor matt den letzten moralischen Kredit für den europäischen Führungsanspruch. lichen Lebensrechte anderer marschieren lassen. Noch das letzte Angebot Mussolinis an England suchte beides zu verbinden, suchte mit einem nicht mißzuverstehenden Hinweis auf die wichtigen „europäischen Ausgaben" Italiens die Sanktionierung seines abessinischen Krieges zu erkaufen ... England lehnte ab, weil „der Streitfall sich nach britischer Ansicht in den Händen des Völkerbundes befindet, und die britische Regierung hat keinerlei Absicht, ihn aus der Hand des Völkerbundes zu nehmen". In dem Maße, wie Frankreichs Interessen in diesem Fall gegen das Genfer Verfahren sprechen, sprechen diejenigen Englands dafür. Soweit geht die englische Volker- bundsliebe, daß sie den Schutz jenes Landes zur obersten Richtschnur ihres Handelns macht, das man vor zwölf Jahren der Aufnahme in den Genfer Bund für unwürdig hielt! Da auch die französische Dölkerbundstreue von den „Umständen" abhängt, muß man sich die Unterstützung Lavals etwas kosten lassen Man tut's, weil diese Kosten auf die Rechnung anderer gehen. Die notwendige Folgerung aus der Tatsache, daß Genf den Krieg nicht verhindern konnte, so schrieb die Times ist nicht der Zusammenbruch des Völkerbundes, sondern Englands Aufrüstung; und Baldwin fand in seiner Rede vor dem konservativen Parteikongreß, daß England „seine Rolle auf dem Kontinent spielen müsse" — eine zarte Umschreibung jener Verpflichtungen auf Gegenseitigkeit, die Herr Laval zustande brachte Ein England, das sich seiner „kontinentalen Verpflichtungen" wieder bewußt wird, das seine Grenzen am Rhein" wieder entdeckt, em England, das nach Baldwins Worten „durch Deutschland Die Nr. 255 Erster Blatt 185. Jahrgang Dienstag, 8. Moder 1935 SSS Z3TIa^a**a*aM***a**a** Gießener Familienblätter M iW W MD B llv Grundpreise für 1 mm höhe ■ WH I | | |l B 1 I B Mit 4 Beilagen RM.1.95 ■ W ■ B B B B K B Z JH B B B ■ B K B anzeigen von 70 mm Breite XzlVIlVIlVl S8SS« I.ÄG KX V Ar «,.w MZ General-Anzeiger für Oberhessen giB richten: Anzeiger Stehen VW I • b-hördlich-Anz-ig-nkRpf. StaX’rt aÄ‘n 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitäir Such- und Steindruckerei «.Lange in Giehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrah« 7 M°ng°nabWüff-Staffel8 Genf, 7. Okt. (DNB.) Gegen 6 Uhr begann eine öffentliche Sitzung des Völkerbundsrats. Der Ratspräsident eröffnete die Aussprache über den Bericht des Dreizehner-Ausschusses. Baron Aloisi erklärte, die italienische Regierung sei genötigt, Vorbehalte zu machen. Vor allem sei die Bedeutung der abessinischen Angriffshandlungen gegen Italien nickt ausreichend gewürdigt worden. Der Bericht setzt sich auch über die italienischen Beschwerden wegen der wiederholten Vertragsverletzungen hinweg. Auf die italienischen Ausführungen über die Behandlung der Eingeborenenbevölkerung durch die herrschenden Kreise in Abessinien sei überhaupt nicht eingegangen worden. Der Ausschuß sei dafür verantwortlich, daß ein Sklavenhalterstaat mit Italien und den anderen Dölkerbundsmitgliedern auf die gleiche Perspektive Europas geändert" sieht, — was gibt es besseres für Laval, um die Flamme von Stresa wieder zu entfachen? Jene Flamme, die die „Verurteilung" der deutschen „Aufrüstung" in Genf beleuchtete. Man hat sich gefunden, und bald wird Laval den Engländern klaraemacht haben, daß ihre Grenzen nicht nur am Rhein, sondern auch an der Donau liegen. Zunächst allerdings muß er den Krieg m Afrika lokalisieren, um den „Frieden" in Europa zu retten. Wird das englische Versprechen, nur kollektiv handeln zu wollen, das Kunststück gelingen lassen? Inzwischen betet man in Europa an, was man tm Falle Abessinien verbrennt. Während man in Genf dem Artikel 16 mit allen nur eben noch möglichen Vorbehalten begegnet, geht man im Notenaustausch mit England noch darüber hinaus. In Europa soll der englische Beistand auf Gund des Artikels 16 bereits spielen, ehe noch der Völkerbundsrat den etwaigen Angreifer festgestellt hat! Damit wird die Axt an b en Locarnovertrag gelegt, der ausdrücklich das Eintreten der Unterstützung des Angegriffenen von der vorherigenE n t s ch e i - düng des Rates abhängig macht, wird jener bedingungslose Automatismus heraestellsi von dem man im Falle Abessinien sogar m schwächerer Form nichts wissen will, wird angesichts der Problematik des ,provozierten" und „nicht provozierten Angriffes" jeder Verschwörung gegen Deutschland geradezu Tür und Tor geöffnet. Denn daß sich die europäische Verpflichtung Englands auf den „Fall Deutschland" zuspitzt, geht auch aus dem Hinweis des „Daliy Telegraph" hervor, sie müsse „eine Abänderung des Locarnopaktes oder eine neue Aus- Paris für größte Vorsicht. Paris, 8. Okt. (DNB. Funkspruch.) Die Tatsache, daß der Völkerbund zum ersten Mal seit feinem Bestehen den Artikel 16 in Anwendung bringen will, wird von den französischen Blättern mit der Feststellung begleitet, daß der Völkerbund weder im Mandschurei-Streit, noch im ChacoStreit und auch nicht bei der „deutschen Vertragsverletzung infolge Einführung der Wehrpflicht" sich zum Artikel 16 bekannt habe. Allerdings müssen die Blätter zugeben, daß bei der klaren Sachlage und angesichts der vorliegenden italienischen Kriegsberichte der Völkerbund kaum anders hätte handeln tönnen. Da in Paris nach wie vor eine starke Abneigung gegenüber Sühnemaßnahmen besteht — von der 'Linken abgesehen —, zeigt man eine leichte Befriedigung, daß die wirtschaftlichen und finanziellen Sühnemaßnahmen nicht automatisch in Gang gesetzt werden, sondern daß sie durch einen Ausschuß der Völkerbundsoersammlung festgesetzt werden sollen. Der offiziöse „Petit P a r i \ i e n" findet, daß der Bericht des Sechser-Ausschusses sehr viel kategorischer und schärfer ausgefallen sei, als man angenommen habe. In italienischen Kre.isen habe dieser Bericht eine schwere Enttäuschung hervorgerufen. Die Ratssitzung sei unversöhnlich und eisig verlaufen. Die Schärfe, mit der Italien als Angreifer bezeichnet worden sei, habe den sachlichen Beobachter unangenehm berühren müssen, denn es handele sich ja nur um einen kolonialen Streitfall. Zugunsten des Weltfriedens fei zu hoffen, daß die Sühnemaßnahmen m 11 der größten Vorsicht angewendet würden. Der „F i g a r o" ist mit dem Genfer Spruch sehr unzufrieden. Italien ist verurteilt worden. Der Mechanismus der Sühnemaßnahmen tritt zum ersten Male in der Geschichte des Völkerbundes in Tätigkeit gegen einen Staat, der der Welt die Zivilisation gegeben hat, gegen Italien als den Erben des römischen Reiches. Der Mechanismus wirkt zugunsten eines Staates, der in d e r Barbarei lebt, und in. dem heute noch derSklavenhandel herrscht. So hat der Pakt es beschlossen, der zwischen Rassen und Zivilisationen keinen Unterschied kennt. In der „Vic- t o i r e" heißt es, daß Italien juristisch im Unrecht sein möge, aber es gebe nichts Unerhörtes in dieser Angelegenheit als das Benehmen Englands. „Homme Libre" erklärt, England habe die Stufe gestellt werde. Wenn die abessinischen Aufrüstungen kein gefährliches Ausmaß angenommen hätten,' fo würde die italienische Regierung keinen Grund haben, Äorsichtsmaßregeln zu ergreifen. Die italienischen Verteidigungsvorbereitungen hätten sich vor aller Öffentlichkeit vollzogen. Es sei verständlich, daß Abessinien, nachdem seine aggressiven Absichten und Pläne entlarvt worden seien, mit Nachdruck seinen Willen, zu einer friedlichen Regelung des Streites zu gelangen, betont habe, um vor der ganzen Welt die Rolle des Opfers zu spielen und Italien die Möglichkeit zur Fortsetzung seiner Verteidigungsvorbereitungen zu nehmen. Diese Umstände hätten einen Notstand geschaffen, der die italienische Regierung gezwungen habe, in angemessener Weise für die Verteidigung ihrer Kolonien zu sorgen. Die italienische Regierung sei der Auffassung, daß sie in keiner Weife den Pakt Der Vertreter Abessiniens entwickelte den Standpunkt feiner Regierung, daß Abessinien für eine uneigennützige kollektive Hilfeleistung zu seiner kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung jederzeit dankbar fei, daß es aber jede Kombination ablehne, die auf ein Protektorat oder eine Teilung in Interessensphären hinauslaufen. Erfreulicherweise habe der Dreizehnerausschuß diese Auffassung Abessiniens vollauf gebilligt. Es fei seltsam, daß der italienische Vertreter nicht die Gründe für das italienische Vorgehen angebe, die in Rom als bestimmend bezeichnet worden seien, nämlich die Eroberung Abessiniens, Schaffung eines großen italienischen Kolonialreiches und Sicherung der Vorherrschaft des weißen Mannes in Afrika. Hawariate schloß- mit der Aufforderung an den Rat, den von Italien eröffneten Feindseligkeiten sofort Einhalt zu gebieten und in Anwendung des Artikels 16 feft- zustellen, daß Abessinien das Opfer eines italienischen Angriffes geworden fei. Nun ist der Kriegsfall eingetreten und sogleich hat sich die Szene gewandelt! Die eifrigsten Baumeister an diesem Sicherheitsgebäude überbieten sich in der Selbstverleugnung bisher für heilig erklärter Prinzipien. Sanktionen? Niemals las man gründlichere Abhandlungen über ihre Unzweckmäßigkeit als in diesen Tagen in der Pariser Presse. Sanktionen bedeuten Krieg, so ertönt jeden Tag der warnende Ruf des „Temps". Wer aber könne das ernstlich wollen? Alle wollen den Frieden! Also müsse man den Frieden schützen und sichern, wo er noch vorhanden, den Krieg begrenzen und beenden, wo er zum Ausbruch gekommen. Sanktionen — das bedeute Ueberspringen des Kriegsfunkens auf das Mittelmeer, bedeute Auflösung der Ordnung in Europa, bedeute zuletzt das Chaos. Die Flucht aus der kollektiven Sicherheit hat eingesetzt: Lokalisierung des Krieges, nicht etwa seine Ausweitung — das ist die neue Parole der Pariser Friedensapostel. Derselben Apostel, die Herrn Litwinow Beifall klatschten, als er auf dem Genfer Parkett die Lokalisierung des Krieges als die Freiheit zum Krieg brandmarkte; derselben auch, die die Alarmglocke läuteten, als die d e u t s ch e P o l i t i k pflichtgemäß vor den Gefahren bedingungslos funktionierender Kollektivoerpflichtungen warnen mußte! Wie ist dieser erstaunliche Wandel, diese verblüffende Sinnenänderung zu bewerten? Entspringt sie der Erkenntnis von der Unvollkommenheit des bisher als allein nützlich bezeichneten Sicherheitssystems! Gründet sie sich auf die Einsicht, daß die Organisierung des Krieges gegen den Krieg em sehr zweifelhaftes, ja gefährliches Heilmittel abqeben muh? fiat sich in den erregenden Ereignissen dieser Tage der Blick geschärft für das wo- nach die Welt seit 1919 verlangt? Mit einem Wort: Ist die Politik der ehemaligen Siegermachte im Begriff, einen befreienden Schritt aus jener Sackgasse zu tun, in die sie durch die Schuld eben dieser Mächte geraten ist? Der Duce behauptet, mit offenen Karten 3« spielen. Er hat starke Trümpfe politischer, rechtlicher und moralischer Natur. Gegen das geschriebene Recht von Versailles und Genf fetzt er das na- türliche Lebensrecht feines Volk e Hat man ihn nicht bei der Verteilung des Deutschland geraubten Kolonialbesitzes übervorteilt? Haben nicht auch Italiens Truppen geblutet und sind gefallen wie die anderen? Der Duce rechnet genau, keinen Gefallenen, keinen Verwundeten hat er beim Generalappell vergessen. Er rechnet seinen Freunden vor, daß er 15 Jahre g e w a r t e t hat, daß er auch jetzt die Interessen der anderen beachtet unö von dem ihm zustehenden Recht nur dort Gebrauch machen will, wo er weder Frankreich noch England schädigt. Er erinnert an die Teilungsvertrage über Abessinien, an die Geheimabkommen, an all die bindenden Zusagen, die nun plötzlich nicht mehr gelten sollen. Er richtet an das Weltgewissen die Frage, ob es nicht Wahnsinn und Unrecht zugleich wäre, um der Einlösung des damals ausgestellten Wechsels willen Europa in Kriegswirren zu stoßen, um ein paar „barbarischer Volker in Afrika" willen die europäische Zivilisation aufs Spiel zu setzen. Selten hat der Duce so leidenschaftlich und mit so eiserner Konsequenz für das Pinzip der lebendigen Entwicklung, für die Berücksichtigung der Lebensnotwendigkeiten gefochten. Selten aber auch wirkten Argumente so wenig überzeugend, denn es klafft ein Zwiespalt in dieser italienischen Politik. Jener Zwiespalt, daß Mussolini in Afrika — da die Interessen seines Volkes es so wollen - das Gesetz der Revision tm umfassendsten Sinn proklamiert und a u f d e m e u r o p a t s ch e n Felde — da feine Interessen es so wollen — sich zu gleicher Zeit zumi Status quo be- i e n n t! Die gleiche Macht, deren Truppen in Abessinien im Zeichen der natürlichen Lebei^rechte eines Volkes marschieren, — die Stiche Macht will in Europa ihre Truppen gegen die natur- Sa , n » - 5°* rens alle Vorbehalte mache und schon jetzt erkläre, daß er die Schlußfolgerungen des Berichtes nicht billige. Der Ratspräsident erklärte, daß der Völkerbund sich der Tatsache eines unter Mißachtung desArtikels 12 der Satzung begonnenen Krieges gegenüberstehe, und daß me weiteren Verpflichtungen der Dölkerbundsrnitglteder unter Berücksichtigung der Entschließung vorn September 1921 sich unmittelbar aus bet Dölkerbundss atzung ergäben. Ihre ynrrajt- setzung sei Sache der den Verträgen geschuldeten Treue. Es sei Aufgabe des Rates, die zu treffen- den Maßnahmen in die Wege zu leiten. Da 1 aber die Versammlung auf den 9. Oktober ein- I berufen fei, erscheine es angezeigt, sie an dieser Aus- I gäbe zu beteiligen. größte diplomatische Schlachtseit dem Weltkrieg gewonnen. Frankreich habe alle ihm zufallende Verantwortung übernommen. Aber sie werde nur wirksam, soweit die Erhaltung des Friedens in Betracht komme. Frankreich werde nicht marschieren. Oie Stimmung in 2Rom. Paris, 8.Okt. (DNB. Funkspruch.) „Matin" meldet, man habe in Rom nicht den Eindruck, daß Mussolini gegenwärtig zu Verhandlungen schreiten werde. Italien stehe in Abessinien vor gewis - sen militärischen Schwierigkeiten, die die Regierung in Rom zu größter Zurückhaltung veranlaßten. Auch der Ratsbeschluß habe eine sachliche Lösung des Streitfalles nicht gebracht, Denn er habe die oorauszufehende Wirkung gehabt, die Abneigung Italiens gegen den Völkerbund zu verstärken. Auf jeden Fall würde Rom nicht den ersten Schritt machen. London befriedigt. London, 8. Okt. (DNB. Funkspruch.) In der Presse wird nicht daran gezweifelt, daß die Völker- bundsoersammlung am Mittwoch den Spruch des Völkerbundsrates bekräftigen wird. Die Haltung Lavals wird kritisiert, fein Zögern fand erst ein Ende, als sich zeigte, daß er nur noch zu wählen hatte zwischen einem Zusammengehen mit den übrigen Staaten ober einer Isolierung Frankreichs. Der liberale „News Chronicle" schreibt, Laval habe ein furchtbare Verantwortung auf sich genommen, in dem er die bisherigen Verzögerungen gebilligt habe. Die „Times" schreibt, bald nach seiner Ankunft in Genf habe sich gezeigt, daß er nicht beabsichtigte, eine isolierte Stellung einzunehmen. Als Baron Aloisi eine Vertonung um 24 Stunden vorschlug, hätten sich aller Augen auf Laval gerichtet, der bisher in der Regel bereit gewesen fei, den Italienern aus Schwierig- | feiten herauszuhelfen. Aber mit einer leichten Handbewegung habe Laval deutlich zu verstehen gegeben, daß er nichts mehr tun könne. Der konservative „Daily Telegraph" erklärt, daß der barbarische Staat Abessinien sein Wort gehalten habe und daß der Fackelträger der Zivilisation, Italien, eidbrüchig geworden fei. Italiens wirkliches Argument fei der Entschluß, Abessinien m i t ober ohne Genf in Besitz zu nehmen. Die Anwenbung von Sühnemaßnahmen fei baher un- oermeiblich geworben. Eichener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhesfen Die konservative „M o r n i n g P o st" hält eine finanzielle und wirtschaftliche Sperre gegen Italien für verfehlt. Italien könne zur Zurückziehung seiner Truppen nur veranlaßt werden, wenn sich die ganze Welt daran beteilige. Es würde töricht sein, Italien durch Nadelstiche zu reizen, die nichts als Erbitterung Hervorrufen würden. In beiden Fäl- len sei die Gefahr eines Krieges in Europa gegeben. Bei ihrer bekannten zu Frankreiech neigenden Haltung nimmt es nicht wunder, wenn die „Morning Post" eine deutsch-italienische Verständigung an die Wand malt und auf die „gigantischen Vorbereitungen" Deutschlands hinweiest. Das Diplomatische Korps ersucht um Schonung Addis Abebas. London, 7. Okt. (DNB.) Der britische Gesandte in Addis Abeba hat an seine Regierung die Bitte gerichtet, die italienische Regierung um bie Zusicherung zu ersuchen, daß die Städte Addis Abeba und D i r e d a u a (an der Bahnlinie Dschibuti-Addis Abeba) nicht mit Bomben belegt werden. Wie verlautet, beruht diese Bitte auf einer Uebereinkunft der ausländischen Missionen in Addis Abeba, darunter auch der französischen, der deutschen und der amerikanischen, die auf die beträchtliche ausländische Bevölkerung in Addis Abeba und Diredaua zurückzuführen ist. Der Zmam des Jemen verbietetLandungitalienischerTruppen. London, 7. Okt. (DNB. Funkspruch.) „Daily Telegraph" meldet aus Aden: Von sehr zuverlässiger Seite verlautet, daß die Italiener den Imam des Jemen um Erlaubnis ersucht haben, ihre kranken Soldaten aus Eritrea in Schech Said gegenüber der Insel Perim' landen zu dürfen, damit sie sich dort erholen. Der Imam habe es nachdrücklich abgelehnt, italienischen Truppen die Landung auf seinem Gebiet zu erlauben Italiens Kriegsplan. 4ddij Abebu GOlf WM APEN HORA- SCH* LA- MUX1*' AU Ji, s fMafixu ®v Gwd«re Auf Grund der bisher bekanntgewordenen italienischen Pläne wurde der mutmaßliche Overations- plan der Italiener ausgearbeitet. Unsere Karte veranschaulicht die zehn Angriffskolonnen, in denen die Italiener vorgehen wollen, um Abessinien nach und nacb zu besetzen und die Hauptstadt Addis Abeba einzukreisen. — (Scherl-M.) Ein M von bet italienischen Front in Eritrea. ’i W: ,;z & x x WWW W; - ■ W SaS#» ■ - \ ■ > i, Dieses soeben eingetroffene Bild zeigt ein italienisches Regiment auf dem Plateau von Eritrea. Dicht in der Nähe fließt der Mares, der Grenzfluß, den die Italiener am ersten Tage ihrer Kampfhandlungen überschritten. Im Hintergrund die Berge von Abessinien. — (Scherl-Bilderdienst-M.) Der Kampfwert der abessinischen Armee. Von unserem JA Sch.-Berichierstatter. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Addis Abeba, September 1935. Wenn auch dieser Arttkel z. T. durch die Ereignisse auf dem Kriegsschauplatz überholt ist, scheint er uns doch für die Bewertung der Aussichten Abessiniens recht aufschlußreich zu sein. Jetzt scheint sich der Zeitpunkt zu nähern, an dem der Krieg mit Italien nicht mehr zu vermeiden ist. Italien fährt unablässig weiter fort, große Truppenmassen und Waffen- und Munitionsmengen nach Eritrea und Jtalienisch-Somaliland zu senden. Ende September standen schätzungsweise 250 000 Mann italienischer Soldaten in beiden Kolonien angriffsbereit. Italien verschiffte nach Eritrea rund 170 000 Mann, während der Rest von 80 000 Mann in Jtalienisch-Somaliland gelandet wurde. Die ungleiche Verteilung der Truppen bei einem zu erwartenden Zweisronten- - ' - MW I 'M? ßrM; ■ u n ■ > MMW A 3n der Provinz Ogaden haben die Abessinier in Erwartung einer nunmehrigen energischen Offensive der Italiener umfangreiche Verteidigungsmaßnahmen ergriffen. Unser Bild zeigt abessinische Krieger vor einem frisch ausgehobenen Schützengraben bei Ger- logubi. (Schorl-BilderdienM^ krieg erklärt sich wohl daher, daß die Wasser- und Sttaßenverhältnisse in Eritrea besser sind als in Somaliland, wie überhaupt die Basis, die 23er- vflegung der Truppen und der Armeennachschub in der Roten-Meer-Kolonie eher sichergestellt werden können, als in dem Wüsten- und Steppengebiet Somalilands. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß nun die Kampfbasis und die Derpflegungsmöglich- feiten in Eritrea besonders günstig sind. Abessinien ist bestimmt in der Lage, im Kriegsfall bis zu einer Million wehrfähiger Männer auf die Beine zu bringen. An der Ausrüstung wird es wohl hier und da hapern. Aber man kann wohl damit rechnen, daß 600 000 Mann einigermaßen gut ausgerüstet sein werden, mit modernen Waffen und sonstigem Zubehör. Die restlichen 400 000 werden mit alten Waffen kämpfen müssen, die seit langen Jahren im Gebrauch sind. Die Generalmobilisation erfolgt in der Form, daß der Kaiser die Gouverneure seiner Provinzen von der Kriegsgefahr in Kenntnis fetzt und Kriegs- bereitschaft anordnet. Die Chefs der Provinzen or- ganisieren dann die notwendigen Truppenformationen und stellen sich mit ihnen dem Herrscher zur Verfügung. Da der Abessinier von Natur aus Krieger ist, braucht der Kaiser wohl kaum zu befürchten, daß bei dieser Freiwilligen-Mobilisation die benötigten Truppen ausbleiben. Hier ersetzt der kriegerische Geist, was an Organisation mangelt. Begegnet man einem Abessinier auf der Sttaße, so trifft man ihn fast nie ohne Gewehr und Pattonengürtel. Er ist immer in gewissem Sinne Soldat, auch im zivilen Leben. Dieser Zustand hat fick im Laufe der Jahre selbst ergeben, da der Verkehr im Lande — aus Mangel an Eisen- bahnen und sonstigen Verkehrsmitteln — durch Karawanen und Einzelreiter hergestellt wird, die gezwungen sind, sich gegen Ueberfälle wilder Tiere zu verteidigen. Außerdem ist der Abessinier ein Jager, der mit der Zeit den Speer und die Lanze mit dem Gewehr vertauscht hat. Zur Zeit hat Abessinien 400 000 Mann unter den Waffen. Die Armee ist ausgerüstet mit modernen Mausergewehren, die zum größten Teil aus belgischen und französischen Waffenfabriken stammen. Die Maschinengewehre, Artillerie und Schnellfeuerkanonen kleineren Kalibers stammen größtenteils aus der Tschechoslowakei und der Schweiz. Auch Minenwerfer und ähnliche moderne Kampfmittel, wie Fliegerabwehrgeschütze, sind vorhanden, wenn auch nur in ganz kleiner Anzahl. Die abessinische Luftstreitkraft ist der italienischen bei weitem unterlegen; die ganze Flugwaffe verfügt zur Zeit über elf Maschinen, von denen aber nur sechs als eigentliche Kriegs- flugzeuge angesprochen werden können, während die resllichen fünf die Verbindung zwischen dem Hauptquartier und den Fronten aufrechterhalten müssen. D« ächioptjchg Soldat hat in erstaunlich kurzer Zeit, infolge seines großen Auffassungsvermögens, gelernt, mit allen diesen modernen Waffen umzugehen. Die belgischen Jnsttuktwnsoffiziere schafften in kurzem, unterstützt von ihren schwedischen Kollegen, aus losen Kriegerformationen eine gutgedrillte und zum Teil 'wohlausgerüstete Armee. Die Elitetruppe, die Kaiserliche Garde, macht einen besonders guten Eindruck. Sie soll nach Aeußerungen authentischer Persönlichkeiten nicht an die Front geschickt werden, sondern in der Haupt- stadt bleiben und auch zum Teil den Fremdenschutz mit übernehmen. Täglich melden sich Hunderte und aber Hunderte freiwillig zum Militärdienst. Zum Teil kommen sie aus dem Innern, einzeln, in Gruppen und Scharen. Pferdematerial, Maultiere, Gewehre und auch Munition, alles bringen die aus dem Innern Kommenden selbst mit. Die Abessinier fühlen, daß ihr Land in Gefahr ist. Obwohl keine Zeitungen, Telegraphen und Telephone — außer in Addis Abeba und Harrar und entlang der Eisenbahnlinie nach Dschibute — existieren, hat sich die Meldung von der Bedrohung durch Italien bis in die kleinsten und entlegensten Dörfer verbreitet. An allen Straßenecken, auf Höfen, in der Post, und wenn es regnet, was es in der jetzigen Regen- Zeit reichlich tut, üben die Freiwilligen Gleichschritt, den niemand hört, weil der Aethiopier barfuß geyt. Sie erfüllen ihren Dienst mit fröhlichen Gesichtern. Zuweilen fliegt ein Scherzwort hin und her, wenn einer der neuen Soldaten im Anfang seiner Militärzeit noch nach links statt rechts die Kehre macht. Alles geschieht mit einer Selbstverständlichkeit und steht so aus, als sei in den Krieg zu ziehen eine Spielerei. Man soll in europäischen Kreisen nicht in den Fehler verfallen, die abessinische Eingeborenenarmee zu unterschätzen! Die Mächte, die während des Weltkrieges Eingeborenensoldaten verwandten, wissen sicher am besten, was diese Truppen leisten können. Meistens schickte man die Eingeborenentruppen zuerst in die Feuerlinie, um den Feind zu überrennen und so für die europäische Truppe den Weg freizumachen. Sollten die europäischen Großmächte, die Eingeborenentruppen verwandten, nicht von deren Kampfwert überzeugt gewesen fein? Es ist wohl kaum anzunehmen. Man darf auch nicht außer Acht lassen, daß die abessinische Armee nicht- zwangsweise rekrutiert und für eine fremde Macht oder eine ihr unbekannte Idee als Söldner kämpfen wird Die Aethiopier wissen: Ihr Kampf gilt der Freiheit und der Unabhängigkeit Abessiniens, und darum werden sie ihr Leben einsetzen und bis zum Aeußersten kämpfen. Daß die abessinische Armee nicht über die Hilfsmittel, Nachschubquellen an Kriegsmaterial und anderen notwendigen Dingen, die zur Erhaltung einer Armee notwendig sind, im gleichen Maße wie Italien verfügt, ist eine unbestrittene Tatsache. Auch in Abessinien ist man sich darüber völlig im Klaren. Dieser Ausfall an Material und ähnlichem wird zum Teil dadurch wettgemacht, daß der abessinische Soldat nur einen B r uchteil an Verpflegung und sonstigen Ansprüchen stellt, um seinem europäischen Gegner gleichwertig gegen- überzustehen. Die Zähigkeit der Eingeborenen Darf man nicht außer Acht lassen. In glühender Sonne, in Regen und Schlamm, marschieren die Abessinier und machen acht- bis zehnstündige pausenlose Märsche, ohne daß man ihnen auch mir die geringsten Anzeichen von Müdigkeit ansehen kann. Ob die italienischen Truppen, die die Tücken Afrikas nicht kennen, durch bessere Ausrüstung einen Ausgleich des Kampfwertes wettmachen werden, kann nur die Praxis beantworten. Im afrikanischen Hochgebirgskrieg ist die Armierung wohl nicht so ausschlaggebend, wie man annimmt. Auch die sonstigen Mängel der abessinischen Armee (nach europäischen Begriffen) werden dadurch ausgeglichen, daß Abessinien in seinen Wäldern, in seinen Bergen, die zu Höhen bis zu 4000 Meter anfteigen, ungeheuren Schluchten, Strombetten und seinem tückischen Klima natürliche Abwehr- und Hilfsmittel besitzt. Die Tücken des ttopischen Klimas, wasserarme Gegenden, Fieber, Typhus und andere unbekannte Größen können einer europäischen Truppe einen großen Teil ihrer Kampfkraft nehmen. Zwei Jahrtausende konnte Abessinien äußeren Anstürmen standhalten, nicht weil es eine Armee besaß, die mit den jeweils modernsten Kampfmitteln ausgerüstet mar, sondern weil Aethiopien in der Natur zu allen Zeiten den besten Kampfgenossen hatte. Heute besitzt es außerdem noch eine Armee, die zum Teil nach europäischem Muster erzogen und zu allem bereit ist. Die französisch-englische Versicherung auf Gegenseitigkeit. Frankreichs Antwort auf bM britische Beistanböersuchen veröffentlicht. Paris sucht einen besonderen Fall zu verallgemeinern. Die er • « r < o. V r “ I -/*•***••* wvv QLUIJUJVIl U es ist nur wie eine Ahnung. Lassen Sie alles Weittre bis später einmal. Es ist jetzt so eilig. Je rascher ich Dr. Diendorf sprechen kann, um so besser. Vielleicht läßt sich dann noch die Katastrophe verhm- dern, die ich befürchte." Konrad Wilderling stand vor einem großen Rat- fei aber Neugier war gerade nicht seine schwache Seite und er wollte sich fügen. Bettina Hochwald war kein verdrehtes, hysterisches Frauenzimmer, sondern ein liebes, kluges Mädel, er wollte es darauf ankommen lasten, was aus der merkwürdigen Sache herauskam. „ , . Er meinte: „Also wollen wir schneller gehen, damit Sie hoffentlich noch verhindern können, was Sie befürchten. Wir gehen zufammen in die .Krone zu Dr. Diendorf." 14. Kapitel. Bettina holt das Bild zurück. Gerhard Dienborf eilte, nachdem er den Gold- chmiedsladen oerlaffen, hinüber in fein fiotel. Er uberte danach, jetzt ein Weilchen ganz allein zu -in lind rieaelte sich in seinem Zimmer ein. Tief holte er Atem. Ihm war unbeschreiblich g mute.'Was hatte er erlebt in der kurzen Zeit, seit er den Eckladen gegenüber vom Ritter betreten Er wußte jetzt, wer es war, der ihm das Leben öde und leer gemacht. Er kannte 2war seinen Namen noch nicht, aber den wurde er bestimmt er- ^Er"warf fatnen Hut auf das Bett, der leichte Ueberzieher flog auf den nächsten Stuhl, er aber durchquerte das Zimmer mit hastigem Schritt. Unruhe faß ihm im Blut. Unruhe ließ ferne Pulse schneller schlagen, ließ ihn leise und erregt mit sich elbst sprechen. r . Da lag das Bild auf dem Tifch, mitten auf der Tuchdecke und wenn er hinüberschaute, war MMWMl Roman von Anny von panhuyel Urheberrechtsschutz Auswärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68. seifig begehrten Speisekartoffel Industrie und der für Futterzwecke dienenden Sorte Ackersegen. Die D i ck w u r z haben sich im großen und ganzen recht vorteilhaft entwickelt. Zur Zeit fängt man hier und da mit dem Heimfahren an. Nach der Ernte des sehr fpärlichen Grummets wuchs das Gras auf den Wiefenflächen Üppig heran, das nun teilweise als Grünfutfer abgemähf wird. Vielfach werden auch die grünen Fluren als Viehweiden benützt. Wider Erwarten haben sich Rot- und Stoppel- k l e e sowie Wicken derart günstig entwickelt, daß die Möglichkeit einer lang anhaltenden Grün- fütterung besteht, die für die Milchproduktion und dadurch für unsere Ernährung von bedeutendem Werte ist. Erfreulicherweise befassen sich nunmehr immer mehr Bauern mit dem Anbau von Raps und Rübsen, wodurch die Oelgewin- nung aus einheimischen Produkten gefördert wird. Kreis Alsfeld. § Alsfeld, 7. Okt. Dieser Tage wurde der städtische Erl ent eich ausgefischt. Das Ergebnis des Fifchzuaes war gegenüber demjenigen im Jahre 1932 wesentlich geringer. Es wurden etwa 1 Zentner Karpfen fomie mehrere kleinere Quantitäten Schleie, Aale und Hechte verkauft. Mit Rücksicht auf den vor drei Jahren erfolgten Einsatz von mehreren hundert Stück Karpfen- setzlingen wäre ein wesentlich besseres Ergebnis zu erwarten gewesen, so daß der Verdacht nicht unbegründet ist, daß zur Nachtzeit unberechtigt aus den Fischbeständen des Teiches gefischt worden ist. Der Teich wird zunächst einer gründlichen Reinigung und Ausbesserung unterzogen, um nach feiner Wiederfüllung im Winter als Eisbahn zu bienen. st. Kirtorf, 7. Okt. Die G a u f i l m ff e l l e veranstaltete hier im Saale des Gasthauses Becker eine T o n f i l m v o r s ü h r u n a , die für die NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" gegeben wurde. Als Hauptfilm wurde die Komödie „Krach um Jo- lanthe" gezeigt, dazu wurde noch ein gutes Beiprogramm geboten. Die Darbietungen fanden allgemeinen Beifall, ss. Grebenau, 7. Off. Um der Raumnot in der hiesigen Schule zu steuern, hat der Schulvor- stand dieser Tage einstimmig beschlossen, einen Seitenbau an der alten Schule aufführen zu lasten, damit alle drei Klassen in einem Hause vereinigt werden können. Dieser Beschluß wurde allgemein begrüßt. Dor einigen Tagen erfolgte bereits die Grundsteinlegung. Man hofft, bei gutem Wetter den Rohbau noch in diesem Herbst fertigstellen zu können. Die Gemeinde beschloß gleichzeitig, den Raum über dem zu schaffenden neuen Schulsaal zu einem Versammlungsraum auszubauen und ihn sämtlichen Gliederungen der Partei für Schulungsabende und dergleichen zur Verfügung zu stellen. ss. Eulersdorf, 7. Oft. Dem hiesigen Land- und Gastwirt Ludwig Roth verendeten innerhalb kurzer Zeit vier Pferde. Oa man annimmt, daß es sich um eine gefährliche und an- steckende Blutkrankheit handeln kann, die tierärztlichen Untersuchungen aber noch nicht abgeschlossen sind, wurde die Gehöftsperre über das Anwesen verhängt. falschen Namen. Das Bild gehört einer Kundin und soll in einen Rahmen, den sie in unserem Geschäft kaufte." Sie schob sich vor den kleinen Herrn, den sie um einen reichlichen halben Kopf überragte. Er wollte etwas entgegnen, wollte rufen: Da kann es ja gar keinen Irrtum geben, denn das ist doch Graf Syden, Hans Syden, der im Waldschlößchen daheim ist, wenn er auch längst In der großen Welt draußen beruflich tätig ist! Aber die Augen Bettinas waren mit zwingendem Blick auf ihn gerichtet. Sie baten und befahlen zu gleicher Zeit: Verschweige den Namen! Und Konrad Wilderling schluckte ein paarmal, schluckte hinunter, was sich über feine Lippen drän- gen wollte. „Wer ist der Mann, Onkel Konrad?" fragte jetzt Gerhard Diendorf. Wer ist der Mann? Don grenzenlosem Haß durchtränkt war jede Silbe, und um den Mund, der die Frage getan, lag Verachtung. Konrad Wilderling machte eine Bewegung des Bedauerns. „ „Ich habe mich tatsächlich vorhin getauscht, als ich glaubte, den Herrn auf dem Bild zu kennen. Jetzt sehe ich aber ein, eine Ähnlichkeit hat mich genarrt. Keine Ahnung habe ich, wer er ist." Bettina warf ihrem Helfer einen dankbaren Blick zu. Gerhard Diendorf lachte kurz auf. „Warum unterstützst du die Lüge, Onkel Konrad? Er trat an das Fenster und blickte hinaus, es war, als müsse er etwas abseits von den beiden anderen überlegen, wie er sich weiter verhalten ^Konrad Wilderling, dem das Wort Lüge ärgerlick war, rief fast heftig: „Zum Teufel, Junge, ich kenne den Menschen nicht." Merkwürdigerweise dachte Gerhard Diendorf nicht daran, die Photographie an sich zu nehmen, fein Gedanfe fam ihm an die Gefahr, das schlanke blonde Mädchen könne sich gewaltsam des Bildes bemächtigen. Jeder Nerv zitterte in ihm und er fann, wie holte er nur die Wahrheit aus Konrad Wilderling heraus, der zur Lüge beeinflußt worden war von seiner Schülerin. Es herrschte tiefes Schweigen in dem Hotel- ^^Bettina zog dem alten Musiklehrer die Photo- graphie aus Der Hand und erreichte mit ein paar großen gleitenden Schritten die Tür. Leise drückte sie die Klinke nieder und betrat den Gang des ersten Stockwerkes. Kein Mensch war hier zu sehen, auch auf der Treppe begegnete ihr niemand, und der Portier unten sprach eifrig mit einigen Damen, deren Koffer der Hausdiener eben niedersetzte. Es waren Fremde, die mit dem Mitfagszuge angekommen. (Fortsetzung folgt!) seine Pforten öffnen. Jeden deutschen Volksgenossen wird es interessieren, die Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen aus eigener Anschauung kennenzulernen. So ist es zu begrüßen, daß der Reichsbund für Leibesübungen durch den „Hilfs- fond für den deutschen Sport" im Auftrage der Propaganda-Abteilung des Reichssportführers in Kürze auch in unserer Stadt einen Werbeabend abhalten will, bei dem neben sportlichen und gymnastischen Hebungen in einem inter- essant ausgearbeiteten Lichfbildvortrag das Werden dieser großen Sportstätten anschaulichst gezeigt roirb. Mannschastskampf der hessischen Schulen. Höhere Privatschule Provlnzfieger. Die von der Landesregierung für das Sommerhalbjahr 1935 angesetzten Mannschaffskämpfe und Spiele in den hessischen Schulen wurden mit dem Mannschafts-Vierkampf der Oberstufe in der Provinz Oberhessen beendet. Als Wettkampfübungen waren ausgeschrieben: 50-m-Schwimmen beliebig, Keulenwerfen, 100-m-Hindernislauf und Jetzt schloß sie die Tür, sagte leise und doch voll Heftigkeit und Drängen zu Gerhard Diendorf: „Ich ersuche Sie, mir sofort das Bild zurückzugeben, das Sie sich heute, drüben in unserem Laden, wider- rechtlich und heimlich angeeignet haben. Man nennt das Diebstahl, Herr Doktor." Gerhard Diendorf wurde es nicht klar, wie das schlanke Mädel, die ihn vorhin im Ecklädchen drüben bedient, so unvermutet m sein Zimmer gekommen. Er starrte sie zuerst an wie einen Geist, faßte sich aber rasch und fragte schroff: „Was fällt Ihnen ein, hier ohne Erlaubnis einzudringen und mich des Diebstahls zu beschuldigen? Diebstahl! Die Bezeichnung ist doch etwas sehr stark für das, was ich getan. Ich brauchte das Bild und nahm es mir heimlich, weil Sie es mir ja doch nicht gegeben hätten. Verklagen Sie mich, das steht Ihnen frei, aber mit der Zurückgabe des Bildes brauchen Sie auf keinen Fall zu rechnen. Mir liegt viel an dem Bild, deshalb behalte ich es!" Keine Silbe begriff Konrad Wilderling von dem, was die beiden Menschen redeten. Es war doch gar nicht möglich, daß Gerhard Diendorf ein Bild ent- wendet hatte. Er schüttelte verständnislos den Kopf. „Bettina, um was für ein Bild handelt es sich denn?" Dr. Diendorf blickte den alten Herrn feindselig an. „Ach so, die Dame kam mit dir, gehört irgendwie 5 Konrad Wilderling erwiderte sofort: „Bettina Hochwald ist meine beste Klavier- und Gesangsschülerin und bat mich, als wir uns vorhin zufällig trafen und ich erzählte, wohin ich ginge, um die Erlaubnis, mitkommen zu dürfen. Weiter weiß ich nichts" Gerhard Diendorf erklärte: „Es handelt sich um eine Photographie, die ich gelegentlich eines Einkaufs für Mutter in dem Laden drüben entdeckte. Ich eignete mir die Photographie an, weil sie für mich unendlich wichtig ist. Mag man mich, rote gefagt, verklagen, ich habe nichts dagegen, aber ich werde das Bild nicht wieder herausgeben. Konrad Wilderling mußte tpieber den Kopf schütteln. Er begriff natürlich auch jetzt noch nichts, gar nichts. Ihm war es, als spiele er in einzelnen wirr herausgerissenen Szenen eines Theaterstückes mit, dessen Gesamtinhalt er nicht kannte Er entdeckte plötzlich die große Photographie auf öem Tisch, die Gerhard Diendorf, als es angeklopft, schnell aus der Hand gelegt Nur einen halben Schritt brauchte er zu machen, um danach langen zu können. Er tat es, fragte jetzt sehr interessiert: „Geht der Streit um diese Photographie? Ja, meiner Seel und Gott, das ist ^Ehe er den Namen aussprechen konnte, stieß ihn Bettina rücksichtslos an, unterbrach ihn: -Wenn Sie glauben, den Herrn zu kennen, irren Sie sich, Herr Wilderling. Nennen Sie, bitte, irrtümlich keine Einführung der neuen Beigeordneten und Ratsherren in Butzbach. pb. Butzb ach, 7.Ott. Die neuen Beigeordneten und Ratsherren wurden nach vorheriger Vereidigung durch Kreisleiter Seipel von Bürgermeister Dr. Mörschel verpflichtet. Der nunmehrige Stadtrat besteht aus folgenden Mitgliedern: Vorsitzender Bürgermeister Dr. M ö r • schel; Beigeordnete: Angestellter Heinrich W e i ck - Hardt, Angestellter Konrad Sann; Ratsherren: Schreinermeister Emil Diehl, Schneidermeister Adam Diehl, Tierarzt Dr. Karl Halb faß, Werkmeister Christian Her t körn, Strafanstalts- oberwachtmeister Heinrich Klee, Kaufmann Viktor August Kraft, Strafanstallsoberwachtmeister Gg. Quans, Studienrat Dr. August Röschen, Landwirt Heinrich Sauerbier, Postassistent Heinrich Reitz, Leitungsrevisor Peter Essinger. Schottener Besuch bei den Oberhessen in Neuyork. s. Schotten, 7. Oft. In Neuyork besteht schon seit 50 Jahren ein von Ausgewanderten einst gegründeter „Schottener MännerchorNeu- y o r k", dem viele Oberhessen und Schottener angehören. Der Verein feiert im Dezember 1935 in großem Ausmaß fein goldenes Jubiläum. Er ist einer der angesehensten und größten deutschen Vereine von Neuyork. Der Verein wünscht, wie wir einem im „Schottener Kreisblatt" abgedruckten Brief entnehmen, daß bei dieser Feier auch das Stadt- oberhaupt von Schotten, dessen Namen er trägt, zugegen ist und hat daher den Bürgermeister M e.n g e l als Gast zu sich eingeladen, ihm auch die Karten für die Hin- uno Rückfahrt auf dem Dampfer „Neuyork" der Hapag zur Verfügung gestellt. Der Bürgermeister wird unsere Vogelsberger Heimat, die Stadt und den hiesigen Männerchor bei den Feierlichkeiten vertreten und Mitte November ab reifen. Landkreis Gießen. *Y* Watzenborn-Steinberg, 7. Oktober. Dieser Tage konnte der Veteran von 1870/71 Balthasar Happel, Schlageterstraße, in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 8 6. Geburtstag feiern. Dem Jubilar wurde aus diesem Anlaß ein Bild des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler mit persönlicher Unterschrift und ch Nidda, 7. Okt. Heute vollendete Oberamt- mann Schuch, eine weit und breit geschätzte Persönlichkeit, Pachter des dem Grafen Stolberg- Wernigerode gehörigen Hofgutes Schleifeld, in geistiger und körperlicher Rüstigkeit das 8 0. Lebensjahr. Da er das Hofgut im Jahre 1885 übernahm, fo ist er in der glücklichen Lage, in diesem Jahre auch das 50jährige Pachter» iubiläum zu begehen. tt. Mittleres Niddatal, 7. Okt. Allenthalben geht die Kartoffelernte dem Ende entgegen, bei vielen Bauern ist sie des günstigen Wetters wegen bereits erledigt. Während die Frühkartoffeln, Je nach Lage der Aecker, infolge der langen Trockenheit viel zu wünschen übrig liehen, haben sich die Spätkartoffeln durch den noch rechtzeitig einfetzenden Regen fast gut entwickelt. Der Ertrag reicht jedoch nicht an den des Vorjahres , heran. Zufrieden ist man mit der Menge der all- ein Geldgeschenk überreicht. ! Aus dem südlichen Kreise Gießen, 7. Okt. Die Kartoffelernte nähert sich ihrem Ende. In dieser Woche werden wohl die letzten Aecker geleert werden. Der Ertrag ist durchweg recht gut, wenn die Ernte auch nicht so reichlich ausfällt, wie im vorigen Jahre. Bei gutem Dung und richtiger Pflege ergeben die verschiedenen Sorten fast gleichmäßige Erträge. Hier und da hört man freilich Klagen, daß sich die Schalen noch nicht genügend erhärtet haben, eine Folge von dem späten Regen, der noch viel Nachwuchs erzeugte. Trotz des trockenen Sommers sind fast keine Feldmäuse vorhanden, dagegen findet man im Boden zahlreiche Engerlinge, Drahtwürmer und graue Erdraupen. Doch ist der Schaden, den dieses Ungeziefer angerichtet hat, nicht sehr groß. Im Anschluß an die Kartoffelernte beginnen nun die Bauern mit dem Einfahren der Dickwurz und Kohlraben. Das Gemüse zeigt einen prächtigen Stand und wächst noch gut. Der Winterroggen ist fast überall schon ausgefät worden. — Obbornhofen, 7. Ott. Nach dem vom Kreisamt Gießen genehmigten Gemeinderatsbeschluh werden dem Bürgermeister zwei Beigeordnete und vier Gemeinderäte zur Seite stehen. Der neue Ortsvorstand besteht in Zukunft aus Bürgermeister Kammer, den Beigeordneten Heinr. Glockengießer und Zellenwart Rudolf Kämmerer, den Gemeinderäten Heinr. Block, Bahnhofstraße, Lorenz Hahn, Richard Le sch- Horn und Heinr. K u 11 m a n n als landwirtschast- lieber Ortsfachberater. — In der Flur „Auf dem Gänsberg" stehl ein Apfelbaum einer Lokal- Oer NGKK-Gruppenführer an die HZ. Kameraden der Hitlerjugend! Wenn euch das Nationalsozialistische Kraftfahr» korps zur groß angelegten Werbeaktion einen Gruß zuruft und vollen Erfolg wünscht, so geschieht dies freudig und aufbauend auf der aus Zusammenarbeit gewordenen wahren Kameradschaft. Die vielen Hunderte von Junggenossen, die die Lehrgänge unserer Motorsportschulen besucht haben, uno die Kameraden der HJ.-Motoreinheiten sind die Garanten dieser Kameradschaft und die Förderer unserer motorsportlichen Ziele. Wenn in diesen Tagen euer Reichsjugendsührer Baldur von Schirach und unser Korpsführer Hühnlein diese Zusammenarbeit durch neue Vereinbarungen vertieft haben, so kann uno wird dies nur HI. und NSnK. fester denn je zusammenschweißen. So begrüße ich euch Kameraden im Namen aller NSKK.-Führer und -Männer der unterstellten Motorbrigaden Kurhessen und Darmstadt. Heil Hitler! NSKK.-Motorgruppe Hessen: Richard Prinz von Hessen Oberführer. Stabweitsprung. Zur Ermittlung der Bestmann, schäft des Bezirks Gießen waren die Mannschaften sämtlicher höheren Schulen Gießens angetreten. Gewertet wurde nicht die beste Einzelleistung, sondern der Durchschnitt der gesamten Mannschaft. Für die Gleichwertigkeit der gebotenen Leistungen sprechen die Ergebnisse, die bei vier Schulen zwischen 56 und 58 Punkten lagen. Als Sieger wurde die Höhere Privat sch ule mit einem Bruchteil eines Punktes Vorsprung vor der Oberrealschule Gießen ermittelt. Die Ausscheidungskämpfe in der Provinz führten drei Mannschaften zusammen: Ausbauschule Friedberg, Oberrealschule Grünberg und Höhere Privatschule Gießen, jeweils die Bestmannschaft des betreffenden Bezirks. Als Beste erwiesen sich wiederum die Gießener, die gute Durchschnittsleistungen boten und schon auf Grund ihrer geringeren Mannschaftsstärke ein gewisses Plus hatten. Die Ergebnisse waren schließlich: 1. Höhere Privatschule 65 Punkte, 2. Friedberg 62 Punkte, 3. Grünberg 55 Punkte. Als Provinzsieger nimmt die Mannschaft der Höheren Privatschule (Allmenröder, Schulz, Roth, Weyl) mit den Siegern von Starkenburg und Rheinhessen (Oberrealschule Offenbach und Gymnasium Worms) an den Schlußwettkämpfen teil, die in dieser Woche in Darmstadt abgewickelt werden. Der Endsieger erhält den Wanderpreis der Landesregierung. Zwei neue deutsche Rekorde durch den Bremischen Schwimmverband Der Bremische Schwimmverband versuchte in drei Staffeln die bisherigen deutschen Rekorde zu unterbieten. Beim ersten Versuch in der kleinen Schwellstaffel 50, 100, 200, 100, 50 Meter wurde das Ziel nicht erreicht, da alle fünf Schwimmer bei weitem nicht ihre sonstigen Zeiten schwammen. In der B r u st st a f f e l 10X50 -Meter wurde die deutsche Bestleistung des Berliner Schwimmvereins von 1878 um 9,1 Sekunden unterboten, der neue deutsche Rekord steht jetzt auf 5:54,7. Rur der erste Schwimmer schwamm noch den alten Bruststil, alle übrigen schwammen nach dem S ch m etter l i n g s st i l. — Ein weiterer deutscher Rekord wurde in der Schwellstaffel 100, 200, 400, 200, 100 Meter aufgestellt. Magdeburg 96 hielt in dieser Staffel den Rekord mit der Zeit von 12:04,4. Der neue Rekord ist 12:02,2, wobei Fischer die 100 Meter in 1:00,8 schwamm. „Don Avusrekorden und Afrikas Ein Sportvorkrag in Gießen. Paul S ch w e d e r, Rekordfahrer und Sportschriftsteller, gehörte auch in diesem Jahr wieder zu unseren erfolgreichsten Automobilsportlern. Bei einer großen Anzahl der bedeutendsten und schwierigsten Zuverlässigkeits- und Geländefahrten des In- und Auslandes sah man ihn am Start, erlebte, daß er die schnellste Zeit des Tages fuhr, oder eine „Goldene../ errang/Zu seinen größten und schönsten Erfolgen gehört zweifellos die Langstreckenfahrt auf der Avus, bei der er in Gemeinschaft mit den Fahrern Hasse, v. Guilleaume und Jaddatz jr. 13 neue internationale Bestleistungen mit einem Adler Trumpf-Junior erzielen konnte, sodann das „Race International Maroc“, bei dem Schweder den ersten Preis erhielt. Die Erfahrungen, die Schweder in seinen vielseitigen und interessanten motorsportlichen Erlebnissen dieses Jahres gewonnen hat, die Schwierigkeiten, die es in Eiseskiilte und in tropischer Hitze zu überwinden galt, schildert er anschaulich und fesselnd in dem Lichtbildervortrag „Von Avusrekorden und Afrika", der am Freitag, 11. Oktober, im Cafe Leib stattfindet. Auf die gestrige Anzeige sei hingewiesen. Oie Weltmeisterschaften der Tennislehrer. In der Vorschlußrunde der Weltmeisterschasten der Tennislehrer in der Londoner Wembley-Halle wurde am Samstag der deutsche Meister Hays R ü ß l e i n von dem Amerikaner Big Bill Tilden 8:6, 6:3, 0:6, 6:3 geschlagen. Das Endspiel bestreiten nun die beiden Amerikaner Tilden und Vines, von denen Letzterer in der Vorschlußrunde seinen Landsmann Stoefen 4:6, 6:2, 6:8, 6:1, 9:7 ausschaltete. Im Einzel am Sonntag holte sich Vines wie auch im Vorjahre den Titel gegen seinen Landsmann William T. Tilden in einem Fünfsatzkampf mit 6:1, 6:3, 5:7, 3:6, 6:3 und im Endspiel des Doppels waren Tilden-Vines dem guten Paar Lott- Stoefen 6:4, 6:4, 7:5 überlegen. Neuer schwedischer Rekord im Stabhochsprung. Gegenwärtig.finden in der Universitätsstadt Lund, unweit Malmö, die Leichtathletik-Meisterschaften der schwedischen Studenten statt. Mit einer ganz hervorragenden Leistung wartete Bo Ljungberg auf, er gewann das Stabhochspringen mit 4,15 Meter und stellte damit einen neuen schwedischen Rekord auf. Die bisherige Bestleistung Henry Lindblads stand auf 4,13 Meter. Von den Übrigen Ergebnissen sind nur die 14,54 Meter D^orrbys im Kugelstoßen erwähnenswert. Handball im kreis ffll (Laho-Sill). Don den für den 6. Oktober angesetzten Pflichtspielen in Gau, Bezirk und Kreis fiel ein großer Teil infolge der Erntedankfeftfeierlichkeiten aus, so daß nur ein verhältnismäßig schwacher Spielbetrieb herrschte. Dazu ist noch zu sagen, daß die Begegnungen zum Teil recht hart ausgetragen wurden und'daß es auch zu Spielabbrüchen kam. Es tut not, daß die Schiedsrichter auf den Spielfeldern scharf durchgreifen, damit die Elemente ferngehalten werden, die durch ihr Benehmen zeigen, daß sie nicht in eine Mannschaft und damit auch nicht in eine Sportkameradschaft gehören. Die Schuldigen können damit rechnen, daß die zuständigen Stellen sie nicht zart behandeln werden. Bezirksklasse: Tv. Heuchelheim — VfB.-Reichsbahn Gießen 17:3 (7:2). Daß Heuchelheim an Spielstärke gewonnen hat, das hat schon das Ergebnis vom vergangenen Sonntag bewiesen, daß es aber denn gleich die Gießener so eindeutig schlagen würde, damit hatte niemand gerechnet. Die Platzbesitzer waren jedenfalls groß in Fahrt und liefen namentlich in der zweiten Halbzeit zu einer Form auf, die zu besten Hoffnungen Anlaß gibt. Die Gäste hatten demgegenüber gar nichts zu bestellen. Tv. Roth — Tv. Lützellinden 6:13 (4:8). Trotzdem Lützellinden zahlreichen Ersatz in seinen Reihen hatte, konnte es auch auf dem gefährlichen Platz in Roth beweisen, daß es z. Zt. keine Mannschaft zu fürchten braucht. Die beiden Punkte befestigen die Spitzenstellung in der Tabelle weiter. 1. Kreisklasse: To. A tz b a ch — Tv. Garbenheim 8:5 (5:0). Obwohl die Platzbesitzer bei Halbzeit schon mit weitem Vorsprung in Führung lagen, ließen die Gäste nicht nach. Sie kamen sogar nach der Pause mächtig auf, konnten allerdings den Sieg von Atzbach nie gefährden. Alle anderen Spiele der 1. Kreisklasfe fielen aus. Darunter auch die Begegnung Hörnsheim — Al- bach, da letztere ihre Mannschaft inzwischen aus nicht ersichtlichen Gründen zurückgezogen haben. 2. Kreisklasse: To. Allendorf a d. Lahn — Tv. Dutenhofen 10:7 (6:3). Dieses Lokaltreffen hatte eine stattliche Anzahl Zuschauer angelockt, die auch voll auf ihre Kosten kamen. Man sah, besonders in der ersten Hälfte, ein Spiel der Platzmannschaft wie einst und von den erzielten Toren war eins schöner als das andere. Gegen das technisch und taktisch richtige Spiel wußten schließlich auch die sieggewohnten Gäste nichts anzufangen. Sie verloren vollkommen verdient und werden auch in Zukunft noch manchen Punkt abgeben müssen, weil ihr bester Spieler herausgestellt wurde. Er war auch der Anlaß, daß das Spiel kurz vor Schluß abgebrochen werden mußte. Tv. Nauborn — Tv. Krofdorf 10:8 (8:4). Das Ergebnis mag auf den ersten Anblick wohl etwas täuschen, es geht aber vollkommen in Ordnung. Krofdorf zog es vor, anstatt zu spielen, die Entscheidungen des Schiris zu kritisieren und so kam denn auch die unerwartete Niederlage zustande. Als dann gar ein herausgestellter Spieler nicht vom Felde ging, mußte auch hier der Schiri das Spiel abbrechen. , „ Tv. Beuern — Tv. Allendorf a. d. Lumda 5:2 (4:0). Daß die Platzbesitzer im Kommen sind, das haben schon die letzten Spiele bewiesen, daß sie aber gleich die spielstarken Gäste so hoch abziehen würden, daran hatte niemand gedacht. Und doch geht das Ergebnis vollkommen in Ordnung. Tv. Straßebersbach — Tv. Mandeln 3:2 (0:2); Tv. Ehringshausen — Katzen- furt 3:15 (0:8). Während Straßebersbach nur ganz knapp gewinnen konnte, kam Katzenfurt zu einem hohen Sieg. Anerkannt muß aber gerade in dem letzten Spiel der Eifer der Platzmannschaft werden. Jugendspiele: Tv. W e tz l a r — To. D u t e n h o f e n 13:5 (6:5); To. Straßebersbach — Tv. Herborn Z:6 (2:3). Das erste Spiel bedeutet eine Ueberraschung, wenn auch anerkannt werden muß, daß die Gäste einen überaus schlechten Tag hatten. Das Ergebnis des zweiten Treffens entspricht den beiderseitigen Leistungen. Kurze Gporinoiizen. Deutscher Meisterim Rollhockey wurde bei den in Stuttgart beendeten Meisterschaftsspielen der Titelverteidiger Stuttgarter SuRC. vor dem ERC. Nürnberg, RE. Westen Berlin und Turngemeinde Nürnberg. Im Endspiel siegte Stuttgart über ERC. Nürnberg 6:3 (2:1, 3:2, 1:0). Nereide, die ungeschlagene Zweijährige des Gestüts Erlenhof, errang am Sonntag einen neuen Sieg. Sie gewann das in Hoppegarten gelaufene mit 14 300 Mark ausgestattete Ratibor-Rennen (1400 Meter) mit dreiviertel Längen vor Wahnfried und dem weitab folgenden Pabst. RunSsunkprogramm. . Mittwoch, 9. Oktober. 6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. In der Pause, 7: Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 10.15: Schulfunk. „Deutschlandlied — Horst-Wessel-Lied." Hörfolge vom Werden unserer Nationalhymnen. Von Waldemar Baumgart. 10.45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.45: Bauernfunk. 12: Reichssendung. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskvnzert. 14: Nachrichten. 14.15: Mitten im Werktag. Sozial- und Wirtschaftsdienst in bunter Folge. 15.15: Klänge aus dem Norden. 16: Kleine Stücke für Violine und Klavier. 16.30: Spansau und Federweißer. Weinherbst im Nahetal. 17: Buntes Unterhaltungskonzert. 18.30: Münchener Erinnerungen. Zwei heitere Geschichten. 19: Unterhaltungskonzert. 19.40: Bauernsunk. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.15: Stunde der jungen Nation. Das Jahr im Lied. 20.45: „Lachender Funk". 22: Nachrichten. 22.10: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.15: Olympia-Dienst. Nachrichten und Berichte. GCeizen um jeden Greis ist keine Gfunst! — Aber gut heizen bei möglichst wenig Brennmaterialverbrauch, das geht nur mit einem richtigen, soliden Ofen! Wie Sie mit einem Dauerbrandofen bei sparsamstem Verbrauch die ganze Wohnung mollig warm bekommen, das zeigt Ihnen gerne/und ganz unverbindlich Ruf 2145/2146 J-B. HAUSER, GIESSEN AM OSWALDSGARTEN 5775 A Alle Handwerksmeister, Gesellen und Lehrlinge, die an der Kundgebung des oberhessischen Handweiks am Mittwoch, 9.Vkt.,NLchm.2/2 Uhr in Friedberg, Burghof teilnehmen, benutzen den Zug ab 12.28 Uhr Gießen mit Sonntagsfahrkarte. Gemeinsame Rückfahrt ab Friedberg 17.26 Uhr, damit jedem Teilnehmer noch die Möglichkeit gegeben ist, an der Großkundgebung in der Volkshalle teilzunehmen. Kreishandwerkerschaft Gießen. 5757 " I Lichtspielhaus Hieben | Auf unser Preisaussdneitai Ivom August 1935 betr.Namens- K| festsetzung des neuen Lichtspieltheaters I im Seltersweg sind weit über 1000 Bewer- B bungen eingegangen. 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