Samstag, 7. September 1955 Nr. 209 Erstes Blatt 185. Zahrgang Eichener Anzeiger Dr. rung mitteilen, die eine Förderung der erb' gesunden Familien bedeuten? 3. Frage: Die deutsche Gesetzgebung ist anderen Staaten vielfach vorausgeeilt. Worin besteht eigentlich die deutsche Rassengesetzgebung? Dr. Frick: Die deutsche Gesetzgebung will einerseits den erbkranken Nachwuchs ein- schränken bzw. verhindern, und anderseits den gesunden und wertvollen Menschen die Fortpflanzung erleichtern. Daher müssen planmäßig die Erbkranken von der weiteren Fortpflanzung durch Unfruchtbarmachung, Sterilisation, ausgeschaltet werden. Wir streben bei Erbkranken eine möglichst freiwillige Sterilisation an und fördern daher das Verantwor- tungsbewuhtsein jedes einzelnen durch erbgesund- heitliche Erziehung. So wie man Seuchen verhindern und austilgen muß, so muh man auch Maßnahmen zur Eindämmung der Erbkrankheiten treffen, wenn das Volk nicht Schaden leiden soll. Natürlich können und dürfen die Maßnahmen der Regierung nicht nur im Negativen, im Verhindern des Schlechten und Unwerten liegen, sie müssen vielmehr auch positiv die Bevorzugung und Förderung der erbgesunden wertvollen und rassisch hochwertigen Menschen zum Ziel haben. 4. Frage: Können Sie mir, Herr Reichsminister, einige Maßnahmen der ReichsregieReichsminisler Dr. Frick, der auf dem Internationalen Kongreß für Vevölke- rungswifsenschaft in Berlin eine bedeutsame Rede über die Bevölkerungspolitik des Deutschen Reiches hielt, beantwortete einem Vertreter der „Mitteleuropäischen Korrespondenz- einige Fragen über Art, Ziel und Mittel der v o l k s b i o l o - gischen Maßnahmen des Reiches. Wir sind in der Lage, die Ausführungen des Reichsministers Dr. Frick: Die Reichsregierung war zunächst bestrebt, die natürliche Vevölkerungszu- nähme zu erhöhen, was ihr auch in sehr großem Umfange gelungen ist. Das ist unter anderem durch Gewährung der Ehestandsdarlehen versucht und erreicht worden, die vielen Zehntausenden junger Frauen und Männern, deren Eheschließung nach ärztlichem Urteil im Interesse der Volksgemeinschaft liegt, die Familiengründung ermöglichten, indem ihnen aus Reichsmitteln Darlehenbis zu 1000 Mark gewährt wurden. Diese Darlehen sind in sehr geringen Teilzahlungen tilgbar, und außerdem wird nach der Geburt jedes Kindes ein Teilbetrag erlassen. Mit dem Reichserbhofgeseh und dem Gesetz zur Neubildung des deutschen Bauerntums haben wir Vorsorge getroffen, daß der Bauernstand als wichtigste Quelle gesunden Blutes auf seiner Scholle erhalten bleibe und sorgenfreier als früher wirken könne. Das Endziel unserer Sledlungsgefehgebung ist es, möglichst vielen Deutschen ein eigenes Stück Grund und Boden zu sichern. 5. Frage: Herr Reichsminister, Sie wissen, daß im Auslande die Rassen- und Bevölke- rungspolitik des Reiches als ein Mittel zur Erreichung imperialistischer Ziele hingestellt wurde. Würden Sie zu diesem Einwand etwas sagen? Dr. Frick: Ich habe in meiner Eröffnungsansprache zum Internationalen Bevölkerungswissen- schaftlichen Kongreß in Berlin erklärt, daß das nationalsozialistische Reich aus seinen rassischen Grundsätzen und Erkenntnissen heraus ein Gegner des Krieges fei. 3n Rebern Kriege fallen die Gesündesten und Tapfersten der Nationen, meist in früher Jugend, ohne Nachkommen gezeugt zu haben. Jeder Krieg muh mit so großen Opfern wertvollsten Blutes erkauft werden, daß selbst der günstigste Friede die Verluste nicht aufzuwiegen vermag. Aus diesen Erkenntnissen ergibt sich deutlich, daß der Nationalsozialismus keine kriegerischen Verwicklungen wünscht, und daß er vielmehr sein Ziel in der Ertüchtigung und Reinhaltung des Volkstums sieht. Ich bin überzeugt, daß der eben abgeschlossene Kongreß den Vertretern aller Nationen gezeigt hat, daß das Deutsche Reich mit feiner Gesetzgebung einen friedlichen Beitrag zur Kultur der Völker leistet. an der Gesamterbmasse bedrohlich an. Das muh geändert werden, wenn anders die Kultur der Menschheit nicht in gröhte Gefahr geraten soll. Die Bevölkerungspolitik des Deutschen Reiches greift deshalb mit allen Mitteln der modernen Wissenschaft in die Entwicklung ein. Die Angriffe einer gewissen Presse gegen unsere bevölkerungspolitischen Mahnahmen sind völlig unberechtigt und sachlich unrichtig. Vor allem möchte ich feststellen, dah ähnlich wie im Deutschen Reiche auch in Dänemark, Finnland, Schweden und Norwegen, in einigen Staaten der USA. und im Kanton Waadt in der Schweiz die Sterilisation von Geistesschwachen gesetzlich geregelt ist. Weiter ist beachtenswert, dah ein so angesehenes Forum, wie es der Internationale Strafrechts- und Gefängnis- Kongreh ist, erst jüngst und der Internationale Kongreh der Eugenischen Organisationen am 21. Juli vorigen Jahres die Regierungen der Welt aufforderten, die Probleme der Erbbiologie, der Vevölkerungspolitik und der Rassenhygiene zu studieren und die Ergebnisse der Erfahrungen, die in einer Reihe europäischer Länder und in Amerika gemacht wurden, zum Dohle ihrer Völker in der Gesetzgebung zu verwerten. Frick im folgenden wiederzugeben. 1. Frage: Herr Reichsminister, Sie haben auf dem Internationalen Kongreß für Bevölkerungswissenschaft, der von 32 Nationen beschickt war, darauf hingewiesen, daß die Bevölkerungsbewegung bei allen Kulturnationen wenig erfreulich sei. Erwarten Sie in der Zukunft eine Aenderung in dieser Hinsicht? sinien habe sich nicht als würdig erwiesen, der Gemeinschaft der zivilisierten Nationen anzugehören, Italien müsse daher ihren Irrtum bedauern, den sie bei der Befürwortung der Aufnahme Abessiniens in den Völkerbund begangen habe. Genfer Korrespondenten haben sich der Mühe unterzogen, die Erklärung wieder ans Tageslicht zu ziehen, mit der 1923 der italienische Delegierte Graf Bonn-Longare entgegen den Warnungen Englands den Ausschlag für die Aufnahme Abessiniens in den Völkerbund gegeben hat. Es lohnt sich, diese Lobeshymne wieder in Erinnerung zu bringen. Sie lautete: „Der Antrag Abessiniens auf Aufnahme stellt eine dem Völkerbund erwiesene Huldigung dar. Sie ist um so wertvoller, als sie von einer Nation stammt, die bisher am Rande der großen internationalen Strömungen gelebt hat, die aber dank der bewundernswerten Festigkeit, mit der sie Jahrhunderte hindurch ihre Religion und ihren nationalen Charakter bewahrt hat, Anspruch auf ritterliche Achtung erworben hat, einen Anspruch, dem hier Gerechtigkeit zuteil werden muß." Weiter hieß es, der Sklavenhandel sei in Abessinien bei Todesstrafe untersagt, die Sklaverei zu einer Dienstpflicht herabgemildert, Abessinien werde im Zentrum Afrikas als Mitglied des Völkerbundes ein aktiver und erfolgreicher Vorkämpfer des Friedens werden. Das war Italiens Meinung vor 13 Jahren, heute wird das gleiche Abessinien, dem nicht nur britische Beobachter bescheinigen, daß inzwischen unerhört viel für die Beseitigung der Sklaverei und die Hebung der Zivilisation geleistet worden ist, von der italienischen Presse und auch in den Denkschriften der italienischen Regierung als ein Staat von Wilden hingestellt, die weder Vertrauen noch „ritterliche Achtung" verdienten, sondern nur durch eine „Strafexpedition" Italiens zur Raison zu bringen seien. Die Aberkennung der Gleichberechtigung hat Italien auch unmittelbar in die Praxis umgesetzt, Aloisi und seine Mitarbeiter verließen prompt den Ratsjaal, als der französische Universitätsprofessor Dr. Frick: Ls ist leider eine Tatsache, dah alle kullurnalionen sich bevölkerungspolitisch ungün- st i g entwickeln. Wenn dieser Zustand nicht geändert werden könnte, müßte mit Sicherheit der Zeitpunkt kommen, in dem eine Katastrophe über die Träger der INenschheitskullur, insbesondere über das Abendland hereinbricht. Es ist meine feste Ueberzeugung, dah der Internationale Kongreh viel dazu beigetragen hat, um neue Wege aus der biologischen Not der Völker zu weisen. 2. Frage: Die Rassengesetzgebung des Reiches ist von einer gewissen Presse sehr stark angegriffen worden. Könnten Sie, Herr Reichsminister, etwas in dieser Hinsicht sagen? Dr. Frick: Ich möchte vor allem feststellen, dah alles, was auf bevölkerungspolitischem Gebiete im Deutschen Reiche geschieht, sich in keiner Weise gegen andere Völker oder Rassen richtet. Unsere Maßnahmen sind rein innerpoHfi- scher Natur und haben eine vernünftige Bevölkerungspolitik zum Ziele. Früher war es so, dah nichts unternommen wurde, um die erbkranke und erbbela stete Nachkommenschaft zu beschränken. Anderseits konnte die gesunde, wertvolle und vielköpfige Familie nirgends auf Förderung und Hilfe rechnen. 3m liberalistischen Zeitalter, das das I u n g g e f e l l e n- tum und die Spätehe zwangsläufig zur Folge hatte, und in dem die Rationalisierung der Geburten als höchste Weisheit galt, erfuhr der Bestand des Volkes gerade an wertvollem Erbgut eine stete Verminderung durch die Geburtenbeschränkung, ja sogar das Aus st erben erbtüchtigerFamilien. Im Gegensatz hierzu stieg der Anteil der Bl indertüchtigen Mitgliedern nicht zu vermeiden sein wird. Die Ratstagung begann mit dem Verlesen des Schiedsspruches im U a l - U a l - S t r e i t, der dem diplomatischen Witz des Griechen P o l i t i s alle Ehre macht, denn er vermeidet es sorgfältig, einer der Parteien die Verantwortung für den Zwischenfall zuzuschieben. Was dann folgte, Edens kurzer sachlicher Bericht über den Zusammenbruch der Dreierkonferenz. Lavals ergänzende Bemerkungen und schließlich die Aeußerungen der beiden Parteien, das alles brachte keine neuen Momente. Für die englische Taktik war es immerhin ein beachtenswerter Erfolg, Italien zu einer ausführlichen Darlegung seiner Klagen gegen Abessinien genötigt zu haben. Aloisis Denkschrift gipfelte in der Erklärung, daß sich Italien in seiner Würde als zivilisierte Nation aufs tiefste verletzt fühlen müsse, wenn es im Rahmen des Völkerbundes auf dem Fuße der Gleichberechtigung mit Abessinien weiter verhandeln müsse. Diese ' Gleichberechtigung könne nicht einem und schon Anfang des Jahres in Addis Abeba wegen des Abschlusses eines Konzessionsvertrages sondiert hatte. Das Staatsdepartement hat erreicht, daß die Standard Oil von dem Konzessionsvertrag zurücktreten wird, wenn damit nun auch der Negus vielleicht nicht alles hat erreichen können, was er sich von dem Konzessionsoertrag erhofft haben mag, so hat er doch vor aller Welt seine unbeschränkte Souveränität unter Beweis gestellt, aber auch, was vielleicht für die von ihm vertretene Sache noch wichtiger ist, seinen britischen Sekundanten von dem Vorwurf, mit der Oelkonzession in Abessinien kraß eigensüchtige Interessen zu verfolgen, reingewaschen zu sehen. Englands Stellung ist aus dem tragikomischen Oel- Zwischenspiel beträchtlich gestärkt hervorgegangen. Das kommt natürlich Eden jetzt in Genf sehr zu statten, wo der Völkerbundsrat di? Galgenfrist, die ihm das verspätete Ende der Regenzeit gewährt, zu nützen bestrebt ist, um einen Weg zu finden, der wenigstens den Völkerbund als Institution vor schwersten Erschütterungen bewahrt, wenn nun einmal ein Krieg zwischen zwei Dölkerbunds- tätigkeit durch irgendwelches Hineinspielen kapitalistischer Interessen des Auslandes in den gegenwärtigen Konflikt zu verhindern. Washington hat dem britischen Ersuchen entsprochen. Staatssekretär Hüll hat das Bekenntnis der Vereinigten Staaten zur strengen Neutralität im italienisch-abessinischen Konflikt erneuert und auch die Hintergründe des Konzes- sionsoertrages durchleuchtet. Dabei hat sich heraus- gestellt, daß Dr. R i ck e t t keineswegs ein politischer Abenteurer und phantasiebegabter Pläneschmied ist, sondern der Beauftragte der Standard Oil Company ------- , ... .. . v of New Persey die bereits feit zwanzig Jahren an: Staate zukommen, der, wie Zlbeßinien, die ihm den Erdölvorkommen in Abessinien interessiert ist'zufallenden Verpflichtungen nicht erfüllt habe. Abes- Oie Galgenfrist. Die Meteorologen haben berechnet, daß die Regenzeit in Abessinien in diesem Jahre ungewöhnlich spät aufhören werde. So hat Italien ausreichend Spielraum, feine militärischen und wirtschaftlichen Vorbereitungen für den Krieg in Ost- afrifa in aller Ruhe und mit der Sorgfalt zu beenden, die ein Feldzug im tropischen Hochgebirge ' erfordert. Der letzte italienische Ministerrat, vom Duce in dramatischer Form nach Bozen, dem 1 Hauptquartier im südtiroler Manöoergelände, ein- i berufen, hat einschneidende wirtschaftliche Maß- ; nahmen beschlossen, die sich nur aus der Annahme rechtfertigen lassen, daß Italien sich bereits als im ! Kriegszustand befindlich betrachtet, denn manche ' dieser Mahnahmen gehen jetzt schon weiter als die im Weltkrieg von zahlreichen kriegführenden Ländern erlassenen Bestimmungen, so z. B. die Beschlagnahme aller ausländischen Wertpapiere und aller Forderungen italienischer Gläubiger an ausländische Schuldner. Dies sowohl wie die neue Treibstoffverordnung trägt der besonders schwierigen Finanz- und Rohstofflage Italiens unter dem Gesichtspunkt Rechnung, zu verhüten, dah der ost- afrikanische Feldzug, den man in Rom die Strafexpedition gegen Abessinien nennt, in London und anderswo aber das abessinische Abenteuer, durch einen wirtschaftlichen Zusammenbruch beendet wird. Auch die italienische Armee und ihre Führung erhalten ihren letzten Schliff. Denn das nördliche Grenzgebiet des Brenners hat man wohl kaum allein zum Manövergelände gewählt, um die Sorgen des französischen Bundesgenossen zu beschwichtigen, Italien könne bei wachsenden Verpflichtungen in Afrika feiner „europäischen Aufgabe" nicht mehr in vollem Umfange gerecht werden. Französische Generalstäbler haben sich von der Grundlosigkeit ihrer Befürchtungen überzeugen können und die Teilnahme des italienischen Ge- neralstabschefs wie einer sowjetrusfischen Militärmission an den großen französischen Herbstrnanövern in der Champagne werden wohl auch den ängstlichsten Franzosen die Sorge nehmen, dah sie während Italiens abessinischem Feldzug in Europa allein gelassen sind. Vermutlich wird aber auch die Ähnlichkeit der südtiroler Alpen mit dem künftigen Kriegsschauplatz im ostafrikanischem Hochgebirge für die Wahl des Manövergeländes mitgesprochen haben. Klima, Unwegsamkeit und das Dickicht des Buschwaldes werden allerdings die italienische Heeresleitung auf dem eigentlichen Kriegsschauplatz vor Aufgaben stellen, die im Manövergelände nicht gelehrt werden konnten. Der zu erwartende Kleinkrieg wird an die Moral des italienischen Soldaten und an die Einsicht der italienischen Heeresleitung Anforderungen stellen, die nur im Ernstfälle erprobt werden können. A b e f f i n i e n hat die Galgenfrist, die ihm die Regenzeit bis zum Beginn der Feindseligkeiten nach allen Berichten der in Addis Abeba bereits zahlreich versammelten Zeitungskorrespondenten aus aller Herren Länder ebenfalls weidlich genützt, um feine rein technisch sehr schwache militärische Stellung nach Kräften zu verbessern. Die Waffenausfuhrverbote Amerikas und Englands wie die finanzielle Schwäche des Reichs sind für diese Bemühungen starke Hemmungen. Um so mehr hat sich der Kaiser wohl von dem diplomatischem Coup versprochen. den er mit dem überraschenden Abschluß eines Konzessions- und Anleihevertrages über die Ausbeutung der Oeloorkommen Aethiopiens mit einem amerikanischen Petroleumtrust mitten in die Kriegsvorbereitungen Italiens und das sie begleitende Palaver der Großmächte gelandet hat. Der Negus hatte vielleicht gehofft, einmal durch die Jntereffennahme starker Kapitalgruppen des Auslandes auch die Politik für sich günstig gestalten zu können, zum andern durch schleunige Auslieferung der von Italien begehrten wirtschaftlichen Schätze seines Landes an andere, weil nur wirtschaftlich interessierte auch minder gefährliche Mächte den Italienern die Lust an der Eroberung einer ausgehöhlten Nußschale zu nehmen. Ader es scheint, als ob die Rechnung des Negus zumindest einen Fehler enthielt, die Unterschätzung des Bestrebens der Mächte, vornehmlich Englands, wenigstens nicht in diesem Augenblick irgendwie als persönlich interessiert an dem Abefsinienkonflikt zu erscheinen. Die italienische Presse hatte mit großem ©tim« menaufmanb den britischen Makler R i ck e 11, der zu nächtlicher Stunde in Addis 2lbeba den geheimnisvollen Vertrag mit dem Kaiser getätigt hatte, als politischen Abenteurer vom Schlage eines Lawrence hingestellt, der unter dem Schutze vorgeschobener wirtschaftlicher Geschäfte lediglich Handlangerdienste des britischen Imperialismus verrichte. Die Grundlosigkeit dieser Verdächtigungen, mit denen man natürlich Englands Uneigennützigkeit im Abessinienkonflikt in Zweifel ziehen wollte, sollte sich indessen schnell Herausstellen. Die britische Regierung wies sofort nach Bekanntwerden des Konzeffionsver- trages ihren Gesandten in Addis Abeba an, dem Negus den Abschluß des Vertrages zu widerraten und fetzte sich auch mit dem amerikanischen Kabinett in Verbindung, um eine Erschwerung ihrer Vermittler« Erlchenn täglich, außer MVA M Annahme von Anzeigen Sonntags und Feiertags Pv für die Mittagsnummer Beilagen: Die Illustrierte ▲ ikA ▲ ▲▲ ▲ AA ■ ▲▲ ▲ AA bis8'/,U!)rbes-Bormittags ss? z I m । Sä Mit 4 Beilagen RM. 1.95 ■ ■ ■ ■ M ■ ■ ■ ■ ■ von mm Breite Ohne Illustrierte W ■ W D W W 60Rpf.,Platzvorschrift oder Zustellgebühr,. „ -.25 ▼ ■ ■ ■ ▼ schwieriger Satz25°/.meh- oon^ einzelnen^ Nummern Ermäßigte Grundpreise: infolge höherer Gewalt _ < < Stellen», Vereins., gemein- MM Seneral-Anzeiger für Gberheffen granifurtammatn 11688 Druck und Verlag: SrShl'sche Univerfilätsvuch- und Steindruckerei R.Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schnlftratzer M-ng-nabfchiün-Staffel ö Jeze als Delegierter Abessiniens- mit der Beantwortung der italienischen Denkschrift beginnen wollte. Man hat allerdings nicht den Eindruck, daß dieser wohl als besondere Sensation gedachte Aus- rnarsch der Italiener ihre Stellung in Genf per- bessert hat. Wenn auch die Pariser Blätter über ihren Landsmann Professor Jeze herfallen, dessen Auftreten als Delegierter Abessiniens die französische Politik schädige und dessen Ausführungen an- zuhören man Aloisi nicht zumuten könne, so dürften diesmal die Ausführungen des sowjetrussischen Volkskommissars Litwinow die Stimmung namentlich unter den nicht direkt interessierten Staaten in Genf besser charakterisieren. Natürlich ist es für Sowjetrußland selber aus sehr durchsichtigen Gründen eine Lebensfrage, jede Erörterung der inneren Verhältnisse eines Mitgliedsstaates des Völkerbundes, wie sie die italienische Denkschrift über Abessinien angeftellt hat, scharf zurückzuweisen. Aber darüber hinaus betonte Litwinow auch, un- geachtet der alten Freundschaft mit dem faschistischen Italien und der neueren Liaison zu dem verbündeten Frankreich, besonders scharf die absolute Gleichberechtigung und das unveräußerliche Recht auf Unabhängigkeit aller Dölkerbundsmitglieder. Es kann kein Zweifel sein, daß dieser Grundsatz weitgehend der Auffassung der kleinen und mittleren Mächte entspricht, die natürlich keineswegs ein- sehen wollen, daß es rechtens sein soll, ein Völker« bundsmitglied aus dem Völkerbund hinauszuwerfen, um einem mächtigeren Mitgliedsstaat Gelegenheit zu geben, es ohne Schaden für das Ansehen des Völkerbundes zu verspeisen. Gerade die kleineren Mächte, die im Ausbau des Völkerbundsgedankens einen Schutz für ihren nationalen Bestand vor Uebergriffen mächtigerer Nachbarn gefunden zi» haben glaubten, würden sehr nachdenklich werden müssen, wenn die von Italien vorgeschlagene Prozedur tatsächlich Gesetz werden sollte. Man wird gespannt sein dürfen, welchen DersöhnungstrunL die Großmächte während der ihnen noch verbleibenden Galgenfrist hinter den Kulissen von Genf zu- fdmmenbrauen werden, um dem Völkerbund aus der Klemme zu helfen, ohne sich selber in Unge- legrnheiten zu bringen. Durch Rassenpoliiik zum Frieden! ($ine Unterredung mit dem Reichsminister des Innern Or. Wilhelm Krick. ? '= Vk * 'M < 'M ■ vvVJ/iO^ ? M V - Der Fünfer-Ausschuß geht an die Arbeit London stellt leichte Entspannung sest erurteilung teten Tag und Nacht a u an den Völkerbund 15 begründet. Der Umstand, Das Fort Llal-Llal derLlrsprung des italienisch-abessinischen Konflikts Teil Abessiniens in Besitz nehmen und sei keineswegs damit einverstanden, daß der Völkerbund die Aufrechterhaltung der Ordnung in Abessinien in die eigene Hand nehme. „Times" schreibt, der Rachleil des Jünfer- Ausschusses sei. daß er einen weiteren Aufschub bedeute. Man brauche keine übertriebenen Hoffnungen auf ihn zu sehen. Seine Arbeit sei derartig begrenzt, daß die Aussichten einer Regelung nicht glänzend seien. Ein Erfolg sei nur möglich, wenn entweder die Italiener angesichts des ungeheuren Widerstandes gegen ihre Politik und ihre Methoden in Genf die zuerst abgelehnten Vorschläge erneut erwägen würden oder wenn der Ausschuß selbst die Vorschläge anziehender für Italien machen würde. Vielleicht werde ein weiteres Zugeständnis an Italien in der Frage der inneren und der Grenzpolizei vorgeschlagen werden. Mün glaube aber, daß Mussolini auf ein italienisches Völkerbundsmandat über ganz Abessinien dringe. Dies würde er als volle Befriedigung feiner Ansprüche ansehen. Abessinien sei offenbar bereit, so gut wie jedem Zugeständnis zuzustimmen, das feine nationale Selbständigkeit nicht zerstöre. Am Montag trete die Völkerbundsver- Erntedanktag 1935. Sonderzüge am 5. Oktober zum Bückeberg. Auch In diesem Iahre werden aus dem Gau Hessen-Nassau mehrere Sonderzüge zu dem eierlichen Staatsakt auf dem Bückeberg (6 Oktober) ahren. Für diese Sonderzüge ist die bei spiel. oseFahrpreisermatzigung von 75 v. h. gewährt worden, so daß Z. v. die Fahrt Frank- urt a.M.—Bückeberg und zuruck nur 7 Mark kosten wird. Die Sonderzüge werden voraussichtlich am 5. Oktober abfahren und am 7. Oktober wieder im Heimatort eintreffen. Jfjre Abfahrt«,eil wird fo gelegt, daß sie von allen anderen S t a tIonen gut erreicht werden können. Auch für die Zubringerstrecke gilt die 75prozentige Fahrpreisermäßigung, wenn die Fahrtteilnehmer im Besitz der Sonderzugfahrkarte sind. Es ist zu erwarten, daß sehr viele Volksgenossen die Gelegenheit wahrnehmen, an dem Erntedankfest auf dem Bückeberg teilnehmen zu können. Alle Volksgenossen, die sich an der Fahrt beteiligen wollen, müssen sich daher umgehend, spätestens jedoch bis zum 10. September, bei den zuständigen Ortsbauernführern melden. Für die Städte Wetzlar, Friedberg, Alsfeld nehmen die Dienststellen der dort ansässigen Kreisbauernschaften die Meldungen entgegen. Ls wird ausdrücklich darauf hingewiesen, daß nur diejenigen Volksgenossen die Sonderzüge benutzen können, die ihre Anmeldung rechtzeitig, also bis zum 10. September, abgegeben haben. Verspätete Anmeldungen werden nicht berücksichtigt. Volksgenossen, die sich bereits bei anderen Dienststellen angemeldet haben, müssen ihre Anmeldung ebenfalls bis zum 10. September bei den oben erwähnten Dienststellen der Bauernschaft wiederholen. Nähere Einzelheiten betreffend Abfahrt der Sonderzüge usw. werden rechtzeitig durch Rundfunk und Presse bekanntgegeben. heil Hitler! Gez. Müller-Scheld. Gaupropagandaleiter und Leiter der Landesstelle Hessen-Nassau des Reichsminlsteriums für Volksaufklärung und Propaganda. Eine Flugzeugaufnahme des Forts Ual-Ual an der Grenze Abessiniens nadh Jtalienifch-Somaliland. Hier ereignete sich der erste Zusammenstoß zwischen Italienern und Abessiniern, an dem, wie jetzt das gemischte Schiedsgericht feststellte, keine der beiden Parteien schuld ist. Das Fort ist mit einer breiten Dornbuschhecke, einem tiefen Graben und einem Palisadenzaun gesichert; es schützt etwa 200 Brunnen, 6er wertvollste Schatz in der wasserlosen Somali-Wüste. — (Scherl-Bilderdienst-M.) s a m m l u n g zusammen, von der kaum erwartet werden könne, daß ihre Mitglieder angesichts einer großen Herausforderung die gleiche Selbstbeherrschung zeigen würden, wie der Völkerbundsrat. Die letzte Berufung Abessiniens habe sich auf Artikel 15 be Genf, 6. Sept. (DRV.) Der Völkerbundsrat hat Freilagnachmittag in öffentlicher Sitzung beschlossen, ein Ratskomitee von fünf Milgliedern einzusehen, das die Gesamt- heil der italienisch-abessinischen Beziehungen prüfen foll, um eine friedliche Lösung zu suchen. Dem Komitee gehören England, Frankreich. Polen. Spanien und die Türkei an. Die Einsetzung dieses Komitees, dessen Zusammensetzung der Ratspräsident vorschlug, wurde ohne Aussprache beschlossen. Der Ratspräsident gab dabei bekannt, daß ihm der italienische Delegierte seine Stimmenthaltung mitgeteilt habe, wie bereits gestern gemeldet. hatte der italienische Vertreter erklärt, daß Italien gleichfalls im Ausschuß verlre- t e n sein müsse, wenn Frankreich und England ihm angehören sollten. Baron Aloisi hat an den nichtöffentlichen Vorbesprechungen, die zu diesem Beschluß führten, feilgenommen, ist aber der öffentlichen Sitzung wiederum ferngeblieben. Vor dem Beschluß des Völkerbundsrates hatte lediglich der mexikanische Vertreter das Wort ergriffen, um an die Erklärung der lateinamerikanischen Staaten vom 3. August 1932 über die Nichtanerkennung gewaltsamen Gebietserwerbs zu erinnern. Unter allgemeiner Interesselosigkeit wendete sich der Rat nach dem Beschluß in der italienisch-abessinischen Angelegenheit kleineren Fragen seiner Tagesordnung zu. ♦ lieber die Vorgänge bei der Ernennung des Fünfer-Ausschusses berichtete „Daily Telegraph , Italien habe sich mit der Wahl der Türkei einverstanden erklärt, weil sie, obwohl sie nicht auf gutem Fuß mit Italien stehe, ein mehr oder we- Niger faschistischer Staat sei. Dänemark sei aus dem entgegengesetzten Grunde a b gelehnt worden. Am Freitagvormittag habe Italien zunächst einen Gegenvorschlag gemacht, wonach es mit Lavals, nicht aber mit Edens Anwesenheit im Ausschuß einverstanden fei. Laval habe diese Anregung aber rundweg a b g e - lehnt. Litwinow habe eine Einladung, dem Fünfer-Ausschuß anzugehören, abgelehnt, weil er ihn als eine Fassade betrachte, hinter der der Völkerbundsrat sich feiner Verantwortung entziehen wolle. Litwinow habe dann später während der öffentlichen Sitzung feine kraftvolle Rede gehalten, um dieser Entscheidung entgegenzuarbeiten. Irak als Musterbeispiel. London, 7. Sept. (DNB. - Funkspruch.) Die Londoner Presse ist der Meinung, daß die durch Aufgabe des italienischen Widerstandes ermöglichte Bildung des Fünfer-Ausschusses eine, wenn auch nur leichte Entspannung der Lage bedeutet. Man vermutet, daß der Ausschuß, bei seiner Arbeit die seinerzeit von Mussolini verworfenen Pariser V o r s chl ä g e zum Ausgangspunkt nehmen wird. Daß die passive Zustimmung Alvisis zur Ernennung des Ausschusses als grundsätzliche Aende- r u n g der Haltung der Italiener zu betrachten ist, wird allerdings bezweifelt. Der demonstrative Weggang der Italiener bei jedem Erscheinen von abessinischen Vertretern am Konferenztisch wird teils als dramatisch, teils als komisch bezeichnet. Der Genfer Berichterstatter des „Daily Telegraph" glaubt zu wissen, daß Laval einen neuen „Plan einer friedlichen Regelung" ausgearbeitet habe, der in einer Beziehung von den Pariser Vorschlägen ganz beträchtlich abweichen soll. Zn Paris war vorgesehen, in Abessinien eine abessinische Polizeitruppe unter europäischen Offizieren einzurichten. Unter Berufung auf die erfolgreiche Verwendung einer internationalen Streitmacht im Saargebiet habe Laval nunmehr die Mitglieder des Völkerbundes eingeladen, eine internationale Gendarmerie t r u p p e für den Polizeidienst in Abessinien zur Verfügung zu stellen. Der Berichterstatter meint aber, Italien wolle offenbar den größten Italiens hin, ohne Rücksicht auf die Tatsache, daß das Ergebnis ein Krieg in Europa sein könnte. Moskau fürchte einen solchen Krieg sicher nicht, denn es glaube, daß es auf diese Weise imstande sein werde, seine Lehre zu verbreiten. Der Weltfriede werde gegenwärtig nicht von Italien bedroht, sondern von der kommunistischen Internationale in ' Moskau, sowie von solchen Organisationen, die den vereinigten internationalen sozialistischen Arbeiterausschuß und dem internationalen Gewerkschaftsbund angehörten, die gegenwärtig in Genf tagten. Für freie Memel-Wahlen. Ein Schweizer Blatt fordert Ueberwachung durch den Völkerbund. Basel, 6. Sept. (DRB.) Das rigorose Doraehen der Litauer bei 6en Vorbereitungen zu den Landtagswahlen wird auch in der Schweiz scharf verurteilt. Die „Neue Züricher Zeitung" sagt: Wenn die Litauer Deutschlands Drang nach dem Osten fürchten, so handeln sie unklug, wenn sie Deutschland auch nur einen Schein do* Recht liefern, mit dem es eines Tages eine „aktive Politik" ihnen gegenüber begründen kann. Sie erschweren für diesen Fall auch jede Intervention der Mächte zu ihren Gunsten. Gerade weil über dem europäischen Nordosten eine gewisse Unsicherheit schwebt, gehört die Beachtung des Memel st atuts zu den Hauptvoraussetzungen für die Erhaltung des Friedens. An einer Regelung der Beziehungen zwischen Litauen und Deutschland ist auch das übrige Europa interessiert, wahrscheinlich mit der einzigen Ausnahme von Rußland, dem Deutschlands schlechte Beziehungen zu seinem kleinen Nachbar passen, um es verdächtigen zu können. Es ist deshalb zu wünschen, daß die Bemühungen der Garantiemächte unter britischer Führung Litauen zu einer einsichtigeren Methode zurückzufüh- ren vermöchten. Heute ist die Frage naheliegend, ob nicht, wie schon mehrfach angeregt wurde, die Ga- rantiemächte den Völkerbund ersuchen sollen, die kommende Wahl des Memellandtages zu überwachen, damit sie wirklich frei und geheim und nach demokratischen Grundsätzen vor sich geht. und nicht der Gerechtigkeit. Italien aber lasse eine solche Vorherrschaft nicht zu, sondern verlange Gerechtigkeit. Italien rüst weitere 200000 Mann unter die Waffen. Rom, 6.Sept. (DNB.) Die von Mussolini in Bozen angekündigte Einberufung von weiteren 200 000 Mann unter die Waffen, wird in der Form durchgeführt, daß alle Wehrpflichtigen der Iahres- klassen 1911 bis 1914, die bisher aus besonderen familiären Gründen ihrer Dien st pflicht nicht zu genügen Hatten, e in g eg o g e n wer- den. Aus jedem Jahrgang können auf diese Weise unter Abzug eines Hundertsatzes für Ausnahmefälle noch durchschnittlich 5000 0 Mann eingezogen werden. Ihre Dienstzeit, die normalerweise für ihre Gruppe nur drei Monate betragen würde, wird auf die allgemein in Italien gültige Dauer von 18 Monaten ausgedehnt Bekanntlich wurde vor kurzem in Italien gesetzlich bestimmt, daß kein Diensttauglicher mehr von der allgemeinen Wehrpflicht ausgenommen werden kann. daß der Fünfer-Ausschuß nicht auf Grund dieses Artikels arbeite, fei ein Zugeständ- n i s an Italien. Leider fei noch nicht zu erkennen, daß sich Italien mit „weniger als der militärischen Zerstörung Abessiniens begnügen werde". Die Genfer Verhandlungen hätten jedoch klar gezeigt, welche weit verbreitete Verurteilung ein Beharren auf biefer Haltung Hervorrufen würbe. Jeder Tag gebe der italienischen Regierung neuen Grund 'zu der Erwägung, ob ihrem Interesse nicht am besten durch eine Regelung gedient werde, die ihr alle materiellen Vorteile gebe, die sie vernünftiger Weise verlangen könne. In der „D a i l y M a i l" Lord Rothermeres wird von einem ungeheuren Propagandafeldzug gegen Italien gesprochen, der von allen sozialistischen und kommunistischen Kräften auf Befehl der Dritten Internationale geführt werde. Diese Kräfte, deren Wortführer Litwinow gewesen sei, arbei- dieser Einigkeit eigentlich noch, außer sich selbst? Es sei traurig, daß der einzige Franzose, der in Genf die Sprache des internationalen Rechts spricht, Professor Jöze fei. Allerdings vertrete er auch nicht Frankreich. Italien behält sich alles vor. Scharfe Kritik am Völkerbund. Mailand, 7. Sept. (DNB. Funkspruch.) Der ,(Sortiere della Sera" sagt, der bestellte Schiedsaus- fchuh möge ruhig tagen, prüfen und seine An- ichten bekanntgeben. Man habe in dem Schieds- pruch für den Zwischenfall von Ualual d a s h e r r- lichste Beispiel für ein „Meisterstück derHeuchelei" gefunden. Italien behalte sich jeden- alls volle Handlungsfreiheit vor. Der Dvlker- tunb fei kein übernationales unparteiisches Tribunal, sondern nur ein Kreis von Diplomaten, in dem die Interessen gewisser Nationen vorherrschten, die zum Schaden der anderen bisher eine Vormacht- ftellung innegehabt hätten. Der Völkerbund fei also ein 3 n ft r u m e n t der Unterdrückung Havas teilt mit, daß der spanische Vertreter im Völkerbundsrat, Madariaga, zum Vorsitzenden des Fünfer-Ausschusses gewählt worden sei, und bemerkt dazu, daß keiner besser als dieser die Geheimnisse des Völkerbundsmechanismus kenne. In der ersten Sitzung des Fünfer-Ausschusses am Samstagvormittag würde der englische und der französische Vertreter die drei anderen Mitglieder von den Pariser Julibesprechungen in Kenntnis setzen, und zwar von den Angeboten, die dem italienischen Vertreter Baron Aloisi gemacht worden seien, sowie von den Umständen, unter denen diese Angebote durch Aloisi a b g e l e h n t worden seien. In englischen Genfer Kreisen erkenne man heute an, daß die französisch-englischen Vorschläge vorn Juli nur eine Verhandlungsgrundlage bedeutet hätten. Es handele sich jetzt also für den Fünfer-Ausschuß darum, eine Lösung zu finden, die von Italien eherangenv mm e n werden könnte, ohne allerdings die abessinische Souveränität zu verletzen. Als Muster hierfür könne der Vertrag dienen, den England mit dem Jrak abge- schloffen habe und der sich auf zwei hauptsächliche Punkte stütze: die englische Regierung habe den König vom Irak, der ja auch Mitglied des Völkerbundes sei, alle Freiheit und Unabhängigkeit der Souveräne des Britischen Reiches zuerkannt. Seinerseits habe der König vom Irak das besondere Interesse Großbritanniens anerkannt, nämlich die Freiheit seiner Ver- Bindungswege zu sichern, woraus folge, daß er den Engländern das Recht zuerkannt habe, auf feinem Staatsgebiet Flotten- und Luftstützpunk t e anzulegen und die Polizei zu kontrollieren. Es scheine, daß der Fünfer-Ausschuß des Völkerbundsrates «in gleicher Richtung einen Vorschlag ausarbeiten könnte, der den politischen und wirtschaftlichen Ansprüchen Italiens genügte. Aber der Ausschuß müsse sich darüber klar sein, daß seine Arbeit sehr schwierig und sehr langwierig sein werde. Paris mit dem Sowjetsreund unzufrieden. Paris, 7. Sept. (DNB. Funkspruch.) „Excel- sior" sagt, marxistische Ideologen hätten Genfer Ideologien annektiert, die auf der unbedingten Achtung der selb st herrschenden Nationalitäten begründet seien, also eine Art pazifistisch-revolutionäre Kreuzung zwischen Wilsonschen Träumen und Lehrsätzen der zweiten und dritten Internationale, bei der die Völkerbunds- Ltm das Korporaiions- studenienium. Staatssekretär Dr. Lammers legt die Führung der Gemeinschaft studentischer Verbände nieder. B e r 1 i n, 6. Sept. (DNB.) Der Staatssekretär und Chef der Reichskanzlei, Dr. Lammers, hat in seiner Eigenschaft als Führer der Gemeinschaft studentischer Verbände (GStV.) an die Ser« bandsführer der in ihr zusammengeschlossenen Verbände folgendes Schreiben gerichtet: Ich war genötigt, zwei große Verbände aus der GStV. auszuschließen, die DeutscheBur- sch en schäft, weil sie durch ihre Führung den von mir mit der GStV. erstrebten Zielen, insbe- sondere der von mir verlangten kameradschaftlichen Zusammenarbeit mit allen anderen Verbänden, zu deren Reform bewußt entgegengehandelt und eigene politische Sonderziele verfolgt hat, den K ö s e n e r SC., weil seine Führung sich gewei- gert hat, die von mir gewünschte restlose Durchführung des Arier-Grundsatzes, freiwillig zu vollziehen, den alle anderen Verbände durchgeführt haben ober bis zum 1. November 1935 durchzu- führen verbindlichst zugefagt haben. Das Ziel, bas ich mir als Führer ber GStV. gesteckt fjatte, ein geeintes beutfdjes Korpora tions st ubententum zu schaffen, das den Anforderungen gerecht wird, die Staat und Partei an die studentischen Verbände und Korporationen zu stellen befuqt sind, hat sich also als unerreichbar herausgestellt. Zu meinem Bedauern bin ich daher genötigt, d i e Führung der GStV. niederzulegen. Ich spreche allen Verbandsführern, die sich mit mir zu treuer Mitarbeit verbunden hatten, für das mir entgegengebrachte Vertrauen meinen aufrichtigen Dank aus. Heil Hitler! Gez. Dr. Lammers, j Oie Wehrmacht übernimmt die Brandenburger Torwache. Ein Ereignis für das Bild ber Straße Unter ben ßinben zog Freitag mittag Taufende von Berlinern nach dem Brandenburger Tor. Zum er« ftenmal feit 1918 bezogen Freitag mittag um 12.30 Uhr Mannschaften der Wehrmacht die Wache am Brandenburger Tor, die feit 1918 von der Schutzpolizei und feit 1933 von der Landespolizei gestellt wurde. Um 12.30 Uhr marschierte die Wache unter Führung des Musikkorps der Wachtruppe a m Pariser Platz auf. Das Kommando: „Präsentiert das Gewehr! Wache Brandenburger Tor Vergatterung!" erscholl und unter ben Klängen des Präsentiermarsches marschierten ein Unteroffizier unb sechs Mann von ber Nordseite des Branden- burger Tors zum Wachlokal an der Südseite. Während die Ehrenkompanie präsentierte, wurde auf dem Wachlokal die Reichskriegsflagge gehißt. Mit klingendem Spiel marschierte die Wachtruppe die Linden hinab zum Ehrenmal. Manöver des IX. Armeekorps in der Bayerischen Ostmark. Kassel, 6. Sept. (DNB.) Wenige Tage nach Beendigung der Herbstübungen des VI. Armeekorps in der Lüneburger Heide wird im Süden des Reiches das IX. Armeekorps seine Manöver durchführen. Dom 13. bis 18. September wird Inder bayerisch en Oberpfalz im Raume Kemnath — Kreußen — Pegnitz — Sulzbach — Hirschau — Weiden — Kemnath das IX. Armeekorps, verstärkt durch Zuteilung aus anderen Befehlsbereichen, zu drei Uebungen zufammengezoaen. Unter Leitung bes Kommanbierenben Generals, Generalleutnant D o l l m a n n in Kassel, werben Truppen aus Hannover unb Braunschweig gegen hessische Regimenter in ben verschiedensten Kampfarten üben. Da das Manövergelände in zwei bis zweieinhalb Autostunden von Nürnberg au» erreicht werden kann, werden viele TeUnehmer am Reichsparteitage besonders die zweitägige Uebung vom 17 bis 18. September nach Abschluß des Parteitages besuchen. Von der Manöverleitung wird Vorsorge getroffen werden, dpß btt Zuschauer die Gefechte von geeigneten Höhen aus in allen wichtigen Phasen gut beobachten tonnen satzung z u einer 21 r t Bibel werde. Unter Berufung auf diese neue Bibel könnte Genf, wenn man nicht aufpasse, in der Welt blutigere Kämpfe heraufbefchwören, als es die früheren Religionskriege waren. — Der „Ami du Peuple" erklärt: England fei liberal unb parlamentarisch, Italien antiliberal unb antiparla« I mentarisch, unb zum Aerger ber Engländer scheine Italien diese Einstellung Glück zu bringen. Also will England gegenwärtig wohl weniger die Nilgegend schützen ober sich Petroleum schaffen, als vielmehr eine anbere Herrschaftsform im Innern treffen. Man begreife allerdings nicht, weshalb weder England noch andere euro^ päifche Staaten eine gleiche Haltung gegenüber ber fönigsmorbenben, verbrecherischen Sowjetdik- t a t u r einnehmen wollten, wie gegen die faschistische Diktatur, obwohl diese nichts zerstöre, sondern viel aufgebaut habe. Der „Quotibien" erklärt, Laval stehe in Mei - nungsverschiebenheiten zur französischen öffentlichen Meinung, zur englischen Politik, zu den Wünschen ber Linkspolitiker unb $u seinem Freunbe und Verbündeten Litwinow. Hernot habe doch wohl hoffentlich nicht vergessen, daß er sich zum Besch ü tz e r ber kleinenNationen erklärt habe. Er werbe sicherlich Laval an die Achtung der $a£te erinnern. Wen vertrete Laval angesichts Ramses i berühmt Cigaretten sind seit Jahrzehnten ’ wegen des guten Tabaks und Aus aller Welt Die Betreuung -es Tlahrungsmittelhandwerks. Ein Abkommen zwischen dem Reichsnährstand und dem Reichsstand des deutschen Handwerks. LPD. F r a n kf u r t a. M., 6. Sept. Reichshand- werksmeister Schmidt sprach im Dolksbildungs- heim vor den Bezirks-Innungs- und Kreishandwerksmeistern des Gaues Hessen-Nassau und gab dabei ein mit dem Reichsnährstand getroffenes Abkommen bekannt, das sich mit der Betreuung des Nahrungsmittelhandwerks befaßt. In dem Abkommen heißt es u. a.1 Der Reichsstand des deutschen Handwerks ist zuständig für die Erledigung der ihm gesetzlich übertragenen Aufgaben hinsichtlich der Betreuung und Beratung der Nahrunasmit- telhandwerker. Auf dem Gebiete der Marktordnung, insbesondere der Erzeugung, des Absatzes, der Bemessung von Preisspannen für reichs- nährstandszugehörige Waren und für alle damit in Zusammenhang stehenden Fragen bleibt aus- schließlichoerReichsnährstand zuständig. In diesen Fragen untersteht der betreffende Reichs- innungsmeister dem Reichsnährstände. Die Bestellung der Reichsinnungs- leister, ihrer Stellvertreter und der Leiter der Untergruppen erfolgt durch den Reichshand, werksmeister mit Zustimmung des Reichsbauernführers. Um eine enge Zu- fammenarbeit zwischen den wirtschaftlichen Zusammenschlüssen und dem Reichsstand des deutschen Handwerks zu ermöglichen, werden die Reichsinnungsmeister in den Beirat bei den wirtschaftlichen Zusammenschlüssen berufen. Dieser Beirat ist vor Erlaß von grundsätzlichen Anordnungen, die das Nahrungsmittelhandwerk betreffen, seitens der Bor- sitzenden der Zusammenschlüsse zu hören. Für seine Zwecke erhebt der Reichsnähr- stand von den Reichsinnungsverbänden bzw. deren Mitgliedern keine besonderen Beiträge. Die Anordnung gilt sinngemäß für die Unterglie- berungen des Reichsnährstandes, wie auch für die Untergliederungen der Reichsinnungsverbände des Nahrungsmittelhandwerks. Die Vereinbarung gilt für das laufende Geschäftsjahr bis 31. März 1936. Sie verlängert sich jeweils um ein Jahr, wenn sie nicht mit einer Frist von drei Monaten aufgekündigt wird. Vorstrafen nicht ausreichten, um ihn in Vorbeugungshaft zu bringen. Seine Brüder Franz und Erich verbüßen gegenwärtig in Kopenhagen eine vierjährige Gefängnisstrafe wegen gemeinschaftlichen schweren Diebstahls. Verheerende Explosion einer Fliegerbombe in Indien. Bei Abbotabad in Indien explodierte eine große Fliegerbombe beim Ausladen aus einem Flugzeug. Durch die herumfliegenden Splitter wurden fünf Personen getötet und dreißig schwer verletzt. Von den Toten sind drei Engländer und zwei Inder, von den Verletzten 6 Engländer und 24 Inder. Nach der Explosion brach ein Brand aus, der zwei Flugzeuge völlig zerstörte. Paris—Algier—Paris in zehn Stunden geflogen. Der französische Flieger M e r m o z führte einen Schnellflug Paris — Algier — Paris aus. Mermoz startete Freitag um 7.45 Uhr in Le Bouraet und legte die 1470 Kilometer lange Strecke nach Algier in 4 Stunden und 5 Minuten zurück. Nach 20 Minuten Aufenthalt in Algier startete der Flieger zum Rückflug. Er landete am Freitag gegen 17.46 Uhr wieder in Le Bourget. Schweres vrandunglück in Schlesien. In einer der vergangenen Nächte entstand. auf dem Anwesen des Landwirts Schindler in Hin- darf bei Hirschberg (Schlesien) ein Brand, der sich rasch über das ganze Haus ausbreitete, das auch Stallungen und Scheune umfaßte. Die Frau des Be- fitzers erlitt so schwere Brandwunden, daß sie kaum mit dem Leben davonkommen dürfte. Ihre 70jährige Mutter, eine Frau Bratsch, verbrannte. Der Besitzer, der Schwiegervater und drei kleine Kinder konnten gerettet werden. Die ganze Besitzung mit sämtlichen Erntevorräten ist niedergebrannt. Die Entstehungsursache ist noch nicht bekannt. König Leopold und König Gustaf danken für die Beileidstelegramme des Führers. Der König der Belgier und der König von Schweden haben dem deutschen Reichs- k a n z l e r auf die Beileidstelegramme, die der Führer anläßlich des Ablebens der Königin der Belgier an beide Könige gerichtet hatte, wie folgt geant- wartet: „lief gerührt über das Mitgefühl, das Eure Ex- zellenz mir in so harter Prüfung ausgedrückt haben, danke ich Ihnen dafür aufrichtigst, ebenso auch dem deutschen Volke, dessen Beileid Sie übermittelt haben. Leopol d." „Tief erschüttert vom Ableben meiner lieben Nichte sende ich Ihnen meinen wärmsten Dank für so freundliche Anteilnahme. Gustaf." Arbeiter der Stirn und der Faust als Ehrengäste bei der Generalprobe für diMrstaufführung der „Meistersinger-. Nürnberg, 6. Sept. (DNB.) Die Generalprobe für die Festaufsührung der „Meistersinger" findet am Sonntagnachmittaa im neugestalteten Opernhaus am Ring statt, und zwar als Festvor- führung für sämtliche Unternehmer und Arbeiter, die an dem Umbau m i t gern i r 11 haben. Diese Veranstaltung entspricht einem ausdrücklichen Wunsche des Führers. Oberbürgermeister Liebel ließ deshalb an etwa 1500 Arbeiter der Stirn und der Faust die bei dem Opernhausumbau und im Reichsparteitaggelände während der vergangenen Monate beschäftigt waren, Einladung ergehen. Die Generalprobe^ findet statt unter der Leitung Wilhelm Furt- w ä n g l er s mit den neuen Bühnenbildern von Benno von Arent. Feierliche Indienststellung des Dampfers „Tannenberg“. Die feierliche Indienststellung des neuen Schnelldampfers „Tannenberg" durch Reichsverkehrs. Minister o. Eltz-Rübenach fand in Lübeck unter starker Anteilnahme der Bevölkerung statt. Einen wesentlichen Teil der Teilnehmer an der ersten Fahrt des neuen Schiffes stellt die deutsche Jugend. Große Teile der Hitlerjugend werden die Fahrt nach dem deutschen Osten mitmachen und so die Verbundenheit der deutschen Jugend mit dem deutschen Osten bekunden. Lübecks Bürgermeister Dr. Drechsler erklärte, die „Tannenberg" werde das volkstümlichste Schiff Deutschlands fein. Reichs- verkehrsminister v. Eltz-Rübenach übergab dann das neue Schiff mit einer kurzen Ansprache feiner Bestimmung. Als Symbol der deutschen Volksgemeinschaft wird die „Tannenberg" noch im Herbst dieses Jahres Taufende deutscher Dolksge- nassen nach dem deutschen Osten befördern und zur Stärkung der volksgemeinschaftlichen Verbundenheit unseres Ostlandes mit dem übrigen Reich beizutragen. Erste Probefahrt des „L Z 129“ voraussichtlich am 15. Dezember 1935. Das im Bau befindliche Luftschiff „L Z 129" wird Anfang Dezember seiner Vollendung entgegengehen. Günstiges Wetter vorausgesetzt, wird die e rfte Probefahrt am 15. Dezember dieses Jahres erfolgen. Der erste Start des neuen Luft- riefen kann sich je nach der Wetterlage noch um einige Tage verschieben. Zwei Diamantene Hochzeiten an einem Tage. In dem Westerwaldort Rüscheid konnte an einem der letzten Tage in zwei Fäll en Diamantene Hochzeit gefeiert werden. Die Jubilare sind die Eheleute Johann Peter Siegel und Juliane geb. Seufer sowie die Eheleute Johann Chn- ftian Hutz und Eva Katharina geb. R u nk e l. Beide Ehepaare entstammen alten Westerwälder Dauerngeschlechtern und können auf ein arbettsrei- reiches Leben zurückblicken. Die ganze Dorfgemein, schäft nahm an diesem seltenen Jubelfest herzlichen Anteil. Einer der Gebrüder Saß bei einem Einbruch festgenommen. Der 1929 durch den Einbruch bei der Diskonto- bank am Wittenbergplatz in Berlin besonders be- kanntgewordene Max Saß, der in dem dringen- den Verdacht stand, bei diesem Bankeinbruch eine besondere Rolle als Mittäter gespielt zu haben, wurde in einer der letzten Nächte bei einem Ein- b r u ch in eine Apotheke in Wilmersdorf auf frischer Tat überrascht und festgenommen. Max Saß sowie feine Brüder Erich und Franz interessierten die Oeffentlichkeit insofern, als sie stark verdächttg waren, den Einbruch bei der Diskontobank am Wittenbergplatz ausgeführt zu haben. Den Einbrechern sind damals Werte von mehreren Millionen in die Hände gefallen. Alle drei wurden wegen dieser Tat festgenommen und haben längere Zeit in Untersuchungshaft aesessen. Trotz langwieriger Beobachtungen der Kriminaldienst- ftelk E1/4 konnten sie damals nicht restlos über- führt werden. Gegen Max Saß konnten vorläufige Maßnahmen bisher nicht getroffen werden, da feine Kunst und Wissenschaft. Neuorganisation der deutschen Vühnenangehörigen. Auf einer Versammlung der Berliner Bühnentätigen gab der Geschäftsführer der Reichstheaterkammer, Frauenfeld, bedeutsame Entscheidungen auf dem Gebiete der Organisation der deutschen Bühnenangehörigen bekannt. Er teilte mit, daß der Präsident der Reichskultur, tammer, Reichsminister Dr. Goebbels, die Ge- nossenschaft der deutschen Bühnenangehörigen mit Wirkung vom 7. September a u f g e I Ö ft habe. Im Anschluß daran hat der Präsident der Reichstheater, tammer die Auflösung des Deutschen Bühnenver- eins e. V. sowie des Deutschen Chorsängerverban- des und Tänzerbundes, gleichfalls mit Wirkung vom 7. September ungeordnet. An Stelle dieser Organisationen ist die Fachschaft Bühne in der Reichstheaterkammer errichtet worden. Damit ist die große Einheitsorganisation aller Kulturschaf, senden der deutschen Bühne geschaffen worden. Die versammelten Bühnenkünstler nahmen diese Mit- teilung mit lebhaftem Beifall auf. Wetterbericht des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt. Don der Rückseite des im Nordoften absteigenden Tiefdruckes her wird Oft- und Mitteleuropa noch immer mit kalter Luft überflutet. Dabei kommt es vornehmlich über Nord- und Ostdeutschland noch zum Auftreten von Schauern, während in West- und Süddeutschland das Zusammensinken der eingedrungenen Kaltluft den Witterungscharakter be- stimmt. Die in der Nacht zum Samstag eingetretene Aufheiterung begünstigte Ausstrahlung und Abkühlung, so daß die Temperatur vielerorts bis auf plus 5 Grad zurückging. Die kräftige Entwicklung des Kaltlufthochs wird vorerst einen Einfluß von lief- druckftörunaen bei uns verhindern. Aussichten für Sonntag: Vielfach heiter, trocken, nachts sehr frisch, tagsüber etwas wärmer, über Norden nach Westen drehende Winde. Aussichten für Montag: Vorerst noch Fortdauer der vielfach heiteren Witterung, tagsüber weitere Wärmezunahme. Lufttemperaturen am 6. September: mittags 16,9 Grad Celsius, abends 10,9 Grad; am 7. September: morgens 9,2 Grad. Maximum 18 Grad, Minimum 6,6 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 6. September: abends 15,4 Orab; am 7. September: morgens 13 Grad Celsius. — Sonnenfcheindauer 4,8 Stunden. — Niederschläge 13 mm. Hauptschriftletter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. VIII. 35 : 9838. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindruckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen. Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf., mit der Illustrierten 5 Pf. mehr. Zur Zett ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gMg. Heizgas: 10 und 8 Pfennig ie cbm~~| Unverbindliche Vorführung I Fachmännische Beratung I [trabe 92/98. 5060V EEenz 5065V Haus I Wendepllng X 3-Zimmer- Kartoffelpflug, Zu verkaufen. Flaschen zu unentbehrlich. kaufen. Anzeig. Neu-Ausgabe zu 41 Reichsmark 5099 A L (Verschiedenes I n I ■* Suchegebraucht. Herrenzimmer Fernsprecher 2251 Schulstraße T [03781 frei. u. Offerten kennen/ werden bevorzugt. VvWMK / I I Löwengasse 28ll5059Da.b.®.91. Gas-Koks Geübte 5O41D 5096 A Schulstraße 7. gesucht. 00 bereitet mir immer wieder Freude.... schreibt uns einer unserer Kunden. — Auch Sie können diese unermüdliche Mitarbeiterin leicht erwerben. Schon für Mk 7.90 monatL bei Vuthbindevei- Sttfsavbettevin Spronnf.-Matratz. Spiral-Matratzen Steil. Keilkissen sehr gut erhalten/ zu verkauf. 03750 Ludwigstr. 40 I. der gute Brennstoff für Zentralheizungen, Hausbrand Sofort lieferbar durch Kohlenhandel und Gaswerk Gießen Etwas redegew. Dame kann [ich mühe- los wöchentlich Mk. 5,- verdien. Rob. 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In der vom Präsidenten der Reichskammer der bildenden Künste herausgeaebenen Zeitschrift „D i e K u n st k a m m e r" hat sich vor kurzem Wil Kelter mit der Frage der Kunstausstellungen beschäftigt und dabei die „Ueberwindung" einer Institution gefordert, die künstlerisch keinen Sinn mehr hat und selbst ihre wirtschaftliche Zweck- bestimmung nur noch in ganz geringem Maße erfüllt. Warum? Weil die großen Monster-Ausstellungen, in denen man auffallen muß, um überhaupt beachtet zu werden, zu einem schrankenlosen Subjektivismus geradezu verführen, und weil zweitens zwischen der Fülle des Dargebotenen und der Aufnahmefähigkeit des Publikums ein von Tag zu Tag größer werdendes Mißverhältnis besteht. Aber der Verfasser bleibt nicht im Negativen stecken, er sucht Mittel und Wege zur Herbeiführung gesünderer Zustände, die er kommen sieht, wenn erst einmal eine gut organisierte Arbeitsbeschaffung den Künstler von den Zufälligkeiten des Marktes, also der Kunstausstellungen unabhängig macht. Das ist nun zwar keine neue, aber doch eine immer wieder neu zu erhebende Forderung: Zuweisung größerer Aufgaben durch den Architekten, den privaten und öffentlichen Auftraggeber. Allerdings: das Problem ist damit noch nicht gelöst, denn die Viel-zu-vielen, die Unberufenen, an deren Ueber- zcchl unser heutiger Kunstbetrieb so leidet, werden damit nicht einfach ausgeschaltet werden. Immerhin dürfte das wohl der Weg sein, um „den schreienden kunstfremden Experimenten, denen die Kunst- ousstellungen seit einem halben Jahrhundert ihr Dasein verdanken", den üppigen Nährboden zu entziehen, ohne daß wir nun bleich das Nahen eines goldenen Zeitalters zu erhoffen wagen. Denn nun entsteht die entscheidende Frage: wird sich der Auftraggeber der Größe und Verantwortung seiner Aufgabe auch gewachsen zeigen? Wird der bevorzugte Künstler auch immer der würdigste sein? Das Problem ist also nicht so einfach, auch wenn man die allerbesten Absichten voraussetzen darf. Inzwischen wird es aber in der Tat darauf ankommen, die Qualität der Ausstellungen, wie in der „Kunstkammer" vorgeschlagen wird, durch Beschränkung auf das wirklich Wertvolle zu heben. Wer aber bestimmt dieses Wertvolle? Ejn Einzelner? Eine Kommission? Man sieht — Fragen über Fragen. Während die Staatsmänner Europas sich über die Mittel zur Beilegung des italienisch-abessinischen Konfliktes den Kopf zerbrechen, ist eine kluge englische Frau, Lady Frida Harris, auf einen Ausweg verfallen, von dem sie sich nichts geringeres als die Verhinderung von Kriegen überhaupt verspricht. Sie wendet sich nämlich mit einem Aufruf an sämtliche Hausfrauen d e r W e l t, in dem diese dazu aufgefordert werden, sich feierlich zur Boykottierung aller Waren kriegführender Staaten zu verpflichten. Wenn das, so argumentiert Lady Harris, auch nur eine Reihe von Monaten hindurch geschähe, so müsse das einen solchen wirtschaftlichen Druck auf den Angreifer ausüben, daß sich seine kriegerische Leidenschaft bald abkühlen werde. — Wer erinnerte sich hier nicht jener einfallsreichen Athenerin Lyfist r a t a , die in einer der ergötzlichsten Komödien des Aristophanes ihre Geschlechtsgenossinen in ganz Hellas zu einem allgemeinen Eyestreit ermunterte in dem sie das probateste Mittel sieht, dem männermordenden Krieg ein rasches Ende zu bereiten. Bekanntlich hatte schon besagte Lysistrata mit schnödem Verrat in ihren eigenen Reihen zu kämpfen, dieweil einige Damen etwas versprachen, was zu halten nicht in ihrer Macht stand; und auch untere Lady dürfte mit ähnlichen Schwachen der weiblichen Natur zu rechnen haben, wenn es erst darauf ankommt, der Verlockung der duftenden Drangen auch praktisch zu widerstehen. Gleichwohl: das durch bittere Erfahrungen skeptisch gewordene Europa hat sich so daran gewöhnt, den völkerkundlichen Bemühungen zu mißtrauen, daß es von der Mobilmachung der Hausfrauen durch Lady Harris mit jenem stillen Wohlgefallen Notiz nimmt, das fast einer Zustimmung gleichkommt. Die Dummen werden nicht alle — das war das übereinstimmende, wenn auch nicht übermäßig geistreiche Urteil, mit dem die deutsche Presse das unsaubere Treiben des Sektengründers Weißenberg und die Leichtgläubigkeit feiner Opfer kommentiert hat. Die Frage nach den tieferen Hintergründen ist kaum je gestellt, geschweige denn beantwortet worden. Wie war es möglich, daß in einer so aufgeklärten Zeit wie der unserigen so viele Menschen auf den unsagbar groben Schwindel hineinfallen konnten? Sollten es wirklich nur Schwachsinnige gewesen sein? Es genügt eben doch nicht, eine Kulturgroteske lächerlich zu machen, so sehr sie es, oberflächlich betrachtet, auch verdienen mag. Weit aufschlußreicher ist doch ihre tragische Kehrseite. Denn im Grunde war es wohl doch eine unbefriedigte Sehnsucht, ein metaphysischer Hunger, der viele zu Anhängern des „Propheten" machte — Manschen, die sich religiös entwurzelt fühlten und instinktiv etwas suchten, was ihrem sinnlos gewordenen Leben irgendeinen tragenden Inhalt zu geben versprach. Man wird fürchten müssen, daß sich der Fall Weißenberg unter anderen Namen noch wiederholt, denn es ist eine geschichtlich zu belegende Tatsache, daß der Mensch, der die vernunftgemäße Verbindung mit einer übersinnlichen Ordnung verloren hat, diese Verbindung, ohne die er nicht leben kann, in unvernünftiger und krankhafter Weise wieder herzustellen sucht. Es ist mit der geistigen Nahrung wie mit der physischen: der Hunaer macht die Ersatzmittel-Industrie doppelt erfinoerisch, und wo es an Geist fehlt, da spuken die Geister. Wie sich die Zeiten doch ändern, und mit den Zeiten auch die Sitten und Gewohnheiten der Menschen! Man spürt das besonders, wenn man auf Dinge stößt, die einmal für heilig gehalten wurden, mit dem Fortschreiten der Zivilisation aber so viele Metamorphosen durchgemacht haben, daß heute wohl die meisten mitleidig lächeln würden, wollte man sich unterfangen, auf ihren ursprünglich nicht profanen Sinn hinzuweisen. Die N a - mengebung etwa. Aus den Geschichten der Bibel wissen wir, daß sie in alten Zeiten keineswegs in das Belieben der Eltern gestellt war, sondern daß der Engel des Herrn vor der Geburt des Kindes dem Vater oder der Mutter im Traum erschien und den Namen als den Willen Gottes verkündigte. Heute hat längst das Namenlexikon die Engel über- S gemacht: man sucht sich unter tausenden einen passend scheinenden Namen heraus, unbekümmert darum, ob Name und Charakter auch übereinftimmen werden. Aber auch das ist in einer Zeit, die für nichts mehr Zeit hat, schon beschwerlich, denn wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. Jedenfalls war das kürzlich bei einem amerikanischen Dollarkönig der Fall, dem bei der Geburt einer Tochher absolut kein für die künftige Dollarprinzessin passender Vorname einsallen wollte. Allein, unser Nabob half sich auf echt amerikanische Weise: er wandte sich an d i e Oefsentlichkeit und schrieb einen Preis von 5000 Dollars für denjenigen aus, der ihm den schönsten Mädchennamen nennen könne. Wer möchte daran zweifeln, daß sich für solche Summe ein rettender Engel gefunden hat? Werbungen mit großem Geräusch fortzusetzen, um der französischen Regierung zu imponieren, aber Ferry traute dem Wort des Kanzlers mehr als der chinesischen Prahlerei, und als die französische Presse anfing, sich zu beunruhigen, ließ Bismarck auf Ferrys Wunsch jene Versicherung, die er zunächst nur vertraulich abgegeben hatte, sogleich durch die „Norddeutsche Allgemeine Zeitung" öffentlich wiederholen. Auch nach einer anderen Seite suchte Bismarck beruhigend zu wirken. Da England die Vergrößerung des französischen Kolonialreichs in Ostaiien ungern sah, lag der Verdacht in Paris nahe, daß Bismarck durch die Mahnung, kräftig gegen China aufzutreten, einen Konflikt zwischen England und Frankreich Hervorrufen wolle: die Meinung, daß er auf Frankreichs Verderben sinne, lebte nun einmal in den meisten Franzosen. Bismarck fand sogleich das rechte Wort gegen diese ihm wohlbekannte Stimmung. Durch seinen intimsten Untergebenen, seinen Sohn Herbert, ließ er dem Minister Ferry, wie dieser unmittelbar danach aufzeichnete, sagen, ein solcher schwarzer Verdacht verkenne völlig die Interessen Deutschlands, denn für Deutschland sei ein Krieg zwischen England und Frankreich nicht weniger schädlich als ein Krieg zwischen Oesterreich und Rußland. Bei Ferry hatte diese Sprache in der Tat Erfolg. Er führte den ostasiatifchen Krieg in der festen Zuversicht, von Deutschland nicht gestört zu werden, und in anderen schwebenden internationalen kolonialen Fragen, in der Einrichtung des Kongostaa- tes und der Regelung ägyptischer Finanzfragen, gingen Deutschland und Frankreich vielfach zusammen; schon sprach man unter den Diplomaten von der offenkundigen Entspannung zwischen den beiden bisherigen Gegnern. Welche Aussicht für die Welt, wenn der koloniale Ehrgeiz den Sieg über den kontinentalen davontrug und ein dauerndes deutsch-französisches Vertrauensverhältnis herge» stellt wurde! Aber das Verhängnis war, daß die französische Nation sich versagte. Gerade die guten Beziehungen zu Deutschland, die die große Expansion ermöglichten, wurden der Regierung als Verbrechen angerechnet: Clömenceau warf Ferry vor, sich in die Abhängigkeit von Bismarck begeben zu haben, und stellte die ostasiatische Politik in Gegensatz zur Revanchepolitik, und damit schlug er durch: es gelang ihm, Ferry zu stürzen (30. März 1885). Natürlich mußte sein Nachfolger F r e y c i - n e t die ostasiatische Politik im Sinne Ferrys fortsetzen, weil schon zu viele Werte in Tongking und Annam festgelegt waren, aber mit der Annäherung an Deutschland war es vorbei: jede Regierung, die nur den Schein eines engeren Zusammengehens mit Deutschland auf sich nahm, war seitdem ihres Sturzes durch die Kammer gewiß. Selbst Ferry mußte nach seinem Sturz auf Angriffe gegen seine Politik erwidern, keine französische Regierung könne die Erwerbung irgendeiner Kolonie als Kompensation für 1871 betrachten. Eine andere Haltung hätte ihm für immer den Rückweg in die Regierung verschlossen. Bismarck zog sofort die Folgerung aus diesen Vorgängen. Keineswegs schlug er eine feindselige Politik gegen Frankreich ein; er sagte dem französischen Botschafter immer wieder, daß er keine Forderung an Frankreich habe und ihm den besten Erfolg in seinen überseeischen Plänen wünsche, aber er hielt sich systematisch zurück, wenn ein diplomatisches Zusammenwirken gegen England in Frage kam. Denn, schrieb er dem deutschen Botschafter in Paris, der Revanchegedanke fei, wie Ferrys Schicksal zeige, immer noch das beste Mittel, die Franzosen zu interessieren und fortzureißen, also habe es England immer in der Hand, durch Begünstigung der Revanche Frankreich von Deutschland zu trennen und Deutschland zu isolieren. Diese Erkenntnis führe nicht zur Preisgabe Frankreichs, Deutschland habe vielmehr stets ein Interesse an der Erhaltung eines französischen Gegengewichts gegen England; Deutschland werde daher nicht selten Frankreich unterstützen können, aber in solchen Fällen müsse Frankreich die Spitze haben und Deutsch- Bismarcks Versuch einer Verständigung mit Frankreich vor fünfzig Jahren. Von llniverfiiatsprofessor Dr. Gustav Wolost. Frankreich ist mehr als jedes andere europäische Land zugleich mit dem Fe st lande und dem Meere verbunden. Daher seine wechsel- reiche Geschichte. Der Ausbildung des französischen Nationalstaats im 16. und 17. Jahrhundert folgt das Streben nach der Hegemonie in Europa mit der Eroberung deutschen und anderen Gebiets und zugleich eine weitausgreifende überseeische Politik, die Gründung eines Kolonialreiches, das zeitweilig dem englischen gewachsen oder gar überlegen war. Auch im 19. Jahrhundert bewährte sich die doppelte Fundierung des französischen Staates. Nach der Niederlage seiner europäischen Politik im Jahre 1870 setzte eine überseeische Expansion ein, die der französischen Nation einen gewaltigen wirtschaftlichen und moralischen Aufschwung ermöglichte. Ihr Gegner war im allgemeinen England, aber das Glück der Franzosen war, daß ihr Besieger ihre überseeische Tätigkeit begünstigte. Weit entfernt, die französische Nation zu knebeln, wünschte Bismarck, der besser als die Verfertiger des Versailler Diktats wußte, daß ein großes ehrgeiziges Volk auf hie Dauer nicht in Fesseln zu halten ist, ihr gerade koloniale Erfolge, um ihre Gedanken vom Rhein und von den Vogesen abzulenken. „Meine beständige Sorge ist", sagte er dem französischen Botschafter im Jahre 1884, „Frankreich dahin zu bringen, daß es Sedan verzeiht, wie es nach 1815 Waterloo verziehen hat. Ich wünsche deshalb, daß es Befriedigung nach allen möglichen Richtungen erhält, ausgenommen in der Richtung nach dem Rhein." Nach diesem Grundsatz hat Bismarck gehandelt. Den Beweis erbringen nicht nur die schon längere Zeit vorliegenden deutschen Dokumente, sondern auch die jetzt neu erschienenen französischen Akten aus dieser Epoche. Bei der Besetzung von Tunis (1881) gewährte Bismarck den Franzosen moralische Unterstützung und hielt die Opposition der Türken und Italiener im Zaum, in Aegypten stand er ihnen häufig gegen die überlegenen englischen Rivalen zur Seite, vor allem begünstigte er die Vergrößerung des französischen Kolonialreichs in O st a s i e n. Hier hatte schon Napoleon III. eine bedeutende Stellung in Annam und dem Nachbargebiet erobert, und die Natur der Dinge drängte darauf hin, die benachbarten füdchinefischen Provinzen, von wo aus die französischen Besitzungen dauernd beunruhigt wurden, zu unterwerfen. Aber ein Jahrzehnt lang wagte sich die Republik nicht an diese Aufgabe heran, weil sie von Deutschland einen Ueberfall befürchtete, sobald sie starke Kräfte in Ostasien engagiert habe. Aus dem Verlauf der tunesischen Angelegenheit erkannte der Minister Ferry die Grundlosigkeit dieses Argwohns und wagte deshalb eine größere Unternehmung zur Sicherung und Erweiterung der französischen Sphäre (1884/85). Bismarck wünschte zwar einen Krieg zwischen China und Frankreich nicht, weil er den deutschen Handel schädigte, aber als er unvermeidlich wurde, empfghl er den Franzosen ein kräftiges Vorgehen: in dem Konflikt zwischen der Zivilisation und der halben Barbarei, sagte er dem französischen Botschafter, stehe Deutschland natürlich auf Seite der Zivilisation; Frankreich möge ohne Besorgnis vor einer europäischen Einmischung den Krieg mit großen Mitteln führen, um ihn bald zum gewünschten Ende zu bringen. Unbedingt verwarf er jede Unterstützung Chinas. Als die Pekinger Regierung versuchte, deutsche Offiziere und Unteroffiziere unter hohen oefuniären Versprechungen — 18 000 Mark Jahressold für den Leutnant neben hohen lieber- fahrtsspefen — anzuwerben, teilte Bismarck sofort dem französischen Botschafter mit, daß kein aktiver oder Reserveoffizier die Erlaubnis zum Eintritt in den chinesischen Dienst erhalten werde. Trotz dieser Haltung der deeutschen Regierung suchte China seine Bildnis des Vaters. Von Felix Timmermans In dem von Adolf von Hatzfeld im Rembrandt-Verlag, Berlin, herausgegebenen Werk über den flämischen Dichter und Zeichner Felix Timmermans finden sich Worte des Dichters, mit denen er feinem Vater den Dank abftattet, den er ihm schuldig ist. Wir entnehmen dem Buch dies Zeugnis der Dankbarkeit, weil sich in ihm auch das Wesen des Sohnes widerspiegelt. Wenn ich Ihnen jetzt von meinem Vater erzähle, so geschieht es nicht, weil es mein Vater ist, sondern weil er mich das Erzählen gelehrt und so mitgearbeitet hat an meinen Büchern, ohne daß er es wußte. Als ich hier in Lier geboren wurde, jetzt vor fast fünfzig Jahren/ war ich das dreizehnte Kind von vierzehn. Ich war eine Zugabe. Für mich war kein Blatz mehr im Familienstammbuch, und deshalb schrieb man mich dann einfach auf den Umschlag. Mein Vater war der Sohn eines Spitzenhändlers, meine Mutter die Tochter eines Schmiedes, und so wuchsen wir heran in lauter Spitzen. Auch mein Großvater handelte in Spitzen. Meine Schwestern und Brüder ebenfalls. Ich, ich auch. Meine Eltern muhten hart arbeiten, um die zwölf Münder, die am Leben waren, zu füllen. Mein Vater ging Spitzenhauben verkaufen in Kempen und Seeland. Damals waren die Verbindungen ganz miserabel auf dieser Strecke, und um schneller von Dorf zu Dorf zu kommen, fuhr er in einem Hundekarren, mit fünf Hunden bespannt. So sehe ich ihn heute noch abfahren. Er stand aufrecht in feinem Wagen, er hielt die fünf Zügel in der Hand, knallte mit der Peitsche, sang dabei ein Lied, der Wind blies in seinen blauen Kittel, und so fuhr er weg wie ein echter römischer Triumphator. Mein Vater verkaufte seine Spitzenhauben auf bem Lande an die Bäuerinnen und war dann immer wie ein Bauer gekleidet, mit einem langen blauen Kittel, einem roten Halstuch und einer hohen seidenen Mütze. Denn die Bäuerinnen kaufen nicht gern von einem Herrn; denn dann werden sie betrogen. Darum kleidete sich mein Vater wie ein Bauer, und dann wurden sie nicht betrogen. Wenn in meinen Büchern Humor ist, so verdanke ich das meinem flämischen Volk, das angefullt von Humor ist, und meinem Vater. Unter Humor verstehe ich keinen flachen Optimismus, sondern das, was unter dem Optimismus, unter dem Lebensverdruß und unter der Lebenstragik zu vernehmen ist und was aus jedem Verdruß und jeder Tragik als Freude oben herausblüht. Das flämische Volk war durch die Jahrhunderte hin ein tragisches Volk, das um fein Leben und feinen Bestand kämpfen mußte, doch das dank feines Glaubens froh an Geist und Herz geblieben ist. Vergessen Sie nicht, daß die Derleiblichunb von Flanderns hartem Kampf der größte Spötter und Lacher der Welt (Eulenfpiegel ist. Ich will Ihnen ein Beispiel vom Humor meines Vaters geben. Ich war ein sehr schlechter Schüler in meiner Klasse, war meistens einer der Letzten, aber zur Freude meiner Mutter war ich noch nie der Allerletzte gewesen. Jetzt wurde ich es aber doch. Und bei der Preisverteilung wurde mir keine Prämie überreicht. Traurig verließ ich das langweilige Gebäude. Aber draußen vor der Tür stand mein Vater, eine Bismarckfigur, nur viel geschmeidiger. Ich fürchtete Prügel zu bekommen, aber sieh, er holte ein Bündel von acht Preisen hervor und sagte, daß der Direktor sie ihm soeben gebracht habe, die Verlesung der Namen sei falsch gewesen und ich sei in Wirklichkeit der Fünfte in der Klasse. Stolz zeigte ich mich nun bei allen Verwandten, die mir als Belohnung Geld gaben für meine Sparbüchse und viele Süßigkeiten schenkten. Doch als ich nach Hause kam und meine Schwester das Geld sah, sagte sie, daß sie die Hälfte davon mithaben wolle. „Warum?" fragte ich erstaunt, und sie antwortete: „Das sind doch alles meine Preise vom vorigen Jahr!" War mein Vater auf Reisen, dann blieb meine Mutter allein zu Haus, um die ganze Zwiebelschnur von Kindern zu füttern, zu kleiden und zu betreuen und mußte dann noch den Tüll schneiden, mußte zeichnen und die Arbeiterinnen bedienen. Ich saß dabei und zeichnete die Märchenblumen nach und erfand neue, und ich lauschte den armen Arbeiterinnen, die die schlohweißen Spitzen ablieferten, ihrer saftigen Sprache, ihren farbigen Gesprächen und derben Geschichten. Wenn es Abend wurde, schickte meine Mutter uns schnell mit einem Kreuzchen zu Bett, um ruhig und ungestört zu arbeiten. Ungern gingen wir dann schlafen. Aber kam der Vater nach Haus, dann baten wir, möglichst schnell zu Bett gehen zu dürfen. Denn bann holte er hervor, was er von der Reise mitgebracht hatte, und das waren dann die nichtigsten Dinge, aber er schrieb ihnen einen besonderen Wert zu... Einmal war er nachts nach Hause gekommen und hatte eine ganze Hutschachtel Maikäfer mitgebracht. Doch während alles schlief, hatten die Tierchen dagegen gedrückt und den Deckel fortgefchoben und hatten in dem dunklen Zimmer herumzufliegen begonnen, daß wir alle auffpran- gen und im Hemd herumliefen und die ganze Nacht Jagd auf die Maikäfer machten. Doch am liebsten gingen wir schlafen, wenn er zu Hause war, weil er uns zu Bett brachte und bann Geschichten erzählte, Lieber fang unb 'uns Rätsel aufgab. Unser Vater war unser größter unb bester Spielkamerad. Er zeichnete Männchen, schnitt Figuren aus Obstkernen, tanzte und spielte die Kinderspiele mit. Er machte ein Puppentheater, spielte die Stücke und wir waren Zuschauer. Selbst noch später bei Festen und Hochzeiten gab mein Vater das Beispiel der Lust, unb er war als erster babei, zu fingen, und meine Mutter war dann sehr stolz auf ihn. Nie war er pedantisch oder auf feine Autorität erpicht, und doch hat nie einer von uns ein ungehorsames Wort gegen ihn gesprochen. Das Zubettgehen war die reinste Kirmes. Ich sehe uns noch alle nach oben klettern in unserem Nachthemd, eine ganze Rotte Kinder, dahinter der Vater mit einem Kerzenlicht in der Hand und ich auf seinem Rücken. Oh, diese Erzählungen. Marzipan ist nichts dagegen. Es waren die gewöhnlichen Erzählungen vom Däumling, aus Tausend und einer Nacht, Genoveva, die vier Haimonskinder, aber sie wurden von seiner heftigen Phantasie verwandelt. Er erzählte abends ganz langsam, langsamer als am Tag, und das tat er, um uns in den Schlaf zu kriegen, doch wir tranken feine Worte wie Süßmilch und fragten immer mehr. Auch feine Lieder waren abends langsamer, aber wir fangen sie mit. Oester konnte es mehr als eine Stunde dauern, bis wir schliefen und er nach unten ging. Aber er war geduldig. Nie wurde er böse, unb er tat uns nie etwas Böses. Er besiegte uns burch seine Gebulb. Seltenes Vergnügen. Zu L e n b a ch kam einmal ein sehr reicher Berliner Bankier, um sich zu erkundigen, wieviel er für sein Porträt verlangen würde. Der Meister sah sich den Auftraggeber an und forderte eine Riesensumme. Entsetzt rief der Herr: „Aber das ist ja ein ungeheurer Preis! Kürzlich habe ich ein von Ihnen gemaltes Bild B i s m a r ck s für die Hälfte gekauft!" Darauf erwiderte Lenbach ruhig: „Das kann schon sein. Aber den Furien Bismarck zu malen, war für mich ein großes Vergnügen. Unb bas hat man feiten beim Malen — Vergnügen!". Zeitschriften. — „Der Naturforsche r", vereint mit „Natur unb Technik". Preis vierteljährlich 2,50 Mark, Einzelheft 1 Mark. Hugo Bermühler Verlag, 23er- lin-Lichterfelbe. — Im Septemberheft biefer füh- renben naturkunblichen Zeitschrift beansprucht ber Aufsatz des bebeutenben Kieler Anthropologen Dr. Hans Weinert über bas Thema „Gibt es einen Stammbaum ber heutigen Menschen?" besonbere Aufmerksamkeit. An Hand von zahlreichen Skizzen und Bildern von den verschiedenen Menschenrassen erörterte der Verfasser die Frage nach der Herkunft und Entwicklung der Menschheit und der Entstehung der einzelnen Rassen, wobei er die Ergebnisse ber neuzeitlichen Rassenforschung und die heutige Rassenbewertung durchaus vertritt. Ebenfalls große Anteilnahme wecken die Ausführungen von Dr. H. Mann über „Biologisches und Wirtschaftliches der deutschen Forellenzucht". Auf Grund vieler Versuche und an Hand von einleuchtenden Skizzen berichtet Dr. Wilhelm Ludwig „lieber Bedeutung unb Entstehung der Lichtkompaßbewegung" unb trägt bamit Licht in bas merkwürdige, bisher noch nicht erklärte Verhalten der Tiere, besonders der Insekten in ihrer Einstellung zum Licht. Wetter- kundliche Tatsachen und Merkwürdigkeiten vereinigt Dr. R. Spitaler zu Gesetzmäßigkeiten in seiner Abhandlung „Zahlenmäßige Beurteilung des Wetters". — Tierpsychologische unb tierkunbliche Ausführungen finben wir in den Aufsätzen „Neue Beobachtungen an unserem Fuchs" von Dr. Bastian Schmid unb „Brutbiologisches vom Talegallahuhn" von Dr. H. Steinmetz. Beiben Aufsätzen sind aus- gezeichnete Aufnahmen beigegeben. Der bekannte Geologe Karl Krejci-Graf gibt einen Ausschnitt aus seinen Forschungen im Erdölgebiet Rumäniens und berichtet unter* Veröffentlichung ausgezeichneter Naturaufnahmen über die merkwürdigen „Vulkanartigen Schlammbauten in Erdölgebieten". Dr. I. Plaßmann, der bedeutende Astronom, gibt einen Ueberblick über die neuesten Tatsachen unb Ansichten zu ber Frage ber „Ober- unb unterirbischen Sternschnuppensteine" Bemerkenswert finb auch bi« allgemeinverstänblichen Untersuchungen von Pros. Dr. Hans Schnell über „Beugungserscheinungen an schwingenben Kristallen". Zahlreiche Beiträge und Forschungsergebnisse, Anregungen zur Naturbeobachtung („Vogelzug im Herbstmond" und „Die „Pilze im September"), die Bücherschau und eint Preisfrage beschließen das Heft, das wiederum Zeugnis von der Leistungsfähigkeit dieser Zeitschrift ablegt. land an zweiter Stelle stehen. Nur so weit dürfe Deutschland mit Frankreich mitgehen, als dieses selbst bereits oorangegangen fei, sich also unzweifelhaft gegen England gebunden habe. Es hing also von Frankreich ab, wie sich in Zukunft die Beziehungen zwischen den Nachbarn gestalten sollten, und da hat sich Frankreich immer wieder von Deutschland entfernt. In der französischen Presse, auch in gemäßiaten Zeitungen wie dem „Ternps", wurde eine Agitation zur Verstärkung der französischen Grenztruppen eröffnet, und als im Sommer 1885 Deutschland mit Spanien wegen der Karolinen in Streit ae- riet, nahm die französische öffentliche Meinung sofort in schärfster Weise gegen Deutschland Partei und gab unzweideutig der Hoffnung Ausdruck, dah ein spanisch-deutscher Krieg ausbrechen und der französischen Politik günstige Möglichkeiten eröffnen werde. „Fünfzehn Jahre freundlichen Entgegenkommens auf jedem Gebiete der Politik mit alleiniger Ausnahme des Elsaß", schrieb Fürst Bismarck, hätten eine Abnahme der Feindschaft nicht erzielt; Deutschland werde zwar in seiner Pflege der outen Nachbarschaft fortfahren, hege aber nicht mehr Das Vertrauen, daß das ftanzösische Volk seiner Regierung, selbst wenn sie wolle, dasselbe gestatte. Die Pariser Regierung verhielt sich zwar während des Karolinenstreits im allgemeinen korrekt, aber für diese Empfindungen hatte sie kein Verständnis. Als der Botschafter Fürst Hohen- lohe die Beschwerden Bismarcks über die Aeußk- rungen der französischen öffentlichen Meinung vortrug, lehnte sie Freycinet, wie wir in einem Schreiben an seinen Botschafter in Berlin lesen, rundweg ab; das Land sei ebenso friedlich wie die Regierung, die Presse sei ruhig und entgegenkommend und gerade nur in Erregung, wenn ihr in deutschen Zeitungen kriegerische Gedanken untergeschoben würden. Damit war auch für Deutschland iede Hoffnung auf Annäherung endgültig zu Wasser geworden: von der französischen Regierung war nach diesen Aeußerungen eine Beeinflussung der öffentlichen Meinung im deutschfreundlichen Sinne nicht mehr zu erwarten. Und als die schwebenden kolonialen Schwierigkeiten in Ostasien und Afrika gehoben waren, trat die Reoanchestimmung vollends unverhüllt hervor. Der neue Kriegsminister B o u l a n - g e r (seit Anfang 1886) und die Patriotenliga unter Dsroulöde predigten offen die Wiedererobe- runa Elsah-Lothringens, ja der Rheingrenze, mit Rußlands Hilfe, ein russisch-französisches Bündnis wurde täglich populärer. Auf die Kolonialpolitik verzichtete man zwar nicht, aber sie vermochte den Gedanken der Revanche nicht auszulöschen, ihre Ergebnisse wurden vielmehr in den Dienst der Kontinentalpolitik gestellt: man war gern bereit, erhebliche überseeische Opfer zu bringen, wenn man Rußland und England damit in ein deutschfeindliches Fahrwasser ziehen konnte. Wie mögen sich die Prinzipien der kolonialen und kontinentalen Politik heute in Frankreich gegenüberstehen, nachdem es das erste Ziel der Revanche, Eliaß-Lothringen, erreicht hat? Wird das französische Volk sich mit dem Besitze von Straßburg und Metz zufrieden geben und seine Hauptkraft dem überseeischen Gebiete zuwenden? Oder wird es unter der Einwirkung der solange gepflegten deutschfeindlichen Tradition das Ziel Der französischen Revolution, die Rheingrenze und Zerstückelung Deutschlands, weiter anstreben und deinentsprechend die überseeischen Möglichkeiten beschränken? Welches Moment mag die französische Politik in der gegenwärtigen Weltkrisis am stärken bestimmen? Rückkehr des Gelben Flusses in sein altes Rett? Berichte aus Schantung geben der Befürchtung Ausdruck, daß eine einzigartige Naturkatastrophe bevorsteht. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß der Gelbe Fluß in sein Mitte des vorigen Jahrhunderts verlassenes Bett zurückkehren wird. Die Mündung des alten Flußbettes liegt zwischen Tsingtau und Schanghai. Die Folge dieses Naturereignisses wäre die Zerstörung besonders fruchtbarer Gebiete im Nordteil der Kiangsu-Pro- vinz. Nach Ansicht leitender Wasserbau-Ingenieure liegt heute bereits die Hauptwassermenge südostwärts. Oer Führer im Manöver. Oer „Krieg" in der Lüneburger Heide geht weiter. (Scherl-Bilderdienst-M.) «»KV ■ Munsterlager, (Lüneburger Heide), 6. Sept. (DNB.) Der Führer, der am Freitagfrüh im Munsterlager zu den Ma- növern des VI. A.-K. eingetroffen war, begab sich vom Lager aus sofort in Begleitung des Oberbefehlshabers des Heeres, General der Artillerie, Freiherr o. Fritsch, ins Uebungsgelände. Der Führer besuchte dabei u. a. die Uebungsleitung und ließ sich vom Kom- mandierenden General des VI. Armeekorps, Generalleutnant v. Kluge, und bei den Stäben der beiden kämpfenden Parteien, Rot und Blau, von den Parteien - Führern über die jeweilige Gefechtslage Dortrag halten. Der Führer wurde im Manövergelände auch vom Reichskriegsminister Generaloberst v. B l o m - berg und vom Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, Admiral Dr. h. c. Raeder, begrüßt. Ferner sah man den Chef des Wehrmachtsamtes im Reichskriegsministerium, Generalmajorv o nReich e n a u. Im Manövergelände hatte der Führer Gelegenheit, eine Reihe von bekannten Führern der nationalsozialistischen Bewegung zu begrüßen. Der Führer wurde überall, wo er im Manövergelände erkannt wurde, begeistert begrüßt, ganz besonders auch von den jungen Soldaten der deutschen Wehrmacht. Dem zweiten Teil der Herbstübungen lag folgende Ausgangslage zugrunde: Blaue Streitkräfte hatten im Angriff die feindliche Front an der Elbe durchbrochen und befanden sich am frühen Morgen des Uebungstages in weiterem Vordringen in südwestlicher Richtung. Im Verlauf der Kämpfe war in der Gegend nordwestlich der Stadt Munster in der Nähe von Bispingen eine breite Lücke in der feindlichen roten Front entstanden, in die weitere neu herangeführte blaue Kräfte in der allgemeinen Richtung auf Soltau hineinstoßen sollten. Mit der Aufgabe wurde die zunächst verfügbare 6. Division des VI. Armeekorps unter Führung des Generalmajors Keitel betraut, die nun auf mehreren Marschstraßen beiderseits von Bispingen in der Richtung Soltau—Walsrode, also von Nordosten nach Südwesten vorgeht. Die rote Partei hatte, in dem Bestreben, die entstandene Lücke in der Front zu schließen, ihre noch verfügbaren Kräfte unter Führung des Generalmajors Kunze aus der Gegend südwestlich Uelzen in nordwestlicher Richtung in Marsch gesetzt, um das Vorgehen der blauen Partei zu unterbrechen. Dieser Vormarsch der roten Partei zwang den Führer von Blau etwa um 11 Uhr sich dahin zu entscheiden, seine Division auf Grund der ihr in der linken Flanke drohenden Gefahr plötzlich in völlig anderer Richtung fast rechtwinklig zu der bisherigen Vvr- marschrichtung abzudrängen, um den neuen Feind anzugreifen und zu schlagen. Beide Parteien hatten das Bestreben, sich in den Besitz der zwischen ihnen liegenden und für den weiteren Kampf außerordentlich wichtigen Höhe westlich des Munsterlagers zu setzen, um das sich unter Einsatz aller Mittel äußerst erbitterte Kämpfe entspannen. Bis zum Abend hatte Rot diese Höhenlinie in seiner Hand. Der Aufmarsch der beiden Kolonnen, die in Marschordnung ihrem Ziele zustrebten, vollzog sich keineswegs ungestört. Beide Parteien arbeiteten mit ungewöhnlich starkem Einsatz der Fliegerkräfte, vornehmlich der Tiefflieger, die in geringer Höhe Über den Kolonnen Bomben abwarfen und die Truppen mit Maschinengewehrfeuer belegten. Dor allem die große Schwenkung der blauen Partei veranlaßte den Gegner zu verstärktem Einsatz seiner Flieger. Ein wundervolles Kampfbild bot sich dann am Abend, als Rot von allen Punkten seiner Front aus die Höhen angriff, deren Besitz für den Ausgang der Schlacht wahrscheinlich von entscheidender Bedeutung fein wird. Zwei ftanzösische Grohbomber zusammengestohen und abgestürzt. Zwei an den Manöoern in der Champagne teilnehmende ftanzösifche Großbomber stießen bei Chateau-Porcien zusammen und stürzten ab. Sämtliche zehn Mann der Besatzung der beiden Flugzeuge kamen ums Leben. Es handelt sich um zwei Apparate der zweiten Staffel des 21. Flugzeuggefchwaders in Nancy. Nach dem Zusammenstoß stürzte das eine Flugzeug brennend neben dem Rathaus von St. Jean-au-Bois ab und übertrug den Brand auf eine Baracke. Die fünf Mann Besatzung verbrannten. Der andere Apparat stürzte 1500 Meter vom Rathaus entfernt aufs Feld. Die fünfköpfige Besatzung fand ebenfalls den Tod. Man nimmt an, daß der Unfall auf die durch starke Wolkenbildung behinderte Sicht zu- rückzuführen ist. Die Trümmer der beiden Militärflugzeuge werden bis zur genauen Aufklärung des Vorfalles streng bewacht. Der Luftfahrtminister D e n a i n hat sich an die Unfallstelle begeben. Geschichten aus aller Welt. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Zwei Brüder sehen sich zum ersten Male, (z) Sidney. Daß man 62 bzw. 51 Jahre braucht, um den eigenen Bruder endlich einmal kennenzulernen. Durfte zu den Seltenheiten in diesem Leben gehören Es ist aber soeben Der Fall gewesen mit Den betDen BrüDern Davis, Die sich ln Dem genannten Alter befinDen unD kürzlich sich zum ersten Male im Leben im StäDtischen Cumnock im australischen Neu^SüD-Wales um Den Hals fielen. ___ Der ältere BruDer war im Alter von fünf Satyren von einem wohlhabenden Onkel an Shnbes Statt an* genommen und nach Queensland gebracht worden, sechs Jahre, bevor der jüngere Bruder John ge- boren wurde. Beide Brüder haben nie miteinander korrespondiert, und nur durch einen Zufall erfuhr der Queenslänber neulich, daß ein Bruder von ihm in Neu-Süd-Wales lebe. Er machte ihm einen Ueberrafchungsbefuch, und ein merkwürdiger Zufall will es, daß beide wohlbestallte Bäckermeister sind. Das Nashorn beschert langes Leben. (ur) Peking. Mit Strafen und Aufklärungen geht man manchen Lastern und Unsitten im Reiche des Drachens zu Leibe. Aber in einer Hinsicht wird man vorläufig mit allen Bemühungen versagen: beim Aberglauben. Die alten chinesischen Aerzte werden noch auf Jahrzehnte viel zu tun haben. Und auch jene, die pulverisiertes Rhinozeroshorn verkaufen, werden nach wie vor ihr Geschäft machen. Der augenblickliche Preis für ein Kubikzentimeter Rhino- zeroshorn beträgt rund 40 Dollar. Man verkauft dieses „Medikament", das schon seit Hunderten von Jahren gehandelt wird, besonders solchen Chinesen, die ins Ausland gehen. Sie nehmen fern der Heimat Tag für Tag einige winzige Staubkörnchen des Rhinozeroshornes zu sich und sind überzeugt, daß dieses Mittel ihr Leben in einer Weise zu verlängern vermag, die sie die alte Heimat noch einmal Wiedersehen läßt... Grober Unfug im Affenkäfig. (th) Neuyork. Die Leitung des Neuyorker Zoologischen Gartens führte bittere Klage über die Unbotrnäßigkeit ihrer Affen und zugleich auch der Zoobesucher, die mit einer geradezu böwilligen Beharrlichkeit ihre Zigarren- und Zigarettenstummel in die Affenkäfige schleudern, wo sie von den Tieren ergriffen und kunstvoll zu Ende geraucht werden. Ein junger Drang Utan ist sogar ein großer Liebhaber von Kautabak und verschmäht selbst sein Essen, wenn er einen „Stift" bekommen kann. Ost sieht man insbesondere die Schimpansen in ihrem Gemeinschaftskäfig stillvergnügt im Kreise sitzen und einen brennenden Zigarrenstummel von Hand zu Hand und Mund zu Mund gehen lassen. Sie vergessen darüber völlig die übrige Welt. Die leidenschaftlichste Raucherin ist eine ältliche Schimpansin, die früher auf Der Varietöbühne aufgetreten ist. Zierlich hält sie Die Zigarre oder Zigarette zwischen Daumen und Zeigefinger und knipst mit dem Mittelfinger die Asche ab. Die Leitung des Neuyorker Zoo geht allen Ernstes mit dem Gedanken um, ihren Besuchern das Rauchen zu verbieten. DerehrgeizigePolizistunddiegarstigcBraut Da. Chicago. Der Schutzmann Mac Calmon ist aus der Polizei ausgestoßen worden. Er war ein nüchterner, anständiger, fleißiger Mensch und hatte nur den einen Fehler: er war krankhaft ehrgeizig. Mac Calmon hatte das ausgesprochene Pech, sich niemals auszeichnen zu können. Wenn er Dienst hatte, war nie etwas los — kaum daß er gelegentlich mal einen Betrunkenen von der Straße her aufs Revier brachte. Und dabei standen viele Kollegen alle Augenblicke lobend erwähnt in der Zeitung ...! Mac Calmon hielt das nicht mehr aus. Er mußte den Bann brechen, der auf ihm lastete. Also ging er hin und schrieb einen prächtigen Bericht für eine Zei- Ein kleiner Leutnant und ein großer General. Eine wahre Manövergeschichte mit Hindenburg. feiner Mannschaft hatte auf eine imaginäre Helmspitze geschossen, die angeblich zwischen den Baumstämmen aufgetaucht fein sollte. Der Leutnant schimpfte und fluchte zwar herzhaft, aber im Innern gab er doch dem Infanteristen, der nach dem Gespenst geschossen hatte, recht. Das Warten fiel ihm selber auf die Nerven. Der Hindenburg war damals noch Kommandierender General des IV. Armeekorps in Magdeburg, als sich folgende wahre Begebenheit bei einer großen Hebung zugetragen hat. Die Gefechtsaufaabe war nicht gerade schwer ausgefallen, aber sie gab doch an einigen, scheinbar nebensächlichen Punkten harte Nüsse zu knacken. Man konnte da so oder so handeln, abwarten ober angreifen, eins war so richtig wie bas anbere. Nur wenn bas nötige Glück fehlte, konnte gerabe bas, was man tat, falsch sein. Solch einen wunden Punkt hatte ein Hauptmann mit Strategenblick erspäht. Es war ein Eisenbahndamm zu besetzen, vor dem sich tückisch dichter Wald ausbreitete und die Sicht zum Feinde versperrte. Obendrein konnte man nur wenig Truppen für den Damm verwenden, um sie nicht an wichtigeren Stellen entbehren zu müssen. Der Hauptmann befahl einem jungen Leutnant, den Bahndamm mit einer Anzahl von Leuten zu besetzen und zu halten; nötigenfalls habe er zu handeln, wie es Klugheit und Gebot der Lage erforderten. Da aber Klugheit und Gebot der Lage reichlich abstrakte Begriffe sind, mochte Leutnant v. Gerald ahnen, daß er bei der Niederlage feiner Partei unter Umständen einen prächtigen Sündenbock abgeben würde. Allein feine Bedenken wurden einigermaßen zerstreut, als ihm der Hauptmann versprach, ihn durch Meldereiter auf dem Laufenden zu halten. Die kriegerischen Operationen nahmen ihren Anfang. Leutnant v. Gerald und seine Leute hörten von ferne Platzpatronen krachen, aber für sie war es trotzdem eine recht (angeroeilige Angelegenheit, auf dem Bauch zu liegen, während die Sonne mit hochsommerlicher Glut und Güte die Rücken schmoren ließ. Die Luft flimmerte so eigenartig, daß man allerlei Dinge in sie hineinsehen konnte, die man gern decken wollte: Helmspitzen von der feind- lichen Partei. Eine Erlösung war es für den Leutnant, als der Meldereiter kam. Aber der wußte auch weiter nichts zu berichten, als daß der Wald vor dem Bahndamm noch vom Feinde frei war. Dann versickerte wieder eine Stunde. Die Hitze steigerte sich mittäglich, und mancher brave Mus- feiler hatte Mühe, die Augen offenzuhalten. In das allgemeine Dösen hinein krachte plötzlich ein Schuß. ' Leutnant v Gerald sprang auf. Einer größte Schlamassel kann das werden, dachte er, noch eine Stunde, und wir sind in Schweiß zerflossen und sehen weiße Mäuje. lieber ihnen lastete die Sonnenglut, vor ihnen lockte der Wald mit seiner schattigen Frische. Inzwischen kam wieder die Meldung: der Wald noch frei vom Feinde! Leutnant v. Gerald dachte angestrengt nach: Man könnte also den Wald durchschwärmen und an dessen jenseitigem Rand den Feind erwarten, der auf freiem Felde ohne Deckung angreifen müßte. Ueberbies wäre man nicht mehr biefer Bullenhitze ausgesetzt, unb bie Leute könnten ihre fünf Sinne besser beieinanberhalten. Der Eisenbahnbamm würbe in der neuen Stellung besser, mindestens ebenso gut zu halten sein wie hier. Der Leutnant faßte sich ein Herz und ging mit seiner Mannschaft in Schützenlinie, durch das Gehölz vor. Man wurde wieder munter, und die Hebung fing an, ein wenig Spaß zu machen... Als die Linie aber etwa zweihundert Schritt vorgerückt war, wurde sie durch feindliche Kavallerie von links und rechts zusammengerollt. Die Beweglichkeit der Reiter war zwar im Gehölz beeinträchtigt, aber die Plötzlichkeit des Angriffs ließ ihnen den Sieg zufallen. Leutnant v. Gerald wurde jamt feinen Infanteristen nach tapferer Gegenwehr gefangengenommen. Der junge Offizier nahm in Gedanken schon seinen Abschied aus der Armee. Unb seine finsteren Ahnungen verwirklichten sich auch: seine Partei würbe besiegt! Da warb es bem Leutnant gewiß, baß er ber Sünbenbock fürs halbe Armeekorps sein würde, weil er eigenmächtig seine Stellung gewechselt hatte und alles schief gegangen war. Eine Höllenwut hatte er auf den Meldereiter, der ihn durch sein „Der Wald ist frei!" in Sicherheit gelullt hatte. Kurz: Leutnant v. Gerald zerfiel mit sich und der Welt. Wie ein armer Irrer stand er dann bei ber Kritik auf bem „Felbherrnhügel". Er hörte wohl, baß bie hohen Chargen seiner Partei wetterten, was bas Zeug hielt, unb baß ber Vorgesetzte immer bie Schutt» bem nächsten Untergebenen weiterreichte. So ging es burch bie ganze Rangliste. So oft sich bas drohenbe Unheil eine Stufe tiefer wälzte, sank Leutnant v. Geralb ein Stück weiter in seine Stiefelschäfte. Eben sprach sich ber Major kernig unb kraftvoll aus Der Leutnant fuhr auf, weil enblich sein Name genannt würbe. Aber der Major richtete seine bitteren Anklagen vorläufig erst gegen den Hauptmann, und der Schluß feiner Rede lautete: „Ich hoffe, daß Sie, Herr Hauptmann, in nächster Zeit dem jungen Leutnant durch Felddienst- übungen reichlich Gelegenheit geben werden, zu lernen, wie man sich im Kriege zu benehmen hat!" Den Leutnant v. Gerald hatten Not und Bammel inzwischen so aufgemutzt, daß er fähig war, einige triftige Gründe für sein „verantwortungsloses" Handeln zusammenzuklauben. In feine Gedanken hinein donnerte der Hauptmann viel von „bodenloser Unkenntnis", auch die fälligen Felddienstübungen übertrug er weiter. Nach dieser Kritik trat beängstigende Stille ein. Alle Offiziere blickten erwartungsvoll auf den General von Hindenburg, der bis jetzt noch kein Wort gesagt hatte. Hindenburg strich sich Den Bart nach beiden Seiten und begann in seinem ruhigen Baß zu sprechen: „Ja, meine Herren, Sie haben da Ihre Meinung ziemlich eindeutig gesagt, ich kann eigentlich nicht mehr viel hinzusetzen. Ich habe von diesem Hügel aus die Gefechtslage klar überblicken können und habe auch bemerkt, daß Leutnant v. Gerald den Bahndamm mit feiner Abteilung verließ. Dabei jing's mir durch den Kops: du mußt doch nachher den Leutnant mal fragen, was der sich wohl jedacht haben muß. — Na, Herr Leutnant, wollen Sie uns das nicht mal verraten?" Wieder trat Stille ein. Aller Augen richteten sich nun auf den jungen Offizier, der erst geraume Zeit druckste, bann aus ber Reihe feiner Kame- raben trat unb Haltung annahm. Froh war er, daß ihn wenigstens einer endlich nach seiner Meinung fragte. Und bann brachte er alles vor: ungünstige Stellung, Sonnenglut, ben Schuß aufs Hirngespinst, bie Melbungen des Reiters, kurz, alles, was er schon bei sich selber überlegte hatte. Aus diesen Gründen formulierte er, ermutigt durch Hindenburgs Kopfnicken, eine geschickte Rechtfertigung seiner Tat. Als er geendet hatte, sagte Hindenburg: „Ich will dazu noch'n Wort bemerken: wenn Sie, junger Freund, wieder mal in so eine Lage kommen sollten, handeln Sie wieder so! Ich hätte es, weiß Gott, selber nicht anders gemacht. Für mich ist's immer die Hauptfach gewesen, daß meine Her- ren Offiziere denken können unb sich nicht blinb- lings auf bie Befehle ihrer Vorgesetzten verlassen. Hat einer wichtige Grünbe für eigenmächtiges Handeln, und's jeht trotzdem schief, bann ist bas Pech, unb bafür kann keiner was. Besonbere Situationen rechtfertigen befonbre Handlungen!" I Der Leutnant wuchs wieder zu feiner natür» lichen Größe empor, unb ein wenig mochte er sich auch barüber yinausrecken. Seine Kameraben blickten mit Stolz auf ihn, ba er bie Ehre ber Charge gerettet hatte. Den höheren Dorgefetzten vorn Hauptmann ab aufwärts gab es vollenbs ben Rest, als Hinbenburg bie Hebung fchmunzelnb schloß: „Unb Felbbienstübungen werben mir, meine Herren, ben Leutnant von Geralb nicht mehr tun lassen, als es üblich ist." Zwar war bie Kritik nun zu Enbe, aber bas große Erlebnis bes kleinen Leutnants noch nicht. Das fanb erst adenbs im Kasino feinen glänzenben Abschluß. Als ber General v. Hinbenburg ben Saal betrat, blickte er suchenb zum Leutnantstisch hinüber unb rief ben jungen Offizier zu sich. Er führte ihn väterlich wvhlwvllenb an bie Tafel ber hohen Chargen, bie sehr besetzt war. Hinbenburg sagte zu einem reichbetreßten, älteren Herrn: „Exzellenz rücken wohl'n Stückchen nach? Ich möchte gern meinen jungen Freunb hier an ber Seite haben." Der kleine Leutnant v. Geratt» aber fanb, als er mit bem General v. Hinbenburg eine Flasche Wein zusammen leerte, baß fein Äommanbeur nicht nur ein gerechter Vorgesetzter, fonbern auch ein prächtiger Mensch war. Arthur-Heinz Lehmann. Sie heirateten ihren Chef. Eine englische Wochenzeitunq erließ kürzlich eine Runbfrage an ihre Leserinnen, auf welche Weife sie ihren Mann tennengelernt hätten. Dabei erklärten nicht weniger als 2000 Stenotypistinnen ihren C h e f geheiratet zu haben. Es war aber, wie bie Mehrzahl ber Damen erläutert, nicht immer ganz einfach, bas Augenmerk bes Gestrengen auf ihre weiblichen Reize zu lenken. So haben sich 756 Büro- bamen brei volle Jahre anstrengen müssen, bis sie bas Herz ihres Vorgesetzten eroberten, unb 431 Damen haben nach ber Statistik zwei Jahre bis zum Derlobungskuß arbeiten müssen. Ganz befon- bers talentiert müssen bie 908 Mäbchen gewesen fein, benen ber Chef schon im ersten Jahre ihrer Zusammenarbeit fein Herz antrug. Don biefen 908 Damen haben 167 sogar nur zwei Monate gebraucht, bis sie mit ihrem Chef zum Stanbesamt gehen konnten. Tüchtig, tüchtig, biefe Mäbchen, und sicher waren sie es auch auf ber Schreibmaschine, denn heutzutage kann kein Betrieb ein Mäbchen gebrauten, bas mit Puberbose unb Lippenstift besser Bescheib weiß, als mit Stenogrammblock unb Maschine ... Lin Gedenkblait für die ausscheidenden Soldaten Inseln des Deutschtums Bildung des den Herbst- kui In der kurzen Zeit seiner hiesigen diplomatischen Tätigkeit hat sich der Gesandte o. Mackensen sowohl in den weitesten ungarischen Kreisen, als auch unter VI. Die Gesandtschaft in Vudapest. Äon unserem ständigen v.H.-Berichterstaiier. (Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Budapest, Ende August 1935. Der Oberbefehlshaber des Heeres teilt mit, daß den nach Erfüllung der aktiven Dienstpflicht ehrenvoll zur Entlassung kommenden Soldaten ein einheitliches Gedenkblatt ausgehändigt werden soll. Die Kosten für das Blatt (75 Rpf.) haben die Soldaten selbst zu tragen. Das Gedenkblatt erscheint in farbigem Druck und zeigt die Soldaten jeweils in den Farben der verschiedenen Waffengattungen. Die Ausgabe dieses Gedenkblattes, das u. a. auch von dem Reichskriegsminister und dem Oberbefehlshaber des Heeres unterzeichnet ist, erfolgt am 12. Oktober, dem ersten Entlassungszeitpunkt. — (Kunstverlag Andelfinger. — Scherl-Bilderdienst-M) Prag. Daß die Wahlpropaganda politischer Parteien durchaus nicht immer mit erlaubten Mitteln geführt wird, ist ja längst bekannt. Mitunter kann man aber auch, als Nichtbeteiligter, recht ergötzliche Szenen dabei erleben. So trug es sich in den verschie- densten Wahllokalen eines böhmischen Wahlkreises wiederholt zu, daß zu einer Versammlung der Par- Lei A die Partei B eine alte Frau schickte, die sich die Rede des Kandidaten ruhig anhörte, um dann aber sich zum Wort zu melden, worauf sie die Anwesenden schluchzend beschwor, dem Kandidaten ja nicht ihre Stimme zu geben, da er keineswegs feine Versprechungen einhalten werde. Sie müsse es ia wissen, da sie seine Mutter sei, die der Kandidat erbarmungslos ins Unglück gestoßen habe. Der Redner wies entrüstet diesen Vorwurf von sich fort, er kenne dieses Weib gar nicht, das ihm hier die Wähler abspenstig machen wolle; worauf sich die „Mutter" den Ausdruck „Weib" verbat und dann wieder einen Beweis für die Hartherzigkeit des „Sohnes" sehen wollte. „Jeder andere Kandidat , so trumpfte die alte Frau auf, „vielleicht der von der Partei B, aber nicht dieser mißratene Sohn! Die Wählerschar war gänzlich verstört durch diese Diskussion, es entstand ein großes Durcheinander und Stimmengewirr im Saal, bis schließlich ein alter Mann auf die Rednertribüne kletterte, sich mit mächtiger Stimme Ruhe erbat und schließlich die arme alte Frau anschrie: „Heute muß ich erfahren, daß du ein uneheliches Kind hast, wo wir schon seit 35 Jahren miteinander verheiratet sind? Und unter schallendem Gelächter wies er nach, daß man einer solchen verderbten Person, die für die Partei B werbe, nicht zuhören solle. Dagegen trete er für die Partei C, die einzig richtige, auf und bitte jetzt um Gehör für eine Propagandarede. Es war offensichtlich, daß sowohl der „Ehemann" als auch die „Mutter" von ihren Parteien gedungen waren, um sich gegenseitig und auch den Kadidaten der Partei A totzureden.___________________________ seinen deutschen Landsleuten einen sicher nicht häufig erlebten Grad von Achtung, Anerkennung und Sympathie erworben. Sein kluges und männliches Auftreten, feine freimütige, gewinnende Art und fein wirklich seltenes Verständnis für das schicksalhafte Ringen des ungarischen Volkes um die Befreiung von den Fesseln des Weltkrieges haben ihm eine ungewöhnliche Vertrauensstellung bei allen maßgebenden Persönlichkeiten des Landes gesichert. Die deutsche Gesandtschaft steht — ohne jede Überheblichkeit kann das ruhig ausgesprochen werden — im diplomatischen Leben der ungarischen Hauptstadt an erster Stelle. In den langen Monaten der schweren Erkrankung des Gesandten zeigte die geradezu überwältigende Fülle von Freundschafts- und Sympathie-Beweisen die ungewöhnliche Stellung Mackensens. Nicht um persönliche Erfolge und um persönliches Ansehen geht es hier. Jeder deutsche Gesandte ist heute in allererster und entscheidender Weise der Vertreter des Führers und Reichskanzlers, der Vertreter des gesamten Volkes. Jede Anerkennung und Ehrung, die er sich gewinnt, gilt dem gesamten Volke, gilt dem internationalen Ansehen und der internationalen Stellung Deutschlands. Das ist zweifellos die Auffassung, die für den Gesandten v. Mackensen allein maßgebend ist. Dem ungarischen Reichsverweser v. Horthy, diesem alten Seeoffizier der K. u. K. Marine, der wärmste Sympathie und Achtung für Deutschland empfindet und — wie die meisten der heute leitenden ungarischen Staatsmänner — durch Weltanschauung, Erziehung und Bildung aufs engste mit dem deutschen Kulturkreis verknüpft ist, ist der deutsche Gesandte in guter Freundschaft oer- bunt) en. Der nächste Mitarbeiter des Gesandten ist Legationssekretär Dr. Jarl Schnurre. In den langen Monaten der Krankheit des Gesandten von Mackensen lag die Führung der Gesandtschaft in den Händen dieses Diplomaten. Mit großem Derantwor- tungsbewußtsein, Geschick und Intelligenz hat er es verstanden, in den sturmbewegten Wochen des ungarisch-jugoslawischen Konfliktes und während schwerer innerpolitischer Krisen Ungarns die Interessen des Reiches in kluger und umsichtiger Weise zu vertreten • Neben der laufenden diplomatischen Tätigkeit, den zahlreichen täglichen Unterredungen, Besuchen bei den maßgebenden Stellen und der mit der Führung einer Gesandtschaft verbundenen Arbeit gehören außerordentliche gesellschaftliche Verpflichtungen zu dem Aufgabenkreis eines jeden diplomatischen Vertreters. In Budapest, dieser an geselligem Leben so reichen und lebensvollen Stadt, stellen sich dem Gesandten Anforderungen gesellschaftlicher Art von besonderem Ausmaße. Das diplomatische Korps, die Mitalieder der Regierung, das hohe Beamtentum, Kunst, Wissenschaft und Presse gehören zu der ununterbrochenen Reihe seiner Gäste. Die engen wirtschaftspolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und Ungarn bringen es ferner mit sich, daß fast ständig Vertreter der verschiedenen deutschen Amts- stellen in Budapest weilen, die naturgemäß stets Gäste des Gesandten sind. Hinzu kommen die zahlreichen, besonders in den Sommermonaten ununterbrochen eintreffenden Reichsdeutschen, die die Schönheiten dieses Landes bewundern wollen und mei- tuns, wie er nach einem kühnen Sprung ins Wasier imet ertrinkende Arbeiter gerettet habe ... Siehe: | ein Bild kam in die Blätter, er stand im Tages- >efehl, er sollte sogar eine Auszeichnung bekommen. Leider kam es nicht so weit. In einem heftigen Brief an seine Behörde bezweifelte nämlich Mac Calmons ehemalige Verlobte seine Schwimmkünste ... und bei der darauf veranlaßten Prüfung mußte Mac Calmon selbst gerettet werden, sonst wäre er hoffnungslos ertrunken. Er konnte wirklich nicht schwimmen. Mac Calmon ist darauf aus dem Po- lizeidienst entlassen worden. Der Goldesel bekommt ein Denkmal. 8. N. San Franzisko. In ein paar Tagen jährt es sich zum 50. Male, daß man in den Felsengebirgen im Quellgebiet des Columbiaflusses auf Gold stieß. Man begeht diesen zweifellos bedeutsamen Tag in den während der letzten Monate wieder aufgeblühten Goldgräbersiedlungen auf eine höchst merkwürdige Art und Weise: Man enthüllt nämlich ein Denkmal. Aber auf dem Sockel steht nicht etwa ein alter Goldgräber, verwegen und verwittert, wie die ersten aussahen, die hier nach Gold suchten. Sondern dort droben thront, wie ein Blick hinter die das Geheimnis noch verhüllende Bretterwand verrät, ein Esel. Ein richtiger, mit aller Naturtreue nachgebildeter Esel von beträchtlichem Umfang und mit riesenlangen Ohren. Weshalb man ihn durch ein Denkmal ehrt? Eben damals vor 50 Jahren, als man mit Eifer nach neuen Goldminen fahndete und doch keine fand, lagerten in der Nähe des Columbia-Stromes drei alte Goldgräber. Sie hatten schon alle Hoffnung aufgegeben, in diesem Bereich noch Gold zu finden. Mißmutig hockten sie um ein kleines Feuer, während ihr Lastesel sich die Zeit damit vertrieb, hier und da den Boden aufzuscharren. Plötzlich schrie das Tier — so steht es jedenfalls im Tagebuch eines dieser Goldgräber — laut und unaufhörlich „I—21". Als man schließlich nachschaute, was es gäbe, stellte man fest, daß das alte Grautier mit den Hufen eine Goldmine aufgekratzt hatte! Die gestohlenen Spielkarten. (—) London. Recht eigentümliche Dinge gingen kürzlich in Cardiff vor sich. Fast jeden Morgen fanden ehrbare Bürger der Stadt in ihren Türbriefkästen ein wie gerade aus der Fabrik gekommenes funkelnagelneues Paket mit Spielkarten (Pokerkarten) in der Originalumhüllung, ohne jede Anschrift, ohne jedes Begleitschreiben vor. Zuerst war man geneigt, das für die Reklame einer Spielkartenfabrik zu halten. Als sich jedoch jemand an diese mit einer Nachbestellung wandte und dabei auf die „Mustersendung" dankend Bezug nahm, kam heraus, daß die Fabrik gar nichts davon wußte. So kam die Sache dann an die Polizei. Die konnte schon wenige Tage darauf mit der Lösung des Rätsels aufwarten: alle Kartenspiele waren aus dem Lager des Bahnhofsbuchhändlers gestohlen worden. Die Täter hatten sich angesichts der Schwierigkeiten, ihre Beute im freien Handel loszuwerden, und von Reue über ihre Tat gepackt, nicht anders zu helfen gewußt, als auf diese Art und Weise die verfänglichen Indizien loszuwerden. Allerdings kann die Polizei gegen die beiden liebel- täter nicht einschreiten, denn sie sind beide — erst sechs Jahre alt! Auch Italien hat ein Ungeheuer. Ga. Rom. Nach dem Ungeheuer vom Loch Neß und dem Tatzelwurm ist jetzt auch in Italien, und zwar bet Monterose in der Nähe Roms ein „Ungeheuer" auigetaucht, das der Zoologie wahrscheinlich unbekannt ist und bleiben wird. Das Ungeheuer gleicht einer dicken Schlange und ist etwa drei Meter lang. Das Ungeheuer soll von einer ganzen Reihe von Personen beobachtet worden sein. Ja, ein alter Mann aus dem Dorf erklärt sogar, daß er es schon als kleines Kind gesehen hätte. Wie in allen solchen Fällen wird es sich aber auch wohl hier um eine Sinnestäuschung ober aber um ein ganz harmloses und bekanntes Tier handeln, das aus der jetzt herrschenden „Ungeheuerpsychose" heraus für ein gefährliches Monstrum gehalten wurde. Arme Wähler! stens gastliche Aufnahme in der Gesandtschaft als eine Selboerständlichkeit beanspruchen. Mit großer Liebenswürdigkeit und Heiterkeit trägt das Ehepaar v. Mackensen diese oft ermüdende und Jiajßr nicht immer leichte Last, stets in großer Öffentlichkeit, fast niemals allein fein zu dürfen. In der Erfüllung seiner Aufgaben wird der Gesandte v. Macken« sen durch seine Gattin in hohem Maße unterstützt. Gewinnende Einfachheit, natürlicher Scharm und eine höchst anziehende äußere Erscheinung zeichnen diese deutsche Diplomaten-Frau aus. Die Gesandtschaft am Franz-Josef-Kai ist zugleich das „Deutsche Haus" in Budapest. Jeder Volksgenosse findet dort nicht nur sachliche Hilfe und Rat, sondern darüber hinaus, was vielleicht in der Fremde wichtiger ist, herzliche Aufnahme, Sympathien und Freundschaft und stets hilfsbereites Verständnis. So bildet die Budapester deutsche Gesandtschaft den natürlichen Mittelpunkt der äußerst zahlreichen deutschen Kolonie, die in dem Gesandten und seiner Gattin die natürlich gegebenen Förderer, Unterstützer und Helfer in allen Fragen findet. Besonders eng ist die Zusammenarbeit zwischen der Gesandtschaft und der ausgezeichnet organisierten Ortsgruppe der NSDAP. Im Geiste des nationalsozialistischen Deutschlands ist — und dies kann mit Freude und Genugtuung festgestellt werden — das hiesige Auslandsdeutschtum durch engste Bande mit der Heimat und dem großen Geschehen des neuen Deutschlands lebendig verbunden. Unzulänglich und ungenügend ist hier nur eins: das Gesandschaftsgebäude am Franz-Josef-Kai selbst. Im Winter, infolge der eisigen Nebel der Donau, kaum zu erheizen, im Sommer einer unerträglichen Hitze ausgesetzt, kleine, völlig unzureichende Raume, in die kaum das Tageslicht bringt, bilden den äußeren, wenig glücklichen Rahmen. Das nationalsozialistische Deutschland hat seiner Diplomatie neue Impulse gegeben, ihr neuen Rückhalt verliehen und neue Ziele gestellt. Die deutsche Außenpolitik ist nicht mehr, wie in den Jahren des Zusammenbruchs, Objekt der Parteien-Kampfe, ist nicht mehr der Widerschein, der große Kamps um die Weltgeltung des deutschen Volkes, sie wird heute allein von der Führer-Persönlichkeit Adolf Hitlers bestimmt und findet ein einiges, ge- schlossenes und zu allen Opfern bereites Volk. Die deutsche diplomatische Arbeit in Ungarn gliedert sich in diesen großen Rahmen der Gesamt-Ver- iretung deutscher Interessen würdig ein. Die Geschichte der diplomatischen Vertretung Deutschlands in Ungarn beginnt bald nach dem Zusammenbruch des Weltkrieges. In der Vorkriegszeit wurden die deutschen Interessen für die gesamte Oesterreichisch-Ungarische Monarchie durch die Wiener Botschaft vertreten. In Budapest wurde nur ein Konsulat unterhalten. Mit der Bildung des unabhängigen ungarischen Staates in den Herbstmonaten des Jahres 1918 entstand für das Reich die Notwendigkeit, in Budapest eine eigene Ge- sandschast zu errichten. Am Franz-Josef-Kai, unmittelbar an der Donau gelegen, wurde ein Ge- fandtschaftsgebäude erworben, in dem sich nunmehr seit bald 15 Jahren die deutsche Budapester Gesandtschaft befindet. In einem Lande wie Ungarn, wo weitreichende Interessen und Pläne der europäischen Großmächte sich kreuzen und hinter den Kulissen der heute noch untentschiedene Kampf der Großmächte um die Vormachtstellung im Südosten Europas mit voller Schärfe im Gange ist, gewinnt die diplomatische Vertretung für Deutschland besondere Bedeutung. Traditionelle, noch aus der Zeit Bismarcks stammende Bindungen, die Schicksalsgemeinschaft des Weltkrieges und enge außenpolitische und wirtschaftspolitische Interessen verknüpfen Deutschland und Ungarn miteinander. Die deutsche diplomatische Vertretung in Budapest steht daher zweifellos hier vor Aufgaben von großer und weit- tragender Bedeutung. In dem politischen Kräftespiel im südosteuropäischen Raum bildet der kleine ungarische Staat ein bedeutungsvolles Bindeglied, stellt einen wichtigen strategisch-politischen Punkt dar, um den seit langem schon ein scharfer Kampf der Großmächte eingesetzt hat. Der gegenwärtige Budapester Gesandte Hans- Georg v. Mackensen, der seinen Posten als Nachfolger des heutigen deutschen Botschafters in Madrid Graf Welczeck, seit dem März 1933 innehat, hat für seinen Budapester Posten eine Reihe wesentlicher, höchst glücklicher Vorzüge mitgebracht. Es ist zunächst ein besonders günstiger Umstand, daß die diplomatische Vertretung des Reiches in Ungarn in die Hände des Sohnes des Feldmarschalls v. Mackensen gelegt worden ist. Der greife Feldmarschall gehört heute schon zu den heroischen Gestalten der ungarischen Geschichte. Mit uneingeschränkter Verehrung. Bewunderung und Liebe blickt das ungarische Volk — in Erinnerung an seine ruhmreiche Kriegführung während des Weltkrieges an der ungarisch-rumänischen Front — auf diesen deutschen Heerführer. Eines der besten ungarischen Husarenregimenter, das Honved - Husarenregiment Nr. 13, trägt noch heute den Namen des Feldmarschalls. Alljährlich findet zur Erinnerung an die siegreiche Schlacht von Limanova eine von den hiesigen Mackensen-Husaren veranstaltete Feier (Souleifer (Sprenger Mitglied der Akademie für deutsches CRecbt LPD. Frankfurt a. M., 6. Sept. Der Präsi- deut der Akademie für deutsches Recht, Reichsminister Dr. Frank, hat, wie das „Frankfurter Volks- blatt" berichtet, im Auftrage des Führers Gauletter Reichsstatthalter Sprenger zum Mitglied der Akademie berufen. In der von Reichsminister Dr. Frank ausgestellten Berufungsurkunde kommt das Verdienst des Gauleiters um die Erneuerung des deutschen Rechts und die Ueberzeugung, daß der Gauleiter sich auch weiter gewissenhaft für das neue, volksverbundene Recht einsetze, zum Ausdnvk. Oie Auslandsorganisation der NSDAP, in Erlangen. Erlangen, 6. Sept. (DNB.) Als Auftakt für die vom 7. bis 9. September vorgesehene Arbeitstagung der Auslandsorganisa- Hon der NSDAP, fand Freitag abend der Empfang von 1500 politischen Leitern aus aller Welt statt, mit denen zugleich die Mitarbeiter der Auslandsorganisation aus Berlin und Hamburg, eine große Zahl von politischen Leitern von Bord deutscher Schiffe, der Lehrgang der Schule für Seefahrer und Ausländsdeutsche Altona eintrafen. Erlangen hat sich zum Empfang seiner Ausländsdeutschen festlich geschmückt; alle Straßen und Gassen sind reich beflaggt und die schönsten der altertümlichen Gebäude sind festlich angestrahlt. Ein Sonderzug mit etwa 800 Teilnehmern an der Arbeitstagung wurde von Gauleiter Bohle besonders begrüßt. Nach einem Platzkonzert im Schloßgarten erlebten die auslandsdeutschen Teilnehmer den Fackelzug und Vorbeimarsch des Marinesturmbannes 111/24. Aus allen Teilen der Welt laufen telegraphische Treue- kundgebunaen ein, die in herzlichen Worten die Verbundenheit des Auslandsdeutschtums mit Führer und Volk zum Ausdruck bringen. Die Landesgruppen Argentinien, Brasilien, Bolivien und Peru sowie die ihnen angeschlossenen deutschen Vereine, Verbände und Kolonieausschüsse geloben unverbrüchliche Treue und sagen dem Führer Dank für den Wiederaufbau Deutschlands, an dem das Auslandsdeutschtum unter Einsatz aller Kräfte auch weiterhin mitzuarbeiten verspricht. Freispruch im Glanzstoffprozeß. Wuppertal, 6. Sept. (DNB.) In dem Pro. zeh wegen der Vorgänge, die im April und Mai 1933 zur Niederlegung der Aemter der früheren Direktoren der Vereinigten Glanzstoff-Fabriken AG., Dr. Blüth- gen, Benrath und Dr. Springorum führten, hat die Große Strafkammer des Wuppertaler Landgerichts nach achttägiger Verhandlung die Angeklagten, das Vorstandsmitglied der Glanzstoffwerke Dr. Herrmann, Direktor Dr. Strube, Abteilungsleiter W e y ch a r d t und das Aufsichtsratsmitglied, Rechtsanwalt Zahn, von der Anklage des Betrugs und der Erpressung freigesprochen. Der Staatsanwalt, der ebenfalls gegen sämtliche Angeklagte Freispruch beantragt hatte, hatte in seinem Plädoyer hervorgehoben, daß die Behauptung, die Angeklagten hätten den Rücktritt der früheren Leiter der Glanzstoff-Fabriken unter Hinweis auf die Partei erzwungen, durch die Beweisaufnahme widerlegt worden sei. Auch der Vorwurf, die Angeklagten hätten i m Komplott gehandelt, um für sich persönlich Kapital herauszuschlagen, sei nicht aufrecht zu erhalten gewesen. In der Urteilsbegründung betonte der Vorsitzende, daß das Gericht sich bei der Würdigung des Sachverhaltes den Darlegungen der Staatsanwaltschaft angeschlosien habe. ,->w luty IL4/H. MAGGI - — MAGGI5 WÜRZE Tomatensalat 6 feste Tomaten, l kleine Zwiebel, 2 Eßlöffel öl, 1 Eßlöffel Essig, Salz, für 4 Personen. Pfeffer, 1 Teelöffel gehackte Petersilie, 1 Teelöffel Maggi's Würze. Die Tomaten in Scheiben schneiden. Die Zwiebel sowie die Petersilie sehr fein hacken. Zur Soße.- Das Öl in einer Schale mit der Gabel schlagen, dabei den Essig hineintropfen lassen: nach Salz, Pfeffer und Maggi's Würze abschmecken, zuletzt Zwiebel und Petersilie darunter geben. Die Tomatenscheiben mit der Soße vermengen und ziehe» lassen Maggi's Würze verleiht dem Salat besonderen Wohlgeschmack. Oberheffen. 40 Jahre Molkereigenossenschaft Groß-Felda. £ Groß-Felda, 6. Sept. Die hiesige Molkereigenossenschaft begeht in diesem Jahre ihr 40jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlaß fand im Gasthaus,Lur Traube" eine Generalversammlung statt, zu der 328 Genossen erschienen waren. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Friedr. Wilhelm Stein aus Stumpertenod, eröffnete und leitete die Versammlung. Direktor Schußler trug den Geschäftsbericht und die Bilanz vor. Er gab einen Ueberblick über die Marktlage im Molkereiwesen in früheren Jahren, der er die heute wesentlich günstigere Lage gegenüberstellte. Die Zuteilung von bestimmten Gebieten an eine Molkerei, unter Ausschaltung der örtlichen Konkurrenz, hatte für die hiesige Molkerei den Nachteil, daß die tägliche Milchanlieferung um 1500 Liter zurück ging. Immerhin zeigte sich, daß der Neubau der Käserei im Jahre 1926 auf lange Sicht vorgenommen worden war. Die Verarbeitung eines Teils der abfallenden Magermilch ist dadurch gesichert. Da die Molkereien, die Frischmilch liefern, einen wesentlichen geschäftlichen Vorteil genießen, so wird vom Milchversorgungsoerband an die verarbeitenden Molkereien ein Ausgleich geliefert, der für die hiesige Molkerei im vergangenen Jahr gegen 50 000 Mark betrug. Einige Zahlen aus der Bilanz: Milchanlieferung 3 142 450 Liter, Buttererzeugung 73 981 Kilogramm, Weichkäse 226 985 Kilogramm. Der Gesamtumsatz betrug 553 528 Mark. Die Genossenschaft unterhält außerdem noch ein Lager in landwirtschaftlichen Futter- und Düngerartikeln u. ä., das für 116 665 Mark Waren umsetzte. Der Ge- samtreinqewinn betrug 4846 Mark, nachdem die nötigen Abschreibungen usw. vorgenommen worden waren. Nach dem Vorschlag des Aufsichtsrates sollen die Anteile mit 4 vH. verzinst werden. Die Generalversammlung schloß sich dem an. Bei den Neuwahlen wurden die ausscheidenden Aufsichtsratmitglieder wiedergewählt. Direktor S ch ü ß l e r gab dann ein Bild der 40jährigen Geschichte der Molkerei. Sie war entstanden als Akt der Selbsthilfe gegenüber der verhängnisvollen Freihandelspolitik des damaligen Reichskanzlers Eaprivi. Die Entwicklung ging nicht immer vorwärts, besonders die feit 1922 betriebene Käserei brachte manche Rückschläge und Enttäuschungen. Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Leitung und Aufsichtsrat, die auch in schwierigen Zeiten bestand, wurden auch solche Zeiten überwunden. Auf zahlreichen Ausstellungen bis hin zu den letzten des Reichsnährstandes wurden im Laufe der Jahrzehnte die Erzeugnisse der Molkerei ausgezeichnet. Als man im Jahre 1928 eine Ausstellung in Paris, im Mutterland des Camembert, beschickte, wurde der Camembert der Molkerei mit dem Grand Prix mit Ehrenkreuz und goldener Medaille ausgezeichnet. Der Vorsitzende gab eine Reihe von Glückwunschtelegrammen bekannt. Anschließend sprachen die Gäste, darunter Kreisbauernführer Geiß im Auftrag des Landesbauernführers. Mit Dank an alle Mitarbeiter und der Aufforderung zu weiterer genossenschaftlichen Zusammenarbeit schloß die Versammlung in üblicher Weise. Die Genossen blieben dann bei einem einfachen Essen, mit Bier, das gestiftet wurde, noch einige Zeit beisammen. Landkreis Gießen. wg. Großen-Buseck, 6. Sept. Die A r - beitsdienstabteilung 5/222 und der A r - beitsdank veranstalteten am Mittwochabend hier in der Gastwirtschaft „Zur Germania" einen Kameradschaftsabend. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Der Musikzug der Arbeitsdienstabteilung erfreute mit ausgezeichneten musikalischen Darbietungen, die mit Recht lebhaften Beifall fanden. Nach kurzen Ansprachen von Oberfeldmeister L o e s ch und Bürgermeister R e b h o l z machte Feldmeister Hans in einer längeren Ansprache mit den Aufgaben und Zielen des Arbeitsdankes eingehend bekannt, und er bat alle Volksgenossen, den Arbeitsdank nach besten Kräften zu fördern. Im weiteren Verlaufe des Abends wurde noch mancherlei schöne gesellige Unterhaltung geboten. + Grünberg, 6. Sept. Wie verlautet, soll die neue Gemeindevertretung sich aus zwei Beigeordneten und sieben Gemeinderäten zusammensetzen. Nach der alten Gemeindeordnung waren es ein Beigeordneter und 12 Gemeinderäte. Der jetzige Gemeinderat, der nach der Neuordnung im Jahre 1933 gebildet wurde, ist im Laufe der zwei Jahre von ursprünglich 12 Mitgliedern infolge Wegzuges oder Ausscheidens bis auf sieben gesunken. Seit Ende Februar, mit dem Tode von Beigeordnetem Möller, ist auch der Posten des Beigeordneten verwaist. Dem Vernehmen nach sollen von den jetzigen Gemeinderäten die Mitglieder Spengler, Gehringer, Großhaus auch dem neuen Gemeinderat angehören. Als neue Mitglieder werden genannt: Pfeffer, Schott, Werner und Lang. — Der hiesige Obst - und Gartenbauverein unternahm am Donners- tagnachmittag eine Besichtigungsfahrt nach Holzhausen im Ebsdorfer Grund. Eingehend wurden dort die von Stummschen Gartenanlagen besichtigt und besonders deren Hauptzierde, die etwa 180 Sorten aufweisende Dahlienschau. Einen kurzen Besuch statte man auch dem benachbarten Amöneburg ab. 90 Mitglieder beteiligten sich an der Fahrt, die mit zwei großen Omnibussen ausgeführt wurde. ch L i ch , 7. Sept. Der Alicefrauenver- e i n L i ch ist eifrig an der Arbeit, für ein am 22. September im Schloßpark geplantes G arte n f e st. Der Reinerlös kommt vaterländischen Zwecken, in erster Linie der Arbeit für das Rote Kreuz, zugute. T Lich, 7. Sept. Der Verein für Rasenspiele, der schon immer eine sehr rührige Tätigkeit entfaltete, veranstaltet am Sonntag einen Werbeabend, der zugleich als Kameradschaftsabend durchgeführt werden soll. Als Redner wurde Gaugeschäftsführer U h l (Kassel) gewonnen, der über das Thema „Fußballsport ist Volkssport" einen Vortrag halten wird. Kreis Büdingen. EU Nidda, 6. Sept. Bei einem Gewitter mit heftigem Donner, das gestern über Nidda niederging und leider nur geringen Regen brachte, gingen die Pferde eines hiesigen Landwirts mit dem Pfuhlwagen durch. Die Tiere rissen auf der tollen Fahrt ein Motorrad um, das vor einer Wirtschaft stand und beschädigt wurde, ferner verlor der Pfuhlwagen ein Rad. Der Gespannlenker, ein Schwager des Pferdebesitzers, fiel vom Wagen und wurde, da er die Zügel nicht losließ, eine Strecke weit geschleift, kam aber zum Glück mit leichten Hautabschürfungen und einigen Prellungen davon. Die Pferde konnten schließlich in einer engen Gasse zum Stehen gebracht werden. Kreis Alsfeld. CV) Groß-Felda, 6. Sept. Am Samstag, 7. September kann unser ä l t e st e r E i n w o h - n e r Schreinermeister Christian Schäfer in seltener geistiger und körperlicher Frische seinen 93. Geburtstag begehen. r v , st. Kirtorf, 6. Sept. Dieser Tage fand hier im Rathaussaal eine Versammlung der Ortsbauernschaft statt. Ortsbauernführer Fritz Li ehr begrüßte die Teilnehmer und sprach dann über agrarpolitische Maßnahmen der Regierung. Er erörterte zunächst die Stabilisierung der Preise auf dem Getreide- und Viehmarkt und zog Vergleiche mit der Preisgestaltung früherer Jahre. Der Führer der Ortsbauernschaft gab dann zur Kenntnis, daß Pächter von Land, die jetzt noch Beziehungen irgendwelcher Art zu Juden unterhalten, ihm unverzüglich zu melden seien; solche Pachter, die ihre Bindungen mit Juden nicht losen können, hätten die Entziehung des von ihnen bewirtschaf- teten Pachtlandes zu erwarten. In weiteren Aus- führungen wies er auf die Organisierung des Vieh- Handels durch arische Händler hin und betonte daß sich dem Viehhandel möglichst überall deutsche Volksgenossen widmen sollten. Sodann beschäftigte man sich mit der Kontingentierung des Brotgetrei- des. Zum Teil wurden auch Kontingentierungsmar- ken ausgegeben. Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde noch über die Gestaltung des Erntedankfestes gesprochen und dem „Bauernkonig des vergangenen Jahres aufgegeben, entsprechende Vorschläge zu unterbreiten. Bürgermeister L a t h e r erörterte noch die Frage des Flurschadens durch Schwarzwild. Er wies dabei darauf hin, daß die von den Wildschweinen aufgewühlten Grasstücke sehr stark von Engerlingen durchsetzt seien, die von den Wildschweinen aufgespürt werden. Der Graswuchs sei auf diesen Stücken an sich so gut wie verdorben. Es ergebe sich die Notwendigkeit, dem Maulwurf mehr Schonung angedeihen zu lassen. Mit Schlußworten des Ortsbauernführers und mit dreifachem Sieg-Heil auf den Führer fand die Versammlung iiy; Ende. Zuchtviehversteigerung in Wehlar. A Wetzlar, 6. Sept. Auf der heutigen Zucht- viehversteigerung von mitteldeutschem rotem Höhenvieh, die der Reichsverband der Rinderzüchter Deutschlands, Abteilung Mitteldeutsches Rotvieh, veranstaltete, bewegten sich die Preise im Durchschnitt von 710 Mark, für Bullen von mehr als 15 Monaten um 640 Mark. Den Spitzenpreis von 1150 Mark erzielte der Züchter Hermann Schott (Kappel, Kurhessen), den Spitzenpreis in der 2. Klasse für Bullen über 15 Monate der Züchter Georg Helm (Airlenbach im Odenwald). Der Gesamtumsatz von rund 35 000TK. beweist den wirtschaftlichen Wert dieser Veranstaltung. Ein großer Teil der Tiere, die aus den bekannten Zuchten der Kurhessisch-Waldeckschen, Westfälischen-. Odenwälder-, Vogelsberger-, Usinaer-, Lahn-Dill-Unterverbände stammen, blieb im Westerwald, Lahn-Dill, Vogelsberg und Wetzlarer Gebiet. Der Bestand wechselte restlos den Besitzer, da die Nachfrage stärker war, als das Angebot. Außerordentlich günstig war das Angebot für Bullen über 15 Monate. Die älteren Tiere, die besonders hohe Leistungen aufweisen konnten, wurden sehr rasch abgesetzt. Für die aufgetriebenen vier Rinder wurden nur geringe Angebote abgegeben, so daß sie anschließend an die Versteigerung zum freien Verkauf zugelassen wurden. Die Landesbauernschaft Hessen-Nassau unterstützte die Versteigerung wiederum durch die Bewilligung von Sonderprämien. Die 4 Zuchtschweineversteigerung des Landesverbandes der Schweinezüchter in Hessen- Nassau, die sich noch nicht eingebürgert hat, war mit zehn Ebern und einer Sau beschickt. Der Absatz ließ zu wünschen übrig, da nur die preisgekrönten Tiere abgesetzt wurden. Die Preise bewegten sich zwischen 170 bis 135 Mark. Prämiierungsergebnisfe: Klasse I: Bullen von 12 bis 15 Monaten. Leistungspreise: 1. Preise: Hch. Pfeiffer III. (Wiesenbach, Lahn-Dill), Adam Thome (Oberdieten, Lahn-Dill); la-Preise: Th. Fischer (Hof Zwiefalten, Oberhessen), Konrad Steinhaus (Heskem, Kurhessen), Wwe. Anton Schwarz (Hörnsheim), Karl Amend (Neukirchen), Gg. Helm (Airlenbach i. Odw.). Formenpreise: la: Dr. Ritgen (Wormeln, Wests.); 1b: Herrn. Schott (Kappel, Kurhessen); 1c: Otto Grebe II. (Wiesenbach); Id: Th. Fischer (Hof Zwiefalten, Oberhessen); le: Wilh. Groß (Rodenbach, Kurhessen); If: Karl Amend (Neukirchen). 2a: Hugo Volk (Hörnsheim); 2b: Johs. Schäfer (Hörnsheim); 2c: D. Heuser (Niederwald, Kurh.); 2d: Hch. Pfeiffer III. (Wiesenbach); 2e: Adolf Geiß (Zeilbach, Oberh.); 2f: Dr. Ritgen (Wormeln); 2g: Hch. Leukel II. (Niederwald); 2h: Wilh. Gerber (Groß-Selheim, Kurh.); 2i: Konr. Steinhaus (Heskem); 2k: Hch. Koch (Oberasphe, Kurh.). 3a: Gg. Helm (Airlenbach i. Odw.); 3b: Wwe. Gg. Reitz VI. (Klein-Gladenbach); 3d: Wwe. Anton Schwarz (Hörnsheim). Klasse II: Bullen 1 5 Monate und älter. L e i st u n g s p r e i s e: la: Gg. Helm (Airlenbach) und Rud. Wörner (Ansbach, Usingen); Gg. Helm (Airlenbach), Jak. Siefert (Fronhof, Odenw). F o r m e n p r e i s e: la: Gg. Helm (Airlenbach, Odenwald); 2a: Jakob Siefert (Fronhof); 2b: Georg Helm (Airlenbach); 3a: Jak. Siefert (Fronhof); 3b: Wwe. Balzer (Niederwald, Kurh ). Anerkennungen: Rudolf Wörner (Arnsbach, Usingen). Eber: 1. Preis: Anton Vogt II. (Dornholzhausen); 2. Preis: A. Schmidt (Hörnsheim); 3. Preise: Otto Schneider (Hörnsheim); Heinrich Mack IV. (Niederkleen); Anton Engel V. (Hörnsheim). Marie Knapp Otto Leinweber geben ihre Verlobung bekannt Mühlstraße 5 Am Kugelberg 51 Gießen, den s. September 1935 03739 Emmy Siefert Alwin Neuber Verlobte Gießen, Gnauthstr. 15 Aachen, peterstr. 44/46 den 8. September 1935 5056 D Ihre Vermählung geben bekannt Fritz Rödiger, Ob.-Sign.-Maat Liffy Rödiger, geb. Keding Klei Plllau/z.Z. Gießen September 1935 5091 D wC/Mfstagsfeah Preisliste und Proben kostenlos «Bä <$SEM-HINDENBUR5V<[^ nach W atzenbom-Steinberg auf der Mocks wiese Sonntag, den 8. Senk und Montag, den 9. Sept. Es laden ein: Georg Sommer VI. Georg Häuser XVI. 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Vorbeugender Feuerschutz.— Ställe der Volksgesundheitspflege. Arbeitsbeschaffung In den letzten Wochen ist eine Reihe von oberhessischen Dörfern durch teilweise recht umfangreiche Brände heimgesucht worden. Dabei fielen ganze Gehöfte oder zum Teil wirtschaftsnotwendiae Betriebsgebäude den Flammen zum Opfer. Besonders schwer war das Brandunglück in Geih-Ridda, wo bekanntlich ein zusammenhängender Block von 6 Wohnhäusern mit den Nebengebäuden durch die Feuersbrunst vernichtet wurde. Fast bei allen Bränden war die Tatsache besonders auffällig, dah eine wirksame Löscharbeit der Feuerwehren durch Wassermangel erheblich behindert, in Geiß-Nidda sogar unmöglich war. Leider bleibt in vielen Gemeinden hinsichtlich der vorbeugenden Maßnahmen gegen Brandschäden insbesondere durch ständige Bereithaltung ausreichender Wasservorräte noch mancherlei zu wünschen übrig. Wenn auch in einigen Orten die Wasserverhältnisse durch Bäche oder bergt als annehmbar gelten können, so ist aber in vielen anderen Orten der Brandweiher, aus dem doch im Falle der Feuersnot die Spritzen in erster Linie gespeist werden sollen, oft nur ein schlechter Wassertümpel, vielleicht ist auch dieser noch nicht einmal vorhanden, und nicht überall ist die Wasserleitung des Dorfes s o leistungsfähig, daß auf sie allein unter allen Umständen eine wirksame Löscharbeit der Feuerwehr gestützt werden kann. In allen diesen Orten dürfte es wohl eine der vordringlichsten Aufgaben sein, die Einrichtungen des Feuerschutzes durch hinlängliche Wasserbereitstellung so auszubauen, daß Brandfälle, ja Katastrophen wie in Geiß-Nidda von vornherein nach bester Möglichkeit verhütet werden. Neben der größten Schlagfertigkeit der Feuerwehr hinsichtlich des Ausbildungsstandes der Mannschaften und der Beschaffenheit der Geräte ist in all den Orten, die nicht an ergiebigen Wasserläufen liegen, die Schaffung einer möglich st großen Wasserreserve das wichtigste Glied in der Kette aller Schutzmaßnahmen für Brandunfälle. Die Anlage von Brandweihern dürfte überall keinen allzu großen Schwierigkeiten begegnen. An einer passenden Stelle dicht beim Dorfe könnte entweder auf gemeindeeigenem Grundstück, oder auf einer für diese Anlage eingetauschten Fläche die Grube des Wasserbassins mit Wassereinlauf und -ablauf angelegt werden, wobei man zweckmäßigerweise einen Zufluß durch die Wasserleitung von vornherein als Hauptbestandteil des Baues in den Plan eingliedern müßte. Dieser Weiher kann zugleich auch dem Dienst an der Ortsgemeinschaft, insbesondere an der Jugend verfügbar gemacht werden, indem man ihn als Schwimmbad anlegt, das neben der Abteilung für Schwimmer auch einen Raum für Nichtschwimmer enthalten sollte, j Auf diese Weise kann jeder Ort sich ein wirksames । Mittel im Kampf gegen Feuersnot und zugleich ein * bedeutsames Instrument der Dolksgesundheitspflege । und der sportlichen Ertüchtigung der Jugend durch das Schwimmen schaffen. Der Bau einer derartigen Einrichtung wird auch die Möglichkeit bieten, in den Gemeinden für eine Reihe von Wochen Arbeit der verschiedensten Art, sowohl durch Leistung an Ort und Stelle, als auch durch Bezug von Mate-1 rialien zu schaffen und damit dem Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung im Rahmen selbst des kleinsten Ortes eine ansehnliche Förderung zu geben. j Der ausschlaggebende Gesichtspunkt wird in allen ( Orten natürlich die Frage der Finanzierung sein. Hierzu möchten wir darauf Hinweisen, daß! selbst kleinere Orte des Kreises Gießen, wie Climbach, Weitershain, Nonnenroth, Langd und Rabertshausen, daneben auch Orte der benachbarten preußischen Kreise durch oorbttbliche Entschlußkraft und zweckdienliche Maßnahmen schon derartige Anlagen geschaffen haben und zweifellos anderen Gemeindeverwaltungen gerne ihre Erfahrungen zukommen lassen werden. Zur Verwirklichung unseres Vorschlages könnte man zunächst daran denken, daß die erforderlichen Fuhrleistun- gen von den Gespannbesitzern der Orte im Interesse der Gesamtheit kostenfrei übernommen werden, wie es ja Kinzenbach, 6. Sept. In unserem Orte wird gegenwärtig zur Vervollständigung unserer Wasserleitung ein Hochbehälter gebaut. Die Arbeiten werden von der Firma Wagner in Krofdorf ausgeführt. — Der Kriegerverein hat bereits seit mehreren Sonntagen ein Preis- jchießen veranstaltet, das am Sonntag, 15. September, beendet werden wird. Zahlreiche Kameraden aus den Nachbarorten Rodheim und Atzbach nehmen an dem Schießen teil. 0 Aus dem Kleebachtal, 6. Sept. Die am 25. August aufgegangene Jagd auf Rebhühner hat die Jäger in ihren Erwartungen nicht getäuscht. Besonders in den Gemarkungen des unteren Kleebachtals sind zahlreiche Ketten Rebhühner an- aetroffen worden. Unter ihnen befindet sich allerdings manche Kette mit noch sehr jungen Hühnern, die von den Jägern vorläufig mit der Jagd verfchont werden. < Hochelheim, 6. Sept. Nach der für unsere Gemeinde erlassenen Hauptsatzung stehen dem Bürgermeister, der sein Amt ehrenamtlich verwaltet, zwei ehrenamtliche Beigeordnete zur Seite. Die Zahl Der Gemeinderäte ist auf sechs festgesetzt. £ Dornholzhausen, 6. Sept. Die auf Grund der Deutschen Gemeindeordnung mit Zustimmung des Beauftragten der NSDAP, für die Gemeinde erlassene und von der Aufsichtsbehörde genehmigte Wieder neun Kommunisten verurteilt. LPD Darmstadt, 6. Sept. Vor dem Strafsenat des Hessischen Oberlandesgerichts standen am Freitag wieder neun Kommunisten aus der Offenbacher Gegend, die sich im kommunistischen Sinne gegen den Staat betätigt hatten. Der 42- jährige Schmidt aus Offenbach wurde zu v l e r Jahren Zuchthaus, der 29jährige Wilhelm Schneider aus Offenbach zu drei Jahren sechs Monaten Zuchthaus, der 31jährige Philipp Stengel aus Offenbach zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus und der 32jährige Erich S ch o l z e aus Langen zu z w e i Jahren Zuchthaus verurteilt. Der 32jährige Jakob Seipp kam mit zwei Jahren Gefängnis davon, weil er ein offenes Geständnis abgelegt hatte. Drei Monate Gefängnis erhielt der 32jährige Friedrich Schäfer, vier Monate Gefängnis der 49jährige Philipp Scholl, weil sie bei einem Treffen der Kommunisten anwesend waren und der Polizei keine Anzeige gemacht hatten. Ihre Strafe wurde als durch die Untersuchungshaft verbüßt erklärt. Vier Monate Gefängnis erhielt außerdem der 23- jährige Johann L o f f a, dem, da er leugnete, die Untersuchungshaft nicht angerechnet wurde. Allen Einrichtung, wurde außer Dienst gestellt; zur Zeit ist man dabei, ihn abzuwracken. Am ganzen Neckarufer von Mannheim bis Heilbronn kannte man den „Neckar-Esel", wie er scherzhaft genannt wurde. Wenn man seine Pfeife besonders gut hörte, pflegte man Regen vorauszu- fagen. Nun hat diese bewährte Einrichtung aufgehört zu bestehen. Sie war 1878 ins Leben ge- § Niederkleen, 6. Septbr. Hier fand eine Ehrung der Handarbeitslehrerin Frau H a u b statt, die in diesem Jahre auf ihr 40jähriges Dienstiubi- läum zurückblicken kann. Bürgermeister O h y dankte der Jubilarin für ihre der Gemeinde gelelste- ten langjährigen treuen Dienste und überreid)te iljr Preußen. Kreis Dehlar. Am Mittwoch, dem 11. b. 211., findet die Obffoer- sleigerung der Gemeinde Dorf-Güll statt, darunter etwa 300 Bäume mit Z welschen. 50820 Großhändler sind nicht zugelassen. Anfang mittags 1 Ahr am Ortsausgang nach Garbenteich. K n ö p p e r, Bürgermeister. A Aus dem Eb sdorf er Grund, 6.Sept. In unseren Tälern tragen infolge der hier später eintretenden Blütezeit die Aepfelbäume besonders reichlich. An den Landstraßen hängen sie zum Brechen voll. Ihre Früchte sind bei guter Ausbildung fast durchweg frei von Schorf. Die Zwetsch en ernte ist bereits in vollem Gange, da die Händler die Ware halbreif aufkaufen. Während der Zentner vor wenigen Tagen noch mit 3,50 Mark gehandelt wurde, ist der Preis inzwischen fast um das Doppelte gestiegen. Achenbach- Garagen Mk. 182.- schonf.montl.M.7.90 FranzhßliCo.. Gießen Seltersweg 44 a statt. - Heimatliche Nahrungsmittel: Gemüse, Obst, Getreide, Milch. oosbD Reichlich Kostproben! Unkostcnbeitrag: 3V Pf. Wir laden hierzu jedermann, Herren und Damen und auch die Jugend ein; wir bitten Taffe, kl.Teller, Teelöffel, Notizblock und Bleistift mitzubringen. Bekanntmachung KP 21 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. Bekanntmachung KP 22 der Ueberwachungs- stelle für unedle Metalle, betr. Kurspreise. Stellung von Einfuhrbewilligungsanträgen für landwirtschaftliche Erzeugnisse und für die kontingentierten chemischen Erzeugnisse für das 4. Vierteljahr 1935 in Frankreich. Christine Stein Familie Adam Siegel Anna Stein. Mit der Eröffnung des G r o ß fchiffahrts- weges Mannheim — Heilbronn hat auch die Schleppschiffahrt auf dem Neckar ihr Ende gefunden. Der Neckarschlepper, eine originelle, lange Jahre den Verkehr auf dem Neckar vermittelnde ST ttr. 209 viettes Blatt Samstag, 7. September 1955 Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen) Reichtümer der Aatur im Bergwerkswald. Bruchlandschaft — Dorado der Wildenten. Sb > Z' EchM, v... MU ■ § v< «, AK HM Die Stadt Gießen hat durch die vor ihren Toren gelegenen ausgedehnten Wälder einen Vorzug gegenüber anderen, nicht in der gleichen Lage befindlichen Städten. Bei der Naturverbundenheit des germanischen Volkes und dem engen Zusammenwohnen der Stadtbevölkerung außerhalb der Natur, sowie bei der meist in geschlossenen Räumen sich abspielenden Berufstätigkeit bildet der Wald mit seinen Wanderwegen eine wichtige Erholungsstätte für den dem nervenverbrauchenden Erwerbsleben ausgesetzten Volksgenossen. Zu jeder Jahreszeit vermögen unsere schönen Gießener Wälder Ablenkung und Erholung zu bieten. Neben den Tieren, Vögeln und Insekten ist es die in der verschiedenartigsten Zusammensetzung auftretende Pflanzenwelt, deren mannig- fältigen Eindrücken sich selbst der naturfremdeste Mensch nicht zu entziehen vermag. Sogar im Winter, wenn an den höheren Pflanzen eine sichtbare Weiterentwicklung nicht zu bemerken ist, gibt es im Wald Gelegenheit zu interessanten Beobachtungen. Neben dem der Stadt Gießen gehörigen, östlich vom Weichbild der Stadt gelegenen großen Waldgebiet ist es besonders der im Süd osten bis nahe an die Stadt heranreichende Wald der Lindener Mark, dem der Besuch der erholungsuchenden Gießener Volksgenossen gilt. Durch die Lage dieses Waldes in der Nähe der Kliniken und anderer Universitätsinstitute kommt ihm als Erholungsstätte besondere Bedeutung zu. Im Vergleich mit anderen Wäldern birgt die Lindener Mark in mannigfacher Beziehung Naturwerte, die in hohem Maße dazu oeitragen, besinnliche Menschen von ihren Alltagsinteressen abzulenken und ihnen geistige Erneuerung zu gewähren. Zur Maienzeit, wo weite Flächen der Lindener Mark mit Maiblumen bestanden sind, strömt jung und alt aus der Stadt und den umliegenden Dörfern in den Wald, um sich einen Strauß der lieblich duftenden Maiglöckchen äu holen. Aber auch sonst bietet der Markwald, dessen Bodenverhältnisse manchen Pflanzenarten besonders gut zusagen, dem Freund der heimischen Pflanzenwelt etwas Besonderes. Diese Eigenheiten der Lindener Mark sind schon den früheren Botanikern ausgefallen. Der bedeutendste Gießener Botaniker Johann Jakob Dille.nius, welcher 1664 in Darmstadt geboren wurde und 1747 als Professor der Botanik in Oxford starb, hat in den Jahren 1715 bis 1720 verschiedene Abhandlungen über die Pflanzenwelt in Hessen herausgegeben. Besonders die Umgebung Gießens hat er botanisierend durchstreift, und so darf es uns nicht wundern, daß er bei den von ihm veröffentlichten Pflanzenstandorten die Lindener Mark mehr als 40mal erwähnt. Zwar sind heute als Folge der intensiven Waldbewirtschaftung und aus anderen Ursachen manche der damals festgestellten Pflanzen verschwunden. Aber immer noch birgt der Markwald an versteckten Stellen seltene Pflanzenarten. So findet sich dort noch der stattliche Türkenbund, die auffallendste unserer Lilienarten. Auch die „blaue Blume Akelei" ist hier, wenn auch nur ganz selten, noch anzutreffen, und an einer Stelle bildet der Keulenbärlapp, dessen baumartige Vorfahren in den Steinkohlenlagern verkohlt erhalten geblieben sind, alljährlich seine stäubenden Sporenträger. Nicht selten rankt heute, ebenso wie vor 200 Jahren zu Dillenius Zeiten, das Waldgeißblatt um die Jungbuchen, und im Frühling gehört das hier häufige Lungenkraut mit seinen zuerst roten und später blauen Blüten zu den ersten Frühlingsblühern. Abwechslungsreiche Waldbilder kommen dem Wanderer in dem Wald zu Gesicht. Neben einförmigen Kiefern- und Fichtenbeständen zeigen sich solche, wo rote Kiefernstämme aus dem frischen Grün einer Buchenverjüngung hervorleuchten. Anderwärts wird der Wald von Buchen gebildet, zwischen denen zerstreut Eichen und Nadelhölzer auftreten. Eine Abtriebfläche ist mit Kiefern bepflanzt, in deren düsteres Grün Beete junger Lärchen Abwechslung bringen. An einem Weg entlang stehen die glatten Stämme der bei uns nicht heimischen Weymoutskiefer Spalier. Gruppen von Birken haben sich besonders auf den vom Bergbau gelichteten Stellen und in der Nähe der Main- Weser-Bahn breit gemacht und bringen mit ihren leuchtend weißen Stämmen und ihren hängenden Zweigen eine neue Note in den Baumbestand. Mit dem Wechsel der Baumart und der Bestandsdichte ändert sich auch die Bodenflora. Das von den Baumkronen durchgelassene Licht ist der Hauptfaktor für die Entwicklung der Kraut- und Strauchpflanzen auf dem Boden des Waldes. Dom nur stellenweise von Weißmoos, Goldenen Frauenhaar, Zypressenastmoos und anderen Moosarten besiedelten, sonst pflanzenlosen Fichtenwaldboden an bis zum lichten Laubwaldboden hin, der eine beinahe Wertvolle Baustoffe geben die Sand- und Kalkbrüche in der Lindener Mark. m W Auf hohen Halden wuchert üppige Vegetation. dicht geschlossene Unterschicht aus Gräsern und Kräutern trägt, finden sich alle Uebergänge bezüglich der Dichte und Mannigfaltigkeit der Bodenflora vor. Neben dem Tier- und Pflanzenleben auf der derzeitigen Bodenoberfläche hat die Lindener Mark auch noch ihre Besonderheiten unter der Erd- Oberfläche. So finden wir die älteste geologische, durch Versteinerungen sicher bestimmbare Formation aus der Altzeit der Erde, das O b e r s i l u r, in einem am Waldrand gelegenen Steinbruch aufgeschlossen. Am meisten interessiert aber hier der "jüngere, dem oberen Mitteldevon angehörige Massen kalk, der in dem bekannten großen Tagbau des Gießener Manganerzbergwerks gut aufgeschlossen ist. Der Bergbau hat zwar einen Teil des Markwaldes verschlungen, trägt aber anderseits in hohem Maße dazu bei, daß ein Besuch der Lindener Mark nach der geologischen Seite hin von großem Werte ist. Durch das Entfernen der den Kalk bedeckenden jüngeren (tertiären) Tone und des auf der Oberfläche des Kalkes liegenden Erzes wird eine Karstlandschaft freigelegt, die vor langen Zeit- räumen entstanden ist. Sie bietet dem Auge, von welcher Stelle man sie auch überblicken mag, immer wieder ein anderes Bild. Auf der Oberfläche der Kalkfelsen sind stellenweise Korallen ausgewittert, die darauf Hinweisen, daß der Kalk in warmem klarem Seewasser entstanden ist. An unförmigen Kalkblöcken vorbei, um stehengebliebene Waldstückchen und Felskegel herum, bergauf und bergab führen kreuz und quer die Pfädchen durch das Tagbaugelände, bis sie an einer Stelle, etwa an den in einer Senkung entstandenen kleinen Weiher in den Markwald einmünden. Eine Kalkgebirgslandschajt Heidelandschaft mitten im Tagbau des verlassenen Bergwerks. (Aufn. [5]: Neuner, Gießener Anzeiger.) Im stillen See spiegelt sich die hügelige Landschaft. — (Aufnahme: Vogt, Gießen.) W W 7 V - V'A; ‘V ' ',y. v.-v••...: ;< ' r? y"1*; /v > - t * im Kleinen zeigt sich dem Besucher des Bergbaugebiets. Wenn wir nicht irren, ist von dem derzeitigen Vorstand des Forstamts Schiffenberg, Oberforstmeister Nicolaus, einmal der Vorschlag gemacht worden, dieses ausgebeutete interessante Bergbaugelände als Naturschutzpark zu erhalten. Es wäre zu begrüßen, wenn sich dieser weitausschauende Plan in die Wirklichkeit umsetzen ließe. Die Stadt Gießen hätte für alle Zeiten ein in jeder Hinsicht anziehendes und wertvolles Natur- vorkommen, das einen Anziehungspunkt für Naturfreunde und eine nicht alltägliche Naturparkanlage für den erholungssuchenden Stadtbewohner in nächster Nähe der Wohnstätten bilden würde. Ob die derzeitigen Besitzverhältnisse, die Art des Bergbaubetriebes und die sonstige Bewirtschaftung eine Durchführung des Planes zur Zeit verhindern, vermag von hier aus nicht beurteilt zu werden. Weiterhin fallen dem Besucher der Lindener Mark an einigen Stellen kreisrunde Hügel auf, die bald einzeln, bald in Gruppen auftreten. Es sind Grabhügel, die nach den Feststellungen der dazu berufenen Wissenschaftler der Bronzezeit und der Hallstattzeit angehören. Die Bronzezeit hat etwa von 2000 bis 1000 v. Ehr. gedauert. Sie ist gekennzeichnet durch Waffen und Geräte aus Stein, Kupfer und Bronze, Schmuck aus Gold und Bernsteinperlen. In der ersten Zeit findet sich hauptsächlich Erdbestattung, während nach dem Ende zu meist Leichenbrand festzustellen ist. Durch Bernsteinfunde in Ländern jenseits der Alpen wird ein damals schon bestehender Tauschhandel des Nordens mit dem Süden bestätigt. Auch der Handelsverkehr mit dem Orient lft schon uralt, wie aus dem in steinzeitlichen Gräbern gefundenen Muschelschmuck heroorgeht, der nach dem Roten Meer und dem Indischen Ozean hinweist. Wie die Gräberfunde beweisen, drang ein von Nordosten kommendes kriegerisches Jägervolk, das mit bronzenen scharfen Beilen und Dolchen, sowie blinkendem Schmuck, Spiralgehängen und langen Nadeln versehen war, in die Wohnstätten des hier wohnenden Bauernvolkes, welches die Steinwaffen und Steingeräte erst in geringem Maße mit solchen aus Bronze vertauscht hatte, ein und machte sich neben den letzteren seßhaft. In mächtigen Grabhügeln bestatteten sie ihre Toten. Am Ende der Bronzezeit machte sich der Einfluß südlicher Einwanderung insofern geltend, als die Toten verbrannt werden und die Asche in großen Tongefäßen beigesetzt wird. Die Gräber sind meist flach, von wenigen Steinplatten geschützt und liegen oft in großer Zahl beieinander. Diese als Uebergang zur Hallstattzeit geltende Art der Bestattung wird als Urnenfel- d e r st u f e bezeichnet. Die Hallstattzeit, nach Hallstatt, einem ausgedehnten Gräberfeld in Oesterreich benannt, dauerte etwa von 1000 bis 500 o. Ehr. In ihr herrscht Leichenbrand vor. Das Eisen tritt erstmalig als seltenes Metall in Verbindung mit der Bronze auf. Fremdartige Gefäße, die hier und da gefunden werden, beweisen, daß auch in dieser Zeit der Handel mit dem Süden äußerst rege war. Die Gräber bilden mächtige Hügel, welche mit einem Steinkranz umgeben sind und die ein Felsblock krönt. In den Frauengräbern finden sich bronzene Halsringe, Brustgehänge mit Klapper- Fels und Baum, Tümpel und Büsche fügen.sich zum idyllischen Winkel W- X ? g - MM.; • ... •< * ■■ - -X XX jjras- - v-gX; fje* ■ Rundfunkprogramm Wirtschaft Tagesgeld wieder 3,25 v. H. Kirchliche Nachrichten Abendbörse weiter befestigt. igarn von 1914 9,50, 5 v. fr H. äußere 11, 4 o. H. Mexi- v. die für die für gegen d. H. Christenlehre: Kollekte. Montag, den 9. September. Klein-Linden. 20.30 Uhr: Bibelstunde männliche Jugend. Dienstag, den 10. September. Klein-Linden. 20.30 Uhr: Bibelstunde weibliche Jpgend. fest. IG. Farben 155,75 o. H. Geld. Es notierten: Altbesitz 110,75, Farbenbonds 126,50, 4,50 v. H. Ungarn von 1914 9,50, 5 v. H. Mexikaner 5,45, 5 kaner Gold 7,30, Adca 79,50, Braubank 125,50, anleihe um 0,25 v. fr schwächer. Dollarbonds durchweg um 0,50 v.H. erholt, zertifizierte öproz. Preußen 60 nach 59 bis 59,50 v. H. Im weiteren Verlaufe traten zumeist wettere Kurssteigerungen von 0,50 bis 0,75 v. H. ein, so gewannen nochmals Gesfürel 0,75, Scheideanstalt 1, Metallgesellschaft 0,75, AG. Verkehrswesen 0,50, Rheinstahl 0,65, Sinalco waren wieder höher gesucht. Bezugsrechte für AG. Verkehrswesen notier- Jugendfunk. 16: Kleines Konzert. 16.30: Gefiedert- freunde (I) Plaudereien von Gottfried Stern. 16.40. Bon U9 du UB116. Anläßlich d°r Ursendung Di- Letzten" um 20.10 Uhr. Von Hor t B-cker 17. Nach- mittogskonzert. 18.30: Jugendfunk 18^5: Da, Leben spricht! 19: Unterhaltungskonzert. 19.50: Der Tages spiegel des Reichssenders Frankfurt. 20: Nachrichten. 20.10: „Die Legten", Horfpiel von K Lerbs. 21.10 Unser Beethoven. Klaviermusik. 21.30 bis 21.55. Abendständchen. Chorlieder von ^o^onnes Brahms. 22: Nachrichten. 22.15: Nürnberg-Echo. 22.30: Unterhaltungskonzert. 23: Neue deutsche Musik. 24 bis 2. Nachtmusik. Amtsgericht Gießen. Der K. W. aus G. erhielt wegen groben Unfugs durch Strafbefehl 5 Mark Geldstrafe, evtl, einen Tag Haft. Der Angeklagte hatte sich am 3. Ium in der Plockstraße mit einem anderen Mann aus Gießen geschlagen. In der gestrigen Hauptverhano- lung beließ es das Gericht bei der im Strafbefehl erkannten Strafe. Der H. L. aus L. wurde am 10. April betroffen, als er mit seinen Kindern aus einem Privatwald einen Wagen Holz entwendete. Mittels Strafbefehls wurde er und seine beiden Kinder mit je 2 Mark G e l d st r a f e belegt. Auf den Einspruch des Angeklagten wurde lediglich er zu 2 Mark Geldstrafe verurteilt, da er für die Kinder in Anbetracht derer Strafunmündigkeit haftbar ist. In zwei weiteren Sachen erschienen die Angeklagten nicht. Ihr Einspruch wurde daher kosten- pflichtig verworfen. Der Frankfurter Srohmehmarkt Das Geschäft am Großviehmarkt war während der Woche durchweg lebhaft. Am Hauptmarkt war der Auftrieb in Großvieh gegen die Vorwoche um 175 Stück größer, besonders waren Färsen und Bullen in größerer Anzahl am Markte. An sich ist eine Abstufung innerhalb der einzelnen Klassen bemerkbar. Bei geringeren Tieren war der Auftrieb etwas abflauend. Die Qualitäten waren sonst mittel. Der Marktoerlauf war lebhaft, die Nachfrage wurde wiederum befriedigt. Auf dem Schweinemarkt waren die Umsätze lebhaft, wegen des geringen Auftriebes erfolgte wiederum Zuteilung. Bei Kälbern war der Auftrieb gegenüber der Vorwoche etwas zurückgegangen, bei guten Qualitäten wurden die Preise durchaus gehalten. Nur bei den etwas geringeren Qualitäten erfolgte ein ganz mäßiger Preisabschlag. Für Hammel und Schafe sand sich bei gutem Absatz nur ein mittelmäßiger Geschäftsgang, der vorhandene Bestand wurde ausoerkauft. Mein-Mainische Börse. Leicht befestigt. Frankfurt a. TL, 6. Sept. Die Börse zeigte eine festere Haltuna. Schon die wenigen Kundenkäufe verweisen auf eine Material-Knappheit, wodurch die Kurserholung, auch angesichts des immer noch sehr ruhigen Geschäftes, stärker gefördert war. Die festeren Auslandsbörsen regten etwas an. JG.- Farben um 0,65 v. H. fester, daneben Erdöl um l,50, Scheideanstalt um 0,50 v. H. gebessert. Arn Elektromarkte betrugen die Kurssteigerungen durchweg 0,25 v. H., Siemens gewannen 0,75, AEG. 0,40. Schiffahrtswerte auf Die bekannten süddeutschen Käufe aber bei fehlendem Angebote erholt und zwar Nordd. Lloyd um 1, Hapag um 0,65 v. H. höher. Braubank auf die Dividendenerhöhung um 1,50 v. H. fester, Reichsbank 1 v. H. leichter. Am Montanmarkt, besonders Buderus um 3 v. H. fester genannt, daneben Hoesch um 1, Stahlverein 0,40, Harpener 1, Mannesmann 0,50 v. H. höher. Recht ruhig lagen Zellstoff- und Kunstseidewerte, bei kaum veränderten Kursen. Maschinenaktien leicht gebessert, so Daimler und Moenus, Junghans wieder 0,50 v. H. höher. Sonst gewannen Holzmann 2, Deutscher Eisenhandel 1,75 v. H. und AG. Verkehrswesen 1,75 v. H. Renten blieben sehr ruhig und waren nicht fester, nur Altbesitz gut gehalten, Kommunal-Umschuldungs- gels war, wenn man sich die einfachen Gerate dazu denkt, in jenen Zeiten eine gar nicht geringe Leistung. Und ein Volk, daß seine Toten unter Aufwendung einer derartigen Arbeitsleistung bestattet, muß schon in einem hohen Kulturzustand gewesen sein. Diesen Eindruck gewinnen wir erst recht, wenn wir uns in dem Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins die aus der Bronzezeit und der Hallstattzeit stammenden Funde betrachten. Die „Lindener Mark" ist ein beachtenswertes Beispiel Dafür, in welchem Maße der deutsche Wald zu vielseitiger Betrachtung Anregung zu geben vermag An der Erhaltung aller Naturvorkommen mitzuwirken, die unsere Heimat so abwechslungsreich gestalten und in irgendeiner Beziehung für sie von Bedeutung sind, ist Aufgabe des Naturschutzes, dessen Grundlage das am 1. Oktober d. I. in Kraft tretende Reichsnaturschutzgesetz bildet. Commerzbank 91, DD.-Bank 91, Dresdner Bank 91, Reichsbank IM,50, Harpener 110,75, Mannesmann 89,25 bis 89,50, Hoesch 96,25, Rheinstahl 113,50, Stahlverein 84, AEG. 40,75, Bekula 143,75, Daimler 100, Deutsche Erdöl 110,13, Scheideanstalt 239 bis 240, Deutsche Linoleum 162, Licht & Kraft 134, IG. Farben 155,50 bis 155,75, Gesfürel 127,50, Goldschmidt 109,50, Holzmann 96,50, Junghans 85, Lahmeyer 134,50, Mainkraft 97,50, Metallgesellschaft 112, RWE. 131, Stempel 68,50, Schuckert 127,25, Südd. Zucker 203, Reichsbahn-VA. 123,90 Die Samstagsbörse in Frankfurt a. M. F r a n f f u r t a. TL, 6. Sept. (FWD.) Ab 7. September findet die Samstagsbörse wieder von 11.30 bis 13 Uhr statt. Erste Kurse um 11.30 Uhr, Einheitskurse zwischen 12 und 12.30 Uhr und Schlußkurse um 13 Uhr notiert. Frankfurter Eiermarkt. Frankfurt a. M., 6. Sept. Im Frankfurter Eiergroßhandel nahm das Geschäft auch in dieser Woche einen ruhigen Verlauf. Die Zufuhren waren ausreichend, die Preise unverändert. Es notierten: in Pf. pro Stück frei Frankfurt a. TL (Großhandelsoerkaufspreise an den Einzelhandel): Deutsche Markeneier S 12,25 bis A 11,50—11,75, B 10,75 bis 11, C 10,25 bis 10,50, D 9,50. Holländer S 12, A 11,50, B 10,75, Jugoslawen A 11, B 10,50, Bulgaren B 10,50. Deutsche Marken-Kühl- hauseier: S 10,75 bis 11,25, A 10,50 bis 10,75, B 10 bis 10,25, C 9,50 bis 9,75, D 9. Frankfurter Vuttermarkt. Frankfurt a TL, 6. Sept. Die teilweise etwas stärkeren Zufuhren am Buttermarkt erwiesen sich als ausreichend Die Marktlage war unverändert ruhig. Es notierten in Mark pro 5 Kilogramm frei Frankfurt a. M. (Großhandelsverkaufspreise an den Kleinhandel): Deutsche Markenbutter 144 bis 145, feine deutsche Molkereibutter 142 bis 143, deutsche Molkereibutter 140, Landbutter 125, Kochbutter 115 bis 120, Holländische Butter 144 bis 146. blechen, Arm- und Seinringe, feiner Ohrschmuck und Gürtel mit Bron^ebefatz. Die Männergräber enthalten Gefäße, meist einen kugeligen Topf und noch ein kleines Schälchen. Auch Spuren von Holz- gefäßen hat man feststellen können. Manchmal hat man auch Lanzen, Pfeilspitzen und Messer gefunden. Es waren des Toten Waffen und Jagdgeräte, die man ihm mit ins Grad gegeben hatte. Qm Laufe der Zeit haben sich die in der Lindener Mark vorhandenen Grabhügel naturgemäß verändert. Die abschließenden Steine sind unter einer Erddecke verborgen oder beseitigt worden. Im Großen und Ganzen treten aber die Gräber noch in auffallendem Maße aus ihrer Umgebung heraus. Sie besitzen einen kreisrunden Grundriß mit etwa 15 Meter und sogar 25 Meter Durchmesser und erheben sich bis zu 2 Meter über Die Oberfläche. Die Aufschichtung eines solchen Hü- Lvangelische Gemeinden. Sonntag, 8. September. 12. Sonntag nach Trinitatis. Gienen. Sladttirche. 8 Uhr: Psr. Surfer; 9.30: Propst Knodt; 11: Kinderkirche für die Matthausgemeinde; Propst Knodt. — Johanneskirche. 8: Psr. Bechtolsheimer; zugleich Christenlehre für Die Neu- fonfirmierten der Lukasgemeinde; 9.30: Psr. Ausfeld; Beichte und hl. Abendmahl für Lukas- und Jo- hannesqemeinde; 11: Kinderkirche für die Johannes- qemeinde- Pfr. Ausfeld; 20: Bibelbesprechung tm Johannes'saal; Pfr. Anthes. - Kapelle des Alten Friedhofs. 9.30: Pfr. Anthes; 10.45: Kinderkirche für. die Luthergemeinde; Pfr. Anthes. — Petrnskapelle. 9.30: Pfr. Surfer ; 10.45: Kinderkirche für die Pe- trusgemeinde; Pfr. Surfer. — Gemeindefaal, Liebig- straße 56. 14: Taubstummengottesdienst; Psr. Bechtolsheimer. — Wieserf. 9.30: Gottesdienst. — Alten- Duseck. 9.30: Gottesdienst; 10.30: Christenlehre. — Albach. 8.30: Gottesdienst. — Steinbach. 10: Gottesdienst zur Eröffnung der Konfirmandenstunde. — Rödgen. 10: Entlassung aus der Christenlehre und Eröffnung des Konfirmandenunterrichts; Kollekte für Jugendarbeit. — Annerod. 12.30: Entlassung aus der Christenlehre und Eröffnung des Konfirmanden- Unterrichts; Kollekte für Jugendarbeit. — Heuchelheim. 10: Hauptgottesdienst; 11: Kinderaottesdtenst (1. Abteilung); 13: Kindergottesdienst (2. Abteilung). — Kirchberg. 10: Gottesdienst; 11: Christenlehre für die männliche Jugend. — TUainzlar. 13.30: Gottesdienst. — Klein-Linden. 9: Gottesdienst mit Christen- lehre für die männliche Jugend, anschließend Kinder- gottesdienst. — Udenborn-Steinberg. 10: Gottesdienst. — Hausen. 10: Gottesdienst zur Eröffnung des Konfirmandenunterrichts. — Garbenteich. 13: Gottesdienst zur Eröffnung des Konfirmanden- Unterrichts. — Cid). 9.30: Stiftspfarrer Naumann, Gottesdienst zur Eröffnung des Konfirmandenunter- richts; Kollekte; Christenlehre für die weibliche Jugend; 12.45: Kindergottesdienst; 14: Pfr. Dörmer (Torfenberg); Kollekte. — Nieder-Dessingen. 13.30: Stiftspfarrer Naumann; Gottesdienst zur Eröffnung des Konfirmandenunterrichts; Kollekte. — Langsdorf. 10: Christenlehre; 11: Hauptgottesdienst. — Vellenhaufen. 13.30: Hauptgottesdienst; Kollekte für die Ev. Frauenhilfe. — TNünzenberg. 10.30: Gottesdienst; 11.30: Christenlehre. — Trais-Münzenberg. 8.30: Gottesdienst mit Christenlehre. — Hungen. 9.45: Gottesdienst; anschließend Christenlehre; 13.30: Gottesdienst zur Eröffnung des Konfirmandenunter- richts. — Langd. 10: Gottesdienst. — Kirtorf. 10: Kindergottesdienst; 20: Hauptgottesdienst. — Ober- Gleen. 9: Kindergottesdienst; 18.30: Hauptgottesdienst. — IBirberg. 10: Gottesdienst; Christenlehre; Kollekte. — Veilsberg. 12.15: Gottesdienst; Christenlehre; Kollekte. — Harbach. 13.45: Gottesdienst; Ruhiger Getreidegroßmarki. Fullermiltel gefragt. Am Getreidegroßmarkt blieben die Umsätze ziemlich ruhig. Größere Abschlüsse in Brot- getreide per September kamen nicht zustande. Vor allem trifft dies für Weizen zu. Der Handel in Kontingentsware brachte einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage. In freier, nichtkontinaen- tierter Ware von Weizen und Roggen blieb erhebliches Angebot vorhanden, das infolge nicht ausreichender Nachfrage nicht ganz unterzubringen war. Man will durchweg erst die neuen Festpreise für Weizenmehl abwarten, so daß am Mehlmarkt außer dem geringen>Bedarfsgeschäft nicht viel Umsätze getätigt wurden. Futteraetreide lag wieder ruhig, da entsprechendes passendes Angebot fehlte. Jndustriegerste wurde kaum gehandelt. Recht fest blieben Futtermittel aller Art, da hier nur wenig Angebot an den Markt kam. Gefucht waren ölhaltige Futtermittel. Ob die Erwartungen zutresfen, daß noch im laufenden Monat Zuteilungen durch die RsG. vorgenommen werden, bleibt abzuwarten. Bedarf bestand für eiweißhaltige Futtermittel, ebenso bestand Interesse für hochwertige Milchleistungs-Mischfuttermittel. Die 23er- forgungslage in ölhaltigen Futtermitteln ist für das Jahr 1935/36 als gesichert an^usehen. Auf dem Rauhfuttermarkt hat sich das Angebot in Wiesenheu verstärkt, doch waren die Umsätze nicht sehr groß. Stroh war wieder reichlich vorhanden. Donnerstag, den 12. September. Klein-Linden. 20.30 Uhr: Vorbereitung für den Kindergottesdienst. Evangelische Sladtmifsion (Löberslraße 14). Sonntag, den 8. September. 8.30 Uhr: Morgenandacht: 20.30: Evangelisationvortrag. Mittwoch, Den 11. September. 20.30 Uhr: BibelstunDe. Vaplistengemeiude (Gartenstrahe 13). Sonntag, Den 8. September. 11 Uhr: KinDergottesDienst; 20.30: Prediger Lotz. Donnerstag, den 12. September. 20.30 Uhr: Bibelstunde; Prediger Falk. Reuapoftolische Gemeinden. (händelstraße 1 — Lderflraße 13.) Sonntag, den 8. September. 9.30 Uhr: Gottesdienst; 16: Gottesdienst. Mittwoch, den 11. September. 20.30 Uhr: Gottesdienst. Christliche Gemeinde (Zu den Mühlen 2). Sonntag, den 8. September. 10 Uhr: Erbauungsstunde; 20.30: Evangelisation Dienstag, Den 10. September. 20.30 Uhr: Bibel- und Gebetsstunde, katholische Gemeinden. Samstag, den 7. September. Gießen. 16.30 und 19 Uhr: Beichte. Sonntag, 8. September. 13. Sonntag nach Pfingsten. Mariae Geburt. Gießen. 6.30 Uhr: Beichte; 7: Kommunion der Jungfrauen und Hausangestellten; 8: Kommunion; 9: Hochamt mit Predigt; 11: Messe mit Predigt; 14.30: Andacht mit Segen; 15: Jungfrauen-Kongre- aation. — Grünberg. 9.45: Hochamt mit Predigt. — yungen. 9.30: Hochamt mit Predigt und Christenlehre. — Lich. 7.30: Hochamt mit Predigt; 20: An- dacht. — Lollar. 9.30: Messe mit Predigt. — Nidda. 8.15: Hochamt mit Predigt. Montag, den 9. September. Laubach. 7.30 Uhr: Messe. Mittwoch, den 11. September. Hungen. 6.15 Uhr: Messe. veffenklicher Sonntagsdienst. Polizei: Telefon 2751, nur in dringenden Notfällen Telefon 01. Feuerwache: Telefon 2244/45, Notruf Telefon 02. Hauptpostamt: Beschränkter Schalterdienst 8 bis 21 Uhr. Stadtpostamt: Für Schließfachabholer 1 bis 13 Uhr. Sanitätskolonne: Telefon 2500. Aerzte : Frl. Dr. Gürtler, Dr. Schäffer. Apotheke: Hirschapotheke. Zahnarzt: Dr. Adam. ten 2,90 o. H. Der Rentenmarkt unverändert ruhig, Pfandbriefe unverändert, Frankfurter Liquidation 0,13 v. H. schwächer. Stadtanleihen ohne Veränderung. Die Börse schloß ruhig und gut behauptet. Sonntag, 8. September: 6 Uhr: Hafenkonzert. 8.05: Gymnastik. 8.45: Choralblasen. 9: Evangelische Morgenfeier. 9.45: Bekenntnisse zur Zeit: Aus den Schriften Houston Stewart Chamberlains (i). Anläßlich feines 80. Geburtstages. 10: Deutsche Morgenfeier der HI. 10.30: Chorgesang. 11.10: Dichter im Dritten Reich: Ludwig Friedrich Barthel liest seine Knegs- erzäylung „Der Feind als Retter". 1U30: Teichs ienDung: Kantate von Johann Sebastian Joad) „Lobe den Herrn, meine Seele. 12: Musik am Mittag. 14: Kinderfunk. Kasperles Abenteuer m Indien. 14.45: Das Volk erzählt. 15: Stunde des Landes. 16: Nachmittagskonzert. Als Einlage: Funkberichte vom Start und den Schlußrunden um den „Großen Preis von Italien" in Monza. 18: Jugendfunk. 18.30: Der Derkhemer Worschtmarkt. 18.50: „Wir schalten um — Sie hören..." Dialekt-Rlng- sendung. 19.50: Sportbericht. 20: „Prezwsa Ein Hörspiel nach dem Schauspiel von Pius Alexmider Wolff, Musik von C. TL v. Weber. 22: Nachrichten. 22.15: Nürnberg-Echo. 22.30: Sportspiel des Sonntags. 23: Wir bitten zum Tanz. z4—z: Nachtkonzert. IHonfag, 9. September. 6 Uhr: Choral. Morgenspruch. Gymnastik. 6.30: Frühkonzert. 8.10: Gymnastik. 9: Musik am Morgen. 10.15: Schulfunk. Kinderliedsingen. 11.45: Bauernfunk. 12: Chorkonzert. 12.30: Mittagskonzert. 13: Nachrichten. Anschließend: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 13.15: Mittagskonzert. 14.10: Tutten im Werktag. Sozial- und Wirtschaftsdienst in bunter Folge. 15: Nachrichten. 15.15: Kinderfunk. 15.30: Die Abendbörse war etwas lebhafter und den Berliner Schluß allgemein 0,50 bis 1 freundlicher. Das wiederum recht erfreuliche Tagesergebnis der Anleihebezeichnung regte auch am Aktienmarkt an. AEG. lagen um 0,65, IG. Farben um 0,65, Gesfürel um 1, Schurfert um 0,50, Lahmeyer um 1,50 v. H. fester, letztere hatten einen Tagesgewinn von 3 v. H. Auch Waldhof 1,25, Daimler 0,50 v. H. höher. Am Rentenmarkt bestand Interesse für Dollarbonds, bei anziehenden Kursen Altbesitz 0,13 d. H. fester, Kommunal-Umschuldung gut gehalten. Der Verlauf blieb freundlich, Scheideanstalt lagen 3 v. H. über Mittag, IG. Farben nochmals 0,25 v. H. fester. Auf höhere Auslandskurse waren Mexikaner etwas höher, besonders 5 v. H. Silbermexikaner, auch Warschau-Wiener 0,75 v. H. höher. Renten blieben unverändert. Die Abendbörse schloß Kurszettel der Berliner und Frankfurter Börse. Die hinter Den Papieren angeführten Ziffern geben die Hohe Der zuletzt beschlossenen Dividende an. — Relchsbankdiskont 4 o H.. Lombordzinsfuß 5 o fr Frankfurt O.JJI. Berlin Frankfurt a. M Äerlln Frankfurt a. M. | Berlin Schluß- kurS Schluß!. Abend« börsc Schlußkurs Schluß!. Mittag- börse Schluß- kurS Schlug Abend« börsc Schluv- lurS Schlußk- Mittag« börse Schluß- furd Schluß!, Abend« börse Schluß- kurö Swlußk. Mittag- börse Datum 5.9 6 9- | 5 9. 6.9 Datum 5.9. 6.9. 5.9- 6 9. •■Datum 5 9. | 6.9 5-9- 69- 6% Deutsche Reichsanleihe v. 1927 4% Deutsche Reichsanl. von 1984 101 101 97,35 101,13 97,65 101,13 97,6 4% DMgi. Serie II 11,5 5,4 11,5 5,25 12 — Mansselder Bergbau........ . 8 115,5 118 116 118,25 97,35 6% Rumän. vereinh. Rente v. 1903 116 119 6Vi% Doung.'Anleihe von 1930 . 102,25 102 102,13 — 4H%Rumän.oereinh.Reniev.l913 — — 7,8 8,15 Phönix Bergbau............ . O —- — — — Deutsche Anl.«AblöI.«Schuld mit 4% Rumänische vereinh. Rente .. 4,65 4,75 4,65 4,75 Rheinische Braunkohlen ..... 12 212,5 212,5 215,25 212,5 SluSloi »Rechten ...... 110,75 110,75 110,65 110,65 2 %% Anatolier........... 40,75 41 41,5 Rheinstahl ................ L'/r 111,5 113,5 111,25 113 4*/,% Deutsche ReichSpostschatzan» Bereinigte Stahlwerke....... . O 82,4 84 82,4 83,4 100,13 97,5 96,75 100 97,25 96,75 100,2 100,2 96,75 Hamdurg-Amerika-Paket 0 vamburg'Südam. Dampfschiff O Norddeutscher Lloyd ........ 0 A.G. für Verkehrswesen Akt. .. 0 15,9 17,25 81.25 16,75 16,25 26,13 17,5 81 £taoi 'Tiinen .............. . O 18,5 18,5 19 6% ehern.8% Hess. fBoIWftaat 1929 (rürfgaf)lt> 102%) 17 26,5 18,75 84 Kaliwerke Aschersleben....... Kaliwerke Westeregeln....... . 5 . 5 134,65 127 134,65 127 134 127 134,5 127,5 4Vt% ehern. Hessische Landesbank 84 Kaliwerke Salzdetfurth..... 184 184,25 184,25 Berliner Handelsgesellschaft ... 5 114,75 114,75 115 115 6V,% ehem. Hess. LandeS.Hypo» 155,75 153,9 154,9 100,5 100.5 Commerz, und Privat-Bank ... 0 91 91 91 90,75 I. ®. Farben-Industrie..... . T 154,13 ihekenbank Darmstadt Lioui ... Deutsche Bank und Disconto- Scheideanstalt............. . 9 235,5 240 — — 4%% ehern. 8% Darms!. Komm. 92,9 92,65 Gesellschaft................O 91 91 91 91 Goldschmidt .............. . O 107,5 109,5 108,5 110 LandeSb.Goldschuldverschr. R.6 • Dresdner Bank..............O 91 91 91 91 Rüigerswerke ............. . 4 114,5 115,5 115,5 117 Oberhessen Provinz-Anleihe mit 128,5 114,75 128,5 114,5 Reichsbank ...... 12 182 182,5 182,25 131,4 MetaUgeiellschaft........... . 4 11025 112 110 1 111,75 Deutsche Komm. Sammelabl. Cbv leihe Serie 1 mit AuSlos.-Rechten 4V*% ehe m.8% Franks. Hyp.-Bank 114,75 114,5 39,5 143,65 40,75 143.75 39,4 143,75 40,4 143,9 Phlltvv Holz mann ......... . O 94 96,5 94,25 97 Bekula.................... io Zementwerk Heidelberg .... Cementwerk Karlstadt....... .. 6 119 119,75 Goldpse. 15 unkündbar bis 1985 96,75 96,75 d — Elektr. LieferungSgefeNschaft ... 5 112 113 112,5 113,5 6y,% ehern. 4%% Franks. Hhv.« Licht und Kraft.......6% 132,75 134 133,25 133,5 108,13 109,5 100,5 100.4 — Folien & Guilleaume........0 106 125 106 127,5 106 106,5 Schultheis Patzenhoser . .. >21 tu (Allgemeine Kunstseide) . 4 — — 5yt% ehern. 4ft% Rheinische Äesellsch.s.Elekrt.Unternehmung. 5 125 126,5 .. O 58,25 58,75 58,65 59,25 HyV.-Bank-Liqu.-Goldpse..... 4%% ehem. 8% Pr. LandeSpsand» briefanflalt, Pfandbriefe R. 19 100,5 100,65 100.9 100,75 Rheinische Elektrizität ........ 5 Rhein. Wests. Elcklr.......... « 139 129,25 _ .. c 113 113 114 129,25 131 130,4 Zellstoff Waldhof .......... .. 0 115 115 114,5 114,25 97 97 97 97 Schuckert L Co............... 4 125 127,25 125,4 126,65 Zellstoff Aschaffenburg ..... .. 0 92,5 82,25 82,75 82,25 <%% ehern. 7% Pr. LandeSpfand- Siemens L Halske............ 7 174,25 176 174 178,5 Dessauer GaS ............. .. 7 — — 129,5 130,5 öriefanst., Gold Komm. Cbl.VI Steuergutsch.Berrechnungsk. 85-89 97 107,4 97 107,4 97 107,4 97 107,4 Lahmeyer S Co............. 7 131,5 134.5 131,25 133,75 Daimler Motoren ....... .. ( 99,13 161,75 100 98,75 99,5 Deutsche Linoleum......... .. 6 162 161,75 162 101 108,75 103 110,13 100,5 108,65 104 109,75 Lrenktein L Koppel ........ .. 0 — 86 86 4% Oeslerrelchische Goldrente.... 4,20% Oesterreichische Silberrente 29 29 29,5 29,13 Deutsche ffrbN .............. Westdeutsche Kaufhof....... .. 0 .. 0 . 12 28,25 280 — 154,25 28,5 284 154,25 28 281 175,25 153,5 28,75 283 175 154,25 9,45 9,4 9,45 1,4 9,4 1,45 9,5 Gelsenkirchener.............. Harpener................... — 109,5 110,75 109,5 110 Chade.................... Accumulatoren-Fabrik...... Conti-Gummi ............ 4% Ungarische Staatsrente v. 1910 9,4 9,45 9,4 9,3 Hoesch Eisen—Köln-Neuessen .. 94 96,25 94 95,75 4y,% desgl. von 1913.......... 9,4 11,13 9,4 Ilse Bergbau ............... — —• 157 — I 33,75 6% abßeft Goldmexikaner von 99 11 11,25 11,2 Ilse Bergbau Genüsse........ 127,5 128 127 128,75 Griyner.................. .. 0 I 34,25 1 34 1 34 4% Türkische Bagdadbahn «Anleihe Klockuerwerke ........ IV 11 93 1 93,5 92,25 93,25 Mainkraftwerke Höchst a.fDL. .. 4 96,75 | 97,5 —— Serie l..................... — — — — Marmesmann-Röhre» ........ >1 88 1 89,5 87,9 1 88,9 fcäbbeutitäex . - 1 U W2-5 1 W 1 2A24 1 Devisenmarkt Berlin — Frankfurt a M. 5 September 6. September Amtliche Dotierung Gold 1 »rief Amtliche Dotierung Geld | Aries Buenos Hrte. 0,668 0,672 0,668 0,672 Brüssel..... 41,80 41,88 41,80 41,88 Rio be Ian. 0,139 0,141 0,139 0,141 Sofia ...... 3,047 3,053 3,047 3,053 Kopenhagen. 54,93 55,03 54,82 54,92 Danzig..... 46,88 46,98 46,85 46,95 London ..... 12,30 12,33 12,275 12,305 Helltngsor«.. 5,42 5,43 5,41 5,42 Paris ...... 16,395 16,435 16,385 16,425 Holland. .... 168,18 168,52 168,03 168,37 .Italien..... 20,36 20,40 20.36 20,40 3aoan ...... 0,724 0,726 0,722 0,724 Jugoslawien 5,684 5,696 5,684 5,696 C6I0..... : 61,77 61,89 61,65 61,77 Wien....... 48,95 49,05 48,95 49,05 Lissabon .... 11,15 11,17 11,13 11,15 Stockholm... 63,42 63,54 63,30 63,42 Schweiz .... 80,92 81,08 80,87 81,13 Spanien.... 33,99 34,05 33,97 34,03 Prag....... 10,275 10,295 10,27 10,29 Budapek ... Reupork ... 2,488 2,492 2,488 2,492 Bantnoten. Berlin,6 September Geld ■" Brief Amerikanische Rot«.............. Belgische Roten.................. Dänische Noten ......... . Englische Noten ................. Französische Noten............... Holländische Noten............... Italienische Noten................ Norwegische Noten .............. Deutsch Oesterreich, * 1OO EchMllg Rumanische Noten............... Schwedische Noten............... 2,44 41,72 54,61 12,24 16,335 167,61 19,46 61,44 63,08 80,64 33,61 2,46 41,88 54,83 12,28 16,395 168,29 19,54 61,61 63,34 80,96 33,75 Schweizer Noten................. Spanische Noten................. Uw#* Btort................ Aus der Wett des Ulms. Ausblick auf den neuen Film. Don Johannes Jacobi. Das neue Spieljahr des deutschen Films hat be° gönnen, die Pläne sind bekanntgegeben. Das kommende Spieljahr ist jedoch nicht nur die soundsovielte Saison einer geschäftlich interessierten Industrie, sondern es umschließt das dritte Jahr der nationalsozialistischen Führung des Films. Deshalb müssen an die Arbeit der Hersteller Maßstäbe gelegt werden, die neben der Rentabilitätsrechnung und dem Unterhaltungsbedürfnis des Volkes vor allem das kulturpolitische und künstlerische Derantwor« tungsbewußtsein bewerten. Nach dem ersten Jahr des nationalsozialistischen Films, das im wesentlichen dem organisatorischen Neubau des ganzen Fachgebiets gewidmet war, hat der deutsche Film in der vergangenen Spielzeit, trotzdem wiederholt deutliche Mahnungen von verantwortlicher Regierungssette ausgesprochen werden mußten, einen anerkennenswerten Aufstieg zu verzeichnen gehabt. Mag es sich auch in vielen Produktionsstätten noch nicht herumgesprochen haben, welche erzieherischen und kulturellen Aufgaben dem Film heute gestellt sind, eine Reihe von Spitzenleistungen und ein merklich erhöhtes Durchschnittsniveau des deutschen Spielfilms ist das unverkennbare Ergebnis des zweiten Jahres national» ozialistifcher Filmführung. Wie sich in Deutschland chon bald nach der staatlichen Initiative zur Grün- )ung der Filmkreditbank und ähnlicher Hilfseinrichtungen herausstellte, daß das jahrzehntelang verbreitete Gerede von dem „dummen Film", der allein Massenerfolge bringen könne, haltlos war, so errang sich der deutsche Film gerade in seinen künstlerisch betonten Spitzenleistungen auch im Auslande eine Wertschätzung, die als Werbung für das deutsche Ansehen, insbesondere für die.Ehrlichkeit und Sachverständigkeit des Nationalsozialismus in kulturellen Angelegenheiten nicht hoch genug veranschlagt werden kann. In Amerika hält Deutschland mit mehr als 50 v. H. die Spitze aller vom Auslande eingeführten, also nichtamerikanischen Filme; in Schweden und in der Tschechoslowakei hat sich der deutsche Film gegen offizielle Boykottbestrebungen allein durch seine Qualität siegreich durchgesetzt, selbst in Paris führt man wieder eine größere Zahl deutscher Filme auf; und erst in diesen Tagen ist den zum internationalen Filmwettbewerb nach Venedig („Biennale") gesandten deutschen Filmen ein Erfolg vor Zuschauern aus allen Ländern beschieden gewesen, der durch keinen Versager getrübt wurde und in feiner Einheitlichkeit einzigartig dasteht. Auf den Spuren dieser Vorstöße muß der deutsche Film in seiner Gesamtheit während des dritten Jahres weiterschreiten. Noch immer gibt es Tausende von Problemen zu losen, und die Einsichten und Erfolge vereinzelter Spitzenleistungen Snb für die ganze Produktion fruchtbar zu machen. eberblickt man die neuen Ankündigungen der Filmgesellschaften, dann darf man feftftellen, daß der Unternehmungsgeist erfreulich gewachsen ist. Wir werden im ganzen etwa 14 0 Filme zu erwarten haben. Das bedeutet eine zahlenmäßige Vermehrung gegenüber der kritischen Zeit des Stillstandes. Das normale Produktionspen- fum des einheimischen Films darf bei etwa 150 Filmen im Jahr gesucht werden. Aber auch in künstlerischer Hinsicht ist Tatenlust zu verspüren. Das zeigt sich schon in der Wahl der Stoffe. Mehr als bisher greift die Industrie zu bewährten Dichtungen der Literatur und Musik, um den Filmen schon vom Drehbuch her eine solide Grundlage zu geben. Die Folge wird eine weitere Zurück- orängung der Stars sein, die früher fast allein das Feld beherrschten, nach deren Launen und Eitelkeit die Drehbuchverfasser zu tanzen hatten. Es muß hervorgehoben werden, daß die größte deutsche Filmgesellschaft, die Ufa, keinen Schauspieler in mehr als zwei tragenden Rollen beschäftigt und auch die Regisseure nicht mit Serienherstellung erfolgreicher Filmtypen belasten wird. Beide Künstlergruppen sollen Muße haben, um ihre Aufgaben von innen her zu erfassen und durchzuge- stalten. __________________________________________ KriminellesThema-neu gesehen Don Alexander Lernet-Holenia Earl Froelich verfilmte den Roman „I ch war Jack Mortimer" für die Tobis-