Ur. 261 Erster Blatt 185. Jahrgang Donnerstag, 7. November 1955 Erscheint täglich, sicher Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener Familienblätter Heimat int Bild Die Scholle Monatr-Vezugspreir: Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte „ 1.80 Zustellgebühr .. „ -.25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt Zernfprechanfchlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen poftschecNonto: Krantfurt am Main 11688 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen Druck und Verlag: vrühl'sche Unioerfitäts vuch- und Steindruckerei kl. Lange In Siehrn. Schristleitung und ScschSftsstelle: Schulstrahe 7 Annahme von AnzeigeM für die Miltagsnummer bis 8'/,Uhr des Dormittags Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm Breite 7 Rpf., für Textanzeigen von 70 mm Breite 50 Nps.,Platzoorschrift nach vorh.Vereinbg.25°/a mehr. 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Jeder Zeitabschnitt der Geschichte unseres Volkes hat sich ein äußeres symbolisches Zeichen geschaffen. Dieses Symbol ist die Fahne in ihrer der Zeit Ausdruck gebenden Gestaltung. Für jeden Deutschen und dem deutschen Volke mehr als anderen Völkern bedeutet sie etwas Heiliges und Großes. Sie ist die Verkörperung hoher ethischer und vaterländischer Werte. Mit der alten schwarzweißroten Fahne verbinden wir den Gedanken an das Bismarck-Reich. Nach Ablösung dieser Epoche in unserem Staatsleben durch eine neue Zeit hat folgerichtig das neue Deutschland seine eigene Fahne erhalten. Die Fahnen des alten Reiches hat der Führer in Nürnberg tn Ehren eingerollt, als er dem Volke die neuen gab. Die jetzige Neichsflagge bedeutet für uns das Symbol der Bewegung, die das Dritte Reich geschaffen hat. Die alten Farben sind geblieben, aber die Form ist geändert und das uralte Zeichen des neu erwachten völkischen Empfindens, das Hakenkreuz, ist hinzugekommen. Die alte Armee, die staatsrechlich aus Kontingenten der Bundesstaaten bestand, hatte keine einheitliche Reichskriegsflagge. Nur für die deutsche Neichsmarine war eine solche geschaffen worden. Die neue Reichskriegsflagge versinnbildlicht die einheitl iche Wehrmacht im einheitlichen Staat. Damit ist neben dem Tragen des Hoheitsabzeichens der Bewegung an der Uniform auch durch die neue Reichskriegsflagge der Stellung der Wehrmacht neben der Partei als eine der beiden tragenden Säulen des nationalsozialistischen Staates äußerlich Ausdruck gegeben. Unsere alte Reichsfahne, unter der das deutsche Volk in dem großen Völkerringen einer Welt verstand zu leisten vermochte, ist uns der Begriff höchster vaterländischer Pflichterfüllung und Opferbereitschaft gewesen. Unter ihr kämpfte und starb der beste und tapferste Soldat der Weltgeschichte für die Erhaltung der deutschen Heimat. Die F a r b e n Schwarzweißrot waren die Verbindung der alten Preußenfarben Schwarzweiß mit der roten Grundfarbe der kurbrandenburgischen Fahne und der der Hansa. Sie verkörperten daher eine uralte Tradition und so den geschichtlichen Werdegang unseres Volkes. Diese Grundfarben hat der Nationalsozialismus in Erkenntnis der Werte einer festen und starken Bindung an die große Vergangenheit unseres Volkes übernommen und diesen das Sinnbild seines völkischen und rassischen Strebens hinzugefügt. Für die in der nationalsozialistischen Weltanschauung geeinte Nation war es eine Selbstverständlichkeit, daß das sieghafte Banner der Bewegung zur Fahne des Dritten Reiches erhoben wurde. Tradition ist nicht starres Festhalten an alten Formen Tradition ist Pflege der gesunden Werte und Leistungen unserer Vorfahren, die unser heutiges völkisches Dasein überhaupt erst ermöglichten. Es ist unsere sittliche Aufgabe, dieses heilige Vermächtnis zu wahren und den Erfordernissen der neuen Zeit entsprechend zu entwickeln und fortzu- fübren. So wie die neue Reichsflagge heute das Symbol unseres Volkes ist, ist die neue Reichs kriegsflagge das Symbol des heutigen deutschen Soldaten. Zu den Farben Schwarzweißrot und dem Hakenkreuz tritt, hier noch das Eiserne Kreuz, der Ausdruck heldischen Soldatentums. Es zeugt von dem soldatischen Geist unserer Väter. Es weist auf bas kraftvolle freiheitliche Wollen des Preußentums in den Jahren der Erhebung 1813/14 hin. Es erinnert daran, daß das Reich Bismarcks einst durch die Armee aeschoffen wurde. Es ist eine Mahnung der zwei Millionen Tot-m, die in aller Welt für Deutschland kämpften. Wir Soldaten sehen daher in unserer uns heute vom Führer verliehenen neuen Flagge erstens das sichtbare Zeichen der Verbundenheit der Wehrmacht mit dem nationalsozialistischen Staat und zweitens das Symbol für all das, was deutsches Soldatentum bedeutet was uns als Trägerin des opferreichsten Ehrenkleides der Nation von der Tradition vorgefchrieben wird, von der Tradition, der der Führer am Reichsparteitag der Freiheit in feiner Ansprache an die Wehrmacht in folgenden Worten Ausdruck verleiht: „Ihr, meine Kameraden, tragt an der Spitze eurer Waffe und an eurem Helm ein unerhört hohes Vermächtnis Ihr seid nicht etwas künstlich Gemachtes, etwas Traditions- loles, was keine Vergangenheit hat, sondern, was es auch in Deutschland sonst gibt, es tritt zuruck hinter dem, was ihr an Tradition verkörpern habt und verkörpern könnt Ihr braucht wahrlich der Armee keinen Ruhmestitel zu erwerben, den besitzt sie schon, ihr braucht ihn nur zu bewahren!" Es liegt ein tiefer Sinn darin, daß die neue Reichskriegsflagge der jungen Wehrmacht an dem Tage übergeben wird, an betn zum erstenmal (eit Kriegsende d e r erste Jahrgang der neuen deutschen Wehrmacht den feierlichen Soldateneid ablegt Wenn der junge wehr- pflichtige Deutsche am heutigen Tage angesichts der neuen uns vorn Führer verliehenen Fahne feinen Eid schwört, so verpflichtet er sich einmal der großen Ueberlieferung, die diese Fahne symbolisch enthält, zum anderen in unbedingter und Berlin, 7. November (DJIB. Funkspruch) Der Führer und oberste Befehlshaber der Wehrmacht hat an die Soldaten der Wehrmacht zur Einführung der neuen Reichskriegsflagge folgenden Erlaß gerichtet: Soldaten der Wehrmacht! Mit dem heutigen Tage gebe ich der wieder erstandenen Wehrmacht der allgemeinen Dienstpflicht die neue Reichskriegsflagge. Das Hakenkreuz (ei euch Symbol der Einheit undReinheit der Nation, Sinnbild der nationalsozialistischen Weltanschauung. Unterpfand der Freiheit und Starke des Reiches. Das Eiserne kreuz soll euch mahnen an die einzigartige Tradition der alten Wehrmacht, an die Ziele die sie beseelten, an das Borblld. daß sie euch gab. Den Reichsfarben Schwarzweißrot seid ihr verpflichtet zu treuem Dienst im Leben und irn Sterben. Der Flagge zu folgen, sei euer Stolz. Die bisherige Reichskriegsflagge wird in Ehren eingezogen Ich behalte mir vor. sie an besonderen Gedenktagen sehen zu lassen. Der Führer und oberste Befehlshaber der Wehrmacht. Adolf Hitler. Das SoheilszMen des Reiches Berlin, 7. Nov. (DNB.) Das Reichsgesehblatt Teil I Nr. 122 veröffentlicht folgende Verordnung über das Hoheitszeichen des Reiches: Um der Einheit von Partei und Staat auch inihren Sinnbildern Ausdruck zu verleihen, bestimme ich: Artikel 1. Das Reich führt als Sinnbild feiner Hoheit das Hoheitszeichen der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei. Artikel 2. Die Hoheitszeichen der Wehrmacht bleiben unberührt. Artikel 3. Die Bekanntmachung, betreffend das Reichs- wappen und den Reichsadler, vom 11. Nopersönlichster Form dem Schöpfer und Führer des Dritten Reiches. Er stellt dadurch in Wahrung der alten vreußischen Ueberlieferung auch wieder die altsoldatische und altdeutsche persönliche Bindung her zu dem einen letzten verantwortlichen Führer. Der Eid verpflichtet zur Pflege der alten Werte preußischen Soldatentums, zu Ehre, Treue, Gehorsam und Vaterlandsliebe Diese sind auch die ideellen Grundlagen unserer Volkswehrmacht, die als letzte und höchste Stufe der vaterländischen Erziehung des jungen Deutschen jetzt den ersten Jahrgang unter der neuen Reichskriegsflagge zu wehrhaften Deutschen ausbilden wird. oember 1919 (Reichsgesehblatt Seite 1877) wird aufgehoben. Artikel 4. Der Reichsminister des Innern erlaßt im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers die zur Ausführung des Art. 1 erforderlichen Vorschriften. Belin, den 5. November 1935. Der Führer und Reichskanzler • Adolf Hilter. Der Reichsminister des Innern Frick. Der Stellvertreter des Führers R. Heß, Reichsminister ohne Geschäftsbereich. Die neuen Flaggen Berlin, 6. Nov. (DNB.) In dem soeben erschienenen „Marineverordnungsblatt" Heft 28 wird „Eine Verordnung über die Reichskriegsflagge, die Gösch der Kriegsschiffe, die Handelsflagge mit dem Eisernen Kreuz und die Flagge des Neichskriegs- Ministers und Oberbefehlshabers der Wehrmacht" vom 5 Oktober 1935 veröffentlicht, in der es u. a. heißt: Auf Grund des Art. 3 des Reichsflaggengesetzes vom 15. September 1935 bestimme ich: Die Heid)6tne iefloa^e ist ein rotes Rechteck, auf dessen Mittelachse, etwas nach der Stange verschoben, sich eine zweimal schwarz und weiß geränderte weiße Scheibe mit einem ebenfalls schwarzweiß geränderten Hakenkreuz befindet, dessen unterer Schenkel nach der Stange zu geöffnet ist. Unter der weißen Scheibe liegt ein viermal weiß und dreimal schwarz gestreiftes Kreuz, dessen Balken die Verlängerung des senkrechten und wagerechten Durchmessers der weißen Scheibe bilden. Im inneren oberen roten Felde steht ein weiß gerändertes Eisernes Kreuz. Die Höhe der Flagge verhält sich zu ihrer Länge wie 3:5. Die Gösch her Kriegsschiffe ist ein rotes Rechteck, auf dessen Mittelachse, etwas nach der Stange verschoben, sich eine weiße Scheibe mit einem schwarzen, auf der Spitze stehenden H a • kenkreuz befindet, dessen unterer Schenkel nach der Stange zu geöffnet ist. Die Höhe der Flagge verhält sich zu ihrer Länge wie 3:5. WWW I Unsere Bilder zeigen oben links die neue Reichskriegsflagge und oben rechts die Handelsflagge mit dem Eisernen Kreuz. — Unten links die Flagge des Reichskriegsministers und Oberbefehlshabers der Wehrmacht und rechts die Gösch der Kriegsschiffe. Die Farben sind Schwarz-Weiß-Rot. (Scherl-Bilderdienst-M.) Flaggen-Erlaß des Führers und oderüen Velebisdabers der Wehrmacht. Oie Handelsflagge mit dem Eisernen Kren, ist ein rotes Rechteck, auf dessen Mittelachse, etwas nach der Stange verschoben, sich eine weiße Scheibe mit einem schwarzen, auf der Spitze stehenden H a • kenkreuz befindet, dessen unterer Schenkel nach der Stange zu geöffnet ist. In der inneren, oberen Ecke steht ein weiß gerändertes Eisernes Kreuz. Die Höhe der Flagge verhält sich zu ihrer Länge wie 3:5. Oie Flagge des Reichskriegsministers und Oberbefehlshabers der Wehrmacht ist die Reichskriegsflagge mit folgenden Abweichungen: Das Rechteck ist gleichseitig. Um die ganze Flagge herum läuft eine weißschwarze Umran- düng. Im unteren äußeren Feld steht ebenfalls ein weißgerändertes Eisernes Kreuz; im unteren, inneren und im äußeren oberen Feld steht je ein weißgerändeter Adler der Wehrmacht. * Die Reichskriegsflagge ist das Hoheitszeichen der Wehrmacht; sie wird auf den Kriegsschiffen der Kriegsmarine, den Luftfahrzeugen der Luftwaffe und den Gebäuden der gesamten Wehrmacht geführt. Die Gösch derKriegsschiffe wird auf den Kriegsschiffen der Kriegsmarine gesetzt, wenn sip verankert ober landfest liegen. Die Handelsflagge mit demEisornen Kreuz kann von Marineoffizieren und Offizieren der Luftwaffe des Beurlaubtenstandes sowie von ehrenvoll a u s geschiedenen aktiven Marineoffizieren und Offizieren der Luftwaffe auf Handelsschiffen bzw. Han- delsluftfahrzeugen an Stelle der Handelsflagge geführt werden. ♦ Im gleichen Heft des „Marineverordnungs- blattes" ist ferner eine „Verordnung über di, Reichsdienst flagge" vom 31. Oktober 1935 erfthienen, in der es u. a. heißt: Auf Grund des Artikels 3 des Reichsflaggengesetzes vom 15. September 1935 (RGBl. IS. 1145) bestimme ich: 1 Oie Reichsdienstflaqqe ist ein rotes Rechteck, das in der Mitte eine weißschwarz geränderte weiße Scheibe mit einem schwarzweiß geränderten schwarzen Hakenkreuz trägt, dessen unterer Schenkel nach der Stange zu (Scherl-Bilderdienst°M.) geöffnet ist. In der inneren, oberen Ecke der Flagg, befindet sich das schwarzweiße Hoheitszeichen des Reiches. Der Kopf des Adlers ist zur Stange gewendet. Die Höhe der Flagge verhält sich zu ihrer Länge wie 3:5. Der Reichs- und Preußische Minister des Innern Dr. Frick wird am Donnerstag, 7. November, um 11 Uhr die neue Reichsdienstflagge auf dem Gebäude des Reichs- und Preußischen Ministeriums des Innern am Königsplatz in Berlin in feieerlicher Weise hissen. Die Alaqgenhiffuna in Berlin. Berlin, 7. Nov. (DNB. Funkspr.) Auf dem Reichskriegsmini st erium erfolgte um 8 Uhr früh die Hissung der neuen Reichskriegsflagge. Auf der Kanalseite der Straße und auf der gegenüberliegenden Seite des Lützow-Ufers hatten sich zu diesem Ereignis viele Menschen angesammelt. Aus Fenstern und Balkonen warteten viele auf das Hissen der Flagge. Langsam steigt pünktlich um 8 Uhr d i e neue Reichskriegsflagge an drei hohen Masten empor. Sie grüßt das morgendliche Berlin. Die wartende Menge verharrt im deutschen Gruß und geht dann auseinander. Auf dem Gebäude in der Bendler-Straße wurde ebenfalls die Reichskriegsflagge gehißt. Mit einer besonderen Feierlichkeit verbunden war die Hissung der Flagge auf dem Gebäude des Reichsluftfahrtministeriums in der Behrenstraße. Um 7.45 Uhr marschierte eine Ehrenkompanie des Jagdgeschwaders „Richthofen" unter Vorantritt eines Spielmannszuges mit Musik auf. An den beiden Flügeln versammelten sich sämtliche Offiziere des Ministeriums, die uniformierten Beamten, sowie die Amtschefs und Inspekteure. In Vertretung 'des Reichsluftfahrtministers und Oberbefehlshabers der Luftwaffe General der Flieger Göring schritt Staatssekretär Generalleutnant Milch die Front, ab. Punkt 8 Uhr gab der Kompanieführer das' Kommando: „Achtung! Präsentiert das Gewehr! Heißt Flaggen!" Unter den Klängen des Präsentiermarsches wurde bann auf dem Dach des Hauses M an zwei seitlichen Masten die Reichskriegsflagge langsam gehißt. Am mittleren Mast ging gleichzeitig die Flagge des Oberbefehlshabers der Luftwaffe hoch. Ehrfurchtsvoll grüßten alle, die dem feierlichen Schauspiel beiwohnten, das neue Symbol. Generalleutnant Milch brachte anschließend ein Sieg-Heil auf Führer, Volk und Vaterland aus. Das Lied der Deutschen und das Horst-Wessel-Lied schlossen sich an. Der Dorber- marsch der Ehrenkompanie unter den Klängen des Badenweiler Marsches beendete den feierlichen Akt. Hefrufenvereibigung in Potsdam Potsdam, 7. Nov. (DRV. Funkspr.) Im Potsdamer Lustgarten, wo die langen Kerle Friedrich Wilhelm L, die ruhmgekrönten Grenadiere des größten preußischen Königs Friedrich II. und die Elite der ganzen deutschen Armee paradierten, sind am Morgen des 7. November etwa 4000 Re- k r u t e n, die am 1. November im Standort Potsdam eingezogen wurden, aufmarschiert. Dor der Mitte des Marftalls ist, flankiert von Gewehr- und Trommelpyramiden der Altartisch mit großen Kerzenleuchtern in einem Hain von Lorbeerbäumen und weißen Astern errichtet. Hinter chm stehen d i e Schulen, HI., Jungvolk und BDM., die Schüler der nationalpolitischen Erziehungsanstalt in ihren braunen Uniformen, steht in dichten Reihen bis zum Marstall hin die Bevölkerung, die auch die Fenster, Balkone und Dächer der umliegenden Baulichkeiten besetzt hält. Die geschlossenen Gliederungen der Bewegung und die Abordnungen der Soldatenverbände haben mit ihren Fahnen auf dem linken Flügel der Truppen Aufstellung genommen. Zu beiden Seiten des Altars sind die Plätze für die Ehrengäste, die Offiziere und Beamten der alten Wehrmacht, die im Paradeanzug erschienen sind, die Schwerkriegsverletzten und Veteranen freigehalten. Die Mitte des Platzes nimmt ein hoher weißer F a h n e n m a st ein, neben dem die Ehrenposten wie Bildsäulen stehen. Eine Viertelstunde vor Beginn des feierlichen Aktes marschierte die F a h - nenkompanie vor der Rampe des Stadtschlosses auf. Dann erschien der Reichskriegs mini- ft e r und Oberbefehlshaber der Wehrmacht, Generaloberst von Blomberg, der die Front der Truppen und der Formattonen abschritt. Der Kommandeur der 23. Division Generalmajor Busch gab darauf den Erlaß des Führers über die Reichskriegsflagge bekannt, um mit bem von allen mit größter Spannung erwarteten Kom- manbo .L-itzt Flagge!" den Befehl zum Aus- ziehen des neuen Symbols der jungen deutschen Wehrmacht zu geben. Unter dem Donnern der Salut-Batterieen und dem feierlichen Geläut der Potsdamer Kirchenglocken stteg unter den Klängen des Präsentiermarsches langsam d i e Reichskriegs flagge empor, von allen mit erhobenen Rechten begrüßt. Die feierliche Vereidigung wird durch einen Feldgottesdienst eingeleitet, bei dem Wehrkreispfarrer Dr. Schütz an die Rekruten eine vom besten soldatischen Geist getragene Ansprache richtete. Er ermahnte die jungen Angehörigen der Wehrmacht in Not und Tod treu zu ihrem Eide zu stehen, sich lieber in Stücke hauen zu lassen, als zum Feigling und ehrlosen Verräter zu werden. Die zwei Millionen Kreuze auf den Gräbern der Gefallenen seien heute ihre Mahner. Der Kommandeur der 23. Division wies auf die denkwürdige Stunde hin, in der d"ie ersten Wehrpflichtigen des Dritten Reiches den Eid auf den obersten Befehlshaber und Führer Adolf Hitler ablegen. Er ermahnle sie, sich würdig des Vermächtnisses ihrer Väter zu zeigen und dem Führer getreu bis in den Tod zu folgen. Dann hoben die 4000 Rekruten die rechte Hand zum Schwur und sprachen Wort für Wort die Eidesformel nach, während von der nahen Garnisonkirche im gleichen Augenblick das G lockenspiel „Heb’ immer Treu und Redlichkeit" mahnte. Der Vorbeimarsch der Fahnenkompanie und I Salutbatterie beendete die geschichtliche Feier. Das Programm für die Münchener Feier des 9. November ber 1935 ohne Anrechnung auf den Erholungsurlaub und mit Fortzahlung der Gehalts- und Lohnbezüge zu erteilen. Aufruf des Roten Kreuzes zum Wmterhilfswerk. Berlin , 6. Nov. (DNB.) Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes erläßt folgenden Aufruf: Der Führer und Reichskanzler hat am 9 Oktober das Winterhilfswerk des deutschen Volkes mit einer Ansprache eröffnet, die jeden Deutschen, der die Ehre dieses Namens verdient, ergriffen hat. Als Präsident des Deutschen Roten Kreuzes gebe ich für die Männer und Frauen, die zum Dienst im Zeichen des Roten Kreuzes zusammengeschlossen sind, die feierliche Erklärung ab, daß sie sich alle ohne Ausnahme dafür ein = setzen werden, den Erfolg des Winterhilfswerkes zu verbürgen und selber gewillt sind, Opfer für den Gedanken der nationalen Solidarität zu leisten, die wirkliche Opfer sind. Mit den vielen Hunderttaufenden von Männern und Frauen des Deutschen Roten Kreuzes, das sich mit allen Kräften für den Erfolg des Winterhilfswerkes einsetzt, wende ich mich aber auch an die Millionen non Volksgenossen, deren Bereitschaft zur Hilfe unentbehrlich ist, auch wenn die Möglichkeiten des einzelnen noch so begrenzt fein mögen. Ich weih, daß Hunderttaufende ihre Pflicht und mehr als ihre Pflicht erfüllen, ohne ein Wort hierüber zu sprechen. Ich weiß aber auch, daß es noch manchs gibt, die die Notwendigkeit, sich selber mit für da» gemeinsame Werk einzusetzen, noch nicht erfaßt haben. Auch sie sind stolz, Deutsche zu fein und sollen sich des Namens würdig erroet- fen Sie mögen in Stadt ober Land, im Handel oder Gewerbe, im Nährstand oder in den freien Berufen stehen, ich rufe sie als deutsche Männer und Frauen auf, i h r e P f l i ch t a m d e u tf ch e n Volk zu erfüllen und ein wahres Opfer an der Gemeinschaft des deutschen Volkes zu bringen. Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. (Gez.) Carl Eduard, Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha." Neuordnung der Evang Landeskirche Nassau-Hessen. Bildung eines neuen Landeskirchenrats. Jranffurt a. 2R., 6. Jlov. (LPD.) Das Reichs- gefehblatt Nr. 121 vom 6. November enthält eine Verordnung des Reichsmimsiers für die kirchlichen Angelegenheiten K e r r l vom 5. November 1935, die auf Grund des Gesetzes zur Sicherung der Deutschen Evangelischen Kirche vom 24. September 1935 erlassen ist und die Evangelische Landeskirche Nassau-Hessen betrifft Nach § 1 dieser Verordnung ist die Evangelische Landeskirche Nassau-Hessen die Rechtsnachfolgerin der evangelischen Landeskirchen in Hessen, Nassau und Frankfurt a. 21L und Körperschaft des öffentlichen Rechts. Sie wird nach den Bestimmungen ihrer Verfassung und der Einführungsgesetze hierzu geleitet und verwaltet, soweit nicht in den folgenden Paragraphen etwas anderes bestimmt ist. Nach § 2 bildet der Reichsminister für die kirchlichen Angelegenheiten für die Evangelische Landeskirche Nassau-Hessen aus Männern der Kirche einen neuen La ndes ki rchenr a t Die Geschäftsordnung des Reichskirchenausschusies vom 17. Oktober 1935 findet sinngemäß auf die Geschäftsführung des Landeskirchenrats Anwendung. § 3 bestimmt, daß der Landeskirchenrat auf der Grundlage der Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche mit dem Reichskirchenaus- schuh zusammenzuarbeiten hat. Er leitet und vertritt die Landeskirche Nassau-Hessen und erläßt Verordnungen in innerkirchlichen Angelegenheiten. Für Verordnungen mit rückwirkender Kraft bedarf es der Zustimmung des Reichsministers für die kirchlichen Angelegenheiten. Der Landeskirchenrat übt die kirchenregimentlichen Befugnisse aus. Dies gilt insbesondere von den in dem Artikel 2 Satz 2, Artikel 4 Absatz 1, Artikel 5 Absatz 1 und 2, Artikel 7 Absatz 3, Artikel 8 Absatz 2, Arttkel 11 Absatz 3, Artikel 14 und 16 der Verfassung genannten Befugnissen. § 4 besagt: Der Landeskirchenrat wird die Verfassung, insbesondere die Stellung der Gemeinde, nach den Richtlinien des Reichskirchenausschusses nachprüfen. Das kirchliche Difziplinarrecht wird neu geregelt werden. Nach § 5 bleiben die Befugnisse der bei den Verwaltungsstellen Darmstadt und Wiesbaden ber Landeskirchenkanzlei gebildeten Finanzabteilungen unberührt. Laut 8 6 tritt die Verordnung mit dem auf die Verkündung folgenden Tage in Kraft. Die Bestimmungen der 8§ 2 bis 5 gelten längstens bis zum 30. September 1937. Entgegenftehende Bestimmungen treten für die Dauer dieser Verordnung außer Kraft. Die Schlacht von Meer zu Meer Bon unserem römischen Rom, November. Sturm und Sieg läuten die Glocken landein, landaus, während ich dies schreibe. Die Fahnen flattern im efften Wintergrau wie vor 17 Jahren, als man sich berauschte an dem „größten Sieg der Weltgeschichte", dem Zusammenbruch des Erbfeindes. Und die inzwischen herangewachsene neue Generation hat sich ins kriegerische Schwarzhemd geworfen und steht und lauscht. Ist noch größeres im Gange? Sogar die Priester zeigen sich aufgeregt, die Zeitungen sind eine einzige Fanfare, Gloria und Viktoria. Der stille Beobachter fragt sich beklommen, wie das alles enden werde, wenn England Ern ft machensollte. England! Das klingt im Munde eines Italieners wie ein Schrei der Entrüstung. „Wer hätte sich jemals, wer noch vor wenigen Monaten träumen lassen, daß wir diesmal den Jahrestag des Sieges unter dem Druck der Sanktionen, unter der Drohung der im Mittelmeer zusammengezogenen englischen Flotte feiern würden? Mit einem Frankreich vor uns, das zu den in London ausgeheckten und von Genf ausgeführten Gehässigkeiten gezwungen wird? Mit einem Völkerbund, der sich bei diesem ungeheuerlichen Erwürgungsversuch dem Befehl des britischen Jmperialis- mus unterstellt?" So oder ähnlich, oft noch viel heftiger beginnen Redner und Leitartikler. Und mit einem Mut, von dem man nicht weiß, ob er Tollkühnheit oder Siegeszuversicht ist, antwortet Italien auf die Todesdrohuna mit den Sanktionen mit einer Offensive in Abessinien, von der es heute schon heißt, daß sie das größte kriegerische Unternehmen fei, das die Kolonialgeschichte kenne, die Eroberung Afrikas durch die römischen Legionen des Altertums nicht ausgenommen. Ja, man überspringt Abessinien und vergleicht England mit Karthago. Vom Indischen Ozean bis zum Roten Meer, vom Sudan bis nach Somalilanü lodert die Schlacht auf — während in Genf darüber palavert wird, ob Aloisi nun auf Einladung oder aus eigenem Antrieb gekommen fei, und ob Eden nicht doch dem ftiedlicheren Hoare weichen werden müsse. Was halten Sie übrigens von den, englischen Wahlen? Herriot ist der Meinung, daß — Laval muß natürlich Rücksichten nehmen, die innerpvli- tische Lage-- In Italien gibt es keine Innenpolitik mehr. Mars allein regiert die Stunde. Mussolinis harte Zuge versteinern. Möglicherweise — was ist heutzutage nicht möglich! — haben wir wirklich in vier Wochen Frieden, möglicherweise sieht es aber auch durchaus anders aus. Eines steht fest, gerade das, was man in London nicht glauben wollte: Rom weicht vor den Sanktionen nicht zurück! Und das Volk richtet stch an dieser Entschlossenheit, die es sich selber nicht zugetraut hätte, auf. Der brave Jtalienreisende der Vorkriegszeit erkennt es nicht mehr. Schon ein Zweifel am alücklichen Kriegsausgang wird als Beleidigung aufgefaßt. Die gedruckten Anschauungen wirbeln durcheinander, in der einen Spalte liest man von einem Eroberervolk, in der anderen von den ersehnten Erlösern und Befreiern. Das darf freilich nicht wundernehmen, denn tatsächlich kommen den vorrückenden Truppen überall Scharen von Eingeborenen mit weißen Fetzen und Freundschaftsangebinden entgegen, die koptischen Priester an der Spitze. Die unterworfenen Stämme werden zur Sicherung der Etappe herangezogen, die vertrauenswürdigsten Elemente erhalten Gewehre und richten sie gegen die Krieger des Negus. (5 -Korrespondenten. Das ist das Neuartige an diesem Krieg, daß zwar immer von Italien und England und Frankreich oder dem Völkerbund die Rede ist, nie aber von dem Gegner, von Abessinien gesprochen wird. Offenbar hat es nicht mitzureden. Vielleicht stoßen mir aber nun endlich einmal auf seine Soldaten. Was bisher vorgefallen ist, waren ja nur Vorpoftengefechte und daß in der „Schlacht" von Adua 17 000 Italiener gefallen feien, wie aus Addis Abeba gemeldet wird, das macht mich niemand glauben, obwohl meine Kollegen dort unten angeblich nicht so weit vom Schuß sind. In den italienischen Verlustlisten überwiegen noch immer die Frontarbeiter, die übrigens, Kriegsfieber scheint ansteckend zu sein, immer dringender verlangen, auch mitkämpfen zu dürfen. Wie dem auch fei, jetzt er st hat der eigentliche Krieg begonnen, jetzt erst gerät Feind an Feind. Aus den Kriegsberichten des Gegners, die in Rom recht freimütig herumgeboten werden, wissen wir, daß er stets einzukreisen versucht, Flanken- flöße plant, mit dem Aufrollen der italienischen Front rechnet. Diese Ansichten vertragen sich nun allerdings schlecht mit dem konzentrischen Angriff der Truppen Mussolinis. Weniger besprochen (aber um so ernster 3u nehmen) wird die Taktik der Abessinier, umgekehrt vorzugehen wie die Belgier im Weltkrieg, die ihr Land überschwemmten. Die Soldaten des Negus versuchen es trockenzulegen. Es heißt, daß sie die Brunnen zum Versiegen bringen oder versalzen — was freilich auf Rückzugsabsichten schließen ließe, denn so dursthart wie ein Kamel ist wohl auch der widerstandsfähigere Eingeborene nicht. Immerhin, wenn man yört, daß die von den Italienern eroberten Wafserlöcher genügend seien, um eine Division zu erhalten, so kann man sich bei den vielen anderen Divisionen schon Gedanken machen. Wassermangel, das ist das Schreckgespenst ber zurückgekehrten Khaki- Icute, denen man nun immer häufiger auf den Straßen der Hauptstadt begegnet und die von allerhand beträchtlichen Unannehmlichkeiten zu erzählen wiffeji, nur nicht von dem, was wir uns unter einer Schlacht vorstellen. Die wurde erst, keine schlechte Ironie, durch die Sanktionen entfacht. Es fragt sich nun, wie Genf den Sieg — nach römischer Auffassung kann es nur ein glänzender Sieg werden — beantworten wird. Auch das ist wieder so neuartig: der Krieg wird von einer Tastatur in einer friedlichen Schweizerstadt geleitet. Drückt England auf einen roten Knopf, so richten sich die Geschütze der Dreadnoughts auf Genua, auf Neapel, vielleicht auf die ewige Stadt. Drückt man auf einen grünen Knopf, so schließen sich automatisch die Zollschranken rings um Italien. Ein gelber Knopf: die Benzinzufuhr wird unterbrochen. Und so weiter. Eine Reihe von Knöpfen: Sanktionen von A bis Z. Die Wirkung kann nach Belieben gemildert oder verschärft werden. Begreiflich, daß Italien diesem genial erdachten System keinen Geschmack abgewinnen kann, und wenn damit ein „Experiment" ausgeprobt wirb, wer möchte es dem Duce verdenken, baß er darin keine freundschaftliche Gebärde der Alliierten erblickt? Warum soll gerade Italien, das die Franzosen an ber Marne gerettet hat, als Versuchskaninchen dienen? Warum wurde Japan in einem ähnlichen Falle kein Haar gekrümmt? Eine namenlose Erbitterung geht im Lande um und es erscheint doch recht zweifelhaft, ob man auch den bis zur Weißalut angefachten Patriotismus mit einem Druck auf den Knopf auslöschen kann. München, 6. Nov. (DNB.) Die Reichspressestelle der NSDAP, veröffentlicht das endgültige Programm für die Feierlichkeiten in München am 8. und 9. November. Die Feiern beginnen mit der Aufbahrung der 16 Gefallenen am Freitag, 12 Uhr, aufdemWaldfriedhof, dem O st f r i e d h o f und dem Nordfriedhof. Um 19 Uhr findet bas Treffen der alten Kämpfer im Bürger- bräufeller statt. Der Führer spricht. An diesem Treffen nehmen auch die Hinterbliebenen ber 16 Gefallenen, die Gäste des Führers, die Reichs- unb Gauleiter, die Obergruppenführer und Gruppenführer, die Obergebiets- und Gebietsführer, die Hauptdienstleiter der Reichsleitung und die Gau- arbeitsführer des Reichsarbeitsdienstes teil. Gleichzeitig versammeln sich die Hitler-Jungen und BDM- Mädel aus allen Gauen des Reiches, die in die Partei ausgenommen werden, im Löwenbräukeller xum Treffen der Jugend sowie die Führerschaft der Partei im Zirkusgebäude am Marsfeld zum Treffen ber Führer. Die.Feier in dem Bürgerbräukeller wird nach dem SömepbräufeUer und dem Zirkusgebäude übertragen. Um 20 Uhr erfolgt die feierliche Ueberfüh - rung der Gefallenen in bie Feldherr n- Halle, um 23.30 Uhr ber Zug durch bas Siegestor zur Felbherrnhalle, wo um 24 Uhr der Einzug der Gefallenen und die feierliche Aufbahrung unter den Klängen des Präsentiermarsches oonftatten geht. Nachdem die HI. die Ehrenwache bezogen hat, kommt der Führer. Das Lied vom guten Kameraden erklingt, und die alten Kämpfer, die Fahnen der Partei, bie Führerschaft ber SA., SS., bes NSKK. und des Arbeitsdienstes sowie die Politischen Leiter ziehen an ihren toten Kameraden vorbei. Am Samstag um 1 Uhr bewegen sich die Volksgenossen an den Särgen ber toten Helden vorüber. Der Marsch des 9. November beginnt um 10.30 Uhr mit der Aufftellung bes Zuges am Bür- gerbräufeUer. Um 12.10 Uhr erfolgt ber Abmarsch bes Zuges durch die Straßen des 9. November 1923. Um 12.30 Uhr trifft der Zug an der Feld - herrnhalle ein, von der anschließend d i e letzte Fahrt der 16 Helden zu den Ehrentempeln ihren Ausgang nimmt. 13.10 Uhr kommt ber Zug mit ben Blutzeugen ber Bewegung vor den Ehrentempeln an. Die Kämpfer von 1923 nehmen Aufstellung vor ben Särgen ihrer gefallenen Kameraden. Adolf Hitler steht bei den Helden der Bewegung. Der letzte Appell wird durch den Sprecher der Partei Adolf Wagner beendet. Anschließend übergibt vor dem Braunen Haus der Reichsjugendführer den Nachwuchs aus HI. und BDM. der Partei. Der Stellvertreter bes Führers übernimmt die jungen Parteigenossen und Parteigenossinnen. Ein Ausruf her Sauleitunfl Oberbayern. München, 6. Nov. (DNB.) Die Reichspresse- stelle der NSDAP, gibt nachstehenden Aufruf der Gauleitung bes Traditionsgaues München-Oberbayern bekannt: „Der 9. November 1923 ist der Geburtstag des neuen Reiches. Der zwölfte Jahrestag wird auf Geheiß des Führers mit besonderer Feierlichkeit begangen, da am 9. November 1935 bie Toten der Feldherrn- halle in die Ehrentempel am Königsplatz in München übergeführt werden. Millionen deutscher Volksgenossen sehnen sich danach, diesen Tag in der Hauptstadt der Bewegung mitzuerleben. Nur wenigen von ihnen ist es beschieden, dabei zu sein. Diesen wenigen, die im ganzen Reiche dazu aus= ersehen sind, unb auch denen, die an den Gedächt- nistagen freiwillig teilnehmen, soll die Fahrt nach München möglich st leicht gemacht werden. Die Leitung des Traditionsgaues richtet deshalb an die Führer der Wirtschaft, der Betriebe unb an alle f o n ft i g e n Leiter von Arbeitsstätten den Aufruf, ben Teilnehmern an den Feierlichkeiten zum 8. und 9. November in München Urlaub zu gewähren und tunlich st keine Lohnabzüge vorzunehmen. Jedem Betrieb mag es zur Ehre gereichen, einen der Arbeitskameraben am 9. November in München zu wissen. (gez.) Otto N i p p o l d." Oie Teilnahme her Beamten. Berlin, 6. Nov. (DNB.) Der Reichs- und preußische Minister des Innern hat Anweisung erteilt, ben Beamten, Behördenangestell- ten unb Arbeitern, die auf Veranlassung der Partei an der Gefallenenehrung in München teilnehmen, auf Antrag den e r - jforderlichen Urlaub am 8. und 9. Novem- Die Sarkophage für die Gefallenen des 9. November 1923. Am Kopf des Deckels stehen bie Worte „Der letzte Appell", in ber Mitte befinbet sich das Hoheitszeichen ber Partei, darunter der Name des Gefallenen mit dem Wort „Hier". — (Presie-Jllustratton Hoffmann-M.) Die Verstimmung gegen England Wechsel des Polizeileiters von Rom. Rom, 6. Nov. (DNB.) Durch amtlichen Erlaß wurde plötzlich an Stelle des bisherigen Polizeichefs Coc- chia Palma zum Quästor von Rom ernannt. Man bringt diese unerwartete Personalveränderung mit den jüngsten englandfeindlichen Aus- chreitungen in Zusammenhang. Allem An- chein nach scheint von englischer Seite den hie- igen Stellen nachgebracht worden zu sein, daß die Polizei bei schnellerem Eingreifen einige dieser Zwischenfälle hätte verhüten können. Aus verschiedenen Städten Italiens wird gemeldet, daß alle englischen Filme und Theater- stücke vom Spielplan abgesetzt wurden. In Rom hat man einstweilen noch nicht zu dieser Maßnahme gegriffen. Es kam jedoch bereits zu Kundgebungen gegen den in einem großen Lichtspielhaus laufenden Film „David Copperfield", dessen Anschlagsplakate verschiedentlich abgerissen oder überklebt wurden. Ein großes Modehaus, das seine Modellkleider bisher mit französischen Namen zu benennen pflegte, hat sich der Zeit angepaht und nennt jetzt seine Kleider Asmara, Takazze, Harrar und Schebeli, alles erdkundliche Begriffe, die aus den täglichen Frontberichten von Ostafrika bekannt sind. Einiges Erstaunen erregt es jedoch, daß das wärmste pelzverbrämte Wollkleid ausgerechnet nach der abessinischen Wüstenlandschaft Godjam benannt wurde. Schwere Kämpfe an beiden Fronten. Makalle im Mittelpunkt des bringens. Asmara, 7. Nov. (Funkspruch des Kriegsbe- richterstatters des DNB.) Der italienische Vormarsch auf Makalle geht weiter. Südlich von Haussien kam es zu Kämpfen, bei denen zwei eingeborene Unter- Offiziere fielen. Zwei italienische Offiziere und mehrere Askaris wurden verwundet. Das Korps Mara- oigna hat Selaklaka westlich von Aksum besetzt. Durch Fliegeraufklärung wurde festgestellt, daß Makalle durch abessinische Streitkräfte besetzt ist. In Addis Abeba lief am Mittwochmittag ein Funkspruch der Militärfunk st ation an der Nordfront ein, wonach um Makalle ein furchtbarer Kampf entbrannt sei. Am Dienstagabend hätten italienische Truppen, die auf Lastwagen herangeführt wurden, mit Unterstützung von Kavallerie die Stadt schlag- artig besetzt. In der Nacht hätten dann abessinische Truppen einen wilden Angriff auf die Stadt unternommen. Nach einem anderthalbstündigen Nahkampf seien die Abessinier wieder Herren der Stadt gewesen. Bei ihrem Rückzug sollen die Italiener Tote und Verwundete auf dem Platze gelassen haben. Wie es in dem Funkspruch weiter heißt, stünden schwere Kämpfe in der Umgebung von Makalle bevor. Fast gleichzeitig liefen auch Meldungen von der S ü d f r o n t ein, wonach es am Webi-Sche- beli ebenfalls zu großen Kämpfen gekommen sei. Die abessinischen Truppen sollen sich mit Maschinengewehren verteidigen und den Italienern starke Verluste beigebracht haben. Die abessinischen Truppen kämpften dort unter dem Armeeführer Ugaznour. Seine Truppen zögen sich in befestigte Stellungen zurück, sie beabsichtigen in der Nacht zum Donerstag einen Gegenangriff zu unternehmen. Die italienischen Flieger haben in der Umgebung von G o r a h a i erneut Bomben abgeworfen. Freiwillige für Abessinien London, 6. Nov (Reuter.) In Port Said sind am Mittwoch Freiwillige für Abessinien an Bord des Dampfers „Athos II" nach Dschibuti verschifft worden. Die Freiwilligen stammen aus Aegypten, Palästina und Syrien. Dor ihrer Einschiffung marschierten sie mit ägyptischen und abessinischen Flaggen durch die Stadt, von den Eingeborenen jubelnd begrüßt. Am Dienstag hatten die Freiwilligen, die unter b e m Befehl eines Majors aus Nigeria stehen, eine Demonstration vor dem italienischen Konsulat veranstallet, die jedoch von der Polizei aufgelöst wurde. London meldet Entspannung. London, 7. Nov. (DNB. Funkspr.) In Presseberichten aus Rom ist von einer Entspannung der englisch-italienischen Beziehungen infolge der Unterredung Mussolinis mit dem britischen Botschafter am Dienstag die Rede. Eine Reuter-Meldung aus Rom geyt in ihrem Optimismus noch weiter. Sie sagt, italienische Kreise seien jetzt dafür, bei einer Regelung des abessinischen Streites den Negus um seine Ansicht zu befragen. Dies bedeute tatsächlich eine Annäherung an den britischen Standpunkt. Man habe das Gefühl, daß eine Vereinbarung über die Zurückziehung gewisser britischer Kriegsschiffe aus dem Mittelmeer bevorstehe, wenn man auch nicht erwarte, daß eine solche Vereinbarung vor Beendigung der englischen Parlamentswahlen zustande kommen werde. Laval als Vermittler. Paris, 7. Nov. (DNB. Funkspruch.) Laval hatte Mittwoch mit dem englischen Botschafter in Paris eine Besprechung, die sich in erster Linie auf die Sanktionsfrage und die Zurückziehung weiterer italienischer Truppen aus Libyen bezog. England, so schreibt der „Matin", befürchte hauptsächlich eine Behinderung auf seinem Verbindungswege nach Indien. Wenn Italien der Londoner Regierung nach dieser Richtung hin gewisse Sicherheiten geben würde, so würde England unter gewissen Vorbehalten Italien eine ziemlich weitgehende Handlungsfreiheit in Abessinien lassen. Gerade über diese Fragen werde augenblicklich verhandelt, und hierbei komme den Bemühungen des französischen Ministerpräsidenten als Vermittler besondere Bedeutung zu. Die Frage der rein französisch-englischen Beziehungen sei vollkommen unabhängig davon. England wünsche vorher alle für einen gegenseitigen Beistand gegebenen Möglichkeiten zu prüfen. Die englische Regierung habe mit Genugtuung die englisch- französische Zusammenarbeit festaestellt, und wünsche es jetzt zu vermeiden, diese Zusammenarbeit in Frage zu stellen. Sie ginge deshalb vorsichtig uor und versuche, gewisse Sicherheiten für solche Fälle zu erhalten, deren Eintreten mehr als fraglich sei. Französischerseits beschränke man sich jedoch auf die Erinnerung an die letzte Note vom vergangenen Monat, in der die Haltung der französischen Regierung unzweideutig dargelegt worden sei. Frankreich und die Sanktionen. Paris, 7. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der französische Ministerpräsident empfing die Vertreter der französischen Ausfuhr-Industrie, die chn über die unangenehmen Rückwirkungen der Sühnemaßnahmen unterrichteten. Laval soll darauf hingewiesen haben, daß gerade seine Regierung als erste Schutzmaßnahmen für die französische Ausfuhrindustrie ergriffen habe. Er habe außerdem erklärt, daß man ihm in der Frage der Sühnemahnahmen Vertrauen schenken könne, denn er werde bemüht bleiben, diese Maßnahmen gegen st andslos zu machen, indem er eine Lösung der Streitfrage anstrebe, noch bevor die Sanktionen in Kraft träten. Der AeguS über die militärische Lage. Addis Abeba, 6. Nov. (DNB.) Kaiser Halle Selassiö erklärte dem Vertreter des DNB. in Addis Abeba über die militärische Lage u. a.: Die Italiener haben ihren Aufmarsch an den Grenzen vollzogen und unternehmen Vorstöße, die ihnen Geländegewinn einbringen, während sich d^ abessinischen Armeen noch ganz in der Aufmar,^, Periode befinden. Die verschiedenen Armeen f,e, riehen, da ihnen keine Eisenbahnen oder sonst^pn Verkehrsmittel zur Verfügung stehen, zu Fuß' Pferde oder mit Maultieren die ihnen nach linjr* rem Operationsplan anbefohlenen Stellungen. Die italienischen Erythräa-Truppen haben ihren An- ilriff zunächst bis zu der Linie Aksum— U d u a—A digrat oorgetragen. Sie konn- ien die Zone ohne ernstliche Kampfhandlungen besetzen, weil diese auf meine Anord- isungen hin geräumt worden war. Die Italiener, die ihre Operationen ständig mit Luftbombarde- inents und Artilleriefeuer begleiteten, haben sich rach Erreichung der Linie Adua—Aksum—Adigrat eingegraben und verschanzt. An der S o m a l i e - F r o n t haben die italienischen Truppen die Linie Ual-Ual—Gelehi—Gerlo- xubi bis heute nicht überschritten. Gerahai besindet sich noch in unserem Besitz. Die italienischen Unter- tiehmungen im Danakil- Gebiet sind, militärpolitisch gesehen, fast wertlos. Wir verfolgen mit größter Aufmerksamkeit die Errichtung von italienischen Flugstützpunkten für Bombengeschwader, was darauf hindeutet, daß demnächst Luft- Angriffe auf unsere Eisenbahnlinie erfolgen werden. Die Wahle Neuyork, 6. Nov. (DNB.) Die Wahlergebnisse im Staate Neuyork liegen nunmehr vollständig vor. Danach haben die Republikaner neun Sitze im Abgeordnetenhaus gewonnen. Insgesamt sind ins Abgeordnetenhaus gewählt worden 82 Republikaner und 68 Demokraten. Auch in New Jersey haben die Republikaner Sitze gewonnen. Sie haben damit in diesem Staate ihre dort bereits bestehende Mehrheit erweitert. In Philadelphia, in Cleveland, Columbus und Detroit werden auf Grund des Ausganges der Wahlen r e p u b l i k a - nifche Bürgermeister an die Spitze der Städte treten. Die Republikaner begrüßen die Wiedererlangung der Mehrheit im Neuyorker Abgeordnetenhaus als ein gutes Vorzeichen für die nächstjährigen Präsidentschaftswahlen. Die demokratischen Führer weisen dagegen auf ihre Erfolge in der Stadt Neuyork selbst hin. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind verfassungsgemäß ein Staatenbündel mit Sonderparlamenten. Und tfu diesen Parlamenten — also nicht zum Bundesparlament — haben jetzt Wahlen stattgefunden, die im Staate Neuyork Roosevelt eine Niederlage einbrachten, während der seit jeher demokratische Süden sich gut gehalten zu haben scheint. Im Staate Neuyork ist die demokratische Mehrheit gebrochen worden, die Demokraten haben sieben Sitze verloren, die Republikaner dagegen mit 81 Mandaten die Mehrheit gewonnen. Allerdings ist Neuyork ein Sonderfall. Dieser Staat war von jeher rein republikanisch. Vor allem die Korruptionsmaschine der Tammany-Hall sorgte dafür, daß ihre Bosses glatt durchkamen. Immerhin zeigt sich, daß selbst in diesem Staate die Demokraten ihre Wahlmaschine so ausgebaut haben, daß in den einzelnen Wahlbezirken der Stadt Neuyork die Demokraten den Sieg davontrugen, und das ist besonders bemerkenswert, weil dadurch im nächsten Jahre der Bürgermeister Laguardia voraussichtlich nicht wiedergewählt werden wird. Der Streit ging um die Nira. Mit der Nira hatte Roosevelt zum erstenmal in der Geschichte der Vereinigten Staaten den Versuch gemacht, neue Grenzen abzustecken. Die alten Grenzen hatten sich als unzureichend erwiesen. Es war wirklich so, wie im Mai 1935 der Präsident sagte, daß in den alten Grenzen Pferd und Postkutsche regierten und jeder tun konnte, was ihm beliebte, wobei einige Wenige sehr reich und die Gesamtbevölkerung um so ärmer wurde. Die alte Grenze, das ist das Prinzip des rücksichtslosesten und unsozialsten Individualismus und Kapitalismus. Aber es hatte sich gezeigt, daß die USA. nicht nur von der Weltkrise erfaßt waren, sondern von ihr derber geschüttelt wurden, als irgendein anderes Land. Im reichen Amerika, mit seinen ungeheuren Flächen fruchtbaren Bodens war die Organisation der menschlichen Gesellschaft der fortschreitenden Technik gegenüber zurückgeblieben. Man berief sich zwar drüben darauf, die fortgeschrittenste Nation zu fein, man ließ den allmächtigen Dollar walten und glaubte, die ganze Welt beherrschen zu können, obgleich es offensichtlich war, daß die Welt die Schulden nicht zurückzahlte ober zahlen konnte, bie sie unter bem Druck des Weltkrieges für amerikanische Warenlieferungen gemacht hatte. Daß ferner ber Warenhunger einmal Nachlassen und die einzelnen Staaten sich nicht nach den amerikanischen Wünschen richten würden, war den Amerikanern so lange unglaublich, bis sich zeigte, baß bie Welt in immer größerem Maße auf amerikanische Mono- polprobukte verzichten kann. So ist in den letzten Jahren Amerika, bei bem bis bahin King Cotton, König Baumwolle, ben Ausschlag gab, von feiner Höhe als Hauptlieferant ber jjbrigen Welt herab- gestürzt worben. Noch eins ist zu bemerken: In ben großen amerikanischen Räumen würbe in unheilvollem Maße bie Bevölkerung immer mehr in bie Großstäbte gezogen unb bas Land verödete. Während im hochindustrialisierten Deutschland immerhin noch 30,5 D H. der Bevölkerung in ber Landwirtschaft unb in n5?tnerifd)en Berufen tätig sind und bie Sieblungs- Lberoegung folgerichtig baran geht, bie Erzeugung aus ber eigenen Scholle zu vermehren, bem beut- schen Staatsbürger Haus unb Hof zu schaffen, ihn also zu entproletarisieren, ist bie amerikanische Entwicklung vollstänbig entgegengesetzt verlaufen. Nur 22 v. ber Gesamtbevölkerung ber USA., davon ein erheblicher Teil Neger, sind in ber Landwirt- schäft tätig, bie immer mehr mit Maschinen betrieben unb zu einem Raubbau am Boden wurde. In den Großstädten aber herrschten die Dollarmacher unb rücksichtslos würbe alles zu Doben getreten, was Ansprüche auf soziale unb wirtschaftliche Scho- nung hatte. Die Trusts beherrschten bas angebliche Mutterlanb ber Demokratie, bas roeber gewerkschaftliche Gleichberechtigung noch ben bürftigften sozialen Schutz für die Arbeitermassen kannte. Die Krise konnte innerhalb der alten Grenzen nicht überwunden werden. Der Präsident hat daher versucht, ber amerikanischen Wirtschaft unb dem amerikanischen Volk neue Grenzen zu setzen. Er proklamierte in geradezu revolutionärer Weise das Primat des Staates auch über die Wirtschaft, das Niraprogramm, das die Selbstsucht des einzelnen Unternehmers und Kapitalisten brechen sollte, N in USA. wurde eingeführt. Aber im Mai 1935 erklärte das Oberste Bundesgericht bas Niraprogramm für unvereinbar mit ber Verfassung. Diese Verfassung aber entstammt Zeitläufen, bie längst hinabgesunken finb, unb geht von einer Wirtschaftsform aus, bie längst nicht mehr besteht. So mutet der Spruch des Obersten Bundesgerichts wie ein Fossil aus längst vergangenen Erdzeitaltern an. Aber bie Spekulanten unb Ausbeuter witterten Morgenluft und ihr Geschrei, baß die Verfassung gegen ruchlose Versuche des Präsidenen geschützt werden müsse, tat zunächst einige Wirkung. Aber bas amerikanische Volk war es leib, sich durch Wortgeklingel für selbstsüchtige Zwecke ein« fangen zu lassen. Ende August 1935 nahm der Kon- Sreß eine Reihe von Gesetzen an, die tatsächlich eine bkehr vom alten Amerika bedeuten. Nicht weniger als neun Milliarden Dollar wurden vom Kongreß für soziale Neuordnungen, für die Einführung der Versicherungen gegen Alter und Arbeitslosigkeit usw. bewilligt, wovon fünf Milliarden für die zusätzliche Arbeitsbeschaffung bestimmt waren, womit nach und nach 3,5 Millionen Arbeitsloser wieder Beschäftigung finden sollen. Gleichzeitig wurden die Ansätze zu Roosevelts Programm der inneren Kolonisation bewilligt. Damit hat also in der Sache ber neue Weg Roosevelts gesiegt. Unb wenn auch bei ben Wahlen zu ben Bunbesparlamenten hier unb ba Gegner Roosevelts in bie Parlamente kamen, so hat boch im großen unb ganzen bas amerikanische Volk gezeigt, baß es unter ber Peitsche ber Not aufgerüttelt würbe unb burchweg hinter ber Politik bes Präsidenten steht. Das ist insofern bemerkenswert, als bamit für bie Wieberwahl Roosevelts im nächsten Jahre anscheinenb günstige Aussichten bestehen. Griechenland. Scharfe Zurechtweisung republikanischer Parteiführer durch Kondhlis. Athen, 7. Nov. (DNB. Funkspruch.) Der ehemalige Staatspräsident Z a i m i s hat sich bereit erklärt, in einem Koalitionskabinett den Vorsitz zu übernehmen, wenn auch der republikanische Führer S o p h u l i s und andere in ein solches Kabinett eintreten würden. Diese Lösung der Frage der Regierungsbildung wird jedoch von der gegenwärtigen Regierung abgelehnt. Ministerpräsident Kondylis hat sogar erklärt, daß er bie republikanischen Führer d erb a f» t en lassen werde, wenn sich Herausstellen sollte, daß sie einen zweiten Brief an ben König gerichtet hätten, ber Beleibigungen gegen ben König enthalte. Der Ministerpräsibent soll hinzugefügt haben, es wäre unsinnig, ben Anspruch zu erheben, baß ber von fast bem ganzen Volke zur Wieberbesteigung bes Thrones aufgefor- berte Könw sog. Parteiführer um Erlaubnis b i tf en sollte, bie leb i gl i cf) s i ch selbst vertreten. Oie Llmorganisaiion des schweizerischen Heere«. Basel, 6. Nov. (DNB.) Unter dem Vorsitz von Bundespräsident M i n g e r traten in Bern der schweizerische Landesoerteidigungsausschuß und ber Rat ber Heereskommanbanten zu einer Tagung zusammen. Im Mittelpunkt ber Beratungen steht bie neue Iruppenorbnung, wie sie mit ber Verlängerung ber Ausbilbungszeit an ben Rekrutenschulen zusammenhängt. Die „Basler Nachrichten" teilen mit, baß an bem ursprünglichen Plan nicht unerhebliche Aenberungen vorgenommen worden seien. Don ber etwas starken Herabsetzung ber Bataillone auf 84 sei man roieber a b • gekommen unb spreche heute roieber von rund 100 Bataillonen. Das bebinge auch eine entsprechende Umorganisation der Einheiten, was gegenwärtig im Vordergrund der Erörterungen stehe. Man erwäge, ob man Einheiten von etwa 200 Mann festsetzen soll. Die Zahl ber Divisionen würbe nach dem abgeänderten Plan dann etwa acht betragen, wozu möglicherweise noch besondere Gebirgsbrigaden kämen. Außerdem soll der erste Grenzschutz neu organisiert werden. GesehüberArbeitsvermittlung,Berufs- beratung und Lehrstellenvermittlung. Berlin, 6. Nov. (DNB.) Das Reichsgesetzblatt vom 6. November enthält ein Gesetz über Arbeitsvermittlung, Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung, das am 1. Dezember 1935 in Kraft tritt. Die wesentlichen Bestimmungen des Gesetzes sind, daß die Arbeitsvermittlung, Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung nur noch von ber Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung und Arbeitslosenversicherung betrie- ben werden darf, daß ferner der Reichsarbeifs- minifter gewerbsmäßige Arbeitsvermittlung für einzelne Berufe zu- l affen kann. Kunst und Wissenschaft. Der dänische Schriftsteller Laurids Bruun gestorben. Im Alter von 71 Jahren starb am Mittwoch In Kopenhagen der dänische Schriftsteller Laurlds Bruun. Laurids Bruun ist 1864 in Odense geboren und hat sich durch eine Reihe anmutiger unb phantasievoller Bücher einen Namen gemacht. In Deutschland haben vor allem seine in ber Südsee spielenden Romane „Dan Zantens glückliche Zeit", „Dan Zantens Insel ber Verheißung" und „Die freudlose Witwe" viele Leser gesunden. Au« aller Well. 50. Fahrt des Luffchiffs „Graf Zeppelin". Das Luftschiff „G r a f Z ev p e l i n" hat Donnerstag um 6.45 Uhr unter Führung von Kapitän Lehmann feine letzte diesjährige Ausreise von Friedrichshafen nach Pernambuco unb Rio be Janeiro angetreten. Auch auf biefer Reife, ber 5 0. Sübamerika-Fahrt, find roieber sämtliche Kabinen an Bord voll besetzt, ein Zeichen für die ständig wachsende Beliebtheit der Zeppelinreisen. Don Pernambuco aus wird das Luftschiff einen Monat lang einen reinen Postdienst ohne Fahrgäste und Fracht zwischen Brasilien unb Afrika unterhalten, um dadurch eine Ueberholung der beiden Lufthansa - Flugzeugmutterschiffe „Westfalen" und „Schwabenland" zu ermöglichen. Deutscher Fischdampfer mit 13 Mann Besatzung im Sturm gesunken. Der Fischdampfer „Wursten" ber Hanseatischen Hochseefischerei AG., Bremerhaven, der am 10. Oktober zum Fang in bie Nordsee ausgelaufen war, ist nicht zurückgekehrt. Der Dampfer wurde zuletzt am 19. Oktober in ber Deutschen Bucht gelichtet. Es muß leiber mit Bestimmtheit angenommen werben, daß bas Schiff ein Opfer ber damaligen Stürme geworden ist. Die 13köpfige Besatzung fand den Tob in ben Fluten. Zum Gedächtnis ber mit biesern Schiff gebliebenen beut- scheu Seeleute veranstaltet bie DAF., Auslands» organifation, Abteilung Seeschiffahrt, in ber Stabt- Halle Bremerhaven eine Irauerfunbgebung. Drei Geschwister durch ausströmende Lohlengase erstickt. Die drei Kinder bes Gastwirts Karl Reiß in Westhofen bei Straßburg, zwei Mübchen im Alter von 19 und 11 Jahren unb ein Knabe von 8 Jahren, e r st i ck t e n in ihrem Schlafzimmer durch Kohlengas, das aus einem schadhaften Kamin aus- geströmt war. 3n den Bergen vermißt. Die in ben 30er Jahren stehenden Brüder Alexander und Othmar Müller aus Bern, beide erprobte Bergsteiger, brachen dieser Tage zur Besteigung des an der Grenze ber schweizerischen Kantone Waadt unb Wallis gelegenen 3061 Meter hohen Möveran auf. Seither mürben sie vermißt. Eine Rettungskolonne ist unterwegs. Todesurteile wegen dreifacher Kindestötung. Das Trierer Schwurgericht verurteilte die 50- jährige Ehefrau Schuh wegen Mordes in drei Fällen dreimal zum Tode und ihre 25jährige Tochter Anna wegen Mordes in einem Falle zum Tode unb wegen Kinbestötung in zwei Fällen sowie wegen versuchter Abtreibung zu fünf Jahren sechs Monaten Zuchthaus. Das Gericht befürwortete im Falle der Tochter bie Umwand- lung ber Tobesltrafe in eine angemessene Freiheitsstrafe. Bei ber Urteilsverkündung brach Frau Schuh zusammen, so daß die Bekanntgabe ber Urteilsbegründung ausgesetzt werden mußte. Beide Frauen hatten in den Jahren 1929, 1933 und 1935 bie von ber Anna Schuh unehelich geborenen Kinder ums Leden gebracht. Auf Anraten ber Mutter ließ bie Tochter das erste Kind nach ber Geburt verhungern, indem sie dem Kinde keine Nahrung mehr gab. In den beiben anberen Fällen hatte bie Mutter bie Kinder ihrer Tochter gleich nach der Geburt in ber Jauchegrube ertränkt. Bei einer Durchsuchung im Jahre 1935 fand man noch in ber Jauchegrube die Reste der beiden Kindesleichen vor. In ber 93er- hanblung war bie Tochter zunächst nach einigen Ausflüchten geständig, während die Mutter bis zuletzt hartnäckig leugnete. 10 portugiesische Arbeiter durch Starkstrom gelötet. Aus Lissabon wird berichtet, daß bei Alhambra in ber Nähe der portugiesischen Hauptstadt zehn Arbeiter, die einen Graben ausschachteten, mit dem elektrischen Strom einer Hochspannungsleitung in Berührung kamen und sofort getötet wurden. Französischer Wilddieb als vierfacher Mörder zum Tode verurteilt. Ein vierfacher Mörder, ber Wilbbieb Sofia, ist vom französischen Schwurgericht in Draguignan zum Tode verurteilt worden. Die Opfer waren vier Schäfer. Dor Gericht erklärte ber ärztliche Sachverständige, der Angeklagte sei kein Irrer, er gleiche aber mehr einem vorzeitlichen Höhlenbewohner als einem zivilisierten Menschen. Der Richter lehnte es ab, ein Gnadengesuch für den Mörder zu unterzeichnen. vT 3 m Der neue Memellandtag tritt zusammen. Oie Volksvertretung fordert von Litauen Wiederherstellung Die erste Sitzung des neugewählten memellän- bischen Landtags war eine einzige Abrechnung mit der litauischen Gewaltherrschaft: sachlich im Inhalt, bestimmt in der Form. Kein Wort ist zuviel in der Erklärung des Landespräsidenten, des Sprechers der memelländischen Volksgemeinschaft, aber jeder Satz bildet eine Anklage für sich. Lang ist die Liste der berechtigten Beschwerden über die Eingriffe des Gouverneurs in die Rechte des Parlaments, über die endlosen Verletzungen des Memelstatuts und die Ausschaltung des Willens der memelländischen Bevölkerung. Cs ist schon verständlich, daß der G o u v e r - n e u r gleich nach der Eröffnung des Landtages mit dem zurückgetretenen Direktor Bruvelaitis den Sitzungssaal verlies, um sich der peinlichen Situation zu entziehen, die Rolle des Angeklagten übernehmen zu müssen. Seine mit mehr oder minder offenen Gehässigkeiten, Verdrehungen und Verhöhnungen gespickte Eröffnungsrede läßt übrigens erkennen, wie wenig Neigung im litauischen Lager vorhanden ist, die Atmosphäre von neuen Spannungen frei zu halten, damit dem Willen des Landtages Rechnung getragen und der ge- setzmäßige Zustand wieder hergestellt werden kann. Aber die Litauer können es nicht lassen, neue Verstimmungen heraufzubeschwören, so mit der Behauptung des Gouverneurs Kurkauskas, daß ein Hand-in-Hand-Arbeiten zugunsten der Landwirtschaft zu erzielen gewesen wäre, „wenn der vierte memelländische Landtag nicht abseits g e- standen hätte" Das ist eine Geschichtsfälschung, wie sie schlimmer nicht zu denken ist. Der Landtag war stets ehrlich bemüht, mit Litauen zusammenzuarbeiten, wie er auch jetzt durch seinen Eid eine umfassende Loyalitätserklärung abgegeben hat. Doch der Gouverneur war es, der seine litauischen Abgeordneten so einexerzierte, daß jede Beschlußfähigkeit unmöglich und damit jede ersprießliche Arbeit ausgeschlossen wurde, ganz abgesehen von den litauischen Eingriffen in die Selbstverwaltung, die ohnehin schon jede praktische Zusammenarbeit einer schweren Belastungsprobe aussetzten. Welcher Geist noch heute auf der litauischen Seite herrscht, geht auch aus der Redewendung von dem „fremden Einfluß" hervor, mit der man sich offensichtlich eine Plattform zur Verteidigung künftiger litauischer Verstöße gegen das Memelstarut schaffen will. Die höchst abwegigen Bemerkungen des Gouverneurs mögen aber im Interesse der Sache selbst dahinqehen. Jetzt geht es darum, daß Litauen die alten Bahnen verläßt und sich wieder durch Aufhebung aller Verordnungen und Gesetze, die in der Zwischenzeit erlassen wurden, zum Memel st atut bekennt. Kowno ist also am Zug. Warten wir ab, wie sich Litauen nun, nachdem es an der Memel eine so furchtbare Wahlniederlage erlitten hat, verhalten wird. Die S tzung. Memel, 6 Nov. (DNB.) Der neugewählte Memelländische Landtag trat am Mittwoch zum ersten Male zusammen Schon lange vor Beginn der Sitzung war der etwa 100 Personen fassende, Zuschauerraum des kleinen Stadtverordneten-' Sitzungssaales überfüllt. Die Abgeordneten^ der Einheitsliste füllen das Plenum, und nur ganz hinten rechts in einer Ecke sitzen die t fünf litauischenAbgeordneten, die unter I der erdrückenden Mehrheit der Einheitsliste völlig ' verschwinden. Das Diplomatische Korps ist nur, durch die Vertreter des deutschen Generalkonsulats und durch die Konsuln von Sowjetrußland, Lettland; und Norwegen vertreten. Von den Signatar-^ m ä ch t en sieht man keinen Beobachter. ' Oer Gouverneur des Memelgebietes erinnerte die Abgeordneten an die Richtlinien, die sie einzuhalten hätten. Das Wohlergehen des Memelgebietes hänge mit dem des litauischen Gesamt- taates zusammen. Die allgemeine landwirt - chaftliche Krise treffe das Memelgebiet am chwersten. Die Zentralregierung habe schon Maßnahmen getroffen, die auch einzelnen Teilen Litauens bereits geholfen hätten. Jetzt würden diese auch dem Memelgebiet zugutekommen. Wie andere Staaten so habe auch Litauen einen D e v i s e n b e - wirtschaftungszwang und eine Kontrolle der Ein- und Ausfuhr einführen müssen. Der litauische Staat und das Memelgebiet müßten Hand in Hand arbeiten, um der Landwirtschaft zu helfen. Dies wäre leichter gewesen, wenn der 4. Memelländische Landtag nicht abseits gestanden hätte. Die Zusammenarbeit habe zur Voraus- setzüng den guten Willen und die loyale Erfüllung des Autonomie st atuts, der litauischen Gesetze, unbeirrt von fremdem Einfluß. Die memelländischen Untertanen lägen dem litauischen Staat genau so am Herzen wie die Litauer. Er wünsche dem 5. Memelländischen Landtag eine erfolgreiche Arbeit. Der Alterspräsident W a i t s ch i e s nahm nunmehr die Wahl des Präsidiums vor. Der Fraktionsführer der Einheitsliste Papendieck machte die Vorschläge der Einheitsliste, wonach der Landwirt B a l d s z u s für das Präsidium genannt wurde. Baldszus wurde mit 24 Stimmen bei fünf Enthaltungen der Litauer gewählt. Auch die weiteren Mitglieder des Präsidiums waren sämtlich Mitglieder der Einheitsliste, da die Litauer daraus verzichteten, Kandidaten 3U benennen und sich zum Schluß auch nicht mehr an der Abstimmung beteiligten. Nachdem der neue Präsident den Vorsitz übernommen hatte, erklärte der Iraklionsführer der Einheitsliste papendieck u. a.: Das Memelgebiet ist feit dem 5. Mai 1934 praktisch ohne Landtag regiert worden, dazu seit dem 28. Juni 1934 von zwei Direktorien, die nie das Vertrauen des Landtages hatten. Der Landtag darf nicht stillschweigend Maßnahmen hinnehmen, die die aus dem Memel- ftatut sich ergebenden Rechte des autonomen Gebietes verkürzen, wenn er nicht Gefahr laufen will, daß fein Stillschweigen als Einverständnis aufge= faßt und Gewohnheitsrechte daraus hergeleitet werden. Der Landtag erhebt förmlichen Einspruch dagegen: 1. daß der Gouverneur sich das Recht zur Schließung der ordentlichen Session gegen den Willen d e s Landtages und ohne das Einverständnis des Direktoriums genommen hat: 2. daß der Gouverneur den Landtag nicht in angemessener Frist nach Eingang eines genügend unterstützten Antrages zur außerordentlichen Session einberufen hat: 3 daß der Gouverneur wiederholt versucht hat, die Leitung einer Sitzung des Landtages zu übernehmen: 4. daß der Gouverneur in das Recht des Landtages, seine Tagesordnung allein aufzustellen, eingegriffen hat: 5. daß der Gouverneur versucht hat, die Behandlung eines Punktes der Tagesordnung im Landtag zu verhindern: 6. daß der Gouverneur die Legislaturperiode schon drei Jahre nach dem Wahltag für beendet erklärt hat; verfassungsmäßiger Zustände. 7. daß das dem Landtag nach dem Statut oer- antwortliche Direktorium dem Landtag das Hausrecht mit P o l i z e i g e w a l t entzogen und sogar die Anwendung poli- zeilichen Zwanges gegen die Abgeordneten im Sitzungssaal wahrend der Landtagssitzung an- geordnet hat; 8. daß das Direktorium nicht die durch unser geltendes Recht vorgefchriebenen Rechts- mittel gegen die Verletzung der Immunität memelländischer Abgeordneter eingelegt hat. Wir erheben ferner förmlichen Einspruch dagegen, daß seit dem 28. Juni 1934 zwei Direk- torten die Verwaltung des Memelgebietes innebatten, dienichtdasVertrauendesLand- tages besaßen. Der Landtag ist der lieber* zeugung, daß der Präsident des Direktoriums den Willen und die Fähigkeit haben muß, den Willen der Mehrheitder Bevölkerung ent- sprechend dem Sinn des Memelstatuts und entsprechend der eindeutigen Definition das Haager Urteil vom 11. August 1932 auch gegenüber d e m Willen des Gouverneurs zu vertreten. Solange wir ein Direktorium haben, dem wir nicht unser vertrauen aussprechen können, sind wir durch die Auffassung des Haager Urteils gezwungen, jede Zusammenarbeit mit dem Direktorium zu vermeiden. weil wir ihm sonst indirekt das vertrauen aussprechen. Das Direktorium Schreiber besaß dieses vertrauen des Landtages. Seine gewaltsame Absetzung unterliegt nach dem Haager Urteil der Nachprüfung. Der Landtag bringt hier zum Ausdruck, daß er diese Nachprüfung für erforderlich hält, da seiner Auffassung nach die rechtlichen und tatsächlichen Voraussetzungen für eine Abberufung des Präsidenten Schreiber nicht gegeben waren. TDir erklären, daß auch wir geschlossen hinter der Amtsführung des Direktoriums Schreiber stehen. wie insbesondere die Maßnahmen zur Verteidigung der Autonomie in Schulangelegenheiten mit unserer Auffassung von der Autonomie des Memelstatuts in Schulangelegenheiten übereinstimmen. Der Rücktritt des Direktoriums Brune- l a i t i s ist erfolgt, bevor der Landtag ihm förmlich sein Mißtrauen aussprechen konnte. Der Landtag erklärt, daß die Amtsführung dieses Di- rektoriums und feines Vorgängers in schroffem Gegensatz zu dem Willen der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung stand. Der Landtag lehnt ihre ganze Geschäftsführung ab. Wir haben in der feierlichsten Form die Erklärung abgegeben, daß wir auf dem Boden des Statuts und der Verfassung stehen. Wir dürfen daher um so mehr eine sachliche Würdigung unserer Be- denken in den Punkten erwarten, in denen zwischen dem Statut und der Gesetzgebung des Staates nach unserer Auffassung Konflikte vorchanden find. Der Landtag bringt wiederholt zum Ausdruck, daß er den Ängleich der Interessen des Staates mit denen Memels im Rahmen der Verfassung und auf dem Boden des Memelftatus im ernsten Willen und in voller Erkennung der sich daraus ergebenden Pflicht anstrebt. Er bringt aber auch mit dem gleichen Ernst zum Ausdruck, daß die gesamte Arbeit in Zukunft von vornherein eine bessere Basis gewinnen würde, wenn endlich das Urteil des Kownoer Kriegsaerichtes mit allen seinen Folgen beseitigt würde, das nach dem einmüti- i gen Glauben aller memelländische Männer getrof- Ifen hat, die ebenso wenig einen bewaffneten Auf- stanv gegen Vön Skaak geplant tmb vorberektet haben wie die Abgeordneten des gegenwärtigen Landtages selbst und ihre Bewohner. Der Landtag beauftragt das Präsidium, bei den zu erwartenden Besprechungen mit dem Gouverneur über die Ernennung eines Präsidenten des Direktoriums diese Auffassung der Mehrheit des Landtages dem Gouverneur zur Kenntnis zu bringen.* Trauung im englischen Königshaufe. Die kirchliche Trauung zwischen dem dritten Sohn des englischen Königs, dem Herzog von Gloucester, und Lady Alice M o n t a g u - Douglas-Scott wurde am Mittwochmittag in der Privatkapelle des Buckingham-Palastes durch den Erzbischofs von Canterbury vollzogen. Zehn- Das DHD. ist die lebendige Tat des deutschen Sozialismus. taufende von Zuschauern hatten sich in der Nahe des königlichen Schlosses angesammelt, um die Anfahrt der Braut und der geladenen Ehrengäste anzusehen. Mit Rücksicht auf den vor zwei Wochen erfolgten Tod des Vaters der Braut, des Herzogs von Buccleugh, war die Feierlichkeit nur in kleinem Rahmen gehalten. Holländischer Devisenschieber unschädlich gemacht. Die Zollfahndungsstelle für Berlin und Brandenburg hat wiederum einen holländischen Staatsangehörigen, den Kaufmann d e V r i e s , der große Beträge von Deutschland nach Holland verschieben wollte, festgenommen und dem Richter vorgeführt, de Vries legte das Geständnis ab, derartige Devisenschiebungen schon häufig vorgenommen zu haben. Mit seiner Aburteilung im Schnellverfahren ist bereits in den nächsten Tagen zu rechnen. Wetterbericht des Reichswetterdlenstes. Ausgabeort Frankfurt. Im Bereich steigenden Luftdrucks hat sich auch bei uns vorübergehend Beruhigung und Aufheiterung eingestellt, die in der vergangenen Nacht durch Ausstrahlung verstärkte Abkühlung herbeiführte. Ueber der Biscaya ist ein kräftiger Teilwirbel in Entwicklung, der zunächst wieder Warmluft auf das Festland verfrachtet und das damit verbundene Regengebiet bereits am Donnerstagmorgen über Mittelfrankreich hinaus vorgetrieben hat. Voraussichtlich wird dieser Wirbel auch auf unser Wetter vorübergehend stärkeren Einfluß nehmen. Aussichten für Freitag: Nach verbreiteter Regentätigkeit wieder mehr veränderlich bewölkt mit vereinzelten kürzeren Niederschlägen, ausfrischende, zunächst östliche und südliche, später westliche Winde, vorübergehend wieder milder. Aussichten für Samstag: Noch immer unbeständig und zu Niederschlägen geneigt. Lufttemperaturen am 6. November: mittags 10,6 Grad Celsius, abends 5,3 Grad; am 7. November: morgens 3,5 Grad. Maximum 11,5 Grad, Minimum 0,9 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. November: abends 7,7 Grad; am 7. November: morgens 6,1 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer 1,3 Stunden. — Niederschläge 0,2 mm. Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenlei'er: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. X. 35: 10 000. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Stein« druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf^ mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig. Ein tönendes Dogelbestimmungsbuch! In Kürze erscheint: Konrad Roth angefertigt. 6411* 04794 6408 D Seriöses Hugo Dennühler Verlag ♦ Berlin-Lichterfelde 6403 D sucht. 04787 Liebigstr. 5 8 1. un» edden. Nach kurzem schweren Leiden starb heute früh 6 Uhr unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater, Urgroßvater und Schwager | Empfehl ungen"| Tanzen lehrt in Einzel- stund u. Kursen Tanzschuh Bäulke Wolfstraße 1 Ruf 3835. aeisl) Kleine Anieigen richten sich an die Bevölkerung der engeren Heimat! Darum: Kleinanzeigen in die Heimatzeitung, den 1 Qießener Anzeiger ii.m.iaÜ.Haareiv nutö dievonrnn imciero ,eim.nd) .Vieth uni. Gar mrn.mitd.Wuri. d)meni.entfeint Frau B. Gulden. Svrecbstd teben Freitag,Gießen. Alicenstraße40v 9-7 Uhr durchg im Alter von 77 Jahren. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Karl Rau II. Familie Wilhelm Roth Familie Heinrich Roth Wwe. Familie Otto Theis Familie Heinrich Langsdorf Hattenrod, Albach. den 6. November 1935 Die Beerdigung findet Freitag,den 8 November, nachmittags 3 Uhr statt Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für die zahlreichen Kranz- und Blumenspenden beim Heimgang unserer lieben Entschlafenen Frau Margarete ArnoldWwe. sagen wir hiermit unseren herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 6. November 1935. Am Montag verschied plötzlich an einem Herzschlag meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Großmutter und Schwester Lina Jäger, geb. Volkmar im Alter von 53 Jahren. Die trauernden Hinter bliebenen: Peter Jäger, Karl und Irmgard Jäger. Bad-Nauheim, Frankfurt a M., Kassel, den 7 Nov. 1935 Die Beerdigung findet Freitag, den 8. November, nach mittags 3 Uhr, aut dem Neuen Friedhof in Gießen statt. _______________________________________________________________ 0 791 Perfekter Onilormsclineider und Großs'ückschnejder von erstkl. Maßschneiderei per sofort gesucht. 64oed Theodor Köhler Seltersweg 17. M. G. Grode Frankfurter Straße Schlaf-Anzüge und Hemden werden auf Wunsch nach Maß billigst Billiges Angebot SWin*Flanelle geblümt, gestreift und einfarbig, bessere Qualii äten Meter 120. 95. 85, 70. 65, 55 IMeo-Mle für Sport- oder Arbeits-Hemden Meter 120. 95. 80, 70 und 65 A Zweck s par unternehm en hat am dortigen Platze und Umgebung die Genera’agentur zu besetzen. — Solide, unbescholtene Herren, welche sich bei gutem Auskommen eine Dauerexistenz zu gründen beabsichtigen, wollen austührl. Angebot hierherreichen. Rheinische Mob. Zwecksparges m b. H.. 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Im übrigen standen nur ganze vierzehn Rohre bereit. Aehnlich dürfte es auch in den anderen Ländern gewesen sein. Aber kaum waren die ersten feindlichen Geschütze als Beute eingebracht, wurde schleunigst für ihre Umarbeitung in Flugzeugkanonen gesorgt. Diese Waffe wurde im Laufe der Kriegsjahre soweit aus- gebaut, daß alsbald jeder Frontabschnitt über genügend Geschütze verfügte. Bei Kriegsende standen 4000 Flaks an und hinter der deutschen Front, teils fest eingebaut, teils beweglich. Viele von ihnen zeichneten sich bei der Tankabwehr aus. Versailles zerschlug uns für die nächsten fünfzehn Jahre auch diese Waffe. Um so sorgfältiger wurde sie dagegen in dieser Zeit von den Siegerstaaten behandelt und verbessert. Sah der Krieg Kaliber von 7,7 Zentimeter im Durchschnitt, so zeigt das ausländische Flugzeugabwehrgeschütz heute im allgemeinen Kaliber von 9 bis 10 Zentimeter. Natürlich haben sich auch die Reichweiten wesentlich verändert. Der Beschuß vom Boden aus trieb schon während des Krieges die Flugzeuge in größere Höhe, so daß die Flaks folgen mußten. Es war also nötig, dauernd die Schußhöhe zu verbessern. Diese Entwicklung hat sich in der Nachkriegszeit fortgesetzt. Ueberall herrscht das Bestreben vor, dem Flugzeug eine Gipfelhöhe zu geben, die möglichst über 10 000 Meter liegt. Diese Höhe wird zur Zeit nur von wenigen besonders leistungsfähigen Kriegsflugzeugen erreicht und gehalten, im Durchschnitt kommen etwa 8000 Meter in Frage. Trotzdem besteht überall für Flugzeuq- abwehrkanonen mit Steigehöhen von über 10000 Meter reges Interesse. So haben die Belgier eine 10.5-Zenlimeter-Flak, deren Geschosse bis zu 11 000 Meter Höhe reichen. Allerdings handelt es sich hierbei zunächst um ein Versuchsgeschütz Bei den Engländern ist ein Vickersgeschütz mit 16000 Meter, bei den Amerikanern mit 18000 Meter, bei den Franzosen sogar mit 23500: Meter zu finden. Diese Geschütze sind jedoch erst von den Waffenfabriken angeboten worden, einge- führt sind sie noch nicht. Aus der Schußweite ergibt sich, daß überall mit weiteren Ueberraschungen bei der Luftwaffe aerech- net wird und daß man beizeiten mit der Granate Höben erreichen will, in denen das Flugzeug bis- ber noch nicht heimisch geworden ist Während des K'-'eges gab es nun auf beiden Seiten zunächst Abwehraeschütze, die »5 nur dann auf eine arößere Schuftzahl in der Minute brachten, wenn sich die Bedienungsmannschaft besonders anftrenate. Heute b'et'1 die Rüstungsindustrie die in den letzten Kriegsjohren herausgekommenen automatischen Geschütze in einer kaum noch zu überbietenden Vollendung an Durch die Möglichkeit, rasch hintereinander eine größere Anzahl von Granaten ahfeu^rn zu können, ist die Flak dem Flieger rech* gefährlich geworden. Statistische Erhebungen der Amerikaner besagen daß in den ersten Kriegsjahren 8000 bis 9000 Schuß nötig waren um ein Flugzeug herunterzuholen, daß aber die fortschreitenden Verbesserungen 1918 nur noch 3500 bis 4000 Schuß erforderlich machten. Die Engländer behaupten, daß sie gegen Kriegsende nur noch 1550 Schuß gebrauchten Wir haben durch die Verbesserungen an der Flak die Schußzahl halbieren können Künftig wird man unter einem wesent - lich geringeren Muni 1 i 0nsauswond Erfolge erzielen können. Es darf jedoch nicht übersehen werden, daß die enormen Geschwindigkeiten eines modernen Kampfflugzeuges die Chancen der Flak wieder verringern. Auch d i e Panzerung der neuen Flugzeuge wird im Ernstfall nicht unvorteilhaft sein. Doch auch hier weiß man Rat. Jetzt wird Brisanzmunition verwandt, die auch durch die Panzer dringt und recht große Löcher reißt. Neben der Flak in ihrer höchsten Vollendung gibt es die Revolverkanone und das schwere Maschinengewehr. Das Maschinengewehr läßt sich natürlich nur gegen Sturz- und Tiefflieger anwenden, vielleicht auch gegen Torpedoflieger, die, wenn sie ihr Torpedo mit Aussicht auf Erfolg gegen ein Kriegsschiff zu Wasser bringen vollen, doch fast auf die Meeresoberfläche herunter und auf mindestens 1000 Meter an das zu torpedierende Kriegsschiff heran müssen. Gegen diese Flieger gelangt das Maschinengewehr mit einem Kaliber von 12 bis 20 mm zum Einsatz. Vielfach finden sich mehrere Maschinengewehre auf einer Lafette nebeneinander, so daß die Feuerwirkung verbessert wird. Die Bedienung von Waffen, die untereinander verbunden sind, erfordert ein gut geschultes Personal. Ueberhaupt wird von den Mannschaften der Flugzeugabwehr sehr genaues Schießen und vor allem sofortiges Erkennen der in Frage kommenden Höhen verlangt. Da z. B. KWK. Das Flugzeug hat sich auch als Hilfs- waffe der Marine eine derartige Bedeutung erkämpft, daß man sich kaum mehr in der englischen Marine z. B. ein Schiff von einigermaßen Tonnengehalt ohne^ Flugzeug vorstellen kann das zu gewissen Erkundungs-, Aufklärungs- usw. Aufgaben eingesetzt werden soll S el b st U - B 0 0 t e der Hvch- gerüsteten sind vorhanden, welche ein Flugzeug m i t f ü h r e n können, dessen Tragdeck zusammenklappbar sind. Jedoch unter Flugzeugschiffen versteht man solche, welche eine größere Anzahl Maschinen an Bord mitführen, von einer gewissen Kampfkraft; diese werden alle meist mit Katapult gestartet. Unter den Flugzeugschiffen ist der F l u g z e u g k r e u z e r eine besonders moderne Erscheinung, die sich sonderlich im atlantischen Raum bewährt hat. Unter diesem Schiffstyp ist besonders der schwedischeKreu- zer „Gotland" bekannt geworden, welcher neun Flugzeuge mitführt, also eine ganze Staffel: es ist wohl das erste Kriegsschiff, das von diesem Gesichtspunkt her neu gebaut worden ist Die Erfahrungen der englischen und auch französischen Flottenmanöver hatten ergeben, daß die schweren Flugzeugschiffe wie Flugzeugträger- und Mutterschiffe auf Grund der fehlenden Kampfkraft bei ungünstigen oder gar bedrohlichen Wetterlagen geradezu zu einer Belastung werden können, während z. B. Flugzeugkreuzer ihre Flugzeuge u. U. auch bei ungünstiger Wetterlage, und wenn nur vorübergehend, einsetzen können Diesen Erfahrungen entspringt der Entschluß des britischen Marineministeriums, Schlachtschiffe und Kreuzer im erhöhten Maße mit Flugzeugen auszurüsten, wozu einige Umbauten erforderlich wurden, die aber gern in Kauf genommen Generaloberst von S e e ck t hat einmal bei der Kritik einer allzu weit schweifenden Manöver anlage gesagt: „Wenn ich Strategie treiben mil:, so brauche ich keine Truppe, sondern nur ein. Karte und einen Zirke l." Zeit und Raum und ihre Berechnung mit Hilfe des Zirkels und der Karte bilden, die Grundlagen aller strategischen, ja der Mehrzahl aller taktischen Erwägungen. Die Feststellung, wann und wo treffe ich auf den Gegner, habe ich mit seiner Feuerwirkung zu rechnen, kann ich ihn mit meinem Feuer erreichen, ist bejtimmenb für den Einsatz meiner Truppe. Schisse im Ernstfall kaum von Einzelfliegern, sondern von ganzen Geschwadern angegriffen werden, die schachbrettartig über das Schiss Hinwegfliegen und auf ein gemeinsames Zeichen einen förmlichen Bombenhagel niedergehen lassen, muß die Bedienungsmannschaft der Flaks und Maschinengewehre erstklassig ausgebildet sein. Hier können oft nur Sekunden Schiff und Mannschaft retten. Die Flakwaffe nimmt in allen Ländern einen mehr oder minder großen Raum ein. In den Friedensarmeen finden sich verhältnismäßig wenige Flugzeugabwehrgeschütze. Belgien hat nur ein Flak-Regiment, in England sind es 13 Batterien, in Italien 5 Regimenter mit 96 Geschützen, in Polen hundert Geschütze und in Frankreich sechs Regimenter mit 204 Geschützen. In Wirklichkeit ist die Flakwaffe überall bedeutend umfangreicher. Denn in allen Statistiken fehlen die Flaks in den Festungswerken, also die fest eingebauten Geschütze, ferner sind die ungeheuren Mengen eingelagerter Geschütze der Oeffentlichkeit verborgen. Alles in allem zeigt sich jedoch, daß das Ausland nicht versäumt hat, auch auf dem Gebiete der aktiven Flugzeugabwehr aufzurüsten, und zwar dort am stärksten, wo die Luswafse nicht mehr übertroffen werden kann. W. S. Die Eisenbahn gab der Kampfführung ein anderes Gesicht. Sie ermöglichte Truppenverschie« bunaen, deren Tempo nicht mit Sicherheit Daraus« zusehen war. Der Motor hat die Entwicklung folgerichtig weiter geführt. Er macht die Truppe zu Herren über Raum und Zeit. Er verleiht ihr ein £empo, das die gegnerische Aufklärung trotz Straßenpanzerwagen und Sprechfunk nur schwer zu halten vermag. Jeder Führer wird in Zukunft da- mit rechnen müssen, daß irgendwo unvermutet von vorne, in den Flanken, ja selbst im Rücken motorisierte Verbände auftauchen. Er wird sich selbst unter normalen Verhältnissen daran gewöhnen müssen, daß die Zeitspanne zwischen dem Eingehen einer Meldung vom Auftauchen des Gegners vor den eigenen Ausklärungsorganen und seinem Wirksamwerden auf dem Gefechtsfelde nur sehr kurz, weit kürzer selbst als im Weltkriege, daß ihm nicht viel Zeit zu langen Berechnungen und lieber- legungen bleibt, daß er blitzschnell denken, handeln und befehlen muß, wenn er nicht ins Hintertreffen geraten will. Freilich, er hat auch die Gewißheit, daß seine Truppe ebenso über Raum und Zeit erhaben ist wie der Gegner, daß kein Ordonnanzoffizier ihr erst nach stundenlangem Ritt seine Weisungen übermittelt, sondern daß der Funk, der Draht sie in Sekundenschnelle ins Bild setzt, daß auch sie der Motor in kürzester Zeit an febe gewünschte Stelle führt. Um so wichtiger ist es, daß er in der Führungstechnik, in dem sachgemäßen Gebrauch der Führungsmittel gründlich geschult wird. Denn nur, wenn er das Handwerkzeug der Führung meistert, wird er sich zu den Höhen der Führungskunst aufzuschwingen vermögen. Aufklärung, Ent- schlußfassung, Befehlsgebung und Besehlsübermitt- lung sind die wesentlichen Elemente der Führungstechnik. Die Aufklärung in ihrer Zusammenarbeit zwischen Luft- und Erdaufklärung, Flugzeug und Ballon, Pferd und Motor, Auge und photographischer Linse, Horch-, Peil- und Meßgerät, Spionage und Gegenspionage, Funk und Presse ist ein empfindliches Instrument geworden, dessen sachgemäßer Ansatz und dessen nutzbringende Auswertung nicht von heute auf morgen gelernt wird. Sie spannt ihren Rahmen über Länder und Kontinente, sie paßt ihr Tempo der Schnelligkeit des elektrischen Funkens an, aber sie verlangt auch augenblickliches Erfassen der durch sie gekennzeichneten Feindlage und rasches Gebären des sie met- fternben Entschlusses. Gewiß die große Linie eines Feldzuges wird auch in einem Zukunftskrieg das Ergebnis einer langen Gedankenreihe, das Kind vieler Stunden am Schreibtisch und mancher schlaflosen Nächte sein. Aber ihre Durchführung unter der rasch wechselnden Wirkung des Feindes,- das Finden jener Aushilfe, die nach Moltkes Wort das Wesen der Strategie ausmachen, wird an die schnelle Entschlußkraft des Führers gebunden fein. Das Umgießen des Entschlusses in Befehle darf keine unnütze Minute kosten. Die Zeit, da der I a eines Armeekorps, der Adjutant eines Bataillons, in emsiger Arbeit einen in 12 bis 13 Punkte schön gegliederten Befehl mit Skizzenanlagen mannigfacher Art zustande und der Truppe durch unzählige Umdrücke zur Kenntnis brachte, ist vorüber. Kurze, mündliche, fernmündliche und drahtliche Weisungen an die einzelnen unterstellten Verbände sind an die Stelle von Sammelbefehlen getreten, die allenfalls als nachträgliche Bestätigungen und für die Akten ihre Auferstehung feiern. Für die Uebermittfung der Befehle an die Truppe spielt der Aufbau und der Ausbau des Nachrichtennetzes, seine geschickte Ausnutzung durch die Stäbe und die Truppe eine gewichtige Rolle. Rahmenübungen in großen Verbänden, bei denen nur die Stabe und die Nachrichtenttuppen zur Darstellung kommen, haben in den letzten Jahren in allen Staaten, so kürzlich in Deutschland um Liegnitz, in Frankreich bei Dijon in Anwesenheit der Chefs der Generalstäbe des französischen, tschechischen und sugo- slawischen Heeres Führer und Geführte darin geschult. Schnell denken, schnell handeln, das „activitg, cöl^rite, vitesse“ Napoleonischer Kampf- FllMeuo-SkWe als Hilfswaffe her Marine Zeit mW Raum m her Kriegführung. Von Oberstleutnant a O. Benary ! werden. Die schweren Flugzeugschiffe sind mehr als schwimmende Stützpunkte zu betrachten, welche einer Bedeckung durch Kampfschiffe bedürfen. Flugzeugträger vermögen ganze Geschwader an Bord mitzuführen. Man hat 1 diese Träger oft als „schwimmende Flugplätze bezeichnet, tatsächlich sind sie darüber hinaus schwimmende Städte. An Bord befindet sich ungefähr jeder Betrieb, der in einer mittleren Stadt zu finden ist. Z. B. ist die amerikanische „Lexington" vom Bug zum Heck 270,7 Meter lang und so hoch wie ein 20stückiges Haus. Im Rumpf find Flugzeughallen, aus denen die Maschinen mittels riesiger hydraulischer Aufzüge an Bord auf das Flugdeck befördert werden. Besonders die Amerikaner legen hohen Wert auf Flugzeugträger, um in der Lage zu sein, in einem' Konflikt mit Japan starke Flugverbände heranzuführen. Die Flugzeugschiffe werden voraussichtlich auf der Flottenkonferenz eine große Rolle spielen, und es scheint, daß die Japaner den Antrag stellen werden, den Bau von Flugzeugträgern zu verbieten Das alte Flugzeugmutterschiff ist gegenüber dem modernen Flugzeugträger zurückgetreten. Zu Luft-See-Operationen über weite Räume wird der Flugzeugträger so lange nicht zu entbehren sein, bis die Reichweite seetüchtiger Flugboote die Höhe erreicht, welche ihn überflüssig macht, i Hingegen wird von vielen Sachkennern dem Flug- ^deckkreuzer, einer Zwischenlösung zwischen I Kreuzer und Flugzeugträger, große Zukunft Der* - sprachen. Wie es scheint, befinden sich die Flug- ! zeugschiffe in einem neuen Stadium der Entwick- ■ hing, das bei der Stärkebeurteilung auf der Flotten- i konferenz 1935 eine wichtige Rolle spielen wird. G. v. M. Zeit und Raum sind für den Soldaten von heute fließende Begriffe geworden. Einst waren sie gegebene Größen. Der Infanterist setzte Bein vor Bein. Er marschierte dcn Kilometer in größeren Verbänden auf weite Strecken in 12 bis 15 Minuten. Berittene Waffen brauchten die Hälfte der Zeit. Die Aufmarschzeit einer Infanteriedivision in Höhe des Anfanges der Vorhut war mit rund 472 Stunden anzusetzen uff. Man konnte nach einigermaßen guten Nachrichten kaum durch das plötzliche Auftreten eines Gegners überrascht werden. Aber schon „Junker Dampf" endete das Bild. Die Schlacht bei Torgau. 3 November 1760 Friedrichs des Großen glänzender Sieg bei Liegnitz am 15. August 1760 hatte die in Schlesien geplante Vereinigung der Oesterreächer und Russen verhindert. Dagegen gelang einer aus Russen und dem österreichischen Korps Lascy zusammengesetzten Heeresabteilung Anfang Oktober die vorübergehende Besetzung Berlins. Auf die Kunde vom Anmarsch des Preußenkönigs zogen sich die Russen auf die Weichsel, Lascy nach der Lausitz zurück. Feldmarschall Graf Daun hatte inzwischen fast ganz Sachsen besetzt und zog Lascy nach Torgau am linken Elbufer an die Hauptarmee heran. Friedrich rückte westlich der Elbe nach Süden, um die Vereinigung Dauns mit der sich vorn Westen nähernden Reichsarmee zu verhindern. Die Nachricht vom Anmarsch der Preußen trieb Daun auf die Höhen westlich Torgau, die Reichstruppen bis hinter Leipzig zurück. Kaiserin Maria Theresia hatte Dann befohlen, Sachsen unbedingt zu behaupten, auch wenn es zur Schlacht käme; König Friedrich brauchte Sachsen für Winterquartiere und Mannschaftsersatz. Bis Langen-Reichenbach und Schildau (fünf Kilometer südlich Klitzschen) war das Preußenheer am 2 November gekommen, als sichere Meldungen über die Besatzung der Höhen nördlich Süptitz eingingen. Zum sparsamsten Gebrauch seiner Machtmittel gezwungen, unternahm König Friedrich, als er nun zum entscheibungsuchrnben Schlage ausholte, ein bis dahin unerhörtes Wagnis: die freiwillige Trennung der Streitkräfte vor der Schlacht mit der Absicht, sie von verschiedenen Seiten zum Zusammenwirken auf dem Kampffelde heran- kommen zu lassen. Er teilte fein Heer: unter feiner Führung sollten 25 000 Mann in drei Kolonnen den Feind durch die Domnitzer Heide umgehen und ihm von Norden her in den Rücken lallen: Zielen sollte mit 16 000 Mann die nach Süden gerichtete Front angreifen. Im Dunkel des 3. Novembermorgens begannen die preußischen Truppen auf schlechten Waldwegen durch die tiefsandige Kiefernheide den Mühsamen Marsch, der durch die schwere Artillerie noch verlangsamt wurde. (Skizze: + + + +' von sumpfigen Wiesen und Bachläufen durchzogenen flachen Gelände südlich Neiden kann sich die Jnfan- Leichte Sicherungsttuppen, die Dauns Stellung in i sah beim Heraustreten aus dem Walde nordöstlich weitem Umkreise umschwärmten, kamen in dem Klitzschen (Skizze — -l- — -l- — -l-) vor sich das auf- Waldgelände ins Gefecht mit den Preußen. Aus I marschierte Korps Lascy. Seine Regimenter ent- den Meldungen der sich auf die Süptitzer Höhen । wickelten sich zwischen dem Großen Teiche und dem zurückziehenden Reiter erkannte Daun die ihm in | Walde, während sich ein lebhafter, aber wenig Flanke und Rücken drohende Gefahr. Er ließ sein wirksamer Feuerkampf der Artillerien auf große zweites Treffen nach Norden kehrt machen und an • Entfernung entspann. Der eben bei Neiden ankom- den westlichen Flügeln der sich den Rücken zukeh- menbe König glaubte Zieten schon in ernstem Ge- renben Treffen ein Reserveregiment mit Front nach lechl. K-in Augenblick barf verloren gehen. In bem bem Walde aufmarschieren. Etwa 100 österreichi- •«pwz 0 tS3Neiden 7 V A • Klitschen sche Geschütze waren norbwestlich Zinna mit Schußrichtung nach Narben aufgefahren, fast ebenso viele stauben süböstlich bes Dorfes. Das Corps Lascy sperrte in einer Stellung rittlings ber Straße Eilenburg—Torgau ben Weg zum Elbe-Uebergang, ben sich Daun offen halten mußte. Die Oesterreicher waren nach ber großen Umänberung ihrer Aufstellung bes Angriffs gewärttg, als gegen 13 Uhr bie Spitze ber preußischen Umgehungskolonnen westlich Neiben aus bem Walbe heraustrat. Da trug Sübwinb Kanonenbonner nach Neiden: Zielen war sväter als der König aufgebrochen und terie nicht entwickeln. Also: Angriff durch den Wald gegen Dauns linken Flügel. Die vereinzelten Angriffe der nach und nach eingesetzten Bataillone und Regimenter scheitern im mörderischen Feuer der österreichischen Artillerie: Brigade auf Brigade zerschellt unter großen Verlusten. Als endlich in der Dämmerung der Einbruch gelingt, werden die zerschossenen Bataillons von der Daunschen Reiterei zusammengehauen. Die Attacke der preußischen Kürassiere kann das Schicksal nicht mehr wenden. Nachdem schon drei Pferde unter ihm erschossen, waren, wird der König von einer Kartätschkugei aus bem Sattel geworfen: er überträgt bem General von Hülsen bas Kommanbo unb begab sich im Abenbunkel nach Elsnig, wo er in ber Kirche auf b-m Altarstufen ein freies Plätzchen für sich fanb. Hülsen sammelte bie Reste ber immer roieber oorftürmenben unb von übermäßigem Geschütz- unb ungeschwächtem Schützenfeuer zerfetzten Bataillone im Walbe wo auch anbere Offiziere aus Verspren- ten neue Bataillone zusammenstellten, um sie gegen ben Feind zu führen. Zielen wartete in seiner Stellung Lascy gegenüber, baß die vom König geschla-I genen Truppen ihm entgegengetrieben würden. Aus wiederholte Bitten ber ihm unterstellten Infanterie* sichrer griff er endlich Süptitz und bie Höhen westlich bes Dorfes an. Nach anfänglichen Erfolgen mußten auch hier bie preußischen Bataillone weichen. Aber auch bie Oesterreicher begannen in Verwirrung zu geraten, befonbers burch bas allmählich wirksamer werbenbe preußische Artilleriefeuer. Daun war verwunbet unb hatte bie Führung verloren Von allen Seilen werben bie von preußischen Generalen unb Stabsoffizieren gesammelten Züge unb Bataillone zu neuen Angriffen herangeführt, j Im Abenbbunkel kamen schließlich alle Truppen durcheinander. General von Hülsen, der wegen I schwerer Verwundung nicht zu Pferde steigen konnte, ließ sich auf einer Lafette dem letzten frischen Regiment ooranfahren. Vor den schon für vernichtet gehaltenen und noch immer wieder die Hänge hin- aufklimmenden Preußen mußten die ganz erschöpften Oesterreicher weichen und die von Lascy zu ftilfe aefdrWen Bataillone wurden in den Strudel ber über Zinna auf Torgau zurückslutenben Flucht hineingezogen. Sehr verschieben sind die Angaben über die Verluste. Beibe Heere hatten etwa ein Drittel eingebüßt. 60 Prozent ber preußischen Infanterie waren gefallen? König Friebrich verbot bie Veröffentlichung ber Verlustziffern. Die Schlacht war gewonnen der Feind aber nicht vernichtet. Das Preußenheer war erzogen worden zum Siegenwollen um jeden Preis und ä-sbalb wurde bas verzweifelte Ringen auf den Süptitzer Höhen ein preußischer Sieg. D"r bedeutendste Gewinn des blutigen Tages von Torgau, ber letzten großen Schlacht im (Sieben- iährinen Kriege, war bie burch Dauns Niederlage gefestigte Ueberzeugung. baß Preußen unter dem großen Könige unbesiegbar sei. Der Kanonendonner dieser Schlacht war bas Wiegenlieb für ein erst wenige Tage altes Kind, bas bei ber Flucht ber Reichslruppen in der eisigen Novembernachl ben matten Armen ber auf einem offenen Bauernwagen eingeschlafenen Mutter entglitt unb wimmernd im Straßenschmutz überfahren worben wäre, hätte sich nicht ein mitleidiger Grenadier des Knäbleins erbarmt und es aufgehoben. Das Kind hieß August Wilhelm von Neithard t — der spätere preußische Feldmarschall Graf G n e i f e n a u, der Besieger Napoleons. Auf seiner Brust glänzte der Stern des Schwarzen Adlerordens. den die unter feiner Führung am Abend ber Schlacht bei Belle-Alliance ben Franzosen rücksichtslos Nachlebenden preußischen Infante- riften im erbeuteten Wagen Napoleons gesunden Hatten. Das unverzagte Draufgehen ber Bataillone des großen Königs und die rücksichtslose Ausnutzung des Sieges, wie sie Gneisenau gelehrt hat, sollen Beispiel und Lehre sein, die uns der 3. November 1760 gibt. ß. haben. cht fertige Lösung, gegen spröde Haut Kunst unb Wistensthast.^ INinislerpräsident Goring übernimmt das umgebaute Staatliche Schauspielhaus in Berlin. mit starkem nationalen Empfinden erfüllt und die militärische Äugendausbildung gesetz- satzbereitschaft aus. Universität Marburg wird Sih des Kreises V der Deutschen Studentenschaft. Der Sitz des Kreises V der Deutschen Studentenschaft, der die Hochschulen Marburg, Münster, Köln, Bonn, Aachen, die Hochschulen für Lehrerbildung in Weilburg und Dortmund sowie die Medizinische Akademie in Düsseldorf umfaßt, ist von Münster nachMarburgverlegt worden. Als neuer Kreisführer wurde der Referent für weltanschauliche Ausbildung der SA.-Brigade 48, Studienassessor Klaus Retzlaff, ernannt. der Wahlgesehgebung. Nicht der einzelne Hut das Stimmrecht, sondern nur leroeite das Familienoberhaupt darf vor die Wahlurne treten. Zu wählen sind insgesamt 90 Abgeordnete in die Nationalversammlung, des weiteren die Vertreter der Ständekammer, die aus den wirtschaftlichen, beruflichen, kulturellen Organisationen und aus den Selbstverwaltungskörperschaften hervorgehen. Das neue portugiesische Parlament ist also nicht dem Spiel der Parteien ausgesetzt. Was an politifchen Organisationen bestand, ist heute in der „Ratio- nalen Union“ zusammengefaht. Seit fast einem Jahrzehnt von inneren Schwierigkeiten verschont geblieben, hat sich das Land kraftvoll dem Neuaufbau widmen können. Das dicht besiedelte Land kann heute als Erfolg der Regierungsarbeit melden, daß es eine Arbeitslosigkeit praktisch kaum noch gibt. Ueber dem Wirtschaftshlmmel Portugals ist wieder die Sonne aufgegangen, und der Ausblick in die Zukunft könnte hell und hoffnungsvoll erscheinen, wenn es nicht die Sorge um das Kolonialreich gäbe. Die wichtigsten portugiesischen Kolonien Mozambique und Angola, in Ost- und Westasrika, sind allerdings von englischem Gebiet eingeschlofsen, und auf das Wort der Engländer vertraut der Portugiese, auf das Ätzort der Engländer, die sich> ver- 1—,:j' " m Schutze dieser Kolonien verpflichtet Kleines Land im Schalten. Portugal, eine Nation im Aufbau! - Unter der Schirmherrschaft des britischen Weltreichs. - 3m Lebenskreis des Atlantik. Von unserem W. S.-Mitarbeiier. Im Rahmen einer kleinen Feier übernahm Ministerpräsident Göring das ' umgebaute Staatliche Schauspielhaus in Berlin, dessen großzügiger Umbau als eine Wiederherstellung des Schinkelschen Baues im Geiste seines Schöpfers bezeichnet werden muß. Der preußische Finanzminister Prof. Dr. P o p i tz übergab als Chef der seinem Ministerium angeglie- derten Hochbauverwaltung das Haus dem Ministerpräsidenten, der gleichzeitig der oberste Chef der preußischen Staatstheater ist. Der Umbau wurde notwendig, so führte der Minister u. a. aus, weil er in technischer und sozialer Hinsicht schon lange nicht mehr den Anforderungen der Neuzeit entsprach. Der Minister bezeichnete das jetzt fertige Werk des Umbaues als eine g l ü ck l i ch e L o f u n g, gleichzeitig als eine Abtragung einer Dankesschuld an den Meister Schinkel. Ministerpräsident General Goring übernahm das Haus mit Worten des Dankes an alle, die an dem Umbau beteiligt gewesen sind. Gerade beim Staatlichen Schauspielhaus, so erklärte der Mi- nisterpräsident u. a., lagen die Dinge bei der Machtübernahme besonders im argen. Dieses Haus, das nicht nur für Berlin, sondern für ganz Deutschland im Schauspiel hätte führend sein sollen war von fast allen Berliner Theatern damals überflügelt worden. Durch Berufung erster Künstler sei es gelungen, wieder an Boden zu gewinnen, und unter der Leitung des Intendanten Gründgens habe in künstlerischer Richtung ein ungeahnter Aufstieg begonnen. Der Minister drückte Staatsminister Dr. P o p i tz seinen Dank für dessen Tatkraft und Ein- sührung ist nicht jedermanns Sache, ist letzten Endes eine Temperamentsfrage. Aber sie kann auch an - erzogen oder zum mindesten gefördert werden. Schon der Rekrut der Kavallerie lernt im Galopp denken. Wer von uns entsinnt sich nicht des oft geschauten Kasernenhofbildes: Die Rekruten sausen mit Husten fest, ohne Zügel und Bügel durch den Sprunggarten. Der Leutnant steht am Zaun und ruft dem Dorbeijagenden zu: „Krupjuweite, wie alt ist Ihre Großmutter?“ Und Krupjuweite brulltt „68 Jahre, 4 Monate, 3 Tage, Herr Laltnont! Ob es stimmt, wer weiß es. Aber hätte er sich verblüffen lasten, hätte er noch einmal den „Höllen- weg" zurücklegen müssen. Für die jungen Reiteroffiziere ist das Jagd- und Rennreiten eine gute Vorschule und bei jedem Kavallerieexerzieren, jedem Kavalleriemanöver ist das Befehlen aus dem Sattel von jeher gang und gäbe gewesen und schulmäßig geübt worden. Bei den motorisierten Truppen wird es in Zukunft nicht viel anders sein können. Sportliches Kraftfahren, sportliches Fliegen, wird auch hier die Geister beweglich und entschluhkräftig machen mästen. Wer je auf der Erde oder in der Lust hinter einem Motor gesessen hat, der weiß, wie rasch man sich „verfranzt“, d. h. schon räumlich den rechten Weg verfehlt. Wer im Kriege Kraftwagentransporte mitgemacht hat, weiß, welche schweren taktischen Folgen solches „Verfranzen" haben kann. Die Franzosen wollen daher eigene Pfadfinder (Eclaireurs) für die Führung motorisierter Kolonnen ausbilden. Es sollen Reserveoffiziere sein, die eine Prüfung im Kartenlesen und in fremden Sprachen bestanden und bei ihren militärischen Hebungen bewiesen haben, daß sie sich in schwierigen Lagen zu helfen wissen. Man will sie am Schluß ihrer fahrtechnischen Ausbildung als Zivilpersonen kurze Fahrten ins Ausland unternehmen lassen, auf denen sie sich mit den Karten und der Art der Wegebezeichnung des betreffenden Landes vertraut machen. Vom Wegweisen bis zum taktischen Führen ist noch ein weiter Schritt. Der taktische Führer motorisierter Verbände muß Weg und Geschwindigkeit des eigenen und des feindlichen Verbandes jeden Augenblick übersehen und berechnen, muß seine Truppe dementsprechend in Sekundenschnelle Herumwerfen können. Dabei sitzt er nicht etwa in frischer Luft mit einem freien Ueberblick über Gelände und Truppe im Sattel, sondern in der Gluthitze und im Oelbrodem des engen Fuhrer- tcmks, sieht von der Außenwelt nur einen kleinen Ausschnitt durch die Sehschlitze oder das Strobi- skop und ich im übrigen auf fein Funk- und Kommandogerät angewiesen, das ihn mit seiner Aufklärung auf der Erde und in der Luft, mit seinen vorgesetzten Dienststellen und seinen unterstellten Kampfwagen verbindet. Es werden starke Nerven und eiserne Gesundheit notig sein, solchen Belastungsproben standzuhalten. Die höhere Führung wird sich noch mehr als in früheren Jahrhunderten daran gewöhnen müsten, daß sie — wenn sie einmal den Pfeil vom Bogen geschnellt, die motorisierten Verbände losgelasten hat, nicht mehr Herr über Raum und Zeit ist, daß die Truppe ihr dann mehr ober minder entglitten und nur in den seltensten Fällen abzudrehen ober gar zuruckzuholen ist. Sie wirb in ihren Stäben Männer haben muffen, die auf bas engste mit ben heute gültigen Begriffen von Raum unb Zeit vertraut sind unb sie in bas taktische unb strategische Gedankensystem, in bie ewigen Gesetze der Kriegskunst einzupaffen wisten. Die türkische Armee. Kemal Pascha ist es dank seiner zähen Energie gelungen, trotz der Armut weiter Bevölkerungs- kreise unb der großen Ausdehnung des Landes — die Türkei ist rund doppelt so groß als Deutschland bei nur 15 Millionen Einwohnern — eine Wehrmacht zu schaffen, durch die fein Land heute überall eine achtunggebietende Stellung einnimmt. Oberbefehlshaber der Wehrmacht ist Kemal Pascha selber. An der Spitze der Armee steht der Chef des Generalstabes. Das Heer besteht aus 9 Armeekorps mit zusammen 18 Infanterie- und 3 Kavallerie-Divisionen, ferner 3 Gebirgs-Brigaden. Die Bewaffnung ist noch nicht einheitlich. Die Infanterie führt das deutsche Gewehr 98 und das russische Gewehr 7,65 Millimeter, das 1. Maschinengewehr Hotchkiß und das 1. M.-G. Chauchat; l a st aufgebürdet, die wir jetzt noch gewissenhaft bezahlen. Der einzige Vorteil, den Portugal gehabt hat, ist moralischer Natur: die Treue gegenüber seinen Verpflichtungen und die gewissenhafte Erfüllung eines Bündnisses, auf die es mit Recht stolz ist." Auf der anderen Seite kann nicht Übersehen werden, daß England jede Gelegenheit ergriff, auch von sich aus die Rechte Portugals zu schützen. Die Jahrhunderte zeigen, wie England Portugal gegen Spanien schützte. Die Geschichte lehrt auch, wie Groh-Britannien feinem Partner in treuer Erfüllung seiner vertraglichen Pflichten das Kolonialreich sicherte. Gerade in diesen Tagen politischer Hochspannung wirft eine Erklärung des portugiesischen Außenministers Dr. Monteiro ein bezeichnendes Licht auf die englisch-portugiesischen Verbindungen. Der Minister äußerte sich zu den Gerüchten, die in der Weltpresse über eine Abtretung von portugie- fischen Kolonien verbreitet sind. Dr. Monteiro betonte, daß diese Gerüchte jeder Grundlage entbehren und hob dann mit Nachdruck hervor: „England hat sich vertraglich verpflichtet, unser Kolonialreich zu verteidigen, unb England hat fein Wort uns gegenüber stets gehalten." Wie hier Portugals außenpolitische ßime völlig im Zeichen Großbritanniens steht, so ist es innerlich heute völkisch und politisch neue und eigene Wege gegangen, wie sie weder England noch eine andere Nation gewiesen hat. Es ist jetzt bald ein Jahrzehnt vergangen, seit das Militär die Kräfte der Unruhe unb bes Zerfalls, bie sich nach dem Kriege auch in Portugal der Staatsführung bemächtigte, davonjagte. Am 28. Mai 1926 übernahm General Carmona die Staatsführung, unterstützt von 01 i d e i r a , der zuerst das Amt des Finanzministers bekleidete und später portugiesischer Ministerpräsident wurde. Unterstützt von Armee und Kirche, begann in schnellem Tempo der Neuaufbau, dessen Segen das Land bald spuren durfte. Wenn man die Erziehungsarbeit am Volk auf eine Formel bringen darf: die starke Staatsführung hat ein selbstsüchtiges Eigenstreben, einen schon ms Krankhafte gesteigerten Individualismus, der schon so oft bei den romanischen Völkern verhängnisvolle Auswirkungen fand, eingedämmt und eine v e r - antwortungsbewußte Gemeinschaftsarbeit angestrebt. Dieses Bemühen spricht aus allen Gesetzen, spricht besonders eindringlich aus Goethe-Bund. 1. Dichterabend: Heinrich Lersch. Gestern sprach in der Neuen Aula auf Einladung des Goethe-Bundes der rheinische Arbeiterdichter Heinrich Lersch, der vor kurzem mit dem Rheinischen Dichterpreis ausgezeichnet wurde, aus seinen Werken. Er begrüßte die zahlreiche Zuhörerschaft, in der bie Jugend stattlich vertreten war, unb sagte zu Beginn, er freue sich, bei uns in Gießen sprechen zu Dürfen. Dann begann er zu sprechen, nicht vorzulesen, sonbern frei aus dem Gedächtnis den ganzen Abend lang, frisch und mit klarer, den Raum füllender Stimme, oft mit dem gemütvollen Klang feiner rheinischen Mundart. Wie die Tiere ihr Bett machen. Die Schlafgewohnheiten der Tiere ähneln denen der Menschen in mancher Hinsicht in erstaunlicher Weise. Zwar wählen bie Säugetiere ihre Lagerstätte nach Wohnort und Lebensweise in sehr verschiedenen Formen. Bald dient ihnen der harte Erdboden als Lager, bald das engverflochtene Gebüsch, ein hohler Daum oder eine Felsspalte. Auf der weiten Meeresflut treften in tiefem Schlaf Seehunde und Walfische; andere Robben suchen den warmen Sand einer einsamen Nehrung als Schlafplatz auf. Vielfach aber bereiten sich die Säugetiere vor dem Schlafengehen ihr Bett. Nicht alle tun dies mit Sorgfalt unb wohlüberlegter Kunst; boch es gibt Tiere, die dem Menschen in der Einrichtung ihres Bettes an Umständlichkeit nichts nachgeben. Die Schlaftnulbe, die sich der wilde Hund unb der Wolf im hohen Steppengras zurechtwälzen, ist noch sehr primitiv. Von ihnen führt eine stufenreiche Entwicklungsreihe ber Lagerbereitung bis zu ben menschenähnlichen Affen hinauf. Die großen Affen ber Sundainseln bauen auf den Kronen hoher Bäume jeden Abend neu ihre Lagerstätte. Zunächst biegen sie starke Aeste zusammen und ducchflechten sie sorgsam mit abgebrochenen weich- belatchten Zweigen und kleinem Reisig, bis so ein fester napfförmiger Sitz entsteht, der ihnen eine behagliche Nachtruhe gewährleistet. Weniger architektonisches Geschick verraten die Schlafnester von Gorillas unb Schimpansen, obwohl auch sie sehr behaglich und bequem sind. Aber es gibt nicht nur Tiere, die sich ihr Bett bereiten, sondern auch solche, die eigens ihr Nachtkleid anlegen. Wenigstens kann man so die Umfärbung mancher hochorganifierter Tiere im Schlaf bezeichnen. Der Fisch Stenostomus chrysops vertauscht z. B. fein in silbernen Reflexen spielendes Tagkleid mit einem dunkel bronzefarbenen Nachtgewand, das sechs schwarze Querbinden gieren. Der Bachsaibling gibt in der Dunkelheit feine lichte Färbung auf, und bei den Seezungen prägen sich nachts die Fleckungen schärfer aus. Die indische Stabheuschrecke legt im Schlaf das saftgrüne Kleid ab, das sie am Tage trägt, und nimmt eine dunkle Nachtfarbe ön. Am auffallendsten zeigt sich dieser Farbenwechsel beim Schlaf bei der an ben europäischen Küsten weitverbreiteten Garnele Virbius varians. Diese Tiere kleiden sich zur Nachtzeit alle gewissermaßen in eine gleichmäßig neue Uniform, während sie im strahlenden Tageslicht eine fast unerschöpfliche Mannigfaltigkeit der denkbar verschiedensten Zeichnungen und Farben haben. Man erklärt dieses „Anlegen des Nachtgewandes" beim Tier aus boffwechselprozeffen und aus Pigmentwanderungen in den Unterhautzellen. Erinnerungen ausgekramt, sondern es wurden da Erlebnisse berichtet, die dem Menschen Lersch wichtig und wegweisend gewesen sind für sein Leben, die ihn innerlich formen und erziehen halsen. Vieles hörten wir noch: vom beistschen Aufsatz, vom nächtlichen Brand und van „Liekefetts Realienbuch“, aber auch von den beiden Wegen, di- eine Weile, wie es bei Kameraden geht, nebeneinander laufen; aber dann trennen sie sich, und der eine führt ins Konzentrationslager, der andere in die Dichter- akademie. Und weiter vom ersten Gedicht und vom ersten Honorar und von einem „unbekannten Volksliede des 20.Jahrhunderts“; von der Rätselhaftigkeit der Frauen und wieder von der Mutter und ihren Märchengeschichten, vom Ueberdruh am Schreiben und von der Rückkehr zum Amboß der Kesselschmiede. Den Ausklang bildete, mit einem vollen Akkord zurückmündend in Stimmung und Rhythmus der zu Beginn gesprochenen Gedichte das schone und kraftvolle „Bekenntnis": „Ich glaub an Deutschland wie an Gott." — Die Hörerschaft folgte mit gesammelter Aufmerksamkeit und dankte mit herzlichem Beifall. —y— Zeitschriften — Der weitaus größte Teil alles besten, was die Menschheit heute an technischen Einrichtungen besitzt, ist erst in den letzten 200 Jahren entstanden. „Zwei Jahrhunderte des Eisens und Stahls“ heißt deshalb ein Beitrag in der Novemberfolge von Westermanns Monatsheften, der, durch farbige Bildwiedergaben besonders anschaulich gemacht, eine Geschichte menschlicher Arbeit und em Ruhmesblatt der Technik darsteltt. Ein Beitrag zu dem von Westermanns Monatsheften ausgeschriebenen „Deutschen Uebersee-Preis" ist der Aufsatz von Dr. Walther Linden „Dichtung der Ueberfeedeut- schen". Zum 25. Todestage Wilhelm Raabes erzählt Dr. Abitz-Schultze, der Vorsitzende des Verems Raabe-Stiftung, von persönlichen Erinnerungen an den Dichter. Von der Welt der nordftiesischen Eilande und Halligen berichtet Dr. Fritz Bose; die dem Aufsatz beigefügten Aufnahmen des Verfassers sprechen von Kampf, Sorgen und Freuden der Halligbewohner. Der unterhaltende Teil bringt neben dem großen Roman von Josef Magnus Wehner „Stadt und Festung Belgerad ..." zwei Novellen „Der Mann von der Rigaer Brücke" von Kurt Martens und „Panuanoah" von Konrad Seiffert; ferner die Aufzeichnungen des ehemaligen kaiserlich russischen Handelsattaches Alexander von An- । dreevsky, die bisher unbekannte Tatsachen und Do« । fumente aus den diplomatischen Geheimakten des ; Weltkrieges zutage fordern. Barcelona, Anfang Oktober 1935. Der spanische Küstendampfer, der uns von Lissabon in den Norden Spaniens bringen wird, hat gerade den Anker gelichtet. Langsam gleitet das Schiff den Tejo hinunter bis an die Mündung, unb nun geht es in langer Nachtfahrt nordwärts. Schon ist der Lichterglanz der portugiesischen Hauptstadt, des bedeutenden Handels- und Hafenplatzes Lissabon, verblichen, und nur das grelle Licht wegweisender Scheinwerfer und Leuchtfeuer geistert über ben leicht bewegten Atlantik ... Portugal liegt hinter uns, unb boch schwingt etwas in der Erinnerung mit, was unauslöschbar bleiben wird. Dieses kleine Land an ber Küste des Atlantik hat sich zu neuer und großer Tat aufgeschwungen. Dieses Portugal ist mit begeisterndem Beispiel oorangegangen! Und die Worte des Marschall Carmona, eines der großen Kopfe des neuen Portugals, finden überall im Lande selbst die Bestätigung: „Immer stärker wirb mein Glaube an bas korporative Staatssystem, das auf dem Wege ist, die (Erneuerungsarbeit. in unserem Land, dem wir verpfändet sind, zu vervollständigen!" In der Tat: Portugal zeigt sich heute stolz als erneuertes Land! Der Lebenskreis Portugals ist der Atlantik, an besten Küste sich das Land in schmalem Streiten hinzieht. In ber Geschichte dieser Nation hat es sich als große Tragik erwiesen, daß das kleine Mutterland nicht die Grundlage abgeben konnte, um daraus ein weltumspannendes Imperium aufzubauen. So wurde der Staat zwangsweise in den Machtbereich eines Stärkeren gezogen. So kam es, daß dieses Land kühner Seefahrer, diese Nation wagemutiger Entdecker in den Schalten eines Großen treten mußte. Seit mehr als tausend Jahren hat England das kleine Portugal in sein politisches und wirtschaftliches Arbeitsfeld hineingezogen. Handels-, Wirtschafts- und Schisfahrtsabkommen, die zwischen England unb Portugal feit Jahrhunderten bestanden, führten schließlich zu einem Schutz- und Trutzbündnis, das bann Portugals Eintritt in ben Weltkrieg erzwang. Portugal selbst ist über diesen Krieg nicht glücklich geworden: „Wir haben", so schrieb kürzlich eine angesehene Zeitung in Lissabon, „im Kriege weder territorialen Zuwachs noch vorteilhafte Entschädigungen aewon- nen. Wohl aber haben wir uns eine Schulden- die Artillerie: die 7,7-Zenttmeter-Krupp-Kanone und 7,5-Zentimeter-Schneider-Creusot, lOZ-Zentlme- ter- und 15-Zentimeter-Haubitzen, 1O,A-Zenttmeter-, 12-Zentimeter und 15-Zentimeter-Kanonen, 21-Zen- timeter-Mörser, Gebirgs-Kanonen Bofors, ferner Flak-Geschütze von Vickers Armstrong. Die Zahl der Tanks unb Panzerwagen, über bie bie Türkei verfügt, ist noch nicht groß, das Material aber gut, auch mehrere schwere Batterien sind m Öen Festungen Smyrna unb Jsmid vorhanden. Der Ausbau der F l i eg e r w a f f e ist im Gange; zur Zeit sind etwa 370 Militärflugzeuge vorhanden. Dem Ausbau der Luftwaffe wird von der Heeresverwaltung besondere Aufmerksamkeit Z^ewendel. Aber au» bas türkisch- Volk Hilst mit. & 6ejtef)t eine ß u r 11 i g a , bie das Ihrige zur Beschaffung einer selbständigen Luftmacht beitragt und formt das Bestreben bes Staates unterstützt. Reiche Privatleute, Städte und Landschaften fttften einzelne Flugzeuge. An mehreren Stellen der Türkei sind bereits militärische Flugplätze angelegt, bie z.T. mit allen mobernen Hilfsmitteln ausgestattet sind. In Kaisers gibt es eine Flugzeugwerkstatt, die vor Jahren die Junkers-Werke gebaut unb eingerichtet haben, und bie jetzt noch sorgfältig betrieben wird. Das türkische Fliegermaterial ist ausgezeichnet, kühn und kaltblütig. Der türkische Soldat ist ein aut er Fed- zugssoldat; sehr tapfer, unbedingt gehorsam und infolge seiner meist entbehrungsreichen Jugend anspruchslos und ausdauernd bis zum äußersten. Dazu kommt, daß die Heranwachsende (Generation lief) geregelt ist. Neben dem eigentlichen Heere gibt es Gendarmerie und Grenztruppen. Die Stärke ber ersteren, bie sehr gut ausgebildet und militärisch organisiert ist, beträgt 3000 Offiziere und 40000 Mann. Die Grenztruppen haben eine Gesamtstärke von 10 000 Mann. Die Stärke des Heeres selber ist im Sommer und Winter verschieden. Man unterscheidet S o m m e r ft ä r f e n und Winte r - st ä r k e n. Letztere beträgt 133 000 Mann, wahrend im Sommer meist die gesamte, ber Türkei zugestan- bene Truppenstärke in Hohe von 20 000 Offizieren und 198 000 Mann, unter ben Waffen gehalten wirb. Eine zeitweise Verringerung ber Starten tritt lebiglich aus Ersparnisrücksichten ein. Dte Wehrausgaben betragen 25 Prozent bes Gesamthaushaltes und belaufen sich pro Kopf ^er Bevölkerung auf 3 türkische Pfund (etwa 6 RM.). Die Türkei betreibt bewußte unb entschlossene Friedenspolitik; bie verantwortlichen Männer von Angora wissen zu gut, baß jeber Krieg bas von ihnen mühsam errichtete Gebäude des jungen türkischen Staates wirtschatttich und finanziell wieder in das Chaos zurückfchleudern konnte. Sie haben , . aber auch die Gefahr ber W e h r 1 o s, gk e i t fraglich zum erkannt. Der Gedanke der türkischen Rüstung ist der der Verteidigung, nicht der des Angriffs. Darauf ist bie ganze Rüstungspolitik ber Türker Eingestellt, barauf beschränkt sie sich. L—n- Wir hörten zuerst Gebichte aus ben beiben Bänden „Mensch im Eisen" und „Mit brüderlicher Stimme"; jedes dieser Gedichte führt in die eigene Welt, in den Erlebnis- unb Schaffenskreis Lerschs, ber aus einer Arbeiterfamilie kommt, eine harte unb entbehrungsreiche Jugendzeit hinter sich hat, ber Kestelschmieb wurde unb bas auch geblieben ist, als er ein Dichter geworden war. Er dankt m feinen Versen dem Schicksal, bas ihm den Hammer in die Hand gab und ihn den hämmernden Brüdern am Amboß unb in ben raudjenben Fabriken zur Seite stellte; aus bem Eisen aber, bas sie ba schmie- ben, wachsen die Schiffe unb Eisenbahnen, bie vol- feroerbinbenb ben Erdball umspannen. Zwei an- bere Gedichte, „Wochenbeginn" und „Die Arbeit , führen geradezu in die Welt der harten körperlichen Arbeit: Hammer und Stahl, Fabrik unb Schmiede- feuer, Staub und Schweiß, Werk und Wille, Lohn und Brot — das sind die Worte, die hier die Strophen füllen, unb man spürt gleich, baß es nicht tote Begriffe, sonbern Elemente erlebten und durch- kämpften Lebens finb, unb baß ber große, eintönig braufenbe Rhythmus ber Maschinen in diese Verft übergegangen ist. Arbeiterdichtung hat es freilich schon lange vor Lersch gegeben, aber hier ist ber neue Ton, ber neue Glaube, ber bas Leben des namenlosen Arbeiters unb sein Werk abelt, benn „Gottes finb die Kraftgewalten" heißt es im „Feierlichen Werklieb", unb mehr als die kalte und fielen- lose Maschine gilt der Glaube dessen, der dahinter steht, ber Glaube an fein Lanb unb das Volk, dem die Arbeit gehört. „Meine Jugendzeit" erzählt von früher harter Arbeit und von früher Schönheits- fihnsucht. „Die Mutter", im großen Schwung der Phantasie des jungen Werkmannes, der sich nächtlicherweile aus feiner dürftigen Kammer in die Ferne sehnt, in eine bessere Welt träumt, bis bie Heulhorner rhn am Morgen wieder in die Fabrik rufen; dieses Gedicht schließt mit bem trotzig triumphierenden Bekenntnis „Mutter, uns fehlt alles, — mir fehlt nichts." Ein anderes heißt „Auf Wanderschaft" unb schildert, wie Lersch in ber Schönheit Italiens wohl die Traumerfüllung jener Jugend- sehnsucht findet — aber nicht bie Heimat. Dann die großenteils bekannten und weitverbreiteten (3e- dichte aus dem Kriege: der schone „Solbatenabschied mit ben berühmt gewordenen Versen „Deutschland muß leben, und wenn wir sterben müsten": das war aus tiefem unb echtem Erlebnis kraftvoll unb mit« reißenb gesprochen. Das schlichte, wahrhaft „mit brü- berlicher Stimme" gesagte Bekenntnis zur großen Kamerabschaft: „es hat ein jeber Tote des Bruders Angesicht". Die Mahnung der Gefallenen an die Lebenden im „Soldatengrab in Flandern". Von diesen Gedichten führt eine einfache Linie zu denen aus jüngster Zeit, „Wir Werkleut all" und „*>otf marschiert auf , in dem eine neue Welt lebendig geworden ist unter einer neuen Fahne: hier klingt der befeuernde Marschrhythmus der ausbrechenden Nation. Nach der Pause erzählte Lersch dann, statt aus einem Roman zu lesen, der noch nicht abgeschlossen ist, von einem felbstbiographischen Beitrag, den er zu einer Sammlung „Die Lebenden" beisteuern soll. Auch diese Arbeit fei noch nicht vollendet, und es fei eine große Frage, ob fie fo geschrieben werde, wie er fie jetzt vor den Zuhörern sich ein wenig zurechtlegen wolle: daraus entstand nun ein lebendiges unb ganz persönliches, gleichsam aus vielen Mosaiksteinchen zusammengefügtes Bild vom Leben, Denken und Schaffen der Menschen, bes Dichters und des Arbeiters Heinrich Lersch. Es ging oft bunt durcheinander, aber es wuchs doch immer wieder eins zum andern und fand sich alles zusammen und zurück zur ausstrahlenden unb bindenden Mitte einer klaren, kraftvollen, ihrer selbst bewußten Persönlichkeit. Lersch erzählte von Kindheit und Elternhaus, von einer uns heute schon fern und fremd anmutenben Welt, von ber ersten Begegnung mit bem wirklichen Leben, von ben beiben ersten Büchern des Knaben; bas waren bas Kochbuch unb „Das Leben ber Heiligen", bie würben ihm wichtig in mancher Hinsicht für sein Späteres Leben unb er hat sie nicht vergessen bis heute, wo er ein berühmter Dichter unb uberbies Jungzugführer in feinem Heimatort ist. In diesen Erinnerungen kamen ber gesunbe Humor und das rheinische Temperament Lerschs so recht zur Geltung. Doch schwang allenthalben ein ernster Unterton mit auch in den heiteren Berichten aus ber Schule unb von mancherlei Knabenstreichen und Prügeleien, denn es wurden ba nicht nur unver- bindliche, von ber Höhe des Lebens herab belächelte Nr. 261 Drittes Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien) Donnerstag, 7. November 1935 Oie feierliche Vereidigung der Rekruten in Gießen. In Gegenwart des Kommandeurs der 9. Division, Generalleutnant Lüdke, des Reichsstatthalters Gauleiter S p r e n g e r, der Offiziere des Standorts Gießen und Mitgliedern der Gauleitung, sowie der Gießener Parteiorganisationen, der Leiter unserer Gießener Behörden und einer riesigen Menschenmenge fand heute Vormittag auf dem großen Platze zwischen der Artillerie-Kaserne und der Volkshalle die feierliche Vereidigung der Rekruten unserer Gießener Garnison statt. Damit erlebte unsere Stadt ein Ereignis, das für alle Zeiten in unvergänglicher Erinnerung bleiben wird. Denn es war ja das erste Mal nach dem Kriege, daß junge Soldaten auf Grund der allgemeinen Dien st pflicht den Eid der Treue auf den Obersten Befehlshaber der Wehrmacht und Führer des Reiches Adolf Hitler zu leisten hatten. Es war eine weihevolle Stunde für alle, die Zeuge dieses Ereignisses sein durften. Die Rekruten, rund 1700 an der Zahl, hatten tn einem weiten offenen Viereck Aufstellung genommen. Davor an dem Querweg zwischen der Grün- börger Straße und der Waldecke standen zwei Ehrenabteilungen des Infanterie-Regiments 36 rechts und links von der Feldkanzel aufgestellt. Unmittelbar hinter der Feldkanzel stand die Regimentsmusik des Infanterie-Regiments 36. Dor der Feldkanzel waren zwei Geschütze aufgefahren, zwischen diesen stand der Divisionskommandeur Generalleutnant Lüdke mit seinem Stabe. Auf dem Flügel an der Grünberger Straße hatten die Ehrengäste mit dem Reichsstatt- Halter Gauleiter Sprenger an der Spitze Aufstellung genommen: u. a. sah man hier neben dem Gauleiter die weiteren Mitglieder der Gauleitung, die örtlichen Vertreter der Partei und ihrer Gliederungen, Oberbürgermeister Ritter als Vertreter der Garni^onstadt Gießen, Se. Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität Professor Dr. Pfah- I e r, die Vertreter weiterer Behörden und die Ab- odnungen der verschiedenen Organisationen der alten Soldaten. Entlang der Grünberger Straße und am Querweg hinter den Ehrenabteilungen des Infanterie-Regiments 36 stand eine riesige Menschenmenge als stark interessierte Zuschauer bei dieser weihevollen Feier. Zu Ehren der Rekruten war ferner die gesamte Gießener Arbeitsdienst-Abteilung aufmarschiert. Der Kommandeur der 9. Division, Generalleutnant Lüdke, begrüßte bei seiner Ankunft zunächst den Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger, sodann die übrigen Ehrengäste in herzlicher Weise. Rach Entgegennahme der Meldung der angetretenen Truppenteile schritt der General die Front ab. Hierauf folgte die feierliche Hissung der neuen Reichskriegsflagge. Nunmehr begann die Vereidigung der Rekruten mit einleitender Choralmusik des Musikkorps des Infanterie-Regiments 36. Dann sprach der evangelische Standortpsarrer Ausseld: Liebe Kameraden! Mit stolzer Freude blicken wir in dieser Stunde auf Euch in dem Gedanken, daß nun wieder jeder zum Dienst taugliche deutsche Mann dem Vaterland mit der Waffe dienen darf tue, sondern ein Gottesdienst, eine Erfüllung der Berufspflichten, die Gott mir gegeben hat, und die zu erfüllen ich ihm feierlich versprochen habe, dann ist das ein Fundament, auf dem man fest und sicher stehen kann. Der Eid soll Euch aber auch eine Hilfe sein in Stunden der Versuchung, eine Hilfe zu treuer Pflichterfüllung. Euer rechter Eid ist ein Gebet zu Gott, eine Bitte zu ihm um Kraft und Stärke, das zu halten, was man gelobt. Dieses Gebet darf und muß man immer wiederholen, wenn Stunden kommen, wo es schwer werden will, seinen Dienst zu tun. Dann denkt daran, daß Ihr dem Herrn dient und nicht den Menschen und daß der Herr auch die Kraft gibt, das zu tun, was er uns zu tun heißt. Das gibt Euerm Dienen die rechte Weihe, aber es gibt Euch auch immer wieder neue Kraft. Ihr bleibt im Gebet in der steten Verbindung mit Gott, der Quelle aller Kraft, und werdet rechte deutsche Männer, von denen gilt: Wer ist ein Monn? Wer beten kann und Gott dem Herrn vertraut. Beten macht stark, und glauben macht getrost, und getrost macht tapfer. Und nun tut Euren Dienst und erfüllt Eure Pflicht, und Gott wird mit Euch fein. Amen. Erneut spielte die Regimentsmusik die feierliche Weise eines Chorals. Hierauf sprach der katholische Standortpfarrer Dr.Hrmmes: Das Deutsche Reich! Ein gewaltiger Riese im Rate der Völker, so haben wir es erlebt, dessen Wort Gewicht ist, hochgeachtet und gefürchtet, bahnbrechend, Neuland erschließend. Seine Maschinen sind Wunderwerke der Erfindung und Technik, seine Wissenschaft dringt in die Tiefen der Erkenntnis, der Höhenflug künstlerischer Begabung schenkt der staunenden Welt die Symphonien in Stein, Farbe und Ton. In lieblicher Abwechslung der Felder und Wälder, der Höhen und Täler dehnen sich Dörfer und Städte, aufwärts geführt durch die Kunstwerke der ragenden Dome. Ein Riese, der die fruchtbare Eigenart verschiedener Stämme in sich vereint, trotzig vor dem Feind, in christlicher Demut gegen Gott. So haben wir das Reich gekannt. Und daß dies weiterhin so sei, habt Ihr Euch, deutsche Söhne, freudig dem Rufe des Führers folgend, zusommengefchart, angetan mit dem Ehrenrock des Feldgrauen, dem Sterbekleid von zwei Millionen. Ihr seid im Begriff, auf Grund des Glaubens unserer Väter die Hand zum Schwur zu erheben, unser geliebtes Vaterland zu schützen, in Gehorsam und Mut seinem Führer zu folgen und in der Kraft unseres hl. Glaubens dem Tode entgegenzugehen. Ihr ruft also Gott den Allmächtigen, dem wir mit jeder Faser angehören, zum Zeugen an, ihr ruft Gott den Allwissenden, der alle Falten unseres Herzns kennt, ihr ruft Gott den Heiligen und Gerechten, der das Gute belohnt und das Böse bestraft, hier in festlicher Versammlung zum Zeugen an, daß unerschütterlich wie der Fels Euer Wort stehe bis zum letzten Atemzuge des Lebens. Wohlan, wir werden mit innerer Ergriffenheit ! Eurem Hohenlied der Treue lauschen, und wir erwidern Euch: j Treue ist Edelmannsart. Treue gegen Gott, 'Treue gegen das Reich. Wer Gott die Treue hält. des Divisionskommandeurs Generalleutnant Lüdke: Soldaten! Am 16. März d. I. hat der Führer und Kanzler die Vergrößerung unserer Wehrmacht und die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht befohlen. \ Heute zum ersten Mal sieht Deutschland in all seinen Gauen die Auswirkung dieses Befehls als eine Tat von geschichtlicher Größe. Zur gleichen Stunde wie hier in unserer Garnison vor 1700 jungen Männern im grauen Soldatenrock die Reichskriegsflagge gehißt wurde, steht in allen Standorten des Reichs Deutschlands wehrfähige Jugend zur Vereidigung auf des Reiches Führer bereit. Eine Stunde von unabsehbarer Bedeutung. Das deutsche Volk hat damit den Willen in die Tat umgeseht: Herd und Heimat vor jedem Versuch fremder gewaltsamer Einmischung in deutsche Dinge kraftvoll zu schützen. Zum anderen wird damit die erzieherische Frage der Wehrpflicht bejaht. Das Heer wird wieder das werden, was es feit weit über 100 Jahren in entsagungsvoller Arbeit war: Eine Schule der Nation für die Erziehung harter Jugend im Geist der Wehrhaftigkeit und opferbereiter Vaterlandsliebe. Die Mannestugenden, die den Soldaten auszeichnen, sind Euch jungen Soldaten, die Ihr wohl alle aus Gliederungen nationalsozialistischen Geistes kommt, nicht fremd und neu! Jetzt sollt Ihr sie aus« üben, sollt Euch bewähren, und als Waffenträger der Nation Euch in Gottesfurcht stolz und schirmend vor Euer Vaterland stellen. Ihr schwört einen heiligen Eid auf den Führer und Obersten Befehlshaber der Wehrmacht. Folgen sollt Ihr seiner Fahne als dem Sinnbild der ewigen Tugenden des Soldaten, seiner stillen Pflichterfüllung im kleinen und im Großen. Folgt dieser Fahne — Ehre und Freiheit der Nation bestimmen den Weg. Die Vereidigung Der General gab nun den Befehl zur Vereidigung d er Rekruten. Die feierliche Handlung wurde von dem Regimentsadjutanten des Infanterie-Regiments 36 Hauptmann Conrad geleitet. Feierlicher Trommelwirbel kündete den Beginn der Eidesleistung an. Die vor ihren Abteilungen stehenden befehlsführenden Offiziere zogen den Degen, vor dem sich rechts und links mehrere Rekruten als Repräsentanten der Gesamtheit ihrer jungen Kameraden aufstellten. Während der Regimentsadjutant die Eidesformel vorsprach, legten die vor der Front stehenden Rekruten die linke Hand auf den blanken Degen ihres Offiziers, während sie ; "nd die in Reih und Glied verbliebenen Rekruten die rechte Hand zum Schwur erhoben und die Eidesformel nachsprachen. Generalien nant Lüdke gab dann im Anschluß an die Vereidigung, nachdem den Truppen der Befehl „Stillgestanden" erteilt Der Divisionskommanveur Oenerafleutnant Lüdke spricht vor der Feldkanzel zu seinen Soldaten. » ■*** ‘j " »■’r** wv"’ Blick aus bte angerretenen Rekruten vor Beginn der Deretdigung. (Aufnahmen [3]: Photo-Pfaff, Gießen.) und den feldgrauen Rock, in dem Eure Väter in den großen Krieg hinausgezogen sind, auch als sein Ehrenkleid tragen darf im Dienst des Vaterlandes. Diesen Dienst treu zu erfüllen, gelobt Ihr in dieser feierlich-ernsten Stunde mit einem Eid. Der Eid ist das festeste Band des Gelöbnisses, denn er knüpft Euer Versprechen an den allmächtigen Gott. Dieser Gott ist nicht ein von Menschen erdachter Gedanke. Er ist eine Wirklichkeit, die in Jesus Christus kundgeworden ist und kund wird allen, die ihre Augen nicht absichtlich gegen diese Offenbarung Gottes verschließen. Er ist der heilige Gott, darum ist er eine furchtbare Wirklichkeit für den Gottlosen und den Verächter seines Eides. Er ist der gnädige Gott, darum ist er eine b e» feligende Wirklichkeit für die, die ihm von ganzem Herzen trauen. Wenn Ihr als christliche Soldaten zu ihm einen Eid schwört, so bekennt Ihr Euch damit zu dem allmächtigen und allwissenden Gott, den Ihr zum Zeugen anruft Eures Versprechens. Laßt Euern Eid sein ein Bekenntnis zu Gott, dem Herrn, dann ist der Eid mehr als ein bloß Menschen gegebenes Versprechen. Dann bindet er Euch an Gott. Das deutsche Heer ist allzeit ein christliches Heer gewesen, und es muß ein christliches Heer bleiben, oder es wird nicht mehr sein, was es war, und nicht mehr leisten können, was es geleistet hat und leisten soll. Gottesfurcht und Gottvertrauen sind die Grundlagen der Pflichterfüllung. Gottlosigkeit aber macht wahre Pflichterfüllung unmöglich. Wo aber die Pflichterfüllung im Glauben verankert ist, da hat jte einen Halt, der sie auch in schweren Stunden stützt und hält, so daß sie nicht zuschanden wird. Wenn man weiß: mein Dienst, meine Pflichterfül- hing ist nicht ein Dienst, den ich Menschen zuliebe auf den ist auch Verlaß in der Stunde der Not. Wer dem göttlichen Heiland, dessen Leben der gewaltigste Hymnus der Treue ist, der je unter der Sonne -erklungen, in Demut nachfolgt, der ist ein sicherer Garant der Treue gegen das Vaterland. Treue ist Soldatenart. Fragt sie, die in Schützengräben, in Unterständen, im Hagel der feindlichen Geschosse, die auf der weiten Welt zerstreut, die auf dem Meere, in der Luft, die in Hitze und Kälte, in Hunger und Durst die Wacht hielten für die Heimat, und in donnerndem Chore erbraust das Lied der Treue. Ja, tragt im Geists die Totenschädel der Gefallenen zusammen und türmt sie zur himmelragenden Pyramide und schreibt darauf: das ist der Sold der Treue. Treue ist Germanenart. Sie war, von Freund und Feind anerkannt und hoch gepriesen, die Eigenart unserer Vorfahren. Im 9. Jahrhundert ist das herrliche Lied, der Heliand, im Lande der Sachsen entstanden. Darin heißt es, wie der Heerbann dem Führer folgt in Treue, so folgen wir treu und unentwegt dem Heiland der Welt. Der cynische Dichter Heine hat das Wort geprägt: wenn ich nicht wüßte, daß die Treue so alt ist als die Welt, so würde ich sagen, die Deutschen hätten sie erfunden. Kameraden! Heute ist Euer Ehrentag. Die Reihen geschlossen, Schulter an Schulter als eine geweihte Phalanx, so helft schützen das Reich, den Riesen, der steht hoch aufgerichtet, fest, voll Zuversicht, vertrauend auf seine Söhne. Söhne Deutschlands, auf zum Schwur, laßt immerdar in Euren Herzen erklingen das alte Heldenlied der deutschen Treue! Anschließend spielte die Musik das eindrucksvolle Niederländische Dankgebet. Nunmehr hörten die Soldaten die folgende Ansprache worden war und die Ehrenabteilungen des Infanterie-Regiments 36 unter präsentiertem Gewehr standen, den im politischen Teil unseres heutigen Blattes abgedruckten Erlaß des Führers an die Wehrmacht bekannt. Sodann sagte der General zu seinen Soldaten: Der Führer hat gerufen! Er verkörpert das Vaterland. Der deutsche Soldat war immer und immer da, wenn das Vaterland ihn rief. Der Führer braucht sich nicht umzufehen! Die Wehrmacht folgt ausgerichtet und unerschütterlich nur mit dem Ruf Adolf Hiller Sieg-Heil! Während die begeisterten Sieg-Heil-Rufe auf den Führer und Ober st en Befehlshaber der Wehrmacht über den Platz brausten und die beiden ersten Verse des Deutschlandliedes und des Horft-Wesfel-Liedes gemeinsam gesungen wurden, feuerten die vor der Feldkanzel stehenden beiden Geschütze Salut. Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger nahm nunmehr, während sich die Truppenabteilungen zu dem folgenden Vorbeimarsch formierten, Gelegenheit, die Vertreter der Behörden und die Angehörigen der Vereine der alten Soldaten mit kräftigem Händedruck zu begrüßen. Sodann begab sich alles nach dem vorderen Teile des Trieb zwischen dem Querweg und der Volkshalle, vor der Springbrunnen-Anlage. Hier nahmen der Divisionskommandeur, Generalleutnant Lüdke, Reichsstatthalter Gauleiter Sprenger und die übrigen Ehrengäste Ausstellung. Sodann folgte unter den Klängen der Die neue Reichskriegsflagge wird gehißt. Regimentsmusik des Jnf.-Rgts. 36 der Vorbei- marsch der Rekruten in Kompanie- bzw. Batterie-Verbänden. Damit fand das denkwürdige Erlebnis feinen Abschluß. Aus der Proviuzialhaupistadi. Gerechte Jettverteilung! Don der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsministeriums für Volksausklärung und Propaganda wird mitgeteilt: Wir erleben zur Zeit eine gewisse Fettverknappung, die jedoch an sich unbedeutend ist und in der Hauptsache nur in den Großstädten auftritt. Allerdings wird die Versorgung der Verbraucherschaft teilweise durch Hamsterbäufe eigennütziger Volksgenossen selbst etwas erschwert. Unser Gebiet ist normalerweise infolge seiner dichten Bevölkerung ein Zuschußgebiet für Lebensrnittel. Don den zuständigen Stellen wurde jedoch auch jetzt Dorsorge getroffen, daß zusätzlich Butter, Schmalz und sonstige Fette hereinkommen, um so im Rahmen der deutschen Gesamtversorgungslage den Bedarf zu decken. Bei einer gerechten Verteilung der Nahrungsfette braucht kein Verbraucher ein fühlbares Opfer zu bringen, vielmehr genügt es, wenn eine ganz geringfügige Einschränkung des Fettverbrauches vorübergehend, aber allgemein durchgeführt wird. Aber leider ist der nationalsozialistische Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" noch nicht allen Volksgenossen zur Selbstverständlichkeit geworden. Deshalb wird den Lebensmittelgeschäften, die die Versorgung der Verbraucherschaft im Einzelhandel durchzuführen haben, eine Vereitelung von Hamsterkäufen auf eine leicht durchführbare Weise empfohlen. Sie sollen in erster Linie ihre Stammkundschaft bedienen und eine Kürzung — soweit sie notwendig ist — in gerechter Weise und allgemein für die ganze Kundschaft vornehmen. Alle anständigen Käufer werden sich hiermit abfinden. Wenn es auch nicht jedem Verbraucher möglich ist, immer in demselben Geschäft seinen Bedarf zu decken, so empfiehlt sich doch gerade in der' gegenwärtigen Zeit ein kameradschaftliches Zusammenwirken von Verbrauchern und Einzelhändlern. Kein Einzelhändler braucht Nachteile zu befürchten, wenn er einem Unbekannten gegenüber — von dem anzunehmen ist, daß er nur hamstern will — den Verkauf von zur Zeit knappen Fetten ablehnt, oder ihm nur eine geringe Menge verkauft mit dem Hinweis, daß zunächst die Stammkundschaft versorgt werden müsse. Es besteht vielfach beim Publikum die irrige Meinung, daß die Einzelhändler an jeden verkaufen müssen. Eine solche allgemeine Verpflichtung besteht aber für den Einzelhändler keinesfalls. Vielmehr kommt es hier ganz auf die allgemeine Verkehrsanschauung an. Wohl kann im Aufstellen der Ware, namentlich zu festen Preisen, die allgemeine Verkehrsanschauung hierin ein Angebot des Einzelhändlers an das Publikum erblicken, an das er gebunden ist. Doch hat die Ausstellung der Ware keine andere Bedeutung, als die Aufforderung an das Publikum, seinerseits ein Angebot zu machen, über dessen Annahme sich dann der Verkäufer entscheiden kann. Bei der gegebenen Lage wird er die Entscheidung im Rahmen des Möglichen und als nationalsozialistischer Einzelhändler im Sinne des Volksganzen treffen. Er ist also verpflichtet, bei seiner Entscheidung die vorhandene Warenmenge einerseits und 'die Zahl des warenbedürftigen Publikums andererseits in Betracht zu ziehen, um eine gerechte Verteilung vorzunehmen. Daß hierbei die Stammkundschaft bevorzugt wird, ergibt sich aus der selbstverständlichen Forderung, Hamsterkäufe zu vermeiden. Und das kann nur geschehen, wenn grundsätzlich die Maren an diejenigen abgegeben werden, die der Einzelhändler persönlich kennt und von denen er weiß, daß sie sich nicht über ihr gewöhnliches Maß hinaus mit Waren „eindecken" wollen. Wenn jeder Verbraucher feinen Bedarf in dem Geschäft deckt, in dem er regelmäßig kauft, dann dient er sich und der Allgemeinheiet am besten! Die Versorgungslage an Schweinen. Wie die Pressestelle der Landesbauernschaft Hessen-Nassau mitteilt, hat die augenblickliche Versorgungslage an Schweinen es mit sich gebracht, daß einzelne Metzgereibetriebe nicht so viel Schweine» fleisch und Schmalz verfügbar haben, wie von feiten der Kundschaft angefordert wird. Von den Verbrauchern werden dann sehr oft dem Metzgermeister vollkommen ungerechtfertigte Dorwurfe gemacht mit dem Hinweis, daß er die Ware zuruckhalten wurde. Es mutz deshalb betont werden, daß die Verknap- puna an Schweinen und Schmalz nur vorübergehend ist, und datz in kurzer Zeit mit einer Besserung der Versorgungslage an Schweinen zu rechnen ist. Vom kaufenden Publikum aber ist zu verlangen, daß die notwendige Disziplin gewahrt wird und nicht die Verteiler (Metzger) als die Schuldigen hingestellt werden. Im Zuge der Marktordnung werden die vorhandenen Schweinebestände anteilmäßig auf die einzelnen Betriebe verteilt bzw. kontingentiert, so daß eine vollkommen gerechte Verteilung nach dem derzeitigen Schweinebestand innerhalb der einzelnen Gebiete erfolgt Oer Milchpreis im Winterhalbjahr 1935/36. LPD. Die Pressestelle der Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit: Wie im letzten Jahre, findet auch in diesem Herbst und Winter in den Werk- milchgebieten des Milchwirtschaftsoerbandes Hessen eine Milchpreisstützung aus den für diesen Zweck zu Gebote stehenden Ausgleichsmitteln statt. Die Ausschüttung erfolgt mit Wirkung vom Monat November, ihre Höhe richtet sich nach den jeweiligen örtlichen Verhältnissen. Das bedeutet also, daß der Auszahlungspreis, welchen der an eine Molkerei liefernde Erzeuger erhält, eine Erhöhung erfahrt. Es liegt daher im eigenen Interesse der Erzeuger, alle auf dem Hof nicht verwertbare Mich restlos in die Molkerei zur Ablieferung zu bringen. Sie Win- terstützung ist selbstverständlich nur für dieiemgen Erzeuger gedacht, die ständig ihren Lieferpflichten nachgekommen sind und nicht die Milch zur Landbutterherstellung zwecks Weiterverkauf zuruckbehal- ten haben. Es sollen also durch die Winterstutzung diejenigen Erzeuger belohnt werden, die im Interesse der Sicherstellung unserer Fettversorgung die Maßnahmen des Reichsnährstandes unterstützen und in jeder Weise ihre Pflicht tun. Gerechte Butterverteilung an den Verbraucher. LPD. Sie Pressestelle der Landesbauernschaft Hessen-Nassau teilt mit: Surch die kürzlich veröffentlichte Anordnung der für die Butterversorgung zuständigen Stellen ist den Molkereien und Großoerteilern vom 1. November ab aufgegeben worden, ihre Abnehmer nach Maßgabe der im August erhaltenen Buttermengen zu beliefern. Eine Abgabe an Kunden, die im August keine Butter erhielten, darf auch jetzt nicht erfolgen. Mit dieser Anordnung ist dafür gesorgt, daß die Abgabe der Butter an den Verbraucher künftig ebenfalls in gerechter Weise erfolgen kann. Ser Kleinhändler weih jetzt, daß er Ware vom Großverteiler erhält, und er kann daher die auf ihn entfallende Menge prozentual an seine Stammkundschaft verkaufen. Diese Verteilung an die Stammkunden wird noch dadurch gesichert, daß der Kleinhandel die Ware für seine Abnehmer jetzt vorbereiten und verpackt aufbewahren darf, so daß jeder Verbraucher die Gewähr hat, entsprechend seiner bisherigen Butterabnahme von seinem Kleinhändler versorgt zu werden. Damit wird die Verteilung der zur Verfügung stehenden Menge an die Verbraucher in nächster Zeit in befriedigender Weise vor sich gehen. Anordnung des Landesjägenneisters für Hessen. LPD. Ser Landesjägermeister für das Land Hessen, Reichsstatthalter Sprenger, erläßt folgende Anordnung: Im Hinblick auf unsere Aufgabe, einen artenreichen, kräftigen und gesunden Wildstand heranzuziehen, der zugleich die Bedürfnisse der Landes- tuliur berücksichtigt, haben sämtliche Jaadausübungs- berechtigten Die Verpflichtung, den für oas Jagdjahr 1935 festgesetzten Abschuß zu erfüllen. Ich erwarte, daß jeder hessische Jäger dieser Verpflichtung um so freudiger nach^omrnt, als er dadurch seine Opferwilligkeit, zürn' Gelingen des Winterhilfswerks bei- zutragen, unter Beweis stellen kann. Ich behalte mir vor, für diejenigen Jagdbezirke, in denen der festgesetzte Abschuß an weiblichem Schalenwild nicht erfüllt wird, im Jagdjahr 1936 den Abschuß an Toctsckeitt - - Reife - - SUkeeUtii: Körting-Kadio Helft dem WHW! Aus der Nede des Führers zur Eröffnung des Winterhilföwerts 1935/36 „Und wenn der andere wieder sagt: Aber wissen Sie, dieser Lintopfsonntag, ich würde ja gern etwas geben, aber mein Magen, mein Magen macht sowieso dauernd Schwierigkeiten, ich verstehe das nicht, ich gebe auch so 10 Pfennig ber. Hein, mein lieber Freund! Wir haben das alles mit Absicht eingesetzt! Nicht nur, daß dieser Lintopfsonntag ungefähr 30 Millionen Mark eingebracht hat und du gar nicht ausrechnen kannst, wieviel Millionen Menschen wir damit ein warmes Mittagessen geben konnten, wieviel Millionen wir so erhalten konnten. Das verstehst du vielleicht nicht, mein Volksgenosse, aber das können wir sagen, gerade dir, der du das nicht verstehst, ist es nützlich, wenn wir dich auf diese Weise wenigstens einmal zu deinem Volk zurückführen, zu Millionen deiner Volksgenossen, die glücklich wären, wenn sie nur den ganzen Winter über das Eintopfgericht hätten, das du, vielleicht im Monat einmal, zu dir nimmst. Dir haben das mit Absicht getan und werden nie davon lassen. 3m Gegenteil, wir sind der Ueberzeugung, daß dieser Tag ein Ehrentag der deutschen Nation ist, und daß der, der sich davon drückt, ein charakterloser Schädling ist an unserem Volk." Deutscher, Hetzer« ge die Worte des Führers am 10. November! erfrischend lachen wollt, wenn ich wieder einmal den Geruch von Erde, kräftiger, ja safttger Heimatluft spüren wollt, Dann besucht am kommenden Sonntag um 15 Uhr .Holzappel". Sie Preise der Platze sind niedrig (von 0,30 RM. bis 1,50 RM), alfo für jeden erschwinglich. Wir haben dieses Stuck ausgesucht, weil es in seiner Volks- und Naturnahe, in seinem urwüchsigen Humor tatsächlich einzigartig dasteht. Deutsche ArbeüSfront. Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung in der kreiswaltung Gießen. Sie neuen W i n t e r b i l d u n g s p l ä n e der Abteilung für Arbeitsführung und Berufserziehung in der DAF. sind erschienen und können von den Angehörigen aller Berufsgruppen in der Geschäftsstelle Gießen, Lonystrafee 18, Zimmer 10, oder Schanzenstraße 18, Dorderbau, Zimmer 7, ern- gesehen bzw. in Empfang genommen werden. Sportamt »Kraft durch Freude". heute folgende Kurse: Entgiftungsdienst. Lufigefahr! Die Zivilbevölkerung hat den Schutzkeller auf- gesucht. Die Luftschutzhauswarte sind auf ihrem Posten, bereit, ausbrechende Brände im Keime zu ersticken und gegebenenfalls Hilfe herbeizuführen. Feuerwehr, Sanitäter sind in Alarmbereitschaft. Auf den Luftschutzrevieren herrscht fieberhafte Tätigkeit. Während draußen die Bomben krachen und das Abwehrfeuer der Flakbatterien gellt, laufen hier die Meldungen zusammen, werden von hier alle die Maßnahmen angeordnet, die zum Schutz von Leben und Eigentum durch die zivilen Luftschutzorganisationen durchgeführt werden. Hier hat eine Brandbombe einen Brand verursacht, der durch die Hausfeuerwehr nicht zu löschen ist, dort droht durch die Wirkung einer Sprengbombe der Einsturz eines Gebäudes, an einer anderen Stelle ist der Zugang zum Luftschutzkeller verschüttet und muß freigelegt werden. Sanitätsmannschaften werden angefordert für Verletzte oder Gasvergiftete. Wasserleitungen und Gasleitungen sind beschädigt und müssen umgehend in Stand gesetzt werden. Auch Meldungen über den Abwurf von Kampfstoffbomben laufen ein und müssen durch aus- gesandte Gasspürer auf ihre Richtigkeit geprüft werden. Haben sie die Verwendung chemischer Kampfstoffe festgestellt und ist aus den von ihnen mitgebrachten Proben durch besondere Untersuchungsstellen festgestellt worden, um welche Stoffe es sich handelt, bann tritt an den Leiter des Luftschutzreviers die Frage heran, ob ber betreffenbe Straßenbezirk, bas vergiftete Gebäube usw. zu entgiften sinb. Muß biese Frage bejaht werben, so beauftragt bie örtliche Luftschutzleitung ben Entgiftungstrupp mit ber Durchführung ber er» forderlichen Maßnahmen. Diese müssen heenbet sein, ehe bas betreffenbe Gebiet für ben Verkehr ber Bevölkerung freigegeben werben kann. 3n Gießen findet am Freilagnachmittag eine Vorführung des Entgiftungstrupps statt, die der Oeffentlichkeit zugänglich gemach! wird. Näheres wirb in ber Zeitung noch bekanntgemacht. Es wirb dabei bie Entgiftung einer Straßenfläche unb bie Entgiftung einer Hauswanb gegeigt. Die Ausbildung der Mannschaften ist dis zu einem gewissen Abschluß gediehen. Regelmäßig wiederkeh- renbe Hebungen werben biese Ausbilbung vertiefen unb erweitern. Als (Blieb bes Sicherheit^ unb Hilfsdienstes will ber Entgiftungsbienst im Rahmen bes zivilen Luftschutzes bie Gefahren, bie ber Bevölkerung bei einem feinblichen Luftangriff brohen können, an feinem Teil bekämpfen unb burch geeignete Maßnahmen unwirksam machen. Oeffentliche lletzung des Entgiftungstrupps im zivilen Luftschutz Am Freitag, 8. November, um 14 Uhr, findet auf bem stäbtischen Lagerplatz an ber Lahn, vor ber Lahnbrücke rechts, eine öffentliche Hebung bes Entgiftungstrupps im zivilen Luftschutz statt, wozu bie Einwohner der Stadt Gießen eingelaben werden. 1 Meusel. guten Hirschen unb jagdbaren Böcken in gewissem Umfange zu kürzen. Vornotizen. Tageskalender für Donnerstag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Ein Dealer" Gatte". — Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde: 20.15 Uhr in der Neuen Aula Lichtbildervortrag „Abessinien". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 16 bis 17 Uhr Ausstellung friesischer Maler der Gegenwart, Kleintierplastik von LNy König. Anrechnung von GA.-Oienstzeit bei Angestellten. Der Reichsminister der Finanzen teilte mit: Zeiten ber Erwerbslosigkeit, während ber ein Angestellter gegen Entgelt ober Naturalbezüge auf ben Geschäftszimmern der SA - usw. Verbände Dienst leistete, sind bei ber Ermittlung bes Grunbvergü- tungssatzes nach Vorbemerkung I Ziffer 6 ober 8 ber Anlage 2 zur RAT. bann zu berücksichtigen, wenn der Betreffende neben seinem Entgelt keine Arbeitslosen- oder Wohlfahrtsunterstützung bezog. In einem solchen Falle kann angenommen werden, daß ein Arbeitsverhältnis vorlag. Meiner Zustimmung bedarf es bann nicht. M < Die deutsche Arbeitsfront Wy n. Y.-0emesWt2tt „firaft durch freu6c" Achtung! Eine besondere Heberraschung wird am kommenden Sonntag die Aufführung des lustigen Volks- stückes „Holzappel" von H. A. Weber insofern werden, als außer dem Dichter, ber an biefer Ausführung teilnimmt, auch bas Urbilb bes Gastwirts „Zum golöenen Ochsen", ber Gastwirt Lennemann aus Holzappel an ber Lahn, an ber Aufführung teHnimmt. Herr Hennemann, ber von der NSG. „Kraft durch Freude" ebenso wie der Polizeidiener Kuhn, für diese Vorstellung herzlichst eingeladen wurde, wird mitten unter den Besuchern sitzen — wir wollen doch einmal sehen, ob er und von wem er erkannt wird. Ja, auch der Polizeidiener Kuhn lebt in Wirklichkeit als Polizeidiener gleichen Namens in Holzappel. | Arbeitskameraden, wenn ihr wirklich einmal herz- Allgem. Körperschule, für Fr a u e n unb Männer. Von 16 bis 17.30, Hmversitäts- fportplatz. Fröhl. Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Von 20—21 unb 21—22 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26. Reiten. Von 21—22 Hhr, Reitschule Sckornbs. Modenschau im Eafs Amend. Die Deutsche Mobe-, Jnbustrie- und Markenartikel-Werbung (Leitung: E. L a n g e n - Köln) veranstaltet in biefen Tagen im Cafe Amend Modeschauen, wie sie von gleichen früheren Deranstal- tungen her in Erinnerung sind. Die gegenwärtige Modenschau ist den Schöpfungen für ben Winter gewibmet, sie bringt Darüber hinaus aber eine Fülle von Kleidungsstücken für alle Gelegenheiten. In sinnvoller Folge spiegelte sich Der Tagesablauf in Den vorgeführten KleiDungsstücken. Den Auftakt ber Vorführungen bildeten Mor- genkleiber, bie in ihrer dezenten Verarbeitung fast Durchweg sehr angenehm überraschten. Bevorzugt war Die schwarze Farbe als GrunDton, belebt durch Spitzen unD zarte Farben. Die phantasie- vollen Schöpfungen, Die viel Geschmack verrieten» lösten große FreuDe aus. Lebhaftes praktisches Interesse forDerten Die zahlreichen gestrickten Pullover heraus, nach Schnitten angefertigt, von jeDermann zu arbeiten, wie auch Die StrickkleiDer, Die Durch ihre klaren Linien, Durch Die zurückgehaltenen Farben unb ihre sichtlich gute und beste Qualität bestachen. Der weitere Verlauf der Vorführungen brachte — in Anbetracht Des Winters vor Der Tür — zahlreiche KleiDungsstücke mit Pelz verbrämt in vielfältiger Verarbeitung und in interessantesten AbwanDlungen der Formen. Im Mittelpunkt Der Veranstaltung ftanD Die Vorführung einer stattlichen Anzahl Haus- unD Nachmit- tagskleiDer aus Wolle, in so klaren Formen und Farben, in reicher Vielfalt Der VerwenDung deko- ratioer Elemente, Daß es schwer fiel, nicht begeistert zu sein. In angenehmen Steigerungen waren hier Der jugendliche Charakter, Der sportliche Zug betont, an anDeren wieder jene feine Würde, die die reifere Frau auch in der Kleidung auszeichnen soll. Höhepunkte des Abends bildeten die Vorfüh- rungen der Abendkleider. Glänzende Kunstseide in lichten Farben herrschte vor, auch sah man ganze Kleider aus Dresdener Webspitzen, manches Gesellschaftskleid in Verbindung mit Dem Dokorativen Hmhang, fast jede der Schöpfungen in Verbindung mit Blumen und dezentem Schmuck aus edlen Metallen und feinen halbedlen Steinen. Manches der Kleider fand lebhaften Beifall. Neben der Werbung für das Kleid, die Bluse, ben Rock, ben Mantel, ben Pelz usw. brachte Die Schau auch Hinweise auf Qualitätswaschmittel, auf Haarpflegemittel, auf Nähmaschinen Deutscher Wertarbeit, auf Schutzmittel gegen Motten, Werbung DerVogel,der nicht fliegenkonnte Don Hans Franke. In der kurfürstlichen Leibgarde zu München diente unter Dem Kurfürsten. Max Joseph Dem Dritten ein seltsamer, bescheidener und eigenbrödlerischer Mann, Den man allgemein Den Gallmeyer nannte. Der Name aber kam nicht etwa Daher, Daß ber kleine in sich gekehrte Mensch bitter wie eine Galle gewesen wäre, seinen Mitmenschen ein Hebel unb Aer- gernis, sondern er hieß tatsächlich Gallmeyer oder auch Gallermeyer unb war ber Sohn eines armen Schuhmachers aus Essing bei Kehlheim. Dort war er, ber Gallmeyer, besten Vornamen niemanb kannte, 1716 geboren worben. Seinen Vornamen hatte er im Lause ber Zeit, bis er mit etwa fünfzig Jahren kurfürstlicher Hofmaschinist war, verloren, auch sonst war seine Herkunft unb sein Lebensweg von ihm abgeglitten, niemand kannte etwas von ihm, er war der Gallmeyer: als den freilich wußte man um ihn im Heer, in der Residenz und unter ben Männern, bie mit klugen Einfällen unb spitzen Ge- danken sich Der Mechanik und Erfinderei ergeben hatten, jene Traumhelden und Weltverbesserer, Denen wir eines Tages immer roieDer eine große und bahnbrechende Erfindung verdanken. Unter Denen freilich war Der Gallmeyer König: denn Die Reihe seiner ErfinDungen wies viele und seltsame, klug ertüftelte Dinge auf, Die ihnen allen geläufig waren. Da gab es Sä- und Baumaschinen aller Art, Da war ein von selbst laufender Wagen, Da waren kunstvolle Schubladen, die nur auf geheime Federn hin und unter recht schwierigen Griffen sich auftaten, da waren im Heere Schienen für die Blessierten und künstliche Glieder für die Am- putierten, da standen zur Schau die Maschinen zur Trockenlegung von Sümpfen und Mooren. Wer hätte es fertiggebracht, solche Dinge zu ersinnen, die in der Tat auch brauchbar waren, keine phantastischen Wunder auf schönem Papier, sondern rechte habhafte Werkstücke, an denen man seine Freude haben und mit denen man schaffen unb handlangen konnte. Als Gallmeyer im Jahre 1763 jene aus Holz gedrehte, mit Messing überzogene Feldschlange konstruierte, welche durch Luft getrieben, aber dennoch mit einer Kartätsche geloben würbe unb dicke Eichenbohlen durchschlug — Da war der Ruf Gall- mepers gefestet unb damals geschah es, daß er Hof- mechanikus und Hofmaschinist wurde. Aber da war Gallmeyer schon Der stille in sich gekehrte Mann, ber menschenscheue Sinnierer und Bastler geworben, der meist in seiner Werkstatt saß, über seine Reißbretter und Zeichnungen gebeugt, die ihm zu lebendigem Leben wurden. Unb war boch auch einst ein junger lebfrischer Kerl gewesen, ber seine schrulligen Einfälle nur so nebenhin betrieb, nicht so ernst nahm, um darauf ein Leben zu erbauen, nicht so wichtig, eine Menschheit damit zu Bewunderung oder gar Neid zu bringen. Da war auch fein linkes Auge noch nicht so zusammengekniffen und das rechte groß und stark, weil er darein den scharfen Kristall klemmte, mit Dem er bei Tag unD Nacht in Die Gehäuse schaute, in Denen sich FeDern spannten unD kleine RäDer liefen. Zu Der Zeit war es noch lustig auf der Welt und lustig im Herzen Gallmeyers. Da baute er Uhren von Holz mit beweglichen Planeten und vielen Figuren, Wunderuhren wie jene von Habrecht am Münster zu Straßburg oder am Rathaus zu Heilbronn; oder kleine Automaten, selbstbewegliche Figuren, die tanzten und geigten oder ein wenig andere Musik machten, um dann mit einem Ruck wieder zu erstarren. Damals geschah es auch, daß Gallmeyer, der seiner Gesellenstelle bei einem Uhrmacher entronnen war und sich selbst eine kleine Werkstatt eingerichtet hatte, ein Mädchen liebte und daß er sehr glücklich war. Es war die Gertraudis, eines wohlhabenden Bauern Tochter, der am Lehen fein Tagewerk hatte, wo man Das Mädchen schreiten und schaffen sehen konnte, hochwüchsig und mit dunklen Haaren; beim Mähen half sie dort oder beim Einfahren Der goldenen Frucht. Wenn Gallmeyer geraDe aufschaute, Dann sah er Durch Das Laubwerk Des kleinen Gartens Diese FelDer unD hörte in Den Büschen Die Drossel fingen und aus Der Luft Die Lerchen unD sah Den Storch fliegen zur Niederung am Bache unD wußte, Daß auch die Geliebte ihm nachschauen würde. Doch weil nun der Gertraudis Vater wohlgefüllte Truhen und Kasten hatte, der Gallmeyer aber ein Gewerbe betrieb. Das Den Bauern verächtlich oorkam und über das sie spotteten, so war kein glückliches Zeichen über diesem Bunde, und wenn sich Die LiebenDen trafen, mußte es heimlich geschehen. So faßte Gallmeyer Den Entschluß, ein Werk zu schaffen wie es noch keinem jemals gelungen war, mit Dem wollte er berühmt unD so reich werden, Daß er auch Den trotzigen Bauern überwand unD seine Tochter gewann: es sollte lieblich sein unD also zu feiner Geliebten reDen, aber es sollte auch einmalig und recht erstaunlich sein, so daß alle Welt es bewundern und bestaunen würde. Als sich der Gedanke in Gallmeyers Hirn festgesogen hatte, sagte er Der Gertraudis Ade; wiederkommen wolle er, wenn er groß und reich geworden sei, sie möge nur warten, und sie versprach es. Er verließ die Gegend und mietete sich in der Residenz ein Stübchen. Hier saß er nun emsig schaffend, das Glas in das Auge geklemmt oder mit einem Schirm vor beiden Augen, wenn er zeichnete, Die winzigen Schrauben schliff oder Die hauchdünnen Drähte spann und das Werk ineinander fügte. Ja, einen singenden und fliegenden Vogel wollte er machen, klein und zierlich sollte er sein, aber er sollte sich vom Boden emporheben, mit Den Dünnen Flügeln schlügen, eine,* kleinen Gesang anstimmen unD sich roieDer langsam zur Erde senken. Das war Das Geschenk, Das er sich ersonnen hatte; Das hatte man noch nirgends gesehen; wohl gab es Getier, Das sich hüpfend bewegte, aber einen Vogel, Der frei fliegen konnte unD Dabei fang, nur Durch Die Kunst Der Mechanik getrieben — Das hatte noch niemanD vollbracht! Tag unD Nacht faß Gallmeyer über diesem Plane und suchte, daß Das WunDer Gestalt roerDe. In Dem kleinen stählernen Leib mußte er alles ansieDeln, was notroenDig war, und er sah nun erst klar, welch ein Meister doch Gottvater war, daß er in Dem kleinen Körper eines Vogels soviele Dinge und Werke in eines gefügt hatte, daß die schwebenden Wunder von Flug und Gesang beieinander wohnten, daß alles aufging und sich ergänzte zu vollendeter Harmonie. Eine Feder mußte hinein, die alles hielt und antrieb und die von sich aus Die vielen anderen kleinen Federn trieb und jenes Werklein anfeuerte, das für sich den Gesang heroorbrachte: welch eine Fülle zierlichster Griffe und Schrauben! Welch eine Mühsal Des Rechnens und Fügens! Aber Gallmeyer verzweifelte nicht. Draußen gingen Tage und Wochen, draußen gingen Monate und Jahre. Immer stiller wurde es um Gallmeyer und immer stiller in ihm. Wie in einem Sarge faß er, wie in einem Gehäuse lebte er, nur dem einen Gedanken dienend und dem einen Plane; aber so sehr er sann, so sehr sich die Falten in seiner Stirne vertiefen: wohl fang der Pogel, aber er flog nicht! Hüpfend sprang er auf, aber schwer fiel er nieder, die Erdkraft riß ihn immer von neuem herab. Die Erd kraft war es, die auch des Gallmeyers Plan hinabriß in die kalte nüchterne Welt: es sollte nicht werden — fo wußte er am Ende des vierten Jahres, während welchem er gesonnen und gesonnen hatte, ein Einsiedler und mürrischer Mann, der dieses Stübchen als frischer Bursche betreten hatte. Wenn aber ein Himmelstraum uns zerrinnt, und wir sehen, daß göttliche Werke unseren Händen zu schaffen nicht möglich sind, dann ist wohl eine große Qual in uns und wir kriechen in uns zurück und machen unseren Schmerz zu unserer Wohnung, nur um allein zu sein. Der Jungfrau und Geliebten wollte der Mann, Dem Der Traum zerbrach, nicht mehr nahen, Die zarten heiteren Dinge waren ihm verleidet: kein geigenDer Mann oder schwebender Engel, keine kunstvolle Hhr mehr entliefe er fortan: er machte sich an Die praktischen Dinge, Die feinen Namen berühmt werben ließen und nur im Traum dachte er jenes schwebenden und frei fliegenden Vogels, der zwitscherte und fang; und wußte, daß es das Traumbild feiner Sehnsucht it, Dem er nachhing ... 0er Schauspieler vor der Himmelstür. In Den Jahren 1824 bis 1844 wirkte am König» stüDtischen Theater in Berlin Der Schauspieler FrieDrich Beckmann, Der in Der von ihm selbst geschaffenen Figur Des Eckenstehers Nante feinen größten Erfolg hatte. Als er später am Burgtheater in Wien wirkte, rühmte ihm Laube nach, daß seine Komik Darum so frisch-natürlich und immer zündend wirke, weil sie „einen Funken Geist" in sich berge. Dies bewies Beckmann auch eines Tages, als er in luftiger Gesellschaft von seinem Kollegen Pohl aufgefordert wurde, einige Witze zu erzählen. Zunächst versuchte sich Beckmann Diesem Ersuchen zu entziehen und gebrauchte viele Ausflüchte. Er sagte, er fei nicht in Stimmung unb habe auch keinen rechten Witz vorrätig, Der unter seinen Kollegen, Die befonDers kritisch seien, bestehen könne. Dann aber liefe er sich erweichen unb erklärte sich bereit, etwas zu erzählen; allerdings handle es sich nur um einen Traum, Den er in vergangener Nacht gehabt habe. Pohl Drängte ihn, weiter keine HmstänDe zu machen und endlich mit seiner Erzählung zu beginnen; mit einem nachdenklichen Blick auf ben Kollegen begann Beckmann: Mir träumte nämlich, ich fei gestorben und an die Himmelspforte gekommen. Bei meinem Anpochen erschien Petrus und fragte mich, was ich wolle und wer ich sei. Ich antwortete: „Ich bin der Schauspieler Beckmann unD will in den Himmel." Petrus zuckte Die Achseln und sagte: „Tut mir leid, aber Schauspieler Darf ich nicht in Den Himmel ein» lassen." Damit verschlafe er Die Pforte unD liefe mich stehen. Ich mufete wohl ober übel roieDer fort geh en unD legte mich ruhig in mein Grab. Nach einigen Tagen erzählte mir ein Toter, Den sie neben mich legten, mein Kollege Pohl fei ebenfalls gestorben und in Den Himmel gekommen. Darüber entrüstet, ftanD ich auf, flog noch einmal zur Himmelspforte, klopfte Petrus heraus unD fragte ihn, tief beleidigt über Die Zurücksetzung, warum er Denn mich nicht eingelassen habe, da Doch Der Schauspieler Pohl hineingeDurst hätte. „Lieber Mann", antwortete Petrus und klopfte mich auf Die Schulter, „beruhigen Sie sich, Pohl ist nie ein Schauspieler gewesen!" für Schuhe und guten Schmuck, schließlich auch für Stoffe und Schnittmuster als Hilfsmittel der felbft- fchneidernden Frau. Die zahlreichen Kleider wurden mit viel Geschicklichkeit getragen und in das rechte Licht gebracht. Die Ansagerin gab die notwendigen Erläuterungen und stellte die Besonderheiten der einzelnen Mode- schöpfungen heraus. Die Hauskapelle H u s e - meyer gab der Schau den rechten musikalischen Rahmen. Die Modeschau in ihrer Gesamtheit hinterließ wohl bei den meisten Besucherinnen einen guten Eindruck. Gießener Vochenmarktpreise. * Gießen, 7. Roo. Aus dem heutigen Wochen- markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, Kühlhaus (holländische), Klasse B 11, (inländische) Klasse B 11, Wir- sing, das Pfund 6 bis 10 Pf., der Zentner 8 Mark, Weißkraut, das Pfund 6 bis 8 Pf., der Zentner 5 Mark, Rotkraut, das Pfund 7 bis 10 Pf., der Zentner 8 bis 10 Mark, Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 12 bis 15, Unterkohlrabi 5 bis 8, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 80 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 15 bis 20 Pf., Zwiebeln 7, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 25 bis 35, Kürbis 5 bis 6, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Aepfel, das Pfund 12 bis 30 Pf., der Zentner 12 bis 25 Mark, Boskop 25 bis 30 Mark, Birnen, das Pfund 10 bis 25 Pf., Nüsse 40 bis 60, Zwetschenhonig 40, junge Hähne 80 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 70 bis 80 Pf., Gänse 80 bis 90, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 30 bis 60, Salat 8 bis 10, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 25, Rettich 5 bis 10 Pf. ♦ ** Den Straßenbahnverkehr nach dem Neuen Friedhof betrifft eine Bekanntmachung der Direktion der städtischen Betriebe in unserem heutigen Anzeigenteil, auf die wir besonders Hinweisen. Kreisversammlung des 7K5£8. des Kreises Gießen. Im Turnsaal der Neuen Pestalozzischule hielt der NS. - Lehrerbund des Kreises Gießen gestern nachmittag seine Kreisversammlung ab, die ihre musikalische Einleitung durch das Lehrer-Streichorchester unter Leitung von Musiklehrer N e b e l i n g erhielt. Mährend die stattliche Versammlung gemeinsam das Lied: „Und wenn wir marschieren ..." sang, wurde die Hakenkreuzfahne in den Saal getragen. Ein Schülerchor der Goethe- schule sang dann ein Lied. Aus einem von Schülern und Junglehrern gemeinsam vorgetragenen Sprechchor klang das Bekenntnis zu gemeinsamer Arbeit von Jugend und Erzieher im Dritten Reich hervor, das in dem Liede der Jugend: „Vorwärts, vorwärts" endete. Kreisobmann N brling, der schon vorher einige geschäftliche Angelegenheiten geregelt hatte, begrüßte hierauf die zahlreich erschienenen Erzieher und Erzieherinnen zum Parole- empfang durch den in Begleitung von Oberschulrat Großmann erschienenen Gauamtswalter, wobei er auch der anwesenden Vertreter der Bewegung, der Jugendorganisationen und Behörden, des Kreisleiters, des Rektors und des Kanzlers der Universität Erwähnung tat. In fast zweistündigen Ausführungen gab dann der Gauamtswalter, Ministerialrat Ringshausen den Erziehern das Rüstzeug mit für ihre große und verantwortungsreiche Aufgabe der Erziehung des neuen Geschlechts zur nationalsozialistischen Weltanschauung. In eingehenden Darlegungen rief er seinen aufmerksamen Zuhörern noch einmal die Vor- und Nachkriegszeit in die Erinnerung, die belastet war mit dem unseligen Geiste der Zerklüftung des Volkes. Damals beherrschten die Interessengegensätze selbst die Lehrerschaft. Führte einst die Lehrerschaft ihre Versammlungen ohne Eltern oder Schüler durch, so ist es jetzt, nachdem das Volk auf der Grundlage der nationalsozialistischen Weltanschauung geeint ist, mit solchem Vorgehen vorbei. Heule ift es notwendig, daß zu den allgemeinen Versammlungen der Lrzleherschaft auch die Eltern und Schüler geladen werden; denn die Erziehung ist keine separate Angelegenheit mehr, sondern eine hohe, heilige Lebensaufgabe. Sie besteht in der Prägung der jungen Menschen, die das Gesicht des Volkes darstellen und dessen Geschick sie in Zukunft lenken sollen. Eine solche Aufgabe geht das ganze Volk an und gehört vor das Forum des ganzen Volkes. Die Aufgabe des Erziehers von heute ist es, einen neuen Menschen zu formen und jene, die den Weg in falscher Richtung schon angetreten haben, zuruckzuholen und ihnen neue Richtung in eine neue Zukunft zu geben. Wir wissen, daß der Weg vom Herzen nicht sofort zur Tat führt, sondern daß sich erst das Hirn einschaltet, bei dem die Berechnung liegt. Wer immer aus geistiger Ueberlegenheit handelt, der wird dies auch morgen tun. Wer marxistisch ober liberalistisch gedacht hat, wird auch heute nationalsozialistisch und morgen kommunistisch denken können, sofern sein Herz ihm nicht andere Wege vorschreibt. Daraus ersehen wir, daß nicht der geistige Komplex entscheidend sein darf, sondern die tiefere Verankerung, die im Herzen liegt, wo es kein Wissen und kein Schauen gibt, sondern wo nur der Glaube wohnt. Glaube fragt nicht nach realen Dingen, sondern ist bezogen auf unsichtbare Werte, auf hohe Ideale. Nur für Ideale können Menschen sterben. Wenn roir\em neues Geschlecht erziehen wollen, das Tod und Teufel durch die Jahrhunderte trotzen soll, so muß seine fundamentale Grundlage sein: d i e deutsche Seele. Aus der tiefen deutschen Seele entspringt der Glaube, der den Menschen befähigt, für sein Vaterland zu sterben, wie es die Millionen des Weltkrieges taten. Glauben an das Vaterland ist kein leerer Wahn. Die das neue Reich erkämpfen halfen und für es starben, taten es nicht aus Berechnung, sondern in der Gewißheit des Glaubens an eine hohe Aufgabe. In dem Glauben an die ewige Allmacht ist auch der Glaube an das Vaterland verankert-, denn wenn ich an Gott glaube, muß ich auch an Jein Werk glauben. Wer sich darum gegen das Vaterland versündigt, versündigt sich gegen Gott. Wer sich mit dem Internationalismus und mit den unterwühlenden Kräften verbündet gegen Volk und Vaterland, und dann noch sagt, er sei ein Christ, der ist ein eitler Schaumschläger. Der Mensch, der nicht nur betet, sondern sich zu Volk und Vaterland bekennt und gern für sie arbeitet, auch wenn er einmal entbehren muß, der beweist deutschen Heldensinn. Aus der großen Vergangenheit unseres Volkes ersteht uns Die Aufgabe für die Zukunft. Das ist die Größe unseres Führers, daß er, wie fein anderer Deutscher zuvor, in die Tiefe der Zusammenhänge der Lebenserscheinungen unseres Volkes eingedrungen ist. Durch ihn wissen wir um die geistigen und physischen Kräfte des Volkes. Das Schicksal des Volkes aber wird bestimmt durch die großen Ideen, die diese Kräfte lebendig werden lassen. Ideale erstrebt nicht der Geist, sondern das Herz, die Seele. Darum ist die n a t i o n a l s o z i a l i st i s ch e W e l t- anschauung eine Herzenssache, die erlebt, im Herzen empfunden fein will. Eine solche Weltanschauung kann nicht gelernt oder studiert werden. Don ihrer gründlichen Erfassung hängt der Bestand des Fundamentes des neuen Staates ab. Die Menschen müssen immer wieder aufgerüttelt werden, damit sich ihre Herzen den neuen Ideen öffnen. Wie das Christentum immer wieder feine Gleichnisse und Psalmen lehrt, obwohl es zwei Jahrtausende besteht, so muß der Nationalsozialismus ständig auf feine Weltanschauung verweisen, so muß jeder Erzieher immer wieder nach Mainz ins Schulungslager gehen. Der Hinweis darauf ist so notwendig, wie der stete Hinweis des „Stürmers": „Die Juden sind unser Unglück!" Mit der Erfassung der nationalsozialistischen Weltanschauung erledigt sich auch die Frage nach der Schulreform und nach dem Lehrplänen von selbst. Reform und Lehrpläne sind Formsachen. Jugend aber will die Jugend, das Leben, den Schwung. Wer die Jugend lenken und leiten will, muß selbst jung fein. Nicht das Alter wird die Jugend, sondern die Jugend wird das Alter überwinden, damit das Alter jung bleibt. Dann wird auch unser Volk ein junges Volk fein. Ein Volk, das die ewigen Gesetze des Lebens, die Grundgesetze der eigenen Existenz erkennt, wird nie müde werden. Wie das Diesseits, Blut, Leben, Nation eine Sache des Staates ist, jo ist das Jenseits, die religiöse Meinung, Sache der Kirche. Wir gehen alle einen Weg zu Gott, wenn auch auf getrennten Pfaden. In der Abgrenzung der Aufgaben des Staates und der Kirche liegt Klarheit und Wahrheit. Der Staat betreut die irdische Kirche und die Kirche betreut das Ewige, das die Sehnsucht der Menschen seit Weltbeginn ist. Diese hat aber nichts mit den Ien- seitsfanatikern zu tun; denn in zusammengebrochenen Menschen kann kein Glaube wohnen. Glaube kommt auch nicht aus materieller Notlage. Der Mensch hat wahren Glauben, der den Kampf aufnimml gegen Not und Widerstande und von seinen kargen Einnahmen noch gern gibt für das Opferwerk der Nation, das Dinter- hilfswerk. Glaube ist tätiger Dienst am Volke, ohne Hoffnung auf eine Vergünstigung ober eine Entschädigung im Jenseits. Gläubig ist der Mensch, der freudig feine letzte Kraft aufwendet im Kampfe des Lebens, der feine Pflicht erfüllt und sich demütig vor seinem Herrgott beugt. Darinnen ist uns der Führer Vorbild, der der schlichteste und einfachste Mensch Ift und einen Inneren, unüberwindlichen Glauben an die Allmacht Gottes hat. Solche Menschen soll auch der Erzieher erzieben helfen, die einfach und schlicht in ihrem Wesen, selbstverständlich ihre Pflicht gegenüber dem Volke erfüllen und jederzeit bereit sind, ihren Glauben durch die Tat zu beweisen. Die heutige Jugend ist das Mark der Nation und der Erzieher ihr Spiegelbild. An ihnen ist es gelegen, ob Deutschland leben wird oder nicht. Darum wollen wir die Jugend zu deutschem Heldentum erziehen. Die hohen Anforderungen an den Erzieher bedingen auch eine scharfe Auslese; denn letzt schon treten die formalen Nationalsozialisten auf, die den Nationalsozialismus studiert, aber nicht erlebt haben. Es ist erforderlich, daß Lehrerschaft und Schüler und die einzelnen Jugendorganisationen zusammen arbeiten; denn es ist gut zu machen, was im Zwischenreich an der Jugend verdorben wurde. Die Erzieher haben auch die Ehre des deutschen Erziehers wieder aufzurichten. Der Erzieher muß jung mit der Jugend, ihr Kamerad und Freund fein, kurzum der Mensch, der den ewigen Quell der seelischen Kräfte zum Sprudeln und ihr Herz in Liebe zum Volke zum Glühen bringen kann. So wird er verwirklichen, was wir fingen: „Wir tragen das Banner gläubig hinein in die Zukunft, die unser muß sein!" Den mit starkem Beifall aufgenommenen Worten ließ Kreisobmann N e b c l i n g das Schlußwort folgen, in dem er Adolf Hitler als den Erzieher des ganzen Volkes und als feinen Führer und Reichskanzler als das größte Vorbild voran- stellte. In das Sieg-Heil und das Kampflied stimmten die Versammelten freudig ein. Obecheffen. Landkreis Gießen. <5 Lollar, 6. Nov. Arn vergangenen Sonntagabend veranstaltete — wie schon kurz berichtet — die hiesige S ä n g e r v e r e i n i g u n g im Saale „Zur Linde" ihr diesjähriges Winterkonzert. Es darf vorweg gesagt werden, daß alle in die Veranstaltung gesetzten Hoffnungen nicht nur in Erfüllung gingen, sondern übertroffen wurden. Einen besonders glücklichen Griff hatte der Verein dadurch getan, daß er sich zu dem instrumentalen Tell seines Programms die Mitwirkung des Musikzuges der SA. - Standarte 116 gesichert Ijatte. Mit derselben glücklichen Hand wurde die Auswahl der zum Vortrag gebrachten Werke vollzogen, jowohl im instrumentalen als auch im vokalen Teil des Programms. SA.-Musik- zugführer Herrmann (Gießen) darf mit feinem Orchester für die ausgezeichneten Leistungen ein großes Plus verbuchen. Diesem hervorragenden Spiel des SA.-Musikzuges ebenbürtig zur Seite stellten sich die Vorträge des Männerchors „Sänge r v e r e i n i g u n g". Man braucht nur einen Blick auf die Reihe Der im Programm genannten Komponisten zu werfen, um zu erkennen, wie ernst es dem Veranstalter mit einer Höchstleistung der Darbietungen zu tun ist; wir finden hier Namen wie Schubert, C. M. o. Weber, Hegar, Angerer, Silcher, Verdi, I. Strauß und andere. Als ganz hervorragende Leistung des Männerchors ist hervorzuheben „Sanktus* von Schubert, „Schlafwandel" von Hegar und „Aennchen von Tharau" von Silcher; besonders dürfte der Vortrag von „Schlafwandel" die Grenze des Möglichen erreicht Haden. Hiermit soll allerdings nicht den Kunstchören das Wort geredet sein und das Volkslied im Hintergrund verschwinden. So ansprechend diese auch sind, das schöne Volkslied steht dem nicht nach, was bei „Aennchen von Tharau" zutage trat. Die Zuhörer, die den Saal bis auf den letzten Platz füllten, zeigten bei beiden Arten die größte Dankbarkeit. Der Männerchor sah sich wiederholt genötigt, Zugaben bzw. Wiederholungen zu bieten. Nicht weniger erfreulich war diese Tatsache auch bei den Orchesterdarbietungen zu verzeichnen. Wie vollendet wurde „Hyons Zauberhorn" aus „Oberon" von C. M. v. Weber urtb „Ouvertüre im italienischen Stil" von Schubert zu Gehör gebracht. Daß der „Kaiserwalzer" von I. Strauß seine Wirkung nicht verfehlte, bleibe nicht unerwähnt. Der Virtuose auf feiner Trompete, Herr Schwarzlose (Gießen), erfreute feine Lollarer Bekannten auch dieses Jahr wieder mit einem Trompetensolo „One Perle de Ozean"; auch hierfür wurde ihm viel Beifall zuteil. Chorleiter Meyer (Wieseck) zeigte seine große Fertigkeit in der Stabführung ganz besonders bei den Männerchören mit Orchesterbegleitung, die ebenfalls von der Standartenkapelle gestellt wurde. Von diesen Darbietungen ist hervorzuheben „Am Wörther See" (Walzer mit Orchesterbegleitung). Im Ganzen genommen darf die „Sängeroereinigung" nach diesem Abend mit der größten Zufriedenheit auf ihre Arbeit zurückblicken und den großen Erfolg sich als Ansporn für die Zukunft dienen lassen. t Treis a. d. Lda., 6. Nov. Unser neuer Ortsvorstand, der dieser Tage vom Bürgermeister in sein Amt eingewiesen worden ist, setzt sich zusammen aus den beiden Beigeordneten Wilhelm Becker V., der schon feit Jahren dieses Amt versieht, und Heinrich Berghöfe r, dem früheren Bürgermeister und jetzigen Drtsbauern- führer, den Gemeinderäten Ludwig Göbel, Heinrich O p p e r, Phil. Wilhelm Kehr, Ioh. Heinrich Kehr IX., Heinrich Michel XI. und Wilhelm Linnestruth II. Y Watzenborn-Steinberg, 6. Nov Am Sonntag veranstaltete die N S. - G e m e i n s ch a f t „Kraft durch Freude" im überfüllten Saale „Zur Krone" unter dem Motto: „Lache mit uns" einen heiteren Abend. Zur Ausgestaltung des Abends war eine gute Künstlergruppe erschienen, die von den vielen Besuchern mit starkem Beifall belohnt wurde. Mit einigen Konzertstücken der Kapelle Robert Häuser und anschließend Tanz fand die Veranstaltung ihren Abschluß. (D Grüningen, 6. Nov. Ortsgruppenleiter M a r ft e 1 (e r verpflichtete im festlich geschmückten Amtszimmer der Bürgermeisterei die nachfolgend genannten neuen Gemeinderäte unseres ries: Heim. Adam Euler, Heim. Jsheim, Karl Heinrich M a r ft e l l e r II. und Heinrich Hof- mann III. Zum zweiten Beigeordneten wurde Adam Heinrich Sau b er ernannt. Sie wollten doch etwas für Ihre Gesundheit tun? .. auf Kaffee Hag umstellen 1 SMMVMUWM Roman von Frank F. Vraun. 5 Fortsetzung Nachdruck verboten! Basilius legte die Zigarre weg. „Was will Reu- ßing von mir, warum fragte er dich, wo ich mich aufhalte? Man sucht mich in keiner Stadt, es liegt nichts gegen mich vor." „Er sucht dich auch nicht. Ausdrücklich erwähnte er das. Er erkundigte sich ganz allgemein, ob du in Hamburg seiest." Sie schwiegen. Jabusch blies ununterbrochen Rauchwolken zur Decke. „Ein gefährliches Pflaster, wenn der Reuying hier ist", knurrte er mißbilligend. Aber es schien, als habe Basilius solchen Zurufs bedurft. „Das wird uns nicht einen Deut von unferm Plan ablenken", verkündete er finster. „Reußing kann uns nichts anhaben, selbst wenn er uns auffpürt." „Noch nicht, nein. Aber wenn du mit dem Konsul gesprochen hast, sieht es anders aus." „Konsul Bassenberg selber wird uns schützen", sagte Basilius. „Herr Reußing soll sich diesmal nur ja vorsehen, daß er nicht übereifrig in die Nesseln faßt, wenn er uns greifen will." Basilius verstummte nachdenklich. Es blieb eine ganze Weile still. Dann meinte Jolly: ,Hch habe also wegen der Ziegelei Verhandlungen eingeleitet. Sie soll sechstausend Mark kosten. Zweifellos taugt sie nichts, denn das ist kein Geld für solch ein Unternehmen. Wir haben bis morgen mittag das Vorkaufsrecht." Basilius richtete sich auf. „Wir wollen sie kaufen", sagte er, „was sie in Wirklichkeit wert ift, interessiert uns nicht. Sieh zu, daß die Zahlung hinausgeschoben wird, oder daß wir mit einer Anzahlung den Besitztitel bekommen. Ich habe bei Pagel angerufen, Justus Pagel, dem wir damals über die Grenze halfen. Er wollte anfangs nicht, aber als er hörte, daß er weiter nichts sollte, als mich dem Konsul Bassenberg vorstellen und empfehlen, willigte er ein. Ich habe Bassenberg heute an der Börse tennengelernt. Ein leichter Fall. Wir haben später gufammengefeffen, der Konsul, Pagel und ich. Pagel ging dann. An einem der nächsten Abende wird Bassenbera mich einlaben. Ich habe ihm schon van einigen Geschäften geflüstert." „Wieviel soll er bezahlen, Basil?" Der Gefragte überlegte kaum. Er sah Jolly an. „Sechstausend Mark sagtest du? Dann wird Bassen- berg sechzigtaufend Mark dafür zahlen wollen." Sie nickten. Solche Zahlen warfen sie nicht um, Basilius hatte ihre Schätzung getroffen. Basilius schickte Jolly wieder fort. „Mach das Geschäft perfekt", sagte er. „Jabusch geht mit dir, damit der Geschäftsmann einen Zeugen hat." Sein Lachen entblößte die großen Zähne. „Und noch eins!" rief er, „gib ein Telegramm auf. Robert Nydegger muh her." Er sagte leiser, als er die beiden erstaunten Gesichter der beiden sah: ,Zch will mich so wenig wie möglich auf der Straße zeigen. Sonst laufe ich unter Umständen auch noch dem Reußing in die Arme." Er wußte natürlich, daß es nicht dieser Entschuldigung bedurft hätte, ganz klar war ihm, daß sie nur erstaunt waren, weil er Nydegger herrufen wollte; aber es machte ihm Spaß, ihre Fragen abzuwarten. Er wollte noch keine rechte Auskunft geben, fein Plan stand noch nicht ganz fest. Nur eines war sicher: er würde Nydegger dabei brauchen. Also muhte der Mann her. Rücksichten kannte er nicht. Jolly zog die Tür erst noch einmal wieder zu. „Was soll der Junge hier, Basil?" fragte er. „Möchtest du durchaus durch vier teilen?" Basilius lachte kurz auf. „Ausgeschlossen!", sprach er. „Der Nydegger bekommt ein Trinkgeld, sonst nichts. Ich habe einen ganz bestimmten Plan, wenigstens kann aus der Idee ein Plan werden. Reußing ist Witwer und lebt mit feiner Tochter. Sie war damals in Berlin sechzehn Jahre. Die Geschichte ist drei Jährchen her, nicht wahr? Gut. Das Mädchen ist demnach heute neunzehn Jahre alt. Ein schönes Alter. So recht die Zeit, Dummheiten zu machen. Darum muß Nydegger her." Er lachte vor sich hin. „Ich habe nichts gegen das Mädchen", sagte er, „es ist nur, ich möchte zur Not eine Handhabe gegen Reußing besitzen. Ich denke mir, Nydegger, unser Adonis, wird uns da gute Dienste leisten können." „Die Idee ist famos", räumte Jolly ohne weiteres ein, „sie mag auch Erfolg haben. Zumindest erfahren mir durch Nydegger, wenn er das Mädchen kennt, was Reußing gegen uns plant. Ich fürchte nur, der Bengel kommt nicht!" „Er wird kommen", sagte Basilius, seiner Sache ganz gewiß; aber Jollys Zweifel waren nicht behoben mit einem so kurzen Satz. „Du denkst, er ist noch der Dumme Senget von damals. Aus Kindern werden Leute. Er ist Student, hat sich längst über den — Fehltritt feiner Jugend hinweggefetzt und pfeift auf uns." Basilius schüttelte ungeduldig den Kopf. Er schien gereizt von der bloßen Annahme, jemand könne sich seinem Ruf entziehen wollen. „Er wird kommen", versicherte er nochmals. „Mag er sich zehnmal über seinen Fehltritt, wie du so schön sagtest, hinweg- gesetzt haben. Auf ihn kommt es dabei gar nicht an. Wenn ich das Papierchen, auf Dem er quergefchrie- ben hat, Der Staatsanwaltschaft vorlege, tritt heute noch augenblicklich Strafverfolgung wegen Wechselfälschung ein. Und dann ist es aus mit dem Studium, aus mit jeder Karriere." Sein Mund öffnete sich zu einem lautlosen Lachen. „Wenn hier einer pfeifen kann, lieber Jolly, bin nur ich es! — Aber Nydegger wird kommen, und ich brauche nicht einmal Gewaltmittel anzuwenden. Depeschiert ihm keine Drohung! So etwas macht sich im Ernstfälle gegen uns schlecht. Telegraphiert: Unbedingt mit morgigem Nachtzua kommen Hamburg Hauptbahnhof. Basil. Seine Adresse habe ich nicht im Kopf. Aber München, Universität, genügt sicherlich." Er tat eine unbestimmte Handbewegung und war ernst. „Verlaßt euch darauf", meinte er, „wir gehen Dann übermorgen nicht vergebens zum Bahnhof." Sie verließen ihn. Er vernahm, wie sie sich über Das Dach entfernten. Sie nahmen Den Weg abwärts Durch ein bewohntes Haus in Der Nachbarschaft, । Dessen Dachluken man von außen öffnen konnte. Der Neubau galt weiter als unbewohnt. Basilius lehnte sich zurück und nahm eine neue Dunkle Zigarre aus Der Kiste, Die vor ihm stand. Er war zufrieden mit sich und der Welt. Alles ging gut. Der Auftakt war verheißungsvoll gewesen. Die । Perlenkette hatte zwölftausend Mark gebracht. Damit war die Unternehmung glänzend zu finanzieren. Er blies die Wolken zur Decke, sah hinauf in den kleinen Sonderhimmel und dachte wegwerfend: Reußing, pah; mochte Reußing kommen, wenn er sich die Finger verbrennen wollte. Diesmal hielt er, Basilius, Die Trümpfe in der Hand. Sein Gesicht sah für kurze Zeit so zufrieden aus, daß es fast gutmütig wirkte. Eine gefährliche Täuschung! 4. Kapitel. Zwei junge Menschen, beide in München immatrikuliert, sitzen im Englischen Garten auf einer Bank. Der Chinesische Turm ist nicht weit entfernt, eine sanfte Kaffeehausmusik weht von Dort herüber. Der junge Mann und Das Mädchen sitzen auf einer Bank, Die nicht unmittelbar am Weg steht. Sie werden nur selten von Passanten gestört. Das ist gut. 3lia Filimon sitzt vorgebeugt und blickt Robert Nydegger eindringlich an. Sie redet. Jbre Stimme, einem getragenen Alt am nächsten, schwingt ein wenig. Nydegger hält ihre linke Hand in der seinen. „Sprich nicht weiter, Ilia", bittet er, „es tut dir weh. Jede Erinnerung tut wohl weh, aber dieje muß dich überaus schmerzen." Sie wehrt ab. „Du hast ein Recht, alles zu erfahren", faqte sie. Zwischen uns wenigstens soll keine Lüge fein." Er senkt den Kopf, Denn er merkt, daß ihm eine jähe Röte ins Gesicht steigt. „Ich verdiene dich gar nicht", sagt er leise, „du bist so ein guter Mensch." „Nein!" Sie spricht Das kurze Wort verwunderlich hart. Es ist, als habe er mit seinen Worten bei ihr einen Kontakt gelöst. Ihr Gesicht verfinstert sich. „Ich bin gar nicht gut. In mir ist viel Haß. Daß dieser Haß sich auf nur eine Person zusammenzieht, macht es nicht besser." Und sie zuckt die Achseln. „Aber ich kann es nicht ändern. Laß mich weiter sprechen. Vielleicht begreifet du mich nachher leichter. Ich stamme aus Arad. Du weißt natürlich nur ganz ungefähr, daß die Stadt auf dem Balkan liegt." Ihr Lächeln blieb nur eine Andeutung. „Das Banat war feit den Türkenkriegen ungarisch. 1920 wurde es in Trianon aufgeteilt zwischen Serbien und Rumänien. Arad wurde rumänijch. Damit ist zunächst ein Schlußstrich gezogen. Aber das Banat ist ein Schmelztigel, der noch siedet. Ungarn, Deutsche, Serben und Rumänen besiedeln es; keiner ist mit der jetzigen Regelung zufrieden. Du begreifst wohl, daß unter solchen UmftänDen das Kriegsende für meine Familie und mich noch etwas anderes bedeutete, als nur einen verlorenen Krieg. Wir waren entwurzelt. Wir bekamen eine andere Sprache, andere Geldwährung, die Lebensbedingungen wurden andere; fremDe Menschen, neue Gesichter tauchten auf. (Fortsetzung folgt.) (Seibert jr.). Jugend: sicht eine Weiß zieht und setzt in 2 Zügen matt Das Eintopfgericht führt dich zu Millionen bedürftiger Volksgenossen zurück! Opfere am 10. November nach Kräften! Dreizüger von Irhr. v. Holzhaufen. Deutfcfieß" Wochenschäch. Schwär-: Kal, Tbl, Bb7, b3 (4) Schach-Ecke Gearbeitet von F. Sämisch Dutenhofen — Münchholzhausen, (Brück); Turnv. Wetzlar — Wetzlar-Niedergirmes, (Otto Engel); Lang-Göns II — Grüningen, (Hahn, Klein-Linden); gebiet des Korps entsprechende Prüfung. Die weltanschauliche Prüfung verlangt vom NSKK.-Mann den restlosen Einsatz der Person, und die Leibesübungen verlangen von ihm, seinen Körper zu stählen und widerstandsfähig zu machen. Die Einsatzübungen im Kolonnendienst erfordern schnelles und zielsicheres Handeln, wenn es gilt, bei Naturkatastrophen hilfreich einzugreifen. Auch Vor dem Reichsweltkampf des ASM das Gebiet der verkehrsdlszlplin wird vom NSKK. mit ganz besonderer' Sorgfalt gepflegt. Der NSKK.-Mann soll nicht nur ein disziplinierter, sondern auch ein hilfsbereiter Fahrer sein. An Hand eines Planspieles wird der Reichswettkampf den NSKK.-Mann vor die Lösung einer Reihe der wichtigsten Verkehrsaufgaben auf den verschiedensten Gebieten stellen. Auch handwerkliche Fähigkeiten, wie z. B. der schnelle Wechsel von Zündkerzen, Düsen, Reifen, die Behebung von plötzlich auftretenden kleinen Pannen usw. sind einer besonderen Prüfung unterzogen. • Im Kleinkaliberschießen endlich wird der NSKK.-Mann Gelegenheit Weift: Kb4, Df6, Lg7. Bc4, e3 (5) Weiß zieht und setzt in drei Zügen matt Aweizüger von vr. Seidemann. Nauheim am 6. und 7. Juli, bei dem Gauturnfest in Gießen am 2. bis 4. August sowie beim Bergturnfest auf dem Hoherodskopf am 1. September die Ehrenurkunden überreicht. Hierauf verlas der Festredner die Namen derjenigen Turner, die in diesem Jahre die Prüfung für den Grundschein der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft bestanden hatten (Kurt D i r l a m m, Erwin Neuß, Franz O t t, Albert Peter, Otto Schmidt und Hans Stein). Nach dem Gesang des Liedes „Getreu alle Zeit" begann der zweite Teil des Abends, die turnerischen Darbietungen, die eröffnet wurden durch einige wohlgelungene Bilder: Gefolgschaft, Schutz, Kraft, Treue,"Leid und Freude. Die darauf folgenden turnerischen Vorführungen, Hebungen am Pferd, Freiübungen, Barrenübungen, Gymnastik, Ballgymnastik und ein von den Turnerinnen oorgeführter Walzerreigen nach der Melodie „Machen wir's den Schwalben nach", zeigten durchweg gute Leistungen und fanden reichen Beifall. Zum Schluß kam noch ein Scherz, ein scheinbarer Unfall, der sich« dann, nachdem bereits ein Arzt zu Hilfe gerufen war, als Bluff enthüllte. Bei Musik und Tanz schwanden rasch noch einige Stunden in froher Stimmung dahin. Die Musik hatten Angehörige der Standartenkapelle 147 aus Gießen übernommen. Kreis Alsfeld --^Nieder-Ohrnen, 4. Nov. Gestern fuhr hier an dem Bahnübergang ein von Merlau kommender Motorradfahrer mit einem aus Richtung Bernsfeld kommenden Auto dadurch zusammen, daß der Motorradfahrer noch vor dem schon in der Kurve befindlichen Auto die Straße Überqueren wollte. Dabei streifte er mit dem Lenker das in dem Hofe des Ludwig Siegfried stehende Kind, so daß es zu Fall kam und einige Hautabschürfungen davontrug. st Kirtorf, 6. Nov. Die Ortsbauernschaft hielt tm Rathaussaal eine Versammlung ab, in der der Ortsbauernführer Pg. L i e h r Mitteilungen über aktuelle Fragen der Landwirtschaft oab. Nach Worten der Begrüßung wies er darauf hin, daß die endgültig zu liefernde Menge Brotgetreide nunmehr feststehe; sie entspreche den von den Bauern gemeldeten Zentnerzahlen. Anschließend gelangte der Veranlagungsbescheid für die Ablieferung von Brotgetreide im Getreidewirtschaftsjahr 1935/36 zur Ausgabe. In weiteren Ausführungen wandte sich der Ortsbauernführer hinsichtlich der Schlachtung und des Handels mit Fett- fchweinen gegen Unklarheiten und falsche Auffassungen. Empfehlend wurde ferner auf den demnächst in Michelstadt beginnenden Kursus für Jungbauern hingewiesen. Ferner wurde aufoeforbert, auch in diesem Winter wieder dem Winterhilfswerk nach besten Kräften beizustehen. Weitere Mitteilungen betrafen den Futterartikelbezug durch Genossenschaften und Landhandel und die Verwendung der Kontingentsmarken. Mit einem Gedenken an den Führer beschloß der Ortsbauernführer die Versammlung. finden, den sicheren Blick seines Auges und die Ruhe seiner Hand unter Beweis zu stellen. Die Durchführung des Wettkampfes erstreckt sich bis zum 15. März 1936. Bis Ende November 1935 gelangen die Leibesübungen, Querfeldeinlauf und 10-Kilometer-Marsch, zur Durchführung, vom 1. Dezember bis 31. Januar werden die technischen Prüfungen, Verhalten des Kraftfahrers im Straßenverkehr und Hilfsdienst, erledigt, und vom 1. Februar bis 10. März sind Einsatzübungen im Rahmen des Kolonnendienstes sowie Kleinkaliberschießen vorgesehen. Die Bewertung der weltanschaulichen und charakterlichen Festigung des NSKK.-Mannes wird sich dagegen über die ganze Zeit des Reichswettkampfes erstrecken. , IE.Teutonia" Watzenborn-Steinberg Watzenborn-Steinberg — Dillenburg 3:3 (2:2). kreis Schotten. O Laubach, 6. Nov. Der Turn- und Werbeabend, den die Turngemeinde L a u b a ch am Sonntag im großen Saal des „Solmser Hofes" veranstaltete, erfreute sich eines recht guten Besuches. Der erste Teil des Abends, die völkische Feierstunde, brachte nach dem Einmarsch der Turner und Turnerinnen, die Eröffnung der Veranstaltung durch den Leiter Karl von E i f f, Liedern, Gedichten und Sprechchören. Die Festrede, gehalten von Reallehrer Hans. Ausgehend von den Worten des Führers auf dem deutschen Turntag im Stuttgart und der Bedeutung, die Adolf Hitler dem Turnen und der Deutschen Turnerschaft beimißt, als wertvollen Erziehungsfaktor für Körper und Geist, sowie als Vorbereitung für den höchsten Ehrendienst des deutschen Mannes, den Heeresdienst, rief er alle noch abseits stehenden Jugens auf, in die Reihen der deutschen Turnerschaft einzutreten. Die Rede schloß mit einem Treuegelöbnis an den Führer und Reichs- kanzler und dreifachem Sieg-Heil, dem der Gesang des Deutschlandliedes und des Horst-Wessel-Liedes folgte. Stürmischer Beifall dankte dem Festredner für feine zündenden Worte. Alsdann wurden den Siegern in den diesjährigen Wettspielen in Bad- Cöfung des Drelzügers von v. Holzhausen aus der vorigen Schach-Ecke. Matt tn 8 Zügen. Weiß: Khs, D(7. Lb8, Ba7, bS, !2 (6). Schwarz: K»8, LaS, Le6 (3). 1. Lb3—gl Lc# x gl 3. n—f» Lg2Xf3+ 8. Df7Xf3=fc. Die Narrenkappe. Splitter und Sparren vom RedaktionStlsch. peinliche Verwechslung. Die Werke des englischen Dichters Robert B r o m« ning gelten als die am schwersten verständlichen im britischen Schrifttum, und daher hat man Browning den Beinamen „Der Dunkle" gegeben. Ein Mitglied der Browning-Gesellschaft wollte einst einer Sitzung dieses Vereins beiwohnen, kam aber erst, als eine Vorlesung bereits begonnen hatte. Er unterbrach den Vortrag fortwährend durch Ausrufe des Entzückens: „Ausgezeichnet!" ober „Unvergleichlich l", bis man sich entschieben derartige Aeußerungen verbat. Der Besucher war entrüstet, daß man in der Browning-Gesellschaft seiner Bewunderung für den Meister nicht uneingeschränkt Ausdruck verleihen könne, mußte sich dann aber belehren lassen, daß er sich in dem Saal geirrt hatte und daß er in eine Sitzung der chinesischen Mission geraten war, in der gerade ein Stück in chinesischer Sprache vorgelesen wurde. Das Glasauge. Der Bürgermeister einer süddeutschen Kleinstadt erhielt von einem Versorgungsamt ein Formular mit der Aufforderung, über den Kriegsbeschädigten Müller zu berichten. Der Beamte erledigte dies Ersuchen, indem er bas Formular ausfüllte: Art ber Verwundung? — Rechtes Auge verloren, trägt ein Glasauge. — Ist eine Besserung eingetreten? — Hier machte der Bürgermeister einen Strich Nach einer Woche sandte das Versorgungsamt das Formular zurück mit dem dringenden Ersuchen, auch die Frage nach einer Besserung zu beantworten. Da schrieb >£er Bürgermeister: „Müller kann durch das Glasauge immer noch nicht sehen." Der Bernhardiner. Die Tante hat ein Bernhardinerfell vor dem Bett liegen. Der kleine Günther steht mit großen Augen davor. „Wir haben ja auch so einen Hund zu Hause", meint er dann, „aber den haben wir nicht so breit getreten." gen herausgegeben worden. Wie bei der SA. ist der Reichswettkampf des NSKK. ein Gradmesser f ü r den Ausdil- dungsstand und den Kampfgeist des politischen Soldaten. Er gliedert sich in eine weltanschauliche, sportliche und eine dem besonderen Aufgaben- t des Korps entsprechende Prüfung. Spielweise, wäre ein Sieg in Anbetracht der schwachen Leistungen der Gäste zu erringen gewesen Das Umstellen der Mannschaft während dem Spiel Uetz aber nicht den erhofften Erfolg aufkommen. Schirl Rüspeler (Krofdorf) amtierte einwandfrei. Die 2. Mannschaft fuhr mit einer ersatzgeschwächten und nur aus 9 Mann bestehenden Mannschaft zur Dritten des VfB.-R Gießen und verlor 2:0. Die Jugendmannschaft siegte im Gesellschaftsspiel in Garbenteich nach überlegenem Spiel 5:0. Die Kleinsten der Teutonen konnten vor dem Ligaspiel einen weiteren Sieg feiern. Gegner war die Schülermannfchaft von Alten-Buseck. Nach schon durchgeführtem Spiel siegten die Einheimischen über die recht spielstarken und körperlich kräftigeren Alten-Busecker mit 2:1. Iachamt für Handball (Lahn-Dill). Schledsrichleranfehungen. Holzheim — Niedergirmes, (Schneider); Atzbach — Groß-Rechtenbach, (Luh); Garbenheim — Dorlar, (Bauernschub); Mendorf a. d. Lda. — Wißmar, (Bauer); Beuern — Londorf (K. Müller, Gießen); Ebersgöns — Grüningen (Friedr. Faber); Garden- teich —Hausen (Becker); Lich — 1900 Gießen (Jung, Cleeberg); Romrod — Niederohmen (Wißner); Alsfeld — Burggemünden (Schäfer, Dutenhofen); Homberg — Bernsfeld, (Weller, Atzbach); Mandrin-- Katzenfurt, (Berthold Hofmann); Ehringshausen — Herbornseelbach (W. Engel); Erda — Heuchelheim, „Der von mir mit Befehl vom 22. Ium 1935 für die SA. ungeordnete Reichswett- kampf gelangt in gleicher Weise auch für das NSKK. zur Durchführung. Für den Sieger- sturm jeder Motor-Gruppe ober -Brigade stifte ich einen Ehrenpreis. Nähere Ausführungsbestimmungen, insbesondere über die Ergänzung der Bestimmung vom 22. Juni 1935 durch motorsportliche Prüfungen, erläßt der Führer des NSKK. Der Oberste SA.-Führer: gez. Adolf Hitler." Hunderttausende von NSKK.-Männern werden in den nächsten Monaten dem Befehl des Führers folgen und ihre Fahrzeuge für den Reichswettkampf des NSKK. einsetzen. Der mit der Durchführung beauftragte Oberführer Schnüll nahm dieser Tage Gelegenheit, anläßlich eines Presseempfanges nähere Ausführungen über Wesen und Inhalt sowie über die A r t der Durchführung des Reichs- wettkampfes des NSKK. zu machen. Der Redner unterstrich zu Beginn feines Vortrages die Bedeutung des NSKK. als motorisierte selbständige Gliederung der Bewe- g u n g und umrih in großen Zügen die besonderen Ausgaben, die dem Korps gestellt sind. Wenn Korpsführer Hühnlein auf dem kürzlich in Coburg ftattgefunbenen Führerappell des NSKK., der durch die Anwesenheit des Führers höchste Auszeichnung erfuhr, den Satz prägte: Der Gedanke der Motorisierung ist für das NSKK. kein ausschließlich technischer Begriff, sondern ein Ideengut", so will er damit zum Ausdruck bringen, daß eine Gliederung der NSDAP, mfr bann bie innere Berechtigung hat, ein ©onbergebiet, wie im Falle des NSKK. das ber Kraftsahrt, zu betreuen, roenn fie hierfür auch bas erforberliche weltanschauliche Rüstzeug besitzt. Um ber vom Führer gestellten Aufgabe gerecht zu werben, muß bas Korps neben feiner weltanschaulichen unb charakterlichen Festigung auch grünbliche sportliche unb fahrtechnische Kenntnisse besitzen unb hierfür eine gewisse handwerkliche Fähigkeit nicht vermissen lassen. Seinen Anforderungen an den Ausbildungsstand des Korps sind die im Rahmen des Reichswettkampfes gestellten Aufgaben zugrunde gelegt. Der Reichswettkampf des RSKK. umfaßt acht Leistungsprüfungen, von denen vier den Spezialaufgaben des Korps befonbere Rechnung tragen. Um eine einheitliche Durchführung zu gewährleisten, sind besondere Ausführungsbestimmungen erlassen und ein Bewertungsbuch für die einzelnen Leiftun- Die 1. Mannschaft der Teutonen zeigte nach einem recht vielversprechenden Anfang und nachdem sie 2:0 klar in Führung lag, ein recht zerfahrenes Spiel. Anschließend an den zweiten Erfolg gab es manch sichere Sachen für die Platzbesitzer, die im Ueberetfer ausgelassen wurden. Als dann die Gäste durch zwei kurz hintereinander fallende „--- - __ - . Tore zum Ausgleich kamen, war es um die Einheit Lang-Gons I — 1846 Otefeen, C$aJ)n &Ienvßtnten); der Mannschaft geschehen. Verzweifelte Anstrengun- Garbenteich — Lützellinden, (Becker); Mto Gießen gen einzelner Spieler genügten allein nicht mehr, — 1900 Gießen, (Jung, Klem-Lmden), Krofdorf um den Sieg sicherzustellen. Bei der nötigen lieber- Ruttershausen, (Hörr, Launsbach); Staufenberg — und beim Einhalten der zu Anfang gezeigten Wißmar, (Faber, Lang-Göns), 8 6 4 b c d e i g h N fi M HkW I ■ !»!■ i 8 7 6 5 4 3 2 1 Sckwar,: Kd5 8^3. Sg4. BfS (4) M MSN M 8 6 3 2 Sticiß: Kc7, TeS, Lab, Lgb, Be», d4 (6) ÄB ■■■ W W*W W ■ B MA» ■_a Bi<_ «bedefgh a b c d e f g b Korf VVe'i Verkäufe Arbeitsplerd 11 F. alt, ein- u. zweispänniggef., zu verkaufen. Tauschen, tracht, tzahrkuh ein. “"d Otto Schmidt Hausen b. Gieß. Eine Partie werkel zu verk. muD Wieseck, Kirchstraße 24. Verschiedenes | Fachmann sucht gutgehende Helifiso Sputftö. Boumelfler Versammlung Freitag, 8. d. M. 20Ubr,Hess.Hof. GdiirMall in Gießen zu pachten. Schriftliche Angebote u. 6410V an den Gießener Anzeiger erbeten Verlobungs-Anzeigen bei Brühl, Bcbulstr.7 MkWlkl Gießen mssD Freit., 8. Nov., 20 b. 22.15 Uhr 6. Freit.-Abonn. Preise von 0,50 bis 2,50 RM. Holzavvel. Ein lüft. Bolksst o. H. A. Weber. Bekanntmachung. Bett.: Strahenbahnverkehr nach dem Reuen Friedhof. An den Tagen: Mittwoch, Sarnstaa und Sonntag fahren die Straßenbahnwagen nach 16 Uhr nur nach Bedarf durchgehend bis zum Neuen Friedhof. Ab 27. Rovember 1935 verkehrt ber letzte Wagen nach bem Neuen Friedhof um 16 Uhr ab Bahnhof; 16.07 Uhr ab Marktplatz. Letzter Wagen ab Friedhof 16.27 Uhr. 6406V Gießen, den 6. November 1935. Städtische Betriebe — Direktion: Lotz. ManhläcCO von3 b,s 20 v-erhalten Sie bei wieder^ HuCniäbSu holten Veröffentlichungen einer Anzeige! Fahrrad-Bornemann jetzt: Neuen Bäue 22 saaoA im Hause der Stadt post Viele meiner Kunden legten sich ein Spezial-Photoalbum für ihre Familie an. Soweit Bilder der Vorfahren aufzutreiben waren, kamen sie natürlich hinein. Und jetzt folgen Bilder der Gegenwart, vor allem der Kinder in allen Lebensjahren. Wollen Sie das nicht ver suchen? Ich berate Sie gern. Photo - Kino Kreuzplatz 9 Uns dem Wuhan öet detüerge M öeimat find umgeben: 2 Stück gut erhalt. 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Zum ersten Male seit vielen Jahren hat aber die gestrige Hubertusjagd 1935 einen ganz neuen und originellen Charakter erhalten. Dafür bestimmend war einmal die durch dem Adjutanten der I. Abteilung Art.-Reg. 9. Das berittene Trompeterkorps der Artillerie, das sich kürzlich schon bei dem Einzug unserer Artilleristen in Gießen die herzliche Sympathie der ganzen Gießener Bevölkerung erworben hat, führte das große Feld der Teilnehmer, Offiziere und Unteroffiziere unserer Garnison, sowie die männlichen und weiblichen Mitglieder des Reitervereins, an. Zahlreiche Teilnehmer trugen den traditionellen roten Rock der Hubertusjagd, dazu die ebenso traditionelle weiße Hose in den Reitstiefeln und die schwarze Kappe. Daneben trat die Uniform der Soldaten stark in den Vordergrund. Es war ein farbenfrohes und interessantes Bild, das sich in diesem Zuge vor den Augen der vielen interessierten Zuschauer in den Marschstraßen (von der Artillerie-Kaserne durch die Kaiserallee über den Ludwigsplatz, dann Neuen Räume des Offiziersheims für die Mendveranstal- tung durchgeführt. Der Charakter des Tages fand dabei überall seinen sinnfälligen Ausdruck. An der Haustür des Offiziersheims trat diese Eigenart zuerst in Erscheinung: hier mußten die Besucher, um in das Haus gelangen zu können, eine kleine Hürde in Gestalt eines Tannenbäumchens, das quer am Fußboden lag, überschreiten; etwa eineinhalb Meter weiter, an der Tür des Windfangs, war eine zweite Hürde, ebenfalls aus Tannen, aufgebaut, die aber so hoch war, daß die Besucher sie überspringen mußten. In eindrucksvoller Weise wurde sodann in der Vorhalle daran erinnert, daß diejenigen, die freudvolle Stunden verleben, dabei auch die Pflicht haben, derer zu gedenken, die einen schweren Kampf Das Hecht im Dritten Heich. Arn Dienstag behandelte im Jungjuristen-Schu» lungslager auf dem Gleiberg Professor Nr fröhlich das Thema „Die Gegenwartsbedeutung der deutschen R e ch t s g e s ch i ch t e". Er wies einleitend darauf hin, daß von dem gewaltigen Umbruch, der sich im politischen und geistigen Leben Deutschlands vollziehe, stärker noch als andere Gebiete das Recht betroffen werde. Daraus ergebe sich nicht nur die Notwendigkeit -einer vertieften Besinnung auf das Wesen des Rechtes und seine Aufgaben in der Volksgemeinschaft überhaupt, sondern es tauche auch die Frage auf nach der fortdauern- ff M - * 1 •■.V; V T* . v. X # ' Rodheimer Straße zur Stadt zurück, wo ein gemütliches Beisammensein im Hotel Schütz den Abschluß der interessanten Jagd bildete. Die Jagd ist aus! Das Halali ist verklungen! * Am Abend vereinigten sich die Teilnehmer der Jagd noch zu einer geselligen Feier in den Räumen des Offiziersheims in der Zeughauskaserne. So originell und eigenartig wie der Verlauf der Hubertusjagd selbst war auch die Ausschmückung der den Daseinsberechtiguna der einzelnen überkommenen rechtswissenschaftlichen Disziplinen. Vor allem gelte das letztere für die rechtsgeschichtlichen Fächer, bei denen eine am Aeußerlichen haftende Auffassung vielleicht am ersten der Annahme zu- neigen könnte, daß ihnen im Hinblick auf die drängenden Aufgaben des Tages keine, oder nur eine geringe Gegenwartsbedeutung beizumessen sei. Um eine Antwort auf die Frage nach dem Ge- genwartswert der deutschen Rechtsgeschichte zu tinben, unterzog der Vortragende zunächst eine An- aus dieser Pflicht des Gedenkens die Bereitschaft zur helfenden T a t erwachsen muß. Deshalb erging in dichterischer Form an alle Besucher die Aufforderung: Spendet an diesem frohen Abend für die Winterhilfe! In den Räumen selbst trat der Charakter der Hubertusjagd in vielfältiger Weise zu Tage. Vor allem fiel dabei inmitten von Tannengrün und herbstlichen Blätterzweigen ein H i r s ch k o p f mit dem goldenen Kreuz zwischen dem G e - Nach öer Fuchsjagd. Von rechrs nach ltnks: der Master, Generalleutnant Lüdke; die drei Hubertusritter, die den Fuchsschwanz griffen, Unteroffizier Thöne,!. Abt. Art.-Regt. 9, Oberleutnant und Adjutant Lenns, I. Abt. Art.-Regt. 9; Feldwebel Finke, 13. Komp. Jnf.-Regt. 36; der Kommandeur der I. Abt. Art.-Regt. 9. Hauptmann Welte. den Einzug unserer Artillerie-Abteilung vergrößerte Garnison, zum anderen die interessante Eigenart der Durchführung der Jagd. Der erste Teil des Geschehens wickelte sich in unserer schönen Artillerie-Kaserne und zwar in einer Stall ga He ab. Dort trafen sich die Jagdteilnehmer um 11.15 Uhr zu einem Frühstück auf der Stallgasse des Stabsstalles. Mit vielen Sprüchen und geschmackvollen Silhouetten geschmückt bot dieses Heim der Stabspferde das Bild eines vorbildlich, mit Liebe und Sorgfalt gepflegten Stalles, wie man es so leicht wohl nicht wieder finden wird. In der Mitte der Stallgasse stand ein langer Tisch, die Pferde standen — entgegen dem üblichen militärischen Dienstgebrauch — mit den Köpfen zur Stallgasse angebunden und blickten so dem fröhlichen Treiben zu, das sich in der Stall- aasse abspielte. Die Jagdteilnehmer saßen auf Armeesätteln, die auf Schemeln lagen, und verzehrten gemeinsam in fröhlicher Stimmung das Frühstück der Hubertusjagd: Linsensuppe mit Würstchen. Das Essen wurde von jungen Rekruten in Drillichanzügen gereicht, die Brötchen wurden in Futterschwingen angeboten. Jeder neue Gast wurde begrüßt durch die Jagdklänge der Hifthorn-Bläser, Die im roten Rock am Stalleingang standen. Die ganze Aufmachung, für die bewährte Kräfte des Artillerie-Offizierskorps verantwortlich zeichneten, war so recht dazu anzahl wichtiger zugleich für das Rechtsleben der Gegenwart bedeutsamer Einzelprobleme an der Hand der Ergebnisse der neueren rechtsgeschichtlichen Forschung einer Betrachtung. Er behandelte dabei die Frage der Entstehung des Privateigentums und der Stellung des Geschlechtsältesten im germanischen Recht, die Frage der Bedeutung der germanischen Todesstrafen und die des Verhältnisses zwischen römischem und deutschem Recht. Bei einem Rückblick auf die Wege, die die deutsche rechtsgeschichtliche Forschung in bezug auf die behandelten Fragen eingeschlagen, und auf die Ergebnisse, die sie erzielt hat, zeigte sich, daß hier von der Wissenschaft eine Arbeit geleistet sei, die im besonderen Maße solchen Erscheinungen gelte, die als tragende Pfeiler der künftigen Rechtsentwicklung in Betracht kämen. Die Erörterungen über die Entstehung des Sondereigentums und die Stellung des Geschlechtsälteften lenkten den Blick mit Notwendigkeit auf das neubelebte Anerbenrecht, die Ausbildung einer Jndioidualfukzeffion in ein Erbgut bestimmten Charakters. Es ergebe sich, daß unsere Erbhöfe anknüpften an germanische Einrichtungen von universaler Bedeutung, die später allerdings zum Verblassen gekommen seien, daß das Reichserbhofgesetz daher in einem tieferen Sinn, als man gemeinhin annehme, Recht habe ir feinem Dor» sprach, wenn es hier von der Sicherung alter deutscher Erbsitte rede. Gehöre das, was soeben bemerkt j wurde, in den Zusammenhang „Blut und Boden", ! so drehe es sich bei dem was wir jetzt über die ursprüngliche Natur der germanischen Todesstrafen wissen, um das Problem „Rasse und Recht". Es trete uns hier der Gedanke entgegen, daß entartete Geschöpfe als dem Volksganzen schädlich auszu- merzen seien, daß also schon sehr früh bei unfern Vorfahren der Trieb nach Reinhaltung der Rasse lebendig gewesen und zur Anerkennung im Rechtsleben gelangt sei. Und für die Beurteilung des Rezeptionsoorganges, auf dem ja ein großer Teil unseres heutigen Rechtselendes beruhe, werde natürlich ein ganz anderer Standpunkt gewonnen, wenn wenn nicht von der früher häufiger begegnenden Ueberberoertung des römischen Rechtes ausgegangen werde, sondern wenn auch die Momente Berücksichtigung fänden, die dem deutschen Recht auf Grund der neueren Forschung eine gesteigerte Bedeutung nach Ausdehnungsbereich und Gehalt zu« mäßen. weih (das goldene Kreuz war durch elektrische Fadenbeleuchtung im Innern des Kreuzes wirkungsvoll gestaltet) auf, der an die Sage erinnerte, daß der Schutzpatron der Jägerei, Hubertus, an einem Feiertage beim Jagen einem Hirsch mit einem goldenen Kreuz zwischen dem Geweih begegnet und dadurch zur Buße geführt worden sei. Die Räume zeigten auch im übrigen viele Anklänge an den Inhalt des Tages. So 'waren z. B. auf sämtlichen Tischen kleine Nachbildungen von Hürden, wie man sie auf den Rennbahnen in Gestalt von Stangen-, Hecken-, Mauerwerk- usw. Hindernissen sieht, aufgestellt, jede dieser kleinen Miniatur-Hindernisse rechts mit dem für die Rennbahn geltenden kleinen roten Wimpel, links mit dem kleinen weißen Wimpel geschmückt; dabei war jede Tischdekoration in sich gestaltet und mit gutem Geschmack hergerichtet. Es zeigte sich auch hlerbei, daß kundige und erfahrene Kräfte diesen reizvollen Ausklang der Hubertusjagd fachmännisch vorbereitet hatten. Das Hubertusfrühstück in der Stallgasse. Im Vordergrund (rechts sitzend, beim Aufgeben der Suppe) Generalleutnant Lüdke; ihm gegenüber (im Vordergrund sitzend) Hauptmann Welte. einer Fülle ausschütten? Johannes Jacobi. Wirtschaft 1232: sen feierte, das zerschlägt alles Gerede von künstlerischen Autarkie des Dritten Reiches. Fidelio" au1 Rütgerswerko, logen behauptet. Elektropapiere konnten sich zumeist behaupten, leicht abbröckelnd■ waren Licht & Kraft und Gesfürel, andererseits stiegen Felten um 0,75 v. H. auf 103. Don Montan-' werten eröffneten Hoesch mit 91 (91), Mannesmann mit 81 (81,13), Rheinstahl mit 104,65 (104,50) und Stahlverein mit 78,65 (78,25). Don Zellstoffwerten ließen Aschaffenburger weiter etwas nach, Feldmühle Papier lagen unverändert. Im einzelnen notierten Aku mit 53,75 (53), Conti Gummi mit 155,75 (155), Reichsbank mit 175,50 (175), Hapag mit 15,50 (15,25), Metallgesellschaft mit unverändert 103,50, Daimler mit unverändert 91,75 und Bank für Brauindustrie mit 114,50 (115). Der Rentenmarkt lag ebenfalls still bei gut behaupteten Kursen. Altbesitz 112,50, späte Schuldbuchforderungen 97,13, Zinsvergütungsscheine 90,65, Kommunal-Umschuldung blieben auf Basis der Berliner halbamtlichen Notiz gefragt. Don Auslandrenten lagen Ungarn Gold mit 9,75 (9,60) etwas fester. Der Verlauf brachte bei kleinsten Umsätzen keine Veränderungen von Belang, leicht abbröckelnd waren Aku mit 53,50 nach 53,75. Etwas schwächer lagen MAN. mit 91 (92), Feinmechanik Zetter mit 79,75 (80,50) und Hanftverke ' Füssen mit 83,75 (84,25). Am Rentenmarkt lagen Kommunal-Umschuldung etwas lebhafter und höher, Altbesitz gaben auf 112,40 (112,50) nach. Der Pfandbriefmarkt lag still und unverändert. Stadtanleihen notierten zumeist behauptet, etwas niedriger 4,5proz. Darmstadt von 1926 mit 90,50 (91), 4,5proz.Darmstadt von 1928 mit 93 (93,25), etwas höher 4,5- (6)proz. Frankfurt von 1926 mit 91,25 (91). Auslandrenten lagen geschäftslos. Am Kassamarkt wurden Badische Assecur-anz mit 37 (40), Schriftgießerei Stempel mit 63 Br. rat. (63,75) notiert. Für Ludwigshafener Walzmühle soll morgen auf Basis von 148 (155) eine Notiz versucht werden. Tagesgeld unverändert 2,75 v. H. Abendbörse behauptet. Die Abendbörse nahm wohl einen sehr ruhigen Verlauf, die Grundtendenz war aber etwas freundlicher, nachdem im Mittagsschlußverkehr meist Abschwächungen einqetreten waren. Leicht erholt waren durchweg Montanwerte, IG. Farben notierten unv. 147,65, während Kunstseide Aku auf niedrigere Meldungen aus Amsterdam auf 53,40 (53,75) nachgaben. Auf den übrigen Marktgebieten konnten sich die Mittagsschlußkurse behaupten. Am Kassamarkt lagen Seilindustrie Wolff fester mit 74,90 (73,50), dagegen büßten ZG. Chemie Basel >. H. auf 166,50 ein. Don Bank- mit Schweden ohne Verzögerung. Neue Einfuhrbeschränkungen in der Schweiz u. a. für Kleidungsstücke aus Baumwolle, Leinen, Ramie usw Nhein-Mainische Börse. Mittagsbörse ruhig. der herrlichen Aufführung von Mozarts „Cosi f a n tutte“ beschwor, stand auch über dieser Erneuerung eines klassischen Werkes: Clemens Krauß, der Dirigent, Rudolf Hartmann, der Spielleiter, und Ludwig Sievert, der Bühnenbildner, den Krauß seit dem gemeinsamen Wirken 112,65 (112,50) an. Im übrigen ergaben sich keine Veränderungen. Auslandsrenten lagen still. U. a. notierten: Altbesitz 112,65, 5proz. Stahlverein 97,25, 6proz. Stahlverein 102,75, Reichsbahn- Vorzugsaktien 12,50, 4proz. Ungarn Gold 9,70, 4proz. Rumänen 4,80, 4proz. Schweiz. Bundesbahn 189, 5proz. innere Mexikaner 4,90, Commerzbank 84, DD.-Bank 84, Dresdner Bank 84, Reichsbank 175, Harpener 106,90, Klöckner 83,40, Mannesmann 80,13, Rhemstahl 104, Laurahütte 20,50, Stahlverein 78, Aku 53,40, Bekula 141,25, Bemberq 104,75, ZG. Chemie volle 166,50, dto. leere 135,50, Daimler 91,25, Deutsche Linoleum 138, Licht & Kraft 128,75, ZG. Farben 147,65, Gesfürel 121,25, Goldschmidt 104, Holzmann 88, Lahmeyer 131, Metallgesellschaft 103,50, Schuckert 117, Zellstoff Waldhof 109,50, Südd. Zucker 210, Hapag 15,25. Oper und Konzerte in Berlin Musikbrief aus der NeichShauptsiadt. Frankfurt a. M., 6.Nov. Die Mittagsbörse eröffnete auf allen Gebieten in außerordentlich ruhiger Haltung. Die Zurückhaltung der letzten Tage hat sich noch verstärkt, auch von der Kundschaft lagen Aufträge nur \x\ ganz geringem Umfange vor. Wirtschaftliche Anregungen besonderer Art waren ebenfalls nicht vorhanden. Die Kurse wiesen gegenüber gestern nur Veränderungen um Bruchteile o. H. auf. Am Aktienmarkt notierten ZG.-Farben mit 148 (148,25), 'Scheideanstalt, Deutsche Erdöl und volleinbez. 2 d. , aktien gingen Commerzbank auf 84 (84,25) zurück. Der Rentenmarkt lag freundlich, das Geschäft war allerdings sehr klein. Höher gesucht blieben Kom- munal-Ümschuldung, ferner zogen Altbesitz auf Auch in der mit Musik verwöhnten Reichshaupt- stadt geschieht es nur selten, daß im Konzertsaal zwei unübersteigbare Gipfel so dicht zusammenstehen, wie diese Furtwängler-Konzerte und die zwei Klavier-Abende des französischen Meisterpianisten Stiftet) Cortot. Er bot eine Gegengabe unseres westlichen Nachbarvolkes für die alljährlichen Gastspiele unserer Philharmoniker in Paris. Jubel hier wie dort. Und mit Recht! Cortot, einmalig in seiner Vereinigung französischer Klarheit und nachschaffender Genialität, spielte vorwiegend Chopin und Schumann. Seine Abende waren Entdeckungsfahrten in vertraut gewöhntem Lande. Er befreit Chopin von der weichlichen Verzärtelung, die seine Musik bisher erfuhr, und eröffnet den Ausblick auf eine Architektur, die man kaum ahnte. Von der technischen Meisterschaft dieses vergeistigten Könners wollen wir ganz schweigen. Aber was durch ihn an seelischem Gehalt sichtbar wirt), wie der Franzose der deutschen Romantik eines Schumann nicht nur gerecht wird, sondern seine Musik als die Empfindung an sich darbietet, das ließ es verständlich erscheinen, daß im Saale berühmte deutsche Pianisten laßen, lauschten und aus dem Staunen Über die Magie dieser Kunst nicht herauskamen. Wie das musikliebende Berlin den großen Franzo- l Wohllaut feiner Stimme zu einer metaphysischen Transparenz des Klanges vergeistigte, die S ch u - berts „Winterreife" mit dem Adel reifster Kunst erfüllte. Daneben kann sich der frauenhaft hohe Tenor Karl Erbs mit Anstand behaupten, denn der Liedgestalter Erb erreicht eine Lauterkeit des Vortrags, die dem Opernsänger Erb nicht immer gegeben war. Man müßte Elly Ney ausführlich würdigen, denn es ist eine künstlerische Tat, wenn die herrliche Pianistin an einem Abend vier Klavierkonzerte mit den Philharmonikern spielt, wenn das Orchester ohne Dirigenten (!) mit absoluter Zuverlässigkeit begleitet (darunter Beethovens Ls-ckur-Konzert und Strauß' Burleske?) und der Solistin die Freiheit zu tiefstem Nachschaffen gewährt. Schönheiten über Schönheiten! Wo hat die Welt eine solche Dichte musikalischer Kultur aufzuweisen, wie sie wenige Herbstwochen in der deutschen Reichshauptstadt in beglückender in Frankfurt a. M. besonders schätzt und für mehrere Gastaufträge verpflichtete. Auf den harmonischen Dreiklang dieser Arbeitsgemeinschaft baut sich Mozarts Grazie ebenso organisch auf, wie die stürmende Ausdrucksleidenschaft Beethovens. Die Schwierigkeiten jeder „Fidelio"-Aufführung liegen ebenso sehr in den stimmlichen Anforderungen, die der vorwiegend instrumental denkende Komponist feinen Sängern zumutet, wie in der Doppelgestalt dieses Werkes, das eine Oper ist, aber ständig den Symphoniker verrät. Hier muß sich der Dirigent entscheiden. Clemens Krauß' Dirigentenstab weist eindeutig nach der Bühne, zu den Sängern, zur Kultur alles Stimmlichen, zur Oper mit dramatischen Aufschwüngen von elementarer Kraft. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen dem auch als Operndirigent stets symphonisch gestaltenden, früheren Operndirektor Furtwängler und der neuen Stilrichtung an der Staatsoper am sinnfälligsten. (Furtwängler erscheint übrigens in diesen Tagen als Gast wieder am Pull der Staatsoper!) Krauß erreichte eine packende, ja erschütternde Darstellung des Beethovenschen Schmerzenskindes. An dieser Wirkung war die zweifellos sehr sorgsame, dramatisch geraffte Orchesterführung in nicht geringerem Maße beteiligt, als der Einsatz von Sängern, die den gewaltigen Ansprüchen Beethovens in einem selten erreichten^Grade gerecht wurden: Franz Völker, ein vollendeter Florestan, der ftimmge- waltige Jaro Prohaska, der aus dem Theaterbösewicht Pizarro eine markante Charakterstudie machte und Diorica U r f u l e a c, deren bezaubernder Liebreiz in Stimmkultur und Darstellungskunst in der Verkörperung der Leonore zum erstenmal eine Grenze der Künstlerin nach der Richtung der hochdramatischen Heroine erkennen ließ Das Berliner Musikleben empfing in den letzten Wochen seine stärksten Antriebe vom Konzertpodium her. Don. den Opernhäusern wartete lediglich die Staats o per mit einer Neuinszenierung des ....... if. Das Dreigestirn, das den Glanz Aufführung von Mozarts „Cosi Der symphonische Beethoven überwältigte einige Tage vorher in dem dreimal ausverkauften Saal der Philharmonie mehr als sechstausend Menschen, als Wilhelm Furtwängler die neunte Symphonie im zweiten Philharmonischen Konzert aufführte und zu Ehren des Bruno Kittel- scheu Chores eine Wiederholung folgen ließ, in der dieser unvergleichliche Oratorien-Laienchor zum hundertsten Male feinen Dienst an der Schlußodc versah. Aeußerlich ein Ehrenabend, durch die Anwesenheit des Führers mit zahlreichen bedeutenden Persönlichkeiten und die (bereits gemeldete) lieber« reichung der Goethemedaille an Bruno Kittel ausgezeichnet, innerlich ein Erlebnis, dessen erschütternde Monumentalität sich jeder Beschreibung entzieht. Wenn von einer authentischn Deutung dieser Symphonie überhaupt die Rede fein darf, dann ist sie heute von Furtwängler und „seinen" Philharmonikern in einem beispiellosen Ausmaße erreicht. Ein Genie hat seinen kongenialen Mittler gefunden — selbst dem kritischsten Hörer bleibt angesichts dieser Einheit von Schöpfung und Nach« fchöpsung nichts als demütiger Dank für die Gnade solcher Verwirklichung höchster Menschheitsträume. Aber auch von deutscher Seite hoben sich aus dem Betrieb, der täglich zwei bis_ vier Konzerte verzeichnet, einige überragende Könner mll Leistungen heraus, die jeden Kunstfreund mit berechtigtem Stolz erfüllen. Da waren die Sänger: Emmi Leisner stellte ihren fülligen All einen ganzen Abend lang in den Dienst des unbekannten Brahms und trat für feine Lieder mll einer Schlichthell des Singens und Sagens ein, die allem virtuosenhaf- ten Ehrgeiz ebenso fern, wie der versponnenen Gefühlsreinheit höchster Liedkunst nahe war. Auf dieser einsamen Höhe traf sie sich mit Paul Lohmann, einem Bariton, der den edelsten Oer Eisensteinbergbau an Lahn, Dill und in Overhessen im Oktober. Fwd. Auch der Oktober zeigt das gewohnte Bild des stetigen Auffteigens. Die Förderung betrug 79 791 Tonnen, der Absatz 83 375 Tonnen in 27 Arbeitstagen. Gegenüber dem August d. I. mit der gleichen Zahl von Arbeitstagen ist die Förderung um 3,6 v. H. gestiegen, gegenüber dem Oktober des Vorjahres um 39 o.H. Förderung und Absatz des Vorjahres waren bereits im September d. I. erreicht bzw. überstiegen. Die Belegschaft ist ebenfalls im dauernden Aufstieg begriffen. Mit den im Monat Oktober vorgenommenen Neueinstellungen vermehrte sie sich seit Anfang des Jahres um rd. 800 Köpfe. Der Haldenbestand hat im Laufe des Jahres um rd. 40 000 Tonnen abgenommen und beträgt heute noch ca. 20 v. H. des Höchststandes von Anfang 1932. Im Monat Oktober wurden rd. 900 Bohrmeter bei den Untersuchungsarbeiten nieder« gebracht. Die gesamte Bohrleistung beträgt bis heute ca. 9000 Meter in 70 Bohrlöchern. Schlußscheine und Abrechnungslisten. Fwd. Der Schlachtviehverwertungsverband Hessen- Nassau tellt mit, daß die Käufer von Schlachtvieh im Gebiet der Kreisbauernschaft Ober« Hessen-West, Friedberg (politische Kreise Gießen, Büdingen, Friedberg und Usingen) die Originale der Schlußscheine, und die Verkaufsver- mittler die Abrechnungslisten an die zuständige Kreisbauernschaft innerhalb einer Woche nach Ausstellung einzureichen haben. Landessachschast der Getreide- und Luttermittelverteiler. im Gelreidewirtschaftsverband Hessen-Nassau. Zu dieser Fachschaft gehören, wie die Pressestelle der Landesbauernschaft Hessen-Nassau mitteilt, nicht nur die Getreide- und Futtermittelverteiler und auch Agenten, sondern auck die Verteiler von landwirtschaftlichen Bedarfsstoffen, Düngemitteln, Samen und Saaten, sowie die Verteiler von Rauhfutter und Hülsenfrüchten. Also auch alle diese Verteiler haben sich sofort zur Landesfachschaft der Getreide- und Futtermittelverteiler, Geschäftsstelle Frankfurt a. M., Bockenheimer Landstraße 55II, anzumelden. Die Zndustrie- und Handelskammer Gießen gibt Aiiskunft: 1229: Umfassender deutsch-polnischer Wirtschaftsvertrag. 1230: Erleichterung der Bezahlung von Zöllen im Wege des Verrechnungsverkehrs mit den Niederlanden. 1231: Zahlung von Geschäftsreisekosten nn Verkehr Jranffurfer Getreidebörse. Frankfurt a. M., 6. Nov. Der Getreidegroßmarkt brachte gegen den Montagsmarkt keine Veränderungen. Das Geschäft nahm durchweg einen sehr stillen Verlauf. Zn den Angebots- und Absatzverhältnissen blieb die Lage unverändert. Es notierten (Getreide je Tonne, alles übrige je 100 Kilogramm) in Mark: Weizen W13 203, W16 206, XV19 210, W 20 212. Roggen R12 166, R15 169, R18 173, R19 175 Großhandelspreise der Mühlen der genannten Preisgebiete. Sommergerste für Brauzwecke 200 bis 2J0, Weizenmehl W13 27,95, W16 28,20, W19 28,20, W20 28,55. Roggenmehl R12 22,45, R15 22,80, R18 23,30, R19 23,50 plus 0,50 Mark Frachtausgleich. Weizennachmehl 17,10 bis 17,25, Weizenfuttermehl 13,50, Weizen« fleie W13 10,65, W16 10,80, W 19 11, W 20 11,10. Rogaenkleie R12 9,95, R15 10,15, R18 10,40, R 19 10,50. Mühlenfestpreise ab Mühlenstation. Soya- schrot m. M. 16,20, Erdnußkuchen m. M. 18,30, Palmkuchen m. M. 16,80. Trockenschnitzel 8,80 Großhandelspreis ab Fabrik-Station. Heu 8 bis 8,50. Weizen- und Roggenstroh drahtgepreßt 3,20 bis 3,40, do. gebündelt 3 bis 3,20. Frankfurter Schlachtviehmarkt. Frankfurt a. M., 7.Nov. (Vorbericht.) Um 10 Uhr war folgende Marktlage: Vorauftrieb. 22 Rinder (1 Bulle, 19 Kühe, 2 Färsen), 625 Kälber, 565 Schafe, 300 Schweine. Es kosteten: £uitrer 50 bis 75 Mark, Hämmel 44 bis 48, Schäfe28 bis 42, Schweine 51 bis 57 Mark. — Marktverlauf: Kälber mittelmäßig, Hammel und Schafe lebhaft, Schweine wurden zugeteilt. Viehrnartt in Nidda. 0 Nidda, 6. Nov. Zum heutigen Viehmarkt waren 575 Schweine und 75 Stück Großvieh, darunter 23 Stück der Viehverwertungsgenossenschaft, aufgetrieben. Schweine im Aller von 6 Wochen kosteten 14 bis 17 Mark, von 6 bis 8 Wochen 17 bis 22 Mark, 8 bis 12 Wochen alte 22 bis 30 Mark, Läuferschweine 30 bis 60 Mark. Die Preise für Großvieh waren recht gut. Rinder von V« bis 1 Jahr kosteten 100 bis 250 Mark, tragende Kalbinnen 400 bis 450 Mark. Frischmelkende Kühe waren sehr gesucht. Schöffengericht Gießen. Der K. W. und der K. A., beide aus Großen- Buseck, wurden zu Gefängnisstrafen von je einem Monat verurteilt. Bekanntlich wurde am 9. Mai d. I. der Arbeiter Otto Dambmann aus Großen-Buseck durch herabstürzende Gesteinsmassen so schwer verletzt, daß er an einem durch die Verletzungen eingetretenen Kreislaufkollaps am 9. Mai verstarb. Die Angeklagten hatten es unterlassen, gefahrdrohende Abraummassen auch an außer Betrieb befindlichen Stellen zu beseitigen und durch geeignete Vorrichtungen abzusperren. Wegen eines Vergehens nach § 114 StGB., sowie wegen eines Vergehens gegen § 187 StGB, wurde der I. W. W. aus Nieder-Florstadt zu Gelöst r a f e n von je 60 Mark und in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Der Angeklagte stellte in einer Wirtschaft unwahre Behauptungen bezüglich eines Gendarmeriehauptwachtmeisters auf. die geeignet waren, den Beamten verächtlich zu machen. Dem Beleidigten wurde Publikationsbefugnis zu- gesprochen. Der Karl Ri em ar a aus Witten wurde weaen versuchten Betrugs und Vergehens gegen das Gesetz gegen heimtü^ische Angriffe auf Partei und Staat und zum Schutze der Parteiuniform zu einem Monat Gefängnis verurteilt Der Anaekl.-'ate versuchte sich durch Vorinieaelung falfch"r Tatsachen, er fei SS.-Mann, in Vilbel einen Geldbetrag zu beschaffen. ‘Hunbfimfontaromm. Freitag, 8. November. 6 Uhr: Choral. Morgenfpruch. Gnmnastik. 6 30: Frühkonzert Zn der Pause: 7: Nachrichten. 8.10: Gnmnastik. 8.30: Bauernfunk. 9.20: Bunte Unter» Haltungsstunde. 1015: Schulfunk. 10 45: Praktische Ratschläge für Küche und Haus. 11.20: Nachrichten. 11.45: Soüaldienft. 12: Mittagskonzert I. 13: Nachrichten. Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert IT. 14: Nachrichten. 1410: Allerlei zwischen Zwei und Drei. 15: Wirtschaftsbericht. 15.15: Bücherfunk. 15 30: Stephan Ludwig Roth. Der Volksheld der Siebenbürger Sachfen. 15.15: Aus Fritz Reuters „Hanne Nüte". Anläßlich feines 125. Geburtstages. 16: Konzert. 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Deutscher Sozialismus im Aufbau der Nation Es spricht der ©nubeauftraate de« Winterhilfswerkes des deutschen Volkes 1935'36: Pg. Haug. 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tagesspiegel des Reichsf"nders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: Eine Faust-Sinfonie (nach Goethe) in drei Charakterbildern für aroßes Orchester. Tenor« Solo und Mannerchor. 21.30: Der Kaiserstuhl — Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter den Papieren angeführten Ziffern geben die Höhe der zuletzt beschlosfenen Dividende an. — Relchsbankdiskont 4 o. H.. Lombardzinsfuß 5 v. H. Datum 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche ReichSanl. von 1984 By,% Doung-Anleihe von 1930 .. Deutsche Anl.-Ablös.-Schuld mit Au-los.-Rechten ............. 4*/i% Deutsche ReichSpostschatzan Weisungen von 1934, I....... 6% ehern.8% Hess. BolkLstaat 1929 srückzahlb. 102%)............ 4H% ehern. 8% Hessische Landes banl Darmstadt Gold R. 12.... 6%% ehern. 4yt% Hess. Landes- Hypothekenbank DarmstadtLiqui 4%% ehern. 8% Darmst. Komm Landesb.Goldschuldverschr. R. 6 Oberhessen Provinz-Anleihe mit Auslos.-Rechten ............. Deutsche Komm. Sammelabl. Anleihe Serie 1 mit AuSIos.-Rechten 4yz% ehem.8% Franks. Hyp.-Bank Gvldpfe. 15 unkündbar bis 1935 6fc% ehern. 4-/z% Franks. Hyp.. Bank-Liqu.-Psandbriese....... 5H% ehern. V/t% Rheinische Hyp.-Bank-Ltqu.^Soldpfe..... *y'i% ehern. 8% Pr. Lande-Pfand- vriefanstalt, Pfandbriefe R. 19 4%% ehern. 7% Pr. Landespfand. briefanst., Gold Komm. Cbl.VI Eteuergutsch.BerrechnungSk. 34 38 4% Oesterreichische Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrente 4% Ungarische Goldrente....... 4% Unflattfd)e StaatSrente v. 1910 4H% be4ßl. von 1913.......... 6% abgest. Goldmexikaner von 99 4% Türkische Bagdadbahn-Anleihe Serie i..................... Frankfurt a.D). Berlin Gchluß- hird Schluß!. Abend» börse Schluß- hird Schluß!. Mittag- börse 5-1L 6.11. 5.11. 6.11. 100,4 100,4 100,5 100,5 97,75 97,75 97,75 97,75 102 101,25 101 102 112,5 112,65 112,5 112,6 — 100,5 100,7 100,7 96,75 97 96,75 — 96,25 96,25 96,13 — 100,5 100,5 — — 91,65 91,75 — — — — — — 113,25 113,25 113,25 113,4 96,25 96,25 — - 100,65 100,75 — — 100,9 100,9 100,5 100,75 97 97 97 97 97 97 97 97 107,75 107,75 107,75 107,75 _ 30 30 30 1,25 1,25 1,25 — 9,6 9,7 9,65 9,8 9,45 9,65 — 9,7 9,4 9,65 9,6 9,7 10,2 10,4 10,5 10,7 M8 9,25 9,6 — Frankfurt fl. M Zerltn Schluß- kurs Schluß!. Abend- börsc Schlußkurs Schlußk. Mittag- börse Datum 5 11 6.11. 511 6.11 4% vergl. Serie n ............ 5% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 4^2°/L>Rumän.vLreinh.Rentev.l913 4% Rumänische vereinh. Rente .. 2%% Anatolier ............... Hamburg-Bmerika-Paket .....O Hamburg-Südam. Dampfschiff. O Norddeutscher Lloyd .........0 81.®. für Verkehrswesen Akt. .. O Berliner Handelsgesellschaft ... 6 Commerz, und Privat-Bank ... 0 Deutsche Bank und Disconto- Gesellschaft................0 Dresdner Bank..............0 ReichSbaak ................12 A.S.G......................v Bekula.................... 10 Clektr. Lieferungsgesellschaft... 6 Licht und Kraft ...........6% gelten & Guilleaume......... 4 Aesellsch.s.Elektr.Uaternehmung. 6 Rheinische Elektrizität ........6 Rhein. Wests. Elektr..........6 Schuckert L Eo............... 4 Siemens L Halske............ 7 Lahmeyer L Co.............. 1 BudernS .............—.... 4 Deutsche Erdöl............ 4 Harpener...................O Hoesch Essen—Köln-Reuessen .. 8 Ilse Bergbau ...............6 Ilse Bergbau Genüsse........6 Klocknerwerke ...............8 Mannesmann-Röhre« ........v 9,13 5,8 4,85 38,75 15,25 17 78 110 84,5 84,5 84,5 175 36 141,4 108 129 102,25 122 129,5 121,25 117,25 163 131,5 99 102 106,5 91 152,5 125,5 84,4 81,13 5,8 4,8 38,75 15,25 17 78,25 110 84 84 84 175 36 141,25 128,75 103 121,25 128,5 121 117 163,5 131 98,75 102 106,9 91 125 83,4 80,13 9,3 8,5 4,8 15,65 17,13 78,13 110 84,5 84,5 84,5 175,25 36,13 141,25 108,25 128,75 102,75 122,25 120,75 117,25 164 131 99,25 102,13 108 90,75 151,75 125,5 84 81 5,95 8,75 4,8 39 15,5 28,65 17 78 109,5 M,& 84 84 175,25 35,9 141,25 108 129 103,5 121 129 120 117,25 162,5 131 98,5 101,5 108,75 89,65 125,13 84 80 Frankfurt a. M. Serkin Schluß- kurs Schluß!. Abend- börse Schluß- kurS Schluß!. Mittagbörse Datum 5.1b 6.11. 5.11 6.11. ManSfelder Bergbau .. ....... 5 118 117,75 118,25 118 Kokswerke........... ....... 6 113,75 113,25 Rheinische Braunkohlen ..... 12 214 — 214,5 214 Rhein stahl........... .......4 104,5 104 104,75 104 Bereinigte Stahlwerke. .......O 78,25 78 78,13 77,9 Ltavi Minen ........ .......O 18,5 18,4 18,5 18,5 Kaliwerke Aschersleben. .......6 128 127,5 127,5 127 KaliweSe Westeregeln . .......6 121,75 121,5 Kaliwerke Salzdetfurth .....IVi — 178,5 9- ®- starben-Judustrte 147,65 148,4 147,5 Scheideanstall........ .......9 216 216 — — «oldschmidt ......... ....... 5 104,25 104 105,4 105 75 Rütgerswerke ........ ....... 6 112,5 112,5 113 113 Metallgesellschaft...... .......4 103,5 103,5 104 103,65 Philipp Holzmann...........<| Zementwerk Heidelberg ......7 Sementroetf Karlstadt......... es Schultheis Patzenhofer .......4 Aku (Allgemeine Kunstseide) .. O Bemberg................... 5 eWaldhos ............5 Aschaffenburg .......0 c &ai . ...... 7 Daimler Motoren............0 Deutsche Linoleum........... e Lrenstrtn L Koppel ..........0 Westdeutsche Kaufhof.........0 Chade.................... ?>/, Accumulatorea-Fabcü....... 12 Eontt-gtummt...............g «ritzner....................o| Mainlrastwerke Höchst 4 Süddeutscher Zocker ........io| 88,75 88 88,25 88 116,5 116,65 * 130 130 —- _ 102 101,25 53 53,4 52,9 53,5 105 104,75 105,5 105 110,5 109,5 110 109,5 77,75 76,65 77,25 76,5 — 125,25 125,13 91,75 91,25 91,75 91,13 138 138 138 138 — 77,75 76,25 24,5 24,5 24,5 23,75 286,5 289,5 286,75 289,5 — — 170,75 155 155,75 154,75 156,25 28,25 28,13 28,25 28,13 88,5 88 210 210 I 210 210 Bantnoten. Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a. M 5.November 6 November Amtliche Notierung Amtliche Notierung Geld »rief Geld I Brief öuentw Sire. 0,676 0,680 0,674 0,678 Brüssel .... 42,01 42,09 41,99 42,07 Rio de Jan. 0,141 0,143 0,141 0,143 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,1)53 Kopenhagen. 54,66 54,76 54,62 54,72 Danzig..... 46,80 46,90 46,80 46,90 London ..... 12,24 12,27 12,23 12,26 HeljingforS.. 5,395 5,405 5,395 5,405 Paris ...... 16,37 16,41 16,37 16,41 Holland .... 168,80 169,14 168,80 •169,14 Italien..... 20,20 20,24 20,20 20,24 Japan ...... 0,715 0,717 0,714 0,716 Jugoilawien 5,654 5,666 5,654 5,666 SM0..... : 61,46 61,58 61,41 61,53 Wien...... 48,95 49,05 48,95 49,05 t'Uiabon ... 11.10 11,12 11,095 11,115 Stockholm.. 63,09 63,21 63,05 63,17 «chweiz ... 80,82 80,98 80,81 80,97 Spanien ... 33,94 34,00 33,92 33,98 Prag...... 10,275 10,285 10,275 10,295 Budapest .. Neuyork ... 2,486 2,490 2,486 2.490 8triin,6.November Geld 23rief «merikantsche Noten.............. 2,438 2,458 Belgische Noten.................. 41,84 42,00 Dänische Noten ............,.... 54,41 54,63 Englische Noten ................. 12,195 19,235 Aranzöslsche Noten............... 16,32 16,38 Holländische Noten............... 168,38 169,06 Norwegische Noten .............. 61'25 61 ',49 Deutsch Oesterreich, ä 1OO Schilling — Rumänische Noten............... — — Schwedische Noten ............... 62 88 Schweizer Noten................. 80,63 80,95 Spanische Noten................. 33,56 33,70 Ungarische Noten................